JAZZTHETIK 284 – September / Oktober 2018
Das Magazin für Jazz und Anderes
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09/10<br />
18<br />
Sep./Okt. 32. Jahr<br />
Ausgabe <strong>284</strong><br />
8,20 Euro 8,82 CHF H6139E<br />
JOHN<br />
COLTRANE<br />
LISA BASSENGE<br />
STANLEY CLARKE<br />
ESTHER KAISER<br />
ÓLAFUR ARNALDS<br />
WYNTON MARSALIS<br />
NINA ATTAL<br />
BARRE PHILLIPS<br />
MARIZA<br />
MARKUS STOCKHAUSEN<br />
WOOD & STEEL
Inhalt 09/10<br />
62<br />
46<br />
© Jennifer Scherler<br />
8 Licht an. Les Poules à Colin finden<br />
Erhellendes in der Düsternis. Thomas<br />
Kölsch am Schalter.<br />
10 Skizzen und Notizen. Fredy Studer<br />
bleibt auch mit 70 auf der Suche nach<br />
Klängen. Gerd Döring wird fündig.<br />
12 Szenen einer Ehe. Lisa Bassenge und<br />
ihr Hochzeitsalbum. Durchgeblättert<br />
von Victoriah Szirmai.<br />
14 Mit zweien, Spiel drei. Daniel Erdmann,<br />
Christophe Marguet und die Bässe.<br />
Andreas Collet geht mit.<br />
16 Himmelskörper. Jaak Sooäär vertont<br />
eine Sternschnuppe. Hans-Jürgen Linke<br />
wünscht sich was.<br />
18 Das andere Hollywood. Michael<br />
Schiefel bringt Eisler in die Gegenwart.<br />
Nostalgisch: Jan Kobrzinowski.<br />
20 Analog ist besser. LBT machen Techno-<br />
Jazz ohne Computer. Mit Thomas<br />
Bugert in der Disco.<br />
22 Forscherin. Nadin Deventer will die<br />
Zuhörer fordern. Arne Reimer blickt<br />
voraus aufs JazzFest Berlin.<br />
30 Gäste willkommen. Wynton Marsalis<br />
ist sein Septett nicht genug. Hans Hielscher<br />
über Gala-Höhepunkte.<br />
32 Am Scheideweg. Ein „neues“ Album<br />
von John Coltrane. Wolf Kampmann<br />
räumt mit einigen Legenden auf.<br />
36 Dunkle Hymnen. Madeleine Peyroux<br />
hofft auf hellere Zeiten. Rolf Thomas<br />
schaltet sich ein.<br />
38 Extended Version. Volker Schlott lüftet<br />
ein Geheimnis. Hans-Jürgen Linke über<br />
ein sehr persönliches Album.<br />
40 Mut im Bauch. Jazz muss Stellung<br />
beziehen, findet Esther Kaiser. Rolf<br />
Thomas stimmt ein.<br />
42 Mit Hornresonator. Hans Deutschs Lautsprecher<br />
HD 304 mk2 klingen schlackenlos.<br />
Nicht bedröhnt: Peter Steinfadt.<br />
43 Zyklus. Rainer Tempel und Fola Dada<br />
suchen das Licht bei Edgar Allan Poe.<br />
Mit am Poe-Tisch: Jan Kobrzinowski.<br />
44 Im Spagat. Ólafur Arnalds spielt mit<br />
Planung und Zufall. Angela Ballhorn<br />
überprüft das Gleichgewicht.<br />
52 Erinnerungsprojekt. Bassist Barre Phillips<br />
schließt sein Tagebuch. Thomas Bugert<br />
liest die letzten Einträge.<br />
56 Unterwegs. Markus Stockhausen lädt<br />
Musiker und Hörer zur unendlichen Reise.<br />
Auf dem Weg: Hans-Jürgen Linke.<br />
58 Jump. Die Französin Nina Attal setzt<br />
ihre Zuhörer in Bewegung. Mirela Onel<br />
springt darauf an.<br />
60 Tanzender Elefant. Bei Jan Schreiner<br />
schaut man lieber zweimal hin. Im<br />
Porzellanladen: Hans-Jürgen Linke.<br />
62 Schwangere Hummel. Lada Obradović<br />
wird von traurigen Geschichten inspiriert.<br />
Hans-Jürgen Schaal ist gefesselt.<br />
64 Renovierung. Mariza richtet dem Fado<br />
neue Räume ein. Bauaufsicht: Madeleine<br />
Wegner.<br />
65 Klassik-Pause. Mit NES macht Cellistin<br />
Nesrine Belmokh ihr eigenes Ding. Rolf<br />
Thomas über eine Stilwechslerin.<br />
66 Vermittler. Stanley Clarke verkündet<br />
die Botschaft der Liebe. Am Empfänger:<br />
Olaf Maikopf.<br />
24 Alternativ. Leona Berlin lässt nicht einfach<br />
NuSoul wiederaufleben. Beseelt:<br />
Victoriah Szirmai.<br />
26 Großstadtklang. KUU! machen harte<br />
Musik für eine harte Welt. Jan Kobrzinowski<br />
braucht starke Nerven.<br />
46 Hammer und Leder. Rembrandt Frerichs<br />
findet Exotik in alten Instrumenten.<br />
Holger Pauler über das Fortepiano.<br />
48 Musikalische Maskerade. Die Täuschungsmanöver<br />
des Trygve Seim. Hans-<br />
Jürgen Linke lässt sich nicht reinlegen.<br />
4 Megaphon<br />
51 Time Tunnel<br />
61 London<br />
68 Tonspuren<br />
89 Hörbucht<br />
90 Live<br />
99 Abo<br />
100 Termine<br />
108 Impressum<br />
110 Zitat<br />
28 Party für zwei. Günter Baby Sommer<br />
feiert seinen 75. Wolf Kampmann legt<br />
den Sommer-Hit auf.<br />
50 Zeitlos. Die Musik von Aapo Heinonen<br />
versprüht Sinnlichkeit. York Schaefer<br />
erliegt dem Charme.<br />
links: Rembrandt Frerichs / rechts: Lada Obradović Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong> 3
Megaphon<br />
Von Hans-Jürgen Linke<br />
Der Jazz Pott ist kein Jackpot.<br />
Wer den Essener Jazz Pott<br />
kriegt, hat zwar nicht ausgesorgt,<br />
aber Ruhm und Ehre eingeheimst.<br />
Das wurde in diesem<br />
Jahr dem Klarinettisten, Improvisator<br />
und Komponisten Theo<br />
Jörgensmann zuteil, der den<br />
Kohlenpott auf die internatio nale<br />
Landkarte des Jazz befördert<br />
hat. Großen Glückwunsch <strong>–</strong> und<br />
dringender Hinweis auf das<br />
Preisträgerkonzert am 6.10. im<br />
Essener Grillo-Theater.<br />
König Gustavs Königlich<br />
Schwedische Musikakademie<br />
gibt es immer noch. Jetzt<br />
wurde, kurz nachdem ihn die<br />
USA mit dem Arts Jazz Masters<br />
Award bedacht hatten, Pat<br />
Metheny in diese gekrönte<br />
Akademie berufen, wo er unter<br />
anderem auf seine Landsleute<br />
John Adams und Steve Reich<br />
trifft. <strong>JAZZTHETIK</strong> sagt: Wow!<br />
Bill Watrous III. war ein herausragender<br />
Bebop-Posaunist. Er<br />
gehörte seit den späten 60er<br />
Jahren zu den begehrtesten<br />
Studio-Posaunisten an der<br />
amerikanischen Ostküste und<br />
spielte unter anderem mit Quincy<br />
Jones, Maynard Ferguson und<br />
Woody Herman. In Europa<br />
wurde er vor allem durch seine<br />
Zusammenarbeit mit Kai Winding,<br />
Albert Mangelsdorff und<br />
Jiggs Whigham bekannt, mit<br />
denen er den Trombone Summit<br />
bildete und 1980 für MPS eine<br />
Plattenaufnahme machte. Er<br />
starb am 2. Juli in Los Angeles.<br />
1) Auf dem Rudolstadt-Festival<br />
bekam Cymin Samawatie im Juli<br />
den Deutschen Weltmusikpreis<br />
Ruth, weil sie, wie die Jury lobte,<br />
eine der kreativsten Musikerinnen<br />
der Ethno-Jazz-Szene ist.<br />
Wärmstens empfohlen und<br />
präsentiert von <strong>JAZZTHETIK</strong>:<br />
Auch in diesem Jahr gedeihen<br />
auf Tamperes Jazz Happening<br />
finnische Eigengewächse<br />
neben Paradiesvögeln und<br />
internationalen Größen. Vier<br />
Tage Musik rund um die Uhr in<br />
drei urigen Venues <strong>–</strong> Sauna am<br />
See inklusive. Vom 1.-4.11.<br />
www.tamperemusicfestivals.fi/jazz<br />
2) Die German Jazz Trophy<br />
wurde an die Brüder Kühn (Rolf<br />
+ Joachim) und an Wolfgang<br />
Dauner zur Eröffnung der Jazzopen<br />
Stuttgart verliehen.<br />
Ganesh Geymeier, geboren<br />
1984, gehört zu den gefragtesten<br />
Saxofonisten seiner Generation<br />
und ist, wie eine Jury<br />
befand, ein „unwiderstehlicher<br />
Klangpoet“. Dafür gab es nun<br />
den Schweizer Musikpreis.<br />
Paulo Cardoso, 1953 in São<br />
Paulo geboren, kam 1973 nach<br />
Deutschland, um Orchestermusiker<br />
zu werden. Fünf Jahre<br />
später war er Jazzmusiker,<br />
spielte unter anderem mit<br />
Klaus Ignatzek, Art Farmer, Mal<br />
Waldron und Archie Shepp und<br />
unterrichtete an der Hochschule<br />
für Musik und Theater<br />
München. Er starb am 21. Juli.<br />
Das größte und älteste Jazzfestival<br />
der Türkei, das Istanbul<br />
Jazz Festival, hat seit dem 1.<br />
August einen neuen Direktor:<br />
Harun Izer gehörte schon seit<br />
2011 zum Kreis der Festivalleitung<br />
und ist jetzt als Festival-<br />
Direktor Nachfolger von Pelin<br />
Opcin. Harun Izer ist Jurist und<br />
verfügt über langjährige Erfahrungen<br />
im Kulturmanagement in<br />
unterschiedlichen Sparten.<br />
Die Sons of Kemet sind für die<br />
Jazz-Abteilung des Hyundai<br />
Mercury Preises nominiert. Ihr<br />
Album Your Queen Is a Reptile<br />
befindet sich unter den acht<br />
Posten der Shortlist. Das Geheimnis,<br />
wer den Preis bekommt,<br />
wird am 20.9. in London im Hammersmith<br />
Apollo, Queen Caroline<br />
Street, W6 9QH, gelüftet.<br />
1<br />
Cymin Samawatie<br />
Rudolstadt-Festival<br />
Alle Jahre wieder gibt es in der<br />
Alten Feuerwache in Mannheim<br />
den Neuen Deutschen Jazzpreis.<br />
Der Kurator, der aus der Vorauswahl<br />
der IG-Jazz-Rhein-Neckar-<br />
Jury die drei Finalisten bestimmen<br />
wird, ist in diesem Jahr der<br />
französische Bassist Renaud<br />
García-Fons. Das Wettbewerbs-<br />
Finale steigt am 16.3.<br />
powered by<br />
© Hans Kumpf<br />
© Hans Kumpf<br />
2<br />
Die Insel Terceira<br />
gehört zu den Azoren,<br />
die im nordatlantischen<br />
Sommer in der Regel als<br />
Herkunftsgebiet angenehmer<br />
Hochdruckgebiete bekannt<br />
sind. Auf der Insel gibt es vom<br />
3.-6.10. das Angra Jazz Festival,<br />
das in diesem Jahr zum 20. Mal<br />
stattfindet. Es präsentiert in vier<br />
Konzertnächten im Saal des<br />
Centro Cultural e de Congressos<br />
de Angra do Heroísmo Musiker<br />
von den Azoren, aus Portugal,<br />
Kuba, dem Vereinigten<br />
Königreich, Kanada und den<br />
Vereinigten Staaten.<br />
www.angrajazz.com<br />
3) Tomasz Stańko, Jahrgang<br />
1946, gehörte fünf Jahrzehnte<br />
lang zu den profiliertesten<br />
Jazzmusikern in Europa. Sein<br />
stilistischer Einzugsbereich war<br />
immens, seine Tongebungen an<br />
der Trompete stilbildend, und<br />
sein Lebensstil seit Mitte der 60er<br />
Jahre international ausgerichtet.<br />
Er schrieb Filmmusiken, spielte<br />
mit zahlreichen internationalen<br />
Größen, gehörte selbst zu diesem<br />
erlauchten Kreis und äußerte<br />
sich mehrfach kritisch zur aktuellen<br />
Politik Polens. Jetzt ist Tomasz<br />
Stańko in Warschau gestorben.<br />
Rolf + Joachim Kühn<br />
Jazzopen Stuttgart<br />
Der slowenische Fotograf Žiga<br />
Koritnik, den unter anderem<br />
Han Bennink, Elliott Sharp und<br />
Anthony Braxton für einen der<br />
besten Fotografen auf dem<br />
Planeten halten, plant ein Foto-<br />
Buch. Es soll 376 Seiten umfassen,<br />
auf denen 272 seiner Fotos<br />
von 45 internationalen Festivals<br />
und anderen Konzertorten in 14<br />
Ländern auf vier Kontinenten zu<br />
sehen sind. Der Titel wird Cloud<br />
Arrangers lauten. Žiga Koritnik<br />
will die Finanzierung per Crowdfunding<br />
realisieren, das am 6.9.<br />
beginnt. Wer mitmachen will,<br />
kann an zkoritnik@gmail.com<br />
schreiben und sich registrieren<br />
lassen. Informationen unter<br />
www.zigakoritnikphotography.com<br />
powered by<br />
4) Murnau lädt zum<br />
Weltmusikfestival<br />
grenzenlos ein. Der<br />
Eröffnungsabend am 19.10. ist<br />
unter dem Motto „in real time“<br />
dem in Murnau geborenen<br />
Rokoko-Komponisten Placidus<br />
Cajetanus Laurentius von<br />
Camerloher gewidmet. Am 20.<br />
und 21.10. spielen Maya<br />
Homburger und Barry Guy,<br />
Marco Ambrosini, Jean-Louis<br />
Matinier, Eva-Maria Rusche,<br />
Undine Brixner, Nikolaus Paryla<br />
sowie John Potter‘s Dowland<br />
Project.<br />
www.weltmusikfestival-grenzenlos.de<br />
powered by<br />
© Marcin Kydrynski<br />
3<br />
Tomasz Stańko<br />
In Moers hat die Kultur<br />
GmbH mit dem Künstlerischen<br />
Leiter des mœrs<br />
festivals, Tim Isfort, über eine<br />
Vertragsverlängerung über das<br />
Jahr 2019 hinaus zu verhandeln<br />
4 Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong>
Megaphon<br />
4<br />
6<br />
© Thomas Radlwimmer 5<br />
7<br />
Marco Ambrosini, Jean-Louis Matinier<br />
grenzenlos<br />
Archie Shepp<br />
Enjoy Jazz Festival<br />
Rebekka Bakken<br />
Jazztage Dresden<br />
The Look of Jazz by Frank Schindelbeck<br />
begonnen. Der Aufsichtsrat<br />
sprach Isfort sein Vertrauen aus<br />
<strong>–</strong> es wird also nicht still werden<br />
zu Pfingsten in Moers.<br />
powered by<br />
5) Archie Shepp ist<br />
Artist in Residence beim<br />
diesjährigen 20. Enjoy<br />
Jazz Festival im Rhein-Neckar<br />
Raum. Als Festival-Präludium gibt<br />
es am 30.9. einen Abend unter<br />
dem Titel Learn to Enjoy Jazz mit<br />
Nadin Deventer, Künstlerische<br />
Leiterin des Berliner JazzFestes,<br />
Enjoy-Jazz-Leiter Rainer Kern<br />
und Christine Stephan, Herausgeberin<br />
der <strong>JAZZTHETIK</strong>. Das<br />
Festival wird in der Heidelberger<br />
Stadthalle am 2.10. eröffnet von<br />
dem politisch wie musikalisch<br />
äußerst hörenswerten Kollektiv<br />
Les Amazones d’Afrique. Die<br />
verschiedenen Konzerte,<br />
Formate und das anregende<br />
Rahmenprogramm des Festivals<br />
werden, verteilt über mehrere<br />
Städte, bis mindestens zum 17.11.<br />
dauern.<br />
www.enjoyjazz.de<br />
Das Erste Deutsche Stromorchester,<br />
das der Kölner Trompeter<br />
und Performer Rochus<br />
Aust erfunden hat, macht nicht<br />
einfach nur Musik. Es geht auf<br />
eine Reise mit 51 Konzerten entlang<br />
des 51. Breitengrades, die<br />
in NRW beginnt, nach Menden,<br />
Iserlohn, Münster, Recklinghausen,<br />
Essen, Köln, Düsseldorf und<br />
Emmerich, die allesamt nicht<br />
allzu weit vom 51. Breitengrad<br />
entfernt sind. Weitergehen soll<br />
es dann in Richtung Westen, die<br />
Mitwirkung anwohnender Künstler<br />
ist eingeplant, die genaue<br />
Kartierung der Orte und ihrer<br />
Bewohner werden Bestandteile<br />
der Partitur, die sich im Laufe der<br />
Reise zu einer Meta-Partitur auswächst.<br />
Mal sehen. Mal hören.<br />
www.rochusaust.de/stromorchester1.html<br />
Am 5.9. endet die Bewerbungsfrist<br />
für die Sarah Vaughan<br />
International Jazz Vocal<br />
Competition. Am 12.10. werden<br />
die fünf Finalistinnen und<br />
Finalisten bekanntgegeben, und<br />
am 18.11. steigt das Finale im<br />
New Jersey Performing Arts<br />
Center in Newark, NJ, vor einer<br />
erlauchten Jury. Näheres unter<br />
der Webadresse:<br />
www.sarahvaughancompetition.<br />
com<br />
powered by<br />
6) Die 18. Jazztage<br />
Dresden füllen fast den<br />
kompletten November<br />
und bieten an 21 Spielstätten in<br />
der Stadt ein äußerst umfangreiches<br />
Konzertprogramm, das<br />
den weiten stilistischen Bereich<br />
dessen, was heute Jazz heißt,<br />
und auch einiges darüber<br />
hinaus abbildet <strong>–</strong> vom Quadro<br />
Nuevo und der Barrelhouse<br />
Jazz Band über Rebekka<br />
Bakken, Gregory Porter, die Jan<br />
Garbarek Group oder die Klazz<br />
Brothers bis zu Martin Tingvall<br />
und Al Di Meola. Gleich am 1.11.<br />
geht’s los.<br />
www.jazztage-dresden.de<br />
7) Der Kunstverein Rüsselsheim<br />
zeigt vom 23.9. an bis zum Jahresende<br />
Fotografien von Frank<br />
Schindelbeck unter dem Titel<br />
The Look of Jazz. Schindelbeck<br />
geht es nicht um Dokumentationen,<br />
sondern um das sekundenbruchteilhafte<br />
Einfangen<br />
poetischer Momente.<br />
www.kunstvereinruesselsheim.de<br />
powered by<br />
8) Gewinne: Judi<br />
Jackson, Soul-, Popund<br />
Jazz-Sängerin, ist<br />
im <strong>Oktober</strong> auf Europa-Tournee<br />
mit einer Verbeugung vor Nina<br />
Simone, Motto: „Little Girl<br />
Blue“. Nach Stationen in<br />
Belgien und Frankreich kommt<br />
sie am 16.10. in den Frannz Club<br />
in Berlin und am 17.10. ins Mojo<br />
Jazz Café in Hamburg.<br />
<strong>JAZZTHETIK</strong> verlost für beide<br />
Konzerte je zwei Karten unter<br />
denen, die uns bis zum 1.10.<br />
schreiben, wie Nina Simones<br />
Autobiografie betitelt ist. Der<br />
Rechtsweg ist ausgeschlossen,<br />
Postadresse: <strong>JAZZTHETIK</strong>,<br />
Frie-Vendt-Str. 16, Hinterhaus,<br />
48153 Münster<br />
jazz@<strong>JAZZTHETIK</strong>.de<br />
9) Mehr Gewinne: Für Jazz-<br />
Cineasten: <strong>JAZZTHETIK</strong> verlost<br />
Tickets für It Must Schwing!<br />
The Blue Note Story, die<br />
Dokumentation über Gründer<br />
und Geschichte des berühmten<br />
Labels mit animierten Einspielungen<br />
in Graphic-Novel-Optik,<br />
Interviews, Musikdokumenten<br />
und emblematischen Fotos von<br />
Francis Wolff (s. „Laufbildkontrolle“<br />
in diesem Heft). Der von<br />
Eric Friedler gedrehte und von<br />
Wim Wenders produzierte Film<br />
läuft im <strong>September</strong> im Kino an.<br />
Die Absender der ersten drei<br />
Postkarten mit dem Stichwort<br />
„It Must Schwing“ an JAZZ-<br />
THETIK, Frie-Vendt-Straße 16<br />
(Hinterhaus), 48153 Münster, gewinnen<br />
jeweils zwei Freikarten.<br />
www.itmustschwing.com<br />
In Burghausen wird es 2019<br />
wieder den Nachwuchs-Jazzpreis<br />
geben, Bewerbungen sind<br />
bis 31.10. möglich. Bewerben<br />
können sich Formationen ab<br />
drei Musikern und Bigbands,<br />
das Höchstalter ist auf 30 Jahre<br />
(Jahrgang 1989) begrenzt. Das<br />
Finale der von der Jury ausgewählten<br />
Bands findet am 26.3.<br />
im Stadtsaal Burghausen statt.<br />
Die Bewerbungsunterlagen und<br />
alle Modalitäten sind veröffentlicht<br />
auf der Website:<br />
www.b-jazz.com<br />
Ob es wirklich ein Gitarrist war,<br />
der im Juli aus seinem Gitarrenkasten<br />
eine Spitzhacke entnahm,<br />
um damit Donald Trumps Stern<br />
auf dem Hollywood Walk of Fame<br />
zu zertrümmern? Austin Mikel<br />
Clay rief selbst die Polizei an,<br />
ging dann fort und wurde wenig<br />
später festgenommen. Knapp<br />
zwei Jahre zuvor hatte es schon<br />
einen Anschlag auf den Stern<br />
gegeben. Der damalige Täter<br />
James Lambert Otis soll jetzt für<br />
Clay die Kaution gestellt haben.<br />
Solidarität unter Vandalen!<br />
Zum Jazz-und-Wein-Festival in<br />
Leibnitz vom 27.-30.9. kommen<br />
nicht nur Wadada Leo Smith<br />
mit dem Great Lakes Quartet,<br />
man wird auch The Whammies<br />
hören, Marius Neset, die<br />
kubanischen Pianisten Marialy<br />
Pacheco und Omar Sosa sowie<br />
das Trio des Bassisten Renaud<br />
García-Fons.<br />
www.jazzfestivalleibnitz.at<br />
6 Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong>
8<br />
© Christine Stephan<br />
11<br />
© Jesse Kitt<br />
14<br />
9<br />
© Bernard Rie<br />
10 12 13<br />
© Iza Korsak<br />
Judi Jackson<br />
It Must Schwing!<br />
Ken Pickering<br />
Avishai Cohen<br />
Trans4JAZZ<br />
Soweto Kinch<br />
Leipziger Jazztage<br />
Lizz Wright<br />
HÖMMA!<br />
Leo Tardin<br />
Piano im Pool<br />
10) Ken Pickering brachte 1985<br />
das Vancouver International<br />
Jazz Festival in Gang, war über<br />
30 Jahre lang dessen Künstlerischer<br />
Leiter und überhaupt ein<br />
unermüdlicher und einflussreicher<br />
Förderer der improvisierten<br />
Musik in Kanada <strong>–</strong> als<br />
Produzent, als Veranstalter, als<br />
Inhaber des Black Swan Record<br />
Store, als guter Freund der Musikerinnen<br />
und Musiker und ihr<br />
Hörer. Ken Pickering starb am<br />
10. August infolge einer Krebs-<br />
Erkrankung und hinterlässt<br />
zahllose Mitmenschen bestürzt<br />
und trauernd.<br />
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11) Zum Trans4JAZZ im<br />
schwäbischen<br />
Ravensburg vom 7. bis<br />
11.11. kommen unter anderem<br />
Al Di Meola, die Mike Stern<br />
Band, Avishai Cohen, Mathias<br />
Eick und Kinga Głyk. Der<br />
Vorverkauf hat längst begonnen,<br />
also los jetzt, die Festivalpässe<br />
sind schon ausverkauft,<br />
hört man.<br />
www.jazztime-ravensburg.de<br />
Hoffentlich klappt es diesmal:<br />
Das legendäre Tonstudio der<br />
Musikproduktion Schwarzwald<br />
(MPS) soll wiederbelebt<br />
werden. Nach gefühlt endlosen<br />
Querelen ist es dem Jazz-<br />
Experten und Geschäftsmann<br />
Friedhelm Schulz und dem<br />
Immobilienunternehmer<br />
Berthold Käfer aus Villingen<br />
gelungen, das kulturelle Erbe<br />
der MPS zu retten und einem<br />
Trägerverein zu übertragen,<br />
dessen Gründung im <strong>Oktober</strong><br />
vollzogen werden soll. Dann<br />
wird es wieder aufwärtsgehen<br />
im Studio.<br />
powered by<br />
12) Vom 11.-20. <strong>Oktober</strong><br />
gibt es in Leipzig Fish &<br />
Chips. Das britische<br />
National-Fast-Food soll nicht den<br />
Brexit begleiten, sondern an den<br />
großartigen britischen Jazz<br />
erinnern, der gerade etwas in<br />
Vergessenheit zu geraten droht<br />
<strong>–</strong> vielleicht auch Folge einer<br />
splendid isolation? An zehn<br />
Tagen werden, verteilt über zehn<br />
Spielstätten <strong>–</strong> darunter Oper und<br />
Schauspielhaus, Liebfrauenkirche,<br />
Westbad oder Werk 2,<br />
Halle D <strong>–</strong>, Musikerinnen und<br />
Musiker aus dem Großen<br />
Britannien, Deutschland und den<br />
USA mit- und nebeneinander<br />
spielen, darunter Norma<br />
Winstone, Dave Holland und das<br />
Hidden Orchestra. Max<br />
Andrzejewskis Hütte mit Gästen<br />
nimmt sich der Musik von Robert<br />
Wyatt an, Leafcutter John<br />
unterstützt Michael Wollny und<br />
Alex Nowitz bei den Goldberg-<br />
Tangenten. Und Europa lebt.<br />
www.jazzclub-leipzig.de<br />
In seiner zweiten Förderrunde<br />
des Jahres fördert der Musikfonds<br />
63 Projekte mit einem<br />
Volumen von 725.000 Euro. Für<br />
die Digitalisierung der Aufführungstechnik<br />
von Livemusik-<br />
Spielstätten hat das sogenannte<br />
Kulturstaatsministerium<br />
1,167 Millionen bereitgestellt,<br />
die 188 Clubs zugutekommen.<br />
Die Initiative Musik steuert<br />
in ihrer 41. und 42. Förderrunde<br />
Beiträge zu insgesamt<br />
98 Projekten bei. Gefördert<br />
werden 91 Künstlerprojekte von<br />
HipHop über Pop bis zu Jazz,<br />
dazu werden sieben Infrastrukturprojekte<br />
gefördert, darunter<br />
die Musikwirtschaftsstudie<br />
„Zukunft der Musiknutzung“.<br />
powered by 13) Vom 12. bis 19.9.<br />
kommt es in Oberhausen<br />
zur zweiten<br />
Lieferung des Festivals<br />
HÖMMA! Das Programm ist<br />
hochkarätig und abwechslungsreich,<br />
das Publikum wird zu<br />
eigenen Aktivitäten animiert,<br />
und ein besonderes Highlight<br />
verspricht das Konzert der WDR<br />
Big Band mit Lizz Wright im<br />
Stadttheater zu werden.<br />
www.sensitive-colours.de<br />
Die Preisträger-Shortlist der<br />
VIA <strong>–</strong> VUT Indie Awards <strong>–</strong> ist<br />
komplett. Zum sechsten Mal<br />
zeichnet der Verband unabhängiger<br />
Musikunternehmen Talente<br />
der unabhängigen Musikbranche<br />
aus. Die Preise werden<br />
nach Qualitätskriterien vergeben,<br />
nicht nach kommerziellem<br />
Erfolg. Das Verleihungsfest ist<br />
ein Höhepunkt des Reeperbahn<br />
Festivals, das vom 19. bis 22.9.<br />
in Hamburg stattfindet.<br />
www.viaawards.de<br />
Wo kommen jetzt all die Haare<br />
her? Das Start-up Skin46 aus<br />
Buchs in der Schweiz hat ein<br />
Verfahren entwickelt, um auf<br />
hygienisch perfektem Weg<br />
medizinisch reinen Kohlenstoff<br />
aus Haaren zu gewinnen und<br />
daraus eine Tattoo-Tinte herzustellen.<br />
Wer nun Haare von, sagen<br />
wir, Elvis Presley einsendet<br />
und nachweist, dass er zu ihrer<br />
Verwendung befugt ist, kann<br />
also eine Ladung Tattoo-Tinte<br />
vom leiblichen King bekommen.<br />
Auch andere Herkunftshaare<br />
sind möglich. Skin46 betont,<br />
dass dies kein Scherz ist.<br />
Das Institut für Musikwissenschaft<br />
Weimar-Jena lädt zur<br />
Tagung „Jazz im deutschsprachigen<br />
Raum: Themen,<br />
Methoden, Perspektiven“<br />
(21./22.9.) in den Seminarraum 1<br />
im Hochschulzentrum am Horn<br />
der Musikhochschule Franz<br />
Liszt in Weimar. Die Leitung der<br />
Tagung hat Martin Pfleiderer,<br />
der Eintritt ist frei, um Anmeldung<br />
wird gebeten unter:<br />
jazzforschung@hfm-weimar.de<br />
powered by<br />
14) Noch mehr<br />
Gewinne: Wer wollte<br />
nicht schon immer<br />
Piano im Pool hören? Vom 18.<br />
bis 20.10. geht der alte Wunsch<br />
in Erfüllung. Der Pool befindet<br />
sich in Luzern, zu Gast sind<br />
Bobo Stenson, David Tixier,<br />
Lada Obradović und andere.<br />
<strong>JAZZTHETIK</strong> verlost zwei<br />
Tickets für Bobo Stenson unter<br />
den Lesern, die uns bis zum<br />
1.10. schreiben, aus welchem<br />
Lied diese Textstelle stammt: „In<br />
meiner Badewanne ist es<br />
wunderschön / da fang ich an,<br />
die Meere aufzuwühlen / Ich<br />
fühle mich als Mann der Tat /<br />
Und drehe an dem Wasserhahn.“<br />
Der Rechtsweg ist<br />
ausgeschlossen, Postadresse:<br />
<strong>JAZZTHETIK</strong>, Frie-Vendt-Str. 16,<br />
Hinterhaus, 48153 Münster<br />
jazz@<strong>JAZZTHETIK</strong>.de<br />
www.piano-im-pool.ch<br />
Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong> 7
Les Poules à Colin<br />
Lichtblicke in der Düsternis<br />
Die Dunkelheit kann durchaus reizvoll sein. Vor allem<br />
musikalisch. Nichts gegen euphorische Jigs und Reels, die<br />
vor Vitalität sprühen, nichts gegen lichtdurchflutete Hymnen<br />
von der Sonnenseite des Lebens <strong>–</strong> aber die dunklen Folk-<br />
Songs, die Mörderballaden und Totenklagen, ziehen die<br />
Menschen ebenfalls in ihren Bann. Auch Les Poules à Colin<br />
konnten sich dem nicht entziehen: Das kanadische Quartett,<br />
das derzeit nicht nur die Folk-Szene Quebecs aufmischt,<br />
hat mit seinem dritten Album Morose sein „Winteralbum“<br />
veröffentlicht <strong>–</strong> und dabei selbst in der Melancholie eine<br />
jugendliche Freude gefunden.<br />
© famgroup<br />
8 Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong>
Von Thomas Kölsch<br />
Dabei ist Morose das bislang erwachsenste<br />
Album der jungen Band. „Wir sind an den<br />
Aufnahmen durchaus gereift und verstehen<br />
jetzt viel eher, was wir mit unserer Musik<br />
erreichen wollen“, erklärt Sängerin und<br />
Geigerin Béatrix Méthé, mit 23 Jahren das<br />
jüngste Bandmitglied. „Uns haben diese<br />
düsteren Geschichten unglaublich fasziniert,<br />
die sich um soziale Tabus drehen, um<br />
Verbrechen und Vergehen. Also haben wir<br />
sie gesammelt und auf unsere Art interpretiert.<br />
Wir haben das Unheimliche gehegt<br />
und dennoch einen Lichtblick selbst in den<br />
dunkelsten Titeln gefunden.“<br />
In Liedern also, die auf Feiern nur<br />
selten gespielt werden, dafür aber umso<br />
mehr abseits der Bühnen, dort also, wo das<br />
Quartett aufwuchs. Was mit ein Grund dafür<br />
sein könnte, warum es an diesen Songs<br />
so viel Freude hat. Alle vier sind Kinder<br />
etablierter Folk-Musiker, wuchsen zum Teil<br />
zusammen auf und lernten die traditionsreiche<br />
Musik mit Fiddle und Fuß-Perkussion in<br />
zahlreichen Küchenkonzerten und privaten<br />
Jam-Sessions von einigen der besten<br />
Vertreter ihres Fachs kennen. „Wir sind<br />
wie eine Familie“, betont Méthé denn auch.<br />
„Mit Sarah Marchand habe ich schon in<br />
jungen Jahren gespielt, Colin Savoie-Levac<br />
habe ich kennengelernt, als wir mit seiner<br />
Mutter und meinen Eltern in der Band Dentdelion<br />
aktiv waren. Daraus erwuchs dann<br />
irgendwann der Gedanke, etwas Eigenes zu<br />
machen. Als Band spielen wir inzwischen<br />
seit zehn Jahren zusammen.“ Das hört man.<br />
Virtuosität und Vertrautheit gehen in den<br />
oft schön reduzierten Aufnahmen Hand in<br />
Hand; Bass, Gitarre, Klavier und Geige verstehen<br />
sich blind, ebenso wie die Sänger,<br />
die mitunter ganz bewusst einen schlichten<br />
Ansatz wählen, der den nuancenreichen<br />
Stimmen durchaus entgegenkommt. Zudem<br />
haben sich Les Poules à Colin auch Gäste<br />
eingeladen, die mit charismatischem Bariton<br />
und Bass für entsprechende Kontraste<br />
zu dem natürlichen Sopran und Alt der<br />
Damen sorgen, darunter Yann Falquet (bei<br />
„Belle Exodina“) oder auch David Berthiaume,<br />
Frontmann der Formation Réveillons.<br />
Dabei orientiert sich die Band am Folk-<br />
Revival der 70er Jahre, an Künstlern wie<br />
Yves Lambert, André Marchand oder Beas<br />
eigenem Vater Claude Méthé, Gründer der<br />
einflussreichen Gruppierung Le Rêve du<br />
Diable.<br />
Doch Les Poules à Colin gehen weit<br />
über ihr eigentliches Erbe hinaus. So haben<br />
sie neben traditionellen Songs aus dem<br />
frankophonen Teil Kanadas auch drei Titel<br />
aus Louisiana ins Repertoire genommen,<br />
der Heimat der Cajun-Musik. „Ein Freund<br />
von uns, Julien Bizet, hat uns mit Material<br />
versorgt“, erzählt Méthés. „Darin fanden<br />
wir einen ganz bestimmten Zugang zur<br />
Musik, der uns berührte und mit dem wir<br />
automatisch eine Verbindung aufbauten.<br />
Letztlich stammen diese Lieder aus denselben<br />
Quellen wie der kanadische Folk, also<br />
vor allem aus der Bretagne sowie dem keltischen<br />
Raum.“ Manches haben die Vier aber<br />
auch selbst geschrieben, darunter „My<br />
Room“ sowie sämtliche Instrumentalstücke.<br />
„Außerdem haben wir den letzten Song<br />
des Albums, ‚Breakfast at the Méthés‘, von<br />
meiner Mutter übernommen“, sagt Béatrix<br />
lachend. Und „La Volerie“, jenes Lied über<br />
einen opportunistischen Weindieb, das humorvoll<br />
beginnt und am Ende eine morbide<br />
Wendung nimmt? Den hat Claude Méthé<br />
beigesteuert, der die Geschichte in einem<br />
mittelalterlichen Buch gefunden und eine<br />
neue Melodie dazu geschrieben hat. „Dieses<br />
Stück stellte für uns eine der größten<br />
Herausforderungen des Albums dar, weil<br />
es mit seinem treibenden, aber gleichzeitig<br />
alten Groove und dem Spieluhrencharme so<br />
völlig anders klingt als alles, was wir zuvor<br />
gemacht haben.“<br />
Diese Musik haben Les Poules à Colin<br />
um die eigenen Einflüsse ergänzt. Die<br />
französische Band Malicorne aus den 70er<br />
Jahren ist mit ihren spannenden Arrangements<br />
und starken Riffs ebenso zu nennen<br />
wie die ein oder andere Motown-Größe<br />
<strong>–</strong> und Beyoncé. „Wir lieben sie“, gesteht<br />
Méthé lachend. „Deshalb haben wir meinen<br />
Walzer ‚Team B‘ auch ihr gewidmet.“<br />
Warum nicht. Ebenso wie andere Genres<br />
ist Folk immerhin längst ein Schmelztiegel<br />
geworden, der alles aufnimmt, Jazz ebenso<br />
wie Rock und Pop, um daraus neue Impulse<br />
zu destillieren. „Wir fühlen uns dem verpflichtet,<br />
was wir lieben, und das beinhaltet<br />
diese einzigartige Mischung aus Stilen und<br />
Genres“, sagt Méthés. „Die traditionelle<br />
Musik ist allerdings stets unser Ausgangspunkt.“<br />
Aktuelle CD:<br />
Les Poules à Colin: Morose<br />
(Steeplejack / In-Akustik)<br />
Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong> 9
Fredy Studer<br />
Jetzt ist die Zeit<br />
Mit 70 veröffentlicht Schlagzeuger Fredy Studer eine<br />
Standortbestimmung als Solo-Künstler.<br />
Von Gerd Döring<br />
Über zwei Jahrzehnte lang hat<br />
Fredy Studer gemeinsam mit<br />
Hans Koch und Martin Schütz<br />
mit immer neuen Volten verblüfft.<br />
Hardcore Chambermusic<br />
nannten die drei ihre bis 2017<br />
währenden Klangexperimente,<br />
aber den Schweizer Drummer<br />
konnte man in den vergangenen<br />
Jahren auch in weiteren<br />
ambitionierten Bands erleben:<br />
mit Erika Stucky auf den Spuren<br />
von Jimi Hendrix oder mit der<br />
jungen NoiseCore-Band Phall<br />
Fatale. Nun hat der so vielseitige<br />
wie umtriebige Schlagzeuger<br />
ein ehrgeiziges Projekt (fast) im<br />
Alleingang gestemmt, das den<br />
Musiker zurückwirft auf sich<br />
selbst. Verteilt auf zwei LPs, die<br />
sich auf etwas über eine Stunde<br />
Laufzeit summieren, kredenzt<br />
er eine feine Melange aus beinahe<br />
sphärischen Klängen und<br />
Studer schem Power-Drumming,<br />
die keine Genre-Grenzen kennt.<br />
Der schlitzohrige Studer<br />
wollte das Album gerne schon<br />
im vergangenen Jahr veröffentlichen<br />
<strong>–</strong> mit 69 Jahren, einer<br />
Zahl, die ihn ob ihrer Symbolik<br />
durchaus gelockt hätte. Man<br />
hat es ihm ausgeredet, und so<br />
erscheinen die Aufnahmen (als<br />
Box mit zusätzlichem dickem<br />
Begleitbuch) nun kurz nach<br />
seinem 70. Geburtstag beim<br />
kleinen Schweizer Label Everest<br />
Records. Den Titel der aufwendigen<br />
Veröffentlichung hat er<br />
sich von einem der ganz Großen<br />
geliehen: „Now‘s the Time“<br />
schrieb Charlie Parker vor über<br />
50 Jahren, für Studer immer<br />
noch ein passendes Vorbild in<br />
Haltung und Geist.<br />
Etliche Wochen hat er sich<br />
Zeit genommen für die Vorbereitung<br />
seines Soloalbums und<br />
gemeinsam mit Studioingenieur<br />
(und Produzent) Roli Mosimann<br />
an den 14 Tracks gefeilt. Kein<br />
Best-of also, kein Zusammenschnitt<br />
vergangener Taten.<br />
Eher eine Standortbestimmung,<br />
gewonnen aus den Erfahrungen,<br />
die Studer in vielen Konzerten<br />
und Bands gemacht hat. Nach<br />
langen Jahren mit immer wieder<br />
neuen (und vielen alten) Bandprojekten<br />
ist der Trommler aus<br />
Luzern nunmehr öfter auch als<br />
Solo-Künstler unterwegs.<br />
Begonnen hat Studer als<br />
dynamischer Pulsgeber mit drei<br />
Freunden aus Luzern, und das<br />
Quartett machte sich damals<br />
schnell einen Namen. Mit<br />
ihrer Electric-Jazz-Free-Music<br />
trafen OM den Nerv der Zeit<br />
(1972 <strong>–</strong> 1982) <strong>–</strong> der Beginn einer<br />
langen Karriere im Grenzbereich<br />
von Rock, Jazz und<br />
improvisierter Musik für Christy<br />
Doran, Urs Leimgruber, Bobby<br />
Burri und eben Fredy Studer.<br />
Eine Liaison, die immer noch<br />
hält: Seit etlichen Jahren sind<br />
die vier wieder gemeinsam zu<br />
hören, gastieren <strong>–</strong> so es die Zeit<br />
zulässt <strong>–</strong> im heimatlichen Luzern<br />
und spielen auf Festivals. Nicht<br />
zuletzt immer wieder in Willisau.<br />
Hier hat Studer vor fünf Jahren<br />
auch im Rahmen der „Intimities“<br />
am Solo-Spiel Gefallen<br />
gefunden, im <strong>September</strong> wird er<br />
nun beim 44. Festival in Willisau<br />
seine im Januar eingespielten<br />
Tracks live vorstellen.<br />
Aus Skizzen und Aufgeschnapptem,<br />
aus vertrauten<br />
Beats und Hörnotizen entwickelt<br />
er seine Musik, die er zuweilen<br />
© Ben Huggler<br />
auch notiert <strong>–</strong> aber komponiert,<br />
darauf legt Studer wert, sind<br />
seine Stücke nicht. Als Komponist<br />
sieht er sich nicht, zu groß<br />
ist sein Respekt vor Namen wie<br />
György Ligeti und Edgar Varèse,<br />
deren Musik ja durchaus auch<br />
zu seinem Repertoire gehört. Er<br />
ist Autodidakt, ein Tüftler, der<br />
seine Musik aus dem gemeinsamen<br />
Spiel und dem täglichen<br />
Umgang mit seinem Instrument<br />
entwickelt. Eine sinnliche Suche<br />
nach Klängen und Rhythmen, gespeist<br />
aus vielen Einflüssen und<br />
gewiss weit entfernt von seinen<br />
rockmusikalischen Anfängen.<br />
Aber eben unverkennbar immer<br />
noch geprägt vom dynamischen<br />
Groove, den Studer so unnachahmlich<br />
zu erzeugen vermag.<br />
Mit „InPuls“, einem fünfminütigen<br />
Abtasten und Räume-<br />
Abstecken, startet Studer<br />
gewohnt dynamisch auf seinem<br />
Gretsch-Schlagzeug, das er um<br />
Gongs und Klangbleche erweitert<br />
hat; konsequent auch der<br />
Verzicht auf jegliche Elektronik<br />
und Overdubs. Den Raumklang<br />
aber nutzt er mit Bedacht, hat<br />
sorgsam aufgenommen, den<br />
jeweils richtigen Standort für<br />
die Mikrophone gesucht, den<br />
jeweils passenden Effekt von<br />
Fellen und Metall. Ein Basteln<br />
und Probieren, dessen Ergebnis<br />
gewiss nicht der spontanen<br />
Atmosphäre eines Live-Konzerts<br />
entspricht, zuweilen meint man<br />
eher eine Studio-Aufnahme auskomponierter<br />
Musik zu hören.<br />
Dem einen oder anderen<br />
Kollegen und Mitstreiter hat<br />
Fredy Studer einzelne Tracks gewidmet,<br />
Pierre Favre etwa oder<br />
Jojo Mayer. Kurze, wohlkalkulierte<br />
Stücke sind darunter, aber<br />
auch lange vielfarbige Fantasien<br />
wie das zwölfminütige Titelstück.<br />
Mit zunehmender Dauer<br />
fängt die Magie, lässt man sich<br />
bereitwillig auf den Flow der<br />
Musik und die Stimmung der<br />
Tracks ein. Da gibt es lässige<br />
und verspielte wie das kratzige<br />
„Lies mehr Nadel“ oder den<br />
saftigen „Circle Stomp“. Es weht<br />
aber auch ein tiefer Ernst in die<br />
Aufnahmen hinein. Quasi ein<br />
Requiem hat er dem während<br />
der Aufnahmen im Januar<br />
verstorbenen Freund François<br />
„Frasi“ Müller gewidmet, und<br />
auch „Rostiger Himmel“, der<br />
letzte Track der Aufnahmen, gilt<br />
dem Freund <strong>–</strong> ein so dunkles wie<br />
nachdenkliches Lebewohl.<br />
Statt umfangreicher Liner<br />
Notes hat Fredy Studer vier<br />
namhafte Kollegen gebeten,<br />
seine Arbeit zu kommentieren,<br />
zu bewerten. Lobende Worte<br />
finden Vinnie Colaiuta, Jim Keltner<br />
und Jack DeJohnette. Den<br />
treffendsten Kommentar aber<br />
liefert der Niederländer Paul<br />
Lovens mit feinen Reimen: „He<br />
sows his prose that flows <strong>–</strong> as<br />
he goes… And getting close, he<br />
knows <strong>–</strong> as it shows.”<br />
<strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong><br />
Aktuelle LP-Box:<br />
Fredy Studer:<br />
Now’s the Time<br />
(Everest / Maniac Press)<br />
10 Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong>
Lisa Bassenge<br />
Szenen einer Ehe<br />
© Dovile Sermokas<br />
Fragt man die Berliner Sängerin Lisa Bassenge, nach<br />
welchen Kriterien sie das Material ihres neuen Albums<br />
ausgewählt hat, erfährt man, dass es sich um ein<br />
Gemeinschaftswerk mit ihrem frisch angetrauten Ehemann,<br />
dem dänischen Kontrabassisten Andreas Lang, handelt.<br />
Von Victoriah Szirmai<br />
„Deshalb auch der Titel Borrowed and Blue,<br />
der auf den Hochzeitsbrauch ,Something<br />
old, something new, something borrowed,<br />
something blue‘ anspielt“, erzählt sie. „Es<br />
sind alles Songs, die mein Mann und ich an<br />
einem bestimmten Punkt unserer Beziehung<br />
gehört haben, etwa, als wir zum ersten Mal<br />
zusammen Auto gefahren oder zum ersten<br />
Mal miteinander verreist sind.“<br />
Man könnte befürchten, um die<br />
Beziehung sei es nicht zum Besten bestellt:<br />
Alles hier ist düster und weh, es geht um<br />
verlorene Liebe, Schmerz und Tod. Dabei<br />
sind Bassenge und Lang mit ihrem gemeinsamen<br />
Baby privat überglücklich. Ist es<br />
nicht seltsam, musikalisch im Verlassensein<br />
zu versinken, nur um kurz darauf fröhlichem<br />
Familienleben zu frönen? „Diese Art von<br />
Musik ist künstlerisch einfach viel interessanter<br />
als so ein Happy-Happy-Gefühl“,<br />
sinniert Bassenge. „Und nicht zuletzt lassen<br />
sich damit bestimmte Aspekte des Lebens<br />
in die Kunst auslagern.“<br />
Tatsächlich wiegt Borrowed & Blue mit<br />
seinem countryesk-schunkelnden Patsy-<br />
Cline-Auftakt „Three Cigarettes in an Ashtray“<br />
dann auch nur kurz in trügerische Sicherheit,<br />
denn nicht einmal dieser Lazy-Sunday-<br />
Morning-Sound kann darüber hinwegtäuschen,<br />
dass hier mehr lauert. Und so wird<br />
es auch schon auf „I Feel Like Breaking Up<br />
Somebodys’s Home“ mehr als nur untergründig<br />
bedrohlich, wobei Bassenge und<br />
ihre Begleiter den Albert-King-Blues dank<br />
klanggewordenem Nimmermehr-Gefühl<br />
in reduziertem Dunkelmoll zum perfekten<br />
Torch Song wandeln.<br />
Kleine Cafés, Parks mit alten Kastanienbäumen<br />
und natürlich auch Phantom-<br />
12 Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong>
spiegelungen des verlorenen Liebhabers<br />
werden mit dem Billie-Holiday-sings-Sinatra-Klassiker<br />
„I’ll Be Seeing You“ wehmütig<br />
heraufbeschworen, während die Warren-<br />
Zevon-Nummer „Keep Me in Your Heart<br />
for a While“ trotz des sich abzeichnenden<br />
Abschieds derart laid back klingt, dass<br />
sich leicht nachvollziehen lässt, weshalb<br />
„Whiskey, Weed and Warren Zevon“ zum<br />
geflügelten Wort wurde. Tatsächlich jedoch<br />
handelt es sich um den letzten Song, den<br />
der US-Amerikaner je geschrieben hat: „Er<br />
war schon total vom Krebs zerfressen, hat<br />
ihn dann aber noch zu Hause eingesungen,<br />
damit er auf seiner letzten Platte erscheinen<br />
konnte“, erklärt Bassenge, die auch auf<br />
dem folgenden „My Man’s Gone Now“ ausgiebig<br />
dem Verschwundenen nachtrauert.<br />
Vor allem der schuberteske Piano-Unter-,<br />
wenn nicht gar -Abgrund macht die Platte<br />
spätestens zum romantischen Liederzyklus.<br />
Bassenge klagt sich herzzerreißend durch<br />
den Song, an dessen Ende ein „Promised<br />
Land“ winkt, das hier als Euphemismus fürs<br />
Jenseits verstanden werden will.<br />
Der warme Bass-Sound, der die<br />
Townes-Van-Zandt-Nummer „I’ll Be Here in<br />
the Morning“ eröffnet, lindert den allergrößten<br />
Schmerz; und wenn sich erst das<br />
Klavier zum Dialog der Eheleute gesellt, entfaltet<br />
sich Klarheit darüber, dass das Stück<br />
nicht auf den Liebsten abzielt, sondern<br />
vielmehr Versprechen von Mutter zu Kind<br />
ist, am Bett zu wachen, bis alle nächtlichen<br />
Schatten wieder verschwunden sind. „Ich<br />
habe einfach nur versucht, dieses Gefühl<br />
von Nähe, von Innigkeit zu transportieren“,<br />
so Bassenge. „Mich berührt dieses Stück<br />
immer sehr <strong>–</strong> es ist einfach ein krass schöner<br />
Text.“ Tatsächlich treibt es einem die<br />
Tränen in die Augen, wenn die letzte Zeile<br />
ahnen lässt, dass es sich nicht nur um eine<br />
durchwachte Nacht handelt, sondern um<br />
die gesamte Spanne, die das Kind im Haus<br />
der Mutter verbringt, um irgendwann seiner<br />
eigenen Wege zu gehen. Starke weibliche<br />
Familienbande klingen auch im Bill-Withers-<br />
Klassiker „Grandma’s Hands“ an, dessen<br />
Intensität sich einzig mit der Bassenge-<br />
Komposition „Barbed Wire“ vom jüngsten<br />
Micatone-Album The Crack messen lässt,<br />
womit die Sängerin das Image der edlen<br />
Electropop-Chansonnière wohl endgültig<br />
hinter sich gelassen hat.<br />
So ist das in nur einem Take und vier<br />
Stunden aufgenommene Borrowed and<br />
Blue dann auch eine Platte, bei der stets ein<br />
Hauch Abgeklärtheit mitschwingt, die sich<br />
mit zunehmendem Lebensalter einstellt <strong>–</strong> ob<br />
als zartes Erstaunen, dass nach so vielen<br />
Jahren der alte Funke immer noch glimmt,<br />
wie auf „Still Crazy After All These Years“<br />
oder dem Beatles-Klassiker „Norwegian<br />
Wood“, für den Bassenge sich in die Rolle<br />
PDF in 4c<br />
des männlichen Akteurs wagt. Die behält<br />
sie auch auf dem Hank-Williams-Senior-<br />
Closer „Ramblin‘ Man“ bei, der das erste<br />
„I Love You“ der Platte ausspricht <strong>–</strong> natürlich<br />
nicht, ohne ein „Aber“ folgen zu lassen.<br />
Und dann finden Kunst und Leben<br />
doch noch zueinander. „Mein Hauptgrund,<br />
diese Platte zu machen, war die Freiheit<br />
von Angst. Ich hatte jahrelang viel zu oft mit<br />
Leuten gespielt, die nicht richtig anerkannt<br />
haben, was ich mache. Das hat sich durch<br />
dieses Trio komplett aufgelöst. Für uns ist<br />
Musik in erster Linie Heilung und Trost. Es<br />
geht nicht darum, alles richtig zu machen<br />
<strong>–</strong> man darf auch Spaß haben!“ Hierzu hat<br />
Lisa Bassenge die richtigen Verbündeten<br />
gefunden. Jacob Karlzon am Klavier gelingt<br />
es, den intimen Zwiegesang des Ehepaars<br />
nie zur Ménage-à-trois geraten zu lassen <strong>–</strong><br />
und gerade das macht ihn so unersetzlich in<br />
einem Trio, das zu den besten Besetzungen<br />
gehört, in denen die Sängerin je gespielt hat.<br />
Aktuelle CD:<br />
Lisa Bassenge: Borrowed and Blue<br />
(Herzog / Soulfood)
Daniel<br />
Erdmann /<br />
Christophe<br />
Marguet<br />
Eine Fotografie des<br />
Moments<br />
© Dirk Bleiker<br />
14<br />
Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong>
Tenorsaxofon, Schlagzeug, zwei Kontrabässe. Zwei Bässe? Es gibt<br />
Besetzungen, die springen ins Auge, noch bevor der erste Ton den Raum<br />
durchflossen hat. So auch das Projekt des deutschen Saxofonisten<br />
Daniel Erdmann und des französischen Schlagzeugers Christophe<br />
Marguet, deren gemeinsame Band durch gleich zwei Kontrabassisten<br />
zum Quartett anwächst. Sozusagen eine Art musikalische Viersaiten-<br />
Doppelrahmstufe. Und die mundet ganz vorzüglich.<br />
Von Andreas Collet<br />
© Dirk Bleiker<br />
Ein Stipendium des Deutsch-Französischen<br />
Kulturrats war es, das<br />
den deutschen Saxofonisten Daniel<br />
Erdmann vor rund 17 Jahren<br />
nach Frankreich führte. Mittlerweile<br />
haben er und seine Familie<br />
in Reims im Nordosten Frankreichs<br />
ihre Heimat gefunden.<br />
Perfekt gelegen, der TGV macht‘s<br />
möglich, sind es nur 45 Minuten<br />
nach Paris und 30 Minuten zum<br />
Flughafen, denn seine Berliner<br />
Wohnung hat Erdmann nie aufgegeben.<br />
Three Roads Home heißt<br />
nun seine neuste Einspielung mit<br />
dem Schlagzeuger Christophe<br />
Marguet, und der Albumtitel<br />
nimmt Bezug auf drei unterschiedliche<br />
Konstellationen: zwei<br />
Trios und ein Quartett. Schon 2015<br />
eingespielt, dauerte es drei Jahre,<br />
ehe diese Perle das Tageslicht<br />
erblickte. „Das ist leider keine<br />
Band, die viel live spielt. Da gab<br />
es keinerlei Druck, und so hat es<br />
bis zur Veröffentlichung ein wenig<br />
gedauert“, erklärt Erdmann.<br />
Jeweils fünf der zwölf<br />
Kompositionen stammen aus den<br />
Federn Erdmanns und Marguets,<br />
die beiden Bassisten Henri<br />
Texier und Claude Tchamitchian<br />
brachten jeder ein Stück mit ein.<br />
Die Besetzung hatten Erdmann<br />
und Marguet schon im Sinn, als<br />
sie die Stücke schrieben. Die<br />
Aufnahme, in knapp zwei Tagen<br />
ohne Overdubs und spätere<br />
Nachbearbeitung eingespielt, ist<br />
sozusagen eine Fotografie des<br />
Moments. Erdmann ist es wichtig,<br />
dass die Stücke eine gewisse<br />
Form, Melodie oder einen Rhythmus<br />
vorgeben und trotzdem<br />
Freiräume enthalten, in denen die<br />
Musiker aus dieser Form ausbrechen<br />
sollen und können. „Das<br />
muss überschwappen, da es<br />
sonst aus meinem musikalischen<br />
Verständnis heraus zu langweilig<br />
wird. Die Möglichkeit zu machen,<br />
was man will, muss zu jederzeit<br />
gewährleistet sein. Gerade das<br />
sind die Stärken dieser Musiker.<br />
Eben genau im richtigen Moment<br />
über den Tellerrand herauszuschießen.“<br />
Mit Christophe Marguet<br />
spielt Erdmann schon eine geraume<br />
Zeit zusammen. So haben<br />
sie die Duo-Platte Together,<br />
Together! veröffentlicht und mit<br />
dem Tenorsaxofonisten Heinz<br />
Sauer eine Quartett-Aufnahme<br />
eingespielt. Three Roads Home<br />
ist nun der dritte Streich von Erdmann<br />
und Marguet. Die Wahl der<br />
Bassisten ergab sich dabei auf<br />
eine sehr natürliche Art und Weise.<br />
„Christophe und ich spielten<br />
im Sextett von Claude, so waren<br />
wir natürlich alle sehr miteinander<br />
verbunden, und Christophe<br />
wiederum spielt viel mit Henri“,<br />
erläutert Erdmann und fügt an:<br />
„Meine Verbindung zu Henri<br />
ist, obwohl ich nie zuvor mit ihm<br />
gespielt habe, eine besondere.<br />
Seine Alben Colonel Skopje und<br />
An Indian‘s Week entdeckte<br />
ich rein zufällig. Zu dieser Zeit<br />
hatte ich mit Frankreich noch<br />
gar nichts am Hut. Diese beiden<br />
Platten haben mich eine lange<br />
Zeit begleitet, und zu ihnen habe<br />
ich unglaublich viel gedudelt. Von<br />
daher freut es mich besonders,<br />
dass Henri zugesagt hat.“<br />
Die Band spielt äußerst<br />
kompakt, jeder Ton hat seinen<br />
Platz, seine Bedeutung, und in<br />
jedem schwingt diese Verbundenheit<br />
und dieses Selbstverständnis<br />
mit. Das ist Musik mit<br />
großer formeller und struktureller<br />
Kraft. Erdmann ist dabei der große<br />
Geschichtenerzähler. Einer,<br />
der den Mut hat, in Melodien zu<br />
schwelgen, der aber auch immer<br />
wieder aus ihnen ausbricht, um<br />
sie mit einem Augenzwinkern<br />
genüsslich zu dekonstruieren.<br />
Christophe Marguet unterstützt<br />
dabei mit seinem höchst<br />
virtuosen, gruppendienlichen<br />
Spiel, das niemals vordergründig,<br />
dafür immer verbindend ist. Die<br />
beiden Bassisten unterscheiden<br />
sich vor allem im Ton. Während<br />
Texier auf Three Roads Home<br />
ausschließlich Pizzicato spielt,<br />
greift Tchamitchian auch öfter<br />
zum Bogen. „Man spürt einfach<br />
die Erfahrung dieser Musiker, die<br />
schon eine gefühlte Ewigkeit mit<br />
allen möglichen Größen gespielt<br />
haben. Das alles hat natürlich<br />
Vorbildcharakter, und es ist eine<br />
große Freude, mit ihnen spielen<br />
zu dürfen“, gesteht Erdmann.<br />
Am Anfang stand die Idee<br />
der drei unterschiedlichen Besetzungen.<br />
Es wurde geprobt, die<br />
Band spielte einen Gig, und dann<br />
ging es ab ins Studio. Seitdem<br />
gaben die vier weitere Konzerte,<br />
doch auf dem Weg hat sich die<br />
Ausrichtung ein wenig verändert.<br />
Es entwickelte sozusagen eine<br />
Eigendynamik, denn nun spielen<br />
sie größtenteils nur noch im<br />
Quartett, mit beiden Bässen auf<br />
einmal. „Schlussendlich hat es<br />
sich herausgestellt, dass es uns<br />
mehr Spaß macht, die Stücke zu<br />
viert zu spielen“, erklärt Erdmann.<br />
„Wenn es noch eine Folge-Platte<br />
geben sollte, könnte ich mir gut<br />
vorstellen, sie ausschließlich im<br />
Quartett einzuspielen.“<br />
<strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong><br />
Aktuelle CD:<br />
Daniel Erdmann, Christophe<br />
Marguet, Henri Texier, Claude<br />
Tchamitchian:<br />
Three Roads Home<br />
(Das Kapital / Broken Silence)<br />
Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong><br />
15
Von Hans-Jürgen Linke<br />
Musik ist in Estland eine<br />
ungemein wichtige Kunstform<br />
<strong>–</strong> und zwar Musik im Allgemeinen,<br />
nicht nur ein bestimmtes<br />
Genre. Immerhin spricht man im<br />
Baltikum nach wie vor von der<br />
„singenden Revolution“, wenn<br />
es um die nationale Bewegung<br />
für eine staatliche Unabhängigkeit<br />
zwischen 1987 und 1991<br />
geht. Das estnische Musikleben<br />
ist vielgestaltig, lebendig und<br />
ambitioniert, und es gibt seriöse<br />
Musikerinnen und Musiker, die<br />
im Land bekannter sind als bei<br />
uns Helene Fischer.<br />
Trotz aller Begeisterung ist<br />
der Musik-Markt des 1,3 Millionen<br />
Einwohner zählenden Landes<br />
zu klein, um seine Künstler zu<br />
ernähren. Darum haben Esten es<br />
schon immer selbstverständlich<br />
gefunden, möglichst auch international<br />
unterwegs zu sein. Das<br />
gilt nicht nur für die Vertreter der<br />
bei uns sogenannten E-Musik,<br />
das gilt auch im Jazz-Fach. Wobei<br />
der Jazz in Estland nicht so<br />
streng von anderen Musikstilen<br />
unterschieden ist wie in Zentraleuropa.<br />
Jazz, Pop, Folk und E-<br />
Musik grenzen sich nicht harsch<br />
gegeneinander ab, stattdessen<br />
herrscht ein Geist der Neugier<br />
und Kooperation. Das gilt auch für<br />
Jaak Sooäär. „Musikalische Genres<br />
interessieren mich wenig“,<br />
sagt er. „Mich interessieren ganz<br />
verschiedene Stile <strong>–</strong> von Bach<br />
bis zum Punk. Heute entsteht die<br />
interessanteste Musik meistens<br />
zwischen den Stilgrenzen.“<br />
Jaak Sooäär ist Gitarrist<br />
und einer der bekanntesten<br />
Jazzmusiker in Estland. Er wurde<br />
1972 in Tallinn geboren, da war<br />
Estland noch eine sozialistische<br />
Sowjetrepublik. Seine ersten<br />
professionellen Erfahrungen in<br />
der Musik-Branche waren Konzertreisen<br />
in der UdSSR mit dem<br />
Estnischen Knabenchor, in dem<br />
er mit sieben Jahren Mitglied<br />
wurde. Später studierte er an der<br />
Universität in Tartu und an den<br />
Musikhochschulen in Tallinn und<br />
Kopenhagen und begann 1989,<br />
in der Jazz- und Pop-Szene in<br />
seinem Heimatland zu arbeiten.<br />
Die Liste der international prominenten<br />
Jazzmusiker, mit denen<br />
er zusammengearbeitet hat, ist<br />
mittlerweile stattlich, und er hat<br />
mit verschiedenen Bands über<br />
20 Alben eingespielt. In der Jazz-<br />
Abteilung der Estnischen Musikund<br />
Theaterakademie (Eesti<br />
Muusika- ja Teatriakadeemia) in<br />
Tallinn unterrichtet er seit 2001<br />
Jazz-Gitarre, und seit 2004 ist er<br />
Leiter dieser Abteilung.<br />
Seinen von Genre-<br />
Beschränkungen unverstellten<br />
Blick auf die Musiklandschaft<br />
hat er Anfang des Jahres mit<br />
dem Album Bach bewiesen,<br />
das er mit dem Pianisten Ivo<br />
Sillamaa eingespielt hat. Es ist<br />
bei dem kleinen estnischen Label<br />
AVA Muusika erschienen und<br />
Man müsste den Titel ohnehin übersetzen. Schließlich gibt es<br />
nicht sehr viele Menschen, die Estnisch verstehen, Englisch ist als<br />
Verständigungssprache auf diesem Planeten einfach weiter verbreitet.<br />
Darum hat der estnische Gitarrist Jaak Sooäär sein neues Album, das er<br />
mit einem Trio eingespielt hat, gleich A Shooting Star genannt und nicht<br />
Sabaga täht. Beides heißt auf Deutsch so viel wie „Sternschnuppe“.<br />
Jaak<br />
Sooäär<br />
Über das Licht in der Musik<br />
© Kaupo Kikkas<br />
enthält ausschließlich Musik<br />
von Johann Sebastian Bach <strong>–</strong><br />
neu instrumentiert und damit in<br />
Versionen, mit denen Anhänger<br />
der Originalklang-Szene möglicherweise<br />
nicht ganz zufrieden<br />
wären. Jetzt kam das eingangs<br />
erwähnte Album A Shooting Star<br />
heraus, eingespielt von einem<br />
Trio. Das Album enthält ebenfalls<br />
Bach-Bearbeitungen <strong>–</strong> die<br />
Choralkantate „Ich ruf zu dir, Herr<br />
Jesu Christ“ (BWV 639) und den<br />
Siciliano-Satz aus der Violinsonate<br />
in c-Moll (BWV 1017) <strong>–</strong> neben<br />
Musik des armenischen Kontrabassisten<br />
Ara Yaralyan und<br />
Stücken von Jaak Sooäär selbst.<br />
Stilgrenzen spielen hier, wie man<br />
leicht erkennt, kaum eine Rolle.<br />
Anders als das oft bei ähnlich<br />
besetzten Trios <strong>–</strong> E-Gitarre,<br />
Bass, Schlagzeug <strong>–</strong> der Fall ist,<br />
geht es auf diesem Album sehr<br />
verhalten zu, intim und manchmal<br />
melancholisch. Der finnische<br />
Schlagzeuger Markku Ounaskari<br />
arbeitet überaus filigran und<br />
klangreich, Ara Yaralyan am<br />
Bass nimmt oft den Bogen zur<br />
Hand und verzichtet meist auf die<br />
klassischen rhythmisch treibenden<br />
Grundierungen.<br />
Das Titelstück ist ein Lied<br />
von Jaak Sooäär, das, wie er<br />
erzählt, auf ein Erlebnis auf der<br />
Insel Vormsi reagiert, wo in einer<br />
<strong>September</strong>nacht ein Meteor<br />
den Himmel sehr plötzlich und<br />
weiträumig erhellte. Der Song<br />
„Sabaga Täht“, den er über<br />
dieses Erlebnis einige Zeit später<br />
schrieb, wurde vor anderthalb<br />
Jahrzehnten in der Interpretation<br />
seiner Band Eeste Keeled (Estnische<br />
Saiten) recht bekannt. Auf<br />
dem neuen Album gibt es eine<br />
rein instrumentale Trio-Fassung<br />
dieses Liedes, die, wie Jaak<br />
Sooäär findet, auch ohne den<br />
Text und ohne eine Singstimme<br />
ziemlich gut funktioniert. Der Text<br />
ist im Booklet auf Estnisch und<br />
in einer englischen Übertragung<br />
abgedruckt. Er erinnert in seiner<br />
konzentrierten und zurückhaltenden<br />
Beschreibung eines<br />
lichtvollen Augenblicks an ein<br />
japanisches Haiku.<br />
Licht spielt in dem Album<br />
auch in einem anderen Stück und<br />
in einer anderen Erscheinungsform<br />
eine große Rolle <strong>–</strong> nicht<br />
als plötzliche Erleuchtung einer<br />
nächtlichen Situation, sondern<br />
als etwas fast Abwesendes, als<br />
eine Art schimmernde Erinnerung<br />
aus der Ferne: „Kaamos“<br />
heißt das vorletzte Stück des<br />
Albums. Es ist ebenfalls eine<br />
Komposition von Jaak Sooäär.<br />
Kaamos, das bezeichnet im Finnischen<br />
die Zeit um die Wintersonnenwende,<br />
wenn die Sonne nicht<br />
aufgeht und wo es für einige<br />
Stunden über Mittag auf eine<br />
diffuse Weise vom Süden her ein<br />
wenig hell wird.<br />
Aktuelle CD:<br />
Jaak Sooäär, Ara Yaralyan, Markku<br />
Ounaskari: A Shooting Star<br />
(O-Tone / Edel:Kultur)<br />
16 Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong>
Literatur<br />
Von Rolf Thomas<br />
Ob Diedrich Diederichsen wohl je<br />
nachts schweißgebadet aufwacht, weil<br />
er von einer mediokren Nachahmer-<br />
Armee seines Stils gepeinigt wird? Die<br />
Vorstellung scheint plausibel, wenn<br />
man sich den Kraftwerk-Sammelband<br />
Mensch Maschinen Musik zu Gemüte<br />
führt. Autoren, die im Anhang<br />
selbstbewusst-blasiert als „Associate<br />
Professor für American Studies an<br />
der University of Wyoming in Laramie,<br />
USA“ firmieren und sich anscheinend<br />
nicht bewusst sind, dass sich das wie<br />
„Oberstudienrat am Beppo-Brem-Gymnasium<br />
Geilenkirchen“ anhört, pflegen<br />
in dem von Uwe Schütte herausgegebenen<br />
Buch einen peinigenden<br />
akademischen Jargon, der das Lesen<br />
zur Qual macht. Wer nicht weiß, was<br />
ein Mise en abyme <strong>–</strong> nämlich ein Bild<br />
im Bild <strong>–</strong> ist, ist aufgeschmissen. Zwar<br />
ist der Band mit Fußnoten gespickt <strong>–</strong><br />
unsinnigerweise nicht zentral am Ende<br />
des Buches, sondern am jeweiligen<br />
Ende der Kapitel, was zu hektischem<br />
Hin- und Herblättern führt <strong>–</strong>, aber<br />
gerade diesen Begriff hält die Autorin<br />
Melanie Schiller („Assistant Professor<br />
für Medienwissenschaften und Populäre<br />
Musik am Institut für Künste, Kultur<br />
und Medien an der Rijksuniversiteit<br />
Groningen in den Niederlanden“ <strong>–</strong> was<br />
es nicht alles gibt) nicht für erklärungsbedürftig.<br />
Wer sich für Kraftwerk und<br />
deren Musik interessiert, bekommt<br />
deren Geschichte zwar in den einzelnen<br />
Beiträgen brav chronologisch<br />
nacherzählt, aber die Gedanken der<br />
Diederichsen-Jünger dazu sind leider<br />
nahezu allesamt so wirr, kraus und<br />
nicht nachvollziehbar, dass man nur mit<br />
dem Kopf schütteln kann: Da verursachen<br />
„elektronische Instrumente einen<br />
Abspaltungseffekt“ (Alexander Harden<br />
hat „Interesse an der Anwendung<br />
narrativer Theorien“), das Album Trans<br />
Europa Express befindet sich auf dem<br />
Kraftwerk und<br />
Throbbing Gristle<br />
Pioniere der<br />
elektronischen<br />
Musik<br />
Der akademische Tausendsassa Uwe Schütte <strong>–</strong> Privatdozent, Musikjournalist,<br />
Buchautor <strong>–</strong> hat nicht nur einen Sammelband über das Wesen und Wirken von<br />
Kraftwerk zusammengestellt, er hat auch eine profunde und äußerst kurzweilige<br />
Analyse des Throbbing-Gristle-Anführers Genesis P-Orridge geschrieben.<br />
Weg „von Wahrhol‘s ‚Mal-Maschine‘<br />
zu Kraftwerks Musik-Maschine“ (Didi<br />
Neidhart, der nicht mal weiß, wie man<br />
Andy Warhol schreibt, ist ausnahmsweise<br />
kein Akademiker, sondern<br />
profaner Musikkritiker) und die Kraftwerksche<br />
Poesie wird erzeugt „durch<br />
die eigene Radsportbetätigung der<br />
Einzelnen“ (Literaturwissenschaftler<br />
Dr. Enno Stahl hat hier Schwierigkeiten<br />
mit der deutschen Sprache). Kurz und<br />
schlecht: Ach nee.<br />
Dass Herausgeber Uwe Schütte<br />
das Kraftwerk-Buch besser selbst<br />
geschrieben hätte, diese Erkenntnis<br />
beschleicht einen, wenn man seinen<br />
schmalen Band über Genesis P-Orridge<br />
liest. Schütte ist ein äußerst witziger<br />
und amüsanter Autor, der dieser bizarren<br />
Figur britischer Avantgarde- und<br />
Industrial-Music-Geschichte dennoch<br />
kompetenten Respekt entgegenbringt,<br />
und die knapp 100 Seiten lesen sich mit<br />
Erkenntnisgewinn und haben zumindest<br />
beim Rezensenten dazu geführt,<br />
mal wieder die alten Throbbing-Gristle-<br />
Platten aus dem Regal zu kramen.<br />
Uwe Schütte (Hg.): Mensch Maschinen Musik <strong>–</strong><br />
Das Gesamtkunstwerk Kraftwerk.<br />
C.W. Leske Verlag, Düsseldorf <strong>2018</strong>,<br />
366 Seiten, 24,90 Euro<br />
Uwe Schütte: Godstar <strong>–</strong> Über Genesis P-Orridge,<br />
eine Geheimgeschichte der Popkultur.<br />
Der Konterfei, Wien <strong>2018</strong>,<br />
99 Seiten, 9,90 Euro<br />
Das Hollywood Songbook<br />
in der Version von Michael<br />
Schiefel und dem Wood &<br />
Steel Trio klingt manchmal<br />
altmodisch, doch nie<br />
museal, und wenn, dann im<br />
besten Sinne: Da ist diese<br />
eigentümliche Stimmung, die<br />
einen beim stillen Betrachten<br />
von Gegenständen aus<br />
vergangenen Zeiten anfliegt.<br />
Sie beginnen in ihren Vitrinen<br />
gleichsam zu sprechen<br />
und verbreiten stumm<br />
eine betörende Wirkung.<br />
Es erklingt, bestückt mit<br />
knapper Prosa und perfekt<br />
instrumentiert, aus versteckten<br />
Lautsprechern eine hochgradig<br />
eigenartige Botschaft.<br />
Von Jan Kobrzinowski<br />
Das Hollywood Songbook von Hanns Eisler<br />
ist ein Liederzyklus aus vertonten Texten<br />
von Bertolt Brecht und anderen Dichtern.<br />
In die Originalfassung eingearbeitet sind<br />
Minizyklen von Eduard Mörike, Joseph von<br />
Eichendorff, Friedrich Hölderlin und je ein<br />
Text von Blaise Pascal und Goethe, sowie<br />
ein von Eisler selbst geschriebenes Gedicht:<br />
„Nightmare“. Der Zyklus ist Eislers erste<br />
Beschäftigung mit dem Thema Lied im Exil,<br />
in der er dem Schrecken darüber Ausdruck<br />
verschafft, was im damaligen Deutschland<br />
passierte. Und es ist eine Reaktion auf die<br />
fremde Welt Hollywoods samt einer Meditation<br />
über Deutschlands verschwundene<br />
Vergangenheit, unerträgliche Gegenwart<br />
und unsichere Zukunft.<br />
Musik und Text sind geprägt von einer<br />
nostalgisch-melancholischen Haltung, immer<br />
am Rande von Trauer und Schmerz über den<br />
Verlust einer untergehenden Heimat. Michael<br />
Schiefel und das Wood & Steel Trio haben<br />
sich auf eine Auswahl beschränkt, und so<br />
blieben die Brecht-Texte als Schwerpunkt<br />
übrig. „Die Auswahl entspricht unserer Perspektive“,<br />
sagt Schiefel. „Man muss diesen<br />
Stoff für heutige Zwecke einfach verdichten.<br />
Und wir wollten die relativ kurzen Stücke mit<br />
Improvisationen versehen und haben daher<br />
weniger Material verwendet. Es wäre sonst<br />
zu viel geworden. Man kommt schon mit<br />
dem Singen der Brecht-Texte irgendwann an<br />
einen Punkt, an dem es beklemmend wird.“<br />
Sowohl für ihn als Sänger als auch für<br />
das Publikum ist es wichtig, zwischendurch<br />
18<br />
Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong>
Michael Schiefel <strong>–</strong><br />
Wood & Steel Trio<br />
Zwischen Baum und Borke<br />
© Stefanie Marcus<br />
Abstand zu nehmen und sich bei Goethes<br />
„Schatzgräber“ sowie Intros, Zwischenspielen<br />
und „Tableau I-III“ genannten kleinen<br />
Intermezzi etwas zu entspannen. Michael<br />
Schiefels versatile Stimme meistert diesen<br />
Stoff, der in allen Belangen Äußerstes von<br />
einem Sänger fordert. Und das Wood & Steel<br />
Trio mit seinem ganz eigenen Sound aus dem<br />
leicht blechernen Klang von Dobro-Steel-<br />
Guitar (meisterhaft fühlt sich Christian Kögel<br />
in die Klangwelt der damaligen Zeit ein),<br />
dem virtuosen Vibrafon von Roland Neffe<br />
und Marc Muellbauers erdigem Kontrabass<br />
scheint wie geschaffen für das Projekt.<br />
Auf seiner Spurensuche stieß Michael<br />
Schiefel zunächst auf eine Decca-Produktion<br />
von 1998 aus der Reihe „Entartete Musik“<br />
mit dem klassischen Bariton Matthias<br />
Goerne und dem Pianisten Eric Schneider.<br />
Mit Letzterem kam Schiefel ins Gespräch.<br />
Ihn faszinierte, wie diese Musik zwischen<br />
Kunstlied und Kabarett changieren konnte.<br />
Wie nun eine eigene Version, außerhalb des<br />
klassischen Liedes umsetzen? Seine Idee<br />
war das Wood & Steel Trio, und so fragte er<br />
dessen Bassisten Marc Muellbauer. Der und<br />
seine Kollegen sagten sofort zu und stürzten<br />
sich an die Arbeit. Reiz und Herausforderung<br />
bestanden darin, Eislers teilweise sperrigen<br />
Klaviervorlagen auf drei Instrumente<br />
zu übertragen. „Das Material ist von Eisler<br />
sehr sorgfältig gestaltet und auf den Text<br />
abgestimmt. Es erfordert sehr viel Präzision<br />
beim Proben, war doch ursprünglich daran<br />
gedacht, dass Klavier und Stimme agogisch<br />
miteinander ‚atmen’. Wir mussten sehr<br />
lange arbeiten, bis alles begann zu wirken.“<br />
Muellbauer ergänzt: „Neben der Kraft der<br />
Texte faszinierte uns die Bandbreite der<br />
musikalischen Sprache und die kondensierte<br />
Substanz der einzelnen Lieder. Das Material<br />
selber ist einfach unglaublich gut. Es kristallisierte<br />
sich ein Weg heraus, der uns der<br />
Musik gerecht schien und uns die Möglichkeit<br />
gab, die Lieder aus ihrer Verortung als<br />
Kunstlieder der 1940er Jahre herüberzuholen<br />
ins Jetzt: Wir nahmen zum Teil nur wenige<br />
Takte aus einzelnen Stücken und improvisierten<br />
mit dem Material Zwischenspiele, denen<br />
wir komplett frei assoziierte Teile entgegensetzten.<br />
Die Lieder selbst ließen wir in ihrer<br />
kargen Lakonik unangetastet.“<br />
Michael Schiefel und Wood & Steel<br />
klingen so „altmodisch“, wie es eben nötig<br />
ist, um die eigentümlich hölzern klingende<br />
„lyrische Prosa“, heutzutage vielleicht nur<br />
noch Altlinken, Lied-Kennern und Theaterleuten<br />
ein Begriff, auf einen aktuellen Stand<br />
zu bringen. Bei näherem Hinhören jedoch<br />
ist dieser Stoff aktueller als erwartet. Man<br />
kann an ihm Befindlichkeiten ablesen, mitfühlen,<br />
wie es Menschen zwischen Baum<br />
und Borke gehen muss, die auf die Anerkennung<br />
als Flüchtlinge warten, die sich<br />
fern der Heimat fremd fühlen, während dort<br />
Kriege toben, ihr Land zerstört wird. Wood<br />
& Steel mit Michael Schiefel haben nicht<br />
nur ein seltsames, vom Aussterben bedrohtes,<br />
kritisches Genre wiederbelebt, sondern<br />
richten unsere Ohren auf Themen, „die<br />
aktuell sind und in denen einiges drinsteckt,<br />
was wir uns gerade heute anhören sollten“.<br />
Erst nach mehrmaligem Hören belohnt uns<br />
das Hollywood Songbook wirklich. Und für<br />
diejenigen, die weiter in die Tiefe gehen<br />
wollen: Matthias Goerne / Eric Schneider:<br />
The Hollywood Songbook (Decca). Werkund<br />
Genre-Vergleich lohnen sich.<br />
Aktuelle CD:<br />
Wood & Steel Trio feat. Michael Schiefel:<br />
Brecht/Eisler <strong>–</strong> Hollywood Songbook<br />
(Traumton / Indigo)<br />
Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong> 19
LBT<br />
Analoger<br />
Techno<br />
Jazz war einmal eine hippe Musik<br />
für junge Leute, die tanzen mochten.<br />
Nach und nach wurde jedoch immer<br />
weniger getanzt. LBT bringen den<br />
Jazz wieder auf die Tanzfläche.<br />
20 Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong>
Von Thomas Bugert<br />
LBT sieht auf den ersten Blick aus wie ein<br />
klassisches Klaviertrio. Neben Leo Betzl (p)<br />
gehören Maximilian Hirning (b) und Sebastian<br />
Wolfgruber (dr) zur Band. Die drei Musiker<br />
haben sich während ihres Studiums an<br />
