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Wagnersche Magazin

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Wagner’sche<br />

Innsbruck<br />

Bücher Stierle<br />

Salzburg<br />

Stierle Kelten-<br />

Buchhandlung<br />

Hallein<br />

Leporello die<br />

Buchhandlung<br />

Wien<br />

Stöger —<br />

Leporello die<br />

Buchhandlung<br />

Wien<br />

Das <strong>Magazin</strong> unserer unabhängigen Buchhandlungen — 10.2024<br />

#<br />

unabhängig<br />

No. 18


Impressum<br />

Herausgeber und für den Inhalt verantwortlich:<br />

Wagner’sche Universitätsbuchhandlung, Medici Buchhandels GmbH,<br />

Museumstraße 4, 6020 Innsbruck<br />

info@wagnersche.at, robert.renk@wagnersche.at — www.wagnersche.at<br />

Redaktion: Robert Renk<br />

Texte: div. (Copyright bei den Autor*innen)<br />

Grafische Ausstattung: himmel, Studio für Design und Kommunikation<br />

Fotografie: © der Abbildungen bei den einzelnen Rechteinhaber*innen<br />

Titelbild: Judith Hermann fotografiert von © Andreas Reiberg<br />

Korrekturen: Angelika Moser (www.korrekterweise.at)<br />

Druck: Alpina Druck GmbH, Innsbruck<br />

2<br />

Fehler, Änderungen und Irrtümer vorbehalten. © 10.2024<br />

Bücher seit 1639<br />

#Vorwort<br />

Es gehört wohl zu den Ausnahmen,<br />

dass eine Firma<br />

den Druck, den Buchhandel<br />

und das Verlagswesen einer<br />

Landeshauptstadt etliche<br />

Jahrhunderte hindurch in<br />

entscheidendem Ausmaße<br />

bestimmt und das Kulturleben<br />

ihres Landes widerspiegelt.<br />

Heuer vor 385 Jahren<br />

wurde der Grund stein der<br />

Wagner’schen gelegt. Somit<br />

ist die Wagner’sche nicht<br />

nur eine der ältesten Buchhandlungen<br />

Europas,<br />

sondern auch ein wichtiger<br />

Leuchtturm im österreichischen<br />

Buchhandel.<br />

Dieses tolle Jubiläum möchten<br />

wir heuer mit Ihnen<br />

feiern und mit zahlreichen<br />

Lesungen, Serviceleistungen<br />

und exklusiven Produkten<br />

würdigen. Aber auch unser<br />

kleiner Verlag ist heuer wieder<br />

sehr aktiv und wird neben<br />

einem neuen Innsbruck-<br />

Wimmelbuch einen Band<br />

aus unserer Erinnerungsreihe,<br />

zahlreiche Kalender<br />

und ein neues Innsbruck-<br />

Spiel herausbringen.<br />

Mehr davon in unserem<br />

neuen <strong>Magazin</strong>.<br />

Viel Spaß beim Lesen!<br />

Markus Renk (re.), Markus Hatzer<br />

Inhalt<br />

4 Neues aus den<br />

Buchhandlungen<br />

Mit dem 385-Jahre-Jubiläum der Wagner’schen<br />

16 Judith Hermann<br />

Feiert mit uns 100 Jahre Büchergilde<br />

20 Jo Lendle<br />

Der Hanserchef ist auch ein grandioser Autor – von Michael Köhlmeier<br />

22 Peter Waldeck<br />

Kommt mit seinem neuen Roman zu Stöger<br />

24 Vom Dreh- zum Kinderbuch<br />

Hannes Wirlinger zu Gast bei Leporello<br />

26 Constanze Scheib<br />

Agatha Christie mit Wiener Schmäh<br />

28 Katja Lange-Müller<br />

Unsere Lieblingsberlinerin kommt mit neuem Roman<br />

32 Herbst–W:ORTE<br />

Auch im Herbst darf die Lyrik nicht fehlen …<br />

34 Lea Joy Friedel in Salzburg<br />

Thematisiert bei Stierle „Was es kostet, eine Frau zu sein“<br />

36 Zu Gast im literarischen Osten<br />

Das Format LeseLupe Osteuropa kommt in die Wagner’sche<br />

38 Mithu Sanyal<br />

Die großartige Autorin & Jurorin endlich in Innsbruck<br />

42 Berge im Gespräch<br />

Literarisches HausQuartett & Mountain Day 2024<br />

44 Gemeinsamer<br />

literarischer Haushalt<br />

Alex Beer und Michael Hausenblas im Gespräch<br />

46 Verlagsprodukte<br />

Spielen & Lesen mit der Medici GmbH<br />

50 Mit den besten Empfehlungen<br />

52 3×7 Best aber Seller


Starten Sie mit uns in einen<br />

spannenden Bücherherbst!<br />

Von Helena Töchterle und Robert Renk<br />

© Wagner’sche Innsbruck<br />

Der Herbst ist im Buchhandel stets eine<br />

besondere Zeit. Es erscheinen die meisten<br />

Bücher, die Geschäfte füllen sich nach dem<br />

Sommer wieder vermehrt mit Menschen<br />

und man bereitet sich so langsam auf das<br />

kommende Weihnachtsgeschäft vor.<br />

Und der Herbst ist auch die Jahreszeit<br />

der Lesungen und Signieraktionen. In der<br />

Wagner’schen steht wieder ein ganz besonderes<br />

Programm am Plan, auf das wir<br />

uns gemeinsam mit Ihnen freuen dürfen.<br />

Signierte Bücher –<br />

die perfekten Geschenke<br />

für jeden Anlass<br />

oder für sich selbst<br />

Es ist immer etwas ganz Besonderes, ein<br />

Buch in der Hand zu halten, das persönlich<br />

vom Autor bzw. von der Autorin signiert<br />

wurde. Diese Bücher eignen sich auch sehr<br />

gut als Geschenk; das Herzblut, das in<br />

einem jeden Buch steckt, kommt auf diese<br />

Art und Weise noch besser zum Ausdruck.<br />

Wir haben in diesem Jahr gleich mehrere<br />

Signieraktionen mit bekannten Autor*innen<br />

veranstaltet, hervorzuheben ist diejenige<br />

mit dem genialen Tiroler Krimiautor<br />

Bernhard Aichner. Bereits bei seiner Bronski-<br />

Reihe hat sich Bernhard Aichner stets bei<br />

uns die Finger für Sie wund geschrieben<br />

und Bücher nach Wunsch signiert, und<br />

so auch dieses Mal bei seinem lange mit<br />

Spannung erwarteten neuen Thriller Yoko.<br />

Insgesamt wurden um die 500 Exemplare<br />

in zwei Tranchen signiert. Wir freuen uns,<br />

dass diese Ak tionen immer so gut funktionieren<br />

und von Ihnen so gut angenommen<br />

werden!<br />

Des Weiteren gab es Signieraktionen mit<br />

Mareike Fallwickl, Beate Maxian, Alex Beer<br />

und erstmals auch mit Andreas Gruber.<br />

Die Bücher sind in allen unseren Filialen<br />

si gniert erhältlich, solange der Vorrat reicht.<br />

2024, das Jahr der Jubiläen<br />

Der Herbst 2024 ist bei uns in der<br />

Wagner’schen der Herbst der Feierlichkeiten.<br />

Wir feiern das 385-jährige Bestehen<br />

der Buchdruckerei und Buchhandlung,<br />

gegründet von Michael Wagner. Außerdem<br />

feiern wir gemeinsam mit der Büchergilde<br />

ihr 100-jähriges Bestehen mit einer Lesung<br />

von Judith Hermann am 15. Oktober.<br />

Übrigens: Auch im kommenden Jahr<br />

werden wir wieder etwas zu feiern haben,<br />

nämlich das 10-jährige Jubiläum der Übernahme<br />

der Wagner’schen Buchhandlung<br />

durch Markus Renk und Markus Hatzer,<br />

nachdem diese zuvor einige Jahre der<br />

Thalia- Kette angehört hat. Anhand dessen,<br />

wie sich die Wagner’sche seither entwickelt<br />

hat, kann man feststellen, dass diese<br />

Entscheidung ein absoluter Gewinn für den<br />

unabhängigen Buchhandel in Österreich<br />

war und ist. Einen Überblick über<br />

die lange und wechselhafte Geschichte der<br />

Wagner’schen finden Sie in diesem <strong>Magazin</strong><br />

auf den Seiten 8 und 9.<br />

Außerdem finden Sie im <strong>Magazin</strong> wieder<br />

einen Überblick über weitere tolle Veranstaltungen,<br />

Interviews mit Autor*innen,<br />

Büchertipps, Neues aus unserem Wagner’-<br />

sche Verlag und vieles mehr. Ein besonderer<br />

Tipp: Wir bringen eine Innsbruck-Ausgabe<br />

des österreichischen Kultspiels „DKT“<br />

heraus.Lassen Sie sich das nicht entgehen!<br />

Absolut jüdisch in Wien<br />

In Wien gibt es einen wahren Veran staltungsreigen.<br />

Bei Leporello hieß es<br />

am 8. Oktober Absolut jüdisch, als Martin<br />

Engelberg und Moderatorin Danielle Spera<br />

einen Einblick in das jüdische Leben im<br />

heutigen Österreich gaben.<br />

Ausführliches zu den weiteren Lesungen<br />

von Hannes Wirlinger und Alex Beer sowie<br />

Michael Hausenblas finden Sie im Heft.<br />

Leporello ist auch ausgewählte Ö1-Buchhandlung<br />

und Partnerbuchhandlung der<br />

Büchergilde. Die Büchergilde feiert heuer<br />

100-jähriges Bestehen (S. 18).<br />

Vor allem für Kinder (und Eltern)<br />

ist die Buchhandlung Leporello ein kleines<br />

Paradies!<br />

Der Vorlesedienstag ist unter den Pädagog*innen<br />

in Wien schnell zum Geheimtipp<br />

geworden und so sind die Termine immer<br />

gut gebucht und besucht. Wir freuen uns<br />

sehr, an Dienstagen von 9.00–10.00 Uhr<br />

nach Voranmeldung Kindergartengruppen<br />

mit Kindern ab drei Jahren bei Leporello<br />

begrüßen zu dürfen. Die wunderschöne<br />

Galerie in der Buchhandlung (unser<br />

„Lesebaumhaus“) bietet Platz für maximal<br />

15 Kinder. Unsere kompetenten<br />

Buchhändlerinnen Christina und Dagmar<br />

erzählen dort ein bisschen was über den<br />

Unterschied zwischen Buchhandlung und<br />

Bücherei und lesen ein Bilderbuch zu einem<br />

aktuellen Thema vor. Gerne nehmen wir<br />

hier natürlich auf Wünsche der Pädagog*innen<br />

Rücksicht. Danach haben die<br />

Kinder und die Pädagog*innen Gelegenheit<br />

zum gemeinsamen Schmökern! (Anmeldung<br />

unter dagmar.harbich@leporello.at)<br />

Leporellino am Mini-Markt!<br />

Auch außerhalb der Buchhandlung ist<br />

die Meinung unserer Mitarbeiter*innen<br />

gefragt. Unser Leporellino kunterbunt ist<br />

zweimal jährlich für ein Wochenende unter<br />

anderen handverlesenen Aussteller*innen<br />

am Mini-Markt in der Aula der Wissenschaften<br />

zu finden! Dort präsentieren wir<br />

eine fein kuratierte Auswahl an Kinderbüchern<br />

speziell für junge Kinder. Während<br />

die Eltern in Ruhe shoppen, sich informieren<br />

und beraten lassen, können sich die<br />

Kids im Kreativbereich austoben und neue<br />

Welten entdecken!<br />

Angeboten werden auch Workshops<br />

und DIY-Sessions für Kids von 2–8 Jahren<br />

zu unterschiedlichen, spannenden Themen.<br />

Für die Kleinen von 0–2 gibt es wieder ein<br />

Entdecker- und Spieleparadies!<br />

Auch im 19. Bezirk, bei Stöger-Leporello,<br />

gibt es viele Angebote, vor allem Lesungen<br />

im Haus oder in Kooperation mit dem<br />

Bezirksmuseum Döbling werden geplant<br />

und angeboten. Am 10. Oktober schon<br />

führt uns Wolfgang Salomon Von Triest<br />

nach Venedig.<br />

4<br />

Wagner’sche.<br />

© Wagner’sche Innsbruck<br />

Wagner’ sche<br />

© Leporello die Buchhandlung Wien<br />

Innsbruck<br />

Leporello die<br />

Buchhandlung<br />

Wien


Unsere Spiele-Klassiker<br />

© Bücher Stierle Salzburg<br />

Bücher<br />

Stierle<br />

Salzburg<br />

© Ina Cassik, Wagner’sche Innsbruck<br />

Stöger–<br />

Leporello die<br />

Buchhandlung<br />

© Stierle Keltern-Buchhandlung<br />

Wien<br />

Stierle<br />

Kelten- Buchhandlung<br />

Hallein<br />

Auch für die Lesung über Die Villen vom<br />

Wiener Cottage von Marie-Theres Arnbom,<br />

die verschoben werden musste, wurde<br />

ein Termin gefunden. Sie kann jetzt am<br />

14. November endlich stattfinden,<br />

und zwar standesgemäß im Bezirksmuseum<br />

Döbling in der Villa Wertheimstein,<br />

Döblinger Hauptstraße 96, 1190 Wien<br />

(office@stoegerbuch.at).<br />

Für alle Literaturbegeisterten in Döbling<br />

hat sich Ina Cassik heuer etwas ganz Besonderes<br />

ausgedacht: den Stöger-Lesekreis.<br />

Ab Oktober wird sie alle sechs Wochen mit<br />

einer Runde Gleichgesinnter in der Buchhandlung<br />

über ein gemeinsam ausgewähltes<br />

Buch diskutieren. Ob Neuerscheinung,<br />

Klassiker oder persönliches Lieblingsbuch:<br />

Erlaubt ist, was gefällt. Alle, die gemeinsam<br />

Neues entdecken, den Lesehorizont erweitern<br />

und sich mit Gleichgesinnten über<br />

ihre Lektüre austauschen möchten, sind<br />

herzlich eingeladen! Nähere Informationen<br />

und Anmeldungen in der Buchhandlung<br />

oder telefonisch unter 01/320 34 49.<br />

Better together in Salzburg<br />

Auch bei unseren freien Buchhandlungen<br />

in Salzburg steht das Motto better together<br />

ganz oben! Denn geteilte Begeisterung ist<br />

doppelte Freude.<br />

Bei Bücher Stierle findet unser Konzept<br />

Buchgenuss nach Ladenschluss (siehe S. 10)<br />

immer größeren Anklang. Die schöne<br />

Sonntagvormittage, die unter dem Motto<br />

Koffein und Feminismus stehen, sind ja<br />

schon seit einiger Zeit ein Alleinstellungsmerkmal<br />

des Teams rund um Carmen<br />

Schwarz. Die Herbstausgabe des Lesekreises<br />

Koffein & Feminismus wird diesmal<br />

ganz im Zeichen des Koffeins stehen.<br />

Wir haben unsere Köpfe mit den wundervollen<br />

Menschen und Kaffeehausbetreiber*innen<br />

von der Kaffeerösterei<br />

220 Grad zusammengesteckt – mehr bald<br />

dazu im Stierle-Newsletter.<br />

Die Buchhandlung Stierle war auch<br />

Austragungsort der ersten Runde Wir lesen<br />

uns die Münder wund, dem Literaturwettbewerb<br />

mit dem Markt Salzburg. Und die<br />

Signieraktionen mit Mareike Fallwickl,<br />

Beate Maxian und Bernhard Aichner<br />

haben die Stifte glühen lassen. Aber nicht<br />

nur da wurden die Stifte geschwungen,<br />

sondern auch beim Zeichenworkshop mit<br />

der sympa thischen Barbara Baumann.<br />

Natürlich muss hier auch der neue<br />

Kalender aus unserem Hause Erwähnung<br />

finden.<br />

Salzburg, wie es früher war<br />

Der Kalender nimmt Sie mit in die bewegte<br />

Vergangenheit der Stadt Salzburg.<br />

Peter Walder-Gottsbacher hat aus seinem<br />

reichen Bildarchiv einzigartige Schätze<br />

ausgewählt und lässt uns, begleitet von<br />

spannenden Texten, einen Blick auf längst<br />

vergangene Zeiten erhaschen.<br />

Das hatte er letztes Jahr schon gemacht,<br />

als er das Buch Es war einmal in Hallein<br />

herausbrachte. In zahlreichen Fotografien,<br />

Ansichten und Anekdoten erzählt der gebürtige<br />

Salzburger nicht nur über Stadtgeschichte,<br />

sondern öffnet auch Fenster in<br />

das alltägliche Leben vergangener Zeiten.<br />

Er zeigt uns dabei die vielfältigen Seiten<br />

Halleins, die historischen Häuser, Brücken<br />

und Denkmäler, aber er thematisiert auch<br />

die Industrie und gibt Einblick in die Salzgewinnung,<br />

welche die Region geprägt hat.<br />

Walder-Gottsbacher erzählt von Bürger*innen<br />

und Arbeiter*innen, von der Feuerwehr,<br />

dem Turnverein und von wichtigen<br />

Persönlichkeiten der Stadtpolitik. Er verrät<br />

aber auch, in welchem Geschäft seine<br />

k. k. Hoheit, der Thronfolger Erzherzog<br />

Franz Ferdinand von Österreich-Este,<br />

1907 Antiquitäten erwarb. Ein absoluter<br />

Verkaufserfolg, vor allem in unserer Buchhandlung<br />

in Hallein!<br />

Das liegt in erster Linie an der Institution<br />

Hans Hammerdinger und seinem<br />

Team. Die charmante Stierle-Kelten-<br />

Buchhandlung gilt als älteste und gleichzeitig<br />

modernste Buchhandlung in Hallein.<br />

Und natürlich wird auch hier nicht nur<br />

regional und sehr literarisch empfohlen,<br />

nein, auch hier gibt es regelmäßig Veranstaltungen<br />

für Kinder! Jeden 1. Samstag<br />

im Monat, ab 10:00 Uhr, wird von Team<br />

und Schauspielstudent*innen bei freiem<br />

Eintritt aus ausgewählten Kinderbüchern<br />

gelesen!<br />

Tirol-Spiel:<br />

Von Finstermünz<br />

zum Wilden Kaiser<br />

Verlag der Wagner’schen<br />

Buchhandlung, € 45,00<br />

Innsbruck-Spiel:<br />

Vom Goldenen Dachl<br />

zum Hafelekar<br />

Verlag der Wagner’schen<br />

Buchhandlung, € 45,00<br />

Österreich-Spiel:<br />

Von Bodensee<br />

zum Stephansdom<br />

Verlag der Wagner’schen<br />

Buchhandlung, € 45,00<br />

6 7<br />

Wagner’sche.<br />

Bücher seit 1639


385 Jahre –<br />

buchprägend für Tirol<br />

Markus Renk schwört auf „alt, aber neu“ und gibt<br />

einen Überblick der illustren Geschichte des Hauses.<br />

Trotz der wechselvollen Geschichte des<br />

Tiroler Buchhandels und der Wagner’schen<br />

konnten diese bis in unsere Zeit gut bestehen.<br />

Der englische Naturforscher Charles Darwin<br />

hat das Zitat geprägt: „Nichts in der Geschichte<br />

des Lebens ist beständiger als der<br />

Wandel.“ Hier bildet der Buchhandel, aber<br />

auch die Geschichte der Wagner’schen keine<br />

Ausnahme. Vom Buchfass bis zur Digitalisierung<br />

ist bekanntlich ein weiter Weg; die<br />

Veränderungen, die das Internet, das E-Book<br />

brachten und die KI noch bringen wird,<br />

erinnern an die Revolution des modernen<br />

Buchdrucks Mitte des 15. Jahrhunderts. Die<br />

Tradition des Tiroler Buchdrucks begann nur<br />

wenige Jahrzehnte nach Johannes Gensfleischs<br />

Erfindung des modernen Buchdrucks<br />

und bietet daher ein spannendes Zeugnis dieses<br />

Wandels bzw. zeigt auch die Bemühungen<br />

der jeweils handelnden Akteur*innen auf,<br />

sich diesen Veränderungen anzupassen.<br />

© Verlag Wagner<br />

Heuer vor 385 Jahren eröffnete der Tod des<br />

Buchdruckers Hans Gäch dem aus Augsburg<br />

stammenden Buchdrucker-Gesellen<br />

Michael Wagner ungeahnte Möglichkeiten.<br />

Bereits wenige Monate später heiratete<br />

er die „goldene Witwe“ Maria Gäch. Die<br />

Tiroler „Landesfürstin“ Claudia de Medici<br />

bewilligte Wagner zwei Monate nach der<br />

Hochzeit die Ausübung seines Gewerbes.<br />

Und damit begann die Geschichte eines der<br />

ältesten Tiroler Betriebe. Die nächsten Jahrhunderte<br />

dominierte die Familie Wagner<br />

den Innsbrucker bzw. gleichzeitig den Tiroler<br />

Buchhandel. Da im Ersten Weltkrieg der<br />

Verlag und die Druckerei verkauft wurden,<br />

verlieb ausschließlich die Buchhandlung im<br />

Familienbesitz. Trotzdem war die Buchhandlung<br />

auch die letzten Jahrzehnte ein<br />

wichtiger Bestandteil des Tiroler Kulturwesens,<br />

deren Bedeutung weit über die<br />

Landesgrenzen hinaus wirkt.<br />

1639<br />

Michael Wagner erhält die Erlaubnis, in<br />

Innsbruck Bücher zu drucken und zu verkaufen,<br />

und wird so zum Buchdrucker der<br />

Medici; der Grundstein für die Wagner’sche<br />

Buchhandlung, Verlag und Druckerei wird<br />

gelegt.<br />

1667<br />

Michael Wagner übernimmt den zweiten<br />

Druckereibetrieb in Innsbruck und wird<br />

Hofbuchdrucker in Innsbruck. Mit der<br />

Übernahme dieses Unternehmens, der<br />

ersten „Staatsdruckerei“ der Welt, reicht<br />

die Geschichte der Firma bis ins Jahr 1548.<br />

So gesehen ist die Wagner’sche die älteste<br />

Buchhandlung Österreichs.<br />

1723<br />

Michael Wagners Enkel, Michael Anton<br />

Wagner, wird der Titel eines Universitätsbuchdruckers<br />

verliehen.<br />

1802<br />

Mit dem Tod von Michael Alois Wagner<br />

endet eine Ära im Unternehmen der<br />

Wagner’schen; Wagners Schwager Casimir<br />

Schumacher, zur Zeit des Tiroler Volksaufstands<br />

1809 unter Andreas Hofer Bürgermeister<br />

von Innsbruck, übernimmt den<br />

Betrieb.<br />

1830<br />

8 9<br />

Wagner’sche.<br />

© Verlag Wagner<br />

Bücher seit 1639<br />

Casimir Schumachers Sohn Johann errichtet<br />

nach einer Schriftgießerei und einer<br />

Lithographie-Anstalt die erste Schnellpresse<br />

in Österreich; das Unternehmen erlebt eine<br />

Phase der Expansion.<br />

1875<br />

Die Wagner’sche Buchhandlung übersiedelt<br />

aus der Altstadt an ihren heutigen Standort<br />

in der Museumstraße.<br />

1889<br />

Nach einem verheerenden Brand der Druckerei<br />

eröffnet das Unternehmen ein neues<br />

Geschäftslokal in der Erlerstraße.<br />

1916<br />

Eckart Schumacher verkauft den Universitätsverlag<br />

Wagner und die Druckerei,<br />

nur noch die Buchhandlung in der<br />

Museumstraße verbleibt im Familienbesitz.<br />

1945<br />

Durch die Bombardierung Innsbrucks wird<br />

das Unternehmen schwer getroffen, die<br />

Druckerei und das Verlagsarchiv werden<br />

teilweise vernichtet.<br />

2006<br />

Nach 367 Jahren im Familienbesitz verkauft<br />

die Besitzerin Maria Hasenöhrl die<br />

Wagner’sche Buchhandlung an die Buchhandelskette<br />

Thalia.<br />

2015<br />

Markus Renk übernimmt gemeinsam mit<br />

Markus Hatzer die inzwischen 376 Jahre<br />

alte Wagner’sche Buchhandlung.<br />

2020<br />

Übernahme der Salzburger Buchhandlung<br />

Stierle im Jänner 2020. Im Juli 2020<br />

Übernahme der Kelten-Buchhandlung in<br />

Hallein. Verleihung des Österreichischen<br />

Buchhandelspreises an die Wagner’sche.<br />

Eine unabhängige Jury hat die Wagner’sche<br />

Universitätsbuchhandlung zur besten Buchhandlung<br />

Österreichs gewählt.<br />

2021<br />

Trotz schwieriger Rahmenbedingungen<br />

durch die Corona-Pandemie in den Jahren<br />

2020 und 2021 konnte die Wagner’sche<br />

auch in dieser Phase weiterwachsen. Im<br />

April 2021 wagt man den Schritt in die<br />

Bundeshauptstadt, mit der Übernahme der<br />

Leporello-Buchhandlung in Wien, direkt<br />

beim Stephansplatz.<br />

2022<br />

Um die Präsenz in Wien zu stärken, übernimmt<br />

die Medici Buchhandels GmbH mit<br />

Februar 2022 die Buchhandlung Stöger mit<br />

allen Mitarbeiterinnen.


wag_magazin_nr16_2023_fin1.indd 1 04.10.23 11:32<br />

Innsbruck<br />

Innsbruck<br />

Salzburg<br />

Ha lein<br />

Wien<br />

Wien<br />

Serviceleistungen<br />

Sie sind für Überraschungen zu haben? Unsere Blind Dates bieten spannende Buchentdeckungen.<br />

Falls Sie lieber genau wissen, worauf Sie sich einlassen, sind Sie an einem exklusiven Abend mit einem*r<br />

unserer Buchhändler*innen womöglich besser beraten – wortwörtlich.<br />

Die bekannte österreichische Autorin Vea<br />

Kaiser hat über die Wagner’sche Folgendes<br />

geschrieben: „Die Wagner’sche ist mehr als<br />

eine Buchhandlung. Sie ist ein Ort, an dem<br />

schamlos verkuppelt wird, und zwar Lesende<br />

mit ihrer neuen großen Lieblingslektüre oder<br />

Wissbegierige mit nie versiegenden Quellen<br />

der Information. Sie ist ein Ort der Begegnung,<br />

an dem Schreibende und Publikum<br />

zusammenfinden. Sie ist Hüterin der Vielfalt,<br />

deren Herz für kleine, unabhängige Verlage<br />

und unbekanntere Autor*innen, aber auch<br />

für präsente Namen schlägt, wo jede Art von<br />

Literatur ihren Platz findet, die uns Lesenden<br />

Freude, Glück und Bildung bringt.“ Dies gilt<br />

nicht nur für die Wagner’sche, sondern auch<br />

für unsere Standorte in Wien, Salzburg und<br />

Hallein. Um dies erfüllen zu können, setzen<br />

wir sehr stark auf Serviceleistungen für<br />

unsere Kund*innen. Hier können Sie einen<br />

kleinen Auszug unserer Ideen finden:<br />

Buchgenuss nach<br />

Ladenschluss<br />

Sie haben schon immer den heimlichen<br />

Wunsch gehegt, einmal versehentlich<br />

in einer Buchhandlung eingesperrt zu<br />

werden? Stundenlang ohne Kund*innen<br />

und Buchverkäufer*innen die Buchandlung<br />

mehr oder weniger alleine zu nutzen?<br />

Dann haben wir eine gute Nachricht für<br />

Sie! Unsere Buchhandlungen machen es<br />

möglich! Unter dem Motto Buchgenuss<br />

nach Ladenschluss stellen wir Ihnen die<br />

Buchhandlung zur Verfügung. Ob mit Ihrer<br />

Familie, den Verwandten oder Bekannten,<br />

mit Ihren Arbeitskolleg*innen oder mit<br />

Ihrer Leserunde, buchen Sie einfach bei<br />

uns Ihren Abend. Neben dem literarischen<br />

Erlebnis erwartet Sie auch ein kleines<br />

Buffet! Unkostenbeitrag: € 25,00 pro Person<br />

(ab ca. 8 Teilnehmer*innen).<br />

Buchabos<br />

Schenken Sie (sich) schöne und spannende<br />

Stunden mit unseren Bücherabos. Sie lieben<br />

es, von Büchern überrascht zu werden?<br />

Dann ist unser Bücherabo der perfekte<br />

literarische Jahresbegleiter. Zu einem jährlichen<br />

Fixbetrag bieten wir monatlich oder<br />

zweimonatlich von uns speziell ausgewählte<br />

Bücher nach Ihrer Themenvorgabe:<br />

für Erwachsene genauso wie für Kinder,<br />

Spannendes ebenso wie Fantas tisches oder<br />

einfach gute Romane. Die ideale Geschenkidee<br />

für Sie selbst oder für Ihre Liebsten!<br />

Buchgenuss nach Ladenschluss: eindrucksvolle Erinnerungen für Groß und Klein bei Bücher Stierle in Salzburg<br />

oder mit kulinarischer Begleitung in der Wagner’schen in Innsbruck.<br />

Buchhändler*innen buchen<br />

Service heißt, das ganze Geschäft mit den<br />

Augen der Kund*innen zu sehen. Ist Ihnen<br />

das Buchsuchen oft etwas zu stressig<br />

oder sind Sie mit der Auswahl der lagernden<br />

Bücher überfordert? Buchen Sie<br />

Ihre*n Buchhändler*in! Einfach Termin<br />

vereinbaren und eine Stunde exklusiv<br />

beraten werden. Haben Sie sich das immer<br />

schon gewünscht? Bei uns ist das möglich!<br />

Sie nennen uns im Vorfeld Ihre Interessensgebiete<br />

oder teilen uns per E-Mail oder<br />

Telefon Ihre Lieblingsbücher mit und wir<br />

stellen persönliche Buchempfehlungen für<br />

Sie zusammen: ca. eine Stunde Exklusivberatung<br />

während der Geschäftszeit –<br />

Unkostenbeitrag: € 30,00.<br />

Blind Dates<br />

Kennen Sie unsere Blind Dates?<br />

Die tollen Bücherüberraschungen werden<br />

liebevoll von uns verpackt und beschriftet.<br />

Sie sind ideale Geschenke für jeden Anlass,<br />

sogar für sich selbst!<br />

Rad-Dienst<br />

Als besonderen Service bieten wir in Innsbruck<br />

einen kostenlosen Rad-Zustelldienst<br />

an. Bestellen Sie Bücher ökologisch, schnell<br />

und verlässlich.<br />

© Wagner’sche Innsbruck (rechts), Bücher Stierle Salzburg (links)<br />

10 11<br />

Wagner’sche.<br />

Bücher seit 1639<br />

Veranstaltungen –<br />

Ö-Ticket<br />

Mit unseren zahlreichen Veranstaltungen<br />

und Lesungen sind wir ein wichtiger<br />

Kulturträger. Über alle Standorte finden<br />

jährlich bis zu 50 Lesungen,<br />

Buch präsentationen und sonstige Veranstaltungen<br />

statt. Das Programm reicht<br />

von internationalen Bestseller-Autor*innen<br />

bis hin zu noch unbekannten Entdeckungen.<br />

Alle Veranstaltungen werden<br />

über unsere Newsletter, E-Commerce-<br />

Plattformen und unsere Homepages<br />

beworben. Hier können Sie auch bequem<br />

Tickets buchen oder über Ö-Ticket<br />

erwerben.<br />

Kinderlesungen<br />

Natürlich dürfen aber auch die Veranstaltungen<br />

für unsere kleinsten Leser*innen<br />

nicht fehlen. Ganzjährig gibt es immer<br />

wieder Kinder-Lesungen.<br />

© Wagner’sche Buchhandlung (links), Andreas Licht (rechts)<br />

WhatsApp-<br />

Newsletter<br />

Sollten Sie keine Informationen<br />

mehr versäumen wollen, so melden Sie<br />

sich doch für unseren Newsletter an,<br />

der Sie regelmäßig mit Buchneuheiten,<br />

Empfehlungen, Serviceleistungen und<br />

Aktivitäten versorgt. Ganz neu haben<br />

wir auch einen WhatsApp-Newsletter<br />

eingeführt, der Sie über Besonderheiten,<br />

aber auch Buchneuerscheinungen<br />

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im Internet? Hier bieten wir rund<br />

6 Mil lionen Bücher an, die Sie im Regelfall<br />

in ein bis zwei Tagen kostenlos geliefert<br />

bekommen oder einfach bequem<br />

in der Buchhandlung abholen können.<br />

Die Webseiten versorgen Sie auch<br />

mit jeder Menge Buchempfehlungen!<br />

Schulbuchservice<br />

Wir betreuen über 85 Schulen in Tirol, Salzburg<br />

und Wien. Durch unser verlässliches<br />

Service kommen hier laufend neue Schulen<br />

als Partner hinzu. Mit unserer ganzjährigen<br />

Betreuung inkl. Susi-Sorglospaket können<br />

wir hier bei unseren Schulen punkten!<br />

<strong>Magazin</strong><br />

Das <strong>Magazin</strong> unserer unabhängigen Buchhandlungen — 10.2023<br />

No. 16<br />

Unser <strong>Magazin</strong> war ursprünglich als eine<br />

einmalige Ausgabe angedacht. Seit Oktober<br />

2015 sind inzwischen aber 17 weitere Ausgaben<br />

hinzugekommen. Der große Zuspruch<br />

mit rund 30.000 Leser*innen, sowohl offline<br />

als auch online, bestätigt uns hierbei.<br />

Kundenkarte<br />

Wagner’sche<br />

Innsbruck<br />

Wagner’sche<br />

Altstadt<br />

Innsbruck<br />

Bücher Stierle<br />

Salzburg<br />

Stierle Kelten-<br />

Buchhandlung<br />

Hallein<br />

Leporello die<br />

Buchhandlung<br />

Wien<br />

Stöger —<br />

Leporello die<br />

Buchhandlung<br />

Wien<br />

#<br />

unabhängig<br />

#<br />

unabhängig<br />

Das <strong>Magazin</strong> unserer unabhängigen Buchhandlungen — 03.2024<br />

No. 17<br />

Wagner’sche<br />

Wagner’sche<br />

Altstadt<br />

Bücher Stierle<br />

Stierle Kelten-<br />

Buchhandlung<br />

Leporello die<br />

Buchhandlung<br />

Stöger —<br />

Leporello die<br />

Buchhandlung<br />

wag_magazin_nr17_2024_fin.in d 1 13.03.24 1:10<br />

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Dann schnell eine beantragen!<br />

Neben einer Bonifizierung Ihrer Einkäufe<br />

bekommen Sie auch rund 20 % Ermäßigung<br />

bei unseren Veranstaltungen. Dieses Service<br />

gilt nur in Innsbruck!


