Lieferkonditionen als kräftige Hebel für die Lauf zeit - Würth Logistics

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Lieferkonditionen als kräftige Hebel für die Lauf zeit - Würth Logistics

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Ausgabe 2/2009

WLP

Würth Logistics PraxisrePortage

Der verborgene Schatz

Import Fernost: Lieferkonditionen

als kräftige Hebel für die Lauf zeit-

und Kostenoptimierung

China, Thailand, Vietnam … was in den Ohren der wohl meisten

Menschen nach Exotik klingt, ist für Logistiker in den letzten Jahren

zu einem ganz normalen Ding geworden. Transporttechnischer

Rennstrecken eben. Und die kann heute jeder Dienstleister in guter

Qualität bedienen. Dass aber auch in solchen Standardrelationen

noch einiges an Optimierungspotential steckt, das beweist das kleine

Fernost-Team der Würth Logistics seit über 4 Jahren. Verantwortlich

für dieses Team und auch quasi Vater der hier vorgestellten Lösung ist

Ulrich Sobottka.

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„Vor ein paar Wochen waren wir beim

Herrn Rüger, dem Logistikchef von Würth

Deutschland. Und der meinte, unsere Services

würden sich schon sehr positiv von

dem abheben, was er von seinen anderen

Spediteuren gewohnt wäre.“ Man muss

schon genau hinhören, um die Freude über

dieses Lob in der tiefen, angenehm klingenden

Stimme von Ulrich Sobottka zu spüren.

Leise und schnell spricht der grosse, blonde

Mann aus Deutschland weiter: „Der Rüger,

der kennt sich in unserem Metier aus.

Ist Logistiker durch und durch. Und wenn

der so was sagt, freut uns das natürlich besonders.“

Ist das Stolz, der da in Sobottkas

graublauen Augen gerade aufblitzt?

Sobottka ist Spediteur von der Pike auf

und mit Herz und Seele. Bei Schenker in

Deutschland gelernt. Die Leidenschaft

für die komplizierten speditionellen Fälle

bringt ihn zur See- und Luftfracht. Es folgen

ein paar Jahre in verschiedenen Stationen

in Deutschland und im Ausland. Nach der

Jahrtausendwende verspürte er wieder den

Ruf der Welt. Sein Traum: „Irgendwo ans

Meer. Amerika am liebsten.“ 2001 lernte

er Manuel Knöpfli, Managing Director der

Würth Logistics, kennen. Und so wurde es

Anfang 2003 Chur: Berge statt Meer.

Der verborgene Schatz:

Welches Potential in den

Lieferkonditionen liegt.

Ein paar Monate nach seinem Start bei der

Würth Logistics war Sobottka mit einem

Projekt für Würth International beschäftigt.

Dabei fielen ihm die hohen Nachlaufkosten

der Fernostimporte der Niederlassung

in Bratislava auf. Er fragte nach und erfuhr,

dass die asiatischen Lieferanten für den

Transport bis Europa zuständig waren.

„Das ging alles mit Lieferkondition CIF. Die

Laufzeiten betrugen 50 bis 55 Tage ab Verschiffung.

Es war alles recht intransparent.

Und eben auch teuer.“

Die Logistiker in Chur griffen zum Rechenstift:

Was würde geschehen, wenn man

die Sendungen selbst in die Hand nähme,

wenn die Lieferanten ihre Waren in Zukunft

FOB liefern würden? „Unsere Ergebnisse

waren beachtlich: 16 % günstiger, 20 Tage

schneller und 100% Transparenz. Arbeitseinsparungen

durch vereinfachte Abläufe

nicht mitgerechnet!

Die Ergebnisse präsentierten Manuel

Knöpfli und Uli Sobottka den für Würth

Bratislava verantwortlichen Managern

Gerd Rössler und Mirco Bonavetti: „Die Bereitschaft,

unser Angebot auszuprobieren,

Ulrich Sobottka ist Spediteur durch und durch und der Vater des FOB-Konzeptes für die Importe

aus Fernost.

war schnell da. Das hohe Einsparungspotential

bei den Nachlaufkosten war wohl

ausschlaggebend.“ Wenige Wochen nach

dieser Präsentation bekamen die asiatischen

Lieferanten von Würth Bratislava

Post aus Chur: Umstellung der Lieferkonditionen

von CIF auf FOB!

