Charivari 2024/25
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FBE<br />
<strong>25</strong><br />
HARI<br />
VARI
Schauspiel<br />
4<br />
8<br />
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10<br />
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45<br />
Yasmina Reza<br />
Anja Hilling: Die Liebe auf Erden<br />
Felicia Zeller: Der Revisor<br />
Jona Rausch: Betonklotz 2000<br />
Arad Dabiri: DRUCK!<br />
Anna Gschnitzer: Die Entführung der Amygdala<br />
Anna Gschnitzer: Capri<br />
Anna Gschnitzer: Ich, Antigone<br />
Sina Ahlers: Milch & Schuld<br />
Amir Gudarzi: Häuslfrau<br />
Ivana Sokola: Balkan Drift<br />
Sokola//Spreter: Der Grund. Eine Verschwindung<br />
Sokola//Spreter: Eliza<br />
Jona Spreter: Totenüberlebung<br />
Nathan Ellis: Information<br />
Philipp Löhle: Queerio<br />
Philipp Löhle: Die Legende von Sleepy Hollow<br />
Daniela Löffner / Christa Winsloe: Sylvia und Sybille<br />
Sara Stridsberg: Liebe und Abhängigkeit<br />
Asja Krsmanović: Sauer<br />
Bahram Beyzaie: Yazdgerds Tod<br />
Jörg Menke-Peitzmeyer: Das Wunder von Hof<br />
Sergej Gößner: Schau, der Mau!<br />
Axel Ranisch / Paul Zacher: Mutti, was machst du da?<br />
Matt Lyle / Matt Coleman: Apokalyse, no!<br />
Agatha Christie / Mark Shanahan: Alibi<br />
Haley McGee: Age is a Feeling<br />
Sébastien Thiéry: Der Videobeweis<br />
Sébastien Blanc: Geheimnisse<br />
Hadrien Raccah: Vor dem Fall<br />
Léonore Confino: Der Seestern-Effekt<br />
Cesc Gay: 53 Sonntage<br />
Franck Duarte: Kleine Verbrechen unter Liebenden<br />
Musiktheater<br />
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Jherek Bischoff / Jan Dvořá k / Philipp Stölzl: Andersens Erzählungen<br />
Jherek Bischoff / Martin G. Berger / Martin Mutschler / Ödön von Horváth: Kasimir und Karoline<br />
Andreas Pflüger / Wolfgang Willaschek / Friedrich Dürrenmatt: Die Physiker<br />
Andreas Pflüger / Wolfgang Willaschek / Friedrich Dürrenmatt: Romulus der Große<br />
Wolfgang Böhmer / Stefan Zimmermann / Carsten Golbeck / Hermann Hesse: Siddharta<br />
Rio Reiser / R.P.S. Lanrue / F. L. Schröder / G. C. Möbius: Rio Reiser – Mein Name ist Mensch<br />
Thomas Zaufke / Henry Mason / Selma Lagerlöf: Die wunderbare Reise des Nils Holgersson<br />
Thomas Zaufke / Peter Lund / Mario Fesler: Lizzy Carbon und der Klub der Verlierer<br />
Nils Strunk / Lukas Schrenk: Die Zauberflöte – The Opera but not the Opera<br />
Gordon Kampe / Carina Sophie Eberle / Frida Nilsson: Sasja und das Reich jenseits des Meeres
Junges Theater<br />
Frida Nilsson / Karin Drechsel: Siri und die Eismeerpiraten<br />
Philipp Löhle: Frida und der NeinJa-Ritter<br />
Clara Leinemann: Buddeln<br />
Armela Madreiter: südpol.windstill<br />
Sergej Gößner: Shoot ’n’ shout<br />
David Paquet: Immer Frühlings Erwachen<br />
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Stoffrechte<br />
Bettina Obrecht: Wie anders ist alt?<br />
Arndís Thórarinsdóttir / Hulda Sigrún Bjarnadóttir: 12 Stockwerke<br />
Eva Rottmann: Fucking fucking schön<br />
Kaleb Erdmann: wir sind pioniere<br />
İlker Çatak / Johannes Duncker: Das Lehrerzimmer<br />
Katja Oskamp: Die vorletzte Frau<br />
Jovana Reisinger: Pleasure<br />
Lucy Fricke: Das Fest<br />
Jackie Thomae: Glück<br />
Max Oravin: Toni & Toni<br />
Arad Dabiri: DRAMA<br />
Arad Dabiri: GLORIA!<br />
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Ur- und Erstaufführungen <strong>2024</strong>/<strong>25</strong><br />
82<br />
Impressum<br />
84
2
SCH<br />
AU<br />
SPI<br />
EL
4<br />
„Yasmina Reza spießt die Klischees<br />
Sie spießt die anderen auf, sich sel<br />
Mit Beginn der Spielzeit <strong>2024</strong>/<strong>25</strong> vertritt<br />
Felix Bloch Erben / Theaterverlag Desch<br />
die Aufführungsrechte aller Werke<br />
Yasmina Rezas. Ihr bisheriger Lektor,<br />
Agent und Wegbegleiter Rainer Witzenbacher<br />
hat sich nach 40-jähriger, erfolgreicher<br />
künstlerischer Zusammen arbeit<br />
aus Altersgründen aus dem Verlagsgeschäft<br />
zurückgezogen.<br />
YASMINA REZA<br />
Viele von Yasmina Rezas Theaterstücken<br />
wurden im deutschsprachigen Raum<br />
an großen Bühnen von namhaften Regisseur:<br />
in nen uraufgeführt. Die Initialzündung<br />
für ihren immensen Erfolg war<br />
Felix Praders Inszenierung von „Kunst“<br />
an der Schaubühne am Lehniner Platz<br />
mit Udo Samel, Peter Simonischek und<br />
Gerd Wameling (1995).<br />
Unvergessen bleibt auch Jürgen<br />
Goschs Inszenierung von Der Gott des<br />
Gemetzels mit Corinna Kirchhoff, Dörte<br />
Lyssewski, Michael Maertens und Tilo<br />
Nest am Schauspielhaus Zürich (2006),<br />
die zum Theatertreffen eingeladen<br />
wurde. Das Stück wurde 2011 von Roman<br />
Polanski, hochkarätig besetzt mit Jodie<br />
Foster, Kate Winslet, Christoph Waltz<br />
und John C. Reilly, verfilmt.<br />
Zu den bekanntesten der insgesamt<br />
zwölf Theaterstücke Rezas zählen außerdem<br />
Drei Mal Leben (UA 2000, Burgtheater<br />
Wien, Regie: Luc Bondy) sowie<br />
Bella Figura (UA 2015, Schaubühne<br />
Berlin, Regie: Thomas Ostermeier).<br />
Zuletzt wurden in der Spielzeit 2023/24<br />
am Wiener Akademietheater ihr Roman<br />
Serge (Regie: Lily Sykes) und am<br />
Münchner Residenztheater James<br />
Brown trug Lockenwickler (Regie:<br />
Philipp Stölzl) uraufgeführt.<br />
© CAROLEBELLAICHE<br />
Yasmina Rezas Romane sind in deutscher<br />
Übersetzung im Carl Hanser Verlag<br />
erschienen; zuletzt „Glücklich die Glücklichen“<br />
(2014), „Babylon“ (2017), für<br />
den sie mit dem Prix Renaudot 2016<br />
ausgezeichnet wurde, und Serge (2022).<br />
Im Frühjahr 20<strong>25</strong> erscheint im Hanser<br />
Verlag ihr neues Buch, „Die Rückseite<br />
des Lebens“, eine Erzählsammlung, für<br />
die Reza zahlreiche Gerichtsprozesse in<br />
der französischen Provinz als Beobachterin<br />
begleitet hat.<br />
Schauspiel<br />
Yasmina Reza ist Schriftstellerin, Drehbuchautorin, Regisseurin, Schauspielerin und eine der weltweit<br />
meistgespielten zeitgenössischen Dramatikerinnen. Sie wurde mehrfach mit dem renommierten<br />
französischen Prix Molière als beste Autorin ausgezeichnet, gewann den Laurence Olivier Award sowie<br />
den Tony Award und erhielt für ihr Werk den Jonathan-Swift-Preis 2020, den Premio Malaparte 2021, den<br />
Prix de l’Académie de Berlin 2022 und zuletzt den Prix mondial Cino Del Duca <strong>2024</strong>, der Schriftsteller:innen<br />
auszeichnet, deren Werke in der Tradition des modernen Humanismus stehen.
auf, die Tics, die Gewissheiten.<br />
bst und uns.“ MAGAZINE LITTÉRAIRE<br />
5<br />
Anne-Marie die Schönheit<br />
Deutsch von Frank Heibert<br />
und Hinrich Schmidt-Henkel<br />
1H<br />
Bella Figura<br />
Deutsch von Thomas Ostermeier<br />
und Florian Borchmeyer<br />
3D, 2H<br />
Drei Mal Leben<br />
Deutsch von Eugen Helmlé<br />
2D, 2H<br />
Ein spanisches Stück<br />
Deutsch von Frank Heibert<br />
und Hinrich Schmidt-Henkel<br />
3D, 2H<br />
Gespräche nach einer Beerdigung<br />
Deutsch von Bernd C. Sucher<br />
3D, 3H<br />
Es gibt Orte und Orte. Die schönen, die<br />
berühmten oder die sehr hässlichen lassen<br />
uns am Ende gleichgültig. Bestenfalls<br />
interessieren sie unseren Bildungsdrang,<br />
etwas sehr Durchschnittliches. Die wahren<br />
Orte, jene, die uns befruchten, jene, die uns im<br />
Gedächtnis bleiben, sind die, die uns sahen,<br />
wie wir außer uns waren, die unsere Maßlosigkeit<br />
beherbergt haben, das Eingeständnis<br />
unserer Begierden oder das Erschrecken<br />
davor, all jene Orte, die uns auffinge n, als<br />
wir erschüttert waren.<br />
YASMINA REZA: „NIRGENDWO“, HANSER VERLAG 2012<br />
Der Gott des Gemetzels<br />
Deutsch von Frank Heibert<br />
und Hinrich Schmidt-Henkel<br />
2D, 2H<br />
Ihre Version des Spiels<br />
Deutsch von Frank Heibert<br />
und Hinrich Schmidt-Henkel<br />
2D, 2H<br />
Im Schlitten Arthur Schopenhauers<br />
Deutsch von Frank Heibert<br />
und Hinrich Schmidt-Henkel<br />
2D, 2H<br />
James Brown trug Lockenwickler<br />
Deutsch von Frank Heibert<br />
und Hinrich Schmidt-Henkel<br />
2D, 3H<br />
„Kunst“<br />
Deutsch von Eugen Helmlé<br />
3H<br />
Der Mann des Zufalls<br />
Deutsch von Eugen Helmlé<br />
1D, 1H<br />
Reise in den Winter<br />
Deutsch von Bernd C. Sucher<br />
3D, 3H<br />
Serge (Roman)<br />
Deutsch von Frank Heibert<br />
und Hinrich Schmidt-Henkel<br />
Besetzung variabel<br />
Schauspiel YASMINA REZA
6
7<br />
Wir lebten mit der<br />
Sängerin Céline Dion<br />
im Körper unseres Sohns<br />
Jacob Hutner.<br />
YASMINA REZA: JAMES BROWN TRUG LOCKENWICKLER<br />
YASMINA REZA: JAMES BROWN TRUG LOCKENWICKLER, RESIDENZTHEATER MÜNCHEN <strong>2024</strong> © SANDRA THEN<br />
Schauspiel
8<br />
ANJA HILLING<br />
Die Liebe<br />
auf Erden<br />
5 Darsteller:innen<br />
UA: <strong>25</strong>.05.<strong>2024</strong>, Theater Altenburg Gera<br />
Im Zentrum des Stücks steht<br />
ein Kunstwerk, dem die „fêtes<br />
galantes“, eine Gemäldeserie<br />
aus dem Rokoko, als Vorbild<br />
dienen für eine Installation des<br />
Überflusses (der Farben, der<br />
Gewänder, Gelüste, Speisen).<br />
Die fünf Gäste, die hier teilnehmen<br />
sollen, wurden allerdings<br />
gecastet in der Schlange<br />
einer Armenspeisung. Ernstgemeintes<br />
Anliegen des Kunstwerks<br />
ist es, das Desaster der<br />
Armut zu zeigen, indem es die<br />
Sinne mit dem Gegenteil<br />
konfrontiert: der Dekadenz.<br />
DIE KURATORIN:<br />
Vergiss nicht, dass wir<br />
über Menschen sprechen.<br />
DER KÜNSTLER:<br />
Erinner dich, dass das<br />
nichts gebracht hat.<br />
In drei Akten wird das Kunstwerk<br />
erstens erdacht, zweitens<br />
gezeigt (zerstört), drittens<br />
aufgeräumt. Was bleibt, ist die<br />
Frage an die Kunst: Hat sie<br />
tatsächlich Interesse daran,<br />
das Problem der Armut zu<br />
lösen, oder ist das Unlösbare<br />
Teil ihrer Berechtigung? Ist das<br />
Scheitern des Kunstwerks<br />
Grund seines Erfolgs? Kennt<br />
Kunst als kritische Instanz<br />
noch so was wie soziale Verantwortung?<br />
Aktuell schreibt Anja<br />
Hilling an einem neuen<br />
Stück für das Schauspiel<br />
Frankfurt (Premiere im<br />
Herbst 20<strong>25</strong>). Nach<br />
Liberté oh no no no<br />
(Regie: Sebastian Schug)<br />
und Mascha K. (Tourist<br />
Status) (Regie: Christina<br />
Tscharyiski) ist dies die<br />
dritte Zusammenarbeit<br />
mit dem Schauspiel<br />
Frankfurt. Hilling schrieb<br />
Die Liebe auf Erden im<br />
Auftrag des Theaters<br />
Altenburg Gera im<br />
Rahmen einer deutschrumänischen<br />
Koproduktion<br />
mit dem Deutschen<br />
Staatstheater Temeswar<br />
und gefördert von der<br />
Kulturstiftung des Bundes;<br />
die Uraufführung inszenierte<br />
Oliver Endreß.<br />
Anja Hilling zeigt mit ihrem<br />
Stück Die Liebe auf Erden<br />
das Dilemma der Kunst,<br />
Abgründe sichtbar zu machen<br />
und sich durch diese Zurschaustellung<br />
zugleich darüber<br />
zu erheben.<br />
Schauspiel<br />
JEAN-ANTOINE WATTEAU, FÊTE GALANTE IN A WOODED LANDSCAPE © PUBLIC DOMAIN<br />
weitere Stücke (Auswahl): Liberté oh no no no / Mascha K. (Tourist Status) / Mittagswende. Die Stunde der Spurlosen /<br />
Nostalgie 2175 / Schwarzes Tier Traurigkeit / Sinn
Der Revisor<br />
9<br />
frei nach Nikolai Wassiljewitsch Gogol<br />
4D, 7H<br />
UA: 23.02.<strong>2024</strong> Deutsches Schauspielhaus Hamburg (unter dem Titel: Die gläserne Stadt)<br />
Achtung: Der Revisor kommt!<br />
Dr. Baktus von der Kaktus<br />
Bank hat sich auf sein Containerschiff<br />
gerettet, um bei<br />
Gefahr (sprich: Steuerprüfung)<br />
sofort in See stechen zu können.<br />
Seine Getreuen sind<br />
besorgt: Es heißt, ein Steuerprüfer<br />
soll vor allem auf die<br />
zwielichtigen Mix-Max-Geschäfte<br />
angesetzt werden.<br />
Sein Anwalt versucht zu beruhigen:<br />
Man werde jederzeit<br />
ein passendes Expert:innen-<br />
Gutachten vorlegen können.<br />
Gerade wir Geschäftsleute, wir wissen doch<br />
Vertrauen ist Grundlage für jedes<br />
Ob großes oder kleines<br />
FELICIA ZELLER<br />
© SANDRA SCHUCK<br />
Felicia Zellers Stück Antrag auf<br />
größtmögliche Entfernung von<br />
Gewalt war zu den Mülheimer Theatertagen<br />
und zu den Autor:innentheatertagen<br />
am Deutschen Theater<br />
Berlin eingeladen. Die österreichische<br />
Erstaufführung ist im Oktober <strong>2024</strong><br />
am Theater praesent, Innsbruck.<br />
Der Fiskus hatte mittlerweile über<br />
15 Produktionen und wird in der<br />
kommenden Spielzeit auch am<br />
Theater Ansbach nachgespielt. Zurzeit<br />
schreibt Felicia Zeller ein Auftragswerk<br />
für das Staatstheater<br />
Kassel (UA voraussichtlich in der<br />
Spiel zeit 20<strong>25</strong>/26).<br />
Ein vertrauliches Treffen mit<br />
der Politik kann trotzdem<br />
nicht schaden. Der Bürgermeister<br />
kann sich jedoch<br />
schon am Ende des Gesprächs<br />
beim besten Willen nicht<br />
mehr an dessen Inhalt erinnern.<br />
Der kleine Finanzbeamte<br />
Chlestakow ist zwar eher<br />
ahnungslos, kommt mit seinen<br />
tapsig-unkonventionellen<br />
Methoden dem Baktus-Clan<br />
trotzdem gefährlich nahe.<br />
Doch am Ende scheint es, als<br />
könnte die Geld-Elite ihren<br />
Kopf wieder einmal aus der<br />
Schlinge ziehen.<br />
Felicia Zeller hat Gogols<br />
Der Revisor neu bearbeitet.<br />
Ähnlichkeit mit aktuellen<br />
steuerlichen Betrugsfällen<br />
sind rein zufällig.<br />
„Felicia Zeller macht aus den<br />
Schandtaten zulasten der<br />
Allgemeinheit freilich kein<br />
trockenes Enthüllungsdrama,<br />
sondern kluge wie aufgekratzte,<br />
böse wie mitreißende<br />
Unterhaltung.“<br />
weitere Stücke (Auswahl): Bier für Frauen / Club der Enttäuschten / Einsame Menschen / Der Fiskus /<br />
Der Geldkomplex / Gespräche mit Astronauten / Kaspar Häuser Meer / X-Freunde<br />
FAZ<br />
Schauspiel
10<br />
Betonklotz<br />
2000<br />
4 Darsteller:innen<br />
UA: 20.09.<strong>2024</strong>, Schauspiel Hannover<br />
JONA RAUSCH<br />
Eine Stadt in der Stadt, einst als progressive<br />
sozialarchitektonische Vision<br />
geplant, heute bewohnt im Clash von<br />
Prekariat und Hipstertum: Abdi, Bele,<br />
Mascha und Maxim erzählen vom Aufwachsen<br />
im Klotz – wie sie sprayen<br />
und skaten, Beats aufnehmen und von<br />
Zukünften voller Hoffnung träumen.<br />
Der alltäglichen Erfahrung von Ungerechtigkeit<br />
und Gewalt stellen sie ihr<br />
solidarisches Miteinander gegenüber.<br />
Und finden mit dem Klotzkind eine<br />
rätselhafte Figur, die dieser konkreten<br />
Utopie eine Stimme zu geben versucht.<br />
In ihrem Debütstück lässt Jona<br />
Rausch die harten und rauen, zarten<br />
und verletzlichen Worte ihrer Figuren<br />
aus dem Betonklotz 2000 schallen.<br />
Eine Gruppe junger Menschen formuliert<br />
selbstbewusste Identitäten abseits<br />
bürgerlicher Zuschreibungen von Armut,<br />
Herkunft, Klasse und Sexualität. Als<br />
städtebauliches Vorbild dient das<br />
Hannoveraner Ihme-Zentrum, aber die<br />
Geschichte könnte ebenso gut in vielen<br />
anderen Großsiedlungen spielen.<br />
© TOBIAS KORTH<br />
Deutschland,<br />
du hast all die Träume,<br />
die wir hatten /<br />
Verkapitalisiert /<br />
Unsere Armut braucht’s /<br />
Um dich zu erhalten<br />
Schauspiel<br />
„Betonklotz 2000 ist ein mutiger Text, eben weil<br />
er so nah dran bleibt an seinen Protagonist:innen<br />
und ihren Gefühlen. Sie sprechen aus, was<br />
scham behaftet in so vielen Körpern schlummert.<br />
Dabei sind sie mal zart, mal laut, mal verspielt,<br />
vor allem aber: aufrichtig. Die Theorie lauert in<br />
den Tiefen der Figuren, aber theoretisch sind sie<br />
nicht, sondern voller Leben und Energie. Sogar<br />
der Klotz, er spricht, er fühlt und positioniert sich.“<br />
SASKIA JABŁOŃSKA IN THEATER HEUTE<br />
Jona Rausch studiert Literarisches<br />
Schreiben in Leipzig. Sie hat in diversen<br />
Zeitschriften wie Bella triste, Gym und<br />
Das Narr veröffentlicht. Außerdem ist sie<br />
Herausgeberin der Literaturzeitschrift<br />
Tippgemeinschaft und arbeitet für das<br />
queere Jugendnetzwerk Lambda. In<br />
ihren Texten setzt sie sich mit Armut,<br />
Geschlecht und gesellschaftlichen<br />
Transformationsprozessen auseinander.<br />
Mit Betonklotz 2000 war sie für das<br />
Hans-Gratzer-Stipendium 2023/24<br />
nominiert.