der Münchner Musikhochschule kennengelernt<br />
und sind mittlerweile ein sehr gut<br />
eingespieltes Team, das die Grenzen des<br />
Jazz auslotet. Für die vielseitige Band war<br />
das Jahr <strong>2018</strong> bislang sehr erfolgreich.<br />
Bereits im März gewannen die drei Musiker<br />
als Teil des Vincent Eberle Quintetts den<br />
Neuen Deutschen Jazzpreis in Mannheim.<br />
Hier spielten sie, wie auf ihrem Debütalbum<br />
Levitation, Modern Jazz im besten Sinne.<br />
Bereits der Bonustrack dieser CD<br />
deutete das Konzept an, mit dem die Band<br />
kürzlich den BMW Welt Jazz Award gewann.<br />
Beim Titel „Tech Tech Tech“ ist der Name<br />
Programm. Er stammt von Maximilian<br />
Hirning, der sich erinnert: „Für den Zusatztrack<br />
dieser CD habe ich einmal probiert,<br />
ein Techno-Stück für unsere akustische<br />
Band zu schreiben. Ich beschäftige mich<br />
viel mit dieser Musik, spiele sie auch in<br />
anderen Bands und gehe tanzen. Ich finde<br />
es spannend, diese Musik ohne Computer<br />
akustisch zu reproduzieren. Auf einer<br />
Tour haben wir gemerkt, dass das Stück<br />
ziemlich gut ankommt.“ Techno funktioniert<br />
jedoch nach anderen Gesetzmäßigkeiten<br />
als traditioneller Jazz und erfordert entsprechend<br />
andere Kompositionstechniken, wie<br />
Maximilian weiter erläutert: „Wenn man die<br />
Musik am Blatt Papier komponiert, ist man<br />
dazu verleitet, viel zu viel zu schreiben und zu<br />
variieren. Ich habe mir dann zuerst die DJ-<br />
Software Ableton gekauft und alles wie ein<br />
DJ komponiert. Danach habe ich die Stücke<br />
für ein akustisches Trio aufgeschrieben.“ In<br />
dieser Art entstanden nach und nach die Titel<br />
für das aktuelle Album Way up in the Blue.<br />
Tanzbarkeit und Technogrooves sind<br />
der rote Faden, der sich durch das Album<br />
zieht. Die Kompositionstechniken und musikalischen<br />
Herangehensweisen unterscheiden<br />
sich jedoch deutlich zwischen den<br />
Stücken und schaffen so die Abwechslung,<br />
durch die das Album frisch wirkt. So erinnern<br />
das Titelstück und der Track „Intro“<br />
an repetitive Minimaltechniken von Steve<br />
Reich und Terry Riley, die auch gelegentlich<br />
als Wegbereiter des Techno gelten. „Skrjabin“<br />
und „This Is Not the Way to Vernazza”<br />
verfolgen hingegen eher einen soundorientierten<br />
Ansatz. Bei „Circadian Dysrhythmia“<br />
integriert das Trio ein klassisches Streichquartett.<br />
Nicht nur das kompositorische Konzept<br />
unterscheidet sich von Song zu Song,<br />
auch die Solokonzepte sind je nach Stück<br />
unterschiedlich. Dabei geht es weniger um<br />
Sololines im traditionellen Sinn, sondern<br />
mehr um einen Zeitraum, der vom Solisten<br />
unterschiedlich gestaltet wird. Maximilian<br />
erläutert: „Ich versuche, mir für jedes Stück<br />
zu überlegen, wie der Solist darüber spielt.<br />
Das Solo soll immer eins der wichtigsten<br />
Teile im Stück sein. Ich versuche, dem<br />
Solisten eine Idee, einen Klang oder ein<br />
Konzept zu geben, mit dem er solieren darf.<br />
Das bewirkt, dass die Soli in der Musik<br />
bleiben und dass man nicht einen Techno-<br />
Track hört und dann jemand ein Jazz-Solo<br />
darüberspielt. Der Solist soll immer eine<br />
Aufgabe erfüllen. Er morpht von einem Riff<br />
in ein anderes oder macht, wie bei „Arpeggione“,<br />
einen Arpeggiator nach.“ Durch<br />
diese Aufgabenstellungen schafft es die<br />
Band, dass die Soli stark mit der Komposition<br />
verschmelzen.<br />
LBT ist daher weitaus mehr als drei<br />
Einzelmusiker, die zusammenspielen. Es ist<br />
vielmehr ein Experimentallabor und eine<br />
Band, die sich mit den verschiedensten<br />
PDF in 4c<br />
Bereichen der Musik auseinandersetzt. So<br />
verwundert es nicht, wenn Maximilian sagt:<br />
„Es gibt eine Schnittstelle zwischen Neuer<br />
Musik und Free Jazz, die eigentlich ziemlich<br />
ähnlich klingt. Wenn man diese Klangästhetik<br />
nimmt, passt das gut zu Techno.“ Für die<br />
eigene Klangästhetik wählt das Trio einen<br />
minimalistischen Ansatz. „Wir erzeugen,<br />
wie in der Neuen Musik, alle Klänge analog.<br />
Man klebt etwas über die Saiten, legt etwas<br />
ins Klavier, kratzt irgendwo oder nimmt eine<br />
Spraydose und sprüht ins Mikrofon. So<br />
entstehen bei uns die Klänge, die sonst vom<br />
Computer kommen. Das Konzept sah so<br />
aus, dass man in den Jazzclub gehen kann<br />
und alles nimmt, was dort ist. Zusätzlich gibt<br />
es ein 08/15-Mischpult, mit einem Hall- und<br />
einem Delay-Effekt.“ Mit diesen minimalistischen<br />
Mitteln schafft es die Band erstaunlich<br />
authentisch, die Sounds von Synthesizern<br />
und Drum Machines zu erzeugen und<br />
live auf die Bühne zu bringen. LBT spielt<br />
mittlerweile nicht nur in Jazzclubs, sondern<br />
auch häufig in Discotheken. Da es hier in<br />
der Regel keine Klaviere gibt, die Band aber<br />
ihrem akustischen Konzept treu bleiben<br />
will, ist es dann nur konsequent, selbst ein<br />
Klavier mitzubringen.<br />
Aktuelle CD:<br />
LBT: Way up in the Blue<br />
(Yellowbird / Soulfood)
Nadin Deventer<br />
Neues entdecken<br />
Von Arne Reimer<br />
Nadin Deventer kommt gerade<br />
vom Jazzfestival in Manchester<br />
zurück. Die umtriebige Festivalmacherin<br />
reist viel, hört sich um<br />
und plant längst 2019, denn sie<br />
ist für die nächsten drei Jahre<br />
die neue künstlerische Leiterin<br />
des JazzFest Berlin. Dort werden<br />
im November 35 musikalische<br />
Acts aus 15 Ländern auftreten.<br />
Im Gespräch wird immer wieder<br />
Deventers Leidenschaft für die<br />
Sache deutlich.<br />
Arne Reimer: Wie arbeiten<br />
Sie als Kuratorin und welche<br />
Chancen möchten Sie in Berlin<br />
nutzen?<br />
Nadin Deventer: Ich habe in den<br />
letzten 15 Jahren ja schon einige<br />
Projekte und Festivals in sehr<br />
unterschiedlichen Kontexten entwickeln<br />
und gestalten dürfen. Als<br />
Kuratorin bin ich in erster Linie<br />
ja so etwas wie eine Forscherin,<br />
Zuhörerin und Vermittlerin, und<br />
wenn ich mich einem neuen<br />
Projekt nähere, tue ich das in der<br />
ersten Phase durch Fragen: An<br />
welchem Ort bin ich? Wer sind<br />
die anderen handelnden Akteure,<br />
sowohl Veranstalter als auch<br />
Musiker? Wo kommt ein Projekt<br />
her, wo steht es und welche sinnigen<br />
Perspektiven kann ich entwickeln<br />
für die mir zur Verfügung<br />
stehende Zeit? Ich höre sehr viel<br />
zu, vertiefe mich in Themen und<br />
Musik und versuche, Potenziale<br />
für gemeinsame Projekte herauszufiltern.<br />
Meine Vorstellung ist,<br />
das JazzFest ganz klar in Berlin<br />
zu verorten, es zu öffnen und<br />
durchlässig und empfänglich zu<br />
machen für neue Partnerschaften<br />
und Impulse, für ein gemeinsames<br />
Forschen und Definieren<br />
von Herausforderungen. Wie ich<br />
diesen Ansatz auf das JazzFest<br />
Berlin übertrage, kann man an<br />
meiner ersten Edition ganz gut<br />
ablesen: Vieles ist in Bewegung<br />
und am Entstehen, ich freue<br />
mich sehr auf die zahlreichen<br />
neuen Produktionen, unser Haus<br />
of Jazz zur Eröffnung oder die<br />
Un(ter)welt des KIM collective.<br />
Ich denke, dieses Festival fordert<br />
Musiker, Veranstalter, Partner<br />
und Publikum heraus und lädt<br />
ein, Neues zu entdecken, zu hinterfragen,<br />
in Themen einzutauchen,<br />
aber auch zu tanzen.<br />
Arne Reimer: Sie setzen nicht<br />
auf altbewährte Namen, sondern<br />
wagen Neues. Der Schwerpunkt<br />
des Programms liegt auf der<br />
Avantgarde. Präsentiert sie<br />
unsere Gegenwart besser?<br />
Nadin Deventer: Für mich ist das<br />
erste Programm musikalisch<br />
ausbalanciert und sicherlich<br />
auch herausfordernd; viele<br />
Musiker sind zum ersten Mal<br />
in Deutschland zu sehen und<br />
präsentieren Projekte mit<br />
klarer musikalischer und auch<br />
politischer Aussage. Meine<br />
Aufgabe als Festivalmacherin<br />
ist es ja auch zu vermitteln, von<br />
diesen Künstlerinnen ausgehend<br />
Bezüge herzustellen und sie<br />
thematisch einzubetten.<br />
Arne Reimer: Können Sie einige<br />
Themen nennen?<br />
Nadin Deventer: Amerika ist seit<br />
jeher wichtig gewesen für das<br />
JazzFest Berlin. Die aktuellen<br />
Themen in den USA, die aus der<br />
gesellschaftlichen Debatte in die<br />
Kunst übergehen, sind z.B. in der<br />
Black-Lives-Matter-Bewegung<br />
zu finden, mit Musikern, die sich<br />
ganz klar dazu äußern und auch<br />
mitgestalten. In diesem Jahr<br />
haben wir einen Fokus auf die<br />
Entstehung und Entwicklung<br />
der afroamerikanischen Musik<br />
gelegt. Beginnen werden wir<br />
mit einem Projekt anlässlich des<br />
hundertjährigen Gedenkens an<br />
das Ende des Ersten Weltkriegs.<br />
Das ist mir wichtig, weil wir<br />
gesellschaftlich gerade wieder<br />
an einem Wendepunkt stehen.<br />
Daraus wird ein audiovisuelles<br />
Projekt in internationaler<br />
Kooperation mit und um Jason<br />
Moran, der sich mit James<br />
Reese Europe beschäftigt,<br />
einem afroamerikanischen<br />
Musiker, der als Soldat in den<br />
Ersten Weltkrieg zog. Mit Nicole<br />
Mitchell und Moor Mother<br />
werden zwei starke Stimmen<br />
des aktuellen Afro-Futurismus<br />
auftreten die sich künstlerisch<br />
sehr unterschiedlich mit ihren<br />
Werken artikulieren. Ein anderer<br />
Themenschwerpunkt mit sieben<br />
Projekten ist der Szene in Chicago<br />
gewidmet, unter anderem<br />
mit Roscoe Mitchell. Mit Mary<br />
Halvorson beehrt uns vier Tage<br />
lang zudem die Gitarristin der<br />
Stunde als Artist in Residence.<br />
Arne Reimer: Das JazzFest<br />
Berlin hat eine lange Tradition.<br />
Es besteht seit 1964. Spiegelt<br />
es unsere Gesellschaft wider,<br />
dass erst jetzt erstmalig eine<br />
Frau die künstlerische Leitung<br />
übernimmt?<br />
Nadin Deventer: Das gesellschaftliche<br />
Klima hat sich<br />
geändert. Die Genderdebatte<br />
wird nun auch im Kunst- und<br />
Kulturbereich immer lauter<br />
geführt. Eine vor zwei Jahren<br />
vorgelegte Studie zu Frauen<br />
in Kultur und Medien zeigt<br />
aber, dass in Deutschland im<br />
Kulturbereich die wichtigen<br />
Positionen fast ausschließlich<br />
männlich besetzt sind. Monika<br />
Grütters [Staatsministerin für<br />
Kultur und Medien] sagte dazu<br />
sinngemäß: „Wenn sich die<br />
Kultur als die Avantgarde der<br />
Gesellschaft verstehen möchte,<br />
© Arne Reimer<br />
müsste sie auch in diesem Punkt<br />
voranschreiten.“ Der männliche<br />
Blick prägt aber nach wie vor die<br />
Ästhetik und das Bild des Jazz.<br />
Überwiegend männliche Produzenten<br />
entscheiden darüber, wer<br />
eine Platte machen darf, Dozenten<br />
entscheiden darüber, wer an<br />
einer Musikhochschule zugelassen<br />
wird, und vorwiegend männliche<br />
Journalisten berichten<br />
über die Konzerte und Platten.<br />
Sie alle haben großen Einfluss<br />
auf die Karrieren von Musikern<br />
und auch auf die öffentliche<br />
Wahrnehmung von Jazz. Da es<br />
immer noch kaum Frauen an der<br />
Spitze von etablierten Festivals<br />
in Europa gibt, könnte man die<br />
Berliner Festspiele tatsächlich<br />
als avantgardistisch bezeichnen,<br />
weil sie sich im Jahr <strong>2018</strong> als<br />
eine der wenigen Institutionen<br />
trauen, einer Frau die künstlerische<br />
Leitung ihres JazzFests zu<br />
übertragen.<br />
Termin:<br />
1. - 4.11.<br />
Website:<br />
www.jazzfest-berlin.de<br />
Als erste Frau in über 50 Jahren<br />
Festivalgeschichte leitet Nadin Deventer<br />
das JazzFest Berlin. Ihre Rolle sieht sie<br />
als die einer Forscherin, Zuhörerin und<br />
Vermittlerin.<br />
22 Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong>
Leona<br />
Berlin<br />
Neuer<br />
NuSoul<br />
und kein<br />
Ende<br />
Die ersten Töne erklingen <strong>–</strong><br />
und sofort fühlt man sich in die<br />
2000er Jahre zurückversetzt,<br />
als supersmoothe NuSoul-<br />
Acts wie Maxwell oder<br />
Floetry sich sinnlich<br />
in die Gehörgänge<br />
schmeichelten und<br />
dem einen oder<br />
anderen einen<br />
willkommenen<br />
Bedroom-<br />
Soundtrack<br />
lieferten. Wie es<br />
aber mit allen<br />
popkulturellen<br />
Wellen so ist:<br />
Irgendwann wird<br />
die Zahl ihrer<br />
Protagonisten so<br />
unüberschaubar,<br />
dass man die Lust<br />
daran verliert. Und<br />
irgendwann steht ihr<br />
Revival bevor. Sollte es<br />
jetzt für den Neo-Soul<br />
zumindest hierzulande so<br />
weit sein, wo sich<br />
Künstlerinnen wie KID BE KID<br />
oder Leona Berlin seiner<br />
wieder verstärkt<br />
annehmen?<br />
© Marlen Albrecht<br />
24 Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong>
Von Victoriah Szirmai<br />
Doch wer Berlins selbstbetiteltes Debüt<br />
hört, sieht schnell ein, dass er es hier<br />
keineswegs mit einer Rekreation des<br />
watteweichen Wohlfühlsounds einer<br />
vergangenen Dekade zu tun hat, sondern<br />
mit hochaktuellen Klängen, für die es<br />
einfach noch keine passende Bezeichnung<br />
gibt. „NuSoul“, gibt Leona Berlin, die mit<br />
bürgerlichem Namen tatsächlich so heißt,<br />
dann auch zu Protokoll, „wird meiner<br />
Musik als Genre nicht gerecht. Der Sound<br />
ist anders als auf den Platten Anfang der<br />
2000er, die harmonischen Strukturen sind<br />
vielfältiger, der ganze Charakter aggressiver<br />
als der smoothe R&B, den man<br />
gemeinhin mit NuSoul verbindet. Und doch<br />
ist NuSoul das, was noch am ehesten an<br />
meine Musik herankommt <strong>–</strong> einfach, weil<br />
alle anderen Genres noch weniger passen.“<br />
Einen Tag nach dem Interview meldet<br />
sich die Sängerin noch einmal: „Ich bin<br />
gestern zum ersten Mal über den Begriff<br />
Alternative Soul gestolpert. Das scheint<br />
mir das passendste Genre zu sein!“<br />
Recht hat sie: Mögen zunächst noch<br />
besagte Alt-Referenzen beim Hören der<br />
ersten Stücke durch den Kopf spuken <strong>–</strong><br />
darunter auch immer wieder die plattenknisternde<br />
Wärme des süddeutschen DJ-<br />
Kollektivs SoulParlor, das hier tatsächlich<br />
seine Finger im Spiel hatte <strong>–</strong>, entfaltet<br />
das Album im Verlauf seiner Spielzeit<br />
zunehmende Komplexität. Zunächst perlt<br />
es lediglich sinnlich-begehrlich durch die<br />
Boxen, wie etwa auf dem eröffnenden Duett<br />
mit dem Washingtoner Rock’n’Souler<br />
Olivier St. Louis. Die Klappergrooves des<br />
programmatischen „Walking“, die leicht<br />
pentatonisch anmutende Ulf-Kleiner-Komposition<br />
„Movin‘“, die auf keiner Angie-<br />
Stone-Platte fehl am Platze wäre, und das<br />
flüsternd-wabernde, nichtsdestoweniger<br />
pointierte „Cruel (Heal Me)“ führen zum<br />
betörend jimitenoresken Albumhighlight<br />
„Feel the Love“, das den Zustand der<br />
Gesellschaft, in der wir leben, nicht außen<br />
vor lässt. Schließlich kommen verschrobene<br />
A-cappella-Chöre („Free“) und auf<br />
Schnipsen und Schnalzen aufgebaute<br />
Beats („Make Me Wanna“) zum Tragen. In<br />
dieses Idiom schmiegt sich auch das einzige<br />
Cover des Albums, Princes „Nothing<br />
Compares 2 U“, trotz oder gerade aufgrund<br />
erheblicher harmonischer Abweichung<br />
vom Original ein. Warum Berlins Entscheidung<br />
ausgerechnet auf dieses Stück fiel?<br />
„Ich fand es spannend, mich dieser Herausforderung<br />
zu stellen“, rekapituliert sie<br />
und fügt nach kurzer Pause hinzu: „Prince<br />
halte ich generell für einen der inspirierendsten<br />
Musiker.“<br />
Mit dem doppelschlagzeugbesetzten<br />
„Thinking About You“ folgt ein weiteres<br />
Highlight, das die Platte endgültig zum<br />
Kind unserer Zeit macht, was nicht zuletzt<br />
Berlins Kollaborationspartnern geschuldet<br />
ist <strong>–</strong> dem Clevelander Rapper Daniel<br />
Gray-Kontar aka RepLife und dem New<br />
Yorker Doppel-Grammy-Preisträger Casey<br />
Benjamin, dessen schräg schwurbelndes<br />
Altsax-Solo wie durch einen Vocoder<br />
genudelt klingt, vor allem aber den sich<br />
nahezu dreckig, in gewisser Weise auch<br />
enervierend gebenden soulparlorschen<br />
Großstadtbeats, mit denen RepLifes<br />
hypnotisch repetierte Beschwörungsformel<br />
„True love is the epic of the ages“<br />
unterlegt ist.<br />
Die abschließende Streicher-Coda<br />
lässt die drei noch folgenden Stücke als in<br />
sich geschlossene Bonus-Suite erscheinen.<br />
Und die wartet neben dem zarten<br />
„Snow Crystal“ mit dem tiefergelegten<br />
„Flying High“ auf, dessen von Kleiner<br />
beigesteuertes Klaviersolo das Ganze<br />
auf die Jazzclub-Bühne hebt, ganz so,<br />
als hätte sich der tanzende Mob plötzlich<br />
entschlossen, dem Electro-DJ den<br />
Rücken zu kehren und stattdessen lieber<br />
im A-Trane abzuhängen. Der ebenfalls<br />
Kleiner-infizierte Closer „Searching“<br />
versöhnt NuSoul-Gewaber mit Jazz-Piano,<br />
das Berlins Lyrics trägt. Kleiner, der nicht<br />
nur ihr Klavierdozent an der Hochschule<br />
für Musik in Mainz war, sondern neben<br />
Jack Daley und Mathis Grossmann auch<br />
als Co-Produzent der Platte fungiert, gibt<br />
eine bezeichnende Anekdote zum Besten:<br />
„Ich habe irgendwann einmal ein kleines<br />
Stück namens ,Triolenlauf‘ für meine<br />
Schüler geschrieben. Auf den ersten<br />
Blick ist es ganz harmlos <strong>–</strong> doch in den<br />
Triolen verbergen sich ein paar trickreiche<br />
Rhythmen und Verschieber. Leona hatte<br />
keine Probleme damit. Eine Woche später<br />
kam sie zu mir und sagte: ,Lass uns das<br />
Stück vom letzten Mal spielen, ich habe<br />
einen Text dazu geschrieben!‘ Der hat so<br />
super gepasst, dass wir das Ganze aufgenommen<br />
haben. Das Stück heißt ,Movin‘‘<br />
und ist jetzt auf dem Album gelandet.“ Die<br />
Sängerin verrät: „Wir haben noch weitere<br />
Songs zusammen gemacht <strong>–</strong> die sind aber<br />
noch unveröffentlicht.“ Dass dem Nu- oder<br />
Alternative Soul dieser Jahre die Ideen<br />
schnell wieder ausgehen, soll an Leona<br />
Berlin nicht liegen.<br />
Aktuelle CD:<br />
Leona Berlin: Leona Berlin<br />
(Warner Music)<br />
Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong> 25
KUU!<br />
Nichts für schwache Nerven<br />
© Wolfgang Siesing<br />
Eine basslose Besetzung, miteinander verschmelzende<br />
E-Gitarren, druckvolle Power-Drums und Songs, die von einer<br />
punkigen Indierock-Jazz-Sängerin aus Serbien vorgetragen<br />
werden, eingefädelt, eingetütet und überwiegend komponiert<br />
von einem still wirkenden, aber rührigen finnischen<br />
Gitarristen mit Wohnsitz in Berlin.<br />
Von Jan Kobrzinowski<br />
Noch bei High Noon hatte Kalle Kalima die<br />
Ruhe weg. Aber: „Musik lebt von Gegensätzen,<br />
man braucht Dichte, Platz zum<br />
Atmen, aber auch Lautes. Das alles ist<br />
wichtig für mich. Aber das kannst du nicht<br />
alles innerhalb eines Projekts entfalten. Ich<br />
mache sehr viele unterschiedliche Sachen,<br />
und gerade das liebe ich an meiner Arbeit.<br />
Demnächst werde ich eine Oper schreiben.“<br />
Doch nun, bei KUU!, gibt es von ihm,<br />
Jelena Kuljić (voc), Frank Möbus (g) und<br />
Christian Lillinger (dr) Power-Jazzrock auf<br />
die Ohren. „I am, you are, he is, she is, we<br />
are, you are, they are, I am <strong>–</strong> And we are all<br />
impossible [...] Eastern, Western, we are all<br />
just one, everyone staring at the Sun <strong>–</strong> or<br />
not?“ Man verfällt den ersten paar Takten<br />
von „Impossible“ <strong>–</strong> oder man legt die CD<br />
auf den Stapel „Später hören“. Denn was<br />
danach kommt, ist nichts für schwache<br />
Nerven. Das Statement ist klar: Wir sind<br />
alle unmöglich, und gerade darauf kommt<br />
es an. Das neue KUU!-Album Lampedusa<br />
Lullaby erzählt von aktuellen Schicksalen,<br />
und es ruft nach Toleranz in einer unmöglichen<br />
Welt. Der Text zum Titelstück stammt<br />
von Kalles Frau Essi. „Es ist eine Story von<br />
jemandem, die die Reise von Afrika nach<br />
Europa machen will, sie kauft einen Platz<br />
auf einem Schiff, geht unter und <strong>–</strong> ertrinkt.“<br />
KUU! verarbeitet Realität, und das kann, ja,<br />
muss wehtun. „Viele Jazzbands mit Sängern<br />
haben kaum Texte, das meiste ist Vocalese<br />
oder diese träumerischen Sachen. Das ist<br />
aber nicht unsere Welt, wir wollen die Füße<br />
auf dem Boden haben, Tatsachen schaffen.<br />
Und es ist auch irgendwie Berlin, die Stadt,<br />
in der wir alle gelebt haben. Das ist eine<br />
sehr direkte Stadt, wo man nicht herumträumt.<br />
Wir machen Großstadtmusik, diese<br />
Stadt ist brutal, und so sind wir, das macht<br />
uns auch Spaß“, sagt Kalima und lacht.<br />
Leicht ironisch zwar, aber doch mit<br />
Ernst bekennt Kalle, dass KUU! selber aus<br />
dem anderen Teil der Welt kommen: „Jelena<br />
und ich sind ja Immigranten, ‚Wirtschaftsflüchtlinge’.<br />
Wir hatten das Gefühl, dass wir,<br />
wenn wir unsere Musik machen wollen,<br />
weiterziehen müssen. Das war in unserer<br />
Heimat so nicht möglich. Ohne dass wir<br />
eine Lösung bieten, fragen wir, wie es sich<br />
anfühlte, wenn wir in der Haut von Flüchtlingen<br />
steckten.“ In „Scream“ schwebt Jelena<br />
Kuljićs Stimme erhaben über dem zappaeskrockigen<br />
Untergrund, und geht durch Mark<br />
und Bein. „Es geht um das Comeback der<br />
Konservativen in Europa, um die Frustration<br />
über diese Kräfte, diese alten weißen<br />
Männer mit ihrem Rassismus und ihrem<br />
Kolonialismus.“ Und um deren Vorbehalte<br />
dem Anderssein gegenüber? „Ja natürlich“,<br />
26 Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong>
PDF in 4c<br />
sagt Kalle. „Die liberale Welt steht unter<br />
Beschuss. In vielen Ländern sind diese Leute<br />
schon an die Macht gekommen. Und es geht<br />
darum, dass man nicht zu bequem wird. Wir<br />
haben eine Sängerin, die diesen Spagat zwischen<br />
Punk und Jazz kann. Es ist nicht nur<br />
ihr Gesang, es ist ihr Leben, sie ist vollkommen<br />
authentisch. Eine Jazzpunkerin.“<br />
Und der Bandsound passt zur Botschaft.<br />
Powermusik, die man so noch nicht<br />
gehört hat. Sicher bieten sich Vergleiche<br />
an, aber wozu? „Wir wollten so eine Art<br />
‚Meta-Gitarre’ haben. Dazu kommt Christians<br />
Art zu trommeln. Wir haben natürlich<br />
schon Vorbilder, aber solch eine Besetzung<br />
gibt es sonst nicht. Wir haben sehr lange<br />
mischen müssen, bis wir dieses Resultat<br />
hatten. Es ist unsere zweite Platte nach<br />
etwa sieben Jahren. Sie zu entwickeln,<br />
hat über zwei Jahre gedauert. Wir haben<br />
einfach unseren intuitiven Energien freien<br />
Raum gegeben.“ Kalle, Jelena und Christian<br />
Lillinger hatten damit begonnen, einfach<br />
zu jammen, und Frank Möbus kam dann als<br />
zweiter Gitarrist dazu. Lampedusa Lullaby<br />
ist KUU!s Versuch, ein aktuelles Album zu<br />
machen. Kalle dachte dabei an die erste<br />
Platte, die er sich je gekauft hatte, Pink<br />
Floyds Dark Side of the Moon. „Ich stellte<br />
mir die Frage, ob man heute noch so ein<br />
Konzeptalbum machen kann.“<br />
Hinter der harten Fassade von<br />
Lampedusa Lullaby meint man dennoch,<br />
einen Hauch Romantik zu verspüren.<br />
(„Kuu“ ist übrigens Finnisch und bedeutet<br />
„der Mond“). Hinter dem Wilden stecken<br />
verwundbare Menschen, Künstler, die in<br />
der heutigen, kaputten Zeit Musik machen<br />
und gehört werden wollen <strong>–</strong> und sich<br />
vielleicht nach besseren Zeiten sehnen. Es<br />
gibt auf Lampedusa Lullaby kaum weiche<br />
Übergänge oder Fade-outs, wohl aber eine<br />
Ballade: „Down in the Valley“ ist eine Insel<br />
im Sturm. Kalle hatte auf einem Festival<br />
in den Pyrenäen gespielt und dann einen<br />
Tag frei. „Ich war allein und bin wandern<br />
gegangen. Ich hatte das starke Feeling<br />
von Einsamkeit, und habe dann an diesem<br />
Tag das Stück geschrieben.“ „Thank You<br />
Iceland“ entstand unter dem Eindruck eines<br />
Vulkanausbruchs auf Island. Die Menschen<br />
danken dem Vulkan, der ihnen zeigt, dass<br />
sie nicht so perfekt funktionieren <strong>–</strong> und die<br />
Natur übernimmt.<br />
Aktuelle CD:<br />
KUU!: Lampedusa Lullaby<br />
(ACT / Edel:Kultur)<br />
Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong> 27
Günter Baby Sommer feiert eine Party. Grund zum Feiern hat er<br />
hinlänglich, denn am 25. August dieses Jahres feierte er seinen<br />
75. Geburtstag. Der Bassist Oscar Pettiford hatte Mitte des letzten<br />
Jahrhunderts eine Pensionskasse für ältere Jazzmusiker eingefordert,<br />
da Jazz „a young man’s game“ sei, in dem Musiker jenseits der 40<br />
nichts mehr zu suchen hätten. Pettiford hat viele kluge Sätze von sich<br />
gegeben, aber Günter Baby Sommer liefert den lebendigen Beweis,<br />
dass der Bassist sich in dieser Hinsicht geirrt hat.<br />
Von Wolf Kampmann<br />
Auf seine Party hat Baby Sommer<br />
nur einen einzigen Gast<br />
eingeladen. Es ist der Berliner<br />
Trompeter Till Brönner. Beim<br />
Schreiben dieses Satzes war<br />
ich versucht, ein „ausgerechnet“<br />
einzufügen. Ausgerechnet<br />
Till Brönner. Doch das wäre<br />
aus verschiedenen Gründen<br />
kleingeistig. Denn einerseits<br />
währt die Zusammenarbeit<br />
zwischen dem Drummer und<br />
dem Trompeter nun schon seit<br />
einigen Jahren, zum anderen<br />
aber hat Sommer zu allen Zeiten<br />
aus gutem Grund das getan,<br />
was man jeweils am wenigsten<br />
von ihm erwarten konnte. Und<br />
das macht auch diesen Beitrag<br />
so wertvoll.<br />
Müssen wir an dieser Stelle<br />
wirklich noch einmal seine<br />
Biografie Revue passieren lassen?<br />
Wie er als Jugendlicher<br />
im tiefsten Osten die Sendungen<br />
von Willis Conover gehört<br />
und verinnerlicht hat? Wie er<br />
mit der Klaus Lenz Big Band<br />
oder SOK Jazzrock gespielt hat<br />
und dann mit Synopsis, die sich<br />
augenzwinkernd später in Zentralquartett<br />
umbenannten, die<br />
Keimzelle des DDR-Free-Jazz<br />
gründete? Wie er sensationelle<br />
Alben mit Musikern wie Peter<br />
Brötzmann, Peter Kowald,<br />
Leo Smith oder Cecil Taylor<br />
produzierte und mit der Ulrich<br />
Gumpert Workshop Band den<br />
Antagonismus zwischen Volkslied<br />
und Free Jazz aufhob? Wie<br />
er mit seiner ersten Hörmusik<br />
das Schlagzeug in ein Orchester<br />
verwandelte? Wie er nach<br />
der Wende einer der wenigen<br />
Musiker aus der DDR war, die<br />
sich nicht über ihre Herkunft<br />
definierten, sondern allein über<br />
ihre Zukunft?<br />
All diese und noch viele<br />
andere Geschichten sind oft<br />
und ausgiebig erzählt worden.<br />
Sie verdichten sich zu<br />
einer einzigartigen Biografie<br />
und sagen doch noch nichts<br />
darüber aus, warum wir nicht<br />
aufhören können, Günter Baby<br />
Sommer zuzuhören und warum<br />
sein Narrativ niemals langweilig<br />
wird. Denn entgegen Oscar<br />
Pettifords durchaus begründeten<br />
Befürchtungen haben<br />
sich Sommers Sensoren kein<br />
bisschen abgenutzt.<br />
Sommer will nicht nur<br />
mitreden, sondern er will<br />
erzählen. Jede Fabel, die er auf<br />
seinen Trommeln zum Besten<br />
gibt, ist seine erste. Er erzählt<br />
sie, weil er sie erzählen muss.<br />
Neugier allein reicht ihm nicht,<br />
denn sie würde ihn zwar immer<br />
wieder auf die Suche schicken,<br />
aber Sommer will finden. Nein,<br />
seine Geschichten suchen<br />
ihren Erzähler und finden<br />
ihn. Deshalb hat er sich das<br />
Staunen des Kindes bewahrt,<br />
das jede seiner Storys mit dem<br />
Hauch des Lebens bestäubt.<br />
Und aus diesem Grund hören<br />
wir ihm immer noch zu, wenn er<br />
mit weit aufgerissenen Augen<br />
hinter seinem Drumkit sitzt<br />
und die pralle Welt mit Blicken<br />
einfängt.<br />
Aber der Dresdener ist<br />
eben nicht nur ein begnadeter<br />
Erzähler. Mit präzise inszenierter<br />
und tief empfundener<br />
Unschärfe setzt er sich über<br />
das Offensichtliche hinweg. Er<br />
ist sich selbst immer ein Stück<br />
voraus. Was wir mit leichtfertigen<br />
Beschreibungen der Abweichung<br />
vom Messbaren als<br />
Synkope bezeichnen, ist für ihn<br />
nicht weniger als der selbstver-<br />
Günter Baby Sommer<br />
Mitten im Leben<br />
© Tobias Sommer<br />
28 Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong>
ständliche Puls der Realität. Mit<br />
magischer Durchdringungskraft<br />
ist es ihm gelungen, das Genom<br />
der Zeit zu entschlüsseln und<br />
sich in einem Kontinuum zu<br />
bewegen, das nur ihm allein<br />
zugänglich ist. Manchmal ist<br />
es Jazz, was er spielt. Welchen<br />
anderen Drummer erkennt man<br />
schon am ersten Schlag? Sein<br />
Puls ist seine Stimme. Wenn<br />
er neben den Trommeln und<br />
Becken auch Gongs, Glocken,<br />
Pfeifen, all sein Gerassel,<br />
Geklapper und Geschepper<br />
und sogar Orgelpfeifen bedient,<br />
dann folgt er einem prähistorischen<br />
Ritual, in dem das längst<br />
verklungene Urlied widerhallt.<br />
Günter Baby Sommer<br />
ist unablässig auf Sendung<br />
und Empfang, gleich dem<br />
Schamanen, der sich selbst in<br />
Ekstase trommelt. Die 75 ist nur<br />
ein willkürlicher Vorwand für<br />
eine Zäsur. Aber bedarf es der<br />
Zäsur, um das unabänderlich<br />
Ewige greifbar und verständlich<br />
zu machen? Der alte Fuchs<br />
braucht jedenfalls nicht mehr<br />
als diesen einen einzigen Gast,<br />
um doch alle zu seiner Party<br />
einzuladen, die in seinem Leben<br />
eine Rolle spielen und gespielt<br />
haben. Und alle sind gekommen.<br />
Sommer hat sich ganz<br />
genau überlegt, wer dieser<br />
Gast ist. Es sind eben nicht<br />
die alten Kämpen, die sich mit<br />
ihm gemeinsam auf die Spur<br />
begeben haben, auch nicht<br />
die treuen Apostel, die ihm<br />
folgen, wohin immer er sich<br />
aufmacht. Es ist einer, der den<br />
Jazz von der anderen Seite der<br />
Milchstraße aufgerollt hat und<br />
trotzdem oder gerade deshalb<br />
vom selben Geiste ist. Wäre<br />
Till Brönner zu einer anderen<br />
Zeit in einem anderen Land geboren,<br />
hätte auch er mit Willis<br />
Conover angefangen. Wenn sie<br />
heute zusammen auf der Bühne<br />
oder im Studio stehen, dann<br />
hocken sie zugleich gemeinsam<br />
vor dem Radio. Denn letztlich<br />
ist genau das der gemeinsame<br />
Spielplatz von Günter Sommer<br />
und seinem Gast. Finde eine<br />
Geschichte, berühre sie mit<br />
deinem Zauberstab und mach<br />
eine Party daraus.<br />
Eine Würdigung ist zum<br />
Glück kein Resümee. Und<br />
Baby’s Party ist kein Alterswerk.<br />
Es ist das Meisterwerk<br />
eines großen Künstlers auf dem<br />
Höhepunkt seines Schaffens,<br />
das rein zufällig zu seinem 75.<br />
Geburtstag erscheint.<br />
Aktuelle CD:<br />
Günter Baby Sommer: Baby’s Party<br />
(Intakt / Harmonia Mundi)<br />
JazzthetIk 09/10-<strong>2018</strong> 29
Wynton Marsalis<br />
Am besten mit Gästen<br />
Während große Teile der Jazzwelt auf neue Trends fixiert sind,<br />
pflegt Jazz at Lincoln Center trotzig die Tradition. Auf dem<br />
neuesten Album des New Yorker Kultur-Tempels begleitet das<br />
Septet seines Direktors Wynton Marsalis mehr als ein Dutzend<br />
Altstars aus den Genres Pop, Rock, Blues und Country.<br />
Von Hans Hielscher<br />
Fast alle Künstler,<br />
die in der<br />
Spielzeit 2017/18<br />
auf den beiden<br />
Hauptbühnen<br />
des Lincoln Centers<br />
auftraten,<br />
waren über 50<br />
Jahre alt <strong>–</strong> so<br />
wie die Masse des Publikums im praktisch<br />
immer ausverkauften Rose Theater und<br />
im Appel Room. Es gab Musik aus dem<br />
20. Jahrhundert:<br />
New Orleans Jazz, Swing und die verschiedenen<br />
Formen des Bop; dargeboten wurden<br />
vorwiegend Stücke von Ikonen wie Jelly<br />
Roll Morton und Thelonious Monk. 80 Jahre<br />
nach Benny Goodmans bahnbrechendem<br />
Carnegie Hall Concert von 1938 fand die<br />
Musik des King of Swing besondere Aufmerksamkeit.<br />
Anders als das vom Pianisten<br />
Jason Moran kuratierte Jazz-Programm<br />
des Washingtoner Kennedy Center, wo<br />
neben Veteranen wie dem Bassisten Ron<br />
Carter auch der Rapper Q-Tip auftrat, steht<br />
die New Yorker Institution vollkommen für<br />
Traditionspflege. Zeitgenössischer Jazz ist<br />
lediglich im dem Lincoln Center angeschlossenen<br />
Dizzy´s Club Coca-Cola zu hören.<br />
Wynton Marsalis etablierte 1987<br />
zusammen mit dem Kritiker Stanley Crouch<br />
die Jazz-Abteilung im 1955 von den Rockefellers<br />
gegründeten und bis dahin auf klassische<br />
Künste festgelegten Kulturzentrum.<br />
1988 wurde der hoch gebildete Trompeter<br />
künstlerischer Direktor der Organisation<br />
Jazz at Lincoln Center, zusätzlich übernahm<br />
er die Leitung einer neuen Bigband, des<br />
Jazz at Lincoln Center Orchestra. In den<br />
drei Jahrzehnten als Chef der Band und des<br />
Zentrums hat der heute 56-jährige Marsalis<br />
zahlreiche Projekte durchgezogen. Zu seinen<br />
liebsten gehört die Konzertreihe seines<br />
Septetts mit Größen aus Pop, Rock, Blues<br />
und Country als Gästen.<br />
Zwischen 2003 und 2007 kamen so<br />
unterschiedliche Künstler wie Bob Dylan,<br />
Natalie Merchant, Lenny Kravitz und die<br />
Blind Boys of Alabama zu Proben und<br />
einem anschließenden Konzert mit Marsalis<br />
nach New York. Der 2004 verstorbene Ray<br />
Charles hatte am 2. Juni 2003 mit dem<br />
Wynton Marsalis Septet einen seiner<br />
letzten Auftritte. Außerdem kamen Eric<br />
Clapton, Audra McDonald, Willie Nelson,<br />
John Mayer, Lyle Lovett, John Legend,<br />
James Taylor, Jimmy Buffett, Carrie Smith<br />
und Susan Tedeschi & Derek Trucks. Mit je<br />
einem Titel sind die diversen Stars auf dem<br />
nun beim Label Blue Engine erschienenen<br />
Album United We Swing vertreten.<br />
„Vor jedem Konzert“, schreibt Marsalis<br />
in den Liner Notes, „übten wir ein paar Tage<br />
lang und trafen uns zu einer Kennenlern-<br />
Jam-Session in meinem Apartment.“ Er<br />
selbst und Kollegen aus dem Jazz at Lincoln<br />
Center Orchestra wie der Posaunist Wycliffe<br />
Gordon schrieben Arrangements für<br />
ein Septet, das die ungewöhnlichen Gäste<br />
begleitete. „Die verschiedenen Stile dieser<br />
Musik-Ikonen“, so Marsalis, „erforderten,<br />
dass sich unsere Rhythm Section in ungewöhnliche<br />
Grooves vom ,2-Beat Gospel<br />
Moan‘ über verschiedene regionale ,2-Beat<br />
Shuffles‘ bis zum ,Spanish Hybrid Bossa<br />
Nova‘ einfühlen und sie authentisch darbieten<br />
musste.“ Die Konzerte waren eine<br />
Herausforderung für die Jazzmusiker wie<br />
für die Gäste aus den anderen Schubladen.<br />
Eindrucksvoll, wie Bob Dylan auf der Mundharmonika<br />
und Willie Nelson auf der Gitarre<br />
mit der Jazz-Rhythmus-Gruppe im Rücken<br />
improvisieren. Die vier Bläser des Septetts<br />
klingen kraftvoll wie eine Bigband, Marsalis<br />
ist immer mit seiner Trompete dabei, spielt<br />
sich aber nie in den Vordergrund. Keine<br />
Frage, dass solche Projekte Menschen über<br />
die Jazzgemeinde hinaus in die Konzerte<br />
locken.<br />
In einem Interview mit BILLBOARD<br />
zum Jubiläum von Jazz at Lincoln Center<br />
vertritt Wynton Marsalis offensiv, dass er<br />
sich in den 1980er Jahren nicht<br />
dem HipHop zuwandte. „Ich<br />
repräsentierte den ernsthaften<br />
jungen Schwarzen, der nicht<br />
Teil der Gangster-Zuhälter-<br />
Mentalität sein wollte.“ Marsalis<br />
lehnte es ab, Frauen „Schlampen“<br />
und Afroamerikaner „Nigga“ zu nennen.<br />
Dass er deshalb als Konservativer abgestempelt<br />
wurde, nahm er hin. Tatsächlich<br />
stand der damalige Twen eisern zu den<br />
traditionellen Werten Swing, Blues-Tonalität<br />
und akustischer Klang, während Free- und<br />
Avantgarde-Jazzer, Fusion- und Ethno-<br />
Stars, Soul- und Easy-Listening-Musiker<br />
den herkömmlichen Jazz erweiterten. Für<br />
Marsalis ist Jazz klassische amerikanische<br />
Musik mit festen Vorbildern und unveränderlichen<br />
Regeln.<br />
Wegen dieser Einstellung wird der<br />
Musiker und Direktor der reichsten New<br />
Yorker Jazz-Spielstätte seit Jahrzehnten<br />
attackiert. „Wynton Marsalis imitiert die Stile<br />
anderer Leute. Ich habe noch nie etwas<br />
von ihm gehört, das bedeutend geklungen<br />
hat“, schrieb zum Beispiel Keith Jarrett. „Er<br />
ist genauso jazzig wie jemand, der einen<br />
BMW fährt, sportlich ist.“ Andere sind froh<br />
darüber, dass es <strong>–</strong> in Zeiten eines uferlosen<br />
Wirrwarrs <strong>–</strong> einen Wynton Marsalis und<br />
Jazz at Lincoln Center gibt.<br />
Aktuelle CD:<br />
Wynton Marsalis Septet: United We Swing <strong>–</strong> Best of<br />
the Jazz at Lincoln Center Galas<br />
(Blue Engine / Galileo MC)<br />
30 Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong>
titel<br />
JOHN<br />
COLTRANE<br />
<br />
<br />
© Chuck Stewart<br />
32 JazzthetIk 09/10-<strong>2018</strong>
John Coltrane ist eine Ikone des 20. Jahrhunderts. Sein Album<br />
A Love Supreme veränderte die musikalische Wahrnehmung ganzer<br />
Generationen, und das nicht nur im Jazz. Jetzt erscheint unter dem Titel<br />
Both Directions at Once ein bislang unveröffentlichtes Studioalbum<br />
des Jazzgiganten aus dem Jahr 1963. Verbirgt sich hinter der CD ein<br />
Sensationsfund oder die verspätete Nachreichung einer Marginalie?<br />
Von Wolf Kampmann<br />
John Coltrane ist weit mehr als<br />
ein viel zu früh verstorbenes<br />
Jazz-Idol. Auch Prädikate wie<br />
Innovator oder Visionär werden<br />
ihm nicht voll gerecht. John<br />
Coltrane war ein Medium, das<br />
die Klang gewordene Erfahrung<br />
seiner Zeit bündelte und durch<br />
die semipermeablen Filter<br />
seiner Sensoren in etwas Neues<br />
transformierte. Ja, sicher, er hat<br />
den Jazz beeinflusst wie kein<br />
Zweiter. Aber in Zeiten, in denen<br />
Musik ungleich identitätsstiftender<br />
war als heute, nahmen auch<br />
Bob Dylan, die Paul Butterfield<br />
Blues Band und The Byrds seinen<br />
Faden auf und spannen ihn<br />
weiter. Kaum eine musikalische<br />
Entwicklung nach 1965 <strong>–</strong> von<br />
Rock über HipHop bis Techno<br />
<strong>–</strong> wäre ohne John Coltranes<br />
Vorarbeit denkbar gewesen.<br />
Der Mythos<br />
Es klingt schon verrückt. 51<br />
Jahre nach John Coltranes<br />
Tod erscheint ein neues Album<br />
des Saxofonisten. Die Aufnahmen<br />
zu Both Directions at<br />
Once waren ein Jahr vor der<br />
bahnbrechenden Leistung von<br />
A Love Supreme erfolgt. Aus der<br />
Perspektive des Aufnahmezeitpunkts<br />
erscheint der Titel dieser<br />
Veröffentlichung folgerichtig.<br />
Bis zu diesem Moment war<br />
Trane bereits ein viel beachteter<br />
Jazzmusiker gewesen, vor<br />
allem in der Zusammenarbeit<br />
mit Miles Davis. Mit Aufopferungswillen<br />
und einem hohen<br />
Maß an Selbstkritik arbeitete er<br />
unablässig an seiner Vervollkommnung.<br />
Seine Verbissenheit<br />
hatte ihm dabei oft im Weg<br />
gestanden, wie sein Part in der<br />
Battle Tenor Madness mit dem<br />
seinerzeit ungleich eleganteren<br />
Sonny Rollins zeigt. Auf Giant<br />
Steps entpuppte sich Coltrane<br />
als kompletter Musiker, dem es<br />
jedoch noch an der entsprechenden<br />
Band fehlte. Die Wende<br />
erfolgte ein Jahr später mit<br />
der LP My Favorite Things. Mit<br />
McCoy Tyner, Elvin Jones und<br />
Bassist Steve Davis fand er eine<br />
expressive Gelassenheit, die in<br />
den folgenden Jahren zu seiner<br />
Trademark werden sollte.<br />
1961 wechselte Coltrane<br />
vom Label Atlantic zu Impulse.<br />
Das neue Label war ganz auf<br />
seinen neuen Superstar ausgerichtet.<br />
Der Saxofonist erhielt<br />
traumhafte Vorschüsse, und um<br />
den Aufbruch zu neuen Ufern<br />
auch optisch zu untermauern,<br />
wurden seine Platten erstmals<br />
mit laminierten Klappcovern<br />
versehen. Das fiel ins Auge,<br />
machte sogar der um visuelle<br />
Aufmerksamkeit verdienten<br />
Konkurrenz von Blue Note<br />
Angst. Um die gesteigerten<br />
Kosten aufzufangen, erhöhte<br />
Impulse laut Blue-Note-Produzent<br />
Michael Cuscuna den<br />
handelsüblichen Preis für ein<br />
Album um einen Dollar auf 5,98.<br />
Bis 1964 erschienen verschiedene<br />
Studio- und Live-Platten<br />
auf Atlantic und Impulse, die<br />
teils auf älteren Aufnahmen beruhten<br />
und auch wechselndem<br />
kommerziellem Kalkül gefolgt<br />
sein mögen.<br />
Am 6. März 1963 ging<br />
Coltrane mit seinem bereits<br />
etablierten Quartett ins Studio,<br />
um Aufnahmen zu machen.<br />
Diese Produktion wird der<br />
Jazzwelt nun unter dem Titel<br />
Both Directions at Once auf Impulse<br />
zugänglich gemacht. Ein<br />
verschollenes Studioalbum, 55<br />
Jahre nach seiner Entstehung<br />
ausgegraben und historisch<br />
kritisch aufbereitet? Wie konnte<br />
es dazu kommen? Beginnen<br />
wir mit der offiziellen Lesart.<br />
Die Aufnahmen seien schlicht<br />
vergessen worden. Später<br />
wären sie dem Geiz des Labels<br />
zum Opfer gefallen und entsorgt<br />
worden. Wie durch ein Wunder<br />
habe sich noch eine Kopie im<br />
Nachlass von Coltranes erster<br />
Frau gefunden <strong>–</strong> ein unermesslicher<br />
Schatz, der um ein Haar<br />
vor der Menschheit verborgen<br />
geblieben wäre.<br />
Nun, tatsächlich ist es<br />
schön, dass diese Aufnahmen<br />
veröffentlicht werden. Aber<br />
genau betrachtet sind sie weder<br />
eine Sensation noch ein fehlender<br />
Puzzlestein, der ein neues<br />
Bild auf Coltrane werfen würde.<br />
Es ist ja nicht das erste Album,<br />
das erst nach Coltranes Tod<br />
veröffentlicht wurde. Da gab es<br />
LPs wie Interstellar Space, Sun<br />
Ship oder First Meditation, die in<br />
ihrer künstlerischen Vollendung<br />
weitaus spektakulärer waren.<br />
Seine Frau und Band-Gefährtin<br />
Alice Coltrane brachte nach<br />
dem Tod ihres Mannes zudem<br />
die seinerzeit umstrittenen Platten<br />
Cosmic Music und Infinity<br />
heraus.<br />
Der Kontext<br />
Was spricht nun aber gegen<br />
die Fabel von dem zu Unrecht<br />
verschollenen Meisterwerk?<br />
Da kommt eine ganze Reihe von<br />
Faktoren zusammen. Wie bereits<br />
erwähnt, war John Coltrane ein<br />
sehr selbstkritischer Musiker.<br />
Über die 1950er Jahre war er<br />
ständig auf der Suche und mit<br />
seinen eigenen Limitierungen<br />
unzufrieden gewesen. Selbst<br />
auf seinem wohl reifsten Album<br />
der 1950er Jahre, Blue Trane,<br />
ist die Qualität der Soli sehr<br />
unterschiedlich. Spätestens<br />
seit My Favorite Things ging<br />
es ihm jedoch nicht mehr um<br />
Vervollkommnung, sondern um<br />
die Manifestation von Vollkommenheit.<br />
Verglichen mit diesem zwei<br />
Jahre zuvor noch ohne Bassist<br />
Jimmy Garrison veröffentlichten<br />
Album klingen die nun unter<br />
dem Titel Both Directions at<br />
Once veröffentlichten Aufnahmen<br />
seltsam unausgewogen.<br />
Wenn man sich vor Augen<br />
führt, dass nur ein Jahr später<br />
die beiden LPs Crescent und<br />
A Love Supreme erscheinen<br />
sollten, die in ihrer spirituellen<br />
Ganzheitlichkeit Coltranes Ruf<br />
als größter Jazzmusiker seiner<br />
Zeit begründeten, hört man,<br />
wohin der Saxofonist eigentlich<br />
wollte. Im Vergleich zu besagten<br />
kauM eIne MusIkalIsChe entWICklung<br />
naCh 1965 <strong>–</strong> von roCk ÜBer hIphop BIs<br />
teChno <strong>–</strong> Wäre ohne John Coltranes<br />
vorarBeIt DenkBar geWesen.<br />
Platten laviert Coltrane auf Both<br />
Directions at Once unsicher<br />
zwischen Tradition und neuen<br />
Ideen. Was komplett fehlt, ist die<br />
Gravitation, der spirituelle und<br />
konzeptionelle Mittelpunkt.<br />
Ein Vergleich der Aufnahmedaten<br />
von LPs Anfang der<br />
1960er Jahre, nicht nur von<br />
John Coltrane, macht darüber<br />
hinaus deutlich, dass es keines-<br />
JazzthetIk 09/10-<strong>2018</strong> 33
Titel<br />
© Masahiro Mochida<br />
Dieses Album ist keine späte Wiedergutmachung an einem<br />
zu Unrecht verschollenen Meisterwerk von John Coltrane,<br />
sondern es ist allein an uns, seine Hinterbliebenen<br />
gerichtet. Denn es geht um nicht weniger als die Teilhabe<br />
an einem Wunder.<br />
Coltrane-Bänder vom Frühjahr<br />
1963 entspricht nicht annähernd<br />
dem üblichen Level van<br />
Gelders. Es liegt die Vermutung<br />
nahe, dass diese Mitschnitte<br />
der Prüfung des Klangpedanten<br />
nicht standhielten.<br />
Aber selbst wenn die<br />
Aufnahmen aus welchem Grund<br />
auch immer im Studio verloren<br />
gegangen sein sollten <strong>–</strong> Coltrane<br />
hatte eine von Rudy van<br />
Gelder speziell für ihn erstellte<br />
Kopie der Bänder mit nach<br />
Hause genommen. Hätte er<br />
diese Platte rausbringen wollen,<br />
dann wäre es passiert. Darüber<br />
kann es gar keinen Zweifel<br />
geben. Aber Trane war im Kopf<br />
schon ganz woanders. Sofort<br />
nach Coltranes Tod setzte ein<br />
unvergleichlicher Kult um den<br />
Musiker ein. Eine der unvermeidlichen<br />
Folgen bestand in<br />
einer Flut posthumer Alben.<br />
Alles, was man einer Veröffentlichung<br />
für Wert hielt, wurde<br />
rausgehauen. Im Jahr 1963<br />
absolvierte Coltrane nur wenige<br />
Studiotermine. Sein wichtigstes<br />
Album in diesem Jahr war Live at<br />
Birdland. Auf dieser Platte offenbart<br />
sich tatsächlich Coltranes<br />
wegs verbindlicher Standard<br />
war, die Ergebnisse einer Session<br />
adäquat auf einem Album zusammenzufassen.<br />
Im Gegenteil,<br />
vieles wurde unter praktikablen<br />
Gesichtspunkten marktgerecht<br />
zusammengestellt und entsprechend<br />
in Umlauf gebracht. Eine<br />
historisch kritische Aufarbeitung<br />
der Sessions würde ein<br />
völlig anderes Bild ergeben, als<br />
uns durch die Genealogie der<br />
Alben vermittelt wird. Coltrane<br />
kann nicht davon ausgegangen<br />
sein, dass ausgerechnet diese<br />
Sitzung vom 6. März 1963 als<br />
geschlossene LP das Licht der<br />
Welt erblicken würde. Die Cuts<br />
wirken in dieser Kombination<br />
eher wie ein abgebrochener<br />
Anlauf in Richtung dessen, was<br />
da noch kommen sollte, als wie<br />
der Absprung, und Coltrane<br />
wusste das.<br />
Mehr als fragwürdig erscheint<br />
zudem die Behauptung,<br />
dass dem peniblen Tonmeister<br />
Rudy van Gelder, dem wir Hunderte<br />
stilprägender Jazzaufnahmen<br />
verdanken, ausgerechnet<br />
diese Aufnahmen eines seiner<br />
lukrativsten Klienten verloren<br />
© Jean-Pierre Leloir<br />
gegangen sein sollen. Nun, um<br />
heute Platten zu verkaufen,<br />
braucht man gute Geschichten,<br />
und die Story von den verlorenen<br />
Bändern klingt gut. Glaubwürdig<br />
ist sie deshalb aber noch<br />
lange nicht. Coltrane war das<br />
Zugpferd von Impulse, er hatte<br />
weitreichende künstlerische<br />
Freiheiten und die absolute Kontrolle<br />
über seinen Output. Sein<br />
früheres Label Prestige begann<br />
bereits, frühere Platten anderer<br />
Musiker, bei denen Coltrane als<br />
Sideman zugange war, unter<br />
Tranes Namen umzuetikettieren.<br />
Es ist schwer vorstellbar, dass<br />
die Bänder des Superstars<br />
einfach verschwunden wären.<br />
Cuscuna merkt in einem<br />
anderen Kontext an, dass van<br />
Gelder die Tendenz hatte, mit<br />
der Mikrofonierung seiner<br />
Aufnahmen an die Grenze zu<br />
gehen. Neben den legendären<br />
Platten, die wir ihm verdanken,<br />
habe er dagegen diverse<br />
Sessions durch Übersteuerung<br />
versaut. Über die misslungenen<br />
Termine in van Gelders<br />
Studio gibt es natürlich keine<br />
Aufstellung. Die Tonqualität der<br />
© Don Schlitten<br />
© Coltrane Estate<br />
34 Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong>
spielerischer Genius dieses<br />
Jahres. Die Aufnahmen von<br />
Both Directions at Once hielten<br />
diesem Qualitätsstandard, den<br />
er an sich selbst gelegt hatte,<br />
einfach nicht stand. Wären<br />
John Coltrane diese Aufnahmen<br />
wichtig gewesen, hätte er sie<br />
wohl schwerlich bei seiner ersten<br />
Frau Naima zurückgelassen.<br />
Angesichts sinkender<br />
Verkaufserwartungen ist es mit<br />
Coltrane oder Miles Davis wie<br />
mit den Beatles. Es wird immer<br />
noch irgendwo Aufnahmen<br />
von Konzerten, Proben oder<br />
Outtakes geben, die bislang<br />
nicht veröffentlicht wurden. Was<br />
immer man von Coltrane findet,<br />
wird über kurz oder lang regulär<br />
auf den Markt kommen. Einiges<br />
kursiert ja schon als Bootleg,<br />
also als nicht autorisierte Veröffentlichung.<br />
Ein prominentes<br />
Beispiel ist Coltranes letztes<br />
Konzert auf dem Newport Jazz<br />
Festival im Juli 1966. Das war<br />
wirklich alles andere als ein fokussierter<br />
Auftritt, aber es steht<br />
außer Frage, dass auch diese<br />
Aufnahme früher oder später<br />
legalisiert werden wird. Coltrane<br />
<strong>–</strong> die neue Veröffentlichung<br />
belegt es <strong>–</strong> garantiert immer<br />
noch Medienaufmerksamkeit<br />
und gute Verkäufe. Um Qualität<br />
geht es dabei schon lange nicht<br />
mehr. Es ist zu befürchten, dass<br />
in näherer Zukunft noch einiges<br />
von Meister Coltrane auf uns<br />
kommen wird, das immer weniger<br />
seinem eigenen Standard<br />
genügen wird.<br />
50 Jahre später<br />
John Coltrane ist seit etwas<br />
mehr als 50 Jahren tot. Was fangen<br />
wir jetzt also mit Both Directions<br />
at Once an? Immerhin, es<br />
ist ein authentisches Dokument,<br />
das seine Verfassung an einem<br />
ganz konkreten Tag in den Mittelpunkt<br />
stellt. Dass es nicht sein<br />
kreativster Augenblick gewesen<br />
sein mag, bringt uns den Menschen<br />
John Coltrane ein ganzes<br />
Stück näher. Auch ein Gigant<br />
hat eben bessere und schlechtere<br />
Tage, wie auch seine vor<br />
einigen Jahren veröffentlichte<br />
einzige Live-Aufnahme von<br />
A Love Supreme zeigt.<br />
Immerhin probierte er 1963<br />
neue Ideen aus. Für die Ballade<br />
„Nature Boy“ trat er im Trio an.<br />
War McCoy Tyner verhindert?<br />
Das ist wenig wahrscheinlich,<br />
denn bei den anderen Aufnahmen<br />
vom selben Tag war<br />
er ja zugegen. Denkbar wäre<br />
ein anderer Grund. Coltranes<br />
größter Konkurrent der 1950er<br />
Jahre war Sonny Rollins, der mit<br />
seinem Trioalbum The Freedom<br />
Suite einen sensationellen<br />
Erfolg gefeiert hatte. Seit Tenor<br />
Madness (1956) hatte Trane mit<br />
dem vier Jahre jüngeren Rollins<br />
noch eine Rechnung offen.<br />
Nicht auszuschließen, dass<br />
auch Coltrane sich in diesem<br />
Trio-Format ausprobieren wollte,<br />
aber daran nicht festhielt.<br />
Zudem muss konstatiert werden,<br />
dass der sonst so zuverlässige<br />
Tyner auch bei den Songs jener<br />
Session, bei denen er anwesend<br />
war, auf seltsame Weise<br />
indisponiert wirkt.<br />
Bemerkenswert ist hingegen<br />
die Rolle, die Bassist Jimmy<br />
Garrison bei den Aufnahmen<br />
gespielt hat. Im Vergleich zu den<br />
Hypervirtuosen McCoy Tyner<br />
und Elvin Jones wirkt er auf<br />
vielen regulären Alben auffällig<br />
blass. Seine generelle Funktion<br />
mag darin bestanden haben,<br />
den Flow des Quartetts mit seinen<br />
Drones zu grundieren. Ein<br />
herausragender Solist war er jedenfalls<br />
nicht, weshalb er auch<br />
kaum als Sideman bei anderen<br />
Bandleadern in Erscheinung<br />
trat. Auf Both Directions at Once<br />
ist er jedoch ungleich offensiver<br />
als bei anderen Aufnahmen. Das<br />
kommt nicht nur in dem etwas<br />
torsohaft wirkenden Triostück<br />
„Nature Boy“ zum Ausdruck,<br />
sondern in einem seiner ganz<br />
wenigen mit dem Bogen gestrichenen<br />
Soli in einem von zwei<br />
unbetitelten Stücken.<br />
Eine tatsächliche Lücke<br />
wird mit der einzigen Studioversion<br />
seiner Komposition<br />
„Impressions“ geschlossen,<br />
jenem Stück, auf dem The Byrds<br />
ihren Hit „Eight Miles High“<br />
aufbauten, der nicht unwesentlich<br />
zur Popularität des<br />
Saxofonisten auch außerhalb<br />
der Jazz-Community beitrug.<br />
Sonny Rollins vergleicht den<br />
Fund jener Aufnahmen vom 6.<br />
März 1963 in seinen Liner Notes<br />
mit der Öffnung einer unbekannten<br />
Grabkammer in der<br />
Cheopspyramide. Der Vergleich<br />
ist überaus zutreffend, da er ja<br />
noch nichts darüber sagt, was<br />
man in der Grabkammer findet.<br />
Gerade „Impressions“ ist ein<br />
Beleg dafür, dass Coltrane live<br />
bereits viel weiter war als bei<br />
diesem Studiotermin.<br />
In John Coltranes veröffentlichtem<br />
Gesamtwerk sind<br />
die vom Meister selbst autorisierten<br />
Alben in der Minderheit.<br />
Der weitaus größere Teil seiner<br />
Diskografie setzt sich aus<br />
Platten, die ursprünglich unter<br />
Leadership anderer Musiker<br />
wie Red Garland, Ray Draper<br />
oder Cecil Taylor eingespielt<br />
wurden, flüchtigen Liveaufnahmen<br />
oder posthumen Editionen<br />
zusammen. Wie er sich entwickelt<br />
hätte, wenn ihm mehr<br />
Lebensjahre vergönnt gewesen<br />
wären, gehört ins Reich der<br />
Spekulation. Both Directions<br />
at Once ist die unverstellte<br />
Momentaufnahme eines<br />
einzelnen Tages, und als solche<br />
ist sie von einzigartigem Wert.<br />
Immerhin handelt es sich um<br />
John Coltrane. Aber der Coup<br />
dieser Aufnahmen, die weder<br />
verschollen waren noch von<br />
Coltrane selbst zu Lebzeiten<br />
und in all den Jahren seither<br />
von seinen Nachlassverwaltern<br />
auf den Markt gebracht worden<br />
sind, erzählt eine Geschichte<br />
für sich.<br />
Die Story von Both Directions<br />
at Once handelt indes<br />
weniger vom großen John<br />
Coltrane und seinem Umfeld als<br />
am anderen Ende des Regenbogens<br />
von unserer uneingelösten<br />
Sehnsucht nach Erfüllung<br />
und Happy End. Wie beim<br />
Dokumentarfilm Searching for<br />
Sugar Man sind es genau diese<br />
Geschichten, auf die wir uns<br />
so leidenschaftlich unkritisch<br />
einlassen, weil wir sie genau<br />
so und nicht anders hören<br />
wollen. Dieses Album ist keine<br />
späte Wiedergutmachung an<br />
einem zu Unrecht verschollenen<br />
Meisterwerk von John Coltrane,<br />
sondern es ist allein an uns,<br />
seine Hinterbliebenen gerichtet.<br />
Denn es geht um nicht weniger<br />
als die Teilhabe an einem Wunder.<br />
Und Wunder brauchen wir<br />
heute mehr denn je.<br />
Aktuelle CD:<br />
John Coltrane: Both Directions at Once<br />
(Impulse / Universal)<br />
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Von Rolf Thomas<br />
Der Titelsong stammt von Leonard Cohen<br />
und ist vor allem für die Zeile „There is a<br />
crack in everything, that’s how the light gets<br />
in“ berühmt. Peyroux interpretiert schon<br />
zum dritten Mal ein Werk der mittlerweile<br />
verstorbenen kanadischen Songwriter-<br />
Ikone. „Anthem“ half ihr, „alle Geschichten<br />
auf der Platte miteinander zu verknüpfen“,<br />
wie die Sängerin erzählt. „Cohen besaß die<br />
erstaunliche Fähigkeit, die menschliche Psyche<br />
anzuzapfen und einen zum Nachdenken<br />
zu bringen, ohne einen dazu zu zwingen. Es<br />
geht mehr darum, etwas zu sagen, als alles<br />
zu sagen.“ Wie Cohen etwas sagt, bringt den<br />
Hörer dazu, seine Songs immer wieder in<br />
einem neuen Licht zu sehen <strong>–</strong> das ging auch<br />
Madeleine Peyroux nicht anders. „Nachdem<br />
Donald Trump zum Präsidenten gewählt<br />
wurde, habe ich den Song noch einmal mit<br />
ganz neuen Ohren gehört“, meint sie, „und<br />
Springsteen gearbeitet <strong>–</strong>, Schlagzeuger<br />
Brian MacLeod, zu dessen Arbeitgebern<br />
Leonard Cohen und Tina Turner zählten, und<br />
David Baerwald. Der Gitarrist und Sänger<br />
hat schon mit Joni Mitchell und Sheryl Crow<br />
gespielt und sich auch für Madeleine Peyroux<br />
als unermüdlich sprudelnde Ideenquelle<br />
erwiesen. „Damals ging es noch um Hillary<br />
Clinton oder Donald Trump“, erinnert sich<br />
die Sängerin nachdenklich. „Das hat den<br />
Songwriting-Prozess eindeutig beeinflusst.<br />
Ich war zu der Zeit auch mit meinem Trio<br />
live unterwegs und habe viel über die USA<br />
erfahren.“ Die Songs verquicken Peyroux’<br />
politische Ansichten mit ihrer persönlichen<br />
Welt, wobei es ihr und ihren Mitstreitern<br />
gelungen ist, die perfekte Balance zwischen<br />
dunklem Humor und Mitgefühl herzustellen.<br />
„Das politische Klima ist ziemlich dunkel“,<br />
stellt Peyroux fest, „deshalb klingen auch die<br />
Songs nicht besonders fröhlich.“<br />
In „All My Heroes“ erinnert Baerwald<br />
<strong>–</strong> ausgelöst durch den Tod des Dichters<br />
John Ashberry <strong>–</strong> an all die bahnbrechenden<br />
Persönlichkeiten, die wir in den vergangenen<br />
Jahren verloren haben, und die Inspiration<br />
für das stimmungsvolle „Lullaby“ lieferte „die<br />
Vorstellung von einer einsamen Frau mitten<br />
im weit offenen Meer, die ihrem Kind, oder<br />
vielleicht auch sich selbst, ein beruhigendes<br />
Lied vorsingt, während sie in den Abgrund<br />
der Welt blickt“, sagt Peyroux. Man braucht<br />
wahrlich nicht viel Fantasie, um an das zu<br />
denken, was unsere Politiker mit perfider<br />
Verdrehung der Tatsachen „die Flüchtlingskrise“<br />
nennen <strong>–</strong> es ist wohl eher eine Krise<br />
der Menschlichkeit. Mit ironischem Pathos<br />
geht es in „Down on Me“ um finanzielle<br />
Schwierigkeiten, und „The Ghosts of Tomorrow“<br />
handelt von unerfüllten Träumen. Es gibt<br />
aber auch ein paar leichtere Stücke, etwa<br />
„On My Own“, „On a Sunday Afternoon“ und<br />
das dann doch wieder mit einer gewissen<br />
Dunkelheit spielende „Party Tyme“.<br />
Produziert wurde das Album von Larry<br />
Klein, der auch mit zum Songwriting-Team<br />
gehörte. Der Ex-Mann von Joni Mitchell ist<br />
seit Langem für seine präzise und gleichzeitig<br />
sensible Arbeit bekannt und hat nicht nur Mitchell,<br />
sondern auch Sängerinnen wie Tracy<br />
Chapman, Bonnie Raitt und seiner jetzigen<br />
Ehefrau Luciana Souza zu einigen ihrer besten<br />
Platten verholfen. Auch Madeleine Peyroux<br />
war von dem Veteranen begeistert. „Mit Larry<br />
Klein zusammenzuarbeiten, ist ein großes Vergnügen“,<br />
schwärmt sie, „denn er hat genauso<br />
viel Spaß daran, sich in akustische Details zu<br />
vertiefen wie ich. Er ist immer auf der Suche<br />
nach dem passenden Sound für jeden Song.“<br />
Madeleine Peyroux neigt nicht zu<br />
Schnellschüssen. In den 22 Jahren, die auf<br />
Madeleine Peyroux Mehr Licht!<br />
An ihrem neuen, ihrem achten Album<br />
Anthem hat Madeleine Peyroux lange<br />
gearbeitet, schon während der heißen<br />
Phase des US-Wahlkampfs vor zwei<br />
Jahren nahm es erste Formen an. Damals<br />
war die amerikanische Sängerin über viele<br />
Monate einer konstanten Nachrichtenflut<br />
ausgesetzt, die in dem Dutzend Songs auf<br />
Anthem ihren Niederschlag findet.<br />
ich muss sagen, er gibt einem Hoffnung.“<br />
Bis auf „Anthem“ und „Liberté“, das auf<br />
einem Gedicht des französischen Surrealisten<br />
Paul Éluard basiert, stammen alle<br />
Songs aus Peyroux’ Feder. „Ich schrieb die<br />
Songs zusammen mit meinen Musikern“,<br />
erzählt sie. „Wir saßen tatsächlich zu fünft in<br />
einem Zimmer und haben uns an die Arbeit<br />
gemacht. Ein Konzept hatten wir nicht, und<br />
das war auch nicht nötig, wie sich herausstellen<br />
sollte. Nach einem Jahr hatten wir<br />
genug Songs beisammen und haben uns<br />
ans Aufnehmen gemacht. Das war ein ganz<br />
organischer Prozess.“<br />
Zum Songwriting-Team zählten unter<br />
anderem Patrick Warren <strong>–</strong> der Pianist hat<br />
schon für Lana del Rey, Bob Dylan und Bruce<br />
ihr sensationelles Debüt-Album Dreamland<br />
folgten, hat sie lediglich acht Alben veröffentlicht,<br />
also ungefähr eine Platte alle drei<br />
Jahre. Gleichzeitig ist sie neugierig und experimentierfreudig,<br />
und so beschert sie uns<br />
nun also nach dem Album Secular Hymns,<br />
auf dem sie Songs von Tom Waits, Townes<br />
van Zandt, Allen Toussaint und Linton Kwesi<br />
Johnson interpretiert hat, eine Platte mit<br />
fast ausschließlich neuen, eigenen Songs.<br />
Beseelt ist Anthem von dem Geist, neue Stile<br />
zu erkunden <strong>–</strong> und vielleicht folgt auf die<br />
politische Finsternis schon schneller, als wir<br />
ahnen, wieder das Licht.<br />
Aktuelle CD:<br />
Madeleine Peyroux: Anthem (Decca / Universal)<br />
36 Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong>
PDF in 4c<br />
Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong> 37
Das schlagzeuglose und bassfreie Bläserquartett Fun Horns<br />
machte von sich reden, als es noch die DDR gab. Seitdem<br />
ist Volker Schlott als Saxofonist und Komponist eine feste<br />
Größe im deutschen Jazz. Zu seinem 60. Geburtstag hat er<br />
ein Geheimnis gelüftet.<br />
Von Hans-Jürgen Linke<br />
All die Jahre war Schlott auch mit einer<br />
Situation beschäftigt, von der nur wenige<br />
Menschen wussten: Er fühlt sich als<br />
Transgender. Jetzt hat er unter dem Namen<br />
seiner parallelen Existenz Holly Schlott das<br />
Album 2 Spirits veröffentlicht.<br />
Hans-Jürgen Linke: Du hast deinen<br />
60. Geburtstag zum Anlass genommen, dich<br />
öffentlich zu deiner Transgender-Seele<br />
zu bekennen. Das ist nicht gerade früh in<br />
deiner Biografie. Hat das soziale Klima in<br />
der DDR, wo du aufgewachsen bist, oder<br />
das gesamtdeutsche Klima nach der Wende<br />
dich bei deiner Selbsterforschung beengt?<br />
Holly Schlott: Ich denke, das ist unabhängig<br />
davon, wo ich aufgewachsen bin. Wenn du<br />
die richtigen Leute triffst, ist es ja egal, wo<br />
du sie triffst. Und die DDR war in Sachen<br />
sexueller Freiheit ziemlich fortschrittlich. Es<br />
gab sogar mit Charlotte von Mahlsdorf eine<br />
berühmte Transgender-Person in Berlin.<br />
Aber man muss mit seinem Verständnis für<br />
die eigene Situation erst einmal ins Reine<br />
gekommen sein. Wenn du nicht in einer<br />
Community aufwächst, in der etwas wie<br />
Transgender-Identität selbstverständlich ist,<br />
hast du ganz schön viel Arbeit damit, mit dir<br />
selbst bekannt zu werden. Damit dann an<br />
die Öffentlichkeit zu gehen, ist noch mal ein<br />
ganz anderer Schritt.<br />
Hans-Jürgen Linke: Empfindest du, dass<br />
die Jazz-Öffentlichkeit, die als offen und<br />
vielgestaltig gilt, doch auch eine spießige<br />
Seite hat?<br />
Holly Schlott: Du legst mir da ein Wort<br />
in den Mund, das ich ungern verwende.<br />
Aber irgendwie ist die Jazz-Öffentlichkeit<br />
tatsächlich an einigen Stellen viel konservativer,<br />
als sie selbst sich versteht.<br />
Diese Erfahrung haben auch homosexuelle<br />
Musiker wie Gary Burton gemacht. In der<br />
Wahrnehmung und im Umgang mit dem,<br />
was ich am liebsten Diversity nenne, gibt<br />
es viel Nachholbedarf. In Amerika gab es<br />
schon im letzten Jahrhundert Transgender-<br />
Musiker wie Billy Tipton oder Jennifer<br />
Leitham, und man ist hier und da schon<br />
etwas weiter. Wie die Lage in Deutschland<br />
ist, erkennt man auch daran, dass in der<br />
Bundesrepublik der Paragraph 175 des<br />
Strafgesetzbuches, der sexuelle Handlungen<br />
zwischen Männern unter Strafe stellt,<br />
erst 1994 abgeschafft wurde. Ich war vor 20<br />
Jahren schon mal fast so weit, mit meiner<br />
Situation an die Öffentlichkeit zu gehen,<br />
aber ein paar Stunden vor der geplanten<br />
Ankündigung habe ich dann doch einen<br />
Rückzieher gemacht. Ich war einfach noch<br />
nicht reif genug. In der Rock- und Pop-<br />
Kultur wurde schon viel früher über diese<br />
Themen gesprochen. Da gab es immerhin<br />
einen David Bowie. Die Jazz-Szene ist viel<br />
stärker männlich dominiert und hat Themen<br />
aus dem Bereich von Gender-Identitäten<br />
beharrlich ausgespart. Aber wir sind dabei,<br />
das zu ändern.<br />
Hans-Jürgen Linke: Lass uns über deine<br />
Musik reden. Du hast auf deiner aktuellen<br />
CD alle Instrumente selbst gespielt<br />
beziehungsweise programmiert, darunter<br />
das C-Melody-Saxofon, das einen Ganzton<br />
höher liegt als das Tenorsaxofon.<br />
Holly Schlott: Dieses Instrument hat sich<br />
nicht durchgesetzt, obwohl es auch im<br />
Jazz Saxofonisten gegeben hat, die es sehr<br />
virtuos gespielt haben. Ich habe es vor<br />
vielen Jahren schon einmal gespielt und<br />
fand interessant, dass ich plötzlich tiefer hinunter<br />
in den Tenorbereich kam als mit dem<br />
Alt-Sax. Trotzdem hat das Instrument bei<br />
mir sieben Jahre unbenutzt herumgelegen,<br />
und eigentlich wollte ich es schon verkaufen.<br />
Dann habe ich noch einmal hineingeblasen<br />
und fand dieses Dazwischen-Liegen<br />
plötzlich überaus attraktiv, so, als würde<br />
es mein eigenes Dazwischen irgendwie<br />
aufnehmen. Ich habe mich dann näher damit<br />
beschäftigt und gemerkt, dass ich ganz<br />
andere Melodien entwickle als auf dem Altoder<br />
Sopransaxofon. Es war überwiegend<br />
intuitive Arbeit, mit der ich diese CD meist<br />
in nächtlichen Kompositions-Sessions aufgenommen<br />
habe. Irgendwie ist eine neue<br />
Einheit entstanden aus dem Instrument und<br />
meinem Impuls, meine eigene neue Melodie<br />
nach außen zu tragen.<br />
Hans-Jürgen Linke: Was du nach außen<br />
transportierst, ist also auch deine Entscheidung,<br />
dich nicht mehr zwischen Tenor und<br />
Alt entscheiden zu müssen.<br />
Holly Schlott: Wenn man das auf die Saxofone<br />
bezieht, kann man das so ausdrücken.<br />
Wobei ich mich ja schon sehr früh auf die<br />
höheren Saxofone konzentriert hatte. Das<br />
C-Melody war wie eine neue Tür, die sich<br />
plötzlich öffnet. Ich bin immer noch dabei,<br />
es zu erforschen.<br />
Hans-Jürgen Linke: So dass das Instrument<br />
für deine Musik auch einen Neuanfang, vor<br />
allem aber eine Erweiterung des Horizonts<br />
bedeutet.<br />
Holly Schlott: Genau, es ist eine Extension.<br />
Ich fühle mich nicht wie neu geboren,<br />
sondern eher wie jemand, der etwas<br />
Neues erlebt, ohne dabei jemand anderer<br />
zu werden. Viele Transgender fühlen sich<br />
durch die vorgegebenen gesellschaftlichen<br />
Normen genötigt, eine männliche oder<br />
weibliche Rolle anzunehmen, um nicht aufzufallen.<br />
Das gelingt natürlich nicht immer.<br />
Und dann gibt es Leute, die meinen, wenn<br />
sie mit sich selbst in der Balance sind, wäre<br />
es nicht nötig, diese Leidensgeschichte<br />
mit allen physischen Konsequenzen auf<br />
sich zu nehmen. In dieser Situation sehe<br />
ich mich am ehesten. Ich fühle mich genau<br />
dazwischen, so dass ich versuche, auch<br />
eine optische Einheit beider Geschlechter<br />
zu zeigen. Das kann mal mehr in die eine<br />
oder andere Richtung geschehen, und das<br />
erlaube ich mir. Inzwischen durchaus auch<br />
auf der Bühne<br />
Hans-Jürgen Linke: Du begibst dich also<br />
öffentlich in ein für dich unbekanntes<br />
Gelände.<br />
Holly Schlott: Das gilt auch für die neue CD,<br />
