Printmagazin TECHNIK und WISSEN - Ausgabe 028
Technik und Wissen berichtet in moderner Form für Fachleute aus der Industrie. Die Themen reichen vom 3D-Druck, neuen Materialien über Robotik, Montage und Zulieferindustrie bis hin zu Konstruktions- und den Digitalisierungsthemen rund um die intelligente Fabrik. Technik und Wissen gilt in der Branche als Meinungsführer. Das Printmagazin besteht aus exklusiven Fachartikeln, die von renommierten Fachjournalisten geschrieben werden und so brandaktuelle Themen aufgreifen. Auch im Onlinebereich zählt das Fachmagazin zu den führenden Plattformen in der DACH-Region. Sie zählen zu den Experten des sogenannten «digitalen Storytellings», wofür sie schon ausgezeichnet wurden. Das sagt man über Technik und Wissen: «So sieht innovativer, erzählerischer und cooler (Multimedia)-Fachjournalismus im digitalen Zeitalter aus.» – Laudatio beim SFJ-Award ---------- Schwerpunkt Ausgabe 028: Dezentrale Automation und Biologisierung der Industrie
Technik und Wissen berichtet in moderner Form für Fachleute aus der Industrie. Die Themen reichen vom 3D-Druck, neuen Materialien über Robotik, Montage und Zulieferindustrie bis hin zu Konstruktions- und den Digitalisierungsthemen rund um die intelligente Fabrik.
Technik und Wissen gilt in der Branche als Meinungsführer. Das Printmagazin besteht aus exklusiven Fachartikeln, die von renommierten Fachjournalisten geschrieben werden und so brandaktuelle Themen aufgreifen. Auch im Onlinebereich zählt das Fachmagazin zu den führenden Plattformen in der DACH-Region. Sie zählen zu den Experten des sogenannten «digitalen Storytellings», wofür sie schon ausgezeichnet wurden.
Das sagt man über Technik und Wissen: «So sieht innovativer, erzählerischer und cooler (Multimedia)-Fachjournalismus im digitalen Zeitalter aus.» – Laudatio beim SFJ-Award
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Schwerpunkt Ausgabe 028: Dezentrale Automation und Biologisierung der Industrie
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28 2024<br />
BIOLOGISIERUNG<br />
DER INDUSTRIE<br />
DEZENTRALE AUTOMATION
EDITORIAL<br />
STARTERKIT<br />
COMPACT CONTROLLER 100<br />
KOSTENGÜNSTIGER UND SCHNELLER<br />
EINSTIEG IN DIE WAGO STEUERUNGSWELT<br />
NETTO<br />
CHF 499<br />
exkl. MwSt.<br />
Einfacher <strong>und</strong> schneller:<br />
Ermöglicht erstes<br />
Kennenlernen des WAGO<br />
Compact Controllers 100<br />
& CODESYS<br />
(offene Automatisierung)<br />
Das Starterkit bietet eine einfache<br />
<strong>und</strong> kostenattraktive Möglichkeit,<br />
um in die WAGO Steuerungswelt einzusteigen.<br />
Konkret den Umgang mit dem WAGO CC100<br />
<strong>und</strong> der CODESYS Software zu erlernen.<br />
Minimaler Platzbedarf im Schaltschrank,<br />
dank REG Bauform <strong>und</strong> integrierten I/Os.<br />
Ready to work:<br />
Verdrahten <strong>und</strong> loslegen !<br />
Unabhängig vom<br />
Kenntnisstand des Anwenders.<br />
Kit-Inhalt :<br />
1 x Compact Controller 100<br />
Artikelnummer:<br />
2849-1199/0751-9301<br />
Startschuss für die Zukunft:<br />
Anfang einer Reihe<br />
von Starterkits für WAGO<br />
Compact Controller<br />
8DI 4DO 2AI 2AO 2NI1K/PT1K 1RS485; 2 x ETHERNET; SD<br />
1 x Stromversorgung, DC24V/1.25 A<br />
2 x Schaltermodul mit Ausschalter 250V/16A<br />
1 x Netz- <strong>und</strong> Konfigurationskabel<br />
1 x Betätigungswerkzeug<br />
<strong>TECHNIK</strong> UND NATUR MUSS<br />
KEIN GEGENSATZ SEIN<br />
Was hat man sich unter «Biologisierung der<br />
Industrie» vorzustellen? Diese Frage kam<br />
unweigerlich auf, als wir diese <strong>Ausgabe</strong><br />
planten. Weil von uns keiner so recht<br />
wusste, um was es da geht, fragten wir Dr. Peter Wydra<br />
vom Fraunhofer Institut für System <strong>und</strong> Innovationsforschung.<br />
Als Leiter des Geschäftsfelds Bioökonomie<br />
<strong>und</strong> Lebenswissenschaften befasst er sich intensiv mit<br />
dem Thema <strong>und</strong> kennt natürlich die Antwort: Bestehendes<br />
Wissen wird mit veränderter Methodik dazu angewendet,<br />
um gesellschaftliche Herausforderungen zu<br />
lösen. Wie diese Lösungen aussehen, beschreibt er im<br />
Interview ab Seite 62. In diesem schildert er zudem, wie<br />
der Einsatz von KI sowie Genforschung in diesem Kontext<br />
zu bewerten sind.<br />
Dass die Biologisierung in unserem Alltag längst Einzug<br />
gehalten hat, zeigen diverse Beispiele ab Seite 68.<br />
Manches des heute Möglichen, so viel sei verraten,<br />
wäre noch bis vor kurzer Zeit als Utopie abgetan worden.<br />
In diesem Zusammenhang möchte ich Ihnen übrigens<br />
auch den Beitrag (S. 70) meines Kollegen Eugen<br />
Albisser nahelegen. Er besuchte das Hereon-Institut in<br />
Hamburg, wo er sich über Membrantechnologie <strong>und</strong> deren<br />
Einsatz in einer Bioenergiefassade, deren Hauptbestandteil<br />
Algen sind, informierte.<br />
Apropos veränderte Methodik: Dezentrale Konzepte<br />
reduzieren den (Zeit-) Aufwand für Installation, Inbetriebnahme<br />
<strong>und</strong> Unterhalt. Aber wieso haben sie damit<br />
auch das Potenzial, den Schaltschrank in den Ruhestand<br />
zu schicken? Die Geschichte dazu erfahren Sie ab<br />
Seite 18.<br />
Markus Back, Chefredaktor Print<br />
Technik <strong>und</strong> Natur - das ist für viele Menschen<br />
ein Gegensatz. Der Gr<strong>und</strong> ist einleuchtend,<br />
denn zu oft hat die Technik der Natur geschadet:<br />
vom Smog der Industrialisierung bis zu<br />
den Plastikmeeren von heute.<br />
Doch diese Sichtweise greift zu kurz. Moderne Technik<br />
kann der Natur auch helfen <strong>und</strong> sogar von ihr lernen.<br />
Ein Beispiel: Drohnen forsten inzwischen schwer<br />
zugängliche Gebiete schneller <strong>und</strong> präziser auf als es<br />
Menschen je könnten. Hier zeigt sich, wie die Technik<br />
zum Partner der Natur werden kann.<br />
Die Beziehung geht aber noch weiter: Die Natur dient<br />
oft als Inspirationsquelle für neue Technologien. Man<br />
denke nur an die Bionik, bei der die Nachahmung natürlicher<br />
Phänomene für technische Zwecke im Mittelpunkt<br />
steht. So wurde der Klettverschluss von Pflanzen<br />
inspiriert, der Lotuseffekt von wasserabweisenden<br />
Blättern oder die Aerodynamik moderner Züge vom Eisvogel.<br />
Auch die Kreislaufwirtschaft, die nachhaltige Energiegewinnung<br />
<strong>und</strong> die Nutzung nachwachsender Rohstoffe<br />
zeigen, dass die Technik der Natur immer näherkommt.<br />
Natur <strong>und</strong> Technik - keine Gegensätze, sondern<br />
eine Symbiose, die uns neue Möglichkeiten eröffnet.<br />
Vielleicht, <strong>und</strong> das ist der spannende Gedanke, wird<br />
uns die Technik eines Tages sogar Wege aufzeigen, wie<br />
wir noch besser im Einklang mit der Natur leben können.<br />
Dann wäre der alte Gegensatz nichts weiter als ein<br />
Missverständnis der Vergangenheit.<br />
Eugen Albisser, Chefredaktor Online<br />
#<strong>028</strong> 3
EIN LEITFADEN FÜR BAHNBRECHENDE AUFTRITTE<br />
AN FACHMESSEN – SEITE 54<br />
DEZENTRALE AUTOMATION<br />
IM WELTWEITEN NETZ – SEITE 26<br />
<strong>WISSEN</strong>SWERTES – AB SEITE 10 UND 58<br />
VARIO-X: DIE DEZENTRALE LÖSUNG FÜR<br />
DIE AUTOMATISIERUNGSWELT VON MORGEN – SEITE 38<br />
AUF DEM WEG ZUR BATTERIE<br />
DER VIERTEN GENERATION – SEITE 80<br />
UMFRAGE ZU DEZENTRALEN<br />
IO-KONZEPTEN – SEITE 22<br />
NEUE PRODUKTE FÜR DIE INDUSTRIE –<br />
SEITE 40<br />
TECHNISCHE LITERATUR –<br />
SEITE 56<br />
CO-CREATION: EINFACHES COACHING<br />
FÜR FÜHRUNGSKRÄFTE – SEITE 11<br />
INHALT<br />
Exklusives KI-Interview mit<br />
Leonardo da Vinci: «Warum baut<br />
ihr nicht Maschinen, die atmen<br />
können?»<br />
6<br />
18<br />
Dezentrale Automation: Braucht<br />
es noch einen Schaltschrank?<br />
«Wir haben unsere<br />
KI von Gr<strong>und</strong> auf<br />
trainiert»<br />
34<br />
70<br />
Nachhaltige<br />
Algenproduktion<br />
durch innovative<br />
Membranlösungen<br />
MESSEKALENDER<br />
HERBST 2024 – SEITE 48<br />
MIT METHODEN ZU<br />
BESSEREN ERGEBNISSEN – SEITE 64<br />
BIOLOGISIERUNG<br />
IST LÄNGST ALLTAG – SEITE 68<br />
SMARTES KSS-MANAGEMENT<br />
MIT AUTOPILOT – SEITE 78<br />
QR-NEWS – SEITE 8<br />
SEHEN MASCHINEN<br />
4 #<strong>028</strong><br />
WETTBEWERBSVORTEIL DURCH OBJEKTORIENTIERTE<br />
PROGRAMMIERUNG – SEITE 30<br />
«BIOLOGISIERUNG<br />
DER INDUSTRIE» IM WELTWEITEN NETZ – SEITE 74<br />
SO WIE WIR? – SEITE 50<br />
#<strong>028</strong> 5
HISTORISCHES KI-INTERVIEW<br />
«WARUM BAUT IHR NICHT<br />
MASCHINEN,<br />
DIE ATMEN KÖNNEN?»<br />
Im Jahr 2024 ist die «Biologisierung der Industrie» eines der spannendsten Themen<br />
der modernen Welt. Was würde eine historische Persönlichkeit wie Leonardo da<br />
Vinci dazu sagen? In unserem historischen KI-Interview haben wir dem Genie der<br />
Renaissance seine visionären Gedanken zu diesem Thema entlockt. Klar ist: Er<br />
findet, dass wir noch nicht sehr weit sind - <strong>und</strong> hätte noch ein paar Ideen.<br />
Meister Leonardo, Sie haben Ihr Leben lang die Natur<br />
studiert <strong>und</strong> sich von ihr inspirieren lassen. Was halten<br />
Sie von der heutigen Idee der «Biologisierung der Industrie»<br />
<strong>und</strong> den damit verb<strong>und</strong>enen Entwicklungen?<br />
Wenn ich mir meine Gedanken <strong>und</strong> Ideen von damals<br />
anschaue, dann den Zeitsprung <strong>und</strong> die technologischen<br />
Entwicklungen dazu nehme, dann muss ich sagen: Die<br />
Menschheit ist in dieser Disziplin nicht sehr weit gekommen.<br />
Das w<strong>und</strong>ert mich jetzt – wir haben Ihnen diese Videos mit<br />
den fliegenden Lebewesen von Festo gezeigt …<br />
… <strong>und</strong> die haben mich fasziniert, das gebe ich zu. Aber der<br />
Gr<strong>und</strong>ansatz geht mir noch nicht weit genug. Die Natur ist<br />
unendlich geduldig <strong>und</strong> effizient, sie verschwendet nichts<br />
<strong>und</strong> recycelt alles. Hätte ich damals all eure Werkzeuge<br />
gehabt, hätte ich mir einen Baum zum Vorbild genommen<br />
– seine Wurzeln, die Nährstoffe aufnehmen, seine Äste, die<br />
sich dem Licht entgegenstrecken, <strong>und</strong> sogar die Art <strong>und</strong><br />
Weise, wie er sich an Stürme anpasst. Eure Fabriken sollten<br />
wie Wälder sein: vernetzt, robust <strong>und</strong> wachstumsfähig, aber<br />
niemals statisch.<br />
Lebendig?<br />
In gewisser Weise. Wenn ich heute leben würde, würde ich<br />
mich fragen: Warum baut ihr nicht Maschinen, die atmen<br />
können? Eure Maschinen sollten wachsen <strong>und</strong> sich<br />
regenerieren wie die Zellen im Körper. Sie sollten nicht nur<br />
arbeiten, sondern auch lernen, sich anpassen <strong>und</strong> auf die<br />
Umwelt reagieren.<br />
Das ist eine faszinierende Idee, Meister Leonardo. Sie<br />
sprechen davon, dass Maschinen lernen <strong>und</strong> sich anpassen<br />
sollten wie lebende Organismen. Wie würden Sie eine<br />
solche Maschine konstruieren?<br />
Zunächst würde ich die Natur genau beobachten – nicht<br />
nur Tiere, sondern auch Pflanzen <strong>und</strong> sogar Mikroorganismen.<br />
In jeder Zelle gibt es ein System, das Schäden<br />
repariert <strong>und</strong> sich selbst erneuert. Eine Maschine sollte<br />
das auch können: Sie sollte aus modularen Teilen<br />
bestehen, die beschädigte Elemente ersetzen oder neu<br />
konfigurieren können, wie ein Fischschwarm, der sich<br />
neu formiert, wenn ein Raubfisch auftaucht. Vielleicht<br />
könnte eine Fabrik selbst so programmiert werden, dass<br />
sie erkennt, wenn sie an Effizienz verliert, <strong>und</strong> dann ihre<br />
Struktur verändert, um sich besser an neue Bedingungen<br />
anzupassen.<br />
In der modernen Welt spricht man von künstlicher Intelligenz<br />
<strong>und</strong> maschinellem Lernen. Glauben Sie, dass dies der<br />
richtige Weg ist, um Ihre Vision von lebenden Maschinen<br />
zu verwirklichen?<br />
Ich muss zugeben, dass mir das Thema noch sehr fremd ist.<br />
Ich glaube, ich muss erst einmal KI neu denken, bevor ich<br />
über KI reden kann (lacht). Wenn ich eine KI programmieren<br />
würde, würde ich ihr als Erstes die Fähigkeit zur<br />
Neugier beibringen. Neugier ist die Gr<strong>und</strong>lage jeder<br />
Erfindung. Eine KI sollte ständig Fragen stellen, immer auf<br />
der Suche nach dem «Warum» <strong>und</strong> dem «Wie».<br />
Und, vielleicht etwas überraschend: Ich würde ihr auch<br />
einen Sinn für das Unvollkommene mitgeben.<br />
Ich kann Sie beruhigen: Sie sind unvollkommen.<br />
(Lacht) Das ist schön zu hören. Aber ich meinte damit eher,<br />
dass eine KI lernen sollte, das Unvorhergesehene zu<br />
schätzen, flexibel zu sein <strong>und</strong> in der Unvollkommenheit die<br />
Schönheit zu sehen. Schliesslich ist es oft der Umweg, der<br />
zur wahren Entdeckung führt.<br />
Ich hätte noch viele Fragen, aber die Zeit drängt. Deshalb<br />
noch eine letzte zum Thema «Biologisierung der Industrie»:<br />
Was glauben Sie, würde die Natur selbst dazu sagen, dass<br />
wir versuchen, ihre Prinzipien auf unsere Maschinen <strong>und</strong><br />
Industrien zu übertragen? Glauben Sie, dass wir mit<br />
unseren Erfindungen jemals die Eleganz <strong>und</strong> Perfektion der<br />
Natur erreichen können?<br />
Die Natur ist eine strenge Lehrmeisterin, aber auch voller<br />
Geduld <strong>und</strong> Grosszügigkeit. Was würde sie sagen? Ich<br />
glaube, sie würde lächeln, weil sie weiss, dass wir auf dem<br />
richtigen Weg sind, <strong>und</strong> gleichzeitig die Augen verdrehen,<br />
weil wir noch so weit hinter ihren Möglichkeiten zurückbleiben.<br />
Aber können wir ihre Vollkommenheit erreichen? Vollkommenheit<br />
ist ein schwieriges Wort. Die Natur ist nicht immer<br />
perfekt, jedenfalls nicht in dem Sinne, wie wir Menschen<br />
sie uns wünschen. Sie ist anpassungsfähig, sie experimentiert,<br />
sie macht Fehler, sie korrigiert sich, sie entwickelt<br />
sich ständig weiter. Das ist ihr wahres Genie.<br />
Am Ende wäre es wohl so: Die Natur würde uns applaudieren,<br />
solange wir auf sie hören, aber sie würde uns auch<br />
warnen, nicht übermütig zu werden. Denn was sie am<br />
besten beherrscht, ist das Gleichgewicht. Und das ist die<br />
eigentliche Lektion, die wir noch zu lernen haben.<br />
Dieses Interview wurde mit generativen KI-Programmen erstellt<br />
wie «Hello History» <strong>und</strong> ChatGPT sowie der menschlichen Denkkraft<br />
des Online-Chefredaktors Eugen Albisser.<br />
Bild: Pavel Neznanov/Unsplash<br />
6 #<strong>028</strong><br />
#<strong>028</strong> 7
RUBRIKTITEL<br />
RUBRIKTITEL<br />
HAT DER BARCODE<br />
AUSGEDIENT?<br />
QR<br />
CODE<br />
NEWS<br />
ROBOTER KANN SICH<br />
IN ÜBER 1000 FORMEN<br />
VERWANDELN<br />
DER STAND<br />
DER KI IN<br />
DER<br />
SCHWEIZER<br />
TECH-<br />
INDUSTRIE<br />
MAGISCH –<br />
3D-DRUCK MAL<br />
ANDERS<br />
SIEHT SO DIE NÄCHSTE<br />
GENERATION VON<br />
INDUSTRIEARBEITERN<br />
AUS?<br />
DIE<br />
HOFF NUNGS-<br />
VOLLE<br />
ANKUNFT EINES<br />
QUANTEN-<br />
COMPUTER-<br />
CHIPS<br />
IN ARLESHEIM<br />
ENTSCHLÜSSELT:<br />
DAS INNERSTE<br />
GEHEIMNIS EINER<br />
BOWLINGKUGEL<br />
WIE EIN<br />
BACKUP DIE<br />
GESAMTE<br />
PRODUKTION<br />
RETTEN<br />
KANN<br />
TECHNISCHE<br />
MEISTERLEISTUNG:<br />
VENEDIGS AUFBAU<br />
UNTERHALTSAM<br />
ERKLÄRT<br />
8 #<strong>028</strong><br />
#<strong>028</strong> 9
Wissenswertes<br />
LEISTUNGSFÄHIGE ZAHNRÄDER<br />
FÜR WINDKRAFTANLAGEN<br />
COCREATION<br />
IM ALLTAG<br />
FORSCHUNG FÜR WELTGENAUSTE MESSGERÄTE<br />
Schon jetzt gehören die Messinstrumente<br />
des Forschungsbereichs<br />
DQ-mat, in dem 60<br />
Physiker der Leibniz Universität<br />
Hannover sowie der Physikalisch<br />
Technischen B<strong>und</strong>esanstalt in Braunschweig<br />
kooperieren, zu den genauesten<br />
der Welt. Doch um der Lösung<br />
der grossen Fragen der Physik näher<br />
kommen zu können, benötigen sie<br />
noch einmal deutlich genauere Geräte.<br />
Im Sonderforschungsbereich entwickeln<br />
sie daher die nächste Generation<br />
von Quantensensoren für noch<br />
sensiblere, schnellere <strong>und</strong> höher aufgelöste<br />
Messgeräte wie Atomuhren<br />
oder Atominterferometer. In Verbindung<br />
mit Methoden der Quantentechnologie<br />
wollen die Wissenschaftler so<br />
das volle Potenzial der Quantenmechanik<br />
in Präzisionsmessungen<br />
ausschöpfen. Ihr Ziel sind bis zu h<strong>und</strong>ertfach<br />
genauere oder schnellere<br />
Messungen.<br />
Wichtige Erfolge haben die Forschenden<br />
bereits in der zweiten Förderperiode,<br />
die jetzt endete <strong>und</strong> um<br />
eine weitere verlängert wurde, verbucht.<br />
So konnten sie im Frühjahr den<br />
Atomkern des Elements Thorium-229<br />
zu einem Quantensprung anregen.<br />
Was unspektakulär klingt, war Forschenden<br />
jahrzehntlang nicht gelungen<br />
<strong>und</strong> ist ein wissenschaftlicher<br />
Durchbruch. Er öffnet die Tür für neuartige<br />
Atomkern-Uhren, die noch einmal<br />
deutlich genauer sein könnten als<br />
heutige Atomuhren.<br />
In Laserlaboren wie diesem<br />
forschen Wissenschaftler an den<br />
Quantensensoren von morgen.<br />
Bild: Leibniz Universität Hannover<br />
Auf der Suche nach dunkler Materie<br />
haben DQ-mat-Forschende kürzlich die<br />
bisher genaueste Suche nach ultraleichten<br />
dunklen Materie-Teilchen realisiert.<br />
Auch wenn noch kein entsprechender<br />
Nachweis gelungen ist, ihre Beschaffenheit<br />
konnte damit weiter eingegrenzt<br />
werden. DQ-mat-Experimente reichen<br />
sogar bis zur internationalen Raumstation.<br />
Dort waren sie 2023 an der erstmaligen<br />
Erzeugung einer Quantengas-Mischung<br />
beteiligt, die aus zwei Arten von<br />
Atomen besteht. Damit entstehen völlig<br />
neue Möglichkeiten, bisher nur auf der<br />
Erde verfügbare Quantentechnologien<br />
ins All zu bringen, aber auch, um etwa<br />
Einsteins Äquivalenzprinzip zu testen.<br />
www.uni-hannover.de<br />
Zahnradschäden an<br />
Offshore-Windkraftanlagen<br />
zu beheben<br />
ist teuer. Stehen die<br />
Anlagen wegen defekter Getriebe<br />
still, ist eine Reparatur<br />
oft nur unter Einsatz von Spezialkränen<br />
möglich. Hoher<br />
Wellengang, kräftige Winde<br />
<strong>und</strong> schlechte Sichtverhältnisse<br />
können Einsatzteams<br />
behindern <strong>und</strong> die Stillstandszeiten<br />
weiter verlängern.<br />
Im Projekt Gearform<br />
entwickelte das Fraunhofer<br />
IWU daher mit Industriepartnern<br />
ein Warmwalzverfahren<br />
zur Herstellung langlebiger,<br />
grossmoduliger Zahnräder.<br />
Gegenüber dem Wälzfräsen<br />
punktet dieses Verfahren zusätzlich<br />
mit besonders hohem<br />
Materialnutzungsgrad<br />
<strong>und</strong> erheblich kürzeren Fertigungszeiten.<br />
Mit einem Durchmesser von<br />
500 Millimetern <strong>und</strong> einem<br />
Modul von 9,5 Millimetern ist<br />
das fürs Projekt Gearform gefertigte<br />
Zahnrad das grösste<br />
bisher umformtechnisch hergestellte<br />
Zahnrad. Dazu fertigten<br />
die Projektpartner eigens<br />
eine Warmwalzanlage,<br />
die den Walzrohling auf 1200<br />
Grad erwärmt <strong>und</strong> die Verzahnung<br />
unter rotatorischer Bewegung<br />
ins Bauteil einbringt.<br />
In diesem Umformprozess<br />
entstehen keine Späne; da<br />
das Volumen bei der Bearbeitung<br />
nicht reduziert wird.<br />
Dies macht das Zahnrad nicht<br />
nur widerstandsfähiger, sondern<br />
spart ausserdem zwanzig<br />
Prozent Material ein. Noch<br />
beeindruckender ist die Zeitersparnis.<br />
Sechseinhalb Minuten<br />
dauert der Walzprozess,<br />
etwa 60 Minuten würde das<br />
Wälzfräsen in Anspruch nehmen.<br />
Das Verfahren wirkt sich<br />
auf die Langlebigkeit des<br />
Zahnrads besonders positiv<br />
aus. Beim Umformen wird der<br />
Faserverlauf des Materials<br />
nicht getrennt, sondern an<br />
die geometrische Aussenkontur<br />
angepasst. Dies erhöht<br />
die Zahnfussfestigkeit<br />
sowie die Tragfähigkeit der<br />
Zahnflanke. Dazu kommen<br />
umformbedingte Verfestigungseffekte:<br />
Die plastische<br />
Verformung als Folge des<br />
Warmwalzprozesses bewirkt<br />
eine höhere Versetzungsdichte<br />
im Kristallgitter des<br />
Metalls, wodurch dessen Festigkeit<br />
<strong>und</strong> Härte erhöht werden.<br />
Gleichzeitig führt eine<br />
Kornfeinung zu mehr Zähigkeit<br />
des Materials.<br />
www.iwu.fraunhofer.de<br />
Getriebeschäden an Offshore-Windkraftanlagen sind teuer. Der Einsatz besonders<br />
standfester Zahnräder wie in Gearform entwickelt, zahlt sich aus.<br />
Bild: Fraunhofer IWU<br />
EINFACHES<br />
COACHING FÜR<br />
FÜHRUNGSKRÄFTE<br />
Von Dr. Georg Michalik<br />
Coaching muss nicht kompliziert sein. Ein effektiver<br />
<strong>und</strong> einfacher Ansatz besteht aus drei Schritten: die<br />
Situation beschreiben, Handlungsoptionen überlegen<br />
<strong>und</strong> die Konsequenzen durchdenken. Dieser<br />
Prozess hilft, Mitarbeiter zur Selbstreflexion <strong>und</strong> Eigenverantwortung<br />
zu führen <strong>und</strong> lässt sich leicht im<br />
Arbeitsalltag integrieren. Dazu ein Beispiel: Ihr Mitarbeiter<br />
Max scheint aktuell überfordert:<br />
Schritt 1: «Beschreibe mir die Situation.» Starten Sie<br />
ein Gespräch, indem Sie den Mitarbeiter bitten, die<br />
aktuelle Herausforderung zu schildern. Dies fördert<br />
Klarheit <strong>und</strong> Verständnis. Beispiel: «Max, beschreibe<br />
bitte die Situation, die dich gestresst wirken<br />
lässt.»<br />
Schritt 2: «Was hast du dir zu tun überlegt?» Ermutigen<br />
Sie den Mitarbeiter, eigene Lösungsansätze zu<br />
entwickeln. Dies stärkt das Vertrauen in die eigene<br />
Problemlösungsfähigkeit. Beispiel: «Welche Schritte<br />
hast du dir überlegt, um die Situation zu verbessern?»<br />
Schritt 3: «Was wird passieren, wenn du das tust?»<br />
Helfen Sie dem Mitarbeiter, die möglichen Konsequenzen<br />
seiner Handlungen zu reflektieren. Dies<br />
fördert vorausschauendes Denken <strong>und</strong> motiviert<br />
zum Handeln. Beispiel: «Was denkst du, wird passieren,<br />
wenn du diese Massnahmen umsetzt?»<br />
Wenn dann die Mitarbeiterin oder der Mitarbeiter<br />
erkennt, dass es wohl nicht die gewünschte Konsequenz<br />
bringt, können Sie den Prozess einfach wiederholen.<br />
Wenden Sie diesen Coachingprozess an, wenn<br />
Mitarbeitende Herausforderungen begegnen oder<br />
Entwicklungspotenzial zeigen. Diese Methode ist<br />
unkompliziert, fördert Eigenverantwortung <strong>und</strong><br />
stärkt die Zusammenarbeit im Team. Probieren Sie<br />
es aus – Sie werden überrascht sein, wie effektiv<br />
diese drei einfachen Fragen sein können.<br />
Haben Sie Fragen oder Anregungen zur Kolumne?<br />
Schreiben Sie mir: georg.michalik@cocreation.com<br />
www.cocreation.com<br />
10 #<strong>028</strong><br />
#<strong>028</strong> 11
<strong>WISSEN</strong>SWERTES<br />
GEBÄUDEFASSADE REDUZIERT REGENABFLUSSMENGE<br />
Grosses Potenzial für schwimmende Photovoltaik<br />
Auf Gewässern installierte Photovoltaik-Anlagen<br />
boomen weltweit. In<br />
Deutschland sind bisher 21 Megawatt<br />
Peak installierte PV-Leistung auf Gewässern<br />
in Betrieb, weitere 62 Megawatt<br />
Peak in Genehmigung oder<br />
Konstruktion. Eine Analyse von RWE<br />
<strong>und</strong> dem Fraunhofer-Institut für Solare<br />
Energiesysteme ISE ergab nun,<br />
dass das Potenzial schwimmender<br />
Photovoltaik-Anlagen damit bei weitem<br />
nicht gehoben ist: Selbst bei<br />
strengen technischen, wirtschaftlichen<br />
<strong>und</strong> ökologischen Vorgaben<br />
kommt das Team auf 1,8 Gigawatt<br />
Peak (Südausrichtung der Solarmodule),<br />
beziehungsweise 2,5 Gigawatt<br />
Peak (Ost-West-Ausrichtung) PV-<br />
Darstellung des Floating-PV-Potenzials<br />
in Deutschland unter Einhaltung diverser<br />
Vorgaben. Grafik: Fraunhofer ISE<br />
Leistung, die auf Deutschlands künstlichen<br />
Seen installiert werden könnten.<br />
Das Studienteam analysierte künstliche<br />
Gewässerflächen in Bezug auf<br />
die technische Umsetzbarkeit von<br />
Floating-PV-Anlagen sowie der Einhaltung<br />
von Vorgaben im Erneuerbare-Energien-Gesetz<br />
<strong>und</strong> Wasserhaushaltsgesetz.<br />
Diese besagen, dass in<br />
Deutschland maximal 15 Prozent einer<br />
Gewässeroberfläche mit Solaranlagen<br />
bedeckt werden können <strong>und</strong> ein Abstand<br />
zum Ufer von mindestens 40<br />
Metern eingehalten werden muss. Zudem<br />
zogen die Wissenschaftler nur<br />
künstliche Seen in Betracht, die in<br />
keinen Schutzzonen wie in Naturschutzgebieten<br />
oder Biosphärenreservaten<br />
liegen, <strong>und</strong> nicht weiter als 5<br />
Kilometer von Einspeisepunkten ins<br />
Mittelspannungsnetz entfernt sind.<br />
Letzteres soll die Wirtschaftlichkeit<br />
der Anlagen garantieren.<br />
In Deutschland gibt es 6043 künstliche<br />
Seen mit einer Grösse von mindestens<br />
einem Hektar, die gemeinsam<br />
eine Fläche von über 90000 Hektar bilden.<br />
Die meisten von ihnen liegen in<br />
Sachsen <strong>und</strong> Baden-Württemberg, bei<br />
etwa 70 Prozent handelt es sich um<br />
Kiesgruben, daneben untersuchte die<br />
Studie Stauseen, Rückhaltebecken,<br />
Talsperren <strong>und</strong> Bergbauseen.<br />
www.ise.fraunhofer.de<br />
Eine Erfindung der Universität Stuttgart könnte<br />
künftig durch Hochwasser verursachte Verwüstungen<br />
verhindern: Hydroskin. Die leichten Fassadenelemente<br />
bestehen aus mehreren Textillagen <strong>und</strong><br />
Membranen, die Regenwasser aufnehmen können. Das entlastet<br />
die Kanalisation <strong>und</strong> beugt Hochwasser vor. An heissen<br />
Tagen wird die Textilfassade mit Wasser befeuchtet <strong>und</strong><br />
kühlt damit durch Verdunstung Gebäude <strong>und</strong><br />
Stadtraum nachhaltig ohne Klimaanlage.<br />
Die Fassadenelemente können aufgr<strong>und</strong><br />
ihres geringen Gewichtes<br />
problemlos an Neubauten sowie<br />
bestehenden Gebäuden angebracht<br />
werden – <strong>und</strong> das in<br />
vielfältigen Designs. Zudem<br />
können die Textilien<br />
zu 100 Prozent rezykliert<br />
<strong>und</strong> sogar aus<br />
PET-Flaschenabfällen<br />
hergestellt werden.<br />
Seit 2022 untersuchten<br />
Forschende der<br />
Universität Stuttgart,<br />
wie sich die Fassade<br />
bei Starkregen <strong>und</strong> extremer<br />
Hitze verhält. Dabei<br />
zeigte sich, dass die<br />
Hydroskin-Fassade mehr<br />
als das Doppelte an Regenwasser aufnehmen kann im Vergleich<br />
zu einer gleich grossen Dachfläche desselben Gebäudes.<br />
Das trägt dazu bei, dass sich die Menge des abzuführenden<br />
Regenwassers um 54 Prozent reduziert. So kann bei<br />
extremen Wetterereignissen ein Überschreiten der Aufnahmekapazität<br />
der Kanalisation <strong>und</strong> so Überschwemmungen<br />
zuverlässig verhindert werden.<br />
Die Fassade erlaubt es sogar, überschüssiges<br />
Nass ins Gebäudeinnere zu leiten, wo es für<br />
die Waschmaschine, die Toilettenspülung<br />
oder die Pflanzenbewässerung<br />
genutzt werden kann. Positiver<br />
Nebenaspekt: In einem<br />
Wohngebäude lassen sich<br />
so bis zu 46 Prozent<br />
Frischwasser einsparen.<br />
www.uni-stuttgart.de<br />
Die lichtdurchlässige<br />
Fassadentechnologie<br />
Hydroskin kann Regen<br />
speichern <strong>und</strong> so<br />
zuverlässig vor Überschwemmungen<br />
schützen.<br />
Bild: Universität Stuttgart<br />
AX <strong>und</strong> KX in Edelstahl<br />
Systemvorteile in glattem Stahl<br />
◾ Schutz empfindlicher Steuerungen<br />
XWW00268DE2310<br />
◾ Schutz vor den widrigsten Bedingungen<br />
◾ Fit für digitale Prozessoptimierung<br />
12 #<strong>028</strong><br />
#<strong>028</strong> 13
<strong>WISSEN</strong>SWERTES<br />
<strong>WISSEN</strong>SWERTES<br />
Daniel Fruhwirt vom Institut für<br />
Thermodynamik <strong>und</strong> nachhaltige<br />
Antriebssysteme untersuchte mit<br />
seinem Team, welche Gefahren von<br />
mit Wasserstoff betriebenen<br />
Fahrzeugen bei Unfällen in Tunneln<br />
ausgehen können. Bild: TU Graz<br />
BIOTOPPFLEGE ENTLANG<br />
VON STROMTRASSEN<br />
STUDIE UNTERSUCHT GEFAHRENPOTENTIAL<br />
VON WASSERSTOFFFAHRZEUGEN<br />
Die TU Graz hat im Projekt Hytra untersucht,<br />
welche Arten von Zwischenfällen<br />
mit wasserstoffbetriebenen Fahrzeugen<br />
in Tunneln realistisch sind, welche Gefahren<br />
für Menschen <strong>und</strong> Tunnelstruktur entstehen<br />
<strong>und</strong> mit welchen Massnahmen diese Risiken minimiert<br />
werden können. Ihr Fazit: Etwaige Schäden<br />
wären gross, ihr Eintreten aber wenig wahrscheinlich.<br />
Nach aktuellem Standard ist Wasserstoff in Pkw<br />
mit 700 bar Druck gespeichert, in Lkw <strong>und</strong> Bussen<br />
mit 350 Bar. Tritt ein Schaden an einem Tank auf,<br />
wird schnell sehr viel Energie frei, gerät Wasserstoff<br />
in Brand, verbrennt dieser bei Temperaturen<br />
von über 2000 Grad Celsius. Die Tanks sind zwar<br />
robust <strong>und</strong> gut vor mechanischer Einwirkung geschützt,<br />
aber einem Auffahrunfall mit einem Lkw<br />
halten auch sie nicht stand.<br />
Der wahrscheinlichste Ausgang bei einem Unfall<br />
ist, dass mit keinen nennenswerten Auswirkungen<br />
durch den Wasserstoff zu rechnen ist. Bei schweren<br />
Unfällen können jedoch drei verschiedene Gefahrenszenarien<br />
eintreten. Im ersten Fall springt bei<br />
steigendem Druck in Folge thermischer Einwirkung<br />
das Thermal Pressure Relief Device (TPRD) an,<br />
das den Wasserstoff in einem kontrollierten Strahl<br />
aus dem Tank ablässt. So hält es den Druck auf einem<br />
gewissen Niveau <strong>und</strong> vermeidet eine Explosion.<br />
Entzündet sich der abgelassene Wasserstoff,<br />