Er ist drin, sie sind draußen:<br />
Nach einem Deal zu viel wartet<br />
der Bruder von Hassan und<br />
Shirin in seiner Zelle auf das<br />
Urteil. Für Shirin – erfolgreich,<br />
mit Uni-Abschluss – ist es die<br />
längst überfällige Konsequenz<br />
eines Lebensstils ohne Willen<br />
zur „Integration“. Für Hassan<br />
und seine Freunde Omar,<br />
Murat und Freddie – Mitte<br />
zwanzig, WhatsApp-Gruppenname:<br />
„Straßenköter“ – ist es<br />
die willkürliche Gewalt eines<br />
Systems, das ihnen nie eine<br />
Chance gegeben hat.<br />
Noch eine letzte Sportzigarette,<br />
dann nehmen sie ihr<br />
Schicksal endlich selbst in die<br />
Hand: mit einer Demo, die den<br />
ganzen Druck in politische<br />
Energie umwandeln soll.<br />
Für DRUCK! legte Arad<br />
Dabiri sein Ohr ganz nah an<br />
die Straßen seiner Stadt. In<br />
klaren Dialogen, suchenden<br />
Mon o logen und rhythmischen<br />
Versen geht es um den großen<br />
Begriff der Herkunft aus<br />
einer Perspektive, die sich<br />
täglich mit dem Spannungsfeld<br />
zwischen Anpassung und<br />
„Diskriminierung, Widerstand,<br />
Identitätsstolz, rechter Populismus:<br />
Arad Dabiri liefert keine<br />
Antworten, lässt mögliche<br />
Lösungen im Raum schweben,<br />
aber er zeigt eine ganze kleine<br />
Welt, die neben uns existiert,<br />
deren Fremdheit er aufbrechen<br />
will. Das Anderssein als Chance,<br />
das Durchsetzen von Individualität<br />
nicht als Kampfansage,<br />
sondern als Angebot, eine<br />
Gesellschaft zu schaffen, die<br />
nicht in ihren Stereotypen<br />
stecken bleibt.“<br />
FRANZISKA BETZ IN THEATER HEUTE<br />
Selbstbehauptung konfrontiert<br />
sieht. Die Situation um<br />
DR K!<br />
den verlorenen Bruder wird<br />
zum Brennglas: Was heißt das<br />
eigentlich, Verantwortung zu<br />
UC<br />
übernehmen, für sich selbst,<br />
die eigene Community, die<br />
Gesellschaft?<br />
1D, 4H<br />
UA: 23.01.20<strong>25</strong>,<br />
Nationaltheater Mannheim<br />
In meiner Stadt<br />
Wirst du etwas<br />
Oder aber fällst<br />
Aus dem sechsten Stock<br />
weitere Werke (Auswahl): DRAMA (Roman) / GLORIA! (Roman)<br />
Für sein Debütstück<br />
DRUCK! wurde Arad<br />
Dabiri mit dem Autor:innenpreis<br />
des Heidelberger<br />
Stückemarkts ausgezeichnet.<br />
Bereits im<br />
Herbst 2023 erhielt er für<br />
sein Romandebüt DRAMA<br />
den Debütpreis des österreichischen<br />
Buchpreises,<br />
sein zweiter Roman<br />
GLORIA! ist im Oktober<br />
erschienen (siehe S. 81).<br />
Für das Theater Phönix in<br />
Linz schreibt Arad Dabiri<br />
eines von vier Kurzstücken<br />
für die Produktion<br />
„Eigentlich fehlt uns nur<br />
noch … was uns halt<br />
noch fehlt“ (Premiere im<br />
Februar 20<strong>25</strong>). Am Burgtheater<br />
Wien leitet er im<br />
Frühjahr 20<strong>25</strong> ein Schrei b -<br />
labor. Mit seinem neuen<br />
Stückprojekt ANGST!<br />
ist Arad Dabiri für das<br />
Hans-Gratzer-Stipendium<br />
<strong>2024</strong>/<strong>25</strong> am Schauspielhaus<br />
Wien nominiert.<br />
© ANNA RADASCHÜTZ<br />
11<br />
ARAD DABIRI<br />
Schauspiel
12<br />
Die Entführung<br />
der Amygdala<br />
mind. 1D<br />
UA: 19.01.<strong>2024</strong>, Theaterhaus Jena<br />
ANNA GSCHNITZER<br />
Schauspiel<br />
Es beginnt mit einem Knall. Der Kopf<br />
bounct auf die Motorhaube und das<br />
Patriarchat fetzt ihr aus dem Schädel.<br />
Eben noch hat sie sich abgestrampelt,<br />
um es allen recht zu machen, um alle<br />
Erwartungen und die selbstgesteckten<br />
Ziele zu erfüllen – im Job, in der Familie,<br />
im Alltagswahnsinn. Jetzt liegt sie<br />
nach einem Fahrradunfall bewusstlos<br />
auf der Straße und ihre Amygdala übernimmt<br />
– und die ist gnadenlos: Sie<br />
vergisst, dass sie Mutter ist, vergisst ihre<br />
Kinder, ihren Mann, den Kredit für die<br />
Immobilie, die gläserne Decke, die sie<br />
nach ihrer Elternzeit einfach nicht mehr<br />
durchbrechen kann, die Lebenskosten,<br />
die das Einkommen übersteigen, den<br />
ganzen Struggle, lässt das alles hinter<br />
sich, mit einem Mal. Aber kann man<br />
das – kann man das wirklich?<br />
Anna Gschnitzer zeigt eine Frau,<br />
deren Leben am seidenen Faden hängt<br />
und die eine radikal neue Perspektive<br />
erprobt. Sie schafft es, dass der Text bei<br />
aller Verspieltheit nie die existenzielle<br />
Not der Situation verliert, und schickt<br />
ihre Protagonistin jenseits ihrer Rolle als<br />
Mutter und Ehefrau auf die Reise, vielleicht<br />
in ein anderes Universum.<br />
Ganz angenehm, hier<br />
mal zu liegen, ehrlich<br />
gesagt. Bisschen<br />
Shavasana im<br />
Straßenverkehr,<br />
wer braucht schon<br />
dieses exorbitant<br />
teure Retreat<br />
auf den Seychellen.<br />
© SIMA DEGHANI<br />
„Das ist ein pointierter und<br />
kraftvoller Text mit Biss<br />
und Witz. Diese siebzig<br />
Minuten bedeuten im<br />
Grunde einen verlängerten<br />
und veränderten Hamlet-<br />
Moment: Sterben –<br />
schlafen – nichts weiter;<br />
und das Unterbewusstsein<br />
beendet alle Feigheit.<br />
Ein Abend, der sein<br />
Publikum listig überfährt. “<br />
THEATER DER ZEIT<br />
„Ein Abend, der aktuelle<br />
gesellschaftliche Fragen<br />
von einer ganz unerwarteten<br />
Position aus aktualisiert<br />
und so inhaltlich wie auch<br />
ästhetisch mehr als<br />
überzeugt. “<br />
THEATER HEUTE
In der Spielzeit <strong>2024</strong>/<strong>25</strong> wird von Anna Gschnitzer<br />
Die Entführung der Amygdala u. a. an der Berliner<br />
Schaubühne (Regie: Anika Stauch) und den Vereinigten<br />
Bühnen Bozen (Regie: Nele Lindemann)<br />
nachinszeniert. Capri hat im Februar 20<strong>25</strong> am Theater<br />
praesent in Innsbruck Premiere. Ich, Antigone ist<br />
weiterhin in Alexander Nerlichs Uraufführungsinszenierung<br />
am Staatstheater Mainz zu sehen.<br />
Die Autorin schreibt derzeit an einem Stück für das<br />
Theater Ingolstadt.<br />
13<br />
Im Sommer muss man unbedingt<br />
und ausnahmslos euphorisch sein.<br />
Ansonsten war’s ein Fail.<br />
Der Sommer, dein Leben, Du.<br />
CAPRI<br />
Es gibt da dieses Bild, es zeigt ihre<br />
Mutter, oder jemanden, der ihre Mutter<br />
werden sollte. Ein elf Jahre altes Mädchen<br />
im Urlaub. Vor dem Hintergrund eines<br />
tiefblauen Mittelmeers. Dieses Bild muss<br />
aus einer anderen Welt stammen, denn<br />
ihre Mutter ist als Kind nie in den Urlaub<br />
gefahren. Die Tochter wollte verstehen,<br />
was in dieser Welt, die außerhalb der<br />
entbehrungsreichen Kindheit der Mutter<br />
zu liegen scheint, noch möglich gewesen<br />
wäre. Sie wollte zurück zu dem Moment,<br />
in dem ihre Mutter mehr hätte sein<br />
können als das Dienstmädchen reicher<br />
Leute. Sie wollte über soziale Ungleichheit,<br />
das Recht auf Erholung und Urlaub<br />
schreiben, über Freiheit und Selbstbestimmung<br />
in einem Leben, das von<br />
Sorge und Fürsorge geprägt war. Über<br />
zwei Frauen, die beide nicht gelernt<br />
hatten, wie Selbstliebe geht, und es sich<br />
nun beibringen wollen, unter der Sonne<br />
von Capri, zwischen ihnen ein Meer<br />
aus Konflikten, die Distanz einer Klasse<br />
und die große Sehnsucht nach Nähe.<br />
Und … sie musste diese verdammte<br />
Deadline halten.<br />
Besetzung variabel<br />
UA: 08.05.<strong>2024</strong>, Schauspielhaus Wien<br />
„Mit Raffinesse ver -<br />
webt die Autorin die<br />
anklagenswerte<br />
Lage schlecht oder<br />
unbezahlter Pflegearbeit<br />
mit einer<br />
exhibitionistischen<br />
Fahrt ins Blaue.<br />
Diese angespannt<br />
knisternde Tonlage<br />
und Dynamik des<br />
Textes würdigt<br />
Regisseurin Voigt<br />
mit ansteigender<br />
Konzentration.“<br />
DER STANDARD<br />
„Gschnitzers Text<br />
hat einen guten<br />
Rhythmus und<br />
enormen Drive. (…)<br />
Die Idee, über den<br />
Umweg einer<br />
Autor innen-Nabelschau<br />
von der<br />
Erschöpfung der<br />
Frauen zu erzählen,<br />
ist schon richtig gut.“<br />
THEATER HEUTE<br />
weitere Stücke: Einfache Leute / Fallen / Fanes / Wasser<br />
Schauspiel ANNA GSCHNITZER
14<br />
Ich habe es<br />
versucht /<br />
Dieses Rätsel<br />
zu lösen /<br />
Ich zu sagen /<br />
Ich, Antigone<br />
Ich, Antigone<br />
ANNA GSCHNITZER<br />
Schauspiel<br />
„Gemeinsamschwesterliches!“<br />
Das ist das erste Wort des<br />
antiken Klassikers von Sophokles.<br />
Anna Gschnitzer entdeckt<br />
in dem alten Konflikt<br />
zwischen Antigone und Kreon<br />
aktuelle Aspekte einer Gesellschaft<br />
zwischen Spaltung,<br />
Polarisierung und Solidarität.<br />
Antigone widersetzt sich<br />
dem Gebot ihres Onkels, des<br />
neuen Herrschers Thebens,<br />
und bestattet ihren Bruder,<br />
der zum Staatsfeind erklärt<br />
worden war. In ihren Auseinandersetzungen<br />
mit Kreon,<br />
aber auch mit ihrer Schwester<br />
Ismene und ihrem Verlobten<br />
Haymon scheinen unvereinbare<br />
Positionen gegeneinanderzustehen.<br />
weitere Stücke: Einfache Leute / Fallen / Fanes / Wasser<br />
Wo endet die gemeinsame<br />
Sprache und wann muss der<br />
Bruch riskiert werden, um die<br />
eigenen Ideale, aber auch<br />
die gesellschaftliche Ordnung<br />
zu schützen – vor deren<br />
Scherben man steht ? Wann<br />
wird ziviler Ungehorsam<br />
nötig? Was bedeutet es, allein<br />
zu einer Heldin des Widerstands<br />
zu werden, wenn politisches<br />
Handeln eigentlich<br />
eine kollektive Verbindung<br />
voraussetzt – ein Gemeinsamschwesterliches?<br />
© ANDREAS ETTER / STAATSTHEATER MAINZ<br />
6 Darsteller:innen<br />
UA: 28.06.<strong>2024</strong>, Staatstheater Mainz<br />
„In Anna Gschnitzers Sophokles-<br />
Überschreibung wimmelt es vor<br />
Gegenwartsmarkern. (…)<br />
Gschnitzer präsentiert moderne<br />
Figuren, die sich um keinen<br />
Götterhimmel scheren.“<br />
NACHTKRITIK<br />
„Das, was in der staubigen Luft<br />
Thebens liegt, ist viel komplizierter<br />
in der freien Versfassung, die<br />
Gschnitzer geschrieben hat.<br />
Sie macht, mit der Genealogie<br />
von Laios bis Antigone,<br />
eine Geschichte familiärer<br />
Traumata auf.“ FAZ
Milch & Schuld<br />
15<br />
Sina Ahlers gewann 2020 mit Schamparadies<br />
einen der Autor:innenpreise<br />
des Heidelberger Stückemarkts.<br />
Seitdem entstanden mehrere Auftragswerke,<br />
u. a. für das Landestheater<br />
Tübingen, Landestheater Detmold und<br />
Staatstheater Kassel. Als Prosaautorin<br />
gewann sie beim 27. open mike 2019<br />
und wurde mit dem taz-Publikumspreis<br />
ausgezeichnet. Zudem erhielt sie zahlreiche<br />
Stipendien, darunter das Arbeitsstipendium<br />
Hessen (2022) und das<br />
Autor:inne nstipendium des Deutschen<br />
Literaturfonds für ein neues Theaterstück<br />
(2023) . Seit der Spielzeit <strong>2024</strong>/<strong>25</strong><br />
ist Sina Ahlers für zwei Jahre Artist in<br />
Residence am Theater Bielefeld.<br />
Das ist das Schöne<br />
an Bahnhöfen.<br />
Es wundert sich<br />
keiner über Tränen.<br />
Auf dem Stahlträger einer<br />
Bahnhofshalle gurrt eine einbeinige<br />
Taube und macht sich<br />
ihre Gedanken. In ihrem<br />
Sichtfeld sitzen, weit voneinander<br />
entfernt, zwei Frauen,<br />
die offensichtlich auf etwas<br />
warten. Aufeinander? Dem<br />
ersten Anschein nach haben<br />
die beiden nichts gemeinsam,<br />
kommen aus unterschiedlichen<br />
Welten, doch die Taube<br />
hat so eine Ahnung. Sie<br />
schwingt sich hinab und landet<br />
zu Füßen von Zartie, die<br />
tatsächlich ein Geheimnis in<br />
sich trägt – Zarties Uterus ist<br />
Teil eines Geschäfts und der<br />
Embryo die Ware. Ein Vertrag<br />
wurde zwischen den beiden<br />
Frauen geschlossen.<br />
© JULIAN MICHEL<br />
mind. 2D<br />
UA: 06.12.<strong>2024</strong>, Staatstheater Kassel<br />
Doch was geschieht, wenn<br />
die Natur sich nicht an die<br />
Klauseln hält?<br />
Das Tabuthema der Leihmutterschaft<br />
dient Sina<br />
Ahlers als Anlass, um mit<br />
Erwartungshaltungen an den<br />
weiblichen Körper abzurechnen<br />
und Bilanz zu ziehen:<br />
Sind die Herausforderungen<br />
von Schwangerschaft und<br />
Mutterschaft in Zahlen aufzuwiegen?<br />
Ebenso radikal<br />
wie humorvoll nennt Milch &<br />
Schuld das Kind beim Namen<br />
und fragt zugleich, was eine<br />
Mutter zur Mutter macht.<br />
„Milch & Schuld spricht an, was<br />
hinter verschlossenen Türen<br />
verarbeitet wird, wofür es wenig<br />
Öffentlichkeit gibt. Das ist es,<br />
was den Text so stark macht<br />
und genau richtig fürs Theater.<br />
(…) Endlich, denn es geht um<br />
nichts Geringeres als Verwundbarkeit,<br />
Liebe und die gemeinsame<br />
Überwindung von Tabus.“<br />
LAURA KOHLMAIER UND PATRICIA<br />
NICKEL-DÖNICKE IN THEATER HEUTE<br />
SINA AHLERS<br />
weitere Stücke (Auswahl): Schamparadies / Sie sagen Täubchen, ich sag Taube / #BerlinBerlin<br />
Schauspiel
16<br />
AMIR GUDARZI: ALS DIE GÖTTER MENSCHEN WAREN, NATIONALTHEATER MANNHEIM <strong>2024</strong> © MAXIMILIAN BORCHARDT<br />
Schauspiel
17<br />
Warum hatten die<br />
Menschen das Bedürfnis,<br />
Tiervideos zu produzieren?<br />
Warum schauten sie sich<br />
Katzenvideos an?<br />
<br />
AMIR GUDARZI: ALS DIE GÖTTER MENSCHEN WAREN
18<br />
AMIR GUDARZI<br />
Schauspiel<br />
Häuslfrau<br />
Für die Häuslfrau ist der Betrieb<br />
ihres Toilettenhäuschens<br />
nicht weniger als ein Dienst<br />
an Gott. Neben Reinigen und<br />
Abkassieren kümmert sie<br />
sich hingebungsvoll um die<br />
kleinen und großen Probleme<br />
ihrer Kundschaft. Diese<br />
Nächstenliebe bleibt auch<br />
dem Pfarrer ihrer Gemeinde<br />
nicht verborgen: Verbittert<br />
über die schwindende Bedeutung<br />
der Kirche, spannt er<br />
die Häuslfrau, seine „Musterchristin“,<br />
für einen irren<br />
Brandanschlag ein, der die<br />
verängstigte Bevölkerung<br />
zurück ins Haus Gottes<br />
führen soll.<br />
Häuslfrau (Das Feuer<br />
steckt im Feuer) ist ein früher<br />
Text von Amir Gudarzi in der<br />
Tradition österreichischer<br />
Volksstücke. Strukturiert in<br />
elf Gebote und geschrieben<br />
in klassischen Dialogen,<br />
jongliert das Stück tragikomisch<br />
mit scheinheiliger<br />
Moral und Vorurteilen aus<br />
der sogenannten Mitte der<br />
Gesellschaft. Im Zentrum:<br />
eine bodenständige Frau, die<br />
sich aufrichtig dem Leben<br />
ihrer Mitmenschen widmen<br />
möchte und dabei übersieht,<br />
dass sie von einem Vertreter<br />
einer reaktionären Ideologie<br />
instrumentalisiert wird.<br />
frei zur UA<br />
Das Feuer steckt im Feuer<br />
2D, 2H<br />
weitere Werke (Auswahl): Als die<br />
Götter Menschen waren / Am<br />
Anfang war die Waffe / Die Burg<br />
der Assassinen / Das Ende ist nah<br />
(Roman) / Quälbarer Leib – ein<br />
Körpergesang / Wonderwomb<br />
Ausschnitte aus Häuslfrau (Das Feuer<br />
steckt im Feuer) bildeten im Mai <strong>2024</strong><br />
den Rahmen der Produktion „Im<br />
Glashäusl“ am Schauspielhaus Wien.<br />
Daneben feierten in der Spielzeit<br />
2023/24 vier Stücke von Amir Gudarzi<br />
ihre Ur- bzw. Erstaufführung an deutschen<br />
Theatern. Zuletzt schrieb Amir<br />
Gudarzi Als die Götter Menschen<br />
waren im Rahmen seiner Hausautorenschaft<br />
am Nationaltheater Mannheim.<br />
Die UA-Produktion wurde zu den<br />
Autor:innentheatertagen ans Deutsche<br />
Theater Berlin eingeladen („Ein sehr<br />
geschickt verschiedene Zeit ebenen<br />
verschränkendes Stück. Gudar zis Text<br />
beamt uns mit ungeheurer Geschwindigkeit<br />
zu verschiedenen Schauplätzen von<br />
Ausbeutung, Betrug und Verrat“, taz). In<br />
der Spielzeit <strong>2024</strong>/<strong>25</strong> werden Quälbarer<br />
Leib – ein Körpergesang (ausgezeichnet<br />
mit dem Grabbe-Preis) am<br />
Hessischen Landestheater Marburg<br />
und Wonderwomb (ausgezeichnet mit<br />
dem Kleist-Förderpreis) am Deutschen<br />
Theater Berlin nachgespielt. Die Ur -<br />
aufführung seines viel diskutierten<br />
Debütromans Das Ende ist nah ist für<br />
die Spielzeit 20<strong>25</strong>/26 geplant.<br />
© JÜRGEN PLETTERBAUER<br />
Heutzutage sind<br />
die Menschen das,<br />
was sie essen.<br />
Früher war es<br />
schwieriger.<br />
Es war alles eintönig<br />
und fad.<br />
Es gab Leberkäse,<br />
Bier und Würstel.<br />
Egal ob Professor<br />
oder Arbeiter.<br />
Alle rochen gleich.<br />
„Die weit blickenden Texte<br />
des Wiener Autors Amir<br />
Gudarzi sind für die Bühnen<br />
ein Versprechen.“<br />
BERLINER ZEITUNG
Die Schwestern Minka und<br />
Magda schlagen im sogenannten<br />
Osten Europas<br />
die Zeit tot. Nur ein paar<br />
Tourist:in nen verirren sich<br />
gelegentlich in diese Region,<br />
wo sich die Gegenwart im<br />
Kreis zu drehen scheint.<br />
Dann steht eines Tages der<br />
Cousin mit der Leiche seines<br />
Vaters vor ihnen. Der Onkel<br />
ist damals in den „Norden“<br />
ausgewandert, nun soll ihm<br />
sein letzter Wunsch erfüllt<br />
werden: ein Begräbnis in der<br />
alten Heimat. Minka und<br />
Magda streiten: Will der<br />
„Norden“ hier nur ein weiteres<br />
Mal abladen, was er nicht<br />
mehr braucht? Wohin mit<br />
der Leiche, mit dem Erbe, der<br />
Geschichte? Mit dem toten<br />
Onkel im Gepäck brechen die<br />
beiden Schwestern zu einer<br />
außer gewöhnlichen Reise auf.<br />
Bevor Minka und Magda<br />
die Umrisse eines neuen<br />
Europas an den Horizont<br />
zeichnen, lässt Ivana Sokola<br />
ihre Protagonistinnen einen<br />
wilden Ritt durch die Trümmer<br />
des alten Kontinents unternehmen.<br />
