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JAZZTHETIK 284 – September / Oktober 2018

Das Magazin für Jazz und Anderes

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09/10<br />

18<br />

Sep./Okt. 32. Jahr<br />

Ausgabe <strong>284</strong><br />

8,20 Euro 8,82 CHF H6139E<br />

JOHN<br />

COLTRANE<br />

LISA BASSENGE<br />

STANLEY CLARKE<br />

ESTHER KAISER<br />

ÓLAFUR ARNALDS<br />

WYNTON MARSALIS<br />

NINA ATTAL<br />

BARRE PHILLIPS<br />

MARIZA<br />

MARKUS STOCKHAUSEN<br />

WOOD & STEEL


Inhalt 09/10<br />

62<br />

46<br />

© Jennifer Scherler<br />

8 Licht an. Les Poules à Colin finden<br />

Erhellendes in der Düsternis. Thomas<br />

Kölsch am Schalter.<br />

10 Skizzen und Notizen. Fredy Studer<br />

bleibt auch mit 70 auf der Suche nach<br />

Klängen. Gerd Döring wird fündig.<br />

12 Szenen einer Ehe. Lisa Bassenge und<br />

ihr Hochzeitsalbum. Durchgeblättert<br />

von Victoriah Szirmai.<br />

14 Mit zweien, Spiel drei. Daniel Erdmann,<br />

Christophe Marguet und die Bässe.<br />

Andreas Collet geht mit.<br />

16 Himmelskörper. Jaak Sooäär vertont<br />

eine Sternschnuppe. Hans-Jürgen Linke<br />

wünscht sich was.<br />

18 Das andere Hollywood. Michael<br />

Schiefel bringt Eisler in die Gegenwart.<br />

Nostalgisch: Jan Kobrzinowski.<br />

20 Analog ist besser. LBT machen Techno-<br />

Jazz ohne Computer. Mit Thomas<br />

Bugert in der Disco.<br />

22 Forscherin. Nadin Deventer will die<br />

Zuhörer fordern. Arne Reimer blickt<br />

voraus aufs JazzFest Berlin.<br />

30 Gäste willkommen. Wynton Marsalis<br />

ist sein Septett nicht genug. Hans Hielscher<br />

über Gala-Höhepunkte.<br />

32 Am Scheideweg. Ein „neues“ Album<br />

von John Coltrane. Wolf Kampmann<br />

räumt mit einigen Legenden auf.<br />

36 Dunkle Hymnen. Madeleine Peyroux<br />

hofft auf hellere Zeiten. Rolf Thomas<br />

schaltet sich ein.<br />

38 Extended Version. Volker Schlott lüftet<br />

ein Geheimnis. Hans-Jürgen Linke über<br />

ein sehr persönliches Album.<br />

40 Mut im Bauch. Jazz muss Stellung<br />

beziehen, findet Esther Kaiser. Rolf<br />

Thomas stimmt ein.<br />

42 Mit Hornresonator. Hans Deutschs Lautsprecher<br />

HD 304 mk2 klingen schlackenlos.<br />

Nicht bedröhnt: Peter Steinfadt.<br />

43 Zyklus. Rainer Tempel und Fola Dada<br />

suchen das Licht bei Edgar Allan Poe.<br />

Mit am Poe-Tisch: Jan Kobrzinowski.<br />

44 Im Spagat. Ólafur Arnalds spielt mit<br />

Planung und Zufall. Angela Ballhorn<br />

überprüft das Gleichgewicht.<br />

52 Erinnerungsprojekt. Bassist Barre Phillips<br />

schließt sein Tagebuch. Thomas Bugert<br />

liest die letzten Einträge.<br />

56 Unterwegs. Markus Stockhausen lädt<br />

Musiker und Hörer zur unendlichen Reise.<br />

Auf dem Weg: Hans-Jürgen Linke.<br />

58 Jump. Die Französin Nina Attal setzt<br />

ihre Zuhörer in Bewegung. Mirela Onel<br />

springt darauf an.<br />

60 Tanzender Elefant. Bei Jan Schreiner<br />

schaut man lieber zweimal hin. Im<br />

Porzellanladen: Hans-Jürgen Linke.<br />

62 Schwangere Hummel. Lada Obradović<br />

wird von traurigen Geschichten inspiriert.<br />

Hans-Jürgen Schaal ist gefesselt.<br />

64 Renovierung. Mariza richtet dem Fado<br />

neue Räume ein. Bauaufsicht: Madeleine<br />

Wegner.<br />

65 Klassik-Pause. Mit NES macht Cellistin<br />

Nesrine Belmokh ihr eigenes Ding. Rolf<br />

Thomas über eine Stilwechslerin.<br />

66 Vermittler. Stanley Clarke verkündet<br />

die Botschaft der Liebe. Am Empfänger:<br />

Olaf Maikopf.<br />

24 Alternativ. Leona Berlin lässt nicht einfach<br />

NuSoul wiederaufleben. Beseelt:<br />

Victoriah Szirmai.<br />

26 Großstadtklang. KUU! machen harte<br />

Musik für eine harte Welt. Jan Kobrzinowski<br />

braucht starke Nerven.<br />

46 Hammer und Leder. Rembrandt Frerichs<br />

findet Exotik in alten Instrumenten.<br />

Holger Pauler über das Fortepiano.<br />

48 Musikalische Maskerade. Die Täuschungsmanöver<br />

des Trygve Seim. Hans-<br />

Jürgen Linke lässt sich nicht reinlegen.<br />

4 Megaphon<br />

51 Time Tunnel<br />

61 London<br />

68 Tonspuren<br />

89 Hörbucht<br />

90 Live<br />

99 Abo<br />

100 Termine<br />

108 Impressum<br />

110 Zitat<br />

28 Party für zwei. Günter Baby Sommer<br />

feiert seinen 75. Wolf Kampmann legt<br />

den Sommer-Hit auf.<br />

50 Zeitlos. Die Musik von Aapo Heinonen<br />

versprüht Sinnlichkeit. York Schaefer<br />

erliegt dem Charme.<br />

links: Rembrandt Frerichs / rechts: Lada Obradović Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong> 3


Megaphon<br />

Von Hans-Jürgen Linke<br />

Der Jazz Pott ist kein Jackpot.<br />

Wer den Essener Jazz Pott<br />

kriegt, hat zwar nicht ausgesorgt,<br />

aber Ruhm und Ehre eingeheimst.<br />

Das wurde in diesem<br />

Jahr dem Klarinettisten, Improvisator<br />

und Komponisten Theo<br />

Jörgensmann zuteil, der den<br />

Kohlenpott auf die internatio nale<br />

Landkarte des Jazz befördert<br />

hat. Großen Glückwunsch <strong>–</strong> und<br />

dringender Hinweis auf das<br />

Preisträgerkonzert am 6.10. im<br />

Essener Grillo-Theater.<br />

König Gustavs Königlich<br />

Schwedische Musikakademie<br />

gibt es immer noch. Jetzt<br />

wurde, kurz nachdem ihn die<br />

USA mit dem Arts Jazz Masters<br />

Award bedacht hatten, Pat<br />

Metheny in diese gekrönte<br />

Akademie berufen, wo er unter<br />

anderem auf seine Landsleute<br />

John Adams und Steve Reich<br />

trifft. <strong>JAZZTHETIK</strong> sagt: Wow!<br />

Bill Watrous III. war ein herausragender<br />

Bebop-Posaunist. Er<br />

gehörte seit den späten 60er<br />

Jahren zu den begehrtesten<br />

Studio-Posaunisten an der<br />

amerikanischen Ostküste und<br />

spielte unter anderem mit Quincy<br />

Jones, Maynard Ferguson und<br />

Woody Herman. In Europa<br />

wurde er vor allem durch seine<br />

Zusammenarbeit mit Kai Winding,<br />

Albert Mangelsdorff und<br />

Jiggs Whigham bekannt, mit<br />

denen er den Trombone Summit<br />

bildete und 1980 für MPS eine<br />

Plattenaufnahme machte. Er<br />

starb am 2. Juli in Los Angeles.<br />

1) Auf dem Rudolstadt-Festival<br />

bekam Cymin Samawatie im Juli<br />

den Deutschen Weltmusikpreis<br />

Ruth, weil sie, wie die Jury lobte,<br />

eine der kreativsten Musikerinnen<br />

der Ethno-Jazz-Szene ist.<br />

Wärmstens empfohlen und<br />

präsentiert von <strong>JAZZTHETIK</strong>:<br />

Auch in diesem Jahr gedeihen<br />

auf Tamperes Jazz Happening<br />

finnische Eigengewächse<br />

neben Paradiesvögeln und<br />

internationalen Größen. Vier<br />

Tage Musik rund um die Uhr in<br />

drei urigen Venues <strong>–</strong> Sauna am<br />

See inklusive. Vom 1.-4.11.<br />

www.tamperemusicfestivals.fi/jazz<br />

2) Die German Jazz Trophy<br />

wurde an die Brüder Kühn (Rolf<br />

+ Joachim) und an Wolfgang<br />

Dauner zur Eröffnung der Jazzopen<br />

Stuttgart verliehen.<br />

Ganesh Geymeier, geboren<br />

1984, gehört zu den gefragtesten<br />

Saxofonisten seiner Generation<br />

und ist, wie eine Jury<br />

befand, ein „unwiderstehlicher<br />

Klangpoet“. Dafür gab es nun<br />

den Schweizer Musikpreis.<br />

Paulo Cardoso, 1953 in São<br />

Paulo geboren, kam 1973 nach<br />

Deutschland, um Orchestermusiker<br />

zu werden. Fünf Jahre<br />

später war er Jazzmusiker,<br />

spielte unter anderem mit<br />

Klaus Ignatzek, Art Farmer, Mal<br />

Waldron und Archie Shepp und<br />

unterrichtete an der Hochschule<br />

für Musik und Theater<br />

München. Er starb am 21. Juli.<br />

Das größte und älteste Jazzfestival<br />

der Türkei, das Istanbul<br />

Jazz Festival, hat seit dem 1.<br />

August einen neuen Direktor:<br />

Harun Izer gehörte schon seit<br />

2011 zum Kreis der Festivalleitung<br />

und ist jetzt als Festival-<br />

Direktor Nachfolger von Pelin<br />

Opcin. Harun Izer ist Jurist und<br />

verfügt über langjährige Erfahrungen<br />

im Kulturmanagement in<br />

unterschiedlichen Sparten.<br />

Die Sons of Kemet sind für die<br />

Jazz-Abteilung des Hyundai<br />

Mercury Preises nominiert. Ihr<br />

Album Your Queen Is a Reptile<br />

befindet sich unter den acht<br />

Posten der Shortlist. Das Geheimnis,<br />

wer den Preis bekommt,<br />

wird am 20.9. in London im Hammersmith<br />

Apollo, Queen Caroline<br />

Street, W6 9QH, gelüftet.<br />

1<br />

Cymin Samawatie<br />

Rudolstadt-Festival<br />

Alle Jahre wieder gibt es in der<br />

Alten Feuerwache in Mannheim<br />

den Neuen Deutschen Jazzpreis.<br />

Der Kurator, der aus der Vorauswahl<br />

der IG-Jazz-Rhein-Neckar-<br />

Jury die drei Finalisten bestimmen<br />

wird, ist in diesem Jahr der<br />

französische Bassist Renaud<br />

García-Fons. Das Wettbewerbs-<br />

Finale steigt am 16.3.<br />

powered by<br />

© Hans Kumpf<br />

© Hans Kumpf<br />

2<br />

Die Insel Terceira<br />

gehört zu den Azoren,<br />

die im nordatlantischen<br />

Sommer in der Regel als<br />

Herkunftsgebiet angenehmer<br />

Hochdruckgebiete bekannt<br />

sind. Auf der Insel gibt es vom<br />

3.-6.10. das Angra Jazz Festival,<br />

das in diesem Jahr zum 20. Mal<br />

stattfindet. Es präsentiert in vier<br />

Konzertnächten im Saal des<br />

Centro Cultural e de Congressos<br />

de Angra do Heroísmo Musiker<br />

von den Azoren, aus Portugal,<br />

Kuba, dem Vereinigten<br />

Königreich, Kanada und den<br />

Vereinigten Staaten.<br />

www.angrajazz.com<br />

3) Tomasz Stańko, Jahrgang<br />

1946, gehörte fünf Jahrzehnte<br />

lang zu den profiliertesten<br />

Jazzmusikern in Europa. Sein<br />

stilistischer Einzugsbereich war<br />

immens, seine Tongebungen an<br />

der Trompete stilbildend, und<br />

sein Lebensstil seit Mitte der 60er<br />

Jahre international ausgerichtet.<br />

Er schrieb Filmmusiken, spielte<br />

mit zahlreichen internationalen<br />

Größen, gehörte selbst zu diesem<br />

erlauchten Kreis und äußerte<br />

sich mehrfach kritisch zur aktuellen<br />

Politik Polens. Jetzt ist Tomasz<br />

Stańko in Warschau gestorben.<br />

Rolf + Joachim Kühn<br />

Jazzopen Stuttgart<br />

Der slowenische Fotograf Žiga<br />

Koritnik, den unter anderem<br />

Han Bennink, Elliott Sharp und<br />

Anthony Braxton für einen der<br />

besten Fotografen auf dem<br />

Planeten halten, plant ein Foto-<br />

Buch. Es soll 376 Seiten umfassen,<br />

auf denen 272 seiner Fotos<br />

von 45 internationalen Festivals<br />

und anderen Konzertorten in 14<br />

Ländern auf vier Kontinenten zu<br />

sehen sind. Der Titel wird Cloud<br />

Arrangers lauten. Žiga Koritnik<br />

will die Finanzierung per Crowdfunding<br />

realisieren, das am 6.9.<br />

beginnt. Wer mitmachen will,<br />

kann an zkoritnik@gmail.com<br />

schreiben und sich registrieren<br />

lassen. Informationen unter<br />

www.zigakoritnikphotography.com<br />

powered by<br />

4) Murnau lädt zum<br />

Weltmusikfestival<br />

grenzenlos ein. Der<br />

Eröffnungsabend am 19.10. ist<br />

unter dem Motto „in real time“<br />

dem in Murnau geborenen<br />

Rokoko-Komponisten Placidus<br />

Cajetanus Laurentius von<br />

Camerloher gewidmet. Am 20.<br />

und 21.10. spielen Maya<br />

Homburger und Barry Guy,<br />

Marco Ambrosini, Jean-Louis<br />

Matinier, Eva-Maria Rusche,<br />

Undine Brixner, Nikolaus Paryla<br />

sowie John Potter‘s Dowland<br />

Project.<br />

www.weltmusikfestival-grenzenlos.de<br />

powered by<br />

© Marcin Kydrynski<br />

3<br />

Tomasz Stańko<br />

In Moers hat die Kultur<br />

GmbH mit dem Künstlerischen<br />

Leiter des mœrs<br />

festivals, Tim Isfort, über eine<br />

Vertragsverlängerung über das<br />

Jahr 2019 hinaus zu verhandeln<br />

4 Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong>


Megaphon<br />

4<br />

6<br />

© Thomas Radlwimmer 5<br />

7<br />

Marco Ambrosini, Jean-Louis Matinier<br />

grenzenlos<br />

Archie Shepp<br />

Enjoy Jazz Festival<br />

Rebekka Bakken<br />

Jazztage Dresden<br />

The Look of Jazz by Frank Schindelbeck<br />

begonnen. Der Aufsichtsrat<br />

sprach Isfort sein Vertrauen aus<br />

<strong>–</strong> es wird also nicht still werden<br />

zu Pfingsten in Moers.<br />

powered by<br />

5) Archie Shepp ist<br />

Artist in Residence beim<br />

diesjährigen 20. Enjoy<br />

Jazz Festival im Rhein-Neckar<br />

Raum. Als Festival-Präludium gibt<br />

es am 30.9. einen Abend unter<br />

dem Titel Learn to Enjoy Jazz mit<br />

Nadin Deventer, Künstlerische<br />

Leiterin des Berliner JazzFestes,<br />

Enjoy-Jazz-Leiter Rainer Kern<br />

und Christine Stephan, Herausgeberin<br />

der <strong>JAZZTHETIK</strong>. Das<br />

Festival wird in der Heidelberger<br />

Stadthalle am 2.10. eröffnet von<br />

dem politisch wie musikalisch<br />

äußerst hörenswerten Kollektiv<br />

Les Amazones d’Afrique. Die<br />

verschiedenen Konzerte,<br />

Formate und das anregende<br />

Rahmenprogramm des Festivals<br />

werden, verteilt über mehrere<br />

Städte, bis mindestens zum 17.11.<br />

dauern.<br />

www.enjoyjazz.de<br />

Das Erste Deutsche Stromorchester,<br />

das der Kölner Trompeter<br />

und Performer Rochus<br />

Aust erfunden hat, macht nicht<br />

einfach nur Musik. Es geht auf<br />

eine Reise mit 51 Konzerten entlang<br />

des 51. Breitengrades, die<br />

in NRW beginnt, nach Menden,<br />

Iserlohn, Münster, Recklinghausen,<br />

Essen, Köln, Düsseldorf und<br />

Emmerich, die allesamt nicht<br />

allzu weit vom 51. Breitengrad<br />

entfernt sind. Weitergehen soll<br />

es dann in Richtung Westen, die<br />

Mitwirkung anwohnender Künstler<br />

ist eingeplant, die genaue<br />

Kartierung der Orte und ihrer<br />

Bewohner werden Bestandteile<br />

der Partitur, die sich im Laufe der<br />

Reise zu einer Meta-Partitur auswächst.<br />

Mal sehen. Mal hören.<br />

www.rochusaust.de/stromorchester1.html<br />

Am 5.9. endet die Bewerbungsfrist<br />

für die Sarah Vaughan<br />

International Jazz Vocal<br />

Competition. Am 12.10. werden<br />

die fünf Finalistinnen und<br />

Finalisten bekanntgegeben, und<br />

am 18.11. steigt das Finale im<br />

New Jersey Performing Arts<br />

Center in Newark, NJ, vor einer<br />

erlauchten Jury. Näheres unter<br />

der Webadresse:<br />

www.sarahvaughancompetition.<br />

com<br />

powered by<br />

6) Die 18. Jazztage<br />

Dresden füllen fast den<br />

kompletten November<br />

und bieten an 21 Spielstätten in<br />

der Stadt ein äußerst umfangreiches<br />

Konzertprogramm, das<br />

den weiten stilistischen Bereich<br />

dessen, was heute Jazz heißt,<br />

und auch einiges darüber<br />

hinaus abbildet <strong>–</strong> vom Quadro<br />

Nuevo und der Barrelhouse<br />

Jazz Band über Rebekka<br />

Bakken, Gregory Porter, die Jan<br />

Garbarek Group oder die Klazz<br />

Brothers bis zu Martin Tingvall<br />

und Al Di Meola. Gleich am 1.11.<br />

geht’s los.<br />

www.jazztage-dresden.de<br />

7) Der Kunstverein Rüsselsheim<br />

zeigt vom 23.9. an bis zum Jahresende<br />

Fotografien von Frank<br />

Schindelbeck unter dem Titel<br />

The Look of Jazz. Schindelbeck<br />

geht es nicht um Dokumentationen,<br />

sondern um das sekundenbruchteilhafte<br />

Einfangen<br />

poetischer Momente.<br />

www.kunstvereinruesselsheim.de<br />

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8) Gewinne: Judi<br />

Jackson, Soul-, Popund<br />

Jazz-Sängerin, ist<br />

im <strong>Oktober</strong> auf Europa-Tournee<br />

mit einer Verbeugung vor Nina<br />

Simone, Motto: „Little Girl<br />

Blue“. Nach Stationen in<br />

Belgien und Frankreich kommt<br />

sie am 16.10. in den Frannz Club<br />

in Berlin und am 17.10. ins Mojo<br />

Jazz Café in Hamburg.<br />

<strong>JAZZTHETIK</strong> verlost für beide<br />

Konzerte je zwei Karten unter<br />

denen, die uns bis zum 1.10.<br />

schreiben, wie Nina Simones<br />

Autobiografie betitelt ist. Der<br />

Rechtsweg ist ausgeschlossen,<br />

Postadresse: <strong>JAZZTHETIK</strong>,<br />

Frie-Vendt-Str. 16, Hinterhaus,<br />

48153 Münster<br />

jazz@<strong>JAZZTHETIK</strong>.de<br />

9) Mehr Gewinne: Für Jazz-<br />

Cineasten: <strong>JAZZTHETIK</strong> verlost<br />

Tickets für It Must Schwing!<br />

The Blue Note Story, die<br />

Dokumentation über Gründer<br />

und Geschichte des berühmten<br />

Labels mit animierten Einspielungen<br />

in Graphic-Novel-Optik,<br />

Interviews, Musikdokumenten<br />

und emblematischen Fotos von<br />

Francis Wolff (s. „Laufbildkontrolle“<br />

in diesem Heft). Der von<br />

Eric Friedler gedrehte und von<br />

Wim Wenders produzierte Film<br />

läuft im <strong>September</strong> im Kino an.<br />

Die Absender der ersten drei<br />

Postkarten mit dem Stichwort<br />

„It Must Schwing“ an JAZZ-<br />

THETIK, Frie-Vendt-Straße 16<br />

(Hinterhaus), 48153 Münster, gewinnen<br />

jeweils zwei Freikarten.<br />

www.itmustschwing.com<br />

In Burghausen wird es 2019<br />

wieder den Nachwuchs-Jazzpreis<br />

geben, Bewerbungen sind<br />

bis 31.10. möglich. Bewerben<br />

können sich Formationen ab<br />

drei Musikern und Bigbands,<br />

das Höchstalter ist auf 30 Jahre<br />

(Jahrgang 1989) begrenzt. Das<br />

Finale der von der Jury ausgewählten<br />

Bands findet am 26.3.<br />

im Stadtsaal Burghausen statt.<br />

Die Bewerbungsunterlagen und<br />

alle Modalitäten sind veröffentlicht<br />

auf der Website:<br />

www.b-jazz.com<br />

Ob es wirklich ein Gitarrist war,<br />

der im Juli aus seinem Gitarrenkasten<br />

eine Spitzhacke entnahm,<br />

um damit Donald Trumps Stern<br />

auf dem Hollywood Walk of Fame<br />

zu zertrümmern? Austin Mikel<br />

Clay rief selbst die Polizei an,<br />

ging dann fort und wurde wenig<br />

später festgenommen. Knapp<br />

zwei Jahre zuvor hatte es schon<br />

einen Anschlag auf den Stern<br />

gegeben. Der damalige Täter<br />

James Lambert Otis soll jetzt für<br />

Clay die Kaution gestellt haben.<br />

Solidarität unter Vandalen!<br />

Zum Jazz-und-Wein-Festival in<br />

Leibnitz vom 27.-30.9. kommen<br />

nicht nur Wadada Leo Smith<br />

mit dem Great Lakes Quartet,<br />

man wird auch The Whammies<br />

hören, Marius Neset, die<br />

kubanischen Pianisten Marialy<br />

Pacheco und Omar Sosa sowie<br />

das Trio des Bassisten Renaud<br />

García-Fons.<br />

www.jazzfestivalleibnitz.at<br />

6 Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong>


8<br />

© Christine Stephan<br />

11<br />

© Jesse Kitt<br />

14<br />

9<br />

© Bernard Rie<br />

10 12 13<br />

© Iza Korsak<br />

Judi Jackson<br />

It Must Schwing!<br />

Ken Pickering<br />

Avishai Cohen<br />

Trans4JAZZ<br />

Soweto Kinch<br />

Leipziger Jazztage<br />

Lizz Wright<br />

HÖMMA!<br />

Leo Tardin<br />

Piano im Pool<br />

10) Ken Pickering brachte 1985<br />

das Vancouver International<br />

Jazz Festival in Gang, war über<br />

30 Jahre lang dessen Künstlerischer<br />

Leiter und überhaupt ein<br />

unermüdlicher und einflussreicher<br />

Förderer der improvisierten<br />

Musik in Kanada <strong>–</strong> als<br />

Produzent, als Veranstalter, als<br />

Inhaber des Black Swan Record<br />

Store, als guter Freund der Musikerinnen<br />

und Musiker und ihr<br />

Hörer. Ken Pickering starb am<br />

10. August infolge einer Krebs-<br />

Erkrankung und hinterlässt<br />

zahllose Mitmenschen bestürzt<br />

und trauernd.<br />

powered by<br />

11) Zum Trans4JAZZ im<br />

schwäbischen<br />

Ravensburg vom 7. bis<br />

11.11. kommen unter anderem<br />

Al Di Meola, die Mike Stern<br />

Band, Avishai Cohen, Mathias<br />

Eick und Kinga Głyk. Der<br />

Vorverkauf hat längst begonnen,<br />

also los jetzt, die Festivalpässe<br />

sind schon ausverkauft,<br />

hört man.<br />

www.jazztime-ravensburg.de<br />

Hoffentlich klappt es diesmal:<br />

Das legendäre Tonstudio der<br />

Musikproduktion Schwarzwald<br />

(MPS) soll wiederbelebt<br />

werden. Nach gefühlt endlosen<br />

Querelen ist es dem Jazz-<br />

Experten und Geschäftsmann<br />

Friedhelm Schulz und dem<br />

Immobilienunternehmer<br />

Berthold Käfer aus Villingen<br />

gelungen, das kulturelle Erbe<br />

der MPS zu retten und einem<br />

Trägerverein zu übertragen,<br />

dessen Gründung im <strong>Oktober</strong><br />

vollzogen werden soll. Dann<br />

wird es wieder aufwärtsgehen<br />

im Studio.<br />

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12) Vom 11.-20. <strong>Oktober</strong><br />

gibt es in Leipzig Fish &<br />

Chips. Das britische<br />

National-Fast-Food soll nicht den<br />

Brexit begleiten, sondern an den<br />

großartigen britischen Jazz<br />

erinnern, der gerade etwas in<br />

Vergessenheit zu geraten droht<br />

<strong>–</strong> vielleicht auch Folge einer<br />

splendid isolation? An zehn<br />

Tagen werden, verteilt über zehn<br />

Spielstätten <strong>–</strong> darunter Oper und<br />

Schauspielhaus, Liebfrauenkirche,<br />

Westbad oder Werk 2,<br />

Halle D <strong>–</strong>, Musikerinnen und<br />

Musiker aus dem Großen<br />

Britannien, Deutschland und den<br />

USA mit- und nebeneinander<br />

spielen, darunter Norma<br />

Winstone, Dave Holland und das<br />

Hidden Orchestra. Max<br />

Andrzejewskis Hütte mit Gästen<br />

nimmt sich der Musik von Robert<br />

Wyatt an, Leafcutter John<br />

unterstützt Michael Wollny und<br />

Alex Nowitz bei den Goldberg-<br />

Tangenten. Und Europa lebt.<br />

www.jazzclub-leipzig.de<br />

In seiner zweiten Förderrunde<br />

des Jahres fördert der Musikfonds<br />

63 Projekte mit einem<br />

Volumen von 725.000 Euro. Für<br />

die Digitalisierung der Aufführungstechnik<br />

von Livemusik-<br />

Spielstätten hat das sogenannte<br />

Kulturstaatsministerium<br />

1,167 Millionen bereitgestellt,<br />

die 188 Clubs zugutekommen.<br />

Die Initiative Musik steuert<br />

in ihrer 41. und 42. Förderrunde<br />

Beiträge zu insgesamt<br />

98 Projekten bei. Gefördert<br />

werden 91 Künstlerprojekte von<br />

HipHop über Pop bis zu Jazz,<br />

dazu werden sieben Infrastrukturprojekte<br />

gefördert, darunter<br />

die Musikwirtschaftsstudie<br />

„Zukunft der Musiknutzung“.<br />

powered by 13) Vom 12. bis 19.9.<br />

kommt es in Oberhausen<br />

zur zweiten<br />

Lieferung des Festivals<br />

HÖMMA! Das Programm ist<br />

hochkarätig und abwechslungsreich,<br />

das Publikum wird zu<br />

eigenen Aktivitäten animiert,<br />

und ein besonderes Highlight<br />

verspricht das Konzert der WDR<br />

Big Band mit Lizz Wright im<br />

Stadttheater zu werden.<br />

www.sensitive-colours.de<br />

Die Preisträger-Shortlist der<br />

VIA <strong>–</strong> VUT Indie Awards <strong>–</strong> ist<br />

komplett. Zum sechsten Mal<br />

zeichnet der Verband unabhängiger<br />

Musikunternehmen Talente<br />

der unabhängigen Musikbranche<br />

aus. Die Preise werden<br />

nach Qualitätskriterien vergeben,<br />

nicht nach kommerziellem<br />

Erfolg. Das Verleihungsfest ist<br />

ein Höhepunkt des Reeperbahn<br />

Festivals, das vom 19. bis 22.9.<br />

in Hamburg stattfindet.<br />

www.viaawards.de<br />

Wo kommen jetzt all die Haare<br />

her? Das Start-up Skin46 aus<br />

Buchs in der Schweiz hat ein<br />

Verfahren entwickelt, um auf<br />

hygienisch perfektem Weg<br />

medizinisch reinen Kohlenstoff<br />

aus Haaren zu gewinnen und<br />

daraus eine Tattoo-Tinte herzustellen.<br />

Wer nun Haare von, sagen<br />

wir, Elvis Presley einsendet<br />

und nachweist, dass er zu ihrer<br />

Verwendung befugt ist, kann<br />

also eine Ladung Tattoo-Tinte<br />

vom leiblichen King bekommen.<br />

Auch andere Herkunftshaare<br />

sind möglich. Skin46 betont,<br />

dass dies kein Scherz ist.<br />

Das Institut für Musikwissenschaft<br />

Weimar-Jena lädt zur<br />

Tagung „Jazz im deutschsprachigen<br />

Raum: Themen,<br />

Methoden, Perspektiven“<br />

(21./22.9.) in den Seminarraum 1<br />

im Hochschulzentrum am Horn<br />

der Musikhochschule Franz<br />

Liszt in Weimar. Die Leitung der<br />

Tagung hat Martin Pfleiderer,<br />

der Eintritt ist frei, um Anmeldung<br />

wird gebeten unter:<br />

jazzforschung@hfm-weimar.de<br />

powered by<br />

14) Noch mehr<br />

Gewinne: Wer wollte<br />

nicht schon immer<br />

Piano im Pool hören? Vom 18.<br />

bis 20.10. geht der alte Wunsch<br />

in Erfüllung. Der Pool befindet<br />

sich in Luzern, zu Gast sind<br />

Bobo Stenson, David Tixier,<br />

Lada Obradović und andere.<br />

<strong>JAZZTHETIK</strong> verlost zwei<br />

Tickets für Bobo Stenson unter<br />

den Lesern, die uns bis zum<br />

1.10. schreiben, aus welchem<br />

Lied diese Textstelle stammt: „In<br />

meiner Badewanne ist es<br />

wunderschön / da fang ich an,<br />

die Meere aufzuwühlen / Ich<br />

fühle mich als Mann der Tat /<br />

Und drehe an dem Wasserhahn.“<br />

Der Rechtsweg ist<br />

ausgeschlossen, Postadresse:<br />

<strong>JAZZTHETIK</strong>, Frie-Vendt-Str. 16,<br />

Hinterhaus, 48153 Münster<br />

jazz@<strong>JAZZTHETIK</strong>.de<br />

www.piano-im-pool.ch<br />

Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong> 7


Les Poules à Colin<br />

Lichtblicke in der Düsternis<br />

Die Dunkelheit kann durchaus reizvoll sein. Vor allem<br />

musikalisch. Nichts gegen euphorische Jigs und Reels, die<br />

vor Vitalität sprühen, nichts gegen lichtdurchflutete Hymnen<br />

von der Sonnenseite des Lebens <strong>–</strong> aber die dunklen Folk-<br />

Songs, die Mörderballaden und Totenklagen, ziehen die<br />

Menschen ebenfalls in ihren Bann. Auch Les Poules à Colin<br />

konnten sich dem nicht entziehen: Das kanadische Quartett,<br />

das derzeit nicht nur die Folk-Szene Quebecs aufmischt,<br />

hat mit seinem dritten Album Morose sein „Winteralbum“<br />

veröffentlicht <strong>–</strong> und dabei selbst in der Melancholie eine<br />

jugendliche Freude gefunden.<br />

© famgroup<br />

8 Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong>


Von Thomas Kölsch<br />

Dabei ist Morose das bislang erwachsenste<br />

Album der jungen Band. „Wir sind an den<br />

Aufnahmen durchaus gereift und verstehen<br />

jetzt viel eher, was wir mit unserer Musik<br />

erreichen wollen“, erklärt Sängerin und<br />

Geigerin Béatrix Méthé, mit 23 Jahren das<br />

jüngste Bandmitglied. „Uns haben diese<br />

düsteren Geschichten unglaublich fasziniert,<br />

die sich um soziale Tabus drehen, um<br />

Verbrechen und Vergehen. Also haben wir<br />

sie gesammelt und auf unsere Art interpretiert.<br />

Wir haben das Unheimliche gehegt<br />

und dennoch einen Lichtblick selbst in den<br />

dunkelsten Titeln gefunden.“<br />

In Liedern also, die auf Feiern nur<br />

selten gespielt werden, dafür aber umso<br />

mehr abseits der Bühnen, dort also, wo das<br />

Quartett aufwuchs. Was mit ein Grund dafür<br />

sein könnte, warum es an diesen Songs<br />

so viel Freude hat. Alle vier sind Kinder<br />

etablierter Folk-Musiker, wuchsen zum Teil<br />

zusammen auf und lernten die traditionsreiche<br />

Musik mit Fiddle und Fuß-Perkussion in<br />

zahlreichen Küchenkonzerten und privaten<br />

Jam-Sessions von einigen der besten<br />

Vertreter ihres Fachs kennen. „Wir sind<br />

wie eine Familie“, betont Méthé denn auch.<br />

„Mit Sarah Marchand habe ich schon in<br />

jungen Jahren gespielt, Colin Savoie-Levac<br />

habe ich kennengelernt, als wir mit seiner<br />

Mutter und meinen Eltern in der Band Dentdelion<br />

aktiv waren. Daraus erwuchs dann<br />

irgendwann der Gedanke, etwas Eigenes zu<br />

machen. Als Band spielen wir inzwischen<br />

seit zehn Jahren zusammen.“ Das hört man.<br />

Virtuosität und Vertrautheit gehen in den<br />

oft schön reduzierten Aufnahmen Hand in<br />

Hand; Bass, Gitarre, Klavier und Geige verstehen<br />

sich blind, ebenso wie die Sänger,<br />

die mitunter ganz bewusst einen schlichten<br />

Ansatz wählen, der den nuancenreichen<br />

Stimmen durchaus entgegenkommt. Zudem<br />

haben sich Les Poules à Colin auch Gäste<br />

eingeladen, die mit charismatischem Bariton<br />

und Bass für entsprechende Kontraste<br />

zu dem natürlichen Sopran und Alt der<br />

Damen sorgen, darunter Yann Falquet (bei<br />

„Belle Exodina“) oder auch David Berthiaume,<br />

Frontmann der Formation Réveillons.<br />

Dabei orientiert sich die Band am Folk-<br />

Revival der 70er Jahre, an Künstlern wie<br />

Yves Lambert, André Marchand oder Beas<br />

eigenem Vater Claude Méthé, Gründer der<br />

einflussreichen Gruppierung Le Rêve du<br />

Diable.<br />

Doch Les Poules à Colin gehen weit<br />

über ihr eigentliches Erbe hinaus. So haben<br />

sie neben traditionellen Songs aus dem<br />

frankophonen Teil Kanadas auch drei Titel<br />

aus Louisiana ins Repertoire genommen,<br />

der Heimat der Cajun-Musik. „Ein Freund<br />

von uns, Julien Bizet, hat uns mit Material<br />

versorgt“, erzählt Méthés. „Darin fanden<br />

wir einen ganz bestimmten Zugang zur<br />

Musik, der uns berührte und mit dem wir<br />

automatisch eine Verbindung aufbauten.<br />

Letztlich stammen diese Lieder aus denselben<br />

Quellen wie der kanadische Folk, also<br />

vor allem aus der Bretagne sowie dem keltischen<br />

Raum.“ Manches haben die Vier aber<br />

auch selbst geschrieben, darunter „My<br />

Room“ sowie sämtliche Instrumentalstücke.<br />

„Außerdem haben wir den letzten Song<br />

des Albums, ‚Breakfast at the Méthés‘, von<br />

meiner Mutter übernommen“, sagt Béatrix<br />

lachend. Und „La Volerie“, jenes Lied über<br />

einen opportunistischen Weindieb, das humorvoll<br />

beginnt und am Ende eine morbide<br />

Wendung nimmt? Den hat Claude Méthé<br />

beigesteuert, der die Geschichte in einem<br />

mittelalterlichen Buch gefunden und eine<br />

neue Melodie dazu geschrieben hat. „Dieses<br />

Stück stellte für uns eine der größten<br />

Herausforderungen des Albums dar, weil<br />

es mit seinem treibenden, aber gleichzeitig<br />

alten Groove und dem Spieluhrencharme so<br />

völlig anders klingt als alles, was wir zuvor<br />

gemacht haben.“<br />

Diese Musik haben Les Poules à Colin<br />

um die eigenen Einflüsse ergänzt. Die<br />

französische Band Malicorne aus den 70er<br />

Jahren ist mit ihren spannenden Arrangements<br />

und starken Riffs ebenso zu nennen<br />

wie die ein oder andere Motown-Größe<br />

<strong>–</strong> und Beyoncé. „Wir lieben sie“, gesteht<br />

Méthé lachend. „Deshalb haben wir meinen<br />

Walzer ‚Team B‘ auch ihr gewidmet.“<br />

Warum nicht. Ebenso wie andere Genres<br />

ist Folk immerhin längst ein Schmelztiegel<br />

geworden, der alles aufnimmt, Jazz ebenso<br />

wie Rock und Pop, um daraus neue Impulse<br />

zu destillieren. „Wir fühlen uns dem verpflichtet,<br />

was wir lieben, und das beinhaltet<br />

diese einzigartige Mischung aus Stilen und<br />

Genres“, sagt Méthés. „Die traditionelle<br />

Musik ist allerdings stets unser Ausgangspunkt.“<br />

Aktuelle CD:<br />

Les Poules à Colin: Morose<br />

(Steeplejack / In-Akustik)<br />

Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong> 9


Fredy Studer<br />

Jetzt ist die Zeit<br />

Mit 70 veröffentlicht Schlagzeuger Fredy Studer eine<br />

Standortbestimmung als Solo-Künstler.<br />

Von Gerd Döring<br />

Über zwei Jahrzehnte lang hat<br />

Fredy Studer gemeinsam mit<br />

Hans Koch und Martin Schütz<br />

mit immer neuen Volten verblüfft.<br />

Hardcore Chambermusic<br />

nannten die drei ihre bis 2017<br />

währenden Klangexperimente,<br />

aber den Schweizer Drummer<br />

konnte man in den vergangenen<br />

Jahren auch in weiteren<br />

ambitionierten Bands erleben:<br />

mit Erika Stucky auf den Spuren<br />

von Jimi Hendrix oder mit der<br />

jungen NoiseCore-Band Phall<br />

Fatale. Nun hat der so vielseitige<br />

wie umtriebige Schlagzeuger<br />

ein ehrgeiziges Projekt (fast) im<br />

Alleingang gestemmt, das den<br />

Musiker zurückwirft auf sich<br />

selbst. Verteilt auf zwei LPs, die<br />

sich auf etwas über eine Stunde<br />

Laufzeit summieren, kredenzt<br />

er eine feine Melange aus beinahe<br />

sphärischen Klängen und<br />

Studer schem Power-Drumming,<br />

die keine Genre-Grenzen kennt.<br />

Der schlitzohrige Studer<br />

wollte das Album gerne schon<br />

im vergangenen Jahr veröffentlichen<br />

<strong>–</strong> mit 69 Jahren, einer<br />

Zahl, die ihn ob ihrer Symbolik<br />

durchaus gelockt hätte. Man<br />

hat es ihm ausgeredet, und so<br />

erscheinen die Aufnahmen (als<br />

Box mit zusätzlichem dickem<br />

Begleitbuch) nun kurz nach<br />

seinem 70. Geburtstag beim<br />

kleinen Schweizer Label Everest<br />

Records. Den Titel der aufwendigen<br />

Veröffentlichung hat er<br />

sich von einem der ganz Großen<br />

geliehen: „Now‘s the Time“<br />

schrieb Charlie Parker vor über<br />

50 Jahren, für Studer immer<br />

noch ein passendes Vorbild in<br />

Haltung und Geist.<br />

Etliche Wochen hat er sich<br />

Zeit genommen für die Vorbereitung<br />

seines Soloalbums und<br />

gemeinsam mit Studioingenieur<br />

(und Produzent) Roli Mosimann<br />

an den 14 Tracks gefeilt. Kein<br />

Best-of also, kein Zusammenschnitt<br />

vergangener Taten.<br />

Eher eine Standortbestimmung,<br />

gewonnen aus den Erfahrungen,<br />

die Studer in vielen Konzerten<br />

und Bands gemacht hat. Nach<br />

langen Jahren mit immer wieder<br />

neuen (und vielen alten) Bandprojekten<br />

ist der Trommler aus<br />

Luzern nunmehr öfter auch als<br />

Solo-Künstler unterwegs.<br />

Begonnen hat Studer als<br />

dynamischer Pulsgeber mit drei<br />

Freunden aus Luzern, und das<br />

Quartett machte sich damals<br />

schnell einen Namen. Mit<br />

ihrer Electric-Jazz-Free-Music<br />

trafen OM den Nerv der Zeit<br />

(1972 <strong>–</strong> 1982) <strong>–</strong> der Beginn einer<br />

langen Karriere im Grenzbereich<br />

von Rock, Jazz und<br />

improvisierter Musik für Christy<br />

Doran, Urs Leimgruber, Bobby<br />

Burri und eben Fredy Studer.<br />

Eine Liaison, die immer noch<br />

hält: Seit etlichen Jahren sind<br />

die vier wieder gemeinsam zu<br />

hören, gastieren <strong>–</strong> so es die Zeit<br />

zulässt <strong>–</strong> im heimatlichen Luzern<br />

und spielen auf Festivals. Nicht<br />

zuletzt immer wieder in Willisau.<br />

Hier hat Studer vor fünf Jahren<br />

auch im Rahmen der „Intimities“<br />

am Solo-Spiel Gefallen<br />

gefunden, im <strong>September</strong> wird er<br />

nun beim 44. Festival in Willisau<br />

seine im Januar eingespielten<br />

Tracks live vorstellen.<br />

Aus Skizzen und Aufgeschnapptem,<br />

aus vertrauten<br />

Beats und Hörnotizen entwickelt<br />

er seine Musik, die er zuweilen<br />

© Ben Huggler<br />

auch notiert <strong>–</strong> aber komponiert,<br />

darauf legt Studer wert, sind<br />

seine Stücke nicht. Als Komponist<br />

sieht er sich nicht, zu groß<br />

ist sein Respekt vor Namen wie<br />

György Ligeti und Edgar Varèse,<br />

deren Musik ja durchaus auch<br />

zu seinem Repertoire gehört. Er<br />

ist Autodidakt, ein Tüftler, der<br />

seine Musik aus dem gemeinsamen<br />

Spiel und dem täglichen<br />

Umgang mit seinem Instrument<br />

entwickelt. Eine sinnliche Suche<br />

nach Klängen und Rhythmen, gespeist<br />

aus vielen Einflüssen und<br />

gewiss weit entfernt von seinen<br />

rockmusikalischen Anfängen.<br />

Aber eben unverkennbar immer<br />

noch geprägt vom dynamischen<br />

Groove, den Studer so unnachahmlich<br />

zu erzeugen vermag.<br />

Mit „InPuls“, einem fünfminütigen<br />

Abtasten und Räume-<br />

Abstecken, startet Studer<br />

gewohnt dynamisch auf seinem<br />

Gretsch-Schlagzeug, das er um<br />

Gongs und Klangbleche erweitert<br />

hat; konsequent auch der<br />

Verzicht auf jegliche Elektronik<br />

und Overdubs. Den Raumklang<br />

aber nutzt er mit Bedacht, hat<br />

sorgsam aufgenommen, den<br />

jeweils richtigen Standort für<br />

die Mikrophone gesucht, den<br />

jeweils passenden Effekt von<br />

Fellen und Metall. Ein Basteln<br />

und Probieren, dessen Ergebnis<br />

gewiss nicht der spontanen<br />

Atmosphäre eines Live-Konzerts<br />

entspricht, zuweilen meint man<br />

eher eine Studio-Aufnahme auskomponierter<br />

Musik zu hören.<br />

Dem einen oder anderen<br />

Kollegen und Mitstreiter hat<br />

Fredy Studer einzelne Tracks gewidmet,<br />

Pierre Favre etwa oder<br />

Jojo Mayer. Kurze, wohlkalkulierte<br />

Stücke sind darunter, aber<br />

auch lange vielfarbige Fantasien<br />

wie das zwölfminütige Titelstück.<br />

Mit zunehmender Dauer<br />

fängt die Magie, lässt man sich<br />

bereitwillig auf den Flow der<br />

Musik und die Stimmung der<br />

Tracks ein. Da gibt es lässige<br />

und verspielte wie das kratzige<br />

„Lies mehr Nadel“ oder den<br />

saftigen „Circle Stomp“. Es weht<br />

aber auch ein tiefer Ernst in die<br />

Aufnahmen hinein. Quasi ein<br />

Requiem hat er dem während<br />

der Aufnahmen im Januar<br />

verstorbenen Freund François<br />

„Frasi“ Müller gewidmet, und<br />

auch „Rostiger Himmel“, der<br />

letzte Track der Aufnahmen, gilt<br />

dem Freund <strong>–</strong> ein so dunkles wie<br />

nachdenkliches Lebewohl.<br />

Statt umfangreicher Liner<br />

Notes hat Fredy Studer vier<br />

namhafte Kollegen gebeten,<br />

seine Arbeit zu kommentieren,<br />

zu bewerten. Lobende Worte<br />

finden Vinnie Colaiuta, Jim Keltner<br />

und Jack DeJohnette. Den<br />

treffendsten Kommentar aber<br />

liefert der Niederländer Paul<br />

Lovens mit feinen Reimen: „He<br />

sows his prose that flows <strong>–</strong> as<br />

he goes… And getting close, he<br />

knows <strong>–</strong> as it shows.”<br />

<strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong><br />

Aktuelle LP-Box:<br />

Fredy Studer:<br />

Now’s the Time<br />

(Everest / Maniac Press)<br />

10 Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong>


Lisa Bassenge<br />

Szenen einer Ehe<br />

© Dovile Sermokas<br />

Fragt man die Berliner Sängerin Lisa Bassenge, nach<br />

welchen Kriterien sie das Material ihres neuen Albums<br />

ausgewählt hat, erfährt man, dass es sich um ein<br />

Gemeinschaftswerk mit ihrem frisch angetrauten Ehemann,<br />

dem dänischen Kontrabassisten Andreas Lang, handelt.<br />

Von Victoriah Szirmai<br />

„Deshalb auch der Titel Borrowed and Blue,<br />

der auf den Hochzeitsbrauch ,Something<br />

old, something new, something borrowed,<br />

something blue‘ anspielt“, erzählt sie. „Es<br />

sind alles Songs, die mein Mann und ich an<br />

einem bestimmten Punkt unserer Beziehung<br />

gehört haben, etwa, als wir zum ersten Mal<br />

zusammen Auto gefahren oder zum ersten<br />

Mal miteinander verreist sind.“<br />

Man könnte befürchten, um die<br />

Beziehung sei es nicht zum Besten bestellt:<br />

Alles hier ist düster und weh, es geht um<br />

verlorene Liebe, Schmerz und Tod. Dabei<br />

sind Bassenge und Lang mit ihrem gemeinsamen<br />

Baby privat überglücklich. Ist es<br />

nicht seltsam, musikalisch im Verlassensein<br />

zu versinken, nur um kurz darauf fröhlichem<br />

Familienleben zu frönen? „Diese Art von<br />

Musik ist künstlerisch einfach viel interessanter<br />

als so ein Happy-Happy-Gefühl“,<br />

sinniert Bassenge. „Und nicht zuletzt lassen<br />

sich damit bestimmte Aspekte des Lebens<br />

in die Kunst auslagern.“<br />

Tatsächlich wiegt Borrowed & Blue mit<br />

seinem countryesk-schunkelnden Patsy-<br />

Cline-Auftakt „Three Cigarettes in an Ashtray“<br />

dann auch nur kurz in trügerische Sicherheit,<br />

denn nicht einmal dieser Lazy-Sunday-<br />

Morning-Sound kann darüber hinwegtäuschen,<br />

dass hier mehr lauert. Und so wird<br />

es auch schon auf „I Feel Like Breaking Up<br />

Somebodys’s Home“ mehr als nur untergründig<br />

bedrohlich, wobei Bassenge und<br />

ihre Begleiter den Albert-King-Blues dank<br />

klanggewordenem Nimmermehr-Gefühl<br />

in reduziertem Dunkelmoll zum perfekten<br />

Torch Song wandeln.<br />

Kleine Cafés, Parks mit alten Kastanienbäumen<br />

und natürlich auch Phantom-<br />

12 Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong>


spiegelungen des verlorenen Liebhabers<br />

werden mit dem Billie-Holiday-sings-Sinatra-Klassiker<br />

„I’ll Be Seeing You“ wehmütig<br />

heraufbeschworen, während die Warren-<br />

Zevon-Nummer „Keep Me in Your Heart<br />

for a While“ trotz des sich abzeichnenden<br />

Abschieds derart laid back klingt, dass<br />

sich leicht nachvollziehen lässt, weshalb<br />

„Whiskey, Weed and Warren Zevon“ zum<br />

geflügelten Wort wurde. Tatsächlich jedoch<br />

handelt es sich um den letzten Song, den<br />

der US-Amerikaner je geschrieben hat: „Er<br />

war schon total vom Krebs zerfressen, hat<br />

ihn dann aber noch zu Hause eingesungen,<br />

damit er auf seiner letzten Platte erscheinen<br />

konnte“, erklärt Bassenge, die auch auf<br />

dem folgenden „My Man’s Gone Now“ ausgiebig<br />

dem Verschwundenen nachtrauert.<br />

Vor allem der schuberteske Piano-Unter-,<br />

wenn nicht gar -Abgrund macht die Platte<br />

spätestens zum romantischen Liederzyklus.<br />

Bassenge klagt sich herzzerreißend durch<br />

den Song, an dessen Ende ein „Promised<br />

Land“ winkt, das hier als Euphemismus fürs<br />

Jenseits verstanden werden will.<br />

Der warme Bass-Sound, der die<br />

Townes-Van-Zandt-Nummer „I’ll Be Here in<br />

the Morning“ eröffnet, lindert den allergrößten<br />

Schmerz; und wenn sich erst das<br />

Klavier zum Dialog der Eheleute gesellt, entfaltet<br />

sich Klarheit darüber, dass das Stück<br />

nicht auf den Liebsten abzielt, sondern<br />

vielmehr Versprechen von Mutter zu Kind<br />

ist, am Bett zu wachen, bis alle nächtlichen<br />

Schatten wieder verschwunden sind. „Ich<br />

habe einfach nur versucht, dieses Gefühl<br />

von Nähe, von Innigkeit zu transportieren“,<br />

so Bassenge. „Mich berührt dieses Stück<br />

immer sehr <strong>–</strong> es ist einfach ein krass schöner<br />

Text.“ Tatsächlich treibt es einem die<br />

Tränen in die Augen, wenn die letzte Zeile<br />

ahnen lässt, dass es sich nicht nur um eine<br />

durchwachte Nacht handelt, sondern um<br />

die gesamte Spanne, die das Kind im Haus<br />

der Mutter verbringt, um irgendwann seiner<br />

eigenen Wege zu gehen. Starke weibliche<br />

Familienbande klingen auch im Bill-Withers-<br />

Klassiker „Grandma’s Hands“ an, dessen<br />

Intensität sich einzig mit der Bassenge-<br />

Komposition „Barbed Wire“ vom jüngsten<br />

Micatone-Album The Crack messen lässt,<br />

womit die Sängerin das Image der edlen<br />

Electropop-Chansonnière wohl endgültig<br />

hinter sich gelassen hat.<br />

So ist das in nur einem Take und vier<br />

Stunden aufgenommene Borrowed and<br />

Blue dann auch eine Platte, bei der stets ein<br />

Hauch Abgeklärtheit mitschwingt, die sich<br />

mit zunehmendem Lebensalter einstellt <strong>–</strong> ob<br />

als zartes Erstaunen, dass nach so vielen<br />

Jahren der alte Funke immer noch glimmt,<br />

wie auf „Still Crazy After All These Years“<br />

oder dem Beatles-Klassiker „Norwegian<br />

Wood“, für den Bassenge sich in die Rolle<br />

PDF in 4c<br />

des männlichen Akteurs wagt. Die behält<br />

sie auch auf dem Hank-Williams-Senior-<br />

Closer „Ramblin‘ Man“ bei, der das erste<br />

„I Love You“ der Platte ausspricht <strong>–</strong> natürlich<br />

nicht, ohne ein „Aber“ folgen zu lassen.<br />

Und dann finden Kunst und Leben<br />

doch noch zueinander. „Mein Hauptgrund,<br />

diese Platte zu machen, war die Freiheit<br />

von Angst. Ich hatte jahrelang viel zu oft mit<br />

Leuten gespielt, die nicht richtig anerkannt<br />

haben, was ich mache. Das hat sich durch<br />

dieses Trio komplett aufgelöst. Für uns ist<br />

Musik in erster Linie Heilung und Trost. Es<br />

geht nicht darum, alles richtig zu machen<br />

<strong>–</strong> man darf auch Spaß haben!“ Hierzu hat<br />

Lisa Bassenge die richtigen Verbündeten<br />

gefunden. Jacob Karlzon am Klavier gelingt<br />

es, den intimen Zwiegesang des Ehepaars<br />

nie zur Ménage-à-trois geraten zu lassen <strong>–</strong><br />

und gerade das macht ihn so unersetzlich in<br />

einem Trio, das zu den besten Besetzungen<br />

gehört, in denen die Sängerin je gespielt hat.<br />

Aktuelle CD:<br />

Lisa Bassenge: Borrowed and Blue<br />

(Herzog / Soulfood)


Daniel<br />

Erdmann /<br />

Christophe<br />

Marguet<br />

Eine Fotografie des<br />

Moments<br />

© Dirk Bleiker<br />

14<br />

Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong>


Tenorsaxofon, Schlagzeug, zwei Kontrabässe. Zwei Bässe? Es gibt<br />

Besetzungen, die springen ins Auge, noch bevor der erste Ton den Raum<br />

durchflossen hat. So auch das Projekt des deutschen Saxofonisten<br />

Daniel Erdmann und des französischen Schlagzeugers Christophe<br />

Marguet, deren gemeinsame Band durch gleich zwei Kontrabassisten<br />

zum Quartett anwächst. Sozusagen eine Art musikalische Viersaiten-<br />

Doppelrahmstufe. Und die mundet ganz vorzüglich.<br />

Von Andreas Collet<br />

© Dirk Bleiker<br />

Ein Stipendium des Deutsch-Französischen<br />

Kulturrats war es, das<br />

den deutschen Saxofonisten Daniel<br />

Erdmann vor rund 17 Jahren<br />

nach Frankreich führte. Mittlerweile<br />

haben er und seine Familie<br />

in Reims im Nordosten Frankreichs<br />

ihre Heimat gefunden.<br />

Perfekt gelegen, der TGV macht‘s<br />

möglich, sind es nur 45 Minuten<br />

nach Paris und 30 Minuten zum<br />

Flughafen, denn seine Berliner<br />

Wohnung hat Erdmann nie aufgegeben.<br />

Three Roads Home heißt<br />

nun seine neuste Einspielung mit<br />

dem Schlagzeuger Christophe<br />

Marguet, und der Albumtitel<br />

nimmt Bezug auf drei unterschiedliche<br />

Konstellationen: zwei<br />

Trios und ein Quartett. Schon 2015<br />

eingespielt, dauerte es drei Jahre,<br />

ehe diese Perle das Tageslicht<br />

erblickte. „Das ist leider keine<br />

Band, die viel live spielt. Da gab<br />

es keinerlei Druck, und so hat es<br />

bis zur Veröffentlichung ein wenig<br />

gedauert“, erklärt Erdmann.<br />

Jeweils fünf der zwölf<br />

Kompositionen stammen aus den<br />

Federn Erdmanns und Marguets,<br />

die beiden Bassisten Henri<br />

Texier und Claude Tchamitchian<br />

brachten jeder ein Stück mit ein.<br />

Die Besetzung hatten Erdmann<br />

und Marguet schon im Sinn, als<br />

sie die Stücke schrieben. Die<br />

Aufnahme, in knapp zwei Tagen<br />

ohne Overdubs und spätere<br />

Nachbearbeitung eingespielt, ist<br />

sozusagen eine Fotografie des<br />

Moments. Erdmann ist es wichtig,<br />

dass die Stücke eine gewisse<br />

Form, Melodie oder einen Rhythmus<br />

vorgeben und trotzdem<br />

Freiräume enthalten, in denen die<br />

Musiker aus dieser Form ausbrechen<br />

sollen und können. „Das<br />

muss überschwappen, da es<br />

sonst aus meinem musikalischen<br />

Verständnis heraus zu langweilig<br />

wird. Die Möglichkeit zu machen,<br />

was man will, muss zu jederzeit<br />

gewährleistet sein. Gerade das<br />

sind die Stärken dieser Musiker.<br />

Eben genau im richtigen Moment<br />

über den Tellerrand herauszuschießen.“<br />

Mit Christophe Marguet<br />

spielt Erdmann schon eine geraume<br />

Zeit zusammen. So haben<br />

sie die Duo-Platte Together,<br />

Together! veröffentlicht und mit<br />

dem Tenorsaxofonisten Heinz<br />

Sauer eine Quartett-Aufnahme<br />

eingespielt. Three Roads Home<br />

ist nun der dritte Streich von Erdmann<br />

und Marguet. Die Wahl der<br />

Bassisten ergab sich dabei auf<br />

eine sehr natürliche Art und Weise.<br />

„Christophe und ich spielten<br />

im Sextett von Claude, so waren<br />

wir natürlich alle sehr miteinander<br />

verbunden, und Christophe<br />

wiederum spielt viel mit Henri“,<br />

erläutert Erdmann und fügt an:<br />

„Meine Verbindung zu Henri<br />

ist, obwohl ich nie zuvor mit ihm<br />

gespielt habe, eine besondere.<br />

Seine Alben Colonel Skopje und<br />

An Indian‘s Week entdeckte<br />

ich rein zufällig. Zu dieser Zeit<br />

hatte ich mit Frankreich noch<br />

gar nichts am Hut. Diese beiden<br />

Platten haben mich eine lange<br />

Zeit begleitet, und zu ihnen habe<br />

ich unglaublich viel gedudelt. Von<br />

daher freut es mich besonders,<br />

dass Henri zugesagt hat.“<br />

Die Band spielt äußerst<br />

kompakt, jeder Ton hat seinen<br />

Platz, seine Bedeutung, und in<br />

jedem schwingt diese Verbundenheit<br />

und dieses Selbstverständnis<br />

mit. Das ist Musik mit<br />

großer formeller und struktureller<br />

Kraft. Erdmann ist dabei der große<br />

Geschichtenerzähler. Einer,<br />

der den Mut hat, in Melodien zu<br />

schwelgen, der aber auch immer<br />

wieder aus ihnen ausbricht, um<br />

sie mit einem Augenzwinkern<br />

genüsslich zu dekonstruieren.<br />

Christophe Marguet unterstützt<br />

dabei mit seinem höchst<br />

virtuosen, gruppendienlichen<br />

Spiel, das niemals vordergründig,<br />

dafür immer verbindend ist. Die<br />

beiden Bassisten unterscheiden<br />

sich vor allem im Ton. Während<br />

Texier auf Three Roads Home<br />

ausschließlich Pizzicato spielt,<br />

greift Tchamitchian auch öfter<br />

zum Bogen. „Man spürt einfach<br />

die Erfahrung dieser Musiker, die<br />

schon eine gefühlte Ewigkeit mit<br />

allen möglichen Größen gespielt<br />

haben. Das alles hat natürlich<br />

Vorbildcharakter, und es ist eine<br />

große Freude, mit ihnen spielen<br />

zu dürfen“, gesteht Erdmann.<br />

Am Anfang stand die Idee<br />

der drei unterschiedlichen Besetzungen.<br />

Es wurde geprobt, die<br />

Band spielte einen Gig, und dann<br />

ging es ab ins Studio. Seitdem<br />

gaben die vier weitere Konzerte,<br />

doch auf dem Weg hat sich die<br />

Ausrichtung ein wenig verändert.<br />

Es entwickelte sozusagen eine<br />

Eigendynamik, denn nun spielen<br />

sie größtenteils nur noch im<br />

Quartett, mit beiden Bässen auf<br />

einmal. „Schlussendlich hat es<br />

sich herausgestellt, dass es uns<br />

mehr Spaß macht, die Stücke zu<br />

viert zu spielen“, erklärt Erdmann.<br />

„Wenn es noch eine Folge-Platte<br />

geben sollte, könnte ich mir gut<br />

vorstellen, sie ausschließlich im<br />

Quartett einzuspielen.“<br />

<strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong><br />

Aktuelle CD:<br />

Daniel Erdmann, Christophe<br />

Marguet, Henri Texier, Claude<br />

Tchamitchian:<br />

Three Roads Home<br />

(Das Kapital / Broken Silence)<br />

Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong><br />

15


Von Hans-Jürgen Linke<br />

Musik ist in Estland eine<br />

ungemein wichtige Kunstform<br />

<strong>–</strong> und zwar Musik im Allgemeinen,<br />

nicht nur ein bestimmtes<br />

Genre. Immerhin spricht man im<br />

Baltikum nach wie vor von der<br />

„singenden Revolution“, wenn<br />

es um die nationale Bewegung<br />

für eine staatliche Unabhängigkeit<br />

zwischen 1987 und 1991<br />

geht. Das estnische Musikleben<br />

ist vielgestaltig, lebendig und<br />

ambitioniert, und es gibt seriöse<br />

Musikerinnen und Musiker, die<br />

im Land bekannter sind als bei<br />

uns Helene Fischer.<br />

Trotz aller Begeisterung ist<br />

der Musik-Markt des 1,3 Millionen<br />

Einwohner zählenden Landes<br />

zu klein, um seine Künstler zu<br />

ernähren. Darum haben Esten es<br />

schon immer selbstverständlich<br />

gefunden, möglichst auch international<br />

unterwegs zu sein. Das<br />

gilt nicht nur für die Vertreter der<br />

bei uns sogenannten E-Musik,<br />

das gilt auch im Jazz-Fach. Wobei<br />

der Jazz in Estland nicht so<br />

streng von anderen Musikstilen<br />

unterschieden ist wie in Zentraleuropa.<br />

Jazz, Pop, Folk und E-<br />

Musik grenzen sich nicht harsch<br />

gegeneinander ab, stattdessen<br />

herrscht ein Geist der Neugier<br />

und Kooperation. Das gilt auch für<br />

Jaak Sooäär. „Musikalische Genres<br />

interessieren mich wenig“,<br />

sagt er. „Mich interessieren ganz<br />

verschiedene Stile <strong>–</strong> von Bach<br />

bis zum Punk. Heute entsteht die<br />

interessanteste Musik meistens<br />

zwischen den Stilgrenzen.“<br />

Jaak Sooäär ist Gitarrist<br />

und einer der bekanntesten<br />

Jazzmusiker in Estland. Er wurde<br />

1972 in Tallinn geboren, da war<br />

Estland noch eine sozialistische<br />

Sowjetrepublik. Seine ersten<br />

professionellen Erfahrungen in<br />

der Musik-Branche waren Konzertreisen<br />

in der UdSSR mit dem<br />

Estnischen Knabenchor, in dem<br />

er mit sieben Jahren Mitglied<br />

wurde. Später studierte er an der<br />

Universität in Tartu und an den<br />

Musikhochschulen in Tallinn und<br />

Kopenhagen und begann 1989,<br />

in der Jazz- und Pop-Szene in<br />

seinem Heimatland zu arbeiten.<br />

Die Liste der international prominenten<br />

Jazzmusiker, mit denen<br />

er zusammengearbeitet hat, ist<br />

mittlerweile stattlich, und er hat<br />

mit verschiedenen Bands über<br />

20 Alben eingespielt. In der Jazz-<br />

Abteilung der Estnischen Musikund<br />

Theaterakademie (Eesti<br />

Muusika- ja Teatriakadeemia) in<br />

Tallinn unterrichtet er seit 2001<br />

Jazz-Gitarre, und seit 2004 ist er<br />

Leiter dieser Abteilung.<br />

Seinen von Genre-<br />

Beschränkungen unverstellten<br />

Blick auf die Musiklandschaft<br />

hat er Anfang des Jahres mit<br />

dem Album Bach bewiesen,<br />

das er mit dem Pianisten Ivo<br />

Sillamaa eingespielt hat. Es ist<br />

bei dem kleinen estnischen Label<br />

AVA Muusika erschienen und<br />

Man müsste den Titel ohnehin übersetzen. Schließlich gibt es<br />

nicht sehr viele Menschen, die Estnisch verstehen, Englisch ist als<br />

Verständigungssprache auf diesem Planeten einfach weiter verbreitet.<br />

Darum hat der estnische Gitarrist Jaak Sooäär sein neues Album, das er<br />

mit einem Trio eingespielt hat, gleich A Shooting Star genannt und nicht<br />

Sabaga täht. Beides heißt auf Deutsch so viel wie „Sternschnuppe“.<br />

Jaak<br />

Sooäär<br />

Über das Licht in der Musik<br />

© Kaupo Kikkas<br />

enthält ausschließlich Musik<br />

von Johann Sebastian Bach <strong>–</strong><br />

neu instrumentiert und damit in<br />

Versionen, mit denen Anhänger<br />

der Originalklang-Szene möglicherweise<br />

nicht ganz zufrieden<br />

wären. Jetzt kam das eingangs<br />

erwähnte Album A Shooting Star<br />

heraus, eingespielt von einem<br />

Trio. Das Album enthält ebenfalls<br />

Bach-Bearbeitungen <strong>–</strong> die<br />

Choralkantate „Ich ruf zu dir, Herr<br />

Jesu Christ“ (BWV 639) und den<br />

Siciliano-Satz aus der Violinsonate<br />

in c-Moll (BWV 1017) <strong>–</strong> neben<br />

Musik des armenischen Kontrabassisten<br />

Ara Yaralyan und<br />

Stücken von Jaak Sooäär selbst.<br />

Stilgrenzen spielen hier, wie man<br />

leicht erkennt, kaum eine Rolle.<br />

Anders als das oft bei ähnlich<br />

besetzten Trios <strong>–</strong> E-Gitarre,<br />

Bass, Schlagzeug <strong>–</strong> der Fall ist,<br />

geht es auf diesem Album sehr<br />

verhalten zu, intim und manchmal<br />

melancholisch. Der finnische<br />

Schlagzeuger Markku Ounaskari<br />

arbeitet überaus filigran und<br />

klangreich, Ara Yaralyan am<br />

Bass nimmt oft den Bogen zur<br />

Hand und verzichtet meist auf die<br />

klassischen rhythmisch treibenden<br />

Grundierungen.<br />

Das Titelstück ist ein Lied<br />

von Jaak Sooäär, das, wie er<br />

erzählt, auf ein Erlebnis auf der<br />

Insel Vormsi reagiert, wo in einer<br />

<strong>September</strong>nacht ein Meteor<br />

den Himmel sehr plötzlich und<br />

weiträumig erhellte. Der Song<br />

„Sabaga Täht“, den er über<br />

dieses Erlebnis einige Zeit später<br />

schrieb, wurde vor anderthalb<br />

Jahrzehnten in der Interpretation<br />

seiner Band Eeste Keeled (Estnische<br />

Saiten) recht bekannt. Auf<br />

dem neuen Album gibt es eine<br />

rein instrumentale Trio-Fassung<br />

dieses Liedes, die, wie Jaak<br />

Sooäär findet, auch ohne den<br />

Text und ohne eine Singstimme<br />

ziemlich gut funktioniert. Der Text<br />

ist im Booklet auf Estnisch und<br />

in einer englischen Übertragung<br />

abgedruckt. Er erinnert in seiner<br />

konzentrierten und zurückhaltenden<br />

Beschreibung eines<br />

lichtvollen Augenblicks an ein<br />

japanisches Haiku.<br />

Licht spielt in dem Album<br />

auch in einem anderen Stück und<br />

in einer anderen Erscheinungsform<br />

eine große Rolle <strong>–</strong> nicht<br />

als plötzliche Erleuchtung einer<br />

nächtlichen Situation, sondern<br />

als etwas fast Abwesendes, als<br />

eine Art schimmernde Erinnerung<br />

aus der Ferne: „Kaamos“<br />

heißt das vorletzte Stück des<br />

Albums. Es ist ebenfalls eine<br />

Komposition von Jaak Sooäär.<br />

Kaamos, das bezeichnet im Finnischen<br />

die Zeit um die Wintersonnenwende,<br />

wenn die Sonne nicht<br />

aufgeht und wo es für einige<br />

Stunden über Mittag auf eine<br />

diffuse Weise vom Süden her ein<br />

wenig hell wird.<br />

Aktuelle CD:<br />

Jaak Sooäär, Ara Yaralyan, Markku<br />

Ounaskari: A Shooting Star<br />

(O-Tone / Edel:Kultur)<br />

16 Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong>


Literatur<br />

Von Rolf Thomas<br />

Ob Diedrich Diederichsen wohl je<br />

nachts schweißgebadet aufwacht, weil<br />

er von einer mediokren Nachahmer-<br />

Armee seines Stils gepeinigt wird? Die<br />

Vorstellung scheint plausibel, wenn<br />

man sich den Kraftwerk-Sammelband<br />

Mensch Maschinen Musik zu Gemüte<br />

führt. Autoren, die im Anhang<br />

selbstbewusst-blasiert als „Associate<br />

Professor für American Studies an<br />

der University of Wyoming in Laramie,<br />

USA“ firmieren und sich anscheinend<br />

nicht bewusst sind, dass sich das wie<br />

„Oberstudienrat am Beppo-Brem-Gymnasium<br />

Geilenkirchen“ anhört, pflegen<br />

in dem von Uwe Schütte herausgegebenen<br />

Buch einen peinigenden<br />

akademischen Jargon, der das Lesen<br />

zur Qual macht. Wer nicht weiß, was<br />

ein Mise en abyme <strong>–</strong> nämlich ein Bild<br />

im Bild <strong>–</strong> ist, ist aufgeschmissen. Zwar<br />

ist der Band mit Fußnoten gespickt <strong>–</strong><br />

unsinnigerweise nicht zentral am Ende<br />

des Buches, sondern am jeweiligen<br />

Ende der Kapitel, was zu hektischem<br />

Hin- und Herblättern führt <strong>–</strong>, aber<br />

gerade diesen Begriff hält die Autorin<br />

Melanie Schiller („Assistant Professor<br />

für Medienwissenschaften und Populäre<br />

Musik am Institut für Künste, Kultur<br />

und Medien an der Rijksuniversiteit<br />

Groningen in den Niederlanden“ <strong>–</strong> was<br />

es nicht alles gibt) nicht für erklärungsbedürftig.<br />

Wer sich für Kraftwerk und<br />

deren Musik interessiert, bekommt<br />

deren Geschichte zwar in den einzelnen<br />

Beiträgen brav chronologisch<br />

nacherzählt, aber die Gedanken der<br />

Diederichsen-Jünger dazu sind leider<br />

nahezu allesamt so wirr, kraus und<br />

nicht nachvollziehbar, dass man nur mit<br />

dem Kopf schütteln kann: Da verursachen<br />

„elektronische Instrumente einen<br />

Abspaltungseffekt“ (Alexander Harden<br />

hat „Interesse an der Anwendung<br />

narrativer Theorien“), das Album Trans<br />

Europa Express befindet sich auf dem<br />

Kraftwerk und<br />

Throbbing Gristle<br />

Pioniere der<br />

elektronischen<br />

Musik<br />

Der akademische Tausendsassa Uwe Schütte <strong>–</strong> Privatdozent, Musikjournalist,<br />

Buchautor <strong>–</strong> hat nicht nur einen Sammelband über das Wesen und Wirken von<br />

Kraftwerk zusammengestellt, er hat auch eine profunde und äußerst kurzweilige<br />

Analyse des Throbbing-Gristle-Anführers Genesis P-Orridge geschrieben.<br />

Weg „von Wahrhol‘s ‚Mal-Maschine‘<br />

zu Kraftwerks Musik-Maschine“ (Didi<br />

Neidhart, der nicht mal weiß, wie man<br />

Andy Warhol schreibt, ist ausnahmsweise<br />

kein Akademiker, sondern<br />

profaner Musikkritiker) und die Kraftwerksche<br />

Poesie wird erzeugt „durch<br />

die eigene Radsportbetätigung der<br />

Einzelnen“ (Literaturwissenschaftler<br />

Dr. Enno Stahl hat hier Schwierigkeiten<br />

mit der deutschen Sprache). Kurz und<br />

schlecht: Ach nee.<br />

Dass Herausgeber Uwe Schütte<br />

das Kraftwerk-Buch besser selbst<br />

geschrieben hätte, diese Erkenntnis<br />

beschleicht einen, wenn man seinen<br />

schmalen Band über Genesis P-Orridge<br />

liest. Schütte ist ein äußerst witziger<br />

und amüsanter Autor, der dieser bizarren<br />

Figur britischer Avantgarde- und<br />

Industrial-Music-Geschichte dennoch<br />

kompetenten Respekt entgegenbringt,<br />

und die knapp 100 Seiten lesen sich mit<br />

Erkenntnisgewinn und haben zumindest<br />

beim Rezensenten dazu geführt,<br />

mal wieder die alten Throbbing-Gristle-<br />

Platten aus dem Regal zu kramen.<br />

Uwe Schütte (Hg.): Mensch Maschinen Musik <strong>–</strong><br />

Das Gesamtkunstwerk Kraftwerk.<br />

C.W. Leske Verlag, Düsseldorf <strong>2018</strong>,<br />

366 Seiten, 24,90 Euro<br />

Uwe Schütte: Godstar <strong>–</strong> Über Genesis P-Orridge,<br />

eine Geheimgeschichte der Popkultur.<br />

Der Konterfei, Wien <strong>2018</strong>,<br />

99 Seiten, 9,90 Euro<br />

Das Hollywood Songbook<br />

in der Version von Michael<br />

Schiefel und dem Wood &<br />

Steel Trio klingt manchmal<br />

altmodisch, doch nie<br />

museal, und wenn, dann im<br />

besten Sinne: Da ist diese<br />

eigentümliche Stimmung, die<br />

einen beim stillen Betrachten<br />

von Gegenständen aus<br />

vergangenen Zeiten anfliegt.<br />

Sie beginnen in ihren Vitrinen<br />

gleichsam zu sprechen<br />

und verbreiten stumm<br />

eine betörende Wirkung.<br />

Es erklingt, bestückt mit<br />

knapper Prosa und perfekt<br />

instrumentiert, aus versteckten<br />

Lautsprechern eine hochgradig<br />

eigenartige Botschaft.<br />

Von Jan Kobrzinowski<br />

Das Hollywood Songbook von Hanns Eisler<br />

ist ein Liederzyklus aus vertonten Texten<br />

von Bertolt Brecht und anderen Dichtern.<br />

In die Originalfassung eingearbeitet sind<br />

Minizyklen von Eduard Mörike, Joseph von<br />

Eichendorff, Friedrich Hölderlin und je ein<br />

Text von Blaise Pascal und Goethe, sowie<br />

ein von Eisler selbst geschriebenes Gedicht:<br />

„Nightmare“. Der Zyklus ist Eislers erste<br />

Beschäftigung mit dem Thema Lied im Exil,<br />

in der er dem Schrecken darüber Ausdruck<br />

verschafft, was im damaligen Deutschland<br />

passierte. Und es ist eine Reaktion auf die<br />

fremde Welt Hollywoods samt einer Meditation<br />

über Deutschlands verschwundene<br />

Vergangenheit, unerträgliche Gegenwart<br />

und unsichere Zukunft.<br />

Musik und Text sind geprägt von einer<br />

nostalgisch-melancholischen Haltung, immer<br />

am Rande von Trauer und Schmerz über den<br />

Verlust einer untergehenden Heimat. Michael<br />

Schiefel und das Wood & Steel Trio haben<br />

sich auf eine Auswahl beschränkt, und so<br />

blieben die Brecht-Texte als Schwerpunkt<br />

übrig. „Die Auswahl entspricht unserer Perspektive“,<br />

sagt Schiefel. „Man muss diesen<br />

Stoff für heutige Zwecke einfach verdichten.<br />

Und wir wollten die relativ kurzen Stücke mit<br />

Improvisationen versehen und haben daher<br />

weniger Material verwendet. Es wäre sonst<br />

zu viel geworden. Man kommt schon mit<br />

dem Singen der Brecht-Texte irgendwann an<br />

einen Punkt, an dem es beklemmend wird.“<br />

Sowohl für ihn als Sänger als auch für<br />

das Publikum ist es wichtig, zwischendurch<br />

18<br />

Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong>


Michael Schiefel <strong>–</strong><br />

Wood & Steel Trio<br />

Zwischen Baum und Borke<br />

© Stefanie Marcus<br />

Abstand zu nehmen und sich bei Goethes<br />

„Schatzgräber“ sowie Intros, Zwischenspielen<br />

und „Tableau I-III“ genannten kleinen<br />

Intermezzi etwas zu entspannen. Michael<br />

Schiefels versatile Stimme meistert diesen<br />

Stoff, der in allen Belangen Äußerstes von<br />

einem Sänger fordert. Und das Wood & Steel<br />

Trio mit seinem ganz eigenen Sound aus dem<br />

leicht blechernen Klang von Dobro-Steel-<br />

Guitar (meisterhaft fühlt sich Christian Kögel<br />

in die Klangwelt der damaligen Zeit ein),<br />

dem virtuosen Vibrafon von Roland Neffe<br />

und Marc Muellbauers erdigem Kontrabass<br />

scheint wie geschaffen für das Projekt.<br />

Auf seiner Spurensuche stieß Michael<br />

Schiefel zunächst auf eine Decca-Produktion<br />

von 1998 aus der Reihe „Entartete Musik“<br />

mit dem klassischen Bariton Matthias<br />

Goerne und dem Pianisten Eric Schneider.<br />

Mit Letzterem kam Schiefel ins Gespräch.<br />

Ihn faszinierte, wie diese Musik zwischen<br />

Kunstlied und Kabarett changieren konnte.<br />

Wie nun eine eigene Version, außerhalb des<br />

klassischen Liedes umsetzen? Seine Idee<br />

war das Wood & Steel Trio, und so fragte er<br />

dessen Bassisten Marc Muellbauer. Der und<br />

seine Kollegen sagten sofort zu und stürzten<br />

sich an die Arbeit. Reiz und Herausforderung<br />

bestanden darin, Eislers teilweise sperrigen<br />

Klaviervorlagen auf drei Instrumente<br />

zu übertragen. „Das Material ist von Eisler<br />

sehr sorgfältig gestaltet und auf den Text<br />

abgestimmt. Es erfordert sehr viel Präzision<br />

beim Proben, war doch ursprünglich daran<br />

gedacht, dass Klavier und Stimme agogisch<br />

miteinander ‚atmen’. Wir mussten sehr<br />

lange arbeiten, bis alles begann zu wirken.“<br />

Muellbauer ergänzt: „Neben der Kraft der<br />

Texte faszinierte uns die Bandbreite der<br />

musikalischen Sprache und die kondensierte<br />

Substanz der einzelnen Lieder. Das Material<br />

selber ist einfach unglaublich gut. Es kristallisierte<br />

sich ein Weg heraus, der uns der<br />

Musik gerecht schien und uns die Möglichkeit<br />

gab, die Lieder aus ihrer Verortung als<br />

Kunstlieder der 1940er Jahre herüberzuholen<br />

ins Jetzt: Wir nahmen zum Teil nur wenige<br />

Takte aus einzelnen Stücken und improvisierten<br />

mit dem Material Zwischenspiele, denen<br />

wir komplett frei assoziierte Teile entgegensetzten.<br />

Die Lieder selbst ließen wir in ihrer<br />

kargen Lakonik unangetastet.“<br />

Michael Schiefel und Wood & Steel<br />

klingen so „altmodisch“, wie es eben nötig<br />

ist, um die eigentümlich hölzern klingende<br />

„lyrische Prosa“, heutzutage vielleicht nur<br />

noch Altlinken, Lied-Kennern und Theaterleuten<br />

ein Begriff, auf einen aktuellen Stand<br />

zu bringen. Bei näherem Hinhören jedoch<br />

ist dieser Stoff aktueller als erwartet. Man<br />

kann an ihm Befindlichkeiten ablesen, mitfühlen,<br />

wie es Menschen zwischen Baum<br />

und Borke gehen muss, die auf die Anerkennung<br />

als Flüchtlinge warten, die sich<br />

fern der Heimat fremd fühlen, während dort<br />

Kriege toben, ihr Land zerstört wird. Wood<br />

& Steel mit Michael Schiefel haben nicht<br />

nur ein seltsames, vom Aussterben bedrohtes,<br />

kritisches Genre wiederbelebt, sondern<br />

richten unsere Ohren auf Themen, „die<br />

aktuell sind und in denen einiges drinsteckt,<br />

was wir uns gerade heute anhören sollten“.<br />

Erst nach mehrmaligem Hören belohnt uns<br />

das Hollywood Songbook wirklich. Und für<br />

diejenigen, die weiter in die Tiefe gehen<br />

wollen: Matthias Goerne / Eric Schneider:<br />

The Hollywood Songbook (Decca). Werkund<br />

Genre-Vergleich lohnen sich.<br />

Aktuelle CD:<br />

Wood & Steel Trio feat. Michael Schiefel:<br />

Brecht/Eisler <strong>–</strong> Hollywood Songbook<br />

(Traumton / Indigo)<br />

Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong> 19


LBT<br />

Analoger<br />

Techno<br />

Jazz war einmal eine hippe Musik<br />

für junge Leute, die tanzen mochten.<br />

Nach und nach wurde jedoch immer<br />

weniger getanzt. LBT bringen den<br />

Jazz wieder auf die Tanzfläche.<br />

20 Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong>


Von Thomas Bugert<br />

LBT sieht auf den ersten Blick aus wie ein<br />

klassisches Klaviertrio. Neben Leo Betzl (p)<br />

gehören Maximilian Hirning (b) und Sebastian<br />

Wolfgruber (dr) zur Band. Die drei Musiker<br />

haben sich während ihres Studiums an<br />

der Münchner Musikhochschule kennengelernt<br />

und sind mittlerweile ein sehr gut<br />

eingespieltes Team, das die Grenzen des<br />

Jazz auslotet. Für die vielseitige Band war<br />

das Jahr <strong>2018</strong> bislang sehr erfolgreich.<br />

Bereits im März gewannen die drei Musiker<br />

als Teil des Vincent Eberle Quintetts den<br />

Neuen Deutschen Jazzpreis in Mannheim.<br />

Hier spielten sie, wie auf ihrem Debütalbum<br />

Levitation, Modern Jazz im besten Sinne.<br />

Bereits der Bonustrack dieser CD<br />

deutete das Konzept an, mit dem die Band<br />

kürzlich den BMW Welt Jazz Award gewann.<br />

Beim Titel „Tech Tech Tech“ ist der Name<br />

Programm. Er stammt von Maximilian<br />

Hirning, der sich erinnert: „Für den Zusatztrack<br />

dieser CD habe ich einmal probiert,<br />

ein Techno-Stück für unsere akustische<br />

Band zu schreiben. Ich beschäftige mich<br />

viel mit dieser Musik, spiele sie auch in<br />

anderen Bands und gehe tanzen. Ich finde<br />

es spannend, diese Musik ohne Computer<br />

akustisch zu reproduzieren. Auf einer<br />

Tour haben wir gemerkt, dass das Stück<br />

ziemlich gut ankommt.“ Techno funktioniert<br />

jedoch nach anderen Gesetzmäßigkeiten<br />

als traditioneller Jazz und erfordert entsprechend<br />

andere Kompositionstechniken, wie<br />

Maximilian weiter erläutert: „Wenn man die<br />

Musik am Blatt Papier komponiert, ist man<br />

dazu verleitet, viel zu viel zu schreiben und zu<br />

variieren. Ich habe mir dann zuerst die DJ-<br />

Software Ableton gekauft und alles wie ein<br />

DJ komponiert. Danach habe ich die Stücke<br />

für ein akustisches Trio aufgeschrieben.“ In<br />

dieser Art entstanden nach und nach die Titel<br />

für das aktuelle Album Way up in the Blue.<br />

Tanzbarkeit und Technogrooves sind<br />

der rote Faden, der sich durch das Album<br />

zieht. Die Kompositionstechniken und musikalischen<br />

Herangehensweisen unterscheiden<br />

sich jedoch deutlich zwischen den<br />

Stücken und schaffen so die Abwechslung,<br />

durch die das Album frisch wirkt. So erinnern<br />

das Titelstück und der Track „Intro“<br />

an repetitive Minimaltechniken von Steve<br />

Reich und Terry Riley, die auch gelegentlich<br />

als Wegbereiter des Techno gelten. „Skrjabin“<br />

und „This Is Not the Way to Vernazza”<br />

verfolgen hingegen eher einen soundorientierten<br />

Ansatz. Bei „Circadian Dysrhythmia“<br />

integriert das Trio ein klassisches Streichquartett.<br />

Nicht nur das kompositorische Konzept<br />

unterscheidet sich von Song zu Song,<br />

auch die Solokonzepte sind je nach Stück<br />

unterschiedlich. Dabei geht es weniger um<br />

Sololines im traditionellen Sinn, sondern<br />

mehr um einen Zeitraum, der vom Solisten<br />

unterschiedlich gestaltet wird. Maximilian<br />

erläutert: „Ich versuche, mir für jedes Stück<br />

zu überlegen, wie der Solist darüber spielt.<br />

Das Solo soll immer eins der wichtigsten<br />

Teile im Stück sein. Ich versuche, dem<br />

Solisten eine Idee, einen Klang oder ein<br />

Konzept zu geben, mit dem er solieren darf.<br />

Das bewirkt, dass die Soli in der Musik<br />

bleiben und dass man nicht einen Techno-<br />

Track hört und dann jemand ein Jazz-Solo<br />

darüberspielt. Der Solist soll immer eine<br />

Aufgabe erfüllen. Er morpht von einem Riff<br />

in ein anderes oder macht, wie bei „Arpeggione“,<br />

einen Arpeggiator nach.“ Durch<br />

diese Aufgabenstellungen schafft es die<br />

Band, dass die Soli stark mit der Komposition<br />

verschmelzen.<br />

LBT ist daher weitaus mehr als drei<br />

Einzelmusiker, die zusammenspielen. Es ist<br />

vielmehr ein Experimentallabor und eine<br />

Band, die sich mit den verschiedensten<br />

PDF in 4c<br />

Bereichen der Musik auseinandersetzt. So<br />

verwundert es nicht, wenn Maximilian sagt:<br />

„Es gibt eine Schnittstelle zwischen Neuer<br />

Musik und Free Jazz, die eigentlich ziemlich<br />

ähnlich klingt. Wenn man diese Klangästhetik<br />

nimmt, passt das gut zu Techno.“ Für die<br />

eigene Klangästhetik wählt das Trio einen<br />

minimalistischen Ansatz. „Wir erzeugen,<br />

wie in der Neuen Musik, alle Klänge analog.<br />

Man klebt etwas über die Saiten, legt etwas<br />

ins Klavier, kratzt irgendwo oder nimmt eine<br />

Spraydose und sprüht ins Mikrofon. So<br />

entstehen bei uns die Klänge, die sonst vom<br />

Computer kommen. Das Konzept sah so<br />

aus, dass man in den Jazzclub gehen kann<br />

und alles nimmt, was dort ist. Zusätzlich gibt<br />

es ein 08/15-Mischpult, mit einem Hall- und<br />

einem Delay-Effekt.“ Mit diesen minimalistischen<br />

Mitteln schafft es die Band erstaunlich<br />

authentisch, die Sounds von Synthesizern<br />

und Drum Machines zu erzeugen und<br />

live auf die Bühne zu bringen. LBT spielt<br />

mittlerweile nicht nur in Jazzclubs, sondern<br />

auch häufig in Discotheken. Da es hier in<br />

der Regel keine Klaviere gibt, die Band aber<br />

ihrem akustischen Konzept treu bleiben<br />

will, ist es dann nur konsequent, selbst ein<br />

Klavier mitzubringen.<br />

Aktuelle CD:<br />

LBT: Way up in the Blue<br />

(Yellowbird / Soulfood)