Alle Veranstaltungen<br />

im Überblick<br />

Oktober 2024 bis Jänner 2025<br />

Oktober<br />

November<br />

Der König reitet ins Exil<br />

Arno Geiger schickt in seinem überraschenden und<br />

lebensklugen Roman Reise nach Laredo einen zurückgetretenen<br />

König und ein Kind auf eine Reise ins Ungewisse.<br />

Am 4. Oktober hat er ihn erfolgreich in der Wagner’schen<br />

präsentiert. Von Stefan Gmünder<br />

Fr 4.10.24<br />

Sa 5.10.24<br />

Di 8.10.24<br />

Di 8.10.24<br />

Do 10.10.24<br />

Fr 11.10.24<br />

Di 15.10.24<br />

Mi 23.10.24<br />

Fr 25.10.24<br />

Fr 25.10.24<br />

Di 29.10.24<br />

Lesung Arno Geiger<br />

19:30 Uhr, Wagner’sche<br />

Eintritt: € 9,00/€ 7,00<br />

Kinderbuch-Lesung mit<br />

Schauspielstudent*innen<br />

ab 10:00 Uhr, Kelten<br />

Eintritt: frei!<br />

Vorlesedienstag<br />

für Kinder<br />

9:00 Uhr, Leporello<br />

(Voranmeldung)<br />

Eintritt: frei!*<br />

Lesung Martin Engelberg<br />

18:30 Uhr, Leporello<br />

Eintritt: € 7,00<br />

Lesung<br />

Wolfgang Salomon<br />

19:00 Uhr, Stöger<br />

Eintritt: € 7,00<br />

Lesung Friedrich Ani<br />

19:30 Uhr, Wagner’sche<br />

Eintritt: € 9,00/€ 7,00<br />

„100 Jahre Büchergilde“:<br />

Lesung Judith Hermann<br />

19:30 Uhr, Wagner’sche<br />

Eintritt: € 9,00/€ 7,00/ frei<br />

Lesung Jo Lendle<br />

19:30 Uhr, Wagner’sche<br />

Eintritt: € 9,00/€ 7,00<br />

Kinderlesungen<br />

mit Sarah<br />

15:00 Uhr, Wagner’sche<br />

Eintritt: frei!<br />

Lesung Peter Waldeck<br />

19:00 Uhr, Stöger<br />

Eintritt: € 7,00<br />

Lesung Barbara Bachler<br />

18:30 Uhr, Kelten<br />

Eintritt: frei!<br />

Sa 2.11.24<br />

Mi 6.11.24<br />

Do 7.11.24<br />

Fr 8.11.24<br />

Mi 14.11.24<br />

Mi 14.11.24<br />

Di 19.11.24<br />

Fr 22.11.24<br />

Di 26.11.24<br />

Di 26.11.24<br />

Wagner’sche, Wagner’sche Altstadt Bücher Stierle Stierle Kelten-Buchhandlung,<br />

Leporello die Buchhandlung Stöger – Leporello die Buchhandlung<br />

Kinderbuch-Lesung mit<br />

Schauspielstudent*innen<br />

ab 10:00 Uhr, Kelten<br />

Eintritt: frei!<br />

Ein Abend für<br />

Horst Schreiber<br />

19:30 Uhr, Wagner’sche<br />

Eintritt: frei!<br />

Lesung Hannes Wirlinger<br />

19:00 Uhr, Leporello<br />

Eintritt: € 7,00<br />

Lesung Constanze Scheib<br />

19:00 Uhr, Stöger<br />

Eintritt: € 7,00<br />

Lesung<br />

Katja Lange-Müller<br />

19:30 Uhr, Wagner’sche<br />

Eintritt: € 9,00/€ 7,00<br />

Lesung<br />

Marie-Theres Arnbom<br />

18:30 Uhr, Stöger<br />

(Bezirksmuseum Döbling)<br />

Eintritt: frei!<br />

Herbst W:ORTE<br />

Angelika Rainer,<br />

Jörg Zemmler<br />

und Frieda Paris<br />

19:30 Uhr, Wagner’sche<br />

Eintritt: frei!<br />

Kinderlesungen<br />

mit Sarah<br />

15:00 Uhr, Wagner’sche<br />

Eintritt: frei!<br />

Lesung<br />

Lea Joy Friedel<br />

19:00 Uhr, Stierle<br />

Eintritt: € 7,00<br />

LeseLupe Osteuropa<br />

19:30 Uhr, Wagner’sche<br />

Eintritt: frei!<br />

Do 28.11.24<br />

Dezember<br />

Do 5.12.24<br />

Sa 7.12.24<br />

Mo 9.12.24<br />

Lesung<br />

Erich Ledersberger<br />

19:30 Uhr, Wagner’sche<br />

Eintritt: frei!<br />

Lesung Mithu Sanyal<br />

19:30 Uhr, Wagner’sche<br />

Eintritt: € 9,00/€ 7,00<br />

Kinderbuch-Lesung mit<br />

Schauspielstudent*innen<br />

ab 10:00 Uhr, Kelten<br />

Eintritt: frei!<br />

Literarisches<br />

HausQuartett<br />

19:30 Uhr, Wagner’sche<br />

Eintritt: frei!<br />

Di 10.12.24 Mountain Day 2024<br />

Dominika Meindl,<br />

Martin Fritz und<br />

Robert Renk<br />

19:30 Uhr, Wagner’sche<br />

Eintritt: frei!<br />

Fr 13.12.24<br />

Jänner<br />

Sa 4.1.25<br />

Do 16.1.25<br />

Kinderlesungen<br />

mit Sarah<br />

15:00 Uhr, Wagner’sche<br />

Eintritt: frei!<br />

Kinderbuch-Lesung mit<br />

Schauspielstudent*innen<br />

ab 10:00 Uhr, Kelten<br />

Eintritt: frei!<br />

Autorensprechstunde<br />

mit Alex Beer und<br />

Michael Hausenblas<br />

18:30 Uhr, Leporello<br />

Eintritt: frei!<br />

* Jeden Dienstag: 9:00 Uhr, Leporello (Voranmeldung), Eintritt: frei! 13<br />

Bücher seit 1639<br />

„Vielleicht sollten wir gemeinsam durchbrennen“,<br />

sagt ein alter, von Krankheit und<br />

herannahendem Tod gezeichneter Mann<br />

in den Anfangspassagen von Arno Geigers<br />

Roman Reise nach Laredo zu einem 11-<br />

jährigen Jungen. „Wohin?“, fragt der Wildfang.<br />

„Müsste man sich überlegen“, sagt<br />

der Alte und beschließt, dass sich die beiden<br />

um Mitternacht treffen. Der Kleine soll<br />

zwei Pferde mitnehmen. Bis zur Geisterstunde<br />

steht auch das Fluchtziel fest:<br />

Laredo, die nordspanische Hafenstadt.<br />

Der alte Mann heißt Karl, und es handelt<br />

sich um niemand anderen als um Karl<br />

den Fünften (1500–1558), seines Zeichens<br />

„von Gottes Gnaden erwählter Römischer<br />

Kaiser, zu allen Zeiten Mehrer des Reichs,<br />

in Germanien, Spanien, Sizilien, Ungarn,<br />

Dalmatien und des Festlands, König jenseits<br />

des Ozeans, Erzherzog von Österreich,<br />

Herr in Asien und Afrika usw.“. Die Zahl<br />

seiner Titel definiert nicht nur ein Reich,<br />

in dem die Sonne nie untergeht, sie signalisiert<br />

auch eine Vielzahl von Verpflichtungen<br />

und Kriegen, die den Herrscher zermalmten.<br />

Er dankte 1556 ab und zog sich<br />

zurück in ein Kloster in Yuste. Dort, in der<br />

Extremadura, treffen wir im Roman auf<br />

ihn, und zwar im Jahr 1558.<br />

Karl hat gehofft, nach der Abdankung<br />

zur Ruhe zu kommen, doch zu viel<br />

rumort in ihm. Er fühlt, dass die Zeit<br />

knapp wird, und es keinen Sinn macht,<br />

über Vertanes, nicht erfolgte Anfänge und<br />

vergangene Triumphe nachzugrübeln – nein,<br />

es geht darum, ein gutes Ende zu finden.<br />

Und da kommt der Junge ins Spiel,<br />

er heißt Geronimo und ist der illegitime<br />

Sohn Karls, was erst nach dem Tod des<br />

Letzteren publik werden soll. Der Junge<br />

weiß nicht, wer er ist. Karl geht es, wenn er<br />

auf sein Leben zurückblickt, ganz ähnlich.<br />

© Heribert Corn<br />

Soweit der historische Kern des in der Er-<br />

Form erzählten Romans, den Arno Geiger<br />

kunstvoll in eine märchenhafte Aventüre<br />

wendet. Karl und Geronimo machen<br />

sich auf den 500 Kilometer langen Weg.<br />

Sie geraten in Verwicklungen und gefährliche<br />

Situationen. Unter anderem retten<br />

sie ein Geschwisterpaar – es handelt sich<br />

dabei um Cagots, also um Vogelfreie,<br />

Deklassierte, nirgends Zugehörige – aus<br />

den Händen brutaler Häscher. Die ungleiche<br />

Gruppe setzt den Weg gemeinsam<br />

fort, nicht alle von ihnen erreichen Laredo,<br />

warum und was dort passiert, sei offengelassen.<br />

Nur so viel: Arno Geiger, der sich<br />

schon einmal mit einem anderen König in<br />

einem anderen Exil literarisch auseinandersetzte,<br />

erweist sich auch in diesem Roman<br />

als vielschichtiger Schriftsteller, der das<br />

Risiko nicht scheut, von menschlicher<br />

Schwäche, plötzlicher Machtlosigkeit und<br />

Verlorenheit zu erzählen. Und zwar mit<br />

viel Empathie für seine Figuren, die weder<br />

idealisiert noch verdammt werden.<br />

Zusammen werden sie in diesem Roman<br />

auf einer Reise ins Ungewisse etwas finden,<br />

das sich mit Geld und Macht nicht<br />

aufwiegen lässt: Freundschaft – und eine<br />

Ahnung der Schönheit und zerbrechlichen<br />

„Großartigkeit des Lebens“.<br />

Buchtipp:<br />

Arno Geiger:<br />

Reise nach Laredo<br />

Hanser, 272 S., € 27,80


© Susie Knoll<br />

Friedrich Ani beim<br />

Krimifest Tirol<br />

Friedrich Ani nimmt uns in seinem Roman mit ins Dunkel –<br />

findet dort aber immer Lichtstrahlen. Die bringt er mit nach<br />

Innsbruck. Linda Müller hat mit ihm gesprochen.<br />

Meine Figuren<br />

taumeln seit jeher<br />

durch schattige<br />

Gefilde.<br />

Bücher seit 1639<br />

Linda Müller: Dein aktuelles<br />

Buch heißt Lichtjahre im Dunkel.<br />

Gewissermaßen ist der Titel auch<br />

programmatisch für dein Schreiben,<br />

das sich immer im Spannungsfeld<br />

von Licht und Dunkel, Glück und<br />

Unglück bewegt.<br />

Friedrich Ani: Meine Figuren, so scheint<br />

mir, taumeln seit jeher durch schattige<br />

Gefilde. Sie gieren nach jeder Lichtung,<br />

finden den Weg aber oft nicht, was sie<br />

nicht daran hindert weiterzusuchen.<br />

In Lichtjahre im Dunkel legen zwei Brüder<br />

einen lebenslangen Weg zurück, um sich<br />

in einem Moment zu begegnen, in dem das<br />

Glück nur mehr eine Illusion ist. Trotzdem<br />

em pfinden sie Freude darüber, dass der<br />

letzte Wille ihrer Mutter sie doch noch zueinander<br />

geführt hat, allen Schatten<br />

zum Trotz.<br />

Deine Romane sind oft in düsteren,<br />

urbanen Milieus angesiedelt. Was<br />

fasziniert dich an diesen Settings,<br />

wie prägen sie die Atmosphäre deiner<br />

Texte?<br />

Das Milieu, in dem meine Geschichten spielen,<br />

ist mir vertraut, und ich schreibe lieber<br />

über Menschen und Dinge, die ich kenne<br />

oder zu kennen glaube, als mir Themen und<br />

Settings anzueignen, von denen ich mir nie<br />

sicher sein kann, ob ich sie in den Griff bekommen,<br />

also angemessen und würdig aufs<br />

Papier bringen kann. Außerdem fällt mir in<br />

der Stadt mehr ein als auf dem Land …<br />

Ein Motiv, das sich ebenfalls durch<br />

deine Bücher zieht, ist Verlust. Deine<br />

Werke thematisieren gesellschaftliche<br />

Missstände und auch individuelles<br />

Leid, Einsamkeit, Isolation.<br />

15<br />

Was treibt dich an, dich mit diesen<br />

Themen auseinanderzusetzen?<br />

Themen wie Isolation und Einsamkeit<br />

haben von Anfang an meine Geschichten<br />

beherrscht. Da wuchern autobiografische<br />

Wurzeln ans Tageslicht, und ich habe<br />

gelernt, hinzusehen und solche Zustände<br />

zu ertragen und urbar zu machen.<br />

Das bedeutet nicht, dass meine Figuren<br />

unfähig wären, zu umarmen oder zu<br />

winken, im Gegenteil: Sie tun es gern,<br />

und sei es nur vor dem Spiegel.<br />

Deine Figuren überzeugen mit großer<br />

psychologischer Komplexität – wie<br />

gehst du da in der Entwicklung vor?<br />

Erst Figuren, dann Handlung. Ein Plot<br />

ergibt sich immer, bilde ich mir ein, eine<br />

Figur muss wachsen, erst in mich hinein,<br />

dann aus mir heraus, bis sie fast selbstständig<br />

geworden ist. Bevor ich anfange zu<br />

schreiben, weiß ich viel über die meisten<br />

Figuren eines neuen Romans, und was ich<br />

noch nicht weiß, erfahre ich im Lauf des<br />

Schreibens von ihnen selber.<br />

Du bist ein Spracharbeiter, einer,<br />

der mit Sprache viele Zwischen- und<br />

Untertöne klingen lässt und kunstvoll<br />

mit Worten umgeht. Unterscheidet<br />

sich das von Genre zu Genre?<br />

Ein bestimmter Tonfall ist, glaube ich,<br />

in allen meinen Sachen erkennbar, egal<br />

ob Prosa, Lyrik oder Drehbuch. Das bin<br />

ja immer ich, der da murmelt. Ich leugne<br />

meine Autobiografie nie, vielleicht erwarten<br />

meine Figuren das auch von mir. Was soll<br />

ich sagen: Übers Schreiben zu sprechen,<br />

fällt mir schwer, schweigen kann ich besser<br />

darüber.<br />

Friedrich Ani, 1959 in Kochel am See geboren, verfasst<br />

Kriminalromane und erlangte dabei mit seiner<br />

Reihe um den Ermittler Tabor Süden Bekanntheit.<br />

Zu seinem Repertoire zählen aber auch Lyrik,<br />

Jugendromane, Hörspiele, Theaterstücke und<br />

(Tatort-)Drehbücher. Ani erhielt für sein vielschichtiges<br />

Werk zahlreiche Auszeichnungen, darunter<br />

den Deutschen Krimipreis. Lichtjahre im Dunkel ist<br />

bereits der 22. Band aus der Tabor-Süden-Reihe.<br />

Buchtipp:<br />

Friedrich Ani:<br />

Lichtjahre im Dunkel<br />

Suhrkamp, 445 S., € 26,70<br />

Lesung:<br />

Wagner’sche<br />

Innsbruck<br />

Friedrich Ani liest aus<br />

Lichtjahre im Dunkel<br />

Moderation: Nadine Rendl<br />

Fr., 11. Oktober 2024, 19:30<br />

Wagner’sche Buchhandlung,<br />

Innsbruck<br />

Eintritt: € 9,00/€ 7,00<br />

mit Wagner- oder Ö1-Card<br />

www.oeticket.com<br />

Alle Infos zum Krimifest:<br />

www.krimifest.at


© Andreas Reiberg<br />

Judith Hermann<br />

kommt für 100 Jahre Büchergilde nach Innsbruck.<br />

Geschäftsführer und Verleger Alexander Elspas<br />

hat sie dazu interviewt.<br />

Wagner’sche<br />

Innsbruck<br />

Ich war eine Leserin,<br />

aber ich war möglicher -<br />

weise zu jung, um das<br />

Kleid der Bücher<br />

würdigen zu können.<br />

Bücher seit 1639<br />

Alexander Elspas: Liebe Judith,<br />

mit deinem Debüt, dem Erzählband<br />

Sommerhaus, später, erschien im<br />

Jahr 1999 das erste Buch von dir<br />

in einer Büchergilde-Ausgabe.<br />

An was erinnerst du dich noch zu<br />

diesem Projekt?<br />

Judith Hermann: Es gab damals<br />

merkwürdigerweise einige unterschiedliche<br />

Ausgaben der Erzählungen – eine Ausgabe<br />

mit Hörbuch-CD, die Sonderauflage einer<br />

Taschenbuchausgabe, die Büchergilde-<br />

Ausgabe kam dazu, und an und für sich<br />

war ich wohl ziemlich überfordert.<br />

Ich erinnere mich an ihr Format – klein –<br />

und an eine stilisierte Muschel auf Strandsand.<br />

Die große Ehre, die diese Ausgabe<br />

eigentlich gewesen ist, war mir damals<br />

nicht bewusst.<br />

Was wusstest du über die Büchergilde<br />

vor der Lizenzierung deines Buchs?<br />

Offen gestanden – wenig. Das waren die<br />

jungen Jahre, in denen zerlesene Taschenbuchausgaben<br />

mit eingerissenem Deckblatt,<br />

Anstreichungen und Eselsohren weiter<br />

und weiter verliehen worden sind. Ich war<br />

eine Leserin, aber ich war möglicherweise<br />

zu jung, um das Kleid der Bücher würdigen<br />

zu können. Die Freude an einem sehr<br />

schönen Buch nimmt mit den Lebensjahren<br />

deutlich zu.<br />

Danach ging es kontinuierlich<br />

weiter, 2003 erschien bei uns Nichts<br />

als Gespenster, 2009 dann Alice.<br />

Man kann wohl sagen: Hermann und<br />

Büchergilde, das passt zusammen.<br />

Deine Bücher finden großen Anklang<br />

bei unseren Mitgliedern, genauso<br />

wie bei uns. Wie würdest du deine<br />

Beziehung zur Buchgemeinschaft<br />

Büchergilde beschreiben?<br />

Ich bin bei jedem Buch ausgesprochen erleichtert,<br />

wenn es auch bei der Büchergilde<br />

erscheinen darf; eine Büchergilde-Ausgabe<br />

17<br />

hat etwas von einem Segen fürs Buch.<br />

Und die Begegnung mit Leser*innen,<br />

die nach einer Veranstaltung eine Büchergilde-Ausgabe<br />

signieren lassen wollen,<br />

ist durchaus besonders. Verschwörerisch<br />

und einverständig.<br />

Daheim (2021) unterscheidet<br />

sich dann etwas von den anderen<br />

Ausgaben: In Zusammenarbeit<br />

mit der Künstlerin Ulrike Steinke<br />

entstand so etwas wie ein Buch<br />

im Buch; dein Text trifft auf abstrakte<br />

Papierschnitte, die als<br />

Bildteil eingefügt sind. Wie kam<br />

das zustande?<br />

Die Zusammenarbeit war ein überraschender<br />

Vorschlag der Büchergilde.<br />

Ulrike Steinkes Papierschnitte haben<br />

viele Ebenen, man kann sie ansehen oder<br />

durch sie hindurch und hinter sie sehen.<br />

Ähnlich empfand ich mein Buch –<br />

man kann es auf seiner vordergründigen<br />

Erzählebene lesen, man kann sich aber<br />

auch auf eine zweite Ebene einlassen,<br />

auf die Geschichte, die hinter der vorgeblichen<br />

Geschichte erzählt wird. Für mich<br />

waren Ulrike Steinkes schwarze Papierschnitte<br />

eine feine und eigensinnige Entsprechung<br />

meines Schreibens. Kippfiguren,<br />

Wendungen der Spiegelsymmetrien,<br />

positive und negative Formen. Eine Leerstelle<br />

ist nicht einfach eine Leerstelle,<br />

sie kann eine dunkle oder abgründige Welt<br />

hinter der scheinbaren Wirklichkeit sein.<br />

In welcher Form könntest du<br />

dir vorstellen, noch einmal eines<br />

deiner Bücher mit Bildern oder<br />

Illustrationen zusammenzubringen?<br />

Ich wäre froh! Begegnungen zwischen<br />

Buchgestalter*innen und Autor*innen<br />

sind erstaunlich selten und ich habe<br />

sowohl das illustrierte Buch als aber auch<br />

die Begegnung mit Ulrike Steinke als<br />

Geschenk empfunden.<br />

Für Wir hätten uns alles gesagt<br />

(2023) wählte unsere Herstellung ein<br />

grün-graues Leinen und zweifarbige<br />

Prägungen auf dem Einband. Wie<br />

wichtig sind dir selbst Ausstattung<br />

und Haptik beim Lesen?<br />

Für mich ist die Lieblingsausgabe aller<br />

meiner Bücher, auch der Übersetzungen,<br />

die Büchergilde-Ausgabe von Alice.<br />

Leinen und geprägte Farben, Zypressen<br />

und Sterne, eine schönere Ausgabe kenne<br />

ich nicht. Zurzeit lese ich Thomas Hardys<br />

Jude Fawley, steingraues Leinen der<br />

Büchergilde-Klassik, Dünndruckpapier,<br />

lindgrünes Vorsatzblatt. Hardy zu lesen<br />

ist beglückend, ihn in einer solchen<br />

Ausgabe zu lesen, ist eindeutig eine Erweiterung<br />

des Zustandes.<br />

Wenn du dir ein besonderes<br />

Ausstattungsdetail für eines deiner<br />

Bücher wünschen könntest,<br />

was wäre das?<br />

Immer ein Lesebändchen!<br />

Buchtipp:<br />

Judith Hermann:<br />

Wir hätten uns alles gesagt<br />

Büchergilde Gutenberg (Lizenz<br />

S. Fischer), 192 S., € 22,00<br />

Veranstaltung:<br />

100 Jahre Büchergilde<br />

Ein Abend mit Judith Hermann<br />

Moderation: Alexander Elspas<br />

Di., 15. Oktober, 19:30 Uhr<br />

Wagner’sche Buchhandlung,<br />

Innsbruck<br />

Eintritt: € 9,00/€ 7,00 mit<br />

Wagner- oder Ö1-Card<br />

Für Mitglieder der Büchergilde<br />

ist der Eintritt frei!