Wortgewaltig, bildstark<br />
und absurd-komisch<br />
rast Balkan Drift durch Ge -<br />
genwart und Zukunft eines<br />
brüchigen Staatengebildes –<br />
und übt Kritik am nord-eurozentrischen<br />
Blick auf die Welt.<br />
2D, 1H<br />
UA: 27.09.<strong>2024</strong>, Schauspiel Köln<br />
„Wer sollte das Stück unbedingt sehen?“ –<br />
„Alle, die mehr als eine Heimat haben. Alle, die sich<br />
vor der Zukunft fürchten und Trost brauchen.<br />
Alle, die mit ihren Geschwistern oder Verstorbenen<br />
mal wieder ein Wörtchen zu reden hätten.“<br />
INTERVIEW MIT IVANA SOKOLA IM SPIELZEITHEFT<br />
DES SCHAUSPIELS KÖLN<br />
ICH WILL<br />
DAS NICHT.<br />
ICH WILL<br />
SEINE<br />
GESCHICHTE<br />
NICHT IN<br />
MEINER.<br />
© LINUS MUELLERSCHOEN<br />
Balkan Drift, ein Auftragswerk<br />
für das Schauspiel<br />
Köln, ist die zweite Zusammenarbeit<br />
zwischen Ivana<br />
Sokola und Regisseurin<br />
Jana Vetten. Bereits 2023<br />
inszenierte Jana Vetten<br />
Pirsch am Theater Heidelberg,<br />
das im Jahr zuvor mit<br />
dem Autor:innenpreis des<br />
Heidelberger Stückemarkts<br />
ausgezeichnet worden war.<br />
Im Januar 20<strong>25</strong> folgt mit<br />
einem Stückprojekt über<br />
weibliche Wut das Ergebnis<br />
einer weiteren Zusammenarbeit<br />
am Kosmos Theater<br />
Wien. In der vergangenen<br />
Spielzeit schrieb Ivana<br />
Sokola einen szenischen<br />
Kommentar für Theresa<br />
Thomasbergers Inszenierung<br />
„Männerphantasien“<br />
am Deutschen Theater<br />
Berlin. Ivana Sokolas mit<br />
dem Kleist-Förderpreis<br />
ausgezeichnetes Stück Kill<br />
Baby wurde am Landestheater<br />
Tübingen nachgespielt.<br />
Zudem wurden<br />
2023/24 ihr Stück über<br />
EU-Bürokratie Euromüll<br />
am Hessischen Landestheater<br />
Marburg und ihre<br />
Dialogneufassung der<br />
Zauberflöte am Theater<br />
Hof uraufgeführt.<br />
19<br />
IVANA SOKOLA<br />
Balkan Drift<br />
weitere Stücke (Auswahl): Euromüll / Kill Baby / Pirsch / Die Zauberflöte (Dialogneufassung)<br />
Schauspiel
20<br />
Der Grund.<br />
Eine Verschwindung<br />
SOKOLA//SPRETER<br />
Schauspiel<br />
4D, 2H, Chor<br />
UA: 28.09.<strong>2024</strong>, Nationaltheater Mannheim<br />
Vor 50, 60 oder 70 Jahren<br />
wurde das Dorf geflutet, für<br />
den Fortschritt, wie es hieß.<br />
Heute ragt bloß noch die<br />
Kirchturmspitze aus dem See.<br />
Aber nicht alle Bewohner:innen<br />
des Dorfs ließen sich damals<br />
umsiedeln: Einige wenige<br />
sind aus Protest in ihren<br />
Häusern geblieben und<br />
backen am Grund des Sees<br />
weiter ihre nassen Brötchen,<br />
pflegen Freundschaften und<br />
Liebeleien zwischen Algen<br />
und Aalen – vereint im Widerstand<br />
gegen „die da oben“<br />
und konserviert in der guten,<br />
alten Zeit. Bis eines Tages<br />
Kräne anrollen, um das Dorf<br />
zu heben und im örtlichen<br />
Museum auszustellen.<br />
„Für ewiglich aquatisch“, ruft<br />
der Chor der handballspielenden<br />
Jugendlichen. Doch wie<br />
lebt es sich im selbstgewählten<br />
Stillstand? Und was<br />
macht es mit der Dorfgemeinschaft,<br />
wenn die Zeiger der<br />
Kirchturmuhr sich wieder zu<br />
drehen beginnen? In Der<br />
Grund. Eine Verschwindung<br />
gehen Sokola//Spreter voller<br />
Leichtigkeit und mit feiner<br />
ironisch-romantischer Fantastik<br />
den allzu realen Stimmen<br />
auf den Grund, die heute nach<br />
gesellschaftspolitischer<br />
Restauration schreien.<br />
Für ihren Stückentwurf zu Der Grund.<br />
Eine Verschwindung wurden Sokola//<br />
Spreter (Ivana Sokola und Jona Spreter)<br />
und Regisseur Pablo Lawall mit dem<br />
Reinhold Otto Mayer Preis ausgezeichnet.<br />
In ihrer Laudatio hob die Jury u. a. das<br />
originelle Setting der unter Wasser<br />
lebenden Gemeinschaft mit Anleihen an<br />
Sartre und Beckett hervor, die vielen<br />
thematischen Anknüpfungspunkte und<br />
Assoziationsmöglichkeiten des Stücks<br />
mit seinen „liebevoll skurril und märchenhaft“<br />
gezeichneten Figuren sowie<br />
den „pointierten, knapp bemessenen<br />
und präzise gearbeiteten Sprachstil“.<br />
Bereits bei den Uraufführungen von<br />
Split (Theater Münster <strong>2024</strong>) und Polar<br />
(Theater Drachengasse Wien 2023)<br />
arbeiteten Autor:innenduo und Regisseur<br />
zusammen. Eine weitere Zusammenarbeit<br />
führt sie in der Spielzeit<br />
24/<strong>25</strong> erneut an das Theater Drachengasse,<br />
wo sie eine Bearbeitung des<br />
Nibelungen- Stoffs auf die Bühne<br />
bringen werden. Im Auftrag des Staatstheaters<br />
Nürnberg schreiben Sokola//<br />
Spreter mit Eliza eine Bearbeitung des<br />
Pygmalion- Stoffs, die Schauspieldirektor<br />
Jan Philipp Gloger auf die Bühne<br />
des Schauspielhauses bringen wird.
21<br />
BEVOR WIR<br />
UNTERGEHEN<br />
GEHEN WIR<br />
LIEBER UNTER<br />
Der Sprachwissenschaftler Henry<br />
Higgins wettet, dass er das arme Blumenmädchen<br />
Eliza Doolittle in eine elegante<br />
Dame umerziehen kann. Das Experiment<br />
gelingt, Eliza spricht und knickst sich<br />
innerhalb weniger Monate durch die<br />
Oberschicht, doch gehört sie damit auch<br />
dazu? Welche Regeln und Codes<br />
machen gesellschaftliche Herkunft sichtbar?<br />
Welchen Einfluss hat Sprache auf<br />
die Wahrnehmung von Klasse und<br />
Geschlecht? Welches Sprechen öffnet<br />
uns vermeintlich alle Türen?<br />
Eliza, warum hast du so große<br />
Ohren? — Damit ich dich besser<br />
hören kann, Georgie.<br />
Mit Eliza lösen Sokola//Spreter die titelgebende<br />
Protagonistin aus dem Stück<br />
von George Bernard Shaw, lassen sie<br />
ihren Autor buchstäblich verschlingen<br />
und schaffen damit Platz für eine eigene<br />
Fortführung der Geschichte. Für Eliza<br />
liegt das Experiment hinter ihr, nun hat<br />
sie die Macht, etwas zu verändern. Aber<br />
was? Wie zeigt sich Entfremdung von<br />
der eigenen Klasse und die Scham darüber?<br />
Kann Eliza als Aufsteigerin in der<br />
Gesellschaft bestehen?<br />
© LINUS MUELLERSCHOEN<br />
frei nach „Pygmalion“<br />
von George Bernard Shaw<br />
Eliza<br />
2D, 4H<br />
UA: 21.02.20<strong>25</strong>, Staatstheater Nürnberg<br />
weitere Stücke (Auswahl): Farn Farn Away / Mann liebt Hund / Polar / Split<br />
SOKOLA//SPRETER<br />
Schauspiel
22<br />
JONA SPRETER<br />
Was ist mit Ludovika und<br />
Stawrogin geschehen? Zwei<br />
Frauen, die in der Totenstube<br />
das Begräbnis der beiden<br />
vorbereiten, stellen ihre Mutmaßungen<br />
an. Daraus entspinnt<br />
sich die Geschichte<br />
dieses wundersamen Paars:<br />
wie Ludovika und Stawrogin<br />
sich beim Tanz auf dem Apfelblütenfest<br />
auf die Füße treten<br />
und verlieben; wie Stawrogin<br />
in einen Krieg zieht, von dem<br />
nicht klar ist, ob es ihn gibt;<br />
wie Ludovika unterdessen<br />
dem Katholizismus und den<br />
Männern abschwört; wie<br />
Stawrogin mit einer Sporttasche<br />
über der Schulter<br />
zurückkehrt und sich die beiden<br />
umständlich umarmen.<br />
In 13 Szenen erzählt Jona<br />
Spreter mit Totenüberlebung<br />
ein postmodernes Märchen<br />
über die Suche nach Identität<br />
und Zugehörigkeit, Liebe<br />
und Tod. Was gibt dem<br />
Menschen Sinn? Während<br />
Stawrogin die großen Antworten<br />
in der neueren Literatur-<br />
und Kulturgeschichte<br />
sucht, verabschiedet sich<br />
Ludovika schließlich von den<br />
überlieferten Erzählungen:<br />
„Die Männer denken, sie denken<br />
nach, aber sie machen<br />
nur ein dummes Gesicht.“<br />
Wenn Sie mich anschauen,<br />
ist da Liebe?<br />
Da ist ein Gefühl.<br />
Was macht das Gefühl.<br />
Ich weiß nicht.<br />
Es … bellt?<br />
„Die Bühne [wird zum] Raum,<br />
den Tod auszuprobieren. Mal<br />
fühlt man das sinnlose Kreisen<br />
Beckett’scher Figuren, dann<br />
wird man überspült von<br />
Wortströmen.“<br />
SÜDDEUTSCHE ZEITUNG<br />
© JULIAN BLUM<br />
Totenüberlebung wurde als Koproduktion<br />
zwischen der Otto Falckenberg<br />
Schule und den Münchner Kammerspielen<br />
uraufgeführt, inszeniert von Paula<br />
Schlagbauer. In dieser Spielzeit folgt eine<br />
weitere Zusammenarbeit zwischen Jona<br />
Spreter und der Regisseurin an den<br />
Münchner Kammerspielen, eine Stückentwicklung<br />
über König Otto I. von<br />
Griechenland mit dem Arbeitstitel<br />
„Bavariokratie“. Jona Spreters Stück<br />
Subspace über die Suche eines jungen<br />
Autors nach der eigenen queeren Erzählung<br />
ist noch frei zur Uraufführung.<br />
„Ein absurdes Spiel mit<br />
herrlich stumpfsinnigen<br />
Figuren, die in ihrer Realität<br />
Toten<br />
an existentielle Fragen<br />
stoße n.“<br />
überlebung<br />
M94.5<br />
3D, 2H<br />
UA: 15.05.<strong>2024</strong>, Münchner Kammerspiele<br />
Schauspiel<br />
weitere Stücke (Auswahl): Subspace
frei zur DSE<br />
Deutsch von Anna Gschnitzer<br />
mind. 1D, 2H<br />
23<br />
Information<br />
In seinem neuen Stück richtet<br />
Nathan Ellis den Blick auf<br />
Verschwörungstheorien, auf<br />
Verlockungen und Verwirrungen<br />
des Internets. Ganz konspirativ<br />
gefragt: Lässt sich<br />
angesichts konkurrierender<br />
Narrative und unüberschaubarer<br />
Bilderflut überhaupt<br />
noch eine Wahrheit herausfiltern?<br />
Zugleich stellt der<br />
Text die Frage, wie sich unser<br />
aller Kommunikation vor<br />
dem Hintergrund von Messenger-Diensten,<br />
Memes und<br />
per manenter Erreichbarkeit<br />
verändert – oder längst<br />
verändert hat.<br />
Inhaltlich lose miteinander<br />
verbundene, formal unterschiedliche<br />
Szenen bilden<br />
dafür den Rahmen: Ein rätselhaftes<br />
Video scheint die heimliche<br />
Vertuschung von amtlichen<br />
Dokumenten zu zeigen.<br />
Ein netter älterer Herr gerät<br />
von harmlosen Suchanfragen<br />
über Diskussionsforen immer<br />
tiefer in Online-Netzwerke,<br />
die zweifelhafte Erzählungen<br />
verbreiten.<br />
weitere Stücke (Auswahl): Super High Resolution<br />
Über einen WhatsApp-Chat<br />
versuchen sich seine zwei<br />
Kinder abzustimmen, während<br />
sie immer wieder von<br />
den Tücken des Alltags abgelenkt<br />
werden. Und schließlich<br />
wird die Frage, inwiefern<br />
wir dem Gesehenen überhaupt<br />
glauben können, an<br />
die Zuschauenden selbst<br />
zurück gespielt.<br />
Es sind keine<br />
Echsenmenschen,<br />
aber ich traue<br />
ihnen nicht.<br />
Nathan Ellis’ Stück Super High Resolution,<br />
das berührende Porträt einer<br />
jungen Ärztin, die von den Mühlen des<br />
Gesundheitswesens zerrieben wird,<br />
hatte bereits im Frühjahr 2023 DSE am<br />
Staatstheater Kassel (Regie: Manon<br />
Pfrunder). Zuletzt wurde sein Stück<br />
„Instructions“ beim Edinburgh Fringe<br />
Festival uraufgeführt. Sein Stück „Work.<br />
txt“, das ganz ohne Darsteller:innen<br />
auskommt, ist international auf Festivals,<br />
immer wieder auch im deutschsprachigen<br />
Raum, zu sehen. Nathan Ellis ist<br />
zudem als Autor am internationalen<br />
Netzwerk Climate Change Theatre<br />
Action beteiligt.<br />
NATHAN ELLIS<br />
Schauspiel
24<br />
Queerio<br />
4 Darsteller:innen<br />
UA: 29.03.<strong>2024</strong>,<br />
Deutsches Theater Göttingen<br />
PHILIPP LÖHLE<br />
Schauspiel<br />
Eigentlich ist doch alles ganz<br />
einfach und in unserer liberalen<br />
Gesellschaft ohnehin längst<br />
akzeptiert. Helena steckt im<br />
falschen Körper, der meist<br />
männlich gelesen und Tom<br />
genannt wird. Doch Helena<br />
hört diese Stimmen, die sie<br />
von ihrem inneren Selbst<br />
abbringen wollen. Und so<br />
steht vor ihrer Emanzipation<br />
ein langer Leidensweg, der<br />
von Ablehnung, Phobien,<br />
expliziten Anfeindungen,<br />
sexualisierter und transphober<br />
Gewalt geprägt ist. Doch es<br />
ist ein Weg, den Helena nur<br />
gemeinsam mit Tom gehen kann.<br />
Nach Gesprächen mit<br />
Menschen aus der LGBTQIA+-<br />
Community und basierend auf<br />
einer wahren Biografie hat<br />
Philipp Löhle eine transgeschlechtliche<br />
Lebensgeschichte<br />
geschrieben. Die komplizierten<br />
emotionalen wie gesellschaftlichen<br />
Konflikte um<br />
Identität und Selbstermächtigung,<br />
die sich daran knüpfen,<br />
werden in einer berührenden<br />
Geschichte deutlich, die sehr<br />
kraftvoll für (Selbst-)Akzeptanz<br />
plädiert.<br />
FIRNIS © STEFANO DI BUDUO / SAARLÄNDISCHES STAATSTHEATER<br />
Ihr seid echt die<br />
blödesten Stimmen,<br />
die man im Kopf<br />
haben kann.<br />
„Die Dialoge zwischen den<br />
Hauptfiguren funkeln förmlich.<br />
(…) Philipp Löhles Stück lebt<br />
von den höchst komplizierten<br />
Strukturen im inneren Kampf<br />
der beiden Figuren.“<br />
DEUTSCHLANDFUNK KULTUR
KANN<br />
NICHT<br />
EINFACH<br />
ALLES<br />
SO<br />
BLEIBEN,<br />
WIE<br />
ES<br />
IST<br />
?<br />
Die bekannte Erzählung von<br />
Washington Irving dient Philipp<br />
Löhle als Anlass, um den Einbruch<br />
des Grauens in die helle Welt des<br />
Fortschritts zu untersuchen. Der<br />
idealistische, junge Schulmeister<br />
Ichabod Crane wird in das abgelegene<br />
Örtchen Sleepy Hollow versetzt.<br />
In der rückwärtsgewandten,<br />
ländlichen Gegend sollen sich<br />
schauerliche Dinge zutragen.<br />
Berichtet wird von Stimmen, Erscheinungen,<br />
Gespenstern und<br />
das Schlimmste: Ein bewaffneter,<br />
kopfloser Reiter treibt sein Unwesen.<br />
Der Lehrer ist davon überzeugt,<br />
den altmodischen Volksglauben<br />
austreiben und die Stimme der<br />
Vernunft und Wissenschaft verbreiten<br />
zu können. Aber selbst er<br />
beginnt letztlich an seinen festen<br />
Überzeugungen zu zweifeln.<br />
Zuletzt wurde von Philipp Löhle das Stück Firnis<br />
ur aufgeführt (Juni <strong>2024</strong>, Saarländisches Staatstheater<br />
Saarbrücken, Regie: Christoph Mehler). „Jener dünne<br />
Firnis der Humanität, der die westliche Zivilisation wie<br />
der Schutzfilm eines Gemäldes überzog, zeigt sich<br />
gründlich abgerieben. “ (Die Deutsche Bühne) „[Eine]<br />
schwarze Komödie, die vom Niedergang der Mittelschichten<br />
kündet.“ (Nachtkritik) In der kommenden<br />
Spielzeit wird Löhles Auftragswerk Das deutsche<br />
Haus in seiner eigenen Inszenierung am Deutschen<br />
Theater Göttingen Premiere haben. Außerdem wird<br />
u. a. Am Rand (ein Protokoll) an der Studiobühne<br />
Bayreuth (März 20<strong>25</strong>) nachgespielt. Für weitere Informationen<br />
zum Autor siehe auch S. 65.<br />
Die<br />
Legende von<br />
Sleepy<br />
Hollow<br />
nach Washington Irving<br />
6 Darsteller:innen<br />
UA: 14.11.<strong>2024</strong>, Staatstheater Nürnberg<br />
Philipp Löhle schafft in seiner theaternahen<br />
Fassung eine Welt, in der<br />
das Unheimliche, das Unerklärliche<br />
in jedem Moment und an jeder<br />
Stelle hervorbrechen kann. Zum<br />
Glück löst sich der Schrecken meist<br />
auf in befreiendes Lachen – bis der<br />
kopflose Reiter wirklich erscheint.<br />
Die Uraufführung am Staatstheater<br />
Nürnberg wird von Christian Brey<br />
inszeniert und von Bühnen- und<br />
Kostümbildnerin Anette Hachmann<br />
ausgestattet.<br />
weitere Stücke (Auswahl): Anfang und Ende des Anthropozäns / Du (Norma) / Du (Normen) /<br />
Feuerschlange / Genannt Gospodin / Kollaps<br />
<strong>25</strong><br />
PHILIPP LÖHLE<br />
Schauspiel
26<br />
Ich fühle mich gerade<br />
sehr nach mir selbst an.<br />
DANIELA LÖFFNER / CHRISTA WINSLOE: SYLVIA UND SYBILLE<br />
Schauspiel<br />
SYLVIA UND SYBILLE, STAATSSCHAUSPIEL DRESDEN 2023 © SEBASTIAN HOPPE
27
28<br />
DANIELA LÖFFNER / CHRISTA WINSLOE<br />
Schauspiel<br />
Jetzt<br />
wird es<br />
kitschig.<br />
Sylvia<br />
Seit dem Tod ihres Ehemanns<br />
sind Sybille und ihr Sohn Fritz<br />
unzertrennlich. In letzter Zeit<br />
kämpft Sybille jedoch zunehmend<br />
mit Sorgen und ein<br />
wenig Eifersucht, denn Fritz<br />
hat sich in die 16-jährige<br />
Sylvia verliebt. Vollkommen<br />
in ihrer Trauer um die verstorbene<br />
Mutter versunken, ist<br />
diese unfähig, Fritz’ Gefühle<br />
zu erwidern, und quält ihn mit<br />
Indifferenz. Um ihrem Sohn<br />
unter die Arme zu greifen, lädt<br />
Sybille Sylvia ein, doch zu<br />
ihrer eigenen Überraschung<br />
verlieben sich die beiden<br />
Frauen ineinander. Sylvia<br />
blüht durch das Gefühl von<br />
Verständnis auf, während<br />
Sybille mit den Konflikten<br />
konfrontiert wird, die aus ihrer<br />
Liebe zu Sylvia, ihren Schuldgefühlen<br />
gegenüber Fritz und<br />
ihrem Kampf gegen gesellschaftliche<br />
Normen entstehen.<br />
DANIELA LÖFFNER © SEBASTIAN HOPPE<br />
Daniela Löffner hat Christa<br />
Winsloes Drama aus den<br />
1930ern neu adaptiert. Dem<br />
alltäglichen Leben abgelauscht,<br />
lassen ihre Dialoge<br />
viel Raum für Ungesagtes<br />
und entfalten gerade dadurch<br />
feine menschliche Nuancen<br />
und Widersprüche. Löffner<br />
lässt ihre Figuren auf einem<br />
schmalen moralischen<br />
Grat balancieren und stellt<br />
die Wertung dem Publikum<br />
anheim.<br />
nach dem Stück<br />
von Christa Winsloe<br />
5D, 4H<br />
UA: 20.05.2023,<br />
Staatsschauspiel<br />
Dresden<br />
Daniela Löffner arbeitet als Regisseurin<br />
u. a. am Schauspiel Stuttgart, Düsseldorfer<br />
Schauspielhaus, Residenztheater<br />
München, Schauspielhaus Zürich und<br />
dem Deutschen Theater Berlin. In der<br />
jährlich erscheinenden Kritiker:innenumfrage<br />
von Theater heute wurde sie<br />
viermal als beste Nachwuchskünstlerin<br />
gewürdigt. Ihre Inszenierungen wurden<br />