was bei der Vermischung mit Luft leicht geschehen<br />
kann, richtet sich die Flamme auf einen festen<br />
Punkt am Boden. Es bleibt dennoch gefährlich, da<br />
Wasserstoff farb- <strong>und</strong> geruchlos verbrennt. Der Gefahrenbereich<br />
ist allerdings eingeschränkt.<br />
Versagt das TPRD, kann der Tank explodieren, wobei<br />
eine Druckwelle entsteht, die sich durch den<br />
gesamten Tunnel ausbreitet: Innerhalb von 30 Metern<br />
besteht dabei Lebensgefahr, bis etwa 300 Meter<br />
die Gefahr von schweren inneren Verletzungen wie<br />
Lungenblutungen, weiter entfernt drohen immerhin<br />
noch geplatzte Trommelfelle. Das dritte Szenario<br />
ist das unwahrscheinlichste: Es tritt ein, wenn<br />
der Wasserstoff ungezündet freigesetzt wird. Als<br />
leichtestes Element im Periodensystem steigt er<br />
auf <strong>und</strong> sammelt sich unter der Tunneldecke in einer<br />
Wolke. Befindet sich dort eine Zündquelle, folgt<br />
eine Explosion, die ebenfalls eine Druckwelle verursacht.<br />
Um die Risiken zu minimieren, hat das Projektteam<br />
um Daniel Fruhwirt mehrere Massnahmenempfehlungen:<br />
Strengere Tempolimits, die mit<br />
Section Control überwacht werden, genaue Abstandskontrollen,<br />
die den Fahrern visualisieren,<br />
wenn sie zu dicht auffahren, <strong>und</strong> bei Stausituationen<br />
bereits früher angezeigte Tempolimits, damit<br />
die Geschwindigkeit beim Ankommen am Stauende<br />
bereits niedrig genug ist, um im Falle eines Auffahrunfalls<br />
nur geringe Schäden zu verursachen.<br />
www.tugraz.at<br />
Um das Trassenmanagement<br />
umweltverträglicher zu gestalten,<br />
hat jetzt das Forum<br />
Netztechnik/Netzbetrieb im<br />
VDE erstmals eine Umsetzungshilfe<br />
zum ökologischen Trassenmanagement<br />
erarbeitet. Als Fachkreise waren<br />
der NABU <strong>und</strong> das B<strong>und</strong>esamt für Naturschutz<br />
beteiligt.<br />
Der Hinweis zum ökologischen<br />
Trassenmanagement zeigt auf, wie<br />
Betriebssicherheit <strong>und</strong> Naturschutz<br />
Hand in Hand gehen können. Empfohlen<br />
werden Massnahmen für<br />
bestehende Trassen sowie Neu- <strong>und</strong><br />
Ersatzneubauten. Ausserdem wird<br />
der Begriff «ökologisches Trassenmanagement»<br />
definiert <strong>und</strong> vom «konventionellen<br />
Trassenmanagement»<br />
abgegrenzt. Fal l beispiele, die bereits<br />
bei Netzbetreibern umgesetzt sind,<br />
werden aufgelistet <strong>und</strong> als Übersicht<br />
zur Verfügung gestellt.<br />
Der Beispielkatalog zeigt zudem, wo<br />
artenreiche Trassenbiotope geschaffen<br />
werden konnten. Durch gezielte<br />
schonende Gehölzentfernung können<br />
Trassen bewusst so gestaltet werden,<br />
dass Lebensräume für Licht <strong>und</strong> Wärme<br />
liebende Arten entstehen. Eine<br />
Corona-Knick <strong>und</strong> Gewichtssprung<br />
Eine neue Initiative fördert eine nachhaltige Biotoppflege entlang von Stromtrassen. Bild: VDE<br />
weitere Möglichkeit ist, niedrige Sträucher<br />
<strong>und</strong> Bäume so weit wie möglich<br />
stehen zu lassen. In einem Beispiel hat<br />
auf einer Strecke von r<strong>und</strong> zwei Kilometern<br />
eine Ziegenherde erfolgreich<br />
die jährliche Pflege übernommen.<br />
www.vde.com<br />
Das Fitnessniveau bei Kindern im Alter<br />
von drei bis zehn Jahren ist weiter<br />
rückläufig. Zu diesem Ergebnis kommt<br />
das am Karlsruher Institut für Technologie<br />
(KIT) erstellte Fitnessbarometer<br />
2024 der Kinderturnstiftung Baden-<br />
Württemberg.<br />
In Schulen, Kitas <strong>und</strong> Vereinen testeten<br />
die Forschenden 7358 Kinder aus<br />
276 baden-württembergischen Städten<br />
<strong>und</strong> Gemeinden. Die Auswertung<br />
der Daten zeigt, dass die Corona-Rückstände<br />
auch geraume Zeit nach der<br />
Pandemie nicht aufgeholt sind. So<br />
sank der Fitness-Gesamtwert (Perzentilwert)<br />
von 57,0 für den Zeitraum<br />
2012 bis 2019 auf 53,5 im Jahr 2023. Darüber<br />
hinaus hat sich der Anteil adipöser<br />
Kinder beim Wechsel vom Kindergarten<br />
zur Gr<strong>und</strong>schule mehr als<br />
verdoppelt.<br />
Professor Klaus Bös, Senior Researcher<br />
am Institut für Sport <strong>und</strong> Sportwissenschaft<br />
(IfSS) des KIT <strong>und</strong> Entwickler<br />
des Motorik-Tests, zeigt sich<br />
besorgt: «Ich bin bisher davon ausgegangen,<br />
dass wir nach dem Ende der<br />
Pandemie nur von einer Corona-Delle<br />
sprechen können. Das ist leider<br />
nicht so. Das Fitnessniveau ist weiterhin<br />
niedriger als vor den Corona-<br />
Jahren.»<br />
«Die aktuellen Daten zeigen uns unterschiedliche<br />
Trends in Abhängigkeit<br />
der zugr<strong>und</strong>e gelegten motorischen<br />
Fähigkeit», erläutert Dr. Claudia<br />
Niessner (IfSS), Projektleiterin der<br />
wissenschaftlichen Begleitung des<br />
Fitnessbarometers: «Vor allem bei<br />
Testaufgaben, die Beinaktivität erfordern,<br />
zeigen sich signifikant negative<br />
Effekte der Beschränkungen der Pandemie-Jahre.»<br />
www.kit.edu<br />
Ein PDF der<br />
Umsetzungshilfe<br />
kann hier kostenlos<br />
heruntergeladen<br />
werden.<br />
14 #<strong>028</strong><br />
#<strong>028</strong> 15
<strong>WISSEN</strong>SWERTES<br />
ROBOTER FÜR FLEXIBLE TEXTILIEN<br />
Die Industrieroboter des<br />
Münchner Start-up Sewts<br />
lernen mithilfe von KI-<br />
Algorithmen, wie sie mit<br />
forminstabilen Materialien umgehen<br />
müssen. Wäschereien nutzen die<br />
Technologie bereits, um etwa Handtücher<br />
automatisiert an Faltmaschinen<br />
zu übergeben. Als Nächstes wollen die<br />
Gründer <strong>und</strong> Absolventen der Technischen<br />
Universität München Kleiderretouren<br />
im Onlinehandel automatisiert<br />
verarbeiten.<br />
Die technische Herausforderung für<br />
die erste Anwendung bestand darin,<br />
dass der Roboter zunächst lernen<br />
musste, wie er ein Kleidungsstück<br />
greifen sollte, um es in geeigneter<br />
Form zu übergeben. Je nachdem wie<br />
etwa ein Handtuch aufliegt, kann es<br />
viele unterschiedliche Formen annehmen.<br />
Es kann zudem liniert oder kariert<br />
sein, weiss oder bunt. Um dem<br />
Roboter diese Varianten beizubringen,<br />
tricksten die Gründer von Sewts. Sie<br />
simulierten im Rechner die verschiedenen<br />
Formen, die ein Handtuch einnehmen<br />
kann <strong>und</strong> generierten ihre eigenen<br />
Trainingsdaten fürs System.<br />
Das zweite grosse Fallbeispiel steht<br />
jetzt an: Die Retourenverarbeitung im<br />
Mode-Onlinehandel. In einem Piloten<br />
mit einem deutschen Einzelhändler<br />
wurde der Einsatz des Robotersystems<br />
bereits mit zurückgesendeten Kleidungsstücken<br />
getestet. Der Unterschied<br />
zum Einsatz in der Grosswäscherei<br />
liegt darin, dass das Spektrum<br />
an Kleidungsstücken nun viel grösser<br />
ist. T-Shirts mit langen <strong>und</strong> kurzen Ärmeln,<br />
mit Knöpfen, V-Ausschnitt, Hosen<br />
mit Reissverschlüssen: All dies<br />
muss die KI künftig lernen, um Kleidungsstücke<br />
für die Faltmaschine vorbereiten<br />
zu können. Doch bei Sewts ist<br />
man sicher, die diversen Bekleidungsstücke<br />
schon bald handhaben zu können.<br />
www.tum.de<br />
Das Start-Up Sewts hat<br />
mit Hilfe von KI Robotern<br />
die Handhabung<br />
biegeschlaffer Materialein<br />
beigebracht. Bild: TUM<br />
Gel baut Alkohol im Körper ab<br />
ETH-Forschende haben ein Protein-Gel entwickelt,<br />
das Alkohol bereits im Magen-Darm-Trakt<br />
abbaut. In einer Studie zeigten sie an Mäusen,<br />
dass das Gel Alkohol schnell, effizient <strong>und</strong> direkt<br />
in harmlose Essigsäure umwandelt, bevor dieser<br />
ins Blut gelangt <strong>und</strong> dort seine berauschende <strong>und</strong><br />
ges<strong>und</strong>heitsschädigende Wirkung entfaltet.<br />
«Das Gel verlagert den Alkoholabbau von der Leber<br />
in den Verdauungstrakt. Im Gegensatz zum<br />
Alkoholstoffwechsel in der Leber entsteht dabei<br />
aber nicht das schädliche Zwischenprodukt Acetaldehyd»,<br />
erklärt Raffaele Mezzenga, Professor für<br />
Lebensmittel <strong>und</strong> weiche Materialien an der ETH<br />
Zürich. Acetaldehyd ist giftig <strong>und</strong> für viele Ges<strong>und</strong>heitsschäden<br />
verantwortlich, die durch<br />
übermässigen Alkoholkonsum entstehen.<br />
Das Gel könnte daher in Zukunft vor oder während<br />
des Alkoholkonsums oral eingenommen<br />
werden, um zu verhindern, dass der Blutalkoholpegel<br />
steigt <strong>und</strong> Acetaldehyd den Körper schädigt.<br />
Im Unterschied zu vielen am Markt erhältlichen<br />
Produkten bekämpft das Gel also nicht nur<br />
die Symptome des Alkoholkonsums, sondern seine<br />
Ursachen. Das Gel ist aber nur wirksam, solange<br />
sich noch Alkohol im Magen-Darm-Trakt befindet<br />
<strong>und</strong> kann deshalb bei Alkoholvergiftungen<br />
nicht mehr helfen, wenn der Alkohol sich bereits<br />
im Blut befindet.<br />
Für die Herstellung des Gels verwendeten die<br />
Forschenden Molkenproteine. Diese wurden<br />
mehrere St<strong>und</strong>en gekocht, so dass sich daraus<br />
lange, dünne Fasern bildeten. Fügt man anschliessend<br />
Salz <strong>und</strong> Wasser als Lösungsmittel<br />
hinzu, vernetzen sich die Fasern zum Gel. Der<br />
Vorteil eines Gels gegenüber anderen Verabreichungsformen<br />
ist, dass es langsam verdaut wird.<br />
Damit es den Alkohol abbauen kann, braucht es<br />
aber mehrere Katalysatoren. Als Hauptkatalysator<br />
setzten die Forschenden auf einzelne Eisenatome,<br />
die sie gleichmässig über die Oberfläche<br />
der Proteinfasern verteilten. Weitere Katalysatoren<br />
sind Gold <strong>und</strong> Glukose.<br />
Die Forschenden haben bereits ein Patent für<br />
das Gel beantragt. Bis es für Menschen zugelassen<br />
wird, sind aber noch einige klinische Tests<br />
notwendig.<br />
www.ethz.ch<br />
Die neue Dimension<br />
des Kabelmanagements<br />
Simply Smart Systems<br />
Automation<br />
<strong>und</strong> Robotik<br />
Energieketten<br />
Schläuche <strong>und</strong><br />
Verschraubungen<br />
Kabeldurchführungen<br />
<strong>und</strong> -halterungen<br />
STEGO Produktprogramm<br />
Kennzeichnungen<br />
16 #<strong>028</strong><br />
Murrplastik AG Ratihard 40, 8253 Willisdorf<br />
#<strong>028</strong> 17<br />
Tel. 052 646 06 46 info@murrplastik.ch
DEZENTRALE AUTOMATION<br />
DIE ZEIT IST VORBEI:<br />
RAUS INS FELD<br />
Braucht es heutzutage noch einen Schaltschrank? Diese Frage hat sich<br />
wohl schon so manch ein Verantwortlicher im Maschinen- <strong>und</strong> Anlagenbau<br />
gestellt. Die Antwort darauf gibt dieser Beitrag, der sich mit dezentraler<br />
Automatisierungstechnik befasst.<br />
Von Markus Back<br />
Seit Jahrzehnten ist der Schaltschrank ein fester<br />
Bestandteil in den Planungen des Maschinen- <strong>und</strong><br />
Anlagenbaus. Wie kommt es also, dass dieser in<br />
den Überlegungen vieler Konstruktionsabteilungen<br />
an Bedeutung verliert?<br />
Um das zu verstehen, bedarf es eines Sprungs um knapp<br />
dreissig Jahre zurück. Bis kurz vor der Jahrtausendwende<br />
war die Welt noch in Ordnung – zumindest aus Sicht des<br />
Schaltschrankbauers! Sensoren <strong>und</strong> Aktoren waren bis dahin<br />
in passiver Technik ausgeführt <strong>und</strong> es brauchte für jedes<br />
Signal ein Kabel in 2-/3-Leitertechnik. Anhand der verbauten<br />
Reihenklemmen im Schaltschrank konnten so<br />
selbst Aussenstehende die Komplexität einer Applikation<br />
sehr gut abschätzen.<br />
Dieser Ansatz war allerdings mit einem erheblichen Aufwand<br />
sowie umfangreichen Prozessen verb<strong>und</strong>en – <strong>und</strong><br />
zwar nicht nur für den Maschinen- <strong>und</strong> Anlagenbauer. Gleiches<br />
galt für deren K<strong>und</strong>en. Bei einer Anschaffung mussten<br />
sich diese genau überlegen, wie sie die Kabelstränge zwischen<br />
den Schaltschränken <strong>und</strong> Maschinen unter Kontrolle<br />
bringen können. Teilweise verschwanden diese in Bodenschächten,<br />
andere verlegten diese über massive Trassen.<br />
Dies schlug sich auf die Planungs- <strong>und</strong> Inbetriebnahmezeit<br />
nieder <strong>und</strong> verursachte erhebliche Kosten.<br />
Dezentrale IO-Module reduzieren Installationsaufwand<br />
Immer aufwendigere Maschinen- <strong>und</strong> Anlagenkonzepte riefen<br />
schliesslich diverse Hersteller von Automatisierungstechnik<br />
auf den Plan. Sie überlegten sich, wie sie den Installationsaufwand<br />
<strong>und</strong> die Kabelbündel reduzieren können.<br />
Ihre Antwort: dezentrale IO-Module. Die Murrelektronik<br />
GmbH aus Oppenweiler beispielsweise lancierte bereits Anfang<br />
der 1990-er Jahre erste IO-Feldbusmodule mit steckbaren<br />
Anschlüssen. Sie trugen den kryptischen Namen MSAB,<br />
18 #<strong>028</strong><br />
waren gross wie Briketts <strong>und</strong> sammelten dank hoher<br />
Schutzart in IP65 die Sensor- <strong>und</strong> Aktorsignale direkt vor<br />
Ort zuverlässig ein.<br />
Während der Maschinenbau zunächst nicht so richtig<br />
wusste, was er mit dieser neuen Technologie tun soll, erkannte<br />
die Automobilindustrie schnell deren Nutzen. In ihren<br />
weitläufigen Produktionsstätten konnte diese dank der<br />
neuen Technologie Kilometer an Kabeln <strong>und</strong> Trassen einsparen.<br />
Zudem erleichterten sie den Service <strong>und</strong> Unterhalt<br />
durch eine vereinfachte Fehlersuche sowie steckbarer elektrischer<br />
Verbindungen.<br />
Damit war der Auszug der Komponenten aus dem Schaltschrank<br />
eingeläutet. Zwar war dieser immer noch sehr voll,<br />
aber der Weg in Richtung Dezentralisierung war eingeschlagen.<br />
Ganz Verwegene träumten bereits von der Ein-Haken-<br />
Maschine. Ihre Idee: Eine Maschine komplett betriebsbereit<br />
auszuliefern. Am Aufstellungsort, so ihr Gedanke, müssten<br />
nur noch Strom- <strong>und</strong> Datenkabel angeschlossen werden<br />
<strong>und</strong> schon liesse sich produzieren. Doch das sollte zunächst<br />
ein Traum bleiben.<br />
Einzelkanalabschaltung erhöht Verfügbarkeit<br />
Kein Traum blieb indes der Wunsch nach einer höheren Anlagenverfügbarkeit.<br />
Zwar sammelten die dezentralen IO-<br />
Module nun die Sensor- <strong>und</strong> Aktorsignale in der Maschinenperipherie<br />
ein, hatten aber anfangs eine Schwachstelle.<br />
Bei Überlast oder einem Kurzschluss ging das komplette<br />
Modul in den Störungsmodus. Keiner der acht M12-Ports<br />
konnte mehr Signale senden oder empfangen.<br />
Durch ihre aktive Mitarbeit in Normungsgremien kannten<br />
die Verantwortlichen bei der Murrelektronik GmbH dieses<br />
Problem. Wie aber umgeht man dieses Störverhalten der IO-<br />
Elektronik? Die Automationsexpertin aus dem Grossraum<br />
Stuttgart bewies einmal mehr, dass die Schwaben weltweit<br />
Bei richtiger Konzeption braucht es keinen<br />
Schaltschrank mehr. Daher ist es an der<br />
Zeit, sich Gedanken über neue Einsatzgebiete<br />
für diesen zu machen. Schliesslich hat<br />
jeder eine zweite Chance verdient.
DEZENTRALE AUTOMATION<br />
nicht umsonst den Beinamen «Tüftler» tragen <strong>und</strong> präsentierten<br />
im Jahre 2001 das MVK. Der Murrelektronik Verteiler<br />
Kompakt verfügte als erstes Modul über eine innovative<br />
Einzelkanalabschaltung bei Kurzschluss oder Überlast. Da<br />
die übrigen sieben Kanäle bei einer Abschaltung betriebsbereit<br />
blieben, erhöhte dieser Ansatz die Anlagenverfügbarkeit<br />
auf sehr gute 87,5 Prozent. Zugleich signalisierte dem<br />
Serviceteam eine rote LED am Steckplatz auf einen Blick, wo<br />
das Problem liegt.<br />
Ein IO-Modul für alle Fälle<br />
Mit zunehmender Akzeptanz dezentraler IO-Konzepte im<br />
Maschinenbau wuchs die Zahl verfügbarer IO-Module<br />
schlagartig. Schliesslich sollten alle Eventualitäten <strong>und</strong> Bedürfnisse<br />
abgedeckt sein.<br />
Das Konzept von Zero Cabinet umgesetzt mit Vario-X.<br />
Diese Vielzahl dezentraler IO-Module brachte aber bald<br />
eine andere Herausforderung mit sich. Bei manch einem<br />
Maschinenbauer gingen die Lagerhaltungskosten plötzlich<br />
durch die Decke, weil die Konstrukteure durch die gängigen<br />
IO-Module wie DI8, DO8 oder DI4/DO4 viele ungenutzte Reserveports<br />
einplanen mussten, um alle Signale auf der Maschine<br />
bedienen zu können.<br />
Die Ingenieure bei Murrelektronik erwiesen sich erneut als<br />
kreativ <strong>und</strong> lancierten als erster Hersteller multifunktionale<br />
IO-Module. Das Revolutionäre: Der Anwender konnte aufgr<strong>und</strong><br />
standardisierter Pins sowie der Software-Konfiguration<br />
frei entscheiden, ob er einen Signalport als Eingang für<br />
Sensoren oder als Ausgang für Aktoren nutzen will. Damit<br />
war es vollkommen egal, ob er nun zwei Ein- <strong>und</strong> sechs Ausgänge<br />
oder fünf Ein- <strong>und</strong> drei Ausgänge benötigte. Diese<br />
Multifunktionalität schuf Platz im Lager, da sich nun auf<br />
einmal mit nur einem IO-Modul alle Anforderungen abdecken<br />
liessen.<br />
Zero Cabinet mit Vario-X<br />
Mit fortschreitender Miniaturisierung <strong>und</strong> immer besserer<br />
Leistungselektronik wurden ab 2005 auf einmal technische<br />
Lösungen möglich, die zuvor <strong>und</strong>enkbar schienen. Ein Beispiel<br />
hierfür sind Safety-Module, die es gestatteten, sicherheitsrelevante<br />
Signale draussen im Feld zu sammeln. Später<br />
kamen dezentrale Stromversorgungen mit hohem<br />
Wirkungsgrad <strong>und</strong> hoher Schutzart dazu, die je nach Anforderung<br />
1- oder 3-phasig versorgt wurden <strong>und</strong> am Ausgang 24<br />
VDC zur Verfügung stellten.<br />
Der vor mehr als drei Jahrzehnten eingeschlagene Weg der<br />
Dezentralisierung <strong>und</strong> die Möglichkeiten durch immer<br />
Energie-effizientere Geräte liessen Murrelektronik 2022<br />
zum nächsten bedeutenden Paukenschlag ausholen. Mit<br />
Vario-X (siehe auch S. 38) präsentieren sie die Lösung für die<br />
schaltschranklose Automatisierung von Maschinen. In ihre<br />
flexible <strong>und</strong> skalierbare IP67-Plattform integrierten sie die<br />
bis anhin im Schaltschrank verbliebenen Komponenten.<br />
Zu diesen gehört ein leistungsfähiger IPC mit Vier-Kern-<br />
Prozessor. Dieser erlaubt es, ohne weiteren PC oder Gateway,<br />
rechenintensive Bestandteile einer Anwendung auf die Kerne<br />
zu verteilen <strong>und</strong> so die Zykluszeiten kurz zu halten. So<br />
lassen sich auf die Kerne die Bildverarbeitung, ein Digitaler<br />
Zwilling zur Kollisionsvermeidung oder spezielle Messapplikationen<br />
verteilen, um nur einige Beispiele zu nennen.<br />
Gleich zwei leistungsfähige Stromversorgungen bringen<br />
indes die Flexibilität, die es im Feld braucht, um unterschiedliche<br />
Applikationen einfach zu realisieren. Während 24 VDC<br />
für externe IO-Module <strong>und</strong> weitere Peripheriegeräte bereitstehen,<br />
versorgt ein 48-VDC-Anschluss die Antriebstechnik<br />
mit Energie. Der Clou hier: Beim Einsatz von Motoren mit integrierter<br />
Regelungselektronik lassen sich ungeschirmte<br />
Motorleitungen verwenden. Das aufwendige Anschliessen,<br />
zum Beispiel mit Auflegen des Schirms, entfällt ebenso wie<br />
die höheren Anschaffungskosten für geschirmte Kabel.<br />
Ein Einspeisemodul mit integriertem Hauptschalter, eine<br />
Batterie zur Pufferung des IPC, ein 8-fach IO-Link-Master-<br />
Modul, ein Ethernet Switch sowie eine Safety PLC mit zugehörenden<br />
Safety-IO, r<strong>und</strong>en die Lösung ab <strong>und</strong> bilden die<br />
Voraussetzung für dezentrale Automatisierungskonzepte.<br />
Das bestätigen übrigens auch die Veranstalter der Schweizer<br />
Industrie Messe Sindex, die Murrelektronik 2023 mit<br />
dem Swiss Dinno Award auszeichneten. Sie begründeten<br />
ihre Entscheidung unter anderem mit dem innovativen Automatisierungsansatz,<br />
den sie explizit als nachhaltig bezeichneten.<br />
«Vario-X ist der<br />
Schlüssel für die<br />
schaltschranklose<br />
Automation.»<br />
Schaltschrank Adieu<br />
Einen Preis also für nachhaltigen Maschinenbau! Hinter<br />
vorgehaltener Hand heisst es, die Jury wollte damit ein Signal<br />
gegen die anhaltende Schaltschrank-Outsourcing-Welle<br />
setzen. Ob dem tatsächlich so ist, lässt sich nicht belegen.<br />
Fakt ist jedoch, dass in den vergangenen Jahren immer häufiger<br />
etablierte Unternehmen auf der Suche nach Kosteneinsparungen<br />
den günstigsten Weg wählten <strong>und</strong> ihre Gehäuse<br />
in Ländern mit tieferen Lohnkosten installieren liessen.<br />
Dieser Schaltschrank-Tourismus führt aber dazu, dass jährlich<br />
tausende Lastwagen zwischen Ost <strong>und</strong> West pendeln.<br />
Viele Einkaufsabteilungen sind sich den Nachteilen dieses<br />
eingeschlagenen Weges gar nicht bewusst. Sie geben nicht<br />
nur breitwillig Know-how aus der Hand, sondern büssen<br />
auch an Flexibilität ein. Änderungen im Design lassen sich<br />
nachträglich nur noch sehr schwer vornehmen.<br />
Aber nicht nur das. Die prämierte Lösung rückt die Feldebene<br />
in den Fokus, die bei den allermeisten Kosteneinsparungsprogrammen<br />
bislang ausser Acht blieb. Dabei hält gerade<br />
diese für Maschinenbauer ein unheimliches Potential<br />
bereit, um die Kosten zu reduzieren <strong>und</strong> die Marge zu erhöhen.<br />
Die Installation ist 40 Prozent schneller als bei klassischen<br />
Schaltschranksystemen, der Verdrahtungsaufwand<br />
reduziert sich gar um 75 Prozent.<br />
Die Ein-Haken-Maschine ist also kein Traum mehr. Murrelektronik<br />
macht dies mit seinen innovativen <strong>und</strong> marktprägenden<br />
Lösungen möglich.<br />
Murrelektronik AG<br />
www.murrelektronik.ch<br />
FAULHABER Applikationen<br />
Made to<br />
grow your<br />
imagination<br />
Mit FAULHABER Antriebssystemen<br />
erwachsen fantastische Möglichkeiten<br />
für Robotik- <strong>und</strong> Automatisierungsanwendungen<br />
in der<br />
Agrartechnik.<br />
www.faulhaber.com/agricultural-robotics/de<br />
20 #<strong>028</strong><br />
WE CREATE MOTION<br />
#<strong>028</strong> 21
DEZENTRALE AUTOMATION<br />
DEZENTRALE AUTOMATION<br />
«…erhöhen<br />
die Flexibilität»<br />
DEZENTRALE<br />
IO-KONZEPTE…<br />
Sind Schaltschränke heutzutage überhaupt noch erforderlich<br />
<strong>und</strong> welche Vorzüge ergeben sich für den Anwender,<br />
wenn er die Intelligenz seiner Prozesse ins Feld verlagert?<br />
Im Gespräch mit vier Automationsexperten über Sinn <strong>und</strong><br />
Nutzen dezentraler IO-Konzepte.<br />
Wann sind dezentrale IO-Konzepte der konventionellen<br />
Technik mit Schaltschrank vorzuziehen?<br />
Von Markus Back<br />
Christian Vierthaler<br />
Firma: Siemens Schweiz AG<br />
Funktion: Regional Product Manager<br />
E-Mail: christian.vierthaler@siemens.com<br />
Dezentrale IO-Konzepte sind insbesondere für modulare Maschinen<br />
interessant, bei denen die eingesetzte Peripherie in den optionalen<br />
Modulen zugeordnet ist <strong>und</strong> physisch dort aufgebaut wird. Der Vorteil<br />
dieses Ansatzes ist, dass Module vorverdrahtet werden können <strong>und</strong> beim<br />
Zusammenbau der Optionen Bus- <strong>und</strong> Energieleitung nur noch mit<br />
genormten Schraubsteckern angeschlossen werden müssen.<br />
Wie verändern sich Instandhaltung/Service bei dezentralen<br />
IO-Konzepten?<br />
Das sind zunächst einmal die kürzeren Leitungen, welche die Suche von<br />
Fehlern in der Verkabelung vereinfachen <strong>und</strong> einen Austausch bei<br />
Beschädigungen erleichtern, da keine Umverdrahtungen im Schaltschrank<br />
vorzunehmen sind. Dies vermeidet auch Verdrahtungsfehler.<br />
Zudem vereinfachen Diagnose-LED an der Peripherie die schnelle<br />
Lokalisierung eines Fehlers.<br />
Auf was ist zu achten, damit sich ein dezentrales IO-Konzept<br />
möglichst reibungslos in eine bestehende SPS-Umgebung<br />
integrieren lässt?<br />
Die Voraussetzung dafür ist die Nutzung eines standardisierten<br />
Bussystems wie beispielsweise Profinet. Durch die Multi Fieldbus<br />
Eigenschaft lassen sich die Peripheriemodule alternativ auch an<br />
Fremdsysteme via Modbus TCP oder EThernet/IP anbinden, falls dies in<br />
einem Projekt notwendig sein sollte.Bei der Integration sollte zudem<br />
darauf geachtet werden, dass dieses in ein bestehendes Diagnose-Konzept<br />
integriert wird.<br />
Wie lässt sich sicherstellen, dass ein dezentrales IO-Konzept mit<br />
den wachsenden Bedürfnissen eines Unternehmens skaliert?<br />
Siemens führt hierfür Modul-Familien für die unterschiedlichen Anforderungen.<br />
Diese stellen alle benötigten IO-Signale inklusiv Failsafe bereit.<br />
Welche Unterstützung bieten Sie bei der Integration <strong>und</strong> der<br />
laufenden Wartung?<br />
Wichtigstes Werkzeug neben dem TIA Portal ist das TIA Selection Tool,<br />
das bei der Auswahl der notwendigen Module <strong>und</strong> Leitungen unterstützt.<br />
Für den IO-Check oder die Netzwerkanalyse bieten wir die kostenlose<br />
Software Pronfta an.<br />
«…erlauben flexible<br />
Anpassungen»<br />
Roland Fuchs<br />
Wann sind dezentrale IO-Konzepte der konventionellen<br />
Technik mit Schaltschrank vorzuziehen?<br />
Firma: Bachofen AG<br />
Funktion: Produktmanager<br />
E-Mail: roland.fuchs@bachofen.ch<br />
Dezentrale IO-Konzepte bieten in vielen Anwendungsfällen Vorteile<br />
gegenüber der konventionellen Technik mit zentralen Schaltschränken, wie<br />
etwa Effizienz, Flexibilität, weniger Verdrahtungsaufwand oder bessere<br />
Verfügbarkeit. Insgesamt liegt das grösste Potenzial darin, mit dezentralen<br />
Konzepten zu standardisieren, um für die Anlagenplanung ein Baukastensystem<br />
zu erstellen <strong>und</strong> damit die Time to Market für ganze Anlagen oder<br />
Teile davon zu verkürzen.<br />
Dezentrale Automatisierungskonzepte ermöglichen die Verschiebung<br />
von Steuerungsaufgaben an die Maschine. So werden Prozesse<br />
schneller, effizienter <strong>und</strong> modularer. Dezentrale Lösungen erlauben<br />
auch flexiblere Anpassungen an sich ändernde K<strong>und</strong>enwünsche. Durch<br />
I/O-Anschlüsse im direkten Maschinenumfeld wird der Verdrahtungsaufwand<br />
reduziert <strong>und</strong> die Länge von Sensor- <strong>und</strong> Aktor-Leitungen auf ein<br />
Minimum reduziert. Das spart teures Kupfer <strong>und</strong> Arbeitsst<strong>und</strong>en.<br />
Werden fertig konfektionierte Kabel eingesetzt, die in der Herstellung zu<br />
einh<strong>und</strong>ert Prozent geprüft wurden, sinkt zudem das Risiko von<br />
Verdrahtungsfehlern deutlich.<br />
Trotz aller Vorteile kann dezentrale Automation nicht in allen Fällen<br />
Schaltschränke ersetzen, denn es geht immer um die Art von Maschinen<br />
<strong>und</strong> Anlagen. Kleine, integrierte Maschinen profitieren in den meisten<br />
Fällen weiterhin von IP20-Geräten für den Schaltschrank.<br />
Wie verändern sich Instandhaltung/Service bei dezentralen<br />
IO-Konzepten?<br />
Dezentrale I/O-Konzepte beeinflussen die Instandhaltung <strong>und</strong> den Service<br />
in mehreren Aspekten positiv. Zum einen profitieren Anwender von<br />
schnellerer Fehlerbehebung, denn Diagnosefunktionen ermöglichen eine<br />
präzise Lokalisierung von Fehlern vor Ort. Instandhaltungsteams können<br />
gezielt eingreifen <strong>und</strong> die Ausfallzeit minimieren oder sogar schon aktiv<br />
werden, bevor ein Ausfall eintritt. Diagnosedaten können ausserdem für<br />
spätere Analysen <strong>und</strong> Verbesserungen genutzt werden. Das hilft, langfristig<br />
die Anlagenleistung zu optimieren.<br />
Auf was ist zu achten, damit sich ein dezentrales IO-Konzept<br />
möglichst reibungslos in eine bestehende SPS-Umgebung<br />
integrieren lässt?<br />
Natürlich muss das von der Steuerung verwendete Bussystem unterstützt<br />
werden. Hier punkten beispielsweise die Geräte von Turck mit ihrer<br />
Multiprotokoll-Fähigkeit. Sie sind wahre Sprachtalente <strong>und</strong> unterstützen<br />
Profinet, EthernetIP <strong>und</strong> Modbus TCP in ein <strong>und</strong> demselben Gerät. Das<br />
vereinfacht die Lagerhaltung bei Herstellern, die ihre K<strong>und</strong>en mit<br />
Steuerungen nach deren Vorgabe beliefern, aber auch bei Anwendern, die<br />
verschiedene Steuerungen in ihren Maschinen <strong>und</strong> Anlagen haben.<br />
Kleinere modulare Einheiten können einfacher <strong>und</strong> schneller autonom<br />
getestet werden. Mit klar definierten Schnittstellen gelingt anschliessend<br />
auch die schnelle Inbetriebnahme der gesamten Maschine oder Anlage.<br />
Wie lässt sich sicherstellen, dass ein dezentrales IO-Konzept mit<br />
den wachsenden Bedürfnissen eines Unternehmens skaliert?<br />
Hier ist es wichtig, regelmässige Evaluierungen <strong>und</strong> Anpassungen<br />
vorzunehmen. Die in IP67 ausgeführten dezentralen I/O-Blockmodule von<br />
Turck beispielsweise können ohne Schaltschrank direkt an der Maschine<br />
angebracht werden, wo sie den grössten Nutzen erbringen, weil sie die<br />
Verdrahtung verkürzen. Das gilt auch für mögliche Erweiterungen. Zudem<br />
bieten deren über Ethernet-Protokoll kommunizierende dezentrale<br />
I/O-Module zwei Ethernet-Anschlüsse, um Linien- <strong>und</strong> Ring-Strukturen<br />
einfach umzusetzen. Darum kann bei einer Erweiterung ein neuer Teilnehmer<br />
sehr einfach in schon bestehende Infrastrukturen eingeb<strong>und</strong>en werden.<br />
Welche Unterstützung bieten Sie bei der Integration <strong>und</strong> der<br />
laufenden Wartung?<br />
Die Turck Automation Suite TAS unterstützt Anwender beim Management<br />
<strong>und</strong> der Konfiguration von Turck-Geräten in industriellen Ethernet-Netzwerken,<br />
