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FBE<br />

<strong>25</strong><br />

HARI<br />

VARI


Schauspiel<br />

4<br />

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10<br />

11<br />

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45<br />

Yasmina Reza<br />

Anja Hilling: Die Liebe auf Erden<br />

Felicia Zeller: Der Revisor<br />

Jona Rausch: Betonklotz 2000<br />

Arad Dabiri: DRUCK!<br />

Anna Gschnitzer: Die Entführung der Amygdala<br />

Anna Gschnitzer: Capri<br />

Anna Gschnitzer: Ich, Antigone<br />

Sina Ahlers: Milch & Schuld<br />

Amir Gudarzi: Häuslfrau<br />

Ivana Sokola: Balkan Drift<br />

Sokola//Spreter: Der Grund. Eine Verschwindung<br />

Sokola//Spreter: Eliza<br />

Jona Spreter: Totenüberlebung<br />

Nathan Ellis: Information<br />

Philipp Löhle: Queerio<br />

Philipp Löhle: Die Legende von Sleepy Hollow<br />

Daniela Löffner / Christa Winsloe: Sylvia und Sybille<br />

Sara Stridsberg: Liebe und Abhängigkeit<br />

Asja Krsmanović: Sauer<br />

Bahram Beyzaie: Yazdgerds Tod<br />

Jörg Menke-Peitzmeyer: Das Wunder von Hof<br />

Sergej Gößner: Schau, der Mau!<br />

Axel Ranisch / Paul Zacher: Mutti, was machst du da?<br />

Matt Lyle / Matt Coleman: Apokalyse, no!<br />

Agatha Christie / Mark Shanahan: Alibi<br />

Haley McGee: Age is a Feeling<br />

Sébastien Thiéry: Der Videobeweis<br />

Sébastien Blanc: Geheimnisse<br />

Hadrien Raccah: Vor dem Fall<br />

Léonore Confino: Der Seestern-Effekt<br />

Cesc Gay: 53 Sonntage<br />

Franck Duarte: Kleine Verbrechen unter Liebenden<br />

Musiktheater<br />

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61<br />

Jherek Bischoff / Jan Dvořá k / Philipp Stölzl: Andersens Erzählungen<br />

Jherek Bischoff / Martin G. Berger / Martin Mutschler / Ödön von Horváth: Kasimir und Karoline<br />

Andreas Pflüger / Wolfgang Willaschek / Friedrich Dürrenmatt: Die Physiker<br />

Andreas Pflüger / Wolfgang Willaschek / Friedrich Dürrenmatt: Romulus der Große<br />

Wolfgang Böhmer / Stefan Zimmermann / Carsten Golbeck / Hermann Hesse: Siddharta<br />

Rio Reiser / R.P.S. Lanrue / F. L. Schröder / G. C. Möbius: Rio Reiser – Mein Name ist Mensch<br />

Thomas Zaufke / Henry Mason / Selma Lagerlöf: Die wunderbare Reise des Nils Holgersson<br />

Thomas Zaufke / Peter Lund / Mario Fesler: Lizzy Carbon und der Klub der Verlierer<br />

Nils Strunk / Lukas Schrenk: Die Zauberflöte – The Opera but not the Opera<br />

Gordon Kampe / Carina Sophie Eberle / Frida Nilsson: Sasja und das Reich jenseits des Meeres


Junges Theater<br />

Frida Nilsson / Karin Drechsel: Siri und die Eismeerpiraten<br />

Philipp Löhle: Frida und der NeinJa-Ritter<br />

Clara Leinemann: Buddeln<br />

Armela Madreiter: südpol.windstill<br />

Sergej Gößner: Shoot ’n’ shout<br />

David Paquet: Immer Frühlings Erwachen<br />

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Stoffrechte<br />

Bettina Obrecht: Wie anders ist alt?<br />

Arndís Thórarinsdóttir / Hulda Sigrún Bjarnadóttir: 12 Stockwerke<br />

Eva Rottmann: Fucking fucking schön<br />

Kaleb Erdmann: wir sind pioniere<br />

İlker Çatak / Johannes Duncker: Das Lehrerzimmer<br />

Katja Oskamp: Die vorletzte Frau<br />

Jovana Reisinger: Pleasure<br />

Lucy Fricke: Das Fest<br />

Jackie Thomae: Glück<br />

Max Oravin: Toni & Toni<br />

Arad Dabiri: DRAMA<br />

Arad Dabiri: GLORIA!<br />

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81<br />

Ur- und Erstaufführungen <strong>2024</strong>/<strong>25</strong><br />

82<br />

Impressum<br />

84


2


SCH<br />

AU<br />

SPI<br />

EL


4<br />

„Yasmina Reza spießt die Klischees<br />

Sie spießt die anderen auf, sich sel<br />

Mit Beginn der Spielzeit <strong>2024</strong>/<strong>25</strong> vertritt<br />

Felix Bloch Erben / Theaterverlag Desch<br />

die Aufführungsrechte aller Werke<br />

Yasmina Rezas. Ihr bisheriger Lektor,<br />

Agent und Wegbegleiter Rainer Witzenbacher<br />

hat sich nach 40-jähriger, erfolgreicher<br />

künstlerischer Zusammen arbeit<br />

aus Altersgründen aus dem Verlagsgeschäft<br />

zurückgezogen.<br />

YASMINA REZA<br />

Viele von Yasmina Rezas Theaterstücken<br />

wurden im deutschsprachigen Raum<br />

an großen Bühnen von namhaften Regisseur:<br />

in nen uraufgeführt. Die Initialzündung<br />

für ihren immensen Erfolg war<br />

Felix Praders Inszenierung von „Kunst“<br />

an der Schaubühne am Lehniner Platz<br />

mit Udo Samel, Peter Simonischek und<br />

Gerd Wameling (1995).<br />

Unvergessen bleibt auch Jürgen<br />

Goschs Inszenierung von Der Gott des<br />

Gemetzels mit Corinna Kirchhoff, Dörte<br />

Lyssewski, Michael Maertens und Tilo<br />

Nest am Schauspielhaus Zürich (2006),<br />

die zum Theatertreffen eingeladen<br />

wurde. Das Stück wurde 2011 von Roman<br />

Polanski, hochkarätig besetzt mit Jodie<br />

Foster, Kate Winslet, Christoph Waltz<br />

und John C. Reilly, verfilmt.<br />

Zu den bekanntesten der insgesamt<br />

zwölf Theaterstücke Rezas zählen außerdem<br />

Drei Mal Leben (UA 2000, Burgtheater<br />

Wien, Regie: Luc Bondy) sowie<br />

Bella Figura (UA 2015, Schaubühne<br />

Berlin, Regie: Thomas Ostermeier).<br />

Zuletzt wurden in der Spielzeit 2023/24<br />

am Wiener Akademietheater ihr Roman<br />

Serge (Regie: Lily Sykes) und am<br />

Münchner Residenztheater James<br />

Brown trug Lockenwickler (Regie:<br />

Philipp Stölzl) uraufgeführt.<br />

© CAROLEBELLAICHE<br />

Yasmina Rezas Romane sind in deutscher<br />

Übersetzung im Carl Hanser Verlag<br />

erschienen; zuletzt „Glücklich die Glücklichen“<br />

(2014), „Babylon“ (2017), für<br />

den sie mit dem Prix Renaudot 2016<br />

ausgezeichnet wurde, und Serge (2022).<br />

Im Frühjahr 20<strong>25</strong> erscheint im Hanser<br />

Verlag ihr neues Buch, „Die Rückseite<br />

des Lebens“, eine Erzählsammlung, für<br />

die Reza zahlreiche Gerichtsprozesse in<br />

der französischen Provinz als Beobachterin<br />

begleitet hat.<br />

Schauspiel<br />

Yasmina Reza ist Schriftstellerin, Drehbuchautorin, Regisseurin, Schauspielerin und eine der weltweit<br />

meistgespielten zeitgenössischen Dramatikerinnen. Sie wurde mehrfach mit dem renommierten<br />

französischen Prix Molière als beste Autorin ausgezeichnet, gewann den Laurence Olivier Award sowie<br />

den Tony Award und erhielt für ihr Werk den Jonathan-Swift-Preis 2020, den Premio Malaparte 2021, den<br />

Prix de l’Académie de Berlin 2022 und zuletzt den Prix mondial Cino Del Duca <strong>2024</strong>, der Schriftsteller:innen<br />

auszeichnet, deren Werke in der Tradition des modernen Humanismus stehen.


auf, die Tics, die Gewissheiten.<br />

bst und uns.“ MAGAZINE LITTÉRAIRE<br />

5<br />

Anne-Marie die Schönheit<br />

Deutsch von Frank Heibert<br />

und Hinrich Schmidt-Henkel<br />

1H<br />

Bella Figura<br />

Deutsch von Thomas Ostermeier<br />

und Florian Borchmeyer<br />

3D, 2H<br />

Drei Mal Leben<br />

Deutsch von Eugen Helmlé<br />

2D, 2H<br />

Ein spanisches Stück<br />

Deutsch von Frank Heibert<br />

und Hinrich Schmidt-Henkel<br />

3D, 2H<br />

Gespräche nach einer Beerdigung<br />

Deutsch von Bernd C. Sucher<br />

3D, 3H<br />

Es gibt Orte und Orte. Die schönen, die<br />

berühmten oder die sehr hässlichen lassen<br />

uns am Ende gleichgültig. Bestenfalls<br />

interessieren sie unseren Bildungsdrang,<br />

etwas sehr Durchschnittliches. Die wahren<br />

Orte, jene, die uns befruchten, jene, die uns im<br />

Gedächtnis bleiben, sind die, die uns sahen,<br />

wie wir außer uns waren, die unsere Maßlosigkeit<br />

beherbergt haben, das Eingeständnis<br />

unserer Begierden oder das Erschrecken<br />

davor, all jene Orte, die uns auffinge n, als<br />

wir erschüttert waren.<br />

YASMINA REZA: „NIRGENDWO“, HANSER VERLAG 2012<br />

Der Gott des Gemetzels<br />

Deutsch von Frank Heibert<br />

und Hinrich Schmidt-Henkel<br />

2D, 2H<br />

Ihre Version des Spiels<br />

Deutsch von Frank Heibert<br />

und Hinrich Schmidt-Henkel<br />

2D, 2H<br />

Im Schlitten Arthur Schopenhauers<br />

Deutsch von Frank Heibert<br />

und Hinrich Schmidt-Henkel<br />

2D, 2H<br />

James Brown trug Lockenwickler<br />

Deutsch von Frank Heibert<br />

und Hinrich Schmidt-Henkel<br />

2D, 3H<br />

„Kunst“<br />

Deutsch von Eugen Helmlé<br />

3H<br />

Der Mann des Zufalls<br />

Deutsch von Eugen Helmlé<br />

1D, 1H<br />

Reise in den Winter<br />

Deutsch von Bernd C. Sucher<br />

3D, 3H<br />

Serge (Roman)<br />

Deutsch von Frank Heibert<br />

und Hinrich Schmidt-Henkel<br />

Besetzung variabel<br />

Schauspiel YASMINA REZA


6


7<br />

Wir lebten mit der<br />

Sängerin Céline Dion<br />

im Körper unseres Sohns<br />

Jacob Hutner.<br />

YASMINA REZA: JAMES BROWN TRUG LOCKENWICKLER<br />

YASMINA REZA: JAMES BROWN TRUG LOCKENWICKLER, RESIDENZTHEATER MÜNCHEN <strong>2024</strong> © SANDRA THEN<br />

Schauspiel


8<br />

ANJA HILLING<br />

Die Liebe<br />

auf Erden<br />

5 Darsteller:innen<br />

UA: <strong>25</strong>.05.<strong>2024</strong>, Theater Altenburg Gera<br />

Im Zentrum des Stücks steht<br />

ein Kunstwerk, dem die „fêtes<br />

galantes“, eine Gemäldeserie<br />

aus dem Rokoko, als Vorbild<br />

dienen für eine Installation des<br />

Überflusses (der Farben, der<br />

Gewänder, Gelüste, Speisen).<br />

Die fünf Gäste, die hier teilnehmen<br />

sollen, wurden allerdings<br />

gecastet in der Schlange<br />

einer Armenspeisung. Ernstgemeintes<br />

Anliegen des Kunstwerks<br />

ist es, das Desaster der<br />

Armut zu zeigen, indem es die<br />

Sinne mit dem Gegenteil<br />

konfrontiert: der Dekadenz.<br />

DIE KURATORIN:<br />

Vergiss nicht, dass wir<br />

über Menschen sprechen.<br />

DER KÜNSTLER:<br />

Erinner dich, dass das<br />

nichts gebracht hat.<br />

In drei Akten wird das Kunstwerk<br />

erstens erdacht, zweitens<br />

gezeigt (zerstört), drittens<br />

aufgeräumt. Was bleibt, ist die<br />

Frage an die Kunst: Hat sie<br />

tatsächlich Interesse daran,<br />

das Problem der Armut zu<br />

lösen, oder ist das Unlösbare<br />

Teil ihrer Berechtigung? Ist das<br />

Scheitern des Kunstwerks<br />

Grund seines Erfolgs? Kennt<br />

Kunst als kritische Instanz<br />

noch so was wie soziale Verantwortung?<br />

Aktuell schreibt Anja<br />

Hilling an einem neuen<br />

Stück für das Schauspiel<br />

Frankfurt (Premiere im<br />

Herbst 20<strong>25</strong>). Nach<br />

Liberté oh no no no<br />

(Regie: Sebastian Schug)<br />

und Mascha K. (Tourist<br />

Status) (Regie: Christina<br />

Tscharyiski) ist dies die<br />

dritte Zusammenarbeit<br />

mit dem Schauspiel<br />

Frankfurt. Hilling schrieb<br />

Die Liebe auf Erden im<br />

Auftrag des Theaters<br />

Altenburg Gera im<br />

Rahmen einer deutschrumänischen<br />

Koproduktion<br />

mit dem Deutschen<br />

Staatstheater Temeswar<br />

und gefördert von der<br />

Kulturstiftung des Bundes;<br />

die Uraufführung inszenierte<br />

Oliver Endreß.<br />

Anja Hilling zeigt mit ihrem<br />

Stück Die Liebe auf Erden<br />

das Dilemma der Kunst,<br />

Abgründe sichtbar zu machen<br />

und sich durch diese Zurschaustellung<br />

zugleich darüber<br />

zu erheben.<br />

Schauspiel<br />

JEAN-ANTOINE WATTEAU, FÊTE GALANTE IN A WOODED LANDSCAPE © PUBLIC DOMAIN<br />

weitere Stücke (Auswahl): Liberté oh no no no / Mascha K. (Tourist Status) / Mittagswende. Die Stunde der Spurlosen /<br />

Nostalgie 2175 / Schwarzes Tier Traurigkeit / Sinn


Der Revisor<br />

9<br />

frei nach Nikolai Wassiljewitsch Gogol<br />

4D, 7H<br />

UA: 23.02.<strong>2024</strong> Deutsches Schauspielhaus Hamburg (unter dem Titel: Die gläserne Stadt)<br />

Achtung: Der Revisor kommt!<br />

Dr. Baktus von der Kaktus<br />

Bank hat sich auf sein Containerschiff<br />

gerettet, um bei<br />

Gefahr (sprich: Steuerprüfung)<br />

sofort in See stechen zu können.<br />

Seine Getreuen sind<br />

besorgt: Es heißt, ein Steuerprüfer<br />

soll vor allem auf die<br />

zwielichtigen Mix-Max-Geschäfte<br />

angesetzt werden.<br />

Sein Anwalt versucht zu beruhigen:<br />

Man werde jederzeit<br />

ein passendes Expert:innen-<br />

Gutachten vorlegen können.<br />

Gerade wir Geschäftsleute, wir wissen doch<br />

Vertrauen ist Grundlage für jedes<br />

Ob großes oder kleines<br />

FELICIA ZELLER<br />

© SANDRA SCHUCK<br />

Felicia Zellers Stück Antrag auf<br />

größtmögliche Entfernung von<br />

Gewalt war zu den Mülheimer Theatertagen<br />

und zu den Autor:innentheatertagen<br />

am Deutschen Theater<br />

Berlin eingeladen. Die österreichische<br />

Erstaufführung ist im Oktober <strong>2024</strong><br />

am Theater praesent, Innsbruck.<br />

Der Fiskus hatte mittlerweile über<br />

15 Produktionen und wird in der<br />

kommenden Spielzeit auch am<br />

Theater Ansbach nachgespielt. Zurzeit<br />

schreibt Felicia Zeller ein Auftragswerk<br />

für das Staatstheater<br />

Kassel (UA voraussichtlich in der<br />

Spiel zeit 20<strong>25</strong>/26).<br />

Ein vertrauliches Treffen mit<br />

der Politik kann trotzdem<br />

nicht schaden. Der Bürgermeister<br />

kann sich jedoch<br />

schon am Ende des Gesprächs<br />

beim besten Willen nicht<br />

mehr an dessen Inhalt erinnern.<br />

Der kleine Finanzbeamte<br />

Chlestakow ist zwar eher<br />

ahnungslos, kommt mit seinen<br />

tapsig-unkonventionellen<br />

Methoden dem Baktus-Clan<br />

trotzdem gefährlich nahe.<br />

Doch am Ende scheint es, als<br />

könnte die Geld-Elite ihren<br />

Kopf wieder einmal aus der<br />

Schlinge ziehen.<br />

Felicia Zeller hat Gogols<br />

Der Revisor neu bearbeitet.<br />

Ähnlichkeit mit aktuellen<br />

steuerlichen Betrugsfällen<br />

sind rein zufällig.<br />

„Felicia Zeller macht aus den<br />

Schandtaten zulasten der<br />

Allgemeinheit freilich kein<br />

trockenes Enthüllungsdrama,<br />

sondern kluge wie aufgekratzte,<br />

böse wie mitreißende<br />

Unterhaltung.“<br />

weitere Stücke (Auswahl): Bier für Frauen / Club der Enttäuschten / Einsame Menschen / Der Fiskus /<br />

Der Geldkomplex / Gespräche mit Astronauten / Kaspar Häuser Meer / X-Freunde<br />

FAZ<br />

Schauspiel


10<br />

Betonklotz<br />

2000<br />

4 Darsteller:innen<br />

UA: 20.09.<strong>2024</strong>, Schauspiel Hannover<br />

JONA RAUSCH<br />

Eine Stadt in der Stadt, einst als progressive<br />

sozialarchitektonische Vision<br />

geplant, heute bewohnt im Clash von<br />

Prekariat und Hipstertum: Abdi, Bele,<br />

Mascha und Maxim erzählen vom Aufwachsen<br />

im Klotz – wie sie sprayen<br />

und skaten, Beats aufnehmen und von<br />

Zukünften voller Hoffnung träumen.<br />

Der alltäglichen Erfahrung von Ungerechtigkeit<br />

und Gewalt stellen sie ihr<br />

solidarisches Miteinander gegenüber.<br />

Und finden mit dem Klotzkind eine<br />

rätselhafte Figur, die dieser konkreten<br />

Utopie eine Stimme zu geben versucht.<br />

In ihrem Debütstück lässt Jona<br />

Rausch die harten und rauen, zarten<br />

und verletzlichen Worte ihrer Figuren<br />

aus dem Betonklotz 2000 schallen.<br />

Eine Gruppe junger Menschen formuliert<br />

selbstbewusste Identitäten abseits<br />

bürgerlicher Zuschreibungen von Armut,<br />

Herkunft, Klasse und Sexualität. Als<br />

städtebauliches Vorbild dient das<br />

Hannoveraner Ihme-Zentrum, aber die<br />

Geschichte könnte ebenso gut in vielen<br />

anderen Großsiedlungen spielen.<br />

© TOBIAS KORTH<br />

Deutschland,<br />

du hast all die Träume,<br />

die wir hatten /<br />

Verkapitalisiert /<br />

Unsere Armut braucht’s /<br />

Um dich zu erhalten<br />

Schauspiel<br />

„Betonklotz 2000 ist ein mutiger Text, eben weil<br />

er so nah dran bleibt an seinen Protagonist:innen<br />

und ihren Gefühlen. Sie sprechen aus, was<br />

scham behaftet in so vielen Körpern schlummert.<br />

Dabei sind sie mal zart, mal laut, mal verspielt,<br />

vor allem aber: aufrichtig. Die Theorie lauert in<br />

den Tiefen der Figuren, aber theoretisch sind sie<br />

nicht, sondern voller Leben und Energie. Sogar<br />

der Klotz, er spricht, er fühlt und positioniert sich.“<br />

SASKIA JABŁOŃSKA IN THEATER HEUTE<br />

Jona Rausch studiert Literarisches<br />

Schreiben in Leipzig. Sie hat in diversen<br />

Zeitschriften wie Bella triste, Gym und<br />

Das Narr veröffentlicht. Außerdem ist sie<br />

Herausgeberin der Literaturzeitschrift<br />

Tippgemeinschaft und arbeitet für das<br />

queere Jugendnetzwerk Lambda. In<br />

ihren Texten setzt sie sich mit Armut,<br />

Geschlecht und gesellschaftlichen<br />

Transformationsprozessen auseinander.<br />

Mit Betonklotz 2000 war sie für das<br />

Hans-Gratzer-Stipendium 2023/24<br />

nominiert.


Er ist drin, sie sind draußen:<br />

Nach einem Deal zu viel wartet<br />

der Bruder von Hassan und<br />

Shirin in seiner Zelle auf das<br />

Urteil. Für Shirin – erfolgreich,<br />

mit Uni-Abschluss – ist es die<br />

längst überfällige Konsequenz<br />

eines Lebensstils ohne Willen<br />

zur „Integration“. Für Hassan<br />

und seine Freunde Omar,<br />

Murat und Freddie – Mitte<br />

zwanzig, WhatsApp-Gruppenname:<br />

„Straßenköter“ – ist es<br />

die willkürliche Gewalt eines<br />

Systems, das ihnen nie eine<br />

Chance gegeben hat.<br />

Noch eine letzte Sportzigarette,<br />

dann nehmen sie ihr<br />

Schicksal endlich selbst in die<br />

Hand: mit einer Demo, die den<br />

ganzen Druck in politische<br />

Energie umwandeln soll.<br />

Für DRUCK! legte Arad<br />

Dabiri sein Ohr ganz nah an<br />

die Straßen seiner Stadt. In<br />

klaren Dialogen, suchenden<br />

Mon o logen und rhythmischen<br />

Versen geht es um den großen<br />

Begriff der Herkunft aus<br />

einer Perspektive, die sich<br />

täglich mit dem Spannungsfeld<br />

zwischen Anpassung und<br />

„Diskriminierung, Widerstand,<br />

Identitätsstolz, rechter Populismus:<br />

Arad Dabiri liefert keine<br />

Antworten, lässt mögliche<br />

Lösungen im Raum schweben,<br />

aber er zeigt eine ganze kleine<br />

Welt, die neben uns existiert,<br />

deren Fremdheit er aufbrechen<br />

will. Das Anderssein als Chance,<br />

das Durchsetzen von Individualität<br />

nicht als Kampfansage,<br />

sondern als Angebot, eine<br />

Gesellschaft zu schaffen, die<br />

nicht in ihren Stereotypen<br />

stecken bleibt.“<br />

FRANZISKA BETZ IN THEATER HEUTE<br />

Selbstbehauptung konfrontiert<br />

sieht. Die Situation um<br />

DR K!<br />

den verlorenen Bruder wird<br />

zum Brennglas: Was heißt das<br />

eigentlich, Verantwortung zu<br />

UC<br />

übernehmen, für sich selbst,<br />

die eigene Community, die<br />

Gesellschaft?<br />

1D, 4H<br />

UA: 23.01.20<strong>25</strong>,<br />

Nationaltheater Mannheim<br />

In meiner Stadt<br />

Wirst du etwas<br />

Oder aber fällst<br />

Aus dem sechsten Stock<br />

weitere Werke (Auswahl): DRAMA (Roman) / GLORIA! (Roman)<br />

Für sein Debütstück<br />

DRUCK! wurde Arad<br />

Dabiri mit dem Autor:innenpreis<br />

des Heidelberger<br />

Stückemarkts ausgezeichnet.<br />

Bereits im<br />

Herbst 2023 erhielt er für<br />

sein Romandebüt DRAMA<br />

den Debütpreis des österreichischen<br />

Buchpreises,<br />

sein zweiter Roman<br />

GLORIA! ist im Oktober<br />

erschienen (siehe S. 81).<br />

Für das Theater Phönix in<br />

Linz schreibt Arad Dabiri<br />

eines von vier Kurzstücken<br />

für die Produktion<br />

„Eigentlich fehlt uns nur<br />

noch … was uns halt<br />

noch fehlt“ (Premiere im<br />

Februar 20<strong>25</strong>). Am Burgtheater<br />

Wien leitet er im<br />

Frühjahr 20<strong>25</strong> ein Schrei b -<br />

labor. Mit seinem neuen<br />

Stückprojekt ANGST!<br />

ist Arad Dabiri für das<br />

Hans-Gratzer-Stipendium<br />

<strong>2024</strong>/<strong>25</strong> am Schauspielhaus<br />

Wien nominiert.<br />

© ANNA RADASCHÜTZ<br />

11<br />

ARAD DABIRI<br />

Schauspiel


12<br />

Die Entführung<br />

der Amygdala<br />

mind. 1D<br />

UA: 19.01.<strong>2024</strong>, Theaterhaus Jena<br />

ANNA GSCHNITZER<br />

Schauspiel<br />

Es beginnt mit einem Knall. Der Kopf<br />

bounct auf die Motorhaube und das<br />

Patriarchat fetzt ihr aus dem Schädel.<br />

Eben noch hat sie sich abgestrampelt,<br />

um es allen recht zu machen, um alle<br />

Erwartungen und die selbstgesteckten<br />

Ziele zu erfüllen – im Job, in der Familie,<br />

im Alltagswahnsinn. Jetzt liegt sie<br />

nach einem Fahrradunfall bewusstlos<br />

auf der Straße und ihre Amygdala übernimmt<br />

– und die ist gnadenlos: Sie<br />

vergisst, dass sie Mutter ist, vergisst ihre<br />

Kinder, ihren Mann, den Kredit für die<br />

Immobilie, die gläserne Decke, die sie<br />

nach ihrer Elternzeit einfach nicht mehr<br />

durchbrechen kann, die Lebenskosten,<br />

die das Einkommen übersteigen, den<br />

ganzen Struggle, lässt das alles hinter<br />

sich, mit einem Mal. Aber kann man<br />

das – kann man das wirklich?<br />

Anna Gschnitzer zeigt eine Frau,<br />

deren Leben am seidenen Faden hängt<br />

und die eine radikal neue Perspektive<br />

erprobt. Sie schafft es, dass der Text bei<br />

aller Verspieltheit nie die existenzielle<br />

Not der Situation verliert, und schickt<br />

ihre Protagonistin jenseits ihrer Rolle als<br />

Mutter und Ehefrau auf die Reise, vielleicht<br />

in ein anderes Universum.<br />

Ganz angenehm, hier<br />

mal zu liegen, ehrlich<br />

gesagt. Bisschen<br />

Shavasana im<br />

Straßenverkehr,<br />

wer braucht schon<br />

dieses exorbitant<br />

teure Retreat<br />

auf den Seychellen.<br />

© SIMA DEGHANI<br />

„Das ist ein pointierter und<br />

kraftvoller Text mit Biss<br />

und Witz. Diese siebzig<br />

Minuten bedeuten im<br />

Grunde einen verlängerten<br />

und veränderten Hamlet-<br />

Moment: Sterben –<br />

schlafen – nichts weiter;<br />

und das Unterbewusstsein<br />

beendet alle Feigheit.<br />

Ein Abend, der sein<br />

Publikum listig überfährt. “<br />

THEATER DER ZEIT<br />

„Ein Abend, der aktuelle<br />

gesellschaftliche Fragen<br />

von einer ganz unerwarteten<br />

Position aus aktualisiert<br />

und so inhaltlich wie auch<br />

ästhetisch mehr als<br />

überzeugt. “<br />

THEATER HEUTE


In der Spielzeit <strong>2024</strong>/<strong>25</strong> wird von Anna Gschnitzer<br />