auf der ich alles vom Einspielen bis zum Mix<br />
in Eigenregie gemacht habe. Das habe ich<br />
auch getan, damit alles nahe bei mir und in<br />
meiner eigenen Gefühlswelt bleibt. Denn<br />
das ist meine ganz persönliche Geschichte.<br />
Live verteilt sich die Musik auf fünf Musiker,<br />
die daraus wieder etwas anderes machen<br />
können. So soll es ja im Jazz auch sein.<br />
Ich hatte das Glück, meine Wunsch-Band<br />
zu finden, allesamt aus der Berliner Szene<br />
und mindestens eine Generation jünger.<br />
Aber das Intime und Persönliche der Musik<br />
kommt deutlicher in der Studioproduktion<br />
rüber. Ich lebe aber nun mal auch von<br />
Live-Musik. Austausch und Kommunikation<br />
mit anderen Musikern ist mir sehr wichtig.<br />
So sehe ich die Veränderung meiner Musik<br />
auch als einen Aspekt der Extension.<br />
Hans-Jürgen Linke: Die Musik vermittelt<br />
mir ungefähr folgenden Eindruck: Du bist<br />
musikalisch und biografisch an einem<br />
bestimmten Punkt angekommen, atmest<br />
tief durch und schaust zurück, um dich zu<br />
vergewissern, wo du bist, wie du dorthin<br />
gekommen bist <strong>–</strong> um zu sehen, wie es jetzt<br />
weitergehen kann.<br />
Holly Schlott: Genau. Es geht aber auch<br />
darum, Danke zu sagen an Menschen, die<br />
mich begleitet, unterstützt und beeinflusst<br />
haben. Und ich schaue mit großer Vorfreude<br />
auf unsere Release-Tour im <strong>September</strong><br />
und <strong>Oktober</strong>, wo ich meine Extension im<br />
doppelten Sinne ausleben werde.<br />
Aktuelle CD:<br />
Holly Schlott: 2 Spirits<br />
(NRW Records / NRW)<br />
38 Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong>
Holly<br />
Schlott<br />
Von der Arbeit,<br />
mit sich selbst bekannt zu<br />
werden<br />
Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong> 39
Esther Kaiser<br />
Lift Every Voice and Sing<br />
In Zeiten wie diesen sollte Jazz Stellung beziehen, das empfindet die<br />
Berliner Sängerin Esther Kaiser jedenfalls. Ihre Songs of Courage<br />
vereinen Klassiker des politischen Lieds des 20. Jahrhunderts.<br />
© Eberhard Koll<br />
40 Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong>
Von Rolf Thomas<br />
Wie alle ihre bisherigen Alben so hat<br />
sich auch Songs of Courage allmählich<br />
entwickelt, in diesem Fall liegt der Keim<br />
in Esther Kaisers vorigem Album Learning<br />
How to Listen <strong>–</strong> The Music of Abbey<br />
Lincoln. Lincoln war eine dezidiert politische<br />
Sängerin, und je länger Kaiser ihre<br />
Lieder sang, desto stärker drang ihr das<br />
ins Bewusstsein. „Als ich noch Songs von<br />
Abbey Lincoln gesungen und das Programm<br />
allmählich um andere Songs erweitert<br />
habe, fiel mir irgendwann der Begriff Songs<br />
of Courage ein“, erinnert sich die Sängerin.<br />
„Abbey Lincoln ist ja nicht nur musikalisch<br />
ein großes Vorbild von mir, sondern auch<br />
als Persönlichkeit. Ich suchte also Songs,<br />
die geistig zu ihr passen, hatte aber noch<br />
gar nicht vor, daraus ein Album zu machen.<br />
Dafür erschien mir der Titel auch<br />
viel zu plakativ und vielleicht auch viel zu<br />
groß. Aber irgendwann war ich couragiert<br />
genug, mich für genau diesen Albumtitel zu<br />
entscheiden.“<br />
Durch die Schallplatten ihrer Mutter<br />
hat Esther Kaiser schon früh die Songs<br />
von Bob Dylan und Joan Baez gehört,<br />
und so finden sich nun auch „Masters of<br />
War“, „Where Have All the Flowers Gone“<br />
und „We Shall Overcome“ auf der neuen<br />
Platte. Die Gegenwart machte sich in der<br />
Besetzung bemerkbar, denn neben ihrem<br />
deutschen Quartett haben sich auch zwei<br />
Musiker aus dem Nahen Osten zu den Aufnahmen<br />
eingefunden. „Nachdem ich mich<br />
mehr und mehr mit dem Thema Flüchtlinge<br />
befasst und auch mit Geflüchteten Musik<br />
gemacht habe, erschien mir ‚courage‘ auf<br />
einmal viel greifbarer <strong>–</strong> nämlich im Sinne<br />
von ‚beherzt‘“, führt Esther Kaiser aus. „Und<br />
dann sind mir auch noch der Kanun-Spieler<br />
Hasan Al Nour und Cellist Akram Younus<br />
Ramadhan Al-Siraj begegnet und ließen<br />
sich fast umstandslos in meine deutsche<br />
Band integrieren. Damit konnte ich auch<br />
diesen ‚großen‘ Albumtitel verdauen.“<br />
Michael Jacksons „Earth Song“ steht nun<br />
Seite an Seite mit David Bowies „This Is<br />
Not America“ und Brecht/Eislers „An den<br />
kleinen Radioapparat“ - das abschließende<br />
„You’re the Voice“ von John Farnham ist<br />
sicher die größte Überraschung.<br />
„Auf dem Album mischt sich orientalische<br />
mit westlicher Musik und Pop<br />
mit Jazz“, sagt Kaiser. „Mein Pianist Tino<br />
Derado ist unglaublich in der Harmonik drin,<br />
so ein richtiger Checker, der sich mit Hasan<br />
und Akram auch noch super verständigen<br />
konnte. All das hat dazu geführt, dass ich<br />
schließlich mit gutem Gewissen sagen<br />
konnte: Ja, dieses Album kann jetzt Songs<br />
of Courage heißen. Wobei ich es übertrieben<br />
finde, wenn man sagt, dass man Courage<br />
braucht, um diese Lieder zu singen <strong>–</strong> das<br />
natürlich nicht. Aber ich finde es wichtig,<br />
dass auch aus dem Jazz hier und da ein<br />
politisches Statement kommt. Diese Lieder<br />
wollen schließlich nicht nur immer wieder<br />
gesungen werden, sie wollen auch anders,<br />
neu und aus heutiger Sicht interpretiert<br />
werden. Genau das hat mich interessiert,<br />
sowohl politisch als auch musikalisch.“<br />
Die bereits erwähnten Klassiker der<br />
amerikanischen Bürgerrechtsbewegung<br />
der 60er Jahre mussten einfach dabei<br />
sein, aber interpretiert aus einer aktuellen<br />
weltmusikalischen Perspektive. Das Ergebnis<br />
bewegt sich irgendwo zwischen Jazz,<br />
urbanem Songwriter-Pop (Suzanne Vegas<br />
„Luka“ ist auch dabei), improvisierter Musik<br />
und orientalisch anmutender Folkloristik.<br />
Wenn Esther Kaiser dann auch noch zu<br />
exotischen Instrumenten wie der Kalimba<br />
und der indischen Shruti-Box greift, denkt<br />
man über solche musikalischen Zuordnungen<br />
gar nicht weiter nach. Die Sängerin,<br />
die neben ihrer eigentlichen Tätigkeit auch<br />
noch eine Professur für Jazzgesang an der<br />
Musikhochschule Dresden innehat, wirft<br />
neues Licht auf vertrautes Liedgut und<br />
eröffnet so manchem Lied, das man bereits<br />
im Museum wähnte, neue Perspektiven.<br />
„Durch meine Eltern bin ich mit ‚We Shall<br />
Overcome‘ und ‚Sag‘ mir, wo die Blumen<br />
sind’ aufgewachsen, und deshalb fand ich<br />
es spannend, diese Lieder musikalisch neu<br />
zu entdecken“, erzählt die Sängerin. „Die<br />
Lieder sind nicht nur meine musikalische,<br />
sondern auch meine gesellschaftspolitische<br />
Heimat. Es war mir einfach ein Herzensbedürfnis,<br />
in dem Kanal, in dem ich mich<br />
äußern kann, nämlich in der Musik, meine<br />
Stimme zu erheben. Was für menschenverachtende<br />
Entscheidungen gerade in der<br />
Politik heute getroffen werden [Innenminister<br />
Seehofer machte sich zum Zeitpunkt des<br />
Interviews gerade zum Horst <strong>–</strong> Anmerkung<br />
des Autors], da kann man eigentlich nur die<br />
Hände über dem Kopf zusammenschlagen.<br />
Ich kann immerhin singen.“<br />
Dass Musik verbindet, hat sich dabei<br />
einmal mehr als eine völlig zutreffende Binsenweisheit<br />
erwiesen. „Während der Arbeit<br />
an diesem Album mit meiner Berliner Band<br />
und den beiden Kollegen aus dem Nahen<br />
Osten waren wir immer wieder überrascht,<br />
wie nah doch die Arten sind, wie wir alle an<br />
Musik, Skalen und Improvisation herangehen“,<br />
hat Esther Kaiser festgestellt. „Ob das<br />
nun im europäisch-amerikanisch beeinflussten<br />
Jazz oder in der orientalischen<br />
Musik geschehen ist <strong>–</strong> wir haben uns sehr<br />
schnell sehr gut verstanden.“<br />
Aktuelle CD:<br />
Esther Kaiser: Songs of Courage<br />
(GLM / Soulfood)<br />
Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong> 41
High Fidelity: Die Listening-Session<br />
Hans Deutsch<br />
HD 304 mk2<br />
Muskulös ohne Bassschwubbel<br />
Bei einer Vielzahl von Lautsprechern<br />
gibt es nach einer gewissen Zeit einen<br />
Ermüdungsbruch in den Ohren.<br />
Na ja, so ähnlich. Auch wenn alles<br />
schön dargestellt wird, die Musik<br />
musiziert, die Verarbeitung des Produktes<br />
tadellos ist <strong>–</strong> verbleibt eine<br />
diffuse Sehnsucht. Da muss doch<br />
noch was gehen?<br />
Von Peter Steinfadt<br />
Letztlich ist die nicht wirklich definierbare<br />
Restunzufriedenheit mit einem Produkt auch<br />
die Triebfeder des Neuerwerbs <strong>–</strong> davon lebt<br />
die Branche, klar. Wir suchen den Funken,<br />
der das Musikfeuer zu entfachen vermag.<br />
Das ist die Leidenschaft und Antriebsfeder<br />
des Audiophilen. Und leider auch eine Geldverbrennungsmaschine<br />
sondergleichen.<br />
Der Klassiker unter den Soziologen,<br />
Max Weber, postulierte, dass sich Bürokratien<br />
in erster Linie durch ihr Geheimwissen<br />
auszeichnen und legitimieren. Hier hingegen<br />
wird ganz unbürokratisch und selbstlos ein<br />
Lautsprecher vorgestellt, der das Mantra<br />
des Lautsprecherkaufs zum Erliegen bringen<br />
und den Käufer über viele Jahre begleiten<br />
könnte. Der Lautsprecherentwickler und<br />
Akustikforscher Hans Deutsch ist ein echtes<br />
Urgestein der Szene und bereits seit den<br />
60ern aktiv. Seine teils patentierten Kreationen<br />
sind außergewöhnlich und finden bei<br />
keinem anderen Hersteller Verwendung.<br />
Dem audiophilen Hörer fällt bei der<br />
wirkungsgradstarken 8 Ohm Kompaktbox<br />
HD 304 mk2 vor allem der sogenannte Hornresonator<br />
auf. Hier wird die Abstrahlfläche<br />
des Tieftonsystems trägheitslos vergrößert<br />
und optimiert. Dieser Kunstgriff führt zu<br />
einer extrem schnellen, verzerrungsarmen<br />
Musikdarstellung mit hoher Impulstreue.<br />
Der Hornresonator ersetzt die üblicherweise<br />
großen Bass-Chassis. Dadurch<br />
wird erreicht, dass die Bassreproduktion<br />
bruchlos ins Geschehen integriert wird. Hier<br />
schwubbelt und dröhnt nichts, und durch<br />
dieses Konstruktionsprinzip sind die nur 33<br />
Zentimeter hohen Wandler auch bei höheren<br />
Lautstärken in jeden Raum integrierbar.<br />
Das ist ein großer Vorteil gegenüber den<br />
Marktteilnehmern, da die lästigen Raummoden<br />
durch den Hornresonator erst gar<br />
keine Dröhnchance erhalten.<br />
Grau die Theorie, bunt die Musik.<br />
Hören wir in die aktuelle mk2-Version der<br />
HD 304 mal rein. Für Joshua Redmans Still<br />
Dreaming (Nonesuch, 2017) stand eine Aufnahme<br />
eines hochkarätigen Quartetts (u.a.<br />
mit Don Cherry) mit seinem Vater Dewey<br />
Redman aus dem Jahr 1977 Pate. Die energiestrotzende<br />
Aufnahme im Geiste Ornette<br />
Colemans diente als Inspirationsquelle<br />
für den Sohn und seine drei Mitstreiter.<br />
Herausgekommen sind Preziosen voller Dynamik<br />
und Melodie. Die saxofongetriebene<br />
Musik im Spagat zwischen akademischer<br />
Kühle und Wärme besitzt mittels der HD 304<br />
eine sehr gute Ortbarkeit der Instrumente<br />
sowie eine feine Darstellung des Raums.<br />
Dynamiksprünge in der Musik sowie feinste<br />
Ziselierungen setzen die kleinen Kompakten<br />
absolut mühelos um. Spielt da ein Weltklasse-Quartett<br />
live im Wohnzimmer auf?<br />
Jedenfalls eine ziemlich perfekte Illusion<br />
von live. Erstaunlich, wozu so kleine Lautsprecher<br />
mit ihren 5,5 Kilogramm im Stande<br />
sind. Der Bass klingt schlank und schnell<br />
und damit sehr glaubhaft. Kein Gramm<br />
Hüftspeck, alles durchtrainiert.<br />
Bei der ersten Begegnung mit den<br />
Ergebnissen von Hans Deutsch kann beim<br />
Hörer eine Irritation auftreten, da die eigenen,<br />
gelernten Hörgewohnheiten schnell<br />
an ihre Grenzen stoßen. So viel schneller,<br />
schlackenloser im Vergleich ist der<br />
reproduzierte Klang, dass man sich erst ein<br />
wenig einhören muss. Kleiner Schock. Aber<br />
das Dargebotene der Lautsprecher ist eine<br />
Einbahnstraße. Nicht umdrehen, es gibt<br />
kein Zurück. Jazz, Blues und Gospel vereint<br />
Robin McKelle auf ihrem jüngsten Album<br />
mit dem malerischen Titel Melodic Canvas<br />
(Doxie, 2017). Die kammermusikalische<br />
Jazzbesetzung mit Klavier, Perkussion und<br />
akustischem Bass sowie spärlich eingesetzter<br />
Hammondorgel flankiert ihre starke<br />
und farbenreiche Stimme. Die eingängigen<br />
Melodien des Albums mag man oft hören.<br />
Das kommt satt rüber, das groovt, hat mit<br />
den Hans-Deutsch-Wandlern Energie. Hier<br />
zerfasert nichts, alles bleibt schön zusammen<br />
und klingt „live“ im Sinne von „echt“.<br />
Testfazit: Die 1060 Euro Investition für die<br />
Hans Deutsch HD 304 mk2 lohnen absolut.<br />
Dieses Produkt kann der Endpunkt einer<br />
langen Suche sein. Mein Test-Pärchen im<br />
klassischen Schwarz (weitere Furniere<br />
vorhanden) bleibt zumindest in Hessen. Ich<br />
habe festgestellt, dass mein Musikkonsum<br />
sich durch die HD 304 mk2 stark erhöht hat.<br />
Das ist schön.<br />
Website:<br />
www.sound-magic.de<br />
Wer hören will, muss spielen<br />
<strong>JAZZTHETIK</strong> verlost ein Boxenpaar<br />
HD 304 mk2 unter den Leserinnen und<br />
Lesern, die unsere Gewinnspielfrage beantworten<br />
können: Aus welchem Land<br />
stammt der Entwickler der HD 304 mk2?<br />
Einfach bis zum 30. <strong>September</strong> eine<br />
Postkarte mit Adresse und Lösung<br />
an <strong>JAZZTHETIK</strong>, Frie-Vendt-Str. 16<br />
(Hinterhaus) in 48153 Münster oder<br />
eine E-Mail an: jazz@<strong>JAZZTHETIK</strong>.de<br />
schicken <strong>–</strong> und mit etwas Glück gibt‘s<br />
was auf die Ohren.<br />
Von der Teilnahme ausgeschlossen<br />
sind Mitarbeiter (und deren Angehörige)<br />
der <strong>JAZZTHETIK</strong> und des Vertriebs<br />
S.M.G. Sound Magic GmbH.<br />
42 Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong>
Von Jan Kobrzinowski<br />
Die Verbindung von Edgar<br />
Allan Poes Lyrik und der Musik ist<br />
immer eine gegenseitige gewesen.<br />
Poe selbst war ein äußerst<br />
musikaffiner Dichter, andererseits<br />
inspirierten seine Werke Musiker<br />
und Komponisten nahezu aller<br />
Genres. Es begann mit Debussy<br />
und Rachmaninow, geht über<br />
Philip Glass und James Poulsen<br />
bis zu Alan Parsons, Queen, Bob<br />
Dylan und den Beatles.<br />
Nun sucht Poes Poesie auch<br />
den Jazz heim. Rainer Tempel<br />
erreicht gleich mehrere Ziele in<br />
einem Zuge: Er entzaubert den<br />
Mythos um Edgar Allan Poe, ein<br />
Dichter nur der dunklen Seite<br />
zu sein, zeigt Möglichkeiten auf,<br />
wie man dem klassischen Lied<br />
neue Seiten abgewinnen kann,<br />
und setzt dem etwas entgegen,<br />
was im heutigen Liedgut,<br />
Songwriting genannt, und auch<br />
im Jazzgesang sprachlich an<br />
Qualität geboten wird, sowohl im<br />
populären als auch im ambitionierten<br />
Bereich. Die Qualität<br />
Rainer<br />
Tempel /<br />
Fola<br />
Dada<br />
Dunkle Poesie ins Licht gerückt<br />
Ein Jazzpianist, der komponiert, arrangiert und als erfolgreicher Bigband-<br />
Leiter unterwegs ist <strong>–</strong> und eine alte Leidenschaft wiederentdeckt. Eine<br />
Soul- und Popsängerin mit sanfter, aber kraftvoller Stimme und großem<br />
Einfühlungsvermögen und ein zu Unrecht nur dem dunklen, abgründigen<br />
Genre zugerechneter Dichter des 19. Jahrhunderts. Wie geht das zusammen?<br />
in Poes Sprache mache für ihn<br />
letztlich den großen Unterschied,<br />
so Tempel, und so kam es, dass<br />
er begann, dessen Gedichte in<br />
Lieder umzusetzen. Dabei half<br />
ihm seine Affinität zur englischen<br />
Sprache, insbesondere zur<br />
amerikanischen Literatur des 19.<br />
Jahrhunderts. In Kürze wird noch<br />
ein zweiter Liederzyklus auf CD<br />
erscheinen, auf dem Emily Dickinsons<br />
Gedichte vom gleichen<br />
Team vertont werden. Das berge<br />
obendrein die Chance auf ein<br />
abendfüllendes Live-Programm,<br />
bekennt Rainer Tempel augenzwinkernd.<br />
Sowohl klassik- als<br />
auch jazzgewöhnte Ohren dürften<br />
sich gerne mitnehmen lassen<br />
auf solch eine Reise, die vorbeiführt<br />
am klassischen Lied, ohne<br />
sich dessen formaler Strenge<br />
unterzuordnen, und angereichert<br />
ist mit komponiertem Jazz, Songwriting<br />
und Broadway-Musical in<br />
feinen Dosen.<br />
Die Interpretation der Sängerin<br />
Fola Dada trägt maßgeblich<br />
dazu bei, Licht in die dunklen Seiten<br />
des Poeschen Symbolismus<br />
© Oliver Röckle<br />
zu bringen. Rainer Tempel und<br />
Fola Dada kennen sich schon<br />
lange als Kollegen, arbeiten hier<br />
aber zum ersten Mal intensiv<br />
zusammen. Das Album Boston/<br />
MA, benannt nach des Dichters<br />
Geburtsort an der nordöstlichen<br />
Küste der USA, zeigt, wie fruchtbar<br />
diese Kooperation ist.<br />
Der rote Faden im Zyklus<br />
der zehn Lieder ist das Thema<br />
Traum. Schon beim ersten Stück,<br />
„A Dream within a Dream“,<br />
zeigt Fola Dada, dass sie dieses<br />
ungewöhnliche Genre mit<br />
größter Genauigkeit studiert hat.<br />
Ihre Stimme folgt selbstbewusst<br />
Tempels majestätisch fortschreitenden<br />
Akkordfolgen und bereitet<br />
so den Zuhörer auf den kommenden<br />
lyrischen Spaziergang vor,<br />
bei dem zwei Musiker und ein<br />
Dichter Hand in Hand durch ein<br />
Repertoire menschlicher Zustände<br />
gehen. In „The Valley of the<br />
Unrest“ vermag Tempels erste<br />
kurze Kadenz das Wechselspiel<br />
zwischen Dies- und Jenseits in<br />
Poes schillernden Versen dann<br />
schon vorwegzunehmen. Zwischen<br />
dem angenehm liedhaften<br />
Melodieverlauf und kurzen Ausflügen<br />
ins Atonale entsteht ein<br />
reizvoller, zum Poe-Verständnis<br />
beitragender Kontrast. In der<br />
Mitte des Albums platziert Rainer<br />
Tempel das gleichsam marschierende<br />
„Romance“. Voller<br />
energischer Sprünge in Melodie<br />
und Bass schreitet dieses auf<br />
einer Achttonreihe basierende<br />
Kernstück des Zyklus, getragen<br />
von einer ostinaten Basslinie, dahin.<br />
Auf erstaunliche Weise wird<br />
hier deutlich, wie sehr solch ein<br />
Konzept auf die Gleichberechtigung<br />
aller am Projekt Beteiligten<br />
angewiesen ist, wie Dichter,<br />
Komponist und Ausführende an<br />
einem Strang ziehen müssen, damit<br />
das Ganze nicht an der dem<br />
Genre (ja welchem eigentlich?)<br />
eigenen Strenge erstickt. Bei<br />
„Eldorado“, von Tempel als Fuge<br />
angelegt, kann man sich bildhaft<br />
vorstellen, wie der edle Ritter in<br />
all der Einsamkeit seiner Pilgerreise<br />
ins goldene Land Licht und<br />
Schatten erleben muss.<br />
Am Schluss wird in „Spirits<br />
of the Dead“ noch einmal klar,<br />
dass alles Fröhliche nur scheinbarer<br />
Natur ist. Weder kann die<br />
Leichtigkeit in der Musik über<br />
Tiefen und Untiefen des Textes<br />
hinwegtäuschen, noch ist sie<br />
geeignet, auch nur zu besänftigen.<br />
Die Melodie führt immer<br />
wieder in die Irre, als wolle sie<br />
den Zuhörer an den Ernst der<br />
Lage erinnern, und führt ihn<br />
schlussendlich dorthin, wo Poe<br />
sich zu Hause fühlte: ins „Mystery<br />
of Mysteries“, aber eben doch<br />
auch vielleicht ins Licht.<br />
Wer einmal andere Seiten<br />
des Dichters Edgar Allan Poe<br />
kennenlernen will, wer erleben<br />
will, wie ein Jazzkomponist<br />
und -pianist, der sich bei jedem<br />
einzelnen Ton etwas gedacht hat,<br />
sich einen Traum erfüllt und bis<br />
ins Detail auskomponierte Lieder<br />
zum Besten gibt, und dabei einer<br />
Sängerin lauschen möchte, die<br />
mit Bravour und viel Gefühl dem<br />
Ganzen dient, dem sei Boston/<br />
MA ans Herz gelegt.<br />
Aktuelle CD:<br />
Rainer Tempel / Fola Dada: Boston/MA<br />
(Rodenstein / Medienvertrieb<br />
Heinzelmann)<br />
Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong> 43
Ólafur<br />
Arnalds<br />
Spiel mit<br />
dem Zufall<br />
Auf dem Weg hinaus aus<br />
einer Schaffenskrise<br />
half Ólafur Arnalds<br />
eine selbst entwickelte<br />
Software. Sie versetzt das<br />
Klavierspiel des Isländers<br />
in neue, überraschende<br />
Umgebungen.<br />
© Benjamin Hardman<br />
44 Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong>
Von Angela Ballhorn<br />
Ein Klavier erklingt, kein supertoller Flügel,<br />
sondern ein einfaches Klavier mit Charakter,<br />
bei dem man die Mechaniken hören kann,<br />
ganz sparsam gespielt. Langsam mischen<br />
sich zarte Streicherklänge und weitere Klavierschichten<br />
dazu. Alles wird dichter, die<br />
kleine Melodie, die so hartnäckig im Kopf<br />
bleibt, verblasst, wird von den Klanggewalten<br />
der Streicher und Holzbläser zugedeckt,<br />
bis sie wieder auftaucht und das Startsignal<br />
für die Drums gibt, die das Stück in eine<br />
andere Richtung leiten.<br />
„re:member“ ist der Titeltrack des<br />
gleichnamigen Albums des isländischen<br />
Komponisten und Musikers Ólafur Arnalds.<br />
Für seine neue Veröffentlichung holte er<br />
sich technische Hilfe:<br />
„Meine Kreativität steckte fest, ich kam<br />
nicht richtig weiter. Mein letztes Album<br />
war ein paar Jahre her, meine letzte Tour<br />
auch. Ich war gelangweilt und uninspiriert<br />
und wollte und konnte keine Shows mehr<br />
spielen, bis ich etwas Neues hatte.“ Mit<br />
dem Audio-Entwickler Halldór Eldjárn<br />
erstellte er die algorithmische Software<br />
STRATUS, die ihm das Komponistenleben<br />
bemerkenswert einfacher macht. Die Arbeit<br />
daran dauerte zwei Jahre. Die Algorithmen,<br />
die das Programm generiert, wurden auch<br />
verwendet, um das Artwork des innovativen<br />
Albums zu kreieren. „Die STRATUS-Klaviere<br />
sind zwei selbstspielende Klaviere, die von<br />
einem Masterklavier angetriggert werden,<br />
das ich spiele. Das ist das Herzstück meiner<br />
neuen Werke.“<br />
Die kompositorische Erfahrung belebte<br />
den kreativen Prozess neu. Wenn Ólafur<br />
eine Note am Klavier spielt, werden<br />
zwei verschiedene Noten von STRATUS<br />
generiert, die unerwartete Harmonien und<br />
überraschende melodische Sequenzen<br />
schaffen. „Der Titelsong ,re:member‘ war<br />
der erste, den ich geschrieben habe. Die<br />
längste Zeit brauchte ich, um die Richtung<br />
zu finden, da der Song auch die Richtung<br />
des Albums vorgibt. Ich habe 14 verschiedene<br />
Version von ,re:member‘ ausgearbeitet,<br />
habe über drei Wochen lang 18 Stunden<br />
pro Tag nonstop an dieser kleinen Melodie<br />
gesessen, erst solo am Klavier bis hin zum<br />
vollen Orchester. Das Video zum Song ist<br />
sehr symbolisch und zeigt eine dystopische<br />
Welt.“<br />
Interessant ist, dass Ólafur Arnalds<br />
den isländischen Rapper BNGR BOY als<br />
Co-Produzenten engagiert hat. „BNGR BOY<br />
ist populär in Island, er ist 21 Jahre alt,<br />
produziert Trap Beats und rappt. Ich habe<br />
ihn als Co-Produzenten geholt, um eine andere<br />
Inspiration zu haben. Oft lag er stoned<br />
in der Ecke, und 90 Prozent seiner Ideen<br />
funktionierten nicht für mich, aber trotzdem<br />
hat er es geschafft, dass ich über viele Dinge<br />
anders nachgedacht habe. Ein kleines<br />
Beispiel: Ich gab ihm einen 20-Sekunden-<br />
Schnipsel mit Klavier und Streichern, ging<br />
einen Kaffee trinken und sagte ihm, er<br />
könne mit dem Material machen, was er<br />
wolle. Als ich zurückkam, hatte er gerade<br />
mal einen Knopf gedrückt und alles um eine<br />
Oktave nach unten gezogen, was für mich<br />
aber genau die richtige Entscheidung war.“<br />
Kollaborationen sind dem Komponisten<br />
wichtig, weil das Werk so schon<br />
eine Art Remix wird. Die Kontrolle gibt er<br />
nie ab, auch die Software braucht immer<br />
einen Menschen, der sie programmiert und<br />
bedient. So balanciert der Isländer im reizvollen<br />
Spagat zwischen den Spannungsfeldern<br />
des bis ins letzte Detail produzierten<br />
Produkts und dem Zufallsfaktor durch die<br />
Software.<br />
Das Album beinhaltet einen Track,<br />
der „Nyepi“ heißt, was auf Balinesisch<br />
„Tag der Stille“ bedeutet. Hintergrund ist<br />
die dortige Tradition, sich am Neujahrstag<br />
von der äußeren Welt abzuschotten. „Ein<br />
Tag im Jahr ist für die Natur. Niemand ist<br />
draußen, es wird kein Strom benutzt, WiFi<br />
ist abgeschaltet. Das heißt, dass du Kerzen<br />
verwendest und mit Gas kochst. Ich war<br />
auf einer Insel, wo es sehr leise war, und<br />
spielte im Dunkeln Klavier, meine Freunde<br />
kochten. Ich arbeitete an meinem Song, und<br />
nach und nach kamen alle meine Freunde<br />
aus der Küche und saßen bei mir. Turn off<br />
all Noise! Du brauchst Ruhe, um etwas<br />
zu fühlen <strong>–</strong> und es ist okay, glücklich zu<br />
sein. Ich möchte, dass die Leute hören und<br />
fühlen, dass ich Spaß hatte, dieses Album<br />
zu machen.“<br />
Die neuen Kompositionen des<br />
Isländers nutzen Klavier samt Software,<br />
Streichquartett, Synthesizer, Electronics,<br />
Live Drums und ein Streichorchester, das im<br />
Londoner Air Studio aufgenommen wurde.<br />
Arnalds‘ Tracks stürzen den Zuhörer in eine<br />
Welt voller unerwarteter Stimmungen und<br />
Gefühle. International ist der Musiker schon<br />
lange gefeiert für seinen Stil, Elemente<br />
aus Ambient, Klassik, Elektronik und sogar<br />
Pop und Rock zu verweben. Gern nimmt er<br />
auch sein Publikum bei Konzerten auf und<br />
arbeitet mit Loop-Machines, um eine ganz<br />
spontane Begleitung zu kreieren. Wer vermutlich<br />
Alpträume wegen der 40 Konzerte<br />
umfassenden Tour hat, ist der Tourmanager,<br />
der die Logistik mit vielen selbstspielenden<br />
Klavieren zwischen den Kontinenten<br />
organisieren muss. „Er träumt seither jede<br />
Nacht, dass ihm ein Klavier verloren geht“,<br />
lacht Ólafur Arnalds.<br />
Aktuelle CD:<br />
Ólafur Arnalds: re:member<br />
(Mercury KX / Universal)<br />
Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong> 45
Rembrandt<br />
Frerichs<br />
Exotik der Vergangenheit<br />
46<br />
Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong>
Das Hammerklavier oder, weniger martialisch: das Fortepiano gehört zu<br />
den unbekannteren Tasteninstrumenten <strong>–</strong> nicht nur im Jazz. Dabei hat es<br />
wesentlich mehr Aufmerksamkeit verdient, meint der niederländische<br />
Pianist Rembrandt Frerichs. Anlass genug für den 1977 in Rotterdam<br />
geborenen Musiker und Komponisten und sein Trio, dem Instrument ein<br />
komplettes Album zu widmen: The Contemporary Fortepiano.<br />
Von Holger Pauler<br />
Eines vorweg, die Musik ist alles<br />
andere als altmodisch. Sie klingt<br />
modern, frisch, teilweise sogar<br />
groovy. Kurz: Es ist „hippe“<br />
Musik auf zeitgenössischen<br />
Instrumenten. Das Trio, zu dem<br />
Tony Overwater (b) und Vinsent<br />
Planjer (perc) gehören, spielt<br />
seit mehr als zwölf Jahren zusammen<br />
und kann als klassische<br />
Working Band bezeichnet werden.<br />
„Wir proben jede Woche<br />
und kommunizieren auch sehr<br />
direkt miteinander. Nach und<br />
nach haben wir so unsere Spielweise<br />
verfeinert“, sagt Frerichs.<br />
Einflüsse aus dem Free Jazz und<br />
der persischen Musik geben den<br />
Auftritten und Aufnahmen zudem<br />
eine „gewisse spirituelle Note“.<br />
Die Idee, das Fortepiano<br />
als zusätzliche Klangquelle<br />
zu nutzen, kam nach einem<br />
Auftritt im Iran. „Die persischen<br />
Musiker, mit denen wir spielten,<br />
meinten, dass mein Klavier <strong>–</strong> ein<br />
Steinway <strong>–</strong> nicht wirklich mit<br />
ihren klassischen Instrumenten<br />
wie etwa Kamantsche, Tar,<br />
Oud oder Kanun harmoniere“,<br />
sagt Frerichs. Also habe man<br />
nach neuen Klangquellen<br />
gesucht. Schnell sei die Gruppe<br />
bei alten, längst vergessenen<br />
Instrumenten gelandet. Bassist<br />
Tony Overwater brachte das<br />
Fortepiano ins Spiel. „Es hat<br />
einen farbenreichen Klang und<br />
einen sehr warmen Ton, der für<br />
unsere Ohren beinahe exotisch<br />
klingt. Die perfekte Erweiterung<br />
unseres Portfolios“, erklärt<br />
Frerichs die Wahl.<br />
Der belgische Klavierbauer<br />
Chris Maene hat das Fortepiano,<br />
das auf dem neuen Album zu<br />
hören ist, extra für Frerichs angefertigt.<br />
Es ist eine Kopie eines<br />
Walter aus dem Jahr 1790, auf<br />
dem Wolfgang Amadeus Mozart<br />
komponiert und gespielt hat.<br />
Das Fortepiano klingt wesentlich<br />
leiser, weil der schwingende<br />
Rahmen im Resonanzraum<br />
nicht aus gegossenem Eisen,<br />
sondern aus Holz gefertigt ist<br />
und die Saiten dünner sind. Die<br />
Holzhämmerchen, welche die<br />
Saiten anschlagen, sind kleiner<br />
als beim modernen Klavier und<br />
nicht mit Filz überzogen, sondern<br />
mit Leder oder Stoff. Daneben<br />
benutzt Frerichs ein Harmonium<br />
der Stuttgarter Firma Trayser<br />
aus dem Jahr 1860, das er selbst<br />
restauriert hat. Overwater spielt<br />
außerdem eine Violine aus dem<br />
19. Jahrhundert, während Planjer<br />
sein Drumset gleich komplett<br />
selbst zusammengebastelt hat.<br />
Eine ziemlich aufwendige Herangehensweise<br />
<strong>–</strong> musikalisch wie<br />
technisch.<br />
Der Interpretation merkt<br />
man dies kaum an. Die Stücke<br />
klingen sehr homogen. Es sind<br />
größtenteils Eigenkompositionen<br />
der drei Musiker <strong>–</strong> abgesehen<br />
von Herbie Hancocks „Butterfly“.<br />
Die Eckpfeiler sind Jazz,<br />
Barock und World. Die Musik<br />
lässt sich als ruhig kreisend,<br />
aber durchaus dynamisch<br />
bezeichnen. Wechsel in der<br />
Tonalität stehen ebenso auf dem<br />
Programm wie polyrhythmische<br />
und polymetrische Parts.<br />
„Offering“ beginnt etwa<br />
mit einem Stakkato auf dem<br />
Klavier, die Lautstärke variiert<br />
mit zunehmender Dauer. In<br />
„Escher“ wähnt man sich im<br />
Vorzimmer von Terry Riley oder<br />
Steve Reich. Minimalistische<br />
Tonfolgen auf dem Fortepiano<br />
werden begleitet von sensibel<br />
erzeugten Geräuschen auf Tom<br />
und Becken und einem dezent<br />
gestrichenen Kontrabass. Es<br />
entsteht eine sphärische, beinahe<br />
psychedelische Atmosphäre.<br />
Herbie Hancocks Komposition<br />
„Butterfly“, in den 1970er Jahren<br />
auf dem Höhepunkt der Jazz-,<br />
Rock- und Funk-Fusion mit den<br />
Headhunters eingespielt, steht<br />
exemplarisch für die Transformation<br />
und Vereinigung der<br />
verschiedenen Stile und Genres.<br />
Das Stück wird aus dem Fusion-<br />
Kontext gelöst und in ein akustisches<br />
Bett gelegt. „Für viele<br />
Leute im Musikgeschäft sind<br />
die Genre-Grenzen immer noch<br />
bedeutsam, da die Kunden oft<br />
in Kategorien denken, um sich<br />
zu orientieren“, sagt Frerichs.<br />
Als Künstler glaube er allerdings<br />
nicht wirklich daran. „Bei ,Butterfly‘<br />
ist die rhythmische Idee<br />
das Herzstück des Songs. Mich<br />
interessiert nicht, in welchem<br />
Kontext er entstanden ist.“<br />
Diese Herangehensweise<br />
hat sich schon sehr früh angedeutet.<br />
Als Kind habe er bereits<br />
Trompete, Schlagzeug und Bass<br />
gespielt. „Ich habe mit allem experimentiert,<br />
was mir in die Hände<br />
kam“, sagt er. Auch später<br />
hat er sich von seiner Umgebung<br />
beeinflussen lassen und den<br />
Sound und den Spirit aufgesogen.<br />
Zwischen seinem 17. und<br />
19. Lebensjahr hat Rembrandt<br />
Frerichs in Kairo gelebt und die<br />
Musik des mittleren Osten für<br />
sich entdeckt. Noch wichtiger<br />
aber seien die Jahre in New<br />
York gewesen. „Ich habe es<br />
genossen, Teil der dortigen Jazz-<br />
Community zu sein, und bin darin<br />
zu 100 Prozent aufgegangen.“<br />
Die aktuellen Arbeiten zeigen,<br />
dass es nicht die schlechteste<br />
Schule war.<br />
Neben dem Trio verfolgt<br />
Frerichs weitere Projekte. Vor allem<br />
das Piano-Solo spielt dabei<br />
eine wichtige Rolle. Hier könne<br />
er seine Spielweise verfeinern<br />
und seinen Fokus für Standards<br />
schärfen. Dennoch bevorzugt<br />
er es, mit anderen Musikern zu<br />
spielen: „Beim Solo vermisse<br />
ich den Aspekt, nicht zu wissen,<br />
was im nächsten Moment<br />
geschieht“, sagt er. Außerdem<br />
lebe improvisierte Musik davon,<br />
externe Einflüsse zu verarbeiten.<br />
Auch aus diesem Grund spricht<br />
vieles dafür, dass die Entwicklung<br />
des Trios noch längst nicht<br />
beendet ist.<br />
Aktuelle CD:<br />
Rembrandt Frerichs Trio:<br />
The Contemporary Fortepiano<br />
(Jazz in Motion / In-Akustik)<br />
Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong> 47
Trygve Seim<br />
Freundliche<br />
Täuschungsversuche<br />
In der Malerei gibt es den Begriff des Trompe-l’œil,<br />
der optischen Täuschung oder genauer: der Täuschung<br />
des Gesichtssinns. Das ist eine gut gefüllte und seit<br />
der Renaissance wohlbekannte Trickkiste. Auch in der<br />
Musik gibt es so etwas: eine Täuschung des Gehörs<br />
und der akustischen Wahrnehmung.<br />
© Knut Bry<br />
Von Hans-Jürgen Linke<br />
Wer den norwegischen<br />
Saxofonisten Trygve Seim hört,<br />
kann manchmal den Eindruck<br />
gewinnen, einem ganz anderen<br />
Blasinstrument zu lauschen <strong>–</strong><br />
einer Duduk oder einer Nay<br />
zum Beispiel. Wer dann genauer<br />
hinhört, merkt bald, dass<br />
das ein listig herbeigeführter<br />
Irrtum war. Trygve Seim geht es<br />
bei seinen Artikulationen eher<br />
um das lächelnde Erzeugen<br />
einer Täuschung als um ernst<br />
gemeinte Nachahmung.<br />
Es gibt oft mehrere Arten,<br />
Trygve Seims Musik wahrzunehmen.<br />
Beim ersten Hören<br />
erscheint sie ruhig, transparent,<br />
klangreich und poetisch.<br />
Sie verwendet Rhythmik eher<br />
strukturierend als pulsierend,<br />
sie wirkt durchdacht und weitgehend<br />
auskomponiert. Und<br />
sie sucht (und findet) stets eine<br />
gewisse Nähe zu dem, was wir<br />
mittlerweile unter dem Klischee<br />
„nordischer Jazz“ versammeln.<br />
An diesem Eindruck ist auch<br />
wenig falsch. Andererseits peilt<br />
die Besetzung des aktuellen<br />
Quartetts, mit dem Seims<br />
neues Album Helsinki Songs<br />
aufgenommen ist, einen ganz<br />
anderen Kontext an: Bass, Klavier,<br />
Schlagzeug, Saxofon <strong>–</strong> das<br />
könnte auch ein herkömmliches<br />
Jazz-Quartett sein, eine Formation<br />
also, die Trygve Seim viele<br />
Jahre lang sorgfältig gemieden<br />
hat zugunsten exotischerer,<br />
kleinerer oder auch größerer<br />
Besetzungen. Die Helsinki<br />
Songs sind von der Besetzung<br />
her Trygve Seims jazzigstes Album,<br />
und die durchaus luftigen<br />
Arrangements lassen vergleichsweise<br />
weite Spielräume<br />
für die Improvisation.<br />
Kristjan Randalu, Pianist<br />
des Quartetts, hatte beim<br />
48 Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong>
genaueren Durchschauen der<br />
Kompositionen den Eindruck,<br />
dass es sich hier um ziemlich<br />
amerikanisch gesinnte Stücke<br />
handle. Und er hatte sich gefragt,<br />
wie diese Musik mit dem<br />
typischen Trygve-Seim-Klang<br />
und seinem eher zurückhaltenden<br />
rhythmischen Konzept<br />
zu vermitteln sei. Da lauerte<br />
also noch so ein Täuschungsversuch.<br />
Die Musik jedenfalls<br />
klingt, trotz der Besetzung,<br />
kaum je nach einem Jazz-<br />
Quartett. Trygve Seim artikuliert<br />
am Saxofon weniger energetisch<br />
als vielmehr sanglich und<br />
melodisch, und er lässt sein<br />
Instrument wirklich nach einem<br />
Holzblasinstrument klingen. Er<br />
findet enorm weiche, schwebende<br />
Sounds und erstaunliche<br />
Glissandi, und nie verfolgt er<br />
die Spielstrategie, möglichst<br />
viele Noten und überraschende<br />
Intervalle in möglichst kurzer<br />
Zeit zu spielen.<br />
Vielleicht gibt der Titel<br />
des letzten Stücks auf dem<br />
Album einen entscheidenden<br />
programmatischen Hinweis, wie<br />
Trygve Seims Musik zu hören<br />
ist. Es heißt „Yes Please Both“<br />
und erklärt die Musik zu einem<br />
klingenden Versuch, mit Widersprüchen<br />
und Annäherungen zu<br />
leben. Die Anklänge an armenische,<br />
arabische, norwegische<br />
Musik sind eben nur absichtsvoll<br />
verwendete Stilzitate, die<br />
freundliche Annäherungen<br />
erkennen lassen, aber keine<br />
Identifikation stiften oder gar<br />
vorgaukeln wollen. Es steckt, bei<br />
aller Schönheit und Klarheit, immer<br />
auch eine gehörige Portion<br />
Distanzierung, manchmal gar<br />
romantische Ironie in der Musik.<br />
Das Material für die<br />
Helsinki Songs, erzählt Trygve<br />
Seim, entstand in einem<br />
Apartment, das dem finnischen<br />
Komponistenverband<br />
gehört. Der Verband hatte ihm<br />
ein Stipendium gewährt, das<br />
mit einem Arbeitsaufenthalt<br />
in der finnischen Hauptstadt<br />
verbunden war. „Ich kam in die<br />
Wohnung und habe mich, noch<br />
bevor ich meinen Koffer ausgepackt<br />
hatte, an das schöne,<br />
alte Klavier gesetzt, um darauf<br />
ein wenig herumzuprobieren.<br />
Dabei entstand dieses Stück,<br />
das zwangsläufig ,Helsinki<br />
Song‘ heißen musste.“<br />
Die Entstehungs-Anekdote<br />
zu einem anderen Stück auf<br />
dem Album erzählt eine ganz<br />
andere Geschichte: Der<br />
„Birthday Song“ hat mit einem<br />
Notizbuch zu tun, das Trygve<br />
Seim seinem Bassisten Mats<br />
Eilertsen zum 40. Geburtstag<br />
schenkte. Er schrieb vier Noten<br />
einer Melodie und einen Akkord<br />
auf die erste Seite und notierte<br />
dazu die Bemerkung: „Hier ist<br />
etwas, womit du schon mal<br />
anfangen kannst.“ Nach einer<br />
angemessen langen Geburtstagsfeier<br />
kam er frühmorgens<br />
nach Hause, setzte sich ans<br />
Klavier und schrieb mit dem <strong>–</strong><br />
eigentlich verschenkten, also<br />
genaugenommen zurückgestohlenen<br />
<strong>–</strong> Material aus dem<br />
Notizbuch den „Birthday Song“,<br />
noch vorm Schlafengehen.<br />
Solche Anekdoten sind<br />
hübsche Erzählungen, die<br />
davon künden, dass Trygve<br />
Seim bei seiner Musik nicht nur<br />
an Musik denkt, sondern auch<br />
an seine Umgebung, an Städte<br />
und Mitmenschen etwa. Aber<br />
die Erzählungen sind nicht das,<br />
worum es eigentlich geht. Seim<br />
sagt, dass er mit dem Saxofon<br />
selbst und mit seiner Musik<br />
Geschichten erzählen will <strong>–</strong> mit<br />
Klang, mit Artikulation, mit<br />
Spannungsbögen, Zitaten,<br />
mit Licht- und Stilwechseln.<br />
Solche Geschichten müssen<br />
nicht immer eindeutige Verläufe<br />
und Schlusspunkte haben.<br />
Aber immer, sagt er, sei er für<br />
seine Projekte auf der Suche<br />
nach Musikern, die mit ihren<br />
Instrumenten eine Geschichte<br />
erzählen wollen.<br />
Ob er das von Jan<br />
Garbarek gelernt hat? Trygve<br />
Seim zieht bei Erwähnung<br />
des Namens fragend die Stirn<br />
kraus und fragt: „Jan <strong>–</strong> who?“<br />
Und dann lächelt er breit und<br />
freundlich.<br />
Aktuelle CD:<br />
Trygve Seim: Helsinki Songs<br />
(ECM / Universal)<br />
Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong><br />
49
Aapo Heinonen<br />
Auf neuen Wegen<br />
Von York Schaefer<br />
Es gibt in Finnland eine ganze<br />
Reihe international bekannter<br />
Festivals wie das Tampere Jazz<br />
Happening, das junge und hippe<br />
We Jazz um das gleichnamige<br />
Label in Helsinki oder das<br />
renommierte Pori Jazz Festival,<br />
bei denen sich experimentelle<br />
Bands wie Oddarrang und<br />
preisgekrönte Musiker wie der<br />
Pianist Iiro Rantala oder der<br />
Saxofonist Timo Lassy einem<br />
stilistisch aufgeschlossenen<br />
Publikum präsentieren. Nicht<br />
umsonst war Finnland 2017<br />
Partnerland bei der jazzahead!<br />
in Bremen.<br />
Als „geschichtsbewusst,<br />
handwerklich perfekt und<br />
neugierig“, zudem mit einer<br />
coolen, unabhängigen Haltung,<br />
wurde der neue finnische Jazz<br />
um Bands wie das Bowman Trio<br />
oder Mopo Ende vergangenen<br />
Jahres in einem SPIEGEL-<br />
Artikel bezeichnet. Ein Musiker,<br />
den man in diesem Atemzug<br />
ebenfalls nennen kann, ist Aapo<br />
Heinonen aus Helsinki <strong>–</strong> ein<br />
umtriebiger Geist, Jahrgang<br />
1985, der als Pianist, Komponist,<br />
Arrangeur und Musiklehrer tätig<br />
ist. Eine musikalische Vielseitigkeit<br />
und Offenheit, die gerade<br />
für jüngere Musiker am Anfang<br />
ihrer Karriere wohl schlicht<br />
wirtschaftlich notwendig ist, die<br />
sich bei Heinonen aber auch im<br />
vielseitig deutbaren Titel seines<br />
neuen Albums widerspiegelt.<br />
Tara heißt das dritte Werk<br />
des Aapo Heinonen Quintet.<br />
Der Titel bezieht sich, wie der<br />
Bandleader erklärt, auf einen<br />
der schwersten pazifischen<br />
Hurrikane, die je gemessen<br />
wurden, hat religiöse Bedeutung<br />
in Buddhismus und Hinduismus<br />
und mehrere geografische<br />
Bezüge, etwa auf eine russische<br />
Kleinstadt, einen heiligen Ort in<br />
Irland und den gewaltigen Tara-<br />
Canyon in Montenegro.<br />
„Ich finde, die interessantesten<br />
Musiker sind diejenigen,<br />
die nie aufhören, neue Wege zu<br />
gehen, um sich auszudrücken“,<br />
sagt Heinonen. Ihm geht es<br />
darum, eine möglichst große<br />
Bandbreite an Gefühlen in<br />
seiner Musik zu transportieren.<br />
Gefühle, die teils innerhalb<br />
eines Tracks zwischen sanfter<br />
Melancholie und beswingten<br />
Glücksmomenten, zwischen<br />
kantig-dynamischen Pianomustern<br />
und einer gewissen Melodieseligkeit<br />
wechseln können.<br />
„Die Anpassungsfähigkeit und<br />
damit auch Zeitlosigkeit meiner<br />
Songs war mir immer wichtig“,<br />
erklärt der Finne, der so in der<br />
Lage sein will, seine Musik zu so<br />
unterschiedlichen Anlässen wie<br />
Beerdigungen oder Hochzeiten<br />
und Taufen spielen zu können.<br />
Für Tara hat Heinonen die<br />
Besetzung seines Quintetts<br />
komplett umgekrempelt. Nur<br />
Drummer Tomi Saikkonen ist aus<br />
der Stammformation geblieben,<br />
die zwischen 2010 und<br />
2013 zwei Platten mit souligen<br />
70er-Jahre-Bezügen aufgenommen<br />
hat. Den Titeltrack,<br />
einen locker über zehn Minuten<br />
groovenden Latin-Swing, bei<br />
dem aber auch mal das Tempo<br />
gedrosselt wird, hatte Heinonen<br />
ursprünglich für eine andere<br />
Besetzung geschrieben. Die<br />
Leitmelodie übernimmt hier die<br />
Geigerin Lotta-Maria Pitkänen,<br />
zusätzliche Perkussion kommt<br />
von Ricardo Padilla, die beide<br />
sonst nicht zur Stammbesetzung<br />
gehören.<br />
Orientierten sich die beiden<br />
Erstlingswerke A Daydream<br />
Between Nightmares (2010) und<br />
Während über lange Zeit vor allem<br />
Norwegen, Schweden und selbst<br />
das kleine Dänemark für eine<br />
eigenständige Sprache innerhalb<br />
der skandinavischen Jazzszene<br />
bekannt waren, hat Finnland in den<br />
vergangenen gut zehn Jahren stark<br />
aufgeholt. Eins der neuen Gesichter<br />
der Szene ist der Pianist Aapo<br />
Heinonen.<br />
© Elias Patrikainen<br />
50<br />
Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong>
Kolumne<br />
Healing Flows (2013) noch an<br />
einem voluminösen Big-Band-<br />
Klang, rücken auf Tara detailreichere<br />
Kompositionen, vertracktere<br />
Arrangements und intime<br />
Pianomotive in den Vordergrund.<br />
Das Album hat sich den für<br />
Heinonen typischen sinnlichen<br />
Charme erhalten, wirkt aber<br />
insgesamt ambitionierter als die<br />
beiden Vorgänger. Heinonens<br />
Einflüsse und die seiner Band<br />
kommen aus Fusion-Grooves<br />
der 80er Jahre, vom Latin-Swing<br />
und Melodien, die Erinnerungen<br />
an die klassische Zeit des<br />
modalen Jazz wecken.<br />
Aufgenommen an einem<br />
einzigen heißen Sommerwochenende<br />
und unter dem leicht<br />
benebelnden Einfluss einer<br />
Grippe, malen Aapo Heinonen<br />
und seine Mitstreiter ein dichtes<br />
Soundbild, das allen Musikern<br />
kreative Freiräume lässt. So hebt<br />
Gitarrist Héctor Lepe in seinem<br />
Solo auf „The Truth of Another“<br />
über einem unterschwellig pulsierenden<br />
Backing in Sphären<br />
ab, die von Blues-Referenzen,<br />
progressivem Rock und kosmischen<br />
Tönen erfüllt sind. Ein<br />
Manko ist der stellenweise zu<br />
glatt polierte Sound von Teemu<br />
Takanen am Alt- und Sopransaxofon.<br />
Hier könnten etwas<br />
weniger Wohlklang und etwas<br />
mehr Mut auch zu freierem Spiel<br />
wie beim Klavier nicht schaden.<br />
Für Aapo Heinonen war<br />
die Arbeit am Sound von Tara<br />
inklusive der personellen<br />
Umbesetzungen ein vergleichsweise<br />
radikaler Einschnitt, der<br />
auch hätte schiefgehen können,<br />
wie der Finne zugibt. Vor einem<br />
Scheitern allerdings habe er<br />
keine Angst gehabt: „Du musst<br />
dich darauf konzentrieren,<br />
deine Zweifel zu beseitigen. Das<br />
Einzige, was du falsch machen<br />
kannst, ist, es gar nicht erst zu<br />
versuchen.“<br />
Aktuelle CD:<br />
Aapo Heinonen Quintet: Tara<br />
(Ozella Music / Galileo MC; VÖ: 14.9.)<br />
ime<br />
unnel<br />
At CBS in New York 1948 (L-R): Chief engineer Dr. Peter Carl Goldmark, sound<br />
engineer Rene Snepvangers, display the benefits of Columbias 33 1/3 LP record to<br />
Standard 78 rpm records<br />
Goldmark und der Jazz<br />
Die Erfindung der Schallplatte war zwar eine Revolution in der<br />
Musikgeschichte, allerdings waren die Laufzeiten der Schallplatten<br />
zunächst sehr begrenzt. Sie wuchs zwar schnell von<br />
eineinhalb auf knapp fünf Minuten an, dann war aber erst einmal<br />
Schluss. Für die Musiker und Komponisten bedeutete das,<br />
dass die Arrangements für die Aufnahmen genau berechnet<br />
werden mussten, damit das Stück nicht zu lang wurde. Gerade<br />
bei klassischen Kompositionen war das Kürzen mitunter die<br />
Hauptarbeit bei der Vorbereitung. Improvisationen im Jazzbereich<br />
gab es nur sehr eingeschränkt.<br />
Bereits in den 1930er Jahren gab es Experimente, um<br />
die Laufzeit der Platten zu verlängern. Diese scheiterten aber<br />
alle an technischen Unzulänglichkeiten. Der entscheidende<br />
Durchbruch gelang Peter Carl Goldmark, einem umtriebigen<br />
Ingenieur, der unter anderem auch erste Versuche zum Farbfernsehen<br />
machte.<br />
1948 stellte Columbia Records die erste Langspielplatte<br />
vor und revolutionierte damit den Musikmarkt. Die neuen<br />
Scheiben aus Polyvinylchlorid (PVC) ließen im Gegensatz zu<br />
den herkömmlichen Schellack-Platten eine feinere Körnung zu.<br />
Das führte zu einem größeren Tonumfang und einer besseren<br />
Dynamik. Darüber hinaus ließen sich die Rillen enger anordnen,<br />
was zu einer längeren Laufzeit führte.<br />
Was die Einführung der Langspielplatte mit ihren 2 x<br />
23 Minuten Spieldauer bedeutete, kann man sich heute, im<br />
Zeitalter der unbegrenzten Aufnahme- und Abspielmöglichkeiten,<br />
nur noch sehr schwer vorstellen. Zunächst war das neue<br />
Format der sogenannten klassischen Musik vorbehalten. Bald<br />
aber gab es auch Jazz-Aufnahmen, und die Befreiung, die die<br />
Musiker bei diesen Aufnahmen erfahren haben, muss enorm<br />
gewesen sein. Zum ersten Mal war es möglich, seinen Ideen<br />
beim Improvisieren freien Lauf zu lassen und „eine Geschichte<br />
zu erzählen“. Die verlängerte Laufzeit ließ es auch zu, komplexere<br />
Arrangements aufzunehmen und ganz neue Musik zu<br />
verbreiten. So machte die LP zum Beispiel Alben wie Ornette<br />
Colemans Free Jazz (1961) erst möglich.<br />
Thomas Bugert<br />
Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong><br />
51
Barre Phillips<br />
Letzter Tagebucheintrag<br />
© Didier Bonnet / ECM Records<br />
1968 begann Barre Phillips mit seinem<br />
Solo-Kontrabassalbum Journal Violone<br />
ein akustisches Tagebuch, das er nun mit<br />
seinem Album End to End schließt.<br />
Von Thomas Bugert<br />
Alben von Solokünstlern, auf denen<br />
nur sie selbst zu hören sind,<br />
stehen, vielleicht mit Ausnahme<br />
von Klavieralben, oft unter dem<br />
Generalverdacht, dass die<br />
Zurschaustellung von Technik<br />
im Vordergrund steht oder dass<br />
es sich um Alben für Freaks und<br />
Insider handelt. Das Album End<br />
to End ist schon nach wenigen<br />
Sekunden über beide Zweifel erhaben<br />
und nimmt den Hörer auf<br />
eine musikalische Reise mit. Von<br />
Beginn an atmet die Musik, und<br />
Barre Phillips lässt ihr Zeit, sich<br />
zu entwickeln. „Der Sound ist<br />
wichtig für mich. Ich fühle, dass<br />
das, was wir anderen Menschen<br />
zu sagen haben, in einen Klang<br />
eingebettet ist“, erzählt der<br />
83-Jährige, für den zu Beginn<br />
seiner musikalischen Laufbahn<br />
die Klangwelten von Ornette<br />
Coleman, Béla Bartók und Igor<br />
Strawinsky prägend waren.<br />
Auch wenn er sich viel mit<br />
der Komposition zeitgenössischer<br />
Streichquartette auseinandergesetzt<br />
hat, sieht er sich<br />
mehr als improvisierenden Musiker<br />
und erklärt: „Ich bin kein<br />
Komponist, ich bin ein Solist, der<br />
sich mit Jazz, klassischer Musik<br />
und Freejazz auseinandergesetzt<br />
hat. Themen und Variationen<br />
sind hier wie beim Komponieren<br />
obligatorisch. Ich glaube, dass<br />
ein Album aufzunehmen <strong>–</strong> auch<br />
eines, bei dem das meiste<br />
improvisiert ist <strong>–</strong>, ebenfalls eine<br />
Art des Komponierens ist.“ Seine<br />
Arbeit an dem neuen Album vergleicht<br />
er mit dem Komponieren<br />
von Filmmusik. Er stellt sich verschiedene<br />
Situationen als Bilder<br />
vor, zu denen in seinem inneren<br />
Ohr Klänge entstehen: „Ich<br />
arbeite zu Hause und bereite<br />
mich auf das nächste musikalische<br />
Abenteuer vor. Manchmal<br />
verfalle ich in Patterns, deren<br />
Sound mir gefällt. Ich schreibe<br />
diese dann auf, damit ich sie auf<br />
einem akademischeren Weg<br />
ausarbeiten kann.“<br />
Mit fünf solcher Stücke und<br />
Fragmente ging der Amerikaner<br />
in seiner Wahlheimat<br />
Südfrankreich ins Studio, um<br />
das musikalische Material<br />
weiterzuerforschen. Die von<br />
ECM-Chef Manfred Eicher in drei<br />
Gruppen angeordneten Stücke<br />
bezeichnete Barre mit den<br />
Titeln „Quest“, „Inner Door“ und<br />
„Outer Window“. Er erklärt dazu:<br />
„Die Reise mit meinem Bass<br />
war wie im Zen-Buddhismus<br />
oder anderen philosophischen<br />
Traditionen eine Art Selbsterfahrung,<br />
um herauszufinden,<br />
wer ich bin. In diesem Prozess<br />
schaue ich in mich selbst hinein.<br />
Erst mit ungefähr 55 oder 60<br />
erreichte ich den Punkt, an dem<br />
ich mehr nach außen schaute.“<br />
Es scheint, als sei Barre Phillips<br />
bei seiner Reise an einem Punkt<br />
angelangt, an dem er in sich ruht<br />
und nichts mehr beweisen muss.<br />
Er präsentiert ein geschlossenes<br />
Solo-Kontrabassalbum, auf dem<br />
sich Ideen entwickeln, andere<br />
Ideen sich dazugesellen, wieder<br />
verschwinden und die ursprüngliche<br />
Idee wieder aufgegriffen<br />
wird. Wie im wirklichen Leben.<br />
End to End ist für Phillips<br />
das Ende einer musikalischen<br />
Reise, über die er sagt: „Es ist<br />
keine Zusammenfassung, aber<br />
es ist die letzte Seite in einem<br />
Tagebuch, das vor 50 Jahren<br />
begann.“ Er bezieht sich damit<br />
auf sein erstes Solo-Kontrabassalbum<br />
von 1968 mit dem Namen<br />
Journal Violone, dem weitere<br />
Solo-Alben folgten. Im Vergleich<br />
zum ersten wirkt das letzte Kapitel<br />
seines Tagebuchs ruhiger<br />
52 Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong>
und gleichzeitig sehr dicht und in<br />
sich geschlossen.<br />
Bereits 1968, als er unter<br />
anderem als Sideman von<br />
Attila Zoller und Eric Dolphy<br />
spielte, mit Leonard Bernstein<br />
zusammenarbeitete und Teil von<br />
Gunther Schullers Third-Stream-<br />
Bewegung war, die Jazz und<br />
Klassik verbinden wollte, stellte<br />
er sich die Fragen: „Ist das meine<br />
Musik? Was ist meine Musik?“<br />
Er begann die Klangwelten<br />
des Basses zu erforschen und<br />
lernte, wie man sich durch den<br />
Sound in Trance versetzen kann.<br />
Was er damit meint, zeigt sich<br />
eindrucksvoll im vierten Teil von<br />
„Quest“, der den Hörer mit seinem<br />
wiederkehrenden rhythmischen<br />
Muster, aus dem sich die<br />
Melodie herausbildet, in seinen<br />
Bann zieht, oder dem ebenfalls<br />
sehr perkussiven „Part 2“ von<br />
„Outer Window“. Einen mehr<br />
dem Tagebuch entsprechenden<br />
narrativen Charakter hat hingegen<br />
„Part 1“ von „Quest“. Hier<br />
nimmt sich Barre als Erzähler<br />
viel Zeit um seinen Erinnerungen<br />
nachzugehen. Man kann als<br />
Zuhörer förmlich miterleben,<br />
wie die Erinnerungen in Barres<br />
innerem Ohr wieder Gestalt<br />
annehmen. Diese musikalischen<br />
Erinnerungen sind jedoch nicht,<br />
wie oft in Tagebüchern, romantisch<br />
verklärt. Phillips zeichnet<br />
etwa in „Part 2“ von „Quest“<br />
oder „Part 4“ von „Inner Door“<br />
auch Spannungen auf, ohne die<br />
ein solches Erinnerungsprojekt<br />
nur wenig authentisch wäre. Das<br />
Album ist genau so facettenreich<br />
wie das Leben und wechselt<br />
zwischen verschiedenen<br />
Klängen und Gefühlszuständen.<br />
So kann man auch das letzte<br />
Stück des Albums verstehen,<br />
das zwischen zwei Klängen hinund<br />
herpendelt und damit das<br />
akustische Tagebuch von Barre<br />
Phillips schließt.<br />
Aktuelle CD:<br />
Barre Phillips: End to End<br />
(ECM / Universal)<br />
Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong><br />
53
Die Erde ist eine Scheibe<br />
Juuri & Juuri<br />
Korpin Marssi / The Raven’s<br />
March<br />
Nordic Notes / Broken Silence<br />
W W W W<br />
Svjata Vatra<br />
Muutused Zminy<br />
Nordic Notes / Broken Silence<br />
W W o<br />
Curly Strings<br />
Hoolima<br />
Jazzhaus / In-Akustik<br />
W W W W<br />
Riccardo Tesi & Banditaliana<br />
Argento<br />
Visage / Galileo MC<br />
W W W W<br />
Maurizio Geri<br />
Perle d’Appennino<br />
Visage / Galileo MC<br />
W W W o<br />
Moritz Weiss Klezmer Trio<br />
Spheres<br />
Lotus / Harmonia Mundi<br />
W W W<br />
Yxalag<br />
Klezmer Tales <strong>–</strong> Fun Tashlikh<br />
gpARTS / Edel:Kultur<br />
W W W W<br />
Don Kipper<br />
Seven Sisters<br />
World Music Network /<br />
Harmonia Mundi<br />
W W W o<br />
Naked<br />
Yes!<br />
NarRator / Indigo<br />
W W W W<br />
Fanfara Station<br />
Tebourba<br />
Agualoca / Indigo<br />
W W o<br />
Dhafer Youssef<br />
Sounds of Mirrors<br />
Ante Prima / Broken Silence<br />
(VÖ: 5.10.)<br />
W W W W o<br />
Roman Britschgi Quartett<br />
Notions<br />
Lotus / Harmonia Mundi<br />
W W W W<br />
Die Strottern<br />
Waunsd woadsd<br />
Cracked Anegg / Galileo MC<br />
W W W W o<br />
So kann man sich irren. Juuri<br />
& Juuri <strong>–</strong> das weckt als Name<br />
eines Duos böse Erinnerungen<br />
an nervtötende Stimmungskanonen.<br />
Doch hier handelt<br />
es sich keineswegs um die<br />
finnische Version von Klaus &<br />
Klaus. Tatsächlich heißt keins<br />
der beiden Mitglieder wirklich<br />
Juuri. Mit Emilia Lajunen und<br />
Eero Grundström, als Mitglied<br />
von Sväng und den Bands<br />
von Maria Kalaniemi und<br />
Anne-Mari Kivimäki fast schon<br />
Dauergast auf diesen Seiten,<br />
finden sich zwei bewährte<br />
Folk-Kräfte zusammen. Juuri ist<br />
auch kein Vorname, sondern<br />
deutet als finnisches Wort für<br />
die Wurzel an, dass hier aus<br />
zwei unterschiedlichen Quellen<br />
der finnischen Volksmusik geschöpft<br />
wird. Die schwedisch<br />
beeinflusste Musik trifft auf die<br />
ältere karelische Tradition <strong>–</strong><br />
eine Ost-West-Begegnung der<br />
anderen Art und für die Musiker<br />
an Geige/Nyckelharpa und Harmonium/Mundharmonika<br />
ein<br />
bewusstes Gegengewicht zu<br />
popbeeinflusstem Folk, dem sie<br />
in anderen Projekten durchaus<br />
offen gegenüberstehen.<br />
Eine Band, der Berührungsängste<br />
mit populären Stilen<br />
völlig fremd sind, ist Svjata<br />
Vatra. Das estnisch-ukrainische<br />
Quartett bedient sich beim Folk<br />
ebenso wie bei Rock und Punk.<br />
Das Label bezeichnet die Musik<br />
griffig als Kosaken-Wikinger-<br />
Folkrock und gibt potenziellen<br />
Hörern damit eine Entscheidungshilfe,<br />
ob das je nach Vorlieben<br />
eher „Her damit!“ oder<br />
„Finger weg!“ bedeutet. Gleichzeitig<br />
ist damit klar, dass hier<br />
nicht mit meditativem Gesäusel<br />
zu rechnen ist. Originell ist in<br />
jedem Fall die Besetzung der<br />
Bläser-Section mit Posaune und<br />
estnischem Dudelsack, eher öde<br />
die Haudrauf-Hochgeschwindigkeits-Version<br />
von Johnny<br />
Cashs „You Are My Sunshine“.<br />
So bleibt Muutused Zminy eine<br />
zwiespältige Angelegenheit<br />
zwischen reizvollen Momenten<br />
und allzu simplen Lösungen.<br />
Die estnische Gruppe<br />
Curly Strings zeigt, wo die Saite<br />
die Locken hat, und knüpft mit<br />
Geige, Mandoline, Gitarre und<br />
Kontrabass an die Tradition<br />
amerikanischer Stringbands in<br />
Bluegrass und Folk an. Dabei<br />
begnügen sie sich lobenswerterweise<br />
nicht damit, Vorbilder<br />
aus den USA zu imitieren,<br />
sondern finden mit estnischen<br />
Texten und Anleihen bei<br />
Mazurka und Polka einen eigenen<br />
baltischen Zugang. Ihre<br />
freundliche und optimistische<br />
Musik mit der klaren Gesangsstimme<br />
der Geigerin Eeva Talsi<br />
vorneweg hat ihnen in ihrer<br />
Heimat bereits Popstar-Status<br />
verschafft. Dass sie neben ihrer<br />
Melodieseligkeit bei Bedarf<br />
jedes Tempo mitgehen können,<br />
beweisen sie überzeugend im<br />
rasanten „Firebird“. Dass sie<br />
es nicht nötig haben, dieses<br />
technische Können in den Vordergrund<br />
zu stellen, macht sie<br />
noch eine Spur sympathischer.<br />
Weltmusik-Schwung<br />
und Songwriter-Attitüde <strong>–</strong> mit<br />
dieser Kombination punkten<br />
gleich zwei aktuelle Veröffentlichungen<br />
aus Italien.<br />
Riccardo Tesi ist mit seiner<br />
Gruppe Banditaliana seit<br />
einem Vierteljahrhundert eine<br />
Institution der dortigen Szene.<br />
Die bemerkenswerte Kontinuität<br />
des Band-Personals an<br />
Akkordeon, Saxofon, Gitarre<br />
und Percussion mit nur einer<br />
Umbesetzung in all den Jahren<br />
(auf dem Percussion-Stuhl)<br />
trägt zum abgeklärten und<br />
souveränen Eindruck bei, der<br />
Argento auszeichnet. Mit vielen<br />
Gästen, darunter Größen wie<br />
Elena Ledda, Paolo Fresu und<br />
Kepa Junkera, bereichert Tesi<br />
punktgenau seine Stücke, je<br />
nachdem, ob gerade volkstümlich<br />
tänzerischer Elan oder eher<br />
inhaltliche Ausdrucksstärke gefragt<br />
ist. Gitarrist Maurizio Geri<br />
ist als Sänger so überzeugend,<br />
dass die Rolle als Sideman für<br />
ihn ein wenig klein ist.<br />
Tatsächlich ist Maurizio<br />
Geri seit vielen Jahren<br />
auch unter eigenem Namen<br />
unterwegs und deckt mit<br />
seinen Projekten eine breite<br />
Stil-Palette ab. Sein Interesse<br />
an Jazz Manouche lebt er mit<br />
seinem Swingtet aus, aber<br />
auch toskanische Volkslieder<br />
haben es ihm angetan. Auf<br />
Die Erde ist<br />
seinem aktuellen Album Perle<br />
d’Appeninno präsentiert er seine<br />
Vielseitigkeit als Songwriter,<br />
der mit modernen musikalischen<br />
Mitteln die Traditionen<br />
seiner Heimatprovinz Pistoia<br />
beschreibt. Neben Cantautori-<br />
Liedern versucht er sich auch<br />
an Acoustic Funk, Rock,<br />
Chorsätzen, Tango, Sprechgesang<br />
und Swing (mit Nico Gori<br />
als Oldtime-Klarinettisten) <strong>–</strong><br />
durchaus mit dem Risiko, sich<br />
zu verzetteln. Höhepunkt ist<br />
das zurückgenommene „La vie<br />
delle stelle“, nur begleitet von<br />
Klarinette (Gabriele Mirabassi)<br />
und Kontrabass.<br />
Mehr Klarinette gefällig?<br />
Beim Moritz Weiß Klezmer<br />
Trio steht das Instrument klar<br />
im Mittelpunkt. Das Debüt<br />
der drei jungen Österreicher<br />
Anfang 20 versucht gar nicht<br />
erst, die großen Vorbilder Giora<br />
Feidman und David Orlowsky zu<br />
verheimlichen. Warum auch?<br />
Gitarre und Kontrabass begleiten<br />
den Bandleader durch<br />
54 Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong>
ein Programm, in dem sich<br />
Klassiker und Eigenkompositionen<br />
abwechseln und nicht nur<br />
„The Richman“ aus dem Fiddler<br />
on the Roof wohlbekannt klingt.<br />
Spheres ist eine attraktive<br />
Visitenkarte auf durchgehend<br />
hohem Niveau, aber ohne<br />
größere Überraschungen. Die<br />
breit gestreuten Aktivitäten von<br />
Moritz Weiß, der das Trio bei<br />
Bedarf mit Gastmusikern erweitert,<br />
mit einem Vokalensemble<br />
arbeitet und ein Klezmer-Tango-<br />
Duo mit Klarinette und Akkordeon<br />
unterhält, lassen für die<br />
Zukunft noch einiges jenseits<br />
der Triobesetzung erwarten.<br />
Klarinettist Jakob Lakner<br />
von der Lübecker Klezmer-<br />
Band Yxalag kann diesbezüglich<br />
aus dem Vollen schöpfen.<br />
Eine siebenköpfige Band, in der<br />
es neben Klarinette, Gitarre und<br />
Kontrabass auch drei Geigen<br />
und eine Posaune gibt, eröffnet<br />
beim Arrangieren halt so<br />
einige Möglichkeiten. So findet<br />
sich auf der vierten CD Fun<br />
Tashlikh, mit der die Band ihr<br />
zehnjähriges Bestehen feiert,<br />
weit mehr als die erwartbaren<br />
Zutaten wie Hommagen an<br />
Naftule Brandwein und Dave<br />
Tarras. Da werden Doina, Hora,<br />
Polka, Bulgar und Rumba zu<br />
einer Suite verbunden, gibt es<br />
Filmmusik-Reminiszenzen, ein<br />
wenig Swing und sogar einen<br />
steirischen Jodler. Ein rhythmisches<br />
Bravourstück ist der<br />
„Piperkovo Kolo“ aus Mazedonien:<br />
Im Wechsel zwischen Elfund<br />
Siebensechzehntel-Takten<br />
hilft kein Zählen mehr, nur noch<br />
Fühlen.<br />
Noch eine bunte, siebenköpfige<br />
Gruppe, noch mal<br />
Klezmer-Wurzeln, aus denen<br />
längst die verschiedensten<br />
neuen Triebe gewachsen sind:<br />
Don Kipper ist eine Band, die<br />
es sich und dem Zuhörer leicht<br />
macht. Anstatt mühsam auseinanderzuklamüsern,<br />
was in ihrer<br />
Musik nun aus Mazedonien,<br />
Griechenland oder Nordafrika<br />
stammt, wo Klezmer- und wo<br />
Balkan-Einflüsse die Oberhand<br />
haben, sagen sie einfach:<br />
eine Scheibe<br />
„Wir spielen die traditionelle<br />
Musik Nordost-Londons.“ Wo<br />
andere Bands ihre Zuhörer auf<br />
musikalische Reisen rund ums<br />
Mittelmeer mitnehmen, führt<br />
der Weg bei Don Kipper von der<br />
Kingsland Road zur Ridley Road<br />
und von Green Lanes nach<br />
Seven Sisters. Es ist multikulturelle<br />
Großstadtmusik, in der<br />
sich osteuropäische, mediterrane<br />
und orientalische Anteile<br />
vermischen, bis sie nur noch<br />
schwer zu trennen sind. Und<br />
Schlagzeuger Tim Doyle stellt<br />
immer wieder klar, dass es hier<br />
nicht um traditionelle Ethnomusik<br />
geht.<br />
Geografisch naheliegend<br />
sind die Balkan-Elemente in der<br />
Musik von Naked. Das Quartett<br />
stammt aus Belgrad, doch wo<br />
immer sie gerade spielen <strong>–</strong> sie<br />
nehmen die Zuhörer mit nach<br />
Nakedonia, so der Titel des<br />
Vorgängeralbums vor drei<br />
Jahren. Jetzt sagen sie mit<br />
ihrer neuen CD schlicht Yes, zur<br />
Musik ihrer serbischen Heimat,<br />
aber auch zu rockigem Jazz,<br />
zu Funk und Afrobeat. Für ihren<br />
dichten und abwechslungsreichen<br />
Bandklang brauchen<br />
sie erstaunlicherweise außer<br />
Bass und Schlagzeug nicht<br />
mehr als Geige und Klarinette<br />
bzw. Saxofon. Geiger Djordje<br />
Mijuskovic schlägt mit seinen<br />
Soli hin und wieder den Bogen<br />
zurück zum Psychedelic Rock.<br />
Schwer nachzuvollziehen<br />
ist die Entscheidung, drei<br />
hörenswerte Gastauftritte der<br />
israelischen Sängerin Tal Tula<br />
Ben Ari am Ende des Albums zu<br />
verstecken.<br />
Wer beim Wort Fanfara ein<br />
gutes Dutzend wettergegerbter<br />
Blechbläser mit verbeulten<br />
Instrumenten vor dem inneren<br />
Auge sieht, wird bei der Fanfara<br />
Station vom äußeren Auge<br />
eines Besseren belehrt. Zum<br />
neuen Projekt des tunesischitalienischen<br />
Perkussionisten<br />
Marzouk Mejri gehören<br />
außer ihm nur der kanadische<br />
Trompeter Charles Ferris und<br />
der italienische DJ Ghiaccioli e<br />
Branzini. Um trotzdem den vom<br />
Infozettel vorgeschlagenen<br />
Begriff Electro Maghreb Brass<br />
Band zu rechtfertigen, beschäftigen<br />
sich alle drei Musiker<br />
außer ihren Instrumenten auch<br />
mit Loops und Electronics, um<br />
den Sound anzudicken. Das<br />
Ergebnis hat seine Reize, krankt<br />
aber an dem Effekt, den man<br />
bereits von Electro-Tango und<br />
Electro-Swing kennt: Wer es<br />
eingängiger möchte, bezahlt<br />
dafür mit dem Verlust von<br />
rhythmischer Differenziertheit<br />
und Lebendigkeit.<br />
Ein Musterbeispiel für variantenreiche<br />
Rhythmik ist die<br />
neue Platte von Dhafer Youssef,<br />
immer im Fluss, pulsierend und<br />
bewegt, selbst in ihren meditativen<br />
Momenten. Der tunesische<br />
Oud-Spieler und Sänger<br />
hat sich einen Traum erfüllt und<br />
Tabla-Meister Zakir Hussain<br />
ins Studio eingeladen. Mit ihm<br />
lebt er seine Faszination für<br />
indische Musik aus, die in seiner<br />
Karriere auch in Phasen, in<br />
denen Elektronik, Ambient-Musik<br />
oder Jazz im Vordergrund<br />
standen, nie eingeschlafen<br />
ist. Die gemeinsame CD ist ein<br />
Glücksfall, die Musik über weite<br />
Strecken beruhigend, aber auf<br />
eine anregende, wache Art<br />
lebendig. Mit Eivind Aarset (g)<br />
und Hüsnü Şenlendirici (cl)<br />
komplettieren zwei bewährte<br />
Youssef-Mitstreiter ein<br />
Quartett, das Süd, Ost und<br />
Noch-weiter-Ost verbindet und<br />
dabei auf wundersame Weise<br />
gleichzeitig komplex und leicht<br />
zugänglich klingt.<br />
Wie eine weitere Kammer-<br />
World-Platte mit Klezmer- und<br />
Balkan-Schwerpunkten beginnt<br />
das neue Album des in Wien<br />
lebenden Schweizer Bassisten<br />
Roman Britschgi (Kapelush,<br />
Trio Klok). Doch es ist weit<br />
mehr. Zum einen wegen seines<br />
außermusikalischen Themas:<br />
Britschgis Kompositionen sind<br />
von den autobiografischen<br />
Schriften Ernst Brods inspiriert,<br />
der als Jude und Sozialist<br />
1934 aus Niederösterreich<br />
emigrierte. Zum anderen durch<br />
Gastsänger Karsten Riedel, der<br />
sich von Brod zu drei Songtexten<br />
anregen ließ und Notions<br />
eine überraschende Wendung<br />
in Richtung Pop gibt. Das<br />
Album stellt große Fragen nach<br />
Verantwortung, Konsequenz,<br />
Mut und Zweifel und bildet tiefe<br />
Gefühle ab. Einziges Manko: Es<br />
ist mit nur 28 Minuten bedauerlich<br />
kurz.<br />
„Waunsd woadsd,<br />
hosd Zeid zum Denkn“ heißt<br />
es im Titelsong des neuen,<br />
nun schon neunten Albums<br />
der Strottern. Und weiter:<br />
„Waunsd woadsd, woad auf a<br />
Wunda.“ Klemens Lendl und<br />
