Die Regierung von Niederbayern

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Die Regierung von Niederbayern

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Der Modellversuch Flexible Grundschule ist ein

von der Stiftung Bildungspakt Bayern und dem

Bayerischen Staatsinstitut für Unterricht und

Kultus getragenes Modell, das im Schuljahr

2009/2010 mit einem Jahr Vorlaufzeit startete.

Der Modellversuch ist auf vier Jahre angelegt.

Es sind 20 Modellschulen in ganz Bayern beteiligt.

Mit der Ausweitung um weitere 60 Satellitenschulen,

die im Schuljahr 2012/2013 mit

der Flexiblen Grundschule starten, wurde bereits

begonnen.

Die Flexible Grundschule rückt die langfristig

bedeutende Phase nach dem Schuleintritt, die

bisherige 1. und 2. Jahrgangsstufe in den Mittelpunkt.

Die ersten beiden Jahrgangsstufen

werden in einer Flexiblen Eingangsstufe organisiert.

Insbesondere durch eine flexible Verweildauer

in der Eingangsstufe von ein bis drei

Jahren wird der Heterogenität Rechnung getragen.

So kann ein Kind die ersten beiden

Jahrgangsstufen in einem Jahr, wie bisher in

zwei Jahren oder in drei Jahren absolvieren.

Wie lange das einzelne Kind in der Eingangsstufe

verweilt, entscheiden Eltern und Lehrer in

gemeinsamen Gesprächen. Bleibt ein Schüler

drei Jahre in der Flexiblen Eingangsstufe, so

wird das dritte Jahr nicht auf die Schulzeit angerechnet.

Die Flexible Eingangsstufe hat keine

Auswirkung auf die Schulpflicht

Regierung von Niederbayern

Die Flexible Grundschule

Sowohl die kürzere, als auch die längere Verweildauer

macht keinen Wechsel des Sozialverbands

erforderlich. Ziel ist die Vermeidung

von Brüchen und Diskontinuitäten. Die transparente

Kommunikation zwischen Eltern und Lehrer

hat eine tragende Bedeutung im Konzept

der Flexiblen Grundschule.

Die Heterogenität der Schülerschaft, macht

Schule aus und spielt für die Unterrichtsplanung

eine große Rolle. Es ist die Aufgabe des

Lehrers diese Heterogenität seiner Schüler

wahrzunehmen, bei der Unterrichtsplanung zu

berücksichtigen und jedem Kind einen indivi-

- Amtl. Schulanzeiger Juni 2012 - I

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duellen Lernzuwachs zu ermöglichen.

Doch stellt sich hier nicht gleich die Frage, ob

das überhaupt möglich ist? Ist dies nicht eine

für den Lehrer allein kaum zu bewältigend Aufgabe?

Und warum erhöht man im Modellversuch

Flexible Grundschule die Heterogenität

zusätzlich durch die Jahrgangsmischung?

Zur Beantwortung dieser Frage spielt die Sicht

auf Heterogenität eine große Rolle. Begreift

man die Verschiedenheit der Schüler nicht als

Belastung, sondern als Chance, die ein Vonund

Miteinander Lernen erst ermöglicht, versteht

man auch, warum man in der Flexiblen

Grundschule die Heterogenität der Schüler

durch die Jahrgangsmischung bewusst noch

einmal erhöht. Die Aufgabe des Lehrers ist es

nun zum einen „gute“ Aufgaben zu finden, an

denen die Schüler sowohl gemeinsam, als

auch individuell lernen können und zum anderen

Methoden und didaktische Arrangements

zu suchen, die ein solches Lernen ermöglichen.

II - Amtl. Schulanzeiger Juni 2012 -

Im Unterricht der Flexiblen Grundschule wird

die Heterogenität der Schüler konstruktiv genutzt.

Die unterschiedlichen Fähigkeiten und

Erfahrung werden für das Lernen fruchtbar

gemacht. Dabei geht man immer von einer

Lerngruppe aus – nicht von zwei Jahrgangsstufen.