zum Festival Radikal jung, dem Berliner<br />
Theatertreffen und den Autor:innentheater<br />
tagen Berlin eingeladen. Seit der<br />
Spielzeit 2017/18 ist sie als Hausregisseurin<br />
am Staatsschauspiel Dresden<br />
engagiert. In ihren Arbeiten setzt sie sich<br />
regelmäßig mit Klassikern auseinander<br />
und hat u. a. für „Einsame Menschen“,<br />
„Lulu“ und „Sommergäste“ Überschreibungen<br />
verfasst. In ihrer Version von<br />
Einsame Menschen gelingt es ihr,<br />
durch einen gekonnt einfachen Wechsel<br />
in der Besetzung die Dreiecksbeziehung<br />
mit neuer Brisanz und Dringlichkeit<br />
aufzuladen.<br />
„Sylvia und Sybille ist nicht nur<br />
die Wiederentdeckung eines<br />
interessanten Stoffes, sondern<br />
ein Plädoyer für hochkomplexes<br />
Schauspieler:innentheater, das<br />
die Spielenden in den Mittelpunkt<br />
stellt und ihnen genau die<br />
Räume und Stoffe gibt, um<br />
spielerisch auf allen Ebenen zu<br />
überzeugen.“<br />
THEATER HEUTE<br />
und<br />
Sybille<br />
weitere Stücke (Auswahl): Einsame Menschen
Liebe und<br />
frei zur DSE<br />
(Sårad ängel)<br />
Deutsch von Jana Hallberg<br />
1D, 1H<br />
UA: <strong>25</strong>.02.2022, Dramaten, Stockholm<br />
29<br />
Abhängigkeit<br />
Ich habe auch ein<br />
bisschen Angst, wenn<br />
du bei mir bist, aber<br />
ohne dich hab ich<br />
noch mehr Angst.<br />
Sara Stridsberg folgt in Liebe<br />
und Abhängigkeit einer<br />
Tochter-Vater-Beziehung über<br />
mehrere Jahrzehnte. Leichthändige<br />
Zeitsprünge und<br />
puristische Dialoge entfalten<br />
eine beinah archaische Kraft,<br />
die tief in die menschliche<br />
Psyche blicken lässt.<br />
Die zwei Menschen in<br />
Stridsbergs Kammerspiel<br />
ringen mal zärtlich, mal bitter<br />
um Vertrauen, Verbindung<br />
und Autonomie. Die Alkoholsucht<br />
des Vaters ist zugleich<br />
Sinnbild für die Abhängigkeit<br />
in einer Beziehung, die von<br />
tiefer, lebenslanger Liebe<br />
geprägt ist. Über die Jahre<br />
wandeln sich Lebensumstände<br />
und familiäre Konstellationen<br />
und fordern unweigerlich<br />
auch die Beziehung<br />
heraus. Obwohl Vater und<br />
Tochter immer wieder mit der<br />
Flüchtigkeit allen Seins konfrontiert,<br />
immer wieder auf<br />
sich selbst zurückgeworfen<br />
werden, bleiben die Bande<br />
zwischen ihnen seltsam unberührt<br />
von der Außenwelt,<br />
wie ein Boot, das in einem<br />
Gewässer schwimmt, in dem<br />
kein Land in Sicht ist.<br />
© CAROLINE ANDERSSON RENAUD<br />
„Die Schauspieler:innen glänzen<br />
in einem verletzlichen Bezie -<br />
hungs drama. (…) Es ist ein<br />
Traumstück, in dem Zeit und<br />
Raum aufgehoben sind, über<br />
zwei Menschen, die versuchen,<br />
einander jenseits des Unverzeihlichen<br />
zu erreichen.“<br />
SVENSKA DAGBLADET<br />
„Mit gnadenloser poetischer<br />
Konkretheit wird die Co-Abhängigkeit<br />
zu einer dritten Figur,<br />
die ein ganzes Leben zerstört.“<br />
AFTONBLADET<br />
weitere Stücke (Auswahl): American Hotel / Medealand / Valerie Solanas, Präsidentin von Amerika!<br />
Sara Stridsberg ist eine der renommiertesten<br />
schwedischen Schriftstellerinnen.<br />
Als ehemaliges Mitglied der Schwedischen<br />
Akademie gilt sie als eine der führenden<br />
Feministinnen und Künstlerinnen in<br />
ihrem Heimatland und darüber hinaus.<br />
Sie wurde mit dem Literaturpreis der<br />
Europäischen Union, dem Dobloug-<br />
Preis und dem Selma-Lagerlöf-Preis<br />
ausgezeichnet und war fünfmal für den<br />
August-Preis nominiert. Als Dramatikerin<br />
erhielt sie Aufträge vom Königlichen<br />
Dramatischen Theater, Dramaten<br />
und weiteren Stockholmer Theatern.<br />
Stridsbergs Romane und Theaterstücke<br />
wurden in mehr als fünfundzwanzig<br />
Sprachen übersetzt bzw. aufgeführt.<br />
Zuletzt wurden u. a. im Dezember 2021<br />
„Dissection d’une chute de neige“ am<br />
Théâtre Amandiers, Nanterre, aufgeführt,<br />
im Januar 2023 Liebe und Ab -<br />
hängigkeit am Théâtre du Rond Point,<br />
Paris, und im April <strong>2024</strong> ihr neues Stück<br />
„Svindel“ am Dramaten, Stockholm.<br />
SARA STRIDSBERG<br />
Schauspiel
30<br />
(Kiselina)<br />
Deutsch von<br />
Elvira Veselinović<br />
3D, 2H<br />
UA: 11.04.<strong>2024</strong>,<br />
Theater Oberhausen<br />
ASJA KRSMANOVIĆ<br />
Schauspiel<br />
Wenn dir das sauer<br />
Eingelegte, so wie<br />
es meine Familie<br />
macht, nicht gefällt,<br />
dann sag es.<br />
Sauer<br />
© EDVIN KALIC<br />
Jedes Jahr kommt die Familie<br />
zusammen, um frisches<br />
Gemüse einzumachen, Glas<br />
für Glas. Doch konservieren<br />
Mutter, Onkel, Sohn und dessen<br />
Verlobte nicht nur die<br />
Ernte des vergangenen Jahres,<br />
sondern auch ihre Konflikte,<br />
die immer aufs Neue<br />
hochkochen. Während des<br />
Waschens, Schneidens und<br />
Einlegens hauen sich die<br />
Familienmitglieder auf unterhaltsame<br />
Weise unbequeme<br />
Wahrheiten um die Ohren und<br />
streuen Salz in alte Wunden.<br />
Was hält sie also noch zusammen?<br />
Neben den eigenen<br />
Beziehungen bilden sie eine<br />
Schicksalsgemeinschaft um<br />
die Pflege der dementen<br />
Großmutter, die, wie die Einmachgläser,<br />
jeden Winter<br />
überdauert.<br />
Asja Krsmanović seziert in<br />
Sauer das Beziehungsgeflecht<br />
einer Familie, indem sie<br />
in jedem der fünf Akte ein<br />
anderes Familienmitglied verschwinden<br />
lässt: Aufeinander<br />
zurückgeworfen liefern sich<br />
die verbleibenden Verwandten<br />
immer wieder aufs Neue<br />
hitzige Wortgefechte und lassen<br />
dennoch die Liebe und<br />
Verantwortung füreinander<br />
aufblitzen.<br />
„Es ist faszinierend zu beobachten,<br />
wie gut man die Figuren<br />
kennenlernt, wenn sie sich<br />
jeweils mit dem Tod eines<br />
anderen auseinandersetzen<br />
müssen. Nach anderthalb<br />
Stunden hat man wirklich das<br />
Gefühl, dass man die Figuren<br />
kennengelernt hat und auch ein<br />
wenig mitfühlt und mitleidet.<br />
Ein guter Text, der sicher nicht<br />
das letzte Mal gezeigt wird.“<br />
WDR 3 MOSAIK<br />
Asja Krsmanović wurde 1988 in Sarajevo, Bosnien und Herzegowina, geboren. Sie<br />
schloss ihr Studium der Dramaturgie an der Akademie der Darstellenden Künste in<br />
Sarajevo ab. Sie arbeitete als Dramaturgin für zahlreiche Theaterstücke sowie für<br />
Radio- und Fernsehprojekte. Seit 2011 arbeitet sie als Koordinatorin des Kurzfilmwettbewerbs<br />
und des Fokusprogramms beim Sarajevo Film Festival, und seit 2017<br />
leitet sie das Student:innenwettbewerbsprogramm. Sie ist Mitglied des Eurodram-<br />
Komitees, eines Netzwerks zur Übersetzung zeitgenössischer Stücke in europäische<br />
Sprachen. Ihr Stück Sauer ging aus dem vom Goethe-Institut initiierten Programm<br />
New Stages South East hervor und wurde im Rahmen des gleichnamigen<br />
Festivals am Theater Oberhausen von einer Fachjury ausgezeichnet und mit der<br />
Uraufführung prämiert.
Yazdgerds<br />
31<br />
Der König ist tot. Das Land in<br />
Kriegswirren versunken. Die<br />
Feinde des Reichs stehen an<br />
den Landesgrenzen. Lässt<br />
sich angesichts des generellen<br />
Chaos überhaupt rekonstruieren,<br />
wie der Herrscher zu<br />
Tode kam? Seine Leiche liegt<br />
in einer unbedeutenden<br />
Mühle, die Generäle des Hofs<br />
sind herbeigeeilt, die Müllersfamilie<br />
sitzt auf der Anklagebank.<br />
Ein packender Krimi<br />
beginnt: Wer ist schuldig?<br />
Wer sagt die Wahrheit? Ist die<br />
Identität des Toten überhaupt<br />
sicher? Der Mann habe in der<br />
Mühle Unterschlupf gesucht,<br />
ohne sich zu erkennen zu<br />
geben, sagt der Müller. Er<br />
habe sich seiner Regierungsverantwortung<br />
entzogen, sagt<br />
die Müllersfrau. Er habe sie<br />
angefleht, ihn umzubringen,<br />
sagt die Tochter. Oder war es<br />
doch ganz anders und im<br />
Mehlstaub liegt nicht der<br />
Herrscher, sondern der<br />
tote Müller?<br />
Tod<br />
Der Text, voller Wendungen<br />
und zunehmend atemloser<br />
Rollenwechsel, handelt von<br />
Herrschaft, Klassenunterschieden<br />
und Orientierungslosigkeit<br />
angesichts einer<br />
multiperspektivischen<br />
Berichterstattung.<br />
„Das Stück von Beyzaie (im Iran<br />
als ‚persischer Shakespeare‘<br />
bezeichnet) besitzt die Spannung<br />
eines Krimis und die<br />
Anordnung eines Brecht’schen<br />
Lehrstücks. Zugleich verhandelt<br />
es in wuchtigem Sprachduktus<br />
das Verhalten der Mächtigen<br />
und die Macht des Erzählens.“<br />
THEATER HEUTE<br />
(مرگ یزدگرد)<br />
Deutsch von Golbarg Zolfaghari<br />
2D, 5H<br />
UA: 10.09.1979, Stadttheater Teheran<br />
DSE: 02.09.2023, Schauspiel Köln<br />
Bahram Beyzaie, geboren 1938 in<br />
Teheran, lebt seit 2010 im amerikanischen<br />
Exil und lehrt an der Stanford<br />
Universität. Seine Eltern gehörten der<br />
Glaubensgemeinschaft der Bahá’í an.<br />
Nach Beginn eines Studiums der Persischen<br />
Literatur befasste sich Beyzaie<br />
mit der Geschichte des persischen<br />
Theaters und der vorislamischen Kultur.<br />
Er gilt als einer der bekanntesten,<br />
produktivsten und einflussreichsten<br />
Autoren Irans. Als Filmregisseur ist er<br />
weit über die Grenzen seines Heimatlandes<br />
bekannt und zählt zu den Pionieren<br />
der sogenannten „iranischen<br />
Nouvelle Vague“. Von seinen über 50<br />
Theaterstücken gehören einige zum<br />
festen Kanon des iranischen Theaters.<br />
Yazdgerds Tod wurde 1981 von Beyzaie<br />
selbst verfilmt. Zu seinen weiteren<br />
Theatertexten gehören u. a. „Kalâts<br />
Belagerung“, „Sindbads achte Reise“,<br />
„Die tausendunderste Nacht“ sowie<br />
„Afra oder Der Tag vergeht“.<br />
BAHRAM BEYZAIE<br />
Den Feind<br />
hast du selbst<br />
erschaffen.<br />
Schauspiel
32<br />
BAHRAM BEYZAIE: YAZDGERDS TOD, SCHAUSPIEL KÖLN 2023 © ANDREAS SCHLAGER<br />
Schauspiel
33<br />
Wir weinten<br />
nicht um ihn,<br />
sondern um<br />
uns selbst.<br />
BAHRAM BEYZAIE: YAZDGERDS TOD
34<br />
Das Wunder<br />
von Hof<br />
3D, 8H<br />
UA: 05.10.<strong>2024</strong>, Theater Hof<br />
JÖRG MENKE-PEITZMEYER<br />
Ein Filmset am Hofer Hauptbahnhof:<br />
35 Jahre nach dem<br />
Mauerfall und der Einfahrt der<br />
ersten Prager Züge hat das<br />
Fernsehen einen Eventfilm<br />
mit dem Titel „Das Wunder<br />
von Hof“ in Auftrag gegeben.<br />
Doch schon vom ersten<br />
Drehtag an entbrennt ein<br />
Streit zwischen denen, die im<br />
Herbst 1989 wirklich dabei<br />
waren, und denen, die bloß so<br />
tun, als wären sie es gewesen.<br />
Schauspieler:innen, Statisterie,<br />
Regie, Requisite und Filmproduzent,<br />
jeder meint besser<br />
zu wissen, wie es damals<br />
wirklich gewesen ist. Das<br />
Filmprojekt droht zu scheitern,<br />
bis nach einer durchzechten<br />
Nacht in der Bahnhofskneipe<br />
unerwartet Allianzen geschmiedet<br />
werden. Ist die<br />
letzte Klappe etwa doch<br />
noch nicht gefallen?<br />
Jörg Menke-Peitzmeyer hat<br />
im Auftrag des Theaters Hof<br />
Brennstoff für eine hitzige<br />
Komödie gesammelt. Klug<br />
verwebt er historische Fakten<br />
mit Augenzeugenberichten<br />
und aktuellen Debatten über<br />
die Wiedervereinigung. Mit<br />
lebendigen und temporeichen<br />
Dialogen holt er ein bedeutendes<br />
Stück deutsch-deutscher<br />
Geschichte vom Abstellgleis.<br />
© ALI KABAS<br />
Jörg Menke-Peitzmeyer studierte am<br />
Deutschen Literaturinstitut Leipzig und<br />
Schauspiel an der Folkwang Hochschule<br />
in Essen. Seine Stücke waren mehrmals<br />
für den Deutschen Jugendtheaterpreis<br />
nominiert, den er 2016 mit The Working<br />
Dead gewann. 2017 und 2019 erschienen<br />
seine Romane Billy the Beast und Der<br />
Manndecker im Ullstein Verlag. Es<br />
entstanden zahlreiche Auftragsarbeiten<br />
für das Theater, zuletzt Heiß auf 2. Liga<br />
für die Hamburger Kammerspiele und<br />
Soko Pisa für die Landesbühnen<br />
Sachsen. 2020 war Jörg Menke-Peitzmeyer<br />
der 8. Magdeburger Stadtschreiber.<br />
In dieser Zeit entstand sein<br />
Theaterstück Sparwasser, das am<br />
Theater Magdeburg uraufgeführt wurde.<br />
Geschichte liegt<br />
halt im Trend.<br />
Schauspiel<br />
weitere Stücke (Auswahl): Abstiegskampf. Eine zweite Halbzeit / Fangesänge /<br />
Gebückt und windschief auf Sturmesfittichen (Juller) / Steht auf, wenn ihr Schalker seid
Schau,<br />
35<br />
der<br />
Mau!<br />
© ???<br />
Sergej Gößner nimmt verschiedene<br />
Geschichten über<br />
den Mond zum Anlass, um<br />
über eine Welt im Wandel<br />
nachzudenken. Dabei beginnt<br />
er in der Antike, bei Platons<br />
Mythos von den Kugelmenschen.<br />
Sie repräsentieren eine<br />
Zeit, in der die Menschen rund<br />
und vollkommen waren wie<br />
der Mond und eine fluide<br />
Alternative zur binären Heteronormativität<br />
darstellten.<br />
Gößner verwebt die Sagen<br />
geschickt mit lokalen Märchen<br />
der Memminger Stadtgeschichte<br />
und landet so im<br />
Hier und Heute. Die Schauspieler:innen,<br />
die wechselnde<br />
Rollen übernehmen, stellen<br />
sich längst überfälligen<br />
Fragen zur Darstellung von<br />
Genderklischees.<br />
© JÜRGEN BARTENSCHLAGER / LANDESTHEATER SCHWABEN<br />
„Es darf gelacht werden. Aber<br />
es geht auch ums große Ganze,<br />
um Liebe und Angst. (…)<br />
Ernsthaftigkeit bringt Gößners<br />
Text, wenn er die Erzähler über<br />
Homosexualität reden lässt,<br />
über Diversität, über die unendliche<br />
Gier des Menschen oder<br />
über die Illusion, der andere sei<br />
nicht fremd, sondern die zweite<br />
Hälfte, ein Spiegelbild des Ichs.<br />
Denn vor allem geht es Gößner<br />
um die Angst vor dem Fremden<br />
– und um die Unfähigkeit des<br />
Menschen, dieses Fremde<br />
zu akzeptieren.“<br />
NACHTKRITIK<br />
4 Darsteller:innen<br />
UA: 27.03.<strong>2024</strong>,<br />
Landestheater Schwaben,<br />
Memmingen<br />
Und bevor das<br />
Wasser uns erreichen,<br />
bevor ich dich<br />
erreichen und<br />
umarmen und dich<br />
an mich drücken<br />
und küssen und dir<br />
meine Liebe gestehen<br />
konnte, bin ich<br />
aufgewacht.<br />
„Lyrisch und philosophisch<br />
formulierten Gedanken stehen<br />
anspielungsreiche Wortwechsel<br />
und lakonischer Humor gegenüber,<br />
wenn etwa der Stadtfischer<br />
Lang und sein Gegenüber<br />
namens Breit ein verbales<br />
Speeddating absolvieren. (…)<br />
Langer Applaus.“<br />
ALLGÄUER ZEITUNG<br />
weitere Informationen zu<br />
Sergej Gößner: siehe S. 70<br />
weitere Stücke (Auswahl):<br />
Brigitte Bordeaux / Wegklatschen.<br />
Applaus für Bonnie und Clyde<br />
SERGEJ GÖßNER<br />
Schauspiel
36<br />
Mutti,<br />
was<br />
machst<br />
Musikalische Familiendramödie<br />
in fünfzehn Bildern<br />
Musik von Martina Eisenreich<br />
7 Darsteller:innen<br />
UA: 02.12.2023, Berliner Ensemble<br />
AXEL RANISCH / PAUL ZACHER<br />
Schauspiel<br />
Axel Ranisch und Paul Zacher<br />
haben eine unverschämt<br />
unbekümmerte Komödie über<br />
unkonventionelle Familienkonstellationen<br />
und Generationenkonflikte,<br />
Coming-out<br />
und Wohnungsnot geschrieben.<br />
Dabei scheren sie sich<br />
nicht um Genregrenzen oder<br />
Kitschverdacht – hier wird<br />
aus tiefster Überzeugung in<br />
die volle Theaterkiste gegriffen<br />
und sich ganz auf das<br />
eigene Herz verlassen.<br />
Bei Anton läuft es nicht<br />
rund. Er wohnt noch bei seiner<br />
Mutter, die geliebte Großmutter<br />
wird zunehmend<br />
dement und vor allem sehnt<br />
sich Anton nach einem Partner.<br />
Auftritt Pepe. Dessen<br />
Lebensumstände sind zwar<br />
noch prekärer, aber das weiß<br />
er gut zu verstecken. Es<br />
beginnt eine turbulente<br />
Liebes geschichte, die jedoch<br />
schnell von existen ziellen<br />
Fragen nach der Wohnsituation<br />
überlagert wird. Dabei<br />
übersehen die beiden Verliebten,<br />
dass ihre Mütter nicht<br />
weniger dramatische Probleme<br />
haben. So treffen sich<br />
unversehens alle beim Wohnungsverwalter<br />
Braunert.<br />
Und bevor sich eine – überraschende<br />
– Lösung abzeichnet,<br />
wird Antons und Pepes Liebe<br />
auf eine harte Probe gestellt.<br />
du da?<br />
Manchmal<br />
spielt das Leben<br />
eben Moll.<br />
„Es ist ein Abend, der sich ganz<br />
bewusst um das Gefühlsleben<br />
der Figuren kümmert, und dazu<br />
gehört – und das wird sehr<br />
ernsthaft behandelt – die<br />
Tatsache, dass einer der beiden<br />
Männer eine bipolare<br />
Störung hat.“<br />
DEUTSCHLANDFUNK KULTUR<br />
© JÖRG BRÜGGEMANN / BERLINER ENSEMBLE<br />
„[Ranisch und Zacher] geht es immer um den Menschen in seiner<br />
Individualität und die Einflüsse der anderen. Diese Menschen sind<br />
auf den ersten Blick oftmals schräge Vögel und bei genauerem<br />
Hinschauen einfache Leute von nebenan. Der Blick ins Private will<br />
die Gesellschaft jenseits der Hochglanzmitte zeigen.“<br />
NACHTKRITIK<br />
Axel Ranisch hat mit „Dicke Mädchen“<br />
(2011) und „Ich fühl mich Disco“ (2013)<br />
zwei Kultfilme inszeniert. Als Autor und<br />
Regisseur arbeitet er in verschiedenen<br />
Konstellationen und Genres. Er inszeniert<br />
u. a. Opern und Operetten, zuletzt<br />
z. B. am Theater Bern und an der Komischen<br />
Oper Berlin. Seinen Debütroman<br />
Nackt über Berlin hat er gerade als Serie<br />
verfilmt. Mit seinem Ehemann Paul<br />
Zacher verbindet ihn eine enge künstlerische<br />
Partnerschaft. Zusammen haben sie<br />
u. a. für den NDR die Hörspielserie<br />
„Anton und Pepe“ geschrieben.