wo sie die Konfiguration <strong>und</strong> Adressierung der Geräte vereinfacht.<br />
Insbesondere die Batch-Funktionen beschleunigen viele Aktionen, da sie<br />
gleichzeitig für mehrere Netzwerkgeräte ausgeführt werden können. So<br />
kann beispielsweise über die Stapel-Bearbeitung viel Zeit gespart werden<br />
bei Firmware-Updates, der Vergabe von IP-Adressen oder selbst bei der<br />
Verwaltung von Codesys-Programmen. Das neueste Update TAS Cloud<br />
bietet darüber hinaus die Möglichkeit, Maschinen- <strong>und</strong> Anlagen aus der<br />
Ferne zu warten <strong>und</strong> zu überwachen.<br />
Bild: Gerd Altmann/Pixabay<br />
22 #<strong>028</strong> #<strong>028</strong> 23
DEZENTRALE AUTOMATION<br />
DEZENTRALE AUTOMATION<br />
Eberhard Klotz<br />
«…verkürzen Stillstandzeiten<br />
erheblich»<br />
Wann sind dezentrale IO-Konzepte der konventionellen<br />
Technik mit Schaltschrank vorzuziehen?<br />
Wenn durch die dezentrale Installation massgebliche Vorteile entstehen wie<br />
einfache <strong>und</strong> klare Funktionszuordnung, leichtere Instandhaltung,<br />
schnellere oder modularere Installation oder im Falle von pneumatischen<br />
IO-Anwendungen vor allem schnellere <strong>und</strong> energiesparende Bewegungsabläufe.<br />
Betrachtet man die TCO, sind dezentrale Konzepte oftmals auch<br />
monetär im Vorteil, weil die Hardwarekosten eben nicht alles sind.<br />
Wie verändern sich Instandhaltung/Service bei dezentralen<br />
IO-Konzepten?<br />
Dezentrale Konzepte sind zuerst leichter zugänglich <strong>und</strong> beispielsweise<br />
durch Diagnose-LED sofort vor Ort ablesbar. Bei guten Maschinendesigns<br />
sind die Funktionsgruppen klar zugeordnet. Das verkürzt Stillstände <strong>und</strong><br />
Reparaturzeiten erheblich. Alle feldbusfähigen IO-Systeme bieten darüber<br />
hinaus umfassende Diagnosefunktionen an, so dass ein intelligentes<br />
Wartungsmanagement möglich ist. Dank kurzer Kabel-/Leistungswege<br />
gelingt ein Austausch defekter Sensoren oder Module in der Regel deutlich<br />
schneller als bei der Schaltschranklösung – was wiederum OEE <strong>und</strong><br />
TPM-Kennzahlen verbessert.<br />
Auf was ist zu achten, damit sich ein dezentrales IO-Konzept<br />
möglichst reibungslos in eine bestehende SPS-Umgebung<br />
integrieren lässt?<br />
Die erste Basis ist eine rein handwerkliche: Saubere Beschriftungen <strong>und</strong><br />
Zuordnungen der IO-Module im Maschinendesign. Eine SPS-Integration<br />
gelingt dann reibungslos, wenn die IO-Komponenten feldbusfähig sind,<br />
Firma: Festo SE & Co. KG<br />
Funktion: Global Sales Director Industry 4.0/Digitalization<br />
E-Mail: eberhard.klotz@festo.com<br />
gegebenenfalls mit untergeordnetem Bus, <strong>und</strong> im Rahmen der seamless<br />
connectivity sich sowohl die Hardware als auch Software an die gewählte<br />
SPS anpassen. Unsere Komponenten verhalten sich hier immer wie das<br />
jeweilige Host-System <strong>und</strong> verfügen daher über eine echte nahtlose<br />
Integration. Noch einfacher wird es, wenn die Automatisierungslösung aus<br />
einer Hand bezogen wird: Dann sind auch Plug-and-work-Konzepte<br />
möglich.<br />
Wie lässt sich sicherstellen, dass ein dezentrales IO-Konzept<br />
mit den wachsenden Bedürfnissen eines Unternehmens<br />
skaliert?<br />
Das IO-Konzept unserer CPX-Familie <strong>und</strong> aller Ventilinseln beispielsweise<br />
passt sich in mehreren Dimensionen den wachsenden Bedürfnissen der<br />
K<strong>und</strong>en an: Zuerst sind die dezentralen Festo-Systeme unabhängig von<br />
der SPS, können also an mehrere Host-Systeme adaptiert werden.<br />
Zweitens: Eine bestehende Installation kann immer nachträglich um<br />
IO-Module, Sonderfunktionen oder Ventilinseln erweitert werden. Drittens<br />
sind IO an den Ventilinseln modular aufgebaut <strong>und</strong> lassen sich nachträglich<br />
ebenfalls ändern/erweitern. Viertens entwickeln <strong>und</strong> fertigen wir unsere<br />
IO-Systeme selbst <strong>und</strong> rüsten sie mit eigenen ASIC aus, so dass eine<br />
langjährige Verfügbarkeit sichergestellt ist.<br />
Welche Unterstützung bieten Sie bei der Integration <strong>und</strong> der<br />
laufenden Wartung?<br />
Festo Remote IO <strong>und</strong> Ventilinseln sind ab Werk einh<strong>und</strong>ert Prozent<br />
getestet <strong>und</strong> sofort einsatzbereit. Für individuelle Anpassungen können sie<br />
mit der Festo Automation Suite ausgelegt, konfiguriert <strong>und</strong> parametriert<br />
werden. Dies gelingt aber auch im Rahmen der seamless connectivity<br />
in Drittsystemen direkt von der SPS. Alle Produkte sind in unserem<br />
digitalen Computerized Maintenance Management System Smartenance<br />
bereits integriert, so dass Wartungs- <strong>und</strong> Reparaturaufträge in digitalen<br />
Workflows abgebildet werden können.<br />
«…erhöhen den Stellenwert<br />
der Busdiagnose»<br />
Tobias Bachmann<br />
Wann sind dezentrale IO-Konzepte der konventionellen<br />
Technik mit Schaltschrank vorzuziehen?<br />
Firma: Beckhoff Automation AG<br />
Funktion: Leitung Technik Schweiz<br />
E-Mail: t.bachmann@beckhoff.ch<br />
Das hängt vom jeweiligen Maschinen- beziehungsweise Anlagenkonzept<br />
<strong>und</strong> dessen Ausdehnung ab. Bei einem modularen Design oder wenn für<br />
den Anlagenversand zerlegt werden muss, ist eine Reduktion von<br />
Verbindungsleitungen sehr vorteilhaft. Bezüglich der Modularität eröffnet<br />
zum Beispiel unser MX-System nochmals komplett neue Möglichkeiten,<br />
denn als steckbare Lösung für schaltschranklose Automatisierung revolutioniert<br />
es das Prinzip des konventionellen Schaltschranks.<br />
Wie verändern sich Instandhaltung/Service bei dezentralen<br />
IO-Konzepten?<br />
Das Risiko eines nicht detektieren Drahtbruchs oder Kurzschlusses sinkt<br />
bei solchen dezentralen Konzepten deutlich, da die analogen Signale auf<br />
kürzeren Strecken verlegt sind. Gleichzeitig erhält die Busdiagnose einen<br />
höheren Stellenwert. Deshalb ist es vorteilhaft, wenn wie beispielsweise bei<br />
der «EtherCAT Diagnostics» von Beckhoff für die HMI detaillierte<br />
Kontrollmöglichkeiten zur Verfügung stehen.<br />
Auf was ist zu achten, damit sich ein dezentrales IO-Konzept<br />
möglichst reibungslos in eine bestehende SPS-Umgebung<br />
integrieren lässt?<br />
Entscheidend für die strategische Plattformausrichtung ist die Wahl eines<br />
offenen Bussystems mit flexibler Topologie. Hier kann EtherCAT in<br />
besonderem Mass punkten. Ob ein Teilnehmer direkt an der SPS<br />
angeschlossen ist, über eine Kupferleitung 300 m abgesetzt angeb<strong>und</strong>en<br />
wird oder via Lichtwellenleiter in einem kilometerweit entfernten Anlagenteil<br />
montiert ist, spielt für die umfangreichen Funktionalitäten keine Rolle.<br />
Wie lässt sich sicherstellen, dass ein dezentrales<br />
IO-Konzept mit den wachsenden Bedürfnissen eines<br />
Unternehmens skaliert?<br />
Kennzahlen wie maximale Teilnehmerzahl <strong>und</strong> Bandbreite sollten mit dem<br />
Arbeitspunkt der Maschine beziehungsweise Anlage verglichen werden.<br />
Skalierungsoptionen, wie zum Beispiel von 100 Mbit auf 10 Gbit, sollten zur<br />
Verfügung stehen, um für zukünftige, zusätzliche Technologien <strong>und</strong><br />
Datenströme gerüstet zu sein.<br />
Welche Unterstützung bieten Sie bei der Integration <strong>und</strong> der<br />
laufenden Wartung?<br />
Wir kennen durch unsere Erfahrung die Prozesse <strong>und</strong> Anforderungen<br />
unserer K<strong>und</strong>en detailliert <strong>und</strong> können so genau für die jeweilige<br />
Applikation massgeschneiderte Lösungen vorschlagen. Hierfür steht ein<br />
modulares <strong>und</strong> fein skalierbares Produktportfolio von mehreren tausend<br />
Komponenten zur Verfügung. Bei der Wartung ist das Ziel die<br />
Selbstbefähigung des K<strong>und</strong>en. Im Fall eines Maschinenstillstandes<br />
sollte der K<strong>und</strong>e die Fehlerstelle mithilfe unserer Tools autonom<br />
bestimmen können, was diese durch ihre Leistungsfähigkeit <strong>und</strong><br />
Benutzerfre<strong>und</strong>lichkeit fördern. Benötigt der Anwender hierbei<br />
Unterstützung, so sind wir weltweit über eine kostenfreie Hotline<br />
erreichbar oder helfen gegebenenfalls auch vor Ort.<br />
Bild: MJH Shikder/Pixabay<br />
24 #<strong>028</strong> #<strong>028</strong> 25
DEZENTRALE AUTOMATION<br />
Bild: Adobe Firefly<br />
«DEZENTRALE<br />
AUTOMATION» IM<br />
WELTWEITEN NETZ<br />
Keyword:<br />
Dezentrale Automation<br />
Top 3-Plätze bei Google:<br />
• www.weidmueller.ch<br />
• www.turck.de<br />
• www.buerkert.ch<br />
Cost per Click:<br />
1,10 Franken<br />
Die häufigsten Fragen im Netz:<br />
• Wie funktioniert dezentrale Automatisierung<br />
in der Praxis?<br />
• Welche Komponenten werden in dezentralen<br />
Automatisierungssystemen verwendet?<br />
• Wo wird dezentrale Automatisierung angewendet?<br />
Innovation trifft auf<br />
Dezentralisierung<br />
Keyword: IO-Link<br />
Kanal: Nachrichtenseite<br />
Quelle: Technik <strong>und</strong> Wissen<br />
Firmen: Murrelektronik, SN Maschinenbau<br />
Bereits vor einiger Zeit haben wir diesen Artikel publiziert,<br />
der aber ein spannendes Beispiel zeigt zum Thema «Innovation<br />
trifft auf Dezentralisierung». Denn die technologische<br />
Flexibilität der eigenen Anlagen immer wieder aufs Neue zu<br />
überdenken <strong>und</strong> gleichzeitig wirtschaftlich zu agieren, ist<br />
für die Firma SN Maschinenbau kein Automatismus <strong>und</strong> beginnt<br />
bereits bei der Maschinenfertigung.<br />
Vor einigen Jahren begann man deshalb ein neues Maschinenkonzept<br />
auf die Beine zu stellen, dessen Kern die<br />
Implementierung von IO-Link-Modulen vorsieht. Die erklärten<br />
Ziele: Wirtschaftliche sowie technologische Vorteile in<br />
der Maschineninstallation erreichen <strong>und</strong> mithilfe dezentraler<br />
Automatisierungstechnik modulare Funktionsbaugruppen<br />
generieren.<br />
Für die Entwicklung <strong>und</strong> Umsetzung des Konzepts setzt<br />
das Unternehmen für Beutelpack-Technik auf Murrelektronik,<br />
deren Schwerpunkt auf der Dezentralisierung liegt <strong>und</strong><br />
daher ausgewiesener Experte für solche Dezentralisierungsvorhaben<br />
ist.<br />
Was die beiden Firmen entwickelt haben,<br />
lesen Sie in dieser Anwenderstory.<br />
Mit IO-Link-Modulen weg vom Schaltschrank <strong>und</strong> hinein in die<br />
Maschine. Die FME 50 ist eine intermittierend arbeitende R<strong>und</strong>läufer-<br />
Verpackungsmaschine zum Herstellen von 3-Rand-Siegelbeutel,<br />
4-Rand-Siegelbeutel, Standbodenbeutel <strong>und</strong> Bodenfaltbeutel.<br />
Warum dezentrale Konzepte<br />
die Zukunft der<br />
Automatisierung sind<br />
Keyword: Umfrage, Trend<br />
Kanal: Nachrichtenseite<br />
Quelle: SPS Magazin<br />
Firmen: Beckhoff, Bihl+Wiedemann,<br />
Phoenix Contact <strong>und</strong> Turck<br />
Es gibt eine Reihe von Unternehmen, die sich dem Thema<br />
«Dezentrale Automatisierung» angenommen haben. Seltsamerweise<br />
gibt es aber nur wenige Umfragen zu diesem Thema,<br />
in denen mehrere dieser Unternehmen die Frage beantworten,<br />
warum das dezentrale Konzept die Zukunft ist. Wir<br />
haben aber nach längerer Suche eine gef<strong>und</strong>en: Das deutsche<br />
SPS-Magazin hat bei Beckhoff, Bihl+Wiedemann,<br />
Phoenix Contact <strong>und</strong> Turck nachgefragt, welche Potenziale<br />
diese Entwicklungen bieten <strong>und</strong> welche Lösungen bereits<br />
verfügbar sind.<br />
Wir zitieren hier Daniel Siegenbrink von Beckhoff, der<br />
das Thema bereits zu Beginn der Umfrage kompakt zusammenfasst:<br />
«Der Markt an dezentralen Lösungen wächst kontinuierlich.<br />
Bedingt durch neue Generationen an Leistungshalbleitern<br />
sind immer grössere Motorumrichter für den<br />
direkten oder Near-by-Anbau an die Motoren verfügbar. Im<br />
Bereich der I/O-Signale reduziert der Einsatz von IO-Link-<br />
Sensoren die Vielfalt <strong>und</strong> Komplexität. Zugleich wächst das<br />
Portfolio an sicherheitsgerichteten Sensoren, welche sich<br />
direkt über die Feldbusse EtherCAT oder Profinet an die<br />
Steuerung anbinden lassen. Ein weiterer Trend sind Hybridkabel<br />
<strong>und</strong> -steckverbinder, die dafür sorgen, dass neben Aktoren<br />
<strong>und</strong> Sensoren auch dezentrale Feldbusteilnehmer<br />
sich über nur ein Kabel an die Steuerung anschliessen lassen.<br />
Auch im Bereich der Steuerungen tauchen immer mehr<br />
dezentrale Lösungen auf. Was bislang noch fehlte, sind die<br />
Infrastrukturkomponenten wie 24-VDC-Netzteile sowie die<br />
notwendigen Absicherungen. Diese werden bislang zumeist<br />
in Schaltschränken verbaut. Aber auch hier ist zu erkennen,<br />
dass die Anzahl der verfügbaren Komponenten wächst <strong>und</strong><br />
sich immer mehr etablierte Unternehmen trauen, die sichere<br />
Umgebung des Schaltschranks zu verlassen.» (Textquelle:<br />
SPS-Magazin)<br />
26 #<strong>028</strong><br />
#<strong>028</strong> 27
DEZENTRALE AUTOMATION<br />
DEZENTRALE AUTOMATION<br />
Das passende Kabel zur<br />
dezentralen Automation<br />
Keywords: Einkabeltechnologie<br />
Kanal: Youtube | Firma: Beckhoff<br />
Die dezentrale Automation bietet einige Vorteile. Doch man<br />
kann sie noch erweitern, indem man bei der Maschinenverkabelung<br />
auch noch das passende Kabel dazu nimmt, <strong>und</strong><br />
zwar eines, das die Verkabelung vereinfacht. Das schafft die<br />
Einkabeltechnologie – <strong>und</strong> in diesem Video wird nochmals darauf<br />
eingegangen, was die Vorteile sein können: Ein hybrides<br />
Kabel, das sowohl Energie als auch Daten überträgt, reduziert<br />
den Verkabelungsaufwand erheblich. Dies führt nicht nur zu<br />
einer vereinfachten Installation, sondern auch zu einer deutlichen<br />
Senkung der Materialkosten <strong>und</strong> des Wartungsaufwands.<br />
Ein wesentlicher Vorteil der Einkabeltechnologie ist die<br />
Modularität. Dank dieser Technologie können Maschinenmodule<br />
einfach <strong>und</strong> flexibel verb<strong>und</strong>en oder ausgetauscht<br />
werden, ohne dass aufwändige Verkabelungen neu verlegt<br />
werden müssen. Dies fördert die Effizienz, insbesondere in<br />
industriellen Umgebungen, in denen Flexibilität <strong>und</strong> schnelle<br />
Anpassungen entscheidend sind.<br />
Zusätzlich ermöglicht die Kombination von dezentraler<br />
Automation <strong>und</strong> Einkabeltechnologie eine signifikante Reduzierung<br />
der Fehleranfälligkeit bei der Inbetriebnahme. Da<br />
weniger Verbindungen <strong>und</strong> Kabel verwendet werden, sinkt<br />
das Risiko von Verkabelungsfehlern <strong>und</strong> die Fehlersuche<br />
wird beschleunigt. Im Falle von Wartungen können defekte<br />
Module schnell ersetzt werden, was zu minimalen Ausfallzeiten<br />
führt.<br />
Zentral oder dezentral:<br />
Wer kontrolliert eigentlich<br />
die Hydraulik?<br />
Keyword: Hydraulik | Kanal: Nachrichtenseite<br />
Quelle: produktion.de<br />
Der Artikel beschreibt die unterschiedlichen Steuerungsoptionen<br />
für hydraulische Systeme, die sich zwischen zentralen<br />
<strong>und</strong> dezentralen Konzepten bewegen, <strong>und</strong> untersucht, welche<br />
in verschiedenen Anwendungen am sinnvollsten sind. Insbesondere<br />
in High-End-Anwendungen wie Gigapressen im Karosseriebau<br />
für Elektroautos wird die Flexibilität <strong>und</strong> Präzision<br />
der Hydraulik hervorgehoben, wobei die Verlagerung von<br />
Steuerungsintelligenz in dezentrale On-Board-Elektroniken<br />
immer wichtiger wird. Gleichzeitig entstehen Trends, die<br />
durch leistungsfähigere zentrale Steuerungssysteme <strong>und</strong><br />
softwarebasierte Lösungen unterstützt werden, während die<br />
Energieeffizienz <strong>und</strong> Standardisierung, wie in Projekten wie<br />
«Fluid 4.0», zunehmend an Bedeutung gewinnen.<br />
Warum sollte man diesen Artikel lesen?<br />
Dieser Artikel ist besonders für Ingenieure, Maschinenbauer<br />
<strong>und</strong> Entscheider im Bereich der Hydraulik von Bedeutung,<br />
da er einen f<strong>und</strong>ierten Überblick über aktuelle <strong>und</strong> zukunftsweisende<br />
Steuerungsoptionen in der Hydraulik bietet.<br />
Er beleuchtet die Vor- <strong>und</strong> Nachteile zentraler <strong>und</strong> dezentraler<br />
Steuerungsarchitekturen <strong>und</strong> zeigt auf, wie<br />
moderne Elektronik- <strong>und</strong> Softwarelösungen die Fluidtechnik<br />
optimieren können. Ausserdem informiert der Artikel<br />
über wichtige technologische Trends <strong>und</strong> Entwicklungen,<br />
wie die Digitalisierung <strong>und</strong> Standardisierung im Rahmen<br />
von «Fluid 4.0», die für die Zukunft der Industrie unverzichtbar<br />
sind.<br />
So dezentral<br />
wie möglich,<br />
so zentral wie nötig<br />
Keyword: Whitepaper<br />
Kanal: Firmenblog | Firma: Turck<br />
Dieses Whitepaper beschreibt die Transformation von<br />
klassischen, zentralisierten Automatisierungsmodellen<br />
hin zu dezentralen, modularen Ansätzen in der Industrie,<br />
welche als Gr<strong>und</strong>pfeiler der sogenannten «Smart Factory»<br />
dienen. Durch die Vernetzung einzelner, autonomer Module<br />
<strong>und</strong> die stärkere Integration von IT- <strong>und</strong> Betriebstechnologien<br />
wird die Produktion flexibler, schneller <strong>und</strong><br />
kosteneffizienter, was die Time-to-Market verkürzt <strong>und</strong><br />
Anlagenverfügbarkeit erhöht. Entscheidende Technologien<br />
wie Industrial Ethernet, OPC UA <strong>und</strong> AutomationML<br />
ermöglichen diese Entwicklungen <strong>und</strong> fördern die Standardisierung<br />
<strong>und</strong> Interoperabilität innerhalb der Produktion.<br />
Warum sollte man dieses PDF lesen?<br />
Dieses Whitepaper dürfte für Fachleute <strong>und</strong> Entscheider in<br />
der Industrie von Interesse sein, da es eine klare Strategie<br />
für den Übergang von zentralen zu dezentralen Automatisierungskonzepten<br />
bietet. Es vermittelt nicht nur ein tiefgehendes<br />
Verständnis für die technologischen Entwicklungen<br />
r<strong>und</strong> um die Smart Factory, sondern zeigt auch auf, wie<br />
Unternehmen durch den Einsatz modularer <strong>und</strong> vernetzter<br />
Systeme ihre Produktionsprozesse optimieren können. Die<br />
vorgestellten Technologien <strong>und</strong> Ansätze helfen dabei, Wettbewerbsvorteile<br />
zu sichern <strong>und</strong> auf die zunehmenden Anforderungen<br />
der Digitalisierung <strong>und</strong> Industrie 4.0 vorbereitet<br />
zu sein.<br />
Download des Whitepapers:<br />
Die 10 wichtigsten<br />
Automationstrends<br />
Keyword: Trend, Automatisierung | Kanal: Nachrichtenseite<br />
Quelle: «Technik <strong>und</strong> Wissen»<br />
12. – 14.11.2024<br />
NÜRNBERG<br />
Bringing<br />
Automation<br />
to Life<br />
33. Internationale Fachmesse der<br />
industriellen Automation<br />
Trends kommen <strong>und</strong> gehen? So flüchtig, dass man sie ignorieren<br />
könnte, sind sie jedoch nicht – vor allem nicht in der<br />
Technologiewelt. Hier entstehen Trends oft langsam, gewinnen<br />
kontinuierlich an Bedeutung <strong>und</strong> verweilen dann über<br />
Jahre hinweg als zentrale Pfeiler des Fortschritts. Ein bemerkenswertes<br />
Beispiel ist die «dezentrale Automation», die sich<br />
bereits vor geraumer Zeit auf der Trendliste etabliert hat <strong>und</strong><br />
dort auch in absehbarer Zukunft fest verankert bleiben wird.<br />
Doch wie verhält es sich mit anderen Entwicklungen in<br />
der Automationsbranche? Die Grenzen zwischen den einzelnen<br />
Trends sind oft fliessend, da sie sich gegenseitig beeinflussen,<br />
verstärken <strong>und</strong> manchmal erst durch das Zusammenspiel<br />
mit anderen Strömungen wirklich an<br />
Bedeutung gewinnen. Ein Trend ist selten isoliert zu betrachten;<br />
vielmehr baut er auf bestehenden Innovationen<br />
auf oder wird durch parallele Fortschritte überhaupt erst<br />
möglich. Diese Interdependenz zwischen den Trends erschwert<br />
nicht nur ihre Abgrenzung, sondern macht sie oft<br />
auch noch mächtiger <strong>und</strong> nachhaltiger.<br />
Dennoch haben wir uns der Herausforderung gestellt <strong>und</strong><br />
versucht, die zehn prägendsten Automatisierungstrends für<br />
das Jahr 2024 zu identifizieren. Diese Liste soll nicht nur eine<br />
Momentaufnahme aktueller Entwicklungen sein, sondern<br />
auch einen Blick darauf werfen, wie sich diese Trends zukünftig<br />
entfalten <strong>und</strong> die Welt der Automation nachhaltig<br />
prägen könnten. Hier sind sie.<br />
Einzigartig.<br />
Praxisnah.<br />
Innovativ.<br />
Das ist die SPS – Smart Production Solutions.<br />
Eine Fachmesse, die sich durch Erfolgsgeschichten, geballte<br />
Expertise <strong>und</strong> wegweisende Lösungen auszeichnet. Als<br />
Highlight für die Automatisierung bietet sie auch dieses Jahr<br />
wieder eine einzigartige Plattform für alle, die ihr Unternehmen<br />
mit smarter <strong>und</strong> digitaler Automation voranbringen wollen.<br />
Tauchen Sie ein in eine Welt voller Innovationskraft!<br />
Infos <strong>und</strong> Tickets: sps-messe.de<br />
28 #<strong>028</strong><br />
#<strong>028</strong> 29
AUTOMATION<br />
WETTBEWERBS<br />
VORTEIL DURCH<br />
OBJEKTORIENTIERTE<br />
PROGRAMMIERUNG<br />
Im preissensitiven Umfeld benötigt der Maschinenbauer zwei Dinge,<br />
um erfolgreich zu sein: eine kostengünstige, leistungsstarke Hardware <strong>und</strong><br />
ein Entwicklungswerkzeug, das eine schnelle Markteinführung unterstützt.<br />
Die auf maschinelle Dämmtechnik spezialisierte Gutex GmbH & Co. KG<br />
im süddeutschen Waldshut-Tiengen setzt daher auf die Lösungen des<br />
Automatisierungsexperten Sigmatek.<br />
Von Markus Back<br />
Die Programmierung des Feeder Lift dauerte<br />
zwei Monate, die des Feeder Drop aufgr<strong>und</strong> des<br />
objektorientierten Softwareansatzes nur noch<br />
zwei Wochen. Bild: Gutex<br />
Holz ist ein Dämmstoff, der sich ideal für die Isolation<br />
von Häusern eignet. Gr<strong>und</strong> hierfür ist seine Fähigkeit,<br />
Wärme zu speichern <strong>und</strong> diese wieder zeitversetzt<br />
abzugeben. Diese Phasenverschiebung<br />
beträgt ziemlich genau zwölf St<strong>und</strong>en, sodass die Sonnenenergie,<br />
die tagsüber auf eine Fassade fällt, erst wieder<br />
nachts abgegeben wird, wenn sich die grösste Hitze bereits<br />
längst gelegt hat.<br />
Da Häuser aus Massivholz teuer sind, braucht es Alternativen,<br />
um diese nützlichen Eigenschaften in der Breite nutzen<br />
zu können. Eine dieser Alternativen ist die Verarbeitung von<br />
Holzschnitzeln zu schwer brennbaren Holzfasern, die mit<br />
Hilfe spezieller Maschinen in die Aussenhülle des Hauses,<br />
bei Bedarf auch in Innenwände <strong>und</strong> Böden zur Schalldämpfung,<br />
geblasen werden.<br />
Ein Hersteller solcher Einblasmaschinen ist die Gutex<br />
GmbH & Co. KG aus Waldshut-Tiengen. Diese fertigt sie in<br />
verschiedenen Ausführungen, die sich beispielsweise in der<br />
Aufnahme sowie in der Aufbereitung der Holzfasern unterscheiden.<br />
Allen gemein ist ihnen die Software, die sich beliebig<br />
erweitern <strong>und</strong> in ein übergeordnetes System integrieren<br />
lässt. Und das hat seinen Gr<strong>und</strong>. «Wir stehen mit unseren<br />
Mitbewerbern in einem preissensitiven Umfeld», erklärt<br />
Alexander Jaenke von der Gutex GmbH & Co. KG <strong>und</strong> ergänzt:<br />
«Daher wollten wir von Beginn an nur eine Software-Version,<br />
die aber auf allen verschiedenen Maschinen läuft.»<br />
Beschleunigte Softwareentwicklung<br />
«Mit dem objektorientiertem Engineeringtool Lasal kann die<br />
Applikationssoftware so universell wie möglich <strong>und</strong> trotzdem<br />
erweiterbar <strong>und</strong> pflegeleicht gestaltet werden. Dies ist<br />
für die Entwicklung zukunftsfähiger Maschinenkonzepte<br />
unerlässlich. Zudem ist die Software klar strukturiert <strong>und</strong><br />
übersichtlich aufgebaut», sagt Arno Schmied, Leiter Technik<br />
bei Sigmatek Schweiz. Dieser Ansatz erfordere jedoch, vorgängig<br />
ein Softwarekonzept zu erstellen, um eine Basis zu<br />
schaffen, auf die alles weitere aufgebaut werden könne.<br />
«Jede Maschine braucht beispielsweise ein Gebläse für das<br />
Fördern des Materials. Dieses Gebläse nehme ich als Basis<br />
<strong>und</strong> baue darauf alles Weitere flexibel auf. So kann ich bereits<br />
getesteten Code wiederverwenden, ohne dass der Code mehrfach<br />
vorhanden ist. Dies bringt durchgängige Modularität<br />
<strong>und</strong> Übersichtlichkeit», beschreibt Arno Schmied sein Vorgehen<br />
<strong>und</strong> verdeutlicht: «So entsteht kein Spaghetticode.»<br />
#<strong>028</strong> 31
AUTOMATION<br />
AUTOMATION<br />
Maschinelles<br />
Dämmen<br />
mit Holzfasern<br />
Die Maschinen der Gutex GmbH & Co. KG<br />
verarbeiten je nach Ausführung einen oder<br />
mehrere Grossballen mit je 270 Kilogramm<br />
Gewicht. Diese Ballen bestehen aus gepressten<br />
Holzfasern, die mit Hilfe einer Vorrichtung je<br />
nach Modell mit einem Kamm oder mit verzahnten<br />
Walzen aufgelöst werden. Von der Auflösevorrichtung<br />
gelangen sie in ein Modul, das übrige<br />
Brocken <strong>und</strong> Klumpen auflöst. Anschliessend<br />
fallen die Fasern in eine Zellradschleuse, die das<br />
Material über die Geschwindigkeit sowie mit Hilfe<br />
eines Schiebers, der die Grösse des Einlasses<br />
reguliert, portioniert. Von dort gelangen die nach<br />
dem First-in-First-out-Prinzip aufbereiteten<br />
Fasern über einen Schlauch zu den Dämmplatten,<br />
wo sie mit einer Dichte von 38 Kilogramm<br />
pro Kubikmeter eingeblasen werden.<br />
Dies wäre nicht nur aufwendig, sondern erschwert die<br />
Pflege <strong>und</strong> den Unterhalt des installierten Bestands. Bei einem<br />
Update müsste die Software auf jeder Maschine neu<br />
aufgespielt <strong>und</strong> getestet werden. Ausserdem sagt Samuel<br />
Lieberherr von der Gutex GmbH & Co. KG, beschleunigt die<br />
objektorientierte Programmierung bei weiteren Entwicklungen<br />
den Aufwand um Faktoren. So dauerte die Softwareentwicklung<br />
für den Maschinentyp Feeder Lift zwei Monate,<br />
die des Feeder Drop nur noch zwei Wochen.<br />
Remote-Systeme reduzieren Reisebedarf<br />
Ein weiterer Vorteil des objektorientierten Software-Ansatzes<br />
ist eine schnellere Markteinführung. Die Maschine kann<br />
schon lange bevor sie physisch existiert, ausgiebig getestet<br />
werden. Simuliert wird aber nicht etwa mit einem digitalen<br />
Zwilling. Aus Kostengründen nutzt Arno Schmied hierfür<br />
das im Engineering-Tool Lasal integrierte Simulationstool<br />
Lars. Hier hat er Funktionsklassen erstellt, mit denen sich<br />
Datenpunkte setzen <strong>und</strong> Elemente schalten lassen. Die Software<br />
lässt sich ohne elektrische Anbindungen an die Maschine<br />
simulieren.<br />
«Bis die Mechanik<br />
steht, ist die<br />
Software längst<br />
einsatzbereit.»<br />
Alexander Jaenke, Gutex GmbH & Co. KG<br />
Dieses Vorgehen setzt jedoch eine enge Zusammenarbeit<br />
mit dem K<strong>und</strong>en voraus, bei der die Software-Entwickler<br />
schon während der Konzeptphase stark miteinbezogen<br />
werden. Bei Sigmatek, betont Alexander Jaenke, funktioniert<br />
das einwandfrei: «Dies <strong>und</strong> die schnellen Reaktionszeiten<br />
sind für uns entscheidend. Die Zusammenarbeit mit<br />
Arno Schmied ist für uns so als wäre er ein interner Programmierer.»<br />
Diese Verb<strong>und</strong>enheit ist auch deshalb so bedeutend, weil<br />
Alexander Jaenke <strong>und</strong> Samuel Lieberherr für ein deutsches<br />
Unternehmen tätig sind, aber von Sigmatek Schweiz betreut<br />
werden. Vor ihrem Wechsel an den Hochrhein waren die<br />
Beiden im Toggenburg tätig, wo sie bereits eine enge Partnerschaft<br />
zu Sigmatek Schweiz <strong>und</strong> vor allem eben zu Arno<br />
Schmied als Engineering-Partner pflegten.<br />
Für den Genannten sind die Abstecher ins Deutsche kein<br />
Problem. Vom Arbeitsplatz in Effretikon ist es an den Hochrhein<br />
auch nicht viel weiter als ins Toggenburg. Zudem baute<br />
Sigmatek während der Corona-Pandemie seine Remote<br />
Access Plattform sukzessive aus, was seinen Reisebedarf<br />
enorm reduzierte. «Heute kann ich vieles vom Büro aus erledigen<br />
<strong>und</strong> muss eigentlich nur noch zur Inbetriebnahme vor<br />
Ort sein», so Arno Schmied. Durch die HTML5-Anbindung<br />
des Lasal Visu Designer kann er jederzeit mit einem Standard-Webbrowser<br />
auf die Bedienoberfläche zugreifen.<br />
Hervorragendes Preis-Leistungsverhältnis<br />
Es ist aber nicht nur das Entwicklungswerkzeug Lasal, das<br />
Gefallen bei der Gutex findet. Ebenso überzeugt ist Alexander<br />
Jaenke von der Hardware, die in Form von kompakten<br />
S-Dias-Steuerungen mit integrierter Safety-Funktionalität,<br />
<strong>und</strong> ETT Webpanels mit HTML5-Visualisierung in den Maschinen<br />
zum Einsatz kommt. Die Vorteile der Sigmatek Systemlösung<br />
kommen speziell im Bereich der Antriebstechnik<br />
zum Tragen, wo die Motoren je nach Bedarf mittels<br />
Frequenzumrichter FDD 3000 oder mit den kompakten<br />
48-V-Servo-Drive DC101 aus der S-Dias-Steuerungswelt realisiert<br />
werden.<br />
In diesem Zusammenhang betont Alexander Jaenke die<br />
Material-Verfügbarkeit während der Lieferkettenkrise sowie<br />
das optimale Preis-Leistungsverhältnis: «Wir können es<br />
uns gar nicht leisten, andere Systemlösungen zu verwenden,<br />