100 Jahre<br />

schöne Bücher<br />

Die Büchergilde Gutenberg feiert 100 Jahre. Wagner’sche<br />

und Leporello sind die Partnerbuchhandlungen in Österreich!<br />

Corporate Design<br />

Fotografie<br />

Packaging<br />

Schöne Bücher<br />

Informationsdesign<br />

Editorial<br />

Ausstellungen<br />

Specials<br />

www.himmel.co.at<br />

Die Büchergilde Gutenberg ist die einzige<br />

literarische Buchgemeinschaft Deutschlands.<br />

Hier treffen sich Leser*innen, Autor*innen,<br />

Künstler*innen, Drucker*innen und<br />

Büchermachende.<br />

Vor 100 Jahren wurde sie in Leipzig<br />

gegründet u. a. mit dem Auftrag, schöne<br />

Bücher auch für Wenigverdiener*innen<br />

leistbar zu machen.<br />

Jedes Quartal kuratiert der Verlag ein<br />

neues Programm. Aus den spannendsten<br />

Neuerscheinungen eines Bücherjahres<br />

wählt die Büchergilde eine Reihe lesenswerter<br />

Bücher für ihr Programm aus,<br />

publiziert Originalausgaben oder entdeckt<br />

Klassiker wieder.<br />

Dabei steht immer die Buchkunst im<br />

Fokus: Die Büchergilde gestaltet individuell,<br />

immer aufs Buch zugeschnitten,<br />

mit haptisch besonderen Materialien und<br />

in Zusammenarbeit mit bekannten oder<br />

jungen Künstler*innen. Illustrierte Bücher<br />

haben im Verlag eine große Tradition.<br />

Gelebte Buchgemeinschaft<br />

Eine Buchgemeinschaft, das ist ein<br />

Zusammenschluss von bücherliebenden<br />

Menschen. Das Konzept der Mitgliedschaft<br />

ermöglicht es erst, dass die Büchergilde<br />

inhaltlich und gestalterisch hochwertige<br />

Bücher planen und produzieren sowie<br />

unabhängig bleiben kann. Heute besteht<br />

die Buchgemeinschaft aus etwa 60.000 Mitgliedern,<br />

8.000 davon in Österreich!<br />

Als Büchergilde-Mitglied zahlt man<br />

keinen Mitgliedsbeitrag, einzige Bedingung<br />

ist es, vier Mal im Jahr mindestens einen<br />

Artikel zu erwerben, und damit unterstützt<br />

man wunderschöne und leistbare Buchkunst<br />

für viele. Darüber hinaus organisieren<br />

wir immer wieder Veranstaltungen in<br />

Innsbruck und Wien, wie z. B. den Abend<br />

mit Judith Hermann (siehe Seite 16/17).<br />

Für Kund*innen und solche, die es noch<br />

werden wollen, haben wir hier schon<br />

drei Tipps von den Partnerbuchhandlungen<br />

in Innsbruck & Wien.<br />

Bartleby,<br />

der Schreiber<br />

Giovannis<br />

Zimmer<br />

22 Bahnen<br />

Herman Melville/Stefhany Y. Lozano (Ill.):<br />

Bartleby, der Schreiber<br />

Büchergilde Gutenberg, 112 S., € 22,00<br />

James Baldwin:<br />

Giovannis Zimmer<br />

Büchergilde Gutenberg, 208 S., € 22,00<br />

Caroline Wahl:<br />

22 Bahnen<br />

Büchergilde Gutenberg, 208 S., € 24,00<br />

du dramhapperter mensch /<br />

grün wie absinth / der meine<br />

bist a bissl dramhappert /<br />

sinne stört und stöbert<br />

happerts bei deine dram /<br />

im gedankenmisthaufen /<br />

dramma dam mia nimma /<br />

der vogelfrei ein teures postulat<br />

du dramhapperts depperl /


© Penguin Random House Verlagsgruppe<br />

Jo Lendle<br />

Ein großer Verleger, ein großer Schriftsteller.<br />

Und große Fragen von Michael Köhlmeier …<br />

Wagner’sche<br />

Innsbruck<br />

Das Weglassen<br />

ist ohnehin eines der<br />

edelsten Gewerke<br />

des Schreibens.<br />

Bücher seit 1639<br />

Michael Köhlmeier: Es gibt Bücher,<br />

da schaut man, während man liest,<br />

dem Autor beim Erfinden zu –<br />

das können sehr schöne Bücher<br />

sein –, und es gibt solche, da berichtet<br />

der Autor von historischen<br />

Personen und Ereignissen in einer<br />

Art, als wäre er der bestinformierte<br />

Chronist und der intimste Freund<br />

der Protagonisten. In deinem Roman<br />

Die Himmelsrichtungen erweist<br />

du dich als großartiger Vertreter<br />

letzterer Kategorie. Dazu habe ich<br />

keine Frage, bitte dich aber um einen<br />

Kommentar.<br />

Jo Lendle: Im Gegensatz zu dir habe ich<br />

dazu viele Fragen. Zum Beispiel: Was ist die<br />

Differenz zwischen Chronik und Roman?<br />

Ich würde sagen: Gewiss das Hinzuerfinden.<br />

Aber nicht minder das Weglassen.<br />

Das Weglassen ist ohnehin eines der edelsten<br />

Gewerke des Schreibens. Damit verwandt<br />

ist die Frage: Bietet nicht der Mantel<br />

historischer Wahrheit den schönsten Tarnumhang?<br />

Jedenfalls lässt sich darin ziemlich<br />

wild hantieren – wer wüsste das besser als<br />

du? Niemand käme auf die Idee, einen<br />

Roman in anderen Zeiten anzusiedeln,<br />

um nachgereichte Historienschreibung zu<br />

betreiben. Es geht eher um das Wiederkennen<br />

von Maserungen oder um den Blick<br />

in einen Brunnen, in dem sehr weit unten<br />

und recht verwackelt das eigene Spiegelbild<br />

liegt. Es geht um Verwandtschaft. Wenn es<br />

nicht in sämtlichen Hinsichten vermessen<br />

wäre, ließe sich das Flaubertsche Madame-<br />

Bovary-Wort spaßeshalber weiterdrehen:<br />

Amelia Earhart, c’est ma grande-mère.<br />

Und Großmütter wollen in all ihrer Eigentümlichkeit<br />

beschrieben sein.<br />

Amelia Earhart wäre heute immer<br />

noch außergewöhnlich. Damals aber<br />

war sie eine Sensation. Weil sie das meiste,<br />

wofür sie stand, mehr oder weniger erfunden<br />

hat. Pilotinnen oder Frauenrechte<br />

gab es höchstens als Gerücht. Und für ihr<br />

Selbstverständnis jenseits der Geschlechter<br />

gab es nicht mal Begriffe. Dabei war all<br />

das gar nicht das Herausragendste an ihr.<br />

21<br />

Einzigartig war, dass sie es tat, als wäre<br />

nichts dabei. Sie hatte eine fundamentale<br />

Blindheit für die Unmöglichkeit. Im Schreiben<br />

habe ich versucht, an ihrem Talent zur<br />

Unmöglichkeitsblindheit in einem einzigen<br />

Punkt zu schnuppern: Indem ich so tat,<br />

als würde ich sie – über alle Unterschiede<br />

hinweg – verstehen.<br />

Die „Ouverture“ zu deinem Buch<br />

ist fulminant! Beneidenswert.<br />

Diese wenigen Seiten beweisen,<br />

dass Dichtung alles kann.<br />

Die Umrundung der Welt im Jahr<br />

1937 in einer Lockheed Electra ist<br />

in deiner Beschreibung mitreißender,<br />

als ein realer Bericht es leisten<br />

könnte. Die Schöpfung von weit<br />

oben betrachtet. Ein Beispiel dafür,<br />

dass Poesie, wenn sie Sachlichkeit<br />

imaginiert, sachlicher sein kann als<br />

die Sachlichkeit selbst. Du bist ein<br />

großer Dichter. Was sagst du dazu?<br />

Dass du spinnst. Dazu sage ich nichts.<br />

Besonders gut haben mir die Szenen<br />

gefallen, in denen über den Vater<br />

der Protagonistin Amelia Earhart<br />

erzählt wird, der Erfinder, der so<br />

vieles erfindet, was bereits erfunden<br />

ist. Ich weiß, dass es Freude macht,<br />

als Autor in das Leben realer<br />

Personen einzugreifen und sie Dinge<br />

tun und Gedanken denken zu lassen,<br />

die sie nicht getan und wahrscheinlich<br />

auch nicht gedacht haben.<br />

Ist Schreiben Herrgott-Spielen?<br />

Unbedingt. Schreiben ist der Traum von<br />

Freiheit. Eine himmlische Anmaßung:<br />

ein Creator Mundi, dem Adam schon über<br />

die Schulter guckt, um die ganzen Kreaturen<br />

gleich zu benennen. Wobei wir dafür<br />

natürlich etwas spät dran sind. Anders als<br />

in der Genesis spiegeln unsere Schöpfungen<br />

bestehende Muster und Gestalten – selbst in<br />

den Ursonaten und Écritures automatiques.<br />

Wir bringen es mit Mühe zu sekundären<br />

Herrgöttern. Was auch ganz hübsch ist und<br />

generell ein schönes Bild für den Menschen.<br />

Die letzten Bücher von Monika und<br />

mir hast du lektoriert, weil Martin<br />

Kordić, der Lektor, in Baby-Karenz<br />

ist. Du bist Autor, Verleger und<br />

Lektor. Wie bringst du diese drei<br />

Rollen zusammen unter der Kuppel?<br />

Über uns ist ja keine Kuppel, da ist nichts<br />

als offener Himmel. Der hat – wie Amelia<br />

Earhart wusste – zum Glück keine Grenzen.<br />

Da passt vieles hinein. In meinen Augen<br />

widersprechen sich die Berufe nicht, sie gehören<br />

zusammen.<br />

Verleger und Schriftsteller.<br />

Wann hast du Zeit zum Schreiben<br />

und wie findest du deinen – deinen! –<br />

Platz? Schaust du dir als Verleger<br />

beim Schreiben zu?<br />

Wenn ich schreibe, schläft der Verleger.<br />

Es sei ihm gegönnt. Und ich tippe leise.<br />

Dankeschön, lieber Jo.<br />

Jo Lendle, 1968 geboren in Osnabrück, ist Autor<br />

und Verleger des Hanser Verlags. Er studierte<br />

Literatur, Kulturwissenschaften und Philosophie<br />

in Hildesheim und an der Université du Québec à<br />

Montréal. Zuletzt erschien Eine Art Familie und<br />

eben Die Himmelsrichtungen (beide Penguin).<br />

Buchtipp:<br />

Jo Lendle:<br />

Die Himmelsrichtungen<br />

Penguin, 256 S., € 25,70<br />

Buchpräsentation:<br />

Jo Lendle liest aus<br />

Die Himmelsrichtungen<br />

Moderation: Nicola Steiner (CH)<br />

Mi., 23. Oktober, 19:30 Uhr<br />

Wagner’sche Buchhandlung,<br />

Innsbruck<br />

Eintritt: € 9,00/€ 7,00 mit<br />

Wagner- oder Ö1-Card<br />

www.oeticket.com


Buchtipp:<br />

Peter Waldeck:<br />

All der wilde Unfug<br />

Milena Verlag, 220 S., € 25,00<br />

© Jan Molnar<br />

Immer wieder muss<br />

Viktor seine Pläne<br />

ändern, um durch das<br />

Chaos zu kommen.<br />

Bücher seit 1639<br />

All der<br />

wilde Unfug<br />

Tieftrauriger Ton, aber voll beißendem Humor.<br />

Ina Cassik bittet Peter Waldeck zum Gespräch.<br />

Ina Cassik: Lieber Peter, dein<br />

neuer Roman ist Künstlerroman,<br />

Familiengeschichte, Road-Novel und<br />

einiges andere mehr. Möchtest du<br />

dein Buch einem bestimmten Genre<br />

zuordnen, oder ist genau das gar<br />

nicht beabsichtigt?<br />

Peter Waldeck: Ich habe es auch gerne,<br />

wenn ich beim Lesen überrascht werde.<br />

Insofern wäre ich mit dem neutralen Begriff<br />

Roman oder auch Gesellschaftsroman<br />

zufrieden. Der wilde Ritt durch die Genres<br />

ist diesmal aber auch besonders den sprunghaften<br />

Charakteren geschuldet. Schon lange<br />

wollte ich diese genial-verrückten Narren<br />

und Trunkenbolde, wie sie etwa in<br />

Dostojewski-Romanen oder Shakespeare-<br />

Stücken als Comic-Relief auftauchen, in<br />

den Vordergrund stellen und sie zu Hauptfiguren<br />

eines eigenen Romans upgraden.<br />

Die nehmen aber auch wenig Rücksicht<br />

darauf, in welchem Genre sie sich gerade<br />

befinden.<br />

Der Ich-Erzähler Viktor ist er folgloser<br />

Künstler, Trinker, geschieden,<br />

einsam und me lan cholisch. In dem<br />

Buch beschreibst du, was er selbst<br />

als „Abstieg in die Merkwürdigkeit“<br />

bezeichnet. Woran scheitert Viktor?<br />

Viktor kommt aus einer Generation, in<br />

der Selfcare noch kein großes Thema ist.<br />

Er kann mit seinem Erfolg nicht umgehen,<br />

gönnt sich keine Pausen, ergibt sich dem<br />

Exzess, er nimmt keine Rücksicht auf seinen<br />

Körper. Die ersten Warnsignale überhört<br />

er, da kommt es bei der Hochzeit einer<br />

Freundin zum großen Nervenzusammenbruch,<br />

als er – überzeugt davon, einen<br />

sehr guten Witz zu reißen – die gesamte<br />

Hochzeitsgesellschaft schockiert und sich<br />

ins soziale Aus manövriert. Als er sich nach<br />

sechs Jahren Pause wieder zurückmelden<br />

will, geht es allerdings erst so richtig schief.<br />

23<br />

Viktor hat auch ritterliche<br />

Eigenschaften: Zweimal kommt er<br />

einer Frau in Not zu Hilfe, und als<br />

eine der wenigen Figuren in dem<br />

Roman ist er nicht von Geldgier<br />

getrieben. Ist er ein tragischer Held?<br />

Wenn es darauf ankommt, kann er<br />

heldenhaft handeln. Aber er ist auch leicht<br />

überfordert mit den Herausforderungen,<br />

die das Leben an ihn stellt. Ich finde,<br />

man kann sich gut mit ihm identifizieren.<br />

Es ist mir beim Schreiben selten bewusst,<br />

aber im Nachhinein fällt mir schon auf,<br />

dass Viktors Situation im Laufe des Romans<br />

grob vergleichbar ist mit der unserer<br />

westlichen Gesellschaft in den letzten<br />

Jahren. Während einer ungeplanten Auszeit<br />

denkt er noch: „Ah, das ist schön! Endlich<br />

Ruhe! Ich kann mich neu erfinden!“<br />

Doch als er versucht, wieder in den Alltag<br />

zurückzufinden, treffen ihn links und rechts<br />

Schicksalsschläge. Immer wieder muss<br />

Viktor seine Pläne ändern, um durch das<br />

Chaos zu kommen.<br />

Eine Art Gegenpol zu Viktor stellt<br />

Clemens dar, Viktors Jugendfreund.<br />

Im Gegensatz zu Viktor ist er<br />

mit seiner Kunst erfolgreich und<br />

vermögend geworden, dafür aber früh<br />

verstorben. Welches Schicksal ist<br />

deiner Meinung nach vorzuziehen?<br />

Da einem niemand die Hoffnung nehmen<br />

kann, dass es gleich um die Ecke, im nächsten<br />

Jahr, in der nächsten Woche viel besser<br />

wird, ziehe ich das lange Leben vor.<br />

„Ein bisserl Glück geht immer“, um hier<br />

den Monaco Franze falsch zu zitieren.<br />

Die zweite Hauptfigur ist<br />

Tante Erbse, Clemens’ Mutter.<br />

Sie ist bösartig, geldgierig<br />

und lüstern. Ausgerechnet sie<br />

wird Viktors einzige Zuflucht.<br />

Warum hast du Viktor diese Figur<br />

an die Seite gestellt?<br />

Ich liebe listige, hinterfotzige Frauenfiguren,<br />

die wissen, was sie wollen, und es<br />

zielstrebig angehen. Sie haben so viel Potenzial<br />

für Komik und Konflikte! Es kann gar<br />

nicht genug von ihnen geben.<br />

Es gibt in diesem Roman keine Figur,<br />

die nicht scheitert (vielleicht der<br />

Esel). Diese Tragik wird aber von<br />

einer ungeheuren Komik abgefedert:<br />

Humor, schräges Personal und<br />

slapstickartige Szenen sorgen dafür,<br />

dass man beim Lesen sehr viel lachen<br />

muss. Worüber kannst du lachen?<br />

Hui, da gibt es viel. Die Cartoons<br />

von Hauck & Bauer! Die Bücher von<br />

Barbi Marković, Elias Hirschl und<br />

Heinz Strunk. Über den trockenen Humor<br />

der Schriftstellerin Ottessa Moshfegh<br />

und den staubtrockenen Humor von<br />

Joy Williams kann ich sehr lachen.<br />

Und die Fernsehserien Curb Your Enthusiasm<br />

und Adventure Time liebe ich.<br />

Vielen Dank für<br />

das Gespräch.<br />

Peter Waldeck ist Theatermacher, Comic-Texter<br />

und Schriftsteller. Mit seiner Theatergruppe Casa<br />

Del Kung Fu feierte er große Erfolge bei Publikum<br />

und Kritik. Peter Waldeck lebt in Wien.<br />

All der wilde Unfug ist sein vierter Roman.<br />

Lesung:<br />

Stöger–<br />

Leporello<br />

Wien<br />

Peter Waldeck liest aus<br />

All der wilde Unfug<br />

Fr., 25. Oktober, 19:00 Uhr<br />

Stöger-Leporello –<br />

die Buchhandlung, Wien<br />

Eintritt: € 7,00<br />

Um Anmeldung wird gebeten:<br />

T. 01/3203449 oder<br />

office@stoegerbuch.at


© Dieter Brasch<br />

Vom Dreh- zum<br />

Kinderbuch<br />

Leporello Buchhändlerin Christina Skala<br />

im Gespräch mit Hannes Wirlinger<br />

Leporello die<br />

Buchhandlung<br />

Wien<br />

Es gibt für meine<br />

Geschichte nicht das<br />

eine reale Vorbild.<br />

Bücher seit 1639<br />

Christina Skala: Lieber Hannes,<br />

du bist seit 20 Jahren erfolgreicher<br />

Autor von Drehbüchern, z. B. für<br />

die Serien Soko Kitzbühl und Fokus<br />

Mord. Wie bist du zum Schreiben<br />

von Kinder- und Jugendbüchern<br />

gekommen und wie hat dich das<br />

Drehbuchschreiben beeinflusst?<br />

Hannes Wirlinger: Es war immer mein<br />

Traum, einen Roman bzw. Bücher zu<br />

schreiben. Nach zahlreichen Drehbüchern<br />

war es ein logischer Schritt, diesen Traum<br />

auch in die Tat umzusetzen. So entstand<br />

Der Vogelschorsch. Drehbuchschreiben war<br />

wesentlich für meine Karriere als Schriftsteller.<br />

Ich habe eine Drehbuchschule und<br />

viele Schreibworkshops besucht, zahlreiche<br />

Drehbuchbesprechungen absolviert und<br />

jeden Tag geschrieben. Auf diese Weise<br />

lernte ich das Schreib-Handwerk, lernte,<br />

Feedback anzunehmen und meine Texte zu<br />

überarbeiten. Natürlich beeinflusst die eine<br />

Form die andere und umgekehrt.<br />

Du hast bis jetzt zwei Jugendbücher<br />

veröffentlicht – Der Vogelschorsch<br />

(ausgezeichnet mit dem Öster reichischen<br />

Jugendbuchpreis) und<br />

Die Fürstin der Raben. Was hat<br />

dich inspiriert?<br />

Mich inspirieren viele Dinge: Gesprächsteile,<br />

die ich in der Tram aufschnappe,<br />

andere Texte, ein interessantes Gespräch,<br />

ein gutes Buch, ein Bild, die Umgebung,<br />

die Natur, Geräusche und natürlich Menschen<br />

etc. Meistens sind es Menschen,<br />

die in irgendeiner Form als Vorbild für eine<br />

Geschichte dienen. Bei Der Vogelschorsch<br />

und Die Fürstin der Raben spielt der Wald<br />

ebenso eine tragende Rolle wie die Vögel.<br />

Sodann entsteht ein Puzzle aus vielen kleinen<br />

Teilen, die meine Geschichten formen<br />

und vorantreiben und hoffentlich auch<br />

meine Leser*innen inspirieren.<br />

25<br />

Deine Figuren sind unglaublich<br />

authentisch und bleiben lange im<br />

Gedächtnis. Gibt es reale Vorbilder?<br />

Es gibt für meine Geschichte nicht das<br />

eine reale Vorbild. Mehr sind es Anteile,<br />

außergewöhnliche Charaktereigenschaften<br />

von Menschen in meiner Umgebung oder<br />

die ich auch nur ein einziges Mal getroffen<br />

habe. So wächst nach und nach die Figur<br />

und ihre Handlungsweisen kristallisieren<br />

sich heraus. Dies ist ebenso ein Prozess wie<br />

das Schreiben, das Finden und Aufstöbern<br />

von Ideen.<br />

Was liegt dir besonders am Herzen,<br />

wenn du an deine Bücher denkst?<br />

Mir ist es wichtig, meine Leser*innen mit<br />

meinen Geschichten zu berühren, ihnen ein<br />

Schmunzeln oder einen Lacher zu entlocken<br />

und sie in eine „andere“ Welt zu entführen.<br />

Sie sollen von Anfang bis zum Ende wissen<br />

wollen, wie die Geschichte weitergeht und<br />

wie die Figuren ihre Aufgaben meistern<br />

oder daran scheitern.<br />

Beide Bücher sind wunderschön<br />

ausgestattet und illustriert. Wie<br />

wichtig ist dir das?<br />

Mit dem Verlag Jacoby & Stuart in Berlin<br />

und der fantastischen Illustratorin Ulrike<br />

Möltgen hatte ich großes Glück. In den<br />

ersten Gesprächen mit Ulrike Möltgen und<br />

den Verlegern war für mich sofort klar,<br />

dass wir in dieselbe Richtung denken und<br />

die gleiche Vision, wie das Buch aussehen<br />

soll, haben. Das ist ein großes Geschenk.<br />

Die fabelhaften Illustrationen und das<br />

Cover von Der Vogelschorsch und<br />

Die Fürstin der Raben geben den Büchern<br />

ein einzigartiges Gesicht und sorgen<br />

sofort für Aufmerksamkeit. Überdies sind<br />

die Bücher wunderschön ausgestattet.<br />

Das zeigt für mich: Hier sind Menschen<br />

am Werk, die wie ich Bücher lieben.<br />

In diesem Umfeld fühle ich mich wohl.<br />

Deine Bilderbücher Das Duell der<br />

Großmütter und Das Weihnachtsduell<br />

der Großmütter sind wahnsinnig<br />

witzig und ein Vorlesespaß für<br />

alle ab ca. 4 Jahren. Woher kam<br />

die Idee für die coolen Omas?<br />

Zu den beiden Bilderbüchern hat mich<br />

meine Großmutter inspiriert. Sie hat bei<br />

uns im Haus gewohnt und war ein sehr<br />

wichtiger Mensch in meinem Leben.<br />

Die Geschichten habe ich in Erinnerung<br />

an sie geschrieben. Überdies habe ich in<br />

meinem Umfeld oft beobachtet, wie Großeltern<br />

um die Gunst der Enkelkinder<br />

ringen und sich dabei regelrecht einen<br />

Wettkampf liefern. So ist mir die Idee für<br />

die Geschichten gekommen.<br />

Hannes Wirlinger ist seit 2003 freier Drehbuchautor<br />

und Schriftsteller in Wien und Niederösterreich. Er<br />

verfasste zahlreiche Drehbücher für die ORF-ZDF-<br />

Krimiserie Soko-Kitzbühel, die ORF-Krimiserie<br />

Fokus Mord und für die Kinder-Animationsserie<br />

Hexe Lilli. In letzter Zeit schreibt er verstärkt Texte<br />

für Kinder- und Jugendbücher. Unter anderem Der<br />

Vogelschorsch (2019, Jacoby & Stuart), das mit dem<br />

Österreichischen Kinder- und Jugendbuchpreis 2020<br />

ausgezeichnet wurde.<br />

Buchtipp:<br />

Hannes Wirlinger:<br />

Die Fürstin der Raben<br />

Jacoby & Stuart, 272 S., € 20,60<br />

Lesung:<br />

Hannes Wirlinger liest aus<br />

Die Fürstin der Raben<br />

(ab 14 Jahren)<br />

Do., 7. November, 18:30 Uhr<br />

Leporello – die Buchhandlung,<br />

Wien<br />

Eintritt: € 7,00


Buchtipp:<br />

Constanze Scheib:<br />

Mordshochzeit,<br />

Herrschaftszeiten<br />

Oktopus im Kampa Verlag,<br />

288 S., € 19,50<br />

© Constanze Scheib<br />

Beim Schreiben<br />

höre ich schon die<br />

einzelnen Stimmen,<br />

als ob sich eine<br />

Filmszene in meinem<br />

Kopf abspielt.<br />

Bücher seit 1639<br />

Agatha Christie<br />

m t Wiener Schmäh<br />

Constanze Scheib schickt ihre Ermittlerin in<br />

ein mörderisches Wochenende in der Provinz.<br />

Ina Cassik: Der aktuelle Band<br />

deiner Krimireihe rund um die gnä’<br />

Frau spielt nicht in Wien, sondern in<br />

der niederösterreichischen Provinz.<br />

Was war der Grund für dich, deine<br />

Hauptfigur Helene Ehrenstein<br />

diesmal in die „Pampa“ zu schicken,<br />

wie sie selbst es nennt?<br />

Constanze Scheib: Ich fand es spannend,<br />

die gnä’ Frau einmal aus ihrer Komfortzone<br />

herauszuholen, und wollte beobachten,<br />

wie sie sich in einer ihr weniger bekannten<br />

Umgebung verhält. Hietzing kennt sie wie<br />

ihre Rocktasche, doch in Niederösterreich<br />

muss sie sich erst zurechtfinden. Es war<br />

auch besonders lustig, die kleinen Ressentiments<br />

der Niederösterreicher den Wienern<br />

gegenüber – und umgekehrt – ein wenig zu<br />

beleuchten.<br />

Das Setting ist ein imposantes<br />

Herrenhaus, das einen sofort an<br />

Krimis von Agatha Christie<br />

oder Filme wie Gosford Park und<br />

Knives Out erinnert. Es ist allerdings<br />

das Jahr 1973, die Welt<br />

der Herrschaften und ihrer<br />

vornehmen Gäste vermischt sich<br />

schon mit jener der Dienst bot*innen.<br />

Hat dich dieser gesellschaftliche<br />

Umbruch besonders interessiert?<br />

Ich bin ein großer Fan und wollte unbedingt<br />

einen richtig Agatha Christie<br />

typischen Krimi schreiben. Mit all den klassischen<br />

Zutaten, aber eben auch modernen<br />

Elementen. Wie z. B., dass die Dienerschaft<br />

nicht nur aus gesichtslosen Statisten besteht,<br />

sondern ein wichtiger Teil der Handlung<br />

ist. Gerade die 70er-Jahre stehen für<br />

diesen gesellschaftlichen Umbruch, auch<br />

mit der neuen Gesetzgebung für Frauenund<br />

Homosexuellenrechte, und es war mir<br />

wichtig, das mit ins Buch aufzunehmen.<br />

27<br />

Du bist, wie deine Amateur-<br />

Ermittlerin, eine Liebhaberin von<br />

Krimi-Literatur und Kriminalfilmen.<br />

Beim Lesen bereitet es enormes<br />

Vergnügen, Anspielungen und<br />

Querverweise zu entdecken. Worin<br />

liegt für dich der besondere Reiz, so<br />

mit den Stilmitteln und Motiven des<br />

Genres zu spielen?<br />

Ich liebe es, diese Medien in meine eigenen<br />

Krimis einfließen zu lassen! Am schönsten<br />

ist es, wenn mich Leser begeistert darauf<br />

ansprechen, weil sie diesen speziellen Film<br />

oder dieses Buch auch kennen. Diese Anspielungen<br />

geben den „gnä’ Frau“-Büchern<br />

noch eine zusätzliche Ebene, lassen neue<br />

Bilder vor dem inneren Auge entstehen.<br />

Für Frau Ehrenstein waren diese Krimis<br />

eine Möglichkeit, aus ihrer langweiligen<br />

Welt auszubrechen, noch bevor sie Hobbydetektivin<br />

wurde, und so sind sie ein<br />

integraler Bestandteil ihrer Wahrnehmung<br />

geworden.<br />

An einem einzigen Wochenende<br />

geschehen drei Morde. Du legst<br />

immer wieder falsche Fährten aus,<br />

platzierst Cliffhanger und verzögerst<br />

die Auflösung der Fälle. Wie planst<br />

du deine Plots?<br />

Ich empfand das als spannende Herausforderung!<br />

Jedes Motiv, jede Mordart und<br />

jeder Tathergang müssen genau durchdacht<br />

und vorbereitet sein, insbesondere in so<br />

einem kurzen Zeitraum an nur einem Ort.<br />

Ich habe einen Grundriss des Herrenhauses<br />

gezeichnet, um ein genaues Gefühl zu<br />

haben, wo was passiert, wer wo etwas hören<br />

könnte, und welche Zimmer durchquert<br />

werden müssten, um an eine bestimmte<br />

Stelle zu gelangen. Außerdem habe ich<br />

einen Zeitstrahl zwischen Samstagmittag<br />

und Montag Früh erstellt. Übrigens gibt<br />

es diese Zeitangaben auch am Anfang der<br />

Kapitel, eine Neuerung für meine „gnä’<br />

Frau“-Krimis.<br />

Neben der wohldosierten Verwendung<br />

des Wienerischen ist dein Gespür für<br />

rasante Dialoge ein Markenzeichen<br />

deiner Bücher. Als ausgebildete<br />

Schauspielerin trägst du deine Texte<br />

sehr mitreißend vor. Denkst du<br />

beim Schreiben schon an die späteren<br />

Lesungen?<br />

Auf jeden Fall! Beim Schreiben höre ich<br />

schon die einzelnen Stimmen, als ob sich<br />

eine Filmszene in meinem Kopf abspielt;<br />

und ich hab’ viel Spaß dabei, sie auch so<br />

vor Publikum vorzutragen. Sowohl als<br />

Schauspielerin als auch als Autorin ist es<br />

für mich wichtig, die Figuren, mit denen ich<br />

arbeite, genau herauszuarbeiten. Ich befasse<br />

mich mit ihrem Leben, ihrer Vergangenheit,<br />

ihrem sozialen Stand und auch ihren<br />

Unsicherheiten. Worauf legen sie Wert, was<br />

hassen sie, wie wollen sie wahrgenommen<br />

werden? All das spiegelt wider, wie sie sich<br />

verhalten, aber auch wie sie sprechen. Die<br />

Dialoge fühlen sich dadurch greifbarer an.<br />

Danke für das Gespräch!<br />

Constanze Scheib ist in Wien geboren. Sie absolvierte<br />

eine Schauspielausbildung, spielte Theater und<br />

schrieb schon früh Kurzgeschichten und Theaterstücke.<br />

Heute arbeitet sie als Schriftstellerin, ist Mitglied<br />

der „Mörderischen Schwestern“ und schreibt<br />

nach eigener Aussage, was sie selbst gerne liest.<br />

Lesung:<br />

Stöger–<br />

Leporello<br />

Wien<br />

Constanze Scheib liest aus<br />

Mordshochzeit,<br />

Herrschaftszeiten<br />

Fr., 8. November, 19:00 Uhr<br />

Stöger-Leporello –<br />

die Buchhandlung, Wien<br />

Eintritt: € 7,00<br />

Um Anmeldung wird gebeten:<br />

01/3203449 oder<br />

office@stoegerbuch.at


Ole, Ole, Ole, Ole …<br />

Katja Lange-Müllers abgründiges neues Meisterwerk.<br />

Und ein paar Fragen von Robert Renk.<br />

© Annette HauschildOSTKREUZ<br />

Buchtipp:<br />

Katja Lange-Müller:<br />

Unser Ole<br />

Kiepenheuer & Witsch<br />

240 S., € 25,70<br />

Buchpräsentation:<br />

Katja Lange-Müller liest aus<br />

Unser Ole<br />

Moderation: Robert Renk<br />

Mi., 14. November, 19:30 Uhr<br />

Wagner’sche Buchhandlung,<br />

Innsbruck<br />

Eintritt: € 9,00/€ 7,00 mit<br />

Wagner- oder Ö1-Card<br />

www.oeticket.com<br />

Ohne Komik<br />

geht es bei mir<br />

nicht.<br />

Bücher seit 1639<br />

Robert Renk: Liebe Katja, in deinem<br />

neuen, wunderbaren Roman Unser<br />

Ole bringst du einen Winter lang<br />

drei sehr unterschiedliche Frauen<br />

mit dem „schwerfällig bärenhaften“<br />

18-jährigen Ole zusammen, der<br />

ko gnitiv beeinträchtigt ist. Und zwar<br />

in einem grauen zwei stöckigen<br />

„Nikolaushaus“ im letzten Loch des<br />

Berliner Speckgürtels. Zuerst sind<br />

da Ida und Elvira, später kommt –<br />

aus relevanten Gründen – Manuela<br />

dazu. Ole, so meint man, war immer<br />

schon da. Ida, ein ehemaliges<br />

Model aus Westberlin, stark ge altert<br />

und schwer pleite, zieht zu Elvira,<br />

ebenfalls im Pensionsalter, aber<br />

zumindest mit Haus (dem besagten).<br />

Nach einem Unfall, bei dem Elvira<br />

zu Tode kommt und dessen<br />

Umstände sich nicht gänzlich klären<br />

lassen, zieht dann Matilda ein,<br />

die Mutter Oles und die Erbin.<br />

Wie bist du auf diese interessante<br />

und außergewöhnliche Konstellation<br />

gekommen?<br />

Katja Lange-Müller: Die Idee zu diesem<br />

Buch kam mir im ersten Corona-Jahr.<br />

Ich sah abends bei mir im Berliner Wedding<br />

gelegentlich so einen schwerfälligen,<br />

ziemlich jungen, offensichtlich kognitiv<br />

beeinträchtigten Kerl, breit wie ein<br />

Schrank, groß und gekrümmt, der sich,<br />

wenn alle Kinder weg waren, allein auf<br />

der Kante einer Bank niederließ, vor sich<br />

hinstarrte, wieder aufstand, ging. Er wirkte<br />

wie eingeschlossen in eine hermetische<br />

Blase. Und ich sah damals, als wir alle<br />

zuhause bleiben sollten, ähnliche Typen,<br />

Obdachlose, Streuner, Verwirrte. Wo, fragte<br />

ich mich, sollen jene bleiben, die gar kein<br />

Zuhause haben?<br />

Somit hatte ich schon mal die Ole- Figur.<br />

Bald wurde mir klar, dass ich für den<br />

Ole Genannten Gegenfiguren brauche.<br />

Da kamen mir einige Frauen in den Sinn,<br />

Frauen etwa meines Alters, von denen ich<br />

gehört hatte, dass ihre Mütter sie nicht<br />

29<br />

gemocht hatten, weil sie lieber Söhne bekommen<br />

hätten. Ich fand das seltsam;<br />

wir sind ja Nachkriegskinder, und im Krieg,<br />

der hinter uns lag, waren vor allem die<br />

Söhne gefallen. Es gab auch „gefallene“<br />

Mädchen, aber wenn von denen die Rede<br />

war, war etwas ganz anderes gemeint.<br />

Also erfand ich Ida und Elvira und das<br />

Häuschen im Berliner Speckgürtel.<br />

Selbständig, etwas herrisch und übergriffig<br />

die eine Alte, bedürftig, vom Leben<br />

enttäuscht, ein wenig verpeilt, doch immer<br />

noch schön, die andere eine Pionierin<br />

der Brust-Implantation. Wichtig war mir,<br />

dass die schöne Ida aus dem Westen bei<br />

Elvira, der technischen Zeichnerin aus<br />

dem Osten, unterkriecht. Denn Ida hat nie<br />

selbst für sich sorgen müssen, sondern sich<br />

immer aushalten lassen, von Männern,<br />

die sie begehrten. Aber mit über 70 ist<br />

„der Lack“ nun mal ab; und Elvira braucht<br />

Ida, von der sie sich Hilfe mit dem kaum<br />

noch händelbaren, spätpubertierenden<br />

Autisten Ole erwartet. Manuela, die jüngere<br />

Frau und Erbin des Häuschens, die ihren<br />

Sohn schon als Baby der ungeliebten und<br />

sowieso lieblosen Mutter überlassen hat,<br />

komplettiert die Personage, die ich mir ausgedacht<br />

hatte für das Prosa-Kammerspiel,<br />

das mir vorschwebte.<br />

Würdest du meine Behauptung forsch<br />

zurückweisen, wenn ich von einem<br />

Buch der tristen und schönen Lügen<br />

spräche?<br />

Ja, diese Frauen sind zutiefst unaufrichtig,<br />

am meisten sicher Manuela, die lange<br />

mit einer echten Lebenslüge hausieren ging.<br />

Ihre böse Mutter, behauptete sie, habe<br />

ihren Sohn Ole gekidnappt, denn die<br />

habe immer einen Manuel gewollt und<br />

sei sehr unglücklich gewesen, weil sie nur<br />

eine Manuela bekommen habe. Dass sie<br />

im Grunde froh war, sich nicht um den<br />

behinderten, schwierigen Ole kümmern zu<br />

müssen, verschweigt Manuela. Je öfter<br />

sie diese Lebenslüge erzählt, umso mehr<br />

glaubt sie, so und nicht anders sei es<br />

gewesen. Das ist auch eine Voraussetzung<br />

für überzeugende Lügen: Die sind nur<br />

glaubhaft, wenn jene, die lügen, sich selbst<br />

glauben können, und das wiederum macht<br />

gute Lügen derart interessant; sie sind<br />

nicht komplett erlogen, sondern verschweigen<br />

nur den Kern der jeweiligen Geschichte.<br />

Auch Ida ist nicht aufrichtig;<br />

sie verstellt sich, mimt, als Manuela einzieht,<br />

die Fleißbiene, die sie zuvor niemals war.<br />

Denn sie fürchtet, dass die „Erbin“<br />

Manuela sie hinauswirft, wenn sie sich<br />

nicht unentbehrlich macht. Und wohin<br />

soll sie dann? In ihrem Alter, ohne genügend<br />

Geld? Ida war und ist aus existenzieller<br />

Abhängigkeit, erst von Männern,<br />

dann von Elvira und nun von Manuela,<br />

so unehrlich, genauer: schlangenfalsch.<br />

Elvira, Ida, Manuela, alle drei taktieren,<br />

täuschen vor, tricksen einander aus.<br />

Erst als Ole plötzlich verschwunden ist,<br />

implodiert die ganze Inszenierung.<br />

Man würde nicht unbedingt<br />

vermuten, dass bei dieser tristen<br />

Zusammenstellung – drei eher<br />

wenig sympathische, sozial leicht<br />

deformierte Frauen und ein<br />

autistischer Riese – auch so viel<br />

Witz in diesem Buch steckt.<br />

Ist dir ein Schreiben ohne Tiefe<br />

und ohne Witz nicht möglich?<br />

Ohne Komik geht es bei mir nicht. Denn<br />

Komik, Ironie, Witz, wie immer man es<br />

nennen mag, sind ja nur die Rückseite der<br />

Tragik. Ohne diese Rückseite würde es bloß<br />

lustig, und lustig ist diese Story nun wirklich<br />

nicht, das kann und darf sie nicht sein.<br />

Du hast einen sehr kenntnisreichen<br />

Blick auf die österreichische<br />

Literaturlandschaft, hast u. a.<br />

Reden auf Alois Hotschnig und<br />

Karl-Markus Gauß geschrieben.<br />

Wie beurteilst du diese Literatur?<br />

Tatsächlich, ich schätze die österreichische<br />

Literatur sehr, deren sprachliche Brillanz,<br />

die ihr innewohnende Leidenschaft, den<br />

Witz. Das begann mit Nestroy, Meyrink<br />

und Musil, doch ich lese auch begeistert<br />

meine Kolleginnen und Kollegen:<br />

Alois Hotschnig, Karl-Markus Gauß,<br />

Anna Weidenholzer, Arno Geiger,<br />

Robert Menasse, Theresa Präauer,<br />

Barbara Zemann, um nur einige zu nennen.<br />

Danke fürs Gespräch!<br />

Wagner’sche<br />

Innsbruck


Buchtipp:<br />

Ziegen in der Luft,<br />

Worte am Boden<br />

Angelika Rainer über Natur, Musik und<br />

Otto Grünmandl im Gespräch mit Robert Renk<br />

Wagner’sche<br />

Innsbruck<br />

© Julia Stix<br />

Angelika Rainer:<br />

Zweckbau für Ziegen<br />

Haymon, 88 S., € 23,90<br />

Veranstaltung:<br />

Angelika Rainer liest bei<br />

HerbstW:ORTE<br />

gemeinsam mit Jörg Zemmler<br />

und Frieda Paris<br />

Di., 19. November,<br />

19:30 Uhr<br />

Wagner’sche Buchhandlung.<br />

Innsbruck<br />

Eintritt frei!<br />

… ich habe sie<br />

gesehen und ich habe<br />

aufgeschrieben,<br />

was ich gesehen habe.<br />

Bücher seit 1639<br />

Robert Renk: Liebe Angelika,<br />

letztes Jahr erschien deine vierte<br />

Publikation im Haymon Verlag.<br />

Wie immer lässt du dich von hochinteressanten,<br />

eher unbekannten<br />

Quellen inspirieren. War es bei<br />

deinem Erstling Luziferin (2008)<br />

ein einziger Text von John Berger,<br />

ist es diesmal eine Vielzahl von Textausschnitten<br />

aus Zeitungen oder aus<br />

Werken von – leider viel zu wenig<br />

bekannten – Autor*innen (wie z. B.<br />

Maurice Blanchot). Woher stammt<br />

das Interesse für das, was abseits<br />

vom Kanon liegt?<br />

Angelika Rainer: Alles ist interessant,<br />

wenn man neugierig ist, und mit der entsprechenden<br />

Aufmerksamkeit kann alles<br />

Inspirationsquelle sein. Ich lese gerne auch,<br />

was sich nicht leicht erschließt, weil dadurch<br />

Raum bleibt zum Erfinden. In den Lücken,<br />

die beim Flanieren, beim Streunen durch<br />

Gedankenwelten bleiben, kann das Eigene<br />

entstehen, ein Gedanke, ein Satz, ein Gedicht.<br />

Man muss nur ohne Eile abwarten,<br />

sich mit dem Bruchteil, den man einstweilen<br />

versteht, zufriedengeben, muss einen<br />

Satz schön finden können, ohne ihn gleich<br />

erfassen zu müssen. So verstehe ich auch<br />

Blanchots l’entretien infini – das unendliche<br />

Gespräch – als fortwährende Aufmerksamkeit<br />

und den Glauben daran, dass man mit<br />

der Zeit versteht, dass mit der Zeit etwas<br />

entstehen wird.<br />

Natürlich glänzt dieser Band wieder<br />

mit genauen, so einfach scheinenden<br />

Bildern und Assoziationen. Die auf<br />

der Hand liegende Ver mutung ist<br />

aber ein doch über Jahre, wenn<br />

nicht Jahrzehnte geschulter Blick<br />

auf die Natur. Es sind wunderschöne<br />

und teils auch verstörende<br />

Naturschilderungen zu lesen.<br />

Bei Letzteren denke ich u. a. an<br />

31<br />

die Zeilen, in denen du das Ende<br />

von festgefrorenen Enten schilderst:<br />

„In den Morgenstunden wurden sie<br />

bei lebendigem Leib und<br />

eingefrorenen Füßen<br />

von den Seeadlern geholt.“<br />

Ist die Natur deine größte<br />

Inspirationsquelle?<br />

Wenn unter Natur alles zusammengefasst<br />

ist, was um mich herum ist, dann stimmt<br />

das. Inspiration für das Schreiben als eine<br />

Möglichkeit, die Welt wahrzunehmen und<br />

sich in ihr zurechtzufinden, entsteht durch<br />

Aufmerksamkeit, Genauigkeit im Schauen<br />

und in der Wahl der Worte. Das erfordert<br />

Zeit und Ruhe und die regelmäßige, unaufgeregte<br />

Arbeit am Schreibtisch.<br />

Die festgefrorenen Enten … ich habe sie<br />

gesehen und ich habe aufgeschrieben, was<br />

ich gesehen habe. Die Verbindung, die dieses<br />

Bild eingeht, die Verknüpfungen entstehen<br />

nach Tagen, Wochen, oft nach Jahren. Über<br />

die Lehrjahre der Malerin Paula Moderson-<br />

Becker habe ich gerade gelesen: „Sie zeichnet<br />

ausschnitthaft aus Werken, die etwas<br />

von dem enthalten, was sie für ihre Bildnisse<br />

verwenden möchte. Sie vereinfacht, löst aus<br />

Zusammenhängen, stellt neu zusammen …“<br />

Das gefällt mir, das beschreibt auch meine<br />

Art des Arbeitens. Ich staune, ich nehme<br />

zur Kenntnis, ich sammle, und ich werfe<br />

weg, sehr viel und nur wenig zögerlich;<br />

ich glaube, unterscheiden zu können, was<br />

bleiben oder später von Wert sein kann.<br />

Es geht auch hier darum abzuwarten,<br />

bis ein Satz sich mit dem anderen, dem<br />

richtigen verbindet. Und in dieser Zeit tut<br />

man nicht nichts, man wartet nicht nur.<br />

Man betrachtet, stellt um, dreht und<br />

wendet – weil ich ge rade Arnikablüten<br />

in Öl auf der Fensterbank stehen habe –,<br />

sie stehen lange in der Sonne, sie brauchen<br />

Zeit, um ihre Wirkung zu entfalten,<br />

aber sie dürfen nicht nur stehen, man muss<br />

das Glas drehen und wenden, auch auf<br />

den Kopf stellen, und so verfahre ich auch<br />

mit den Sätzen, den Texten. Aus all dem<br />

gesammelten Material, durch Drehen und<br />

Wenden, durch Reduktion auf das für mich<br />

Wesentliche, durch Verdichtung entsteht<br />

Poesie, das Gedicht. Wann es sich fügt, lässt<br />

sich nicht genau sagen, so wie man nicht<br />

genau sagen kann, wann man die letzte<br />

Schwalbe des Sommers gesehen hat.<br />

Am 1. Oktober bekommst du den<br />

Otto-Grünmandl-Literaturpreis<br />

2024 des Landes Tirol. Es ist der<br />

zweithöchste Literaturpreis,<br />

den das Land vergeben kann.<br />

Wie hast du es erfahren/aufgenommen.<br />

Und was fällt dir zum<br />

Namensgeber Otto Grünmandl ein?<br />

Ich wurde von Landeshauptmann Mattle<br />

angerufen, ich habe nicht gewusst,<br />

dass es diesen Preis gibt, und da wir mit<br />

Franui gerade am Tiroler Landestheater die<br />

Produktion über/von Otto Grünmandl<br />

gespielt hatten, erschien es mir ein wenig<br />

wie ausgedacht – meinen Musikerfreunden<br />

fällt viel Lustiges ein, es hätte auch<br />

erfunden sein können; aber eine Mailnachricht<br />

hat es bestätigt, und ich habe<br />

mich sehr gefreut. Den Otto Grünmandl<br />

habe ich durch die Arbeit am Tiroler<br />

Landestheater besser kennengelernt.<br />

Seine Art und Weise, die Welt zu<br />

betrachten, erschließt sich nicht sofort,<br />

aber wenn man länger damit zu tun hat,<br />

also durch die Wiederholung, entdeckt man<br />

die Feinheiten, den freundlichen, leisen,<br />

noblen, nicht verachtenden Humor,<br />

man entdeckt, wie er sich herrlich<br />

gewun dert hat, und man wundert sich<br />

selber weiter, man hört anderen und sich<br />

selbst auf eine neue Art und Weise zu.<br />

Gedichte arbeiten ja auch auf diese Weise.<br />

Vieles er schließt sich nicht sofort, es arbeitet<br />

langsam, so wie Salz oder Wasser<br />

den Stein, eine Landschaft bearbeiten,<br />

irgendwann wird etwas durchlässig und<br />

dann begreift man und ist aufnahmefähiger<br />

als vorher.<br />

Angelika Rainer wurde 1971 in Lienz/Osttirol<br />

geboren, heute lebt sie in Wien und ist neben<br />

ihrer Tätigkeit als Autorin auch Musikerin bei der<br />

Musicbanda Franui (franui.at). Mit Luciferin war sie<br />

zum Europäischen Festival des Debütromans in Kiel<br />

eingeladen und erhielt die Autor*innenprämie<br />

des BMUKK. Außerdem bekam sie für ihre Arbeit<br />

das Große Literaturstipendium des Landes Tirol<br />

und das Literaturförderstipendium der Stadt Innsbruck.<br />

Bei Haymon erschienen Luciferin (2008),<br />

Odradek (2012) und See’len (2018) und 2023 Zweckbau<br />

für Ziegen.