David Müller haben gewartet,<br />
sich Zeit zum Denken genommen<br />
und tatsächlich <strong>–</strong> es ist<br />
wieder ein kleines Wunder<br />
dabei herausgekommen. Die<br />
beiden Erneuerer des Wienerlieds<br />
erreichen mit minimalen<br />
Mitteln <strong>–</strong> außer ihren Stimmen<br />
hauptsächlich Gitarre und Geige,<br />
ein wenig Harmonium und<br />
vereinzelte, klug ausgewählte<br />
Gastauftritte an Trompete,<br />
Posaune und Drehleier <strong>–</strong> maximale<br />
Ausdrucksstärke. Ihre<br />
Musik hat eine ganz eigene<br />
Poesie und Eleganz, der es<br />
gelingt, tiefe Traurigkeit und<br />
große Schönheit zu verbinden.<br />
Und zwischen entschleunigten<br />
Liedern voller Melancholie<br />
bezaubert ihre Wiener Version<br />
des Marx-Brothers-Klassikers<br />
„Lydia, the Tattooed Lady“.<br />
Guido Diesing<br />
Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong> 55
Markus Stockhausens Sextett Eternal Voyage wurde 2008 gegründet und galt mit seinem<br />
west-östlichen stilistischen Einzugsbereich als Weltmusik-Ensemble, in dessen<br />
Klanggestik Erfahrungen und musikalische Horizonte aus zeitgenössischem Jazz und Neuer<br />
Musik aufgehoben sind. Inzwischen ist Eternal Voyage als weitgehend neu besetztes Septett<br />
neu belebt. In einem programmatischen Text über die Musik heißt es, die Band verstehe ihre<br />
Musik als „Ausdruck einer freundschaftlichen, interkulturellen Zusammenarbeit“.<br />
Markus Stockhausen<br />
Einladung, unterwegs zu sein<br />
© Zbigniew Lewandowski<br />
Von Hans-Jürgen Linke<br />
Sitar und Santur, Bassklarinette, Klavier,<br />
Flügelhorn, Tabla, orientalische Gesangstechniken<br />
<strong>–</strong> ein klarer Fall, könnte man meinen.<br />
So eine Kombination von westeuropäischen<br />
und asiatischen Instrumenten kann<br />
eigentlich nur in jenem Segment des Musikmarktes<br />
vorkommen, auf dem gemeinhin<br />
das Etikett „Weltmusik“ klebt. „Weltmusik“<br />
ist ein Sammelbegriff für verschiedene<br />
Mischformen zwischen europäischen und<br />
nicht-europäischen Idiomen; einige dieser<br />
Mischformen haben allerdings durchaus<br />
kontroverse Diskussionen ausgelöst <strong>–</strong> etwa,<br />
wenn der Verdacht naheliegt, dass sich unter<br />
dem Deckmantel der Interkulturalität ein<br />
europäischer Musik-Zentralismus verbirgt,<br />
der zum Vierviertel- oder Sechsachteltakt<br />
und zu landläufigem thematischen Material<br />
exotische Skalen und Klangfarben addiert.<br />
Bei Markus Stockhausen ist das<br />
anders. Erstens wird hier nichts verborgen.<br />
Die Musik entsteht weitgehend in einer<br />
geleiteten und strukturierten Improvisation<br />
und basiert auf notierten melodischen<br />
Kernthemen, die Stockhausen geschrieben<br />
hat. Die Kernthemen geben Strukturen und<br />
Stimmungen vor, aber nicht unbedingt auch<br />
einen Tonvorrat für die Improvisationen.<br />
Die Rhythmik erscheint eher geplant und<br />
verbindlich als spontan kreiert, obwohl das<br />
manchmal täuschen kann. Ansonsten nutzt<br />
die Musik ausgiebig und effektvoll klangliche<br />
Eigenarten, die sich aus Kombinationen<br />
des Instrumentariums ergeben.<br />
Zweitens ist in der Musik eine kollektive<br />
Kreativität erkennbar, wie sie kaum<br />
aus Gruppenzwang oder der Unterordnung<br />
unter ein festes Konzept entstehen kann,<br />
sondern nur aus gegenseitiger Anregung.<br />
Das melodische Material weist große tonale<br />
Freiheiten auf und lässt jedem Musiker viele<br />
Möglichkeiten, sich darin zu Hause zu fühlen<br />
und eigene, profilierte improvisierte Momente<br />
zu gestalten. In der Improvisation geht<br />
es um eine gegenseitige Annäherung, um<br />
Zuhören und das Entwickeln von Verständnis<br />
<strong>–</strong> aber nie um Selbstbehauptung. Markus<br />
Stockhausen hat in seiner Gedanken- und<br />
Aphorismensammlung Im inneren Garten<br />
den Grundsatz formuliert: „Sich gegenseitig<br />
Raum zu geben, ist eine Einladung für das<br />
Schöpferische.“ So ist Eternal Voyage ein<br />
Bündel von Einladungen.<br />
Das aktuelle Album ist aus dem Mitschnitt<br />
eines Konzerts entstanden, das Eternal<br />
Voyage anlässlich der Verleihung der<br />
Silbernen Stimmgabel durch den Landesmusikrat<br />
Nordrhein-Westfalen an Markus<br />
Stockhausen gab.<br />
Das Eröffnungsstück „<strong>September</strong><br />
Song“ beginnt mit dem, was der Minimal-<br />
56 Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong>
Music-Komponist La Monte Young Drone<br />
genannt hätte <strong>–</strong> einem brummenden, in<br />
der Tonhöhe mehrdeutigen Bordun-Klang.<br />
Darüber erhebt und entwickelt sich ein parallel<br />
gesetztes melodisches Duo zwischen<br />
Trompete und Singstimme als thematischer<br />
Ausgangspunkt. Es exponiert ein mäßiges<br />
Tempo und eine sorgfältige melodische<br />
Variationsarbeit und gibt damit die Richtung<br />
vor für ein zwölfminütiges Stück, in dem<br />
das ganze Septett sukzessive eingeladen<br />
ist, sich zum Thema rhythmisch, klanglich,<br />
sanglich, instrumental zu äußern. Stockhausen<br />
erinnert in seinem Flügelhorn-Solo<br />
mit seiner bis in die kleinsten Einheiten<br />
hinein kristallinen Artikulation eher an einen<br />
Barock- als an einen Jazz-Musiker.<br />
Jede tatsächliche Reise ist endlich,<br />
der Name des Ensembles aber zielt ins<br />
Grundsätzliche <strong>–</strong> auf eine Reise, die das<br />
Lebensgefühl des Unterwegsseins in den<br />
Fokus rückt. So eine Reise kann nicht von<br />
schnellen Zwischenstopps geprägt sein; sie<br />
findet statt in einer grundlegenden Ruhe,<br />
die nicht aus Ereignisarmut geformt ist,<br />
sondern aus Geduld.<br />
Die akustisch dominierenden Instrumente<br />
sind Flügelhorn (Markus Stockhausen) und<br />
Bassklarinette (Tara Bouman), also ein<br />
voller, warm getönter metallischer und ein<br />
tiefer, freundlicher und hölzern gefärbter<br />
Klang, die miteinander markante Kontrastwirkungen<br />
erzielen. Auch zwischen Rabih<br />
Lahouds Gesang und Tara Boumans Phrasierungen<br />
auf der Bassklarinette ergeben<br />
sich immer wieder intensive Reibungen.<br />
Die Rhythmik der Musik ist flexibel,<br />
aber für europäische Ohren und Gewohnheiten<br />
nicht übermäßig vertrackt, und die<br />
Grundstimmung erscheint elegisch. Allerdings<br />
passiert es immer wieder, dass Soli<br />
aus diesem weiträumigen Gatter ausbrechen<br />
oder sich darüber erheben und eigene<br />
PDF in 4c<br />
Ansätze entwickeln, auf das stilistisch vieldeutige<br />
Gebilde zu blicken oder sich dazu<br />
zu verhalten. Das hängt damit zusammen,<br />
dass das melodische Material, das auf der<br />
Einladungskarte an die Musiker notiert ist,<br />
genügend Elastizität und Bindekraft besitzt<br />
für alles, was auf der Bühne geschieht.<br />
Aktuelle CD:<br />
Markus Stockhausen: Eternal Voyage / Live<br />
(Okeh / Sony)<br />
© Zbigniew Lewandowski
Von Mirela Onel<br />
Nina Attal steht leidenschaftlich<br />
gern auf der Bühne. Über<br />
500 Konzerte hat sie im Verlauf<br />
ihrer noch ziemlich jungen<br />
Karriere bereits gegeben. Das<br />
Echo dieser Auftritte hallte bis<br />
in die USA, wo Chic-Bassist<br />
Jerry Barnes, Nachfolger des<br />
legendären verstorbenen Chic-<br />
Gründers Bernard Edwards,<br />
sich bereiterklärte, Ninas<br />
zweites Album Wha zu produzieren.<br />
Das passte wie die<br />
Faust aufs Auge, denn genau<br />
wie Chic legt auch Nina Attal<br />
Wert auf ausgefeilte Funk-<br />
Passagen und gut produzierte<br />
Songs, die sowohl auf der<br />
Konzertbühne als auch im Club<br />
und im heimischen Wohnzimmer<br />
funktionieren und die Füße<br />
des Zuhörers in Bewegung<br />
setzen.<br />
Ihr neues Album Jump<br />
hat sie dann doch lieber<br />
zusammen mit ihrem Mann<br />
Anthony Honnet selbst produziert,<br />
um ihre persönlichen<br />
künstlerischen Vorstellungen<br />
direkt umsetzen zu können.<br />
Gleich auf der ersten Album-<br />
Auskopplung, der französisch<br />
gesungenen Single „Laissez-<br />
Moi Le Temps“, zeigt sie sich<br />
als furiose Instrumentalistin.<br />
„Für meine französischen Fans<br />
habe ich jetzt zum ersten Mal<br />
auch zwei Songs in unserer<br />
Landessprache aufgenommen“,<br />
erzählt Nina Attal. Wie<br />
fest sie in der französischen<br />
Szene verankert ist, zeigen<br />
aber vor allem die zahlreichen<br />
Gaststars. Der Schauspieler<br />
und Singer/Songwriter Benjamin<br />
Siksou betont auf „I’ve<br />
Been a Fool“ die R&B-Seite<br />
von Attal, wogegen Anais<br />
„Get on the Bus“ in Richtung<br />
HipHop lenkt. Mit Adam Turner<br />
alias Beat Assaillant hat sich<br />
sogar ein Amerikaner <strong>–</strong> der<br />
aber Mitglied der französischen<br />
Nu-Jazz-Band Electro<br />
Deluxe ist <strong>–</strong> auf das Album<br />
verirrt („Carry Me“). Auf<br />
der schönen Ballade „Road<br />
Ahead“ gastiert schließlich<br />
Sängerin Andréa Durand.<br />
Der Flirt mit dem HipHop<br />
ist die Ausnahme auf Jump,<br />
dessen beste Songs bisweilen<br />
wie bislang unveröffentlichte<br />
Prince-Nummern klingen. Funk<br />
Nina Attal<br />
Ninas Nacht<br />
Die französische Sängerin und Gitarristin<br />
Nina Attal hat sich in Deutschland ein treues<br />
Publikum aufgebaut, dafür steht nicht zuletzt<br />
ihre Zusammenarbeit mit dem deutschen<br />
Liedermacher Johannes Oerding. Mit ihrem<br />
neuen Album Jump will sie jetzt auch<br />
endlich ihr heimatliches Publikum erobern.<br />
und Soul sind die Stärken von<br />
Nina Attal, die in Deutschland<br />
kurioserweise schon des<br />
Öfteren mit dem Liedermacher<br />
Johannes Oerding auf der<br />
Bühne gestanden hat. Kennt<br />
sie denn auch dessen Lebensgefährtin<br />
Ina Müller? „Na klar<br />
ist mir Ina ein Begriff“, lacht<br />
die Gitarristin, die sogar schon<br />
von deren kultiger Talkshow<br />
Inas Nacht gehört hat. „Da<br />
würde ich natürlich gerne mal<br />
auftreten. Also, Ina, wenn Du<br />
das hier liest: Lad‘ mich ein!“<br />
© Philippe Poitevin<br />
Ihren Durchbruch in<br />
Deutschland erlebte Nina<br />
Attal einst auf dem Hamburger<br />
Elbjazz-Festival. „Eine meiner<br />
schönsten Festival-Erinnerungen“,<br />
meint die Französin.<br />
„Wir haben für Jamie Cullum<br />
eröffnet <strong>–</strong> und den liebe ich.<br />
Und dann war er auch noch<br />
sehr nett, und es hat nicht<br />
geregnet.“ Wer das Hamburger<br />
Festival schon einmal besucht<br />
hat, weiß, dass das eine absolute<br />
Ausnahme gewesen sein<br />
muss.<br />
Die meisten Songs auf<br />
Jump erzählen persönliche<br />
Geschichten, aber auch die<br />
Tradition des simplen und<br />
etwas freizügigen Popsongs,<br />
die Nina Attal auf allen ihren<br />
Platten pflegt <strong>–</strong> auf dem Vorgänger<br />
Wha war es der Song<br />
„Know Your Name“, in dem es<br />
schlicht um Sex ging <strong>–</strong>, wird mit<br />
„I Wanted to Kiss“ fortgesetzt.<br />
„Der Text ist tatsächlich ziemlich<br />
schlicht“, grinst Nina, „es<br />
ist einfach nur ein Liebeslied.“<br />
Auch ihr Debüt-Album Yellow<br />
6/17 von 2012 geizte nicht mit<br />
dementsprechenden Liedern:<br />
Songtitel wie „Do it Right Now“,<br />
„What a Dirty Night“ und „Macho<br />
Man“ sprechen für sich.<br />
Klein-Nina wurde schon<br />
von ihren Eltern auf die Musik<br />
von B.B. King, Larry Graham,<br />
Lenny Kravitz und selbstverständlich<br />
Prince eingeschworen.<br />
Schon als junges Mädchen<br />
fühlte sie den Ehrgeiz, diesen<br />
Koryphäen nachzueifern.<br />
Dass sie längst an Gitarre<br />
und Mikrofon gleichermaßen<br />
brilliert, lässt viele Kritiker<br />
immer wieder Vergleiche zu<br />
Prince ziehen. Dabei vergisst<br />
man leicht, dass Nina Attal erst<br />
26 Jahre alt ist. Wie sehr sie in<br />
der Öffentlichkeit erwachsen<br />
geworden ist, kann man zum<br />
Beispiel an ihren Plattencovern<br />
und an ihrem tätowierten linken<br />
Arm erkennen: Während die<br />
Tattoos auf Wha noch relativ<br />
dezent daherkommen <strong>–</strong> die<br />
Platte ist ja auch schon vier<br />
Jahre alt <strong>–</strong>, rücken sie auf dem<br />
Cover von Jump deutlich ins<br />
Scheinwerferlicht und haben<br />
sich auch erkennbar rasant<br />
vermehrt.<br />
Dass insbesondere das<br />
deutsche Publikum Nina<br />
Attal liebt, davon kann man<br />
sich auf einer ausgedehnten<br />
Deutschland-Tour im <strong>Oktober</strong><br />
selbst überzeugen, die von<br />
einem Auftritt beim Hamburger<br />
Reeperbahn-Festival Ende<br />
<strong>September</strong> eröffnet wird. Nina<br />
Attal wird unter anderem in<br />
Berlin, München, Dortmund und<br />
Freiburg zu erleben sein <strong>–</strong> und<br />
jeder einzelne dieser Auftritte<br />
wird zu „Ninas Nacht“.<br />
Aktuelle CD:<br />
Nina Attal: Jump (Skip / Soulfood)<br />
58 Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong>
Jan Schreiner<br />
Was der tanzende Elefant sagen will<br />
Besser zweimal hinsehen, rät der Titel des Albums. Und vielleicht<br />
auch mal nachzählen. Denn das Large Ensemble, mit dem Jan<br />
Schreiner sein Doppelalbum eingespielt hat, ist beileibe keine<br />
Bigband. Es ist zwar für Jazz-Verhältnisse ein größeres Ensemble,<br />
aber mit seiner elfköpfigen Besetzung immerhin noch sechs<br />
Positionen unterhalb der landläufigen Bigband-Größe. Und der<br />
Unterschied ist nicht nur ein zahlenmäßiger. Auch die Musik, die<br />
hier gespielt wird, kommt ohne typische Bigband-Merkmale aus.<br />
Von Hans-Jürgen Linke<br />
Niemand in der Band soll sich so<br />
verhalten, als säße er etwa im<br />
Saxofon- oder Posaunen-Satz<br />
einer Bigband. Man spielt hier<br />
nicht mit Schwung das, was der<br />
Bandleader auf die Pulte gelegt<br />
hat, und man geht nicht zum<br />
Solo ans Solistenmikrofon. Jan<br />
Schreiner, der die kompositorische<br />
Arbeit für dieses Large-<br />
Ensemble-Album verantwortet,<br />
will keine orchestrale Disziplin. Er<br />
braucht für seine Musik etwas,<br />
was außerhalb der Jazz-Welt<br />
als Widerspruch erschiene: ein<br />
Kollektiv aus Individualisten.<br />
Alle benötigen hier eine Flexibilität,<br />
die ihnen gestattet, sich<br />
mal als disziplinierte Gruppe und<br />
mal wie ein Haufen von Individualisten<br />
zu verhalten. Das Large<br />
Ensemble besteht aus Musikern<br />
und Musikerinnen, die beides<br />
nicht überbetonen, sondern zum<br />
professionellen Aushalten dieses<br />
Widerspruchs in der Lage sind.<br />
„Ich sehe das Large Ensemble<br />
am ehesten wie die Jazz-Version<br />
eines Kammermusik-Ensembles“,<br />
sagt Jan Schreiner.<br />
Auch das Berufsbild des<br />
Komponisten ist in solch einem<br />
Zusammenhang flexibler gebaut<br />
als in anderen Zusammenhängen.<br />
Was ihn daran reizt? Jan<br />
Schreiners Antwort kommt<br />
schnell und klar: „Ich kann<br />
einfach nicht anders. Ich habe<br />
Ideen im Kopf, und die Ideen<br />
müssen erklingen.“ Seine Ideen<br />
beinhalten eine hochgesteckte<br />
Erwartungshaltung gegenüber<br />
der Band. Ihre Verantwortung<br />
für das, was zu hören ist, ist<br />
groß. Das hängt auch damit<br />
zusammen, dass Jan Schreiner<br />
kein Neue-Musik-Komponist ist,<br />
sondern sich in dem etwas hybriden<br />
Beruf des Jazz-Komponisten<br />
versucht. Unter anderem bedeutet<br />
das, dass er nicht Stimmen<br />
für Instrumente schreibt und<br />
miteinander kombiniert, sondern<br />
dass er individuelle Eigenarten,<br />
Artikulationsvermögen und auch<br />
einige Vorlieben seiner Musiker<br />
kennt und im Kopf hat, während<br />
er für sie Musik schreibt.<br />
Die Klangvorstellungen, die er<br />
in seiner Kompositionsarbeit<br />
entwickelt, orientieren sich also<br />
an dem, was ganz bestimmte Ensemblemitglieder<br />
liefern können<br />
und sollen.<br />
Das klingt anspruchsvoll,<br />
zumal, wenn man bedenkt, dass<br />
60 Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong>
Kolumne<br />
die Partituren immerhin Material<br />
nicht nur für vier oder fünf, sondern<br />
für elf Musiker enthalten.<br />
Aber es funktioniert. „Oft“, sagt<br />
Jan Schreiner, „passiert es<br />
wirklich, dass das, was ich für<br />
diese Leute geschrieben habe,<br />
tatsächlich so klingt, wie ich mir<br />
das vorgestellt habe.“ Das ist<br />
dann ein Beleg für die gelungene<br />
Verbindung zwischen dem Komponisten<br />
und den ausführenden<br />
Musikern. „Aber manchmal“,<br />
sagt er, „klingt es einfach noch<br />
viel besser.“ Das muss mit dem<br />
oben genannten Widerspruch<br />
zusammenhängen.<br />
Proben heißt bei einer so<br />
konzipierten Band auch immer,<br />
dass alle ständig aufgefordert<br />
sind, die Musik mitzugestalten,<br />
über Alternativen nachzudenken<br />
und sich den Vorstellungen<br />
des Bandleaders manchmal<br />
eben nicht zu fügen. Es gibt ein<br />
permanentes Mitspracherecht<br />
und die permanente Bitte, wenn<br />
es eine Möglichkeit gebe, etwas<br />
besser zu machen, das dann<br />
auch zu tun. Als Komponist ist<br />
Jan Schreiner bereit, zwar nicht<br />
sein Licht unter den Scheffel zu<br />
stellen, aber doch auf kollektive<br />
Mitgestaltung der Musik<br />
zu setzen. Das sieht er auch in<br />
einem engen Zusammenhang mit<br />
seinem bevorzugten Instrument.<br />
Denn er spielt nicht einfach<br />
Posaune, sondern Bassposaune,<br />
manchmal auch Tuba.<br />
Jan Schreiner liebt den satten,<br />
runden Klang der tiefen Töne,<br />
und er schätzt die Eigenschaften<br />
von Ruhe und Kraft, die solchen<br />
Klängen allgemein beigemessen<br />
werden. Selbst gut zu klingen, ist<br />
ihm <strong>–</strong> wie jedem Musiker <strong>–</strong> ein<br />
natürliches Bedürfnis, aber im<br />
Bass-Register, meint er, treiben<br />
sich vor allem auch Musiker<br />
herum, die es zu schätzen wissen,<br />
andere gut klingen zu<br />
lassen. Übrigens verbindet er die<br />
tiefen Töne auch nicht mit einer<br />
Vorstellung von Schwerfälligkeit.<br />
Gerade in den Tiefen komme<br />
es darauf an, auf Feinheiten zu<br />
achten und sich eine leichte<br />
Beweglichkeit zu erarbeiten. Seine<br />
Lieblingsvorstellung bei der<br />
Bassposaune ist „ein tanzender<br />
Elefant“. Einer, dem man gebannt<br />
zuschaut, weil er im Porzellanladen<br />
nichts zerbricht.<br />
So ist ein Doppelalbum<br />
mit elf Stücken entstanden, die<br />
sich stilistisch weniger aneinanderlehnen<br />
als voneinander<br />
absetzen <strong>–</strong> in Länge, Stimmung,<br />
in Klang-Gesten, Solo-Gestaltung<br />
und Verlaufsformen. Die Sequenz<br />
der Stücke bildet keine landläufige<br />
Dramaturgie von Laut<br />
<strong>–</strong> Leise <strong>–</strong> Uptempo <strong>–</strong> Langsam ab,<br />
sondern erscheint eher wie ein<br />
Fächer, der sich nach und nach<br />
aufblättert.<br />
Ein exponiertes Stück erscheint<br />
intensiver verdichtet und<br />
stellt auch klanglich eine Besonderheit<br />
dar. Es heißt „For Her“,<br />
ist das letzte Stück der zweiten<br />
CD, und das darin eingefasste<br />
Kleinod ist ein erstaunliches<br />
Solo von Linus Bernoulli auf dem<br />
French Horn, auf Deutsch auch<br />
Waldhorn genannt. So etwas<br />
würde in keine Bigband passen.<br />
<strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong><br />
Aktuelle CD:<br />
Jan Schreiner Large Ensemble:<br />
You Better Look Twice<br />
(Float Music)<br />
Release-Konzert:<br />
26.9. Stadtgarten, Köln<br />
The London Column<br />
Von Sebastian Scotney<br />
Die Jazzrocker von Soft Machine sind seit den 70er Jahren nicht<br />
mehr so aktiv gewesen wie dieses Jahr. Mit Hidden Details<br />
kommt im <strong>September</strong> ein neues Album heraus. Ihre Konzerttour<br />
begann im Juli in Quebec und Japan. Im Herbst spielen sie in<br />
zahlreichen europäischen Städten, von Ost nach West, einschließlich<br />
eines Dutzends Konzerte hier im Vereinigten Königreich.<br />
In Amerika, wo sie seit 1975 nicht mehr aufgetreten sind,<br />
sind sie Ende <strong>2018</strong> mit einer Tour von Küste zu Küste zu hören.<br />
Ich wollte herausfinden, wie es zu diesem Aktivitätsschub<br />
kam. Als ich dem umgänglichen Gitarristen der Band,<br />
John Etheridge, diese Frage stellte, kamen ihm als Erstes die<br />
schiere Energie und der außerordentliche Elan des Moonjune-<br />
Labelgründers Leonardo Pavkovic in den Sinn. Pavkovic, der<br />
in Jajce in Bosnien-Herzegowina geboren ist, zog es1990 in<br />
die USA. Dort entwickelte er seit dem Jahr 2000 sein Label, mit<br />
dem er unter anderem verfolgte, was er seine „verrückte Idee“<br />
nannte, „die Idee nämlich, die legendären Soft Machine zu<br />
reformieren oder wiederaufleben zu lassen“. Er brachte 2002<br />
das Album Abracadabra heraus mit der Band, die sich damals<br />
Soft Works nannte. Pavkovic führte diese Arbeit weiter und<br />
plant und managt jetzt die Entwicklung der Gruppe.<br />
Aber warum die plötzliche Aktivität gerade in diesem<br />
Jahr? Etheridge meint, dass dies sicher teilweise damit zusammenhängt,<br />
dass die Band heute wieder unter ihrem alten<br />
Namen Soft Machine auftritt und nicht mehr als Soft Machine<br />
Legacy wie von 2004 bis 2016. „Man fragte uns, ob wir eine<br />
Art von Tribute Band seien. Dabei sind wir doch alle echte<br />
Soft-Machine-Mitglieder.“ Er grinst. „Was sicher auch noch<br />
mitspielt: Man weiß, dass wir alle nicht mehr die Jüngsten<br />
sind. Also jetzt oder nie!“<br />
Ein weiterer Faktor: <strong>2018</strong> ist das 50. Jubiläum des ersten<br />
Albums der Band The Soft Machine mit Kevin Ayers, Mike<br />
Ratledge und Robert Wyatt. Aber spielt vielleicht noch etwas<br />
anderes mit? Der Journalist John Kelman glaubt ja. „Die<br />
beiden Begriffe ,progressiv‘ und ,Rock‘ sind nach Jahren der<br />
Verachtung plötzlich wieder salonfähig. Jüngere Musiker,<br />
die progressiven Rock spielen, wie Big Big Train und Steven<br />
Wilson, benutzen regelmäßig Klang- und Stilelemente dieses<br />
Genres. Elbow und Field Music tun es auch.“<br />
Aber der wichtigste Grund dafür, wie gefragt Soft Machine<br />
dieses Jahr sind, ist die schiere Qualität ihrer Musik. Etheridge<br />
beschreibt den Sound so: „Es ist nicht einfach Fusion,<br />
da sind auch Grunge-Elemente. Ich bin sicher, dies ist unser<br />
bisher bestes Album.“<br />
Jazzjournalist Sebastian Scotney betreibt die Website www.londonjazznews.com<br />
und macht Podcasts und Dokumentarberichte fürs Radio.<br />
Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong><br />
61
Alle schmunzeln, wenn sie diesen Albumtitel lesen: The Portrait<br />
of a Pregnant Bumblebee. Doch für Lada Obradović ist daran<br />
nichts lustig. Ihre Hummel ist eine Chiffre für quer gestreifte<br />
Gefängniskleidung, für „den Gefangenen in jedem von uns“.<br />
Aufwendig hat sie ihre Titel-Hummel inszenieren lassen <strong>–</strong> sowohl<br />
in einem kleinen Trickfilm zum ersten Stück der CD als auch im<br />
Artwork des Booklets: „Jede Seite zeigt eine der neun Positionen<br />
der Hummel im Weltraum.“ Ein rätselvolles, ein surreales Tier.<br />
Von Hans-Jürgen Schaal<br />
Im ersten Pressetext, der<br />
per E-Mail kam, war viel von<br />
Gefühlen, Menschen und Ehrlichkeit<br />
die Rede. Dieser erste<br />
Pressetext machte noch keine<br />
Angaben zu Musikinstrumenten<br />
<strong>–</strong> er schien ganz offenbar<br />
von einer Sängerin und ihren<br />
Songs zu handeln. Aber nein:<br />
Lada Obradović, 29, geboren in<br />
Kroatien, spielt Schlagzeug <strong>–</strong><br />
und wie sie das tut! Mit 17<br />
Jahren zog es sie erstmals zu<br />
den Trommeln, davor war das<br />
Sportschwimmen ihre Leidenschaft<br />
gewesen. Sie studierte<br />
in Zagreb, Graz und Bern, gab<br />
Konzerte auch in Frankreich,<br />
England, den USA. The Portrait<br />
of a Pregnant Bumblebee ist ihr<br />
erstes eigenes Album, und ihr<br />
Bezug zu den rein instrumentalen<br />
Stücken darauf ist in der Tat<br />
so persönlich, subjektiv und unmittelbar,<br />
wie der Pressetext es<br />
nahelegt. Diese neun Kompositionen<br />
sind die musikalische<br />
Ernte ihres bisherigen Lebens.<br />
Manche der Melodien trug sie<br />
viele Jahre mit sich herum, ehe<br />
sie gelernt hatte, sie niederzuschreiben.<br />
Das jüngste der<br />
Stücke entstand 2016.<br />
Was Lada Obradović im<br />
CD-Booklet über ihre Kompositionen<br />
schreibt, wirkt schockierend<br />
düster. In ihren kurzen<br />
Kommentaren stauen sich negativ<br />
besetzte Wörter wie Diskriminierung,<br />
Zerstörung, Vorurteil,<br />
Einsamkeit, Schwäche,<br />
Schmerz, Lügen, innere Dämonen,<br />
Frustration, Angst, Folter,<br />
Zweifel, Verlust, Depression,<br />
Täuschung, Hunger, Armut,<br />
Hoffnungslosigkeit, Erschöpfung,<br />
Heimatlosigkeit, Verrat,<br />
Krankheit, Selbstzerstörung,<br />
Gefangenschaft, Korruption,<br />
Verzweiflung <strong>–</strong> es zieht einen<br />
ziemlich runter. Lada Obradović<br />
ist ein Kriegskind. „Scream“,<br />
der Opener des Albums, handle<br />
von ihren Erinnerungen an den<br />
Jugoslawien-Krieg und sei der<br />
Ursprung für die anderen acht<br />
Stücke, in denen es jeweils um<br />
Heimatlosigkeit oder Kinderarmut<br />
gehe. „Jedes Stück entstand<br />
aus einer Geschichte, die<br />
Lada<br />
Obradović<br />
Das Rätsel<br />
der Hummel<br />
62 Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong>
ich selbst erlebt oder miterlebt<br />
habe“, sagt die Schlagzeugerin.<br />
„Auch wenn es traurige<br />
Geschichten sind <strong>–</strong> sie sind die<br />
Inspiration für meine Musik.<br />
Ich hoffe, jeder kann zwischen<br />
den Zeilen lesen und auch den<br />
Hoffnungsstrahl hören, den ich<br />
in die Musik gepackt habe. In<br />
gewissem Sinn hat dieses Album<br />
mir etwas inneren Frieden<br />
geschenkt.“<br />
Lada Obradovićs Musik<br />
klingt keineswegs depressiv.<br />
Vielleicht etwas melancholisch,<br />
nachdenklich, erwachsen, aber<br />
nicht traurig. Diese Stücke<br />
sind oft hoch emotional, enorm<br />
spannend, geradezu unternehmungslustig,<br />
überraschend<br />
farbig und eigenwillig raffiniert.<br />
Es gibt darin ungewöhnliche<br />
Stimmverflechtungen,<br />
großartige Improvisationen,<br />
einen fesselnden modalen<br />
Flow, starke dynamische<br />
Prozesse, häufig wechselnde<br />
Stimmungen, ungerade Metren,<br />
überraschende Brüche und<br />
sogar bizarre, widersprüchliche<br />
Konstrukte („Lying Stone“,<br />
„Young Girl’s Dream“). Wie auf<br />
einer zweiten Ebene schieben<br />
sich immer wieder perkussive<br />
Passagen dazwischen <strong>–</strong> mit<br />
Vibrafon, Marimbafon, Glockenspiel,<br />
Kalimba usw. „Mein<br />
Lieblingsinstrument neben dem<br />
Schlagzeug ist das Vibrafon“,<br />
verrät Lada Obradović. „Auf<br />
ihm habe ich große Teile meiner<br />
Stücke komponiert. Ich liebe<br />
diese metallischen Sounds.<br />
Sie übermitteln Emotionen<br />
durch Sanftheit <strong>–</strong> im Gegensatz<br />
zu den Emotionen durch Kraft.“<br />
Die neun Stücke der<br />
Schlagzeugerin entfalten sich<br />
organisch, unformalistisch,<br />
in dichter Verflechtung <strong>–</strong> ihre<br />
Band agiert als eine magische<br />
Einheit. „Es gibt einen Aspekt<br />
der Musik, der nicht niedergeschrieben<br />
oder ausgesprochen<br />
werden kann <strong>–</strong> genau das<br />
haben die Musiker in meiner<br />
Band hier bewiesen“, bestätigt<br />
Lada Obradović. „Ich habe<br />
einige Jahre gebraucht, um die<br />
richtigen Leute zusammenzusuchen.“<br />
Der Slowene Miha<br />
Koren spielt den Bass, der<br />
Franzose Maxime Berton die<br />
Saxofone, Matthias Lengner<br />
aus Österreich das Vibrafon<br />
und die Marimba <strong>–</strong> mit ihm zusammen<br />
meistert Lada auch die<br />
Percussion-Passagen. David<br />
Tixier schließlich ist der Pianist<br />
des Quintetts, hat auch bei den<br />
Arrangements mitgeholfen<br />
und arbeitet mit der Kroatin in<br />
mehreren Bands zusammen.<br />
Die Frau mit den Dreadlocks<br />
und dem Stirn-Pony kann<br />
aber nicht nur komponieren<br />
<strong>–</strong> als Schlagzeugerin ist sie ein<br />
Ereignis. In Graz studierte sie<br />
bei Howard Curtis, sie hatte<br />
außerdem Stunden bei Billy<br />
Hart, Jeff Ballard, Bill Stewart,<br />
Jimmy Cobb oder John Hollenbeck.<br />
Lada Obradović hat die<br />
konventionellen Schlagzeugschulen<br />
durchlaufen und ihren<br />
eigenen Weg gefunden <strong>–</strong> eine<br />
unverkennbare Orientierung<br />
gaben auch Aufnahmen von<br />
Elvin Jones. „Das Schlagzeug<br />
war für mich nie ein Instrument,<br />
um meine Wut abzureagieren“,<br />
sagt Lada Obradović. „Von<br />
Anfang an versuchte ich, Techniken<br />
zu entwickeln, um leise<br />
oder laut spielen zu können,<br />
ohne viel Kraft aufzuwenden.<br />
Für mich ist das Schlagzeug<br />
ein wunderschönes und<br />
elegantes Instrument. Mein Stil<br />
heute passt allerdings in keine<br />
herkömmliche Schule mehr. In<br />
Graz studierte ich das swingende<br />
Schlagzeugspiel, und im<br />
Lauf der Jahre habe ich wichtige<br />
Grundlagen gelernt, die mir<br />
halfen, meinen eigenen Pfad<br />
zu finden. Zu meinen aktuellen<br />
Helden am Schlagzeug gehören<br />
Marcus Gilmore, Mark Guiliana,<br />
Chris „Daddy“ Dave und Ziv<br />
Ravitz.“ Letzterer übrigens hat<br />
Ladas Album abgemischt und<br />
gemastert.<br />
Aktuelle CD:<br />
Lada Obradović Project: The Portrait of<br />
a Pregnant Bumblebee<br />
(Neuklang / In-Akustik)<br />
© David Tixier<br />
Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong><br />
63
Mariza<br />
Nur ein kurzer<br />
Blick zurück<br />
Mariza, die „Königin des Fado“, verlässt ihr Reich<br />
immer häufiger. Auch mit ihrem neuen Album geht<br />
die 44-Jährige neue Wege, gerät dabei allerdings<br />
immer wieder auf recht ausgetretene Pfade. Doch<br />
bei allen Ausflügen in gefälligere musikalische<br />
Gebiete: Ihre Stimme bleibt im Fado verwurzelt.<br />
Von Madeleine Wegner<br />
Kaum eine portugiesische Sängerin<br />
seit Amália Rodrigues ist<br />
so erfolgreich wie Mariza. Doch<br />
anders als die große Fadista<br />
des vergangenen Jahrhunderts<br />
kleidet Mariza den Fado in ein<br />
auffallend modernes Gewand.<br />
Und es scheint, als ob diese traditionelle,<br />
oft so schwermütige<br />
Musik portugiesischer Hafenstädte<br />
heute nur in genau dieser<br />
Form längerfristig kommerziellen<br />
Erfolg haben kann.<br />
Es ist bezeichnend, dass<br />
Mariza <strong>–</strong> gemeinsam mit Ana<br />
Moura <strong>–</strong> zur Eröffnungsfeier des<br />
diesjährigen Eurovision Song<br />
Contest in Lissabon auftrat.<br />
Kollaborationen etwa mit Urban-<br />
Music-Vertretern wie Matias<br />
Damásio oder Héber Marques<br />
© Joao Portugal<br />
sowie mit Pop-Singer-Songwriterin<br />
Carolina Deslandes auf<br />
Marizas neuem Album machen<br />
diese Modernisierungsbemühungen<br />
ebenfalls deutlich.<br />
Knapp drei Jahre nach<br />
ihrem letzten Album hat die<br />
44-Jährige jetzt eine Platte<br />
veröffentlicht, die schlicht ihren<br />
Namen trägt: Mariza. Zwei<br />
Singles hatte sie der Platte vorausgeschickt,<br />
eine davon war<br />
„Quem Me Dera“ („Das wäre<br />
schön“), die zugleich beispielhaft<br />
für diese Entwicklung steht.<br />
Portugiesische und akustische<br />
Gitarre bereiten zunächst eine<br />
schöne Atmosphäre für eine<br />
verträumte Ballade, zu der Marizas<br />
kraftvolle und klare Stimme<br />
einen reizvollen Kontrast bildet.<br />
Im zweiten Teil jedoch entwickelt<br />
sich das Stück durch<br />
einen Teppich aus synthetischen<br />
Streichern und anderen<br />
Konserven-Klängen beinahe<br />
zu einem seicht verwaschenen<br />
Song <strong>–</strong> wäre da eben nicht die<br />
großartige Stimme der Fadista.<br />
Mit Produzent Javier Limón, der<br />
zudem Klavier und Keyboard<br />
eingespielt hat, arbeitet Mariza<br />
bereits zum dritten Mal zusammen.<br />
Ihr erstes Album, Fado em<br />
Mim, erschien vor nunmehr 17<br />
Jahren <strong>–</strong> in einer Zeit der Renaissance<br />
des Fado, in der auch<br />
Sängerinnen wie Ana Moura<br />
und Cristina Branco populär<br />
wurden. Nach fünf Studio-Alben,<br />
drei Live-Zusammenstellungen<br />
und einem Greatest-Hits-Album<br />
ist Mariza die zehnte Platte<br />
der modernen Fadista. Zum<br />
ersten Mal allerdings hat sie<br />
einen eigenen Text beigesteuert.<br />
Tiago Machado, mit dem sie seit<br />
Beginn ihrer Karriere zusammenarbeitet,<br />
hat „Oraçao“, das<br />
„Gebet“, musikalisch umgesetzt.<br />
Es beginnt mit zart rieselnden<br />
Gitarren-Klängen, bis auch hier<br />
eine allzu gefällige Begleitung<br />
einsetzt und popbewährte<br />
Harmonie-Wendungen das Lied<br />
in eine eigenwillige Richtung<br />
lenken. Marizas Text jedoch<br />
scheint ganz im Lebensgefühl<br />
des Fado verwurzelt: „Traurig<br />
und allein geht mein Herz, wie<br />
ein verlorenes Blatt im Wind“,<br />
heißt es da etwa.<br />
Einen ohrwurmtauglichen<br />
Gute-Laune-Song von Héber<br />
Marques hingegen singt sie<br />
mit dem erfrischenden „Amor<br />
Perfeito“, das afrikanisch-brasilianische<br />
Einflüsse erkennen<br />
lässt. Ziemlich verschmitzt<br />
kommt „É Mentira“ daher, in<br />
dem es tatsächlich um Schwindeleien<br />
geht. Der fein metallische<br />
Klang der portugiesischen<br />
Gitarre (José Manuel Neto)<br />
kommt unter anderem im „Fado<br />
Refúgio“ besonders gut zur<br />
Geltung. In „Semente Viva“ ist<br />
der brasilianische Cellist Jaques<br />
Morelenbaum zu hören, der<br />
mit seinem Instrument Marizas<br />
klagende Stimme widerzuspiegeln<br />
scheint. Mit „Verde<br />
Limão“ interpretiert Mariza eine<br />
populäre Melodie aus der früheren<br />
portugiesischen Provinz<br />
Beira Baixa neu, wobei sie dem<br />
tänzelnden Sechsachteltakt eine<br />
tropische Brise verpasst.<br />
Mariza kam als Dreijährige<br />
nach Portugal, in das Heimatland<br />
ihres Vaters. Ihre Mutter<br />
stammt aus Mosambik. Auf<br />
ihre afrikanischen Wurzeln hat<br />
sich Mariza explizit bereits in<br />
dem Lied „Transparente“ vom<br />
gleichnamigen Album aus dem<br />
Jahr 2005 bezogen. Schon als<br />
Jugendliche sang sie Lieder<br />
verschiedener Musikstile<br />
wie Gospel, Jazz, Soul und<br />
entdeckte schließlich auch den<br />
Fado für sich. Erste Popularität<br />
erlangte die junge Sängerin<br />
mit ihren Auftritten zu Ehren<br />
der großen Fadista Amália<br />
Rodrigues, deren Lieder Mariza<br />
überwiegend auf ihren ersten<br />
Alben neu interpretierte. Nach<br />
der zunehmenden Erweiterung<br />
ihres Repertoires in den folgenden<br />
Jahren erschien die Platte<br />
Fado tradicional (2010) mit<br />
Interpretationen verschiedener<br />
großer Fado-Sängerinnen und<br />
-Sänger wie eine Selbstvergewisserung,<br />
noch auf dem<br />
richtigen Weg zu sein.<br />
Für ihr aktuelles Album<br />
konnte sie nun eine Fadista der<br />
früheren Ära gewinnen: Den<br />
„Fado Errado“ singt Mariza<br />
gemeinsam mit der 73-jährigen,<br />
umwerfend expressiven Maria<br />
Da Fé. Der „falsche Fado“ ist<br />
damit zugleich ein akustisches<br />
Schmuckstück der Platte. Zum<br />
Abschluss des Albums taucht<br />
als Bonustrack erneut „Trigueirinha“<br />
auf, das die Platte auch<br />
eröffnet. Nun jedoch in einer<br />
Version mit den Gast-Sängern<br />
Carolina Deslandes, Jorge Palma,<br />
Mafalda Veiga, Marisa Liz,<br />
Ricardo Ribeiro und Tim. Damit<br />
schließt sich der Kreis auf dem<br />
Mariza-Album nicht nur in der<br />
Abfolge der Titel, sondern auch<br />
inhaltlich: Den Fado-Klassiker<br />
von António Vilar da Costa und<br />
Jorge Fernando interpretiert<br />
sie erfrischend neu und wirft<br />
zugleich ein buntes Licht auf<br />
die aktuelle Lissabonner Musikszene.<br />
Auf ihrer Tournee kehrt<br />
Mariza im November für Konzerte<br />
unter anderem in Köln,<br />
Dortmund und Lörrach nach<br />
Deutschland zurück. Weitere<br />
Auftritte folgen im März 2019.<br />
Aktuelle CD:<br />
Mariza: Mariza<br />
(Parlophone / Warner)<br />
64 Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong>
Zwischen arabischen Melismen, MittelmeerFolklore, Jazz und einer Spur<br />
Flamenco bewegt sich das Trio NES mit der ungewöhnlichen Besetzung Gesang,<br />
Cello und Perkussion. Das DebütAlbum Ahlam wird für Aufsehen sorgen, nicht<br />
nur wegen der charismatischen Sängerin und Cellistin Nesrine Belmokh.<br />
Von Rolf Thomas<br />
„Ich bin in Frankreich als Tochter algerischer<br />
Eltern aufgewachsen“, erzählt die<br />
Sängerin und Cellistin Nesrine Belmokh an<br />
einem strahlenden Sommermorgen auf einer<br />
Terrasse an der Berliner Hardenbergstraße.<br />
„Jetzt lebe ich in Valencia in Spanien.<br />
Meine Familie bedeutet mir viel, und ich bin<br />
sehr behütet aufgewachsen. Die Spanier<br />
sind allerdings wesentlich freundlicher und<br />
aufgeschlossener, und es ist viel einfacher,<br />
neue Leute kennenzulernen. Franzosen sind<br />
da zurückhaltender.“ Kennengelernt hat sie<br />
unter anderem den französischen Cellisten<br />
Matthieu Saglio, mit dem zusammen sie den<br />
Großteil der Musik für Ahlam geschrieben<br />
hat, und den spanischen Perkussionisten<br />
David Gadea, auf den wir noch zu sprechen<br />
kommen werden. Für die Texte ist Belmokh<br />
allein zuständig. „Ich schreibe in Französisch<br />
und Englisch“, führt sie aus. „Manche Texte<br />
stammen allerdings auch von meiner Mutter,<br />
die in Arabisch schreibt. Ich liebe es, die<br />
Texte meiner Mutter zu singen.“<br />
Obwohl noch jung an Jahren, hat<br />
Belmokh schon einiges erlebt. „Ich habe<br />
schon eine Karriere als klassische Cellistin<br />
hinter mir“, stellt sie klar, „und habe zum<br />
Beispiel im Opernhaus von Valencia<br />
gespielt, das von Lorin Maazel und Zubin<br />
Mehta gegründet wurde. Im Moment ist<br />
mir das Trio allerdings wichtiger, denn das<br />
ist schließlich meine eigene Musik.“ Bei<br />
NES konzentriert sie sich hauptsächlich auf<br />
den Gesang. „Die meisten Celloparts spielt<br />
Matthieu und begleitet sich mit Loops auch<br />
selbst“, erklärt Belmokh. „Ich spiele nur auf<br />
‚Houzni‘ und ‚The World Is Blue‘.“<br />
Zu ihrem Instrument ist Nesrine Belmokh<br />
über Umwege gekommen. „Ursprünglich<br />
habe ich Geige gelernt, da war ich acht“,<br />
erzählt sie. „Das hat mir allerdings nicht gefallen,<br />
und als ich das Cello entdeckt habe, habe<br />
ich gewechselt, denn die mittleren Lagen<br />
liegen mir viel mehr.“ Nachdem klar war, dass<br />
sie wegen des Trios ihre klassische Karriere<br />
erst einmal ruhen lassen würde, wollte<br />
Belmokh sich zusammen mit ihren beiden Mitstreitern<br />
auch eine entsprechende Öffentlichkeit<br />
für ihre Musik erschließen. „Wir haben<br />
gründlich recherchiert und dann beschlossen,<br />
das Album auch an ACT zu schicken“, erzählt<br />
sie grinsend, denn der junge ACT-A&R-Mann<br />
sitzt nicht weit entfernt. „Das Label erschien<br />
uns passend, da sie ja auch Weltmusik veröffentlichen<br />
und nicht so ein striktes Jazz-Label<br />
sind wie zum Beispiel ECM. Jetzt sind wir<br />
glücklich, auf ACT zu sein.“<br />
Das Label erscheint einem insbesondere<br />
passend, wenn man bedenkt, dass die<br />
Kunstsammlung des ACT-Inhabers Siggi Loch<br />
viel mit der Farbe Blau zu tun hat (wer mehr<br />
wissen will, greife zu dem Band Art in Music<br />
<strong>–</strong> Werke aus der ACT Art Collection oder<br />
achte mal auf ACT-Platten wie Paint It Blue<br />
von Nils Landgren, Neon Blue von Muriel Zoe<br />
oder If (Blue) Then (Blue) von Heinz Sauer)<br />
und ein herausragender Song auf Ahlam das<br />
in seiner Schlichtheit berührende „The World<br />
Is Blue“ ist. „Die Erde ist nun einmal blau,<br />
da sie hauptsächlich von Ozeanen bedeckt<br />
ist“, stellt Nesrine Belmokh erst einmal ganz<br />
profan fest. „Aber natürlich ist sie auch<br />
traurig oder besser gesagt melancholisch <strong>–</strong><br />
die zweite Bedeutung von ‚blue‘. Und dann<br />
spielt eine bestimmte Person im Lied noch<br />
eine Rolle, an die der Protagonist einfach<br />
ständig denken muss, ohne damit aufhören<br />
zu können. Aber eigentlich lässt der Song es<br />
offen, ob diese Person nun wirklich eine gute<br />
oder nicht so gute Gestalt ist <strong>–</strong> das gefällt<br />
mir eigentlich ganz gut, das gibt dem Text ein<br />
Geheimnis.“<br />
NES bewegen sich zwischen traditioneller<br />
arabischer Musik, Jazz, Pop und einer<br />
Spur Flamenco. Die rein akustische Musik auf<br />
Ahlam zieht neben diesen Einflüssen große<br />
Inspiration aus den Klängen, die Belmokh<br />
in ihrem Elternhaus hörte, in dem arabische<br />
Musiker aus dem Mittelmeerraum ein- und<br />
ausgingen. Die drei Musiker hören sich<br />
manchmal an wie eine viel größere Band,<br />
und das liegt vor allem am Einfallsreichtum<br />
ihres Perkussionisten, der jedem Song ein<br />
individuelles Klanggewand auf den ursprünglich<br />
etwas kargen Leib schneidert.<br />
„David Gadea haben wir in Valencia<br />
kennengelernt, und er ist wirklich unglaublich<br />
einfallsreich“, freut sich Nesrine Belmokh<br />
über ihren Mitstreiter, mit dem zusammen<br />
sie einst ein Solokonzert von Matthieu Saglio<br />
besucht hat <strong>–</strong> der Rest ist Geschichte, wie es<br />
immer so schön heißt. „Davids Set auf der<br />
Bühne ist sehenswert, denn es ist sehr individuell<br />
gestaltet. Wir haben einfach Spaß daran,<br />
zusammen musikalisch zu wachsen. Und<br />
er ist natürlich auch für die Flamenco-Anteile<br />
verantwortlich, denn er ist Spanier. Matthieu<br />
hat da allerdings auch Erfahrungen.“<br />
Ahlam bedeutet Traum, und mit der<br />
gleichnamigen CD haben sich NES nicht nur<br />
einen Traum erfüllt <strong>–</strong> sie klingen auch noch<br />
traumhaft.<br />
Aktuelle CD:<br />
NES: Ahlam (ACT / Edel:Kultur)<br />
© Nerea Coll<br />
nes<br />
zusammen wachsen<br />
JazzthetIk 09/10-<strong>2018</strong><br />
65
Stanley Clarke Die Botschaft der Liebe<br />
Stanley Clarke war kaum aus seinen Teenagerjahren heraus,<br />
als er 1971 in die Jazzwelt einbrach. Frisch von der Philadelphia<br />
Academy of Music ging er nach New York und bekam schnell<br />
Jobs bei berühmten Bandleadern wie Horace Silver, Art Blakey,<br />
Joe Henderson, Pharoah Sanders und Stan Getz. Dann landete<br />
er als Senkrechtstarter bei Chick Coreas Return to Forever.<br />
Von Olaf Maikopf<br />
Auf seinem Album The Message zeigt sich<br />
Stanley Clarke im Alter von 66 Jahren als<br />
gelassener Mann, der den jungen Musikern<br />
das Rampenlicht überlässt. 45 Jahre nach<br />
seinem Debüt hat Clarkes Vision aus Fusion,<br />
Funk, Breakbeats und Bass-interpretierten<br />
Cello-Suiten eine Modernisierung im Sound<br />
erfahren. Dafür holte er sich Unterstützung<br />
von dem Rapper/Beatboxer Doug E. Fresh<br />
und dem Trompeter Mark Isham. Ansonsten<br />
begleitet von einer vielseitigen jungen Band<br />
und mit einer Sammlung von Songs versehen,<br />
die inmitten einer turbulenten Europatournee<br />
geschrieben wurden, zeigt The Message<br />
eine Fülle an Kraft, Seele und meisterhafter<br />
Musikalität.<br />
Olaf Maikopf: Das neue Album haben Sie mit<br />
Ihrer Band komponiert, als sie wegen eines<br />
Terroranschlags nicht in Tunesien spielen<br />
konnten.<br />
Stanley Clarke: Wir mussten überlegen, was<br />
wir mit der freien Zeit machen sollten, die wir<br />
durch den Anschlag hatten. Also machten wir<br />
das Beste daraus, entwickelten musikalische<br />
Ideen, schrieben letztlich das ganze Album<br />
in Paris und nahmen es danach in Brüssel<br />
auf. The Message ist in vielerlei Hinsicht ein<br />
europäisches Projekt.<br />
Olaf Maikopf: Also bezieht sich der Titel nicht<br />
auf den Anschlag?<br />
Stanley Clarke: Er ist Teil eines Kontinuums,<br />
das seit Jahrtausenden gepredigt wird, ich<br />
meine die Botschaft der Liebe. Wir glauben,<br />
dass diese Botschaft, obwohl es eine einfache<br />
ist und vielfach überstrapaziert, dennoch<br />
jedem Einzelnen von uns ständig vermittelt<br />
werden muss. Was in jedem von uns gut ist,<br />
offenbart sich erst durch die Liebe.<br />
Olaf Maikopf: Im Booklet danken Sie John<br />
Coltrane. Was ist Ihr Bezug zu Coltrane?<br />
Stanley Clarke: John Coltrane ist wahrscheinlich<br />
der einflussreichste Musiker in meinem<br />
Leben. Als ich zum ersten Mal seine Musik<br />
hörte, erkannte ich, dass es etwas in seinem<br />
Spiel gab, das ich zuvor bei keinem anderen<br />
gehört hatte. Später fand ich heraus, dass<br />
es eine starke spirituelle Komponente in<br />
seiner Musik gibt. In einem Interview sagte<br />
er einmal, dass er „Gutes in die Welt bringen<br />
möchte“. Das mag einfach klingen. Aber ich<br />
glaube, das war eine tiefe Leidenschaft für<br />
ihn. Für mich wurde es sehr real, als ich erstmals<br />
A Love Supreme hörte. Es ist eines der<br />
© Raj Naik<br />
schönsten Alben, die ich je gehört habe, und<br />
wenn man den Text auf der Rückseite liest,<br />
sieht man, dass er kein gewöhnlicher Musiker<br />
war. Ich hatte das Gefühl, dass er aus einem<br />
besonderen Grund spielte. Ihm ging es weniger<br />
um Geld oder Ruhm, sondern um etwas<br />
Größeres. Er war ein gigantischer Geist.<br />
Olaf Maikopf: Ihre aktuelle Band ist mit<br />
jungen Musikern besetzt. Weil deren Energie<br />
und Musikalität noch nicht abgenutzt oder<br />
eingefahren ist?<br />
Stanley Clarke: Die Musiker sind schon lange<br />
bei mir. Beka [Gochiashvili, p] begann mit 16<br />
Jahren, mit mir zu spielen, er ist gerade 22<br />
Jahre alt. Mike Mitchell [dr] war erst 20 Jahre<br />
alt, als er diese Platte machte, und Cameron<br />
[Graves, keyb] kenne ich seit seinem 15.<br />
Lebensjahr. Sie wuchsen mit meinen alten<br />
Platten auf und hörten auch Return to Forever,<br />
das Mahavishnu Orchestra und Weather<br />
Report, ihnen liegt also diese Art von Musik<br />
im Blut.<br />
Olaf Maikopf: Auf The Message gibt es auch<br />
ein Akustik-Bass-Solo, diesmal etwas von<br />
Bach. Warum Bach?<br />
Stanley Clarke: Weil es meiner Frau gefällt,<br />
wenn ich zu Hause die Bach-Cello-Suiten<br />
auf dem Bass spiele. Sie sagte, wegen der<br />
Schwierigkeit, das Stück auf dem Bass zu<br />
spielen, sollte ich meine Hörer wissen lassen,<br />
dass es wirklich möglich ist. Tatsächlich habe<br />
ich es auf dem Bass in der gleichen Tonart<br />
gespielt, wie sie von Bach für das Cello vorgesehen<br />
wurde, was ein bisschen schwierig<br />
war. Aber wie kann ein guter Ehemann die<br />
Bitte seiner Frau ablehnen?<br />
Olaf Maikopf: Sie haben schon immer einen<br />
charakteristischen Ton gehabt, etwas, das<br />
schwer zu erfassen, aber sofort erkennbar ist.<br />
Stanley Clarke: Ich glaube nicht, dass man<br />
sich hinsetzen kann und dann seinen persönlichen<br />
Klang entwickelt. Vielmehr denke ich,<br />
dass ein eigener Sound eine Kombination<br />
aus dem ist, was man als Mensch ist, und der<br />
Bereitschaft, in seinem Spiel völlig ehrlich zu<br />
sein. Es geht nicht darum, jede Woche einen<br />
anderen Sound auszuprobieren. Musiker sollten<br />
immer ihren eigenen Zielen treu bleiben.<br />
Olaf Maikopf: Haben Sie einen Lieblingsbassisten?<br />
Stanley Clarke: Ja, Ron Carter, weil er auf<br />
mehr Platten gespielt hat als jeder andere<br />
Bassist auf diesem Planeten und weil er mehr<br />
verschiedene Arten von Musik gespielt hat<br />
als die meisten Bassisten, auf dem Akustikbass<br />
wie auch dem E-Bass. Er hat Bassisten<br />
beeinflusst, die nicht einmal wissen, dass sie<br />
von Ron beeinflusst sind.<br />
Aktuelle CD:<br />
The Stanley Clarke Band: The Message<br />
(Mack Avenue / In-Akustik)<br />
66 Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong>
Izzard. Drei Jahre später starb<br />
Grant Green an einem Herzinfarkt.<br />
Rolf Thomas<br />
<strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong><br />
Tonspuren<br />
Vincent Peirani Living Being II<br />
Night Walker<br />
ACT / Edel:Kultur<br />
W W W W o<br />
Vincent Peirani hat sich Freunde<br />
ins Studio eingeladen. Mit dem<br />
Saxofonisten Emile Parisien<br />
verbindet ihn eine fast symbiotische<br />
Partnerschaft, klanglich ist<br />
es manchmal schwer auszumachen,<br />
welche Stimme vom<br />
Sopransaxofon übernommen<br />
wurde und welche vom hohen<br />
Register des Akkordeons. Zum<br />
Duo Infernale kommen Keyboarder<br />
Tony Paeleman, Bassist<br />
und Gitarrist Julien Herné und<br />
Drummer Yoann Serra. CDs<br />
des Akkordeonisten sind kleine<br />
Wundertüten, man weiß nie,<br />
was man genau bekommt, nur,<br />
dass es qualitativ immer bestens<br />
ist. Die Zusammenstellung<br />
des Materials erscheint auf den<br />
ersten Blick skurril. Wie lassen<br />
sich Sonny Bono, Henry Purcell<br />
und Led Zeppelin verbinden?<br />
„Bang Bang“ von Sonny<br />
Bono funktioniert bestens als<br />
langsame Eröffnungsnummer.<br />
Schräge Eigenkompositionen<br />
wie „Le Clown Saveur de la<br />
Fete Foraine“ spielen wild mit<br />
Stimmungen und Tempi und<br />
nehmen den Zuhörer in einen<br />
schwindelerregenden Zirkus<br />
mit. Henry Purcell bekommt<br />
ein neoklassisches Gewand<br />
mit Four-on-the-Floor-Drums,<br />
schwebendem Rhodes-Klang<br />
und knackigem E-Bass. Den<br />
größten Teil der CD nimmt eine<br />
dreiteilige Led-Zeppelin-Suite,<br />
„Kashmir To Heaven“, ein. Die<br />
gibt einen ganz neuen Blick auf<br />
das Werk der epochalen Band.<br />
Die gitarrenlose Besetzung<br />
mit Akkordeon überrascht,<br />
und im Stück „Kashmir“ spielt<br />
vor allem Emile Parisien so<br />
orientalisch, dass man kaum an<br />
ein Sopransaxofon denkt. Und<br />
das Akkordeon, das die Melodie<br />
von „Stairway to Heaven“ ganz<br />
schlicht und einstimmig spielt,<br />
ist zum Niederknien. Akkordeonist<br />
Vincent Peirani findet einen<br />
tollen Weg, seine sehr breit<br />
gefächerten Interessen, die er<br />
absorbiert hat, zu etwas ganz<br />
Eigenem zu machen.<br />
Angela Ballhorn<br />
<strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong><br />
Grant Green<br />
Funk in France<br />
Resonance / H’Art<br />
W W W W<br />
Grant Green<br />
Slick! <strong>–</strong> Live at Oil Can Harry’s<br />
Resonance / H’Art<br />
W W W W W<br />
Grant Green <strong>–</strong> man muss es<br />
leider immer wieder sagen,<br />
denn der Mann gerät allmählich<br />
in Vergessenheit <strong>–</strong> war<br />
einer besten und innovativsten<br />
Jazzgitarristen, die je gelebt<br />
haben; auf einer Stufe mit Wes<br />
Montgomery, Jim Hall und Pat<br />
Metheny. Das amerikanische<br />
Jazzlabel Resonance Records<br />
hat jetzt drei Konzertmitschnitte<br />
aufgetan, die noch nie zuvor<br />
veröffentlicht worden sind,<br />
und zwei davon zählen zu den<br />
Höhepunkten in Greens an Höhepunkten<br />
nicht gerade armer<br />
Diskografie.<br />
Aber der Reihe nach: Funk in<br />
France enthält auf zwei CDs ein<br />
Konzert eines Trios mit Larry<br />
Ridley und Don Lamond an Bass<br />
und Schlagzeug, das im <strong>Oktober</strong><br />
1969 in Paris aufgezeichnet<br />
wurde. Green ist in Hochform<br />
und spielt scharfe und schnittige<br />
Fassungen von „Insensatez“,<br />
„Oleo“ und dem genialen<br />
„Untitled Blues“ <strong>–</strong> knapp vierzig<br />
Minuten Musik, die fünf Sterne<br />
verdient haben. Auf der zweiten<br />
CD ist Green zusammen mit dem<br />
Tenorsaxofonisten Claude Bartee,<br />
dem Organisten Clarence<br />
Palmer und dem Schlagzeuger<br />
Billy Wilson zu hören, und zwar<br />
beim Antibes Jazz Festival 1970.<br />
Leider verdaddelt sich das<br />
Quartett ein wenig <strong>–</strong> 27 Minuten<br />
„Hi-Heel Sneakers“ sind dann<br />
doch etwas zu viel des Guten.<br />
Deshalb nur drei Sterne für Antibes,<br />
macht zusammen vier.<br />
Unfassbar gut war Green fünf<br />
Jahre später Live at Oil Can<br />
Harry’s <strong>–</strong> insbesondere das<br />
30-minütige Medley aus „Vulcan<br />
Princess“ (Stanley Clarke), „Skin<br />
Tight“ (Ohio Players), „Woman’s<br />
Gotta Have It“ (Bobby Womack),<br />
„Boogie on Reggae Woman“<br />
(Stevie Wonder) und „For the<br />
Love of Money“ von den O’Jays<br />
ist eine einzige Sternstunde <strong>–</strong><br />
begleitet wird Green hier von<br />
Emmanuel Riggins am E-Piano,<br />
Ronnie Ware am Bass, dem<br />
Schlagzeuger Greg Williams<br />
und dem Perkussionisten Gerald<br />
Marc Sinan & Oğuz Büyükberber<br />
White<br />
ECM / Universal<br />
W W W W<br />
Zwei Musiker begegnen sich<br />
zwischen europäischer Klassik<br />
und türkischer Tradition <strong>–</strong> und<br />
das tun sie immer wieder seit<br />
nun schon fast zehn Jahren.<br />
Marc Sinan, der E-Gitarrist mit<br />
(auch) türkischen Wurzeln, und<br />
Oğuz Büyükberber, der (Bass-)<br />
Klarinettist aus Anatolien, scheinen<br />
einander diesmal aber im<br />
Niemandsland zu treffen, frei improvisierend,<br />
zwischen Tag und<br />
Traum, zwischen Realem und<br />
Surrealem. Beide haben eine jeweils<br />
fünfteilige Suite im Gepäck<br />
und mischen die zehn Sätze<br />
bunt durcheinander. Historische<br />
Tonaufnahmen aus dem Berliner<br />
Phonogramm-Archiv und<br />
elektronische Beigaben tragen<br />
zur Atmosphäre bei <strong>–</strong> ihre Duette<br />
sind ein ständiges Suchen und<br />
Schweben, ein Forschen und<br />
Fragen. Dabei hilft den beiden<br />
auch ihre Jazzerfahrung: Sinan<br />
hat sich einst mit Wes Montgomery<br />
beschäftigt, Büyükberber<br />
fühlt sich Monk, Cecil Taylor<br />
und Butch Morris verbunden.<br />
An der Bassklarinette war für<br />
ihn der Einfluss von Eric Dolphy<br />
„unumgänglich“. Die Musik der<br />
beiden Grenzgänger braucht<br />
keine Leitplanken oder festen<br />
Rhythmen, aber sie transzendiert<br />
alle Tonalitäten und Stimmungen.<br />
White ist eine melancholische,<br />
souveräne Improvisationsmusik,<br />
deren Intensität sich allmählich<br />
und unwiderstehlich ausbreitet.<br />
Ein unscheinbares kleines<br />
Wunder.<br />
Hans-Jürgen Schaal<br />
68 Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong>
<strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong><br />
Andreas Willers<br />
Derek Plays Eric<br />
Jazzwerkstatt<br />
W W W W W<br />
„Steampunk 69“, das klingt<br />
programmatisch <strong>–</strong> und das Stück<br />
hält, was der Titel verspricht.<br />
Das gilt auch für Andreas<br />
Willers’ komplettes Trio-Album.<br />
Hier werden keine leeren<br />
Versprechungen gemacht, hier<br />
geht es zur Sache, und der<br />
Verzerrer hat einiges zu tun.<br />
Denn die Sache ist die wunderbare<br />
E-Gitarren-Revolution der,<br />
sagen wir, sechziger Jahre, als<br />
Gitarristen wie Eric Clapton, Jimi<br />
Hendrix oder John McLaughlin<br />
vieles über den Haufen warfen<br />
und diesen Haufen zum Klingen<br />
brachten. Andreas Willers sieht<br />
sich einerseits in der Nachfolge<br />
dieser Rock- und Blues-<br />
Gitarreros, andererseits ist<br />
etwa auch der non-idiomatisch<br />
agierende Derek Bailey einer<br />
seiner Giganten am Horizont;<br />
diese Aufzählung beansprucht<br />
keine Vollständigkeit. Kürzelhaft<br />
gackert ein „Little Red Rooster“<br />
vorbei, Jack Bruces „Politician“<br />
steht kurz am Rednerpult,<br />
McLaughlins „Mayas“ tanzen<br />
ein paar stampfende Takte. Der<br />
pointierte Rückblick auf die<br />
große Zeit der Rockmusik nutzt<br />
deren Klischees für Stilzitate und<br />
verpflanzt Sounds und Licks und<br />
Solisten-Gesten in eine überaus<br />
aufgeklärte Gitarren-Musik, ohne<br />
die wirklich schwungvollen und<br />
mitreißenden Qualitäten dieser<br />
Musik und ihrer Ära preiszugeben.<br />
Dass heutige Nachfolgeprodukte<br />
kalkulierte industrielle<br />
Massenware sind, benennt der<br />
Begleittext bündig. So entsteht<br />
eine sehr umfassende und sympathische<br />
Hommage, die sich<br />
von Stück zu Stück an andere<br />
Vorbilder richtet und von ihnen<br />
ideenreich absetzt. Jack Bruce,<br />
Duke Ellington, Charles Mingus<br />
und John McLaughlin stehen<br />
nebeneinander und freuen sich<br />
über Andreas Willers‘ weiträumigen<br />
Blick auf die Musik, über<br />
seine fulminante elektrifizierte<br />
Spielkultur und die ausgebuffte<br />
Rhythmusgruppe (Jan Roder,<br />
Christian Marien), mit der zu<br />
arbeiten ihm vergönnt ist.<br />
Hans-Jürgen Linke<br />
<strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong><br />
Henning Sieverts Symmethree<br />
Aerea<br />
Pirouet / NRW<br />
W W W W<br />
Angeblich beschäftigt sich der<br />
Bassist Henning Sieverts gern<br />
mit Kreuzworträtseln, Schach<br />
und Sudoku. Denn ihn interessieren<br />
Querverbindungen von<br />
Buchstaben und Zahlen. Diese<br />
Leidenschaft überträgt er auf<br />
seine Musik, aktuell in seinem<br />
Trio Symmethree, besetzt mit<br />
dem Posaunisten Nils Wogram<br />
und Ronny Graupe an der<br />
Gitarre. Hier spüren sie dem<br />
Begriff der Symmetrie nach,<br />
formen Klänge voller Schönheit.<br />
Die alten Griechen definierten<br />
Symmetrie als einen geometrischen<br />
Begriff, später wurde für<br />
weniger exakte Entsprechungen<br />
der Ausdruck „Harmonie“<br />
eingeführt, der dann auch in der<br />
Musik große Bedeutung einnehmen<br />
sollte. Was uns wieder zu<br />
Aerea führt (einer poetischen<br />
Wortneuschöpfung, die Luft und<br />
Raum verbindet), dem zweiten<br />
Album des Trios um Henning Sieverts.<br />
Die Klangfarben ihrer vier<br />
Instrumente (Sieverts ist auch<br />
am Cello zu hören) mischen sich<br />
in den zehn Stücken zu einem<br />
warmen harmonischen Dreiklang.<br />
Das ist kraftvoller Kammer-Jazz,<br />
gespielt in manchmal<br />
unterschiedlichen Metren von<br />
Musikern, die ständig ihre Rollen<br />
zwischen Solist und Begleiter<br />
Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong> 69
Kolumne<br />
Nickodemus<br />
A Long Engagement<br />
Wonderwheel / Groove Attack<br />
W W W W<br />
Dubmatix<br />
King Size Dub Special<br />
Echo Beach / Indigo<br />
W W W<br />
Slightly Stoopid<br />
Everyday Life, Everyday People<br />
Stoopid / Membran<br />
W W<br />
Miss Red<br />
K.O.<br />
Pressure / Rough Trade<br />
W W W W W<br />
Yasmine Hamdan<br />
Jamilat Reprise<br />
Crammed / Indigo<br />
W W W o<br />
The Last Poets<br />
Understand What Black Is<br />
Studio Rockers / Groove Attack<br />
W W W W<br />
Little Axe<br />
Champagne & Grits<br />
W W W W<br />
Stone Cold Ohio<br />
W W W W<br />
Bought for a Dollar, Sold for a<br />
Dime<br />
W W W<br />
Echo Beach / Indigo<br />
Übersee<br />
Mit seiner Partyreihe Turntables<br />
on the Hudson ist Nickodemus<br />
seit 1998 in NYC präsent, auf<br />
seinem Label Wonderwheel<br />
betreut er Künstler wie Chancha<br />
via Circuito, Alsara & The<br />
Nubatones und Novalima. Von<br />
lateinamerikanisch bis nahöstlich<br />
ist dem global denkenden<br />
Strippenzieher also kein musikalischer<br />
Dialekt fremd. Und<br />
wenn er auf Albumlänge auf<br />
sein Longtime Engagement mit<br />
seinen zahlreichen Geistesverwandten<br />
(u.a. Alsarah, Carol C.,<br />
Jahdan Blakkmore) aus der wilden<br />
weiten Welt der Musik zurückblickt,<br />
kommen alle Fäden<br />
seines Netzwerkes zur Geltung,<br />
statt, wie zu befürchten wäre,<br />
in heilloses Chaos auszufransen.<br />
Der jamaikanische Aspekt<br />
schlängelt sich dabei gleichberechtigt<br />
neben Reggaeton,<br />
Cumbia, House, arabischer<br />
Popmusik und HipHop durchs<br />
Bild. Wer mehr der reinen Dub-<br />
Lehre zugeneigt ist, wird an den<br />
Versions, Dubs und Remixen<br />
von Dubmatix aus Toronto seine<br />
Freude haben, die Echo Beach<br />
nun mit einer Spezialausgabe<br />
der King Size Dub-Reihe<br />
würdigt: Hier treffen bewährte<br />
Riddims auf eine stark verwurzelte<br />
No-Bullshit-Einstellung,<br />
versiertes Versioning, sparsam<br />
gestreute Sound-Gimmicks und<br />
ein tiefes Soundverständnis.<br />
Fruchtbare Arbeit! Eher furchtbar:<br />
die Sorte Reggae, die sich<br />
die kalifornische Band Slightly<br />
Stoopid einfallen lässt und sich<br />
dafür lebende Legenden wie<br />
Yellowman und Ali Campbell<br />
(UB 40), sowie Chali 2na<br />
(Jurassic 5) und Alborosie ins<br />
Studio holte. Dem Bandnamen<br />
gemäßer Scheckheft-Reggae,<br />
der über Klischees von Weed<br />
und Sonnenschein kaum hinauskommt<br />
<strong>–</strong> die jamaikanische<br />
Erfahrung aus der postkolonialtouristischen<br />
Perspektive.<br />
Stimmen<br />
Nach einem aufsehenerregenden<br />
Mixtape und zahlreichen<br />
Shows mit ihrem Produzenten<br />
The Bug veröffentlicht Miss<br />
Red auf dem neuen Bug-Label<br />
Pressure ihr reguläres Debüt<br />
Album K.O.: Zwei Vinylplatten<br />
voller Killer, auf denen die<br />
Mikrofon-Künstlerin aus Haifa<br />
ihren Titel als „Superflyweight<br />
Outernational Champion“<br />
Mandel in Dub<br />
einfordert. Die erhabene Wucht<br />
und die transparente Dynamik<br />
der Prouktion von Kevin<br />
„The Bug“ Martin basiert der<br />
Legende nach auf den Sounds<br />
einer russischen Drummachine<br />
<strong>–</strong> ein ideales Gelände für<br />
Miss Reds versatile Stimme und<br />
ihre in entwaffnendem Patois<br />
dahergerotzten Textkaskaden.<br />
Die ungleich zarter arrangierten<br />
Songs von Yasmine Hamdans<br />
Album Al Jamilat wurden<br />
nachträglich von einer Reihe<br />
interessanter Elektrolurche<br />
bearbeitet. Auch die Reprise<br />
kommt zunächst auf Katzenpfoten<br />
daher (Greg Bauchau),<br />
bevor Acid Arab mit bewärtem<br />
Synth-Blubbern eine erste<br />
Option für den Floor anbieten.<br />
Im weiteren Verlauf loopt und<br />
klickert es im Euro-IDM-Stil vor<br />
sich hin, aufhorchen lassen<br />
dabei Matias Aguyao (wegen<br />
der Percussions), La Hamdans<br />
eigener Remix von „La Chay“<br />
(trippy) und der mysteriöse<br />
Shed (fett). Insgesamt kein<br />
Riesenwurf, aber ein schönes<br />
Supplement zum Album.<br />
Einigermaßen sensationell: die<br />
Rückkehr der Rap-Pioniere Last<br />
Poets als Dub-Poeten. Umar<br />
ibn Hassan, Abidoun Oywole<br />
und Baba Donn Babatunde<br />
sind Überlebende: Zuletzt<br />
starb im Juni <strong>2018</strong> ihr Langzeit-Weggefährte<br />
Jalal. Auf<br />
Riddim-Klassikern reimen sie<br />
über die schwarze Erfahrung in<br />
den USA und die guten (Prince)<br />
und bösen (Trump) Geister der<br />
moralisch maroden Supermacht.<br />
Die Vielstimmigkeit der<br />
frühen Poets weicht diesmal<br />
individuellen Solo-Vorträgen.<br />
Die so druck- wie respektvolle<br />
Produktion besorgten Prince<br />
Fatty und Ben Lamdin (Nostalgia<br />
77), mit einem Fuß im Dub<br />
und dem anderen im Jazz.<br />
Blues in Dub<br />
Little Axe ist das von Gitarrist<br />
Skip McDonald initiierte<br />
Spin-off der Supergruppe<br />
Tackhead (McDonald, Doug<br />
Wimbish, Keith Leblanc, Adrian<br />
Serwood). Das Debüt-Album<br />
The Wolf That House Built<br />
(Wired 1994) war unschwer<br />
zu deuten als Hommage an<br />
Son House und Howlin‘ Wolf.<br />
Tatsächlich wandten Little Axe<br />
das Prinzip Dub auf das System<br />
Blues an und eröffneten sich<br />
damit Wege, die es heute noch<br />
zu erforschen lohnt. Anfang<br />
der Nuller kamen Little Axe<br />
auf Peter Gabriels Label Real<br />
World unter, wurden aber <strong>–</strong> es<br />
waren schlechte Zeiten <strong>–</strong> nur<br />
auf CD veröffentlicht. Nun sind<br />
sie endlich auf 180-g-Vinyl zu<br />
genießen: das besonders sumpfige<br />
Roots-Album Champagne<br />
& Grits (2004), auf dem man<br />
die Hitze des Südens bis aufs<br />
Grillenzirpen nachempfinden<br />
kann, sowie das von Gospelstimmungen<br />
aufgehellte Stone<br />
Cold Ohio (2006). Sherwood<br />
fungierte bei beiden als Co-<br />
Produzent und Mixer und beließ<br />
es bei einem ausgewogen-plastischen<br />
Sound, ganz im Dienst<br />
der schweren Riddims, dem<br />
Rutschgeräusch der Saiten,<br />
dem Knarzen der Stimme und<br />
dem Raunen des Chors. Bought<br />
for a Dollar, Sold for a Dime<br />
(2008) dagegen ist eine reine<br />
Skip-Produktion: Die Basis-Riddims<br />
entstanden binnen eines<br />
Tages und wurden anschließend<br />
mit Bläser-Overdubs und<br />
etwas zu viel Stadion-Athmo<br />
abgerundet. Die Freunde des<br />
schrägen Geräuschs brauchen<br />
also eher die ersten beiden,<br />
echte Skip-Fans dagegen alle<br />
drei Alben.<br />
Eric Mandel<br />
70 Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong>
wechseln. Eine Musik, die vom<br />
Publikum einfordert, sich darauf<br />
einzulassen, denn neben der<br />
melodischen Hörbarkeit gibt es<br />
eine Menge an Überraschungen,<br />
die sich erst bei mehrmaligem<br />
Goutieren erschließen.<br />
Olaf Maikopf<br />
<strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong><br />
In doppelter Hinsicht führt uns<br />
der Norweger Tord Gustavsen<br />
auf die falsche Fährte. So<br />
ähnelt seine Formation rein<br />
optisch dem legendären Esbjörn<br />
Svensson Trio, in musikalischer<br />
Hinsicht nur entfernt.<br />
Außerdem stellt der Pianist und<br />
Komponist mit „The Tunnel“<br />
einen Opener voran, der, etwas<br />
brav und bieder gehalten, noch<br />
wenig von dem musikalischen<br />
Kosmos dieser CD vorwegnimmt.<br />
Gustavsen ist in seinem Herzen<br />
zwar ein Jazzer, doch sucht er<br />
sich die Inhalte seiner Tonkunst<br />
woanders. Das zweite Stück<br />
„Kirken, den er et gammelt<br />
hus“ ist eine Bearbeitung von<br />
Ludvig Mathias Lindeman, einem<br />
norwegischen Kirchenmusiker<br />
und Volksliedsammler, der im<br />
neunzehnten Jahrhundert gelebt<br />
hat. In ihm mag Gustavsen eine<br />
verwandte Seele erblickt haben.<br />
So bilden europäische Kirchenmusik<br />
und Volkslieder den roten<br />
Faden des Albums. Drei weitere<br />
Kompositionen stammen aus<br />
der Feder Johann Sebastian<br />
Bachs. Hierbei ist erstaunlich,<br />
wie frei sich der Pianist und<br />
seine Kollegen den Vorlagen<br />
nähern. So gelingt dem Trio eine<br />
ausdrucksstarke und rhythmisch<br />
völlig freie Version von „O Traurigkeit“.<br />
Gustavsens melodische<br />
Herangehensweise ähnelt in<br />
seiner Emotionalität und Dramatik<br />
eher dem eines Sängers als<br />
eines Pianisten. Fast könnte man<br />
an Flamenco-Gesang denken. In<br />
seinem eigenen Solo-Stück „Left<br />
Over Lullaby No. 4“ zeigt sich<br />
der Pianist als Meister der leisen<br />
Töne. Wer skandinavischen Jazz<br />
mag und dabei gern über den<br />
Jazz-Tellerrand sieht, der sollte<br />
sich diese CD genauer anhören.<br />
Andreas Schneider<br />
<strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong><br />
Tord Gustavsen Trio<br />
The Other Side<br />
ECM / Universal<br />
W W W W<br />
Enrico Pieranunzi / Thomas<br />
Fonnesbaek<br />
Blue Waltz<br />
Stunt / In-Akustik<br />
W W W W W<br />
Unlängst in einem Jazzclub in<br />
Kopenhagen: Zwei erfahrene<br />
Musiker schwören sich auf ihre<br />
längst bestehende gemeinsame<br />
Seelenverwandtschaft ein. Es<br />
braucht keine hochtrabenden<br />