da wir in einem Verdrängungswettbewerb stehen <strong>und</strong><br />
für uns die Herstellkosten daher entscheidend sind. Auch<br />
die unkomplizierte Software-Lizenzpolitik von Sigmatek<br />
hilft uns bei der täglichen Arbeit.»<br />
Ausserdem weiss er die effiziente, grenzüberschreitende<br />
Zusammenarbeit in ihrem speziellen Fall zu schätzen. Mit<br />
Arno Schmied habe man einen erfahrenen Softwareentwickler<br />
an der Seite, der sich sehr gut in der industriellen<br />
Einblastechnik auskenne: «Für unser Geschäftsfeld ist das<br />
ausschlaggebend!»<br />
Sigmatek Schweiz AG | www.sigmatek-automation.ch<br />
Gutex GmbH & Co. KG | www.gutex.de<br />
32 #<strong>028</strong><br />
#<strong>028</strong> 33
KÜNSTLICHE INTELLIGENZ<br />
So beurteilt ein Abbiegeassistent die Verkehrssituation<br />
<strong>und</strong> kategorisiert Fahrradfahrer <strong>und</strong><br />
Fussgänger. Die Farben signalisieren hierbei, wie<br />
gross die Gefahr ist, vom Fahrzeugführer wegen<br />
eines ungünstigen oder toten Winkels übersehen<br />
zu werden. Bilder <strong>und</strong> Grafiken: Luis Technology<br />
«WIR HABEN<br />
UNSERE<br />
KI VON GRUND<br />
AUF TRAINIERT»<br />
Die Luis Technology AG entwickelt <strong>und</strong> fertigt intelligente<br />
Kamera-Monitor-Systeme. Diese sind so gut, dass das Hamburger<br />
Unternehmen mittlerweile 80 Prozent seines Umsatzes<br />
mit KI-basierten Lösungen generiert. Doch trotz dieses Erfolgs<br />
schenken die Norddeutschen der Künstlichen Intelligenz kein<br />
uneingeschränktes Vertrauen.<br />
Von Markus Back<br />
Lesen Sie das<br />
Interview zu diesem<br />
Beitrag unter<br />
www.technik-<strong>und</strong>-wissen.ch<br />
<strong>und</strong> erfahren dort,<br />
wie sich mit KI Emissionen<br />
im Schwerlastverkehr<br />
reduzieren lassen.<br />
Luis Technology ist Marktführer bei Abbiegeassistenten,<br />
die sich im Wesentlichen aus drei Komponenten<br />
zusammensetzen. Zunächst ist da einmal<br />
das Kameramodul, das zwei hochauflösende Bildverarbeitungssysteme<br />
integriert. Das erste ist leicht nach<br />
vorne unten <strong>und</strong> das zweite nach hinten ausgerichtet.<br />
Die zweite Komponente ist ein Anzeigegerät, das entweder<br />
ein klassischer Monitor oder aber eine Art Ampelsystem<br />
sein kann. Zu guter Letzt ist da noch ein Embedded<br />
Controller, der die Kamerasignale verarbeitet <strong>und</strong> auf<br />
dem Anzeigegerät darstellt.<br />
Was sich nicht sonderlich aufregend anhört, geht in<br />
der Praxis allerdings mit einer grossen Komplexität<br />
einher. «Wir müssen sicherstellen, dass die Kameras<br />
auch bei Regen, Nebel oder tiefstehender Sonne ein<br />
einwandfreies Bild liefern», sagt Stephan Rave. Die<br />
Witterungsbedingungen sind aber nur eine von vielen<br />
Herausforderungen, die es beim Bau zuverlässiger Abbiegeassistenten<br />
zu bewältigen gilt.<br />
Als weitere Schwierigkeiten nennt der CTO die mechanische<br />
Integration ins Fahrzeug sowie regulatorische Themen.<br />
So schreibt eine EU-Bestimmung beispielsweise<br />
vor, dass die Systeme Personen bis zu 30 Meter nach hinten<br />
zuverlässig identifizieren müssen. «Das ist für ein Kamerasystem<br />
sehr weit <strong>und</strong> es gibt nur ein paar wenige<br />
Pixel, die aber eindeutig zugeordnet werden können<br />
müssen», erklärt Stephan Rave.<br />
Plattformen reduzieren Entwicklungskosten<br />
Nun ist es aber nicht mit einem einzigen Kamera-Monitor-System<br />
alleine getan, um die Anforderungen des<br />
Marktes abzudecken. Diese sind in den einzelnen Branchen<br />
viel zu verschieden als dass diese mit einem System<br />
abgedeckt werden könnten. Nur eines haben die Fel-<br />
der Logistik, Flurförderfahrzeuge, Landwirtschaft <strong>und</strong><br />
Bau gemein, in denen Luis Technology tätig ist – es sind<br />
alles äusserst raue Einsatzumgebungen.<br />
Um den Entwicklungsaufwand zu reduzieren setzt das<br />
inhabergeführte Unternehmen auf Plattformen. Mit diesen<br />
modulieren die Experten für intelligente Bildverarbeitung<br />
soweit es möglich ist. Aktuelles Beispiel ist die<br />
neue Digitalkamera «Edge 3», die im dritten Quartal 2024<br />
auf den Markt gekommen ist. Im identischen Gehäuse<br />
gibt es diese in verschiedenen Ausführungen, beispielsweise<br />
mit <strong>und</strong> ohne KI.<br />
KI-Entwicklung in Deutschland<br />
Trotz dieses Plattformgedankens sind die Kosten Forschung<br />
<strong>und</strong> Entwicklung bei den Hamburgern sehr hoch.<br />
Knapp 30 Prozent des erzielten Umsatzes fliessen hier<br />
hinein. Diesen enormen Aufwand begründet Stephan<br />
Rave so: «Wir trainieren <strong>und</strong> entwickeln<br />
unsere KI in Deutschland<br />
<strong>und</strong> haben dafür ein entsprechendes Team aufgebaut.» In<br />
Asien, ist sich der Elektroingenieur bewusst, ginge das<br />
deutlich billiger, aber das sei eben nicht der Anspruch<br />
des Unternehmens.<br />
Trotz der höheren Kosten hat die Inhouse-Entwicklung<br />
einen entscheidenden Vorteil, nämlich die Kenntnis über<br />
die verwendeten Daten. «Wir kennen jedes Bild <strong>und</strong> können<br />
so absolut sicher sein, dass unsere KI richtig trainiert<br />
wird», so der CTO.<br />
KI arbeitet unabhängig von Farben<br />
Nun verhindert eine in Deutschland trainierte KI nicht<br />
automatisch Diskriminierung. Wie beugt Luis Technology<br />
dieser vor? Es sind mehrere Ansätze, die das diverse<br />
Team aus Entwicklern klug miteinander verknüpft. Zu-<br />
34 #<strong>028</strong><br />
#<strong>028</strong> 35
KÜNSTLICHE INTELLIGENZ<br />
nächst einmal arbeitet es<br />
mit einem breiten Spektrum<br />
an Bildern, um sicherzugehen,<br />
dass liegende,<br />
sitzende, stehende, grosse<br />
oder auch kleine Personen<br />
ausreichend abgedeckt sind.<br />
Diese Daten werden dann mit<br />
virtuellen Daten kombiniert, um<br />
möglichst viele Situationen abdecken<br />
zu können.<br />
Damit Menschen unabhängig von ihrer Hauptfarbe zuverlässig<br />
erkannt werden, hat sich Luis Technology etwas<br />
Spezielles einfallen lassen. Die Techniker verändern<br />
die Farbräume der Trainingsfotos <strong>und</strong> stellen so sicher,<br />
dass die Kameras unabhängig von den Farben zuverlässig<br />
arbeiten. «Für unsere KI spielt die Hautfarbe überhaupt<br />
keine Rolle», versichert denn auch Stephan Rave:<br />
«Eine Person wird absolut sicher erkannt, egal ob diese<br />
nun schwarz, weiss, gelb oder rot ist.» Dieser Ansatz<br />
treibt zwar die Entwicklungskosten in die Höhe, garantiert<br />
aber auch, dass die KI schon jetzt im Einklang mit<br />
dem kürzlich verabschiedeten EU Act steht.<br />
Vorteile KI-basierter Kamerasysteme<br />
Aber was hat denn ein KI-basiertes Kamera-Monitor-<br />
System einem konventionellen überhaupt voraus? Letzteres<br />
kann lediglich ein Lagebild vermitteln, beispielsweise<br />
von einer Position, die der Fahrzeugführer oder<br />
Maschinenbediener so nicht sehen würde.<br />
Mit Unterstützung der KI wird aus diesem passiven ein<br />
aktives System. Dieses hilft dem Betrachter nicht nur dabei,<br />
eine Situation besser zu verstehen, sondern greift im<br />
Vergleich zum konventionellen System regulierend ein,<br />
wenn dieser nach einem Warnsignal auf eine Gefahrensituation<br />
nicht reagiert. Das kann die Einleitung eines<br />
Bremsvorgangs oder ein automatischer Maschinenstopp<br />
sein. «Diesen aktiven Eingriff kann ein konventionelles<br />
Bildverarbeitungssystem nicht leisten. Dadurch ist es<br />
nicht so sicher wie ein KI-System», erklärt Stephan Rave<br />
den entscheidenden Unterschied.<br />
Grenzen des KI-Einsatzes<br />
Obwohl die Luis Technology GmbH Künstliche Intelligenz<br />
bereits intensiv nutzt <strong>und</strong> mit KI-basierten Lösungen<br />
80 Prozent ihres Umsatzes generiert, schöpft sie bislang<br />
deren Möglichkeiten noch nicht komplett aus. Die<br />
«Für unsere KI<br />
spielt die Hautfarbe<br />
keine Rolle.»<br />
Stephan Rave, CTO Luis Technology GmbH<br />
Gründe hierfür sind gemäss Stephan Rave verschieden.<br />
Zum einen, weil das mögliche Potenzial überhaupt noch<br />
nicht erkannt ist, zum anderen aus sicherheitstechnischen<br />
Bedenken.<br />
«Wir diskutieren immer wieder darüber, KI für Code-Entwicklung<br />
zu benutzen. Ich befürchte aber, dass wir einen<br />
solchen Code nicht mehr nachvollziehen <strong>und</strong> daher nicht<br />
mehr testen können», sagt der CTO <strong>und</strong> gesteht: «Bei<br />
funktionalsicheren Prozessen, die wir garantieren müssen,<br />
wäre das höchst fahrlässig!»<br />
LUIS Technology GmbH<br />
www.luis.de<br />
Luis Technology GmbH<br />
Seit der Gründung 1999 entwickelte sich das inhabergeführte<br />
Unternehmen mit Sitz in Hamburg zum führenden<br />
Hersteller für Kamera-Monitor- <strong>und</strong> Fahrassistenzsysteme.<br />
Neben eigenen Vertriebsmitarbeitern verfügt Luis<br />
über ein breites Vertriebs- <strong>und</strong> Servicenetz im In- <strong>und</strong><br />
Ausland. Dadurch kann schnell auf die Anforderungen<br />
des jeweiligen Marktes reagiert <strong>und</strong> Anwender in der<br />
jeweiligen Region bestmöglich betreut werden. Die<br />
Lösungen adressieren harte Einsätze im rauen Umfeld:<br />
Ob Baumaschinen, Agrar-, Logistik- oder Kommunalfahrzeuge,<br />
die Produkte sind äusserst robust <strong>und</strong> arbeiten<br />
selbst bei extremer Kälte oder Hitze sowie Vibration <strong>und</strong><br />
Stössen absolut zuverlässig. Für die jeweiligen Branchen<br />
bietet Luis spezifische Lösungen bis hin zu Sonderlösungen<br />
in Kleinserien an. Das Unternehmen beschäftigt r<strong>und</strong><br />
80 Mitarbeitende, wovon die Hälfte in Forschung <strong>und</strong><br />
Entwicklung tätig ist.<br />
36 #<strong>028</strong><br />
#<strong>028</strong> 37
DEZENTRALE AUTOMATION<br />
DEZENTRALE AUTOMATION<br />
VARIO-X – DIE DEZENTRALE<br />
LÖSUNG FÜR DIE<br />
AUTOMATISIERUNGSWELT<br />
VON MORGEN<br />
Vario-X bringt Sensorik <strong>und</strong> Aktorik dezentral ins direkte Maschinenumfeld<br />
<strong>und</strong> bietet eine flexible <strong>und</strong> skalierbare Lösung für alle Applikationen.<br />
In Kombination mit einem digitalen Zwilling garantiert die modulare Plattform<br />
eine erhebliche Zeit- <strong>und</strong> Kostenersparnis bei Installation, Planung,<br />
Betrieb <strong>und</strong> Service.<br />
Willkommen in einer Welt, in der vernetzte Produktion<br />
<strong>und</strong> digitale Integration die Automatisierung<br />
revolutionieren. Inmitten dieses<br />
Transformationsprozesses drängen sich für<br />
Automatisierer viele Fragen auf: Wie können Vorteile von digitalen<br />
Technologien wie KI, maschinellem Lernen, IoT <strong>und</strong><br />
Big Data Analytics effektiv eingesetzt werden? Wie lassen<br />
sich bestehende Systeme mit neuen digitalen Lösungen verbinden?<br />
Die Herausforderung besteht darin, eine Brücke zwischen<br />
Vergangenheit <strong>und</strong> Zukunft zu schlagen, indem analoge<br />
<strong>und</strong> digitale Welten miteinander verb<strong>und</strong>en werden.<br />
Text <strong>und</strong> Bilder von Murrelektronik<br />
Mit Vario-X betriebene Kraftspanner sind in<br />
der Anwendung zuverlässiger <strong>und</strong> weniger<br />
fehleranfällig als konventionelle Pneumatik-<br />
Systeme. Das System kann zu jeder Zeit<br />
Auskunft über Parameter wie Position,<br />
Moment <strong>und</strong> Geschwindigkeit geben.<br />
Vario-X: ein Konzept, das überzeugt<br />
Eine erfolgreiche digitale Transformation erfordert konsequente<br />
Dezentralisierung. Der Gr<strong>und</strong>gedanke der Dezentralisierung<br />
ist dabei simpel wie einleuchtend: Zunächst wird<br />
die Energieversorgung zusammen mit Peripheriekomponenten<br />
wie Sicherungen oder dem Hauptschalter in kleine,<br />
dezentrale Gehäuse gepackt. Zusammen mit den Industrie-<br />
PC, die die Kommunikation <strong>und</strong> Steuerung der kompletten<br />
Anlage oder von einzelnen modular einsetzbaren Maschinenteilen<br />
übernehmen, werden die nun kompakten Einheiten<br />
direkt an der Produktionsmaschine platziert.<br />
Die preisgekrönte Automatisierungsplattform Vario-X<br />
bringt diesen Ansatz auf den Punkt. Sie ist der Enabler,<br />
wenn es um Dezentralisierungsvorhaben in Industrie <strong>und</strong><br />
Fertigung geht. Sämtliche Automatisierungsfunktionen lassen<br />
sich erstmals bedarfsgenau skalieren <strong>und</strong> dezentral –<br />
also ohne typische Schaltschrank-Architektur – realisieren.<br />
Ausser der gleichnamigen Plattform bringt Vario-X ein<br />
Installationskonzept mit, das sich individuell auf K<strong>und</strong>enanforderungen<br />
<strong>und</strong> Einsatzzweck ausrichten lässt. Denn für<br />
eine effiziente Installationslösung ist vor allem die Gr<strong>und</strong>idee<br />
«vereinfachen, modularisieren, ins Feld bringen, Technologien<br />
bündeln» entscheidend, auf der dezentrale Automatisierungskonzepte<br />
aufbauen.<br />
«Vario-X bietet 100 Prozent dezentrale, schaltschranklose<br />
Automatisierung», sagt Olaf Prein, Leiter Global<br />
Business Unit Automation bei Murrelektronik: «Unsere<br />
Automatisierungsplattform gewährleistet modulare<br />
<strong>und</strong> transparente Prozesse, eine höhere Wertschöpfung<br />
in allen Unternehmensbereichen <strong>und</strong> damit<br />
mehr Wirtschaftlichkeit <strong>und</strong> Wettbewerbsfähigkeit<br />
im Maschinen- <strong>und</strong> Anlagenbau. Allein dank des<br />
durchgängigen Installationskonzepts verkürzt Vario-X<br />
eine Maschineninstallation um r<strong>und</strong> 40 Prozent.»<br />
Wegweisend in dieser Hinsicht ist ein von Murrelektronik<br />
entwickeltes Installationskonzept in<br />
der dezentralen Servo-Antriebstechnik. Schlüsselkomponente<br />
bildet dabei der Steckverbinder<br />
MQ15 DC, der durch ein innovatives Schnellanschluss-<br />
System verfügt. ¼-Umdrehung genügt <strong>und</strong> die Maschinenanlage<br />
ist angeb<strong>und</strong>en. So lassen sich mit den vorkonfektionierten<br />
Leitungen Kabelverbindungen einfach, sicher <strong>und</strong><br />
vor allem fehlerfrei stecken. Das spart Zeit <strong>und</strong> reduziert<br />
somit Installations- <strong>und</strong> Planungskosten.<br />
Leistungsstark, robust, einfach<br />
Im direkten Maschinenumfeld sorgt Vario-X bei der nahtlosen<br />
Integration von dezentralen Servoantrieben für ein zuverlässiges<br />
Spannungs-, Signal- <strong>und</strong> Datenmanagement.<br />
Robuste, wasser- <strong>und</strong> staubdichte Gehäuse in Schutzart<br />
IP65, die die Spannungsversorgung, Steuerung, Switches,<br />
Sicherheitstechnik <strong>und</strong> IO-Module beinhalten, bilden das<br />
Herzstück der Plattform. Spielend leicht lassen sie sich in<br />
einer nicht minder robusten Backplane mit integrierten<br />
Maschinenbauprofilen einrasten.<br />
Ausgestattet mit einer Multicore-CPU ist der Vario-X-Controller<br />
allen Anforderungen gewachsen <strong>und</strong> lässt sich als<br />
offene Steuerungsplattform in alle übergeordneten Industrial-Ethernet<br />
Netzwerke einbinden. Das 48-V-System bietet<br />
zudem genügend Leistung, um nahezu alle Anwendungsfelder<br />
abzudecken.<br />
Vom Sensor bis in die Cloud<br />
Vario-X bedeutet aber nicht nur Backplanes, Steuerungen,<br />
Kabel <strong>und</strong> Co. Eine Maschinenanlage, die mit Vario-X automatisiert<br />
ist, bietet optional auch einen digitalen Zwilling:<br />
Ein bewegliches 1:1-Abbild der realen Anlage, das alle Funktionen<br />
<strong>und</strong> Parameter des späteren Systems beinhaltet –<br />
<strong>und</strong> das bereits in der Projektphase, bevor das erste mechanische<br />
Bauteil bestellt oder montiert wurde.<br />
Dafür kinematisiert Murrelektronik die Konstruktionsdateien<br />
von Maschinen <strong>und</strong> Anlagen in einer speziellen Software,<br />
mit der sich dann die späteren Bewegungen <strong>und</strong> Abläufe<br />
simulieren lassen. Innovative Anwendungen wie die<br />
Visualisierung <strong>und</strong> Steuerung der digitalen Anlage per Augmented<br />
Reality via Handy oder Tablet, sind damit ohne weiteres<br />
möglich. Hinzu kommt, dass der digitale Zwilling die<br />
Maschinenanlage im laufenden Betrieb überwachen <strong>und</strong><br />
Maschinendaten auslesen kann.<br />
Vario-X ist eine modulare <strong>und</strong> hochflexible Automatisierungsplattform,<br />
mit der sich sämtliche Automatisierungsfunktionen<br />
erstmals komplett dezentral realisieren lassen.<br />
Bilder: Murrelektronik<br />
Effizienz-Booster für die Fertigung<br />
Zudem können ständig steigende Ansprüche beim Thema<br />
Energieeffizienz in Produktion <strong>und</strong> Fertigung dynamisch<br />
begleitet werden. Besonders deutlich wird dies am Beispiel<br />
der weit verbreiteten Pneumatik. Mit einem Wirkungsgrad<br />
von nur zehn bis 20 Prozent verpufft beim Energieträger<br />
Luft viel Energie durch unzählige Leckagen im System <strong>und</strong><br />
ineffiziente Aktorik. Mit Vario-X lassen sich Anlagenteile,<br />
die bisher mit Pneumatik bewegt wurden, ganz einfach<br />
elektrifizieren.<br />
Pneumatik durch Elektrik zu ersetzen – etwa bei Spanneinheiten<br />
im Karosserie-Rohbau – bringt allen Beteiligten<br />
nur Vorteile: Dem Unternehmer, der die ineffiziente, schlecht<br />
steuerbare <strong>und</strong> verhältnismässig teure Pneumatik in seinen<br />
Werkshallen reduzieren kann, dem Produktionsplaner, der<br />
sich jetzt auf einen Energieträger – nämlich Elektrizität –<br />
fokussieren kann, den Mitarbeitenden, die endlich in einem<br />
merklich leiseren Arbeitsumfeld arbeiten können <strong>und</strong> nicht<br />
zuletzt der Umwelt.<br />
Murrelektronik AG<br />
www.murrelektronik.ch<br />
38 #<strong>028</strong><br />
#<strong>028</strong> 39
Neuheiten<br />
Tragarm-Panel für starke Visualisierungen<br />
Das Multitouch-Bedienpanel TT 1564 (401 x 300 x 47 mm) ist mit einem<br />
Quad-Core-Edge3-Prozessor sowie einem 15,6-Zoll-TFT-Farbdisplay in<br />
Full HD ausgestattet. Als Speicherplatz bietet es 2 GByte DDR4 RAM<br />
<strong>und</strong> 8 GByte eMMC. Ein RFID-Leser sowie ein USB-Anschluss befinden<br />
sich direkt an der Front. Zusätzlich gibt es die Möglichkeit, vorderseitig<br />
sechs individuelle Bedienelemente anzubringen. Zur Systemanbindung<br />
stehen unter anderem 2 x Ethernet 100 Mbit, 3 x USB-Host 2.0<br />
(Typ A, 1 x frontseitig), 1 x USB 2.0 (Typ Mini-B OTG) <strong>und</strong> 1 x MicroSD-<br />
Kartenhalter (SD 3.0) bereit. Das lüfterlose Bedienpanel unterstützt<br />
OPC-UA-Kommunikation <strong>und</strong> verfügt über zwei frei programmierbare<br />
Status-LED. (Web-) Visualisierungen lassen sich mit dem objektorientierten<br />
Engineering Tool Lasal einfach erstellen.<br />
Sigmatek Schweiz AG | www.sigmatek-automation.ch<br />
Kompakte Getriebe<br />
Die Economy-Getriebe PLQE040 <strong>und</strong> PLFE055 bauen<br />
das Angebot an kompakten Getrieben in den kleinen<br />
Baugrössen 040 bis 055 aus, sodass diese nun durch<br />
vier koaxiale Baureihen (PLE, PLPE, PLQE, PLFE) sowie<br />
zwei Winkel-Baureihen (WPLE, WPLPE) abgedeckt<br />
werden. Sie alle sind kurzfristig <strong>und</strong> ab Losgrösse 1<br />
lieferbar. Zudem sind die Neuentwicklungen bereits in<br />
den Softwaretools Neugart Calculation Programm<br />
(NCP) <strong>und</strong> Tec Data Finder (TDF) integriert.<br />
Neugart Schweiz AG | www.neugart.ch<br />
Kompakte Doppelstockklemme<br />
Die Doppelstockklemmen mit Drückern erweitern das<br />
Reihenklemmenportfolio Topjob S. Diese zeichnen sich<br />
durch eine kürzere Bauform gegenüber den bereits<br />
erhältlichen Doppelstockklemmen aus: Sie sind weniger<br />
als 70 mm lang, weshalb sie nicht viel Platz im Schaltschrank<br />
beanspruchen. Ausserdem besitzen sie eine leicht<br />
gewinkelte Leitereinführung <strong>und</strong> sind für Nennquerschnitte<br />
von 2,5 bis maximal 4 mm² geeignet. Durch ihre Baugleichheit<br />
zur Serie 2002 können Schaltschrankbauer die<br />
gleichen Abschlussplatten <strong>und</strong> das gleiche Zubehör<br />
verwenden. Verwendung finden die<br />
Doppelstockklemmen vor<br />
allem in der Industrie im<br />
Schaltschrankbau, aber<br />
auch in anderen<br />
Anwendungsfällen,<br />
wenn es darum geht,<br />
Platz auf der<br />
Tragschiene zu<br />
sparen.<br />
Wago Contact SA<br />
www.wago.ch<br />
Ultraschallsensor für mobile Maschinen<br />
Der Ultraschallsensor UF401V verfügt über eine nachgewiesene Dichtigkeit, die über<br />
IP68/IP69K hinausgeht. Damit ist er der ideale Sensor für Land- <strong>und</strong> Baumaschinen,<br />
Arbeitsbühnen sowie andere mobile Maschinen, die rauesten Bedingungen<br />
trotzen müssen. Durch sein Automotive-grade-Design ersparen sich OEM<br />
zudem aufwendige Lebensdauertests <strong>und</strong> können somit die Markteinführungszeit<br />
verkürzen. Hierfür sorgt eine Reihe von Industriestandards wie<br />
ISO14982, EN13309, ISO13766, ISO15003, EN60947-5-2/-5-7. Ein Vorzug des<br />
UF401V ist das Feature Störungskompensation: Er unterdrückt vorübergehende<br />
Störungen in der Distanzmessung <strong>und</strong> liefert so kontinuierliche Messdaten,<br />
selbst wenn sich beispielsweise Pflanzenteile kurz zwischen Sensor <strong>und</strong><br />
Messfläche schieben. Das erleichtert die Integration auf der Steuerungsebene.<br />
Ausgelegt ist er für einen Arbeitsbereich von -25 bis 70 °C.<br />
Baumer Group | www.baumer.com/c/47913<br />
Programmerweiterung<br />
Präzise Anpassungen von Widerständen<br />
Die 5- <strong>und</strong> 6-schneidigen Vollhartmetallfräser der Familie ME232 Perform<br />
sowie die 2- <strong>und</strong> 4-schneidigen Radiuskopierfräser ME432 Perform komplettieren<br />
das bestehende Perform-Line-Programm. Dieses ist nicht nur für<br />
Anwender mit kleinen <strong>und</strong> mittleren Stückzahlen interessant, sondern auch<br />
für Händler sowie Anwender im preissensitiven Segment. Insbesondere<br />
die kurzen 3- <strong>und</strong> 4-Schneider für Drehzentren mit stehenden oder<br />
angetriebenen Werkzeugen besitzen hier ein enormes Potenzial,<br />
da sie in diesem Bereich zum Standard-Setup gehören.<br />
Nach der Programmerweiterung gibt es die Fräser nun mit<br />
Durchmessern von 1 bis 20 mm, zwei bis sechs Schneiden<br />
sowie in Längen 1 × Dc bis 3 × Dc.<br />
Die strengen Kriterien präziser Schaltabstände von Sensoren <strong>und</strong> die<br />
Toleranzen elektronischer Bauteile erfordern individuelle Einstellungsmöglichkeiten.<br />
Mit dem Lasertrimmer Business Fiber TRIM werden diese<br />
Anpassungen der Widerstände einfach erreicht. Der Scanner-Spiegel des<br />
Lasers wird dabei gezielt gelenkt, um Widerstände oder spezifische<br />
Schaltkreise exakt zu trimmen. Der MOPA-Faserlaser verfügt über eine<br />
angepasste Strahlerzeugung für Trimmanwendungen, ein integriertes<br />
Bilderkennungssystem <strong>und</strong> erweiterte Schnittstellen für die<br />
Anbindung der notwendigen Messtechnik. Durch die automatische<br />
Bilderkennung kann der Laserstrahl hochgenau positioniert<br />
werden. Die Messtechnik überwacht dabei den Schaltpunkt<br />
des Sensors. Sobald der spezifizierte Abgleichwert des<br />
Sensors erreicht ist, wird der Laserstrahl nahezu pulsgenau<br />
abgeschaltet. Nach Trimmende wird der erreichte Abgleichwert<br />
des Sensors <strong>und</strong> der Trimmstatus angezeigt <strong>und</strong><br />
protokolliert.<br />
Axnum AG | www.axnum.ch<br />
Walter AG | www.walter-tools.com<br />
40 #<strong>028</strong><br />
#<strong>028</strong> 41
NEUHEITEN<br />
Beschriftungsapp für Smart Printer<br />
Revolutionäres Schneidöl-Management<br />
Die Hipp Medical AG gilt im Umfeld der Medizintechnik als<br />
leistungsfähiger Partner <strong>und</strong> technologischer Vorreiter. Um<br />
ihren hohen Fertigungsansprüchen sowie dem Aspekt der<br />
Nachhaltigkeit in der Produktion gerecht zu werden, kam sie auf<br />
die Idee, das Nachfüllen, Kontrollieren, Filtern <strong>und</strong> Aufbereiten<br />
zu automatisieren. Dafür nahm sie vor einem Jahr die erste<br />
Fluidlynx Neatoil Box in Betrieb. Ralf Gfrörer, Head of Machining<br />
bei Hipp Medical, sieht bereits nach dieser kurzen Zeit zahlreiche<br />
Vorteile: «Die Box verlängert die Standzeit des Öls, reduziert<br />
Entsorgungskosten <strong>und</strong> verbessert unser Spänemanagement.»<br />
Heute zeigt ein Dashboard alle relevanten Informationen wie<br />
Füllstand, Temperatur <strong>und</strong> Partikelbeschaffenheit jeder Maschine<br />
an. Motorex Servicetechniker können aus der Ferne auf die<br />
Box zugreifen <strong>und</strong> beispielsweise Softwareupdates aufspielen.<br />
Motorex | www.motorex.com/neatbox<br />
Erweiterung der E-Kettenserie E4Q<br />
Flexibilität auf ganzer Schiene<br />
Das modulare Schienenverteilersystem I-Line Track<br />
wurde speziell für die Energieversorgung von Server-<br />
Racks entwickelt. Es wird unterhalb der Decke montiert<br />
<strong>und</strong> bietet frei wählbare Abgangsstellen, die eine<br />
flexibel anpassbare Konfiguration der Stromversorgung<br />
ermöglichen. Mit leicht zu ergänzenden Abgangsadaptern,<br />
die werkzeuglos <strong>und</strong> unter Spannung montiert<br />
werden können, ist das System jederzeit anpass- beziehungsweise<br />
erweiterbar. So lässt sich I-Line Track an<br />
alle Veränderungen in einem Rechenzentrum adaptieren.<br />
Erhältlich ist das System in drei Grössen sowie mit<br />
Bemessungsströmen von 250, 400 oder 630 A.<br />
Schneider Electric | www.se.com<br />
Der mobile Thermotransferdrucker Smart Printer hat<br />
ein neues Design erhalten <strong>und</strong> lässt sich nun über eine<br />
intuitive Beschriftungsapp, welche Anwender via<br />
Smartphone oder Tablet offline nutzen können,<br />
betreiben. Durch die automatisch erzeugten Inhalte <strong>und</strong><br />
die Artikelerkennung per Kamera sorgt dies für eine<br />
deutliche Zeitersparnis: Einfach den Barcode der<br />
gewünschten Beschriftungsmaterialien scannen, im<br />
Editor Texte einfügen <strong>und</strong> danach den Druckjob<br />
starten. Darüber hinaus verfügt der<br />
Smart Printer nun über ein Linux-basiertes<br />
Motherboard. Steuerbar ist<br />
er über einen Bluetooth Dongle.<br />
Dank eines grösseren Speichers<br />
gibt es zudem keine<br />
Begrenzung bei der Länge<br />
der Beschriftungsmaterialien<br />
mehr. Der Thermotransferdrucker<br />
verarbeitet alle<br />
bekannten Materialien,<br />
wodurch sich unterwegs<br />
Schaltschränke vollständig<br />
beschriften lassen.<br />
Wago Contact SA | www.wago.ch<br />
RFID-Lesegerät für<br />
AC-Ladesteuerungen<br />
Das neue RFID-Lesegerät mit konfigurierbarer<br />
LED-Anzeige <strong>und</strong> Buzzer kommt in Verbindung<br />
mit den Ladesteuerungen Charx Control Modular<br />
zum Einsatz <strong>und</strong> eignet sich für die Montage in<br />
Wallboxen oder Ladestationen. Das Gerät verfügt<br />
über eine lichtstarke, vierfarbige LED-Statusanzeige<br />
sowie einen Buzzer für akustische Rückmeldungen<br />
bei RFID-Interaktionen. So erhalten Nutzer<br />
der Ladestationen ein intuitives Feedback zum<br />
RFID- <strong>und</strong> Ladestatus – dabei leuchtet, blinkt oder<br />
pulsiert die LED-Anzeige mit einstellbarer Helligkeit<br />
in vier wählbaren Farben <strong>und</strong> der Buzzer<br />
ertönt mit einstellbarer Lautstärke.<br />
Phoenix Contact | www.phoenixcontact.com<br />
Die sichere <strong>und</strong> effiziente Führung von Schläuchen, Wellrohren<br />
<strong>und</strong> Leitungen in der Energiekette stellt in vielen industriellen<br />
Anwendungen eine grosse Herausforderung dar. Um diesem<br />
Problem zu begegnen, bietet Igus jetzt für seine E4Q-Serie<br />
neues Zubehör an: eine spezielle Aussenlasche zum parallelen<br />
Führen von Schläuchen <strong>und</strong> ein neuer Schlauchhalter. Diese<br />
Erweiterungen ermöglichen eine einfache <strong>und</strong> sichere Montage<br />
von Wellrohren <strong>und</strong> Schläuchen. Die Laschen mit Führungskanal<br />
erleichtern das Nachrüsten von PMA-Clips, während der<br />
Schlauchhalter eine sichere Fixierung von Schläuchen gewährleistet.<br />
Igus GmbH | www.igus.de<br />
VIEL GETRIEBE<br />
AUF WENIG<br />
RAUM<br />
PLQE040 <strong>und</strong> PLFE055:<br />
Kleine Baugrössen für<br />
Economy-Baureihen<br />
Die Neuentwicklungen PLQE040 <strong>und</strong> PLFE055 erweitern die bewährten<br />
Economy-Baureihen PLQE <strong>und</strong> PLFE um kleinere Baugrössen. Die Modelle<br />
erfüllen damit den Wunsch vieler Maschinenbauer nach passenden<br />
Getrieben für kompaktere, leichtere Servoantriebe.<br />
Sprechen Sie uns an:<br />
Neugart Schweiz AG<br />
+41 44 515 56 05 sales@neugart.ch • www.neugart.ch<br />
42 #<strong>028</strong><br />
#<strong>028</strong> 43
NEUHEITEN<br />
Analog-Klemmen<br />
mit 16-Bit-Auflösung<br />
Energieführungssystem<br />
für Trockenreinraum<br />
Mit der wachsenden Nachfrage nach Elektroautos steigt<br />
auch der Bedarf an qualitativ hochwertigen Lithium-Ionen-<br />
Batterien. Aus diesem Gr<strong>und</strong> sollten sie im Idealfall bei<br />
minimaler Luftfeuchtigkeit <strong>und</strong> möglichst grosser Partikelfreiheit<br />
in Trockenreinräumen gefertigt werden. Gleichzeitig<br />
muss in dieser Umgebung automatisiert werden, weil<br />
sich Menschen nicht lange in Trockenreinräumen aufhalten<br />
dürfen. Um hier eine sichere <strong>und</strong> zuverlässige Energieversorgung<br />
von Robotern zu gewährleisten, hat Igus die<br />
Triflex R TRC entwickelt: die erste Roboter-Energieführung<br />
mit Trockenreinraum-Zertifikat des Fraunhofer IPA für ISO<br />
Klasse 4-5.<br />
Schleifmaschine ohne Wärmegang<br />
Mit ihren Schleif- <strong>und</strong> Regelspindeln aus Karbon ist die Aussenr<strong>und</strong>schleifmaschine<br />
