Bergwelten | Ausgabe 57 | 2024
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<strong>Ausgabe</strong> <strong>57</strong> | Herbst <strong>2024</strong><br />
Menschen & Geschichten in Garmisch-Partenkirchen<br />
LEBEN<br />
IM TAKT<br />
Das Spielen in einer Musikkapelle<br />
bedeutet Hingabe<br />
GOLDENE TAGE<br />
IM LANDKREIS<br />
In der Bergwelt leuchtet der<br />
Herbst besonders beeindruckend<br />
Mit dem<br />
Magazin der<br />
Zugspitz Region<br />
Impressum
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2 <strong>Bergwelten</strong> Herbst <strong>2024</strong>
EDITORIAL<br />
Liebe Leserinnen, liebe Leser,<br />
Trendsetterei funktioniert. Da sagt eine Maschinerie aus<br />
Marketing und Promi-Influencertum, was gerade hip ist –<br />
und die Trendjäger machen’s mit. Kaufen die Hype-Schuhe,<br />
die In-Brille, betreiben die angesagte Sportart. Kleidung, die<br />
in ein paar Monaten schon nicht mehr gefällt, Bewegung, die<br />
im nächsten Jahr schon nicht mehr interessiert. Die Dos und<br />
Don'ts der Mode und Freizeit rauschen nur so an einem vorbei.<br />
STADT LAND GWAND<br />
ZEITLOSE<br />
TRADITIONEN<br />
Doch in dieser rasenden Welt gibt es eine Insel.<br />
Das Brauchtum. Und Menschen, die es leben.<br />
Wie die Mitglieder der Musikkapellen.<br />
Sie verkörpern Traditionen und zeigen zugleich, dass diese<br />
keineswegs Stillstand bedeuten müssen. Traditionen können<br />
sich entwickeln, daraus kann Neues entstehen, ohne dass die<br />
Wurzeln verloren gehen. Genau das macht viele Musik- und<br />
Blaskapellen im Landkreis aus. Sobald sie in Bierzelten oder<br />
auf Dorffesten auftreten, feiern sie Alt und Jung, Einheimische<br />
und Gäste. Musikkapellen – welch wunderbarer Dauertrend.<br />
Ihm widmen wir in dieser <strong>Ausgabe</strong> unser Spezial und<br />
trafen dafür Menschen, die ihr Leben nach ihrer Musik-<br />
Leidenschaft richten. Auftritte und Proben bestimmen das<br />
Jahr. Sie erleben Momente, die berühren. Und schenken<br />
genau solche. Das darf niemals aus der Mode kommen.<br />
Foto Editorial: privat | Foto Titel: Die Partenkirchner Musikkapelle bei La Festa Italiana, fotografiert von Christian Scharpf.<br />
Besondere Augenblicke wollen auch wir mit unseren<br />
<strong>Bergwelten</strong> schenken. <strong>Ausgabe</strong> für <strong>Ausgabe</strong>. Und sei es<br />
nur, weil wir Sie auf eine kleine Reise schicken. Eine Reise<br />
im Kopf, eine kleine Auszeit beim Durchblättern. Dieses<br />
Mal finden Sie dabei nicht nur wunderschöne Bilder einer<br />
wunderschönen Jahreszeit aus einer Region, in der sich<br />
der Herbst auf ganz besondere Weise präsentiert.<br />
In diesen Bildern steckt auch ein Appell. Gehen Sie raus,<br />
lauschen Sie dem Rascheln unter den Füßen. Betrachten<br />
Sie bewusst die vielen Farben, die Kontraste aus dem<br />
Bunt der Blätter und dem Grau der Felsen. Freuen Sie<br />
sich auf das, was kommt. Und finden Sie Ihre Insel.<br />
Über Lob, Kritik und Anregungen<br />
freuen wir uns.<br />
Schreiben Sie uns per E-Mail<br />
an bergwelten@merkur.de.<br />
Ihre<br />
Katharina<br />
Bromberger<br />
Blockflöte haben fast alle Musikanten<br />
in ihrer Kindheit gespielt, Redakteurin<br />
Katharina Bromberger auch. Doch ihre<br />
Musikkarriere war damit beendet.<br />
@bergwelten_gap<br />
@bergweltengap<br />
thebrettz.com/bergwelten<br />
Am Kurpark 8<br />
82467 Garmisch-Partenkirchen<br />
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INHALT<br />
FOTOSTRECKE<br />
Das Fest der Farben: Eine Hommage auf den Herbst<br />
und auf den Landkreis – wo sich diese Jahreszeit<br />
besonders beeindruckend zeigt. .....................................................................6<br />
BERGWELTEN-SPEZIAL<br />
Leben im Takt .......................................................................................................16<br />
Ein Kalender für drei Generationen: Martin Maier, seine zwei<br />
Töchter, sein Schwiegersohn und sein Enkel richten ihr Leben<br />
nach den Auftritten der Blaskapelle Bad Bayersoien. ......................18<br />
Defiliermarsch zum Start, Major Tom zum Prosit: Zur Garmischer<br />
Festwoche nehmen sich die meisten Musikanten Urlaub,<br />
auch Oliver Höhn – er spielt seit 45 Jahren mit. .................................22<br />
Große Auftritte als „Combined Band“: Nicht nur einzeln,<br />
auch gemeinsam sorgen die Garmischer und<br />
Partenkirchner Musikanten für besondere Erlebnisse. .................26<br />
Eine Frau und viele Gentlemen: Gabi Braun war mit<br />
einer Freundin die erste Frau bei der Musikkapelle<br />
Partenkirchen – zwischenzeitlich war sie die einzige. ....................28<br />
Männermusik: Sowohl die Wallgauer als auch die<br />
Mittenwalder Musikkapelle spielen frauenlos –<br />
doch es gibt einen entscheidenden Unterschied. ..............................30<br />
BUCHGESCHICHTEN<br />
Ein Bürgermeister mit viel Fantasie:<br />
Jörg Steinleitner schreibt über Abenteuer und<br />
für Kinder, über seine Erlebnisse als Rathauschef<br />
von Riegsee gibt es noch kein Buch. ........................................................38<br />
PORTRÄT<br />
Der Geheimnisjäger:<br />
Manuel Brückl ist Kopf eines professionellen<br />
Schatzsucher-Teams. Ihr Ziel: die Wahrheit finden. ........................44<br />
RUBRIKEN<br />
Host mi? Bayerische Begriffserklärung ..................................................33<br />
Die Natur und ihre Schätze: Wenn die Blätter Tango tanzen .......34<br />
Rezepttipp: An Guadn wünscht<br />
der Kleine Kartoffelsack in Mittenwald .................................................36<br />
Sauber bleim: Unser Appell zum Wohle der Natur ..........................42<br />
Buchtipps .............................................................................................................49<br />
Impressum ...........................................................................................................50
Genuss zwischen Berg und Tal...<br />
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FOTOSTRECKE<br />
DAS FEST<br />
DER FARBEN<br />
Keine Jahreszeit steckt so voller Kontraste wie der<br />
Herbst, nirgends lassen sie sich so bewundern wie in<br />
einer Bergwelt mit ihren vielfältigen Landschaften.<br />
Das Immergrau der Felsen, das Weiß, das auf den<br />
Gipfeln schon den Winter ankündigt. Das Gelb, Rot,<br />
Orange und Gold der Blätter in allen Nuancen, das Bunt,<br />
das sich in den Seen spiegelt. Diese Fotostrecke ist eine<br />
Hommage auf den Landkreis. Und auf seinen Herbst.<br />
Foto: Andreas Müller<br />
6 <strong>Bergwelten</strong> Herbst <strong>2024</strong>
Welch ein Farbenspiel: ein<br />
perfekter Herbstmoment<br />
im Krüner Ortsteil Gerold.<br />
<strong>Bergwelten</strong> Herbst <strong>2024</strong> 7
Doppelt bunt: der Herbst<br />
am Riessersee, wo sich in<br />
den Bergen schon die ersten<br />
Winterspuren zeigen.<br />
Foto: Imago/Pond5 Images<br />
8 <strong>Bergwelten</strong> Herbst <strong>2024</strong>
<strong>Bergwelten</strong> Herbst <strong>2024</strong> 9
Der Herbst ist im Anmarsch in Wamberg. Langsam<br />
verschwindet das Grün, und das Bunt übernimmt.<br />
Foto: Panthermedia/AndrewMayovskyy<br />
Foto: Anton Brey<br />
Kein Wunder, dass dieser<br />
See mit seinen Inseln so viele<br />
Menschen anziehet: Idylle<br />
pur verkörpert der Eibsee.<br />
10 <strong>Bergwelten</strong> Herbst <strong>2024</strong>
Felder, Stadel, Wälder und Berge: die Werdenfelser Landschaft im besten Herbstlicht.<br />
Augenoptik Waurick!<br />
Foto: Imago/Pond5 Images<br />
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<strong>Bergwelten</strong> Herbst <strong>2024</strong> 11
Foto: Andreas Müller<br />
Kontraste: die karge Zugspitze<br />
vor dem herbstlichen Wald.<br />
Und dazwischen lurt die<br />
Burgruine Werdenfels hervor.<br />
12 <strong>Bergwelten</strong> Herbst <strong>2024</strong>
Jedes Blatt, jedes Schilfrohr,<br />
jeder Ort herbstelt anders –<br />
wie faszinierend sich das am<br />
Geroldsee beobachten lässt.<br />
Foto: Panthermedia/Andrew Mayovskyy<br />
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<strong>Bergwelten</strong> Herbst <strong>2024</strong> 13
Welch wunderbares Trio:<br />
links die Alpspitze, rechts die<br />
Waxensteine, in der Mitte die<br />
gesamte Farbpalette des Herbstes.<br />
Herbst-Idylle bei Wamberg: ein Anblick,<br />
der sofort zu einem Spaziergang einlädt.<br />
Der goldene Herbst wird zum bronzefarbenen – und ist mindestens<br />
genauso schön: abschalten und genießen am Soier See.<br />
Foto: Andreas Müller Foto links: Anton Brey | Foto rechts: Imago/imagebroker<br />
14 <strong>Bergwelten</strong> Herbst <strong>2024</strong>
Herbstlicher Ausblick auf<br />
Partenkirchen: Unter den Füßen<br />
raschelt's, die verfärbten Blätter<br />
leuchten, in der Ferne wartet der<br />
Winter – ein Fest für die Sinne.<br />
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<strong>Bergwelten</strong> Herbst <strong>2024</strong> 15
SPEZIAL<br />
Ein Leben<br />
im Takt<br />
22 Gemeinden gibt es im Landkreis Garmisch-Partenkirchen.<br />
Und noch mehr Blaskapellen. Sie gehören zum Leben in den<br />
Dörfern. Zu Brauchtum und Geselligkeit. Dabei zu sein, bedeutet<br />
mehr als ein Instrument zu spielen. Es bedeutet Hingabe. Wir<br />
haben ein paar dieser Musikanten getroffen, die ihr Jahr nach<br />
Auftritten und Proben richten. Solche wie Martini Maier aus Bad<br />
Bayersoien. Er sagt: „Wennst einmal dabei bist, bist wie gefesselt.“<br />
16 <strong>Bergwelten</strong> Herbst <strong>2024</strong>
<strong>Bergwelten</strong> Herbst <strong>2024</strong> 17
Ein Kalender für<br />
drei Generationen<br />
Ein Instrument hat Martin Maier nicht beherrscht. Trotzdem fing<br />
er bei der Blaskapelle Bad Bayersoien an. 64 Jahre später spielt er<br />
immer noch mit, zudem seine beiden Töchter, sein Schwiegersohn<br />
und Enkel Lukas. Für sie ist die Musik so viel mehr als ein Hobby.<br />
Text: Magdalena Kratzer · Fotos: Thomas Sehr<br />
Eine Familie, eine Leidenschaft: (v.l.) Martin Martini Maier, Andrea und Leonhard Niedermeyr, Sonja Maier-Stückl und Lukas Niedermeyr.<br />
18 <strong>Bergwelten</strong> Herbst <strong>2024</strong>
Der Prozessionsmarsch geht weiter. Gott sei Dank ein<br />
langsames Stück. Etwas Schnelleres könnten die beiden<br />
Brüder gar nicht spielen. Bis vor Kurzem brachten<br />
sie noch keinen geraden Ton aus ihren Instrumenten. Doch<br />
als die zwei an der Kirche in Bad Bayersoien standen und den<br />
Musikanten zuhörten, haben die Burschen ein paar von ihnen<br />
angesprochen. Ob sie mitmachen wollen. „Da haben wir<br />
einfach Ja gesagt“, erzählt Martin „Martini“ Maier. Ein paar<br />
Monate später mühten sie sich tapfer durch den Marsch.<br />
Damals wusste der Bub nicht, dass die Blaskapelle einmal sein<br />
Leben bestimmen wird. Seit 64 Jahren ist Martin Maier Mitglied.<br />
„Wennst einmal dabei bist, bist wie gefesselt.“ Selbst sein Lächeln<br />
spielt eine Melodie. Den geschwungenen Schnauzer ziehts<br />
nach oben, die Grübchen fallen tief. Die braunen Augen blicken<br />
freundlich und zufrieden. Augen, die nicht altern. „Du kannst<br />
nimmer aufhören.“ Seine Familie weiß genau, was er meint.<br />
lernten sie Blockflöte, traten bei Seniorennachmittagen auf<br />
und sangen dazu. An Weihnachten spielten sie im Schillingshof<br />
in Bad Kohlgrub. Herumgefahren hat sie der Vater,<br />
der früher im Oberammergauer Bauamt arbeitete.<br />
„Irgendwie war es schon immer klar, dass wir auch zur Blaskapelle<br />
gehen“, sagt Sonja Maier-Stückl. Dafür durften sich die Kinder ein<br />
anderes Instrument aussuchen als die Flöte. Ihr Bruder Franz lernte<br />
Schlagzeug. Mitglied bei der Kapelle wurde er nie. Dafür hätte<br />
er sich seine damals langen Haare abschneiden müssen. Die zwei<br />
Mädchen hingegen übten so lang, bis sie das bronzene Abzeichen<br />
schafften, das der Musikbund Ober- und Niederbayern verleiht.<br />
Erst dann durften sie der Blaskapelle beitreten. Andrea Niedermeyrs<br />
Sohn Lukas (16) legte seine Prüfung in der Corona-Zeit<br />
online vor der Jury ab. Mittlerweile hat der Jugendliche, dessen<br />
Talent die Lehrer oft gelobt haben, zudem das Abzeichen in Silber.<br />
Kein freies Wochenende in sechs Monaten<br />
Seine jüngste Tochter Andrea Niedermeyr (49) deutet auf den Jahreskalender.<br />
Einmal die Woche ist Probe, vor wichtigen Auftritten<br />
zweimal. An den Samstagen und Sonntagen stehen Veranstaltungen<br />
drin. Standkonzert, Feste, Umzüge. „Von Mai bis Oktober sind<br />
die Wochenenden belegt.“ Der Kalender ihrer Schwester Sonja<br />
Maier-Stückl (51) sieht genauso aus. Sie spielt Saxophon, Andrea<br />
Niedermeyr Klarinette und Querflöte. Ihr Mann Leonhard,<br />
den alle Leo nennen, Trompete. 1976 fing er bei der Blaskapelle<br />
an – als sein Vater aufhörte. „Dann lag das Flügelhorn daheim<br />
herum.“ Dirigent Rudi Franke brachte ihm bei, darauf zu spielen.<br />
Als die Kapelle Trompeten brauchte, lernte Leo Niedermeyr um.<br />
Rudi Franke hatte auch Martin Maier unterrichtet, sein zwei Jahre<br />
älterer Bruder Schorschl übte bei Thomas Mayr senior. Innerhalb<br />
weniger Monate waren die Buben bereit für ihren ersten Einsatz<br />
bei der Prozession in Bad Bayersoien. Martin an der Klarinette,<br />
Schorschl am Tenorhorn. 14 Jahre war Martin Maier damals<br />
alt. 20 Jahre später wurde er Vorsitzender. 2014 ernannten die<br />
Bayersoier Martin Maier zum Ehrenvorstand. Andreas Neuner,<br />
Rudi Franke und Sepp Felix heißen die Dirigenten, unter denen<br />
er spielte. „So viele hab ich gar nicht verbraucht“, sagt der 78-Jährige,<br />
lächelt verschmitzt und nimmt eine Prise aus der Schnupftabakdose,<br />
die er immer in seiner linken Hosentasche trägt.<br />
Seine beiden Töchter kamen mit 12 und 14 Jahren zur Kapelle<br />
– schon auftritterprobt. Noch im Kindergartenalter<br />
Jede Menge Gaudi haben Sonja Maier-Stückl (l.) und Schwester<br />
Andrea Niedermeyr beim spontanen Auftritt für die <strong>Bergwelten</strong>.<br />
Erst einmal Blockflöte<br />
Auch für Lukas stand früh fest, dass er die Blaskapellen-Familientradition<br />
fortführt. „Mir blieb ja nichts anderes übrig.“ Seine<br />
Ironie sorgt für Gelächter am Esstisch bei Papa, Mama, Tante und<br />
Opa. Grad lustig ist‘s. Wie immer, wenn sie beisammensitzen.<br />
Bildercollagen hängen an den Wänden. Fröhliche Menschen. In<br />
den Händen meist ein Instrument. Lukas und sein Bruder Kilian<br />
<strong>Bergwelten</strong> Herbst <strong>2024</strong> 19
sechs Jahren. Dann kam er in die Jugendkapelle unter Leitung von<br />
Angelika Maier-Felix, Frau des Dirigenten Josef Felix und Cousine<br />
der beiden Schwestern. Auch die Kinder von Martin Maiers Bruder<br />
Schorschl, der 2013 starb, sind eng mit der Blaskapelle verbunden.<br />
Sonja Maier-Stückls Mann spielt kein Instrument, ihre Töchter haben<br />
eins gelernt, zur Blaskapelle aber wollten sie nicht. „Denen war<br />
das Vorbild wohl zu krass“, sagt die Ergotherapeutin, die mit ihrer<br />
Familie in Rottenbuch lebt. Immer unterwegs zu Auftritten, immer<br />
in die Probe. Nicht wenige, die bei der Blasmusik anfangen, hören<br />
nach einiger Zeit wieder auf. „Kumm i, kumm i ned“ – mit so einer<br />
Larifari-Einstellung kann man dort nichts anfangen „Die anderen<br />
verlassen sich drauf, dass du da bist.“ In ihrer Jugend versuchten<br />
sich die Schwestern Sonja und Andrea mal als Revoluzzerinnen.<br />
Hatten keine Lust zu üben oder aufzutreten. Heute sind sie dankbar,<br />
dass ihr Vater sie motivierte, dabeizubleiben. „Es gibt nichts<br />
Besseres, um den Kopf freizubekommen“, findet Sonja Maier-Stückl.<br />
„Tenorhorn üben“: Erinnerung an der Tür<br />
Bei Lukas gab es ebenfalls Zeiten, in denen Eifer und Lust<br />
nachließen. Den Zettel mit „Tenorhorn üben“ klebte sein Vater<br />
auf Sichthöhe an seine Zimmertür. Er ist froh, dass er sich<br />
durchgebissen hat. Die Auftritte mit der Kapelle machen einfach<br />
zu viel Spaß. Auch wenn es mit Schule und Leichtathletik<br />
nicht einfach ist, alles unter einen Hut zu bekommen.<br />
Markenzeichen: Sein Schnupftabakdoserl hat Martin Maier immer dabei.<br />
lernten ebenfalls erst Flöte. „Die freiwillige Pflicht“, nennt es<br />
ihre Mutter Andrea Niedermeyr. „Ich hatte nicht viel mitzureden“,<br />
wirft Lukas ein. Beim zweiten Instrument mischten sich<br />
seine Eltern nicht ein. Am Tag der offenen Tür der Blaskapelle<br />
durften sich die Kinder ausprobieren. Lukas entschied sich fürs<br />
Tenorhorn. Sein Bruder Kilian fürs Schlagzeug, wie sein Onkel<br />
hörte er aber wieder auf. Heute spielt er kein Instrument mehr.<br />