Konzepte. Einfach einander<br />
verstehen und spielen <strong>–</strong> darum<br />
geht es dem italienischen Pianisten<br />
Enrico Pieranunzi und dem<br />
dänischen Bassisten Thomas<br />
Fonnesbaek. Und das läuft auf<br />
Anhieb so was von rund! Große<br />
Musik findet statt, wenn man<br />
sich trotz höchster Ansprüche<br />
immer noch vom unmittelbaren<br />
Erlebnis überwältigen lassen<br />
kann. Das Publikum in Kopenhagen<br />
scheint auf Anhieb mitzuempfinden,<br />
was dieses Duo hier<br />
im intimen Rahmen zelebriert.<br />
Danach klingt zumindest der Applaus<br />
bei dieser Liveaufnahme.<br />
Pieranunzi nutzt Cole Porters<br />
„Everything I Love“ als Sprungbrett,<br />
dann reihen sich beseelte<br />
Eigenkompositionen <strong>–</strong> auch aus<br />
Fonnesbaeks Feder <strong>–</strong> wie an<br />
einer feinen, edlen Perlenkette<br />
aneinander. Pieranunzi und Fonnesbaek<br />
demonstrieren, dass<br />
unter ihren Händen eine riesige<br />
Verfeinerungsskala nach oben<br />
hin offen ist. Der Däne ist immer<br />
extrem nah dran, sein Ton ist<br />
Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong> 71
Tonspuren<br />
rund und tief. Er setzt melodiöse<br />
Soli frei, sorgt für brillante<br />
Spritzlichter, allein, wenn die<br />
Saiten geräuschhaft auf dem<br />
Holz des Steges schnurren.<br />
Je konzentrierter man zuhört,<br />
desto mehr feinsinnige Bezüge<br />
und Verzahnugen zwischen den<br />
beiden Spielern fallen einem<br />
auf <strong>–</strong> darin zeigt sich der wahre<br />
Reichtum. Man hört und spürt:<br />
Die beiden spielen und haben<br />
noch mehr Spaß daran, dem<br />
anderen zuzuhören.<br />
Stefan Pieper<br />
<strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong><br />
John Zorn<br />
The Interpretation of Dreams<br />
Tzadik / In-Akustik<br />
W W W W W<br />
Kaum ein zeitgenössischer Jazzmusiker<br />
bedarf weniger der Vorstellung<br />
als John Zorn. Zumindest<br />
sollte es so sein, wären kreativer<br />
Wagemut, Abenteuerlust und Innovationsfreudigkeit<br />
gültige und<br />
entscheidende Maßstäbe der<br />
Jazzkritik. Denn niemand riskiert<br />
mehr und das entschlossener als<br />
der Camouflagehose tragende<br />
Saxofonist, Klarinettist, Bandleader,<br />
Labelbetreiber und Veranstalter<br />
aus New York. Seit 35 Jahren.<br />
Auf The Interpretation of Dreams<br />
tritt der Tausendsassa lediglich<br />
als Komponist in Erscheinung. Mit<br />
ihren Inspirationsquellen <strong>–</strong> die<br />
drei neuen Zorn-Stücke verdanken<br />
sich der Anregung durch<br />
Arbeiten des surrealistischen<br />
Regisseurs Luis Buñuel und<br />
der Schriften des Beat-Poeten<br />
William S. Burroughs, informiert<br />
Zorns Label Tzadik, während<br />
der Titel des Albums auf Freud<br />
verweisen mag <strong>–</strong> rufen „Naked<br />
Lunch“, „Obscure Objects of<br />
Desire“ und „The Exterminatining<br />
Angel“ Schlüsselreferenzen der<br />
Kulturtheorie auf. Bewundernswert,<br />
wie alle <strong>–</strong> angefangen mit<br />
dem Komponisten Zorn, der hier<br />
zwischen den bereits genannten<br />
noch auf Zappa, Varese, Bartók<br />
und sich selbst zurückblickt, über<br />
die grandiose Vibrafonistin Sae<br />
Hashimoto, die als Solistin in den<br />
beiden Burroughs-inspirierten<br />
Stücken brilliert, bis zu den<br />
Streichern vom JACK Quartet, die<br />
in der atemberaubenden Buñuel-<br />
Hommage gemeinsam mit Pianist<br />
Stephen Gosling begeistern <strong>–</strong><br />
sich dadurch nicht einschüchtern<br />
lassen. Wichtiges Album eines<br />
der wichtigsten Gegenwartskünstler;<br />
und eines der wenigen<br />
unserer Zeit, das die Jazz-Welt,<br />
wie sie ist, wirklich herausfordert.<br />
Tzadik: Wir brauchen ein Vinyl<br />
davon.<br />
Harry Schmidt<br />
<strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong><br />
Henry Threadgill<br />
Double up, Plays Double up Plus<br />
Pi / Harmonia Mundi<br />
W W W o<br />
Henry Threadgill 14 or 15 Kestra<br />
Dirt … and More Dirt<br />
Pi / Harmonia Mundi<br />
W W W W<br />
Henry Threadgill hat sich schon<br />
lange von der harmolodischen<br />
Groove Music entfernt, die er mit<br />
Bands wie seinem großartigen<br />
Sextett der späten 80er Jahre,<br />
dem Very Very Circus oder Zooid<br />
zelebrierte. Seine neueren Produktionen<br />
sind zwar kammermusikalischer<br />
Natur, aber nicht von<br />
der flüchtigen Leichtigkeit seines<br />
Chamber Trios Air, mit dem er<br />
einst seine Laufbahn begann.<br />
Auf seine alten Tage will der<br />
Saxofonist Bleibendes schaffen.<br />
Seine beiden neuen, zeitgleich<br />
veröffentlichten Alben folgen<br />
diesem Ziel. Der Unterschied<br />
liegt weniger in der Musik als in<br />
den Besetzungen. Auf Double up,<br />
Plays Double up Plus tritt er mit<br />
einer achtköpfigen Band an, zu<br />
der drei Pianisten gehören. Die<br />
Saxofonparts überlässt er Roman<br />
Filiu und Robert Curtis McDonald.<br />
Threadgill selbst tritt nur als Komponist<br />
in Erscheinung. Die Musik<br />
ist voller Wucht und gewährt<br />
dem Ohr auch in stillen Momenten<br />
keine Erlösung. Threadgill<br />
geht es in erster Linie um Timbres,<br />
Dichtegrade, Klangfarben und<br />
die Variation von Details und<br />
Nuancen. Hätte Anton Webern<br />
versucht, ein Blues-Album zu<br />
komponieren, hätte es wahrscheinlich<br />
genau so geklungen.<br />
In den zwei größeren Suiten auf<br />
Dirt … and More Dirt versammelt<br />
Threadgill 15 Musiker. Fast alle<br />
Mitstreiter von Double up, Plays<br />
Double up Plus sind vertreten,<br />
und auch er selbst greift diesmal<br />
zum Saxofon. Die Musik des<br />
Orchesters groovt im Untergrund<br />
ein wenig mehr als auf dem<br />
Zwillingsalbum, ist auch über<br />
Strecken etwas verspielter, aber<br />
der Überbau ist auch hier eher<br />
spröde. Die Doppelbesetzung<br />
vieler Instrumente (Saxofone,<br />
Pianos, Trompeten, Posaunen,<br />
Schlagzeuge) erinnert einmal<br />
mehr an die Philosophie Ornette<br />
Colemans, nur dass Threadgills<br />
Konstruktionen ungleich abstrakter<br />
erscheinen. Beide Alben lassen<br />
sich im weitesten Sinne dem<br />
Third Stream zurechnen, wobei<br />
Dirt … auch einen gewissen<br />
M-Base-Charme aufweist.<br />
Wolf Kampmann<br />
<strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong><br />
Booxy‘s Box<br />
The Game<br />
Unit / Membran<br />
W W W o<br />
Zwei Schweizer und zwei<br />
Österreicher spielen ein Spiel.<br />
Die Besetzung steht, die<br />
Kompositionen auch, doch die<br />
Regeln werden immer wieder<br />
geändert, der Spielverlauf nimmt<br />
nie dieselbe Richtung. Das<br />
Erstlingswerk von Booxy‘s Box,<br />
der Band aus Philipp Jagschitz<br />
am Klavier, Daniel „Booxy“ Aebi<br />
am Schlagzeug, Andreas Waelti<br />
am Bass und Martin Gasser am<br />
Altsaxofon, versucht herauszufinden,<br />
was passiert, wenn man<br />
vier Musiker spielen lässt, deren<br />
musikalische Herzen alle anders<br />
ticken. Souljazz, freie Musik,<br />
klare Strukturen und Modern<br />
Jazz vereinen sich in The Game<br />
spielerisch. So weit auseinander<br />
liegen die Jazz-Heimaten der<br />
vier aber dann nicht, es ist ein<br />
homogenes Werk entstanden,<br />
das viel Groove, Soul, Swing<br />
und kraftvolle Improvisationen<br />
enthält. Besonders gelungen<br />
ist „Cripple“ <strong>–</strong> mit viel Spielwitz,<br />
einem wimmernden Altsaxofon<br />
und einem mächtigen Bass-Solo<br />
macht das Zuhören viel Spaß.<br />
Bei diesem Spiel kann man nur<br />
sagen: Die vier gewinnen auf<br />
jeden Fall!<br />
Angela Ballhorn<br />
<strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong><br />
Plaza Francia Orchestra<br />
Plaza Francia Orchestra<br />
Because / Universal<br />
W W W o<br />
Hinter diesem Orchester stecken<br />
zwei Veteranen der elektronischen<br />
Tangomusik, Eduardo<br />
Makaroff und Christoph H. Müller<br />
vom international erfolgreichen<br />
Gotan Project. Was ihr Plaza<br />
Francia Orchestra besonders<br />
macht, ist die französische Sängerin<br />
Catherine Ringer, die fast 30<br />
Jahre mit der Synthie-Pop-Band<br />
Les Rita Mitsouko gearbeitet<br />
hat. Zwar erwarb sie außerhalb<br />
Frankreichs nie mehr als eine<br />
kleine Fangemeinde, doch das<br />
könnte sich nun ändern, wenn<br />
man dieses charmante und unterhaltsame<br />
Album hört. Ringer, die<br />
hier hauptsächlich auf Spanisch<br />
singt, hat ein natürliches Talent<br />
für die Emotionalität und Theatralik<br />
des Tangos und einen Ge-<br />
72 Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong>
Kolumne<br />
Spiritualized<br />
And Nothing Hurt<br />
Bella Union / Rough Trade<br />
W W W o<br />
Big Red Machine<br />
Big Red Machine<br />
Jagjaguwar / Cargo<br />
W W W W<br />
Emma Ruth Rundle<br />
On Dark Horses<br />
Sargent House / Cargo<br />
W W W W o<br />
Alejandro Escovedo<br />
The Crossing<br />
Yep Roc / H’Art<br />
W W W o<br />
The Punch Brothers<br />
All Ashore<br />
Nonesuch / Warner<br />
W W W W<br />
Marc Ribot<br />
Songs of Resistance<br />
<strong>–</strong> 1942-<strong>2018</strong><br />
Anti / Indigo<br />
W W W W o<br />
Low<br />
Double Negative<br />
Sub Pop / Cargo<br />
W W W W W<br />
Milliarden<br />
Berlin<br />
Vertigo / Universal<br />
W W W W<br />
Die einstige Space-Rock-Band<br />
Spiritualized ist längst zur<br />
solistischen Selbstzerfleischungsmaschine<br />
von Jason<br />
„Spaceman“ Pierce geworden.<br />
Auf seinem neuen Album<br />
And Nothing Hurt bringt der<br />
Brite sich selbst an den Rand<br />
der Auflösung. Vom Sound<br />
her versucht er Phil Spector<br />
nachzueifern, doch all die<br />
Grandezza täuscht nicht über<br />
den persönlichen Schmerz<br />
hinweg. Das Album hat von<br />
allem ein wenig zu viel, was es<br />
auf die Dauer etwas anstrengend<br />
macht. Wer sich auf die<br />
gnadenlose Völlerei in diesem<br />
Schlaraffenland der Klänge<br />
einlässt, wird zumindest nicht<br />
auszehren.<br />
Big Red Machine ist ein neues<br />
Projekt von John Vernon<br />
(Bon Iver), das er gemeinsam<br />
mit Aaron Dessner von The<br />
Body & Soil<br />
National aufgestellt hat. Auf<br />
ihrem Debütalbum spielen<br />
sie mit einem Mosaik aus<br />
unvorhersehbaren Klängen,<br />
doch Vernon gibt sich nicht<br />
so ätherisch wie bei Bon Iver.<br />
Im Gegenteil, den Songs ist<br />
eine verführerische Schwere<br />
eigen. Vieles wirkt zufällig, die<br />
Grooves und das eingesetzte<br />
Autotune erinnern zuweilen an<br />
Trap, ohne dass Vernon auf die<br />
Fallen dieses Subgenres des<br />
HipHop reinfallen würde. Ein<br />
ebenso souveränes wie reifes<br />
Spiel mit Versatzstücken der<br />
aktuellen Popkultur.<br />
Mit jedem neuen Album<br />
behauptet Emma Ruth Rundle<br />
besser ihren Ruf als eine der<br />
eindrucksvollsten jüngeren<br />
Songwriterinnen Amerikas.<br />
Auf On Dark Horses behält sie<br />
die stimmliche Eindringlichkeit<br />
PJ Harveys bei und garniert<br />
sie mit urbaner Tribe-Musik à<br />
la Sonic Youth, My Bloody Valentine<br />
oder Slowdive. Vieles<br />
in dieser Art gibt es wahrlich<br />
nicht mehr. Der tiefschwarze<br />
Blues dieser CD ist aus einem<br />
Guss, sodass die einzelnen<br />
Songs wie Sequenzen eines<br />
langen Bewusstseinsstroms<br />
wirken.<br />
Alejandro Escovedos Tage mit<br />
der Punkband The Nuns sind<br />
lange her. Seit vielen Jahren<br />
ist er als unermüdlicher Singer/Songwriter<br />
in der Tradition<br />
Lyle Lovetts unterwegs. Auf<br />
seinem neuen Album The<br />
Crossing wird die schleppende<br />
Schwüle seiner Heimat Texas<br />
hörbar. Ein Hauch von Aufsässigkeit<br />
ist ihm zweifellos<br />
geblieben. Insgesamt vielleicht<br />
etwas zu lang geraten, birgt<br />
das Album trotzdem den einen<br />
oder anderen stimmungsvollen<br />
Song, der sich für den Soundtrack<br />
künftiger TV-Mehrteiler<br />
anbietet.<br />
Die Punch Brothers bieten<br />
Americana für Gourmets. Auf<br />
All Ashore starten sie einmal<br />
mehr an der Kreuzung von<br />
Country Music und Bluegrass,<br />
um ihre spezielle Mixtur mit<br />
jazzigem Bossa-Flair und launigen<br />
Grooves zu verschneiden.<br />
Die Songs erwecken den<br />
Eindruck, als wäre die Post<br />
Production stärker in den Vordergrund<br />
getreten als früher.<br />
Das mag streckenweise ein<br />
wenig auf Kosten der organischen<br />
Unverstelltheit gehen,<br />
doch wie hier das Banjo<br />
inszeniert wird, ist einzigartig.<br />
Chambergrass vom Feinsten.<br />
Marc Ribot erfüllt sich mit<br />
Songs of Resistance einen<br />
lange gehegten Traum und<br />
stellt eine Reihe von Protestliedern<br />
zusammen. Damit er<br />
gehört wird, stehen ihm unter<br />
anderem Vokalisten wie Tom<br />
Waits, Syd Straw, Steve Earle<br />
oder Sam Amidon zur Seite.<br />
Obwohl er mit den hymnischen<br />
bis wilden Liedern den Protest<br />
von mehr als einem dreiviertel<br />
Jahrhundert abdeckt,<br />
scheint doch der am häufigsten<br />
vorkommende Begriff<br />
„Donald Trump“ zu sein. Der<br />
Widerstand formiert sich,<br />
und hoffentlich werden noch<br />
viele Musiker Ribots Beispiel<br />
folgen.<br />
Der amerikanischen Slowcore-<br />
Band Low gelingt mit Double<br />
Negative in ihrer an Höhepunkten<br />
nicht gerade armen<br />
Discografie ein Coup, der alles<br />
Bisherige in den Schatten stellt.<br />
Die von ihrer Anlage her balladesken<br />
Songs werden in einen<br />
Mantel von digitalen Störgeräuschen<br />
verpackt, der<br />
die Melodien selbst zur<br />
absoluten Nebensache macht.<br />
Hier geht es nur noch um die<br />
De struktion des Klanges. Es<br />
spricht für das hohe Können<br />
der Band, dass ihr dabei nicht<br />
die Poesie verloren geht. Dieser<br />
Turm aus digitalem Klangschrott<br />
ist ein ebenso nachdenkliches<br />
wie spöttisches Sinnbild für<br />
unsere Zeit. Was von uns bleibt,<br />
ist unser Abfall, sonst nichts.<br />
Die Berliner Punkband Milliarden<br />
ist angetreten, ihre<br />
Heimatstadt zu porträtieren.<br />
Im Gegensatz zu ihrem Debüt<br />
Betrüger kommt sie auf ihrem<br />
Zweitwerk ohne griffige Parolen<br />
aus. Sie stellt den Fokus<br />
scharf und richtet ihn auf<br />
Menschen und Plätze, die in<br />
der Hektik des Alltags schnell<br />
mal übersehen werden. Laut<br />
eigenem Bekennen geht es<br />
Milliarden um die innere Architektur<br />
des Menschen. Mission<br />
accomplished.<br />
Wolf Kampmann<br />
Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong><br />
73
Kolumne<br />
Laufbildkontrolle<br />
Cynthia Mort<br />
Nina<br />
Universum Film<br />
W W W<br />
Sophie Huber<br />
Blue Note Records <strong>–</strong> Beyond<br />
the Notes<br />
Mira Film<br />
W W W o<br />
Eric Friedler<br />
It must Schwing! The Blue<br />
Note Story<br />
Neue Road Movies<br />
W W W W W<br />
Norah Jones<br />
Live at Ronnie Scott’s<br />
Eagle Rock / Universal<br />
W W W<br />
Emma Franz<br />
Bill Frisell <strong>–</strong> A Portrait<br />
www.billfrisellfilm.com<br />
W W W W W<br />
Emile Parisien Quintet<br />
Sfumato live in Marciac w.<br />
Joachim Kühn<br />
ACT / Edel:Kultur<br />
W W W o<br />
Arno Oehri & Oliver Primus<br />
Open Land <strong>–</strong> Meeting John<br />
Abercrombie<br />
ECM / Universal<br />
W W W o<br />
Lili Fini Zanuck<br />
Eric Clapton: Life in 12 Bars<br />
Universum Film<br />
W W W W W<br />
Nun liegt mit Nina, nach 2 Dokus,<br />
auch ein Biopic über Nina<br />
Simone vor. Die Geschichte von<br />
Jazz und Popmusik ist voll von<br />
charismatischen, widersprüchlichen,<br />
ja depressiven Charakteren.<br />
Von einem solchen<br />
erzählt das Drama, 2016 entstanden<br />
und erst kürzlich auf<br />
den deutschen Markt gekommen,<br />
recht gelungen. Ziemlich<br />
eigenwillig geht er doch wohl<br />
mit der Faktenlage um, was ihm<br />
Kritik einhandelte. Unbeeindruckt<br />
vom Gerangel um die<br />
Besetzung von Zoe Saldana<br />
(Avatar, Star Trek, Avengers<br />
etc.) als Hauptdarstellerin<br />
etc. schließe ich mich Ninas<br />
Wegbegleiter und Gitarristen<br />
Al Schackman an, der auch am<br />
Film mitarbeitete: Hut ab vor<br />
Frau Saldanas gesanglicher<br />
Leistung!<br />
Manche Autoren arbeiten<br />
am Rande der Fiktion, andere<br />
zeichnen gerne scharf und<br />
erzählen eng am Thema nach.<br />
Blue Note Records <strong>–</strong> Beyond<br />
the Notes der Schweizerin Sophie<br />
Huber bringt eine Menge<br />
Bilder, Musik, Interviews und<br />
Einsichten über die Bedeutung<br />
des emblematischen Labels.<br />
Mit Originalstimmen von<br />
Alfred Lion, Francis Wolff und<br />
Interviews mit Herbie Hancock,<br />
Wayne Shorter, Lou Donaldson<br />
und aktuellen Blue-Note-Stars<br />
wie Robert Glasper, Ambrose<br />
Akinmusire, Terrace Martin.<br />
Man zeigt Wertschätzung<br />
und erzählt vielfach gehörte<br />
Geschichten. Blue Note stand<br />
stets für die Freiheit der Kunst<br />
und dennoch knietief in unserer<br />
von Widersprüchen geprägten<br />
Welt von Rassismus, Kapitalismus<br />
und Flucht.<br />
Der zweite Blue-Note-Film<br />
nimmt sich des Lebens, Wirkens<br />
und Leidens der Gründer<br />
Lion und Wolff in wunderbar<br />
ungewöhnlicher Form an.<br />
Filmemacher Eric Friedler hat<br />
mit Produzent Wim Wenders ein<br />
kleines Meisterwerk des Genres<br />
geschaffen. It Must Schwing!<br />
erzählt das reale Märchen von<br />
zwei exilierten Jazzfanatikern in<br />
hochinteressanten Interviews,<br />
animierten Cartoon-Szenen und<br />
Original-Musikdokumenten,<br />
alles in exquisiter Optik. Die<br />
Animationen mischen sich in<br />
genau der richtigen Dosis in<br />
die Real-Szenen und wirken zu<br />
keiner Zeit despektierlich. Der<br />
Film ist informativ, unterhaltsam,<br />
ästhetisch wertvoll und sorgfältig<br />
recherchiert. Demnächst<br />
im Kino.<br />
Norah Jones Live at Ronnie<br />
Scott’s will uns zeigen, dass<br />
das Genre „Live auf DVD“<br />
noch am Leben ist. Schön<br />
abgefilmt, jedoch ohne große<br />
Höhepunkte gehen fast 2<br />
Stunden Laufzeit mit neuen und<br />
alten Jones-Songs in Londons<br />
noblem Jazzclub ins Land. Ms.<br />
Jones ist ihr eigener Klassiker<br />
geworden, doch gelingt es ihr,<br />
bestrebt und selbstbewusst,<br />
wie sie ist, die Begrenztheit<br />
ihres pianistischen Repertoires<br />
zum ureigenen Markenzeichen<br />
zu machen. Engagiert zur Seite<br />
stehen ihr Brian Blade (dr) und<br />
Christopher Thomas (b).<br />
Emma Franz portraitiert in Bill<br />
Frisell <strong>–</strong> A Portrait einen lebenden<br />
Gitarristen, der an so vielen<br />
Produktionen amerikanischer<br />
Musik mitwirkte und noch mal<br />
so vielen zu mehr Bedeutung<br />
verhalf. Ob Bonnie Raitt, Paul<br />
Simon, Jim Hall, Joey Baron,<br />
Joe Lovano, Paul Motian, Ron<br />
Carter, John Abercrombie<br />
u.a., es sind sich alle einig <strong>–</strong><br />
„careful and sensitive“ lebt<br />
dieser Genius in seiner Welt,<br />
dennoch stets im Hier und<br />
Jetzt und bereit, sich wie ein<br />
Kind zu wundern über Dinge,<br />
die ihm widerfahren. Gedacht<br />
als Portrait, weckt der Film<br />
Begeisterung für Musik an sich<br />
und gibt Einblicke in essenzielle<br />
Klangkunst.<br />
Manchmal ist es gut, beim Jazz<br />
Ohren- und Augenzeuge zu<br />
sein, z.B. als sich Emile Parisien<br />
2016 als Artist in Residence<br />
seine kolossale persönliche<br />
Allstarband zusammenstellen<br />
durfte. Sfumato live in Marciac<br />
verbindet auf schöne Weise die<br />
Moderne mit diesem speziellen,<br />
auf kuriose Weise allem französischen<br />
Jazz innewohnenden<br />
traditionellen Element. Eines<br />
der Highlights ist ein wie der<br />
Teufel swingender, schlagzeugloser<br />
„Temptation Rag“<br />
mit Gastauftritt von Parisiens<br />
Mentor Wynton Marsalis.<br />
Nah beieinander, aber doch<br />
ganz anders: Open Land <strong>–</strong><br />
Meeting John Abercrombie,<br />
das Portrait des kürzlich<br />
gestorbenen Gitarristen, kommt<br />
absichtsloser daher. Manche<br />
biografischen und Interview-<br />
Passagen haben Längen und<br />
leiden etwas unter Belanglosigkeit,<br />
gelungen mischt der Film<br />
jedoch viele von Johns meisterhaften<br />
ECM-Music-Scapes mit<br />
langsamen Landschafts- und<br />
Großstadtbildern, allen voran<br />
das großartig in den Abspann<br />
mündende „Timeless“.<br />
Und noch einmal Gitarre:<br />
Akribisch chronologisch wie<br />
lebendig erzählt Life in 12 Bars<br />
das Leben eines Gitarrengottes<br />
und erweckt stille und bewegte<br />
Super-8-Bilder zum Leben.<br />
Eric Clapton und die mit ihm<br />
befreundete Filmproduzentin Lili<br />
Fini Zanuck waren sich schnell<br />
einig darüber, dass es „no talking<br />
heads“ geben sollte, und<br />
genau das macht den Film so<br />
spannend; nur zu Beginn sieht<br />
man den aktuellen Eric, dann<br />
verschwindet er als Erzählstimme<br />
ins Off, hinter das auf Dachböden<br />
aufgestöberte private<br />
Archivmaterial. Unzählige musikalische<br />
Dokumente machen<br />
den Film zu einer spannenden<br />
Reise in die Vergangenheit des<br />
stilprägenden Musikers, auf der<br />
man, manchmal schonungslos<br />
offen, „Dinge entdeckt, die man<br />
noch nicht wusste“.<br />
Jan Kobrzinowski<br />
74 Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong>
sangsstil, der von hauchdünnen<br />
Balladen zu lebhaften Hymnen<br />
wechseln kann. Sie dominiert<br />
viele der Stücke und behauptet<br />
sich gegen den Bandoneonisten,<br />
dessen Instrument im argentinischen<br />
Tango ja eine Schlüsselrolle<br />
spielt; gegen Makaroff,<br />
der zwischen akustischen und<br />
elektrischen Gitarren wechselt,<br />
sowie gegen eine eindringliche<br />
Rhythmusgruppe mit Müller<br />
hinter den Keyboards, die für so<br />
manche Effekte und pochende<br />
elektronische Percussion sorgt.<br />
Leider sind einige der Arrangements<br />
dann doch etwas simpel.<br />
Doch wie das Gotan Project bietet<br />
auch Plaza Francia dem Fan<br />
des Electro-Tango eine exotische<br />
und suggestive Atmosphäre, perfekt<br />
für romantische Tagträume<br />
und heiße Sommerabende.<br />
Olaf Maikopf<br />
<strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong><br />
Peter Gall<br />
Paradox Dreambox<br />
Traumton / Indigo<br />
W W W W<br />
Auf über 30 Alben ist der<br />
deutsche Drummer Peter Gall zu<br />
hören, unter anderem im Trio mit<br />
seinem Bruder, dem Pianisten<br />
Chris Gall, sowie in diversen<br />
Bands um den Trompeter Magnus<br />
Schriefl. Mit Paradox Dreambox<br />
legt der 35-jährige Absolvent<br />
der Hochschule der Künste Berlin<br />
und der Manhattan School of<br />
Music sein Debüt als Bandleader<br />
vor. Dass er dort nicht<br />
nur Schlagzeug, sondern auch<br />
Komposition studiert hat, kommt<br />
auf diesem außerordentlich reif<br />
wirkenden Erstling mehrfach<br />
zum Tragen: Auf keinem der zehn<br />
Stücke, die Gall eigens für diesen<br />
Anlass geschrieben hat, spielt er<br />
sich in den Vordergrund; vielmehr<br />
gibt er seinen befreundeten Mitstreitern<br />
Wanja Slavin (sax, synth,<br />
fl, cl), Rainer Böhm (p, synth) und<br />
Matthias Pichler (b), verstärkt um<br />
den niederländischen Gitarristen<br />
Reinier Baas, großzügig Raum,<br />
während er als Autor und Dirigent<br />
hinter der Combo rhythmische<br />
Netze knüpft und metrische<br />
Fäden zieht. Synthesizer, auch<br />
von Gall persönlich bedient,<br />
eröffnen eine weitere Dimension:<br />
Imaginäre Klangfarbenmodulationen<br />
rücken die vorangegangenen<br />
Progressionen von „4 West“ oder<br />
dem Auskl ang „Ambrilla“ in ein<br />
neues Licht. Was im eröffnenden<br />
Titeltrack mit kristallinem Flirren<br />
hypermotorisch und postmodern<br />
beginnt, entwickelt sich rasch<br />
zu einem hoch melodiösen<br />
Tune, dem man fast schon die<br />
vertrauten Züge eines Standards<br />
attestieren muss. Das Highlight<br />
des Albums befindet sich als<br />
Centertrack aber dennoch<br />
inmitten der Playlist: Tatsächlich<br />
beruht das kantable „Yellow<br />
Heaven“ auf einem Song mit Text,<br />
der aber mit diesem Instrumental<br />
Privatsache bleibt.<br />
Harry Schmidt<br />
<strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong><br />
Haruomi Hosono<br />
5 Original Albums<br />
Light in the Attic / Cargo<br />
W W W W o<br />
Die Alben von Haruomi Hosono,<br />
Gründer des Yellow Magic<br />
Orchestra, gab es bisher nur in<br />
Japan oder über verschlungene<br />
Wege. Nun bringt das Reissue-<br />
Label Light in the Attic gleich<br />
fünf charakteristische Alben<br />
von Hosono auf den westlichen<br />
Markt. Fünf Jahre vor dem<br />
YMO nahm Hosono sein erstes<br />
Soloalbum Hosono House auf.<br />
Kurz zuvor hatte er in L.A. Van<br />
Dyke Parks, Ry Cooder und den<br />
Americana Sound kennengelernt.<br />
Diese Begegnung, vereint mit<br />
seiner Sicht von Calypso, New<br />
Orleans Cajun und Rumba lässt<br />
sein Debüt heute noch aufregend<br />
vibrieren. In den folgenden<br />
Jahren lebte Hosono seine<br />
Obsession für Martin Dennys<br />
Exotica, Sly Stone, balinesische<br />
und japanische Perkussion aus,<br />
kongenial kulminiert im traumhaften<br />
Paraiso. Parallel dazu brachte<br />
Hosono 1978 Cochin Moon, das<br />
klingende Tagebuch seiner Reise<br />
durch Indien, heraus. Erstmals<br />
verwendete Hosono hier einen<br />
Synthesizer in seiner Musik. Die<br />
war nun komplett experimentell.<br />
Während der Reise gefundene<br />
Klänge und Feldaufnahmen wurden<br />
mit Ideen des Krautrock und<br />
blubbernden Sequenzersounds<br />
von Hosono zu einer völlig neuen<br />
„Sightseeing-Music“ verkapselt,<br />
die den Hörer an einen fremden<br />
Ort bringt, der so vorher nicht<br />
existierte. Für vier Jahre konzentrierte<br />
sich Hosono nun ganz auf<br />
die Arbeit mit dem YMO. Erst 1982<br />
erschien Philharmony, ein Meisterwerk,<br />
das fast ausschließlich<br />
von Hosono selbst in seinem<br />
brandneuen LDK Studio mit einer<br />
Reihe von Synthesizern und den<br />
neuesten Gadgets eingespielt<br />
wurde. All diese Erfahrungen und<br />
Ideen betrachtete er sieben Jahre<br />
später auf Onni Sight Seeing,<br />
einer musikalischen Reise um die<br />
Welt, durch sein kaleidoskopisches<br />
Objektiv. Weltmusikalische<br />
Momente aus der arabischen<br />
Kultur und der japanischen<br />
Minyo setzte Hosono nun mit<br />
dem amerikanischen Swing<br />
und seiner eigenen außerirdischen<br />
„Ether-Music“ zu einem<br />
unverkennbaren eklektischen<br />
Hosono-Sound zusammen.<br />
Olaf Maikopf<br />
<strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong><br />
Protoje<br />
A Matter of Time<br />
Mr Bongo / Harmonia Mundi<br />
W W W<br />
Protoje heißt eigentlich Oje Ken<br />
Ollivierre und ist ein Roots-<br />
neW<br />
releases<br />
DT9079<br />
IngI BJarnI<br />
trIo<br />
Fundur<br />
DT9081<br />
Joey<br />
CalDerazzo<br />
Live From<br />
The Cotton Club,<br />
Tokyo<br />
distributed by<br />
Dot time records<br />
Bremen<br />
info@dottimerecords.com<br />
JazzthetIk 09/10-<strong>2018</strong> 75<br />
www.dottimerecords.com
Tonspuren<br />
raunender Elektronik oder<br />
träumerisch-melancholischen<br />
TripHop-Trips. Die üblichen Vergleiche<br />
der Journalisten reichen<br />
von Sax-Ikone John Coltrane bis<br />
hin zu den Heavy-Legenden von<br />
Black Sabbath und von Miles<br />
Davis bis zum Krautrock. Get the<br />
Blessing haben definitiv einen<br />
Nerv getroffen.<br />
Hans-Jürgen Schaal<br />
<strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong><br />
über sich hinauswächst und<br />
beim Publikum völlig zu Recht<br />
Begeisterungsstürme hervorruft.<br />
Schön, dass man das jetzt<br />
alles auch auf einem Tonträger<br />
genießen kann. Im Booklet zitiert<br />
Brennan das alte irische Sprichwort<br />
„You don’t need to be crazy<br />
to be an artist <strong>–</strong> but it helps“ und<br />
er sieht erschüttert ob seiner<br />
eigenen Courage, dass nur der,<br />
der wagt, auch gewinnen kann.<br />
Chapeau!<br />
Rolf Thomas<br />
<strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong><br />
Reggae-Künstler aus Jamaika.<br />
Aber einer von heute, der seine<br />
Botschaften in urbane, gerne<br />
auch pop-affine Gewänder zu<br />
verpacken weiß. Will sagen:<br />
Die Band groovt sehr kultiviert,<br />
so dass sich Protojes unerbittlicher<br />
Sprechgesang in einem<br />
anregenden Flow entfaltet. Eben<br />
um das Publikum zu packen und<br />
dann auch empfänglich für die<br />
Botschaft werden zu lassen.<br />
Denn Protoje geht es um die<br />
bittere Wirklichkeit an jenem<br />
sozialen Brennpunkt, zu dem<br />
sich die Insel Jamaika immer<br />
mehr entwickelt. Auch hier<br />
lässt der Turbo-Kapitalismus<br />
die Massen verelenden, gerade<br />
in den beiden aus den Nähten<br />
platzenden Metropolen Kingston<br />
und Montego Bay. Reiche<br />
verbrennen ihren Wohlstandsmüll<br />
dort, wo die Abgehängten<br />
ums Überleben kämpfen. Protoje<br />
wurde gewarnt, dass er durch<br />
die Veröffentlichung solcher<br />
Texte sein eigenes Leben<br />
gefährde. Das schreckte den<br />
unbeugsamen Jamaikaner nicht.<br />
Seitdem erstürmt das Stück<br />
„Blood Money“ die Billboard-<br />
Charts <strong>–</strong> übrigens ist dies auch<br />
die stärkste Nummer auf diesem<br />
Album. Reggae heißt, dass sich<br />
politische Botschaften mit friedlicher<br />
Gelassenheit artikulieren.<br />
Manchmal geschieht das auf<br />
diesem Album in zu poppiger<br />
Glätte, wo einige Stücke doch<br />
mehr vom eindringlichen Biss<br />
des besagtem „Blood Money“<br />
vertragen könnten. Dennoch:<br />
Man mag beim Hören dieses<br />
zeitgemäßen Reggae mit<br />
fließenden Grenzen zu Rap und<br />
Dub nicht gerne alleine zu Hause<br />
bleiben. Denn diese Sounds und<br />
Riddims verlangen nach Hören,<br />
Tanzen, Fühlen. Schön, wenn so<br />
etwas dann auch mal mit kritischem<br />
Gedankengut einhergeht!<br />
Stefan Pieper<br />
<strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong><br />
Get the Blessing<br />
Bristopia<br />
Kartel / Indigo<br />
W W W W<br />
Seit fast 20 Jahren spielt das<br />
Quartett Get the Blessing<br />
aus Bristol in unveränderter<br />
Besetzung zusammen. Die<br />
beiden Bläser Jake McMurchie<br />
(sax) und Pete Judge (tp) sowie<br />
Jim Barr (b) und Clive Deamer<br />
(dr), das Rhythmusgespann<br />
der Band Portishead, erfanden<br />
1999 den Jazzrock 2.0 aus dem<br />
Geiste des TripHop <strong>–</strong> und das<br />
Ganze funktioniert noch heute.<br />
Schnarrende Bläsersätze,<br />
knappe, schmucklose Themen,<br />
ekstatische Saxofonsoli, kompakte<br />
Rhythmusfiguren <strong>–</strong> die<br />
harte Gangart („If It Can It Will“,<br />
„Cellophant“) schlägt Brücken<br />
zwischen Ornette Colemans<br />
Free Funk und einem heftigen<br />
Bass- und Synthesizer-Rock.<br />
Die weichere Variante der<br />
Bandsprache („Cococloud“,<br />
„Sunwise“) geht dagegen<br />
mehr ins Atmosphärische <strong>–</strong> mit<br />
poetischen Trompetentönen,<br />
Pago Libre & Friends<br />
Got Hard<br />
Leo / Galileo<br />
W W W o<br />
Der Mann ist komplett wahnsinnig:<br />
Für das Schweizer Festival<br />
Alpentöne schuf der Schweizer<br />
Ire John Wolf Brennan ein<br />
gigantisches Werk, das vom<br />
24-köpfigen Alpentöne Blasorchester,<br />
seinem Quartett Pago<br />
Libre, drei zusätzlichen Solisten<br />
<strong>–</strong> Christian Zehnder, Christy<br />
Doran und Patrice Héral <strong>–</strong> sowie<br />
sechs Musikern der Irish World<br />
Academy of Music and Dance<br />
musikalisch umgesetzt wurde.<br />
Was noch viel erstaunlicher ist:<br />
Die insgesamt über 35 Musiker<br />
kommen sich kaum ins Gehege,<br />
und es gibt sogar viel Raum für<br />
intime Momente <strong>–</strong> ein besonders<br />
schöner in der „ma/thema/gical<br />
fortspinnung“ zwischen Brennan,<br />
Doran und Héral. Brennan<br />
erkennt Zusammenhänge zwischen<br />
alpiner Musik und irischer<br />
Folklore, besonders hübsch in<br />
„GruyAIR“, das die Melodie<br />
von „Au pays de Gruyère“ in<br />
einen irischen Air überführt und<br />
Christian Zehnder zu gewagter<br />
Vokalartistik ermuntert. Zum<br />
Schluss werden sämtliche<br />
großorchestralen Kettenhunde<br />
von der Leine gelassen und Dave<br />
Brubecks Mega-Hit „Take Five“<br />
dient als Ausgangspunkt für<br />
das euphorisch übersprudelnde<br />
„Fake Five“, bei dem das ABO<br />
Trondheim Voices<br />
Rooms & Rituals<br />
Grappa / Galileo<br />
W W W W o<br />
Rooms & Rituals bietet Musik,<br />
die einen als HörerIn dazu<br />
bringen kann, der Welt um einen<br />
herum anders und intensiver zu<br />
lauschen: ein- und auszoomen<br />
auf bestimmte Umgebungsgeräusche,<br />
sie ineinander übergehen<br />
lassen, sich hineinsinken<br />
lassen etc. Ähnliches passiert<br />
hier in der Musik, allerdings<br />
mithilfe verfeinerter Technologie,<br />
die Klang im Live-Geschehen<br />
mehr als verformen und loopen<br />
kann. Sie kann Klang durch den<br />
Raum wandern lassen, kann ihn<br />
tiefer in den Raum projizieren<br />
oder näher herankommen lassen,<br />
und zwar so, dass jede der<br />
neun weiblichen Stimmen dies<br />
mit einem mobilen Apparat am<br />
Körper, dem Maccatrol, während<br />
der Aufführung selbst kontrollieren<br />
und verändern kann. Der<br />
Maccatrol ist eine Entwicklung<br />
des Toningenieurs Asle Karstad,<br />
der den Trondheim Voices seit<br />
Jahren als Mitglied eng verbunden<br />
ist. Mithilfe der Maccatrols<br />
können die VokalistInnen genau<br />
das in höchster Verfeinerung<br />
effektiv realisieren, was man<br />
beim mitgestaltenden Hören<br />
gerne hinkriegen würde.<br />
76 Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong>
Mit dieser Technologie sind<br />
höchst wundersame magische<br />
Räume und Klangwelten mit<br />
einer einzigartigen kosmischen<br />
Dynamik und Poesie entstanden,<br />
die ihren sorgfältig gewählten<br />
Niederschlag in den zwölf<br />
Stücken des Albums gefunden<br />
haben. Alles ist live an verschiedenen<br />
Orten aufgenommen und<br />
nicht mit Overdubs im Nachhinein<br />
bearbeitet worden. Zwei<br />
der Stücke, „Hymn“ und „Berlin<br />
Memorial“, wurden auf dem<br />
letztjährigen Berliner JazzFest<br />
bei einem Konzert in der Kaiser-<br />
Wilhelm-Gedächtniskirche<br />
aufgenommen.<br />
Henning Bolte<br />
<strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong><br />
Trio Elf & Marco Lobo<br />
The Brazilian Album<br />
Yellowbird / Soulfood<br />
W W W W<br />
Seit einiger Zeit spielt das<br />
deutsche Trio Elf mit dem Brasilianer<br />
Marco Lobo zusammen,<br />
tourt mit ihm durch Europa.<br />
Für das gemeinsame Brazilian<br />
Album konnten sie neben dem<br />
berühmten Perkussionisten<br />
gleich fünf wunderbare brasilianische<br />
Sängerinnen gewinnen,<br />
darunter Margareth Menezes,<br />
Virginia Rodriguez und Maria<br />
Gadú. Im Zentrum der Musik<br />
stehen hier die Provinz Bahia<br />
und deren vielfältige kulturelle<br />
und religiöse Strömungen, wie<br />
die von afrikanischen Wurzeln<br />
geprägte Candomble mit<br />
ihrer Orisha (Göttin) Nana. Die<br />
Candomble fußt auf den Riten<br />
der Bantu und steht von allen<br />
afrobrasilianischen Religionen<br />
den westafrikanischen<br />
Praktiken am nächsten. In ihrer<br />
rituellen Musik werden drei<br />
verschiedene Trommeln sowie<br />
pentatonische und hexatonische<br />
Tonleitern eingesetzt. Damit arbeiten<br />
hier auch das Trio Elf und<br />
Marco Lobo, verbinden diese<br />
sogar mit heutigem Drum‘n‘Bass<br />
und Dub-Momenten. Doch meist<br />
singen die fünf Sängerinnen die<br />
Texte von Roque Ferreira, Paulo<br />
Cesar Pinheiro und Milton Nascimento<br />
über Sklaverei, Mythen<br />
oder die politischen Zustände<br />
zu Zeiten der Militärdiktatur<br />
zu einem akustisch gespielten<br />
Jazz-Brasil-Konglomerat unter<br />
Verwendung des umfangreichen<br />
brasilianischen Perkussionsrepertoires.<br />
Ganz feine Fusion <strong>–</strong><br />
weit abseits der sonst häufig bei<br />
uns zu hörenden Klischees von<br />
Samba und Bossa Nova.<br />
Olaf Maikopf<br />
<strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong><br />
Tia Fuller<br />
Diamond Cut<br />
Mack Avenue / In-Akustik<br />
W W W W<br />
Bei der Art und Weise, wie die<br />
amerikanische Saxofonistin Tia<br />
Fuller sich auf der Vorder- und<br />
vor allem der Rückseite ihrer<br />
neuen CD präsentiert, müsste eigentlich<br />
jede Feministin weinend<br />
davonlaufen. Wie man mit einem<br />
sexy Image spielt, hat sie wohl<br />
von ihrer Arbeitgeberin Beyoncé<br />
gelernt, aber hier soll es ja um<br />
die Musik gehen. Und die ist über<br />
jeden Zweifel erhaben. Unterstützt<br />
wird Fuller auf Diamond<br />
Cut von den Schlagzeugern Jack<br />
DeJohnette, Bill Stewart und<br />
Terri Lyne Carrington, den Bassisten<br />
James Genus und Dave<br />
Holland sowie dem Gitarristen<br />
Adam Rogers, also der ersten<br />
Riege der US-Jazz-Szene. Den<br />
Löwenanteil der zwölf Songs<br />
hat die Saxofonistin selbst<br />
geschrieben und die drei Cover<br />
zeugen von einem exquisiten<br />
Geschmack: Mal Waldrons „Soul<br />
Eyes“ klingt sinnlich wie selten,<br />
Cole Porters „I Love You“ ist von<br />
PDF in 4c<br />
Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong> 77
Kolumne<br />
Soul Voices<br />
Michael Franks<br />
The Music in My Head<br />
Shanachie / In-Akustik<br />
W W W W<br />
Inger Marie<br />
Feels Like Home<br />
Stunt / In-Akustik<br />
W W W o<br />
José James<br />
Lean on Me<br />
Blue Note / Universal<br />
W W W W<br />
Kandace Springs<br />
Indigo<br />
Blue Note / Universal<br />
W W W W<br />
Basia<br />
Butterflies<br />
Shanachie / In-Akustik<br />
W W W o<br />
Fola Dada<br />
Earth<br />
Künstlerhafen / Edel:Kultur<br />
W W W W<br />
Ed Motta<br />
Criterion of the Senses<br />
Must Have / Membran<br />
W W W o<br />
Roger Nichols<br />
& The Small Circle of Friends<br />
Tapete / Indigo<br />
W W W W W<br />
The Music in My Head wäre<br />
auch ein passender Untertitel<br />
für diese Kolumne, ist aber der<br />
Name des achtzehnten Albums<br />
in 45 Jahren von Michael<br />
Franks. Sieben Jahre nach<br />
seinem letzten Werk Time Together<br />
macht Franks auch jetzt<br />
keine neue Musik <strong>–</strong> was in seinem<br />
Fall auch nicht nötig ist.<br />
Denn als Komponist und Sänger<br />
schuf der in der Nähe von<br />
Woodstock lebende Altmeister<br />
mit Leuten wie Ben Sidran und<br />
Jon Mark ein eigenes, „Quiet<br />
Storm“ genanntes Genre. Und<br />
so lässt er auch auf der neuen<br />
Platte R&B, Jazz-Fusion und<br />
Popmusik wunderbar miteinander<br />
flirten. Franks Melodien<br />
fließen weiterhin mühelos ins<br />
Ohr, und dazu die dezente,<br />
sanfte Dynamik, die langsamen<br />
Tempi und entspannten Rhythmen,<br />
das macht immer noch<br />
Gänsehaut.<br />
Besonders in Ostasien ist<br />
die Norwegerin Inger Marie<br />
recht populär, ihr Debüt-Album<br />
stieg dort bis an die Spitze<br />
der Jazzcharts. Was nicht<br />
verwundert, hat sie doch eine<br />
ganz eigene Stimme <strong>–</strong> dunkel,<br />
warm, herzlich und mitreißend,<br />
mal schwebend, mal rau. Auf<br />
Feels Like Home singt sie<br />
Pop- und Rock-Songs wie Otis<br />
Reddings’ „Sittin‘ on the Dock<br />
of the Bay“, aber auch Abbas<br />
„When All Is Said and Done“<br />
und „Long As I Can See the<br />
Light“ von CCR. Dieses Material<br />
verwandelt die ehemalige<br />
Bigbandsängerin mit ihren<br />
Musikern in tiefgehende, meist<br />
jazzige Interpretationen. Doch<br />
irgendwie hat man das so ähnlich<br />
schon zu häufig gehört,<br />
und darum hätte etwas Lust<br />
auf ein Wagnis sicher nicht<br />
geschadet.<br />
Einen Ruf als hervorragender<br />
Jazzsänger hat sich José<br />
James längst erworben. Mit<br />
Lean on Me bietet er seine<br />
ehrfurchtsvolle, aber weitreichende<br />
Interpretation von Bill-<br />
Withers-Klassikern wie „Ain‘t<br />
No Sunshine“, „Use Me“ und<br />
„Just the Two of Us“. Indem<br />
er Withers, der mit seinen<br />
Liedern Millionen von Herzen<br />
berührte, zwingend zeitgenössisch<br />
erforscht, offenbart<br />
er eine tiefe musikalische<br />
Wertschätzung.<br />
Prince war ein Fan der jungen<br />
Sängerin und Pianistin<br />
Kandace Springs. Auf ihrem<br />
zweiten Album Indigo bleibt<br />
sie sich einerseits treu, singt<br />
viele Midtempoballaden über<br />
klavierverankerten geschmackvollen<br />
Arrangements,<br />
bietet nun aber auch luftige<br />
Dancehall-Beats, bei „Unsophisticated“<br />
einen Auftritt des<br />
Flügelhornisten Roy Hargrove,<br />
und sogar Rachmaninoff wird<br />
kurz zitiert. In der Summe eine<br />
gelungene, verführerische und<br />
erwachsene Platte einer Musikerin,<br />
die sich ihrer Talente<br />
bewusst ist.<br />
Der brasilianisch infizierte<br />
Jazz-Pop begann nicht mit<br />
Basia und ihrer einstigen Band<br />
Matt Bianco, bereits zwanzig<br />
Jahre zuvor legten Sergio<br />
Mendes & Brasil ‚66 den<br />
Grundstein. Allerdings ist nun<br />
auf Butterflies der Jazzanteil<br />
präsenter. Die Produktion wird<br />
durch mehr akustische Elemente<br />
reduziert, der Jazz dadurch<br />
leichter identifizierbar.<br />
Was in diesem Fall „Swing“<br />
wie im Stück „Be.Bop“ bedeutet.<br />
Aber dann gibt es noch das<br />
chinesisch inspirierte Stück<br />
„Liang & Zhu“, bei dem Basia<br />
mit ostasiatischer Violine eine<br />
hübsche asiatische Stimmung<br />
kreiert.<br />
Ihre Arbeiten für Helmut Hattler<br />
und die SWR Bigband sind<br />
bekannt. Auf Earth, dem Solodebüt<br />
der nigerianisch-deutschen<br />
Jazz- und Soulsängerin<br />
Fola Dada lässt sie ihr eigenes<br />
musikalisches Herz schlagen.<br />
Zu hören gibt es erwachsen<br />
wie gleichzeitig ungemein entspannt<br />
klingende Songs, die<br />
Fola und ihr Pianist Ulf Kleiner<br />
im Spektrum zwischen Jazz,<br />
Soul, etwas Reggae bis hin zu<br />
clubtauglicher Tanzmusik im<br />
meist warmen Vintage-Soundcharakter<br />
arrangierten.<br />
Mit AOR huldigte der voluminöse<br />
Brasilianer Ed Motta vor<br />
fünf Jahren dem Genre Adult<br />
Orientated Rock und brachte<br />
anschließend ein straight jazzsouliges<br />
Album heraus. Auf<br />
Criterion of the Senses folgt er<br />
nun wieder seiner eigentlichen<br />
Leidenschaft und präsentiert<br />
Songs, die in Eleganz und<br />
Beschwingtheit mit seinem<br />
Vorvorgänger mithalten,<br />
allerdings fehlt diesmal ein<br />
zwingender Hit.<br />
Ein großer Hitschreiber war<br />
Roger Nichols, dessen Songs<br />
für The Carpenters, Dionne<br />
Warwick oder Herb Alpert<br />
auf vordersten Chartplätzen<br />
landeten. 1968 erschien mit<br />
The Small Circle of Friends auf<br />
A&M sein eigenes Album. Das<br />
ist inzwischen rar, Originale<br />
müssen teuer bezahlt werden.<br />
Da kommt die liebevoll<br />
gemachte und preiswerte<br />
Neuausgabe (natürlich auch<br />
auf Vinyl mit Bonus-Single)<br />
des Hamburger Labels Tapete<br />
genau richtig. Nun kann<br />
das initiierende Album des<br />
kalifornischen Sunshine-Pop<br />
mit den so locker pulsierenden<br />
leichten Arrangements und<br />
üppigen Gesängen, an dem die<br />
großartigen Innovatoren Van<br />
Dyke Parks und Tommi LiPuma<br />
beteiligt waren, von der nachgewachsenen<br />
Yacht-Rock-<br />
Gemeinde entdeckt werden.<br />
Olaf Maikopf<br />
78<br />
Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong>
kühler Eleganz <strong>–</strong> und so wollte<br />
Porter seine Songs auch verstanden<br />
wissen <strong>–</strong>, und den Buddy-<br />
Johnson-Song „Save Your Love<br />
Me“, den einst Nancy Wilson<br />
berühmt machte, nutzt Fuller für<br />
einfallsreiche Saxofon-Girlanden<br />
quer durch die Skalen. Das halbe<br />
Song-Dutzend, das Fuller mit dem<br />
einmaligen Rhythmus-Tandem<br />
Holland/DeJohnette eingespielt<br />
hat, ist von überragender<br />
Delikatesse <strong>–</strong> wahrlich „a dream<br />
come true“, wie die Saxofonistin<br />
in den Danksagungen auf dem<br />
Innencover der CD schwärmt.<br />
Rolf Thomas<br />
<strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong><br />
Tower of Power<br />
Soul Side of Town<br />
Artistry / In-Akustik<br />
W W W W o<br />
1968 waren viele der aufstrebenden<br />
Bläserbands, die Rock spielten,<br />
vom Jazz beeinflusst: Blood<br />
Sweat & Tears, Chicago Transit<br />
Authority, Flock und Dreams.<br />
Und dann war da noch Tower of<br />
Power, eine Band, die auf das<br />
Soul-Funk-Feeling der Mar-Keys,<br />
des James Brown Orchestra und<br />
anderer R&B-Horn-Sektionen<br />
abgestimmt war. Das Besondere<br />
an Tower of Power war die<br />
kompakte Bläserabteilung um<br />
die Saxofonisten Emilio Castillo<br />
und Stephen „Doc“ Kupka, der<br />
leidenschaftliche Gesang und<br />
der herausragende Schlagzeuger<br />
David Garibaldi. Schon auf<br />
ihrem Debüt East Bay Grease<br />
huldigte die Band sowohl dem<br />
schmierigen Oakland-Sound<br />
als auch der erdigen Seele von<br />
Memphis. Als wäre kaum Zeit<br />
vergangen, zelebrieren ToP auf<br />
ihrem 25. Album, mit dem sie<br />
in diesem Jahr ihr 50-jähriges<br />
Jubiläum feiern, eine kochende<br />
Funk-Verschmelzung von Soul,<br />
Vintage R&B, Groove, Jazz und<br />
Rock. Bestehend aus lebhaften<br />
funky und aufwendig gewobenen<br />
Songs, die eine große Bandbreite<br />
an Musikalität aufweisen,<br />
taucht Soul Side of Town in den<br />
goldenen Kanon ihrer Klassiker<br />
ein. Ein phänomenales Album mit<br />
einer unglaublichen Sammlung<br />
roher, kantiger, pausenlos groovender<br />
Melodien, das zweifelsfrei<br />
das 50-jährige Bestehen<br />
von Tower of Power rechtfertigt.<br />
Worüber Gründungsmitglied,<br />
Komponist und Saxofonist Emilio<br />
Castillo kürzlich augenzwinkernd<br />
reflektierte: „50 Jahre zusammen<br />
feiern ist wirklich eine surreale<br />
Erfahrung.“<br />
Olaf Maikopf<br />
<strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong><br />
Jan Pascal & Alexander Kilian<br />
Café del Mundo<br />
Beloved Europa<br />
GLM / Soulfood<br />
W W o<br />
Die beiden Gitarristen Jan Pascal<br />
und Alexander Killian genießen<br />
schon ein gutes Jahrzehnt lang<br />
eine ansehnliche Reputation in<br />
der europäischen Szene. Eigentlich<br />
vom Flamenco her kommend,<br />
kreuzten sich ihre Wege bereits<br />
mit Jazz-Größen wie dem<br />
Trompeter Joo Kraus und dem<br />
Saxofonisten Mulo Francel. Auf<br />
ihrem aktuellem Album Beloved<br />
Europa lassen sie sich auf eine<br />
Gratwanderung zwischen Kunst<br />
und Kommerz ein, die nicht<br />
immer gelingt. So durchzieht die<br />
ersten drei Stücke ein permanenter<br />
dumpfer Bass-Drum-Beat.<br />
Auch melodisch ist die Musik zu<br />
berechenbar, um zu überzeugen.<br />
Doch dann reißen die beiden<br />
Gitarristen in dem Track „Dance<br />
of Joy“ den Kurs herum. Da entlocken<br />
die beiden ihren Gitarren<br />
perkussive Klänge und vertrackte<br />
Rhythmen und lassen die ersten<br />
Stücke wie Aufwärmübungen<br />
erscheinen. Wie gut die beiden<br />
Musiker sind, wenn sie Pop-<br />
Klischees hinter sich lassen, wird<br />
aber erst in „Oblivion“ deutlich.<br />
Das ist Flamenco-Gitarre mit Melodien<br />
voller lyrischer Schönheit<br />
<strong>–</strong> Musik, die atmet. Auch Astor<br />
Piazzollas „Libertango“ meistern<br />
Pascal und Killian souverän. Ein<br />
weiteres Highlight ist der Gastauftritt<br />
von Rosario La Tremendita<br />
in „Una Escalera de Vidrio“.<br />
Umso problematischer erscheinen<br />
dagegen die Zugeständnisse<br />
an die Pop-Kultur in vielen<br />
anderen Stücken dieses Beloved<br />
Europa. Das ist kein Weg zu neuen<br />
künstlerischen Ufern, sondern<br />
reines Kalkül und Anbiederung<br />
an den Zeitgeschmack.<br />
Andreas Schneider<br />
<strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong><br />
Denny Zeitlin<br />
Wishing on the Moon<br />
Sunnyside / GoodToGo<br />
W W W W o<br />
Fast zehn Jahre alt ist das<br />
Material dieses Live-Albums des<br />
US-amerikanischen Pianisten,<br />
der auch als Psychiater an der<br />
University of California unterrichtet.<br />
Mitgeschnitten im Dizzy’s<br />
Club Coca Cola, dem als allseits<br />
anerkannte Institution schon seit<br />
Langem weit vor dem Blue Note<br />
rangierenden Mekka der New<br />
Yorker Jazz-Szene im Lincoln<br />
Center, dokumentiert Wishing on<br />
the Moon die bemerkenswerten<br />
Live-Qualitäten eines Klaviertrios,<br />
dessen Interplay bereits zu diesem<br />
Zeitpunkt ein Niveau erreicht<br />
hatte, von dem viele andere nur<br />
träumen. Acht Jahre bestand die<br />
Working-Band mit dem Bassisten<br />
Buster Williams und dem Schlagzeuger<br />
Matt Wilson damals schon.<br />
Dreimal kommt Zeitlin auch als<br />
Komponist zum Tragen <strong>–</strong> neben<br />
dem balladesken Titelstück mit der<br />
vierteiligen Suite „Slickrock“ und<br />
dem zwischen Funk- und Swing-<br />
Time alternierende „There and<br />
Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong> 79
Kolumne<br />
Chet Baker<br />
The Thrill Is Gone <strong>–</strong> The<br />
Complete Studio Master Takes<br />
1952-1956 (10 CDs)<br />
Le Chant du Monde / Harmonia<br />
Mundi<br />
W W W W<br />
Chet Baker<br />
Rebel at Work <strong>–</strong> The Complete<br />
Studio Master Takes 1956-1959<br />
(10 CDs)<br />
Le Chant du Monde / Harmonia<br />
Mundi<br />
W W W W<br />
Chet Baker<br />
Chet Baker Sings <strong>–</strong> The Complete<br />
Vocal Studio Recordings<br />
1953-1962 (3 CDs)<br />
Le Chant du Monde / Harmonia<br />
Mundi<br />
W W W W<br />
Die drei massiven Boxen mit<br />
zusammen 23 CDs, die in diesem<br />
30. Jahr nach Chet Bakers<br />
Tod erscheinen, umfassen das<br />
Werk des Trompeters zwischen<br />
1952 und 1959; dazu kommen<br />
„Overdub Sessions“ von 1962:<br />
Zu einigen Gesangsaufnahmen<br />
von Baker mit seinem Quartett<br />
aus den fünfziger Jahren wurden<br />
Einspielungen des Gitarristen<br />
Joe Pass hinzugefügt. Die<br />
ganze Tragik von Bakers Leben<br />
zeigt sich schon im ersten Jahrzehnt<br />
seines Schaffens. Wegen<br />
seiner Drogenabhängigkeit<br />
zerbricht die Freundschaft<br />
mit dem gleichfalls süchtigen<br />
Gerry Mulligan, der Pianist<br />
Russ Freeman verabschiedet<br />
sich aus Bakers Quartett, weil<br />
dessen Chef sich mehr für<br />
Frauen und schnelle Autos<br />
interessiert als für seine Musik;<br />
und Freemans Nachfolger Dick<br />
Twardzik wird während Bakers<br />
erster Europa-Tournee in einem<br />
Pariser Hotel mit der Heroin-<br />
Spritze im Arm tot aufgefunden.<br />
Baker selbst hatte immer<br />
Kontakt mit drogenabhängigen<br />
Kollegen gesucht und landete<br />
schon damals mehrfach sowohl<br />
in Amerika wie auch in Europa<br />
im Gefängnis.<br />
In den Liner Notes zu den<br />
drei Boxen wird das alles<br />
ausführlich erzählt. Die Musik<br />
umfasst die ersten sensationell<br />
erfolgreichen Einspielungen<br />
mit dem pianolosen Gerry<br />
Mulligan Quartet und diverse<br />
Aufnahmen von Baker-Combos<br />
in verschiedenen Besetzungen,<br />
einige davon mit Streichern (die<br />
komplette Chet Baker Sings<br />
and Plays With Bud Shank,<br />
Russ Freeman & Strings zum<br />
Beispiel). Der Großteil der<br />
Platten wurde in Los Angeles<br />
aufgenommen, aber es gibt<br />
auch schon Einspielungen aus<br />
Paris und Mailand mit europäischen<br />
Jazzmusikern. In den Boxen<br />
enthalten sind so populäre<br />
und erfolgreiche LPs wie The<br />
Chet Baker Quartet featuring<br />
Russ Freeman, Playboys mit Art<br />
Pepper, Embraceable You oder<br />
Chet Baker and His Quintet<br />
with Bobby Jaspar (die auch<br />
einmal unter dem Namen Alone<br />
Together auf dem Markt war).<br />
Zu beklagen ist in der Baker-<br />
Story, dass es keine Tonträger<br />
von seiner Arbeit mit Charlie<br />
Parker gibt. Der junge Trompeter<br />
hatte im April 1952 bei<br />
dem in Los Angeles gastierenden<br />
Großmeister vorgespielt<br />
und war anschließend eine<br />
Zeit lang als ein Nachfolger<br />
von Miles Davis Mitglied in<br />
Reissue<br />
Wonderland<br />
Back“. Zur Eröffnung stellen sie<br />
mit Cole Porters „All of You“ ihre<br />
Standardkompetenz unter Beweis<br />
und erwerben sich das Vertrauen<br />
des Publikums, das man in Pausen<br />
applaudieren hört. Als Pianist zeigt<br />
sich Zeitlin an klassischen Jazz-<br />
Vorbildern orientiert: Bill Evans,<br />
Lennie Tristano, Bud Powell. Bei<br />
aller technischen Brillanz und<br />
Raffinesse wirkt Zeitlin nie angestrengt<br />
oder exaltiert, sein Spiel<br />
niemals anstrengend oder selbstgefällig.<br />
Statt Virtuosität auszustellen,<br />
nutzt er „Sprungbretter für<br />
die Improvisation“, wie Zeitlin das<br />
nennt. Verheimlichte Klaviertrio-<br />
Sternstunde alter Schule.<br />
Harry Schmidt<br />
<strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong><br />
Lynne Arriale Trio<br />
Give Us These Days<br />
Challenge / In-Akustik<br />
W W W W<br />
Keith Jarrett und Herbie Hancock<br />
sei Dank. In jungen Jahren entdeckte<br />
die ursprünglich klassisch<br />
ausgebildete Pianistin Lynne<br />
Arriale den Jazz für sich. Die<br />
Amerikanerin kann inzwischen<br />
auf ein Vierteljahrhundert des<br />
Profi-Daseins zurückblicken. Der<br />
deutsche Vibraphonist Wolfgang<br />
Lackerschmid und der Trompeter<br />
Randy Brecker gehörten zu ihren<br />
Session-Partnern. Die Pianistin<br />
lässt sich keiner Sparte eindeutig<br />
zuordnen. Die Trio-Besetzung<br />
herrscht bei vielen ihrer Projekte<br />
vor, wird aber auch schon mal<br />
verlassen. Obwohl sie eine überaus<br />
fähige Komponistin ist, bearbeitet<br />
sie gerne Pop-Klassiker.<br />
Und so eröffnet sie ihre neue CD<br />
mit einer energetischen Version<br />
von Joni Mitchells „Woodstock“.<br />
Die Melodie wird zwar angespielt,<br />
ist aber eigentlich nur ein<br />
Sprungbrett für die lebendigen<br />
solistischen Interaktionen, in denen<br />
besonders Drummer Jasper<br />
van Hulten den Trio-Sound mit<br />
einer guten Portion Rock-Power<br />
würzt. Im Songbook anderer Leute<br />
rumzustöbern ist aber nur eine<br />
Nebenbaustelle von Arriale. Das<br />
Stück „Appassionata“ wird von<br />
Drummer van Hulten im rasanten<br />
Dreivierteltakt angeschoben.<br />
Es entfaltet in seiner Melodik<br />
und Rhythmik ein regelrecht<br />
andalusisches Temperament.<br />
Lobenswert, wie die Musikerin<br />
ihren beiden Mitstreitern dabei<br />
stets Raum für eigene Improvisationen<br />
lässt. Leichtgewichtige<br />
Klänge wie in „Finding Home“<br />
wechseln sich ab mit modalen<br />
Stimmungsbildern wie dem<br />
Titelsong. „Slightly off Center“<br />
ist im Gegensatz dazu erdiger<br />
bluesiger Swing, den die Band<br />
mit viel Spielfreude umsetzt. Hier<br />
brilliert Bassist Jasper Somsen.<br />
Lediglich die Umsetzung des<br />
Beatles-Klassikers „Let It Be“<br />
fällt etwas unspektakulär nach<br />
unten ab. Ansonsten ist Give Us<br />
These Days ein vitales Jazz-<br />
Statement.<br />
Andreas Schneider<br />
<strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong><br />
Sungjae Son<br />
Near East Quartet<br />
ECM / Universal<br />
W W W W<br />
ECM goes East! Seit 2009 ist<br />
das Near East Quartet treibende<br />
Kraft in Koreas kreativer Musikszene.<br />
Sungjae Son, Saxofonist<br />
und Bassklarinettist der Band,<br />
und Gitarrist Suwuk Chung<br />
trafen sich im Ausland, als die<br />
beiden Koreaner in Boston<br />
studierten. Musikalisch lagen sie<br />
weit auseinander, da der Saxofonist<br />
zu der Zeit total im Bebop zu<br />
Hause war, der Gitarrist dagegen<br />
in Fusion und Third Stream.<br />
Unter anderem gehörte George<br />
Russell zu seinen Lehrern. Erst<br />
als beide wieder nach Korea<br />
80 Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong>
Parkers Quintett. Das brachte<br />
dem Neuen auch den Respekt<br />
der Hardcore-Jazzgemeinde.<br />
Baker wurde popstarhaft<br />
bekannt, weil er sich auch als<br />
Sänger profilierte. Dabei hatte<br />
der Trompeter eine flache,<br />
zerbrechliche Stimme. Die<br />
aber konnte er ebenso sicher<br />
einsetzen wie sein Instrument.<br />
Der Produzent Dick Bock hatte<br />
den „rising star“ zum Singen<br />
animiert; er versprach sich<br />
davon maximalen Erfolg beim<br />
weiblichen Publikum. So kam<br />
es auch, zudem wurde Baker<br />
ein Idol der Gay Community.<br />
Später ermöglichte die Singerei<br />
Baker Konzerte und Tourneen,<br />
als er seine Trompete wegen<br />
seiner Zahnprobleme nur<br />
begrenzt spielen konnte.<br />
Weil er in den USA als eine<br />
Art Drogenkrimineller aus dem<br />
Geschäft war, verdiente der<br />
Amerikaner seit den sechziger<br />
Jahren seinen Lebensunterhalt<br />
vorwiegend in Europa. Es gastierte<br />
oft mit kaum bekannten<br />
Begleitmusikern in Kellerclubs<br />
in Holland, Italien, Deutschland<br />
und Skandinavien. Die Zeit der<br />
großen Gagen war vorbei. Beim<br />
Auftritt im Hamburger „Onkel<br />
Pö“ 1979 nächtigte der Musiker<br />
im bescheidenen „Motel Hamburg“<br />
in der Hoheluftchaussee.<br />
Wegen seiner Unzuverlässigkeit<br />
und seines Gesundheitszustands<br />
gab es kaum noch große<br />
Konzerte und Platteneinspielungen<br />
mit dem umherirrenden<br />
Amerikaner. Denkbar riskant<br />
waren denn auch die Voraussetzungen<br />
für den Termin Ende<br />
April 1988 in Hannover. Zur<br />
Probe mit der NDR Bigband und<br />
dem Rundfunkorchester Hannover<br />
war Baker nicht erschienen.<br />
Aber zum Konzert tauchte er<br />
plötzlich auf und spielte wie in<br />
seinen besten Tagen. Es war<br />
der Abgesang eines tragischen<br />
Helden.<br />
Zwei Wochen später, am 18.<br />
Mai 1988, stürzte Chet Baker<br />
aus dem 3. Stock des Amsterdamer<br />
Prins Hendrik Hotels.<br />
Bis heute ist ungeklärt: War er<br />
im Drogenrausch aus seinem<br />
Zimmer gefallen? Wollte er sein<br />
Leben beenden? Oder hatte<br />
ihn gar jemand gestoßen? Die<br />
letzte Möglichkeit war nicht<br />
ausgeschlossen. Denn der<br />
ständig verschuldete Musiker<br />
war immer wieder in gewaltsame<br />
Auseinandersetzungen mit<br />
Dealern verwickelt. 1966 hatte<br />
er dabei die Vorderzähne eingebüßt.<br />
Über eine zusätzliche<br />
Todes-Variante rätselt Michael<br />
Laages in den Liner Notes zum<br />
Album Chet Baker at Onkel Pö’s<br />
Carnegie Hall, das im letzten<br />
Jahr auf Jazzline erschienen<br />
ist: „Vielleicht ist er aber auch<br />
an der Regenrinne emporgeklettert,<br />
als ihn die Herberge<br />
rausgeschmissen und er seine<br />
Trompete im Zimmer vergessen<br />
hatte.“<br />
Hans Hielscher<br />
PDF in 4c
Kolumne<br />
The Tiger Lillies<br />
Corrido de la<br />
Sangre<br />
Misery Guts / Cargo<br />
W W W W W<br />
Botticelli Baby<br />
Junk<br />
Unique / Cargo<br />
W W W W o<br />
pure desmond<br />
Audrey<br />
Herbie Martin /<br />
Edel:Kultur<br />
W W W W o<br />
Szirmais Fermaten<br />
Als Fan zweiter<br />
Stunde der britischen<br />
Vaudeville-<br />
Punker The Tiger<br />
Lillies um Sänger,<br />
Songschreiber, Akkordeon-,<br />
Klavier-,<br />
Harmonika-, Orgel-,<br />
Ukulele- und Gitarrenspieler<br />
Martyn<br />
Jacques ist mir seit<br />
etwa zwanzig Jahren<br />
jede ihrer bis<br />
zu drei Veröffentlichungen<br />
per anno<br />
schwarzhumorige<br />
Sternstunde,<br />
intellektuelle Stimulanz und<br />
musikalisches Freudenfest in<br />
einem. Das gilt auch für das<br />
jüngste Konzeptalbum Corrido<br />
de la Sangre, mit dem sich<br />
das Trio des mexikanischen<br />
Tages der Toten annimmt <strong>–</strong> in<br />
bester Storyteller-Tradition<br />
per perfektioniertem Zweieinhalbminüter.<br />
Auch wenn die<br />
Platte mit ungewohnt zartem<br />
Varieté-Sound eröffnet, nehmen<br />
die lateinamerikanischen<br />
Ferien der „Hauskapelle der<br />
Hölle“ in ihrer Inkarnation<br />
als Los Flores del Tigre bald<br />
schon eine Wendung zum<br />
Schlechtmöglichsten: Im Alter<br />
ego des verwaisten 12-jährigen<br />
Akkordeonisten, der sich<br />
in schmuddeligen Bars eine<br />
Rinde Empanada zu erspielen<br />
trachtet, bevor er samt einem<br />
ebenso verlorenen Mariachi-<br />
Trompeter zur Belustigung<br />
des lokalen Drogenbarons<br />
engagiert wird, auf dessen<br />
Hacienda er sich später<br />
unsterblich in die Gefangene<br />
Maria verlieben soll. Verflucht<br />
von einem alten Mütterchen,<br />
verfängt er sich in einem<br />
unentrinnbaren Intrigennetz<br />
<strong>–</strong> bis die Stunde der Rache<br />
naht und man gewiss sein<br />
kann, dass der Tag der Toten<br />
wörtlich zu nehmen ist. Wie<br />
so oft, besingen die Tiger<br />
Lillies auch hier die Verlierer<br />
der Gesellschaft und ihre<br />
Mittel: Von der Eingangszeile<br />
„Welcome to the circus“ bis<br />
zum bitteren Ende entfesselt<br />
Jaques Four-Letter-Wordreiche<br />
Nachtmahr-Szenen<br />
voller Liebe und Lust, Hölle<br />
und Verdammnis, Tod und<br />
Teufel, Prostitution und Sucht,<br />
Gewalt und (Selbst-)Mord,<br />
sekundiert von der von Bassund<br />
Euphonium-Spieler Adrian<br />
Stout gerührten Singenden<br />
Säge und dem stoischen<br />
Rhythmus Andreas Winters.<br />
Botticelli Baby verströmen<br />
auf Junk heißen Gipsy-Swing-<br />
Funk, der klingt, als hätte<br />
man dem Electric Ballroom<br />
den Stecker gezogen, ohne<br />
jedoch Dezibel und Duracell-<br />
Beat auch nur im Mindesten<br />
zu reduzieren, derweil ein<br />
Shouter, der sich nicht zu<br />
entscheiden vermag, ob er<br />
jetzt Bluesman oder Punk sein<br />
will, seine Lakonien entspinnt.<br />
Doch ist es nicht der Gegensatz<br />
zwischen anachronistischen<br />
Django-Reinhardt-<br />
Sounds und zeitgenössischer<br />
Lyrik, der die Faszination des<br />
nordrhein-westfälischen<br />
Septetts ausmacht. Es ist der<br />
ungebremste Druck einer<br />
sich zur gefühlt 20-köpfigen<br />
Balkan-Brass-Band aufplusternden<br />
Kapelle, die zu einem<br />
Tanzgelage animiert, an<br />
dessen Ende nur Prügeleien<br />
und Schnapsleichen stehen<br />
können. Tatsächlich scheint<br />
sich das Publikum zu Stücken<br />
wie „Tout abus sera puni“ die<br />
Seele aus dem Leib und das<br />
Bier aus der Hand zu pogen,<br />
bevor mit der tigerlillieesken<br />
Varieté-Nummer „I<br />
Don’t Want to Cry“, der als<br />
Murder Ballad à la Nick Cave<br />
und PJ Harvey getarnten<br />
„Romance of the Robin“ oder<br />
dem sinnlich-synkopierten<br />
„Cremate Me“ ruhigere<br />
Töne angeschlagen werden,<br />
bis auch diese vom allzeit<br />
bereiten Orkestar gekapert<br />
werden, dessen wahnwitziger<br />
Highspeed, im Wechsel mit<br />
whiskygeschwängerten Tom-<br />
Waits-Klagen, in „Lucilla“<br />
gipfelt.<br />
Gleich mit den federleichten<br />
Sambarhythmen von<br />
„Desmond Time“ läutet das<br />
Cool-Jazz-Quartett pure desmond<br />
ein Album ein, das die<br />
Nicht-Geschichte von Dave-<br />
Brubeck-Quartet-Altsaxofonist<br />
Paul Desmond und Schauspielerin<br />
Audrey Hepburn zum<br />
romantischen Verwirrspiel mit<br />
südamerikanischem Flair werden<br />
lässt. Da wäre etwa das<br />
girlfromipanemaeske „Ondine<br />
on 46th Street“, das erzählt,<br />
wie Desmond in den Columbia<br />
Studios immer genau dann<br />
eine Pause einlegte, wenn<br />
diese auch von der in der<br />
Nähe arbeitenden Hepburn<br />
zu erwarten war, damit er ihr,<br />
ohne auch nur je ein Wort an<br />
sie zu richten, beim Rauchen<br />
zusehen konnte. Plötzlich<br />
aber verfolgt er sie doch mit<br />
mehr als nur den Augen („The<br />
Chase“) <strong>–</strong> und zwar erfolgreich,<br />
wie der „Jitterburg<br />
Waltz“ zu beweisen scheint,<br />
hernach „Punch“ Zweifel sät,<br />
ob der Hochzeitswalzer nicht<br />
doch bloß ein schöner Traum<br />
war. War er, gibt „Desperate<br />
Desmond“ eine Antwort, die<br />
dem balladenpräferierenden<br />
Musiker sicherlich gefallen<br />
hätte, derweil es „Easy Going“<br />
versteht, die einer unerwiderten<br />
Liebe innewohnende<br />
Schönheit hervorzukehren.<br />
Trügerische Nähe vermittelt<br />
ein Kinogang („Melancholy<br />
on Broadway“), kongenial<br />
heraufbeschworen durch die<br />
Morricone-Adaption „Cinema<br />
Paradiso“, während die<br />
Unwirklichkeit evozierende<br />
Interpretation von John Cages<br />
minimalistischem „Dream“<br />
das Gefühl einfängt, aus dem<br />
dunklen Saal ans Tageslicht zu<br />
treten. Selbst zu Wort kommt<br />
der „Take Five“-Komponist mit<br />
dem titelgebenden Album-<br />
Highlight, verpackt in trügerisch<br />
leichten Tanztee-Groove,<br />
bis das swingende „Gotta<br />
Dance“ das vorsichtig optimistische<br />
Fazit zieht, das sich mit<br />
einem nicht auf diesem Album<br />
befindlichen Paul-Desmond-<br />
Titel am besten ausdrücken<br />
lässt: „Glad to Be Unhappy“.<br />
Victoriah Szirmai<br />
zurückgekehrt waren und einen<br />
Gig zusammen spielten, fanden<br />
sich die Instrumentalisten <strong>–</strong><br />
und wollten etwas total Neues<br />
ausprobieren. So gründeten sie<br />
die Band Near East Quartet, und<br />
2015 kamen sowohl die Sängerin<br />
Yulhee Kim als auch die Schlagzeugerin<br />
Soojin Suh dazu.<br />
Kraft- und stimmungsvoll startet<br />
die CD, im ersten Stück bekommt<br />
man eine klare Vorstellung,<br />
warum ECM auf das Near East<br />
Quartet „abfährt“, eine große<br />
klangliche Nähe zu den monumentalen<br />
Soundscapes aus<br />
Skandinavien ist nicht von der<br />
Hand zu weisen. „Ewha“ lässt<br />
Soojin Suh am Schlagzeug geradezu<br />
explodieren, die verzerrten<br />
Gitarrensounds unterstützen den<br />
druckvollen Groove. Kommt der<br />
Gesang dazu, wird die Musik<br />
leiser, durchsichtiger. Es ist gut,<br />
dass die Texte der traditionellen<br />
Volkslieder im Booklet nachzulesen<br />
sind. Das Near East<br />
Quartet bietet eine interessante<br />
Mischung aus improvisiertem<br />
Jazz und traditionellen koreanischen<br />
Volksliedern. Der einzige<br />
Wermutstropfen der CD: Nach 36<br />
Minuten ist die Klangfülle schon<br />
wieder vorbei.<br />
Angela Ballhorn<br />
<strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong><br />
Hiromi & Edmar Castaneda<br />
Live in Montreal<br />
Telarc / In-Akustik<br />
W W W W<br />
Eigentlich gehört sie zu der Sorte<br />
Musiker, vor denen man flieht,<br />
denn die japanische Pianistin<br />
Hiromi ist eine ausgewiesene<br />
Virtuosin, die das auch gern in<br />
wieselflinken Fusionklängen<br />
demonstriert. Aber da sie das<br />
mit viel Charme tut und wohl<br />
auch einfach nicht anders kann,<br />
muss man sie lieben (ähnlich wie<br />
man endloses Gitarrengegniedel<br />
normalerweise meidet und nur<br />
82 Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong>
von Jerry Garcia liebt). Die gute<br />
Nachricht: Beim Jazzfestival<br />
Montreal war nix Fusion, stattdessen<br />
