KulturBetrieb-Ausgabe-3.pdf - Berthold Schmitt

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KulturBetrieb-Ausgabe-3.pdf - Berthold Schmitt

Im Fokus

Der wirtschaftliche Einsatz von

Blockheizkraftwerken in Museen und

anderen kulturellen Einrichtungen

Ein Blockheizkraftwerk (kurz: BHKW) ist ein Motor, der einen Generator

antreibt. Der Motor, der dem Prinzip des Automotors entspricht,

wird meist mit Gas betrieben und erzeugt mit Hilfe des

Generators nicht nur Strom, sondern – gewissermaßen als Nebenprodukt

– auch Abwärme.

Der heutige Stand der Technik erlaubt es, mit Hilfe eines BHKW

Gebäudekomplexe in nahezu beliebiger Größe zu beheizen und

gleichzeitig Strom zu erzeugen, der selbst verbraucht werden

kann. Die Wirtschaftlichkeit eines BHKW richtet sich u. a. nach

dem Grad des Eigenverbrauchs.

Mini-Blockheizkraftwerk; Copyright: Christian Grubert

Am Anfang sollte eine präzise wirtschaftliche Berechnung

stehen

Da ein BHKW im Unterschied zu einer konventionellen Heizung

mit höheren Anschaffungskosten verbunden ist und immer ein

zusätzlicher Spitzenlastkessel benötigt wird, sollte der Einsatz

dieser Technologie individuell auf ihre Wirtschaftlichkeit hin

überprüft werden.

Maßgeblich für die Wirtschaftlichkeit sind die Laufzeit der Anlage

pro Jahr sowie der Grad des Eigenverbrauchs des selbsterzeugten

Stromes. Als Faustformel gilt: Ab ca. 5.000

Betriebsstunden p.a. ist der wirtschaftliche Betrieb möglich.

Da ein Kalenderjahr 8.760 Stunden hat und ein BHKW nicht

immer Tag und Nacht läuft, hängt ein rentabler Betrieb auch

davon ab, ob in den Sommermonaten Wärme in nennenswertem

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Umfang abgenommen werden kann. Was bei einer Wohnnutzung

aufgrund des Warmwasserverbrauches darstellbar ist,

wird bei kulturellen Einrichtungen eher zum Problem. In Museen

wird in der Regel nicht geduscht.

Zusätzliche Aspekte für einen rentablen Betrieb




Gibt es in der unmittelbaren Umgebung des Museums potentielle

Abnehmer von Wärme wie z. B. Sportanlagen,

Schwimmbäder oder Schulen? In Zusammenarbeit mit der

Kommune und einem Fachplaner könnte ein Versorgungskonzept

entwickelt werden, das zentral Wärme und Strom erzeugt

und diese auf die verschiedenen Abnehmer verteilt.

Wählt man die Größe eines BHKW so klein, dass es den Wärmebedarf

in den Monaten März und April sowie September

und Oktober nahezu voll und von November bis Februar nur

zum Teil abdeckt, dann wird das BHKW in diesen acht Monaten

nahezu ununterbrochen laufen, was einer Betriebszeit

von ca. 5.000 Stunden entspricht. Unter dieser Voraussetzung

ließe sich die Betriebszeit in den verbleibenden Monaten

Mai bis August auf die Zeiten reduzieren, in denen eine

Vollabnahme des erzeugten Stromes gewährleistet ist.

Das ist von besonderem wirtschaftlichem Interesse, denn bei

einem kompletten Eigenverbrauch des erzeugten Stromes

kann sich der Betreiber für diesen Strom den Geldbetrag gutschreiben

lassen, den er sonst bei seinem Energieversorger

für eben diese Menge bezahlt hätte. Ein wirtschaftlicher Gewinn

entsteht allerdings nur, wenn der Stromeinkauf pro Kilowattstunde

mindestens um das Dreifache teurer ist, als der

Einkauf des Gases. Spätestens hier wird deutlich, dass man

eine Entscheidung für die Anschaffung eines oder mehrerer

BHKW nicht ohne entsprechende Fachberatung treffen sollte.

Man kann mit Wärme auch kühlen!

Hier wird der Betrieb eines BHKW in einem Museum oder

einer anderen kulturellen Einrichtung richtig spannend. Denn

diese Einrichtungen benötigen ganzjährig bzw. im Sommer

kühlere Luft, die meist mittels einer Klimaanlage erzeugt wird.

Klimaanlagen sind teuer, wartungsintensiv und funktionieren

oft nicht so, wie es sich der Betreiber vorgestellt hat. Und sie

verbrauchen jede Menge Strom!

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