Cube 350 die erste Schleifmaschine ohne Wärmegang.<br />
Die Vorteile liegen auf der Hand: Durch das Minimieren des<br />
Wärmegangs ist eine Produktion mit gleichbleibend hoher<br />
Genauigkeit zu jeder Zeit garantiert. Ein zeitraubendes<br />
Warmlaufen ist nicht mehr nötig, da die Maschine sofort<br />
innerhalb einer Massabweichung von maximal 1 µm<br />
produziert. Darüber hinaus können auch beim mehrbahnigen<br />
Schleifen alle Teile im exakten Mass gefertigt<br />
werden – Schleif- <strong>und</strong> Regelscheibe bleiben parallel, weil<br />
eine thermische Verlagerung unterb<strong>und</strong>en wird. Auf diese<br />
Weise ermöglicht die Cube 350 ein langes, autonomes Arbeiten sowie<br />
unbemannte Schichten.<br />
Tschudin AG | www.tschudin.swiss<br />
Die EL4374 ist die erste kombinierte Ein-/Ausgangsanalogklemme<br />
(10 V/20 mA oder -20/0/4 bis 20 mA), mit der<br />
sich eine Wandlungsrate von 2 kSps je Kanal nutzen<br />
lässt. Die je zwei Ein- <strong>und</strong> Ausgänge können einzeln auf<br />
Strom- oder Spannungsbetrieb parametriert werden. Mit<br />
einem Messbereich von ±107 Prozent des Nennbereichs<br />
unterstützt sie auch eine Inbetriebnahme mit Sensorwerten<br />
im Grenzbereich sowie die Auswertung nach NAMUR<br />
NE43. Hinzu kommt die hohe Ausgangsleistung, die bei<br />
20 mA eine Bürde bis 750 Ohm erlaubt. Die gleichen<br />
Features bieten die analogen Eingangsklemmen EL3072<br />
<strong>und</strong> EL3074, die als 10-V/20-mA-Universaleingänge nun<br />
über eine 16-Bit-Auflösung (bisher 12 Bit) verfügen. Die<br />
EL3072 ist mit zwei, die EL3074 mit vier einzeln parametrierbaren<br />
Eingängen ausgestattet. Neu ist zudem die<br />
Ausführung EL3078, bei der sich im gleichen HD-Gehäuse<br />
sogar acht Kanäle nutzen lassen.<br />
Igus GmbH | www.igus.de<br />
Präzise Verbindungen<br />
für maximale Effizienz<br />
Die neuen Ventilsteckverbinder von Belden sind die ideale<br />
Lösung für sichere <strong>und</strong> zuverlässige Verbindungen in industriellen<br />
Anwendungen. Entwickelt für höchste Effizienz <strong>und</strong><br />
Langlebigkeit, gewährleisten sie eine präzise Steuerung von<br />
Ventilen selbst in anspruchsvollsten Umgebungen. Ob in der<br />
Automatisierungstechnik, Hydraulik oder Pneumatik, die<br />
Ventilsteckverbinder von Belden sind die erste Wahl, wenn es<br />
um leistungsstarke Verbindungen geht.<br />
Omni Ray AG | www.omniray.ch<br />
Beckhoff Automation AG | www.beckhoff.com<br />
Funktionale Safety mit Makro-Technik<br />
Stromversorgung mit Geräteschutz<br />
Die Stromversorgung Trio Power ist nun als dreiphasige Variante<br />
erhältlich. Sie integriert einen mehrkanaligen Geräteschutz <strong>und</strong> ist für<br />
einen Ausgangsnennstrom bis 40 A ausgelegt. Ihr Push-in-Anschluss<br />
erlaubt eine werkzeuglose Installation, der mechanische Verschluss der<br />
Potenziometer macht sie manipulationssicher <strong>und</strong> integrierte Beschriftungsfelder<br />
dienen der einfachen BMK- <strong>und</strong> Stromkreisbeschriftung. Die<br />
IO-Link-Kommunikation erleichtert indes die Diagnose <strong>und</strong> Parametrisierung<br />
<strong>und</strong> der dynamische Boost (150 %/5 s) ermöglicht das Starten<br />
schwieriger Lasten. Die intelligente Selbstüberwachung <strong>und</strong> das<br />
integrierte Lastmanagement sorgen für eine hohe Anlagenverfügbarkeit.<br />
Phoenix Contact | www.phoenixcontact.com<br />
Die Safety-CPU SCP 211 unterstützt softwareseitig neue Funktionen, die<br />
das Erstellen <strong>und</strong> Handling von Sicherheitsanwendungen vereinfachen.<br />
Die Entwicklung erfolgt im Lasal Safety Designer mit zertifizierten, an<br />
PLCopen angelehnte Funktionsblöcke. Das besondere an den Safety-Makros<br />
ist, dass diese mehrstufig hierarchisch aufgebaut werden können.<br />
Jedes Makro ist in sich gekapselt <strong>und</strong> lässt sich unabhängig testen, da<br />
es über einen eigenen CRC-Prüfwert verfügt. Dies verringert den Aufwand<br />
für Gesamttests zur Erlangung von Zertifizierungen erheblich.<br />
Durch Automatisierung der Testabläufe über Testprogramme, die in der<br />
Ablaufsteuerung laufen, reduziert sich der Entwicklungsaufwand für<br />
variantenreiche Maschinen enorm. Gemeinsam mit der Hot-Plug-Fähigkeit<br />
ermöglicht die Parametrierung der Sicherheitssteuerung während<br />
der Laufzeit einen flexiblen Betrieb modularer Maschinen <strong>und</strong> Anlagen.<br />
Sigmatek Schweiz AG | www.sigmatek-automation.ch<br />
44 #<strong>028</strong><br />
#<strong>028</strong> 45
NEUHEITEN<br />
Innovativer Feldbus-Drehgeber<br />
Der rückwärtskompatible Drehgeber EN580C ist technologisch<br />
auf neuestem Stand <strong>und</strong> bietet zahlreiche<br />
nutzerfre<strong>und</strong>liche Features. Dazu zählen höchste<br />
Genauigkeit bis 0,01°, eine applikationsspezifische Parametrierung<br />
(Getriebefunktion, dynamisches PDO-Mapping),<br />
eine effiziente Integration durch flexible Verkabelung<br />
mit Feldbus-Haube sowie eine einfache<br />
Inbetriebnahme durch Adressschalter (Node-ID,<br />
Baudrate). Damit ist er eine verlässliche Lösung, um<br />
alte Feldbus-Encoder durch eine zukunftssichere,<br />
leistungsstarke Variante zu ersetzen. Bei der Wartung<br />
lässt sich der alte Feldbus-Drehgeber schnell <strong>und</strong><br />
einfach durchs neue Modell ersetzen <strong>und</strong> in Betrieb<br />
nehmen. Neben der Verwendung in Bestandsanlagen<br />
eignet sich der EN580C ebenso gut für Neuprojekte mit<br />
Feldbus-Protokollen.<br />
Baumer Group | www.baumer.com<br />
Inline-Profilauswertung<br />
<strong>und</strong> 3D-Messung<br />
Das Thickness Gauge 3D misst Dicke <strong>und</strong> Profil. Es wird als<br />
fertiges System zur Inline-2D- <strong>und</strong> 3D-Messung in verschiedenen<br />
Branchen eingesetzt. Die Hardware besteht aus<br />
einem Aluminium-C-Rahmen, in welchen zwei Scancontrol-Sensoren<br />
der Reihe LLT3002 integriert sind. Hinzu<br />
kommen eine elektromechanische Linearachse zur<br />
Positionierung <strong>und</strong> automatischen Kalibrierung, ein<br />
kompakter Busklemmkasten sowie ein Touch-IPC mit<br />
vorinstallierter Software. Die Versorgung des kompletten<br />
Systems erfolgt über 24 V. K<strong>und</strong>enspezifische Anpassungen,<br />
zum Beispiel hinsichtlich Breite oder Messrate, lassen<br />
sich schnell <strong>und</strong> kostengünstig umsetzen. Dabei bietet das<br />
Messsystem bietet höchste Präzision dank abgeglichener,<br />
kalibrierter <strong>und</strong> temperaturkompensierter Komponenten.<br />
Micro-Epsilon | www.micro-epsilon.de<br />
Automatisierter Werkzeugwechsel<br />
Das Schnellwechselsystem Solidpro basiert auf einer standardisierten<br />
Schnittstelle, dessen Basismodell aus einem Werkzeughalter mit<br />
Spannzangen-System besteht. Je nach Bedarf lässt sich dieses<br />
individuell zum Werkzeughalter mit Adaptern umrüsten. Erhältlich ist<br />
das System für statische Werkzeuge in zwei, für angetriebene Werkzeuge<br />
in vier Varianten. Für die Bedienbarkeit durch einen Roboter<br />
verfügen die Adapter über HSK-Greiferrillen. Für einen Werkzeugwechsel<br />
direkt am Revolver <strong>und</strong> um den Adapter mechanisch zu<br />
spannen oder zu lösen, muss lediglich der Betätigungsbolzen am<br />
Werkzeughalter um 90 Grad gedreht werden. So können voreingestellte<br />
Adapter direkt in der Maschine gewechselt werden, ohne den<br />
Werkzeughalter austauschen <strong>und</strong> neu einstellen zu müssen. Für<br />
Anwender bedeutet das grösste Flexibilität <strong>und</strong> einen deutlichen<br />
Effizienz- <strong>und</strong> Kostenvorteil.<br />
Sauter Feinmechanik | www.sauter-feinmechanik.com<br />
FLUIDLYNX<br />
AUTOMATED FLUID MANAGEMENT<br />
Mit dem digitalen Fluid Management System lassen sich wassermischbare<br />
Kühlschmierstoffe zuverlässig überwachen <strong>und</strong> automatisiert steuern.<br />
Stromversorgung für Ex-Bereich<br />
Die Produktlinie Pro 2 wird um eine Gerätekategorie mit ATEX- <strong>und</strong><br />
IEC-Ex-Zulassung ergänzt. Damit sind die einphasigen Stromversorgungen<br />
dieser Familien nun auch in explosionsgefährdeten<br />
Bereichen der Zone 2 <strong>und</strong> Zone 22 anwendbar. Diese lassen sich<br />
eingangsseitig mit 90 bis 264 VAC versorgen <strong>und</strong> stellen am<br />
Ausgang 24 VDC mit einem Nennstrom von 5 A bereit. Der<br />
Power Boost ist mit 7,5 A für 5 s, Top Boost mit 600 Prozent<br />
<strong>und</strong> der Wirkungsgrad mit 93,8 Prozent spezifiziert. Die<br />
Inbetriebnahme <strong>und</strong> Überwachung ist über USB, Ethernet IP,<br />
IO-Link sowie Modbus RTU/TCP möglich. Die Stromversorgung<br />
verfügt darüber hinaus über eine optische Zustandsanzeige für<br />
DC-Okay, Auslastung sowie Warn- <strong>und</strong> Fehlerzustände.<br />
I Vollautomatisches 24/7-Messsystem<br />
I Für individuelle oder zentralisierte Systeme geeignet<br />
I Konzentration, pH-Wert, elektrische Leitfähigkeit <strong>und</strong><br />
Temperatur online überwachen<br />
STAY<br />
COOL<br />
24/7<br />
Wago Contact SA | www.wago.ch<br />
46 #<strong>028</strong><br />
motorex.com/fluidlynx<br />
#<strong>028</strong> 47
MESSEKALENDER<br />
MESSEKALENDER<br />
Fakuma<br />
Euroblech<br />
Datum: 15. bis 19. Oktober 2024<br />
Datum: 22. bis 25. Oktober 2024<br />
Rhythmus:<br />
jährlich<br />
Rhythmus:<br />
Alle zwei Jahre<br />
Messethema:<br />
Die Fakuma ist die weltweit führende<br />
Fachveranstaltung für die industrielle<br />
Kunststoffverarbeitung<br />
Messethema:<br />
Die Euroblech deckt die gesamte Prozesskette<br />
zur Herstellung von Prototypen,<br />
Industriekomponenten <strong>und</strong> Produkten ab<br />
Fokusthemen:<br />
• Spritzgiesstechnik<br />
• Thermo- <strong>und</strong> Umformtechnik<br />
• Extrusionstechnik<br />
• Additiv-Manufacturing / 3D-Drucktechnik<br />
• Werkzeuge, Werkstoffe, Prozesstechnik<br />
<strong>und</strong> Dienstleistungen<br />
Veranstaltungsort: Messe Friedrichshafen<br />
Neue Messe 1<br />
D-88046 Friedrichshafen<br />
Weitere Infos:<br />
www.fakuma-messe.de<br />
Fokusthemen:<br />
Veranstaltungsort: Deutsche Messe<br />
Messegelände<br />
D-30521 Hannover<br />
• Maschinen, Werkzeuge <strong>und</strong> IT-Lösungen<br />
zum Schneiden, Stanzen <strong>und</strong> Umformen,<br />
Fügen, Schweissen <strong>und</strong> Befestigen sowie<br />
zur Oberflächenbehandlung <strong>und</strong> -veredelung<br />
• Prozesskontrolle <strong>und</strong> Qualitätssicherung<br />
• Maschinenelemente <strong>und</strong> -komponenten<br />
• CAD/CAM/CIM-Systeme<br />
• Lager-<strong>und</strong> Betriebseinrichtungen<br />
• Materialrecycling<br />
Aluminium<br />
Weitere Infos:<br />
www.euroblech.com<br />
HERBST<br />
2024<br />
Im Zentrum der DACH-Region finden im Herbst<br />
gleich vier der fünf vorgestellten Fachmessen<br />
statt: Zwei Mal Stuttgart, einmal Friedrichshafen<br />
<strong>und</strong> einmal Nürnberg.<br />
SPS<br />
Datum: 12. bis 14. November 2024<br />
Rhythmus:<br />
Messethema:<br />
Fokusthemen:<br />
jährlich<br />
Die Smart Production Solutions, ehemals<br />
SPS IPC Drives, bietet als internationale<br />
Fachmesse für elektrische Automatisierungstechnik<br />
einen kompletten Marktüberblick<br />
<strong>und</strong> bildet dabei das ganze Spektrum<br />
der digitalen Automation ab<br />
• Steuerungstechnik<br />
• Elektrische Antriebstechnik<br />
• Interfacetechnik<br />
• Mensch-Maschine-Interface<br />
• Sensorik <strong>und</strong> Systemlösungen<br />
• Software & IT für die Fertigung<br />
• Mechanische Infrastruktur<br />
• Industrielle Kommunikation<br />
Veranstaltungsort: Messe Nürnberg<br />
Karl-Schönleben-Str. / Messeplatz 1<br />
D-90471 Nürnberg<br />
Weitere Infos:<br />
www.sps.mesago.com<br />
Datum: 8. bis 10. Oktober 2024<br />
Rhythmus:<br />
Messethema:<br />
Fokusthemen:<br />
Alle zwei Jahre<br />
Die Weltleitmesse <strong>und</strong> B2B-Plattform der<br />
Aluminiumindustrie <strong>und</strong> ihrer Hauptanwenderindustrien<br />
zeigt Lösungen für den<br />
Automobilbau, den Maschinenbau, das<br />
Bau- <strong>und</strong> Konstruktionswesen, Luft <strong>und</strong><br />
Raumfahrt sowie Elektronik, Verpackung<br />
<strong>und</strong> Transport<br />
• Strangpressen<br />
• Walztechnik<br />
• Oberflächenbehandlung<br />
• Halbzeuge<br />
• Fügetechnologien<br />
• Metallbearbeitung <strong>und</strong> -verarbeitung<br />
• Guss- <strong>und</strong> Wärmebehandlung<br />
• Automation<br />
• Recycling<br />
Veranstaltungsort: Messegelände Düsseldorf<br />
Stockumer Kirchstrasse 61<br />
D-40474 Düsseldorf<br />
Weitere Infos:<br />
www.aluminium-exhibition.com<br />
Motek<br />
Datum: 8. bis 11. Oktober 2024<br />
Rhythmus:<br />
Messethema:<br />
Fokusthemen:<br />
jährlich<br />
Die Motek als internationale Fachmesse für<br />
Produktions- <strong>und</strong> Montageautomatisierung<br />
bildet die komplette Wertschöpfung der<br />
industriellen Fertigung ab. Komplettiert wird<br />
sie durch die Bondexpo, welche sich den<br />
Themen der zunehmend wichtiger werdenden<br />
Klebetechnologie widmet<br />
• Montageanlagen <strong>und</strong> Gr<strong>und</strong>systeme<br />
• Handhabungstechnik<br />
• Prozesstechnik zum Fügen, Bearbeiten,<br />
Prüfen <strong>und</strong> Kennzeichnen<br />
• Komponenten<br />
für den Sondermaschinenbau<br />
• Software <strong>und</strong> Dienstleistungen<br />
Veranstaltungsort: Landesmesse Stuttgart<br />
Messepiazza 1<br />
D-70629 Stuttgart<br />
Weitere Infos:<br />
www.motek-messe.de<br />
Bilder: Schall<br />
48 #<strong>028</strong><br />
#<strong>028</strong> 49
Wenn ein Filter wie der<br />
vertikale Querschnitt eines<br />
Sombreros aussieht, könnte das<br />
mit maschinellem Sehen zu tun<br />
haben. Bild: Adobe Firefly<br />
NACHGEFRAGT<br />
SEHEN MASCHINEN SO<br />
WIE WIR?<br />
Wie kategorisiert Künstliche Intelligenz Bilder? Dieser Frage gingen Wissenschaftler<br />
des Massachusetts Instituts of Technology <strong>und</strong> der TU Wien<br />
auf den Gr<strong>und</strong>. Im Gespräch mit Prof. Dipl.-Ing. Radu Grosu vom Institut für<br />
Computer Engineering über Mechanismen, die sich in neuronalen Netzwerken<br />
entwickeln <strong>und</strong> wie sich diese Kenntnisse nutzen lassen.<br />
Von Markus Back<br />
Warum ist es wichtig zu verstehen, wie Maschinen sehen?<br />
Dieses Wissen ist extrem wichtig, um Algorithmen zertifizieren<br />
<strong>und</strong> für Anwendungen freigeben zu können.<br />
Nehmen wir beispielsweise das autonome Fahren. Hier<br />
müssen Algorithmen absolut zuverlässig andere Objekte<br />
identifizieren, wie Autos, Menschen oder Tiere. Ein anderes<br />
Beispiel ist die Medizin <strong>und</strong> hier vor allem die Radiologie.<br />
Hier braucht es zertifizierte Algorithmen, um Tumore oder<br />
Organe zu segmentieren <strong>und</strong> zu klassifizieren. Allerdings<br />
lassen sich diese Algorithmen nur dann zertifizieren, wenn<br />
wir auch in der Lage sind, deren Entscheidungen zu<br />
verstehen.<br />
Also quasi für eine Plausibilitätsprüfung?<br />
Genau! Heute sind diese Algorithmen oftmals wie eine<br />
Black Box. Wir wissen, wie wir sie trainieren müssen,<br />
wissen aber selten, wie sie zu ihren Ergebnissen kommen.<br />
Die Wissenschaft versucht daher die Mechanismen hinter<br />
den Algorithmen zu verstehen, um Anwendungen sicherer<br />
zu machen. Es gibt Fälle, in denen Algorithmen bei der<br />
Erkennung von Fahrrädern versagten <strong>und</strong> es zu Unfällen<br />
kam. Solche Unfälle lassen sich nur vermeiden, wenn wir<br />
verstehen, was in den Netzwerken wirklich passiert.<br />
Probleme bei Simulation neuronaler<br />
Netzwerke<br />
Mit welchen Herausforderungen ist es verb<strong>und</strong>en, wenn<br />
neuronale Netzwerke des Gehirns <strong>und</strong> des Nervensystems<br />
am Computer simuliert werden sollen?<br />
In der Mathematik <strong>und</strong> der Informatik kommt eine starke<br />
Vereinfachung dessen, was in Nervenzellen passiert, zur<br />
Anwendung. Nun muss man aber wissen, dass bereits eine<br />
einzelne Nervenzelle unglaublich komplex ist, möglicherweise<br />
sogar so komplex wie ein ganzer Organismus. Daher<br />
verwendet die Wissenschaft Modelle, die eine stark<br />
vereinfachte Version dieser Komplexität darstellen. Bislang<br />
ist sie nicht in der Lage, die tatsächlichen Prozesse eins zu<br />
eins zu simulieren, besonders die chemischen.<br />
Wir an der TU Wien arbeiten daher beispielsweise mit<br />
elektrischen Modellen, welche die Signalübertragung<br />
beschreiben. Bei diesem Ansatz wird die Membran einer<br />
Nervenzelle als eine Art Kondensator betrachtet, der durch<br />
Ionenströme beeinflusst wird. Diese Ionenströme wiederum<br />
werden durch Kanäle in der Membran gesteuert, die<br />
sich öffnen <strong>und</strong> schliessen lassen <strong>und</strong> von präsynaptischen<br />
Neuronen beeinflusst sind.<br />
Das hört sich so an, als bräuchte es hierfür eine enorme<br />
Rechenleistung?<br />
Unsere heutigen Computer sind im Vergleich zu Neuronen<br />
sehr ineffizient <strong>und</strong> weit von der Effizienz des menschlichen<br />
Gehirns entfernt. Während dieses für eine bestimmte<br />
Denkleistung 30 Watt Leistung benötigt, brauchen Computer<br />
für eine ähnliche Aufgabe Terawatt an Energie.<br />
Das menschliche Gehirn hat sich über Millionen von Jahren<br />
entwickelt <strong>und</strong> ist daher unglaublich effizient <strong>und</strong> komplex.<br />
Wir versuchen, diese Komplexität mit unseren Algorithmen<br />
zu reproduzieren, aber es bleibt eine grobe Vereinfachung<br />
dessen, was im menschlichen Gehirn passiert.<br />
50 #<strong>028</strong> #<strong>028</strong> 51
NACHGEFRAGT<br />
können. Ähnlich könnte man zukünftig visuelle Prothesen<br />
entwickeln, die eine beschädigte Makula ersetzen. Das<br />
bedeutet, eine künstliche Makula nimmt die Lichtreize auf<br />
<strong>und</strong> leitet diese ans Gehirn weiter. Dadurch könnten<br />
Menschen mit Sehverlust plötzlich wieder besser sehen.<br />
Führen Ihre gewonnen Erkenntnisse dazu, Algorithmen<br />
weiter zu vereinfachen <strong>und</strong> so die Prozesse schneller zu<br />
machen?<br />
Ein tieferes Verständnis der Funktionsweise dieser<br />
Netzwerke hilft dabei, effizientere Algorithmen zu entwickeln,<br />
die schneller sind. Wenn man weiss, dass bestimmte<br />
Filter immer wieder entstehen, muss man diese nicht jedes<br />
Mal neu trainieren. Stattdessen legt man die Filter von<br />
Beginn an fest <strong>und</strong> arbeitet nur noch an deren Gewichtung,<br />
also die Art <strong>und</strong> Weise, wie diese Ergebnisse kombinieren.<br />
Ziel: Verständliche Netzwerke<br />
Prof. Radu Grosu (rechts) <strong>und</strong> die Doktoranden Peyman Kiasari <strong>und</strong><br />
Zahra Babaiee befassten sich mit der Frage wie Maschinen sehen <strong>und</strong><br />
stellten dabei erstaunliches fest. Bild: TU Wien<br />
Die Bedeutung von Filtern<br />
Sie <strong>und</strong> Ihr Team untersuchten, welche Mechanismen in<br />
neuronalen Netzwerken zur Zielerreichung beitragen.<br />
Können Sie diese Mechanismen kurz beschreiben?<br />
In faltungsneuronalen Netzwerken, die weit verbreitet sind,<br />
suchen Filter nach Mustern im Bild <strong>und</strong> setzen beim<br />
Erkennen eines solchen Musters ein Signal ab. Diese<br />
Muster helfen dem Algorithmus bei der Entscheidungsfindung,<br />
ob es sich beispielsweise bei dem abgebildeten Tier<br />
um eine Katze handelt. Während sich in der ersten Schicht<br />
diese spezifischen Muster gut erkennen lassen, ist das in<br />
den folgenden Schichten deutlich schwieriger.<br />
Und was haben Sie bei Ihrer Forschungsarbeit nun genau<br />
entdeckt?<br />
Wir haben festgestellt, dass alle Filter in allen Schichten<br />
die gleichen Muster erkennen. Diese Muster lassen sich als<br />
eine einfache Ableitung beschreiben, ähnlich wie bei einer<br />
Gauss‘schen Funktion. Diese Erkenntnis gestattet es,<br />
zukünftig in neuronalen Netzwerken alle Filter <strong>und</strong> Muster<br />
zu identifizieren <strong>und</strong> zu klassifizieren.<br />
In der Fotografie kommen ebenfalls Filter zur Anwendung,<br />
um bestimmte Ergebnisse zu erreichen. Wie diese Filter<br />
aussehen, weiss man genau. Wie würden Sie Ihre Filter<br />
beschreiben?<br />
Stellen Sie sich einen mexikanischen Hut, also einen<br />
Sombrero vor, den man in der Mitte durchschneidet. Wenn<br />
Sie sich diesen Querschnitt ansehen, sieht er aus wie eine<br />
wellige Linie. Der höchste Punkt des Hutes entspricht<br />
einem hohen Wert im Filter, <strong>und</strong> die meisten Werte sind<br />
positiv. Am Rand des Hutes gehen die Werte jedoch nach<br />
unten <strong>und</strong> werden negativ, bevor sie wieder ansteigen.<br />
Was sind nun die weiteren Schritte?<br />
Diese Muster, die sich aus der Ableitung der Gauss‘schen<br />
Funktion ergeben, nennt man «Wavelets». Diese Wavelets<br />
werden in der Signalverarbeitung verwendet. Jetzt, da wir<br />
besser verstehen, wie neuronale Netzwerke funktionieren,<br />
möchten wir diese mathematischen Konzepte in neuronalen<br />
Netzwerken nutzen. Unser Ziel ist es, zu erklären, was<br />
in diesen Netzwerken passiert. Wenn wir das schaffen,<br />
können wir die Algorithmen besser zertifizieren.<br />
Ausserdem möchten wir verstehen, wie die Verbindung<br />
zwischen Biologie <strong>und</strong> Technologie aussieht. In der<br />
Biologie gibt es ähnliche mathematische Funktionen, was<br />
die Frage aufwirft, ob unser Gehirn ähnliche Prozesse<br />
verwendet wie neuronale Netzwerke. Über den visuellen<br />
Kortex des Menschen, der Muster <strong>und</strong> Objekte erkennt,<br />
wissen wir noch nicht alles. Es könnte sein, dass neuronale<br />
Netzwerke ähnlich arbeiten wie unser Gehirn. Wenn das so<br />
ist, können wir mehr darüber lernen, wie unser Gehirn<br />
Objekte erkennt.<br />
Biologisierung der Industrie<br />
Heisst das, dass diese Erkenntnisse zu einer Art Biologisierung<br />
der Industrie führen wird, indem digitale Technologien<br />
mit biologischen Prozessen verknüpft werden?<br />
Es gibt Ansätze, die diese Richtung verfolgen. Zum Beispiel<br />
versuchen Forscher, Schnittstellen zwischen Gehirn <strong>und</strong><br />
Robotik zu entwickeln. Wenn jemand zum Beispiel durch<br />
Amputation eine Prothese benötigt, lassen sich deren<br />
Bewegungen durch das Verständnis neuronaler Netzwerke<br />
besser steuern. Es gibt bereits Hörprothesen, die bei<br />
beschädigten Haarzellen das Gehör wiederherstellen<br />
Gibt es Schätzungen, um wie viel schneller zukünftig<br />
Netzwerke trainiert werden könnten?<br />
Es gibt keine genauen Zahlen, aber es geht deutlich<br />
schneller. Normalerweise muss man alle Filterwerte<br />
zunächst einmal einlernen, was lange dauert, bis stabile<br />
Werte erreicht sind. Wenn man die Filter von Beginn an<br />
festlegt, lässt sich das Training eines Netzwerks massiv<br />
beschleunigen. In dem Fall müssen nur noch die Pointwise-Gewichte,<br />
die bestimmen, wie wichtig jedes Bild oder<br />
Filter ist, gelernt werden.<br />
Was sollte aus Ihrer Sicht abschliessend zu diesem Thema<br />
gesagt werden?<br />
Wir wollen zukünftig Netzwerke entwickeln, die verständlich<br />
sind <strong>und</strong> effizient trainiert werden können. Allerdings<br />
ist das trotz der neu gewonnenen Erkenntnisse weiterhin<br />
eine grosse Herausforderungen, speziell die Objekterkennung.<br />
Die Klassifizierung von Bildern im Internet funktioniert<br />
inzwischen sehr gut, allerdings steckt die Erkennung<br />
von 3D-Objekten auf Bildern immer noch in den Kinderschuhen.<br />
Das macht deutlich, wie leistungsfähig das<br />
menschliche Auge ist.<br />
Technische Universität Wien<br />
www.tuwien.ac.at<br />
Bild: freepik<br />
WEB-PANELS<br />
MODERNES BEDIENEN<br />
■ FLEXIBEL<br />
- Webbasierte Visualisierung mit HTML5, CSS3, JavaScript<br />
- Einfaches Konfigurieren mit einsatzbereiten Controls<br />
- Im Hoch- <strong>und</strong> Querformat einsetzbar<br />
■ PERFORMANT<br />
- Flüssiger Seitenaufbau durch leistungsstarke CPUs<br />
- Integrierter Webbrowser bzw. -server<br />
■ VIELFÄLTIG<br />
Widescreen Multitouch-HMIs von 7 bis 21,5 Zoll <strong>und</strong><br />
für mobile Anwendungen im 10,1-Zoll-Format<br />
Halle 7 Stand 270<br />
52 #<strong>028</strong><br />
#<strong>028</strong> 53<br />
www.sigmatek-automation.ch
FACHMESSEN<br />
EIN LEITFADEN FÜR<br />
BAHNBRECHENDE<br />
AUFTRITTE AN FACHMESSEN<br />
Fachmessen sind immer noch eine grossartige Möglichkeit, um<br />
sich zu präsentieren. «Technik <strong>und</strong> Wissen» hat in Zusammenarbeit<br />
mit Bernexpo einen Leitfaden entwickelt, wie man sich auf<br />
Messen vorbereitet <strong>und</strong> inklusive Tipps für einen erfolgreichen<br />
Messeauftritt – zum Beispiel auf der Innoteq 2025.<br />
Von Eugen Albisser<br />
Das unsichtbare<br />
Netzwerk der<br />
Fachmessen nutzen<br />
Stellen Sie sich vor: Ein potenzieller<br />
K<strong>und</strong>e schlendert an Ihrem Stand vorbei,<br />
angezogen von der innovativen<br />
Präsentation Ihrer neuesten Produkte.<br />
Dieser flüchtige Moment des Interesses<br />
verwandelt sich in ein lockeres Gespräch,<br />
das weit über das Geschäftliche<br />
hinausgeht. Ergreifen Sie diesen<br />
Moment, der nur hier passieren kann<br />
(<strong>und</strong> nicht im Onlineshop oder Onlineseminar).<br />
Hier, in dieser ungezwungenen Atmosphäre,<br />
wo kein formaler Meetingraum<br />
die Kreativität einschränkt, entstehen<br />
die wertvollsten Verbindungen. Es ist<br />
die spontane Frage nach der Funktion<br />
eines Produktes, die eine tiefgehende<br />
Diskussion über Branchentrends, Herausforderungen<br />
<strong>und</strong> Chancen entfacht.<br />
In diesen Momenten wird klar: Messen<br />
sind weit mehr als nur eine Ansammlung<br />
von Ständen <strong>und</strong> Produkten; sie<br />
sind ein lebendiges Ökosystem für den<br />
Aufbau echter, menschlicher Beziehungen,<br />
die das Potenzial haben, sich<br />
zu langfristigen Geschäftspartnerschaften<br />
zu entwickeln.<br />
Unser Tipp zum Thema<br />
Den Leitfaden mit<br />
zehn Tipps finden Sie auch<br />
online unter<br />
https://hi.switchy.io/MgIF.<br />
Der Leitfaden entstand<br />
in Zusammenarbeit mit der<br />
Bernexpo Group <strong>und</strong> der<br />
Messe Innoteq 2025.<br />
www.innoteq.ch<br />
Halten Sie einen fesselnden «Eisbrecher» parat, der spontane Standbesucher zum<br />
Gespräch animiert. Entwickeln Sie eine kurze, interessante Frage, die direkt auf Ihre<br />
Technologie oder Innovation abzielt. Beispielsweise könnten Sie fragen: «Haben Sie sich<br />
je gefragt, wie diese Technologie Ihren Alltag erleichtern kann?» Dieser Ansatz ist nicht<br />
nur ein effektiver Gesprächseinstieg, sondern öffnet auch die Tür für eine tiefergehende<br />
Diskussion über Ihre Produkte.<br />
Unser Tipp zum Thema<br />
Dieser Tipp braucht etwas Vorlaufzeit, aber man kann den Aufwand für eine beeindruckende<br />
Wall of Fame auch etwas reduzieren. Bitten Sie Ihre besten K<strong>und</strong>en im Vorfeld um<br />
Erfolgsgeschichten <strong>und</strong> fassen Sie diese in zwei oder drei Sätzen zusammen. Senden Sie<br />
einen Profifotograf zu den K<strong>und</strong>en <strong>und</strong> schon haben Sie in Kürze eine beeindruckende<br />
«Wall of Fame», die Sie immer wieder verwenden können. Platzieren Sie die «Wall of<br />
Fame» gut sichtbar, um maximale Aufmerksamkeit zu erzielen. Ergänzen Sie mit digitalen<br />
Displays für detailliertere Geschichten <strong>und</strong> Videos, falls Sie mehr Zeit haben.<br />
Gemeinsam<br />
Innovationen schaffen<br />
<strong>und</strong> erleben<br />
Die Zukunft der Messekommunikation<br />
liegt in der Kollaboration. Wenn Ihre<br />
Besucher nicht nur Zuschauer, sondern<br />
Mitgestalter sind, erschaffen Sie eine<br />
tiefe emotionale Verbindung zu Ihrem<br />
Unternehmen. Interaktive Stationen,<br />
an denen Besucher kreative Lösungen<br />
mit Ihrem Team entwickeln können,<br />
bieten eine neue Dimension des Messeerlebnisses.<br />
Nicht das fertige Produkt<br />
zieht an, sondern der Prozess dahinter.<br />
Diese Form der Einbindung<br />
erzeugt nicht nur Neugier, sondern fördert<br />
Innovation. Wer zusammen denkt,<br />
schafft zusammen Grosses – <strong>und</strong> genau<br />
das bleibt in Erinnerung.<br />
Unser Tipp zum Thema<br />
Eine «Wall of Fame»<br />
aufbauen<br />
Technikaffine Fachbesucher suchen<br />
nicht nur Informationen, sondern<br />
auch Bestätigung <strong>und</strong> Anerkennung.<br />
Ein erfolgreiches Messeerlebnis<br />
spricht den inneren Stolz <strong>und</strong> das Bedürfnis<br />
nach Anerkennung an. Anstatt<br />
nur Ihre Produkte zu präsentieren,<br />
bieten Sie Fachbesuchern eine<br />
Bühne: Lassen Sie die Erfolge Ihrer<br />
K<strong>und</strong>en strahlen. Eine so genannte<br />
«Wall of Fame» für die beeindruckendsten<br />
Anwendungen Ihrer Produkte<br />
kann W<strong>und</strong>er wirken. Psychologisch<br />
gesehen, schafft dies eine<br />
starke emotionale Bindung <strong>und</strong> ein<br />
Gefühl der Zugehörigkeit. Wenn Besucher<br />
sehen, wie andere Ihre Produkte<br />
erfolgreich nutzen, erhöht das die<br />
Glaubwürdigkeit <strong>und</strong> das Interesse.<br />
Nutzen Sie Storytelling, um emotionale<br />
Verbindungen zu knüpfen <strong>und</strong><br />
Fachbesucher aktiv einzubinden.<br />
Planen Sie im Vorfeld genau, wie Sie die kreative Beteiligung der Besucher anregen<br />
können. Definieren Sie klare, aber offene Aufgaben, die zur Mitarbeit einladen. Belohnen<br />
Sie innovative Ideen mit kleinen Preisen oder besonderen Erwähnungen. Achten Sie<br />