trat Hiromi im Duo mit<br />
dem kolumbianischen Harfen-<br />
Virtuosen Edmar Castaneda an.<br />
Da haben sich zwei gefunden:<br />
Hiromi und Castaneda saßen<br />
sich Aug’ in Aug’ gegenüber <strong>–</strong><br />
wie Cover-Fotos belegen <strong>–</strong> und<br />
gaben dem Affen Zucker. „For<br />
Jaco“ (dreimal darf man raten,<br />
wem das gewidmet ist) klingt<br />
geradezu avantgardistisch, und<br />
neben eigenen Stücken, darunter<br />
Hiromis (über)ambitionierte<br />
Suite „The Elements“, gibt’s<br />
einen Titel von John Williams<br />
und als Zugabe eine rauschhafte<br />
und berauschende Fassung von<br />
Astor Piazzollas „Libertango“.<br />
Encore!<br />
Rolf Thomas<br />
<strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong><br />
Swingnummern, in denen Sco<br />
durch geschmeidige Sololinien <strong>–</strong><br />
mit interessanten Reminiszenzen<br />
an alte Jazzgrößen <strong>–</strong> wie auch<br />
durch ganz ungewöhnliche<br />
Soloverläufe mit unnachahmlichem<br />
Sound begeistert. Was<br />
diese Besetzung auszeichnet, ist<br />
die große dynamische Bandbreite,<br />
in der die vier miteinander<br />
spielen. Die Stücke können<br />
sparsam dezent beginnen, sich<br />
aber mit viel Energie ins Forte<br />
aufbauen. Lässig laidback, zupackend<br />
swingend oder jazzrockig<br />
mit coolem Retro und Gospel-<br />
Elementen: Die neue Combo<br />
von Sco macht Spaß. Herausragend<br />
sind „I‘m Sleeping In“,<br />
das trotz wirklich einschläfernd<br />
langsamen Tempos nicht zum<br />
Einschlafen taugt, und „King of<br />
Belgium“, ein wunderschönes<br />
Bebop-Thema in großer Leichtigkeit<br />
<strong>–</strong> John Scofield schlägt<br />
ein neues Kapitel in seiner schon<br />
sehr umfassenden musikalischen<br />
Geschichte auf.<br />
Angela Ballhorn<br />
<strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong><br />
auf Our Story ist der Pianist<br />
Laszlo Gardony, ein Alleskönner,<br />
der schon 1983 den Schritt von<br />
Europa nach Amerika machte.<br />
Johannes Weidenmüller (Bass),<br />
seit 1991 in den USA, und Jeff<br />
Hirshfield (Drums), ein echter<br />
New Yorker, komplettieren das<br />
Quartett. Als Gast in drei Stücken<br />
ist die Mezzosopranistin Elena<br />
McEntire mit dabei. Ob es nun<br />
an der europäischen Herkunft<br />
liegt, an der Verwurzelung in<br />
der Klassik, an buddhistischer<br />
Philosophie oder dem Instrument<br />
Flöte: Artmanns Musik<br />
hat auf jeden Fall etwas sehr<br />
Eigenes, Beherrschtes, Virtuos-<br />
Kontrolliertes <strong>–</strong> eine besondere,<br />
gewollte Ästhetik. Zuweilen<br />
erinnert die Kombination Flöte/<br />
Klavier bzw. Flöte/Stimme sogar<br />
an alte Aufnahmen von Chick<br />
Corea.<br />
Hans-Jürgen Schaal<br />
<strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong><br />
John Scofield<br />
Combo 66<br />
Verve / Universal<br />
W W W W<br />
Schon Udo Jürgens sang „Mit 66<br />
Jahren, da fängt das Leben an“,<br />
und das Wort Ruhestand kennt<br />
ein Jazzmusiker sowieso nicht.<br />
John Scofield hat jedenfalls<br />
keine Probleme mit seinem<br />
Alter. Der Albumtitel Combo 66<br />
verweist auf das aktuelle des<br />
Gitarristen, den man am ersten<br />
Ton erkennt. In neun Stücken<br />
zeigt er sich sprühend vor<br />
Energie, Einfallsreichtum und<br />
Witz. Begleitet wird er dabei von<br />
Gerald Clayton an Klavier und<br />
Orgel, Vicente Archer am Bass<br />
und Bill Stewart am Schlagzeug.<br />
Die Eigenkompositionen<br />
sind ausgewogen aufgeteilt<br />
in ausgetüftelte Themenköpfe<br />
mit komplexen Harmonien<br />
(wie zum Beispiel im „Combo<br />
Theme“) oder bleiben Jambandmäßig<br />
auf einem Akkord stehen.<br />
Auffällig ist der hohe Anteil an<br />
Christian Artmann<br />
Our Story<br />
Sunnyside / GoodToGo<br />
W W W W<br />
Der typische Jazzmusiker ist<br />
er nicht. Als Teenager kam<br />
Christian Artmann erstmals in<br />
die USA und brillierte dort als<br />
klassischer Flötist <strong>–</strong> erst später<br />
entdeckte er den Jazz für sich.<br />
Inzwischen lebt er in New York<br />
und veröffentlichte 2011 sein<br />
Debütalbum als Jazzer. Sein<br />
klassisch geschultes Flötenspiel<br />
ist natürlich technisch frappierend,<br />
der stimmungsvolle Einsatz<br />
der dunklen Altflöte bezaubernd.<br />
Artmanns „visionäre“ Stücke<br />
überspannen ein stilistisch<br />
weites Feld zwischen Claude<br />
Debussy, Edeljazz und sanftem<br />
Funk. Sein wichtigster Partner<br />
Mark Turner / Ethan Iverson<br />
Temporary Kings<br />
ECM / Universal<br />
W W W W<br />
Welch schöner, selbstironischer<br />
Titel in einer Zeit, die dem Jazz<br />
schon längst keine Könige mehr<br />
beschert. Eigentlich hätte es<br />
gar keines Titels bedurft, denn<br />
die Namen der beiden Musiker<br />
sind schon Programm. Die Musik<br />
hält auch hundertprozentig, was<br />
Saxofonist Mark Turner und<br />
Pianist Ethan Iverson versprechen.<br />
Es ist ein mit allerhöchster<br />
Spielkultur produziertes Stück<br />
Kammermusik, das sich zwar<br />
in seiner Anlage in keiner<br />
Weise auf Jazz oder klassische<br />
Moderne festlegen will, in seiner<br />
Umsetzung und Klangästhetik<br />
aber deutlich in Richtung Jazz<br />
tendiert. Trotz europäischer<br />
Referenzen entstand aus dem<br />
Material eine zutiefst amerikanische<br />
Platte. Der Zitate gibt es<br />
Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong> 83
Literatur<br />
1957 begleitete der Fotograf Jerry Dantzic (1925 <strong>–</strong> 2006) eine<br />
Woche lang Billie Holiday. Seine bisher unveröffentlichten<br />
Fotos der Sängerin liegen nun erstmalig als Buch vor.<br />
Von Arne Reimer<br />
Sugar Hill nennt sich nicht nur ein Viertel in Harlem, sondern<br />
es gab in den 1950er Jahren auch einen Jazzclub mit diesem<br />
Namen in Newark, New Jersey. Dort hingen Plakate an den<br />
Wänden, die bevorstehende Konzerte ankündigten: Buck Clayton,<br />
Max Roach, Hank Jones, Jutta Hipp, Bobby Jaspar, Horace<br />
Silver, Randy Weston, Cecil Payne und Big Maybelle. Für die<br />
Osterwoche im April 1957 wurde Billie Holiday engagiert.<br />
Vielleicht wäre es eine Konzertwoche wie jede andere<br />
gewesen, hätte nicht der Fotojournalist Jerry Dantzic sie mit<br />
seiner Kamera begleitet. Er war von der Firma Decca beauftragt<br />
worden, ein Foto von Billie Holiday für ein Schallplattencover<br />
anzufertigen. So fotografiert er sie nicht nur jeden Abend<br />
während ihrer Auftritte, bei denen sie unter anderem von Paul<br />
Quinichette begleitet wird, sondern er darf ihr auch in die<br />
Garderobe folgen, wo sie sich schminkt, ihre Haare in Form<br />
bringt und sich von ihrem neuen Ehemann Louis McKay mit<br />
dem Reißverschluss ihres Kleides helfen lässt. Immer dabei ist<br />
Holidays kleiner Hund, ein Chihuahua, den sie „Pepi“ nannte.<br />
Dantzic dokumentiert mit seiner Kamera glücklicherweise<br />
auch all diese Momente abseits des Konzerts. Holiday gibt Fans<br />
Autogramme und verkauft für fünf Dollar ihre Autobiografie<br />
Lady Sings the Blues, die ein Jahr zuvor erschienen ist. Nach<br />
ihrem Konzert, während die Dame an der Kasse die Einnahmen<br />
zählt, sitzt sie im leeren Saal, raucht eine Zigarette und nimmt<br />
noch einen Drink. Die Fotos von Jerry Dantzic zeigen auf intime<br />
Weise den Alltag während dieser Konzertwoche. Holiday lacht<br />
viel, es scheint ihr gut zu gehen, auch als sie die Familie Dufty<br />
mit ihrem Patenkind besucht. William Dufty war Co-Autor ihrer<br />
Autobiografie.<br />
Die meisten dieser 100 Fotos waren bisher unveröffentlicht<br />
und sind nun erstmalig in einem schönen Buch zu bewundern,<br />
überwiegend in Schwarz-Weiß, wenige in Farbe. Dantzic folgte<br />
der Sängerin auch noch zu ihrem Auftritt beim Jazzfestival auf<br />
Randall’s Island. Eines jener Bilder wurde schließlich von Decca<br />
für The Blues Are Brewin’ verwendet. Sein Honorar betrug<br />
25 Dollar und 75 Cent.<br />
Jerry Dantzic: Billie Holiday at Sugar Hill.<br />
Thames & Hudson, London 2017,<br />
144 Seiten, 30 Euro<br />
Jerry Dantzic<br />
Abseits des<br />
Konzerts<br />
jede Menge, einige mit großem<br />
Respekt vor der Historie, andere<br />
mit dem kecken Augenzwinkern<br />
von Königen auf Zeit. Der Saxofonist<br />
und der Pianist nehmen<br />
sich Zeit und lassen auch jedem<br />
einzelnen Ton die Zeit, die er<br />
braucht. Es geht um ein Er- und<br />
Verklingen im durch unsere<br />
Erinnerung gekrümmten Raum.<br />
Dabei spricht es für das entspannte<br />
Selbstverständnis von<br />
Turner und Iverson, dass sie trotz<br />
der getragenen Grundstimmung<br />
von Anfang bis Ende eine unaufdringliche<br />
Heiterkeit bewahren,<br />
die einen sanften Hauch von<br />
Broadway-Atmosphäre schafft.<br />
Wolf Kampmann<br />
<strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong><br />
Jean Michel Pilc<br />
Parallel<br />
Challenge / In-Akustik<br />
W W W<br />
Der 1960 geborene Franzose<br />
brachte sich das Piano-Spiel<br />
selbst bei und wurde in der<br />
Pariser Szene ein Begriff durch<br />
seine Zusammenarbeit etwa mit<br />
dem Drummer Aldo Romano und<br />
dem Klarinettisten und Saxofonisten<br />
Michel Portal. Durch die<br />
geografische Lage und seine<br />
Kultur brachte Frankreich immer<br />
schon eigenständige Impulse in<br />
den Jazz ein. Trotz oder gerade<br />
wegen dieser Eigenständigkeit<br />
erregte Pilc zunehmend die<br />
Aufmerksamkeit der amerikanischen<br />
Jazz-Szene. Marcus<br />
Miller, Michael Brecker oder Roy<br />
Haynes <strong>–</strong> sie alle waren bereits<br />
musikalische Weggefährten<br />
des Pianisten. Seine aktuelle<br />
CD stellt eine echte Herausforderung<br />
an die Aufmerksamkeit<br />
des Zuhörers dar. Der Musiker<br />
zieht alle Register seines<br />
Instruments, das über zwei CDs<br />
ausschließlich solo zu hören<br />
ist. Beim Zuhören ergeben sich<br />
viele Assoziationen: Michel<br />
Petrucciani, McCoy Tyner, Keith<br />
Tippett und Cecil Taylor <strong>–</strong> bis<br />
hin zu Ausflügen in die zeitgenössische<br />
Musik. Eingängige<br />
Melodien wechseln sich hier<br />
mit Clustern und avantgardistischen<br />
Ausflügen manchmal in<br />
Minutenschnelle ab. Die beiden<br />
zentralen Monsterstücke „Cells<br />
Part 1 / Part 2“ schicken den<br />
Zuhörer durch ein Labyrinth von<br />
Stilwechseln, bevor die Suite<br />
zum Ende hin fast mit einschmeichelnden<br />
Melodien endet. Der<br />
Großteil der 27 Stücke wurde<br />
von Pilc selbst komponiert.<br />
Wenn dann wie in „Footprints“,<br />
„Days of Wine and Roses“ oder<br />
„Someday My Prince Will Come“<br />
der Meister ein paar alte Jazz-<br />
Klassiker radikal umbaut, wird<br />
das Erkennen der ursprünglichen<br />
Melodie ein Ratespaß. Allerdings<br />
verkommt die Musik dann zum<br />
rein akademischen Vergnügen.<br />
Andreas Schneider<br />
<strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong><br />
BROM<br />
Cardboard Sea<br />
Tiger Moon Records<br />
W W W o<br />
BROM ist wieder unterwegs.<br />
Tenorsaxofonist Alexander<br />
Beierbach hat zusammen mit<br />
seinen jahrelangen Bandkollegen<br />
Jan Roder am Bass und<br />
Christian Marien ein neues<br />
Album eingespielt. Das Berliner<br />
Trio lotet die verschiedenen<br />
Möglichkeiten des Saxofontrios<br />
aus. Die Kompositionen<br />
stammen beinahe ausnahmslos<br />
von Beierbach, und es zeigt sich,<br />
dass das Trio im Laufe der Jahre<br />
noch vertrauter und eingespielter<br />
wurde. Doch nicht nur<br />
Wohlklang und gutes Zusammenspiel<br />
prägen Cardboard Sea,<br />
es darf im Kontrabass auch mal<br />
scheppern, es gibt keine Angst<br />
vor hässlichen Kratzgeräuschen.<br />
Auch am Schlagzeug darf es<br />
84 Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong>
knirschen und poltern, während<br />
das Saxofon alle spielerischen<br />
Mittel bis hin zu Multiphonics<br />
ausreizt. Die Kompositionen<br />
haben starke Themen, oft im<br />
Unisono von allen dreien vorgetragen.<br />
Munter swingend geht<br />
der Titeltrack los und lädt zum<br />
Fingerschnippen ein, während<br />
andere Stücke sperriger und wesentlich<br />
schwieriger zugänglich<br />
sind. Die einzige Coverversion<br />
des Albums, „Le Deserteur“<br />
von Boris Vian und Harold Berg,<br />
bringt die Qualität des Trios<br />
auf den Punkt, ausgeklügelt ist<br />
die Ausdrucksstärke der drei<br />
Musiker auf ihren Instrumenten,<br />
die sich durch verschiedene<br />
Dynamiken arbeiten, von ganz<br />
leise und durchsichtig bis massiv<br />
laut. BROM weist ja auf die<br />
Anfangsbuchstaben der Musikernachnamen,<br />
gerne wird auch<br />
auf das chemische Element mit<br />
der Ordnungszahl 35 verwiesen<br />
<strong>–</strong> die ursprüngliche Bedeutung<br />
aus dem griechischen: βρῶμος,<br />
brômos, „Gestank“, kann ich in<br />
dem Trio nicht finden…<br />
Angela Ballhorn<br />
<strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong><br />
Ken Thomson<br />
Sextet<br />
New Focus / Al!ve<br />
W W W W W<br />
Der amerikanische Holzbläser<br />
Ken Thomson gehört zu den<br />
profiliertesten Grenzgängern<br />
zwischen Neuer Musik und Jazz.<br />
Mit den Bang on a Can All-Stars<br />
interpretiert er Werke von Glass,<br />
Nancarrow, Nyman, Reich oder<br />
Riley, im Quartett Gutbucket bläst<br />
er heftigen Punk-Jazz, und in seinem<br />
Crossover-Ensemble Slow/<br />
Fast versucht er diese beiden<br />
Welten miteinander zu verknüpfen.<br />
Nun hat er Slow/Fast sogar<br />
zum Sextett vergrößert, zwei<br />
weitere Bläser sind hinzugekommen,<br />
und die blastechnischen<br />
Herausforderungen sind gewaltig.<br />
Ken Thomson (as), Anna Webber<br />
(ts), Russ Johnson (tp) und<br />
Alan Ferber (trb) meistern hier<br />
Partituren, wie man sie so virtuos<br />
im Jazz selten hört. Den rasanten<br />
Jazzdrive unter den freitonal boppenden,<br />
raffiniert verflochtenen<br />
Bläserthemen besorgen Adam<br />
Armstrong (b) und Daniel Dor (dr).<br />
Thomsons Album orientiert sich<br />
obendrein an einem Jazzklassiker,<br />
nämlich der Platte Monk’s<br />
Music, die 1957 ebenfalls mit<br />
vier Bläsern eingespielt wurde.<br />
Während Monk sich damals mit<br />
der Hymne „Abide with Me“ als<br />
Opener zufriedengab, hat Thomson<br />
aber gleich die „Passacaglia<br />
Ungherese“ von György Ligeti für<br />
Bläserquartett arrangiert. Er ist<br />
einfach ein Gipfelstürmer.<br />
Hans-Jürgen Schaal<br />
PDF in 4c<br />
<strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong><br />
Johannes Bigge Trio<br />
Imago<br />
nWog / Edel:Kultur<br />
W W o<br />
Mit Lehrern wie Richard Beirach<br />
und Michael Wollny kann der<br />
gebürtige Berliner Johannes<br />
Bigge auf prominente Vorbilder<br />
verweisen, die auch in seiner<br />
Musik Spuren hinterlassen<br />
haben. Die Presse-Informationen<br />
über den Pianisten führen<br />
allerdings ein bisschen in die<br />
Irre. Neben Klassik und Jazz<br />
war nach eigenen Worten<br />
Popmusik ein wichtiger Einfluss<br />
für den Musiker. Nein, „poppig“<br />
oder eingängig ist diese Musik<br />
nicht. Den Kompositionen fehlen<br />
dafür griffige Melodien. Dafür<br />
überzeugen Bigge und Co.<br />
durchaus mit klanglicher und<br />
harmonischer Erfindungsgabe.<br />
Ein Stück wie „Irrlicht“ lebt von<br />
seinen Brüchen. Lyrisches und<br />
Skurriles wechseln sich hier stetig<br />
ab. Die Formation orientiert<br />
sich am kompakten Gesamtklang.<br />
Solistische Einlagen sind<br />
selten. Manchmal wünscht man<br />
sich etwas mehr Akzente von<br />
Drummer Moritz Baumgärtner<br />
und Bassistin Athina Kontous,<br />
die immerhin „Soil“ mit treibend<br />
funkigen Bassläufen einleitet.<br />
Sensible Zwischentöne wie<br />
„Come Home“ werten die zweite<br />
Hälfte von Imago immerhin<br />
noch etwas auf. Besonders die<br />
beiden Schlussstücke „Wogen“<br />
und „Labyrinth“ leben von dynamischen<br />
Interaktionen zwischen<br />
Kontou, Baumgärtner und Bigge.<br />
Drummer Baumgärtner darf<br />
im letzten Stück gut aus sich<br />
rausgehen. Insgesamt ist Imago<br />
eine Platte, die sich nicht so gut<br />
beim oberflächlichen Konsum<br />
erschließt. Das Potenzial dieser<br />
Musik wird erst deutlich bei<br />
mehrmaligem Hören. Bei allen<br />
interessanten Ansätzen krankt<br />
die Platte allerdings auch an<br />
den nicht immer gelungenen<br />
Kompositionen Bigges.<br />
Andreas Schneider<br />
<strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong><br />
Orchestre Tout Puissant Marcel<br />
Duchamp<br />
Sauvage Formes<br />
Bongo Joe / Broken Silence<br />
W W W o<br />
Das allmächtige Orchester Marcel<br />
Duchamp übt sich auf seinem<br />
vierten Album immer noch<br />
an einer sagenhaften Mischung<br />
aus westafrikanischem Soul<br />
und Funk <strong>–</strong> ein erklärtes Vorbild<br />
der Band ist das legendäre<br />
Orchestre Poly-Rythmo de Cotonou<br />
aus Benin, das sich auch
Tonspuren<br />
gerne „Tout Puissant“ nannte<br />
<strong>–</strong>, Easy Listening mit Punkund<br />
Pop-Appeal und einem<br />
Ethno-Jazz, der sich jeglichen<br />
Genre-Zuordnungen widersetzt.<br />
Auf „Sous Mes Yeux“ klingt die<br />
Sängerin wie Sally Timms, die<br />
einst die Mekons vom Punk zu<br />
lichten Country-Folk-Gefilden<br />
führte; ein Stück wie „Across<br />
the Moor“ lebt dagegen von<br />
einer hypnotischen Bassfigur<br />
und entzückend schrägem Satzgesang.<br />
Was Marcel Duchamp,<br />
der Wegbereiter von Dada<br />
und Surrealismus, damit zu tun<br />
haben soll, erschließt sich zum<br />
Glück überhaupt nicht, ist aber<br />
auch egal. Mit dem Bandwurm-<br />
Namen, der für Menschen<br />
außerhalb des französischen<br />
PDF 4c<br />
Sprachraums zudem noch ein<br />
nahezu unüberwindlicher Zungenbrecher<br />
ist, tut sich die Band<br />
sowieso keinen Gefallen <strong>–</strong> aber<br />
auch das dürfte dem vierzehnköpfigen<br />
Kollektiv wohl ziemlich<br />
egal sein. Produziert hat die<br />
krude Mischung übrigens John<br />
Parish, der auch schon PJ<br />
Harvey und die Eels (fast) massentauglich<br />
machte <strong>–</strong> vielleicht<br />
setzt sich das Großensemble um<br />
die sagenhaft gute Marimba-Fee<br />
Anne Cardinaud damit endlich<br />
durch. Wäre schön.<br />
Rolf Thomas<br />
<strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong><br />
Ola Kvernberg<br />
Steamdome<br />
Grappa / Galileo<br />
W W W W<br />
In jener Tugend, dass ein<br />
professioneller Musiker<br />
möglichst vieles können sollte,<br />
scheint sich der Norweger<br />
Ola Kvernberg anscheinend<br />
selbst immer noch übertreffen<br />
zu wollen. Nicht nur ist<br />
er in zahllosen Projekten und<br />
Stilrichtungen unterwegs, er<br />
spielt darüber hinaus auch mal<br />
Violine, Viola, Hammondorgel,<br />
Gitarre, Schlagzeug bis hin<br />
zum Theremin, und dies allein<br />
auf seiner jüngsten Platte: Hier<br />
steht in Septett-Besetzung<br />
nichts als die pralle Spielfreude<br />
auf dem Programm. Dabei<br />
bringen die Musiker in ihrer<br />
Gesamtheit noch viel mehr Instrumente<br />
zum Einsatz. Reisen<br />
wir mit auf einem bunt schillernden<br />
fliegenden Teppich,<br />
sausen dynamisch durchs<br />
Klanguniversum und kreisen<br />
haushoch über irgendwelchen<br />
Stilschubladen <strong>–</strong> heißen<br />
sie nun Fusion, Prog- oder<br />
Krautrock oder was auch immer.<br />
Ganz richtig verstanden:<br />
Solistisch oder im Kollektiv<br />
machen sich diese Spieler<br />
daran, solche Genres neu zu<br />
definieren: Drauflossolieren,<br />
heiße Ritte über weitgespannte<br />
Ostinati zu absolvieren und<br />
viel improvisatorische Fantasie<br />
aus pentatonischen Tonfolgen<br />
oder morricone-affinen Melodien<br />
zu schöpfen. Ein dickes<br />
Kompliment verdient auch die<br />
Geschmeidigkeit, mit der der<br />
Bandleader sein elektrifiziertes<br />
Violinspiel in den brodelnden<br />
Strömen aufgehen lässt <strong>–</strong> und<br />
doch mit hoher melodischer<br />
Präsenz die Strippen dabei<br />
zieht.<br />
Stefan Pieper<br />
Im Jazz kamen Duos in den<br />
siebziger Jahren auf und<br />
waren genau genommen<br />
schon ein Zeichen der Krise<br />
des Genres. Produzenten<br />
und Veranstalter haben die<br />
Besetzung geliebt, denn sie<br />
war preisgünstig. Da ACT-Chef<br />
Siggi Loch auch ein kreativer<br />
Pragmatiker ist, hat er schon<br />
seit Längerem eine Duo-Reihe<br />
im Programm.<br />
Der italienische Trompeter und<br />
Flügelhornist Paolo Fresu und<br />
der schwedische Bassist und<br />
Cellist Lars Danielsson finden<br />
schnell eine gemeinsame<br />
Basis. „Autumn Leaves“, Komedas<br />
„Sleep Safe and Warm“<br />
(aus dem Soundtrack von<br />
Rosemary’s Baby) und Bachs<br />
„Wachet auf, ruft uns die Stimme“<br />
gehören zu den Stücken,<br />
auf die sie sich einigen konnten.<br />
Daneben hat ein knappes<br />
Dutzend Originale den Weg auf<br />
Summerwind gefunden. Beide<br />
Musiker sind lyrische Klangmaler,<br />
und so nimmt uns die<br />
eigentümliche Atmosphäre, die<br />
sie kreieren, schnell gefangen<br />
und wir lauschen gebannt den<br />
fünfzehn Songs, die selten länger<br />
als drei Minuten dauern <strong>–</strong><br />
Fresus „Drexciya“ wird sogar<br />
in 1:48 abgehandelt. Doch in<br />
der Kürze liegt die Würze, das<br />
weiß auch Loch, der die Platte<br />
produziert hat. Makellos der<br />
Klang, berückend die Musik <strong>–</strong><br />
was will man mehr.<br />
Rolf Thomas<br />
<strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong><br />
<strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong><br />
Terje Isungset<br />
Suites of Nature<br />
All Ice / Galileo<br />
W W W o<br />
Danielsson / Fresu<br />
Summerwind<br />
ACT / Edel:Kultur<br />
W W W W<br />
Solo-CD mit Schlagzeug und<br />
allen möglichen Arten von<br />
Perkussionsinstrumenten,<br />
das liest sich erst mal nicht<br />
so spannend. Stein, Wald, Be-<br />
86<br />
Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong>
Kolumne<br />
Billy F Gibbons<br />
The Big Bad Blues<br />
Concord / Universal<br />
W W W W<br />
James Harman<br />
fineprint<br />
Electro-Fi<br />
W W W W<br />
Curtis Salgado & Alan Hager<br />
Rough Cut<br />
Alligator / In-Akustik<br />
W W W o<br />
Shemekia Copeland<br />
America’s Child<br />
Alligator / In-Akustik<br />
W W W W<br />
Elvin Bishop’s Big Fun Trio<br />
Something Smells Funky<br />
‘Round Here<br />
Alligator / In-Akustik<br />
W W W W o<br />
Joe Bonamassa<br />
Redemption<br />
Provogue / Mascot / Rough Trade<br />
W W W o<br />
Mojo Makers<br />
Songs for the Sirenes<br />
Jazzhaus / In-Akustik<br />
W W<br />
Jon Cleary<br />
Dyna-Mite<br />
Thirty Tigers / Al!ve<br />
W W W W<br />
Tony Joe White<br />
Bad Mouthin’<br />
Yep Roc Records / H’art<br />
W W W W<br />
Paul Rodgers<br />
Free Spirit<br />
Quarto Valley Records / H’art<br />
W W W<br />
The Magpie Salute<br />
High Water I<br />
Provogue / Mascot / Rough Trade<br />
W W o<br />
Billy F Gibbons! Bei diesem<br />
Namen denkt man sofort an<br />
lange Rauschebärte, coole<br />
Sonnenbrillen und lärmende<br />
E-Gitarren. ZZ Top eben. Aber<br />
Billy kann auch anders. Mit<br />
seinem zweiten Soloalbum für<br />
Concord geht’s zurück zu den<br />
Wurzeln. Billy bedient sich<br />
u.a. am musikalischen Erbe<br />
von Muddy Waters <strong>–</strong> wie bei<br />
„Standing Around Crying“ mit<br />
viel Slide-Gitarre im typischen<br />
Stil des 1983 verstorbenen Kings<br />
des Chicago Blues. Hier und da<br />
greift Gibbons zur Harp. Diesen<br />
Job übernimmt aber meistens<br />
James Harman.<br />
Von diesem Mundharmonika-<br />
Meister gibt’s auch ein neues<br />
Album. Er spielt und singt auf<br />
fineprint in wechselnden Besetzungen<br />
Blues, Jump, Shuffle<br />
und Western Swing, teilweise<br />
schon vor Jahrzehnten aufgenommen<br />
und jetzt ausgegraben.<br />
Darunter sind auch rare Tracks<br />
mit dem Gitarristen Nathan<br />
James und dem 1999 verstorbenen<br />
Jazz-Kontrabassisten<br />
Buddy Clark. Eine Empfehlung.<br />
Die Rückbesinnung auf die<br />
Blues-Tradition kommt an. Der<br />
Harpspieler Curtis Salgado und<br />
der Gitarrist Alan Hager haben<br />
für Rough Cut Klassiker von<br />
Muddy Waters, Elmore James,<br />
Sonny Boy Williamson II, Son<br />
House, Robert Wilkins und Big<br />
Bill Broonzy (wieder-)entdeckt.<br />
Das Duo samt Combo zeigt, dass<br />
alte Zwölftakter nicht ausgelutscht<br />
sein müssen.<br />
Als America’s Child fühlt sich die<br />
Sängerin Shemekia Copeland.<br />
Direkt beim Opener liest sie ihrem<br />
Land die Leviten: „Ain’t Got<br />
Time for Hate“. Die Tochter des<br />
1997 in New York verstorbenen<br />
Gitarristen Johnny Copeland<br />
pendelt zwischen Blues, Soul<br />
und Rock. Von ihrem Vater<br />
stammt die etwas schmalzige<br />
Ballade „Promised Myself“, bei<br />
der Steve Cropper (The Original<br />
Blues Brothers Band) die<br />
Gitarre spielt. Bei „Great Rain“<br />
bricht die 39-Jährige im Duett<br />
mit dem Folk-Barden John Prine<br />
zu einem musikalischen Trip in<br />
den „alten“ Süden der USA auf.<br />
Auch Produzent Will Kimbrough<br />
steigt auf den Aufnahmen ein <strong>–</strong><br />
an Gitarre und Orgel.<br />
Elvin Bishop (voc/g) ist mit<br />
75 ein erfahrener Bluesrock-<br />
Routinier. „Something Smells<br />
Funky ‘Round Here“ heißt der<br />
Titelsong der aktuellen Platte,<br />
mit der sein Big Fun Trio die US-<br />
Politik unter Donald Trump auf<br />
die Schippe nimmt. Bob Welsh<br />
(p/org/g) und Willy Jordan (voc/<br />
cajón) komplettieren das Trio,<br />
das nicht nur mit Good-Time-<br />
Music („Bob’s Boogie“) Spaß<br />
bereitet, sondern auch in die<br />
Blues-Welt abtaucht <strong>–</strong> wie bei<br />
„My Soul“ und verstärkt durch<br />
den Zydeco-Akkordeonisten<br />
Andre Thierry.<br />
„Deep in the Blues Again“<br />
begibt sich auch Joe Bonamassa<br />
auf seinem 13. Studioalbum.<br />
Dieser Song steht für die<br />
Richtung, die Joe Bonamassa<br />
bei Redemption einschlägt. Herausragend:<br />
„Love Is a Gamble“<br />
von T-Bone Walker. Bei diesem<br />
Blues Time<br />
Slow-Blues glänzt Joe durch<br />
lange, aber abwechslungsreiche<br />
Gitarrenläufe. Dazu passen<br />
mitreißende Bläser-Riffs.<br />
Die dänischen Mojo Makers<br />
um Kasper Osman (voc/g) und<br />
Kristian Hoffmann (g) kommen<br />
mit ihren Songs of the Sirens<br />
heraus. Die versprechen nicht<br />
gerade Blues. Aber einige Titel<br />
klingen so. Wie „Bless My<br />
Soul“ und „The Pearl Made of<br />
Amatyst”, die gar an Worksongs<br />
erinnern. „You Got Me Blinded“<br />
und „An Apology Song“ orientieren<br />
sich an alten Blues-Vorbildern.<br />
Akustisch gespielt, aber<br />
sehr gekünstelt. Der Sound kann<br />
auf Dauer nerven. Da sollte man<br />
lieber die Originale des Country<br />
Blues hören. Pluspunkte für das<br />
Booklet mit den Texten.<br />
Eine geballte Ladung R&B<br />
steckt in Dyna-Mite von Jon<br />
Cleary. Der Titelsong ist eine<br />
Funk-Nummer mit wirkungsvollen<br />
Bläser-Arrangements. Das<br />
lädt bei Partys zum Tanzen ein.<br />
Der britische Keyboarder, der<br />
vor allem in New Orleans wirkt,<br />
schrieb alle zehn Tracks selbst.<br />
„21st Century Gypsy Singing<br />
Lover Man“ komponierte er mit<br />
Taj Mahal, der bei dieser Soul-<br />
Ballade dazustößt.<br />
Ungewöhnlich für den alten<br />
Swamp-Rocker Tony Joe White:<br />
Sein Album Bad Mouthin‘ ist<br />
durch und durch Blues <strong>–</strong> und<br />
handgemacht, ohne viel Beiwerk.<br />
Der Sänger und Gitarrist<br />
bringt Eigenes und covert<br />
Charley Patton, Jimmy Reed,<br />
Lightnin‘ Hopkins und John Lee<br />
Hooker. Elvis Presleys „Heartbreak<br />
Hotel“ klingt bei White<br />
recht archaisch. Elvis hatte<br />
einst Whites Hit „Polk Salad<br />
Annie“ übernommen.<br />
Das Blues-Revival in den 60ern<br />
prägte ihn. Als Rocksänger<br />
machte Paul Rodgers dann<br />
Karriere, aber er interessierte<br />
sich weiterhin für die Väter<br />
des Blues. Auf seinem jüngsten<br />
Album Free Spirit ist er in<br />
Quintett-Besetzung live in der<br />
Londoner Royal Albert Hall zu<br />
hören und zu sehen (auf der<br />
DVD). Paul hat viel Soul. Auch<br />
bei „The Hunter“, einem alten<br />
Hit von Booker T. & the M.G.‘s<br />
bei Stax in Memphis, kommt das<br />
rüber. Für Fans der Rock- und<br />
Pop-Ikone ist das Album wohl<br />
ein Muss.<br />
Noch einen Abstecher in den<br />
Southern Rock: Die Stärke der<br />
US-Band The Magpie Salute<br />
auf High Water I sind nur eigene<br />
Titel, meistens laut und mit<br />
einigen Blues-Anklängen. Die<br />
fünf bärtigen Herren kündigen<br />
für 2019 High Water II an.<br />
Martin Feldmann<br />
Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong> 87
Kolumne<br />
Schaal<br />
ganz Ohr<br />
Áron Tálas Trio<br />
Little Beggar<br />
BMC / Note 1<br />
Livio Minafra & Roland<br />
Neffe<br />
Campo Armónico<br />
Quinton / Galileo<br />
Marcin Masecki & Jerzy<br />
Rogiewicz<br />
Ragtime<br />
BMC / Note 1<br />
Aus Ungarn kommt der<br />
Pianist Áron Tálas und<br />
erinnert uns daran, dass Jazz<br />
vor allem eine Rhythmus-<br />
Musik ist. Ja, dieses Album<br />
groovt und groovt. Schon<br />
dass ein Pianotrio mehr<br />
schnelle als langsame Stücke<br />
spielt, grenzt heute ja fast<br />
an eine Sensation. Fast eine<br />
Sensation ist auch, dass der<br />
27-Jährige in vital boppenden<br />
Single-Note-Läufen durch die<br />
Harmonien kurvt. Die Stücke<br />
heißen „Hendersong“, „Ke-<br />
Bop“, „Chicken Run“ <strong>–</strong> da hat<br />
einer trotz der großen Musiktradition<br />
seines Heimatlandes<br />
nicht ganz vergessen, wo die<br />
Wiege des modernen Jazz<br />
stand. Im Trio mit dem Bassisten<br />
Jószef Barcza Horváth<br />
<strong>–</strong> er ist der Nestor der Band <strong>–</strong><br />
und dem Schlagzeuger Attila<br />
Gyárfás erforscht Tálas viel<br />
rhythmisches Gelände zwischen<br />
Swing und Latin. Und<br />
zuweilen basteln sich die drei<br />
auch ein bizarres Kaleidoskop<br />
aus Stilparodien zusammen.<br />
Eine wirklich erfrischende<br />
Entdeckung.<br />
Der Pianist Livio Minafra ist<br />
der Sohn eines Jazztrompeters<br />
und einer klassischen<br />
Cembalistin. Seit 2009 hat er<br />
ein technisch virtuoses Duo<br />
mit Roland Neffe am Laufen,<br />
dem Berliner Vibrafonisten<br />
aus Österreich. Klavier<br />
und Vibrafon <strong>–</strong> da wartet<br />
natürlich ein perkussives<br />
Abenteuer, und zusätzliche<br />
Klangfarben (Melodica,<br />
Marimbafon usw.) ergänzen<br />
noch Pep und Emotion.<br />
Zwischen südländischem<br />
Tanz-Temperament, Balkan-<br />
Figuren und raffinierter<br />
Neuer Musik entwickeln sich<br />
rhythmische Etüden, beinahe<br />
Visionen einer mechanistischen<br />
Welt <strong>–</strong> technisch komplex,<br />
aber unwiderstehlich.<br />
Stücktitel wie „Adrenalin“,<br />
„Boomerang“, „Raindrops“<br />
und „Tarantella“ verraten<br />
den rhythmischen Furor. In<br />
vier Live-Stücken wird das<br />
italienisch-österreichische<br />
Duo außerdem ergänzt<br />
durch den Franzosen Michel<br />
Godard, der an Tuba, Serpent<br />
und Bassgitarre seine interessanten,<br />
warmen Akzente<br />
setzt. Sternminuten!<br />
Zum Schluss führt unsere<br />
Europareise nach Polen. Pianist<br />
Marcin Masecki gehört<br />
dort zu den renommiertesten<br />
Freigeistern. Seinen Alben<br />
gibt er gerne griffige Titel<br />
wie Mazurki, Polonezy oder<br />
Scarlatti. Nun also Ragtime<br />
<strong>–</strong> das ist die Musik, die ihn<br />
als Neunjährigen erstmals<br />
für den Jazz begeistert hat.<br />
Masecki spielt den Ragtime<br />
heute allerdings auf ganz<br />
eigene Weise <strong>–</strong> das hat<br />
nichts von Nostalgie an<br />
sich, sondern ist augenzwinkernde<br />
Avantgarde mit<br />
Understatement. Pianistisch<br />
ganz reduziert, nur vom<br />
Schlagzeuger Jerzy Rogiewicz<br />
begleitet, verfremdet<br />
und dekonstruiert Masecki<br />
den guten, alten Rag-Drive<br />
und lässt dabei Assoziationen<br />
an kaputte Spieluhren<br />
aufkommen. Altbekannte<br />
Ragtime-Stücke gibt es nicht<br />
zu hören, aber immerhin zwei<br />
frühe Jazz-Standards, die<br />
schon ein Thelonious Monk<br />
gerne mit schräg-humorigem<br />
Stride verballhornt hat <strong>–</strong> von<br />
dort weht hier der Wind.<br />
„Monk wäre stolz auf ihn“,<br />
heißt es im Begleittext. „Und<br />
er würde zu Maseckis Ragtimes<br />
sogar tanzen.“<br />
Hans-Jürgen Schaal<br />
wegung und Reflexionen sind<br />
die Themen, mit denen sich<br />
Schlagzeuger Terje Isungset<br />
für sein Projekt beschäftigt<br />
hat. Zu jedem Themenkomplex<br />
hat er mehrere, nicht weiter<br />
benannte Titel eingespielt.<br />
„The Essence of the Stones“<br />
wurden die ersten sechs Stücke<br />
überschrieben, und man<br />
hört abgeriebene, beklopfte<br />
und geschlagene Steine, vermischt<br />
mit allem möglichen anderen<br />
Geräuschen, die sich in<br />
einem langen Hall verbinden.<br />
Der stammt übrigens aus dem<br />
Emanuel Vigeland Mausoleum<br />
in Oslo, das die Musik mit diesem<br />
absolut atemraubenden<br />
12-Sekunden-Hall verzaubert.<br />
In der Natur, wie der CD-Titel<br />
vermuten lässt, wurde nicht<br />
aufgenommen. Terje Isungset<br />
verleiht Gegenständen eine<br />
Stimme. Steine, Gongs, Maultrommel<br />
<strong>–</strong> er arbeitet mit den<br />
unterschiedlichsten Sounds.<br />
Und gibt allen Tönen, Geräuschen<br />
und Klängen die Gelegenheit,<br />
sich zu entwickeln,<br />
baut im Hall ganze Klangpyramiden<br />
auf. Suites of Nature<br />
ist eine sehr atmosphärische<br />
CD, allerdings kein Album, das<br />
man nebenher hören sollte.<br />
Nur im konzentrierten Zuhören<br />
erschließen sich die kompletten<br />
Klangwelten.<br />
Angela Ballhorn<br />
<strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong><br />
Anat Cohen & Fred Hersch<br />
Live in Healdsburg<br />
Anzic / GoodToGo<br />
W W W W<br />
Fred Hersch Trio<br />
Live in Europe<br />
Palmetto / Rough Trade<br />
W W W W W<br />
Als Chronist der Werke des<br />
unermüdlichen Fred Hersch<br />
hat man zu tun. Schon die<br />
Liste seiner Kollaborationen<br />
auf Augenhöhe wird lang und<br />
länger. 2016 duettierte Hersch<br />
mit der grandiosen Klarinettistin<br />
Anat Cohen beim Festival<br />
im kalifornischen Healdsburg.<br />
Die beiden Improvisatoren<br />
befinden sich in springlebendigem<br />
Dialog und sind derart<br />
miteinander im Flow, dass<br />
es relativ unerheblich ist, ob<br />
sie sich Eigenkompositionen<br />
oder Klassiker wie „Mood<br />
Indigo“ oder „Jitterbug Waltz“<br />
hernehmen, um ihre große Improvisationskunst<br />
und Spiellust<br />
auszuleben. Der Gig riss live<br />
nicht nur das Publikum mit,<br />
sondern ist auch als kristallklarer<br />
Mitschnitt ein echter<br />
Genuss.<br />
Das Zuhause von Herschs<br />
Bandmusik ist jedoch sein<br />
langjähriges Trio. Wer dessen<br />
neues Album in Händen hält,<br />
weiß, warum <strong>–</strong> im gewissen,<br />
aber besten Sinne ist es der<br />
verlängerte Arm des Pianisten.<br />
Niemand versteht ihn besser<br />
als Bassist John Hébert und<br />
Eric McPherson am Schlagzeug.<br />
Monk (hier „We See“<br />
als Opener und Encore „Blue<br />
Monk“) darf bei keinem von<br />
Herschs Liveauftritten fehlen,<br />
doch letztlich lassen seine<br />
eigenen Stücke ihm und<br />
seinen Kollegen die größte<br />
dialogische Freiheit, so z.B. auf<br />
„Snape Maltings“ oder dem<br />
kollektiv frei schwingenden<br />
„Skipping“. Und Fred liebt<br />
Hommagen. „Bristol Fog“ ist<br />
sein lyrisches Chapeau vor<br />
John Taylor, „Newklypso“<br />
zwinkert Sonny Rollins zu,<br />
und mit „The Big Easy“ lässt<br />
Hersch die amerikanische Musik<br />
und einen ihrer genauesten<br />
Beobachter, Tom Piazza, hochleben.<br />
Prädikat „großartig“.<br />
Jan Kobrzinowski<br />
88 Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong>
Die Hörbucht<br />
E i n f a l l s l o s<br />
Einfallslosigkeit muss schlimm sein.<br />
Etwa wenn man das Intro für eine<br />
Kolumne schreiben will, ja muss,<br />
einem aber so gar nichts Passendes<br />
in den Sinn kommt <strong>–</strong> außer vielleicht<br />
etwas Selbstreferenzielles. Schreiben<br />
über das Schreiben mit nichts in der<br />
Tasche, niente. Deadline, literally.<br />
Schlimm. Oder man stelle sich vor, bei<br />
einer Jamsession versiegen plötzlich<br />
die Ideen. Free Jazz interruptus.<br />
Kein Interplay, sogar die Reaktionen<br />
weg, alles vorgeformt und stereotyp,<br />
so gar nichts Neues, kein Esprit. Call<br />
ohne Response. Lähmende Leere.<br />
Schlimm. Oder man macht „irgendwas<br />
mit Humor“, vielleicht in Zeiten,<br />
als der Begriff „Comedy“ noch keine<br />
üble Nachrede war, aber Charme und<br />
Pointen bewegen sich zusammen mit<br />
der Phantasie auf der Nulllinie. Wie<br />
beruhigend wäre es da, wenn einem<br />
ein kreativer Gigant wie Robert Gernhardt<br />
die Gags schreiben könnte. Ein<br />
sprudelnder Quell des Abseitigen und<br />
der guten Laune. Die Versöhnung von<br />
Holzhammer und Poesie. Schön. Jodelahiti!<br />
In der Hörbucht … Björn Simon<br />
F.C. Delius<br />
Die Zukunft der Schönheit<br />
Parlando / Argon<br />
W W W W<br />
Albert Ayler<br />
Music Is the Healing Force of<br />
the Universe<br />
Jazzwerkstatt<br />
W W W W W<br />
Die Like a Dog<br />
Fragments of Music, Life and<br />
Death of Albert Ayler<br />
Jazzwerkstatt<br />
W W<br />
Voller Sogkraft erzählt F.C. Delius<br />
eine Geschichte von der Dynamik<br />
zwischen Vater und Sohn, bei der<br />
die Musik von Albert Ayler, mit der<br />
der Protagonist der Geschichte<br />
zufällig in einer New Yorker Bar<br />
konfrontiert wird, eine wichtige<br />
Rolle beim Erkenntnisgewinn<br />
spielt. Aylers Musik hilft dem<br />
namenlosen Erzähler, dem<br />
Christian Brückner seine Stimme<br />
leiht, das Verhältnis zu seinem<br />
Vater ins rechte Licht zu rücken.<br />
Aylers Musik wirkt also befreiend,<br />
und so wird sie auch von allerlei<br />
Experten in die Jazzgeschichte<br />
eingeordnet.<br />
Wie der Zufall es will, sind gerade<br />
zwei CDs wieder herausgekommen,<br />
die Aylers Musik feiern. Die<br />
eine ist von Ayler selbst, heißt kurioserweise<br />
Music Is the Healing<br />
Force of the Universe, enthält<br />
aber nicht dieses letzte Studio-<br />
Album Aylers, sondern stattdessen<br />
die Live-Aufnahme, die auch<br />
unter dem Namen Live at Slug’s<br />
Saloon veröffentlicht wurde<br />
(wen Jazzwerkstatt-Zampano<br />
Ulli Blobel mit dieser Charade<br />
verwirren will, ist unklar) und eine<br />
der besten Live-Aufnahmen von<br />
Ayler überhaupt ist. Er spielt 1966<br />
seine Parade-Stücke „Ghosts“,<br />
„Bells“, „Our Prayer“ und „Truth<br />
Is Marching In“, und zwar mit<br />
Bruder Donald an der Trompete<br />
sowie dem Geiger Michael Sampson,<br />
dem Bassisten Lewis Worrell<br />
und dem Schlagzeuger Ronald<br />
Shannon Jackson. Dass er <strong>–</strong> auch<br />
für Delius <strong>–</strong> als Free-Jazz-Wüterich<br />
gilt, ist ein Missverständnis,<br />
das sich lange gehalten hat. Doch<br />
wie Diedrich Diederichsen einst<br />
in Der lange Weg nach Mitte<br />
ganz richtig schrieb: „Albert Ayler<br />
hatte die musikalische ‚Befreiung‘<br />
immer mit dem Aufgehen<br />
in konventionelle Kollektivismen<br />
verbunden, vor allem Märsche<br />
und Spirituals“. Davon hat<br />
Peter Brötzmann, der sich seit<br />
Jahrzehnten als Aylers Nachlassverwalter<br />
aufspielt, aber keine<br />
Ahnung, denn der Mann ist ja<br />
nicht in der Lage, einen Marsch<br />
oder gar ein Spiritual zu spielen.<br />
Das wird auch in der 25 Jahre<br />
alten Aufnahme Fragments… von<br />
Brötzmanns Band Die Like a Dog<br />
deutlich, in der sogar der Spiritual<br />
„St. James Infirmary“ zitiert wird<br />
<strong>–</strong> allerdings nicht von Brötzmann,<br />
sondern von Trompeter Toshinoro<br />
Kondo. Brötzmann kann halt nur<br />
draufloshupen, und das tut er<br />
auch hier exzessiv. Unterstützt<br />
wird er dabei <strong>–</strong> neben Kondo <strong>–</strong><br />
von Hamid Drake und William<br />
Parker, die dem Geist Albert<br />
Aylers aber vergeblich hinterherrennen.<br />
Mirela Onel<br />
<strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong><br />
Otto Waalkes<br />
Kleinhirn an alle<br />
Random House Audio / Edel:Kultur<br />
W W W W W<br />
„Der Papst soll Selbstmord<br />
begangen haben. Naja, wenn<br />
man sich beruflich verbessern<br />
kann…“ Mit solchen, wenn auch<br />
meist nicht ganz so bösen, Kalauern,<br />
vor allem aber mit seiner<br />
unvergleichlichen Körpersprache<br />
trat Otto Waalkes <strong>–</strong> eigentlich hat<br />
ihm immer der Vorname gereicht<br />
<strong>–</strong> ab 1973, als die erste Otto-Show<br />
im Fernsehen ausgestrahlt wurde<br />
<strong>–</strong> übrigens nur einmal im Jahr <strong>–</strong>,<br />
seinen unvergleichlichen Siegeszug<br />
an. Berühmter als Otto kann<br />
man in Deutschland nicht werden.<br />
Und womit? Mit Recht (um einmal<br />
Heinz Erhardt zu zitieren, neben<br />
Jerry Lewis eines der wenigen<br />
Vorbilder des Ostfriesen).<br />
Wer mehr über Deutschlands<br />
„Lachmann der Nation“ (DER<br />
SPIEGEL) wissen will, kann seit<br />
Frühjahr zu dessen Autobiografie<br />
Kleinhirn an alle greifen, und wer<br />
damit noch gewartet hat, kann<br />
sich nun mit Ottos gleichnamigem<br />
Hörbuch vergnügen. „Die<br />
große Otto-Biografie“, wie das<br />
Hörbuch im Untertitel heißt, ist so<br />
witzig, dass man ab und zu die CD<br />
anhalten muss, und so ergreifend,<br />
dass man manchmal gar<br />
mit den Tränen kämpfen muss,<br />
denn Ottos Leben hatte auch<br />
peinliche und traurige Momente,<br />
die er keineswegs auslässt <strong>–</strong> das<br />
würde ja auch nicht zu diesem<br />
freimütigen Charakter passen.<br />
Aus seiner Nähe zur Neuen<br />
Frankfurter Schule hat Otto nie ein<br />
Hehl gemacht, vom Dreigestirn<br />
Robert Gernhardt, Pit Knorr und<br />
Bernd Eilert, die ihn von Anfang<br />
an mit Texten versorgt haben, ist<br />
das größte Talent, der Dichter,<br />
Satiriker und Zeichner Gernhardt,<br />
leider schon seit Langem verstorben.<br />
Edo Reents hebt in der FAZ<br />
vom 21. Juli <strong>2018</strong> anlässlich Ottos<br />
70. Geburtstag auf die „Gefallsucht“<br />
ab, die in seiner Autobiografie<br />
eine große Rolle spiele und<br />
die voraussetze, dass jemand<br />
„gar nicht anders kann“. Um dann<br />
ganz richtig zusammenzufassen:<br />
„Es wäre deswegen ein Irrtum,<br />
Otto für eine ‚Figur‘ zu halten. Es<br />
gibt nur diesen einen Otto, der so<br />
viel in sich birgt (…).“<br />
Otto, „Deutschlands Komischster“<br />
(wiederum die FAZ), ist eben kein<br />
Komiker, er spielt keine Rolle<br />
wie Atze Schröder oder Dieter<br />
Nuhr, er ist einfach, was er ist,<br />
und wie befreiend das für die<br />
deutsche Gesellschaft nicht nur<br />
der siebziger Jahre gewesen ist,<br />
davon erzählt Kleinhirn an alle<br />
quasi nebenbei. Der Einzige, der<br />
ihm die Rolle als „Deutschlands<br />
Komischster“ jemals streitig<br />
machen konnte, nämlich Loriot,<br />
hat sie mit ganz anderen Mitteln<br />
ausgefüllt.<br />
Rolf Thomas<br />
Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong> 89
LIVE<br />
powered by<br />
Ystad Sweden Jazz Festival<br />
Ystad<br />
© Py Paavolainen<br />
Von Frithjof Strauß. Ob<br />
Jazzstück oder Krimi <strong>–</strong> Festivalleiter<br />
Jan Lundgren und<br />
Camilla Ahlgren, Co-Autorin<br />
der TV-Serie Die Brücke und<br />
Mit-Erfinderin von Kommissarin<br />
Saga Norén, sind<br />
sich einig: Der gute Einfall<br />
kommt als Blitz, aber dann<br />
muss man um Strukturen in<br />
der Durchführung kämpfen.<br />
Beide sprechen in einer<br />
Frühstücksplauderei über die<br />
Grundlagen ihrer Kreativität.<br />
Dabei hat Ahlgren familiäre<br />
Beziehungen zum Jazz; sie ist<br />
mit Stan Getz’ schwedischer<br />
Ehefrau verwandt. Lundgren<br />
berichtet, dass er Musik<br />
für zwei Wallander-Folgen<br />
geschrieben habe, die aber in<br />
der deutschen Fassung von<br />
den Produzenten rausgekickt<br />
wurde. Nun sei die Zeit reif für<br />
Symbiosen von Jazz und Krimi,<br />
sinnieren beide.<br />
Die reale Polizei in Ystad<br />
jagt derweil Bratwurstbrutzler,<br />
denn wegen Brandgefahr in<br />
der Sommerhitze gilt Grillverbot.<br />
Eben dieses Klima,<br />
verbunden mit der Kleinstadtidylle,<br />
dem Meer, der<br />
gemütlichen Lebensart und<br />
der smoothen Musik nageln<br />
mich gleich im ersten Konzert<br />
auf ein Wort fest, das den<br />
Haupteindruck des Festivals<br />
beschreibt: Verklighetsextas.<br />
Der Pianist Martin Berggren<br />
benutzt es, um seinen in<br />
Vaterfreude entstandenen<br />
„Waltz of Joy“ anzukündigen.<br />
Ein Jubel, der eben nicht aus<br />
90 Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong> Nils Petter Molvaer
© Markus Fagersten<br />
der Wirklichkeit heraustritt,<br />
sondern auf ihrem Erleben<br />
basiert, sie aufsaugt. Genau<br />
diese Freude feiern am Abend<br />
The Manhattan Transfer in<br />
ihrem Vocalese zu Clifford<br />
Browns „Joy Spring“.<br />
Ebenso den Jubel besingt<br />
Gunnar Erikssons Chor zur Musik<br />
Lars Gullins <strong>–</strong> er wäre 90<br />
geworden <strong>–</strong> mit biblischen und<br />
klassischen Texten, u.a. dem<br />
Hohelied. Die Legenden Georg<br />
Riedel (84) und Jan Allan (83),<br />
beide Sidemen Gullins, verleihen<br />
dem Projekt den authentischen<br />
Sound des Swedish<br />
Modern Jazz der 50er.<br />
Erzschwedisch ist dabei auch<br />
die Religionsauffassung eines<br />
frohen Christentums, das allzu<br />
starke Jenseitsbezüge durch<br />
Hingabe an die Schönheit des<br />
Irdischen ablenkt <strong>–</strong> Wirklichkeitsekstase!<br />
In umgekehrter<br />
Richtung mit Musik und Mystik<br />
das Erleben von Transzendenz<br />
zu erzeugen, sollte wohl ein<br />
Anliegen des Konzerts von<br />
Nils Petter Molvær sein, das<br />
vor Ales Steinen stattfand. Die<br />
frühmittelalterliche Schiffssetzung<br />
mit Meeresblick halten<br />
manche für einen Sonnenkalender.<br />
Wo sich sonst Neuhexen<br />
winden und Yogakurse<br />
strecken, bespielte Molvær ab<br />
5.20 Uhr mit Trompete und Laptop<br />
die aufgehende Sonne vor<br />
540 Besuchern. Das hinderte<br />
aber weder die Musik noch<br />
die Landschaft daran, in ganz<br />
diesseitiger Eigenschönheit zu<br />
erstrahlen.<br />
Monty Alexander sagte<br />
am Ende seines Auftritts, dass<br />
ihm der Herr im Himmel die<br />
Finger geführt habe, denn<br />
vor fünf Tagen habe ihn ein<br />
Schlaganfall getroffen. Sein<br />
komplex im Trio verwobenes<br />
Klavier klang nichtsdestotrotz<br />
in verspielter Unbeschwertheit.<br />
Weitere Höhepunkte<br />
unter den 44 Konzerten<br />
waren die Sängerinnen: Cécile<br />
McLorin Salvant mit feinster<br />
Nuancensemantik, als würde<br />
Fischer-Dieskau jazzen. Youn<br />
Sun Nah mit enormer Pathospalette<br />
vom Piepsen bis<br />
zum Röhren. Lizz Wright im<br />
Gospelspirit mit mildem Lächeln<br />
und Jesusgestik. Ich sah<br />
aus dem Orchestergraben aus<br />
drei Metern Entfernung direkt<br />
zu ihrer hehren, segnenden,<br />
singenden Gestalt empor <strong>–</strong><br />
Verklighetsextas!<br />
Youn Sun Nah Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong> 91
Live<br />
powered by<br />
Rivertone<br />
Straubing<br />
© Ulli Scharrer<br />
Von Jan Kobrzinowski. Straubing ist eine<br />
kleine Stadt in Niederbayern an der Donau,<br />
einer dieser Orte, in denen man gerne<br />
hängenbleibt. Im Sommer ist meist schönes<br />
Wetter und irgendwo immer etwas<br />
los. Hier ist man nett zu einand’ und die<br />
Leute verstehen zu feiern. Etwas später im<br />
Sommer werden die Massen strömen zum<br />
Gäuboden-Volksfest, dem weithin größten<br />
denkbaren Volks- und Bierfest, das die Stadt<br />
mit einer knappen Million Besuchern in zehn<br />
Tagen überziehen wird. Eines der Zelte, an<br />
denen seit Wochen gezimmert wird, gehört<br />
an diesem Wochenende Mitte Juli ganz dem<br />
Rivertone Festival. Die Vorgänger und großen<br />
Brüder hießen Bluetone und Jazz an der<br />
Donau. Rivertone ist kleiner und feiner, die<br />
Leute sollen sich wohlfühlen. Festivalchefin<br />
Karin Vuskovic will es wissen und möchte<br />
Rivertone im kommenden Jahr gerne noch<br />
größer aufziehen. Die Vorgänger haben<br />
Maßstäbe gesetzt. Man hat gute Sponsoren,<br />
viel Geschichte, Unterstützung durch lokale<br />
Fans und keine Angst vor der Zukunft. Die<br />
Atmosphäre ist familiär. Umrahmt von Jazz-<br />
Brunch, Late Night Shows und Sessions in<br />
der ganzen Stadt, ist das Hauptprogramm<br />
edel und mit Bedacht ausgesucht.<br />
Lily Dahab und Band, Opener am<br />
Freitagabend, stimmten die Leute behutsam<br />
und charmant auf das ein, was mehr als<br />
ein Hauch Latino-Flair werden sollte. Kurz<br />
danach trat ein Argentinier in Erscheinung,<br />
langhaarig, mit Hut und rosa Brille, der sich<br />
als roter Faden des Wochenendes erweisen<br />
sollte: Minino Garay, weltgewandter<br />
Perkussionist und hier Duopartner des<br />
französischen Pianisten Baptiste Trotignon.<br />
Mit viel Hingabe spielten sich die beiden<br />
durch ihr vorwiegend lateinamerikanisches<br />
Repertoire. Manu Katchés neues Elektro-<br />
Fusion-Projekt The Scope war Headliner<br />
des Freitags. Laut und druckvoll bestätigte<br />
er samt rockigem Powertrio mit E-Gitarre<br />
(Patrick Manouguian), Bass (Jérôme Regard)<br />
und Keyboards (Elvin Galland) seine<br />
Position als einer der führenden Groove-<br />
Drummer Europas.<br />
Andreas Dombert 35 eröffnete den<br />
zweiten Festivalabend mit filigranem<br />
Gitarrentrio-Kammerjazz. Gemeinsam mit<br />
James Maddren (dr) und Andreas Lang<br />
(b) überzeugte der Echo-Jazz-nominierte,<br />
übrigens gebürtige Straubinger mit superfeinem<br />
Ton und außerordentlich inspirierten<br />
Kompositionen und servierte Rivertone so<br />
den einzigen lupenreinen Jazz-Gig. Unter<br />
dem Titel Tribute to Gotan Project wurde<br />
man anschließend Zeuge eines seltenen<br />
Ereignisses: Was quasi als Session begann,<br />
endete als furioser Live-Act, der das<br />
gesamte Publikum auf die Beine brachte.<br />
Original-Gotan-Mitglieder (u.a. der erwähnte<br />
Minino Garay, Sängerin Verónika Silva,<br />
Bandoneonistin Marisa Mercade) traten<br />
unter der Leitung der dänischen Geigerin<br />
Line Kruse zu einer akustischen Version<br />
des legendären Projektes an. Als Top-Act<br />
am Samstag leistete sich Rivertone dann<br />
Till Brönner, der mit seiner siebenköpfigen<br />
Großbesetzung für einen rauschenden<br />
Abschluss sorgte. Mit seiner musikalisch<br />
perfekten Show polierte der Startrompeter<br />
Rivertone noch einmal richtig auf Hochglanz.<br />
Er würde sich für Straubing besonders<br />
ins Zeug legen, sagte er im Vorfeld,<br />
er möge die Herausforderung, „wenn links<br />
und rechts musikalische Schwergewichte<br />
auftreten“.<br />
92<br />
Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong> Till Brönner
Konfrontationen<br />
Nickelsdorf<br />
Von Holger Pauler. Zum 39. Mal<br />
gab es im Juli die Konfrontationen<br />
in Nickelsdorf <strong>–</strong> es könnte<br />
die letzte Ausgabe gewesen<br />
sein. Wegen des drohenden<br />
Konkurses der Jazzgalerie<br />
<strong>–</strong> dem zentralen Veranstaltungsort<br />
des Festivals <strong>–</strong> ist es<br />
unsicherer denn je, ob das<br />
Jubiläum im kommenden Jahr<br />
stattfinden kann. Im Herbst soll<br />
über die Zukunft des Restaurants<br />
verhandelt werden. Das<br />
endgültige Aus wäre eine<br />
Schande, zumal die diesjährige<br />
Auflage des Festivals eine der<br />
besten der jüngeren Geschichte<br />
war.<br />
Der Auftritt der Formation<br />
Frisque Concordance mit Georg<br />
Graewe (p), John Butcher<br />
(sax), Wilbert de Joode (b)<br />
und Mark Sanders (dr) zeigte,<br />
dass die Grenzen der freien<br />
Improvisation noch längst nicht<br />
ausgelotet sind: Uptempo und<br />
Crescendo dominierten das<br />
Konzert. Fließende Kaskaden<br />
auf dem Klavier wurden<br />
begleitet von Multiphonics und<br />
stets wechselnden Harmonien<br />
auf Tenor- und Sopransaxofon.<br />
Dazu eine Rhythmusgruppe,<br />
die den Sound mal verdichtete,<br />
dann wieder Kontrapunkte<br />
setzte. Interaktion auf Champions-League-Niveau<br />
<strong>–</strong> und<br />
das Ganze ohne Elektronik und<br />
präparierte Instrumente. Frank<br />
Gratkowskis Septett Skein unternahm<br />
in seinem nächtlichen<br />
Auftritt Ausflüge in den Dschungel<br />
und die Exotica, ohne den<br />
Boden der freien Improvisation<br />
zu verlassen. Besonders Liz<br />
Allbee an Trompete und Stimme<br />
und Kazuhisa Uchihashi an<br />
Gitarre und Daxofon steuerten<br />
unerwartete Klangfarben<br />
bei. Eine elektro-akustische<br />
Klangreise, die wach hielt, ohne<br />
zu überfordern.<br />
Regionale Acts spielen<br />
in Nickelsdorf glücklicherweise<br />
ebenfalls eine wichtige<br />
Rolle. Die Gruppe Möström<br />
um Susanna Gartmayer (bcl),<br />
Tamara Wilhelm (electr) und<br />
Elise Mory (keyb) spielte zum<br />
ersten Mal bei den Konfrontationen<br />
und sorgte mit ihrem<br />
oft mit einem leicht ironischen<br />
Lächeln vorgetragenen Mix aus<br />
Elektro, freier Improvisation und<br />
eingestreuten Standards für<br />
einen weiteren Höhepunkt: Es<br />
pulsierte, rauschte, donnerte<br />
und swingte <strong>–</strong> per Anhalter<br />
durch die musikalischen Galaxien.<br />
Das Tentet der Komponistin<br />
Angélica Castelló eröffnete<br />
den Sonntagabend mit einem<br />
Auftritt voller Überraschungen:<br />
Teilweise drone-artig wurden<br />
Spannungsbögen kreiert, mal<br />
nebeneinander, mal langsam<br />
aufeinander aufbauend, dann<br />
wieder wellenförmig, ehe das<br />
Stück langsam ausfadete <strong>–</strong><br />
zufällig begleitet vom Heulen<br />
der Sirenen der örtlichen<br />
Feuerwehr. Christof Kurzmann<br />
bewegte sich anschließend mit<br />
der Formation Disquiet in der<br />
Tradition Robert Wyatts oder<br />
Fred Friths: fragile Songfragmente<br />
und Collagen, die zum<br />
Zuhören aufforderten. Auch<br />
politische Botschaften durften<br />
hier nicht fehlen. Gerade jetzt,<br />
da der Aufstieg der Populisten<br />
und (Krypto-)Faschisten unaufhaltsam<br />
scheint, ein mehr als<br />
notwendiger Schritt.<br />
Das Festival wurde von<br />
einem Streicher-Trio abgeschlossen:<br />
Szilárd Mezei (viola),<br />
Tristan Honsinger (cello) und<br />
Joel Grip (b) bewegten sich<br />
zwischen Dada, Beckett und<br />
Billie Holiday. Honsinger und<br />
Grip steigerten ihren Dialog ins<br />
Absurde, sprangen über die<br />
Bühne, kletterten auf Stühle<br />
und tauschten die Instrumente.<br />
Es gab mehrere Zugaben, an<br />
deren Ende Festivalmacher<br />
Hans Falb auf die Bühne geholt<br />
wurde. Er verabschiedete sich<br />
sichtlich bewegt vom zahlreich<br />
erschienenen Publikum.<br />
Und nicht wenige blickten mit<br />
Wehmut auf die vergangenen<br />
vier Tage zurück: Ein Ende der<br />
Konfrontationen würde bedeuten,<br />
dass ein weiterer Freiraum,<br />
der noch nicht vom autoritären<br />
Zeitgeist kontaminiert ist,<br />
verschwindet. Hoffen wir das<br />
Beste.<br />
Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong> 93
Live<br />
powered by<br />
Morgenland<br />
Festival<br />
Osnabrück<br />
© Andy Spyra<br />
© Andy Spyra<br />
Von Ralf Döring. Es zählt zu<br />
den großen Qualitäten des<br />
Morgenland Festivals, Jahr für<br />
Jahr neue Räume zu erschließen.<br />
Das gilt für kulturelle und<br />
musikalische Räume, in der<br />
jüngsten Ausgabe aber auch<br />
im Wortsinn: Das in Osnabrück<br />
ansässige VW-Werk wurde<br />
zum Schauplatz für ein Konzert<br />
der Morgenland All Star Band.<br />
Die Gäste in der Werkshalle<br />
erlebten eine Band, die ungeheure<br />
Spiellust und Experimentierfreude<br />
an den Tag legt, sich<br />
aber stetig von der Session-<br />
Formation zum festen Ensemble<br />
entwickelt, ohne die Freude am<br />
Spiel zu verlieren. Im Gegenteil:<br />
Musiker wie Serpent- und<br />
Tubavirtuose Michel Godard,<br />
Trompeter Frederik Köster,<br />
Schlagzeuger Bodek Janke,<br />
vor allem aber der syrischamerikanische<br />
Klarinettist<br />
und Komponist Kinan Azmeh,<br />
(mehr oder weniger heimlich)<br />
Mastermind der Band, denken<br />
längst nicht nur in den Kategorien<br />
des freien Ausdrucks<br />
via Improvisation, sondern in<br />
Strukturen komplexer Arrangements.<br />
Damit formuliert die<br />
Band mittlerweile so starke<br />
Positionen, dass es möglich ist,<br />
das Konzert von Lichtkünstler<br />
Philipp Geist illuminieren zu<br />
lassen, ohne die Musik in einer<br />
Flut starker Videos und Projektionen<br />
untergehen zu lassen.<br />
Im Gegenteil, Licht und Musik<br />
ergänzen sich perfekt.<br />
Tatsächlich drückt sich<br />
in dieser Kombination ein<br />
Experimentierwille aus, der<br />
zum Kennzeichen des Festivals<br />
geworden ist. Eine mitreißende<br />
Kooperation hat sich diesmal<br />
zwischen dem syrischen Trompeter<br />
Nezar Omran und seinem<br />
Kollegen Ingolf Burkhardt<br />
von der NDR Bigband ergeben:<br />
Burkhardts expressiver<br />
Sound trifft den bronzenen<br />
Ton Omrans, Blue Notes und<br />
die Mikrotöne der arabischen<br />
Maqamat treten in Dialog, und<br />
Florian Weber am Klavier und<br />
der ebenso sensible wie virtuose<br />
türkische Perkussionist<br />
Hogir Göregen erspielen sich<br />
mathematisch präzis abgezirkelte<br />
Freiräume <strong>–</strong> ein starker<br />
Abend.<br />
Als Länderschwerpunkt<br />
hat Festivalleiter Michael<br />
Dreyer diesmal das riesige<br />
Steppenland Kasachstan gesetzt<br />
und locker ins Programm<br />
eingewebt. Raushan Orozbaeva<br />
mit der bogengestrichenen<br />
Laute Kobys und Ulzhan Baibussynova<br />
mit Obertongesang<br />
und der zweisaitigen Dombra<br />
offenbarten dabei, wie neu sich<br />
die Klänge in unseren Ohren<br />
ausnehmen, wie nah uns die<br />
Musik aber gleichzeitig in ihrer<br />
liedhaften Struktur ist. Diese<br />
originäre Musik wurde auch<br />
Teil eines typischen Morgenland-Projekts<br />
unter dem Titel<br />
Die neue Seidenstraße. Die<br />
beiden Kasachinnen trafen<br />
dabei auf Wu Wei und seine<br />
chinesische Mundorgel Sheng<br />
sowie auf den Pianisten Salman<br />
Gambarov aus Aserbaidschan<br />
und Perkussionist Bodek Janke,<br />
seinerseits ein Musiker mit<br />
polnischen und kasachischen<br />
Wurzeln. Das Konzert im soziokulturellen<br />
Zentrum Lagerhalle<br />
offenbarte zwar, wie schwierig<br />
es ist, die Kräfteverhältnisse<br />
zwischen der Ausdruckskraft<br />
Wu Weis und Jankes und<br />
den diskreten Kasachinnen<br />
auszubalancieren. Wenn aber<br />
Gambarov mit seinem feinsinnigen<br />
Klavierspiel zwischen<br />
Jazz, Bach und Polyphonie<br />
den Ton angab, entfaltete das<br />
einen zauberhaften Reiz. Und<br />
wie sehr solche Kooperationen<br />
lohnen, demonstrierten das<br />
Ensemble Hewar aus Syrien<br />
und das Gurdjeff Ensemble aus<br />
Armenien beim Abschlusskonzert.<br />
Die Musik Armeniens und<br />
Einflüsse arabischer Musik,<br />
Jazz und Spurenelemente<br />
der zeitgenössischen Musik<br />
verschmolzen zu einer Einheit,<br />
die Räume nicht nur erschließt,<br />
sondern gleich neu schafft.<br />
Besser kann sich ein Festival<br />
nicht legitimieren.<br />
94<br />
Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong> oben: Homayun Sakhi (Rubab) / unten: Ulzhan Baibussynova (Gesang & Dombra), Raushan Orozbaeva (Qobys)
powered by<br />
JazzBaltica<br />
Von Angela Ballhorn. <strong>2018</strong><br />
musste das JazzBaltica erneut<br />
umziehen, die Evers-Werft stand<br />
nicht mehr zur Verfügung. Das<br />
Festival wanderte in den Kurpark<br />
in Timmendorfer Strand. Die<br />
Open-Air-Konzerte litten <strong>–</strong> wie<br />
leider oft <strong>–</strong> unter dem nasskalten<br />
Wetter, die Hauptbühne im<br />
Seehotel Maritim natürlich nicht.<br />
Leider fehlte im abgedunkelten<br />
Saal das Am-Meer-Gefühl, man<br />
hätte in jedem x-beliebigen Hotel<br />
sein können. Für die Logistik<br />
ist die neue Location sicher ein<br />
Gewinn, aber mit den durch<br />
die Bootshalle kreuzenden<br />
Schwalben und dem Klackern<br />
der Schiffswanten war die<br />
Atmosphäre früher maritimer.<br />
Dem Publikumszuspruch tat das<br />
keinen Abbruch, unglaubliche<br />
17.000 Karten wurden abgesetzt.<br />
Timmendorfer Strand<br />
Applaus überwältigt war. Das<br />
große Orchesterprojekt mit dem<br />
Englischhorn-Solisten Björn Bohlin<br />
war spannend, leider tat der<br />
Tausch der Konzertblöcke Eva<br />
Kruses toller Band nicht gut. Als<br />
erster Act wäre ihre On-the-Mo-<br />
Band besser angekommen. Eva<br />
Kruse musste ohne Soundcheck<br />
spielen, und die Oboe in ihrer<br />
Band, deren Klang erfrischend<br />
anders ist, ging nach dem klanglich<br />
ähnlichen Englischhorn im<br />
Orchester etwas unter. Das dritte<br />
und letzte Geburtstagskonzert<br />
zeigte, dass zu viele Köche den<br />
Brei doch verderben können <strong>–</strong> zu<br />
guter Letzt waren zwölf Leute<br />
auf der Bühne, jeweils zwei<br />
Drummer, Pianisten, Gitarristen<br />
und Trompeter. Beim Beatles-<br />
Stück „Come Together“ war das<br />
einfach zu viel.<br />
Programm nicht hören ließ,<br />
dass er mittlerweile 72 ist. Helge<br />
Schneider schob seine Hammondorgel<br />
selbst auf die Bühne<br />
und zelebrierte sein unfassbares<br />
Wissen im Jazzrepertoire. Die<br />
NDR Info Radio Stages boten<br />
kleine Schätze: Donny McCaslin<br />
spielte zum ersten Mal mit Lars<br />
Danielsson, aber auch spontan<br />
im Quartett mit Ulf Wakenius und<br />
Magnus Öström, dazwischen<br />
gab es Interviewblöcke.<br />
Mit seiner eigenen Band<br />
wanderte Saxofonist McCaslin<br />
musikalisch in eine ganz andere<br />
Richtung <strong>–</strong> lautstark, mit viel<br />
Energie und Wut im Bauch.<br />
Leider musste er mit seiner<br />
großartigen Band gegen die<br />
Fußball-WM und einen leerer<br />
werdenden Saal anspielen. Weitere<br />
Kleinodien waren Dieter Ilgs<br />
B-A-C-H-Programm, das Konzert<br />
von Gitarrist David Grabowski,<br />
dem diesjährigen Preisträger<br />
des IB.SH Jazzawards, Hendrika<br />
Entzian mit ihrem Quartett und<br />
die JazzBaltica All Stars, denen<br />
© Rolf Kissling<br />
Viele altbekannte Gesichter<br />
gab es zu sehen <strong>–</strong> der künstlerische<br />
Leiter Nils Landgren hatte<br />
Freunde eingeladen. Besonders<br />
gefeaturt wurde der schwedische<br />
Bassist Lars Danielsson,<br />
der in diesem Jahr seinen 60.<br />
Geburtstag feiert. Gleich dreimal<br />
durfte er mit unterschiedlichen<br />
Formationen auf die Bühne. In<br />
der Band Liberetto liebte das<br />
Publikum vor allem Pianist Grégory<br />
Privat, der vom donnernden<br />
Ulf Wakenius als zweitem<br />
60er wurde weniger Raum<br />
eingeräumt, seine Band mit Bill<br />
Evans an Sax und Klavier (!) ging<br />
mit Stücken wie Miles‘ „Jean-<br />
Pierre“ gut los. Ein unerwartetes<br />
Highlight war die lettische Radio<br />
Big Band mit ihrem Gastsolisten<br />
Randy Brecker, die ohne<br />
Dirigent, tight auf den Punkt,<br />
dynamisch ausgeklügelt und<br />
mit einem Trompeter begeisterte,<br />
der bei dem schweren<br />
Hildegunn Øiseth Stücke auf den<br />
Leib geschrieben hatte.<br />
Auffällig war, wie viele<br />
Label-Kollegen Nils Landgren<br />
auf die Bühne brachte. Dass<br />
ACT als einziges Label mit einem<br />
CD-Stand vertreten war, passte<br />
ins Bild. ACT-Künstler haben<br />
unbestritten Qualität, aber ein<br />
bisschen mehr Label-Vielfalt täte<br />
dem Festival gut.<br />
Nils Landgren Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong><br />
95
Live<br />
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Jazzdor<br />
Berlin<br />
Von Peter Bastian. Da hat Philippe Ochem<br />
schon recht, gerade in diesen Zeiten,<br />
wenn er unterstreicht, dass man den<br />
kulturellen Austausch in Europa forcieren<br />
müsse, statt nur davon zu sprechen. Das<br />
tat er bei seiner Berliner Ausgabe von<br />
Jazzdor jetzt schon im zwölften Jahr.<br />
Einige dieser Begegnungen haben sich zu<br />
festen Bands entwickelt, wie das Quartett<br />
QÖÖLP um Christian Lillinger und Théo<br />
Ceccaldi oder das Duo Nils Wogram (trb)<br />
und Bojan Z (keyb).<br />
Letztere waren in Berlin am ersten<br />
Tag in eine neue Band des niemals<br />
rastenden 82-jährigen Klarinettisten<br />
Michel Portal integriert. Außerdem waren<br />
hier der Bassist Bruno Chevillon und<br />
der 30-jährige belgische Schlagzeuger<br />
Lander Gyselinck mit von der Partie. Die<br />
beiden Bläser aus verschiedenen Generationen<br />
<strong>–</strong> Portal begleitete Anfang der<br />
60er Jahre Edith Piaf <strong>–</strong> harmonierten aufs<br />
Beste, und gespielt wurde wunderbarer<br />
Modern Jazz mit rockigen Elementen.<br />
Modern und mitreißend war es auch<br />
davor bei Dadada, einem Trio mit dem Pianisten<br />
Roberto Negro, dem Sopransaxofonisten<br />
Emile Parisien und dem Drummer<br />
Michele Rabbia. Im Programm hatten sie<br />
auch eine Bearbeitung von György Ligetis<br />
„Cantabile“, die natürlich kaum wiederzuerkennen,<br />
aber sehr faszinierend war.<br />
Auch Pablo Held zählt zu den besten<br />
europäischen Pianisten und seine Rhythmusgruppe<br />
mit Robert Landfermann (b)<br />
und Jonas Burgwinkel (dr) zu den besten<br />
ihrer Art. Burgwinkel spielte auch im<br />
folgenden Trio mit Sebastian Sternal (p)<br />
und seiner Leiterin Airelle Besson (trp)<br />
und lieferte sich auch mit ihnen einen<br />
spannenden Austausch. What If, das<br />
Quartett des Tenorsaxofonisten Hugues<br />
Mayot mit Europas vielleicht bestem<br />
Fender-Rhodes-Spieler Jozef Dumoulin,<br />
bot sphärisch dichten elektrischen Jazz<br />
Richtung Weather Report.<br />
Die Freiheit des Jazz drückt sich<br />
alleine schon in der Besetzung der ersten<br />
Band am dritten Tag, Ikui Doki, aus. Mayot<br />
spielt auch hier wieder Saxofon, Sophie<br />
Bernado Fagott und Rafaelle Rinaudo<br />
Harfe. Mit Debussy als Ausgangspunkt<br />
gelangt das Trio über Minimal Music<br />
zum Jazz, das war beachtlich. Yorgos<br />
Dimitriadis (dr), Philippe Lemoine (sax)<br />
und Andrea Parkins (acc, laptop) trafen in<br />
Berlin zum ersten Mal zusammen und lieferten<br />
faszinierende Klänge ab. Das Trans<br />
Europe Express Ensemble, das mit Yves<br />
Robert (trb), Silke Eberhard (as, b-cl), Julien<br />
Pontvianne (sax), Théo Céccaldi (vio),<br />
Ronny Graupe (g), Sébastien Boisseau<br />
(b) und dem Schlagzeuger Dejan Terzic<br />