Die Entführung der Amygdala u. a. an der Berliner<br />

Schaubühne (Regie: Anika Stauch) und den Vereinigten<br />

Bühnen Bozen (Regie: Nele Lindemann)<br />

nachinszeniert. Capri hat im Februar 20<strong>25</strong> am Theater<br />

praesent in Innsbruck Premiere. Ich, Antigone ist<br />

weiterhin in Alexander Nerlichs Uraufführungsinszenierung<br />

am Staatstheater Mainz zu sehen.<br />

Die Autorin schreibt derzeit an einem Stück für das<br />

Theater Ingolstadt.<br />

13<br />

Im Sommer muss man unbedingt<br />

und ausnahmslos euphorisch sein.<br />

Ansonsten war’s ein Fail.<br />

Der Sommer, dein Leben, Du.<br />

CAPRI<br />

Es gibt da dieses Bild, es zeigt ihre<br />

Mutter, oder jemanden, der ihre Mutter<br />

werden sollte. Ein elf Jahre altes Mädchen<br />

im Urlaub. Vor dem Hintergrund eines<br />

tiefblauen Mittelmeers. Dieses Bild muss<br />

aus einer anderen Welt stammen, denn<br />

ihre Mutter ist als Kind nie in den Urlaub<br />

gefahren. Die Tochter wollte verstehen,<br />

was in dieser Welt, die außerhalb der<br />

entbehrungsreichen Kindheit der Mutter<br />

zu liegen scheint, noch möglich gewesen<br />

wäre. Sie wollte zurück zu dem Moment,<br />

in dem ihre Mutter mehr hätte sein<br />

können als das Dienstmädchen reicher<br />

Leute. Sie wollte über soziale Ungleichheit,<br />

das Recht auf Erholung und Urlaub<br />

schreiben, über Freiheit und Selbstbestimmung<br />

in einem Leben, das von<br />

Sorge und Fürsorge geprägt war. Über<br />

zwei Frauen, die beide nicht gelernt<br />

hatten, wie Selbstliebe geht, und es sich<br />

nun beibringen wollen, unter der Sonne<br />

von Capri, zwischen ihnen ein Meer<br />

aus Konflikten, die Distanz einer Klasse<br />

und die große Sehnsucht nach Nähe.<br />

Und … sie musste diese verdammte<br />

Deadline halten.<br />

Besetzung variabel<br />

UA: 08.05.<strong>2024</strong>, Schauspielhaus Wien<br />

„Mit Raffinesse ver -<br />

webt die Autorin die<br />

anklagenswerte<br />

Lage schlecht oder<br />

unbezahlter Pflegearbeit<br />

mit einer<br />

exhibitionistischen<br />

Fahrt ins Blaue.<br />

Diese angespannt<br />

knisternde Tonlage<br />

und Dynamik des<br />

Textes würdigt<br />

Regisseurin Voigt<br />

mit ansteigender<br />

Konzentration.“<br />

DER STANDARD<br />

„Gschnitzers Text<br />

hat einen guten<br />

Rhythmus und<br />

enormen Drive. (…)<br />

Die Idee, über den<br />

Umweg einer<br />

Autor innen-Nabelschau<br />

von der<br />

Erschöpfung der<br />

Frauen zu erzählen,<br />

ist schon richtig gut.“<br />

THEATER HEUTE<br />

weitere Stücke: Einfache Leute / Fallen / Fanes / Wasser<br />

Schauspiel ANNA GSCHNITZER


14<br />

Ich habe es<br />

versucht /<br />

Dieses Rätsel<br />

zu lösen /<br />

Ich zu sagen /<br />

Ich, Antigone<br />

Ich, Antigone<br />

ANNA GSCHNITZER<br />

Schauspiel<br />

„Gemeinsamschwesterliches!“<br />

Das ist das erste Wort des<br />

antiken Klassikers von Sophokles.<br />

Anna Gschnitzer entdeckt<br />

in dem alten Konflikt<br />

zwischen Antigone und Kreon<br />

aktuelle Aspekte einer Gesellschaft<br />

zwischen Spaltung,<br />

Polarisierung und Solidarität.<br />

Antigone widersetzt sich<br />

dem Gebot ihres Onkels, des<br />

neuen Herrschers Thebens,<br />

und bestattet ihren Bruder,<br />

der zum Staatsfeind erklärt<br />

worden war. In ihren Auseinandersetzungen<br />

mit Kreon,<br />

aber auch mit ihrer Schwester<br />

Ismene und ihrem Verlobten<br />

Haymon scheinen unvereinbare<br />

Positionen gegeneinanderzustehen.<br />

weitere Stücke: Einfache Leute / Fallen / Fanes / Wasser<br />

Wo endet die gemeinsame<br />

Sprache und wann muss der<br />

Bruch riskiert werden, um die<br />

eigenen Ideale, aber auch<br />

die gesellschaftliche Ordnung<br />

zu schützen – vor deren<br />

Scherben man steht ? Wann<br />

wird ziviler Ungehorsam<br />

nötig? Was bedeutet es, allein<br />

zu einer Heldin des Widerstands<br />

zu werden, wenn politisches<br />

Handeln eigentlich<br />

eine kollektive Verbindung<br />

voraussetzt – ein Gemeinsamschwesterliches?<br />

© ANDREAS ETTER / STAATSTHEATER MAINZ<br />

6 Darsteller:innen<br />

UA: 28.06.<strong>2024</strong>, Staatstheater Mainz<br />

„In Anna Gschnitzers Sophokles-<br />

Überschreibung wimmelt es vor<br />

Gegenwartsmarkern. (…)<br />

Gschnitzer präsentiert moderne<br />

Figuren, die sich um keinen<br />

Götterhimmel scheren.“<br />

NACHTKRITIK<br />

„Das, was in der staubigen Luft<br />

Thebens liegt, ist viel komplizierter<br />

in der freien Versfassung, die<br />

Gschnitzer geschrieben hat.<br />

Sie macht, mit der Genealogie<br />

von Laios bis Antigone,<br />

eine Geschichte familiärer<br />

Traumata auf.“ FAZ


Milch & Schuld<br />

15<br />

Sina Ahlers gewann 2020 mit Schamparadies<br />

einen der Autor:innenpreise<br />

des Heidelberger Stückemarkts.<br />

Seitdem entstanden mehrere Auftragswerke,<br />

u. a. für das Landestheater<br />

Tübingen, Landestheater Detmold und<br />

Staatstheater Kassel. Als Prosaautorin<br />

gewann sie beim 27. open mike 2019<br />

und wurde mit dem taz-Publikumspreis<br />

ausgezeichnet. Zudem erhielt sie zahlreiche<br />

Stipendien, darunter das Arbeitsstipendium<br />

Hessen (2022) und das<br />

Autor:inne nstipendium des Deutschen<br />

Literaturfonds für ein neues Theaterstück<br />

(2023) . Seit der Spielzeit <strong>2024</strong>/<strong>25</strong><br />

ist Sina Ahlers für zwei Jahre Artist in<br />

Residence am Theater Bielefeld.<br />

Das ist das Schöne<br />

an Bahnhöfen.<br />

Es wundert sich<br />

keiner über Tränen.<br />

Auf dem Stahlträger einer<br />

Bahnhofshalle gurrt eine einbeinige<br />

Taube und macht sich<br />

ihre Gedanken. In ihrem<br />

Sichtfeld sitzen, weit voneinander<br />

entfernt, zwei Frauen,<br />

die offensichtlich auf etwas<br />

warten. Aufeinander? Dem<br />

ersten Anschein nach haben<br />

die beiden nichts gemeinsam,<br />

kommen aus unterschiedlichen<br />

Welten, doch die Taube<br />

hat so eine Ahnung. Sie<br />

schwingt sich hinab und landet<br />

zu Füßen von Zartie, die<br />

tatsächlich ein Geheimnis in<br />

sich trägt – Zarties Uterus ist<br />

Teil eines Geschäfts und der<br />

Embryo die Ware. Ein Vertrag<br />

wurde zwischen den beiden<br />

Frauen geschlossen.<br />

© JULIAN MICHEL<br />

mind. 2D<br />

UA: 06.12.<strong>2024</strong>, Staatstheater Kassel<br />

Doch was geschieht, wenn<br />

die Natur sich nicht an die<br />

Klauseln hält?<br />

Das Tabuthema der Leihmutterschaft<br />

dient Sina<br />

Ahlers als Anlass, um mit<br />

Erwartungshaltungen an den<br />

weiblichen Körper abzurechnen<br />

und Bilanz zu ziehen:<br />

Sind die Herausforderungen<br />

von Schwangerschaft und<br />

Mutterschaft in Zahlen aufzuwiegen?<br />

Ebenso radikal<br />

wie humorvoll nennt Milch &<br />

Schuld das Kind beim Namen<br />

und fragt zugleich, was eine<br />

Mutter zur Mutter macht.<br />

„Milch & Schuld spricht an, was<br />

hinter verschlossenen Türen<br />

verarbeitet wird, wofür es wenig<br />

Öffentlichkeit gibt. Das ist es,<br />

was den Text so stark macht<br />

und genau richtig fürs Theater.<br />

(…) Endlich, denn es geht um<br />

nichts Geringeres als Verwundbarkeit,<br />

Liebe und die gemeinsame<br />

Überwindung von Tabus.“<br />

LAURA KOHLMAIER UND PATRICIA<br />

NICKEL-DÖNICKE IN THEATER HEUTE<br />

SINA AHLERS<br />

weitere Stücke (Auswahl): Schamparadies / Sie sagen Täubchen, ich sag Taube / #BerlinBerlin<br />

Schauspiel


16<br />

AMIR GUDARZI: ALS DIE GÖTTER MENSCHEN WAREN, NATIONALTHEATER MANNHEIM <strong>2024</strong> © MAXIMILIAN BORCHARDT<br />

Schauspiel


17<br />

Warum hatten die<br />

Menschen das Bedürfnis,<br />

Tiervideos zu produzieren?<br />

Warum schauten sie sich<br />

Katzenvideos an?<br />

<br />

AMIR GUDARZI: ALS DIE GÖTTER MENSCHEN WAREN


18<br />

AMIR GUDARZI<br />

Schauspiel<br />

Häuslfrau<br />

Für die Häuslfrau ist der Betrieb<br />

ihres Toilettenhäuschens<br />

nicht weniger als ein Dienst<br />

an Gott. Neben Reinigen und<br />

Abkassieren kümmert sie<br />

sich hingebungsvoll um die<br />

kleinen und großen Probleme<br />

ihrer Kundschaft. Diese<br />

Nächstenliebe bleibt auch<br />

dem Pfarrer ihrer Gemeinde<br />

nicht verborgen: Verbittert<br />

über die schwindende Bedeutung<br />

der Kirche, spannt er<br />

die Häuslfrau, seine „Musterchristin“,<br />

für einen irren<br />

Brandanschlag ein, der die<br />

verängstigte Bevölkerung<br />

zurück ins Haus Gottes<br />

führen soll.<br />

Häuslfrau (Das Feuer<br />

steckt im Feuer) ist ein früher<br />

Text von Amir Gudarzi in der<br />

Tradition österreichischer<br />

Volksstücke. Strukturiert in<br />

elf Gebote und geschrieben<br />

in klassischen Dialogen,<br />

jongliert das Stück tragikomisch<br />

mit scheinheiliger<br />

Moral und Vorurteilen aus<br />

der sogenannten Mitte der<br />

Gesellschaft. Im Zentrum:<br />

eine bodenständige Frau, die<br />

sich aufrichtig dem Leben<br />

ihrer Mitmenschen widmen<br />

möchte und dabei übersieht,<br />

dass sie von einem Vertreter<br />

einer reaktionären Ideologie<br />

instrumentalisiert wird.<br />

frei zur UA<br />

Das Feuer steckt im Feuer<br />

2D, 2H<br />

weitere Werke (Auswahl): Als die<br />

Götter Menschen waren / Am<br />

Anfang war die Waffe / Die Burg<br />

der Assassinen / Das Ende ist nah<br />

(Roman) / Quälbarer Leib – ein<br />

Körpergesang / Wonderwomb<br />

Ausschnitte aus Häuslfrau (Das Feuer<br />

steckt im Feuer) bildeten im Mai <strong>2024</strong><br />

den Rahmen der Produktion „Im<br />

Glashäusl“ am Schauspielhaus Wien.<br />

Daneben feierten in der Spielzeit<br />

2023/24 vier Stücke von Amir Gudarzi<br />

ihre Ur- bzw. Erstaufführung an deutschen<br />

Theatern. Zuletzt schrieb Amir<br />

Gudarzi Als die Götter Menschen<br />

waren im Rahmen seiner Hausautorenschaft<br />

am Nationaltheater Mannheim.<br />

Die UA-Produktion wurde zu den<br />

Autor:innentheatertagen ans Deutsche<br />

Theater Berlin eingeladen („Ein sehr<br />

geschickt verschiedene Zeit ebenen<br />

verschränkendes Stück. Gudar zis Text<br />

beamt uns mit ungeheurer Geschwindigkeit<br />

zu verschiedenen Schauplätzen von<br />

Ausbeutung, Betrug und Verrat“, taz). In<br />

der Spielzeit <strong>2024</strong>/<strong>25</strong> werden Quälbarer<br />

Leib – ein Körpergesang (ausgezeichnet<br />

mit dem Grabbe-Preis) am<br />

Hessischen Landestheater Marburg<br />

und Wonderwomb (ausgezeichnet mit<br />

dem Kleist-Förderpreis) am Deutschen<br />

Theater Berlin nachgespielt. Die Ur -<br />

aufführung seines viel diskutierten<br />

Debütromans Das Ende ist nah ist für<br />

die Spielzeit 20<strong>25</strong>/26 geplant.<br />

© JÜRGEN PLETTERBAUER<br />

Heutzutage sind<br />

die Menschen das,<br />

was sie essen.<br />

Früher war es<br />

schwieriger.<br />

Es war alles eintönig<br />

und fad.<br />

Es gab Leberkäse,<br />

Bier und Würstel.<br />

Egal ob Professor<br />

oder Arbeiter.<br />

Alle rochen gleich.<br />

„Die weit blickenden Texte<br />

des Wiener Autors Amir<br />

Gudarzi sind für die Bühnen<br />

ein Versprechen.“<br />

BERLINER ZEITUNG


Die Schwestern Minka und<br />

Magda schlagen im sogenannten<br />

Osten Europas<br />

die Zeit tot. Nur ein paar<br />

Tourist:in nen verirren sich<br />

gelegentlich in diese Region,<br />

wo sich die Gegenwart im<br />

Kreis zu drehen scheint.<br />

Dann steht eines Tages der<br />

Cousin mit der Leiche seines<br />

Vaters vor ihnen. Der Onkel<br />

ist damals in den „Norden“<br />

ausgewandert, nun soll ihm<br />

sein letzter Wunsch erfüllt<br />

werden: ein Begräbnis in der<br />

alten Heimat. Minka und<br />

Magda streiten: Will der<br />

„Norden“ hier nur ein weiteres<br />

Mal abladen, was er nicht<br />

mehr braucht? Wohin mit<br />

der Leiche, mit dem Erbe, der<br />

Geschichte? Mit dem toten<br />

Onkel im Gepäck brechen die<br />

beiden Schwestern zu einer<br />

außer gewöhnlichen Reise auf.<br />

Bevor Minka und Magda<br />

die Umrisse eines neuen<br />

Europas an den Horizont<br />

zeichnen, lässt Ivana Sokola<br />

ihre Protagonistinnen einen<br />

wilden Ritt durch die Trümmer<br />

des alten Kontinents unternehmen.<br />

Wortgewaltig, bildstark<br />

und absurd-komisch<br />

rast Balkan Drift durch Ge -<br />

genwart und Zukunft eines<br />

brüchigen Staatengebildes –<br />

und übt Kritik am nord-eurozentrischen<br />

Blick auf die Welt.<br />

2D, 1H<br />

UA: 27.09.<strong>2024</strong>, Schauspiel Köln<br />

„Wer sollte das Stück unbedingt sehen?“ –<br />

„Alle, die mehr als eine Heimat haben. Alle, die sich<br />

vor der Zukunft fürchten und Trost brauchen.<br />

Alle, die mit ihren Geschwistern oder Verstorbenen<br />

mal wieder ein Wörtchen zu reden hätten.“<br />

INTERVIEW MIT IVANA SOKOLA IM SPIELZEITHEFT<br />

DES SCHAUSPIELS KÖLN<br />

ICH WILL<br />

DAS NICHT.<br />

ICH WILL<br />

SEINE<br />

GESCHICHTE<br />

NICHT IN<br />

MEINER.<br />

© LINUS MUELLERSCHOEN<br />

Balkan Drift, ein Auftragswerk<br />

für das Schauspiel<br />

Köln, ist die zweite Zusammenarbeit<br />

zwischen Ivana<br />

Sokola und Regisseurin<br />

Jana Vetten. Bereits 2023<br />

inszenierte Jana Vetten<br />

Pirsch am Theater Heidelberg,<br />

das im Jahr zuvor mit<br />

dem Autor:innenpreis des<br />

Heidelberger Stückemarkts<br />

ausgezeichnet worden war.<br />

Im Januar 20<strong>25</strong> folgt mit<br />

einem Stückprojekt über<br />

weibliche Wut das Ergebnis<br />

einer weiteren Zusammenarbeit<br />

am Kosmos Theater<br />

Wien. In der vergangenen<br />

Spielzeit schrieb Ivana<br />

Sokola einen szenischen<br />

Kommentar für Theresa<br />

Thomasbergers Inszenierung<br />

„Männerphantasien“<br />

am Deutschen Theater<br />

Berlin. Ivana Sokolas mit<br />

dem Kleist-Förderpreis<br />

ausgezeichnetes Stück Kill<br />

Baby wurde am Landestheater<br />

Tübingen nachgespielt.<br />

Zudem wurden<br />

2023/24 ihr Stück über<br />

EU-Bürokratie Euromüll<br />

am Hessischen Landestheater<br />

Marburg und ihre<br />

Dialogneufassung der<br />

Zauberflöte am Theater<br />

Hof uraufgeführt.<br />

19<br />

IVANA SOKOLA<br />

Balkan Drift<br />

weitere Stücke (Auswahl): Euromüll / Kill Baby / Pirsch / Die Zauberflöte (Dialogneufassung)<br />

Schauspiel


20<br />

Der Grund.<br />

Eine Verschwindung<br />

SOKOLA//SPRETER<br />

Schauspiel<br />

4D, 2H, Chor<br />

UA: 28.09.<strong>2024</strong>, Nationaltheater Mannheim<br />

Vor 50, 60 oder 70 Jahren<br />

wurde das Dorf geflutet, für<br />

den Fortschritt, wie es hieß.<br />

Heute ragt bloß noch die<br />

Kirchturmspitze aus dem See.<br />

Aber nicht alle Bewohner:innen<br />

des Dorfs ließen sich damals<br />

umsiedeln: Einige wenige<br />

sind aus Protest in ihren<br />

Häusern geblieben und<br />

backen am Grund des Sees<br />

weiter ihre nassen Brötchen,<br />

pflegen Freundschaften und<br />

Liebeleien zwischen Algen<br />

und Aalen – vereint im Widerstand<br />

gegen „die da oben“<br />

und konserviert in der guten,<br />

alten Zeit. Bis eines Tages<br />

Kräne anrollen, um das Dorf<br />

zu heben und im örtlichen<br />

Museum auszustellen.<br />

„Für ewiglich aquatisch“, ruft<br />

der Chor der handballspielenden<br />

Jugendlichen. Doch wie<br />

lebt es sich im selbstgewählten<br />

Stillstand? Und was<br />

macht es mit der Dorfgemeinschaft,<br />

wenn die Zeiger der<br />

Kirchturmuhr sich wieder zu<br />

drehen beginnen? In Der<br />

Grund. Eine Verschwindung<br />

gehen Sokola//Spreter voller<br />

Leichtigkeit und mit feiner<br />

ironisch-romantischer Fantastik<br />

den allzu realen Stimmen<br />

auf den Grund, die heute nach<br />

gesellschaftspolitischer<br />

Restauration schreien.<br />

Für ihren Stückentwurf zu Der Grund.<br />

Eine Verschwindung wurden Sokola//<br />

Spreter (Ivana Sokola und Jona Spreter)<br />

und Regisseur Pablo Lawall mit dem<br />

Reinhold Otto Mayer Preis ausgezeichnet.<br />

In ihrer Laudatio hob die Jury u. a. das<br />

originelle Setting der unter Wasser<br />

lebenden Gemeinschaft mit Anleihen an<br />

Sartre und Beckett hervor, die vielen<br />

thematischen Anknüpfungspunkte und<br />

Assoziationsmöglichkeiten des Stücks<br />

mit seinen „liebevoll skurril und märchenhaft“<br />

gezeichneten Figuren sowie<br />

den „pointierten, knapp bemessenen<br />

und präzise gearbeiteten Sprachstil“.<br />

Bereits bei den Uraufführungen von<br />

Split (Theater Münster <strong>2024</strong>) und Polar<br />

(Theater Drachengasse Wien 2023)<br />

arbeiteten Autor:innenduo und Regisseur<br />

zusammen. Eine weitere Zusammenarbeit<br />

führt sie in der Spielzeit<br />

24/<strong>25</strong> erneut an das Theater Drachengasse,<br />

wo sie eine Bearbeitung des<br />

Nibelungen- Stoffs auf die Bühne<br />

bringen werden. Im Auftrag des Staatstheaters<br />

Nürnberg schreiben Sokola//<br />

Spreter mit Eliza eine Bearbeitung des<br />

Pygmalion- Stoffs, die Schauspieldirektor<br />

Jan Philipp Gloger auf die Bühne<br />

des Schauspielhauses bringen wird.