Nadin Deventer<br />

Neues entdecken<br />

Von Arne Reimer<br />

Nadin Deventer kommt gerade<br />

vom Jazzfestival in Manchester<br />

zurück. Die umtriebige Festivalmacherin<br />

reist viel, hört sich um<br />

und plant längst 2019, denn sie<br />

ist für die nächsten drei Jahre<br />

die neue künstlerische Leiterin<br />

des JazzFest Berlin. Dort werden<br />

im November 35 musikalische<br />

Acts aus 15 Ländern auftreten.<br />

Im Gespräch wird immer wieder<br />

Deventers Leidenschaft für die<br />

Sache deutlich.<br />

Arne Reimer: Wie arbeiten<br />

Sie als Kuratorin und welche<br />

Chancen möchten Sie in Berlin<br />

nutzen?<br />

Nadin Deventer: Ich habe in den<br />

letzten 15 Jahren ja schon einige<br />

Projekte und Festivals in sehr<br />

unterschiedlichen Kontexten entwickeln<br />

und gestalten dürfen. Als<br />

Kuratorin bin ich in erster Linie<br />

ja so etwas wie eine Forscherin,<br />

Zuhörerin und Vermittlerin, und<br />

wenn ich mich einem neuen<br />

Projekt nähere, tue ich das in der<br />

ersten Phase durch Fragen: An<br />

welchem Ort bin ich? Wer sind<br />

die anderen handelnden Akteure,<br />

sowohl Veranstalter als auch<br />

Musiker? Wo kommt ein Projekt<br />

her, wo steht es und welche sinnigen<br />

Perspektiven kann ich entwickeln<br />

für die mir zur Verfügung<br />

stehende Zeit? Ich höre sehr viel<br />

zu, vertiefe mich in Themen und<br />

Musik und versuche, Potenziale<br />

für gemeinsame Projekte herauszufiltern.<br />

Meine Vorstellung ist,<br />

das JazzFest ganz klar in Berlin<br />

zu verorten, es zu öffnen und<br />

durchlässig und empfänglich zu<br />

machen für neue Partnerschaften<br />

und Impulse, für ein gemeinsames<br />

Forschen und Definieren<br />

von Herausforderungen. Wie ich<br />

diesen Ansatz auf das JazzFest<br />

Berlin übertrage, kann man an<br />

meiner ersten Edition ganz gut<br />

ablesen: Vieles ist in Bewegung<br />

und am Entstehen, ich freue<br />

mich sehr auf die zahlreichen<br />

neuen Produktionen, unser Haus<br />

of Jazz zur Eröffnung oder die<br />

Un(ter)welt des KIM collective.<br />

Ich denke, dieses Festival fordert<br />

Musiker, Veranstalter, Partner<br />

und Publikum heraus und lädt<br />

ein, Neues zu entdecken, zu hinterfragen,<br />

in Themen einzutauchen,<br />

aber auch zu tanzen.<br />

Arne Reimer: Sie setzen nicht<br />

auf altbewährte Namen, sondern<br />

wagen Neues. Der Schwerpunkt<br />

des Programms liegt auf der<br />

Avantgarde. Präsentiert sie<br />

unsere Gegenwart besser?<br />

Nadin Deventer: Für mich ist das<br />

erste Programm musikalisch<br />

ausbalanciert und sicherlich<br />

auch herausfordernd; viele<br />

Musiker sind zum ersten Mal<br />

in Deutschland zu sehen und<br />

präsentieren Projekte mit<br />

klarer musikalischer und auch<br />

politischer Aussage. Meine<br />

Aufgabe als Festivalmacherin<br />

ist es ja auch zu vermitteln, von<br />

diesen Künstlerinnen ausgehend<br />

Bezüge herzustellen und sie<br />

thematisch einzubetten.<br />

Arne Reimer: Können Sie einige<br />

Themen nennen?<br />

Nadin Deventer: Amerika ist seit<br />

jeher wichtig gewesen für das<br />

JazzFest Berlin. Die aktuellen<br />

Themen in den USA, die aus der<br />

gesellschaftlichen Debatte in die<br />

Kunst übergehen, sind z.B. in der<br />

Black-Lives-Matter-Bewegung<br />

zu finden, mit Musikern, die sich<br />

ganz klar dazu äußern und auch<br />

mitgestalten. In diesem Jahr<br />

haben wir einen Fokus auf die<br />

Entstehung und Entwicklung<br />

der afroamerikanischen Musik<br />

gelegt. Beginnen werden wir<br />

mit einem Projekt anlässlich des<br />

hundertjährigen Gedenkens an<br />

das Ende des Ersten Weltkriegs.<br />

Das ist mir wichtig, weil wir<br />

gesellschaftlich gerade wieder<br />

an einem Wendepunkt stehen.<br />

Daraus wird ein audiovisuelles<br />

Projekt in internationaler<br />

Kooperation mit und um Jason<br />

Moran, der sich mit James<br />

Reese Europe beschäftigt,<br />

einem afroamerikanischen<br />

Musiker, der als Soldat in den<br />

Ersten Weltkrieg zog. Mit Nicole<br />

Mitchell und Moor Mother<br />

werden zwei starke Stimmen<br />

des aktuellen Afro-Futurismus<br />

auftreten die sich künstlerisch<br />

sehr unterschiedlich mit ihren<br />

Werken artikulieren. Ein anderer<br />

Themenschwerpunkt mit sieben<br />

Projekten ist der Szene in Chicago<br />

gewidmet, unter anderem<br />

mit Roscoe Mitchell. Mit Mary<br />

Halvorson beehrt uns vier Tage<br />

lang zudem die Gitarristin der<br />

Stunde als Artist in Residence.<br />

Arne Reimer: Das JazzFest<br />

Berlin hat eine lange Tradition.<br />

Es besteht seit 1964. Spiegelt<br />

es unsere Gesellschaft wider,<br />

dass erst jetzt erstmalig eine<br />

Frau die künstlerische Leitung<br />

übernimmt?<br />

Nadin Deventer: Das gesellschaftliche<br />

Klima hat sich<br />

geändert. Die Genderdebatte<br />

wird nun auch im Kunst- und<br />

Kulturbereich immer lauter<br />

geführt. Eine vor zwei Jahren<br />

vorgelegte Studie zu Frauen<br />

in Kultur und Medien zeigt<br />

aber, dass in Deutschland im<br />

Kulturbereich die wichtigen<br />

Positionen fast ausschließlich<br />

männlich besetzt sind. Monika<br />

Grütters [Staatsministerin für<br />

Kultur und Medien] sagte dazu<br />

sinngemäß: „Wenn sich die<br />

Kultur als die Avantgarde der<br />

Gesellschaft verstehen möchte,<br />

© Arne Reimer<br />

müsste sie auch in diesem Punkt<br />

voranschreiten.“ Der männliche<br />

Blick prägt aber nach wie vor die<br />

Ästhetik und das Bild des Jazz.<br />

Überwiegend männliche Produzenten<br />

entscheiden darüber, wer<br />

eine Platte machen darf, Dozenten<br />

entscheiden darüber, wer an<br />

einer Musikhochschule zugelassen<br />

wird, und vorwiegend männliche<br />

Journalisten berichten<br />

über die Konzerte und Platten.<br />

Sie alle haben großen Einfluss<br />

auf die Karrieren von Musikern<br />

und auch auf die öffentliche<br />

Wahrnehmung von Jazz. Da es<br />

immer noch kaum Frauen an der<br />

Spitze von etablierten Festivals<br />

in Europa gibt, könnte man die<br />

Berliner Festspiele tatsächlich<br />

als avantgardistisch bezeichnen,<br />

weil sie sich im Jahr <strong>2018</strong> als<br />

eine der wenigen Institutionen<br />

trauen, einer Frau die künstlerische<br />

Leitung ihres JazzFests zu<br />

übertragen.<br />

Termin:<br />

1. - 4.11.<br />

Website:<br />

www.jazzfest-berlin.de<br />

Als erste Frau in über 50 Jahren<br />

Festivalgeschichte leitet Nadin Deventer<br />

das JazzFest Berlin. Ihre Rolle sieht sie<br />

als die einer Forscherin, Zuhörerin und<br />

Vermittlerin.<br />

22 Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong>


Leona<br />

Berlin<br />

Neuer<br />

NuSoul<br />

und kein<br />

Ende<br />

Die ersten Töne erklingen <strong>–</strong><br />

und sofort fühlt man sich in die<br />

2000er Jahre zurückversetzt,<br />

als supersmoothe NuSoul-<br />

Acts wie Maxwell oder<br />

Floetry sich sinnlich<br />

in die Gehörgänge<br />

schmeichelten und<br />

dem einen oder<br />

anderen einen<br />

willkommenen<br />

Bedroom-<br />

Soundtrack<br />

lieferten. Wie es<br />

aber mit allen<br />

popkulturellen<br />

Wellen so ist:<br />

Irgendwann wird<br />

die Zahl ihrer<br />

Protagonisten so<br />

unüberschaubar,<br />

dass man die Lust<br />

daran verliert. Und<br />

irgendwann steht ihr<br />

Revival bevor. Sollte es<br />

jetzt für den Neo-Soul<br />

zumindest hierzulande so<br />

weit sein, wo sich<br />

Künstlerinnen wie KID BE KID<br />

oder Leona Berlin seiner<br />

wieder verstärkt<br />

annehmen?<br />

© Marlen Albrecht<br />

24 Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong>


Von Victoriah Szirmai<br />

Doch wer Berlins selbstbetiteltes Debüt<br />

hört, sieht schnell ein, dass er es hier<br />

keineswegs mit einer Rekreation des<br />

watteweichen Wohlfühlsounds einer<br />

vergangenen Dekade zu tun hat, sondern<br />

mit hochaktuellen Klängen, für die es<br />

einfach noch keine passende Bezeichnung<br />

gibt. „NuSoul“, gibt Leona Berlin, die mit<br />

bürgerlichem Namen tatsächlich so heißt,<br />

dann auch zu Protokoll, „wird meiner<br />

Musik als Genre nicht gerecht. Der Sound<br />

ist anders als auf den Platten Anfang der<br />

2000er, die harmonischen Strukturen sind<br />

vielfältiger, der ganze Charakter aggressiver<br />

als der smoothe R&B, den man<br />

gemeinhin mit NuSoul verbindet. Und doch<br />

ist NuSoul das, was noch am ehesten an<br />

meine Musik herankommt <strong>–</strong> einfach, weil<br />

alle anderen Genres noch weniger passen.“<br />

Einen Tag nach dem Interview meldet<br />

sich die Sängerin noch einmal: „Ich bin<br />

gestern zum ersten Mal über den Begriff<br />

Alternative Soul gestolpert. Das scheint<br />

mir das passendste Genre zu sein!“<br />

Recht hat sie: Mögen zunächst noch<br />

besagte Alt-Referenzen beim Hören der<br />

ersten Stücke durch den Kopf spuken <strong>–</strong><br />

darunter auch immer wieder die plattenknisternde<br />

Wärme des süddeutschen DJ-<br />

Kollektivs SoulParlor, das hier tatsächlich<br />

seine Finger im Spiel hatte <strong>–</strong>, entfaltet<br />

das Album im Verlauf seiner Spielzeit<br />

zunehmende Komplexität. Zunächst perlt<br />

es lediglich sinnlich-begehrlich durch die<br />

Boxen, wie etwa auf dem eröffnenden Duett<br />

mit dem Washingtoner Rock’n’Souler<br />

Olivier St. Louis. Die Klappergrooves des<br />

programmatischen „Walking“, die leicht<br />

pentatonisch anmutende Ulf-Kleiner-Komposition<br />

„Movin‘“, die auf keiner Angie-<br />

Stone-Platte fehl am Platze wäre, und das<br />

flüsternd-wabernde, nichtsdestoweniger<br />

pointierte „Cruel (Heal Me)“ führen zum<br />

betörend jimitenoresken Albumhighlight<br />

„Feel the Love“, das den Zustand der<br />

Gesellschaft, in der wir leben, nicht außen<br />

vor lässt. Schließlich kommen verschrobene<br />

A-cappella-Chöre („Free“) und auf<br />

Schnipsen und Schnalzen aufgebaute<br />

Beats („Make Me Wanna“) zum Tragen. In<br />

dieses Idiom schmiegt sich auch das einzige<br />

Cover des Albums, Princes „Nothing<br />

Compares 2 U“, trotz oder gerade aufgrund<br />

erheblicher harmonischer Abweichung<br />

vom Original ein. Warum Berlins Entscheidung<br />

ausgerechnet auf dieses Stück fiel?<br />

„Ich fand es spannend, mich dieser Herausforderung<br />

zu stellen“, rekapituliert sie<br />

und fügt nach kurzer Pause hinzu: „Prince<br />

halte ich generell für einen der inspirierendsten<br />

Musiker.“<br />

Mit dem doppelschlagzeugbesetzten<br />

„Thinking About You“ folgt ein weiteres<br />

Highlight, das die Platte endgültig zum<br />

Kind unserer Zeit macht, was nicht zuletzt<br />

Berlins Kollaborationspartnern geschuldet<br />

ist <strong>–</strong> dem Clevelander Rapper Daniel<br />

Gray-Kontar aka RepLife und dem New<br />

Yorker Doppel-Grammy-Preisträger Casey<br />

Benjamin, dessen schräg schwurbelndes<br />

Altsax-Solo wie durch einen Vocoder<br />

genudelt klingt, vor allem aber den sich<br />

nahezu dreckig, in gewisser Weise auch<br />

enervierend gebenden soulparlorschen<br />

Großstadtbeats, mit denen RepLifes<br />

hypnotisch repetierte Beschwörungsformel<br />

„True love is the epic of the ages“<br />

unterlegt ist.<br />

Die abschließende Streicher-Coda<br />

lässt die drei noch folgenden Stücke als in<br />

sich geschlossene Bonus-Suite erscheinen.<br />

Und die wartet neben dem zarten<br />

„Snow Crystal“ mit dem tiefergelegten<br />

„Flying High“ auf, dessen von Kleiner<br />

beigesteuertes Klaviersolo das Ganze<br />

auf die Jazzclub-Bühne hebt, ganz so,<br />

als hätte sich der tanzende Mob plötzlich<br />

entschlossen, dem Electro-DJ den<br />

Rücken zu kehren und stattdessen lieber<br />

im A-Trane abzuhängen. Der ebenfalls<br />

Kleiner-infizierte Closer „Searching“<br />

versöhnt NuSoul-Gewaber mit Jazz-Piano,<br />

das Berlins Lyrics trägt. Kleiner, der nicht<br />

nur ihr Klavierdozent an der Hochschule<br />

für Musik in Mainz war, sondern neben<br />

Jack Daley und Mathis Grossmann auch<br />

als Co-Produzent der Platte fungiert, gibt<br />

eine bezeichnende Anekdote zum Besten:<br />

„Ich habe irgendwann einmal ein kleines<br />

Stück namens ,Triolenlauf‘ für meine<br />

Schüler geschrieben. Auf den ersten<br />

Blick ist es ganz harmlos <strong>–</strong> doch in den<br />

Triolen verbergen sich ein paar trickreiche<br />

Rhythmen und Verschieber. Leona hatte<br />

keine Probleme damit. Eine Woche später<br />

kam sie zu mir und sagte: ,Lass uns das<br />

Stück vom letzten Mal spielen, ich habe<br />

einen Text dazu geschrieben!‘ Der hat so<br />

super gepasst, dass wir das Ganze aufgenommen<br />

haben. Das Stück heißt ,Movin‘‘<br />

und ist jetzt auf dem Album gelandet.“ Die<br />

Sängerin verrät: „Wir haben noch weitere<br />

Songs zusammen gemacht <strong>–</strong> die sind aber<br />

noch unveröffentlicht.“ Dass dem Nu- oder<br />

Alternative Soul dieser Jahre die Ideen<br />

schnell wieder ausgehen, soll an Leona<br />

Berlin nicht liegen.<br />

Aktuelle CD:<br />

Leona Berlin: Leona Berlin<br />

(Warner Music)<br />

Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong> 25


KUU!<br />

Nichts für schwache Nerven<br />

© Wolfgang Siesing<br />

Eine basslose Besetzung, miteinander verschmelzende<br />

E-Gitarren, druckvolle Power-Drums und Songs, die von einer<br />

punkigen Indierock-Jazz-Sängerin aus Serbien vorgetragen<br />

werden, eingefädelt, eingetütet und überwiegend komponiert<br />

von einem still wirkenden, aber rührigen finnischen<br />

Gitarristen mit Wohnsitz in Berlin.<br />

Von Jan Kobrzinowski<br />

Noch bei High Noon hatte Kalle Kalima die<br />

Ruhe weg. Aber: „Musik lebt von Gegensätzen,<br />

man braucht Dichte, Platz zum<br />

Atmen, aber auch Lautes. Das alles ist<br />

wichtig für mich. Aber das kannst du nicht<br />

alles innerhalb eines Projekts entfalten. Ich<br />

mache sehr viele unterschiedliche Sachen,<br />

und gerade das liebe ich an meiner Arbeit.<br />

Demnächst werde ich eine Oper schreiben.“<br />

Doch nun, bei KUU!, gibt es von ihm,<br />

Jelena Kuljić (voc), Frank Möbus (g) und<br />

Christian Lillinger (dr) Power-Jazzrock auf<br />

die Ohren. „I am, you are, he is, she is, we<br />

are, you are, they are, I am <strong>–</strong> And we are all<br />

impossible [...] Eastern, Western, we are all<br />

just one, everyone staring at the Sun <strong>–</strong> or<br />

not?“ Man verfällt den ersten paar Takten<br />

von „Impossible“ <strong>–</strong> oder man legt die CD<br />

auf den Stapel „Später hören“. Denn was<br />

danach kommt, ist nichts für schwache<br />

Nerven. Das Statement ist klar: Wir sind<br />

alle unmöglich, und gerade darauf kommt<br />

es an. Das neue KUU!-Album Lampedusa<br />

Lullaby erzählt von aktuellen Schicksalen,<br />

und es ruft nach Toleranz in einer unmöglichen<br />

Welt. Der Text zum Titelstück stammt<br />

von Kalles Frau Essi. „Es ist eine Story von<br />

jemandem, die die Reise von Afrika nach<br />

Europa machen will, sie kauft einen Platz<br />

auf einem Schiff, geht unter und <strong>–</strong> ertrinkt.“<br />

KUU! verarbeitet Realität, und das kann, ja,<br />

muss wehtun. „Viele Jazzbands mit Sängern<br />

haben kaum Texte, das meiste ist Vocalese<br />

oder diese träumerischen Sachen. Das ist<br />

aber nicht unsere Welt, wir wollen die Füße<br />

auf dem Boden haben, Tatsachen schaffen.<br />

Und es ist auch irgendwie Berlin, die Stadt,<br />

in der wir alle gelebt haben. Das ist eine<br />

sehr direkte Stadt, wo man nicht herumträumt.<br />

Wir machen Großstadtmusik, diese<br />

Stadt ist brutal, und so sind wir, das macht<br />

uns auch Spaß“, sagt Kalima und lacht.<br />

Leicht ironisch zwar, aber doch mit<br />

Ernst bekennt Kalle, dass KUU! selber aus<br />

dem anderen Teil der Welt kommen: „Jelena<br />

und ich sind ja Immigranten, ‚Wirtschaftsflüchtlinge’.<br />

Wir hatten das Gefühl, dass wir,<br />

wenn wir unsere Musik machen wollen,<br />

weiterziehen müssen. Das war in unserer<br />

Heimat so nicht möglich. Ohne dass wir<br />

eine Lösung bieten, fragen wir, wie es sich<br />

anfühlte, wenn wir in der Haut von Flüchtlingen<br />

steckten.“ In „Scream“ schwebt Jelena<br />

Kuljićs Stimme erhaben über dem zappaeskrockigen<br />

Untergrund, und geht durch Mark<br />

und Bein. „Es geht um das Comeback der<br />

Konservativen in Europa, um die Frustration<br />

über diese Kräfte, diese alten weißen<br />

Männer mit ihrem Rassismus und ihrem<br />

Kolonialismus.“ Und um deren Vorbehalte<br />

dem Anderssein gegenüber? „Ja natürlich“,<br />

26 Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong>


PDF in 4c<br />

sagt Kalle. „Die liberale Welt steht unter<br />

Beschuss. In vielen Ländern sind diese Leute<br />

schon an die Macht gekommen. Und es geht<br />

darum, dass man nicht zu bequem wird. Wir<br />

haben eine Sängerin, die diesen Spagat zwischen<br />

Punk und Jazz kann. Es ist nicht nur<br />

ihr Gesang, es ist ihr Leben, sie ist vollkommen<br />

authentisch. Eine Jazzpunkerin.“<br />

Und der Bandsound passt zur Botschaft.<br />

Powermusik, die man so noch nicht<br />

gehört hat. Sicher bieten sich Vergleiche<br />

an, aber wozu? „Wir wollten so eine Art<br />

‚Meta-Gitarre’ haben. Dazu kommt Christians<br />

Art zu trommeln. Wir haben natürlich<br />

schon Vorbilder, aber solch eine Besetzung<br />

gibt es sonst nicht. Wir haben sehr lange<br />

mischen müssen, bis wir dieses Resultat<br />

hatten. Es ist unsere zweite Platte nach<br />

etwa sieben Jahren. Sie zu entwickeln,<br />

hat über zwei Jahre gedauert. Wir haben<br />

einfach unseren intuitiven Energien freien<br />

Raum gegeben.“ Kalle, Jelena und Christian<br />

Lillinger hatten damit begonnen, einfach<br />

zu jammen, und Frank Möbus kam dann als<br />

zweiter Gitarrist dazu. Lampedusa Lullaby<br />

ist KUU!s Versuch, ein aktuelles Album zu<br />

machen. Kalle dachte dabei an die erste<br />

Platte, die er sich je gekauft hatte, Pink<br />

Floyds Dark Side of the Moon. „Ich stellte<br />

mir die Frage, ob man heute noch so ein<br />

Konzeptalbum machen kann.“<br />

Hinter der harten Fassade von<br />

Lampedusa Lullaby meint man dennoch,<br />

einen Hauch Romantik zu verspüren.<br />

(„Kuu“ ist übrigens Finnisch und bedeutet<br />

„der Mond“). Hinter dem Wilden stecken<br />

verwundbare Menschen, Künstler, die in<br />

der heutigen, kaputten Zeit Musik machen<br />

und gehört werden wollen <strong>–</strong> und sich<br />

vielleicht nach besseren Zeiten sehnen. Es<br />

gibt auf Lampedusa Lullaby kaum weiche<br />

Übergänge oder Fade-outs, wohl aber eine<br />

Ballade: „Down in the Valley“ ist eine Insel<br />

im Sturm. Kalle hatte auf einem Festival<br />

in den Pyrenäen gespielt und dann einen<br />

Tag frei. „Ich war allein und bin wandern<br />

gegangen. Ich hatte das starke Feeling<br />

von Einsamkeit, und habe dann an diesem<br />

Tag das Stück geschrieben.“ „Thank You<br />

Iceland“ entstand unter dem Eindruck eines<br />

Vulkanausbruchs auf Island. Die Menschen<br />

danken dem Vulkan, der ihnen zeigt, dass<br />

sie nicht so perfekt funktionieren <strong>–</strong> und die<br />

Natur übernimmt.<br />

Aktuelle CD:<br />

KUU!: Lampedusa Lullaby<br />

(ACT / Edel:Kultur)<br />

Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong> 27


Günter Baby Sommer feiert eine Party. Grund zum Feiern hat er<br />

hinlänglich, denn am 25. August dieses Jahres feierte er seinen<br />

75. Geburtstag. Der Bassist Oscar Pettiford hatte Mitte des letzten<br />

Jahrhunderts eine Pensionskasse für ältere Jazzmusiker eingefordert,<br />

da Jazz „a young man’s game“ sei, in dem Musiker jenseits der 40<br />

nichts mehr zu suchen hätten. Pettiford hat viele kluge Sätze von sich<br />

gegeben, aber Günter Baby Sommer liefert den lebendigen Beweis,<br />

dass der Bassist sich in dieser Hinsicht geirrt hat.<br />

Von Wolf Kampmann<br />

Auf seine Party hat Baby Sommer<br />

nur einen einzigen Gast<br />

eingeladen. Es ist der Berliner<br />

Trompeter Till Brönner. Beim<br />

Schreiben dieses Satzes war<br />

ich versucht, ein „ausgerechnet“<br />

einzufügen. Ausgerechnet<br />

Till Brönner. Doch das wäre<br />

aus verschiedenen Gründen<br />

kleingeistig. Denn einerseits<br />

währt die Zusammenarbeit<br />

zwischen dem Drummer und<br />

dem Trompeter nun schon seit<br />

einigen Jahren, zum anderen<br />

aber hat Sommer zu allen Zeiten<br />

aus gutem Grund das getan,<br />

was man jeweils am wenigsten<br />

von ihm erwarten konnte. Und<br />

das macht auch diesen Beitrag<br />

so wertvoll.<br />

Müssen wir an dieser Stelle<br />

wirklich noch einmal seine<br />

Biografie Revue passieren lassen?<br />

Wie er als Jugendlicher<br />

im tiefsten Osten die Sendungen<br />

von Willis Conover gehört<br />

und verinnerlicht hat? Wie er<br />

mit der Klaus Lenz Big Band<br />

oder SOK Jazzrock gespielt hat<br />

und dann mit Synopsis, die sich<br />

augenzwinkernd später in Zentralquartett<br />

umbenannten, die<br />

Keimzelle des DDR-Free-Jazz<br />

gründete? Wie er sensationelle<br />

Alben mit Musikern wie Peter<br />

Brötzmann, Peter Kowald,<br />

Leo Smith oder Cecil Taylor<br />

produzierte und mit der Ulrich<br />

Gumpert Workshop Band den<br />

Antagonismus zwischen Volkslied<br />

und Free Jazz aufhob? Wie<br />

er mit seiner ersten Hörmusik<br />

das Schlagzeug in ein Orchester<br />

verwandelte? Wie er nach<br />

der Wende einer der wenigen<br />

Musiker aus der DDR war, die<br />

sich nicht über ihre Herkunft<br />

definierten, sondern allein über<br />

ihre Zukunft?<br />

All diese und noch viele<br />

andere Geschichten sind oft<br />

und ausgiebig erzählt worden.<br />

Sie verdichten sich zu<br />

einer einzigartigen Biografie<br />

und sagen doch noch nichts<br />

darüber aus, warum wir nicht<br />

aufhören können, Günter Baby<br />

Sommer zuzuhören und warum<br />

sein Narrativ niemals langweilig<br />

wird. Denn entgegen Oscar<br />

Pettifords durchaus begründeten<br />

Befürchtungen haben<br />

sich Sommers Sensoren kein<br />

bisschen abgenutzt.<br />

Sommer will nicht nur<br />

mitreden, sondern er will<br />

erzählen. Jede Fabel, die er auf<br />

seinen Trommeln zum Besten<br />

gibt, ist seine erste. Er erzählt<br />

sie, weil er sie erzählen muss.<br />

Neugier allein reicht ihm nicht,<br />

denn sie würde ihn zwar immer<br />

wieder auf die Suche schicken,<br />

aber Sommer will finden. Nein,<br />

seine Geschichten suchen<br />

ihren Erzähler und finden<br />

ihn. Deshalb hat er sich das<br />

Staunen des Kindes bewahrt,<br />

das jede seiner Storys mit dem<br />

Hauch des Lebens bestäubt.<br />

Und aus diesem Grund hören<br />

wir ihm immer noch zu, wenn er<br />

mit weit aufgerissenen Augen<br />

hinter seinem Drumkit sitzt<br />

und die pralle Welt mit Blicken<br />

einfängt.<br />

Aber der Dresdener ist<br />

eben nicht nur ein begnadeter<br />

Erzähler. Mit präzise inszenierter<br />

und tief empfundener<br />

Unschärfe setzt er sich über<br />

das Offensichtliche hinweg. Er<br />

ist sich selbst immer ein Stück<br />

voraus. Was wir mit leichtfertigen<br />

Beschreibungen der Abweichung<br />

vom Messbaren als<br />

Synkope bezeichnen, ist für ihn<br />

nicht weniger als der selbstver-<br />

Günter Baby Sommer<br />

Mitten im Leben<br />

© Tobias Sommer<br />

28 Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong>


ständliche Puls der Realität. Mit<br />

magischer Durchdringungskraft<br />

ist es ihm gelungen, das Genom<br />

der Zeit zu entschlüsseln und<br />

sich in einem Kontinuum zu<br />

bewegen, das nur ihm allein<br />

zugänglich ist. Manchmal ist<br />

es Jazz, was er spielt. Welchen<br />

anderen Drummer erkennt man<br />

schon am ersten Schlag? Sein<br />

Puls ist seine Stimme. Wenn<br />

er neben den Trommeln und<br />

Becken auch Gongs, Glocken,<br />

Pfeifen, all sein Gerassel,<br />

Geklapper und Geschepper<br />

und sogar Orgelpfeifen bedient,<br />

dann folgt er einem prähistorischen<br />

Ritual, in dem das längst<br />

verklungene Urlied widerhallt.<br />

Günter Baby Sommer<br />

ist unablässig auf Sendung<br />

und Empfang, gleich dem<br />

Schamanen, der sich selbst in<br />

Ekstase trommelt. Die 75 ist nur<br />

ein willkürlicher Vorwand für<br />

eine Zäsur. Aber bedarf es der<br />

Zäsur, um das unabänderlich<br />

Ewige greifbar und verständlich<br />

zu machen? Der alte Fuchs<br />

braucht jedenfalls nicht mehr<br />

als diesen einen einzigen Gast,<br />

um doch alle zu seiner Party<br />

einzuladen, die in seinem Leben<br />

eine Rolle spielen und gespielt<br />

haben. Und alle sind gekommen.<br />

Sommer hat sich ganz<br />

genau überlegt, wer dieser<br />

Gast ist. Es sind eben nicht<br />

die alten Kämpen, die sich mit<br />

ihm gemeinsam auf die Spur<br />

begeben haben, auch nicht<br />

die treuen Apostel, die ihm<br />

folgen, wohin immer er sich<br />

aufmacht. Es ist einer, der den<br />

Jazz von der anderen Seite der<br />

Milchstraße aufgerollt hat und<br />

trotzdem oder gerade deshalb<br />

vom selben Geiste ist. Wäre<br />

Till Brönner zu einer anderen<br />

Zeit in einem anderen Land geboren,<br />

hätte auch er mit Willis<br />

Conover angefangen. Wenn sie<br />

heute zusammen auf der Bühne<br />

oder im Studio stehen, dann<br />

hocken sie zugleich gemeinsam<br />

vor dem Radio. Denn letztlich<br />

ist genau das der gemeinsame<br />

Spielplatz von Günter Sommer<br />

und seinem Gast. Finde eine<br />

Geschichte, berühre sie mit<br />

deinem Zauberstab und mach<br />

eine Party daraus.<br />

Eine Würdigung ist zum<br />

Glück kein Resümee. Und<br />

Baby’s Party ist kein Alterswerk.<br />

Es ist das Meisterwerk<br />

eines großen Künstlers auf dem<br />

Höhepunkt seines Schaffens,<br />

das rein zufällig zu seinem 75.<br />

Geburtstag erscheint.<br />

Aktuelle CD:<br />

Günter Baby Sommer: Baby’s Party<br />

(Intakt / Harmonia Mundi)<br />

JazzthetIk 09/10-<strong>2018</strong> 29


Wynton Marsalis<br />

Am besten mit Gästen<br />

Während große Teile der Jazzwelt auf neue Trends fixiert sind,<br />

pflegt Jazz at Lincoln Center trotzig die Tradition. Auf dem<br />

neuesten Album des New Yorker Kultur-Tempels begleitet das<br />

Septet seines Direktors Wynton Marsalis mehr als ein Dutzend<br />

Altstars aus den Genres Pop, Rock, Blues und Country.<br />

Von Hans Hielscher<br />

Fast alle Künstler,<br />

die in der<br />

Spielzeit 2017/18<br />

auf den beiden<br />

Hauptbühnen<br />

des Lincoln Centers<br />

auftraten,<br />

waren über 50<br />

Jahre alt <strong>–</strong> so<br />

wie die Masse des Publikums im praktisch<br />

immer ausverkauften Rose Theater und<br />

im Appel Room. Es gab Musik aus dem<br />

20. Jahrhundert:<br />

New Orleans Jazz, Swing und die verschiedenen<br />

Formen des Bop; dargeboten wurden<br />

vorwiegend Stücke von Ikonen wie Jelly<br />

Roll Morton und Thelonious Monk. 80 Jahre<br />

nach Benny Goodmans bahnbrechendem<br />

Carnegie Hall Concert von 1938 fand die<br />

Musik des King of Swing besondere Aufmerksamkeit.<br />

Anders als das vom Pianisten<br />

Jason Moran kuratierte Jazz-Programm<br />

des Washingtoner Kennedy Center, wo<br />

neben Veteranen wie dem Bassisten Ron<br />

Carter auch der Rapper Q-Tip auftrat, steht<br />

die New Yorker Institution vollkommen für<br />

Traditionspflege. Zeitgenössischer Jazz ist<br />

lediglich im dem Lincoln Center angeschlossenen<br />

Dizzy´s Club Coca-Cola zu hören.<br />

Wynton Marsalis etablierte 1987<br />

zusammen mit dem Kritiker Stanley Crouch<br />

die Jazz-Abteilung im 1955 von den Rockefellers<br />

gegründeten und bis dahin auf klassische<br />

Künste festgelegten Kulturzentrum.<br />

1988 wurde der hoch gebildete Trompeter<br />

künstlerischer Direktor der Organisation<br />

Jazz at Lincoln Center, zusätzlich übernahm<br />

er die Leitung einer neuen Bigband, des<br />

Jazz at Lincoln Center Orchestra. In den<br />

drei Jahrzehnten als Chef der Band und des<br />

Zentrums hat der heute 56-jährige Marsalis<br />

zahlreiche Projekte durchgezogen. Zu seinen<br />

liebsten gehört die Konzertreihe seines<br />

Septetts mit Größen aus Pop, Rock, Blues<br />

und Country als Gästen.<br />

Zwischen 2003 und 2007 kamen so<br />

unterschiedliche Künstler wie Bob Dylan,<br />

Natalie Merchant, Lenny Kravitz und die<br />

Blind Boys of Alabama zu Proben und<br />

einem anschließenden Konzert mit Marsalis<br />

nach New York. Der 2004 verstorbene Ray<br />

Charles hatte am 2. Juni 2003 mit dem<br />

Wynton Marsalis Septet einen seiner<br />

letzten Auftritte. Außerdem kamen Eric<br />

Clapton, Audra McDonald, Willie Nelson,<br />

John Mayer, Lyle Lovett, John Legend,<br />

James Taylor, Jimmy Buffett, Carrie Smith<br />

und Susan Tedeschi & Derek Trucks. Mit je<br />

einem Titel sind die diversen Stars auf dem<br />

nun beim Label Blue Engine erschienenen<br />

Album United We Swing vertreten.<br />

„Vor jedem Konzert“, schreibt Marsalis<br />

in den Liner Notes, „übten wir ein paar Tage<br />

lang und trafen uns zu einer Kennenlern-<br />

Jam-Session in meinem Apartment.“ Er<br />

selbst und Kollegen aus dem Jazz at Lincoln<br />

Center Orchestra wie der Posaunist Wycliffe<br />

Gordon schrieben Arrangements für<br />

ein Septet, das die ungewöhnlichen Gäste<br />

begleitete. „Die verschiedenen Stile dieser<br />

Musik-Ikonen“, so Marsalis, „erforderten,<br />

dass sich unsere Rhythm Section in ungewöhnliche<br />

Grooves vom ,2-Beat Gospel<br />

Moan‘ über verschiedene regionale ,2-Beat<br />

Shuffles‘ bis zum ,Spanish Hybrid Bossa<br />

Nova‘ einfühlen und sie authentisch darbieten<br />

musste.“ Die Konzerte waren eine<br />

Herausforderung für die Jazzmusiker wie<br />

für die Gäste aus den anderen Schubladen.<br />

Eindrucksvoll, wie Bob Dylan auf der Mundharmonika<br />

und Willie Nelson auf der Gitarre<br />

mit der Jazz-Rhythmus-Gruppe im Rücken<br />

improvisieren. Die vier Bläser des Septetts<br />

klingen kraftvoll wie eine Bigband, Marsalis<br />

ist immer mit seiner Trompete dabei, spielt<br />

sich aber nie in den Vordergrund. Keine<br />

Frage, dass solche Projekte Menschen über<br />

die Jazzgemeinde hinaus in die Konzerte<br />

locken.<br />

In einem Interview mit BILLBOARD<br />

zum Jubiläum von Jazz at Lincoln Center<br />

vertritt Wynton Marsalis offensiv, dass er<br />

sich in den 1980er Jahren nicht<br />

dem HipHop zuwandte. „Ich<br />

repräsentierte den ernsthaften<br />

jungen Schwarzen, der nicht<br />

Teil der Gangster-Zuhälter-<br />

Mentalität sein wollte.“ Marsalis<br />

lehnte es ab, Frauen „Schlampen“<br />

und Afroamerikaner „Nigga“ zu nennen.<br />

Dass er deshalb als Konservativer abgestempelt<br />

wurde, nahm er hin. Tatsächlich<br />

stand der damalige Twen eisern zu den<br />

traditionellen Werten Swing, Blues-Tonalität<br />

und akustischer Klang, während Free- und<br />

Avantgarde-Jazzer, Fusion- und Ethno-<br />

Stars, Soul- und Easy-Listening-Musiker<br />

den herkömmlichen Jazz erweiterten. Für<br />

Marsalis ist Jazz klassische amerikanische<br />

Musik mit festen Vorbildern und unveränderlichen<br />

Regeln.<br />

Wegen dieser Einstellung wird der<br />

Musiker und Direktor der reichsten New<br />

Yorker Jazz-Spielstätte seit Jahrzehnten<br />

attackiert. „Wynton Marsalis imitiert die Stile<br />

anderer Leute. Ich habe noch nie etwas<br />

von ihm gehört, das bedeutend geklungen<br />

hat“, schrieb zum Beispiel Keith Jarrett. „Er<br />

ist genauso jazzig wie jemand, der einen<br />

BMW fährt, sportlich ist.“ Andere sind froh<br />

darüber, dass es <strong>–</strong> in Zeiten eines uferlosen<br />

Wirrwarrs <strong>–</strong> einen Wynton Marsalis und<br />

Jazz at Lincoln Center gibt.<br />

Aktuelle CD:<br />

Wynton Marsalis Septet: United We Swing <strong>–</strong> Best of<br />

the Jazz at Lincoln Center Galas<br />

(Blue Engine / Galileo MC)<br />

30 Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong>


titel<br />

JOHN<br />

COLTRANE<br />

<br />

<br />

© Chuck Stewart<br />

32 JazzthetIk 09/10-<strong>2018</strong>


John Coltrane ist eine Ikone des 20. Jahrhunderts. Sein Album<br />

A Love Supreme veränderte die musikalische Wahrnehmung ganzer<br />

Generationen, und das nicht nur im Jazz. Jetzt erscheint unter dem Titel<br />

Both Directions at Once ein bislang unveröffentlichtes Studioalbum<br />

des Jazzgiganten aus dem Jahr 1963. Verbirgt sich hinter der CD ein<br />

Sensationsfund oder die verspätete Nachreichung einer Marginalie?<br />

Von Wolf Kampmann<br />

John Coltrane ist weit mehr als<br />

ein viel zu früh verstorbenes<br />

Jazz-Idol. Auch Prädikate wie<br />

Innovator oder Visionär werden<br />

ihm nicht voll gerecht. John<br />

Coltrane war ein Medium, das<br />

die Klang gewordene Erfahrung<br />

seiner Zeit bündelte und durch<br />

die semipermeablen Filter<br />

seiner Sensoren in etwas Neues<br />

transformierte. Ja, sicher, er hat<br />

den Jazz beeinflusst wie kein<br />

Zweiter. Aber in Zeiten, in denen<br />

Musik ungleich identitätsstiftender<br />

war als heute, nahmen auch<br />

Bob Dylan, die Paul Butterfield<br />

Blues Band und The Byrds seinen<br />

Faden auf und spannen ihn<br />

weiter. Kaum eine musikalische<br />

Entwicklung nach 1965 <strong>–</strong> von<br />

Rock über HipHop bis Techno<br />

<strong>–</strong> wäre ohne John Coltranes<br />

Vorarbeit denkbar gewesen.<br />

Der Mythos<br />

Es klingt schon verrückt. 51<br />

Jahre nach John Coltranes<br />

Tod erscheint ein neues Album<br />

des Saxofonisten. Die Aufnahmen<br />

zu Both Directions at<br />

Once waren ein Jahr vor der<br />

bahnbrechenden Leistung von<br />

A Love Supreme erfolgt. Aus der<br />

Perspektive des Aufnahmezeitpunkts<br />

erscheint der Titel dieser<br />

Veröffentlichung folgerichtig.<br />

Bis zu diesem Moment war<br />

Trane bereits ein viel beachteter<br />

Jazzmusiker gewesen, vor<br />

allem in der Zusammenarbeit<br />

mit Miles Davis. Mit Aufopferungswillen<br />

und einem hohen<br />

Maß an Selbstkritik arbeitete er<br />

unablässig an seiner Vervollkommnung.<br />

Seine Verbissenheit<br />

hatte ihm dabei oft im Weg<br />

gestanden, wie sein Part in der<br />

Battle Tenor Madness mit dem<br />

seinerzeit ungleich eleganteren<br />

Sonny Rollins zeigt. Auf Giant<br />

Steps entpuppte sich Coltrane<br />

als kompletter Musiker, dem es<br />

jedoch noch an der entsprechenden<br />

Band fehlte. Die Wende<br />

erfolgte ein Jahr später mit<br />

der LP My Favorite Things. Mit<br />

McCoy Tyner, Elvin Jones und<br />

Bassist Steve Davis fand er eine<br />

expressive Gelassenheit, die in<br />

den folgenden Jahren zu seiner<br />

Trademark werden sollte.<br />

1961 wechselte Coltrane<br />

vom Label Atlantic zu Impulse.<br />

Das neue Label war ganz auf<br />

seinen neuen Superstar ausgerichtet.<br />

Der Saxofonist erhielt<br />

traumhafte Vorschüsse, und um<br />

den Aufbruch zu neuen Ufern<br />

auch optisch zu untermauern,<br />

wurden seine Platten erstmals<br />

mit laminierten Klappcovern<br />

versehen. Das fiel ins Auge,<br />

machte sogar der um visuelle<br />

Aufmerksamkeit verdienten<br />

Konkurrenz von Blue Note<br />

Angst. Um die gesteigerten<br />

Kosten aufzufangen, erhöhte<br />

Impulse laut Blue-Note-Produzent<br />

Michael Cuscuna den<br />

handelsüblichen Preis für ein<br />

Album um einen Dollar auf 5,98.<br />

Bis 1964 erschienen verschiedene<br />

Studio- und Live-Platten<br />

auf Atlantic und Impulse, die<br />

teils auf älteren Aufnahmen beruhten<br />

und auch wechselndem<br />

kommerziellem Kalkül gefolgt<br />

sein mögen.<br />

Am 6. März 1963 ging<br />

Coltrane mit seinem bereits<br />

etablierten Quartett ins Studio,<br />

um Aufnahmen zu machen.<br />

Diese Produktion wird der<br />

Jazzwelt nun unter dem Titel<br />

Both Directions at Once auf Impulse<br />

zugänglich gemacht. Ein<br />

verschollenes Studioalbum, 55<br />

Jahre nach seiner Entstehung<br />

ausgegraben und historisch<br />

kritisch aufbereitet? Wie konnte<br />

es dazu kommen? Beginnen<br />

wir mit der offiziellen Lesart.<br />

Die Aufnahmen seien schlicht<br />

vergessen worden. Später<br />

wären sie dem Geiz des Labels<br />

zum Opfer gefallen und entsorgt<br />

worden. Wie durch ein Wunder<br />

habe sich noch eine Kopie im<br />

Nachlass von Coltranes erster<br />

Frau gefunden <strong>–</strong> ein unermesslicher<br />

Schatz, der um ein Haar<br />

vor der Menschheit verborgen<br />

geblieben wäre.<br />

Nun, tatsächlich ist es<br />

schön, dass diese Aufnahmen<br />

veröffentlicht werden. Aber<br />

genau betrachtet sind sie weder<br />

eine Sensation noch ein fehlender<br />

Puzzlestein, der ein neues<br />

Bild auf Coltrane werfen würde.<br />

Es ist ja nicht das erste Album,<br />

das erst nach Coltranes Tod<br />

veröffentlicht wurde. Da gab es<br />

LPs wie Interstellar Space, Sun<br />

Ship oder First Meditation, die in<br />

ihrer künstlerischen Vollendung<br />

weitaus spektakulärer waren.<br />

Seine Frau und Band-Gefährtin<br />

Alice Coltrane brachte nach<br />

dem Tod ihres Mannes zudem<br />

die seinerzeit umstrittenen Platten<br />

Cosmic Music und Infinity<br />

heraus.<br />

Der Kontext<br />

Was spricht nun aber gegen<br />

die Fabel von dem zu Unrecht<br />

verschollenen Meisterwerk?<br />

Da kommt eine ganze Reihe von<br />

Faktoren zusammen. Wie bereits<br />

erwähnt, war John Coltrane ein<br />

sehr selbstkritischer Musiker.<br />

Über die 1950er Jahre war er<br />

ständig auf der Suche und mit<br />

seinen eigenen Limitierungen<br />

unzufrieden gewesen. Selbst<br />

auf seinem wohl reifsten Album<br />

der 1950er Jahre, Blue Trane,<br />

ist die Qualität der Soli sehr<br />

unterschiedlich. Spätestens<br />

seit My Favorite Things ging<br />

es ihm jedoch nicht mehr um<br />

Vervollkommnung, sondern um<br />

die Manifestation von Vollkommenheit.<br />

Verglichen mit diesem zwei<br />

Jahre zuvor noch ohne Bassist<br />

Jimmy Garrison veröffentlichten<br />

Album klingen die nun unter<br />

dem Titel Both Directions at<br />

Once veröffentlichten Aufnahmen<br />

seltsam unausgewogen.<br />

Wenn man sich vor Augen<br />

führt, dass nur ein Jahr später<br />

die beiden LPs Crescent und<br />

A Love Supreme erscheinen<br />

sollten, die in ihrer spirituellen<br />

Ganzheitlichkeit Coltranes Ruf<br />

als größter Jazzmusiker seiner<br />

Zeit begründeten, hört man,<br />

wohin der Saxofonist eigentlich<br />

wollte. Im Vergleich zu besagten<br />

kauM eIne MusIkalIsChe entWICklung<br />

naCh 1965 <strong>–</strong> von roCk ÜBer hIphop BIs<br />

teChno <strong>–</strong> Wäre ohne John Coltranes<br />

vorarBeIt DenkBar geWesen.<br />

Platten laviert Coltrane auf Both<br />

Directions at Once unsicher<br />

zwischen Tradition und neuen<br />

Ideen. Was komplett fehlt, ist die<br />

Gravitation, der spirituelle und<br />

konzeptionelle Mittelpunkt.<br />

Ein Vergleich der Aufnahmedaten<br />

von LPs Anfang der<br />

1960er Jahre, nicht nur von<br />

John Coltrane, macht darüber<br />

hinaus deutlich, dass es keines-<br />

JazzthetIk 09/10-<strong>2018</strong> 33


Titel<br />

© Masahiro Mochida<br />

Dieses Album ist keine späte Wiedergutmachung an einem<br />

zu Unrecht verschollenen Meisterwerk von John Coltrane,<br />

sondern es ist allein an uns, seine Hinterbliebenen<br />

gerichtet. Denn es geht um nicht weniger als die Teilhabe<br />

an einem Wunder.<br />

Coltrane-Bänder vom Frühjahr<br />

1963 entspricht nicht annähernd<br />

dem üblichen Level van<br />

Gelders. Es liegt die Vermutung<br />

nahe, dass diese Mitschnitte<br />

der Prüfung des Klangpedanten<br />

nicht standhielten.<br />

Aber selbst wenn die<br />

Aufnahmen aus welchem Grund<br />

auch immer im Studio verloren<br />

gegangen sein sollten <strong>–</strong> Coltrane<br />

hatte eine von Rudy van<br />

Gelder speziell für ihn erstellte<br />

Kopie der Bänder mit nach<br />

Hause genommen. Hätte er<br />

diese Platte rausbringen wollen,<br />

dann wäre es passiert. Darüber<br />

kann es gar keinen Zweifel<br />

geben. Aber Trane war im Kopf<br />

schon ganz woanders. Sofort<br />

nach Coltranes Tod setzte ein<br />

unvergleichlicher Kult um den<br />

Musiker ein. Eine der unvermeidlichen<br />

Folgen bestand in<br />

einer Flut posthumer Alben.<br />

Alles, was man einer Veröffentlichung<br />

für Wert hielt, wurde<br />

rausgehauen. Im Jahr 1963<br />

absolvierte Coltrane nur wenige<br />

Studiotermine. Sein wichtigstes<br />

Album in diesem Jahr war Live at<br />

Birdland. Auf dieser Platte offenbart<br />

sich tatsächlich Coltranes<br />

wegs verbindlicher Standard<br />

war, die Ergebnisse einer Session<br />

adäquat auf einem Album zusammenzufassen.<br />

Im Gegenteil,<br />

vieles wurde unter praktikablen<br />

Gesichtspunkten marktgerecht<br />

zusammengestellt und entsprechend<br />

in Umlauf gebracht. Eine<br />

historisch kritische Aufarbeitung<br />

der Sessions würde ein<br />

völlig anderes Bild ergeben, als<br />

uns durch die Genealogie der<br />

Alben vermittelt wird. Coltrane<br />

kann nicht davon ausgegangen<br />

sein, dass ausgerechnet diese<br />

Sitzung vom 6. März 1963 als<br />

geschlossene LP das Licht der<br />

Welt erblicken würde. Die Cuts<br />

wirken in dieser Kombination<br />

eher wie ein abgebrochener<br />

Anlauf in Richtung dessen, was<br />

da noch kommen sollte, als wie<br />

der Absprung, und Coltrane<br />

wusste das.<br />

Mehr als fragwürdig erscheint<br />

zudem die Behauptung,<br />

dass dem peniblen Tonmeister<br />

Rudy van Gelder, dem wir Hunderte<br />

stilprägender Jazzaufnahmen<br />

verdanken, ausgerechnet<br />

diese Aufnahmen eines seiner<br />

lukrativsten Klienten verloren<br />

© Jean-Pierre Leloir<br />

gegangen sein sollen. Nun, um<br />

heute Platten zu verkaufen,<br />

braucht man gute Geschichten,<br />

und die Story von den verlorenen<br />

Bändern klingt gut. Glaubwürdig<br />

ist sie deshalb aber noch<br />

lange nicht. Coltrane war das<br />

Zugpferd von Impulse, er hatte<br />

weitreichende künstlerische<br />

Freiheiten und die absolute Kontrolle<br />

über seinen Output. Sein<br />

früheres Label Prestige begann<br />

bereits, frühere Platten anderer<br />

Musiker, bei denen Coltrane als<br />

Sideman zugange war, unter<br />

Tranes Namen umzuetikettieren.<br />

Es ist schwer vorstellbar, dass<br />

die Bänder des Superstars<br />

einfach verschwunden wären.<br />

Cuscuna merkt in einem<br />

anderen Kontext an, dass van<br />

Gelder die Tendenz hatte, mit<br />

der Mikrofonierung seiner<br />

Aufnahmen an die Grenze zu<br />

gehen. Neben den legendären<br />

Platten, die wir ihm verdanken,<br />

habe er dagegen diverse<br />

Sessions durch Übersteuerung<br />

versaut. Über die misslungenen<br />

Termine in van Gelders<br />

Studio gibt es natürlich keine<br />

Aufstellung. Die Tonqualität der<br />

© Don Schlitten<br />

© Coltrane Estate<br />

34 Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong>


spielerischer Genius dieses<br />

Jahres. Die Aufnahmen von<br />

Both Directions at Once hielten<br />

diesem Qualitätsstandard, den<br />

er an sich selbst gelegt hatte,<br />

einfach nicht stand. Wären<br />

John Coltrane diese Aufnahmen<br />

wichtig gewesen, hätte er sie<br />

wohl schwerlich bei seiner ersten<br />

Frau Naima zurückgelassen.<br />

Angesichts sinkender<br />

Verkaufserwartungen ist es mit<br />

Coltrane oder Miles Davis wie<br />

mit den Beatles. Es wird immer<br />

noch irgendwo Aufnahmen<br />

von Konzerten, Proben oder<br />

Outtakes geben, die bislang<br />

nicht veröffentlicht wurden. Was<br />

immer man von Coltrane findet,<br />

wird über kurz oder lang regulär<br />

auf den Markt kommen. Einiges<br />

kursiert ja schon als Bootleg,<br />

also als nicht autorisierte Veröffentlichung.<br />

Ein prominentes<br />

Beispiel ist Coltranes letztes<br />

Konzert auf dem Newport Jazz<br />

Festival im Juli 1966. Das war<br />

wirklich alles andere als ein fokussierter<br />

Auftritt, aber es steht<br />

außer Frage, dass auch diese<br />

Aufnahme früher oder später<br />

legalisiert werden wird. Coltrane<br />

<strong>–</strong> die neue Veröffentlichung<br />

belegt es <strong>–</strong> garantiert immer<br />

noch Medienaufmerksamkeit<br />

und gute Verkäufe. Um Qualität<br />

geht es dabei schon lange nicht<br />

mehr. Es ist zu befürchten, dass<br />

in näherer Zukunft noch einiges<br />

von Meister Coltrane auf uns<br />

kommen wird, das immer weniger<br />

seinem eigenen Standard<br />

genügen wird.<br />

50 Jahre später<br />

John Coltrane ist seit etwas<br />

mehr als 50 Jahren tot. Was fangen<br />

wir jetzt also mit Both Directions<br />

at Once an? Immerhin, es<br />

ist ein authentisches Dokument,<br />

das seine Verfassung an einem<br />

ganz konkreten Tag in den Mittelpunkt<br />

stellt. Dass es nicht sein<br />

kreativster Augenblick gewesen<br />

sein mag, bringt uns den Menschen<br />

John Coltrane ein ganzes<br />

Stück näher. Auch ein Gigant<br />

hat eben bessere und schlechtere<br />

Tage, wie auch seine vor<br />

einigen Jahren veröffentlichte<br />

einzige Live-Aufnahme von<br />

A Love Supreme zeigt.<br />

Immerhin probierte er 1963<br />

neue Ideen aus. Für die Ballade<br />

„Nature Boy“ trat er im Trio an.<br />

War McCoy Tyner verhindert?<br />

Das ist wenig wahrscheinlich,<br />

denn bei den anderen Aufnahmen<br />

vom selben Tag war<br />

er ja zugegen. Denkbar wäre<br />

ein anderer Grund. Coltranes<br />

größter Konkurrent der 1950er<br />

Jahre war Sonny Rollins, der mit<br />

seinem Trioalbum The Freedom<br />

Suite einen sensationellen<br />

Erfolg gefeiert hatte. Seit Tenor<br />

Madness (1956) hatte Trane mit<br />

dem vier Jahre jüngeren Rollins<br />

noch eine Rechnung offen.<br />

Nicht auszuschließen, dass<br />

auch Coltrane sich in diesem<br />

Trio-Format ausprobieren wollte,<br />

aber daran nicht festhielt.<br />

Zudem muss konstatiert werden,<br />

dass der sonst so zuverlässige<br />

Tyner auch bei den Songs jener<br />

Session, bei denen er anwesend<br />

war, auf seltsame Weise<br />

indisponiert wirkt.<br />

Bemerkenswert ist hingegen<br />

die Rolle, die Bassist Jimmy<br />

Garrison bei den Aufnahmen<br />

gespielt hat. Im Vergleich zu den<br />

Hypervirtuosen McCoy Tyner<br />

und Elvin Jones wirkt er auf<br />

vielen regulären Alben auffällig<br />

blass. Seine generelle Funktion<br />

mag darin bestanden haben,<br />

den Flow des Quartetts mit seinen<br />

Drones zu grundieren. Ein<br />

herausragender Solist war er jedenfalls<br />

nicht, weshalb er auch<br />

kaum als Sideman bei anderen<br />

Bandleadern in Erscheinung<br />

trat. Auf Both Directions at Once<br />

ist er jedoch ungleich offensiver<br />

als bei anderen Aufnahmen. Das<br />

kommt nicht nur in dem etwas<br />

torsohaft wirkenden Triostück<br />

„Nature Boy“ zum Ausdruck,<br />

sondern in einem seiner ganz<br />

wenigen mit dem Bogen gestrichenen<br />

Soli in einem von zwei<br />

unbetitelten Stücken.<br />

Eine tatsächliche Lücke<br />

wird mit der einzigen Studioversion<br />

seiner Komposition<br />

„Impressions“ geschlossen,<br />

jenem Stück, auf dem The Byrds<br />

ihren Hit „Eight Miles High“<br />

aufbauten, der nicht unwesentlich<br />

zur Popularität des<br />

Saxofonisten auch außerhalb<br />

der Jazz-Community beitrug.<br />

Sonny Rollins vergleicht den<br />

Fund jener Aufnahmen vom 6.<br />

März 1963 in seinen Liner Notes<br />

mit der Öffnung einer unbekannten<br />

Grabkammer in der<br />

Cheopspyramide. Der Vergleich<br />

ist überaus zutreffend, da er ja<br />

noch nichts darüber sagt, was<br />

man in der Grabkammer findet.<br />

Gerade „Impressions“ ist ein<br />

Beleg dafür, dass Coltrane live<br />

bereits viel weiter war als bei<br />

diesem Studiotermin.<br />

In John Coltranes veröffentlichtem<br />

Gesamtwerk sind<br />

die vom Meister selbst autorisierten<br />

Alben in der Minderheit.<br />

Der weitaus größere Teil seiner<br />

Diskografie setzt sich aus<br />

Platten, die ursprünglich unter<br />

Leadership anderer Musiker<br />

wie Red Garland, Ray Draper<br />

oder Cecil Taylor eingespielt<br />

wurden, flüchtigen Liveaufnahmen<br />

oder posthumen Editionen<br />

zusammen. Wie er sich entwickelt<br />

hätte, wenn ihm mehr<br />

Lebensjahre vergönnt gewesen<br />

wären, gehört ins Reich der<br />

Spekulation. Both Directions<br />

at Once ist die unverstellte<br />

Momentaufnahme eines<br />

einzelnen Tages, und als solche<br />

ist sie von einzigartigem Wert.<br />

Immerhin handelt es sich um<br />

John Coltrane. Aber der Coup<br />

dieser Aufnahmen, die weder<br />

verschollen waren noch von<br />

Coltrane selbst zu Lebzeiten<br />

und in all den Jahren seither<br />

von seinen Nachlassverwaltern<br />

auf den Markt gebracht worden<br />

sind, erzählt eine Geschichte<br />

für sich.<br />

Die Story von Both Directions<br />

at Once handelt indes<br />

weniger vom großen John<br />

Coltrane und seinem Umfeld als<br />

am anderen Ende des Regenbogens<br />

von unserer uneingelösten<br />

Sehnsucht nach Erfüllung<br />

und Happy End. Wie beim<br />

Dokumentarfilm Searching for<br />

Sugar Man sind es genau diese<br />

Geschichten, auf die wir uns<br />

so leidenschaftlich unkritisch<br />

einlassen, weil wir sie genau<br />

so und nicht anders hören<br />

wollen. Dieses Album ist keine<br />

späte Wiedergutmachung an<br />

einem zu Unrecht verschollenen<br />

Meisterwerk von John Coltrane,<br />

sondern es ist allein an uns,<br />

seine Hinterbliebenen gerichtet.<br />

Denn es geht um nicht weniger<br />

als die Teilhabe an einem Wunder.<br />

Und Wunder brauchen wir<br />

heute mehr denn je.<br />

Aktuelle CD:<br />

John Coltrane: Both Directions at Once<br />

(Impulse / Universal)<br />

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Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong><br />