Lukas blieb dabei. Nach zwei Jahren Unterricht ging er zu den<br />
Noten-Chaoten, einem Spielkreis für Nachwuchsmusikanten ab<br />
Dank ihrer Mutter Sofie konnte Andrea Niedermeyr nach der<br />
Geburt ihrer beiden Söhne schnell wieder proben und auftreten.<br />
„Die Oma war immer der Babysitter“, sagt sie. „Wir haben auf den<br />
Schwiegervater aufgepasst“, sagt ihr Mann. Alle lachen. Mit sechs<br />
Jahren gingen die Buben zur Plattlerprobe. Während die Eltern<br />
beim Trachtenfestzug spielten, marschierten ihre Söhne bei den<br />
Trachtlern mit. „Man muss schon immer alles gut takten“, sagt Andrea<br />
Niedermeyr, die bei der Touristinfo in Bad Bayersoien arbeitet.<br />
Nach den Terminen der Kapelle richtet die Familie alles<br />
aus. Die Blasmusik ist ihr Leben. „Außerhalb der Musi<br />
hab ich kaum Freunde“, sagt Andrea Niedermeyr. Zudem<br />
fanden sie und ihr Mann Leo über die Blaskapelle zueinander.<br />
„Die Liebe kam mit der Musik“, sagt sie.<br />
20 <strong>Bergwelten</strong> Herbst <strong>2024</strong>
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Ein Jahr als Bayersoier Musikant: Proben und Auftritte<br />
bestimmen vor allem das Frühjahr und den Sommer.<br />
Auftritte in den USA und in Südafrika<br />
Mit der Kapelle verbindet Andrea Niedermeyr die besten Erinnerungen<br />
ihres Lebens. Etwa an 1998, als eine Delegation in Cincinnati<br />
(USA) beim dortigen Oktoberfest auftrat, dem zweitgrößten<br />
weltweit. 2002 spielten sie auch in Pretoria und Port Elizabeth in<br />
Südafrika auf einem Oktoberfest. Etliche Male traten sie zudem auf<br />
der Original-Wiesn in München auf. In Karl Moiks Musikantenstadel<br />
sah man sie im Fernsehen, im Radio hörte man sie bei Musiksendungen<br />
des Bayerischen Rundfunks. Ihr Repertoire reicht<br />
von Tänzen und Märschen über Rock-Klassiker bis zu modernen<br />
Chart-Hits. In ganz Deutschland sind die Bayersoier unterwegs, in<br />
Österreich und der Schweiz. Jedes Jahr fahren sie zur Musikparade<br />
mit internationalen Gruppen, die bundesweit stattfindet. Einmal<br />
kamen „wunderschöne Frauen“ aus dem Oman. Martin Maier bot<br />
ihnen Schnupftabak an. „Guad Schnupf, guad Luft“, erklärt Leo<br />
Niedermeyr. Die dazugehörigen Eunuchen aber reagierten irritiert.<br />
Sie dachten, der Mann in der Lederhose verführe sie zu Drogen.<br />
Martin Maier, den jeder als Martini kennt, ist der älteste Musikant<br />
der Bayersoier Blaskapelle. Seine Freunde haben sich in<br />
den Ruhestand verabschiedet. „Irgendwann muss Schluss sein.“<br />
Aber jetzt noch nicht, stellt seine Familie klar. „Bis 2027 muss er<br />
mindestens noch durch“, sagt sein Schwiegersohn. Dann feiert die<br />
Kapelle 200-jähriges Jubiläum. Gerade das Zusammenspielen von<br />
Alten und Jungen sei doch das Schöne, findet seine Tochter Sonja.<br />
„Früher hast du uns gesagt, wir sollen dabeibleiben.“ Jetzt ist es<br />
andersherum.<br />
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Blaskapelle Bad Bayersoien<br />
Gründungsjahr: 1827<br />
Aktive Mitglieder: 40<br />
Jüngster Musikant: 17 Jahre<br />
Ältestes aktives Mitglied: 78 Jahre<br />
Zahl der Auftritte pro Jahr:<br />
circa 80, zuzüglich etwa 45 Proben<br />
Größter/ungewöhnlichster Auftritt:<br />
Mitwirkung bei der Internationalen Blasmusikund<br />
Militärparade in etwa. 40 deutschen<br />
Städten, diverse Fernsehaufnahmen<br />
Besonderes Merkmal der Kapelle:<br />
Mädchen-/Frauenanteil von 50 Prozent<br />
<strong>Bergwelten</strong> Herbst <strong>2024</strong> 21
Defiliermarsch<br />
zum Start, Major Tom<br />
zum Prosit<br />
In der Arbeit wissen sie schon Bescheid: Zur Garmischer<br />
Festwoche braucht Oliver Höhn (60) Urlaub. Seit 45 Jahren spielt<br />
er im Zelt mit der Musikkapelle. Seine Frau Maren (53), die sich<br />
vor vielen Jahren auch in sein Trompetenspiel verliebt hat, sitzt<br />
mit ihm auf der Bühne, genauso wie Sohn Christian (14).<br />
Text: Magdalena Kratzer · Fotos: Thomas Sehr<br />
Josef Ostlers fliegenden Händen (r.) folgt die gesamte Kapelle, darunter in der ersten Reihe<br />
Oliver Höhn (3.v.l.) an der Trompete und Maren Höhn (2.v.r.) am Flügelhorn.<br />
22 <strong>Bergwelten</strong> Herbst <strong>2024</strong>
Ein paar Gläser von vergangener Nacht stehen noch da,<br />
ein Teller, ein leerer Bierkrug. Ein halb voller mit Spezi.<br />
Auch einige Pokale blieben zurück. Mehrere Stunden<br />
lang sind die Fingerhakler aus Bayern am Nachmittag gegeneinander<br />
angetreten. Einer der einheimischen Teilnehmer kehrt<br />
die Bühne. Sauber muss es sein für die Trachtlergruppen.<br />
Durch den Hintereingang betritt Oliver Höhn die Bühne.<br />
Mit dem Radl ist er zum Festzelt gekommen. Wie die meisten<br />
Musikanten, manche gehen zu Fuß. An Parken rund um den<br />
Wittelsbacher Park ist gerade beim Heimatabend nicht zu<br />
denken. Es ist erst kurz nach sechs, doch es wuselt schon im<br />
Zelt, die Biertische und -bänke füllen sich. Die Holzstühle der<br />
Musikanten hingegen neben der Tanzbühne sind noch leer.<br />
Oliver Höhns Stuhl steht in der ersten Reihe. Er entwirrt die<br />
Kabel der Mikrofone, befestigt eines an seinem Notenständer,<br />
den er aus seiner Trompetentasche zieht. Jeden Abend nimmt<br />
er ihn mit nach Hause. Wie die übrigen Musikanten auch. Das<br />
Notenständeraufbauen gehört zur abendlichen Festzelt-Routine.<br />
Jetzt aber muss Oliver Höhn los. Am Josefsplatz stellen<br />
sich die Trachtler und Musikanten auf, um 19.30 Uhr<br />
beginnt der Festzug durch Garmisch mit Einzug ins<br />
Bierzelt. Zum 45. Mal marschiert der 60-Jährige mit.<br />
Mit der Trompete ihr Herz erobert<br />
Mit 15 Jahren ging Höhn zur Garmischer Musikkapelle, mit 16<br />
spielte er das erste Mal im Bierzelt. Heute ist er Ehrenvorstand.<br />
Unter seiner Zeit als Vorsitzender 2001 bis 2007 bekamen die<br />
Musikanten ihr Probelokal am Hausberg, nachdem sie aus dem<br />
Keller der Krankenhausschule ausziehen mussten. Ab 1995<br />
suchte man nach einem passenden Ort. Zwölf Jahre später wurde<br />
der neue Raum eingeweiht. Die Zeiten, in denen die Wände für<br />
die Akustik mit Eierkartons verkleidet wurden, waren damit<br />
vorbei. Aus dem ganzen Landkreis fragen Gruppen an, ob sie<br />
den Raum nutzen dürfen. „Dort haben wir Aufnahmequalität.“<br />
Zweite Vorsitzende heute ist Höhns Frau Maren (53), die seit<br />
1999 bei der Musi ist. Mit ihr spielten damals neun Frauen in der<br />
Kapelle, heute sind es knapp 20. Musikalisch war Maren Höhn<br />
schon immer, sie beherrscht viele Instrumente. Doch sie träumte<br />
von der Trompete. Erst mit 26 Jahren begann sie zu üben. Drei<br />
Jahre später erfüllte sich ihr zweiter Wunsch: Sie wurde Teil der<br />
Musikkapelle. Aufgrund der Besetzung spielt sie heute Flügelhorn.<br />
Ihren Mann lernte Maren Höhn in der Kapelle kennen. Sein<br />
Trompetenspiel imponierte ihr. „Ich hab mit ihr sämtliche<br />
Marschbücher durchgespielt“, sagt er und lacht. Ihr Sohn<br />
Christian ist mit 14 der jüngste Neuzugang. Er spielt Schlagzeug.<br />
„Trompete interessierte ihn nicht“, sagt sein Vater. Als Trio üben<br />
sie oft im Keller. „Wir haben eine halbe Blasmusik beinander.“<br />
Am Josefsplatz stehen alle bereit. Pünktlich setzt sich der<br />
Festzug in Bewegung. Höhn geht neben seiner Frau. Trompete<br />
neben Flügelhorn. Begeisterte Zuschauer begleiten die Musiker<br />
und Trachtler auf ihrem Weg durch die Fußgängerzone. Sie<br />
lachen und winken, halten ihre Smartphones für Videos und<br />
Fotos in die Höhe. Die Trommler trommeln im Gleichschritt<br />
voran, die Kapelle spielt einen Marsch. Im Takt marschieren<br />
dahinter die Trachtler des Volkstrachtenvereins Garmisch,<br />
erst der Nachwuchs in blumengeschmückten Dirndln<br />
beziehungsweise Lederhosen und mit Trachtenhut, dann<br />
die Älteren mit blauem Seidentuch beziehungsweise großer<br />
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<strong>Bergwelten</strong> Herbst <strong>2024</strong> 23
Mit dem Bier muss man aufpassen, "sonst wird die Zunge lahm beim Spielen", weiß Oliver<br />
Höhn nach 45 Jahren Festzelt-Erfahrung. Eine Mass freilich lässt er sich gerne schmecken.<br />
An sechs von neun Tagen sitzen (v.l.) Oliver, Maren und<br />
Christian Höhn auf der Bühne im Garmischer Festzelt.<br />
Seidenkrawatte unter den Trägern. Mit der rechten Hand halten<br />
die Mädchen und Frauen ihre Schürze, die linke Hand liegt auf<br />
der Taille. Die Trachtlermänner tragen ihre Joppe lässig über<br />
der rechten Schulter. Alle gleich. Den Abschluss bilden Männer<br />
und Frauen vom „Alten Tanz“ in historischen Trachten.<br />
Fliegende Hände für den Takt<br />
Als sie das Zelt erreichen, empfangen sie die Musikanten mit<br />
dem Bayerischen Defiliermarsch – der Startschuss. Jetzt ist<br />
Festzeltzeit. Bedienungen schleppen Brotzeitteller und Masskrüge<br />
durch die Reihen, auf der Bühne stellt sich Josef „Beppi“ Ostler<br />
vor seine Musikanten und lächelt sie an. Seine fliegenden<br />
Hände führen durch den Abend. Mal zackig beschwingt,<br />
mal ruhig besänftigend. Sogar seine Lippen bewegen sich im<br />
Takt. „Geht doch!“, ruft der Musikmeister. Oder „Jawoll!“<br />
Auch Oliver Höhn stand schon auf Ostlers Platz, vor ein paar<br />
Jahren, wenn er den damaligen Dirigenten Leszek Zebura vertrat.<br />
Doch hielt er keinen Stab. Mit seiner Trompete spielte er mit,<br />
direkt in die Kapelle hinein. „Damit sie genau hören, was ich<br />
von ihnen will.“ Als Dirigenten-Vertretung gab er immer eine<br />
Solo-Einlage zum Besten. Auf einer rot lackierten Trompete, die<br />
er sich extra für seinen Auftritt in „O sole mio“ gekauft hatte.<br />
Jetzt sitzt Höhn wieder in derselben Stuhlreihe wie seine<br />
Frau, getrennt durch drei Trompeten. Christian steht<br />
hinten mit der Trommel. Das Schlagzeug übernimmt heute<br />
Matthias Millian, der nach Oliver Höhn zwölf Jahre lang<br />
Vorsitzender war. Höhns Vorgänger Pauli Kollmannsberger<br />
sitzt bei den Klarinetten. Der aktuelle Chef, Maximilian<br />
Wank, fehlt an diesem Abend ausnahmsweise.<br />
„Prost Jörgi“ – Das Ritual zum Prosit<br />
Wird nicht gespielt, stehen die Trompeten am Boden. Die Krüge<br />
gehen hoch. Beim Prosit gibt es ein festes Ritual. Zu „Oans,<br />
zwoa, drei, gsuffa“ springt Georg Schießlbauer auf und schreit:<br />
„Prost Musi“. Die anderen heben an und schreien zurück: „Prost<br />
Jörgi!“ Ein Running Gag in der Kapelle, eine Hommage an die<br />
Trinkfestigkeit des Flügelhornisten. Auch Oliver Höhn erinnert<br />
sich an viele Morgen nach dem Festzelt, an denen ihm der Kopf<br />
brummte. „Man muss beim Bier aufpassen, sonst wird die Zunge<br />
lahm beim Spielen“, sagt er und schmunzelt. Und schwer wird’s<br />
mit dem Notenlesen. Oder gar unmöglich. Einen Trompetenspieler,<br />
der von seinen weiblichen Fans zu viele Rüscherl bekam,<br />
mussten die Kameraden einmal von der Bühne tragen.<br />
Hebt Ostler die Hand, tauschen Krüge und Trompeten wieder ihren<br />
Platz. Einer der Tenorhörner lupft den Hut und wischt sich über<br />
die Stirn. Heiß ist’s.Und lauter wird’s im Zelt. Der Bildschirm neben<br />
dem Musikmeister zeigt das nächste Stück. Wie eine Leuchtanzeige<br />
in der Kirche. TM 18 steht dort. Aus seiner Mappe für Tanzmusik<br />
legt Oliver Höhn die Noten für „Musik Musik“ auf den Ständer.<br />
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24 <strong>Bergwelten</strong> Herbst <strong>2024</strong>
Unten stoßen über den Tischen Bierkrüge zusammen. Einige<br />
Paare drehen sich auf der Tanzfläche. Nach dem Marsch zieht<br />
Dirigent Ostler den Hut. „Dankeschön“, ruft er den Musikanten zu.<br />
Jeder Notensatz muss eingekauft werden, sonst drohen hohe<br />
Strafen. Tausende Stücke befinden sich heute im Arsenal der<br />
Kapelle. 1796 wurde sie gegründet. „In über 200 Jahren hat sich<br />
einiges angesammelt“, sagt Höhn. Auf der linken Seite seines<br />
Notenständers liegt Major Tom. Zum ersten Mal ist er im Festzelt<br />
dabei. Später, wenn die Besucher auf den Bänken tanzen, ertönt<br />
der Chorus zum Prosit. Wie „Layla“ im vergangenen Jahr.<br />
Ungezählte Male erlebte Höhn, wie das Zelt bebte. "Kapelle<br />
und Publikum stecken sich gegenseitig an", sagt er. „Sind die<br />
Musikanten gut drauf, sind die Leute gut drauf. Und umgekehrt.“<br />
Gänsehaut und Tränen in den Augen<br />
Doch nicht nur die Party macht das Leben eines Musikanten<br />
so reich. Auch die bewegenden Momente sind’s. Wie jener<br />
beim Alpenregionstreffen für die Tiroler und Südtiroler Gäste<br />
in diesem Jahr. Als die Garmischer „Dem Land Tirol die Treue“<br />
spielten, standen alle auf und sangen mit, die Hand am Herzen.<br />
„Da bekommt man Gänsehaut und Tränen in den Augen.“<br />
„In die weite Welt“ leuchtet nun auf dem Bildschirm, für<br />
den Kronen-Tanz der Plattla-Malan und Plattler-Buam.<br />
Mit grün geflochtenen Bögen, wie sie von der Decke des<br />
Festzelts hängen, drehen sie sich auf der Bühne, bis in<br />
der Mitte eine Krone entsteht. Oliver Höhn wartet auf<br />
seinen Einsatz, schürzt die Lippen, holt noch einmal<br />
Luft und setzt die Trompete an. Die Adlerfedern, der<br />
„Pflam“ auf den Trachtenhüten, wippen zur Melodie.<br />
Fast keine Bank ist unten mehr frei, immer mehr Paare kommen<br />
auf die Tanzfläche. Bei der „Böhmischen Liebe“ greift Musikmeister<br />
Ostler selbst zum Mikrofon und singt, Haferlschuhe und elegante<br />
Trachtenpumps wirbeln über den Holzboden. Davor stehen<br />
Besucher und schunkeln, ihre Handys auf die Bühne gerichtet.<br />
Einen Plan, wann welches Stück gespielt wird, gibt es nicht.<br />
„Die Trachtler sagen uns, wann sie auftreten, wir richten<br />
uns danach“, sagt Höhn. Weiter geht’s mit dem Plattler „Reit<br />
im Winkler“. „In ES-Dur“, ruft der Dirigent. Noten richten.<br />
Trompete anheben. Die Burschen platteln und klatschen, die<br />
Mädchen drehen, als hätten sie nie etwas anderes getan.<br />
Wenn die Musik spielt, tanzen nicht nur die Trachtler. Schnell füllt sich die Bühne.<br />
Die Burschen platteln, die Mädchen drehen<br />
Draußen ist es dunkel geworden. Die grellen Glühbirnen<br />
der Fahrgeschäfte leuchten laut in der Nacht. Das Karussell<br />
dreht sich zu seiner eigenen Melodie. Bald kommt Major<br />
Tom zu seinem ersten Einsatz, dann noch einige Male bis<br />
Mitternacht. So lange unterhalten die Garmischer das Publikum<br />
– Sperrzeit des Ordnungsamts. Neun Tage lang, sechs davon<br />
sind die Höhns dabei. Eine Woche später steht das Festzelt<br />
in Partenkirchen. Von der Garmischer Musi werden dann<br />
einige im Publikum sitzen. So wie die Partenkirchner jetzt am<br />
Wittelsbacher Park. „Es ist ein Geben und Nehmen“, sagt Höhn.<br />
Fürs Festzelt nimmt er sich Urlaub – wie die meisten Musikanten.<br />
Als er jung war, fiel er um 2 Uhr morgens ins Bett und fuhr vier<br />
Stunden später mit dem Auto zur Post nach München, wo er<br />
bis heute arbeitet. „Die Zeiten sind vorbei“, sagt er und lacht.<br />
Mit seinen 60 Jahren gehört er zu den Ältesten in der Kapelle.<br />
Musikanten über 70 spielen im Festzelt nicht mehr. „Irgendwann<br />
wird es zu anstrengend. Dann derblast du‘s nicht mehr.“ Viel hat er<br />
in seinen 45 Jahren erlebt. Partybeben, Schlägereien, jede Menge<br />
Gaudi. Ans Aufhören denkt er nicht. Ein paar Jahre lang will er die<br />
Festwoche auf jeden Fall noch mit seiner Trompete begleiten. Den<br />
Defiliermarsch zum Start und den Major Tom zum Prosit. n<br />
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<strong>Bergwelten</strong> Herbst <strong>2024</strong> 25
Große Auftritte als<br />
„Combined Band“<br />
Die Musikkapellen Garmisch und Partenkirchen sind gut beschäftigt in einem Jahr.<br />
Auf um die 100 Einsätze kommen sie jeweils. Doch immer wieder treten sie<br />
auch miteinander auf – und sorgen für außergewöhnliche Erlebnisse.<br />
Text: Katharina Bromberger · Foto: Imago<br />
Einen außergewöhnlichen Auftritt erlebten die Garmischer und Partenkirchner<br />
Musikanten im Juni: Vater und Sohn, Sepp Grasegger junior (l.) und senior<br />
von den Partenkirchnern plattelten zum Empfang der schottischen<br />
Fußball-Nationalmannschaft. Und John McGinn plattelte spontan mit.<br />
26 <strong>Bergwelten</strong> Herbst <strong>2024</strong>
Vieles in Garmisch-Partenkirchen gibt es zweimal. Einmal<br />
in Garmisch, einmal in Partenkirchen. Zwei Feuerwehren,<br />
zwei Trachtenvereine und natürlich auch zwei<br />
Musikkapellen. Dabei leben Letztere vor, wie Zusammenarbeit<br />
funktioniert. „Wir sind sehr oft gemeinsam am Werk, insbesondere<br />
immer dann, wenn es darum geht, unseren Heimatort zu<br />
vertreten“, sagt Sepp Grasegger, Vorsitzender in Partenkirchen.<br />