21<br />

BEVOR WIR<br />

UNTERGEHEN<br />

GEHEN WIR<br />

LIEBER UNTER<br />

Der Sprachwissenschaftler Henry<br />

Higgins wettet, dass er das arme Blumenmädchen<br />

Eliza Doolittle in eine elegante<br />

Dame umerziehen kann. Das Experiment<br />

gelingt, Eliza spricht und knickst sich<br />

innerhalb weniger Monate durch die<br />

Oberschicht, doch gehört sie damit auch<br />

dazu? Welche Regeln und Codes<br />

machen gesellschaftliche Herkunft sichtbar?<br />

Welchen Einfluss hat Sprache auf<br />

die Wahrnehmung von Klasse und<br />

Geschlecht? Welches Sprechen öffnet<br />

uns vermeintlich alle Türen?<br />

Eliza, warum hast du so große<br />

Ohren? — Damit ich dich besser<br />

hören kann, Georgie.<br />

Mit Eliza lösen Sokola//Spreter die titelgebende<br />

Protagonistin aus dem Stück<br />

von George Bernard Shaw, lassen sie<br />

ihren Autor buchstäblich verschlingen<br />

und schaffen damit Platz für eine eigene<br />

Fortführung der Geschichte. Für Eliza<br />

liegt das Experiment hinter ihr, nun hat<br />

sie die Macht, etwas zu verändern. Aber<br />

was? Wie zeigt sich Entfremdung von<br />

der eigenen Klasse und die Scham darüber?<br />

Kann Eliza als Aufsteigerin in der<br />

Gesellschaft bestehen?<br />

© LINUS MUELLERSCHOEN<br />

frei nach „Pygmalion“<br />

von George Bernard Shaw<br />

Eliza<br />

2D, 4H<br />

UA: 21.02.20<strong>25</strong>, Staatstheater Nürnberg<br />

weitere Stücke (Auswahl): Farn Farn Away / Mann liebt Hund / Polar / Split<br />

SOKOLA//SPRETER<br />

Schauspiel


22<br />

JONA SPRETER<br />

Was ist mit Ludovika und<br />

Stawrogin geschehen? Zwei<br />

Frauen, die in der Totenstube<br />

das Begräbnis der beiden<br />

vorbereiten, stellen ihre Mutmaßungen<br />

an. Daraus entspinnt<br />

sich die Geschichte<br />

dieses wundersamen Paars:<br />

wie Ludovika und Stawrogin<br />

sich beim Tanz auf dem Apfelblütenfest<br />

auf die Füße treten<br />

und verlieben; wie Stawrogin<br />

in einen Krieg zieht, von dem<br />

nicht klar ist, ob es ihn gibt;<br />

wie Ludovika unterdessen<br />

dem Katholizismus und den<br />

Männern abschwört; wie<br />

Stawrogin mit einer Sporttasche<br />

über der Schulter<br />

zurückkehrt und sich die beiden<br />

umständlich umarmen.<br />

In 13 Szenen erzählt Jona<br />

Spreter mit Totenüberlebung<br />

ein postmodernes Märchen<br />

über die Suche nach Identität<br />

und Zugehörigkeit, Liebe<br />

und Tod. Was gibt dem<br />

Menschen Sinn? Während<br />

Stawrogin die großen Antworten<br />

in der neueren Literatur-<br />

und Kulturgeschichte<br />

sucht, verabschiedet sich<br />

Ludovika schließlich von den<br />

überlieferten Erzählungen:<br />

„Die Männer denken, sie denken<br />

nach, aber sie machen<br />

nur ein dummes Gesicht.“<br />

Wenn Sie mich anschauen,<br />

ist da Liebe?<br />

Da ist ein Gefühl.<br />

Was macht das Gefühl.<br />

Ich weiß nicht.<br />

Es … bellt?<br />

„Die Bühne [wird zum] Raum,<br />

den Tod auszuprobieren. Mal<br />

fühlt man das sinnlose Kreisen<br />

Beckett’scher Figuren, dann<br />

wird man überspült von<br />

Wortströmen.“<br />

SÜDDEUTSCHE ZEITUNG<br />

© JULIAN BLUM<br />

Totenüberlebung wurde als Koproduktion<br />

zwischen der Otto Falckenberg<br />

Schule und den Münchner Kammerspielen<br />

uraufgeführt, inszeniert von Paula<br />

Schlagbauer. In dieser Spielzeit folgt eine<br />

weitere Zusammenarbeit zwischen Jona<br />

Spreter und der Regisseurin an den<br />

Münchner Kammerspielen, eine Stückentwicklung<br />

über König Otto I. von<br />

Griechenland mit dem Arbeitstitel<br />

„Bavariokratie“. Jona Spreters Stück<br />

Subspace über die Suche eines jungen<br />

Autors nach der eigenen queeren Erzählung<br />

ist noch frei zur Uraufführung.<br />

„Ein absurdes Spiel mit<br />

herrlich stumpfsinnigen<br />

Figuren, die in ihrer Realität<br />

Toten<br />

an existentielle Fragen<br />

stoße n.“<br />

überlebung<br />

M94.5<br />

3D, 2H<br />

UA: 15.05.<strong>2024</strong>, Münchner Kammerspiele<br />

Schauspiel<br />

weitere Stücke (Auswahl): Subspace


frei zur DSE<br />

Deutsch von Anna Gschnitzer<br />

mind. 1D, 2H<br />

23<br />

Information<br />

In seinem neuen Stück richtet<br />

Nathan Ellis den Blick auf<br />

Verschwörungstheorien, auf<br />

Verlockungen und Verwirrungen<br />

des Internets. Ganz konspirativ<br />

gefragt: Lässt sich<br />

angesichts konkurrierender<br />

Narrative und unüberschaubarer<br />

Bilderflut überhaupt<br />

noch eine Wahrheit herausfiltern?<br />

Zugleich stellt der<br />

Text die Frage, wie sich unser<br />

aller Kommunikation vor<br />

dem Hintergrund von Messenger-Diensten,<br />

Memes und<br />

per manenter Erreichbarkeit<br />

verändert – oder längst<br />

verändert hat.<br />

Inhaltlich lose miteinander<br />

verbundene, formal unterschiedliche<br />

Szenen bilden<br />

dafür den Rahmen: Ein rätselhaftes<br />

Video scheint die heimliche<br />

Vertuschung von amtlichen<br />

Dokumenten zu zeigen.<br />

Ein netter älterer Herr gerät<br />

von harmlosen Suchanfragen<br />

über Diskussionsforen immer<br />

tiefer in Online-Netzwerke,<br />

die zweifelhafte Erzählungen<br />

verbreiten.<br />

weitere Stücke (Auswahl): Super High Resolution<br />

Über einen WhatsApp-Chat<br />

versuchen sich seine zwei<br />

Kinder abzustimmen, während<br />

sie immer wieder von<br />

den Tücken des Alltags abgelenkt<br />

werden. Und schließlich<br />

wird die Frage, inwiefern<br />

wir dem Gesehenen überhaupt<br />

glauben können, an<br />

die Zuschauenden selbst<br />

zurück gespielt.<br />

Es sind keine<br />

Echsenmenschen,<br />

aber ich traue<br />

ihnen nicht.<br />

Nathan Ellis’ Stück Super High Resolution,<br />

das berührende Porträt einer<br />

jungen Ärztin, die von den Mühlen des<br />

Gesundheitswesens zerrieben wird,<br />

hatte bereits im Frühjahr 2023 DSE am<br />

Staatstheater Kassel (Regie: Manon<br />

Pfrunder). Zuletzt wurde sein Stück<br />

„Instructions“ beim Edinburgh Fringe<br />

Festival uraufgeführt. Sein Stück „Work.<br />

txt“, das ganz ohne Darsteller:innen<br />

auskommt, ist international auf Festivals,<br />

immer wieder auch im deutschsprachigen<br />

Raum, zu sehen. Nathan Ellis ist<br />

zudem als Autor am internationalen<br />

Netzwerk Climate Change Theatre<br />

Action beteiligt.<br />

NATHAN ELLIS<br />

Schauspiel


24<br />

Queerio<br />

4 Darsteller:innen<br />

UA: 29.03.<strong>2024</strong>,<br />

Deutsches Theater Göttingen<br />

PHILIPP LÖHLE<br />

Schauspiel<br />

Eigentlich ist doch alles ganz<br />

einfach und in unserer liberalen<br />

Gesellschaft ohnehin längst<br />

akzeptiert. Helena steckt im<br />

falschen Körper, der meist<br />

männlich gelesen und Tom<br />

genannt wird. Doch Helena<br />

hört diese Stimmen, die sie<br />

von ihrem inneren Selbst<br />

abbringen wollen. Und so<br />

steht vor ihrer Emanzipation<br />

ein langer Leidensweg, der<br />

von Ablehnung, Phobien,<br />

expliziten Anfeindungen,<br />

sexualisierter und transphober<br />

Gewalt geprägt ist. Doch es<br />

ist ein Weg, den Helena nur<br />

gemeinsam mit Tom gehen kann.<br />

Nach Gesprächen mit<br />

Menschen aus der LGBTQIA+-<br />

Community und basierend auf<br />

einer wahren Biografie hat<br />

Philipp Löhle eine transgeschlechtliche<br />

Lebensgeschichte<br />

geschrieben. Die komplizierten<br />

emotionalen wie gesellschaftlichen<br />

Konflikte um<br />

Identität und Selbstermächtigung,<br />

die sich daran knüpfen,<br />

werden in einer berührenden<br />

Geschichte deutlich, die sehr<br />

kraftvoll für (Selbst-)Akzeptanz<br />

plädiert.<br />

FIRNIS © STEFANO DI BUDUO / SAARLÄNDISCHES STAATSTHEATER<br />

Ihr seid echt die<br />

blödesten Stimmen,<br />

die man im Kopf<br />

haben kann.<br />

„Die Dialoge zwischen den<br />

Hauptfiguren funkeln förmlich.<br />

(…) Philipp Löhles Stück lebt<br />

von den höchst komplizierten<br />

Strukturen im inneren Kampf<br />

der beiden Figuren.“<br />

DEUTSCHLANDFUNK KULTUR


KANN<br />

NICHT<br />

EINFACH<br />

ALLES<br />

SO<br />

BLEIBEN,<br />

WIE<br />

ES<br />

IST<br />

?<br />

Die bekannte Erzählung von<br />

Washington Irving dient Philipp<br />

Löhle als Anlass, um den Einbruch<br />

des Grauens in die helle Welt des<br />

Fortschritts zu untersuchen. Der<br />

idealistische, junge Schulmeister<br />

Ichabod Crane wird in das abgelegene<br />

Örtchen Sleepy Hollow versetzt.<br />

In der rückwärtsgewandten,<br />

ländlichen Gegend sollen sich<br />

schauerliche Dinge zutragen.<br />

Berichtet wird von Stimmen, Erscheinungen,<br />

Gespenstern und<br />

das Schlimmste: Ein bewaffneter,<br />

kopfloser Reiter treibt sein Unwesen.<br />

Der Lehrer ist davon überzeugt,<br />

den altmodischen Volksglauben<br />

austreiben und die Stimme der<br />

Vernunft und Wissenschaft verbreiten<br />

zu können. Aber selbst er<br />

beginnt letztlich an seinen festen<br />

Überzeugungen zu zweifeln.<br />

Zuletzt wurde von Philipp Löhle das Stück Firnis<br />

ur aufgeführt (Juni <strong>2024</strong>, Saarländisches Staatstheater<br />

Saarbrücken, Regie: Christoph Mehler). „Jener dünne<br />

Firnis der Humanität, der die westliche Zivilisation wie<br />

der Schutzfilm eines Gemäldes überzog, zeigt sich<br />

gründlich abgerieben. “ (Die Deutsche Bühne) „[Eine]<br />

schwarze Komödie, die vom Niedergang der Mittelschichten<br />

kündet.“ (Nachtkritik) In der kommenden<br />

Spielzeit wird Löhles Auftragswerk Das deutsche<br />

Haus in seiner eigenen Inszenierung am Deutschen<br />

Theater Göttingen Premiere haben. Außerdem wird<br />

u. a. Am Rand (ein Protokoll) an der Studiobühne<br />

Bayreuth (März 20<strong>25</strong>) nachgespielt. Für weitere Informationen<br />

zum Autor siehe auch S. 65.<br />

Die<br />

Legende von<br />

Sleepy<br />

Hollow<br />

nach Washington Irving<br />

6 Darsteller:innen<br />

UA: 14.11.<strong>2024</strong>, Staatstheater Nürnberg<br />

Philipp Löhle schafft in seiner theaternahen<br />

Fassung eine Welt, in der<br />

das Unheimliche, das Unerklärliche<br />

in jedem Moment und an jeder<br />

Stelle hervorbrechen kann. Zum<br />

Glück löst sich der Schrecken meist<br />

auf in befreiendes Lachen – bis der<br />

kopflose Reiter wirklich erscheint.<br />

Die Uraufführung am Staatstheater<br />

Nürnberg wird von Christian Brey<br />

inszeniert und von Bühnen- und<br />

Kostümbildnerin Anette Hachmann<br />

ausgestattet.<br />

weitere Stücke (Auswahl): Anfang und Ende des Anthropozäns / Du (Norma) / Du (Normen) /<br />

Feuerschlange / Genannt Gospodin / Kollaps<br />

<strong>25</strong><br />

PHILIPP LÖHLE<br />

Schauspiel


26<br />

Ich fühle mich gerade<br />

sehr nach mir selbst an.<br />

DANIELA LÖFFNER / CHRISTA WINSLOE: SYLVIA UND SYBILLE<br />

Schauspiel<br />

SYLVIA UND SYBILLE, STAATSSCHAUSPIEL DRESDEN 2023 © SEBASTIAN HOPPE


27


28<br />

DANIELA LÖFFNER / CHRISTA WINSLOE<br />

Schauspiel<br />

Jetzt<br />

wird es<br />

kitschig.<br />

Sylvia<br />

Seit dem Tod ihres Ehemanns<br />

sind Sybille und ihr Sohn Fritz<br />

unzertrennlich. In letzter Zeit<br />

kämpft Sybille jedoch zunehmend<br />

mit Sorgen und ein<br />

wenig Eifersucht, denn Fritz<br />

hat sich in die 16-jährige<br />

Sylvia verliebt. Vollkommen<br />

in ihrer Trauer um die verstorbene<br />

Mutter versunken, ist<br />

diese unfähig, Fritz’ Gefühle<br />

zu erwidern, und quält ihn mit<br />

Indifferenz. Um ihrem Sohn<br />

unter die Arme zu greifen, lädt<br />

Sybille Sylvia ein, doch zu<br />

ihrer eigenen Überraschung<br />

verlieben sich die beiden<br />

Frauen ineinander. Sylvia<br />

blüht durch das Gefühl von<br />

Verständnis auf, während<br />

Sybille mit den Konflikten<br />

konfrontiert wird, die aus ihrer<br />

Liebe zu Sylvia, ihren Schuldgefühlen<br />

gegenüber Fritz und<br />

ihrem Kampf gegen gesellschaftliche<br />

Normen entstehen.<br />

DANIELA LÖFFNER © SEBASTIAN HOPPE<br />

Daniela Löffner hat Christa<br />

Winsloes Drama aus den<br />

1930ern neu adaptiert. Dem<br />

alltäglichen Leben abgelauscht,<br />

lassen ihre Dialoge<br />

viel Raum für Ungesagtes<br />

und entfalten gerade dadurch<br />

feine menschliche Nuancen<br />

und Widersprüche. Löffner<br />

lässt ihre Figuren auf einem<br />

schmalen moralischen<br />

Grat balancieren und stellt<br />

die Wertung dem Publikum<br />

anheim.<br />

nach dem Stück<br />

von Christa Winsloe<br />

5D, 4H<br />

UA: 20.05.2023,<br />

Staatsschauspiel<br />

Dresden<br />

Daniela Löffner arbeitet als Regisseurin<br />

u. a. am Schauspiel Stuttgart, Düsseldorfer<br />

Schauspielhaus, Residenztheater<br />

München, Schauspielhaus Zürich und<br />

dem Deutschen Theater Berlin. In der<br />

jährlich erscheinenden Kritiker:innenumfrage<br />

von Theater heute wurde sie<br />

viermal als beste Nachwuchskünstlerin<br />

gewürdigt. Ihre Inszenierungen wurden<br />

zum Festival Radikal jung, dem Berliner<br />

Theatertreffen und den Autor:innentheater<br />

tagen Berlin eingeladen. Seit der<br />

Spielzeit 2017/18 ist sie als Hausregisseurin<br />

am Staatsschauspiel Dresden<br />

engagiert. In ihren Arbeiten setzt sie sich<br />

regelmäßig mit Klassikern auseinander<br />

und hat u. a. für „Einsame Menschen“,<br />

„Lulu“ und „Sommergäste“ Überschreibungen<br />

verfasst. In ihrer Version von<br />

Einsame Menschen gelingt es ihr,<br />

durch einen gekonnt einfachen Wechsel<br />

in der Besetzung die Dreiecksbeziehung<br />

mit neuer Brisanz und Dringlichkeit<br />

aufzuladen.<br />

„Sylvia und Sybille ist nicht nur<br />

die Wiederentdeckung eines<br />

interessanten Stoffes, sondern<br />

ein Plädoyer für hochkomplexes<br />

Schauspieler:innentheater, das<br />

die Spielenden in den Mittelpunkt<br />

stellt und ihnen genau die<br />

Räume und Stoffe gibt, um<br />

spielerisch auf allen Ebenen zu<br />

überzeugen.“<br />

THEATER HEUTE<br />

und<br />

Sybille<br />

weitere Stücke (Auswahl): Einsame Menschen


Liebe und<br />

frei zur DSE<br />

(Sårad ängel)<br />

Deutsch von Jana Hallberg<br />

1D, 1H<br />

UA: <strong>25</strong>.02.2022, Dramaten, Stockholm<br />

29<br />

Abhängigkeit<br />

Ich habe auch ein<br />

bisschen Angst, wenn<br />

du bei mir bist, aber<br />

ohne dich hab ich<br />

noch mehr Angst.<br />

Sara Stridsberg folgt in Liebe<br />

und Abhängigkeit einer<br />

Tochter-Vater-Beziehung über<br />

mehrere Jahrzehnte. Leichthändige<br />

Zeitsprünge und<br />

puristische Dialoge entfalten<br />

eine beinah archaische Kraft,<br />

die tief in die menschliche<br />

Psyche blicken lässt.<br />

Die zwei Menschen in<br />

Stridsbergs Kammerspiel<br />

ringen mal zärtlich, mal bitter<br />

um Vertrauen, Verbindung<br />

und Autonomie. Die Alkoholsucht<br />

des Vaters ist zugleich<br />

Sinnbild für die Abhängigkeit<br />

in einer Beziehung, die von<br />

tiefer, lebenslanger Liebe<br />

geprägt ist. Über die Jahre<br />

wandeln sich Lebensumstände<br />

und familiäre Konstellationen<br />

und fordern unweigerlich<br />

auch die Beziehung<br />

heraus. Obwohl Vater und<br />

Tochter immer wieder mit der<br />

Flüchtigkeit allen Seins konfrontiert,<br />

immer wieder auf<br />

sich selbst zurückgeworfen<br />

werden, bleiben die Bande<br />

zwischen ihnen seltsam unberührt<br />

von der Außenwelt,<br />

wie ein Boot, das in einem<br />

Gewässer schwimmt, in dem<br />

kein Land in Sicht ist.<br />

© CAROLINE ANDERSSON RENAUD<br />

„Die Schauspieler:innen glänzen<br />

in einem verletzlichen Bezie -<br />

hungs drama. (…) Es ist ein<br />

Traumstück, in dem Zeit und<br />

Raum aufgehoben sind, über<br />

zwei Menschen, die versuchen,<br />

einander jenseits des Unverzeihlichen<br />

zu erreichen.“<br />

SVENSKA DAGBLADET<br />

„Mit gnadenloser poetischer<br />

Konkretheit wird die Co-Abhängigkeit<br />

zu einer dritten Figur,<br />

die ein ganzes Leben zerstört.“<br />

AFTONBLADET<br />

weitere Stücke (Auswahl): American Hotel / Medealand / Valerie Solanas, Präsidentin von Amerika!<br />

Sara Stridsberg ist eine der renommiertesten<br />

schwedischen Schriftstellerinnen.<br />

Als ehemaliges Mitglied der Schwedischen<br />

Akademie gilt sie als eine der führenden<br />

Feministinnen und Künstlerinnen in<br />

ihrem Heimatland und darüber hinaus.<br />

Sie wurde mit dem Literaturpreis der<br />

Europäischen Union, dem Dobloug-<br />

Preis und dem Selma-Lagerlöf-Preis<br />

ausgezeichnet und war fünfmal für den<br />

August-Preis nominiert. Als Dramatikerin<br />

erhielt sie Aufträge vom Königlichen<br />

Dramatischen Theater, Dramaten<br />

und weiteren Stockholmer Theatern.<br />

Stridsbergs Romane und Theaterstücke<br />

wurden in mehr als fünfundzwanzig<br />

Sprachen übersetzt bzw. aufgeführt.<br />

Zuletzt wurden u. a. im Dezember 2021<br />

„Dissection d’une chute de neige“ am<br />

Théâtre Amandiers, Nanterre, aufgeführt,<br />

im Januar 2023 Liebe und Ab -<br />

hängigkeit am Théâtre du Rond Point,<br />

Paris, und im April <strong>2024</strong> ihr neues Stück<br />

„Svindel“ am Dramaten, Stockholm.<br />

SARA STRIDSBERG<br />

Schauspiel


30<br />

(Kiselina)<br />

Deutsch von<br />

Elvira Veselinović<br />

3D, 2H<br />

UA: 11.04.<strong>2024</strong>,<br />

Theater Oberhausen<br />

ASJA KRSMANOVIĆ<br />

Schauspiel<br />

Wenn dir das sauer<br />

Eingelegte, so wie<br />

es meine Familie<br />

macht, nicht gefällt,<br />

dann sag es.<br />

Sauer<br />

© EDVIN KALIC<br />

Jedes Jahr kommt die Familie<br />

zusammen, um frisches<br />

Gemüse einzumachen, Glas<br />

für Glas. Doch konservieren<br />

Mutter, Onkel, Sohn und dessen<br />

Verlobte nicht nur die<br />

Ernte des vergangenen Jahres,<br />

sondern auch ihre Konflikte,<br />

die immer aufs Neue<br />

hochkochen. Während des<br />

Waschens, Schneidens und<br />

Einlegens hauen sich die<br />

Familienmitglieder auf unterhaltsame<br />

Weise unbequeme<br />

Wahrheiten um die Ohren und<br />

streuen Salz in alte Wunden.<br />

Was hält sie also noch zusammen?<br />

Neben den eigenen<br />

Beziehungen bilden sie eine<br />

Schicksalsgemeinschaft um<br />

die Pflege der dementen<br />

Großmutter, die, wie die Einmachgläser,<br />

jeden Winter<br />

überdauert.<br />

Asja Krsmanović seziert in<br />

Sauer das Beziehungsgeflecht<br />

einer Familie, indem sie<br />

in jedem der fünf Akte ein<br />

anderes Familienmitglied verschwinden<br />

lässt: Aufeinander<br />

zurückgeworfen liefern sich<br />

die verbleibenden Verwandten<br />

immer wieder aufs Neue<br />

hitzige Wortgefechte und lassen<br />

dennoch die Liebe und<br />

Verantwortung füreinander<br />

aufblitzen.<br />

„Es ist faszinierend zu beobachten,<br />

wie gut man die Figuren<br />

kennenlernt, wenn sie sich<br />

jeweils mit dem Tod eines<br />

anderen auseinandersetzen<br />

müssen. Nach anderthalb<br />

Stunden hat man wirklich das<br />

Gefühl, dass man die Figuren<br />

kennengelernt hat und auch ein<br />

wenig mitfühlt und mitleidet.<br />

Ein guter Text, der sicher nicht<br />

das letzte Mal gezeigt wird.“<br />

WDR 3 MOSAIK<br />

Asja Krsmanović wurde 1988 in Sarajevo, Bosnien und Herzegowina, geboren. Sie<br />

schloss ihr Studium der Dramaturgie an der Akademie der Darstellenden Künste in<br />

Sarajevo ab. Sie arbeitete als Dramaturgin für zahlreiche Theaterstücke sowie für<br />

Radio- und Fernsehprojekte. Seit 2011 arbeitet sie als Koordinatorin des Kurzfilmwettbewerbs<br />

und des Fokusprogramms beim Sarajevo Film Festival, und seit 2017<br />

leitet sie das Student:innenwettbewerbsprogramm. Sie ist Mitglied des Eurodram-<br />

Komitees, eines Netzwerks zur Übersetzung zeitgenössischer Stücke in europäische<br />

Sprachen. Ihr Stück Sauer ging aus dem vom Goethe-Institut initiierten Programm<br />

New Stages South East hervor und wurde im Rahmen des gleichnamigen<br />

Festivals am Theater Oberhausen von einer Fachjury ausgezeichnet und mit der<br />

Uraufführung prämiert.