Das Ende naht! Wird ja auch<br />
Zeit. Der gewiefte Betrüger<br />
Sam hat sich nicht nur als<br />
Priester in einer etwas gutgläubigen<br />
Gemeinde eingenistet, er<br />
hat seinen Schäfchen auch<br />
noch weismachen können,<br />
dass der Weltuntergang kurz<br />
bevorsteht. Jetzt will er sich mit<br />
dem Hab und Gut der Gemeindemitglieder<br />
aus dem Staub<br />
machen, während sich alle<br />
anderen auf die Apokalypse<br />
vorbereiten. Die soll nämlich<br />
schon in den nächsten zwei<br />
Stunden (die Bibel ist da sehr<br />
genau!) stattfinden. Aber wann<br />
wäre der Jüngste Tag schon<br />
mal reibungslos verlaufen?<br />
Apokalypse,<br />
<br />
frei zur DSE<br />
(Raptured)<br />
Deutsch von Christian Brey<br />
4D, 5H<br />
UA: <strong>25</strong>.05.2019, Theatre Three, Dallas<br />
Natürlich stehen kurz vor<br />
knapp noch tausend letzte<br />
Wünsche an, heimliche Liebschaften<br />
müssen enthüllt und<br />
langgehegte Sehnsüchte<br />
befriedigt werden. Dabei geht<br />
alles drunter und drüber und<br />
zwischenzeitlich sieht es so aus,<br />
als bräuchte es Gottes Hilfe für<br />
das Armageddon gar nicht.<br />
Am Ende steht aber nicht<br />
nur die Versöhnung, sondern<br />
sogar – auf ziemlich überraschende,<br />
ganz profane<br />
Weise – die Aussicht auf ein<br />
neues Leben. Apokalypse,<br />
no! ist Screwball-Komödie,<br />
Kirche nsatire und derbe<br />
Farce in einem.<br />
Im Himmel gibt es<br />
keine Gürtelrose,<br />
mein Kind!<br />
no!<br />
37<br />
MATT LYLE / MATT COLEMAN<br />
MATT LYLE © PRIVAT<br />
MATT COLEMAN © ERIN ROGERS / TXK TODAY<br />
Matt Lyle lebt in Texas und arbeitet als<br />
Autor, Regisseur und Schauspieler.<br />
Matt Coleman lebt in Arkansas und ist<br />
als Autor und Comedian für Theater,<br />
Fernsehen und Film tätig. Für Apokalypse,<br />
no! arbeiteten sie erstmals als<br />
Autorenduo.<br />
Schauspiel
38<br />
AGATHA CHRISTIE / MARK SHANAHAN<br />
Schauspiel<br />
frei zur DSE<br />
(The Murder of Roger Ackroyd)<br />
Für die Bühne bearbeitet<br />
von Mark Shanahan<br />
Deutsch von Michael Raab<br />
5D, 7H<br />
UA: 21.07.2023,<br />
Alley Theatre, Houston<br />
Hercule Poirot möchte sich in<br />
seinem langersehnten Ruhestand<br />
eigentlich nur noch der<br />
Kürbiszucht widmen. Aber<br />
kaum ist er in das beschauliche<br />
King’s Abbott gezogen,<br />
wird er in einen Kriminalfall<br />
verwickelt, der das gesamte<br />
Dorf in Aufruhr versetzt.<br />
Schnell findet er sich in der<br />
Rolle des Meisterdetektivs<br />
wieder, der nach und nach<br />
die Umstände des Mordes<br />
an der wohlhabenden Witwe<br />
Mrs Ferrars und ihrem Verlobten<br />
Roger Ackroyd aufdeckt.<br />
Zum Glück steht ihm dabei<br />
sein Nachbar, der Arzt Dr.<br />
James Sheppard, als Assistent<br />
zur Seite, der alle Bewohner<br />
des Dorfes gut kennt. Die<br />
völlig unerwartete Auflösung<br />
des Falls wird erst mit einer<br />
letzten Wendung enthüllt.<br />
Alibi<br />
Ich weiß alles.<br />
Vergessen Sie<br />
das nicht.<br />
Alibi war das erste Werk von<br />
Agatha Christie, das 1928 für<br />
die Bühne adaptiert wurde.<br />
Die neue Bühnenfassung<br />
bewahrt den unwiderstehlichen<br />
Reiz des Originals, das<br />
als Meilenstein der Kriminalliteratur<br />
gilt ( in einer Umfrage<br />
unter Krimiautor:innen wurde<br />
der Titel zur „best crime novel<br />
ever written“ gewählt). Mit<br />
dem sympathischen und<br />
eloquenten Dr. Sheppard<br />
hat Christie ein klassisches<br />
Beispiel für einen unzuverlässigen<br />
Erzähler erfunden.<br />
Von Agatha Christie ist weiterhin<br />
Mord im Orientexpress auf zahlreichen<br />
Bühnen im deutschsprachigen Raum<br />
zu sehen, u. a. am Theater am Kurfürstendamm,<br />
Berlin, sowie am Theater<br />
Heidelberg und mit Premieren in der<br />
kommenden Spielzeit auch am Salzburger<br />
Schauspielhaus und am Staatstheater<br />
Augsburg. Mark Shanahan hat<br />
bereits zahlreiche Stoffe der klas sischen<br />
Moderne für die Bühne adaptiert. Zuletzt<br />
wurde seine Version von Georges<br />
Feydeaus „Der Gefoppte“, übertragen in<br />
die 1930e r-Jahre, am Off-Broadway in<br />
New York uraufgeführt.<br />
weitere Stücke von Agatha Christie (Auswahl): Mord im Orientexpress /<br />
Das Spinnennetz / Tod auf dem Nil / Und dann gab’s keines mehr /<br />
Der unerwartete Gast / Der zerbrochene Spiegel / Zeugin der Anklage<br />
V.L.N.R: MORD IM ORIENTEXPRESS © ANNA ZEHETGRUBER, THEATER WESTLICHES WEINVIERTEL / ANNA KOLATA, PUPPENTHEATER HALLE / NICOLE BRÜHL,<br />
KREUZGANGSPIELE FEUCHTWANGEN / FRANZISKA STRAUSS, KOMÖDIE AM KURFÜRSTENDAMM / ASTRID KNIE, THEATER IN DER JOSEFSTADT
Haley McGee erzählt die<br />
Geschichte eines Lebens vom<br />
<strong>25</strong>. Geburtstag bis zum Tod.<br />
Nicht alle Episoden werden<br />
im Laufe der Aufführung<br />
erzählt, das Publikum ist eingeladen,<br />
selbst den Gang der<br />
Geschichte zu bestimmen. So<br />
entsteht ein immer wieder<br />
anderer Abend über die ewige<br />
Ungewissheit des Lebens.<br />
Mit <strong>25</strong> ist unser Gehirn voll<br />
entwickelt. Mit <strong>25</strong> spüren wir<br />
das erste Mal unsere Sterblichkeit.<br />
Mit <strong>25</strong> fühlen wir uns<br />
schon so erwachsen, und<br />
doch liegt der Großteil unseres<br />
Lebens noch vor uns: schicksalhafte<br />
und flüchtige Begegnungen,<br />
Liebeskummer,<br />
Freundschaften, die ein Leben<br />
lang halten sollten und es<br />
doch nicht tun, Karriereentscheidungen,<br />
verpasste<br />
Chancen, Kinderwunsch und<br />
Partner:innenwahl, der Tod<br />
der Eltern, alltägliche Freuden,<br />
Krankheiten, Selbstfindungsphasen,<br />
kolossales Scheitern<br />
und triumphale Gewinne,<br />
Streit und Verletzungen,<br />
Selbstakzeptanz … und all<br />
die Abermillionen kleinen<br />
Momente, die unser Leben<br />
ausmachen.<br />
Age<br />
Alles<br />
wird<br />
gut<br />
Deutsch von Karen Witthuhn<br />
1D<br />
UA: 22.07.2022,<br />
Soho Theatre, London<br />
DSE: 27.09.<strong>2024</strong>, Theater Bielefeld<br />
39<br />
HALEY MCGEE<br />
is a Feeling<br />
„Jedes Jahr gibt es eine<br />
Produktion beim Edinburgh<br />
Fringe Festival, die einen<br />
Begeisterungssturm auslöst –<br />
sie wird überhäuft mit Kritikerlob,<br />
geschmückt mit Auszeichnungen<br />
und es ist unmöglich,<br />
an Karten zu kommen. 2022<br />
war das Haley McGees<br />
Age is a Feeling.“<br />
THE EVENING STANDARD<br />
„Wenn der Text von einer<br />
Darstellerin am Ende ihres<br />
Lebens geschrieben wäre,<br />
gälte es als eine erstaunliche<br />
Einsicht in die Conditio<br />
humana. Dass McGee mit<br />
ihren 36 Jahren eine solche<br />
Weisheit zeigt, ist atemberaubend<br />
und bewegend.“<br />
THE GUARDIAN<br />
Haley McGee wurde 1986 in Kanada<br />
geboren und lebt in England. Age is a<br />
Feeling wurde in Edinburgh mit einem<br />
Fringe First Award ausgezeichnet. Nach<br />
der DSE am Theater Bielefeld wird es in<br />
der Spielzeit <strong>2024</strong>/<strong>25</strong> auch am Theater<br />
Oberhausen zu sehen sein. Weitere<br />
Stücke von Haley McGee sind „The<br />
Ex-Boyfriend Yard Sale“, das 2023 einen<br />
Dora Award gewann, und „I’m Doing<br />
This for You“.<br />
Schauspiel
40<br />
Du versalzt,<br />
ich lüge.<br />
Das nennt man<br />
Ehe.<br />
(Vidéoclub)<br />
Deutsch von Leyla-Claire Rabih<br />
und Frank Weigand<br />
1D, 1H<br />
UA: 14.09.2023,<br />
Théâtre Antoine, Paris<br />
DSE: Spielzeit 20<strong>25</strong>/26,<br />
Komödie Winterhuder<br />
Fährhaus, Hamburg<br />
Der<br />
SÉBASTIEN THIÉRY<br />
Schauspiel<br />
Videobeweis<br />
Bitte lächeln, Sie werden<br />
gefilmt! Justine und Jean-<br />
Marc, seit <strong>25</strong> Jahren verheiratet,<br />
bekommen nach einem<br />
Streit („Das habe ich so nie<br />
gesagt!“) eine E-Mail mit<br />
einem Video zugeschickt, das<br />
just diesen Streit in ihrer heimischen<br />
Küche aufgezeichnet<br />
hat („Hast du wohl!“). Wer hat<br />
die Webcam in ihrer Küche<br />
installiert und seit wann werden<br />
sie ohne ihr Wissen<br />
gefilmt? Auch nachdem sie<br />
die Kamera entfernt haben,<br />
erhalten sie weitere Videos,<br />
die sie mit ihren großen und<br />
kleinen Lügen, Halbwahrheiten<br />
und Geheimnissen konfrontieren<br />
– „Du hast also<br />
mein Handy im Gefrierfach<br />
versteckt? “, „Du wirfst heimlich<br />
dein Essen in den Mülleimer?<br />
“, „Wer war das da mit<br />
dir nachts in der Küche? “.<br />
Wie viel Transparenz verträgt<br />
eine Beziehung? Dieser Frage<br />
geht Sébastien Thiéry in<br />
seinem neuesten Stück Der<br />
Videobeweis nach und hat<br />
damit das Komödienpendant<br />
zur Technik-Dystopie-Serie<br />
„Black Mirror“ geschaffen. In<br />
der Pariser Erfolgsinszenierung<br />
spielten die französischen<br />
Kinostars Noémie<br />
Lvovsky und Yvan Attal das<br />
Ehepaar, das gezwungenermaßen<br />
den Mut zur Wahrheit<br />
entwickelt und eine zweite<br />
Chance bekommt.<br />
„Unfassbar heutig und<br />
absolut wahrhaftig.“<br />
LE MONDE<br />
„Mit Sicherheit Sébastien<br />
Thiérys beste Komödie.<br />
Warum? Weil sein Markenzeichen,<br />
das Absurde, hier<br />
ganz im Dienst von berüh -<br />
renden Figuren und einer<br />
fesselnden Handlung steht.“<br />
LE NOUVEL OBS<br />
Der Videobeweis stand auf der Shortlist für den Komödien-Molière <strong>2024</strong>. Sébastien<br />
Thiérys vorheriges Stück, Zahltag, eine Tragikomödie, in der ein Mann um die 30 von<br />
seinen Eltern Schadensersatz für sein verpfuschtes Leben fordert, hatte im Mai <strong>2024</strong><br />
DSE am Zimmertheater Heidelberg. Ab September <strong>2024</strong> sind Rufus Beck und Peter<br />
Kremer mit Thiérys Komödie Zwei Männer ganz nackt auf Tournee.<br />
weitere Stücke (Auswahl): Als ob es regnen würde / Ramses II. /<br />
Wer ist Monsieur Schmitt? / Zahltag / Zwei Männer ganz nackt<br />
© L’AGENCE DOMINIQUE CHRISTOPHE
Eigentlich wollte Fabien bloß<br />
einen gemütlichen Abend mit<br />
seinen besten Freunden verbringen,<br />
den Zwillingen Eric<br />
und Jérôme. Aber erst kommt<br />
Eric absichtlich zu früh, um<br />
Fabien ein großes Geheimnis<br />
anzuvertrauen, welches das<br />
Leben seines Zwillingsbruders<br />
grundlegend verändern wird,<br />
und just in dem Moment, als<br />
Eric im Bad verschwunden ist,<br />
klingelt Jérôme an der Tür,<br />
völlig aufgelöst, und will ebenfalls<br />
sein Gewissen erleichtern.<br />
Von beiden qua Freundschaftsschwur<br />
zum Stillschweigen<br />
verpflichtet, versucht Fabien,<br />
die Geheimnisse für sich zu<br />
behalten und die Brüder dennoch<br />
zu versöhnen …<br />
Geheimnisse von Sébastien<br />
Blanc ist eine Kammerspiel-<br />
Komödie mit ausgeklügeltem<br />
Timing über Lüge und Wahrheit,<br />
Rivalität und Loyalität<br />
unter Freunden – und Brüdern.<br />
In der Pariser Uraufführung<br />
brillierte Patrick Chesnais<br />
in der Doppelrolle der ungleichen<br />
Zwillingsbrüder.<br />
Geheimnisse bietet Paraderollen<br />
für zwei Schauspieler<br />
jeglichen Alters.<br />
frei zur DSE<br />
(Secret.s)<br />
Deutsch von Georg Holzer<br />
2H<br />
UA: 09.04.<strong>2024</strong>, Théâtre Madeleine, Paris<br />
Sébastien Blanc schreibt seit vielen<br />
Jahren zusammen mit Nicolas Poiret für<br />
Fernsehen und Theater. Ihr Stück Zwei<br />
Lügen, eine Wahrheit war 2018 für den<br />
Molière in der Kategorie „Beste<br />
Komödie“ nominiert und wurde 2021<br />
erstmals in Deutschland aufgeführt. Es<br />
handelt von einem Ehepaar, das seit fast<br />
dreißig Jahren verheiratet ist und sich an<br />
seinem Hochzeitstag auf ein riskantes<br />
Spiel einlässt. Le Monde schrieb begeistert:<br />
„Endlich eine echte Komödie, die<br />
den Saal zum Lachen bringt, ohne<br />
vulgär oder beliebig zu sein.“<br />
41<br />
Geheimnisse<br />
© FABIENNE RAPPENEAU<br />
„Man kann nicht<br />
aufhören zu<br />
lachen. “<br />
LE PARISIEN<br />
SÉBASTIEN BLANC<br />
Wie konntest du mir<br />
das verheimlichen!<br />
weitere Stücke: Zwei<br />
Lügen, eine Wahrheit<br />
(mit Nicolas Poiret)<br />
Schauspiel
42<br />
Vor dem Fall<br />
HADRIEN RACCAH<br />
Lisa, Marc, Benjamin<br />
und Tom sind seit<br />
ihrer Jugend beste<br />
Freunde, nun sind<br />
sie Ende 30 und<br />
stehen mitten im<br />
Leben – zumindest<br />
auf dem Papier.<br />
Zur Geburt von<br />
Toms erstem Kind<br />
treffen sie sich<br />
endlich mal wieder<br />
zu viert und nachdem<br />
sie durch<br />
einen Zufall auf<br />
der Terrasse ausgesperrt<br />
sind, wird<br />
klar, dass das<br />
Midlife für alle vier<br />
mehr Krise und<br />
weniger Fun ist<br />
als gedacht: Marc<br />
wurde gerade verlassen,<br />
Benjamin<br />
gefeuert, Lisa hat<br />
eine Affäre mit<br />
einem verheirateten<br />
Mann und alle<br />
drei finden Toms<br />
Neugeborenes<br />
ausgesprochen<br />
hässlich.<br />
frei zur DSE<br />
(Le vertige)<br />
Deutsch von Jona Spreter<br />
1D, 3H<br />
UA: 01.02.<strong>2024</strong>, Théâtre de la Madeleine, Paris<br />
Früher haben wir<br />
uns über Leute<br />
wie dich lustig<br />
gemacht!<br />
© EMMANUELE SCORCELLETTI<br />
Nachdem eine<br />
dieser Wahrheiten<br />
ausgesprochen ist,<br />
bröckeln die bürgerlichen<br />
Fassaden<br />
unaufhaltsam …<br />
Mit viel Humor<br />
und Empathie für<br />
seine Figuren lässt<br />
Raccah die vier<br />
Freunde in schnellen<br />
Schlagabtauschen<br />
um unangenehme<br />
Wahrheiten,<br />
unterschiedliche<br />
Lebensentwürfe<br />
und ihre Freundschaft<br />
ringen.<br />
Schauspiel<br />
weitere Stücke: Die Einladung<br />
„Hadrien Raccah erzählt<br />
uns mit einer Komödie,<br />
dass unser Leben häufig<br />
nur an einem seidenen<br />
Faden hängt.“<br />
L’ŒIL D’OLIVIER<br />
Hadrien Raccah schreibt Romane und Theaterstücke.<br />
Bereits seine ersten beiden Stücke wurden mit Förderpreisen<br />
des französischen Kulturministeriums<br />
ausgezeichnet. 2019 wurde Die Einladung im Pariser<br />
Théâtre de la Madeleine uraufgeführt. Die DSE dieser<br />
Dreieck skomödie fand im Mai <strong>2024</strong> an der Komödie<br />
Frankfurt (Regie: Stefan Schneider) statt. Die FAZ sah<br />
„eine pointensichere Rochade über vergeblich<br />
kaschierte Seitensprünge und die Schwierigkeit,<br />
einen Freund in der Not herbeizuzaubern“; die FNP<br />
beschreibt einen „Kampf der Geschlechter mit all<br />
ihren Schwächen, in dem die Waffen, die Pointen,<br />
bestens funktionieren “.