Widerstand der Lieferanten

„Die hatten keine grosse Freude damit“, lächelt

Sobottka. „Verständlich. Die machten

ja damit ein schönes Geschäft.“ Das Argument,

dass der Lieferant in Fernost den

Transport günstiger anbieten kann, höre

er recht oft. Mit wirtschaftlich steigendem

Druck ginge das sogar bis zum Angebot,

komplett gratis zu liefern. „Da empfehle

ich, einen genauen Blick auf die Rechnung

des Empfangsspediteurs zu werfen. Was da

an ‚Import Service Fees‘ und anderen kreativen

Zuschlägen verrechnet wird, sind

die verdeckten Transportkosten, die an

die Partner in der Transportkette weitergereicht

werden. Der Empfangsspediteur gibt

die Ware ja nur gegen Bares heraus. Da verweigert

dann niemand die Zahlung!“

Auf Werbetour

Nach dem erfolgreichen Start des Fernost-Import-Systems

für Würth Bratislava,

machten sich Knöpfli und Sobottka

auf, um weitere Gesellschaften der Würth

Gruppe für ihre Idee zu gewinnen. Knöpfli

präsentierte das Konzept im Rahmen der

jährlichen Commitment-Konferenz dem

Topmanagement im Headquarter in Kün-

zelsau. Sobottka stellte die Chancen veränderter

Importabläufe aus Fernost bei verschiedenen

Workshops der Einkäufer und

Logistiker im Konzern vor.

„Am Anfang war die Resonanz der Entscheider

etwas verhalten. Erst als sich 2005

im Stammhaus in Künzelsau Logistikchef

Wussten Sie, dass ...

... eines der heute (Januar 2009) grössten

Containerschiffe, die MSC Daniela,

eine theoretische Kapazität von mehr als

13800 20’-Containerstellplätzen hat?

... der Container in seiner heute bekannten

Form erst 1956 erfunden wurde?

... die Reederei Hapag-Lloyd 1847 als

„Hamburg-Amerika-Packetfahrt-Aktiengesellschaft“

gegründet wurde?

... aufgrund der Wirtschaftskrise nach

Erhebungen der britischen Datenbank

„AXS-Alphaliner“ im Dezember 2008

weltweit 165 Schiffe mit zusammen ca.

420000 TEU als beschäftigungslos stillgelegt

waren?

... der Panamakanal knapp 82 km lang

und die Durchfahrt eines Containerschiffs

durchschnittlich 12 Stunden dauert?


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Bernd Rüger und Einkaufsleiter Thomas

Klenk für die Umstellung auf Würth Logistics

entschieden, war das Eis gebrochen.“

Ab diesem Moment erhielt Sobottka immer

öfter Einladungen von Tochtergesellschaften

und Allied Companies, ihnen das Konzept

konkret zu erklären.

RECA NORM

stellt Import um

Eine dieser Präsentationen fand bei der

RECA NORM im deutschen Kupferzell statt.

Mit 770 Mitarbeitern beliefert dieses Direktvertriebsunternehmen

67.000 Kunden

in Deutschland unter anderem mit Schrauben,

Werkzeug und Normteilen. Für den Import

aus Fernost ist hier Christina Markatos

zuständig. Die junge, quirlige Frau ist vor 8

Jahren - direkt nach ihrer Schulausbildung

- bei der RECA NORM gelandet. Ausbildung

zur Gross- und Aussenhandelskauffrau.

„Und danach wollte ich unbedingt in den

Einkauf“, erinnert sie sich.

Der Import Fernost lief auch hier CIF frei

Hamburg. Hier übernahm ein von RECA

NORM beauftragter Spediteur die Ware

zum Transport ins Lager. „Spediteure aussuchen,

regelmässige Ausschreibungen, der

ganze Papierkram. Das war schon einiges

an Aufwand“, erinnert sich die Einkäuferin.

Im Herbst 2004 trudelte von der Konzernführung

eine Info herein: Eine kleine Tochtergesellschaft

aus Chur habe Interesse

daran, der RECA NORM ein paar Ideen zur

Optimierung der Fernost-Importe vorzustellen.

„So lernten wir Herrn Knöpfli und

Herrn Sobottka kennen. Das präsentierte

Konzept war sehr gut. Wir waren sehr interessiert!“

Aber … die Umstellung der Lieferanten:

Eingespielte Abläufe verändern?

RECA NORM versuchte einen Kompromiss.