Yazdgerds<br />

31<br />

Der König ist tot. Das Land in<br />

Kriegswirren versunken. Die<br />

Feinde des Reichs stehen an<br />

den Landesgrenzen. Lässt<br />

sich angesichts des generellen<br />

Chaos überhaupt rekonstruieren,<br />

wie der Herrscher zu<br />

Tode kam? Seine Leiche liegt<br />

in einer unbedeutenden<br />

Mühle, die Generäle des Hofs<br />

sind herbeigeeilt, die Müllersfamilie<br />

sitzt auf der Anklagebank.<br />

Ein packender Krimi<br />

beginnt: Wer ist schuldig?<br />

Wer sagt die Wahrheit? Ist die<br />

Identität des Toten überhaupt<br />

sicher? Der Mann habe in der<br />

Mühle Unterschlupf gesucht,<br />

ohne sich zu erkennen zu<br />

geben, sagt der Müller. Er<br />

habe sich seiner Regierungsverantwortung<br />

entzogen, sagt<br />

die Müllersfrau. Er habe sie<br />

angefleht, ihn umzubringen,<br />

sagt die Tochter. Oder war es<br />

doch ganz anders und im<br />

Mehlstaub liegt nicht der<br />

Herrscher, sondern der<br />

tote Müller?<br />

Tod<br />

Der Text, voller Wendungen<br />

und zunehmend atemloser<br />

Rollenwechsel, handelt von<br />

Herrschaft, Klassenunterschieden<br />

und Orientierungslosigkeit<br />

angesichts einer<br />

multiperspektivischen<br />

Berichterstattung.<br />

„Das Stück von Beyzaie (im Iran<br />

als ‚persischer Shakespeare‘<br />

bezeichnet) besitzt die Spannung<br />

eines Krimis und die<br />

Anordnung eines Brecht’schen<br />

Lehrstücks. Zugleich verhandelt<br />

es in wuchtigem Sprachduktus<br />

das Verhalten der Mächtigen<br />

und die Macht des Erzählens.“<br />

THEATER HEUTE<br />

‏(مرگ یزدگرد)‏<br />

Deutsch von Golbarg Zolfaghari<br />

2D, 5H<br />

UA: 10.09.1979, Stadttheater Teheran<br />

DSE: 02.09.2023, Schauspiel Köln<br />

Bahram Beyzaie, geboren 1938 in<br />

Teheran, lebt seit 2010 im amerikanischen<br />

Exil und lehrt an der Stanford<br />

Universität. Seine Eltern gehörten der<br />

Glaubensgemeinschaft der Bahá’í an.<br />

Nach Beginn eines Studiums der Persischen<br />

Literatur befasste sich Beyzaie<br />

mit der Geschichte des persischen<br />

Theaters und der vorislamischen Kultur.<br />

Er gilt als einer der bekanntesten,<br />

produktivsten und einflussreichsten<br />

Autoren Irans. Als Filmregisseur ist er<br />

weit über die Grenzen seines Heimatlandes<br />

bekannt und zählt zu den Pionieren<br />

der sogenannten „iranischen<br />

Nouvelle Vague“. Von seinen über 50<br />

Theaterstücken gehören einige zum<br />

festen Kanon des iranischen Theaters.<br />

Yazdgerds Tod wurde 1981 von Beyzaie<br />

selbst verfilmt. Zu seinen weiteren<br />

Theatertexten gehören u. a. „Kalâts<br />

Belagerung“, „Sindbads achte Reise“,<br />

„Die tausendunderste Nacht“ sowie<br />

„Afra oder Der Tag vergeht“.<br />

BAHRAM BEYZAIE<br />

Den Feind<br />

hast du selbst<br />

erschaffen.<br />

Schauspiel


32<br />

BAHRAM BEYZAIE: YAZDGERDS TOD, SCHAUSPIEL KÖLN 2023 © ANDREAS SCHLAGER<br />

Schauspiel


33<br />

Wir weinten<br />

nicht um ihn,<br />

sondern um<br />

uns selbst.<br />

BAHRAM BEYZAIE: YAZDGERDS TOD


34<br />

Das Wunder<br />

von Hof<br />

3D, 8H<br />

UA: 05.10.<strong>2024</strong>, Theater Hof<br />

JÖRG MENKE-PEITZMEYER<br />

Ein Filmset am Hofer Hauptbahnhof:<br />

35 Jahre nach dem<br />

Mauerfall und der Einfahrt der<br />

ersten Prager Züge hat das<br />

Fernsehen einen Eventfilm<br />

mit dem Titel „Das Wunder<br />

von Hof“ in Auftrag gegeben.<br />

Doch schon vom ersten<br />

Drehtag an entbrennt ein<br />

Streit zwischen denen, die im<br />

Herbst 1989 wirklich dabei<br />

waren, und denen, die bloß so<br />

tun, als wären sie es gewesen.<br />

Schauspieler:innen, Statisterie,<br />

Regie, Requisite und Filmproduzent,<br />

jeder meint besser<br />

zu wissen, wie es damals<br />

wirklich gewesen ist. Das<br />

Filmprojekt droht zu scheitern,<br />

bis nach einer durchzechten<br />

Nacht in der Bahnhofskneipe<br />

unerwartet Allianzen geschmiedet<br />

werden. Ist die<br />

letzte Klappe etwa doch<br />

noch nicht gefallen?<br />

Jörg Menke-Peitzmeyer hat<br />

im Auftrag des Theaters Hof<br />

Brennstoff für eine hitzige<br />

Komödie gesammelt. Klug<br />

verwebt er historische Fakten<br />

mit Augenzeugenberichten<br />

und aktuellen Debatten über<br />

die Wiedervereinigung. Mit<br />

lebendigen und temporeichen<br />

Dialogen holt er ein bedeutendes<br />

Stück deutsch-deutscher<br />

Geschichte vom Abstellgleis.<br />

© ALI KABAS<br />

Jörg Menke-Peitzmeyer studierte am<br />

Deutschen Literaturinstitut Leipzig und<br />

Schauspiel an der Folkwang Hochschule<br />

in Essen. Seine Stücke waren mehrmals<br />

für den Deutschen Jugendtheaterpreis<br />

nominiert, den er 2016 mit The Working<br />

Dead gewann. 2017 und 2019 erschienen<br />

seine Romane Billy the Beast und Der<br />

Manndecker im Ullstein Verlag. Es<br />

entstanden zahlreiche Auftragsarbeiten<br />

für das Theater, zuletzt Heiß auf 2. Liga<br />

für die Hamburger Kammerspiele und<br />

Soko Pisa für die Landesbühnen<br />

Sachsen. 2020 war Jörg Menke-Peitzmeyer<br />

der 8. Magdeburger Stadtschreiber.<br />

In dieser Zeit entstand sein<br />

Theaterstück Sparwasser, das am<br />

Theater Magdeburg uraufgeführt wurde.<br />

Geschichte liegt<br />

halt im Trend.<br />

Schauspiel<br />

weitere Stücke (Auswahl): Abstiegskampf. Eine zweite Halbzeit / Fangesänge /<br />

Gebückt und windschief auf Sturmesfittichen (Juller) / Steht auf, wenn ihr Schalker seid


Schau,<br />

35<br />

der<br />

Mau!<br />

© ???<br />

Sergej Gößner nimmt verschiedene<br />

Geschichten über<br />

den Mond zum Anlass, um<br />

über eine Welt im Wandel<br />

nachzudenken. Dabei beginnt<br />

er in der Antike, bei Platons<br />

Mythos von den Kugelmenschen.<br />

Sie repräsentieren eine<br />

Zeit, in der die Menschen rund<br />

und vollkommen waren wie<br />

der Mond und eine fluide<br />

Alternative zur binären Heteronormativität<br />

darstellten.<br />

Gößner verwebt die Sagen<br />

geschickt mit lokalen Märchen<br />

der Memminger Stadtgeschichte<br />

und landet so im<br />

Hier und Heute. Die Schauspieler:innen,<br />

die wechselnde<br />

Rollen übernehmen, stellen<br />

sich längst überfälligen<br />

Fragen zur Darstellung von<br />

Genderklischees.<br />

© JÜRGEN BARTENSCHLAGER / LANDESTHEATER SCHWABEN<br />

„Es darf gelacht werden. Aber<br />

es geht auch ums große Ganze,<br />

um Liebe und Angst. (…)<br />

Ernsthaftigkeit bringt Gößners<br />

Text, wenn er die Erzähler über<br />

Homosexualität reden lässt,<br />

über Diversität, über die unendliche<br />

Gier des Menschen oder<br />

über die Illusion, der andere sei<br />

nicht fremd, sondern die zweite<br />

Hälfte, ein Spiegelbild des Ichs.<br />

Denn vor allem geht es Gößner<br />

um die Angst vor dem Fremden<br />

– und um die Unfähigkeit des<br />

Menschen, dieses Fremde<br />

zu akzeptieren.“<br />

NACHTKRITIK<br />

4 Darsteller:innen<br />

UA: 27.03.<strong>2024</strong>,<br />

Landestheater Schwaben,<br />

Memmingen<br />

Und bevor das<br />

Wasser uns erreichen,<br />

bevor ich dich<br />

erreichen und<br />

umarmen und dich<br />

an mich drücken<br />

und küssen und dir<br />

meine Liebe gestehen<br />

konnte, bin ich<br />

aufgewacht.<br />

„Lyrisch und philosophisch<br />

formulierten Gedanken stehen<br />

anspielungsreiche Wortwechsel<br />

und lakonischer Humor gegenüber,<br />

wenn etwa der Stadtfischer<br />

Lang und sein Gegenüber<br />

namens Breit ein verbales<br />

Speeddating absolvieren. (…)<br />

Langer Applaus.“<br />

ALLGÄUER ZEITUNG<br />

weitere Informationen zu<br />

Sergej Gößner: siehe S. 70<br />

weitere Stücke (Auswahl):<br />

Brigitte Bordeaux / Wegklatschen.<br />

Applaus für Bonnie und Clyde<br />

SERGEJ GÖßNER<br />

Schauspiel


36<br />

Mutti,<br />

was<br />

machst<br />

Musikalische Familiendramödie<br />

in fünfzehn Bildern<br />

Musik von Martina Eisenreich<br />

7 Darsteller:innen<br />

UA: 02.12.2023, Berliner Ensemble<br />

AXEL RANISCH / PAUL ZACHER<br />

Schauspiel<br />

Axel Ranisch und Paul Zacher<br />

haben eine unverschämt<br />

unbekümmerte Komödie über<br />

unkonventionelle Familienkonstellationen<br />

und Generationenkonflikte,<br />

Coming-out<br />

und Wohnungsnot geschrieben.<br />

Dabei scheren sie sich<br />

nicht um Genregrenzen oder<br />

Kitschverdacht – hier wird<br />

aus tiefster Überzeugung in<br />

die volle Theaterkiste gegriffen<br />

und sich ganz auf das<br />

eigene Herz verlassen.<br />

Bei Anton läuft es nicht<br />

rund. Er wohnt noch bei seiner<br />

Mutter, die geliebte Großmutter<br />

wird zunehmend<br />

dement und vor allem sehnt<br />

sich Anton nach einem Partner.<br />

Auftritt Pepe. Dessen<br />

Lebensumstände sind zwar<br />

noch prekärer, aber das weiß<br />

er gut zu verstecken. Es<br />

beginnt eine turbulente<br />

Liebes geschichte, die jedoch<br />

schnell von existen ziellen<br />

Fragen nach der Wohnsituation<br />

überlagert wird. Dabei<br />

übersehen die beiden Verliebten,<br />

dass ihre Mütter nicht<br />

weniger dramatische Probleme<br />

haben. So treffen sich<br />

unversehens alle beim Wohnungsverwalter<br />

Braunert.<br />

Und bevor sich eine – überraschende<br />

– Lösung abzeichnet,<br />

wird Antons und Pepes Liebe<br />

auf eine harte Probe gestellt.<br />

du da?<br />

Manchmal<br />

spielt das Leben<br />

eben Moll.<br />

„Es ist ein Abend, der sich ganz<br />

bewusst um das Gefühlsleben<br />

der Figuren kümmert, und dazu<br />

gehört – und das wird sehr<br />

ernsthaft behandelt – die<br />

Tatsache, dass einer der beiden<br />

Männer eine bipolare<br />

Störung hat.“<br />

DEUTSCHLANDFUNK KULTUR<br />

© JÖRG BRÜGGEMANN / BERLINER ENSEMBLE<br />

„[Ranisch und Zacher] geht es immer um den Menschen in seiner<br />

Individualität und die Einflüsse der anderen. Diese Menschen sind<br />

auf den ersten Blick oftmals schräge Vögel und bei genauerem<br />

Hinschauen einfache Leute von nebenan. Der Blick ins Private will<br />

die Gesellschaft jenseits der Hochglanzmitte zeigen.“<br />

NACHTKRITIK<br />

Axel Ranisch hat mit „Dicke Mädchen“<br />

(2011) und „Ich fühl mich Disco“ (2013)<br />

zwei Kultfilme inszeniert. Als Autor und<br />

Regisseur arbeitet er in verschiedenen<br />

Konstellationen und Genres. Er inszeniert<br />

u. a. Opern und Operetten, zuletzt<br />

z. B. am Theater Bern und an der Komischen<br />

Oper Berlin. Seinen Debütroman<br />

Nackt über Berlin hat er gerade als Serie<br />

verfilmt. Mit seinem Ehemann Paul<br />

Zacher verbindet ihn eine enge künstlerische<br />

Partnerschaft. Zusammen haben sie<br />

u. a. für den NDR die Hörspielserie<br />

„Anton und Pepe“ geschrieben.


Das Ende naht! Wird ja auch<br />

Zeit. Der gewiefte Betrüger<br />

Sam hat sich nicht nur als<br />

Priester in einer etwas gutgläubigen<br />

Gemeinde eingenistet, er<br />

hat seinen Schäfchen auch<br />

noch weismachen können,<br />

dass der Weltuntergang kurz<br />

bevorsteht. Jetzt will er sich mit<br />

dem Hab und Gut der Gemeindemitglieder<br />

aus dem Staub<br />

machen, während sich alle<br />

anderen auf die Apokalypse<br />

vorbereiten. Die soll nämlich<br />

schon in den nächsten zwei<br />

Stunden (die Bibel ist da sehr<br />

genau!) stattfinden. Aber wann<br />

wäre der Jüngste Tag schon<br />

mal reibungslos verlaufen?<br />

Apokalypse,<br />

<br />

frei zur DSE<br />

(Raptured)<br />

Deutsch von Christian Brey<br />

4D, 5H<br />

UA: <strong>25</strong>.05.2019, Theatre Three, Dallas<br />

Natürlich stehen kurz vor<br />

knapp noch tausend letzte<br />

Wünsche an, heimliche Liebschaften<br />

müssen enthüllt und<br />

langgehegte Sehnsüchte<br />

befriedigt werden. Dabei geht<br />

alles drunter und drüber und<br />

zwischenzeitlich sieht es so aus,<br />

als bräuchte es Gottes Hilfe für<br />

das Armageddon gar nicht.<br />

Am Ende steht aber nicht<br />

nur die Versöhnung, sondern<br />

sogar – auf ziemlich überraschende,<br />

ganz profane<br />

Weise – die Aussicht auf ein<br />

neues Leben. Apokalypse,<br />

no! ist Screwball-Komödie,<br />

Kirche nsatire und derbe<br />

Farce in einem.<br />

Im Himmel gibt es<br />

keine Gürtelrose,<br />

mein Kind!<br />

no!<br />

37<br />

MATT LYLE / MATT COLEMAN<br />

MATT LYLE © PRIVAT<br />

MATT COLEMAN © ERIN ROGERS / TXK TODAY<br />

Matt Lyle lebt in Texas und arbeitet als<br />

Autor, Regisseur und Schauspieler.<br />

Matt Coleman lebt in Arkansas und ist<br />

als Autor und Comedian für Theater,<br />

Fernsehen und Film tätig. Für Apokalypse,<br />

no! arbeiteten sie erstmals als<br />

Autorenduo.<br />

Schauspiel


38<br />

AGATHA CHRISTIE / MARK SHANAHAN<br />

Schauspiel<br />

frei zur DSE<br />

(The Murder of Roger Ackroyd)<br />

Für die Bühne bearbeitet<br />

von Mark Shanahan<br />

Deutsch von Michael Raab<br />

5D, 7H<br />

UA: 21.07.2023,<br />

Alley Theatre, Houston<br />

Hercule Poirot möchte sich in<br />

seinem langersehnten Ruhestand<br />

eigentlich nur noch der<br />

Kürbiszucht widmen. Aber<br />

kaum ist er in das beschauliche<br />

King’s Abbott gezogen,<br />

wird er in einen Kriminalfall<br />

verwickelt, der das gesamte<br />

Dorf in Aufruhr versetzt.<br />

Schnell findet er sich in der<br />

Rolle des Meisterdetektivs<br />

wieder, der nach und nach<br />

die Umstände des Mordes<br />

an der wohlhabenden Witwe<br />

Mrs Ferrars und ihrem Verlobten<br />

Roger Ackroyd aufdeckt.<br />

Zum Glück steht ihm dabei<br />

sein Nachbar, der Arzt Dr.<br />

James Sheppard, als Assistent<br />

zur Seite, der alle Bewohner<br />

des Dorfes gut kennt. Die<br />

völlig unerwartete Auflösung<br />

des Falls wird erst mit einer<br />

letzten Wendung enthüllt.<br />

Alibi<br />

Ich weiß alles.<br />

Vergessen Sie<br />

das nicht.<br />

Alibi war das erste Werk von<br />

Agatha Christie, das 1928 für<br />

die Bühne adaptiert wurde.<br />

Die neue Bühnenfassung<br />

bewahrt den unwiderstehlichen<br />

Reiz des Originals, das<br />

als Meilenstein der Kriminalliteratur<br />

gilt ( in einer Umfrage<br />

unter Krimiautor:innen wurde<br />

der Titel zur „best crime novel<br />

ever written“ gewählt). Mit<br />

dem sympathischen und<br />

eloquenten Dr. Sheppard<br />

hat Christie ein klassisches<br />

Beispiel für einen unzuverlässigen<br />

Erzähler erfunden.<br />

Von Agatha Christie ist weiterhin<br />

Mord im Orientexpress auf zahlreichen<br />

Bühnen im deutschsprachigen Raum<br />

zu sehen, u. a. am Theater am Kurfürstendamm,<br />

Berlin, sowie am Theater<br />

Heidelberg und mit Premieren in der<br />

kommenden Spielzeit auch am Salzburger<br />

Schauspielhaus und am Staatstheater<br />

Augsburg. Mark Shanahan hat<br />

bereits zahlreiche Stoffe der klas sischen<br />

Moderne für die Bühne adaptiert. Zuletzt<br />

wurde seine Version von Georges<br />

Feydeaus „Der Gefoppte“, übertragen in<br />

die 1930e r-Jahre, am Off-Broadway in<br />

New York uraufgeführt.<br />

weitere Stücke von Agatha Christie (Auswahl): Mord im Orientexpress /<br />

Das Spinnennetz / Tod auf dem Nil / Und dann gab’s keines mehr /<br />

Der unerwartete Gast / Der zerbrochene Spiegel / Zeugin der Anklage<br />

V.L.N.R: MORD IM ORIENTEXPRESS © ANNA ZEHETGRUBER, THEATER WESTLICHES WEINVIERTEL / ANNA KOLATA, PUPPENTHEATER HALLE / NICOLE BRÜHL,<br />

KREUZGANGSPIELE FEUCHTWANGEN / FRANZISKA STRAUSS, KOMÖDIE AM KURFÜRSTENDAMM / ASTRID KNIE, THEATER IN DER JOSEFSTADT


Haley McGee erzählt die<br />

Geschichte eines Lebens vom<br />

<strong>25</strong>. Geburtstag bis zum Tod.<br />

Nicht alle Episoden werden<br />

im Laufe der Aufführung<br />

erzählt, das Publikum ist eingeladen,<br />

selbst den Gang der<br />

Geschichte zu bestimmen. So<br />

entsteht ein immer wieder<br />

anderer Abend über die ewige<br />

Ungewissheit des Lebens.<br />

Mit <strong>25</strong> ist unser Gehirn voll<br />

entwickelt. Mit <strong>25</strong> spüren wir<br />

das erste Mal unsere Sterblichkeit.<br />

Mit <strong>25</strong> fühlen wir uns<br />

schon so erwachsen, und<br />

doch liegt der Großteil unseres<br />

Lebens noch vor uns: schicksalhafte<br />

und flüchtige Begegnungen,<br />

Liebeskummer,<br />

Freundschaften, die ein Leben<br />

lang halten sollten und es<br />

doch nicht tun, Karriereentscheidungen,<br />

verpasste<br />

Chancen, Kinderwunsch und<br />

Partner:innenwahl, der Tod<br />

der Eltern, alltägliche Freuden,<br />

Krankheiten, Selbstfindungsphasen,<br />

kolossales Scheitern<br />

und triumphale Gewinne,<br />

Streit und Verletzungen,<br />

Selbstakzeptanz … und all<br />

die Abermillionen kleinen<br />

Momente, die unser Leben<br />

ausmachen.<br />

Age<br />

Alles<br />

wird<br />

gut<br />

Deutsch von Karen Witthuhn<br />

1D<br />

UA: 22.07.2022,<br />

Soho Theatre, London<br />

DSE: 27.09.<strong>2024</strong>, Theater Bielefeld<br />

39<br />

HALEY MCGEE<br />

is a Feeling<br />

„Jedes Jahr gibt es eine<br />

Produktion beim Edinburgh<br />

Fringe Festival, die einen<br />

Begeisterungssturm auslöst –<br />

sie wird überhäuft mit Kritikerlob,<br />

geschmückt mit Auszeichnungen<br />

und es ist unmöglich,<br />

an Karten zu kommen. 2022<br />

war das Haley McGees<br />

Age is a Feeling.“<br />

THE EVENING STANDARD<br />

„Wenn der Text von einer<br />

Darstellerin am Ende ihres<br />

Lebens geschrieben wäre,<br />

gälte es als eine erstaunliche<br />

Einsicht in die Conditio<br />

humana. Dass McGee mit<br />

ihren 36 Jahren eine solche<br />

Weisheit zeigt, ist atemberaubend<br />

und bewegend.“<br />

THE GUARDIAN<br />

Haley McGee wurde 1986 in Kanada<br />

geboren und lebt in England. Age is a<br />

Feeling wurde in Edinburgh mit einem<br />

Fringe First Award ausgezeichnet. Nach<br />

der DSE am Theater Bielefeld wird es in<br />

der Spielzeit <strong>2024</strong>/<strong>25</strong> auch am Theater<br />

Oberhausen zu sehen sein. Weitere<br />

Stücke von Haley McGee sind „The<br />

Ex-Boyfriend Yard Sale“, das 2023 einen<br />

Dora Award gewann, und „I’m Doing<br />

This for You“.<br />

Schauspiel


40<br />

Du versalzt,<br />

ich lüge.<br />

Das nennt man<br />

Ehe.<br />

(Vidéoclub)<br />

Deutsch von Leyla-Claire Rabih<br />

und Frank Weigand<br />

1D, 1H<br />

UA: 14.09.2023,<br />

Théâtre Antoine, Paris<br />

DSE: Spielzeit 20<strong>25</strong>/26,<br />

Komödie Winterhuder<br />

Fährhaus, Hamburg<br />

Der<br />

SÉBASTIEN THIÉRY<br />

Schauspiel<br />

Videobeweis<br />

Bitte lächeln, Sie werden<br />

gefilmt! Justine und Jean-<br />

Marc, seit <strong>25</strong> Jahren verheiratet,<br />

bekommen nach einem<br />

Streit („Das habe ich so nie<br />

gesagt!“) eine E-Mail mit<br />

einem Video zugeschickt, das<br />

just diesen Streit in ihrer heimischen<br />

Küche aufgezeichnet<br />

hat („Hast du wohl!“). Wer hat<br />

die Webcam in ihrer Küche<br />

installiert und seit wann werden<br />

sie ohne ihr Wissen<br />

gefilmt? Auch nachdem sie<br />

die Kamera entfernt haben,<br />

erhalten sie weitere Videos,<br />

die sie mit ihren großen und<br />

kleinen Lügen, Halbwahrheiten<br />

und Geheimnissen konfrontieren<br />

– „Du hast also<br />

mein Handy im Gefrierfach<br />

versteckt? “, „Du wirfst heimlich<br />

dein Essen in den Mülleimer?<br />

“, „Wer war das da mit<br />

dir nachts in der Küche? “.<br />

Wie viel Transparenz verträgt<br />

eine Beziehung? Dieser Frage<br />

geht Sébastien Thiéry in<br />

seinem neuesten Stück Der<br />

Videobeweis nach und hat<br />

damit das Komödienpendant<br />

zur Technik-Dystopie-Serie<br />

„Black Mirror“ geschaffen. In<br />

der Pariser Erfolgsinszenierung<br />

spielten die französischen<br />

Kinostars Noémie<br />

Lvovsky und Yvan Attal das<br />

Ehepaar, das gezwungenermaßen<br />

den Mut zur Wahrheit<br />

entwickelt und eine zweite<br />

Chance bekommt.<br />

„Unfassbar heutig und<br />

absolut wahrhaftig.“<br />

LE MONDE<br />

„Mit Sicherheit Sébastien<br />

Thiérys beste Komödie.<br />

Warum? Weil sein Markenzeichen,<br />

das Absurde, hier<br />

ganz im Dienst von berüh -<br />

renden Figuren und einer<br />

fesselnden Handlung steht.“<br />

LE NOUVEL OBS<br />

Der Videobeweis stand auf der Shortlist für den Komödien-Molière <strong>2024</strong>. Sébastien<br />

Thiérys vorheriges Stück, Zahltag, eine Tragikomödie, in der ein Mann um die 30 von<br />

seinen Eltern Schadensersatz für sein verpfuschtes Leben fordert, hatte im Mai <strong>2024</strong><br />

DSE am Zimmertheater Heidelberg. Ab September <strong>2024</strong> sind Rufus Beck und Peter<br />

Kremer mit Thiérys Komödie Zwei Männer ganz nackt auf Tournee.<br />

weitere Stücke (Auswahl): Als ob es regnen würde / Ramses II. /<br />

Wer ist Monsieur Schmitt? / Zahltag / Zwei Männer ganz nackt<br />

© L’AGENCE DOMINIQUE CHRISTOPHE


Eigentlich wollte Fabien bloß<br />

einen gemütlichen Abend mit<br />

seinen besten Freunden verbringen,<br />

den Zwillingen Eric<br />

und Jérôme. Aber erst kommt<br />

Eric absichtlich zu früh, um<br />

Fabien ein großes Geheimnis<br />

anzuvertrauen, welches das<br />

Leben seines Zwillingsbruders<br />

grundlegend verändern wird,<br />

und just in dem Moment, als<br />

Eric im Bad verschwunden ist,<br />

klingelt Jérôme an der Tür,<br />

völlig aufgelöst, und will ebenfalls<br />

sein Gewissen erleichtern.<br />

Von beiden qua Freundschaftsschwur<br />

zum Stillschweigen<br />

verpflichtet, versucht Fabien,<br />

die Geheimnisse für sich zu<br />

behalten und die Brüder dennoch<br />

zu versöhnen …<br />

Geheimnisse von Sébastien<br />

Blanc ist eine Kammerspiel-<br />

Komödie mit ausgeklügeltem<br />

Timing über Lüge und Wahrheit,<br />

Rivalität und Loyalität<br />

unter Freunden – und Brüdern.<br />

In der Pariser Uraufführung<br />

brillierte Patrick Chesnais<br />

in der Doppelrolle der ungleichen<br />

Zwillingsbrüder.<br />

Geheimnisse bietet Paraderollen<br />

für zwei Schauspieler<br />

jeglichen Alters.<br />

frei zur DSE<br />

(Secret.s)<br />

Deutsch von Georg Holzer<br />

2H<br />

UA: 09.04.<strong>2024</strong>, Théâtre Madeleine, Paris<br />

Sébastien Blanc schreibt seit vielen<br />

Jahren zusammen mit Nicolas Poiret für<br />

Fernsehen und Theater. Ihr Stück Zwei<br />

Lügen, eine Wahrheit war 2018 für den<br />

Molière in der Kategorie „Beste<br />

Komödie“ nominiert und wurde 2021<br />

erstmals in Deutschland aufgeführt. Es<br />

handelt von einem Ehepaar, das seit fast<br />

dreißig Jahren verheiratet ist und sich an<br />

seinem Hochzeitstag auf ein riskantes<br />

Spiel einlässt. Le Monde schrieb begeistert:<br />

„Endlich eine echte Komödie, die<br />

den Saal zum Lachen bringt, ohne<br />

vulgär oder beliebig zu sein.“<br />

41<br />

Geheimnisse<br />

© FABIENNE RAPPENEAU<br />

„Man kann nicht<br />

aufhören zu<br />

lachen. “<br />

LE PARISIEN<br />

SÉBASTIEN BLANC<br />

Wie konntest du mir<br />

das verheimlichen!<br />

weitere Stücke: Zwei<br />

Lügen, eine Wahrheit<br />

(mit Nicolas Poiret)<br />

Schauspiel


42<br />

Vor dem Fall<br />

HADRIEN RACCAH<br />

Lisa, Marc, Benjamin<br />

und Tom sind seit<br />

ihrer Jugend beste<br />

Freunde, nun sind<br />

sie Ende 30 und<br />

stehen mitten im<br />

Leben – zumindest<br />

auf dem Papier.<br />

Zur Geburt von<br />

Toms erstem Kind<br />

treffen sie sich<br />

endlich mal wieder<br />

zu viert und nachdem<br />

sie durch<br />

einen Zufall auf<br />

der Terrasse ausgesperrt<br />

sind, wird<br />

klar, dass das<br />

Midlife für alle vier<br />

mehr Krise und<br />

weniger Fun ist<br />

als gedacht: Marc<br />

wurde gerade verlassen,<br />

Benjamin<br />

gefeuert, Lisa hat<br />

eine Affäre mit<br />

einem verheirateten<br />

Mann und alle<br />

drei finden Toms<br />

Neugeborenes<br />

ausgesprochen<br />

hässlich.<br />

frei zur DSE<br />

(Le vertige)<br />

Deutsch von Jona Spreter<br />

1D, 3H<br />

UA: 01.02.<strong>2024</strong>, Théâtre de la Madeleine, Paris<br />

Früher haben wir<br />

uns über Leute<br />

wie dich lustig<br />

gemacht!<br />

© EMMANUELE SCORCELLETTI<br />

Nachdem eine<br />

dieser Wahrheiten<br />

ausgesprochen ist,<br />

bröckeln die bürgerlichen<br />

Fassaden<br />

unaufhaltsam …<br />

Mit viel Humor<br />

und Empathie für<br />

seine Figuren lässt<br />

Raccah die vier<br />

Freunde in schnellen<br />

Schlagabtauschen<br />

um unangenehme<br />

Wahrheiten,<br />

unterschiedliche<br />

Lebensentwürfe<br />

und ihre Freundschaft<br />

ringen.<br />

Schauspiel<br />

weitere Stücke: Die Einladung<br />

„Hadrien Raccah erzählt<br />

uns mit einer Komödie,<br />

dass unser Leben häufig<br />

nur an einem seidenen<br />

Faden hängt.“<br />

L’ŒIL D’OLIVIER<br />

Hadrien Raccah schreibt Romane und Theaterstücke.<br />

Bereits seine ersten beiden Stücke wurden mit Förderpreisen<br />

des französischen Kulturministeriums<br />

ausgezeichnet. 2019 wurde Die Einladung im Pariser<br />

Théâtre de la Madeleine uraufgeführt. Die DSE dieser<br />

Dreieck skomödie fand im Mai <strong>2024</strong> an der Komödie<br />

Frankfurt (Regie: Stefan Schneider) statt. Die FAZ sah<br />

„eine pointensichere Rochade über vergeblich<br />

kaschierte Seitensprünge und die Schwierigkeit,<br />

einen Freund in der Not herbeizuzaubern“; die FNP<br />

beschreibt einen „Kampf der Geschlechter mit all<br />

ihren Schwächen, in dem die Waffen, die Pointen,<br />

bestens funktionieren “.


43<br />

Wieso glauben<br />

eigentlich alle,<br />

dass ich über sie<br />

schreibe?<br />

© SARAH ROBINE<br />

Der<br />

Seestern-Effekt<br />

frei zur DSE<br />

(L’effet miroir)<br />

Deutsch von Charlotte Höcher<br />

2D, 2H<br />

UA: 12.10.2023,<br />

Théâtre de l’Œuvre, Paris<br />

Es waren einmal eine kleine<br />

Meeresschnecke, ein Seestern<br />

und ein Oktopus …<br />

Théophile war einmal ein<br />

erfolgreicher Autor, steckt<br />

aber seit mehreren Jahren in<br />

einer Schreibkrise. Endlich<br />

findet er seine Inspiration<br />

wieder und schreibt eine<br />

Erzählung für Kinder, ein<br />

poetisches Märchen, das in<br />

der Unterwasserwelt angesiedelt<br />

ist. Doch als seine<br />

Frau, sein Bruder und seine<br />

Schwägerin das Märchen<br />

lesen, sind sie alarmiert:<br />

Welche Botschaften stecken<br />

in den Meerestier-Metaphern?<br />

Wer ist die naive Muschel,<br />

warum lügt die Krabbe – und<br />

weiß die Meeresschnecke<br />

etwa von der heimlichen<br />

Affäre zwischen Seegurke<br />

und Oktopus? Bei einem<br />

gemeinsamen Abendessen<br />

kommt alles auf den Tisch …<br />

Der Seestern-Effekt ist<br />

eine fantasievolle Komödie<br />

über Paare und ihre Geheimnisse,<br />

über die Macht des<br />

geschriebenen Wortes und<br />

die Macht des Unbewussten,<br />

über Kreativität und Projektionen.<br />

Léonore Confinos<br />

Figuren sind wunderbar<br />

schrullig, zutiefst menschlich<br />

und bieten vier schöne,<br />

gleich starke Rollen.<br />

„Confinos Humor ist mal böse,<br />

mal staubtrocken, mal absurd,<br />

mit viel Situationskomik und<br />

einer Prise Slapstick.“<br />

LE PARISIEN<br />

Léonore Confino schreibt sowohl<br />

Theaterstücke als auch Drehbücher,<br />

zuletzt für den Kinofilm „Die Kunst<br />

der Nächstenliebe“ (mit Agnès<br />

Jaoui). Ihre Stücke wurden bereits<br />

mehrfach beim Festival d’Avignon<br />

gezeigt, <strong>2024</strong> läuft dort ihr Stück<br />

„Ring“, eine Versuchsanordnung über<br />

Paare. Léonore Confino war <strong>2024</strong> für<br />

den Molière in der Kategorie „Beste<br />

zeitgenössische französische<br />

Autorin“ nominiert.<br />

Schauspiel LÉONORE CONFINO


44<br />

frei zur DSE<br />

(53 domingos)<br />

Deutsch von Hans Richter<br />

2D, 2H<br />

UA: 04.12.2020,<br />

Teatre Romea, Barcelona<br />

53<br />

Du hast<br />

keine Ahnung<br />

von Familiendynamik.<br />

Diese Vase<br />

ist eine<br />

Beleidigung!<br />

CESC GAY<br />

Schauspiel<br />

Sonntage<br />

© CATERINA BARJAU<br />

Muss Papa ins Pflegeheim<br />

oder: Wer von uns dreien<br />

kümmert sich darum, dass<br />

Papa aufhört, der Nachbarin<br />

seinen Penis zu zeigen? Drei<br />

Geschwister um die fünfzig<br />

müssen schnellstmöglich<br />

Antworten auf diese Fragen<br />

finden. Mehrere Versuche,<br />

sich zu treffen und gemeinsam<br />

zu entscheiden, wie es<br />

weitergeht, scheitern: Entweder<br />

fehlt ein Geschwisterteil<br />

(hat bestimmt absichtlich den<br />

Tag verwechselt!), ein Bruder<br />

erscheint in einem Tomatenkostüm<br />

(wann begreift er<br />

endlich, dass er nie Erfolg als<br />

Schauspieler haben wird!)<br />

oder Nummer drei hat einen<br />

Nervenzusammenbruch<br />

(meine Therapeutin sagt, ich<br />

muss lernen, mich abzugrenzen!).<br />

Und: Wer ist eigentlich<br />

Papas Lieblingskind?<br />

Mit seiner Komödie 53 Sonntage<br />

stellt der Autor Cesc Gay<br />

erneut unter Beweis, warum<br />

er in Spanien als einer der<br />

pointiertesten und unterhaltsamsten<br />

Chronisten des städtischen<br />

Bürgertums gilt. Mit<br />

schonungslosem Humor, aber<br />

nicht ohne Empathi e nimmt er<br />

die geschwisterliche Zwangsgemeinschaft<br />

unter die Lupe.<br />

Netflix plant die Verfilmung<br />

von 53 Sonntage für 20<strong>25</strong>;<br />

der Autor wird selbst Regie<br />

führen.<br />

„Cesc Gay ist Spezialist für eine<br />

Dynamik, deren Anmut darin<br />

besteht, Situationen im unerwartetsten<br />

Moment explodieren<br />

zu lassen.“<br />

EL PERIÓDICO<br />

Cesc Gay ist ein spanischer Drehbuchautor<br />

und Filmregisseur, dessen Filme<br />

mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet<br />

wurden, u. a. mit dem Goya. 2015<br />

schrieb und inszenierte er sein erstes<br />

Theaterstück „Die Nachbarn von oben“,<br />

ein Überraschungserfolg in Spanien, den<br />

er für das spanische Kino adaptierte. In<br />

Deutschland wurde der gleichnamige<br />

Film hochkarätig mit Ursina Lardi, Max<br />

Simonischek und Roeland Wiesnekker<br />

besetzt und kam 2023 in die Kinos.


45<br />

New York in den 50ern. Jenny<br />

ist Hausfrau, begeistert sich<br />

für Fertiggerichte und ist mit<br />

dem Chefredakteur einer<br />

einflussreichen Zeitung verheiratet.<br />

Außerdem hat sie<br />

eine heimliche Affäre mit<br />

einem Angestellten ihres<br />

Mannes. Heute Abend soll ihr<br />

Geliebter – im Rahmen eines<br />

gemeinsamen Abendessens<br />

– endlich ihren Gatten ermorden.<br />

Aber Jennys Mann bringt<br />

unangekündigt seine neue<br />

Sekretärin mit nach Hause<br />

und der Mord gestaltet sich<br />

unerwartet kompliziert …<br />

Franck Duartes temporeiche<br />

Komödie Kleine Verbrechen<br />

unter Liebenden ist ein<br />

Genre-Mash-up vom Feinsten:<br />

„Mad Men“ meets „Desperate<br />

Housewives“ meets Krimikomödie:<br />

Wer ist hier die Doppelagentin,<br />

wer der heimliche<br />

Vegetarier? Wer hetero-, wer<br />

homosexuell? Und vor allem:<br />

Wie weit würden alle aus<br />

Liebe gehen? Duartes Komödie<br />

erlaubt uns durch die historische<br />

Brille einen Blick auf<br />

Geschlechterrollen, Doppelmoral<br />

und gesellschaftliche<br />

Konventionen, die überraschend<br />

heutig sind.<br />

„Eine Boulevard-Komödie<br />

über Liebe, Geheimnisse,<br />

Betrug, voller explosiver<br />

Enthüllungen – und ein kluges<br />

Stück über die McCarthy-Zeit<br />

und die Kommunistenhetze.“<br />

TPA, THÉÂTRE ET<br />

PRODUCTEURS ASSOCIÉS<br />

Franck Duarte (*1979) ist Schauspieler<br />

und Autor und schreibt sowohl Komödien<br />

als auch Stücke für junges Publikum.<br />

Seine Komödie „Kleine Verbrechen<br />

unter Freunden“, angesiedelt in den<br />

80ern mit vier mordlustigen Freunden,<br />

war ein Überraschungshit in Paris und<br />

wurde über 700-mal gespielt. Als Schauspieler<br />

stand Franck Duarte u. a. in<br />

Stücken von Fabrice-Roger Lacan (Der<br />

Krawatten-Club) und Pierre Notte auf<br />

der Bühne.<br />

Kleine<br />

Verbrechen<br />

unter Liebenden<br />

frei zur DSE<br />

(Petits crimes entre amants)<br />

Deutsch von René Heinersdorff<br />

2D, 2H<br />

UA: 11.07.2023, Théâtre La Boussole, Paris<br />

FRANCK DUARTE<br />

Was machen<br />

Sie denn da,<br />

wollen Sie mich<br />

etwa umbringen?<br />

© KRISS LOGAN<br />

Schauspiel


46


MU<br />

47<br />

SIK<br />

THE<br />

ATER


48<br />

JHEREK BISCHOFF / JAN DVOŘÁK / PHILIPP STÖLZL<br />

Musiktheater<br />

Andersens<br />

„Das ist ein Abend,<br />

der alle Sinne berühr t.“<br />

FAZ<br />

„Große Oper, bisweilen<br />

auch großes Kin o. “<br />

SRF1<br />

Am Vorabend der Hochzeit<br />

seines Jugendfreundes<br />

Edvard Collin mit Henriette<br />

erscheint Hans Christian<br />

Andersen ungebeten in dessen<br />

Haus, um ihm seine Liebe<br />

zu gestehen. Die Begrüßung<br />

fällt entsprechend kühl aus.<br />

Nur Henriette ist fasziniert<br />

von Andersens verstiegenem<br />

Charme. Für sie verwandelt er<br />

das Zimmer in eine fantastische<br />

Unterwasserwelt und<br />

erfindet, tief gekränkt von<br />

Edvards Zurückweisung, das<br />

Märchen von der kleinen<br />

Meerjungfrau, die aus Liebe<br />

alles opfert.<br />

Jan Dvořák und Philipp<br />

Stölzl haben mit Andersens<br />

Erzählungen ein auf historischen<br />

Tatsachen basierendes<br />

Fantasiestück über unmögliche<br />

Liebe erschaffen, das<br />

Erwachsene wie ältere Kinder<br />

gleichermaßen fasziniert. Jherek<br />

Bischoffs flirrend-fantasievolle<br />

Kompositionen zwischen<br />

Klassik, Pop und Elektronik<br />

bieten sowohl im Klang<br />

des großen Orchesters als<br />

auch in der elegant zurückgenommenen<br />

Variante für<br />

Kammerensembles einen<br />

perfekten Rahmen.<br />

Erzählungen<br />

10+<br />

Musiktheaterstück von Jherek Bischoff, Jan Dvořák und Philipp Stölzl<br />

Idee & Text von Jan Dvořák und Philipp Stölzl<br />

Musik von Jherek Bischoff<br />

Dramaturgische Mitarbeit von Andreas Beck<br />

5D, 3H (mit Mehrfachbesetzungen), 4 Tänzer:innen, Statist:innen<br />

Kl. Besetzung (Fassung Residenztheater): Vl I, Vl II, Vlc, Kb, Klar (B. Klar), Perc, Kl (Cel)<br />

Gr. Besetzung (Fassung Theater Basel (Oper)): Fl I, II, Ob (E. Hrn), Fg I, Fg II (K. Fg),<br />

Hrn, Trp (Picc. Trp, Fl. Hrn), Pos (B. Pos), Tb, Kl (Cel, Org, Synth), Hrf, Perc I, Perc II<br />

UA: 27.09.2019, Theater Basel<br />

DE: 18.11.2023, Residenztheater München<br />

Ich habe eine Liebe gesehen.<br />

Aber es war nicht meine.<br />

© SANDRA THEN / RESIDENZTHEATER MÜNCHEN<br />

Philipp Stölzl inszenierte mehrfach bei<br />

den Salzburger und Bregenzer Festspielen,<br />

an der Deutschen Oper und der<br />

Staatsoper Berlin, dem Theater Basel<br />

sowie dem Residenztheater München.<br />

Die Inszenierung von „Das Vermächtnis“<br />

am Residenztheater eröffnete das Theatertreffen<br />

2023. Zu seinen Kinoerfolgen<br />

zählen „Baby“, „Nordwand“, „Goethe!“,<br />

„The Expatriate“, „Der Medicus“, „Ich<br />

war noch niemals in New York“ und<br />

„Schachnovelle“.<br />

Jan Dvořák ist Autor und Komponist.<br />

Seine Werke reichen von Kammermusik<br />

bis zu Opern wie „Frankenstein“ und<br />

„20.000 Meilen unter dem Meer“. Er war<br />

Leitender Musikdramaturg am Staatstheater<br />

Meiningen und Chefdramaturg<br />

der Oper am Nationaltheater Mannheim.<br />

Heute arbeitet er wieder als freischaffender<br />

Künstler mit seiner Kompanie<br />

„Kommando Himmelfahrt“; für den<br />

Regisseur Philipp Stölzl schrieb er seit<br />

2012 eine Reihe von Theaterstücken.


„Nachts sind alle Katzen grau<br />

und alle Menschen bunt“, sagt<br />

Juanita, die zur elementaren<br />

Schlüsselfigur in unserer Fassung<br />

von Kasimir und Karoline<br />

wird, und beobachtet die<br />

Gesellschaft, die sich im Dunkeln<br />

tummelt: den alten reichen<br />

Großinvestor, den verlorenen<br />

Professor, den jungfräulichen<br />

Studenten, den gewalttätigen<br />

Zuhälter, die von Rache träumende<br />

Prostituierte und natürlich<br />

die Friseurin Karoline und<br />

ihren Freund Kasimir, den<br />

Geflüchteten. Und obwohl die<br />

über den Geschlechtern schwebende<br />

Juanita genau weiß, dass<br />

es Empathie, Zuneigung und<br />

Selbstlosigkeit in Zeiten des<br />

Kapitalismus nicht geben kann,<br />

hofft sie doch jede Nacht<br />

wieder, ein paar bunte Seelen<br />

und ihre Sehnsüchte zu retten. “<br />

(Martin G. Berger)<br />

JHEREK BISCHOFF © MAYUMI HEIDER<br />

Jherek Bischoff und Martin G.<br />

Berger verlegen Ödön von<br />

Horváths Meisterwerk ins 21.<br />

Jahrhundert. Farbenreich e,<br />

durch Elektronik ergänzte<br />

Orcheste rarrangements verbinden<br />

sich mit akustischen<br />

Gitarrenballaden; elektronische<br />

Pop-Hymnen werden zu<br />

eingängigen Ohrwürmern;<br />

klassische Oper und großer<br />

Musicalgestus verschmelzen<br />

mit den wummernden Rhythmen<br />

einer Partynacht.<br />

„Das hat wirklich das Potenzial,<br />

auch ein junges Publikum ins<br />

Opernhaus zu ziehen!“<br />

DEUTSCHLANDFUNK<br />

„Unterhaltend, (…) aber durch<br />

die Hintertür eben auch eine<br />

herbe Kritik an gesellschaftlichen<br />

Zuständen, die es sogar schaffen,<br />

eine Liebe zu zerstören. Gleichzeitig<br />

geht die Musik – mal sehr<br />

beatlastig mit Streichersatz, mal<br />

schlicht Gitarre, mal pumpende<br />

Bläser – sofort ins Ohr.“<br />

NACHTKRITIK<br />

Martin G. Bergers Regiearbeiten sind<br />

<strong>2024</strong> mit einem International Opera<br />

Award, 2020 mit dem Faustpreis, 2016<br />

mit dem Deutschen Musical Theater<br />

Preis, dem Karan-Armstrong-Preis der<br />

Götz-Friedrich-Stiftung 2015 und 2018<br />

mit dem Orpheus für Operette ausgezeichnet<br />

worden. Seine Libretti wurden<br />

u. a. am Staatstheater Darmstadt („Aus<br />

Tradition anders“), Mecklenburgischen<br />

Staatstheater (Der geteilte Himmel),<br />

Theater Bremen („Der 35. Mai“) und an<br />

der Neuköllner Oper (Elfie) uraufgeführt.<br />

Jherek Bischoff verbindet experimentelle<br />

Musik mit Klassik und Ambient,<br />

wobei sein Werk Studioalben sowie<br />

Kompositionen für Orchester, Film und<br />

Theater, darunter fünf deutschsprachige<br />

Theaterproduktionen, umfasst. Die New<br />

York Times feiert ihn als „Wunderkind“,<br />

SPIN als „visionär“ und NPR als „eine<br />

gewaltige Kraft der Orchestermusik“.<br />

Die Leut sind<br />

halt alle nervös<br />

und vertragen<br />

nichts mehr.<br />

Musical nach dem gleichnamigen Theaterstück von Ödön von Horváth<br />

Musik von Jherek Bischoff<br />

Kasimir<br />

Liedtexte von Martin G. Berger<br />

Dialoge von Martin G. Berger und Martin Mutschler<br />

3D, 5H, 1 Dragperson, Ensemble, Chor<br />

Fl I, II (A.Fl), Ob (E.Hrn), Klar in Bb (B.Klar), Fg I, Fg II (K.Fg), Hr in F I, II, III,<br />

Trp in Bb, Pos, B.Pos, Perc, Hrf, Kl (Electronics), Akk.Git, Vl I, II, Vla, Vlc, Kb<br />

UA: 08.12.2023, Staatsoper Hannover<br />

und Karoline<br />

weitere Stücke (Auswahl): Der geteilte Himmel (Martin G. Berger), Elfie (Martin G. Berger), Der Sandmann (Jherek Bischoff)<br />

49<br />

JHEREK BISCHOFF / MARTIN G. BERGER / MARTIN MUTSCHLER / ÖDÖN VON HORVÁTH<br />

Musiktheater


50<br />

JHEREK BISCHOFF / MARTIN G. BERGER / MARTIN MUTSCHLER / ÖDÖN VON HORVÁTH: KASIMIR UND KAROLINE, STAATSOPER HANNOVER 2023 © TIM MÜLLER


51<br />

... nur noch Tiere,<br />

so weit das Auge reicht.<br />

JHEREK BISCHOFF / MARTIN G. BERGER /<br />

MARTIN MUTSCHLER / ÖDÖN VON HORVÁTH:<br />

KASIMIR UND KAROLINE<br />

Musiktheater


52<br />

Andreas Pflüger schuf zahlreiche kammermusikalische<br />

Werke, ca. 20 Kompositionen<br />

für Orchester, zwei Ballette und<br />

acht Opern. Zu seinen wichtigsten<br />

Werken gehört die im Jahr 2000 an der<br />

Tschechischen Staatsoper uraufgeführte<br />

Oper Die Physiker.<br />

ANDREAS PFLÜGER / WOLFGANG WILLASCHEK / FRIEDRICH DÜRRENMATT<br />

ANDREAS PFLÜGER<br />

Dürrenmatts Komödie Die Physiker hat bis heute nichts von<br />

ihrer Aktualität verloren, werden doch unsere Vorstellungen<br />

von Fortschritt und Sicherheit stets aufs Neue in Frage gestellt.<br />

Für die bislang einzige Opernadaption des Werkes hat<br />

Wolfgang Willaschek das Schauspiel geschickt zu einem Libretto<br />

verdichtet, das durch die Musik von Andreas Pflüger zu einem<br />

labyrinthartigen Geflecht aus Groteske, Farce und Tragikomödie<br />

verwoben wird.<br />

Pflüger gibt den vielschichtigen Facetten und den paradoxen<br />

Verwicklungen in Dürrenmatts Komödie mit seiner Polystilistik<br />

ein passendes Gewand: Die Musik changiert virtuos zwischen<br />

Sprechgesang, sinfonischer Form, ariosem Gesang, Varieté,<br />

rhythmischer Deklamation, oratorischem Charakter, Persiflage<br />

und Parodie.<br />

Die<br />

„Großer Erfolg für den Schweizer<br />

Komponisten Andreas Pflüger,<br />

der aus dem Theaterstück von<br />

Friedrich Dürrenmatt eine<br />

großartige und dazu spielbare<br />

und singbare, geschickt die<br />

Vorlage adaptierende Oper<br />

komponiert hat.“<br />

DER NEUE MERKER WIEN<br />

„[So] gelang dem Komponisten<br />

mit der Teilung der Irrenärztin<br />

in einen Mezzo- und einen<br />

Koloratur sopran ein Kabinettstück,<br />

das sich sowohl musikalisch<br />

wie szenisch als sehr<br />

bühnenwirksam erweist.“<br />

MUSIK UND THEATER<br />

Oper in zwei Akten<br />

nach dem gleichnamigen Werk von Friedrich Dürrenmatt<br />

Musik von Andreas Pflüger<br />

Libretto von Wolfgang Willaschek<br />

4D, 5H, zusätzlich 3 Buben (Knabenstimmen) und 2 stumme Rollen<br />

Fl I, II, Picc, Ob I, II, E.H in F, Klar in B, Klar in Es, B.Klar in B, Fg I, II, Kfg, Hr I, II,<br />

III, IV, in F, Trp I, II, III, in C, Pos I, II, III, Tb, Pk, Schl, Hrf, Vl I, II, Vla, Vlc, Kb<br />

UA: 26.10.2000, Staatsoper Prag<br />

Musiktheater<br />

Physiker


Romulus<br />

53<br />

Große<br />

der<br />

Oper in zwei Akten, sieben Szenen, einem Intermezzo und einem Prolog<br />

nach der ungeschichtlichen historischen Komödie von Friedrich Dürrenmatt<br />

Dürrenmatts 1948 entstandene<br />

Tragikomödie um den<br />

pazifistischen, hühnerzüchtenden<br />

Kaiser Romulus, der<br />

das römische Weltreich für<br />

unmoralisch hält und es deswegen<br />

liquidieren möchte,<br />

wurde <strong>25</strong> Jahre nach dem Tod<br />

des Dichters von Komponist<br />

Andreas Pflüger und Librettist<br />

Wolfgang Willaschek in das<br />

vielschichtige Netzwerk einer<br />

musikalischen Komödie übertragen.<br />

Die stark geraffte<br />

Opernfassung schildert nah<br />

am Originaltext eindrucksvoll<br />

die Geschichte des machtmüden<br />

Kaisers mit der Narrenmaske,<br />

der mit lustvoller Resignation<br />

dem Niedergang des<br />

Römischen Reiches entgegenblickt.<br />

Pflüger vertont das groteske<br />

Apokalypse nspektakel<br />

mit einer farbenreichen Kombination<br />

verschiedener Musikstile,<br />

die gekonnt zwischen<br />

lautmalerischem Gackern,<br />

bezaubernden Liebesmelodien<br />

und Barockparodien<br />

oszillieren.<br />

„(…) und immer wieder den für<br />

Pflüger typischen Klangstrom,<br />

ein dichtes Geflecht instrumentaler<br />

Linien, in die scharfe<br />

Akzente wie Axthiebe einfalle n.“<br />

BZ BASEL<br />

Musik von Andreas Pflüger<br />

Libretto von Wolfgang Willaschek<br />

4D, 5H<br />

Fl (Picc), Ob/Ehr, Klar in B/B. Klar, Fg, Kfg, Hr I, II, Trp I, II, Pos I, II, A.Sax,<br />

T.Sax, Schl, Key, Vl I, II, Vla, Vlc, Kb<br />

UA: 12.12.2015, Thé âtre du Passage, Neuchâtel<br />

„Sie müssen Seelenverwandte<br />

sein, der Basler Komponist<br />

Andreas Pflüger und der Dramatiker<br />

Friedrich Dürrenmatt.“<br />

BASLER ZEITUNG<br />

WOLFGANG WILLASCHEK<br />

Wolfgang Willaschek, Autor und Dramaturg,<br />

arbeitete u. a. als leitender<br />

Dramaturg bei den Salzburger Festspielen,<br />

der Hamburgischen Staatsoper,<br />

dem Schleswig-Holstein-Musik-<br />

Festival und der San Francisco Opera.<br />

Er verfasste Libretti u. a. für die Komponisten<br />

Udo Zimmermann („Weiße<br />

Rose“), Manfred Trojahn („Limonen aus<br />

Sizilien“) und Eckehard Mayer („Sansibar“,<br />

„Treffen in Teltge“).<br />

ANDREAS PFLÜGER / WOLFGANG WILLASCHEK / FRIEDRICH DÜRRENMATT<br />

Musiktheater


54<br />

Wolfgang Böhmer komponierte neben<br />

Musicals und Kammeropern vielfältige<br />

Film- und Bühnenmusiken und bearbeitete<br />

zahlreiche Musiktheaterwerke.<br />

Seine Stücke sind weniger dem amerikanischen<br />

Musical als vielmehr der<br />

europäischen Musikkomödie bzw.<br />

Operette verpflichtet.<br />

Carsten Golbeck arbeitete lange Zeit<br />

erfolgreich als Chansonnier und Liedtexter<br />

auf deutschsprachigen und<br />

französischen Bühnen. Neben unterschiedlichen<br />

Show-Formaten sind es<br />

besonders die Live-Hörspiele, die er<br />

seit 2008 regelmäßig schreibt und<br />

auf die Bühne bringt.<br />

WOLFGANG BÖHMER / STEFAN ZIMMERMANN / CARSTEN GOLBECK / HERMANN HESSE<br />

Musiktheater<br />

Stefan Zimmermann widmete sich als<br />

Regisseur u. a. erfolgreich dem Stück<br />

„Loriots Dramatische Werke“. 2008<br />

übernahm er die Jubiläum sinszenierung<br />

seiner Werke am Berliner Schillertheate r.<br />

2002 gründete er mit Iris von Zastrow<br />

das a.gon Theater, wo auch seine ersten<br />

Arbeiten als Autor gezeigt wurde n.<br />

„Mitreißende Musicalversion<br />

– visuell ein Erlebnis –,<br />

stimmige Texte, tolle,<br />

dichte Kompositionen.“<br />

AACHENER ZEITUNG<br />

Siddhartha<br />

© CHRISTIAN SCHWIER / A.GON THEATER<br />

Siddhartha, ein junger Brahmane<br />

und Fürstensoh n, begibt<br />

sich gemeinsam mit seinem<br />

besten Freund Govinda auf<br />

die Suche nach Erleuchtung.<br />

Sie verlassen ihre wohlhabenden<br />

Elternhäuser, um mit Bettelmönchen<br />

in Askese zu<br />

leben. Während sich Govinda<br />

danach Buddha Gautama<br />

anschließt, entscheidet sich<br />

Siddhartha, die Vielfalt des<br />

Lebens kennenzulernen.<br />

Er geht eine leidenschaftliche<br />

Beziehung mit der Kurtisane<br />

Kamala ein, wird erfolgreicher<br />

Kaufmann, erkennt jedoch,<br />

dass ihn äußerer Reichtum<br />

nicht erfüllt. Erst durch den<br />

einfachen Fährmann Vasudeva<br />

erfährt er, dass wahre<br />

Weisheit aus persönlicher<br />

Erfahrung reift.<br />

Die poetische Erzählung<br />

Hermann Hesses wird von<br />

Stefan Zimmermann zu einem<br />

stimmigen Libretto verdichtet<br />

und von Wolfgang Böhmer<br />

sphärisch vertont. Die Liedtexte<br />

stammen von Carsten<br />

Golbeck.<br />

Musical<br />

nach der Erzählung von Hermann Hesse<br />

Musik von Wolfgang Böhmer<br />

Text von Stefan Zimmermann<br />

Liedtexte von Carsten Golbeck<br />

2D, 5H<br />

Key, Perc, Vlc, Fl, Klar, B.Klar, Kb<br />

UA: 21.02.<strong>2024</strong>, Stadttheater Minden /<br />

a.gon Theater, München<br />

Ich<br />

möchte<br />

mich von<br />

allem<br />

Gelernten<br />

befreien!<br />

weitere Stücke (Auswahl): Prinzessin Drosselbart / Elfie / Frankensteins Braut / Rockin’ Rosie / Der geteilte Himmel


Rio Reiser –<br />

Mein Name ist<br />

Mensch<br />

RIO REISER © RIO REISER ARCHIV<br />

55<br />

Rio Reiser gründete 1970 mit<br />

seinem Freund R.P.S. Lanrue<br />

die Band Ton Steine Scherben<br />

– eine der bedeutendsten<br />

Politbands der deutschen<br />

Rockgeschichte. Sie galten<br />

als Sprachrohr der linksradikalen<br />

Szene, die Slogans<br />

durch ihre Musik transportierten.<br />

Später setzte Rio seine<br />

Karriere als Solokünstler fort.<br />

Das Musical Rio Reiser<br />

– Mein Name ist Mensch<br />

erzählt ein intimes Porträt des<br />

großartigen Poeten und Musikers<br />

– von seinem Verhältnis<br />

zum Leben, zur Liebe, zu Berlin<br />

und zur politischen Bewegung<br />

des Aufbruchs und der<br />

Rebellion der 1970e r-Jahre.<br />

Nicht zuletzt geht es aber um<br />

die Musik, wie Rio Reiser sie<br />

verstand: zum einen als revolutionäres<br />

Moment gegen<br />

Unterdrückung und zum<br />

anderen als Ausdruck der fragilen<br />

Nuancen des Menschsein<br />

s.<br />

„Es ist nicht das erste Mal, dass<br />

die Achterbahn-Vita des Ausnahme-Musikers<br />

auf die Bühne<br />

gebracht wird. Doch diesmal ist<br />

der Abend so nah an Rio Reiser<br />

dran wie nie, gibt so intime<br />

Einblicke in die fragile Künstlerseele,<br />

dass man sein Leben<br />

quasi im Zeitraffer miterlebt.“<br />

BERLINER MORGENPOST<br />

Musik von Rio Reiser und R.P.S. Lanrue<br />

Text von Frank Leo Schröder und Gert C. Möbius<br />

Liedtexte von Rio Reiser u. a.<br />

2D, 7H<br />

E.Git I, II, III, E.B, Dr, Key I, II, Kl<br />

UA: 06.10.2019, Komödie am Kurfürstendamm im Schillertheater, Berlin<br />

Rio Reiser, gebürtig Ralph<br />

Christian Möbius (1950–<br />

1996), war ein deutscher<br />

Singer-Songwriter. Zu<br />

den bekanntesten Songs<br />

seiner Band Ton Steine<br />

Scherben gehören:<br />

„Rauch-Haus-Song“ oder<br />

„Keine Macht für Niemand“.<br />

Als Solokünstler<br />

wurde er vor allem mit<br />

Songs wie „König von<br />

Deutschland“ und „Junimond“<br />

bekannt.<br />

Unsere Musik muss<br />

zur gemeinsamen<br />

Waffe werden.<br />

Gert C. Möbius arbeitete<br />

mit seinen Brüdern Peter<br />

und Ralph an zahlreichen<br />

gemeinsamen Theaterproduktionen<br />

(Hoffmanns<br />

Comic Teater). Er war<br />

Manager der Gruppe Ton<br />

Steine Scherben und als<br />

Drehbuchautor tätig, u. a.<br />

für „Polizeiruf 110“. Nach<br />

dem Tod von Rio Reiser<br />

im Jahr 1996 baute er das<br />

Rio Reiser Archiv in Berlin<br />

auf.<br />

Frank Leo Schröder<br />

arbeitete als Schauspieler<br />

und Regisseur z. B. am<br />

Theater & Philharmonie<br />

Thüringen und der Musikalischen<br />

Komödie<br />

Leipzi g. 2017 inszenierte<br />

er „Rio Reiser“, das<br />

gleichnamige Vorgängerstück,<br />

am Potsdamer<br />

Hans Otto Theater. Die<br />

Inszenierung wurde für<br />

den Friedrich Luft Preis<br />

nominiert.<br />

RIO REISER / R.P.S. LANRUE / FRANK LEO SCHRÖDER / GERT C. MÖBIUS<br />

Musiktheater


56<br />

Die wunderbare Reise<br />

des Nils Holgersson<br />

THOMAS ZAUFKE / HENRY MASON / SELMA LAGERLÖF<br />

Aus Selma Lagerlöfs zeitloser<br />

Geschichte von Freiheitsdrang,<br />

Heimweh, Freundschaft<br />

und Liebe schufen<br />

Thomas Zaufke und Henry<br />

Mason ein poetisches wie<br />

humorvolles Familienmusical<br />

für Menschen ab 6, das sich<br />

nicht nur für die Position des<br />

musikalischen Weihnachtsmärchens<br />

eignet.<br />

In stimmungsvollen, vergnüglichen<br />

Bildern erzählt das<br />

Werk, wie Nils es lernt, sich<br />

zugunsten der Gemeinschaft<br />

hintanstellen zu können sowie<br />

den Mut zu finden, trotz eines<br />

Gefühls der Unzulänglichkeit<br />

zu handeln. Nils lernt zudem,<br />

sich als Teil der natürlichen<br />

Welt zu begreifen, und<br />

erkennt, dass der Mensch die<br />

Tierwelt beschützen muss.<br />

Thomas Zaufke spannt in<br />

seiner berührenden Komposition<br />

einen breiten stilistischen<br />

Bogen und verwebt Musik der<br />

klassischen Musical Comedy,<br />

Pop und Anleihen an schwedische<br />

Volksmusik zu einer vielfarbigen<br />

Partitur.<br />

Man kann klein sein,<br />

und trotzdem ein Held!<br />

6+<br />

Familienmusical in zwei Akten<br />

nach dem gleichnamigen Roman<br />

von Selma Lagerlöf<br />

Musik von Thomas Zaufke<br />

Text von Henry Mason<br />

5D, 5H (alternativ: 4D, 4H), Mehrfachbesetzungen,<br />

Puppen (vom Ensemble zu<br />

bedienen)<br />

Vl, Klar (mit B.Klar), Git (E und Acc),<br />

B (EB und KB), Synth, Schl<br />

UA: 24.11.<strong>2024</strong>, Oper Graz<br />

Komponist Thomas Zaufke und Autor<br />

und Regisseur Henry Mason verbindet<br />

eine langjährige Zusammenarbeit.<br />

Gemeinsam schrieben sie das Musical<br />

Alice im Wunderland für das Theater<br />

der Jugend in Wien. Ihr Musical Der<br />

Hase mit den Bernsteinaugen nach<br />

dem gleichnamigen Bestseller von<br />

Edmund de Waal, uraufgeführt am<br />

Landestheater Linz, wurde 2019 mit<br />

dem Deutschen Musical Theater Preis in<br />

der Kategorie „Bestes Musical“ ausgezeichnet.<br />

Zuletzt uraufgeführt wurde<br />

von ihnen, ebenfalls am Landestheater<br />

Linz, das von Presse und Publikum<br />

gleichermaßen gefeierte Musical Die<br />

Königinnen, ein Musicalthriller um<br />

Maria Stuart und Elisabeth I. („ Enorm<br />

wandelbare anspruchsvolle Musik“, Der<br />

Standar d; „ Ein monumentales und<br />

durch klare moderne Sprache dennoch<br />

nahbares Werk“, Die Presse). Von Die<br />

Königinnen ist jetzt auch eine CD mit<br />

dem Originalcast erhältlich.<br />

Musiktheater<br />

THOMAS ZAUFKE © KLAUS HUEMER<br />

HENRY MASON © KLAUS HUEMER<br />

weitere Stücke (Auswahl): Der Hase mit den Bernsteinaugen / Alice im Wunderlan d / Die Königinnen


Peter Lund ist ein erfolgreicher deutscher Musiktheaterautor<br />

und -regisseur. Zu seinen Werken zählen u. a. Das Wunder von<br />

Neukölln, Stella (mehrfach ausgezeichnet mit dem Deutschen<br />

Musicalpreis: Bestes Musical, Bestes Buch u. a.) und Grimm!<br />

(Bestes Buch). Als Musiktheaterregisseur hat er sich im<br />

deutschsprachigen Raum vor allem im Bereich der Operetten<br />

einen Namen gemacht . Seine Inszenierung „Axel an der Himmelstür<br />

“ wurde 2016 mehrfach mit dem Österreichischen<br />

Musiktheaterpreis ausgezeichnet.<br />

Mario Fesler ist Literaturwissenschaftler und Schriftsteller.<br />

Lizzy Carbon und der Klub der Verlierer um die schlagfertige<br />

Teenagerin Lizzy Carbon ist Teil einer erfolgreichen Trilogie.<br />

2017 wurde er für den Debütroman mit dem Deutschen<br />

Jugendtheaterpreis ausgezeichnet.<br />

Wir haben die Bedeutung<br />

des Wortes ‚Verlierer‘<br />

neu definiert!<br />

Lizzy Carbon<br />

und der Klub<br />

der Verlierer<br />

Mit 13 Jahren ist das Leben<br />

nicht leicht. Wenn Lizzy etwas<br />

auf der Zunge liegt, dann<br />

muss sie es auch sagen. Bei<br />

der Schulleitung kommt das<br />

jedoch nicht so gut an. Und so<br />

bekommt Lizzy prompt die<br />

Leitung einer Projektgruppe<br />

von Außenseiter:innen zugeteilt.<br />

Na, herzlichen Glückwunsch!<br />

Doch welches Potenzial<br />

im „Klub der Verlierer“<br />

steckt, zeigt sich schon bald.<br />

In der Musicalfassung des<br />

gleichnamigen Romans von<br />

Mario Fesler thematisieren<br />

Thomas Zaufke und Peter<br />

Lund ebenso amüsant wie<br />

schonungslos die Untiefen<br />

des Erwachsenwerdens sowie<br />

die Grausamkeit von Mobbing<br />

und stellen zugleich eine der<br />

großen Fragen des Lebens:<br />

Wo gehöre ich hin, wie finde<br />

ich meinen Platz in der<br />

Gesellschaft?<br />

Untermalt wird diese<br />

Suche von Zaufkes Score<br />

voller quirliger Popsongs,<br />

ironischer Uptempo-Nummern<br />

à la „Avenue Q“ bis hin<br />

zu gefühlvollen Balladen,<br />

die auch Taylor Swift singen<br />

könnte.<br />

weitere Stücke (Auswahl): Grimm! / Kopfkino / Schwestern im Geiste<br />

11+<br />

MARIO FESLER © MARIA HIMMEL<br />

Musical nach dem gleichnamigen<br />

Roman von Mario Fesler<br />

Musik von Thomas Zaufke<br />

Text von Peter Lund<br />

3D, 2H, 1 Stimme<br />

Playback<br />

UA: 12.10.2023,<br />

Theater der Jugend, Wien<br />

„Außer Lizzy (…) schlüpfen<br />

alle auch einmal in Erwachsenenrollen.<br />

Dabei werden auch<br />

Fragen der Repräsentation<br />

diskutiert: Darf Sara (…) eine<br />

türkische Mama spielen? Dass<br />

das Theater der Jugend sich in<br />

Wokeness übt, ist ungewohnt,<br />

aber toll.“<br />

FALTER<br />

„Humorvoller Umgang mit<br />

Niederlagen und dem immer<br />

wieder Aufstehe n.“<br />

KINDER JUGEND KULTUR UND MEHR<br />

57<br />

Musiktheater THOMAS ZAUFKE / PETER LUND / MARIO FESLER


58<br />

NILS STRUNK / LUKAS SCHRENK: DIE ZAUBERFLÖTE – THE OPERA BUT NOT THE OPERA, BURGTHEATER WIEN 2023 © MARCELLA RUIZ CRUZ<br />

Musiktheater


59<br />

Aus dieser Flöte kriegt<br />

doch kein Mensch<br />

nen vernünftigen Ton raus!<br />

NILS STRUNK / LUKAS SCHRENK:<br />

DIE ZAUBERFLÖTE – THE OPERA BUT NOT THE OPERA<br />

Musiktheater


60<br />

Die Zauberflöte –<br />

The Opera but not<br />

the Opera<br />

NILS STRUNK / LUKAS SCHRENK<br />

Musiktheater<br />

nach Wolfgang Amadeus Mozart /<br />

Emanuel Schikaneder<br />

6 Darsteller:innen<br />

Klavier, Rockband<br />

UA: 06.04.2023, Burgtheater<br />

(Kasino), Wien<br />

Das Kratky-Baschik-Theater<br />

ist pleite. Ein Hit muss her.<br />

Dazu ist der Truppe jedes Mittel<br />

recht: Die heilige Zauberflöte<br />

wird neu arrangiert,<br />

Mozarts Motive verwandeln<br />

sich in Songs unterschiedlicher<br />

Stilrichtungen und das<br />

umgedichtete Libretto teilen<br />

sich die 6 Spieler:innen in<br />

Mehrfachbesetzung. Mit großer<br />

Spielfreude und ironischer<br />

Distanz greifen sie beherzt<br />

nach der berühmten Vorlage<br />

und bringen sie in eine zeitgemäße<br />

Form. Mozart und Schikaneder<br />

hätten sich im Grab<br />

mitgedreht.<br />

1791 wurde „Die Zauberflöte“<br />

uraufgeführt. Ein Reißer<br />

für die Vorstadtmassen, ein<br />

Singspiel, das sich aus der<br />

Tradition des Zaubertheaters<br />

speist und mit populärer<br />

Musik aufwartet. Wie sähe<br />

das Werk wohl heute aus?<br />

Nils Strunk und Lukas Schrenk<br />

haben ihre Version in die Welt<br />

des Varietés und des frühen,<br />

düsteren Praters verlegt und<br />

musikalisch mit Stilmitteln der<br />

Popkultur ausgestattet.<br />

LUKAS SCHRENK © KERSTIN SCHOMBURG<br />

„Blues und dunkler Pop im Stil<br />

von Tom Waits und Leonard<br />

Cohen waren Inspiration für den<br />

Sound, aber auch die resche<br />

Räudigkeit von Brecht-Couplets<br />

vermeint man zu hören. (…)<br />

Strunk und Konsorten wahren<br />

größten Respekt vor dem Werk,<br />

treiben die Parodie nur so weit,<br />

dass Mozart nicht zu leiden hat.“<br />

DER STANDARD<br />

„Das sechsköpfige Ensemble<br />

interpretiert mit viel Augenzwinkern<br />

und richtigen Tönen die<br />

Songs, in denen Nils Strunk<br />

Mozarts Arien mit Liedern von<br />

Beyoncé, Thom Yorke, Freddie<br />

Mercury oder Falco vermengt.<br />

(…) Eine Freude springt von<br />

der Bühne aufs Publikum über.“<br />

FALTER<br />

NILS STRUNK © FELIX GRÜNSCHLOSS<br />

Nils Strunk und Lukas Schrenk haben<br />

zuletzt als Autorenduo „Die Schachnovelle<br />

“ von Stefan Zweig für die Bühne<br />

adaptiert. Ihre Fassung wurde am 29.<br />

September <strong>2024</strong> im Burgtheater uraufgeführt.<br />

Die Zauberflöte läuft dort nach<br />

der Premiere im Kasino ebenfalls auf<br />

der großen Bühne (mit bereits 40 Vorstellungen).<br />

Die deutsche Erstaufführung<br />

war am 28. September <strong>2024</strong> am<br />

Rheinischen Landestheater Neuss.<br />

I’m the<br />

birdman.


Eines Nachts verschwindet<br />

Sasjas Mutter, und Sasja<br />

glaubt, der Tod habe sie entführt.<br />

Sasja verfolgt ihn mit<br />

einem Ruderboot in sein Reich<br />

jenseits des Meeres. Dort trifft<br />

er unerwartet auf neue Freunde<br />

und steht nach einer abenteuerlichen<br />

Reise tatsächlich dem<br />

Tod gegenüber.<br />

Carina Sophie Eberle und<br />

Gordon Kampe geben in ihrer<br />

Familienoper sowohl den philosophischen<br />

Fragen als auch<br />

den fantastischen Welten aus<br />

Frida Nilssons Erfolgsroman<br />

eine Bühne. Das Libretto ist<br />

als Detektivgeschichte angelegt,<br />

jede Szene enthüllt ein<br />

weiteres spannendes Puzzleteil.<br />

Gemeinsam mit Sasja<br />

erkundet das Publikum die<br />

Mechanismen des Erinnerns<br />

und Vergessens, des Liebens<br />

und Loslassens.<br />

Die Kompositionen spielen<br />

virtuos mit bekannten Motiven<br />

der Operngeschichte, denen<br />

Gordon Kampe seinen<br />

ganz eigenen Ton hinzufügt,<br />

der die kindliche Perspektive<br />

mitreißend einfängt und Sasja<br />

auch in den düstersten Momenten<br />

nicht das Leben aus<br />

den Augen verlieren lässt.<br />

8+<br />

Familienoper<br />

nach dem gleichnamigen Roman<br />

von Frida Nilsson<br />

Musik von Gordon Kampe<br />

Libretto von Carina Sophie Eberle<br />

5D, 3H, 1 variabel, Chor<br />

Fl I, Fl II (Picc), Ob I, II, Klar I, II, Fg I, II (K.fg), Hr I, II,<br />

II IV, Trp I, II, Pos I, II, III, Tb, Sch I, Il, Pk I, II Hrf, Kl,<br />

Vl I, lI, Vla, Vlc, Kb<br />

UA: 10.11.<strong>2024</strong>, Theater Münster<br />

Gordon Kampes kompositorisches<br />

Schaffen<br />

umfasst Orchester- und<br />

Ensemblewerke, Kammermusik,<br />

Werke Für<br />

Chor und Gesang sowie<br />

Bühnenwerke für Erwachsene<br />

und Kinder. Zu den<br />

besonderen Qualitäten<br />

seiner Musik gehört, dass<br />

sie nicht den Anschein<br />

elitärer Kunstproduktion<br />

vermittelt, sondern direkt<br />

dort ansetzt, wo Klänge<br />

tatsächliche Bedeutung<br />

gewinnen: im Akt des<br />

Musizierens und im Vorgang<br />

des Wahrnehmens.<br />

CARINA SOPHIE EBERLE © SINJE HASHEIDER<br />

Wie wärs<br />

mit einem<br />

Glas Saft,<br />

Tod?<br />

Carina Sophie Eberle<br />

arbeitet als freischaffende<br />

Theatermacherin. Sie<br />

verfasst Stücke und<br />

Libretti, entwickelt diskursive<br />

Formate und inszeniert<br />

u. a. am Theater<br />

Münster und am Theater<br />

Bonn. Ihre Arbeiten<br />

wurden mit dem Deutschen<br />

Jugendtheaterpreis<br />

und dem Jugendstückepreis<br />

des Heidelberger<br />

Stückemarkts ausgezeichnet.<br />

GORDON KAMPE © MANUEL MIETHE<br />

Sasja<br />

und das Reich<br />

jenseits des Meeres<br />

weitere Stücke (Gordon Kampe, Auswahl): Hier kommt keiner durch / Kannst du pfeifen, Johanna?<br />

mehr zu Frida Nilsson:<br />

siehe S. 64<br />

„Frida Nilsson<br />

verknüpft wie<br />

selbstverständlich<br />

das sinnlich spürbare<br />

Leid eines<br />

Kindes aus der<br />

wirklichen Welt mit<br />

den ebenso fühlbaren<br />

Nöten von<br />

Lebewesen aus<br />

einer Parallelwelt.<br />

Und zwar so<br />

geschickt, dass wir<br />

nur noch staunen<br />

können.“<br />

SÜDDEUTSCHE ZEITUNG<br />

61<br />

GORDON KAMPE / CARINA SOPHIE EBERLE / FRIDA NILSSON<br />

Musiktheater


62


JUN<br />

GES<br />

THE<br />

ATER


64<br />

FRIDA NILSSON / KARIN DRECHSEL<br />

Junges Theater<br />

Siri<br />

und die<br />

Eismeerp iraten<br />

8+<br />

(Ishavspirater)<br />

Bühnenbearbeitung von Karin Drechsel<br />

Deutsch von Friederike Buchinger<br />

3D, 3H (Mehrfachbesetzung)<br />

EA der Fassung: 05.12.2023, Theater der Jugend, Wien<br />

In einem kurzen Moment der<br />

Unaufmerksamkeit passiert<br />

der jungen Siri das Undenkbare:<br />

Ausgerechnet Weißhaupt,<br />

der gefürchtetste Piratenkapitän<br />

des gesamten Eismeers,<br />

entführt ihre jüngere<br />

Schwester Miki, um sie in seiner<br />

Diamantenmine schuften<br />

zu lassen. Geplagt von<br />

Schuldgefühlen begibt sich<br />

Siri auf eine abenteuerliche<br />

Reise, um Miki zu befreien.<br />

Tapfer, aber nicht furchtlos<br />

stellt sich Siri dem Seeräuber<br />

entgegen und wagt etwas,<br />

das selbst gestandenen<br />

Erwachsenen das Blut in<br />

den Adern gefrieren lässt.<br />

<br />

weitere Werke (Auswahl): Sasja und<br />

das Reich jenseits des Meeres / Sem<br />

und Mo im Land der Lindwürmer /<br />

Hedvig! / Ich und Jagger gegen den<br />

Rest der Welt<br />

FRIDA NILSSON © ELLINOR COLLIN<br />

Frida Nilsson führt Siri durch<br />

eine fantastisch entworfene<br />

Eiswelt, in der sie nicht nur auf<br />

bizarre Tiere trifft, sondern<br />

auch auf Menschen, die sich<br />

immer mehr nehmen, als<br />

ihnen zusteht. Ein empathisches<br />

Plädoyer für ein solidarisches<br />

Miteinander und den<br />

Mut, sich dem scheinbar<br />

Unmöglichen zu stellen.<br />

Frida Nilssons Bücher sind mehrfach<br />

ausgezeichnet: 2019 erhielt sie den<br />

James Krüss Preis für internationale<br />

Kinder- und Jugendliteratur, 2020<br />

wurde sie für ihren Kinderroman Sasja<br />

und das Reich jenseits des Meeres mit<br />

dem Jahres-Luchs der Wochenzeitung<br />

DIE ZEIT geehrt. In der kommenden<br />

Spielzeit hat dieser Titel Uraufführung<br />

(als Musiktheaterfassung) am Theater<br />

Münster und (als Schauspielfassung)<br />

am Theater an der Parkaue, Berlin. 2021<br />

erhielt sie den Preis für Kinder- und<br />

Jugendliteratur der Schwedischen Akademie.<br />

Ihr Kinderroman Sem und Mo<br />

im Land der Lindwürmer wurde <strong>2024</strong><br />

mit dem Rattenfänger-Literaturpreis<br />

ausgezeichnet.<br />

„<br />

Entscheidungen<br />

kann man ändern!<br />

„Frida Nilsson ist eine Meisterin<br />

darin, Fantastisches und Realistisches<br />

miteinander zu verweben.<br />

Darin ähnelt sie einer anderen<br />

berühmten Schwedin, Astrid<br />

Lindgren.“<br />

DIE ZEIT<br />

„Eine antikapitalistische, humanistische<br />

Botschaft grundiert<br />

Nilssons großen Abenteuerroman,<br />

der alle Piratenklischees<br />

buchstäblich über Bord wirft.“<br />

FAZ<br />

Karin Drechsel ist seit 1991 als freischaffende<br />

Regisseurin tätig. Zudem<br />

unterrichtet sie Schauspiel und Regie<br />

an diversen Universitäten. Sie lebt in<br />

Hamburg.


Zahn weg! F weg! Frida weg!<br />

Eines Morgens verliert Frida<br />

einen Zahn – mitsamt ihrem<br />

„F“. Wie phies! Frida schmollt<br />

und will ihr Zimmer nicht<br />

mehr verlassen. Doch plötzlich<br />

purzelt ein kleiner NeinJa-<br />

Ritter, der Nein sagt, wenn er<br />

Ja meint, und umgekehrt, aus<br />

ihrem Schrank und stellt ihre<br />

Welt auf den Kopf. Auf der<br />

Suche nach den weißen Streifen<br />

seines Zebras scheint er<br />

aus Versehen falsch abgebogen<br />

zu sein. Was für ein Glück,<br />

denn nun kann Frida ihn<br />

begleiten. Zusammen geraten<br />

die ungleichen Gefährt:innen<br />

in Situationen, die Köpfchen<br />

erfordern: Die „Königin der<br />

Weißheit“ stellt zwar einen<br />

Wegweißer und weiße Ratschläge<br />

zur Verfügung –<br />

aber helfen die wirklich?<br />

© STELLA KAGER / NEXT LIBERTY<br />

Und können die beiden die<br />

Fragen des Grolls richtig<br />

falsch beantworten und somit<br />

Einlass in das Land der verlorenen<br />

Dinge finden?<br />

Ganz in der Tradition von<br />

Lewis Carroll und Frank L.<br />

Baum hat Philipp Löhle<br />

gekonnt eine fantastische<br />

Welt erschaffen, in der sich<br />

eine selbstbewusste Heldin<br />

ihren Weg durch das Leben<br />

bahnt, weit weg von allen<br />

erzieherischen Normen – eine<br />

wahnwitzige Wundertüte, die<br />

zu individuellem Denken<br />

anregt.<br />

Phalls du es nicht<br />

bemerkt hast,<br />

Mama, mir phehlt<br />

da phorne ein Zahn!<br />

Philipp Löhles Theaterstück Frida und<br />

der NeinJa-Ritter, das auch als Kinderbuch<br />

im Mixtvision Verlag erschienen<br />

ist, feierte im September <strong>2024</strong> in der<br />

Regie von Maximilian Achatz Uraufführung<br />

am Next Liberty, Graz. Löhles<br />

sprachwitzige Bearbeitungen von<br />

berühmten Kinderstoffen werden<br />

zudem in der Spielzeit <strong>2024</strong>/<strong>25</strong> vielfach<br />

als Familienstücke zur Weihnachtszeit<br />

oder als Freilichttheater nachgespielt:<br />

Peterchens Mondfahrt mit Anneliese<br />

ist am Theater Altenburg Gera, Theater<br />

Junge Generation, Dresden, und am<br />

Landestheater Dinslaken zu sehen; die<br />

Neue Bühne Senftenberg zeigt Die<br />

Bremer Stadtmusikanten und das<br />

Kresch-Theater in Krefeld Eine Weihnachtsgeschichte.<br />

6+<br />

2D, 3H<br />

UA: 28.09.<strong>2024</strong>,<br />

Next Liberty, Graz<br />

65<br />

PHILIPP LÖHLE<br />

Frida<br />

und der<br />

NeinJa-Ritter<br />

weitere Stücke (Auswahl): Eine Weihnachtsgeschichte /<br />

Die Bremer Stadtmusikanten / Peterchens Mondfahrt<br />

mit Anneliese / Rattenfalle<br />

Junges Theater


66<br />

FRIDA NILSSON: SIRI UND DIE EISMEERPIRATEN, THEATER MÜNSTER 2023 © SINJE HASHEIDER<br />

Junges Theater


67<br />

Die Dinge, die man tut, hinterlassen Spuren.<br />

Die guten Dinge hinterlassen gute Spuren …<br />

und die schlimmen Dinge hinterlassen<br />

schlimme Spuren.<br />

FRIDA NILSSON: SIRI UND DIE EISMEERPIRATEN


68<br />

Clara Leinemann<br />

studierte Kreatives<br />

Schreiben in Hildesheim.<br />

Mit ihrem Debütstück<br />

Fledermops erhielt sie<br />

eine Nominierung für den<br />

Berliner Kindertheaterpreis<br />

2021. Ihr erstes<br />

Hörspiel wurde im April<br />

<strong>2024</strong> im WDR erstgesendet.<br />

<strong>2024</strong> erhielt sie<br />

für Buddeln den Förderpreis<br />

des Jugendtheaterpreises<br />

BaWü und im<br />

Rahmen des Festivals<br />

Kaas & Kappes den niederländisch-deutschen<br />

Kinder- und Jugenddrama<br />

tiker:inne nprei s. 2023<br />

war sie Stipendiatin der<br />

Heimann-Stiftung<br />

und Teilnehmerin der<br />

Autor:innenwerkstatt<br />

Prosa am LCB.<br />

© ISABELLE GRASS<br />

Er scheint ganz<br />

erschöpft.<br />

Vielleicht hat er<br />

sich zu weit in sich<br />

selbst hinein<br />

gebuddelt.<br />

CLARA LEINEMANN<br />

Junges Theater<br />

3 Darsteller:innen<br />

UA: 04.04.20<strong>25</strong>,<br />

Theater Paderborn<br />

Buddeln<br />

Nao, Melek und Olm sind die<br />

besten Freund:innen und<br />

spielen am allerliebsten<br />

„Schweinchen in der Mitte“.<br />

Eines Tages jedoch lässt Olm<br />

den Ball einfach fallen und<br />

beginnt zu buddeln, tiefer und<br />

tiefer, bis er ganz in seinem<br />

Loch verschwunden ist. Melek<br />

und Nao folgen ihm in ein rätselhaftes<br />

Tunnelsystem, wo<br />

sie vor lauter Abzweigungen<br />

fast den Überblick verlieren.<br />

Gerade als die Kinder die<br />

Suche aufgeben wollen, finden<br />

sie einen schlaffen und<br />

schmutzigen Olm. Aus eigener<br />

Kraft schafft es ihr Freund<br />

nicht aufzustehen und die<br />

weitere Stücke: Fledermops<br />

beiden müssen sich einiges<br />

einfallen lassen, um ihn herauszulocken.<br />

Oben angekommen,<br />

scheint zunächst alles<br />

wie früher, doch ab und zu zieht<br />

es Olm noch nach unten. Diesmal<br />

aber mit der Gewissheit,<br />

dass er bei der Suche nach<br />

dem Ausgang seine Freund:innen<br />

um Hilfe bitten kann.<br />

Clara Leinemann legt in<br />

ihrem Stück berührend und<br />

mit erstaunlicher Leichtigkeit<br />

Schichten von Traurigkeit<br />

frei. Ohne zu urteilen, gräbt<br />

Buddeln nach Tiefpunkten,<br />

lässt uns aber nicht ohne ein<br />

Licht am Ende des Tunnels<br />

zurück.<br />

„Das Stück thematisiert auf<br />

einfühlsame und ernsthafte<br />

Weise Depression und die<br />

Suche nach Hoffnung für<br />

ein junges Publikum, ohne<br />

verfälschend zu vereinfachen,<br />

und schafft es dabei den<br />

Humor nicht zu verlieren.“<br />

AUS DER JURYBEGRÜNDUNG<br />

JUGENDTHEATERPREIS BAWÜ <strong>2024</strong><br />

„Buddeln ist ein kleines Juwel.<br />

(…) Die Empathie der Autorin<br />

zu ihren Figuren liest man von<br />

der ersten bis zur letzten Zeile.“<br />

AUS DER JURYBEGRÜNDUNG<br />

KAAS & KAPPES <strong>2024</strong><br />

8+


Die zehnjährige Ida möchte<br />

Polarforscherin werden.<br />

Gemeinsam mit ihrem imaginären<br />

Freund Robert Falcon<br />

Scott, dem einstigen Entdecker,<br />

plant sie mit wissenschaftlicher<br />

Präzision ihre<br />

künftigen Expeditionen zu<br />

den eisigen Kappen. Als<br />

Expertin für extreme Lebensräume<br />

ist sie bereits besonders<br />

gut im Beobachten,<br />

Dokumentieren und weiß sich<br />

immer allein zu helfen – das<br />

ist überlebenswichtig und hilft<br />

Ida auch im Alltag. Denn<br />

obwohl ihre Mutter jeden<br />

Tag auf dem Sofa sitzt, ist sie<br />

nicht wirklich ansprechbar<br />

und Ida musste früh lernen,<br />

ihr Zuhause vor der Außenwelt<br />

zu schützen. Doch eines<br />

Tages stellen eine unverhoffte<br />

Freundin und ein Brief aus<br />

der Schule Idas Leben auf<br />

den Kopf: Auf zu neuen<br />

Abenteuern!<br />

Armela Madreiter arbeitet als<br />

Dramaturgin und Autorin für<br />

junges und erwachsenes Publikum.<br />

südpol.windstill wurde<br />

2022 mit dem Mira-Lobe-Stipendium<br />

des Bundeskanzleramts,<br />

dem Sonderpreis des Deutschen<br />

Kinder- und Jugendtheaterpreises<br />

und dem Mülheimer<br />

KinderStückePreis <strong>2024</strong> ausgezeichnet.<br />

In der kommenden<br />

Spielzeit ist es am Theater Heidelberg,<br />

Theater Dortmund und<br />

dem Dschungel Wien zu sehen.<br />

Im Frühjahr 20<strong>25</strong> erscheint das<br />

Stück zudem als Reclam-Ausgabe.<br />

© MARCO BORRELLI<br />

Ausgezeichnet mit dem<br />

Mülheimer KinderStückePreis<br />

<strong>2024</strong> erzählt südpol.windstill<br />

behutsam und vielschichtig<br />

von einer Kindheit in prekären<br />

Verhältnissen. Durch kluge<br />

Sprachbilder gelingt Armela<br />

Madreiter die empathische<br />

Beschreibung eines Lebens<br />

mit psychisch kranken Eltern.<br />

10+<br />

2D, 1 variabel<br />

UA: 18.11.2023, Theater Heidelberg<br />

ÖE: 07.12.<strong>2024</strong>, Dschungel Wien<br />

„Armela Madreiters<br />

präziser und kraftvoller<br />

Theatertext ist durchdrungen<br />

von dem<br />

zutiefst menschlichen<br />

Bedürfnis, die Welt<br />

verstehbar und damit<br />

veränderbar zu machen.<br />

Humorvoll und sensibel<br />

zeigt sich darin,<br />

wie Erfindergeist und<br />

Empathievermögen<br />

dem Schrecken einer<br />

Suchterkrankung<br />

entgegentreten.“<br />

JURYBEGRÜNDUNG<br />

MÜLHEIMER THEATERTAGE<br />

Geborgenheit liegt<br />

in geometrischen<br />

Formen und niemals<br />

auf Linien, finde ich.<br />

69<br />

ARMELA MADREITER<br />

südpol.windstill<br />

Junges Theater


70<br />

12 +<br />

4 Darsteller:innen<br />

UA: 29.11.2023, Next Liberty, Graz,<br />

in Koproduktion mit dem Hessischen<br />

Staatstheater Wiesbaden, Follow the<br />

Rabbit, Graz, und Apollo Theater, Siegen<br />

Ich dachte, es<br />

geht dir um die<br />

Verständlichkeit.<br />

Nicht um Gewalt.<br />

SERGEJ GÖßNER<br />

Junges Theater<br />

Shoot ’n’ shout<br />

© MAGDALENA HÖFNER<br />

In kurzen Szenen wirft Sergej<br />

Gößner einen Blick auf die<br />

Mechanismen und Spielarten<br />

von Gewalt. Ein Junge tritt auf<br />

eine Hummel. Dabei tötet er<br />

aus Versehen das kleine Tier<br />

und wird gleichzeitig von ihm<br />

gestochen. Zwei der Spieler:innen<br />

wollen sich gegenseitig<br />

kneifen – dürfen die das? Was<br />

passiert in dem Moment, in<br />

dem das Adrenalin ins Blut<br />

schießt und man blitzschnell<br />

entscheiden muss, ob man<br />

zurückschlägt oder nicht ?<br />

Moralisches Dilemma oder<br />

reflexhaftes Verhalten? Wie<br />

weit bin ich bereit zu gehen,<br />

um mich zu verteidigen?<br />

Und mit welchen Mitteln? Die<br />

Spieler:innen sind sich nicht<br />

ganz einig, wie sie mit Gewaltdarstellung<br />

umgehen sollten,<br />

und treten aus ihren Rollen<br />

heraus, um grundlegende<br />

Fragen zu klären. Und dann<br />

ergreift auch noch die Hummel<br />

das Wort, um ihre Sicht der<br />

Dinge zu schildern.<br />

Shoot ’n’ shout stellt sich<br />

assoziativ, spielerisch und<br />

dabei todernst den Fragen um<br />

verbale und körperliche<br />

Gewalt, ohne allzu einfache<br />

Antworten zu liefern. Denn<br />

gäbe es die, dann lebten wir in<br />

einer Welt des Friedens.<br />

Sergej Gößner hat zuletzt die Uraufführung<br />

seines Stücks Schau, der Mau!<br />

am Landestheater Schwaben in Memmingen<br />

inszeniert (siehe S. 35). In der<br />

nächsten Spielzeit wird er u. a. die<br />

Uraufführung von Kristo Šagors Stück<br />

„Nice“ am Theater Konstanz auf die<br />

Bühne bringen. Der Zauber von Oz,<br />

Gößners Fassung von L. Frank Baums<br />

Klassiker, wird nach der letztjährigen<br />

Uraufführung am Staatstheater Darmstadt<br />

in der kommenden Spielzeit am<br />

Theater Dortmund (Regie: Johanna<br />

Weißert) und am Deutschen Theater<br />

Göttingen (Regie: Maria Viktoria Linke)<br />

nachgespielt. Der fabelhafte Die ist<br />

weiterhin am Theater Überzwerg, Saarbrücken,<br />

zu sehen und hatte im September<br />

<strong>2024</strong> am Theater Lüneburg<br />

Premiere (Regie: Antonie Zschoch).<br />

weitere Stücke (Auswahl): Der fabelhafte Die / lauwarm / Rotkäppchen und Herr Wolff /<br />

Das schrillste Blau / Die überraschend seltsamen Abenteuer des Robinson Crusoe / Der Zauber von Oz


David Paquets Überschreibung<br />

von Wedekinds „Frühlings<br />

Erwachen“ ist fest im<br />

Heute verankert und fragt, ob<br />

das sexuelle Erblühen in<br />

unserem geschwätzigen Zeitalter<br />

weniger tabuisiert ist, als<br />

es das in der restriktiven Vergangenheit<br />

war. Mit unverwechselbarem<br />

Humor und<br />

skurrilen Figuren gelingt<br />

Paquet eine genaue Beobachtung<br />

dessen, was uns heute<br />

ausmacht. Er denkt dabei die<br />

großen Themen der berühmtesten<br />

Coming-of-Age-<br />

Geschichte neu und lässt daraus<br />

junge Knospen entstehen.<br />

Moritz, Wendla, Melchior,<br />

Martha und Otto wachsen in<br />

einer Gesellschaft auf, in der<br />

die Erwachsenen über ihre<br />

eigene Libido nur stottern und<br />

Heuchelei, Tabus und Ansehen<br />

wichtiger sind als Verlangen.<br />

Nichtsdestotrotz versuchen<br />

sie ihre aufkommenden und<br />

überbordenden Triebe zu entwirren<br />

und den Irrsinn zu benennen,<br />

der von ihnen nicht<br />

verstanden wird. Im nah gelegenen<br />

Wald gehen sie auf<br />

individuelle Entdeckungsreisen,<br />

aber nicht alle kommen<br />

ans gewünschte Ziel.<br />

„Ein ebenso witziges<br />

wie tiefgründiges Stück.“<br />

LE SOLEIL<br />

„Die Pubertät in unserer Zeit<br />

zu erleben, ist nicht einfach.<br />

Ganz im Gegenteil. Und dieser<br />

eindringliche Text erinnert uns<br />

mit großer Schärfe daran.“<br />

LA PRESSE<br />

14+<br />

(L’éveil du printemps)<br />

Deutsch von Frank Weigand<br />

3D, 3H, 1 variabel<br />

DSE in Verhandlung<br />

Wir leben in einer<br />

Welt, in der eine<br />

Brustwarze mehr<br />

Angst macht als ein<br />

Maschinengewehr.<br />

Seit seinem Studium des szenischen<br />

Schreibens an der École nationale de<br />

théâtre du Canada arbeitet David<br />

Paquet als Autor, Dramaturg, Übersetzer<br />

und Lehrer für Nachwuchsautor:innen.<br />

Seine Werke wurden vielfach übersetzt<br />

und mit zahlreichen Preisen – darunter<br />

zwei Preise des Generalgouverneurs<br />

und ein Dora Award – ausgezeichnet.<br />

Sein Jugendstück Das Gewicht der<br />

Ameisen wird in der kommenden Spielzeit<br />

u. a. am Theater Dortmund, Theater<br />

Ingolstadt, Theater Oldenburg, Hans<br />

Otto Theater, Potsdam, Theater Altenburg<br />

Gera und Theater Junge Generation,<br />

Dresden, zu sehen sein. Immer<br />

Frühlings Erwachen ist zum Festival<br />

Primeurs eingeladen und wird unter<br />

dem Titel „Sternschnupfen“ vom SR als<br />

Hörspiel produziert. Der SR hatte bereits<br />

David Paquets Stücke 2 Uhr 14 und<br />

Feuersturm erstgesendet.<br />

© GUILLEAUME BOUCHER<br />

71<br />

DAVID PAQUET<br />

Immer<br />

Frühlings<br />

Erwachen<br />

weitere Stücke: Das Gewicht der Ameisen / 2 Uhr 14 / Feuersturm / Open House<br />

Junges Theater


72<br />

ESTHER BECKER: WILDBESTAND ODER VON EINER, DIE AUSZOG, EINE ZUKUNFT ZU FINDEN, WESTFÄLISCHES LANDESTHEATER <strong>2024</strong> © VOLKER BEUSHAUSEN