43<br />
Wieso glauben<br />
eigentlich alle,<br />
dass ich über sie<br />
schreibe?<br />
© SARAH ROBINE<br />
Der<br />
Seestern-Effekt<br />
frei zur DSE<br />
(L’effet miroir)<br />
Deutsch von Charlotte Höcher<br />
2D, 2H<br />
UA: 12.10.2023,<br />
Théâtre de l’Œuvre, Paris<br />
Es waren einmal eine kleine<br />
Meeresschnecke, ein Seestern<br />
und ein Oktopus …<br />
Théophile war einmal ein<br />
erfolgreicher Autor, steckt<br />
aber seit mehreren Jahren in<br />
einer Schreibkrise. Endlich<br />
findet er seine Inspiration<br />
wieder und schreibt eine<br />
Erzählung für Kinder, ein<br />
poetisches Märchen, das in<br />
der Unterwasserwelt angesiedelt<br />
ist. Doch als seine<br />
Frau, sein Bruder und seine<br />
Schwägerin das Märchen<br />
lesen, sind sie alarmiert:<br />
Welche Botschaften stecken<br />
in den Meerestier-Metaphern?<br />
Wer ist die naive Muschel,<br />
warum lügt die Krabbe – und<br />
weiß die Meeresschnecke<br />
etwa von der heimlichen<br />
Affäre zwischen Seegurke<br />
und Oktopus? Bei einem<br />
gemeinsamen Abendessen<br />
kommt alles auf den Tisch …<br />
Der Seestern-Effekt ist<br />
eine fantasievolle Komödie<br />
über Paare und ihre Geheimnisse,<br />
über die Macht des<br />
geschriebenen Wortes und<br />
die Macht des Unbewussten,<br />
über Kreativität und Projektionen.<br />
Léonore Confinos<br />
Figuren sind wunderbar<br />
schrullig, zutiefst menschlich<br />
und bieten vier schöne,<br />
gleich starke Rollen.<br />
„Confinos Humor ist mal böse,<br />
mal staubtrocken, mal absurd,<br />
mit viel Situationskomik und<br />
einer Prise Slapstick.“<br />
LE PARISIEN<br />
Léonore Confino schreibt sowohl<br />
Theaterstücke als auch Drehbücher,<br />
zuletzt für den Kinofilm „Die Kunst<br />
der Nächstenliebe“ (mit Agnès<br />
Jaoui). Ihre Stücke wurden bereits<br />
mehrfach beim Festival d’Avignon<br />
gezeigt, <strong>2024</strong> läuft dort ihr Stück<br />
„Ring“, eine Versuchsanordnung über<br />
Paare. Léonore Confino war <strong>2024</strong> für<br />
den Molière in der Kategorie „Beste<br />
zeitgenössische französische<br />
Autorin“ nominiert.<br />
Schauspiel LÉONORE CONFINO
44<br />
frei zur DSE<br />
(53 domingos)<br />
Deutsch von Hans Richter<br />
2D, 2H<br />
UA: 04.12.2020,<br />
Teatre Romea, Barcelona<br />
53<br />
Du hast<br />
keine Ahnung<br />
von Familiendynamik.<br />
Diese Vase<br />
ist eine<br />
Beleidigung!<br />
CESC GAY<br />
Schauspiel<br />
Sonntage<br />
© CATERINA BARJAU<br />
Muss Papa ins Pflegeheim<br />
oder: Wer von uns dreien<br />
kümmert sich darum, dass<br />
Papa aufhört, der Nachbarin<br />
seinen Penis zu zeigen? Drei<br />
Geschwister um die fünfzig<br />
müssen schnellstmöglich<br />
Antworten auf diese Fragen<br />
finden. Mehrere Versuche,<br />
sich zu treffen und gemeinsam<br />
zu entscheiden, wie es<br />
weitergeht, scheitern: Entweder<br />
fehlt ein Geschwisterteil<br />
(hat bestimmt absichtlich den<br />
Tag verwechselt!), ein Bruder<br />
erscheint in einem Tomatenkostüm<br />
(wann begreift er<br />
endlich, dass er nie Erfolg als<br />
Schauspieler haben wird!)<br />
oder Nummer drei hat einen<br />
Nervenzusammenbruch<br />
(meine Therapeutin sagt, ich<br />
muss lernen, mich abzugrenzen!).<br />
Und: Wer ist eigentlich<br />
Papas Lieblingskind?<br />
Mit seiner Komödie 53 Sonntage<br />
stellt der Autor Cesc Gay<br />
erneut unter Beweis, warum<br />
er in Spanien als einer der<br />
pointiertesten und unterhaltsamsten<br />
Chronisten des städtischen<br />
Bürgertums gilt. Mit<br />
schonungslosem Humor, aber<br />
nicht ohne Empathi e nimmt er<br />
die geschwisterliche Zwangsgemeinschaft<br />
unter die Lupe.<br />
Netflix plant die Verfilmung<br />
von 53 Sonntage für 20<strong>25</strong>;<br />
der Autor wird selbst Regie<br />
führen.<br />
„Cesc Gay ist Spezialist für eine<br />
Dynamik, deren Anmut darin<br />
besteht, Situationen im unerwartetsten<br />
Moment explodieren<br />
zu lassen.“<br />
EL PERIÓDICO<br />
Cesc Gay ist ein spanischer Drehbuchautor<br />
und Filmregisseur, dessen Filme<br />
mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet<br />
wurden, u. a. mit dem Goya. 2015<br />
schrieb und inszenierte er sein erstes<br />
Theaterstück „Die Nachbarn von oben“,<br />
ein Überraschungserfolg in Spanien, den<br />
er für das spanische Kino adaptierte. In<br />
Deutschland wurde der gleichnamige<br />
Film hochkarätig mit Ursina Lardi, Max<br />
Simonischek und Roeland Wiesnekker<br />
besetzt und kam 2023 in die Kinos.
45<br />
New York in den 50ern. Jenny<br />
ist Hausfrau, begeistert sich<br />
für Fertiggerichte und ist mit<br />
dem Chefredakteur einer<br />
einflussreichen Zeitung verheiratet.<br />
Außerdem hat sie<br />
eine heimliche Affäre mit<br />
einem Angestellten ihres<br />
Mannes. Heute Abend soll ihr<br />
Geliebter – im Rahmen eines<br />
gemeinsamen Abendessens<br />
– endlich ihren Gatten ermorden.<br />
Aber Jennys Mann bringt<br />
unangekündigt seine neue<br />
Sekretärin mit nach Hause<br />
und der Mord gestaltet sich<br />
unerwartet kompliziert …<br />
Franck Duartes temporeiche<br />
Komödie Kleine Verbrechen<br />
unter Liebenden ist ein<br />
Genre-Mash-up vom Feinsten:<br />
„Mad Men“ meets „Desperate<br />
Housewives“ meets Krimikomödie:<br />
Wer ist hier die Doppelagentin,<br />
wer der heimliche<br />
Vegetarier? Wer hetero-, wer<br />
homosexuell? Und vor allem:<br />
Wie weit würden alle aus<br />
Liebe gehen? Duartes Komödie<br />
erlaubt uns durch die historische<br />
Brille einen Blick auf<br />
Geschlechterrollen, Doppelmoral<br />
und gesellschaftliche<br />
Konventionen, die überraschend<br />
heutig sind.<br />
„Eine Boulevard-Komödie<br />
über Liebe, Geheimnisse,<br />
Betrug, voller explosiver<br />
Enthüllungen – und ein kluges<br />
Stück über die McCarthy-Zeit<br />
und die Kommunistenhetze.“<br />
TPA, THÉÂTRE ET<br />
PRODUCTEURS ASSOCIÉS<br />
Franck Duarte (*1979) ist Schauspieler<br />
und Autor und schreibt sowohl Komödien<br />
als auch Stücke für junges Publikum.<br />
Seine Komödie „Kleine Verbrechen<br />
unter Freunden“, angesiedelt in den<br />
80ern mit vier mordlustigen Freunden,<br />
war ein Überraschungshit in Paris und<br />
wurde über 700-mal gespielt. Als Schauspieler<br />
stand Franck Duarte u. a. in<br />
Stücken von Fabrice-Roger Lacan (Der<br />
Krawatten-Club) und Pierre Notte auf<br />
der Bühne.<br />
Kleine<br />
Verbrechen<br />
unter Liebenden<br />
frei zur DSE<br />
(Petits crimes entre amants)<br />
Deutsch von René Heinersdorff<br />
2D, 2H<br />
UA: 11.07.2023, Théâtre La Boussole, Paris<br />
FRANCK DUARTE<br />
Was machen<br />
Sie denn da,<br />
wollen Sie mich<br />
etwa umbringen?<br />
© KRISS LOGAN<br />
Schauspiel
46
MU<br />
47<br />
SIK<br />
THE<br />
ATER
48<br />
JHEREK BISCHOFF / JAN DVOŘÁK / PHILIPP STÖLZL<br />
Musiktheater<br />
Andersens<br />
„Das ist ein Abend,<br />
der alle Sinne berühr t.“<br />
FAZ<br />
„Große Oper, bisweilen<br />
auch großes Kin o. “<br />
SRF1<br />
Am Vorabend der Hochzeit<br />
seines Jugendfreundes<br />
Edvard Collin mit Henriette<br />
erscheint Hans Christian<br />
Andersen ungebeten in dessen<br />
Haus, um ihm seine Liebe<br />
zu gestehen. Die Begrüßung<br />
fällt entsprechend kühl aus.<br />
Nur Henriette ist fasziniert<br />
von Andersens verstiegenem<br />
Charme. Für sie verwandelt er<br />
das Zimmer in eine fantastische<br />
Unterwasserwelt und<br />
erfindet, tief gekränkt von<br />
Edvards Zurückweisung, das<br />
Märchen von der kleinen<br />
Meerjungfrau, die aus Liebe<br />
alles opfert.<br />
Jan Dvořák und Philipp<br />
Stölzl haben mit Andersens<br />
Erzählungen ein auf historischen<br />
Tatsachen basierendes<br />
Fantasiestück über unmögliche<br />
Liebe erschaffen, das<br />
Erwachsene wie ältere Kinder<br />
gleichermaßen fasziniert. Jherek<br />
Bischoffs flirrend-fantasievolle<br />
Kompositionen zwischen<br />
Klassik, Pop und Elektronik<br />
bieten sowohl im Klang<br />
des großen Orchesters als<br />
auch in der elegant zurückgenommenen<br />
Variante für<br />
Kammerensembles einen<br />
perfekten Rahmen.<br />
Erzählungen<br />
10+<br />
Musiktheaterstück von Jherek Bischoff, Jan Dvořák und Philipp Stölzl<br />
Idee & Text von Jan Dvořák und Philipp Stölzl<br />
Musik von Jherek Bischoff<br />
Dramaturgische Mitarbeit von Andreas Beck<br />
5D, 3H (mit Mehrfachbesetzungen), 4 Tänzer:innen, Statist:innen<br />
Kl. Besetzung (Fassung Residenztheater): Vl I, Vl II, Vlc, Kb, Klar (B. Klar), Perc, Kl (Cel)<br />
Gr. Besetzung (Fassung Theater Basel (Oper)): Fl I, II, Ob (E. Hrn), Fg I, Fg II (K. Fg),<br />
Hrn, Trp (Picc. Trp, Fl. Hrn), Pos (B. Pos), Tb, Kl (Cel, Org, Synth), Hrf, Perc I, Perc II<br />
UA: 27.09.2019, Theater Basel<br />
DE: 18.11.2023, Residenztheater München<br />
Ich habe eine Liebe gesehen.<br />
Aber es war nicht meine.<br />
© SANDRA THEN / RESIDENZTHEATER MÜNCHEN<br />
Philipp Stölzl inszenierte mehrfach bei<br />
den Salzburger und Bregenzer Festspielen,<br />
an der Deutschen Oper und der<br />
Staatsoper Berlin, dem Theater Basel<br />
sowie dem Residenztheater München.<br />
Die Inszenierung von „Das Vermächtnis“<br />
am Residenztheater eröffnete das Theatertreffen<br />
2023. Zu seinen Kinoerfolgen<br />
zählen „Baby“, „Nordwand“, „Goethe!“,<br />
„The Expatriate“, „Der Medicus“, „Ich<br />
war noch niemals in New York“ und<br />
„Schachnovelle“.<br />
Jan Dvořák ist Autor und Komponist.<br />
Seine Werke reichen von Kammermusik<br />
bis zu Opern wie „Frankenstein“ und<br />
„20.000 Meilen unter dem Meer“. Er war<br />
Leitender Musikdramaturg am Staatstheater<br />
Meiningen und Chefdramaturg<br />
der Oper am Nationaltheater Mannheim.<br />
Heute arbeitet er wieder als freischaffender<br />
Künstler mit seiner Kompanie<br />
„Kommando Himmelfahrt“; für den<br />
Regisseur Philipp Stölzl schrieb er seit<br />
2012 eine Reihe von Theaterstücken.
„Nachts sind alle Katzen grau<br />
und alle Menschen bunt“, sagt<br />
Juanita, die zur elementaren<br />
Schlüsselfigur in unserer Fassung<br />
von Kasimir und Karoline<br />
wird, und beobachtet die<br />
Gesellschaft, die sich im Dunkeln<br />
tummelt: den alten reichen<br />
Großinvestor, den verlorenen<br />
Professor, den jungfräulichen<br />
Studenten, den gewalttätigen<br />
Zuhälter, die von Rache träumende<br />
Prostituierte und natürlich<br />
die Friseurin Karoline und<br />
ihren Freund Kasimir, den<br />
Geflüchteten. Und obwohl die<br />
über den Geschlechtern schwebende<br />
Juanita genau weiß, dass<br />
es Empathie, Zuneigung und<br />
Selbstlosigkeit in Zeiten des<br />
Kapitalismus nicht geben kann,<br />
hofft sie doch jede Nacht<br />
wieder, ein paar bunte Seelen<br />
und ihre Sehnsüchte zu retten. “<br />
(Martin G. Berger)<br />
JHEREK BISCHOFF © MAYUMI HEIDER<br />
Jherek Bischoff und Martin G.<br />
Berger verlegen Ödön von<br />
Horváths Meisterwerk ins 21.<br />
Jahrhundert. Farbenreich e,<br />
durch Elektronik ergänzte<br />
Orcheste rarrangements verbinden<br />
sich mit akustischen<br />
Gitarrenballaden; elektronische<br />
Pop-Hymnen werden zu<br />
eingängigen Ohrwürmern;<br />
klassische Oper und großer<br />
Musicalgestus verschmelzen<br />
mit den wummernden Rhythmen<br />
einer Partynacht.<br />
„Das hat wirklich das Potenzial,<br />
auch ein junges Publikum ins<br />
Opernhaus zu ziehen!“<br />
DEUTSCHLANDFUNK<br />
„Unterhaltend, (…) aber durch<br />
die Hintertür eben auch eine<br />
herbe Kritik an gesellschaftlichen<br />
Zuständen, die es sogar schaffen,<br />
eine Liebe zu zerstören. Gleichzeitig<br />
geht die Musik – mal sehr<br />
beatlastig mit Streichersatz, mal<br />
schlicht Gitarre, mal pumpende<br />
Bläser – sofort ins Ohr.“<br />
NACHTKRITIK<br />
Martin G. Bergers Regiearbeiten sind<br />
<strong>2024</strong> mit einem International Opera<br />
Award, 2020 mit dem Faustpreis, 2016<br />
mit dem Deutschen Musical Theater<br />
Preis, dem Karan-Armstrong-Preis der<br />
Götz-Friedrich-Stiftung 2015 und 2018<br />
mit dem Orpheus für Operette ausgezeichnet<br />
worden. Seine Libretti wurden<br />
u. a. am Staatstheater Darmstadt („Aus<br />
Tradition anders“), Mecklenburgischen<br />
Staatstheater (Der geteilte Himmel),<br />
Theater Bremen („Der 35. Mai“) und an<br />
der Neuköllner Oper (Elfie) uraufgeführt.<br />
Jherek Bischoff verbindet experimentelle<br />
Musik mit Klassik und Ambient,<br />
wobei sein Werk Studioalben sowie<br />
Kompositionen für Orchester, Film und<br />
Theater, darunter fünf deutschsprachige<br />
Theaterproduktionen, umfasst. Die New<br />
York Times feiert ihn als „Wunderkind“,<br />
SPIN als „visionär“ und NPR als „eine<br />
gewaltige Kraft der Orchestermusik“.<br />
Die Leut sind<br />
halt alle nervös<br />
und vertragen<br />
nichts mehr.<br />
Musical nach dem gleichnamigen Theaterstück von Ödön von Horváth<br />
Musik von Jherek Bischoff<br />
Kasimir<br />
Liedtexte von Martin G. Berger<br />
Dialoge von Martin G. Berger und Martin Mutschler<br />
3D, 5H, 1 Dragperson, Ensemble, Chor<br />
Fl I, II (A.Fl), Ob (E.Hrn), Klar in Bb (B.Klar), Fg I, Fg II (K.Fg), Hr in F I, II, III,<br />
Trp in Bb, Pos, B.Pos, Perc, Hrf, Kl (Electronics), Akk.Git, Vl I, II, Vla, Vlc, Kb<br />
UA: 08.12.2023, Staatsoper Hannover<br />
und Karoline<br />
weitere Stücke (Auswahl): Der geteilte Himmel (Martin G. Berger), Elfie (Martin G. Berger), Der Sandmann (Jherek Bischoff)<br />
49<br />
JHEREK BISCHOFF / MARTIN G. BERGER / MARTIN MUTSCHLER / ÖDÖN VON HORVÁTH<br />
Musiktheater
50<br />
JHEREK BISCHOFF / MARTIN G. BERGER / MARTIN MUTSCHLER / ÖDÖN VON HORVÁTH: KASIMIR UND KAROLINE, STAATSOPER HANNOVER 2023 © TIM MÜLLER
51<br />
... nur noch Tiere,<br />
so weit das Auge reicht.<br />
JHEREK BISCHOFF / MARTIN G. BERGER /<br />
MARTIN MUTSCHLER / ÖDÖN VON HORVÁTH:<br />
KASIMIR UND KAROLINE<br />
Musiktheater
52<br />
Andreas Pflüger schuf zahlreiche kammermusikalische<br />
Werke, ca. 20 Kompositionen<br />
für Orchester, zwei Ballette und<br />
acht Opern. Zu seinen wichtigsten<br />
Werken gehört die im Jahr 2000 an der<br />
Tschechischen Staatsoper uraufgeführte<br />
Oper Die Physiker.<br />
ANDREAS PFLÜGER / WOLFGANG WILLASCHEK / FRIEDRICH DÜRRENMATT<br />
ANDREAS PFLÜGER<br />
Dürrenmatts Komödie Die Physiker hat bis heute nichts von<br />
ihrer Aktualität verloren, werden doch unsere Vorstellungen<br />
von Fortschritt und Sicherheit stets aufs Neue in Frage gestellt.<br />
Für die bislang einzige Opernadaption des Werkes hat<br />
Wolfgang Willaschek das Schauspiel geschickt zu einem Libretto<br />
verdichtet, das durch die Musik von Andreas Pflüger zu einem<br />
labyrinthartigen Geflecht aus Groteske, Farce und Tragikomödie<br />
verwoben wird.<br />
Pflüger gibt den vielschichtigen Facetten und den paradoxen<br />
Verwicklungen in Dürrenmatts Komödie mit seiner Polystilistik<br />
ein passendes Gewand: Die Musik changiert virtuos zwischen<br />
Sprechgesang, sinfonischer Form, ariosem Gesang, Varieté,<br />
rhythmischer Deklamation, oratorischem Charakter, Persiflage<br />
und Parodie.<br />
Die<br />
„Großer Erfolg für den Schweizer<br />
Komponisten Andreas Pflüger,<br />
der aus dem Theaterstück von<br />
Friedrich Dürrenmatt eine<br />
großartige und dazu spielbare<br />
und singbare, geschickt die<br />
Vorlage adaptierende Oper<br />
komponiert hat.“<br />
DER NEUE MERKER WIEN<br />
„[So] gelang dem Komponisten<br />
mit der Teilung der Irrenärztin<br />
in einen Mezzo- und einen<br />
Koloratur sopran ein Kabinettstück,<br />
das sich sowohl musikalisch<br />
wie szenisch als sehr<br />
bühnenwirksam erweist.“<br />
MUSIK UND THEATER<br />
Oper in zwei Akten<br />
nach dem gleichnamigen Werk von Friedrich Dürrenmatt<br />
Musik von Andreas Pflüger<br />
Libretto von Wolfgang Willaschek<br />
4D, 5H, zusätzlich 3 Buben (Knabenstimmen) und 2 stumme Rollen<br />
Fl I, II, Picc, Ob I, II, E.H in F, Klar in B, Klar in Es, B.Klar in B, Fg I, II, Kfg, Hr I, II,<br />
III, IV, in F, Trp I, II, III, in C, Pos I, II, III, Tb, Pk, Schl, Hrf, Vl I, II, Vla, Vlc, Kb<br />
UA: 26.10.2000, Staatsoper Prag<br />
Musiktheater<br />
Physiker
Romulus<br />
53<br />
Große<br />
der<br />
Oper in zwei Akten, sieben Szenen, einem Intermezzo und einem Prolog<br />
nach der ungeschichtlichen historischen Komödie von Friedrich Dürrenmatt<br />
Dürrenmatts 1948 entstandene<br />
Tragikomödie um den<br />
pazifistischen, hühnerzüchtenden<br />