„Wir schaffen somit das, was einige Vereine im Ort nicht hinbekommen.“<br />
Auch über die Ortsgrenzen hinaus, glaubt er, dürfte<br />
es selten Kapellen geben, die sich für Auftritte in dieser Form<br />
zusammenfinden. Nicht für irgendwelche Auftritte freilich – die<br />
Musiker erleben und schenken außergewöhnliche Momente.<br />
Als größten und ungewöhnlichsten Auftritt führt Grasegger in der<br />
jüngeren Vergangenheit die Einladung 2015 in das Sultanat Oman<br />
zur dortigen „Military Music of Oman“ an. Als „Combined Band“<br />
kündigten sich die Partenkirchner und Garmischer an, zeigten ihr<br />
Können beim Militärmusikfestival auf dem mit Marmor ausgelegten<br />
Vorplatz der Royal Opera of Oman. Das Sultanat übernahm<br />
alle Kosten für 75 Musikanten. „Einmalig war das.“ Genauso wie in<br />
der Folge 2018 die Teilnahme am „Military Brass Band Festival“ in<br />
Sankt Petersburg. Wieder sorgten die Garmischer und Partenkirchner<br />
als Doppel-Kapelle für Lokalkolorit unter den professionellen<br />
Militärorchestern – mit einer nicht minder professionellen Leistung<br />
auf der 4,5 Kilometer langen Prachtstraße Newski-Prospekt<br />
im Zentrum der Stadt sowie vor der weltberühmten Eremitage.<br />
Tausende Zuschauer jubelten den Männern und Frauen in Lederhosen<br />
und Dirndl zu, als ihre Deutsche Marschmusik, Schuhplattler<br />
und Alphörner erklangen. Die Reise selbst empfand Grasegger als<br />
„nicht minder spektakulär, wenngleich ein wenig abenteuerlich<br />
und in der heutigen Weltsituation wohl nicht mehr vorstellbar“.<br />
Doch muss man nicht wegfahren für besondere Erlebnisse mit den<br />
Garmischer und Partenkirchner Musikanten. Unvergessen dürfte<br />
der Empfang der schottischen Nationalmannschaft zur Fußball-<br />
Europameisterschaft im Juni bleiben. So spontan, so genial. So viral.<br />
In der Bayernhalle wurden die Schotten mit Blasmusik und Dudelsackklängen<br />
gefeiert. Und freilich durfte ein Schuhplattler nicht<br />
fehlen. Mach doch mit, forderten Sepp Grasegger junior und senior,<br />
der Dirigent der Kapelle, den Mittelfeldakteur John McGinn von<br />
Aston Villa auf. Der zögerte keine Sekunde. Seinen Plattel-Auftritt<br />
mit Hut und blauem Team-Jogginganzug feierten die Einheimischen<br />
genauso wie seine Mannschaftskollegen, zudem nationale und internationale<br />
Medien sowie Nutzer der sozialen Medien. Millionenfach<br />
wurde das Video angeklickt.<br />
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Musikkapelle Partenkirchen<br />
Gründung: 1883<br />
Aktive Mitglieder: 60<br />
Jugendgruppe: 18 (davon 4 extern)<br />
Kinderchor: 30<br />
Jüngstes Mitglied: 6 Jahre (Kinderchor),<br />
15 Jahre (große Kapelle)<br />
Ältestes aktives Mitglied: 81 Jahre<br />
Zahl der Auftritte pro Jahr: 100 bis 120 inklusive<br />
rund 20 Kurkonzerten und 40 Proben<br />
Besonderheit: Keine Kapelle dürfte in so vielen Monturen<br />
auftreten. Da wäre das „Kurmusi-Gwand“ (Kurze oder<br />
Kniehose, Heslan oder Strümpf, Gamsbart), zudem eine<br />
Variante bei Ausrückungen mit dem Volkstrachtenverein:<br />
Adler-Flaum statt Gamsbart. Hinzu kommen die Schützenuniform<br />
(Kniehose, weiße Strümpfe, rote Hosenträger,<br />
blaue Schützenjoppe, Stopselhut), die Feuerwehruniform,<br />
die (wohl einzigartige) Veteranenuniform (schwarze Hose,<br />
dunkelblaue lange Joppe, schwarzer Velourhut ), der forstgrüne<br />
Anzug für Allerheiligen sowie die Konzertkleidung<br />
für „La Festa Italiana“ (Damen im Abendkleid, Herren im<br />
Frack). Die Damen tragen Dirndl, bei besonderen Ausrückungen<br />
das „Musigwand“ (rot/blau gemustertes Oberteil<br />
mit blauer Schürze auf schwarzem Rock), dazu je nach<br />
Anlass mit schwarzem Hut, schwarzer Joppe oder Mantel.<br />
Musikkapelle Garmisch<br />
Gründung: Die Ursprünge gehen auf 1796<br />
zurück, von da an gab es immer „Bürgermusik“<br />
in Garmisch, daraus ging die Kapelle hervor<br />
Aktive Mitglieder: 49<br />
Jugend: 5<br />
Jüngster Musikant: 15 Jahre<br />
(ab 16 darf er offiziell Mitglied werden)<br />
Ältestes aktives Mitglied: 84 Jahre<br />
Zahl der Auftritte pro Jahr: in voller Besetzung um die 100.<br />
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<strong>Bergwelten</strong> Herbst <strong>2024</strong> 27
Eine Frau<br />
und viele<br />
Gentlemen<br />
Gabi Braun (<strong>57</strong>) darf sich als Pionierin<br />
bezeichnen – auch wenn sie das nie<br />
tun würde. Mit 15 Jahren probten sie<br />
und eine Freundin bei der Musikkapelle<br />
Partenkirchen mit. Als es dort noch gar<br />
keine einheitlichen Dirndl gab – brauchte<br />
die reine Männergruppe schließlich nicht.<br />
Text: Tanja Brinkmann · Foto: privat<br />
Extrawürste wollte Gabi Braun nie. „Das hat aber nicht<br />
immer geklappt“, sagt die <strong>57</strong>-Jährige. Gerade in ihrer Anfangszeit<br />
als Klarinettistin bei der Musikkapelle Partenkirchen<br />
nicht. Mit einer Freundin wagte sich die damals 15-Jährige<br />
in eine Männerdomäne. 1981 war das. Die beiden Mädchen<br />
kannten sich aus dem Musikunterricht. In der Jugendblaskapelle<br />
der Musikschule hatten sie erste Orchestererfahrung gesammelt<br />
und wollten weitermachen. Die logische Konsequenz: In dem<br />
Ensemble anfangen, in dem schon ihr Zwillingsbruder mitspielt.<br />
„Wir haben uns gedacht, wir fragen einfach mal.“ Und marschierten<br />
zum damaligen Vorsitzenden Sepp Kleißl. Freundlich hörte er<br />
sich ihr Anliegen an. Gabi Braun weiß es nicht, vermutet aber, dass<br />
ihr Vater bei ihm vorgefühlt hatte. Der war geschäftsleitender Beamter<br />
im Rathaus und hatte immer wieder mit der Kapelle zu tun.<br />
Nicht alle befürworteten Frauen<br />
Die Zusage ließ auf sich warten. Erst mussten die Musiker beraten.<br />
Später hat Gabi Braun erfahren, dass es schon einige<br />
Diskussionen gab. Auch hitzige. Und einige sprachen sich gegen<br />
die Aufnahme der Mädchen aus. Sie kann‘s verstehen, „das war<br />
doch eine eingeschworene Gemeinschaft“. Auch praktische<br />
Dinge wie die Frage des G‘wands galt es zu klären. Jeglicher<br />
Gegenwind aber war verebbt, als Gabi Braun und ihre Freundin<br />
zu ihrer ersten Probe kamen. Niemand hat sie ausgeschlossen,<br />
argwöhnisch oder kritisch beobachtet. „Wir haben das nie<br />
gespürt, alle waren immer freundlich, wahre Gentlemen.“<br />
Nur in so mancher Situation hat sie sich nicht ganz so wohl<br />
gefühlt. Wenn sie und ihre Freundin zu Beginn beispielsweise<br />
immer mal wieder vorgestellt wurden. Nach dem Motto:<br />
Schaut’s her, unsere erste weibliche Verstärkung. Und freilich<br />
ist’s auch anderen Kapellen aufgefallen, dass bei den<br />
Partenkirchnern jetzt zwei Mädchen mitspielen. Da hat der<br />
eine oder andere schon mal genauer hingeschaut. So im<br />
Mittelpunkt zu stehen, das hat Gabi Braun nicht gefallen.<br />
Sie wollte einfach Klarinette spielen und dazugehören.<br />
Auch ihr Klarinettenlehrer gehörte zur Musikkapelle. Dass<br />
die beiden Neuzugänge ihre Instrumente beherrschten, hat<br />
sicher geholfen. Genauso ihre Erfahrung im Jugendblasorchester.<br />
So wuchsen sie schnell hinein in die Kapelle, wurden<br />
ein Teil der Kameradschaft. „Man erarbeitet gemeinsam ein<br />
bestimmtes Ziel, verfolgt es und ist immer für einander da.“ So<br />
beschreibt Gabi Braun die Probenarbeit, die akribische Vorbereitung<br />
auf die Auftritte. Das Gesellige kommt dann von<br />
ganz allein. Im Vordergrund steht die Musik – „auch wenn<br />
die Proben nicht so viel Spaß machen wie die Auftritte“.<br />
Sondergenehmigung von den Eltern<br />
Bis 22 Uhr dauerten die Übungseinheiten. Von den Eltern<br />
gab‘s eine Sondergenehmigung, dass sie so lange dortbleiben<br />
durfte. Dass Kleißl, ein Kriminaler, die Mädchen zu Hause abholte<br />
und wieder heimbrachte, beruhigte die Eltern zusätz-<br />
28 <strong>Bergwelten</strong> Herbst <strong>2024</strong>
lich. Sie stellten aber auch klar, dass Schluss ist mit der Musik,<br />
sollten sich ihre Noten verschlechtern. So weit kam es nie.<br />
Nachdem ihre Freundin wegen einer Allergie aufhören musste,<br />
war Gabi Braun eine Zeit lang die einzige Frau unter all den<br />
Männern. „Unproblematisch“ sei das gewesen. „Da bin ich so<br />
richtig reingewachsen.“ Am liebsten saß sie bei den Alten, „die<br />
so nette Geschichten erzählt haben“. Ein Genuss. Genau wie<br />
gemeinsame Unternehmungen. Zunächst haben die Freundinnen<br />
und Ehefrauen der Musiker die Neue zwar etwas skeptisch<br />
beäugt, aber schnell gewöhnten auch sie sich daran. Mittlerweile<br />
gehören 15 Frauen zur Kapelle, längst der Normalzustand.<br />
Die Frage, was sie anziehen, ließ sich ebenfalls bald klären. „Wir<br />
haben uns dann einfach mal gleiche Dirndl machen lassen.“ Bei<br />
Auftritten mit der Feuerwehr tragen sie die Herren-Uniform, bei<br />
Terminen mit den Gebirgsschützen andere Dirndl, Joppen und<br />
Hüte. Abendkleider gehören erst seit neuestem zu ihrer Garderobe,<br />
seit die Musikkapelle zur Festa Italiana, zur Italienischen Nacht<br />
einlädt. Sepp Grasegger junior, der Vorsitzende der Musikkapelle,<br />
„hat immer gute Ideen“, bescheinigt ihm Gabi Braun. Er rief die Themenkonzerte<br />
ins Leben, eine perfekte Abwechslung im Rahmen<br />
der Kurkonzerte am Mittwoch. „Das macht die Leute neugierig,<br />
inzwischen kommen auch viele Einheimische ins Konzert.“ Unter<br />
diesen besonderen Abenden stellt jener zu Ehren von Richard<br />
Strauss seit einigen Jahren sicher die größte Herausforderung dar.<br />
„Das ist schon schwierig für uns.“ Doch sind genau solche Auftritte<br />
auch eine Motivation zu üben. Und sie schweißen zusammen.<br />
Nach dem Abitur fast jeden Abend gespielt<br />
Genau wie die Reisen. Nach Chamonix beispielsweise fährt die<br />
Kapelle, seit die Städtepartnerschaft besteht. Außerdem hat Gabi<br />
Braun Gastspiele in Deutschland – unter anderem zweimal beim<br />
Rosenmontagszug in Köln –, in St. Petersburg und beim Sultan im<br />
Oman miterlebt. Mit Marcus Hölzl, der früher die Musikkapelle<br />
Garmisch und die Kurkonzerte leitete, kam sie zum Oktoberfest<br />
in New Mexico/USA. Insbesondere nach dem Abitur bestimmte<br />
die Musik ihr Leben. „Da habe ich fast jeden Abend irgendwo<br />
gespielt.“ Aber auch während der Ausbildung und jetzt im Berufsleben<br />
als Bankkauffrau dominiert die Leidenschaft ihre Freizeit.<br />
Ganz klassisch mit der Blockflöte fing sie an. Dann kam die<br />
Klarinette, später noch Es-Klarinette und Saxophon. Auch<br />
gesungen hat sie schon als Kind gerne, erst im Chor der Musikschule,<br />
dann im Jugendchor der Pfarrei und jetzt im Kirchenchor.<br />
Das, die Proben und Auftritte mit der Kapelle sowie<br />
das Vereinsleben füllen sie aus. „Für mich war und ist Musik<br />
immer das Wichtigste, danach habe ich alles gerichtet.“ Einfach,<br />
weil‘s so viel Spaß macht. Und weil sie angekommen ist<br />
in der Musikkapelle Partenkirchen. Spätestens als sie erst als<br />
Jugendvertreterin, dann als Zweite Kassierin in den Ausschuss<br />
gewählt wurde, wusste sie: „Ich werde von allen akzeptiert.“<br />
Das zeigt sich auch wieder bei der Partenkirchner Festwoche, ein<br />
fester Bestandteil in ihrem Terminkalender. Anstrengend, aber<br />
auch sehr schön findet sie die täglichen Auftritte im Bierzelt. „Das<br />
ist ein Höhepunkt im Jahr.“ Klar ist für Gabi Braun, dass sie zur<br />
Stelle ist, wenn ein Auftritt, eine Probe oder eine andere Aktivität<br />
ansteht. „Ein bisschen Pflichtbewusstsein gehört eben dazu.“<br />
Halbscharig, das ist nicht ihre Sache. Weil sie so ist, haben ihr<br />
auch die coronabedingten Einschränkungen sehr zu schaffen gemacht.<br />
„Das war schlimm“, sagt sie. „Da habe ich richtig gemerkt,<br />
was mir abgeht.“<br />
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<strong>Bergwelten</strong> Herbst <strong>2024</strong> 29
Männermusik<br />
Die Wallgauer Musikkapelle ist eine reine Männergruppe. Dabei würde<br />
sie das gerne ändern. Anders als die Nachbarn aus Mittenwald.<br />
Text: Tanja Brinkmann · Fotos: Hubert Hornsteiner, PantherMedia<br />
Musikkapelle Wallgau<br />
Gründung: erstmals 1920, diese Kapelle jedoch löste<br />
sich wieder auf; Wiedergründung 1948<br />
Aktive Mitglieder: 32<br />
Zahl der Auftritte pro Jahr: circa 50<br />
Musikkapelle Mittenwald<br />
Gründungsjahr: 1880<br />
Aktive Mitglieder: 44<br />
Zahl der Auftritte pro Jahr: circa 50<br />
Über weibliche Verstärkung würden sich die Wallgauer Musikanten<br />
freuen. Genauso wie über Querflöten und Waldhörner.<br />
Foto: Hubert Hornsteiner<br />
30 <strong>Bergwelten</strong> Herbst <strong>2024</strong>
Wenn Leonhard Breith zwei Wünsche frei hätte,<br />
wären es Querflöten und Waldhörner. Zwei Instrumente,<br />
die in den Reihen der Musikkapelle<br />
Wallgau fehlen. Deshalb muss der Dirigent immer wieder<br />
Stücke umschreiben und neu arrangieren, sonst könnten sie<br />
die Wallgauer nicht spielen. Auf diese Arbeit würde der studierte<br />
Musiker gerne verzichten. Geht aber nicht. Breith und<br />
Vorsitzender Thomas Neuner finden keine Querflöten und<br />
keine Waldhörner – bedeutet auch: Sie finden keine Frauen.<br />
Seit die Kapelle 1948 wiedergegründet wurde, gibt es nur Männer<br />
in ihren Reihen. Wie bei der Besetzung vor dem Krieg,<br />
damals war‘s mehr eine Dorfmusik mit elf Mann. 32 Musiker<br />
sind‘s aktuell, die jeden Freitag von Mai bis Mitte Oktober um 20<br />
Uhr im Haus des Gastes zum Kurkonzert einladen. „Oft haben<br />
wir Aushilfen dabei“, sagt Breith. An den Querflöten, einem<br />
klassischen Frauen-Instrument, und auch an den Klarinetten.<br />
Immerhin gibt es für diese mittlerweile zwei Nachwuchsmusiker.<br />
Nur die Querflöten, die machen ihm nach wie vor Sorgen.<br />
Werbetrommel gerührt – ohne Erfolg<br />
Zwei Frauen aus dem Dorf, das weiß der Dirigent, beherrschen das<br />
Instrument. Die eine beweist das bei der Kapelle Grainau, die andere<br />
als Musiklehrerin. „Die Jungen spielen eher Saiteninstrumente“,<br />
sagt Neuner. Bei den Jubiläumsfeierlichkeiten im vergangenen<br />
Jahr rührten er und die anderen Mitglieder massiv die Werbetrommel<br />
für die Kapelle im Allgemeinen, für die Querflöte und die<br />
Klarinette im Besonderen. „Viele Eltern wussten gar nicht, dass<br />
wir helfen, den passenden Lehrer zu finden, und Leihinstrumente<br />
bieten“, erzählt Breith. Außerdem gab‘s ein Instrumenten-Karussell,<br />
„da durfte jeder mal reinblasen“. Gebracht hat‘s bislang nichts.<br />
„Dabei freuen wir uns über alle, die zu uns stoßen.“ Gerade Mädchen<br />
ermutigt er, einfach einmal vorbeizuschauen. Auch wenn es<br />
ihnen sicher nicht leichtfalle – so allein unter Männern. „Wahrscheinlich<br />
wäre es besser, wenn sich zwei, drei zusammentun.“<br />
Unter den 500 Gruppen, die sich im Musikbund Ober- und<br />
Niederbayern (MON) zusammengeschlossen haben, kennt Geschäftsführerin<br />
Verena Schlecht nur 13 reine Männergruppen,<br />
darunter auch die Saulgruber und die Unterammergauer. Unfreiwillig<br />
gehören die Wallgauer damit zu einer Musikkapellen-<br />
Rarität. Die Mittenwalder hingegen pflegen diese Besonderheit.<br />
Es ist ganz angenehm, wenn das andere Geschlecht für ein<br />
paar Stunden außen vor bleibt, findet Florian Okelmann, Vorsitzender<br />
der Musikkapelle Mittenwald. „Bei der Probe geht es<br />
nicht immer ganz gesittet zu“, sagt er und schmunzelt. Würden<br />
Frauen mitmusizieren – „ich glaube, dass es dann nicht mehr so<br />
gemütlich wäre“. Die 44 Musiker und die 17 Mann im Trommlerzug<br />
„harmonieren sehr gut“. Den eingeschworenen Haufen<br />
wollte bislang noch keine Frau stören. Okelmann jedenfalls<br />
weiß von keinen Anfragen. Sie hätte auch kaum eine Chance.<br />
Laut Satzung dürfen Frauen gar nicht aufgenommen werden.<br />
Das soll so bleiben. Und Mann braucht sie auch nicht. Mit acht<br />
Klarinetten, die durchaus mal den Querflöten-Part übernehmen<br />
können, ist die Kapelle gut besetzt. „In jedem Register.“<br />
Frauen und Waldhörner gesucht<br />
Die Wallgauer hingegen würden sich freuen über weibliche<br />
Verstärkung. Und über Waldhörner, eher ein Männer-Instrument.<br />
„Die haben einen sehr schönen Klang“, sagt Breith,<br />
der wie Neuner hauptberuflich im Gebirgsmusikkorps der<br />
Bundeswehr spielt. Nachdem sie aber nicht so im Vordergrund<br />
stehen, sind sie nicht so beliebt. Viele, die zur Musikkapelle<br />
streben, sehen vor allem Trompeten, Tenorhörner<br />
und Posaunen, die auch Solo-Parts übernehmen dürfen.<br />
Allein darauf kommt‘s aber nicht an, finden Breith und Neuner.<br />
Es geht um das Miteinander in der Kapelle. Die gemeinsamen<br />
Auftritte. Das Einstudieren neuer Programme und das gesellige<br />