Herbst W:ORTE<br />

Buchpremiere mit<br />

Raoul Schrott in Telfs<br />

Das Lyrikfestival W:ORTE trägt Früchte …<br />

www.lyrikfestival.com<br />

Seit fast zehn Jahren steht der Juni in<br />

der Tiroler Literaturszene nun schon<br />

ganz im Zeichen der Poesie. Über mehrere<br />

Tage und an unterschiedlichen Orten,<br />

die mittlerweile auch über die Landesgrenzen<br />

hinausreichen, veranstalten<br />

der Verein 8ung Kultur und das Literaturhaus<br />

am Inn das Lyrikfestival W:ORTE.<br />

Doch wer im Juni Poesie aussät,<br />

der sollte sich im Herbst auch um die Ernte<br />

kümmern, und somit gibt es mittlerweile<br />

auch HerbstW:ORTE! An zwei Abenden<br />

präsentieren wir in der Wagner’schen Buchhandlung<br />

und im Literaturhaus am Inn<br />

Lyrik zur Alltagsbewältigung, zum Nachdenken<br />

und Staunen … wir freuen uns<br />

auf Ihr Kommen!<br />

Petra Ganglbauer<br />

Jörg Piringer<br />

Erwin Uhrmann<br />

Moderation: Siljarosa Schletterer<br />

Fr., 15. November, 19:00 Uhr<br />

Literaturhaus am Inn,<br />

Innsbruck<br />

Angelika Rainer<br />

Jörg Zemmler<br />

Frieda Paris<br />

Moderation: Siljarosa Schletterer<br />

und Robert Renk<br />

Di., 19. November, 19:30 Uhr<br />

Wagner’sche Buchhandlung,<br />

Innsbruck<br />

© Christoph Greussing<br />

Endlich liegen die Gedichte der Weltautorin<br />

Friederike Mayröcker komplett<br />

vor. Der neue Band knüpft an die Gesammelten<br />

Gedichte 1939–2003 an und<br />

trägt Mayröckers lyrisches Spätwerk bis<br />

zu ihrem allerletzten, 2021 entstandenen<br />

Proëm zusammen. „Proëm“ nannte sie<br />

ihre späten Texte zwischen Kurzprosa<br />

und Gedicht. Ihr Hauptthema: der Tod!<br />

Ihr erklärter Feind, den sie lange auf<br />

Distanz halten konnte und dem sie dennoch<br />

so viel Zeit und Stoff gewidmet hat.<br />

Einzigartig, berührend, weltbewegend!<br />

Robert Renk<br />

Friederike Mayröcker:<br />

Gesammelte Gedichte 2004–2021.<br />

Das komplette lyrische Spätwerk versammelt<br />

in einem Band, hrsg. von Marcel Beyer<br />

Suhrkamp, 550 S., € 36,00<br />

Es ist kein Zufall, dass dieser wunderbare<br />

Gedichtband neben einer<br />

Mayröcker- Rezension steht. Frieda Paris<br />

ist der großen Autorin wissenschaftlich<br />

und poetisch schwer verbunden. Bis in<br />

den Vornamen hinein! Dieses Langgedicht<br />

ist in gewisser Weise ein Aufarbeiten<br />

und Weiterschreiben des von<br />

Mayröcker hinterlassenen „Zetteluniversums“.<br />

Unglaublich, wie Paris aus diesen<br />

Mayröcker wortwundern ihr eigenes<br />

macht und von Kindheitserinnerungen,<br />

von Liebe und Verlassen(-Werden)<br />

schreibt. Robert Renk<br />

Frieda Paris:<br />

Nachwasser<br />

edition azur, 136 S., € 23,60<br />

„Eine schöne Frau braucht Narben“,<br />

lesen wir im Band der luso- angolischen<br />

Autorin und wir brauchen diesen<br />

Gedichtband. Es sind Störungen<br />

und Aufschreie. Es sind Schreie eines<br />

„zerrissenen Herzens“ (S. 76) über den<br />

„prekären Markt der Gefühlskälte“.<br />

Es sind dekoloniale und ökofeministische<br />

Gedichte über gesäte Eizellen (S. 42)<br />

und verdichtete Flüsse (S. 41), über<br />

Tränenantworten (S. 100) über Sprachlosigkeit<br />

(S. 37) hinweg. Es ist ein Band,<br />

der in „fetten Buchstaben“ (S. 70) liebt,<br />

aufbegehrt, aufzeigt und berührt!<br />

Siljarosa Schletterer<br />

33<br />

Yara Nakahanda Monteiro:<br />

Herz. Rhythmus. Störungen<br />

Haymon, 112 S., € 23,90<br />

Bücher seit 1639<br />

Der Anblick eines sternenklaren Nachthimmels<br />

hat etwas zutiefst Erhabenes<br />

und Ehrfurchtgebietendes. In solchen<br />

Momenten, wenn man unter dem weiten<br />

Firmament steht, erscheint das eigene Leben<br />

plötzlich winzig im Vergleich zur Unendlichkeit<br />

des Universums. Es ist ein Gefühl, das<br />

Menschen seit Jahrtausenden bewegt und<br />

inspiriert hat. Aus dieser Mischung von<br />

Staunen und Demut sind unzählige Geschichten<br />

und Mythen entstanden, die versuchen,<br />

die Geheimnisse des Himmels zu erklären<br />

und unseren Platz darin zu verstehen.<br />

Mit Atlas der Sternenhimmel hat<br />

Raoul Schrott ein faszinierendes Buch<br />

geschaffen, das die Leser*innen auf eine<br />

weltumspannende Reise durch die<br />

verschiedenen Schöpfungsmythen der<br />

Menschheit über den Sternenhimmel mitnimmt.<br />

In diesem Buch erklärt der<br />

Universalgelehrte, wie verschiedene Kulturen<br />

und Zivilisationen auf der ganzen<br />

Welt den Nachthimmel interpretiert haben.<br />

Von den Sternbildern der Buschleute in<br />

Afrika über die Himmelsanschauungen<br />

in Nordindien, die Geschichten der Maori<br />

in Neuseeland, die astronomischen Erkenntnisse<br />

der Mayas in Mittelamerika<br />

bis hin zu den kosmologischen Vorstellungen<br />

im alten Ägypten und vielen<br />

anderen Kulturen.<br />

Das Buch vermittelt uns Wissen darüber,<br />

wie tief diese Himmelsphänomene in den<br />

verschiedenen Kulturen verankert sind<br />

und wie unterschiedlich bzw. auch ähnlich<br />

sie manchmal sind. Raoul Schrott verbindet<br />

dabei wissenschaftliche Erkenntnisse mit<br />

mythologischen Erzählungen und macht<br />

uns so das Thema auf eine poetische Weise<br />

zugänglich. Er nimmt uns mit auf eine<br />

Entdeckungsreise durch Raum und Zeit,<br />

die uns ein tieferes Verständnis für die Vielfalt<br />

menschlicher Sternenbeobachtungen<br />

und deren Bedeutung für unterschiedliche<br />

Kulturen eröffnet.<br />

Sehend und denkend unter den Sternen<br />

erkennt man, dass wir nur ein kleiner Teil<br />

eines riesigen, unbegreiflichen Ganzen sind.<br />

Gleichzeitig verbindet uns der Anblick des<br />

Himmels mit allen, die je davorgestanden<br />

haben – den alten Kulturen, die ihre Geschichten<br />

in den Sternen sahen, und allen<br />

Menschen, die sich heute noch von diesem<br />

Anblick inspirieren lassen. In diesen Augenblicken<br />

spürt man, dass das Leben, so klein<br />

es auch erscheinen mag, doch Teil eines<br />

großen, ewigen Kreislaufs ist.<br />

Die Bücherei & Spielothek Telfs lädt zur<br />

allerersten Veranstaltung mit Raoul Schrott<br />

und seinen Sternenhimmeln in den Rathaussaal!<br />

Buchpremiere:<br />

Raoul Schrott erzählt aus<br />

Atlas der Sternenhimmel<br />

und Schöpfungsmythen der<br />

Menschheit<br />

Hanser, 1.280 S., € 153,20<br />

Musik: Maria Ma<br />

So., 17. November 2024,<br />

19.30 Uhr<br />

Rathaussaal Telfs, Eduard-<br />

Wallnöfer-Platz 1, 6410 Telfs<br />

Eintritt: frei!williger<br />

Kulturbeitrag<br />

Weitere Infos unter<br />

www.buecherei-telfs.at


© Privat<br />

Jung – weiblich – zahlt<br />

Lea Joy Friedel im #unabhängig über<br />

Verharmlosung und struktureller Diskriminierung<br />

Bücher<br />

Stierle<br />

Salzburg<br />

Das ist für mich<br />

kein Empowerment,<br />

sondern<br />

Ego-Kram.<br />

Bücher seit 1639<br />

Du schreibst in deinem Buch darüber,<br />

was Frausein heutzutage kostet –<br />

kannst du uns zwei konkrete Beispiele<br />

nennen?<br />

Frau zu sein kostet vor allem Geld aufgrund<br />

von struktureller Diskriminierung<br />

wie dem „Gender-Pay-Gap” oder der<br />

„Pink Tax”. Bei Letzterer geht es darum,<br />

dass Produkte und auch Dienstleistungen,<br />

die für Frauen angeboten werden, mehr<br />

kosten als die gleichartigen Erzeugnisse<br />

für Männer. Ein weiteres Beispiel für die<br />

Schieflage ist die Gesundheit. Frauen<br />

werden in unserem Gesundheitssystem<br />

systematisch benachteiligt. In klinischen<br />

Studien sind sie stark unterrepräsentiert,<br />

in der Notaufnahme müssen sie länger<br />

warten und ihre Beschwerden werden von<br />

Ärzt*innen oft verharmlost oder ignoriert.<br />

Das geht so weit, dass manche Frauen bei<br />

Fehldiagnosen letztendlich sogar mit ihrem<br />

Leben bezahlen.<br />

Was war für dich der Anlass, über die<br />

Herausforderungen des Frauseins zu<br />

schreiben?<br />

Als ich mit meinem ersten Kind schwanger<br />

war, ging es mir körperlich und mental sehr<br />

schlecht. Zudem erwarteten plötzlich alle<br />

von mir, dem Idealbild einer werdenden<br />

Mutter zu entsprechen: beseelt und glücklich<br />

– was gar nicht zu meinem inneren Zustand<br />

passte. Da verstand ich erst, dass die<br />

Gesellschaft schwangere Frauen normt und<br />

in ein Ideal presst. Das damals Erlebte war<br />

wie der Höhepunkt meiner bisherigen sexistischen<br />

Erfahrungen und wie ein Stoppschild<br />

zu meinem eigenen feministischen<br />

Lebensstil: Hier ist es vorbei, jetzt musst du<br />

ein Weibchen werden und dich anpassen.<br />

Dann habe ich meine Erfahrungen aufgeschrieben<br />

und ein Buch daraus gemacht,<br />

um aufzurütteln.<br />

Wie erging es dir dabei, diese<br />

enorm persönlichen Geschichten<br />

aufzuschreiben?<br />

Es ist furchtbar schmerzvoll, eigene traumatische<br />

Erfahrungen nicht nur niederzuschreiben,<br />

sondern auch immer wieder<br />

35<br />

zu überarbeiten. Vor allem das Kapitel zu<br />

sexuellen Übergriffen war, sagen wir mal,<br />

ernüchternd. Ich habe Catcalling (Anm.:<br />

sexuell anzügliches Rufen, Reden, Pfeifen<br />

oder Gestikulieren gegenüber einer Person<br />

in der Öffentlichkeit) erlebt, seitdem ich<br />

zehn war, und phasenweise wurde ich auch<br />

täglich belästigt. Mein ganzes Leben war<br />

ich wütend und fühlte mich wehrlos.<br />

Vor allem, weil es niemanden zu interessieren<br />

schien, und Catcalling immer als<br />

„Anmache“ abgeschwächt wurde.<br />

Das Nicht-ernst-Nehmen oder Runterspielen<br />

von frauenverachtendem Verhalten<br />

hat System. Ist das Problem dabei, dass<br />

Frauen dann gar nicht erst darüber reden<br />

oder ihnen nicht zugehört wird? Das eine<br />

bedingt leider das andere. Slutshaming und<br />

Victimblaming sind so in unserem kollektiven<br />

Verhalten verankert, dass viele von uns<br />

sich maximal einmal zu Übergriffen äußern<br />

und dann meistens nicht ernst genommen<br />

werden. Einmal rief ich bei der Hotline für<br />

häusliche Gewalt an und wurde gefragt, ob<br />

ich Anzeige erstatten möchte. Als ich dies<br />

verneinte, wurde mir bestätigt, dass das<br />

auch nicht unbedingt empfehlenswert ist.<br />

Weil Frauen eben oft nicht geglaubt wird.<br />

Ich verstehe jede Frau, die nicht über ihre<br />

Erfahrungen sprechen möchte. Es kann<br />

traumatisch sein, wenn man ignoriert und<br />

belächelt wird.<br />

Welche Schritte können Frauen<br />

unternehmen, um ihre Stimmen zu<br />

erheben und gehört zu werden?<br />

Es ist wichtig zu verstehen, dass das Persönliche<br />

politisch ist und unsere privaten<br />

Entscheidungen eine Relevanz für die ganze<br />

Gesellschaft haben. Bei der Bekämpfung<br />

von Sexismus geht es nie nur um das Individuum,<br />

sondern um alle Frauen, besser noch:<br />

alle Menschen. Wenn man beispielsweise<br />

misogyne (Anm.: frauenfeindliche) Witze<br />

vom Chef nicht mehr weglächelt, sondern<br />

Grenzen setzt, kann das andere Kolleg*innen<br />

ebenfalls dazu animieren, sich solidarisch zu<br />

zeigen und füreinander einzustehen.<br />

Was waren die größten<br />

Herausforderungen beim Schreiben<br />

deines Buches?<br />

Eine Familie mit zwei Kleinkindern<br />

war Herausforderung sowie Inspiration.<br />

Dazu kam die Aufgabe, mich immer<br />

wieder selbst zum Schreiben zu motivieren,<br />

weil ich zunächst so viele Absagen von<br />

Verlagen erhalten hatte.<br />

Wie hast du es geschafft, trotz<br />

der mentalen Belastung und der<br />

Verantwortung für deine Kinder Zeit<br />

und Energie zum Schreiben zu finden?<br />

Ein gutes Zeitmanagement und ein gutes<br />

Supportsystem sind das absolute Fundament.<br />

Das größte Missverständnis des<br />

popkulturellen Feminismus ist, dass Frauen<br />

„stark und unabhängig“ sein müssen. Das<br />

ist für mich kein Empowerment, sondern<br />

Ego-Kram. Wir alle müssen uns verletzlich<br />

zeigen können und vor allem lernen, um<br />

Hilfe zu fragen.<br />

Lea Joy Friedel, 1993 geboren, studierte Soziale<br />

Arbeit und Musikpädagogik. Nach dem Studium<br />

entschied sie sich, hauptberuflich zu schreiben,<br />

und veröffentlichte als freie Journalistin politische<br />

Beiträge für VICE und diverse feministische Blogs.<br />

Sie machte mit außergewöhnlichen Wahlplakaten<br />

für den deutschen Bundestag und als politische<br />

Aktivistin auf sich aufmerksam. Seit 2020 lebt sie<br />

in Athen.<br />

Buchtipp:<br />

Lea Joy Friedel:<br />

Too Much! Was es kostet,<br />

eine Frau zu sein<br />

Leykam, S. 272, € 26,50<br />

Buchpräsentation:<br />

Lea Joy Friedel liest aus<br />

Too Much!<br />

Di., 26. November 2024,<br />

19:00 Uhr<br />

Buchhandlung Stierle, Salzburg<br />

Eintritt: € 7,00


Buchtipp:<br />

Lindita Arapi:<br />

Arabische Schwestern<br />

Aus dem Albanischen<br />

von Florian Kienzle<br />

Weidle Verlag, 240 S., € 26,70<br />

© Stefan Feihl<br />

Ich will den<br />

Raum Osteuropa<br />

möglichst breitgefächert<br />

zeigen.<br />

Bücher seit 1639<br />

LeseLupe<br />

Osteuropa<br />

Robert Renk im Gespräch mit der<br />

Erfinderin Yana Lyapova<br />

Robert Renk: Ab Herbst wird das<br />

Format LeseLupe Osteuropa in<br />

die Wagner’sche übersiedeln. Was<br />

zeichnet dieses Format aus und wer<br />

ist alles dafür verantwortlich?<br />

Yana Lyapova: Die LeseLupe Osteuropa ist<br />

eine Art Literarisches Quartett, d. h., jede*r<br />

Gesprächsteilnehmer*in stellt ein Buch vor,<br />

über das anschließend diskutiert wird. Dabei<br />

geht es zum einen um die niveauvolle Besprechung<br />

und damit auch Popularisierung<br />

osteuropäischer Neuerscheinungen für ein<br />

breites Publikum. Zum anderen geht es um<br />

die Sichtbarmachung unterschiedlicher am<br />

Literaturbetrieb beteiligter Akteur*innen.<br />

Für die ursprüngliche Idee der LeseLupe<br />

Osteuropa bin wohl ich verantwortlich, aber<br />

niemand ist eine Insel, und gute Ideen gedeihen<br />

sowieso nur auf fruchtbarem Boden.<br />

Dieser Innsbrucker Boden heißt zunächst<br />

Osteuropazentrum; dessen Leiterin, Eva<br />

Binder, sowie Mitarbeiterinnen (Ramona<br />

Rakić, Agnes Tauscher und Hanna Niederkofler)<br />

haben mich von Anfang an sowohl<br />

ideell als auch ganz praktisch unterstützt.<br />

Auch das Institut für Slawistik der Universität<br />

war von Beginn an involviert – mit<br />

Gesprächsteilnehmer*innen, Literaturtipps<br />

und als treues Publikum des Formats.<br />

37<br />

Wie grenzt die LeseLupe den Raum,<br />

aus dem die besprochenen Bücher<br />

ausgesucht werden, ein?<br />

Bei der räumlichen Eingrenzung war von<br />

Beginn an klar, dass diese sowohl eine<br />

kulturelle als auch eine geopolitische<br />

Dimension beinhalten sollte. Die bewusste<br />

Entscheidung gegen eine Fokussierung auf<br />

ausschließlich slawischsprachige Länder<br />

halte ich immer noch für wichtig und das<br />

Ergebnis davon war bisher ein äußerst produktives.<br />

Länder wie die baltischen Staaten,<br />

Ungarn, Albanien, Moldau oder Rumänien<br />

verliert man aufgrund der fehlenden<br />

sprachlichen Expertise oft schnell aus den<br />

Augen. All diese Länder hatten kommunistische<br />

Regime, allerdings in den unterschiedlichsten<br />

Ausprägungsformen. Ich will<br />

den Raum Osteuropa möglichst breitgefächert<br />

zeigen und dabei sowohl geteilte<br />

Erfahrungen als auch große Unterschiede<br />

zwischen den Ländern und ihren Texten<br />

nebeneinanderstehen lassen.<br />

Lupe bedeutet, etwas zu vergrößern,<br />

einen Fokus auf etwas zu legen.<br />

Auf was legt die LeseLupe noch Wert<br />

(außer das Gebiet)?<br />

Auf mehr Sichtbarkeit für Literaturübersetzer*innen,<br />

aber auch für kleinere Verlage<br />

und ihre Schwerpunkte. Darüber hinaus<br />

soll natürlich auch Interesse an die durch<br />

die Texte vertretenen Länder und ihre Literaturen<br />

geweckt werden. Mehr davon!<br />

Gibt es Kleinverlage,<br />

die Sie – ob ihres Engagements –<br />

besonders schätzen?<br />

Da fallen mir spontan gar nicht so wenige<br />

Verlage ein: Von den österreichischen Verlagen<br />

definitiv folio und Drava, Droschl,<br />

Text/Rahmen und auch Haymon, dessen<br />

ukrainisches Programm lobenswert ist! Was<br />

die deutschen Verlage anbelangt, möchte ich<br />

an erster Stelle für den eta Verlag sowie für<br />

edition.fotoTAPETA eine Lanze brechen!<br />

Tolle Literaturauswahl trifft auf elegantes<br />

und sehr bewusst entwickeltes Design. Ähnliches<br />

gilt auch für den Homunculus Verlag<br />

sowie Guggolz. Hinzu kommt, dass die<br />

beiden letztgenannten Originalsprache und<br />

Übersetzer*in immer auf dem Cover nennen,<br />

das ist leider nach wie vor die absolute<br />

Ausnahme. Zu guter Letzt, weil es ja keine<br />

Geheimtipps sind: die Friedenauer Presse,<br />

die zu Matthes & Seitz gehört, und natürlich<br />

auch die Andere Bibliothek (Aufbau Verlag)<br />

– das ist Buchgestaltung, die mein bibliophiles<br />

Herz höherschlagen lässt!<br />

Übersetzer*innen sind auch immer<br />

wieder zu Gast, wen dürfen wir am<br />

26. November erwarten?<br />

Übersetzer*innen sind dankbare Gäste,<br />

die eine andere Perspektive auf Texte und<br />

den Literaturbetrieb haben. Diesmal wird<br />

Mathias Althaler, Dolmetscher und Übersetzer<br />

für Russisch und Französisch, unsere<br />

Runde ergänzen, ich freue mich schon!<br />

Sie moderieren dieses Format seit<br />

zwei Jahren, sind seit drei Jahren<br />

in Innsbruck. Was schätzen Sie an<br />

Innsbruck?<br />

Die lebendige Kulturszene und vielen Veranstaltungen,<br />

obwohl ich mir durchaus eine<br />

engere Zusammenarbeit zwischen Universität<br />

und Stadt wünschen würde. Und<br />

das Leokino natürlich – das erste Zuhause<br />

der LeseLupe und mein persönlicher Lieblingsort<br />

in Innsbruck!<br />

Danke für das Gespräch!<br />

Wagner’sche<br />

Innsbruck<br />

LeseLupe Osteuropa<br />

Moderation: Yana Lyapova<br />

Gäste: Fabienne Imlinger (Buchpodcasterin),<br />

Mathias Althaler<br />

(Institut für Translationswissenschaft),<br />

Bob Muilwijk (Slawistik<br />

Uni Salzburg)<br />

Besprochene Bücher:<br />

Lindita Arapi:<br />

Arabische Schwestern<br />

Aus dem Albanischen von<br />

Florian Kienzle, Weidle Verlag<br />

Oxana Wassjakina:<br />

Die Wunde<br />

Aus dem Russischen von<br />

Maria Rajer, Verlag Blumenbar<br />

Sergej Lebedew:<br />

Titan oder Die Gespenster<br />

der Vergangenheit<br />

Aus dem Russischen von<br />

Franziska Zweig,<br />

S. Fischer Verlag<br />

Andrzej Bobkowski:<br />

Hinter dem Wendekreis<br />

Aus dem Polnischen von<br />

Ron Mieczkowski,<br />

Die Andere Bibliothek<br />

Di., 26. November 2024,<br />

19:30 Uhr<br />

Wagner’sche Buchhandlung,<br />

Innsbruck<br />

Eintritt: frei!