Kaiser Romulus, der<br />
das römische Weltreich für<br />
unmoralisch hält und es deswegen<br />
liquidieren möchte,<br />
wurde <strong>25</strong> Jahre nach dem Tod<br />
des Dichters von Komponist<br />
Andreas Pflüger und Librettist<br />
Wolfgang Willaschek in das<br />
vielschichtige Netzwerk einer<br />
musikalischen Komödie übertragen.<br />
Die stark geraffte<br />
Opernfassung schildert nah<br />
am Originaltext eindrucksvoll<br />
die Geschichte des machtmüden<br />
Kaisers mit der Narrenmaske,<br />
der mit lustvoller Resignation<br />
dem Niedergang des<br />
Römischen Reiches entgegenblickt.<br />
Pflüger vertont das groteske<br />
Apokalypse nspektakel<br />
mit einer farbenreichen Kombination<br />
verschiedener Musikstile,<br />
die gekonnt zwischen<br />
lautmalerischem Gackern,<br />
bezaubernden Liebesmelodien<br />
und Barockparodien<br />
oszillieren.<br />
„(…) und immer wieder den für<br />
Pflüger typischen Klangstrom,<br />
ein dichtes Geflecht instrumentaler<br />
Linien, in die scharfe<br />
Akzente wie Axthiebe einfalle n.“<br />
BZ BASEL<br />
Musik von Andreas Pflüger<br />
Libretto von Wolfgang Willaschek<br />
4D, 5H<br />
Fl (Picc), Ob/Ehr, Klar in B/B. Klar, Fg, Kfg, Hr I, II, Trp I, II, Pos I, II, A.Sax,<br />
T.Sax, Schl, Key, Vl I, II, Vla, Vlc, Kb<br />
UA: 12.12.2015, Thé âtre du Passage, Neuchâtel<br />
„Sie müssen Seelenverwandte<br />
sein, der Basler Komponist<br />
Andreas Pflüger und der Dramatiker<br />
Friedrich Dürrenmatt.“<br />
BASLER ZEITUNG<br />
WOLFGANG WILLASCHEK<br />
Wolfgang Willaschek, Autor und Dramaturg,<br />
arbeitete u. a. als leitender<br />
Dramaturg bei den Salzburger Festspielen,<br />
der Hamburgischen Staatsoper,<br />
dem Schleswig-Holstein-Musik-<br />
Festival und der San Francisco Opera.<br />
Er verfasste Libretti u. a. für die Komponisten<br />
Udo Zimmermann („Weiße<br />
Rose“), Manfred Trojahn („Limonen aus<br />
Sizilien“) und Eckehard Mayer („Sansibar“,<br />
„Treffen in Teltge“).<br />
ANDREAS PFLÜGER / WOLFGANG WILLASCHEK / FRIEDRICH DÜRRENMATT<br />
Musiktheater
54<br />
Wolfgang Böhmer komponierte neben<br />
Musicals und Kammeropern vielfältige<br />
Film- und Bühnenmusiken und bearbeitete<br />
zahlreiche Musiktheaterwerke.<br />
Seine Stücke sind weniger dem amerikanischen<br />
Musical als vielmehr der<br />
europäischen Musikkomödie bzw.<br />
Operette verpflichtet.<br />
Carsten Golbeck arbeitete lange Zeit<br />
erfolgreich als Chansonnier und Liedtexter<br />
auf deutschsprachigen und<br />
französischen Bühnen. Neben unterschiedlichen<br />
Show-Formaten sind es<br />
besonders die Live-Hörspiele, die er<br />
seit 2008 regelmäßig schreibt und<br />
auf die Bühne bringt.<br />
WOLFGANG BÖHMER / STEFAN ZIMMERMANN / CARSTEN GOLBECK / HERMANN HESSE<br />
Musiktheater<br />
Stefan Zimmermann widmete sich als<br />
Regisseur u. a. erfolgreich dem Stück<br />
„Loriots Dramatische Werke“. 2008<br />
übernahm er die Jubiläum sinszenierung<br />
seiner Werke am Berliner Schillertheate r.<br />
2002 gründete er mit Iris von Zastrow<br />
das a.gon Theater, wo auch seine ersten<br />
Arbeiten als Autor gezeigt wurde n.<br />
„Mitreißende Musicalversion<br />
– visuell ein Erlebnis –,<br />
stimmige Texte, tolle,<br />
dichte Kompositionen.“<br />
AACHENER ZEITUNG<br />
Siddhartha<br />
© CHRISTIAN SCHWIER / A.GON THEATER<br />
Siddhartha, ein junger Brahmane<br />
und Fürstensoh n, begibt<br />
sich gemeinsam mit seinem<br />
besten Freund Govinda auf<br />
die Suche nach Erleuchtung.<br />
Sie verlassen ihre wohlhabenden<br />
Elternhäuser, um mit Bettelmönchen<br />
in Askese zu<br />
leben. Während sich Govinda<br />
danach Buddha Gautama<br />
anschließt, entscheidet sich<br />
Siddhartha, die Vielfalt des<br />
Lebens kennenzulernen.<br />
Er geht eine leidenschaftliche<br />
Beziehung mit der Kurtisane<br />
Kamala ein, wird erfolgreicher<br />
Kaufmann, erkennt jedoch,<br />
dass ihn äußerer Reichtum<br />
nicht erfüllt. Erst durch den<br />
einfachen Fährmann Vasudeva<br />
erfährt er, dass wahre<br />
Weisheit aus persönlicher<br />
Erfahrung reift.<br />
Die poetische Erzählung<br />
Hermann Hesses wird von<br />
Stefan Zimmermann zu einem<br />
stimmigen Libretto verdichtet<br />
und von Wolfgang Böhmer<br />
sphärisch vertont. Die Liedtexte<br />
stammen von Carsten<br />
Golbeck.<br />
Musical<br />
nach der Erzählung von Hermann Hesse<br />
Musik von Wolfgang Böhmer<br />
Text von Stefan Zimmermann<br />
Liedtexte von Carsten Golbeck<br />
2D, 5H<br />
Key, Perc, Vlc, Fl, Klar, B.Klar, Kb<br />
UA: 21.02.<strong>2024</strong>, Stadttheater Minden /<br />
a.gon Theater, München<br />
Ich<br />
möchte<br />
mich von<br />
allem<br />
Gelernten<br />
befreien!<br />
weitere Stücke (Auswahl): Prinzessin Drosselbart / Elfie / Frankensteins Braut / Rockin’ Rosie / Der geteilte Himmel
Rio Reiser –<br />
Mein Name ist<br />
Mensch<br />
RIO REISER © RIO REISER ARCHIV<br />
55<br />
Rio Reiser gründete 1970 mit<br />
seinem Freund R.P.S. Lanrue<br />
die Band Ton Steine Scherben<br />
– eine der bedeutendsten<br />
Politbands der deutschen<br />
Rockgeschichte. Sie galten<br />
als Sprachrohr der linksradikalen<br />
Szene, die Slogans<br />
durch ihre Musik transportierten.<br />
Später setzte Rio seine<br />
Karriere als Solokünstler fort.<br />
Das Musical Rio Reiser<br />
– Mein Name ist Mensch<br />
erzählt ein intimes Porträt des<br />
großartigen Poeten und Musikers<br />
– von seinem Verhältnis<br />
zum Leben, zur Liebe, zu Berlin<br />
und zur politischen Bewegung<br />
des Aufbruchs und der<br />
Rebellion der 1970e r-Jahre.<br />
Nicht zuletzt geht es aber um<br />
die Musik, wie Rio Reiser sie<br />
verstand: zum einen als revolutionäres<br />
Moment gegen<br />
Unterdrückung und zum<br />
anderen als Ausdruck der fragilen<br />
Nuancen des Menschsein<br />
s.<br />
„Es ist nicht das erste Mal, dass<br />
die Achterbahn-Vita des Ausnahme-Musikers<br />
auf die Bühne<br />
gebracht wird. Doch diesmal ist<br />
der Abend so nah an Rio Reiser<br />
dran wie nie, gibt so intime<br />
Einblicke in die fragile Künstlerseele,<br />
dass man sein Leben<br />
quasi im Zeitraffer miterlebt.“<br />
BERLINER MORGENPOST<br />
Musik von Rio Reiser und R.P.S. Lanrue<br />
Text von Frank Leo Schröder und Gert C. Möbius<br />
Liedtexte von Rio Reiser u. a.<br />
2D, 7H<br />
E.Git I, II, III, E.B, Dr, Key I, II, Kl<br />
UA: 06.10.2019, Komödie am Kurfürstendamm im Schillertheater, Berlin<br />
Rio Reiser, gebürtig Ralph<br />
Christian Möbius (1950–<br />
1996), war ein deutscher<br />
Singer-Songwriter. Zu<br />
den bekanntesten Songs<br />
seiner Band Ton Steine<br />
Scherben gehören:<br />
„Rauch-Haus-Song“ oder<br />
„Keine Macht für Niemand“.<br />
Als Solokünstler<br />
wurde er vor allem mit<br />
Songs wie „König von<br />
Deutschland“ und „Junimond“<br />
bekannt.<br />
Unsere Musik muss<br />
zur gemeinsamen<br />
Waffe werden.<br />
Gert C. Möbius arbeitete<br />
mit seinen Brüdern Peter<br />
und Ralph an zahlreichen<br />
gemeinsamen Theaterproduktionen<br />
(Hoffmanns<br />
Comic Teater). Er war<br />
Manager der Gruppe Ton<br />
Steine Scherben und als<br />
Drehbuchautor tätig, u. a.<br />
für „Polizeiruf 110“. Nach<br />
dem Tod von Rio Reiser<br />
im Jahr 1996 baute er das<br />
Rio Reiser Archiv in Berlin<br />
auf.<br />
Frank Leo Schröder<br />
arbeitete als Schauspieler<br />
und Regisseur z. B. am<br />
Theater & Philharmonie<br />
Thüringen und der Musikalischen<br />
Komödie<br />
Leipzi g. 2017 inszenierte<br />
er „Rio Reiser“, das<br />
gleichnamige Vorgängerstück,<br />
am Potsdamer<br />
Hans Otto Theater. Die<br />
Inszenierung wurde für<br />
den Friedrich Luft Preis<br />
nominiert.<br />
RIO REISER / R.P.S. LANRUE / FRANK LEO SCHRÖDER / GERT C. MÖBIUS<br />
Musiktheater
56<br />
Die wunderbare Reise<br />
des Nils Holgersson<br />
THOMAS ZAUFKE / HENRY MASON / SELMA LAGERLÖF<br />
Aus Selma Lagerlöfs zeitloser<br />
Geschichte von Freiheitsdrang,<br />
Heimweh, Freundschaft<br />
und Liebe schufen<br />
Thomas Zaufke und Henry<br />
Mason ein poetisches wie<br />
humorvolles Familienmusical<br />
für Menschen ab 6, das sich<br />
nicht nur für die Position des<br />
musikalischen Weihnachtsmärchens<br />
eignet.<br />
In stimmungsvollen, vergnüglichen<br />
Bildern erzählt das<br />
Werk, wie Nils es lernt, sich<br />
zugunsten der Gemeinschaft<br />
hintanstellen zu können sowie<br />
den Mut zu finden, trotz eines<br />
Gefühls der Unzulänglichkeit<br />
zu handeln. Nils lernt zudem,<br />
sich als Teil der natürlichen<br />
Welt zu begreifen, und<br />
erkennt, dass der Mensch die<br />
Tierwelt beschützen muss.<br />
Thomas Zaufke spannt in<br />
seiner berührenden Komposition<br />
einen breiten stilistischen<br />
Bogen und verwebt Musik der<br />
klassischen Musical Comedy,<br />
Pop und Anleihen an schwedische<br />
Volksmusik zu einer vielfarbigen<br />
Partitur.<br />
Man kann klein sein,<br />
und trotzdem ein Held!<br />
6+<br />
Familienmusical in zwei Akten<br />
nach dem gleichnamigen Roman<br />
von Selma Lagerlöf<br />
Musik von Thomas Zaufke<br />
Text von Henry Mason<br />
5D, 5H (alternativ: 4D, 4H), Mehrfachbesetzungen,<br />
Puppen (vom Ensemble zu<br />
bedienen)<br />
Vl, Klar (mit B.Klar), Git (E und Acc),<br />
B (EB und KB), Synth, Schl<br />
UA: 24.11.<strong>2024</strong>, Oper Graz<br />
Komponist Thomas Zaufke und Autor<br />
und Regisseur Henry Mason verbindet<br />
eine langjährige Zusammenarbeit.<br />
Gemeinsam schrieben sie das Musical<br />
Alice im Wunderland für das Theater<br />
der Jugend in Wien. Ihr Musical Der<br />
Hase mit den Bernsteinaugen nach<br />
dem gleichnamigen Bestseller von<br />
Edmund de Waal, uraufgeführt am<br />
Landestheater Linz, wurde 2019 mit<br />
dem Deutschen Musical Theater Preis in<br />
der Kategorie „Bestes Musical“ ausgezeichnet.<br />
Zuletzt uraufgeführt wurde<br />
von ihnen, ebenfalls am Landestheater<br />
Linz, das von Presse und Publikum<br />
gleichermaßen gefeierte Musical Die<br />
Königinnen, ein Musicalthriller um<br />
Maria Stuart und Elisabeth I. („ Enorm<br />
wandelbare anspruchsvolle Musik“, Der<br />
Standar d; „ Ein monumentales und<br />
durch klare moderne Sprache dennoch<br />
nahbares Werk“, Die Presse). Von Die<br />
Königinnen ist jetzt auch eine CD mit<br />
dem Originalcast erhältlich.<br />
Musiktheater<br />
THOMAS ZAUFKE © KLAUS HUEMER<br />
HENRY MASON © KLAUS HUEMER<br />
weitere Stücke (Auswahl): Der Hase mit den Bernsteinaugen / Alice im Wunderlan d / Die Königinnen
Peter Lund ist ein erfolgreicher deutscher Musiktheaterautor<br />
und -regisseur. Zu seinen Werken zählen u. a. Das Wunder von<br />
Neukölln, Stella (mehrfach ausgezeichnet mit dem Deutschen<br />
Musicalpreis: Bestes Musical, Bestes Buch u. a.) und Grimm!<br />
(Bestes Buch). Als Musiktheaterregisseur hat er sich im<br />
deutschsprachigen Raum vor allem im Bereich der Operetten<br />
einen Namen gemacht . Seine Inszenierung „Axel an der Himmelstür<br />
“ wurde 2016 mehrfach mit dem Österreichischen<br />
Musiktheaterpreis ausgezeichnet.<br />
Mario Fesler ist Literaturwissenschaftler und Schriftsteller.<br />
Lizzy Carbon und der Klub der Verlierer um die schlagfertige<br />
Teenagerin Lizzy Carbon ist Teil einer erfolgreichen Trilogie.<br />
2017 wurde er für den Debütroman mit dem Deutschen<br />
Jugendtheaterpreis ausgezeichnet.<br />
Wir haben die Bedeutung<br />
des Wortes ‚Verlierer‘<br />
neu definiert!<br />
Lizzy Carbon<br />
und der Klub<br />
der Verlierer<br />
Mit 13 Jahren ist das Leben<br />
nicht leicht. Wenn Lizzy etwas<br />
auf der Zunge liegt, dann<br />
muss sie es auch sagen. Bei<br />
der Schulleitung kommt das<br />
jedoch nicht so gut an. Und so<br />
bekommt Lizzy prompt die<br />
Leitung einer Projektgruppe<br />
von Außenseiter:innen zugeteilt.<br />
Na, herzlichen Glückwunsch!<br />
Doch welches Potenzial<br />
im „Klub der Verlierer“<br />
steckt, zeigt sich schon bald.<br />
In der Musicalfassung des<br />
gleichnamigen Romans von<br />
Mario Fesler thematisieren<br />
Thomas Zaufke und Peter<br />
Lund ebenso amüsant wie<br />
schonungslos die Untiefen<br />
des Erwachsenwerdens sowie<br />
die Grausamkeit von Mobbing<br />
und stellen zugleich eine der<br />
großen Fragen des Lebens:<br />
Wo gehöre ich hin, wie finde<br />
ich meinen Platz in der<br />
Gesellschaft?<br />
Untermalt wird diese<br />
Suche von Zaufkes Score<br />
voller quirliger Popsongs,<br />
ironischer Uptempo-Nummern<br />
à la „Avenue Q“ bis hin<br />
zu gefühlvollen Balladen,<br />
die auch Taylor Swift singen<br />
könnte.<br />
weitere Stücke (Auswahl): Grimm! / Kopfkino / Schwestern im Geiste<br />
11+<br />
MARIO FESLER © MARIA HIMMEL<br />
Musical nach dem gleichnamigen<br />
Roman von Mario Fesler<br />
Musik von Thomas Zaufke<br />
Text von Peter Lund<br />
3D, 2H, 1 Stimme<br />
Playback<br />
UA: 12.10.2023,<br />
Theater der Jugend, Wien<br />
„Außer Lizzy (…) schlüpfen<br />
alle auch einmal in Erwachsenenrollen.<br />
Dabei werden auch<br />
Fragen der Repräsentation<br />
diskutiert: Darf Sara (…) eine<br />
türkische Mama spielen? Dass<br />
das Theater der Jugend sich in<br />
Wokeness übt, ist ungewohnt,<br />
aber toll.“<br />
FALTER<br />
„Humorvoller Umgang mit<br />
Niederlagen und dem immer<br />
wieder Aufstehe n.“<br />
KINDER JUGEND KULTUR UND MEHR<br />
57<br />
Musiktheater THOMAS ZAUFKE / PETER LUND / MARIO FESLER
58<br />
NILS STRUNK / LUKAS SCHRENK: DIE ZAUBERFLÖTE – THE OPERA BUT NOT THE OPERA, BURGTHEATER WIEN 2023 © MARCELLA RUIZ CRUZ<br />
Musiktheater
59<br />
Aus dieser Flöte kriegt<br />
doch kein Mensch<br />
nen vernünftigen Ton raus!<br />
NILS STRUNK / LUKAS SCHRENK:<br />
DIE ZAUBERFLÖTE – THE OPERA BUT NOT THE OPERA<br />
Musiktheater
60<br />
Die Zauberflöte –<br />
The Opera but not<br />
the Opera<br />
NILS STRUNK / LUKAS SCHRENK<br />
Musiktheater<br />
nach Wolfgang Amadeus Mozart /<br />
Emanuel Schikaneder<br />
6 Darsteller:innen<br />
Klavier, Rockband<br />
UA: 06.04.2023, Burgtheater<br />
(Kasino), Wien<br />
Das Kratky-Baschik-Theater<br />
ist pleite. Ein Hit muss her.<br />
Dazu ist der Truppe jedes Mittel<br />
recht: Die heilige Zauberflöte<br />
wird neu arrangiert,<br />
Mozarts Motive verwandeln<br />
sich in Songs unterschiedlicher<br />
Stilrichtungen und das<br />
umgedichtete Libretto teilen<br />
sich die 6 Spieler:innen in<br />
Mehrfachbesetzung. Mit großer<br />
Spielfreude und ironischer<br />
Distanz greifen sie beherzt<br />
nach der berühmten Vorlage<br />
und bringen sie in eine zeitgemäße<br />
Form. Mozart und Schikaneder<br />
hätten sich im Grab<br />
mitgedreht.<br />
1791 wurde „Die Zauberflöte“<br />
uraufgeführt. Ein Reißer<br />
für die Vorstadtmassen, ein<br />
Singspiel, das sich aus der<br />
Tradition des Zaubertheaters<br />
speist und mit populärer<br />
Musik aufwartet. Wie sähe<br />
das Werk wohl heute aus?<br />
Nils Strunk und Lukas Schrenk<br />
haben ihre Version in die Welt<br />
des Varietés und des frühen,<br />
düsteren Praters verlegt und<br />
musikalisch mit Stilmitteln der<br />
Popkultur ausgestattet.<br />
LUKAS SCHRENK © KERSTIN SCHOMBURG<br />
„Blues und dunkler Pop im Stil<br />
von Tom Waits und Leonard<br />
Cohen waren Inspiration für den<br />
Sound, aber auch die resche<br />
Räudigkeit von Brecht-Couplets<br />
vermeint man zu hören. (…)<br />
Strunk und Konsorten wahren<br />
größten Respekt vor dem Werk,<br />
treiben die Parodie nur so weit,<br />
dass Mozart nicht zu leiden hat.“<br />
DER STANDARD<br />
„Das sechsköpfige Ensemble<br />
interpretiert mit viel Augenzwinkern<br />
und richtigen Tönen die<br />
Songs, in denen Nils Strunk<br />
Mozarts Arien mit Liedern von<br />
Beyoncé, Thom Yorke, Freddie<br />
Mercury oder Falco vermengt.<br />
(…) Eine Freude springt von<br />
der Bühne aufs Publikum über.“<br />
FALTER<br />
NILS STRUNK © FELIX GRÜNSCHLOSS<br />
Nils Strunk und Lukas Schrenk haben<br />
zuletzt als Autorenduo „Die Schachnovelle<br />
“ von Stefan Zweig für die Bühne<br />
adaptiert. Ihre Fassung wurde am 29.<br />
September <strong>2024</strong> im Burgtheater uraufgeführt.<br />
Die Zauberflöte läuft dort nach<br />
der Premiere im Kasino ebenfalls auf<br />
der großen Bühne (mit bereits 40 Vorstellungen).<br />
Die deutsche Erstaufführung<br />
war am 28. September <strong>2024</strong> am<br />
Rheinischen Landestheater Neuss.<br />
I’m the<br />
birdman.