Beisammensein. Ausflüge, wie zuletzt nach Wien und Frankreich.<br />
Aber auch die großen Auftritte, beim Musikantenstadl etwa. Mit<br />
der beliebten Sendung durften die Wallgauer schon nach Kapstadt<br />
reisen. „Das war ein Highlight“, sagt Breith. Der Kontakt zu den<br />
Produzenten kam über das Tonstudio in Innsbruck zustande, in<br />
dem sie ihre CDs aufnehmen. Noch so eine Spezialität der Kapelle,<br />
die weit über die Landkreisgrenzen hinaus bekannt ist. Nun fehlt<br />
nur eine gute Fee, die Breith zwei Wünsche erfüllt.<br />
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<strong>Ausgabe</strong> 03/<strong>2024</strong><br />
spitze!<br />
Das Magazin der Zugspitz Region GmbH<br />
Wie komme ich zum Eibsee?<br />
Informiere Dich!<br />
Mach doch, was du willst!<br />
Zukunftsmesse <strong>2024</strong><br />
Gesund in Murnau<br />
Gesundheitstag <strong>2024</strong> im KTM
Editorial<br />
Liebe Leserin,<br />
lieber Leser,<br />
Verleihung des Qualitätssiegels Spitzenprodukt. V.l.n.r.: Sebastian Kramer (Geschäftsführer<br />
Zugspitz Region GmbH), Landrat Anton Speer, Robert Haller (Verkaufsleiter Metzgerei Haller,<br />
Murnau), Stephanie Daser (Dachmarkenmanagerin Zugspitz Region GmbH)<br />
„Tradition als Innovationstreiber“ – unter<br />
diesem spannenden Motto steht der diesjährige<br />
Tourismustag. Die Veranstaltung am<br />
27. September im Freilichtmuseum Glentleiten<br />
(siehe Seite 3) veranschaulicht, wie<br />
traditionelle Werte und moderne Innovationen<br />
Hand in Hand gehen können, um unsere<br />
Zukunft und den Tourismus in unserer<br />
Region nachhaltig und zukunftsorientiert<br />
zu gestalten.<br />
In einer Zeit, in der technologischer Fortschritt<br />
und Digitalisierung oft als die einzigen<br />
Wegbereiter des Fortschritts gelten,<br />
erscheint die Vorstellung, dass Tradition<br />
eine zentrale Rolle als Innovationstreiber<br />
spielt, auf den ersten Blick paradox. Doch<br />
bei genauerem Hinsehen offenbart sich<br />
eine tiefere Wahrheit: Tradition kann und<br />
sollte als fundamentale Quelle der Inspiration<br />
und des Fortschritts betrachtet werden<br />
und nicht, wie oft belächelt, als festgefahren<br />
und rückwärtsgewandt. Dieses Missverständnis<br />
verkennt das wahre Potenzial,<br />
das in traditionellen Werten und Prozessen<br />
steckt. Traditionen sind nicht statisch, sie<br />
sind lebendig und entwickeln sich ständig<br />
weiter. Sie bieten eine reiche Quelle an Wissen<br />
und Erfahrung, die über Generationen<br />
hinweg verfeinert und angepasst wurde.<br />
Diesem Wissensschatz neue Perspektiven<br />
und Ideen hinzuzufügen, schafft eine Symbiose,<br />
die echte Innovation fördert.<br />
Nicht ohne Grund gehören Werte wie Tradition,<br />
Beständigkeit, Willensstärke, Nachhaltigkeit<br />
und Entschlossenheit – zusammengefasst<br />
in unserem Kernwert Beharrlichkeit<br />
– zu den Philosophien der Zugspitz Region<br />
GmbH. Gepaart mit innovativen Ideen entstehen<br />
daraus unsere nachhaltigen Projekte<br />
in den vielfältigen Themengebieten – wie<br />
Spitzenprodukte, Klimaschutzthemen, Besucherlenkung,<br />
Berufsorientierung und<br />
Gesundheit. Eine Fülle an Projekten, die die<br />
Zukunft der Menschen hier unterstützt und<br />
die Region lebenswert macht.<br />
In diesem Sinne – machen auch Sie sich die<br />
Tradition als Innovationstreiber zu Nutze:<br />
Um bewährte Werte mit modernen Ansätzen<br />
zu vereinen und so zukunftsweisende<br />
Lösungen in einer sich wandelnden Welt zu<br />
entwickeln.<br />
Viel Vergnügen beim Lesen wünscht Ihnen<br />
Sebastian Kramer<br />
Geschäftsführer der Zugspitz Region GmbH<br />
Inhalt<br />
Tradition als Innovationstreiber<br />
8. Tourismustag der Zugspitz Region ...........................................................3<br />
Gesundheitstag <strong>2024</strong> in Murnau<br />
Am 26. Oktober ist es wieder so weit! .........................................................8<br />
Erfolgreiche Produktschulung für Gastgebende .....3<br />
Gemeinsam für ein<br />
verbessertes Besucher-Management<br />
Besucher-Management-Konzept geht<br />
mit ersten Maßnahmen in die Umsetzung ................................................4<br />
Wie komme ich zum Eibsee und zur Zugspitze?<br />
Neue Informationsplattform für eine reibungslose Anreise .............5<br />
Ausbildungsberufe in der Zugspitz Region finden<br />
Zukunftsmesse am 17. Oktober:<br />
Betriebe und Institutionen stellen sich vor ................................................6<br />
Ausbildungskompass 2025<br />
Den Nachwuchs optimal auf die Arbeitswelt vorbereiten .................7<br />
Bezahlbarer Wohnraum in der Region<br />
Qualifizierter Mietspiegel für den Landkreis ..............................................7<br />
KopfKINO – GefühlsKINO<br />
Schau ma hin ...........................................................................................................9<br />
Energiekarawane zieht weiter nach Mittenwald<br />
Kostenlose Energieberatung für Ihr Zuhause ...........................................9<br />
Klimanetzwerk Veranstaltungsreihe im Herbst<br />
Best Practice Beispiele & Networking<br />
für Unternehmen in der Zugspitz Region ................................................10<br />
Regionales Kurzfilmprojekt „MEIN DAHEIM“<br />
Filme feiern Premiere beim Alpenflimmern Filmfestival ..................11<br />
„So schmeckt‘s bei uns dahoam“<br />
Schüler entwickeln regionales Kochbuch ............................................... 12<br />
Neues Spitzenprodukt<br />
Der Zugspitz Region Karreespeck ................................................................ 12<br />
Impressum .................................................................................................. 12<br />
Foto Editorial: Max Merget | Titelbild: PantherMedia / Emson<br />
2 spitze! 03/<strong>2024</strong>
Tradition als Innovationstreiber<br />
8. Tourismustag der Zugspitz Region<br />
Die Zugspitz Region lädt am 27. September<br />
<strong>2024</strong> von 9 bis 15 Uhr im<br />
Freilichtmuseum Glentleiten zum 8. Tourismustag<br />
ein, der in diesem Jahr unter dem<br />
spannenden Thema „Tradition als Innovationstreiber“<br />
steht. Der Tag veranschaulicht,<br />
wie traditionelle Werte und moderne Innovationen<br />
Hand in Hand gehen können, um<br />
die Zukunft und den Tourismus in unserer<br />
Region nachhaltig und zukunftsorientiert<br />
zu gestalten. Inspirierende Vorträge, anregende<br />
Diskussionen und erfolgreiche Praxisbeispiele<br />
von Unternehmen, wie dem<br />
Hotel Hirschen in Schwarzenberg im Bregenzerwald<br />
und der TCOrobotics GmbH<br />
erlauben wertvolle Einblicke, wie man aus<br />
der Symbiose von Tradition und Innovation<br />
profitieren kann.<br />
Die Gastgeberinnen und Gastgeber erhalten<br />
die Einladung mit dem Anmeldelink<br />
von Ihren Urlaubsdestinationen per E-Mail<br />
zugeschickt und dürfen sich jetzt schon<br />
auf einen Tag voller wertvoller Impulse,<br />
Seid´s dabei!<br />
8. Tourismustag der<br />
Zugspitz Region<br />
Thema: Tradition als<br />
Innovationstreiber<br />
Wann? Freitag, 27.09.<strong>2024</strong><br />
Wo? Freilichtmuseum Gleintleiten,<br />
Großweil<br />
neuer Ideen und inspirierender Begegnungen<br />
freuen.<br />
© Bezirk Oberbayern, Archiv FLM Glentleiten, Foto: Beck<br />
Foto unten: Zugspitz Region GmbH | Grafik oben: © Bezirk Oberbayern, Archiv FLM Glentleiten, Foto: Beck<br />
Erfolgreiche Produktschulung für Gastgebende<br />
In Kooperation mit den lokalen Bergschulen,<br />
„Die Bergführer“ aus Ohlstadt<br />
und „Vivalpin“ aus Garmisch-Partenkirchen<br />
sowie der Bayerischen Zugspitzbahn (BZB)<br />
fand kürzlich eine sehr erfolgreiche Produktschulung<br />
für Gastgeberinnen und<br />
Gastgeber der Zugspitz Region statt. Über<br />
Begeisterte Gastgeberinnen und Gastgeber<br />
auf dem höchsten Gipfel Deutschlands,<br />
begleitet von einheimischen Bergführern<br />
zwei Tage hinweg wurden Teilnehmende<br />
aus Hotels, dem Gastgewerbe und Tourist-<br />
Informationen für die vielfältigen alpinen<br />
Angebote der Region begeistert.<br />
Der erste Tag begann mit einer informativen<br />
Gletscherwanderung und einer beeindruckenden<br />
Gipfelbesteigung auf die Zugspitze.<br />
Unter der fachkundigen Leitung der<br />
Bergschulen erhielten die Teilnehmenden<br />
wertvolle Einblicke in die geologische und<br />
ökologische Bedeutung der Gletscherregion.<br />
Zudem wurden die wichtigsten Details<br />
zu den verschiedenen Aufstiegsrouten auf<br />
die Zugspitze, abgestimmt auf unterschiedliche<br />
Gästezielgruppen, ausführlich erörtert.<br />
Am zweiten Tag stand eine Klettersteigführung<br />
im Kreuzeckgebiet auf dem Programm.<br />
Begleitet von lokalen Bergexperten,<br />
erlernten die Teilnehmenden nicht nur die<br />
Techniken des Klettersteiggehens, sondern<br />
erhielten auch umfassende Informationen<br />
über die Besonderheiten der alpinen Region.<br />
Diese bietet sowohl Einsteigern als<br />
auch Fortgeschrittenen unvergessliche Erlebnisse.<br />
Die Schulung bot zudem wertvolle<br />
Einblicke in die Sicherheitsstandards und<br />
die Verfügbarkeit moderner Ausrüstung vor<br />
Ort. Zusätzlich wurden die Teilnehmenden<br />
über verschiedene Wanderwege informiert,<br />
darunter der Natursteig Osterfelder, der<br />
besonders Familien einzigartige Naturerlebnisse<br />
bietet und der Kandahar Hike für<br />
anspruchsvolle Vorhaben.<br />
Dank der erweiterten Kenntnisse können<br />
die Gastgeberinnen und Gastgeber ihren<br />
Gästen nun noch bessere Informationen<br />
und Empfehlungen zu den besten Adressen<br />
für Sicherheit, Achtsamkeit und Naturverträglichkeit<br />
bieten. Diese intensiven Schulungstage<br />
haben nicht nur das Verständnis<br />
für unsere alpinen Angebote vertieft, sondern<br />
auch die Partnerschaft mit unseren<br />
lokalen Experten und der BZB gestärkt.<br />
Die Zugspitz Region freut sich auf zukünftige<br />
Schulungen und die kontinuierliche<br />
Weiterentwicklung unserer Region als führendes<br />
Reiseziel in Südbayern für Naturbegeisterte<br />
und Entdecker.<br />
spitze! 03/<strong>2024</strong> 3
Gemeinsam für ein<br />
verbessertes Besucher-Management<br />
Besucher-Management-Konzept geht mit ersten Maßnahmen in die Umsetzung<br />
Erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen den Akteuren am Eibsee: Stephan Märkl (Bürgermeister der Gemeinde Grainau), Sebastian Kramer<br />
(Geschäftsführer Zugspitz Region GmbH), Marcus Rieppel (Geschäftsführer Eibsee Hotel), Anja Eder (Leitung Tourismus Grainau),<br />
Olaf Buchberger (Direktor Eibsee Hotel), Anna-Lena Huber (Regionalmanagerin Zugspitz Region GmbH), Sarah Hoffmann (Mobilitätsteam<br />
des Landratsamtes Garmisch-Partenkirchen), Mario Lanzenhofer (Bayerische Zugspitzbahn), Verena Tanzer (Sprecherin Bayerische Zugspitzbahn)<br />
Ohne Frage, es ist schön hier in unserer<br />
Zugspitz Region! Die malerischen<br />
<strong>Bergwelten</strong>, die idyllischen Landschaften,<br />
die klaren Seen und die charmanten Ortschaften<br />
ziehen jedes Jahr Millionen Besucher<br />
an. So dürfen wir uns jedes Jahr<br />
über 10 Millionen Tagesgäste und 1,3 Millionen<br />
Ankünfte von Übernachtungsgästen<br />
freuen, die unser Glück teilen und die<br />
atemberaubende Schönheit unserer Region<br />
erleben möchten. Doch kommt es in<br />
den letzten Jahren leider immer häufiger<br />
dazu, dass sich all dies nicht mehr uneingeschränkt<br />
genießen lässt, da an einzelnen<br />
Orten zu viele Menschen zeitgleich zusammentreffen.<br />
Staus, überfüllte Parkplätze und<br />
eine Übernutzung unserer einzigartigen<br />
Natur sind nur einige der Folgen.<br />
An dieser Situation nachhaltig etwas zu ändern,<br />
ist die Herausforderung, der sich die<br />
Zugspitz Region GmbH bereits 2022 stellte,<br />
als sie das Regionalmanagement Bayern<br />
Besucherlenkungsprojekt ins Leben rief,<br />
das vom Bayerischen Staatsministerium für<br />
Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie<br />
gefördert wird.<br />
Gemeinsam mit Akteuren aus dem gesamten<br />
Landkreis und unter der Leitung der Experten<br />
von Realizing Progress entstand ein<br />
umfassendes Besucher-Management-Konzept.<br />
Dieses Konzept legt den Grundstein<br />
für einen langfristigen Prozess, dessen erste<br />
Maßnahmen nun in die Umsetzung gehen.<br />
„Ein nachhaltiges Besucher-Management<br />
zu implementieren, gleicht eher einem Marathon<br />
als einem Sprint“, betont Regionalmanagerin<br />
Anna-Lena Huber. „Es ist wichtig,<br />
dass alle Akteure ein Bewusstsein für<br />
dieses wichtige Thema entwickeln und dieses<br />
dann langfristig, bei allem was wir tun<br />
oder kommunizieren, mitgedacht wird.“<br />
Tourismusmanager Philipp Holz ist durchaus<br />
optimistisch, dass sich eine positive<br />
Entwicklung realisieren lässt: „Wichtig<br />
ist, dass wir Belastungsspitzen abflachen.<br />
Dieses gelingt, wenn wir es schaffen, beispielsweise<br />
den Anreiseverkehr zum Teil<br />
auf den ÖPNV zu verlagern, Alternativen<br />
zu Hotspots aufzuzeigen und den Fokus<br />
auf nachhaltige Angebote zu Fuß oder mit<br />
dem Rad zu setzen. Weiterhin müssen wir<br />
die Menschen, die zu uns kommen, für die<br />
Gegebenheiten vor Ort und die Belange<br />
dessen, was unsere Region so besonders<br />
macht – nämlich unsere Natur und unsere<br />
Tradition – sensibilisieren.“<br />
All das ist nur zu schaffen, wenn alle, die in<br />
Kontakt mit den Besucherinnen und Besuchern<br />
stehen, an einem Strang ziehen und<br />
gezielt kommunizieren. Hier wurden bereits<br />
bedeutende Schritte unternommen:<br />
So wurde mit allen touristischen Destinationen,<br />
der Bayerischen Zugspitzbahn sowie<br />
Vertretern von Natur- und Klimaschutz<br />
eine gemeinsame Social Media Guideline<br />
erarbeitet. Eine daraus resultierende gemeinsame<br />
Kampagnenplanung ist in der<br />
Entstehung.<br />
Eine erste Maßnahme mit Bezug auf die zwei<br />
zentralen Hotspots unserer Region, den Eibsee<br />
und die Zugspitze, konnte als beispielhafte<br />
Gemeinschaftsleistung auf den Weg<br />
gebracht werden: Eine zentrale Plattform<br />
mit umfangreichen Informationen zu den<br />
unterschiedlichen Anreiseoptionen sowie<br />
den Gegebenheiten vor Ort wurde von der<br />
Zugspitz Region GmbH umgesetzt.<br />
© Zugspitz Region GmbH, Foto: Philipp Holz<br />
4 spitze! 03/<strong>2024</strong>
Wie komme ich zum Eibsee<br />
und zur Zugspitze?<br />
Neue Informationsplattform für eine reibungslose Anreise<br />
Zwei Besuchermagnete,<br />
ein Ziel<br />
Die zwei Attraktionen Eibsee und Zugspitze<br />
liegen räumlich nah beieinander, und die<br />
Eibseestraße ist die einzige Zufahrtsstraße.<br />
Diese geografische Nähe, das hohe Besucheraufkommen<br />
und die eingeschränkten<br />
Zufahrtsmöglichkeiten stellen eine Herausforderung<br />
dar.<br />
Gut informiert,<br />
besser ans Ziel kommen!<br />
• Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln:<br />
die effiziente, umweltschonende Anreise<br />
• Zu Fuß oder mit dem Rad:<br />
die gesunde, umweltfreundliche Anreise<br />
• Mit dem Auto:<br />
die unabhängige, aber nicht stressfreie<br />
Anreise<br />
© Eibsee Hotel, Foto: Wolfgang Ehn<br />
Eine unabhängige und aktuelle Informationsmöglichkeit<br />
als wichtiger Kommunikationskanal<br />
zu den Besucherinnen und Besuchern<br />
hat bislang gefehlt.<br />
Auf den Webseiten www.anreise-eibsee.de<br />
und www.anreise-zugspitze.de finden Besucherinnen<br />
und Besucher nun detaillierte<br />
Informationen und Tipps rund um die Anreise,<br />
inklusive Verlinkungen zu Fahrplänen,<br />
Parkplätzen und Routen. So lässt sich der<br />
Besuch der zwei Tourismusattraktionen<br />
optimal planen.<br />
Ziel ist es, möglichst viele Besucher mit<br />
dem Informationsangebot zu erreichen,<br />
bevor sie ihren Weg zum Eibsee und zur<br />
Zugspitze antreten. Die Zugspitz Region<br />
GmbH stellt daher unterschiedliche Materialien<br />
(Aushang, Übersichtsgrafik, Social<br />
Media Grafiken etc.) kostenfrei unter<br />
info@zugspitz-region.de zur Verfügung.<br />
Wir freuen uns über Gastgebende und<br />
touristische Dienstleister, die uns bei der<br />
Bekanntmachung unterstützen und ihren<br />
Gästen so ein positives Besuchererlebnis<br />
ermöglichen.<br />
spitze! 03/<strong>2024</strong> 5
Ausbildungsberufe in der Zugspitz Region finden<br />
Zukunftsmesse am 17. Oktober: Betriebe und Institutionen stellen sich vor<br />
Was kommt nach der Schule? Vor<br />
dieser Frage stehen auch dieses<br />
Jahr wieder viele Schülerinnen und Schüler<br />
unserer Landkreisschulen, für die der<br />
Schulabschluss in greifbare Nähe rückt. Die<br />
Möglichkeiten sind vielfältig. Zu über 70<br />
Ausbildungsberufen und dualen Studiengängen<br />
konnten sich die Teilnehmerinnen<br />
und Teilnehmer der Zukunftsmesse im vergangenen<br />
Jahr informieren.<br />
Auch in diesem Jahr ist das Interesse der im<br />
Landkreis ansässigen Unternehmen groß.<br />
„Jedes Jahr kommen neue Unternehmen<br />
hinzu“, freut sich Sebastian Kramer, Wirtschaftsförderer<br />
des Landkreises Garmisch-<br />
Partenkirchen.<br />
Kommt am Donnerstag, 17. Oktober <strong>2024</strong><br />
zwischen 9 und 16 Uhr ins Kongresshaus<br />
Garmisch-Partenkirchen. Der Eintritt ist frei<br />
und keine Anmeldung erforderlich!<br />
Was bietet die Zukunftsmesse<br />
Schülerinnen und Schülern<br />
sowie ihren Eltern?<br />
• Die Vielfalt der im Landkreis ansässigen<br />
Unternehmen sowie Institutionen<br />
und Behörden im Überblick<br />
• Die Gelegenheit, eigene Fragen im<br />
persönlichen Gespräch an potenzielle<br />
Arbeitgeber und ihre Auszubildenden<br />
zu richten<br />
• Möglichkeiten, Schnupperpraktika für<br />
die nächsten Ferien zu vereinbaren<br />
• Informationsangebote unterschiedlicher<br />
berufsbildender Schulen<br />
• Ein spannendes, begleitendes Workshop-<br />
und Vortragsprogramm zu Bewerbungsfragen,<br />
Ausbildungsmöglichkeiten<br />
und Berufsfeldern<br />
• Eine Virtual Work Experience Aktionsfläche<br />
des Medienzentrums: Mit einer<br />
VR Brille in Berufswelten eintauchen<br />
und Einblicke in wenig zugängliche<br />
Bereiche der Arbeitswelt erhalten<br />
Weitere Informationen zu den auf der<br />
Messe vertretenen Firmen<br />
und dem begleitenden<br />
Workshop- und<br />
Vortragsprogramm findet<br />
ihr hier.<br />
© Zugspitz Region GmbH, Foto: Anton Brey<br />
6 spitze! 03/<strong>2024</strong>
Ausbildungskompass 2025<br />
Den Nachwuchs optimal auf die Arbeitswelt vorbereiten<br />
Der Ausbildungskompass, das zentrale<br />
Nachschlagewerk für die regionale<br />
Berufsorientierung, ist konzipiert für Schülerinnen<br />
und Schüler sowie Eltern und<br />
Lehrkräfte. Gemeinsam mit Landrat Anton<br />
Speer präsentierte die Zugspitz Region<br />
nach den Pfingstferien die 8. <strong>Ausgabe</strong> in<br />
der Christoph-Probst-Mittelschule Murnau.<br />
Im aktuellen Ausbildungskompass finden<br />
Schülerinnen und Schüler des Landkreises<br />
173 Ausbildungsbetriebe mit insgesamt 266<br />
Praktika, 64 Ferienjobs, 18 Studiengängen,<br />
111 Ausbildungsberufen und 25 Ausbildungen<br />
in Teilzeit für das Ausbildungsjahr<br />
2025.<br />
In einer Zeit, in der der Fachkräftemangel<br />
in vielen Branchen spürbar ist, bietet dieses<br />
Projekt eine wertvolle Unterstützung für alle,<br />
die sich in der Berufswelt orientieren wollen.<br />
Jungen Menschen Perspektiven aufzuzeigen,<br />
in der Region zu lernen, zu arbeiten<br />
und zu studieren, sie unkompliziert mit Betrieben<br />
zusammenzubringen, darauf liegt<br />
der Fokus des Ausbildungskompasses. Ein<br />
Pressetermin in der Christoph-Probst-Mittelschule Murnau<br />
starkes Netzwerk aus regionalen Unternehmen<br />
und engagierten Schulen im Landkreis<br />
ist hierfür die Voraussetzung.<br />
Das umfangreiche Magazin, das in gedruckter<br />
grund. Jugendliche finden dort weitere<br />
Form sowie als Online-Version vorliegt, Hilfestellungen zur Berufsorientierung,<br />
wird von der Zugspitz Region in enger Zusammenarbeit<br />
mit der IHK München und<br />
Oberbayern, der Agentur für Arbeit Weilheim,<br />
der Kreishandwerkerschaft Oberland<br />
und der Handwerkskammer für München<br />
und Oberbayern herausgegeben.<br />
wie den Stärke-Test und den Interessens-<br />
Check, die eine erste Orientierung bieten,<br />
welche Berufe zu den eigenen Fähigkeiten<br />
und Interessen passen. Auch der Veranstaltungskalender<br />
oder Blog-Artikel zu<br />
diversen Fachthemen auf der benutzerfreundlichen<br />
Plattform www.ausbildungskompass.de<br />
Die digitale Version des Ausbildungskompasses<br />
bietet für Lehrkräfte Unterrichtsmaterialien<br />
oder auch Unterstützung für<br />
Schüler mit förderungsfähigem Hinter-<br />
helfen Schülern, Eltern und<br />
Lehrern in einer sich ständig verändernden<br />
Arbeitswelt informiert und auf dem aktuellen<br />
Stand zu bleiben.<br />
Bezahlbarer Wohnraum in der Region<br />
Qualifizierter Mietspiegel für den Landkreis<br />
Foto unten: Marc Gilsdorf | Foto oben: Barbara Jungwirth<br />
Im Rahmen des Regionalmanagement<br />
Projekts „Bezahlbarer Wohnraum in der<br />
Zugspitz Region“ wird aktuell ein qualifizierter<br />
Mietspiegel für den Landkreis Garmisch-<br />
Partenkirchen erstellt. Dieses Instrument ist<br />
ein wichtiger Schritt, um die Wohnsituation<br />
in der Region positiv zu beeinflussen und<br />
den Bürgerinnen und Bürgern mehr Sicherheit<br />
und Transparenz in Bezug auf die Mietpreise<br />
zu bieten.<br />
Ein qualifizierter Mietspiegel wirkt auf verschiedene<br />
Weise mietpreisdämpfend bzw.<br />
regulierend:<br />
1. Transparenz: Der Mietspiegel schafft<br />
Klarheit über die ortsüblichen Vergleichsmieten.<br />
Vermieter können nicht mehr<br />
ungerechtfertigt hohe Mieten verlangen,<br />
da der Mietspiegel als Referenz dient.<br />
2. Rechtsgrundlage: Im Streitfall dient der<br />
Mietspiegel als anerkanntes Beweismittel<br />
vor Gericht. Dies schützt Mieter vor<br />
willkürlichen Mietsteigerungen und gibt<br />
ihnen eine solide Grundlage, um sich gegen<br />
überhöhte Forderungen zu wehren.<br />
3. Marktregulierung: Durch die regelmäßige<br />
Erhebung und Veröffentlichung der<br />
Mietpreise wird der Mietmarkt transparenter<br />
und fairer. Dies wirkt spekulativen<br />
Preissteigerungen entgegen und sorgt<br />
für ein ausgeglicheneres Mietniveau.<br />
Die Einführung eines qualifizierten Mietspiegels<br />
im Landkreis Garmisch-Partenkirchen<br />
bringt somit zahlreiche Vorteile für die Bewohner.<br />
Er bietet Schutz vor überhöhten<br />
Mieten und gibt Mietern und Vermietern<br />
eine objektive Grundlage für Mietverhandlungen.<br />
Dies erleichtert die Einigung auf<br />
einen fairen Mietpreis und reduziert Konflikte.<br />
Zudem haben Mieter eine verlässliche<br />
Rechtsgrundlage, um gegen ungerechtfertigte<br />
Mietforderungen vorzugehen. Dies<br />
stärkt ihre Position und gibt ihnen Sicherheit.<br />
Ein transparenter Mietmarkt trägt zudem<br />
zur sozialen Stabilität bei. Wenn die Mietpreise<br />
im Rahmen bleiben, werden soziale<br />
Spannungen reduziert und ein harmonisches<br />
Zusammenleben gefördert.<br />
spitze! 03/<strong>2024</strong> 7
Gesundheitstag <strong>2024</strong> in Murnau<br />
Am 26. Oktober ist es wieder so weit!<br />
Am 26. Oktober findet im Kultur- und<br />
Tagungszentrum in Murnau der große<br />
Gesundheitstag der Gesundheitsregion plus<br />
in der Zugspitz Region statt.<br />
Bei der diesjährigen Veranstaltung, die<br />
von der Gesundheitsregion plus Landkreis<br />
Garmisch-Partenkirchen organisiert wird,<br />
dreht sich alles um das Schwerpunktthema<br />
„Frauengesundheit und Frauen in der Gesundheit“<br />
mit den Bereichen Versorgung,<br />
Pflege und Prävention. „Wir greifen damit<br />
das Schwerpunktthema „Frauen – sichtbar<br />
& gesund!“ des Staatsministeriums für Gesundheit,<br />
Pflege und Prävention auf“, so Gesundheitsmanager<br />
Hannes Sörgel.<br />
Die Gesundheitsministerin Judith Gerlach<br />
erläutert die Wichtigkeit des Themas: „Es<br />
gibt gesundheitliche Besonderheiten und<br />
Erkrankungen, von denen nur Frauen betroffen<br />
sind – wie Gebärmutterhalskrebs,<br />
Endometriose oder die Wechseljahre. Genauso<br />
gibt es Erkrankungen, die bei Frauen<br />
häufiger auftreten als bei Männern – beispielsweise<br />
Essstörungen oder Demenz.<br />
Dazu kommen Beschwerden und Erkrankungen,<br />
die sich bei Frauen anders äußern<br />
als bei Männern.“<br />
Als Besonderheit in diesem Jahr wird es<br />
eine kleine begleitende Kunstausstellung<br />
der Ärztin und Künstlerin Jasmina Mircheva-Sirakova<br />
geben. Es werden Bilder zum<br />
Thema Frauengesundheit gezeigt, die nur<br />
exklusiv für diesen Tag geschaffen wurden.<br />
Neben der Information steht auch der<br />
Netzwerkgedanke im Fokus. Der Gesundheitstag<br />
bietet für die Akteure eine hervorragende<br />
Möglichkeit, sich untereinander<br />
auszutauschen und zu vernetzen.<br />
Wir freuen uns auf Ihren Besuch am Gesundheitstag<br />
der Gesundheitsregion plus in<br />
Murnau, am 26.10.<strong>2024</strong> von 10 – 16 Uhr.<br />
Der Eintritt zur Veranstaltung ist frei! Auch<br />
Männer sind natürlich herzlich willkommen!<br />
Weitere<br />
Informationen<br />
findet ihr hier!<br />
Eine Vielzahl von Anbietern aus dem Bereich<br />
Gesundheit präsentieren ein spannendes<br />
und umfangreiches Programm für<br />
die Besucherinnen und Besucher. Es wird<br />
zahlreiche Infostände und Mitmachaktionen<br />
zum Schwerpunktthema geben. Dazu<br />
haben sich die rund 35 Aussteller aus der<br />
gesamten Zugspitz Region, unter ihnen<br />
Kliniken, Krankenkassen, BRK, Beratungsstellen<br />
und Coaching-Angebote wie auch<br />
Sportvereine einiges einfallen lassen.<br />
„Wir versuchen die Vielfalt an Angeboten,<br />
die unser Landkreis bietet, am Gesundheitstag<br />
zu präsentieren“, so Sörgel. „Und<br />
das ist uns sehr gut gelungen!“<br />
Es werden zudem verschiedene kostenlose<br />
Workshops für die Besucherinnen und<br />
Besucher angeboten. Zu den Themen „Die<br />
älter werdende Frau“, „Die Stärkung der<br />
Seele und Achtsamkeit“ bis hin zu den „Unterschieden<br />
von Mann und Frau in der Medizin“<br />
werden hochkarätige Referenten vor<br />
Ort sein.<br />
Gesundheitstag <strong>2024</strong><br />
Sa, 26. Okt. | 10 bis 16 Uhr<br />
Kultur- und Tagungszentrum Murnau<br />
Vielfältige Aktivitäten und Angebote rund um die Gesundheit<br />
Schwerpunktthema: Frauengesundheit und Frauen in der Gesundheit<br />
Eintritt frei! Seid`s dabei - www.gesundheitstag-zugspitzregion.de<br />
Fotos: Max Merget<br />
8 spitze! 03/<strong>2024</strong>
KopfKINO – GefühlsKINO<br />
Schau ma hin …<br />
Der alljährliche Tag der seelischen Gesundheit<br />
bietet eine gute Gelegenheit,<br />
das Bewusstsein für psychische Erkrankungen<br />
zu schärfen und über Wege zur Förderung<br />
des seelischen Wohlbefindens zu<br />
sprechen.<br />
Gefühls<br />
KopfKINO<br />
schau ma hin ...<br />
Steuerungsverbund<br />
Psychische<br />
Gesundheit<br />
Garmisch-Partenkirchen<br />
KopfKINO GefühlsKINO – Schau ma hin!<br />
Tag der seelischen Gesundheit<br />
Mi, 9. Okt. |<br />
Do, 10. Okt. |<br />
● „PLAY“ - zeigt die Seelenwelt eines jungen Mädchens zwischen<br />
Realität und virtueller Welt<br />
● „SILVER LININGS“ – zeichnet den Weg zweier labiler Menschen in<br />
der Lebensmitte, die einen Neuanfang starten<br />
Im Anschluss an die Filme besteht die Möglichkeit zum Austausch<br />
und Diskussion mit Fachleuten und weiteren Beteiligten.<br />
EINTRITT FREI!<br />
18:00 Uhr Griesbräukino in Murnau,<br />
Film „Play“<br />
19:30 Uhr Hochlandkino Partenkirchen,<br />
Film „Silver Linings“<br />
24<br />
ZWEIMAL KOPF- UND GEFÜHLS-KINO AUF DER GROSSEN LEINWAND<br />
Weitere Informationen:<br />
https://www.tag-der-seelischen-gesundheit.de/<br />
Kinofilme spielen dabei eine besondere<br />
Rolle, da sie Emotionen auf eine außergewöhnliche<br />
Weise vermitteln können,<br />
die oft tief berührt und zum Nachdenken<br />
anregt. Sie bieten nicht nur Unterhaltung,<br />
sondern auch die Möglichkeit zur Reflexion<br />
und zum Mitgefühl.<br />
Zwei Filme, die unter die Haut gehen, werden<br />
deshalb in diesem Jahr um den Tag der<br />
seelischen Gesundheit im Landkreis gezeigt.<br />
Organisiert werden die Abende vom Steuerungsverbund<br />
seelische Gesundheit (SPG)<br />
mit Unterstützung der Gesundheitsregion plus<br />
Landkreis Garmisch-Partenkirchen.<br />
An beiden Veranstaltungsorten wird es einen<br />
Infostand geben, an dem die Akteure ihre<br />
Flyer und Informationsmaterial auslegen und<br />
für Informationen zur Verfügung stehen.<br />
Im Anschluss an die Filme besteht jeweils<br />
die Möglichkeit zu Austausch und Diskussion<br />
mit Fachleuten der teilnehmenden Einrichtungen.<br />
Für beide Veranstaltungen ist keine Anmeldung<br />
erforderlich. Eintritt frei!<br />
Schau ma hin – Seid´s dabei und unterstützt<br />
das Bewusstsein für seelische Gesundheit!<br />
Programm<br />
Datum: 9. Oktober, 18 Uhr<br />
Ort: Murnau, Griesbräukino<br />
Film: „Play“ (FSK 16)<br />
Der Film zeigt die Seelenwelt<br />
eines jungen Mädchens zwischen<br />
Realität und virtueller Welt.<br />
Datum: 10. Oktober, 19:30 Uhr<br />
Ort: Partenkirchen, Hochlandkino<br />
Film: „Silver Linings“ (FSK 16)<br />
Lebensweg zweier psychisch labiler<br />
Menschen in der Lebensmitte,<br />
die einen Neuanfang starten<br />
Energiekarawane zieht weiter nach Mittenwald<br />
Kostenlose Energieberatung für Ihr Zuhause<br />
Ab Oktober <strong>2024</strong> kommen nun die Bürgerinnen<br />
und Bürger von Mittenwald<br />
in den Genuss des Angebots der Energiekarawane:<br />
Der Markt Mittenwald und die Verbraucherzentrale<br />
Bayern e. V. bieten Ihnen<br />
eine kostenlose Energieberatung für Ihre<br />
Eigentumswohnung oder Ihr Haus.<br />
Im Rahmen dieser Aktion kommen qualifizierte<br />
Energieberater zu Ihnen und führen<br />
eine etwa zweistündige, anbieter- und produktneutrale<br />
Beratung durch – völlig kostenfrei<br />
für Sie. Normalerweise wäre diese<br />
Leistung, die einen Wert von etwa 300 Euro<br />
hat, mit einem Eigenanteil von 30 Euro verbunden.<br />
Doch dank der Förderung durch<br />
das Bundesministerium für Wirtschaft und<br />
Klimaschutz und der Unterstützung der<br />
Zugspitz Region GmbH, die den Eigenanteil<br />
für insgesamt 100 Beratungen übernimmt,<br />
entstehen Ihnen keinerlei Kosten.<br />
Bei der Vor-Ort-Beratung erhalten Sie einen<br />
umfassenden Überblick über den energetischen<br />
Zustand Ihres Hauses oder Ihrer Wohnung.<br />
Die Experten beantworten Ihre Fragen<br />
und geben Ihnen wertvolle Tipps sowie<br />
konkrete Handlungsempfehlungen, wie Sie<br />
Energie und Kosten sparen und gleichzeitig<br />
die Umwelt schonen können.<br />
Die Initiative wurde gemeinsam mit dem<br />
Landkreis ins Leben gerufen, um die energetische<br />
Sanierung privater Gebäude zu fördern<br />
und so einen Beitrag zur Nachhaltigkeit<br />
zu leisten. Nutzen Sie diese Chance und melden<br />
Sie sich noch bis zum 24.9.<strong>2024</strong> unter<br />
www.markt-mittenwald.de/aktuelles an.<br />
SAVE Bis 24.9.<strong>2024</strong> THE DATE: für kostenfreie Energieberatung anmelden<br />
Die Energiekarawane kommt<br />
nach Mittenwald!<br />
Nutzen Sie die Beratungswochen zur Energieeinsparung<br />
und informieren Sie sich über:<br />
● Modernisierung ● Energetische Sanierung ● Fördermöglichkeiten<br />
www.zugspitz-region-gmbh.de/energiekarawane<br />
spitze! 03/<strong>2024</strong> 9
Klima<br />
Netzwerk<br />
Für Unternehmen<br />
Klimanetzwerk Veranstaltungsreihe im Herbst<br />
Best Practice Beispiele & Networking für Unternehmen in der Zugspitz Region<br />
Sie sind auf der Suche nach nachhaltigen<br />
Lösungen für mehr Energieeffizienz<br />
und Klimaschutz in Ihrem Unternehmen?<br />
Dann werden Sie Teil unseres Klimanetzwerks<br />
und profitieren von den Beratungsangeboten<br />
unserer Partner der Energiewende<br />
Oberland, der Handwerkskammer,<br />
dem Zukunftswerk, der Ammer-Loisach<br />
Energie sowie der Sparkasse Oberland und<br />
der VR Werdenfels.<br />
Zudem setzt die Zugspitz Region GmbH<br />
zusammen mit dem Klimaschutzmanagement<br />
des Landkreises im Herbst die im<br />
vergangenen Jahr ins Leben gerufene Veranstaltungsreihe<br />
fort und bietet zwei praxisnahe<br />
Informations- und Netzwerkveranstaltungen<br />
an.<br />
Mit Führungen und Vorträgen teilen andere<br />
Unternehmen ihre wertvollen Erfahrungen.<br />
Weiterhin erhalten Sie spannende<br />
Hintergrundformationen zu aktuellen Entwicklungen.<br />
Die Veranstaltungen finden in<br />
einem ungezwungenen Rahmen statt und<br />
bieten viel Raum für den persönlichen Erfahrungsaustausch.<br />
Seien Sie bei unseren zwei für den Herbst<br />
geplanten Netzwerktreffen dabei!<br />
Weitere Informationen<br />
zu den Veranstaltungen<br />
und dem Klimanetzwerk<br />
finden Sie hier.<br />
20. September, 12 – 14:30 Uhr<br />
in Iffeldorf<br />
Nachhaltigkeitsstrategie und<br />
Energieeffizienzmaßnahmen von<br />
Unternehmen am Beispiel von Sport<br />
Conrad<br />
Impulsvortrag und Führung im Sport<br />
Conrad Logistikzentrum in Iffeldorf<br />
Sportausstatter Sport Conrad verfolgt<br />
mit seiner Strategie „Wir denken um“<br />
das Ziel, nachhaltigster Outdoor Händler<br />
mit alpinen Produkten im Alpenraum<br />