hervorragend besetzte Oktett des Kölner<br />
Pianisten Hans Lüdemann, spielte in Berlin<br />
zum wiederholten Mal seine herrliche<br />
Musik, zu der alle Beteiligten Stücke<br />
beitragen.<br />
Dynamisch und spannend war der<br />
Auftritt von Novembre, einem Quartett,<br />
das mit Antonin Tri-Hoang, Romain Clerc-<br />
Renaud, Thibault Cellier und Elie Duris an<br />
Saxofon, Klavier, Bass und Schlagzeug<br />
vier junge faszinierende Musiker vereint.<br />
Ihre colemaneske Musik überzeugte vom<br />
ersten Ton an. Genauso wie die Bedmakers<br />
des Saxofonisten Robin Fincker,<br />
die mit ihrem Tribute to an Imaginary<br />
Folkband überzeugten <strong>–</strong> Folk und freie<br />
Improvisation, das funktionierte gut. Und<br />
die unglaubliche Energie des Quintetts<br />
des Baritonsaxofonisten François Corneloup<br />
war ein passender Abschluss des<br />
diesjährigen Festivals.<br />
Von Christoph Giese. Wenn nach dem ersten<br />
Konzert noch eilig ein paar zusätzliche Stuhlreihen<br />
im Saal aufgebaut werden mussten<br />
aufgrund des unerwartet hohen Zuschauerinteresses,<br />
und wenn nach eben diesem ersten<br />
Konzert die Leute sich für stehende Ovationen<br />
von den Sitzen erhoben, dann konnte man<br />
schon nach einem Drittel der JazzNacht Zollverein<br />
von einer gelungenen Veranstaltung<br />
sprechen. Und dieses Zwischenfazit sollte<br />
sich bis zum letzten Ton des Abends bestätigen.<br />
Denn alle drei Acts boten Vorzügliches.<br />
Die Messlatte legten Shalosh zu Beginn ja<br />
auch schon hoch. Das israelische Trio, hierzulande<br />
noch ein kleiner Geheimtipp, spielt ein<br />
gefühlvolles, melodieverliebtes Amalgam aus<br />
Jazzfinesse und ohrwurmartigen Linien, die<br />
sich in vielen Stücken zu hymnenartigen Momenten<br />
emporschwingen. Dabei blinzelt das<br />
Trio gerne mal rüber zu Pop und Rock. Und<br />
Pianist Gadi Stern, Bassist David Michaeli<br />
und Schlagzeuger Matan Assayag spielten in<br />
der Halle 12 des Welterbes Zeche Zollverein<br />
in Essen auch Musik mit viel Augenzwinkern:<br />
Die Fußballhymne „You‘ll Never Walk Alone“<br />
und der weltbekannte Pophit „Take on Me“<br />
der norwegischen Band a-ha verwandelten<br />
sich in den Fingern von Shalosh zu raffiniert<br />
verschachtelten Jazzhymnen.<br />
Da liebt es der Top-Act der Veranstaltung<br />
schon erdiger. Sänger und Trompeter<br />
Jeff Cascaro fühlt sich in Soul, Jazz und Blues<br />
gleichermaßen wohl und sang das<br />
alles mit lässiger Attitüde. Entertainer-Qualitäten<br />
hat der Mann aus<br />
Bochum obendrein. Und wie gut<br />
Cascaro und seine exquisite Band<br />
musizieren können, zeigte sich<br />
nicht zuletzt in ihrer Version des<br />
„Inner City Blues“ von Soullegende<br />
Marvin Gaye. Der wurde hier<br />
zur leicht dunkel schimmernden,<br />
obercoolen Jazznummer.<br />
Elektronischen Jazz in<br />
Livebesetzung zu spielen, hatte<br />
sich dagegen das Trio Bassmati<br />
auf die Fahnen geschrieben. Das<br />
Projekt des Gelsenkirchener Musikers<br />
Martin Furmann sorgte auf<br />
Zollverein zu bereits vorgerückter<br />
Stunde mit Samples, Synthie-Bass,<br />
souligen Trompetensounds von<br />
Christian Kappe und knalligen<br />
Beats oder lässigen Reggae-Rhythmen<br />
von Drummer Hendrik Lensing<br />
für einen tanzbaren Ausklang. Ein<br />
DJ entließ danach ein zufriedenes<br />
Publikum in die Nacht. Zuvor verabschiedete<br />
Christof Wolf von der<br />
veranstaltenden Stiftung Zollverein<br />
noch die Gäste und schürte mit<br />
seinen Abschiedsworten Hoffnung<br />
auf eine Fortsetzung der JazzNacht<br />
Zollverein im kommenden Jahr. Genügend<br />
Argumente dafür hatte der<br />
Abend zuvor jedenfalls geliefert.<br />
JazzNacht Zollverein Essen<br />
96 Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong> Antonin-Tri Hoang, Thibault Cellier
© Niclas Weber<br />
© Niclas Weber<br />
Summer Jazz<br />
Von Achim Ost. Der Sommer<br />
war groß, aber glücklicherweise<br />
waren auch die warmen Wochen<br />
nicht in der Lage, den Jazz<br />
in Köln ganz trockenfallen zu<br />
lassen. Im Stadtgarten zum Beispiel<br />
war der mithilfe von Licht<br />
begrünte Konzertsaal während<br />
der drei Abende des Summer<br />
Jazz ausverkauft. Vielleicht war<br />
bei diesem kleinen Festival auch<br />
der Versuch mitgemeint, dem<br />
mittlerweile überaus erfolgreichen<br />
Winter Jazz im Stadtgarten<br />
ein Sommer-Ereignis an die Seite<br />
zu stellen. Wie auch immer <strong>–</strong> der<br />
Erfolg war offenkundig.<br />
Der Summer Jazz war eine<br />
Sequenz von drei Konzertabenden,<br />
von denen ursprünglich<br />
zwei je einem Trio gehören<br />
sollten und der dritte einem<br />
Quartett. Kurz vor dem Festival<br />
sorgte die Nachricht, dass<br />
Carla Bley ihr Trio-Konzert und<br />
ihre komplette Europa-Tournee<br />
mit Andy Sheppard und Steve<br />
Swallow aus gesundheitlichen<br />
Gründen absagen musste, für<br />
anhaltende Besorgnis. Musikalisch<br />
fiel dieser Verlust immerhin<br />
erträglich aus, weil Andy Sheppard<br />
stattdessen mit dem Espen<br />
Eriksen Trio auftrat, mit dem er<br />
vor Kurzem ein gemeinsames<br />
Album eingespielt hat. So geriet<br />
an die zweite Position des Festivals<br />
dann doch ein Quartett.<br />
Der erste Abend aber<br />
gehörte dem Klaviertrio The<br />
Bad Plus. Es besteht schon<br />
seit Ende des 20. Jahrhunderts<br />
und gehört damit klar zu den<br />
alten Hasen der Branche. Das<br />
Stadtgarten, Köln<br />
hat sich auch nicht wesentlich<br />
geändert, seit es vor einiger<br />
Zeit seinen Pianisten ausgewechselt<br />
hat. Orrin Evans bringt<br />
eine enorme Energie und einen<br />
beständigen, intensiven Groove<br />
in das Zusammenspiel mit Reid<br />
Anderson und Dave King ein,<br />
so dass das Trio streckenweise<br />
mitten in seinem dritten<br />
Trio-Lebens-Jahrzehnt wie<br />
neugeboren und ungebrochen<br />
spontan und expressiv wirkt.<br />
Der zweite Konzertabend<br />
gehörte dann dem Quartett,<br />
das Andy Sheppard mit dem<br />
Espen Eriksen Trio bildet <strong>–</strong> ein<br />
deutlicher Kontrast zum Auftakt-<br />
Abend. Das neu formierte und<br />
eigens für diesen exklusiven<br />
Abend aus London und Oslo<br />
zusammengeholte Quartett<br />
spielt ein insgesamt eher ruhiges,<br />
dabei klangintensives und<br />
melodisches Konzert. Etliche<br />
Stücke von Carla Bley waren<br />
darin enthalten, und der Abend<br />
wirkte auch deshalb ein wenig<br />
melancholisch grundiert.<br />
Den Festival-Abschluss<br />
machte dann das Quartett<br />
Endangered Blood, das mit<br />
Chris Speed, Oscar Noriega,<br />
Trevor Dunn und Jim Black vier<br />
der einflussreichsten Musiker<br />
der US-amerikanischen<br />
Szene versammelt. Das Konzert<br />
erreichte mit seiner aufregenden<br />
und abwechslungsreichen<br />
Dramaturgie und dem enorm<br />
verdichteten Zusammenspiel<br />
der vier ein Niveau, das sich<br />
wie ein krönender Abschluss<br />
an das Ende des kleinen und<br />
alles andere als beschaulichen<br />
Sommerfestivals setzte.<br />
links: Chris Speed (Endangered Blood) / rechts: Andy Sheppard & Espen Eriksen Trio
Live<br />
powered by<br />
Bingen<br />
swingt<br />
Bingen<br />
Von Norbert Krampf. Jedes<br />
Jahr im Juni breitet sich der<br />
Jazz für ein Wochenende im<br />
beschaulichen Bingen aus.<br />
Seit 2016 sorgt Christiane<br />
Böhnke-Geisse, ehemals Programmchefin<br />
der Münchener<br />
Unterfahrt , als künstlerische<br />
Leiterin des Festivals dafür,<br />
dass Bingen nicht nur traditionell<br />
swingt (und soulpopt),<br />
sondern auch einige Bands mit<br />
avancierteren Konzepten präsentiert.<br />
Die 23. Ausgabe trug<br />
den Untertitel Guitar Vibes,<br />
folglich gab es auf den sechs<br />
Hauptbühnen neben rockigen<br />
PDF in 4c<br />
© Norbert Krampf<br />
Anklängen einige Ausflüge<br />
in die Jazzgeschichte zu<br />
besichtigen. Etwa von Bands<br />
wie dem Münchener Hot Club<br />
de M Belleville, die Django<br />
Reinhardts Sinti-Swing-Erbe<br />
weitertragen. Oder durch<br />
die Akustik-Gitarristen Diknu<br />
Schneeberger und Joscho<br />
Stephan. Modernere Akzente<br />
setzte das Kölner Trio um E-<br />
Gitarrist Tobias Hoffmann, der<br />
Jazz-Ideen, Rock-Einflüsse und<br />
humorvolle Surf-Erinnerungen<br />
vereint.<br />
Couragiertere Künstler<br />
und Künstlerinnen liefen<br />
diesmal kaum Gefahr, sich<br />
gegenseitig Konkurrenz zu machen.<br />
Am entschiedensten aus<br />
gängigen Rahmen fiel Hervé<br />
Samb. Als versierter E-Gitarrist<br />
hat sich der Teilzeit-Kalifornier<br />
aus Dakar schon neben<br />
Stars wie Marcus Miller und<br />
Salif Keita profiliert. In Bingen<br />
spielte er nun vor allem eine<br />
Sinti-Gitarre, die im Kontext<br />
von Afro- und Funkjazz bislang<br />
wohl kaum zu hören war. Eine<br />
vermeintlich schräge Kombination,<br />
die unter Sambs virtuosen<br />
Fingern ebenso stimmig wie<br />
spannend klang. Zumal er mit<br />
dem Perkussionisten Alioune<br />
Seck aus Dakar einen Großmeister<br />
der Sabar-Trommeln<br />
und -Rhythmen hinter sich und<br />
darüber hinaus noch Sänger<br />
Alpha Dieng vom Orchestra<br />
Baobab dabeihatte.<br />
Die Österreicher Herbert<br />
Pirker (dr) und Raphael Preuschl<br />
(b) genießen hierzulande<br />
einen hervorragenden Ruf,<br />
seitdem sie bei Pianist David<br />
Helbock und Mario Rom‘s<br />
Interzone (Pirker) spiel(t)en. Im<br />
Fabulous Austrian Trio FAT mit<br />
dem seit 2004 in Los Angeles<br />
ansässigen E-Gitarristen Alex<br />
Machacek kommen ihre Qualitäten<br />
ebenfalls zum Zug. Die<br />
größtenteils von Machacek<br />
stammenden Kompositionen<br />
changieren zwischen<br />
geschmack- und klangvollen<br />
ruhigeren Stücken und<br />
Funk- bzw. Rockjazz-Titeln mit<br />
Groove und gängigen Phrasen,<br />
komplexen Breaks und diversen<br />
Soundeffekten.<br />
Susan Weinert, Nina Attal<br />
und Monika Roscher vertraten<br />
in Bingen die weibliche<br />
Sicht auf die Gitarre. Wobei<br />
Roschers unkonventionelle<br />
Bigband-Kompositionen und<br />
mal opulente, mal gewitzte<br />
Arrangements noch mehr<br />
bestechen als ihre eingeflochtenen,<br />
teils ruppigen Soli auf<br />
der Stratocaster. Von König<br />
Fußball auf den frühen Termin<br />
um 18 Uhr verdrängt, mussten<br />
neue Stücke, die an eine Lichtshow<br />
und einen klingenden<br />
Anzug gekoppelt sind, wegen<br />
des Tageslichts gestrichen<br />
werden. Aber auch das Repertoire<br />
der beiden CDs Of Monsters<br />
And Birds und Failure in<br />
Wonderland bietet immer noch<br />
viel Raum für überraschende<br />
Wendungen, Sounds (inklusive<br />
Elektronik) und Soli der 13 (!)<br />
Bläser. Mit Roschers unprätentiös-erzählerischem<br />
Gesang,<br />
dem Wechsel von Melodien,<br />
interessanten Details und weit<br />
ausholenden Bögen nimmt<br />
die Bigband der Münchenerin<br />
weiterhin eine Sonderstellung<br />
unter den Großformationen<br />
ein.<br />
98 Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong>
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5<br />
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JazzthetIk 09/10-<strong>2018</strong> 99
Clubs 09<br />
Raum 00000<br />
Chemnitz<br />
11.09. J. Butcher, W. de Joode-<br />
M. Blume; Jazzclub Fuchs e.V.<br />
26.09. Markus Stockhausen;<br />
Jazzclub Fuchs e.V.<br />
Dresden<br />
01.09. Daniel Puente Encina &<br />
Band; Tonne<br />
08.09. Hyleen; Tonne<br />
14.09. Phronesis/support:<br />
Richard Ebert Quartett; Tonne<br />
21.09. Günther “Baby” Sommers<br />
Party; Tonne<br />
22.09. Mathias Eick; Tonne<br />
25.09. Svavar K´nutur; Tonne<br />
28.09. Erna Rot; Tonne<br />
29.09. Susan Weinert W.O.W. Trio<br />
feat. Andrzej Olegniczak; Tonne<br />
30.09. Pixel; Tonne<br />
Halle<br />
08.09. Still in the Woods feat.<br />
Hagelslag; Pierre Grasse<br />
20.09. Randi Tytingvåg Trio;<br />
Objekt 5<br />
Jena<br />
19.09. Soft Machine; Jena,<br />
Kulturbahnhof<br />
Leipzig<br />
06.09. Johannes Bigge Trio; naTo<br />
19.09. David Helbock Random<br />
Control; Museum d. bildenden<br />
Künste<br />
21.09. LeipJAZZig: Zwio<br />
Plus: Eckart Gleim-Michael<br />
Arnold-Clemens Oerding-Jonas<br />
Schneider; Schille-Theater<br />
23.09. Hans Anselm Big Band;<br />
naTo<br />
26.09. Stefanie Boltz; UT<br />
Connewitz<br />
Neupetersheim<br />
23.09. Maria Baptist; Gut<br />
Geisendorf<br />
Pohrsdorf<br />
01.09. Das rosa Rauschen;<br />
Saxstall<br />
02.09. Thomas Walter Maria &<br />
Kapelle; Saxstall<br />
07.09. Trio Skulski/Gerigk/Roth;<br />
Saxstall<br />
09.09. Clemens Pötzsch; Saxstall<br />
15.09. “SKlation” Trio; Saxstall<br />
16.09. June Coco; Saxstall<br />
21.09. Alexander von Schlippenbach/Rudi<br />
Mahal/Kasper Tom;<br />
Saxstall<br />
23.09. Sensor; Saxstall<br />
28.09. Matov Trio; Saxstall<br />
29.09. Edith Steyer Trio; Saxstall<br />
30.09. Christian Rien “Swing is<br />
here”; Saxstall<br />
Zwickau<br />
01.09. Josh Hoyer & Soul Colossal;<br />
St Barbara Lichtentanne<br />
Raum 10000<br />
Berlin<br />
01.09. KUU!; Klunkerkranich<br />
01.09. Savoy Satellites All Stars;<br />
Schlot<br />
01.09. Ben Mayson and Friends;<br />
B-Flat<br />
02.09. Esther Kaiser „Songs of<br />
Termine 09/10<br />
Courage“; B-Flat<br />
03.09. Tasso Savvopoulos<br />
„Auftrieb“; B-Flat<br />
02./03.09. Chreis Bennett Group;<br />
A-Trane<br />
03.09. Aliens In The Woods;<br />
Schlot<br />
04.09. Johannes Bigge Trio;<br />
A-Trane<br />
04.09. Eyal Lovett Trio; Schlot<br />
04.09. Maria Baptist & Jan von<br />
Klewitz; B-Flat<br />
05.09. Robin´s Nest Jam Session;<br />
B-Flat<br />
05.09. Eva Fernández; Schlot<br />
05.09. David Helbock Random<br />
Control; A-Trane<br />
05.09. De-Phazz; Lido<br />
06.-08.09. Eb Davis & The Superband;<br />
A-Trane<br />
06.09. Alphonso Williams;<br />
Quasimodo<br />
06.09. Still in the Woods feat.<br />
Hagelslag; Donau 115<br />
06.09. Berkel-Lehmann-Griese;<br />
Schlot<br />
06.09. Friedhelm Schönfeld<br />
Quartett; B-Flat<br />
07.09. „Sketchtes of Jazz“; B-Flat<br />
07.09. Queen II Magic Tribute;<br />
Quasimodo<br />
07.09. Duo Dorado „Sweet Biel-<br />
Bienne“; Schlot<br />
08.09. International Fusion<br />
Quintett; Schlot<br />
08.09. Ntjam Rosie; Quasimodo<br />
08.09. Tal Balshai Quintett; B-Flat<br />
08./09.09. UM:LAUT <strong>–</strong> Henrik<br />
Schwarz & Bugge Wesseltoft;<br />
Radialsystem V<br />
09.09. Jan Prax Quartet; A-Trane<br />
09.09. Quintessence; B-Flat<br />
10.09. Ben Miller Band;<br />
Quasimodo<br />
10.09. low Loris Quartet; Schlot<br />
10.09. Andreas Schmidt &<br />
Friends; A-Trane<br />
11.09. BLAER; Schlot<br />
11.09. Daniel Kahn & The Painted<br />
Bird; Quasimodo<br />
12.09. Vandojam meets Robin`s<br />
Nest; B-Flat<br />
12.09. ZÔSH Sophie Tassignon/<br />
Julie Sassoon; Schlot<br />
12.09. Tal Arditi; A-Trane<br />
12.09. Tami Neilson; Quasimodo<br />
13.09. Quasimodo Club Band<br />
feat. Cosmo Klein; Quasimodo<br />
<strong>JAZZTHETIK</strong> präsentiert:<br />
13.09. Ezra Collective; Gretchen<br />
13.09. José James celebrates<br />
Bill Withers; Heimathafen<br />
13.09. Dangerous Beans feat.<br />
Marc Doffey; A-Trane<br />
13.09. Sun Dew; Zig Zag Jazzclub<br />
14./15.09. Torsten Goods feat.<br />
Kim Sanders & Benni Freibott;<br />
A-Trane<br />
14.09. Lucia Fodde Elektro<br />
Projekt “My Songs”; B-Flat<br />
15.09. Rolf Zielke Trio meets<br />
Peter Weniger; B-Flat<br />
15.09. Kampflieder Quartett;<br />
Schlot<br />
15.09. Godzilla; Quasimodo<br />
16.09. Maria Baptist; Piano Salon<br />
Christophori<br />
16.09. Yakou Tribe; A-Trane<br />
16.09. The Pretty Things;<br />
Quasimodo<br />
16.09. Nils Wogram´s “Nostalgia”;<br />
B-Flat<br />
17.09. Giorgio Crobu Trio; B-Flat<br />
17.09. Andreas Schmidt &<br />
Friends; A-Trane<br />
18./19.09. Jessica Gall; A-Trane<br />
18.09. Maria Baptist <strong>–</strong> Resonance;<br />
Schlot<br />
18.09. Jessica Gall; A-Trane<br />
18.09. Samuel Leipold Quartett;<br />
B-Flat<br />
19.09. Robin´s Nest Jam Session;<br />
B-Flat<br />
19.09. Alcaz, Christiane Courvoisier<br />
& Christophe Brillaud; Schlot<br />
19.09. Nes; Jazz at Berlin Philharmonic<br />
“Mediterraneo”<br />
19.09. Shakatak; Quasimodo<br />
19.09. ACT: Julian & Roman Wasserfuhr<br />
/ Nes; Philharmonie<br />
20.09. The Silent Jazz Ensemble;<br />
Schlot<br />
20.09. Andreas Schaerer & A<br />
Novel Of Anomaly; A-Trane<br />
20.09. Organism Band; B-Flat<br />
21./22.09. Ed Partyka Jazz<br />
Orchestra <strong>2018</strong>; B-Flat<br />
21.09. Texas Italian Guitar Battle<br />
w/ Rob Mo & Willie J. Laws;<br />
Quasimodo<br />
21.09. Bobo & Herzfeld; Stummfilmkino<br />
Delphi<br />
21.09. MOVE String Quartet;<br />
Mutter Fourage<br />
21.09. Maria Baptist Orchestra;<br />
Schlot<br />
21./22.09. Ingrid Arthur & The<br />
Players Club; A-Trane<br />
22.09. Pablo Woiz & Milonga<br />
Roots; Schlot<br />
22.09. Fee; Privatclub<br />
22.09. Quasimodo Club Band<br />
feat. Cosmo Klein; Quasimodo<br />
23.09. Mathias Eick; A-Trane<br />
23.09. Musikschule City-West:<br />
Choro City West Ensemble/<br />
Dozentenkonzert: Elisabeth<br />
Tuchmann Quintett; Schlot<br />
23.09. Randi Tytingvåg Trio; B-Flat<br />
24.09. Alison Rayner Quintett &<br />
Sir Bradley Quartett; B-Flat<br />
24.09. Nebula; Schlot<br />
24.09. Andreas Schmidt &<br />
Friends; A-Trane<br />
24.09. Laurence Jones;<br />
Quasimodo<br />
25.09. Marcus Klossek Electric<br />
Trio + Special Guest; Schlot<br />
25.09. Das Neue Rosa Rauschen;<br />
A-Trane<br />
25.09. Earshot Quartett; B-Flat<br />
26.09. Robin´s Nest Jam Session;<br />
B-Flat<br />
26.09. Lars Redlich; Schlot<br />
27.09. Pixel; Quasimodo<br />
27.09. Erna Rot; Konzerthaus<br />
27.09. Lionel Loueke Trio; A-Trane<br />
27.09. tktrio; Schlot<br />
27.09. Ranin Oriental Jazz; B-Flat<br />
28./29.09. BAJAZZO/40 “Ten<br />
<strong>JAZZTHETIK</strong> präsentiert:<br />
Ezra Collective<br />
Wishes”; B-Flat<br />
28.09. Michael Scheunemann<br />
5; Schlot<br />
28.09. David Haynes & Friends;<br />
A-Trane<br />
28.09. Stephan Eicher & Martin<br />
Suter; Universität der Künste<br />
29.09. For Free Hands; Schlot<br />
28./29.09. #bebeethoven<br />
Showcase <strong>–</strong> Konzerte und Performances;<br />
Radialsystem V<br />
28./29.09. Wolfgang Haffner &<br />
Band; Quasimodo<br />
30.09. Julia Hülsmann Trio; B-Flat<br />
Neuruppin<br />
23.09. Trio Laccasax; Herbst-<br />
Aequinox<br />
Neustrelitz<br />
07.09. Bobo & Herzfeld;<br />
Borwinheim<br />
Potsdam<br />
21.09. Electro Deluxe; Nikolaisaal<br />
Rostock<br />
25.09. Jazz Jam Session im Carlo<br />
615; Jazzclub<br />
Stralsund<br />
08.09. Bobo & Herzfeld; Kulturkirche<br />
Jacobi<br />
Wandlitz<br />
02.09. Trio Laccasax; Goldener<br />
Löwe<br />
Raum 20000<br />
Agathenburg<br />
08.09. Ensemble Tityre: Weibermusik;<br />
Schloss<br />
15.09. Anna-Lena Schnabel<br />
Quartett; Schloss<br />
Aurich<br />
08.09. Three Fall & Melane;<br />
North Boung Beach<br />
Bad Bevensen<br />
16.09. Jin Jim; Vakuum<br />
Bremen<br />
07.09. Ceccaldi & Negro;<br />
MusikFest<br />
07.09. Ola Onabule; Sendesaal<br />
12.09. Jason Herbert & Small<br />
World Band; MIB Initiative<br />
19.09. Holly Schlott; Sendesaal<br />
27.09. Uwe Kropinski Trio;<br />
Kulturwerkstatt Westend<br />
28.09. Bobo & Herzfeld;<br />
Sendesaal<br />
Bunderhee-Bunde<br />
09.09. Three Fall & Melane;<br />
Steinhaus<br />
Freiburg/Elbe<br />
13.09. Marco Ambrosini &<br />
Jean Louis Matinier; Hist.<br />
Kornspeicher<br />
Gedelitz<br />
15.09. Jin Jim; Gasthaus Wiese<br />
Hamburg<br />
03.09. Avishai Cohen; Elbphilharmonie<br />
04.09. Ulrike Haage & Christian<br />
Meyer; Elbphilharmonie<br />
04.09. Remembering Al Jarreau<br />
m. Vladyslav Sendecki-Ken<br />
Norris-Jürgen Attig-Matthias<br />
Meusel; Stage Club<br />
05.09. Fatjazz: Dan Gottshall<br />
11.9. Zürich, Exil<br />
12.9. Köln, Yuca<br />
13.9. Berlin, Gretchen<br />
14.9. Hamburg, Knust<br />
15.9. Erfurt, Franz Mehlhose<br />
16.9. Wien, B72<br />
18.9. Frankfurt/M, Brotfabrik/Zoom<br />
19.9. Mannheim, Alte Feuerwache<br />
Artfull Earfull; Turmzimmer Uebel<br />
& Gefährlich<br />
06.09. Dionne Warwick; Elbphilharmonie<br />
07.09. De-Phazz; Mojo Club<br />
07.09. Still in the Woods feat.<br />
Hagelslag; Birdland<br />
07.09. Jazzwerkstatt: Uwe<br />
Oberg & Heinz Sauer/Wolfgang<br />
Schmidtke-Kelvin Sholar-Joh.<br />
Fink-Ernst Bier; Elbphilharmonie<br />
Kl. Saal<br />
09.09. XL 1 - Doppeljazz:<br />
Downtown Big Band & Cherry<br />
Blossom; Stage Club<br />
11.09. XL 2 - Operation Grand<br />
Slam-Jazz at the Movies; Stage<br />
Club<br />
12.09. Fatjazz: Gabriel Coburger<br />
Band; Turmzimmer Uebel &<br />
Gefährlich<br />
13.09. XL - 3 Landesjugendjazzorchester<br />
Hamburg; Stage Club<br />
13./14.09. Markus Stockhausen<br />
u.a.; NDR-Rolf Liebermann<br />
Studio<br />
<strong>JAZZTHETIK</strong> präsentiert:<br />
14.09. Ezra Collective; Knust<br />
13.09. Herbert Pixner Projekt;<br />
Elbphilharmonie<br />
15.09. Jazzwerkstatt: Julia<br />
Kadel Trio/Lucia Cadotsch/<br />
Julie Sassoon/Pablo Held/A.<br />
Schlippenbach/J. Burgwinkel<br />
Medusa Beats; Elbphilharmonie<br />
Kl. Saal<br />
15.09. Lucia Cadotsch Speak Low<br />
feat. Kit Downes; Elbphilharmonie<br />
17.09. Les Négresses Vertes;<br />
Fabrik<br />
18.09. Trilok Gurtu Special m.<br />
Frederik Köster u.a.; Stage Club<br />
19.09. Fatjazz: Niels Klein Tubes<br />
& Wires; Turmzimmer Uebel &<br />
Gefährlich<br />
19.09. Vdelli; Downtown<br />
Bluesclub<br />
20.09. Jan Lundgren Mare<br />
Nostrum; Elbphilharmonie<br />
21.09. Lücker/Schickentanz; Alte<br />
Druckerei Ottensen<br />
22.09. 4fakultät!: Andrea Belfi;<br />
Künstlerhaus Faktor e.V.<br />
22.09. Nes; Elbfest<br />
26.09. Fatjazz: Winnitzki/Lücker/<br />
Hughes, feat. Tobias Delius;<br />
Turmzimmer Uebel & Gefährlich<br />
28.09. Vocal Nites; Elbphilharmonie<br />
28.09. James Rhodes; Laieszhalle<br />
29.09. Yul Anderson; Elbphilharmonie<br />
29.09. Stephan Eicher & Martin<br />
Suter; Laeiszhalle<br />
Keitum/Sylt<br />
13./14.09. Markus Stockhausen;<br />
Teekontor<br />
Kiel<br />
19.09. Maria Baptist; Kulturforum<br />
Leer<br />
16.09. Pablo Held Trio; Speicher<br />
Lübeck<br />
2009. Maria Baptist; CVJM<br />
Lüneburg<br />
06.09. Pablo Held Trio; Kulturforum<br />
20.09. Maybebop; Kulturforum<br />
Lutterbek<br />
20.09. Nes; Lutterbeker<br />
Neumünster<br />
28.09. Echoes Of Swing;<br />
Werkhalle<br />
30.09. Gregory Porter; Kunstflecken<br />
Theater Stadthalle<br />
Oldenburg<br />
07.09. David Helbock’s Random/<br />
Control; Wilhelm13<br />
14.09. “Gehörgänge”: Christoph<br />
Irmer & HCL; Wilhelm13<br />
15.09. Northwest Concert Band;<br />
Wilhelm13<br />
20.09. Jazzsession Jazzclub<br />
Alluvium/JMO; Wilhelm13<br />
21.09. Elmar Braß Trio; Wilhelm13<br />
22.09. Heavy Therapy; Wilhelm13<br />
27.09. Clubabend Jazzclub<br />
Alluvium; Wilhelm13<br />
28.09. Britta Dinkelbach & Band;<br />
Wilhelm13<br />
Reinbek<br />
02.09. Trio Macchiato; Schloss<br />
Spiekeroog<br />
25.09. Uwe Kropinski Trio;<br />
Spiekeroog<br />
100 Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong>
Stade<br />
08.09. David Helbock Random<br />
Control; Seminarturnhalle<br />
Tosterglope<br />
22.09. MOVE String Quartet;<br />
Kunstraum<br />
<strong>JAZZTHETIK</strong> präsentiert:<br />
Verden<br />
22.09. The Hamburg Blues Band<br />
& Friends; Jazz & Bluesnight<br />
Raum 30000<br />
Aerzen<br />
21.09. Marina & The Kats;<br />
Domänenburg<br />
Bad Meinberg<br />
25.09. David Helbock Random<br />
Control; Red Horn District<br />
Bielefeld<br />
01.09. Lisa Stick; Bunker<br />
Ulmenwall<br />
06.09. Nick & June; Bunker<br />
Ulmenwall<br />
08.09. Yellow Bird; Kultursommer<br />
Waldhof/Bunker Ulmenwall<br />
11.09. Soundtrips #40: Laubrock-<br />
Rainey-Duo; Bunker Ulmenwall<br />
12.09. Jason Bartsch; Bunker<br />
Ulmenwall<br />
13.09. Jazz Session; Bunker<br />
Ulmenwall<br />
14.09. BEATZ4OWL ReleaseParty;<br />
Bunker Ulmenwall<br />
21.09. Doppelkonzert Vanoli &<br />
Kreysing-Brügge-Duo; Bunker<br />
Ulmenwall<br />
22.09. Analogue Birds feat.<br />
Gianluca Scagliarini; Bunker<br />
Ulmenwall<br />
25.09. Electric Ulmenwall;<br />
Bunker Ulmenwall<br />
27./28.09. Minute Masters;<br />
Autokulturwerkstatt<br />
28.09. The Fugitives; Bunker<br />
Ulmenwall<br />
Einbeck<br />
01.09. Tri Continental: Bill Bourne,<br />
Lester Quitzau, Madagascar<br />
Slim; Esel<br />
Enger<br />
01.09. Leptophonics & Michael<br />
Gruner - Projekt Heimat; Widukind<br />
Museum<br />
Eschwege<br />
08.09. Echoes Of Swing; E-Werk<br />
Fritzlar<br />
22.09. Deep Schrott; Kulturscheune<br />
Fulda<br />
14.09. Still in the Woods;<br />
Kulturkeller<br />
21.09. David Helbock Random<br />
Control; Kulturkeller<br />
Hannover<br />
06.09. Etta Scollo; Pavillon<br />
06.09. De-Phaz; MuZ<br />
09.09. Nils Wülker; Entdeckertag<br />
14.09. Vdelli; Blues Garage<br />
14.09. Pablo Held Trio; Jazzclub<br />
15.09. Teresa Bergmann; 28.<br />
Internationaler Feuerwerkswettbewerb<br />
18.09. Fee; LUX<br />
19.09. Seitwärts Avantgarde<br />
Session; Kulturpalast Linden<br />
Hidden Orchestra<br />
16.10.18 UT Connewitz,<br />
Leipziger Jazztage <strong>2018</strong><br />
21.09. Chiara Raimondi Quintett;<br />
Jazzclub<br />
29.09. Pablo Ziegler; Jazzclub<br />
Hardegsen<br />
30.09. Eric Schaefer Kyoto mon<br />
Amour; Burg Hardegsen<br />
Herford<br />
07.09. SONIQ South America<br />
- m. Jarry Singla, Ramesh<br />
Shootham, Christina Fuchs u.a.;<br />
Logensaal<br />
Homberg<br />
09.09. Echoes Of Swing;<br />
Stadthalle<br />
Kassel<br />
04.09. Sven Krug Quartett;<br />
Theaterstübchen<br />
13.09. Quinteto Tango Norte;<br />
Theaterstübchen<br />
20.09. David Helbock´s Random/<br />
Control; Theaterstübchen<br />
23.09. Christian Muthspiel & Steve<br />
Swallow; Theaterstübchen<br />
27.09. Omer Klein Trio; Theaterstübchen<br />
Lauenau<br />
23.09. David Helbock Random<br />
Control; Kesselhaus<br />
Magdeburg<br />
21.09. Auftakt 17. Chorfest: Stefan<br />
Schultze: Our Voices; Kloster<br />
Unser Lieben Frauen<br />
Minden<br />
08.09. Torsten Goods & Band;<br />
Jazzclub<br />
15.09. Shakatak; Jazzclub<br />
29.09. Ka Ma Quartet; Jazzclub<br />
Neustadt a. R.<br />
26.09. Omer Klein Trio; Schloss<br />
Landestrost<br />
Salzhemmendorf<br />
29.09. Cajun Roosters; Okal Café<br />
Wolfsburg<br />
28.09. Electro Deluxe; Hallenbad<br />
Raum 40000<br />
Bochum<br />
07./08.09. Tatort Jazz Hausband<br />
feat. Gastsolisten; Innenstadt<br />
08.09. Soundtrips NRW 40: Ingrid<br />
Laubrock-Tom Rainey meeting<br />
Georges Paul-Martin Blume;<br />
Kunstmuseum<br />
09.09. Tatort Jazz Schule; Uwe<br />
Kellerhoff/Padi/The Clap Club;<br />
Innenstadt<br />
15.09. Coolibri, Groove & CT:<br />
Klangsphäre DJ&SPACE: Raphaël<br />
Marionneau; Planetarium<br />
21.09. Mammal Hands; Christuskirche<br />
30.09. Fine Art Jazz: Markus<br />
Stockhausen’s Quadrivium;<br />
Christuskirche<br />
Brüggen<br />
14.09. Joscho Stephan; Burg<br />
Brüggen<br />
Dortmund<br />
06.09. SONIQ - South America<br />
feat. Laura Robles, Demiàn Ornstein,<br />
Sabeth Perez; Domicil<br />
07.09. Katrin Scherer “Cluster<br />
Quartet”; Domicil<br />
13.09. The Dorf; Domicil<br />
15.09. Phronesis; Domicil<br />
20.09. Vdelli; Musiktheater Piano<br />
21.09. Mathias Eick; Domicil<br />
23.09. Chris Hopkins & Judy<br />
Carmichael; Konzerthaus<br />
25.09. Spain; Domicil<br />
Dorsten<br />
14.09. Fine Art Jazz: Triosence;<br />
Das LEO<br />
Düren<br />
22.09. Lazarev Project Group;<br />
KOMM<br />
Düsseldorf<br />
05.09. Sebastian Gahler meets<br />
Uli Beckerhoff; Steinway-Haus<br />
09.09. De-Phazz; Capitol<br />
14.09. Groovin High; Jazzschmiede<br />
15.09. Tap Jam Düsseldorf;<br />
Jazzschmiede<br />
19.09. Sepideh Raissadat;<br />
Jazzschmiede<br />
21.09. Jotam Silberstein Quartet;<br />
Jazzschmiede<br />
22.09. Jugendjazzorchester<br />
NRW; Jazzschmiede<br />
22.09. Der Sandmann; Schauspielhaus<br />
25.09. Jam Session <strong>–</strong> Nils Eikmeier<br />
Quartett; Jazzschmiede<br />
29.09. New Faces; Jazzschmiede<br />
Duisburg<br />
21.09. Barbara Dennerlein;<br />
Salvatorkirche<br />
29./30.09. The Voices - It’s Part-<br />
Time; Explorado Kindermuseum<br />
Erkelenz<br />
23.09. Barbara Dennerlein; Kath.<br />
Pfarrkirche St. Lambertus<br />
Essen<br />
02.09. B.S.E. Jazzclub: Axel<br />
Zynowski Trio; Villa Rü<br />
05.09. Soundtrip NRW #40: Ingrid<br />
Laubrock, Tom Rainey & Others;<br />
Goethebunker<br />
19.09. B.S.E. Jazzclub: Jazzfilmmix;<br />
Villa Rü<br />
21.09. Johanna Borchert; RWE<br />
Pavillon<br />
30.09. Joscho Stephan; Bürgermeisterhaus<br />
Werden<br />
Gelsenkirchen<br />
27.09. Fine Art Jazz: Le Bang<br />
Bang; Nordsternturm<br />
Heiligenhaus<br />
21.09. Gabriel Merlino & Vanina<br />
Tagini; Der Club<br />
Herne<br />
28.09. Le Bang Bang; Literaturhaus<br />
Kempen<br />
16.09. Joscho Stephan;<br />
Haltestelle<br />
19.09. Barbara Dennerlein;<br />
Paterskirche<br />
Krefeld<br />
01.09. Jazz an einem Sommerabend;<br />
Vorburg der Burg Linn<br />
12.09. Joscho Stephan;<br />
Kulturrampe<br />
13.09. Jazzattack; Jazzkeller<br />
24.09. Krefelder Jazzherbst <strong>2018</strong>:<br />
Anna-Lena Schnabel Quartett;<br />
Theater<br />
26.09. Jazz-Session; Jazzkeller<br />
27.09. Jazzattack; Jazzkeller<br />
28.09. Quadrivium; Musikschule<br />
30.09. Free Session frei improvisierte<br />
Musik; Jazzkeller<br />
Münster<br />
01.09. Astpai/Crush; Gleis 22<br />
08.09. Lou Canova; Hot Jazz Club<br />
09.09. Laubrock - Rainey Duo;<br />
Blackbox Cuba<br />
14.09. Dave Goodman & Groove<br />
Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong> 101
Termine<br />
Minister; Hot Jazz Club<br />
16.09. Heinz Strunk; Gleis 22/<br />
Cineplex<br />
17.09. TON/\RT: Malojian/Sophie<br />
Hutchings; LWL-Museum für<br />
Kunst und Kultur/Gleis 22<br />
21.09. Cosmo Klein; Hot Jazz Club<br />
22.09. Eläkeläiset; Gleis 22<br />
26.09. Danger Dan; Gleis 22<br />
28.09. Fotocrime/ Kali Masi;<br />
Gleis 22<br />
28.09. Miu; Hot Jazz Club<br />
29.09. Juse Ju; Gleis 22<br />
29.09. Lady Aga feat. Christian<br />
Kappe; Hot Jazz Club<br />
Mülheim<br />
05.09. Joscho Stephan; Freilichtbühne<br />
Neuss<br />
19.09. HAUS: Mathias Haus-Hendrik<br />
Soll-Mirek Pyschny-Andre<br />
Nendza; Kulturforum Alte Post<br />
Osnabrück<br />
08.09. De-Phazz; Lagerhalle<br />
25.09. Omer Klein; Blue Note<br />
Recklinghausen<br />
01.09. Joscho Stephan; Borente<br />
28./29.09. Barbara Barth / Manuel<br />
Krass; Planetarium<br />
Viersen<br />
14.09. Klare/Bektas/Ak;<br />
Weberhaus<br />
30.09. Echoes Of Swing; Tho-<br />
Rieth-Hof<br />
Visbek<br />
28.09. Les Brünettes; Rathaussaal<br />
Wermelskirchen<br />
16.09. Jazzmatinee: Die<br />
Jazzpoeten XXL; Haus Eifgen,<br />
Kulturinitiative<br />
Wuppertal<br />
05.09. Mount Meander Musikerkollektiv;<br />
Ort<br />
21.09. Randi Tytingvåg Trio; Kultur<br />
im Kontor<br />
22.09. grünen: Achim Kaufmann/<br />
Robert Landfermann/ Christian<br />
Lillinger; Ort<br />
Raum 50000<br />
Aachen<br />
09.09. Soft Machine; Musikbunker<br />
Bergneustadt<br />
08.09. Anna Piechotta; SchauspielHaus<br />
17.09. Denis Gäbel/Stefan<br />
Heidtmann/Reza Askari/Fabian<br />
Arends; SchauspielHaus<br />
29.09. Superthousand: Fabian<br />
Arends/Mick Mertens; SchauspielHaus<br />
Bonn<br />
04.09. Soundtrips NRW 40: Ingrid<br />
Laubrock / Tom Rainey + Erhard<br />
Hirt; Dialograum Kreuzung St.<br />
Helena<br />
07.09. Torsten Goods; Dottendorfer<br />
Jazznacht<br />
13.09. Emil Brandqvist Trio;<br />
Beethovenfest<br />
14.09. Anna Carewe & Oli Bott<br />
Duo; Beethovenfest<br />
15.09. Il Lusorius; Beethovenfest<br />
20.09. Omer Klein; Beethovenfest<br />
28.09. VocColours Plus „Brassimilation“;<br />
Dialograum Kreuzung<br />
St. Helena<br />
Hagen<br />
06.09. JIGS <strong>–</strong> Sammy M. and<br />
the Beyond; Emil Schumacher<br />
Museum<br />
13.09. Soundtrips NRW: Ingrid<br />
Laubrock/Tom Rainey m. Achim<br />
Tang, Martin Verborg; Villa Post<br />
Hamm<br />
29.09. Echoes Of Swing; Kurhaus<br />
Bad Hamm<br />
Herdecke<br />
09.09. Carlos Núñez; Werner<br />
Richard Saal<br />
Hilchenbach<br />
06.09. Carlos Núñez; Ev. Kirche<br />
Höhr-Grenzhausen<br />
23.09. Renato Borghetti; Ev.<br />
Kirche<br />
Hürth<br />
07.09. Caspar van Meel Quintett;<br />
Jazzkeller<br />
21.09. Marius Peters & Heiner<br />
Wiberny; Jazzkeller<br />
29.09. Pangea Ultima, Hürther<br />
Jazznacht<br />
Koblenz<br />
24.09. David Helbock Random<br />
Control; Cafe Hahn<br />
29.09. Guru Guru; Cafe Hahn<br />
Köln<br />
03.09. David Helbock; Altes<br />
Pfandhaus<br />
04.09. The Grand Piano at Stadtgarten:<br />
Philip Zoubek Trio/ Clara<br />
Haberkamp Trio; Stadtgarten<br />
05.09. House of Waters; Altes<br />
Pfandhaus<br />
06.09. JazzTrane: Gäbel/Heidenreich<br />
Quintett; Stadtgarten<br />
06.09. Reconstructing Song<br />
Geheimklub Special; Stadtgarten<br />
Studio 672<br />
06.09. Tom Liwa; Blue Shell<br />
07.09. Yellow Bird/Lagerfeuer<br />
Deluxe: Planschemalöör, Flinte,<br />
Sofia Stark; Stadtgarten<br />
07.09. „The art of the duo“ Philip<br />
Catherine / Martin Sasse; Altes<br />
Pfandhaus<br />
08.09. Andreas Schaerer & A Novel<br />
Of Anomaly; Philharmonie<br />
09.09. Soniq South America feat.<br />
Demián Ornstein, Laura Robles,<br />
Sabeth Perez; Stadtgarten<br />
09.09. Simon Rummel Ensemble;<br />
Museumsinsel Hombroich<br />
11.09. De-Phazz/The Wood<br />
Brothers; Stadtgarten<br />
Giovanni<br />
Costello<br />
12.09. Gratkowski / Nabatov /<br />
Moore; Loft<br />
<strong>JAZZTHETIK</strong> präsentiert:<br />
12.09. Ezra Collective; Yuca<br />
12.09. KLAENG: Hubert Nuss<br />
Trio/Tanrikulu/Kosack/Banner /<br />
Brent Cobb; Stadtgarten<br />
13.09. JazzTrane: Stefan Rey Trio<br />
feat. Johan Hörlen; Stadtgarten<br />
14.09. ensemble FisFüz; Bistro<br />
Verde Rodenkirchen<br />
14.09. Modularfield: Ströme,<br />
An on bast, Hhnoi, Chogori;<br />
Stadtgarten<br />
15.09. Pascal Klewer Bigband<br />
feat. Hagen Horn; Altes<br />
Pfandhaus<br />
16.09. CCJO plays Homer’s<br />
Odyssee; Stadtgarten<br />
16.09. Erna Rot; Goldmund<br />
16.09. Speak like a Child -<br />
Michael Rüsenberg im Gespräch<br />
m. Manfred Schoof; Stadtgarten<br />
Studio 672<br />
18.09. Kommunikation 9 <strong>–</strong> Blind<br />
Date; Salon de Jazz<br />
19.09. Svavar Knutur/Cleopatrick;<br />
Stadtgarten<br />
20.09. Fee; Stereo Wonderland<br />
20.09. Raumklänge: Lazara<br />
Rosell Albear: Unsurrounded;<br />
Temporary Gallery/Zentrum f.<br />
zeitgen. Kunst<br />
20.09. JazzTrane: Martin Schulte<br />
Trio; Stadtgarten<br />
21.09. Sabine Kühlich & Laia<br />
Genc; Kunstsalon Freiraum<br />
21.09. Three Nations Under One<br />
Groove; Stadtgarten<br />
22.09. Late Night Show mit<br />
Wolfgang Hildebrandt; Altes<br />
Pfandhaus<br />
23.09. Hans Lüdemann solo;<br />
Stadtgarten<br />
25.09. Preisträgerkonzert Horstu.<br />
Gretl Will-Stipendium f. Jazz u.<br />
improvisierte Musik; Stadtgarten<br />
25.09. Stephan Eicher & Martin<br />
Suter; Gürzenich<br />
25.09. Meltem Cumbul - Emre<br />
Yavuz; Altes Pfandhaus<br />
26.09. Ayca Mirac; Urania<br />
Theater<br />
26.09. Jan Schreiner Large<br />
Ensemble; Stadtgarten<br />
26.09. Emre Yavuz; Altes<br />
Pfandhaus<br />
27.09. Jenny And The Mexicats/<br />
JazzTrane3: Norbert Scholly<br />
OrganTrio; Stadtgarten<br />
27.09. Urbex - Antoine Pierre<br />
Urbex; Altes Pfandhaus<br />
28./29.09. JazzTrane3: Norbert<br />
Scholly OrganTrio; Stadtgarten<br />
28.09. Jazz-Rock-Pop Tage <strong>2018</strong>:<br />
Rheinische Musikschule Köln;<br />
Julian Bossert Trio, Cello Combo,<br />
Weindorf & Brodersen, What the<br />
Funk; Altes Pfandhaus<br />
29.09. Jazz-Rock-Pop Tage<br />
<strong>2018</strong>: Matchbox, The Ladies &<br />
Homme play Sax, Freetime; Altes<br />
Pfandhaus<br />
30.09. Jazz-Rock-Pop Tage<br />
<strong>2018</strong>: Chilli Voices Unlimited,<br />
Sprung-Steinecke-Zolotov, RMS<br />
JazzOrchester & friends; Altes<br />
Pfandhaus<br />
30.09. Mahnig/Manderscheid/<br />
Sternal/Valk-Johannes Pfingsten;<br />
Stadtgarten<br />
Kreuztal<br />
21.09. Les Brünettes; Ev. Kirche<br />
Buschhütten<br />
Lüdinghausen<br />
27.09. Joscho Stephan; Ricordo<br />
Mainz<br />
10.09. Still in the Woods feat.<br />
Hagelslag; Schon Schön<br />
24.09. Salomea; Schon schön<br />
27.09. Ladysmith Black Mambazo;<br />
Frankfurter Hof<br />
Siegburg<br />
26.09. Le Bang Bang; Jazz Cube<br />
im R2<br />
Wawern<br />
12.09. Mulo Francel; Synagoge<br />
Wesseling<br />
22.09. Martin Schulte Trio;<br />
Rheinforum<br />
Wiltingen<br />
22.09. Caroussel; Bürgerhaus<br />
<strong>JAZZTHETIK</strong> präsentiert:<br />
13.09.18 Spiegelsaal,<br />
Jazztage Dresden<br />
Würselen<br />
07.09. Tingvall Trio; Burg<br />
Wilhelmstein<br />
Raum 60000<br />
Aschaffenburg<br />
11.09. Svavar Knútur; Colos Saal<br />
20.09. Ulla Meinecke Band;<br />
Colos Saal<br />
26.09. Mothers Finest; Colos<br />
Saal<br />
27.09. Markus Stockhausen;<br />
Stadttheater<br />
28.09. Jessica Born & Band;<br />
Colos Saal<br />
Darmstadt<br />
<strong>JAZZTHETIK</strong> präsentiert:<br />
01.09. Mammal Hands; Golden<br />
Leaves Festival<br />
09.09. Yellow Bird; Stadtkirche<br />
16.09. Still in the Woods;<br />
Stadtkirche23.09. Les Brünettes;<br />
Centralstation<br />
Frankfurt a. Main<br />
14.09. JazzIni: Sass-Puschnig;<br />
Gethsemanekirche<br />
15.09. Still in the Woods; Mampf<br />
18.09. Michael Wollny feat. Emile<br />
Parisien; Alte Oper<br />
<strong>JAZZTHETIK</strong> präsentiert:<br />
18.09. Ezra Collective; Brotfabrik/<br />
Zoom<br />
19.09. JazzIni: Alison Rayner<br />
Quintet ARQ & Sir Bradley<br />
Quartett; Fabrik<br />
20.09. JazzIni: Jochen Nix/ Thomas<br />
Cremer: DADA, Schwitters,<br />
MERZKunst; Romanfabrik<br />
23.09. Soul am Römer: hr<br />
Bigband; Open Air Am Römer,<br />
Festakt<br />
26.09. JazzIni: Henning Sieverts<br />
Symmethree; Stadtbücherei<br />
28.09. JazzIni: Jürgen Wuchner<br />
New Quartet; Club Voltaire<br />
29.09. hr Bigband: Soul am<br />
Römer; OpenAir am Römer<br />
29.09. Eric Schaefer Kyoto mon<br />
Amour; Brotfabrik<br />
30.09. Stephan Eicher & Martin<br />
Suter; hr Sendesaal<br />
Friedberg<br />
08.09. StummFilmLiveJazz: „Küspert<br />
& Kollegen“ & „Nosferatu“;<br />
Theater Altes Hallenbad<br />
15.09. Hattler; Theater Altes<br />
Hallenbad<br />
Heidelberg<br />
14.09. Stefanie Boltz; Karlstorbahnhof<br />
Illingen<br />
24.09. Jazz & Talk im Rathaussaal:<br />
Lisa Wulff Trio; Illipse<br />
Kaiserslautern<br />
12.09. Stefanie Boltz; Kammgarn<br />
Lorsch<br />
09.09. Fabrizio Consoli; Theater<br />
Sapperlot<br />
Mannheim<br />
13.09. Nils Wogram; Ella & Louis<br />
<strong>JAZZTHETIK</strong> präsentiert:<br />
19.09. Ezra Collective; Alte<br />
Feuerwache<br />
25.09. Henning Sieverts Symmethree;<br />
Klapsmühl’ am Rathaus<br />
26.09. Eugene Chadbourne; Alte<br />
Feuerwache<br />
Neunkirchen<br />
23.09. Jazzmeeting: Saarlandmeets-Stuttgart,<br />
60 Jahre<br />
Michael Jackson; Stummsche<br />
Reithalle<br />
Saarbrücken<br />
19.09. Fee; Garage<br />
27.09. Gabriel Merlino & Vanina<br />
Tagini; ZBB Breite 63<br />
Weinheim<br />
23.09. Caroussel; Café Central<br />
Wiesbaden<br />
07.09. Achter 1: Hendrika Entzian<br />
Quartet @ Jazzarchitekt; Musikbibliothek<br />
Mauritius-Mediathek<br />
17.09. Fee; Kesselhaus<br />
Raum 70000<br />
Allensbach<br />
24./25.09. Till Brönner & Dieter<br />
Ilg; Gnadenkirche<br />
25.09. Dieter Ilg & Leszek Mozdzer;<br />
Gnadenkirche<br />
26.09. Emil Parisien „Sfumato“<br />
feat. Joachim Kühn; Gnadenkirche<br />
Backnang<br />
28.09. Fola Dada; Kulturgut<br />
Bad Imnau<br />
23.09. Schlossfestspiele: Marina<br />
& the Cats; Fürstensaal<br />
Bietigheim-Bissingen<br />
12.09. Echoes Of Swing; Kelter<br />
Esslingen<br />
23.09. Andreas Schaerer & A<br />
Novel Of Anomaly; Kulturzentrum<br />
Dieselstraße<br />
Freiburg<br />
16.09. Stefanie Boltz; Jazzhaus<br />
20.09. Three Fall & Melane;<br />
Merzhausen Forum<br />
21.09. Jan Lundgren; E-Werk<br />
Göppingen<br />
19.09. Still in the Woods; Jazz-iG<br />
28.09. Christof Lauer Trio; Odeon<br />
Heilbronn<br />
13.09. Chris Gall Trio feat. Frank<br />
Möbus; Cave61<br />
20.09. Tony Lakatos Quintett;<br />
Cave61<br />
27.09. Mayito Rivera & Sons of<br />
Cuba; Cave61<br />
Karlsruhe<br />
13.09. De-Phazz; Tollhaus<br />
21.09. Salomea; KOHI<br />
30.09. The Trouble Notes; Tollhaus<br />
Kornwestheim<br />
26.09. Fola Dada, Hübner &<br />
Fischer; Casino<br />
Lörrach<br />
21.09. Tony Lakatos / Christoph<br />
Spendel Quartet; Jazztone<br />
28.09. Sarah Buechi; Jazztone<br />
Ludwigsburg<br />
14.09. Jasmin Bayer & Band;<br />
Podium Musikhalle<br />
15.09. Stefanie Boltz; Scala<br />
21.09. Jazz à la Flut present<br />
“Mrs Bo’s Cookbook”; Podium<br />
Musikhalle<br />
22.09. David Tixier Trio; Die Luke<br />
28.09. <strong>September</strong>: Adi Mürdter<br />
& Andreas Spätgens; Podium<br />
Musikhalle<br />
Mosbach<br />
05.09. Barbara Dennerlein;<br />
Stiftskirche<br />
Nagold<br />
21.09. Rieke Katz; Seminarturnhalle<br />
102 Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong>
Nimburg<br />
23.09. DuckTapeTicket;<br />
Bergkirche<br />
Offenburg<br />
27.09. hr Bigband & Gianluigi<br />
Trovesi; Alte Schlosserei<br />
Ostfildern<br />
08.09. Joscho Stephan; Zinsholz<br />
Radolfzell<br />
06.09. Les Brünettes; Milchwerk<br />
Reichenbach/Fils<br />
21.09. Vdelli; Die Halle<br />
Rottweil<br />
13.09. Mulo Francel; Badhaus<br />
Schorndorf<br />
01.09. Erb / Baker / Rosaly Trio;<br />
Club Manufaktur<br />
13.09. Lithics; Club Manufaktur<br />
14.09. <strong>September</strong>: Adi Mürdter,<br />
Andreas Spätgens u. Gäste;<br />
Session 88<br />
14.09. Eugene Chadbourne &<br />
Schroeder; Club Manufaktur<br />
21.09. Wolfgang Müller & Band;<br />
Club Manufaktur<br />
29.09. Any Other; Club Manufaktur<br />
Schwäbisch-Hall<br />
22.09. Andreas Schaerer & A<br />
Novel Of Anomaly; Jazzclub<br />
Singen<br />
12.09. Phronesis; Gems<br />
27.09. Empirical; Gems<br />
Stuttgart<br />
08.09. Jütz; Theaterhaus<br />
14.09. Sun Dew (Héloïse Lefebvre<br />
& Paul Audoynaud); Bix<br />
15.09. Linda Kyei Swing Combo;<br />
Bix<br />
16.09. Barbara Dennerlein; Ev.<br />
Stadtkirche Vaihingen<br />
20.09. Jochen Neuffer <strong>–</strong> Tobias<br />
Becker Bigband; Bix<br />
19.09. Shalosh; Bix<br />
21.09. Lars Danielsson Liberetto<br />
III; Theaterhaus<br />
21.09. Ull Möck; Bechstein<br />
Centrum<br />
26.09. Bega Blues Band; Bix<br />
26.09. Fabian Schöne Quartett;<br />
Club Voltaire<br />
27.09. Souldiamonds feat. Fola<br />
Dada; Bix<br />
29.09. Jacob Karlzon & Viktoria<br />
Tolstoy & Stuttgarter Philh.;<br />
Gustav-Siegle-Haus<br />
Tübingen<br />
12.09. Antonio Cuadros de Béjar<br />
& Latin Affairs; Club Voltaire<br />
15.09. Mulo Francel; SWT<br />
KulturWerk<br />
23.09. Dieter Ilg BACH m.<br />
Rainer Böhm & Patrice Heral;<br />
Stiftskirche<br />
Uhingen<br />
23.09. Fola Dada & Friends;<br />
Schloss Filseck<br />
Villingen<br />
08.09. Rolf Kühn m. Frank<br />
Chastenier, Lisa-Rebecca Wulff,<br />
Tupac Mantilla; Franziskaner<br />
Konzerthaus<br />
Waldkirch<br />
14.09. Mulo Francel; Elztalmuseum<br />
Weinstadt-Beutelsbach<br />
20.09. Regina Büchner Quartett;<br />
JAK<br />
27.09. Fauzia Maria Beg; JAK<br />
28.09. Opportunity; JAK<br />
Raum 80000<br />
Augsburg<br />
13.09. Echoes Of Swing; Jazzclub<br />
21.09. Still in the Woods; Grandhotel<br />
Cosmopolis<br />
Baienfurt<br />
22.09. Manfred Junker Organ<br />
Trio; Speidlerhaus<br />
Friedrichshafen<br />
22.09. Stefanie Boltz; Bahnhof<br />
Fischbach<br />
Füssen<br />
05.09. Les Brünettes; Benediktinerkloster<br />
St. Mang<br />
Germering<br />
21.09. Jason Seizer Quartet;<br />
Stadthalle<br />
Habach<br />
07.09.18 The Hamburg Blues<br />
BAND & Friends; Village<br />
Heidenheim<br />
21.09. Joscho Stephan; Duale<br />
Hochschule<br />
Ingolstadt<br />
13.09. Swing IN Big Band<br />
Ingolstadt; Audi Forum<br />
Ismaning<br />
14.09. Claus Boesser-Ferrari m.<br />
Thomas Siffling; Kallmann-<br />
Museum<br />
Landsberg<br />
23.09. Mathias Eick; Theater<br />
Moosburg /Isar<br />
08.09. Jazzkantine; Stadthalle<br />
Mühldorf<br />
24.09. Mulo Francel; Haberkasten<br />
München<br />
01.09. Matthias Gmelin Quintet<br />
feat. Joe Chambers; Unterfahrt<br />
03.09. Al di Meola; Circus Krone<br />
04.-08.09. Shake Stew;<br />
Unterfahrt<br />
11.09. Harold Mabern; Unterfahrt<br />
12.09. Gilad Hekselman ZuperOctave<br />
feat. Aaron Parks &<br />
Kendrick Scott; Unterfahrt<br />
13.09. DuckTapeTicket; Augustinum<br />
München-Nord<br />
15.09. Kiki Manders; Unterfahrt<br />
17.09. Christian Elsässer Jazz<br />
Orch.; Unterfahrt<br />
20.09. Lionel Loueke; Unterfahrt<br />
20.09. Still in the Woods; Rennbahn<br />
Schwabing<br />
21.09. Stefanie Boltz; Ampere<br />
21.09. Torun Erksen; Unterfahrt<br />
23.09. Stephan Eicher & Martin<br />
Suter; Prinzregententheater<br />
24.09. The Munich Uptown Jazz<br />
Bigband; Unterfahrt<br />
27.09. Vdelli; Backstage<br />
27.09. Symmethree; Unterfahrt<br />
29.09. Omer Klein Trio; Unterfahrt<br />
Neuburg<br />
14.09. Dusko Goykovich Quintet;<br />
Birdland<br />
Ravensburg<br />
28.09. Caroussel; Zehntscheuer<br />
Sonthofen<br />
27.09. David Helbock Random<br />
Control; Kulturwerkstatt<br />
Ulm<br />
15.09. Quintessence plus<br />
sauSchall; c<br />
15.09. Kunstwerk: Mobile Instabile;<br />
Nikolauskapelle<br />
23.09. Matthias Kurth & Maike<br />
Lindemann; Sauschdall<br />
Raum 90000<br />
Bamberg<br />
29.09. Henning Sieverts Symmethree;<br />
Jazz Club<br />
Eisenach<br />
21.09. Holly Schlott; Jazzclub<br />
Erfurt<br />
01.09. Holger Arndt Connexion;<br />
Jazzkeller<br />
06.09. A Perfect Pair; Jazzkeller<br />
07.09. Vesna Pisarovic Petit<br />
Standard; Jazzkeller<br />
15.09. Vorwärts/Rückwärts;<br />
Jazzkeller<br />
<strong>JAZZTHETIK</strong> präsentiert:<br />
15.09. Ezra Collective; Franz<br />
Mehlhose<br />
20.09. Jam Session; Jazzkeller<br />
22.09. John Idan; Jazzkeller<br />
23.09. 10. Jazzwanderung im<br />
Steiger<br />
26.09. Rotem Sivan Trio; Achava<br />
Festival Jazzkeller<br />
27.09. Jazz-Filmabend; Jazzkeller<br />
29.09. Freedoms Trio; Jazzkeller<br />
28.09. Jasmin Tabatabai; Achava<br />
Festspiele<br />
29.09. Erna Rot; Haus Dacheröden<br />
Erlangen<br />
12.09. Emil Brandqvist Trio;<br />
E-Werk<br />
Fürth<br />
25.09. Vdelli; Kofferfabrik<br />
Haßfurt<br />
22.09. Joscho Stephan;<br />
Rathaushalle<br />
Helmbrechts<br />
28.09. Omer Klein; Textil<br />
Museum<br />
Herzogenaurach<br />
29.09. Barbara Dennerlein; St.<br />
Magdalena Kirche<br />
Nürnberg<br />
14.09. Flut; Jazz Studio<br />
15.09. Tigaburger; Jazz Studio<br />
20.09. Salomea; Brozzi Jazz<br />
21.09. Matthieu Bordenave<br />
Quartett; Jazz Studio<br />
22.09. Pata Messengers; Jazz<br />
Studio<br />
28.09. Pollon; Jazz Studio<br />
29.09. Mario Rom’s Interzone;<br />
Jazz Studio<br />
Regensburg<br />
20.09. Joe Sachse & Heiner<br />
Reinhart; Jazzclub<br />
27.09. Tribute to Stevie Wonder;<br />
Jazzclub<br />
Schweinfurt<br />
23.09. Michael Wollny; Nachsommer<br />
Schweinfurt<br />
Viechtach<br />
23.09. Still in the Woods; Altes<br />
Spital<br />
Würzburg<br />
07.09. Teresa Bergmann; Stramu<br />
Frankreich<br />
Schiltigheim<br />
11.09. Indra Rios-Moore; Salle<br />
des Fêtes<br />
Italien<br />
Merano<br />
23.09. Dieter Ilg BACH m.<br />
Rainer Böhm & Patrice Heral;<br />
Musikwochen<br />
Luxembourg<br />
Ettelbrück<br />
28.09. CaboCubaJazz; Centre<br />
des Arts Pluriels<br />
Niederlande<br />
Amsterdam<br />
14.09. Ikarai - Muhaamad;<br />
Bimhuis<br />
15.09. Mehmet Polat & Alper<br />
Kekeç; Teatro Munganga<br />
15.09. Once Upon A Time<br />
Orchestra; Bimhuis<br />
17.09. Jazz Orchestra of the<br />
Concertgebouw/Jazz Factory;<br />
Bimhuis<br />
21.09. Mehmet Polat Trio;<br />
Mixtree<br />
23.09. Zakir Hussein; Bimhuis<br />
23.09. Three Nations Under One<br />
Groove; Bimhuis<br />
26.09. Lionel Loueke Group;<br />
Bimhuis<br />
29.09. Oum; Bimhuis<br />
Dordrecht<br />
09.09. Mehmet Polat Trio; Nationaal<br />
Monumenten Dag<br />
Leiden<br />
30.09. Mehmet Polat & Embracing<br />
Colours; De X<br />
Tilburg<br />
21.09. Gilad Hekselman ZuperOctave<br />
feat. Aaron Parks &<br />
Kendrick Scott; Paradox Jazz<br />
Wageningen<br />
22.09. Gilad Hekselman ZuperOctave<br />
feat. Aaron Parks &<br />
Kendrick Scott; Jazz in Vrede<br />
Vreeland<br />
23.09. Mehmet Polat & Alper<br />
Kekeç; Grote Kerk<br />
Österreich<br />
Dornbirn<br />
29.09. David Helbock Random<br />
Control; Spielboden<br />
Graz<br />
28.09. Berndt Luef & Jazztett;<br />
WIST<br />
Innsbruck<br />
01.09. Trio Ivoire feat. Dobet<br />
Gnahoré; Treibhaus<br />
07.09. Branko Galocic;<br />
Treibhaus<br />
19.09. Renato Borghetti;<br />
Treibhaus<br />
20.09. Stefanie Boltz; Treibhaus<br />
30.09. Oum; Treibhaus<br />
Klosterneuburg<br />
14.09. Amira Medunjanin;<br />
Stiftskirche<br />
Lustenau<br />
21.09. Renato Borghetti;<br />
Freudenhaus<br />
Salzburg<br />
04.09. Franz Trattners Funkorchestra;<br />
Jazzit<br />
07.09. Barcelona Gypsy Balkan<br />
Orchestra; Jazzit<br />
07.09. Jütz; Petersbrunnhof<br />
08.09. Poulpe; Jazzit<br />
11.09. Klaus Brennsteiner &<br />
Friends; Jazzit<br />
13.09. Gewürztraminer & der<br />
gmischte Satz; Jazzit<br />
14.09. Cari Cari/ Mop Mop &<br />
Anthony Joseph; Jazzit<br />
15.09. Thomas Gansch & Ballaststofforchester;<br />
Jazzit<br />
16.09. Aeham Ahmad; Jazzit<br />
21.09. Christian Muthspiel &<br />
Steve Swallow; Jazzit<br />
22.09. Rhythmic Tramp Orchestra;<br />
Jazzit<br />
25.09. Peter Bachmayer &<br />
Friends; Jazzit<br />
Schwaz<br />
16.09. David Helbock Random<br />
Control; Eremitage<br />
Seefeld<br />
28.09. Henning Sieverts Symmethree;<br />
Kultur im Schloss<br />
Straden<br />
06.09. Donauwellenreiter; Glatt<br />
& Schräg<br />
St. Veit<br />
08.09. The Hamburg Blues Band<br />
& Friends; Herzogburg<br />
Ulrichsberg<br />
28.09. Kern: Edith Steyer/Matthias<br />
Müller/Yorgos Dimitriadis;<br />
Jazzatelier<br />
Weiz<br />
07.09. Donauwellenreiter;<br />
Kunsthaus<br />
Wien<br />
01.09. Barracuda: Dennis Quaid<br />
& The Sharks; Porgy & Bess<br />
02.09. Nik Bärtsch’s Ronin;<br />
Porgy & Bess<br />
03.09. Azymuth & Marcos Valle;<br />
Porgy & Bess<br />
04.09. Doug Hammond’s 75th<br />
Birthday Concert; Porgy & Bess<br />
05.09. The Stone NYC presents:<br />
Mary Halvorson 4tet; Porgy<br />
& Bess<br />
06.09. Intercultural Achievement<br />
Award; Porgy & Bess<br />
08./09.09. Mund.Art.Wien; Porgy<br />
& Bess<br />
10.09. Gilad Hekselman & Aaron<br />
Parks & Kendrick Scott; Porgy<br />
& Bess<br />
11.09. Georg Graewe & Sonic<br />
Fiction Orchestra; Porgy & Bess<br />
12.09. The Pool (Sonar Kollektiv/<br />
k7!); Porgy & Bess<br />
13.09. Sophie Hunger; Porgy<br />
& Bess<br />
14.09. Martin Breinschmid &<br />
Radio Kings feat. Nicki Parrott;<br />
Porgy & Bess<br />
15.09. Franz Koglmann Sextett;<br />
Porgy & Bess<br />
<strong>JAZZTHETIK</strong> präsentiert:<br />
16.09. Ezra Collective; B72<br />
16.09. Soft Machine 50 Years<br />
Tour; Porgy & Bess<br />
17.09. Renato Borghetti Quartet;<br />
Porgy & Bess<br />
18.09. Still Experienced XL<br />
Band; Porgy & Bess<br />
19.09. Benny Sharoni & Oliver<br />
Kent Trio; Porgy & Bess<br />
20./21.09. Christoph Cech Jazz<br />
Orchestra Project; Porgy &<br />
Bess<br />
22.09. Gerry Hemingway &<br />
Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong> 103
Termine<br />
fronTTon; Porgy & Bess<br />
23.09. Dan Reinstein / Vana<br />
Gierig Quintet; Porgy & Bess<br />
24.09. 20 Jahre DePhazz; Porgy<br />
& Bess<br />
24.09. Still in the Woods; Tunnel<br />
25.09. Gabriele Mirabassi/<br />
Nando Di Modugno/Pierluigi<br />
Balducci; Porgy & Bess<br />
27.09. Café Drechser; Porgy<br />
& Bess<br />
28.-30.09. Portrait Ewald Oberleitner:<br />
Karlheinz Miklin Trio /<br />
Neighbours & Friends / Tori Tango<br />
& D.I.V.A.; Porgy & Bess<br />
Wörgl<br />
16.09. Mulo Francel; Kulturverein<br />
Nischenklänge<br />
Schweiz<br />
Bern<br />
16.09. Jütz; Zentrum Paul Klee<br />
Geneve<br />
15.09. Rita Marcotulli Quartet;<br />
AMR<br />
Luzern<br />
23.09. hr Bigband: Swing,<br />
Swing, Swing!: Kultur- und<br />
Kongresszentrum<br />
Martigny<br />
20.09. KiKu; Les Caves Du<br />
Manoir<br />
Münsterlingen<br />
22.09. Jan Lundgren; Psych.<br />
Klinik<br />
29.09. Vdelli; Bäckerstübli<br />
Rubigen<br />
12.09. Soft Machine; Mühle<br />
Hunziken<br />
22.09. Vdelli; Mühle Hunziken<br />
St. Gallen<br />
26.09. Lucia Cadotsch Speak<br />
Low; Palace<br />
Thusis<br />
28.09. Vdelli; Alte Brauerei<br />
Uster<br />
28.09. David Helbock Random<br />
Control; Jazzclub<br />
Winterthur<br />
24.09. Son Lux; Salzhaus<br />
Zürich<br />
<strong>JAZZTHETIK</strong> präsentiert:<br />
11.09. Ezra Collective; Exil<br />
12.09. Dionne Warwick;<br />
Theater 11<br />
13.09. Stiller Has; Kaufleuten<br />
14.09. The Aristocrats;<br />
Kaufleuten<br />
14.09. Rhoda Scott Lady Quartet;<br />
Moods<br />
16.09. Mother’s Finest; Moods<br />
13.09. Stiller Has; Kaufleuten<br />
14.09. The Aristocrats;<br />
Kaufleuten<br />
17.09. Marie Kruttli Trio feat.<br />
Jonathan Barber/Dave Gisler<br />
Trio; Moods<br />
18.09. Guitar Night: Sönke Meinen/Antoine<br />
Boyer & Samuelito;<br />
Moods<br />
20.09. Zurich Jazz Orchestra<br />
Brazil! feat. Nelson Faria;<br />
Moods<br />
21.09. Jazzanova (live) presents<br />
«The Pool» (Sonar Kollektiv);<br />
Moods<br />
21.09. Daara J Family feat.<br />
Faady Freddy & Ndongo D.;<br />
Moods<br />
22.09. Lionel Loueke Trio; Moods<br />
23./24.09. Monsterjazz: Karl<br />
Seglem & Christoph Stiefel<br />
Group; Moods<br />
23.09. Max Petersen Solo/Simon<br />
Spiess Trio; Moods<br />
25.09. Lucia Cadotsch Speak<br />
Low; Jazz im Seefeld<br />
25.09. José González; Volkshaus<br />
25.09. Bombino; Moods<br />
27.09. Marc Amacher; Moods<br />
27.09. Spain; Bogen<br />
28.09. Blues Night: The Two/Big<br />
Daddy Wilson; Moods<br />
Zug<br />
20.09. Renato Borghetti; Akkordeontage<br />
Clubs 10<br />
Raum 00000<br />
Altenburg<br />
12.10. Jin Jim; Jazzclub<br />
Cottbus<br />
06.10. Kamchatka; Zum Faulen<br />
August<br />
19.10. Jasmin Tabatabai;<br />
Staatstheater<br />
Dessau<br />
27.10. Lily Dahab; Marienkirche<br />
Dresden<br />
05.10. 20 Jahre Drugmiller’s<br />
Bigband feat. Dresden Hepcats;<br />
Tonne<br />
06.10. Wenzel; Tonne<br />
07.10. Bobo & Herzfeld; Kl.<br />
Staatsschauspiel<br />
09.10. Spain; Tonne<br />
12.10. Magris Uhlir Helsic aka<br />
The Muh Trio; Tonne<br />
13.10. Vdelli; Tante Ju<br />
13.10. Sönke Meinen & Bjarke<br />
Falgren; Tonne<br />
16.10. Sven Helbig Forrklang<br />
Quartett; Kleines Haus<br />
19.10. Kinga Głyk; Tonne<br />
19.10. Gogo Penguin; Beatpol<br />
20.10. Contrast Trio; Tonne<br />
23.10. Prag; Tonne<br />
24.10. Forq; Tonne<br />
25./26.10. Helmut „Joe“ Sachse<br />
meets Nils Wogram; Tonne<br />
26.10. Punkt3; Tonne<br />
27.10. Dominic J. Marshall Trio;<br />
Tonne<br />
28.10. Ondrej Havelka & his<br />
Melody Makers; Tonne<br />
Forst<br />
27.10. Popa Chubby; Manitu<br />
Jena<br />
03.10. Holly Schlott; Jazzmeile<br />
Leipzig<br />
05.10. Bobo & Herzfeld;<br />
Telegraph<br />
10.10. Ólafur Arnalds; Gewandhaus<br />
13.10. Leipziger Jazztage: Michael<br />
Wollny; Kunstkraftwerk<br />
17.10. Sven Helbig Forrklang<br />
Quartett; UT Connewitz<br />
28.10. David August; UT<br />
Connewitz<br />
Plauen<br />
04.10. Holly Schlott; Malzhaus<br />
Pohrsdorf<br />
21.10. František Uhlír Quartett;<br />
Saxstall<br />
Raum 10000<br />
Berlin<br />
01.10. Timo Lassy Band; Kantine<br />
am Berghain<br />
05.10. Samuel Torres Agua’Bajo<br />
Special Guest: Maria Raquel;<br />
A-Trane<br />
05.10. Guitar Crusher & The<br />
Mellowtones; Quasimodo<br />
05.10. Indra Rios-Moore;<br />
Apostel-Paulus-Kirche<br />
07.10. Lissie; Heimathafen<br />
Neukölln<br />
09.10. Lisa Lystam Family Band;<br />
Quasimodo<br />
09.10. Aline Frazao; Kantine am<br />
Berghain<br />
09.10. Derek plays Eric;<br />
Maschinenhaus der Kulturbrauerei<br />
10.10. Daniel Brandt; Gretchen<br />
11.10. Donny McCaslin;<br />
Quasimodo<br />
11.10. Ólafur Arnalds; Tempodrom<br />
11.10. Adam Nussbaum`s<br />
Leadbelly Project; A-Trane<br />
12.10. Alana; A-Trane<br />
12.10. Nina Attal; Quasimodo<br />
12.10. Jack White; Verti Music<br />
Hall<br />
13.10. Della Miles; Quasimodo<br />
13.10. Son Lux; Funkhaus<br />
14.10. Preston Reed; Quasimodo<br />
14.10. Tom Rainey Obligato with<br />
Ingrid Laubrock; A-Trane<br />
15.10. Gogo Penguin; Astra<br />
Kulturhaus<br />
15.10. Christine And the Queens;<br />
Columbiahalle<br />
15.10. FiDO plays Zappa;<br />
Quasimodo<br />
<strong>JAZZTHETIK</strong> präsentiert:<br />
16.10. Judi Jackson; Frannz Club<br />
16.10. Kovacs; Huxleys<br />
16.10. The Doors Alive;<br />
Quasimodo<br />
17.10. Henrik Freischlader Band;<br />
Quasimodo<br />
18.10. Quasimodo Club Band<br />
feat. Cosmo Klein; Quasimodo<br />
19.10. Big Daddy Wilson;<br />
Quasimodo<br />
20.10. David Eugene Edwards &<br />
Alexander Hacke; Lido<br />
20.10. Phosphorescent; Frannz<br />
Club<br />
20.10. Rocket Men; Kultstätte<br />
Keller<br />
20.10. FatsO; Quasimodo<br />
21.10. Vincent Peirani “Living<br />
Being”; A-Trane<br />
21.10. Sven Helbig Forrklang<br />
Quartett; Volksbühne<br />
21.10. John Butler Trio; Huxley’s<br />
21.10. Zeitkratzer; Haus der<br />
Kulturen der Welt<br />
22.10. Cuig; Quasimodo<br />
23.10. Yellowjackets; Quasimodo<br />
23.10. Wood & Steel Trio feat.<br />
Michael Schiefel; Pianosalon<br />
23.10. Rainer Böhm; A-Trane<br />
24.10. The Electric Nomads feat.<br />
Dave Weckl, Chris Minh Doky,<br />
George Whitty; A-Trane<br />
24.10. Master Drummers of<br />
Burundi; Huxley’s<br />
24.10. Matt Bianco; Quasimodo<br />
25.10. Sharon Shannon;<br />
Quasimodo<br />
26.10. Popa Chubby; Columbia<br />
Theater<br />
26./27.10. Joscho Stephan;<br />
Kulturhof Gitarrentage<br />
26.10. Layla Zoe; Quasimodo<br />
26.10. Fola Dada Album Tour<br />
Earth; A-Trane<br />
27.10. Nils Wülker; Quasimodo<br />
28.10. Cat Power; Astra<br />
Kulturhaus<br />
30.10. Kennedy Administration;<br />
Quasimodo<br />
30.10. Tonbruket; A-Trane<br />
31.10. Ida Nielsen & Band;<br />
Quasimodo<br />
Neuhardenberg<br />
14.10. Avishai Cohen Trio;<br />
Schinkel Kirche<br />
Schwerin<br />
10.10. Jazzwerkstatt: Willers-<br />
Roder-Marien/Derek plays Eric;<br />
Angler II<br />
Raum 20000<br />
Agathenburg<br />
20.10. Joo Kraus & Tales in Tones<br />
Trio; Schloss<br />
Bad Zwischenahn<br />
26.10. Helmut Eisel & JEM; Alte<br />
Motormühle Rostrup<br />
Bremen<br />
14.10. Diego El Cigala; Glocke<br />
21.10. Kinga Głyk; Schlachthof<br />
25.10. Fatso; Sendesaal<br />
Bücken<br />
27.10. Helmut Eisel & JEM;<br />
Kleinkunstdiele<br />
Hamburg<br />
01.10. The Other Shi; Elbphilharmonie<br />
02.10. Don McLean; Fabrik<br />
02.10. Django Bates Belovèd;<br />
Stage Club<br />
03.10. Echo Collective »Amnesiac«;<br />
Elbphilharmonie<br />
03.10. Fatjazz: Die Enttäuschung;<br />
Turmzimmer Uebel & Gefährlich<br />
05.10. Lissie; Mojo Club<br />
05.10. Ólafur Arnalds; Elbphilharmonie<br />
06.10. Tears for Esbjörn: Viktoria<br />
Tolstoy, Iiro Rantala, Adam<br />
Bałdych u.a.; Elbphilharmonie<br />
08.10. Trio de Lucs; Jazzraum<br />
09.10. Daniel Brandt; Mojo Club<br />
11.10. Per Gessle’s Roxette;<br />
Laeiszhalle<br />
11.10. CMA Songwriters Series;<br />
Laeiszhalle<br />
12.10. Koinstantin Wecker;<br />
Elbphilharmonie<br />
12.10. Rocket Men; Knust<br />
13.10. Diego el Cigala; Elbphilharmonie<br />
15.10. Donny McCaslin; Elbphilharmonie<br />
<strong>JAZZTHETIK</strong> präsentiert:<br />
17.10. Judi Jackson; Mojo<br />
Jazz Café<br />
17.10. Kovacs; Gruenspan<br />
17.10. Fatjazz: KUU!; Turmzimmer<br />
Uebel & Gefährlich<br />
18.10. DuckTapeTicket; Kukuun<br />
18.10. 60 Jahre NDR-Jazz-Konzerte:<br />
Nils Wogram u. NDR Bigband,<br />
Omar Sosa & Company,<br />
James Farm; Elbphilharmonie<br />
18.10. Lisa Wulff Quartett;<br />
Elbphilharmonie Kulturcafé<br />
19.10. Phosphorescent; Nochtspeicher<br />
19.10. Pablo y Ludmila & Cuarteto<br />
Rotterdam; Laeiszhalle<br />
20.10. Klezmerata; Laeiszhalle<br />
22.10. Kudsi Erguner; Elbphilharmonie<br />
20.10. John Butler Trio; Mehr!<br />
Theater<br />
23.10. Leszek Możdżer; Elbphilharmonie<br />
24.10. Stefan Gwildis & Orchester;<br />
Elbphilharmonie<br />
24.10. Fatso; Knust<br />
25.10. Angelika Milster;<br />
Laeiszhalle<br />
25.10. Andreas Schaerer & A Novel<br />
Of Anomaly; Elbphilharmonie<br />
26.10. Blind Date (Überraschungskonzert);<br />
Elbphilharmonie<br />
27.10. Aziza: Potter / Loueke /<br />
Holland / Harland; Elbphilharmonie<br />
27.10. Angelo Branduardi;<br />
Laeiszhalle<br />
27.10. »Viva el tango«;<br />
Laeiszhalle<br />
27.10. Bretagne Rock & Folk Fest<br />
Noz; Fabrik<br />
28.10. Hagen Rether; Laeiszhalle<br />
31.10. Tribalistas: Marisa Monte,<br />
Arnaldo Antunes, Carlinhos<br />
Brown; Elbphilharmonie<br />
31.10. Voices of Aotearoa <strong>–</strong><br />
Stimmen aus Neuseeland;<br />
Laeiszhalle<br />
31.10. Fatjazz: FUSK; Turmzimmer<br />
Uebel & Gefährlich<br />
31.10. Meridian Brothers; Fabrik<br />
Keitum/Sylt<br />
28.10. Lars Danielsson Liberetto<br />
III; Kontorhaus<br />
Leer<br />
07.10. Made To Break; Speicher<br />
21.10. Ab Baars & Kaja Draksler;<br />
Speicher<br />
Lüneburg<br />
14.10. Curly Strings; Wasserturm<br />
25.10. Miu; Ritterakademie<br />
Neumünster<br />
02.10. Miu; Altes Stahlwerk<br />
Norddorf (Amrum)<br />
15.10. Curly Strings; Gemeindehaus<br />
Oldenburg<br />
12.10. Kamchatka; Cadillac<br />
19.10. DuckTapeTicket; Haus<br />
des Hörens<br />
23.10. Scott Matthew; Kulturetage<br />
Syke<br />
19.10. Daniel Kahn & The Painted<br />
Bird; Konzertsaal Kreissparkasse<br />
Raum 30000<br />
Bielefeld<br />
09.10. Reza Askari’s ROAR;<br />
Bunker Ulmenwall<br />
10.10. Quichotte; Bunker<br />
Ulmenwall<br />
16.10. Das Tobias Held IndieJazz-<br />
Project; Bunker Ulmenwall<br />
19.10. Oberg/Eberhard/Hemingway;<br />
Bunker Ulmenwall<br />
24.10. Scott Matthew; Hechelei<br />
(Bielefelder Songtage)<br />
27.10. Tante Polly; Bunker<br />
Ulmenwall<br />
30.10. Trumann New York Quartet<br />
feat. Gress, Peters & Rueckert;<br />
Bunker Ulmenwall<br />
31.10. Trails; Bunker Ulmenwall<br />
Fulda<br />
12.10. Trio de Lucs; Backstage<br />
Gießen<br />
06.10. hr-Bigband & Enrico<br />
Pieranunzi: Ode to Chet Baker;<br />
Stadttheater<br />
27.10. Jan Garbarek Group;<br />
Kongresshalle<br />
Gütersloh<br />
12.10. Andreas Schaerer & A<br />
Novel Of Anomaly; Theater<br />
Hannover<br />
25.10. Popa Chubby; Bluesgarage<br />
27.10. Vincent Peirani „Living<br />
Being“; Jazzclub<br />
Kassel<br />
04.10. Jasper Van´t Hoofs Pili Pili;<br />
Theaterstübchen<br />
05.10. Wojtek Mazolewski<br />
Quintet; Theaterstübchen<br />
07.10. Brian Auger’s Oblivion<br />
Express; Theaterstübchen<br />
08.10. Lisa Lystam Family Band;<br />
Theaterstübchen<br />
16.10. Fables of Jazz; Theaterstübchen<br />
18.10. Pe Werner/Frank Chastenier;<br />
Theaterstübchen<br />
19.10. Michael Wollny Trio;<br />
Theaterstübchen<br />
21.10. The Hamburg Blues Band<br />
feat. Maggie Bell & Krissy<br />
Matthews; Theaterstübchen<br />
25.10. Tango-Trio Mano a Mano;<br />
Theaterstübchen<br />
28.10. James Armstrong Band;<br />
Theaterstübchen<br />
30.10. Julian & Roman Wasserfuhr;<br />
Theaterstübchen<br />
Magdeburg<br />
18.10. Daniel Kahn & The Painted<br />
Bird; Forum Gestaltung<br />
Nienburg<br />
20.10. Lisa Wulff Quartett;<br />
Jazzclub<br />
Wetzlar<br />
07.10. Emil Brandqvist Trio;<br />
Pianohaus<br />
Raum 40000<br />
Bocholt<br />
12.10. Jessica Gall; Alte Molkerei<br />
Bochum<br />
03.10. Tatort Jazz Hausband feat.<br />
Günter Baby Sommer; Bahnhof<br />
Langendreer<br />
06.10. Jazzwerkstatt: Houtkamp/<br />
Beresford/Blume Trio; Kunstmuseum<br />
12.10. Andreas Willers Trio;<br />
Kunstmuseum<br />
26.10. Akua Naru; Bahnhof<br />
Langendreer<br />
Cloppenburg<br />
20.10. The Hamburg Blues Band<br />
& Friends; Kulturbahnhof<br />
Dinslaken<br />
12.10. Céline Bonacina Quartet;<br />
Ledigenheim<br />
18.10. Ed Motta; Ledigenheim<br />
Dortmund<br />
06.10. Ólafur Arnalds; Konzerthaus<br />
09.10. Nina Attal; Blue Notez<br />
14.10. Jack White; Warsteiner<br />
Music Hall<br />
15.10. Hollywood Hits: War and<br />
Peace; Theater<br />
18.10. Gogo Penguin; FZW<br />
20.10. Ben Wendel; Domicil<br />
26.10. Susan Weinert Rainbow<br />
Trio; Domicil<br />
27.10. Django Bates‘ Belovèd;<br />
Domicil<br />
104 Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong>
31.10. 13. Jazzband Ball feat.<br />
Mel Maroon & Swingin’ Mallets<br />
& Gäste; Domicil<br />
Düsseldorf<br />
04.10. Iiro Rantala/Ulf Wakenius;<br />
Schloss Jägerhof, Goethe<br />
Museum<br />
05.10. Kamchatka; Pitcher<br />
11.10. Vdelli; Pitcher<br />
11.10. Joe Krieg Quartet feat.<br />
Johannes Geiß; VVV<br />
27.10. Erna Rot; Hausmusik<br />
Duisburg<br />
03.10. Die entfesselte Droste;<br />
Steinbruch<br />
Essen<br />
05.10. Jo; Schloß Borbeck<br />
06.10. Emil Brandqvist Trio;<br />
Mariengymnasium<br />
06.10. Jazz Pott <strong>2018</strong>: Theo Jörgensmann<br />
Oktett; Grillo-Theater<br />
06.10. Emil Brandqvist Trio;<br />
Marien-Gymnasium/Schmitz<br />
Buch<br />
07.10. B.S.E. Jazzclub: Amanda<br />
Kapsch/Igor Zawatckii; Villa Rü<br />
11.10. Anna Carewe & Oli Bott<br />
Duo; Bürgermeisterhaus<br />
11.10. Klaus Doldinger & Friends;<br />
Alfried Krupp Saal<br />
17.10. B.S.E. Jazzclub: Swinging<br />
Trumpets, Jazztrompeter im<br />
Film; Villa Rü<br />
28.10. Jazz in Essen: The Bad<br />
Plus; Grillo-Theater<br />
Gelsenkirchen<br />
02.10. Ayca Mirac; Die Flora<br />
Gladbeck<br />
12.10. FineArtJazz: About<br />
Aphrodite; Magazin<br />
Hasbergen<br />
<strong>JAZZTHETIK</strong> präsentiert:<br />
13.10. Dean Brown & Band;<br />
Gaste Garage<br />
<strong>JAZZTHETIK</strong> präsentiert:<br />
24.10. Simon Phillips/Bill Evans<br />
& Zen Amadeus; Gaste Garage<br />
Hilden<br />
10.10. Anna Carewe & Oli Bott<br />
Duo; Reformationskirche<br />
Kleve<br />
27.10. Three Fall & Melane;<br />
Jazzfreunde<br />
Krefeld<br />
11.10. Jazzattack; Jazzkeller<br />
25.10. Jazzattack; Jazzkeller<br />
29.10. Krefelder Jazzherbst <strong>2018</strong>:<br />
Thomas Bracht Band feat. Sven<br />
Decker & Nils Wogram; Theater<br />
31.10. Jazz-Session; Jazzkeller<br />
Münster<br />
02.10. Pete Astor & Band &<br />
Support; Gleis 22<br />
04.10. Thee Cavemen; Gleis 22<br />
05.10. Lisa Lystam Family Band;<br />
Hot Jazz Club<br />
06.10. Jesper Munk; Gleis 22<br />
05.10. Lisa Lystam Family Band;<br />
Hot Jazz Club<br />
11.10. Joscho Stephan; Museum<br />
für Lackkunst<br />
12.10. Bukahara; Skaters Palace<br />
13.10. Kamchatka; Hot Jazz Club<br />
13.10. Lygo & Support; Gleis 22<br />
18.10. All The Luck In The World;<br />
Gleis 22<br />
20.10. Big Daddy Wilson; Hot<br />
Jazz Club<br />
20.10. The Spitfires; Gleis 22<br />
21.10. Die Nerven; Gleis 22<br />