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Von Rolf Thomas<br />

Der Titelsong stammt von Leonard Cohen<br />

und ist vor allem für die Zeile „There is a<br />

crack in everything, that’s how the light gets<br />

in“ berühmt. Peyroux interpretiert schon<br />

zum dritten Mal ein Werk der mittlerweile<br />

verstorbenen kanadischen Songwriter-<br />

Ikone. „Anthem“ half ihr, „alle Geschichten<br />

auf der Platte miteinander zu verknüpfen“,<br />

wie die Sängerin erzählt. „Cohen besaß die<br />

erstaunliche Fähigkeit, die menschliche Psyche<br />

anzuzapfen und einen zum Nachdenken<br />

zu bringen, ohne einen dazu zu zwingen. Es<br />

geht mehr darum, etwas zu sagen, als alles<br />

zu sagen.“ Wie Cohen etwas sagt, bringt den<br />

Hörer dazu, seine Songs immer wieder in<br />

einem neuen Licht zu sehen <strong>–</strong> das ging auch<br />

Madeleine Peyroux nicht anders. „Nachdem<br />

Donald Trump zum Präsidenten gewählt<br />

wurde, habe ich den Song noch einmal mit<br />

ganz neuen Ohren gehört“, meint sie, „und<br />

Springsteen gearbeitet <strong>–</strong>, Schlagzeuger<br />

Brian MacLeod, zu dessen Arbeitgebern<br />

Leonard Cohen und Tina Turner zählten, und<br />

David Baerwald. Der Gitarrist und Sänger<br />

hat schon mit Joni Mitchell und Sheryl Crow<br />

gespielt und sich auch für Madeleine Peyroux<br />

als unermüdlich sprudelnde Ideenquelle<br />

erwiesen. „Damals ging es noch um Hillary<br />

Clinton oder Donald Trump“, erinnert sich<br />

die Sängerin nachdenklich. „Das hat den<br />

Songwriting-Prozess eindeutig beeinflusst.<br />

Ich war zu der Zeit auch mit meinem Trio<br />

live unterwegs und habe viel über die USA<br />

erfahren.“ Die Songs verquicken Peyroux’<br />

politische Ansichten mit ihrer persönlichen<br />

Welt, wobei es ihr und ihren Mitstreitern<br />

gelungen ist, die perfekte Balance zwischen<br />

dunklem Humor und Mitgefühl herzustellen.<br />

„Das politische Klima ist ziemlich dunkel“,<br />

stellt Peyroux fest, „deshalb klingen auch die<br />

Songs nicht besonders fröhlich.“<br />

In „All My Heroes“ erinnert Baerwald<br />

<strong>–</strong> ausgelöst durch den Tod des Dichters<br />

John Ashberry <strong>–</strong> an all die bahnbrechenden<br />

Persönlichkeiten, die wir in den vergangenen<br />

Jahren verloren haben, und die Inspiration<br />

für das stimmungsvolle „Lullaby“ lieferte „die<br />

Vorstellung von einer einsamen Frau mitten<br />

im weit offenen Meer, die ihrem Kind, oder<br />

vielleicht auch sich selbst, ein beruhigendes<br />

Lied vorsingt, während sie in den Abgrund<br />

der Welt blickt“, sagt Peyroux. Man braucht<br />

wahrlich nicht viel Fantasie, um an das zu<br />

denken, was unsere Politiker mit perfider<br />

Verdrehung der Tatsachen „die Flüchtlingskrise“<br />

nennen <strong>–</strong> es ist wohl eher eine Krise<br />

der Menschlichkeit. Mit ironischem Pathos<br />

geht es in „Down on Me“ um finanzielle<br />

Schwierigkeiten, und „The Ghosts of Tomorrow“<br />

handelt von unerfüllten Träumen. Es gibt<br />

aber auch ein paar leichtere Stücke, etwa<br />

„On My Own“, „On a Sunday Afternoon“ und<br />

das dann doch wieder mit einer gewissen<br />

Dunkelheit spielende „Party Tyme“.<br />

Produziert wurde das Album von Larry<br />

Klein, der auch mit zum Songwriting-Team<br />

gehörte. Der Ex-Mann von Joni Mitchell ist<br />

seit Langem für seine präzise und gleichzeitig<br />

sensible Arbeit bekannt und hat nicht nur Mitchell,<br />

sondern auch Sängerinnen wie Tracy<br />

Chapman, Bonnie Raitt und seiner jetzigen<br />

Ehefrau Luciana Souza zu einigen ihrer besten<br />

Platten verholfen. Auch Madeleine Peyroux<br />

war von dem Veteranen begeistert. „Mit Larry<br />

Klein zusammenzuarbeiten, ist ein großes Vergnügen“,<br />

schwärmt sie, „denn er hat genauso<br />

viel Spaß daran, sich in akustische Details zu<br />

vertiefen wie ich. Er ist immer auf der Suche<br />

nach dem passenden Sound für jeden Song.“<br />

Madeleine Peyroux neigt nicht zu<br />

Schnellschüssen. In den 22 Jahren, die auf<br />

Madeleine Peyroux Mehr Licht!<br />

An ihrem neuen, ihrem achten Album<br />

Anthem hat Madeleine Peyroux lange<br />

gearbeitet, schon während der heißen<br />

Phase des US-Wahlkampfs vor zwei<br />

Jahren nahm es erste Formen an. Damals<br />

war die amerikanische Sängerin über viele<br />

Monate einer konstanten Nachrichtenflut<br />

ausgesetzt, die in dem Dutzend Songs auf<br />

Anthem ihren Niederschlag findet.<br />

ich muss sagen, er gibt einem Hoffnung.“<br />

Bis auf „Anthem“ und „Liberté“, das auf<br />

einem Gedicht des französischen Surrealisten<br />

Paul Éluard basiert, stammen alle<br />

Songs aus Peyroux’ Feder. „Ich schrieb die<br />

Songs zusammen mit meinen Musikern“,<br />

erzählt sie. „Wir saßen tatsächlich zu fünft in<br />

einem Zimmer und haben uns an die Arbeit<br />

gemacht. Ein Konzept hatten wir nicht, und<br />

das war auch nicht nötig, wie sich herausstellen<br />

sollte. Nach einem Jahr hatten wir<br />

genug Songs beisammen und haben uns<br />

ans Aufnehmen gemacht. Das war ein ganz<br />

organischer Prozess.“<br />

Zum Songwriting-Team zählten unter<br />

anderem Patrick Warren <strong>–</strong> der Pianist hat<br />

schon für Lana del Rey, Bob Dylan und Bruce<br />

ihr sensationelles Debüt-Album Dreamland<br />

folgten, hat sie lediglich acht Alben veröffentlicht,<br />

also ungefähr eine Platte alle drei<br />

Jahre. Gleichzeitig ist sie neugierig und experimentierfreudig,<br />

und so beschert sie uns<br />

nun also nach dem Album Secular Hymns,<br />

auf dem sie Songs von Tom Waits, Townes<br />

van Zandt, Allen Toussaint und Linton Kwesi<br />

Johnson interpretiert hat, eine Platte mit<br />

fast ausschließlich neuen, eigenen Songs.<br />

Beseelt ist Anthem von dem Geist, neue Stile<br />

zu erkunden <strong>–</strong> und vielleicht folgt auf die<br />

politische Finsternis schon schneller, als wir<br />

ahnen, wieder das Licht.<br />

Aktuelle CD:<br />

Madeleine Peyroux: Anthem (Decca / Universal)<br />

36 Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong>


PDF in 4c<br />

Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong> 37


Das schlagzeuglose und bassfreie Bläserquartett Fun Horns<br />

machte von sich reden, als es noch die DDR gab. Seitdem<br />

ist Volker Schlott als Saxofonist und Komponist eine feste<br />

Größe im deutschen Jazz. Zu seinem 60. Geburtstag hat er<br />

ein Geheimnis gelüftet.<br />

Von Hans-Jürgen Linke<br />

All die Jahre war Schlott auch mit einer<br />

Situation beschäftigt, von der nur wenige<br />

Menschen wussten: Er fühlt sich als<br />

Transgender. Jetzt hat er unter dem Namen<br />

seiner parallelen Existenz Holly Schlott das<br />

Album 2 Spirits veröffentlicht.<br />

Hans-Jürgen Linke: Du hast deinen<br />

60. Geburtstag zum Anlass genommen, dich<br />

öffentlich zu deiner Transgender-Seele<br />

zu bekennen. Das ist nicht gerade früh in<br />

deiner Biografie. Hat das soziale Klima in<br />

der DDR, wo du aufgewachsen bist, oder<br />

das gesamtdeutsche Klima nach der Wende<br />

dich bei deiner Selbsterforschung beengt?<br />

Holly Schlott: Ich denke, das ist unabhängig<br />

davon, wo ich aufgewachsen bin. Wenn du<br />

die richtigen Leute triffst, ist es ja egal, wo<br />

du sie triffst. Und die DDR war in Sachen<br />

sexueller Freiheit ziemlich fortschrittlich. Es<br />

gab sogar mit Charlotte von Mahlsdorf eine<br />

berühmte Transgender-Person in Berlin.<br />

Aber man muss mit seinem Verständnis für<br />

die eigene Situation erst einmal ins Reine<br />

gekommen sein. Wenn du nicht in einer<br />

Community aufwächst, in der etwas wie<br />

Transgender-Identität selbstverständlich ist,<br />

hast du ganz schön viel Arbeit damit, mit dir<br />

selbst bekannt zu werden. Damit dann an<br />

die Öffentlichkeit zu gehen, ist noch mal ein<br />

ganz anderer Schritt.<br />

Hans-Jürgen Linke: Empfindest du, dass<br />

die Jazz-Öffentlichkeit, die als offen und<br />

vielgestaltig gilt, doch auch eine spießige<br />

Seite hat?<br />

Holly Schlott: Du legst mir da ein Wort<br />

in den Mund, das ich ungern verwende.<br />

Aber irgendwie ist die Jazz-Öffentlichkeit<br />

tatsächlich an einigen Stellen viel konservativer,<br />

als sie selbst sich versteht.<br />

Diese Erfahrung haben auch homosexuelle<br />

Musiker wie Gary Burton gemacht. In der<br />

Wahrnehmung und im Umgang mit dem,<br />

was ich am liebsten Diversity nenne, gibt<br />

es viel Nachholbedarf. In Amerika gab es<br />

schon im letzten Jahrhundert Transgender-<br />

Musiker wie Billy Tipton oder Jennifer<br />

Leitham, und man ist hier und da schon<br />

etwas weiter. Wie die Lage in Deutschland<br />

ist, erkennt man auch daran, dass in der<br />

Bundesrepublik der Paragraph 175 des<br />

Strafgesetzbuches, der sexuelle Handlungen<br />

zwischen Männern unter Strafe stellt,<br />

erst 1994 abgeschafft wurde. Ich war vor 20<br />

Jahren schon mal fast so weit, mit meiner<br />

Situation an die Öffentlichkeit zu gehen,<br />

aber ein paar Stunden vor der geplanten<br />

Ankündigung habe ich dann doch einen<br />

Rückzieher gemacht. Ich war einfach noch<br />

nicht reif genug. In der Rock- und Pop-<br />

Kultur wurde schon viel früher über diese<br />

Themen gesprochen. Da gab es immerhin<br />

einen David Bowie. Die Jazz-Szene ist viel<br />

stärker männlich dominiert und hat Themen<br />

aus dem Bereich von Gender-Identitäten<br />

beharrlich ausgespart. Aber wir sind dabei,<br />

das zu ändern.<br />

Hans-Jürgen Linke: Lass uns über deine<br />

Musik reden. Du hast auf deiner aktuellen<br />

CD alle Instrumente selbst gespielt<br />

beziehungsweise programmiert, darunter<br />

das C-Melody-Saxofon, das einen Ganzton<br />

höher liegt als das Tenorsaxofon.<br />

Holly Schlott: Dieses Instrument hat sich<br />

nicht durchgesetzt, obwohl es auch im<br />

Jazz Saxofonisten gegeben hat, die es sehr<br />

virtuos gespielt haben. Ich habe es vor<br />

vielen Jahren schon einmal gespielt und<br />

fand interessant, dass ich plötzlich tiefer hinunter<br />

in den Tenorbereich kam als mit dem<br />

Alt-Sax. Trotzdem hat das Instrument bei<br />

mir sieben Jahre unbenutzt herumgelegen,<br />

und eigentlich wollte ich es schon verkaufen.<br />

Dann habe ich noch einmal hineingeblasen<br />

und fand dieses Dazwischen-Liegen<br />

plötzlich überaus attraktiv, so, als würde<br />

es mein eigenes Dazwischen irgendwie<br />

aufnehmen. Ich habe mich dann näher damit<br />

beschäftigt und gemerkt, dass ich ganz<br />

andere Melodien entwickle als auf dem Altoder<br />

Sopransaxofon. Es war überwiegend<br />

intuitive Arbeit, mit der ich diese CD meist<br />

in nächtlichen Kompositions-Sessions aufgenommen<br />

habe. Irgendwie ist eine neue<br />

Einheit entstanden aus dem Instrument und<br />

meinem Impuls, meine eigene neue Melodie<br />

nach außen zu tragen.<br />

Hans-Jürgen Linke: Was du nach außen<br />

transportierst, ist also auch deine Entscheidung,<br />

dich nicht mehr zwischen Tenor und<br />

Alt entscheiden zu müssen.<br />

Holly Schlott: Wenn man das auf die Saxofone<br />

bezieht, kann man das so ausdrücken.<br />

Wobei ich mich ja schon sehr früh auf die<br />

höheren Saxofone konzentriert hatte. Das<br />

C-Melody war wie eine neue Tür, die sich<br />

plötzlich öffnet. Ich bin immer noch dabei,<br />

es zu erforschen.<br />

Hans-Jürgen Linke: So dass das Instrument<br />

für deine Musik auch einen Neuanfang, vor<br />

allem aber eine Erweiterung des Horizonts<br />

bedeutet.<br />

Holly Schlott: Genau, es ist eine Extension.<br />

Ich fühle mich nicht wie neu geboren,<br />

sondern eher wie jemand, der etwas<br />

Neues erlebt, ohne dabei jemand anderer<br />

zu werden. Viele Transgender fühlen sich<br />

durch die vorgegebenen gesellschaftlichen<br />

Normen genötigt, eine männliche oder<br />

weibliche Rolle anzunehmen, um nicht aufzufallen.<br />

Das gelingt natürlich nicht immer.<br />

Und dann gibt es Leute, die meinen, wenn<br />

sie mit sich selbst in der Balance sind, wäre<br />

es nicht nötig, diese Leidensgeschichte<br />

mit allen physischen Konsequenzen auf<br />

sich zu nehmen. In dieser Situation sehe<br />

ich mich am ehesten. Ich fühle mich genau<br />

dazwischen, so dass ich versuche, auch<br />

eine optische Einheit beider Geschlechter<br />

zu zeigen. Das kann mal mehr in die eine<br />

oder andere Richtung geschehen, und das<br />

erlaube ich mir. Inzwischen durchaus auch<br />

auf der Bühne<br />

Hans-Jürgen Linke: Du begibst dich also<br />

öffentlich in ein für dich unbekanntes<br />

Gelände.<br />

Holly Schlott: Das gilt auch für die neue CD,<br />

auf der ich alles vom Einspielen bis zum Mix<br />

in Eigenregie gemacht habe. Das habe ich<br />

auch getan, damit alles nahe bei mir und in<br />

meiner eigenen Gefühlswelt bleibt. Denn<br />

das ist meine ganz persönliche Geschichte.<br />

Live verteilt sich die Musik auf fünf Musiker,<br />

die daraus wieder etwas anderes machen<br />

können. So soll es ja im Jazz auch sein.<br />

Ich hatte das Glück, meine Wunsch-Band<br />

zu finden, allesamt aus der Berliner Szene<br />

und mindestens eine Generation jünger.<br />

Aber das Intime und Persönliche der Musik<br />

kommt deutlicher in der Studioproduktion<br />

rüber. Ich lebe aber nun mal auch von<br />

Live-Musik. Austausch und Kommunikation<br />

mit anderen Musikern ist mir sehr wichtig.<br />

So sehe ich die Veränderung meiner Musik<br />

auch als einen Aspekt der Extension.<br />

Hans-Jürgen Linke: Die Musik vermittelt<br />

mir ungefähr folgenden Eindruck: Du bist<br />

musikalisch und biografisch an einem<br />

bestimmten Punkt angekommen, atmest<br />

tief durch und schaust zurück, um dich zu<br />

vergewissern, wo du bist, wie du dorthin<br />

gekommen bist <strong>–</strong> um zu sehen, wie es jetzt<br />

weitergehen kann.<br />

Holly Schlott: Genau. Es geht aber auch<br />

darum, Danke zu sagen an Menschen, die<br />

mich begleitet, unterstützt und beeinflusst<br />

haben. Und ich schaue mit großer Vorfreude<br />

auf unsere Release-Tour im <strong>September</strong><br />

und <strong>Oktober</strong>, wo ich meine Extension im<br />

doppelten Sinne ausleben werde.<br />

Aktuelle CD:<br />

Holly Schlott: 2 Spirits<br />

(NRW Records / NRW)<br />

38 Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong>


Holly<br />

Schlott<br />

Von der Arbeit,<br />

mit sich selbst bekannt zu<br />

werden<br />

Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong> 39


Esther Kaiser<br />

Lift Every Voice and Sing<br />

In Zeiten wie diesen sollte Jazz Stellung beziehen, das empfindet die<br />

Berliner Sängerin Esther Kaiser jedenfalls. Ihre Songs of Courage<br />

vereinen Klassiker des politischen Lieds des 20. Jahrhunderts.<br />

© Eberhard Koll<br />

40 Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong>


Von Rolf Thomas<br />

Wie alle ihre bisherigen Alben so hat<br />

sich auch Songs of Courage allmählich<br />

entwickelt, in diesem Fall liegt der Keim<br />

in Esther Kaisers vorigem Album Learning<br />

How to Listen <strong>–</strong> The Music of Abbey<br />

Lincoln. Lincoln war eine dezidiert politische<br />

Sängerin, und je länger Kaiser ihre<br />

Lieder sang, desto stärker drang ihr das<br />

ins Bewusstsein. „Als ich noch Songs von<br />

Abbey Lincoln gesungen und das Programm<br />

allmählich um andere Songs erweitert<br />

habe, fiel mir irgendwann der Begriff Songs<br />

of Courage ein“, erinnert sich die Sängerin.<br />

„Abbey Lincoln ist ja nicht nur musikalisch<br />

ein großes Vorbild von mir, sondern auch<br />

als Persönlichkeit. Ich suchte also Songs,<br />

die geistig zu ihr passen, hatte aber noch<br />

gar nicht vor, daraus ein Album zu machen.<br />

Dafür erschien mir der Titel auch<br />

viel zu plakativ und vielleicht auch viel zu<br />

groß. Aber irgendwann war ich couragiert<br />

genug, mich für genau diesen Albumtitel zu<br />

entscheiden.“<br />

Durch die Schallplatten ihrer Mutter<br />

hat Esther Kaiser schon früh die Songs<br />

von Bob Dylan und Joan Baez gehört,<br />

und so finden sich nun auch „Masters of<br />

War“, „Where Have All the Flowers Gone“<br />

und „We Shall Overcome“ auf der neuen<br />

Platte. Die Gegenwart machte sich in der<br />

Besetzung bemerkbar, denn neben ihrem<br />

deutschen Quartett haben sich auch zwei<br />

Musiker aus dem Nahen Osten zu den Aufnahmen<br />

eingefunden. „Nachdem ich mich<br />

mehr und mehr mit dem Thema Flüchtlinge<br />

befasst und auch mit Geflüchteten Musik<br />

gemacht habe, erschien mir ‚courage‘ auf<br />

einmal viel greifbarer <strong>–</strong> nämlich im Sinne<br />

von ‚beherzt‘“, führt Esther Kaiser aus. „Und<br />

dann sind mir auch noch der Kanun-Spieler<br />

Hasan Al Nour und Cellist Akram Younus<br />

Ramadhan Al-Siraj begegnet und ließen<br />

sich fast umstandslos in meine deutsche<br />

Band integrieren. Damit konnte ich auch<br />

diesen ‚großen‘ Albumtitel verdauen.“<br />

Michael Jacksons „Earth Song“ steht nun<br />

Seite an Seite mit David Bowies „This Is<br />

Not America“ und Brecht/Eislers „An den<br />

kleinen Radioapparat“ - das abschließende<br />

„You’re the Voice“ von John Farnham ist<br />

sicher die größte Überraschung.<br />

„Auf dem Album mischt sich orientalische<br />

mit westlicher Musik und Pop<br />

mit Jazz“, sagt Kaiser. „Mein Pianist Tino<br />

Derado ist unglaublich in der Harmonik drin,<br />

so ein richtiger Checker, der sich mit Hasan<br />

und Akram auch noch super verständigen<br />

konnte. All das hat dazu geführt, dass ich<br />

schließlich mit gutem Gewissen sagen<br />

konnte: Ja, dieses Album kann jetzt Songs<br />

of Courage heißen. Wobei ich es übertrieben<br />

finde, wenn man sagt, dass man Courage<br />

braucht, um diese Lieder zu singen <strong>–</strong> das<br />

natürlich nicht. Aber ich finde es wichtig,<br />

dass auch aus dem Jazz hier und da ein<br />

politisches Statement kommt. Diese Lieder<br />

wollen schließlich nicht nur immer wieder<br />

gesungen werden, sie wollen auch anders,<br />

neu und aus heutiger Sicht interpretiert<br />

werden. Genau das hat mich interessiert,<br />

sowohl politisch als auch musikalisch.“<br />

Die bereits erwähnten Klassiker der<br />

amerikanischen Bürgerrechtsbewegung<br />

der 60er Jahre mussten einfach dabei<br />

sein, aber interpretiert aus einer aktuellen<br />

weltmusikalischen Perspektive. Das Ergebnis<br />

bewegt sich irgendwo zwischen Jazz,<br />

urbanem Songwriter-Pop (Suzanne Vegas<br />

„Luka“ ist auch dabei), improvisierter Musik<br />

und orientalisch anmutender Folkloristik.<br />

Wenn Esther Kaiser dann auch noch zu<br />

exotischen Instrumenten wie der Kalimba<br />

und der indischen Shruti-Box greift, denkt<br />

man über solche musikalischen Zuordnungen<br />

gar nicht weiter nach. Die Sängerin,<br />

die neben ihrer eigentlichen Tätigkeit auch<br />

noch eine Professur für Jazzgesang an der<br />

Musikhochschule Dresden innehat, wirft<br />

neues Licht auf vertrautes Liedgut und<br />

eröffnet so manchem Lied, das man bereits<br />

im Museum wähnte, neue Perspektiven.<br />

„Durch meine Eltern bin ich mit ‚We Shall<br />

Overcome‘ und ‚Sag‘ mir, wo die Blumen<br />

sind’ aufgewachsen, und deshalb fand ich<br />

es spannend, diese Lieder musikalisch neu<br />

zu entdecken“, erzählt die Sängerin. „Die<br />

Lieder sind nicht nur meine musikalische,<br />

sondern auch meine gesellschaftspolitische<br />

Heimat. Es war mir einfach ein Herzensbedürfnis,<br />

in dem Kanal, in dem ich mich<br />

äußern kann, nämlich in der Musik, meine<br />

Stimme zu erheben. Was für menschenverachtende<br />

Entscheidungen gerade in der<br />

Politik heute getroffen werden [Innenminister<br />

Seehofer machte sich zum Zeitpunkt des<br />

Interviews gerade zum Horst <strong>–</strong> Anmerkung<br />

des Autors], da kann man eigentlich nur die<br />

Hände über dem Kopf zusammenschlagen.<br />

Ich kann immerhin singen.“<br />

Dass Musik verbindet, hat sich dabei<br />

einmal mehr als eine völlig zutreffende Binsenweisheit<br />

erwiesen. „Während der Arbeit<br />

an diesem Album mit meiner Berliner Band<br />

und den beiden Kollegen aus dem Nahen<br />

Osten waren wir immer wieder überrascht,<br />

wie nah doch die Arten sind, wie wir alle an<br />

Musik, Skalen und Improvisation herangehen“,<br />

hat Esther Kaiser festgestellt. „Ob das<br />

nun im europäisch-amerikanisch beeinflussten<br />

Jazz oder in der orientalischen<br />

Musik geschehen ist <strong>–</strong> wir haben uns sehr<br />

schnell sehr gut verstanden.“<br />

Aktuelle CD:<br />

Esther Kaiser: Songs of Courage<br />

(GLM / Soulfood)<br />

Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong> 41


High Fidelity: Die Listening-Session<br />

Hans Deutsch<br />

HD 304 mk2<br />

Muskulös ohne Bassschwubbel<br />

Bei einer Vielzahl von Lautsprechern<br />

gibt es nach einer gewissen Zeit einen<br />

Ermüdungsbruch in den Ohren.<br />

Na ja, so ähnlich. Auch wenn alles<br />

schön dargestellt wird, die Musik<br />

musiziert, die Verarbeitung des Produktes<br />

tadellos ist <strong>–</strong> verbleibt eine<br />

diffuse Sehnsucht. Da muss doch<br />

noch was gehen?<br />

Von Peter Steinfadt<br />

Letztlich ist die nicht wirklich definierbare<br />

Restunzufriedenheit mit einem Produkt auch<br />

die Triebfeder des Neuerwerbs <strong>–</strong> davon lebt<br />

die Branche, klar. Wir suchen den Funken,<br />

der das Musikfeuer zu entfachen vermag.<br />

Das ist die Leidenschaft und Antriebsfeder<br />

des Audiophilen. Und leider auch eine Geldverbrennungsmaschine<br />

sondergleichen.<br />

Der Klassiker unter den Soziologen,<br />

Max Weber, postulierte, dass sich Bürokratien<br />

in erster Linie durch ihr Geheimwissen<br />

auszeichnen und legitimieren. Hier hingegen<br />

wird ganz unbürokratisch und selbstlos ein<br />

Lautsprecher vorgestellt, der das Mantra<br />

des Lautsprecherkaufs zum Erliegen bringen<br />

und den Käufer über viele Jahre begleiten<br />

könnte. Der Lautsprecherentwickler und<br />

Akustikforscher Hans Deutsch ist ein echtes<br />

Urgestein der Szene und bereits seit den<br />

60ern aktiv. Seine teils patentierten Kreationen<br />

sind außergewöhnlich und finden bei<br />

keinem anderen Hersteller Verwendung.<br />

Dem audiophilen Hörer fällt bei der<br />

wirkungsgradstarken 8 Ohm Kompaktbox<br />

HD 304 mk2 vor allem der sogenannte Hornresonator<br />

auf. Hier wird die Abstrahlfläche<br />

des Tieftonsystems trägheitslos vergrößert<br />

und optimiert. Dieser Kunstgriff führt zu<br />

einer extrem schnellen, verzerrungsarmen<br />

Musikdarstellung mit hoher Impulstreue.<br />

Der Hornresonator ersetzt die üblicherweise<br />

großen Bass-Chassis. Dadurch<br />

wird erreicht, dass die Bassreproduktion<br />

bruchlos ins Geschehen integriert wird. Hier<br />

schwubbelt und dröhnt nichts, und durch<br />

dieses Konstruktionsprinzip sind die nur 33<br />

Zentimeter hohen Wandler auch bei höheren<br />

Lautstärken in jeden Raum integrierbar.<br />

Das ist ein großer Vorteil gegenüber den<br />

Marktteilnehmern, da die lästigen Raummoden<br />

durch den Hornresonator erst gar<br />

keine Dröhnchance erhalten.<br />

Grau die Theorie, bunt die Musik.<br />

Hören wir in die aktuelle mk2-Version der<br />

HD 304 mal rein. Für Joshua Redmans Still<br />

Dreaming (Nonesuch, 2017) stand eine Aufnahme<br />

eines hochkarätigen Quartetts (u.a.<br />

mit Don Cherry) mit seinem Vater Dewey<br />

Redman aus dem Jahr 1977 Pate. Die energiestrotzende<br />

Aufnahme im Geiste Ornette<br />

Colemans diente als Inspirationsquelle<br />

für den Sohn und seine drei Mitstreiter.<br />

Herausgekommen sind Preziosen voller Dynamik<br />

und Melodie. Die saxofongetriebene<br />

Musik im Spagat zwischen akademischer<br />

Kühle und Wärme besitzt mittels der HD 304<br />

eine sehr gute Ortbarkeit der Instrumente<br />

sowie eine feine Darstellung des Raums.<br />

Dynamiksprünge in der Musik sowie feinste<br />

Ziselierungen setzen die kleinen Kompakten<br />

absolut mühelos um. Spielt da ein Weltklasse-Quartett<br />

live im Wohnzimmer auf?<br />

Jedenfalls eine ziemlich perfekte Illusion<br />

von live. Erstaunlich, wozu so kleine Lautsprecher<br />

mit ihren 5,5 Kilogramm im Stande<br />

sind. Der Bass klingt schlank und schnell<br />

und damit sehr glaubhaft. Kein Gramm<br />

Hüftspeck, alles durchtrainiert.<br />

Bei der ersten Begegnung mit den<br />

Ergebnissen von Hans Deutsch kann beim<br />

Hörer eine Irritation auftreten, da die eigenen,<br />

gelernten Hörgewohnheiten schnell<br />

an ihre Grenzen stoßen. So viel schneller,<br />

schlackenloser im Vergleich ist der<br />

reproduzierte Klang, dass man sich erst ein<br />

wenig einhören muss. Kleiner Schock. Aber<br />

das Dargebotene der Lautsprecher ist eine<br />

Einbahnstraße. Nicht umdrehen, es gibt<br />

kein Zurück. Jazz, Blues und Gospel vereint<br />

Robin McKelle auf ihrem jüngsten Album<br />

mit dem malerischen Titel Melodic Canvas<br />

(Doxie, 2017). Die kammermusikalische<br />

Jazzbesetzung mit Klavier, Perkussion und<br />

akustischem Bass sowie spärlich eingesetzter<br />

Hammondorgel flankiert ihre starke<br />

und farbenreiche Stimme. Die eingängigen<br />

Melodien des Albums mag man oft hören.<br />

Das kommt satt rüber, das groovt, hat mit<br />

den Hans-Deutsch-Wandlern Energie. Hier<br />

zerfasert nichts, alles bleibt schön zusammen<br />

und klingt „live“ im Sinne von „echt“.<br />

Testfazit: Die 1060 Euro Investition für die<br />

Hans Deutsch HD 304 mk2 lohnen absolut.<br />

Dieses Produkt kann der Endpunkt einer<br />

langen Suche sein. Mein Test-Pärchen im<br />

klassischen Schwarz (weitere Furniere<br />

vorhanden) bleibt zumindest in Hessen. Ich<br />

habe festgestellt, dass mein Musikkonsum<br />

sich durch die HD 304 mk2 stark erhöht hat.<br />

Das ist schön.<br />

Website:<br />

www.sound-magic.de<br />

Wer hören will, muss spielen<br />

<strong>JAZZTHETIK</strong> verlost ein Boxenpaar<br />

HD 304 mk2 unter den Leserinnen und<br />

Lesern, die unsere Gewinnspielfrage beantworten<br />

können: Aus welchem Land<br />

stammt der Entwickler der HD 304 mk2?<br />

Einfach bis zum 30. <strong>September</strong> eine<br />

Postkarte mit Adresse und Lösung<br />

an <strong>JAZZTHETIK</strong>, Frie-Vendt-Str. 16<br />

(Hinterhaus) in 48153 Münster oder<br />

eine E-Mail an: jazz@<strong>JAZZTHETIK</strong>.de<br />

schicken <strong>–</strong> und mit etwas Glück gibt‘s<br />

was auf die Ohren.<br />

Von der Teilnahme ausgeschlossen<br />

sind Mitarbeiter (und deren Angehörige)<br />

der <strong>JAZZTHETIK</strong> und des Vertriebs<br />

S.M.G. Sound Magic GmbH.<br />

42 Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong>


Von Jan Kobrzinowski<br />

Die Verbindung von Edgar<br />

Allan Poes Lyrik und der Musik ist<br />

immer eine gegenseitige gewesen.<br />

Poe selbst war ein äußerst<br />

musikaffiner Dichter, andererseits<br />

inspirierten seine Werke Musiker<br />

und Komponisten nahezu aller<br />

Genres. Es begann mit Debussy<br />

und Rachmaninow, geht über<br />

Philip Glass und James Poulsen<br />

bis zu Alan Parsons, Queen, Bob<br />

Dylan und den Beatles.<br />

Nun sucht Poes Poesie auch<br />

den Jazz heim. Rainer Tempel<br />

erreicht gleich mehrere Ziele in<br />

einem Zuge: Er entzaubert den<br />

Mythos um Edgar Allan Poe, ein<br />

Dichter nur der dunklen Seite<br />

zu sein, zeigt Möglichkeiten auf,<br />

wie man dem klassischen Lied<br />

neue Seiten abgewinnen kann,<br />

und setzt dem etwas entgegen,<br />

was im heutigen Liedgut,<br />

Songwriting genannt, und auch<br />

im Jazzgesang sprachlich an<br />

Qualität geboten wird, sowohl im<br />

populären als auch im ambitionierten<br />

Bereich. Die Qualität<br />

Rainer<br />

Tempel /<br />

Fola<br />

Dada<br />

Dunkle Poesie ins Licht gerückt<br />

Ein Jazzpianist, der komponiert, arrangiert und als erfolgreicher Bigband-<br />

Leiter unterwegs ist <strong>–</strong> und eine alte Leidenschaft wiederentdeckt. Eine<br />

Soul- und Popsängerin mit sanfter, aber kraftvoller Stimme und großem<br />

Einfühlungsvermögen und ein zu Unrecht nur dem dunklen, abgründigen<br />

Genre zugerechneter Dichter des 19. Jahrhunderts. Wie geht das zusammen?<br />

in Poes Sprache mache für ihn<br />

letztlich den großen Unterschied,<br />

so Tempel, und so kam es, dass<br />

er begann, dessen Gedichte in<br />

Lieder umzusetzen. Dabei half<br />

ihm seine Affinität zur englischen<br />

Sprache, insbesondere zur<br />

amerikanischen Literatur des 19.<br />

Jahrhunderts. In Kürze wird noch<br />

ein zweiter Liederzyklus auf CD<br />

erscheinen, auf dem Emily Dickinsons<br />

Gedichte vom gleichen<br />

Team vertont werden. Das berge<br />

obendrein die Chance auf ein<br />

abendfüllendes Live-Programm,<br />

bekennt Rainer Tempel augenzwinkernd.<br />

Sowohl klassik- als<br />

auch jazzgewöhnte Ohren dürften<br />

sich gerne mitnehmen lassen<br />

auf solch eine Reise, die vorbeiführt<br />

am klassischen Lied, ohne<br />

sich dessen formaler Strenge<br />

unterzuordnen, und angereichert<br />

ist mit komponiertem Jazz, Songwriting<br />

und Broadway-Musical in<br />

feinen Dosen.<br />

Die Interpretation der Sängerin<br />

Fola Dada trägt maßgeblich<br />

dazu bei, Licht in die dunklen Seiten<br />

des Poeschen Symbolismus<br />

© Oliver Röckle<br />

zu bringen. Rainer Tempel und<br />

Fola Dada kennen sich schon<br />

lange als Kollegen, arbeiten hier<br />

aber zum ersten Mal intensiv<br />

zusammen. Das Album Boston/<br />

MA, benannt nach des Dichters<br />

Geburtsort an der nordöstlichen<br />

Küste der USA, zeigt, wie fruchtbar<br />

diese Kooperation ist.<br />

Der rote Faden im Zyklus<br />

der zehn Lieder ist das Thema<br />

Traum. Schon beim ersten Stück,<br />

„A Dream within a Dream“,<br />

zeigt Fola Dada, dass sie dieses<br />

ungewöhnliche Genre mit<br />

größter Genauigkeit studiert hat.<br />

Ihre Stimme folgt selbstbewusst<br />

Tempels majestätisch fortschreitenden<br />

Akkordfolgen und bereitet<br />

so den Zuhörer auf den kommenden<br />

lyrischen Spaziergang vor,<br />

bei dem zwei Musiker und ein<br />

Dichter Hand in Hand durch ein<br />

Repertoire menschlicher Zustände<br />

gehen. In „The Valley of the<br />

Unrest“ vermag Tempels erste<br />

kurze Kadenz das Wechselspiel<br />

zwischen Dies- und Jenseits in<br />

Poes schillernden Versen dann<br />

schon vorwegzunehmen. Zwischen<br />

dem angenehm liedhaften<br />

Melodieverlauf und kurzen Ausflügen<br />

ins Atonale entsteht ein<br />

reizvoller, zum Poe-Verständnis<br />

beitragender Kontrast. In der<br />

Mitte des Albums platziert Rainer<br />

Tempel das gleichsam marschierende<br />

„Romance“. Voller<br />

energischer Sprünge in Melodie<br />

und Bass schreitet dieses auf<br />

einer Achttonreihe basierende<br />

Kernstück des Zyklus, getragen<br />

von einer ostinaten Basslinie, dahin.<br />

Auf erstaunliche Weise wird<br />

hier deutlich, wie sehr solch ein<br />

Konzept auf die Gleichberechtigung<br />

aller am Projekt Beteiligten<br />

angewiesen ist, wie Dichter,<br />

Komponist und Ausführende an<br />

einem Strang ziehen müssen, damit<br />

das Ganze nicht an der dem<br />

Genre (ja welchem eigentlich?)<br />

eigenen Strenge erstickt. Bei<br />

„Eldorado“, von Tempel als Fuge<br />

angelegt, kann man sich bildhaft<br />

vorstellen, wie der edle Ritter in<br />

all der Einsamkeit seiner Pilgerreise<br />

ins goldene Land Licht und<br />

Schatten erleben muss.<br />

Am Schluss wird in „Spirits<br />

of the Dead“ noch einmal klar,<br />

dass alles Fröhliche nur scheinbarer<br />

Natur ist. Weder kann die<br />

Leichtigkeit in der Musik über<br />

Tiefen und Untiefen des Textes<br />

hinwegtäuschen, noch ist sie<br />

geeignet, auch nur zu besänftigen.<br />

Die Melodie führt immer<br />

wieder in die Irre, als wolle sie<br />

den Zuhörer an den Ernst der<br />

Lage erinnern, und führt ihn<br />

schlussendlich dorthin, wo Poe<br />

sich zu Hause fühlte: ins „Mystery<br />

of Mysteries“, aber eben doch<br />

auch vielleicht ins Licht.<br />

Wer einmal andere Seiten<br />

des Dichters Edgar Allan Poe<br />

kennenlernen will, wer erleben<br />

will, wie ein Jazzkomponist<br />

und -pianist, der sich bei jedem<br />

einzelnen Ton etwas gedacht hat,<br />

sich einen Traum erfüllt und bis<br />

ins Detail auskomponierte Lieder<br />

zum Besten gibt, und dabei einer<br />

Sängerin lauschen möchte, die<br />

mit Bravour und viel Gefühl dem<br />

Ganzen dient, dem sei Boston/<br />

MA ans Herz gelegt.<br />

Aktuelle CD:<br />

Rainer Tempel / Fola Dada: Boston/MA<br />

(Rodenstein / Medienvertrieb<br />

Heinzelmann)<br />

Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong> 43


Ólafur<br />

Arnalds<br />

Spiel mit<br />

dem Zufall<br />

Auf dem Weg hinaus aus<br />

einer Schaffenskrise<br />

half Ólafur Arnalds<br />

eine selbst entwickelte<br />

Software. Sie versetzt das<br />

Klavierspiel des Isländers<br />

in neue, überraschende<br />

Umgebungen.<br />

© Benjamin Hardman<br />

44 Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong>


Von Angela Ballhorn<br />

Ein Klavier erklingt, kein supertoller Flügel,<br />

sondern ein einfaches Klavier mit Charakter,<br />

bei dem man die Mechaniken hören kann,<br />

ganz sparsam gespielt. Langsam mischen<br />

sich zarte Streicherklänge und weitere Klavierschichten<br />

dazu. Alles wird dichter, die<br />

kleine Melodie, die so hartnäckig im Kopf<br />

bleibt, verblasst, wird von den Klanggewalten<br />

der Streicher und Holzbläser zugedeckt,<br />

bis sie wieder auftaucht und das Startsignal<br />

für die Drums gibt, die das Stück in eine<br />

andere Richtung leiten.<br />

„re:member“ ist der Titeltrack des<br />

gleichnamigen Albums des isländischen<br />

Komponisten und Musikers Ólafur Arnalds.<br />

Für seine neue Veröffentlichung holte er<br />

sich technische Hilfe:<br />

„Meine Kreativität steckte fest, ich kam<br />

nicht richtig weiter. Mein letztes Album<br />

war ein paar Jahre her, meine letzte Tour<br />

auch. Ich war gelangweilt und uninspiriert<br />

und wollte und konnte keine Shows mehr<br />

spielen, bis ich etwas Neues hatte.“ Mit<br />

dem Audio-Entwickler Halldór Eldjárn<br />

erstellte er die algorithmische Software<br />

STRATUS, die ihm das Komponistenleben<br />

bemerkenswert einfacher macht. Die Arbeit<br />

daran dauerte zwei Jahre. Die Algorithmen,<br />

die das Programm generiert, wurden auch<br />

verwendet, um das Artwork des innovativen<br />

Albums zu kreieren. „Die STRATUS-Klaviere<br />

sind zwei selbstspielende Klaviere, die von<br />

einem Masterklavier angetriggert werden,<br />

das ich spiele. Das ist das Herzstück meiner<br />

neuen Werke.“<br />

Die kompositorische Erfahrung belebte<br />

den kreativen Prozess neu. Wenn Ólafur<br />

eine Note am Klavier spielt, werden<br />

zwei verschiedene Noten von STRATUS<br />

generiert, die unerwartete Harmonien und<br />

überraschende melodische Sequenzen<br />

schaffen. „Der Titelsong ,re:member‘ war<br />

der erste, den ich geschrieben habe. Die<br />

längste Zeit brauchte ich, um die Richtung<br />

zu finden, da der Song auch die Richtung<br />

des Albums vorgibt. Ich habe 14 verschiedene<br />

Version von ,re:member‘ ausgearbeitet,<br />

habe über drei Wochen lang 18 Stunden<br />

pro Tag nonstop an dieser kleinen Melodie<br />

gesessen, erst solo am Klavier bis hin zum<br />

vollen Orchester. Das Video zum Song ist<br />

sehr symbolisch und zeigt eine dystopische<br />

Welt.“<br />

Interessant ist, dass Ólafur Arnalds<br />

den isländischen Rapper BNGR BOY als<br />

Co-Produzenten engagiert hat. „BNGR BOY<br />

ist populär in Island, er ist 21 Jahre alt,<br />

produziert Trap Beats und rappt. Ich habe<br />

ihn als Co-Produzenten geholt, um eine andere<br />

Inspiration zu haben. Oft lag er stoned<br />

in der Ecke, und 90 Prozent seiner Ideen<br />

funktionierten nicht für mich, aber trotzdem<br />

hat er es geschafft, dass ich über viele Dinge<br />

anders nachgedacht habe. Ein kleines<br />

Beispiel: Ich gab ihm einen 20-Sekunden-<br />

Schnipsel mit Klavier und Streichern, ging<br />

einen Kaffee trinken und sagte ihm, er<br />

könne mit dem Material machen, was er<br />

wolle. Als ich zurückkam, hatte er gerade<br />

mal einen Knopf gedrückt und alles um eine<br />

Oktave nach unten gezogen, was für mich<br />

aber genau die richtige Entscheidung war.“<br />

Kollaborationen sind dem Komponisten<br />

wichtig, weil das Werk so schon<br />

eine Art Remix wird. Die Kontrolle gibt er<br />

nie ab, auch die Software braucht immer<br />

einen Menschen, der sie programmiert und<br />

bedient. So balanciert der Isländer im reizvollen<br />

Spagat zwischen den Spannungsfeldern<br />

des bis ins letzte Detail produzierten<br />

Produkts und dem Zufallsfaktor durch die<br />

Software.<br />

Das Album beinhaltet einen Track,<br />

der „Nyepi“ heißt, was auf Balinesisch<br />

„Tag der Stille“ bedeutet. Hintergrund ist<br />

die dortige Tradition, sich am Neujahrstag<br />

von der äußeren Welt abzuschotten. „Ein<br />

Tag im Jahr ist für die Natur. Niemand ist<br />

draußen, es wird kein Strom benutzt, WiFi<br />

ist abgeschaltet. Das heißt, dass du Kerzen<br />

verwendest und mit Gas kochst. Ich war<br />

auf einer Insel, wo es sehr leise war, und<br />

spielte im Dunkeln Klavier, meine Freunde<br />

kochten. Ich arbeitete an meinem Song, und<br />

nach und nach kamen alle meine Freunde<br />

aus der Küche und saßen bei mir. Turn off<br />

all Noise! Du brauchst Ruhe, um etwas<br />

zu fühlen <strong>–</strong> und es ist okay, glücklich zu<br />

sein. Ich möchte, dass die Leute hören und<br />

fühlen, dass ich Spaß hatte, dieses Album<br />

zu machen.“<br />

Die neuen Kompositionen des<br />

Isländers nutzen Klavier samt Software,<br />

Streichquartett, Synthesizer, Electronics,<br />

Live Drums und ein Streichorchester, das im<br />

Londoner Air Studio aufgenommen wurde.<br />

Arnalds‘ Tracks stürzen den Zuhörer in eine<br />

Welt voller unerwarteter Stimmungen und<br />

Gefühle. International ist der Musiker schon<br />

lange gefeiert für seinen Stil, Elemente<br />

aus Ambient, Klassik, Elektronik und sogar<br />

Pop und Rock zu verweben. Gern nimmt er<br />

auch sein Publikum bei Konzerten auf und<br />

arbeitet mit Loop-Machines, um eine ganz<br />

spontane Begleitung zu kreieren. Wer vermutlich<br />

Alpträume wegen der 40 Konzerte<br />

umfassenden Tour hat, ist der Tourmanager,<br />

der die Logistik mit vielen selbstspielenden<br />

Klavieren zwischen den Kontinenten<br />

organisieren muss. „Er träumt seither jede<br />

Nacht, dass ihm ein Klavier verloren geht“,<br />

lacht Ólafur Arnalds.<br />

Aktuelle CD:<br />

Ólafur Arnalds: re:member<br />

(Mercury KX / Universal)<br />

Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong> 45


Rembrandt<br />

Frerichs<br />

Exotik der Vergangenheit<br />

46<br />

Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong>


Das Hammerklavier oder, weniger martialisch: das Fortepiano gehört zu<br />

den unbekannteren Tasteninstrumenten <strong>–</strong> nicht nur im Jazz. Dabei hat es<br />

wesentlich mehr Aufmerksamkeit verdient, meint der niederländische<br />

Pianist Rembrandt Frerichs. Anlass genug für den 1977 in Rotterdam<br />

geborenen Musiker und Komponisten und sein Trio, dem Instrument ein<br />

komplettes Album zu widmen: The Contemporary Fortepiano.<br />

Von Holger Pauler<br />

Eines vorweg, die Musik ist alles<br />

andere als altmodisch. Sie klingt<br />

modern, frisch, teilweise sogar<br />

groovy. Kurz: Es ist „hippe“<br />

Musik auf zeitgenössischen<br />

Instrumenten. Das Trio, zu dem<br />

Tony Overwater (b) und Vinsent<br />

Planjer (perc) gehören, spielt<br />

seit mehr als zwölf Jahren zusammen<br />

und kann als klassische<br />

Working Band bezeichnet werden.<br />

„Wir proben jede Woche<br />

und kommunizieren auch sehr<br />

direkt miteinander. Nach und<br />

nach haben wir so unsere Spielweise<br />

verfeinert“, sagt Frerichs.<br />

Einflüsse aus dem Free Jazz und<br />

der persischen Musik geben den<br />

Auftritten und Aufnahmen zudem<br />

eine „gewisse spirituelle Note“.<br />

Die Idee, das Fortepiano<br />

als zusätzliche Klangquelle<br />

zu nutzen, kam nach einem<br />

Auftritt im Iran. „Die persischen<br />

Musiker, mit denen wir spielten,<br />

meinten, dass mein Klavier <strong>–</strong> ein<br />

Steinway <strong>–</strong> nicht wirklich mit<br />

ihren klassischen Instrumenten<br />

wie etwa Kamantsche, Tar,<br />

Oud oder Kanun harmoniere“,<br />

sagt Frerichs. Also habe man<br />

nach neuen Klangquellen<br />

gesucht. Schnell sei die Gruppe<br />

bei alten, längst vergessenen<br />

Instrumenten gelandet. Bassist<br />

Tony Overwater brachte das<br />

Fortepiano ins Spiel. „Es hat<br />

einen farbenreichen Klang und<br />

einen sehr warmen Ton, der für<br />

unsere Ohren beinahe exotisch<br />

klingt. Die perfekte Erweiterung<br />

unseres Portfolios“, erklärt<br />

Frerichs die Wahl.<br />

Der belgische Klavierbauer<br />

Chris Maene hat das Fortepiano,<br />

das auf dem neuen Album zu<br />

hören ist, extra für Frerichs angefertigt.<br />

Es ist eine Kopie eines<br />

Walter aus dem Jahr 1790, auf<br />

dem Wolfgang Amadeus Mozart<br />

komponiert und gespielt hat.<br />

Das Fortepiano klingt wesentlich<br />

leiser, weil der schwingende<br />

Rahmen im Resonanzraum<br />

nicht aus gegossenem Eisen,<br />

sondern aus Holz gefertigt ist<br />

und die Saiten dünner sind. Die<br />

Holzhämmerchen, welche die<br />

Saiten anschlagen, sind kleiner<br />

als beim modernen Klavier und<br />

nicht mit Filz überzogen, sondern<br />

mit Leder oder Stoff. Daneben<br />

benutzt Frerichs ein Harmonium<br />

der Stuttgarter Firma Trayser<br />

aus dem Jahr 1860, das er selbst<br />

restauriert hat. Overwater spielt<br />

außerdem eine Violine aus dem<br />

19. Jahrhundert, während Planjer<br />

sein Drumset gleich komplett<br />

selbst zusammengebastelt hat.<br />

Eine ziemlich aufwendige Herangehensweise<br />

<strong>–</strong> musikalisch wie<br />

technisch.<br />

Der Interpretation merkt<br />

man dies kaum an. Die Stücke<br />

klingen sehr homogen. Es sind<br />

größtenteils Eigenkompositionen<br />

der drei Musiker <strong>–</strong> abgesehen<br />

von Herbie Hancocks „Butterfly“.<br />

Die Eckpfeiler sind Jazz,<br />

Barock und World. Die Musik<br />

lässt sich als ruhig kreisend,<br />

aber durchaus dynamisch<br />

bezeichnen. Wechsel in der<br />

Tonalität stehen ebenso auf dem<br />

Programm wie polyrhythmische<br />

und polymetrische Parts.<br />

„Offering“ beginnt etwa<br />

mit einem Stakkato auf dem<br />

Klavier, die Lautstärke variiert<br />

mit zunehmender Dauer. In<br />

„Escher“ wähnt man sich im<br />

Vorzimmer von Terry Riley oder<br />

Steve Reich. Minimalistische<br />

Tonfolgen auf dem Fortepiano<br />

werden begleitet von sensibel<br />

erzeugten Geräuschen auf Tom<br />

und Becken und einem dezent<br />

gestrichenen Kontrabass. Es<br />

entsteht eine sphärische, beinahe<br />

psychedelische Atmosphäre.<br />

Herbie Hancocks Komposition<br />

„Butterfly“, in den 1970er Jahren<br />

auf dem Höhepunkt der Jazz-,<br />

Rock- und Funk-Fusion mit den<br />

Headhunters eingespielt, steht<br />

exemplarisch für die Transformation<br />

und Vereinigung der<br />

verschiedenen Stile und Genres.<br />

Das Stück wird aus dem Fusion-<br />

Kontext gelöst und in ein akustisches<br />

Bett gelegt. „Für viele<br />

Leute im Musikgeschäft sind<br />

die Genre-Grenzen immer noch<br />

bedeutsam, da die Kunden oft<br />

in Kategorien denken, um sich<br />

zu orientieren“, sagt Frerichs.<br />

Als Künstler glaube er allerdings<br />

nicht wirklich daran. „Bei ,Butterfly‘<br />

ist die rhythmische Idee<br />

das Herzstück des Songs. Mich<br />

interessiert nicht, in welchem<br />

Kontext er entstanden ist.“<br />

Diese Herangehensweise<br />

hat sich schon sehr früh angedeutet.<br />

Als Kind habe er bereits<br />

Trompete, Schlagzeug und Bass<br />

gespielt. „Ich habe mit allem experimentiert,<br />

was mir in die Hände<br />

kam“, sagt er. Auch später<br />

hat er sich von seiner Umgebung<br />

beeinflussen lassen und den<br />

Sound und den Spirit aufgesogen.<br />

Zwischen seinem 17. und<br />

19. Lebensjahr hat Rembrandt<br />

Frerichs in Kairo gelebt und die<br />

Musik des mittleren Osten für<br />

sich entdeckt. Noch wichtiger<br />

aber seien die Jahre in New<br />

York gewesen. „Ich habe es<br />

genossen, Teil der dortigen Jazz-<br />

Community zu sein, und bin darin<br />

zu 100 Prozent aufgegangen.“<br />

Die aktuellen Arbeiten zeigen,<br />

dass es nicht die schlechteste<br />

Schule war.<br />

Neben dem Trio verfolgt<br />

Frerichs weitere Projekte. Vor allem<br />

das Piano-Solo spielt dabei<br />

eine wichtige Rolle. Hier könne<br />

er seine Spielweise verfeinern<br />

und seinen Fokus für Standards<br />

schärfen. Dennoch bevorzugt<br />

er es, mit anderen Musikern zu<br />

spielen: „Beim Solo vermisse<br />

ich den Aspekt, nicht zu wissen,<br />

was im nächsten Moment<br />

geschieht“, sagt er. Außerdem<br />

lebe improvisierte Musik davon,<br />

externe Einflüsse zu verarbeiten.<br />

Auch aus diesem Grund spricht<br />

vieles dafür, dass die Entwicklung<br />

des Trios noch längst nicht<br />

beendet ist.<br />

Aktuelle CD:<br />

Rembrandt Frerichs Trio:<br />

The Contemporary Fortepiano<br />

(Jazz in Motion / In-Akustik)<br />

Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong> 47


Trygve Seim<br />

Freundliche<br />

Täuschungsversuche<br />

In der Malerei gibt es den Begriff des Trompe-l’œil,<br />

der optischen Täuschung oder genauer: der Täuschung<br />

des Gesichtssinns. Das ist eine gut gefüllte und seit<br />

der Renaissance wohlbekannte Trickkiste. Auch in der<br />

Musik gibt es so etwas: eine Täuschung des Gehörs<br />

und der akustischen Wahrnehmung.<br />

© Knut Bry<br />

Von Hans-Jürgen Linke<br />

Wer den norwegischen<br />

Saxofonisten Trygve Seim hört,<br />

kann manchmal den Eindruck<br />

gewinnen, einem ganz anderen<br />

Blasinstrument zu lauschen <strong>–</strong><br />

einer Duduk oder einer Nay<br />

zum Beispiel. Wer dann genauer<br />

hinhört, merkt bald, dass<br />

das ein listig herbeigeführter<br />

Irrtum war. Trygve Seim geht es<br />

bei seinen Artikulationen eher<br />

um das lächelnde Erzeugen<br />

einer Täuschung als um ernst<br />

gemeinte Nachahmung.<br />

Es gibt oft mehrere Arten,<br />

Trygve Seims Musik wahrzunehmen.<br />

Beim ersten Hören<br />

erscheint sie ruhig, transparent,<br />

klangreich und poetisch.<br />

Sie verwendet Rhythmik eher<br />

strukturierend als pulsierend,<br />

sie wirkt durchdacht und weitgehend<br />

auskomponiert. Und<br />

sie sucht (und findet) stets eine<br />

gewisse Nähe zu dem, was wir<br />

mittlerweile unter dem Klischee<br />

„nordischer Jazz“ versammeln.<br />

An diesem Eindruck ist auch<br />

wenig falsch. Andererseits peilt<br />

die Besetzung des aktuellen<br />

Quartetts, mit dem Seims<br />

neues Album Helsinki Songs<br />

aufgenommen ist, einen ganz<br />

anderen Kontext an: Bass, Klavier,<br />

Schlagzeug, Saxofon <strong>–</strong> das<br />

könnte auch ein herkömmliches<br />

Jazz-Quartett sein, eine Formation<br />

also, die Trygve Seim viele<br />

Jahre lang sorgfältig gemieden<br />

hat zugunsten exotischerer,<br />

kleinerer oder auch größerer<br />

Besetzungen. Die Helsinki<br />

Songs sind von der Besetzung<br />

her Trygve Seims jazzigstes Album,<br />

und die durchaus luftigen<br />

Arrangements lassen vergleichsweise<br />

weite Spielräume<br />

für die Improvisation.<br />

Kristjan Randalu, Pianist<br />

des Quartetts, hatte beim<br />

48 Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong>


genaueren Durchschauen der<br />

Kompositionen den Eindruck,<br />

dass es sich hier um ziemlich<br />

amerikanisch gesinnte Stücke<br />

handle. Und er hatte sich gefragt,<br />

wie diese Musik mit dem<br />

typischen Trygve-Seim-Klang<br />

und seinem eher zurückhaltenden<br />

rhythmischen Konzept<br />

zu vermitteln sei. Da lauerte<br />

also noch so ein Täuschungsversuch.<br />

Die Musik jedenfalls<br />

klingt, trotz der Besetzung,<br />

kaum je nach einem Jazz-<br />

Quartett. Trygve Seim artikuliert<br />

am Saxofon weniger energetisch<br />

als vielmehr sanglich und<br />

melodisch, und er lässt sein<br />

Instrument wirklich nach einem<br />

Holzblasinstrument klingen. Er<br />

findet enorm weiche, schwebende<br />

Sounds und erstaunliche<br />

Glissandi, und nie verfolgt er<br />

die Spielstrategie, möglichst<br />

viele Noten und überraschende<br />

Intervalle in möglichst kurzer<br />

Zeit zu spielen.<br />

Vielleicht gibt der Titel<br />

des letzten Stücks auf dem<br />

Album einen entscheidenden<br />

programmatischen Hinweis, wie<br />

Trygve Seims Musik zu hören<br />

ist. Es heißt „Yes Please Both“<br />

und erklärt die Musik zu einem<br />

klingenden Versuch, mit Widersprüchen<br />

und Annäherungen zu<br />

leben. Die Anklänge an armenische,<br />

arabische, norwegische<br />

Musik sind eben nur absichtsvoll<br />

verwendete Stilzitate, die<br />

freundliche Annäherungen<br />

erkennen lassen, aber keine<br />

Identifikation stiften oder gar<br />

vorgaukeln wollen. Es steckt, bei<br />

aller Schönheit und Klarheit, immer<br />

auch eine gehörige Portion<br />

Distanzierung, manchmal gar<br />

romantische Ironie in der Musik.<br />

Das Material für die<br />

Helsinki Songs, erzählt Trygve<br />

Seim, entstand in einem<br />

Apartment, das dem finnischen<br />

Komponistenverband<br />

gehört. Der Verband hatte ihm<br />

ein Stipendium gewährt, das<br />

mit einem Arbeitsaufenthalt<br />

in der finnischen Hauptstadt<br />

verbunden war. „Ich kam in die<br />

Wohnung und habe mich, noch<br />

bevor ich meinen Koffer ausgepackt<br />

hatte, an das schöne,<br />

alte Klavier gesetzt, um darauf<br />

ein wenig herumzuprobieren.<br />

Dabei entstand dieses Stück,<br />

das zwangsläufig ,Helsinki<br />

Song‘ heißen musste.“<br />

Die Entstehungs-Anekdote<br />

zu einem anderen Stück auf<br />

dem Album erzählt eine ganz<br />

andere Geschichte: Der<br />

„Birthday Song“ hat mit einem<br />

Notizbuch zu tun, das Trygve<br />

Seim seinem Bassisten Mats<br />

Eilertsen zum 40. Geburtstag<br />

schenkte. Er schrieb vier Noten<br />

einer Melodie und einen Akkord<br />

auf die erste Seite und notierte<br />

dazu die Bemerkung: „Hier ist<br />

etwas, womit du schon mal<br />

anfangen kannst.“ Nach einer<br />

angemessen langen Geburtstagsfeier<br />

kam er frühmorgens<br />

nach Hause, setzte sich ans<br />

Klavier und schrieb mit dem <strong>–</strong><br />

eigentlich verschenkten, also<br />

genaugenommen zurückgestohlenen<br />

<strong>–</strong> Material aus dem<br />

Notizbuch den „Birthday Song“,<br />

noch vorm Schlafengehen.<br />

Solche Anekdoten sind<br />

hübsche Erzählungen, die<br />

davon künden, dass Trygve<br />

Seim bei seiner Musik nicht nur<br />

an Musik denkt, sondern auch<br />

an seine Umgebung, an Städte<br />

und Mitmenschen etwa. Aber<br />

die Erzählungen sind nicht das,<br />

worum es eigentlich geht. Seim<br />

sagt, dass er mit dem Saxofon<br />

selbst und mit seiner Musik<br />

Geschichten erzählen will <strong>–</strong> mit<br />

Klang, mit Artikulation, mit<br />

Spannungsbögen, Zitaten,<br />

mit Licht- und Stilwechseln.<br />

Solche Geschichten müssen<br />

nicht immer eindeutige Verläufe<br />

und Schlusspunkte haben.<br />

Aber immer, sagt er, sei er für<br />

seine Projekte auf der Suche<br />

nach Musikern, die mit ihren<br />

Instrumenten eine Geschichte<br />

erzählen wollen.<br />

Ob er das von Jan<br />

Garbarek gelernt hat? Trygve<br />

Seim zieht bei Erwähnung<br />

des Namens fragend die Stirn<br />

kraus und fragt: „Jan <strong>–</strong> who?“<br />

Und dann lächelt er breit und<br />

freundlich.<br />

Aktuelle CD:<br />

Trygve Seim: Helsinki Songs<br />

(ECM / Universal)<br />

Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong><br />

49


Aapo Heinonen<br />

Auf neuen Wegen<br />

Von York Schaefer<br />

Es gibt in Finnland eine ganze<br />

Reihe international bekannter<br />

Festivals wie das Tampere Jazz<br />

Happening, das junge und hippe<br />

We Jazz um das gleichnamige<br />

Label in Helsinki oder das<br />

renommierte Pori Jazz Festival,<br />

bei denen sich experimentelle<br />

Bands wie Oddarrang und<br />

preisgekrönte Musiker wie der<br />

Pianist Iiro Rantala oder der<br />

Saxofonist Timo Lassy einem<br />

stilistisch aufgeschlossenen<br />

Publikum präsentieren. Nicht<br />

umsonst war Finnland 2017<br />

Partnerland bei der jazzahead!<br />

in Bremen.<br />

Als „geschichtsbewusst,<br />

handwerklich perfekt und<br />

neugierig“, zudem mit einer<br />

coolen, unabhängigen Haltung,<br />

wurde der neue finnische Jazz<br />

um Bands wie das Bowman Trio<br />

oder Mopo Ende vergangenen<br />

Jahres in einem SPIEGEL-<br />

Artikel bezeichnet. Ein Musiker,<br />

den man in diesem Atemzug<br />

ebenfalls nennen kann, ist Aapo<br />

Heinonen aus Helsinki <strong>–</strong> ein<br />

umtriebiger Geist, Jahrgang<br />

1985, der als Pianist, Komponist,<br />

Arrangeur und Musiklehrer tätig<br />

ist. Eine musikalische Vielseitigkeit<br />

und Offenheit, die gerade<br />

für jüngere Musiker am Anfang<br />

ihrer Karriere wohl schlicht<br />

wirtschaftlich notwendig ist, die<br />

sich bei Heinonen aber auch im<br />

vielseitig deutbaren Titel seines<br />

neuen Albums widerspiegelt.<br />

Tara heißt das dritte Werk<br />

des Aapo Heinonen Quintet.<br />

Der Titel bezieht sich, wie der<br />

Bandleader erklärt, auf einen<br />

der schwersten pazifischen<br />

Hurrikane, die je gemessen<br />

wurden, hat religiöse Bedeutung<br />

in Buddhismus und Hinduismus<br />

und mehrere geografische<br />

Bezüge, etwa auf eine russische<br />

Kleinstadt, einen heiligen Ort in<br />

Irland und den gewaltigen Tara-<br />

Canyon in Montenegro.<br />

„Ich finde, die interessantesten<br />

Musiker sind diejenigen,<br />

die nie aufhören, neue Wege zu<br />

gehen, um sich auszudrücken“,<br />

sagt Heinonen. Ihm geht es<br />

darum, eine möglichst große<br />

Bandbreite an Gefühlen in<br />

seiner Musik zu transportieren.<br />

Gefühle, die teils innerhalb<br />

eines Tracks zwischen sanfter<br />

Melancholie und beswingten<br />

Glücksmomenten, zwischen<br />

kantig-dynamischen Pianomustern<br />

und einer gewissen Melodieseligkeit<br />

wechseln können.<br />

„Die Anpassungsfähigkeit und<br />

damit auch Zeitlosigkeit meiner<br />

Songs war mir immer wichtig“,<br />

erklärt der Finne, der so in der<br />

Lage sein will, seine Musik zu so<br />

unterschiedlichen Anlässen wie<br />

Beerdigungen oder Hochzeiten<br />

und Taufen spielen zu können.<br />

Für Tara hat Heinonen die<br />

Besetzung seines Quintetts<br />

komplett umgekrempelt. Nur<br />

Drummer Tomi Saikkonen ist aus<br />

der Stammformation geblieben,<br />

die zwischen 2010 und<br />

2013 zwei Platten mit souligen<br />

70er-Jahre-Bezügen aufgenommen<br />

hat. Den Titeltrack,<br />

einen locker über zehn Minuten<br />

groovenden Latin-Swing, bei<br />

dem aber auch mal das Tempo<br />

gedrosselt wird, hatte Heinonen<br />

ursprünglich für eine andere<br />

Besetzung geschrieben. Die<br />

Leitmelodie übernimmt hier die<br />

Geigerin Lotta-Maria Pitkänen,<br />

zusätzliche Perkussion kommt<br />

von Ricardo Padilla, die beide<br />

sonst nicht zur Stammbesetzung<br />

gehören.<br />

Orientierten sich die beiden<br />

Erstlingswerke A Daydream<br />

Between Nightmares (2010) und<br />

Während über lange Zeit vor allem<br />

Norwegen, Schweden und selbst<br />

das kleine Dänemark für eine<br />

eigenständige Sprache innerhalb<br />

der skandinavischen Jazzszene<br />

bekannt waren, hat Finnland in den<br />

vergangenen gut zehn Jahren stark<br />

aufgeholt. Eins der neuen Gesichter<br />

der Szene ist der Pianist Aapo<br />

Heinonen.<br />

© Elias Patrikainen<br />

50<br />

Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong>


Kolumne<br />

Healing Flows (2013) noch an<br />

einem voluminösen Big-Band-<br />

Klang, rücken auf Tara detailreichere<br />

Kompositionen, vertracktere<br />

Arrangements und intime<br />

Pianomotive in den Vordergrund.<br />

Das Album hat sich den für<br />

Heinonen typischen sinnlichen<br />

Charme erhalten, wirkt aber<br />

insgesamt ambitionierter als die<br />

beiden Vorgänger. Heinonens<br />

Einflüsse und die seiner Band<br />

kommen aus Fusion-Grooves<br />

der 80er Jahre, vom Latin-Swing<br />

und Melodien, die Erinnerungen<br />

an die klassische Zeit des<br />

modalen Jazz wecken.<br />

Aufgenommen an einem<br />

einzigen heißen Sommerwochenende<br />

und unter dem leicht<br />

benebelnden Einfluss einer<br />

Grippe, malen Aapo Heinonen<br />

und seine Mitstreiter ein dichtes<br />

Soundbild, das allen Musikern<br />

kreative Freiräume lässt. So hebt<br />

Gitarrist Héctor Lepe in seinem<br />

Solo auf „The Truth of Another“<br />

über einem unterschwellig pulsierenden<br />

Backing in Sphären<br />

ab, die von Blues-Referenzen,<br />

progressivem Rock und kosmischen<br />

Tönen erfüllt sind. Ein<br />

Manko ist der stellenweise zu<br />

glatt polierte Sound von Teemu<br />

Takanen am Alt- und Sopransaxofon.<br />

Hier könnten etwas<br />

weniger Wohlklang und etwas<br />

mehr Mut auch zu freierem Spiel<br />

wie beim Klavier nicht schaden.<br />

Für Aapo Heinonen war<br />

die Arbeit am Sound von Tara<br />

inklusive der personellen<br />

Umbesetzungen ein vergleichsweise<br />

radikaler Einschnitt, der<br />

auch hätte schiefgehen können,<br />

wie der Finne zugibt. Vor einem<br />

Scheitern allerdings habe er<br />

keine Angst gehabt: „Du musst<br />

dich darauf konzentrieren,<br />

deine Zweifel zu beseitigen. Das<br />

Einzige, was du falsch machen<br />

kannst, ist, es gar nicht erst zu<br />

versuchen.“<br />

Aktuelle CD:<br />

Aapo Heinonen Quintet: Tara<br />

(Ozella Music / Galileo MC; VÖ: 14.9.)<br />

ime<br />

unnel<br />

At CBS in New York 1948 (L-R): Chief engineer Dr. Peter Carl Goldmark, sound<br />

engineer Rene Snepvangers, display the benefits of Columbias 33 1/3 LP record to<br />

Standard 78 rpm records<br />

Goldmark und der Jazz<br />

Die Erfindung der Schallplatte war zwar eine Revolution in der<br />

Musikgeschichte, allerdings waren die Laufzeiten der Schallplatten<br />

zunächst sehr begrenzt. Sie wuchs zwar schnell von<br />

eineinhalb auf knapp fünf Minuten an, dann war aber erst einmal<br />

Schluss. Für die Musiker und Komponisten bedeutete das,<br />

dass die Arrangements für die Aufnahmen genau berechnet<br />

werden mussten, damit das Stück nicht zu lang wurde. Gerade<br />

bei klassischen Kompositionen war das Kürzen mitunter die<br />

Hauptarbeit bei der Vorbereitung. Improvisationen im Jazzbereich<br />

gab es nur sehr eingeschränkt.<br />

Bereits in den 1930er Jahren gab es Experimente, um<br />

die Laufzeit der Platten zu verlängern. Diese scheiterten aber<br />

alle an technischen Unzulänglichkeiten. Der entscheidende<br />

Durchbruch gelang Peter Carl Goldmark, einem umtriebigen<br />

Ingenieur, der unter anderem auch erste Versuche zum Farbfernsehen<br />

machte.<br />

1948 stellte Columbia Records die erste Langspielplatte<br />

vor und revolutionierte damit den Musikmarkt. Die neuen<br />

Scheiben aus Polyvinylchlorid (PVC) ließen im Gegensatz zu<br />

den herkömmlichen Schellack-Platten eine feinere Körnung zu.<br />

Das führte zu einem größeren Tonumfang und einer besseren<br />

Dynamik. Darüber hinaus ließen sich die Rillen enger anordnen,<br />

was zu einer längeren Laufzeit führte.<br />

Was die Einführung der Langspielplatte mit ihren 2 x<br />

23 Minuten Spieldauer bedeutete, kann man sich heute, im<br />

Zeitalter der unbegrenzten Aufnahme- und Abspielmöglichkeiten,<br />

nur noch sehr schwer vorstellen. Zunächst war das neue<br />

Format der sogenannten klassischen Musik vorbehalten. Bald<br />

aber gab es auch Jazz-Aufnahmen, und die Befreiung, die die<br />

Musiker bei diesen Aufnahmen erfahren haben, muss enorm<br />

gewesen sein. Zum ersten Mal war es möglich, seinen Ideen<br />

beim Improvisieren freien Lauf zu lassen und „eine Geschichte<br />

zu erzählen“. Die verlängerte Laufzeit ließ es auch zu, komplexere<br />

Arrangements aufzunehmen und ganz neue Musik zu<br />

verbreiten. So machte die LP zum Beispiel Alben wie Ornette<br />

Colemans Free Jazz (1961) erst möglich.<br />

Thomas Bugert<br />

Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong><br />

51


Barre Phillips<br />

Letzter Tagebucheintrag<br />

© Didier Bonnet / ECM Records<br />

1968 begann Barre Phillips mit seinem<br />

Solo-Kontrabassalbum Journal Violone<br />

ein akustisches Tagebuch, das er nun mit<br />

seinem Album End to End schließt.<br />

Von Thomas Bugert<br />

Alben von Solokünstlern, auf denen<br />

nur sie selbst zu hören sind,<br />

stehen, vielleicht mit Ausnahme<br />

von Klavieralben, oft unter dem<br />

Generalverdacht, dass die<br />

Zurschaustellung von Technik<br />

im Vordergrund steht oder dass<br />

es sich um Alben für Freaks und<br />

Insider handelt. Das Album End<br />

to End ist schon nach wenigen<br />

Sekunden über beide Zweifel erhaben<br />

und nimmt den Hörer auf<br />

eine musikalische Reise mit. Von<br />

Beginn an atmet die Musik, und<br />

Barre Phillips lässt ihr Zeit, sich<br />

zu entwickeln. „Der Sound ist<br />

wichtig für mich. Ich fühle, dass<br />

das, was wir anderen Menschen<br />

zu sagen haben, in einen Klang<br />

eingebettet ist“, erzählt der<br />

83-Jährige, für den zu Beginn<br />

seiner musikalischen Laufbahn<br />

die Klangwelten von Ornette<br />

Coleman, Béla Bartók und Igor<br />

Strawinsky prägend waren.<br />

Auch wenn er sich viel mit<br />

der Komposition zeitgenössischer<br />

Streichquartette auseinandergesetzt<br />

hat, sieht er sich<br />

mehr als improvisierenden Musiker<br />

und erklärt: „Ich bin kein<br />

Komponist, ich bin ein Solist, der<br />

sich mit Jazz, klassischer Musik<br />

und Freejazz auseinandergesetzt<br />

hat. Themen und Variationen<br />

sind hier wie beim Komponieren<br />

obligatorisch. Ich glaube, dass<br />

ein Album aufzunehmen <strong>–</strong> auch<br />

eines, bei dem das meiste<br />

improvisiert ist <strong>–</strong>, ebenfalls eine<br />

Art des Komponierens ist.“ Seine<br />

Arbeit an dem neuen Album vergleicht<br />

er mit dem Komponieren<br />

von Filmmusik. Er stellt sich verschiedene<br />

Situationen als Bilder<br />

vor, zu denen in seinem inneren<br />

Ohr Klänge entstehen: „Ich<br />

arbeite zu Hause und bereite<br />

mich auf das nächste musikalische<br />

Abenteuer vor. Manchmal<br />

verfalle ich in Patterns, deren<br />

Sound mir gefällt. Ich schreibe<br />

diese dann auf, damit ich sie auf<br />

einem akademischeren Weg<br />

ausarbeiten kann.“<br />

Mit fünf solcher Stücke und<br />

Fragmente ging der Amerikaner<br />

in seiner Wahlheimat<br />

Südfrankreich ins Studio, um<br />

das musikalische Material<br />

weiterzuerforschen. Die von<br />

ECM-Chef Manfred Eicher in drei<br />

Gruppen angeordneten Stücke<br />

bezeichnete Barre mit den<br />

Titeln „Quest“, „Inner Door“ und<br />

„Outer Window“. Er erklärt dazu:<br />

„Die Reise mit meinem Bass<br />

war wie im Zen-Buddhismus<br />

oder anderen philosophischen<br />

Traditionen eine Art Selbsterfahrung,<br />

um herauszufinden,<br />

wer ich bin. In diesem Prozess<br />

schaue ich in mich selbst hinein.<br />

Erst mit ungefähr 55 oder 60<br />

erreichte ich den Punkt, an dem<br />

ich mehr nach außen schaute.“<br />

Es scheint, als sei Barre Phillips<br />

bei seiner Reise an einem Punkt<br />

angelangt, an dem er in sich ruht<br />

und nichts mehr beweisen muss.<br />

Er präsentiert ein geschlossenes<br />

Solo-Kontrabassalbum, auf dem<br />

sich Ideen entwickeln, andere<br />

Ideen sich dazugesellen, wieder<br />

verschwinden und die ursprüngliche<br />

Idee wieder aufgegriffen<br />

wird. Wie im wirklichen Leben.<br />

End to End ist für Phillips<br />

das Ende einer musikalischen<br />

Reise, über die er sagt: „Es ist<br />

keine Zusammenfassung, aber<br />

es ist die letzte Seite in einem<br />

Tagebuch, das vor 50 Jahren<br />

begann.“ Er bezieht sich damit<br />

auf sein erstes Solo-Kontrabassalbum<br />

von 1968 mit dem Namen<br />

Journal Violone, dem weitere<br />

Solo-Alben folgten. Im Vergleich<br />

zum ersten wirkt das letzte Kapitel<br />

seines Tagebuchs ruhiger<br />

52 Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong>


und gleichzeitig sehr dicht und in<br />

sich geschlossen.<br />

Bereits 1968, als er unter<br />

anderem als Sideman von<br />

Attila Zoller und Eric Dolphy<br />

spielte, mit Leonard Bernstein<br />

zusammenarbeitete und Teil von<br />

Gunther Schullers Third-Stream-<br />

Bewegung war, die Jazz und<br />

Klassik verbinden wollte, stellte<br />

er sich die Fragen: „Ist das meine<br />

Musik? Was ist meine Musik?“<br />

Er begann die Klangwelten<br />

des Basses zu erforschen und<br />

lernte, wie man sich durch den<br />

Sound in Trance versetzen kann.<br />

Was er damit meint, zeigt sich<br />

eindrucksvoll im vierten Teil von<br />

„Quest“, der den Hörer mit seinem<br />

wiederkehrenden rhythmischen<br />

Muster, aus dem sich die<br />

Melodie herausbildet, in seinen<br />

Bann zieht, oder dem ebenfalls<br />

sehr perkussiven „Part 2“ von<br />

„Outer Window“. Einen mehr<br />

dem Tagebuch entsprechenden<br />

narrativen Charakter hat hingegen<br />

„Part 1“ von „Quest“. Hier<br />

nimmt sich Barre als Erzähler<br />

viel Zeit um seinen Erinnerungen<br />

nachzugehen. Man kann als<br />

Zuhörer förmlich miterleben,<br />

wie die Erinnerungen in Barres<br />

innerem Ohr wieder Gestalt<br />

annehmen. Diese musikalischen<br />

Erinnerungen sind jedoch nicht,<br />

wie oft in Tagebüchern, romantisch<br />

verklärt. Phillips zeichnet<br />

etwa in „Part 2“ von „Quest“<br />

oder „Part 4“ von „Inner Door“<br />

auch Spannungen auf, ohne die<br />

ein solches Erinnerungsprojekt<br />

nur wenig authentisch wäre. Das<br />

Album ist genau so facettenreich<br />

wie das Leben und wechselt<br />

zwischen verschiedenen<br />

Klängen und Gefühlszuständen.<br />

So kann man auch das letzte<br />

Stück des Albums verstehen,<br />

das zwischen zwei Klängen hinund<br />

herpendelt und damit das<br />

akustische Tagebuch von Barre<br />

Phillips schließt.<br />

Aktuelle CD:<br />

Barre Phillips: End to End<br />

(ECM / Universal)<br />

Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong><br />

53


Die Erde ist eine Scheibe<br />

Juuri & Juuri<br />

Korpin Marssi / The Raven’s<br />

March<br />

Nordic Notes / Broken Silence<br />

W W W W<br />

Svjata Vatra<br />

Muutused Zminy<br />

Nordic Notes / Broken Silence<br />

W W o<br />

Curly Strings<br />

Hoolima<br />

Jazzhaus / In-Akustik<br />

W W W W<br />

Riccardo Tesi & Banditaliana<br />

Argento<br />

Visage / Galileo MC<br />

W W W W<br />

Maurizio Geri<br />

Perle d’Appennino<br />

Visage / Galileo MC<br />

W W W o<br />

Moritz Weiss Klezmer Trio<br />

Spheres<br />

Lotus / Harmonia Mundi<br />

W W W<br />

Yxalag<br />

Klezmer Tales <strong>–</strong> Fun Tashlikh<br />

gpARTS / Edel:Kultur<br />

W W W W<br />

Don Kipper<br />

Seven Sisters<br />

World Music Network /<br />

Harmonia Mundi<br />

W W W o<br />

Naked<br />

Yes!<br />

NarRator / Indigo<br />

W W W W<br />

Fanfara Station<br />

Tebourba<br />

Agualoca / Indigo<br />

W W o<br />

Dhafer Youssef<br />

Sounds of Mirrors<br />

Ante Prima / Broken Silence<br />

(VÖ: 5.10.)<br />

W W W W o<br />

Roman Britschgi Quartett<br />

Notions<br />

Lotus / Harmonia Mundi<br />

W W W W<br />

Die Strottern<br />

Waunsd woadsd<br />

Cracked Anegg / Galileo MC<br />

W W W W o<br />

So kann man sich irren. Juuri<br />

& Juuri <strong>–</strong> das weckt als Name<br />

eines Duos böse Erinnerungen<br />

an nervtötende Stimmungskanonen.<br />

Doch hier handelt<br />

es sich keineswegs um die<br />

finnische Version von Klaus &<br />

Klaus. Tatsächlich heißt keins<br />

der beiden Mitglieder wirklich<br />

Juuri. Mit Emilia Lajunen und<br />

Eero Grundström, als Mitglied<br />

von Sväng und den Bands<br />

von Maria Kalaniemi und<br />

Anne-Mari Kivimäki fast schon<br />

Dauergast auf diesen Seiten,<br />

finden sich zwei bewährte<br />

Folk-Kräfte zusammen. Juuri ist<br />

auch kein Vorname, sondern<br />

deutet als finnisches Wort für<br />

die Wurzel an, dass hier aus<br />

zwei unterschiedlichen Quellen<br />

der finnischen Volksmusik geschöpft<br />

wird. Die schwedisch<br />

beeinflusste Musik trifft auf die<br />

ältere karelische Tradition <strong>–</strong><br />

eine Ost-West-Begegnung der<br />

anderen Art und für die Musiker<br />

an Geige/Nyckelharpa und Harmonium/Mundharmonika<br />

ein<br />

bewusstes Gegengewicht zu<br />

popbeeinflusstem Folk, dem sie<br />

in anderen Projekten durchaus<br />

offen gegenüberstehen.<br />

Eine Band, der Berührungsängste<br />

mit populären Stilen<br />

völlig fremd sind, ist Svjata<br />

Vatra. Das estnisch-ukrainische<br />

Quartett bedient sich beim Folk<br />

ebenso wie bei Rock und Punk.<br />

Das Label bezeichnet die Musik<br />

griffig als Kosaken-Wikinger-<br />

Folkrock und gibt potenziellen<br />

Hörern damit eine Entscheidungshilfe,<br />

ob das je nach Vorlieben<br />

eher „Her damit!“ oder<br />

„Finger weg!“ bedeutet. Gleichzeitig<br />

ist damit klar, dass hier<br />

nicht mit meditativem Gesäusel<br />

zu rechnen ist. Originell ist in<br />

jedem Fall die Besetzung der<br />

Bläser-Section mit Posaune und<br />

estnischem Dudelsack, eher öde<br />

die Haudrauf-Hochgeschwindigkeits-Version<br />

von Johnny<br />

Cashs „You Are My Sunshine“.<br />

So bleibt Muutused Zminy eine<br />

zwiespältige Angelegenheit<br />

zwischen reizvollen Momenten<br />

und allzu simplen Lösungen.<br />

Die estnische Gruppe<br />

Curly Strings zeigt, wo die Saite<br />

die Locken hat, und knüpft mit<br />

Geige, Mandoline, Gitarre und<br />

Kontrabass an die Tradition<br />

amerikanischer Stringbands in<br />

Bluegrass und Folk an. Dabei<br />

begnügen sie sich lobenswerterweise<br />

nicht damit, Vorbilder<br />

aus den USA zu imitieren,<br />

sondern finden mit estnischen<br />

Texten und Anleihen bei<br />

Mazurka und Polka einen eigenen<br />

baltischen Zugang. Ihre<br />

freundliche und optimistische<br />

Musik mit der klaren Gesangsstimme<br />

der Geigerin Eeva Talsi<br />

vorneweg hat ihnen in ihrer<br />

Heimat bereits Popstar-Status<br />

verschafft. Dass sie neben ihrer<br />

Melodieseligkeit bei Bedarf<br />

jedes Tempo mitgehen können,<br />

beweisen sie überzeugend im<br />

rasanten „Firebird“. Dass sie<br />

es nicht nötig haben, dieses<br />

technische Können in den Vordergrund<br />

zu stellen, macht sie<br />

noch eine Spur sympathischer.<br />

Weltmusik-Schwung<br />

und Songwriter-Attitüde <strong>–</strong> mit<br />

dieser Kombination punkten<br />

gleich zwei aktuelle Veröffentlichungen<br />

aus Italien.<br />

Riccardo Tesi ist mit seiner<br />

Gruppe Banditaliana seit<br />

einem Vierteljahrhundert eine<br />

Institution der dortigen Szene.<br />

Die bemerkenswerte Kontinuität<br />

des Band-Personals an<br />

Akkordeon, Saxofon, Gitarre<br />

und Percussion mit nur einer<br />

Umbesetzung in all den Jahren<br />

(auf dem Percussion-Stuhl)<br />

trägt zum abgeklärten und<br />

souveränen Eindruck bei, der<br />

Argento auszeichnet. Mit vielen<br />

Gästen, darunter Größen wie<br />

Elena Ledda, Paolo Fresu und<br />

Kepa Junkera, bereichert Tesi<br />

punktgenau seine Stücke, je<br />

nachdem, ob gerade volkstümlich<br />

tänzerischer Elan oder eher<br />

inhaltliche Ausdrucksstärke gefragt<br />

ist. Gitarrist Maurizio Geri<br />

ist als Sänger so überzeugend,<br />

dass die Rolle als Sideman für<br />

ihn ein wenig klein ist.<br />

Tatsächlich ist Maurizio<br />

Geri seit vielen Jahren<br />

auch unter eigenem Namen<br />

unterwegs und deckt mit<br />

seinen Projekten eine breite<br />

Stil-Palette ab. Sein Interesse<br />

an Jazz Manouche lebt er mit<br />

seinem Swingtet aus, aber<br />

auch toskanische Volkslieder<br />

haben es ihm angetan. Auf<br />

Die Erde ist<br />

seinem aktuellen Album Perle<br />

d’Appeninno präsentiert er seine<br />

Vielseitigkeit als Songwriter,<br />

der mit modernen musikalischen<br />

Mitteln die Traditionen<br />

seiner Heimatprovinz Pistoia<br />

beschreibt. Neben Cantautori-<br />

Liedern versucht er sich auch<br />

an Acoustic Funk, Rock,<br />

Chorsätzen, Tango, Sprechgesang<br />

und Swing (mit Nico Gori<br />

als Oldtime-Klarinettisten) <strong>–</strong><br />

durchaus mit dem Risiko, sich<br />

zu verzetteln. Höhepunkt ist<br />

das zurückgenommene „La vie<br />

delle stelle“, nur begleitet von<br />

Klarinette (Gabriele Mirabassi)<br />

und Kontrabass.<br />

Mehr Klarinette gefällig?<br />

Beim Moritz Weiß Klezmer<br />

Trio steht das Instrument klar<br />

im Mittelpunkt. Das Debüt<br />

der drei jungen Österreicher<br />

Anfang 20 versucht gar nicht<br />

erst, die großen Vorbilder Giora<br />

Feidman und David Orlowsky zu<br />

verheimlichen. Warum auch?<br />

Gitarre und Kontrabass begleiten<br />

den Bandleader durch<br />

54 Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong>


ein Programm, in dem sich<br />

Klassiker und Eigenkompositionen<br />

abwechseln und nicht nur<br />

„The Richman“ aus dem Fiddler<br />

on the Roof wohlbekannt klingt.<br />

Spheres ist eine attraktive<br />

Visitenkarte auf durchgehend<br />

hohem Niveau, aber ohne<br />

größere Überraschungen. Die<br />

breit gestreuten Aktivitäten von<br />

Moritz Weiß, der das Trio bei<br />

Bedarf mit Gastmusikern erweitert,<br />

mit einem Vokalensemble<br />

arbeitet und ein Klezmer-Tango-<br />

Duo mit Klarinette und Akkordeon<br />

unterhält, lassen für die<br />

Zukunft noch einiges jenseits<br />

der Triobesetzung erwarten.<br />

Klarinettist Jakob Lakner<br />

von der Lübecker Klezmer-<br />

Band Yxalag kann diesbezüglich<br />

aus dem Vollen schöpfen.<br />

Eine siebenköpfige Band, in der<br />

es neben Klarinette, Gitarre und<br />

Kontrabass auch drei Geigen<br />

und eine Posaune gibt, eröffnet<br />

beim Arrangieren halt so<br />

einige Möglichkeiten. So findet<br />

sich auf der vierten CD Fun<br />

Tashlikh, mit der die Band ihr<br />

zehnjähriges Bestehen feiert,<br />

weit mehr als die erwartbaren<br />

Zutaten wie Hommagen an<br />

Naftule Brandwein und Dave<br />

Tarras. Da werden Doina, Hora,<br />

Polka, Bulgar und Rumba zu<br />

einer Suite verbunden, gibt es<br />

Filmmusik-Reminiszenzen, ein<br />

wenig Swing und sogar einen<br />

steirischen Jodler. Ein rhythmisches<br />

Bravourstück ist der<br />

„Piperkovo Kolo“ aus Mazedonien:<br />

Im Wechsel zwischen Elfund<br />

Siebensechzehntel-Takten<br />

hilft kein Zählen mehr, nur noch<br />

Fühlen.<br />

Noch eine bunte, siebenköpfige<br />

Gruppe, noch mal<br />

Klezmer-Wurzeln, aus denen<br />

längst die verschiedensten<br />

neuen Triebe gewachsen sind:<br />

Don Kipper ist eine Band, die<br />

es sich und dem Zuhörer leicht<br />

macht. Anstatt mühsam auseinanderzuklamüsern,<br />

was in ihrer<br />

Musik nun aus Mazedonien,<br />

Griechenland oder Nordafrika<br />

stammt, wo Klezmer- und wo<br />

Balkan-Einflüsse die Oberhand<br />

haben, sagen sie einfach:<br />

eine Scheibe<br />

„Wir spielen die traditionelle<br />

Musik Nordost-Londons.“ Wo<br />

andere Bands ihre Zuhörer auf<br />

musikalische Reisen rund ums<br />

Mittelmeer mitnehmen, führt<br />

der Weg bei Don Kipper von der<br />

Kingsland Road zur Ridley Road<br />

und von Green Lanes nach<br />

Seven Sisters. Es ist multikulturelle<br />

Großstadtmusik, in der<br />

sich osteuropäische, mediterrane<br />

und orientalische Anteile<br />

vermischen, bis sie nur noch<br />

schwer zu trennen sind. Und<br />

Schlagzeuger Tim Doyle stellt<br />

immer wieder klar, dass es hier<br />

nicht um traditionelle Ethnomusik<br />

geht.<br />

Geografisch naheliegend<br />

sind die Balkan-Elemente in der<br />

Musik von Naked. Das Quartett<br />

stammt aus Belgrad, doch wo<br />

immer sie gerade spielen <strong>–</strong> sie<br />

nehmen die Zuhörer mit nach<br />

Nakedonia, so der Titel des<br />

Vorgängeralbums vor drei<br />

Jahren. Jetzt sagen sie mit<br />

ihrer neuen CD schlicht Yes, zur<br />

Musik ihrer serbischen Heimat,<br />

aber auch zu rockigem Jazz,<br />

zu Funk und Afrobeat. Für ihren<br />

dichten und abwechslungsreichen<br />

Bandklang brauchen<br />

sie erstaunlicherweise außer<br />

Bass und Schlagzeug nicht<br />

mehr als Geige und Klarinette<br />

bzw. Saxofon. Geiger Djordje<br />

Mijuskovic schlägt mit seinen<br />

Soli hin und wieder den Bogen<br />

zurück zum Psychedelic Rock.<br />

Schwer nachzuvollziehen<br />

ist die Entscheidung, drei<br />

hörenswerte Gastauftritte der<br />

israelischen Sängerin Tal Tula<br />

Ben Ari am Ende des Albums zu<br />

verstecken.<br />

Wer beim Wort Fanfara ein<br />

gutes Dutzend wettergegerbter<br />

Blechbläser mit verbeulten<br />

Instrumenten vor dem inneren<br />

Auge sieht, wird bei der Fanfara<br />

Station vom äußeren Auge<br />

eines Besseren belehrt. Zum<br />

neuen Projekt des tunesischitalienischen<br />

Perkussionisten<br />

Marzouk Mejri gehören<br />

außer ihm nur der kanadische<br />

Trompeter Charles Ferris und<br />

der italienische DJ Ghiaccioli e<br />

Branzini. Um trotzdem den vom<br />

Infozettel vorgeschlagenen<br />

Begriff Electro Maghreb Brass<br />

Band zu rechtfertigen, beschäftigen<br />

sich alle drei Musiker<br />

außer ihren Instrumenten auch<br />

mit Loops und Electronics, um<br />

den Sound anzudicken. Das<br />

Ergebnis hat seine Reize, krankt<br />

aber an dem Effekt, den man<br />

bereits von Electro-Tango und<br />

Electro-Swing kennt: Wer es<br />

eingängiger möchte, bezahlt<br />

dafür mit dem Verlust von<br />

rhythmischer Differenziertheit<br />

und Lebendigkeit.<br />

Ein Musterbeispiel für variantenreiche<br />

Rhythmik ist die<br />

neue Platte von Dhafer Youssef,<br />

immer im Fluss, pulsierend und<br />

bewegt, selbst in ihren meditativen<br />

Momenten. Der tunesische<br />

Oud-Spieler und Sänger<br />

hat sich einen Traum erfüllt und<br />

Tabla-Meister Zakir Hussain<br />

ins Studio eingeladen. Mit ihm<br />

lebt er seine Faszination für<br />

indische Musik aus, die in seiner<br />

Karriere auch in Phasen, in<br />

denen Elektronik, Ambient-Musik<br />

oder Jazz im Vordergrund<br />

standen, nie eingeschlafen<br />

ist. Die gemeinsame CD ist ein<br />

Glücksfall, die Musik über weite<br />

Strecken beruhigend, aber auf<br />

eine anregende, wache Art<br />

lebendig. Mit Eivind Aarset (g)<br />

und Hüsnü Şenlendirici (cl)<br />

komplettieren zwei bewährte<br />

Youssef-Mitstreiter ein<br />

Quartett, das Süd, Ost und<br />

Noch-weiter-Ost verbindet und<br />

dabei auf wundersame Weise<br />

gleichzeitig komplex und leicht<br />

zugänglich klingt.<br />

Wie eine weitere Kammer-<br />

World-Platte mit Klezmer- und<br />

Balkan-Schwerpunkten beginnt<br />

das neue Album des in Wien<br />

lebenden Schweizer Bassisten<br />

Roman Britschgi (Kapelush,<br />

Trio Klok). Doch es ist weit<br />

mehr. Zum einen wegen seines<br />

außermusikalischen Themas:<br />

Britschgis Kompositionen sind<br />

von den autobiografischen<br />

Schriften Ernst Brods inspiriert,<br />

der als Jude und Sozialist<br />

1934 aus Niederösterreich<br />

emigrierte. Zum anderen durch<br />

Gastsänger Karsten Riedel, der<br />

sich von Brod zu drei Songtexten<br />

anregen ließ und Notions<br />

eine überraschende Wendung<br />

in Richtung Pop gibt. Das<br />

Album stellt große Fragen nach<br />

Verantwortung, Konsequenz,<br />

Mut und Zweifel und bildet tiefe<br />

Gefühle ab. Einziges Manko: Es<br />

ist mit nur 28 Minuten bedauerlich<br />

kurz.<br />

„Waunsd woadsd,<br />

hosd Zeid zum Denkn“ heißt<br />

es im Titelsong des neuen,<br />

nun schon neunten Albums<br />

der Strottern. Und weiter:<br />

„Waunsd woadsd, woad auf a<br />

Wunda.“ Klemens Lendl und<br />

David Müller haben gewartet,<br />

sich Zeit zum Denken genommen<br />

und tatsächlich <strong>–</strong> es ist<br />

wieder ein kleines Wunder<br />

dabei herausgekommen. Die<br />

beiden Erneuerer des Wienerlieds<br />

erreichen mit minimalen<br />

Mitteln <strong>–</strong> außer ihren Stimmen<br />

hauptsächlich Gitarre und Geige,<br />

ein wenig Harmonium und<br />

vereinzelte, klug ausgewählte<br />

Gastauftritte an Trompete,<br />

Posaune und Drehleier <strong>–</strong> maximale<br />

Ausdrucksstärke. Ihre<br />

Musik hat eine ganz eigene<br />

Poesie und Eleganz, der es<br />

gelingt, tiefe Traurigkeit und<br />

große Schönheit zu verbinden.<br />

Und zwischen entschleunigten<br />

Liedern voller Melancholie<br />

bezaubert ihre Wiener Version<br />

des Marx-Brothers-Klassikers<br />

„Lydia, the Tattooed Lady“.<br />

Guido Diesing<br />

Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong> 55


Markus Stockhausens Sextett Eternal Voyage wurde 2008 gegründet und galt mit seinem<br />

west-östlichen stilistischen Einzugsbereich als Weltmusik-Ensemble, in dessen<br />

Klanggestik Erfahrungen und musikalische Horizonte aus zeitgenössischem Jazz und Neuer<br />

Musik aufgehoben sind. Inzwischen ist Eternal Voyage als weitgehend neu besetztes Septett<br />

neu belebt. In einem programmatischen Text über die Musik heißt es, die Band verstehe ihre<br />

Musik als „Ausdruck einer freundschaftlichen, interkulturellen Zusammenarbeit“.<br />

