kompack coreth 04 24 n
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So viel Verpackung wie nötig, so wenig wie<br />
I N T E R V I E W<br />
Im Vorfeld der FachPack sprach KOMPACK mit einem der Coreth Geschäftsführer,<br />
Mag. Stefan Chalupnik, über allgemeine Entwicklungen am Markt sowie<br />
Erwartungen an die Messe in Nürnberg.<br />
KOMPACK: Wie lange ist die<br />
Firma Coreth schon bei der Fach-<br />
Pack als Aussteller dabei und welche<br />
Bedeutung hat diese Messe für<br />
das Unternehmen?<br />
Mag. Chalupnik: Seit über 25<br />
Jahren dürfen wir auf der Fach-<br />
Pack vertreten sein. Für uns als österreichischer<br />
Folienproduzent ist<br />
die FachPack nicht nur eine Möglichkeit<br />
die Firma zu repräsentieren<br />
und Neuheiten zu zeigen, sondern<br />
sie ist auch eine tolle und wichtige<br />
Möglichkeit den persönlichen Kontakt<br />
zu Kunden aber auch zu Lieferanten<br />
zu halten.<br />
KOMPACK: Ein großes Thema<br />
gerade in der Verpackungswirtschaft<br />
ist das Thema Kreislaufwirtschaft.<br />
Bis 2030 gibt es ja Recyclingquoten.<br />
Wie sehr erfüllen Sie<br />
schon jetzt diese Quoten?<br />
Mag. Chalupnik: Die Kreislaufwirtschaft<br />
ist das zentrale Thema<br />
in der Branche. Alle von uns gefertigten<br />
Polyethylen Folien sind zu<br />
100% recyclingfähig. Die Folienabfälle<br />
werden im CORETH eigenen<br />
Recyclingzentrum rezykliert und in<br />
unsere Produktion rückgeführt. Wir<br />
sprechen nicht nur über die Kreislaufwirtschaft<br />
sondern wir „leben“<br />
sie auch.<br />
Die EU-Verpackungsverordnung<br />
(PPWR-Packaging & Packaging<br />
Waste Regulation) definiert klare<br />
Vorgaben der Recyclingquote ab<br />
2030.<br />
Eine Vielzahl von CORETH Produkten<br />
mit PIR/Post Industrial Rezyklat<br />
und PCR/Post Consumer<br />
Rezyklatanteil sind extern durch die<br />
DIN CERTCO bereits erfolgreich<br />
zertifiziert.<br />
Wir erfüllen also nicht nur jetzt<br />
schon die Quoten, wir haben viele<br />
unserer Produkte auch extern zertifizieren<br />
lassen.<br />
KOMPACK: Oft kürzen wir die<br />
Bergriffe nur ab – sicher nicht immer<br />
für alle verständlich - Was ist<br />
eigentlich der Unterschied zwischen<br />
PCR und PIR?<br />
Mag. Chalupnik: Post Industrial<br />
Extrusionsanlage bei der G. Coreth Kunststoffverarbeitungs GmbH<br />
Recycling „PIR“ verwertet Kunststoffabfälle,<br />
die bei der industriellen<br />
Herstellung von unseren Folien<br />
anfallen. Das überschüssige, aber<br />
nach wie vor neuwertige Material<br />
wird gesammelt und für den nächsten<br />
Produktionsgang verwendet.<br />
Während Post Consumer Recyclingmaterial<br />
„PCR“ das Material<br />
der Endverbraucher umfasst, das<br />
nicht mehr für ihren vorgesehenen<br />
Zweck verwendet werden kann. Es<br />
besteht aus Materialien der Haushalte,<br />
Stoffe aus dem „Gelben<br />
Sack“, Folienverpackungen und<br />
sonstigen Kunststoffen. Diese Abfälle<br />
sind oft stark verschmutzt und<br />
benötigen eine besondere Sortierung<br />
und Reinigung bevor es recycelt<br />
werden kann.<br />
KOMPACK: Wieviel Recyclinganteil<br />
- glauben Sie - ist prinzipiell<br />
möglich beziehungsweise welche<br />
Nachteile ergeben sich bei zu hohem<br />
Rezyklatanteil?<br />
Mag. Chalupnik: Diese Frage<br />
lässt sich nicht eindeutig beantworten<br />
und hängt von vielen Faktoren<br />
ab. Wichtig ist, dass für Verpackungsfolien<br />
beim Einsatz im Lebensmittelbereich<br />
Recyclingmaterialien<br />
verboten sind.<br />
Bei anderen Produkten ist es<br />
möglich zwischen 10% und 100%<br />
Rezyklatanteil beizumischen (zB<br />
in der Baufolie). Man darf aber<br />
nicht übersehen, dass umso mehr<br />
Rezyklatanteil die Folie enthält,<br />
die physikalischen Eigenschaften<br />
nachlassen. Es ist also nicht immer<br />
eine ökologisch und ökonomisch<br />
sinnvolle Entscheidung das Maximum<br />