zu werden. Wie dieses ehrgeizige<br />
Ziel erreicht werden soll, erläutert Maria<br />
Ries, Head of Corporate Responsibility<br />
& Sustainability, in einem Impulsvortrag.<br />
Anschließend erleben die Teilnehmenden<br />
das neue automatische Lagerund<br />
Kommissioniersystem Autostore<br />
im Logistikzentrum in Iffeldorf unter<br />
der Leitung von Wolfgang Tkaczik.<br />
12. November, 17 – 19 Uhr im KIT-Campus<br />
Alpin, Garmisch-Partenkirchen<br />
Klimawandel in der Zugspitz Region:<br />
aktuelle Trends und Prognosen hinsichtlich<br />
der zukünftigen Bedingungen<br />
für Unternehmen des Landkreises<br />
Impulsvortrag von Institutsleiter<br />
Prof. Hans Peter Schmid und Führung<br />
durch den KIT-Campus Alpin<br />
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler<br />
am KIT/IMK-IFU, der größten<br />
bayerischen Klimaforschungseinrichtung,<br />
erforschen Veränderungen der<br />
Atmosphäre, des Wasserhaushalts und<br />
der Lebensbedingungen für Vegetation<br />
und Gesellschaft im globalen Klimawandel.<br />
Die Prozesse in der Atmosphäre<br />
zu erforschen, ist dabei eine wesentliche<br />
Grundlage dafür, den Klimawandel<br />
zu verstehen und Strategien zu entwickeln,<br />
die uns dabei helfen, mit den sich<br />
ändernden Bedingungen umzugehen.<br />
Der Impulsvortrag gibt spannende Einblicke<br />
in die Forschungsergebnisse und<br />
in die Erkenntnisse zu den zukünftigen<br />
Bedingungen in unserem Landkreis. Bei<br />
der anschließenden Führung blicken<br />
die Teilnehmer hinter die Kulissen der<br />
Forschungseinrichtung.<br />
Grafik oben: www.afr-agentur.de<br />
10 spitze! 03/<strong>2024</strong>
Regionales Kurzfilmprojekt „MEIN DAHEIM“<br />
Filme feiern Premiere beim Alpenflimmern Filmfestival<br />
Der Alltag einer Rangerin in den Ammergauer<br />
Alpen, die Geschichte einer<br />
Künstlerin aus Garmisch-Partenkirchen, ein<br />
Wissenschaftler auf dem Schneefernerhaus<br />
auf der Zugspitze, ein Schifffahrtskapitän<br />
auf dem Staffelsee und sein Rekordversuch<br />
– das ist die bunte Auswahl an Geschichten<br />
und Protagonisten, die vier Filmemacher<br />
aus der Zugspitz Region im Rahmen des<br />
Kurzfilmprojekts „Mein Daheim“ porträtiert<br />
haben. Das Alpenflimmern Filmfestival in<br />
der Zugspitz Region bietet die perfekte<br />
Bühne für ihre Werke.<br />
Die Idee für das Filmprojekt brachte der renommierte<br />
Filmemacher Walter Steffen, der<br />
in seinem Format „Mein Daheim im Oberland“<br />
bereits eine Serie mit Protagonisten<br />
aus dem Oberland umgesetzt hat. Dass<br />
lebensnahe und authentische Geschichten<br />
aus der Region die Menschen begeistern,<br />
hat Steffen zudem durch den Erfolg seines<br />
Dokumentarfilms „Schafstage“ erfahren.<br />
Davon inspiriert, entstand gemeinsam mit<br />
Christoph Szonn, dem Veranstalter des Alpenflimmern<br />
Filmfestivals und Produzent<br />
der Kurzfilme, sowie der Zugspitz Region<br />
die Idee, das Konzept „Mein Daheim“ auf<br />
die Zugspitz Region zu übertragen und in<br />
einem gemeinsamen Filmprojekt regionale<br />
Geschichten beim Alpenflimmern Filmfestival<br />
<strong>2024</strong> auf die große Leinwand zu bringen.<br />
Ein Drehtag, ein Schnitttag, ein Protagonist<br />
aus der Zugspitz Region – unter diesen<br />
Bedingungen sollten, umgesetzt von regionalen<br />
Filmemachern, Filmporträts entstehen,<br />
die der Frage nach dem persönlichen<br />
„Daheim“ ihrer Protagonisten nachgehen<br />
und ihre authentischen und bewegenden<br />
Geschichten erzählen. Auf den Aufruf im<br />
Frühjahr <strong>2024</strong> hin gingen eine Vielzahl an<br />
Konzeptideen regionaler Filmemacher ein.<br />
Eine Filmemacherin und drei Filmemacher<br />
aus der Zugspitz Region konnten die Jury<br />
überzeugen und erhielten den Zuschlag,<br />
ihre Filmporträts umzusetzen.<br />
Diese feierten am 28. Juli <strong>2024</strong> Premiere im<br />
Rahmen des Alpenflimmern Filmfestivals<br />
beim „Kino unterm Karwendel“ in Mittenwald.<br />
Eine weitere Vorführung gab es am 2.<br />
August beim Silent Cinema Gartenkino in<br />
der Villa Reinherz in Murnau. Für den Herbst<br />
<strong>2024</strong> ist Kino-Premiere in Garmisch-Partenkirchen<br />
geplant. Im Anschluss sollen die<br />
Filme im Vorprogramm der regionalen Kinos<br />
im Landkreis die Zuschauer begeistern.<br />
Die Filmemacher und ihre Filme:<br />
„Heimatpfade“ von Manuela Palmberger aus<br />
Ettal (www.manuela-palmberger-photo.com)<br />
Palmberger fand es spannend, die Rangerin<br />
Deniz Göcen bei ihrer Arbeit in den Ammergauer<br />
Alpen in Zeiten von Overtourismus<br />
zu begleiten.<br />
„Gerry – Leben am Staffelsee“ von Sebastian<br />
Fricke aus Murnau (www.frickefilm.de)<br />
Er begleitet den Kapitän Gerry Meyer auf<br />
einer außergewöhnlichen Rundfahrt mit<br />
dem Schiff „Staffelseerin“. Meyer will einen<br />
Weltrekord knacken: die längste Fahrt eines<br />
elektrischen Fahrgastschiffes ohne Zwischenladung.<br />
„AYLA“ von Luca Imberi aus Garmisch-Partenkirchen<br />
(www.luca-imberi.tv)<br />
Imberi erzählt die Geschichte der Künstlerin<br />
Ayla Ginsberg, die unbedingt ‚raus‘<br />
wollte, studierte und nach einem Schicksalsschlag<br />
zurück in die Heimat kam, wo sie<br />
nun ihr persönliches und berufliches Glück<br />
gefunden hat.<br />
„Bergverbunden“ von Wolfgang Ehn aus<br />
Mittenwald (www.wolfgang-ehn.de/film)<br />
Ehn porträtiert den Klimawissenschaftler,<br />
Physiker und Alpinisten Dr. Christian Vogelmann.<br />
Vogelmann forscht im traditionellen<br />
Grainau und ist gleichzeitig im Dorfleben<br />
aktiv. Der Film zeigt, wie er diese beiden Aspekte<br />
seines Lebens sowie seine Liebe zu<br />
den Bergen miteinander verbindet.<br />
Weitere Infos:<br />
www.zugspitz-region.de/film<br />
Save the Date!<br />
Kunst- und Fotoausstellung im<br />
Freilichtmuseum Glentleiten<br />
Foto: Zugspitz Region GmbH<br />
Hinten v. li. n. re.: Christoph Szonn (Produzent, Veranstalter Alpenflimmern Filmfestival),<br />
Philipp Holz (Tourismusmanager Zugspitz Region GmbH), Walter Steffen (Regisseur, Ideengeber<br />
„Mein Daheim“). Vorne v. li. n. re. die Filmemacher: Sebastian Fricke, Luca Imberi,<br />
Manuela Palmberger, Wolfgang Ehn.<br />
Erleben Sie Werke von Künstlerinnen<br />
und Künstlern aus der Zugspitz<br />
Region zum Thema „Tierisch nützlich<br />
– der Mensch und sein Vieh“<br />
Wann: Freitag, 11. Oktober –<br />
Sonntag, 13. Oktober<br />
10 – 17 Uhr<br />
Wo: „Jacklstadel“ auf dem<br />
Museumsgelände<br />
spitze! 03/<strong>2024</strong> 11
„So schmeckt‘s bei uns dahoam“<br />
Schüler entwickeln regionales Kochbuch<br />
Die Zugspitz Region darf sich auf ein<br />
besonderes kulinarisches Projekt freuen:<br />
Im Herbst dieses Jahres erscheint das<br />
Kochbuch „So schmeckt‘s bei uns dahoam“.<br />
Dieses Buch ist das Ergebnis der engagierten<br />
Arbeit des Praxis-Seminars der 11. Klasse des<br />
Werdenfels-Gymnasiums. Die Schülerinnen<br />
und Schüler hatten die Idee, ein Kochbuch<br />
zu erstellen, das die Vielfalt und Tradition der<br />
regionalen Küche authentisch wiedergibt.<br />
Unterstützt wurde das Projekt von der Zugspitz<br />
Region GmbH sowie durch das Programm<br />
„Nachhaltige regionale Kreisläufe“,<br />
gefördert durch das Regionalmanagement<br />
Bayern. Die Schülerinnen und Schüler haben<br />
sich intensiv mit der Bedeutung regionaler<br />
Produkte und der Zusammenarbeit<br />
mit lokalen Betrieben auseinandergesetzt.<br />
Dabei konnten sie wertvolle Erfahrungen<br />
sammeln, sowohl organisatorisch als auch<br />
praktisch, und gewannen Einblicke in die<br />
Themen Regionalität und Nachhaltigkeit.<br />
Das Ergebnis ist ein Kochbuch, das eine<br />
breite Palette an Rezepten und Hintergrundgeschichten<br />
zu den Gerichten bietet.<br />
Es zeigt die kulinarische Vielfalt der<br />
Zugspitz Region und wie traditionelle sowie<br />
moderne Gerichte aus hochwertigen,<br />
regionalen Zutaten zubereitet werden<br />
können.<br />
Das Buch wird im Herbst <strong>2024</strong> in den Touristinformationen<br />
der Zugspitz Region erhältlich<br />
sein und lädt dazu ein, die kulinarischen<br />
Schätze der Heimat zu entdecken<br />
und das Gefühl von „dahoam“ in die eigene<br />
Küche zu bringen.<br />
Neues Spitzenprodukt<br />
Der Zugspitz Region Karreespeck<br />
Seit dem Jahr 2020 verleiht die Zugspitz<br />
Region GmbH bereits das beliebte<br />
Qualitätssiegel „Spitzenprodukt der<br />
Zugspitz Region“, mit dem mittlerweile 16<br />
Betriebe im Landkreis mit ihren Produkten<br />
ausgezeichnet wurden.<br />
Geprüfte Qualität und<br />
aufwendiges Herstellungsverfahren<br />
Nun ist ein neues Produkt hinzugekommen<br />
– der Karreespeck der Metzgerei Haller. Die<br />
Besonderheit: Der Schinken stammt ausschließlich<br />
von Schweinen aus dem Programm<br />
„geprüfte Qualität Bayern“ (GQB).<br />
Zudem erhielt der Schinken bereits eine<br />
i mpressum<br />
Herausgeber:<br />
Zugspitz Region GmbH<br />
Burgstraße 15<br />
82467 Garmisch-Partenkirchen<br />
Telefon: 0 88 21 / 751 - 561<br />
E-Mail: kontakt@zugspitz-region.de<br />
Auszeichnung im Rahmen der DLG-Qualitätsprüfung.<br />
„Unser Zugspitz Region Karreespeck<br />
ist ein würziger und herzhafter roher<br />
Schinken aus dem Schweinerücken. Der<br />
Speck ist mild gesalzen und wird mindestens<br />
fünf Wochen im Salz gelagert. Danach wird<br />
er fünf Tage vorgereift und anschließend<br />
über Buchenholzrauch würzig geräuchert“,<br />
sagt Christian Haller. Anschließend muss er<br />
noch mal zwei Monate reifen und verliert dabei<br />
über 40 Prozent seines Gewichtes, damit<br />
er besonders zart ist und seinen typischen<br />
Geschmack bekommt. Erhältlich ist der Zugspitz<br />
Region Karreespeck in der Metzgerei<br />
Haller in Murnau und wird auch den Landkreismetzgereien<br />
zum Verkauf angeboten.<br />
Geschäftsführer: Sebastian Kramer,<br />
Günter Hopfensperger v.i.S.d.P.<br />
Verlag: Zeitungsverlag Oberbayern GmbH & Co. KG<br />
Pfaffenrieder Straße 9<br />
82515 Wolfratshausen<br />
Redaktion: Gabriela Königbauer<br />
gabi.koenigbauer@gmx.de<br />
Grafik:<br />
Druck:<br />
Erscheinungsweise: vierteljährlich in den Monaten März (Frühling), Juni (Sommer),<br />
September (Herbst) und Dezember (Winter) als Heft im Heft in den „<strong>Bergwelten</strong>“<br />
des Münchner Merkur (Garmisch-Partenkirchner und Murnauer Tagblatt)<br />
Die Auszeichnung Spitzenprodukt ist eines<br />
von drei Qualitätssiegeln, das die Zugspitz<br />
Region GmbH vergibt: Mit dem Spitzenprodukt<br />
will man klare Akzente setzen. „Wir<br />
wollen die besten Produkte unserer Region<br />
zusammenbringen, die Produkte und ihre<br />
Hersteller stärken und unterstützen und die<br />
Nachhaltigkeit und den hohen Qualitätsanspruch<br />
der Produkte aus unserer Region<br />
nach außen hin unterstreichen“, sagt Stephanie<br />
Daser, Dachmarkenmanagerin der<br />
Zugspitz Region GmbH.<br />
Mehr Information:<br />
www.zugspitz-region-partner.de<br />
Nina Wanke, PMS GmbH, Penzberg<br />
Wiesendanger medien GmbH<br />
Fotos oben: Werdenfels Gymnasium, Foto unten: Max Merget<br />
12 spitze! 03/<strong>2024</strong>
In der Rubrik „Host mi?“<br />
stellen wir in jeder<br />
<strong>Ausgabe</strong> einen selten<br />
gewordenen bayerischen<br />
Begriff vor. Die Auswahl<br />
trifft jeweils Siegfried<br />
Bradl vom Förderverein<br />
für Bairische Sprache und<br />
Dialekte (e.V. FBSD).<br />
Weitere Informationen<br />
unter www.fbsd.de.<br />
Karikatur:<br />
Hermann Wiegand<br />
Wirbel im Hühnerhaufen<br />
Foto: Panthermedia / wsf pan<br />
Ordentlich anstrengend ist das.<br />
Wennst jemanden an deiner Seite<br />
hast, der dich den ganzen Tag in<br />
der Weltg’schicht umeinander-sprengt.<br />
Freilich nicht „sprengen“ im hochdeutschen<br />
Sinn des In-die-Luft-Jagens. Würde in der<br />
Praxis ja auch gar nicht funktionieren,<br />
nachdem sich so ein Exekutions-Prozedere<br />
nicht über den ganzen Tag hinziehen<br />
würde – nach einem Knall wär’s vorbei.<br />
Und auch wenn sich der Bayer immer<br />
wieder der eher robusten, kernigen,<br />
auch mal groben Ausdrücke bedient:<br />
Ganz so brutal geht’s nicht zu.<br />
Sobald der Bayer jemanden sprengt, dann<br />
hetzt, (ver)jagt oder (ver)treibt er ihn.<br />
Für die Nicht-Mutterdialektler unter<br />
den Lesern: Obacht beim Gebrauch.<br />
Wer sich vor dem abendlichen Ausgehen<br />
gegen das ungeduldige Drängeln des<br />
Begleiters mit dem Ausruf „Spreng mi<br />
ned!“ wehrt, erhält maximal Irritation<br />
und Unverständnis, sicher nicht weniger<br />
Hektik. Ein lässiges „Pressiert’s da?“<br />
kommt da deutlich überzeugender<br />
daher – sprachlich gesehen. Unbedingt<br />
deeskalierend wirkt’s womöglich nicht.<br />
Aber zurück zur Sprengerei. Umeinanderoder<br />
(gewaltfrei) auseinandersprengen<br />
kann man nicht nur Menschen, sondern<br />
auch Tiere, kleine, gefiederte zum Beispiel.<br />
Und manch ein Landwirt hat dafür sogar<br />
ein eigenes Gefährt: den Hehnasprenga.<br />
Ein kleines Motorrad, das die in ihrer<br />
Gruppe friedlich pickenden Hennen<br />
aufscheucht und auseinanderjagt.<br />
Freilich kauft der Bauer das Gefährt nicht<br />
extra dafür. Aber wenn er damit auf<br />
den Hof knattert, bleibt der Wirbel im<br />
Hühnerhaufen nicht aus. Bei aller Aufruhr:<br />
Freilich hinterlässt auch ein Hehnasprenga<br />
die Viecher körperlich absolut unversehrt.<br />
<br />
n Katharina Bromberger<br />
PS: Im Fränkischen ist das Wort im<br />
Übrigen noch weiter verbreitet. Sprengen<br />
bedeutet dort auch „Klingelputzen“, also<br />
den Lausbubensport, an Haustüren<br />
zu klingeln und dann wegzulaufen.<br />
Wer „lossprengt“, rennt plötzlich sehr<br />
schnell davon, wer „dahersprengt“,<br />
hat grundsätzlich ein sportliches<br />
Gehtempo, und das „Aussprengen“ ist<br />
das Tagesgeschäft der Ratschkathl – das<br />
Ausplaudern oder übel Nachreden.<br />
<strong>Bergwelten</strong> Herbst <strong>2024</strong> 33
DIE NATUR UND IHRE SCHÄTZE<br />
Wenn<br />
die Blätter<br />
Tango tanzen<br />
Foto: Panthermedia / silverjohn<br />
Viele Menschen nutzen ihren Garten vorrangig zum<br />
Rasenmähen. Seinen wahren Wert übersehen sie, sein<br />
Genusspotenzial kosten sie nicht aus. So zumindest<br />
empfindet es unser Kolumnist Daniel Haser.<br />
Er öffnet die Augen für das Paradies im Kleinen.<br />
Und für die Poesie, die nur die Natur schreiben kann.<br />
33 Jahre alt,<br />
Landwirt aus Bad Bayersoien,<br />
Vorsitzender im<br />
Gartenbauverein<br />
DANIEL HASER<br />
Geschichte:<br />
Mit dem Haserhof fing 2016 alles an. Daniel Haser betrieb ihn<br />
ohne Subventionen. Unabhängig. Um seine Ideen zu leben. Im<br />
Zentrum stand die Nachhaltigkeit. Das gilt bis heute. Daniel<br />
Haser will einen Gegenentwurf zur Wegwerfgesellschaft<br />
schaffen, lebt nach dem Grundsatz, Nährstoffkreisläufe zu<br />
schließen. Seinen Hofladen jedoch hat er derzeit geschlossen.<br />
Bei der Hagel-Katastrophe im August 2023 wurde sein Betrieb<br />
stark beschädigt. Derzeit arbeitet er am Wiederaufbau.<br />
Foto: Sebastian Gabriel<br />
34 <strong>Bergwelten</strong> Herbst <strong>2024</strong>
Früher war es in unseren Gefilden, wie heute noch in vielen<br />
Teilen der Welt, existenziell, einen Garten zu besitzen und zu<br />
bewirtschaften. Durch unseren Wohlstand aber ist er keine<br />
Notwendigkeit mehr, sondern Privileg und Prestige. Niemand muss<br />
mehr sein Essen und seine Medizin selbst produzieren. Dadurch<br />
wurde aus dem vormaligen Zwang eine freiwillige Beschäftigung.<br />
Aber ein Garten bedeutet mehr als ein Hobby. Viel mehr.<br />
Der eigene Garten ist die Erweiterung des Wohn- und Lebensraums.<br />
Er ist Wohnzimmer, Kinderzimmer, Spielplatz für Erwachsene,<br />
Wellnessoase, Lebensmittelproduktion, Urlaubsort,<br />
Sportplatz, Schlafzimmer, Büro. Er ist ein Ort, den jeder nach<br />
seinem Willen und nach seinen Interessen erschaffen kann.<br />
Das Formen, Verformen und Informhalten bringen Arbeit und<br />
Schweiß mit sich – doch es lohnt sich. Ich erinnere mich dabei an<br />
eine Maxime aus der Barockzeit: sich die Erde untertan machen.<br />
Zweifellos klingt dies überaus pathetisch, aber im Grunde trifft<br />
es zu, dass wir hier unser Stück Erde gestalten und die Natur<br />
lenken können. Das eigene Fleckchen Boden wird so zu einem<br />
ganzheitlichen Erleben für Körper und Geist mit allen Sinnen.<br />
Aufregendes Schauspiel statt<br />
Einöde des Computers<br />
Durch Obst, Gemüse und Kräuter produzieren die Natur und die<br />
Sonne einen Geschmack, der bis in die letzten Nuancen autonom<br />
ist. Unterschiedliche Böden lassen bei gleichen Kulturen im Mikro-<br />