darauf, dass jede Idee wertgeschätzt wird – das stärkt die Bindung <strong>und</strong> den Eindruck,<br />
dass Ihr Unternehmen neue Denkweisen begrüsst. Ihre Standbesucher sollten sich als<br />
Teil des Teams fühlen – nicht als blosse Beobachter.<br />
54 #<strong>028</strong><br />
#<strong>028</strong> 55
BIOLOGISIERUNG <strong>WISSEN</strong>SWERTES<br />
DER INDUSTRIE<br />
TECHNISCHE<br />
LITERATUR<br />
Erneuerbare Energien <strong>und</strong><br />
Klimaschutz<br />
Damit die Klimakrise nicht ausser Kontrolle gerät, muss die<br />
Energieversorgung in den nächsten zwanzig Jahren komplett<br />
auf regenerative Energien umgestellt werden. Doch wie kann<br />
das gelingen? Auf solche <strong>und</strong> andere Fragen r<strong>und</strong> um<br />
Erneuerbare Energien <strong>und</strong> Klimaschutz geht dieses Buch ein.<br />
Es setzt keine Fachkenntnisse voraus <strong>und</strong> richtet sich an alle,<br />
die sich für das Thema interessieren.<br />
Das Buch behandelt die gesamte Bandbreite der Erneuerbaren<br />
Energien. Neben verständlichen Beschreibungen der jeweiligen<br />
Technik, des Entwicklungsstandes <strong>und</strong> künftiger Potenziale<br />
enthält es konkrete Anleitungen zur Planung <strong>und</strong> Umsetzung<br />
eigener regenerativer Anlagen. Hinweise auf Vorschriften <strong>und</strong><br />
Fördermöglichkeiten geben Hilfestellungen. Darüber hinaus<br />
erläutert das Buch die Umweltverträglichkeit <strong>und</strong> das Zusammenspiel<br />
der diversen Technologien <strong>und</strong> deren Wirtschaftlichkeit.<br />
Es liefert Hintergr<strong>und</strong>informationen <strong>und</strong> zeigt anhand von<br />
realisierten Beispielen, dass eine komfortable Energieversorgung<br />
ganz ohne schädliche Klimaeinflüsse möglich ist. Damit<br />
leistet dieses Buch einen wichtigen Beitrag zur Klimadebatte.<br />
Autor: Volker Quaschning<br />
Herausgeber:<br />
Carl Hanser Verlag<br />
Sprache: deutsch<br />
Erscheinungsdatum: 2021;<br />
6. aktualisierte <strong>Ausgabe</strong><br />
ISBN (Hardcover):<br />
978-3-446-46867-2<br />
Die perfekte Produktion<br />
Mit den klassischen Methoden der Produktionsplanung <strong>und</strong><br />
-steuerung sowie den häufig anzutreffenden Produktionsprozessen<br />
gelingt es vielen Unternehmen nur noch mit grossem Aufwand, in<br />
den immer besser vernetzten <strong>und</strong> schneller getakteten Lieferketten<br />
mitzuspielen <strong>und</strong> kurze Lieferzeiten, hohe Termintreuen, kleine<br />
Losgrössen, kurzfristige Abrufe <strong>und</strong> Just-in-time-Anlieferungen bei<br />
wettbewerbsfähigen Kosten sicherzustellen.<br />
Die überarbeitete Auflage berücksichtigt daher die neuesten<br />
Softwarefunktionalitäten <strong>und</strong> ergänzt diese um Themen wie Shop<br />
Floor Management, Energiemanagement, Projektmanagement,<br />
Change Management <strong>und</strong> Industrie 4.0. Die Autoren zeigen<br />
anhand von Praxisbeispielen auf, wie sich durch die Short Interval<br />
Technology (SIT) systematisch schnelle Regelkreise im Unternehmen<br />
aufbauen lassen. Das Ziel ist die perfekte Produktion mit<br />
transparenten, reaktionsschnellen<br />
<strong>und</strong> wirtschaftlichen Prozessen.<br />
Autoren: Jürgen Kletti,<br />
Jürgen Rieger<br />
Herausgeber: Springer Nature<br />
Sprache: deutsch<br />
Erscheinungsdatum: 2022,<br />
3. Auflage<br />
ISBN: 978-3-658-39023-5<br />
Computergeschichte(n) –<br />
Nicht nur für Nerds<br />
Zuse, IBM, Atari <strong>und</strong> der Browserkrieg. Wenn Sie bei diesen<br />
Worten in Nostalgie schwelgen oder von Entdeckerlust gepackt<br />
werden, wird diese Computergeschichte Sie auf eine spannende<br />
Reise mitnehmen. Entdecken Sie, wie ein damals raumfüllender<br />
Computer heute in Ihre Hosentasche passt, warum der<br />
Millennium-Bug die Welt in Hysterie versetzte <strong>und</strong> wie uralte<br />
Verschlüsselungstechniken die heutige Programmierwelt<br />
beeinflussen. Werkeln Sie mit alten Programmiersprachen,<br />
emulieren Sie den C64 oder tauchen Sie in die pixelige Welt<br />
der Retrogames ein.<br />
Autor: Jürgen Wolf<br />
Herausgeber:<br />
Rheinwerk Verlag<br />
Sprache: deutsch<br />
Erscheinungsdatum: 2020<br />
ISBN: 978-3-8362-7777-8<br />
Personalisierte K<strong>und</strong>enstrategie<br />
im Zeitalter der KI<br />
Untersuchungen zeigen, dass die meisten Verbraucher<br />
personalisierte Erfahrungen wünschen <strong>und</strong> sich einige wenige<br />
Unternehmen dieser Herausforderung stellen. Diese führenden<br />
Unternehmen im Bereich Personalisierung bauen Beziehungen<br />
zu Millionen von K<strong>und</strong>en über alle Kanäle hinweg auf <strong>und</strong><br />
begleiten sie bei jedem Schritt auf ihrer Reise. Viele Unternehmen<br />
betreiben aber keine gute personalisierte K<strong>und</strong>enstrategie,<br />
was nicht nur Zeit <strong>und</strong> Geld verschwendet, sondern auch zu<br />
falschen Erwartungen führt.<br />
Um effektiv zu sein, muss die Personalisierung ein entscheidendes<br />
Element der Strategie eines jeden Unternehmens sein.<br />
Das Buch ist ein Leitfaden für eine Personalisierung in grossem<br />
Massstab <strong>und</strong> erklärt deren fünf Versprechen: Befähige mich,<br />
kenne mich, erreiche mich, zeige mir <strong>und</strong> erfreue mich. Mit<br />
detaillierten Beispielen aus vielen Branchen zeigt es Führungskräften,<br />
wie sie Personalisierung für ein beschleunigtes <strong>und</strong><br />
nachhaltiges Wachstum nutzen können.<br />
Autoren: Mark Abraham, David<br />
C. Edelman<br />
Herausgeber: Harvard Business<br />
Review Press<br />
Sprache: englisch<br />
Erscheinungsdatum: 2024<br />
ISBN: 978-1-64782-627-7<br />
Guideline Industrial Security<br />
Zu wenig Sicherheit ist nachlässig, zu viel Sicherheit ist ineffizient!<br />
Mit zunehmenden Angriffen von aussen wächst die Bedeutung von<br />
Sicherheitsschutzkonzepten. Betreiber von kritischen Infrastrukturen<br />
müssen Mindeststandards einhalten <strong>und</strong> ihre Anlagen vor<br />
Cyberangriffen schützen. Cybersecurity erfordert einen ganzheitlichen<br />
Ansatz. Wirksame Schutzkonzepte lassen sich nur mit einer<br />
Reihe von organisatorischen <strong>und</strong> technischen Massnahmen<br />
umsetzen. Produktanbieter, Systemintegratoren <strong>und</strong> Betreiber<br />
müssen zusammenarbeiten, um ganzheitliche Schutzlösungen zu<br />
realisieren. In dieser neuen <strong>Ausgabe</strong> wird das Schutzkonzept<br />
wesentlich detaillierter beschrieben.<br />
Die Normenreihe IEC 62443 unterstützt die Entwicklung von<br />
ganzheitlichen Lösungen für den Schutz von Industrieanlagen <strong>und</strong><br />
Technische Zuverlässigkeit<br />
Dieses Lehrbuch vermittelt Methoden der Datenanalytik zur<br />
Abbildung der technischen Zuverlässigkeit <strong>und</strong> Risikoprognose<br />
unter Zuhilfenahme der Probabilistik, Statistik sowie der<br />
Modellbildung. Eingesetzt werden die Methoden der Technischen<br />
Zuverlässigkeit in den elementaren Phasen des<br />
Produktentstehungsprozesses sowie während des Feldeinsatzes<br />
technischer Produkte.<br />
Dieses Buch umfasst ausführliche Gr<strong>und</strong>lagen der Statistik,<br />
grafische Visualisierung <strong>und</strong> Berechnungsverfahren. Zahlreiche<br />
Fallbeispiele werden durchgerechnet <strong>und</strong> repräsentieren typische<br />
Aufgabenstellungen des Ingenieurs bei der Zuverlässigkeitsanalyse<br />
in Entwicklung/Produktion sowie der Beurteilung von<br />
Feldschäden. Die Zielgruppen sind somit gleichermassen<br />
Studenten der Ingenieurwissenschaften sowie Ingenieure,<br />
welche sich mit der technischen Zuverlässigkeit im Rahmen der<br />
Entwicklung <strong>und</strong> Herstellung komplexer technischer Produkte<br />
sowie im Rahmen der Felddatenanalyse auseinandersetzen. Die<br />
Darlegung der Methoden <strong>und</strong> Verfahren der Technischen<br />
Zuverlässigkeit folgt dem Leitmotiv «Theoriegeleitet – Praxisorientiert»,<br />
sodass das vorliegende<br />
Buch sowohl als Nachschlagewerk<br />
als auch als Lehrbuch<br />
Verwendung finden kann.<br />
Autor: Stefan Bracke<br />
Herausgeber: Springer Nature<br />
Sprache: deutsch<br />
Erscheinungsdatum: 2022<br />
ISBN: 978-3-662-65014-1<br />
spricht alle beteiligten Akteure an. Dieser Leitfaden hat das Ziel,<br />
den Ansatz für den Einsatz von Schutzkonzepten zu vereinfachen,<br />
indem er einen Überblick über die IEC 62443 gibt, die Ideen <strong>und</strong><br />
Konzepte zusammenfasst <strong>und</strong> praktische Lösungen aufzeigt.<br />
Autor: Pierre Kobes<br />
Herausgeber: VDE Verlag<br />
Sprache: englisch<br />
Erscheinungsdatum: 2023,<br />
3. neu bearbeitete Auflage<br />
ISBN: 978-3-8007-6074-9<br />
56 #<strong>028</strong><br />
#<strong>028</strong> 57
Wissenswertes<br />
LEISTUNGSSTARKE<br />
BILDSENSOREN AUS PEROVSKIT<br />
Durch die Verknüpfung<br />
mit einem<br />
Workflow-Modell<br />
erhält der Mitarbeiter<br />
Handlungsempfehlungen<br />
direkt auf seine<br />
Smart Watch. Bild:<br />
Fraunhofer IPA<br />
Die gängigste Art von Bildsensoren basiert auf Silicium,<br />
das durch spezielle Filter in einzelne Pixel<br />
für rotes, grünes oder blaues (RGB-) Licht unterteilt<br />
wird. Dies ist aber nicht die einzige Möglichkeit,<br />
einen digitalen Bildsensor herzustellen. Forschende der<br />
Empa <strong>und</strong> der ETH Zürich arbeiten an einer Alternative aus<br />
Perovskit. Dieses ist in der Lage, wesentlich mehr Licht einzufangen<br />
als sein Gegenspieler aus Silicium.<br />
Im Silicium-Bildsensor sind die RGB-Pixel gitterförmig<br />
nebeneinander angeordnet. Dabei fängt jeder Pixel nur r<strong>und</strong><br />
ein Drittel des einfallenden Lichts ein; die restlichen zwei<br />
Drittel werden vom Farbfilter blockiert. Pixel aus Bleihalogenid-Perovskiten<br />
brauchen keinen Extra-Filter: Der Filter ist<br />
im Material sozusagen eingebaut. Den Forschenden ist es<br />
gelungen, Bleihalogenid-Perovskite so herzustellen, dass<br />
sie nur das Licht einer bestimmten Wellenlänge – <strong>und</strong> somit<br />
Farbe – absorbieren, für andere Wellenlängen hingegen<br />
transparent sind. Somit lassen sich die Pixel für Rot, Grün<br />
<strong>und</strong> Blau übereinanderschichten, anstatt sie nebeneinander<br />
anzuordnen.<br />
Der resultierende Pixel kann alle Wellenlängen des Lichts<br />
absorbieren. «Mit einem Perovskit-Sensor lässt sich also<br />
dreimal so viel Licht pro Fläche einfangen wie mit einem herkömmlichen<br />
Silicium-Sensor», erklärt Empa-Forscher Ivan<br />
Shorubalko. Ausserdem konvertiert Perovskit einen grösseren<br />
Anteil des absorbierten Lichts zu einem elektrischen Signal,<br />
was dem Bildsensor eine noch höhere Effizienz verleiht.<br />
Ein weiterer Vorteil von Perovskit-basierten Bildsensoren<br />
ist ihre Herstellung. Im Gegensatz zu anderen Halbleitern<br />
sind sie wenig empfindlich auf Materialdefekte <strong>und</strong> lassen<br />
sich dadurch verhältnismässig unkompliziert herstellen,<br />
etwa indem man sie aus einer Lösung auf das Trägermaterial<br />
ablagert. Konventionelle Bildsensoren brauchen hingegen<br />
hochreines monokristallines Silicium, das in einem<br />
langsamen Verfahren bei fast 1500 Grad Celsius hergestellt<br />
wird.<br />
www.empa.ch<br />
Empa-Forscher Erfu Wu <strong>und</strong> Ivan Shorubalko<br />
untersuchen den Bildsensor. Bild: Empa<br />
KI REDUZIERT STILLSTANDZEITEN<br />
Ein Forschungsteam um Jonas<br />
Krauß von der Projektgruppe<br />
Prozessinnovation am Fraunhofer<br />
IPA hat einen Demonstrator<br />
entwickelt, bei dem das Ultraschallschweissen<br />
mit Kamera <strong>und</strong> KI<br />
überwacht wird. Ein Algorithmus wertet<br />
die Kamerabilder aus <strong>und</strong> erkennt<br />
fehlerhafte Schweissnähte sofort,<br />
wenn sie entstehen. Um die KI zu trainieren,<br />
wurden ihr Fotos von guten<br />
<strong>und</strong> fehlerhaften Schweissnähten vorgelegt,<br />
bis sie darin ein Muster erkannte.<br />
«Sobald die KI eine schlechte<br />
Schweissnaht erkennt, den erhöhten<br />
Stromverbrauch der Sonotrode registriert<br />
oder Abweichungen beim Durchmesser<br />
feststellt, erscheint auf der<br />
Smart Watch des Maschinenbedieners<br />
eine Meldung», erklärt Jonas Krauß:<br />
«Verb<strong>und</strong>en ist sie mit einer Handlungsempfehlung,<br />
damit die Störung<br />
rasch behoben oder rechtzeitig eine<br />
neue Sonotrode beschafft werden<br />
kann.»<br />
Die Handlungsempfehlungen basieren<br />
auf Workflow-Modellen, die die<br />
Forschenden zuvor mit Prozessexperten<br />
entwickelt haben. Diese vorausschauende<br />
Instandhaltung verbessert<br />
nicht nur konkrete Wartungsarbeiten,<br />
sondern auch die Produktionsplanung<br />
<strong>und</strong> -steuerung. Denn wenn im<br />
Voraus bekannt ist, wann eine Sonotrode<br />
ausgetauscht wird, lassen sich<br />
die Auftragsabwicklung <strong>und</strong> das Beschaffungswesen<br />
entsprechend organisieren.<br />
Im ersten Praxiseinsatz reduzierte<br />
die KI die Dauer von Maschinenstillständen<br />
um bis 20 Prozent <strong>und</strong> senkte<br />
die Ausschussrate um r<strong>und</strong> 0,5 Prozent.<br />
Die Firma Maxsyma, eine Softwareschmiede<br />
aus Floß in der Oberpfalz,<br />
wird die neuen Funktionen <strong>und</strong><br />
Softwarebibliotheken nun in ihre bestehende<br />
Anwendung «iot2flow» integrieren<br />
<strong>und</strong> so anpassen, dass sie auch<br />
für Unternehmen aus anderen Branchen<br />
von Nutzen sind.<br />
www.ipa.fraunhofer.de<br />
Doppelte Anerkennung fürs Iguverse<br />
Die internationale Expertenjury des Wettbewerbs für Kommunikationsdesign<br />
Red Dot Award hat die offene Virtual-<br />
Reality-Plattform Iguverse in zwei Kategorien prämiert:<br />
«Virtual Reality Installations» <strong>und</strong> «Exhibition Design Elements».<br />
Die Auszeichnung würdigt die Bemühungen von<br />
Igus, dem Mittelstand einen barrierefreien Zugang zu neuartigen<br />
3D-Technologien zu bieten <strong>und</strong> so seine globale<br />
Wettbewerbsfähigkeit zu unterstützen. Anwender können<br />
so Produkte schneller, effizienter <strong>und</strong> nachhaltiger präsentieren<br />
<strong>und</strong> konstruieren, ohne eigene Entwicklungsressourcen<br />
aufbringen zu müssen. Zudem sparen sie durch die Nutzung<br />
des Iguverse Kosten: So können Unternehmen zum<br />
Beispiel Messestände verkleinern <strong>und</strong> statt in teure Messemodelle<br />
zu investieren, digitale Exponate erstellen lassen.<br />
www.igus.de<br />
Ob Fräsmaschine, Schweisstechnik oder Landstromsystem für Häfen:<br />
Das Iguverse soll KMU dabei helfen, komplexe Produkte schneller,<br />
effizienter <strong>und</strong> nachhaltiger zu präsentieren <strong>und</strong> zu konstruieren.<br />
Bild: Igus<br />
58 #<strong>028</strong> #<strong>028</strong> 59
<strong>WISSEN</strong>SWERTES<br />
IMPRESSUM<br />
Das crossmediale Fachmagazin für<br />
Automation <strong>und</strong> Fertigungstechnik<br />
www.technik-<strong>und</strong>-wissen.ch<br />
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Markus Back, Chefredaktor Print<br />
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4 × jährlich, 6. Jahrgang<br />
Auflage<br />
8000 Exemplare<br />
Eine Publikation in Zusammenarbeit mit<br />
Die nächste <strong>Ausgabe</strong><br />
von Technik <strong>und</strong><br />
Wissen erscheint<br />
am 11. Dezember 2024<br />
Verleihung der Ehrendoktorwürde<br />
an Klaus Fischer<br />
Die Universität Stuttgart hat die Ehrendoktorwürde<br />
an Prof. Klaus Fischer verliehen. Der Inhaber<br />
der Unternehmensgruppe Fischer aus<br />
dem Schwarzwald, die für Dübel, Konstruktionsbaukästen,<br />
Prozessberatung <strong>und</strong> elektronische<br />
Systeme bekannt ist, wurde in einem<br />
Festakt der Maschinenbau-Fakultäten kürzlich<br />
für sein Engagement im Bereich der Wissenschaft<br />
sowie für seinen Einsatz für die Universität<br />
Stuttgart geehrt.<br />
Rektor Prof. Wolfram Ressel überreichte dem<br />
Unternehmer <strong>und</strong> Ehrensenator der Universität<br />
Stuttgart die Urk<strong>und</strong>e. Klaus Fischer erhielt<br />
sie im Beisein zahlreicher Persönlichkeiten<br />
aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik <strong>und</strong> Gesellschaft<br />
unter anderem für seine Verdienste<br />
auf den Gebieten des konstruktiven Ingenieurbaus,<br />
der Produktions- <strong>und</strong> Verfahrenstechnik<br />
<strong>und</strong> des Maschinenbaus. Fischer ist nicht nur<br />
als Unternehmer bekannt, sondern auch für<br />
seine Entwicklungsarbeit, in der er neueste<br />
wissenschaftliche Methoden interdisziplinär<br />
anwendet <strong>und</strong> gleichzeitig innovative Forschungsthemen<br />
aufgreift. Ein Beispiel ist die<br />
Entwicklung eines Aktivhauses, das mehr<br />
Energie erzeugt als verbraucht <strong>und</strong> sich ohne<br />
Rückstände recyceln lässt.<br />
Prof. Oliver Riedel, Dekan der Fakultät für<br />
Konstruktions-, Produktions- <strong>und</strong> Fahrzeugtechnik<br />
der Universität Stuttgart, betonte in<br />
seiner Laudatio, dass Fischer Verantwortung<br />
übernehme <strong>und</strong> lebe – in <strong>und</strong> für Wirtschaft,<br />
Wissenschaft <strong>und</strong> Gesellschaft. Er setze konsequent<br />
auf Innovationen, fördere in seinem Unternehmen<br />
interdisziplinäres Arbeiten, sei<br />
selbst an 38 Patentschriften beteiligt <strong>und</strong> unterstütze<br />
den Erfolg der Universität Stuttgart,<br />
etwa über Forschungsvorhaben, Stiftungsprofessuren<br />
<strong>und</strong> Preise.<br />
www.uni-stuttgart.de<br />
ROBOTICS INSTITUTE<br />
GERMANY GEGRÜNDET<br />
Gemeinsam werden die Spitzenstandorte<br />
der Robotik in<br />
Deutschland das Robotics<br />
Institute Germany (RIG)<br />
aufbauen, das künftig die zentrale<br />
Anlaufstelle für Robotik in Deutschland<br />
werden soll. Auf der Konferenz<br />
«KI-basierte Robotik 2024» in Berlin<br />
stellten Prof. Angela Schoellig von der<br />
Technischen Universität München<br />
sowie Prof. Tamim Asfour vom Karlsruher<br />
Institut für Technologie das<br />
Konzept zur KI-basierten Robotik vor.<br />
Das vom B<strong>und</strong>esministerium für Bildung<br />
<strong>und</strong> Forschung mit 20 Millionen<br />
Euro geförderte Projekt läuft bis 30.<br />
Juni 2<strong>028</strong> <strong>und</strong> verfolgt fünf strategische<br />
Ziele.<br />
Diese fünf Ziele sind im Einzelnen:<br />
1.) Die Forschung weltweit wettbewerbsfähig<br />
zu machen <strong>und</strong> hierfür<br />
die Zusammenarbeit zwischen Robotik-Standorten<br />
zu fördern sowie Forschungscluster<br />
zu Schlüsseltechnologien<br />
in Deutschland zu etablieren.<br />
2.) Die Infrastruktur <strong>und</strong> Ressourcen<br />
für gemeinsame Forschungen zu nutzen.<br />
3.) Talente fördern <strong>und</strong> Training<br />
für die Robotik anbieten. 4.) Robotikforschung<br />
vergleichbar machen mit<br />
Benchmarking <strong>und</strong> Wettbewerben. 5.)<br />
Den Transfer von Forschungsergebnissen<br />
für die Industrie vereinfachen.<br />
Dazu soll die Start-up-Kultur gefördert<br />
<strong>und</strong> Forschende dazu motiviert<br />
werden, neue Anwendungsfelder für<br />
die Robotik zu entwickeln.<br />
Im Bild, von links: Prof. Angela Schoellig, B<strong>und</strong>esforschungsministerin<br />
Bettina Stark-Watzinger <strong>und</strong> Prof. Tamim Asfour. Bild: TUM<br />
Mit dabei sind neben der TUM <strong>und</strong><br />
dem KIT die Universität Bonn, die<br />
Technische Universität Berlin, die<br />
Technische Universität Darmstadt,<br />
die Universität Bremen, die Universität<br />
Stuttgart, die RWTH Aachen, die<br />
Technische Universität Dresden <strong>und</strong><br />
die Technische Universität Nürnberg.<br />
Hinzu kommen das Deutsche<br />
Zentrum für Luft- <strong>und</strong> Raumfahrt,<br />
das Max-Planck-Institut für Intelligente<br />
Systeme, drei Fraunhofer-Institute<br />
(IPA, IOSB <strong>und</strong> IML) <strong>und</strong> das<br />
Deutsche Forschungszentrum für<br />
Künstliche Intelligenz sowie 19 assoziierte<br />
Partner. Eine Zusammenarbeit<br />
mit weiteren (internationalen)<br />
Partnern, etwa aus der Industrie, ist<br />
geplant.<br />
Alle Urheber- <strong>und</strong> Verlagsrechte an dieser Publikation oder Teilen<br />
davon sind vorbehalten. Jede Verwendung oder Verwertung bedarf<br />
der schriftlichen Zustimmung der Herausgeber. Der Inhalt dieses<br />
Heftes wurde sorgfältig geprüft. Dennoch übernimmt der Herausgeber<br />
Klaus Fischer ist nun Ehrensenator <strong>und</strong> Träger der<br />
keine Haftung für seine Richtigkeit. Die rechtlichen Bestimmungen<br />
Ehrendoktorwürde. Bild: Hoffmann Photo Schneider<br />
für die Schaltung von Werbung entnehmen Sie den «Allgemeinen<br />
auf schmierfreie Gleitlagertechnik setzt.<br />
Geschäftsbedingungen» unter www.technik-<strong>und</strong>-wissen.ch<br />
*(Manufacturing Technology Institute MTI <strong>und</strong><br />
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60 #<strong>028</strong> #026 #017<br />
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Aachen, „Ökologiebewertung des Einsatzes<br />
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SELTENE ERDEN SCHÜRFEN<br />
AUS ELEKTROSCHROTT<br />
Europium kommt zumeist in<br />
Leuchtstofflampen <strong>und</strong> Flachbildschirmen<br />
zum Einsatz,<br />
was in der Vergangenheit zu<br />
hohen Marktpreisen führte. Da Leuchtstofflampen<br />
nun sukzessive aus dem<br />
Verkehr gezogen werden, sinkt die<br />
Nachfrage, so dass die bisherigen Recyclingmethoden<br />
wirtschaftlich nicht<br />
mehr rentabel sind. Forschende am<br />
Laboratorium für Anorganische Chemie<br />
der ETH Zürich haben nun eine<br />
Methode entwickelt, mit der sich Europium<br />
effizient aus komplexen Gemischen<br />
von anderen seltenen Erden abtrennen<br />
<strong>und</strong> wiederverwerten lässt.<br />
In der linken Hand der Rohstoff<br />
«Leuchtstofflampe», in der rechten<br />
das gelbe Reagenz, das seltene Erden<br />
trennen kann: ETH-Doktorandin<br />
Marie Perrin präsentiert den neuen<br />
Recycling-Ansatz. Bild: ETH Zürich<br />
Der Schlüssel zu dieser Technik liegt<br />
in kleinen anorganischen Molekülen<br />
mit vier Schwefelatomen, die um ein<br />
Wolfram- oder Molybdänatom herum<br />
angeordnet sind: Tetrathiometallate.<br />
Erstmals werden diese nun auch als<br />
Liganden für die Trennung von Seltenerdmetallen<br />
eingesetzt. Dabei kommen<br />
seine Redox-Eigenschaften zum<br />
Tragen, die Europium in seinen ungewöhnlichen<br />
zweiwertigen Zustand reduzieren<br />
<strong>und</strong> so die Trennung von den<br />
anderen dreiwertigen Seltenerdmetallen<br />
vereinfachen. Das Prinzip ist dabei<br />
so robust, dass es sich direkt auf verbrauchte<br />
Leuchtstofflampen anwenden<br />
lässt, ohne dass die sonst üblichen<br />
Vorbehandlungsschritte erforderlich<br />
sind.<br />
Die Forschenden haben ihre Technologie<br />
patentiert <strong>und</strong> sind daran ein<br />
Start-up namens Reecover zu gründen,<br />
um sie künftig zu vermarkten.<br />
Derzeit arbeiten sie daran, das Trennverfahren<br />
für weitere Seltenerdmetalle,<br />
wie etwa Neodym <strong>und</strong> Dysprosium,<br />
die in Magneten vorkommen, anzupassen.<br />
www.ethz.ch<br />
Wenn zwischen Ihnen <strong>und</strong> uns mehr entsteht:<br />
Das ist der MAPAL Effekt.<br />
Die Simulation der Wärmeleiteigenschaften von MOFs erfolgt durch<br />
die neue Methode mit sehr hoher Genauigkeit. Bild: TU Graz<br />
Metal-Organic Frameworks, kurz MOFs, weisen<br />
trotz ihrer geringen Grösse eine sehr grosse<br />
Oberfläche auf. Das macht sie für Forschung <strong>und</strong><br />
praktische Anwendungen äusserst interessant.<br />
Allerdings war deren genaue Simulation bislang nur mit viel<br />
Zeit- <strong>und</strong> Rechenaufwand möglich. Ein Team um Egbert Zojer<br />
vom Institut für Festkörperphysik der TU Graz hat nun<br />
mittels maschinellen Lernens diese Simulationen wesentlich<br />
verbessert, wodurch die Entwicklung <strong>und</strong> Anwendung<br />
neuartiger MOFs enorm beschleunigt wird.<br />
Durch die neue Simulationsstrategie ist es möglich, relevante<br />
Materialeigenschaften schon vor der Synthese der<br />
MOFs zu simulieren <strong>und</strong> damit massgeschneiderte Strukturen<br />
am Computer zu entwickeln. Für die Forschung an komplexen<br />
Materialien stellt dies einen grossen Sprung nach<br />
vorn dar, der es Forschenden beispielsweise erlauben wird,<br />
das Zusammenspiel der Metalloxidknoten <strong>und</strong> der halbleitenden<br />
organischen Linker für den Wärmetransport zu optimieren.<br />
So wird es auch einfacher, komplexe Herausforderungen<br />
zu überwinden.<br />
«Wir haben jetzt Tools, von denen wir wissen, dass sie uns<br />
auf unglaublich effiziente Art <strong>und</strong> Weise quantitativ zuverlässige<br />
Zahlen liefern. Damit können wir in den Simulationen<br />
systematisch die Strukturen der MOFs verändern <strong>und</strong><br />
uns gleichzeitig sicher sein, dass die Simulation der Eigenschaften<br />
der neuen Materialien auch akkurat sein werden.<br />
Dies erlaubt es, kausalitätsbasiert zu verstehen, welche Veränderungen<br />
der atomistischen Struktur die gewünschten<br />
Effekte generieren», sagt Egbert Zojer, der von Forschungsgruppen<br />
in München <strong>und</strong> Bayreuth weiss, dass sie die neue<br />
Simulationsstrategie bereits aufgegriffen haben.<br />
www.tugraz.at<br />
Schneller bauen mit Carbonbeton<br />
Gebäude am Computer massgeschneidert<br />
zu entwerfen, zu konstruieren<br />
<strong>und</strong> zu planen, ist nicht neu. Erstmals<br />
stehen dafür jedoch filigrane <strong>und</strong> dennoch<br />
belastbare Fertigelemente für<br />
den Hochbau zur Verfügung: Carbonfaserverstärkte<br />
Betonplatten. «Unser<br />
Bausystem aus Carbonbeton funktioniert<br />
ähnlich wie Lego», erläutert<br />
ZHAW-Forscher Josef Kurath, welcher<br />
die flexible Bauweise entwickelt hat.<br />
Sie bietet gleich mehrere Vorteile, wie<br />
ein 120 Quadratmeter grosser Pavillon<br />
in Winterthur verdeutlicht, der mit<br />
diesem flexiblen Bausystem gebaut<br />
wurde.<br />
Die hierfür verwendeten Carbonbeton-Platten<br />
wurden bereits in der Fabrik<br />
gefertigt, verarbeitet <strong>und</strong> zugeschnitten.<br />
Durch Stecksysteme lassen<br />
sie sich zu Bauelementen zusammenfügen<br />
<strong>und</strong> auf der Baustelle in kürzester<br />
Zeit montieren. «Dadurch ergeben<br />
sich viel kürzere Bauzeiten, was ein<br />
Vorteil für städtische Baustellen ist»,<br />
betont Josef Kurath: «Zudem lassen<br />
sich Gebäude einfach vor Ort anpassen<br />
oder erweitern.»<br />
Ein weiterer Vorteil des innovativen<br />
Systems: Es ist langlebig, wiederverwendbar<br />
<strong>und</strong> belastet die Umwelt bei<br />
der Herstellung weniger als Stahlbeton.<br />
«Dank Leichtbauweise reduzieren<br />
wir den CO 2 -Fussabdruck um Faktor<br />
zwei bis vier <strong>und</strong> sparen bis zu 75 Prozent<br />
Material gegenüber herkömmlicher<br />
Bauweise ein», so Josef Kurath.<br />
Beim Rückbau spielt der Carbonbeton<br />
eine weitere Stärke aus. Während sich<br />
bei einem herkömmlichen Gebäude<br />
etwa 90 Prozent des Betons nicht direkt<br />
wiederverwenden lassen, ist es<br />
beim Carbonbeton genau umgekehrt.<br />
R<strong>und</strong> 90 Prozent des Materials <strong>und</strong> der<br />
im Bauteil steckenden Wertschöpfung<br />
können wiederverwendet werden.<br />
www.zhaw.ch<br />
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62 #<strong>028</strong> #<strong>028</strong> 63
BIOLOGISIERUNG DER INDUSTRIE<br />
BIOLOGISIERUNG DER INDUSTRIE<br />
MIT METHODE ZU<br />
BESSEREN<br />
ERGEBNISSEN<br />
Bei der Biologisierung geht es darum, mit veränderten Methoden zu<br />
besseren <strong>und</strong> vor allem nachhaltigeren Ergebnissen zu kommen. Wie<br />
diese Methoden die Industrie <strong>und</strong> Prozesse verändern wird, erläutert<br />
Dr. Sven Wydra vom Fraunhofer ISI im Gespräch.<br />
Von Markus Back<br />
Diese spielen eine wesentliche Rolle. Gentechnische<br />
Methoden werden oftmals dazu eingesetzt, um gewünschte<br />
Eigenschaften in Organismen zu entwickeln oder zu<br />
verbessern. Das kann von der Landwirtschaft über die<br />
Lebensmittelproduktion bis hin zur Medizin reichen. Diese<br />
Technologien ermöglichen es, spezifische Merkmale zu<br />
fördern, wie etwa die Resistenz gegen Krankheiten oder<br />
höhere Erträge. Allerdings ist die Akzeptanz unterschiedlich<br />
<strong>und</strong> stellt eine Herausforderung dar. Daher ist eine<br />
transparente Kommunikation entscheidend, um das<br />
Vertrauen der Öffentlichkeit <strong>und</strong> damit die Unterstützung<br />
für die Anwendung dieser Technologien zu gewinnen.<br />
Bioabbaubarkeit <strong>und</strong> KI-Einsatz<br />
Chemische Verbindungen lösen sich nicht wieder so<br />
einfach auf, was zu Problemen führen kann. Inwieweit<br />
eignet sich die Biologisierung dazu, solche Verbindungen<br />
später einmal einfacher abbauen zu können?<br />
Die Bioabbaubarkeit <strong>und</strong> das Recycling sind wichtige<br />
Themen, wobei man aber wissen muss, das biobasierte<br />
Materialien nicht automatisch bioabbaubar sind – vor<br />
allem nicht in natürlichen Systemen. Im Bioplastikbereich<br />
gibt es aber inzwischen einige Produkte, die recycelbar<br />
oder abbaubar sind, oftmals jedoch nur unter speziellen<br />
Bedingungen, die sich in Biokompostieranlagen oder<br />
ähnlichen Recyclinganlagen vorfinden.<br />
Anderseits ist eine Abbaubarkeit der Produkte, zumindest<br />
eine einfache, nicht immer erwünscht. Nehmen Sie<br />