an Rezyklat Anteil zu verwenden,<br />
wenn beispielsweise die Folie<br />
dann wesentlich dicker sein muss<br />
oder sie den Anforderungen nicht<br />
entspricht. (Transportschutz, Arbeitssicherheit,<br />
Geruchsneutralität,<br />
etc.)<br />
KOMPACK: Nicht nur die Verpackungsbranche<br />
benötigt Rezyklate<br />
- haben wir genügend Material<br />
(Rohstoffe) am Markt?<br />
Mag. Chalupnik: Aus meiner<br />
Sicht wird das die große Herausforderung<br />
bis 2030 werden! Die Umsetzung<br />
der EU Vorgabe im Rahmen<br />
der PPWR ab 2030 mindestens<br />
35% Rezyklat einzusetzen, stellt uns<br />
aus heutiger Sicht vor eine gigantische<br />
Herausforderung, da wir ja<br />
nicht nur von der Kunststoffverpackung<br />
sprechen, sondern von sämtlichen<br />
Produkten aus Kunststoff.<br />
(zB Spritzguss etc).<br />
Da wir nicht in allen Ländern der<br />
Europäischen Union über gleich<br />
gut ausgebaute Sammelsysteme<br />
verfügen um unsere Recyklingbetriebe<br />
zu beliefern, wird es positiv<br />
formuliert, eine große Herausforderung<br />
werden. Dann bleibt noch die<br />
Möglichkeit das PCR Material aus<br />
dem EU Ausland zu importieren –<br />
hier muss jedoch sichergestellt werden,<br />
dass nach EU Vorschriften recycelt<br />
wird … eine mehr als große<br />
Aufgabe …<br />
KOMPACK: Eine Frage in Verbindung<br />
mit der EU-Verpackungs-<br />
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möglich<br />
verordnung (PPWR) ist eigentlich<br />
in der heutigen Zeit einer Antiplastikbewegung<br />
die Folienverpackung<br />
noch eine zeitgemäße Verpackungsform?<br />
Mag. Chalupnik: JA natürlich!<br />
Unbedingt.<br />
Kein Verpackungsmaterial ist in<br />
den letzten Jahren so in die negativen<br />
Schlagzeilen gekommen wie<br />
die Kunststoffverpackung.<br />
Dabei ist aber vor allem im Umgang<br />
mit der Verpackung folgendes<br />
zu beachten bzw. wichtig:<br />
„So viel Verpackung wie nötig, so<br />
wenig wie möglich.“<br />
Das Produkt muss also gegen alle<br />
erdenklichen Transportbelastungen<br />
und äußere Einflüsse geschützt werden<br />
und es darf auch nicht teuer<br />
sein.<br />
Die Verpackung hat aber viele<br />
und wichtige Funktionen, die oft<br />
übersehen werden:<br />
q Schutzfunktion - Die Verpackung<br />
soll vornehmlich die Ware<br />
selbst vor Umwelteinflüssen, Beschädigung,<br />
Verunreinigung und<br />
Mengenverlust schützen<br />
q Lagerfunktion - Jede Ware wird<br />
und muss mehrmals transportiert<br />
und gelagert werden. Mithilfe einer<br />
geeigneten Verpackung lässt<br />
sich die Ware leichter, sicherer und<br />
raumsparender lagern<br />
q Verlängerung der Haltbarkeit<br />
der Lebensmittel - Ohne Verpackung<br />
würden die Lebensmittel<br />
wesentlich schneller verderben<br />
(Beispiel Gurke oder Fleisch) und<br />
damit die Umwelt belasten<br />
q Wiederverwertung - Heutzutage<br />
spielt das Umweltbewusstsein eine<br />
sehr wichtige Rolle. So wird unter<br />
Berücksichtigung des Umweltschutzes<br />
besonders auf die Wiederverwendbarkeit<br />
und Recykling Wert<br />
gelegt. Gebrauchte Verpackungen,<br />
gleich ob für die einmalige oder die<br />
mehrmalige Verwendung bestimmt,<br />
gelten grundsätzlich nicht als Müll,<br />
sondern als Wertstoff, dessen Entsorgung,<br />
Verwertung und Wiederverwendung<br />
in der Verpackungsverordnung<br />
geregelt ist<br />
q Verkaufsfunktion - durch eine<br />
gute Verpackung erhöht sich der<br />
Wiedererkennungswert des Produktes<br />
und das Produkt lässt sich<br />
besser verkaufen<br />
q Informationsfunktion - Die<br />
Verpackung kennzeichnet das Produkt<br />
nach Art, Menge, Gewicht und<br />
Preis, informiert über Gefahrenguthinweise,<br />
Verfallsdaten und<br />
Verwendungszweck, und ist zudem<br />
Träger von verschlüsselten Daten<br />
(Barcodes)<br />
q Zusatzfunktion - wie Dosierungs-<br />