„The Empire<br />

writes back!“<br />

Wagner’sche<br />

Innsbruck<br />

Buchtipp:<br />

Mithu Sanyal:<br />

Antichristie<br />

Hanser Verlag, 544 S.,<br />

€ 25,70<br />

Mithu Sanyal vereint in Antichristie postkolonialistische<br />

Theorie mit Popkultur und Agatha Christie.<br />

Ein Gespräch mit Veronika Schuchter<br />

© Carolin Windel<br />

Agatha Christie<br />

ist die Königin<br />

des vermeintlich<br />

einfachen Stils.<br />

Bücher seit 1639<br />

Veronika Schuchter: Wir leben in<br />

einer Welt, in der wenig Platz für<br />

Grauzonen zu bleiben scheint. Wer<br />

nicht perfekt ist, wird gecancelt –<br />

oder zumindest wird das behauptet.<br />

Enid Blyton, die heute von vielen<br />

als unzeitgemäß und rassistisch<br />

abgelehnt wird, ist eine Ihrer<br />

Lieblingsautor*innen. Fällt es<br />

uns heute schwerer als früher,<br />

Widersprüchlichkeiten auszuhalten?<br />

Mithu Sanyal: Spontan möchte ich sagen:<br />

Ja! Doch wahrscheinlich bekommen wir<br />

nur viel mehr Widersprüchlichkeiten und<br />

Widerstand gegen eben diese mit. Die<br />

Debatten um Rassismus in Kinder- und<br />

anderen Büchern ist ja an sich erst einmal<br />

toll. Wir nehmen Literatur so ernst, dass<br />

wir uns darüber streiten. Und für mich sind<br />

das immer Gespräche über die Zukunft der<br />

Literatur – auch wenn wir sie anhand von<br />

Büchern führen, deren Autor*innen teilweise<br />

schon lange nicht mehr leben – also:<br />

Wie wollen wir schreiben? Was sind unsere<br />

blinden Flecken? Darauf gibt es viele Antworten.<br />

Was ich schade finde, ist, dass diese<br />

in den (sozialen) Medien auf die Frage:<br />

Was sollen wir streichen? reduziert wurden.<br />

Viel spannender sind doch Lösungen wie<br />

Kontextualisierung etc.<br />

Auch über Agatha Christie haben<br />

Sie viel Positives zu sagen, etwa dass<br />

man bei ihr viel übers Plotten eines<br />

Romans lernen kann. Ihr Roman<br />

trägt aber den Titel Antichristie.<br />

Wie stehen Sie selbst als Leserin zur<br />

Queen of Crime?<br />

39<br />

Agatha Christie ist wirklich eine Klasse<br />

für sich. Ich würde jetzt gerne einen Satz<br />

schreiben wie: Von ihr zu lernen, heißt xxx.<br />

Aber ich habe so viel von ihr gelernt.<br />

Sie ist die Königin des vermeintlich einfachen<br />

Stils. Man denkt ja, sie arbeitet mit<br />

Klischees, dabei ist jeder ihrer Sätze frisch<br />

und überraschend. Das ist eine Leistung<br />

über so wahnsinnig viele Romane hinweg.<br />

(Und ja, über die allerletzten lässt sich<br />

streiten, aber die anderen 73 Romane und<br />

14 Kurzgeschichtenbände sind stilistisch<br />

umwerfend.) Zu Beginn der Corona-Pandemie<br />

haben mein Partner und ich uns überlegt,<br />

alle ihre Romane in chronologischer<br />

Reihenfolge zu lesen. Sie hat mehr als fünf<br />

Jahrzehnte lang geschrieben und in dieser<br />

Zeit hat sich der Blick auf Race und<br />

Empire radikal geändert und diese Veränderung<br />

kann man anhand des Alltagsrassismus<br />

in ihren Büchern nachvollziehen,<br />

aber auch anhand der Welt, in der sie<br />

spielen. Das machte ihre Romane zu einem<br />

tollen Material für meinen neuen Roman,<br />

in dem – unter vielem anderen – die Romane<br />

von Agatha Christie antirassistisch neu<br />

verfilmt werden sollen.<br />

Antichristie verbindet Kritik<br />

am British Empire und den<br />

Auswirkungen des Kolonialismus<br />

mit viel Begeisterung für britische<br />

Popkultur und Lebensart.<br />

Überdecken gerade in Österreich<br />

und Deutschland das Bild eines<br />

schrulligen und heimeligen Englands<br />

und eine Vorliebe für royalen Pomp<br />

die Realität der brutalen britischen<br />

Geschichte?<br />

Das ist ja ein Effekt von Geopolitik,<br />

dass wir die Popkultur aus bestimmten<br />

Ländern viel besser kennen als aus anderen.<br />

In Antichristie geht es – wieder: unter<br />

anderem – um die Spuren des Kolonialismus<br />

in Literatur und TV-Serien. Für mich<br />

schmälert das nicht den Genuss, wenn ich<br />

mich auch damit auseinandersetze.<br />

Ganz im Gegenteil. Indem ich die unsichtbaren<br />

Geschichten in den Geschichten, die<br />

wir jeden Tag konsumieren, sichtbar mache,<br />

schreibe ich sie mit um. Hier halte ich es mit<br />

Salman Rushdie: The Empire writes back!<br />

Indien wird mit gewaltfreiem<br />

Widerstand verbunden. In<br />

Antichristie schicken Sie ihre Heldin<br />

auf Zeitreise ins Jahr 1906 und<br />

erinnern daran, dass es auch einen<br />

gewaltbereiten Widerstand gab,<br />

und zwar mitten in London, als<br />

Revolutionäre in einem Londoner<br />

Boarding-House Bomben gebaut<br />

haben. Wieso erzählen Sie gerade<br />

diese historische Geschichte?<br />

Weil mich das erschüttert hatte, als ich das<br />

erste Mal davon erfuhr. Ich hatte immer gelernt,<br />

dass wir den richtigen Widerstand geleistet<br />

haben mit Gandhi und Gewaltlosigkeit.<br />

Und zu erfahren, dass es gleichzeitig<br />

bewaffneten Widerstand in Indien gab,<br />

stellte mein Weltbild auf den Kopf. Und ich<br />

begann mich zu fragen: Was ist überhaupt<br />

Widerstand? Und gibt es richtigen Widerstand<br />

in einer falschen Welt?<br />

Mithu Sanyal wurde 1971 in Düsseldorf geboren und<br />

ist Kulturwissenschaftlerin, Autorin, Journalistin<br />

und Kritikerin. 2009 erschien ihr Sachbuch Vulva.<br />

Das unsichtbare Geschlecht, 2016 Vergewaltigung.<br />

Aspekte eines Verbrechens. 2021 erschien bei Hanser<br />

ihr erster Roman Identitti, der auf der Shortlist des<br />

Deutschen Buchpreises war.<br />

Lesung:<br />

Mithu Sanyal liest aus<br />

Antichristie<br />

Moderation: Veronika Schuchter<br />

Do., 5. Dezember, 19:30 Uhr<br />

Wagner’sche Buchhandlung,<br />

Innsbruck<br />

Eintritt: € 9,00/€ 7,00 mit<br />

Wagner- oder Ö1-Card<br />

www.oeticket.com


© Privat<br />

Literarisches<br />

HausQuartett<br />

Gespräch, Musik und Büchertipps mit<br />

Andrea Wieser & Robert Renk. Ein Gespräch …<br />

Wagner’sche<br />

Innsbruck<br />

Schriftsteller*innen<br />

sind in der Königsdisziplin<br />

der Sprache<br />

zu Hause.<br />

Bücher seit 1639<br />

Liebe Andrea, du moderierst<br />

regelmäßig im Format tirol live<br />

der Tiroler Tageszeitung.<br />

Auch so manche Buchpräsentation<br />

hast du schon moderiert, ich erinnere<br />

mich an Michael Köhlmeier und<br />

Monika Helfer. Ist es für dich<br />

eine besondere Herausforderung,<br />

Schriftsteller*innen zu moderieren?<br />

Manchmal schon. Schriftsteller*innen<br />

sind in der Königsdisziplin der Sprache<br />

zu Hause. Deswegen ist bei diesen Moderationen<br />

immer die Herausforderung,<br />

diesem Anspruch auch gerecht zu werden.<br />

Das gelingt im Gespräch natürlich nicht,<br />

aber das ist schon okay. Der Austausch<br />

muss lebendig sein. Im Detail ist ein Gespräch<br />

mit Schriftsteller*innen selbstverständlich<br />

sehr unterschiedlich. Die Persönlichkeiten<br />

sind sie so vielfältig wie ihre<br />

Bücher.<br />

Was gehört für dich als Profi zu<br />

einem gelungenen Gespräch?<br />

Aufrichtig muss es sein. Wenn ich es<br />

schaffe, das Interesse meines Gegenübers<br />

zu wecken, und ein tatsächlicher Austausch<br />

entsteht, ist auch das Publikum dabei.<br />

Und ein wenig Humor hat wirklich noch<br />

nie geschadet.<br />

Welches war das interessanteste<br />

Gespräch für dich, das du je<br />

moderieren durftest?<br />

Da gab es zum Glück schon sehr viele.<br />

Dieses Jahr war es wohl Marlene Engelhorn,<br />

die Millionenerbin, die ihr Vermögen<br />

verteilte, die mich fasziniert hat. Sie hat<br />

sich sehr offen und aufrichtig allen Fragen<br />

gestellt und war bereit, auch die unbequemen<br />

zu beantworten. Am lustigsten<br />

war eigentlich ein Telefoninterview mit dem<br />

41<br />

Kabarettisten Viktor Gernot. Während des<br />

Gesprächs – er saß dabei in seinem Lieblingslokal,<br />

dem Café Engländer in Wien<br />

– kam nämlich zufällig sein Kollege und<br />

Bühnenpartner Michael Niavarani hinzu.<br />

Dieser avancierte schnell zum zweiten Gesprächspartner.<br />

Das war ein journalistisches<br />

Chaos der Sonderklasse, aber auch äußerst<br />

unterhaltsam.<br />

Welche Personen (lebendig und tot)<br />

würdest du gerne in ein Gespräch<br />

verwickeln, wenn du könntest, und<br />

warum?<br />

Maria Magdalena. Sie ist die Urfigur für<br />

die Verteufelung der weiblichen Lust. Das<br />

wäre doch ein interessantes Gespräch, in<br />

dem sie einiges über sich und ihre Partner<br />

geraderücken könnte.<br />

Hast du einen privaten Lesetipp<br />

für unsere Leser*innen?<br />

Die Jungfrau von Monika Helfer hat mich<br />

sehr begeistert. Ich konnte sie ja, wie du<br />

eingangs angesprochen hast, schon einmal<br />

gemeinsam mit ihrem Mann Michael Köhlmeier<br />

treffen. Ihre literarische Stimme hat<br />

mich in den letzten Jahren sehr beschäftigt.<br />

Das Buch Die Jungfrau ist, wie viele Helfer-<br />

Romane, von ausgesuchter Reduziertheit<br />

und sagt trotzdem, eben in wenigen Worten,<br />

so viel. Die Direktheit, mit der Helfer auf<br />

ihre eigenen Intentionen reflektiert, ist<br />

entwaffnend. Und zudem ist es ein Buch<br />

über Frauen in ihren späten Jahren. Sie sind<br />

bisher viel zu wenig sichtbar. Dazu müsste<br />

es mehr Bücher geben.<br />

Andrea Wieser (49) ist gebürtige Innsbruckerin.<br />

Sie arbeitete als Fernsehmoderatorin für ORF und<br />

ARD, bevor sie an der LMU München Journalistik<br />

studierte. Sie war als Redakteurin für <strong>Magazin</strong>e<br />

und Tageszeitungen in Österreich und Deutschland<br />

tätig. Seit 2011 ist sie Redakteurin bei der Tiroler<br />

Tageszeitung.<br />

Das Format „Literarisches Hausquartett“ wird<br />

seit zwei Jahren in der Wagner’schen umgesetzt.<br />

Zwei Moderator*innen, zwei Gäste, zwei Bücher,<br />

die besprochen werden. Und das Ganze mit Musik!<br />

Buchtipp:<br />

Monika Helfer:<br />

Die Jungfrau<br />

Hanser, 152 S., € 23,70<br />

Veranstaltungstipp:<br />

Literarisches Hausquartett<br />

U. a. mit Dominika Meindl<br />

Moderation: Andrea Wieser<br />

und Robert Renk<br />

Musik:<br />

Goidinger/Sprenger/Wolf<br />

Mo., 9. Dezember 2024,<br />

19:30 Uhr<br />

Wagner’sche Buchhandlung,<br />

Innsbruck<br />

Eintritt: frei!<br />

Um Anmeldung wird gebeten:<br />

literatur@wagnersche.at


Buchtipp:<br />

Mountain Day 2024<br />

Dominika Meindl bringt ihren Erfolgsroman Selbe Stadt<br />

anderer Planet mit zum Mountain Day. Martin Fritz hat sie<br />

vorab zu ihrer Berg- und Schreibleidenschaft befragt.<br />

Dominika Meindl:<br />

Selbe Stadt anderer Planet<br />

Picus, 208 S., € 23,00<br />

Lesung & Gespräch:<br />

Dominika Meindl befragt von<br />

Martin Fritz & Robert Renk<br />

zum Mountain Day 2024<br />

Di., 10. Dezember, 19:30 Uhr<br />

Wagner’sche Buchhandlung,<br />

Innsbruck<br />

Eintritt: frei!<br />

Beim Schreiben<br />

denke ich dauernd<br />

an die Berge.<br />

Hallstatt und seine Kopie außerhalb<br />

der Alpen stehen im Mittelpunkt<br />

deines Romans Selbe Stadt anderer<br />

Planet – wie bist du auf diesen<br />

Schauplatz gekommen?<br />

Das Salzkammergut spielt seit 20 Jahren<br />

eine wichtige Rolle bei meiner Freizeitgestaltung.<br />

Aber seit die Meldung über die<br />

Kopie durch wirklich viele Medien ging,<br />

möchte es auch beruflich mitmischen.<br />

Hallstatt war schon in etlichen Romanen<br />

Schauplatz, es ist einfach besonders.<br />

Wie es sich an den Berg krallt. Wie unzugänglich<br />

es war. Wie es einer Epoche ihren<br />

Namen gegeben hat. Es wundert mich,<br />

dass niemand anderes über die Raubkopie<br />

geschrieben hat. Mein Glück!<br />

Wie ich gehört habe, hast du<br />

inzwischen dort ja auch bereits aus<br />

dem Roman gelesen – wie wurde das<br />

im Salzkammergut aufgenommen?<br />

Nein, interessanterweise kommt der erste<br />

literarische Besuch erst – und da wird’s in<br />

der Wasnerin sein (ein Wellness-Hotel). Ich<br />

glaube nicht, dass dort die erboste Lokalbevölkerung<br />

auf die Bühne stürmt und mir<br />

den Kopf ins Thermalbecken tunkt. Im<br />

Ernst, ich hab’ sehr viel Respekt vor den<br />

Menschen, die wirklich hier leben. Die müssen<br />

seit 100 Jahren damit klarkommen, dass<br />

vor allem Wiener Literat*innen aus ihrem<br />

Wohnort literarisches Kapital schlagen.<br />

Aber wenn’s ihnen gefällt und man mir eine<br />

Ehrenbürgerinnenschaft anträgt, bin ich<br />

dabei!<br />

In Hinblick auf den Mountain Day<br />

ist mir aufgefallen: In Selbe Stadt<br />

anderer Planet wird alpinistisches<br />

Fachvokabular vorausgesetzt,<br />

da macht der Schnee etwa gleich<br />

zu Beginn ungebührliche Dinge<br />

wie stollen und harschen. Als in<br />

Innsbruck lebende Person musste<br />

ich natürlich nicht nachschauen,<br />

was das bedeutet. Aber ich kann mir<br />

denken, dass da vielleicht manche<br />

Leser*innen ohne entsprechendes<br />

Fachwissen darüber stolpern. Hast<br />

du da beim Schreiben oder mit dem<br />

Lektorat darüber nachgedacht?<br />

Oder weniger spezifisch gefragt: Wie<br />

wichtig war für dich, beim Schreiben<br />

nah an der Sprache der Figuren zu<br />

sein?<br />

Du bist ja auch der Dichter der Schneefräse!<br />

Es hat mir sehr gefallen, als die<br />

Agentin sagte, ihr sächsischer Kollege habe<br />

im ersten Kapitel lange nicht begriffen, was<br />

die Schwestern miteinander machen (sie<br />

gehen einfach eine Skitour). Sie fragte, ob<br />

sie das Buch deutschen Verlagen schmackhaft<br />

machen solle, dann müsse ich aber<br />

umschreiben. Das wollte ich nicht, aus<br />

Faulheit und aus Wirklichkeitssinn (was<br />

die Lust der Verlage auf mich betraf). Aber<br />

du hast recht, es ist mir wichtig, welche<br />

Begriffe die Figuren verwenden. Ich lasse<br />

sie kaum Dialekt sprechen, aber es soll<br />

stimmig sein. Außerdem sind Fachsprachen<br />

wunderbar.<br />

Wer dir auf Social Media folgt,<br />

weiß, dass du gelegentlich auch<br />

selbst in Gegenden mit so reizvollen<br />

Namen wie „Totes Gebirge“ oder<br />

„Steinernes Meer“ alpinistisch<br />

unterwegs bist. Gibt es für dich eine<br />

Verbindung zwischen dem Schreiben<br />

und dem Bergsteigen oder sind<br />

das für dich komplett getrennte<br />

Lebensbereiche?<br />

Das Bergwandern ist eine sehr große<br />

Leidenschaft, und es überrascht mich<br />

selbst, dass ich fast nur noch im Toten<br />

Gebirge unterwegs bin. Dabei hättet ihr<br />

in Tirol die gewaltigeren Felsen! Aber das<br />

ist meine Wildnis, darin kann ich verschwinden.<br />

Beim Wandern denke ich wenig<br />

an das Schreiben, da stolpere ich dahin, bis<br />

ich vor Müdigkeit ganz leer und zufrieden<br />

bin. Aber beim Schreiben denke ich dauernd<br />

an die Berge.<br />

Wagner’sche<br />

Innsbruck<br />

Das steht einander diametral gegenüber.<br />

Die Lesebühnentexte schreiben sich<br />

so schnell, manchmal in letzter Minute,<br />

dabei muss ich manchmal selbst lachen<br />

(peinlich). Vielleicht geht’s so leicht,<br />

weil die Texte dann ja die Bundespräsidentin<br />

im Frack [= Meindls Bühnen-<br />

Alter-Ego, Anmerkung M. F.] vorträgt,<br />

das bin ich nicht selbst. Das Romanschreiben<br />

ist mir viel ernster. Das bin ich selbst,<br />

und da bin ich natürlich schutzloser.<br />

Uns verbindet, dass wir beide<br />

in den jeweiligen Regionalgruppen<br />

der GAV Grazer Autorinnen<br />

Autorenversammlung tätig sind.<br />

Wie kamst du dazu – und was<br />

schätzt du an dieser Tätigkeit?<br />

So ein Amt erbt man von guten Leuten,<br />

in meinem Fall von Kurt Mitterndorfer.<br />

Ein wenig musste er mich überreden, es ist<br />

ja viel Arbeit – nicht immer bedankt oder<br />

bezahlt. Andererseits kann ich mit dem<br />

Landeshauptmann über Budgets streiten.<br />

Am wichtigsten ist mir der Kampf dagegen,<br />

dass man in Wien leben muss, um Autorin<br />

zu sein, und man wohlhabende Eltern<br />

haben muss. Schrecklich, wenn nur noch<br />

Ärztekinder wie ich es sich leisten könnten,<br />

es mit der Literatur zu versuchen.<br />

Dominika Meindl ist Moderatorin, Journalistin<br />

und Literaturveranstalterin, sie lebt und arbeitet<br />

in Wilhering, Wels und Linz. Zuletzt erschienen:<br />

Selbe Stadt, anderer Planet.<br />

© Zoe Goldstein<br />

42 43<br />

Wagner’sche.<br />

Bücher seit 1639<br />

Du bist nicht nur Roman-,<br />

sondern auch Lesebühnenautorin.<br />

Was sind die Unterschiede und<br />

Gemeinsamkeiten dieser beiden<br />

Facetten deines Œuvres?


© Alex Beer und Michael Hausenblas<br />

Tisch, Bett<br />

und Stift teilen<br />

Alex Beer und Michael Hausenblas<br />

plaudern aus dem gemeinsamen Nähkästchen.<br />

Gefragt von Kilian Feurstein und Dagmar Harbich.<br />

Leporello die<br />

Buchhandlung<br />

Wien<br />

Sie sehen, es gibt<br />

viel Gemeinsames,<br />

aber auch viele<br />

Unterschiede.<br />

Bücher seit 1639<br />

Kilian Feurstein & Dagmar Harbich:<br />

Wie kamen Sie auf die Idee zur<br />

Autorensprechstunde?<br />

Alex Beer & Michael Hausenblas:<br />

Wir haben uns die Frage gestellt,<br />

aus welchem Grund Menschen Lesungen<br />

besuchen. Den wenigsten geht es darum,<br />

sich von den Autor*innen etwas vorlesen<br />

zu lassen, denn Lesen können sie auch<br />

selbst. Persönlich finden wir bei solchen<br />

Veranstaltungen am interessantesten,<br />

die Autor*innen kennenzulernen, Fragen<br />

zu stellen, zu plaudern, gemeinsam das<br />

eine oder andere Glas Wein zu trinken und<br />

einen netten Abend zu verbringen.<br />

Genau das wollen wir anbieten. „Seitenblicke“<br />

der anderen Art, wenn man so will.<br />

Wir hatten bereits eine Art „Generalprobe“<br />

im Leporello und das Gefühl, den<br />

Menschen hat dieser Abend mehr Freude<br />

bereitet als eine klassische Lesung. Uns übrigens<br />

auch. Auf Wunsch lesen wir natürlich<br />

auch gern die eine oder andere Seite.<br />

Wie viel Raum nimmt Ihr Job in<br />

Ihrem gemeinsamen Alltag ein?<br />

Einen sehr großen. Gearbeitet wird auch<br />

abends und am Wochenende, mit kleinen<br />

feinen Unterbrechungen. Es fließt eigentlich<br />

alles ineinander. Man spricht viel über die<br />

Arbeit, woran man aktuell kiefelt, was alles<br />

zu tun ist, über Ideen etc. Und natürlich<br />

wird auch viel herumgesponnen. Der Spaß<br />

darf nicht zu kurz kommen.<br />

Worüber unterhalten Sie<br />

sich in Sachen Literatur?<br />

Über die Entwicklung der Branche,<br />

Kolleginnen und Kollegen, über neue<br />

Bücher, über alte Bücher, über Lesungen,<br />

Preise etc. Und natürlich über unsere<br />

eigenen Ideen. Man möchte vom anderen<br />

45<br />

gebauchpinselt werden. Das haut halt<br />

manchmal gar nicht hin.<br />

Redigieren Sie sich gegenseitig?<br />

Ja, in gewissen Stadien. Das Endlektorat<br />

obliegt freilich den Lektor*innen des<br />

Verlags. Aber wenn wir uns über die Texte<br />

des anderen hermachen, macht das große<br />

Freude. Meistens. Man kann es mit einem<br />

Ping-Pong-Spiel vergleichen. Hie und da<br />

verdreht einer von uns auch mal die Augen.<br />

Die schreibende Zunft ist keine uneitle.<br />

Aber die gegenseitige Kritik ist in der Regel<br />

sehr fruchtbar.<br />

Welche Bücher liegen<br />

auf Ihren Nachttischen?<br />

M. H.: Immer ein Hemingway, immer<br />

Augustin Sumser von Horst Wolfram<br />

Geißler und jede Menge andere. Ich bin<br />

buchkaufsüchtig und werde nie alles lesen<br />

können, was ich besorge. Natürlich ist<br />

dort auch alles von Alex Beer zu finden.<br />

A. B.: Momentan Die geheime Gesellschaft<br />

von Sarah Penner. Und natürlich<br />

der Roman von Michael Hausenblas.<br />

Woran arbeiten Sie gerade?<br />

A. B.: Blom Teil 3, Emmerich Teil 7 und<br />

in der Schublade liegen gefühlt 100 Ideen<br />

für andere Romane aus allen möglichen<br />

Genres. M. H.: In der Zeitung gibt’s<br />

jeden Tag was Neues, literarisch brüte ich<br />

über meinem zweiten Roman, einer Liebesgeschichte<br />

mit surrealem Einschlag.<br />

Schon einmal daran gedacht,<br />

gemeinsam ein Buch zu schreiben?<br />

A. B.: Ja, schon öfter. Der Reibungspunkt<br />

liegt darin, dass wir verschieden arbeiten.<br />

Ich bin sehr handlungsgetrieben und plotte<br />

alles im Vorhinein ganz genau durch.<br />

M. H.: Ich fokussiere mich lieber auf die<br />

Charaktere und die Atmosphäre und lege<br />

mich nicht gern von Anfang an fest. Ich<br />

lasse mich gern treiben und die Geschichte<br />

sich während des Schreibens entwickeln.<br />

A. B.: Sie sehen, es gibt viel Gemeinsames,<br />

aber auch viele Unterschiede. Aber eines<br />

Tages wird es bestimmt so weit sein.<br />

Last but not least: Wie haben<br />

Sie sich kennengelernt?<br />

Tatsächlich anlässlich eines Podcasts<br />

für den Standard – es war sozusagen ein<br />

Betriebsunfall. Ein glücklicher. Das war<br />

vor vier Jahren.<br />

Michael Hausenblas arbeitet seit 25 Jahren bei<br />

der Tageszeitung DER STANDARD, wo er eine<br />

Vielzahl von Reportagen, Interviews und Porträts<br />

veröffentlichte. 2024 erschien sein Roman-Debüt<br />

Der Uhrmacher und das Flüstern der Zeit.<br />

Daniela Larcher alias Alex Beer hat eigentlich<br />

Archäologie studiert, schreibt aber seit mehr<br />

als 15 Jahren hauptberuflich (Dreh-)Bücher.<br />

Vor kurzem erschien ihr sechster Emmerich-Fall<br />

mit dem Titel Die weiße Stunde.<br />

Buchtipp:<br />

Alex Beer:<br />

Die weiße Stunde<br />

Limes, 368 S., € 23,70<br />

Autorensprechstunde:<br />

Mit Alex Beer und<br />

Michael Hausenblas<br />

Do., 16. Jänner 2025, 18:30 Uhr<br />

Leporello – die Buchhandlung,<br />

Wien<br />

Eintritt: frei!