beispielsweise die Innerverkleidung eines Autos! Wenn<br />
sich diese bereits nach wenigen Monaten zersetzt, ist<br />
keiner wirklich glücklich. Für andere Bereiche, wie<br />
Verpackungen oder Folien in der Landwirtschaft, ist die<br />
Bioabbaubarkeit indes äusserst wichtig.<br />
sich teilweise erheblich von denen bei traditionellen,<br />
chemischen Prozessen. Zudem werden sich Verarbeitungsprozesse<br />
verändern, da die neuen Rohstoffe im Vergleich zu<br />
den bisher verwendeten Materialien andere Eigenschaften<br />
bezüglich Hitzefestigkeit, Härte <strong>und</strong> so weiter haben<br />
werden.<br />
Ein weiterer Aspekt sind die Kosten, die in vielen Bereichen<br />
höher sein werden. Dazu kommen regulatorische<br />
Fragen, insbesondere beim Einsatz von Reststoffen oder<br />
Abfällen. Im Lebensmittelbereich werden sich Fragen<br />
hinsichtlich der Kennzeichnung ergeben, da es häufig nicht<br />
mehr identische Produkte, sondern weiterentwickelte mit<br />
teilweise ganz neuen Eigenschaften sein werden.<br />
Wie bereitet sich ein Unternehmen idealerweise auf diese<br />
Veränderungen vor?<br />
Das lässt sich nicht pauschal beantworten, da die Branchen<br />
unterschiedlich weit in der Biologisierung sind. Generell<br />
lässt sich aber sagen, dass diese eine Veränderung des<br />
technologischen Wissens, vor allem bei Technologieentwicklern<br />
<strong>und</strong> -herstellern, aber auch in den Anwenderindustrien,<br />
mit sich bringen wird. Sie müssen biotechnologische<br />
Prozesse integrieren <strong>und</strong> diese mit Digitalisierung<br />
«Es gilt biotechnologische<br />
Prozesse zu integrieren<br />
<strong>und</strong> diese mit<br />
Digitalisierung <strong>und</strong> KI zu<br />
verknüpfen.»<br />
Was versteht man unter der «Biologisierung der Industrie»?<br />
Bei dieser werden Materialien, Prinzipien sowie das Wissen<br />
über natürliche Prozesse systematisch dazu angewendet,<br />
um industrielle Prozesse oder Forschungsprozesse zu<br />
verändern. Ziel ist es, mit diesen veränderten Methoden für<br />
gesellschaftliche Herausforderungen, wie zum Beispiel die<br />
Nachhaltigkeit, Lösungen zu finden.<br />
Welche Industrien arbeiten bereits mit solch veränderten<br />
Methoden?<br />
Da ist zunächst einmal die Chemieindustrie, die biotechnologische<br />
Methoden zur Herstellung bestimmter Kosmetika<br />
<strong>und</strong> Kunststoffe anwendet. Die Pharmaindustrie nutzt sie<br />
indes für die Entwicklung neuer Medikamente <strong>und</strong><br />
Therapien. Ein weiterer Ansatz ist die Nutzung des Wissens<br />
über biologische Systeme oder Analogien aus der Natur, um<br />
Materialien mit besonderen Eigenschaften zu entwickeln.<br />
Ein bekanntes Beispiel ist der Lotus-Effekt, der oftmals<br />
übertragen wird, um Oberflächen bestimmte Eigenschaften<br />
zu verleihen.<br />
Wo sehen Sie besonderes Potential für die Biologisierung?<br />
Ein äusserst interessanter Bereich ist der des Fleischersatzes.<br />
Hier könnten Insekten <strong>und</strong> Pflanzen als Ersatzstoffe in<br />
Kombination mit speziellen Fermentationsmethoden<br />
tierisches Eiweiss im grossen Stil ersetzen, was ein grosses<br />
Nachhaltigkeitspotenzial hätte.<br />
Im Agrarbereich ermöglichen Digitalisierungsmethoden<br />
eine effizientere Landwirtschaft. Mit biologischen Methoden<br />
liessen sich dort zudem Pflanzen resistenter gegen die<br />
Folgen des Klimawandels machen.<br />
Ein weiteres spannendes Segment ist die Bioökonomie,<br />
also die Erzeugung <strong>und</strong> der Einsatz biogener Rohstoffe. Das<br />
ist beispielsweise für die Chemieindustrie interessant, die<br />
chemische Gr<strong>und</strong>stoffe so durch Biomasse ersetzen oder<br />
Spezialchemikalien wie Kosmetika mit biotechnologischen<br />
Methoden <strong>und</strong> natürlichen Materialien herstellen könnte.<br />
Wie sind die Themen «Genforschung» <strong>und</strong> «Genmanipulation»<br />
im Kontext der Biologisierung einzuordnen?<br />
Bild: Rattakarn/Pixabay<br />
Inwieweit beeinflusst Künstliche Intelligenz die Fortschritte<br />
in diesem Bereich?<br />
Das kommt aufs Fachgebiet an. Generell gibt es aber einige<br />
Bereiche, die biologische beziehungsweise biotechnische<br />
Methoden mit KI kombinieren könnten. Bei den Omics-<br />
Technologien modellieren zum Beispiel digitale Systeme<br />
biologische, um vorhersagen zu können, wie sich bestimmte<br />
Moleküle verhalten werden. Das ist deshalb so wichtig,<br />
weil diese lebenden Organismen im Vergleich zu chemischen<br />
Verbindungen viel instabiler sind.<br />
Veränderung industrieller Prozesse<br />
Wie wird die biologische Transformation industrielle<br />
Prozesse verändern?<br />
Biotechnologische Prozesse unterscheiden sich erheblich<br />
von chemischen Prozessen, da es bei diesen um wässrige<br />
Systeme mit anderen Reaktionen geht. Das bedeutet, es<br />
bedarf anderer Kompetenzen <strong>und</strong> Infrastrukturen. Ein<br />
wichtiger Punkt ist dabei die Skalierung der Produktionsanlagen.<br />
Die optimalen Produktionsmengen unterscheiden<br />
Dr. Sven Wydra über eine der Herausforderungen,<br />
welche die Biologisierung für Unternehmen<br />
mit sich bringt<br />
<strong>und</strong> KI verknüpfen. Für sehr viele Unternehmen wird sich<br />
dabei die einfache Frage stellen, ob ihre technologische<br />
Basis <strong>und</strong> ihre Mitarbeitenden auf diese Veränderungen<br />
überhaupt vorbereitet sind.<br />
Sicherlich sind Unternehmen gut beraten, wenn sie sich<br />
schon jetzt Gedanken über ihre zukünftigen Lieferketten<br />
machen. Da es andere Ausgangsmaterialien <strong>und</strong> möglicherweise<br />
andere Endprodukte sein werden, ist es nicht<br />
damit getan, einen Schritt in der Wertschöpfungskette zu<br />
verändern <strong>und</strong> den Rest zu belassen. Die Biologisierung<br />
wird in der ganzen Wertschöpfungskette, einschliesslich<br />
Lieferprozesse <strong>und</strong> K<strong>und</strong>enstamm, zu Veränderungen<br />
führen. Allerdings, <strong>und</strong> das möchte ich an dieser Stelle<br />
betonen, werden diese Veränderungen nicht alle Branchen<br />
im gleichen Masse betreffen.<br />
64 #<strong>028</strong><br />
#<strong>028</strong> 65
BIOLOGISIERUNG DER INDUSTRIE<br />
Diese Branchen stehen unter Zugzwang<br />
Weisse Biotechnologie<br />
Biologisierung im Alltag<br />
Für welche Branchen besteht dringender Handlungsbedarf<br />
<strong>und</strong> welche können die Veränderungen zunächst noch<br />
abwarten?<br />
Die Pharma-, Lebensmittel- <strong>und</strong> Ges<strong>und</strong>heitsindustrie<br />
sowie die Landwirtschaft sind von den Veränderungen<br />
bislang am stärksten betroffen <strong>und</strong> haben sich auf diese<br />
zum Teil auch schon eingestellt. Aktuell rückt die Bauindustrie<br />
durch ihren hohen CO 2 -Ausstoss <strong>und</strong> Materialbedarf<br />
in den Fokus. Generell würde ich sagen, wird es kaum<br />
eine Industrie geben, die nicht durch den Einsatz <strong>und</strong> die<br />
Verwendung Bio-basierter Produkte Veränderungen<br />
unterworfen sein wird.<br />
Wie sieht es mit dem Wachstum <strong>und</strong> Beschäftigungspotenzial<br />
in dieser Branche aus?<br />
Die Biotechnologie-Industrie existiert bereits seit einigen<br />
Jahrzehnten <strong>und</strong> verzeichnet ein stetiges Wachstum, das<br />
anhalten wird. Rein auf Zahlen runtergebrochen mag sie<br />
zwar kein beeindruckender Wachstumsmotor sein, aber<br />
über die Wertschöpfungskette hinweg betrachtet, hat sie<br />
beschäftigungserhaltende <strong>und</strong> beschäftigungsfördernde<br />
Effekte.<br />
Um was geht es bei der «weissen» Biotechnologie?<br />
Die weisse Biotechnologie wird häufig als Synonym für<br />
industrielle Biotechnologie verwendet, wobei es meist um<br />
den Einsatz biotechnischer Methoden in der Produktion<br />
geht. Ein klassisches Beispiel aus der Lebensmittelindustrie<br />
ist die Fermentation von Bier oder Backwaren mit speziellen<br />
Hefen. Ein weiterer Bereich ist die Präzisionsfermentation,<br />
bei der versucht wird, Eier, Käse oder Milch durch<br />
biotechnologische Methoden herzustellen.<br />
Welchen Einfluss haben die Preise für fossile Rohstoffe auf<br />
die Fortschritte in diesem Bereich?<br />
Ökonomische Aspekte spielen eine grosse Rolle. Ich habe<br />
schon erwähnt, dass die Biologisierung <strong>und</strong> die daraus<br />
entstehenden Produkte häufig teurer sind. Das hat verschiedene<br />
Ursachen, aber die Einsatzstoffe spielen hier<br />
eine ganz entscheidende Rolle. Bei Massenprodukten im<br />
Chemiebereich, können diese 40 bis 50 Prozent der<br />
entstehenden Kosten ausmachen. Eine Verteuerung des<br />
Erdöls kann also biobasierte Produkte relativ gesehen<br />
günstiger machen. Dabei ist aber zu beachten, dass auch<br />
die Preise für Biomasse eher steigen werden.<br />
Gibt es Produkte, die einen biotechnischen Hintergr<strong>und</strong><br />
haben <strong>und</strong> bereits fest in unseren Alltag integriert sind, wir<br />
das als Konsumenten aber gar nicht so bewusst wahrnehmen?<br />
Im Chemiebereich gibt es sicherlich einige solcher<br />
Produkte. Grosse Unternehmen, wie beispielsweise BASF,<br />
nutzen einen massenbilanzierten Ansatz. Bei diesem<br />
mischen sie je nach Verfügbarkeit der Rohstoffe mehr oder<br />
weniger Biomasse ihren Produkten bei. Das kann im<br />
Nachhinein gar nicht festgestellt werden, sondern wird<br />
bilanziell verrechnet. Als Konsumenten können wir das<br />
nur erkennen, wenn es explizit angegeben ist.<br />
In der Automobilindustrie werden viele Teile des Interieurs<br />
aus biobasierten Produkten gefertigt, ohne dass das der<br />
Verbraucher erkennt. Gleiches gilt für biotechnologische<br />
Prozesse. Bei der Herstellung von Backwaren kommen<br />
beispielsweise genetisch veränderte Hefen zum Einsatz.<br />
Das wird aber nicht an die grosse Glocke gehängt, weil es<br />
hier Akzeptanzprobleme gibt.<br />
Womit begründen Sie diese Akzeptanzprobleme?<br />
Alles, was nah am Körper ist, wird vom Menschen mit<br />
grosser Sensibilität betrachtet. Das gilt nicht nur für<br />
Lebensmittel, sondern auch für Textilien. In beiden Fällen<br />
spielt es für den Menschen dann keine Rolle, wie wirtschaftlich<br />
attraktiv oder gut eine Lösung tatsächlich ist.<br />
Fraunhofer Institut für System- <strong>und</strong> Innovationsforschung<br />
www.isi.fraunhofer.de<br />
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Biotechnologische Verfahren wie die Fermentation, bei der Mikroorganismen wie Bakterien oder Pilze CO 2 als Baustein für Stoffwechselprodukte<br />
verwenden, werden in Zukunft für die Chemieindustrie immer bedeutender werden. Das Bakterium Basfia succiniciproducens beispielsweise<br />
produziert das Zwischenprodukt Fumarat <strong>und</strong> bindet dabei Kohlendioxid. Bild: BASF SE<br />
Sven Wydra studierte zwischen<br />
1999 <strong>und</strong> 2004 Wirtschaftswissenschaften<br />
mit dem Schwerpunkt<br />
Volkswirtschaft an den Universitäten<br />
Hohenheim <strong>und</strong> Göteborg. Seit<br />
2005 ist er wissenschaftlicher<br />
Mitarbeiter am Fraunhofer Institut für<br />
System- <strong>und</strong> Innovationsforschung ISI,<br />
Competence Center «Neue Technologien». 2009<br />
promovierte er am Institut für Volkswirtschaftslehre der<br />
Universität Hohenheim. Seit 2014 ist er Leiter des Geschäftsfelds<br />
«Bioökonomie <strong>und</strong> Lebenswissenschaften», wo er sich unter anderem<br />
mit Innovationen in der Bioökonomie <strong>und</strong> der industriellen Biotechnologie<br />
befasst.<br />
innoteq.ch/ausstellerwerden<br />
66 #<strong>028</strong><br />
#<strong>028</strong> 67
BIOLOGISIERUNG DER INDUSTRIE<br />
BIOLOGISIERUNG IST<br />
LÄNGST ALLTAG<br />
Die Biologisierung der Industrie macht Dinge, die vor einigen Jahren noch absolut utopisch<br />
erschienen, auf einmal möglich. Auf dieser Doppelseite haben wir einige Beispiele, darunter<br />
eines aus der Schweiz, zusammengetragen.<br />
Smarte Ohrringe<br />
Forscher der University of Washington haben einen<br />
smarten Ohrring entwickelt, der die Körpertemperatur<br />
seines Trägers kontinuierlich überwacht. Der Prototyp ist<br />
etwa so gross <strong>und</strong> schwer wie eine Büroklammer <strong>und</strong> hat<br />
eine Akkulaufzeit von 28 Tagen. Ein Magnetclip befestigt<br />
einen Temperatursensor am Ohr des<br />
Trägers, während ein anderer<br />
Sensor etwa einen Zentimeter<br />
darunter baumelt, um die<br />
Raumtemperatur<br />
abzuschätzen. Der<br />
Ohrring kann mit<br />
Modedesigns aus<br />
Harz, zum<br />
Beispiel in Form<br />
einer Blume<br />
oder mit einem<br />
Edelstein<br />
personalisiert<br />
werden, ohne<br />
seine Genauigkeit<br />
zu beeinflussen. Das<br />
Team hat den Stromverbrauch<br />
des Ohrrings so<br />
effizient wie möglich gestaltet<br />
<strong>und</strong> gleichzeitig Platz für einen<br />
Bluetooth-Chip, eine Batterie, zwei Temperatursensoren<br />
<strong>und</strong> eine Antenne geschaffen. Anstatt ihn mit einem Gerät<br />
zu koppeln, das mehr Strom verbraucht, verwendet der<br />
Ohrring den Bluetooth-Werbemodus – die Übertragungen,<br />
die ein Gerät sendet, um zu zeigen, dass es<br />
gekoppelt werden kann. Nach dem Ablesen <strong>und</strong> Senden<br />
der Temperatur geht der Ohrschmuck zurück in den<br />
Schlafmodus, um Strom zu sparen.<br />
www.washington.edu<br />
Ein drahtloser<br />
Ohrring überwacht<br />
kontinuierlich die<br />
Körpertemperatur<br />
seines Trägers.<br />
Bild: Universität<br />
Washington<br />
Von Markus Back<br />
DNA als Datenspeicher<br />
Auf DNA lassen sich grosse Datenmengen speichern, diese sich<br />
aber nicht unbedingt fehlerfrei zurückgewinnen: Durch chemischen<br />
Zerfall der DNA <strong>und</strong> Fehler beim Auslesen entstehen<br />
Lücken <strong>und</strong> Fehlinformationen in den kodierten Daten. Bereits<br />
vor zehn Jahren zeigten ETH-Forschende, wie sich eine<br />
fehlerfreie Langzeitspeicherung erreichen lässt. Zum einen<br />
verkapselten sie die informationstragenden DNA-Stücke in<br />
Siliziumdioxid, zum anderen verwendeten sie einen Algorithmus,<br />
um Fehler in den ausgelesenen Daten zu korrigieren. Da der<br />
Einschluss in Siliziumdioxid ungefähr demjenigen in fossilen<br />
Knochen entspricht, konnten sie auf prähistorische Daten über<br />
die Langzeitstabilität verkapselter DNA zurückgreifen. Daraus<br />
errechneten sie ihre Prognose: Bei Lagerung bei tiefen<br />
Temperaturen, wie zum Beispiel im weltweiten Saatgut-Tresor<br />
auf Spitzbergen bei minus 18 Grad Celsius, könnte die<br />
DNA-kodierte Information über eine Million Jahre überdauern.<br />
Im Vergleich dazu lassen sich Daten auf Mikrofilm nur für<br />
schätzungsweise 500 Jahre bewahren.<br />
www.zhaw.ch<br />
Um das digitale Wissen für die Ewigkeit zu bewahren,<br />
liessen sich Forschende von Fossilien inspirieren. Bild: ETH<br />
Mikroroboter als Zelltaxi<br />
Sie sind r<strong>und</strong>, halb so dick wie ein Haar, enthalten Goldstäbchen<br />
<strong>und</strong> fluoreszierenden Farbstoff, sind umgeben von einem<br />
Biomaterial, das aus Algen gewonnen wird <strong>und</strong> können sich –<br />
angetrieben von Laserlicht – zwischen Zellen bewegen: Die<br />
winzigen Roboter sind eine Erfindung von Prof. Berna Özkale<br />
Edelmann. Genauer gesagt hat die Bioingenieurin <strong>und</strong> Leiterin<br />
des Microrobotic Bioengineering Labs mit ihrem Team eine<br />
Plattform entwickelt, mit der beliebig viele dieser Vehikel<br />
hergestellt werden können. Eingesetzt werden die 30 Mikrometer<br />
grossen Roboter aktuell ausserhalb des menschlichen Körpers,<br />
sollen aber eines Tages im Körperinnern<br />
gezielt Krebszellen<br />
ansteuern <strong>und</strong> diese zerstören.<br />
www.tum.de<br />
3D-Lebensmitteldruck<br />
Science-Fiction-Fans haben das Verfahren schon vielfach<br />
gesehen: der 3D-Druck von Lebensmitteln. Schliesslich wollen<br />
Captain Kirk <strong>und</strong> seine Crew bei ihren Reisen durch die<br />
unendlichen Weiten nicht auf Pizza, Hamburger <strong>und</strong> andere<br />
kulinarische Genüsse verzichten! Ob das österreichische<br />
Start-Up Revo Foods bei der Entwicklung <strong>und</strong> dem Bau seines<br />
3D-Lebensmitteldruckers von Star Trek inspiriert war, ist nicht<br />
bekannt. Fakt ist aber, dass sie es geschafft haben, erstmals<br />
neue Lebensmittelkategorien in industriellem Massstab zu<br />
drucken. Eine besondere Bedeutung<br />
kommt hierbei einem hochpräzisen<br />
Extrusionssystem zu, das verschiedene<br />
Inhaltsstoffe in beliebiger Form<br />
miteinander kombinieren kann.<br />
Dadurch können authentische Fleisch-<br />
Alternativen oder Produkte mit<br />
innovativen Strukturen, Formen oder<br />
Texturen flexibel hergestellt werden.<br />
Eine Lachsfilet-Alternative auf Basis<br />
von Mycoprotein, den Wurzeln von<br />
Pilzen, ist seit knapp einem Jahr als<br />
erstes 3D-produzierte Lebensmittel in<br />
Supermärkten erhältlich.<br />
www.revo-foods.com<br />
Lesen Sie<br />
das Interview mit<br />
Berna Özkale Edelmann<br />
zu dieser Erfindung in<br />
<strong>Ausgabe</strong> TuW #026.<br />
Nachwachsende<br />
Verpackungen<br />
Die Lebensmittelindustrie hat einen enormen Bedarf an<br />
Kunststoff, um ihre Produkte sauber <strong>und</strong> hygienisch zu<br />
verpacken. Nachteil dieser Methode sind Unmengen an<br />
Plastikmüll, der oftmals in den Ozeanen landet. Eine<br />
Lösung für dieses Problem könnte ein vermehrter<br />
Einsatz nachwachsender Rohstoffe sein. BASF hat dazu<br />
beispielsweise sein Portfolio an zertifiziert kompostierbaren<br />
Biopolymeren um ein biomassenbilanziertes<br />
Polybutylenadipat-Terephthalat erweitert, das in der<br />
Compo<strong>und</strong>ierung von Biopolymeren eingesetzt werden<br />
kann. Bei der Produktion werden die fossilen Rohstoffe<br />
dazu gleich am Anfang der Wertschöpfungskette durch<br />
nachwachsende Rohstoffalternativen<br />
ersetzt. Diese Rohstoffe<br />
werden aus Abfällen <strong>und</strong><br />
Restbiomasse gewonnen<br />
<strong>und</strong> tragen so zu<br />
einem geringeren<br />
Verbrauch fossiler<br />
Ressourcen bei.<br />
Ausserdem bieten<br />
sie einen 60 Prozent<br />
geringeren<br />
CO 2 -Fussabdruck als<br />
vergleichbare Produkte<br />
auf fossiler Basis.<br />
www.plastics.basf.de<br />
Das biomassenbilanzierte Biopolymer Ecoflex bietet der<br />
Verpackungsindustrie die Möglichkeit, den Einsatz von<br />
nachwachsenden Rohstoffen zu steigern. Bild: BASF<br />
Hochskalierung des 3D-Lebensmitteldrucks mit Hilfe eines<br />
kontinuierlichen <strong>und</strong> dennoch flexiblen Produktionsprozesses.<br />
Bild: Revo Foods<br />
68 #<strong>028</strong><br />
#<strong>028</strong> 69
Dr. Torsten Brinkmann<br />
Dr. Torsten Brinkmann studierte Maschinenbau mit<br />
Schwerpunkt Verfahrenstechnik an der RWTH<br />
Aachen. Er promovierte an der University of Bath in<br />
Grossbritannien auf dem Gebiet der Membrantechnik<br />
über die Spaltung von Methanol in einem Membranreaktor<br />
zur Gewinnung von Wasserstoff. Danach<br />
arbeitete er einige Jahre für die britische Niederlassung<br />
eines US- Unternehmens, das Software für die<br />
Prozesssimulation entwickelt. Im Jahr 2000 kam er<br />
nach Hamburg ans Hereon, um die Forschung r<strong>und</strong><br />
um die Membrantechnologie voranzutreiben. Damals<br />
hiess das Forschungszentrum noch GKSS,<br />
Gesellschaft für Kernenergieverwertung in Schiffbau<br />
<strong>und</strong> Schifffahrt, obwohl man schon damals nicht<br />
mehr mit diesen Themen forschte.<br />
BIOLOGISIERUNG DER INDUSTRIE<br />
NACHHALTIGE<br />
ALGENPRODUKTION<br />
DURCH INNOVATIVE<br />
MEMBRANLÖSUNGEN<br />
Die Membrantechnologie wird in der Verfahrenstechnik noch immer unterschätzt.<br />
Ihre Anwendungsmöglichkeiten sind jedoch vielseitig <strong>und</strong> könnte in der<br />
Umwelttechnologie grosse Dienst leisten zum Beispiel in der CO 2 -Abtrennung.<br />
Ein Besuch bei Membranforschern in Hamburg, die es unter anderem geschafft<br />
haben, den Algen in einer Bioenergiefassade genügend CO 2 bereitzustellen.<br />
Von Eugen Albisser (Text) <strong>und</strong> Steffen Niemann, Hereon (Bilder)<br />
Torsten Brinkmann mit einer Dünnfilmkompositmembran<br />
<strong>und</strong> den bei Hereon konstruierten Maschinen in seinem Labor:<br />
«Würden Membranen von Anfang an berücksichtigt, liessen<br />
sich oft kostengünstigere Lösungen finden.»<br />
Als in den 1950er-Jahren in einem abgelegenen<br />
Waldstück nahe Hamburg eine Forschungsanstalt<br />
errichtet wurde, um die friedliche Nutzung der<br />
Kernenergie zu erforschen, ahnte wohl keiner der<br />
dortigen Forscher, dass deren Nachfolger sich eines Tages<br />
mit einer vollkommen anderen Art der Energiegewinnung<br />
beschäftigen würden. Zum Beispiel mit einer Mikroalgenzucht,<br />
die an einer Hausfassade gedeiht <strong>und</strong> die Biomasse<br />
<strong>und</strong> Wärmeenergie für die Bewohner des Hauses liefert. Und<br />
doch kam es exakt so.<br />
Heute heisst das abgelegene Zentrum schlicht <strong>und</strong> einfach<br />
«Hereon» <strong>und</strong> ist ein interdisziplinäres Forschungszentrum<br />
der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren.<br />
Dort zeigt an einem sonnigen Tag im Jahr 2024 Dr. Torsten<br />
Brinkmann stolz auf die bei Hereon konstruierten Maschinen<br />
in seinem Labor, deutet auf die perfekt abgestimmten Rollen,<br />
die dünnste Folien herstellen können in mehreren Lagen.<br />
Torsten Brinkmann ist seit 2000 hier beschäftigt <strong>und</strong> sein<br />
Jobfunktion lautet «Abteilungsleiter Verfahrenstechnik»<br />
am Institut für Membranforschung. Und genau das wird auf<br />
diesen Maschinen hergestellt: Membranen, oder exakter<br />
ausformuliert: Dünnschicht-Membranen, die man unter anderem<br />
in einem Algenhaus unglaublich effektiv einsetzen<br />
kann – aber dazu etwas später.<br />
Die Membrantechnik<br />
Die Membrantechnik fand in den sechziger Jahren auch<br />
ausserhalb der Medizin Einzug in technische Lösungen. Damals<br />
zur Meerwasserentsalzung, ein Verfahren, das Umkehrosmose<br />
genannt wird.<br />
Doch für alle, die nicht Verfahrenstechnik studiert oder<br />
darauf promoviert haben wie Dr. Brinkmann: Was genau<br />
macht eine Membran, wie funktioniert sie?<br />
Im Nachschlagewerk Wikipedia heisst es: «Die Membrantechnik<br />
umfasst in der Verfahrenstechnik Vorrichtungen<br />
<strong>und</strong> Verfahren zum Transport von Stoffen zwischen zwei<br />
Fraktionen unter Zuhilfenahme permeabler Membranen<br />
(Trennmembranen). Es handelt sich um mechanische<br />
Trennverfahren zur Separation aus gasförmigen oder flüssigen<br />
Stoffströmen.»<br />
Wer diese Gr<strong>und</strong>lage noch etwas präzisier ausformuliert<br />
erklärt haben möchte, stösst im Dubbel, dem grossen Taschenbuch<br />
für den Maschinenbau, in der Sektion «Verfahrenstechnik»<br />
auf die Membrantechnologie, die aber nur kurz<br />
erwähnt wird: «Diffusion <strong>und</strong> Sorption bewirken den Stofftransport<br />
durch dichte Lösungs-Diffusionsmembranen,<br />
während der konvektive Transport in porösen Membranen<br />
vorherrscht.»<br />
Membranen aus Polymeren für die CO 2 -Abtrennung<br />
Das Gr<strong>und</strong>lage <strong>und</strong> das physikalische Gesetz dahinter erklärt<br />
Dr. Brinkmann: «Bei der Membran brauchen wir immer<br />
eine Triebkraft, um Moleküle durch die Membran zu bewegen.<br />
Diese Triebkraft ist die Differenz der chemischen Potentiale<br />
oder einfach gesagt die Differenz der Partialdrücke auf<br />
beiden Seiten der Membran. Diese Differenz bewegt die Moleküle<br />
durch die Membran. Ohne diese Triebkraft kann<br />
nichts durch die Membran gehen. Wenn nur noch sehr geringe<br />
Konzentrationen vorhanden sind, muss man einen sehr<br />
tiefen Unterdruck auf der Rückseite der Membran anlegen.»<br />
70 #<strong>028</strong><br />
#<strong>028</strong> 71
BIOLOGISIERUNG DER INDUSTRIE<br />
BIOLOGISIERUNG DER INDUSTRIE<br />
Mit dem Algenhaus verfügt Hereon über einen direkten Teststand für seine Membranen. Im Hintergr<strong>und</strong> eine eigene Versuchsanlage im<br />
Forschungszentrum Hereon.<br />
Am «Hereon» wird unter anderem geforscht an Dünnfilm-<br />
Kompositmembranen aus Polymeren. «Wir machen eine<br />
poröse Stützstruktur aus Polymer <strong>und</strong> tragen darauf eine<br />
dünne, dichte Polymerschicht auf», erklärt Brinkmann. Diese<br />
Struktur ist etwa 20 bis 30 Mikrometer dünn <strong>und</strong> darauf<br />
kommt eine r<strong>und</strong> h<strong>und</strong>ert Nanometer dünne Drainageschicht.<br />
Darauf wird dann die Trennschicht mit circa achtzig<br />
Nanometer Dicke aufgetragen, die wiederum durch eine<br />
weitere dünne Schicht geschützt wird.<br />
Mit dieser sehr Dünnschicht-Kompositmembranen kann<br />
man nun CO 2 abtrennen. Filme von einem halben Millimeter<br />
oder Zehntelmillimeter wären dafür zu dick. Man braucht<br />
eine Membran mit einem dünnen Polymerfilm im Bereich<br />
von h<strong>und</strong>ert Nanometern, damit der Durchsatz optimal ist.<br />
Spektakuläre Bioreaktorfassade<br />
Wie es sich für ein Institut gehört, forscht man unentwegt<br />
an diesem «optimalen Durchsatz». Doch er ist insofern<br />
schon «sehr optimal», dass ein gewisser Dr. Martin Kerner<br />
auf die Resultate aufmerksam wurde. Kerner ist Geschäftsführer<br />
der SSC GmbH <strong>und</strong> dieses Start-up entwickelt Bioenergiefassen.<br />
«Ausgangspunkt war die Idee, Algen an einer<br />
Hauswand zu kultivieren. Dieser Ansatz wurde konsequent<br />
zu einer Technologie weiterentwickelt, mit der biogene Rohstoffe<br />
<strong>und</strong> Energie gewonnen <strong>und</strong> die Ressourcen Wasser<br />
<strong>und</strong> Fläche geschont werden können», heisst es bei SSC auf<br />
der Webseite.<br />
Umgesetzt wurde eine erste spektakuläre Bioreaktorfassade<br />
an einem fünfgeschossigen Wohnhaus in Hamburg-Wilhelmsburg.<br />
Die Fassadenelemente sind mit Wasser <strong>und</strong> Mikroalgen<br />
gefüllt. Diese werden mit Nährstoffen <strong>und</strong><br />
Kohlendioxid versorgt. Zusammen mit der Sonneneinstrahlung<br />
ergibt das eine Photosynthese <strong>und</strong> die Algen wachsen,<br />
werden ab einer gewissen Zelldichte geerntet <strong>und</strong> könnten<br />
als Biomasse verkauft werden. Doch das ist noch nicht alles:<br />
Die Bioreaktorfassade dient gleichzeitig der Energiegewinnung.<br />
Einerseits kann die Algen-Biomasse selber Energie erzeugen,<br />
anderseits produziert das Licht Wärme, die für Heizung<br />
<strong>und</strong> Warmwasseraufbereitung genutzt werden kann.<br />
«Teststand für unsere Membranen»<br />
Doch die Kultivierung von Algen in einer Fassade ist nicht so<br />
einfach – vor allem brauchen die Algen CO 2 – <strong>und</strong> zwar mehr,<br />
als man zu Beginn bereitstellen konnte. Also wandte sich der<br />
Bioverfahrenstechniker Kerner an das Forschungszentrum<br />
Hereon. Man habe die Anlage relativ einfach <strong>und</strong> schnell aufgebaut,<br />
mit Membranmodulen <strong>und</strong> Messgeräten aus einer<br />
Gr<strong>und</strong>finanzierung. «Für uns war das eine Win-Win-Situation»,<br />
sagt Brinkmann. «Wir sehen den Sinn in der lokalen Zusammenarbeit<br />
<strong>und</strong> haben ausserdem einen direkten Teststand<br />
für unsere Membranen. Wir können damit nachweisen,<br />
wie gut eine Membran funktioniert, wie lange sie hält <strong>und</strong> ob<br />
sie durch Nebenkomponenten angegriffen wird.»<br />
Die industrielle Produktion kann beginnen<br />
Die Dünnschichtmembranen werden derzeit noch in Hamburg<br />
am Hereon auf den selbst gebauten Maschinen hergestellt,<br />
vor denen Brinkmann nun steht <strong>und</strong> die Details erklärt.<br />
Industriell produziert wird hier allerdings nicht. Die<br />
Herstellung einer Charge von 150 Quadratmetern dauert<br />
etwa eine Woche. Doch eine britische Firma hat die Entwicklung<br />
in Hamburg seit einiger Zeit aufmerksam verfolgt <strong>und</strong><br />
den Bedarf in der Industrie erkannt. «Sie haben mit uns Lizenzverträge<br />
abgeschlossen <strong>und</strong> sind jetzt dabei, die Produktion<br />
<strong>und</strong> die Module aufzubauen, um diese stark nachgefragte<br />
Technologie anbieten zu können», erklärt Brinkmann.<br />
Neben der Beratung bei diesem Lizenzprojekt arbeitet<br />
Brinkmanns Team weiter daran, die Leistungsfähigkeit <strong>und</strong><br />
Langlebigkeit der Membranen zu verbessern. Ein Schwerpunkt<br />
liegt dabei auf der Optimierung der Gasvorbehand-<br />
lung, um die Membranen vor schädlichen Einflüssen zu<br />
schützen. Auch die Kombination von Membranen mit anderen<br />
Trennverfahren wie Adsorption oder Absorption ist ein<br />
wichtiges Forschungsfeld.<br />
Überhaupt arbeitet man daran, weitere interessante Felder<br />
für sich zu öffnen wie die Abtrennung von CO 2 ₂ aus Wasserstoff,<br />
Erdgas <strong>und</strong> Biogas. Hier sind zwar bereits kommerzielle<br />
Lösungen im Einsatz, aber es gibt immer noch Raum für<br />
Verbesserungen. «Grosses Potenzial sehe ich auch im Einsatz<br />
von Membranen in sogenannten Membranreaktoren<br />
für E-Fuels <strong>und</strong> Power-to-X-Projekte. Hier können Membranen<br />
helfen, die Reaktionsführung zu verbessern <strong>und</strong> höhere<br />
Ausbeuten zu erzielen. Das erfordert allerdings temperaturstabile<br />
Membranen, was für Polymermembranen eine Herausforderung<br />
darstellt – aber daran arbeiten wir», so Brinkmann.<br />
Nächstes Fernziel: Etablierung von Membranverfahren<br />
Ein Thema liegt Torsten Brinkmann besonders am Herzen:<br />
die Etablierung von Membranverfahren in der Industrie. Ein<br />
Hindernis hat er bereits ausgemacht: «Junge Verfahrensingenieure<br />
denken bei der Planung neuer Verfahren oft nicht<br />
automatisch an Membranverfahren, weil Membranen in den<br />
Gr<strong>und</strong>operationen der kommerziellen Fliessbildsimulatoren<br />
oft nicht enthalten sind. Deshalb wollen wir die Membrantechnik<br />
stärker etablieren <strong>und</strong> durch Modellierung <strong>und</strong><br />
Simulation mehr in den Fokus rücken.»<br />
Aber natürlich sind auch die klassischen Trenntechnologien<br />
in der chemischen Industrie sehr etabliert. Bei Trennverfahren<br />
denkt man automatisch an Destillation, Adsorption<br />
oder Gaswäsche. Membranen kommen selbst in<br />
Vorlesungen oft nur am Rande vor. Die grossen Industrieunternehmen<br />
haben zwar ihre Membranexperten, die aber<br />
oft erst spät in den Entwicklungsprozess eingeb<strong>und</strong>en werden.<br />
«Würden Membranen von Anfang an berücksichtigt,<br />
liessen sich oft kostengünstigere Lösungen finden», ist<br />
Brinkmann überzeugt.<br />
Die Membrananlage<br />
im Algenhaus<br />
Die Membrananlage dient dazu, dem Rauchgas einer<br />
Heizungsanlage CO 2 zu entziehen <strong>und</strong> dieses dabei auf Werte<br />
zwischen 35 <strong>und</strong> 50 mol-% aufzukonzentrieren, um es dann zur<br />
Algenkultivierung zu nutzen. Ein höherer CO 2 -Stoffmengenanteil<br />
ist für diese Anwendung nicht notwendig, daher kann die<br />
Anlage einstufig ausgeführt werden. Das von der Heizung<br />
abgegebene Rauchgas wird dem mit Kühlwasser betriebenen<br />
Wärmeaustauscher zugeführt. Etwaige Kondensate werden in<br />
einem Kondensatabscheider abgeführt.<br />
Insgesamt wurden in Untersuchungszeitraum vom Januar 2014<br />
bis Mai 2023 vier Membranmodule eingesetzt, wobei aufgr<strong>und</strong><br />
von Umbaumassnahmen der Betrieb zeitweise für insgesamt<br />
etwa 18 Monate ausgesetzt war.<br />
Bei der verwendeten Membran handelt es sich um eine aus<br />
mehreren Schichten aufgebaute Dünnfilmkompositmembran.<br />
Die trennaktive Schicht besteht aus einem dichten Film aus<br />
Polyethylenoxid/Polybutylenterephthalat-Blockcopolymer<br />
(PolyActiveTM), in dem Polyethylenoxid als CO 2 -selektiver,<br />
permeabler Block genutzt wird. Die
«BIOLOGISIERUNG DER INDUSTRIE» IM WELTWEITEN NETZ<br />
«BIOLOGISIERUNG DER INDUSTRIE» IM WELTWEITEN NETZ<br />
«EINER DER WICHTIGSTEN<br />
INNOVATIONSPFADE<br />
FÜR DIE NACHHALTIGE<br />
TRANSFORMATION»<br />
Keyword(s):<br />
Cost per Click:<br />
Biologisierung der Industrie<br />
0,11 CHF Biologisierung / 0,79 CHF Bionik<br />
Top 3-Plätze<br />
Die häufigsten Suchanfragen<br />
bei Google:<br />
im Netz:<br />
• isi.fraunhofer.de<br />
• Biologisierung einfach erklären<br />
• haute-innovation.com<br />
• Warum braucht es eine Biologisierung der Technik?<br />
• biologisierung-der-technik.de<br />
• Beispiele für Biologisierung in der Industrie<br />
Den nachhaltigen<br />
Wandel gestalten<br />
mit Biointelligenz<br />
Keyword: Biointelligenz, Fachbuch<br />
Kanal: Blog<br />
Quelle: Hanser-Verlag<br />
Bücher über Biointelligenz gibt es nicht viele. Doch dieser<br />
Tage ist im Hanser Verlag ein umfassendes Gr<strong>und</strong>lagenwerk<br />
in englischer Sprache erschienen mit dem Titel «Biointelligence.<br />
Basic considerations for sustainable production».<br />
Der Autor: Robert Miehe. Er ist Privatdozent am IFF<br />
der Universität Stuttgart <strong>und</strong> Forschungsbereichsleiter<br />
des Fraunhofer IPA.<br />
Auf der Plattform Biointelligenz.de erklärt der Autor, warum<br />
er das Buch geschrieben hat: «Die Biointelligenz ist als<br />
neue Leitvorstellung einer der wichtigsten Innovationspfade<br />
für die nachhaltige Transformation, die die Herausforderungen<br />
unserer Zeit adäquat adressiert. Um das Thema<br />
künftigen Entscheidungsträger*innen näherzubringen,<br />
habe ich dieses Gr<strong>und</strong>lagenwerk zur Biointelligenz geschrieben.<br />
Auf 438 Seiten entfaltet sich der riesige Innovations-Komplex<br />
der Biointelligenten Wertschöpfung. Dabei<br />
werden nicht nur technologische, sondern auch philosophische,<br />
gesellschaftliche <strong>und</strong> politische Aspekte ausführlich<br />
behandelt.<br />
Meine gr<strong>und</strong>legenden Überlegungen für eine nachhaltige<br />
Produktion bilden die Basis für das kommende Paradigma<br />
der Biointelligenz, das wir im Hause IFF <strong>und</strong> IPA intensiv<br />
beforschen. Ich habe dieses Werk in Form eines Hochschullehrbuchs<br />
aufgebaut, das den Wissenstransfer in der akademischen<br />
Lehre unterstützen soll.<br />
Zur Zielgruppe gehören neben<br />
Studierenden <strong>und</strong> Nachwuchswissenschaftler*innen<br />
aber auch<br />
Personen, die sich für eine Reorientierung<br />
der klassischen Denkweisen<br />
in der industriellen Produktion<br />
einsetzen.»<br />
Bild: Hanser-Verlag<br />
MIT-Forscher entschlüsseln<br />
die Entstehung<br />
komplexer Schmetterlingsschuppen<br />
Keyword: Bionik, Oberflächentechnik, Werkstoffe<br />
Kanal: Blog<br />
Quelle: Cell Reports Physical Science<br />
Schmetterlingsflügel sind mit H<strong>und</strong>erttausenden mikroskopisch<br />
kleiner Schuppen bedeckt, die für ihren Glanz <strong>und</strong><br />
ihre Funktionalität verantwortlich sind. Ein Team des MIT<br />
hat nun die ersten Momente der Metamorphose eines<br />
Schmetterlings dokumentiert, in denen diese Schuppen<br />
ihre charakteristischen Wellenmuster entwickeln.<br />
Mit Hilfe moderner bildgebender Verfahren konnten sie<br />
beobachten, wie sich die glatte Oberfläche einer sich entwickelnden<br />
Schuppe in mikroskopisch kleine parallele Wellen<br />
kräuselt. Dieser Prozess, der durch mechanisches «Knicken»<br />
hervorgerufen wird, bildet die Gr<strong>und</strong>lage für die späteren<br />
Rippenstrukturen, die für die optischen <strong>und</strong> thermischen<br />
Eigenschaften der Schuppen verantwortlich sind.<br />
Die Forscher vermuten, dass Aktinbündel, die als Gerüst<br />
unter der Schuppenmembran fungieren, eine entscheidende<br />
Rolle bei der Entstehung dieser Strukturen spielen. Durch<br />
ein theoretisches Modell konnten sie zeigen, dass mechanisches<br />
Knicken das Wachstum der Schuppen beeinflusst <strong>und</strong><br />
die wellenförmigen Muster erzeugt. Diese Erkenntnisse<br />
könnten zu neuen Ansätzen in der Entwicklung von Materialien<br />
mit massgeschneiderten Eigenschaften führen, die<br />
in Textilien, Gebäudeoberflächen <strong>und</strong> Fahrzeugen Anwendung<br />
finden könnten.<br />
Das Team hofft, durch das Verständnis dieser natürlichen<br />
Prozesse nachhaltige Funktionsmaterialien mit speziellen<br />
optischen, thermischen, chemischen <strong>und</strong> mechanischen<br />
Eigenschaften herstellen zu können.<br />
Zum Report (englisch):<br />
74 #<strong>028</strong><br />
#<strong>028</strong> 75
«BIOLOGISIERUNG DER INDUSTRIE» IM WELTWEITEN NETZ<br />
Internationaler<br />
Benchmark zur<br />
Biointelligenz<br />
Keyword: Biointelligenz, Studie<br />
Kanal: Blog<br />
Quelle: Fraunhofer IPA<br />
Bild: Benchmark Biointelligenz<br />
Es gibt Rankings, in denen sich die Schweiz nicht profilieren<br />
kann. Im Bereich «Biointelligenz» taucht sie nicht einmal<br />
unter den Top 11 auf. Dennoch ist das Ranking spannend,<br />
ebenso wie die dazugehörige grossangelegte<br />
internationale Benchmarking-Studie, die das Fraunhofer<br />
IPA gemeinsam mit der VDMA Services GmbH <strong>und</strong> den Universitäten<br />
Hohenheim <strong>und</strong> Stuttgart durchgeführt hat.<br />
Die Studie analysiert technologische Entwicklungen in<br />
den Konvergenzbereichen zwischen Natur, Technik <strong>und</strong> Informatik<br />
<strong>und</strong> bewertet 17 wesentliche Technologiefelder<br />
nach ihrem aktuellen Umsetzungsstand in der Industrie.<br />
Diese Entwicklungen könnten sowohl neue Industrien hervorbringen<br />
als auch bestehende Industrien verändern.<br />
Zur kostenlosen Studie<br />
Der Biointelligenz-<br />
Kongress 2024<br />
Keyword: Biointelligenz, Events<br />
Kanal: Blog<br />
Quelle: Fraunhofer IPA<br />
Am 22. Oktober 2024 findet der 2. Biointelligence Kongress<br />
im Stuttgarter Rathaus statt. Unter dem Motto «Biointelligenz<br />
– Aktueller Stand <strong>und</strong> Zukunftsperspektiven» bietet<br />
der Kongress eine globale Perspektive auf den biologischen<br />
Wandel der Industrie. Im Mittelpunkt stehen innovative Ansätze,<br />
um die Produktion nachhaltig zu gestalten, ohne den<br />
Wohlstand zu gefährden.<br />
Die Veranstaltung gliedert sich in vier Schwerpunkte, darunter<br />
Biointelligente Produktionssysteme mit der Frage:<br />
Wie können nachwachsende Rohstoffe durch intelligente<br />
biotechnologische Prozesse effizient genutzt werden?<br />
Im Rahmen des Kongresses wird erstmals der Wittenstein<br />
Biointelligence Award für herausragende Innovationen<br />
an der Schnittstelle von Biotechnologie <strong>und</strong> Informationstechnologie<br />
verliehen. Der Preis ist mit 20 000 Euro für<br />
Unternehmen <strong>und</strong> 5000 Euro für Einzelpersonen dotiert.<br />
Bionisches Werkzeugdesign<br />
von Ingersoll<br />
Keyword: Bionik, Werkzeuge, 3D-Druck<br />
Kanal: Blog<br />
Quelle: Ingersoll<br />
Auch Werkzeughersteller<br />
können von der Natur<br />
lernen. So hat die<br />
Ingersoll Werkzeuge<br />
GmbH im vergangenen<br />
Jahr eine neue<br />
Werkzeugentwicklung<br />
Bild: Ingersoll<br />
vorgestellt, die sich die<br />
Prinzipien der Bionik zunutze macht. Das Ergebnis sind<br />
Werkzeuge, die an biologische Strukturen wie Knochen oder<br />
Bäume erinnern.<br />
Diese bionischen Formen sind nicht nur ästhetisch, sondern<br />
auch funktional: Sie optimieren die Lastverteilung <strong>und</strong><br />
reduzieren den Materialverbrauch.<br />
Herausgekommen ist ein erstes Demonstrationsobjekt:<br />
ein eher kleines Fasenwerkzeug für 75-Grad-Fasen mit einem<br />
Durchmesser von 30 mm. Das Aussergewöhnliche daran:<br />
Sein Gewicht konnte durch die bionische Formgebung<br />
fast halbiert werden.<br />
Weitere Anwendungsgebiete für Ingersoll Bionic, so<br />
schrieb das Unternehmen, dürften aber in Zukunft eher<br />
grössere Spezialwerkzeuge sein. Denn je nach Konstruktion,<br />
so die Erwartung, lasse sich bei diesen noch mehr Gewicht<br />
einsparen.<br />
Festo gelingt<br />
sogar der Bienenschwarmflug<br />
Keyword: Bionik, Flugobjekt, Schwarmverhalten<br />
Kanal: Youtube<br />
Quelle: Festo<br />
IHR PARTNER<br />
AUF AUGENHÖHE<br />
Die TOLUS Group vereint die Fachkompetenz<br />
von drei etablierten <strong>und</strong><br />
erfolgreichen Anbietern von Gesamtlösungen<br />
im Bereich der Fertigungsindustrie<br />
unter einem Dach.<br />
Mit starken Marken decken wir die Bedürfnisse der Industrie<br />
optimal ab. Wir setzen Akzente mit Präzision, Qualität<br />
<strong>und</strong> Zuverlässigkeit für höchste Ansprüche. Durch innovative<br />
Ideen, neuzeitliches Management <strong>und</strong> nachhaltige<br />
Über legungen sind wir das ideale Partnerunternehmen.<br />
Erfahren Sie mehr<br />
über uns:<br />
Wer an Bionik <strong>und</strong> gleichzeitig an ein Industrieunternehmen<br />
denkt, dem fällt sicher der Name Festo ein. Das Unternehmen<br />
ist bekannt für seine verblüffenden Flugobjekte:<br />
Schwalbe, Schmetterling, Libelle, Vogel <strong>und</strong> Flugh<strong>und</strong> waren<br />
schon an der Reihe. Jetzt ist es eine 22 Zentimeter grosse<br />
<strong>und</strong> 34 Gramm leichte Biene.<br />
Mit der BionicBee hat das Bionik-Team erstmals ein<br />
Flugobjekt entwickelt, das in grosser Zahl <strong>und</strong> völlig autonom<br />
im Schwarm fliegen kann.<br />
Das autonome Verhalten des Bienenschwarms wird<br />
durch ein Indoor-Ortungssystem mit Ultra-Wideband-Technologie<br />
(UWB) ermöglicht. Dazu werden acht UWB-Anker<br />
auf zwei Ebenen im Raum installiert. Dadurch ist eine präzise<br />
Laufzeitmessung möglich <strong>und</strong> die Bienen können sich<br />
im Raum lokalisieren.<br />
Die UWB-Anker senden Signale an die einzelnen Bienen,<br />
die selbstständig die Abstände zu den jeweiligen Sendeelementen<br />
messen <strong>und</strong><br />
anhand der Zeitstempel<br />
ihre eigene<br />
Position im Raum berechnen<br />
können.<br />
Um im Schwarm zu fliegen, folgen<br />
die Bienen den von einem zentralen<br />
Rechner vorgegebenen Pfaden. Für<br />
einen sicheren <strong>und</strong> kollisionsfreien<br />
Flug in enger Formation ist<br />
eine hohe räumliche <strong>und</strong> zeitliche<br />
Genauigkeit erforderlich. Auch die mögliche gegenseitige<br />
Beeinflussung durch Luftverwirbelungen («down-wash»)<br />
muss bei der Flugwegplanung berücksichtigt werden.<br />
Da jede Biene von Hand gebaut wird <strong>und</strong> kleinste Unterschiede<br />
in der Fertigung das Flugverhalten beeinflussen<br />
können, verfügen die Bienen zudem über eine automatische<br />
Kalibrierfunktion: Nach einem kurzen Testflug ermittelt<br />
jede Biene ihre individuell optimierten Reglerparameter.<br />
Der intelligente Algorithmus kann so die Hardware-Unterschiede<br />
zwischen den einzelnen Bienen herausrechnen<br />
<strong>und</strong> der gesamte Schwarm kann von aussen so gesteuert<br />
werden, als wären alle Bienen identisch.<br />
Video:<br />
76 #<strong>028</strong><br />
TOLUS AG<br />
Grüttstrasse 106<br />
4562 Biberist<br />
032 674 41 11<br />
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BROMATEC<br />
#<strong>028</strong> 77
KÜHLSCHMIERMITTEL<br />
SMARTES KSS-<br />
MANAGEMENT MIT<br />
AUTOPILOT<br />
schmierstoff auf ein Minimum reduziert. Das Unternehmen<br />
wurde 2018 gegründet <strong>und</strong> ist eine Schwesterfirma des KSS-<br />
Herstellers Blaser Swisslube.<br />
«Der Aufbau des Systems ist relativ einfach», erklärt Rolf<br />
Schneider, Head of Team Services bei Blaser Swisslube, «jede<br />
Maschine erhält einen Messsensor, der in regelmässigen Abständen<br />
die Konzentration <strong>und</strong> Temperatur überprüft.» An<br />
diesen Sensor ist ein Extender gekoppelt, dessen Aufgabe es<br />
ist, den Füllstand kontinuierlich zu überwachen. Aus diesen<br />
Daten errechnet das System, wie viel KSS in welcher Konzentration<br />
benötigt wird.<br />
Der Bedarf wird an die Fülleinheit übermittelt, die den KSS<br />
automatisch in der erforderlichen Konzentration mischt <strong>und</strong><br />
der Maschine über den Extender zuführt. Das System ist übrigens<br />
nicht nur mit Blaser Kühlschmierstoffen kompatibel,<br />
sondern auch mit Produkten anderer Hersteller.<br />
Als modulares System können sowohl einzelne Anwendungen<br />
als auch mehrere Maschinen an ein System angeschlossen<br />
werden. Die erfassten Daten werden zuverlässig<br />
<strong>und</strong> sicher in der Cloud gespeichert. Abweichungen werden<br />
frühzeitig erkannt <strong>und</strong> entsprechende Massnahmen wie das<br />
kontinuierliche Nachfahren eingeleitet, so dass es nicht zu<br />
ungewollten Spitzen in der Kühlschmierstoffkonzentration<br />
kommt. «Mit dem AutoPilot im Einsatz sinkt der Kühlschmierstoffverbrauch<br />
nachweislich um bis zu 40 Prozent»,<br />
sagt Rolf Schneider.<br />
Ein Beispiel aus der Praxis<br />
An einer Maschine, an der hauptsächlich Kleinserien aus<br />
Edelstahl gefertigt werden <strong>und</strong> die in der Regel im Zweischichtbetrieb<br />
läuft, hält der AutoPilot die Konzentration<br />
sehr stabil bei einem Mittelwert von 8,13 Prozent mit Unter<strong>und</strong><br />
Obergrenzen von 7,9 <strong>und</strong> 8,4 Prozent.<br />
Eine Vorher-Nachher-Rechnung: Im Jahr 2022 wurden an<br />
dieser Maschine 212 Nachfüllvorgänge manuell durchgeführt.<br />
Pro Nachfüllvorgang benötigte ein Mitarbeiter r<strong>und</strong> 20<br />
Minuten, um 96 Liter Kühlschmierstoff mit einer Konzentration<br />
von 1,52 Prozent manuell zur Maschine zu bringen <strong>und</strong><br />
nachzufüllen. Dies summierte sich auf 71 Arbeitsst<strong>und</strong>en<br />
pro Jahr, die allein an dieser einen Maschine für das Anmischen<br />
<strong>und</strong> Einfüllen der benötigten Nachfüllmenge aufgewendet<br />
wurden.<br />
Mit der Automatisierung derselben Anlage ein Jahr später:<br />
Innerhalb von 12 Monaten wurden 1022 Nachfüllzyklen<br />
durchgeführt. Im Durchschnitt wurden nicht mehr 96 Liter,<br />
sondern 23 Liter mit einer Konzentration von 0,83 Prozent<br />
pro Zyklus nachgefüllt, das heisst, es wurde deutlich weniger<br />
KSS-Konzentrat in das System eingebracht. Der Zeitaufwand<br />
eines Mitarbeiters pro Nachfüllzyklus konnte auf nahezu<br />
Null reduziert werden.<br />
«Abo-Modell kommt sehr gut an»<br />
Wer dennoch die Anfangsinvestition scheut, kann auf ein<br />
neues Servicemodell zurückgreifen: das Abonnement. «Das<br />
Abo-Modell kommt sehr gut an, weil es den heutigen Bedürfnissen<br />
entspricht», sagt Rolf Schneider. «Die Investitionskosten<br />
sind gering, da nur ein Wasser- <strong>und</strong> Stromanschluss<br />
sowie WLAN benötigt werden.»<br />
www.blaser.com<br />
www.liquidtool.com<br />
Der AutoPilot von Liquidtool optimiert das Kühlschmierstoffmanagement<br />
in Werkstätten durch automatisierte Konzentrationskontrolle<br />
<strong>und</strong> reduziert den Verbrauch um bis zu 40 Prozent.<br />
Wer kennt dieses Bild nicht aus vielen Werkstätten:<br />
Am Freitagnachmittag herrscht<br />
Aufräumstimmung, die Maschinen werden<br />
gereinigt <strong>und</strong> der Auszubildende oder Maschinenführer<br />
misst mit einem Refraktometer die aktuelle<br />
Konzentration des Kühlschmierstoffs (KSS). Er holt Nachschub,<br />
füllt entsprechend auf – <strong>und</strong> schon ist alles perfekt<br />
vorbereitet für den kommenden Wochenanfang.<br />
Oder doch nicht?<br />
Manuelles Kontrollieren <strong>und</strong> Nachfüllen ist zeitaufwändig<br />
Man kann sich leicht vorstellen, was passiert, wenn die Maschinen<br />
am Montag wieder laufen. Die Verdunstung des<br />
wassermischbaren KSS hat begonnen <strong>und</strong> die Konzentration<br />
steigt kontinuierlich an. Liegt die Ausgangskonzentration<br />
beispielsweise noch bei optimalen 8 Prozent – falls man<br />
Von Eugen Albisser<br />
mit etwas Erfahrung beim Nachfüllen diesen Wert auch erreicht<br />
–, kann sie am Freitagnachmittag vor dem Nachfüllen<br />
bei etwa 12 oder gar 13 Prozent liegen.<br />
Hinzu kommt: Eine grosse Menge Kühlschmierstoff auf<br />
einmal in das System zu geben, kann sich negativ auf den<br />
Prozess auswirken, da Maschine <strong>und</strong> KSS nicht gut auf Temperaturschwankungen<br />
reagieren.<br />
Rechnet man den Zeitaufwand für die Kontrolle <strong>und</strong> das<br />
Nachfüllen sowie die Auswirkungen auf den Zerspanungsprozess<br />
zusammen, liegt die Überlegung nahe: Warum nicht<br />
den Nachfüllvorgang automatisieren?<br />
R<strong>und</strong> um die Uhr einen optimalen KSS-Zustand<br />
Genau das dachten sich vor einigen Jahren die Entwickler<br />
der Firma Liquidtool – <strong>und</strong> entwickelten den «AutoPilot»,<br />
ein System, das Konzentrationsschwankungen im Kühl-<br />
«Mit dem<br />
AutoPilot<br />
reduziert sich<br />
der Kühlschmierstoffverbrauch<br />
nachweislich<br />
um bis zu<br />
40 Prozent.»<br />
Rolf Schneider (links)<br />
Head of Team Services bei Blaser<br />
Swisslube, Bild: Blaser Swisslube<br />
78 #<strong>028</strong><br />
#<strong>028</strong> 79
FERTIGUNGS<strong>TECHNIK</strong><br />
Lesen Sie<br />
das Interview<br />
zu diesem Beitrag<br />
unter<br />
www.technik<strong>und</strong>-wissen.ch.<br />
AUF DEM WEG ZUR<br />
BATTERIE DER VIERTEN<br />
GENERATION<br />
Fehlende Reichweite <strong>und</strong> lange Ladezeiten sind Gründe,<br />
wieso die Elektromobilität nicht richtig Fahrt aufnehmen will.<br />
Im EU-Forschungsprojekt HIDDEN suchten die Projektbeteiligten<br />
nach Lösungen, um diese Einschränkungen zu beseitigen. Aufgabe<br />
der BFH in dieser Allianz: die fertigungstechnische Umsetzung der<br />
neu gewonnenen Erkenntnisse.<br />
Von Markus Back<br />
Blick in die Fertigungszelle zum<br />
Bau von Autobatterien der<br />
vierten Generation. Im Vergleich<br />
zur Industrie ist die Anlage nicht<br />
auf Geschwindigkeit, sondern<br />
80 #<strong>028</strong><br />
auf Flexibilität ausgelegt.<br />
Heutige Elektroautos beziehen die benötigte Leistung<br />
meist aus Batterien vom Typ 3A oder 3B. Diese<br />
sind für 2000 Ladezyklen ausgelegt <strong>und</strong> bewegen<br />
damit ein Auto mehrere h<strong>und</strong>erttausend<br />
Kilometer fort – also ein Fahrzeugleben lang. Dennoch ist<br />
die Reichweite pro Ladung vielen potenziellen Nutzern zu<br />
knapp, sodass der Umstieg vom Verbrenner nicht wirklich<br />
an Schwung gewinnt.<br />
«Wenn man eine eingeschränkte Reichweite hat, möchte<br />
man zumindest schnell laden können», erzählt Prof. Dr. Axel<br />
Fuerst vom Institut für Intelligente Industrielle Systeme des<br />
Departments Technik <strong>und</strong> Informatik der Berner Fachhochschule<br />
Burgdorf. Als Projektverantwortlicher koordinierte<br />
er die Zusammenarbeit mit den anderen Partnern in dem<br />
internationalen Forschungsprojekt.<br />
Verschiedene Optimierungsansätze<br />
Doch genau dieses Schnellladen vertragen die Batterien der<br />
dritten Generation nicht so gut. Dieses beschleunigt unter<br />
anderem deren Alterung <strong>und</strong> verkürzt zudem deren Reichweite.<br />
Daraus ergeben sich für die Entwicklung der vierten<br />
Batteriegeneration verschiedene Ansätze. «Ein Ansatz geht<br />
dahin, Batterien mit grösserer Kapazität <strong>und</strong> somit einer höheren<br />
Reichweite zu bauen. Ein anderer Ansatz belässt die<br />
Grösse der Batterien weitestgehend <strong>und</strong> optimiert diese für<br />
ein schnelleres Laden», so Michael Stalder von der BFH.<br />
Der erste Ansatz, die Leistungsfähigkeit der Batterie zu erhöhen,<br />
beruht darauf, den bestehenden Bauraum effizienter<br />
zu nutzen. Daher verzichten die Forschenden auf die Graphitschichten,<br />
die beim Ladevorgang die Ionen aufnehmen.<br />
Stattdessen werden die Ionen nun direkt auf dem Lithium-<br />
Metall aufgelegt. Da so innerhalb einer Batterie mehrere Dutzend<br />
Schichten Graphitschichten entfallen, entsteht Raum<br />
für zusätzliche Speicherkapazitäten. «So lässt sich bei gleichem<br />
Bauraum ohne zusätzliches Gewicht deutlich mehr<br />
Energie speichern», beschreibt Axel Fuerst den Vorteil.<br />
Lösungen gegen Dendritenbildung<br />
Doch wo Licht ist, da ist auch Schatten! Diesen beschreibt Projektleiter<br />
Michael Stalder so: «Das ungelöste Problem dabei ist,<br />
dass sich Lithium nicht homogen ablagert <strong>und</strong> Dendriten bildet,<br />
die durch den Separator wachsen <strong>und</strong> Kurzschlüsse verursachen.»<br />
Die Dendriten müssen dabei nicht sonderlich hoch<br />
sein, um eine Batterie zu zerstören. Je nach Stärke des Separators<br />
genügen bereits einige wenige Mikrometer, um diese ins<br />
Nirvana zu befördern. Da sich die Dendriten schnell bilden, ist<br />
die Lebensdauer der Lithium-Metall-Batterien auf r<strong>und</strong> einh<strong>und</strong>ert<br />
Ladezyklen begrenzt. Damit ist dieser Ansatz von der<br />
Lebensdauer der Batterien vom Typ 3 noch weit entfernt.<br />
Damit Lithium-Metall-Batterien eines Tages die Forderung<br />
nach grösserer Reichweite erfüllen, muss also die Dendritenbildung<br />
verhindert werden. Eine Möglichkeit ist es, den<br />
#<strong>028</strong> 81
FERTIGUNGS<strong>TECHNIK</strong><br />
Funktionsweise Autobatterie<br />
Wenn ein Elektromotor über einen Akku angetrieben wird,<br />
fliesst durch ihn ein Strom aus negativ geladenen<br />
Elektronen, die vom Minuspol gespeist werden. Parallel<br />
dazu fliessen innerhalb der Batteriezelle die positiv<br />
geladenen Lithium-Ionen von der Anode zur Kathode.<br />
Hierfür müssen die Lithium-Ionen ihren Weg durch den<br />
Separator bahnen, der dafür sorgt, dass ausschliesslich<br />
Ionen <strong>und</strong> keine Elektronen passieren können, denn das<br />
würde zu einem Kurzschluss im Zellinneren führen. Der<br />
Elektrolyt ist hierbei Trägerstoff für die Lithium-Ionen.<br />
Beim Aufladen läuft der Prozess umgekehrt ab: Innerhalb<br />
der Batteriezelle werden die positiv geladenen Lithium-Ionen<br />
von der Kathode zur Anode transportiert, während in<br />
der Gegenrichtung über das Ladekabel die negativ<br />
geladenen Elektronen, also der Ladestrom, fliesst.<br />
Jedes Be- <strong>und</strong> Entladen geht nicht spurlos am Akku vorbei,<br />
es bilden sich, je nachdem wie schonend das erfolgt,<br />
innerhalb der Zelle Kristalle. Diese Dendriten beschädigen<br />
im schlimmsten Falle den Separator <strong>und</strong> es kommt zum<br />
Kurzschluss <strong>und</strong> somit zur Zerstörung der Zelle.<br />
Michael Stalder <strong>und</strong> Axel Fuerst (rechts) von der BFH Burgdorf<br />
wissen ganz genau, auf was es beim Bau der Autobatterien der<br />
vierten Generation ankommt.<br />
Separator so zu gestalten, dass er die Dendriten einfach<br />
schmilzt. «Eine andere ist ein piezoelektrischer Effekt, bei<br />
dem sich das Potential durch Deformation verändert <strong>und</strong><br />
sich Lithium nicht dort ablagert, wo schon Dendriten sind»,<br />
erklärt Axel Fuerst.<br />
Diese Selbstteilungsprozesse passieren automatisch, erfordern<br />
hierfür aber eine Sensorüberwachung der Batteriezellen.<br />
Das gilt insbesondere für die Methode, bei der sich<br />
die Batterie erwärmt, die Kristalle schmilzt beziehungsweise<br />
bricht <strong>und</strong> diese abschliessend neu anordnet.<br />
Herausforderung Prozessskalierung<br />
Was hier kurz <strong>und</strong> knapp beschrieben ist, erfordert eine<br />
Vielzahl von Disziplinen für die Entwicklung. «Es braucht<br />
unter anderem Materialwissenschaftler, Chemieingenieure<br />
<strong>und</strong> Experten, die eine Batterie im relevanten Format bauen<br />
können», sagt Michael Stalder <strong>und</strong> ergänzt: «Wir verstehen<br />
uns auf Letzteres!»<br />
Wieso es diese Expertise überhaupt braucht, ist schnell erklärt:<br />
Die Materialforschung arbeitet unter Idealbedingungen.<br />
Daher sind die Batterien im Labor meist kaum grösser<br />
als Knopfzellen. Geht es nun darum, die Forschungsergebnisse<br />
auf ein grösseres Format zu übertragen, geht das nicht<br />
problemlos.<br />
«Mit dem piezoelektrischen<br />
Effekt lässt sich<br />
die Dendritenbildung<br />
vermeiden.»<br />
Prof. Dr. Axel Fuerst, BFH Burgdorf<br />
Die Schwierigkeiten beim Skalieren der Prozesse beginnen<br />
dabei mit ganz banalen Dingen. «Presst man beispielsweise<br />
zwei Flächen aufeinander <strong>und</strong> möchte auf diesen eine<br />
gleichmässige Beanspruchung haben, geht das mit einer<br />
kleineren Auflagefläche deutlich einfacher», weiss Axel Fuerst:<br />
«Eine grosse Fläche wirft hingegen Wellen, was das<br />
Stapeln von Folien zu mehreren Schichten erheblich erschwert.»<br />
Als ein weiteres Problem benennt der Projektverantwortliche<br />
das Schneiden der mit Lithium beschichteten Folien,<br />
da sich das Element leicht entzündet. «Daher mussten wir<br />
ein Verfahren entwickeln, bei dem wir mit Laser schneiden<br />
können, ohne dabei die Anlage in Brand zu setzen», so Axel<br />
Fuerst.<br />
Die gef<strong>und</strong>ene Lösung ist eigentlich recht einfach. Es muss<br />
mit entsprechend schneller Geschwindigkeit mit dem Laser<br />
gearbeitet werden. Einen Arbeitsraum mit Vakuum oder Argon,<br />
die prozesstechnisch der Idealfall wären, ist gar nicht<br />
erforderlich.<br />
Automatischer Selbstheilungsprozess<br />
Ebenfalls bedurfte es einiger Versuche, um eine Lösung zu<br />
finden, die es gestattet, die Dendriten abzubauen – schliesslich<br />
kann man die Batterie nicht ausbauen <strong>und</strong> den Ofen legen!<br />
In den Zellen aufgedampfte Schaltspiralen dienen beim<br />
automatisch ausgelösten Selbstheilungsprozess nun als Widerstandsheizung.<br />
Inzwischen hat die BFH sämtliche Probleme, die es zur<br />
Herstellung der neuen, vierten Batteriegeneration zu lösen<br />
gilt, behoben <strong>und</strong> in ihre Fertigungslinie integriert. Diese ist<br />
dabei aber nicht etwa auf maximale Geschwindigkeit ausgelegt,<br />
wie sie die Industrie fordert, sondern auf maximale<br />
Flexibilität. «Theoretisch könnten wir Batterien für den Renault<br />
Zoe herstellen, begnügen uns aber mit Batterien im<br />
Handyformat», sagt Axel Fuerst. Der Gr<strong>und</strong> hierfür sind die<br />
Materialkosten: Würde die BFH bei ihren Versuchen Autobatterien<br />
fertigen, wäre das Budget bereits nach wenigen<br />
Tagen verbraucht.<br />
Wissenstransfer in die Industrie<br />
Von den gewonnenen Kenntnissen profitieren übrigens<br />
nicht nur die Partner innerhalb des HIDDEN-Projekts. Immer<br />
häufiger suchen Fertigungsunternehmen bei der BFH<br />
Rat, weil sie aus Kostengründen ihre Prozesse umstellen.<br />
«Wenn Sie nicht weiter wissen, kommen sie zu uns», berichtet<br />
Axel Fürst. Als Beispiel für den Wissenstransfer nennt er<br />
den Umstieg von teuren, verschleissanfälligen Stanzwerkzeugen<br />
auf Laser.<br />
Und wie bewertet er persönlich die Teilnahme an dem<br />
dreijährigen Forschungsprojekt? «Für uns war es toll, dass<br />
wir als eine Fachhochschule in diese Domäne eindringen<br />
konnten», so Axel Fuerst: «Dass wir eine Nische gef<strong>und</strong>en<br />
haben, in der wir auf europäischem Niveau mithalten können,<br />
ist für uns eine grossartige Erfahrung.»<br />
Berner Fachhochschule BFH<br />
Institut für Intelligente Industrielle Systeme<br />
www.bfh.ch<br />
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Jeder hat eine zweite<br />
Chance verdient<br />
Schicken Sie Ihren Schaltschrank in den Ruhestand<br />
Zero Cabinet: Automatisierung neu gedacht