oder Entnahmehilfe, Wiederverschließbarkeit<br />
aber auch<br />
Garantiesicherung z.b. beim Mindesthaltbarkeitsdatum.<br />
Sämtliche Ansprüche kann reines<br />
(PE) Polyethylen erfüllen!<br />
KOMPACK: Ist bei all den Themen<br />
nicht die Industrie in der Verantwortung?<br />
Mag. Chalupnik: Wichtig - aus<br />
meiner Sicht - ist es, dass es nicht<br />
immer nur einen Verantwortlichen<br />
für die diversen Verschmutzungen<br />
gibt. In den Medien ist oft nur der<br />
Produzent im Fokus. Wir alle als<br />
Konsumenten haben die Verantwortung<br />
unseren Müll entsprechend<br />
zu trennen und zu entsorgen.<br />
Das Problem ist nicht der Kunststoff,<br />
sondern der oft unsachgemäße<br />
Umgang bei der Entsorgung<br />
und die fehlende Bereitschaft der<br />
Kunden Kunststoffabfälle zu sammeln<br />
und zu trennen!<br />
KOMPACK: Gibt es ökologisch<br />
sinnvolle Mehrwegverpackung und<br />
in welchen Bereichen?<br />
Mag. Chalupnik: Im industriellen<br />
Bereich sehe ich gerade bei<br />
der großvolumigen Verpackung<br />
(z.b Paletten Verpackung) sowohl<br />
ökologisch wie auch ökonomisch<br />
nur Nachteile. Stellen Sie sich vor,<br />
Sie müssten z.b. Boxen mit Ziegeln<br />
verschicken, diese Boxen dann<br />
sammeln, wieder zum Händler zurückschicken<br />
und der dann wiederum<br />
zum Erzeuger. Allein die vielen<br />
Transportwege wären eine enorme<br />
CO 2 Belastung.<br />
KOMPACK: Es gibt auch die<br />
„Plastiksteuer“ (Produkte werden<br />
teurer), die von den Ländern bezahlt<br />
werden.<br />
Mag. Chalupnik: Zurzeit wird<br />
die Plastiksteuer von den Ländern<br />
getragen. Die Plastiksteuer ist eine<br />
große Gefahr für jegliche recyclingfähige<br />
Kunststoffverpackung<br />
und für den Mittelstand.<br />
KOMPACK: Was würde passieren,<br />
wenn wir die Strafe direkt an<br />
die Hersteller verrechnen?<br />
Mag. Chalupnik: Würde sich zum<br />
links:<br />
Kreislaufwirtschaft bei CORETH.<br />
Alle Polyethylen Folien von Coreth sind zu 100% recyclingfähig.<br />
Die Folienabfälle werden im CORETH eigenen Recyclingzentrum<br />
rezykliert und in die eigene Produktion rückgeführt.<br />
rechts:<br />
Mag. Stefan Chalupnik<br />
Beispiel ein Land der Europäischen<br />
Union entscheiden, die Steuer direkt<br />
auf den Hersteller abzuwälzen<br />
(800€ / Tonne Kunststoff) wäre dies<br />
eine Erhöhung der Kosten um ca<br />
50% und für kein Unternehmen umsetzbar.<br />
Wir müssten diese Mehrkosten<br />
1:1 an unsere Kunden weitergeben<br />
und diese würden dann Ihren<br />
Folienbedarf im Ausland beziehen.<br />
Auch so kann man mit einem Schlag<br />
eine Branche „vernichten“ und<br />
den Wirtschaftsstandort Österreich<br />
schädigen.<br />
KOMPACK: Was wäre die Alternative?<br />
Mag. Chalupnik: Wenn wir europaweit<br />
die Sammelsysteme auf<br />
einen Standard bringen und weiterhin<br />
auf eine funktionierende und<br />
gelebte Kreislaufwirtschaft setzen,<br />
bei gleichzeitiger Reduktion der<br />
Folienstärke, ist das sicher die ökonomisch<br />
aber auch ökologisch bessere<br />
Alternative!<br />
KOMPACK: Was ist prinzipiell<br />
bei Coreth am Standort in der nächsten<br />
Zeit geplant?<br />
Mag. Chalupnik: Bei Coreth wird<br />
20<strong>24</strong> wieder in die Hallenerweiterung<br />
für eine neue Extrusionsanlage<br />
investiert. Beide Projekte werden<br />
wir Anfang 2025 abgeschlossen<br />
haben.<br />
KOMPACK: Danke für das Gespräch!<br />
Die Firma Coreth<br />
freut sich<br />
auf Ihren Besuch<br />
während der<br />
FachPack in Halle 5 /<br />
Standnummer 5-434<br />
G. Coreth<br />
Kunststoffverarbeitungs GmbH<br />
Mitarbeiter: 120<br />
Exportquote 50%<br />
Produktionsmenge: 25.000t/Jahr<br />
T: +432254781-0<br />
E: office@<strong>coreth</strong>.at<br />
www.<strong>coreth</strong>.at<br />
<strong>04</strong>/<strong>24</strong><br />
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