KulturBetrieb-Ausgabe-3.pdf - Berthold Schmitt

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KulturBetrieb-Ausgabe-3.pdf - Berthold Schmitt

Im Fokus: Best practice

Mini-Blockheizkraftwerk

für große Exponate

Ein wirtschaftliches Energiekonzept im Kultur- und Orgelzentrum Altes Schloss Valley

Das im oberbayerischen Landkreis Miesbach gelegene Schloss

hat eine rund 800-jährige Geschichte. Seit 1987 beherbergt das

stattliche Anwesen, das zunächst als gräfliches Gerichts- und

Pflegamt und anschließend als Gasthaus genutzt wurde, ein privat

geführtes Kultur- und Orgelzentrum.

Die Energieversorgung

des heutigen

Baukomplexes, der

aus dem denkmalgeschütztenHauptgebäude

und zwei

dorthin verbrachten

historischen

Nebengebäuden

besteht, hatte sich

als technisch un-

Kultur- und Orgelzentrum Altes Schloss Valley

befriedigend und

zunehmend kostenintensiv erwiesen. Ein 2010 errichteter Erweiterungstrakt

war Anlass, eine komplett neue Anlage zur Wärmeerzeugung

einzubauen, die flexibel auf wechselnde Bedarfe

reagiert, zuverlässig und wirtschaftlich funktioniert und leicht zu

bedienen ist.

Kombination von Mini-BHKW und Brennwertkessel

Die Größe, die intensive ganzjährige Nutzung und der hohe

Strombedarf des Kultur- und Orgelzentrums legten es nahe,

eine Anlage zu errichten, die einen großen Teil des Wärme- und

Strombedarfs selbst produziert.

Ausgehend von den Merkmalen der zuvor verwendeten Technik

(Hackschnitzelanlage: Maximalleistung 100 kW, Flüssiggas-

Kessel: Leistung 98 kW), sah das Konzept zunächst den Einbau

von zwei ecoVIT Gas-Brennwertkesseln mit jeweils 65 kW Leistung

vor. Zusätzlich sollten etwa 15 Prozent des Wärmebedarfs

von einem ecoPOWER 4.7 Mini-BHKW erzeugt werden, das bis

zu 12,5 kW thermische und 4,7 kW elektrische Leistung liefert –

erprobte und robuste Technik von VAILLANT. Schließlich wurde

außer dem Mini-BHKW nur ein Gas-Brennwertkessel installiert,

um bei verminderter Heizleistung (77,5 kW) die Stromerzeugung

und somit die Wirtschaftlichkeit des Mini-BHKW zu erhöhen.

Als anspruchsvoll erwies sich die Verteilung der Wärme in die

einzelnen Gebäudetrakte. Die vorhandene Anlage umfasst ein

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Lüftungsregister, konventionelle Heizkörper und Flächenheizungssysteme

in Boden und Wand sowie eine spezielle Wandheizung

zur Temperierung und Trockenhaltung von altem

Mauerwerk. Die in den Außenmauern innenseitig unter Putz verlegten

Kupferrohre ermöglichen es, die zum Teil sehr hohen

Räume (die Zollingerhalle misst 8,25 Meter) auf einem Niveau

um 18° Celsius zu halten. Die gesamte Anlage, die u. a. Wärmespeicher

und Hocheffizienzpumpen umfasst, wird über eine

zentrale und auch vom Nichtfachmann leicht bedienbare Regelung

von VAILLANT gesteuert.

Eigenstrom erzeugen, Kosten reduzieren und

Überschuss verkaufen

Die Anlage ist seit Dezember 2010 im Betrieb und bietet für

Schloss Valley die ideale Lösung: Laut Kalkulation erzeugt das

BHKW jährlich über 38.000 kWh Strom. Rund 85 Prozent (ca.

32.000 kWh) werden selbst genutzt, der Rest wird an den Versorger

verkauft. Während der Übergangszeiten im Herbst und

Frühjahr wird der komplette Wärmebedarf durch die kombinierte

Strom- und Wärmeerzeugung gedeckt. Hochgerechnet auf das

ganze Jahr erzeugt das BHKW etwa 26 Prozent des Wärmebedarfs.

Im Vergleich mit der Altanlage ist davon auszugehen,

dass Schloss Valley durch die kombinierte Strom- und Wärmeerzeugung,

jährlich rund 7.800 Euro einspart. Darin enthalten sind

knapp 2.000 Euro Bonus für die Kraft-Wärme-Kopplung. Der

größte Einsparungsposten resultiert aus dem selbst genutzten

Strom.

Fensterdämmung – ein Forschungsprojekt bei

laufendem Betrieb

Die energetische Sanierung der Bausubstanz von Schloss Valley

geht sukzessive voran und betrifft auch die rund 90 Fenster

und zehn Fenstertüren des Anwesens. In Zusammenarbeit mit

der Fraunhofer Gesellschaft für Bauphysik und im Rahmen eines

Forschungsprojektes der Landesstelle für die nichtstaatlichen

Museen in Bayern werden die 1987 nachgebauten Eichenholzfensterstöcke

durch Verbundglas in den Innenflügeln nachgerüstet.

In Verbindung mit den Bleiverglasungen der Außenflügel

soll sich dadurch der Wärmedurchgang um 20 Prozent reduzieren.

Redaktion

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