Markus Stockhausen<br />

Einladung, unterwegs zu sein<br />

© Zbigniew Lewandowski<br />

Von Hans-Jürgen Linke<br />

Sitar und Santur, Bassklarinette, Klavier,<br />

Flügelhorn, Tabla, orientalische Gesangstechniken<br />

<strong>–</strong> ein klarer Fall, könnte man meinen.<br />

So eine Kombination von westeuropäischen<br />

und asiatischen Instrumenten kann<br />

eigentlich nur in jenem Segment des Musikmarktes<br />

vorkommen, auf dem gemeinhin<br />

das Etikett „Weltmusik“ klebt. „Weltmusik“<br />

ist ein Sammelbegriff für verschiedene<br />

Mischformen zwischen europäischen und<br />

nicht-europäischen Idiomen; einige dieser<br />

Mischformen haben allerdings durchaus<br />

kontroverse Diskussionen ausgelöst <strong>–</strong> etwa,<br />

wenn der Verdacht naheliegt, dass sich unter<br />

dem Deckmantel der Interkulturalität ein<br />

europäischer Musik-Zentralismus verbirgt,<br />

der zum Vierviertel- oder Sechsachteltakt<br />

und zu landläufigem thematischen Material<br />

exotische Skalen und Klangfarben addiert.<br />

Bei Markus Stockhausen ist das<br />

anders. Erstens wird hier nichts verborgen.<br />

Die Musik entsteht weitgehend in einer<br />

geleiteten und strukturierten Improvisation<br />

und basiert auf notierten melodischen<br />

Kernthemen, die Stockhausen geschrieben<br />

hat. Die Kernthemen geben Strukturen und<br />

Stimmungen vor, aber nicht unbedingt auch<br />

einen Tonvorrat für die Improvisationen.<br />

Die Rhythmik erscheint eher geplant und<br />

verbindlich als spontan kreiert, obwohl das<br />

manchmal täuschen kann. Ansonsten nutzt<br />

die Musik ausgiebig und effektvoll klangliche<br />

Eigenarten, die sich aus Kombinationen<br />

des Instrumentariums ergeben.<br />

Zweitens ist in der Musik eine kollektive<br />

Kreativität erkennbar, wie sie kaum<br />

aus Gruppenzwang oder der Unterordnung<br />

unter ein festes Konzept entstehen kann,<br />

sondern nur aus gegenseitiger Anregung.<br />

Das melodische Material weist große tonale<br />

Freiheiten auf und lässt jedem Musiker viele<br />

Möglichkeiten, sich darin zu Hause zu fühlen<br />

und eigene, profilierte improvisierte Momente<br />

zu gestalten. In der Improvisation geht<br />

es um eine gegenseitige Annäherung, um<br />

Zuhören und das Entwickeln von Verständnis<br />

<strong>–</strong> aber nie um Selbstbehauptung. Markus<br />

Stockhausen hat in seiner Gedanken- und<br />

Aphorismensammlung Im inneren Garten<br />

den Grundsatz formuliert: „Sich gegenseitig<br />

Raum zu geben, ist eine Einladung für das<br />

Schöpferische.“ So ist Eternal Voyage ein<br />

Bündel von Einladungen.<br />

Das aktuelle Album ist aus dem Mitschnitt<br />

eines Konzerts entstanden, das Eternal<br />

Voyage anlässlich der Verleihung der<br />

Silbernen Stimmgabel durch den Landesmusikrat<br />

Nordrhein-Westfalen an Markus<br />

Stockhausen gab.<br />

Das Eröffnungsstück „<strong>September</strong><br />

Song“ beginnt mit dem, was der Minimal-<br />

56 Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong>


Music-Komponist La Monte Young Drone<br />

genannt hätte <strong>–</strong> einem brummenden, in<br />

der Tonhöhe mehrdeutigen Bordun-Klang.<br />

Darüber erhebt und entwickelt sich ein parallel<br />

gesetztes melodisches Duo zwischen<br />

Trompete und Singstimme als thematischer<br />

Ausgangspunkt. Es exponiert ein mäßiges<br />

Tempo und eine sorgfältige melodische<br />

Variationsarbeit und gibt damit die Richtung<br />

vor für ein zwölfminütiges Stück, in dem<br />

das ganze Septett sukzessive eingeladen<br />

ist, sich zum Thema rhythmisch, klanglich,<br />

sanglich, instrumental zu äußern. Stockhausen<br />

erinnert in seinem Flügelhorn-Solo<br />

mit seiner bis in die kleinsten Einheiten<br />

hinein kristallinen Artikulation eher an einen<br />

Barock- als an einen Jazz-Musiker.<br />

Jede tatsächliche Reise ist endlich,<br />

der Name des Ensembles aber zielt ins<br />

Grundsätzliche <strong>–</strong> auf eine Reise, die das<br />

Lebensgefühl des Unterwegsseins in den<br />

Fokus rückt. So eine Reise kann nicht von<br />

schnellen Zwischenstopps geprägt sein; sie<br />

findet statt in einer grundlegenden Ruhe,<br />

die nicht aus Ereignisarmut geformt ist,<br />

sondern aus Geduld.<br />

Die akustisch dominierenden Instrumente<br />

sind Flügelhorn (Markus Stockhausen) und<br />

Bassklarinette (Tara Bouman), also ein<br />

voller, warm getönter metallischer und ein<br />

tiefer, freundlicher und hölzern gefärbter<br />

Klang, die miteinander markante Kontrastwirkungen<br />

erzielen. Auch zwischen Rabih<br />

Lahouds Gesang und Tara Boumans Phrasierungen<br />

auf der Bassklarinette ergeben<br />

sich immer wieder intensive Reibungen.<br />

Die Rhythmik der Musik ist flexibel,<br />

aber für europäische Ohren und Gewohnheiten<br />

nicht übermäßig vertrackt, und die<br />

Grundstimmung erscheint elegisch. Allerdings<br />

passiert es immer wieder, dass Soli<br />

aus diesem weiträumigen Gatter ausbrechen<br />

oder sich darüber erheben und eigene<br />

PDF in 4c<br />

Ansätze entwickeln, auf das stilistisch vieldeutige<br />

Gebilde zu blicken oder sich dazu<br />

zu verhalten. Das hängt damit zusammen,<br />

dass das melodische Material, das auf der<br />

Einladungskarte an die Musiker notiert ist,<br />

genügend Elastizität und Bindekraft besitzt<br />

für alles, was auf der Bühne geschieht.<br />

Aktuelle CD:<br />

Markus Stockhausen: Eternal Voyage / Live<br />

(Okeh / Sony)<br />

© Zbigniew Lewandowski


Von Mirela Onel<br />

Nina Attal steht leidenschaftlich<br />

gern auf der Bühne. Über<br />

500 Konzerte hat sie im Verlauf<br />

ihrer noch ziemlich jungen<br />

Karriere bereits gegeben. Das<br />

Echo dieser Auftritte hallte bis<br />

in die USA, wo Chic-Bassist<br />

Jerry Barnes, Nachfolger des<br />

legendären verstorbenen Chic-<br />

Gründers Bernard Edwards,<br />

sich bereiterklärte, Ninas<br />

zweites Album Wha zu produzieren.<br />

Das passte wie die<br />

Faust aufs Auge, denn genau<br />

wie Chic legt auch Nina Attal<br />

Wert auf ausgefeilte Funk-<br />

Passagen und gut produzierte<br />

Songs, die sowohl auf der<br />

Konzertbühne als auch im Club<br />

und im heimischen Wohnzimmer<br />

funktionieren und die Füße<br />

des Zuhörers in Bewegung<br />

setzen.<br />

Ihr neues Album Jump<br />

hat sie dann doch lieber<br />

zusammen mit ihrem Mann<br />

Anthony Honnet selbst produziert,<br />

um ihre persönlichen<br />

künstlerischen Vorstellungen<br />

direkt umsetzen zu können.<br />

Gleich auf der ersten Album-<br />

Auskopplung, der französisch<br />

gesungenen Single „Laissez-<br />

Moi Le Temps“, zeigt sie sich<br />

als furiose Instrumentalistin.<br />

„Für meine französischen Fans<br />

habe ich jetzt zum ersten Mal<br />

auch zwei Songs in unserer<br />

Landessprache aufgenommen“,<br />

erzählt Nina Attal. Wie<br />

fest sie in der französischen<br />

Szene verankert ist, zeigen<br />

aber vor allem die zahlreichen<br />

Gaststars. Der Schauspieler<br />

und Singer/Songwriter Benjamin<br />

Siksou betont auf „I’ve<br />

Been a Fool“ die R&B-Seite<br />

von Attal, wogegen Anais<br />

„Get on the Bus“ in Richtung<br />

HipHop lenkt. Mit Adam Turner<br />

alias Beat Assaillant hat sich<br />

sogar ein Amerikaner <strong>–</strong> der<br />

aber Mitglied der französischen<br />

Nu-Jazz-Band Electro<br />

Deluxe ist <strong>–</strong> auf das Album<br />

verirrt („Carry Me“). Auf<br />

der schönen Ballade „Road<br />

Ahead“ gastiert schließlich<br />

Sängerin Andréa Durand.<br />

Der Flirt mit dem HipHop<br />

ist die Ausnahme auf Jump,<br />

dessen beste Songs bisweilen<br />

wie bislang unveröffentlichte<br />

Prince-Nummern klingen. Funk<br />

Nina Attal<br />

Ninas Nacht<br />

Die französische Sängerin und Gitarristin<br />

Nina Attal hat sich in Deutschland ein treues<br />

Publikum aufgebaut, dafür steht nicht zuletzt<br />

ihre Zusammenarbeit mit dem deutschen<br />

Liedermacher Johannes Oerding. Mit ihrem<br />

neuen Album Jump will sie jetzt auch<br />

endlich ihr heimatliches Publikum erobern.<br />

und Soul sind die Stärken von<br />

Nina Attal, die in Deutschland<br />

kurioserweise schon des<br />

Öfteren mit dem Liedermacher<br />

Johannes Oerding auf der<br />

Bühne gestanden hat. Kennt<br />

sie denn auch dessen Lebensgefährtin<br />

Ina Müller? „Na klar<br />

ist mir Ina ein Begriff“, lacht<br />

die Gitarristin, die sogar schon<br />

von deren kultiger Talkshow<br />

Inas Nacht gehört hat. „Da<br />

würde ich natürlich gerne mal<br />

auftreten. Also, Ina, wenn Du<br />

das hier liest: Lad‘ mich ein!“<br />

© Philippe Poitevin<br />

Ihren Durchbruch in<br />

Deutschland erlebte Nina<br />

Attal einst auf dem Hamburger<br />

Elbjazz-Festival. „Eine meiner<br />

schönsten Festival-Erinnerungen“,<br />

meint die Französin.<br />

„Wir haben für Jamie Cullum<br />

eröffnet <strong>–</strong> und den liebe ich.<br />

Und dann war er auch noch<br />

sehr nett, und es hat nicht<br />

geregnet.“ Wer das Hamburger<br />

Festival schon einmal besucht<br />

hat, weiß, dass das eine absolute<br />

Ausnahme gewesen sein<br />

muss.<br />

Die meisten Songs auf<br />

Jump erzählen persönliche<br />

Geschichten, aber auch die<br />

Tradition des simplen und<br />

etwas freizügigen Popsongs,<br />

die Nina Attal auf allen ihren<br />

Platten pflegt <strong>–</strong> auf dem Vorgänger<br />

Wha war es der Song<br />

„Know Your Name“, in dem es<br />

schlicht um Sex ging <strong>–</strong>, wird mit<br />

„I Wanted to Kiss“ fortgesetzt.<br />

„Der Text ist tatsächlich ziemlich<br />

schlicht“, grinst Nina, „es<br />

ist einfach nur ein Liebeslied.“<br />

Auch ihr Debüt-Album Yellow<br />

6/17 von 2012 geizte nicht mit<br />

dementsprechenden Liedern:<br />

Songtitel wie „Do it Right Now“,<br />

„What a Dirty Night“ und „Macho<br />

Man“ sprechen für sich.<br />

Klein-Nina wurde schon<br />

von ihren Eltern auf die Musik<br />

von B.B. King, Larry Graham,<br />

Lenny Kravitz und selbstverständlich<br />

Prince eingeschworen.<br />

Schon als junges Mädchen<br />

fühlte sie den Ehrgeiz, diesen<br />

Koryphäen nachzueifern.<br />

Dass sie längst an Gitarre<br />

und Mikrofon gleichermaßen<br />

brilliert, lässt viele Kritiker<br />

immer wieder Vergleiche zu<br />

Prince ziehen. Dabei vergisst<br />

man leicht, dass Nina Attal erst<br />

26 Jahre alt ist. Wie sehr sie in<br />

der Öffentlichkeit erwachsen<br />

geworden ist, kann man zum<br />

Beispiel an ihren Plattencovern<br />

und an ihrem tätowierten linken<br />

Arm erkennen: Während die<br />

Tattoos auf Wha noch relativ<br />

dezent daherkommen <strong>–</strong> die<br />

Platte ist ja auch schon vier<br />

Jahre alt <strong>–</strong>, rücken sie auf dem<br />

Cover von Jump deutlich ins<br />

Scheinwerferlicht und haben<br />

sich auch erkennbar rasant<br />

vermehrt.<br />

Dass insbesondere das<br />

deutsche Publikum Nina<br />

Attal liebt, davon kann man<br />

sich auf einer ausgedehnten<br />

Deutschland-Tour im <strong>Oktober</strong><br />

selbst überzeugen, die von<br />

einem Auftritt beim Hamburger<br />

Reeperbahn-Festival Ende<br />

<strong>September</strong> eröffnet wird. Nina<br />

Attal wird unter anderem in<br />

Berlin, München, Dortmund und<br />

Freiburg zu erleben sein <strong>–</strong> und<br />

jeder einzelne dieser Auftritte<br />

wird zu „Ninas Nacht“.<br />

Aktuelle CD:<br />

Nina Attal: Jump (Skip / Soulfood)<br />

58 Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong>


Jan Schreiner<br />

Was der tanzende Elefant sagen will<br />

Besser zweimal hinsehen, rät der Titel des Albums. Und vielleicht<br />

auch mal nachzählen. Denn das Large Ensemble, mit dem Jan<br />

Schreiner sein Doppelalbum eingespielt hat, ist beileibe keine<br />

Bigband. Es ist zwar für Jazz-Verhältnisse ein größeres Ensemble,<br />

aber mit seiner elfköpfigen Besetzung immerhin noch sechs<br />

Positionen unterhalb der landläufigen Bigband-Größe. Und der<br />

Unterschied ist nicht nur ein zahlenmäßiger. Auch die Musik, die<br />

hier gespielt wird, kommt ohne typische Bigband-Merkmale aus.<br />

Von Hans-Jürgen Linke<br />

Niemand in der Band soll sich so<br />

verhalten, als säße er etwa im<br />

Saxofon- oder Posaunen-Satz<br />

einer Bigband. Man spielt hier<br />

nicht mit Schwung das, was der<br />

Bandleader auf die Pulte gelegt<br />

hat, und man geht nicht zum<br />

Solo ans Solistenmikrofon. Jan<br />

Schreiner, der die kompositorische<br />

Arbeit für dieses Large-<br />

Ensemble-Album verantwortet,<br />

will keine orchestrale Disziplin. Er<br />

braucht für seine Musik etwas,<br />

was außerhalb der Jazz-Welt<br />

als Widerspruch erschiene: ein<br />

Kollektiv aus Individualisten.<br />

Alle benötigen hier eine Flexibilität,<br />

die ihnen gestattet, sich<br />

mal als disziplinierte Gruppe und<br />

mal wie ein Haufen von Individualisten<br />

zu verhalten. Das Large<br />

Ensemble besteht aus Musikern<br />

und Musikerinnen, die beides<br />

nicht überbetonen, sondern zum<br />

professionellen Aushalten dieses<br />

Widerspruchs in der Lage sind.<br />

„Ich sehe das Large Ensemble<br />

am ehesten wie die Jazz-Version<br />

eines Kammermusik-Ensembles“,<br />

sagt Jan Schreiner.<br />

Auch das Berufsbild des<br />

Komponisten ist in solch einem<br />

Zusammenhang flexibler gebaut<br />

als in anderen Zusammenhängen.<br />

Was ihn daran reizt? Jan<br />

Schreiners Antwort kommt<br />

schnell und klar: „Ich kann<br />

einfach nicht anders. Ich habe<br />

Ideen im Kopf, und die Ideen<br />

müssen erklingen.“ Seine Ideen<br />

beinhalten eine hochgesteckte<br />

Erwartungshaltung gegenüber<br />

der Band. Ihre Verantwortung<br />

für das, was zu hören ist, ist<br />

groß. Das hängt auch damit<br />

zusammen, dass Jan Schreiner<br />

kein Neue-Musik-Komponist ist,<br />

sondern sich in dem etwas hybriden<br />

Beruf des Jazz-Komponisten<br />

versucht. Unter anderem bedeutet<br />

das, dass er nicht Stimmen<br />

für Instrumente schreibt und<br />

miteinander kombiniert, sondern<br />

dass er individuelle Eigenarten,<br />

Artikulationsvermögen und auch<br />

einige Vorlieben seiner Musiker<br />

kennt und im Kopf hat, während<br />

er für sie Musik schreibt.<br />

Die Klangvorstellungen, die er<br />

in seiner Kompositionsarbeit<br />

entwickelt, orientieren sich also<br />

an dem, was ganz bestimmte Ensemblemitglieder<br />

liefern können<br />

und sollen.<br />

Das klingt anspruchsvoll,<br />

zumal, wenn man bedenkt, dass<br />

60 Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong>


Kolumne<br />

die Partituren immerhin Material<br />

nicht nur für vier oder fünf, sondern<br />

für elf Musiker enthalten.<br />

Aber es funktioniert. „Oft“, sagt<br />

Jan Schreiner, „passiert es<br />

wirklich, dass das, was ich für<br />

diese Leute geschrieben habe,<br />

tatsächlich so klingt, wie ich mir<br />

das vorgestellt habe.“ Das ist<br />

dann ein Beleg für die gelungene<br />

Verbindung zwischen dem Komponisten<br />

und den ausführenden<br />

Musikern. „Aber manchmal“,<br />

sagt er, „klingt es einfach noch<br />

viel besser.“ Das muss mit dem<br />

oben genannten Widerspruch<br />

zusammenhängen.<br />

Proben heißt bei einer so<br />

konzipierten Band auch immer,<br />

dass alle ständig aufgefordert<br />

sind, die Musik mitzugestalten,<br />

über Alternativen nachzudenken<br />

und sich den Vorstellungen<br />

des Bandleaders manchmal<br />

eben nicht zu fügen. Es gibt ein<br />

permanentes Mitspracherecht<br />

und die permanente Bitte, wenn<br />

es eine Möglichkeit gebe, etwas<br />

besser zu machen, das dann<br />

auch zu tun. Als Komponist ist<br />

Jan Schreiner bereit, zwar nicht<br />

sein Licht unter den Scheffel zu<br />

stellen, aber doch auf kollektive<br />

Mitgestaltung der Musik<br />

zu setzen. Das sieht er auch in<br />

einem engen Zusammenhang mit<br />

seinem bevorzugten Instrument.<br />

Denn er spielt nicht einfach<br />

Posaune, sondern Bassposaune,<br />

manchmal auch Tuba.<br />

Jan Schreiner liebt den satten,<br />

runden Klang der tiefen Töne,<br />

und er schätzt die Eigenschaften<br />

von Ruhe und Kraft, die solchen<br />

Klängen allgemein beigemessen<br />

werden. Selbst gut zu klingen, ist<br />

ihm <strong>–</strong> wie jedem Musiker <strong>–</strong> ein<br />

natürliches Bedürfnis, aber im<br />

Bass-Register, meint er, treiben<br />

sich vor allem auch Musiker<br />

herum, die es zu schätzen wissen,<br />

andere gut klingen zu<br />

lassen. Übrigens verbindet er die<br />

tiefen Töne auch nicht mit einer<br />

Vorstellung von Schwerfälligkeit.<br />

Gerade in den Tiefen komme<br />

es darauf an, auf Feinheiten zu<br />

achten und sich eine leichte<br />

Beweglichkeit zu erarbeiten. Seine<br />

Lieblingsvorstellung bei der<br />

Bassposaune ist „ein tanzender<br />

Elefant“. Einer, dem man gebannt<br />

zuschaut, weil er im Porzellanladen<br />

nichts zerbricht.<br />

So ist ein Doppelalbum<br />

mit elf Stücken entstanden, die<br />

sich stilistisch weniger aneinanderlehnen<br />

als voneinander<br />

absetzen <strong>–</strong> in Länge, Stimmung,<br />

in Klang-Gesten, Solo-Gestaltung<br />

und Verlaufsformen. Die Sequenz<br />

der Stücke bildet keine landläufige<br />

Dramaturgie von Laut<br />

<strong>–</strong> Leise <strong>–</strong> Uptempo <strong>–</strong> Langsam ab,<br />

sondern erscheint eher wie ein<br />

Fächer, der sich nach und nach<br />

aufblättert.<br />

Ein exponiertes Stück erscheint<br />

intensiver verdichtet und<br />

stellt auch klanglich eine Besonderheit<br />

dar. Es heißt „For Her“,<br />

ist das letzte Stück der zweiten<br />

CD, und das darin eingefasste<br />

Kleinod ist ein erstaunliches<br />

Solo von Linus Bernoulli auf dem<br />

French Horn, auf Deutsch auch<br />

Waldhorn genannt. So etwas<br />

würde in keine Bigband passen.<br />

<strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong><br />

Aktuelle CD:<br />

Jan Schreiner Large Ensemble:<br />

You Better Look Twice<br />

(Float Music)<br />

Release-Konzert:<br />

26.9. Stadtgarten, Köln<br />

The London Column<br />

Von Sebastian Scotney<br />

Die Jazzrocker von Soft Machine sind seit den 70er Jahren nicht<br />

mehr so aktiv gewesen wie dieses Jahr. Mit Hidden Details<br />

kommt im <strong>September</strong> ein neues Album heraus. Ihre Konzerttour<br />

begann im Juli in Quebec und Japan. Im Herbst spielen sie in<br />

zahlreichen europäischen Städten, von Ost nach West, einschließlich<br />

eines Dutzends Konzerte hier im Vereinigten Königreich.<br />

In Amerika, wo sie seit 1975 nicht mehr aufgetreten sind,<br />

sind sie Ende <strong>2018</strong> mit einer Tour von Küste zu Küste zu hören.<br />

Ich wollte herausfinden, wie es zu diesem Aktivitätsschub<br />

kam. Als ich dem umgänglichen Gitarristen der Band,<br />

John Etheridge, diese Frage stellte, kamen ihm als Erstes die<br />

schiere Energie und der außerordentliche Elan des Moonjune-<br />

Labelgründers Leonardo Pavkovic in den Sinn. Pavkovic, der<br />

in Jajce in Bosnien-Herzegowina geboren ist, zog es1990 in<br />

die USA. Dort entwickelte er seit dem Jahr 2000 sein Label, mit<br />

dem er unter anderem verfolgte, was er seine „verrückte Idee“<br />

nannte, „die Idee nämlich, die legendären Soft Machine zu<br />

reformieren oder wiederaufleben zu lassen“. Er brachte 2002<br />

das Album Abracadabra heraus mit der Band, die sich damals<br />

Soft Works nannte. Pavkovic führte diese Arbeit weiter und<br />

plant und managt jetzt die Entwicklung der Gruppe.<br />

Aber warum die plötzliche Aktivität gerade in diesem<br />

Jahr? Etheridge meint, dass dies sicher teilweise damit zusammenhängt,<br />

dass die Band heute wieder unter ihrem alten<br />

Namen Soft Machine auftritt und nicht mehr als Soft Machine<br />

Legacy wie von 2004 bis 2016. „Man fragte uns, ob wir eine<br />

Art von Tribute Band seien. Dabei sind wir doch alle echte<br />

Soft-Machine-Mitglieder.“ Er grinst. „Was sicher auch noch<br />

mitspielt: Man weiß, dass wir alle nicht mehr die Jüngsten<br />

sind. Also jetzt oder nie!“<br />

Ein weiterer Faktor: <strong>2018</strong> ist das 50. Jubiläum des ersten<br />

Albums der Band The Soft Machine mit Kevin Ayers, Mike<br />

Ratledge und Robert Wyatt. Aber spielt vielleicht noch etwas<br />

anderes mit? Der Journalist John Kelman glaubt ja. „Die<br />

beiden Begriffe ,progressiv‘ und ,Rock‘ sind nach Jahren der<br />

Verachtung plötzlich wieder salonfähig. Jüngere Musiker,<br />

die progressiven Rock spielen, wie Big Big Train und Steven<br />

Wilson, benutzen regelmäßig Klang- und Stilelemente dieses<br />

Genres. Elbow und Field Music tun es auch.“<br />

Aber der wichtigste Grund dafür, wie gefragt Soft Machine<br />

dieses Jahr sind, ist die schiere Qualität ihrer Musik. Etheridge<br />

beschreibt den Sound so: „Es ist nicht einfach Fusion,<br />

da sind auch Grunge-Elemente. Ich bin sicher, dies ist unser<br />

bisher bestes Album.“<br />

Jazzjournalist Sebastian Scotney betreibt die Website www.londonjazznews.com<br />

und macht Podcasts und Dokumentarberichte fürs Radio.<br />

Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong><br />

61


Alle schmunzeln, wenn sie diesen Albumtitel lesen: The Portrait<br />

of a Pregnant Bumblebee. Doch für Lada Obradović ist daran<br />

nichts lustig. Ihre Hummel ist eine Chiffre für quer gestreifte<br />

Gefängniskleidung, für „den Gefangenen in jedem von uns“.<br />

Aufwendig hat sie ihre Titel-Hummel inszenieren lassen <strong>–</strong> sowohl<br />

in einem kleinen Trickfilm zum ersten Stück der CD als auch im<br />

Artwork des Booklets: „Jede Seite zeigt eine der neun Positionen<br />

der Hummel im Weltraum.“ Ein rätselvolles, ein surreales Tier.<br />

Von Hans-Jürgen Schaal<br />

Im ersten Pressetext, der<br />

per E-Mail kam, war viel von<br />

Gefühlen, Menschen und Ehrlichkeit<br />

die Rede. Dieser erste<br />

Pressetext machte noch keine<br />

Angaben zu Musikinstrumenten<br />

<strong>–</strong> er schien ganz offenbar<br />

von einer Sängerin und ihren<br />

Songs zu handeln. Aber nein:<br />

Lada Obradović, 29, geboren in<br />

Kroatien, spielt Schlagzeug <strong>–</strong><br />

und wie sie das tut! Mit 17<br />

Jahren zog es sie erstmals zu<br />

den Trommeln, davor war das<br />

Sportschwimmen ihre Leidenschaft<br />

gewesen. Sie studierte<br />

in Zagreb, Graz und Bern, gab<br />

Konzerte auch in Frankreich,<br />

England, den USA. The Portrait<br />

of a Pregnant Bumblebee ist ihr<br />

erstes eigenes Album, und ihr<br />

Bezug zu den rein instrumentalen<br />

Stücken darauf ist in der Tat<br />

so persönlich, subjektiv und unmittelbar,<br />

wie der Pressetext es<br />

nahelegt. Diese neun Kompositionen<br />

sind die musikalische<br />

Ernte ihres bisherigen Lebens.<br />

Manche der Melodien trug sie<br />

viele Jahre mit sich herum, ehe<br />

sie gelernt hatte, sie niederzuschreiben.<br />

Das jüngste der<br />

Stücke entstand 2016.<br />

Was Lada Obradović im<br />

CD-Booklet über ihre Kompositionen<br />

schreibt, wirkt schockierend<br />

düster. In ihren kurzen<br />

Kommentaren stauen sich negativ<br />

besetzte Wörter wie Diskriminierung,<br />

Zerstörung, Vorurteil,<br />

Einsamkeit, Schwäche,<br />

Schmerz, Lügen, innere Dämonen,<br />

Frustration, Angst, Folter,<br />

Zweifel, Verlust, Depression,<br />

Täuschung, Hunger, Armut,<br />

Hoffnungslosigkeit, Erschöpfung,<br />

Heimatlosigkeit, Verrat,<br />

Krankheit, Selbstzerstörung,<br />

Gefangenschaft, Korruption,<br />

Verzweiflung <strong>–</strong> es zieht einen<br />

ziemlich runter. Lada Obradović<br />

ist ein Kriegskind. „Scream“,<br />

der Opener des Albums, handle<br />

von ihren Erinnerungen an den<br />

Jugoslawien-Krieg und sei der<br />

Ursprung für die anderen acht<br />

Stücke, in denen es jeweils um<br />

Heimatlosigkeit oder Kinderarmut<br />

gehe. „Jedes Stück entstand<br />

aus einer Geschichte, die<br />

Lada<br />

Obradović<br />

Das Rätsel<br />

der Hummel<br />

62 Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong>


ich selbst erlebt oder miterlebt<br />

habe“, sagt die Schlagzeugerin.<br />

„Auch wenn es traurige<br />

Geschichten sind <strong>–</strong> sie sind die<br />

Inspiration für meine Musik.<br />

Ich hoffe, jeder kann zwischen<br />

den Zeilen lesen und auch den<br />

Hoffnungsstrahl hören, den ich<br />

in die Musik gepackt habe. In<br />

gewissem Sinn hat dieses Album<br />

mir etwas inneren Frieden<br />

geschenkt.“<br />

Lada Obradovićs Musik<br />

klingt keineswegs depressiv.<br />

Vielleicht etwas melancholisch,<br />

nachdenklich, erwachsen, aber<br />

nicht traurig. Diese Stücke<br />

sind oft hoch emotional, enorm<br />

spannend, geradezu unternehmungslustig,<br />

überraschend<br />

farbig und eigenwillig raffiniert.<br />

Es gibt darin ungewöhnliche<br />

Stimmverflechtungen,<br />

großartige Improvisationen,<br />

einen fesselnden modalen<br />

Flow, starke dynamische<br />

Prozesse, häufig wechselnde<br />

Stimmungen, ungerade Metren,<br />

überraschende Brüche und<br />

sogar bizarre, widersprüchliche<br />

Konstrukte („Lying Stone“,<br />

„Young Girl’s Dream“). Wie auf<br />

einer zweiten Ebene schieben<br />

sich immer wieder perkussive<br />

Passagen dazwischen <strong>–</strong> mit<br />

Vibrafon, Marimbafon, Glockenspiel,<br />

Kalimba usw. „Mein<br />

Lieblingsinstrument neben dem<br />

Schlagzeug ist das Vibrafon“,<br />

verrät Lada Obradović. „Auf<br />

ihm habe ich große Teile meiner<br />

Stücke komponiert. Ich liebe<br />

diese metallischen Sounds.<br />

Sie übermitteln Emotionen<br />

durch Sanftheit <strong>–</strong> im Gegensatz<br />

zu den Emotionen durch Kraft.“<br />

Die neun Stücke der<br />

Schlagzeugerin entfalten sich<br />

organisch, unformalistisch,<br />

in dichter Verflechtung <strong>–</strong> ihre<br />

Band agiert als eine magische<br />

Einheit. „Es gibt einen Aspekt<br />

der Musik, der nicht niedergeschrieben<br />

oder ausgesprochen<br />

werden kann <strong>–</strong> genau das<br />

haben die Musiker in meiner<br />

Band hier bewiesen“, bestätigt<br />

Lada Obradović. „Ich habe<br />

einige Jahre gebraucht, um die<br />

richtigen Leute zusammenzusuchen.“<br />

Der Slowene Miha<br />

Koren spielt den Bass, der<br />

Franzose Maxime Berton die<br />

Saxofone, Matthias Lengner<br />

aus Österreich das Vibrafon<br />

und die Marimba <strong>–</strong> mit ihm zusammen<br />

meistert Lada auch die<br />

Percussion-Passagen. David<br />

Tixier schließlich ist der Pianist<br />

des Quintetts, hat auch bei den<br />

Arrangements mitgeholfen<br />

und arbeitet mit der Kroatin in<br />

mehreren Bands zusammen.<br />

Die Frau mit den Dreadlocks<br />

und dem Stirn-Pony kann<br />

aber nicht nur komponieren<br />

<strong>–</strong> als Schlagzeugerin ist sie ein<br />

Ereignis. In Graz studierte sie<br />

bei Howard Curtis, sie hatte<br />

außerdem Stunden bei Billy<br />

Hart, Jeff Ballard, Bill Stewart,<br />

Jimmy Cobb oder John Hollenbeck.<br />

Lada Obradović hat die<br />

konventionellen Schlagzeugschulen<br />

durchlaufen und ihren<br />

eigenen Weg gefunden <strong>–</strong> eine<br />

unverkennbare Orientierung<br />

gaben auch Aufnahmen von<br />

Elvin Jones. „Das Schlagzeug<br />

war für mich nie ein Instrument,<br />

um meine Wut abzureagieren“,<br />

sagt Lada Obradović. „Von<br />

Anfang an versuchte ich, Techniken<br />

zu entwickeln, um leise<br />

oder laut spielen zu können,<br />

ohne viel Kraft aufzuwenden.<br />

Für mich ist das Schlagzeug<br />

ein wunderschönes und<br />

elegantes Instrument. Mein Stil<br />

heute passt allerdings in keine<br />

herkömmliche Schule mehr. In<br />

Graz studierte ich das swingende<br />

Schlagzeugspiel, und im<br />

Lauf der Jahre habe ich wichtige<br />

Grundlagen gelernt, die mir<br />

halfen, meinen eigenen Pfad<br />

zu finden. Zu meinen aktuellen<br />

Helden am Schlagzeug gehören<br />

Marcus Gilmore, Mark Guiliana,<br />

Chris „Daddy“ Dave und Ziv<br />

Ravitz.“ Letzterer übrigens hat<br />

Ladas Album abgemischt und<br />

gemastert.<br />

Aktuelle CD:<br />

Lada Obradović Project: The Portrait of<br />

a Pregnant Bumblebee<br />

(Neuklang / In-Akustik)<br />

© David Tixier<br />

Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong><br />

63


Mariza<br />

Nur ein kurzer<br />

Blick zurück<br />

Mariza, die „Königin des Fado“, verlässt ihr Reich<br />

immer häufiger. Auch mit ihrem neuen Album geht<br />

die 44-Jährige neue Wege, gerät dabei allerdings<br />

immer wieder auf recht ausgetretene Pfade. Doch<br />

bei allen Ausflügen in gefälligere musikalische<br />

Gebiete: Ihre Stimme bleibt im Fado verwurzelt.<br />

Von Madeleine Wegner<br />

Kaum eine portugiesische Sängerin<br />

seit Amália Rodrigues ist<br />

so erfolgreich wie Mariza. Doch<br />

anders als die große Fadista<br />

des vergangenen Jahrhunderts<br />

kleidet Mariza den Fado in ein<br />

auffallend modernes Gewand.<br />

Und es scheint, als ob diese traditionelle,<br />

oft so schwermütige<br />

Musik portugiesischer Hafenstädte<br />

heute nur in genau dieser<br />

Form längerfristig kommerziellen<br />

Erfolg haben kann.<br />

Es ist bezeichnend, dass<br />

Mariza <strong>–</strong> gemeinsam mit Ana<br />

Moura <strong>–</strong> zur Eröffnungsfeier des<br />

diesjährigen Eurovision Song<br />

Contest in Lissabon auftrat.<br />

Kollaborationen etwa mit Urban-<br />

Music-Vertretern wie Matias<br />

Damásio oder Héber Marques<br />

© Joao Portugal<br />

sowie mit Pop-Singer-Songwriterin<br />

Carolina Deslandes auf<br />

Marizas neuem Album machen<br />

diese Modernisierungsbemühungen<br />

ebenfalls deutlich.<br />

Knapp drei Jahre nach<br />

ihrem letzten Album hat die<br />

44-Jährige jetzt eine Platte<br />

veröffentlicht, die schlicht ihren<br />

Namen trägt: Mariza. Zwei<br />

Singles hatte sie der Platte vorausgeschickt,<br />

eine davon war<br />

„Quem Me Dera“ („Das wäre<br />

schön“), die zugleich beispielhaft<br />

für diese Entwicklung steht.<br />

Portugiesische und akustische<br />

Gitarre bereiten zunächst eine<br />

schöne Atmosphäre für eine<br />

verträumte Ballade, zu der Marizas<br />

kraftvolle und klare Stimme<br />

einen reizvollen Kontrast bildet.<br />

Im zweiten Teil jedoch entwickelt<br />

sich das Stück durch<br />

einen Teppich aus synthetischen<br />

Streichern und anderen<br />

Konserven-Klängen beinahe<br />

zu einem seicht verwaschenen<br />

Song <strong>–</strong> wäre da eben nicht die<br />

großartige Stimme der Fadista.<br />

Mit Produzent Javier Limón, der<br />

zudem Klavier und Keyboard<br />

eingespielt hat, arbeitet Mariza<br />

bereits zum dritten Mal zusammen.<br />

Ihr erstes Album, Fado em<br />

Mim, erschien vor nunmehr 17<br />

Jahren <strong>–</strong> in einer Zeit der Renaissance<br />

des Fado, in der auch<br />

Sängerinnen wie Ana Moura<br />

und Cristina Branco populär<br />

wurden. Nach fünf Studio-Alben,<br />

drei Live-Zusammenstellungen<br />

und einem Greatest-Hits-Album<br />

ist Mariza die zehnte Platte<br />

der modernen Fadista. Zum<br />

ersten Mal allerdings hat sie<br />

einen eigenen Text beigesteuert.<br />

Tiago Machado, mit dem sie seit<br />

Beginn ihrer Karriere zusammenarbeitet,<br />

hat „Oraçao“, das<br />

„Gebet“, musikalisch umgesetzt.<br />

Es beginnt mit zart rieselnden<br />

Gitarren-Klängen, bis auch hier<br />

eine allzu gefällige Begleitung<br />

einsetzt und popbewährte<br />

Harmonie-Wendungen das Lied<br />

in eine eigenwillige Richtung<br />

lenken. Marizas Text jedoch<br />

scheint ganz im Lebensgefühl<br />

des Fado verwurzelt: „Traurig<br />

und allein geht mein Herz, wie<br />

ein verlorenes Blatt im Wind“,<br />

heißt es da etwa.<br />

Einen ohrwurmtauglichen<br />

Gute-Laune-Song von Héber<br />

Marques hingegen singt sie<br />

mit dem erfrischenden „Amor<br />

Perfeito“, das afrikanisch-brasilianische<br />

Einflüsse erkennen<br />

lässt. Ziemlich verschmitzt<br />

kommt „É Mentira“ daher, in<br />

dem es tatsächlich um Schwindeleien<br />

geht. Der fein metallische<br />

Klang der portugiesischen<br />

Gitarre (José Manuel Neto)<br />

kommt unter anderem im „Fado<br />

Refúgio“ besonders gut zur<br />

Geltung. In „Semente Viva“ ist<br />

der brasilianische Cellist Jaques<br />

Morelenbaum zu hören, der<br />

mit seinem Instrument Marizas<br />

klagende Stimme widerzuspiegeln<br />

scheint. Mit „Verde<br />

Limão“ interpretiert Mariza eine<br />

populäre Melodie aus der früheren<br />

portugiesischen Provinz<br />

Beira Baixa neu, wobei sie dem<br />

tänzelnden Sechsachteltakt eine<br />

tropische Brise verpasst.<br />

Mariza kam als Dreijährige<br />

nach Portugal, in das Heimatland<br />

ihres Vaters. Ihre Mutter<br />

stammt aus Mosambik. Auf<br />

ihre afrikanischen Wurzeln hat<br />

sich Mariza explizit bereits in<br />

dem Lied „Transparente“ vom<br />

gleichnamigen Album aus dem<br />

Jahr 2005 bezogen. Schon als<br />

Jugendliche sang sie Lieder<br />

verschiedener Musikstile<br />

wie Gospel, Jazz, Soul und<br />

entdeckte schließlich auch den<br />

Fado für sich. Erste Popularität<br />

erlangte die junge Sängerin<br />

mit ihren Auftritten zu Ehren<br />

der großen Fadista Amália<br />

Rodrigues, deren Lieder Mariza<br />

überwiegend auf ihren ersten<br />

Alben neu interpretierte. Nach<br />

der zunehmenden Erweiterung<br />

ihres Repertoires in den folgenden<br />

Jahren erschien die Platte<br />

Fado tradicional (2010) mit<br />

Interpretationen verschiedener<br />

großer Fado-Sängerinnen und<br />

-Sänger wie eine Selbstvergewisserung,<br />

noch auf dem<br />

richtigen Weg zu sein.<br />

Für ihr aktuelles Album<br />

konnte sie nun eine Fadista der<br />

früheren Ära gewinnen: Den<br />

„Fado Errado“ singt Mariza<br />

gemeinsam mit der 73-jährigen,<br />

umwerfend expressiven Maria<br />

Da Fé. Der „falsche Fado“ ist<br />

damit zugleich ein akustisches<br />

Schmuckstück der Platte. Zum<br />

Abschluss des Albums taucht<br />

als Bonustrack erneut „Trigueirinha“<br />

auf, das die Platte auch<br />

eröffnet. Nun jedoch in einer<br />

Version mit den Gast-Sängern<br />

Carolina Deslandes, Jorge Palma,<br />

Mafalda Veiga, Marisa Liz,<br />

Ricardo Ribeiro und Tim. Damit<br />

schließt sich der Kreis auf dem<br />

Mariza-Album nicht nur in der<br />

Abfolge der Titel, sondern auch<br />

inhaltlich: Den Fado-Klassiker<br />

von António Vilar da Costa und<br />

Jorge Fernando interpretiert<br />

sie erfrischend neu und wirft<br />

zugleich ein buntes Licht auf<br />

die aktuelle Lissabonner Musikszene.<br />

Auf ihrer Tournee kehrt<br />

Mariza im November für Konzerte<br />

unter anderem in Köln,<br />

Dortmund und Lörrach nach<br />

Deutschland zurück. Weitere<br />

Auftritte folgen im März 2019.<br />

Aktuelle CD:<br />

Mariza: Mariza<br />

(Parlophone / Warner)<br />

64 Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong>


Zwischen arabischen Melismen, Mittelmeer­Folklore, Jazz und einer Spur<br />

Flamenco bewegt sich das Trio NES mit der ungewöhnlichen Besetzung Gesang,<br />

Cello und Perkussion. Das Debüt­Album Ahlam wird für Aufsehen sorgen, nicht<br />

