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So viel Verpackung wie nötig, so wenig wie<br />

I N T E R V I E W<br />

Im Vorfeld der FachPack sprach KOMPACK mit einem der Coreth Geschäftsführer,<br />

Mag. Stefan Chalupnik, über allgemeine Entwicklungen am Markt sowie<br />

Erwartungen an die Messe in Nürnberg.<br />

KOMPACK: Wie lange ist die<br />

Firma Coreth schon bei der Fach-<br />

Pack als Aussteller dabei und welche<br />

Bedeutung hat diese Messe für<br />

das Unternehmen?<br />

Mag. Chalupnik: Seit über 25<br />

Jahren dürfen wir auf der Fach-<br />

Pack vertreten sein. Für uns als österreichischer<br />

Folienproduzent ist<br />

die FachPack nicht nur eine Möglichkeit<br />

die Firma zu repräsentieren<br />

und Neuheiten zu zeigen, sondern<br />

sie ist auch eine tolle und wichtige<br />

Möglichkeit den persönlichen Kontakt<br />

zu Kunden aber auch zu Lieferanten<br />

zu halten.<br />

KOMPACK: Ein großes Thema<br />

gerade in der Verpackungswirtschaft<br />

ist das Thema Kreislaufwirtschaft.<br />

Bis 2030 gibt es ja Recyclingquoten.<br />

Wie sehr erfüllen Sie<br />

schon jetzt diese Quoten?<br />

Mag. Chalupnik: Die Kreislaufwirtschaft<br />

ist das zentrale Thema<br />

in der Branche. Alle von uns gefertigten<br />

Polyethylen Folien sind zu<br />

100% recyclingfähig. Die Folienabfälle<br />

werden im CORETH eigenen<br />

Recyclingzentrum rezykliert und in<br />

unsere Produktion rückgeführt. Wir<br />

sprechen nicht nur über die Kreislaufwirtschaft<br />

sondern wir „leben“<br />

sie auch.<br />

Die EU-Verpackungsverordnung<br />

(PPWR-Packaging & Packaging<br />

Waste Regulation) definiert klare<br />

Vorgaben der Recyclingquote ab<br />

2030.<br />

Eine Vielzahl von CORETH Produkten<br />

mit PIR/Post Industrial Rezyklat<br />

und PCR/Post Consumer<br />

Rezyklatanteil sind extern durch die<br />

DIN CERTCO bereits erfolgreich<br />

zertifiziert.<br />

Wir erfüllen also nicht nur jetzt<br />

schon die Quoten, wir haben viele<br />

unserer Produkte auch extern zertifizieren<br />

lassen.<br />

KOMPACK: Oft kürzen wir die<br />

Bergriffe nur ab – sicher nicht immer<br />

für alle verständlich - Was ist<br />

eigentlich der Unterschied zwischen<br />

PCR und PIR?<br />

Mag. Chalupnik: Post Industrial<br />

Extrusionsanlage bei der G. Coreth Kunststoffverarbeitungs GmbH<br />

Recycling „PIR“ verwertet Kunststoffabfälle,<br />

die bei der industriellen<br />

Herstellung von unseren Folien<br />

anfallen. Das überschüssige, aber<br />

nach wie vor neuwertige Material<br />

wird gesammelt und für den nächsten<br />

Produktionsgang verwendet.<br />

Während Post Consumer Recyclingmaterial<br />

„PCR“ das Material<br />

der Endverbraucher umfasst, das<br />

nicht mehr für ihren vorgesehenen<br />

Zweck verwendet werden kann. Es<br />

besteht aus Materialien der Haushalte,<br />

Stoffe aus dem „Gelben<br />

Sack“, Folienverpackungen und<br />

sonstigen Kunststoffen. Diese Abfälle<br />

sind oft stark verschmutzt und<br />

benötigen eine besondere Sortierung<br />

und Reinigung bevor es recycelt<br />

werden kann.<br />

KOMPACK: Wieviel Recyclinganteil<br />

- glauben Sie - ist prinzipiell<br />

möglich beziehungsweise welche<br />

Nachteile ergeben sich bei zu hohem<br />

Rezyklatanteil?<br />

Mag. Chalupnik: Diese Frage<br />

lässt sich nicht eindeutig beantworten<br />

und hängt von vielen Faktoren<br />

ab. Wichtig ist, dass für Verpackungsfolien<br />

beim Einsatz im Lebensmittelbereich<br />

Recyclingmaterialien<br />

verboten sind.<br />

Bei anderen Produkten ist es<br />

möglich zwischen 10% und 100%<br />

Rezyklatanteil beizumischen (zB<br />

in der Baufolie). Man darf aber<br />

nicht übersehen, dass umso mehr<br />

Rezyklatanteil die Folie enthält,<br />

die physikalischen Eigenschaften<br />

nachlassen. Es ist also nicht immer<br />

eine ökologisch und ökonomisch<br />

sinnvolle Entscheidung das Maximum<br />

an Rezyklat Anteil zu verwenden,<br />

wenn beispielsweise die Folie<br />

dann wesentlich dicker sein muss<br />

oder sie den Anforderungen nicht<br />

entspricht. (Transportschutz, Arbeitssicherheit,<br />

Geruchsneutralität,<br />

etc.)<br />

KOMPACK: Nicht nur die Verpackungsbranche<br />

benötigt Rezyklate<br />

- haben wir genügend Material<br />

(Rohstoffe) am Markt?<br />

Mag. Chalupnik: Aus meiner<br />

Sicht wird das die große Herausforderung<br />

bis 2030 werden! Die Umsetzung<br />

der EU Vorgabe im Rahmen<br />

der PPWR ab 2030 mindestens<br />

35% Rezyklat einzusetzen, stellt uns<br />

aus heutiger Sicht vor eine gigantische<br />

Herausforderung, da wir ja<br />

nicht nur von der Kunststoffverpackung<br />

sprechen, sondern von sämtlichen<br />

Produkten aus Kunststoff.<br />

(zB Spritzguss etc).<br />

Da wir nicht in allen Ländern der<br />

Europäischen Union über gleich<br />

gut ausgebaute Sammelsysteme<br />

verfügen um unsere Recyklingbetriebe<br />

zu beliefern, wird es positiv<br />

formuliert, eine große Herausforderung<br />

werden. Dann bleibt noch die<br />

Möglichkeit das PCR Material aus<br />

dem EU Ausland zu importieren –<br />

hier muss jedoch sichergestellt werden,<br />

dass nach EU Vorschriften recycelt<br />

wird … eine mehr als große<br />

Aufgabe …<br />

KOMPACK: Eine Frage in Verbindung<br />

mit der EU-Verpackungs-<br />

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möglich<br />

verordnung (PPWR) ist eigentlich<br />

in der heutigen Zeit einer Antiplastikbewegung<br />

die Folienverpackung<br />

noch eine zeitgemäße Verpackungsform?<br />

Mag. Chalupnik: JA natürlich!<br />

Unbedingt.<br />

Kein Verpackungsmaterial ist in<br />

den letzten Jahren so in die negativen<br />

Schlagzeilen gekommen wie<br />

die Kunststoffverpackung.<br />

Dabei ist aber vor allem im Umgang<br />

mit der Verpackung folgendes<br />

zu beachten bzw. wichtig:<br />

„So viel Verpackung wie nötig, so<br />

wenig wie möglich.“<br />

Das Produkt muss also gegen alle<br />

erdenklichen Transportbelastungen<br />

und äußere Einflüsse geschützt werden<br />

und es darf auch nicht teuer<br />

sein.<br />

Die Verpackung hat aber viele<br />

und wichtige Funktionen, die oft<br />

übersehen werden:<br />

q Schutzfunktion - Die Verpackung<br />

soll vornehmlich die Ware<br />

selbst vor Umwelteinflüssen, Beschädigung,<br />

Verunreinigung und<br />

Mengenverlust schützen<br />

q Lagerfunktion - Jede Ware wird<br />

und muss mehrmals transportiert<br />

und gelagert werden. Mithilfe einer<br />

geeigneten Verpackung lässt<br />

sich die Ware leichter, sicherer und<br />

raumsparender lagern<br />

q Verlängerung der Haltbarkeit<br />

der Lebensmittel - Ohne Verpackung<br />

würden die Lebensmittel<br />

wesentlich schneller verderben<br />

(Beispiel Gurke oder Fleisch) und<br />

damit die Umwelt belasten<br />

q Wiederverwertung - Heutzutage<br />

spielt das Umweltbewusstsein eine<br />

sehr wichtige Rolle. So wird unter<br />

Berücksichtigung des Umweltschutzes<br />

besonders auf die Wiederverwendbarkeit<br />

und Recykling Wert<br />

gelegt. Gebrauchte Verpackungen,<br />

gleich ob für die einmalige oder die<br />

mehrmalige Verwendung bestimmt,<br />

gelten grundsätzlich nicht als Müll,<br />

sondern als Wertstoff, dessen Entsorgung,<br />

Verwertung und Wiederverwendung<br />

in der Verpackungsverordnung<br />

geregelt ist<br />

q Verkaufsfunktion - durch eine<br />

gute Verpackung erhöht sich der<br />

Wiedererkennungswert des Produktes<br />

und das Produkt lässt sich<br />

besser verkaufen<br />

q Informationsfunktion - Die<br />

Verpackung kennzeichnet das Produkt<br />

nach Art, Menge, Gewicht und<br />

Preis, informiert über Gefahrenguthinweise,<br />

Verfallsdaten und<br />

Verwendungszweck, und ist zudem<br />

Träger von verschlüsselten Daten<br />

(Barcodes)<br />

q Zusatzfunktion - wie Dosierungs-<br />