Die Lieferanten sollten ihr geliebtes CIF frei

Hamburg behalten. Würth Logistics übernahm

Anfang 2005 nur den Nachlauf ab

Hamburg. „Der Einsparungseffekt war nach

einem Jahr gleich Null! In einer Besprechung

drängte Sobottka darauf, wir sollten

doch noch versuchen, unsere Lieferanten

auf FOB umzustellen. Mit einem ersten

grossen Hersteller haben wir das FOB-Konzept

Ende 2005 ausprobiert. Das hat super

funktioniert. Und die Kostenvorteile waren

deutlich! Die Leute von der Würth Logistics

konnten wirklich bessere Preise erzielen!“

Beflügelt durch diesen sichtbaren Erfolg,

stellte die RECA NORM alle ihre Lieferanten

schrittweise auf FOB um. „Dabei gab es

ein paar, welche die Transportkosten nicht

korrekt heraus gerechnet haben. Denen

haben wir schnell beigebracht, dass solche

Spiele mit uns nicht gehen“, erinnert sich

Markatos an diese turbulente Zeit.

Einmal im Jahr ist die RECA NORM Einkäuferin Christina Markatos in China unterwegs

Bilanz: Nur noch

die Hälfte der Arbeit

und geprüfte Preise

Während der Umstellung hatte der Einkauf

der RECA NORM spürbaren Mehraufwand:

„Wir forderten bei allen Lieferanten Angebote

in FOB und CIF an. Wir wollten ja den

Unterschied klar sehen. Mit der Differenz

zwischen FOB und CIF mussten wir die

Seefracht über die Würth Logistics bezahlen.

Das alles zu kalkulieren war ziemlich

aufwändig. Dafür haben wir jetzt, wo alles

umgestellt ist, nur noch die Hälfte der Arbeit!“

Markatos zeigt sich sehr zufrieden: „Unsere

Ansprechpartner in Chur und in Shanghai

sind super. Beantworten einem jede Frage.

Wenn mit einem Lieferanten etwas nicht

klappt, reicht ein Anruf bei der Würth Logistics

und die kümmern sich dann um die

Lösung. Das ist für uns eine riesige Erleichterung.“

Auch die Preise hat man bei RECA NORM

genau im Fokus. „Wir holen nach wie vor

Angebote von anderen Spediteuren ein

und vergleichen die mit den von Würth Logistics

verrechneten Preisen. Und die liegen

immer sehr gut!“, betont Markatos.

Fokus auf Transport

Derzeit konzentrieren sich die Leistungen

der Würth Logistics vor allem auf den Transport.

Der Lieferant meldet den Mitarbeitern

in Shanghai die Sendungen. Nach klaren

Vorgaben buchen diese die Sendung beim

zuständigen Spediteur ein und erfassen sie

im Transportmanagementinformationssystem

TMIS der Würth Logistics. Parallel dazu

werden die Sendungen auch in einer Excel

Liste eingetragen. „Das TMIS kann noch

nicht alles, was wir bei unseren Import-

Abläufen benötigen“, erklärt Sobottka: „Bis

dahin arbeiten wir noch mit dieser Liste.“

Kunden erhalten wöchentlich eine solche

mit den aktuellen Statusmeldungen ihrer

Sendungen. Der eigentliche Transport -

vom Vorlauf über die Verschiffung bis zum

Nachlauf in Europa - wird vom jeweiligen

Spediteur organisiert. Um die notwendigen

Verzollungsanweisungen kümmert sich das

Team von Würth Logistics.

Und am Schluss kommt die Rechnung von

Würth Logistics. „Solange es keine Störungen

gibt, ist die Sache für uns damit

erledigt“, erklärt Sobottka. Doch wenn es

irgendwo in dieser Kette Probleme gibt,

wird das Würth Logistics Team aktiv. „Ob es


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Einkauf in Fernost bedeutet intensive Verhandlungen mit den Lieferanten.

nun Ärger mit der Reederei gibt, Zollbelege

fehlen oder etwas falsch verzollt wurde: wir

kümmern uns drum und ermöglichen unseren

Kunden damit ein möglichst sorgenfreies

Arbeiten!“

Mehr Service – Dokumentenmanagement

Für etwa die Hälfte der Kunden organisieren

die Fachleute auch den Dokumentenablauf.

Asiatische Geschäftspartner

arbeiten nach wie vor sehr gerne mit der

originalen Bill of Lading. Das Management

derselben ist recht aufwändig. „Es gibt immer

mehr Kunden, die mit dem ganzen Papierkram

nichts mehr zu tun haben wollen.

Wir sind den Umgang mit diesen Papieren

gewöhnt und das läuft einfach rund!“

Ausbau: neue interne und

externe Kunden

Die Kompetenz von Würth Logistics beim

Import aus Fernost hat sich mittlerweile

im Würth Konzern und darüber hinaus herumgesprochen.

Und so kann sich Ulrich

Sobottka über einige neue, höchst interessante

Kunden freuen.

Würth Logistics AG, Aspermontstrasse 1, Postfach, CH-7004 Chur

T +41 (0)81 558 38 00, F +41 (0)81 558 10 00

info@wurth-logistics.com, www.wurth-logistics.com

Einer davon ist Meister Werkzeuge in Wuppertal,

einer der grössten Fernost-Importeure

der Würth Gruppe, der sich auf die

Lieferung von Aktionswaren an Discount-

und Fachmärkten spezialisiert hat. Bei einem

Logistikworkshop vor zwei, drei Jahren

lernte Sobottka deren Geschäftsführer,

Dr. Udo Gais, kennen. Man unterhielt sich,

vereinbarte einen Präsentationstermin. Sobottka

erinnert sich an diesen Termin: „Vom

Vertragsschluss über die Lieferung solcher

Aktionswaren bis zur tatsächlichen Auslieferung

vergehen oft sechs bis neun Monaten.

Um solche Geschäfte gut kalkulieren

zu können, benötigen die Einkäufer dieser

Firma langfristig gültige Fracht-Raten. Das

konnten wir damals nicht anbieten.“

Man blieb in lockerem Kontakt. Sobottka

behielt das Thema im Hinterkopf … bis er

2008 eine Lösung dafür fand. Über einen

Buchungsagenten gelang es ihm, die für

Meisterwerkzeuge benötigten, längerfristig

gültigen Raten zu realisieren. Und damit

gewann Würth Logistics den bislang grössten

Kunden für den Fernost-Import. „Pro

Jahr sind das wohl deutlich über 1.500 Container“,

freut sich Sobottka.

Ende März entschied sich auch die Würth

Industrie, ihre Importe aus Asien in Zukunft

über die Würth Logistics abzuwickeln. „Das

war eine recht komplexe Lösung, da hier

aus kalkulatorischen Gründen unser reines

FOB-Konzept nicht realisierbar war. Aber

auch hier haben wir eine für den Kunden

vorteilhafte Lösung gefunden. Das zu entwickeln,

hat mir richtig Spass gemacht.“

Ganz besonders freut sich Sobottka über

die stetig steigende Zahl externer Kunden:

„Unser Service steht natürlich allen Kunden

zur Verfügung. Nur haben wir das bis dato

nicht wirklich aktiv beworben. Umso mehr

freut es mich, dass inzwischen verschiedene

externe Firmen, vom Bürsten- bis zum

Glashändler, ihre Fernost-Beschaffung

über uns organisieren! Egal ob jemand drei

Sendungen pro Woche oder pro Jahr hat,

externe Kunden profitieren in hohem Masse

von unserem grossen Einkaufsvolumen

und von unserem neutralen Know-how.“

Wie geht es weiter?

Ausgabe 2/2009

Konzentrierten sich die Leistungen von

Würth Logistics bislang auf den reinen

Transport, sieht Sobottka die Zukunft ganz

klar im Ordermanagement: „Wenn wir bei

der Bestellung oder schon davor einhaken,

da wird es interessant. Da ist zusätzliches

Potential für unsere Kunden und uns drinnen.

Wir könnten den Einkauf noch stärker

entlasten. Und wir könnten die Sendungen

noch besser zusammenlegen und damit

weitere Einsparungen erzielen.“ Erste Kunden

nutzen die Möglichkeiten der Würth

Logistics auch in diesem Bereich. Bei Meister

Werkzeuge beispielsweise achtet heute

das Würth Logistics Team in Shanghai auf

die Termineinhaltung der Lieferanten.

Für den Import Fernost sieht Sobottka

ausgezeichnete Wachstumsmöglichkeiten:

„Etwa 20% aller Container aus Fernost in

der Würth Gruppe laufen künftig über uns.

Wir werden darauf achten, dass wir in allen

Hauptmärkten, also Europa, Asien und den

USA, gut aufgestellt sind und uns so kontinuierlich

weiterentwickeln. Dann wächst

unser Fernost-Team in den nächsten zehn

Jahren auf vielleicht 20 oder 30 Leute und

damit organisieren wir dann für 40% der

Würth Sendungen effiziente und transparente

Abläufe.“

Und wer weiss, vielleicht steuert Uli Sobottka

die Abläufe dann von einem Büro in

Amerika. Meer statt Berge.

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