Bereich eigene Geschmäcker entstehen. In der Weinwelt spricht<br />
dabei jeder vom „Terroir“. Es meint die gesamte natürliche Umgebung,<br />
in der der Wein wächst. Boden, Klima, Wetter, Temperaturen,<br />
Topografie. Insbesondere der Riesling ist bekannt dafür, die<br />
Bodeneigenschaften gut im Aroma wiederzugeben – von spritzig<br />
erfrischend bis erdig mineralisch. Wie schmeckt Ihr Garten?<br />
„<br />
Es gibt nur eine<br />
Heilkraft, und das ist<br />
die Natur; in Salben und<br />
Pillen steckt keine.<br />
Blumen, Stauden, Büsche und Bäume sorgen für optische Reize.<br />
Durch saftige Farben und zierliche Strukturen wird das Auge<br />
positiv gefordert und befriedigt. Das satte Grün von fleischigen<br />
Nussbaumblättern. Die filigranen femininen Formen der Blüten,<br />
symmetrisch perfekt. Der hypnotische Tango der Blätter und Äste<br />
im Wind, mal forsch und fordernd, mal langsam und betörend.<br />
Sonne, Schatten, hell, dunkel wechseln sich ab wie Liebe und Lei-<br />
“<br />
Arthur Schopenhauer<br />
denschaft. Ein aufregendes Schauspiel für die Augen im Gegensatz<br />
zur sinnlichen Verkümmerung vor dem unnatürlichen Computer.<br />
Das Leben in den Garten verlegen<br />
Die schönste Zeit im Garten ist für mich der Sommer. Alles blüht,<br />
die Natur zeigt ihre prachtvolle Potenz. Siesta unter dem Apfelbaum,<br />
das Gras kitzelt, der Körper entspannt sich. Die Lungen freuen<br />
sich über den frischen Sauerstoff. Lauschen Sie dem feinen Rauschen<br />
der Blätter und dem Zwitschern der Vögel. Zierliche Äpfel<br />
mit knallroten Backen hängen jetzt im Spätsommer an den Ästen.<br />
Bunte Blüten strömen einen für uns Menschen wohligen Geruch<br />
aus, für Insekten ein Lockmittel, das ihnen saftigen Nektar<br />
verspricht. Mühsam arbeiten sie sich zum Teil in die engen Blüten<br />
hinein – welch faszinierendes Theater. Genauso wie die Bienen<br />
und Schmetterlinge, wie sie von Pflanze zu Pflanze fliegen,<br />
dabei die Pollen übertragen und dafür sorgen, dass die Blume<br />
im nächsten Jahr ihre Schönheit wieder präsentieren kann.<br />
Mein Appell: Benutzt eure Gärten. Macht alles draußen, was ihr<br />
normalerweise drinnen macht, sobald das Wetter es zulässt. Im<br />
Garten schlafen, essen, lesen, Besuch empfangen. Um es mit Henry<br />
David Thoreau zu sagen „Der Mensch ist umso reicher, je mehr<br />
Dinge er liegen lassen kann.“ In diesem Sinne: Genießt eure Gärten,<br />
euer eigenes Stück Erde.<br />
n<br />
BIO-RESTAURANT & BIERBRAUEREI IN GARMISCH-PARTENKIRCHEN<br />
WIR FREUEN UNS AUF DICH IM BIERGARTEN!<br />
Das Restaurant im Hotel Garmischer Hof in Garmisch-Partenkirchen bietet eine<br />
gemütliche Atmosphäre und serviert regionale sowie internationale Gerichte. Mit einem<br />
Fokus auf frische, saisonale Zutaten ist es ein beliebter Ort für Hotelgäste und Besucher.<br />
100 % BAYERISCHES HANDWERK<br />
Wir machen ein handwerklich gebrautes Bier. Ohne<br />
Hopfendosiermaschine und ohne Vollautomaten.<br />
Es ist unbehandelt, sprich nicht filtriert, erhitzt oder<br />
gefärbt und fließt direkt vom Tank zum Ausschank.<br />
Als sogenanntes Keller- oder Zwickelbier, das ihr frisch<br />
genießen und, ebenfalls nach althergebrachter Weise,<br />
gerne schon früher begutachten könnt. Denn Teil<br />
unserer Brauhausphilosophie ist auch der freie Blick<br />
ins Sudhaus und in die offenen Gärtanks. Ein Prosit!<br />
UNSERE SPEISEKARTE<br />
Unsere Speisekarte reicht vom<br />
klassischen Schweinebraten bis<br />
hin zur deftigen Brotzeit. Auch<br />
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<strong>Bergwelten</strong> Herbst <strong>2024</strong> 35
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CHUTNEY<br />
1 Kilogramm Äpfel<br />
2 bis 3 mittelgroße Zwiebeln<br />
250 Gramm Zucker<br />
1 Schuss Essig<br />
1 Prise Salz<br />
Pfeffer<br />
Muskat<br />
15 Gramm Ingwer<br />
1 Stück Zimtstange<br />
1 Tasse Espresso<br />
ZIEGENKÄSE<br />
4 Stück Ziegen-Weichkäse-Rollen<br />
Brauner Zucker<br />
36 <strong>Bergwelten</strong> Herbst <strong>2024</strong>
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DARUM HABE ICH DIESES GERICHT GEWÄHLT:<br />
„Es ist ein Liebling auf unserer Speisekarte –<br />
auch ohne Kartoffeln. Und schmeckt einfach<br />
richtig gut. Das Chutney hält besonders<br />
lang und ist sehr vielseitig einsetzbar.“<br />
Garmisch-Partenkirchen<br />
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Fotos: Thomas Sehr<br />
Zubereitung<br />
Zunächst die Zwiebeln schälen und in Würfel schneiden,<br />
anschließend mit Zucker und Essig unter ständigem<br />
Rühren zum Kochen bringen und circa 20 Minuten<br />
leicht köcheln lassen. Gelegentlich umrühren und darauf<br />
achten, dass das Ganze nicht zu dunkel wird.<br />
In der Zwischenzeit die Äpfel schälen und ebenfalls in kleine Würfel<br />
schneiden. Diese nun zu der Zwiebelmasse geben und mit den<br />
Gewürzen weitere 30 Minuten sanft köcheln lassen und umrühren.<br />
Zum Schluss einen frisch aufgebrühten Espresso dazugeben<br />
und anschließend das Ganze in Marmeladengläser abfüllen.<br />
Den Ziegenkäse in dicke Scheiben schneiden und bei 80 Grad<br />
Umluft im Ofen erwärmen. Anschließend mit braunem Zucker<br />
bestreuen und mit einem kleinen Flämmer karamellisieren.<br />
Den Ziegenkäse nun mit dem Chutney anrichten. Dazu<br />
schmeckt frischer Blattsalat und ein Stück Brot.<br />
TIPP<br />
Das Chutney passt auch super zu einem kräftigen Bergkäse, zu<br />
geräucherter oder gebratener Entenbrust oder einfach zu einem<br />
guten frischen Brot. Es ist, wie im Rezept beschrieben, im Weckglas<br />
gut haltbar, man kann es aber auch problemlos einfrieren. n<br />
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<strong>Bergwelten</strong> Herbst <strong>2024</strong> 37
BUCHGESCHICHTEN<br />
Ein Bürgermeister<br />
mit viel Fantasie<br />
Über Abenteuer schreibt Jörg Steinleitner.<br />
So manche davon haben seine Kinder erlebt<br />
in ihrer besonderen Bullerbü-Welt. Über<br />
seine eigenen Abenteuer hat der Riegseer<br />
(53) noch kein Buch geschrieben. Dabei hat<br />
der handylose Bürgermeister viel zu erzählen.<br />
Text: Tanja Brinkmann · Fotos: Nana Klaass, privat<br />
Foto: Nana Klaass<br />
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38 <strong>Bergwelten</strong> Herbst <strong>2024</strong>
Raus aus dem Versteck,<br />
rein in die Altersvorsorge!<br />
An vielen Orten hat Jörg Steinleitner schon gelebt. Nirgends<br />
aber fühlt er sich so zuhause wie in und am Riegsee.<br />
Jörg Steinleitner fühlt sich an vielen Orten daheim. Im westlichen<br />
Allgäu, wo er aufgewachsen ist. In Paris, wo er fünf<br />
Jahre mit seinen Eltern lebte und in die Schule ging. In<br />
München, insbesondere im Glockenbachviertel. Dort lebte er<br />
als Jurastudent und während seiner beruflichen Anfänge. Dort<br />
kamen seine drei Kinder zur Welt. Seine Heimat aber fand er mit<br />
seiner Familie in Riegsee. 2008 war das, nachdem er und seine<br />
Frau Nana Klaass eineinhalb Jahre lang eine größere Wohnung<br />
gesucht hatten. 75 Quadratmeter zu fünft waren einfach<br />
zu wenig. An einem Nachmittag im Spätsommer machten sie<br />
sich auf ins Blaue Land. Der Hof gefiel ihnen sofort. Als Steinleiter<br />
zur Badestelle ging, die in ein warmes Licht getaucht war,<br />
wusste er, dass er angekommen ist. An diesem Ort würden seine<br />
beiden Töchter und sein Sohn eine Bullerbü-Kindheit erleben.<br />
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Geschichten, wie sie Astrid Lindgren<br />
erzählen könnte<br />
Foto: privat<br />
Genau so kam es. Frei sind sie aufgewachsen. Im Wald, auf den<br />
Wiesen, am See tobten sie sich aus. Erfanden Spiele oder langweilten<br />
sich auch mal. Alles, was sie dort erlebten, beschreibt<br />
der Rechtsanwalt und Autor in seinen Kinderbüchern. Vier<br />
hat der 53-Jährige nach elf Krimis mittlerweile veröffentlicht.<br />
Die ersten beiden mit seiner damals zwölfjährigen Tochter<br />
Jona, die auch als Autorin auf dem Cover steht. „Juni im Blauen<br />
Land“ erschien 2016, „Juni und der Honigdieb“ folgte 2018.<br />
Geschichten, wie sie Astrid Lindgren erzählen könnte. In denen<br />
Kinder einen unbeschwerten Sommer erleben, ohne Zwänge.<br />
Darum geht es auch in den spannenden Fällen der Barfuß-Bande,<br />
mit denen Steinleitner in den kommenden eineinhalb Jahren<br />
auf Lese-Tour ist. Die Geschichten über tiefe Freundschaften und<br />
Abenteuer kommen an. Steinleitners Zuhause spielt dabei immer<br />
eine Rolle. Beispielsweise will die Bande in ihrer „Reise über alle<br />
Berge“ nach Italien radeln. Zwar heißt das Dorf, in dem sie starten,<br />
nicht Riegsee. „Man erkennt aber die Örtlichkeiten, wenn sie die<br />
Loisach entlang Richtung Mittenwald fahren.“ Auch im zweiten<br />
Band über die geklaute Oma wissen Ortskundige schnell, wo die<br />
Barfüße ermitteln. In einer „kunterbunten Wohlfühllandschaft“.<br />
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<strong>Bergwelten</strong> Herbst <strong>2024</strong> 39
Beherrscht das Spiel mit der Mimik: Das<br />
zeigt Jörg Steinleitner auch auf Lesungen.<br />
„Das Dorfleben ist ein großes Geschenk“<br />
Seine Kinderbücher sind somit auch Liebeserklärungen an<br />
seine Heimat, die ihm viel gegeben hat und der er etwas zurückgibt.<br />
„Das Dorfleben ist ein großes Geschenk.“ Man interessiert<br />
sich füreinander. Schaut auch auf die Kinder der<br />
Nachbarn – „und wird so zum sozialen Wesen“. Seit 2020 ist<br />
Steinleitner ehrenamtlicher Bürgermeister von Riegsee. Und<br />
als solcher eine Rarität. Denn er besitzt kein Handy. Alle haben<br />
ihm damals gesagt, das könne er nicht machen, das werde<br />
nicht funktionieren. Aber es funktioniert. In der Regel erreicht<br />
man ihn am Festnetz im Rathaus oder in seinem Büro. Oder<br />
man hinterlässt eine Nachricht auf dem Anrufbeantworter.<br />
Seit fünf Jahren lebt Steinleitner smartphonefrei. Seiner älteren<br />
Tochter Jona gab er sein Handy mit, als sie sich 2019 zum Schüleraustausch<br />
nach Frankreich verabschiedete. Er vermisste es nicht.<br />
Zumal er ein Smartphone auch als Stressfaktor sieht. „Ohne ist<br />
man entspannter und weniger abgelenkt.“ So lässt er sich voll und<br />
ganz auf die Menschen ein, mit denen er zu tun hat, sie haben seine<br />
ganze Aufmerksamkeit. Seine Kinder, heute 21, 18 und 15 Jahre<br />
alt, haben erst spät ein Mobiltelefon bekommen. Steinleitner ist<br />
überzeugt, dass sie sich deshalb so gut konzentrieren können.<br />
Jörg Steinleitner genießt das Leben auf dem Land, seine<br />
Bücher sind auch eine Liebeserklärung an seine Heimat.<br />
www.olympiabad.at<br />
Foto oben: privat | Foto rechts: Nana Klaass<br />
40 <strong>Bergwelten</strong> Herbst <strong>2024</strong>
Die Familie, gutes Essen, zusammensitzen und viel reden.<br />
Das zählt für ihn. Genau wie Sport. Drei- bis fünfmal<br />
die Woche geht er ins Fitnessstudio, um seinen Rücken<br />
zu stärken und anschließend in der Sauna zu entspannen.<br />
Kleine Auszeiten, bei denen er Kraft tankt, um Bücher zu<br />
schreiben und sich für seine Wahlheimat einzusetzen.<br />
Als Bürgermeister<br />
„ganz nah dran an den Menschen“<br />
Das Engagement als Bürgermeister umschreibt er als „eher nicht<br />
so üppig bezahlte Tätigkeit“. Aber sie erfüllt ihn. Auch, weil er und<br />
sein Vize Georg Miller ein gutes Team bilden. „Ohne ihn wäre das<br />
alles nicht denkbar, wir machen alles auf Augenhöhe.“ Gemeinsam<br />
beackern sie die großen Themen im Dorf – alles rund ums Wasser,<br />
vom Niederschlags- übers Trink- bis zum Abwasser, und alles rund<br />
um Familien. Steinleitner würde sich oft praktische Lösungen<br />
wünschen. Und mehr Rückhalt von der großen Politik. „Es ist ärgerlich,<br />
dass den Gemeinden immer mehr Pflichten auferlegt werden,<br />
ohne sie mit den nötigen personellen und finanziellen Mitteln<br />
auszustatten.“ Das gelte gerade im Bereich Kinderbetreuung.<br />
Zeit für eine<br />
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Knapp 1300 Einwohner zählt sein Dorf mit den neun Gemeindeteilen.<br />
Etwas Positives will er im Leben der Bürger bewirken,<br />
das treibt ihn an. Und er glaubt, das mit Miller auch zu erreichen.<br />
„Wir sind ganz nah dran an den Menschen, wissen, wo<br />
der Schuh drückt.“ Ob er eine weitere Periode dranhängen will,<br />
sagt Steinleitner nicht. Er und sein Vize, der 2020 ebenfalls als<br />
Bürgermeister kandidiert hat, halten Kontinuität für wichtig.<br />
„Einer von uns beiden muss also auf alle Fälle weitermachen.“<br />
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Erst einmal nur Kinderbücher<br />
Als Rechtsanwalt arbeitet Steinleitner mittlerweile nur noch<br />
sporadisch. Nachdem er 2021 seine Kanzlei in München aufgegeben<br />
hat, springt er bei Kollegen in Weilheim als Urlaubsvertretung<br />
ein. Vor allem aber kümmert er sich um die Belange der Gemeinde<br />
und schreibt seine Bücher. Mit dem Roman „205.293 Zeichen“ fing<br />
er 1998 an, mit „Hirschfänger“ machte er 2004 weiter. Derzeit<br />
arbeitet er nur an neuen Werken für Kinder. „Für Krimis brauche<br />
ich mehr Ruhe, die habe ich als Bürgermeister nicht.“ Im neuen<br />
Werk spielt eine außergewöhnliche Oma eine wichtige Rolle. Das<br />
ganze Barfußbanden-Abenteuer gibt es ab Frühjahr 2026 zu lesen.<br />
Zudem fungiert er als Chefredakteur von buchszene.de, einer<br />
Plattform, auf der ausgewählte neue Bücher vorgestellt werden.<br />
„Deshalb muss ich sehr viel lesen.“ Aktuell „Hallo, du Schöne“<br />
von Ann Napolitano. Er wartet noch darauf, dass es ihn packt.<br />
Wischen statt umblättern, also digitales Lesen, versucht<br />
Steinleitner zu vermeiden. Er mag analog. Ein Buch will<br />
er anfassen. Mit Menschen möglichst persönlich in Kontakt<br />
treten. Und er will nicht nur von Abenteuern schreiben,<br />
sondern sie selbst erleben, mit seiner Familie.<br />
Nach wie vor fahren sie zu fünft in den Urlaub. „Es ist total<br />
cool, dass die Kinder noch dabei sind.“ Mit dem Auto bereisten sie<br />
schon Kaliningrad, Bukarest und Finnland. An Pfingsten waren<br />
sie in der Toskana, im Sommer ging es nach Slowenien. Oft sind sie<br />
in Skandinavien unterwegs, nachdem seine Frau Halbschwedin<br />
ist. Was sie jedes Mal bei ihrer Rückkehr merken: „Wie schön es in<br />
Riegsee ist.“<br />
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<strong>Bergwelten</strong> Herbst <strong>2024</strong> 41
GEMEINSAM GEGEN MÜLL<br />
Sauber<br />
bleim<br />
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ETWAS<br />
TUN<br />
42 <strong>Bergwelten</strong> Herbst <strong>2024</strong>
DER KLEINE BEITRAG<br />
FÜR DIE SCHÖNE NATUR<br />
Es ist so einfach: Jeder nimmt seinen Müll wieder mit. Und die<br />
Natur bleibt, wie jeder sie haben will. Dafür steht die Aktion<br />
„Sauber bleim“. Und pünktlich zum Herbst sind die neuen Müllsackerl da.<br />
Text: Katharina Bromberger • Foto: Anton Brey<br />
„Sauber bleim“ ist unser Beitrag, um die Natur ein bisschen<br />
sauberer zu machen. Unser Appell, sie zu schützen. „Sauber<br />
bleim“ ist unsere Herzensangelegenheit. Damit die Berge<br />
und Seen so schön bleiben, wie sie eigentlich sind. Und wie<br />
sie doch jeder haben will. Deshalb haben die <strong>Bergwelten</strong> vor<br />
einigen Jahren gemeinsam mit der Bayerischen Zugspitzbahn,<br />
dem Zugspitzdorf Grainau und GaPa Tourismus die Initiative<br />
gestartet. Weil sich jeder so leicht für ein bisschen heile Welt<br />
einsetzen kann: einfach den Müll wieder mitnehmen.<br />
Mit eigenen Sauber-bleim-Müllsackerln aus recyceltem<br />
Material – die neue Lieferung ist schon eingetroffen –, die an den<br />
Bergbahnen und den Tourist Infos in Grainau und Garmisch-<br />
Partenkirchen ausgegeben werden, mit Informationsarbeit<br />
und Aktionen wollen wir sensibilisieren und appellieren.<br />
Auf Trail-Running-Events waren die Sackerl bereits im Einsatz,<br />
bei denen die Läufer bewiesen: Sporteln und auf eine saubere<br />
Umwelt achten, das passt bestens zusammen. Zudem gab es<br />
mit dem Deutschen Skilehrerverband und vielen heimischen<br />
Skilehrern die Aktion „Pisteputzen“ im Skigebiet Garmisch<br />
Classic. Auch an Schulen befassen sich Lehrer und Kinder mit<br />
dem Thema Abfall und dem Schutz der Ökosysteme, Buben und<br />
Mädchen der Zugspitz-Realschule sammelten mit den grünen<br />
Sauber-bleim-Sackerln im Ort fleißig Müll. Danke an alle, die<br />
sich beteiligen.<br />
n<br />
Alle Infos auf thebrettz.com/bergwelten<br />
Videos und mehr auf Instagram bergwelten_gap<br />
<strong>Bergwelten</strong> Herbst <strong>2024</strong> 43
PORTRÄT<br />
Hauptberuflich Kameramann,<br />
im Nebenjob Schatzsucher:<br />
Manuel Brückl.<br />
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Foto: ZDF/Sascha Baumann<br />
44 <strong>Bergwelten</strong> Herbst <strong>2024</strong>
DER<br />
GEHEIMNISJÄGER<br />
Mit einem Buch fing es an. Danach wollte der kleine Manuel Brückl selbst<br />
Verborgenes finden, er marschierte in den Wald, brachte Stahlhelme<br />
und Handgranaten mit nach Hause. Heute ist der Großweiler Kopf eines<br />
professionellen Schatzsucher-Teams. Ihr Ziel: die Wahrheit finden.<br />
Text: Peter Reinbold • Fotos: ZDF, Bartl, Reinbold<br />
Bei „Was bin ich“, einem Fernsehklassiker der 1950erund<br />
60er-Jahre, musste sich der Kandidat erst einmal<br />
für ein Wunschschweinderl entscheiden, das bei<br />
jeder „Nein“-Antwort mit einem Fünfmarkstück gefüttert<br />
wurde. Dann bat ihn Gastgeber Robert Lemke darum, eine<br />
typische Handbewegung auszuführen, die seine Beschäftigung<br />
beschreiben und die das Rateteam herausfinden sollte.<br />
Wäre Manuel Brückl (58) irgendwann im Münchner TV-Studio<br />
gesessen, hätte er wohl beide Hände benutzt und damit<br />
nach links und rechts gewischt. Beim Frage- und Antwortspiel<br />
danach hätte sich sein Schweinderl vermutlich schnell<br />
gefüllt. Denn diesen Beruf errät niemand so schnell. Manuel<br />
Brückl ist Kopf des X-Teams „Die Geheimnisjäger“.<br />
Piepsend durchs Murnauer Moos<br />
Ungezählte Male hat Brückl, der in Großweil zu Hause ist, in<br />
seinem Leben schon diese Links-Rechts-Bewegung gemacht,<br />
immer, wenn er mit einem Metalldetektor den Boden absuchte.<br />
Die landläufigen Geräte, die man im Internet schon für unter<br />
100 Euro erstehen kann, gehören längst nicht mehr zu seiner<br />
Ausrüstung. Größe verspricht Erfolg. Zusammen mit dem Starnberger<br />
Stefan Rieder (65) schleppt er einen schwarzen Ring von<br />
rund einem Meter Durchmesser, den sie mit einem Tragegurt in<br />
wenigen Zentimetern Höhe über den Boden führen, an einem<br />
heißen Spätsommertag durchs Murnauer Moos. „Der findet<br />
Metall noch in vier Metern Tiefe“, sagt Brückl. Es piepst ununterbrochen,<br />
irgendwo liegt immer irgendwas. Je intensiver der Ton,<br />
desto wahrscheinlicher, dass sich etwas Metallhaltiges im Boden<br />
verbirgt. „Laut Hersteller der stärkste Detektor der Welt“, erklärt<br />
Brückl. Genau den braucht das X-Team „Die Geheimnisjäger“. Die<br />
Bezeichnung hat sich ihr Chef als Markenname eintragen lassen.<br />
X-Team – das klingt ein bisschen nach den Superhelden X-Men<br />
aus dem Marvel-Universum oder der Fernsehserie X-Files<br />
(X-Akten), in der die FBI-Agenten Dana Scully und Fox Mulder<br />
mysteriöse Fälle aufklären. Die zwölf Männer des X-Teams – die<br />
Echt. Scharf. Sehen.<br />
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<strong>Bergwelten</strong> Herbst <strong>2024</strong> 45
Großes Talent für das Suchen und Finden<br />
Er besitzt ein Talent für das, was er in seiner Freizeit tut. Das<br />
liege an seiner gesteigerten Wahrnehmung, vermutet er.<br />
Die hilft ihm auch in seinem Beruf als Kameramann. Häufig<br />
arbeitet er für das ZDF, vor allem für die 37-Grad-Serie, dreht<br />
Dokumentationen, auch über die geheimnisvollen Dinge, nach<br />
denen er forscht. Oft spielt die Nazizeit dabei eine Rolle. Vor allem<br />
das verschollene Nazi-Gold, das irgendwo in den Bayerischen<br />
Alpen – nicht wenige glauben, bei Garmisch-Partenkirchen oder<br />
Mittenwald – vergraben oder in einem See versenkt worden<br />
sein soll. Derzeit beschäftigt er sich mit dem Wettersteinschatz.<br />
Das Ergebnis seiner Recherchearbeit soll irgendwann im<br />
Fernsehen laufen. Bei öffentlich-rechtlichen Sendern hat er<br />
den Film eingereicht, ob und wann sie ihn ausstrahlen, ist<br />
noch offen. Den Trailer zeigt Brückl auf seinem Laptop.<br />
Ein eingespieltes Team bei der Schatzsuche<br />
sind Stefan Rieder (l.) und Manuel Brückl.<br />
meisten aus dem südlichen Bayern – wollen weder die Welt<br />
retten noch jagen sie Außerirdische. Mit den Dingen, die vor der<br />
Öffentlichkeit verborgen sind, beschäftigen sie sich aber schon,<br />
sie bezeichnen sich selbst als Schatzsucher. Alle eint ein Drang.<br />
„Wir wollen die Wahrheit finden“, sagt Brückl. Dafür haben sich<br />
die Forscher und Experten verschiedenster Disziplinen, darunter<br />
Historiker und Kriminalisten, zu einem Netzwerk zusammengefunden.<br />
Das X im Namen haben sie gewählt, „weil in alten<br />
Karten häufig die Fundstelle eines Schatzes derart markiert ist“.<br />
Die Leidenschaft, nach verlorenen oder unentdeckten Sachen zu<br />
suchen – und sie vor allem auch zu finden –, hat sich bei Brückl<br />
früh entwickelt. Geweckt hatte die Faszination ein Buch über<br />
den Troja-Entdecker Heinrich Schliemann. Schon als Bub ging<br />
er selbst auf Entdeckungstour, schleppte Handgranaten und<br />
Stahlhelme aus dem Wald. „Kistenweise.“ Mit elf Jahren kaufte<br />
er sich, erspart von seinem Taschengeld, seinen ersten Metalldetektor.<br />
„Meine Eltern sind wahnsinnig geworden mit mir.“<br />
Bedeutungsschwangere Musik, Nebel wabern durch die Alpen:<br />
gezeigt wird, wie ein Verwandter beim Durchstöbern seines<br />
Erbes auf eine Schatzkarte stößt. Die kleine Skizze ist gut lesbar.<br />
Akribisch hat ein Unbekannter – vermutlich ein Offizier – in einer<br />
Tabelle die Größe eines vergrabenen Schatzes aufgeschrieben: 56<br />
Kilogramm Gold, Hunderte Münzen und vieles mehr. „Ein Wert<br />
von geschätzt vier Millionen Euro“, meint Brückl. Er und sein<br />
X-Team nehmen die Arbeit auf. Die Suche bleibt ohne Ergebnis<br />
– und damit ohne Ertrag. Das passiert gar nicht so selten.<br />
Über seine wertvollen Funde spricht Brückl nicht. Lieber über<br />
die weniger erfolgreichen Einsätze wie vor einigen Jahren, als<br />
ihm ein Bauer in Niederbayern erzählte, dass in den letzten Tagen<br />
des Zweiten Weltkriegs auf einem seiner Felder ein Flugzeug<br />
abgestürzt sei. Angeblich eine Me 262, das erste in Serie gebaute<br />
Strahlflugzeug. Brückl ist interessiert, er weiß, dass es dafür einen<br />
Markt gibt, vor allem Sammler in den USA. Er beginnt zu suchen –<br />
und findet. Allerdings keine Me 262, sondern eine Messerschmitt<br />
Bf 109. Die ist weniger begehrt. Sie bleibt in der Erde, weil die<br />
Bergungskosten den Verkaufserlös überstiegen hätten. Das<br />
Graben und Heben hätte Brückl nicht einmal filmisch vermarkten<br />
können. „Aber zumindest konnten wir eine Legende enträtseln.“<br />
„50 Prozent sind dubios“<br />
Die Kundschaft, die Brückl und das X-Team um Rat und Hilfe<br />
bittet, ist bunt gemischt. Darunter sind normale Menschen,<br />
die einfach etwas verloren haben. „50 Prozent sind allerdings<br />
dubios.“ Viele bewegen sich auf der okkulten Schiene. „Die<br />
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46 <strong>Bergwelten</strong> Herbst <strong>2024</strong>
Mit dem Hochleistungsdetektor unterwegs im<br />
Murnauer Moos: Noch in vier Metern Tiefe finden<br />
Manuel Brückl (l.) und Stefan Rieder damit Metall.<br />
sitzen mit dem Pendel über Karten und hoffen auf<br />
Hilfe von oben oder aus dem Jenseits.“ Der Kreis<br />
jener Menschen, die auf Schatzsuche sind, ist in den<br />
zurückliegenden Jahren enorm gewachsen. Mittlerweile<br />
soll es rund 15.000 geben. Corona hat in Brückls<br />
Augen dazu seinen Beitrag geleistet. „Die Menschen<br />
wollten raus in die Natur und das Angenehme mit dem<br />
Nützlichen verbinden – nämlich einen Schatz finden.“<br />
Als Prototyp des Jägers der verlorenen Schätze gilt<br />
Indiana Jones. Schlapphut, Lederjacke, Peitsche. In fünf<br />
Blockbustern ist der von Harrison Ford verkörperte Typ<br />
über die Kinoleinwände geflimmert, ein Abenteuer jagte<br />
das nächste. Mit alldem kann Brückl nicht dienen. Er trägt<br />
Poloshirt und Jeans und mit Abenteuern, in denen es um<br />
Leib und Leben geht, hatte er auch noch nicht zu tun.<br />
„Spannend ist die Suche nach verlorenen, verborgenen<br />
oder versteckten Dingen aber schon.“ Manchmal kommt<br />
er dabei auch mit dem Verbrechen in Kontakt.<br />
Für manche Banden – Brückl siedelt sie im osteuropäischen<br />
Raum an, aber es gebe auch deutsche Kriminelle – hat sich<br />
das Wühlen in der Erde als einträgliche Einnahmequelle<br />
herausgestellt. „Die nehmen alles, was sie kriegen können.<br />
Der Schwarzmarkt blüht.“ Im vergangenen Jahr soll ein<br />
bulgarischer Trupp bei Nacht und Nebel ein Feld bei<br />
Schlehdorf (Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen) „mit<br />
großem Gerät“ umgegraben haben. „Die haben gewusst,<br />
dass es etwas zu finden gibt, ansonsten wären sie gar nicht<br />
gekommen“, glaubt Brückl. Die Region, Siedlungsgebiet<br />
der Kelten, bevor die Römer das Alpenvorland besetzen,<br />
birgt Zeugen der damaligen Zeit. Münzen zum Beispiel.<br />
Brückls Interesse daran ist nicht mehr sehr groß. „Für<br />
uns ist das Beifang. Wir verstehen uns nicht mehr nur<br />
als Schatzsucher. Wir sind eher Geheimnisjäger.“<br />
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<strong>Bergwelten</strong> Herbst <strong>2024</strong> 47
Ständig schlägt der Metalldetektor an, doch bei Weitem nicht jedes Piepsen deutet auf einen Schatz hin.<br />
Bayern: Einst Paradies für Schatzsucher<br />
Als Eldorado für Schatzsucher und Sondengänger galt Bayern<br />
bis vor zwei Jahren noch. Diese Zeiten sind vorbei, nachdem das<br />
bayerische Kabinett Anfang August 2022 das sogenannte Schatzregal<br />
eingeführt hat, das bereits in allen anderen Bundesländern<br />
gilt. In Bayern herrschte bis dahin noch das Prinzip der Hadrianischen<br />
Teilung, die im Bürgerlichen Gesetzbuch festgeschrieben<br />
ist. Eigentümer eines archäologischen Fundes waren bei dieser<br />
Regelung jeweils zur Hälfte der Finder und der Eigentümer des<br />
Grundstücks, auf dem der Schatz lag. Nun geht das Eigentum an<br />
archäologischen Fundstücken an den Staat über. Grundstückseigentümer<br />
werden ab einem bestimmten Wert entschädigt.<br />
Dieses ehemalige bayerische Alleinstellungsmerkmal ließ den<br />
Grabungstourismus florieren und trieb seltsame Blüten. Einen<br />
besonderen Fall kennen Brückl und sein Kollege Rieder. Im<br />
Westen der Republik hatte ein Schatzsucher Münzen von beträchtlichem<br />
Wert ausgegraben. Klammheimlich soll er sie in<br />
Absprache mit dem Grundbesitzer auf ein Feld im Alpenvorland<br />
in die Nähe einer Kleinstadt gebracht haben. Dort wurde<br />
die Entdeckung heftig beklatscht. Als die Münzen Rieder zufolge<br />
von Experten untersucht wurden, nahmen die auch die<br />
Bodenpartikel, die noch auf den Fundstücken klebten, genauer<br />
unter die Lupe. Das Ergebnis: „Erde in dieser Zusammensetzung<br />
kommt in dieser Region Bayerns gar nicht vor“, sagt Diplom-Ingenieur<br />
Rieder. Geheim blieb dieser Betrug nicht, letztlich aber<br />
störte sich niemand daran. „Alle waren zufrieden: der Finder,<br />
der Grundstückseigentümer und der Freistaat, der die Münzen<br />
an ein Museum der Region weiterreichte“, weiß Brückl.<br />
Das Schatzregal ist ihm ein Dorn im Auge. Zum einen sieht er sich<br />
und alle anderen Schatzsucher, die sich an Recht und Gesetz gehalten<br />
haben, kriminalisiert, zum anderen fürchtet er, dass davon<br />
nicht der Staat profitieren und auch nicht der Raubgraberei ein Riegel<br />
vorgeschoben wird. „Dem Staat werden viele Funde verloren<br />
gehen, weil jetzt noch mehr in den Schwarzmarkt verschwindet.<br />
In anderen Bundesländern war das schon der Fall.“<br />
n<br />
Foto: Dominik Bartl<br />
48 <strong>Bergwelten</strong> Herbst <strong>2024</strong>
Unsere<br />
Buchtipps<br />
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Historisch und spannend<br />
Königsplätze entdecken<br />
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Grattouren sind eine eigene Art der<br />
Bergsteigerei. Allein das Gehen fühlt<br />
sich anders an als bei klassischen<br />
Bergauf-Touren. Ausblicke sind noch<br />
intensiver, Tiefblicke noch eindrucksvoller.<br />
Der Himmel ist irgendwie näher<br />
und der Alltag im Tal noch weiter weg.<br />
Mit seinem Führer „Traumgrate der<br />
Ostalpen“ will Michael Pröttel „allen<br />
Bergsteigern diese eindrucksvolle Spielart<br />
des Bergsports näherbringen“ – was<br />
dem langjährigen Alpinjournalisten und<br />
Fotografen gelingt. Das Buch ist Inspiration<br />
auf 192 Seiten. Eine Motivation,<br />
Berge über besondere Routen zu erklimmen.<br />
Ansprechend hat Pröttel sein Buch<br />
gestaltet mit hochwertigen Bildern und<br />
allen wichtigen Informationen. Die 30<br />
Ziele teilt er in drei Schwierigkeiten<br />
ein: für Einsteiger, gemäßigte sowie<br />
ambitionierte Touren, bei denen man<br />
den Umgang mit dem Seil unbedingt beherrschen<br />
muss. Der Landkreis ist unter<br />
anderem mit Klassikern wie dem Mittenwalder<br />
Höhenweg (für Einsteiger),<br />
dem Jubiläumsgrat (gemäßigt) sowie<br />
dem Südwestgrat<br />
auf den<br />
Koflerturm<br />
(ambitioniert)<br />
über „Karwendelfels<br />
der<br />
Extraklasse“<br />
vertreten.<br />
Zudem greift<br />
Pröttel nahe<br />
Ziele auf.<br />
n kat<br />
192 Seiten | Bruckmann-Verlag<br />
ISBN 978-3-7343-2907-4 | 24,99 Euro<br />
Berlin liegt in Trümmern. Der Zweite<br />
Weltkrieg hat verheerende Spuren<br />
in der deutschen Hauptstadt hinterlassen<br />
– und bei den Menschen. Am<br />
Schlesischen Bahnhof kümmern sich<br />
Soldaten um Flüchtlinge, Heimkehrer<br />
und andere Überlebende. Furchtbare<br />
Zustände findet Alice Hardtleben vor.<br />
Mit Unterstützung eines Obersts der<br />
Roten Armee und Mitstreiterinnen<br />
von früher wagt sie den Neustart der<br />
Bahnhofsmission. Als Gregor Kramm<br />
auftaucht, steigt die Zuversicht. Doch<br />
der Mediziner ist nicht, wer er scheint.<br />
Und auch ihre Freundin Natalie, die<br />
einstige Abenteurerin, umgibt ein Geheimnis.<br />
„Eines Menschen Leben“ heißt<br />
Veronika Ruschs zweites Buch über die<br />
Bahnhofsmission, für das die Garmisch-<br />
Partenkirchnerin wieder tief in das<br />
historische Geschehen eingetaucht ist.<br />
Bestens gelingt es ihr, den Zeitgeist einzufangen.<br />
Lesen kann man dieses überaus<br />
spannende Buch auch unabhängig<br />
vom ersten Teil, doch noch mehr wirkt<br />
es, wenn man mit den Charakteren vertraut<br />
ist. Zudem<br />
erfährt man,<br />
wie es mit den<br />
offen gebliebenen<br />
Schicksalen<br />
weitergeht. So<br />
viel sei verraten:<br />
Rusch „hatte<br />
das Bedürfnis<br />
nach vielen<br />
Happy Ends“.<br />
n tab<br />
448 Seiten | Lübbe-Verlag<br />
ISBN 978-3-7<strong>57</strong>7-0005-8 | 16 Euro<br />
„Ein ewig Rätsel will ich bleiben mir<br />
und anderen“, schrieb Ludwig 1876.<br />
Das ist ihm gelungen. Der mysteriöse<br />
Märchenkönig zieht die Menschen bis<br />
heute in seinen Bann. Seine Schlösser<br />
locken jedes Jahr Hunderttausende Besucher<br />
an. Sein Konterfei zählt zu den<br />
populärsten Marken Bayerns. Rüdiger<br />
Liedtke und Jochen Reiss haben sich auf<br />
Spurensuche durch den Freistaat und<br />
bis nach Mallorca begeben. In unterhaltsamen<br />
Texten führen sie im Buch<br />
„111 Orte Ludwigs II., die man gesehen<br />
haben muss“ an abgeschiedene und<br />
spektakuläre Plätze. Man erfährt, in<br />
welchem See der Prinz geschwommen<br />
ist und in welcher Hütte sich der Regent<br />
verkrochen hat. Neben Linderhof, dem<br />
Schachenschloss, dem Graswangtal, wo<br />
er ein byzantinisches Schloss bauen<br />
wollte, und dem Plansee, an dem ihm<br />
ein chinesischer Palast vorschwebte,<br />
finden sich in der Region weitere Orte,<br />
die einen Ausflug lohnen. Der Badersee<br />
etwa, in dem der König eine Nixe<br />
versenken ließ. Die Kreuzigungsgruppe<br />
in Oberammergau,<br />
die er als<br />
Dank für die<br />
Passions-Sondervorstellung<br />
spendierte.<br />
Oder die Posthalterei<br />
in<br />
Murnau, in der<br />
er sich königlich<br />
bewirten<br />
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Verantwortlich für den Inhalt<br />
Stefan Hampel<br />
Anzeigenverkauf<br />
Romina Reinhard, Uli Halupczok,<br />
Andrea Holzer, Chiara Waffenschmidt<br />
Redaktion<br />
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Grafik<br />
Nina Wanke, PMS GmbH, Penzberg<br />
Kontakt Anzeigen<br />
Garmisch-Partenkirchner Tagblatt<br />
Alpspitzstraße 5a, 82467 GAP<br />
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E-Mail Redaktion<br />
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Illustrationen:<br />
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Druck<br />
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Fax 08841 - 48875-12<br />
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