nur wegen der charismatischen Sängerin und Cellistin Nesrine Belmokh.<br />

Von Rolf Thomas<br />

„Ich bin in Frankreich als Tochter algerischer<br />

Eltern aufgewachsen“, erzählt die<br />

Sängerin und Cellistin Nesrine Belmokh an<br />

einem strahlenden Sommermorgen auf einer<br />

Terrasse an der Berliner Hardenbergstraße.<br />

„Jetzt lebe ich in Valencia in Spanien.<br />

Meine Familie bedeutet mir viel, und ich bin<br />

sehr behütet aufgewachsen. Die Spanier<br />

sind allerdings wesentlich freundlicher und<br />

aufgeschlossener, und es ist viel einfacher,<br />

neue Leute kennenzulernen. Franzosen sind<br />

da zurückhaltender.“ Kennengelernt hat sie<br />

unter anderem den französischen Cellisten<br />

Matthieu Saglio, mit dem zusammen sie den<br />

Großteil der Musik für Ahlam geschrieben<br />

hat, und den spanischen Perkussionisten<br />

David Gadea, auf den wir noch zu sprechen<br />

kommen werden. Für die Texte ist Belmokh<br />

allein zuständig. „Ich schreibe in Französisch<br />

und Englisch“, führt sie aus. „Manche Texte<br />

stammen allerdings auch von meiner Mutter,<br />

die in Arabisch schreibt. Ich liebe es, die<br />

Texte meiner Mutter zu singen.“<br />

Obwohl noch jung an Jahren, hat<br />

Belmokh schon einiges erlebt. „Ich habe<br />

schon eine Karriere als klassische Cellistin<br />

hinter mir“, stellt sie klar, „und habe zum<br />

Beispiel im Opernhaus von Valencia<br />

gespielt, das von Lorin Maazel und Zubin<br />

Mehta gegründet wurde. Im Moment ist<br />

mir das Trio allerdings wichtiger, denn das<br />

ist schließlich meine eigene Musik.“ Bei<br />

NES konzentriert sie sich hauptsächlich auf<br />

den Gesang. „Die meisten Celloparts spielt<br />

Matthieu und begleitet sich mit Loops auch<br />

selbst“, erklärt Belmokh. „Ich spiele nur auf<br />

‚Houzni‘ und ‚The World Is Blue‘.“<br />

Zu ihrem Instrument ist Nesrine Belmokh<br />

über Umwege gekommen. „Ursprünglich<br />

habe ich Geige gelernt, da war ich acht“,<br />

erzählt sie. „Das hat mir allerdings nicht gefallen,<br />

und als ich das Cello entdeckt habe, habe<br />

ich gewechselt, denn die mittleren Lagen<br />

liegen mir viel mehr.“ Nachdem klar war, dass<br />

sie wegen des Trios ihre klassische Karriere<br />

erst einmal ruhen lassen würde, wollte<br />

Belmokh sich zusammen mit ihren beiden Mitstreitern<br />

auch eine entsprechende Öffentlichkeit<br />

für ihre Musik erschließen. „Wir haben<br />

gründlich recherchiert und dann beschlossen,<br />

das Album auch an ACT zu schicken“, erzählt<br />

sie grinsend, denn der junge ACT-A&R-Mann<br />

sitzt nicht weit entfernt. „Das Label erschien<br />

uns passend, da sie ja auch Weltmusik veröffentlichen<br />

und nicht so ein striktes Jazz-Label<br />

sind wie zum Beispiel ECM. Jetzt sind wir<br />

glücklich, auf ACT zu sein.“<br />

Das Label erscheint einem insbesondere<br />

passend, wenn man bedenkt, dass die<br />

Kunstsammlung des ACT-Inhabers Siggi Loch<br />

viel mit der Farbe Blau zu tun hat (wer mehr<br />

wissen will, greife zu dem Band Art in Music<br />

<strong>–</strong> Werke aus der ACT Art Collection oder<br />

achte mal auf ACT-Platten wie Paint It Blue<br />

von Nils Landgren, Neon Blue von Muriel Zoe<br />

oder If (Blue) Then (Blue) von Heinz Sauer)<br />

und ein herausragender Song auf Ahlam das<br />

in seiner Schlichtheit berührende „The World<br />

Is Blue“ ist. „Die Erde ist nun einmal blau,<br />

da sie hauptsächlich von Ozeanen bedeckt<br />

ist“, stellt Nesrine Belmokh erst einmal ganz<br />

profan fest. „Aber natürlich ist sie auch<br />

traurig oder besser gesagt melancholisch <strong>–</strong><br />

die zweite Bedeutung von ‚blue‘. Und dann<br />

spielt eine bestimmte Person im Lied noch<br />

eine Rolle, an die der Protagonist einfach<br />

ständig denken muss, ohne damit aufhören<br />

zu können. Aber eigentlich lässt der Song es<br />

offen, ob diese Person nun wirklich eine gute<br />

oder nicht so gute Gestalt ist <strong>–</strong> das gefällt<br />

mir eigentlich ganz gut, das gibt dem Text ein<br />

Geheimnis.“<br />

NES bewegen sich zwischen traditioneller<br />

arabischer Musik, Jazz, Pop und einer<br />

Spur Flamenco. Die rein akustische Musik auf<br />

Ahlam zieht neben diesen Einflüssen große<br />

Inspiration aus den Klängen, die Belmokh<br />

in ihrem Elternhaus hörte, in dem arabische<br />

Musiker aus dem Mittelmeerraum ein- und<br />

ausgingen. Die drei Musiker hören sich<br />

manchmal an wie eine viel größere Band,<br />

und das liegt vor allem am Einfallsreichtum<br />

ihres Perkussionisten, der jedem Song ein<br />

individuelles Klanggewand auf den ursprünglich<br />

etwas kargen Leib schneidert.<br />

„David Gadea haben wir in Valencia<br />

kennengelernt, und er ist wirklich unglaublich<br />

einfallsreich“, freut sich Nesrine Belmokh<br />

über ihren Mitstreiter, mit dem zusammen<br />

sie einst ein Solokonzert von Matthieu Saglio<br />

besucht hat <strong>–</strong> der Rest ist Geschichte, wie es<br />

immer so schön heißt. „Davids Set auf der<br />

Bühne ist sehenswert, denn es ist sehr individuell<br />

gestaltet. Wir haben einfach Spaß daran,<br />

zusammen musikalisch zu wachsen. Und<br />

er ist natürlich auch für die Flamenco-Anteile<br />

verantwortlich, denn er ist Spanier. Matthieu<br />

hat da allerdings auch Erfahrungen.“<br />

Ahlam bedeutet Traum, und mit der<br />

gleichnamigen CD haben sich NES nicht nur<br />

einen Traum erfüllt <strong>–</strong> sie klingen auch noch<br />

traumhaft.<br />

Aktuelle CD:<br />

NES: Ahlam (ACT / Edel:Kultur)<br />

© Nerea Coll<br />

nes<br />

zusammen wachsen<br />

JazzthetIk 09/10-<strong>2018</strong><br />

65


Stanley Clarke Die Botschaft der Liebe<br />

Stanley Clarke war kaum aus seinen Teenagerjahren heraus,<br />

als er 1971 in die Jazzwelt einbrach. Frisch von der Philadelphia<br />

Academy of Music ging er nach New York und bekam schnell<br />

Jobs bei berühmten Bandleadern wie Horace Silver, Art Blakey,<br />

Joe Henderson, Pharoah Sanders und Stan Getz. Dann landete<br />

er als Senkrechtstarter bei Chick Coreas Return to Forever.<br />

Von Olaf Maikopf<br />

Auf seinem Album The Message zeigt sich<br />

Stanley Clarke im Alter von 66 Jahren als<br />

gelassener Mann, der den jungen Musikern<br />

das Rampenlicht überlässt. 45 Jahre nach<br />

seinem Debüt hat Clarkes Vision aus Fusion,<br />

Funk, Breakbeats und Bass-interpretierten<br />

Cello-Suiten eine Modernisierung im Sound<br />

erfahren. Dafür holte er sich Unterstützung<br />

von dem Rapper/Beatboxer Doug E. Fresh<br />

und dem Trompeter Mark Isham. Ansonsten<br />

begleitet von einer vielseitigen jungen Band<br />

und mit einer Sammlung von Songs versehen,<br />

die inmitten einer turbulenten Europatournee<br />

geschrieben wurden, zeigt The Message<br />

eine Fülle an Kraft, Seele und meisterhafter<br />

Musikalität.<br />

Olaf Maikopf: Das neue Album haben Sie mit<br />

Ihrer Band komponiert, als sie wegen eines<br />

Terroranschlags nicht in Tunesien spielen<br />

konnten.<br />

Stanley Clarke: Wir mussten überlegen, was<br />

wir mit der freien Zeit machen sollten, die wir<br />

durch den Anschlag hatten. Also machten wir<br />

das Beste daraus, entwickelten musikalische<br />

Ideen, schrieben letztlich das ganze Album<br />

in Paris und nahmen es danach in Brüssel<br />

auf. The Message ist in vielerlei Hinsicht ein<br />

europäisches Projekt.<br />

Olaf Maikopf: Also bezieht sich der Titel nicht<br />

auf den Anschlag?<br />

Stanley Clarke: Er ist Teil eines Kontinuums,<br />

das seit Jahrtausenden gepredigt wird, ich<br />

meine die Botschaft der Liebe. Wir glauben,<br />

dass diese Botschaft, obwohl es eine einfache<br />

ist und vielfach überstrapaziert, dennoch<br />

jedem Einzelnen von uns ständig vermittelt<br />

werden muss. Was in jedem von uns gut ist,<br />

offenbart sich erst durch die Liebe.<br />

Olaf Maikopf: Im Booklet danken Sie John<br />

Coltrane. Was ist Ihr Bezug zu Coltrane?<br />

Stanley Clarke: John Coltrane ist wahrscheinlich<br />

der einflussreichste Musiker in meinem<br />

Leben. Als ich zum ersten Mal seine Musik<br />

hörte, erkannte ich, dass es etwas in seinem<br />

Spiel gab, das ich zuvor bei keinem anderen<br />

gehört hatte. Später fand ich heraus, dass<br />

es eine starke spirituelle Komponente in<br />

seiner Musik gibt. In einem Interview sagte<br />

er einmal, dass er „Gutes in die Welt bringen<br />

möchte“. Das mag einfach klingen. Aber ich<br />

glaube, das war eine tiefe Leidenschaft für<br />

ihn. Für mich wurde es sehr real, als ich erstmals<br />

A Love Supreme hörte. Es ist eines der<br />

© Raj Naik<br />

schönsten Alben, die ich je gehört habe, und<br />

wenn man den Text auf der Rückseite liest,<br />

sieht man, dass er kein gewöhnlicher Musiker<br />

war. Ich hatte das Gefühl, dass er aus einem<br />

besonderen Grund spielte. Ihm ging es weniger<br />

um Geld oder Ruhm, sondern um etwas<br />

Größeres. Er war ein gigantischer Geist.<br />

Olaf Maikopf: Ihre aktuelle Band ist mit<br />

jungen Musikern besetzt. Weil deren Energie<br />

und Musikalität noch nicht abgenutzt oder<br />

eingefahren ist?<br />

Stanley Clarke: Die Musiker sind schon lange<br />

bei mir. Beka [Gochiashvili, p] begann mit 16<br />

Jahren, mit mir zu spielen, er ist gerade 22<br />

Jahre alt. Mike Mitchell [dr] war erst 20 Jahre<br />

alt, als er diese Platte machte, und Cameron<br />

[Graves, keyb] kenne ich seit seinem 15.<br />

Lebensjahr. Sie wuchsen mit meinen alten<br />

Platten auf und hörten auch Return to Forever,<br />

das Mahavishnu Orchestra und Weather<br />

Report, ihnen liegt also diese Art von Musik<br />

im Blut.<br />

Olaf Maikopf: Auf The Message gibt es auch<br />

ein Akustik-Bass-Solo, diesmal etwas von<br />

Bach. Warum Bach?<br />

Stanley Clarke: Weil es meiner Frau gefällt,<br />

wenn ich zu Hause die Bach-Cello-Suiten<br />

auf dem Bass spiele. Sie sagte, wegen der<br />

Schwierigkeit, das Stück auf dem Bass zu<br />

spielen, sollte ich meine Hörer wissen lassen,<br />

dass es wirklich möglich ist. Tatsächlich habe<br />

ich es auf dem Bass in der gleichen Tonart<br />

gespielt, wie sie von Bach für das Cello vorgesehen<br />

wurde, was ein bisschen schwierig<br />

war. Aber wie kann ein guter Ehemann die<br />

Bitte seiner Frau ablehnen?<br />

Olaf Maikopf: Sie haben schon immer einen<br />

charakteristischen Ton gehabt, etwas, das<br />

schwer zu erfassen, aber sofort erkennbar ist.<br />

Stanley Clarke: Ich glaube nicht, dass man<br />

sich hinsetzen kann und dann seinen persönlichen<br />

Klang entwickelt. Vielmehr denke ich,<br />

dass ein eigener Sound eine Kombination<br />

aus dem ist, was man als Mensch ist, und der<br />

Bereitschaft, in seinem Spiel völlig ehrlich zu<br />

sein. Es geht nicht darum, jede Woche einen<br />

anderen Sound auszuprobieren. Musiker sollten<br />

immer ihren eigenen Zielen treu bleiben.<br />

Olaf Maikopf: Haben Sie einen Lieblingsbassisten?<br />

Stanley Clarke: Ja, Ron Carter, weil er auf<br />

mehr Platten gespielt hat als jeder andere<br />

Bassist auf diesem Planeten und weil er mehr<br />

verschiedene Arten von Musik gespielt hat<br />

als die meisten Bassisten, auf dem Akustikbass<br />

wie auch dem E-Bass. Er hat Bassisten<br />

beeinflusst, die nicht einmal wissen, dass sie<br />

von Ron beeinflusst sind.<br />

Aktuelle CD:<br />

The Stanley Clarke Band: The Message<br />

(Mack Avenue / In-Akustik)<br />

66 Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong>


Izzard. Drei Jahre später starb<br />

Grant Green an einem Herzinfarkt.<br />

Rolf Thomas<br />

<strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong><br />

Tonspuren<br />

Vincent Peirani Living Being II<br />

Night Walker<br />

ACT / Edel:Kultur<br />

W W W W o<br />

Vincent Peirani hat sich Freunde<br />

ins Studio eingeladen. Mit dem<br />

Saxofonisten Emile Parisien<br />

verbindet ihn eine fast symbiotische<br />

Partnerschaft, klanglich ist<br />

es manchmal schwer auszumachen,<br />

welche Stimme vom<br />

Sopransaxofon übernommen<br />

wurde und welche vom hohen<br />

Register des Akkordeons. Zum<br />

Duo Infernale kommen Keyboarder<br />

Tony Paeleman, Bassist<br />

und Gitarrist Julien Herné und<br />

Drummer Yoann Serra. CDs<br />

des Akkordeonisten sind kleine<br />

Wundertüten, man weiß nie,<br />

was man genau bekommt, nur,<br />

dass es qualitativ immer bestens<br />

ist. Die Zusammenstellung<br />

des Materials erscheint auf den<br />

ersten Blick skurril. Wie lassen<br />

sich Sonny Bono, Henry Purcell<br />

und Led Zeppelin verbinden?<br />

„Bang Bang“ von Sonny<br />

Bono funktioniert bestens als<br />

langsame Eröffnungsnummer.<br />

Schräge Eigenkompositionen<br />

wie „Le Clown Saveur de la<br />

Fete Foraine“ spielen wild mit<br />

Stimmungen und Tempi und<br />

nehmen den Zuhörer in einen<br />

schwindelerregenden Zirkus<br />

mit. Henry Purcell bekommt<br />

ein neoklassisches Gewand<br />

mit Four-on-the-Floor-Drums,<br />

schwebendem Rhodes-Klang<br />

und knackigem E-Bass. Den<br />

größten Teil der CD nimmt eine<br />

dreiteilige Led-Zeppelin-Suite,<br />

„Kashmir To Heaven“, ein. Die<br />

gibt einen ganz neuen Blick auf<br />

das Werk der epochalen Band.<br />

Die gitarrenlose Besetzung<br />

mit Akkordeon überrascht,<br />

und im Stück „Kashmir“ spielt<br />

vor allem Emile Parisien so<br />

orientalisch, dass man kaum an<br />

ein Sopransaxofon denkt. Und<br />

das Akkordeon, das die Melodie<br />

von „Stairway to Heaven“ ganz<br />

schlicht und einstimmig spielt,<br />

ist zum Niederknien. Akkordeonist<br />

Vincent Peirani findet einen<br />

tollen Weg, seine sehr breit<br />

gefächerten Interessen, die er<br />

absorbiert hat, zu etwas ganz<br />

Eigenem zu machen.<br />

Angela Ballhorn<br />

<strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong><br />

Grant Green<br />

Funk in France<br />

Resonance / H’Art<br />

W W W W<br />

Grant Green<br />

Slick! <strong>–</strong> Live at Oil Can Harry’s<br />

Resonance / H’Art<br />

W W W W W<br />

Grant Green <strong>–</strong> man muss es<br />

leider immer wieder sagen,<br />

denn der Mann gerät allmählich<br />

in Vergessenheit <strong>–</strong> war<br />

einer besten und innovativsten<br />

Jazzgitarristen, die je gelebt<br />

haben; auf einer Stufe mit Wes<br />

Montgomery, Jim Hall und Pat<br />

Metheny. Das amerikanische<br />

Jazzlabel Resonance Records<br />

hat jetzt drei Konzertmitschnitte<br />

aufgetan, die noch nie zuvor<br />

veröffentlicht worden sind,<br />

und zwei davon zählen zu den<br />

Höhepunkten in Greens an Höhepunkten<br />

nicht gerade armer<br />

Diskografie.<br />

Aber der Reihe nach: Funk in<br />

France enthält auf zwei CDs ein<br />

Konzert eines Trios mit Larry<br />

Ridley und Don Lamond an Bass<br />

und Schlagzeug, das im <strong>Oktober</strong><br />

1969 in Paris aufgezeichnet<br />

wurde. Green ist in Hochform<br />

und spielt scharfe und schnittige<br />

Fassungen von „Insensatez“,<br />

„Oleo“ und dem genialen<br />

„Untitled Blues“ <strong>–</strong> knapp vierzig<br />

Minuten Musik, die fünf Sterne<br />

verdient haben. Auf der zweiten<br />

CD ist Green zusammen mit dem<br />

Tenorsaxofonisten Claude Bartee,<br />

dem Organisten Clarence<br />

Palmer und dem Schlagzeuger<br />

Billy Wilson zu hören, und zwar<br />

beim Antibes Jazz Festival 1970.<br />

Leider verdaddelt sich das<br />

Quartett ein wenig <strong>–</strong> 27 Minuten<br />

„Hi-Heel Sneakers“ sind dann<br />

doch etwas zu viel des Guten.<br />

Deshalb nur drei Sterne für Antibes,<br />

macht zusammen vier.<br />

Unfassbar gut war Green fünf<br />

Jahre später Live at Oil Can<br />

Harry’s <strong>–</strong> insbesondere das<br />

30-minütige Medley aus „Vulcan<br />

Princess“ (Stanley Clarke), „Skin<br />

Tight“ (Ohio Players), „Woman’s<br />

Gotta Have It“ (Bobby Womack),<br />

„Boogie on Reggae Woman“<br />

(Stevie Wonder) und „For the<br />

Love of Money“ von den O’Jays<br />

ist eine einzige Sternstunde <strong>–</strong><br />

begleitet wird Green hier von<br />

Emmanuel Riggins am E-Piano,<br />

Ronnie Ware am Bass, dem<br />

Schlagzeuger Greg Williams<br />

und dem Perkussionisten Gerald<br />

Marc Sinan & Oğuz Büyükberber<br />

White<br />

ECM / Universal<br />

W W W W<br />

Zwei Musiker begegnen sich<br />

zwischen europäischer Klassik<br />

und türkischer Tradition <strong>–</strong> und<br />

das tun sie immer wieder seit<br />

nun schon fast zehn Jahren.<br />

Marc Sinan, der E-Gitarrist mit<br />

(auch) türkischen Wurzeln, und<br />

Oğuz Büyükberber, der (Bass-)<br />

Klarinettist aus Anatolien, scheinen<br />

einander diesmal aber im<br />

Niemandsland zu treffen, frei improvisierend,<br />

zwischen Tag und<br />

Traum, zwischen Realem und<br />

Surrealem. Beide haben eine jeweils<br />

fünfteilige Suite im Gepäck<br />

und mischen die zehn Sätze<br />

bunt durcheinander. Historische<br />

Tonaufnahmen aus dem Berliner<br />

Phonogramm-Archiv und<br />

elektronische Beigaben tragen<br />

zur Atmosphäre bei <strong>–</strong> ihre Duette<br />

sind ein ständiges Suchen und<br />

Schweben, ein Forschen und<br />

Fragen. Dabei hilft den beiden<br />

auch ihre Jazzerfahrung: Sinan<br />

hat sich einst mit Wes Montgomery<br />

beschäftigt, Büyükberber<br />

fühlt sich Monk, Cecil Taylor<br />

und Butch Morris verbunden.<br />

An der Bassklarinette war für<br />

ihn der Einfluss von Eric Dolphy<br />

„unumgänglich“. Die Musik der<br />

beiden Grenzgänger braucht<br />

keine Leitplanken oder festen<br />

Rhythmen, aber sie transzendiert<br />

alle Tonalitäten und Stimmungen.<br />

White ist eine melancholische,<br />

souveräne Improvisationsmusik,<br />

deren Intensität sich allmählich<br />

und unwiderstehlich ausbreitet.<br />

Ein unscheinbares kleines<br />

Wunder.<br />

Hans-Jürgen Schaal<br />

68 Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong>


<strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong><br />

Andreas Willers<br />

Derek Plays Eric<br />

Jazzwerkstatt<br />

W W W W W<br />

„Steampunk 69“, das klingt<br />

programmatisch <strong>–</strong> und das Stück<br />

hält, was der Titel verspricht.<br />

Das gilt auch für Andreas<br />

Willers’ komplettes Trio-Album.<br />

Hier werden keine leeren<br />

Versprechungen gemacht, hier<br />

geht es zur Sache, und der<br />

Verzerrer hat einiges zu tun.<br />

Denn die Sache ist die wunderbare<br />

E-Gitarren-Revolution der,<br />

sagen wir, sechziger Jahre, als<br />

Gitarristen wie Eric Clapton, Jimi<br />

Hendrix oder John McLaughlin<br />

vieles über den Haufen warfen<br />

und diesen Haufen zum Klingen<br />

brachten. Andreas Willers sieht<br />

sich einerseits in der Nachfolge<br />

dieser Rock- und Blues-<br />

Gitarreros, andererseits ist<br />

etwa auch der non-idiomatisch<br />

agierende Derek Bailey einer<br />

seiner Giganten am Horizont;<br />

diese Aufzählung beansprucht<br />

keine Vollständigkeit. Kürzelhaft<br />

gackert ein „Little Red Rooster“<br />

vorbei, Jack Bruces „Politician“<br />

steht kurz am Rednerpult,<br />

McLaughlins „Mayas“ tanzen<br />

ein paar stampfende Takte. Der<br />

pointierte Rückblick auf die<br />

große Zeit der Rockmusik nutzt<br />

deren Klischees für Stilzitate und<br />

verpflanzt Sounds und Licks und<br />

Solisten-Gesten in eine überaus<br />

aufgeklärte Gitarren-Musik, ohne<br />

die wirklich schwungvollen und<br />

mitreißenden Qualitäten dieser<br />

Musik und ihrer Ära preiszugeben.<br />

Dass heutige Nachfolgeprodukte<br />

kalkulierte industrielle<br />

Massenware sind, benennt der<br />

Begleittext bündig. So entsteht<br />

eine sehr umfassende und sympathische<br />

Hommage, die sich<br />

von Stück zu Stück an andere<br />

Vorbilder richtet und von ihnen<br />

ideenreich absetzt. Jack Bruce,<br />

Duke Ellington, Charles Mingus<br />

und John McLaughlin stehen<br />

nebeneinander und freuen sich<br />

über Andreas Willers‘ weiträumigen<br />

Blick auf die Musik, über<br />

seine fulminante elektrifizierte<br />

Spielkultur und die ausgebuffte<br />

Rhythmusgruppe (Jan Roder,<br />

Christian Marien), mit der zu<br />

arbeiten ihm vergönnt ist.<br />

Hans-Jürgen Linke<br />

<strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong><br />

Henning Sieverts Symmethree<br />

Aerea<br />

Pirouet / NRW<br />

W W W W<br />

Angeblich beschäftigt sich der<br />

Bassist Henning Sieverts gern<br />

mit Kreuzworträtseln, Schach<br />

und Sudoku. Denn ihn interessieren<br />

Querverbindungen von<br />

Buchstaben und Zahlen. Diese<br />

Leidenschaft überträgt er auf<br />

seine Musik, aktuell in seinem<br />

Trio Symmethree, besetzt mit<br />

dem Posaunisten Nils Wogram<br />

und Ronny Graupe an der<br />

Gitarre. Hier spüren sie dem<br />

Begriff der Symmetrie nach,<br />

formen Klänge voller Schönheit.<br />

Die alten Griechen definierten<br />

Symmetrie als einen geometrischen<br />

Begriff, später wurde für<br />

weniger exakte Entsprechungen<br />

der Ausdruck „Harmonie“<br />

eingeführt, der dann auch in der<br />

Musik große Bedeutung einnehmen<br />

sollte. Was uns wieder zu<br />

Aerea führt (einer poetischen<br />

Wortneuschöpfung, die Luft und<br />

Raum verbindet), dem zweiten<br />

Album des Trios um Henning Sieverts.<br />

Die Klangfarben ihrer vier<br />

Instrumente (Sieverts ist auch<br />

am Cello zu hören) mischen sich<br />

in den zehn Stücken zu einem<br />

warmen harmonischen Dreiklang.<br />

Das ist kraftvoller Kammer-Jazz,<br />

gespielt in manchmal<br />

unterschiedlichen Metren von<br />

Musikern, die ständig ihre Rollen<br />

zwischen Solist und Begleiter<br />

Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong> 69


Kolumne<br />

Nickodemus<br />

A Long Engagement<br />

Wonderwheel / Groove Attack<br />

W W W W<br />

Dubmatix<br />

King Size Dub Special<br />

Echo Beach / Indigo<br />

W W W<br />

Slightly Stoopid<br />

Everyday Life, Everyday People<br />

Stoopid / Membran<br />

W W<br />

Miss Red<br />

K.O.<br />

Pressure / Rough Trade<br />

W W W W W<br />

Yasmine Hamdan<br />

Jamilat Reprise<br />

Crammed / Indigo<br />

W W W o<br />

The Last Poets<br />

Understand What Black Is<br />

Studio Rockers / Groove Attack<br />

W W W W<br />

Little Axe<br />

Champagne & Grits<br />

W W W W<br />

Stone Cold Ohio<br />

W W W W<br />

Bought for a Dollar, Sold for a<br />

Dime<br />

W W W<br />

Echo Beach / Indigo<br />

Übersee<br />

Mit seiner Partyreihe Turntables<br />

on the Hudson ist Nickodemus<br />

seit 1998 in NYC präsent, auf<br />

seinem Label Wonderwheel<br />

betreut er Künstler wie Chancha<br />

via Circuito, Alsara & The<br />

Nubatones und Novalima. Von<br />

lateinamerikanisch bis nahöstlich<br />

ist dem global denkenden<br />

Strippenzieher also kein musikalischer<br />

Dialekt fremd. Und<br />

wenn er auf Albumlänge auf<br />

sein Longtime Engagement mit<br />

seinen zahlreichen Geistesverwandten<br />

(u.a. Alsarah, Carol C.,<br />

Jahdan Blakkmore) aus der wilden<br />

weiten Welt der Musik zurückblickt,<br />

kommen alle Fäden<br />

seines Netzwerkes zur Geltung,<br />

statt, wie zu befürchten wäre,<br />

in heilloses Chaos auszufransen.<br />

Der jamaikanische Aspekt<br />

schlängelt sich dabei gleichberechtigt<br />

neben Reggaeton,<br />

Cumbia, House, arabischer<br />

Popmusik und HipHop durchs<br />

Bild. Wer mehr der reinen Dub-<br />

Lehre zugeneigt ist, wird an den<br />

Versions, Dubs und Remixen<br />

von Dubmatix aus Toronto seine<br />

Freude haben, die Echo Beach<br />

nun mit einer Spezialausgabe<br />

der King Size Dub-Reihe<br />

würdigt: Hier treffen bewährte<br />

Riddims auf eine stark verwurzelte<br />

No-Bullshit-Einstellung,<br />

versiertes Versioning, sparsam<br />

gestreute Sound-Gimmicks und<br />

ein tiefes Soundverständnis.<br />

Fruchtbare Arbeit! Eher furchtbar:<br />

die Sorte Reggae, die sich<br />

die kalifornische Band Slightly<br />

Stoopid einfallen lässt und sich<br />

dafür lebende Legenden wie<br />

Yellowman und Ali Campbell<br />

(UB 40), sowie Chali 2na<br />

(Jurassic 5) und Alborosie ins<br />

Studio holte. Dem Bandnamen<br />

gemäßer Scheckheft-Reggae,<br />

der über Klischees von Weed<br />

und Sonnenschein kaum hinauskommt<br />

<strong>–</strong> die jamaikanische<br />

Erfahrung aus der postkolonialtouristischen<br />

Perspektive.<br />

Stimmen<br />

Nach einem aufsehenerregenden<br />

Mixtape und zahlreichen<br />

Shows mit ihrem Produzenten<br />

The Bug veröffentlicht Miss<br />

Red auf dem neuen Bug-Label<br />

Pressure ihr reguläres Debüt<br />

Album K.O.: Zwei Vinylplatten<br />

voller Killer, auf denen die<br />

Mikrofon-Künstlerin aus Haifa<br />

ihren Titel als „Superflyweight<br />

Outernational Champion“<br />

Mandel in Dub<br />

einfordert. Die erhabene Wucht<br />

und die transparente Dynamik<br />

der Prouktion von Kevin<br />

„The Bug“ Martin basiert der<br />

Legende nach auf den Sounds<br />

einer russischen Drummachine<br />

<strong>–</strong> ein ideales Gelände für<br />

Miss Reds versatile Stimme und<br />

ihre in entwaffnendem Patois<br />

dahergerotzten Textkaskaden.<br />

Die ungleich zarter arrangierten<br />

Songs von Yasmine Hamdans<br />

Album Al Jamilat wurden<br />

nachträglich von einer Reihe<br />

interessanter Elektrolurche<br />

bearbeitet. Auch die Reprise<br />

kommt zunächst auf Katzenpfoten<br />

daher (Greg Bauchau),<br />

bevor Acid Arab mit bewärtem<br />

Synth-Blubbern eine erste<br />

Option für den Floor anbieten.<br />

Im weiteren Verlauf loopt und<br />

klickert es im Euro-IDM-Stil vor<br />

sich hin, aufhorchen lassen<br />

dabei Matias Aguyao (wegen<br />

der Percussions), La Hamdans<br />

eigener Remix von „La Chay“<br />

(trippy) und der mysteriöse<br />

Shed (fett). Insgesamt kein<br />

Riesenwurf, aber ein schönes<br />

Supplement zum Album.<br />

Einigermaßen sensationell: die<br />

Rückkehr der Rap-Pioniere Last<br />

Poets als Dub-Poeten. Umar<br />

ibn Hassan, Abidoun Oywole<br />

und Baba Donn Babatunde<br />

sind Überlebende: Zuletzt<br />

starb im Juni <strong>2018</strong> ihr Langzeit-Weggefährte<br />

Jalal. Auf<br />

Riddim-Klassikern reimen sie<br />

über die schwarze Erfahrung in<br />

den USA und die guten (Prince)<br />

und bösen (Trump) Geister der<br />

moralisch maroden Supermacht.<br />

Die Vielstimmigkeit der<br />

frühen Poets weicht diesmal<br />

individuellen Solo-Vorträgen.<br />

Die so druck- wie respektvolle<br />

Produktion besorgten Prince<br />

Fatty und Ben Lamdin (Nostalgia<br />

77), mit einem Fuß im Dub<br />

und dem anderen im Jazz.<br />

Blues in Dub<br />

Little Axe ist das von Gitarrist<br />

Skip McDonald initiierte<br />

Spin-off der Supergruppe<br />

Tackhead (McDonald, Doug<br />

Wimbish, Keith Leblanc, Adrian<br />

Serwood). Das Debüt-Album<br />

The Wolf That House Built<br />

(Wired 1994) war unschwer<br />

zu deuten als Hommage an<br />

Son House und Howlin‘ Wolf.<br />

Tatsächlich wandten Little Axe<br />

das Prinzip Dub auf das System<br />

Blues an und eröffneten sich<br />

damit Wege, die es heute noch<br />

zu erforschen lohnt. Anfang<br />

der Nuller kamen Little Axe<br />

auf Peter Gabriels Label Real<br />

World unter, wurden aber <strong>–</strong> es<br />

waren schlechte Zeiten <strong>–</strong> nur<br />

auf CD veröffentlicht. Nun sind<br />

sie endlich auf 180-g-Vinyl zu<br />

genießen: das besonders sumpfige<br />

Roots-Album Champagne<br />

& Grits (2004), auf dem man<br />

die Hitze des Südens bis aufs<br />

Grillenzirpen nachempfinden<br />

kann, sowie das von Gospelstimmungen<br />

aufgehellte Stone<br />

Cold Ohio (2006). Sherwood<br />

fungierte bei beiden als Co-<br />

Produzent und Mixer und beließ<br />

es bei einem ausgewogen-plastischen<br />

Sound, ganz im Dienst<br />

der schweren Riddims, dem<br />

Rutschgeräusch der Saiten,<br />

dem Knarzen der Stimme und<br />

dem Raunen des Chors. Bought<br />

for a Dollar, Sold for a Dime<br />

(2008) dagegen ist eine reine<br />

Skip-Produktion: Die Basis-Riddims<br />

entstanden binnen eines<br />

Tages und wurden anschließend<br />

mit Bläser-Overdubs und<br />

etwas zu viel Stadion-Athmo<br />

abgerundet. Die Freunde des<br />

schrägen Geräuschs brauchen<br />

also eher die ersten beiden,<br />

echte Skip-Fans dagegen alle<br />

drei Alben.<br />

Eric Mandel<br />

70 Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong>


wechseln. Eine Musik, die vom<br />

Publikum einfordert, sich darauf<br />

einzulassen, denn neben der<br />

melodischen Hörbarkeit gibt es<br />

eine Menge an Überraschungen,<br />

die sich erst bei mehrmaligem<br />

Goutieren erschließen.<br />

Olaf Maikopf<br />

<strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong><br />

In doppelter Hinsicht führt uns<br />

der Norweger Tord Gustavsen<br />

auf die falsche Fährte. So<br />

ähnelt seine Formation rein<br />

optisch dem legendären Esbjörn<br />

Svensson Trio, in musikalischer<br />

Hinsicht nur entfernt.<br />

Außerdem stellt der Pianist und<br />

Komponist mit „The Tunnel“<br />

einen Opener voran, der, etwas<br />

brav und bieder gehalten, noch<br />

wenig von dem musikalischen<br />

Kosmos dieser CD vorwegnimmt.<br />

Gustavsen ist in seinem Herzen<br />

zwar ein Jazzer, doch sucht er<br />

sich die Inhalte seiner Tonkunst<br />

woanders. Das zweite Stück<br />

„Kirken, den er et gammelt<br />

hus“ ist eine Bearbeitung von<br />

Ludvig Mathias Lindeman, einem<br />

norwegischen Kirchenmusiker<br />

und Volksliedsammler, der im<br />

neunzehnten Jahrhundert gelebt<br />

hat. In ihm mag Gustavsen eine<br />

verwandte Seele erblickt haben.<br />

So bilden europäische Kirchenmusik<br />

und Volkslieder den roten<br />

Faden des Albums. Drei weitere<br />

Kompositionen stammen aus<br />

der Feder Johann Sebastian<br />

Bachs. Hierbei ist erstaunlich,<br />

wie frei sich der Pianist und<br />

seine Kollegen den Vorlagen<br />

nähern. So gelingt dem Trio eine<br />

ausdrucksstarke und rhythmisch<br />

völlig freie Version von „O Traurigkeit“.<br />

Gustavsens melodische<br />

Herangehensweise ähnelt in<br />

seiner Emotionalität und Dramatik<br />

eher dem eines Sängers als<br />

eines Pianisten. Fast könnte man<br />

an Flamenco-Gesang denken. In<br />

seinem eigenen Solo-Stück „Left<br />

Over Lullaby No. 4“ zeigt sich<br />

der Pianist als Meister der leisen<br />

Töne. Wer skandinavischen Jazz<br />

mag und dabei gern über den<br />

Jazz-Tellerrand sieht, der sollte<br />

sich diese CD genauer anhören.<br />

Andreas Schneider<br />

<strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong><br />

Tord Gustavsen Trio<br />

The Other Side<br />

ECM / Universal<br />

W W W W<br />

Enrico Pieranunzi / Thomas<br />

Fonnesbaek<br />

Blue Waltz<br />

Stunt / In-Akustik<br />

W W W W W<br />

Unlängst in einem Jazzclub in<br />

Kopenhagen: Zwei erfahrene<br />

Musiker schwören sich auf ihre<br />

längst bestehende gemeinsame<br />

Seelenverwandtschaft ein. Es<br />

braucht keine hochtrabenden<br />

Konzepte. Einfach einander<br />

verstehen und spielen <strong>–</strong> darum<br />

geht es dem italienischen Pianisten<br />

Enrico Pieranunzi und dem<br />

dänischen Bassisten Thomas<br />

Fonnesbaek. Und das läuft auf<br />

Anhieb so was von rund! Große<br />

Musik findet statt, wenn man<br />

sich trotz höchster Ansprüche<br />

immer noch vom unmittelbaren<br />

Erlebnis überwältigen lassen<br />

kann. Das Publikum in Kopenhagen<br />

scheint auf Anhieb mitzuempfinden,<br />

was dieses Duo hier<br />

im intimen Rahmen zelebriert.<br />

Danach klingt zumindest der Applaus<br />

bei dieser Liveaufnahme.<br />

Pieranunzi nutzt Cole Porters<br />

„Everything I Love“ als Sprungbrett,<br />

dann reihen sich beseelte<br />

Eigenkompositionen <strong>–</strong> auch aus<br />

Fonnesbaeks Feder <strong>–</strong> wie an<br />

einer feinen, edlen Perlenkette<br />

aneinander. Pieranunzi und Fonnesbaek<br />

demonstrieren, dass<br />

unter ihren Händen eine riesige<br />

Verfeinerungsskala nach oben<br />

hin offen ist. Der Däne ist immer<br />

extrem nah dran, sein Ton ist<br />

Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong> 71


Tonspuren<br />

rund und tief. Er setzt melodiöse<br />

Soli frei, sorgt für brillante<br />

Spritzlichter, allein, wenn die<br />

Saiten geräuschhaft auf dem<br />

Holz des Steges schnurren.<br />

Je konzentrierter man zuhört,<br />

desto mehr feinsinnige Bezüge<br />

und Verzahnugen zwischen den<br />

beiden Spielern fallen einem<br />

auf <strong>–</strong> darin zeigt sich der wahre<br />

Reichtum. Man hört und spürt:<br />

Die beiden spielen und haben<br />

noch mehr Spaß daran, dem<br />

anderen zuzuhören.<br />

Stefan Pieper<br />

<strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong><br />

John Zorn<br />

The Interpretation of Dreams<br />

Tzadik / In-Akustik<br />

W W W W W<br />

Kaum ein zeitgenössischer Jazzmusiker<br />

bedarf weniger der Vorstellung<br />

als John Zorn. Zumindest<br />

sollte es so sein, wären kreativer<br />

Wagemut, Abenteuerlust und Innovationsfreudigkeit<br />

gültige und<br />

entscheidende Maßstäbe der<br />

Jazzkritik. Denn niemand riskiert<br />

mehr und das entschlossener als<br />

der Camouflagehose tragende<br />

Saxofonist, Klarinettist, Bandleader,<br />

Labelbetreiber und Veranstalter<br />

aus New York. Seit 35 Jahren.<br />

Auf The Interpretation of Dreams<br />

tritt der Tausendsassa lediglich<br />

als Komponist in Erscheinung. Mit<br />

ihren Inspirationsquellen <strong>–</strong> die<br />

drei neuen Zorn-Stücke verdanken<br />

sich der Anregung durch<br />

Arbeiten des surrealistischen<br />

Regisseurs Luis Buñuel und<br />

der Schriften des Beat-Poeten<br />

William S. Burroughs, informiert<br />

Zorns Label Tzadik, während<br />

der Titel des Albums auf Freud<br />

verweisen mag <strong>–</strong> rufen „Naked<br />

Lunch“, „Obscure Objects of<br />

Desire“ und „The Exterminatining<br />

Angel“ Schlüsselreferenzen der<br />

Kulturtheorie auf. Bewundernswert,<br />

wie alle <strong>–</strong> angefangen mit<br />

dem Komponisten Zorn, der hier<br />

zwischen den bereits genannten<br />

noch auf Zappa, Varese, Bartók<br />

und sich selbst zurückblickt, über<br />

die grandiose Vibrafonistin Sae<br />

Hashimoto, die als Solistin in den<br />

beiden Burroughs-inspirierten<br />

Stücken brilliert, bis zu den<br />

Streichern vom JACK Quartet, die<br />

in der atemberaubenden Buñuel-<br />

Hommage gemeinsam mit Pianist<br />

Stephen Gosling begeistern <strong>–</strong><br />

sich dadurch nicht einschüchtern<br />

lassen. Wichtiges Album eines<br />

der wichtigsten Gegenwartskünstler;<br />

und eines der wenigen<br />

unserer Zeit, das die Jazz-Welt,<br />

wie sie ist, wirklich herausfordert.<br />

Tzadik: Wir brauchen ein Vinyl<br />

davon.<br />

Harry Schmidt<br />

<strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong><br />

Henry Threadgill<br />

Double up, Plays Double up Plus<br />

Pi / Harmonia Mundi<br />

W W W o<br />

Henry Threadgill 14 or 15 Kestra<br />

Dirt … and More Dirt<br />

Pi / Harmonia Mundi<br />

W W W W<br />

Henry Threadgill hat sich schon<br />

lange von der harmolodischen<br />

Groove Music entfernt, die er mit<br />

Bands wie seinem großartigen<br />

Sextett der späten 80er Jahre,<br />

dem Very Very Circus oder Zooid<br />

zelebrierte. Seine neueren Produktionen<br />

sind zwar kammermusikalischer<br />

Natur, aber nicht von<br />

der flüchtigen Leichtigkeit seines<br />

Chamber Trios Air, mit dem er<br />

einst seine Laufbahn begann.<br />

Auf seine alten Tage will der<br />

Saxofonist Bleibendes schaffen.<br />

Seine beiden neuen, zeitgleich<br />

veröffentlichten Alben folgen<br />

diesem Ziel. Der Unterschied<br />

liegt weniger in der Musik als in<br />

den Besetzungen. Auf Double up,<br />

Plays Double up Plus tritt er mit<br />

einer achtköpfigen Band an, zu<br />

der drei Pianisten gehören. Die<br />

Saxofonparts überlässt er Roman<br />

Filiu und Robert Curtis McDonald.<br />

Threadgill selbst tritt nur als Komponist<br />

in Erscheinung. Die Musik<br />

ist voller Wucht und gewährt<br />

dem Ohr auch in stillen Momenten<br />

keine Erlösung. Threadgill<br />

geht es in erster Linie um Timbres,<br />

Dichtegrade, Klangfarben und<br />

die Variation von Details und<br />

Nuancen. Hätte Anton Webern<br />

versucht, ein Blues-Album zu<br />

komponieren, hätte es wahrscheinlich<br />

genau so geklungen.<br />

In den zwei größeren Suiten auf<br />

Dirt … and More Dirt versammelt<br />

Threadgill 15 Musiker. Fast alle<br />

Mitstreiter von Double up, Plays<br />

Double up Plus sind vertreten,<br />

und auch er selbst greift diesmal<br />

zum Saxofon. Die Musik des<br />

Orchesters groovt im Untergrund<br />

ein wenig mehr als auf dem<br />

Zwillingsalbum, ist auch über<br />

Strecken etwas verspielter, aber<br />

der Überbau ist auch hier eher<br />

spröde. Die Doppelbesetzung<br />

vieler Instrumente (Saxofone,<br />

Pianos, Trompeten, Posaunen,<br />

Schlagzeuge) erinnert einmal<br />

mehr an die Philosophie Ornette<br />

Colemans, nur dass Threadgills<br />

Konstruktionen ungleich abstrakter<br />

erscheinen. Beide Alben lassen<br />

sich im weitesten Sinne dem<br />

Third Stream zurechnen, wobei<br />

Dirt … auch einen gewissen<br />

M-Base-Charme aufweist.<br />

Wolf Kampmann<br />

<strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong><br />

Booxy‘s Box<br />

The Game<br />

Unit / Membran<br />

W W W o<br />

Zwei Schweizer und zwei<br />

Österreicher spielen ein Spiel.<br />

Die Besetzung steht, die<br />

Kompositionen auch, doch die<br />

Regeln werden immer wieder<br />

geändert, der Spielverlauf nimmt<br />

nie dieselbe Richtung. Das<br />

Erstlingswerk von Booxy‘s Box,<br />

der Band aus Philipp Jagschitz<br />

am Klavier, Daniel „Booxy“ Aebi<br />

am Schlagzeug, Andreas Waelti<br />

am Bass und Martin Gasser am<br />

Altsaxofon, versucht herauszufinden,<br />

was passiert, wenn man<br />

vier Musiker spielen lässt, deren<br />

musikalische Herzen alle anders<br />

ticken. Souljazz, freie Musik,<br />

klare Strukturen und Modern<br />

Jazz vereinen sich in The Game<br />

spielerisch. So weit auseinander<br />

liegen die Jazz-Heimaten der<br />

vier aber dann nicht, es ist ein<br />

homogenes Werk entstanden,<br />

das viel Groove, Soul, Swing<br />

und kraftvolle Improvisationen<br />

enthält. Besonders gelungen<br />

ist „Cripple“ <strong>–</strong> mit viel Spielwitz,<br />

einem wimmernden Altsaxofon<br />

und einem mächtigen Bass-Solo<br />

macht das Zuhören viel Spaß.<br />

Bei diesem Spiel kann man nur<br />

sagen: Die vier gewinnen auf<br />

jeden Fall!<br />

Angela Ballhorn<br />

<strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong><br />

Plaza Francia Orchestra<br />

Plaza Francia Orchestra<br />

Because / Universal<br />

W W W o<br />

Hinter diesem Orchester stecken<br />

zwei Veteranen der elektronischen<br />

Tangomusik, Eduardo<br />

Makaroff und Christoph H. Müller<br />

vom international erfolgreichen<br />

Gotan Project. Was ihr Plaza<br />

Francia Orchestra besonders<br />

macht, ist die französische Sängerin<br />

Catherine Ringer, die fast 30<br />

Jahre mit der Synthie-Pop-Band<br />

Les Rita Mitsouko gearbeitet<br />

hat. Zwar erwarb sie außerhalb<br />

Frankreichs nie mehr als eine<br />

kleine Fangemeinde, doch das<br />

könnte sich nun ändern, wenn<br />

man dieses charmante und unterhaltsame<br />

Album hört. Ringer, die<br />

hier hauptsächlich auf Spanisch<br />

singt, hat ein natürliches Talent<br />

für die Emotionalität und Theatralik<br />

des Tangos und einen Ge-<br />

72 Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong>


Kolumne<br />

Spiritualized<br />

And Nothing Hurt<br />

Bella Union / Rough Trade<br />

W W W o<br />

Big Red Machine<br />

Big Red Machine<br />

Jagjaguwar / Cargo<br />

W W W W<br />

Emma Ruth Rundle<br />

On Dark Horses<br />

Sargent House / Cargo<br />

W W W W o<br />

Alejandro Escovedo<br />

The Crossing<br />

Yep Roc / H’Art<br />

W W W o<br />

The Punch Brothers<br />

All Ashore<br />

Nonesuch / Warner<br />

W W W W<br />

Marc Ribot<br />

Songs of Resistance<br />

<strong>–</strong> 1942-<strong>2018</strong><br />

Anti / Indigo<br />

W W W W o<br />

Low<br />

Double Negative<br />

Sub Pop / Cargo<br />

W W W W W<br />

Milliarden<br />

Berlin<br />

Vertigo / Universal<br />

W W W W<br />

Die einstige Space-Rock-Band<br />

Spiritualized ist längst zur<br />

solistischen Selbstzerfleischungsmaschine<br />

von Jason<br />

„Spaceman“ Pierce geworden.<br />

Auf seinem neuen Album<br />

And Nothing Hurt bringt der<br />

Brite sich selbst an den Rand<br />

der Auflösung. Vom Sound<br />

her versucht er Phil Spector<br />

nachzueifern, doch all die<br />

Grandezza täuscht nicht über<br />

den persönlichen Schmerz<br />

hinweg. Das Album hat von<br />

allem ein wenig zu viel, was es<br />

auf die Dauer etwas anstrengend<br />

macht. Wer sich auf die<br />

gnadenlose Völlerei in diesem<br />

Schlaraffenland der Klänge<br />

einlässt, wird zumindest nicht<br />

auszehren.<br />

Big Red Machine ist ein neues<br />

Projekt von John Vernon<br />

(Bon Iver), das er gemeinsam<br />

mit Aaron Dessner von The<br />

Body & Soil<br />

National aufgestellt hat. Auf<br />

ihrem Debütalbum spielen<br />

sie mit einem Mosaik aus<br />

unvorhersehbaren Klängen,<br />

doch Vernon gibt sich nicht<br />

so ätherisch wie bei Bon Iver.<br />

Im Gegenteil, den Songs ist<br />

eine verführerische Schwere<br />

eigen. Vieles wirkt zufällig, die<br />

Grooves und das eingesetzte<br />

Autotune erinnern zuweilen an<br />

Trap, ohne dass Vernon auf die<br />

Fallen dieses Subgenres des<br />

HipHop reinfallen würde. Ein<br />

ebenso souveränes wie reifes<br />

Spiel mit Versatzstücken der<br />

aktuellen Popkultur.<br />

Mit jedem neuen Album<br />

behauptet Emma Ruth Rundle<br />

besser ihren Ruf als eine der<br />

eindrucksvollsten jüngeren<br />

Songwriterinnen Amerikas.<br />

Auf On Dark Horses behält sie<br />

die stimmliche Eindringlichkeit<br />

PJ Harveys bei und garniert<br />

sie mit urbaner Tribe-Musik à<br />

la Sonic Youth, My Bloody Valentine<br />

oder Slowdive. Vieles<br />

in dieser Art gibt es wahrlich<br />

nicht mehr. Der tiefschwarze<br />

Blues dieser CD ist aus einem<br />

Guss, sodass die einzelnen<br />

Songs wie Sequenzen eines<br />

langen Bewusstseinsstroms<br />

wirken.<br />

Alejandro Escovedos Tage mit<br />

der Punkband The Nuns sind<br />

lange her. Seit vielen Jahren<br />

ist er als unermüdlicher Singer/Songwriter<br />

in der Tradition<br />

Lyle Lovetts unterwegs. Auf<br />

seinem neuen Album The<br />

Crossing wird die schleppende<br />

Schwüle seiner Heimat Texas<br />

hörbar. Ein Hauch von Aufsässigkeit<br />

ist ihm zweifellos<br />

geblieben. Insgesamt vielleicht<br />

etwas zu lang geraten, birgt<br />

das Album trotzdem den einen<br />

oder anderen stimmungsvollen<br />

Song, der sich für den Soundtrack<br />

künftiger TV-Mehrteiler<br />

anbietet.<br />

Die Punch Brothers bieten<br />

Americana für Gourmets. Auf<br />

All Ashore starten sie einmal<br />

mehr an der Kreuzung von<br />

Country Music und Bluegrass,<br />

um ihre spezielle Mixtur mit<br />

jazzigem Bossa-Flair und launigen<br />

Grooves zu verschneiden.<br />

Die Songs erwecken den<br />

Eindruck, als wäre die Post<br />

Production stärker in den Vordergrund<br />

getreten als früher.<br />

Das mag streckenweise ein<br />

wenig auf Kosten der organischen<br />

Unverstelltheit gehen,<br />

doch wie hier das Banjo<br />

inszeniert wird, ist einzigartig.<br />

Chambergrass vom Feinsten.<br />

Marc Ribot erfüllt sich mit<br />

Songs of Resistance einen<br />

lange gehegten Traum und<br />

stellt eine Reihe von Protestliedern<br />

zusammen. Damit er<br />

gehört wird, stehen ihm unter<br />

anderem Vokalisten wie Tom<br />

Waits, Syd Straw, Steve Earle<br />

oder Sam Amidon zur Seite.<br />

Obwohl er mit den hymnischen<br />

bis wilden Liedern den Protest<br />

von mehr als einem dreiviertel<br />

Jahrhundert abdeckt,<br />

scheint doch der am häufigsten<br />

vorkommende Begriff<br />

„Donald Trump“ zu sein. Der<br />

Widerstand formiert sich,<br />

und hoffentlich werden noch<br />

viele Musiker Ribots Beispiel<br />

folgen.<br />

Der amerikanischen Slowcore-<br />

Band Low gelingt mit Double<br />

Negative in ihrer an Höhepunkten<br />

nicht gerade armen<br />

Discografie ein Coup, der alles<br />

Bisherige in den Schatten stellt.<br />

Die von ihrer Anlage her balladesken<br />

Songs werden in einen<br />

Mantel von digitalen Störgeräuschen<br />

verpackt, der<br />

die Melodien selbst zur<br />

absoluten Nebensache macht.<br />

Hier geht es nur noch um die<br />

De struktion des Klanges. Es<br />

spricht für das hohe Können<br />

der Band, dass ihr dabei nicht<br />

die Poesie verloren geht. Dieser<br />

Turm aus digitalem Klangschrott<br />

ist ein ebenso nachdenkliches<br />

wie spöttisches Sinnbild für<br />

unsere Zeit. Was von uns bleibt,<br />

ist unser Abfall, sonst nichts.<br />

Die Berliner Punkband Milliarden<br />

ist angetreten, ihre<br />

Heimatstadt zu porträtieren.<br />

Im Gegensatz zu ihrem Debüt<br />

Betrüger kommt sie auf ihrem<br />

Zweitwerk ohne griffige Parolen<br />

aus. Sie stellt den Fokus<br />

scharf und richtet ihn auf<br />

Menschen und Plätze, die in<br />

der Hektik des Alltags schnell<br />

mal übersehen werden. Laut<br />

eigenem Bekennen geht es<br />

Milliarden um die innere Architektur<br />

des Menschen. Mission<br />

accomplished.<br />

Wolf Kampmann<br />

Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong><br />

73


Kolumne<br />

Laufbildkontrolle<br />

Cynthia Mort<br />

Nina<br />

Universum Film<br />

W W W<br />

Sophie Huber<br />

Blue Note Records <strong>–</strong> Beyond<br />

the Notes<br />

Mira Film<br />

W W W o<br />

Eric Friedler<br />

It must Schwing! The Blue<br />

Note Story<br />

Neue Road Movies<br />

W W W W W<br />

Norah Jones<br />

Live at Ronnie Scott’s<br />

Eagle Rock / Universal<br />

W W W<br />

Emma Franz<br />

Bill Frisell <strong>–</strong> A Portrait<br />

www.billfrisellfilm.com<br />

W W W W W<br />

Emile Parisien Quintet<br />

Sfumato live in Marciac w.<br />

Joachim Kühn<br />

ACT / Edel:Kultur<br />

W W W o<br />

Arno Oehri & Oliver Primus<br />

Open Land <strong>–</strong> Meeting John<br />

Abercrombie<br />

ECM / Universal<br />

W W W o<br />

Lili Fini Zanuck<br />

Eric Clapton: Life in 12 Bars<br />

Universum Film<br />

W W W W W<br />

Nun liegt mit Nina, nach 2 Dokus,<br />

auch ein Biopic über Nina<br />

Simone vor. Die Geschichte von<br />

Jazz und Popmusik ist voll von<br />

charismatischen, widersprüchlichen,<br />

ja depressiven Charakteren.<br />

Von einem solchen<br />

erzählt das Drama, 2016 entstanden<br />

und erst kürzlich auf<br />

den deutschen Markt gekommen,<br />

recht gelungen. Ziemlich<br />

eigenwillig geht er doch wohl<br />

mit der Faktenlage um, was ihm<br />

Kritik einhandelte. Unbeeindruckt<br />

vom Gerangel um die<br />

Besetzung von Zoe Saldana<br />

(Avatar, Star Trek, Avengers<br />

etc.) als Hauptdarstellerin<br />

etc. schließe ich mich Ninas<br />

Wegbegleiter und Gitarristen<br />

Al Schackman an, der auch am<br />

Film mitarbeitete: Hut ab vor<br />

Frau Saldanas gesanglicher<br />

Leistung!<br />

Manche Autoren arbeiten<br />

am Rande der Fiktion, andere<br />

zeichnen gerne scharf und<br />

erzählen eng am Thema nach.<br />

Blue Note Records <strong>–</strong> Beyond<br />

the Notes der Schweizerin Sophie<br />

Huber bringt eine Menge<br />

Bilder, Musik, Interviews und<br />

Einsichten über die Bedeutung<br />

des emblematischen Labels.<br />

Mit Originalstimmen von<br />

Alfred Lion, Francis Wolff und<br />

Interviews mit Herbie Hancock,<br />

Wayne Shorter, Lou Donaldson<br />

und aktuellen Blue-Note-Stars<br />

wie Robert Glasper, Ambrose<br />

Akinmusire, Terrace Martin.<br />

Man zeigt Wertschätzung<br />

und erzählt vielfach gehörte<br />

Geschichten. Blue Note stand<br />

stets für die Freiheit der Kunst<br />

und dennoch knietief in unserer<br />

von Widersprüchen geprägten<br />

Welt von Rassismus, Kapitalismus<br />

und Flucht.<br />

Der zweite Blue-Note-Film<br />

nimmt sich des Lebens, Wirkens<br />

und Leidens der Gründer<br />

Lion und Wolff in wunderbar<br />

ungewöhnlicher Form an.<br />

Filmemacher Eric Friedler hat<br />

mit Produzent Wim Wenders ein<br />

kleines Meisterwerk des Genres<br />

geschaffen. It Must Schwing!<br />

erzählt das reale Märchen von<br />

zwei exilierten Jazzfanatikern in<br />

hochinteressanten Interviews,<br />

animierten Cartoon-Szenen und<br />

Original-Musikdokumenten,<br />

alles in exquisiter Optik. Die<br />

Animationen mischen sich in<br />

genau der richtigen Dosis in<br />

die Real-Szenen und wirken zu<br />

keiner Zeit despektierlich. Der<br />

Film ist informativ, unterhaltsam,<br />

ästhetisch wertvoll und sorgfältig<br />

recherchiert. Demnächst<br />

im Kino.<br />

Norah Jones Live at Ronnie<br />

Scott’s will uns zeigen, dass<br />

das Genre „Live auf DVD“<br />

noch am Leben ist. Schön<br />

abgefilmt, jedoch ohne große<br />

Höhepunkte gehen fast 2<br />

Stunden Laufzeit mit neuen und<br />

alten Jones-Songs in Londons<br />

noblem Jazzclub ins Land. Ms.<br />

Jones ist ihr eigener Klassiker<br />

geworden, doch gelingt es ihr,<br />

bestrebt und selbstbewusst,<br />

wie sie ist, die Begrenztheit<br />

ihres pianistischen Repertoires<br />

zum ureigenen Markenzeichen<br />

zu machen. Engagiert zur Seite<br />

stehen ihr Brian Blade (dr) und<br />

Christopher Thomas (b).<br />

Emma Franz portraitiert in Bill<br />

Frisell <strong>–</strong> A Portrait einen lebenden<br />

Gitarristen, der an so vielen<br />

Produktionen amerikanischer<br />

Musik mitwirkte und noch mal<br />

so vielen zu mehr Bedeutung<br />

verhalf. Ob Bonnie Raitt, Paul<br />

Simon, Jim Hall, Joey Baron,<br />

Joe Lovano, Paul Motian, Ron<br />

Carter, John Abercrombie<br />

u.a., es sind sich alle einig <strong>–</strong><br />

„careful and sensitive“ lebt<br />

dieser Genius in seiner Welt,<br />

dennoch stets im Hier und<br />

Jetzt und bereit, sich wie ein<br />

Kind zu wundern über Dinge,<br />

die ihm widerfahren. Gedacht<br />

als Portrait, weckt der Film<br />

Begeisterung für Musik an sich<br />

und gibt Einblicke in essenzielle<br />

Klangkunst.<br />

Manchmal ist es gut, beim Jazz<br />

Ohren- und Augenzeuge zu<br />

sein, z.B. als sich Emile Parisien<br />

2016 als Artist in Residence<br />

seine kolossale persönliche<br />

Allstarband zusammenstellen<br />

durfte. Sfumato live in Marciac<br />

verbindet auf schöne Weise die<br />

Moderne mit diesem speziellen,<br />

auf kuriose Weise allem französischen<br />

Jazz innewohnenden<br />

traditionellen Element. Eines<br />

der Highlights ist ein wie der<br />

Teufel swingender, schlagzeugloser<br />

„Temptation Rag“<br />

mit Gastauftritt von Parisiens<br />

Mentor Wynton Marsalis.<br />

Nah beieinander, aber doch<br />

ganz anders: Open Land <strong>–</strong><br />

Meeting John Abercrombie,<br />

das Portrait des kürzlich<br />

gestorbenen Gitarristen, kommt<br />

absichtsloser daher. Manche<br />

biografischen und Interview-<br />

Passagen haben Längen und<br />

leiden etwas unter Belanglosigkeit,<br />

gelungen mischt der Film<br />

jedoch viele von Johns meisterhaften<br />

ECM-Music-Scapes mit<br />

langsamen Landschafts- und<br />

Großstadtbildern, allen voran<br />

das großartig in den Abspann<br />

mündende „Timeless“.<br />

Und noch einmal Gitarre:<br />

Akribisch chronologisch wie<br />

lebendig erzählt Life in 12 Bars<br />

das Leben eines Gitarrengottes<br />

und erweckt stille und bewegte<br />

Super-8-Bilder zum Leben.<br />

Eric Clapton und die mit ihm<br />

befreundete Filmproduzentin Lili<br />

Fini Zanuck waren sich schnell<br />

einig darüber, dass es „no talking<br />

heads“ geben sollte, und<br />

genau das macht den Film so<br />

spannend; nur zu Beginn sieht<br />

man den aktuellen Eric, dann<br />

verschwindet er als Erzählstimme<br />

ins Off, hinter das auf Dachböden<br />

aufgestöberte private<br />

Archivmaterial. Unzählige musikalische<br />

Dokumente machen<br />

den Film zu einer spannenden<br />

Reise in die Vergangenheit des<br />

stilprägenden Musikers, auf der<br />

man, manchmal schonungslos<br />

offen, „Dinge entdeckt, die man<br />

noch nicht wusste“.<br />

Jan Kobrzinowski<br />

74 Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong>


sangsstil, der von hauchdünnen<br />

Balladen zu lebhaften Hymnen<br />

wechseln kann. Sie dominiert<br />

viele der Stücke und behauptet<br />

sich gegen den Bandoneonisten,<br />

dessen Instrument im argentinischen<br />

Tango ja eine Schlüsselrolle<br />

spielt; gegen Makaroff,<br />

der zwischen akustischen und<br />

elektrischen Gitarren wechselt,<br />

sowie gegen eine eindringliche<br />

Rhythmusgruppe mit Müller<br />

hinter den Keyboards, die für so<br />

manche Effekte und pochende<br />

elektronische Percussion sorgt.<br />

Leider sind einige der Arrangements<br />

dann doch etwas simpel.<br />

Doch wie das Gotan Project bietet<br />

auch Plaza Francia dem Fan<br />

des Electro-Tango eine exotische<br />

und suggestive Atmosphäre, perfekt<br />

für romantische Tagträume<br />

und heiße Sommerabende.<br />

Olaf Maikopf<br />

<strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong><br />

Peter Gall<br />

Paradox Dreambox<br />

Traumton / Indigo<br />

W W W W<br />

Auf über 30 Alben ist der<br />

deutsche Drummer Peter Gall zu<br />

hören, unter anderem im Trio mit<br />

seinem Bruder, dem Pianisten<br />

Chris Gall, sowie in diversen<br />

Bands um den Trompeter Magnus<br />

Schriefl. Mit Paradox Dreambox<br />

legt der 35-jährige Absolvent<br />

der Hochschule der Künste Berlin<br />

und der Manhattan School of<br />

Music sein Debüt als Bandleader<br />

vor. Dass er dort nicht<br />

nur Schlagzeug, sondern auch<br />

Komposition studiert hat, kommt<br />

auf diesem außerordentlich reif<br />

wirkenden Erstling mehrfach<br />

zum Tragen: Auf keinem der zehn<br />

Stücke, die Gall eigens für diesen<br />

Anlass geschrieben hat, spielt er<br />

sich in den Vordergrund; vielmehr<br />

gibt er seinen befreundeten Mitstreitern<br />

Wanja Slavin (sax, synth,<br />

fl, cl), Rainer Böhm (p, synth) und<br />

Matthias Pichler (b), verstärkt um<br />

den niederländischen Gitarristen<br />

Reinier Baas, großzügig Raum,<br />

während er als Autor und Dirigent<br />

hinter der Combo rhythmische<br />

Netze knüpft und metrische<br />

Fäden zieht. Synthesizer, auch<br />

von Gall persönlich bedient,<br />

eröffnen eine weitere Dimension:<br />

Imaginäre Klangfarbenmodulationen<br />

rücken die vorangegangenen<br />

Progressionen von „4 West“ oder<br />

dem Auskl ang „Ambrilla“ in ein<br />

neues Licht. Was im eröffnenden<br />

Titeltrack mit kristallinem Flirren<br />

hypermotorisch und postmodern<br />

beginnt, entwickelt sich rasch<br />

zu einem hoch melodiösen<br />

Tune, dem man fast schon die<br />

vertrauten Züge eines Standards<br />

attestieren muss. Das Highlight<br />

des Albums befindet sich als<br />

Centertrack aber dennoch<br />

inmitten der Playlist: Tatsächlich<br />

beruht das kantable „Yellow<br />

Heaven“ auf einem Song mit Text,<br />

der aber mit diesem Instrumental<br />

Privatsache bleibt.<br />

Harry Schmidt<br />

<strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong><br />

Haruomi Hosono<br />

5 Original Albums<br />

Light in the Attic / Cargo<br />

W W W W o<br />

Die Alben von Haruomi Hosono,<br />

Gründer des Yellow Magic<br />

Orchestra, gab es bisher nur in<br />

Japan oder über verschlungene<br />

Wege. Nun bringt das Reissue-<br />

Label Light in the Attic gleich<br />

fünf charakteristische Alben<br />

von Hosono auf den westlichen<br />

Markt. Fünf Jahre vor dem<br />

YMO nahm Hosono sein erstes<br />

Soloalbum Hosono House auf.<br />

Kurz zuvor hatte er in L.A. Van<br />

Dyke Parks, Ry Cooder und den<br />

Americana Sound kennengelernt.<br />

Diese Begegnung, vereint mit<br />

seiner Sicht von Calypso, New<br />

Orleans Cajun und Rumba lässt<br />

sein Debüt heute noch aufregend<br />

vibrieren. In den folgenden<br />

Jahren lebte Hosono seine<br />

Obsession für Martin Dennys<br />

Exotica, Sly Stone, balinesische<br />

und japanische Perkussion aus,<br />

kongenial kulminiert im traumhaften<br />

Paraiso. Parallel dazu brachte<br />

Hosono 1978 Cochin Moon, das<br />

klingende Tagebuch seiner Reise<br />

durch Indien, heraus. Erstmals<br />

verwendete Hosono hier einen<br />

Synthesizer in seiner Musik. Die<br />

war nun komplett experimentell.<br />

Während der Reise gefundene<br />

Klänge und Feldaufnahmen wurden<br />

mit Ideen des Krautrock und<br />

blubbernden Sequenzersounds<br />

von Hosono zu einer völlig neuen<br />

„Sightseeing-Music“ verkapselt,<br />

die den Hörer an einen fremden<br />

Ort bringt, der so vorher nicht<br />

existierte. Für vier Jahre konzentrierte<br />

sich Hosono nun ganz auf<br />

die Arbeit mit dem YMO. Erst 1982<br />

erschien Philharmony, ein Meisterwerk,<br />

das fast ausschließlich<br />

von Hosono selbst in seinem<br />

brandneuen LDK Studio mit einer<br />

Reihe von Synthesizern und den<br />

neuesten Gadgets eingespielt<br />

wurde. All diese Erfahrungen und<br />

Ideen betrachtete er sieben Jahre<br />

später auf Onni Sight Seeing,<br />

einer musikalischen Reise um die<br />

Welt, durch sein kaleidoskopisches<br />

Objektiv. Weltmusikalische<br />

Momente aus der arabischen<br />

Kultur und der japanischen<br />

Minyo setzte Hosono nun mit<br />

dem amerikanischen Swing<br />

und seiner eigenen außerirdischen<br />

„Ether-Music“ zu einem<br />

unverkennbaren eklektischen<br />

Hosono-Sound zusammen.<br />

Olaf Maikopf<br />

<strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong><br />

Protoje<br />

A Matter of Time<br />

Mr Bongo / Harmonia Mundi<br />

W W W<br />

Protoje heißt eigentlich Oje Ken<br />

Ollivierre und ist ein Roots-<br />

neW<br />

releases<br />

DT9079<br />

IngI BJarnI<br />

trIo<br />

Fundur<br />

DT9081<br />

Joey<br />

CalDerazzo<br />

Live From<br />

The Cotton Club,<br />

Tokyo<br />

distributed by<br />

Dot time records<br />

Bremen<br />

info@dottimerecords.com<br />

JazzthetIk 09/10-<strong>2018</strong> 75<br />

www.dottimerecords.com


Tonspuren<br />

raunender Elektronik oder<br />

träumerisch-melancholischen<br />

TripHop-Trips. Die üblichen Vergleiche<br />

der Journalisten reichen<br />

von Sax-Ikone John Coltrane bis<br />

hin zu den Heavy-Legenden von<br />

Black Sabbath und von Miles<br />

Davis bis zum Krautrock. Get the<br />

Blessing haben definitiv einen<br />

Nerv getroffen.<br />

Hans-Jürgen Schaal<br />

<strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong><br />

über sich hinauswächst und<br />

beim Publikum völlig zu Recht<br />

Begeisterungsstürme hervorruft.<br />

Schön, dass man das jetzt<br />

alles auch auf einem Tonträger<br />

genießen kann. Im Booklet zitiert<br />

Brennan das alte irische Sprichwort<br />

„You don’t need to be crazy<br />

to be an artist <strong>–</strong> but it helps“ und<br />

er sieht erschüttert ob seiner<br />

eigenen Courage, dass nur der,<br />

der wagt, auch gewinnen kann.<br />

Chapeau!<br />

Rolf Thomas<br />

<strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong><br />

Reggae-Künstler aus Jamaika.<br />

Aber einer von heute, der seine<br />

Botschaften in urbane, gerne<br />

auch pop-affine Gewänder zu<br />

verpacken weiß. Will sagen:<br />

Die Band groovt sehr kultiviert,<br />

so dass sich Protojes unerbittlicher<br />

Sprechgesang in einem<br />

anregenden Flow entfaltet. Eben<br />

um das Publikum zu packen und<br />

dann auch empfänglich für die<br />

Botschaft werden zu lassen.<br />

Denn Protoje geht es um die<br />

bittere Wirklichkeit an jenem<br />

sozialen Brennpunkt, zu dem<br />

sich die Insel Jamaika immer<br />

mehr entwickelt. Auch hier<br />

lässt der Turbo-Kapitalismus<br />

die Massen verelenden, gerade<br />

in den beiden aus den Nähten<br />

platzenden Metropolen Kingston<br />

und Montego Bay. Reiche<br />

verbrennen ihren Wohlstandsmüll<br />

dort, wo die Abgehängten<br />

ums Überleben kämpfen. Protoje<br />

wurde gewarnt, dass er durch<br />

die Veröffentlichung solcher<br />

Texte sein eigenes Leben<br />

gefährde. Das schreckte den<br />

unbeugsamen Jamaikaner nicht.<br />

Seitdem erstürmt das Stück<br />

„Blood Money“ die Billboard-<br />

Charts <strong>–</strong> übrigens ist dies auch<br />

die stärkste Nummer auf diesem<br />

Album. Reggae heißt, dass sich<br />

politische Botschaften mit friedlicher<br />

Gelassenheit artikulieren.<br />

Manchmal geschieht das auf<br />

diesem Album in zu poppiger<br />

Glätte, wo einige Stücke doch<br />

mehr vom eindringlichen Biss<br />

des besagtem „Blood Money“<br />

vertragen könnten. Dennoch:<br />

Man mag beim Hören dieses<br />

zeitgemäßen Reggae mit<br />

fließenden Grenzen zu Rap und<br />

Dub nicht gerne alleine zu Hause<br />

bleiben. Denn diese Sounds und<br />

Riddims verlangen nach Hören,<br />

Tanzen, Fühlen. Schön, wenn so<br />

etwas dann auch mal mit kritischem<br />

Gedankengut einhergeht!<br />

Stefan Pieper<br />

<strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong><br />

Get the Blessing<br />

Bristopia<br />

Kartel / Indigo<br />

W W W W<br />

Seit fast 20 Jahren spielt das<br />

Quartett Get the Blessing<br />

aus Bristol in unveränderter<br />

Besetzung zusammen. Die<br />

beiden Bläser Jake McMurchie<br />

(sax) und Pete Judge (tp) sowie<br />

Jim Barr (b) und Clive Deamer<br />

(dr), das Rhythmusgespann<br />

der Band Portishead, erfanden<br />

1999 den Jazzrock 2.0 aus dem<br />

Geiste des TripHop <strong>–</strong> und das<br />

Ganze funktioniert noch heute.<br />

Schnarrende Bläsersätze,<br />

knappe, schmucklose Themen,<br />

ekstatische Saxofonsoli, kompakte<br />

Rhythmusfiguren <strong>–</strong> die<br />

harte Gangart („If It Can It Will“,<br />

„Cellophant“) schlägt Brücken<br />

zwischen Ornette Colemans<br />

Free Funk und einem heftigen<br />

Bass- und Synthesizer-Rock.<br />

Die weichere Variante der<br />

Bandsprache („Cococloud“,<br />

„Sunwise“) geht dagegen<br />

mehr ins Atmosphärische <strong>–</strong> mit<br />

poetischen Trompetentönen,<br />

Pago Libre & Friends<br />

Got Hard<br />

Leo / Galileo<br />

W W W o<br />

Der Mann ist komplett wahnsinnig:<br />

Für das Schweizer Festival<br />

Alpentöne schuf der Schweizer<br />

Ire John Wolf Brennan ein<br />

gigantisches Werk, das vom<br />

24-köpfigen Alpentöne Blasorchester,<br />

seinem Quartett Pago<br />

Libre, drei zusätzlichen Solisten<br />

<strong>–</strong> Christian Zehnder, Christy<br />

Doran und Patrice Héral <strong>–</strong> sowie<br />

sechs Musikern der Irish World<br />

Academy of Music and Dance<br />

musikalisch umgesetzt wurde.<br />

Was noch viel erstaunlicher ist:<br />

Die insgesamt über 35 Musiker<br />

kommen sich kaum ins Gehege,<br />

und es gibt sogar viel Raum für<br />

intime Momente <strong>–</strong> ein besonders<br />

schöner in der „ma/thema/gical<br />

fortspinnung“ zwischen Brennan,<br />

Doran und Héral. Brennan<br />

erkennt Zusammenhänge zwischen<br />

alpiner Musik und irischer<br />

Folklore, besonders hübsch in<br />

„GruyAIR“, das die Melodie<br />

von „Au pays de Gruyère“ in<br />

einen irischen Air überführt und<br />

Christian Zehnder zu gewagter<br />

Vokalartistik ermuntert. Zum<br />

Schluss werden sämtliche<br />

großorchestralen Kettenhunde<br />

von der Leine gelassen und Dave<br />

Brubecks Mega-Hit „Take Five“<br />

dient als Ausgangspunkt für<br />

das euphorisch übersprudelnde<br />

„Fake Five“, bei dem das ABO<br />

Trondheim Voices<br />

Rooms & Rituals<br />

Grappa / Galileo<br />

W W W W o<br />

Rooms & Rituals bietet Musik,<br />

die einen als HörerIn dazu<br />

bringen kann, der Welt um einen<br />

herum anders und intensiver zu<br />

lauschen: ein- und auszoomen<br />

auf bestimmte Umgebungsgeräusche,<br />

sie ineinander übergehen<br />

lassen, sich hineinsinken<br />

lassen etc. Ähnliches passiert<br />

hier in der Musik, allerdings<br />

mithilfe verfeinerter Technologie,<br />

die Klang im Live-Geschehen<br />

mehr als verformen und loopen<br />

kann. Sie kann Klang durch den<br />

Raum wandern lassen, kann ihn<br />

tiefer in den Raum projizieren<br />

oder näher herankommen lassen,<br />

und zwar so, dass jede der<br />

neun weiblichen Stimmen dies<br />

mit einem mobilen Apparat am<br />

Körper, dem Maccatrol, während<br />

der Aufführung selbst kontrollieren<br />

und verändern kann. Der<br />

Maccatrol ist eine Entwicklung<br />

des Toningenieurs Asle Karstad,<br />

der den Trondheim Voices seit<br />

Jahren als Mitglied eng verbunden<br />

ist. Mithilfe der Maccatrols<br />

können die VokalistInnen genau<br />

das in höchster Verfeinerung<br />

effektiv realisieren, was man<br />

beim mitgestaltenden Hören<br />

gerne hinkriegen würde.<br />

76 Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong>


Mit dieser Technologie sind<br />

höchst wundersame magische<br />

Räume und Klangwelten mit<br />

einer einzigartigen kosmischen<br />

Dynamik und Poesie entstanden,<br />

die ihren sorgfältig gewählten<br />

Niederschlag in den zwölf<br />

Stücken des Albums gefunden<br />

haben. Alles ist live an verschiedenen<br />

Orten aufgenommen und<br />

nicht mit Overdubs im Nachhinein<br />

bearbeitet worden. Zwei<br />

der Stücke, „Hymn“ und „Berlin<br />

Memorial“, wurden auf dem<br />

letztjährigen Berliner JazzFest<br />

bei einem Konzert in der Kaiser-<br />

Wilhelm-Gedächtniskirche<br />

aufgenommen.<br />

Henning Bolte<br />

<strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong><br />

Trio Elf & Marco Lobo<br />

The Brazilian Album<br />

Yellowbird / Soulfood<br />

W W W W<br />

Seit einiger Zeit spielt das<br />

deutsche Trio Elf mit dem Brasilianer<br />

Marco Lobo zusammen,<br />

tourt mit ihm durch Europa.<br />

Für das gemeinsame Brazilian<br />

Album konnten sie neben dem<br />

berühmten Perkussionisten<br />

gleich fünf wunderbare brasilianische<br />

Sängerinnen gewinnen,<br />

darunter Margareth Menezes,<br />

Virginia Rodriguez und Maria<br />

Gadú. Im Zentrum der Musik<br />

stehen hier die Provinz Bahia<br />

und deren vielfältige kulturelle<br />

und religiöse Strömungen, wie<br />

die von afrikanischen Wurzeln<br />

geprägte Candomble mit<br />

ihrer Orisha (Göttin) Nana. Die<br />

Candomble fußt auf den Riten<br />

der Bantu und steht von allen<br />

afrobrasilianischen Religionen<br />

den westafrikanischen<br />

Praktiken am nächsten. In ihrer<br />

rituellen Musik werden drei<br />

verschiedene Trommeln sowie<br />

pentatonische und hexatonische<br />

Tonleitern eingesetzt. Damit arbeiten<br />

hier auch das Trio Elf und<br />

Marco Lobo, verbinden diese<br />

sogar mit heutigem Drum‘n‘Bass<br />

und Dub-Momenten. Doch meist<br />

singen die fünf Sängerinnen die<br />

Texte von Roque Ferreira, Paulo<br />

Cesar Pinheiro und Milton Nascimento<br />

über Sklaverei, Mythen<br />

oder die politischen Zustände<br />

zu Zeiten der Militärdiktatur<br />

zu einem akustisch gespielten<br />

Jazz-Brasil-Konglomerat unter<br />

Verwendung des umfangreichen<br />

brasilianischen Perkussionsrepertoires.<br />

Ganz feine Fusion <strong>–</strong><br />

weit abseits der sonst häufig bei<br />

uns zu hörenden Klischees von<br />

Samba und Bossa Nova.<br />

Olaf Maikopf<br />

<strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong><br />

Tia Fuller<br />

Diamond Cut<br />

Mack Avenue / In-Akustik<br />

W W W W<br />

Bei der Art und Weise, wie die<br />

amerikanische Saxofonistin Tia<br />

Fuller sich auf der Vorder- und<br />

vor allem der Rückseite ihrer<br />

neuen CD präsentiert, müsste eigentlich<br />

jede Feministin weinend<br />

davonlaufen. Wie man mit einem<br />

sexy Image spielt, hat sie wohl<br />

von ihrer Arbeitgeberin Beyoncé<br />

gelernt, aber hier soll es ja um<br />

die Musik gehen. Und die ist über<br />

jeden Zweifel erhaben. Unterstützt<br />

wird Fuller auf Diamond<br />

Cut von den Schlagzeugern Jack<br />

DeJohnette, Bill Stewart und<br />

Terri Lyne Carrington, den Bassisten<br />

James Genus und Dave<br />

Holland sowie dem Gitarristen<br />

Adam Rogers, also der ersten<br />

Riege der US-Jazz-Szene. Den<br />

Löwenanteil der zwölf Songs<br />

hat die Saxofonistin selbst<br />

geschrieben und die drei Cover<br />

zeugen von einem exquisiten<br />

Geschmack: Mal Waldrons „Soul<br />

Eyes“ klingt sinnlich wie selten,<br />

Cole Porters „I Love You“ ist von<br />

PDF in 4c<br />

Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong> 77


Kolumne<br />

Soul Voices<br />

Michael Franks<br />

The Music in My Head<br />

Shanachie / In-Akustik<br />

W W W W<br />

Inger Marie<br />

Feels Like Home<br />

Stunt / In-Akustik<br />

W W W o<br />

José James<br />

Lean on Me<br />

Blue Note / Universal<br />

W W W W<br />

Kandace Springs<br />

Indigo<br />

Blue Note / Universal<br />

W W W W<br />

Basia<br />

Butterflies<br />

Shanachie / In-Akustik<br />

W W W o<br />

Fola Dada<br />

Earth<br />

Künstlerhafen / Edel:Kultur<br />

W W W W<br />

Ed Motta<br />

Criterion of the Senses<br />

Must Have / Membran<br />

W W W o<br />

Roger Nichols<br />

& The Small Circle of Friends<br />

Tapete / Indigo<br />

W W W W W<br />

The Music in My Head wäre<br />

auch ein passender Untertitel<br />

für diese Kolumne, ist aber der<br />

Name des achtzehnten Albums<br />

in 45 Jahren von Michael<br />

Franks. Sieben Jahre nach<br />

seinem letzten Werk Time Together<br />

macht Franks auch jetzt<br />

keine neue Musik <strong>–</strong> was in seinem<br />

Fall auch nicht nötig ist.<br />

Denn als Komponist und Sänger<br />

schuf der in der Nähe von<br />

Woodstock lebende Altmeister<br />

mit Leuten wie Ben Sidran und<br />

Jon Mark ein eigenes, „Quiet<br />

Storm“ genanntes Genre. Und<br />

so lässt er auch auf der neuen<br />

Platte R&B, Jazz-Fusion und<br />

Popmusik wunderbar miteinander<br />

flirten. Franks Melodien<br />

fließen weiterhin mühelos ins<br />

Ohr, und dazu die dezente,<br />

sanfte Dynamik, die langsamen<br />

Tempi und entspannten Rhythmen,<br />

das macht immer noch<br />

Gänsehaut.<br />

Besonders in Ostasien ist<br />

die Norwegerin Inger Marie<br />

recht populär, ihr Debüt-Album<br />

stieg dort bis an die Spitze<br />

der Jazzcharts. Was nicht<br />

verwundert, hat sie doch eine<br />

ganz eigene Stimme <strong>–</strong> dunkel,<br />

warm, herzlich und mitreißend,<br />

mal schwebend, mal rau. Auf<br />

Feels Like Home singt sie<br />

Pop- und Rock-Songs wie Otis<br />

Reddings’ „Sittin‘ on the Dock<br />

of the Bay“, aber auch Abbas<br />

„When All Is Said and Done“<br />

und „Long As I Can See the<br />

Light“ von CCR. Dieses Material<br />

verwandelt die ehemalige<br />

Bigbandsängerin mit ihren<br />

Musikern in tiefgehende, meist<br />

jazzige Interpretationen. Doch<br />

irgendwie hat man das so ähnlich<br />

schon zu häufig gehört,<br />

und darum hätte etwas Lust<br />

auf ein Wagnis sicher nicht<br />

geschadet.<br />

Einen Ruf als hervorragender<br />

Jazzsänger hat sich José<br />

James längst erworben. Mit<br />

Lean on Me bietet er seine<br />

ehrfurchtsvolle, aber weitreichende<br />

Interpretation von Bill-<br />

Withers-Klassikern wie „Ain‘t<br />

No Sunshine“, „Use Me“ und<br />

„Just the Two of Us“. Indem<br />

er Withers, der mit seinen<br />

Liedern Millionen von Herzen<br />

berührte, zwingend zeitgenössisch<br />

erforscht, offenbart<br />

er eine tiefe musikalische<br />

Wertschätzung.<br />

Prince war ein Fan der jungen<br />

Sängerin und Pianistin<br />

Kandace Springs. Auf ihrem<br />

zweiten Album Indigo bleibt<br />

sie sich einerseits treu, singt<br />

viele Midtempoballaden über<br />

klavierverankerten geschmackvollen<br />

Arrangements,<br />

bietet nun aber auch luftige<br />

Dancehall-Beats, bei „Unsophisticated“<br />

einen Auftritt des<br />

Flügelhornisten Roy Hargrove,<br />

und sogar Rachmaninoff wird<br />

kurz zitiert. In der Summe eine<br />

gelungene, verführerische und<br />

erwachsene Platte einer Musikerin,<br />

die sich ihrer Talente<br />

bewusst ist.<br />

Der brasilianisch infizierte<br />

Jazz-Pop begann nicht mit<br />

Basia und ihrer einstigen Band<br />

Matt Bianco, bereits zwanzig<br />

Jahre zuvor legten Sergio<br />

Mendes & Brasil ‚66 den<br />

Grundstein. Allerdings ist nun<br />

auf Butterflies der Jazzanteil<br />

präsenter. Die Produktion wird<br />

durch mehr akustische Elemente<br />

reduziert, der Jazz dadurch<br />

leichter identifizierbar.<br />

Was in diesem Fall „Swing“<br />

wie im Stück „Be.Bop“ bedeutet.<br />

Aber dann gibt es noch das<br />

chinesisch inspirierte Stück<br />

„Liang & Zhu“, bei dem Basia<br />

mit ostasiatischer Violine eine<br />

hübsche asiatische Stimmung<br />

kreiert.<br />

Ihre Arbeiten für Helmut Hattler<br />

und die SWR Bigband sind<br />

bekannt. Auf Earth, dem Solodebüt<br />

der nigerianisch-deutschen<br />

Jazz- und Soulsängerin<br />

Fola Dada lässt sie ihr eigenes<br />

musikalisches Herz schlagen.<br />

Zu hören gibt es erwachsen<br />

wie gleichzeitig ungemein entspannt<br />

klingende Songs, die<br />

Fola und ihr Pianist Ulf Kleiner<br />

im Spektrum zwischen Jazz,<br />

Soul, etwas Reggae bis hin zu<br />

clubtauglicher Tanzmusik im<br />

meist warmen Vintage-Soundcharakter<br />

arrangierten.<br />

Mit AOR huldigte der voluminöse<br />

Brasilianer Ed Motta vor<br />

fünf Jahren dem Genre Adult<br />

Orientated Rock und brachte<br />

anschließend ein straight jazzsouliges<br />

Album heraus. Auf<br />

Criterion of the Senses folgt er<br />

nun wieder seiner eigentlichen<br />

Leidenschaft und präsentiert<br />

Songs, die in Eleganz und<br />

Beschwingtheit mit seinem<br />

Vorvorgänger mithalten,<br />

allerdings fehlt diesmal ein<br />

zwingender Hit.<br />

Ein großer Hitschreiber war<br />

Roger Nichols, dessen Songs<br />

für The Carpenters, Dionne<br />

Warwick oder Herb Alpert<br />

auf vordersten Chartplätzen<br />

landeten. 1968 erschien mit<br />

The Small Circle of Friends auf<br />

A&M sein eigenes Album. Das<br />

ist inzwischen rar, Originale<br />

müssen teuer bezahlt werden.<br />

Da kommt die liebevoll<br />

gemachte und preiswerte<br />

Neuausgabe (natürlich auch<br />

auf Vinyl mit Bonus-Single)<br />

des Hamburger Labels Tapete<br />

genau richtig. Nun kann<br />

das initiierende Album des<br />

kalifornischen Sunshine-Pop<br />

mit den so locker pulsierenden<br />

leichten Arrangements und<br />

üppigen Gesängen, an dem die<br />

großartigen Innovatoren Van<br />

Dyke Parks und Tommi LiPuma<br />

beteiligt waren, von der nachgewachsenen<br />

Yacht-Rock-<br />

Gemeinde entdeckt werden.<br />

Olaf Maikopf<br />

78<br />

Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong>


kühler Eleganz <strong>–</strong> und so wollte<br />

Porter seine Songs auch verstanden<br />

wissen <strong>–</strong>, und den Buddy-<br />

Johnson-Song „Save Your Love<br />

Me“, den einst Nancy Wilson<br />

berühmt machte, nutzt Fuller für<br />

einfallsreiche Saxofon-Girlanden<br />

quer durch die Skalen. Das halbe<br />

Song-Dutzend, das Fuller mit dem<br />

einmaligen Rhythmus-Tandem<br />

Holland/DeJohnette eingespielt<br />

hat, ist von überragender<br />

Delikatesse <strong>–</strong> wahrlich „a dream<br />

come true“, wie die Saxofonistin<br />

in den Danksagungen auf dem<br />

Innencover der CD schwärmt.<br />

Rolf Thomas<br />

<strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong><br />

Tower of Power<br />

Soul Side of Town<br />

Artistry / In-Akustik<br />

W W W W o<br />

1968 waren viele der aufstrebenden<br />

Bläserbands, die Rock spielten,<br />

vom Jazz beeinflusst: Blood<br />

Sweat & Tears, Chicago Transit<br />

Authority, Flock und Dreams.<br />

Und dann war da noch Tower of<br />

Power, eine Band, die auf das<br />

Soul-Funk-Feeling der Mar-Keys,<br />

des James Brown Orchestra und<br />

anderer R&B-Horn-Sektionen<br />

abgestimmt war. Das Besondere<br />

an Tower of Power war die<br />

kompakte Bläserabteilung um<br />

die Saxofonisten Emilio Castillo<br />

und Stephen „Doc“ Kupka, der<br />

leidenschaftliche Gesang und<br />

der herausragende Schlagzeuger<br />

David Garibaldi. Schon auf<br />

ihrem Debüt East Bay Grease<br />

huldigte die Band sowohl dem<br />

schmierigen Oakland-Sound<br />

als auch der erdigen Seele von<br />

Memphis. Als wäre kaum Zeit<br />

vergangen, zelebrieren ToP auf<br />

ihrem 25. Album, mit dem sie<br />

in diesem Jahr ihr 50-jähriges<br />

Jubiläum feiern, eine kochende<br />

Funk-Verschmelzung von Soul,<br />

Vintage R&B, Groove, Jazz und<br />

Rock. Bestehend aus lebhaften<br />

funky und aufwendig gewobenen<br />

Songs, die eine große Bandbreite<br />

an Musikalität aufweisen,<br />

taucht Soul Side of Town in den<br />

goldenen Kanon ihrer Klassiker<br />

ein. Ein phänomenales Album mit<br />

einer unglaublichen Sammlung<br />

roher, kantiger, pausenlos groovender<br />

Melodien, das zweifelsfrei<br />

das 50-jährige Bestehen<br />

von Tower of Power rechtfertigt.<br />

Worüber Gründungsmitglied,<br />

Komponist und Saxofonist Emilio<br />

Castillo kürzlich augenzwinkernd<br />

reflektierte: „50 Jahre zusammen<br />

feiern ist wirklich eine surreale<br />

Erfahrung.“<br />

Olaf Maikopf<br />

<strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong><br />

Jan Pascal & Alexander Kilian<br />

Café del Mundo<br />

Beloved Europa<br />

GLM / Soulfood<br />

W W o<br />

Die beiden Gitarristen Jan Pascal<br />

und Alexander Killian genießen<br />

schon ein gutes Jahrzehnt lang<br />

eine ansehnliche Reputation in<br />

der europäischen Szene. Eigentlich<br />

vom Flamenco her kommend,<br />

kreuzten sich ihre Wege bereits<br />

mit Jazz-Größen wie dem<br />

Trompeter Joo Kraus und dem<br />

Saxofonisten Mulo Francel. Auf<br />

ihrem aktuellem Album Beloved<br />

Europa lassen sie sich auf eine<br />

Gratwanderung zwischen Kunst<br />

und Kommerz ein, die nicht<br />

immer gelingt. So durchzieht die<br />

ersten drei Stücke ein permanenter<br />

dumpfer Bass-Drum-Beat.<br />

Auch melodisch ist die Musik zu<br />

berechenbar, um zu überzeugen.<br />

Doch dann reißen die beiden<br />

Gitarristen in dem Track „Dance<br />

of Joy“ den Kurs herum. Da entlocken<br />

die beiden ihren Gitarren<br />

perkussive Klänge und vertrackte<br />

Rhythmen und lassen die ersten<br />

Stücke wie Aufwärmübungen<br />

erscheinen. Wie gut die beiden<br />

Musiker sind, wenn sie Pop-<br />

Klischees hinter sich lassen, wird<br />

aber erst in „Oblivion“ deutlich.<br />

Das ist Flamenco-Gitarre mit Melodien<br />

voller lyrischer Schönheit<br />

<strong>–</strong> Musik, die atmet. Auch Astor<br />

Piazzollas „Libertango“ meistern<br />

Pascal und Killian souverän. Ein<br />

weiteres Highlight ist der Gastauftritt<br />

von Rosario La Tremendita<br />

in „Una Escalera de Vidrio“.<br />

Umso problematischer erscheinen<br />

dagegen die Zugeständnisse<br />

an die Pop-Kultur in vielen<br />

anderen Stücken dieses Beloved<br />

Europa. Das ist kein Weg zu neuen<br />

künstlerischen Ufern, sondern<br />

reines Kalkül und Anbiederung<br />

an den Zeitgeschmack.<br />

Andreas Schneider<br />

<strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong><br />

Denny Zeitlin<br />

Wishing on the Moon<br />

Sunnyside / GoodToGo<br />

W W W W o<br />

Fast zehn Jahre alt ist das<br />

Material dieses Live-Albums des<br />

US-amerikanischen Pianisten,<br />

der auch als Psychiater an der<br />

University of California unterrichtet.<br />

Mitgeschnitten im Dizzy’s<br />

Club Coca Cola, dem als allseits<br />

anerkannte Institution schon seit<br />

Langem weit vor dem Blue Note<br />

rangierenden Mekka der New<br />

Yorker Jazz-Szene im Lincoln<br />

Center, dokumentiert Wishing on<br />

the Moon die bemerkenswerten<br />

Live-Qualitäten eines Klaviertrios,<br />

dessen Interplay bereits zu diesem<br />

Zeitpunkt ein Niveau erreicht<br />

hatte, von dem viele andere nur<br />

träumen. Acht Jahre bestand die<br />

Working-Band mit dem Bassisten<br />

Buster Williams und dem Schlagzeuger<br />

Matt Wilson damals schon.<br />

Dreimal kommt Zeitlin auch als<br />

Komponist zum Tragen <strong>–</strong> neben<br />

dem balladesken Titelstück mit der<br />

vierteiligen Suite „Slickrock“ und<br />

dem zwischen Funk- und Swing-<br />

Time alternierende „There and<br />

Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong> 79


Kolumne<br />

Chet Baker<br />

The Thrill Is Gone <strong>–</strong> The<br />

Complete Studio Master Takes<br />

1952-1956 (10 CDs)<br />

Le Chant du Monde / Harmonia<br />

Mundi<br />

W W W W<br />

Chet Baker<br />

Rebel at Work <strong>–</strong> The Complete<br />

Studio Master Takes 1956-1959<br />

(10 CDs)<br />

Le Chant du Monde / Harmonia<br />

Mundi<br />

W W W W<br />

Chet Baker<br />

Chet Baker Sings <strong>–</strong> The Complete<br />

Vocal Studio Recordings<br />

1953-1962 (3 CDs)<br />

Le Chant du Monde / Harmonia<br />

Mundi<br />

W W W W<br />

Die drei massiven Boxen mit<br />

zusammen 23 CDs, die in diesem<br />

30. Jahr nach Chet Bakers<br />

Tod erscheinen, umfassen das<br />

Werk des Trompeters zwischen<br />

1952 und 1959; dazu kommen<br />

„Overdub Sessions“ von 1962:<br />

Zu einigen Gesangsaufnahmen<br />

von Baker mit seinem Quartett<br />

aus den fünfziger Jahren wurden<br />

Einspielungen des Gitarristen<br />

Joe Pass hinzugefügt. Die<br />

ganze Tragik von Bakers Leben<br />

zeigt sich schon im ersten Jahrzehnt<br />

seines Schaffens. Wegen<br />

seiner Drogenabhängigkeit<br />

zerbricht die Freundschaft<br />

mit dem gleichfalls süchtigen<br />

Gerry Mulligan, der Pianist<br />

Russ Freeman verabschiedet<br />

sich aus Bakers Quartett, weil<br />

dessen Chef sich mehr für<br />

Frauen und schnelle Autos<br />

interessiert als für seine Musik;<br />

und Freemans Nachfolger Dick<br />

Twardzik wird während Bakers<br />

erster Europa-Tournee in einem<br />

Pariser Hotel mit der Heroin-<br />

Spritze im Arm tot aufgefunden.<br />

Baker selbst hatte immer<br />

Kontakt mit drogenabhängigen<br />

Kollegen gesucht und landete<br />

schon damals mehrfach sowohl<br />

in Amerika wie auch in Europa<br />

im Gefängnis.<br />

In den Liner Notes zu den<br />

drei Boxen wird das alles<br />

ausführlich erzählt. Die Musik<br />

umfasst die ersten sensationell<br />

erfolgreichen Einspielungen<br />

mit dem pianolosen Gerry<br />

Mulligan Quartet und diverse<br />

Aufnahmen von Baker-Combos<br />

in verschiedenen Besetzungen,<br />

einige davon mit Streichern (die<br />

komplette Chet Baker Sings<br />

and Plays With Bud Shank,<br />

Russ Freeman & Strings zum<br />

Beispiel). Der Großteil der<br />

Platten wurde in Los Angeles<br />

aufgenommen, aber es gibt<br />

auch schon Einspielungen aus<br />

Paris und Mailand mit europäischen<br />

Jazzmusikern. In den Boxen<br />

enthalten sind so populäre<br />

und erfolgreiche LPs wie The<br />

Chet Baker Quartet featuring<br />

Russ Freeman, Playboys mit Art<br />

Pepper, Embraceable You oder<br />

Chet Baker and His Quintet<br />

with Bobby Jaspar (die auch<br />

einmal unter dem Namen Alone<br />

Together auf dem Markt war).<br />

Zu beklagen ist in der Baker-<br />

Story, dass es keine Tonträger<br />

von seiner Arbeit mit Charlie<br />

Parker gibt. Der junge Trompeter<br />

hatte im April 1952 bei<br />

dem in Los Angeles gastierenden<br />

Großmeister vorgespielt<br />

und war anschließend eine<br />

Zeit lang als ein Nachfolger<br />

von Miles Davis Mitglied in<br />

Reissue<br />

Wonderland<br />

Back“. Zur Eröffnung stellen sie<br />

mit Cole Porters „All of You“ ihre<br />

Standardkompetenz unter Beweis<br />

und erwerben sich das Vertrauen<br />

des Publikums, das man in Pausen<br />

applaudieren hört. Als Pianist zeigt<br />

sich Zeitlin an klassischen Jazz-<br />

Vorbildern orientiert: Bill Evans,<br />

Lennie Tristano, Bud Powell. Bei<br />

aller technischen Brillanz und<br />

Raffinesse wirkt Zeitlin nie angestrengt<br />

oder exaltiert, sein Spiel<br />

niemals anstrengend oder selbstgefällig.<br />

Statt Virtuosität auszustellen,<br />

nutzt er „Sprungbretter für<br />

die Improvisation“, wie Zeitlin das<br />

nennt. Verheimlichte Klaviertrio-<br />

Sternstunde alter Schule.<br />

Harry Schmidt<br />

<strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong><br />

Lynne Arriale Trio<br />

Give Us These Days<br />

Challenge / In-Akustik<br />

W W W W<br />

Keith Jarrett und Herbie Hancock<br />

sei Dank. In jungen Jahren entdeckte<br />

die ursprünglich klassisch<br />

ausgebildete Pianistin Lynne<br />

Arriale den Jazz für sich. Die<br />

Amerikanerin kann inzwischen<br />

auf ein Vierteljahrhundert des<br />

Profi-Daseins zurückblicken. Der<br />

deutsche Vibraphonist Wolfgang<br />

Lackerschmid und der Trompeter<br />

Randy Brecker gehörten zu ihren<br />

Session-Partnern. Die Pianistin<br />

lässt sich keiner Sparte eindeutig<br />

zuordnen. Die Trio-Besetzung<br />

herrscht bei vielen ihrer Projekte<br />

vor, wird aber auch schon mal<br />

verlassen. Obwohl sie eine überaus<br />

fähige Komponistin ist, bearbeitet<br />

sie gerne Pop-Klassiker.<br />

Und so eröffnet sie ihre neue CD<br />

mit einer energetischen Version<br />

von Joni Mitchells „Woodstock“.<br />

Die Melodie wird zwar angespielt,<br />

ist aber eigentlich nur ein<br />

Sprungbrett für die lebendigen<br />

solistischen Interaktionen, in denen<br />

besonders Drummer Jasper<br />

van Hulten den Trio-Sound mit<br />

einer guten Portion Rock-Power<br />

würzt. Im Songbook anderer Leute<br />

rumzustöbern ist aber nur eine<br />

Nebenbaustelle von Arriale. Das<br />

Stück „Appassionata“ wird von<br />

Drummer van Hulten im rasanten<br />

Dreivierteltakt angeschoben.<br />

Es entfaltet in seiner Melodik<br />

und Rhythmik ein regelrecht<br />

andalusisches Temperament.<br />

Lobenswert, wie die Musikerin<br />

ihren beiden Mitstreitern dabei<br />

stets Raum für eigene Improvisationen<br />

lässt. Leichtgewichtige<br />

Klänge wie in „Finding Home“<br />

wechseln sich ab mit modalen<br />

Stimmungsbildern wie dem<br />

Titelsong. „Slightly off Center“<br />

ist im Gegensatz dazu erdiger<br />

bluesiger Swing, den die Band<br />

mit viel Spielfreude umsetzt. Hier<br />

brilliert Bassist Jasper Somsen.<br />

Lediglich die Umsetzung des<br />

Beatles-Klassikers „Let It Be“<br />

fällt etwas unspektakulär nach<br />

unten ab. Ansonsten ist Give Us<br />

These Days ein vitales Jazz-<br />

Statement.<br />

Andreas Schneider<br />

<strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong><br />

Sungjae Son<br />

Near East Quartet<br />

ECM / Universal<br />

W W W W<br />

ECM goes East! Seit 2009 ist<br />

das Near East Quartet treibende<br />

Kraft in Koreas kreativer Musikszene.<br />

Sungjae Son, Saxofonist<br />

und Bassklarinettist der Band,<br />

und Gitarrist Suwuk Chung<br />

trafen sich im Ausland, als die<br />

beiden Koreaner in Boston<br />

studierten. Musikalisch lagen sie<br />

weit auseinander, da der Saxofonist<br />

zu der Zeit total im Bebop zu<br />

Hause war, der Gitarrist dagegen<br />

in Fusion und Third Stream.<br />

Unter anderem gehörte George<br />

Russell zu seinen Lehrern. Erst<br />

als beide wieder nach Korea<br />

80 Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong>


Parkers Quintett. Das brachte<br />

dem Neuen auch den Respekt<br />

der Hardcore-Jazzgemeinde.<br />

Baker wurde popstarhaft<br />

bekannt, weil er sich auch als<br />

Sänger profilierte. Dabei hatte<br />

der Trompeter eine flache,<br />

zerbrechliche Stimme. Die<br />

aber konnte er ebenso sicher<br />

einsetzen wie sein Instrument.<br />

Der Produzent Dick Bock hatte<br />

den „rising star“ zum Singen<br />

animiert; er versprach sich<br />

davon maximalen Erfolg beim<br />

weiblichen Publikum. So kam<br />

es auch, zudem wurde Baker<br />

ein Idol der Gay Community.<br />

Später ermöglichte die Singerei<br />

Baker Konzerte und Tourneen,<br />

als er seine Trompete wegen<br />

seiner Zahnprobleme nur<br />

begrenzt spielen konnte.<br />

Weil er in den USA als eine<br />

Art Drogenkrimineller aus dem<br />

Geschäft war, verdiente der<br />

Amerikaner seit den sechziger<br />

Jahren seinen Lebensunterhalt<br />

vorwiegend in Europa. Es gastierte<br />

oft mit kaum bekannten<br />

Begleitmusikern in Kellerclubs<br />

in Holland, Italien, Deutschland<br />

und Skandinavien. Die Zeit der<br />

großen Gagen war vorbei. Beim<br />

Auftritt im Hamburger „Onkel<br />

Pö“ 1979 nächtigte der Musiker<br />

im bescheidenen „Motel Hamburg“<br />

in der Hoheluftchaussee.<br />

Wegen seiner Unzuverlässigkeit<br />

und seines Gesundheitszustands<br />

gab es kaum noch große<br />

Konzerte und Platteneinspielungen<br />

mit dem umherirrenden<br />

Amerikaner. Denkbar riskant<br />

waren denn auch die Voraussetzungen<br />

für den Termin Ende<br />

April 1988 in Hannover. Zur<br />

Probe mit der NDR Bigband und<br />

dem Rundfunkorchester Hannover<br />

war Baker nicht erschienen.<br />

Aber zum Konzert tauchte er<br />

plötzlich auf und spielte wie in<br />

seinen besten Tagen. Es war<br />

der Abgesang eines tragischen<br />

Helden.<br />

Zwei Wochen später, am 18.<br />

Mai 1988, stürzte Chet Baker<br />

aus dem 3. Stock des Amsterdamer<br />

Prins Hendrik Hotels.<br />

Bis heute ist ungeklärt: War er<br />

im Drogenrausch aus seinem<br />

Zimmer gefallen? Wollte er sein<br />

Leben beenden? Oder hatte<br />

ihn gar jemand gestoßen? Die<br />

letzte Möglichkeit war nicht<br />

ausgeschlossen. Denn der<br />

ständig verschuldete Musiker<br />

war immer wieder in gewaltsame<br />

Auseinandersetzungen mit<br />

Dealern verwickelt. 1966 hatte<br />

er dabei die Vorderzähne eingebüßt.<br />

Über eine zusätzliche<br />

Todes-Variante rätselt Michael<br />

Laages in den Liner Notes zum<br />

Album Chet Baker at Onkel Pö’s<br />

Carnegie Hall, das im letzten<br />

Jahr auf Jazzline erschienen<br />

ist: „Vielleicht ist er aber auch<br />

an der Regenrinne emporgeklettert,<br />

als ihn die Herberge<br />

rausgeschmissen und er seine<br />

Trompete im Zimmer vergessen<br />

hatte.“<br />

Hans Hielscher<br />

PDF in 4c


Kolumne<br />

The Tiger Lillies<br />

Corrido de la<br />

Sangre<br />

Misery Guts / Cargo<br />

W W W W W<br />

Botticelli Baby<br />

Junk<br />

Unique / Cargo<br />

W W W W o<br />

pure desmond<br />

Audrey<br />

Herbie Martin /<br />

Edel:Kultur<br />

W W W W o<br />

Szirmais Fermaten<br />

Als Fan zweiter<br />

Stunde der britischen<br />

Vaudeville-<br />

Punker The Tiger<br />

Lillies um Sänger,<br />

Songschreiber, Akkordeon-,<br />

Klavier-,<br />

Harmonika-, Orgel-,<br />

Ukulele- und Gitarrenspieler<br />

Martyn<br />

Jacques ist mir seit<br />

etwa zwanzig Jahren<br />

jede ihrer bis<br />

zu drei Veröffentlichungen<br />

per anno<br />

schwarzhumorige<br />

Sternstunde,<br />

intellektuelle Stimulanz und<br />

musikalisches Freudenfest in<br />

einem. Das gilt auch für das<br />

jüngste Konzeptalbum Corrido<br />

de la Sangre, mit dem sich<br />

das Trio des mexikanischen<br />

Tages der Toten annimmt <strong>–</strong> in<br />

bester Storyteller-Tradition<br />

per perfektioniertem Zweieinhalbminüter.<br />

Auch wenn die<br />

Platte mit ungewohnt zartem<br />

Varieté-Sound eröffnet, nehmen<br />

die lateinamerikanischen<br />

Ferien der „Hauskapelle der<br />

Hölle“ in ihrer Inkarnation<br />

als Los Flores del Tigre bald<br />

schon eine Wendung zum<br />

Schlechtmöglichsten: Im Alter<br />

ego des verwaisten 12-jährigen<br />

Akkordeonisten, der sich<br />

in schmuddeligen Bars eine<br />

Rinde Empanada zu erspielen<br />

trachtet, bevor er samt einem<br />

ebenso verlorenen Mariachi-<br />

Trompeter zur Belustigung<br />

des lokalen Drogenbarons<br />

engagiert wird, auf dessen<br />

Hacienda er sich später<br />

unsterblich in die Gefangene<br />

Maria verlieben soll. Verflucht<br />

von einem alten Mütterchen,<br />

verfängt er sich in einem<br />

unentrinnbaren Intrigennetz<br />

<strong>–</strong> bis die Stunde der Rache<br />

naht und man gewiss sein<br />

kann, dass der Tag der Toten<br />

wörtlich zu nehmen ist. Wie<br />

so oft, besingen die Tiger<br />

Lillies auch hier die Verlierer<br />

der Gesellschaft und ihre<br />

Mittel: Von der Eingangszeile<br />

„Welcome to the circus“ bis<br />

zum bitteren Ende entfesselt<br />

Jaques Four-Letter-Wordreiche<br />

Nachtmahr-Szenen<br />

voller Liebe und Lust, Hölle<br />

und Verdammnis, Tod und<br />

Teufel, Prostitution und Sucht,<br />

Gewalt und (Selbst-)Mord,<br />

sekundiert von der von Bassund<br />

Euphonium-Spieler Adrian<br />

Stout gerührten Singenden<br />

Säge und dem stoischen<br />

Rhythmus Andreas Winters.<br />

Botticelli Baby verströmen<br />

auf Junk heißen Gipsy-Swing-<br />

Funk, der klingt, als hätte<br />

man dem Electric Ballroom<br />

den Stecker gezogen, ohne<br />

jedoch Dezibel und Duracell-<br />

Beat auch nur im Mindesten<br />

zu reduzieren, derweil ein<br />

Shouter, der sich nicht zu<br />

entscheiden vermag, ob er<br />

jetzt Bluesman oder Punk sein<br />

will, seine Lakonien entspinnt.<br />

Doch ist es nicht der Gegensatz<br />

zwischen anachronistischen<br />

Django-Reinhardt-<br />

Sounds und zeitgenössischer<br />

Lyrik, der die Faszination des<br />

nordrhein-westfälischen<br />

Septetts ausmacht. Es ist der<br />

ungebremste Druck einer<br />

sich zur gefühlt 20-köpfigen<br />

Balkan-Brass-Band aufplusternden<br />

Kapelle, die zu einem<br />

Tanzgelage animiert, an<br />

dessen Ende nur Prügeleien<br />

und Schnapsleichen stehen<br />

können. Tatsächlich scheint<br />

sich das Publikum zu Stücken<br />

wie „Tout abus sera puni“ die<br />

Seele aus dem Leib und das<br />

Bier aus der Hand zu pogen,<br />

bevor mit der tigerlillieesken<br />

Varieté-Nummer „I<br />

Don’t Want to Cry“, der als<br />

Murder Ballad à la Nick Cave<br />

und PJ Harvey getarnten<br />

„Romance of the Robin“ oder<br />

dem sinnlich-synkopierten<br />

„Cremate Me“ ruhigere<br />

Töne angeschlagen werden,<br />

bis auch diese vom allzeit<br />

bereiten Orkestar gekapert<br />

werden, dessen wahnwitziger<br />

Highspeed, im Wechsel mit<br />

whiskygeschwängerten Tom-<br />

Waits-Klagen, in „Lucilla“<br />

gipfelt.<br />

Gleich mit den federleichten<br />

Sambarhythmen von<br />

„Desmond Time“ läutet das<br />

Cool-Jazz-Quartett pure desmond<br />

ein Album ein, das die<br />

Nicht-Geschichte von Dave-<br />

Brubeck-Quartet-Altsaxofonist<br />

Paul Desmond und Schauspielerin<br />

Audrey Hepburn zum<br />

romantischen Verwirrspiel mit<br />

südamerikanischem Flair werden<br />

lässt. Da wäre etwa das<br />

girlfromipanemaeske „Ondine<br />

on 46th Street“, das erzählt,<br />

wie Desmond in den Columbia<br />

Studios immer genau dann<br />

eine Pause einlegte, wenn<br />

diese auch von der in der<br />

Nähe arbeitenden Hepburn<br />

zu erwarten war, damit er ihr,<br />

ohne auch nur je ein Wort an<br />

sie zu richten, beim Rauchen<br />

zusehen konnte. Plötzlich<br />

aber verfolgt er sie doch mit<br />

mehr als nur den Augen („The<br />

Chase“) <strong>–</strong> und zwar erfolgreich,<br />

wie der „Jitterburg<br />

Waltz“ zu beweisen scheint,<br />

hernach „Punch“ Zweifel sät,<br />

ob der Hochzeitswalzer nicht<br />

doch bloß ein schöner Traum<br />

war. War er, gibt „Desperate<br />

Desmond“ eine Antwort, die<br />

dem balladenpräferierenden<br />

Musiker sicherlich gefallen<br />

hätte, derweil es „Easy Going“<br />

versteht, die einer unerwiderten<br />

Liebe innewohnende<br />

Schönheit hervorzukehren.<br />

Trügerische Nähe vermittelt<br />

ein Kinogang („Melancholy<br />

on Broadway“), kongenial<br />

heraufbeschworen durch die<br />

Morricone-Adaption „Cinema<br />

Paradiso“, während die<br />

Unwirklichkeit evozierende<br />

Interpretation von John Cages<br />

minimalistischem „Dream“<br />

das Gefühl einfängt, aus dem<br />

dunklen Saal ans Tageslicht zu<br />

treten. Selbst zu Wort kommt<br />

der „Take Five“-Komponist mit<br />

dem titelgebenden Album-<br />

Highlight, verpackt in trügerisch<br />

leichten Tanztee-Groove,<br />

bis das swingende „Gotta<br />

Dance“ das vorsichtig optimistische<br />

Fazit zieht, das sich mit<br />

einem nicht auf diesem Album<br />

befindlichen Paul-Desmond-<br />

Titel am besten ausdrücken<br />

lässt: „Glad to Be Unhappy“.<br />

Victoriah Szirmai<br />

zurückgekehrt waren und einen<br />

Gig zusammen spielten, fanden<br />

sich die Instrumentalisten <strong>–</strong><br />

und wollten etwas total Neues<br />

ausprobieren. So gründeten sie<br />

die Band Near East Quartet, und<br />

2015 kamen sowohl die Sängerin<br />

Yulhee Kim als auch die Schlagzeugerin<br />

Soojin Suh dazu.<br />

Kraft- und stimmungsvoll startet<br />

die CD, im ersten Stück bekommt<br />

man eine klare Vorstellung,<br />

warum ECM auf das Near East<br />

Quartet „abfährt“, eine große<br />

klangliche Nähe zu den monumentalen<br />

Soundscapes aus<br />

Skandinavien ist nicht von der<br />

Hand zu weisen. „Ewha“ lässt<br />

Soojin Suh am Schlagzeug geradezu<br />

explodieren, die verzerrten<br />

Gitarrensounds unterstützen den<br />

druckvollen Groove. Kommt der<br />

Gesang dazu, wird die Musik<br />

leiser, durchsichtiger. Es ist gut,<br />

dass die Texte der traditionellen<br />

Volkslieder im Booklet nachzulesen<br />

sind. Das Near East<br />

Quartet bietet eine interessante<br />

Mischung aus improvisiertem<br />

Jazz und traditionellen koreanischen<br />

Volksliedern. Der einzige<br />

Wermutstropfen der CD: Nach 36<br />

Minuten ist die Klangfülle schon<br />

wieder vorbei.<br />

Angela Ballhorn<br />

<strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong><br />

Hiromi & Edmar Castaneda<br />

Live in Montreal<br />

Telarc / In-Akustik<br />

W W W W<br />

Eigentlich gehört sie zu der Sorte<br />

Musiker, vor denen man flieht,<br />

denn die japanische Pianistin<br />

Hiromi ist eine ausgewiesene<br />

Virtuosin, die das auch gern in<br />

wieselflinken Fusionklängen<br />

demonstriert. Aber da sie das<br />

mit viel Charme tut und wohl<br />

auch einfach nicht anders kann,<br />

muss man sie lieben (ähnlich wie<br />

man endloses Gitarrengegniedel<br />

normalerweise meidet und nur<br />

82 Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong>


von Jerry Garcia liebt). Die gute<br />

Nachricht: Beim Jazzfestival<br />

Montreal war nix Fusion, stattdessen<br />

trat Hiromi im Duo mit<br />

dem kolumbianischen Harfen-<br />

Virtuosen Edmar Castaneda an.<br />

Da haben sich zwei gefunden:<br />

Hiromi und Castaneda saßen<br />

sich Aug’ in Aug’ gegenüber <strong>–</strong><br />

wie Cover-Fotos belegen <strong>–</strong> und<br />

gaben dem Affen Zucker. „For<br />

Jaco“ (dreimal darf man raten,<br />

wem das gewidmet ist) klingt<br />

geradezu avantgardistisch, und<br />

neben eigenen Stücken, darunter<br />

Hiromis (über)ambitionierte<br />

Suite „The Elements“, gibt’s<br />

einen Titel von John Williams<br />

und als Zugabe eine rauschhafte<br />

und berauschende Fassung von<br />

Astor Piazzollas „Libertango“.<br />

Encore!<br />

Rolf Thomas<br />

<strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong><br />

Swingnummern, in denen Sco<br />

durch geschmeidige Sololinien <strong>–</strong><br />

mit interessanten Reminiszenzen<br />

an alte Jazzgrößen <strong>–</strong> wie auch<br />

durch ganz ungewöhnliche<br />

Soloverläufe mit unnachahmlichem<br />

Sound begeistert. Was<br />

diese Besetzung auszeichnet, ist<br />

die große dynamische Bandbreite,<br />

in der die vier miteinander<br />

spielen. Die Stücke können<br />

sparsam dezent beginnen, sich<br />

aber mit viel Energie ins Forte<br />

aufbauen. Lässig laidback, zupackend<br />

swingend oder jazzrockig<br />

mit coolem Retro und Gospel-<br />

Elementen: Die neue Combo<br />

von Sco macht Spaß. Herausragend<br />

sind „I‘m Sleeping In“,<br />

das trotz wirklich einschläfernd<br />

langsamen Tempos nicht zum<br />

Einschlafen taugt, und „King of<br />

Belgium“, ein wunderschönes<br />

Bebop-Thema in großer Leichtigkeit<br />

<strong>–</strong> John Scofield schlägt<br />

ein neues Kapitel in seiner schon<br />

sehr umfassenden musikalischen<br />

Geschichte auf.<br />

Angela Ballhorn<br />

<strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong><br />

auf Our Story ist der Pianist<br />

Laszlo Gardony, ein Alleskönner,<br />

der schon 1983 den Schritt von<br />

Europa nach Amerika machte.<br />

Johannes Weidenmüller (Bass),<br />

seit 1991 in den USA, und Jeff<br />

Hirshfield (Drums), ein echter<br />

New Yorker, komplettieren das<br />

Quartett. Als Gast in drei Stücken<br />

ist die Mezzosopranistin Elena<br />

McEntire mit dabei. Ob es nun<br />

an der europäischen Herkunft<br />

liegt, an der Verwurzelung in<br />

der Klassik, an buddhistischer<br />

Philosophie oder dem Instrument<br />

Flöte: Artmanns Musik<br />

hat auf jeden Fall etwas sehr<br />

Eigenes, Beherrschtes, Virtuos-<br />

Kontrolliertes <strong>–</strong> eine besondere,<br />

gewollte Ästhetik. Zuweilen<br />

erinnert die Kombination Flöte/<br />

Klavier bzw. Flöte/Stimme sogar<br />

an alte Aufnahmen von Chick<br />

Corea.<br />

Hans-Jürgen Schaal<br />

<strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong><br />

John Scofield<br />

Combo 66<br />

Verve / Universal<br />

W W W W<br />

Schon Udo Jürgens sang „Mit 66<br />

Jahren, da fängt das Leben an“,<br />

und das Wort Ruhestand kennt<br />

ein Jazzmusiker sowieso nicht.<br />

John Scofield hat jedenfalls<br />

keine Probleme mit seinem<br />

Alter. Der Albumtitel Combo 66<br />

verweist auf das aktuelle des<br />

Gitarristen, den man am ersten<br />

Ton erkennt. In neun Stücken<br />

zeigt er sich sprühend vor<br />

Energie, Einfallsreichtum und<br />

Witz. Begleitet wird er dabei von<br />

Gerald Clayton an Klavier und<br />

Orgel, Vicente Archer am Bass<br />

und Bill Stewart am Schlagzeug.<br />

Die Eigenkompositionen<br />

sind ausgewogen aufgeteilt<br />

in ausgetüftelte Themenköpfe<br />

mit komplexen Harmonien<br />

(wie zum Beispiel im „Combo<br />

Theme“) oder bleiben Jambandmäßig<br />

auf einem Akkord stehen.<br />

Auffällig ist der hohe Anteil an<br />

Christian Artmann<br />

Our Story<br />

Sunnyside / GoodToGo<br />

W W W W<br />

Der typische Jazzmusiker ist<br />

er nicht. Als Teenager kam<br />

Christian Artmann erstmals in<br />

die USA und brillierte dort als<br />

klassischer Flötist <strong>–</strong> erst später<br />

entdeckte er den Jazz für sich.<br />

Inzwischen lebt er in New York<br />

und veröffentlichte 2011 sein<br />

Debütalbum als Jazzer. Sein<br />

klassisch geschultes Flötenspiel<br />

ist natürlich technisch frappierend,<br />

der stimmungsvolle Einsatz<br />

der dunklen Altflöte bezaubernd.<br />

Artmanns „visionäre“ Stücke<br />

überspannen ein stilistisch<br />

weites Feld zwischen Claude<br />

Debussy, Edeljazz und sanftem<br />

Funk. Sein wichtigster Partner<br />

Mark Turner / Ethan Iverson<br />

Temporary Kings<br />

ECM / Universal<br />

W W W W<br />

Welch schöner, selbstironischer<br />

Titel in einer Zeit, die dem Jazz<br />

schon längst keine Könige mehr<br />

beschert. Eigentlich hätte es<br />

gar keines Titels bedurft, denn<br />

die Namen der beiden Musiker<br />

sind schon Programm. Die Musik<br />

hält auch hundertprozentig, was<br />

Saxofonist Mark Turner und<br />

Pianist Ethan Iverson versprechen.<br />

Es ist ein mit allerhöchster<br />

Spielkultur produziertes Stück<br />

Kammermusik, das sich zwar<br />

in seiner Anlage in keiner<br />

Weise auf Jazz oder klassische<br />

Moderne festlegen will, in seiner<br />

Umsetzung und Klangästhetik<br />

aber deutlich in Richtung Jazz<br />

tendiert. Trotz europäischer<br />

Referenzen entstand aus dem<br />

Material eine zutiefst amerikanische<br />

Platte. Der Zitate gibt es<br />

Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong> 83


Literatur<br />

1957 begleitete der Fotograf Jerry Dantzic (1925 <strong>–</strong> 2006) eine<br />