INNSTRASSE<br />

SCHÜTZEN-<br />

STRASSE<br />

I K O<br />

B A N K<br />

IKB<br />

FLUGHAFEN<br />

GUMPP -<br />

STRASSE<br />

PRADLER<br />

STRASSE<br />

AMTHOR-<br />

STRASSE<br />

B A N K<br />

ALPENZOO<br />

RIEDGASSE<br />

I S<br />

R<br />

Straßenmusiker Max hat seine Ukulele irgendwo vergessen.<br />

Neue Kalender aus dem<br />

Verlag der Wagner’schen!<br />

Das Innsbruck-DKT und<br />

neuer Wimmelspaß!<br />

© Stadtarchiv Innsbruck<br />

© Defner-Archiv<br />

© Privatarchiv Walder-Gottsbacher<br />

© Wien Museum-Gerlach&Wiedling<br />

Innsbruck:<br />

Lukas Morscher:<br />

Innsbruck, wie es früher war 2025<br />

14-tägiger Kalender<br />

Format: 24x32 cm<br />

Verlag der Wagner’schen<br />

Buchhandlung, € 19,95<br />

Tirol:<br />

Thomas Defner:<br />

Tirol, wie es früher war 2025<br />

14-tägiger Kalender<br />

Format: 24x32 cm<br />

Verlag der Wagner’schen<br />

Buchhandlung, € 19,95<br />

Salzburg:<br />

Peter Walder-Gottsbacher:<br />

Salzburg, wie es früher war 2025<br />

14-tägiger Kalender<br />

Format: 24x32 cm<br />

Verlag der Wagner’schen<br />

Buchhandlung, € 19,95<br />

Wien:<br />

Alexander Fried:<br />

Wien, wie es früher war 2025<br />

14-tägiger Kalender<br />

Format: 24x32 cm<br />

Verlag der Wagner’schen<br />

Buchhandlung, € 19,95<br />

Auch heuer stellt Lukas Morscher, Leiter<br />

des Innsbrucker Stadtarchivs, wieder<br />

sein Gespür für besondere Momente und<br />

Details unter Beweis und lässt uns auf einzigartige<br />

Innsbrucker Stadtszenen blicken,<br />

die berühren, amüsieren, verwundern und<br />

neugierig machen. Schauen Sie den Skisprungpionieren<br />

über die Schulter, staunen<br />

Sie über die Höttinger Musikkapelle in<br />

schwindelerregender Höhe oder statten Sie<br />

dem Hofgarten-Café in seinen Anfängen<br />

einen Besuch ab – das und noch viel mehr<br />

gibt es zu entdecken.<br />

Thomas Defner hat für unseren neuen Tirol-<br />

Kalender berührende und faszinierende Aufnahmen<br />

aus dem Bilderschatz des Defner-<br />

Archivs gehoben. Einzigartige Stimmungen<br />

und Eindrücke von Land und Leuten lassen<br />

die Vergangenheit spürbar werden und<br />

zeigen majestätische Berge, pittoreske Stadtansichten,<br />

die harten Seiten des bäuerlichen<br />

Alltags, aber auch Vergnügliches wie Skifahren<br />

oder Eislaufen. 27 liebevoll kuratierte<br />

Bilder entführen Sie auf eine Zeitreise zu<br />

besonderen Tiroler Orten.<br />

Reisen Sie mit dem Salzburg-Kalender in<br />

die bewegte Vergangenheit der Stadt. Peter<br />

Walder-Gottsbacher hat aus seinem reichen<br />

Bildarchiv einzigartige Schätze ausgewählt<br />

und lässt uns, begleitet von spannenden<br />

Texten, einen Blick auf längst vergangene<br />

Zeiten erhaschen. Wie war das Leben rund<br />

um die Jahrhundertwende? Die Details, die<br />

interessanten Alltagsszenen und die heute<br />

nicht mehr existierenden Gebäude und Orte<br />

sind es, die uns beim Betrachten in ihren<br />

Bann ziehen.<br />

Alexander Fried gibt in diesem 14-tägigen<br />

Kalender spannende Einblicke in das Leben<br />

der Menschen und die Entwicklung ihrer<br />

Stadt. Lassen Sie sich von großartigen historischen<br />

Bildern und begleitenden Texten<br />

in ein Wien um die Jahrhundertwende entführen<br />

– an bekannte Orte, aber auch kaum<br />

wiederzuerkennende Ecken – und erfahren<br />

Sie, was es mit dem „Ratzenstadl“ auf sich<br />

hatte oder warum ein „Elefantenhaus“<br />

mitten in der Stadt stand.<br />

Innsbruck ist die Stadt, wo die Berge hoch<br />

und die Immobilienpreise noch höher sind!<br />

Ein Haus in der Maria-Theresien-Straße,<br />

eine Villa im Saggen oder gleich ein Hotel<br />

in Hötting? Mit dem neuen Innsbruck-<br />

DKT können Sie Ihre kühnsten Träume<br />

wahr werden lassen. Grundstücke und<br />

Immobilien kaufen, verkaufen und damit<br />

handeln macht auf dem liebevoll illustrierten<br />

Spielbrett richtig Spaß. Zeigen Sie,<br />

dass Sie ein goldenes Händchen haben:<br />

Wer clever investiert und strategisch denkt,<br />

hat die Nase vorn und wird am Ende jubeln!<br />

Dank der lustigen Spielanweisungen<br />

und der leicht verständlichen Anleitung nach<br />

den Regeln des Original-DKT begeistert<br />

die farbenfrohe Innsbruck-Edition Groß<br />

und Klein.<br />

Das neue Innsbruck-DKT aus dem<br />

Verlag der Wagner’schen Buchhandlung<br />

ist ab Mitte November zum Preis von<br />

€ 39,95 erhältlich.<br />

Unser neues Innsbruck-Wimmelbuch<br />

lässt Kinderaugen strahlen. Auf 16 farbenfrohen<br />

Seiten können die kleinen Innsbruckerinnen<br />

und Innsbrucker in diesem<br />

Buch an ihre Lieblingsorte in der Stadt<br />

reisen und jede Menge erleben. Besuchen<br />

wir gemeinsam das quirlige Straßenfestival<br />

vor dem Goldenen Dachl oder<br />

den Bauernhof im Alpenzoo, tanzen<br />

und musizieren wir vor dem Haus der<br />

Musik, planschen wir an einem heißen<br />

Sommertag im Tivoli, tauchen wir in das<br />

bunte Treiben beim großen Flughafenfest<br />

ein, machen wir einen Spielplatzbesuch<br />

an der Innprome nade, drehen wir eine<br />

Runde am Karussell auf dem Marktplatz-<br />

Christkindlmarkt, sausen wir in Igls mit<br />

der Rodel den Hang hinunter oder<br />

suchen wir unser Lieblingsbuch in der<br />

Stadt bibliothek. In unserer Stadt gibt es<br />

so viel zu entdecken!<br />

Auf jeder Doppelseite gibt es außerdem<br />

eine spannende Suchfrage, die zum genauen<br />

Betrachten einlädt.<br />

Anna Wacholder ist gebürtige Innsbruckerin<br />

und freiberufliche Illustratorin. Sie träumt seit jeher<br />

davon, ein Kinderbuch selbst zu illustrieren und mit<br />

unserem „Wimmelspaß in Innsbruck“ ist ihr Traum<br />

nun in Erfüllung gegangen. Wenn sie nicht zeichnet,<br />

erlebt sie mit den eigenen Kindern Abenteuer<br />

– bei schlechtem Wetter auch im Kopf – und kein Tag<br />

geht ohne Buch zu Ende.<br />

150,–<br />

21<br />

SANKT-<br />

NIKOLAUS-<br />

GASSE<br />

WEIHER-<br />

BURGGASSE<br />

TIROLER<br />

LANDES-<br />

MUSEEN<br />

LEOPOLD-<br />

STRASSE<br />

FRANZ-<br />

FISCHER-<br />

STRASSE<br />

SCHNEE-<br />

BURGGASSE<br />

MAXIMILIAN-<br />

STRASSE<br />

IVB LINIE 6<br />

WALDBAHN<br />

TIROL<br />

KLINIKEN<br />

KUGEL-<br />

FANG-<br />

WEG<br />

11<br />

KLIMA-<br />

BONUS<br />

KLEINES<br />

VERGEHEN<br />

20<br />

19<br />

18<br />

17<br />

16<br />

15<br />

14<br />

13 12<br />

23 22<br />

ST. NIKOLAUS /<br />

MARIAHILF<br />

WILTEN<br />

OLYMPISCHES<br />

DORF<br />

0<br />

I S<br />

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?<br />

€<br />

24<br />

25<br />

€<br />

€<br />

ANICH-<br />

STRASSE<br />

26<br />

MARIA-<br />

THERESIEN-<br />

STRASSE<br />

27<br />

CLAUDIA-<br />

PLATZ<br />

MUSEUM-<br />

STRASSE<br />

ZENTRUM / ALTSTADT<br />

PRADL<br />

??<br />

Illustriert und gestaltet von Johanna und<br />

Stefan Rasberger, Innsbrucker Grafikbüro<br />

labsal.at<br />

28<br />

HERZOG-<br />

FRIEDRICH-<br />

STRASSE<br />

29<br />

GERHART-<br />

HAUPTMANN-<br />

STRASSE<br />

30<br />

33 32<br />

34<br />

35<br />

36<br />

37<br />

38<br />

39<br />

40<br />

ZIEGEL-<br />

STADL<br />

567891<br />

4<br />

3 2<br />

START<br />

?<br />

R<br />

I S<br />

I K O<br />

€<br />

AMRAS<br />

SAGGEN<br />

HÖTTING<br />

P<br />

Bezahle<br />

?<br />

←<br />

30,–<br />

31<br />

I K O<br />

STRAFZETTEL<br />

NORD-<br />

KETTEN-<br />

BAHN<br />

PHILIPPINE-<br />

WELSER-<br />

STRASSE<br />

MOZART-<br />

STRASSE<br />

GOETHE-<br />

STRASSE<br />

FRAU-HITT-<br />

STRASSE<br />

1<br />

EB20/21-0xxx P00XXXX<br />

Buchtipp:<br />

Kannst du ihm helfen, sie zu finden?<br />

Anna Wacholder:<br />

Wimmelspaß in Innsbruck<br />

Suchen, entdecken, freuen<br />

Verlag der Wagner’schen<br />

Buchhandlung,<br />

16 S., € 19,95<br />

Erscheint Mitte November 2024


Rätselspaß für<br />

neugierige Kids!<br />

Buchtipp:<br />

Sabrina Kostner:<br />

Mein bunter<br />

Innsbruck-Rätselspaß<br />

Illustriert von Anna Grill<br />

Verlag der Wagner’schen<br />

Buchhandlung,<br />

32 S., € 9,95<br />

Eine Entdeckungstour<br />

durch Mühlau!<br />

Buchtipp:<br />

Christian Kössler:<br />

Von Weltliteratur,<br />

Fabriken und<br />

gezähmter Wildnis<br />

Sechzehn Spaziergänge<br />

durch Mühlau<br />

Verlag der Wagner’schen<br />

Buchhandlung,<br />

ca. 176 S., € 14,95<br />

Erscheint Anfang<br />

Dezember 2024<br />

ErinnE rungE n an Innsbruck<br />

Christian Kössler<br />

Von Weltliteratur,<br />

Fabriken und<br />

gezähmter Wildnis<br />

Sechzehn Spaziergänge<br />

durch Mühlau<br />

Rätseln, malen, freuen! Dieses pfiffige<br />

Rätselheft lässt Kinder ab 7 Jahren auf<br />

kunterbunte Weise Innsbruck entdecken.<br />

Begleitet werden sie dabei von der lustigen<br />

Taube Tabea und dem flinken Eichhörnchen<br />

Emil. Viele verschiedene Aufgaben<br />

sorgen für jede Menge Spaß und vermitteln<br />

spielerisch Wissenswertes über die Tiroler<br />

Landeshauptstadt. Schattenrätsel, Bilderpuzzle,<br />

Suchaufgaben, Labyrinthe, Fehlerund<br />

Ausmalbilder und viele weitere beliebte<br />

Rätsel für Kids garantieren Spannung und<br />

Abwechslung. Über 30 spannende Rätselaufgaben<br />

mit großem Abschluss-Kreuzworträtsel,<br />

großartige Illustrationen, Fotos<br />

und historische Bilder sowie zahlreiche<br />

Fakten über die Geschichte und das Leben<br />

in Innsbruck machen dieses Rätselheft zur<br />

idealen Beschäftigung für unterwegs und zu<br />

Hause. Und wer sinnvoll schenken möchte,<br />

liegt damit auch garantiert richtig!<br />

Band 20 unserer beliebten Reihe Erinne rungen<br />

an Innsbruck: Begeben Sie sich mit dem<br />

Innsbrucker Autor Christian Kössler auf<br />

16 abwechs lungsreiche und unterhaltsame<br />

Spaziergänge durch seinen Heimatstadtteil.<br />

Gewürzt mit zahlreichen Fakten, Daten und<br />

Geschichten aus und über Mühlau, garniert<br />

mit Bildern aus Gegenwart und Vergangenheit<br />

– und mit einer Prise Augenzwinkern –<br />

bietet er einen spannen den Rundgang,<br />

der mit Sagenhaftem, Historischem und<br />

Kulturellem jede Menge Überraschungen<br />

bereithält. Haben Sie geahnt, dass dieser<br />

Ort einst Heimat einer mutigen Frau war,<br />

die sich im Tiroler Freiheitskampf anno<br />

1809 einen Namen gemacht hat? Hätten<br />

Sie eine mögliche Erklärung dafür, was sich<br />

hinter dem legen dären Tatzelwurm, dem<br />

„Maskottchen“ Mühlaus, verbergen könnte?<br />

Oder wussten Sie, dass Graf Dracula<br />

in den 1960er-Jahren dem hiesigen Kinopublikum<br />

Angst und Schrecken einjagte?<br />

Sie werden staunen, welche Geschichten<br />

Mühlau zu bieten hat!<br />

Bücher seit 1639<br />

Heranschreiben an die Grenzen<br />

der Worte – und der Klassen.<br />

Und sie übertreten.<br />

Maë Schwinghammer erzählt von der Suche nach<br />

Verständnis, von Wurzeln in Österreich und Serbien,<br />

vom Aufwachsen in der Arbeiter*innenklasse,<br />

von der Fluidität der Geschlechter, vom Ankommen.<br />

An einer Stelle in deinem Debüt roman<br />

Alles dazwischen, darüber hinaus heißt es:<br />

„In der Volksschule erzähle ich mit Stolz<br />

und fast ohne Atem von der Arbeit meiner<br />

Eltern, bin ich doch fest davon überzeugt,<br />

dass Supermärkte die Herzschlagader einer<br />

jeden Stadt seien, ähnlich überlebenswichtig<br />

und stark frequentiert wie sonst nur die<br />

Toilette daheim. Wenn ich meinen Eltern<br />

sage, ich würde später gern einmal wie sie<br />

im Supermarkt arbeiten, zählen sie mir<br />

mindestens fünf andere Berufe auf, die noch<br />

erstrebenswerter sein sollen. Dabei träume<br />

ich oft davon, wie es wäre, würden Tina<br />

und ich in derselben blau-orangenen Uniform<br />

wie unsere Eltern arbeiten. Wir wären<br />

dann ein Familien unternehmen, sage ich mir,<br />

auch wenn unsere Eltern getrennt sind.“<br />

Welche Rolle spielen Solidarität und<br />

Gemeinschaft in deiner Darstellung<br />

der Arbeiter*innenklasse?<br />

Maë Schwinghammer: Eine große Rolle,<br />

wobei Solidarität und Gemeinschaft erst<br />

am Ende schlagend werden, denn zunächst<br />

erzählt der Roman, wie andere „Klassenaufstiegs“-Narrative<br />

von einem Prozess der<br />

Distanzierung. Die Ich-Figur grenzt sich von<br />

den eigenen Eltern, dem eigenen Milieu ab,<br />

erlebt als erste Person in der Familie einen<br />

Bildungsaufstieg und lässt dies die eigene<br />

Familie immerzu spüren. Erst nach und<br />

nach wird diese starke Abgrenzung hinterfragt<br />

und es findet wieder eine Annäherung<br />

an die eigene Klassenherkunft statt.<br />

49<br />

Anstatt gesellschaftlich bestehende Grenzen<br />

weiter zu zementieren, wird versucht, die<br />

ohnehin verschwimmenden Klassenbegriffe<br />

in einer Gleichzeitigkeit zu denken.<br />

Wie hat deine eigene Erfahrung<br />

mit Klassenzugehörigkeit deine<br />

Erzählweise beeinflusst?<br />

Massiv! Als Autist*in und Arbeiter*innenkind<br />

war ich meine ganze Kindheit und<br />

Jugend über beschäftigt, das Verhalten und<br />

den Habitus meiner Klassenkolleg*innen<br />

zu analysieren und zu verstehen. Warum<br />

werden manche Kinder anders behandelt?<br />

Welche Codes (Kleidung, Marken, Subkulturen)<br />

sorgen für Zugehörigkeit und<br />

welche machen dich zur Außeneiter*in?<br />

Warum höre ich irgendwann damit auf,<br />

davon zu erzählen, dass meine Eltern im<br />

Supermarkt arbeiten? Wann habe ich<br />

damit begonnen, mich selbst aus dieser<br />

Arbeiter*innenfamilie herauszunehmen,<br />

mich aus ihr herauszuschreiben, war das<br />

ein bewusster oder unbewusster Akt?<br />

Der Roman ist am Ende auch ein Versuch,<br />

eine Brücke hin zu Verständnis zu schlagen,<br />

er bedient sich keiner hochgestochenen<br />

Sprache, das Ziel war es, jeder Person<br />

aus meiner Familie meinen Roman ohne<br />

Bedenken schenken zu können.<br />

© Michele Yves Pauty<br />

Buchtipp:<br />

Maë Schwinghammer:<br />

Alles dazwischen, darüber hinaus<br />

Haymon, 232 S., € 23,90


Jung,<br />

aber<br />

oho!<br />

Bücher<br />

für<br />

Kinder<br />

und<br />

Jugend:<br />

Plopp! Plopp! Plopp! Wenn<br />

Ribisel nervös ist, zaubert er<br />

Frösche, ob er will oder nicht.<br />

Eigentlich soll er in Splitterstern<br />

zu einem großen Zauberer<br />

ausgebildet werden, aber das<br />

klappt nicht so ganz. Daher<br />

wartet er jetzt bei Direktor<br />

Pentasius und muss zusammen<br />

mit Barbarin Erika, Wächter<br />

Garek und Schurkin Fenja<br />

nachsitzen. Doch ein weiteres<br />

Plopp verändert alles: Ribisel<br />

verwandelt den Direktor aus<br />

Versehen in eine Kröte. Ups …<br />

Eine Geschichte über Freundschaft<br />

und Mut.<br />

Falk Holzapfel:<br />

Akademie Splitterstern<br />

Carlsen, 224 S., € 15,40<br />

Eigentlich hat Ava gelernt, ihre<br />

Wut zu kontrollieren. Doch ein<br />

einziger Ausbruch ändert alles:<br />

Ihr Mitschüler verwandelt sich<br />

in Stein! Avas Mutter reagiert<br />

sofort und schickt sie nach<br />

Venedig auf die Accademia del<br />

Forte, ein Internat für Kinder<br />

mit besonderen Fähigkeiten.<br />

Der plötzliche Schulwechsel<br />

tut Ava gut. Hier ist sie keine<br />

Außenseiterin mehr – und das<br />

Beste: Es gibt Doppelstunden<br />

in griechischer und römischer<br />

Mythologie! Spannende<br />

Kombination aus griechischer<br />

Mythologie und moderner<br />

Internatsgeschichte.<br />

Katherine Marsh:<br />

Mythen der Monster – Medusa<br />

Carlsen, 320 S., € 16,50<br />

Atemberaubendes Jugendbuch<br />

mit historischem Setting<br />

in Venedig. Einmal das Meer<br />

sehen! Niemals hätte Pietro zu<br />

hoffen gewagt, dass sein Traum<br />

in Erfüllung geht. Doch der<br />

Krieg gegen die Hunnen hat<br />

alles auf den Kopf gestellt.<br />

Gerade noch ein einfacher<br />

Schweinehirte zieht Pietro jetzt<br />

als Soldat durch das Land. An<br />

seiner Seite: Justina, Tochter<br />

aus reichem Haus, die sich als<br />

Junge verkleidet hat, um den<br />

Soldaten zu folgen. Niemand<br />

darf wissen, wer sie wirklich ist.<br />

Davide Morosinotto:<br />

Sohn des Meeres<br />

Thienemann, 338 S., € 19,50<br />

Fable ist eine Kämpferin. Seit<br />

sie als Kind von ihrem Vater<br />

ausgesetzt wurde, schlägt sie<br />

sich als Schürferin von wertvollen<br />

Steinen durch. Als sie<br />

eines Tages auf dem Handelsschiff<br />

von West anheuert, sieht<br />

sie eine Möglichkeit, ihren Vater<br />

zu finden und ihren rechtmäßigen<br />

Platz als seine Erbin<br />

einzunehmen. Doch das Meer<br />

und die, die es befahren, sind<br />

gefährlich. Und auch West ist<br />

nicht der, der er zu sein scheint.<br />

Fable muss um das kämpfen,<br />

was ihr gehört und was ihr Herz<br />

gern möchte …<br />

Adrienne Young:<br />

Fable – der Gesang des Wassers<br />

ArsEdition, 352 S., € 19,50<br />

Begleite die Wissenschaftlerinnen<br />

Sarah Darwin<br />

und Eva-Maria Sadowski auf<br />

ihrer Erkundung des Lebens<br />

auf der Erde und wie es entstanden<br />

ist. Was ist Evolution?<br />

Wie funktioniert sie? Und<br />

warum ist sie so erstaunlich?<br />

Lerne alles über natürliche<br />

Selektion, eine Theorie, die zuerst<br />

von Sarahs Ururgroßvater<br />

Charles Darwin und seinem<br />

Kollegen Alfred Russel Wallace<br />

vorgestellt wurde. Finde heraus,<br />

wie sich aus Bakterien Bienen,<br />

Orchideen, Tauben, Hunde und<br />

moderne Menschen entwickelt<br />

haben.<br />

Sarah Darwin & Eva Maria Sadowski:<br />

Evolution – von der Entstehung<br />

des Lebens bis heute<br />

Arena, 64 S., € 19,50<br />

Als Emily hinter der Bibliothek,<br />

in der ihre Oma arbeitet,<br />

eine zweite geheime Bibliothek<br />

entdeckt, ahnt sie noch nicht,<br />

in was für ein Abenteuer sie<br />

geraten ist. In dieser Bibliothek<br />

steht nämlich jedes Buch,<br />

das je auf der Welt geschrieben<br />

worden ist. Und dort steht<br />

auch eine magische goldene<br />

Schreibmaschine. Emily erfährt:<br />

Wenn man auf dieser Schreibmaschine<br />

Dinge schreibt und<br />

sie in die Bücher in der Bibliothek<br />

einklebt, ändert sich<br />

deren Handlung. Das magische<br />

Kinderbuch-Debüt von<br />

Carsten Henn.<br />

Carsten Henn:<br />

Die Goldene Schreibmaschine<br />

Oetinger, 256 S., € 17,50<br />

50<br />

Wagner’sche.<br />

Guinness World Records 2025<br />

fasziniert mit den besten neuen<br />

Rekorden und den beliebtesten<br />

Rekord-Klassikern. Tolle Leistungen,<br />

geniales Können und<br />

Spaßrekorde – den Ideen und<br />

Themen in dieser Jubiläumsausgabe<br />

von Guinness World<br />

Records sind keine Grenzen<br />

gesetzt. Verrückte Einfälle, unglaubliche<br />

Fakten und spektakuläre<br />

Fotos bringen Kinder<br />

und Erwachsene zum Staunen,<br />

Schaudern, Gruseln und Lachen.<br />

Egal ob zu Weihnachten,<br />

zum Geburtstag oder zu Ostern<br />

– das Geschenk mit garantiertem<br />

Wow-Effekt!<br />

Guinness World Records 2025<br />

Ravensburger, 256 S., € 23,70<br />

Der Halbvampir Simeon<br />

kennt bislang nur die Welt<br />

der Tagaktiven, der Menschen<br />

– und dort hatte er es<br />

mit seiner Sonnenallergie nicht<br />

leicht. Endlich besucht er die<br />

berühmte Schule der Mitternachtswelt,<br />

in der alle magischen<br />

Wesen gemeinsam unterrichtet<br />

werden. Doch schon am<br />

ersten Schultag erwartet Simeon<br />

ein echter Schock: Ausgerechnet<br />

in seine Klasse geht Eir, die einzige<br />

Werwölfin der Schule. Er<br />

ist misstrauisch, denn Vampire<br />

und Werwölfe sind schon seit<br />

Jahrhunderten verfeindet.<br />

Maelle Desard:<br />

Die Schule der Mitternachtswelt<br />

Insel, 320 S., € 19,50<br />

Das bildgewaltige Lexikon für<br />

Kinder ab 8 Jahren zeigt die<br />

unglaubliche Vielfalt unserer<br />

Erde mit all ihren Prozessen,<br />

Kreisläufen und Phänomenen.<br />

Wasserspeiende Geysire, glühende<br />

Lavaströme und tosende<br />

Tornados: Atemberaubende<br />

Merkmale und Vorgänge<br />

werden in Großaufnahmen eindrucksvoll<br />

dargestellt. Schrittfür-Schritt-Fotografien<br />

und<br />

Illustrationen zeigen die mächtigen<br />

Kräfte, die auf unserem<br />

Planeten wirken und ihn stetig<br />

formen und verändern. Ob<br />

Geografie, Geologie, Meteorologie<br />

oder Mineralogie.<br />

Mega-Wissen-Erde<br />

Dorling Kindersley, 256 S., € 28,80<br />

Wie schnell muss eine Rakete<br />

fliegen, um ins All zu gelangen?<br />

Was ist das „fliegende Bettgestell“<br />

und hat Neil Armstrong<br />

eigentlich auf dem Mond<br />

geschlafen? In diesem unterhaltsam<br />

geschriebenen Sachbuch<br />

folgen wir Raumfahrerinnen<br />

und Raumfahrern auf ihren<br />

wagemutigen Reisen. Wir erfahren,<br />

wie das Leben auf der<br />

Raumstation ISS abläuft, und<br />

staunen, in welche Tiefen des<br />

Alls Raumsonden vordringen<br />

– immer auf der Suche nach<br />

außerirdischem Leben.<br />

Jan Van der Veken:<br />

Das Raumfahrtbuch<br />

Gerstenberg Verlag, 104 S., € 26,70<br />

Wer pflückt denn da Orangen?<br />

Und wie viele Eier liegen im<br />

Vogelnest? In diesem lustigen<br />

Spiel können die Kleinsten mit<br />

dem stabilen Magnetstift Kugeln<br />

durch das Labyrinth rollen.<br />

Die Drehscheibe in der Mitte<br />

sorgt für zusätzlichen Spaß. Mit<br />

zunehmendem Alter lernen sie,<br />

die Kugeln farblich richtig zu<br />

sortieren. Ein lang anhaltender<br />

Spielspaß, der spielerisch erste<br />

Farben und Zahlen vermittelt<br />

und die Feinmotorik fördert!<br />

Play + :<br />

Magnetisches Holz Labyrinth –<br />

Dschungel<br />

Ravensburger, € 20,99<br />

Nach dem Tod seines besten<br />

Freundes zieht Eric Ly sich<br />

zurück in eine Traumwelt.<br />

Bis plötzlich Haru Tanaka<br />

wieder in sein Leben tritt, ein<br />

Junge, den er letzten Sommer<br />

in Japan kennengelernt hat.<br />

Zum ersten Mal seit langem<br />

hat Eric jemanden, der für ihn<br />

da ist. Die beiden verbringen<br />

immer mehr Zeit miteinander.<br />

Nur kann niemand sonst Haru<br />

sehen. Die Grenzen zwischen<br />

Realität und Traum verwischen<br />

für Eric, und er merkt, wie er<br />

die Kontrolle verliert. Soll er<br />

sich mit der Wirklichkeit auseinandersetzen?<br />

Dustin Thao:<br />

Ich warte auf dich, Haru<br />

cbj, 352 S., € 19,50


ALLER<br />

HEILIGEN<br />

ANFANG<br />

7 x Lesetipps für den<br />

1. November von Friedhofsexperte<br />

Fritz Ostermayer*<br />

SCHWARZ<br />

IST<br />

SCHÖN<br />

7 x Romane Schwarzer<br />

Autorinnen, ausgewählt<br />

von Sharon D. Otoo*<br />

BERGE<br />

LESEN<br />

EWIG<br />

7 x Romane<br />

zum Mountain Day*<br />

3×7<br />

Best<br />

aber<br />

Seller:<br />

1<br />

2<br />

Friedhof<br />

3<br />

Namenlos,<br />

Friedhof der bitteren Orangen<br />

Josef Winkler<br />

Suhrkamp, € 18,50<br />

der Kuscheltiere<br />

Stephen King<br />

Heyne TB, € 12,40<br />

Handbuch für den<br />

Friedhof der Namenlosen in Wien<br />

Heribert Renkin<br />

1<br />

2<br />

Glück<br />

3<br />

Der<br />

Adikou<br />

Raphaëlle Red<br />

Rowohlt, € 25,70<br />

Jackie Thomae<br />

Claassen, € 25,70<br />

längste Schlaf<br />

Melanie Raabe<br />

btb, € 25,70<br />

1<br />

2<br />

Selbe<br />

3<br />

Der<br />

Die Besteigung des Rum Doodle<br />

William E. Bowman<br />

Goldmann, € 12,40<br />

Stadt, anderer Planet<br />

Dominika Meindl<br />

Picus, € 23,00<br />

betrunkene Berg<br />

Heinrich Steinfest<br />

Piper, € 13,40<br />

* Fritz Ostermayer, nebst vielem anderen<br />

Spezialist für Allerheiligen & Trauermärsche!<br />

* Sharon D. Otoo, nebst vielem anderen<br />

Spezialistin für Schwarze Literatur.<br />

* Der Mountain Day wird weltweit seit 2002<br />

mit Veranstaltungen am 11. Dezember gefeiert<br />

(siehe Seite 43).<br />

52<br />

Wagner’sche.<br />

4<br />

Verwunschene<br />

5<br />

heute<br />

6<br />

Lincoln<br />

7<br />

En<br />

Vienna Academic Press, € 19,90<br />

Friedhöfe<br />

Sven Fennema<br />

Frederking & Thaler, € 51,40<br />

graben<br />

Mario Schlembach<br />

Kremayr & Scheriau, € 21,00<br />

im Bardo<br />

George Saunders<br />

btb, € 16,50<br />

Recuerdo de:<br />

The Dying Art of Mexican<br />

Cemeteries in the Southwest<br />

Bruce F. Jordan<br />

4<br />

White<br />

5<br />

Issa<br />

6<br />

Weiße<br />

7<br />

Am<br />

Lives Matter<br />

Jasmina Kuhnke<br />

WeCreate Books, € 24,00<br />

Mirrianne Mahn<br />

Rowohlt, € 24,70<br />

Wolken<br />

Yandé Seck<br />

KiWi, € 24,70<br />

Flussufer ein Feuer<br />

Ayana Mathis<br />

übersetzt von Susanne Höbel, dtv, € 26,70<br />

4<br />

Der<br />

5<br />

Verschwinden<br />

6<br />

Bergisch<br />

7<br />

Der<br />

tanzende Berg<br />

Elisabeth R. Hager<br />

Klett Cotta, € 23,70<br />

in Lawinen<br />

Robert Prosser<br />

Jung und Jung, € 22,00<br />

teils farblos<br />

Zsuzsanna Gahse<br />

Ed. Korrespondenzen, € 22,00<br />

letzte Schnee<br />

Arno Camenisch<br />

Engeler, € 20,60<br />

Bison Books, € 31,90


Mit<br />

sachlichen<br />

Empfehlungen:<br />

Lisa Marie Presley bat ihre<br />

Tochter Riley einen Monat vor<br />

ihrem überraschenden Tod,<br />

ihr bei der Fertigstellung ihrer<br />

Memoiren zu helfen, konnte<br />

sie allerdings nicht mehr beenden.<br />

Doch Riley erhielt die<br />

Tonbandaufnahmen, die ihre<br />

Mutter während der Arbeit an<br />

ihrem Buch aufgenommen<br />

hatte. Sie lauschte Lisa Maries<br />

Stimme, die eine Geschichte<br />

nach der anderen erzählte.<br />

Dieses außergewöhnliche Buch<br />

vereint die Stimmen von Lisa<br />

Marie und Riley in einem Gespräch<br />

zwischen Mutter und<br />

Tochter, das den Tod und den<br />

Schmerz überwindet.<br />

Lisa Marie Presley & Riley Keough:<br />

From Here to the Great Unknown –<br />

Von hier ins Ungewisse<br />

Penguin, 240 S., € 29,80<br />

Anerkennung, Freiheit, Karriere:<br />

Dafür kämpfte Clara Schumann<br />

ihr Leben lang – und<br />

stand vor den gleichen Herausforderungen<br />

wie Frauen im<br />

21. Jahrhundert. Gestützt auf<br />

bisher unbeachtete Quellen,<br />

erzählt Christine Eichel das<br />

Leben der gefeierten Pianistin<br />

und Komponistin und räumt<br />

dabei mit Klischees auf.<br />

Clara Schumann war keine<br />

sanfte Muse im Schatten ihres<br />

Mannes. Furchtlos setzte sie<br />

sich über männliche Besitzansprüche<br />

hinweg, löste sich<br />

aus der toxischen Beziehung zu<br />

ihrem Ehemann und stieg zum<br />

Star auf.<br />

Christine Eichel:<br />

Clara<br />

Siedler, 432 S., € 26,70<br />

Das neue Buch des Bestsellerautors:<br />

In den letzten<br />

100.000 Jahren hat die Menschheit<br />

enorme Macht erlangt.<br />

Doch trotz all unserer Entdeckungen,<br />

Erfindungen und<br />

Eroberungen befinden wir uns<br />

heute in einer existenziellen<br />

Krise. Die Welt steht am Rande<br />

des ökologischen Zusammenbruchs.<br />

Zuhauf werden<br />

Falschinformationen verbreitet.<br />

Und wir stürzen uns kopfüber<br />

in das Zeitalter der künstlichen<br />

Intelligenz – ein neues<br />

Informationsnetzwerk, das uns<br />

auszulöschen droht. Wenn wir<br />

so klug sind, warum sind wir<br />

dann so selbstzerstörerisch?<br />

Yuval Noah Harari:<br />

Nexus<br />

Penguin, 656 S., € 29,80<br />

Große Momente und Krisen<br />

haben den Verlauf unserer<br />

Lan desgeschichte ebenso geprägt<br />

wie neue Ideen, gesellschaftlicher<br />

Wandel, Glaube<br />

und Wissenschaft. Österreich –<br />

die ganze Geschichte, die<br />

Buch reihe zur ORF-Erfolgsserie,<br />

nimmt dabei nicht nur die<br />

Mächtigen in den Blick, sondern<br />

erzählt auf Augenhöhe mit den<br />

Menschen von damals. Jedes<br />

der zehn Kapitel greift einen<br />

Schicksalsmoment heraus, rückt<br />

bislang kaum bekannte Personen<br />

in den Mittelpunkt und<br />

erhellt leicht verständlich große<br />

historische Zusammenhänge.<br />

Mariella Gittler, Andreas Pfeifer,<br />

Peter Schöber:<br />

Österreich – Die große Geschichte (Bd. 1)<br />

Molden, 208 S., € 36,00<br />

Was würden uns Bäume<br />

erzählen, wenn sie sprechen<br />

könnten? Fast zehn Jahre nach<br />

Erscheinen von Das geheime<br />

Leben der Bäume wurde so viel<br />

neues Wissen erschlossen, dass<br />

es an der Zeit ist, die Bäume<br />

selbst zu Wort kommen zu<br />

lassen. Deutschlands berühmtester<br />

Förster leiht ihnen seine<br />

Stimme: Erstmals lässt er eine<br />

250 Jahre alte Buche berichten,<br />

was ihr im Laufe der Jahre<br />

widerfährt, welche Gefahren<br />

ihr im Laufe ihres Daseins begegnen,<br />

wie sich „Familie“ für<br />

sie anfühlt und wie das Leben<br />

und Überleben im Wald genau<br />

funktionieren.<br />

Peter Wohlleben:<br />

Buchenleben<br />

Ludwig, 352 S., € 24,70<br />

Franz Fischler zeigt in seinen<br />

politischen Memoiren die<br />

Anzeichen von Konflikten auf,<br />

bevor sie offensichtlich werden.<br />

Das immer lauter werdende<br />

Gegeneinander der Extreme<br />

auf Kosten der gemäßigten<br />

Positionen ist eine Entwicklung,<br />

die uns alle beunruhigen sollte.<br />

Er berichtet darüber, welche<br />

Maßnahmen notwendig sind,<br />

damit sich die europäische<br />

Politik auf das Wesentliche<br />

konzentrieren kann. Es ist ein<br />

Rückblick mit vielen Erkenntnissen,<br />

was wir aus der Vergangenheit<br />

lernen können und<br />

was wir hätten besser machen<br />

können.<br />

Franz Fischler:<br />

Die Kraft der Mitte<br />

Ecowing, 192 S., € 26,00<br />

54<br />

Wagner’sche.<br />

Hans Kammerlander brauchte<br />

drei Anläufe, bis er 2001 auf<br />

dem Gipfel stand. So wie ihm<br />

erging es vielen Extrembergsteiger*innen,<br />

die ihre Kräfte<br />

mit dem zweithöchsten Berg<br />

der Welt messen wollten. Trotz<br />

modernster Ausrüstung und<br />

monatelanger Vorbereitung:<br />

Wer am K2 einen Fehler macht,<br />

bezahlt diesen nicht selten<br />

mit dem Leben. Viele dieser<br />

Triumphe und Tragödien stellt<br />

das Autorenteam in diesem<br />

Buch vor. Dieser Berg übt<br />

auch 150 Jahre nach seiner<br />

Entdeckung eine unglaubliche<br />

Faszination aus.<br />

Franz Kammerlander, Walther Lücker:<br />

K2 – der härteste Berg der Welt<br />

Benevento, 274 S., € 29,00<br />

Ob bei Kindern, bei Erwachsenen<br />

oder im höheren Alter,<br />

ob Welpen oder alte Hunde:<br />

Anhand vieler konkreter<br />

Beispiele und wissenschaftlich<br />

fundiert zeigt Kurt Kotrschal,<br />

warum unsere Partner viel<br />

mehr für unsere Psyche, unsere<br />

Gesundheit und unser Wohlbefinden<br />

leisten, als nur den<br />

Alltag zu beleben. Dieses Buch<br />

ist der Schlüssel zum Verständnis<br />

der geheimnisvollen, tiefsten<br />

und faszinierendsten aller<br />

Tier-Mensch-Verbindungen:<br />

das neue Standardwerk,<br />

um Hunde besser zu verstehen –<br />

und auch uns Menschen.<br />

Kurt Kotrschal:<br />

Warum Hunde uns zu besseren<br />

Menschen machen<br />

Brandstätter, 192 S., € 26,00<br />

Gedanken sind machtvoll.<br />

Doch nicht immer helfen sie<br />

uns, das Leben zu führen,<br />

das wir wollen. Wenn Sorgen,<br />

Grübelei und Selbstzweifel<br />

überhandnehmen, ist es an der<br />

Zeit, die Kontrolle zurückzugewinnen<br />

und wieder mehr<br />

Leichtigkeit ins Leben zu lassen.<br />

Bestsellerautorin Katharina<br />

Tempel erklärt wunderbar<br />

anschaulich, wie unser Verstand<br />

funktioniert und warum<br />

wir nicht immer auf ihn hören<br />

sollten. Ein unverzichtbarer<br />

Ratgeber für alle, die sich nach<br />

mehr Lebensfreude und innerem<br />

Frieden sehnen.<br />

Katharina Tempel:<br />

Genug gegrübelt, lieber Kopf!<br />

Gräfe & Unzer, 192 S., € 21,90<br />

In einer Minute einschlafen?<br />

Wie macht Kaffee effektiver<br />

wach? Schokolade als Stresskiller?<br />

Die Fakten zu alldem<br />

und noch vielem mehr gibt’s bei<br />

Alina Walbrun, besser bekannt<br />

als Doc Alina. Denn Alina hat<br />

eine Vision: Wer medizinisch<br />

durchblickt und kleine Hacks in<br />

den Alltag integriert, bleibt auf<br />

Dauer gesund. Ob die richtige<br />

Reihenfolge bei der Beauty-<br />

Routine, Anti-Aging für Seitenschläfer<br />

oder wie man Apfelessig<br />

in den Tag einbaut: Smart,<br />

verständlich und praktisch verrät<br />

sie ihre Top-Medizin-Hacks<br />

und Geheimrezepte.<br />

Alina Walbrun:<br />

#Health Upgrade<br />

Gräfe & Unzer, 320 S., € 23,90<br />

Essen kann glücklich machen –<br />

vor allem, wenn es schmeckt!<br />

Doch nicht alles, was gut<br />

schmeckt, wirkt sich langfristig<br />

positiv auf unsere Stimmung<br />

aus. In seinem neuen Buch<br />

zeigt der erfolgreiche YouTuber<br />

Ken Müller, wie Essen unsere<br />

Psyche auch über den Geschmack<br />

hinaus positiv beeinflussen<br />

kann. Mit leckeren<br />

„Plant-Based“-Rezepten kocht<br />

Ken nicht nur die Geschmacksknospen<br />

glücklich, sondern<br />

sorgt nachhaltig für gute Laune.<br />

Ken Müller:<br />

Plant-Based Soulfood<br />

Gräfe & Unzer, 192 S., € 27,90<br />

Bis heute gilt Afrika als der<br />

„vergessene Kontinent“,<br />

dabei ist es spätestens seit dem<br />

19. Jahrhundert vor allem der<br />

umkämpfte Kontinent.<br />

Navid Kermani ist vom Süden<br />

Madagaskars bis in die Nuba-<br />

Berge im Sudan gereist.<br />

Behut sam, am einfühlsam beobachteten<br />

Detail, lässt er den<br />

Osten Afrikas lebendig werden.<br />

Aber zugleich, aus neuer Perspektive,<br />

denkt Kermani über die<br />

Themen auch unserer Gegenwart<br />

nach, über Klimawandel,<br />

Krieg, Entwicklung und Identität<br />

sowie die grundsätzlichen<br />

Fragen der Existenz.<br />

Navid Kermani:<br />

In die andere Richtung jetzt<br />

C.H. Beck, 272 S., € 27,80


Erinnern – Benennen –<br />

Vermitteln.<br />

Ein Abend für Horst Schreiber<br />

London 1533: Anne geht auf<br />

die 30 zu und hat es ganz<br />

nach oben geschafft: Sie ist<br />

die Königin von England.<br />

Ihre Geschichte ist der Stoff für<br />

Hollywoodfilme und historische<br />

Romane. Das echte Leben der<br />

Anne Boleyn war kein Märchen,<br />

denn die unperfekte Heldin<br />

war zu klug, zu emanzipiert,<br />

zu wortgewandt, zu weltläufig.<br />

Der schockverliebte Traumprinz,<br />

König Heinrich VIII.,<br />

entpuppte sich als narzisstischer<br />

Machtmensch – und statt<br />

Happy End findet diese Ehe ihr<br />

Ende in der Hinrichtung Annes.<br />

John Guy, Julia Fox:<br />

Jagd auf den Falken<br />

C.H. Beck, 306 S., € 36,00<br />

Tirol, 1975. Der Extrembergsteiger<br />

Karl Platz, wie<br />

immer in Geldnöten, begegnet<br />

seinem ehemaligen Schulkollegen<br />

Angelus Korff wieder,<br />

mit dem ihn einige traumatische<br />

Jugenderlebnisse verbinden und<br />

der mittlerweile zu den reichsten<br />

Unternehmern des Landes<br />

gehört. Die beiden treffen eine<br />

fragwürdige Vereinbarung.<br />

Widerwillig nimmt Karl den<br />

zwielichtigen Bekannten mit<br />

zu einer Expedition in den<br />

Himalaya. Eine Expedition,<br />

die alte Wunden aufreißt und<br />

beiden zum Schicksal wird.<br />

Rudolf Alexander Mayr:<br />

Karls Wiederkehr<br />

Tyrolia, 200 S., € 25,00<br />

Die Alpenrepublik hat im<br />

Laufe ihrer Geschichte so oft<br />

ihre Gestalt verändert wie kaum<br />

ein anderes europäisches Land.<br />

Im 19. Jahrhundert erreichte<br />

Österreich als habsburgischer<br />

Vielvölkerstaat seine größte<br />

Ausdehnung, doch der Erste<br />

Weltkrieg setzte Großmachtambitionen<br />

ein Ende. Heute<br />

ist Österreich eine moderne<br />

Republik im Herzen Europas –<br />

und doch politisch immer in<br />

Bewegung. Ein hochaktuelles<br />

Buch über die Geschichte<br />

Österreichs inklusive neuen<br />

Kapiteln über die jüngste Vergangenheit.<br />

Christian Lackner u. a.:<br />

Geschichte Österreichs<br />

Reclam, 675 S., € 30,90<br />

100 Jahre Radio in Tirol.<br />

Das Mikrofon im Dorf erzählt<br />

erstmals umfassend die Tiroler<br />

Radiogeschichte zwischen<br />

Demokratien und Diktaturen,<br />

Stadt und Land sowie Tradition<br />

und Innovation. 1924 startete<br />

die Radio-Verkehrs-AG mit<br />

dem Sendebetrieb in Österreich.<br />

Seitdem strahlt das „Wunder<br />

der Wellen“ auch in Tirol eine<br />

einzigartige Faszination aus.<br />

Der Hörfunk wurde vom eintönigen<br />

Propagandawerkzeug<br />

zum demokratischen Informations-,<br />

Bildungs- und Unterhaltungsmedium.<br />

Benedikt Kapferer:<br />

Das Mikrofon im Dorf<br />

Tyrolia, 288 S., € 30,00<br />

Sie waren schon immer etwas<br />

Besonderes – heilige Berge!<br />

Von Mythen und Fantasien umrankt,<br />

bedrohlich und zugleich<br />

Segen spendend, ziehen sie seit<br />

Jahrhunderten die Menschen<br />

in ihren Bann. Worin liegt<br />

ihre Faszination? Dieser Frage<br />

gehen Bernd Ritschel und Nina<br />

Ruhland in diesem Natur-Bildband<br />

nach. In Porträts von<br />

großen und kleinen Bergen, von<br />

berühmten Gipfeln, aber auch<br />

von weniger bekannten Zielen<br />

erzählen sie in Bild und Text<br />

von Kraftorten sowie von den<br />

Menschen und ihrem Respekt<br />

vor der Natur.<br />

Bernd Ritschel, Nina Ruhland:<br />

Heilige Berge<br />

Knesebeck, 208 S., € 42,10<br />

Alpine Heilkraft im Schnapsglas.<br />

In diesem faszinierenden<br />

Buch erfahren Sie alles über<br />

die traditionsreiche Kunst<br />

der Kräuterheilkunde, die seit<br />

Jahrhunderten in den Alpen<br />

praktiziert wird. Lernen Sie die<br />

Schätze der Natur und die richtigen<br />

Techniken zur Kräuterernte,<br />

dem Graben von Wurzeln<br />

und der Herstellung von<br />

wohltuenden Destillaten, Ansatzschnäpsen,<br />

Tinkturen und<br />

Einreibungen kennen. Tauchen<br />

Sie ein in die Welt der Kräuter<br />

und erleben Sie die Magie der<br />

Alpen mit jedem Schluck.<br />

Michaela Thöni-Kohler:<br />

Heilende Schnäpse aus den Alpen<br />

Tyrolia, 192 S., € 29,00<br />

Im hohen Norden Europas,<br />

oberhalb des Polarkreises,<br />

liegt eine ganz besondere<br />

Region: Lappland. Das Gebiet<br />

ist mit seinen dichten Wäldern,<br />

dem rauen Hochland und<br />

der ber gigen Küste eine echte<br />

Sehnsuchts landschaft, die viele<br />

Menschen in ihren Bann zieht.<br />

In eindrucksvollen Fotografien<br />

fängt Römmelt die wilde<br />

Natur Lapplands während aller<br />

Jahreszeiten ein, hält die einzigartigen<br />

Farb- und Lichtspiele<br />

der Mitternachtssonne und<br />

der Polarlichter fest und besucht<br />

die in Lappland lebenden<br />

Sámi, die in der Region tief<br />

verwurzelt sind.<br />

Bernd Römmelt:<br />

Lappland<br />

Knesebeck, 192 S., € 41,10<br />

Millionen von Menschen in<br />

Deutschland (BRD und DDR),<br />

Österreich und der Schweiz<br />

sahen dieselben Fernsehserien<br />

und Samstagabend-Shows,<br />

schleckten das gleiche Eis, spielten<br />

mit den gleichen Gadgets<br />

und teilten ähnliche Träume.<br />

Über 100 Begriffe aus dem<br />

deutschsprachigen Raum, die<br />

gleichermaßen bekannt wurden,<br />

haben in diesem umfangreich<br />

bebilderten Buch zusammengefunden<br />

– für alle, die ohne<br />

digitale Omnipräsenz groß geworden<br />

sind oder einfach diese<br />

Zeit cool finden und sich vom<br />

Retrohype mitreißen lassen.<br />

Norbert Peter, Marco Seltenreich:<br />

Offline – Die 70er, 80er und 90er<br />

in mehr als 100 Begriffen<br />

Braumüller Verlag, 240 S., € 29,00<br />

Bücher seit 1639<br />

Seit den 90er-Jahren leistet Horst Schreiber<br />

einen bemerkenswerten Beitrag zur<br />

Aufarbeitung der österreichischen Zeitgeschichte,<br />

mit Fokus auf den Nationalsozialismus<br />

in Tirol. Dabei hinterfragt<br />

er häufig erstmalig Themen, deckt auf,<br />

bohrt nach – nicht ohne dabei auf<br />

Widerstände zu stoßen. Zentral in seinem<br />

Schaffen ist auch die Frage nach dem<br />

Erinnern an das Geschehene.<br />

Horst Schreiber tut all dies in zahlreichen<br />

Funktionen, unter anderem als<br />

Dozent an der Pädagogischen Hochschule<br />

Tirol und am Institut für Zeitgeschichte<br />

der Universität Innsbruck, als Lehrer am<br />

Abendgymnasium Innsbruck, als Leiter<br />

von erinnern.at Tirol, dem Programm des<br />

OeAD – Österreichs Agentur für Bildung<br />

und Internationalisierung zum Lehren und<br />

Lernen über Nationalsozialismus und<br />

Holocaust, dem Institut für politischhistorische<br />

Bildung über Holocaust und<br />

Nationalsozialismus des BMBWF, des<br />

Wissenschaftsbüros Innsbruck, als Obmann<br />

der Michael-Gaismair-Gesellschaft, als<br />

Herausgeber verschiedener zeitgeschichtlicher<br />

und sozialwissenschaftlicher Reihen,<br />

wie etwa den „Studien zu Geschichte und<br />

Politik“, oder als Mitherausgeber der Reihe<br />

„transblick“ und der Gaismair-Jahrbücher.<br />

Seine Forschungsarbeit findet auch<br />

international Anerkennung, wie zuletzt in<br />

The New Yorker, in der seine Auseinandersetzung<br />

mit ehemaligen Zöglingen aus Tiroler<br />

Heimen aufgegriffen wurde: „Schreiber<br />

had interviewed dozens of Nowak-Vogl’s<br />

victims and had publicly demanded that the<br />

Austrian government offer them apologies<br />

and financial compensation“ (Margaret<br />

Talbot, 2. Oktober 2023).<br />

Am 6. November gibt Horst Schreiber<br />

im Rahmen der Podiumsdiskussion<br />

„ Erinnern – Benennen – Vermitteln.<br />

Ein Abend für Horst Schreiber“<br />

in der Wagner’schen Buchhandlung<br />

57<br />

gemeinsam mit Dorothea Zanon,<br />

Christoph W. Bauer und Markus Hatzer<br />

Einblick in seine Arbeit. Moderiert<br />

wird der Abend von Gerlinde Tamerl.<br />

Im Zentrum stehen Schreibers Herangehensweise<br />

an eine reflektierte Erinnerungskultur,<br />

seine Haltung zur Vermittlung<br />

von Geschichte, vor allem auch<br />

an junge Menschen, und die Herausforderungen<br />

und Widerstände, auf die<br />

er regelmäßig traf.<br />

Mag. Dr. Horst Schreiber habilitierte 2001 am<br />

Institut für Zeitgeschichte der Universität<br />

Innsbruck und lehrt heute als Dozent an der<br />

Pädagogischen Hochschule Tirol sowie am Abendgymnasium<br />

Innsbruck. Er ist Leiter der Projekte<br />

Digitale Erinnerungslandschaft (DERLA) Tirol<br />

und Virtuelles Denkmal für alle Tiroler Opfer<br />

des Nationalsozialismus.<br />

© Privat<br />

Buchtipp:<br />

Horst Schreiber:<br />

Die Lager von Schwaz<br />

Studienverlag, 284 S., € 22,90<br />

Veranstaltungstipp:<br />

Ein Abend für Horst Schreiber<br />

Mit Dorothea Zanon,<br />

Christoph W. Bauer &<br />

Markus Hatzer<br />

Moderation: Gerlinde Tamerl<br />

Mi., 6. November, 19:30 Uhr<br />

Wagner’sche Buchhandlung,<br />

Innsbruck<br />

Eintritt: frei!<br />

Wir bitten um Voranmeldung<br />

unter order@studienverlag.at


Mit<br />

den<br />

besten<br />

Empfehlungen:<br />

Der Ich-Erzähler in diesem<br />

Roman lässt vor allem<br />

erzählen, nämlich eine Frau<br />

namens Verkin aus ihrem<br />

schillernden Leben. 1946 geboren,<br />

gehört sie gleich zwei<br />

türkischen Minderheiten an:<br />

der armenischen und der gut<br />

betuchten. Sie spricht sechs<br />

Sprachen und scheint Istanbul<br />

ebenso gut zu kennen wie<br />

Schweizer Nobelinternate oder<br />

Paris im Mai 1968. „Denkst<br />

Du Dir das alles aus?“, fragt er<br />

sie einmal. Falls nicht stimmt,<br />

was sie erzählt, ist es zumindest<br />

prachtvoll erfunden – von wem<br />

auch immer. Thomas Wegmann<br />

David Wagner:<br />

Verkin<br />

Rowohlt, S. 400, € 27,80<br />

Agathe, eine junge Frau aus<br />

gutbürgerlichem Hause, wächst<br />

behütet und frei von Sorgen auf.<br />

Nach ihrer Konfirmation will sie<br />

sich jedoch nicht an die vielen<br />

gesellschaftlichen Erwartungen<br />

anpassen. Als ihr Bruder<br />

ihre gesamte Mitgift verspielt,<br />

findet sie keinen passenden Ehemann<br />

mehr. Ihr Wunsch nach<br />

einem selbstbestimmten und<br />

freien Leben wird vernichtet,<br />

womit ihre Verzweiflung und ihr<br />

Leiden beginnen. Ein wiederentdeckter<br />

Gesellschaftsroman,<br />

der für die Emanzipation einer<br />

jungen Frau und die Frauenbewegung<br />

des 19. Jahrhunderts<br />

steht. Lisa Warger<br />

Gabriele Reuter:<br />

Aus guter Familie<br />

Reclam, 270 S., € 25,70<br />

In diesen neun Erzählungen<br />

drehen Mütter Sextapes oder<br />

leise durch, leben in der Diskrepanz<br />

zwischen Familienleben<br />

und Karriere, während sie<br />

die Seuchenzeit des 21. Jahrhunderts<br />

begleitet – mit Klimawandel,<br />

der Vereinsamung<br />

der Gesellschaft, den Folgen<br />

des Coronavirus und familienfeindlichen<br />

Arbeitswelten.<br />

Wie soll das bloß gutgehen?<br />

Ein düster-unterhaltsames Buch<br />

zur Bestärkung aller kinderlosen<br />

Menschen und eine<br />

Gute-Nacht-Lektüre für Eltern,<br />

die dem Unausweichlichem<br />

mit Sarkasmus begegnen.<br />

Ágnes Czingulszki<br />

Naomi Wood:<br />

Dino Moms<br />

Nagel & Kimche, 224 S., € 25,70<br />

Eine pensionierte Mathelehrerin,<br />

die ein kleines in die<br />

Jahre gekommenes Häuschen<br />

von einer Freundin auf Ibiza<br />

erbt, lässt alles hinter sich<br />

und lebt von nun an dort.<br />

In der wunderschönen Landschaft<br />

sucht sie Antworten<br />

über den mysteriösen Tod ihrer<br />

Freundin. Eines Tages bekommt<br />

sie eine E-Mail eines ehemaligen<br />

Schülers; von da an schreiben<br />

sie sich und sie erzählt von<br />

den wunderbaren Erlebnissen,<br />

und dass es auch viel Positives<br />

gibt im Leben. Ein spannendes<br />

und unvorhersehbares Lesevergnügen.<br />

Andrea Scheiber<br />

Matt Haig:<br />

Die Unmöglichkeit des Lebens<br />

Droemer Verlag, 416 S., € 25,70<br />

Mit einfühlsamer Stimmgewalt<br />

erzählt Jacqueline O’Mahony<br />

von dem wohl dunkelsten<br />

Kapitel in der Geschichte<br />

Irlands, der Hungersnot im<br />

19. Jahrhundert, und von einer<br />

starken Frau, die sich sowohl<br />

in ihrer irischen Heimatgemeinde<br />

als auch nach ihrer<br />

Reise nach Amerika in der dortigen<br />

Prärie trotz aller Widrigkeiten<br />

immer wieder zurück ins<br />

Leben kämpft und nicht aufgibt,<br />

bis sie die Freiheit findet,<br />

die sie sich seit jeher wünscht.<br />

Jacqueline Falkner<br />

Jacqueline O’Mahony:<br />

Sing, wilder Vogel, sing<br />

Diogenes, 368 S., € 25,70<br />

Maya arbeitet in einer Firma,<br />

in der Frauen Muttermilch produzieren<br />

und an andere Menschen<br />

verkaufen. Über Nacht<br />

wird sie im Netz berühmt,<br />

ihr Name eine Marke, ihr Video<br />

millionenfach geliked. Werbeverträge<br />

und die Aufmerksamkeit<br />

prominenter Influencer*innen<br />

folgen. Doch so schnell der<br />

Hype begonnen hat, so brutal<br />

endet er in einem Shitstorm.<br />

Ein aktueller Roman über<br />

(soziale) Medien, Fake News<br />

und die Frage, wie die Öffentlichkeit<br />

Menschen zu Figuren<br />

macht, die mit deren Identität<br />

wenig zu tun haben. Ina Cassik<br />

Clemens Berger:<br />

Haus des flüssigen Goldes<br />

Residenz, 216 S., € 27,00<br />

58<br />

Wagner’sche.<br />

Ein Buch wie ein Film. Bilgeri<br />

schreibt über eine Wiener Familie<br />

in den frühen 50er-Jahren.<br />

Da ist die rebellische Gerda,<br />

die im Tanzkurs den charmanten<br />

Schweizer Piero kennenlernt,<br />

der in einer Fluchthilfeorganisation<br />

des Roten Kreuzes<br />

beschäftigt ist. Gerda wird<br />

schwanger und die Hochzeitsglocken<br />

läuten. Doch zur kurzfristig<br />

angesetzten Hochzeit<br />

erscheint nur die Polizei –<br />

mit einem Haftbefehl für Piero.<br />

Auf seinen Spuren, die sie und<br />

ihre Mutter nie für möglich<br />

gehalten hätten, gerät sie auf<br />

die Rattenlinie. Robert Renk<br />

Reinhold Bilgeri:<br />

Das Gewissen der Tauben<br />

Amalthea, 304 S., € 27,00<br />

Telegrafie, Telefonie, Telepathie:<br />

Vor und noch lange nach 1900<br />

war man bei diesen wundersamen<br />

technischen wie okkulten<br />

Phänomenen ganz aus dem<br />

Häuschen. Ulla Lenze spannt<br />

ihr spiritistisches Erzählnetz<br />

über drei Frauenleben in Berlin:<br />

Anna, das faszinierende Medium,<br />

Johanna, die vom Sog<br />

des Fantastischen ergriffen wird<br />

und darüber schreibt, schließlich<br />

Vanessa, die auf die „Annageschichte“<br />

ihrer Urgroßmutter<br />

stößt. Was sie dort entdeckt?<br />

Die Utopie des Wohlbefindens.<br />

Bernhard Sandbichler<br />

Ulla Lenze:<br />

Das Wohlbefinden<br />

Klett-Cotta, 334 S., € 26,70<br />

Der Schriftsteller Ben hat aufgrund<br />

einer Schreibblockade<br />

sehr viel Zeit zum Nachdenken.<br />

Seine größte Angst ist, dass ein<br />

Krieg ausbrechen könnte.<br />

Als sich die Situation immer<br />

mehr zuspitzt und langsam<br />

zu eskalieren droht, flüchtet er<br />

kurzerhand mit seiner Ex-Frau<br />

und den beiden gemeinsamen<br />

Kindern nach Brasilien und<br />

lässt sein altes Leben inklusive<br />

seiner Partnerin zurück.<br />

Mit einer Prise Humor, sehr viel<br />

Erzählkunst und einem wahrhaft<br />

unsympathischen Protagonisten<br />

hat Lewinsky hiermit<br />

ein grandioses Debüt hingelegt.<br />

Sarah Loretz<br />

Micha Lewinsky:<br />

Sobald wir angekommen sind<br />

Diogenes Verlag, 288 S., € 26,70<br />

Konsequenter und fluider als<br />

je zuvor verwischt und verwebt<br />

Thomas Meinecke in seinem<br />

neuesten Roman Odenwald<br />

diverse Bezüge, Zitate und<br />

Diskursfetzen zu einem wilden<br />

Ritt ausgehend von Theodor<br />

W. Adornos Sehnsuchtsort<br />

Amorbach. Wer sich mit Lust<br />

darauf einlässt, kann lernen,<br />

wie man Fee, Räuber, Jazz-<br />

Hasser*in oder -Liebhaber*in<br />

wird, sowie was die Körper<br />

mit den Texten machen und<br />

umgekehrt. Eines der abgefahrensten<br />

und (wie das heute<br />

genannt wird) „unhingedsten“<br />

Lese erlebnisse des Herbsts 2024!<br />

Martin Fritz<br />

Thomas Meinecke:<br />

Odenwald<br />

Suhrkamp, 440 S., € 27,80<br />

Die Erde braucht eine neue<br />

Gesellschaft und diese soll<br />

auf einer einst vergessen Insel<br />

inmitten des blauen Pazifiks<br />

entstehen. Vier Menschen,<br />

die mit dem Schicksal unseres<br />

Planeten eng verbunden sind,<br />

starten in das vielleicht letzte<br />

große Abenteuer der Menschheit:<br />

eine Tiefseetaucherin,<br />

eine Künstlerin, ein Büchernarr<br />

und ein Computernerd.<br />

Die wichtigen Themen un serer<br />

Zeit wunderbar und fesselnd<br />

erzählt. Angelika Moser<br />

Richard Powers:<br />

Das große Spiel<br />

Penguin Verlag, 512 S., € 26,70<br />

Im historischen Leipzig steht<br />

ein 15-jähriges Mädchen vor<br />

Gericht und wird des Mordes<br />

an ihrem neugeborenen Kind<br />

bezichtigt. Ihr droht die Todesstrafe,<br />

doch sie und ihre Familie<br />

geben alles, um ihre Unschuld<br />

zu beweisen. Dieser packende<br />

Roman, basierend auf wahren<br />

Begebenheiten, beschert einem<br />

durch das Zusammentreffen<br />

von mittelalterlichen Denkweisen<br />

und früher Aufklärung<br />

von der ersten bis zur letzten<br />

Seite Gänsehaut und überzeugt<br />

mit einer verängstigten wie auch<br />

kämpferischen Protagonistin.<br />

Sarah Loretz<br />

Tore Renberg:<br />

Die Lungenschwimmprobe<br />

Luchterhand Literaturverlag,<br />

704 S., € 27,80


Akiko lebt nach dem verfrühten<br />

Tod ihrer Mutter zurückgezogen<br />

in Tokio. Als sie auf<br />

ein Familiengeheimnis stößt,<br />

sieht sie ihre Vergangenheit in<br />

einem anderen Licht und überdenkt<br />

ihr Leben völlig neu.<br />

Ihr Jugendfreund Kento, der als<br />

Hikikomori in selbstgewählter<br />

Isolation lebt, unterstützt sie<br />

auf ihrer Suche nach ihrem<br />

wahren Ich und wächst dabei<br />

über sich selbst hinaus. Ein feinfühliger<br />

Roman über Distanz<br />

und Nähe, Einsamkeit und Mitmenschlichkeit,<br />

der den Zauber<br />

japanischer Literatur wunderbar<br />

einfängt. Ina Cassik<br />

Jan-Philipp Sendker:<br />

Akikos stilles Glück<br />

Blessing, 384 S., € 25,70<br />

Wer Noemi Somalvicos fulminantes<br />

Debüt Ist hier das<br />

Jenseits, fragt Schwein gelesen<br />

hat, in dem ein Schwein<br />

Gott besucht, wird anfangs<br />

überrascht sein von ihrem<br />

neuen, ganz andere Töne<br />

anschlagenden Erzählband.<br />

Doch bereits nach wenigen<br />

Seiten wird gewiss auch der<br />

Charme dieser Geschichten<br />

überspringen. Sie handeln alle<br />

von Liebe, Sex und allem dazwischen,<br />

eben darüber, was<br />

zwischen zwei oder mehr Menschen<br />

funken, passieren oder<br />

eben auch nicht funken kann<br />

(Stichwort erste Dates beim<br />

Wandern!) Martin Fritz<br />

Noemi Somalvico:<br />

Das Herz wirft in der Brust<br />

keinen Schatten<br />

Voland & Quist, 216 S., € 23,70<br />

Vor Jahren gingen die Menschen<br />

aus Verzweiflung einen<br />

Deal mit den Göttern ein, denn<br />

nur sie konnten ihnen Schutz<br />

vor den Fae bieten. Im Gegenzug<br />

mussten sie jedoch einen<br />

Teil von sich selbst opfern,<br />

ansonsten drohte ihnen der<br />

Tod. Als Priscilla nun eine<br />

erschreckende Entdeckung<br />

macht, sucht sie nach Antworten,<br />

doch sie findet nur Rache.<br />

Stark überzeugt in diesem<br />

grandiosen Auftakt ihrer neuen<br />

Fantasyreihe durch grandioses<br />

Worldbuilding und einzigartige<br />

Charaktere einer Story voller<br />

Intrigen. Sarah Loretz<br />

Stacia Stark:<br />

Kingdom of Lies<br />

Reverie Verlag, 512 S., € 27,80<br />

Susanna Tamaro kann es:<br />

Sie schreibt über große Lebensthemen<br />

wie Liebe, Lebenssinn<br />

und Familie. Für ihren neuesten<br />

Roman wählt sie eine Form,<br />

die bereits von ihrem ersten<br />

Bestseller bekannt ist.<br />

Drei Briefe schreibt Chiara,<br />

eine Frau Anfang 60: an ihre<br />

Adoptivtochter, ihre leibliche<br />

Tochter und ihren Ehemann.<br />

Der Rahmen für eine Rückschau,<br />

in der sie Höhen und<br />

Tiefen ihres Lebens Revue passieren<br />

lässt. Zeit dafür hat sie an<br />

einem Weihnachtsfest der etwas<br />

anderen Art: Die Familie feiert<br />

Weihnachten erstmals getrennt.<br />

Monika Mazegger<br />

Susanna Tamaro:<br />

Der Wind weht, wohin er will<br />

Nagel & Kimche, 288 S., € 25,70<br />

Der Roman zeigt das Leben<br />

Magda Göbbels vor und<br />

während ihrer Ehe mit dem<br />

Propagandaminister aus Sicht<br />

eines befreundeten Homosexuellen.<br />

Wie ist sie zu der<br />

Frau geworden? Warum folgt<br />

sie dem Nationalsozialismus<br />

mit solchem Fanatismus?<br />

Ein mitreißendes Buch über<br />

Macht und Mittäterschaft.<br />

Silke Zorn<br />

Nora Bossong:<br />

Reichskanzlerplatz<br />

Suhrkamp, 295 S., € 26,70<br />

Schon mit Der Pfau bewies sie,<br />

dass Romane mit warmherzig<br />

angelegtem Personal und feinem<br />

Humor auch hochliterarisch<br />

sein und dennoch den Finger<br />

in gesellschaftliche Wunden<br />

bohren können. Im neuen<br />

Roman über eine Wohngemeinschaft<br />

mit vier Menschen<br />

unterschiedlichen Alters aus<br />

unterschiedlichen Motiven zeigt<br />

sie es erneut. Constanze zieht<br />

nach der Trennung von ihrem<br />

Lebensgefährten in diese Wohngemeinschaft<br />

und muss sich<br />

irgendwann der Frage stellen,<br />

ob das eine reine Zweck-WG<br />

ist oder doch die Wahlfamilie.<br />

Robert Renk<br />

Isabel Bogdan:<br />

Wohnverwandtschaften<br />

Kiepenheuer & Witsch, 272 S., € 24,70<br />

Mit einfachen Schlussfolgerungen<br />

lässt Kaiser-<br />

Mühlecker die Leser*innen<br />

nicht davonkommen, seine<br />

indirekt gestellte Frage:<br />

„Wo liegt die Wurzel des<br />

Übels?“ In Brennende Felder<br />

geht er in den Schuhen von<br />

Luisa Fischer und schaut durch<br />

ihre Augen. Wir haben es allerdings<br />

mit einer bösen Frauenfigur<br />

zu tun, die nur Kälteverbrennungen<br />

hinterlässt, es selbst<br />

aber nicht bemerkt. Zu sehr<br />

ist sie in der Schallblase ihrer<br />

eigenen Lebenswelt gefangen<br />

und taumelt durch das<br />

Geschehen, einsam wie ein<br />

Komet im All. Barbara Aschenwald<br />

Reinhard Kaiser-Mühlecker:<br />

Brennende Felder<br />

S. Fischer, 368 S., € 26,70<br />

Diesmal schreibt Hape<br />

Kerkeling nicht nur über sich,<br />

sondern auch über seine Vorfahren<br />

und führt uns dabei<br />

ins blühende Amsterdam des<br />

17. Jahrhunderts. Das liest sich<br />

gut recherchiert und gleichermaßen<br />

berührend wie witzig!<br />

Auch an den Glanzzeiten der<br />

TV-Unterhaltung lässt er uns<br />

schmunzelnd teilhaben und<br />

noch einmal an seiner Kindheit<br />

und seiner geliebten Großmutter<br />

Bertha, die zeitlebens<br />

ein unglaubliches Geheimnis<br />

hütete, dem Kerkeling auf die<br />

Spur kommt. Robert Renk<br />

Hape Kerkeling:<br />

Gebt mir etwas Zeit<br />

Piper, 368 S., € 25,70<br />

In ihrem Debütroman verfolgen<br />

wir Tanets Protagonisten<br />

Silvia, eine Lehrerin, die eines<br />

Tages in den Wald aufbricht<br />

und fortan immer mehr mit der<br />

Natur verschmilzt. Zeitgleich<br />

liest man aber auch die Geschichte<br />

der Schülerin Giovanna,<br />

bei der häusliche Gewalt an<br />

der Tagesordnung steht und die<br />

sich einzig und allein auf der<br />

Alm ihres Onkels wohlfühlen<br />

kann. Tanet hat hier einen<br />

unglaublich atmosphärischen<br />

Roman erschaffen, geprägt<br />

von einer Generation, der die<br />

Folgen des Krieges noch tief<br />

in den Knochen stecken.<br />

Sarah Loretz<br />

Maddalena Vaglio Tanet:<br />

In den Wald<br />

Suhrkamp Verlag, 304 S., € 25,70<br />

Barbara Zemans Zweitling<br />

beginnt in der venezianischen<br />

Lagune. Die Kanäle sind<br />

„schuppig“, das Wasser „faltig“.<br />

Zurück im herbstlichen<br />

Wien taucht sie dann aber wieder<br />

auf: Beteigeuze (gesprochen<br />

wie geschrieben), die hellrote<br />

Riesin am Nachthimmel, der<br />

„wie ein seltsamer Stoff“ ist,<br />

in dem sich Theresa verliert.<br />

Geistig und poetisch solcherart<br />

umnachtet, berichtet sie von<br />

der Welt, die sie umgibt, und<br />

von Josef, der sie liebt: stakkatohaft,<br />

dialogisch, immer<br />

betörend. Bernhard Sandbichler<br />

Barbara Zeman:<br />

Beteigeuze<br />

dtv, 304 S., € 25,70<br />

Als Zora del Buono acht<br />

Monate alt ist, wird ihr Vater<br />

bei einem Autounfall getötet.<br />

Jahrzehnte später begibt sie sich<br />

auf eine literarische Spurensuche<br />

nach dem Mann,<br />

der den Unfalltod ihres Vaters<br />

verursacht hat. Aus der fast<br />

kriminalistischen Recherche<br />

wird eine intensive Beschäftigung<br />

mit dem verlorenen Vater<br />

und der eigenen Familiengeschichte.<br />

Zora del Buono<br />

findet nicht auf alle ihre Fragen<br />

Antworten, doch der Erkenntnisgewinn<br />

ist groß. Ein sehr<br />

persönliches Buch, das auch ein<br />

Stück Zeitgeschichte erzählt.<br />

Ina Cassik<br />

Zora del Buono:<br />

Seinetwegen<br />

Beck, 204 S., € 24,70<br />

Wann beginnt ein „drittes<br />

Leben“? Durch den plötzlichen<br />

Tod ihrer 17-jährigen Tochter<br />

steht Daniela Kriens Protagonistin<br />

Linda vor einem<br />

Wendepunkt. Das Leben,<br />

wie sie es bisher kannte, endete<br />

jäh. Einfühlsam erzählt Krien<br />

von dem Schmerz des Weiterlebens<br />

und von der Frage,<br />

was ein Leben ausmacht.<br />

Dabei beweist sie viel Gespür<br />

für Zeit, Raum und die kleinen<br />

Dinge des Alltags. Eine tiefgehende<br />

Lektüre! Gabriele Wild<br />

Daniela Krien:<br />

Mein drittes Leben<br />

Diogenes, 304 S., € 27,80<br />

Erinnern Sie sich an Ted<br />

Bundy? Seine Geschichte haben<br />

wir zigfach gelesen, gehört oder<br />

gesehen. 1978 dringt ein Unbekannter<br />

in ein Studentinnen-<br />

Wohnheim ein. Es wird nicht<br />

lange dauern, bis dieser Unbekannte<br />

in aller Munde ist und<br />

der bekannteste Serienmörder<br />

aller Zeiten. Soghaft erzählt<br />

Jessica Knoll die Geschichte<br />

der überlebenden Frauen.<br />

Auch wenn diese Story nichts<br />

für schwache Nerven ist, sucht<br />

man vergebens nach Opfern.<br />

Hier wird der Täter zum<br />

Gejagten. Faszinierend und<br />

psychologisch wie ein Thriller!<br />

Carmen Schwarz<br />

Jessica Knoll:<br />

Bright Young Women<br />

Eichborn, 464 S., € 19,50<br />

Als Vincent sich mit den<br />

beiden Jungs Ali und Tarek<br />

anfreundet, ist ihm schmerzlich<br />

bewusst, dass er immer „der<br />

Weiße“ zwischen denn beiden<br />

sein wird. Krampfhaft versucht<br />

Vincent, diesen Vorbehalt<br />

loszuwerden, und als Ali eines<br />

Tages in Schwierigkeiten gerät,<br />

sieht Vincent seine Chance,<br />

sich endgültig zu beweisen.<br />

Dieser Coming-of-Age-Roman<br />

hat es wirklich in sich. Erzählt<br />

auf zwei Zeitebenen fängt er<br />

hervorragend die Eigenheiten<br />

der Jugendjahre in all ihren<br />

Facetten ein und lässt einen in<br />

Nostalgie versinken. Sarah Loretz<br />

Luca Kieser:<br />

Pink Elephant<br />

Blessing Verlag, 304 S., € 25,70<br />

Eine erste umfassende Gesamtdarstellung<br />

zu Leben und Werk<br />

wird am besten von einem<br />

großen Schriftsteller und engen<br />

Freund geschrieben. Schön,<br />

dass Herbert Grönemeyer einen<br />

solchen Freund hat, und zwar<br />

Michael Lentz! Wie lassen sich<br />

die Wucht und Energie, auch<br />

das Tröstliche seiner Musik<br />

erklären? Auf der Grundlage<br />

zahlreicher Gespräche erzählt er<br />

von der Herkunft und Familie<br />

des Ausnahmekünstlers und<br />

beschreibt ein faszinierendes<br />

Leben im Zeichen von Musik<br />

und Literatur, Pop und Politik.<br />

Robert Renk<br />

Michael Lentz:<br />

Grönemeyer<br />

S. Fischer, 368 S., € 28;00<br />

Rom im 17. Jahrhundert.<br />

Dies ist die Geschichte einer<br />

außergewöhnlichen Frau,<br />

der berühmten Malerin und ersten<br />

Architektin Plautilla Bricci.<br />

Mit 13 Jahren malte sie ihre<br />

erste Auftragsarbeit „Madonna<br />

mit Kind“. Wirklich bekannt<br />

wurde sie durch den Bau 1663<br />

in Trastevere der Villa Benedetta.<br />

Man bekommt einen starken<br />

Einblick über ihre Armut als<br />

Kind, dem Verhältnis zu ihrem<br />

Vater. Ein sehr gelungener,<br />

recherchierter Roman über eine<br />

außergewöhnliche Zeit. Nicht<br />

nur für Architekturbegeisterte.<br />

Andrea Scheiber<br />

Melania G. Mazzucco:<br />

Die Villa der Architektin<br />

Folio, 463 S., € 29,00


Lange bevor es Mode war,<br />

hat Meyerhoff das Genre autofiktional<br />

geprägt, und zwar<br />

mit viel Witz und Wärme.<br />

Mit Mitte 50 – nach einem<br />

Schlaganfall und neuem Terrain<br />

(Berlin statt Wien) – zieht der<br />

Erzähler nun zu seiner Mutter<br />

aufs Land. Dort möchte er an<br />

einem Roman über das Theater<br />

mit dem Titel Scham und<br />

Bühne zu schreiben. Es werden<br />

unvergleichliche, ereignisreiche<br />

Wochen, in denen er durch die<br />

Hilfe seiner Mitte 80-jährigen<br />

Mutter aus einer tiefen Lebenskrise<br />

findet. Robert Renk<br />

Joachim Meyerhoff:<br />

Man kann auch in die Höhe fallen<br />

Kiepenheuer & Witsch, 368 S., € 27,80<br />

Ein absolut gelungenes Debüt!<br />

Zehn Jahre nach der Studienzeit<br />

treffen sich Sam aus Stockholm<br />

und Luc zufällig wieder<br />

in London. Eine Beziehung war<br />

damals undenkbar zwecks der<br />

Entfernung. Jetzt dafür heftiger<br />

und intensiver. Eine Liebesgeschichte<br />

modern erzählt<br />

mit allen Höhen und Tiefen.<br />

Mal aus ihrer, mal aus seiner<br />

Sicht. Kann diese Liebe Zukunft<br />

haben? Geht sie wieder<br />

nach Stockholm? Job aufgeben<br />

oder woanders weitermachen?<br />

Liebe braucht Kompromisse!<br />

Einfühlsam und berührend<br />

erzählt. Andrea Scheiber<br />

Jenny Mustard:<br />

Okaye Tage<br />

Eichborn, 368 S., € 25,70<br />

Rainer Caofal lebt mittlerweile,<br />

also eigentlich lebte er bisweilen<br />

in der Seniorenresidenz<br />

„Juventus“. Doch nun liegt er<br />

erschlagen in seinem Bett und<br />

lässt uns an seinem bisherigen<br />

Leben teilhaben. Dass das nicht<br />

ganz normal war, merkt man<br />

schnell – die Frauen waren sein<br />

