KulturBetrieb-Ausgabe-3.pdf - Berthold Schmitt

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KulturBetrieb-Ausgabe-3.pdf - Berthold Schmitt

Wirtschaftlichkeit

Gesellschaftliche Verantwortung von

Kulturbetrieben beim Strombezug

Durch ökologisches Strommanagement zum Trendsetter werden!

Heute bezieht die Mehrzahl aller öffentlichen Museen, Hochschulen

und anderer Kulturbetriebe ihren Strom – meist zu

einem festgelegten Standardtarif – von ihren Stadtwerken. Das

häufigste Auswahlkriterium ist der günstigste Preis. Und Stadtwerke

liefern aus betriebswirtschaftlichen Gründen ihren „billigsten“

produzierten Strom. Und das ist in der Regel kein

ökologisch sauberer Strom, sondern Atom- und / oder Kohlestrom!

Soweit die heutige Praxis in den meisten Kulturbetrieben.

Auf der anderen Seite sind die Themen „Klimaschutz / CO2-Reduzierung“

und „Ökologische Verantwortung“ heute gesellschaftlich

hochrelevant. Das bedeutet auch, dass öffentliche

Betriebe hier besonders in der Verantwortung stehen und damit

unter gesellschaftlicher Beobachtung. Kulturbetriebe sollten hier

Vorreiter – sogar Trendsetter – für die Gesellschaft werden. Dazu

stellt der Bezug von Strom eine vorzügliche Möglichkeit dar –

und das ganz ohne oder nur zu geringen Mehrkosten! Dies ist

bei den meisten Entscheidern nicht bekannt, denn die Chancen

aus der neuen Energiewelt sind noch nicht überall angekommen.

„Grüner Strom“ ist nicht gleich „Grünstrom“! Mogelpackungen

gibt es überall

Heute bieten viele Stadtwerke und Stromanbieter Öko- oder

Grünstrom an. Aber Vorsicht: Es gibt die unterschiedlichsten

Methoden grünen Strom auszuweisen: Teilweise wird normaler

Graustrom mit Hilfe so genannte RECS-Zertifikate „reingewaschen“.

Der gelieferte Strom wird zu 100 Prozent an der Strombörse

gekauft und ist demnach überwiegend Kohle- und

Atomstrom. Nun kommt bei den RECS-Zertifikaten der folgende

(legale) Trick zur Anwendung: Eigenschaft und Strom werden

„getrennt“. Der deutsche Lieferant kauft von dem Grünstrom,

der etwa in Norwegen produziert wird, nicht den Grünstrom an

sich, sondern ein Eigenschaftszertifikat, das auf dem Papier

„Graustrom“ in „Grünstrom“ verwandelt. Eine Mogelpackung,

der sich immer mehr Anbieter bedienen!

Die nachstehende Grafik verdeutlicht den Unterschied: Reine

Grünstromhändler liefern 100 Prozent Strom aus der regenerativen

Erzeugung.

42 | KulturBetrieb

Abnehmer, die beim Strombezug eine Vorreiterrolle spielen

möchten, sollten darauf achten, dass …

• der Strom zu 100% aus umweltfreundlichen Energien (z. B.

Wasser- und Windkraft) produziert wird,

• das Herkunftsland des sauberen Grünstroms Deutschland ist,

• nicht lediglich Zertifikate bei der „Vergrünung“ des Stroms eingesetzt

werden,

• die Preisdifferenz nicht mehr als zehn Prozent beträgt.

Kurzum: Es muss gesichert sein, dass die Lieferung von der

Produktion bis zum Kunden eine geschlossene und nachvollziehbare

Lieferkette ist. Dies ist möglich, wird aber nur von wenigen

spezialisierten Grünstromhändlern gewährleistet.

Bei einer 100-prozentigen Grünstromversorgung beträgt der

CO2-Ausstoß ebenso wie der radioaktive Abfall „null“. Und je

mehr Nachfrage nach dieser Art des Stroms geschaffen wird,

desto schneller wird die Energiewende von statten gehen! Ein

Kulturbetrieb oder eine Universität sollte also echter Trendsetter

sein und zumindest beim Strom 100 Prozent „grün“ werden. Und

das sehr häufig zu den gleichen Kosten wie beim Bezug von

Graustrom. Hier gilt es zu vergleichen!

Verschiedene Prüfsiegel dokumentieren unterschiedliche

Qualitätsniveaus!

Leider hat sich bis heute kein offizieller Standard für die Messung

der Stromqualität durchgesetzt. Ein Versäumnis der Politik.

Vielmehr haben sich verschiedene Prüfsiegel mehr oder weni-

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