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FINE - Das Weinmagazin - 66. Ausgabe - 03/2024

Hauptthema: BORDEAUX Château Smith Haut Lafitte: Lust an Experimenten Weitere Themen dieser Ausgabe EDITORIAL Gewundene Lebensläufe, geradlinige Weine SIZILIEN Alberto Graci: Farbwechsel auf schwarzer Erde SIZILIEN Idda: Die weiße Seite des Vulkans DIE GLORREICHEN SIEBEN Prunkstücke von Antinori DAS GROSSE DUTZEND Chateau Musar im Libanon TASTING Château Lascombes: So schmeckt der Wandel APERITIF Der fertig gemixte Negroni Conte Camillo WEIN & SPEISEN Jürgen Dollase isst in der Löffelspitze in Damüls GENIESSEN Der Käse Salers: Symbiose im Zentralmassiv CHAMPAGNE Moët & Chandon: Die jüngste Grand-Vintage-Trilogie PORTRÄT Marco Simonit: Rebschnitt auf die sanfte Tour DIE PIGOTT-KOLUMNE Mein Leben mit dem Kult-Riesling »J« OREGON Lingua Franca: Qualität versteht jeder PORTRÄT Fachhändler Morandell: Tiroler Tor zur Weinwelt WEIN & ZEIT Die Weinkultur der Steiermark im 19. Jahrhundert TASTING Kendall-Jacksons Vérité: Kalifornische Feinarbeit CHAMPAGNE Laurent-Perriers neue Klasse Héritage INTERVIEW Der Münchner Feinkost-König Michael Käfer ABGANG Winzer, werde wesentlich!

Hauptthema: BORDEAUX Château Smith Haut Lafitte: Lust an Experimenten

Weitere Themen dieser Ausgabe
EDITORIAL Gewundene Lebensläufe, geradlinige Weine
SIZILIEN Alberto Graci: Farbwechsel auf schwarzer Erde
SIZILIEN Idda: Die weiße Seite des Vulkans
DIE GLORREICHEN SIEBEN Prunkstücke von Antinori
DAS GROSSE DUTZEND Chateau Musar im Libanon
TASTING Château Lascombes: So schmeckt der Wandel
APERITIF Der fertig gemixte Negroni Conte Camillo
WEIN & SPEISEN Jürgen Dollase isst in der Löffelspitze in Damüls
GENIESSEN Der Käse Salers: Symbiose im Zentralmassiv
CHAMPAGNE Moët & Chandon: Die jüngste Grand-Vintage-Trilogie
PORTRÄT Marco Simonit: Rebschnitt auf die sanfte Tour
DIE PIGOTT-KOLUMNE Mein Leben mit dem Kult-Riesling »J«
OREGON Lingua Franca: Qualität versteht jeder
PORTRÄT Fachhändler Morandell: Tiroler Tor zur Weinwelt
WEIN & ZEIT Die Weinkultur der Steiermark im 19. Jahrhundert
TASTING Kendall-Jacksons Vérité: Kalifornische Feinarbeit
CHAMPAGNE Laurent-Perriers neue Klasse Héritage
INTERVIEW Der Münchner Feinkost-König Michael Käfer
ABGANG Winzer, werde wesentlich!

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neue Möglichkeiten im Weinbau. An diesem Morgen hat er<br />

sich entschlossen, seinen »heimlichen Keller« zu zeigen, der<br />

unauffällig in der Waldlandschaft verankert ist. Der »Stealth<br />

Cellar« wurde in einer Grube versenkt, in der lange Zeit Kies<br />

abgebaut worden war – Cathiard nimmt die Landschaft, wie<br />

sie ist, und will sie nicht unnötig modellieren.<br />

Dieser Keller für die Zweitweine von Smith Haut Lafitte, der<br />

nur mit erneuerbarer Energie betrieben wird, soll der Öffentlichkeit<br />

erst im kommenden Frühjahr vorgestellt werden. »Ich<br />

zeige nicht gerne unfertige Projekte«, sagt Cathiard, zumal er<br />

hier ein spezielles Experiment verfolgt: <strong>Das</strong> umweltschädliche<br />

Kohlendioxid aus der Weinerzeugung wird in Natriumsalz<br />

umgewandelt, das auch bei der Algenproduktion verwendet<br />

werden kann – für das Bordelais ein nahezu revolutionärer<br />

Ansatz. »Der heimliche Keller<br />

ist die Zukunft von Lafitte«,<br />

erklärt der Daniel Düsentrieb<br />

unter den Bordeaux­Winzern,<br />

der bei diesem Gang durch<br />

sein jüngstes Projekt sichtlich<br />

auflebt.<br />

Sein Château ist ein<br />

au ßergewöhnlicher Solitär<br />

in der Re gion. Smith Haut<br />

Lafitte ging stets einen Sonderweg,<br />

seit Daniel Cathiard<br />

und seine Frau Florence es<br />

1990 übernahmen. Ohne Wissen<br />

vom Weinbau, dafür aber<br />

mit dem unbändigen Willen<br />

und Ehrgeiz, etwas Großes<br />

entstehen zu lassen, zogen die<br />

beiden ins Bordelais, dessen<br />

Bewohner ihnen erst einmal<br />

die kalte Schulter zeigten. Die<br />

Nachbarschaft ging auf Distanz<br />

zu den Ankömmlingen –<br />

die alteingesessene »Korkenaristokratie«,<br />

wie Florence<br />

Cathiard spöttelt, betrachtete<br />

sie zunächst als neureiche<br />

Eindringlinge. Aber die Cathiards sind aus einem ganz eigenen<br />

Holz geschnitzt: Beide waren Leistungssportler und zählten<br />

zum französischen Ski­Nationalteam, Daniel Cathiard gehörte<br />

in den 1960ern sogar zweimal dem französischen Olym pia­<br />

Kader an. Doch als sein Vater 1970 unerwartet starb, musste<br />

er mit 25 Jahren aus dem Profisport aussteigen und die kleine<br />

Kette von Lebensmittelgeschäften übernehmen, die er von<br />

ihm geerbt hatte.<br />

Auch abseits der Skipisten machte das junge Paar bald<br />

Karriere: Während er eine der größten Supermarktketten in<br />

Frankreich und ein weltweites Netz von Sportartikelgeschäften<br />

aufbaute, leitete sie eine bekannte Marketingagentur. Mit<br />

45 verkaufte Daniel Cathiard 1989 seine Unternehmen und<br />

orientierte sich um, die Lust auf Entdeckungen war immer<br />

schon sein größter Antrieb gewesen. »Ich war viel zu jung für<br />

die Rente«, sagt der heute noch rastlose Château­Besitzer –<br />

und das Abenteuer Wein reizte ihn gewaltig. Er hatte nie die<br />

Gerüche aus dem kleinen Feinkost­ und Weinhandel vergessen,<br />

den sein Großvater in den Alpen geführt hatte. Sie erinnerten<br />

ihn an Erzählungen von Marcel Proust – die Zeit blieb dort<br />

stehen, und die Magie der scheinbar kleinen Dinge und Genüsse<br />

begann sich zu entfalten.<br />

<strong>Das</strong> Bordelais steckte Anfang der 1990er­Jahre in der<br />

Krise und zehrte vom Ruhm vergangener Zeiten, das<br />

Château in Martillac war heruntergewirtschaftet. Ob ­<br />

wohl Smith Haut Lafitte bei der Klassifizierung von 1855 in<br />

den höchsten Rang eines Grand Cru Exceptionnel erhoben<br />

worden war, hatte sich vom Glanz früherer Tage wenig erhalten.<br />

Hastig geht Florence Cathiard, die nicht so zuversichtlich ins<br />

Winzerleben schaute wie ihr Mann, die lange Mängelliste von<br />

damals durch: »Es war eine Ruine, schrecklich und schmutzig,<br />

in den Dächern klaffen Löcher, es regnete herein, der Turm des<br />

Châteaus drohte einzustürzen, die Weinberge waren in einem<br />

schlimmen Zustand, es wurde viel zu viel Chemie einge setzt.<br />

Und wir waren naiv, von der Hippiekultur und vom Naturgedanken<br />

inspiriert.« Daniel Cathiard tangierten die harschen<br />

Widerstände wenig, er sah wie immer die Möglichkeit, aus wenig<br />

viel entstehen zu lassen. »Für ihn«, so erklärt seine Frau, »ist<br />

das Glas stets randvoll, er kann jeder Situation etwas Positives<br />

abgewinnen. Er ist so optimistisch.« Deshalb erkannte er hier<br />

vor allem die Chancen eines radikalen Neubeginns: »Es war<br />

ein Start bei null, schlechter konnte es gar nicht werden. Wir<br />

konnten machen, was wir wollten.«<br />

Die Anfänge als Winzer waren »wie ein<br />

Tango: ein Schritt vor und zwei zurück«<br />

Die Autodidakten gingen volles Risiko und entschieden sich<br />

schon für den organischen Weinbau, als die chemische Industrie<br />

noch Rekordumsätze mit Pestiziden erzielte. Es war ein Roulettespiel<br />

im damaligen Bordelais, wo es kühl und nass sein konnte.<br />

Mehrere Jahre in Folge mit Frost, Regen, Hagel und mageren<br />

Weinen können selbst die Geduld notorischer Optimisten<br />

strapazieren. Daniel Cathiard zuckt unbeeindruckt mit den<br />

Schultern – das war die höhere Gewalt der Natur, wie sollte man<br />

Florence Cathiard genießt ihr »drittes Leben« nach<br />

Skisport und Marketing. Fabien Teitgen, vor bald<br />

30 Jahren aus dem Studium zum Weinbergmanager<br />

berufen, ist mittlerweile Generaldirektor des Châteaus<br />

dagegen ankämpfen? Seine Frau sah das weniger gelassen. »Wir<br />

haben fünf Jahre gebraucht, um zu begreifen, wie wir die Weinberge<br />

in den Griff kriegen können«, erinnert sie sich: »Es war<br />

wie ein Tango, ein Schritt vor und zwei zurück.« Für die zielstrebige<br />

Hausherrin ein zermürbender Rhythmus. Weil aus den<br />

miserablen Jahrgängen kaum Wein zu gewinnen war, erhöhten<br />

sie den Einsatz weiter und eröffneten auf ihrem Anwesen ein<br />

Hotel mit Restaurant. »<strong>Das</strong> war nicht üblich damals«, sagt<br />

Florence Cathiard, die elitäre Nachbarschaft zog es gewöhnlich<br />

vor, hinter verschlossenen Türen unter sich zu bleiben.<br />

16 <strong>FINE</strong> 3 | <strong>2024</strong> BORDEAUX<br />

BORDEAUX <strong>FINE</strong> 3 | <strong>2024</strong> 17

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