Herzstück. Leider waren es<br />

aber zumeist die Frauen anderer<br />

Männer, er ein „Frauenausborger“.<br />

Dies ist nun der zweite<br />

Krimi von Prokopetz, der<br />

bekannt ist für seinen Wiener<br />

Schmäh, und das auch über die<br />

Landesgrenzen hinaus.<br />

Lena Kripahle-Wiek<br />

Joesi Prokopetz:<br />

Frauenausborger<br />

Servus Verlag, 224 S., € 20,00<br />

Insomnia, sprich Schlaflosigkeit,<br />

verfolgt die junge<br />

Wissenschaftlerin Mara Lux<br />

seit vielen Jahren. Gleichzeitig<br />

ist genau dies ihr Fachgebiet.<br />

Durch und durch rational<br />

ängstigt sie die Irrationalität<br />

der Träume, die bisweilen<br />

auf unerklärliche Weise in die<br />

Wirklichkeit zu schwappen<br />

scheinen. Plötzlich wird ihr ein<br />

Haus in der deutschen Provinz<br />

vermacht. Zuerst glaubt sie an<br />

einen Scherz – als sie das Haus<br />

besichtigt, muss sie feststellen,<br />

dass sie durch ihre Träume mit<br />

diesem Ort auf seltsame Weise<br />

verbunden ist. Robert Renk<br />

Melanie Raabe:<br />

Der längste Schlaf<br />

btb, 372 S., € 25,70<br />

Der Widerstand gegen ein<br />

überholtes Gesetz bringt diese<br />

Geschichte in Gang. Erzählt<br />

wird sie einem Du. In den 70er-<br />

Jahren. Es ist eine leise Geschichte.<br />

Sie handelt von großen<br />

Umbrüchen. Vom Kampf gegen<br />

das „Weiter so“. Eine Frau.<br />

Ihre Familie. Verwerfungen.<br />

Verschwiegenes. Bröckelnde<br />

Fassaden. Große Katastrophen,<br />

kleine Verbrechen. Judith W.<br />

Taschler versteht es, Menschen,<br />

Orte, Charaktere und Atmosphäre<br />

in knappen Strichen zu<br />

fassen. Und über Medizin (als<br />

Überlebensmittel und als Domäne<br />

männlicher Macht) lernt<br />

man auch einiges. Joseph Frontull<br />

Judith W. Taschler:<br />

Nur nachts ist es hell<br />

Zsolnay, 320 S., € 25,70<br />

Was für ein Debüt! Auf den<br />

ersten Seiten schon merkt man<br />

einen ganz eigenständigen<br />

Ton und ist sofort in dem<br />

Dilemma, in dem sich auch<br />

Adikou befindet. Zu Weiß für<br />

die Schwarze Community vor<br />

allem in ihrem Vaterland Togo<br />

und zu Schwarz für ihre Heimat<br />

Paris oder die Uni in den USA.<br />

Entlang der westafrikanischen<br />

Küste und bis in die USA sucht<br />

Adikou nach einem Platz in der<br />

Geschichte – und schafft sich<br />

ein Erbe aus Schlangenhäuten,<br />

Skylines und stickigen Nächten.<br />

„Ein Debüt, wie es vielversprechender<br />

nicht sein könnte“,<br />

Le Monde. Robert Renk<br />

Raphaëlle Red:<br />

Adikou<br />

Rowohlt, 224 S., € 25,70<br />

„Bin ich es wert, von meinem<br />

Mann geliebt zu werden?“,<br />

ist die Frage, die letztlich der<br />

Antrieb für jedes Handeln der<br />

Hauptfigur ist. Ob sie sich selbst<br />

geißelt, um nach 15 Ehejahren<br />

noch perfekt für ihn zu sein,<br />

oder ob sie ihn für zu wenig<br />

Aufmerksamkeit zu bestrafen<br />

versucht – was darunter liegt,<br />

ist stets eine unerträgliche<br />

Verlustangst, die ihr schlaflose<br />

Nächte und ruhelose Tage<br />

beschert. Die Autorin spielt<br />

geschickt mit unserer Wahrnehmung<br />

und überrascht<br />

mit einem Ende, das uns erschaudern<br />

lässt. Sarah Caliciotti<br />

Maud Venura:<br />

Mein Mann<br />

Hoffmann und Campe, 272 S., € 25,70<br />

Das Mammut der Meere<br />

steht im Mittelpunkt dieses<br />

wunderbaren Debüts.<br />

Es ist die Stellerschen Seekuh.<br />

Bis zu 8 Meter wurde dieses<br />

friedliebende Geschöpf, das vor<br />

ca. 200 Jahren ausstarb.<br />

In etwa genauso lange folgen<br />

wir obsessiven Sammlern, rast -<br />

losen Wissenschaftlern,<br />

begeisterten Naturschützern<br />

und den Frauen, die an Naturerforschungen<br />

immer schon<br />

beteiligt waren. Turpeinen lässt<br />

uns unsere Welt und das Wunder<br />

Leben mit neuen Augen<br />

sehen und verstehen. Aus dem<br />

Finnischen von Maximilian<br />

Murmann. Robert Renk<br />

Iida Turpeinen:<br />

Das Wesen des Lebens<br />

S. Fischer, 320 S., € 25,70<br />

Ein weiter großer Erzählband,<br />

der an Atlas eines ängstlichen<br />

Mannes (2017) anknüpft.<br />

Wieder ist es eine authentische<br />

und poetische Mischung<br />

zwischen autobiographischen<br />

(oder autofiktionalem, wie man<br />

heutzutage sagt) Texten und<br />

solchen, die von den Reisen<br />

Ransmayrs stammen, die er<br />

tlw. als Journalist gemacht hat,<br />

wie z. B. die Entdeckungs -<br />

reisen in den Transhimalaya,<br />

die Sahara oder zu den Bürgerkriegsschauplätzen<br />

Sri Lankas.<br />

Am persönlichsten ist die<br />

titelgebende Erzählung aus<br />

Ransmayrs Kindheit.<br />

Ganz groß! Robert Renk<br />

Christoph Ransmayr:<br />

Als ich noch unsterblich war<br />

S. Fischer, 224 S., € 25,70<br />

Kleine Zeitreise gefällig?<br />

Im Roman Eve tauchen wir in<br />

den Glamour der 30er-Jahre<br />

ein. Eine Frau auf dem Weg<br />

nach Los Angeles, denn die<br />

Beziehung mit ihrem Partner<br />

in New York ist in die Brüche<br />

gegangen. Es ist die Zeit der<br />

Traumfabrik, der Stars und<br />

Sternchen und skrupellosen<br />

Filmregisseure. Diese Frau,<br />

Evelyn Ross, kurz Eve, hat<br />

zwei Gesichter, strahlend und<br />

unterkühlt. Kaleidoskopartig<br />

tauchen wir in die Begegnungen<br />

ein, die sie auf ihrer Reise<br />

macht. Eine köstliche Gesellschaftssatire<br />

in Schwarz-Weiß!<br />

Carmen Schwarz<br />

Amor Towles:<br />

Eve<br />

Hanser, 224 S., € 25,70<br />

Sally ist eine bekannte Late-<br />

Night-Show-Moderatorin und<br />

Comedyautorin. Dem Thema<br />

Beziehung nähert sie sich nur<br />

mittels Sketches und Comedy.<br />

Als ein Kollege mit einer<br />

Schauspielerin zusammenkommt,<br />

stellt sie sich die Frage:<br />

Warum gibt es immer noch<br />

solche Machthierarchien in<br />

Beziehungen? Dann trifft sie<br />

auf den Popstar Noah und<br />

weiß: Das ist keine romantische<br />

Komödie. Humorvoll und klug<br />

schreibt Sittenfeld über die<br />

sozialen Regeln und Machtdynamiken<br />

von romantischen<br />

Beziehungen. Lisa Warger<br />

Curtis Sittenfeld:<br />

Romantic Comedy.<br />

Leidensgeschichte eines Mädchens<br />

Dumont, 384 S., € 24,70<br />

Die 90er einprägend und<br />

vielseitig! Ich war mehr auf<br />

der Bowie- und R.E.M.- Seite.<br />

Freundinnen von damals<br />

schwärmten von den Boy-<br />

Groups oder von depeche<br />

mode. Und natürlich Madonna.<br />

In Deutschland kam damals<br />

der Deutsch-Rap auf, wobei,<br />

den hatten wir mit Falco schon<br />

früher ;-). Dennoch, es war eine<br />

prägende Zeit. Und Back for<br />

Good katapultiert uns mit Interviews<br />

und Playlist dahin zurück.<br />

Auch in Genres wie Nu Metal<br />

oder Techno. Da kann man nur<br />

sagen: hyper hyper … Robert Renk<br />

Rehm-Rozanes/Soethof:<br />

Back for Good<br />

Reclam, 351 S., € 29,80<br />

Tirol, Ende des 19. Jahhunderts.<br />

Die 18-jährige Theres lebt in<br />

einem abgeschiedenen Dorf<br />

im hin tersten Tal. Ihr Leben ist<br />

vor bestimmt, die Heirat schon<br />

von Kindestagen an fixiert.<br />

Als ein Fremder ins Dorf<br />

kommt, verliebt sie sich und<br />

wird schwanger. Von der Dorfgemeinschaft<br />

wird er vertrieben,<br />

so geht Theres in die Berge<br />

als Eremitin und lebt von nun an<br />

in Einsamkeit mit ihrer Tochter.<br />

Ein eindrucksvoller Roman<br />

über zwei starke Frauen, hart<br />

und gnadenlos. Absolute Leseempfehlung.<br />

Andrea Scheiber<br />

Regina Denk:<br />

Die Schwarzgeherin<br />

Droemer, 416 S., € 25,70<br />

Eindrücklicher kann man<br />

nicht über Selbstbestimmung<br />

(von Tieren) schreiben. Alles<br />

beginnt, als zwei Frauen am<br />

Heimweg ein Streuner nachläuft.<br />

Kein Hund, keine Katze,<br />

nein, hier ist es eine Stute.<br />

Davor, dazwischen und danach<br />

allerhand Getier: Frettchen im<br />

Todesschlaf, befreite Schweine<br />

und verletzte Beagles. Viel Informatives,<br />

das en passent zeigt,<br />

wie unser Zusammenleben mit<br />

Tieren einfacher und beglückter<br />

sein könnte. Bartleby trifft<br />

die Farm der Tiere und Jana<br />

Volkmann mitten ins Herz der<br />

Leser*innen! Robert Renk<br />

Jana Volkmann:<br />

Der beste Tag seit langem<br />

Residenz, 256 S., € 27,00<br />

Kind oder Karriere? Und ist<br />

es nicht unfair, dass Männer<br />

mehr Zeit haben? Dass die<br />

Entscheidung „entweder oder<br />

gar nicht“ so drängend ist? Marie-Claire<br />

wird eines Tages von<br />

ihrer Gynäkologin unschön mit<br />

der „tickenden Uhr“ konfrontiert.<br />

Nicht viel anders ergeht<br />

es Anahita, der erfolgreichen<br />

Senatorin in Brüssel. Diese zwei<br />

Frauen sind exemplarisch unter<br />

Druck – wie viele Frauen. Doch<br />

hier tut sich vielleicht eine Lösung<br />

auf. Was wenn uns Frauen<br />

mehr Zeit verschafft würde?<br />

Carmen Schwarz<br />

Jackie Thomae:<br />

Glück<br />

Claassen; 428 S., € 25,70<br />

Nun endlich der neue Roman<br />

von Lesekanone Martin Peichl!<br />

Eine wunderbare Rückzugsgeschichte<br />

von zweien, die sich<br />

gefunden haben in einer Welt,<br />

in der man so schnell verloren<br />

geht. Genial verwoben<br />

mit einem „Wörterbuch der<br />

Verluste“. Nachdenklich, aber<br />

nie larmoyant, berührend und<br />

dennoch sehr witzig. Real und<br />

fantastisch zugleich erzählt er<br />

von unserer Gesellschaft, von<br />

Natur und Zivilisation und<br />

nimmt „ebenso poetisch wie lapidar<br />

dem Beiläufigen jede Beiläufigkeit“,<br />

wie Karin Peschka<br />

schreibt. Fuchsschlau! Robert Renk<br />

Martin Peichl:<br />

Es sind nur wir<br />

Haymon, 208 S., € 23,90


Mit<br />

kriminalistischen<br />

Empfehlungen:<br />

64<br />

Wagner’sche.<br />

Wien 1923. Die politischen<br />

Lager haben sich radikalisiert.<br />

Mitten in dieser angespannten<br />

Situation geschieht ein Mord:<br />

Eine stadtbekannte Gesellschaftsdame<br />

wird erschlagen<br />

in ihrem Schlafzimmer aufgefunden.<br />

Einen Tag später<br />

weist ein Kriminalinspektor den<br />

Ermittler August Emmerich<br />

auf eine ungelöste Mordserie<br />

hin – vor zehn Jahren wurden<br />

drei Frauen auf ähnliche Weise<br />

getötet wie das Opfer. Kann es<br />

sein, dass der Mörder zurückgekehrt<br />

ist? Und wenn ja, kann<br />

Emmerich ihn stellen, bevor er<br />

erneut zuschlägt?<br />

Alex Beer:<br />

Die weiße Stunde<br />

Limes Verlag, 368 S., € 23,70<br />

Frankreich 1293. Das ganze<br />

Land wird von Unruhen<br />

erschüttert. Der Knappe<br />

Constantin soll für seinen<br />

Herrn einen sagenumwobenen<br />

heilenden Stein finden.<br />

Begleitet wird er von der temperamentvollen<br />

Mélisande.<br />

Constantin ist noch nie einer<br />

so eigensinnigen jungen Frau<br />

begegnet, gleichzeitig fasziniert<br />

ihn ihr Mut. Doch Mut allein<br />

wird sie nicht retten, als die<br />

beiden dem Templer Gérard<br />

begegnen und in einen<br />

tödlichen Rachefeldzug verstrickt<br />

werden, der den geheimnisvollen<br />

Orden bedroht …<br />

Daniel Wolf:<br />

Die Templer, Rose und Kreuz<br />

Goldmann Verlag, 896 S., € 26,70<br />

Eine stürmische Nacht an<br />

der Westküste Schottlands.<br />

Zwei Familien werden von<br />

mehreren vermummten Männern<br />

überfallen, am Ende<br />

überlebt nur Iris, die älteste<br />

Tochter einer der Familien.<br />

Die Morde können nicht aufgeklärt<br />

werden. Viele Jahre später<br />

wird Iris plötzlich von einem<br />

unheimlichen Stalker verfolgt.<br />

Kurz darauf verschwindet ihre<br />

Freundin spurlos. Zufällig trifft<br />

Iris auf Ex-Inspektor Caleb<br />

Hale. Zusammen mit Kate<br />

Linville beginnt er zu ermitteln<br />

und gerät immer tiefer in einen<br />

Albtraum.<br />

Charlotte Link:<br />

Dunkles Wasser<br />

Blanvalet Verlag, 576 S., € 26,70<br />

In einem Alpendorf wird<br />

ein Filmproduzent tot aufgefunden.<br />

Seine Frau ist spurlos<br />

verschwunden. Für die Ermittlungen<br />

muss sich Commissario<br />

Arcadipane in dem Dorf<br />

niederlassen, doch dort warten<br />

misstrauische Bewohner*innen<br />

und ein Rätsel auf ihn. Ein zu<br />

komplizierter Fall, um nicht<br />

seinen alten Freund Bramard<br />

sowie die ebenso undisziplinierte<br />

wie unverzichtbare<br />

Isa Mancini um Hilfe zu bitten.<br />

Möchten sie die Wahrheit<br />

ans Licht bringen, wird es nötig<br />

sein, in alten Geheimnissen<br />

und neuen Machenschaften<br />

zu wühlen.<br />

Davide Longo:<br />

Am Samstag wird abgerechnet<br />

Rowohlt Verlag, 560 S., € 27,80<br />

In Almas Adoptionsakte steht<br />

der Vermerk: „Identität der<br />

Eltern darf nicht ans Licht<br />

kommen!“ Doch nun braucht<br />

sie dringend einen Knochenmarkspender.<br />

Um Almas Leben<br />

zu retten, startet ihre Adoptivmutter<br />

eine verzweifelte Suche<br />

nach den biologischen Eltern.<br />

Dabei stößt sie auf die Legende<br />

vom „Kalendermädchen“:<br />

einer Frau, die sich einst zur<br />

Weihnachtszeit in ein Häuschen<br />

zurückgezogen hatte und dort<br />

von einem Psychopathen<br />

heimgesucht wurde, der sie<br />

zwang, einen Adventskalender<br />

des Grauens zu öffnen …<br />

Sebastian Fitzek:<br />

Das Kalendermädchen<br />

Droemer/Knaur Verlag, 400 S., € 26,70<br />

PBKA-Ermittler Maarten<br />

S. Sneijder und Sabine Nemez<br />

versuchen bei einem nächtlichen<br />

Großeinsatz, Dr. Paul<br />

Conrad festzunehmen. Der soll<br />

entscheidend am Entstehen der<br />

nächsten Generation der Terrorgruppe<br />

RAF beteiligt sein –<br />

und an der Planung einer Anschlagsserie.<br />

Doch Conrad<br />

gelingt die Flucht, und Sneijder<br />

muss zu kreativen Mitteln<br />

greifen, um die Gefahr noch<br />

abzuwenden. Die Situation verschlimmert<br />

sich dramatisch, als<br />

Sneijder auf die geheimnisvolle<br />

Lea Fuchs trifft. Deren eigene<br />

mörderische Pläne stellen seine<br />

Ermittlungen völlig auf den Kopf.<br />

Andreas Gruber:<br />

Todesspur<br />

Goldmann Verlag, 624 S., € 14,40<br />

Drei Unternehmer wollen ein<br />

zweites „Manhattan-Projekt“<br />

ins Leben rufen. Nur ist das Ziel<br />

noch ehrgeiziger als damals die<br />

Entwicklung der Atombombe:<br />

Sie wollen den Tod abschaffen.<br />

Der Journalist James Windover<br />

entdeckt, dass die Unternehmer<br />

insgeheim versuchen, einen<br />

Schriftsteller zum Schweigen<br />

zu bringen – weil sie eine Story<br />

fürchten, die er geschrieben hat.<br />

Was steht darin, das das Projekt<br />

gefährden könnte? James begibt<br />

sich auf die Suche nach dem<br />

Mann und gerät rasch selbst in<br />

tödliche Gefahr …<br />

Andreas Eschbach:<br />

Die Abschaffung des Todes<br />

Bastei Lübbe Verlag, 656 S., € 27,80<br />

Yoko ist Ende 20 und verpackt<br />

das Glück in Kekse. Sie liefert<br />

eine Kiste Glückskekse an ein<br />

Restaurant aus und als sie versucht,<br />

einem kleinen Hund zu<br />

helfen, wird sie für ihre Courage<br />

von dessen Peinigern bestraft.<br />

Der Hund stirbt. Und Yokos<br />

Albtraum beginnt. Noch ahnt<br />

sie nicht, mit wem sie es zu<br />

tun hat. Wie viel Leid über sie<br />

hereinbrechen und mit welch<br />

ungeahnter Härte sie sich dafür<br />

rächen wird. Ihr wird alles<br />

genommen, was ihr lieb ist.<br />

Und deshalb schlägt Yoko<br />

zurück. Erbarmungslos.<br />

Bernhard Aichner:<br />

Yoko<br />

Wunderlich Verlag, 336 S., € 24,70<br />

Das kleine Os im Norden<br />

Norwegens ist ein Naturparadies.<br />

Die Brüder Carl und<br />

Roy planen ein Wellness- Hotel<br />

und einen Vergnügungspark.<br />

Da droht der Bau eines<br />

Tunnels den kleinen Ort von<br />

den Touristenströmen abzuschneiden.<br />

Der drohende Ruin<br />

lässt alle die Messer wetzen.<br />

Carl und Roy versuchen zu<br />

retten, was zu retten ist.<br />

Doch als die Dämonen der Vergangenheit<br />

ins Spiel kommen<br />

und Fragen nach dem Tod ihrer<br />

Eltern aufkommen, ist schnell<br />

klar – gemeinsam werden sie<br />

nicht gewinnen: Nur einer kann<br />

hier König sein.<br />

Jo Nesbø:<br />

Der König<br />

Ullstein HC Verlag, 432 S., € 26,80<br />

In der Reality-Show „Exposure“<br />

stellen sich sieben Fremde<br />

einem Wettbewerb. Jeder von<br />

ihnen hütet ein Geheimnis, das<br />

sein oder ihr Leben verändert<br />

hat. In dem teuflischen „Spiel“<br />

geht es um nichts Geringeres,<br />

als die Geheimnisse der Kontrahenten<br />

ans Licht zu bringen.<br />

Schon in der ersten Nacht<br />

verschwindet ein Kandidat<br />

spurlos, offensichtlich in Panik.<br />

Als die Show immer weiter aus<br />

dem Ruder läuft und schließlich<br />

die erste Leiche auftaucht,<br />

steckt Ffion Morgan mitten<br />

in einer verzwickten Mordermittlung<br />

…<br />

Claire Mackintosh:<br />

Spiel der Lügner<br />

Kanur Verlag, 416 S., € 18,50<br />

Jacop steckt in Schwierigkeiten,<br />

so wie vor drei Jahren, als er nur<br />

knapp dem Tod entging. Gejagt<br />

von Geistern der Vergangenheit,<br />

schottischen Söldnern und<br />

der furchteinflößenden Blonden<br />

Hexe. Hineingeworfen in einen<br />

Sturm, der ganz Europa erfasst,<br />

ausgelöst durch englische<br />

Barone, die nichts Geringeres<br />

planen, als ihren König zu<br />

entmachten und die absolute<br />

Monarchie abzuschaffen. Wäre<br />

Jacop bloß in Köln geblieben,<br />

bei seinen Freunden. Doch<br />

auch da spitzen sich die Machtkämpfe<br />

dramatisch zu …<br />

Frank Schätzing:<br />

Helden<br />

Kiepenheuer & Witsch Verlag,<br />

1.040 S., € 37,10<br />

Was bewegt die berühmte<br />

Schauspielerin Julia Didier<br />

dazu, einen Mord in einer<br />

TV-Sendung zu gestehen? Trotz<br />

öffentlichem Schuldbekenntnis<br />

bleibt die Kriminalpolizei am<br />

Anfang ihrer Ermittlungen stehen,<br />

denn das Motiv ist unklar,<br />

und weitere Aussagen von Julia<br />

sind vorerst nicht zu erwarten:<br />

Sie befindet sich mittlerweile im<br />

Koma! Was verbergen Fernsehwelt<br />

und Theaterbühne und was<br />

kommt zum Vorschein, wenn<br />

die Masken fallen? Liebesglück,<br />

Liebeskummer – und eine emotionale<br />

Achterbahnfahrt …<br />

Theresa Prammer:<br />

Falsche Masken<br />

Haymon Verlag, 408 S., € 18,90


Ein besonderer<br />

Abend in der<br />

Wagner’schen<br />

Autor*innen<br />

dieser Ausgabe<br />

„Heute gibt’s Tomatensuppe!“<br />

Ernst, der Mann mit der<br />

dröhnenden Heiterkeit, unterbricht<br />

mich. „Riechst du sie?“<br />

Ich verstehe kein Wort.<br />

„Die Stammzellen sind da!<br />

Sie duften nach Tomatensuppe.<br />

Wir kennen den Geruch.<br />

Jedenfalls sind sie gut angekommen.<br />

Doktor S. kommt<br />

gleich.“ Wenig später steht<br />

mein Arzt neben mir.<br />

Wie immer strahlt er Ruhe aus,<br />

diesmal vermischt mit dezenter<br />

Freude.<br />

Da bekommt einer die Diagnose Leukämie,<br />

lässt sich aber nicht unterkriegen und<br />

verliert auch seinen Humor nicht.<br />

Spannend wie ein Krimi, weder larmoyant<br />

noch anklagend, nein frisch und durchaus<br />

witzig liest sich Heute gibt’s Tomatensuppe!<br />

von Erich Ledersberger.<br />

Wir wollen dieses Buch feiern!<br />

Lesung & Gespräch:<br />

Erich Ledersberger liest aus<br />

Heute gibt’s Tomatensuppe!<br />

Musik: Florian Bramböck<br />

Do., 28. November, 19:30 Uhr<br />

Wagner’sche Buchhandlung,<br />

Innsbruck<br />

Eintritt: frei!<br />

Wagner’sche<br />

Innsbruck<br />

© IMAGO SKATA (links), Mankica Kranjec (rechts)<br />

Fremdgehtipp:<br />

Vom Dichten<br />

und Reisen<br />

[Grenzgänge] mit<br />

Evelyn Schlag & Aleš Šteger<br />

Dieses Mal zum Grenzgänge-<br />

Gespräch geladen: eine Autorin und<br />

ein Autor, die sich zwischen dem<br />

Schreiben von Gedichten und<br />

Geschichten hin und her bewegen.<br />

Evelyn Schlags aktueller Gedichtband<br />

ins weiße meer der schrift (Hollitzer<br />

2024) erzählt u. a. von Krieg und der<br />

Ungeheuerlichkeit des Tötens und<br />

Auslöschens. Mit seinem dreiteiligen<br />

Projekt Logbuch der Gegenwart<br />

(Haymon 2016–2024) machte sich der<br />

Lyriker und Romancier Aleš Šteger<br />

an unterschiedlichen Orten (und Unorten)<br />

auf der ganzen Welt auf die<br />

Suche nach Worten und Geschichten.<br />

Grenzwandelnd wird im Gespräch<br />

den Geschichten in den Gedichten<br />

und der Wirkung poetischer Sprache<br />

nachgegangen.<br />

Evelyn Schlag lebt in Waidhofen an der<br />

Ybbs, schreibt Erzählungen, Romane und<br />

Lyrik. Zuletzt ins weiße meer der schrift<br />

(Hollitzer 2024).<br />

Aleš Šteger lebt als Dichter, Schriftsteller<br />

und Verleger in Ljubljana. Zuletzt Logbuch<br />

der Gegenwart / Aufgehen (Haymon 2024).<br />

Lesung & Gespräch:<br />

Vom Dichten und Reisen<br />

Mit Evelyn Schlag & Aleš Šteger<br />

Moderation: Klaus Zeyringer<br />

Di., 22. Oktober 2024, 19:00 Uhr<br />

Literaturhaus am Inn, Innsbruck<br />

Eintritt: frei!<br />

www.literaturhaus-am-inn.at/<br />

evelyn-schlag-ales-steger/<br />

Barbara Aschenwald, Studium der Vergleichenden<br />

Literaturwissenschaften in Innsbruck 2012. LandwirtschaftlicheFacharbeiterin,<br />

diplomierte Krankenschwester<br />

und Autorin. Derzeit arbeitet sie am Roman Spiegelscherben<br />

und an einem Theaterprojekt. Zuletzt erschien Omka<br />

(Hoffmann&Campe 2018).<br />

Ina Cassik ist Buchhändlerin bei Stöger-Leporello in Wien.<br />

Aus dem einstigen Studentenjob in einer Buchhandlung<br />

wurde der Traumberuf! Leidenschaftliche Vielleserin mit<br />

Schwerpunkt auf Gegenwartsliteratur. Liebt ihren Beruf,<br />

weil er so vielseitig ist wie kein anderer. Lebt mit ihrer<br />

Familie am Stadtrand von Wien.<br />

Sarah Caliciotti ist gelernte Buchhändlerin und Komparatistin.<br />

Neben ihrem Studium arbeitete sie unter anderem als<br />

dramaturgische Assistentin an Theatern in der freien Szene<br />

sowie als Ausstellungsassistentin im Tiroler Landesmuseum,<br />

sammelte Praxiserfahrung im Literaturhaus in Innsbruck<br />

und wirkte bei diversen Filmfestivals mit. Sie war für zwei<br />

Spielzeiten im Tiroler Landestheater als Regieassistentin und<br />

in der Spielzeit 2022/23 als Dramaturgin bei den Vereinigten<br />

Bühnen Bozen tätig. Sarah Caliciotti ist Redakteurin beim<br />

komplex-Kulturmagazin und seit der Spielzeit 2023/24 ist sie<br />

zudem Dramaturgin am Theater der Jugend in Wien.<br />

Ágnes Czingulszki, 1987 in Ungarn geboren. Trotz Fischsuppe<br />

aufgewachsen. Bücher gelesen. Zwei geschrieben.<br />

Eines erschienen. Mittlerweile frei und offen in Innsbruck<br />

unterwegs: als Journalistin, als Dolmetscherin und beim<br />

Freien Radio FREIRAD als Öffentlichkeitsarbeiterin.<br />

Alexander Elspas ist gelernter Buchhändler und seit<br />

Jahrzehnten in der Verlagsbranche tätig. Seit 2017 ist er<br />

Geschäftsführer und Verleger der Büchergilde Gutenberg.<br />

Jacqueline „Jacky“ Falkner, geb. 1995, hat ihr Lehramtstudiumzugunsten<br />

ihrer Liebe zu Büchern an den Nagel<br />

gehängt und ist seit Feber 2022 in der Wagner’schen tätig.<br />

Streift sich gerne mal selbst gemachte Kostüme über, um in<br />

die Welt ihrer Lieblings(fantasy)bücher einzutauchen.<br />

Kilian Feurstein wurde 2000 in Wien geboren. Er wuchs<br />

mit zwei jüngeren Schwestern in Bregenz auf und maturierte<br />

dort 2019. Im darauffolgenden Jahr leistete er in<br />

Tel Aviv-Jaffa Gedenkdienst. 2023 schloss Kilian die Lehre<br />

zum Buchhändler bei der Buchhandlung Stöger-Leporello<br />

in Wien ab. Im November 2023 wechselte er zur Buchhandlung<br />

Leporello in der Wiener Innenstadt. Neben seiner<br />

Leidenschaft für Bücher lebt Kilian für den Fußball und<br />

die Abenteuer des Reisens.<br />

Martin Fritz, geboren 1982, studierte Vergleichende<br />

Literaturwissenschaft und Deutsche Philologie in Innsbruck,<br />

hört sich in seiner Freizeit gerne DJ Patex’ Coverversion des<br />

Songs I Wish I Was Him an. War Teil der 1. Innsbrucker<br />

Lesebühne Text ohne Reiter, ist Teil der Innsbrucker Lesebühne<br />

FHK5K.<br />

Joseph Frontull, geboren und aufgewachsen mit Blick auf<br />

die Dolomiten und die Autobahn im Ohr, fuhr nie zur See –<br />

aber träumt davon. Gelegenheits- und gelegentlicher<br />

Auftragsschreiber.<br />

Stefan Gmünder, Literaturredakteur der Tageszeitung<br />

Der Standard und der Literaturzeitschrift Volltext.<br />

Von 2015 bis 2019 war er Mitglied der Jury des<br />

Ingeborg-Bachmann-Preises. 2021 erhielt er<br />

den Österreichische Staatspreis für Literaturkritik.<br />

Dagmar Harbich ist Buchhändlerin und spezialisiert<br />

auf Kinder- und Jugendbücher. Seit 2024 Leiterin der<br />

Buchhandlung Leporello im 1. Bezirk.<br />

Michael Köhlmeier, einer der wichtigsten und produktivsten<br />

Autoren im deutschsprachigen Raum, in dessen Werk sich<br />

die Conclusio zwischen großen Wissen und Warmherzigkeit<br />

widerspiegelt. Zuletzt erschienen Das Philosophenschiff,<br />

Im Lande Utz – Langgedicht und Hoochie-Coochie Man –<br />

Rap Novel, alle 2024.<br />

Lena Kripahle-Wiek, seit 2015 in der Wagner’schen.<br />

Begeistert von jeglicher Form von Druckerschwärze.<br />

Noch in Karenz, aber bald wieder in der Literaturabteilung<br />

der Wagner’schen anzutreffen.<br />

Sarah Loretz, geboren 1998. Aufgewachsen in einem<br />

kleinen Bergdorf in Vorarlberg. Hat schon als Kind ihre<br />

Liebe zu Büchern (vor allem Fantasyromanen, die auch<br />

gerne von Markus Heitz sein dürfen) entdeckt. In der<br />

Wagner’schen hat sie ihr Hobby zum Beruf gemacht und<br />

ist inzwischen die linke (und manchmal auch die rechte)<br />

Hand der Sortimentsleitung.<br />

Monika Mazegger, Studium Translationswissenschaften,<br />

Hispanistik und Musikwissenschaft in Innsbruck und<br />

Granada, seit 2014 Leichte-Sprache-Übersetzerin, Fachbuchübersetzerin,<br />

Kulturvermittlerin, Herausgeberin der<br />

Zeitschrift Leben Lachen Lernen, mag Musik und Bücher<br />

und engagiert sich für Menschen mit Extrachromosom.<br />

Angelika Moser, 1968 in Innsbruck geboren, hat Übersetzungswissenschaften<br />

und Jus studiert. Sie ist als selbstständige<br />

Lektorin und Texterin tätig ( www.korrekterweise.at).<br />

Korrekt und weise nimmt sie auch das Wagner’sche<br />

Buchmagazin unter ihre Fittiche. Da sie von Sprache nie<br />

genug bekommen kann, macht sie gerade ihren Master<br />

in Vergleichender Literaturwissenschaft. Wenn dann<br />

noch Zeit bleibt, schreibt sie Kurzgeschichten (Das kleine<br />

Grauen, Allein im Café) oder auch mal etwas Längeres<br />

(Beinahe ein Roman).<br />

Linda Müller, geboren 1988, hat Germanistik studiert<br />

und sich schon früh der Literatur und ihrer Vermittlung verschrieben.<br />

Sie leitet Haymon Krimi und den Michael Wagner<br />

Verlag und koordiniert gemeinsam mit Markus Hatzer sowie<br />

Bernhard Aichner die Krimifeste Tirol und Kärnten.<br />

Fritz Ostermayer, geboren 1956 in Schattendorf/Burgenland,<br />

jahrelang Musik- und Kulturredakteur bei diversen<br />

Zeitschriften und Zeitungen, seit Ewigkeiten Radiomacher<br />

und Moderator (derzeit: „Im Sumpf“ auf Radio ORF-FM4).<br />

Bis gestern künstlerischer Leiter der schule für dichtung<br />

in Wien. In dringlicher Mission auch noch tätig als<br />

Musikant, Autor, Kurator und Teilzeit-Choreograph.<br />

Kurz: fuhrwerkt herum, wo man ihn lässt.<br />

Sharon Dodua Otoo ist Schriftstellerin und politische<br />

Aktivistin. Sie schreibt Prosa und Essays. Ihr Debütroman<br />

Adas Raum (2021) wurde in mehrere Sprachen übersetzt.<br />

2016 gewann sie den Ingeborg-Bachmann-Preis. Otoo ist<br />

politisch aktiv bei den Vereinen Initiative Schwarze Menschen<br />

in Deutschland e.V., Phoenix e.V., Coalition for Pluralistic<br />

Public Discourse (CPPD) und ist verbunden mit dem<br />

Schwarzen queerfeministischen Verein ADEFRA e.V.<br />

Seit 2022 kuratiert sie in Zusammenarbeit mit den Ruhrfestspielen<br />

Recklinghausen das Schwarze Literaturfestival<br />

„Resonanzen“; sharonotoo.com.<br />

Markus Renk, seit 39 Jahren in der Buchbranche.<br />

Vom Lehrling, über den Vorstand bis zum selbstständigen<br />

Unternehmer. Buchhändler aus Leidenschaft, der sich mit<br />

den Übernahmen der Wagner’schen, Stierle, Kelten-Buchhandlung,<br />

Stöger und Leporello gleich mehrere Träume<br />

verwirklichen konnte.<br />

Robert Renk, Buchhändler und Kulturvermittler,<br />

u. a.Innsbrucker Prosafestival, Lyrikfestival W:ORTE<br />

und stv. Festivalleiter vom Hausacher Leselenz.<br />

Seit 2025 Sortimentsleiter in der Wagner’schen.<br />

Gibt das <strong>Magazin</strong> #unabhängig heraus.<br />

Bernhard Sandbichler, Germanist und Romanist, Innsbruck.<br />

Andrea Scheiber, seit 1992 in der Wagner’schen Buchhandlung.<br />

Betreut Koch- und Kinderbuch und steckt hinter<br />

den Blind Dates. Wenn sie nicht gerade liest, ist sie in der<br />

Natur oder beim Handarbeiten zu finden.<br />

Siljarosa Schletterer, Autorin und Lyrikaktivistin.<br />

Würde von Flüssen und Hunden erzogen und gebe es die<br />

Lyrik nicht, würde sie wohl mehr bellen. Sie erhielt mehrere<br />

Stipendien und Auszeichnungen, u. a. das Große Literaturstipendium<br />

des Landes Tirol. Ist fixes Organisationsmitglied<br />

beim Lyrikfestival W:ORTE. Zuletzt erschien azur ton nähe –<br />

flussdiktate (Limbus 2022); siljarosaschletterer.com<br />

Veronika Schuchter ist Literaturwissenschaftlerin am<br />

Institut für Germanistik an der Universität Innsbruck und<br />

freie Literaturkritikerin.<br />

Carmen Schwarz, geboren und aufgewachsen in Salzburg.<br />

Hat schon von klein auf eine große Liebe zum geschriebenen<br />

Wort und packenden Geschichten. Sie liebt den Austausch<br />

der Branche und sich immer neu zu erfinden. Seit 2017<br />

bei Bücher Stierle, wo jeder Lesetipp handverlesen und die<br />

Begeisterung erlebbar wird.<br />

Christina Skala, Niederösterreicherin, ist nach dem<br />

Germanistik studium 2002 als Quereinsteigerin im<br />

Wiener Buchhandel gelandet und ist seitdem begeistert<br />

von ihrem Beruf.<br />

Helena Töchterle, geboren 1995, hat Philosophie studiert.<br />

Leitet seit November 2023 die Wagner’sche Buchhandlung.<br />

Begeisterte Leseratte quer durch alle Genres.<br />

Lisa Warger, geboren 1997, studierte Vergleichende<br />

Literaturwissenschaft und Germanistik in Innsbruck.<br />

Sie ist begeisterte Leserin klassischer und feministischer<br />

Literatur. Seit 2023 in der Literaturabteilung der<br />

Wagner’schen zu finden. Dort als linke (und manchmal<br />

auch als rechte) Hand der rechten Hand der Abteilungsleitung.<br />

Unter anderem ist sie Ansprechpartnerin für<br />

die Büchergilde!<br />

Gabriele Wild, studierte Literaturwissenschaft und Slawistik<br />

und ist seit vielen Jahren Leserin und Literaturvermittlerin.<br />

Sie arbeitet als Programmgestalterin im Literaturhaus am<br />

Inn und im Team des Lyrikfestivals W:ORTE (dem größten<br />

Lyrikfestival Österreichs).<br />

Thomas Wegmann, geboren in Bochum, akademisch<br />

sozialisiert in Berlin, lehrt seit 2011 Neuere deutschsprachige<br />

Literatur an der Universität Innsbruck. Dort betreute er<br />

auch 2017 David Wagner als Writer in Residence.<br />

Silke Zorn, arbeitet seit drei Jahren in der Wagner’schen.<br />

Sie ist eine große Leseratte und steht gerne auf den Brettern,<br />

die die Welt bedeuten. Zu finden ist sie an der Kassa und<br />

bei den Blind Dates.


Wagner’sche.<br />

Bücher seit 1639<br />

Museumstraße 4<br />

6020 Innsbruck<br />

T. +43 512 59505 0<br />

office@wagnersche.at<br />

www.wagnersche.at<br />

Bücher Stierle Salzburg<br />

Kaigasse 1 / Mozartplatz, 5020 Salzburg, +43 662 840114<br />

office@buecher-stierle.at, www.buecher-stierle.at<br />

Stierle Kelten-Buchhandlung<br />

Sigmund-Thun-Straße 9, 5400 Hallein +43 6245 82761<br />

office@keltenbuchhandlung.at, www.keltenbuchhandlung.at<br />

Leporello die Buchhandlung<br />

Singerstraße 7, 1010 Wien, +43 1 9611500<br />

service@leporello.at<br />

Stöger – Leporello<br />

die Buchhandlung<br />

Obkirchergasse 43, 1190 Wien, +43 1 3203449<br />

office@stoegerbuch.at

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