oder Entnahmehilfe, Wiederverschließbarkeit<br />

aber auch<br />

Garantiesicherung z.b. beim Mindesthaltbarkeitsdatum.<br />

Sämtliche Ansprüche kann reines<br />

(PE) Polyethylen erfüllen!<br />

KOMPACK: Ist bei all den Themen<br />

nicht die Industrie in der Verantwortung?<br />

Mag. Chalupnik: Wichtig - aus<br />

meiner Sicht - ist es, dass es nicht<br />

immer nur einen Verantwortlichen<br />

für die diversen Verschmutzungen<br />

gibt. In den Medien ist oft nur der<br />

Produzent im Fokus. Wir alle als<br />

Konsumenten haben die Verantwortung<br />

unseren Müll entsprechend<br />

zu trennen und zu entsorgen.<br />

Das Problem ist nicht der Kunststoff,<br />

sondern der oft unsachgemäße<br />

Umgang bei der Entsorgung<br />

und die fehlende Bereitschaft der<br />

Kunden Kunststoffabfälle zu sammeln<br />

und zu trennen!<br />

KOMPACK: Gibt es ökologisch<br />

sinnvolle Mehrwegverpackung und<br />

in welchen Bereichen?<br />

Mag. Chalupnik: Im industriellen<br />

Bereich sehe ich gerade bei<br />

der großvolumigen Verpackung<br />

(z.b Paletten Verpackung) sowohl<br />

ökologisch wie auch ökonomisch<br />

nur Nachteile. Stellen Sie sich vor,<br />

Sie müssten z.b. Boxen mit Ziegeln<br />

verschicken, diese Boxen dann<br />

sammeln, wieder zum Händler zurückschicken<br />

und der dann wiederum<br />

zum Erzeuger. Allein die vielen<br />

Transportwege wären eine enorme<br />

CO 2 Belastung.<br />

KOMPACK: Es gibt auch die<br />

„Plastiksteuer“ (Produkte werden<br />

teurer), die von den Ländern bezahlt<br />

werden.<br />

Mag. Chalupnik: Zurzeit wird<br />

die Plastiksteuer von den Ländern<br />

getragen. Die Plastiksteuer ist eine<br />

große Gefahr für jegliche recyclingfähige<br />

Kunststoffverpackung<br />

und für den Mittelstand.<br />

KOMPACK: Was würde passieren,<br />

wenn wir die Strafe direkt an<br />

die Hersteller verrechnen?<br />

Mag. Chalupnik: Würde sich zum<br />

links:<br />

Kreislaufwirtschaft bei CORETH.<br />

Alle Polyethylen Folien von Coreth sind zu 100% recyclingfähig.<br />

Die Folienabfälle werden im CORETH eigenen Recyclingzentrum<br />

rezykliert und in die eigene Produktion rückgeführt.<br />

rechts:<br />

Mag. Stefan Chalupnik<br />

Beispiel ein Land der Europäischen<br />

Union entscheiden, die Steuer direkt<br />

auf den Hersteller abzuwälzen<br />

(800€ / Tonne Kunststoff) wäre dies<br />

eine Erhöhung der Kosten um ca<br />

50% und für kein Unternehmen umsetzbar.<br />

Wir müssten diese Mehrkosten<br />

1:1 an unsere Kunden weitergeben<br />

und diese würden dann Ihren<br />

Folienbedarf im Ausland beziehen.<br />

Auch so kann man mit einem Schlag<br />

eine Branche „vernichten“ und<br />

den Wirtschaftsstandort Österreich<br />

schädigen.<br />

KOMPACK: Was wäre die Alternative?<br />

Mag. Chalupnik: Wenn wir europaweit<br />

die Sammelsysteme auf<br />

einen Standard bringen und weiterhin<br />

auf eine funktionierende und<br />

gelebte Kreislaufwirtschaft setzen,<br />

bei gleichzeitiger Reduktion der<br />

Folienstärke, ist das sicher die ökonomisch<br />

aber auch ökologisch bessere<br />

Alternative!<br />

KOMPACK: Was ist prinzipiell<br />

bei Coreth am Standort in der nächsten<br />

Zeit geplant?<br />

Mag. Chalupnik: Bei Coreth wird<br />

20<strong>24</strong> wieder in die Hallenerweiterung<br />

für eine neue Extrusionsanlage<br />

investiert. Beide Projekte werden<br />

wir Anfang 2025 abgeschlossen<br />

haben.<br />

KOMPACK: Danke für das Gespräch!<br />

Die Firma Coreth<br />

freut sich<br />

auf Ihren Besuch<br />

während der<br />

FachPack in Halle 5 /<br />

Standnummer 5-434<br />

G. Coreth<br />

Kunststoffverarbeitungs GmbH<br />

Mitarbeiter: 120<br />

Exportquote 50%<br />

Produktionsmenge: 25.000t/Jahr<br />

T: +432254781-0<br />

E: office@<strong>coreth</strong>.at<br />

www.<strong>coreth</strong>.at<br />

<strong>04</strong>/<strong>24</strong><br />

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