Es wird nicht nach Jahrgangsstufen getrennt

unterrichtet, da dies dem Konzept vom Vonund

Miteinander lernen widerspricht. Alle Kinder

arbeiten an derselben komplexen Aufgabe.

Diese muss unterschiedliche Lösungswege

und Niveaus ermöglichen. Die anschließende

Reflexion, bei der die Schüler ihren eigenen

Lösungsweg verbalisieren, ist unerlässlich, da

sie einen Einblick in den Lernprozess ermöglicht.

Bei der Auswahl der Aufgaben ist es wichtig

gemeinsame, lebensweltlich bedeutsame

Themen zu wählen.


Die Kulturministerkonferenz vereinbarte im

Jahre 2004 bundesweit geltende Bildungsstandards

darüber, welche Kompetenzen die Schülerinnen

und Schüler erwerben sollen. Mit dem

Begriff „Kompetenzen“ ist ausgedrückt, dass

nicht Listen von Lehrstoffen und Lerninhalten

gemeint sind. Kompetenzen beschreiben vielmehr

die grundlegenden Handlungsanforderungen,

die sich in einem bestimmten Fach

oder Gegenstandsbereich für Schülerinnen und

Schüler stellen (Klieme et al. 2007). Haben

Schülerinnen und Schüler Kompetenzen in

einem Fach erworben, können sie in einer konkreten

Situation Wege finden, die gestellten

Anforderungen selbstständig mit ihrem Wissen

und Können zu bewältigen – auch wenn sie

unkonventionelle, vorher nicht in derselben Art

und Weise geübte Methoden anwenden. (Didaktik

und Methodik der Flexiblen Grundschule,

ISB 2011)

Durch die Kompetenzorientierung geht es nicht

mehr um „Stoff“, der vermittelt werden soll,

sondern um aktives Wissen und anwendbare

Kenntnisse, die Schüler im Unterricht erworben

haben und die ihnen dabei helfen, Anforderungen

zu bewältigen.

Bei der Auswahl der Inhalte und Aufgaben

muss der Lehrer der Flexiblen Grundschule

also immer die Fähigkeiten und Kompetenzen

im Blick haben, die Schüler bei der konkreten

Auseinandersetzung mit der Aufgabe erwerben

können. (Didaktik und Methodik der Flexiblen

Grundschule, ISB 2011)

Ein zentrales Element im Unterricht der Flexiblen

Grundschule sind Lernumgebungen. Sie

dienen als Lösungsansatz für den Umgang mit

Heterogenität, entwickeln Kompetenzen und

können kooperative Lernformen beinhalten. In

Lernumgebungen können langsam und schnell

Lernende innerhalb des gleichen fachlichen

Rahmens integriert gefördert werden (Wälti/

Wollring). Eine Lernumgebung ist eine flexibel

große Aufgabe, der ein bestimmter Leitgedanke

vorausgeht, sie beinhaltet in der Regel mehrere

Teilaufgaben, Arbeitsanweisungen und

Tätigkeiten. Innerhalb einer Lernumgebung

kann ein Schüler inhaltliche und allgemeine

Kompetenzen erwerben. Lernumgebungen

müssen zentrale Ziele, Inhalte und Prinzipien

des Unterrichts präsentieren und Aktivitäten

der Schüler ermöglichen.

An der Grundschule St. Peter und Paul in

Landshut gibt es seit dem Schuljahr 2010/2011

eine Flexible Grundschulklasse, in der Kinder

mit besonders überdurchschnittlichen Leistungen,

Kinder mit durchschnittlicher Begabung

und auch Kinder mit Lernproblemen gemeinsam

lernen. Da Kinder mit unterschiedlichen

Begabungen und Schwächen zusammentreffen

und diese auch Beachtung finden, gibt es

immer sowohl Kinder, die Hilfe brauchen als

auch Kinder, die helfen können. Wobei die Rollen

keineswegs festgelegt sind. So kann z. B.

in der Regelklasse ein „schwaches Zweitklasskind“,

das aufgrund seines Wissenstands im

Vergleich zu den anderen Schülern in seiner

Klasse immer ein „schlechter “ Schüler ist, nie

- Amtl. Schulanzeiger Juni 2012 - III

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