Woche lang Billie Holiday. Seine bisher unveröffentlichten<br />

Fotos der Sängerin liegen nun erstmalig als Buch vor.<br />

Von Arne Reimer<br />

Sugar Hill nennt sich nicht nur ein Viertel in Harlem, sondern<br />

es gab in den 1950er Jahren auch einen Jazzclub mit diesem<br />

Namen in Newark, New Jersey. Dort hingen Plakate an den<br />

Wänden, die bevorstehende Konzerte ankündigten: Buck Clayton,<br />

Max Roach, Hank Jones, Jutta Hipp, Bobby Jaspar, Horace<br />

Silver, Randy Weston, Cecil Payne und Big Maybelle. Für die<br />

Osterwoche im April 1957 wurde Billie Holiday engagiert.<br />

Vielleicht wäre es eine Konzertwoche wie jede andere<br />

gewesen, hätte nicht der Fotojournalist Jerry Dantzic sie mit<br />

seiner Kamera begleitet. Er war von der Firma Decca beauftragt<br />

worden, ein Foto von Billie Holiday für ein Schallplattencover<br />

anzufertigen. So fotografiert er sie nicht nur jeden Abend<br />

während ihrer Auftritte, bei denen sie unter anderem von Paul<br />

Quinichette begleitet wird, sondern er darf ihr auch in die<br />

Garderobe folgen, wo sie sich schminkt, ihre Haare in Form<br />

bringt und sich von ihrem neuen Ehemann Louis McKay mit<br />

dem Reißverschluss ihres Kleides helfen lässt. Immer dabei ist<br />

Holidays kleiner Hund, ein Chihuahua, den sie „Pepi“ nannte.<br />

Dantzic dokumentiert mit seiner Kamera glücklicherweise<br />

auch all diese Momente abseits des Konzerts. Holiday gibt Fans<br />

Autogramme und verkauft für fünf Dollar ihre Autobiografie<br />

Lady Sings the Blues, die ein Jahr zuvor erschienen ist. Nach<br />

ihrem Konzert, während die Dame an der Kasse die Einnahmen<br />

zählt, sitzt sie im leeren Saal, raucht eine Zigarette und nimmt<br />

noch einen Drink. Die Fotos von Jerry Dantzic zeigen auf intime<br />

Weise den Alltag während dieser Konzertwoche. Holiday lacht<br />

viel, es scheint ihr gut zu gehen, auch als sie die Familie Dufty<br />

mit ihrem Patenkind besucht. William Dufty war Co-Autor ihrer<br />

Autobiografie.<br />

Die meisten dieser 100 Fotos waren bisher unveröffentlicht<br />

und sind nun erstmalig in einem schönen Buch zu bewundern,<br />

überwiegend in Schwarz-Weiß, wenige in Farbe. Dantzic folgte<br />

der Sängerin auch noch zu ihrem Auftritt beim Jazzfestival auf<br />

Randall’s Island. Eines jener Bilder wurde schließlich von Decca<br />

für The Blues Are Brewin’ verwendet. Sein Honorar betrug<br />

25 Dollar und 75 Cent.<br />

Jerry Dantzic: Billie Holiday at Sugar Hill.<br />

Thames & Hudson, London 2017,<br />

144 Seiten, 30 Euro<br />

Jerry Dantzic<br />

Abseits des<br />

Konzerts<br />

jede Menge, einige mit großem<br />

Respekt vor der Historie, andere<br />

mit dem kecken Augenzwinkern<br />

von Königen auf Zeit. Der Saxofonist<br />

und der Pianist nehmen<br />

sich Zeit und lassen auch jedem<br />

einzelnen Ton die Zeit, die er<br />

braucht. Es geht um ein Er- und<br />

Verklingen im durch unsere<br />

Erinnerung gekrümmten Raum.<br />

Dabei spricht es für das entspannte<br />

Selbstverständnis von<br />

Turner und Iverson, dass sie trotz<br />

der getragenen Grundstimmung<br />

von Anfang bis Ende eine unaufdringliche<br />

Heiterkeit bewahren,<br />

die einen sanften Hauch von<br />

Broadway-Atmosphäre schafft.<br />

Wolf Kampmann<br />

<strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong><br />

Jean Michel Pilc<br />

Parallel<br />

Challenge / In-Akustik<br />

W W W<br />

Der 1960 geborene Franzose<br />

brachte sich das Piano-Spiel<br />

selbst bei und wurde in der<br />

Pariser Szene ein Begriff durch<br />

seine Zusammenarbeit etwa mit<br />

dem Drummer Aldo Romano und<br />

dem Klarinettisten und Saxofonisten<br />

Michel Portal. Durch die<br />

geografische Lage und seine<br />

Kultur brachte Frankreich immer<br />

schon eigenständige Impulse in<br />

den Jazz ein. Trotz oder gerade<br />

wegen dieser Eigenständigkeit<br />

erregte Pilc zunehmend die<br />

Aufmerksamkeit der amerikanischen<br />

Jazz-Szene. Marcus<br />

Miller, Michael Brecker oder Roy<br />

Haynes <strong>–</strong> sie alle waren bereits<br />

musikalische Weggefährten<br />

des Pianisten. Seine aktuelle<br />

CD stellt eine echte Herausforderung<br />

an die Aufmerksamkeit<br />

des Zuhörers dar. Der Musiker<br />

zieht alle Register seines<br />

Instruments, das über zwei CDs<br />

ausschließlich solo zu hören<br />

ist. Beim Zuhören ergeben sich<br />

viele Assoziationen: Michel<br />

Petrucciani, McCoy Tyner, Keith<br />

Tippett und Cecil Taylor <strong>–</strong> bis<br />

hin zu Ausflügen in die zeitgenössische<br />

Musik. Eingängige<br />

Melodien wechseln sich hier<br />

mit Clustern und avantgardistischen<br />

Ausflügen manchmal in<br />

Minutenschnelle ab. Die beiden<br />

zentralen Monsterstücke „Cells<br />

Part 1 / Part 2“ schicken den<br />

Zuhörer durch ein Labyrinth von<br />

Stilwechseln, bevor die Suite<br />

zum Ende hin fast mit einschmeichelnden<br />

Melodien endet. Der<br />

Großteil der 27 Stücke wurde<br />

von Pilc selbst komponiert.<br />

Wenn dann wie in „Footprints“,<br />

„Days of Wine and Roses“ oder<br />

„Someday My Prince Will Come“<br />

der Meister ein paar alte Jazz-<br />

Klassiker radikal umbaut, wird<br />

das Erkennen der ursprünglichen<br />

Melodie ein Ratespaß. Allerdings<br />

verkommt die Musik dann zum<br />

rein akademischen Vergnügen.<br />

Andreas Schneider<br />

<strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong><br />

BROM<br />

Cardboard Sea<br />

Tiger Moon Records<br />

W W W o<br />

BROM ist wieder unterwegs.<br />

Tenorsaxofonist Alexander<br />

Beierbach hat zusammen mit<br />

seinen jahrelangen Bandkollegen<br />

Jan Roder am Bass und<br />

Christian Marien ein neues<br />

Album eingespielt. Das Berliner<br />

Trio lotet die verschiedenen<br />

Möglichkeiten des Saxofontrios<br />

aus. Die Kompositionen<br />

stammen beinahe ausnahmslos<br />

von Beierbach, und es zeigt sich,<br />

dass das Trio im Laufe der Jahre<br />

noch vertrauter und eingespielter<br />

wurde. Doch nicht nur<br />

Wohlklang und gutes Zusammenspiel<br />

prägen Cardboard Sea,<br />

es darf im Kontrabass auch mal<br />

scheppern, es gibt keine Angst<br />

vor hässlichen Kratzgeräuschen.<br />

Auch am Schlagzeug darf es<br />

84 Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong>


knirschen und poltern, während<br />

das Saxofon alle spielerischen<br />

Mittel bis hin zu Multiphonics<br />

ausreizt. Die Kompositionen<br />

haben starke Themen, oft im<br />

Unisono von allen dreien vorgetragen.<br />

Munter swingend geht<br />

der Titeltrack los und lädt zum<br />

Fingerschnippen ein, während<br />

andere Stücke sperriger und wesentlich<br />

schwieriger zugänglich<br />

sind. Die einzige Coverversion<br />

des Albums, „Le Deserteur“<br />

von Boris Vian und Harold Berg,<br />

bringt die Qualität des Trios<br />

auf den Punkt, ausgeklügelt ist<br />

die Ausdrucksstärke der drei<br />

Musiker auf ihren Instrumenten,<br />

die sich durch verschiedene<br />

Dynamiken arbeiten, von ganz<br />

leise und durchsichtig bis massiv<br />

laut. BROM weist ja auf die<br />

Anfangsbuchstaben der Musikernachnamen,<br />

gerne wird auch<br />

auf das chemische Element mit<br />

der Ordnungszahl 35 verwiesen<br />

<strong>–</strong> die ursprüngliche Bedeutung<br />

aus dem griechischen: βρῶμος,<br />

brômos, „Gestank“, kann ich in<br />

dem Trio nicht finden…<br />

Angela Ballhorn<br />

<strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong><br />

Ken Thomson<br />

Sextet<br />

New Focus / Al!ve<br />

W W W W W<br />

Der amerikanische Holzbläser<br />

Ken Thomson gehört zu den<br />

profiliertesten Grenzgängern<br />

zwischen Neuer Musik und Jazz.<br />

Mit den Bang on a Can All-Stars<br />

interpretiert er Werke von Glass,<br />

Nancarrow, Nyman, Reich oder<br />

Riley, im Quartett Gutbucket bläst<br />

er heftigen Punk-Jazz, und in seinem<br />

Crossover-Ensemble Slow/<br />

Fast versucht er diese beiden<br />

Welten miteinander zu verknüpfen.<br />

Nun hat er Slow/Fast sogar<br />

zum Sextett vergrößert, zwei<br />

weitere Bläser sind hinzugekommen,<br />

und die blastechnischen<br />

Herausforderungen sind gewaltig.<br />

Ken Thomson (as), Anna Webber<br />

(ts), Russ Johnson (tp) und<br />

Alan Ferber (trb) meistern hier<br />

Partituren, wie man sie so virtuos<br />

im Jazz selten hört. Den rasanten<br />

Jazzdrive unter den freitonal boppenden,<br />

raffiniert verflochtenen<br />

Bläserthemen besorgen Adam<br />

Armstrong (b) und Daniel Dor (dr).<br />

Thomsons Album orientiert sich<br />

obendrein an einem Jazzklassiker,<br />

nämlich der Platte Monk’s<br />

Music, die 1957 ebenfalls mit<br />

vier Bläsern eingespielt wurde.<br />

Während Monk sich damals mit<br />

der Hymne „Abide with Me“ als<br />

Opener zufriedengab, hat Thomson<br />

aber gleich die „Passacaglia<br />

Ungherese“ von György Ligeti für<br />

Bläserquartett arrangiert. Er ist<br />

einfach ein Gipfelstürmer.<br />

Hans-Jürgen Schaal<br />

PDF in 4c<br />

<strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong><br />

Johannes Bigge Trio<br />

Imago<br />

nWog / Edel:Kultur<br />

W W o<br />

Mit Lehrern wie Richard Beirach<br />

und Michael Wollny kann der<br />

gebürtige Berliner Johannes<br />

Bigge auf prominente Vorbilder<br />

verweisen, die auch in seiner<br />

Musik Spuren hinterlassen<br />

haben. Die Presse-Informationen<br />

über den Pianisten führen<br />

allerdings ein bisschen in die<br />

Irre. Neben Klassik und Jazz<br />

war nach eigenen Worten<br />

Popmusik ein wichtiger Einfluss<br />

für den Musiker. Nein, „poppig“<br />

oder eingängig ist diese Musik<br />

nicht. Den Kompositionen fehlen<br />

dafür griffige Melodien. Dafür<br />

überzeugen Bigge und Co.<br />

durchaus mit klanglicher und<br />

harmonischer Erfindungsgabe.<br />

Ein Stück wie „Irrlicht“ lebt von<br />

seinen Brüchen. Lyrisches und<br />

Skurriles wechseln sich hier stetig<br />

ab. Die Formation orientiert<br />

sich am kompakten Gesamtklang.<br />

Solistische Einlagen sind<br />

selten. Manchmal wünscht man<br />

sich etwas mehr Akzente von<br />

Drummer Moritz Baumgärtner<br />

und Bassistin Athina Kontous,<br />

die immerhin „Soil“ mit treibend<br />

funkigen Bassläufen einleitet.<br />

Sensible Zwischentöne wie<br />

„Come Home“ werten die zweite<br />

Hälfte von Imago immerhin<br />

noch etwas auf. Besonders die<br />

beiden Schlussstücke „Wogen“<br />

und „Labyrinth“ leben von dynamischen<br />

Interaktionen zwischen<br />

Kontou, Baumgärtner und Bigge.<br />

Drummer Baumgärtner darf<br />

im letzten Stück gut aus sich<br />

rausgehen. Insgesamt ist Imago<br />

eine Platte, die sich nicht so gut<br />

beim oberflächlichen Konsum<br />

erschließt. Das Potenzial dieser<br />

Musik wird erst deutlich bei<br />

mehrmaligem Hören. Bei allen<br />

interessanten Ansätzen krankt<br />

die Platte allerdings auch an<br />

den nicht immer gelungenen<br />

Kompositionen Bigges.<br />

Andreas Schneider<br />

<strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong><br />

Orchestre Tout Puissant Marcel<br />

Duchamp<br />

Sauvage Formes<br />

Bongo Joe / Broken Silence<br />

W W W o<br />

Das allmächtige Orchester Marcel<br />

Duchamp übt sich auf seinem<br />

vierten Album immer noch<br />

an einer sagenhaften Mischung<br />

aus westafrikanischem Soul<br />

und Funk <strong>–</strong> ein erklärtes Vorbild<br />

der Band ist das legendäre<br />

Orchestre Poly-Rythmo de Cotonou<br />

aus Benin, das sich auch


Tonspuren<br />

gerne „Tout Puissant“ nannte<br />

<strong>–</strong>, Easy Listening mit Punkund<br />

Pop-Appeal und einem<br />

Ethno-Jazz, der sich jeglichen<br />

Genre-Zuordnungen widersetzt.<br />

Auf „Sous Mes Yeux“ klingt die<br />

Sängerin wie Sally Timms, die<br />

einst die Mekons vom Punk zu<br />

lichten Country-Folk-Gefilden<br />

führte; ein Stück wie „Across<br />

the Moor“ lebt dagegen von<br />

einer hypnotischen Bassfigur<br />

und entzückend schrägem Satzgesang.<br />

Was Marcel Duchamp,<br />

der Wegbereiter von Dada<br />

und Surrealismus, damit zu tun<br />

haben soll, erschließt sich zum<br />

Glück überhaupt nicht, ist aber<br />

auch egal. Mit dem Bandwurm-<br />

Namen, der für Menschen<br />

außerhalb des französischen<br />

PDF 4c<br />

Sprachraums zudem noch ein<br />

nahezu unüberwindlicher Zungenbrecher<br />

ist, tut sich die Band<br />

sowieso keinen Gefallen <strong>–</strong> aber<br />

auch das dürfte dem vierzehnköpfigen<br />

Kollektiv wohl ziemlich<br />

egal sein. Produziert hat die<br />

krude Mischung übrigens John<br />

Parish, der auch schon PJ<br />

Harvey und die Eels (fast) massentauglich<br />

machte <strong>–</strong> vielleicht<br />

setzt sich das Großensemble um<br />

die sagenhaft gute Marimba-Fee<br />

Anne Cardinaud damit endlich<br />

durch. Wäre schön.<br />

Rolf Thomas<br />

<strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong><br />

Ola Kvernberg<br />

Steamdome<br />

Grappa / Galileo<br />

W W W W<br />

In jener Tugend, dass ein<br />

professioneller Musiker<br />

möglichst vieles können sollte,<br />

scheint sich der Norweger<br />

Ola Kvernberg anscheinend<br />

selbst immer noch übertreffen<br />

zu wollen. Nicht nur ist<br />

er in zahllosen Projekten und<br />

Stilrichtungen unterwegs, er<br />

spielt darüber hinaus auch mal<br />

Violine, Viola, Hammondorgel,<br />

Gitarre, Schlagzeug bis hin<br />

zum Theremin, und dies allein<br />

auf seiner jüngsten Platte: Hier<br />

steht in Septett-Besetzung<br />

nichts als die pralle Spielfreude<br />

auf dem Programm. Dabei<br />

bringen die Musiker in ihrer<br />

Gesamtheit noch viel mehr Instrumente<br />

zum Einsatz. Reisen<br />

wir mit auf einem bunt schillernden<br />

fliegenden Teppich,<br />

sausen dynamisch durchs<br />

Klanguniversum und kreisen<br />

haushoch über irgendwelchen<br />

Stilschubladen <strong>–</strong> heißen<br />

sie nun Fusion, Prog- oder<br />

Krautrock oder was auch immer.<br />

Ganz richtig verstanden:<br />

Solistisch oder im Kollektiv<br />

machen sich diese Spieler<br />

daran, solche Genres neu zu<br />

definieren: Drauflossolieren,<br />

heiße Ritte über weitgespannte<br />

Ostinati zu absolvieren und<br />

viel improvisatorische Fantasie<br />

aus pentatonischen Tonfolgen<br />

oder morricone-affinen Melodien<br />

zu schöpfen. Ein dickes<br />

Kompliment verdient auch die<br />

Geschmeidigkeit, mit der der<br />

Bandleader sein elektrifiziertes<br />

Violinspiel in den brodelnden<br />

Strömen aufgehen lässt <strong>–</strong> und<br />

doch mit hoher melodischer<br />

Präsenz die Strippen dabei<br />

zieht.<br />

Stefan Pieper<br />

Im Jazz kamen Duos in den<br />

siebziger Jahren auf und<br />

waren genau genommen<br />

schon ein Zeichen der Krise<br />

des Genres. Produzenten<br />

und Veranstalter haben die<br />

Besetzung geliebt, denn sie<br />

war preisgünstig. Da ACT-Chef<br />

Siggi Loch auch ein kreativer<br />

Pragmatiker ist, hat er schon<br />

seit Längerem eine Duo-Reihe<br />

im Programm.<br />

Der italienische Trompeter und<br />

Flügelhornist Paolo Fresu und<br />

der schwedische Bassist und<br />

Cellist Lars Danielsson finden<br />

schnell eine gemeinsame<br />

Basis. „Autumn Leaves“, Komedas<br />

„Sleep Safe and Warm“<br />

(aus dem Soundtrack von<br />

Rosemary’s Baby) und Bachs<br />

„Wachet auf, ruft uns die Stimme“<br />

gehören zu den Stücken,<br />

auf die sie sich einigen konnten.<br />

Daneben hat ein knappes<br />

Dutzend Originale den Weg auf<br />

Summerwind gefunden. Beide<br />

Musiker sind lyrische Klangmaler,<br />

und so nimmt uns die<br />

eigentümliche Atmosphäre, die<br />

sie kreieren, schnell gefangen<br />

und wir lauschen gebannt den<br />

fünfzehn Songs, die selten länger<br />

als drei Minuten dauern <strong>–</strong><br />

Fresus „Drexciya“ wird sogar<br />

in 1:48 abgehandelt. Doch in<br />

der Kürze liegt die Würze, das<br />

weiß auch Loch, der die Platte<br />

produziert hat. Makellos der<br />

Klang, berückend die Musik <strong>–</strong><br />

was will man mehr.<br />

Rolf Thomas<br />

<strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong><br />

<strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong><br />

Terje Isungset<br />

Suites of Nature<br />

All Ice / Galileo<br />

W W W o<br />

Danielsson / Fresu<br />

Summerwind<br />

ACT / Edel:Kultur<br />

W W W W<br />

Solo-CD mit Schlagzeug und<br />

allen möglichen Arten von<br />

Perkussionsinstrumenten,<br />

das liest sich erst mal nicht<br />

so spannend. Stein, Wald, Be-<br />

86<br />

Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong>


Kolumne<br />

Billy F Gibbons<br />

The Big Bad Blues<br />

Concord / Universal<br />

W W W W<br />

James Harman<br />

fineprint<br />

Electro-Fi<br />

W W W W<br />

Curtis Salgado & Alan Hager<br />

Rough Cut<br />

Alligator / In-Akustik<br />

W W W o<br />

Shemekia Copeland<br />

America’s Child<br />

Alligator / In-Akustik<br />

W W W W<br />

Elvin Bishop’s Big Fun Trio<br />

Something Smells Funky<br />

‘Round Here<br />

Alligator / In-Akustik<br />

W W W W o<br />

Joe Bonamassa<br />

Redemption<br />

Provogue / Mascot / Rough Trade<br />

W W W o<br />

Mojo Makers<br />

Songs for the Sirenes<br />

Jazzhaus / In-Akustik<br />

W W<br />

Jon Cleary<br />

Dyna-Mite<br />

Thirty Tigers / Al!ve<br />

W W W W<br />

Tony Joe White<br />

Bad Mouthin’<br />

Yep Roc Records / H’art<br />

W W W W<br />

Paul Rodgers<br />

Free Spirit<br />

Quarto Valley Records / H’art<br />

W W W<br />

The Magpie Salute<br />

High Water I<br />

Provogue / Mascot / Rough Trade<br />

W W o<br />

Billy F Gibbons! Bei diesem<br />

Namen denkt man sofort an<br />

lange Rauschebärte, coole<br />

Sonnenbrillen und lärmende<br />

E-Gitarren. ZZ Top eben. Aber<br />

Billy kann auch anders. Mit<br />

seinem zweiten Soloalbum für<br />

Concord geht’s zurück zu den<br />

Wurzeln. Billy bedient sich<br />

u.a. am musikalischen Erbe<br />

von Muddy Waters <strong>–</strong> wie bei<br />

„Standing Around Crying“ mit<br />

viel Slide-Gitarre im typischen<br />

Stil des 1983 verstorbenen Kings<br />

des Chicago Blues. Hier und da<br />

greift Gibbons zur Harp. Diesen<br />

Job übernimmt aber meistens<br />

James Harman.<br />

Von diesem Mundharmonika-<br />

Meister gibt’s auch ein neues<br />

Album. Er spielt und singt auf<br />

fineprint in wechselnden Besetzungen<br />

Blues, Jump, Shuffle<br />

und Western Swing, teilweise<br />

schon vor Jahrzehnten aufgenommen<br />

und jetzt ausgegraben.<br />

Darunter sind auch rare Tracks<br />

mit dem Gitarristen Nathan<br />

James und dem 1999 verstorbenen<br />

Jazz-Kontrabassisten<br />

Buddy Clark. Eine Empfehlung.<br />

Die Rückbesinnung auf die<br />

Blues-Tradition kommt an. Der<br />

Harpspieler Curtis Salgado und<br />

der Gitarrist Alan Hager haben<br />

für Rough Cut Klassiker von<br />

Muddy Waters, Elmore James,<br />

Sonny Boy Williamson II, Son<br />

House, Robert Wilkins und Big<br />

Bill Broonzy (wieder-)entdeckt.<br />

Das Duo samt Combo zeigt, dass<br />

alte Zwölftakter nicht ausgelutscht<br />

sein müssen.<br />

Als America’s Child fühlt sich die<br />

Sängerin Shemekia Copeland.<br />

Direkt beim Opener liest sie ihrem<br />

Land die Leviten: „Ain’t Got<br />

Time for Hate“. Die Tochter des<br />

1997 in New York verstorbenen<br />

Gitarristen Johnny Copeland<br />

pendelt zwischen Blues, Soul<br />

und Rock. Von ihrem Vater<br />

stammt die etwas schmalzige<br />

Ballade „Promised Myself“, bei<br />

der Steve Cropper (The Original<br />

Blues Brothers Band) die<br />

Gitarre spielt. Bei „Great Rain“<br />

bricht die 39-Jährige im Duett<br />

mit dem Folk-Barden John Prine<br />

zu einem musikalischen Trip in<br />

den „alten“ Süden der USA auf.<br />

Auch Produzent Will Kimbrough<br />

steigt auf den Aufnahmen ein <strong>–</strong><br />

an Gitarre und Orgel.<br />

Elvin Bishop (voc/g) ist mit<br />

75 ein erfahrener Bluesrock-<br />

Routinier. „Something Smells<br />

Funky ‘Round Here“ heißt der<br />

Titelsong der aktuellen Platte,<br />

mit der sein Big Fun Trio die US-<br />

Politik unter Donald Trump auf<br />

die Schippe nimmt. Bob Welsh<br />

(p/org/g) und Willy Jordan (voc/<br />

cajón) komplettieren das Trio,<br />

das nicht nur mit Good-Time-<br />

Music („Bob’s Boogie“) Spaß<br />

bereitet, sondern auch in die<br />

Blues-Welt abtaucht <strong>–</strong> wie bei<br />

„My Soul“ und verstärkt durch<br />

den Zydeco-Akkordeonisten<br />

Andre Thierry.<br />

„Deep in the Blues Again“<br />

begibt sich auch Joe Bonamassa<br />

auf seinem 13. Studioalbum.<br />

Dieser Song steht für die<br />

Richtung, die Joe Bonamassa<br />

bei Redemption einschlägt. Herausragend:<br />

„Love Is a Gamble“<br />

von T-Bone Walker. Bei diesem<br />

Blues Time<br />

Slow-Blues glänzt Joe durch<br />

lange, aber abwechslungsreiche<br />

Gitarrenläufe. Dazu passen<br />

mitreißende Bläser-Riffs.<br />

Die dänischen Mojo Makers<br />

um Kasper Osman (voc/g) und<br />

Kristian Hoffmann (g) kommen<br />

mit ihren Songs of the Sirens<br />

heraus. Die versprechen nicht<br />

gerade Blues. Aber einige Titel<br />

klingen so. Wie „Bless My<br />

Soul“ und „The Pearl Made of<br />

Amatyst”, die gar an Worksongs<br />

erinnern. „You Got Me Blinded“<br />

und „An Apology Song“ orientieren<br />

sich an alten Blues-Vorbildern.<br />

Akustisch gespielt, aber<br />

sehr gekünstelt. Der Sound kann<br />

auf Dauer nerven. Da sollte man<br />

lieber die Originale des Country<br />

Blues hören. Pluspunkte für das<br />

Booklet mit den Texten.<br />

Eine geballte Ladung R&B<br />

steckt in Dyna-Mite von Jon<br />

Cleary. Der Titelsong ist eine<br />

Funk-Nummer mit wirkungsvollen<br />

Bläser-Arrangements. Das<br />

lädt bei Partys zum Tanzen ein.<br />

Der britische Keyboarder, der<br />

vor allem in New Orleans wirkt,<br />

schrieb alle zehn Tracks selbst.<br />

„21st Century Gypsy Singing<br />

Lover Man“ komponierte er mit<br />

Taj Mahal, der bei dieser Soul-<br />

Ballade dazustößt.<br />

Ungewöhnlich für den alten<br />

Swamp-Rocker Tony Joe White:<br />

Sein Album Bad Mouthin‘ ist<br />

durch und durch Blues <strong>–</strong> und<br />

handgemacht, ohne viel Beiwerk.<br />

Der Sänger und Gitarrist<br />

bringt Eigenes und covert<br />

Charley Patton, Jimmy Reed,<br />

Lightnin‘ Hopkins und John Lee<br />

Hooker. Elvis Presleys „Heartbreak<br />

Hotel“ klingt bei White<br />

recht archaisch. Elvis hatte<br />

einst Whites Hit „Polk Salad<br />

Annie“ übernommen.<br />

Das Blues-Revival in den 60ern<br />

prägte ihn. Als Rocksänger<br />

machte Paul Rodgers dann<br />

Karriere, aber er interessierte<br />

sich weiterhin für die Väter<br />

des Blues. Auf seinem jüngsten<br />

Album Free Spirit ist er in<br />

Quintett-Besetzung live in der<br />

Londoner Royal Albert Hall zu<br />

hören und zu sehen (auf der<br />

DVD). Paul hat viel Soul. Auch<br />

bei „The Hunter“, einem alten<br />

Hit von Booker T. & the M.G.‘s<br />

bei Stax in Memphis, kommt das<br />

rüber. Für Fans der Rock- und<br />

Pop-Ikone ist das Album wohl<br />

ein Muss.<br />

Noch einen Abstecher in den<br />

Southern Rock: Die Stärke der<br />

US-Band The Magpie Salute<br />

auf High Water I sind nur eigene<br />

Titel, meistens laut und mit<br />

einigen Blues-Anklängen. Die<br />

fünf bärtigen Herren kündigen<br />

für 2019 High Water II an.<br />

Martin Feldmann<br />

Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong> 87


Kolumne<br />

Schaal<br />

ganz Ohr<br />

Áron Tálas Trio<br />

Little Beggar<br />

BMC / Note 1<br />

Livio Minafra & Roland<br />

Neffe<br />

Campo Armónico<br />

Quinton / Galileo<br />

Marcin Masecki & Jerzy<br />

Rogiewicz<br />

Ragtime<br />

BMC / Note 1<br />

Aus Ungarn kommt der<br />

Pianist Áron Tálas und<br />

erinnert uns daran, dass Jazz<br />

vor allem eine Rhythmus-<br />

Musik ist. Ja, dieses Album<br />

groovt und groovt. Schon<br />

dass ein Pianotrio mehr<br />

schnelle als langsame Stücke<br />

spielt, grenzt heute ja fast<br />

an eine Sensation. Fast eine<br />

Sensation ist auch, dass der<br />

27-Jährige in vital boppenden<br />

Single-Note-Läufen durch die<br />

Harmonien kurvt. Die Stücke<br />

heißen „Hendersong“, „Ke-<br />

Bop“, „Chicken Run“ <strong>–</strong> da hat<br />

einer trotz der großen Musiktradition<br />

seines Heimatlandes<br />

nicht ganz vergessen, wo die<br />

Wiege des modernen Jazz<br />

stand. Im Trio mit dem Bassisten<br />

Jószef Barcza Horváth<br />

<strong>–</strong> er ist der Nestor der Band <strong>–</strong><br />

und dem Schlagzeuger Attila<br />

Gyárfás erforscht Tálas viel<br />

rhythmisches Gelände zwischen<br />

Swing und Latin. Und<br />

zuweilen basteln sich die drei<br />

auch ein bizarres Kaleidoskop<br />

aus Stilparodien zusammen.<br />

Eine wirklich erfrischende<br />

Entdeckung.<br />

Der Pianist Livio Minafra ist<br />

der Sohn eines Jazztrompeters<br />

und einer klassischen<br />

Cembalistin. Seit 2009 hat er<br />

ein technisch virtuoses Duo<br />

mit Roland Neffe am Laufen,<br />

dem Berliner Vibrafonisten<br />

aus Österreich. Klavier<br />

und Vibrafon <strong>–</strong> da wartet<br />

natürlich ein perkussives<br />

Abenteuer, und zusätzliche<br />

Klangfarben (Melodica,<br />

Marimbafon usw.) ergänzen<br />

noch Pep und Emotion.<br />

Zwischen südländischem<br />

Tanz-Temperament, Balkan-<br />

Figuren und raffinierter<br />

Neuer Musik entwickeln sich<br />

rhythmische Etüden, beinahe<br />

Visionen einer mechanistischen<br />

Welt <strong>–</strong> technisch komplex,<br />

aber unwiderstehlich.<br />

Stücktitel wie „Adrenalin“,<br />

„Boomerang“, „Raindrops“<br />

und „Tarantella“ verraten<br />

den rhythmischen Furor. In<br />

vier Live-Stücken wird das<br />

italienisch-österreichische<br />

Duo außerdem ergänzt<br />

durch den Franzosen Michel<br />

Godard, der an Tuba, Serpent<br />

und Bassgitarre seine interessanten,<br />

warmen Akzente<br />

setzt. Sternminuten!<br />

Zum Schluss führt unsere<br />

Europareise nach Polen. Pianist<br />

Marcin Masecki gehört<br />

dort zu den renommiertesten<br />

Freigeistern. Seinen Alben<br />

gibt er gerne griffige Titel<br />

wie Mazurki, Polonezy oder<br />

Scarlatti. Nun also Ragtime<br />

<strong>–</strong> das ist die Musik, die ihn<br />

als Neunjährigen erstmals<br />

für den Jazz begeistert hat.<br />

Masecki spielt den Ragtime<br />

heute allerdings auf ganz<br />

eigene Weise <strong>–</strong> das hat<br />

nichts von Nostalgie an<br />

sich, sondern ist augenzwinkernde<br />

Avantgarde mit<br />

Understatement. Pianistisch<br />

ganz reduziert, nur vom<br />

Schlagzeuger Jerzy Rogiewicz<br />

begleitet, verfremdet<br />

und dekonstruiert Masecki<br />

den guten, alten Rag-Drive<br />

und lässt dabei Assoziationen<br />

an kaputte Spieluhren<br />

aufkommen. Altbekannte<br />

Ragtime-Stücke gibt es nicht<br />

zu hören, aber immerhin zwei<br />

frühe Jazz-Standards, die<br />

schon ein Thelonious Monk<br />

gerne mit schräg-humorigem<br />

Stride verballhornt hat <strong>–</strong> von<br />

dort weht hier der Wind.<br />

„Monk wäre stolz auf ihn“,<br />

heißt es im Begleittext. „Und<br />

er würde zu Maseckis Ragtimes<br />

sogar tanzen.“<br />

Hans-Jürgen Schaal<br />

wegung und Reflexionen sind<br />

die Themen, mit denen sich<br />

Schlagzeuger Terje Isungset<br />

für sein Projekt beschäftigt<br />

hat. Zu jedem Themenkomplex<br />

hat er mehrere, nicht weiter<br />

benannte Titel eingespielt.<br />

„The Essence of the Stones“<br />

wurden die ersten sechs Stücke<br />

überschrieben, und man<br />

hört abgeriebene, beklopfte<br />

und geschlagene Steine, vermischt<br />

mit allem möglichen anderen<br />

Geräuschen, die sich in<br />

einem langen Hall verbinden.<br />

Der stammt übrigens aus dem<br />

Emanuel Vigeland Mausoleum<br />

in Oslo, das die Musik mit diesem<br />

absolut atemraubenden<br />

12-Sekunden-Hall verzaubert.<br />

In der Natur, wie der CD-Titel<br />

vermuten lässt, wurde nicht<br />

aufgenommen. Terje Isungset<br />

verleiht Gegenständen eine<br />

Stimme. Steine, Gongs, Maultrommel<br />

<strong>–</strong> er arbeitet mit den<br />

unterschiedlichsten Sounds.<br />

Und gibt allen Tönen, Geräuschen<br />

und Klängen die Gelegenheit,<br />

sich zu entwickeln,<br />

baut im Hall ganze Klangpyramiden<br />

auf. Suites of Nature<br />

ist eine sehr atmosphärische<br />

CD, allerdings kein Album, das<br />

man nebenher hören sollte.<br />

Nur im konzentrierten Zuhören<br />

erschließen sich die kompletten<br />

Klangwelten.<br />

Angela Ballhorn<br />

<strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong><br />

Anat Cohen & Fred Hersch<br />

Live in Healdsburg<br />

Anzic / GoodToGo<br />

W W W W<br />

Fred Hersch Trio<br />

Live in Europe<br />

Palmetto / Rough Trade<br />

W W W W W<br />

Als Chronist der Werke des<br />

unermüdlichen Fred Hersch<br />

hat man zu tun. Schon die<br />

Liste seiner Kollaborationen<br />

auf Augenhöhe wird lang und<br />

länger. 2016 duettierte Hersch<br />

mit der grandiosen Klarinettistin<br />

Anat Cohen beim Festival<br />

im kalifornischen Healdsburg.<br />

Die beiden Improvisatoren<br />

befinden sich in springlebendigem<br />

Dialog und sind derart<br />

miteinander im Flow, dass<br />

es relativ unerheblich ist, ob<br />

sie sich Eigenkompositionen<br />

oder Klassiker wie „Mood<br />

Indigo“ oder „Jitterbug Waltz“<br />

hernehmen, um ihre große Improvisationskunst<br />

und Spiellust<br />

auszuleben. Der Gig riss live<br />

nicht nur das Publikum mit,<br />

sondern ist auch als kristallklarer<br />

Mitschnitt ein echter<br />

Genuss.<br />

Das Zuhause von Herschs<br />

Bandmusik ist jedoch sein<br />

langjähriges Trio. Wer dessen<br />

neues Album in Händen hält,<br />

weiß, warum <strong>–</strong> im gewissen,<br />

aber besten Sinne ist es der<br />

verlängerte Arm des Pianisten.<br />

Niemand versteht ihn besser<br />

als Bassist John Hébert und<br />

Eric McPherson am Schlagzeug.<br />

Monk (hier „We See“<br />

als Opener und Encore „Blue<br />

Monk“) darf bei keinem von<br />

Herschs Liveauftritten fehlen,<br />

doch letztlich lassen seine<br />

eigenen Stücke ihm und<br />

seinen Kollegen die größte<br />

dialogische Freiheit, so z.B. auf<br />

„Snape Maltings“ oder dem<br />

kollektiv frei schwingenden<br />

„Skipping“. Und Fred liebt<br />

Hommagen. „Bristol Fog“ ist<br />

sein lyrisches Chapeau vor<br />

John Taylor, „Newklypso“<br />

zwinkert Sonny Rollins zu,<br />

und mit „The Big Easy“ lässt<br />

Hersch die amerikanische Musik<br />

und einen ihrer genauesten<br />

Beobachter, Tom Piazza, hochleben.<br />

Prädikat „großartig“.<br />

Jan Kobrzinowski<br />

88 Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong>


Die Hörbucht<br />

E i n f a l l s l o s<br />

Einfallslosigkeit muss schlimm sein.<br />

Etwa wenn man das Intro für eine<br />

Kolumne schreiben will, ja muss,<br />

einem aber so gar nichts Passendes<br />

in den Sinn kommt <strong>–</strong> außer vielleicht<br />

etwas Selbstreferenzielles. Schreiben<br />

über das Schreiben mit nichts in der<br />

Tasche, niente. Deadline, literally.<br />

Schlimm. Oder man stelle sich vor, bei<br />

einer Jamsession versiegen plötzlich<br />

die Ideen. Free Jazz interruptus.<br />

Kein Interplay, sogar die Reaktionen<br />

weg, alles vorgeformt und stereotyp,<br />

so gar nichts Neues, kein Esprit. Call<br />

ohne Response. Lähmende Leere.<br />

Schlimm. Oder man macht „irgendwas<br />

mit Humor“, vielleicht in Zeiten,<br />

als der Begriff „Comedy“ noch keine<br />

üble Nachrede war, aber Charme und<br />

Pointen bewegen sich zusammen mit<br />

der Phantasie auf der Nulllinie. Wie<br />

beruhigend wäre es da, wenn einem<br />

ein kreativer Gigant wie Robert Gernhardt<br />

die Gags schreiben könnte. Ein<br />

sprudelnder Quell des Abseitigen und<br />

der guten Laune. Die Versöhnung von<br />

Holzhammer und Poesie. Schön. Jodelahiti!<br />

In der Hörbucht … Björn Simon<br />

F.C. Delius<br />

Die Zukunft der Schönheit<br />

Parlando / Argon<br />

W W W W<br />

Albert Ayler<br />

Music Is the Healing Force of<br />

the Universe<br />

Jazzwerkstatt<br />

W W W W W<br />

Die Like a Dog<br />

Fragments of Music, Life and<br />

Death of Albert Ayler<br />

Jazzwerkstatt<br />

W W<br />

Voller Sogkraft erzählt F.C. Delius<br />

eine Geschichte von der Dynamik<br />

zwischen Vater und Sohn, bei der<br />

die Musik von Albert Ayler, mit der<br />

der Protagonist der Geschichte<br />

zufällig in einer New Yorker Bar<br />

konfrontiert wird, eine wichtige<br />

Rolle beim Erkenntnisgewinn<br />

spielt. Aylers Musik hilft dem<br />

namenlosen Erzähler, dem<br />

Christian Brückner seine Stimme<br />

leiht, das Verhältnis zu seinem<br />

Vater ins rechte Licht zu rücken.<br />

Aylers Musik wirkt also befreiend,<br />

und so wird sie auch von allerlei<br />

Experten in die Jazzgeschichte<br />

eingeordnet.<br />

Wie der Zufall es will, sind gerade<br />

zwei CDs wieder herausgekommen,<br />

die Aylers Musik feiern. Die<br />

eine ist von Ayler selbst, heißt kurioserweise<br />

Music Is the Healing<br />

Force of the Universe, enthält<br />

aber nicht dieses letzte Studio-<br />

Album Aylers, sondern stattdessen<br />

die Live-Aufnahme, die auch<br />

unter dem Namen Live at Slug’s<br />

Saloon veröffentlicht wurde<br />

(wen Jazzwerkstatt-Zampano<br />

Ulli Blobel mit dieser Charade<br />

verwirren will, ist unklar) und eine<br />

der besten Live-Aufnahmen von<br />

Ayler überhaupt ist. Er spielt 1966<br />

seine Parade-Stücke „Ghosts“,<br />

„Bells“, „Our Prayer“ und „Truth<br />

Is Marching In“, und zwar mit<br />

Bruder Donald an der Trompete<br />

sowie dem Geiger Michael Sampson,<br />

dem Bassisten Lewis Worrell<br />

und dem Schlagzeuger Ronald<br />

Shannon Jackson. Dass er <strong>–</strong> auch<br />

für Delius <strong>–</strong> als Free-Jazz-Wüterich<br />

gilt, ist ein Missverständnis,<br />

das sich lange gehalten hat. Doch<br />

wie Diedrich Diederichsen einst<br />

in Der lange Weg nach Mitte<br />

ganz richtig schrieb: „Albert Ayler<br />

hatte die musikalische ‚Befreiung‘<br />

immer mit dem Aufgehen<br />

in konventionelle Kollektivismen<br />

verbunden, vor allem Märsche<br />

und Spirituals“. Davon hat<br />

Peter Brötzmann, der sich seit<br />

Jahrzehnten als Aylers Nachlassverwalter<br />

aufspielt, aber keine<br />

Ahnung, denn der Mann ist ja<br />

nicht in der Lage, einen Marsch<br />

oder gar ein Spiritual zu spielen.<br />

Das wird auch in der 25 Jahre<br />

alten Aufnahme Fragments… von<br />

Brötzmanns Band Die Like a Dog<br />

deutlich, in der sogar der Spiritual<br />

„St. James Infirmary“ zitiert wird<br />

<strong>–</strong> allerdings nicht von Brötzmann,<br />

sondern von Trompeter Toshinoro<br />

Kondo. Brötzmann kann halt nur<br />

draufloshupen, und das tut er<br />

auch hier exzessiv. Unterstützt<br />

wird er dabei <strong>–</strong> neben Kondo <strong>–</strong><br />

von Hamid Drake und William<br />

Parker, die dem Geist Albert<br />

Aylers aber vergeblich hinterherrennen.<br />

Mirela Onel<br />

<strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong> <strong>–</strong><br />

Otto Waalkes<br />

Kleinhirn an alle<br />

Random House Audio / Edel:Kultur<br />

W W W W W<br />

„Der Papst soll Selbstmord<br />

begangen haben. Naja, wenn<br />

man sich beruflich verbessern<br />

kann…“ Mit solchen, wenn auch<br />

meist nicht ganz so bösen, Kalauern,<br />

vor allem aber mit seiner<br />

unvergleichlichen Körpersprache<br />

trat Otto Waalkes <strong>–</strong> eigentlich hat<br />

ihm immer der Vorname gereicht<br />

<strong>–</strong> ab 1973, als die erste Otto-Show<br />

im Fernsehen ausgestrahlt wurde<br />

<strong>–</strong> übrigens nur einmal im Jahr <strong>–</strong>,<br />

seinen unvergleichlichen Siegeszug<br />

an. Berühmter als Otto kann<br />

man in Deutschland nicht werden.<br />

Und womit? Mit Recht (um einmal<br />

Heinz Erhardt zu zitieren, neben<br />

Jerry Lewis eines der wenigen<br />

Vorbilder des Ostfriesen).<br />

Wer mehr über Deutschlands<br />

„Lachmann der Nation“ (DER<br />

SPIEGEL) wissen will, kann seit<br />

Frühjahr zu dessen Autobiografie<br />

Kleinhirn an alle greifen, und wer<br />

damit noch gewartet hat, kann<br />

sich nun mit Ottos gleichnamigem<br />

Hörbuch vergnügen. „Die<br />

große Otto-Biografie“, wie das<br />

Hörbuch im Untertitel heißt, ist so<br />

witzig, dass man ab und zu die CD<br />

anhalten muss, und so ergreifend,<br />

dass man manchmal gar<br />

mit den Tränen kämpfen muss,<br />

denn Ottos Leben hatte auch<br />

peinliche und traurige Momente,<br />

die er keineswegs auslässt <strong>–</strong> das<br />

würde ja auch nicht zu diesem<br />

freimütigen Charakter passen.<br />

Aus seiner Nähe zur Neuen<br />

Frankfurter Schule hat Otto nie ein<br />

Hehl gemacht, vom Dreigestirn<br />

Robert Gernhardt, Pit Knorr und<br />

Bernd Eilert, die ihn von Anfang<br />

an mit Texten versorgt haben, ist<br />

das größte Talent, der Dichter,<br />

Satiriker und Zeichner Gernhardt,<br />

leider schon seit Langem verstorben.<br />

Edo Reents hebt in der FAZ<br />

vom 21. Juli <strong>2018</strong> anlässlich Ottos<br />

70. Geburtstag auf die „Gefallsucht“<br />

ab, die in seiner Autobiografie<br />

eine große Rolle spiele und<br />

die voraussetze, dass jemand<br />

„gar nicht anders kann“. Um dann<br />

ganz richtig zusammenzufassen:<br />

„Es wäre deswegen ein Irrtum,<br />

Otto für eine ‚Figur‘ zu halten. Es<br />

gibt nur diesen einen Otto, der so<br />

viel in sich birgt (…).“<br />

Otto, „Deutschlands Komischster“<br />

(wiederum die FAZ), ist eben kein<br />

Komiker, er spielt keine Rolle<br />

wie Atze Schröder oder Dieter<br />

Nuhr, er ist einfach, was er ist,<br />

und wie befreiend das für die<br />

deutsche Gesellschaft nicht nur<br />

der siebziger Jahre gewesen ist,<br />

davon erzählt Kleinhirn an alle<br />

quasi nebenbei. Der Einzige, der<br />

ihm die Rolle als „Deutschlands<br />

Komischster“ jemals streitig<br />

machen konnte, nämlich Loriot,<br />

hat sie mit ganz anderen Mitteln<br />

ausgefüllt.<br />

Rolf Thomas<br />

Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong> 89


LIVE<br />

powered by<br />

Ystad Sweden Jazz Festival<br />

Ystad<br />

© Py Paavolainen<br />

Von Frithjof Strauß. Ob<br />

Jazzstück oder Krimi <strong>–</strong> Festivalleiter<br />

Jan Lundgren und<br />

Camilla Ahlgren, Co-Autorin<br />

der TV-Serie Die Brücke und<br />

Mit-Erfinderin von Kommissarin<br />

Saga Norén, sind<br />

sich einig: Der gute Einfall<br />

kommt als Blitz, aber dann<br />

muss man um Strukturen in<br />

der Durchführung kämpfen.<br />

Beide sprechen in einer<br />

Frühstücksplauderei über die<br />

Grundlagen ihrer Kreativität.<br />

Dabei hat Ahlgren familiäre<br />

Beziehungen zum Jazz; sie ist<br />

mit Stan Getz’ schwedischer<br />

Ehefrau verwandt. Lundgren<br />

berichtet, dass er Musik<br />

für zwei Wallander-Folgen<br />

geschrieben habe, die aber in<br />

der deutschen Fassung von<br />

den Produzenten rausgekickt<br />

wurde. Nun sei die Zeit reif für<br />

Symbiosen von Jazz und Krimi,<br />

sinnieren beide.<br />

Die reale Polizei in Ystad<br />

jagt derweil Bratwurstbrutzler,<br />

denn wegen Brandgefahr in<br />

der Sommerhitze gilt Grillverbot.<br />

Eben dieses Klima,<br />

verbunden mit der Kleinstadtidylle,<br />

dem Meer, der<br />

gemütlichen Lebensart und<br />

der smoothen Musik nageln<br />

mich gleich im ersten Konzert<br />

auf ein Wort fest, das den<br />

Haupteindruck des Festivals<br />

beschreibt: Verklighetsextas.<br />

Der Pianist Martin Berggren<br />

benutzt es, um seinen in<br />

Vaterfreude entstandenen<br />

„Waltz of Joy“ anzukündigen.<br />

Ein Jubel, der eben nicht aus<br />

90 Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong> Nils Petter Molvaer


© Markus Fagersten<br />

der Wirklichkeit heraustritt,<br />

sondern auf ihrem Erleben<br />

basiert, sie aufsaugt. Genau<br />

diese Freude feiern am Abend<br />

The Manhattan Transfer in<br />

ihrem Vocalese zu Clifford<br />

Browns „Joy Spring“.<br />

Ebenso den Jubel besingt<br />

Gunnar Erikssons Chor zur Musik<br />

Lars Gullins <strong>–</strong> er wäre 90<br />

geworden <strong>–</strong> mit biblischen und<br />

klassischen Texten, u.a. dem<br />

Hohelied. Die Legenden Georg<br />

Riedel (84) und Jan Allan (83),<br />

beide Sidemen Gullins, verleihen<br />

dem Projekt den authentischen<br />

Sound des Swedish<br />

Modern Jazz der 50er.<br />

Erzschwedisch ist dabei auch<br />

die Religionsauffassung eines<br />

frohen Christentums, das allzu<br />

starke Jenseitsbezüge durch<br />

Hingabe an die Schönheit des<br />

Irdischen ablenkt <strong>–</strong> Wirklichkeitsekstase!<br />

In umgekehrter<br />

Richtung mit Musik und Mystik<br />

das Erleben von Transzendenz<br />

zu erzeugen, sollte wohl ein<br />

Anliegen des Konzerts von<br />

Nils Petter Molvær sein, das<br />

vor Ales Steinen stattfand. Die<br />

frühmittelalterliche Schiffssetzung<br />

mit Meeresblick halten<br />

manche für einen Sonnenkalender.<br />

Wo sich sonst Neuhexen<br />

winden und Yogakurse<br />

strecken, bespielte Molvær ab<br />

5.20 Uhr mit Trompete und Laptop<br />

die aufgehende Sonne vor<br />

540 Besuchern. Das hinderte<br />

aber weder die Musik noch<br />

die Landschaft daran, in ganz<br />

diesseitiger Eigenschönheit zu<br />

erstrahlen.<br />

Monty Alexander sagte<br />

am Ende seines Auftritts, dass<br />

ihm der Herr im Himmel die<br />

Finger geführt habe, denn<br />

vor fünf Tagen habe ihn ein<br />

Schlaganfall getroffen. Sein<br />

komplex im Trio verwobenes<br />

Klavier klang nichtsdestotrotz<br />

in verspielter Unbeschwertheit.<br />

Weitere Höhepunkte<br />

unter den 44 Konzerten<br />

waren die Sängerinnen: Cécile<br />

McLorin Salvant mit feinster<br />

Nuancensemantik, als würde<br />

Fischer-Dieskau jazzen. Youn<br />

Sun Nah mit enormer Pathospalette<br />

vom Piepsen bis<br />

zum Röhren. Lizz Wright im<br />

Gospelspirit mit mildem Lächeln<br />

und Jesusgestik. Ich sah<br />

aus dem Orchestergraben aus<br />

drei Metern Entfernung direkt<br />

zu ihrer hehren, segnenden,<br />

singenden Gestalt empor <strong>–</strong><br />

Verklighetsextas!<br />

Youn Sun Nah Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong> 91


Live<br />

powered by<br />

Rivertone<br />

Straubing<br />

© Ulli Scharrer<br />

Von Jan Kobrzinowski. Straubing ist eine<br />

kleine Stadt in Niederbayern an der Donau,<br />

einer dieser Orte, in denen man gerne<br />

hängenbleibt. Im Sommer ist meist schönes<br />

Wetter und irgendwo immer etwas<br />

los. Hier ist man nett zu einand’ und die<br />

Leute verstehen zu feiern. Etwas später im<br />

Sommer werden die Massen strömen zum<br />

Gäuboden-Volksfest, dem weithin größten<br />

denkbaren Volks- und Bierfest, das die Stadt<br />

mit einer knappen Million Besuchern in zehn<br />

Tagen überziehen wird. Eines der Zelte, an<br />

denen seit Wochen gezimmert wird, gehört<br />

an diesem Wochenende Mitte Juli ganz dem<br />

Rivertone Festival. Die Vorgänger und großen<br />

Brüder hießen Bluetone und Jazz an der<br />

Donau. Rivertone ist kleiner und feiner, die<br />

Leute sollen sich wohlfühlen. Festivalchefin<br />

Karin Vuskovic will es wissen und möchte<br />

Rivertone im kommenden Jahr gerne noch<br />

größer aufziehen. Die Vorgänger haben<br />

Maßstäbe gesetzt. Man hat gute Sponsoren,<br />

viel Geschichte, Unterstützung durch lokale<br />

Fans und keine Angst vor der Zukunft. Die<br />

Atmosphäre ist familiär. Umrahmt von Jazz-<br />

Brunch, Late Night Shows und Sessions in<br />

der ganzen Stadt, ist das Hauptprogramm<br />

edel und mit Bedacht ausgesucht.<br />

Lily Dahab und Band, Opener am<br />

Freitagabend, stimmten die Leute behutsam<br />

und charmant auf das ein, was mehr als<br />

ein Hauch Latino-Flair werden sollte. Kurz<br />

danach trat ein Argentinier in Erscheinung,<br />

langhaarig, mit Hut und rosa Brille, der sich<br />

als roter Faden des Wochenendes erweisen<br />

sollte: Minino Garay, weltgewandter<br />

Perkussionist und hier Duopartner des<br />

französischen Pianisten Baptiste Trotignon.<br />

Mit viel Hingabe spielten sich die beiden<br />

durch ihr vorwiegend lateinamerikanisches<br />

Repertoire. Manu Katchés neues Elektro-<br />

Fusion-Projekt The Scope war Headliner<br />

des Freitags. Laut und druckvoll bestätigte<br />

er samt rockigem Powertrio mit E-Gitarre<br />

(Patrick Manouguian), Bass (Jérôme Regard)<br />

und Keyboards (Elvin Galland) seine<br />

Position als einer der führenden Groove-<br />

Drummer Europas.<br />

Andreas Dombert 35 eröffnete den<br />

zweiten Festivalabend mit filigranem<br />

Gitarrentrio-Kammerjazz. Gemeinsam mit<br />

James Maddren (dr) und Andreas Lang<br />

(b) überzeugte der Echo-Jazz-nominierte,<br />

übrigens gebürtige Straubinger mit superfeinem<br />

Ton und außerordentlich inspirierten<br />

Kompositionen und servierte Rivertone so<br />

den einzigen lupenreinen Jazz-Gig. Unter<br />

dem Titel Tribute to Gotan Project wurde<br />

man anschließend Zeuge eines seltenen<br />

Ereignisses: Was quasi als Session begann,<br />

endete als furioser Live-Act, der das<br />

gesamte Publikum auf die Beine brachte.<br />

Original-Gotan-Mitglieder (u.a. der erwähnte<br />

Minino Garay, Sängerin Verónika Silva,<br />

Bandoneonistin Marisa Mercade) traten<br />

unter der Leitung der dänischen Geigerin<br />

Line Kruse zu einer akustischen Version<br />

des legendären Projektes an. Als Top-Act<br />

am Samstag leistete sich Rivertone dann<br />

Till Brönner, der mit seiner siebenköpfigen<br />

Großbesetzung für einen rauschenden<br />

Abschluss sorgte. Mit seiner musikalisch<br />

perfekten Show polierte der Startrompeter<br />

Rivertone noch einmal richtig auf Hochglanz.<br />

Er würde sich für Straubing besonders<br />

ins Zeug legen, sagte er im Vorfeld,<br />

er möge die Herausforderung, „wenn links<br />

und rechts musikalische Schwergewichte<br />

auftreten“.<br />

92<br />

Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong> Till Brönner


Konfrontationen<br />

Nickelsdorf<br />

Von Holger Pauler. Zum 39. Mal<br />

gab es im Juli die Konfrontationen<br />

in Nickelsdorf <strong>–</strong> es könnte<br />

die letzte Ausgabe gewesen<br />

sein. Wegen des drohenden<br />

Konkurses der Jazzgalerie<br />

<strong>–</strong> dem zentralen Veranstaltungsort<br />

des Festivals <strong>–</strong> ist es<br />

unsicherer denn je, ob das<br />

Jubiläum im kommenden Jahr<br />

stattfinden kann. Im Herbst soll<br />

über die Zukunft des Restaurants<br />

verhandelt werden. Das<br />

endgültige Aus wäre eine<br />

Schande, zumal die diesjährige<br />

Auflage des Festivals eine der<br />

besten der jüngeren Geschichte<br />

war.<br />

Der Auftritt der Formation<br />

Frisque Concordance mit Georg<br />

Graewe (p), John Butcher<br />

(sax), Wilbert de Joode (b)<br />

und Mark Sanders (dr) zeigte,<br />

dass die Grenzen der freien<br />

Improvisation noch längst nicht<br />

ausgelotet sind: Uptempo und<br />

Crescendo dominierten das<br />

Konzert. Fließende Kaskaden<br />

auf dem Klavier wurden<br />

begleitet von Multiphonics und<br />

stets wechselnden Harmonien<br />

auf Tenor- und Sopransaxofon.<br />

Dazu eine Rhythmusgruppe,<br />

die den Sound mal verdichtete,<br />

dann wieder Kontrapunkte<br />

setzte. Interaktion auf Champions-League-Niveau<br />

<strong>–</strong> und<br />

das Ganze ohne Elektronik und<br />

präparierte Instrumente. Frank<br />

Gratkowskis Septett Skein unternahm<br />

in seinem nächtlichen<br />

Auftritt Ausflüge in den Dschungel<br />

und die Exotica, ohne den<br />

Boden der freien Improvisation<br />

zu verlassen. Besonders Liz<br />

Allbee an Trompete und Stimme<br />

und Kazuhisa Uchihashi an<br />

Gitarre und Daxofon steuerten<br />

unerwartete Klangfarben<br />

bei. Eine elektro-akustische<br />

Klangreise, die wach hielt, ohne<br />

zu überfordern.<br />

Regionale Acts spielen<br />

in Nickelsdorf glücklicherweise<br />

ebenfalls eine wichtige<br />

Rolle. Die Gruppe Möström<br />

um Susanna Gartmayer (bcl),<br />

Tamara Wilhelm (electr) und<br />

Elise Mory (keyb) spielte zum<br />

ersten Mal bei den Konfrontationen<br />

und sorgte mit ihrem<br />

oft mit einem leicht ironischen<br />

Lächeln vorgetragenen Mix aus<br />

Elektro, freier Improvisation und<br />

eingestreuten Standards für<br />

einen weiteren Höhepunkt: Es<br />

pulsierte, rauschte, donnerte<br />

und swingte <strong>–</strong> per Anhalter<br />

durch die musikalischen Galaxien.<br />

Das Tentet der Komponistin<br />

Angélica Castelló eröffnete<br />

den Sonntagabend mit einem<br />

Auftritt voller Überraschungen:<br />

Teilweise drone-artig wurden<br />

Spannungsbögen kreiert, mal<br />

nebeneinander, mal langsam<br />

aufeinander aufbauend, dann<br />

wieder wellenförmig, ehe das<br />

Stück langsam ausfadete <strong>–</strong><br />

zufällig begleitet vom Heulen<br />

der Sirenen der örtlichen<br />

Feuerwehr. Christof Kurzmann<br />

bewegte sich anschließend mit<br />

der Formation Disquiet in der<br />

Tradition Robert Wyatts oder<br />

Fred Friths: fragile Songfragmente<br />

und Collagen, die zum<br />

Zuhören aufforderten. Auch<br />

politische Botschaften durften<br />

hier nicht fehlen. Gerade jetzt,<br />

da der Aufstieg der Populisten<br />

und (Krypto-)Faschisten unaufhaltsam<br />

scheint, ein mehr als<br />

notwendiger Schritt.<br />

Das Festival wurde von<br />

einem Streicher-Trio abgeschlossen:<br />

Szilárd Mezei (viola),<br />

Tristan Honsinger (cello) und<br />

Joel Grip (b) bewegten sich<br />

zwischen Dada, Beckett und<br />

Billie Holiday. Honsinger und<br />

Grip steigerten ihren Dialog ins<br />

Absurde, sprangen über die<br />

Bühne, kletterten auf Stühle<br />

und tauschten die Instrumente.<br />

Es gab mehrere Zugaben, an<br />

deren Ende Festivalmacher<br />

Hans Falb auf die Bühne geholt<br />

wurde. Er verabschiedete sich<br />

sichtlich bewegt vom zahlreich<br />

erschienenen Publikum.<br />

Und nicht wenige blickten mit<br />

Wehmut auf die vergangenen<br />

vier Tage zurück: Ein Ende der<br />

Konfrontationen würde bedeuten,<br />

dass ein weiterer Freiraum,<br />

der noch nicht vom autoritären<br />

Zeitgeist kontaminiert ist,<br />

verschwindet. Hoffen wir das<br />

Beste.<br />

Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong> 93


Live<br />

powered by<br />

Morgenland<br />

Festival<br />

Osnabrück<br />

© Andy Spyra<br />

© Andy Spyra<br />

Von Ralf Döring. Es zählt zu<br />

den großen Qualitäten des<br />

Morgenland Festivals, Jahr für<br />

Jahr neue Räume zu erschließen.<br />

Das gilt für kulturelle und<br />

musikalische Räume, in der<br />

jüngsten Ausgabe aber auch<br />

im Wortsinn: Das in Osnabrück<br />

ansässige VW-Werk wurde<br />

zum Schauplatz für ein Konzert<br />

der Morgenland All Star Band.<br />

Die Gäste in der Werkshalle<br />

erlebten eine Band, die ungeheure<br />

Spiellust und Experimentierfreude<br />

an den Tag legt, sich<br />

aber stetig von der Session-<br />

Formation zum festen Ensemble<br />

entwickelt, ohne die Freude am<br />

Spiel zu verlieren. Im Gegenteil:<br />

Musiker wie Serpent- und<br />

Tubavirtuose Michel Godard,<br />

Trompeter Frederik Köster,<br />

Schlagzeuger Bodek Janke,<br />

vor allem aber der syrischamerikanische<br />

Klarinettist<br />

und Komponist Kinan Azmeh,<br />

(mehr oder weniger heimlich)<br />

Mastermind der Band, denken<br />

längst nicht nur in den Kategorien<br />

des freien Ausdrucks<br />

via Improvisation, sondern in<br />

Strukturen komplexer Arrangements.<br />

Damit formuliert die<br />

Band mittlerweile so starke<br />

Positionen, dass es möglich ist,<br />

das Konzert von Lichtkünstler<br />

Philipp Geist illuminieren zu<br />

lassen, ohne die Musik in einer<br />

Flut starker Videos und Projektionen<br />

untergehen zu lassen.<br />

Im Gegenteil, Licht und Musik<br />

ergänzen sich perfekt.<br />

Tatsächlich drückt sich<br />

in dieser Kombination ein<br />

Experimentierwille aus, der<br />

zum Kennzeichen des Festivals<br />

geworden ist. Eine mitreißende<br />

Kooperation hat sich diesmal<br />

zwischen dem syrischen Trompeter<br />

Nezar Omran und seinem<br />

Kollegen Ingolf Burkhardt<br />

von der NDR Bigband ergeben:<br />

Burkhardts expressiver<br />

Sound trifft den bronzenen<br />

Ton Omrans, Blue Notes und<br />

die Mikrotöne der arabischen<br />

Maqamat treten in Dialog, und<br />

Florian Weber am Klavier und<br />

der ebenso sensible wie virtuose<br />

türkische Perkussionist<br />

Hogir Göregen erspielen sich<br />

mathematisch präzis abgezirkelte<br />

Freiräume <strong>–</strong> ein starker<br />

Abend.<br />

Als Länderschwerpunkt<br />

hat Festivalleiter Michael<br />

Dreyer diesmal das riesige<br />

Steppenland Kasachstan gesetzt<br />

und locker ins Programm<br />

eingewebt. Raushan Orozbaeva<br />

mit der bogengestrichenen<br />

Laute Kobys und Ulzhan Baibussynova<br />

mit Obertongesang<br />

und der zweisaitigen Dombra<br />

offenbarten dabei, wie neu sich<br />

die Klänge in unseren Ohren<br />

ausnehmen, wie nah uns die<br />

Musik aber gleichzeitig in ihrer<br />

liedhaften Struktur ist. Diese<br />

originäre Musik wurde auch<br />

Teil eines typischen Morgenland-Projekts<br />

unter dem Titel<br />

Die neue Seidenstraße. Die<br />

beiden Kasachinnen trafen<br />

dabei auf Wu Wei und seine<br />

chinesische Mundorgel Sheng<br />

sowie auf den Pianisten Salman<br />

Gambarov aus Aserbaidschan<br />

und Perkussionist Bodek Janke,<br />

seinerseits ein Musiker mit<br />

polnischen und kasachischen<br />

Wurzeln. Das Konzert im soziokulturellen<br />

Zentrum Lagerhalle<br />

offenbarte zwar, wie schwierig<br />

es ist, die Kräfteverhältnisse<br />

zwischen der Ausdruckskraft<br />

Wu Weis und Jankes und<br />

den diskreten Kasachinnen<br />

auszubalancieren. Wenn aber<br />

Gambarov mit seinem feinsinnigen<br />

Klavierspiel zwischen<br />

Jazz, Bach und Polyphonie<br />

den Ton angab, entfaltete das<br />

einen zauberhaften Reiz. Und<br />

wie sehr solche Kooperationen<br />

lohnen, demonstrierten das<br />

Ensemble Hewar aus Syrien<br />

und das Gurdjeff Ensemble aus<br />

Armenien beim Abschlusskonzert.<br />

Die Musik Armeniens und<br />

Einflüsse arabischer Musik,<br />

Jazz und Spurenelemente<br />

der zeitgenössischen Musik<br />

verschmolzen zu einer Einheit,<br />

die Räume nicht nur erschließt,<br />

sondern gleich neu schafft.<br />

Besser kann sich ein Festival<br />

nicht legitimieren.<br />

94<br />

Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong> oben: Homayun Sakhi (Rubab) / unten: Ulzhan Baibussynova (Gesang & Dombra), Raushan Orozbaeva (Qobys)


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JazzBaltica<br />

Von Angela Ballhorn. <strong>2018</strong><br />

musste das JazzBaltica erneut<br />

umziehen, die Evers-Werft stand<br />

nicht mehr zur Verfügung. Das<br />

Festival wanderte in den Kurpark<br />

in Timmendorfer Strand. Die<br />

Open-Air-Konzerte litten <strong>–</strong> wie<br />

leider oft <strong>–</strong> unter dem nasskalten<br />

Wetter, die Hauptbühne im<br />

Seehotel Maritim natürlich nicht.<br />

Leider fehlte im abgedunkelten<br />

Saal das Am-Meer-Gefühl, man<br />

hätte in jedem x-beliebigen Hotel<br />

sein können. Für die Logistik<br />

ist die neue Location sicher ein<br />

Gewinn, aber mit den durch<br />

die Bootshalle kreuzenden<br />

Schwalben und dem Klackern<br />

der Schiffswanten war die<br />

Atmosphäre früher maritimer.<br />

Dem Publikumszuspruch tat das<br />

keinen Abbruch, unglaubliche<br />

17.000 Karten wurden abgesetzt.<br />

Timmendorfer Strand<br />

Applaus überwältigt war. Das<br />

große Orchesterprojekt mit dem<br />

Englischhorn-Solisten Björn Bohlin<br />

war spannend, leider tat der<br />

Tausch der Konzertblöcke Eva<br />

Kruses toller Band nicht gut. Als<br />

erster Act wäre ihre On-the-Mo-<br />

Band besser angekommen. Eva<br />

Kruse musste ohne Soundcheck<br />

spielen, und die Oboe in ihrer<br />

Band, deren Klang erfrischend<br />

anders ist, ging nach dem klanglich<br />

ähnlichen Englischhorn im<br />

Orchester etwas unter. Das dritte<br />

und letzte Geburtstagskonzert<br />

zeigte, dass zu viele Köche den<br />

Brei doch verderben können <strong>–</strong> zu<br />

guter Letzt waren zwölf Leute<br />

auf der Bühne, jeweils zwei<br />

Drummer, Pianisten, Gitarristen<br />

und Trompeter. Beim Beatles-<br />

Stück „Come Together“ war das<br />

einfach zu viel.<br />

Programm nicht hören ließ,<br />

dass er mittlerweile 72 ist. Helge<br />

Schneider schob seine Hammondorgel<br />

selbst auf die Bühne<br />

und zelebrierte sein unfassbares<br />

Wissen im Jazzrepertoire. Die<br />

NDR Info Radio Stages boten<br />

kleine Schätze: Donny McCaslin<br />

spielte zum ersten Mal mit Lars<br />

Danielsson, aber auch spontan<br />

im Quartett mit Ulf Wakenius und<br />

Magnus Öström, dazwischen<br />

gab es Interviewblöcke.<br />

Mit seiner eigenen Band<br />

wanderte Saxofonist McCaslin<br />

musikalisch in eine ganz andere<br />

Richtung <strong>–</strong> lautstark, mit viel<br />

Energie und Wut im Bauch.<br />

Leider musste er mit seiner<br />

großartigen Band gegen die<br />

Fußball-WM und einen leerer<br />

werdenden Saal anspielen. Weitere<br />

Kleinodien waren Dieter Ilgs<br />

B-A-C-H-Programm, das Konzert<br />

von Gitarrist David Grabowski,<br />

dem diesjährigen Preisträger<br />

des IB.SH Jazzawards, Hendrika<br />

Entzian mit ihrem Quartett und<br />

die JazzBaltica All Stars, denen<br />

© Rolf Kissling<br />

Viele altbekannte Gesichter<br />

gab es zu sehen <strong>–</strong> der künstlerische<br />

Leiter Nils Landgren hatte<br />

Freunde eingeladen. Besonders<br />

gefeaturt wurde der schwedische<br />

Bassist Lars Danielsson,<br />

der in diesem Jahr seinen 60.<br />

Geburtstag feiert. Gleich dreimal<br />

durfte er mit unterschiedlichen<br />

Formationen auf die Bühne. In<br />

der Band Liberetto liebte das<br />

Publikum vor allem Pianist Grégory<br />

Privat, der vom donnernden<br />

Ulf Wakenius als zweitem<br />

60er wurde weniger Raum<br />

eingeräumt, seine Band mit Bill<br />

Evans an Sax und Klavier (!) ging<br />

mit Stücken wie Miles‘ „Jean-<br />

Pierre“ gut los. Ein unerwartetes<br />

Highlight war die lettische Radio<br />

Big Band mit ihrem Gastsolisten<br />

Randy Brecker, die ohne<br />

Dirigent, tight auf den Punkt,<br />

dynamisch ausgeklügelt und<br />

mit einem Trompeter begeisterte,<br />

der bei dem schweren<br />

Hildegunn Øiseth Stücke auf den<br />

Leib geschrieben hatte.<br />

Auffällig war, wie viele<br />

Label-Kollegen Nils Landgren<br />

auf die Bühne brachte. Dass<br />

ACT als einziges Label mit einem<br />

CD-Stand vertreten war, passte<br />

ins Bild. ACT-Künstler haben<br />

unbestritten Qualität, aber ein<br />

bisschen mehr Label-Vielfalt täte<br />

dem Festival gut.<br />

Nils Landgren Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong><br />

95


Live<br />

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Jazzdor<br />

Berlin<br />

Von Peter Bastian. Da hat Philippe Ochem<br />

schon recht, gerade in diesen Zeiten,<br />

wenn er unterstreicht, dass man den<br />

kulturellen Austausch in Europa forcieren<br />

müsse, statt nur davon zu sprechen. Das<br />

tat er bei seiner Berliner Ausgabe von<br />

Jazzdor jetzt schon im zwölften Jahr.<br />

Einige dieser Begegnungen haben sich zu<br />

festen Bands entwickelt, wie das Quartett<br />

QÖÖLP um Christian Lillinger und Théo<br />

Ceccaldi oder das Duo Nils Wogram (trb)<br />

und Bojan Z (keyb).<br />

Letztere waren in Berlin am ersten<br />

Tag in eine neue Band des niemals<br />

rastenden 82-jährigen Klarinettisten<br />

Michel Portal integriert. Außerdem waren<br />

hier der Bassist Bruno Chevillon und<br />

der 30-jährige belgische Schlagzeuger<br />

Lander Gyselinck mit von der Partie. Die<br />

beiden Bläser aus verschiedenen Generationen<br />

<strong>–</strong> Portal begleitete Anfang der<br />

60er Jahre Edith Piaf <strong>–</strong> harmonierten aufs<br />

Beste, und gespielt wurde wunderbarer<br />

Modern Jazz mit rockigen Elementen.<br />

Modern und mitreißend war es auch<br />

davor bei Dadada, einem Trio mit dem Pianisten<br />

Roberto Negro, dem Sopransaxofonisten<br />

Emile Parisien und dem Drummer<br />

Michele Rabbia. Im Programm hatten sie<br />

auch eine Bearbeitung von György Ligetis<br />

„Cantabile“, die natürlich kaum wiederzuerkennen,<br />

aber sehr faszinierend war.<br />

Auch Pablo Held zählt zu den besten<br />

europäischen Pianisten und seine Rhythmusgruppe<br />

mit Robert Landfermann (b)<br />

und Jonas Burgwinkel (dr) zu den besten<br />

ihrer Art. Burgwinkel spielte auch im<br />

folgenden Trio mit Sebastian Sternal (p)<br />

und seiner Leiterin Airelle Besson (trp)<br />

und lieferte sich auch mit ihnen einen<br />

spannenden Austausch. What If, das<br />

Quartett des Tenorsaxofonisten Hugues<br />

Mayot mit Europas vielleicht bestem<br />

Fender-Rhodes-Spieler Jozef Dumoulin,<br />

bot sphärisch dichten elektrischen Jazz<br />

Richtung Weather Report.<br />

Die Freiheit des Jazz drückt sich<br />

alleine schon in der Besetzung der ersten<br />

Band am dritten Tag, Ikui Doki, aus. Mayot<br />

spielt auch hier wieder Saxofon, Sophie<br />

Bernado Fagott und Rafaelle Rinaudo<br />

Harfe. Mit Debussy als Ausgangspunkt<br />

gelangt das Trio über Minimal Music<br />

zum Jazz, das war beachtlich. Yorgos<br />

Dimitriadis (dr), Philippe Lemoine (sax)<br />

und Andrea Parkins (acc, laptop) trafen in<br />

Berlin zum ersten Mal zusammen und lieferten<br />

faszinierende Klänge ab. Das Trans<br />

Europe Express Ensemble, das mit Yves<br />

Robert (trb), Silke Eberhard (as, b-cl), Julien<br />

Pontvianne (sax), Théo Céccaldi (vio),<br />

Ronny Graupe (g), Sébastien Boisseau<br />

(b) und dem Schlagzeuger Dejan Terzic<br />

hervorragend besetzte Oktett des Kölner<br />

Pianisten Hans Lüdemann, spielte in Berlin<br />

zum wiederholten Mal seine herrliche<br />

Musik, zu der alle Beteiligten Stücke<br />

beitragen.<br />

Dynamisch und spannend war der<br />

Auftritt von Novembre, einem Quartett,<br />

das mit Antonin Tri-Hoang, Romain Clerc-<br />

Renaud, Thibault Cellier und Elie Duris an<br />

Saxofon, Klavier, Bass und Schlagzeug<br />

vier junge faszinierende Musiker vereint.<br />

Ihre colemaneske Musik überzeugte vom<br />

ersten Ton an. Genauso wie die Bedmakers<br />

des Saxofonisten Robin Fincker,<br />

die mit ihrem Tribute to an Imaginary<br />

Folkband überzeugten <strong>–</strong> Folk und freie<br />

Improvisation, das funktionierte gut. Und<br />

die unglaubliche Energie des Quintetts<br />

des Baritonsaxofonisten François Corneloup<br />

war ein passender Abschluss des<br />

diesjährigen Festivals.<br />

Von Christoph Giese. Wenn nach dem ersten<br />

Konzert noch eilig ein paar zusätzliche Stuhlreihen<br />

im Saal aufgebaut werden mussten<br />

aufgrund des unerwartet hohen Zuschauerinteresses,<br />

und wenn nach eben diesem ersten<br />

Konzert die Leute sich für stehende Ovationen<br />

von den Sitzen erhoben, dann konnte man<br />

schon nach einem Drittel der JazzNacht Zollverein<br />

von einer gelungenen Veranstaltung<br />

sprechen. Und dieses Zwischenfazit sollte<br />

sich bis zum letzten Ton des Abends bestätigen.<br />

Denn alle drei Acts boten Vorzügliches.<br />

Die Messlatte legten Shalosh zu Beginn ja<br />

auch schon hoch. Das israelische Trio, hierzulande<br />

noch ein kleiner Geheimtipp, spielt ein<br />

gefühlvolles, melodieverliebtes Amalgam aus<br />

Jazzfinesse und ohrwurmartigen Linien, die<br />

sich in vielen Stücken zu hymnenartigen Momenten<br />

emporschwingen. Dabei blinzelt das<br />

Trio gerne mal rüber zu Pop und Rock. Und<br />

Pianist Gadi Stern, Bassist David Michaeli<br />

und Schlagzeuger Matan Assayag spielten in<br />

der Halle 12 des Welterbes Zeche Zollverein<br />

in Essen auch Musik mit viel Augenzwinkern:<br />

Die Fußballhymne „You‘ll Never Walk Alone“<br />

und der weltbekannte Pophit „Take on Me“<br />

der norwegischen Band a-ha verwandelten<br />

sich in den Fingern von Shalosh zu raffiniert<br />

verschachtelten Jazzhymnen.<br />

Da liebt es der Top-Act der Veranstaltung<br />

schon erdiger. Sänger und Trompeter<br />

Jeff Cascaro fühlt sich in Soul, Jazz und Blues<br />

gleichermaßen wohl und sang das<br />

alles mit lässiger Attitüde. Entertainer-Qualitäten<br />

hat der Mann aus<br />

Bochum obendrein. Und wie gut<br />

Cascaro und seine exquisite Band<br />

musizieren können, zeigte sich<br />

nicht zuletzt in ihrer Version des<br />

„Inner City Blues“ von Soullegende<br />

Marvin Gaye. Der wurde hier<br />

zur leicht dunkel schimmernden,<br />

obercoolen Jazznummer.<br />

Elektronischen Jazz in<br />

Livebesetzung zu spielen, hatte<br />

sich dagegen das Trio Bassmati<br />

auf die Fahnen geschrieben. Das<br />

Projekt des Gelsenkirchener Musikers<br />

Martin Furmann sorgte auf<br />

Zollverein zu bereits vorgerückter<br />

Stunde mit Samples, Synthie-Bass,<br />

souligen Trompetensounds von<br />

Christian Kappe und knalligen<br />

Beats oder lässigen Reggae-Rhythmen<br />

von Drummer Hendrik Lensing<br />

für einen tanzbaren Ausklang. Ein<br />

DJ entließ danach ein zufriedenes<br />

Publikum in die Nacht. Zuvor verabschiedete<br />

Christof Wolf von der<br />

veranstaltenden Stiftung Zollverein<br />

noch die Gäste und schürte mit<br />

seinen Abschiedsworten Hoffnung<br />

auf eine Fortsetzung der JazzNacht<br />

Zollverein im kommenden Jahr. Genügend<br />

Argumente dafür hatte der<br />

Abend zuvor jedenfalls geliefert.<br />

JazzNacht Zollverein Essen<br />

96 Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong> Antonin-Tri Hoang, Thibault Cellier


© Niclas Weber<br />

© Niclas Weber<br />

Summer Jazz<br />

Von Achim Ost. Der Sommer<br />

war groß, aber glücklicherweise<br />

waren auch die warmen Wochen<br />

nicht in der Lage, den Jazz<br />

in Köln ganz trockenfallen zu<br />

lassen. Im Stadtgarten zum Beispiel<br />

war der mithilfe von Licht<br />

begrünte Konzertsaal während<br />

der drei Abende des Summer<br />

Jazz ausverkauft. Vielleicht war<br />

bei diesem kleinen Festival auch<br />

der Versuch mitgemeint, dem<br />

mittlerweile überaus erfolgreichen<br />

Winter Jazz im Stadtgarten<br />

ein Sommer-Ereignis an die Seite<br />

zu stellen. Wie auch immer <strong>–</strong> der<br />

Erfolg war offenkundig.<br />

Der Summer Jazz war eine<br />

Sequenz von drei Konzertabenden,<br />

von denen ursprünglich<br />

zwei je einem Trio gehören<br />

sollten und der dritte einem<br />

Quartett. Kurz vor dem Festival<br />

sorgte die Nachricht, dass<br />

Carla Bley ihr Trio-Konzert und<br />

ihre komplette Europa-Tournee<br />

mit Andy Sheppard und Steve<br />

Swallow aus gesundheitlichen<br />

Gründen absagen musste, für<br />

anhaltende Besorgnis. Musikalisch<br />

fiel dieser Verlust immerhin<br />

erträglich aus, weil Andy Sheppard<br />

stattdessen mit dem Espen<br />

Eriksen Trio auftrat, mit dem er<br />

vor Kurzem ein gemeinsames<br />

Album eingespielt hat. So geriet<br />

an die zweite Position des Festivals<br />

dann doch ein Quartett.<br />

Der erste Abend aber<br />

gehörte dem Klaviertrio The<br />

Bad Plus. Es besteht schon<br />

seit Ende des 20. Jahrhunderts<br />

und gehört damit klar zu den<br />

alten Hasen der Branche. Das<br />

Stadtgarten, Köln<br />

hat sich auch nicht wesentlich<br />

geändert, seit es vor einiger<br />

Zeit seinen Pianisten ausgewechselt<br />

hat. Orrin Evans bringt<br />

eine enorme Energie und einen<br />

beständigen, intensiven Groove<br />

in das Zusammenspiel mit Reid<br />

Anderson und Dave King ein,<br />

so dass das Trio streckenweise<br />

mitten in seinem dritten<br />

Trio-Lebens-Jahrzehnt wie<br />

neugeboren und ungebrochen<br />

spontan und expressiv wirkt.<br />

Der zweite Konzertabend<br />

gehörte dann dem Quartett,<br />

das Andy Sheppard mit dem<br />

Espen Eriksen Trio bildet <strong>–</strong> ein<br />

deutlicher Kontrast zum Auftakt-<br />

Abend. Das neu formierte und<br />

eigens für diesen exklusiven<br />

Abend aus London und Oslo<br />

zusammengeholte Quartett<br />

spielt ein insgesamt eher ruhiges,<br />

dabei klangintensives und<br />

melodisches Konzert. Etliche<br />

Stücke von Carla Bley waren<br />

darin enthalten, und der Abend<br />

wirkte auch deshalb ein wenig<br />

melancholisch grundiert.<br />

Den Festival-Abschluss<br />

machte dann das Quartett<br />

Endangered Blood, das mit<br />

Chris Speed, Oscar Noriega,<br />

Trevor Dunn und Jim Black vier<br />

der einflussreichsten Musiker<br />

der US-amerikanischen<br />

Szene versammelt. Das Konzert<br />

erreichte mit seiner aufregenden<br />

und abwechslungsreichen<br />

Dramaturgie und dem enorm<br />

verdichteten Zusammenspiel<br />

der vier ein Niveau, das sich<br />

wie ein krönender Abschluss<br />

an das Ende des kleinen und<br />

alles andere als beschaulichen<br />

Sommerfestivals setzte.<br />

links: Chris Speed (Endangered Blood) / rechts: Andy Sheppard & Espen Eriksen Trio


Live<br />

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Bingen<br />

swingt<br />

Bingen<br />

Von Norbert Krampf. Jedes<br />

Jahr im Juni breitet sich der<br />

Jazz für ein Wochenende im<br />

beschaulichen Bingen aus.<br />

Seit 2016 sorgt Christiane<br />

Böhnke-Geisse, ehemals Programmchefin<br />

der Münchener<br />

Unterfahrt , als künstlerische<br />

Leiterin des Festivals dafür,<br />

dass Bingen nicht nur traditionell<br />

swingt (und soulpopt),<br />

sondern auch einige Bands mit<br />

avancierteren Konzepten präsentiert.<br />

Die 23. Ausgabe trug<br />

den Untertitel Guitar Vibes,<br />

folglich gab es auf den sechs<br />

Hauptbühnen neben rockigen<br />

PDF in 4c<br />

© Norbert Krampf<br />

Anklängen einige Ausflüge<br />

in die Jazzgeschichte zu<br />

besichtigen. Etwa von Bands<br />

wie dem Münchener Hot Club<br />

de M Belleville, die Django<br />

Reinhardts Sinti-Swing-Erbe<br />

weitertragen. Oder durch<br />

die Akustik-Gitarristen Diknu<br />

Schneeberger und Joscho<br />

Stephan. Modernere Akzente<br />

setzte das Kölner Trio um E-<br />

Gitarrist Tobias Hoffmann, der<br />

Jazz-Ideen, Rock-Einflüsse und<br />

humorvolle Surf-Erinnerungen<br />

vereint.<br />

Couragiertere Künstler<br />

und Künstlerinnen liefen<br />

diesmal kaum Gefahr, sich<br />

gegenseitig Konkurrenz zu machen.<br />

Am entschiedensten aus<br />

gängigen Rahmen fiel Hervé<br />

Samb. Als versierter E-Gitarrist<br />

hat sich der Teilzeit-Kalifornier<br />

aus Dakar schon neben<br />

Stars wie Marcus Miller und<br />

Salif Keita profiliert. In Bingen<br />

spielte er nun vor allem eine<br />

Sinti-Gitarre, die im Kontext<br />

von Afro- und Funkjazz bislang<br />

wohl kaum zu hören war. Eine<br />

vermeintlich schräge Kombination,<br />

die unter Sambs virtuosen<br />

Fingern ebenso stimmig wie<br />

spannend klang. Zumal er mit<br />

dem Perkussionisten Alioune<br />

Seck aus Dakar einen Großmeister<br />

der Sabar-Trommeln<br />

und -Rhythmen hinter sich und<br />

darüber hinaus noch Sänger<br />

Alpha Dieng vom Orchestra<br />

Baobab dabeihatte.<br />

Die Österreicher Herbert<br />

Pirker (dr) und Raphael Preuschl<br />

(b) genießen hierzulande<br />

einen hervorragenden Ruf,<br />

seitdem sie bei Pianist David<br />

Helbock und Mario Rom‘s<br />

Interzone (Pirker) spiel(t)en. Im<br />

Fabulous Austrian Trio FAT mit<br />

dem seit 2004 in Los Angeles<br />

ansässigen E-Gitarristen Alex<br />

Machacek kommen ihre Qualitäten<br />

ebenfalls zum Zug. Die<br />

größtenteils von Machacek<br />

stammenden Kompositionen<br />

changieren zwischen<br />

geschmack- und klangvollen<br />

ruhigeren Stücken und<br />

Funk- bzw. Rockjazz-Titeln mit<br />

Groove und gängigen Phrasen,<br />

komplexen Breaks und diversen<br />

Soundeffekten.<br />

Susan Weinert, Nina Attal<br />

und Monika Roscher vertraten<br />

in Bingen die weibliche<br />

Sicht auf die Gitarre. Wobei<br />

Roschers unkonventionelle<br />

Bigband-Kompositionen und<br />

mal opulente, mal gewitzte<br />

Arrangements noch mehr<br />

bestechen als ihre eingeflochtenen,<br />

teils ruppigen Soli auf<br />

der Stratocaster. Von König<br />

Fußball auf den frühen Termin<br />

um 18 Uhr verdrängt, mussten<br />

neue Stücke, die an eine Lichtshow<br />

und einen klingenden<br />

Anzug gekoppelt sind, wegen<br />

des Tageslichts gestrichen<br />

werden. Aber auch das Repertoire<br />

der beiden CDs Of Monsters<br />

And Birds und Failure in<br />

Wonderland bietet immer noch<br />

viel Raum für überraschende<br />

Wendungen, Sounds (inklusive<br />

Elektronik) und Soli der 13 (!)<br />

Bläser. Mit Roschers unprätentiös-erzählerischem<br />

Gesang,<br />

dem Wechsel von Melodien,<br />

interessanten Details und weit<br />

ausholenden Bögen nimmt<br />

die Bigband der Münchenerin<br />

weiterhin eine Sonderstellung<br />

unter den Großformationen<br />

ein.<br />

98 Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong>


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1<br />

Fola Dada &<br />

Rainer Tempel<br />

Boston, MA<br />

(Rodenstein<br />

Records)<br />

4<br />

Tord Gustavsen Trio<br />

The Other Side<br />

(ECM / Universal)<br />

2<br />

5o Jahre MPS<br />

Sampler<br />

(Edel)<br />

5<br />

John Zorn<br />

The Interpretation<br />

of Dreams<br />

(Tzadik /<br />

In­Akustik)<br />

3<br />

Henning Sieverts<br />

Symmethree<br />

Aerea<br />

(Pirouet / NRW)<br />

6<br />

Peter Gall<br />

Paradox Dreambox<br />

(Traumton / Indigo)<br />

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JazzthetIk 09/10-<strong>2018</strong> 99


Clubs 09<br />

Raum 00000<br />

Chemnitz<br />

11.09. J. Butcher, W. de Joode-<br />

M. Blume; Jazzclub Fuchs e.V.<br />

26.09. Markus Stockhausen;<br />

Jazzclub Fuchs e.V.<br />

Dresden<br />

01.09. Daniel Puente Encina &<br />

Band; Tonne<br />

08.09. Hyleen; Tonne<br />

14.09. Phronesis/support:<br />

Richard Ebert Quartett; Tonne<br />

21.09. Günther “Baby” Sommers<br />

Party; Tonne<br />

22.09. Mathias Eick; Tonne<br />

25.09. Svavar K´nutur; Tonne<br />

28.09. Erna Rot; Tonne<br />

29.09. Susan Weinert W.O.W. Trio<br />

feat. Andrzej Olegniczak; Tonne<br />

30.09. Pixel; Tonne<br />

Halle<br />

08.09. Still in the Woods feat.<br />

Hagelslag; Pierre Grasse<br />

20.09. Randi Tytingvåg Trio;<br />

Objekt 5<br />

Jena<br />

19.09. Soft Machine; Jena,<br />

Kulturbahnhof<br />

Leipzig<br />

06.09. Johannes Bigge Trio; naTo<br />

19.09. David Helbock Random<br />

Control; Museum d. bildenden<br />

Künste<br />

21.09. LeipJAZZig: Zwio<br />

Plus: Eckart Gleim-Michael<br />

Arnold-Clemens Oerding-Jonas<br />

Schneider; Schille-Theater<br />

23.09. Hans Anselm Big Band;<br />

naTo<br />

26.09. Stefanie Boltz; UT<br />

Connewitz<br />

Neupetersheim<br />

23.09. Maria Baptist; Gut<br />

Geisendorf<br />

Pohrsdorf<br />

01.09. Das rosa Rauschen;<br />

Saxstall<br />

02.09. Thomas Walter Maria &<br />

Kapelle; Saxstall<br />

07.09. Trio Skulski/Gerigk/Roth;<br />

Saxstall<br />

09.09. Clemens Pötzsch; Saxstall<br />

15.09. “SKlation” Trio; Saxstall<br />

16.09. June Coco; Saxstall<br />

21.09. Alexander von Schlippenbach/Rudi<br />

Mahal/Kasper Tom;<br />

Saxstall<br />

23.09. Sensor; Saxstall<br />

28.09. Matov Trio; Saxstall<br />

29.09. Edith Steyer Trio; Saxstall<br />

30.09. Christian Rien “Swing is<br />

here”; Saxstall<br />

Zwickau<br />

01.09. Josh Hoyer & Soul Colossal;<br />

St Barbara Lichtentanne<br />

Raum 10000<br />

Berlin<br />

01.09. KUU!; Klunkerkranich<br />

01.09. Savoy Satellites All Stars;<br />

Schlot<br />

01.09. Ben Mayson and Friends;<br />

B-Flat<br />

02.09. Esther Kaiser „Songs of<br />

Termine 09/10<br />

Courage“; B-Flat<br />

03.09. Tasso Savvopoulos<br />

„Auftrieb“; B-Flat<br />

02./03.09. Chreis Bennett Group;<br />

A-Trane<br />

03.09. Aliens In The Woods;<br />

Schlot<br />

04.09. Johannes Bigge Trio;<br />

A-Trane<br />

04.09. Eyal Lovett Trio; Schlot<br />

04.09. Maria Baptist & Jan von<br />

Klewitz; B-Flat<br />

05.09. Robin´s Nest Jam Session;<br />

B-Flat<br />

05.09. Eva Fernández; Schlot<br />

05.09. David Helbock Random<br />

Control; A-Trane<br />

05.09. De-Phazz; Lido<br />

06.-08.09. Eb Davis & The Superband;<br />

A-Trane<br />

06.09. Alphonso Williams;<br />

Quasimodo<br />

06.09. Still in the Woods feat.<br />

Hagelslag; Donau 115<br />

06.09. Berkel-Lehmann-Griese;<br />

Schlot<br />

06.09. Friedhelm Schönfeld<br />

Quartett; B-Flat<br />

07.09. „Sketchtes of Jazz“; B-Flat<br />

07.09. Queen II Magic Tribute;<br />

Quasimodo<br />

07.09. Duo Dorado „Sweet Biel-<br />

Bienne“; Schlot<br />

08.09. International Fusion<br />

Quintett; Schlot<br />

08.09. Ntjam Rosie; Quasimodo<br />

08.09. Tal Balshai Quintett; B-Flat<br />

08./09.09. UM:LAUT <strong>–</strong> Henrik<br />

Schwarz & Bugge Wesseltoft;<br />

Radialsystem V<br />

09.09. Jan Prax Quartet; A-Trane<br />

09.09. Quintessence; B-Flat<br />

10.09. Ben Miller Band;<br />

Quasimodo<br />

10.09. low Loris Quartet; Schlot<br />

10.09. Andreas Schmidt &<br />

Friends; A-Trane<br />

11.09. BLAER; Schlot<br />

11.09. Daniel Kahn & The Painted<br />

Bird; Quasimodo<br />

12.09. Vandojam meets Robin`s<br />

Nest; B-Flat<br />

12.09. ZÔSH Sophie Tassignon/<br />

Julie Sassoon; Schlot<br />

12.09. Tal Arditi; A-Trane<br />

12.09. Tami Neilson; Quasimodo<br />

13.09. Quasimodo Club Band<br />

feat. Cosmo Klein; Quasimodo<br />

<strong>JAZZTHETIK</strong> präsentiert:<br />

13.09. Ezra Collective; Gretchen<br />

13.09. José James celebrates<br />

Bill Withers; Heimathafen<br />

13.09. Dangerous Beans feat.<br />

Marc Doffey; A-Trane<br />

13.09. Sun Dew; Zig Zag Jazzclub<br />

14./15.09. Torsten Goods feat.<br />

Kim Sanders & Benni Freibott;<br />

A-Trane<br />

14.09. Lucia Fodde Elektro<br />

Projekt “My Songs”; B-Flat<br />

15.09. Rolf Zielke Trio meets<br />

Peter Weniger; B-Flat<br />

15.09. Kampflieder Quartett;<br />

Schlot<br />

15.09. Godzilla; Quasimodo<br />

16.09. Maria Baptist; Piano Salon<br />

Christophori<br />

16.09. Yakou Tribe; A-Trane<br />

16.09. The Pretty Things;<br />

Quasimodo<br />

16.09. Nils Wogram´s “Nostalgia”;<br />

B-Flat<br />

17.09. Giorgio Crobu Trio; B-Flat<br />

17.09. Andreas Schmidt &<br />

Friends; A-Trane<br />

18./19.09. Jessica Gall; A-Trane<br />

18.09. Maria Baptist <strong>–</strong> Resonance;<br />

Schlot<br />

18.09. Jessica Gall; A-Trane<br />

18.09. Samuel Leipold Quartett;<br />

B-Flat<br />

19.09. Robin´s Nest Jam Session;<br />

B-Flat<br />

19.09. Alcaz, Christiane Courvoisier<br />

& Christophe Brillaud; Schlot<br />

19.09. Nes; Jazz at Berlin Philharmonic<br />

“Mediterraneo”<br />

19.09. Shakatak; Quasimodo<br />

19.09. ACT: Julian & Roman Wasserfuhr<br />

/ Nes; Philharmonie<br />

20.09. The Silent Jazz Ensemble;<br />

Schlot<br />

20.09. Andreas Schaerer & A<br />

Novel Of Anomaly; A-Trane<br />

20.09. Organism Band; B-Flat<br />

21./22.09. Ed Partyka Jazz<br />

Orchestra <strong>2018</strong>; B-Flat<br />

21.09. Texas Italian Guitar Battle<br />

w/ Rob Mo & Willie J. Laws;<br />

Quasimodo<br />

21.09. Bobo & Herzfeld; Stummfilmkino<br />

Delphi<br />

21.09. MOVE String Quartet;<br />

Mutter Fourage<br />

21.09. Maria Baptist Orchestra;<br />

Schlot<br />

21./22.09. Ingrid Arthur & The<br />

Players Club; A-Trane<br />

22.09. Pablo Woiz & Milonga<br />

Roots; Schlot<br />

22.09. Fee; Privatclub<br />

22.09. Quasimodo Club Band<br />

feat. Cosmo Klein; Quasimodo<br />

23.09. Mathias Eick; A-Trane<br />

23.09. Musikschule City-West:<br />

Choro City West Ensemble/<br />

Dozentenkonzert: Elisabeth<br />

Tuchmann Quintett; Schlot<br />

23.09. Randi Tytingvåg Trio; B-Flat<br />

24.09. Alison Rayner Quintett &<br />

Sir Bradley Quartett; B-Flat<br />

24.09. Nebula; Schlot<br />

24.09. Andreas Schmidt &<br />

Friends; A-Trane<br />

24.09. Laurence Jones;<br />

Quasimodo<br />

25.09. Marcus Klossek Electric<br />

Trio + Special Guest; Schlot<br />

25.09. Das Neue Rosa Rauschen;<br />

A-Trane<br />

25.09. Earshot Quartett; B-Flat<br />

26.09. Robin´s Nest Jam Session;<br />

B-Flat<br />

26.09. Lars Redlich; Schlot<br />

27.09. Pixel; Quasimodo<br />

27.09. Erna Rot; Konzerthaus<br />

27.09. Lionel Loueke Trio; A-Trane<br />

27.09. tktrio; Schlot<br />

27.09. Ranin Oriental Jazz; B-Flat<br />

28./29.09. BAJAZZO/40 “Ten<br />

<strong>JAZZTHETIK</strong> präsentiert:<br />

Ezra Collective<br />

Wishes”; B-Flat<br />

28.09. Michael Scheunemann<br />

5; Schlot<br />

28.09. David Haynes & Friends;<br />

A-Trane<br />

28.09. Stephan Eicher & Martin<br />

Suter; Universität der Künste<br />

29.09. For Free Hands; Schlot<br />

28./29.09. #bebeethoven<br />

Showcase <strong>–</strong> Konzerte und Performances;<br />

Radialsystem V<br />

28./29.09. Wolfgang Haffner &<br />

Band; Quasimodo<br />

30.09. Julia Hülsmann Trio; B-Flat<br />

Neuruppin<br />

23.09. Trio Laccasax; Herbst-<br />

Aequinox<br />

Neustrelitz<br />

07.09. Bobo & Herzfeld;<br />

Borwinheim<br />

Potsdam<br />

21.09. Electro Deluxe; Nikolaisaal<br />

Rostock<br />

25.09. Jazz Jam Session im Carlo<br />

615; Jazzclub<br />

Stralsund<br />

08.09. Bobo & Herzfeld; Kulturkirche<br />

Jacobi<br />

Wandlitz<br />

02.09. Trio Laccasax; Goldener<br />

Löwe<br />

Raum 20000<br />

Agathenburg<br />

08.09. Ensemble Tityre: Weibermusik;<br />

Schloss<br />

15.09. Anna-Lena Schnabel<br />

Quartett; Schloss<br />

Aurich<br />

08.09. Three Fall & Melane;<br />

North Boung Beach<br />

Bad Bevensen<br />

16.09. Jin Jim; Vakuum<br />

Bremen<br />

07.09. Ceccaldi & Negro;<br />

MusikFest<br />

07.09. Ola Onabule; Sendesaal<br />

12.09. Jason Herbert & Small<br />

World Band; MIB Initiative<br />

19.09. Holly Schlott; Sendesaal<br />

27.09. Uwe Kropinski Trio;<br />

Kulturwerkstatt Westend<br />

28.09. Bobo & Herzfeld;<br />

Sendesaal<br />

Bunderhee-Bunde<br />

09.09. Three Fall & Melane;<br />

Steinhaus<br />

Freiburg/Elbe<br />

13.09. Marco Ambrosini &<br />

Jean Louis Matinier; Hist.<br />

Kornspeicher<br />

Gedelitz<br />

15.09. Jin Jim; Gasthaus Wiese<br />

Hamburg<br />

03.09. Avishai Cohen; Elbphilharmonie<br />

04.09. Ulrike Haage & Christian<br />

Meyer; Elbphilharmonie<br />

04.09. Remembering Al Jarreau<br />

m. Vladyslav Sendecki-Ken<br />

Norris-Jürgen Attig-Matthias<br />

Meusel; Stage Club<br />

05.09. Fatjazz: Dan Gottshall<br />

11.9. Zürich, Exil<br />

12.9. Köln, Yuca<br />

13.9. Berlin, Gretchen<br />

14.9. Hamburg, Knust<br />

15.9. Erfurt, Franz Mehlhose<br />

16.9. Wien, B72<br />

18.9. Frankfurt/M, Brotfabrik/Zoom<br />

19.9. Mannheim, Alte Feuerwache<br />

Artfull Earfull; Turmzimmer Uebel<br />

& Gefährlich<br />

06.09. Dionne Warwick; Elbphilharmonie<br />

07.09. De-Phazz; Mojo Club<br />

07.09. Still in the Woods feat.<br />

Hagelslag; Birdland<br />

07.09. Jazzwerkstatt: Uwe<br />

Oberg & Heinz Sauer/Wolfgang<br />

Schmidtke-Kelvin Sholar-Joh.<br />

Fink-Ernst Bier; Elbphilharmonie<br />

Kl. Saal<br />

09.09. XL 1 - Doppeljazz:<br />

Downtown Big Band & Cherry<br />

Blossom; Stage Club<br />

11.09. XL 2 - Operation Grand<br />

Slam-Jazz at the Movies; Stage<br />

Club<br />

12.09. Fatjazz: Gabriel Coburger<br />

Band; Turmzimmer Uebel &<br />

Gefährlich<br />

13.09. XL - 3 Landesjugendjazzorchester<br />

Hamburg; Stage Club<br />

13./14.09. Markus Stockhausen<br />

u.a.; NDR-Rolf Liebermann<br />

Studio<br />

<strong>JAZZTHETIK</strong> präsentiert:<br />

14.09. Ezra Collective; Knust<br />

13.09. Herbert Pixner Projekt;<br />

Elbphilharmonie<br />

15.09. Jazzwerkstatt: Julia<br />

Kadel Trio/Lucia Cadotsch/<br />

Julie Sassoon/Pablo Held/A.<br />

Schlippenbach/J. Burgwinkel<br />

Medusa Beats; Elbphilharmonie<br />

Kl. Saal<br />

15.09. Lucia Cadotsch Speak Low<br />

feat. Kit Downes; Elbphilharmonie<br />

17.09. Les Négresses Vertes;<br />

Fabrik<br />

18.09. Trilok Gurtu Special m.<br />

Frederik Köster u.a.; Stage Club<br />

19.09. Fatjazz: Niels Klein Tubes<br />

& Wires; Turmzimmer Uebel &<br />

Gefährlich<br />

19.09. Vdelli; Downtown<br />

Bluesclub<br />

20.09. Jan Lundgren Mare<br />

Nostrum; Elbphilharmonie<br />

21.09. Lücker/Schickentanz; Alte<br />

Druckerei Ottensen<br />

22.09. 4fakultät!: Andrea Belfi;<br />

Künstlerhaus Faktor e.V.<br />

22.09. Nes; Elbfest<br />

26.09. Fatjazz: Winnitzki/Lücker/<br />

Hughes, feat. Tobias Delius;<br />

Turmzimmer Uebel & Gefährlich<br />

28.09. Vocal Nites; Elbphilharmonie<br />

28.09. James Rhodes; Laieszhalle<br />

29.09. Yul Anderson; Elbphilharmonie<br />

29.09. Stephan Eicher & Martin<br />

Suter; Laeiszhalle<br />

Keitum/Sylt<br />

13./14.09. Markus Stockhausen;<br />

Teekontor<br />

Kiel<br />

19.09. Maria Baptist; Kulturforum<br />

Leer<br />

16.09. Pablo Held Trio; Speicher<br />

Lübeck<br />

2009. Maria Baptist; CVJM<br />

Lüneburg<br />

06.09. Pablo Held Trio; Kulturforum<br />

20.09. Maybebop; Kulturforum<br />

Lutterbek<br />

20.09. Nes; Lutterbeker<br />

Neumünster<br />

28.09. Echoes Of Swing;<br />

Werkhalle<br />

30.09. Gregory Porter; Kunstflecken<br />

Theater Stadthalle<br />

Oldenburg<br />

07.09. David Helbock’s Random/<br />

Control; Wilhelm13<br />

14.09. “Gehörgänge”: Christoph<br />

Irmer & HCL; Wilhelm13<br />

15.09. Northwest Concert Band;<br />

Wilhelm13<br />

20.09. Jazzsession Jazzclub<br />

Alluvium/JMO; Wilhelm13<br />

21.09. Elmar Braß Trio; Wilhelm13<br />

22.09. Heavy Therapy; Wilhelm13<br />

27.09. Clubabend Jazzclub<br />

Alluvium; Wilhelm13<br />

28.09. Britta Dinkelbach & Band;<br />

Wilhelm13<br />

Reinbek<br />

02.09. Trio Macchiato; Schloss<br />

Spiekeroog<br />

25.09. Uwe Kropinski Trio;<br />

Spiekeroog<br />

100 Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong>


Stade<br />

08.09. David Helbock Random<br />

Control; Seminarturnhalle<br />

Tosterglope<br />

22.09. MOVE String Quartet;<br />

Kunstraum<br />

<strong>JAZZTHETIK</strong> präsentiert:<br />

Verden<br />

22.09. The Hamburg Blues Band<br />

& Friends; Jazz & Bluesnight<br />

Raum 30000<br />

Aerzen<br />

21.09. Marina & The Kats;<br />

Domänenburg<br />

Bad Meinberg<br />

25.09. David Helbock Random<br />

Control; Red Horn District<br />

Bielefeld<br />

01.09. Lisa Stick; Bunker<br />

Ulmenwall<br />

06.09. Nick & June; Bunker<br />

Ulmenwall<br />

08.09. Yellow Bird; Kultursommer<br />

Waldhof/Bunker Ulmenwall<br />

11.09. Soundtrips #40: Laubrock-<br />

Rainey-Duo; Bunker Ulmenwall<br />

12.09. Jason Bartsch; Bunker<br />

Ulmenwall<br />

13.09. Jazz Session; Bunker<br />

Ulmenwall<br />

14.09. BEATZ4OWL ReleaseParty;<br />

Bunker Ulmenwall<br />

21.09. Doppelkonzert Vanoli &<br />

Kreysing-Brügge-Duo; Bunker<br />

Ulmenwall<br />

22.09. Analogue Birds feat.<br />

Gianluca Scagliarini; Bunker<br />

Ulmenwall<br />

25.09. Electric Ulmenwall;<br />

Bunker Ulmenwall<br />

27./28.09. Minute Masters;<br />

Autokulturwerkstatt<br />

28.09. The Fugitives; Bunker<br />

Ulmenwall<br />

Einbeck<br />

01.09. Tri Continental: Bill Bourne,<br />

Lester Quitzau, Madagascar<br />

Slim; Esel<br />

Enger<br />

01.09. Leptophonics & Michael<br />

Gruner - Projekt Heimat; Widukind<br />

Museum<br />

Eschwege<br />

08.09. Echoes Of Swing; E-Werk<br />

Fritzlar<br />

22.09. Deep Schrott; Kulturscheune<br />

Fulda<br />

14.09. Still in the Woods;<br />

Kulturkeller<br />

21.09. David Helbock Random<br />

Control; Kulturkeller<br />

Hannover<br />

06.09. Etta Scollo; Pavillon<br />

06.09. De-Phaz; MuZ<br />

09.09. Nils Wülker; Entdeckertag<br />

14.09. Vdelli; Blues Garage<br />

14.09. Pablo Held Trio; Jazzclub<br />

15.09. Teresa Bergmann; 28.<br />

Internationaler Feuerwerkswettbewerb<br />

18.09. Fee; LUX<br />

19.09. Seitwärts Avantgarde<br />

Session; Kulturpalast Linden<br />

Hidden Orchestra<br />

16.10.18 UT Connewitz,<br />

Leipziger Jazztage <strong>2018</strong><br />

21.09. Chiara Raimondi Quintett;<br />

Jazzclub<br />

29.09. Pablo Ziegler; Jazzclub<br />

Hardegsen<br />

30.09. Eric Schaefer Kyoto mon<br />

Amour; Burg Hardegsen<br />

Herford<br />

07.09. SONIQ South America<br />

- m. Jarry Singla, Ramesh<br />

Shootham, Christina Fuchs u.a.;<br />

Logensaal<br />

Homberg<br />

09.09. Echoes Of Swing;<br />

Stadthalle<br />

Kassel<br />

04.09. Sven Krug Quartett;<br />

Theaterstübchen<br />

13.09. Quinteto Tango Norte;<br />

Theaterstübchen<br />

20.09. David Helbock´s Random/<br />

Control; Theaterstübchen<br />

23.09. Christian Muthspiel & Steve<br />

Swallow; Theaterstübchen<br />

27.09. Omer Klein Trio; Theaterstübchen<br />

Lauenau<br />

23.09. David Helbock Random<br />

Control; Kesselhaus<br />

Magdeburg<br />

21.09. Auftakt 17. Chorfest: Stefan<br />

Schultze: Our Voices; Kloster<br />

Unser Lieben Frauen<br />

Minden<br />

08.09. Torsten Goods & Band;<br />

Jazzclub<br />

15.09. Shakatak; Jazzclub<br />

29.09. Ka Ma Quartet; Jazzclub<br />

Neustadt a. R.<br />

26.09. Omer Klein Trio; Schloss<br />

Landestrost<br />

Salzhemmendorf<br />

29.09. Cajun Roosters; Okal Café<br />

Wolfsburg<br />

28.09. Electro Deluxe; Hallenbad<br />

Raum 40000<br />

Bochum<br />

07./08.09. Tatort Jazz Hausband<br />

feat. Gastsolisten; Innenstadt<br />

08.09. Soundtrips NRW 40: Ingrid<br />

Laubrock-Tom Rainey meeting<br />

Georges Paul-Martin Blume;<br />

Kunstmuseum<br />

09.09. Tatort Jazz Schule; Uwe<br />

Kellerhoff/Padi/The Clap Club;<br />

Innenstadt<br />

15.09. Coolibri, Groove & CT:<br />

Klangsphäre DJ&SPACE: Raphaël<br />

Marionneau; Planetarium<br />

21.09. Mammal Hands; Christuskirche<br />

30.09. Fine Art Jazz: Markus<br />

Stockhausen’s Quadrivium;<br />

Christuskirche<br />

Brüggen<br />

14.09. Joscho Stephan; Burg<br />

Brüggen<br />

Dortmund<br />

06.09. SONIQ - South America<br />

feat. Laura Robles, Demiàn Ornstein,<br />

Sabeth Perez; Domicil<br />

07.09. Katrin Scherer “Cluster<br />

Quartet”; Domicil<br />

13.09. The Dorf; Domicil<br />

15.09. Phronesis; Domicil<br />

20.09. Vdelli; Musiktheater Piano<br />

21.09. Mathias Eick; Domicil<br />

23.09. Chris Hopkins & Judy<br />

Carmichael; Konzerthaus<br />

25.09. Spain; Domicil<br />

Dorsten<br />

14.09. Fine Art Jazz: Triosence;<br />

Das LEO<br />

Düren<br />

22.09. Lazarev Project Group;<br />

KOMM<br />

Düsseldorf<br />

05.09. Sebastian Gahler meets<br />

Uli Beckerhoff; Steinway-Haus<br />

09.09. De-Phazz; Capitol<br />

14.09. Groovin High; Jazzschmiede<br />

15.09. Tap Jam Düsseldorf;<br />

Jazzschmiede<br />

19.09. Sepideh Raissadat;<br />

Jazzschmiede<br />

21.09. Jotam Silberstein Quartet;<br />

Jazzschmiede<br />

22.09. Jugendjazzorchester<br />

NRW; Jazzschmiede<br />

22.09. Der Sandmann; Schauspielhaus<br />

25.09. Jam Session <strong>–</strong> Nils Eikmeier<br />

Quartett; Jazzschmiede<br />

29.09. New Faces; Jazzschmiede<br />

Duisburg<br />

21.09. Barbara Dennerlein;<br />

Salvatorkirche<br />

29./30.09. The Voices - It’s Part-<br />

Time; Explorado Kindermuseum<br />

Erkelenz<br />

23.09. Barbara Dennerlein; Kath.<br />

Pfarrkirche St. Lambertus<br />

Essen<br />

02.09. B.S.E. Jazzclub: Axel<br />

Zynowski Trio; Villa Rü<br />

05.09. Soundtrip NRW #40: Ingrid<br />

Laubrock, Tom Rainey & Others;<br />

Goethebunker<br />

19.09. B.S.E. Jazzclub: Jazzfilmmix;<br />

Villa Rü<br />

21.09. Johanna Borchert; RWE<br />

Pavillon<br />

30.09. Joscho Stephan; Bürgermeisterhaus<br />

Werden<br />

Gelsenkirchen<br />

27.09. Fine Art Jazz: Le Bang<br />

Bang; Nordsternturm<br />

Heiligenhaus<br />

21.09. Gabriel Merlino & Vanina<br />

Tagini; Der Club<br />

Herne<br />

28.09. Le Bang Bang; Literaturhaus<br />

Kempen<br />

16.09. Joscho Stephan;<br />

Haltestelle<br />

19.09. Barbara Dennerlein;<br />

Paterskirche<br />

Krefeld<br />

01.09. Jazz an einem Sommerabend;<br />

Vorburg der Burg Linn<br />

12.09. Joscho Stephan;<br />

Kulturrampe<br />

13.09. Jazzattack; Jazzkeller<br />

24.09. Krefelder Jazzherbst <strong>2018</strong>:<br />

Anna-Lena Schnabel Quartett;<br />

Theater<br />

26.09. Jazz-Session; Jazzkeller<br />

27.09. Jazzattack; Jazzkeller<br />

28.09. Quadrivium; Musikschule<br />

30.09. Free Session frei improvisierte<br />

Musik; Jazzkeller<br />

Münster<br />

01.09. Astpai/Crush; Gleis 22<br />

08.09. Lou Canova; Hot Jazz Club<br />

09.09. Laubrock - Rainey Duo;<br />

Blackbox Cuba<br />

14.09. Dave Goodman & Groove<br />

Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong> 101


Termine<br />

Minister; Hot Jazz Club<br />

16.09. Heinz Strunk; Gleis 22/<br />

Cineplex<br />

17.09. TON/\RT: Malojian/Sophie<br />

Hutchings; LWL-Museum für<br />

Kunst und Kultur/Gleis 22<br />

21.09. Cosmo Klein; Hot Jazz Club<br />

22.09. Eläkeläiset; Gleis 22<br />

26.09. Danger Dan; Gleis 22<br />

28.09. Fotocrime/ Kali Masi;<br />

Gleis 22<br />

28.09. Miu; Hot Jazz Club<br />

29.09. Juse Ju; Gleis 22<br />

29.09. Lady Aga feat. Christian<br />

Kappe; Hot Jazz Club<br />

Mülheim<br />

05.09. Joscho Stephan; Freilichtbühne<br />

Neuss<br />

19.09. HAUS: Mathias Haus-Hendrik<br />

Soll-Mirek Pyschny-Andre<br />

Nendza; Kulturforum Alte Post<br />

Osnabrück<br />

08.09. De-Phazz; Lagerhalle<br />

25.09. Omer Klein; Blue Note<br />

Recklinghausen<br />

01.09. Joscho Stephan; Borente<br />

28./29.09. Barbara Barth / Manuel<br />

Krass; Planetarium<br />

Viersen<br />

14.09. Klare/Bektas/Ak;<br />

Weberhaus<br />

30.09. Echoes Of Swing; Tho-<br />

Rieth-Hof<br />

Visbek<br />

28.09. Les Brünettes; Rathaussaal<br />

Wermelskirchen<br />

16.09. Jazzmatinee: Die<br />

Jazzpoeten XXL; Haus Eifgen,<br />

Kulturinitiative<br />

Wuppertal<br />

05.09. Mount Meander Musikerkollektiv;<br />

Ort<br />

21.09. Randi Tytingvåg Trio; Kultur<br />

im Kontor<br />

22.09. grünen: Achim Kaufmann/<br />

Robert Landfermann/ Christian<br />

Lillinger; Ort<br />

Raum 50000<br />

Aachen<br />

09.09. Soft Machine; Musikbunker<br />

Bergneustadt<br />

08.09. Anna Piechotta; SchauspielHaus<br />

17.09. Denis Gäbel/Stefan<br />

Heidtmann/Reza Askari/Fabian<br />

Arends; SchauspielHaus<br />

29.09. Superthousand: Fabian<br />

Arends/Mick Mertens; SchauspielHaus<br />

Bonn<br />

04.09. Soundtrips NRW 40: Ingrid<br />

Laubrock / Tom Rainey + Erhard<br />

Hirt; Dialograum Kreuzung St.<br />

Helena<br />

07.09. Torsten Goods; Dottendorfer<br />

Jazznacht<br />

13.09. Emil Brandqvist Trio;<br />

Beethovenfest<br />

14.09. Anna Carewe & Oli Bott<br />

Duo; Beethovenfest<br />

15.09. Il Lusorius; Beethovenfest<br />

20.09. Omer Klein; Beethovenfest<br />

28.09. VocColours Plus „Brassimilation“;<br />

Dialograum Kreuzung<br />

St. Helena<br />

Hagen<br />

06.09. JIGS <strong>–</strong> Sammy M. and<br />

the Beyond; Emil Schumacher<br />

Museum<br />

13.09. Soundtrips NRW: Ingrid<br />

Laubrock/Tom Rainey m. Achim<br />

Tang, Martin Verborg; Villa Post<br />

Hamm<br />

29.09. Echoes Of Swing; Kurhaus<br />

Bad Hamm<br />

Herdecke<br />

09.09. Carlos Núñez; Werner<br />

Richard Saal<br />

Hilchenbach<br />

06.09. Carlos Núñez; Ev. Kirche<br />

Höhr-Grenzhausen<br />

23.09. Renato Borghetti; Ev.<br />

Kirche<br />

Hürth<br />

07.09. Caspar van Meel Quintett;<br />

Jazzkeller<br />

21.09. Marius Peters & Heiner<br />

Wiberny; Jazzkeller<br />

29.09. Pangea Ultima, Hürther<br />

Jazznacht<br />

Koblenz<br />

24.09. David Helbock Random<br />

Control; Cafe Hahn<br />

29.09. Guru Guru; Cafe Hahn<br />

Köln<br />

03.09. David Helbock; Altes<br />

Pfandhaus<br />

04.09. The Grand Piano at Stadtgarten:<br />

Philip Zoubek Trio/ Clara<br />

Haberkamp Trio; Stadtgarten<br />

05.09. House of Waters; Altes<br />

Pfandhaus<br />

06.09. JazzTrane: Gäbel/Heidenreich<br />

Quintett; Stadtgarten<br />

06.09. Reconstructing Song<br />

Geheimklub Special; Stadtgarten<br />

Studio 672<br />

06.09. Tom Liwa; Blue Shell<br />

07.09. Yellow Bird/Lagerfeuer<br />

Deluxe: Planschemalöör, Flinte,<br />

Sofia Stark; Stadtgarten<br />

07.09. „The art of the duo“ Philip<br />

Catherine / Martin Sasse; Altes<br />

Pfandhaus<br />

08.09. Andreas Schaerer & A Novel<br />

Of Anomaly; Philharmonie<br />

09.09. Soniq South America feat.<br />

Demián Ornstein, Laura Robles,<br />

Sabeth Perez; Stadtgarten<br />

09.09. Simon Rummel Ensemble;<br />

Museumsinsel Hombroich<br />

11.09. De-Phazz/The Wood<br />

Brothers; Stadtgarten<br />

Giovanni<br />

Costello<br />

12.09. Gratkowski / Nabatov /<br />

Moore; Loft<br />

<strong>JAZZTHETIK</strong> präsentiert:<br />

12.09. Ezra Collective; Yuca<br />

12.09. KLAENG: Hubert Nuss<br />

Trio/Tanrikulu/Kosack/Banner /<br />

Brent Cobb; Stadtgarten<br />

13.09. JazzTrane: Stefan Rey Trio<br />

feat. Johan Hörlen; Stadtgarten<br />

14.09. ensemble FisFüz; Bistro<br />

Verde Rodenkirchen<br />

14.09. Modularfield: Ströme,<br />

An on bast, Hhnoi, Chogori;<br />

Stadtgarten<br />

15.09. Pascal Klewer Bigband<br />

feat. Hagen Horn; Altes<br />

Pfandhaus<br />

16.09. CCJO plays Homer’s<br />

Odyssee; Stadtgarten<br />

16.09. Erna Rot; Goldmund<br />

16.09. Speak like a Child -<br />

Michael Rüsenberg im Gespräch<br />

m. Manfred Schoof; Stadtgarten<br />

Studio 672<br />

18.09. Kommunikation 9 <strong>–</strong> Blind<br />

Date; Salon de Jazz<br />

19.09. Svavar Knutur/Cleopatrick;<br />

Stadtgarten<br />

20.09. Fee; Stereo Wonderland<br />

20.09. Raumklänge: Lazara<br />

Rosell Albear: Unsurrounded;<br />

Temporary Gallery/Zentrum f.<br />

zeitgen. Kunst<br />

20.09. JazzTrane: Martin Schulte<br />

Trio; Stadtgarten<br />

21.09. Sabine Kühlich & Laia<br />

Genc; Kunstsalon Freiraum<br />

21.09. Three Nations Under One<br />

Groove; Stadtgarten<br />

22.09. Late Night Show mit<br />

Wolfgang Hildebrandt; Altes<br />

Pfandhaus<br />

23.09. Hans Lüdemann solo;<br />

Stadtgarten<br />

25.09. Preisträgerkonzert Horstu.<br />

Gretl Will-Stipendium f. Jazz u.<br />

improvisierte Musik; Stadtgarten<br />

25.09. Stephan Eicher & Martin<br />

Suter; Gürzenich<br />

25.09. Meltem Cumbul - Emre<br />

Yavuz; Altes Pfandhaus<br />

26.09. Ayca Mirac; Urania<br />

Theater<br />

26.09. Jan Schreiner Large<br />

Ensemble; Stadtgarten<br />

26.09. Emre Yavuz; Altes<br />

Pfandhaus<br />

27.09. Jenny And The Mexicats/<br />

JazzTrane3: Norbert Scholly<br />

OrganTrio; Stadtgarten<br />

27.09. Urbex - Antoine Pierre<br />

Urbex; Altes Pfandhaus<br />

28./29.09. JazzTrane3: Norbert<br />

Scholly OrganTrio; Stadtgarten<br />

28.09. Jazz-Rock-Pop Tage <strong>2018</strong>:<br />

Rheinische Musikschule Köln;<br />

Julian Bossert Trio, Cello Combo,<br />

Weindorf & Brodersen, What the<br />

Funk; Altes Pfandhaus<br />

29.09. Jazz-Rock-Pop Tage<br />

<strong>2018</strong>: Matchbox, The Ladies &<br />

Homme play Sax, Freetime; Altes<br />

Pfandhaus<br />

30.09. Jazz-Rock-Pop Tage<br />

<strong>2018</strong>: Chilli Voices Unlimited,<br />

Sprung-Steinecke-Zolotov, RMS<br />

JazzOrchester & friends; Altes<br />

Pfandhaus<br />

30.09. Mahnig/Manderscheid/<br />

Sternal/Valk-Johannes Pfingsten;<br />

Stadtgarten<br />

Kreuztal<br />

21.09. Les Brünettes; Ev. Kirche<br />

Buschhütten<br />

Lüdinghausen<br />

27.09. Joscho Stephan; Ricordo<br />

Mainz<br />

10.09. Still in the Woods feat.<br />

Hagelslag; Schon Schön<br />

24.09. Salomea; Schon schön<br />

27.09. Ladysmith Black Mambazo;<br />

Frankfurter Hof<br />

Siegburg<br />

26.09. Le Bang Bang; Jazz Cube<br />

im R2<br />

Wawern<br />

12.09. Mulo Francel; Synagoge<br />

Wesseling<br />

22.09. Martin Schulte Trio;<br />

Rheinforum<br />

Wiltingen<br />

22.09. Caroussel; Bürgerhaus<br />

<strong>JAZZTHETIK</strong> präsentiert:<br />

13.09.18 Spiegelsaal,<br />

Jazztage Dresden<br />

Würselen<br />

07.09. Tingvall Trio; Burg<br />

Wilhelmstein<br />

Raum 60000<br />

Aschaffenburg<br />

11.09. Svavar Knútur; Colos Saal<br />

20.09. Ulla Meinecke Band;<br />

Colos Saal<br />

26.09. Mothers Finest; Colos<br />

Saal<br />

27.09. Markus Stockhausen;<br />

Stadttheater<br />

28.09. Jessica Born & Band;<br />

Colos Saal<br />

Darmstadt<br />

<strong>JAZZTHETIK</strong> präsentiert:<br />

01.09. Mammal Hands; Golden<br />

Leaves Festival<br />

09.09. Yellow Bird; Stadtkirche<br />

16.09. Still in the Woods;<br />

Stadtkirche23.09. Les Brünettes;<br />

Centralstation<br />

Frankfurt a. Main<br />

14.09. JazzIni: Sass-Puschnig;<br />

Gethsemanekirche<br />

15.09. Still in the Woods; Mampf<br />

18.09. Michael Wollny feat. Emile<br />

Parisien; Alte Oper<br />

<strong>JAZZTHETIK</strong> präsentiert:<br />

18.09. Ezra Collective; Brotfabrik/<br />

Zoom<br />

19.09. JazzIni: Alison Rayner<br />

Quintet ARQ & Sir Bradley<br />

Quartett; Fabrik<br />

20.09. JazzIni: Jochen Nix/ Thomas<br />

Cremer: DADA, Schwitters,<br />

MERZKunst; Romanfabrik<br />

23.09. Soul am Römer: hr<br />

Bigband; Open Air Am Römer,<br />

Festakt<br />

26.09. JazzIni: Henning Sieverts<br />

Symmethree; Stadtbücherei<br />

28.09. JazzIni: Jürgen Wuchner<br />

New Quartet; Club Voltaire<br />

29.09. hr Bigband: Soul am<br />

Römer; OpenAir am Römer<br />

29.09. Eric Schaefer Kyoto mon<br />

Amour; Brotfabrik<br />

30.09. Stephan Eicher & Martin<br />

Suter; hr Sendesaal<br />

Friedberg<br />

08.09. StummFilmLiveJazz: „Küspert<br />

& Kollegen“ & „Nosferatu“;<br />

Theater Altes Hallenbad<br />

15.09. Hattler; Theater Altes<br />

Hallenbad<br />

Heidelberg<br />

14.09. Stefanie Boltz; Karlstorbahnhof<br />

Illingen<br />

24.09. Jazz & Talk im Rathaussaal:<br />

Lisa Wulff Trio; Illipse<br />

Kaiserslautern<br />

12.09. Stefanie Boltz; Kammgarn<br />

Lorsch<br />

09.09. Fabrizio Consoli; Theater<br />

Sapperlot<br />

Mannheim<br />

13.09. Nils Wogram; Ella & Louis<br />

<strong>JAZZTHETIK</strong> präsentiert:<br />

19.09. Ezra Collective; Alte<br />

Feuerwache<br />

25.09. Henning Sieverts Symmethree;<br />

Klapsmühl’ am Rathaus<br />

26.09. Eugene Chadbourne; Alte<br />

Feuerwache<br />

Neunkirchen<br />

23.09. Jazzmeeting: Saarlandmeets-Stuttgart,<br />

60 Jahre<br />

Michael Jackson; Stummsche<br />

Reithalle<br />

Saarbrücken<br />

19.09. Fee; Garage<br />

27.09. Gabriel Merlino & Vanina<br />

Tagini; ZBB Breite 63<br />

Weinheim<br />

23.09. Caroussel; Café Central<br />

Wiesbaden<br />

07.09. Achter 1: Hendrika Entzian<br />

Quartet @ Jazzarchitekt; Musikbibliothek<br />

Mauritius-Mediathek<br />

17.09. Fee; Kesselhaus<br />

Raum 70000<br />

Allensbach<br />

24./25.09. Till Brönner & Dieter<br />

Ilg; Gnadenkirche<br />

25.09. Dieter Ilg & Leszek Mozdzer;<br />

Gnadenkirche<br />

26.09. Emil Parisien „Sfumato“<br />

feat. Joachim Kühn; Gnadenkirche<br />

Backnang<br />

28.09. Fola Dada; Kulturgut<br />

Bad Imnau<br />

23.09. Schlossfestspiele: Marina<br />

& the Cats; Fürstensaal<br />

Bietigheim-Bissingen<br />

12.09. Echoes Of Swing; Kelter<br />

Esslingen<br />

23.09. Andreas Schaerer & A<br />

Novel Of Anomaly; Kulturzentrum<br />

Dieselstraße<br />

Freiburg<br />

16.09. Stefanie Boltz; Jazzhaus<br />

20.09. Three Fall & Melane;<br />

Merzhausen Forum<br />

21.09. Jan Lundgren; E-Werk<br />

Göppingen<br />

19.09. Still in the Woods; Jazz-iG<br />

28.09. Christof Lauer Trio; Odeon<br />

Heilbronn<br />

13.09. Chris Gall Trio feat. Frank<br />

Möbus; Cave61<br />

20.09. Tony Lakatos Quintett;<br />

Cave61<br />

27.09. Mayito Rivera & Sons of<br />

Cuba; Cave61<br />

Karlsruhe<br />

13.09. De-Phazz; Tollhaus<br />

21.09. Salomea; KOHI<br />

30.09. The Trouble Notes; Tollhaus<br />

Kornwestheim<br />

26.09. Fola Dada, Hübner &<br />

Fischer; Casino<br />

Lörrach<br />

21.09. Tony Lakatos / Christoph<br />

Spendel Quartet; Jazztone<br />

28.09. Sarah Buechi; Jazztone<br />

Ludwigsburg<br />

14.09. Jasmin Bayer & Band;<br />

Podium Musikhalle<br />

15.09. Stefanie Boltz; Scala<br />

21.09. Jazz à la Flut present<br />

“Mrs Bo’s Cookbook”; Podium<br />

Musikhalle<br />

22.09. David Tixier Trio; Die Luke<br />

28.09. <strong>September</strong>: Adi Mürdter<br />

& Andreas Spätgens; Podium<br />

Musikhalle<br />

Mosbach<br />

05.09. Barbara Dennerlein;<br />

Stiftskirche<br />

Nagold<br />

21.09. Rieke Katz; Seminarturnhalle<br />

102 Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong>


Nimburg<br />

23.09. DuckTapeTicket;<br />

Bergkirche<br />

Offenburg<br />

27.09. hr Bigband & Gianluigi<br />

Trovesi; Alte Schlosserei<br />

Ostfildern<br />

08.09. Joscho Stephan; Zinsholz<br />

Radolfzell<br />

06.09. Les Brünettes; Milchwerk<br />

Reichenbach/Fils<br />

21.09. Vdelli; Die Halle<br />

Rottweil<br />

13.09. Mulo Francel; Badhaus<br />

Schorndorf<br />

01.09. Erb / Baker / Rosaly Trio;<br />

Club Manufaktur<br />

13.09. Lithics; Club Manufaktur<br />

14.09. <strong>September</strong>: Adi Mürdter,<br />

Andreas Spätgens u. Gäste;<br />

Session 88<br />

14.09. Eugene Chadbourne &<br />

Schroeder; Club Manufaktur<br />

21.09. Wolfgang Müller & Band;<br />

Club Manufaktur<br />

29.09. Any Other; Club Manufaktur<br />

Schwäbisch-Hall<br />

22.09. Andreas Schaerer & A<br />

Novel Of Anomaly; Jazzclub<br />

Singen<br />

12.09. Phronesis; Gems<br />

27.09. Empirical; Gems<br />

Stuttgart<br />

08.09. Jütz; Theaterhaus<br />

14.09. Sun Dew (Héloïse Lefebvre<br />

& Paul Audoynaud); Bix<br />

15.09. Linda Kyei Swing Combo;<br />

Bix<br />

16.09. Barbara Dennerlein; Ev.<br />

Stadtkirche Vaihingen<br />

20.09. Jochen Neuffer <strong>–</strong> Tobias<br />

Becker Bigband; Bix<br />

19.09. Shalosh; Bix<br />

21.09. Lars Danielsson Liberetto<br />

III; Theaterhaus<br />

21.09. Ull Möck; Bechstein<br />

Centrum<br />

26.09. Bega Blues Band; Bix<br />

26.09. Fabian Schöne Quartett;<br />

Club Voltaire<br />

27.09. Souldiamonds feat. Fola<br />

Dada; Bix<br />

29.09. Jacob Karlzon & Viktoria<br />

Tolstoy & Stuttgarter Philh.;<br />

Gustav-Siegle-Haus<br />

Tübingen<br />

12.09. Antonio Cuadros de Béjar<br />

& Latin Affairs; Club Voltaire<br />

15.09. Mulo Francel; SWT<br />

KulturWerk<br />

23.09. Dieter Ilg BACH m.<br />

Rainer Böhm & Patrice Heral;<br />

Stiftskirche<br />

Uhingen<br />

23.09. Fola Dada & Friends;<br />

Schloss Filseck<br />

Villingen<br />

08.09. Rolf Kühn m. Frank<br />

Chastenier, Lisa-Rebecca Wulff,<br />

Tupac Mantilla; Franziskaner<br />

Konzerthaus<br />

Waldkirch<br />

14.09. Mulo Francel; Elztalmuseum<br />

Weinstadt-Beutelsbach<br />

20.09. Regina Büchner Quartett;<br />

JAK<br />

27.09. Fauzia Maria Beg; JAK<br />

28.09. Opportunity; JAK<br />

Raum 80000<br />

Augsburg<br />

13.09. Echoes Of Swing; Jazzclub<br />

21.09. Still in the Woods; Grandhotel<br />

Cosmopolis<br />

Baienfurt<br />

22.09. Manfred Junker Organ<br />

Trio; Speidlerhaus<br />

Friedrichshafen<br />

22.09. Stefanie Boltz; Bahnhof<br />

Fischbach<br />

Füssen<br />

05.09. Les Brünettes; Benediktinerkloster<br />

St. Mang<br />

Germering<br />

21.09. Jason Seizer Quartet;<br />

Stadthalle<br />

Habach<br />

07.09.18 The Hamburg Blues<br />

BAND & Friends; Village<br />

Heidenheim<br />

21.09. Joscho Stephan; Duale<br />

Hochschule<br />

Ingolstadt<br />

13.09. Swing IN Big Band<br />

Ingolstadt; Audi Forum<br />

Ismaning<br />

14.09. Claus Boesser-Ferrari m.<br />

Thomas Siffling; Kallmann-<br />

Museum<br />

Landsberg<br />

23.09. Mathias Eick; Theater<br />

Moosburg /Isar<br />

08.09. Jazzkantine; Stadthalle<br />

Mühldorf<br />

24.09. Mulo Francel; Haberkasten<br />

München<br />

01.09. Matthias Gmelin Quintet<br />

feat. Joe Chambers; Unterfahrt<br />

03.09. Al di Meola; Circus Krone<br />

04.-08.09. Shake Stew;<br />

Unterfahrt<br />

11.09. Harold Mabern; Unterfahrt<br />

12.09. Gilad Hekselman ZuperOctave<br />

feat. Aaron Parks &<br />

Kendrick Scott; Unterfahrt<br />

13.09. DuckTapeTicket; Augustinum<br />

München-Nord<br />

15.09. Kiki Manders; Unterfahrt<br />

17.09. Christian Elsässer Jazz<br />

Orch.; Unterfahrt<br />

20.09. Lionel Loueke; Unterfahrt<br />

20.09. Still in the Woods; Rennbahn<br />

Schwabing<br />

21.09. Stefanie Boltz; Ampere<br />

21.09. Torun Erksen; Unterfahrt<br />

23.09. Stephan Eicher & Martin<br />

Suter; Prinzregententheater<br />

24.09. The Munich Uptown Jazz<br />

Bigband; Unterfahrt<br />

27.09. Vdelli; Backstage<br />

27.09. Symmethree; Unterfahrt<br />

29.09. Omer Klein Trio; Unterfahrt<br />

Neuburg<br />

14.09. Dusko Goykovich Quintet;<br />

Birdland<br />

Ravensburg<br />

28.09. Caroussel; Zehntscheuer<br />

Sonthofen<br />

27.09. David Helbock Random<br />

Control; Kulturwerkstatt<br />

Ulm<br />

15.09. Quintessence plus<br />

sauSchall; c<br />

15.09. Kunstwerk: Mobile Instabile;<br />

Nikolauskapelle<br />

23.09. Matthias Kurth & Maike<br />

Lindemann; Sauschdall<br />

Raum 90000<br />

Bamberg<br />

29.09. Henning Sieverts Symmethree;<br />

Jazz Club<br />

Eisenach<br />

21.09. Holly Schlott; Jazzclub<br />

Erfurt<br />

01.09. Holger Arndt Connexion;<br />

Jazzkeller<br />

06.09. A Perfect Pair; Jazzkeller<br />

07.09. Vesna Pisarovic Petit<br />

Standard; Jazzkeller<br />

15.09. Vorwärts/Rückwärts;<br />

Jazzkeller<br />

<strong>JAZZTHETIK</strong> präsentiert:<br />

15.09. Ezra Collective; Franz<br />

Mehlhose<br />

20.09. Jam Session; Jazzkeller<br />

22.09. John Idan; Jazzkeller<br />

23.09. 10. Jazzwanderung im<br />

Steiger<br />

26.09. Rotem Sivan Trio; Achava<br />

Festival Jazzkeller<br />

27.09. Jazz-Filmabend; Jazzkeller<br />

29.09. Freedoms Trio; Jazzkeller<br />

28.09. Jasmin Tabatabai; Achava<br />

Festspiele<br />

29.09. Erna Rot; Haus Dacheröden<br />

Erlangen<br />

12.09. Emil Brandqvist Trio;<br />

E-Werk<br />

Fürth<br />

25.09. Vdelli; Kofferfabrik<br />

Haßfurt<br />

22.09. Joscho Stephan;<br />

Rathaushalle<br />

Helmbrechts<br />

28.09. Omer Klein; Textil<br />

Museum<br />

Herzogenaurach<br />

29.09. Barbara Dennerlein; St.<br />

Magdalena Kirche<br />

Nürnberg<br />

14.09. Flut; Jazz Studio<br />

15.09. Tigaburger; Jazz Studio<br />

20.09. Salomea; Brozzi Jazz<br />

21.09. Matthieu Bordenave<br />

Quartett; Jazz Studio<br />

22.09. Pata Messengers; Jazz<br />

Studio<br />

28.09. Pollon; Jazz Studio<br />

29.09. Mario Rom’s Interzone;<br />

Jazz Studio<br />

Regensburg<br />

20.09. Joe Sachse & Heiner<br />

Reinhart; Jazzclub<br />

27.09. Tribute to Stevie Wonder;<br />

Jazzclub<br />

Schweinfurt<br />

23.09. Michael Wollny; Nachsommer<br />

Schweinfurt<br />

Viechtach<br />

23.09. Still in the Woods; Altes<br />

Spital<br />

Würzburg<br />

07.09. Teresa Bergmann; Stramu<br />

Frankreich<br />

Schiltigheim<br />

11.09. Indra Rios-Moore; Salle<br />

des Fêtes<br />

Italien<br />

Merano<br />

23.09. Dieter Ilg BACH m.<br />

Rainer Böhm & Patrice Heral;<br />

Musikwochen<br />

Luxembourg<br />

Ettelbrück<br />

28.09. CaboCubaJazz; Centre<br />

des Arts Pluriels<br />

Niederlande<br />

Amsterdam<br />

14.09. Ikarai - Muhaamad;<br />

Bimhuis<br />

15.09. Mehmet Polat & Alper<br />

Kekeç; Teatro Munganga<br />

15.09. Once Upon A Time<br />

Orchestra; Bimhuis<br />

17.09. Jazz Orchestra of the<br />

Concertgebouw/Jazz Factory;<br />

Bimhuis<br />

21.09. Mehmet Polat Trio;<br />

Mixtree<br />

23.09. Zakir Hussein; Bimhuis<br />

23.09. Three Nations Under One<br />

Groove; Bimhuis<br />

26.09. Lionel Loueke Group;<br />

Bimhuis<br />

29.09. Oum; Bimhuis<br />

Dordrecht<br />

09.09. Mehmet Polat Trio; Nationaal<br />

Monumenten Dag<br />

Leiden<br />

30.09. Mehmet Polat & Embracing<br />

Colours; De X<br />

Tilburg<br />

21.09. Gilad Hekselman ZuperOctave<br />

feat. Aaron Parks &<br />

Kendrick Scott; Paradox Jazz<br />

Wageningen<br />

22.09. Gilad Hekselman ZuperOctave<br />

feat. Aaron Parks &<br />

Kendrick Scott; Jazz in Vrede<br />

Vreeland<br />

23.09. Mehmet Polat & Alper<br />

Kekeç; Grote Kerk<br />

Österreich<br />

Dornbirn<br />

29.09. David Helbock Random<br />

Control; Spielboden<br />

Graz<br />

28.09. Berndt Luef & Jazztett;<br />

WIST<br />

Innsbruck<br />

01.09. Trio Ivoire feat. Dobet<br />

Gnahoré; Treibhaus<br />

07.09. Branko Galocic;<br />

Treibhaus<br />

19.09. Renato Borghetti;<br />

Treibhaus<br />

20.09. Stefanie Boltz; Treibhaus<br />

30.09. Oum; Treibhaus<br />

Klosterneuburg<br />

14.09. Amira Medunjanin;<br />

Stiftskirche<br />

Lustenau<br />

21.09. Renato Borghetti;<br />

Freudenhaus<br />

Salzburg<br />

04.09. Franz Trattners Funkorchestra;<br />

Jazzit<br />

07.09. Barcelona Gypsy Balkan<br />

Orchestra; Jazzit<br />

07.09. Jütz; Petersbrunnhof<br />

08.09. Poulpe; Jazzit<br />

11.09. Klaus Brennsteiner &<br />

Friends; Jazzit<br />

13.09. Gewürztraminer & der<br />

gmischte Satz; Jazzit<br />

14.09. Cari Cari/ Mop Mop &<br />

Anthony Joseph; Jazzit<br />

15.09. Thomas Gansch & Ballaststofforchester;<br />

Jazzit<br />

16.09. Aeham Ahmad; Jazzit<br />

21.09. Christian Muthspiel &<br />

Steve Swallow; Jazzit<br />

22.09. Rhythmic Tramp Orchestra;<br />

Jazzit<br />

25.09. Peter Bachmayer &<br />

Friends; Jazzit<br />

Schwaz<br />

16.09. David Helbock Random<br />

Control; Eremitage<br />

Seefeld<br />

28.09. Henning Sieverts Symmethree;<br />

Kultur im Schloss<br />

Straden<br />

06.09. Donauwellenreiter; Glatt<br />

& Schräg<br />

St. Veit<br />

08.09. The Hamburg Blues Band<br />

& Friends; Herzogburg<br />

Ulrichsberg<br />

28.09. Kern: Edith Steyer/Matthias<br />

Müller/Yorgos Dimitriadis;<br />

Jazzatelier<br />

Weiz<br />

07.09. Donauwellenreiter;<br />

Kunsthaus<br />

Wien<br />

01.09. Barracuda: Dennis Quaid<br />

& The Sharks; Porgy & Bess<br />

02.09. Nik Bärtsch’s Ronin;<br />

Porgy & Bess<br />

03.09. Azymuth & Marcos Valle;<br />

Porgy & Bess<br />

04.09. Doug Hammond’s 75th<br />

Birthday Concert; Porgy & Bess<br />

05.09. The Stone NYC presents:<br />

Mary Halvorson 4tet; Porgy<br />

& Bess<br />

06.09. Intercultural Achievement<br />

Award; Porgy & Bess<br />

08./09.09. Mund.Art.Wien; Porgy<br />

& Bess<br />

10.09. Gilad Hekselman & Aaron<br />

Parks & Kendrick Scott; Porgy<br />

& Bess<br />

11.09. Georg Graewe & Sonic<br />

Fiction Orchestra; Porgy & Bess<br />

12.09. The Pool (Sonar Kollektiv/<br />

k7!); Porgy & Bess<br />

13.09. Sophie Hunger; Porgy<br />

& Bess<br />

14.09. Martin Breinschmid &<br />

Radio Kings feat. Nicki Parrott;<br />

Porgy & Bess<br />

15.09. Franz Koglmann Sextett;<br />

Porgy & Bess<br />

<strong>JAZZTHETIK</strong> präsentiert:<br />

16.09. Ezra Collective; B72<br />

16.09. Soft Machine 50 Years<br />

Tour; Porgy & Bess<br />

17.09. Renato Borghetti Quartet;<br />

Porgy & Bess<br />

18.09. Still Experienced XL<br />

Band; Porgy & Bess<br />

19.09. Benny Sharoni & Oliver<br />

Kent Trio; Porgy & Bess<br />

20./21.09. Christoph Cech Jazz<br />

Orchestra Project; Porgy &<br />

Bess<br />

22.09. Gerry Hemingway &<br />

Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong> 103


Termine<br />

fronTTon; Porgy & Bess<br />

23.09. Dan Reinstein / Vana<br />

Gierig Quintet; Porgy & Bess<br />

24.09. 20 Jahre DePhazz; Porgy<br />

& Bess<br />

24.09. Still in the Woods; Tunnel<br />

25.09. Gabriele Mirabassi/<br />

Nando Di Modugno/Pierluigi<br />

Balducci; Porgy & Bess<br />

27.09. Café Drechser; Porgy<br />

& Bess<br />

28.-30.09. Portrait Ewald Oberleitner:<br />

Karlheinz Miklin Trio /<br />

Neighbours & Friends / Tori Tango<br />

& D.I.V.A.; Porgy & Bess<br />

Wörgl<br />

16.09. Mulo Francel; Kulturverein<br />

Nischenklänge<br />

Schweiz<br />

Bern<br />

16.09. Jütz; Zentrum Paul Klee<br />

Geneve<br />

15.09. Rita Marcotulli Quartet;<br />

AMR<br />

Luzern<br />

23.09. hr Bigband: Swing,<br />

Swing, Swing!: Kultur- und<br />

Kongresszentrum<br />

Martigny<br />

20.09. KiKu; Les Caves Du<br />

Manoir<br />

Münsterlingen<br />

22.09. Jan Lundgren; Psych.<br />

Klinik<br />

29.09. Vdelli; Bäckerstübli<br />

Rubigen<br />

12.09. Soft Machine; Mühle<br />

Hunziken<br />

22.09. Vdelli; Mühle Hunziken<br />

St. Gallen<br />

26.09. Lucia Cadotsch Speak<br />

Low; Palace<br />

Thusis<br />

28.09. Vdelli; Alte Brauerei<br />

Uster<br />

28.09. David Helbock Random<br />

Control; Jazzclub<br />

Winterthur<br />

24.09. Son Lux; Salzhaus<br />

Zürich<br />

<strong>JAZZTHETIK</strong> präsentiert:<br />

11.09. Ezra Collective; Exil<br />

12.09. Dionne Warwick;<br />

Theater 11<br />

13.09. Stiller Has; Kaufleuten<br />

14.09. The Aristocrats;<br />

Kaufleuten<br />

14.09. Rhoda Scott Lady Quartet;<br />

Moods<br />

16.09. Mother’s Finest; Moods<br />

13.09. Stiller Has; Kaufleuten<br />

14.09. The Aristocrats;<br />

Kaufleuten<br />

17.09. Marie Kruttli Trio feat.<br />

Jonathan Barber/Dave Gisler<br />

Trio; Moods<br />

18.09. Guitar Night: Sönke Meinen/Antoine<br />

Boyer & Samuelito;<br />

Moods<br />

20.09. Zurich Jazz Orchestra<br />

Brazil! feat. Nelson Faria;<br />

Moods<br />

21.09. Jazzanova (live) presents<br />

«The Pool» (Sonar Kollektiv);<br />

Moods<br />

21.09. Daara J Family feat.<br />

Faady Freddy & Ndongo D.;<br />

Moods<br />

22.09. Lionel Loueke Trio; Moods<br />

23./24.09. Monsterjazz: Karl<br />

Seglem & Christoph Stiefel<br />

Group; Moods<br />

23.09. Max Petersen Solo/Simon<br />

Spiess Trio; Moods<br />

25.09. Lucia Cadotsch Speak<br />

Low; Jazz im Seefeld<br />

25.09. José González; Volkshaus<br />

25.09. Bombino; Moods<br />

27.09. Marc Amacher; Moods<br />

27.09. Spain; Bogen<br />

28.09. Blues Night: The Two/Big<br />

Daddy Wilson; Moods<br />

Zug<br />

20.09. Renato Borghetti; Akkordeontage<br />

Clubs 10<br />

Raum 00000<br />

Altenburg<br />

12.10. Jin Jim; Jazzclub<br />

Cottbus<br />

06.10. Kamchatka; Zum Faulen<br />

August<br />

19.10. Jasmin Tabatabai;<br />

Staatstheater<br />

Dessau<br />

27.10. Lily Dahab; Marienkirche<br />

Dresden<br />

05.10. 20 Jahre Drugmiller’s<br />

Bigband feat. Dresden Hepcats;<br />

Tonne<br />

06.10. Wenzel; Tonne<br />

07.10. Bobo & Herzfeld; Kl.<br />

Staatsschauspiel<br />

09.10. Spain; Tonne<br />

12.10. Magris Uhlir Helsic aka<br />

The Muh Trio; Tonne<br />

13.10. Vdelli; Tante Ju<br />

13.10. Sönke Meinen & Bjarke<br />

Falgren; Tonne<br />

16.10. Sven Helbig Forrklang<br />

Quartett; Kleines Haus<br />

19.10. Kinga Głyk; Tonne<br />

19.10. Gogo Penguin; Beatpol<br />

20.10. Contrast Trio; Tonne<br />

23.10. Prag; Tonne<br />

24.10. Forq; Tonne<br />

25./26.10. Helmut „Joe“ Sachse<br />

meets Nils Wogram; Tonne<br />

26.10. Punkt3; Tonne<br />

27.10. Dominic J. Marshall Trio;<br />

Tonne<br />

28.10. Ondrej Havelka & his<br />

Melody Makers; Tonne<br />

Forst<br />

27.10. Popa Chubby; Manitu<br />

Jena<br />

03.10. Holly Schlott; Jazzmeile<br />

Leipzig<br />

05.10. Bobo & Herzfeld;<br />

Telegraph<br />

10.10. Ólafur Arnalds; Gewandhaus<br />

13.10. Leipziger Jazztage: Michael<br />

Wollny; Kunstkraftwerk<br />

17.10. Sven Helbig Forrklang<br />

Quartett; UT Connewitz<br />

28.10. David August; UT<br />

Connewitz<br />

Plauen<br />

04.10. Holly Schlott; Malzhaus<br />

Pohrsdorf<br />

21.10. František Uhlír Quartett;<br />

Saxstall<br />

Raum 10000<br />

Berlin<br />

01.10. Timo Lassy Band; Kantine<br />

am Berghain<br />

05.10. Samuel Torres Agua’Bajo<br />

Special Guest: Maria Raquel;<br />

A-Trane<br />

05.10. Guitar Crusher & The<br />

Mellowtones; Quasimodo<br />

05.10. Indra Rios-Moore;<br />

Apostel-Paulus-Kirche<br />

07.10. Lissie; Heimathafen<br />

Neukölln<br />

09.10. Lisa Lystam Family Band;<br />

Quasimodo<br />

09.10. Aline Frazao; Kantine am<br />

Berghain<br />

09.10. Derek plays Eric;<br />

Maschinenhaus der Kulturbrauerei<br />

10.10. Daniel Brandt; Gretchen<br />

11.10. Donny McCaslin;<br />

Quasimodo<br />

11.10. Ólafur Arnalds; Tempodrom<br />

11.10. Adam Nussbaum`s<br />

Leadbelly Project; A-Trane<br />

12.10. Alana; A-Trane<br />

12.10. Nina Attal; Quasimodo<br />

12.10. Jack White; Verti Music<br />

Hall<br />

13.10. Della Miles; Quasimodo<br />

13.10. Son Lux; Funkhaus<br />

14.10. Preston Reed; Quasimodo<br />

14.10. Tom Rainey Obligato with<br />

Ingrid Laubrock; A-Trane<br />

15.10. Gogo Penguin; Astra<br />

Kulturhaus<br />

15.10. Christine And the Queens;<br />

Columbiahalle<br />

15.10. FiDO plays Zappa;<br />

Quasimodo<br />

<strong>JAZZTHETIK</strong> präsentiert:<br />

16.10. Judi Jackson; Frannz Club<br />

16.10. Kovacs; Huxleys<br />

16.10. The Doors Alive;<br />

Quasimodo<br />

17.10. Henrik Freischlader Band;<br />

Quasimodo<br />

18.10. Quasimodo Club Band<br />

feat. Cosmo Klein; Quasimodo<br />

19.10. Big Daddy Wilson;<br />

Quasimodo<br />

20.10. David Eugene Edwards &<br />

Alexander Hacke; Lido<br />

20.10. Phosphorescent; Frannz<br />

Club<br />

20.10. Rocket Men; Kultstätte<br />

Keller<br />

20.10. FatsO; Quasimodo<br />

21.10. Vincent Peirani “Living<br />

Being”; A-Trane<br />

21.10. Sven Helbig Forrklang<br />

Quartett; Volksbühne<br />

21.10. John Butler Trio; Huxley’s<br />

21.10. Zeitkratzer; Haus der<br />

Kulturen der Welt<br />

22.10. Cuig; Quasimodo<br />

23.10. Yellowjackets; Quasimodo<br />

23.10. Wood & Steel Trio feat.<br />

Michael Schiefel; Pianosalon<br />

23.10. Rainer Böhm; A-Trane<br />

24.10. The Electric Nomads feat.<br />

Dave Weckl, Chris Minh Doky,<br />

George Whitty; A-Trane<br />

24.10. Master Drummers of<br />

Burundi; Huxley’s<br />

24.10. Matt Bianco; Quasimodo<br />

25.10. Sharon Shannon;<br />

Quasimodo<br />

26.10. Popa Chubby; Columbia<br />

Theater<br />

26./27.10. Joscho Stephan;<br />

Kulturhof Gitarrentage<br />

26.10. Layla Zoe; Quasimodo<br />

26.10. Fola Dada Album Tour<br />

Earth; A-Trane<br />

27.10. Nils Wülker; Quasimodo<br />

28.10. Cat Power; Astra<br />

Kulturhaus<br />

30.10. Kennedy Administration;<br />

Quasimodo<br />

30.10. Tonbruket; A-Trane<br />

31.10. Ida Nielsen & Band;<br />

Quasimodo<br />

Neuhardenberg<br />

14.10. Avishai Cohen Trio;<br />

Schinkel Kirche<br />

Schwerin<br />

10.10. Jazzwerkstatt: Willers-<br />

Roder-Marien/Derek plays Eric;<br />

Angler II<br />

Raum 20000<br />

Agathenburg<br />

20.10. Joo Kraus & Tales in Tones<br />

Trio; Schloss<br />

Bad Zwischenahn<br />

26.10. Helmut Eisel & JEM; Alte<br />

Motormühle Rostrup<br />

Bremen<br />

14.10. Diego El Cigala; Glocke<br />

21.10. Kinga Głyk; Schlachthof<br />

25.10. Fatso; Sendesaal<br />

Bücken<br />

27.10. Helmut Eisel & JEM;<br />

Kleinkunstdiele<br />

Hamburg<br />

01.10. The Other Shi; Elbphilharmonie<br />

02.10. Don McLean; Fabrik<br />

02.10. Django Bates Belovèd;<br />

Stage Club<br />

03.10. Echo Collective »Amnesiac«;<br />

Elbphilharmonie<br />

03.10. Fatjazz: Die Enttäuschung;<br />

Turmzimmer Uebel & Gefährlich<br />

05.10. Lissie; Mojo Club<br />

05.10. Ólafur Arnalds; Elbphilharmonie<br />

06.10. Tears for Esbjörn: Viktoria<br />

Tolstoy, Iiro Rantala, Adam<br />

Bałdych u.a.; Elbphilharmonie<br />

08.10. Trio de Lucs; Jazzraum<br />

09.10. Daniel Brandt; Mojo Club<br />

11.10. Per Gessle’s Roxette;<br />

Laeiszhalle<br />

11.10. CMA Songwriters Series;<br />

Laeiszhalle<br />

12.10. Koinstantin Wecker;<br />

Elbphilharmonie<br />

12.10. Rocket Men; Knust<br />

13.10. Diego el Cigala; Elbphilharmonie<br />

15.10. Donny McCaslin; Elbphilharmonie<br />

<strong>JAZZTHETIK</strong> präsentiert:<br />

17.10. Judi Jackson; Mojo<br />

Jazz Café<br />

17.10. Kovacs; Gruenspan<br />

17.10. Fatjazz: KUU!; Turmzimmer<br />

Uebel & Gefährlich<br />

18.10. DuckTapeTicket; Kukuun<br />

18.10. 60 Jahre NDR-Jazz-Konzerte:<br />

Nils Wogram u. NDR Bigband,<br />

Omar Sosa & Company,<br />

James Farm; Elbphilharmonie<br />

18.10. Lisa Wulff Quartett;<br />

Elbphilharmonie Kulturcafé<br />

19.10. Phosphorescent; Nochtspeicher<br />

19.10. Pablo y Ludmila & Cuarteto<br />

Rotterdam; Laeiszhalle<br />

20.10. Klezmerata; Laeiszhalle<br />

22.10. Kudsi Erguner; Elbphilharmonie<br />

20.10. John Butler Trio; Mehr!<br />

Theater<br />

23.10. Leszek Możdżer; Elbphilharmonie<br />

24.10. Stefan Gwildis & Orchester;<br />

Elbphilharmonie<br />

24.10. Fatso; Knust<br />

25.10. Angelika Milster;<br />

Laeiszhalle<br />

25.10. Andreas Schaerer & A Novel<br />

Of Anomaly; Elbphilharmonie<br />

26.10. Blind Date (Überraschungskonzert);<br />

Elbphilharmonie<br />

27.10. Aziza: Potter / Loueke /<br />

Holland / Harland; Elbphilharmonie<br />

27.10. Angelo Branduardi;<br />

Laeiszhalle<br />

27.10. »Viva el tango«;<br />

Laeiszhalle<br />

27.10. Bretagne Rock & Folk Fest<br />

Noz; Fabrik<br />

28.10. Hagen Rether; Laeiszhalle<br />

31.10. Tribalistas: Marisa Monte,<br />

Arnaldo Antunes, Carlinhos<br />

Brown; Elbphilharmonie<br />

31.10. Voices of Aotearoa <strong>–</strong><br />

Stimmen aus Neuseeland;<br />

Laeiszhalle<br />

31.10. Fatjazz: FUSK; Turmzimmer<br />

Uebel & Gefährlich<br />

31.10. Meridian Brothers; Fabrik<br />

Keitum/Sylt<br />

28.10. Lars Danielsson Liberetto<br />

III; Kontorhaus<br />

Leer<br />

07.10. Made To Break; Speicher<br />

21.10. Ab Baars & Kaja Draksler;<br />

Speicher<br />

Lüneburg<br />

14.10. Curly Strings; Wasserturm<br />

25.10. Miu; Ritterakademie<br />

Neumünster<br />

02.10. Miu; Altes Stahlwerk<br />

Norddorf (Amrum)<br />

15.10. Curly Strings; Gemeindehaus<br />

Oldenburg<br />

12.10. Kamchatka; Cadillac<br />

19.10. DuckTapeTicket; Haus<br />

des Hörens<br />

23.10. Scott Matthew; Kulturetage<br />

Syke<br />

19.10. Daniel Kahn & The Painted<br />

Bird; Konzertsaal Kreissparkasse<br />

Raum 30000<br />

Bielefeld<br />

09.10. Reza Askari’s ROAR;<br />

Bunker Ulmenwall<br />

10.10. Quichotte; Bunker<br />

Ulmenwall<br />

16.10. Das Tobias Held IndieJazz-<br />

Project; Bunker Ulmenwall<br />

19.10. Oberg/Eberhard/Hemingway;<br />

Bunker Ulmenwall<br />

24.10. Scott Matthew; Hechelei<br />

(Bielefelder Songtage)<br />

27.10. Tante Polly; Bunker<br />

Ulmenwall<br />

30.10. Trumann New York Quartet<br />

feat. Gress, Peters & Rueckert;<br />

Bunker Ulmenwall<br />

31.10. Trails; Bunker Ulmenwall<br />

Fulda<br />

12.10. Trio de Lucs; Backstage<br />

Gießen<br />

06.10. hr-Bigband & Enrico<br />

Pieranunzi: Ode to Chet Baker;<br />

Stadttheater<br />

27.10. Jan Garbarek Group;<br />

Kongresshalle<br />

Gütersloh<br />

12.10. Andreas Schaerer & A<br />

Novel Of Anomaly; Theater<br />

Hannover<br />

25.10. Popa Chubby; Bluesgarage<br />

27.10. Vincent Peirani „Living<br />

Being“; Jazzclub<br />

Kassel<br />

04.10. Jasper Van´t Hoofs Pili Pili;<br />

Theaterstübchen<br />

05.10. Wojtek Mazolewski<br />

Quintet; Theaterstübchen<br />

07.10. Brian Auger’s Oblivion<br />

Express; Theaterstübchen<br />

08.10. Lisa Lystam Family Band;<br />

Theaterstübchen<br />

16.10. Fables of Jazz; Theaterstübchen<br />

18.10. Pe Werner/Frank Chastenier;<br />

Theaterstübchen<br />

19.10. Michael Wollny Trio;<br />

Theaterstübchen<br />

21.10. The Hamburg Blues Band<br />

feat. Maggie Bell & Krissy<br />

Matthews; Theaterstübchen<br />

25.10. Tango-Trio Mano a Mano;<br />

Theaterstübchen<br />

28.10. James Armstrong Band;<br />

Theaterstübchen<br />

30.10. Julian & Roman Wasserfuhr;<br />

Theaterstübchen<br />

Magdeburg<br />

18.10. Daniel Kahn & The Painted<br />

Bird; Forum Gestaltung<br />

Nienburg<br />

20.10. Lisa Wulff Quartett;<br />

Jazzclub<br />

Wetzlar<br />

07.10. Emil Brandqvist Trio;<br />

Pianohaus<br />

Raum 40000<br />

Bocholt<br />

12.10. Jessica Gall; Alte Molkerei<br />

Bochum<br />

03.10. Tatort Jazz Hausband feat.<br />

Günter Baby Sommer; Bahnhof<br />

Langendreer<br />

06.10. Jazzwerkstatt: Houtkamp/<br />

Beresford/Blume Trio; Kunstmuseum<br />

12.10. Andreas Willers Trio;<br />

Kunstmuseum<br />

26.10. Akua Naru; Bahnhof<br />

Langendreer<br />

Cloppenburg<br />

20.10. The Hamburg Blues Band<br />

& Friends; Kulturbahnhof<br />

Dinslaken<br />

12.10. Céline Bonacina Quartet;<br />

Ledigenheim<br />

18.10. Ed Motta; Ledigenheim<br />

Dortmund<br />

06.10. Ólafur Arnalds; Konzerthaus<br />

09.10. Nina Attal; Blue Notez<br />

14.10. Jack White; Warsteiner<br />

Music Hall<br />

15.10. Hollywood Hits: War and<br />

Peace; Theater<br />

18.10. Gogo Penguin; FZW<br />

20.10. Ben Wendel; Domicil<br />

26.10. Susan Weinert Rainbow<br />

Trio; Domicil<br />

27.10. Django Bates‘ Belovèd;<br />

Domicil<br />

104 Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong>


31.10. 13. Jazzband Ball feat.<br />

Mel Maroon & Swingin’ Mallets<br />

& Gäste; Domicil<br />

Düsseldorf<br />

04.10. Iiro Rantala/Ulf Wakenius;<br />

Schloss Jägerhof, Goethe<br />

Museum<br />

05.10. Kamchatka; Pitcher<br />

11.10. Vdelli; Pitcher<br />

11.10. Joe Krieg Quartet feat.<br />

Johannes Geiß; VVV<br />

27.10. Erna Rot; Hausmusik<br />

Duisburg<br />

03.10. Die entfesselte Droste;<br />

Steinbruch<br />

Essen<br />

05.10. Jo; Schloß Borbeck<br />

06.10. Emil Brandqvist Trio;<br />

Mariengymnasium<br />

06.10. Jazz Pott <strong>2018</strong>: Theo Jörgensmann<br />

Oktett; Grillo-Theater<br />

06.10. Emil Brandqvist Trio;<br />

Marien-Gymnasium/Schmitz<br />

Buch<br />

07.10. B.S.E. Jazzclub: Amanda<br />

Kapsch/Igor Zawatckii; Villa Rü<br />

11.10. Anna Carewe & Oli Bott<br />

Duo; Bürgermeisterhaus<br />

11.10. Klaus Doldinger & Friends;<br />

Alfried Krupp Saal<br />

17.10. B.S.E. Jazzclub: Swinging<br />

Trumpets, Jazztrompeter im<br />

Film; Villa Rü<br />

28.10. Jazz in Essen: The Bad<br />

Plus; Grillo-Theater<br />

Gelsenkirchen<br />

02.10. Ayca Mirac; Die Flora<br />

Gladbeck<br />

12.10. FineArtJazz: About<br />

Aphrodite; Magazin<br />

Hasbergen<br />

<strong>JAZZTHETIK</strong> präsentiert:<br />

13.10. Dean Brown & Band;<br />

Gaste Garage<br />

<strong>JAZZTHETIK</strong> präsentiert:<br />

24.10. Simon Phillips/Bill Evans<br />

& Zen Amadeus; Gaste Garage<br />

Hilden<br />

10.10. Anna Carewe & Oli Bott<br />

Duo; Reformationskirche<br />

Kleve<br />

27.10. Three Fall & Melane;<br />

Jazzfreunde<br />

Krefeld<br />

11.10. Jazzattack; Jazzkeller<br />

25.10. Jazzattack; Jazzkeller<br />

29.10. Krefelder Jazzherbst <strong>2018</strong>:<br />

Thomas Bracht Band feat. Sven<br />

Decker & Nils Wogram; Theater<br />

31.10. Jazz-Session; Jazzkeller<br />

Münster<br />

02.10. Pete Astor & Band &<br />

Support; Gleis 22<br />

04.10. Thee Cavemen; Gleis 22<br />

05.10. Lisa Lystam Family Band;<br />

Hot Jazz Club<br />

06.10. Jesper Munk; Gleis 22<br />

05.10. Lisa Lystam Family Band;<br />

Hot Jazz Club<br />

11.10. Joscho Stephan; Museum<br />

für Lackkunst<br />

12.10. Bukahara; Skaters Palace<br />

13.10. Kamchatka; Hot Jazz Club<br />

13.10. Lygo & Support; Gleis 22<br />

18.10. All The Luck In The World;<br />

Gleis 22<br />

20.10. Big Daddy Wilson; Hot<br />

Jazz Club<br />

20.10. The Spitfires; Gleis 22<br />

21.10. Die Nerven; Gleis 22<br />

24.10. Nils Wülker; Jovel Club<br />

24.10. Cosmo Sheldrake; Gleis 22<br />

25.10. Hundreds; Gleis 22<br />

27.10. Ätna; Gleis 22<br />

27.10. Manou Gallo; Hot Jazz<br />

Club<br />

27.10. Akua Naru; Skaters<br />

Palace<br />

Neuss<br />

17.10. Joscha Oetz: Perfektomat<br />

Nuevo; Kulturforum Alte Post<br />

Osnabrück<br />

11.10. Erna Rot; Blue Note<br />

Rheinberg<br />

14.10. Vdelli; Schwarzer Adler<br />

Rheine<br />

12.10. Vdelli; Hypothalamus<br />

Raum 50000<br />

Aachen<br />

20.10. Daniel Kahn & The Painted<br />

Bird; Franz<br />

Arnsberg<br />

31.10. Frederik Köster - Die<br />

Verwandlung/Johannes Enders<br />

& Nils Wogram; Sauerland<br />

Herbst Ratssaal<br />

Bergneustadt<br />

05.10. Astrid Barth & Philipp<br />

Roemer; SchauspielHaus<br />

07.10. Andreas Gundlach;<br />

SchauspielHaus<br />

13.10. JO-BAND; Schauspiel-<br />

Haus<br />

27.10. Mellow Mark; SchauspielHaus<br />

Bingen<br />

13.10. Hattler; Binger Bühne<br />

Bonn<br />

29.10. Manou Gallo; Harmonie<br />

Brilon<br />

20.10. Michael Wollny/Kinga Głyk;<br />

Jazznacht, Aula Schulzentrum<br />

Burscheid<br />

14.10. Maria Baptist; Badehaus<br />

Fröndenberg<br />

13.10. Tango Ensemble Contrabajando;<br />

Kulturschmiede<br />

Hagen<br />

31.10. Soundtrips NRW: Sofia<br />

Jernberg m. Carl Ludwig Hübsch,<br />

Martin Verborg; Villa Post<br />

Hamm<br />

13.10. Barbara Dennerlein;<br />

Pauluskirche<br />

26.10. Erna Rot; Jazzclub<br />

Heinsberg<br />

11.10. Hattler; Jazz im Rondell<br />

Herdecke<br />

26.10. Nils Wülker; Werner-<br />

Richard-Saal<br />

Hürth<br />

19.10. Django meets Wes - Matthias<br />

Strucken, Joscho Stephan<br />

und Volkern Kamp; Jazzkeller<br />

Koblenz<br />

07.10. Mike Reinhardt Quartett;<br />

Café Hahn<br />

08.10. Emil Brandkvist Trio; Café<br />

Hahn<br />

16.10. Les Brünettes; Stadttheater<br />

Köln<br />

01.10. Echoes Of Swing; Volksbühne<br />

am Rudolphplatz<br />

02.10. Eric Schaefer - Kyoto<br />

Mon Amour/Potsa Lotsa plus<br />

play Love Suit by Eric Dolphy;<br />

Stadtgarten<br />

03.10. Anat Cohen & Trio Brasileiro<br />

/ Gabriele Mirabassi & Trio<br />

Correnteza; Stadtgarten<br />

03.10. Michael Wollny; Philharmonie<br />

03.10. David Helbock's Random/<br />

Control; Altes Pfandhaus<br />

04.10. Lissie; Kulturkirche<br />

05.10. Tuija Komi Quartett; Altes<br />

Pfandhaus<br />

05.10. CCJO; WDR-Sendesaal<br />

05.10. Erna Rot; Loft<br />

06.10. Norma Winstone Quartet /<br />

Naqsh Duo; Stadtgarten<br />

06.10. JO; Salon de Jazz<br />

06.10. Marialy Pacheco ft. Rhani<br />

Krija; Klavierhaus Schocke<br />

07.10. Paul Heller invites Anat<br />

Cohen feat. NLJ All Star Big<br />

Band; Stadtgarten<br />

07.10. Next Level Jazz: Paul<br />

Heller m. Anat Cohen feat. NLJ<br />

All Star Big Band; Stadtgarten<br />

09.10. Markus Stockhausen;<br />

Salon De Jazz<br />

09.10. Kommunikation 9 - Blind<br />

Date; Salon de Jazz<br />

10.10. Sylvie Courvoisier & Mary<br />

Halvorson; Stadtgarten<br />

10.10. Gratkowski / Zoubek /<br />

Landfermann / Mahnig; Loft<br />

11.10. Samuel Torres & Agua<br />

Bajo; Altes Pfandhaus<br />

11.10. The Idumea Quartet:<br />

Appalachia trifft Kammermusik;<br />

Stadtgarten<br />

12.10. Samuel Hope; Stadtgarten<br />

13.10. Celsant & Reza Samani;<br />

Altes Pfandhaus<br />

13.10. Daniel Brandt; Stadtgarten<br />

14.10. Schntzl; Altes Pfandhaus<br />

14.10. Gogo Penguin; Gloria<br />

Theater<br />

18.10. Diego El Cigala; Philharmonie<br />

18.10. Multiple Joy[ce] Orchestra;<br />

Loft<br />

18.10. Kovacs; Gloria<br />

19.10. John Butler Trio; Palladium<br />

21.10. Palace Winter; Stadtgarten<br />

21.10. Nes; Altes Pfandhaus<br />

22.10. Albin Lee Meldau;<br />

Stadtgarten<br />

24.10. Hinrich Franck Band;<br />

Stadtgarten<br />

25.10. Mark Guiliana Jazz<br />

Quartet; Stadtgarten<br />

26.10. Elina Duni & Jean-Paul<br />

Brodbeck; Altes Pfandhaus<br />

27.10. Laura Veirs/David Eugene<br />

Edwards & Alexander Hack;<br />

Stadtgarten<br />

27.10. Tabadoul Orchestra;<br />

Zirkusfabrik Deutz<br />

28.10. Cologne Contemporary<br />

Jazz Orchestra - Ltg. Darcy<br />

James Argue; Stadtgarten<br />

29.10. Petal; Stadtgarten<br />

30.10. Markus Stockhausen;<br />

Tersteegenhaus<br />

30.10. Beata Korioth; Altes<br />

Pfandhaus<br />

30.10. Stephen Malkmus & The<br />

Jicks; Stadtgarten<br />

Leverkusen<br />

05.10. Raumklänge: Albrecht<br />

Maurer & Norbert Rodenkirchen;<br />

Kunstnacht im Museum<br />

Morsbroich<br />

Mainz<br />

13.10. Haberecht 4; Club M8<br />

21.10. Jüdische Kulturwoche<br />

<strong>2018</strong>: Daniel Kahn & The Painted<br />

Bird; Synagoge<br />

Soest<br />

07.10. Cello meets Jazz <strong>–</strong> deep<br />

strings; Brasserie Lamäng<br />

Witten<br />

09.10. Trio de Lucs; Jazzcafé<br />

Wissen<br />

02.10. The Hamburg Blues Band<br />

& Friends; Kulturwerk<br />

Raum 60000<br />

Aschaffenburg<br />

24.10. Popa Chubby; Colos Saal<br />

26.10. Simon Phillips & Bill Evans;<br />

Colos Saal<br />

Bad Nauheim<br />

26.10. The Oh!chestra; Trinkkuranlage<br />

Bad Vilbel<br />

26.10. Echoes Of Swing; Kulturforum<br />

Dortelweil<br />

Darmstadt<br />

05.10. Holly Schlott; JazzInstitut<br />

07.10. Rainer Böhm; Stadtkirche<br />

10.10. Nina Attal; Centralstation<br />

11.10. Gogo Penguin; Centralstation<br />

27.10. Scott Matthew; Friedensgemeinde<br />

31.10. Sarah Ferri; Centralstation<br />

Eppstein<br />

04.10. Vdelli; Wunderbar Weite<br />

Welt<br />

Frankfurt am Main<br />

01.10. Spain; Brotfabrik<br />

04.10. JazzIni: Plandé-Phillips;<br />

Romanfabrik<br />

05.10. hr Bigband & Enrico<br />

Pieranunzi: Ode to Cet Baker; hr<br />

Sendesaal<br />

05.10. JazzIni: Jazzgeschichten<br />

m. Gustl Mayer & Daniella Burmeister;<br />

Gethsemanekirche<br />

10.10. Kamchatka; Das Bett<br />

11.10. Maria Baptist; Jazzkeller<br />

11.10. JazzIni: Lorenz Kellhuber<br />

solo; Steinway & Sons<br />

17.10. Tom Bourgeois; Mampf<br />

17.10. Rocket Men; Ponyhof<br />

18.10. JazzIni: Olivia Trummer;<br />

Romanfabrik<br />

18.10. Sven Helbig Forrklang<br />

Quartett; Brotfabrik<br />

23.10. Akua Naru; Brotfabrik<br />

23.10. Fatso; Horst<br />

25.10. JazzIni: United Colours of<br />

Bessungen; Romanfabrik<br />

27.10. Echoes Of Swing; Lindner<br />

Hotel & Residence<br />

31.10. JazzIni: Thomas Bachmann<br />

Trio; Frankfurt Art Bar<br />

Gelnhausen<br />

19.10. Trio Macchiato; Alte<br />

Synagoge<br />

28.10. Joe Krieg Quartet feat.<br />

Johannes Geiß; Jazzclub<br />

Heidelberg<br />

05.10. Trio de Lucs; Courage<br />

Benefiz<br />

23.10. Vincent Peirani „Living<br />

Being“; Karlstorbahnhof<br />

Hemsbach<br />

15.10. Claus Boesser-Ferrari;<br />

Synagoge<br />

Hettenleidelheim<br />

12.10. Hattler; KS Audio Theater<br />

Illingen<br />

19.10. Illinger Jazz Lounge: Nils<br />

Wülker; Illipse<br />

Kaiserslautern<br />

27.10. JCM feat. Clem Clempson,<br />

Mark Clarke & Ralph Salmins;<br />

Kammgarn<br />

Ludwigshafen<br />

12.10. Enjoy Jazz: Daniel Brandt;<br />

Das Haus<br />

16.10. Andreas Martin Hofmeir<br />

& Benjamin Schmid; BASF<br />

Gesellschaftshaus<br />

17.10. Claus Boesser-Ferrari;<br />

Liszt<br />

Mannheim<br />

<strong>JAZZTHETIK</strong> präsentiert:<br />

04.10. Enjoy Jazz: James Farm;<br />

Alte Feuerwache<br />

13.10. Trio de Lucs; Kazwoo<br />

<strong>JAZZTHETIK</strong> präsentiert:<br />

21.10. Enjoy Jazz: Nicole Johaenntgen;<br />

Alte Feuerwache<br />

<strong>JAZZTHETIK</strong> präsentiert:<br />

22.10. Enjoy Jazz: Aaron Parks<br />

Trio feat. Ben Street & Billy Hart;<br />

Alte Feuerwache<br />

<strong>JAZZTHETIK</strong> präsentiert:<br />

26.10. Enjoy Jazz: Black Milk<br />

& Nat Turner Band; Alte<br />

Feuerwache<br />

<strong>JAZZTHETIK</strong> präsentiert:<br />

29.10. Enjoy Jazz: Rainer<br />

Böhm und Jörg Achim; Alte<br />

Feuerwache<br />

30.10. Haz’Art Trio & Beyond<br />

Borders; Alte Feuerwache<br />

Saarburg<br />

14.10. Nina Attal; Stadthalle<br />

28.10. Sarah Ferri; Evangelische<br />

Kirche<br />

Weinheim<br />

07.10. Kamchatka; Cafe Zentral<br />

Wiesbaden<br />

06.10. Erna Rot; Walhalla Theater<br />

06.10. Hans Lüdemann Trio Ivoir;<br />

Kulturforum<br />

07.10. Ólafur Arnalds; Kurhaus<br />

26.10. Nes; Walhalla im Exil<br />

Raum 70000<br />

Ellwangen<br />

06.10. Hattler; Ballroom<br />

Esslingen<br />

10.10. Aeham Ahmad; Dieselstraße<br />

26.10. <strong>September</strong>; 4peh<br />

28.10. Django Bates´ Beloved;<br />

Dieselstraße<br />

Freiburg<br />

09.10. Gogo Penguin; Jazzhaus<br />

12.10. Trio Elf; Forum Merzhausen<br />

15.10. Nina Attal; Jazzhaus<br />

17.10. Curly Strings; Jazzhaus<br />

21.10. Nils Wülker; Jazzhaus<br />

22.10. Vincent Peirani „Living<br />

Being“; Jazzhaus<br />

24.10. Akua Naru; Jazzhaus<br />

Hechingen<br />

21.10. Rainer Böhm; Alte<br />

Synagoge<br />

Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong> 105


Termine<br />

Heilbronn<br />

04.10. Werner Acker Organ Trio<br />

feat. Fola Dada; Cave61<br />

07.10. Hattler; Kiliansplatz<br />

11.10. Wolfgang Lackerschmid<br />

Connection; Cave61<br />

18.10. Krisch/Höfler/Elgart feat. L.<br />

Newton; Cave61<br />

20.10. Ensemble FisFüz; Türkische<br />

Kulturtage<br />

25.10. Playground; Cave61<br />

Idar-Oberstein<br />

28.10. Daniel Kahn & The Painted<br />

Bird; Stadttheater<br />

Karlsruhe<br />

28.10. Tonbruket; Tollhaus<br />

Konstanz<br />

19.10. Mulo Francel; K 9<br />

Kulturzentrum<br />

Lörrach<br />

05.10. Peter Protschka Quintet<br />

feat. Rick Margitza; Jazztone<br />

12.10. Arne Huber Quartett;<br />

Jazztone<br />

19.10. Wolfgang Lackerschmid<br />

Connection; Jazztone<br />

26.10. Christian Dietkron & Uli<br />

Niedermüller feat. Conny Bauer;<br />

Jazztone<br />

26.10. Jazzchor Freiburg; Burghof<br />

25.10. Claus Boesser-Ferrari;<br />

Guitar Night<br />

Ludwigsburg<br />

05.10. Phone B Trio in New<br />

Orleans; Podium Musikhalle<br />

12.10. Session; Podium<br />

Musikhalle<br />

19.10. Ferenc und Magnus Mehl<br />

Quartett; Podium Musikhalle<br />

26.10. Playground Quartett;<br />

Podium Musikhalle<br />

Müllheim<br />

26.10. Lisette Spinnler; Martinskirche<br />

Rastatt<br />

12.10. Jazzchor Freiburg; Kirche<br />

St. Alexander<br />

26.10. Lisette Spinnler; Martinskirche<br />

Reutlingen<br />

16.10. Rocket Men; Franz K<br />

Schorndorf<br />

05.10. Luc Houtkamp / Steve<br />

Beresford / Martin Blume; Club<br />

Manufaktur<br />

05.10. Ulf Wakenius; Barbara-<br />

Künkelin-Halle<br />

05.10. Iiro Rantala & Ulf Wakenius;<br />

Jazzclub Session 88<br />

06.10. Swutscher; Club Manufaktur<br />

17.10. Jo Passed; Club Manufaktur<br />

19.10. Jess Williamson; Club<br />

Manufaktur<br />

25.10. Thabilé & Band; Club<br />

Manufaktur<br />

26.10. Ken Vandermark / Mark<br />

Tokar / Klaus Kugel; Club<br />

Manufaktur<br />

31.10. Riverside; Club Manufaktur<br />

Singen<br />

11.10. Mahiko Hirabashi Trio;<br />

Gems<br />

21.10. Matinee: Choice Band;<br />

Gems<br />

26.10. Julian Lage Trio; Gems<br />

Stuttgart<br />

03.10. Werner Acker Organ Trio<br />

feat. Fola Dada; Bix<br />

06.10. „Mela“ Maria Spaemann;<br />

Kulturkabinett<br />

09.10. Kamchatka; Keller Klub<br />

10.10. Wolfgang Lackerschmid<br />

Connection; Bix<br />

12.10. Eva Kruse “On the Mo”; Bix<br />

13.10. Aline Frazão; Bix<br />

17.10. André Weiß Trio feat. Tony<br />

Lakatos; Bix<br />

19.10. Ka Ma Quartet; Bix<br />

22.10. Akua Naru; clubCANN<br />

26.10. Jan Garbarek Group;<br />

Theaterhaus<br />

27.10. Fola Dada Album Tour<br />

Earth; Bix<br />

30.10. David August; Wizemann<br />

Tiefenbronn<br />

20.10. Jessica Gall; Musikverein<br />

Mühlhausen<br />

Tübingen<br />

© Francesco Desmaele<br />

03.10. Der Weise Panda; Club<br />

Voltaire<br />

12.10. Eyal Lovett Quartet; Bechstein<br />

Centrum<br />

16.10. Mingus 21; SWR-Studio<br />

20.10. Kühn - Humair - Chevillon;<br />

Sudhaus<br />

21.10. Lukas Pfeil Big Band feat.<br />

Fola Dada; Jazz und Klassiktage<br />

24.10. Martin Sörös Quartett; Club<br />

Voltaire<br />

27.10. Joe Krieg Quartet feat.<br />

Johannes Geiß; Kiste<br />

Tuttlingen<br />

05.10. Vdelli; Rittergarten<br />

Bluesnight<br />

Urbach<br />

20.10. <strong>September</strong> m. Andreas<br />

Pastorek u. Max Gerwien;<br />

Schlosskeller<br />

Raum 80000<br />

Augsburg<br />

04.10. All Swing Big Band;<br />

Parktheater Göggingen<br />

Bad Reichenhall<br />

20.10. Echoes Of Swing;<br />

Spielbank<br />

Bad Wörishofen<br />

21.10. Echoes Of Swing; Jazz<br />

Time, Filmhaus Huber<br />

Elmau<br />

02.10. Janoska Ensemble;<br />

Schloss Elmau<br />

06.10. Lars Danielsson Liberetto<br />

III; Schloss Elmau<br />

12.10. Viktoria Tolstoy & Claes<br />

Crona Trio; Schloss Elmau<br />

18.10. Espen Eriksen Trio;<br />

Schloss Elmau<br />

20.10. David Helbock’s Random/<br />

Control; Schloss Elmau<br />

26.10. Omer Klein Trio; Schloss<br />

Elmau<br />

27.10. Tamar Halperin-Guy<br />

Sternberg; Schloss Elmau<br />

Feldafing<br />

05.10. Lars Danielsson Liberetto<br />

III; Bürgersaal<br />

Germering<br />

26.10. Joris Roelofs Trio;<br />

Stadthalle<br />

Ismaning<br />

26.10. Wood & Steel Trio feat.<br />

Michael Schiefel; Kallmann<br />

Museum<br />

Kaufbeuren<br />

27.10. Wood & Steel Trio feat.<br />

Michael Schiefel; Stiftsterrassen<br />

Lenggries<br />

05.10. DuckTapeTicket; Kleinkunst<br />

& Kultur<br />

Monheim<br />

04.10. Joscho Stephan; Jazzclub<br />

Moosach<br />

12.10. David Gazarov Trio feat.<br />

Stefanie Boltz; Pelkovenschlösschen<br />

Mühldorf/Inn<br />

13.10. Joscho Stephan;<br />

Haberkasten<br />

München<br />

01.10. Jazz Big Band Association;<br />

Unterfahrt<br />

02.10. Tuija Komi Quartet;<br />

Unterfahrt<br />

04.10. DuckTapeTicket; Pasinger<br />

Fabrik<br />

06.10. Echoes Of Swing;<br />

Unterfahrt<br />

08.10. Matthias Bublath Eight<br />

Cylinder Bigband; Unterfahrt<br />

09.10. Joanna Wallfisch;<br />

Unterfahrt<br />

11.10. Daniel Brandt; Blitz<br />

11.10. Jasmin Bayer; Kulturzentrum<br />

Trudering<br />

13.10. Nina Attal; Unterfahrt<br />

13.10. Jack White; Zenith<br />

15.10. Kovacs; Muffathalle<br />

15.10. Jan Garbarek Group;<br />

Philharmonie<br />

15.10. Jazzrausch Bigband;<br />

Unterfahrt<br />

19.10. Ed Motta; 20.10. Dino<br />

Saluzzi Quintett; Unterfahrt<br />

20.10. Dino Saluzzi Quintett;<br />

Unterfahrt<br />

22.10. Big Band Night: Earforce;<br />

Unterfahrt<br />

22.10. John Butler Trio; Tonhalle<br />

23.10. Nils Wülker; Ampere<br />

24.10. Vincent Peirani Quintet <strong>–</strong><br />

Living Being II; Unterfahrt<br />

26.10. Yazz Ahmed; Unterfahrt<br />

29.10. David August; Technikum<br />

29.10. Sunday Night Orchestra;<br />

Unterfahrt<br />

31.10. Tonbruket; Unterfahrt<br />

Neuried<br />

21.10. Barbara Dennerlein;<br />

Kirche St. Nikolaus<br />

Oberschleißheim<br />

18.10. Mulo Francel; Bürgerzentrum<br />

Ravensburg<br />

05.10. Christian Muthspiel &<br />

Steve Swallow; Konzerthaus<br />

18.10. JMO; Kulturzentrum Linse<br />

Schwabmünchen<br />

12.10. Les Brünettes; Stadthalle<br />

Starnberg<br />

13.10. Andreas Schaerer & A<br />

Novel Of Anomaly; Schlossberghalle<br />

Ulm<br />

06.10. Dirk Maassen; Stadthaus<br />

07.10. Silke Eberhard Trio: “I am<br />

Three”; Stadthaus<br />

22.10. Michael Wollny Trio;<br />

Stadthaus<br />

Raum 90000<br />

Bayreuth<br />

05.10. Emil Brandqvist Trio;<br />

Jazzforum<br />

Erlangen<br />

10.10. Gogo Penguin; E-Werk<br />

14.10. Les Brünettes; Redoutensaal<br />

Erfurt<br />

04.10. Reel 2 Reel; Jazzkeller<br />

06.10. Dresdener Musikbrigade;<br />

Jazzkeller<br />

11.10. Kamchatka; Museumskeller<br />

12.10. Raphael Wressnig/Marcus<br />

Horn; Jazzkeller<br />

18.10. Vortrag: Mario Schneeberger:<br />

Geschichte des Jazz;<br />

Jazzkeller<br />

19.10. NerlySmallband; Jazzkeller<br />

20.10. 10 Jahre Nerly Bigband;<br />

Gewerkschaftshaus<br />

25.10. Jazz-Filmabend; Jazzkeller<br />

27.10. Uwe Kropinski; Jazzkeller<br />

Fürth<br />

25.10. David Helbock Random<br />

Control; Kulturforum<br />

27.10. Exit Universe; Fürther<br />

Jazzvariationen<br />

Helmbrechts<br />

18./19.10. Curly Strings;<br />

Kulturwelten<br />

Höchstadt<br />

19.10. Markus Stockhausen<br />

& Florian Weber INSIDE OUT;<br />

Jazz!3<br />

Nordhausen<br />

06.10. Holly Schlott; Jazzclub<br />

13.10. Jin Jim; Jazzclub<br />

Nürnberg<br />

04.10. Trio de Lucs; Tante Betty<br />

05.10. Latin Funk Factory; Jazz<br />

Studio<br />

06.10. Das letzte Känguru; Jazz<br />

Studio<br />

12.10. Chris Gall Trio feat. Frank<br />

Möbus; Jazz Studio<br />

13.10. Axel Kühn Trio; Jazz Studio<br />

<strong>JAZZTHETIK</strong> präsentiert:<br />

Simon Phillips &<br />

Bill Evans &<br />

Zen Amadeus<br />

24.10.18<br />

Hasbergen, Gaste Garage<br />

19.10. Klaus Brandl /Chris<br />

Schmitt; Jazz Studio<br />

20.10. Peer Baierlein South<br />

Quartet<br />

21.10. Hübscher, Hauber &<br />

Friends; Jazz Studio<br />

22.10. Peter van Huffel Octet;<br />

Jazz Studio<br />

24.10. Fola Dada und Band; Jazz<br />

Studio<br />

26.10. Saxofour; Jazz Studio<br />

27.10. Johannes Enders Quartett;<br />

Jazz Studio<br />

Ochsenfurt<br />

12.10. Joe Krieg Quartet feat.<br />

Johannes Geiß; Kulturherbst<br />

Passau<br />

22.10. David Helbock Random<br />

Control; Café Museum<br />

Regensburg<br />

04.10. Wolfgang Schmidt Trio;<br />

Jazzclub<br />

11.10. Eva Kruse; Jazzclub<br />

13.10. Maria Baptist; Piano Metz<br />

17.10. Jim Mullen; Jazzclub<br />

21.10. Isle Of Swing; Jazzclub<br />

23.10. Nicole Johänntgen;<br />

Jazzclub<br />

27.10. Teresa Bergmann; Sternschnuppennacht<br />

31.10. Tokunbo; Jazzclub<br />

Weimar<br />

25.10. Wood & Steel Trio feat.<br />

Michael Schiefel; Fürstensaal<br />

Würzburg<br />

01.10. Joe Krieg Quartet feat.<br />

Johannes Geiß; Omnibus<br />

Belgien<br />

Antwerpen<br />

25.10. Ólafur Arnalds; Queen<br />

Elisabeth Hall<br />

Brüssel<br />

13.10. Tom Bourgeois; Jazz-<br />

Station<br />

Luxembourg<br />

Luxembourg-Stadt<br />

11.10. Aline Frazao; Philharmonie<br />

Niederlande<br />

Alkmaar<br />

20.10. Mehmet Polat with<br />

Dragonfly; Theater de Veste<br />

Amsterdam<br />

03.10. Mehmet Polat feat. Lenneke<br />

van Staalen & Heiko Dijker;<br />

De Meevaart<br />

04.10. David Helbock´s Random/<br />

Control; Bimhuis<br />

05.10. Benjamin Herman’s<br />

Bughouse; Bimhuis<br />

06.10. Pandit Rajan & Pandit<br />

Sajan Mishra; Bimhuis<br />

07.10. BCUC; Bimhuis<br />

08.10. James Farm: Joshua Redman,<br />

Aaron Parks, Matt Penman,<br />

Eric Harland; Bimhuis<br />

11.10. Nick Mancini Collective;<br />

Bimhuis<br />

12.10. Brian Marsella Trio;<br />

Bimhuis<br />

13.10. Festival ColorEs Colombia;<br />

Bimhuis<br />

14.10. Donny McCaslin <strong>–</strong> Blow;<br />

Bimhuis<br />

106 Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong>


17.10. Wacław Zimpel + Saagara;<br />

Bimhuis<br />

18.10. KUU! feat. Kalle Kalima,<br />

Frank Möbus & Christian<br />

Lillinger; Bimhuis<br />

19.10. CelloFest: The Visit/BartolomeyBittmann;<br />

Bimhuis<br />

20.10. CelloFest: Cello Warriors;<br />

Bimhuis<br />

20.10. CelloFest: Mela Marie<br />

Spaemann/NES; Bimhuis<br />

21.10. CelloFest: Kamancello/<br />

The Eric Longsworth Project;<br />

Bimhuis<br />

21.10. CelloFest: Masterclass<br />

Colin Carr/The Comparison <strong>–</strong><br />

Cello makers; Bimhuis<br />

22.10. CelloFest: Weijenberg<br />

& Kliphuis/Svante Henryson<br />

Quartet; Bimhuis<br />

22.10. CelloFest: Masterclass<br />

Jordi Savall; Bimhuis<br />

23.10. Workshop Arnold Dooyeweerd/Jam<br />

Session led by Emile<br />

Visser & Annie Tångberg<br />

23.10. Cello Warriors; Bimhuis<br />

24.10. CelloFest: Harald Austbø<br />

Quartet/Ecce Cello/Masterclass<br />

Jean-Guihen Queyras; Bimhuis<br />

25.10. CelloFest: Chesaba/Jörg<br />

Brinkmann Trio; Bimhuis<br />

25.10. CelloFest: Masterclass<br />

Nicolas Altstaedt; Bimhuis<br />

26.10. CelloFest: Maya Beiser/<br />

Maarten Vos/ Masterclass Roel<br />

Dieltiens; Bimhuis<br />

27.10. CelloFest: Masterclass<br />

Matt Haimovitz/Cello Warriors;<br />

Bimhuis<br />

27.10. Theo Croker ‘Star People<br />

Nation’; Bimhuis<br />

28.10. Ben Wendel Seasons<br />

Band; Bimhuis<br />

31.10. John Scofield Quartet;<br />

Bimhuis<br />

Deventer<br />

14.10. Mehmet Polat & Alper<br />

Kekeç; Fermerie<br />

Groningen<br />

28.10. Ólafur Arnalds; Oosterpoort<br />

Haarlem<br />

09.10. Mehmet Polat Trio;<br />

Philharmonie<br />

Nijmegen<br />

27.10. Ólafur Arnalds; Concertgebouw<br />

De Vereeniging<br />

Rotterdam<br />

29.10. Ólafur Arnalds; Schouwburg<br />

Utrecht<br />

05.10. Mehmet Polat with<br />

Dragonfly; Barbeton<br />

Österreich<br />

Bad Hofgastein<br />

21.10. David Helbock Random<br />

Control; Jazz im Sägewerk<br />

Dornbirn<br />

20.10. KUU!; Spielboden<br />

Fehring<br />

16.10. Mulo Francel; Gerberhaus<br />

Graz<br />

01.10. Nicolas Hodges; KUG<br />

11.10. Malcolm Braff Trio;<br />

Stockwerk<br />

17.10. On Keys; Forum Stadtpark<br />

19.10. Miller´s Tale; WIST<br />

26.10. Strase & Das wilde Trio;<br />

Forum Stadtpark<br />

Hallein<br />

05.10. Holler My Dear; Kulturforum<br />

Hard<br />

06.10. Vdelli; Kammgarn<br />

Innsbruck<br />

31.10. Akua Naru; Treibhaus<br />

Linz<br />

15.10. Ólafur Arnalds; Posthof<br />

21.10. Jütz; Brucknerhaus<br />

Salzburg<br />

27.10. Renato Unterberg &<br />

Mildenburg Smallstars; Jazzit<br />

29.10. Popa Chubby; Rockhouse<br />

29.10. Giorgio Conte; Jazzit<br />

Ulrichsberg<br />

26.10. Fish-Scale Sunrise:<br />

Ab Baars/Kaja Draksler/Joe<br />

Williamson; Jazzatelier<br />

Wien<br />

01.10. Mario Biondi; Porgy<br />

& Bess<br />

07.10. Django Bates’ Belovèd w.<br />

Petter Eldh & Peter Bruun; Porgy<br />

& Bess<br />

08.10. Adam Nussbaum’s Leadbelly<br />

Project; Porgy & Bess<br />

10.10. Spain; Chelsea<br />

11.10. Jesper Munk; Porgy<br />

& Bess<br />

12./13.10. Jeunesse Special I:<br />

Lukas König; Porgy & Bess<br />

15.10. Brian Marsella Trio; Porgy<br />

& Bess<br />

18.10. Courvoisier/Feldman/Parker/Mori;<br />

Porgy & Bess<br />

19.10. Karen Asatrian & Armenian<br />

Spirit; Porgy & Bess<br />

20.10. Renato Borghetti & Yamandu<br />

Costa; Konzerthaus<br />

21.10. Nouvelle Cuisine Bigband;<br />

Porgy & Bess<br />

22.10. Amira Medunjanin &<br />

Bojan Z.; Porgy & Bess<br />

23.10. Nes; Sargfabrik<br />

23.10. John Butler Trio; Arena<br />

23.10. The Bad Plus; Porgy<br />

& Bess<br />

24.10. Nes; Sargfabrik<br />

25.10. Vincent Peirani ‘Living<br />

Being 2’; Porgy & Bess<br />

30.10 Popa Chubby; Reigen<br />

31.10. Youn Sun Nah; Porgy<br />

& Bess<br />

Zwettl<br />

06.10. Holler My Dear; Syrnau<br />

Schweiz<br />

Bern<br />

10.10. BKO; Musigbistrot<br />

Lausanne<br />

11.10. BKO; Le Romandie<br />

Neuenegg<br />

28.10. Jütz; Kirchgemeinde<br />

Niederrohrdorf<br />

25.10. Jütz; Flute Trends Atelier<br />

Schaffhausen<br />

17.10. Bombino; Kammgarn<br />

Stans<br />

16.10. Spain; Chäslager<br />

Sursee<br />

26.10. Jütz; Somehuus<br />

Thalwil<br />

26.10. Renato Borghetti; Jazzclub<br />

Walkringen<br />

27.10. Jütz; Kirche<br />

Vevey<br />

13.10. Bombino; Le Bout du<br />

Monde<br />

Zürich<br />

01.10. Artists in Residence: Ute<br />

Kanngieser/Silvan Schmid/<br />

Valentin Dietrich; Moods<br />

02.10. ZKB Special: James Farm<br />

feat. Joshua Redman, Aaron<br />

Parks, Matt Penman & Eric<br />

Harland; Moods<br />

05.10. Colin Stetson <strong>–</strong> Greg Fox <strong>–</strong><br />

Trevor Dunn; Moods<br />

05.10. William Fitzsimmons &<br />

Joshua Radin; Kaufleuten<br />

06.10. Camille Bertault; Moods<br />

07.10. Sophie Hunger; Moods<br />

09.10. Django Bates; Moods<br />

11.10. Raphael Jost & Lots of<br />

Horns; Moods<br />

12.10. Ana Carla Maza/Omar<br />

Sosa & Yilian Canizares feat.<br />

Gustavo Ovalles; Moods<br />

14.10. Gisela João/Aline Frazão;<br />

Moods<br />

15.10. Kristel; Moods<br />

16.10. Iety/Silvan Schmid Quintet;<br />

Moods<br />

16.10. The Marcus King Band;<br />

Kaufleuten<br />

17.10. Ólafur Arnalds; Volkshaus<br />

18.10. Nicole Johänntgen;<br />

Moods<br />

19.10. Cory Wong; Moods<br />

19.10. Diego El Cigala; Volkshaus<br />

20.10. Angelo Branduardi;<br />

Volkshaus<br />

21.10. Marco Masini; Kaufleuten<br />

21.10. Nitai Hershkovits; Moods<br />

22.10. Josef Leimnberg; Moiods<br />

23. & 25.10. Steff La Cheffe;<br />

Moods<br />

26.10. Nuit Électronique; Moods<br />

27.10. Joe Louis Walker; Moods<br />

28.10. Yumi Ito-Yves Theiler/Carla<br />

Bley; Moods<br />

29.10. Khouri-Glanzmann-<br />

Schmid/Félicie Bazlaire; Moods<br />

30.10. Kamaal Williams; Moods<br />

Festivals<br />

44. Jazz Festival Willisau<br />

Noch bis 2.9.<strong>2018</strong><br />

Willisau/CH<br />

Oliver Lake Organ Quartet,<br />

The Thing feat. James Blood<br />

Ulmer, Jaimie Branch’s Fly or<br />

Die, Fischermanns Orchestra,<br />

Irina & Jones, Stoffner/Lovens/<br />

Mahall, The Young Mothers,<br />

Hanreti, Nate Wooley Battle Pieces,<br />

Fredy Studer, Spill, Celea/<br />

Reisinger/Parisien u.a.<br />

www.jazzfestivalwillisau.ch<br />

powered by Sommerton-Festival<br />

<strong>2018</strong><br />

Noch bis 2.9.<strong>2018</strong><br />

Schlossanlage<br />

Diersfordt, Wesel<br />

Die „Muziek Biennale<br />

Nierderhein“ ist mit ihrer<br />

Auftaktveranstaltung Gast des<br />

Sommerton-Festivals. Mit dem<br />

dreitägigen Festivalauftakt<br />

unter dem Titel „Ein Fenster zur<br />

Freiheit - Musikkulturen dieser<br />

Welt“ werden wir Sie auf eine<br />

besondere musikalische Reise<br />

mitnehmen: „The Astounding<br />

Eyes of Rita“ des tunesischen<br />

Oud-Virtuosen Anouar Brahem<br />

mit Khaled Yassine-Klaus<br />

Gesing-Björn Meyer.<br />

www.sommerton.de<br />

Ruhrtriennale<br />

Noch bis 23.9.<strong>2018</strong><br />

Im gesamten Ruhrgebiet<br />

Zum ersten Mal unter der<br />

Intendanz von Stefanie Carp<br />

mit Artiste associé Christoph<br />

Marthaler. 33 Produktionen und<br />

Projekte, davon 20 Eigen- und<br />

Koproduktionen, 16 Uraufführungen,<br />

Neuinszenierungen,<br />

Deutschlandpremieren und<br />

Installationen werden in den<br />

ehemaligen Industriehallen des<br />

Ruhrgebietes und an weiteren<br />

Orten gezeigt.<br />

www.ruhrtriennale.de<br />

Monat der zeitgenössischen<br />

Musik<br />

Noch bis 30.9.<strong>2018</strong><br />

Berlin<br />

Musikfest der Berliner Festspiele,<br />

BAM! Berliner Festival<br />

für aktuelles Musiktheater,<br />

NordiConTempo, Dystopie<br />

Sound Art Festival. Beteiligt<br />

sind insgesamt rund 1.500<br />

Musiker*innen bei weit über<br />

100 Veranstaltungen.<br />

www.inm-berlin.de<br />

Jazztube Festival<br />

Noch bis 14.10.<strong>2018</strong><br />

Bonn, U-Bahnhaltestellen,<br />

Pantheon Theater etc.<br />

Dad’s Phonkey, Yassmo‘ & the<br />

Phonk Diggers, Band Bungalow,<br />

Martin Berner Quintett, Starke<br />

& Gorter, Thiago Gois Band u.a.<br />

und dem Finale des Votings<br />

im Pantheon Theater: Jan<br />

Alexander Trio feat. Heidi Bayer,<br />

Mengamo Trio, Simin Tander &<br />

Jörg Brinkmann u.a.<br />

www.jazz-tube-bonn.de<br />

Niedersächsische Musiktage<br />

1.-30.9.<strong>2018</strong><br />

Ganz Niedersachsen<br />

Motto: „Beziehungen“. Musik aller<br />

Genres, u.a. mit NDR-Bigband<br />

m. Thomas Quasthoff, China Moses,<br />

Avi Avital, Wallis Bird u.a.<br />

www.musiktage.de<br />

Talos Festival<br />

1.-9.9.<strong>2018</strong><br />

Ruvo di Puglia, IT<br />

Live-Musik, zeitgenössischer<br />

Tanz, alle Originalproduktionen,<br />

CD- und Buchpräsentationen,<br />

Thementreffen, Meisterkurse,<br />

Fotoausstellungen.<br />

www.talosfestival.it<br />

Jazz an einem Sommerabend<br />

1.9.<strong>2018</strong><br />

Burg Linn, Krefeld<br />

Mit Kinga Glyk, Makiko Hirabashi<br />

Trio, Horst Hansen Trio.<br />

www.jazz-an-einem-sommerabend.de<br />

Jazzhátíd Reykjavikur - Reykjavik<br />

Jazzfestival<br />

5.-9.9.<strong>2018</strong><br />

Reykjavik/ISL<br />

www.reykjavikjazz.is<br />

Trave Jazz Festival<br />

6.-9.9.<strong>2018</strong><br />

Lübeck, versch. Orte<br />

Mit KaMA Quartet u.a.<br />

www.travejazz.de<br />

b o n n h o e r e n<br />

6.9.-30.11.<strong>2018</strong><br />

Kunstmuseum Bonn, Museumsmeile<br />

Eröffnung: Akio Suzuki (JP) <strong>–</strong><br />

Stadtklangkünstler Bonn <strong>2018</strong>:<br />

“Observatory of Spirits” / “ko<br />

da ma” Zwei Installationen im<br />

Innenhof des Kunstmuseum<br />

Bonn, “Space in the Sun” <strong>–</strong> Eine<br />

Dokumentationsausstellung im<br />

unteren Foyer des Kunstmuseum<br />

Bonn u.a.<br />

www.bonnhoeren.de<br />

JazzWerkstatt Wien Festival<br />

<strong>2018</strong> „before we die“<br />

7.-23.9.<strong>2018</strong><br />

Wien, versch. Orte<br />

Wer mit dem Entdecken neuer<br />

Musik nicht warten möchte, bis<br />

die Politik Denkmäler errichtet,<br />

oder ein flüchtiger Medienhype<br />

umgeistert, ist beim JazzWerkstatt<br />

Wien Festival am richtigen Ort.<br />

Wien hat abseits der Kulturtanker<br />

und Tourismus-Musikevents eine<br />

lebendige Szene und ein zeitgenössisches<br />

und interessiertes<br />

Publikum. JameszooQuartett,<br />

FLXS Jzzzwrsttt, Fluxus DJs; 10<br />

Acts á 10 Min. Lucia Leena/Judith<br />

Ferstl, Kenji Herbert/Vinicius<br />

Ciccone Cajado, MonaLena & The<br />

Queen, Bernd Satzinger. David<br />

Gratzers Teheran trifft Wien,<br />

Fraufeld Fieldwork, Max Nagl5,<br />

Embracing Shitstorm u.a.<br />

www.jazzwerkstatt.at<br />

powered by Jazzin’ the Black<br />

Forest<br />

8.9.<strong>2018</strong><br />

Villingen-Schwenningen<br />

Man feiert 50 Jahre MPS im<br />

Franziskaner und im Jazzclub<br />

VS. Mit Rolf & Joachim Kühn,<br />

Rob Mazurek & Immortal Birds<br />

Bright Wings, James Braddell<br />

aka Funki Porcini.<br />

www.mps-villingen.de<br />

powered by<br />

Hö.mma Jazzfestival<br />

13.-16.9.<strong>2018</strong><br />

Oberhausen<br />

Markus Stockhausen<br />

“Quadrivium”,<br />

Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong> 107


termine<br />

Igor Lazarev Group, Jeff<br />

Cascaro, Shatabdi, Bima &<br />

Triobravo, Talking Horns, “Jazz<br />

beim Frisör”, Jazz Pool NRW,<br />

Das Karussell Quintett, Junges<br />

Orchester Oberhausen Ltg. Mike<br />

Szadzik, Klassik meets Jazz,<br />

WDR Big Band feat. Liz Wright<br />

cond. by Vince Mendoza u.a.<br />

www.jazz-in-oberhausen.de<br />

5. European Jazz Conference<br />

13.­16.9.<strong>2018</strong><br />

Lissabon, PT, Centro Cultural<br />

de Belém<br />

Die European Jazz Conference<br />

ist die führende jährliche Zusammenkunft<br />

von Fachleuten des<br />

Jazz in Europa, insbesondere<br />

von Veranstaltern, Kulturmanagern,<br />

Agenten und nationalen<br />

/ regionalen Organisationen.<br />

Die Generalversammlung des<br />

Europe Jazz Network (seit 2014)<br />

ist nun auch für jeden Musikprofi<br />

unter dem Namen European<br />

Jazz Conference zugänglich. Die<br />

EJC besteht aus inspirierenden<br />

Keynote-Reden, hochrangigen<br />

Diskussionsgruppen und Workshops,<br />

Networking-Sessions<br />

für Fachleute des kreativen<br />

Musiksektors, kulturellen Besuchen<br />

und Showcase-Festival der<br />

besten neuen Künstler aus dem<br />

Gastgeberland Italien für 2019.<br />

www.europejazz.net<br />

Take the A­Train Festival<br />

13.­16.9.<strong>2018</strong><br />

Salzburg/AT<br />

Music Festival @ Hauptbahnhof<br />

Salzburg und in der Euregio<br />

Salzburg-Berchtesgadener<br />

Land. Mit Cari Cari, Aeham<br />

Ahmad, Mop Mop & Anthony<br />

Joseph, Gewürztraminer &<br />

der gmischte Satz, Les Lapins<br />

Superstars, Thomas Gansch &<br />

Ballaststofforchester, Eljot &<br />

CongaHead, Sophie Hassfurther<br />

& Oguz Büyükberber, Soulbabe,<br />

Radian, Hackedepicciotto, Buntspecht,<br />

Hanuschplatzflow, Selim<br />

von Salzburg, Batuhan & Almina<br />

Demirel + Senay Özdemir, Herb<br />

Berger & Heli Punzenberger,<br />

Gudrun Plaichinger & Tobias<br />

Ott, O Sole Mio Trio, Blechsalat,<br />

Muddy What?, Los del Sur u.a.<br />

www.ttat.at<br />

IMPRESSUM<br />

<strong>JAZZTHETIK</strong><br />

Magazin für Jazz<br />

und Anderes<br />

ISSN 0933-8926<br />

Redaktion, Vertrieb,<br />

Anzeigenabteilung:<br />

Frie-Vendt-Str. 16 (Hinterhaus)<br />

48153 Münster,<br />

Tel. 0251 / 53 34-20<br />

(Redaktion),<br />

-23 (Anzeigen / Vertrieb),<br />

-85 (Abos / Vertrieb),<br />

jazz@<strong>JAZZTHETIK</strong>.de<br />

www.<strong>JAZZTHETIK</strong>.de<br />

Jazzfestival Freiburg <strong>2018</strong><br />

15.-23.9.<strong>2018</strong><br />

Freiburg; Jazzhaus, E­Werk<br />

Mit De-Phazz, Lars Danielsson,<br />

Mare Nostrum, Michael Wollny<br />

Trio u.a.<br />

www.jazzfestival-freiburg.de<br />

Dresdner Drum & Bass Festival<br />

15.9.<strong>2018</strong><br />

Dresden, Scheune, Groovestation<br />

& Katy’s Garage<br />

Mit Aaron Spears, Poogie Bell<br />

& Band, den Rhythmusgruppen<br />

von Jamiroquai und Dirty Loops,<br />

Horacio Hernandez, Richard<br />

Spaven & Band, Pete Lockett,<br />

Jost Nickel u.v.a.<br />

www.dresdner-drum-bassfestival.de<br />

25. Usedomer Musikfestival<br />

22.9.­13.10.<br />

Seebad Heringsdorf<br />

www.usedomer-musikfestival.de<br />

powered by 32. Internationale<br />

Sonneberger<br />

Jazztage <strong>2018</strong><br />

Zwischen 23.9. und<br />

2.­5.11.<strong>2018</strong><br />

Sonneberg, versch. Spielorte<br />

Prolog: Jazz in der Villa: Arkady<br />

Shilkloper & Vadim Neselovskyi;<br />

Texte & Sounds Vol. 10: Thilo<br />

Wolf Quartet feat. Johanna Iser<br />

„The Spirit of Ella Fitzgerald“<br />

m. Schriftsteller Ewald Arenz;<br />

Sazerac Swingers, Carlos Reisch,<br />

Daniel Hoffmann Quartett,<br />

Peter Mante & his New Life<br />

Gospel Choirs, Funkydumbstuff;<br />

“Funk’n Soul”. Veranstalter:<br />

Sonneberger Jazzfreunde e.V.,<br />

Thüringisch-Fränkischer Verein<br />

zur Förderung und Pflege der<br />

Jazzmusik und Kleinkunst.<br />

www.son-jazz.de<br />

Festival Les Emouvantes<br />

26.­29.9.<strong>2018</strong><br />

Théâtre des Bernardines,<br />

Marseille<br />

Mit Barre Phillips / Julyen Hamilton,<br />

Dominique Pifarély Septet,<br />

The Henze Workshop invite<br />

Charlotte Testu, Andy Emler,<br />

Joce Mienniel, Trio Tomassenko,<br />

Lê Quan Ninh, Régis Huby Big<br />

Band.<br />

www.tchamitchian.fr/emouvantes/<br />

Herausgeberin und Verlegerin:<br />

Christine Stephan, Frie-Vendt-Str. 16<br />

(Hinterhaus links), 48143 Münster,<br />

Tel. 0251 / 53 34-32<br />

Chefredaktion + v.i.S.d.P.:<br />

Hans-Jürgen Linke<br />

Schlussredaktion:<br />

Guido Diesing<br />

<strong>JAZZTHETIK</strong> erscheint 6 x im Jahr<br />

und kostet 8,20 €,<br />

im Jahresabo 41,- €,<br />

in Europa 71,- €,<br />

im nicht europ. Ausland 75,- €<br />

inkl. Mwst. und Zustellgebühr<br />

Multiphonics Festival <strong>2018</strong><br />

27.9.­7.10.<strong>2018</strong><br />

Köln, Düsseldorf, Dortmund,<br />

Frankfurt, Berlin<br />

www.multiphonics-festival.com<br />

powered by Jazzfestival<br />

Leibnitz <strong>2018</strong> ­ Jazz<br />

& Wein<br />

27.­30.9.<strong>2018</strong><br />

Leibnitz/AT<br />

Mit Daniel Herskedal & Maius<br />

Neset, Wadada Leo Smith´s<br />

Great Lakes Quartet, Marialy<br />

Pacheco & Omar Sosa, Renaud<br />

Garcia-Fons Trio - Revoir Paris,<br />

The Kandinsky Effect, Synesthetic<br />

Octet, Gabriele Mirabassi,<br />

Nando Di Modugno, Pierluigi<br />

Balducci, The Whammies, Jazz<br />

for Kids.<br />

www.jazzfestivalleibnitz.at<br />

Jazz an der Burg<br />

28./29.9.<strong>2018</strong><br />

Dinslaken<br />

Mit The Busquito’s, Small is<br />

beautiful, Marius Peters Trio<br />

feat. Heiner Wiberny, Edgar<br />

Knecht Trio, Jan Luley, Joe<br />

Wulf & Brenda Boykin, Carl &<br />

the Hurricanes feat. Gregor<br />

Hilden, Gjertrud Lunde „The<br />

Space between“, Jazz Initiative<br />

Dinslaken e.V.<br />

www.din-jazz.de<br />

25. Jazzmeile Thüringen<br />

28.9.­8.12.<strong>2018</strong><br />

Diverse Spielorte in ganz<br />

Thüringen<br />

29.9. Eröffnung im Audimax der<br />

TU Ilmenau mit The Dorf.<br />

www.jazzmeile.org<br />

11. Generations ­ International<br />

Jazzfestival <strong>2018</strong><br />

29.9.­6.10.<strong>2018</strong><br />

Frauenfeld, CH<br />

Mit der First Lady of Jazz<br />

Orchestra Maria Schneider (2<br />

Konzerte und Kompositionsklasse),<br />

Kaleidoscope String<br />

Quartet, Marie Kruttli, Michael<br />

Arbenz (Vein), Joe Haider,<br />

Adrian Mears Electric Trio,<br />

Aphrotek m. Eliyah Reichen,<br />

Nathalie Loriers, Ari Hoenig,<br />

Kate McGarry m. Gary Versace,<br />

Adam Pierończyk m. mit<br />

Miroslav Vitouš, Trilok Gurtu<br />

Redaktionsschluss:<br />

1. des Vormonats<br />

Redaktion:<br />

Christine Stephan,<br />

Hans-Jürgen Linke,<br />

Guido Diesing<br />

Terminredaktion:<br />

Jan Kobrzinowski<br />

Anzeigen:<br />

Christine Stephan<br />

Korrektorat:<br />

Björn Simon<br />

Abo und Vertriebsleitung:<br />

Ute Ußler,<br />

Reyhan Özdemir<br />

und Adrian Mears, Antonio<br />

Lizana, Donny McCaslin, Masterclasses<br />

etc.<br />

www.generations.ch<br />

powered by 20. Enjoy Jazz<br />

2.10.­17.11.<strong>2018</strong><br />

Mannheim, Heidelberg,<br />

Ludwigshafen<br />

Ein musikalischer<br />

Mix aus Jazz, Soul und Hip-Hop<br />

über Klassik, Avant-Garde und<br />

Electro in der Metropolregion.<br />

Die Jubiläumsausgabe<br />

bringt neben experimentellen<br />

Geheimtipps etablierte<br />

Weltstars. Rahmenprogramm<br />

mit Jugendförderung von Enjoy<br />

Jazz in Zusammenarbeit mit der<br />

BASF SE. Mit Joshua Redman,<br />

Aaron Parks, Matt Penman, Eric<br />

Harland: James Farm, Portico<br />

Quartet, Nikolas Anadolis Trio,<br />

Kaja Draksler & Eve Risser, Richie<br />

Beirach Quartet feat Gregor<br />

Huebner, Marcin Wasilewski<br />

Trio, Aruán Ortiz & Don Byron,<br />

SWR Jazzpreis <strong>2018</strong>: Sebastian<br />

Gille, Ambrose Akinmusire Quartet,<br />

The Necks, Schwetzinger<br />

Jazztage: Egberto Gismonti, Max<br />

Andrzejewski´s Hütte, Nicole<br />

Johänntgen, Aaron Parks Trio<br />

featuring Ben Street & Billy Hart,<br />

Vincent Peirani Quintet, Michael<br />

Wollny Trio, Lucas Niggli Solo,<br />

Haz’art Trio & Beyond Borders<br />

Band, Clayton-Hamilton Jazz<br />

Orchestra & Cécile McLorin<br />

Salvant, Esmerine, Elena Mindru<br />

Quartett & Adam Baldych, Pablo<br />

Held Trio, ECM Jazznights: Vijay<br />

Iyer Sextet & Nik Bärtsch’s<br />

Ronin, Avery*Sunshine, Jan<br />

Garbarek Group feat. Trilok Gurtu,<br />

Sons Of Kemet, Kari Ikonen<br />

Trio u.v.a.m.<br />

www.enjoyjazz.de<br />

Landesjazzfestival Friedrichshafen<br />

2.­8.10.<strong>2018</strong><br />

Friedrichshafen, Graf Zeppelin<br />

Haus/Kulturhaus Caserne<br />

Mit Klaus Doldinger’s Passport,<br />

Jasper van’t Hof’s Pili Pili, Renaud<br />

Garcia-Fons, Samo Salamon<br />

Bassless Trio feat. Howard Levy<br />

u.v.a.m. Veranstalter: JazzPort<br />

Friedrichshafen e.V.<br />

www.jazzport-fn.de<br />

Graf. Konzeption / Gestaltung:<br />

M4 Media: Martin Trunz<br />

Titelgrafik:<br />

Norbert Bresch<br />

unter Verwendung eines<br />

Fotos von Chuck Stewart<br />

Internetausgabe:<br />

Ingo Ebel<br />

Internetredaktion:<br />

Christine Stephan<br />

Herstellung:<br />

D+L Reichenberg GmbH,<br />

Bocholt<br />

Mitarbeiter / Mitarbeiterinnen dieser Ausgabe: Marlen Albrecht, Angela Ballhorn, Peter Bastian, Dirk Bleiker, Henning Bolte,<br />

Sebastian Brandt, Knut Bry, Thomas Bugert, Nerea Coll, Andreas Collet, Francesco Desmaele, Guido Diesing, Gerd Döring,<br />

Ralf Döring, Markus Fagersten, Martin Feldmann, Christoph Giese, Benjamin Hardman, Hans Hielscher, Ben Huggler, Wolf<br />

Kampmann, Kaupo Kikkas, Rolf Kissling, Jesse Kitt, Jan Kobrzinowski,<br />

Eberhard Koll, Thomas Kölsch, Iza Korsak, Norbert Krampf, Hans<br />

Kumpf, Marcin Kydrynski, Jean-Pierre Leloir, Zbigniew Lewandowski,<br />

Hans-Jürgen Linke, Olaf Maikopf, Eric Mandel, Stefanie Marcus,<br />

Masahiro Mochida, Raj Naik, Mirela Onel, Achim Ost, Py Paavolainen,<br />

Elias Patrikainen, Holger Pauler, Stefan Pieper, Joao Portugal, Thomas<br />

Radlwimmer, Arne Reimer, Bernard Rie, Oliver Rockle, Hans-Jürgen<br />

Schaal, York Schaefer, Ulli Scharrer, Jennifer Scherler, Don Schlitten,<br />

Harry Schmidt, Andreas Schneider, Sebastian Scotney, Dovile<br />

Sermokas, Wolfgang Siesing, Björn Simon, Tobias Sommer, Andy Spyra,<br />

Peter Steinfadt, Chuck Steward, Frithjof Strauß, Victoriah Szirmai,<br />

Rolf Thomas, David Tixier, Niclas Weber, Madeleine Wegner<br />

<br />

39. Konstanzer Jazzherbst<br />

2.­6.10.<strong>2018</strong><br />

Konstanz; K9, Kulturzentrum am<br />

Münster<br />

Mit Kalle Kalima, Lucas Niggli,<br />

Ralf Kleinehanding, Johannes<br />

Grütter, Berenike Derbridge,<br />

Olivier Potratz, Oliver Steidle,<br />

Leila Martial, Eric Perez, Pierre<br />

Tereygeol, Laura Schuler, Philipp<br />

Gropper, Hanspeter Pfammatter,<br />

Lionel Friedli, Roberto Negro,<br />

Émile Parisien, Michele Rabbia,<br />

Vera Kappeler, Peter Conradin<br />

Zumthor, Christian Lillinger,<br />

Tobias Delius, Pierre Borel,<br />

Achim Kaufmann, Christpher<br />

Dell, Jonas Westergaard, Robert<br />

Landfermann, Hannes Reich.<br />

www.jazzclub-konstanz.de<br />

powered by AngraJazz Festival<br />

International de<br />

Jazz de Angra do<br />

Heroísmo<br />

3.­6.10.<strong>2018</strong><br />

Angra do Heroísmo, Terceira<br />

Island, Azoren/PT<br />

Das einzige Festival auf einer Insel<br />

mitten im Atlantik. Angra wird<br />

organisiert von der Non-Profit<br />

Organisation Associação Cultural<br />

Angrajazz, mit Unterstützung des<br />

Angra do Heroísmo City Council,<br />

dem regionalen Department für<br />

Kultur und Tourismus, der portugiesischen<br />

Tourismusbehörde<br />

und privaten Sponsoren.<br />

www.angrajazz.com<br />

Galway Jazz Festival<br />

5.­8.10.<strong>2018</strong><br />

Galway/IRL<br />

Mit Trondheim Voices, Emil<br />

Brandqvist Trio, Koko Ensemble,<br />

Haz’art Trio, Simon Nabatov,<br />

Paul McIntyre, Arve Henriksen<br />

u.v.a.m.<br />

www.galwayjazzfest.ie<br />

15. OUT.FEST <strong>2018</strong><br />

5./6.10.<strong>2018</strong><br />

Barreiro/PT<br />

Mit Jimi Tenor, Clotilde (Sofia<br />

Mestre), Nídia, Rafael Toral<br />

Space Collective u.a.<br />

www.outfest.pt<br />

Reims Sunnyside Festival<br />

10.­20.10.<strong>2018</strong><br />

Reims, F<br />

Einem Teil dieser Auflage liegt ein<br />

Prospekt von „Jazzclub Hürth“ bei.<br />

Namentlich gekennzeichnete Texte<br />

und Fotos geben nicht unbedingt<br />

die Meinung der Redaktion wieder.<br />

Für unverlangt eingesandte Fotos,<br />

Illustrationen oder Manuskripte<br />

übernehmen wir keine Gewähr.<br />

Nachdruck von Texten, Bildern und<br />

vom Verlag gestalteter Anzeigen<br />

nur mit schriftlicher Genehmigung.<br />

Bei allen Verlosungen im Heft ist<br />

der Rechtsweg ausgeschlossen.<br />

MitarbeiterInnen sind von den<br />

Verlosungen ausgeschlossen.<br />

Gerichtsstand ist Münster.<br />

Member of the European<br />

Jazz Mediagroup<br />

Mit Roy Hargrove, Stacey Kent &<br />

Armel Dupas Trio, James Farm,<br />

Franck Tortillier, Émile Parisien<br />

Quartet u.a.<br />

www.sunnyside.fr<br />

7. Jazz sur Seine<br />

12.­27.10.<strong>2018</strong><br />

Club Festival in Paris<br />

25 Clubs, 180 Konzerte, 450<br />

Musiker, 1 Pass. Mit Stéphane<br />

Kerecki, Arnaud Dolmen, The<br />

Greenwich Sessions by Luigi<br />

Grasso invite Alain Jean-Marie,<br />

Florian Pellissier Quintet, Aïrès<br />

Trio <strong>–</strong> Airelle Besson <strong>–</strong> Edouard<br />

Ferlet <strong>–</strong> Stéphane Kerecki,<br />

Romain Pilon, Fiona Monbet<br />

Quartet, Simon Chivallon,<br />

Baptiste Herbin, Géraud<br />

Portal Sextet, Vincent Payen,<br />

Matthis Pascauf «Square One»<br />

invite Tony Paeleman, Timothée<br />

Robert, David Linx, Jean-Pierre<br />

Como u.a.<br />

www.perisjazzclub.net<br />

powered by Leipziger Jazztage<br />

<strong>2018</strong> „Fish and<br />

Chips“<br />

11.­20.10.<strong>2018</strong><br />

Leipzig, versch.<br />

Spielorte<br />

Unter der Schirmherrschaft von<br />

Leipzigs Oberbürgermeister<br />

Burkhard Jung bringt das<br />

Festival an zehn Tagen und<br />

zehn Spielorten weit über<br />

100 britische und deutsche<br />

Musiker*innen zusammen<br />

auf die Bühne, die sich nicht<br />

nur dem musikalischen Erbe<br />

Großbritanniens, sondern auch<br />

seiner jungen, vielversprechenden<br />

Jazzszene widmen. Bisher<br />

bestätigt: Norma Winstone,<br />

Norma Winstone Trio, Hidden<br />

Orchestra, Dave Holland’s Aziza<br />

w/ Chris Potter, Lionel Loueke<br />

& Eric Harland, Avishai Cohen<br />

Quartet, Joshua Redman’s<br />

James Farm w/ Aaron Parks,<br />

Matt Penman & Eric Harland,<br />

Empirical, Michael Wollny,<br />

Leafcutter John & Alex Nowitz<br />

„Goldberg-Tangenten“, Yazz<br />

Ahmed, Max Andrzejewsk’s<br />

Hütte and Guests play Robert<br />

Wyatt, Elliot Galvin Trio, Lucia<br />

Cadotsch w/ Lucy Railton &<br />

Kit Downes, Kit Downes solo,<br />

Helmut ‚Joe‘ Sachse & Maggie<br />

Nicols „Nevergreens“, Oli<br />

Steidle & The Killing Popes,<br />

Matthias Boghuts Milk Wood<br />

„Dylan Thomas“, Queens<br />

„Jazz“ w/ Christian Kögel, Kai<br />

Brückner, Peter Ehwald & Uli<br />

Kempendorff u.a.<br />

www.jazzclub-leipzig.de<br />

27. Fiesta Des Suds <strong>2018</strong><br />

11.­17.10.<strong>2018</strong><br />

Marseille/F<br />

Mit Ibeyi, Masailia Sound System,<br />

Oumou Sagaré, Camille,<br />

Hyphen-Hyphen u.a<br />

www.dock-des-suds.org/<br />

fiesta<strong>2018</strong><br />

Star Jazz Festival<br />

12./13.10.<strong>2018</strong><br />

Hamburg, Miralles­Saal<br />

Schauplatz eines musikalisch<br />

konzeptionellen Highlights, das<br />

in diesem Jahr über ein rein<br />

konzertantes Jazzerleben weit<br />

hinaus geht und sich den Möglichkeiten<br />

der multimedialen<br />

Performance öffnet. Veranstalter:<br />

Star-Tankstellen/Jazz<br />

Federation Hamburg e.V. Mit<br />

Motion Ensemble of Hamburg,<br />

The Club of Continents m. Nils<br />

Petter Molvaer, Mino Cinelu,<br />

Vladyslav Sendecki u.a.<br />

www.jazzfederation.de<br />

108 JazzthetIk 09/10-<strong>2018</strong>


Jazzwoche Hannover<br />

12.-20.10.<strong>2018</strong><br />

Hannover, versch. Orte<br />

Die Jazz Musiker Initiative<br />

Hannover bietet einem breiten<br />

Publikum exzellente Jazzmusik.<br />

www.jmihannover.de<br />

powered by Gaste Garage<br />

13.10.-10.11.<strong>2018</strong><br />

Gaste Garage,<br />

Hasbergen Bei<br />

Osnabrück<br />

13.10. Dean Brown & Band<br />

24.10. Simon Phillips/Bill Evans &<br />

Zen Amadeus<br />

02.11. Chris Beckers & Band<br />

10.11. Greg Howe & Band<br />

www.gaste-garage.de<br />

4. Jazzfestival Esslingen <strong>2018</strong><br />

14.-28.10.<strong>2018</strong><br />

Esslingen, Stuttgart<br />

In diesem Jahr steht das Festival<br />

ganz im Zeichen von „50 Jahre<br />

ECM Records“. Mit Egberto<br />

Gismonti, Tarkovsky Quartet,<br />

Ralph Towner feat. Pablo Held<br />

Trio, Carla Bley Trios feat.<br />

Steve Swallow, Andy Sheppard,<br />

Eleni Karaindrou feat. Sokratis<br />

Sinopoulos u.a., AZIZA Holland /<br />

Potter / Loueke / Harland, Martin<br />

Wind Light Blue Quartet, Django<br />

Bates‘ »Belovèd«<br />

www.jazzfestival-esslingen.de<br />

Baku Jazz Festival<br />

14.-28.10.<strong>2018</strong><br />

Baku/Aserbaidschan<br />

Mit Helge Lien Trio, Ruben Hein<br />

Trio, Music Music Music, Martin<br />

Salemi u.a.<br />

www.bakujazzfestival.com<br />

28. Blues- und Jazzfestival „Jazz<br />

goes Kur“<br />

16.-21.10.<strong>2018</strong><br />

Bad Wörishofen<br />

www.jazzgoestokur.de<br />

Donaueschinger Musiktage<br />

18.-21.10.<strong>2018</strong><br />

Donaueschingen, versch. Orte<br />

www.swr.de/donaueschingen<br />

Krokus Jazz Festival<br />

20./21.10.<strong>2018</strong><br />

Jelenia Góra, PL<br />

www.krokusjazzfestiwal.pl<br />

powered by 49. Deutsches<br />

Jazzfestival<br />

Frankfurt<br />

22.-28.10.<strong>2018</strong><br />

Frankfurt, versch.<br />

Spielorte<br />

Mit „Hut ab!“ - Albert Mangelsdorff@90:<br />

Christof Lauer,<br />

Joachim Kühn, Pierre Favre,<br />

Nils Wogram, Samuel Blaser,<br />

Shake Stew, Echoes of Swing,<br />

Draksler-Santos Duo, Kamal<br />

Williams, Mark Guiliana, Stefan<br />

Lottermann, Bruno Chevillon,<br />

Daniel Humair, hr-Bigband &<br />

Sarah Buechi, Amith Nadig,<br />

Sunaad Anoor, hr Bigband Ltg.<br />

Jim McNeely: Allgäu meets<br />

India, Sfumato, Besson-Sternal-<br />

Burgwinkel, Oddarrang, Helbock,<br />

SFJazz Collective u.a.<br />

www.jazzfestival.hr2-kultur.de<br />

Jazz & Wine of Peace<br />

23.-28.10.<strong>2018</strong><br />

Cormòns, IT<br />

www.controtempo.org<br />

powered by 18. WOMEX - World<br />

Music Expo<br />

24.-28.10.<strong>2018</strong><br />

Las Palmas de Gran<br />

Canaria/E<br />

Das vielseitigste World Music<br />

Treffen der Welt mit Messe,<br />

Networking, Showcase Festival,<br />

Konferenz, Filmen, Awards,<br />

virtualWOMEX u.a. Mit Kronos<br />

Quartet, Ana Alcaide, El Septeto<br />

Santiaguero, Emily Dust, Etenesh<br />

Wassie Trio, Gulaza, Harouna<br />

Samake ‘Kamale Blues’, Hernán<br />

Reinaudo Quartet, Invisible<br />

World, Kel Assouf, Kim So<br />

Ra, Manolito Simonet y su<br />

Trabuco, Marinah, Nelida Karr,<br />

Norayr Kartashyan & Menua,<br />

Olga Cerpa & Mestisay, Rob<br />

Thorne Toi Puoro, Ta Dhom<br />

Project <strong>–</strong> Viveick Rajagopalan,<br />

The Turbans, Timples y Otras<br />

Pequeñas Guitarras del Mundo,<br />

Vishtèn, and more artists to be<br />

announced soon...<br />

www.womex.com<br />

Umeå Jazz Festival<br />

24.-28.10.<strong>2018</strong><br />

Umeå/SWE<br />

Mit Goran Kajfeš Subtropic<br />

Arkestra, Sonica Sequence:<br />

Lisa Nordström feat. Michala<br />

Østergaard-Nielsen, Johan<br />

Lindström Septett, Trondheim<br />

Jazz Orchestra & The MaxX,<br />

Elena Wolay, Bo Sundström,<br />

Maria Faust och Kira Skov,<br />

Kjell Nordeson, Dhafer Youssef,<br />

Julian Lage, Naoko Sakata,<br />

Thomas de Pourquery and<br />

Supersonic u.a.<br />

www.umeajazzfestival.se<br />

New Fall Festival<br />

25.-28.10.<strong>2018</strong><br />

Düsseldorf<br />

Mit Mac DeMarco, Ibeyi, Die<br />

Nerven, Tamikrest, Der Plan,<br />

Scott Matthew u.a.<br />

www.new-fall-festival.de<br />

34. Würzburger Jazzfestival<br />

3. Landesjazzfestival Bayern<br />

<strong>2018</strong><br />

27./28.10.<strong>2018</strong><br />

Würzburg, Felix-Fechenbach-<br />

Haus<br />

Mit Tiktaalik, Lines for Ladies<br />

feat. Sheila Jordan, Thomas<br />

Siffling Flow, dem Bayerischen<br />

Landesjazzensemble, Three Fall<br />

& Melane, Jazzrausch Bigband.<br />

Veranstalter: Jazzinitiative<br />

Würzburg e. V.<br />

www.jazzini-wuerzburg.de<br />

20th Zurich JazznoJazz Festival<br />

<strong>2018</strong><br />

31.10.<strong>–</strong>3.11.<strong>2018</strong><br />

Gessnerallee Zürich, ZKB Club<br />

im Theater der Künste<br />

Mit The Manhattan Transfer,<br />

Avishai Cohen «1970», Jimmy<br />

Cliff, Clayton-Hamilton Jazz<br />

Orchestra feat. Cécile McLorin<br />

Salvant, Tingvall Trio, Lisa Simone,<br />

Victor Wooten Trio, Kennedy<br />

Administration, Mario Biondi,<br />

GoGo Penguin, Incognito, Jojo<br />

Mayer Nerve, Andreas Schaerer<br />

- Familien-Konzert, Maceo Parker,<br />

Macy Gray, Raphael Saadiq,<br />

Fred Wesley & the New JB’s,<br />

Kennedy Administration u.a.<br />

www.jazznojazz.ch<br />

powered by Jazztage Dresden -<br />

World & Vision<br />

1.-29.11.<strong>2018</strong><br />

Dresden, Erlwein-<br />

Capitol u.a.<br />

Bereits im letzten Jahr haben<br />

sich die Jazztage Dresden als<br />

größtes Jazzfestival Deutschlands<br />

weit über die Grenzen des<br />

Landes hinaus einen Namen gemacht.<br />

Bisher bestätigt: Gregory<br />

Porter, Al DiMeola, Jan Garbarek<br />

& Trilok Gurtu, Avishai Cohen<br />

(b), Rebekka Bakken, Candy<br />

Dulfer, Tom Gaebel, Macxeo<br />

Parker, Ed Motta, James Carter,<br />

Rebekka Bakken, Billy Cobham,<br />

Niok Bärtsch’s Ronin, Mnozil<br />

Brass, Klazz Brothers & Cuba<br />

Percussion, Cristin Claas Trio,<br />

Luca Stricagnoli, Martin Tingvall,<br />

Quadro Nuevo, „Nacht der<br />

Gitarren“ mit Luca Stricagnoli,<br />

Antoine Boyer, Cenk Erdogan<br />

und Samuelito; Blues Night mit<br />

Sharrie Williams, Tad Robinson,<br />

The Wise Guys etc.<br />

www.jazztage-dresden.de<br />

Tampere Jazz Happening<br />

1.-4.11.<strong>2018</strong><br />

Tampere/FI<br />

In jedem Jahr bietet das internationale<br />

Programm des Tampere<br />

Jazz Happenings bekannte<br />

Namen des internationalen Jazz<br />

und Pioniere der Zukunft. Das<br />

4-tägige Festival ist bekannt für<br />

seine warme Atmosphäre und<br />

seinen offenen Zugang zum<br />

modernen Jazz. Mit hochkarätigen<br />

finnischen Musikern sowie<br />

weltbekannten Künstler auf 3<br />

Bühnen. Empfehlenswert.<br />

www.tamperemusicfestivals.fi/jazz<br />

29. Vredener Jazznacht<br />

2.11.18<br />

Vreden, Kulturcafe N‘Joy<br />

Mit Three Fall & Melane, Pimpy<br />

Panda.<br />

www.hamaland-jazz-club.de<br />

Jazz Tage Erding<br />

3.11.<strong>2018</strong><br />

Erding<br />

www.kms-erding.de<br />

powered by Trans4JAZZ-Festival<br />

<strong>2018</strong><br />

Ravensburg-<br />

Weingarten<br />

7.-11.<strong>2018</strong><br />

Mit Al Di Meola, Avishai Cohen<br />

1970, Kinga Głyk, Mathias Eick<br />

„Ravensburg“, Jacob Manz<br />

Project, Jonah Nilsson (Dirty<br />

Loops), Electro Deluxe, Florian<br />

Kings Heartbeat, Anna-Lucia<br />

Rupp & Oicia, Manfred Juncker<br />

Organ Trio, Christian Muthspiel &<br />

Steve Swallow, Mike Stern Band<br />

feat. Darryl Jones, Keith Carlock<br />

& Bob Malach, Essichessenz,<br />

Martin Auer Quintett, The Chive<br />

Sisters, Rose Ann Dimalanta<br />

Trio u.a.<br />

www.jazztime-ravensburg.de<br />

Danish Vibes - New music from<br />

the North<br />

7.11.<strong>2018</strong><br />

Köln, Stadtgarten<br />

Einen Abend lang steht der<br />

Stadtgarten musikalisch<br />

ganz im Zeichen des Hohen<br />

Nordens. Ein Minifestival mit<br />

angegliedertem Branchentreff<br />

- und seit Jahren in Hamburg<br />

zu Gast - schlägt seine Zelte<br />

erstmalig auch am Rhein auf.<br />

Gleich 4 außergewöhnliche<br />

Formationen, ausgewählt von<br />

einer Fachjury, repräsentieren<br />

die enorme Bandbreite zwischen<br />

Jazz, Worldmusic und Pop made<br />

in Denmark. Mit Janne Mark,<br />

Basco feat. Jullie Hjetland,<br />

Kenneth Dahl Knudsen, Mambe<br />

& Danochilango.<br />

www.danishvibes.com<br />

www.stadtgarten.de<br />

powered by Unlimited 32<br />

9.-11.11.<strong>2018</strong><br />

Wels, AT<br />

Mit Fire! Orchestra<br />

„Arrival“, Mats<br />

Gustafsson, Alexander Zethson/<br />

Susana Santos Silva/Johan<br />

Berthling/Andreas Werliin/Mikael<br />

Werliin, Pkt.Vrt.Plastik, Kaja<br />

Draksler/Petter Eldh/Christian Lillinger,<br />

Jaimie Branch, Lester St.<br />

Louis & Jason Ajemian & Chad<br />

Taylor, Martin Eberle & Benny<br />

Omerzell & Manu Mayr & Lukas<br />

König, Maja Osojnik & Matija<br />

Schellander, Sophie Agnel &<br />

Joke Lanz & Michael Vatcher,<br />

Agnes Hvizdalek & Susanna<br />

Gartmayer, Ingrid Schmoliner<br />

& Hamid Drake, Hannah<br />

Marshall & Veryan Weston &<br />

Alison Blunt & Trevor Watts,<br />

Darren Johnston’s „Reasons For<br />

Moving“ feat. Larry Ochs & Fred<br />

Frith, Sébastien Jeser & Samuel<br />

Dühsler u.v.a.<br />

www.musicunlimited.at<br />

NUE Jazz Festival<br />

9.-18.11.<strong>2018</strong><br />

Kulturwerkstatt Auf AEG &<br />

Opernhaus, Nürnberg<br />

www.nuejazz.de<br />

15. Jazztopad Festival<br />

16.-25.11.<strong>2018</strong><br />

Wrocław (POL), National Forum<br />

of Music<br />

Mit Chick Corea Solo, Sons<br />

of Kemet, Melting Pot, Jaimie<br />

Branch, TD Vancouver Jazz<br />

Festival Presents: Sick Boss,<br />

Australian Art Orchestra/ Jamie<br />

Baum Septet, Simon Barker<br />

& Hamid Drake Duo, Bigger<br />

Vicious feat. Avishai Cohen<br />

(tp), Brad Mehldau & NFM<br />

Wrocław Philharmonic, Roots<br />

Magic: Amir ElSaffar, Ksawery<br />

Wójciński, Wacław Zimpel,<br />

Lutosławski Quartet, Esperanza<br />

Spalding.<br />

www.jazztopad.pl<br />

2. Taunus Jazz Fest - Taunusstein<br />

16.-17.11.<strong>2018</strong><br />

Salon-Theater, Taunusstein<br />

Mit Volker Rebell & Moritz<br />

Stöpel, Uli Partheil/Hans Höhn/<br />

Hermann Kock/Jörg Steinhardt<br />

Superfro, Klangcraft feat. Heinz-<br />

Dieter Sauerborn & Ramesh<br />

Shotham.<br />

www.salon-theater.de<br />

powered by 21. Akut-Festival<br />

23./24.11.<strong>2018</strong><br />

Frankfurter Hof,<br />

Mainz<br />

Mit Die Enttäuschung,<br />

Uwe Oberg-Silke<br />

Eberhard, Mette Rasmussen<br />

Quintet, Julia Kadel Trio,<br />

Ditzner & Lömsch, Atomic.<br />

Das Akut - ein Festival, das<br />

international besetzt, spannende<br />

und innovative musikalische<br />

Projekte aus dem Grenzbereich<br />

zwischen Jazz, Avantgarde und<br />

Rock präsentiert, danach sind<br />

diese oft auf ganz großen europäischen<br />

Festivals endgültig zu<br />

sehen. Veranstaltet vom Verein<br />

upArt e. V.<br />

www.akut-festival.de<br />

powered by Internationales<br />

Jazzfestival<br />

Münster<br />

4.-6.1.2019<br />

Theater Münster<br />

Drei Tage Jazz mit rund 20<br />

Konzerten. Es wird eine<br />

Geburtstagsfeier sein: Das erste<br />

Festival im Jahr wird 40 Jahre<br />

alt! Vorverkauf ab November.<br />

www.jazzfestival-muenster.de<br />

15th Annual Winter Jazzfest<br />

4.-12.1.2019<br />

NYC/USA<br />

Artist-in-Residence Meshell<br />

Ndegeocello, Keychange Initiative,<br />

And Return of British Jazz<br />

Stage Hosted by Gilles Peterson<br />

u.a., programme soon.<br />

www.winterjazzfest.com<br />

Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong> 109


Termine<br />

The Jazz Cruise<br />

19.-26.1.2019<br />

Kreuzfahrt Ft. Lauderdale - St.<br />

Maarten - St.Thomas - Bahamas<br />

“Not just a cruise - a legend”; mit<br />

Chucho Valdez, Joey Alexander,<br />

Joey DeFrancesco, Brecker<br />

Band, Eliane Elias, SFJazz Collective,<br />

Jeff Hamilton Trio u.a.<br />

www.thejazzcruise.com<br />

Blue Note At Sea -The Now<br />

of Jazz<br />

26.1.-2.2.2019<br />

Kreuzfahrt Ft. Lauderdale - Nassau<br />

- Cozumel - Belize - Key West<br />

www.bluenoteatsea.com<br />

powered by Just Music ’19 -<br />

Beyond Jazz<br />

Festival Wiesbaden<br />

22./23.2.2019<br />

Wiesbaden,<br />

Kulturforum<br />

www.justmusic-festival.de<br />

Das Zitat<br />

powered by<br />

Mr. M’s Jazz Club<br />

14.-16.3.2019<br />

Kurhaus Baden-<br />

Baden<br />

www.mister-ms.de<br />

13. JazzArtFestival Schwäbisch<br />

Hall<br />

20.-24.3.2019<br />

Schwäbisch Hall<br />

Seit 2007 sind Kulturbüro,<br />

Jazzclub, Goethe-Institut<br />

und Konzertkreis Triangel<br />

Gastgeber dieses kleinen,<br />

feinen Festivals in familiärer<br />

Atmosphäre.<br />

www.jazzart-hall.de<br />

powered by 50. Internationale<br />

Jazzwoche<br />

Burghausen<br />

26.-31.3.2019<br />

Burghausen<br />

www.b-jazz.com<br />

37. Cully Jazz Festival<br />

5.-13.4.2019<br />

Cully/CH, Théâtre De Vevey<br />

Mit Rokia Traoré u.a.<br />

www.cullyjazz.ch<br />

Bodø Jazz 2019<br />

8.-11.5.2019<br />

Bodø/Norwegen<br />

www.bodojazzopen.no<br />

13th Bucharest International<br />

Jazz Competition 2019<br />

11.-18.5.2019<br />

Bukuresti, RO<br />

Competition, concerts,<br />

workshops, master-class,<br />

jam sessions, platform for<br />

jazz meetings with artists<br />

from all over the world. For<br />

instrumentalists and vocalists<br />

of all nationalities. Age up to 40<br />

years (born after May 1, 1979).<br />

Prizes, total amount 7.000 Euro,<br />

cash and concerts. Application<br />

until Feb. 10, 2019<br />

www.jazzcompetition.ro<br />

24. Jazz Cerkno<br />

16.-18.5.2019<br />

Cerkno, Slowenien<br />

www.jazzcerkno.si<br />

powered by 25. Jazz in e.<br />

“Ritual”<br />

29.5.-1.6.2019<br />

Eberswalde<br />

Ein Festival aktueller<br />

Musik.<br />

www.mescal.de<br />

powered by Moers Festival<br />

7.-10.6.2019<br />

Moers, Festivalhalle<br />

Es gibt es wieder<br />

viele Gründe, nach<br />

Moers zu kommen oder in Moers<br />

zu bleiben: neben Konzerten<br />

hochklassiger internationaler<br />

[...] der klassische Miau-Laut: Katzen kommunizieren untereinander nicht<br />

auf diese Weise. Das Miauen ist allein uns Menschen vorbehalten. Eine<br />

Theorie besagt, dass Katzen damit in Wahrheit das Schreien von Menschenbabys<br />

nachahmen.<br />

<strong>–</strong> https://cat-news.net (Blog), Eintrag vom 12.07.<strong>2018</strong><br />

Haben Sie eine Hauskatze? Dann haben Sie sicherlich gelernt, ihre verschiedenen Miau-Laute zu<br />

unterscheiden. Das aggressive „Maunz“, wenn sie hungrig ist, das klägliche „Mauuu“, wenn sie<br />

Streicheleinheiten braucht, das dringliche „Maao“, wenn sie ins Freie will, oder das unwirsche<br />

„Moi“, wenn sie einfach schlechte Laune hat. Katzen haben ihr eigenes Kommunikationssystem<br />

speziell für den Umgang mit Menschen. Eine Sprache in unserem Sinn aber ist das nicht. Oder<br />

kennen Sie die Miau-Übersetzung für „Kauf doch bitte wieder das Futter in der gelben Packung“<br />

oder „Stell doch mein Körbchen ins andere Zimmer“ oder „Schick bloß diesen Hund schnell wieder<br />

aus dem Haus“? Die „Sprache“ der Katze beschränkt sich ganz auf die emotionale Färbung des<br />

„Miau“-Lauts. Es gibt diesen Laut in verschiedenen Varianten wie „dringlich“, „relaxt“, „abweisend“,<br />

„ungeduldig“ usw. Die näheren Details regelt die Situation.<br />

So in etwa funktioniert auch die emotionale „Sprache“ der Musik. Töne sind keine Begriffe<br />

und nicht in irgendeine Wortsprache übersetzbar. Der Musikprofessor Nicholas Cook nennt<br />

Musikwerke „instabile Aggregate potenzieller Bedeutung“ <strong>–</strong> sie warten im Grunde ständig darauf,<br />

dass wir ihre dringlichen oder wohligen Klänge mit irgendeiner situativen Bedeutung füllen. Zum<br />

Beispiel in der Kombination mit bewegten Bildern. Probieren Sie es einmal aus: Ein paar Takte<br />

ruhiger Musik können tragische ebenso gut wie idyllische Szenen untermalen. Sie passen zu einem<br />

Begräbniszug, zum Anblick einer glücklichen Familie, einer Seelandschaft, einer Herde Wildtiere,<br />

zu Tod oder Leben, Zerstörung oder Frieden, Problem oder Lösung. Auch das „Miau“ der Musik<br />

lässt sich sehr flexibel deuten.<br />

Das Musikgenre mit dem stärksten „Miau“-Effekt ist zweifellos der Jazz. In unserer Lieblingsmusik<br />

schnurren die Saxofone, growlen die Trompeten, brummeln die Bässe. Die Instrumente<br />

werben, schmeicheln, betteln, predigen, fordern, prahlen <strong>–</strong> sie wollen ständig etwas von uns.<br />

Worum es letztlich geht, bleibt zwar unklar, aber das emotionale Signal ist stark und unverkennbar.<br />

Gerade weil die „Sprache“ des Jazz so mimetisch ist, so kommunikativ und intonativ, verträgt diese<br />

Musik aber auch viel Komplexität, also Struktur und Kontrapunkt. Anders gesagt: Wäre da nur<br />

diese Komplexität, empfänden wir Jazz vielleicht als kalte Mathematik. Wäre da nur die Emotionalität,<br />

empfänden wir ihn als sentimentalen Kitsch. Natürlich ziehen jede Hörerin und jeder Hörer die<br />

Grenze ein wenig anders. Was der einen als (zu) verkopft gilt, erscheint dem anderen vielleicht als<br />

(zu) gefühlig. Eines aber scheint festzustehen: Im Jazz können sich das Komplexe und das Kommunikative<br />

auf magische Weise vereinen. Mathe und Miau am Gipfelpunkt.<br />

Sebastian Brant<br />

Künstler in der Festivalhalle<br />

wird es auch 2019 wieder ein<br />

Programm mit zusätzlichen<br />

Konzerten und Veranstaltungen<br />

im Festivaldorf geben.<br />

www.moers-festival.de<br />

60. Ljubljana Jazz Festival<br />

18.-22.6.2019<br />

Ljubljana, Slowenien<br />

www.ljubljanajazz.si<br />

Workshops<br />

Exploratorium Berlin<br />

Workshops, Theorie &<br />

Forschung, Sessions, Konzerte.<br />

2004 gegründet, widmet sich<br />

Exploratorium der Förderung<br />

einer facettenreichen, aktiven<br />

Improvisationskultur.<br />

www.exploratorium-berlin.de<br />

Jazz-Ausbildung Sommersemester<br />

Noch bis 30.9.<strong>2018</strong><br />

Frankfurter Musikwerkstatt<br />

FMW<br />

Die FMW bildet Jazz und Populäre<br />

Musik in verschiedenen<br />

Qualifizierungsformen aus:<br />

ein- oder mehrsemestriges<br />

Vorstudium oder 8-semestriges<br />

Studium zum/zur staatlich anerkannten<br />

Berufsmusiker/in und<br />

Instrumentalpädagogen/in mit<br />

Jazz- oder Popschwerpunkt.<br />

Ohne Altersbeschränkung,<br />

Studiengang BAFöG-gefördert.<br />

www.fmw-jazzschool.de<br />

Vorstudium Jazz<br />

Offene Jazzhaus Schule Köln<br />

Ab 1.9.<strong>2018</strong><br />

Einjähriger Fortbildungskurs<br />

für Musiker, die an einer<br />

zielgerichteten, intensiven<br />

Ausbildung unter Anleitung<br />

profilierter Dozenten interessiert<br />

sind. Besonders zur<br />

direkten Vorbereitung auf die<br />

Aufnahmeprüfung an einer<br />

Hochschule. Leitung: André<br />

Nendza.<br />

www.jazzhausschule.de/j3/<br />

angebot/vorstudium-jazz<br />

Rhythmusworkshop TaKeTiNa<br />

1./2.9.<strong>2018</strong><br />

Hamburg, Lichthof Theater<br />

Mit Jan Kobrzinowski (TaKeTi-<br />

Na Advanced Rhythm Teacher).<br />

Profundes Rhythmustraining als<br />

Selbsterfahrung. Rhythmisches<br />

Lernen mit dem Körper für<br />

Anfänger und Profis.<br />

www.kobrzinowski.com<br />

Ettlinger Jazz-Workshop <strong>2018</strong><br />

5.-8.9.<strong>2018</strong><br />

Musikschule Ettlingen/Birdland59-Jazzkeller<br />

Jazzweiterbildung für Ensemble-<br />

Spiel und Improvisation. Leitung:<br />

Christian Eckert. Dozenten: Peter<br />

Lehel (sax), Steffen Weber (sax),<br />

Felix Fromm (tb, tpt), Christian<br />

Eckert (g), Anke Helfrich (p),<br />

Thomas Katz (b), Markus<br />

Faller (dr), Eva Mayerhofer (voc).<br />

Veranstalter: Jazz-Club Ettlingen<br />

e.V. in Zusammenarbeit mit der<br />

Musikschule Ettlingen<br />

www.birdland59.de<br />

Barry Harris Jazz Workshop<br />

Roma, IT<br />

10.-14.9.<strong>2018</strong><br />

For all instruments and singers,<br />

10.-13.9.<strong>2018</strong> every night<br />

concerts, the workshop jam<br />

session, Barry Harris Trio Concert<br />

in trio. Inscription: Anna Pantuso,<br />

E-Mail:<br />

annapantuso@hotmail.com<br />

Workshops “Musik der 17 Hippies”<br />

<strong>2018</strong><br />

29./30.9.<strong>2018</strong> - Tollhaus, Karlsruhe<br />

1./2.12.<strong>2018</strong> - Landesmusikakademie<br />

Berlin (im FEZ)<br />

www.17hippies.de<br />

5. Jazz Workshop Friedrichshafen<br />

5.-7.10.<strong>2018</strong><br />

Friedrichshafen, Zeppelin<br />

Universität<br />

Mit Barbara Bürkle (voc),<br />

Alexander “Sandi” Kuhn (sax),<br />

Jens Loh (e-/b), Thomas Bauser<br />

(p, keyb), Christoph Neuhaus<br />

(g), Axel Pape (dr), Daniel Nösig<br />

(tp); Veranstalter: Kulturbüro<br />

Friedrichshafen.<br />

www.facebook.com/jazzandmoreworkshop<br />

www.kultur-friedrichshafen.de<br />

Workshop Vocal Improvisation, A<br />

Capella Gesang, Circle Songs<br />

10./11.11.<strong>2018</strong><br />

Münster, Weltmusik-Initiative<br />

Mit Johanna Seiler. Improvisation,<br />

Ausdruck. Für Menschen,<br />

die gern singen - Profis und Anfänger.<br />

Anmeldung: m.i.schulte@<br />

web.de<br />

www.johannaseiler.com<br />

Freie Improvisation <strong>–</strong> Workshop<br />

mit Urs Leimgruber<br />

17./18.11.<strong>2018</strong><br />

VHS Ulm, EinsteinHaus<br />

Hören klingt! Wie entdecke ich<br />

meinen eigenen Klang?<br />

Info/ Anmeldung: pflueger@<br />

vh-ulm.de<br />

Schlusspunkt<br />

Die nächste <strong>JAZZTHETIK</strong> erscheint am: Samstag, 27.10.<strong>2018</strong><br />

110 Jazzthetik 09/10-<strong>2018</strong>

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