24.10. Nils Wülker; Jovel Club<br />
24.10. Cosmo Sheldrake; Gleis 22<br />
25.10. Hundreds; Gleis 22<br />
27.10. Ätna; Gleis 22<br />
27.10. Manou Gallo; Hot Jazz<br />
Club<br />
27.10. Akua Naru; Skaters<br />
Palace<br />
Neuss<br />
17.10. Joscha Oetz: Perfektomat<br />
Nuevo; Kulturforum Alte Post<br />
Osnabrück<br />
11.10. Erna Rot; Blue Note<br />
Rheinberg<br />
14.10. Vdelli; Schwarzer Adler<br />
Rheine<br />
12.10. Vdelli; Hypothalamus<br />
Raum 50000<br />
Aachen<br />
20.10. Daniel Kahn & The Painted<br />
Bird; Franz<br />
Arnsberg<br />
31.10. Frederik Köster - Die<br />
Verwandlung/Johannes Enders<br />
& Nils Wogram; Sauerland<br />
Herbst Ratssaal<br />
Bergneustadt<br />
05.10. Astrid Barth & Philipp<br />
Roemer; SchauspielHaus<br />
07.10. Andreas Gundlach;<br />
SchauspielHaus<br />
13.10. JO-BAND; Schauspiel-<br />
Haus<br />
27.10. Mellow Mark; SchauspielHaus<br />
Bingen<br />
13.10. Hattler; Binger Bühne<br />
Bonn<br />
29.10. Manou Gallo; Harmonie<br />
Brilon<br />
20.10. Michael Wollny/Kinga Głyk;<br />
Jazznacht, Aula Schulzentrum<br />
Burscheid<br />
14.10. Maria Baptist; Badehaus<br />
Fröndenberg<br />
13.10. Tango Ensemble Contrabajando;<br />
Kulturschmiede<br />
Hagen<br />
31.10. Soundtrips NRW: Sofia<br />
Jernberg m. Carl Ludwig Hübsch,<br />
Martin Verborg; Villa Post<br />
Hamm<br />
13.10. Barbara Dennerlein;<br />
Pauluskirche<br />
26.10. Erna Rot; Jazzclub<br />
Heinsberg<br />
11.10. Hattler; Jazz im Rondell<br />
Herdecke<br />
26.10. Nils Wülker; Werner-<br />
Richard-Saal<br />
Hürth<br />
19.10. Django meets Wes - Matthias<br />
Strucken, Joscho Stephan<br />
und Volkern Kamp; Jazzkeller<br />
Koblenz<br />
07.10. Mike Reinhardt Quartett;<br />
Café Hahn<br />
08.10. Emil Brandkvist Trio; Café<br />
Hahn<br />
16.10. Les Brünettes; Stadttheater<br />
Köln<br />
01.10. Echoes Of Swing; Volksbühne<br />
am Rudolphplatz<br />
02.10. Eric Schaefer - Kyoto<br />
Mon Amour/Potsa Lotsa plus<br />
play Love Suit by Eric Dolphy;<br />
Stadtgarten<br />
03.10. Anat Cohen & Trio Brasileiro<br />
/ Gabriele Mirabassi & Trio<br />
Correnteza; Stadtgarten<br />
03.10. Michael Wollny; Philharmonie<br />
03.10. David Helbock's Random/<br />
Control; Altes Pfandhaus<br />
04.10. Lissie; Kulturkirche<br />
05.10. Tuija Komi Quartett; Altes<br />
Pfandhaus<br />
05.10. CCJO; WDR-Sendesaal<br />
05.10. Erna Rot; Loft<br />
06.10. Norma Winstone Quartet /<br />
Naqsh Duo; Stadtgarten<br />
06.10. JO; Salon de Jazz<br />
06.10. Marialy Pacheco ft. Rhani<br />
Krija; Klavierhaus Schocke<br />
07.10. Paul Heller invites Anat<br />
Cohen feat. NLJ All Star Big<br />
Band; Stadtgarten<br />
07.10. Next Level Jazz: Paul<br />
Heller m. Anat Cohen feat. NLJ<br />
All Star Big Band; Stadtgarten<br />
09.10. Markus Stockhausen;<br />
Salon De Jazz<br />
09.10. Kommunikation 9 - Blind<br />
Date; Salon de Jazz<br />
10.10. Sylvie Courvoisier & Mary<br />
Halvorson; Stadtgarten<br />
10.10. Gratkowski / Zoubek /<br />
Landfermann / Mahnig; Loft<br />
11.10. Samuel Torres & Agua<br />
Bajo; Altes Pfandhaus<br />
11.10. The Idumea Quartet:<br />
Appalachia trifft Kammermusik;<br />
Stadtgarten<br />
12.10. Samuel Hope; Stadtgarten<br />
13.10. Celsant & Reza Samani;<br />
Altes Pfandhaus<br />
13.10. Daniel Brandt; Stadtgarten<br />
14.10. Schntzl; Altes Pfandhaus<br />
14.10. Gogo Penguin; Gloria<br />
Theater<br />
18.10. Diego El Cigala; Philharmonie<br />
18.10. Multiple Joy[ce] Orchestra;<br />
Loft<br />
18.10. Kovacs; Gloria<br />
19.10. John Butler Trio; Palladium<br />
21.10. Palace Winter; Stadtgarten<br />
21.10. Nes; Altes Pfandhaus<br />
22.10. Albin Lee Meldau;<br />
Stadtgarten<br />
24.10. Hinrich Franck Band;<br />
Stadtgarten<br />
25.10. Mark Guiliana Jazz<br />
Quartet; Stadtgarten<br />
26.10. Elina Duni & Jean-Paul<br />
Brodbeck; Altes Pfandhaus<br />
27.10. Laura Veirs/David Eugene<br />
Edwards & Alexander Hack;<br />
Stadtgarten<br />
27.10. Tabadoul Orchestra;<br />
Zirkusfabrik Deutz<br />
28.10. Cologne Contemporary<br />
Jazz Orchestra - Ltg. Darcy<br />
James Argue; Stadtgarten<br />
29.10. Petal; Stadtgarten<br />
30.10. Markus Stockhausen;<br />
Tersteegenhaus<br />
30.10. Beata Korioth; Altes<br />
Pfandhaus<br />
30.10. Stephen Malkmus & The<br />
Jicks; Stadtgarten<br />
Leverkusen<br />
05.10. Raumklänge: Albrecht<br />
Maurer & Norbert Rodenkirchen;<br />
Kunstnacht im Museum<br />
Morsbroich<br />
Mainz<br />
13.10. Haberecht 4; Club M8<br />
21.10. Jüdische Kulturwoche<br />
<strong>2018</strong>: Daniel Kahn & The Painted<br />
Bird; Synagoge<br />
Soest<br />
07.10. Cello meets Jazz <strong>–</strong> deep<br />
strings; Brasserie Lamäng<br />
Witten<br />
09.10. Trio de Lucs; Jazzcafé<br />
Wissen<br />
02.10. The Hamburg Blues Band<br />
& Friends; Kulturwerk<br />
Raum 60000<br />
Aschaffenburg<br />
24.10. Popa Chubby; Colos Saal<br />
26.10. Simon Phillips & Bill Evans;<br />
Colos Saal<br />
Bad Nauheim<br />
26.10. The Oh!chestra; Trinkkuranlage<br />
Bad Vilbel<br />
26.10. Echoes Of Swing; Kulturforum<br />
Dortelweil<br />
Darmstadt<br />
05.10. Holly Schlott; JazzInstitut<br />
07.10. Rainer Böhm; Stadtkirche<br />
10.10. Nina Attal; Centralstation<br />
11.10. Gogo Penguin; Centralstation<br />
27.10. Scott Matthew; Friedensgemeinde<br />
31.10. Sarah Ferri; Centralstation<br />
Eppstein<br />
04.10. Vdelli; Wunderbar Weite<br />
Welt<br />
Frankfurt am Main<br />
01.10. Spain; Brotfabrik<br />
04.10. JazzIni: Plandé-Phillips;<br />
Romanfabrik<br />
05.10. hr Bigband & Enrico<br />
Pieranunzi: Ode to Cet Baker; hr<br />
Sendesaal<br />
05.10. JazzIni: Jazzgeschichten<br />
m. Gustl Mayer & Daniella Burmeister;<br />
Gethsemanekirche<br />
10.10. Kamchatka; Das Bett<br />
11.10. Maria Baptist; Jazzkeller<br />
11.10. JazzIni: Lorenz Kellhuber<br />
solo; Steinway & Sons<br />
17.10. Tom Bourgeois; Mampf<br />
17.10. Rocket Men; Ponyhof<br />
18.10. JazzIni: Olivia Trummer;<br />
Romanfabrik<br />
18.10. Sven Helbig Forrklang<br />
Quartett; Brotfabrik<br />
23.10. Akua Naru; Brotfabrik<br />
23.10. Fatso; Horst<br />
25.10. JazzIni: United Colours of<br />
Bessungen; Romanfabrik<br />
27.10. Echoes Of Swing; Lindner<br />
Hotel & Residence<br />
31.10. JazzIni: Thomas Bachmann<br />
Trio; Frankfurt Art Bar<br />
Gelnhausen<br />
19.10. Trio Macchiato; Alte<br />
Synagoge<br />
28.10. Joe Krieg Quartet feat.<br />
Johannes Geiß; Jazzclub<br />
Heidelberg<br />
05.10. Trio de Lucs; Courage<br />
Benefiz<br />
23.10. Vincent Peirani „Living<br />
Being“; Karlstorbahnhof<br />
Hemsbach<br />
15.10. Claus Boesser-Ferrari;<br />
Synagoge<br />
Hettenleidelheim<br />
12.10. Hattler; KS Audio Theater<br />
Illingen<br />
19.10. Illinger Jazz Lounge: Nils<br />
Wülker; Illipse<br />
Kaiserslautern<br />
27.10. JCM feat. Clem Clempson,<br />
Mark Clarke & Ralph Salmins;<br />
Kammgarn<br />
Ludwigshafen<br />
12.10. Enjoy Jazz: Daniel Brandt;<br />
Das Haus<br />
16.10. Andreas Martin Hofmeir<br />
& Benjamin Schmid; BASF<br />
Gesellschaftshaus<br />
17.10. Claus Boesser-Ferrari;<br />
Liszt<br />
Mannheim<br />
<strong>JAZZTHETIK</strong> präsentiert:<br />
04.10. Enjoy Jazz: James Farm;<br />
Alte Feuerwache<br />
13.10. Trio de Lucs; Kazwoo<br />
<strong>JAZZTHETIK</strong> präsentiert:<br />
21.10. Enjoy Jazz: Nicole Johaenntgen;<br />
Alte Feuerwache<br />
<strong>JAZZTHETIK</strong> präsentiert:<br />
22.10. Enjoy Jazz: Aaron Parks<br />
Trio feat. Ben Street & Billy Hart;<br />
Alte Feuerwache<br />
<strong>JAZZTHETIK</strong> präsentiert:<br />
26.10. Enjoy Jazz: Black Milk<br />
& Nat Turner Band; Alte<br />
Feuerwache<br />
<strong>JAZZTHETIK</strong> präsentiert:<br />
29.10. Enjoy Jazz: Rainer<br />
Böhm und Jörg Achim; Alte<br />
Feuerwache<br />
30.10. Haz’Art Trio & Beyond<br />
Borders; Alte Feuerwache<br />
Saarburg<br />
14.10. Nina Attal; Stadthalle<br />
28.10. Sarah Ferri; Evangelische<br />
Kirche<br />
Weinheim<br />
07.10. Kamchatka; Cafe Zentral<br />
Wiesbaden<br />
06.10. Erna Rot; Walhalla Theater<br />
06.10. Hans Lüdemann Trio Ivoir;<br />
Kulturforum<br />
07.10. Ólafur Arnalds; Kurhaus<br />
26.10. Nes; Walhalla im Exil<br />
Raum 70000<br />
Ellwangen<br />
06.10. Hattler; Ballroom<br />
Esslingen<br />
10.10. Aeham Ahmad; Dieselstraße<br />
26.10. <strong>September</strong>; 4peh<br />
28.10. Django Bates´ Beloved;<br />
Dieselstraße<br />
Freiburg<br />
09.10. Gogo Penguin; Jazzhaus<br />
12.10. Trio Elf; Forum Merzhausen<br />
15.10. Nina Attal; Jazzhaus<br />
17.10. Curly Strings; Jazzhaus<br />
21.10. Nils Wülker; Jazzhaus<br />
22.10. Vincent Peirani „Living<br />
Being“; Jazzhaus<br />
24.10. Akua Naru; Jazzhaus<br />
Hechingen<br />
21.10. Rainer Böhm; Alte<br />
Synagoge<br />
Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong> 105
Termine<br />
Heilbronn<br />
04.10. Werner Acker Organ Trio<br />
feat. Fola Dada; Cave61<br />
07.10. Hattler; Kiliansplatz<br />
11.10. Wolfgang Lackerschmid<br />
Connection; Cave61<br />
18.10. Krisch/Höfler/Elgart feat. L.<br />
Newton; Cave61<br />
20.10. Ensemble FisFüz; Türkische<br />
Kulturtage<br />
25.10. Playground; Cave61<br />
Idar-Oberstein<br />
28.10. Daniel Kahn & The Painted<br />
Bird; Stadttheater<br />
Karlsruhe<br />
28.10. Tonbruket; Tollhaus<br />
Konstanz<br />
19.10. Mulo Francel; K 9<br />
Kulturzentrum<br />
Lörrach<br />
05.10. Peter Protschka Quintet<br />
feat. Rick Margitza; Jazztone<br />
12.10. Arne Huber Quartett;<br />
Jazztone<br />
19.10. Wolfgang Lackerschmid<br />
Connection; Jazztone<br />
26.10. Christian Dietkron & Uli<br />
Niedermüller feat. Conny Bauer;<br />
Jazztone<br />
26.10. Jazzchor Freiburg; Burghof<br />
25.10. Claus Boesser-Ferrari;<br />
Guitar Night<br />
Ludwigsburg<br />
05.10. Phone B Trio in New<br />
Orleans; Podium Musikhalle<br />
12.10. Session; Podium<br />
Musikhalle<br />
19.10. Ferenc und Magnus Mehl<br />
Quartett; Podium Musikhalle<br />
26.10. Playground Quartett;<br />
Podium Musikhalle<br />
Müllheim<br />
26.10. Lisette Spinnler; Martinskirche<br />
Rastatt<br />
12.10. Jazzchor Freiburg; Kirche<br />
St. Alexander<br />
26.10. Lisette Spinnler; Martinskirche<br />
Reutlingen<br />
16.10. Rocket Men; Franz K<br />
Schorndorf<br />
05.10. Luc Houtkamp / Steve<br />
Beresford / Martin Blume; Club<br />
Manufaktur<br />
05.10. Ulf Wakenius; Barbara-<br />
Künkelin-Halle<br />
05.10. Iiro Rantala & Ulf Wakenius;<br />
Jazzclub Session 88<br />
06.10. Swutscher; Club Manufaktur<br />
17.10. Jo Passed; Club Manufaktur<br />
19.10. Jess Williamson; Club<br />
Manufaktur<br />
25.10. Thabilé & Band; Club<br />
Manufaktur<br />
26.10. Ken Vandermark / Mark<br />
Tokar / Klaus Kugel; Club<br />
Manufaktur<br />
31.10. Riverside; Club Manufaktur<br />
Singen<br />
11.10. Mahiko Hirabashi Trio;<br />
Gems<br />
21.10. Matinee: Choice Band;<br />
Gems<br />
26.10. Julian Lage Trio; Gems<br />
Stuttgart<br />
03.10. Werner Acker Organ Trio<br />
feat. Fola Dada; Bix<br />
06.10. „Mela“ Maria Spaemann;<br />
Kulturkabinett<br />
09.10. Kamchatka; Keller Klub<br />
10.10. Wolfgang Lackerschmid<br />
Connection; Bix<br />
12.10. Eva Kruse “On the Mo”; Bix<br />
13.10. Aline Frazão; Bix<br />
17.10. André Weiß Trio feat. Tony<br />
Lakatos; Bix<br />
19.10. Ka Ma Quartet; Bix<br />
22.10. Akua Naru; clubCANN<br />
26.10. Jan Garbarek Group;<br />
Theaterhaus<br />
27.10. Fola Dada Album Tour<br />
Earth; Bix<br />
30.10. David August; Wizemann<br />
Tiefenbronn<br />
20.10. Jessica Gall; Musikverein<br />
Mühlhausen<br />
Tübingen<br />
© Francesco Desmaele<br />
03.10. Der Weise Panda; Club<br />
Voltaire<br />
12.10. Eyal Lovett Quartet; Bechstein<br />
Centrum<br />
16.10. Mingus 21; SWR-Studio<br />
20.10. Kühn - Humair - Chevillon;<br />
Sudhaus<br />
21.10. Lukas Pfeil Big Band feat.<br />
Fola Dada; Jazz und Klassiktage<br />
24.10. Martin Sörös Quartett; Club<br />
Voltaire<br />
27.10. Joe Krieg Quartet feat.<br />
Johannes Geiß; Kiste<br />
Tuttlingen<br />
05.10. Vdelli; Rittergarten<br />
Bluesnight<br />
Urbach<br />
20.10. <strong>September</strong> m. Andreas<br />
Pastorek u. Max Gerwien;<br />
Schlosskeller<br />
Raum 80000<br />
Augsburg<br />
04.10. All Swing Big Band;<br />
Parktheater Göggingen<br />
Bad Reichenhall<br />
20.10. Echoes Of Swing;<br />
Spielbank<br />
Bad Wörishofen<br />
21.10. Echoes Of Swing; Jazz<br />
Time, Filmhaus Huber<br />
Elmau<br />
02.10. Janoska Ensemble;<br />
Schloss Elmau<br />
06.10. Lars Danielsson Liberetto<br />
III; Schloss Elmau<br />
12.10. Viktoria Tolstoy & Claes<br />
Crona Trio; Schloss Elmau<br />
18.10. Espen Eriksen Trio;<br />
Schloss Elmau<br />
20.10. David Helbock’s Random/<br />
Control; Schloss Elmau<br />
26.10. Omer Klein Trio; Schloss<br />
Elmau<br />
27.10. Tamar Halperin-Guy<br />
Sternberg; Schloss Elmau<br />
Feldafing<br />
05.10. Lars Danielsson Liberetto<br />
III; Bürgersaal<br />
Germering<br />
26.10. Joris Roelofs Trio;<br />
Stadthalle<br />
Ismaning<br />
26.10. Wood & Steel Trio feat.<br />
Michael Schiefel; Kallmann<br />
Museum<br />
Kaufbeuren<br />
27.10. Wood & Steel Trio feat.<br />
Michael Schiefel; Stiftsterrassen<br />
Lenggries<br />
05.10. DuckTapeTicket; Kleinkunst<br />
& Kultur<br />
Monheim<br />
04.10. Joscho Stephan; Jazzclub<br />
Moosach<br />
12.10. David Gazarov Trio feat.<br />
Stefanie Boltz; Pelkovenschlösschen<br />
Mühldorf/Inn<br />
13.10. Joscho Stephan;<br />
Haberkasten<br />
München<br />
01.10. Jazz Big Band Association;<br />
Unterfahrt<br />
02.10. Tuija Komi Quartet;<br />
Unterfahrt<br />
04.10. DuckTapeTicket; Pasinger<br />
Fabrik<br />
06.10. Echoes Of Swing;<br />
Unterfahrt<br />
08.10. Matthias Bublath Eight<br />
Cylinder Bigband; Unterfahrt<br />
09.10. Joanna Wallfisch;<br />
Unterfahrt<br />
11.10. Daniel Brandt; Blitz<br />
11.10. Jasmin Bayer; Kulturzentrum<br />
Trudering<br />
13.10. Nina Attal; Unterfahrt<br />
13.10. Jack White; Zenith<br />
15.10. Kovacs; Muffathalle<br />
15.10. Jan Garbarek Group;<br />
Philharmonie<br />
15.10. Jazzrausch Bigband;<br />
Unterfahrt<br />
19.10. Ed Motta; 20.10. Dino<br />
Saluzzi Quintett; Unterfahrt<br />
20.10. Dino Saluzzi Quintett;<br />
Unterfahrt<br />
22.10. Big Band Night: Earforce;<br />
Unterfahrt<br />
22.10. John Butler Trio; Tonhalle<br />
23.10. Nils Wülker; Ampere<br />
24.10. Vincent Peirani Quintet <strong>–</strong><br />
Living Being II; Unterfahrt<br />
26.10. Yazz Ahmed; Unterfahrt<br />
29.10. David August; Technikum<br />
29.10. Sunday Night Orchestra;<br />
Unterfahrt<br />
31.10. Tonbruket; Unterfahrt<br />
Neuried<br />
21.10. Barbara Dennerlein;<br />
Kirche St. Nikolaus<br />
Oberschleißheim<br />
18.10. Mulo Francel; Bürgerzentrum<br />
Ravensburg<br />
05.10. Christian Muthspiel &<br />
Steve Swallow; Konzerthaus<br />
18.10. JMO; Kulturzentrum Linse<br />
Schwabmünchen<br />
12.10. Les Brünettes; Stadthalle<br />
Starnberg<br />
13.10. Andreas Schaerer & A<br />
Novel Of Anomaly; Schlossberghalle<br />
Ulm<br />
06.10. Dirk Maassen; Stadthaus<br />
07.10. Silke Eberhard Trio: “I am<br />
Three”; Stadthaus<br />
22.10. Michael Wollny Trio;<br />
Stadthaus<br />
Raum 90000<br />
Bayreuth<br />
05.10. Emil Brandqvist Trio;<br />
Jazzforum<br />
Erlangen<br />
10.10. Gogo Penguin; E-Werk<br />
14.10. Les Brünettes; Redoutensaal<br />
Erfurt<br />
04.10. Reel 2 Reel; Jazzkeller<br />
06.10. Dresdener Musikbrigade;<br />
Jazzkeller<br />
11.10. Kamchatka; Museumskeller<br />
12.10. Raphael Wressnig/Marcus<br />
Horn; Jazzkeller<br />
18.10. Vortrag: Mario Schneeberger:<br />
Geschichte des Jazz;<br />
Jazzkeller<br />
19.10. NerlySmallband; Jazzkeller<br />
20.10. 10 Jahre Nerly Bigband;<br />
Gewerkschaftshaus<br />
25.10. Jazz-Filmabend; Jazzkeller<br />
27.10. Uwe Kropinski; Jazzkeller<br />
Fürth<br />
25.10. David Helbock Random<br />
Control; Kulturforum<br />
27.10. Exit Universe; Fürther<br />
Jazzvariationen<br />
Helmbrechts<br />
18./19.10. Curly Strings;<br />
Kulturwelten<br />
Höchstadt<br />
19.10. Markus Stockhausen<br />
& Florian Weber INSIDE OUT;<br />
Jazz!3<br />
Nordhausen<br />
06.10. Holly Schlott; Jazzclub<br />
13.10. Jin Jim; Jazzclub<br />
Nürnberg<br />
04.10. Trio de Lucs; Tante Betty<br />
05.10. Latin Funk Factory; Jazz<br />
Studio<br />
06.10. Das letzte Känguru; Jazz<br />
Studio<br />
12.10. Chris Gall Trio feat. Frank<br />
Möbus; Jazz Studio<br />
13.10. Axel Kühn Trio; Jazz Studio<br />
<strong>JAZZTHETIK</strong> präsentiert:<br />
Simon Phillips &<br />
Bill Evans &<br />
Zen Amadeus<br />
24.10.18<br />
Hasbergen, Gaste Garage<br />
19.10. Klaus Brandl /Chris<br />
Schmitt; Jazz Studio<br />
20.10. Peer Baierlein South<br />
Quartet<br />
21.10. Hübscher, Hauber &<br />
Friends; Jazz Studio<br />
22.10. Peter van Huffel Octet;<br />
Jazz Studio<br />
24.10. Fola Dada und Band; Jazz<br />
Studio<br />
26.10. Saxofour; Jazz Studio<br />
27.10. Johannes Enders Quartett;<br />
Jazz Studio<br />
Ochsenfurt<br />
12.10. Joe Krieg Quartet feat.<br />
Johannes Geiß; Kulturherbst<br />
Passau<br />
22.10. David Helbock Random<br />
Control; Café Museum<br />
Regensburg<br />
04.10. Wolfgang Schmidt Trio;<br />
Jazzclub<br />
11.10. Eva Kruse; Jazzclub<br />
13.10. Maria Baptist; Piano Metz<br />
17.10. Jim Mullen; Jazzclub<br />
21.10. Isle Of Swing; Jazzclub<br />
23.10. Nicole Johänntgen;<br />
Jazzclub<br />
27.10. Teresa Bergmann; Sternschnuppennacht<br />
31.10. Tokunbo; Jazzclub<br />
Weimar<br />
25.10. Wood & Steel Trio feat.<br />
Michael Schiefel; Fürstensaal<br />
Würzburg<br />
01.10. Joe Krieg Quartet feat.<br />
Johannes Geiß; Omnibus<br />
Belgien<br />
Antwerpen<br />
25.10. Ólafur Arnalds; Queen<br />
Elisabeth Hall<br />
Brüssel<br />
13.10. Tom Bourgeois; Jazz-<br />
Station<br />
Luxembourg<br />
Luxembourg-Stadt<br />
11.10. Aline Frazao; Philharmonie<br />
Niederlande<br />
Alkmaar<br />
20.10. Mehmet Polat with<br />
Dragonfly; Theater de Veste<br />
Amsterdam<br />
03.10. Mehmet Polat feat. Lenneke<br />
van Staalen & Heiko Dijker;<br />
De Meevaart<br />
04.10. David Helbock´s Random/<br />
Control; Bimhuis<br />
05.10. Benjamin Herman’s<br />
Bughouse; Bimhuis<br />
06.10. Pandit Rajan & Pandit<br />
Sajan Mishra; Bimhuis<br />
07.10. BCUC; Bimhuis<br />
08.10. James Farm: Joshua Redman,<br />
Aaron Parks, Matt Penman,<br />
Eric Harland; Bimhuis<br />
11.10. Nick Mancini Collective;<br />
Bimhuis<br />
12.10. Brian Marsella Trio;<br />
Bimhuis<br />
13.10. Festival ColorEs Colombia;<br />
Bimhuis<br />
14.10. Donny McCaslin <strong>–</strong> Blow;<br />
Bimhuis<br />
106 Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong>
17.10. Wacław Zimpel + Saagara;<br />
Bimhuis<br />
18.10. KUU! feat. Kalle Kalima,<br />
Frank Möbus & Christian<br />
Lillinger; Bimhuis<br />
19.10. CelloFest: The Visit/BartolomeyBittmann;<br />
Bimhuis<br />
20.10. CelloFest: Cello Warriors;<br />
Bimhuis<br />
20.10. CelloFest: Mela Marie<br />
Spaemann/NES; Bimhuis<br />
21.10. CelloFest: Kamancello/<br />
The Eric Longsworth Project;<br />
Bimhuis<br />
21.10. CelloFest: Masterclass<br />
Colin Carr/The Comparison <strong>–</strong><br />
Cello makers; Bimhuis<br />
22.10. CelloFest: Weijenberg<br />
& Kliphuis/Svante Henryson<br />
Quartet; Bimhuis<br />
22.10. CelloFest: Masterclass<br />
Jordi Savall; Bimhuis<br />
23.10. Workshop Arnold Dooyeweerd/Jam<br />
Session led by Emile<br />
Visser & Annie Tångberg<br />
23.10. Cello Warriors; Bimhuis<br />
24.10. CelloFest: Harald Austbø<br />
Quartet/Ecce Cello/Masterclass<br />
Jean-Guihen Queyras; Bimhuis<br />
25.10. CelloFest: Chesaba/Jörg<br />
Brinkmann Trio; Bimhuis<br />
25.10. CelloFest: Masterclass<br />
Nicolas Altstaedt; Bimhuis<br />
26.10. CelloFest: Maya Beiser/<br />
Maarten Vos/ Masterclass Roel<br />
Dieltiens; Bimhuis<br />
27.10. CelloFest: Masterclass<br />
Matt Haimovitz/Cello Warriors;<br />
Bimhuis<br />
27.10. Theo Croker ‘Star People<br />
Nation’; Bimhuis<br />
28.10. Ben Wendel Seasons<br />
Band; Bimhuis<br />
31.10. John Scofield Quartet;<br />
Bimhuis<br />
Deventer<br />
14.10. Mehmet Polat & Alper<br />
Kekeç; Fermerie<br />
Groningen<br />
28.10. Ólafur Arnalds; Oosterpoort<br />
Haarlem<br />
09.10. Mehmet Polat Trio;<br />
Philharmonie<br />
Nijmegen<br />
27.10. Ólafur Arnalds; Concertgebouw<br />
De Vereeniging<br />
Rotterdam<br />
29.10. Ólafur Arnalds; Schouwburg<br />
Utrecht<br />
05.10. Mehmet Polat with<br />
Dragonfly; Barbeton<br />
Österreich<br />
Bad Hofgastein<br />
21.10. David Helbock Random<br />
Control; Jazz im Sägewerk<br />
Dornbirn<br />
20.10. KUU!; Spielboden<br />
Fehring<br />
16.10. Mulo Francel; Gerberhaus<br />
Graz<br />
01.10. Nicolas Hodges; KUG<br />
11.10. Malcolm Braff Trio;<br />
Stockwerk<br />
17.10. On Keys; Forum Stadtpark<br />
19.10. Miller´s Tale; WIST<br />
26.10. Strase & Das wilde Trio;<br />
Forum Stadtpark<br />
Hallein<br />
05.10. Holler My Dear; Kulturforum<br />
Hard<br />
06.10. Vdelli; Kammgarn<br />
Innsbruck<br />
31.10. Akua Naru; Treibhaus<br />
Linz<br />
15.10. Ólafur Arnalds; Posthof<br />
21.10. Jütz; Brucknerhaus<br />
Salzburg<br />
27.10. Renato Unterberg &<br />
Mildenburg Smallstars; Jazzit<br />
29.10. Popa Chubby; Rockhouse<br />
29.10. Giorgio Conte; Jazzit<br />
Ulrichsberg<br />
26.10. Fish-Scale Sunrise:<br />
Ab Baars/Kaja Draksler/Joe<br />
Williamson; Jazzatelier<br />
Wien<br />
01.10. Mario Biondi; Porgy<br />
& Bess<br />
07.10. Django Bates’ Belovèd w.<br />
Petter Eldh & Peter Bruun; Porgy<br />
& Bess<br />
08.10. Adam Nussbaum’s Leadbelly<br />
Project; Porgy & Bess<br />
10.10. Spain; Chelsea<br />
11.10. Jesper Munk; Porgy<br />
& Bess<br />
12./13.10. Jeunesse Special I:<br />
Lukas König; Porgy & Bess<br />
15.10. Brian Marsella Trio; Porgy<br />
& Bess<br />
18.10. Courvoisier/Feldman/Parker/Mori;<br />
Porgy & Bess<br />
19.10. Karen Asatrian & Armenian<br />
Spirit; Porgy & Bess<br />
20.10. Renato Borghetti & Yamandu<br />
Costa; Konzerthaus<br />
21.10. Nouvelle Cuisine Bigband;<br />
Porgy & Bess<br />
22.10. Amira Medunjanin &<br />
Bojan Z.; Porgy & Bess<br />
23.10. Nes; Sargfabrik<br />
23.10. John Butler Trio; Arena<br />
23.10. The Bad Plus; Porgy<br />
& Bess<br />
24.10. Nes; Sargfabrik<br />
25.10. Vincent Peirani ‘Living<br />
Being 2’; Porgy & Bess<br />
30.10 Popa Chubby; Reigen<br />
31.10. Youn Sun Nah; Porgy<br />
& Bess<br />
Zwettl<br />
06.10. Holler My Dear; Syrnau<br />
Schweiz<br />
Bern<br />
10.10. BKO; Musigbistrot<br />
Lausanne<br />
11.10. BKO; Le Romandie<br />
Neuenegg<br />
28.10. Jütz; Kirchgemeinde<br />
Niederrohrdorf<br />
25.10. Jütz; Flute Trends Atelier<br />
Schaffhausen<br />
17.10. Bombino; Kammgarn<br />
Stans<br />
16.10. Spain; Chäslager<br />
Sursee<br />
26.10. Jütz; Somehuus<br />
Thalwil<br />
26.10. Renato Borghetti; Jazzclub<br />
Walkringen<br />
27.10. Jütz; Kirche<br />
Vevey<br />
13.10. Bombino; Le Bout du<br />
Monde<br />
Zürich<br />
01.10. Artists in Residence: Ute<br />
Kanngieser/Silvan Schmid/<br />
Valentin Dietrich; Moods<br />
02.10. ZKB Special: James Farm<br />
feat. Joshua Redman, Aaron<br />
Parks, Matt Penman & Eric<br />
Harland; Moods<br />
05.10. Colin Stetson <strong>–</strong> Greg Fox <strong>–</strong><br />
Trevor Dunn; Moods<br />
05.10. William Fitzsimmons &<br />
Joshua Radin; Kaufleuten<br />
06.10. Camille Bertault; Moods<br />
07.10. Sophie Hunger; Moods<br />
09.10. Django Bates; Moods<br />
11.10. Raphael Jost & Lots of<br />
Horns; Moods<br />
12.10. Ana Carla Maza/Omar<br />
Sosa & Yilian Canizares feat.<br />
Gustavo Ovalles; Moods<br />
14.10. Gisela João/Aline Frazão;<br />
Moods<br />
15.10. Kristel; Moods<br />
16.10. Iety/Silvan Schmid Quintet;<br />
Moods<br />
16.10. The Marcus King Band;<br />
Kaufleuten<br />
17.10. Ólafur Arnalds; Volkshaus<br />
18.10. Nicole Johänntgen;<br />
Moods<br />
19.10. Cory Wong; Moods<br />
19.10. Diego El Cigala; Volkshaus<br />
20.10. Angelo Branduardi;<br />
Volkshaus<br />
21.10. Marco Masini; Kaufleuten<br />
21.10. Nitai Hershkovits; Moods<br />
22.10. Josef Leimnberg; Moiods<br />
23. & 25.10. Steff La Cheffe;<br />
Moods<br />
26.10. Nuit Électronique; Moods<br />
27.10. Joe Louis Walker; Moods<br />
28.10. Yumi Ito-Yves Theiler/Carla<br />
Bley; Moods<br />
29.10. Khouri-Glanzmann-<br />
Schmid/Félicie Bazlaire; Moods<br />
30.10. Kamaal Williams; Moods<br />
Festivals<br />
44. Jazz Festival Willisau<br />
Noch bis 2.9.<strong>2018</strong><br />
Willisau/CH<br />
Oliver Lake Organ Quartet,<br />
The Thing feat. James Blood<br />
Ulmer, Jaimie Branch’s Fly or<br />
Die, Fischermanns Orchestra,<br />
Irina & Jones, Stoffner/Lovens/<br />
Mahall, The Young Mothers,<br />
Hanreti, Nate Wooley Battle Pieces,<br />
Fredy Studer, Spill, Celea/<br />
Reisinger/Parisien u.a.<br />
www.jazzfestivalwillisau.ch<br />
powered by Sommerton-Festival<br />
<strong>2018</strong><br />
Noch bis 2.9.<strong>2018</strong><br />
Schlossanlage<br />
Diersfordt, Wesel<br />
Die „Muziek Biennale<br />
Nierderhein“ ist mit ihrer<br />
Auftaktveranstaltung Gast des<br />
Sommerton-Festivals. Mit dem<br />
dreitägigen Festivalauftakt<br />
unter dem Titel „Ein Fenster zur<br />
Freiheit - Musikkulturen dieser<br />
Welt“ werden wir Sie auf eine<br />
besondere musikalische Reise<br />
mitnehmen: „The Astounding<br />
Eyes of Rita“ des tunesischen<br />
Oud-Virtuosen Anouar Brahem<br />
mit Khaled Yassine-Klaus<br />
Gesing-Björn Meyer.<br />
www.sommerton.de<br />
Ruhrtriennale<br />
Noch bis 23.9.<strong>2018</strong><br />
Im gesamten Ruhrgebiet<br />
Zum ersten Mal unter der<br />
Intendanz von Stefanie Carp<br />
mit Artiste associé Christoph<br />
Marthaler. 33 Produktionen und<br />
Projekte, davon 20 Eigen- und<br />
Koproduktionen, 16 Uraufführungen,<br />
Neuinszenierungen,<br />
Deutschlandpremieren und<br />
Installationen werden in den<br />
ehemaligen Industriehallen des<br />
Ruhrgebietes und an weiteren<br />
Orten gezeigt.<br />
www.ruhrtriennale.de<br />
Monat der zeitgenössischen<br />
Musik<br />
Noch bis 30.9.<strong>2018</strong><br />
Berlin<br />
Musikfest der Berliner Festspiele,<br />
BAM! Berliner Festival<br />
für aktuelles Musiktheater,<br />
NordiConTempo, Dystopie<br />
Sound Art Festival. Beteiligt<br />
sind insgesamt rund 1.500<br />
Musiker*innen bei weit über<br />
100 Veranstaltungen.<br />
www.inm-berlin.de<br />
Jazztube Festival<br />
Noch bis 14.10.<strong>2018</strong><br />
Bonn, U-Bahnhaltestellen,<br />
Pantheon Theater etc.<br />
Dad’s Phonkey, Yassmo‘ & the<br />
Phonk Diggers, Band Bungalow,<br />
Martin Berner Quintett, Starke<br />
& Gorter, Thiago Gois Band u.a.<br />
und dem Finale des Votings<br />
im Pantheon Theater: Jan<br />
Alexander Trio feat. Heidi Bayer,<br />
Mengamo Trio, Simin Tander &<br />
Jörg Brinkmann u.a.<br />
www.jazz-tube-bonn.de<br />
Niedersächsische Musiktage<br />
1.-30.9.<strong>2018</strong><br />
Ganz Niedersachsen<br />
Motto: „Beziehungen“. Musik aller<br />
Genres, u.a. mit NDR-Bigband<br />
m. Thomas Quasthoff, China Moses,<br />
Avi Avital, Wallis Bird u.a.<br />
www.musiktage.de<br />
Talos Festival<br />
1.-9.9.<strong>2018</strong><br />
Ruvo di Puglia, IT<br />
Live-Musik, zeitgenössischer<br />
Tanz, alle Originalproduktionen,<br />
CD- und Buchpräsentationen,<br />
Thementreffen, Meisterkurse,<br />
Fotoausstellungen.<br />
www.talosfestival.it<br />
Jazz an einem Sommerabend<br />
1.9.<strong>2018</strong><br />
Burg Linn, Krefeld<br />
Mit Kinga Glyk, Makiko Hirabashi<br />
Trio, Horst Hansen Trio.<br />
www.jazz-an-einem-sommerabend.de<br />
Jazzhátíd Reykjavikur - Reykjavik<br />
Jazzfestival<br />
5.-9.9.<strong>2018</strong><br />
Reykjavik/ISL<br />
www.reykjavikjazz.is<br />
Trave Jazz Festival<br />
6.-9.9.<strong>2018</strong><br />
Lübeck, versch. Orte<br />
Mit KaMA Quartet u.a.<br />
www.travejazz.de<br />
b o n n h o e r e n<br />
6.9.-30.11.<strong>2018</strong><br />
Kunstmuseum Bonn, Museumsmeile<br />
Eröffnung: Akio Suzuki (JP) <strong>–</strong><br />
Stadtklangkünstler Bonn <strong>2018</strong>:<br />
“Observatory of Spirits” / “ko<br />
da ma” Zwei Installationen im<br />
Innenhof des Kunstmuseum<br />
Bonn, “Space in the Sun” <strong>–</strong> Eine<br />
Dokumentationsausstellung im<br />
unteren Foyer des Kunstmuseum<br />
Bonn u.a.<br />
www.bonnhoeren.de<br />
JazzWerkstatt Wien Festival<br />
<strong>2018</strong> „before we die“<br />
7.-23.9.<strong>2018</strong><br />
Wien, versch. Orte<br />
Wer mit dem Entdecken neuer<br />
Musik nicht warten möchte, bis<br />
die Politik Denkmäler errichtet,<br />
oder ein flüchtiger Medienhype<br />
umgeistert, ist beim JazzWerkstatt<br />
Wien Festival am richtigen Ort.<br />
Wien hat abseits der Kulturtanker<br />
und Tourismus-Musikevents eine<br />
lebendige Szene und ein zeitgenössisches<br />
und interessiertes<br />
Publikum. JameszooQuartett,<br />
FLXS Jzzzwrsttt, Fluxus DJs; 10<br />
Acts á 10 Min. Lucia Leena/Judith<br />
Ferstl, Kenji Herbert/Vinicius<br />
Ciccone Cajado, MonaLena & The<br />
Queen, Bernd Satzinger. David<br />
Gratzers Teheran trifft Wien,<br />
Fraufeld Fieldwork, Max Nagl5,<br />
Embracing Shitstorm u.a.<br />
www.jazzwerkstatt.at<br />
powered by Jazzin’ the Black<br />
Forest<br />
8.9.<strong>2018</strong><br />
Villingen-Schwenningen<br />
Man feiert 50 Jahre MPS im<br />
Franziskaner und im Jazzclub<br />
VS. Mit Rolf & Joachim Kühn,<br />
Rob Mazurek & Immortal Birds<br />
Bright Wings, James Braddell<br />
aka Funki Porcini.<br />
www.mps-villingen.de<br />
powered by<br />
Hö.mma Jazzfestival<br />
13.-16.9.<strong>2018</strong><br />
Oberhausen<br />
Markus Stockhausen<br />
“Quadrivium”,<br />
Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong> 107
termine<br />
Igor Lazarev Group, Jeff<br />
Cascaro, Shatabdi, Bima &<br />
Triobravo, Talking Horns, “Jazz<br />
beim Frisör”, Jazz Pool NRW,<br />
Das Karussell Quintett, Junges<br />
Orchester Oberhausen Ltg. Mike<br />
Szadzik, Klassik meets Jazz,<br />
WDR Big Band feat. Liz Wright<br />
cond. by Vince Mendoza u.a.<br />
www.jazz-in-oberhausen.de<br />
5. European Jazz Conference<br />
13.16.9.<strong>2018</strong><br />
Lissabon, PT, Centro Cultural<br />
de Belém<br />
Die European Jazz Conference<br />
ist die führende jährliche Zusammenkunft<br />
von Fachleuten des<br />
Jazz in Europa, insbesondere<br />
von Veranstaltern, Kulturmanagern,<br />
Agenten und nationalen<br />
/ regionalen Organisationen.<br />
Die Generalversammlung des<br />
Europe Jazz Network (seit 2014)<br />
ist nun auch für jeden Musikprofi<br />
unter dem Namen European<br />
Jazz Conference zugänglich. Die<br />
EJC besteht aus inspirierenden<br />
Keynote-Reden, hochrangigen<br />
Diskussionsgruppen und Workshops,<br />
Networking-Sessions<br />
für Fachleute des kreativen<br />
Musiksektors, kulturellen Besuchen<br />
und Showcase-Festival der<br />
besten neuen Künstler aus dem<br />
Gastgeberland Italien für 2019.<br />
www.europejazz.net<br />
Take the ATrain Festival<br />
13.16.9.<strong>2018</strong><br />
Salzburg/AT<br />
Music Festival @ Hauptbahnhof<br />
Salzburg und in der Euregio<br />
Salzburg-Berchtesgadener<br />
Land. Mit Cari Cari, Aeham<br />
Ahmad, Mop Mop & Anthony<br />
Joseph, Gewürztraminer &<br />
der gmischte Satz, Les Lapins<br />
Superstars, Thomas Gansch &<br />
Ballaststofforchester, Eljot &<br />
CongaHead, Sophie Hassfurther<br />
& Oguz Büyükberber, Soulbabe,<br />
Radian, Hackedepicciotto, Buntspecht,<br />
Hanuschplatzflow, Selim<br />
von Salzburg, Batuhan & Almina<br />
Demirel + Senay Özdemir, Herb<br />
Berger & Heli Punzenberger,<br />
Gudrun Plaichinger & Tobias<br />
Ott, O Sole Mio Trio, Blechsalat,<br />
Muddy What?, Los del Sur u.a.<br />
www.ttat.at<br />
IMPRESSUM<br />
<strong>JAZZTHETIK</strong><br />
Magazin für Jazz<br />
und Anderes<br />
ISSN 0933-8926<br />
Redaktion, Vertrieb,<br />
Anzeigenabteilung:<br />
Frie-Vendt-Str. 16 (Hinterhaus)<br />
48153 Münster,<br />
Tel. 0251 / 53 34-20<br />
(Redaktion),<br />
-23 (Anzeigen / Vertrieb),<br />
-85 (Abos / Vertrieb),<br />
jazz@<strong>JAZZTHETIK</strong>.de<br />
www.<strong>JAZZTHETIK</strong>.de<br />
Jazzfestival Freiburg <strong>2018</strong><br />
15.-23.9.<strong>2018</strong><br />
Freiburg; Jazzhaus, EWerk<br />
Mit De-Phazz, Lars Danielsson,<br />
Mare Nostrum, Michael Wollny<br />
Trio u.a.<br />
www.jazzfestival-freiburg.de<br />
Dresdner Drum & Bass Festival<br />
15.9.<strong>2018</strong><br />
Dresden, Scheune, Groovestation<br />
& Katy’s Garage<br />
Mit Aaron Spears, Poogie Bell<br />
& Band, den Rhythmusgruppen<br />
von Jamiroquai und Dirty Loops,<br />
Horacio Hernandez, Richard<br />
Spaven & Band, Pete Lockett,<br />
Jost Nickel u.v.a.<br />
www.dresdner-drum-bassfestival.de<br />
25. Usedomer Musikfestival<br />
22.9.13.10.<br />
Seebad Heringsdorf<br />
www.usedomer-musikfestival.de<br />
powered by 32. Internationale<br />
Sonneberger<br />
Jazztage <strong>2018</strong><br />
Zwischen 23.9. und<br />
2.5.11.<strong>2018</strong><br />
Sonneberg, versch. Spielorte<br />
Prolog: Jazz in der Villa: Arkady<br />
Shilkloper & Vadim Neselovskyi;<br />
Texte & Sounds Vol. 10: Thilo<br />
Wolf Quartet feat. Johanna Iser<br />
„The Spirit of Ella Fitzgerald“<br />
m. Schriftsteller Ewald Arenz;<br />
Sazerac Swingers, Carlos Reisch,<br />
Daniel Hoffmann Quartett,<br />
Peter Mante & his New Life<br />
Gospel Choirs, Funkydumbstuff;<br />
“Funk’n Soul”. Veranstalter:<br />
Sonneberger Jazzfreunde e.V.,<br />
Thüringisch-Fränkischer Verein<br />
zur Förderung und Pflege der<br />
Jazzmusik und Kleinkunst.<br />
www.son-jazz.de<br />
Festival Les Emouvantes<br />
26.29.9.<strong>2018</strong><br />
Théâtre des Bernardines,<br />
Marseille<br />
Mit Barre Phillips / Julyen Hamilton,<br />
Dominique Pifarély Septet,<br />
The Henze Workshop invite<br />
Charlotte Testu, Andy Emler,<br />
Joce Mienniel, Trio Tomassenko,<br />
Lê Quan Ninh, Régis Huby Big<br />
Band.<br />
www.tchamitchian.fr/emouvantes/<br />
Herausgeberin und Verlegerin:<br />
Christine Stephan, Frie-Vendt-Str. 16<br />
(Hinterhaus links), 48143 Münster,<br />
Tel. 0251 / 53 34-32<br />
Chefredaktion + v.i.S.d.P.:<br />
Hans-Jürgen Linke<br />
Schlussredaktion:<br />
Guido Diesing<br />
<strong>JAZZTHETIK</strong> erscheint 6 x im Jahr<br />
und kostet 8,20 €,<br />
im Jahresabo 41,- €,<br />
in Europa 71,- €,<br />
im nicht europ. Ausland 75,- €<br />
inkl. Mwst. und Zustellgebühr<br />
Multiphonics Festival <strong>2018</strong><br />
27.9.7.10.<strong>2018</strong><br />
Köln, Düsseldorf, Dortmund,<br />
Frankfurt, Berlin<br />
www.multiphonics-festival.com<br />
powered by Jazzfestival<br />
Leibnitz <strong>2018</strong> Jazz<br />
& Wein<br />
27.30.9.<strong>2018</strong><br />
Leibnitz/AT<br />
Mit Daniel Herskedal & Maius<br />
Neset, Wadada Leo Smith´s<br />
Great Lakes Quartet, Marialy<br />
Pacheco & Omar Sosa, Renaud<br />
Garcia-Fons Trio - Revoir Paris,<br />
The Kandinsky Effect, Synesthetic<br />
Octet, Gabriele Mirabassi,<br />
Nando Di Modugno, Pierluigi<br />
Balducci, The Whammies, Jazz<br />
for Kids.<br />
www.jazzfestivalleibnitz.at<br />
Jazz an der Burg<br />
28./29.9.<strong>2018</strong><br />
Dinslaken<br />
Mit The Busquito’s, Small is<br />
beautiful, Marius Peters Trio<br />
feat. Heiner Wiberny, Edgar<br />
Knecht Trio, Jan Luley, Joe<br />
Wulf & Brenda Boykin, Carl &<br />
the Hurricanes feat. Gregor<br />
Hilden, Gjertrud Lunde „The<br />
Space between“, Jazz Initiative<br />
Dinslaken e.V.<br />
www.din-jazz.de<br />
25. Jazzmeile Thüringen<br />
28.9.8.12.<strong>2018</strong><br />
Diverse Spielorte in ganz<br />
Thüringen<br />
29.9. Eröffnung im Audimax der<br />
TU Ilmenau mit The Dorf.<br />
www.jazzmeile.org<br />
11. Generations International<br />
Jazzfestival <strong>2018</strong><br />
29.9.6.10.<strong>2018</strong><br />
Frauenfeld, CH<br />
Mit der First Lady of Jazz<br />
Orchestra Maria Schneider (2<br />
Konzerte und Kompositionsklasse),<br />
Kaleidoscope String<br />
Quartet, Marie Kruttli, Michael<br />
Arbenz (Vein), Joe Haider,<br />
Adrian Mears Electric Trio,<br />
Aphrotek m. Eliyah Reichen,<br />
Nathalie Loriers, Ari Hoenig,<br />
Kate McGarry m. Gary Versace,<br />
Adam Pierończyk m. mit<br />
Miroslav Vitouš, Trilok Gurtu<br />
Redaktionsschluss:<br />
1. des Vormonats<br />
Redaktion:<br />
Christine Stephan,<br />
Hans-Jürgen Linke,<br />
Guido Diesing<br />
Terminredaktion:<br />
Jan Kobrzinowski<br />
Anzeigen:<br />
Christine Stephan<br />
Korrektorat:<br />
Björn Simon<br />
Abo und Vertriebsleitung:<br />
Ute Ußler,<br />
Reyhan Özdemir<br />
und Adrian Mears, Antonio<br />
Lizana, Donny McCaslin, Masterclasses<br />
etc.<br />
www.generations.ch<br />
powered by 20. Enjoy Jazz<br />
2.10.17.11.<strong>2018</strong><br />
Mannheim, Heidelberg,<br />
Ludwigshafen<br />
Ein musikalischer<br />
Mix aus Jazz, Soul und Hip-Hop<br />
über Klassik, Avant-Garde und<br />
Electro in der Metropolregion.<br />
Die Jubiläumsausgabe<br />
bringt neben experimentellen<br />
Geheimtipps etablierte<br />
Weltstars. Rahmenprogramm<br />
mit Jugendförderung von Enjoy<br />
Jazz in Zusammenarbeit mit der<br />
BASF SE. Mit Joshua Redman,<br />
Aaron Parks, Matt Penman, Eric<br />
Harland: James Farm, Portico<br />
Quartet, Nikolas Anadolis Trio,<br />
Kaja Draksler & Eve Risser, Richie<br />
Beirach Quartet feat Gregor<br />
Huebner, Marcin Wasilewski<br />
Trio, Aruán Ortiz & Don Byron,<br />
SWR Jazzpreis <strong>2018</strong>: Sebastian<br />
Gille, Ambrose Akinmusire Quartet,<br />
The Necks, Schwetzinger<br />
Jazztage: Egberto Gismonti, Max<br />
Andrzejewski´s Hütte, Nicole<br />
Johänntgen, Aaron Parks Trio<br />
featuring Ben Street & Billy Hart,<br />
Vincent Peirani Quintet, Michael<br />
Wollny Trio, Lucas Niggli Solo,<br />
Haz’art Trio & Beyond Borders<br />
Band, Clayton-Hamilton Jazz<br />
Orchestra & Cécile McLorin<br />
Salvant, Esmerine, Elena Mindru<br />
Quartett & Adam Baldych, Pablo<br />
Held Trio, ECM Jazznights: Vijay<br />
Iyer Sextet & Nik Bärtsch’s<br />
Ronin, Avery*Sunshine, Jan<br />
Garbarek Group feat. Trilok Gurtu,<br />
Sons Of Kemet, Kari Ikonen<br />
Trio u.v.a.m.<br />
www.enjoyjazz.de<br />
Landesjazzfestival Friedrichshafen<br />
2.8.10.<strong>2018</strong><br />
Friedrichshafen, Graf Zeppelin<br />
Haus/Kulturhaus Caserne<br />
Mit Klaus Doldinger’s Passport,<br />
Jasper van’t Hof’s Pili Pili, Renaud<br />
Garcia-Fons, Samo Salamon<br />
Bassless Trio feat. Howard Levy<br />
u.v.a.m. Veranstalter: JazzPort<br />
Friedrichshafen e.V.<br />
www.jazzport-fn.de<br />
Graf. Konzeption / Gestaltung:<br />
M4 Media: Martin Trunz<br />
Titelgrafik:<br />
Norbert Bresch<br />
unter Verwendung eines<br />
Fotos von Chuck Stewart<br />
Internetausgabe:<br />
Ingo Ebel<br />
Internetredaktion:<br />
Christine Stephan<br />
Herstellung:<br />
D+L Reichenberg GmbH,<br />
Bocholt<br />
Mitarbeiter / Mitarbeiterinnen dieser Ausgabe: Marlen Albrecht, Angela Ballhorn, Peter Bastian, Dirk Bleiker, Henning Bolte,<br />
Sebastian Brandt, Knut Bry, Thomas Bugert, Nerea Coll, Andreas Collet, Francesco Desmaele, Guido Diesing, Gerd Döring,<br />
Ralf Döring, Markus Fagersten, Martin Feldmann, Christoph Giese, Benjamin Hardman, Hans Hielscher, Ben Huggler, Wolf<br />
Kampmann, Kaupo Kikkas, Rolf Kissling, Jesse Kitt, Jan Kobrzinowski,<br />
Eberhard Koll, Thomas Kölsch, Iza Korsak, Norbert Krampf, Hans<br />
Kumpf, Marcin Kydrynski, Jean-Pierre Leloir, Zbigniew Lewandowski,<br />
Hans-Jürgen Linke, Olaf Maikopf, Eric Mandel, Stefanie Marcus,<br />
Masahiro Mochida, Raj Naik, Mirela Onel, Achim Ost, Py Paavolainen,<br />
Elias Patrikainen, Holger Pauler, Stefan Pieper, Joao Portugal, Thomas<br />
Radlwimmer, Arne Reimer, Bernard Rie, Oliver Rockle, Hans-Jürgen<br />
Schaal, York Schaefer, Ulli Scharrer, Jennifer Scherler, Don Schlitten,<br />
Harry Schmidt, Andreas Schneider, Sebastian Scotney, Dovile<br />
Sermokas, Wolfgang Siesing, Björn Simon, Tobias Sommer, Andy Spyra,<br />
Peter Steinfadt, Chuck Steward, Frithjof Strauß, Victoriah Szirmai,<br />
Rolf Thomas, David Tixier, Niclas Weber, Madeleine Wegner<br />
<br />
39. Konstanzer Jazzherbst<br />
2.6.10.<strong>2018</strong><br />
Konstanz; K9, Kulturzentrum am<br />
Münster<br />
Mit Kalle Kalima, Lucas Niggli,<br />
Ralf Kleinehanding, Johannes<br />
Grütter, Berenike Derbridge,<br />
Olivier Potratz, Oliver Steidle,<br />
Leila Martial, Eric Perez, Pierre<br />
Tereygeol, Laura Schuler, Philipp<br />
Gropper, Hanspeter Pfammatter,<br />
Lionel Friedli, Roberto Negro,<br />
Émile Parisien, Michele Rabbia,<br />
Vera Kappeler, Peter Conradin<br />
Zumthor, Christian Lillinger,<br />
Tobias Delius, Pierre Borel,<br />
Achim Kaufmann, Christpher<br />
Dell, Jonas Westergaard, Robert<br />
Landfermann, Hannes Reich.<br />
www.jazzclub-konstanz.de<br />
powered by AngraJazz Festival<br />
International de<br />
Jazz de Angra do<br />
Heroísmo<br />
3.6.10.<strong>2018</strong><br />
Angra do Heroísmo, Terceira<br />
Island, Azoren/PT<br />
Das einzige Festival auf einer Insel<br />
mitten im Atlantik. Angra wird<br />
organisiert von der Non-Profit<br />
Organisation Associação Cultural<br />
Angrajazz, mit Unterstützung des<br />
Angra do Heroísmo City Council,<br />
dem regionalen Department für<br />
Kultur und Tourismus, der portugiesischen<br />
Tourismusbehörde<br />
und privaten Sponsoren.<br />
www.angrajazz.com<br />
Galway Jazz Festival<br />
5.8.10.<strong>2018</strong><br />
Galway/IRL<br />
Mit Trondheim Voices, Emil<br />
Brandqvist Trio, Koko Ensemble,<br />
Haz’art Trio, Simon Nabatov,<br />
Paul McIntyre, Arve Henriksen<br />
u.v.a.m.<br />
www.galwayjazzfest.ie<br />
15. OUT.FEST <strong>2018</strong><br />
5./6.10.<strong>2018</strong><br />
Barreiro/PT<br />
Mit Jimi Tenor, Clotilde (Sofia<br />
Mestre), Nídia, Rafael Toral<br />
Space Collective u.a.<br />
www.outfest.pt<br />
Reims Sunnyside Festival<br />
10.20.10.<strong>2018</strong><br />
Reims, F<br />
Einem Teil dieser Auflage liegt ein<br />
Prospekt von „Jazzclub Hürth“ bei.<br />
Namentlich gekennzeichnete Texte<br />
und Fotos geben nicht unbedingt<br />
die Meinung der Redaktion wieder.<br />
Für unverlangt eingesandte Fotos,<br />
Illustrationen oder Manuskripte<br />
übernehmen wir keine Gewähr.<br />
Nachdruck von Texten, Bildern und<br />
vom Verlag gestalteter Anzeigen<br />
nur mit schriftlicher Genehmigung.<br />
Bei allen Verlosungen im Heft ist<br />
der Rechtsweg ausgeschlossen.<br />
MitarbeiterInnen sind von den<br />
Verlosungen ausgeschlossen.<br />
Gerichtsstand ist Münster.<br />
Member of the European<br />
Jazz Mediagroup<br />
Mit Roy Hargrove, Stacey Kent &<br />
Armel Dupas Trio, James Farm,<br />
Franck Tortillier, Émile Parisien<br />
Quartet u.a.<br />
www.sunnyside.fr<br />
7. Jazz sur Seine<br />
12.27.10.<strong>2018</strong><br />
Club Festival in Paris<br />
25 Clubs, 180 Konzerte, 450<br />
Musiker, 1 Pass. Mit Stéphane<br />
Kerecki, Arnaud Dolmen, The<br />
Greenwich Sessions by Luigi<br />
Grasso invite Alain Jean-Marie,<br />
Florian Pellissier Quintet, Aïrès<br />
Trio <strong>–</strong> Airelle Besson <strong>–</strong> Edouard<br />
Ferlet <strong>–</strong> Stéphane Kerecki,<br />
Romain Pilon, Fiona Monbet<br />
Quartet, Simon Chivallon,<br />
Baptiste Herbin, Géraud<br />
Portal Sextet, Vincent Payen,<br />
Matthis Pascauf «Square One»<br />
invite Tony Paeleman, Timothée<br />
Robert, David Linx, Jean-Pierre<br />
Como u.a.<br />
www.perisjazzclub.net<br />
powered by Leipziger Jazztage<br />
<strong>2018</strong> „Fish and<br />
Chips“<br />
11.20.10.<strong>2018</strong><br />
Leipzig, versch.<br />
Spielorte<br />
Unter der Schirmherrschaft von<br />
Leipzigs Oberbürgermeister<br />
Burkhard Jung bringt das<br />
Festival an zehn Tagen und<br />
zehn Spielorten weit über<br />
100 britische und deutsche<br />
Musiker*innen zusammen<br />
auf die Bühne, die sich nicht<br />
nur dem musikalischen Erbe<br />
Großbritanniens, sondern auch<br />
seiner jungen, vielversprechenden<br />
Jazzszene widmen. Bisher<br />
bestätigt: Norma Winstone,<br />
Norma Winstone Trio, Hidden<br />
Orchestra, Dave Holland’s Aziza<br />
w/ Chris Potter, Lionel Loueke<br />
& Eric Harland, Avishai Cohen<br />
Quartet, Joshua Redman’s<br />
James Farm w/ Aaron Parks,<br />
Matt Penman & Eric Harland,<br />
Empirical, Michael Wollny,<br />
Leafcutter John & Alex Nowitz<br />
„Goldberg-Tangenten“, Yazz<br />
Ahmed, Max Andrzejewsk’s<br />
Hütte and Guests play Robert<br />
Wyatt, Elliot Galvin Trio, Lucia<br />
Cadotsch w/ Lucy Railton &<br />
Kit Downes, Kit Downes solo,<br />
Helmut ‚Joe‘ Sachse & Maggie<br />
Nicols „Nevergreens“, Oli<br />
Steidle & The Killing Popes,<br />
Matthias Boghuts Milk Wood<br />
„Dylan Thomas“, Queens<br />
„Jazz“ w/ Christian Kögel, Kai<br />
Brückner, Peter Ehwald & Uli<br />
Kempendorff u.a.<br />
www.jazzclub-leipzig.de<br />
27. Fiesta Des Suds <strong>2018</strong><br />
11.17.10.<strong>2018</strong><br />
Marseille/F<br />
Mit Ibeyi, Masailia Sound System,<br />
Oumou Sagaré, Camille,<br />
Hyphen-Hyphen u.a<br />
www.dock-des-suds.org/<br />
fiesta<strong>2018</strong><br />
Star Jazz Festival<br />
12./13.10.<strong>2018</strong><br />
Hamburg, MirallesSaal<br />
Schauplatz eines musikalisch<br />
konzeptionellen Highlights, das<br />
in diesem Jahr über ein rein<br />
konzertantes Jazzerleben weit<br />
hinaus geht und sich den Möglichkeiten<br />
der multimedialen<br />
Performance öffnet. Veranstalter:<br />
Star-Tankstellen/Jazz<br />
Federation Hamburg e.V. Mit<br />
Motion Ensemble of Hamburg,<br />
The Club of Continents m. Nils<br />
Petter Molvaer, Mino Cinelu,<br />
Vladyslav Sendecki u.a.<br />
www.jazzfederation.de<br />
108 JazzthetIk 09/10-<strong>2018</strong>
Jazzwoche Hannover<br />
12.-20.10.<strong>2018</strong><br />
Hannover, versch. Orte<br />
Die Jazz Musiker Initiative<br />
Hannover bietet einem breiten<br />
Publikum exzellente Jazzmusik.<br />
www.jmihannover.de<br />
powered by Gaste Garage<br />
13.10.-10.11.<strong>2018</strong><br />
Gaste Garage,<br />
Hasbergen Bei<br />
Osnabrück<br />
13.10. Dean Brown & Band<br />
24.10. Simon Phillips/Bill Evans &<br />
Zen Amadeus<br />
02.11. Chris Beckers & Band<br />
10.11. Greg Howe & Band<br />
www.gaste-garage.de<br />
4. Jazzfestival Esslingen <strong>2018</strong><br />
14.-28.10.<strong>2018</strong><br />
Esslingen, Stuttgart<br />
In diesem Jahr steht das Festival<br />
ganz im Zeichen von „50 Jahre<br />
ECM Records“. Mit Egberto<br />
Gismonti, Tarkovsky Quartet,<br />
Ralph Towner feat. Pablo Held<br />
Trio, Carla Bley Trios feat.<br />
Steve Swallow, Andy Sheppard,<br />
Eleni Karaindrou feat. Sokratis<br />
Sinopoulos u.a., AZIZA Holland /<br />
Potter / Loueke / Harland, Martin<br />
Wind Light Blue Quartet, Django<br />
Bates‘ »Belovèd«<br />
www.jazzfestival-esslingen.de<br />
Baku Jazz Festival<br />
14.-28.10.<strong>2018</strong><br />
Baku/Aserbaidschan<br />
Mit Helge Lien Trio, Ruben Hein<br />
Trio, Music Music Music, Martin<br />
Salemi u.a.<br />
www.bakujazzfestival.com<br />
28. Blues- und Jazzfestival „Jazz<br />
goes Kur“<br />
16.-21.10.<strong>2018</strong><br />
Bad Wörishofen<br />
www.jazzgoestokur.de<br />
Donaueschinger Musiktage<br />
18.-21.10.<strong>2018</strong><br />
Donaueschingen, versch. Orte<br />
www.swr.de/donaueschingen<br />
Krokus Jazz Festival<br />
20./21.10.<strong>2018</strong><br />
Jelenia Góra, PL<br />
www.krokusjazzfestiwal.pl<br />
powered by 49. Deutsches<br />
Jazzfestival<br />
Frankfurt<br />
22.-28.10.<strong>2018</strong><br />
Frankfurt, versch.<br />
Spielorte<br />
Mit „Hut ab!“ - Albert Mangelsdorff@90:<br />
Christof Lauer,<br />
Joachim Kühn, Pierre Favre,<br />
Nils Wogram, Samuel Blaser,<br />
Shake Stew, Echoes of Swing,<br />
Draksler-Santos Duo, Kamal<br />
Williams, Mark Guiliana, Stefan<br />
Lottermann, Bruno Chevillon,<br />
Daniel Humair, hr-Bigband &<br />
Sarah Buechi, Amith Nadig,<br />
Sunaad Anoor, hr Bigband Ltg.<br />
Jim McNeely: Allgäu meets<br />
India, Sfumato, Besson-Sternal-<br />
Burgwinkel, Oddarrang, Helbock,<br />
SFJazz Collective u.a.<br />
www.jazzfestival.hr2-kultur.de<br />
Jazz & Wine of Peace<br />
23.-28.10.<strong>2018</strong><br />
Cormòns, IT<br />
www.controtempo.org<br />
powered by 18. WOMEX - World<br />
Music Expo<br />
24.-28.10.<strong>2018</strong><br />
Las Palmas de Gran<br />
Canaria/E<br />
Das vielseitigste World Music<br />
Treffen der Welt mit Messe,<br />
Networking, Showcase Festival,<br />
Konferenz, Filmen, Awards,<br />
virtualWOMEX u.a. Mit Kronos<br />
Quartet, Ana Alcaide, El Septeto<br />
Santiaguero, Emily Dust, Etenesh<br />
Wassie Trio, Gulaza, Harouna<br />
Samake ‘Kamale Blues’, Hernán<br />
Reinaudo Quartet, Invisible<br />
World, Kel Assouf, Kim So<br />
Ra, Manolito Simonet y su<br />
Trabuco, Marinah, Nelida Karr,<br />
Norayr Kartashyan & Menua,<br />
Olga Cerpa & Mestisay, Rob<br />
Thorne Toi Puoro, Ta Dhom<br />
Project <strong>–</strong> Viveick Rajagopalan,<br />
The Turbans, Timples y Otras<br />
Pequeñas Guitarras del Mundo,<br />
Vishtèn, and more artists to be<br />
announced soon...<br />
www.womex.com<br />
Umeå Jazz Festival<br />
24.-28.10.<strong>2018</strong><br />
Umeå/SWE<br />
Mit Goran Kajfeš Subtropic<br />
Arkestra, Sonica Sequence:<br />
Lisa Nordström feat. Michala<br />
Østergaard-Nielsen, Johan<br />
Lindström Septett, Trondheim<br />
Jazz Orchestra & The MaxX,<br />
Elena Wolay, Bo Sundström,<br />
Maria Faust och Kira Skov,<br />
Kjell Nordeson, Dhafer Youssef,<br />
Julian Lage, Naoko Sakata,<br />
Thomas de Pourquery and<br />
Supersonic u.a.<br />
www.umeajazzfestival.se<br />
New Fall Festival<br />
25.-28.10.<strong>2018</strong><br />
Düsseldorf<br />
Mit Mac DeMarco, Ibeyi, Die<br />
Nerven, Tamikrest, Der Plan,<br />
Scott Matthew u.a.<br />
www.new-fall-festival.de<br />
34. Würzburger Jazzfestival<br />
3. Landesjazzfestival Bayern<br />
<strong>2018</strong><br />
27./28.10.<strong>2018</strong><br />
Würzburg, Felix-Fechenbach-<br />
Haus<br />
Mit Tiktaalik, Lines for Ladies<br />
feat. Sheila Jordan, Thomas<br />
Siffling Flow, dem Bayerischen<br />
Landesjazzensemble, Three Fall<br />
& Melane, Jazzrausch Bigband.<br />
Veranstalter: Jazzinitiative<br />
Würzburg e. V.<br />
www.jazzini-wuerzburg.de<br />
20th Zurich JazznoJazz Festival<br />
<strong>2018</strong><br />
31.10.<strong>–</strong>3.11.<strong>2018</strong><br />
Gessnerallee Zürich, ZKB Club<br />
im Theater der Künste<br />
Mit The Manhattan Transfer,<br />
Avishai Cohen «1970», Jimmy<br />
Cliff, Clayton-Hamilton Jazz<br />
Orchestra feat. Cécile McLorin<br />
Salvant, Tingvall Trio, Lisa Simone,<br />
Victor Wooten Trio, Kennedy<br />
Administration, Mario Biondi,<br />
GoGo Penguin, Incognito, Jojo<br />
Mayer Nerve, Andreas Schaerer<br />
- Familien-Konzert, Maceo Parker,<br />
Macy Gray, Raphael Saadiq,<br />
Fred Wesley & the New JB’s,<br />
Kennedy Administration u.a.<br />
www.jazznojazz.ch<br />
powered by Jazztage Dresden -<br />
World & Vision<br />
1.-29.11.<strong>2018</strong><br />
Dresden, Erlwein-<br />
Capitol u.a.<br />
Bereits im letzten Jahr haben<br />
sich die Jazztage Dresden als<br />
größtes Jazzfestival Deutschlands<br />
weit über die Grenzen des<br />
Landes hinaus einen Namen gemacht.<br />
Bisher bestätigt: Gregory<br />
Porter, Al DiMeola, Jan Garbarek<br />
& Trilok Gurtu, Avishai Cohen<br />
(b), Rebekka Bakken, Candy<br />
Dulfer, Tom Gaebel, Macxeo<br />
Parker, Ed Motta, James Carter,<br />
Rebekka Bakken, Billy Cobham,<br />
Niok Bärtsch’s Ronin, Mnozil<br />
Brass, Klazz Brothers & Cuba<br />
Percussion, Cristin Claas Trio,<br />
Luca Stricagnoli, Martin Tingvall,<br />
Quadro Nuevo, „Nacht der<br />
Gitarren“ mit Luca Stricagnoli,<br />
Antoine Boyer, Cenk Erdogan<br />
und Samuelito; Blues Night mit<br />
Sharrie Williams, Tad Robinson,<br />
The Wise Guys etc.<br />
www.jazztage-dresden.de<br />
Tampere Jazz Happening<br />
1.-4.11.<strong>2018</strong><br />
Tampere/FI<br />
In jedem Jahr bietet das internationale<br />
Programm des Tampere<br />
Jazz Happenings bekannte<br />
Namen des internationalen Jazz<br />
und Pioniere der Zukunft. Das<br />
4-tägige Festival ist bekannt für<br />
seine warme Atmosphäre und<br />
seinen offenen Zugang zum<br />
modernen Jazz. Mit hochkarätigen<br />
finnischen Musikern sowie<br />
weltbekannten Künstler auf 3<br />
Bühnen. Empfehlenswert.<br />
www.tamperemusicfestivals.fi/jazz<br />
29. Vredener Jazznacht<br />
2.11.18<br />
Vreden, Kulturcafe N‘Joy<br />
Mit Three Fall & Melane, Pimpy<br />
Panda.<br />
www.hamaland-jazz-club.de<br />
Jazz Tage Erding<br />
3.11.<strong>2018</strong><br />
Erding<br />
www.kms-erding.de<br />
powered by Trans4JAZZ-Festival<br />
<strong>2018</strong><br />
Ravensburg-<br />
Weingarten<br />
7.-11.<strong>2018</strong><br />
Mit Al Di Meola, Avishai Cohen<br />
1970, Kinga Głyk, Mathias Eick<br />
„Ravensburg“, Jacob Manz<br />
Project, Jonah Nilsson (Dirty<br />
Loops), Electro Deluxe, Florian<br />
Kings Heartbeat, Anna-Lucia<br />
Rupp & Oicia, Manfred Juncker<br />
Organ Trio, Christian Muthspiel &<br />
Steve Swallow, Mike Stern Band<br />
feat. Darryl Jones, Keith Carlock<br />
& Bob Malach, Essichessenz,<br />
Martin Auer Quintett, The Chive<br />
Sisters, Rose Ann Dimalanta<br />
Trio u.a.<br />
www.jazztime-ravensburg.de<br />
Danish Vibes - New music from<br />
the North<br />
7.11.<strong>2018</strong><br />
Köln, Stadtgarten<br />
Einen Abend lang steht der<br />
Stadtgarten musikalisch<br />
ganz im Zeichen des Hohen<br />
Nordens. Ein Minifestival mit<br />
angegliedertem Branchentreff<br />
- und seit Jahren in Hamburg<br />
zu Gast - schlägt seine Zelte<br />
erstmalig auch am Rhein auf.<br />
Gleich 4 außergewöhnliche<br />
Formationen, ausgewählt von<br />
einer Fachjury, repräsentieren<br />
die enorme Bandbreite zwischen<br />
Jazz, Worldmusic und Pop made<br />
in Denmark. Mit Janne Mark,<br />
Basco feat. Jullie Hjetland,<br />
Kenneth Dahl Knudsen, Mambe<br />
& Danochilango.<br />
www.danishvibes.com<br />
www.stadtgarten.de<br />
powered by Unlimited 32<br />
9.-11.11.<strong>2018</strong><br />
Wels, AT<br />
Mit Fire! Orchestra<br />
„Arrival“, Mats<br />
Gustafsson, Alexander Zethson/<br />
Susana Santos Silva/Johan<br />
Berthling/Andreas Werliin/Mikael<br />
Werliin, Pkt.Vrt.Plastik, Kaja<br />
Draksler/Petter Eldh/Christian Lillinger,<br />
Jaimie Branch, Lester St.<br />
Louis & Jason Ajemian & Chad<br />
Taylor, Martin Eberle & Benny<br />
Omerzell & Manu Mayr & Lukas<br />
König, Maja Osojnik & Matija<br />
Schellander, Sophie Agnel &<br />
Joke Lanz & Michael Vatcher,<br />
Agnes Hvizdalek & Susanna<br />
Gartmayer, Ingrid Schmoliner<br />
& Hamid Drake, Hannah<br />
Marshall & Veryan Weston &<br />
Alison Blunt & Trevor Watts,<br />
Darren Johnston’s „Reasons For<br />
Moving“ feat. Larry Ochs & Fred<br />
Frith, Sébastien Jeser & Samuel<br />
Dühsler u.v.a.<br />
www.musicunlimited.at<br />
NUE Jazz Festival<br />
9.-18.11.<strong>2018</strong><br />
Kulturwerkstatt Auf AEG &<br />
Opernhaus, Nürnberg<br />
www.nuejazz.de<br />
15. Jazztopad Festival<br />
16.-25.11.<strong>2018</strong><br />
Wrocław (POL), National Forum<br />
of Music<br />
Mit Chick Corea Solo, Sons<br />
of Kemet, Melting Pot, Jaimie<br />
Branch, TD Vancouver Jazz<br />
Festival Presents: Sick Boss,<br />
Australian Art Orchestra/ Jamie<br />
Baum Septet, Simon Barker<br />
& Hamid Drake Duo, Bigger<br />
Vicious feat. Avishai Cohen<br />
(tp), Brad Mehldau & NFM<br />
Wrocław Philharmonic, Roots<br />
Magic: Amir ElSaffar, Ksawery<br />
Wójciński, Wacław Zimpel,<br />
Lutosławski Quartet, Esperanza<br />
Spalding.<br />
www.jazztopad.pl<br />
2. Taunus Jazz Fest - Taunusstein<br />
16.-17.11.<strong>2018</strong><br />
Salon-Theater, Taunusstein<br />
Mit Volker Rebell & Moritz<br />
Stöpel, Uli Partheil/Hans Höhn/<br />
Hermann Kock/Jörg Steinhardt<br />
Superfro, Klangcraft feat. Heinz-<br />
Dieter Sauerborn & Ramesh<br />
Shotham.<br />
www.salon-theater.de<br />
powered by 21. Akut-Festival<br />
23./24.11.<strong>2018</strong><br />
Frankfurter Hof,<br />
Mainz<br />
Mit Die Enttäuschung,<br />
Uwe Oberg-Silke<br />
Eberhard, Mette Rasmussen<br />
Quintet, Julia Kadel Trio,<br />
Ditzner & Lömsch, Atomic.<br />
Das Akut - ein Festival, das<br />
international besetzt, spannende<br />
und innovative musikalische<br />
Projekte aus dem Grenzbereich<br />
zwischen Jazz, Avantgarde und<br />
Rock präsentiert, danach sind<br />
diese oft auf ganz großen europäischen<br />
Festivals endgültig zu<br />
sehen. Veranstaltet vom Verein<br />
upArt e. V.<br />
www.akut-festival.de<br />
powered by Internationales<br />
Jazzfestival<br />
Münster<br />
4.-6.1.2019<br />
Theater Münster<br />
Drei Tage Jazz mit rund 20<br />
Konzerten. Es wird eine<br />
Geburtstagsfeier sein: Das erste<br />
Festival im Jahr wird 40 Jahre<br />
alt! Vorverkauf ab November.<br />
www.jazzfestival-muenster.de<br />
15th Annual Winter Jazzfest<br />
4.-12.1.2019<br />
NYC/USA<br />
Artist-in-Residence Meshell<br />
Ndegeocello, Keychange Initiative,<br />
And Return of British Jazz<br />
Stage Hosted by Gilles Peterson<br />
u.a., programme soon.<br />
www.winterjazzfest.com<br />
Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong> 109
Termine<br />
The Jazz Cruise<br />
19.-26.1.2019<br />
Kreuzfahrt Ft. Lauderdale - St.<br />
Maarten - St.Thomas - Bahamas<br />
“Not just a cruise - a legend”; mit<br />
Chucho Valdez, Joey Alexander,<br />
Joey DeFrancesco, Brecker<br />
Band, Eliane Elias, SFJazz Collective,<br />
Jeff Hamilton Trio u.a.<br />
www.thejazzcruise.com<br />
Blue Note At Sea -The Now<br />
of Jazz<br />
26.1.-2.2.2019<br />
Kreuzfahrt Ft. Lauderdale - Nassau<br />
- Cozumel - Belize - Key West<br />
www.bluenoteatsea.com<br />
powered by Just Music ’19 -<br />
Beyond Jazz<br />
Festival Wiesbaden<br />
22./23.2.2019<br />
Wiesbaden,<br />
Kulturforum<br />
www.justmusic-festival.de<br />
Das Zitat<br />
powered by<br />
Mr. M’s Jazz Club<br />
14.-16.3.2019<br />
Kurhaus Baden-<br />
Baden<br />
www.mister-ms.de<br />
13. JazzArtFestival Schwäbisch<br />
Hall<br />
20.-24.3.2019<br />
Schwäbisch Hall<br />
Seit 2007 sind Kulturbüro,<br />
Jazzclub, Goethe-Institut<br />
und Konzertkreis Triangel<br />
Gastgeber dieses kleinen,<br />
feinen Festivals in familiärer<br />
Atmosphäre.<br />
www.jazzart-hall.de<br />
powered by 50. Internationale<br />
Jazzwoche<br />
Burghausen<br />
26.-31.3.2019<br />
Burghausen<br />
www.b-jazz.com<br />
37. Cully Jazz Festival<br />
5.-13.4.2019<br />
Cully/CH, Théâtre De Vevey<br />
Mit Rokia Traoré u.a.<br />
www.cullyjazz.ch<br />
Bodø Jazz 2019<br />
8.-11.5.2019<br />
Bodø/Norwegen<br />
www.bodojazzopen.no<br />
13th Bucharest International<br />
Jazz Competition 2019<br />
11.-18.5.2019<br />
Bukuresti, RO<br />
Competition, concerts,<br />
workshops, master-class,<br />
jam sessions, platform for<br />
jazz meetings with artists<br />
from all over the world. For<br />
instrumentalists and vocalists<br />
of all nationalities. Age up to 40<br />
years (born after May 1, 1979).<br />
Prizes, total amount 7.000 Euro,<br />
cash and concerts. Application<br />
until Feb. 10, 2019<br />
www.jazzcompetition.ro<br />
24. Jazz Cerkno<br />
16.-18.5.2019<br />
Cerkno, Slowenien<br />
www.jazzcerkno.si<br />
powered by 25. Jazz in e.<br />
“Ritual”<br />
29.5.-1.6.2019<br />
Eberswalde<br />
Ein Festival aktueller<br />
Musik.<br />
www.mescal.de<br />
powered by Moers Festival<br />
7.-10.6.2019<br />
Moers, Festivalhalle<br />
Es gibt es wieder<br />
viele Gründe, nach<br />
Moers zu kommen oder in Moers<br />
zu bleiben: neben Konzerten<br />
hochklassiger internationaler<br />
[...] der klassische Miau-Laut: Katzen kommunizieren untereinander nicht<br />
auf diese Weise. Das Miauen ist allein uns Menschen vorbehalten. Eine<br />
Theorie besagt, dass Katzen damit in Wahrheit das Schreien von Menschenbabys<br />
nachahmen.<br />
<strong>–</strong> https://cat-news.net (Blog), Eintrag vom 12.07.<strong>2018</strong><br />
Haben Sie eine Hauskatze? Dann haben Sie sicherlich gelernt, ihre verschiedenen Miau-Laute zu<br />
unterscheiden. Das aggressive „Maunz“, wenn sie hungrig ist, das klägliche „Mauuu“, wenn sie<br />
Streicheleinheiten braucht, das dringliche „Maao“, wenn sie ins Freie will, oder das unwirsche<br />
„Moi“, wenn sie einfach schlechte Laune hat. Katzen haben ihr eigenes Kommunikationssystem<br />
speziell für den Umgang mit Menschen. Eine Sprache in unserem Sinn aber ist das nicht. Oder<br />
kennen Sie die Miau-Übersetzung für „Kauf doch bitte wieder das Futter in der gelben Packung“<br />
oder „Stell doch mein Körbchen ins andere Zimmer“ oder „Schick bloß diesen Hund schnell wieder<br />
aus dem Haus“? Die „Sprache“ der Katze beschränkt sich ganz auf die emotionale Färbung des<br />
„Miau“-Lauts. Es gibt diesen Laut in verschiedenen Varianten wie „dringlich“, „relaxt“, „abweisend“,<br />
„ungeduldig“ usw. Die näheren Details regelt die Situation.<br />
So in etwa funktioniert auch die emotionale „Sprache“ der Musik. Töne sind keine Begriffe<br />
und nicht in irgendeine Wortsprache übersetzbar. Der Musikprofessor Nicholas Cook nennt<br />
Musikwerke „instabile Aggregate potenzieller Bedeutung“ <strong>–</strong> sie warten im Grunde ständig darauf,<br />
dass wir ihre dringlichen oder wohligen Klänge mit irgendeiner situativen Bedeutung füllen. Zum<br />
Beispiel in der Kombination mit bewegten Bildern. Probieren Sie es einmal aus: Ein paar Takte<br />
ruhiger Musik können tragische ebenso gut wie idyllische Szenen untermalen. Sie passen zu einem<br />
Begräbniszug, zum Anblick einer glücklichen Familie, einer Seelandschaft, einer Herde Wildtiere,<br />
zu Tod oder Leben, Zerstörung oder Frieden, Problem oder Lösung. Auch das „Miau“ der Musik<br />
lässt sich sehr flexibel deuten.<br />
Das Musikgenre mit dem stärksten „Miau“-Effekt ist zweifellos der Jazz. In unserer Lieblingsmusik<br />
schnurren die Saxofone, growlen die Trompeten, brummeln die Bässe. Die Instrumente<br />
werben, schmeicheln, betteln, predigen, fordern, prahlen <strong>–</strong> sie wollen ständig etwas von uns.<br />
Worum es letztlich geht, bleibt zwar unklar, aber das emotionale Signal ist stark und unverkennbar.<br />
Gerade weil die „Sprache“ des Jazz so mimetisch ist, so kommunikativ und intonativ, verträgt diese<br />
Musik aber auch viel Komplexität, also Struktur und Kontrapunkt. Anders gesagt: Wäre da nur<br />
diese Komplexität, empfänden wir Jazz vielleicht als kalte Mathematik. Wäre da nur die Emotionalität,<br />
empfänden wir ihn als sentimentalen Kitsch. Natürlich ziehen jede Hörerin und jeder Hörer die<br />
Grenze ein wenig anders. Was der einen als (zu) verkopft gilt, erscheint dem anderen vielleicht als<br />
(zu) gefühlig. Eines aber scheint festzustehen: Im Jazz können sich das Komplexe und das Kommunikative<br />
auf magische Weise vereinen. Mathe und Miau am Gipfelpunkt.<br />
Sebastian Brant<br />
Künstler in der Festivalhalle<br />
wird es auch 2019 wieder ein<br />
Programm mit zusätzlichen<br />
Konzerten und Veranstaltungen<br />
im Festivaldorf geben.<br />
www.moers-festival.de<br />
60. Ljubljana Jazz Festival<br />
18.-22.6.2019<br />
Ljubljana, Slowenien<br />
www.ljubljanajazz.si<br />
Workshops<br />
Exploratorium Berlin<br />
Workshops, Theorie &<br />
Forschung, Sessions, Konzerte.<br />
2004 gegründet, widmet sich<br />
Exploratorium der Förderung<br />
einer facettenreichen, aktiven<br />
Improvisationskultur.<br />
www.exploratorium-berlin.de<br />
Jazz-Ausbildung Sommersemester<br />
Noch bis 30.9.<strong>2018</strong><br />
Frankfurter Musikwerkstatt<br />
FMW<br />
Die FMW bildet Jazz und Populäre<br />
Musik in verschiedenen<br />
Qualifizierungsformen aus:<br />
ein- oder mehrsemestriges<br />
Vorstudium oder 8-semestriges<br />
Studium zum/zur staatlich anerkannten<br />
Berufsmusiker/in und<br />
Instrumentalpädagogen/in mit<br />
Jazz- oder Popschwerpunkt.<br />
Ohne Altersbeschränkung,<br />
Studiengang BAFöG-gefördert.<br />
www.fmw-jazzschool.de<br />
Vorstudium Jazz<br />
Offene Jazzhaus Schule Köln<br />
Ab 1.9.<strong>2018</strong><br />
Einjähriger Fortbildungskurs<br />
für Musiker, die an einer<br />
zielgerichteten, intensiven<br />
Ausbildung unter Anleitung<br />
profilierter Dozenten interessiert<br />
sind. Besonders zur<br />
direkten Vorbereitung auf die<br />
Aufnahmeprüfung an einer<br />
Hochschule. Leitung: André<br />
Nendza.<br />
www.jazzhausschule.de/j3/<br />
angebot/vorstudium-jazz<br />
Rhythmusworkshop TaKeTiNa<br />
1./2.9.<strong>2018</strong><br />
Hamburg, Lichthof Theater<br />
Mit Jan Kobrzinowski (TaKeTi-<br />
Na Advanced Rhythm Teacher).<br />
Profundes Rhythmustraining als<br />
Selbsterfahrung. Rhythmisches<br />
Lernen mit dem Körper für<br />
Anfänger und Profis.<br />
www.kobrzinowski.com<br />
Ettlinger Jazz-Workshop <strong>2018</strong><br />
5.-8.9.<strong>2018</strong><br />
Musikschule Ettlingen/Birdland59-Jazzkeller<br />
Jazzweiterbildung für Ensemble-<br />
Spiel und Improvisation. Leitung:<br />
Christian Eckert. Dozenten: Peter<br />
Lehel (sax), Steffen Weber (sax),<br />
Felix Fromm (tb, tpt), Christian<br />
Eckert (g), Anke Helfrich (p),<br />
Thomas Katz (b), Markus<br />
Faller (dr), Eva Mayerhofer (voc).<br />
Veranstalter: Jazz-Club Ettlingen<br />
e.V. in Zusammenarbeit mit der<br />
Musikschule Ettlingen<br />
www.birdland59.de<br />
Barry Harris Jazz Workshop<br />
Roma, IT<br />
10.-14.9.<strong>2018</strong><br />
For all instruments and singers,<br />
10.-13.9.<strong>2018</strong> every night<br />
concerts, the workshop jam<br />
session, Barry Harris Trio Concert<br />
in trio. Inscription: Anna Pantuso,<br />
E-Mail:<br />
annapantuso@hotmail.com<br />
Workshops “Musik der 17 Hippies”<br />
<strong>2018</strong><br />
29./30.9.<strong>2018</strong> - Tollhaus, Karlsruhe<br />
1./2.12.<strong>2018</strong> - Landesmusikakademie<br />
Berlin (im FEZ)<br />
www.17hippies.de<br />
5. Jazz Workshop Friedrichshafen<br />
5.-7.10.<strong>2018</strong><br />
Friedrichshafen, Zeppelin<br />
Universität<br />
Mit Barbara Bürkle (voc),<br />
Alexander “Sandi” Kuhn (sax),<br />
Jens Loh (e-/b), Thomas Bauser<br />
(p, keyb), Christoph Neuhaus<br />
(g), Axel Pape (dr), Daniel Nösig<br />
(tp); Veranstalter: Kulturbüro<br />
Friedrichshafen.<br />
www.facebook.com/jazzandmoreworkshop<br />
www.kultur-friedrichshafen.de<br />
Workshop Vocal Improvisation, A<br />
Capella Gesang, Circle Songs<br />
10./11.11.<strong>2018</strong><br />
Münster, Weltmusik-Initiative<br />
Mit Johanna Seiler. Improvisation,<br />
Ausdruck. Für Menschen,<br />
die gern singen - Profis und Anfänger.<br />
Anmeldung: m.i.schulte@<br />
web.de<br />
www.johannaseiler.com<br />
Freie Improvisation <strong>–</strong> Workshop<br />
mit Urs Leimgruber<br />
17./18.11.<strong>2018</strong><br />
VHS Ulm, EinsteinHaus<br />
Hören klingt! Wie entdecke ich<br />
meinen eigenen Klang?<br />
Info/ Anmeldung: pflueger@<br />
vh-ulm.de<br />
Schlusspunkt<br />
Die nächste <strong>JAZZTHETIK</strong> erscheint am: Samstag, 27.10.<strong>2018</strong><br />
110 Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong>