Wagnersche Magazin
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Wagner’sche<br />
Innsbruck<br />
Bücher Stierle<br />
Salzburg<br />
Stierle Kelten-<br />
Buchhandlung<br />
Hallein<br />
Leporello die<br />
Buchhandlung<br />
Wien<br />
Stöger —<br />
Leporello die<br />
Buchhandlung<br />
Wien<br />
Das <strong>Magazin</strong> unserer unabhängigen Buchhandlungen — 10.2024<br />
#<br />
unabhängig<br />
No. 18
Impressum<br />
Herausgeber und für den Inhalt verantwortlich:<br />
Wagner’sche Universitätsbuchhandlung, Medici Buchhandels GmbH,<br />
Museumstraße 4, 6020 Innsbruck<br />
info@wagnersche.at, robert.renk@wagnersche.at — www.wagnersche.at<br />
Redaktion: Robert Renk<br />
Texte: div. (Copyright bei den Autor*innen)<br />
Grafische Ausstattung: himmel, Studio für Design und Kommunikation<br />
Fotografie: © der Abbildungen bei den einzelnen Rechteinhaber*innen<br />
Titelbild: Judith Hermann fotografiert von © Andreas Reiberg<br />
Korrekturen: Angelika Moser (www.korrekterweise.at)<br />
Druck: Alpina Druck GmbH, Innsbruck<br />
2<br />
Fehler, Änderungen und Irrtümer vorbehalten. © 10.2024<br />
Bücher seit 1639<br />
#Vorwort<br />
Es gehört wohl zu den Ausnahmen,<br />
dass eine Firma<br />
den Druck, den Buchhandel<br />
und das Verlagswesen einer<br />
Landeshauptstadt etliche<br />
Jahrhunderte hindurch in<br />
entscheidendem Ausmaße<br />
bestimmt und das Kulturleben<br />
ihres Landes widerspiegelt.<br />
Heuer vor 385 Jahren<br />
wurde der Grund stein der<br />
Wagner’schen gelegt. Somit<br />
ist die Wagner’sche nicht<br />
nur eine der ältesten Buchhandlungen<br />
Europas,<br />
sondern auch ein wichtiger<br />
Leuchtturm im österreichischen<br />
Buchhandel.<br />
Dieses tolle Jubiläum möchten<br />
wir heuer mit Ihnen<br />
feiern und mit zahlreichen<br />
Lesungen, Serviceleistungen<br />
und exklusiven Produkten<br />
würdigen. Aber auch unser<br />
kleiner Verlag ist heuer wieder<br />
sehr aktiv und wird neben<br />
einem neuen Innsbruck-<br />
Wimmelbuch einen Band<br />
aus unserer Erinnerungsreihe,<br />
zahlreiche Kalender<br />
und ein neues Innsbruck-<br />
Spiel herausbringen.<br />
Mehr davon in unserem<br />
neuen <strong>Magazin</strong>.<br />
Viel Spaß beim Lesen!<br />
Markus Renk (re.), Markus Hatzer<br />
Inhalt<br />
4 Neues aus den<br />
Buchhandlungen<br />
Mit dem 385-Jahre-Jubiläum der Wagner’schen<br />
16 Judith Hermann<br />
Feiert mit uns 100 Jahre Büchergilde<br />
20 Jo Lendle<br />
Der Hanserchef ist auch ein grandioser Autor – von Michael Köhlmeier<br />
22 Peter Waldeck<br />
Kommt mit seinem neuen Roman zu Stöger<br />
24 Vom Dreh- zum Kinderbuch<br />
Hannes Wirlinger zu Gast bei Leporello<br />
26 Constanze Scheib<br />
Agatha Christie mit Wiener Schmäh<br />
28 Katja Lange-Müller<br />
Unsere Lieblingsberlinerin kommt mit neuem Roman<br />
32 Herbst–W:ORTE<br />
Auch im Herbst darf die Lyrik nicht fehlen …<br />
34 Lea Joy Friedel in Salzburg<br />
Thematisiert bei Stierle „Was es kostet, eine Frau zu sein“<br />
36 Zu Gast im literarischen Osten<br />
Das Format LeseLupe Osteuropa kommt in die Wagner’sche<br />
38 Mithu Sanyal<br />
Die großartige Autorin & Jurorin endlich in Innsbruck<br />
42 Berge im Gespräch<br />
Literarisches HausQuartett & Mountain Day 2024<br />
44 Gemeinsamer<br />
literarischer Haushalt<br />
Alex Beer und Michael Hausenblas im Gespräch<br />
46 Verlagsprodukte<br />
Spielen & Lesen mit der Medici GmbH<br />
50 Mit den besten Empfehlungen<br />
52 3×7 Best aber Seller
Starten Sie mit uns in einen<br />
spannenden Bücherherbst!<br />
Von Helena Töchterle und Robert Renk<br />
© Wagner’sche Innsbruck<br />
Der Herbst ist im Buchhandel stets eine<br />
besondere Zeit. Es erscheinen die meisten<br />
Bücher, die Geschäfte füllen sich nach dem<br />
Sommer wieder vermehrt mit Menschen<br />
und man bereitet sich so langsam auf das<br />
kommende Weihnachtsgeschäft vor.<br />
Und der Herbst ist auch die Jahreszeit<br />
der Lesungen und Signieraktionen. In der<br />
Wagner’schen steht wieder ein ganz besonderes<br />
Programm am Plan, auf das wir<br />
uns gemeinsam mit Ihnen freuen dürfen.<br />
Signierte Bücher –<br />
die perfekten Geschenke<br />
für jeden Anlass<br />
oder für sich selbst<br />
Es ist immer etwas ganz Besonderes, ein<br />
Buch in der Hand zu halten, das persönlich<br />
vom Autor bzw. von der Autorin signiert<br />
wurde. Diese Bücher eignen sich auch sehr<br />
gut als Geschenk; das Herzblut, das in<br />
einem jeden Buch steckt, kommt auf diese<br />
Art und Weise noch besser zum Ausdruck.<br />
Wir haben in diesem Jahr gleich mehrere<br />
Signieraktionen mit bekannten Autor*innen<br />
veranstaltet, hervorzuheben ist diejenige<br />
mit dem genialen Tiroler Krimiautor<br />
Bernhard Aichner. Bereits bei seiner Bronski-<br />
Reihe hat sich Bernhard Aichner stets bei<br />
uns die Finger für Sie wund geschrieben<br />
und Bücher nach Wunsch signiert, und<br />
so auch dieses Mal bei seinem lange mit<br />
Spannung erwarteten neuen Thriller Yoko.<br />
Insgesamt wurden um die 500 Exemplare<br />
in zwei Tranchen signiert. Wir freuen uns,<br />
dass diese Ak tionen immer so gut funktionieren<br />
und von Ihnen so gut angenommen<br />
werden!<br />
Des Weiteren gab es Signieraktionen mit<br />
Mareike Fallwickl, Beate Maxian, Alex Beer<br />
und erstmals auch mit Andreas Gruber.<br />
Die Bücher sind in allen unseren Filialen<br />
si gniert erhältlich, solange der Vorrat reicht.<br />
2024, das Jahr der Jubiläen<br />
Der Herbst 2024 ist bei uns in der<br />
Wagner’schen der Herbst der Feierlichkeiten.<br />
Wir feiern das 385-jährige Bestehen<br />
der Buchdruckerei und Buchhandlung,<br />
gegründet von Michael Wagner. Außerdem<br />
feiern wir gemeinsam mit der Büchergilde<br />
ihr 100-jähriges Bestehen mit einer Lesung<br />
von Judith Hermann am 15. Oktober.<br />
Übrigens: Auch im kommenden Jahr<br />
werden wir wieder etwas zu feiern haben,<br />
nämlich das 10-jährige Jubiläum der Übernahme<br />
der Wagner’schen Buchhandlung<br />
durch Markus Renk und Markus Hatzer,<br />
nachdem diese zuvor einige Jahre der<br />
Thalia- Kette angehört hat. Anhand dessen,<br />
wie sich die Wagner’sche seither entwickelt<br />
hat, kann man feststellen, dass diese<br />
Entscheidung ein absoluter Gewinn für den<br />
unabhängigen Buchhandel in Österreich<br />
war und ist. Einen Überblick über<br />
die lange und wechselhafte Geschichte der<br />
Wagner’schen finden Sie in diesem <strong>Magazin</strong><br />
auf den Seiten 8 und 9.<br />
Außerdem finden Sie im <strong>Magazin</strong> wieder<br />
einen Überblick über weitere tolle Veranstaltungen,<br />
Interviews mit Autor*innen,<br />
Büchertipps, Neues aus unserem Wagner’-<br />
sche Verlag und vieles mehr. Ein besonderer<br />
Tipp: Wir bringen eine Innsbruck-Ausgabe<br />
des österreichischen Kultspiels „DKT“<br />
heraus.Lassen Sie sich das nicht entgehen!<br />
Absolut jüdisch in Wien<br />
In Wien gibt es einen wahren Veran staltungsreigen.<br />
Bei Leporello hieß es<br />
am 8. Oktober Absolut jüdisch, als Martin<br />
Engelberg und Moderatorin Danielle Spera<br />
einen Einblick in das jüdische Leben im<br />
heutigen Österreich gaben.<br />
Ausführliches zu den weiteren Lesungen<br />
von Hannes Wirlinger und Alex Beer sowie<br />
Michael Hausenblas finden Sie im Heft.<br />
Leporello ist auch ausgewählte Ö1-Buchhandlung<br />
und Partnerbuchhandlung der<br />
Büchergilde. Die Büchergilde feiert heuer<br />
100-jähriges Bestehen (S. 18).<br />
Vor allem für Kinder (und Eltern)<br />
ist die Buchhandlung Leporello ein kleines<br />
Paradies!<br />
Der Vorlesedienstag ist unter den Pädagog*innen<br />
in Wien schnell zum Geheimtipp<br />
geworden und so sind die Termine immer<br />
gut gebucht und besucht. Wir freuen uns<br />
sehr, an Dienstagen von 9.00–10.00 Uhr<br />
nach Voranmeldung Kindergartengruppen<br />
mit Kindern ab drei Jahren bei Leporello<br />
begrüßen zu dürfen. Die wunderschöne<br />
Galerie in der Buchhandlung (unser<br />
„Lesebaumhaus“) bietet Platz für maximal<br />
15 Kinder. Unsere kompetenten<br />
Buchhändlerinnen Christina und Dagmar<br />
erzählen dort ein bisschen was über den<br />
Unterschied zwischen Buchhandlung und<br />
Bücherei und lesen ein Bilderbuch zu einem<br />
aktuellen Thema vor. Gerne nehmen wir<br />
hier natürlich auf Wünsche der Pädagog*innen<br />
Rücksicht. Danach haben die<br />
Kinder und die Pädagog*innen Gelegenheit<br />
zum gemeinsamen Schmökern! (Anmeldung<br />
unter dagmar.harbich@leporello.at)<br />
Leporellino am Mini-Markt!<br />
Auch außerhalb der Buchhandlung ist<br />
die Meinung unserer Mitarbeiter*innen<br />
gefragt. Unser Leporellino kunterbunt ist<br />
zweimal jährlich für ein Wochenende unter<br />
anderen handverlesenen Aussteller*innen<br />
am Mini-Markt in der Aula der Wissenschaften<br />
zu finden! Dort präsentieren wir<br />
eine fein kuratierte Auswahl an Kinderbüchern<br />
speziell für junge Kinder. Während<br />
die Eltern in Ruhe shoppen, sich informieren<br />
und beraten lassen, können sich die<br />
Kids im Kreativbereich austoben und neue<br />
Welten entdecken!<br />
Angeboten werden auch Workshops<br />
und DIY-Sessions für Kids von 2–8 Jahren<br />
zu unterschiedlichen, spannenden Themen.<br />
Für die Kleinen von 0–2 gibt es wieder ein<br />
Entdecker- und Spieleparadies!<br />
Auch im 19. Bezirk, bei Stöger-Leporello,<br />
gibt es viele Angebote, vor allem Lesungen<br />
im Haus oder in Kooperation mit dem<br />
Bezirksmuseum Döbling werden geplant<br />
und angeboten. Am 10. Oktober schon<br />
führt uns Wolfgang Salomon Von Triest<br />
nach Venedig.<br />
4<br />
Wagner’sche.<br />
© Wagner’sche Innsbruck<br />
Wagner’ sche<br />
© Leporello die Buchhandlung Wien<br />
Innsbruck<br />
Leporello die<br />
Buchhandlung<br />
Wien
Unsere Spiele-Klassiker<br />
© Bücher Stierle Salzburg<br />
Bücher<br />
Stierle<br />
Salzburg<br />
© Ina Cassik, Wagner’sche Innsbruck<br />
Stöger–<br />
Leporello die<br />
Buchhandlung<br />
© Stierle Keltern-Buchhandlung<br />
Wien<br />
Stierle<br />
Kelten- Buchhandlung<br />
Hallein<br />
Auch für die Lesung über Die Villen vom<br />
Wiener Cottage von Marie-Theres Arnbom,<br />
die verschoben werden musste, wurde<br />
ein Termin gefunden. Sie kann jetzt am<br />
14. November endlich stattfinden,<br />
und zwar standesgemäß im Bezirksmuseum<br />
Döbling in der Villa Wertheimstein,<br />
Döblinger Hauptstraße 96, 1190 Wien<br />
(office@stoegerbuch.at).<br />
Für alle Literaturbegeisterten in Döbling<br />
hat sich Ina Cassik heuer etwas ganz Besonderes<br />
ausgedacht: den Stöger-Lesekreis.<br />
Ab Oktober wird sie alle sechs Wochen mit<br />
einer Runde Gleichgesinnter in der Buchhandlung<br />
über ein gemeinsam ausgewähltes<br />
Buch diskutieren. Ob Neuerscheinung,<br />
Klassiker oder persönliches Lieblingsbuch:<br />
Erlaubt ist, was gefällt. Alle, die gemeinsam<br />
Neues entdecken, den Lesehorizont erweitern<br />
und sich mit Gleichgesinnten über<br />
ihre Lektüre austauschen möchten, sind<br />
herzlich eingeladen! Nähere Informationen<br />
und Anmeldungen in der Buchhandlung<br />
oder telefonisch unter 01/320 34 49.<br />
Better together in Salzburg<br />
Auch bei unseren freien Buchhandlungen<br />
in Salzburg steht das Motto better together<br />
ganz oben! Denn geteilte Begeisterung ist<br />
doppelte Freude.<br />
Bei Bücher Stierle findet unser Konzept<br />
Buchgenuss nach Ladenschluss (siehe S. 10)<br />
immer größeren Anklang. Die schöne<br />
Sonntagvormittage, die unter dem Motto<br />
Koffein und Feminismus stehen, sind ja<br />
schon seit einiger Zeit ein Alleinstellungsmerkmal<br />
des Teams rund um Carmen<br />
Schwarz. Die Herbstausgabe des Lesekreises<br />
Koffein & Feminismus wird diesmal<br />
ganz im Zeichen des Koffeins stehen.<br />
Wir haben unsere Köpfe mit den wundervollen<br />
Menschen und Kaffeehausbetreiber*innen<br />
von der Kaffeerösterei<br />
220 Grad zusammengesteckt – mehr bald<br />
dazu im Stierle-Newsletter.<br />
Die Buchhandlung Stierle war auch<br />
Austragungsort der ersten Runde Wir lesen<br />
uns die Münder wund, dem Literaturwettbewerb<br />
mit dem Markt Salzburg. Und die<br />
Signieraktionen mit Mareike Fallwickl,<br />
Beate Maxian und Bernhard Aichner<br />
haben die Stifte glühen lassen. Aber nicht<br />
nur da wurden die Stifte geschwungen,<br />
sondern auch beim Zeichenworkshop mit<br />
der sympa thischen Barbara Baumann.<br />
Natürlich muss hier auch der neue<br />
Kalender aus unserem Hause Erwähnung<br />
finden.<br />
Salzburg, wie es früher war<br />
Der Kalender nimmt Sie mit in die bewegte<br />
Vergangenheit der Stadt Salzburg.<br />
Peter Walder-Gottsbacher hat aus seinem<br />
reichen Bildarchiv einzigartige Schätze<br />
ausgewählt und lässt uns, begleitet von<br />
spannenden Texten, einen Blick auf längst<br />
vergangene Zeiten erhaschen.<br />
Das hatte er letztes Jahr schon gemacht,<br />
als er das Buch Es war einmal in Hallein<br />
herausbrachte. In zahlreichen Fotografien,<br />
Ansichten und Anekdoten erzählt der gebürtige<br />
Salzburger nicht nur über Stadtgeschichte,<br />
sondern öffnet auch Fenster in<br />
das alltägliche Leben vergangener Zeiten.<br />
Er zeigt uns dabei die vielfältigen Seiten<br />
Halleins, die historischen Häuser, Brücken<br />
und Denkmäler, aber er thematisiert auch<br />
die Industrie und gibt Einblick in die Salzgewinnung,<br />
welche die Region geprägt hat.<br />
Walder-Gottsbacher erzählt von Bürger*innen<br />
und Arbeiter*innen, von der Feuerwehr,<br />
dem Turnverein und von wichtigen<br />
Persönlichkeiten der Stadtpolitik. Er verrät<br />
aber auch, in welchem Geschäft seine<br />
k. k. Hoheit, der Thronfolger Erzherzog<br />
Franz Ferdinand von Österreich-Este,<br />
1907 Antiquitäten erwarb. Ein absoluter<br />
Verkaufserfolg, vor allem in unserer Buchhandlung<br />
in Hallein!<br />
Das liegt in erster Linie an der Institution<br />
Hans Hammerdinger und seinem<br />
Team. Die charmante Stierle-Kelten-<br />
Buchhandlung gilt als älteste und gleichzeitig<br />
modernste Buchhandlung in Hallein.<br />
Und natürlich wird auch hier nicht nur<br />
regional und sehr literarisch empfohlen,<br />
nein, auch hier gibt es regelmäßig Veranstaltungen<br />
für Kinder! Jeden 1. Samstag<br />
im Monat, ab 10:00 Uhr, wird von Team<br />
und Schauspielstudent*innen bei freiem<br />
Eintritt aus ausgewählten Kinderbüchern<br />
gelesen!<br />
Tirol-Spiel:<br />
Von Finstermünz<br />
zum Wilden Kaiser<br />
Verlag der Wagner’schen<br />
Buchhandlung, € 45,00<br />
Innsbruck-Spiel:<br />
Vom Goldenen Dachl<br />
zum Hafelekar<br />
Verlag der Wagner’schen<br />
Buchhandlung, € 45,00<br />
Österreich-Spiel:<br />
Von Bodensee<br />
zum Stephansdom<br />
Verlag der Wagner’schen<br />
Buchhandlung, € 45,00<br />
6 7<br />
Wagner’sche.<br />
Bücher seit 1639
385 Jahre –<br />
buchprägend für Tirol<br />
Markus Renk schwört auf „alt, aber neu“ und gibt<br />
einen Überblick der illustren Geschichte des Hauses.<br />
Trotz der wechselvollen Geschichte des<br />
Tiroler Buchhandels und der Wagner’schen<br />
konnten diese bis in unsere Zeit gut bestehen.<br />
Der englische Naturforscher Charles Darwin<br />
hat das Zitat geprägt: „Nichts in der Geschichte<br />
des Lebens ist beständiger als der<br />
Wandel.“ Hier bildet der Buchhandel, aber<br />
auch die Geschichte der Wagner’schen keine<br />
Ausnahme. Vom Buchfass bis zur Digitalisierung<br />
ist bekanntlich ein weiter Weg; die<br />
Veränderungen, die das Internet, das E-Book<br />
brachten und die KI noch bringen wird,<br />
erinnern an die Revolution des modernen<br />
Buchdrucks Mitte des 15. Jahrhunderts. Die<br />
Tradition des Tiroler Buchdrucks begann nur<br />
wenige Jahrzehnte nach Johannes Gensfleischs<br />
Erfindung des modernen Buchdrucks<br />
und bietet daher ein spannendes Zeugnis dieses<br />
Wandels bzw. zeigt auch die Bemühungen<br />
der jeweils handelnden Akteur*innen auf,<br />
sich diesen Veränderungen anzupassen.<br />
© Verlag Wagner<br />
Heuer vor 385 Jahren eröffnete der Tod des<br />
Buchdruckers Hans Gäch dem aus Augsburg<br />
stammenden Buchdrucker-Gesellen<br />
Michael Wagner ungeahnte Möglichkeiten.<br />
Bereits wenige Monate später heiratete<br />
er die „goldene Witwe“ Maria Gäch. Die<br />
Tiroler „Landesfürstin“ Claudia de Medici<br />
bewilligte Wagner zwei Monate nach der<br />
Hochzeit die Ausübung seines Gewerbes.<br />
Und damit begann die Geschichte eines der<br />
ältesten Tiroler Betriebe. Die nächsten Jahrhunderte<br />
dominierte die Familie Wagner<br />
den Innsbrucker bzw. gleichzeitig den Tiroler<br />
Buchhandel. Da im Ersten Weltkrieg der<br />
Verlag und die Druckerei verkauft wurden,<br />
verlieb ausschließlich die Buchhandlung im<br />
Familienbesitz. Trotzdem war die Buchhandlung<br />
auch die letzten Jahrzehnte ein<br />
wichtiger Bestandteil des Tiroler Kulturwesens,<br />
deren Bedeutung weit über die<br />
Landesgrenzen hinaus wirkt.<br />
1639<br />
Michael Wagner erhält die Erlaubnis, in<br />
Innsbruck Bücher zu drucken und zu verkaufen,<br />
und wird so zum Buchdrucker der<br />
Medici; der Grundstein für die Wagner’sche<br />
Buchhandlung, Verlag und Druckerei wird<br />
gelegt.<br />
1667<br />
Michael Wagner übernimmt den zweiten<br />
Druckereibetrieb in Innsbruck und wird<br />
Hofbuchdrucker in Innsbruck. Mit der<br />
Übernahme dieses Unternehmens, der<br />
ersten „Staatsdruckerei“ der Welt, reicht<br />
die Geschichte der Firma bis ins Jahr 1548.<br />
So gesehen ist die Wagner’sche die älteste<br />
Buchhandlung Österreichs.<br />
1723<br />
Michael Wagners Enkel, Michael Anton<br />
Wagner, wird der Titel eines Universitätsbuchdruckers<br />
verliehen.<br />
1802<br />
Mit dem Tod von Michael Alois Wagner<br />
endet eine Ära im Unternehmen der<br />
Wagner’schen; Wagners Schwager Casimir<br />
Schumacher, zur Zeit des Tiroler Volksaufstands<br />
1809 unter Andreas Hofer Bürgermeister<br />
von Innsbruck, übernimmt den<br />
Betrieb.<br />
1830<br />
8 9<br />
Wagner’sche.<br />
© Verlag Wagner<br />
Bücher seit 1639<br />
Casimir Schumachers Sohn Johann errichtet<br />
nach einer Schriftgießerei und einer<br />
Lithographie-Anstalt die erste Schnellpresse<br />
in Österreich; das Unternehmen erlebt eine<br />
Phase der Expansion.<br />
1875<br />
Die Wagner’sche Buchhandlung übersiedelt<br />
aus der Altstadt an ihren heutigen Standort<br />
in der Museumstraße.<br />
1889<br />
Nach einem verheerenden Brand der Druckerei<br />
eröffnet das Unternehmen ein neues<br />
Geschäftslokal in der Erlerstraße.<br />
1916<br />
Eckart Schumacher verkauft den Universitätsverlag<br />
Wagner und die Druckerei,<br />
nur noch die Buchhandlung in der<br />
Museumstraße verbleibt im Familienbesitz.<br />
1945<br />
Durch die Bombardierung Innsbrucks wird<br />
das Unternehmen schwer getroffen, die<br />
Druckerei und das Verlagsarchiv werden<br />
teilweise vernichtet.<br />
2006<br />
Nach 367 Jahren im Familienbesitz verkauft<br />
die Besitzerin Maria Hasenöhrl die<br />
Wagner’sche Buchhandlung an die Buchhandelskette<br />
Thalia.<br />
2015<br />
Markus Renk übernimmt gemeinsam mit<br />
Markus Hatzer die inzwischen 376 Jahre<br />
alte Wagner’sche Buchhandlung.<br />
2020<br />
Übernahme der Salzburger Buchhandlung<br />
Stierle im Jänner 2020. Im Juli 2020<br />
Übernahme der Kelten-Buchhandlung in<br />
Hallein. Verleihung des Österreichischen<br />
Buchhandelspreises an die Wagner’sche.<br />
Eine unabhängige Jury hat die Wagner’sche<br />
Universitätsbuchhandlung zur besten Buchhandlung<br />
Österreichs gewählt.<br />
2021<br />
Trotz schwieriger Rahmenbedingungen<br />
durch die Corona-Pandemie in den Jahren<br />
2020 und 2021 konnte die Wagner’sche<br />
auch in dieser Phase weiterwachsen. Im<br />
April 2021 wagt man den Schritt in die<br />
Bundeshauptstadt, mit der Übernahme der<br />
Leporello-Buchhandlung in Wien, direkt<br />
beim Stephansplatz.<br />
2022<br />
Um die Präsenz in Wien zu stärken, übernimmt<br />
die Medici Buchhandels GmbH mit<br />
Februar 2022 die Buchhandlung Stöger mit<br />
allen Mitarbeiterinnen.
wag_magazin_nr16_2023_fin1.indd 1 04.10.23 11:32<br />
Innsbruck<br />
Innsbruck<br />
Salzburg<br />
Ha lein<br />
Wien<br />
Wien<br />
Serviceleistungen<br />
Sie sind für Überraschungen zu haben? Unsere Blind Dates bieten spannende Buchentdeckungen.<br />
Falls Sie lieber genau wissen, worauf Sie sich einlassen, sind Sie an einem exklusiven Abend mit einem*r<br />
unserer Buchhändler*innen womöglich besser beraten – wortwörtlich.<br />
Die bekannte österreichische Autorin Vea<br />
Kaiser hat über die Wagner’sche Folgendes<br />
geschrieben: „Die Wagner’sche ist mehr als<br />
eine Buchhandlung. Sie ist ein Ort, an dem<br />
schamlos verkuppelt wird, und zwar Lesende<br />
mit ihrer neuen großen Lieblingslektüre oder<br />
Wissbegierige mit nie versiegenden Quellen<br />
der Information. Sie ist ein Ort der Begegnung,<br />
an dem Schreibende und Publikum<br />
zusammenfinden. Sie ist Hüterin der Vielfalt,<br />
deren Herz für kleine, unabhängige Verlage<br />
und unbekanntere Autor*innen, aber auch<br />
für präsente Namen schlägt, wo jede Art von<br />
Literatur ihren Platz findet, die uns Lesenden<br />
Freude, Glück und Bildung bringt.“ Dies gilt<br />
nicht nur für die Wagner’sche, sondern auch<br />
für unsere Standorte in Wien, Salzburg und<br />
Hallein. Um dies erfüllen zu können, setzen<br />
wir sehr stark auf Serviceleistungen für<br />
unsere Kund*innen. Hier können Sie einen<br />
kleinen Auszug unserer Ideen finden:<br />
Buchgenuss nach<br />
Ladenschluss<br />
Sie haben schon immer den heimlichen<br />
Wunsch gehegt, einmal versehentlich<br />
in einer Buchhandlung eingesperrt zu<br />
werden? Stundenlang ohne Kund*innen<br />
und Buchverkäufer*innen die Buchandlung<br />
mehr oder weniger alleine zu nutzen?<br />
Dann haben wir eine gute Nachricht für<br />
Sie! Unsere Buchhandlungen machen es<br />
möglich! Unter dem Motto Buchgenuss<br />
nach Ladenschluss stellen wir Ihnen die<br />
Buchhandlung zur Verfügung. Ob mit Ihrer<br />
Familie, den Verwandten oder Bekannten,<br />
mit Ihren Arbeitskolleg*innen oder mit<br />
Ihrer Leserunde, buchen Sie einfach bei<br />
uns Ihren Abend. Neben dem literarischen<br />
Erlebnis erwartet Sie auch ein kleines<br />
Buffet! Unkostenbeitrag: € 25,00 pro Person<br />
(ab ca. 8 Teilnehmer*innen).<br />
Buchabos<br />
Schenken Sie (sich) schöne und spannende<br />
Stunden mit unseren Bücherabos. Sie lieben<br />
es, von Büchern überrascht zu werden?<br />
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literarische Jahresbegleiter. Zu einem jährlichen<br />
Fixbetrag bieten wir monatlich oder<br />
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für Erwachsene genauso wie für Kinder,<br />
Spannendes ebenso wie Fantas tisches oder<br />
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oder mit kulinarischer Begleitung in der Wagner’schen in Innsbruck.<br />
Buchhändler*innen buchen<br />
Service heißt, das ganze Geschäft mit den<br />
Augen der Kund*innen zu sehen. Ist Ihnen<br />
das Buchsuchen oft etwas zu stressig<br />
oder sind Sie mit der Auswahl der lagernden<br />
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© Wagner’sche Innsbruck (rechts), Bücher Stierle Salzburg (links)<br />
10 11<br />
Wagner’sche.<br />
Bücher seit 1639<br />
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über unsere Newsletter, E-Commerce-<br />
Plattformen und unsere Homepages<br />
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Kinderlesungen<br />
Natürlich dürfen aber auch die Veranstaltungen<br />
für unsere kleinsten Leser*innen<br />
nicht fehlen. Ganzjährig gibt es immer<br />
wieder Kinder-Lesungen.<br />
© Wagner’sche Buchhandlung (links), Andreas Licht (rechts)<br />
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im Internet? Hier bieten wir rund<br />
6 Mil lionen Bücher an, die Sie im Regelfall<br />
in ein bis zwei Tagen kostenlos geliefert<br />
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in der Buchhandlung abholen können.<br />
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mit jeder Menge Buchempfehlungen!<br />
Schulbuchservice<br />
Wir betreuen über 85 Schulen in Tirol, Salzburg<br />
und Wien. Durch unser verlässliches<br />
Service kommen hier laufend neue Schulen<br />
als Partner hinzu. Mit unserer ganzjährigen<br />
Betreuung inkl. Susi-Sorglospaket können<br />
wir hier bei unseren Schulen punkten!<br />
<strong>Magazin</strong><br />
Das <strong>Magazin</strong> unserer unabhängigen Buchhandlungen — 10.2023<br />
No. 16<br />
Unser <strong>Magazin</strong> war ursprünglich als eine<br />
einmalige Ausgabe angedacht. Seit Oktober<br />
2015 sind inzwischen aber 17 weitere Ausgaben<br />
hinzugekommen. Der große Zuspruch<br />
mit rund 30.000 Leser*innen, sowohl offline<br />
als auch online, bestätigt uns hierbei.<br />
Kundenkarte<br />
Wagner’sche<br />
Innsbruck<br />
Wagner’sche<br />
Altstadt<br />
Innsbruck<br />
Bücher Stierle<br />
Salzburg<br />
Stierle Kelten-<br />
Buchhandlung<br />
Hallein<br />
Leporello die<br />
Buchhandlung<br />
Wien<br />
Stöger —<br />
Leporello die<br />
Buchhandlung<br />
Wien<br />
#<br />
unabhängig<br />
#<br />
unabhängig<br />
Das <strong>Magazin</strong> unserer unabhängigen Buchhandlungen — 03.2024<br />
No. 17<br />
Wagner’sche<br />
Wagner’sche<br />
Altstadt<br />
Bücher Stierle<br />
Stierle Kelten-<br />
Buchhandlung<br />
Leporello die<br />
Buchhandlung<br />
Stöger —<br />
Leporello die<br />
Buchhandlung<br />
wag_magazin_nr17_2024_fin.in d 1 13.03.24 1:10<br />
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bekommen Sie auch rund 20 % Ermäßigung<br />
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gilt nur in Innsbruck!
Alle Veranstaltungen<br />
im Überblick<br />
Oktober 2024 bis Jänner 2025<br />
Oktober<br />
November<br />
Der König reitet ins Exil<br />
Arno Geiger schickt in seinem überraschenden und<br />
lebensklugen Roman Reise nach Laredo einen zurückgetretenen<br />
König und ein Kind auf eine Reise ins Ungewisse.<br />
Am 4. Oktober hat er ihn erfolgreich in der Wagner’schen<br />
präsentiert. Von Stefan Gmünder<br />
Fr 4.10.24<br />
Sa 5.10.24<br />
Di 8.10.24<br />
Di 8.10.24<br />
Do 10.10.24<br />
Fr 11.10.24<br />
Di 15.10.24<br />
Mi 23.10.24<br />
Fr 25.10.24<br />
Fr 25.10.24<br />
Di 29.10.24<br />
Lesung Arno Geiger<br />
19:30 Uhr, Wagner’sche<br />
Eintritt: € 9,00/€ 7,00<br />
Kinderbuch-Lesung mit<br />
Schauspielstudent*innen<br />
ab 10:00 Uhr, Kelten<br />
Eintritt: frei!<br />
Vorlesedienstag<br />
für Kinder<br />
9:00 Uhr, Leporello<br />
(Voranmeldung)<br />
Eintritt: frei!*<br />
Lesung Martin Engelberg<br />
18:30 Uhr, Leporello<br />
Eintritt: € 7,00<br />
Lesung<br />
Wolfgang Salomon<br />
19:00 Uhr, Stöger<br />
Eintritt: € 7,00<br />
Lesung Friedrich Ani<br />
19:30 Uhr, Wagner’sche<br />
Eintritt: € 9,00/€ 7,00<br />
„100 Jahre Büchergilde“:<br />
Lesung Judith Hermann<br />
19:30 Uhr, Wagner’sche<br />
Eintritt: € 9,00/€ 7,00/ frei<br />
Lesung Jo Lendle<br />
19:30 Uhr, Wagner’sche<br />
Eintritt: € 9,00/€ 7,00<br />
Kinderlesungen<br />
mit Sarah<br />
15:00 Uhr, Wagner’sche<br />
Eintritt: frei!<br />
Lesung Peter Waldeck<br />
19:00 Uhr, Stöger<br />
Eintritt: € 7,00<br />
Lesung Barbara Bachler<br />
18:30 Uhr, Kelten<br />
Eintritt: frei!<br />
Sa 2.11.24<br />
Mi 6.11.24<br />
Do 7.11.24<br />
Fr 8.11.24<br />
Mi 14.11.24<br />
Mi 14.11.24<br />
Di 19.11.24<br />
Fr 22.11.24<br />
Di 26.11.24<br />
Di 26.11.24<br />
Wagner’sche, Wagner’sche Altstadt Bücher Stierle Stierle Kelten-Buchhandlung,<br />
Leporello die Buchhandlung Stöger – Leporello die Buchhandlung<br />
Kinderbuch-Lesung mit<br />
Schauspielstudent*innen<br />
ab 10:00 Uhr, Kelten<br />
Eintritt: frei!<br />
Ein Abend für<br />
Horst Schreiber<br />
19:30 Uhr, Wagner’sche<br />
Eintritt: frei!<br />
Lesung Hannes Wirlinger<br />
19:00 Uhr, Leporello<br />
Eintritt: € 7,00<br />
Lesung Constanze Scheib<br />
19:00 Uhr, Stöger<br />
Eintritt: € 7,00<br />
Lesung<br />
Katja Lange-Müller<br />
19:30 Uhr, Wagner’sche<br />
Eintritt: € 9,00/€ 7,00<br />
Lesung<br />
Marie-Theres Arnbom<br />
18:30 Uhr, Stöger<br />
(Bezirksmuseum Döbling)<br />
Eintritt: frei!<br />
Herbst W:ORTE<br />
Angelika Rainer,<br />
Jörg Zemmler<br />
und Frieda Paris<br />
19:30 Uhr, Wagner’sche<br />
Eintritt: frei!<br />
Kinderlesungen<br />
mit Sarah<br />
15:00 Uhr, Wagner’sche<br />
Eintritt: frei!<br />
Lesung<br />
Lea Joy Friedel<br />
19:00 Uhr, Stierle<br />
Eintritt: € 7,00<br />
LeseLupe Osteuropa<br />
19:30 Uhr, Wagner’sche<br />
Eintritt: frei!<br />
Do 28.11.24<br />
Dezember<br />
Do 5.12.24<br />
Sa 7.12.24<br />
Mo 9.12.24<br />
Lesung<br />
Erich Ledersberger<br />
19:30 Uhr, Wagner’sche<br />
Eintritt: frei!<br />
Lesung Mithu Sanyal<br />
19:30 Uhr, Wagner’sche<br />
Eintritt: € 9,00/€ 7,00<br />
Kinderbuch-Lesung mit<br />
Schauspielstudent*innen<br />
ab 10:00 Uhr, Kelten<br />
Eintritt: frei!<br />
Literarisches<br />
HausQuartett<br />
19:30 Uhr, Wagner’sche<br />
Eintritt: frei!<br />
Di 10.12.24 Mountain Day 2024<br />
Dominika Meindl,<br />
Martin Fritz und<br />
Robert Renk<br />
19:30 Uhr, Wagner’sche<br />
Eintritt: frei!<br />
Fr 13.12.24<br />
Jänner<br />
Sa 4.1.25<br />
Do 16.1.25<br />
Kinderlesungen<br />
mit Sarah<br />
15:00 Uhr, Wagner’sche<br />
Eintritt: frei!<br />
Kinderbuch-Lesung mit<br />
Schauspielstudent*innen<br />
ab 10:00 Uhr, Kelten<br />
Eintritt: frei!<br />
Autorensprechstunde<br />
mit Alex Beer und<br />
Michael Hausenblas<br />
18:30 Uhr, Leporello<br />
Eintritt: frei!<br />
* Jeden Dienstag: 9:00 Uhr, Leporello (Voranmeldung), Eintritt: frei! 13<br />
Bücher seit 1639<br />
„Vielleicht sollten wir gemeinsam durchbrennen“,<br />
sagt ein alter, von Krankheit und<br />
herannahendem Tod gezeichneter Mann<br />
in den Anfangspassagen von Arno Geigers<br />
Roman Reise nach Laredo zu einem 11-<br />
jährigen Jungen. „Wohin?“, fragt der Wildfang.<br />
„Müsste man sich überlegen“, sagt<br />
der Alte und beschließt, dass sich die beiden<br />
um Mitternacht treffen. Der Kleine soll<br />
zwei Pferde mitnehmen. Bis zur Geisterstunde<br />
steht auch das Fluchtziel fest:<br />
Laredo, die nordspanische Hafenstadt.<br />
Der alte Mann heißt Karl, und es handelt<br />
sich um niemand anderen als um Karl<br />
den Fünften (1500–1558), seines Zeichens<br />
„von Gottes Gnaden erwählter Römischer<br />
Kaiser, zu allen Zeiten Mehrer des Reichs,<br />
in Germanien, Spanien, Sizilien, Ungarn,<br />
Dalmatien und des Festlands, König jenseits<br />
des Ozeans, Erzherzog von Österreich,<br />
Herr in Asien und Afrika usw.“. Die Zahl<br />
seiner Titel definiert nicht nur ein Reich,<br />
in dem die Sonne nie untergeht, sie signalisiert<br />
auch eine Vielzahl von Verpflichtungen<br />
und Kriegen, die den Herrscher zermalmten.<br />
Er dankte 1556 ab und zog sich<br />
zurück in ein Kloster in Yuste. Dort, in der<br />
Extremadura, treffen wir im Roman auf<br />
ihn, und zwar im Jahr 1558.<br />
Karl hat gehofft, nach der Abdankung<br />
zur Ruhe zu kommen, doch zu viel<br />
rumort in ihm. Er fühlt, dass die Zeit<br />
knapp wird, und es keinen Sinn macht,<br />
über Vertanes, nicht erfolgte Anfänge und<br />
vergangene Triumphe nachzugrübeln – nein,<br />
es geht darum, ein gutes Ende zu finden.<br />
Und da kommt der Junge ins Spiel,<br />
er heißt Geronimo und ist der illegitime<br />
Sohn Karls, was erst nach dem Tod des<br />
Letzteren publik werden soll. Der Junge<br />
weiß nicht, wer er ist. Karl geht es, wenn er<br />
auf sein Leben zurückblickt, ganz ähnlich.<br />
© Heribert Corn<br />
Soweit der historische Kern des in der Er-<br />
Form erzählten Romans, den Arno Geiger<br />
kunstvoll in eine märchenhafte Aventüre<br />
wendet. Karl und Geronimo machen<br />
sich auf den 500 Kilometer langen Weg.<br />
Sie geraten in Verwicklungen und gefährliche<br />
Situationen. Unter anderem retten<br />
sie ein Geschwisterpaar – es handelt sich<br />
dabei um Cagots, also um Vogelfreie,<br />
Deklassierte, nirgends Zugehörige – aus<br />
den Händen brutaler Häscher. Die ungleiche<br />
Gruppe setzt den Weg gemeinsam<br />
fort, nicht alle von ihnen erreichen Laredo,<br />
warum und was dort passiert, sei offengelassen.<br />
Nur so viel: Arno Geiger, der sich<br />
schon einmal mit einem anderen König in<br />
einem anderen Exil literarisch auseinandersetzte,<br />
erweist sich auch in diesem Roman<br />
als vielschichtiger Schriftsteller, der das<br />
Risiko nicht scheut, von menschlicher<br />
Schwäche, plötzlicher Machtlosigkeit und<br />
Verlorenheit zu erzählen. Und zwar mit<br />
viel Empathie für seine Figuren, die weder<br />
idealisiert noch verdammt werden.<br />
Zusammen werden sie in diesem Roman<br />
auf einer Reise ins Ungewisse etwas finden,<br />
das sich mit Geld und Macht nicht<br />
aufwiegen lässt: Freundschaft – und eine<br />
Ahnung der Schönheit und zerbrechlichen<br />
„Großartigkeit des Lebens“.<br />
Buchtipp:<br />
Arno Geiger:<br />
Reise nach Laredo<br />
Hanser, 272 S., € 27,80
© Susie Knoll<br />
Friedrich Ani beim<br />
Krimifest Tirol<br />
Friedrich Ani nimmt uns in seinem Roman mit ins Dunkel –<br />
findet dort aber immer Lichtstrahlen. Die bringt er mit nach<br />
Innsbruck. Linda Müller hat mit ihm gesprochen.<br />
Meine Figuren<br />
taumeln seit jeher<br />
durch schattige<br />
Gefilde.<br />
Bücher seit 1639<br />
Linda Müller: Dein aktuelles<br />
Buch heißt Lichtjahre im Dunkel.<br />
Gewissermaßen ist der Titel auch<br />
programmatisch für dein Schreiben,<br />
das sich immer im Spannungsfeld<br />
von Licht und Dunkel, Glück und<br />
Unglück bewegt.<br />
Friedrich Ani: Meine Figuren, so scheint<br />
mir, taumeln seit jeher durch schattige<br />
Gefilde. Sie gieren nach jeder Lichtung,<br />
finden den Weg aber oft nicht, was sie<br />
nicht daran hindert weiterzusuchen.<br />
In Lichtjahre im Dunkel legen zwei Brüder<br />
einen lebenslangen Weg zurück, um sich<br />
in einem Moment zu begegnen, in dem das<br />
Glück nur mehr eine Illusion ist. Trotzdem<br />
em pfinden sie Freude darüber, dass der<br />
letzte Wille ihrer Mutter sie doch noch zueinander<br />
geführt hat, allen Schatten<br />
zum Trotz.<br />
Deine Romane sind oft in düsteren,<br />
urbanen Milieus angesiedelt. Was<br />
fasziniert dich an diesen Settings,<br />
wie prägen sie die Atmosphäre deiner<br />
Texte?<br />
Das Milieu, in dem meine Geschichten spielen,<br />
ist mir vertraut, und ich schreibe lieber<br />
über Menschen und Dinge, die ich kenne<br />
oder zu kennen glaube, als mir Themen und<br />
Settings anzueignen, von denen ich mir nie<br />
sicher sein kann, ob ich sie in den Griff bekommen,<br />
also angemessen und würdig aufs<br />
Papier bringen kann. Außerdem fällt mir in<br />
der Stadt mehr ein als auf dem Land …<br />
Ein Motiv, das sich ebenfalls durch<br />
deine Bücher zieht, ist Verlust. Deine<br />
Werke thematisieren gesellschaftliche<br />
Missstände und auch individuelles<br />
Leid, Einsamkeit, Isolation.<br />
15<br />
Was treibt dich an, dich mit diesen<br />
Themen auseinanderzusetzen?<br />
Themen wie Isolation und Einsamkeit<br />
haben von Anfang an meine Geschichten<br />
beherrscht. Da wuchern autobiografische<br />
Wurzeln ans Tageslicht, und ich habe<br />
gelernt, hinzusehen und solche Zustände<br />
zu ertragen und urbar zu machen.<br />
Das bedeutet nicht, dass meine Figuren<br />
unfähig wären, zu umarmen oder zu<br />
winken, im Gegenteil: Sie tun es gern,<br />
und sei es nur vor dem Spiegel.<br />
Deine Figuren überzeugen mit großer<br />
psychologischer Komplexität – wie<br />
gehst du da in der Entwicklung vor?<br />
Erst Figuren, dann Handlung. Ein Plot<br />
ergibt sich immer, bilde ich mir ein, eine<br />
Figur muss wachsen, erst in mich hinein,<br />
dann aus mir heraus, bis sie fast selbstständig<br />
geworden ist. Bevor ich anfange zu<br />
schreiben, weiß ich viel über die meisten<br />
Figuren eines neuen Romans, und was ich<br />
noch nicht weiß, erfahre ich im Lauf des<br />
Schreibens von ihnen selber.<br />
Du bist ein Spracharbeiter, einer,<br />
der mit Sprache viele Zwischen- und<br />
Untertöne klingen lässt und kunstvoll<br />
mit Worten umgeht. Unterscheidet<br />
sich das von Genre zu Genre?<br />
Ein bestimmter Tonfall ist, glaube ich,<br />
in allen meinen Sachen erkennbar, egal<br />
ob Prosa, Lyrik oder Drehbuch. Das bin<br />
ja immer ich, der da murmelt. Ich leugne<br />
meine Autobiografie nie, vielleicht erwarten<br />
meine Figuren das auch von mir. Was soll<br />
ich sagen: Übers Schreiben zu sprechen,<br />
fällt mir schwer, schweigen kann ich besser<br />
darüber.<br />
Friedrich Ani, 1959 in Kochel am See geboren, verfasst<br />
Kriminalromane und erlangte dabei mit seiner<br />
Reihe um den Ermittler Tabor Süden Bekanntheit.<br />
Zu seinem Repertoire zählen aber auch Lyrik,<br />
Jugendromane, Hörspiele, Theaterstücke und<br />
(Tatort-)Drehbücher. Ani erhielt für sein vielschichtiges<br />
Werk zahlreiche Auszeichnungen, darunter<br />
den Deutschen Krimipreis. Lichtjahre im Dunkel ist<br />
bereits der 22. Band aus der Tabor-Süden-Reihe.<br />
Buchtipp:<br />
Friedrich Ani:<br />
Lichtjahre im Dunkel<br />
Suhrkamp, 445 S., € 26,70<br />
Lesung:<br />
Wagner’sche<br />
Innsbruck<br />
Friedrich Ani liest aus<br />
Lichtjahre im Dunkel<br />
Moderation: Nadine Rendl<br />
Fr., 11. Oktober 2024, 19:30<br />
Wagner’sche Buchhandlung,<br />
Innsbruck<br />
Eintritt: € 9,00/€ 7,00<br />
mit Wagner- oder Ö1-Card<br />
www.oeticket.com<br />
Alle Infos zum Krimifest:<br />
www.krimifest.at
© Andreas Reiberg<br />
Judith Hermann<br />
kommt für 100 Jahre Büchergilde nach Innsbruck.<br />
Geschäftsführer und Verleger Alexander Elspas<br />
hat sie dazu interviewt.<br />
Wagner’sche<br />
Innsbruck<br />
Ich war eine Leserin,<br />
aber ich war möglicher -<br />
weise zu jung, um das<br />
Kleid der Bücher<br />
würdigen zu können.<br />
Bücher seit 1639<br />
Alexander Elspas: Liebe Judith,<br />
mit deinem Debüt, dem Erzählband<br />
Sommerhaus, später, erschien im<br />
Jahr 1999 das erste Buch von dir<br />
in einer Büchergilde-Ausgabe.<br />
An was erinnerst du dich noch zu<br />
diesem Projekt?<br />
Judith Hermann: Es gab damals<br />
merkwürdigerweise einige unterschiedliche<br />
Ausgaben der Erzählungen – eine Ausgabe<br />
mit Hörbuch-CD, die Sonderauflage einer<br />
Taschenbuchausgabe, die Büchergilde-<br />
Ausgabe kam dazu, und an und für sich<br />
war ich wohl ziemlich überfordert.<br />
Ich erinnere mich an ihr Format – klein –<br />
und an eine stilisierte Muschel auf Strandsand.<br />
Die große Ehre, die diese Ausgabe<br />
eigentlich gewesen ist, war mir damals<br />
nicht bewusst.<br />
Was wusstest du über die Büchergilde<br />
vor der Lizenzierung deines Buchs?<br />
Offen gestanden – wenig. Das waren die<br />
jungen Jahre, in denen zerlesene Taschenbuchausgaben<br />
mit eingerissenem Deckblatt,<br />
Anstreichungen und Eselsohren weiter<br />
und weiter verliehen worden sind. Ich war<br />
eine Leserin, aber ich war möglicherweise<br />
zu jung, um das Kleid der Bücher würdigen<br />
zu können. Die Freude an einem sehr<br />
schönen Buch nimmt mit den Lebensjahren<br />
deutlich zu.<br />
Danach ging es kontinuierlich<br />
weiter, 2003 erschien bei uns Nichts<br />
als Gespenster, 2009 dann Alice.<br />
Man kann wohl sagen: Hermann und<br />
Büchergilde, das passt zusammen.<br />
Deine Bücher finden großen Anklang<br />
bei unseren Mitgliedern, genauso<br />
wie bei uns. Wie würdest du deine<br />
Beziehung zur Buchgemeinschaft<br />
Büchergilde beschreiben?<br />
Ich bin bei jedem Buch ausgesprochen erleichtert,<br />
wenn es auch bei der Büchergilde<br />
erscheinen darf; eine Büchergilde-Ausgabe<br />
17<br />
hat etwas von einem Segen fürs Buch.<br />
Und die Begegnung mit Leser*innen,<br />
die nach einer Veranstaltung eine Büchergilde-Ausgabe<br />
signieren lassen wollen,<br />
ist durchaus besonders. Verschwörerisch<br />
und einverständig.<br />
Daheim (2021) unterscheidet<br />
sich dann etwas von den anderen<br />
Ausgaben: In Zusammenarbeit<br />
mit der Künstlerin Ulrike Steinke<br />
entstand so etwas wie ein Buch<br />
im Buch; dein Text trifft auf abstrakte<br />
Papierschnitte, die als<br />
Bildteil eingefügt sind. Wie kam<br />
das zustande?<br />
Die Zusammenarbeit war ein überraschender<br />
Vorschlag der Büchergilde.<br />
Ulrike Steinkes Papierschnitte haben<br />
viele Ebenen, man kann sie ansehen oder<br />
durch sie hindurch und hinter sie sehen.<br />
Ähnlich empfand ich mein Buch –<br />
man kann es auf seiner vordergründigen<br />
Erzählebene lesen, man kann sich aber<br />
auch auf eine zweite Ebene einlassen,<br />
auf die Geschichte, die hinter der vorgeblichen<br />
Geschichte erzählt wird. Für mich<br />
waren Ulrike Steinkes schwarze Papierschnitte<br />
eine feine und eigensinnige Entsprechung<br />
meines Schreibens. Kippfiguren,<br />
Wendungen der Spiegelsymmetrien,<br />
positive und negative Formen. Eine Leerstelle<br />
ist nicht einfach eine Leerstelle,<br />
sie kann eine dunkle oder abgründige Welt<br />
hinter der scheinbaren Wirklichkeit sein.<br />
In welcher Form könntest du<br />
dir vorstellen, noch einmal eines<br />
deiner Bücher mit Bildern oder<br />
Illustrationen zusammenzubringen?<br />
Ich wäre froh! Begegnungen zwischen<br />
Buchgestalter*innen und Autor*innen<br />
sind erstaunlich selten und ich habe<br />
sowohl das illustrierte Buch als aber auch<br />
die Begegnung mit Ulrike Steinke als<br />
Geschenk empfunden.<br />
Für Wir hätten uns alles gesagt<br />
(2023) wählte unsere Herstellung ein<br />
grün-graues Leinen und zweifarbige<br />
Prägungen auf dem Einband. Wie<br />
wichtig sind dir selbst Ausstattung<br />
und Haptik beim Lesen?<br />
Für mich ist die Lieblingsausgabe aller<br />
meiner Bücher, auch der Übersetzungen,<br />
die Büchergilde-Ausgabe von Alice.<br />
Leinen und geprägte Farben, Zypressen<br />
und Sterne, eine schönere Ausgabe kenne<br />
ich nicht. Zurzeit lese ich Thomas Hardys<br />
Jude Fawley, steingraues Leinen der<br />
Büchergilde-Klassik, Dünndruckpapier,<br />
lindgrünes Vorsatzblatt. Hardy zu lesen<br />
ist beglückend, ihn in einer solchen<br />
Ausgabe zu lesen, ist eindeutig eine Erweiterung<br />
des Zustandes.<br />
Wenn du dir ein besonderes<br />
Ausstattungsdetail für eines deiner<br />
Bücher wünschen könntest,<br />
was wäre das?<br />
Immer ein Lesebändchen!<br />
Buchtipp:<br />
Judith Hermann:<br />
Wir hätten uns alles gesagt<br />
Büchergilde Gutenberg (Lizenz<br />
S. Fischer), 192 S., € 22,00<br />
Veranstaltung:<br />
100 Jahre Büchergilde<br />
Ein Abend mit Judith Hermann<br />
Moderation: Alexander Elspas<br />
Di., 15. Oktober, 19:30 Uhr<br />
Wagner’sche Buchhandlung,<br />
Innsbruck<br />
Eintritt: € 9,00/€ 7,00 mit<br />
Wagner- oder Ö1-Card<br />
Für Mitglieder der Büchergilde<br />
ist der Eintritt frei!
100 Jahre<br />
schöne Bücher<br />
Die Büchergilde Gutenberg feiert 100 Jahre. Wagner’sche<br />
und Leporello sind die Partnerbuchhandlungen in Österreich!<br />
Corporate Design<br />
Fotografie<br />
Packaging<br />
Schöne Bücher<br />
Informationsdesign<br />
Editorial<br />
Ausstellungen<br />
Specials<br />
www.himmel.co.at<br />
Die Büchergilde Gutenberg ist die einzige<br />
literarische Buchgemeinschaft Deutschlands.<br />
Hier treffen sich Leser*innen, Autor*innen,<br />
Künstler*innen, Drucker*innen und<br />
Büchermachende.<br />
Vor 100 Jahren wurde sie in Leipzig<br />
gegründet u. a. mit dem Auftrag, schöne<br />
Bücher auch für Wenigverdiener*innen<br />
leistbar zu machen.<br />
Jedes Quartal kuratiert der Verlag ein<br />
neues Programm. Aus den spannendsten<br />
Neuerscheinungen eines Bücherjahres<br />
wählt die Büchergilde eine Reihe lesenswerter<br />
Bücher für ihr Programm aus,<br />
publiziert Originalausgaben oder entdeckt<br />
Klassiker wieder.<br />
Dabei steht immer die Buchkunst im<br />
Fokus: Die Büchergilde gestaltet individuell,<br />
immer aufs Buch zugeschnitten,<br />
mit haptisch besonderen Materialien und<br />
in Zusammenarbeit mit bekannten oder<br />
jungen Künstler*innen. Illustrierte Bücher<br />
haben im Verlag eine große Tradition.<br />
Gelebte Buchgemeinschaft<br />
Eine Buchgemeinschaft, das ist ein<br />
Zusammenschluss von bücherliebenden<br />
Menschen. Das Konzept der Mitgliedschaft<br />
ermöglicht es erst, dass die Büchergilde<br />
inhaltlich und gestalterisch hochwertige<br />
Bücher planen und produzieren sowie<br />
unabhängig bleiben kann. Heute besteht<br />
die Buchgemeinschaft aus etwa 60.000 Mitgliedern,<br />
8.000 davon in Österreich!<br />
Als Büchergilde-Mitglied zahlt man<br />
keinen Mitgliedsbeitrag, einzige Bedingung<br />
ist es, vier Mal im Jahr mindestens einen<br />
Artikel zu erwerben, und damit unterstützt<br />
man wunderschöne und leistbare Buchkunst<br />
für viele. Darüber hinaus organisieren<br />
wir immer wieder Veranstaltungen in<br />
Innsbruck und Wien, wie z. B. den Abend<br />
mit Judith Hermann (siehe Seite 16/17).<br />
Für Kund*innen und solche, die es noch<br />
werden wollen, haben wir hier schon<br />
drei Tipps von den Partnerbuchhandlungen<br />
in Innsbruck & Wien.<br />
Bartleby,<br />
der Schreiber<br />
Giovannis<br />
Zimmer<br />
22 Bahnen<br />
Herman Melville/Stefhany Y. Lozano (Ill.):<br />
Bartleby, der Schreiber<br />
Büchergilde Gutenberg, 112 S., € 22,00<br />
James Baldwin:<br />
Giovannis Zimmer<br />
Büchergilde Gutenberg, 208 S., € 22,00<br />
Caroline Wahl:<br />
22 Bahnen<br />
Büchergilde Gutenberg, 208 S., € 24,00<br />
du dramhapperter mensch /<br />
grün wie absinth / der meine<br />
bist a bissl dramhappert /<br />
sinne stört und stöbert<br />
happerts bei deine dram /<br />
im gedankenmisthaufen /<br />
dramma dam mia nimma /<br />
der vogelfrei ein teures postulat<br />
du dramhapperts depperl /
© Penguin Random House Verlagsgruppe<br />
Jo Lendle<br />
Ein großer Verleger, ein großer Schriftsteller.<br />
Und große Fragen von Michael Köhlmeier …<br />
Wagner’sche<br />
Innsbruck<br />
Das Weglassen<br />
ist ohnehin eines der<br />
edelsten Gewerke<br />
des Schreibens.<br />
Bücher seit 1639<br />
Michael Köhlmeier: Es gibt Bücher,<br />
da schaut man, während man liest,<br />
dem Autor beim Erfinden zu –<br />
das können sehr schöne Bücher<br />
sein –, und es gibt solche, da berichtet<br />
der Autor von historischen<br />
Personen und Ereignissen in einer<br />
Art, als wäre er der bestinformierte<br />
Chronist und der intimste Freund<br />
der Protagonisten. In deinem Roman<br />
Die Himmelsrichtungen erweist<br />
du dich als großartiger Vertreter<br />
letzterer Kategorie. Dazu habe ich<br />
keine Frage, bitte dich aber um einen<br />
Kommentar.<br />
Jo Lendle: Im Gegensatz zu dir habe ich<br />
dazu viele Fragen. Zum Beispiel: Was ist die<br />
Differenz zwischen Chronik und Roman?<br />
Ich würde sagen: Gewiss das Hinzuerfinden.<br />
Aber nicht minder das Weglassen.<br />
Das Weglassen ist ohnehin eines der edelsten<br />
Gewerke des Schreibens. Damit verwandt<br />
ist die Frage: Bietet nicht der Mantel<br />
historischer Wahrheit den schönsten Tarnumhang?<br />
Jedenfalls lässt sich darin ziemlich<br />
wild hantieren – wer wüsste das besser als<br />
du? Niemand käme auf die Idee, einen<br />
Roman in anderen Zeiten anzusiedeln,<br />
um nachgereichte Historienschreibung zu<br />
betreiben. Es geht eher um das Wiederkennen<br />
von Maserungen oder um den Blick<br />
in einen Brunnen, in dem sehr weit unten<br />
und recht verwackelt das eigene Spiegelbild<br />
liegt. Es geht um Verwandtschaft. Wenn es<br />
nicht in sämtlichen Hinsichten vermessen<br />
wäre, ließe sich das Flaubertsche Madame-<br />
Bovary-Wort spaßeshalber weiterdrehen:<br />
Amelia Earhart, c’est ma grande-mère.<br />
Und Großmütter wollen in all ihrer Eigentümlichkeit<br />
beschrieben sein.<br />
Amelia Earhart wäre heute immer<br />
noch außergewöhnlich. Damals aber<br />
war sie eine Sensation. Weil sie das meiste,<br />
wofür sie stand, mehr oder weniger erfunden<br />
hat. Pilotinnen oder Frauenrechte<br />
gab es höchstens als Gerücht. Und für ihr<br />
Selbstverständnis jenseits der Geschlechter<br />
gab es nicht mal Begriffe. Dabei war all<br />
das gar nicht das Herausragendste an ihr.<br />
21<br />
Einzigartig war, dass sie es tat, als wäre<br />
nichts dabei. Sie hatte eine fundamentale<br />
Blindheit für die Unmöglichkeit. Im Schreiben<br />
habe ich versucht, an ihrem Talent zur<br />
Unmöglichkeitsblindheit in einem einzigen<br />
Punkt zu schnuppern: Indem ich so tat,<br />
als würde ich sie – über alle Unterschiede<br />
hinweg – verstehen.<br />
Die „Ouverture“ zu deinem Buch<br />
ist fulminant! Beneidenswert.<br />
Diese wenigen Seiten beweisen,<br />
dass Dichtung alles kann.<br />
Die Umrundung der Welt im Jahr<br />
1937 in einer Lockheed Electra ist<br />
in deiner Beschreibung mitreißender,<br />
als ein realer Bericht es leisten<br />
könnte. Die Schöpfung von weit<br />
oben betrachtet. Ein Beispiel dafür,<br />
dass Poesie, wenn sie Sachlichkeit<br />
imaginiert, sachlicher sein kann als<br />
die Sachlichkeit selbst. Du bist ein<br />
großer Dichter. Was sagst du dazu?<br />
Dass du spinnst. Dazu sage ich nichts.<br />
Besonders gut haben mir die Szenen<br />
gefallen, in denen über den Vater<br />
der Protagonistin Amelia Earhart<br />
erzählt wird, der Erfinder, der so<br />
vieles erfindet, was bereits erfunden<br />
ist. Ich weiß, dass es Freude macht,<br />
als Autor in das Leben realer<br />
Personen einzugreifen und sie Dinge<br />
tun und Gedanken denken zu lassen,<br />
die sie nicht getan und wahrscheinlich<br />
auch nicht gedacht haben.<br />
Ist Schreiben Herrgott-Spielen?<br />
Unbedingt. Schreiben ist der Traum von<br />
Freiheit. Eine himmlische Anmaßung:<br />
ein Creator Mundi, dem Adam schon über<br />
die Schulter guckt, um die ganzen Kreaturen<br />
gleich zu benennen. Wobei wir dafür<br />
natürlich etwas spät dran sind. Anders als<br />
in der Genesis spiegeln unsere Schöpfungen<br />
bestehende Muster und Gestalten – selbst in<br />
den Ursonaten und Écritures automatiques.<br />
Wir bringen es mit Mühe zu sekundären<br />
Herrgöttern. Was auch ganz hübsch ist und<br />
generell ein schönes Bild für den Menschen.<br />
Die letzten Bücher von Monika und<br />
mir hast du lektoriert, weil Martin<br />
Kordić, der Lektor, in Baby-Karenz<br />
ist. Du bist Autor, Verleger und<br />
Lektor. Wie bringst du diese drei<br />
Rollen zusammen unter der Kuppel?<br />
Über uns ist ja keine Kuppel, da ist nichts<br />
als offener Himmel. Der hat – wie Amelia<br />
Earhart wusste – zum Glück keine Grenzen.<br />
Da passt vieles hinein. In meinen Augen<br />
widersprechen sich die Berufe nicht, sie gehören<br />
zusammen.<br />
Verleger und Schriftsteller.<br />
Wann hast du Zeit zum Schreiben<br />
und wie findest du deinen – deinen! –<br />
Platz? Schaust du dir als Verleger<br />
beim Schreiben zu?<br />
Wenn ich schreibe, schläft der Verleger.<br />
Es sei ihm gegönnt. Und ich tippe leise.<br />
Dankeschön, lieber Jo.<br />
Jo Lendle, 1968 geboren in Osnabrück, ist Autor<br />
und Verleger des Hanser Verlags. Er studierte<br />
Literatur, Kulturwissenschaften und Philosophie<br />
in Hildesheim und an der Université du Québec à<br />
Montréal. Zuletzt erschien Eine Art Familie und<br />
eben Die Himmelsrichtungen (beide Penguin).<br />
Buchtipp:<br />
Jo Lendle:<br />
Die Himmelsrichtungen<br />
Penguin, 256 S., € 25,70<br />
Buchpräsentation:<br />
Jo Lendle liest aus<br />
Die Himmelsrichtungen<br />
Moderation: Nicola Steiner (CH)<br />
Mi., 23. Oktober, 19:30 Uhr<br />
Wagner’sche Buchhandlung,<br />
Innsbruck<br />
Eintritt: € 9,00/€ 7,00 mit<br />
Wagner- oder Ö1-Card<br />
www.oeticket.com
Buchtipp:<br />
Peter Waldeck:<br />
All der wilde Unfug<br />
Milena Verlag, 220 S., € 25,00<br />
© Jan Molnar<br />
Immer wieder muss<br />
Viktor seine Pläne<br />
ändern, um durch das<br />
Chaos zu kommen.<br />
Bücher seit 1639<br />
All der<br />
wilde Unfug<br />
Tieftrauriger Ton, aber voll beißendem Humor.<br />
Ina Cassik bittet Peter Waldeck zum Gespräch.<br />
Ina Cassik: Lieber Peter, dein<br />
neuer Roman ist Künstlerroman,<br />
Familiengeschichte, Road-Novel und<br />
einiges andere mehr. Möchtest du<br />
dein Buch einem bestimmten Genre<br />
zuordnen, oder ist genau das gar<br />
nicht beabsichtigt?<br />
Peter Waldeck: Ich habe es auch gerne,<br />
wenn ich beim Lesen überrascht werde.<br />
Insofern wäre ich mit dem neutralen Begriff<br />
Roman oder auch Gesellschaftsroman<br />
zufrieden. Der wilde Ritt durch die Genres<br />
ist diesmal aber auch besonders den sprunghaften<br />
Charakteren geschuldet. Schon lange<br />
wollte ich diese genial-verrückten Narren<br />
und Trunkenbolde, wie sie etwa in<br />
Dostojewski-Romanen oder Shakespeare-<br />
Stücken als Comic-Relief auftauchen, in<br />
den Vordergrund stellen und sie zu Hauptfiguren<br />
eines eigenen Romans upgraden.<br />
Die nehmen aber auch wenig Rücksicht<br />
darauf, in welchem Genre sie sich gerade<br />
befinden.<br />
Der Ich-Erzähler Viktor ist er folgloser<br />
Künstler, Trinker, geschieden,<br />
einsam und me lan cholisch. In dem<br />
Buch beschreibst du, was er selbst<br />
als „Abstieg in die Merkwürdigkeit“<br />
bezeichnet. Woran scheitert Viktor?<br />
Viktor kommt aus einer Generation, in<br />
der Selfcare noch kein großes Thema ist.<br />
Er kann mit seinem Erfolg nicht umgehen,<br />
gönnt sich keine Pausen, ergibt sich dem<br />
Exzess, er nimmt keine Rücksicht auf seinen<br />
Körper. Die ersten Warnsignale überhört<br />
er, da kommt es bei der Hochzeit einer<br />
Freundin zum großen Nervenzusammenbruch,<br />
als er – überzeugt davon, einen<br />
sehr guten Witz zu reißen – die gesamte<br />
Hochzeitsgesellschaft schockiert und sich<br />
ins soziale Aus manövriert. Als er sich nach<br />
sechs Jahren Pause wieder zurückmelden<br />
will, geht es allerdings erst so richtig schief.<br />
23<br />
Viktor hat auch ritterliche<br />
Eigenschaften: Zweimal kommt er<br />
einer Frau in Not zu Hilfe, und als<br />
eine der wenigen Figuren in dem<br />
Roman ist er nicht von Geldgier<br />
getrieben. Ist er ein tragischer Held?<br />
Wenn es darauf ankommt, kann er<br />
heldenhaft handeln. Aber er ist auch leicht<br />
überfordert mit den Herausforderungen,<br />
die das Leben an ihn stellt. Ich finde,<br />
man kann sich gut mit ihm identifizieren.<br />
Es ist mir beim Schreiben selten bewusst,<br />
aber im Nachhinein fällt mir schon auf,<br />
dass Viktors Situation im Laufe des Romans<br />
grob vergleichbar ist mit der unserer<br />
westlichen Gesellschaft in den letzten<br />
Jahren. Während einer ungeplanten Auszeit<br />
denkt er noch: „Ah, das ist schön! Endlich<br />
Ruhe! Ich kann mich neu erfinden!“<br />
Doch als er versucht, wieder in den Alltag<br />
zurückzufinden, treffen ihn links und rechts<br />
Schicksalsschläge. Immer wieder muss<br />
Viktor seine Pläne ändern, um durch das<br />
Chaos zu kommen.<br />
Eine Art Gegenpol zu Viktor stellt<br />
Clemens dar, Viktors Jugendfreund.<br />
Im Gegensatz zu Viktor ist er<br />
mit seiner Kunst erfolgreich und<br />
vermögend geworden, dafür aber früh<br />
verstorben. Welches Schicksal ist<br />
deiner Meinung nach vorzuziehen?<br />
Da einem niemand die Hoffnung nehmen<br />
kann, dass es gleich um die Ecke, im nächsten<br />
Jahr, in der nächsten Woche viel besser<br />
wird, ziehe ich das lange Leben vor.<br />
„Ein bisserl Glück geht immer“, um hier<br />
den Monaco Franze falsch zu zitieren.<br />
Die zweite Hauptfigur ist<br />
Tante Erbse, Clemens’ Mutter.<br />
Sie ist bösartig, geldgierig<br />
und lüstern. Ausgerechnet sie<br />
wird Viktors einzige Zuflucht.<br />
Warum hast du Viktor diese Figur<br />
an die Seite gestellt?<br />
Ich liebe listige, hinterfotzige Frauenfiguren,<br />
die wissen, was sie wollen, und es<br />
zielstrebig angehen. Sie haben so viel Potenzial<br />
für Komik und Konflikte! Es kann gar<br />
nicht genug von ihnen geben.<br />
Es gibt in diesem Roman keine Figur,<br />
die nicht scheitert (vielleicht der<br />
Esel). Diese Tragik wird aber von<br />
einer ungeheuren Komik abgefedert:<br />
Humor, schräges Personal und<br />
slapstickartige Szenen sorgen dafür,<br />
dass man beim Lesen sehr viel lachen<br />
muss. Worüber kannst du lachen?<br />
Hui, da gibt es viel. Die Cartoons<br />
von Hauck & Bauer! Die Bücher von<br />
Barbi Marković, Elias Hirschl und<br />
Heinz Strunk. Über den trockenen Humor<br />
der Schriftstellerin Ottessa Moshfegh<br />
und den staubtrockenen Humor von<br />
Joy Williams kann ich sehr lachen.<br />
Und die Fernsehserien Curb Your Enthusiasm<br />
und Adventure Time liebe ich.<br />
Vielen Dank für<br />
das Gespräch.<br />
Peter Waldeck ist Theatermacher, Comic-Texter<br />
und Schriftsteller. Mit seiner Theatergruppe Casa<br />
Del Kung Fu feierte er große Erfolge bei Publikum<br />
und Kritik. Peter Waldeck lebt in Wien.<br />
All der wilde Unfug ist sein vierter Roman.<br />
Lesung:<br />
Stöger–<br />
Leporello<br />
Wien<br />
Peter Waldeck liest aus<br />
All der wilde Unfug<br />
Fr., 25. Oktober, 19:00 Uhr<br />
Stöger-Leporello –<br />
die Buchhandlung, Wien<br />
Eintritt: € 7,00<br />
Um Anmeldung wird gebeten:<br />
T. 01/3203449 oder<br />
office@stoegerbuch.at
© Dieter Brasch<br />
Vom Dreh- zum<br />
Kinderbuch<br />
Leporello Buchhändlerin Christina Skala<br />
im Gespräch mit Hannes Wirlinger<br />
Leporello die<br />
Buchhandlung<br />
Wien<br />
Es gibt für meine<br />
Geschichte nicht das<br />
eine reale Vorbild.<br />
Bücher seit 1639<br />
Christina Skala: Lieber Hannes,<br />
du bist seit 20 Jahren erfolgreicher<br />
Autor von Drehbüchern, z. B. für<br />
die Serien Soko Kitzbühl und Fokus<br />
Mord. Wie bist du zum Schreiben<br />
von Kinder- und Jugendbüchern<br />
gekommen und wie hat dich das<br />
Drehbuchschreiben beeinflusst?<br />
Hannes Wirlinger: Es war immer mein<br />
Traum, einen Roman bzw. Bücher zu<br />
schreiben. Nach zahlreichen Drehbüchern<br />
war es ein logischer Schritt, diesen Traum<br />
auch in die Tat umzusetzen. So entstand<br />
Der Vogelschorsch. Drehbuchschreiben war<br />
wesentlich für meine Karriere als Schriftsteller.<br />
Ich habe eine Drehbuchschule und<br />
viele Schreibworkshops besucht, zahlreiche<br />
Drehbuchbesprechungen absolviert und<br />
jeden Tag geschrieben. Auf diese Weise<br />
lernte ich das Schreib-Handwerk, lernte,<br />
Feedback anzunehmen und meine Texte zu<br />
überarbeiten. Natürlich beeinflusst die eine<br />
Form die andere und umgekehrt.<br />
Du hast bis jetzt zwei Jugendbücher<br />
veröffentlicht – Der Vogelschorsch<br />
(ausgezeichnet mit dem Öster reichischen<br />
Jugendbuchpreis) und<br />
Die Fürstin der Raben. Was hat<br />
dich inspiriert?<br />
Mich inspirieren viele Dinge: Gesprächsteile,<br />
die ich in der Tram aufschnappe,<br />
andere Texte, ein interessantes Gespräch,<br />
ein gutes Buch, ein Bild, die Umgebung,<br />
die Natur, Geräusche und natürlich Menschen<br />
etc. Meistens sind es Menschen,<br />
die in irgendeiner Form als Vorbild für eine<br />
Geschichte dienen. Bei Der Vogelschorsch<br />
und Die Fürstin der Raben spielt der Wald<br />
ebenso eine tragende Rolle wie die Vögel.<br />
Sodann entsteht ein Puzzle aus vielen kleinen<br />
Teilen, die meine Geschichten formen<br />
und vorantreiben und hoffentlich auch<br />
meine Leser*innen inspirieren.<br />
25<br />
Deine Figuren sind unglaublich<br />
authentisch und bleiben lange im<br />
Gedächtnis. Gibt es reale Vorbilder?<br />
Es gibt für meine Geschichte nicht das<br />
eine reale Vorbild. Mehr sind es Anteile,<br />
außergewöhnliche Charaktereigenschaften<br />
von Menschen in meiner Umgebung oder<br />
die ich auch nur ein einziges Mal getroffen<br />
habe. So wächst nach und nach die Figur<br />
und ihre Handlungsweisen kristallisieren<br />
sich heraus. Dies ist ebenso ein Prozess wie<br />
das Schreiben, das Finden und Aufstöbern<br />
von Ideen.<br />
Was liegt dir besonders am Herzen,<br />
wenn du an deine Bücher denkst?<br />
Mir ist es wichtig, meine Leser*innen mit<br />
meinen Geschichten zu berühren, ihnen ein<br />
Schmunzeln oder einen Lacher zu entlocken<br />
und sie in eine „andere“ Welt zu entführen.<br />
Sie sollen von Anfang bis zum Ende wissen<br />
wollen, wie die Geschichte weitergeht und<br />
wie die Figuren ihre Aufgaben meistern<br />
oder daran scheitern.<br />
Beide Bücher sind wunderschön<br />
ausgestattet und illustriert. Wie<br />
wichtig ist dir das?<br />
Mit dem Verlag Jacoby & Stuart in Berlin<br />
und der fantastischen Illustratorin Ulrike<br />
Möltgen hatte ich großes Glück. In den<br />
ersten Gesprächen mit Ulrike Möltgen und<br />
den Verlegern war für mich sofort klar,<br />
dass wir in dieselbe Richtung denken und<br />
die gleiche Vision, wie das Buch aussehen<br />
soll, haben. Das ist ein großes Geschenk.<br />
Die fabelhaften Illustrationen und das<br />
Cover von Der Vogelschorsch und<br />
Die Fürstin der Raben geben den Büchern<br />
ein einzigartiges Gesicht und sorgen<br />
sofort für Aufmerksamkeit. Überdies sind<br />
die Bücher wunderschön ausgestattet.<br />
Das zeigt für mich: Hier sind Menschen<br />
am Werk, die wie ich Bücher lieben.<br />
In diesem Umfeld fühle ich mich wohl.<br />
Deine Bilderbücher Das Duell der<br />
Großmütter und Das Weihnachtsduell<br />
der Großmütter sind wahnsinnig<br />
witzig und ein Vorlesespaß für<br />
alle ab ca. 4 Jahren. Woher kam<br />
die Idee für die coolen Omas?<br />
Zu den beiden Bilderbüchern hat mich<br />
meine Großmutter inspiriert. Sie hat bei<br />
uns im Haus gewohnt und war ein sehr<br />
wichtiger Mensch in meinem Leben.<br />
Die Geschichten habe ich in Erinnerung<br />
an sie geschrieben. Überdies habe ich in<br />
meinem Umfeld oft beobachtet, wie Großeltern<br />
um die Gunst der Enkelkinder<br />
ringen und sich dabei regelrecht einen<br />
Wettkampf liefern. So ist mir die Idee für<br />
die Geschichten gekommen.<br />
Hannes Wirlinger ist seit 2003 freier Drehbuchautor<br />
und Schriftsteller in Wien und Niederösterreich. Er<br />
verfasste zahlreiche Drehbücher für die ORF-ZDF-<br />
Krimiserie Soko-Kitzbühel, die ORF-Krimiserie<br />
Fokus Mord und für die Kinder-Animationsserie<br />
Hexe Lilli. In letzter Zeit schreibt er verstärkt Texte<br />
für Kinder- und Jugendbücher. Unter anderem Der<br />
Vogelschorsch (2019, Jacoby & Stuart), das mit dem<br />
Österreichischen Kinder- und Jugendbuchpreis 2020<br />
ausgezeichnet wurde.<br />
Buchtipp:<br />
Hannes Wirlinger:<br />
Die Fürstin der Raben<br />
Jacoby & Stuart, 272 S., € 20,60<br />
Lesung:<br />
Hannes Wirlinger liest aus<br />
Die Fürstin der Raben<br />
(ab 14 Jahren)<br />
Do., 7. November, 18:30 Uhr<br />
Leporello – die Buchhandlung,<br />
Wien<br />
Eintritt: € 7,00
Buchtipp:<br />
Constanze Scheib:<br />
Mordshochzeit,<br />
Herrschaftszeiten<br />
Oktopus im Kampa Verlag,<br />
288 S., € 19,50<br />
© Constanze Scheib<br />
Beim Schreiben<br />
höre ich schon die<br />
einzelnen Stimmen,<br />
als ob sich eine<br />
Filmszene in meinem<br />
Kopf abspielt.<br />
Bücher seit 1639<br />
Agatha Christie<br />
m t Wiener Schmäh<br />
Constanze Scheib schickt ihre Ermittlerin in<br />
ein mörderisches Wochenende in der Provinz.<br />
Ina Cassik: Der aktuelle Band<br />
deiner Krimireihe rund um die gnä’<br />
Frau spielt nicht in Wien, sondern in<br />
der niederösterreichischen Provinz.<br />
Was war der Grund für dich, deine<br />
Hauptfigur Helene Ehrenstein<br />
diesmal in die „Pampa“ zu schicken,<br />
wie sie selbst es nennt?<br />
Constanze Scheib: Ich fand es spannend,<br />
die gnä’ Frau einmal aus ihrer Komfortzone<br />
herauszuholen, und wollte beobachten,<br />
wie sie sich in einer ihr weniger bekannten<br />
Umgebung verhält. Hietzing kennt sie wie<br />
ihre Rocktasche, doch in Niederösterreich<br />
muss sie sich erst zurechtfinden. Es war<br />
auch besonders lustig, die kleinen Ressentiments<br />
der Niederösterreicher den Wienern<br />
gegenüber – und umgekehrt – ein wenig zu<br />
beleuchten.<br />
Das Setting ist ein imposantes<br />
Herrenhaus, das einen sofort an<br />
Krimis von Agatha Christie<br />
oder Filme wie Gosford Park und<br />
Knives Out erinnert. Es ist allerdings<br />
das Jahr 1973, die Welt<br />
der Herrschaften und ihrer<br />
vornehmen Gäste vermischt sich<br />
schon mit jener der Dienst bot*innen.<br />
Hat dich dieser gesellschaftliche<br />
Umbruch besonders interessiert?<br />
Ich bin ein großer Fan und wollte unbedingt<br />
einen richtig Agatha Christie<br />
typischen Krimi schreiben. Mit all den klassischen<br />
Zutaten, aber eben auch modernen<br />
Elementen. Wie z. B., dass die Dienerschaft<br />
nicht nur aus gesichtslosen Statisten besteht,<br />
sondern ein wichtiger Teil der Handlung<br />
ist. Gerade die 70er-Jahre stehen für<br />
diesen gesellschaftlichen Umbruch, auch<br />
mit der neuen Gesetzgebung für Frauenund<br />
Homosexuellenrechte, und es war mir<br />
wichtig, das mit ins Buch aufzunehmen.<br />
27<br />
Du bist, wie deine Amateur-<br />
Ermittlerin, eine Liebhaberin von<br />
Krimi-Literatur und Kriminalfilmen.<br />
Beim Lesen bereitet es enormes<br />
Vergnügen, Anspielungen und<br />
Querverweise zu entdecken. Worin<br />
liegt für dich der besondere Reiz, so<br />
mit den Stilmitteln und Motiven des<br />
Genres zu spielen?<br />
Ich liebe es, diese Medien in meine eigenen<br />
Krimis einfließen zu lassen! Am schönsten<br />
ist es, wenn mich Leser begeistert darauf<br />
ansprechen, weil sie diesen speziellen Film<br />
oder dieses Buch auch kennen. Diese Anspielungen<br />
geben den „gnä’ Frau“-Büchern<br />
noch eine zusätzliche Ebene, lassen neue<br />
Bilder vor dem inneren Auge entstehen.<br />
Für Frau Ehrenstein waren diese Krimis<br />
eine Möglichkeit, aus ihrer langweiligen<br />
Welt auszubrechen, noch bevor sie Hobbydetektivin<br />
wurde, und so sind sie ein<br />
integraler Bestandteil ihrer Wahrnehmung<br />
geworden.<br />
An einem einzigen Wochenende<br />
geschehen drei Morde. Du legst<br />
immer wieder falsche Fährten aus,<br />
platzierst Cliffhanger und verzögerst<br />
die Auflösung der Fälle. Wie planst<br />
du deine Plots?<br />
Ich empfand das als spannende Herausforderung!<br />
Jedes Motiv, jede Mordart und<br />
jeder Tathergang müssen genau durchdacht<br />
und vorbereitet sein, insbesondere in so<br />
einem kurzen Zeitraum an nur einem Ort.<br />
Ich habe einen Grundriss des Herrenhauses<br />
gezeichnet, um ein genaues Gefühl zu<br />
haben, wo was passiert, wer wo etwas hören<br />
könnte, und welche Zimmer durchquert<br />
werden müssten, um an eine bestimmte<br />
Stelle zu gelangen. Außerdem habe ich<br />
einen Zeitstrahl zwischen Samstagmittag<br />
und Montag Früh erstellt. Übrigens gibt<br />
es diese Zeitangaben auch am Anfang der<br />
Kapitel, eine Neuerung für meine „gnä’<br />
Frau“-Krimis.<br />
Neben der wohldosierten Verwendung<br />
des Wienerischen ist dein Gespür für<br />
rasante Dialoge ein Markenzeichen<br />
deiner Bücher. Als ausgebildete<br />
Schauspielerin trägst du deine Texte<br />
sehr mitreißend vor. Denkst du<br />
beim Schreiben schon an die späteren<br />
Lesungen?<br />
Auf jeden Fall! Beim Schreiben höre ich<br />
schon die einzelnen Stimmen, als ob sich<br />
eine Filmszene in meinem Kopf abspielt;<br />
und ich hab’ viel Spaß dabei, sie auch so<br />
vor Publikum vorzutragen. Sowohl als<br />
Schauspielerin als auch als Autorin ist es<br />
für mich wichtig, die Figuren, mit denen ich<br />
arbeite, genau herauszuarbeiten. Ich befasse<br />
mich mit ihrem Leben, ihrer Vergangenheit,<br />
ihrem sozialen Stand und auch ihren<br />
Unsicherheiten. Worauf legen sie Wert, was<br />
hassen sie, wie wollen sie wahrgenommen<br />
werden? All das spiegelt wider, wie sie sich<br />
verhalten, aber auch wie sie sprechen. Die<br />
Dialoge fühlen sich dadurch greifbarer an.<br />
Danke für das Gespräch!<br />
Constanze Scheib ist in Wien geboren. Sie absolvierte<br />
eine Schauspielausbildung, spielte Theater und<br />
schrieb schon früh Kurzgeschichten und Theaterstücke.<br />
Heute arbeitet sie als Schriftstellerin, ist Mitglied<br />
der „Mörderischen Schwestern“ und schreibt<br />
nach eigener Aussage, was sie selbst gerne liest.<br />
Lesung:<br />
Stöger–<br />
Leporello<br />
Wien<br />
Constanze Scheib liest aus<br />
Mordshochzeit,<br />
Herrschaftszeiten<br />
Fr., 8. November, 19:00 Uhr<br />
Stöger-Leporello –<br />
die Buchhandlung, Wien<br />
Eintritt: € 7,00<br />
Um Anmeldung wird gebeten:<br />
01/3203449 oder<br />
office@stoegerbuch.at
Ole, Ole, Ole, Ole …<br />
Katja Lange-Müllers abgründiges neues Meisterwerk.<br />
Und ein paar Fragen von Robert Renk.<br />
© Annette HauschildOSTKREUZ<br />
Buchtipp:<br />
Katja Lange-Müller:<br />
Unser Ole<br />
Kiepenheuer & Witsch<br />
240 S., € 25,70<br />
Buchpräsentation:<br />
Katja Lange-Müller liest aus<br />
Unser Ole<br />
Moderation: Robert Renk<br />
Mi., 14. November, 19:30 Uhr<br />
Wagner’sche Buchhandlung,<br />
Innsbruck<br />
Eintritt: € 9,00/€ 7,00 mit<br />
Wagner- oder Ö1-Card<br />
www.oeticket.com<br />
Ohne Komik<br />
geht es bei mir<br />
nicht.<br />
Bücher seit 1639<br />
Robert Renk: Liebe Katja, in deinem<br />
neuen, wunderbaren Roman Unser<br />
Ole bringst du einen Winter lang<br />
drei sehr unterschiedliche Frauen<br />
mit dem „schwerfällig bärenhaften“<br />
18-jährigen Ole zusammen, der<br />
ko gnitiv beeinträchtigt ist. Und zwar<br />
in einem grauen zwei stöckigen<br />
„Nikolaushaus“ im letzten Loch des<br />
Berliner Speckgürtels. Zuerst sind<br />
da Ida und Elvira, später kommt –<br />
aus relevanten Gründen – Manuela<br />
dazu. Ole, so meint man, war immer<br />
schon da. Ida, ein ehemaliges<br />
Model aus Westberlin, stark ge altert<br />
und schwer pleite, zieht zu Elvira,<br />
ebenfalls im Pensionsalter, aber<br />
zumindest mit Haus (dem besagten).<br />
Nach einem Unfall, bei dem Elvira<br />
zu Tode kommt und dessen<br />
Umstände sich nicht gänzlich klären<br />
lassen, zieht dann Matilda ein,<br />
die Mutter Oles und die Erbin.<br />
Wie bist du auf diese interessante<br />
und außergewöhnliche Konstellation<br />
gekommen?<br />
Katja Lange-Müller: Die Idee zu diesem<br />
Buch kam mir im ersten Corona-Jahr.<br />
Ich sah abends bei mir im Berliner Wedding<br />
gelegentlich so einen schwerfälligen,<br />
ziemlich jungen, offensichtlich kognitiv<br />
beeinträchtigten Kerl, breit wie ein<br />
Schrank, groß und gekrümmt, der sich,<br />
wenn alle Kinder weg waren, allein auf<br />
der Kante einer Bank niederließ, vor sich<br />
hinstarrte, wieder aufstand, ging. Er wirkte<br />
wie eingeschlossen in eine hermetische<br />
Blase. Und ich sah damals, als wir alle<br />
zuhause bleiben sollten, ähnliche Typen,<br />
Obdachlose, Streuner, Verwirrte. Wo, fragte<br />
ich mich, sollen jene bleiben, die gar kein<br />
Zuhause haben?<br />
Somit hatte ich schon mal die Ole- Figur.<br />
Bald wurde mir klar, dass ich für den<br />
Ole Genannten Gegenfiguren brauche.<br />
Da kamen mir einige Frauen in den Sinn,<br />
Frauen etwa meines Alters, von denen ich<br />
gehört hatte, dass ihre Mütter sie nicht<br />
29<br />
gemocht hatten, weil sie lieber Söhne bekommen<br />
hätten. Ich fand das seltsam;<br />
wir sind ja Nachkriegskinder, und im Krieg,<br />
der hinter uns lag, waren vor allem die<br />
Söhne gefallen. Es gab auch „gefallene“<br />
Mädchen, aber wenn von denen die Rede<br />
war, war etwas ganz anderes gemeint.<br />
Also erfand ich Ida und Elvira und das<br />
Häuschen im Berliner Speckgürtel.<br />
Selbständig, etwas herrisch und übergriffig<br />
die eine Alte, bedürftig, vom Leben<br />
enttäuscht, ein wenig verpeilt, doch immer<br />
noch schön, die andere eine Pionierin<br />
der Brust-Implantation. Wichtig war mir,<br />
dass die schöne Ida aus dem Westen bei<br />
Elvira, der technischen Zeichnerin aus<br />
dem Osten, unterkriecht. Denn Ida hat nie<br />
selbst für sich sorgen müssen, sondern sich<br />
immer aushalten lassen, von Männern,<br />
die sie begehrten. Aber mit über 70 ist<br />
„der Lack“ nun mal ab; und Elvira braucht<br />
Ida, von der sie sich Hilfe mit dem kaum<br />
noch händelbaren, spätpubertierenden<br />
Autisten Ole erwartet. Manuela, die jüngere<br />
Frau und Erbin des Häuschens, die ihren<br />
Sohn schon als Baby der ungeliebten und<br />
sowieso lieblosen Mutter überlassen hat,<br />
komplettiert die Personage, die ich mir ausgedacht<br />
hatte für das Prosa-Kammerspiel,<br />
das mir vorschwebte.<br />
Würdest du meine Behauptung forsch<br />
zurückweisen, wenn ich von einem<br />
Buch der tristen und schönen Lügen<br />
spräche?<br />
Ja, diese Frauen sind zutiefst unaufrichtig,<br />
am meisten sicher Manuela, die lange<br />
mit einer echten Lebenslüge hausieren ging.<br />
Ihre böse Mutter, behauptete sie, habe<br />
ihren Sohn Ole gekidnappt, denn die<br />
habe immer einen Manuel gewollt und<br />
sei sehr unglücklich gewesen, weil sie nur<br />
eine Manuela bekommen habe. Dass sie<br />
im Grunde froh war, sich nicht um den<br />
behinderten, schwierigen Ole kümmern zu<br />
müssen, verschweigt Manuela. Je öfter<br />
sie diese Lebenslüge erzählt, umso mehr<br />
glaubt sie, so und nicht anders sei es<br />
gewesen. Das ist auch eine Voraussetzung<br />
für überzeugende Lügen: Die sind nur<br />
glaubhaft, wenn jene, die lügen, sich selbst<br />
glauben können, und das wiederum macht<br />
gute Lügen derart interessant; sie sind<br />
nicht komplett erlogen, sondern verschweigen<br />
nur den Kern der jeweiligen Geschichte.<br />
Auch Ida ist nicht aufrichtig;<br />
sie verstellt sich, mimt, als Manuela einzieht,<br />
die Fleißbiene, die sie zuvor niemals war.<br />
Denn sie fürchtet, dass die „Erbin“<br />
Manuela sie hinauswirft, wenn sie sich<br />
nicht unentbehrlich macht. Und wohin<br />
soll sie dann? In ihrem Alter, ohne genügend<br />
Geld? Ida war und ist aus existenzieller<br />
Abhängigkeit, erst von Männern,<br />
dann von Elvira und nun von Manuela,<br />
so unehrlich, genauer: schlangenfalsch.<br />
Elvira, Ida, Manuela, alle drei taktieren,<br />
täuschen vor, tricksen einander aus.<br />
Erst als Ole plötzlich verschwunden ist,<br />
implodiert die ganze Inszenierung.<br />
Man würde nicht unbedingt<br />
vermuten, dass bei dieser tristen<br />
Zusammenstellung – drei eher<br />
wenig sympathische, sozial leicht<br />
deformierte Frauen und ein<br />
autistischer Riese – auch so viel<br />
Witz in diesem Buch steckt.<br />
Ist dir ein Schreiben ohne Tiefe<br />
und ohne Witz nicht möglich?<br />
Ohne Komik geht es bei mir nicht. Denn<br />
Komik, Ironie, Witz, wie immer man es<br />
nennen mag, sind ja nur die Rückseite der<br />
Tragik. Ohne diese Rückseite würde es bloß<br />
lustig, und lustig ist diese Story nun wirklich<br />
nicht, das kann und darf sie nicht sein.<br />
Du hast einen sehr kenntnisreichen<br />
Blick auf die österreichische<br />
Literaturlandschaft, hast u. a.<br />
Reden auf Alois Hotschnig und<br />
Karl-Markus Gauß geschrieben.<br />
Wie beurteilst du diese Literatur?<br />
Tatsächlich, ich schätze die österreichische<br />
Literatur sehr, deren sprachliche Brillanz,<br />
die ihr innewohnende Leidenschaft, den<br />
Witz. Das begann mit Nestroy, Meyrink<br />
und Musil, doch ich lese auch begeistert<br />
meine Kolleginnen und Kollegen:<br />
Alois Hotschnig, Karl-Markus Gauß,<br />
Anna Weidenholzer, Arno Geiger,<br />
Robert Menasse, Theresa Präauer,<br />
Barbara Zemann, um nur einige zu nennen.<br />
Danke fürs Gespräch!<br />
Wagner’sche<br />
Innsbruck
Buchtipp:<br />
Ziegen in der Luft,<br />
Worte am Boden<br />
Angelika Rainer über Natur, Musik und<br />
Otto Grünmandl im Gespräch mit Robert Renk<br />
Wagner’sche<br />
Innsbruck<br />
© Julia Stix<br />
Angelika Rainer:<br />
Zweckbau für Ziegen<br />
Haymon, 88 S., € 23,90<br />
Veranstaltung:<br />
Angelika Rainer liest bei<br />
HerbstW:ORTE<br />
gemeinsam mit Jörg Zemmler<br />
und Frieda Paris<br />
Di., 19. November,<br />
19:30 Uhr<br />
Wagner’sche Buchhandlung.<br />
Innsbruck<br />
Eintritt frei!<br />
… ich habe sie<br />
gesehen und ich habe<br />
aufgeschrieben,<br />
was ich gesehen habe.<br />
Bücher seit 1639<br />
Robert Renk: Liebe Angelika,<br />
letztes Jahr erschien deine vierte<br />
Publikation im Haymon Verlag.<br />
Wie immer lässt du dich von hochinteressanten,<br />
eher unbekannten<br />
Quellen inspirieren. War es bei<br />
deinem Erstling Luziferin (2008)<br />
ein einziger Text von John Berger,<br />
ist es diesmal eine Vielzahl von Textausschnitten<br />
aus Zeitungen oder aus<br />
Werken von – leider viel zu wenig<br />
bekannten – Autor*innen (wie z. B.<br />
Maurice Blanchot). Woher stammt<br />
das Interesse für das, was abseits<br />
vom Kanon liegt?<br />
Angelika Rainer: Alles ist interessant,<br />
wenn man neugierig ist, und mit der entsprechenden<br />
Aufmerksamkeit kann alles<br />
Inspirationsquelle sein. Ich lese gerne auch,<br />
was sich nicht leicht erschließt, weil dadurch<br />
Raum bleibt zum Erfinden. In den Lücken,<br />
die beim Flanieren, beim Streunen durch<br />
Gedankenwelten bleiben, kann das Eigene<br />
entstehen, ein Gedanke, ein Satz, ein Gedicht.<br />
Man muss nur ohne Eile abwarten,<br />
sich mit dem Bruchteil, den man einstweilen<br />
versteht, zufriedengeben, muss einen<br />
Satz schön finden können, ohne ihn gleich<br />
erfassen zu müssen. So verstehe ich auch<br />
Blanchots l’entretien infini – das unendliche<br />
Gespräch – als fortwährende Aufmerksamkeit<br />
und den Glauben daran, dass man mit<br />
der Zeit versteht, dass mit der Zeit etwas<br />
entstehen wird.<br />
Natürlich glänzt dieser Band wieder<br />
mit genauen, so einfach scheinenden<br />
Bildern und Assoziationen. Die auf<br />
der Hand liegende Ver mutung ist<br />
aber ein doch über Jahre, wenn<br />
nicht Jahrzehnte geschulter Blick<br />
auf die Natur. Es sind wunderschöne<br />
und teils auch verstörende<br />
Naturschilderungen zu lesen.<br />
Bei Letzteren denke ich u. a. an<br />
31<br />
die Zeilen, in denen du das Ende<br />
von festgefrorenen Enten schilderst:<br />
„In den Morgenstunden wurden sie<br />
bei lebendigem Leib und<br />
eingefrorenen Füßen<br />
von den Seeadlern geholt.“<br />
Ist die Natur deine größte<br />
Inspirationsquelle?<br />
Wenn unter Natur alles zusammengefasst<br />
ist, was um mich herum ist, dann stimmt<br />
das. Inspiration für das Schreiben als eine<br />
Möglichkeit, die Welt wahrzunehmen und<br />
sich in ihr zurechtzufinden, entsteht durch<br />
Aufmerksamkeit, Genauigkeit im Schauen<br />
und in der Wahl der Worte. Das erfordert<br />
Zeit und Ruhe und die regelmäßige, unaufgeregte<br />
Arbeit am Schreibtisch.<br />
Die festgefrorenen Enten … ich habe sie<br />
gesehen und ich habe aufgeschrieben, was<br />
ich gesehen habe. Die Verbindung, die dieses<br />
Bild eingeht, die Verknüpfungen entstehen<br />
nach Tagen, Wochen, oft nach Jahren. Über<br />
die Lehrjahre der Malerin Paula Moderson-<br />
Becker habe ich gerade gelesen: „Sie zeichnet<br />
ausschnitthaft aus Werken, die etwas<br />
von dem enthalten, was sie für ihre Bildnisse<br />
verwenden möchte. Sie vereinfacht, löst aus<br />
Zusammenhängen, stellt neu zusammen …“<br />
Das gefällt mir, das beschreibt auch meine<br />
Art des Arbeitens. Ich staune, ich nehme<br />
zur Kenntnis, ich sammle, und ich werfe<br />
weg, sehr viel und nur wenig zögerlich;<br />
ich glaube, unterscheiden zu können, was<br />
bleiben oder später von Wert sein kann.<br />
Es geht auch hier darum abzuwarten,<br />
bis ein Satz sich mit dem anderen, dem<br />
richtigen verbindet. Und in dieser Zeit tut<br />
man nicht nichts, man wartet nicht nur.<br />
Man betrachtet, stellt um, dreht und<br />
wendet – weil ich ge rade Arnikablüten<br />
in Öl auf der Fensterbank stehen habe –,<br />
sie stehen lange in der Sonne, sie brauchen<br />
Zeit, um ihre Wirkung zu entfalten,<br />
aber sie dürfen nicht nur stehen, man muss<br />
das Glas drehen und wenden, auch auf<br />
den Kopf stellen, und so verfahre ich auch<br />
mit den Sätzen, den Texten. Aus all dem<br />
gesammelten Material, durch Drehen und<br />
Wenden, durch Reduktion auf das für mich<br />
Wesentliche, durch Verdichtung entsteht<br />
Poesie, das Gedicht. Wann es sich fügt, lässt<br />
sich nicht genau sagen, so wie man nicht<br />
genau sagen kann, wann man die letzte<br />
Schwalbe des Sommers gesehen hat.<br />
Am 1. Oktober bekommst du den<br />
Otto-Grünmandl-Literaturpreis<br />
2024 des Landes Tirol. Es ist der<br />
zweithöchste Literaturpreis,<br />
den das Land vergeben kann.<br />
Wie hast du es erfahren/aufgenommen.<br />
Und was fällt dir zum<br />
Namensgeber Otto Grünmandl ein?<br />
Ich wurde von Landeshauptmann Mattle<br />
angerufen, ich habe nicht gewusst,<br />
dass es diesen Preis gibt, und da wir mit<br />
Franui gerade am Tiroler Landestheater die<br />
Produktion über/von Otto Grünmandl<br />
gespielt hatten, erschien es mir ein wenig<br />
wie ausgedacht – meinen Musikerfreunden<br />
fällt viel Lustiges ein, es hätte auch<br />
erfunden sein können; aber eine Mailnachricht<br />
hat es bestätigt, und ich habe<br />
mich sehr gefreut. Den Otto Grünmandl<br />
habe ich durch die Arbeit am Tiroler<br />
Landestheater besser kennengelernt.<br />
Seine Art und Weise, die Welt zu<br />
betrachten, erschließt sich nicht sofort,<br />
aber wenn man länger damit zu tun hat,<br />
also durch die Wiederholung, entdeckt man<br />
die Feinheiten, den freundlichen, leisen,<br />
noblen, nicht verachtenden Humor,<br />
man entdeckt, wie er sich herrlich<br />
gewun dert hat, und man wundert sich<br />
selber weiter, man hört anderen und sich<br />
selbst auf eine neue Art und Weise zu.<br />
Gedichte arbeiten ja auch auf diese Weise.<br />
Vieles er schließt sich nicht sofort, es arbeitet<br />
langsam, so wie Salz oder Wasser<br />
den Stein, eine Landschaft bearbeiten,<br />
irgendwann wird etwas durchlässig und<br />
dann begreift man und ist aufnahmefähiger<br />
als vorher.<br />
Angelika Rainer wurde 1971 in Lienz/Osttirol<br />
geboren, heute lebt sie in Wien und ist neben<br />
ihrer Tätigkeit als Autorin auch Musikerin bei der<br />
Musicbanda Franui (franui.at). Mit Luciferin war sie<br />
zum Europäischen Festival des Debütromans in Kiel<br />
eingeladen und erhielt die Autor*innenprämie<br />
des BMUKK. Außerdem bekam sie für ihre Arbeit<br />
das Große Literaturstipendium des Landes Tirol<br />
und das Literaturförderstipendium der Stadt Innsbruck.<br />
Bei Haymon erschienen Luciferin (2008),<br />
Odradek (2012) und See’len (2018) und 2023 Zweckbau<br />
für Ziegen.
Herbst W:ORTE<br />
Buchpremiere mit<br />
Raoul Schrott in Telfs<br />
Das Lyrikfestival W:ORTE trägt Früchte …<br />
www.lyrikfestival.com<br />
Seit fast zehn Jahren steht der Juni in<br />
der Tiroler Literaturszene nun schon<br />
ganz im Zeichen der Poesie. Über mehrere<br />
Tage und an unterschiedlichen Orten,<br />
die mittlerweile auch über die Landesgrenzen<br />
hinausreichen, veranstalten<br />
der Verein 8ung Kultur und das Literaturhaus<br />
am Inn das Lyrikfestival W:ORTE.<br />
Doch wer im Juni Poesie aussät,<br />
der sollte sich im Herbst auch um die Ernte<br />
kümmern, und somit gibt es mittlerweile<br />
auch HerbstW:ORTE! An zwei Abenden<br />
präsentieren wir in der Wagner’schen Buchhandlung<br />
und im Literaturhaus am Inn<br />
Lyrik zur Alltagsbewältigung, zum Nachdenken<br />
und Staunen … wir freuen uns<br />
auf Ihr Kommen!<br />
Petra Ganglbauer<br />
Jörg Piringer<br />
Erwin Uhrmann<br />
Moderation: Siljarosa Schletterer<br />
Fr., 15. November, 19:00 Uhr<br />
Literaturhaus am Inn,<br />
Innsbruck<br />
Angelika Rainer<br />
Jörg Zemmler<br />
Frieda Paris<br />
Moderation: Siljarosa Schletterer<br />
und Robert Renk<br />
Di., 19. November, 19:30 Uhr<br />
Wagner’sche Buchhandlung,<br />
Innsbruck<br />
© Christoph Greussing<br />
Endlich liegen die Gedichte der Weltautorin<br />
Friederike Mayröcker komplett<br />
vor. Der neue Band knüpft an die Gesammelten<br />
Gedichte 1939–2003 an und<br />
trägt Mayröckers lyrisches Spätwerk bis<br />
zu ihrem allerletzten, 2021 entstandenen<br />
Proëm zusammen. „Proëm“ nannte sie<br />
ihre späten Texte zwischen Kurzprosa<br />
und Gedicht. Ihr Hauptthema: der Tod!<br />
Ihr erklärter Feind, den sie lange auf<br />
Distanz halten konnte und dem sie dennoch<br />
so viel Zeit und Stoff gewidmet hat.<br />
Einzigartig, berührend, weltbewegend!<br />
Robert Renk<br />
Friederike Mayröcker:<br />
Gesammelte Gedichte 2004–2021.<br />
Das komplette lyrische Spätwerk versammelt<br />
in einem Band, hrsg. von Marcel Beyer<br />
Suhrkamp, 550 S., € 36,00<br />
Es ist kein Zufall, dass dieser wunderbare<br />
Gedichtband neben einer<br />
Mayröcker- Rezension steht. Frieda Paris<br />
ist der großen Autorin wissenschaftlich<br />
und poetisch schwer verbunden. Bis in<br />
den Vornamen hinein! Dieses Langgedicht<br />
ist in gewisser Weise ein Aufarbeiten<br />
und Weiterschreiben des von<br />
Mayröcker hinterlassenen „Zetteluniversums“.<br />
Unglaublich, wie Paris aus diesen<br />
Mayröcker wortwundern ihr eigenes<br />
macht und von Kindheitserinnerungen,<br />
von Liebe und Verlassen(-Werden)<br />
schreibt. Robert Renk<br />
Frieda Paris:<br />
Nachwasser<br />
edition azur, 136 S., € 23,60<br />
„Eine schöne Frau braucht Narben“,<br />
lesen wir im Band der luso- angolischen<br />
Autorin und wir brauchen diesen<br />
Gedichtband. Es sind Störungen<br />
und Aufschreie. Es sind Schreie eines<br />
„zerrissenen Herzens“ (S. 76) über den<br />
„prekären Markt der Gefühlskälte“.<br />
Es sind dekoloniale und ökofeministische<br />
Gedichte über gesäte Eizellen (S. 42)<br />
und verdichtete Flüsse (S. 41), über<br />
Tränenantworten (S. 100) über Sprachlosigkeit<br />
(S. 37) hinweg. Es ist ein Band,<br />
der in „fetten Buchstaben“ (S. 70) liebt,<br />
aufbegehrt, aufzeigt und berührt!<br />
Siljarosa Schletterer<br />
33<br />
Yara Nakahanda Monteiro:<br />
Herz. Rhythmus. Störungen<br />
Haymon, 112 S., € 23,90<br />
Bücher seit 1639<br />
Der Anblick eines sternenklaren Nachthimmels<br />
hat etwas zutiefst Erhabenes<br />
und Ehrfurchtgebietendes. In solchen<br />
Momenten, wenn man unter dem weiten<br />
Firmament steht, erscheint das eigene Leben<br />
plötzlich winzig im Vergleich zur Unendlichkeit<br />
des Universums. Es ist ein Gefühl, das<br />
Menschen seit Jahrtausenden bewegt und<br />
inspiriert hat. Aus dieser Mischung von<br />
Staunen und Demut sind unzählige Geschichten<br />
und Mythen entstanden, die versuchen,<br />
die Geheimnisse des Himmels zu erklären<br />
und unseren Platz darin zu verstehen.<br />
Mit Atlas der Sternenhimmel hat<br />
Raoul Schrott ein faszinierendes Buch<br />
geschaffen, das die Leser*innen auf eine<br />
weltumspannende Reise durch die<br />
verschiedenen Schöpfungsmythen der<br />
Menschheit über den Sternenhimmel mitnimmt.<br />
In diesem Buch erklärt der<br />
Universalgelehrte, wie verschiedene Kulturen<br />
und Zivilisationen auf der ganzen<br />
Welt den Nachthimmel interpretiert haben.<br />
Von den Sternbildern der Buschleute in<br />
Afrika über die Himmelsanschauungen<br />
in Nordindien, die Geschichten der Maori<br />
in Neuseeland, die astronomischen Erkenntnisse<br />
der Mayas in Mittelamerika<br />
bis hin zu den kosmologischen Vorstellungen<br />
im alten Ägypten und vielen<br />
anderen Kulturen.<br />
Das Buch vermittelt uns Wissen darüber,<br />
wie tief diese Himmelsphänomene in den<br />
verschiedenen Kulturen verankert sind<br />
und wie unterschiedlich bzw. auch ähnlich<br />
sie manchmal sind. Raoul Schrott verbindet<br />
dabei wissenschaftliche Erkenntnisse mit<br />
mythologischen Erzählungen und macht<br />
uns so das Thema auf eine poetische Weise<br />
zugänglich. Er nimmt uns mit auf eine<br />
Entdeckungsreise durch Raum und Zeit,<br />
die uns ein tieferes Verständnis für die Vielfalt<br />
menschlicher Sternenbeobachtungen<br />
und deren Bedeutung für unterschiedliche<br />
Kulturen eröffnet.<br />
Sehend und denkend unter den Sternen<br />
erkennt man, dass wir nur ein kleiner Teil<br />
eines riesigen, unbegreiflichen Ganzen sind.<br />
Gleichzeitig verbindet uns der Anblick des<br />
Himmels mit allen, die je davorgestanden<br />
haben – den alten Kulturen, die ihre Geschichten<br />
in den Sternen sahen, und allen<br />
Menschen, die sich heute noch von diesem<br />
Anblick inspirieren lassen. In diesen Augenblicken<br />
spürt man, dass das Leben, so klein<br />
es auch erscheinen mag, doch Teil eines<br />
großen, ewigen Kreislaufs ist.<br />
Die Bücherei & Spielothek Telfs lädt zur<br />
allerersten Veranstaltung mit Raoul Schrott<br />
und seinen Sternenhimmeln in den Rathaussaal!<br />
Buchpremiere:<br />
Raoul Schrott erzählt aus<br />
Atlas der Sternenhimmel<br />
und Schöpfungsmythen der<br />
Menschheit<br />
Hanser, 1.280 S., € 153,20<br />
Musik: Maria Ma<br />
So., 17. November 2024,<br />
19.30 Uhr<br />
Rathaussaal Telfs, Eduard-<br />
Wallnöfer-Platz 1, 6410 Telfs<br />
Eintritt: frei!williger<br />
Kulturbeitrag<br />
Weitere Infos unter<br />
www.buecherei-telfs.at
© Privat<br />
Jung – weiblich – zahlt<br />
Lea Joy Friedel im #unabhängig über<br />
Verharmlosung und struktureller Diskriminierung<br />
Bücher<br />
Stierle<br />
Salzburg<br />
Das ist für mich<br />
kein Empowerment,<br />
sondern<br />
Ego-Kram.<br />
Bücher seit 1639<br />
Du schreibst in deinem Buch darüber,<br />
was Frausein heutzutage kostet –<br />
kannst du uns zwei konkrete Beispiele<br />
nennen?<br />
Frau zu sein kostet vor allem Geld aufgrund<br />
von struktureller Diskriminierung<br />
wie dem „Gender-Pay-Gap” oder der<br />
„Pink Tax”. Bei Letzterer geht es darum,<br />
dass Produkte und auch Dienstleistungen,<br />
die für Frauen angeboten werden, mehr<br />
kosten als die gleichartigen Erzeugnisse<br />
für Männer. Ein weiteres Beispiel für die<br />
Schieflage ist die Gesundheit. Frauen<br />
werden in unserem Gesundheitssystem<br />
systematisch benachteiligt. In klinischen<br />
Studien sind sie stark unterrepräsentiert,<br />
in der Notaufnahme müssen sie länger<br />
warten und ihre Beschwerden werden von<br />
Ärzt*innen oft verharmlost oder ignoriert.<br />
Das geht so weit, dass manche Frauen bei<br />
Fehldiagnosen letztendlich sogar mit ihrem<br />
Leben bezahlen.<br />
Was war für dich der Anlass, über die<br />
Herausforderungen des Frauseins zu<br />
schreiben?<br />
Als ich mit meinem ersten Kind schwanger<br />
war, ging es mir körperlich und mental sehr<br />
schlecht. Zudem erwarteten plötzlich alle<br />
von mir, dem Idealbild einer werdenden<br />
Mutter zu entsprechen: beseelt und glücklich<br />
– was gar nicht zu meinem inneren Zustand<br />
passte. Da verstand ich erst, dass die<br />
Gesellschaft schwangere Frauen normt und<br />
in ein Ideal presst. Das damals Erlebte war<br />
wie der Höhepunkt meiner bisherigen sexistischen<br />
Erfahrungen und wie ein Stoppschild<br />
zu meinem eigenen feministischen<br />
Lebensstil: Hier ist es vorbei, jetzt musst du<br />
ein Weibchen werden und dich anpassen.<br />
Dann habe ich meine Erfahrungen aufgeschrieben<br />
und ein Buch daraus gemacht,<br />
um aufzurütteln.<br />
Wie erging es dir dabei, diese<br />
enorm persönlichen Geschichten<br />
aufzuschreiben?<br />
Es ist furchtbar schmerzvoll, eigene traumatische<br />
Erfahrungen nicht nur niederzuschreiben,<br />
sondern auch immer wieder<br />
35<br />
zu überarbeiten. Vor allem das Kapitel zu<br />
sexuellen Übergriffen war, sagen wir mal,<br />
ernüchternd. Ich habe Catcalling (Anm.:<br />
sexuell anzügliches Rufen, Reden, Pfeifen<br />
oder Gestikulieren gegenüber einer Person<br />
in der Öffentlichkeit) erlebt, seitdem ich<br />
zehn war, und phasenweise wurde ich auch<br />
täglich belästigt. Mein ganzes Leben war<br />
ich wütend und fühlte mich wehrlos.<br />
Vor allem, weil es niemanden zu interessieren<br />
schien, und Catcalling immer als<br />
„Anmache“ abgeschwächt wurde.<br />
Das Nicht-ernst-Nehmen oder Runterspielen<br />
von frauenverachtendem Verhalten<br />
hat System. Ist das Problem dabei, dass<br />
Frauen dann gar nicht erst darüber reden<br />
oder ihnen nicht zugehört wird? Das eine<br />
bedingt leider das andere. Slutshaming und<br />
Victimblaming sind so in unserem kollektiven<br />
Verhalten verankert, dass viele von uns<br />
sich maximal einmal zu Übergriffen äußern<br />
und dann meistens nicht ernst genommen<br />
werden. Einmal rief ich bei der Hotline für<br />
häusliche Gewalt an und wurde gefragt, ob<br />
ich Anzeige erstatten möchte. Als ich dies<br />
verneinte, wurde mir bestätigt, dass das<br />
auch nicht unbedingt empfehlenswert ist.<br />
Weil Frauen eben oft nicht geglaubt wird.<br />
Ich verstehe jede Frau, die nicht über ihre<br />
Erfahrungen sprechen möchte. Es kann<br />
traumatisch sein, wenn man ignoriert und<br />
belächelt wird.<br />
Welche Schritte können Frauen<br />
unternehmen, um ihre Stimmen zu<br />
erheben und gehört zu werden?<br />
Es ist wichtig zu verstehen, dass das Persönliche<br />
politisch ist und unsere privaten<br />
Entscheidungen eine Relevanz für die ganze<br />
Gesellschaft haben. Bei der Bekämpfung<br />
von Sexismus geht es nie nur um das Individuum,<br />
sondern um alle Frauen, besser noch:<br />
alle Menschen. Wenn man beispielsweise<br />
misogyne (Anm.: frauenfeindliche) Witze<br />
vom Chef nicht mehr weglächelt, sondern<br />
Grenzen setzt, kann das andere Kolleg*innen<br />
ebenfalls dazu animieren, sich solidarisch zu<br />
zeigen und füreinander einzustehen.<br />
Was waren die größten<br />
Herausforderungen beim Schreiben<br />
deines Buches?<br />
Eine Familie mit zwei Kleinkindern<br />
war Herausforderung sowie Inspiration.<br />
Dazu kam die Aufgabe, mich immer<br />
wieder selbst zum Schreiben zu motivieren,<br />
weil ich zunächst so viele Absagen von<br />
Verlagen erhalten hatte.<br />
Wie hast du es geschafft, trotz<br />
der mentalen Belastung und der<br />
Verantwortung für deine Kinder Zeit<br />
und Energie zum Schreiben zu finden?<br />
Ein gutes Zeitmanagement und ein gutes<br />
Supportsystem sind das absolute Fundament.<br />
Das größte Missverständnis des<br />
popkulturellen Feminismus ist, dass Frauen<br />
„stark und unabhängig“ sein müssen. Das<br />
ist für mich kein Empowerment, sondern<br />
Ego-Kram. Wir alle müssen uns verletzlich<br />
zeigen können und vor allem lernen, um<br />
Hilfe zu fragen.<br />
Lea Joy Friedel, 1993 geboren, studierte Soziale<br />
Arbeit und Musikpädagogik. Nach dem Studium<br />
entschied sie sich, hauptberuflich zu schreiben,<br />
und veröffentlichte als freie Journalistin politische<br />
Beiträge für VICE und diverse feministische Blogs.<br />
Sie machte mit außergewöhnlichen Wahlplakaten<br />
für den deutschen Bundestag und als politische<br />
Aktivistin auf sich aufmerksam. Seit 2020 lebt sie<br />
in Athen.<br />
Buchtipp:<br />
Lea Joy Friedel:<br />
Too Much! Was es kostet,<br />
eine Frau zu sein<br />
Leykam, S. 272, € 26,50<br />
Buchpräsentation:<br />
Lea Joy Friedel liest aus<br />
Too Much!<br />
Di., 26. November 2024,<br />
19:00 Uhr<br />
Buchhandlung Stierle, Salzburg<br />
Eintritt: € 7,00
Buchtipp:<br />
Lindita Arapi:<br />
Arabische Schwestern<br />
Aus dem Albanischen<br />
von Florian Kienzle<br />
Weidle Verlag, 240 S., € 26,70<br />
© Stefan Feihl<br />
Ich will den<br />
Raum Osteuropa<br />
möglichst breitgefächert<br />
zeigen.<br />
Bücher seit 1639<br />
LeseLupe<br />
Osteuropa<br />
Robert Renk im Gespräch mit der<br />
Erfinderin Yana Lyapova<br />
Robert Renk: Ab Herbst wird das<br />
Format LeseLupe Osteuropa in<br />
die Wagner’sche übersiedeln. Was<br />
zeichnet dieses Format aus und wer<br />
ist alles dafür verantwortlich?<br />
Yana Lyapova: Die LeseLupe Osteuropa ist<br />
eine Art Literarisches Quartett, d. h., jede*r<br />
Gesprächsteilnehmer*in stellt ein Buch vor,<br />
über das anschließend diskutiert wird. Dabei<br />
geht es zum einen um die niveauvolle Besprechung<br />
und damit auch Popularisierung<br />
osteuropäischer Neuerscheinungen für ein<br />
breites Publikum. Zum anderen geht es um<br />
die Sichtbarmachung unterschiedlicher am<br />
Literaturbetrieb beteiligter Akteur*innen.<br />
Für die ursprüngliche Idee der LeseLupe<br />
Osteuropa bin wohl ich verantwortlich, aber<br />
niemand ist eine Insel, und gute Ideen gedeihen<br />
sowieso nur auf fruchtbarem Boden.<br />
Dieser Innsbrucker Boden heißt zunächst<br />
Osteuropazentrum; dessen Leiterin, Eva<br />
Binder, sowie Mitarbeiterinnen (Ramona<br />
Rakić, Agnes Tauscher und Hanna Niederkofler)<br />
haben mich von Anfang an sowohl<br />
ideell als auch ganz praktisch unterstützt.<br />
Auch das Institut für Slawistik der Universität<br />
war von Beginn an involviert – mit<br />
Gesprächsteilnehmer*innen, Literaturtipps<br />
und als treues Publikum des Formats.<br />
37<br />
Wie grenzt die LeseLupe den Raum,<br />
aus dem die besprochenen Bücher<br />
ausgesucht werden, ein?<br />
Bei der räumlichen Eingrenzung war von<br />
Beginn an klar, dass diese sowohl eine<br />
kulturelle als auch eine geopolitische<br />
Dimension beinhalten sollte. Die bewusste<br />
Entscheidung gegen eine Fokussierung auf<br />
ausschließlich slawischsprachige Länder<br />
halte ich immer noch für wichtig und das<br />
Ergebnis davon war bisher ein äußerst produktives.<br />
Länder wie die baltischen Staaten,<br />
Ungarn, Albanien, Moldau oder Rumänien<br />
verliert man aufgrund der fehlenden<br />
sprachlichen Expertise oft schnell aus den<br />
Augen. All diese Länder hatten kommunistische<br />
Regime, allerdings in den unterschiedlichsten<br />
Ausprägungsformen. Ich will<br />
den Raum Osteuropa möglichst breitgefächert<br />
zeigen und dabei sowohl geteilte<br />
Erfahrungen als auch große Unterschiede<br />
zwischen den Ländern und ihren Texten<br />
nebeneinanderstehen lassen.<br />
Lupe bedeutet, etwas zu vergrößern,<br />
einen Fokus auf etwas zu legen.<br />
Auf was legt die LeseLupe noch Wert<br />
(außer das Gebiet)?<br />
Auf mehr Sichtbarkeit für Literaturübersetzer*innen,<br />
aber auch für kleinere Verlage<br />
und ihre Schwerpunkte. Darüber hinaus<br />
soll natürlich auch Interesse an die durch<br />
die Texte vertretenen Länder und ihre Literaturen<br />
geweckt werden. Mehr davon!<br />
Gibt es Kleinverlage,<br />
die Sie – ob ihres Engagements –<br />
besonders schätzen?<br />
Da fallen mir spontan gar nicht so wenige<br />
Verlage ein: Von den österreichischen Verlagen<br />
definitiv folio und Drava, Droschl,<br />
Text/Rahmen und auch Haymon, dessen<br />
ukrainisches Programm lobenswert ist! Was<br />
die deutschen Verlage anbelangt, möchte ich<br />
an erster Stelle für den eta Verlag sowie für<br />
edition.fotoTAPETA eine Lanze brechen!<br />
Tolle Literaturauswahl trifft auf elegantes<br />
und sehr bewusst entwickeltes Design. Ähnliches<br />
gilt auch für den Homunculus Verlag<br />
sowie Guggolz. Hinzu kommt, dass die<br />
beiden letztgenannten Originalsprache und<br />
Übersetzer*in immer auf dem Cover nennen,<br />
das ist leider nach wie vor die absolute<br />
Ausnahme. Zu guter Letzt, weil es ja keine<br />
Geheimtipps sind: die Friedenauer Presse,<br />
die zu Matthes & Seitz gehört, und natürlich<br />
auch die Andere Bibliothek (Aufbau Verlag)<br />
– das ist Buchgestaltung, die mein bibliophiles<br />
Herz höherschlagen lässt!<br />
Übersetzer*innen sind auch immer<br />
wieder zu Gast, wen dürfen wir am<br />
26. November erwarten?<br />
Übersetzer*innen sind dankbare Gäste,<br />
die eine andere Perspektive auf Texte und<br />
den Literaturbetrieb haben. Diesmal wird<br />
Mathias Althaler, Dolmetscher und Übersetzer<br />
für Russisch und Französisch, unsere<br />
Runde ergänzen, ich freue mich schon!<br />
Sie moderieren dieses Format seit<br />
zwei Jahren, sind seit drei Jahren<br />
in Innsbruck. Was schätzen Sie an<br />
Innsbruck?<br />
Die lebendige Kulturszene und vielen Veranstaltungen,<br />
obwohl ich mir durchaus eine<br />
engere Zusammenarbeit zwischen Universität<br />
und Stadt wünschen würde. Und<br />
das Leokino natürlich – das erste Zuhause<br />
der LeseLupe und mein persönlicher Lieblingsort<br />
in Innsbruck!<br />
Danke für das Gespräch!<br />
Wagner’sche<br />
Innsbruck<br />
LeseLupe Osteuropa<br />
Moderation: Yana Lyapova<br />
Gäste: Fabienne Imlinger (Buchpodcasterin),<br />
Mathias Althaler<br />
(Institut für Translationswissenschaft),<br />
Bob Muilwijk (Slawistik<br />
Uni Salzburg)<br />
Besprochene Bücher:<br />
Lindita Arapi:<br />
Arabische Schwestern<br />
Aus dem Albanischen von<br />
Florian Kienzle, Weidle Verlag<br />
Oxana Wassjakina:<br />
Die Wunde<br />
Aus dem Russischen von<br />
Maria Rajer, Verlag Blumenbar<br />
Sergej Lebedew:<br />
Titan oder Die Gespenster<br />
der Vergangenheit<br />
Aus dem Russischen von<br />
Franziska Zweig,<br />
S. Fischer Verlag<br />
Andrzej Bobkowski:<br />
Hinter dem Wendekreis<br />
Aus dem Polnischen von<br />
Ron Mieczkowski,<br />
Die Andere Bibliothek<br />
Di., 26. November 2024,<br />
19:30 Uhr<br />
Wagner’sche Buchhandlung,<br />
Innsbruck<br />
Eintritt: frei!
„The Empire<br />
writes back!“<br />
Wagner’sche<br />
Innsbruck<br />
Buchtipp:<br />
Mithu Sanyal:<br />
Antichristie<br />
Hanser Verlag, 544 S.,<br />
€ 25,70<br />
Mithu Sanyal vereint in Antichristie postkolonialistische<br />
Theorie mit Popkultur und Agatha Christie.<br />
Ein Gespräch mit Veronika Schuchter<br />
© Carolin Windel<br />
Agatha Christie<br />
ist die Königin<br />
des vermeintlich<br />
einfachen Stils.<br />
Bücher seit 1639<br />
Veronika Schuchter: Wir leben in<br />
einer Welt, in der wenig Platz für<br />
Grauzonen zu bleiben scheint. Wer<br />
nicht perfekt ist, wird gecancelt –<br />
oder zumindest wird das behauptet.<br />
Enid Blyton, die heute von vielen<br />
als unzeitgemäß und rassistisch<br />
abgelehnt wird, ist eine Ihrer<br />
Lieblingsautor*innen. Fällt es<br />
uns heute schwerer als früher,<br />
Widersprüchlichkeiten auszuhalten?<br />
Mithu Sanyal: Spontan möchte ich sagen:<br />
Ja! Doch wahrscheinlich bekommen wir<br />
nur viel mehr Widersprüchlichkeiten und<br />
Widerstand gegen eben diese mit. Die<br />
Debatten um Rassismus in Kinder- und<br />
anderen Büchern ist ja an sich erst einmal<br />
toll. Wir nehmen Literatur so ernst, dass<br />
wir uns darüber streiten. Und für mich sind<br />
das immer Gespräche über die Zukunft der<br />
Literatur – auch wenn wir sie anhand von<br />
Büchern führen, deren Autor*innen teilweise<br />
schon lange nicht mehr leben – also:<br />
Wie wollen wir schreiben? Was sind unsere<br />
blinden Flecken? Darauf gibt es viele Antworten.<br />
Was ich schade finde, ist, dass diese<br />
in den (sozialen) Medien auf die Frage:<br />
Was sollen wir streichen? reduziert wurden.<br />
Viel spannender sind doch Lösungen wie<br />
Kontextualisierung etc.<br />
Auch über Agatha Christie haben<br />
Sie viel Positives zu sagen, etwa dass<br />
man bei ihr viel übers Plotten eines<br />
Romans lernen kann. Ihr Roman<br />
trägt aber den Titel Antichristie.<br />
Wie stehen Sie selbst als Leserin zur<br />
Queen of Crime?<br />
39<br />
Agatha Christie ist wirklich eine Klasse<br />
für sich. Ich würde jetzt gerne einen Satz<br />
schreiben wie: Von ihr zu lernen, heißt xxx.<br />
Aber ich habe so viel von ihr gelernt.<br />
Sie ist die Königin des vermeintlich einfachen<br />
Stils. Man denkt ja, sie arbeitet mit<br />
Klischees, dabei ist jeder ihrer Sätze frisch<br />
und überraschend. Das ist eine Leistung<br />
über so wahnsinnig viele Romane hinweg.<br />
(Und ja, über die allerletzten lässt sich<br />
streiten, aber die anderen 73 Romane und<br />
14 Kurzgeschichtenbände sind stilistisch<br />
umwerfend.) Zu Beginn der Corona-Pandemie<br />
haben mein Partner und ich uns überlegt,<br />
alle ihre Romane in chronologischer<br />
Reihenfolge zu lesen. Sie hat mehr als fünf<br />
Jahrzehnte lang geschrieben und in dieser<br />
Zeit hat sich der Blick auf Race und<br />
Empire radikal geändert und diese Veränderung<br />
kann man anhand des Alltagsrassismus<br />
in ihren Büchern nachvollziehen,<br />
aber auch anhand der Welt, in der sie<br />
spielen. Das machte ihre Romane zu einem<br />
tollen Material für meinen neuen Roman,<br />
in dem – unter vielem anderen – die Romane<br />
von Agatha Christie antirassistisch neu<br />
verfilmt werden sollen.<br />
Antichristie verbindet Kritik<br />
am British Empire und den<br />
Auswirkungen des Kolonialismus<br />
mit viel Begeisterung für britische<br />
Popkultur und Lebensart.<br />
Überdecken gerade in Österreich<br />
und Deutschland das Bild eines<br />
schrulligen und heimeligen Englands<br />
und eine Vorliebe für royalen Pomp<br />
die Realität der brutalen britischen<br />
Geschichte?<br />
Das ist ja ein Effekt von Geopolitik,<br />
dass wir die Popkultur aus bestimmten<br />
Ländern viel besser kennen als aus anderen.<br />
In Antichristie geht es – wieder: unter<br />
anderem – um die Spuren des Kolonialismus<br />
in Literatur und TV-Serien. Für mich<br />
schmälert das nicht den Genuss, wenn ich<br />
mich auch damit auseinandersetze.<br />
Ganz im Gegenteil. Indem ich die unsichtbaren<br />
Geschichten in den Geschichten, die<br />
wir jeden Tag konsumieren, sichtbar mache,<br />
schreibe ich sie mit um. Hier halte ich es mit<br />
Salman Rushdie: The Empire writes back!<br />
Indien wird mit gewaltfreiem<br />
Widerstand verbunden. In<br />
Antichristie schicken Sie ihre Heldin<br />
auf Zeitreise ins Jahr 1906 und<br />
erinnern daran, dass es auch einen<br />
gewaltbereiten Widerstand gab,<br />
und zwar mitten in London, als<br />
Revolutionäre in einem Londoner<br />
Boarding-House Bomben gebaut<br />
haben. Wieso erzählen Sie gerade<br />
diese historische Geschichte?<br />
Weil mich das erschüttert hatte, als ich das<br />
erste Mal davon erfuhr. Ich hatte immer gelernt,<br />
dass wir den richtigen Widerstand geleistet<br />
haben mit Gandhi und Gewaltlosigkeit.<br />
Und zu erfahren, dass es gleichzeitig<br />
bewaffneten Widerstand in Indien gab,<br />
stellte mein Weltbild auf den Kopf. Und ich<br />
begann mich zu fragen: Was ist überhaupt<br />
Widerstand? Und gibt es richtigen Widerstand<br />
in einer falschen Welt?<br />
Mithu Sanyal wurde 1971 in Düsseldorf geboren und<br />
ist Kulturwissenschaftlerin, Autorin, Journalistin<br />
und Kritikerin. 2009 erschien ihr Sachbuch Vulva.<br />
Das unsichtbare Geschlecht, 2016 Vergewaltigung.<br />
Aspekte eines Verbrechens. 2021 erschien bei Hanser<br />
ihr erster Roman Identitti, der auf der Shortlist des<br />
Deutschen Buchpreises war.<br />
Lesung:<br />
Mithu Sanyal liest aus<br />
Antichristie<br />
Moderation: Veronika Schuchter<br />
Do., 5. Dezember, 19:30 Uhr<br />
Wagner’sche Buchhandlung,<br />
Innsbruck<br />
Eintritt: € 9,00/€ 7,00 mit<br />
Wagner- oder Ö1-Card<br />
www.oeticket.com
© Privat<br />
Literarisches<br />
HausQuartett<br />
Gespräch, Musik und Büchertipps mit<br />
Andrea Wieser & Robert Renk. Ein Gespräch …<br />
Wagner’sche<br />
Innsbruck<br />
Schriftsteller*innen<br />
sind in der Königsdisziplin<br />
der Sprache<br />
zu Hause.<br />
Bücher seit 1639<br />
Liebe Andrea, du moderierst<br />
regelmäßig im Format tirol live<br />
der Tiroler Tageszeitung.<br />
Auch so manche Buchpräsentation<br />
hast du schon moderiert, ich erinnere<br />
mich an Michael Köhlmeier und<br />
Monika Helfer. Ist es für dich<br />
eine besondere Herausforderung,<br />
Schriftsteller*innen zu moderieren?<br />
Manchmal schon. Schriftsteller*innen<br />
sind in der Königsdisziplin der Sprache<br />
zu Hause. Deswegen ist bei diesen Moderationen<br />
immer die Herausforderung,<br />
diesem Anspruch auch gerecht zu werden.<br />
Das gelingt im Gespräch natürlich nicht,<br />
aber das ist schon okay. Der Austausch<br />
muss lebendig sein. Im Detail ist ein Gespräch<br />
mit Schriftsteller*innen selbstverständlich<br />
sehr unterschiedlich. Die Persönlichkeiten<br />
sind sie so vielfältig wie ihre<br />
Bücher.<br />
Was gehört für dich als Profi zu<br />
einem gelungenen Gespräch?<br />
Aufrichtig muss es sein. Wenn ich es<br />
schaffe, das Interesse meines Gegenübers<br />
zu wecken, und ein tatsächlicher Austausch<br />
entsteht, ist auch das Publikum dabei.<br />
Und ein wenig Humor hat wirklich noch<br />
nie geschadet.<br />
Welches war das interessanteste<br />
Gespräch für dich, das du je<br />
moderieren durftest?<br />
Da gab es zum Glück schon sehr viele.<br />
Dieses Jahr war es wohl Marlene Engelhorn,<br />
die Millionenerbin, die ihr Vermögen<br />
verteilte, die mich fasziniert hat. Sie hat<br />
sich sehr offen und aufrichtig allen Fragen<br />
gestellt und war bereit, auch die unbequemen<br />
zu beantworten. Am lustigsten<br />
war eigentlich ein Telefoninterview mit dem<br />
41<br />
Kabarettisten Viktor Gernot. Während des<br />
Gesprächs – er saß dabei in seinem Lieblingslokal,<br />
dem Café Engländer in Wien<br />
– kam nämlich zufällig sein Kollege und<br />
Bühnenpartner Michael Niavarani hinzu.<br />
Dieser avancierte schnell zum zweiten Gesprächspartner.<br />
Das war ein journalistisches<br />
Chaos der Sonderklasse, aber auch äußerst<br />
unterhaltsam.<br />
Welche Personen (lebendig und tot)<br />
würdest du gerne in ein Gespräch<br />
verwickeln, wenn du könntest, und<br />
warum?<br />
Maria Magdalena. Sie ist die Urfigur für<br />
die Verteufelung der weiblichen Lust. Das<br />
wäre doch ein interessantes Gespräch, in<br />
dem sie einiges über sich und ihre Partner<br />
geraderücken könnte.<br />
Hast du einen privaten Lesetipp<br />
für unsere Leser*innen?<br />
Die Jungfrau von Monika Helfer hat mich<br />
sehr begeistert. Ich konnte sie ja, wie du<br />
eingangs angesprochen hast, schon einmal<br />
gemeinsam mit ihrem Mann Michael Köhlmeier<br />
treffen. Ihre literarische Stimme hat<br />
mich in den letzten Jahren sehr beschäftigt.<br />
Das Buch Die Jungfrau ist, wie viele Helfer-<br />
Romane, von ausgesuchter Reduziertheit<br />
und sagt trotzdem, eben in wenigen Worten,<br />
so viel. Die Direktheit, mit der Helfer auf<br />
ihre eigenen Intentionen reflektiert, ist<br />
entwaffnend. Und zudem ist es ein Buch<br />
über Frauen in ihren späten Jahren. Sie sind<br />
bisher viel zu wenig sichtbar. Dazu müsste<br />
es mehr Bücher geben.<br />
Andrea Wieser (49) ist gebürtige Innsbruckerin.<br />
Sie arbeitete als Fernsehmoderatorin für ORF und<br />
ARD, bevor sie an der LMU München Journalistik<br />
studierte. Sie war als Redakteurin für <strong>Magazin</strong>e<br />
und Tageszeitungen in Österreich und Deutschland<br />
tätig. Seit 2011 ist sie Redakteurin bei der Tiroler<br />
Tageszeitung.<br />
Das Format „Literarisches Hausquartett“ wird<br />
seit zwei Jahren in der Wagner’schen umgesetzt.<br />
Zwei Moderator*innen, zwei Gäste, zwei Bücher,<br />
die besprochen werden. Und das Ganze mit Musik!<br />
Buchtipp:<br />
Monika Helfer:<br />
Die Jungfrau<br />
Hanser, 152 S., € 23,70<br />
Veranstaltungstipp:<br />
Literarisches Hausquartett<br />
U. a. mit Dominika Meindl<br />
Moderation: Andrea Wieser<br />
und Robert Renk<br />
Musik:<br />
Goidinger/Sprenger/Wolf<br />
Mo., 9. Dezember 2024,<br />
19:30 Uhr<br />
Wagner’sche Buchhandlung,<br />
Innsbruck<br />
Eintritt: frei!<br />
Um Anmeldung wird gebeten:<br />
literatur@wagnersche.at
Buchtipp:<br />
Mountain Day 2024<br />
Dominika Meindl bringt ihren Erfolgsroman Selbe Stadt<br />
anderer Planet mit zum Mountain Day. Martin Fritz hat sie<br />
vorab zu ihrer Berg- und Schreibleidenschaft befragt.<br />
Dominika Meindl:<br />
Selbe Stadt anderer Planet<br />
Picus, 208 S., € 23,00<br />
Lesung & Gespräch:<br />
Dominika Meindl befragt von<br />
Martin Fritz & Robert Renk<br />
zum Mountain Day 2024<br />
Di., 10. Dezember, 19:30 Uhr<br />
Wagner’sche Buchhandlung,<br />
Innsbruck<br />
Eintritt: frei!<br />
Beim Schreiben<br />
denke ich dauernd<br />
an die Berge.<br />
Hallstatt und seine Kopie außerhalb<br />
der Alpen stehen im Mittelpunkt<br />
deines Romans Selbe Stadt anderer<br />
Planet – wie bist du auf diesen<br />
Schauplatz gekommen?<br />
Das Salzkammergut spielt seit 20 Jahren<br />
eine wichtige Rolle bei meiner Freizeitgestaltung.<br />
Aber seit die Meldung über die<br />
Kopie durch wirklich viele Medien ging,<br />
möchte es auch beruflich mitmischen.<br />
Hallstatt war schon in etlichen Romanen<br />
Schauplatz, es ist einfach besonders.<br />
Wie es sich an den Berg krallt. Wie unzugänglich<br />
es war. Wie es einer Epoche ihren<br />
Namen gegeben hat. Es wundert mich,<br />
dass niemand anderes über die Raubkopie<br />
geschrieben hat. Mein Glück!<br />
Wie ich gehört habe, hast du<br />
inzwischen dort ja auch bereits aus<br />
dem Roman gelesen – wie wurde das<br />
im Salzkammergut aufgenommen?<br />
Nein, interessanterweise kommt der erste<br />
literarische Besuch erst – und da wird’s in<br />
der Wasnerin sein (ein Wellness-Hotel). Ich<br />
glaube nicht, dass dort die erboste Lokalbevölkerung<br />
auf die Bühne stürmt und mir<br />
den Kopf ins Thermalbecken tunkt. Im<br />
Ernst, ich hab’ sehr viel Respekt vor den<br />
Menschen, die wirklich hier leben. Die müssen<br />
seit 100 Jahren damit klarkommen, dass<br />
vor allem Wiener Literat*innen aus ihrem<br />
Wohnort literarisches Kapital schlagen.<br />
Aber wenn’s ihnen gefällt und man mir eine<br />
Ehrenbürgerinnenschaft anträgt, bin ich<br />
dabei!<br />
In Hinblick auf den Mountain Day<br />
ist mir aufgefallen: In Selbe Stadt<br />
anderer Planet wird alpinistisches<br />
Fachvokabular vorausgesetzt,<br />
da macht der Schnee etwa gleich<br />
zu Beginn ungebührliche Dinge<br />
wie stollen und harschen. Als in<br />
Innsbruck lebende Person musste<br />
ich natürlich nicht nachschauen,<br />
was das bedeutet. Aber ich kann mir<br />
denken, dass da vielleicht manche<br />
Leser*innen ohne entsprechendes<br />
Fachwissen darüber stolpern. Hast<br />
du da beim Schreiben oder mit dem<br />
Lektorat darüber nachgedacht?<br />
Oder weniger spezifisch gefragt: Wie<br />
wichtig war für dich, beim Schreiben<br />
nah an der Sprache der Figuren zu<br />
sein?<br />
Du bist ja auch der Dichter der Schneefräse!<br />
Es hat mir sehr gefallen, als die<br />
Agentin sagte, ihr sächsischer Kollege habe<br />
im ersten Kapitel lange nicht begriffen, was<br />
die Schwestern miteinander machen (sie<br />
gehen einfach eine Skitour). Sie fragte, ob<br />
sie das Buch deutschen Verlagen schmackhaft<br />
machen solle, dann müsse ich aber<br />
umschreiben. Das wollte ich nicht, aus<br />
Faulheit und aus Wirklichkeitssinn (was<br />
die Lust der Verlage auf mich betraf). Aber<br />
du hast recht, es ist mir wichtig, welche<br />
Begriffe die Figuren verwenden. Ich lasse<br />
sie kaum Dialekt sprechen, aber es soll<br />
stimmig sein. Außerdem sind Fachsprachen<br />
wunderbar.<br />
Wer dir auf Social Media folgt,<br />
weiß, dass du gelegentlich auch<br />
selbst in Gegenden mit so reizvollen<br />
Namen wie „Totes Gebirge“ oder<br />
„Steinernes Meer“ alpinistisch<br />
unterwegs bist. Gibt es für dich eine<br />
Verbindung zwischen dem Schreiben<br />
und dem Bergsteigen oder sind<br />
das für dich komplett getrennte<br />
Lebensbereiche?<br />
Das Bergwandern ist eine sehr große<br />
Leidenschaft, und es überrascht mich<br />
selbst, dass ich fast nur noch im Toten<br />
Gebirge unterwegs bin. Dabei hättet ihr<br />
in Tirol die gewaltigeren Felsen! Aber das<br />
ist meine Wildnis, darin kann ich verschwinden.<br />
Beim Wandern denke ich wenig<br />
an das Schreiben, da stolpere ich dahin, bis<br />
ich vor Müdigkeit ganz leer und zufrieden<br />
bin. Aber beim Schreiben denke ich dauernd<br />
an die Berge.<br />
Wagner’sche<br />
Innsbruck<br />
Das steht einander diametral gegenüber.<br />
Die Lesebühnentexte schreiben sich<br />
so schnell, manchmal in letzter Minute,<br />
dabei muss ich manchmal selbst lachen<br />
(peinlich). Vielleicht geht’s so leicht,<br />
weil die Texte dann ja die Bundespräsidentin<br />
im Frack [= Meindls Bühnen-<br />
Alter-Ego, Anmerkung M. F.] vorträgt,<br />
das bin ich nicht selbst. Das Romanschreiben<br />
ist mir viel ernster. Das bin ich selbst,<br />
und da bin ich natürlich schutzloser.<br />
Uns verbindet, dass wir beide<br />
in den jeweiligen Regionalgruppen<br />
der GAV Grazer Autorinnen<br />
Autorenversammlung tätig sind.<br />
Wie kamst du dazu – und was<br />
schätzt du an dieser Tätigkeit?<br />
So ein Amt erbt man von guten Leuten,<br />
in meinem Fall von Kurt Mitterndorfer.<br />
Ein wenig musste er mich überreden, es ist<br />
ja viel Arbeit – nicht immer bedankt oder<br />
bezahlt. Andererseits kann ich mit dem<br />
Landeshauptmann über Budgets streiten.<br />
Am wichtigsten ist mir der Kampf dagegen,<br />
dass man in Wien leben muss, um Autorin<br />
zu sein, und man wohlhabende Eltern<br />
haben muss. Schrecklich, wenn nur noch<br />
Ärztekinder wie ich es sich leisten könnten,<br />
es mit der Literatur zu versuchen.<br />
Dominika Meindl ist Moderatorin, Journalistin<br />
und Literaturveranstalterin, sie lebt und arbeitet<br />
in Wilhering, Wels und Linz. Zuletzt erschienen:<br />
Selbe Stadt, anderer Planet.<br />
© Zoe Goldstein<br />
42 43<br />
Wagner’sche.<br />
Bücher seit 1639<br />
Du bist nicht nur Roman-,<br />
sondern auch Lesebühnenautorin.<br />
Was sind die Unterschiede und<br />
Gemeinsamkeiten dieser beiden<br />
Facetten deines Œuvres?
© Alex Beer und Michael Hausenblas<br />
Tisch, Bett<br />
und Stift teilen<br />
Alex Beer und Michael Hausenblas<br />
plaudern aus dem gemeinsamen Nähkästchen.<br />
Gefragt von Kilian Feurstein und Dagmar Harbich.<br />
Leporello die<br />
Buchhandlung<br />
Wien<br />
Sie sehen, es gibt<br />
viel Gemeinsames,<br />
aber auch viele<br />
Unterschiede.<br />
Bücher seit 1639<br />
Kilian Feurstein & Dagmar Harbich:<br />
Wie kamen Sie auf die Idee zur<br />
Autorensprechstunde?<br />
Alex Beer & Michael Hausenblas:<br />
Wir haben uns die Frage gestellt,<br />
aus welchem Grund Menschen Lesungen<br />
besuchen. Den wenigsten geht es darum,<br />
sich von den Autor*innen etwas vorlesen<br />
zu lassen, denn Lesen können sie auch<br />
selbst. Persönlich finden wir bei solchen<br />
Veranstaltungen am interessantesten,<br />
die Autor*innen kennenzulernen, Fragen<br />
zu stellen, zu plaudern, gemeinsam das<br />
eine oder andere Glas Wein zu trinken und<br />
einen netten Abend zu verbringen.<br />
Genau das wollen wir anbieten. „Seitenblicke“<br />
der anderen Art, wenn man so will.<br />
Wir hatten bereits eine Art „Generalprobe“<br />
im Leporello und das Gefühl, den<br />
Menschen hat dieser Abend mehr Freude<br />
bereitet als eine klassische Lesung. Uns übrigens<br />
auch. Auf Wunsch lesen wir natürlich<br />
auch gern die eine oder andere Seite.<br />
Wie viel Raum nimmt Ihr Job in<br />
Ihrem gemeinsamen Alltag ein?<br />
Einen sehr großen. Gearbeitet wird auch<br />
abends und am Wochenende, mit kleinen<br />
feinen Unterbrechungen. Es fließt eigentlich<br />
alles ineinander. Man spricht viel über die<br />
Arbeit, woran man aktuell kiefelt, was alles<br />
zu tun ist, über Ideen etc. Und natürlich<br />
wird auch viel herumgesponnen. Der Spaß<br />
darf nicht zu kurz kommen.<br />
Worüber unterhalten Sie<br />
sich in Sachen Literatur?<br />
Über die Entwicklung der Branche,<br />
Kolleginnen und Kollegen, über neue<br />
Bücher, über alte Bücher, über Lesungen,<br />
Preise etc. Und natürlich über unsere<br />
eigenen Ideen. Man möchte vom anderen<br />
45<br />
gebauchpinselt werden. Das haut halt<br />
manchmal gar nicht hin.<br />
Redigieren Sie sich gegenseitig?<br />
Ja, in gewissen Stadien. Das Endlektorat<br />
obliegt freilich den Lektor*innen des<br />
Verlags. Aber wenn wir uns über die Texte<br />
des anderen hermachen, macht das große<br />
Freude. Meistens. Man kann es mit einem<br />
Ping-Pong-Spiel vergleichen. Hie und da<br />
verdreht einer von uns auch mal die Augen.<br />
Die schreibende Zunft ist keine uneitle.<br />
Aber die gegenseitige Kritik ist in der Regel<br />
sehr fruchtbar.<br />
Welche Bücher liegen<br />
auf Ihren Nachttischen?<br />
M. H.: Immer ein Hemingway, immer<br />
Augustin Sumser von Horst Wolfram<br />
Geißler und jede Menge andere. Ich bin<br />
buchkaufsüchtig und werde nie alles lesen<br />
können, was ich besorge. Natürlich ist<br />
dort auch alles von Alex Beer zu finden.<br />
A. B.: Momentan Die geheime Gesellschaft<br />
von Sarah Penner. Und natürlich<br />
der Roman von Michael Hausenblas.<br />
Woran arbeiten Sie gerade?<br />
A. B.: Blom Teil 3, Emmerich Teil 7 und<br />
in der Schublade liegen gefühlt 100 Ideen<br />
für andere Romane aus allen möglichen<br />
Genres. M. H.: In der Zeitung gibt’s<br />
jeden Tag was Neues, literarisch brüte ich<br />
über meinem zweiten Roman, einer Liebesgeschichte<br />
mit surrealem Einschlag.<br />
Schon einmal daran gedacht,<br />
gemeinsam ein Buch zu schreiben?<br />
A. B.: Ja, schon öfter. Der Reibungspunkt<br />
liegt darin, dass wir verschieden arbeiten.<br />
Ich bin sehr handlungsgetrieben und plotte<br />
alles im Vorhinein ganz genau durch.<br />
M. H.: Ich fokussiere mich lieber auf die<br />
Charaktere und die Atmosphäre und lege<br />
mich nicht gern von Anfang an fest. Ich<br />
lasse mich gern treiben und die Geschichte<br />
sich während des Schreibens entwickeln.<br />
A. B.: Sie sehen, es gibt viel Gemeinsames,<br />
aber auch viele Unterschiede. Aber eines<br />
Tages wird es bestimmt so weit sein.<br />
Last but not least: Wie haben<br />
Sie sich kennengelernt?<br />
Tatsächlich anlässlich eines Podcasts<br />
für den Standard – es war sozusagen ein<br />
Betriebsunfall. Ein glücklicher. Das war<br />
vor vier Jahren.<br />
Michael Hausenblas arbeitet seit 25 Jahren bei<br />
der Tageszeitung DER STANDARD, wo er eine<br />
Vielzahl von Reportagen, Interviews und Porträts<br />
veröffentlichte. 2024 erschien sein Roman-Debüt<br />
Der Uhrmacher und das Flüstern der Zeit.<br />
Daniela Larcher alias Alex Beer hat eigentlich<br />
Archäologie studiert, schreibt aber seit mehr<br />
als 15 Jahren hauptberuflich (Dreh-)Bücher.<br />
Vor kurzem erschien ihr sechster Emmerich-Fall<br />
mit dem Titel Die weiße Stunde.<br />
Buchtipp:<br />
Alex Beer:<br />
Die weiße Stunde<br />
Limes, 368 S., € 23,70<br />
Autorensprechstunde:<br />
Mit Alex Beer und<br />
Michael Hausenblas<br />
Do., 16. Jänner 2025, 18:30 Uhr<br />
Leporello – die Buchhandlung,<br />
Wien<br />
Eintritt: frei!
INNSTRASSE<br />
SCHÜTZEN-<br />
STRASSE<br />
I K O<br />
B A N K<br />
IKB<br />
FLUGHAFEN<br />
GUMPP -<br />
STRASSE<br />
PRADLER<br />
STRASSE<br />
AMTHOR-<br />
STRASSE<br />
B A N K<br />
ALPENZOO<br />
RIEDGASSE<br />
I S<br />
R<br />
Straßenmusiker Max hat seine Ukulele irgendwo vergessen.<br />
Neue Kalender aus dem<br />
Verlag der Wagner’schen!<br />
Das Innsbruck-DKT und<br />
neuer Wimmelspaß!<br />
© Stadtarchiv Innsbruck<br />
© Defner-Archiv<br />
© Privatarchiv Walder-Gottsbacher<br />
© Wien Museum-Gerlach&Wiedling<br />
Innsbruck:<br />
Lukas Morscher:<br />
Innsbruck, wie es früher war 2025<br />
14-tägiger Kalender<br />
Format: 24x32 cm<br />
Verlag der Wagner’schen<br />
Buchhandlung, € 19,95<br />
Tirol:<br />
Thomas Defner:<br />
Tirol, wie es früher war 2025<br />
14-tägiger Kalender<br />
Format: 24x32 cm<br />
Verlag der Wagner’schen<br />
Buchhandlung, € 19,95<br />
Salzburg:<br />
Peter Walder-Gottsbacher:<br />
Salzburg, wie es früher war 2025<br />
14-tägiger Kalender<br />
Format: 24x32 cm<br />
Verlag der Wagner’schen<br />
Buchhandlung, € 19,95<br />
Wien:<br />
Alexander Fried:<br />
Wien, wie es früher war 2025<br />
14-tägiger Kalender<br />
Format: 24x32 cm<br />
Verlag der Wagner’schen<br />
Buchhandlung, € 19,95<br />
Auch heuer stellt Lukas Morscher, Leiter<br />
des Innsbrucker Stadtarchivs, wieder<br />
sein Gespür für besondere Momente und<br />
Details unter Beweis und lässt uns auf einzigartige<br />
Innsbrucker Stadtszenen blicken,<br />
die berühren, amüsieren, verwundern und<br />
neugierig machen. Schauen Sie den Skisprungpionieren<br />
über die Schulter, staunen<br />
Sie über die Höttinger Musikkapelle in<br />
schwindelerregender Höhe oder statten Sie<br />
dem Hofgarten-Café in seinen Anfängen<br />
einen Besuch ab – das und noch viel mehr<br />
gibt es zu entdecken.<br />
Thomas Defner hat für unseren neuen Tirol-<br />
Kalender berührende und faszinierende Aufnahmen<br />
aus dem Bilderschatz des Defner-<br />
Archivs gehoben. Einzigartige Stimmungen<br />
und Eindrücke von Land und Leuten lassen<br />
die Vergangenheit spürbar werden und<br />
zeigen majestätische Berge, pittoreske Stadtansichten,<br />
die harten Seiten des bäuerlichen<br />
Alltags, aber auch Vergnügliches wie Skifahren<br />
oder Eislaufen. 27 liebevoll kuratierte<br />
Bilder entführen Sie auf eine Zeitreise zu<br />
besonderen Tiroler Orten.<br />
Reisen Sie mit dem Salzburg-Kalender in<br />
die bewegte Vergangenheit der Stadt. Peter<br />
Walder-Gottsbacher hat aus seinem reichen<br />
Bildarchiv einzigartige Schätze ausgewählt<br />
und lässt uns, begleitet von spannenden<br />
Texten, einen Blick auf längst vergangene<br />
Zeiten erhaschen. Wie war das Leben rund<br />
um die Jahrhundertwende? Die Details, die<br />
interessanten Alltagsszenen und die heute<br />
nicht mehr existierenden Gebäude und Orte<br />
sind es, die uns beim Betrachten in ihren<br />
Bann ziehen.<br />
Alexander Fried gibt in diesem 14-tägigen<br />
Kalender spannende Einblicke in das Leben<br />
der Menschen und die Entwicklung ihrer<br />
Stadt. Lassen Sie sich von großartigen historischen<br />
Bildern und begleitenden Texten<br />
in ein Wien um die Jahrhundertwende entführen<br />
– an bekannte Orte, aber auch kaum<br />
wiederzuerkennende Ecken – und erfahren<br />
Sie, was es mit dem „Ratzenstadl“ auf sich<br />
hatte oder warum ein „Elefantenhaus“<br />
mitten in der Stadt stand.<br />
Innsbruck ist die Stadt, wo die Berge hoch<br />
und die Immobilienpreise noch höher sind!<br />
Ein Haus in der Maria-Theresien-Straße,<br />
eine Villa im Saggen oder gleich ein Hotel<br />
in Hötting? Mit dem neuen Innsbruck-<br />
DKT können Sie Ihre kühnsten Träume<br />
wahr werden lassen. Grundstücke und<br />
Immobilien kaufen, verkaufen und damit<br />
handeln macht auf dem liebevoll illustrierten<br />
Spielbrett richtig Spaß. Zeigen Sie,<br />
dass Sie ein goldenes Händchen haben:<br />
Wer clever investiert und strategisch denkt,<br />
hat die Nase vorn und wird am Ende jubeln!<br />
Dank der lustigen Spielanweisungen<br />
und der leicht verständlichen Anleitung nach<br />
den Regeln des Original-DKT begeistert<br />
die farbenfrohe Innsbruck-Edition Groß<br />
und Klein.<br />
Das neue Innsbruck-DKT aus dem<br />
Verlag der Wagner’schen Buchhandlung<br />
ist ab Mitte November zum Preis von<br />
€ 39,95 erhältlich.<br />
Unser neues Innsbruck-Wimmelbuch<br />
lässt Kinderaugen strahlen. Auf 16 farbenfrohen<br />
Seiten können die kleinen Innsbruckerinnen<br />
und Innsbrucker in diesem<br />
Buch an ihre Lieblingsorte in der Stadt<br />
reisen und jede Menge erleben. Besuchen<br />
wir gemeinsam das quirlige Straßenfestival<br />
vor dem Goldenen Dachl oder<br />
den Bauernhof im Alpenzoo, tanzen<br />
und musizieren wir vor dem Haus der<br />
Musik, planschen wir an einem heißen<br />
Sommertag im Tivoli, tauchen wir in das<br />
bunte Treiben beim großen Flughafenfest<br />
ein, machen wir einen Spielplatzbesuch<br />
an der Innprome nade, drehen wir eine<br />
Runde am Karussell auf dem Marktplatz-<br />
Christkindlmarkt, sausen wir in Igls mit<br />
der Rodel den Hang hinunter oder<br />
suchen wir unser Lieblingsbuch in der<br />
Stadt bibliothek. In unserer Stadt gibt es<br />
so viel zu entdecken!<br />
Auf jeder Doppelseite gibt es außerdem<br />
eine spannende Suchfrage, die zum genauen<br />
Betrachten einlädt.<br />
Anna Wacholder ist gebürtige Innsbruckerin<br />
und freiberufliche Illustratorin. Sie träumt seit jeher<br />
davon, ein Kinderbuch selbst zu illustrieren und mit<br />
unserem „Wimmelspaß in Innsbruck“ ist ihr Traum<br />
nun in Erfüllung gegangen. Wenn sie nicht zeichnet,<br />
erlebt sie mit den eigenen Kindern Abenteuer<br />
– bei schlechtem Wetter auch im Kopf – und kein Tag<br />
geht ohne Buch zu Ende.<br />
150,–<br />
21<br />
SANKT-<br />
NIKOLAUS-<br />
GASSE<br />
WEIHER-<br />
BURGGASSE<br />
TIROLER<br />
LANDES-<br />
MUSEEN<br />
LEOPOLD-<br />
STRASSE<br />
FRANZ-<br />
FISCHER-<br />
STRASSE<br />
SCHNEE-<br />
BURGGASSE<br />
MAXIMILIAN-<br />
STRASSE<br />
IVB LINIE 6<br />
WALDBAHN<br />
TIROL<br />
KLINIKEN<br />
KUGEL-<br />
FANG-<br />
WEG<br />
11<br />
KLIMA-<br />
BONUS<br />
KLEINES<br />
VERGEHEN<br />
20<br />
19<br />
18<br />
17<br />
16<br />
15<br />
14<br />
13 12<br />
23 22<br />
ST. NIKOLAUS /<br />
MARIAHILF<br />
WILTEN<br />
OLYMPISCHES<br />
DORF<br />
0<br />
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24<br />
25<br />
€<br />
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ANICH-<br />
STRASSE<br />
26<br />
MARIA-<br />
THERESIEN-<br />
STRASSE<br />
27<br />
CLAUDIA-<br />
PLATZ<br />
MUSEUM-<br />
STRASSE<br />
ZENTRUM / ALTSTADT<br />
PRADL<br />
??<br />
Illustriert und gestaltet von Johanna und<br />
Stefan Rasberger, Innsbrucker Grafikbüro<br />
labsal.at<br />
28<br />
HERZOG-<br />
FRIEDRICH-<br />
STRASSE<br />
29<br />
GERHART-<br />
HAUPTMANN-<br />
STRASSE<br />
30<br />
33 32<br />
34<br />
35<br />
36<br />
37<br />
38<br />
39<br />
40<br />
ZIEGEL-<br />
STADL<br />
567891<br />
4<br />
3 2<br />
START<br />
?<br />
R<br />
I S<br />
I K O<br />
€<br />
AMRAS<br />
SAGGEN<br />
HÖTTING<br />
P<br />
Bezahle<br />
?<br />
←<br />
30,–<br />
31<br />
I K O<br />
STRAFZETTEL<br />
NORD-<br />
KETTEN-<br />
BAHN<br />
PHILIPPINE-<br />
WELSER-<br />
STRASSE<br />
MOZART-<br />
STRASSE<br />
GOETHE-<br />
STRASSE<br />
FRAU-HITT-<br />
STRASSE<br />
1<br />
EB20/21-0xxx P00XXXX<br />
Buchtipp:<br />
Kannst du ihm helfen, sie zu finden?<br />
Anna Wacholder:<br />
Wimmelspaß in Innsbruck<br />
Suchen, entdecken, freuen<br />
Verlag der Wagner’schen<br />
Buchhandlung,<br />
16 S., € 19,95<br />
Erscheint Mitte November 2024
Rätselspaß für<br />
neugierige Kids!<br />
Buchtipp:<br />
Sabrina Kostner:<br />
Mein bunter<br />
Innsbruck-Rätselspaß<br />
Illustriert von Anna Grill<br />
Verlag der Wagner’schen<br />
Buchhandlung,<br />
32 S., € 9,95<br />
Eine Entdeckungstour<br />
durch Mühlau!<br />
Buchtipp:<br />
Christian Kössler:<br />
Von Weltliteratur,<br />
Fabriken und<br />
gezähmter Wildnis<br />
Sechzehn Spaziergänge<br />
durch Mühlau<br />
Verlag der Wagner’schen<br />
Buchhandlung,<br />
ca. 176 S., € 14,95<br />
Erscheint Anfang<br />
Dezember 2024<br />
ErinnE rungE n an Innsbruck<br />
Christian Kössler<br />
Von Weltliteratur,<br />
Fabriken und<br />
gezähmter Wildnis<br />
Sechzehn Spaziergänge<br />
durch Mühlau<br />
Rätseln, malen, freuen! Dieses pfiffige<br />
Rätselheft lässt Kinder ab 7 Jahren auf<br />
kunterbunte Weise Innsbruck entdecken.<br />
Begleitet werden sie dabei von der lustigen<br />
Taube Tabea und dem flinken Eichhörnchen<br />
Emil. Viele verschiedene Aufgaben<br />
sorgen für jede Menge Spaß und vermitteln<br />
spielerisch Wissenswertes über die Tiroler<br />
Landeshauptstadt. Schattenrätsel, Bilderpuzzle,<br />
Suchaufgaben, Labyrinthe, Fehlerund<br />
Ausmalbilder und viele weitere beliebte<br />
Rätsel für Kids garantieren Spannung und<br />
Abwechslung. Über 30 spannende Rätselaufgaben<br />
mit großem Abschluss-Kreuzworträtsel,<br />
großartige Illustrationen, Fotos<br />
und historische Bilder sowie zahlreiche<br />
Fakten über die Geschichte und das Leben<br />
in Innsbruck machen dieses Rätselheft zur<br />
idealen Beschäftigung für unterwegs und zu<br />
Hause. Und wer sinnvoll schenken möchte,<br />
liegt damit auch garantiert richtig!<br />
Band 20 unserer beliebten Reihe Erinne rungen<br />
an Innsbruck: Begeben Sie sich mit dem<br />
Innsbrucker Autor Christian Kössler auf<br />
16 abwechs lungsreiche und unterhaltsame<br />
Spaziergänge durch seinen Heimatstadtteil.<br />
Gewürzt mit zahlreichen Fakten, Daten und<br />
Geschichten aus und über Mühlau, garniert<br />
mit Bildern aus Gegenwart und Vergangenheit<br />
– und mit einer Prise Augenzwinkern –<br />
bietet er einen spannen den Rundgang,<br />
der mit Sagenhaftem, Historischem und<br />
Kulturellem jede Menge Überraschungen<br />
bereithält. Haben Sie geahnt, dass dieser<br />
Ort einst Heimat einer mutigen Frau war,<br />
die sich im Tiroler Freiheitskampf anno<br />
1809 einen Namen gemacht hat? Hätten<br />
Sie eine mögliche Erklärung dafür, was sich<br />
hinter dem legen dären Tatzelwurm, dem<br />
„Maskottchen“ Mühlaus, verbergen könnte?<br />
Oder wussten Sie, dass Graf Dracula<br />
in den 1960er-Jahren dem hiesigen Kinopublikum<br />
Angst und Schrecken einjagte?<br />
Sie werden staunen, welche Geschichten<br />
Mühlau zu bieten hat!<br />
Bücher seit 1639<br />
Heranschreiben an die Grenzen<br />
der Worte – und der Klassen.<br />
Und sie übertreten.<br />
Maë Schwinghammer erzählt von der Suche nach<br />
Verständnis, von Wurzeln in Österreich und Serbien,<br />
vom Aufwachsen in der Arbeiter*innenklasse,<br />
von der Fluidität der Geschlechter, vom Ankommen.<br />
An einer Stelle in deinem Debüt roman<br />
Alles dazwischen, darüber hinaus heißt es:<br />
„In der Volksschule erzähle ich mit Stolz<br />
und fast ohne Atem von der Arbeit meiner<br />
Eltern, bin ich doch fest davon überzeugt,<br />
dass Supermärkte die Herzschlagader einer<br />
jeden Stadt seien, ähnlich überlebenswichtig<br />
und stark frequentiert wie sonst nur die<br />
Toilette daheim. Wenn ich meinen Eltern<br />
sage, ich würde später gern einmal wie sie<br />
im Supermarkt arbeiten, zählen sie mir<br />
mindestens fünf andere Berufe auf, die noch<br />
erstrebenswerter sein sollen. Dabei träume<br />
ich oft davon, wie es wäre, würden Tina<br />
und ich in derselben blau-orangenen Uniform<br />
wie unsere Eltern arbeiten. Wir wären<br />
dann ein Familien unternehmen, sage ich mir,<br />
auch wenn unsere Eltern getrennt sind.“<br />
Welche Rolle spielen Solidarität und<br />
Gemeinschaft in deiner Darstellung<br />
der Arbeiter*innenklasse?<br />
Maë Schwinghammer: Eine große Rolle,<br />
wobei Solidarität und Gemeinschaft erst<br />
am Ende schlagend werden, denn zunächst<br />
erzählt der Roman, wie andere „Klassenaufstiegs“-Narrative<br />
von einem Prozess der<br />
Distanzierung. Die Ich-Figur grenzt sich von<br />
den eigenen Eltern, dem eigenen Milieu ab,<br />
erlebt als erste Person in der Familie einen<br />
Bildungsaufstieg und lässt dies die eigene<br />
Familie immerzu spüren. Erst nach und<br />
nach wird diese starke Abgrenzung hinterfragt<br />
und es findet wieder eine Annäherung<br />
an die eigene Klassenherkunft statt.<br />
49<br />
Anstatt gesellschaftlich bestehende Grenzen<br />
weiter zu zementieren, wird versucht, die<br />
ohnehin verschwimmenden Klassenbegriffe<br />
in einer Gleichzeitigkeit zu denken.<br />
Wie hat deine eigene Erfahrung<br />
mit Klassenzugehörigkeit deine<br />
Erzählweise beeinflusst?<br />
Massiv! Als Autist*in und Arbeiter*innenkind<br />
war ich meine ganze Kindheit und<br />
Jugend über beschäftigt, das Verhalten und<br />
den Habitus meiner Klassenkolleg*innen<br />
zu analysieren und zu verstehen. Warum<br />
werden manche Kinder anders behandelt?<br />
Welche Codes (Kleidung, Marken, Subkulturen)<br />
sorgen für Zugehörigkeit und<br />
welche machen dich zur Außeneiter*in?<br />
Warum höre ich irgendwann damit auf,<br />
davon zu erzählen, dass meine Eltern im<br />
Supermarkt arbeiten? Wann habe ich<br />
damit begonnen, mich selbst aus dieser<br />
Arbeiter*innenfamilie herauszunehmen,<br />
mich aus ihr herauszuschreiben, war das<br />
ein bewusster oder unbewusster Akt?<br />
Der Roman ist am Ende auch ein Versuch,<br />
eine Brücke hin zu Verständnis zu schlagen,<br />
er bedient sich keiner hochgestochenen<br />
Sprache, das Ziel war es, jeder Person<br />
aus meiner Familie meinen Roman ohne<br />
Bedenken schenken zu können.<br />
© Michele Yves Pauty<br />
Buchtipp:<br />
Maë Schwinghammer:<br />
Alles dazwischen, darüber hinaus<br />
Haymon, 232 S., € 23,90
Jung,<br />
aber<br />
oho!<br />
Bücher<br />
für<br />
Kinder<br />
und<br />
Jugend:<br />
Plopp! Plopp! Plopp! Wenn<br />
Ribisel nervös ist, zaubert er<br />
Frösche, ob er will oder nicht.<br />
Eigentlich soll er in Splitterstern<br />
zu einem großen Zauberer<br />
ausgebildet werden, aber das<br />
klappt nicht so ganz. Daher<br />
wartet er jetzt bei Direktor<br />
Pentasius und muss zusammen<br />
mit Barbarin Erika, Wächter<br />
Garek und Schurkin Fenja<br />
nachsitzen. Doch ein weiteres<br />
Plopp verändert alles: Ribisel<br />
verwandelt den Direktor aus<br />
Versehen in eine Kröte. Ups …<br />
Eine Geschichte über Freundschaft<br />
und Mut.<br />
Falk Holzapfel:<br />
Akademie Splitterstern<br />
Carlsen, 224 S., € 15,40<br />
Eigentlich hat Ava gelernt, ihre<br />
Wut zu kontrollieren. Doch ein<br />
einziger Ausbruch ändert alles:<br />
Ihr Mitschüler verwandelt sich<br />
in Stein! Avas Mutter reagiert<br />
sofort und schickt sie nach<br />
Venedig auf die Accademia del<br />
Forte, ein Internat für Kinder<br />
mit besonderen Fähigkeiten.<br />
Der plötzliche Schulwechsel<br />
tut Ava gut. Hier ist sie keine<br />
Außenseiterin mehr – und das<br />
Beste: Es gibt Doppelstunden<br />
in griechischer und römischer<br />
Mythologie! Spannende<br />
Kombination aus griechischer<br />
Mythologie und moderner<br />
Internatsgeschichte.<br />
Katherine Marsh:<br />
Mythen der Monster – Medusa<br />
Carlsen, 320 S., € 16,50<br />
Atemberaubendes Jugendbuch<br />
mit historischem Setting<br />
in Venedig. Einmal das Meer<br />
sehen! Niemals hätte Pietro zu<br />
hoffen gewagt, dass sein Traum<br />
in Erfüllung geht. Doch der<br />
Krieg gegen die Hunnen hat<br />
alles auf den Kopf gestellt.<br />
Gerade noch ein einfacher<br />
Schweinehirte zieht Pietro jetzt<br />
als Soldat durch das Land. An<br />
seiner Seite: Justina, Tochter<br />
aus reichem Haus, die sich als<br />
Junge verkleidet hat, um den<br />
Soldaten zu folgen. Niemand<br />
darf wissen, wer sie wirklich ist.<br />
Davide Morosinotto:<br />
Sohn des Meeres<br />
Thienemann, 338 S., € 19,50<br />
Fable ist eine Kämpferin. Seit<br />
sie als Kind von ihrem Vater<br />
ausgesetzt wurde, schlägt sie<br />
sich als Schürferin von wertvollen<br />
Steinen durch. Als sie<br />
eines Tages auf dem Handelsschiff<br />
von West anheuert, sieht<br />
sie eine Möglichkeit, ihren Vater<br />
zu finden und ihren rechtmäßigen<br />
Platz als seine Erbin<br />
einzunehmen. Doch das Meer<br />
und die, die es befahren, sind<br />
gefährlich. Und auch West ist<br />
nicht der, der er zu sein scheint.<br />
Fable muss um das kämpfen,<br />
was ihr gehört und was ihr Herz<br />
gern möchte …<br />
Adrienne Young:<br />
Fable – der Gesang des Wassers<br />
ArsEdition, 352 S., € 19,50<br />
Begleite die Wissenschaftlerinnen<br />
Sarah Darwin<br />
und Eva-Maria Sadowski auf<br />
ihrer Erkundung des Lebens<br />
auf der Erde und wie es entstanden<br />
ist. Was ist Evolution?<br />
Wie funktioniert sie? Und<br />
warum ist sie so erstaunlich?<br />
Lerne alles über natürliche<br />
Selektion, eine Theorie, die zuerst<br />
von Sarahs Ururgroßvater<br />
Charles Darwin und seinem<br />
Kollegen Alfred Russel Wallace<br />
vorgestellt wurde. Finde heraus,<br />
wie sich aus Bakterien Bienen,<br />
Orchideen, Tauben, Hunde und<br />
moderne Menschen entwickelt<br />
haben.<br />
Sarah Darwin & Eva Maria Sadowski:<br />
Evolution – von der Entstehung<br />
des Lebens bis heute<br />
Arena, 64 S., € 19,50<br />
Als Emily hinter der Bibliothek,<br />
in der ihre Oma arbeitet,<br />
eine zweite geheime Bibliothek<br />
entdeckt, ahnt sie noch nicht,<br />
in was für ein Abenteuer sie<br />
geraten ist. In dieser Bibliothek<br />
steht nämlich jedes Buch,<br />
das je auf der Welt geschrieben<br />
worden ist. Und dort steht<br />
auch eine magische goldene<br />
Schreibmaschine. Emily erfährt:<br />
Wenn man auf dieser Schreibmaschine<br />
Dinge schreibt und<br />
sie in die Bücher in der Bibliothek<br />
einklebt, ändert sich<br />
deren Handlung. Das magische<br />
Kinderbuch-Debüt von<br />
Carsten Henn.<br />
Carsten Henn:<br />
Die Goldene Schreibmaschine<br />
Oetinger, 256 S., € 17,50<br />
50<br />
Wagner’sche.<br />
Guinness World Records 2025<br />
fasziniert mit den besten neuen<br />
Rekorden und den beliebtesten<br />
Rekord-Klassikern. Tolle Leistungen,<br />
geniales Können und<br />
Spaßrekorde – den Ideen und<br />
Themen in dieser Jubiläumsausgabe<br />
von Guinness World<br />
Records sind keine Grenzen<br />
gesetzt. Verrückte Einfälle, unglaubliche<br />
Fakten und spektakuläre<br />
Fotos bringen Kinder<br />
und Erwachsene zum Staunen,<br />
Schaudern, Gruseln und Lachen.<br />
Egal ob zu Weihnachten,<br />
zum Geburtstag oder zu Ostern<br />
– das Geschenk mit garantiertem<br />
Wow-Effekt!<br />
Guinness World Records 2025<br />
Ravensburger, 256 S., € 23,70<br />
Der Halbvampir Simeon<br />
kennt bislang nur die Welt<br />
der Tagaktiven, der Menschen<br />
– und dort hatte er es<br />
mit seiner Sonnenallergie nicht<br />
leicht. Endlich besucht er die<br />
berühmte Schule der Mitternachtswelt,<br />
in der alle magischen<br />
Wesen gemeinsam unterrichtet<br />
werden. Doch schon am<br />
ersten Schultag erwartet Simeon<br />
ein echter Schock: Ausgerechnet<br />
in seine Klasse geht Eir, die einzige<br />
Werwölfin der Schule. Er<br />
ist misstrauisch, denn Vampire<br />
und Werwölfe sind schon seit<br />
Jahrhunderten verfeindet.<br />
Maelle Desard:<br />
Die Schule der Mitternachtswelt<br />
Insel, 320 S., € 19,50<br />
Das bildgewaltige Lexikon für<br />
Kinder ab 8 Jahren zeigt die<br />
unglaubliche Vielfalt unserer<br />
Erde mit all ihren Prozessen,<br />
Kreisläufen und Phänomenen.<br />
Wasserspeiende Geysire, glühende<br />
Lavaströme und tosende<br />
Tornados: Atemberaubende<br />
Merkmale und Vorgänge<br />
werden in Großaufnahmen eindrucksvoll<br />
dargestellt. Schrittfür-Schritt-Fotografien<br />
und<br />
Illustrationen zeigen die mächtigen<br />
Kräfte, die auf unserem<br />
Planeten wirken und ihn stetig<br />
formen und verändern. Ob<br />
Geografie, Geologie, Meteorologie<br />
oder Mineralogie.<br />
Mega-Wissen-Erde<br />
Dorling Kindersley, 256 S., € 28,80<br />
Wie schnell muss eine Rakete<br />
fliegen, um ins All zu gelangen?<br />
Was ist das „fliegende Bettgestell“<br />
und hat Neil Armstrong<br />
eigentlich auf dem Mond<br />
geschlafen? In diesem unterhaltsam<br />
geschriebenen Sachbuch<br />
folgen wir Raumfahrerinnen<br />
und Raumfahrern auf ihren<br />
wagemutigen Reisen. Wir erfahren,<br />
wie das Leben auf der<br />
Raumstation ISS abläuft, und<br />
staunen, in welche Tiefen des<br />
Alls Raumsonden vordringen<br />
– immer auf der Suche nach<br />
außerirdischem Leben.<br />
Jan Van der Veken:<br />
Das Raumfahrtbuch<br />
Gerstenberg Verlag, 104 S., € 26,70<br />
Wer pflückt denn da Orangen?<br />
Und wie viele Eier liegen im<br />
Vogelnest? In diesem lustigen<br />
Spiel können die Kleinsten mit<br />
dem stabilen Magnetstift Kugeln<br />
durch das Labyrinth rollen.<br />
Die Drehscheibe in der Mitte<br />
sorgt für zusätzlichen Spaß. Mit<br />
zunehmendem Alter lernen sie,<br />
die Kugeln farblich richtig zu<br />
sortieren. Ein lang anhaltender<br />
Spielspaß, der spielerisch erste<br />
Farben und Zahlen vermittelt<br />
und die Feinmotorik fördert!<br />
Play + :<br />
Magnetisches Holz Labyrinth –<br />
Dschungel<br />
Ravensburger, € 20,99<br />
Nach dem Tod seines besten<br />
Freundes zieht Eric Ly sich<br />
zurück in eine Traumwelt.<br />
Bis plötzlich Haru Tanaka<br />
wieder in sein Leben tritt, ein<br />
Junge, den er letzten Sommer<br />
in Japan kennengelernt hat.<br />
Zum ersten Mal seit langem<br />
hat Eric jemanden, der für ihn<br />
da ist. Die beiden verbringen<br />
immer mehr Zeit miteinander.<br />
Nur kann niemand sonst Haru<br />
sehen. Die Grenzen zwischen<br />
Realität und Traum verwischen<br />
für Eric, und er merkt, wie er<br />
die Kontrolle verliert. Soll er<br />
sich mit der Wirklichkeit auseinandersetzen?<br />
Dustin Thao:<br />
Ich warte auf dich, Haru<br />
cbj, 352 S., € 19,50
ALLER<br />
HEILIGEN<br />
ANFANG<br />
7 x Lesetipps für den<br />
1. November von Friedhofsexperte<br />
Fritz Ostermayer*<br />
SCHWARZ<br />
IST<br />
SCHÖN<br />
7 x Romane Schwarzer<br />
Autorinnen, ausgewählt<br />
von Sharon D. Otoo*<br />
BERGE<br />
LESEN<br />
EWIG<br />
7 x Romane<br />
zum Mountain Day*<br />
3×7<br />
Best<br />
aber<br />
Seller:<br />
1<br />
2<br />
Friedhof<br />
3<br />
Namenlos,<br />
Friedhof der bitteren Orangen<br />
Josef Winkler<br />
Suhrkamp, € 18,50<br />
der Kuscheltiere<br />
Stephen King<br />
Heyne TB, € 12,40<br />
Handbuch für den<br />
Friedhof der Namenlosen in Wien<br />
Heribert Renkin<br />
1<br />
2<br />
Glück<br />
3<br />
Der<br />
Adikou<br />
Raphaëlle Red<br />
Rowohlt, € 25,70<br />
Jackie Thomae<br />
Claassen, € 25,70<br />
längste Schlaf<br />
Melanie Raabe<br />
btb, € 25,70<br />
1<br />
2<br />
Selbe<br />
3<br />
Der<br />
Die Besteigung des Rum Doodle<br />
William E. Bowman<br />
Goldmann, € 12,40<br />
Stadt, anderer Planet<br />
Dominika Meindl<br />
Picus, € 23,00<br />
betrunkene Berg<br />
Heinrich Steinfest<br />
Piper, € 13,40<br />
* Fritz Ostermayer, nebst vielem anderen<br />
Spezialist für Allerheiligen & Trauermärsche!<br />
* Sharon D. Otoo, nebst vielem anderen<br />
Spezialistin für Schwarze Literatur.<br />
* Der Mountain Day wird weltweit seit 2002<br />
mit Veranstaltungen am 11. Dezember gefeiert<br />
(siehe Seite 43).<br />
52<br />
Wagner’sche.<br />
4<br />
Verwunschene<br />
5<br />
heute<br />
6<br />
Lincoln<br />
7<br />
En<br />
Vienna Academic Press, € 19,90<br />
Friedhöfe<br />
Sven Fennema<br />
Frederking & Thaler, € 51,40<br />
graben<br />
Mario Schlembach<br />
Kremayr & Scheriau, € 21,00<br />
im Bardo<br />
George Saunders<br />
btb, € 16,50<br />
Recuerdo de:<br />
The Dying Art of Mexican<br />
Cemeteries in the Southwest<br />
Bruce F. Jordan<br />
4<br />
White<br />
5<br />
Issa<br />
6<br />
Weiße<br />
7<br />
Am<br />
Lives Matter<br />
Jasmina Kuhnke<br />
WeCreate Books, € 24,00<br />
Mirrianne Mahn<br />
Rowohlt, € 24,70<br />
Wolken<br />
Yandé Seck<br />
KiWi, € 24,70<br />
Flussufer ein Feuer<br />
Ayana Mathis<br />
übersetzt von Susanne Höbel, dtv, € 26,70<br />
4<br />
Der<br />
5<br />
Verschwinden<br />
6<br />
Bergisch<br />
7<br />
Der<br />
tanzende Berg<br />
Elisabeth R. Hager<br />
Klett Cotta, € 23,70<br />
in Lawinen<br />
Robert Prosser<br />
Jung und Jung, € 22,00<br />
teils farblos<br />
Zsuzsanna Gahse<br />
Ed. Korrespondenzen, € 22,00<br />
letzte Schnee<br />
Arno Camenisch<br />
Engeler, € 20,60<br />
Bison Books, € 31,90
Mit<br />
sachlichen<br />
Empfehlungen:<br />
Lisa Marie Presley bat ihre<br />
Tochter Riley einen Monat vor<br />
ihrem überraschenden Tod,<br />
ihr bei der Fertigstellung ihrer<br />
Memoiren zu helfen, konnte<br />
sie allerdings nicht mehr beenden.<br />
Doch Riley erhielt die<br />
Tonbandaufnahmen, die ihre<br />
Mutter während der Arbeit an<br />
ihrem Buch aufgenommen<br />
hatte. Sie lauschte Lisa Maries<br />
Stimme, die eine Geschichte<br />
nach der anderen erzählte.<br />
Dieses außergewöhnliche Buch<br />
vereint die Stimmen von Lisa<br />
Marie und Riley in einem Gespräch<br />
zwischen Mutter und<br />
Tochter, das den Tod und den<br />
Schmerz überwindet.<br />
Lisa Marie Presley & Riley Keough:<br />
From Here to the Great Unknown –<br />
Von hier ins Ungewisse<br />
Penguin, 240 S., € 29,80<br />
Anerkennung, Freiheit, Karriere:<br />
Dafür kämpfte Clara Schumann<br />
ihr Leben lang – und<br />
stand vor den gleichen Herausforderungen<br />
wie Frauen im<br />
21. Jahrhundert. Gestützt auf<br />
bisher unbeachtete Quellen,<br />
erzählt Christine Eichel das<br />
Leben der gefeierten Pianistin<br />
und Komponistin und räumt<br />
dabei mit Klischees auf.<br />
Clara Schumann war keine<br />
sanfte Muse im Schatten ihres<br />
Mannes. Furchtlos setzte sie<br />
sich über männliche Besitzansprüche<br />
hinweg, löste sich<br />
aus der toxischen Beziehung zu<br />
ihrem Ehemann und stieg zum<br />
Star auf.<br />
Christine Eichel:<br />
Clara<br />
Siedler, 432 S., € 26,70<br />
Das neue Buch des Bestsellerautors:<br />
In den letzten<br />
100.000 Jahren hat die Menschheit<br />
enorme Macht erlangt.<br />
Doch trotz all unserer Entdeckungen,<br />
Erfindungen und<br />
Eroberungen befinden wir uns<br />
heute in einer existenziellen<br />
Krise. Die Welt steht am Rande<br />
des ökologischen Zusammenbruchs.<br />
Zuhauf werden<br />
Falschinformationen verbreitet.<br />
Und wir stürzen uns kopfüber<br />
in das Zeitalter der künstlichen<br />
Intelligenz – ein neues<br />
Informationsnetzwerk, das uns<br />
auszulöschen droht. Wenn wir<br />
so klug sind, warum sind wir<br />
dann so selbstzerstörerisch?<br />
Yuval Noah Harari:<br />
Nexus<br />
Penguin, 656 S., € 29,80<br />
Große Momente und Krisen<br />
haben den Verlauf unserer<br />
Lan desgeschichte ebenso geprägt<br />
wie neue Ideen, gesellschaftlicher<br />
Wandel, Glaube<br />
und Wissenschaft. Österreich –<br />
die ganze Geschichte, die<br />
Buch reihe zur ORF-Erfolgsserie,<br />
nimmt dabei nicht nur die<br />
Mächtigen in den Blick, sondern<br />
erzählt auf Augenhöhe mit den<br />
Menschen von damals. Jedes<br />
der zehn Kapitel greift einen<br />
Schicksalsmoment heraus, rückt<br />
bislang kaum bekannte Personen<br />
in den Mittelpunkt und<br />
erhellt leicht verständlich große<br />
historische Zusammenhänge.<br />
Mariella Gittler, Andreas Pfeifer,<br />
Peter Schöber:<br />
Österreich – Die große Geschichte (Bd. 1)<br />
Molden, 208 S., € 36,00<br />
Was würden uns Bäume<br />
erzählen, wenn sie sprechen<br />
könnten? Fast zehn Jahre nach<br />
Erscheinen von Das geheime<br />
Leben der Bäume wurde so viel<br />
neues Wissen erschlossen, dass<br />
es an der Zeit ist, die Bäume<br />
selbst zu Wort kommen zu<br />
lassen. Deutschlands berühmtester<br />
Förster leiht ihnen seine<br />
Stimme: Erstmals lässt er eine<br />
250 Jahre alte Buche berichten,<br />
was ihr im Laufe der Jahre<br />
widerfährt, welche Gefahren<br />
ihr im Laufe ihres Daseins begegnen,<br />
wie sich „Familie“ für<br />
sie anfühlt und wie das Leben<br />
und Überleben im Wald genau<br />
funktionieren.<br />
Peter Wohlleben:<br />
Buchenleben<br />
Ludwig, 352 S., € 24,70<br />
Franz Fischler zeigt in seinen<br />
politischen Memoiren die<br />
Anzeichen von Konflikten auf,<br />
bevor sie offensichtlich werden.<br />
Das immer lauter werdende<br />
Gegeneinander der Extreme<br />
auf Kosten der gemäßigten<br />
Positionen ist eine Entwicklung,<br />
die uns alle beunruhigen sollte.<br />
Er berichtet darüber, welche<br />
Maßnahmen notwendig sind,<br />
damit sich die europäische<br />
Politik auf das Wesentliche<br />
konzentrieren kann. Es ist ein<br />
Rückblick mit vielen Erkenntnissen,<br />
was wir aus der Vergangenheit<br />
lernen können und<br />
was wir hätten besser machen<br />
können.<br />
Franz Fischler:<br />
Die Kraft der Mitte<br />
Ecowing, 192 S., € 26,00<br />
54<br />
Wagner’sche.<br />
Hans Kammerlander brauchte<br />
drei Anläufe, bis er 2001 auf<br />
dem Gipfel stand. So wie ihm<br />
erging es vielen Extrembergsteiger*innen,<br />
die ihre Kräfte<br />
mit dem zweithöchsten Berg<br />
der Welt messen wollten. Trotz<br />
modernster Ausrüstung und<br />
monatelanger Vorbereitung:<br />
Wer am K2 einen Fehler macht,<br />
bezahlt diesen nicht selten<br />
mit dem Leben. Viele dieser<br />
Triumphe und Tragödien stellt<br />
das Autorenteam in diesem<br />
Buch vor. Dieser Berg übt<br />
auch 150 Jahre nach seiner<br />
Entdeckung eine unglaubliche<br />
Faszination aus.<br />
Franz Kammerlander, Walther Lücker:<br />
K2 – der härteste Berg der Welt<br />
Benevento, 274 S., € 29,00<br />
Ob bei Kindern, bei Erwachsenen<br />
oder im höheren Alter,<br />
ob Welpen oder alte Hunde:<br />
Anhand vieler konkreter<br />
Beispiele und wissenschaftlich<br />
fundiert zeigt Kurt Kotrschal,<br />
warum unsere Partner viel<br />
mehr für unsere Psyche, unsere<br />
Gesundheit und unser Wohlbefinden<br />
leisten, als nur den<br />
Alltag zu beleben. Dieses Buch<br />
ist der Schlüssel zum Verständnis<br />
der geheimnisvollen, tiefsten<br />
und faszinierendsten aller<br />
Tier-Mensch-Verbindungen:<br />
das neue Standardwerk,<br />
um Hunde besser zu verstehen –<br />
und auch uns Menschen.<br />
Kurt Kotrschal:<br />
Warum Hunde uns zu besseren<br />
Menschen machen<br />
Brandstätter, 192 S., € 26,00<br />
Gedanken sind machtvoll.<br />
Doch nicht immer helfen sie<br />
uns, das Leben zu führen,<br />
das wir wollen. Wenn Sorgen,<br />
Grübelei und Selbstzweifel<br />
überhandnehmen, ist es an der<br />
Zeit, die Kontrolle zurückzugewinnen<br />
und wieder mehr<br />
Leichtigkeit ins Leben zu lassen.<br />
Bestsellerautorin Katharina<br />
Tempel erklärt wunderbar<br />
anschaulich, wie unser Verstand<br />
funktioniert und warum<br />
wir nicht immer auf ihn hören<br />
sollten. Ein unverzichtbarer<br />
Ratgeber für alle, die sich nach<br />
mehr Lebensfreude und innerem<br />
Frieden sehnen.<br />
Katharina Tempel:<br />
Genug gegrübelt, lieber Kopf!<br />
Gräfe & Unzer, 192 S., € 21,90<br />
In einer Minute einschlafen?<br />
Wie macht Kaffee effektiver<br />
wach? Schokolade als Stresskiller?<br />
Die Fakten zu alldem<br />
und noch vielem mehr gibt’s bei<br />
Alina Walbrun, besser bekannt<br />
als Doc Alina. Denn Alina hat<br />
eine Vision: Wer medizinisch<br />
durchblickt und kleine Hacks in<br />
den Alltag integriert, bleibt auf<br />
Dauer gesund. Ob die richtige<br />
Reihenfolge bei der Beauty-<br />
Routine, Anti-Aging für Seitenschläfer<br />
oder wie man Apfelessig<br />
in den Tag einbaut: Smart,<br />
verständlich und praktisch verrät<br />
sie ihre Top-Medizin-Hacks<br />
und Geheimrezepte.<br />
Alina Walbrun:<br />
#Health Upgrade<br />
Gräfe & Unzer, 320 S., € 23,90<br />
Essen kann glücklich machen –<br />
vor allem, wenn es schmeckt!<br />
Doch nicht alles, was gut<br />
schmeckt, wirkt sich langfristig<br />
positiv auf unsere Stimmung<br />
aus. In seinem neuen Buch<br />
zeigt der erfolgreiche YouTuber<br />
Ken Müller, wie Essen unsere<br />
Psyche auch über den Geschmack<br />
hinaus positiv beeinflussen<br />
kann. Mit leckeren<br />
„Plant-Based“-Rezepten kocht<br />
Ken nicht nur die Geschmacksknospen<br />
glücklich, sondern<br />
sorgt nachhaltig für gute Laune.<br />
Ken Müller:<br />
Plant-Based Soulfood<br />
Gräfe & Unzer, 192 S., € 27,90<br />
Bis heute gilt Afrika als der<br />
„vergessene Kontinent“,<br />
dabei ist es spätestens seit dem<br />
19. Jahrhundert vor allem der<br />
umkämpfte Kontinent.<br />
Navid Kermani ist vom Süden<br />
Madagaskars bis in die Nuba-<br />
Berge im Sudan gereist.<br />
Behut sam, am einfühlsam beobachteten<br />
Detail, lässt er den<br />
Osten Afrikas lebendig werden.<br />
Aber zugleich, aus neuer Perspektive,<br />
denkt Kermani über die<br />
Themen auch unserer Gegenwart<br />
nach, über Klimawandel,<br />
Krieg, Entwicklung und Identität<br />
sowie die grundsätzlichen<br />
Fragen der Existenz.<br />
Navid Kermani:<br />
In die andere Richtung jetzt<br />
C.H. Beck, 272 S., € 27,80
Erinnern – Benennen –<br />
Vermitteln.<br />
Ein Abend für Horst Schreiber<br />
London 1533: Anne geht auf<br />
die 30 zu und hat es ganz<br />
nach oben geschafft: Sie ist<br />
die Königin von England.<br />
Ihre Geschichte ist der Stoff für<br />
Hollywoodfilme und historische<br />
Romane. Das echte Leben der<br />
Anne Boleyn war kein Märchen,<br />
denn die unperfekte Heldin<br />
war zu klug, zu emanzipiert,<br />
zu wortgewandt, zu weltläufig.<br />
Der schockverliebte Traumprinz,<br />
König Heinrich VIII.,<br />
entpuppte sich als narzisstischer<br />
Machtmensch – und statt<br />
Happy End findet diese Ehe ihr<br />
Ende in der Hinrichtung Annes.<br />
John Guy, Julia Fox:<br />
Jagd auf den Falken<br />
C.H. Beck, 306 S., € 36,00<br />
Tirol, 1975. Der Extrembergsteiger<br />
Karl Platz, wie<br />
immer in Geldnöten, begegnet<br />
seinem ehemaligen Schulkollegen<br />
Angelus Korff wieder,<br />
mit dem ihn einige traumatische<br />
Jugenderlebnisse verbinden und<br />
der mittlerweile zu den reichsten<br />
Unternehmern des Landes<br />
gehört. Die beiden treffen eine<br />
fragwürdige Vereinbarung.<br />
Widerwillig nimmt Karl den<br />
zwielichtigen Bekannten mit<br />
zu einer Expedition in den<br />
Himalaya. Eine Expedition,<br />
die alte Wunden aufreißt und<br />
beiden zum Schicksal wird.<br />
Rudolf Alexander Mayr:<br />
Karls Wiederkehr<br />
Tyrolia, 200 S., € 25,00<br />
Die Alpenrepublik hat im<br />
Laufe ihrer Geschichte so oft<br />
ihre Gestalt verändert wie kaum<br />
ein anderes europäisches Land.<br />
Im 19. Jahrhundert erreichte<br />
Österreich als habsburgischer<br />
Vielvölkerstaat seine größte<br />
Ausdehnung, doch der Erste<br />
Weltkrieg setzte Großmachtambitionen<br />
ein Ende. Heute<br />
ist Österreich eine moderne<br />
Republik im Herzen Europas –<br />
und doch politisch immer in<br />
Bewegung. Ein hochaktuelles<br />
Buch über die Geschichte<br />
Österreichs inklusive neuen<br />
Kapiteln über die jüngste Vergangenheit.<br />
Christian Lackner u. a.:<br />
Geschichte Österreichs<br />
Reclam, 675 S., € 30,90<br />
100 Jahre Radio in Tirol.<br />
Das Mikrofon im Dorf erzählt<br />
erstmals umfassend die Tiroler<br />
Radiogeschichte zwischen<br />
Demokratien und Diktaturen,<br />
Stadt und Land sowie Tradition<br />
und Innovation. 1924 startete<br />
die Radio-Verkehrs-AG mit<br />
dem Sendebetrieb in Österreich.<br />
Seitdem strahlt das „Wunder<br />
der Wellen“ auch in Tirol eine<br />
einzigartige Faszination aus.<br />
Der Hörfunk wurde vom eintönigen<br />
Propagandawerkzeug<br />
zum demokratischen Informations-,<br />
Bildungs- und Unterhaltungsmedium.<br />
Benedikt Kapferer:<br />
Das Mikrofon im Dorf<br />
Tyrolia, 288 S., € 30,00<br />
Sie waren schon immer etwas<br />
Besonderes – heilige Berge!<br />
Von Mythen und Fantasien umrankt,<br />
bedrohlich und zugleich<br />
Segen spendend, ziehen sie seit<br />
Jahrhunderten die Menschen<br />
in ihren Bann. Worin liegt<br />
ihre Faszination? Dieser Frage<br />
gehen Bernd Ritschel und Nina<br />
Ruhland in diesem Natur-Bildband<br />
nach. In Porträts von<br />
großen und kleinen Bergen, von<br />
berühmten Gipfeln, aber auch<br />
von weniger bekannten Zielen<br />
erzählen sie in Bild und Text<br />
von Kraftorten sowie von den<br />
Menschen und ihrem Respekt<br />
vor der Natur.<br />
Bernd Ritschel, Nina Ruhland:<br />
Heilige Berge<br />
Knesebeck, 208 S., € 42,10<br />
Alpine Heilkraft im Schnapsglas.<br />
In diesem faszinierenden<br />
Buch erfahren Sie alles über<br />
die traditionsreiche Kunst<br />
der Kräuterheilkunde, die seit<br />
Jahrhunderten in den Alpen<br />
praktiziert wird. Lernen Sie die<br />
Schätze der Natur und die richtigen<br />
Techniken zur Kräuterernte,<br />
dem Graben von Wurzeln<br />
und der Herstellung von<br />
wohltuenden Destillaten, Ansatzschnäpsen,<br />
Tinkturen und<br />
Einreibungen kennen. Tauchen<br />
Sie ein in die Welt der Kräuter<br />
und erleben Sie die Magie der<br />
Alpen mit jedem Schluck.<br />
Michaela Thöni-Kohler:<br />
Heilende Schnäpse aus den Alpen<br />
Tyrolia, 192 S., € 29,00<br />
Im hohen Norden Europas,<br />
oberhalb des Polarkreises,<br />
liegt eine ganz besondere<br />
Region: Lappland. Das Gebiet<br />
ist mit seinen dichten Wäldern,<br />
dem rauen Hochland und<br />
der ber gigen Küste eine echte<br />
Sehnsuchts landschaft, die viele<br />
Menschen in ihren Bann zieht.<br />
In eindrucksvollen Fotografien<br />
fängt Römmelt die wilde<br />
Natur Lapplands während aller<br />
Jahreszeiten ein, hält die einzigartigen<br />
Farb- und Lichtspiele<br />
der Mitternachtssonne und<br />
der Polarlichter fest und besucht<br />
die in Lappland lebenden<br />
Sámi, die in der Region tief<br />
verwurzelt sind.<br />
Bernd Römmelt:<br />
Lappland<br />
Knesebeck, 192 S., € 41,10<br />
Millionen von Menschen in<br />
Deutschland (BRD und DDR),<br />
Österreich und der Schweiz<br />
sahen dieselben Fernsehserien<br />
und Samstagabend-Shows,<br />
schleckten das gleiche Eis, spielten<br />
mit den gleichen Gadgets<br />
und teilten ähnliche Träume.<br />
Über 100 Begriffe aus dem<br />
deutschsprachigen Raum, die<br />
gleichermaßen bekannt wurden,<br />
haben in diesem umfangreich<br />
bebilderten Buch zusammengefunden<br />
– für alle, die ohne<br />
digitale Omnipräsenz groß geworden<br />
sind oder einfach diese<br />
Zeit cool finden und sich vom<br />
Retrohype mitreißen lassen.<br />
Norbert Peter, Marco Seltenreich:<br />
Offline – Die 70er, 80er und 90er<br />
in mehr als 100 Begriffen<br />
Braumüller Verlag, 240 S., € 29,00<br />
Bücher seit 1639<br />
Seit den 90er-Jahren leistet Horst Schreiber<br />
einen bemerkenswerten Beitrag zur<br />
Aufarbeitung der österreichischen Zeitgeschichte,<br />
mit Fokus auf den Nationalsozialismus<br />
in Tirol. Dabei hinterfragt<br />
er häufig erstmalig Themen, deckt auf,<br />
bohrt nach – nicht ohne dabei auf<br />
Widerstände zu stoßen. Zentral in seinem<br />
Schaffen ist auch die Frage nach dem<br />
Erinnern an das Geschehene.<br />
Horst Schreiber tut all dies in zahlreichen<br />
Funktionen, unter anderem als<br />
Dozent an der Pädagogischen Hochschule<br />
Tirol und am Institut für Zeitgeschichte<br />
der Universität Innsbruck, als Lehrer am<br />
Abendgymnasium Innsbruck, als Leiter<br />
von erinnern.at Tirol, dem Programm des<br />
OeAD – Österreichs Agentur für Bildung<br />
und Internationalisierung zum Lehren und<br />
Lernen über Nationalsozialismus und<br />
Holocaust, dem Institut für politischhistorische<br />
Bildung über Holocaust und<br />
Nationalsozialismus des BMBWF, des<br />
Wissenschaftsbüros Innsbruck, als Obmann<br />
der Michael-Gaismair-Gesellschaft, als<br />
Herausgeber verschiedener zeitgeschichtlicher<br />
und sozialwissenschaftlicher Reihen,<br />
wie etwa den „Studien zu Geschichte und<br />
Politik“, oder als Mitherausgeber der Reihe<br />
„transblick“ und der Gaismair-Jahrbücher.<br />
Seine Forschungsarbeit findet auch<br />
international Anerkennung, wie zuletzt in<br />
The New Yorker, in der seine Auseinandersetzung<br />
mit ehemaligen Zöglingen aus Tiroler<br />
Heimen aufgegriffen wurde: „Schreiber<br />
had interviewed dozens of Nowak-Vogl’s<br />
victims and had publicly demanded that the<br />
Austrian government offer them apologies<br />
and financial compensation“ (Margaret<br />
Talbot, 2. Oktober 2023).<br />
Am 6. November gibt Horst Schreiber<br />
im Rahmen der Podiumsdiskussion<br />
„ Erinnern – Benennen – Vermitteln.<br />
Ein Abend für Horst Schreiber“<br />
in der Wagner’schen Buchhandlung<br />
57<br />
gemeinsam mit Dorothea Zanon,<br />
Christoph W. Bauer und Markus Hatzer<br />
Einblick in seine Arbeit. Moderiert<br />
wird der Abend von Gerlinde Tamerl.<br />
Im Zentrum stehen Schreibers Herangehensweise<br />
an eine reflektierte Erinnerungskultur,<br />
seine Haltung zur Vermittlung<br />
von Geschichte, vor allem auch<br />
an junge Menschen, und die Herausforderungen<br />
und Widerstände, auf die<br />
er regelmäßig traf.<br />
Mag. Dr. Horst Schreiber habilitierte 2001 am<br />
Institut für Zeitgeschichte der Universität<br />
Innsbruck und lehrt heute als Dozent an der<br />
Pädagogischen Hochschule Tirol sowie am Abendgymnasium<br />
Innsbruck. Er ist Leiter der Projekte<br />
Digitale Erinnerungslandschaft (DERLA) Tirol<br />
und Virtuelles Denkmal für alle Tiroler Opfer<br />
des Nationalsozialismus.<br />
© Privat<br />
Buchtipp:<br />
Horst Schreiber:<br />
Die Lager von Schwaz<br />
Studienverlag, 284 S., € 22,90<br />
Veranstaltungstipp:<br />
Ein Abend für Horst Schreiber<br />
Mit Dorothea Zanon,<br />
Christoph W. Bauer &<br />
Markus Hatzer<br />
Moderation: Gerlinde Tamerl<br />
Mi., 6. November, 19:30 Uhr<br />
Wagner’sche Buchhandlung,<br />
Innsbruck<br />
Eintritt: frei!<br />
Wir bitten um Voranmeldung<br />
unter order@studienverlag.at
Mit<br />
den<br />
besten<br />
Empfehlungen:<br />
Der Ich-Erzähler in diesem<br />
Roman lässt vor allem<br />
erzählen, nämlich eine Frau<br />
namens Verkin aus ihrem<br />
schillernden Leben. 1946 geboren,<br />
gehört sie gleich zwei<br />
türkischen Minderheiten an:<br />
der armenischen und der gut<br />
betuchten. Sie spricht sechs<br />
Sprachen und scheint Istanbul<br />
ebenso gut zu kennen wie<br />
Schweizer Nobelinternate oder<br />
Paris im Mai 1968. „Denkst<br />
Du Dir das alles aus?“, fragt er<br />
sie einmal. Falls nicht stimmt,<br />
was sie erzählt, ist es zumindest<br />
prachtvoll erfunden – von wem<br />
auch immer. Thomas Wegmann<br />
David Wagner:<br />
Verkin<br />
Rowohlt, S. 400, € 27,80<br />
Agathe, eine junge Frau aus<br />
gutbürgerlichem Hause, wächst<br />
behütet und frei von Sorgen auf.<br />
Nach ihrer Konfirmation will sie<br />
sich jedoch nicht an die vielen<br />
gesellschaftlichen Erwartungen<br />
anpassen. Als ihr Bruder<br />
ihre gesamte Mitgift verspielt,<br />
findet sie keinen passenden Ehemann<br />
mehr. Ihr Wunsch nach<br />
einem selbstbestimmten und<br />
freien Leben wird vernichtet,<br />
womit ihre Verzweiflung und ihr<br />
Leiden beginnen. Ein wiederentdeckter<br />
Gesellschaftsroman,<br />
der für die Emanzipation einer<br />
jungen Frau und die Frauenbewegung<br />
des 19. Jahrhunderts<br />
steht. Lisa Warger<br />
Gabriele Reuter:<br />
Aus guter Familie<br />
Reclam, 270 S., € 25,70<br />
In diesen neun Erzählungen<br />
drehen Mütter Sextapes oder<br />
leise durch, leben in der Diskrepanz<br />
zwischen Familienleben<br />
und Karriere, während sie<br />
die Seuchenzeit des 21. Jahrhunderts<br />
begleitet – mit Klimawandel,<br />
der Vereinsamung<br />
der Gesellschaft, den Folgen<br />
des Coronavirus und familienfeindlichen<br />
Arbeitswelten.<br />
Wie soll das bloß gutgehen?<br />
Ein düster-unterhaltsames Buch<br />
zur Bestärkung aller kinderlosen<br />
Menschen und eine<br />
Gute-Nacht-Lektüre für Eltern,<br />
die dem Unausweichlichem<br />
mit Sarkasmus begegnen.<br />
Ágnes Czingulszki<br />
Naomi Wood:<br />
Dino Moms<br />
Nagel & Kimche, 224 S., € 25,70<br />
Eine pensionierte Mathelehrerin,<br />
die ein kleines in die<br />
Jahre gekommenes Häuschen<br />
von einer Freundin auf Ibiza<br />
erbt, lässt alles hinter sich<br />
und lebt von nun an dort.<br />
In der wunderschönen Landschaft<br />
sucht sie Antworten<br />
über den mysteriösen Tod ihrer<br />
Freundin. Eines Tages bekommt<br />
sie eine E-Mail eines ehemaligen<br />
Schülers; von da an schreiben<br />
sie sich und sie erzählt von<br />
den wunderbaren Erlebnissen,<br />
und dass es auch viel Positives<br />
gibt im Leben. Ein spannendes<br />
und unvorhersehbares Lesevergnügen.<br />
Andrea Scheiber<br />
Matt Haig:<br />
Die Unmöglichkeit des Lebens<br />
Droemer Verlag, 416 S., € 25,70<br />
Mit einfühlsamer Stimmgewalt<br />
erzählt Jacqueline O’Mahony<br />
von dem wohl dunkelsten<br />
Kapitel in der Geschichte<br />
Irlands, der Hungersnot im<br />
19. Jahrhundert, und von einer<br />
starken Frau, die sich sowohl<br />
in ihrer irischen Heimatgemeinde<br />
als auch nach ihrer<br />
Reise nach Amerika in der dortigen<br />
Prärie trotz aller Widrigkeiten<br />
immer wieder zurück ins<br />
Leben kämpft und nicht aufgibt,<br />
bis sie die Freiheit findet,<br />
die sie sich seit jeher wünscht.<br />
Jacqueline Falkner<br />
Jacqueline O’Mahony:<br />
Sing, wilder Vogel, sing<br />
Diogenes, 368 S., € 25,70<br />
Maya arbeitet in einer Firma,<br />
in der Frauen Muttermilch produzieren<br />
und an andere Menschen<br />
verkaufen. Über Nacht<br />
wird sie im Netz berühmt,<br />
ihr Name eine Marke, ihr Video<br />
millionenfach geliked. Werbeverträge<br />
und die Aufmerksamkeit<br />
prominenter Influencer*innen<br />
folgen. Doch so schnell der<br />
Hype begonnen hat, so brutal<br />
endet er in einem Shitstorm.<br />
Ein aktueller Roman über<br />
(soziale) Medien, Fake News<br />
und die Frage, wie die Öffentlichkeit<br />
Menschen zu Figuren<br />
macht, die mit deren Identität<br />
wenig zu tun haben. Ina Cassik<br />
Clemens Berger:<br />
Haus des flüssigen Goldes<br />
Residenz, 216 S., € 27,00<br />
58<br />
Wagner’sche.<br />
Ein Buch wie ein Film. Bilgeri<br />
schreibt über eine Wiener Familie<br />
in den frühen 50er-Jahren.<br />
Da ist die rebellische Gerda,<br />
die im Tanzkurs den charmanten<br />
Schweizer Piero kennenlernt,<br />
der in einer Fluchthilfeorganisation<br />
des Roten Kreuzes<br />
beschäftigt ist. Gerda wird<br />
schwanger und die Hochzeitsglocken<br />
läuten. Doch zur kurzfristig<br />
angesetzten Hochzeit<br />
erscheint nur die Polizei –<br />
mit einem Haftbefehl für Piero.<br />
Auf seinen Spuren, die sie und<br />
ihre Mutter nie für möglich<br />
gehalten hätten, gerät sie auf<br />
die Rattenlinie. Robert Renk<br />
Reinhold Bilgeri:<br />
Das Gewissen der Tauben<br />
Amalthea, 304 S., € 27,00<br />
Telegrafie, Telefonie, Telepathie:<br />
Vor und noch lange nach 1900<br />
war man bei diesen wundersamen<br />
technischen wie okkulten<br />
Phänomenen ganz aus dem<br />
Häuschen. Ulla Lenze spannt<br />
ihr spiritistisches Erzählnetz<br />
über drei Frauenleben in Berlin:<br />
Anna, das faszinierende Medium,<br />
Johanna, die vom Sog<br />
des Fantastischen ergriffen wird<br />
und darüber schreibt, schließlich<br />
Vanessa, die auf die „Annageschichte“<br />
ihrer Urgroßmutter<br />
stößt. Was sie dort entdeckt?<br />
Die Utopie des Wohlbefindens.<br />
Bernhard Sandbichler<br />
Ulla Lenze:<br />
Das Wohlbefinden<br />
Klett-Cotta, 334 S., € 26,70<br />
Der Schriftsteller Ben hat aufgrund<br />
einer Schreibblockade<br />
sehr viel Zeit zum Nachdenken.<br />
Seine größte Angst ist, dass ein<br />
Krieg ausbrechen könnte.<br />
Als sich die Situation immer<br />
mehr zuspitzt und langsam<br />
zu eskalieren droht, flüchtet er<br />
kurzerhand mit seiner Ex-Frau<br />
und den beiden gemeinsamen<br />
Kindern nach Brasilien und<br />
lässt sein altes Leben inklusive<br />
seiner Partnerin zurück.<br />
Mit einer Prise Humor, sehr viel<br />
Erzählkunst und einem wahrhaft<br />
unsympathischen Protagonisten<br />
hat Lewinsky hiermit<br />
ein grandioses Debüt hingelegt.<br />
Sarah Loretz<br />
Micha Lewinsky:<br />
Sobald wir angekommen sind<br />
Diogenes Verlag, 288 S., € 26,70<br />
Konsequenter und fluider als<br />
je zuvor verwischt und verwebt<br />
Thomas Meinecke in seinem<br />
neuesten Roman Odenwald<br />
diverse Bezüge, Zitate und<br />
Diskursfetzen zu einem wilden<br />
Ritt ausgehend von Theodor<br />
W. Adornos Sehnsuchtsort<br />
Amorbach. Wer sich mit Lust<br />
darauf einlässt, kann lernen,<br />
wie man Fee, Räuber, Jazz-<br />
Hasser*in oder -Liebhaber*in<br />
wird, sowie was die Körper<br />
mit den Texten machen und<br />
umgekehrt. Eines der abgefahrensten<br />
und (wie das heute<br />
genannt wird) „unhingedsten“<br />
Lese erlebnisse des Herbsts 2024!<br />
Martin Fritz<br />
Thomas Meinecke:<br />
Odenwald<br />
Suhrkamp, 440 S., € 27,80<br />
Die Erde braucht eine neue<br />
Gesellschaft und diese soll<br />
auf einer einst vergessen Insel<br />
inmitten des blauen Pazifiks<br />
entstehen. Vier Menschen,<br />
die mit dem Schicksal unseres<br />
Planeten eng verbunden sind,<br />
starten in das vielleicht letzte<br />
große Abenteuer der Menschheit:<br />
eine Tiefseetaucherin,<br />
eine Künstlerin, ein Büchernarr<br />
und ein Computernerd.<br />
Die wichtigen Themen un serer<br />
Zeit wunderbar und fesselnd<br />
erzählt. Angelika Moser<br />
Richard Powers:<br />
Das große Spiel<br />
Penguin Verlag, 512 S., € 26,70<br />
Im historischen Leipzig steht<br />
ein 15-jähriges Mädchen vor<br />
Gericht und wird des Mordes<br />
an ihrem neugeborenen Kind<br />
bezichtigt. Ihr droht die Todesstrafe,<br />
doch sie und ihre Familie<br />
geben alles, um ihre Unschuld<br />
zu beweisen. Dieser packende<br />
Roman, basierend auf wahren<br />
Begebenheiten, beschert einem<br />
durch das Zusammentreffen<br />
von mittelalterlichen Denkweisen<br />
und früher Aufklärung<br />
von der ersten bis zur letzten<br />
Seite Gänsehaut und überzeugt<br />
mit einer verängstigten wie auch<br />
kämpferischen Protagonistin.<br />
Sarah Loretz<br />
Tore Renberg:<br />
Die Lungenschwimmprobe<br />
Luchterhand Literaturverlag,<br />
704 S., € 27,80
Akiko lebt nach dem verfrühten<br />
Tod ihrer Mutter zurückgezogen<br />
in Tokio. Als sie auf<br />
ein Familiengeheimnis stößt,<br />
sieht sie ihre Vergangenheit in<br />
einem anderen Licht und überdenkt<br />
ihr Leben völlig neu.<br />
Ihr Jugendfreund Kento, der als<br />
Hikikomori in selbstgewählter<br />
Isolation lebt, unterstützt sie<br />
auf ihrer Suche nach ihrem<br />
wahren Ich und wächst dabei<br />
über sich selbst hinaus. Ein feinfühliger<br />
Roman über Distanz<br />
und Nähe, Einsamkeit und Mitmenschlichkeit,<br />
der den Zauber<br />
japanischer Literatur wunderbar<br />
einfängt. Ina Cassik<br />
Jan-Philipp Sendker:<br />
Akikos stilles Glück<br />
Blessing, 384 S., € 25,70<br />
Wer Noemi Somalvicos fulminantes<br />
Debüt Ist hier das<br />
Jenseits, fragt Schwein gelesen<br />
hat, in dem ein Schwein<br />
Gott besucht, wird anfangs<br />
überrascht sein von ihrem<br />
neuen, ganz andere Töne<br />
anschlagenden Erzählband.<br />
Doch bereits nach wenigen<br />
Seiten wird gewiss auch der<br />
Charme dieser Geschichten<br />
überspringen. Sie handeln alle<br />
von Liebe, Sex und allem dazwischen,<br />
eben darüber, was<br />
zwischen zwei oder mehr Menschen<br />
funken, passieren oder<br />
eben auch nicht funken kann<br />
(Stichwort erste Dates beim<br />
Wandern!) Martin Fritz<br />
Noemi Somalvico:<br />
Das Herz wirft in der Brust<br />
keinen Schatten<br />
Voland & Quist, 216 S., € 23,70<br />
Vor Jahren gingen die Menschen<br />
aus Verzweiflung einen<br />
Deal mit den Göttern ein, denn<br />
nur sie konnten ihnen Schutz<br />
vor den Fae bieten. Im Gegenzug<br />
mussten sie jedoch einen<br />
Teil von sich selbst opfern,<br />
ansonsten drohte ihnen der<br />
Tod. Als Priscilla nun eine<br />
erschreckende Entdeckung<br />
macht, sucht sie nach Antworten,<br />
doch sie findet nur Rache.<br />
Stark überzeugt in diesem<br />
grandiosen Auftakt ihrer neuen<br />
Fantasyreihe durch grandioses<br />
Worldbuilding und einzigartige<br />
Charaktere einer Story voller<br />
Intrigen. Sarah Loretz<br />
Stacia Stark:<br />
Kingdom of Lies<br />
Reverie Verlag, 512 S., € 27,80<br />
Susanna Tamaro kann es:<br />
Sie schreibt über große Lebensthemen<br />
wie Liebe, Lebenssinn<br />
und Familie. Für ihren neuesten<br />
Roman wählt sie eine Form,<br />
die bereits von ihrem ersten<br />
Bestseller bekannt ist.<br />
Drei Briefe schreibt Chiara,<br />
eine Frau Anfang 60: an ihre<br />
Adoptivtochter, ihre leibliche<br />
Tochter und ihren Ehemann.<br />
Der Rahmen für eine Rückschau,<br />
in der sie Höhen und<br />
Tiefen ihres Lebens Revue passieren<br />
lässt. Zeit dafür hat sie an<br />
einem Weihnachtsfest der etwas<br />
anderen Art: Die Familie feiert<br />
Weihnachten erstmals getrennt.<br />
Monika Mazegger<br />
Susanna Tamaro:<br />
Der Wind weht, wohin er will<br />
Nagel & Kimche, 288 S., € 25,70<br />
Der Roman zeigt das Leben<br />
Magda Göbbels vor und<br />
während ihrer Ehe mit dem<br />
Propagandaminister aus Sicht<br />
eines befreundeten Homosexuellen.<br />
Wie ist sie zu der<br />
Frau geworden? Warum folgt<br />
sie dem Nationalsozialismus<br />
mit solchem Fanatismus?<br />
Ein mitreißendes Buch über<br />
Macht und Mittäterschaft.<br />
Silke Zorn<br />
Nora Bossong:<br />
Reichskanzlerplatz<br />
Suhrkamp, 295 S., € 26,70<br />
Schon mit Der Pfau bewies sie,<br />
dass Romane mit warmherzig<br />
angelegtem Personal und feinem<br />
Humor auch hochliterarisch<br />
sein und dennoch den Finger<br />
in gesellschaftliche Wunden<br />
bohren können. Im neuen<br />
Roman über eine Wohngemeinschaft<br />
mit vier Menschen<br />
unterschiedlichen Alters aus<br />
unterschiedlichen Motiven zeigt<br />
sie es erneut. Constanze zieht<br />
nach der Trennung von ihrem<br />
Lebensgefährten in diese Wohngemeinschaft<br />
und muss sich<br />
irgendwann der Frage stellen,<br />
ob das eine reine Zweck-WG<br />
ist oder doch die Wahlfamilie.<br />
Robert Renk<br />
Isabel Bogdan:<br />
Wohnverwandtschaften<br />
Kiepenheuer & Witsch, 272 S., € 24,70<br />
Mit einfachen Schlussfolgerungen<br />
lässt Kaiser-<br />
Mühlecker die Leser*innen<br />
nicht davonkommen, seine<br />
indirekt gestellte Frage:<br />
„Wo liegt die Wurzel des<br />
Übels?“ In Brennende Felder<br />
geht er in den Schuhen von<br />
Luisa Fischer und schaut durch<br />
ihre Augen. Wir haben es allerdings<br />
mit einer bösen Frauenfigur<br />
zu tun, die nur Kälteverbrennungen<br />
hinterlässt, es selbst<br />
aber nicht bemerkt. Zu sehr<br />
ist sie in der Schallblase ihrer<br />
eigenen Lebenswelt gefangen<br />
und taumelt durch das<br />
Geschehen, einsam wie ein<br />
Komet im All. Barbara Aschenwald<br />
Reinhard Kaiser-Mühlecker:<br />
Brennende Felder<br />
S. Fischer, 368 S., € 26,70<br />
Diesmal schreibt Hape<br />
Kerkeling nicht nur über sich,<br />
sondern auch über seine Vorfahren<br />
und führt uns dabei<br />
ins blühende Amsterdam des<br />
17. Jahrhunderts. Das liest sich<br />
gut recherchiert und gleichermaßen<br />
berührend wie witzig!<br />
Auch an den Glanzzeiten der<br />
TV-Unterhaltung lässt er uns<br />
schmunzelnd teilhaben und<br />
noch einmal an seiner Kindheit<br />
und seiner geliebten Großmutter<br />
Bertha, die zeitlebens<br />
ein unglaubliches Geheimnis<br />
hütete, dem Kerkeling auf die<br />
Spur kommt. Robert Renk<br />
Hape Kerkeling:<br />
Gebt mir etwas Zeit<br />
Piper, 368 S., € 25,70<br />
In ihrem Debütroman verfolgen<br />
wir Tanets Protagonisten<br />
Silvia, eine Lehrerin, die eines<br />
Tages in den Wald aufbricht<br />
und fortan immer mehr mit der<br />
Natur verschmilzt. Zeitgleich<br />
liest man aber auch die Geschichte<br />
der Schülerin Giovanna,<br />
bei der häusliche Gewalt an<br />
der Tagesordnung steht und die<br />
sich einzig und allein auf der<br />
Alm ihres Onkels wohlfühlen<br />
kann. Tanet hat hier einen<br />
unglaublich atmosphärischen<br />
Roman erschaffen, geprägt<br />
von einer Generation, der die<br />
Folgen des Krieges noch tief<br />
in den Knochen stecken.<br />
Sarah Loretz<br />
Maddalena Vaglio Tanet:<br />
In den Wald<br />
Suhrkamp Verlag, 304 S., € 25,70<br />
Barbara Zemans Zweitling<br />
beginnt in der venezianischen<br />
Lagune. Die Kanäle sind<br />
„schuppig“, das Wasser „faltig“.<br />
Zurück im herbstlichen<br />
Wien taucht sie dann aber wieder<br />
auf: Beteigeuze (gesprochen<br />
wie geschrieben), die hellrote<br />
Riesin am Nachthimmel, der<br />
„wie ein seltsamer Stoff“ ist,<br />
in dem sich Theresa verliert.<br />
Geistig und poetisch solcherart<br />
umnachtet, berichtet sie von<br />
der Welt, die sie umgibt, und<br />
von Josef, der sie liebt: stakkatohaft,<br />
dialogisch, immer<br />
betörend. Bernhard Sandbichler<br />
Barbara Zeman:<br />
Beteigeuze<br />
dtv, 304 S., € 25,70<br />
Als Zora del Buono acht<br />
Monate alt ist, wird ihr Vater<br />
bei einem Autounfall getötet.<br />
Jahrzehnte später begibt sie sich<br />
auf eine literarische Spurensuche<br />
nach dem Mann,<br />
der den Unfalltod ihres Vaters<br />
verursacht hat. Aus der fast<br />
kriminalistischen Recherche<br />
wird eine intensive Beschäftigung<br />
mit dem verlorenen Vater<br />
und der eigenen Familiengeschichte.<br />
Zora del Buono<br />
findet nicht auf alle ihre Fragen<br />
Antworten, doch der Erkenntnisgewinn<br />
ist groß. Ein sehr<br />
persönliches Buch, das auch ein<br />
Stück Zeitgeschichte erzählt.<br />
Ina Cassik<br />
Zora del Buono:<br />
Seinetwegen<br />
Beck, 204 S., € 24,70<br />
Wann beginnt ein „drittes<br />
Leben“? Durch den plötzlichen<br />
Tod ihrer 17-jährigen Tochter<br />
steht Daniela Kriens Protagonistin<br />
Linda vor einem<br />
Wendepunkt. Das Leben,<br />
wie sie es bisher kannte, endete<br />
jäh. Einfühlsam erzählt Krien<br />
von dem Schmerz des Weiterlebens<br />
und von der Frage,<br />
was ein Leben ausmacht.<br />
Dabei beweist sie viel Gespür<br />
für Zeit, Raum und die kleinen<br />
Dinge des Alltags. Eine tiefgehende<br />
Lektüre! Gabriele Wild<br />
Daniela Krien:<br />
Mein drittes Leben<br />
Diogenes, 304 S., € 27,80<br />
Erinnern Sie sich an Ted<br />
Bundy? Seine Geschichte haben<br />
wir zigfach gelesen, gehört oder<br />
gesehen. 1978 dringt ein Unbekannter<br />
in ein Studentinnen-<br />
Wohnheim ein. Es wird nicht<br />
lange dauern, bis dieser Unbekannte<br />
in aller Munde ist und<br />
der bekannteste Serienmörder<br />
aller Zeiten. Soghaft erzählt<br />
Jessica Knoll die Geschichte<br />
der überlebenden Frauen.<br />
Auch wenn diese Story nichts<br />
für schwache Nerven ist, sucht<br />
man vergebens nach Opfern.<br />
Hier wird der Täter zum<br />
Gejagten. Faszinierend und<br />
psychologisch wie ein Thriller!<br />
Carmen Schwarz<br />
Jessica Knoll:<br />
Bright Young Women<br />
Eichborn, 464 S., € 19,50<br />
Als Vincent sich mit den<br />
beiden Jungs Ali und Tarek<br />
anfreundet, ist ihm schmerzlich<br />
bewusst, dass er immer „der<br />
Weiße“ zwischen denn beiden<br />
sein wird. Krampfhaft versucht<br />
Vincent, diesen Vorbehalt<br />
loszuwerden, und als Ali eines<br />
Tages in Schwierigkeiten gerät,<br />
sieht Vincent seine Chance,<br />
sich endgültig zu beweisen.<br />
Dieser Coming-of-Age-Roman<br />
hat es wirklich in sich. Erzählt<br />
auf zwei Zeitebenen fängt er<br />
hervorragend die Eigenheiten<br />
der Jugendjahre in all ihren<br />
Facetten ein und lässt einen in<br />
Nostalgie versinken. Sarah Loretz<br />
Luca Kieser:<br />
Pink Elephant<br />
Blessing Verlag, 304 S., € 25,70<br />
Eine erste umfassende Gesamtdarstellung<br />
zu Leben und Werk<br />
wird am besten von einem<br />
großen Schriftsteller und engen<br />
Freund geschrieben. Schön,<br />
dass Herbert Grönemeyer einen<br />
solchen Freund hat, und zwar<br />
Michael Lentz! Wie lassen sich<br />
die Wucht und Energie, auch<br />
das Tröstliche seiner Musik<br />
erklären? Auf der Grundlage<br />
zahlreicher Gespräche erzählt er<br />
von der Herkunft und Familie<br />
des Ausnahmekünstlers und<br />
beschreibt ein faszinierendes<br />
Leben im Zeichen von Musik<br />
und Literatur, Pop und Politik.<br />
Robert Renk<br />
Michael Lentz:<br />
Grönemeyer<br />
S. Fischer, 368 S., € 28;00<br />
Rom im 17. Jahrhundert.<br />
Dies ist die Geschichte einer<br />
außergewöhnlichen Frau,<br />
der berühmten Malerin und ersten<br />
Architektin Plautilla Bricci.<br />
Mit 13 Jahren malte sie ihre<br />
erste Auftragsarbeit „Madonna<br />
mit Kind“. Wirklich bekannt<br />
wurde sie durch den Bau 1663<br />
in Trastevere der Villa Benedetta.<br />
Man bekommt einen starken<br />
Einblick über ihre Armut als<br />
Kind, dem Verhältnis zu ihrem<br />
Vater. Ein sehr gelungener,<br />
recherchierter Roman über eine<br />
außergewöhnliche Zeit. Nicht<br />
nur für Architekturbegeisterte.<br />
Andrea Scheiber<br />
Melania G. Mazzucco:<br />
Die Villa der Architektin<br />
Folio, 463 S., € 29,00
Lange bevor es Mode war,<br />
hat Meyerhoff das Genre autofiktional<br />
geprägt, und zwar<br />
mit viel Witz und Wärme.<br />
Mit Mitte 50 – nach einem<br />
Schlaganfall und neuem Terrain<br />
(Berlin statt Wien) – zieht der<br />
Erzähler nun zu seiner Mutter<br />
aufs Land. Dort möchte er an<br />
einem Roman über das Theater<br />
mit dem Titel Scham und<br />
Bühne zu schreiben. Es werden<br />
unvergleichliche, ereignisreiche<br />
Wochen, in denen er durch die<br />
Hilfe seiner Mitte 80-jährigen<br />
Mutter aus einer tiefen Lebenskrise<br />
findet. Robert Renk<br />
Joachim Meyerhoff:<br />
Man kann auch in die Höhe fallen<br />
Kiepenheuer & Witsch, 368 S., € 27,80<br />
Ein absolut gelungenes Debüt!<br />
Zehn Jahre nach der Studienzeit<br />
treffen sich Sam aus Stockholm<br />
und Luc zufällig wieder<br />
in London. Eine Beziehung war<br />
damals undenkbar zwecks der<br />
Entfernung. Jetzt dafür heftiger<br />
und intensiver. Eine Liebesgeschichte<br />
modern erzählt<br />
mit allen Höhen und Tiefen.<br />
Mal aus ihrer, mal aus seiner<br />
Sicht. Kann diese Liebe Zukunft<br />
haben? Geht sie wieder<br />
nach Stockholm? Job aufgeben<br />
oder woanders weitermachen?<br />
Liebe braucht Kompromisse!<br />
Einfühlsam und berührend<br />
erzählt. Andrea Scheiber<br />
Jenny Mustard:<br />
Okaye Tage<br />
Eichborn, 368 S., € 25,70<br />
Rainer Caofal lebt mittlerweile,<br />
also eigentlich lebte er bisweilen<br />
in der Seniorenresidenz<br />
„Juventus“. Doch nun liegt er<br />
erschlagen in seinem Bett und<br />
lässt uns an seinem bisherigen<br />
Leben teilhaben. Dass das nicht<br />
ganz normal war, merkt man<br />
schnell – die Frauen waren sein<br />
Herzstück. Leider waren es<br />
aber zumeist die Frauen anderer<br />
Männer, er ein „Frauenausborger“.<br />
Dies ist nun der zweite<br />
Krimi von Prokopetz, der<br />
bekannt ist für seinen Wiener<br />
Schmäh, und das auch über die<br />
Landesgrenzen hinaus.<br />
Lena Kripahle-Wiek<br />
Joesi Prokopetz:<br />
Frauenausborger<br />
Servus Verlag, 224 S., € 20,00<br />
Insomnia, sprich Schlaflosigkeit,<br />
verfolgt die junge<br />
Wissenschaftlerin Mara Lux<br />
seit vielen Jahren. Gleichzeitig<br />
ist genau dies ihr Fachgebiet.<br />
Durch und durch rational<br />
ängstigt sie die Irrationalität<br />
der Träume, die bisweilen<br />
auf unerklärliche Weise in die<br />
Wirklichkeit zu schwappen<br />
scheinen. Plötzlich wird ihr ein<br />
Haus in der deutschen Provinz<br />
vermacht. Zuerst glaubt sie an<br />
einen Scherz – als sie das Haus<br />
besichtigt, muss sie feststellen,<br />
dass sie durch ihre Träume mit<br />
diesem Ort auf seltsame Weise<br />
verbunden ist. Robert Renk<br />
Melanie Raabe:<br />
Der längste Schlaf<br />
btb, 372 S., € 25,70<br />
Der Widerstand gegen ein<br />
überholtes Gesetz bringt diese<br />
Geschichte in Gang. Erzählt<br />
wird sie einem Du. In den 70er-<br />
Jahren. Es ist eine leise Geschichte.<br />
Sie handelt von großen<br />
Umbrüchen. Vom Kampf gegen<br />
das „Weiter so“. Eine Frau.<br />
Ihre Familie. Verwerfungen.<br />
Verschwiegenes. Bröckelnde<br />
Fassaden. Große Katastrophen,<br />
kleine Verbrechen. Judith W.<br />
Taschler versteht es, Menschen,<br />
Orte, Charaktere und Atmosphäre<br />
in knappen Strichen zu<br />
fassen. Und über Medizin (als<br />
Überlebensmittel und als Domäne<br />
männlicher Macht) lernt<br />
man auch einiges. Joseph Frontull<br />
Judith W. Taschler:<br />
Nur nachts ist es hell<br />
Zsolnay, 320 S., € 25,70<br />
Was für ein Debüt! Auf den<br />
ersten Seiten schon merkt man<br />
einen ganz eigenständigen<br />
Ton und ist sofort in dem<br />
Dilemma, in dem sich auch<br />
Adikou befindet. Zu Weiß für<br />
die Schwarze Community vor<br />
allem in ihrem Vaterland Togo<br />
und zu Schwarz für ihre Heimat<br />
Paris oder die Uni in den USA.<br />
Entlang der westafrikanischen<br />
Küste und bis in die USA sucht<br />
Adikou nach einem Platz in der<br />
Geschichte – und schafft sich<br />
ein Erbe aus Schlangenhäuten,<br />
Skylines und stickigen Nächten.<br />
„Ein Debüt, wie es vielversprechender<br />
nicht sein könnte“,<br />
Le Monde. Robert Renk<br />
Raphaëlle Red:<br />
Adikou<br />
Rowohlt, 224 S., € 25,70<br />
„Bin ich es wert, von meinem<br />
Mann geliebt zu werden?“,<br />
ist die Frage, die letztlich der<br />
Antrieb für jedes Handeln der<br />
Hauptfigur ist. Ob sie sich selbst<br />
geißelt, um nach 15 Ehejahren<br />
noch perfekt für ihn zu sein,<br />
oder ob sie ihn für zu wenig<br />
Aufmerksamkeit zu bestrafen<br />
versucht – was darunter liegt,<br />
ist stets eine unerträgliche<br />
Verlustangst, die ihr schlaflose<br />
Nächte und ruhelose Tage<br />
beschert. Die Autorin spielt<br />
geschickt mit unserer Wahrnehmung<br />
und überrascht<br />
mit einem Ende, das uns erschaudern<br />
lässt. Sarah Caliciotti<br />
Maud Venura:<br />
Mein Mann<br />
Hoffmann und Campe, 272 S., € 25,70<br />
Das Mammut der Meere<br />
steht im Mittelpunkt dieses<br />
wunderbaren Debüts.<br />
Es ist die Stellerschen Seekuh.<br />
Bis zu 8 Meter wurde dieses<br />
friedliebende Geschöpf, das vor<br />
ca. 200 Jahren ausstarb.<br />
In etwa genauso lange folgen<br />
wir obsessiven Sammlern, rast -<br />
losen Wissenschaftlern,<br />
begeisterten Naturschützern<br />
und den Frauen, die an Naturerforschungen<br />
immer schon<br />
beteiligt waren. Turpeinen lässt<br />
uns unsere Welt und das Wunder<br />
Leben mit neuen Augen<br />
sehen und verstehen. Aus dem<br />
Finnischen von Maximilian<br />
Murmann. Robert Renk<br />
Iida Turpeinen:<br />
Das Wesen des Lebens<br />
S. Fischer, 320 S., € 25,70<br />
Ein weiter großer Erzählband,<br />
der an Atlas eines ängstlichen<br />
Mannes (2017) anknüpft.<br />
Wieder ist es eine authentische<br />
und poetische Mischung<br />
zwischen autobiographischen<br />
(oder autofiktionalem, wie man<br />
heutzutage sagt) Texten und<br />
solchen, die von den Reisen<br />
Ransmayrs stammen, die er<br />
tlw. als Journalist gemacht hat,<br />
wie z. B. die Entdeckungs -<br />
reisen in den Transhimalaya,<br />
die Sahara oder zu den Bürgerkriegsschauplätzen<br />
Sri Lankas.<br />
Am persönlichsten ist die<br />
titelgebende Erzählung aus<br />
Ransmayrs Kindheit.<br />
Ganz groß! Robert Renk<br />
Christoph Ransmayr:<br />
Als ich noch unsterblich war<br />
S. Fischer, 224 S., € 25,70<br />
Kleine Zeitreise gefällig?<br />
Im Roman Eve tauchen wir in<br />
den Glamour der 30er-Jahre<br />
ein. Eine Frau auf dem Weg<br />
nach Los Angeles, denn die<br />
Beziehung mit ihrem Partner<br />
in New York ist in die Brüche<br />
gegangen. Es ist die Zeit der<br />
Traumfabrik, der Stars und<br />
Sternchen und skrupellosen<br />
Filmregisseure. Diese Frau,<br />
Evelyn Ross, kurz Eve, hat<br />
zwei Gesichter, strahlend und<br />
unterkühlt. Kaleidoskopartig<br />
tauchen wir in die Begegnungen<br />
ein, die sie auf ihrer Reise<br />
macht. Eine köstliche Gesellschaftssatire<br />
in Schwarz-Weiß!<br />
Carmen Schwarz<br />
Amor Towles:<br />
Eve<br />
Hanser, 224 S., € 25,70<br />
Sally ist eine bekannte Late-<br />
Night-Show-Moderatorin und<br />
Comedyautorin. Dem Thema<br />
Beziehung nähert sie sich nur<br />
mittels Sketches und Comedy.<br />
Als ein Kollege mit einer<br />
Schauspielerin zusammenkommt,<br />
stellt sie sich die Frage:<br />
Warum gibt es immer noch<br />
solche Machthierarchien in<br />
Beziehungen? Dann trifft sie<br />
auf den Popstar Noah und<br />
weiß: Das ist keine romantische<br />
Komödie. Humorvoll und klug<br />
schreibt Sittenfeld über die<br />
sozialen Regeln und Machtdynamiken<br />
von romantischen<br />
Beziehungen. Lisa Warger<br />
Curtis Sittenfeld:<br />
Romantic Comedy.<br />
Leidensgeschichte eines Mädchens<br />
Dumont, 384 S., € 24,70<br />
Die 90er einprägend und<br />
vielseitig! Ich war mehr auf<br />
der Bowie- und R.E.M.- Seite.<br />
Freundinnen von damals<br />
schwärmten von den Boy-<br />
Groups oder von depeche<br />
mode. Und natürlich Madonna.<br />
In Deutschland kam damals<br />
der Deutsch-Rap auf, wobei,<br />
den hatten wir mit Falco schon<br />
früher ;-). Dennoch, es war eine<br />
prägende Zeit. Und Back for<br />
Good katapultiert uns mit Interviews<br />
und Playlist dahin zurück.<br />
Auch in Genres wie Nu Metal<br />
oder Techno. Da kann man nur<br />
sagen: hyper hyper … Robert Renk<br />
Rehm-Rozanes/Soethof:<br />
Back for Good<br />
Reclam, 351 S., € 29,80<br />
Tirol, Ende des 19. Jahhunderts.<br />
Die 18-jährige Theres lebt in<br />
einem abgeschiedenen Dorf<br />
im hin tersten Tal. Ihr Leben ist<br />
vor bestimmt, die Heirat schon<br />
von Kindestagen an fixiert.<br />
Als ein Fremder ins Dorf<br />
kommt, verliebt sie sich und<br />
wird schwanger. Von der Dorfgemeinschaft<br />
wird er vertrieben,<br />
so geht Theres in die Berge<br />
als Eremitin und lebt von nun an<br />
in Einsamkeit mit ihrer Tochter.<br />
Ein eindrucksvoller Roman<br />
über zwei starke Frauen, hart<br />
und gnadenlos. Absolute Leseempfehlung.<br />
Andrea Scheiber<br />
Regina Denk:<br />
Die Schwarzgeherin<br />
Droemer, 416 S., € 25,70<br />
Eindrücklicher kann man<br />
nicht über Selbstbestimmung<br />
(von Tieren) schreiben. Alles<br />
beginnt, als zwei Frauen am<br />
Heimweg ein Streuner nachläuft.<br />
Kein Hund, keine Katze,<br />
nein, hier ist es eine Stute.<br />
Davor, dazwischen und danach<br />
allerhand Getier: Frettchen im<br />
Todesschlaf, befreite Schweine<br />
und verletzte Beagles. Viel Informatives,<br />
das en passent zeigt,<br />
wie unser Zusammenleben mit<br />
Tieren einfacher und beglückter<br />
sein könnte. Bartleby trifft<br />
die Farm der Tiere und Jana<br />
Volkmann mitten ins Herz der<br />
Leser*innen! Robert Renk<br />
Jana Volkmann:<br />
Der beste Tag seit langem<br />
Residenz, 256 S., € 27,00<br />
Kind oder Karriere? Und ist<br />
es nicht unfair, dass Männer<br />
mehr Zeit haben? Dass die<br />
Entscheidung „entweder oder<br />
gar nicht“ so drängend ist? Marie-Claire<br />
wird eines Tages von<br />
ihrer Gynäkologin unschön mit<br />
der „tickenden Uhr“ konfrontiert.<br />
Nicht viel anders ergeht<br />
es Anahita, der erfolgreichen<br />
Senatorin in Brüssel. Diese zwei<br />
Frauen sind exemplarisch unter<br />
Druck – wie viele Frauen. Doch<br />
hier tut sich vielleicht eine Lösung<br />
auf. Was wenn uns Frauen<br />
mehr Zeit verschafft würde?<br />
Carmen Schwarz<br />
Jackie Thomae:<br />
Glück<br />
Claassen; 428 S., € 25,70<br />
Nun endlich der neue Roman<br />
von Lesekanone Martin Peichl!<br />
Eine wunderbare Rückzugsgeschichte<br />
von zweien, die sich<br />
gefunden haben in einer Welt,<br />
in der man so schnell verloren<br />
geht. Genial verwoben<br />
mit einem „Wörterbuch der<br />
Verluste“. Nachdenklich, aber<br />
nie larmoyant, berührend und<br />
dennoch sehr witzig. Real und<br />
fantastisch zugleich erzählt er<br />
von unserer Gesellschaft, von<br />
Natur und Zivilisation und<br />
nimmt „ebenso poetisch wie lapidar<br />
dem Beiläufigen jede Beiläufigkeit“,<br />
wie Karin Peschka<br />
schreibt. Fuchsschlau! Robert Renk<br />
Martin Peichl:<br />
Es sind nur wir<br />
Haymon, 208 S., € 23,90
Mit<br />
kriminalistischen<br />
Empfehlungen:<br />
64<br />
Wagner’sche.<br />
Wien 1923. Die politischen<br />
Lager haben sich radikalisiert.<br />
Mitten in dieser angespannten<br />
Situation geschieht ein Mord:<br />
Eine stadtbekannte Gesellschaftsdame<br />
wird erschlagen<br />
in ihrem Schlafzimmer aufgefunden.<br />
Einen Tag später<br />
weist ein Kriminalinspektor den<br />
Ermittler August Emmerich<br />
auf eine ungelöste Mordserie<br />
hin – vor zehn Jahren wurden<br />
drei Frauen auf ähnliche Weise<br />
getötet wie das Opfer. Kann es<br />
sein, dass der Mörder zurückgekehrt<br />
ist? Und wenn ja, kann<br />
Emmerich ihn stellen, bevor er<br />
erneut zuschlägt?<br />
Alex Beer:<br />
Die weiße Stunde<br />
Limes Verlag, 368 S., € 23,70<br />
Frankreich 1293. Das ganze<br />
Land wird von Unruhen<br />
erschüttert. Der Knappe<br />
Constantin soll für seinen<br />
Herrn einen sagenumwobenen<br />
heilenden Stein finden.<br />
Begleitet wird er von der temperamentvollen<br />
Mélisande.<br />
Constantin ist noch nie einer<br />
so eigensinnigen jungen Frau<br />
begegnet, gleichzeitig fasziniert<br />
ihn ihr Mut. Doch Mut allein<br />
wird sie nicht retten, als die<br />
beiden dem Templer Gérard<br />
begegnen und in einen<br />
tödlichen Rachefeldzug verstrickt<br />
werden, der den geheimnisvollen<br />
Orden bedroht …<br />
Daniel Wolf:<br />
Die Templer, Rose und Kreuz<br />
Goldmann Verlag, 896 S., € 26,70<br />
Eine stürmische Nacht an<br />
der Westküste Schottlands.<br />
Zwei Familien werden von<br />
mehreren vermummten Männern<br />
überfallen, am Ende<br />
überlebt nur Iris, die älteste<br />
Tochter einer der Familien.<br />
Die Morde können nicht aufgeklärt<br />
werden. Viele Jahre später<br />
wird Iris plötzlich von einem<br />
unheimlichen Stalker verfolgt.<br />
Kurz darauf verschwindet ihre<br />
Freundin spurlos. Zufällig trifft<br />
Iris auf Ex-Inspektor Caleb<br />
Hale. Zusammen mit Kate<br />
Linville beginnt er zu ermitteln<br />
und gerät immer tiefer in einen<br />
Albtraum.<br />
Charlotte Link:<br />
Dunkles Wasser<br />
Blanvalet Verlag, 576 S., € 26,70<br />
In einem Alpendorf wird<br />
ein Filmproduzent tot aufgefunden.<br />
Seine Frau ist spurlos<br />
verschwunden. Für die Ermittlungen<br />
muss sich Commissario<br />
Arcadipane in dem Dorf<br />
niederlassen, doch dort warten<br />
misstrauische Bewohner*innen<br />
und ein Rätsel auf ihn. Ein zu<br />
komplizierter Fall, um nicht<br />
seinen alten Freund Bramard<br />
sowie die ebenso undisziplinierte<br />
wie unverzichtbare<br />
Isa Mancini um Hilfe zu bitten.<br />
Möchten sie die Wahrheit<br />
ans Licht bringen, wird es nötig<br />
sein, in alten Geheimnissen<br />
und neuen Machenschaften<br />
zu wühlen.<br />
Davide Longo:<br />
Am Samstag wird abgerechnet<br />
Rowohlt Verlag, 560 S., € 27,80<br />
In Almas Adoptionsakte steht<br />
der Vermerk: „Identität der<br />
Eltern darf nicht ans Licht<br />
kommen!“ Doch nun braucht<br />
sie dringend einen Knochenmarkspender.<br />
Um Almas Leben<br />
zu retten, startet ihre Adoptivmutter<br />
eine verzweifelte Suche<br />
nach den biologischen Eltern.<br />
Dabei stößt sie auf die Legende<br />
vom „Kalendermädchen“:<br />
einer Frau, die sich einst zur<br />
Weihnachtszeit in ein Häuschen<br />
zurückgezogen hatte und dort<br />
von einem Psychopathen<br />
heimgesucht wurde, der sie<br />
zwang, einen Adventskalender<br />
des Grauens zu öffnen …<br />
Sebastian Fitzek:<br />
Das Kalendermädchen<br />
Droemer/Knaur Verlag, 400 S., € 26,70<br />
PBKA-Ermittler Maarten<br />
S. Sneijder und Sabine Nemez<br />
versuchen bei einem nächtlichen<br />
Großeinsatz, Dr. Paul<br />
Conrad festzunehmen. Der soll<br />
entscheidend am Entstehen der<br />
nächsten Generation der Terrorgruppe<br />
RAF beteiligt sein –<br />
und an der Planung einer Anschlagsserie.<br />
Doch Conrad<br />
gelingt die Flucht, und Sneijder<br />
muss zu kreativen Mitteln<br />
greifen, um die Gefahr noch<br />
abzuwenden. Die Situation verschlimmert<br />
sich dramatisch, als<br />
Sneijder auf die geheimnisvolle<br />
Lea Fuchs trifft. Deren eigene<br />
mörderische Pläne stellen seine<br />
Ermittlungen völlig auf den Kopf.<br />
Andreas Gruber:<br />
Todesspur<br />
Goldmann Verlag, 624 S., € 14,40<br />
Drei Unternehmer wollen ein<br />
zweites „Manhattan-Projekt“<br />
ins Leben rufen. Nur ist das Ziel<br />
noch ehrgeiziger als damals die<br />
Entwicklung der Atombombe:<br />
Sie wollen den Tod abschaffen.<br />
Der Journalist James Windover<br />
entdeckt, dass die Unternehmer<br />
insgeheim versuchen, einen<br />
Schriftsteller zum Schweigen<br />
zu bringen – weil sie eine Story<br />
fürchten, die er geschrieben hat.<br />
Was steht darin, das das Projekt<br />
gefährden könnte? James begibt<br />
sich auf die Suche nach dem<br />
Mann und gerät rasch selbst in<br />
tödliche Gefahr …<br />
Andreas Eschbach:<br />
Die Abschaffung des Todes<br />
Bastei Lübbe Verlag, 656 S., € 27,80<br />
Yoko ist Ende 20 und verpackt<br />
das Glück in Kekse. Sie liefert<br />
eine Kiste Glückskekse an ein<br />
Restaurant aus und als sie versucht,<br />
einem kleinen Hund zu<br />
helfen, wird sie für ihre Courage<br />
von dessen Peinigern bestraft.<br />
Der Hund stirbt. Und Yokos<br />
Albtraum beginnt. Noch ahnt<br />
sie nicht, mit wem sie es zu<br />
tun hat. Wie viel Leid über sie<br />
hereinbrechen und mit welch<br />
ungeahnter Härte sie sich dafür<br />
rächen wird. Ihr wird alles<br />
genommen, was ihr lieb ist.<br />
Und deshalb schlägt Yoko<br />
zurück. Erbarmungslos.<br />
Bernhard Aichner:<br />
Yoko<br />
Wunderlich Verlag, 336 S., € 24,70<br />
Das kleine Os im Norden<br />
Norwegens ist ein Naturparadies.<br />
Die Brüder Carl und<br />
Roy planen ein Wellness- Hotel<br />
und einen Vergnügungspark.<br />
Da droht der Bau eines<br />
Tunnels den kleinen Ort von<br />
den Touristenströmen abzuschneiden.<br />
Der drohende Ruin<br />
lässt alle die Messer wetzen.<br />
Carl und Roy versuchen zu<br />
retten, was zu retten ist.<br />
Doch als die Dämonen der Vergangenheit<br />
ins Spiel kommen<br />
und Fragen nach dem Tod ihrer<br />
Eltern aufkommen, ist schnell<br />
klar – gemeinsam werden sie<br />
nicht gewinnen: Nur einer kann<br />
hier König sein.<br />
Jo Nesbø:<br />
Der König<br />
Ullstein HC Verlag, 432 S., € 26,80<br />
In der Reality-Show „Exposure“<br />
stellen sich sieben Fremde<br />
einem Wettbewerb. Jeder von<br />
ihnen hütet ein Geheimnis, das<br />
sein oder ihr Leben verändert<br />
hat. In dem teuflischen „Spiel“<br />
geht es um nichts Geringeres,<br />
als die Geheimnisse der Kontrahenten<br />
ans Licht zu bringen.<br />
Schon in der ersten Nacht<br />
verschwindet ein Kandidat<br />
spurlos, offensichtlich in Panik.<br />
Als die Show immer weiter aus<br />
dem Ruder läuft und schließlich<br />
die erste Leiche auftaucht,<br />
steckt Ffion Morgan mitten<br />
in einer verzwickten Mordermittlung<br />
…<br />
Claire Mackintosh:<br />
Spiel der Lügner<br />
Kanur Verlag, 416 S., € 18,50<br />
Jacop steckt in Schwierigkeiten,<br />
so wie vor drei Jahren, als er nur<br />
knapp dem Tod entging. Gejagt<br />
von Geistern der Vergangenheit,<br />
schottischen Söldnern und<br />
der furchteinflößenden Blonden<br />
Hexe. Hineingeworfen in einen<br />
Sturm, der ganz Europa erfasst,<br />
ausgelöst durch englische<br />
Barone, die nichts Geringeres<br />
planen, als ihren König zu<br />
entmachten und die absolute<br />
Monarchie abzuschaffen. Wäre<br />
Jacop bloß in Köln geblieben,<br />
bei seinen Freunden. Doch<br />
auch da spitzen sich die Machtkämpfe<br />
dramatisch zu …<br />
Frank Schätzing:<br />
Helden<br />
Kiepenheuer & Witsch Verlag,<br />
1.040 S., € 37,10<br />
Was bewegt die berühmte<br />
Schauspielerin Julia Didier<br />
dazu, einen Mord in einer<br />
TV-Sendung zu gestehen? Trotz<br />
öffentlichem Schuldbekenntnis<br />
bleibt die Kriminalpolizei am<br />
Anfang ihrer Ermittlungen stehen,<br />
denn das Motiv ist unklar,<br />
und weitere Aussagen von Julia<br />
sind vorerst nicht zu erwarten:<br />
Sie befindet sich mittlerweile im<br />
Koma! Was verbergen Fernsehwelt<br />
und Theaterbühne und was<br />
kommt zum Vorschein, wenn<br />
die Masken fallen? Liebesglück,<br />
Liebeskummer – und eine emotionale<br />
Achterbahnfahrt …<br />
Theresa Prammer:<br />
Falsche Masken<br />
Haymon Verlag, 408 S., € 18,90
Ein besonderer<br />
Abend in der<br />
Wagner’schen<br />
Autor*innen<br />
dieser Ausgabe<br />
„Heute gibt’s Tomatensuppe!“<br />
Ernst, der Mann mit der<br />
dröhnenden Heiterkeit, unterbricht<br />
mich. „Riechst du sie?“<br />
Ich verstehe kein Wort.<br />
„Die Stammzellen sind da!<br />
Sie duften nach Tomatensuppe.<br />
Wir kennen den Geruch.<br />
Jedenfalls sind sie gut angekommen.<br />
Doktor S. kommt<br />
gleich.“ Wenig später steht<br />
mein Arzt neben mir.<br />
Wie immer strahlt er Ruhe aus,<br />
diesmal vermischt mit dezenter<br />
Freude.<br />
Da bekommt einer die Diagnose Leukämie,<br />
lässt sich aber nicht unterkriegen und<br />
verliert auch seinen Humor nicht.<br />
Spannend wie ein Krimi, weder larmoyant<br />
noch anklagend, nein frisch und durchaus<br />
witzig liest sich Heute gibt’s Tomatensuppe!<br />
von Erich Ledersberger.<br />
Wir wollen dieses Buch feiern!<br />
Lesung & Gespräch:<br />
Erich Ledersberger liest aus<br />
Heute gibt’s Tomatensuppe!<br />
Musik: Florian Bramböck<br />
Do., 28. November, 19:30 Uhr<br />
Wagner’sche Buchhandlung,<br />
Innsbruck<br />
Eintritt: frei!<br />
Wagner’sche<br />
Innsbruck<br />
© IMAGO SKATA (links), Mankica Kranjec (rechts)<br />
Fremdgehtipp:<br />
Vom Dichten<br />
und Reisen<br />
[Grenzgänge] mit<br />
Evelyn Schlag & Aleš Šteger<br />
Dieses Mal zum Grenzgänge-<br />
Gespräch geladen: eine Autorin und<br />
ein Autor, die sich zwischen dem<br />
Schreiben von Gedichten und<br />
Geschichten hin und her bewegen.<br />
Evelyn Schlags aktueller Gedichtband<br />
ins weiße meer der schrift (Hollitzer<br />
2024) erzählt u. a. von Krieg und der<br />
Ungeheuerlichkeit des Tötens und<br />
Auslöschens. Mit seinem dreiteiligen<br />
Projekt Logbuch der Gegenwart<br />
(Haymon 2016–2024) machte sich der<br />
Lyriker und Romancier Aleš Šteger<br />
an unterschiedlichen Orten (und Unorten)<br />
auf der ganzen Welt auf die<br />
Suche nach Worten und Geschichten.<br />
Grenzwandelnd wird im Gespräch<br />
den Geschichten in den Gedichten<br />
und der Wirkung poetischer Sprache<br />
nachgegangen.<br />
Evelyn Schlag lebt in Waidhofen an der<br />
Ybbs, schreibt Erzählungen, Romane und<br />
Lyrik. Zuletzt ins weiße meer der schrift<br />
(Hollitzer 2024).<br />
Aleš Šteger lebt als Dichter, Schriftsteller<br />
und Verleger in Ljubljana. Zuletzt Logbuch<br />
der Gegenwart / Aufgehen (Haymon 2024).<br />
Lesung & Gespräch:<br />
Vom Dichten und Reisen<br />
Mit Evelyn Schlag & Aleš Šteger<br />
Moderation: Klaus Zeyringer<br />
Di., 22. Oktober 2024, 19:00 Uhr<br />
Literaturhaus am Inn, Innsbruck<br />
Eintritt: frei!<br />
www.literaturhaus-am-inn.at/<br />
evelyn-schlag-ales-steger/<br />
Barbara Aschenwald, Studium der Vergleichenden<br />
Literaturwissenschaften in Innsbruck 2012. LandwirtschaftlicheFacharbeiterin,<br />
diplomierte Krankenschwester<br />
und Autorin. Derzeit arbeitet sie am Roman Spiegelscherben<br />
und an einem Theaterprojekt. Zuletzt erschien Omka<br />
(Hoffmann&Campe 2018).<br />
Ina Cassik ist Buchhändlerin bei Stöger-Leporello in Wien.<br />
Aus dem einstigen Studentenjob in einer Buchhandlung<br />
wurde der Traumberuf! Leidenschaftliche Vielleserin mit<br />
Schwerpunkt auf Gegenwartsliteratur. Liebt ihren Beruf,<br />
weil er so vielseitig ist wie kein anderer. Lebt mit ihrer<br />
Familie am Stadtrand von Wien.<br />
Sarah Caliciotti ist gelernte Buchhändlerin und Komparatistin.<br />
Neben ihrem Studium arbeitete sie unter anderem als<br />
dramaturgische Assistentin an Theatern in der freien Szene<br />
sowie als Ausstellungsassistentin im Tiroler Landesmuseum,<br />
sammelte Praxiserfahrung im Literaturhaus in Innsbruck<br />
und wirkte bei diversen Filmfestivals mit. Sie war für zwei<br />
Spielzeiten im Tiroler Landestheater als Regieassistentin und<br />
in der Spielzeit 2022/23 als Dramaturgin bei den Vereinigten<br />
Bühnen Bozen tätig. Sarah Caliciotti ist Redakteurin beim<br />
komplex-Kulturmagazin und seit der Spielzeit 2023/24 ist sie<br />
zudem Dramaturgin am Theater der Jugend in Wien.<br />
Ágnes Czingulszki, 1987 in Ungarn geboren. Trotz Fischsuppe<br />
aufgewachsen. Bücher gelesen. Zwei geschrieben.<br />
Eines erschienen. Mittlerweile frei und offen in Innsbruck<br />
unterwegs: als Journalistin, als Dolmetscherin und beim<br />
Freien Radio FREIRAD als Öffentlichkeitsarbeiterin.<br />
Alexander Elspas ist gelernter Buchhändler und seit<br />
Jahrzehnten in der Verlagsbranche tätig. Seit 2017 ist er<br />
Geschäftsführer und Verleger der Büchergilde Gutenberg.<br />
Jacqueline „Jacky“ Falkner, geb. 1995, hat ihr Lehramtstudiumzugunsten<br />
ihrer Liebe zu Büchern an den Nagel<br />
gehängt und ist seit Feber 2022 in der Wagner’schen tätig.<br />
Streift sich gerne mal selbst gemachte Kostüme über, um in<br />
die Welt ihrer Lieblings(fantasy)bücher einzutauchen.<br />
Kilian Feurstein wurde 2000 in Wien geboren. Er wuchs<br />
mit zwei jüngeren Schwestern in Bregenz auf und maturierte<br />
dort 2019. Im darauffolgenden Jahr leistete er in<br />
Tel Aviv-Jaffa Gedenkdienst. 2023 schloss Kilian die Lehre<br />
zum Buchhändler bei der Buchhandlung Stöger-Leporello<br />
in Wien ab. Im November 2023 wechselte er zur Buchhandlung<br />
Leporello in der Wiener Innenstadt. Neben seiner<br />
Leidenschaft für Bücher lebt Kilian für den Fußball und<br />
die Abenteuer des Reisens.<br />
Martin Fritz, geboren 1982, studierte Vergleichende<br />
Literaturwissenschaft und Deutsche Philologie in Innsbruck,<br />
hört sich in seiner Freizeit gerne DJ Patex’ Coverversion des<br />
Songs I Wish I Was Him an. War Teil der 1. Innsbrucker<br />
Lesebühne Text ohne Reiter, ist Teil der Innsbrucker Lesebühne<br />
FHK5K.<br />
Joseph Frontull, geboren und aufgewachsen mit Blick auf<br />
die Dolomiten und die Autobahn im Ohr, fuhr nie zur See –<br />
aber träumt davon. Gelegenheits- und gelegentlicher<br />
Auftragsschreiber.<br />
Stefan Gmünder, Literaturredakteur der Tageszeitung<br />
Der Standard und der Literaturzeitschrift Volltext.<br />
Von 2015 bis 2019 war er Mitglied der Jury des<br />
Ingeborg-Bachmann-Preises. 2021 erhielt er<br />
den Österreichische Staatspreis für Literaturkritik.<br />
Dagmar Harbich ist Buchhändlerin und spezialisiert<br />
auf Kinder- und Jugendbücher. Seit 2024 Leiterin der<br />
Buchhandlung Leporello im 1. Bezirk.<br />
Michael Köhlmeier, einer der wichtigsten und produktivsten<br />
Autoren im deutschsprachigen Raum, in dessen Werk sich<br />
die Conclusio zwischen großen Wissen und Warmherzigkeit<br />
widerspiegelt. Zuletzt erschienen Das Philosophenschiff,<br />
Im Lande Utz – Langgedicht und Hoochie-Coochie Man –<br />
Rap Novel, alle 2024.<br />
Lena Kripahle-Wiek, seit 2015 in der Wagner’schen.<br />
Begeistert von jeglicher Form von Druckerschwärze.<br />
Noch in Karenz, aber bald wieder in der Literaturabteilung<br />
der Wagner’schen anzutreffen.<br />
Sarah Loretz, geboren 1998. Aufgewachsen in einem<br />
kleinen Bergdorf in Vorarlberg. Hat schon als Kind ihre<br />
Liebe zu Büchern (vor allem Fantasyromanen, die auch<br />
gerne von Markus Heitz sein dürfen) entdeckt. In der<br />
Wagner’schen hat sie ihr Hobby zum Beruf gemacht und<br />
ist inzwischen die linke (und manchmal auch die rechte)<br />
Hand der Sortimentsleitung.<br />
Monika Mazegger, Studium Translationswissenschaften,<br />
Hispanistik und Musikwissenschaft in Innsbruck und<br />
Granada, seit 2014 Leichte-Sprache-Übersetzerin, Fachbuchübersetzerin,<br />
Kulturvermittlerin, Herausgeberin der<br />
Zeitschrift Leben Lachen Lernen, mag Musik und Bücher<br />
und engagiert sich für Menschen mit Extrachromosom.<br />
Angelika Moser, 1968 in Innsbruck geboren, hat Übersetzungswissenschaften<br />
und Jus studiert. Sie ist als selbstständige<br />
Lektorin und Texterin tätig ( www.korrekterweise.at).<br />
Korrekt und weise nimmt sie auch das Wagner’sche<br />
Buchmagazin unter ihre Fittiche. Da sie von Sprache nie<br />
genug bekommen kann, macht sie gerade ihren Master<br />
in Vergleichender Literaturwissenschaft. Wenn dann<br />
noch Zeit bleibt, schreibt sie Kurzgeschichten (Das kleine<br />
Grauen, Allein im Café) oder auch mal etwas Längeres<br />
(Beinahe ein Roman).<br />
Linda Müller, geboren 1988, hat Germanistik studiert<br />
und sich schon früh der Literatur und ihrer Vermittlung verschrieben.<br />
Sie leitet Haymon Krimi und den Michael Wagner<br />
Verlag und koordiniert gemeinsam mit Markus Hatzer sowie<br />
Bernhard Aichner die Krimifeste Tirol und Kärnten.<br />
Fritz Ostermayer, geboren 1956 in Schattendorf/Burgenland,<br />
jahrelang Musik- und Kulturredakteur bei diversen<br />
Zeitschriften und Zeitungen, seit Ewigkeiten Radiomacher<br />
und Moderator (derzeit: „Im Sumpf“ auf Radio ORF-FM4).<br />
Bis gestern künstlerischer Leiter der schule für dichtung<br />
in Wien. In dringlicher Mission auch noch tätig als<br />
Musikant, Autor, Kurator und Teilzeit-Choreograph.<br />
Kurz: fuhrwerkt herum, wo man ihn lässt.<br />
Sharon Dodua Otoo ist Schriftstellerin und politische<br />
Aktivistin. Sie schreibt Prosa und Essays. Ihr Debütroman<br />
Adas Raum (2021) wurde in mehrere Sprachen übersetzt.<br />
2016 gewann sie den Ingeborg-Bachmann-Preis. Otoo ist<br />
politisch aktiv bei den Vereinen Initiative Schwarze Menschen<br />
in Deutschland e.V., Phoenix e.V., Coalition for Pluralistic<br />
Public Discourse (CPPD) und ist verbunden mit dem<br />
Schwarzen queerfeministischen Verein ADEFRA e.V.<br />
Seit 2022 kuratiert sie in Zusammenarbeit mit den Ruhrfestspielen<br />
Recklinghausen das Schwarze Literaturfestival<br />
„Resonanzen“; sharonotoo.com.<br />
Markus Renk, seit 39 Jahren in der Buchbranche.<br />
Vom Lehrling, über den Vorstand bis zum selbstständigen<br />
Unternehmer. Buchhändler aus Leidenschaft, der sich mit<br />
den Übernahmen der Wagner’schen, Stierle, Kelten-Buchhandlung,<br />
Stöger und Leporello gleich mehrere Träume<br />
verwirklichen konnte.<br />
Robert Renk, Buchhändler und Kulturvermittler,<br />
u. a.Innsbrucker Prosafestival, Lyrikfestival W:ORTE<br />
und stv. Festivalleiter vom Hausacher Leselenz.<br />
Seit 2025 Sortimentsleiter in der Wagner’schen.<br />
Gibt das <strong>Magazin</strong> #unabhängig heraus.<br />
Bernhard Sandbichler, Germanist und Romanist, Innsbruck.<br />
Andrea Scheiber, seit 1992 in der Wagner’schen Buchhandlung.<br />
Betreut Koch- und Kinderbuch und steckt hinter<br />
den Blind Dates. Wenn sie nicht gerade liest, ist sie in der<br />
Natur oder beim Handarbeiten zu finden.<br />
Siljarosa Schletterer, Autorin und Lyrikaktivistin.<br />
Würde von Flüssen und Hunden erzogen und gebe es die<br />
Lyrik nicht, würde sie wohl mehr bellen. Sie erhielt mehrere<br />
Stipendien und Auszeichnungen, u. a. das Große Literaturstipendium<br />
des Landes Tirol. Ist fixes Organisationsmitglied<br />
beim Lyrikfestival W:ORTE. Zuletzt erschien azur ton nähe –<br />
flussdiktate (Limbus 2022); siljarosaschletterer.com<br />
Veronika Schuchter ist Literaturwissenschaftlerin am<br />
Institut für Germanistik an der Universität Innsbruck und<br />
freie Literaturkritikerin.<br />
Carmen Schwarz, geboren und aufgewachsen in Salzburg.<br />
Hat schon von klein auf eine große Liebe zum geschriebenen<br />
Wort und packenden Geschichten. Sie liebt den Austausch<br />
der Branche und sich immer neu zu erfinden. Seit 2017<br />
bei Bücher Stierle, wo jeder Lesetipp handverlesen und die<br />
Begeisterung erlebbar wird.<br />
Christina Skala, Niederösterreicherin, ist nach dem<br />
Germanistik studium 2002 als Quereinsteigerin im<br />
Wiener Buchhandel gelandet und ist seitdem begeistert<br />
von ihrem Beruf.<br />
Helena Töchterle, geboren 1995, hat Philosophie studiert.<br />
Leitet seit November 2023 die Wagner’sche Buchhandlung.<br />
Begeisterte Leseratte quer durch alle Genres.<br />
Lisa Warger, geboren 1997, studierte Vergleichende<br />
Literaturwissenschaft und Germanistik in Innsbruck.<br />
Sie ist begeisterte Leserin klassischer und feministischer<br />
Literatur. Seit 2023 in der Literaturabteilung der<br />
Wagner’schen zu finden. Dort als linke (und manchmal<br />
auch als rechte) Hand der rechten Hand der Abteilungsleitung.<br />
Unter anderem ist sie Ansprechpartnerin für<br />
die Büchergilde!<br />
Gabriele Wild, studierte Literaturwissenschaft und Slawistik<br />
und ist seit vielen Jahren Leserin und Literaturvermittlerin.<br />
Sie arbeitet als Programmgestalterin im Literaturhaus am<br />
Inn und im Team des Lyrikfestivals W:ORTE (dem größten<br />
Lyrikfestival Österreichs).<br />
Thomas Wegmann, geboren in Bochum, akademisch<br />
sozialisiert in Berlin, lehrt seit 2011 Neuere deutschsprachige<br />
Literatur an der Universität Innsbruck. Dort betreute er<br />
auch 2017 David Wagner als Writer in Residence.<br />
Silke Zorn, arbeitet seit drei Jahren in der Wagner’schen.<br />
Sie ist eine große Leseratte und steht gerne auf den Brettern,<br />
die die Welt bedeuten. Zu finden ist sie an der Kassa und<br />
bei den Blind Dates.
Wagner’sche.<br />
Bücher seit 1639<br />
Museumstraße 4<br />
6020 Innsbruck<br />
T. +43 512 59505 0<br />
office@wagnersche.at<br />
www.wagnersche.at<br />
Bücher Stierle Salzburg<br />
Kaigasse 1 / Mozartplatz, 5020 Salzburg, +43 662 840114<br />
office@buecher-stierle.at, www.buecher-stierle.at<br />
Stierle Kelten-Buchhandlung<br />
Sigmund-Thun-Straße 9, 5400 Hallein +43 6245 82761<br />
office@keltenbuchhandlung.at, www.keltenbuchhandlung.at<br />
Leporello die Buchhandlung<br />
Singerstraße 7, 1010 Wien, +43 1 9611500<br />
service@leporello.at<br />
Stöger – Leporello<br />
die Buchhandlung<br />
Obkirchergasse 43, 1190 Wien, +43 1 3203449<br />
office@stoegerbuch.at