73<br />

Am Ende ist alles gut!<br />

Wenn es nicht gut ist,<br />

ist es nicht das Ende.<br />

ESTHER BECKER: WILDBESTAND ODER VON<br />

EINER, DIE AUSZOG, EINE ZUKUNFT ZU FINDEN<br />

Junges Theater


74


STO<br />

75<br />

FF<br />

REC<br />

HTE


76<br />

Stoffrechte<br />

BETTINA OBRECHT<br />

Wie anders ist alt?<br />

Manche Dinge ändern sich nie: Egal ob<br />

man alt oder jung ist, es tut gut, laut zu<br />

lachen oder wild zu tanzen, manches<br />

kann man auch nach siebzig Jahren noch<br />

nicht ausstehen. Doch manches ist auch<br />

ein kleines bisschen anders, wenn man<br />

alt ist. In einem Dialog zwischen Enkelkind<br />

und Großmutter wirft Bettina<br />

Obrecht philosophische Fragen zum<br />

Alter auf. Was macht Kindsein aus, was<br />

den letzten Lebensabschnitt? Und<br />

welche Eigenschaften sind einfach nur<br />

menschlich, egal wie alt man ist? Nach<br />

dem Erfolg von „Dann gehe ich jetzt,<br />

sagte die Zeit“ ein neues philosophisches<br />

Bilderbuch, das zum Perspektivwechsel<br />

einlädt.<br />

12+<br />

Nominiert für den Deutschen<br />

Jugendliteraturpreis 2023<br />

ARNDÍS THÓRARINSDÓTTIR UND<br />

HULDA SIGRÚN BJARNADÓTTIR<br />

12 Stockwerke.<br />

Mein unglaubliches<br />

Zuhause am Ende<br />

der Welt<br />

Eigentlich hatte sich Dagny darauf<br />

gefreut, ihre Oma kennenzulernen, die<br />

auf einer kleinen, wetterumtosten Insel<br />

wohnt. Doch als sie dort ankommt, ist<br />

alles seltsam. Sämtliche Einwohner:innen<br />

leben zusammen in einem einzigen<br />

Hochhaus und alles, was für Dagny<br />

immer selbstverständlich war, ist hier<br />

Mangelware: Shopping, ein eigenes<br />

Zimmer oder Strom für ihr Handy.<br />

Während sie versucht, sich an ihr neues<br />

Zuhause zu gewöhnen, stellen plötzlich<br />

unerklärliche Geschehnisse den Zusammenhalt<br />

der Hochhausgemeinschaft auf<br />

eine harte Probe! Kann Dagny herausfinden,<br />

wer hinter den Taten steckt? Mit<br />

viel Witz zeigt das isländische Autorinnenduo,<br />

wie mit Solidarität, Mitgefühl und<br />

Respekt ganz unterschiedliche Lebensentwürfe<br />

einander bereichern können.<br />

5+<br />

Nominiert für den Deutschen<br />

Jugendliteraturpreis <strong>2024</strong>


14+<br />

EVA ROTTMANN<br />

Fucking<br />

fucking schön<br />

Das erste Mal –<br />

In 10 kurzen<br />

Geschichten<br />

77<br />

KALEB ERDMANN<br />

wir sind pioniere<br />

Bruckner und Vero suchen das richtige<br />

Beziehungsmodell, den richtigen Wohnort,<br />

den richtigen Job, den richtigen<br />

Wohnzimmerschrank, kurz: das richtige<br />

Leben. Seit mehr als zehn Jahren sind sie<br />

ein Paar, jetzt ist ein Baby unterwegs.<br />

Wie und wo sollen sie ankommen, wenn<br />

ihr ganzes Leben eine einzige Suche<br />

war? Abwechselnd folgen wir den<br />

Gedanken- und Erzählströmen der beiden<br />

und nähern uns in dieser Zweistimmigkeit<br />

dem Lebensgefühl einer jungen<br />

Generation. Ausgezeichnet mit dem<br />

Debütpreis der Lit.Cologne <strong>2024</strong>:<br />

Wörter für Sex gibt es in drei Kategorien.<br />

In der ersten sind die Wörter, die im Biologiebuch<br />

stehen und die Erwachsene<br />

benutzen. So Wörter wie „Geschlechtsverkehr<br />

“ und „Koitus “ zum Beispiel. In<br />

der zweiten Kategorie sind Wörter wie<br />

schrauben, rammeln, knallen, nageln,<br />

flachlegen und so weiter. Wörter, die<br />

nach Baumarkt klingen, nach Schweiß<br />

und nach Arbeit. In der dritten Kategorie<br />

sind die Kuschelwörter, die alles ganz<br />

rosa und harmlos machen. So was wie:<br />

Liebe machen. Die Nacht zusammen<br />

verbringen. Miteinander schlafen. Und<br />

wenn du es noch nie gemacht hast,<br />

guckst du dir das an und denkst dir:<br />

HOW THE FUCK KÖNNEN ALL DIESE<br />

WÖRTER EIN UND DIESELBE SACHE<br />

BESCHREIBEN?<br />

„wir sind pioniere von Kaleb Erdmann reißt<br />

seine Leser:innen (…) geradewegs in den<br />

Erzählfluss: Mit feiner Beobachtungsgabe<br />

und einem großen Sinn für Komik widmet<br />

Erdmann sich in seinem rasant geschriebenen<br />

Text den Auswirkungen, die eine<br />

Schwangerschaft für das Beziehungsmodell<br />

und die Zukunftsplanung eines jungen<br />

Paares mit sich bringt.“<br />

JURYBEGRÜNDUNG LIT.COLOGNE DEBÜTPREIS <strong>2024</strong><br />

Stoffrechte


78<br />

DREHBUCH VON İLKER ÇATAK UND<br />

JOHANNES DUNCKER<br />

ZUM GLEICHNAMIGEN FILM<br />

Das Lehrerzimmer<br />

Carla Nowak, eine engagierte Sport- und<br />

Mathematiklehrerin, tritt ihre erste Stelle<br />

an einem Gymnasium an. Im neuen Kollegium<br />

fällt sie durch ihren Idealismus<br />

auf. Als es an der Schule zu einer Reihe<br />

von Diebstählen kommt und einer ihrer<br />

Schüler verdächtigt wird, beschließt sie,<br />

der Sache eigenständig auf den Grund<br />

zu gehen. Zwischen empörten Eltern,<br />

rechthaberischen Kolleg:innen und<br />

angriffslustigen Schüler:innen versucht<br />

Carla zu vermitteln, wird dabei jedoch<br />

schonungslos mit den Strukturen des<br />

Systems Schule konfrontiert. Je verzweifelter<br />

sie sich bemüht, alles richtig zu<br />

machen, desto mehr droht die junge<br />

Lehrerin daran zu zerbrechen.<br />

Ausgezeichnet mit dem Deutschen<br />

Filmpreis 2023. Nominiert als bester<br />

internationaler Film für den Oscar <strong>2024</strong><br />

KATJA OSKAMP<br />

Die vorletzte Frau<br />

Katja Oskamp erzählt zärtlich und rückhaltlos<br />

von den Verwandlungen, die das<br />

Dasein bereithält, von brüchigen Lebensläufen,<br />

von den Rollen einer Frau und den<br />

Körpern in ihrer ganzen Herrlichkeit und<br />

Hässlichkeit. Vor allem aber erzählt sie die<br />

Geschichte einer großen Liebe.<br />

Stoffrechte<br />

Sie lernt ihn kennen, als sie noch jung ist<br />

und er beinahe schon alt. Er, der berühmte<br />

Schriftsteller. Sie, die mit dem Schreiben<br />

gerade anfängt und Mutter einer kleinen<br />

Tochter ist. Eine Beziehung voller Lust und<br />

Hingabe und Heiterkeit beginnt. Dann aber<br />

erhält er eine Diagnose, die alles ändert.


79<br />

JOVANA REISINGER<br />

PLEASURE<br />

„Was macht eigentlich das Unterschichtskind<br />

auf dem Roten Teppich?“, fragt eine<br />

Besucherin auf dem Münchner Filmfest<br />

in meine Richtung. Ja, was macht sie da?<br />

Sie ist auf einer Mission.<br />

PLEASURE ist eine atemberaubend eloquente<br />

Tour de Force durch die Luxus-<br />

Triade Schlaf (meterlange Hotelbett-<br />

Laken!), Nahrung (Schlemmermaus!)<br />

und Kleidung (Dior, aber fake!). Jovana<br />

Reisinger entlarvt die verdeckten Normen<br />

eines vermeintlich liberalen Milieus<br />

und bricht eine Lanze für den Kitsch, für<br />

die Völlerei und das Rumliegen.<br />

LUCY FRICKE<br />

Das Fest<br />

Der einst gefeierte Regisseur Jakob<br />

ist in der Krise. Seine Karriere ist vorbei,<br />

seine letzte Beziehung über zehn<br />

Jahre her, er fühlt sich alt, der Körper<br />

ist schwach und der Kopf ohne Ideen.<br />

Es gibt nichts zu feiern, verkündet er<br />

am Morgen seines Geburtstages.<br />

Doch seine beste Freundin ist anderer<br />

Meinung und schickt ihn auf eine<br />

Reise durch seine Vergangenheit.<br />

Ein Buch aus der Mitte des Lebens.<br />

Lucy Fricke erzählt melancholisch<br />

und mit unerschütterlicher Komik von<br />

Verlusten, vom Verzeihen und von<br />

Freundschaften, ohne die wir nicht<br />

wären, wer wir sind.<br />

Stoffrechte


80<br />

JACKIE THOMAE<br />

Glück<br />

Ein Roman über Frauen unter Druck,<br />

über die Phase im Leben, in der sie zu<br />

alt sind, um noch länger warten zu<br />

können, und zu jung, um es hinter sich<br />

zu haben. Doch was wäre, wenn diese<br />

Phase sich künstlich verlängern ließe?<br />

Wenn die Frauen, wie die Männer<br />

schon immer, einfach noch Zeit hätten?<br />

Zwei erfolgreiche Frauen, die eine<br />

Medienschaffende, die andere Spitzenpolitikerin,<br />

werden mit der Frage konfrontiert:<br />

Kann man nur als Mutter oder<br />

auch anders glücklich werden?<br />

„Jackie Thomaes Kunst liegt darin, große<br />

Kunst zu schaffen, ohne dass die sich groß<br />

anfühlt, einen Roman mit Anspruch, der den<br />

Anspruch nicht vor sich herträgt.“<br />

DER SPIEGEL<br />

„Ernüchternd ehrlich und überaus feinfühlig.“<br />

DIE ZEIT<br />

MAX ORAVIN<br />

Toni & Toni<br />

Toni und Toni standen kurz vor dem<br />

großen Durchbruch – bis ein Unfall in<br />

einer euphorisierten Nacht alles änderte.<br />

Seither suchen die beiden ihren Weg<br />

zurück ins gemeinsame Leben. Toni,<br />

ausgebildete Tänzerin, fällt zurück in alte<br />

Muster der Selbstverletzung, während<br />

Toni, der Erzähler, eine Obsession für die<br />

buddhistische Lehre und das Erlernen<br />

japanischer Schriftzeichen entwickelt.<br />

Die gegenseitige Fürsorge und die inneren<br />

Konflikte stellen das Paar auf eine<br />

schwere Belastungsprobe. Zärtlich und<br />

atemlos wechselt der Text mit seiner<br />

besonderen rhythmischen Sprache<br />

zwischen Gegenwart und Erinnerung.<br />

Longlist Deutscher Buchpreis <strong>2024</strong><br />

Stoffrechte


ARAD DABIRI<br />

DRAMA<br />

81<br />

Ein junger Mann kehrt auf Einladung<br />

eines alten Freundes in seine Heimatstadt<br />

Wien zurück. Die Geister der Vergangenheit<br />

holen ihn ein, Erinnerungen<br />

brechen sich Bahn, sein altes Wien droht<br />

ihn erneut zu verschlucken. Auf der<br />

Dinnerparty des Freundes kommt es<br />

schließlich zur großen Offenbarung.<br />

Ausgezeichnet mit dem Debütpreis des<br />

Österreichischen Buchpreises 2023.<br />

ARAD DABIRI<br />

GLORIA!<br />

„DRAMA ist Drama: großes Gossentheater,<br />

eine Schmierenkomödie über Szenekaiser<br />

und Gernegroße, über deren Sprüche und<br />

die in diesen Sprüchen verborgenen Sehnsüchte,<br />

Ängste und Abgründe. Dabiri spielt<br />

mit dem Theater als Form, von der Ouvertüre<br />

bis zum letzten Vorhang – ohne großes<br />

Theater darum zu machen.“<br />

JURYBEGRÜNDUNG ÖSTERREICHISCHER BUCHPREIS 2023<br />

Homayoun, Yorgos, Ferdinand, Yasmina<br />

sind Mitte zwanzig und: verzweifelt. Sie<br />

verzweifeln an der Kunst, an sich selbst,<br />

am ausbleibenden Erfolg, an ihrer Stadt,<br />

am Alkohol und natürlich an der Liebe.<br />

Und so stromern sie in Arad Dabiris zweitem<br />

Roman durch die Bars und Clubs in<br />

Wien, in Frankfurt, in Berlin und München,<br />

auf der Suche nach der Gloria – Pop!<br />

Rausch! Fame! – und immer nur einen<br />

Fingerzeig entfernt vom Abrutschen. Aber<br />

genau dort, am Rand des Abgrunds, dort<br />

ist der Tanz am schönsten; es sind Fragmente<br />

aus einem Leben, aus einer Nacht,<br />

aus allen Nächten, in denen gelebt wurde,<br />

um darüber zu schreiben: in denen<br />

geschrieben wurde, um zu überleben.<br />

„Der Wiener Arad Dabiri schreibt noch nicht<br />

lange, aber mit ,magic‘.“<br />

DER STANDARD<br />

Stoffrechte


Ur- und Erstaufführungen (Auswahl)<br />

JONA RAUSCH<br />

Betonklotz 2000<br />

UA: 20.09.<strong>2024</strong>, Schauspiel Hannover<br />

YORGOS LANTHIMOS / EFTHIMIS<br />

FILIPPOU<br />

The Lobster<br />

DE: 26.09.<strong>2024</strong>, Münchner Volkstheater<br />

PAUL GRAHAM BROWN / JAMES<br />

EDWARD LYONS<br />

Vermisst! oder:<br />

Was geschah mit Agatha Christie?<br />

SE: 27.09.<strong>2024</strong>, Kammerspiele Seeb<br />

HALEY MCGEE<br />

Age is a Feeling<br />

DSE: 27.09.<strong>2024</strong>, Theater Bielefeld<br />

IVANA SOKOLA<br />

Balkan Drift<br />

UA: 27.09.<strong>2024</strong>, Schauspiel Köln<br />

PHILIPP LÖHLE<br />

Frida und der NeinJa-Ritter<br />

UA: 28.09.<strong>2024</strong>, Next Liberty, Graz<br />

SOKOLA//SPRETER<br />

Der Grund. Eine Verschwindung<br />

UA: 28.09.<strong>2024</strong>, Nationaltheater<br />

Mannheim<br />

NILS STRUNK / LUKAS SCHRENK<br />

Die Zauberflöte<br />

DE: 28.09.<strong>2024</strong>, Rheinisches<br />

Landestheater Neuss<br />

FELIX LOBRECHT<br />

Sonne und Beton<br />

UA (Klassenzimmerstück): 02.10.<strong>2024</strong>,<br />

Deutsches Theater Berlin<br />

UA: 08.03.20<strong>25</strong>, Rheinisches<br />

Landestheater Neuss<br />

AUDREY SCHEBAT<br />

Der Abschiedsbrief<br />

DE: 03.10.<strong>2024</strong>, Kammertheater Karlsruhe<br />

SE: 31.10.<strong>2024</strong>, Theater Affix, Langnau<br />

JÖRG MENKE-PEITZMEYER<br />

Das Wunder von Hof<br />

UA: 05.10.<strong>2024</strong>, Theater Hof<br />

MARIA URSPRUNG<br />

Höhere Gewalt<br />

UA: 16.10.<strong>2024</strong>, Theater Marie, Aarau<br />

VERA SCHINDLER<br />

Vogelfrei<br />

UA: 18.10.<strong>2024</strong>, Neuköllner Oper, Berlin


83<br />

CLÉMENT MICHEL<br />

Wie der Vater, so der Sohn<br />

DSE: 24.10.<strong>2024</strong>, Theater Kanton<br />

Zürich, Winterthur<br />

FELICIA ZELLER<br />

Antrag auf größtmögliche<br />

Entfernung von Gewalt<br />

ÖE: 31.10.<strong>2024</strong>, Theater praesent,<br />

Innsbruck<br />

HADRIEN RACCAH<br />

Die Einladung<br />

ÖE: 06.11.<strong>2024</strong>, Theater Oberzeiring<br />

GORDON KAMPE / CARINA SOPHIE<br />

EBERLE / FRIDA NILSSON<br />

Sasja und das Reich jenseits<br />

des Meeres (Oper)<br />

UA: 10.11.<strong>2024</strong>, Theater Münster<br />

PHILIPP LÖHLE<br />

Die Legende von Sleepy Hollow<br />

UA: 14.11.<strong>2024</strong>, Staatstheater Nürnberg<br />

NILS ZAPFE / SELMA LAGERLÖF<br />

Nils Holgersson (Schauspiel)<br />

UA: 16.11.<strong>2024</strong>, Schauspielhaus Bochum<br />

THOMAS ZAUFKE / HENRY MASON /<br />

SELMA LAGERLÖF<br />

Die wunderbare Reise des<br />

Nils Holgersson (Musiktheater)<br />

UA: 24.11.<strong>2024</strong>, Oper Graz<br />

YASMINA REZA<br />

James Brown trug Lockenwickler<br />

SE: 06.12.<strong>2024</strong>, Bühnen Bern<br />

SINA AHLERS<br />

Milch & Schuld<br />

UA: 06.12.<strong>2024</strong>, Staatstheater Kassel<br />

ARMELA MADREITER<br />

südpol.windstill<br />

ÖE: 07.12.<strong>2024</strong>, Dschungel Wien<br />

NECATI ÖZIRI<br />

Vatermal<br />

UA: 21.12.<strong>2024</strong>, Maxim Gorki Theater,<br />

Berlin<br />

IVANA SOKOLA<br />

Aqua Tofana<br />

UA: 15.01.20<strong>25</strong>, Kosmos Theater, Wien<br />

ARAD DABIRI<br />

DRUCK!<br />

UA: 23.01.20<strong>25</strong>, Nationaltheater<br />

Mannheim<br />

SIMONE SAFTIG<br />

Modern Mermates<br />

UA: 24.01.20<strong>25</strong>, Theater Kiel<br />

PHILIPP LÖHLE<br />

Das deutsche Haus<br />

UA: <strong>25</strong>.01.20<strong>25</strong>, Deutsches Theater<br />

Göttingen<br />

BETTINA OBRECHT<br />

Dann gehe ich jetzt, sagte die Zeit<br />

UA: 28.01.20<strong>25</strong>, Theater Pforzheim<br />

MARCUS PETER TESCH<br />

Patient Zero 1<br />

ÖE: 10.02.20<strong>25</strong>, Theater praesent,<br />

Innsbruck<br />

FRIDA NILSSON<br />

Sasja und das Reich jenseits<br />

des Meeres (Schauspiel)<br />

UA: 15.02.20<strong>25</strong>, Theater an der<br />

Parkaue, Berlin<br />

SOKOLA//SPRETER<br />

Eliza<br />

UA: 21.02.20<strong>25</strong>, Staatstheater Nürnberg<br />

MARIA URSPRUNG<br />

Halluzinationen<br />

UA: 01.03.20<strong>25</strong>, Schauspielhaus Zürich<br />

TOVE DITLEVSEN<br />

Vilhelms Zimmer<br />

DSE: 01.03.20<strong>25</strong>, Deutsches Schauspielhaus<br />

Hamburg<br />

LAETITIA COLOMBANI<br />

Freitags ist Kiwi-Tag<br />

SE: 06.03.20<strong>25</strong>, Casinotheater<br />

Winterthur<br />

CLARA LEINEMANN<br />

Buddeln<br />

UA: 04.04.20<strong>25</strong>, Theater Paderborn<br />

VERA SCHINDLER<br />

Im Parlament der Jugend (AT)<br />

UA: 05.04.20<strong>25</strong>, Neuköllner Oper, Berlin<br />

BUDDY THOMAS<br />

Der Teufelsplan von Planet Pluto<br />

DSE: 26.04.20<strong>25</strong>, Theater<br />

Altenburg Gera<br />

VOLKER SCHMIDT<br />

Lücke zum Glück<br />

UA: 09.05.20<strong>25</strong>, Stadttheater Ingolstadt<br />

PIJA LINDENBAUM<br />

Der erste Schritt<br />

DSE: 17.05.20<strong>25</strong>, Theater Münster<br />

Ur- und Erstaufführungen (Auswahl)


84 Felix Bloch Erben GmbH & Co. KG<br />

Verlag für Bühne, Film und Funk<br />

Theater-Verlag Desch GmbH<br />

Karl Mahnke Theaterverlag GmbH<br />

FBE Agentur Drehbuch / Regie<br />

Hardenbergstraße 6<br />

10623 Berlin<br />

T +49 (0)30 313 90 28<br />

F +49 (0)30 312 93 34<br />

info@felix-bloch-erben.de<br />

felix-bloch-erben.de<br />

fbe-agentur.de<br />

MITARBEITER:INNEN<br />

Gabriela Bellack (Lizenzen)<br />

Susan Colak (Agentur Drehbuch / Regie)<br />

Katharina Fröhlich (Assistenz Dramaturgie)<br />

Heike Groß ( Amateurtheatergruppen / Empfang)<br />

Bastian Häfner ( Leitung Schauspiel / Agentur Regie)<br />

Michaela Heberer (Vertragswesen / Abrechnungen)<br />

Christa Hohmann ( Schauspiel / Desch)<br />

Carsten Kretlow (Material-Leih-Abteilung)<br />

Wanda Künzel (Assistenz Dramaturgie, Agentur)<br />

Gesine Pagels ( Schauspiel / Agentur Drehbuch / stellvertretende Verlagsleiterin)<br />

Boris Priebe (Leitung Musiktheater)<br />

Melanie Rehder (Assistenz der Geschäftsführung / Empfang)<br />

Tanja Richter (Assistenz Agentur / Lizenzen Medien)<br />

Florine Schmitter (Assistenz Lizenzen, Tournee)<br />

Jonas Schönfeldt ( Schauspiel / Marketing / Agentur Regie)<br />

Julia Solms (in Elternzeit)<br />

Moritz Staemmler (Geschäftsführer / Verlagsleitung)<br />

Kerstin Stölting (Karl Mahnke Theaterverlag)<br />

Stefanie Sudik ( Musiktheater / Agentur Regie)<br />

Judith Weißenborn ( Schauspiel / Junges Theater / Agentur Regie)<br />

<strong>Charivari</strong><br />

174. Jahrgang<br />

<strong>2024</strong>/<strong>25</strong><br />

Redaktionsschluss 31.07.<strong>2024</strong><br />

Redaktion<br />

Dramaturgie / Marketing<br />

Impressum<br />

Gesamtgestaltung und Satz<br />

milchhof / milchhof.net<br />

Druck<br />

primeline print berlin GmbH


Wir haben unseren Versandverteiler für Theater aktualisiert.<br />

Möchten Sie mehr oder weniger Exemplare unserer jährlichen Verlagsbroschüre erhalten?<br />

Schreiben Sie uns eine Mail an info@felix-bloch-erben.de.<br />

3


FELIX BLOCH ERBEN GmbH & Co. KG<br />

Verlag für Bühne Film und Funk<br />

Hardenbergstraße 6 10623 Berlin<br />

T +49 (0)30 313 90 28<br />

F +49 (0)30 312 93 34<br />

info@felix-bloch-erben.de<br />

felix-bloch-erben.de<br />

174. Jahrgang <strong>2024</strong>/<strong>25</strong><br />

24— C<br />

SINA AHLERS / MARTIN G. BERGER / BAHRAM BEYZAIE / JHEREK<br />

BISCHOFF / HULDA SIGRÚN BJARNADÓTTIR / SÉBASTIEN BLANC /<br />

WOLFGANG BÖHMER / İLKER ÇATAK / AGATHA CHRISTIE / MATT<br />

COLEMAN / LÉONORE CONFINO / ARAD DABIRI / KARIN DRECHSEL /<br />

FRANCK DUARTE / JOHANNES DUNCKER / JAN DVOŘÁK / CARINA<br />

SOPHIE EBERLE / NATHAN ELLIS / KALEB ERDMANN / MARIO FESLER /<br />

LUCY FRICKE / CESC GAY / CARSTEN GOLBECK / SERGEJ GÖßNER /<br />

ANNA GSCHNITZER / AMIR GUDARZI / ANJA HILLING / GORDON<br />

KAMPE / ASJA KRSMANOVIĆ / R.P.S. LANRUE / CLARA LEINEMANN /<br />

DANIELA LÖFFNER / PHILIPP LÖHLE / PETER LUND / MATT LYLE /<br />

ARMELA MADREITER / HENRY MASON / HALEY MCGEE / JÖRG MENKE-<br />

PEITZMEYER / GERT C. MÖBIUS / MARTIN MUTSCHLER / FRIDA NILSSON /<br />

BETTINA OBRECHT / MAX ORAVIN / KATJA OSKAMP / DAVID PAQUET /<br />

ANDREAS PFLÜGER / HADRIEN RACCAH / AXEL RANISCH / JONA<br />

RAUSCH / RIO REISER / JOVANA REISINGER / YASMINA REZA / EVA<br />

ROTTMANN / LUKAS SCHRENK / FRANK LEO SCHRÖDER / MARK<br />

SHANAHAN / IVANA SOKOLA / SOKOLA//SPRETER / JONA SPRETER /<br />

PHILIPP STÖLZL / SARA STRIDSBERG / NILS STRUNK / SÉBASTIEN<br />

THIÉRY / JACKIE THOMAE / ARNDÍS THÓRARINSDÓTTIR / WOLFGANG<br />

WILLASCHEK / CHRISTA WINSLOE / PAUL ZACHER / THOMAS ZAUFKE /<br />

FELICIA ZELLER / STEFAN ZIMMERMANN

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