Eines Nachts verschwindet<br />
Sasjas Mutter, und Sasja<br />
glaubt, der Tod habe sie entführt.<br />
Sasja verfolgt ihn mit<br />
einem Ruderboot in sein Reich<br />
jenseits des Meeres. Dort trifft<br />
er unerwartet auf neue Freunde<br />
und steht nach einer abenteuerlichen<br />
Reise tatsächlich dem<br />
Tod gegenüber.<br />
Carina Sophie Eberle und<br />
Gordon Kampe geben in ihrer<br />
Familienoper sowohl den philosophischen<br />
Fragen als auch<br />
den fantastischen Welten aus<br />
Frida Nilssons Erfolgsroman<br />
eine Bühne. Das Libretto ist<br />
als Detektivgeschichte angelegt,<br />
jede Szene enthüllt ein<br />
weiteres spannendes Puzzleteil.<br />
Gemeinsam mit Sasja<br />
erkundet das Publikum die<br />
Mechanismen des Erinnerns<br />
und Vergessens, des Liebens<br />
und Loslassens.<br />
Die Kompositionen spielen<br />
virtuos mit bekannten Motiven<br />
der Operngeschichte, denen<br />
Gordon Kampe seinen<br />
ganz eigenen Ton hinzufügt,<br />
der die kindliche Perspektive<br />
mitreißend einfängt und Sasja<br />
auch in den düstersten Momenten<br />
nicht das Leben aus<br />
den Augen verlieren lässt.<br />
8+<br />
Familienoper<br />
nach dem gleichnamigen Roman<br />
von Frida Nilsson<br />
Musik von Gordon Kampe<br />
Libretto von Carina Sophie Eberle<br />
5D, 3H, 1 variabel, Chor<br />
Fl I, Fl II (Picc), Ob I, II, Klar I, II, Fg I, II (K.fg), Hr I, II,<br />
II IV, Trp I, II, Pos I, II, III, Tb, Sch I, Il, Pk I, II Hrf, Kl,<br />
Vl I, lI, Vla, Vlc, Kb<br />
UA: 10.11.<strong>2024</strong>, Theater Münster<br />
Gordon Kampes kompositorisches<br />
Schaffen<br />
umfasst Orchester- und<br />
Ensemblewerke, Kammermusik,<br />
Werke Für<br />
Chor und Gesang sowie<br />
Bühnenwerke für Erwachsene<br />
und Kinder. Zu den<br />
besonderen Qualitäten<br />
seiner Musik gehört, dass<br />
sie nicht den Anschein<br />
elitärer Kunstproduktion<br />
vermittelt, sondern direkt<br />
dort ansetzt, wo Klänge<br />
tatsächliche Bedeutung<br />
gewinnen: im Akt des<br />
Musizierens und im Vorgang<br />
des Wahrnehmens.<br />
CARINA SOPHIE EBERLE © SINJE HASHEIDER<br />
Wie wärs<br />
mit einem<br />
Glas Saft,<br />
Tod?<br />
Carina Sophie Eberle<br />
arbeitet als freischaffende<br />
Theatermacherin. Sie<br />
verfasst Stücke und<br />
Libretti, entwickelt diskursive<br />
Formate und inszeniert<br />
u. a. am Theater<br />
Münster und am Theater<br />
Bonn. Ihre Arbeiten<br />
wurden mit dem Deutschen<br />
Jugendtheaterpreis<br />
und dem Jugendstückepreis<br />
des Heidelberger<br />
Stückemarkts ausgezeichnet.<br />
GORDON KAMPE © MANUEL MIETHE<br />
Sasja<br />
und das Reich<br />
jenseits des Meeres<br />
weitere Stücke (Gordon Kampe, Auswahl): Hier kommt keiner durch / Kannst du pfeifen, Johanna?<br />
mehr zu Frida Nilsson:<br />
siehe S. 64<br />
„Frida Nilsson<br />
verknüpft wie<br />
selbstverständlich<br />
das sinnlich spürbare<br />
Leid eines<br />
Kindes aus der<br />
wirklichen Welt mit<br />
den ebenso fühlbaren<br />
Nöten von<br />
Lebewesen aus<br />
einer Parallelwelt.<br />
Und zwar so<br />
geschickt, dass wir<br />
nur noch staunen<br />
können.“<br />
SÜDDEUTSCHE ZEITUNG<br />
61<br />
GORDON KAMPE / CARINA SOPHIE EBERLE / FRIDA NILSSON<br />
Musiktheater
62
JUN<br />
GES<br />
THE<br />
ATER
64<br />
FRIDA NILSSON / KARIN DRECHSEL<br />
Junges Theater<br />
Siri<br />
und die<br />
Eismeerp iraten<br />
8+<br />
(Ishavspirater)<br />
Bühnenbearbeitung von Karin Drechsel<br />
Deutsch von Friederike Buchinger<br />
3D, 3H (Mehrfachbesetzung)<br />
EA der Fassung: 05.12.2023, Theater der Jugend, Wien<br />
In einem kurzen Moment der<br />
Unaufmerksamkeit passiert<br />
der jungen Siri das Undenkbare:<br />
Ausgerechnet Weißhaupt,<br />
der gefürchtetste Piratenkapitän<br />
des gesamten Eismeers,<br />
entführt ihre jüngere<br />
Schwester Miki, um sie in seiner<br />
Diamantenmine schuften<br />
zu lassen. Geplagt von<br />
Schuldgefühlen begibt sich<br />
Siri auf eine abenteuerliche<br />
Reise, um Miki zu befreien.<br />
Tapfer, aber nicht furchtlos<br />
stellt sich Siri dem Seeräuber<br />
entgegen und wagt etwas,<br />
das selbst gestandenen<br />
Erwachsenen das Blut in<br />
den Adern gefrieren lässt.<br />
<br />
weitere Werke (Auswahl): Sasja und<br />
das Reich jenseits des Meeres / Sem<br />
und Mo im Land der Lindwürmer /<br />
Hedvig! / Ich und Jagger gegen den<br />
Rest der Welt<br />
FRIDA NILSSON © ELLINOR COLLIN<br />
Frida Nilsson führt Siri durch<br />
eine fantastisch entworfene<br />
Eiswelt, in der sie nicht nur auf<br />
bizarre Tiere trifft, sondern<br />
auch auf Menschen, die sich<br />
immer mehr nehmen, als<br />
ihnen zusteht. Ein empathisches<br />
Plädoyer für ein solidarisches<br />
Miteinander und den<br />
Mut, sich dem scheinbar<br />
Unmöglichen zu stellen.<br />
Frida Nilssons Bücher sind mehrfach<br />
ausgezeichnet: 2019 erhielt sie den<br />
James Krüss Preis für internationale<br />
Kinder- und Jugendliteratur, 2020<br />
wurde sie für ihren Kinderroman Sasja<br />
und das Reich jenseits des Meeres mit<br />
dem Jahres-Luchs der Wochenzeitung<br />
DIE ZEIT geehrt. In der kommenden<br />
Spielzeit hat dieser Titel Uraufführung<br />
(als Musiktheaterfassung) am Theater<br />
Münster und (als Schauspielfassung)<br />
am Theater an der Parkaue, Berlin. 2021<br />
erhielt sie den Preis für Kinder- und<br />
Jugendliteratur der Schwedischen Akademie.<br />
Ihr Kinderroman Sem und Mo<br />
im Land der Lindwürmer wurde <strong>2024</strong><br />
mit dem Rattenfänger-Literaturpreis<br />
ausgezeichnet.<br />
„<br />
Entscheidungen<br />
kann man ändern!<br />
„Frida Nilsson ist eine Meisterin<br />
darin, Fantastisches und Realistisches<br />
miteinander zu verweben.<br />
Darin ähnelt sie einer anderen<br />
berühmten Schwedin, Astrid<br />
Lindgren.“<br />
DIE ZEIT<br />
„Eine antikapitalistische, humanistische<br />
Botschaft grundiert<br />
Nilssons großen Abenteuerroman,<br />
der alle Piratenklischees<br />
buchstäblich über Bord wirft.“<br />
FAZ<br />
Karin Drechsel ist seit 1991 als freischaffende<br />
Regisseurin tätig. Zudem<br />
unterrichtet sie Schauspiel und Regie<br />
an diversen Universitäten. Sie lebt in<br />
Hamburg.
Zahn weg! F weg! Frida weg!<br />
Eines Morgens verliert Frida<br />
einen Zahn – mitsamt ihrem<br />
„F“. Wie phies! Frida schmollt<br />
und will ihr Zimmer nicht<br />
mehr verlassen. Doch plötzlich<br />
purzelt ein kleiner NeinJa-<br />
Ritter, der Nein sagt, wenn er<br />
Ja meint, und umgekehrt, aus<br />
ihrem Schrank und stellt ihre<br />
Welt auf den Kopf. Auf der<br />
Suche nach den weißen Streifen<br />
seines Zebras scheint er<br />
aus Versehen falsch abgebogen<br />
zu sein. Was für ein Glück,<br />
denn nun kann Frida ihn<br />
begleiten. Zusammen geraten<br />
die ungleichen Gefährt:innen<br />
in Situationen, die Köpfchen<br />
erfordern: Die „Königin der<br />
Weißheit“ stellt zwar einen<br />
Wegweißer und weiße Ratschläge<br />
zur Verfügung –<br />
aber helfen die wirklich?<br />
© STELLA KAGER / NEXT LIBERTY<br />
Und können die beiden die<br />
Fragen des Grolls richtig<br />
falsch beantworten und somit<br />
Einlass in das Land der verlorenen<br />
Dinge finden?<br />
Ganz in der Tradition von<br />
Lewis Carroll und Frank L.<br />
Baum hat Philipp Löhle<br />
gekonnt eine fantastische<br />
Welt erschaffen, in der sich<br />
eine selbstbewusste Heldin<br />
ihren Weg durch das Leben<br />
bahnt, weit weg von allen<br />
erzieherischen Normen – eine<br />
wahnwitzige Wundertüte, die<br />
zu individuellem Denken<br />
anregt.<br />
Phalls du es nicht<br />
bemerkt hast,<br />
Mama, mir phehlt<br />
da phorne ein Zahn!<br />
Philipp Löhles Theaterstück Frida und<br />
der NeinJa-Ritter, das auch als Kinderbuch<br />
im Mixtvision Verlag erschienen<br />
ist, feierte im September <strong>2024</strong> in der<br />
Regie von Maximilian Achatz Uraufführung<br />
am Next Liberty, Graz. Löhles<br />
sprachwitzige Bearbeitungen von<br />
berühmten Kinderstoffen werden<br />
zudem in der Spielzeit <strong>2024</strong>/<strong>25</strong> vielfach<br />
als Familienstücke zur Weihnachtszeit<br />
oder als Freilichttheater nachgespielt:<br />
Peterchens Mondfahrt mit Anneliese<br />
ist am Theater Altenburg Gera, Theater<br />
Junge Generation, Dresden, und am<br />
Landestheater Dinslaken zu sehen; die<br />
Neue Bühne Senftenberg zeigt Die<br />
Bremer Stadtmusikanten und das<br />
Kresch-Theater in Krefeld Eine Weihnachtsgeschichte.<br />
6+<br />
2D, 3H<br />
UA: 28.09.<strong>2024</strong>,<br />
Next Liberty, Graz<br />
65<br />
PHILIPP LÖHLE<br />
Frida<br />
und der<br />
NeinJa-Ritter<br />
weitere Stücke (Auswahl): Eine Weihnachtsgeschichte /<br />
Die Bremer Stadtmusikanten / Peterchens Mondfahrt<br />
mit Anneliese / Rattenfalle<br />
Junges Theater
66<br />
FRIDA NILSSON: SIRI UND DIE EISMEERPIRATEN, THEATER MÜNSTER 2023 © SINJE HASHEIDER<br />
Junges Theater
67<br />
Die Dinge, die man tut, hinterlassen Spuren.<br />
Die guten Dinge hinterlassen gute Spuren …<br />
und die schlimmen Dinge hinterlassen<br />
schlimme Spuren.<br />
FRIDA NILSSON: SIRI UND DIE EISMEERPIRATEN
68<br />
Clara Leinemann<br />
studierte Kreatives<br />
Schreiben in Hildesheim.<br />
Mit ihrem Debütstück<br />
Fledermops erhielt sie<br />
eine Nominierung für den<br />
Berliner Kindertheaterpreis<br />
2021. Ihr erstes<br />
Hörspiel wurde im April<br />
<strong>2024</strong> im WDR erstgesendet.<br />
<strong>2024</strong> erhielt sie<br />
für Buddeln den Förderpreis<br />
des Jugendtheaterpreises<br />
BaWü und im<br />
Rahmen des Festivals<br />
Kaas & Kappes den niederländisch-deutschen<br />
Kinder- und Jugenddrama<br />
tiker:inne nprei s. 2023<br />
war sie Stipendiatin der<br />
Heimann-Stiftung<br />
und Teilnehmerin der<br />
Autor:innenwerkstatt<br />
Prosa am LCB.<br />
© ISABELLE GRASS<br />
Er scheint ganz<br />
erschöpft.<br />
Vielleicht hat er<br />
sich zu weit in sich<br />
selbst hinein<br />
gebuddelt.<br />
CLARA LEINEMANN<br />
Junges Theater<br />
3 Darsteller:innen<br />
UA: 04.04.20<strong>25</strong>,<br />
Theater Paderborn<br />
Buddeln<br />
Nao, Melek und Olm sind die<br />
besten Freund:innen und<br />
spielen am allerliebsten<br />
„Schweinchen in der Mitte“.<br />
Eines Tages jedoch lässt Olm<br />
den Ball einfach fallen und<br />
beginnt zu buddeln, tiefer und<br />
tiefer, bis er ganz in seinem<br />
Loch verschwunden ist. Melek<br />
und Nao folgen ihm in ein rätselhaftes<br />
Tunnelsystem, wo<br />
sie vor lauter Abzweigungen<br />
fast den Überblick verlieren.<br />
Gerade als die Kinder die<br />
Suche aufgeben wollen, finden<br />
sie einen schlaffen und<br />
schmutzigen Olm. Aus eigener<br />
Kraft schafft es ihr Freund<br />
nicht aufzustehen und die<br />
weitere Stücke: Fledermops<br />
beiden müssen sich einiges<br />
einfallen lassen, um ihn herauszulocken.<br />
Oben angekommen,<br />
scheint zunächst alles<br />
wie früher, doch ab und zu zieht<br />
es Olm noch nach unten. Diesmal<br />
aber mit der Gewissheit,<br />
dass er bei der Suche nach<br />
dem Ausgang seine Freund:innen<br />
um Hilfe bitten kann.<br />
Clara Leinemann legt in<br />
ihrem Stück berührend und<br />
mit erstaunlicher Leichtigkeit<br />
Schichten von Traurigkeit<br />
frei. Ohne zu urteilen, gräbt<br />
Buddeln nach Tiefpunkten,<br />
lässt uns aber nicht ohne ein<br />
Licht am Ende des Tunnels<br />
zurück.<br />
„Das Stück thematisiert auf<br />
einfühlsame und ernsthafte<br />
Weise Depression und die<br />
Suche nach Hoffnung für<br />
ein junges Publikum, ohne<br />
verfälschend zu vereinfachen,<br />
und schafft es dabei den<br />
Humor nicht zu verlieren.“<br />
AUS DER JURYBEGRÜNDUNG<br />
JUGENDTHEATERPREIS BAWÜ <strong>2024</strong><br />
„Buddeln ist ein kleines Juwel.<br />
(…) Die Empathie der Autorin<br />
zu ihren Figuren liest man von<br />
der ersten bis zur letzten Zeile.“<br />
AUS DER JURYBEGRÜNDUNG<br />
KAAS & KAPPES <strong>2024</strong><br />
8+
Die zehnjährige Ida möchte<br />
Polarforscherin werden.<br />
Gemeinsam mit ihrem imaginären<br />
Freund Robert Falcon<br />
Scott, dem einstigen Entdecker,<br />
plant sie mit wissenschaftlicher<br />
Präzision ihre<br />
künftigen Expeditionen zu<br />
den eisigen Kappen. Als<br />
Expertin für extreme Lebensräume<br />
ist sie bereits besonders<br />
gut im Beobachten,<br />
Dokumentieren und weiß sich<br />
immer allein zu helfen – das<br />
ist überlebenswichtig und hilft<br />
Ida auch im Alltag. Denn<br />
obwohl ihre Mutter jeden<br />
Tag auf dem Sofa sitzt, ist sie<br />
nicht wirklich ansprechbar<br />
und Ida musste früh lernen,<br />
ihr Zuhause vor der Außenwelt<br />
zu schützen. Doch eines<br />
Tages stellen eine unverhoffte<br />
Freundin und ein Brief aus<br />
der Schule Idas Leben auf<br />
den Kopf: Auf zu neuen<br />
Abenteuern!<br />
Armela Madreiter arbeitet als<br />
Dramaturgin und Autorin für<br />
junges und erwachsenes Publikum.<br />
südpol.windstill wurde<br />
2022 mit dem Mira-Lobe-Stipendium<br />
des Bundeskanzleramts,<br />
dem Sonderpreis des Deutschen<br />
Kinder- und Jugendtheaterpreises<br />
und dem Mülheimer<br />
KinderStückePreis <strong>2024</strong> ausgezeichnet.<br />
In der kommenden<br />
Spielzeit ist es am Theater Heidelberg,<br />
Theater Dortmund und<br />
dem Dschungel Wien zu sehen.<br />
Im Frühjahr 20<strong>25</strong> erscheint das<br />
Stück zudem als Reclam-Ausgabe.<br />
© MARCO BORRELLI<br />
Ausgezeichnet mit dem<br />
Mülheimer KinderStückePreis<br />
<strong>2024</strong> erzählt südpol.windstill<br />
behutsam und vielschichtig<br />
von einer Kindheit in prekären<br />
Verhältnissen. Durch kluge<br />
Sprachbilder gelingt Armela<br />
Madreiter die empathische<br />
Beschreibung eines Lebens<br />
mit psychisch kranken Eltern.<br />
10+<br />
2D, 1 variabel<br />
UA: 18.11.2023, Theater Heidelberg<br />
ÖE: 07.12.<strong>2024</strong>, Dschungel Wien<br />
„Armela Madreiters<br />
präziser und kraftvoller<br />
Theatertext ist durchdrungen<br />
von dem<br />
zutiefst menschlichen<br />
Bedürfnis, die Welt<br />
verstehbar und damit<br />
veränderbar zu machen.<br />
Humorvoll und sensibel<br />
zeigt sich darin,<br />
wie Erfindergeist und<br />
Empathievermögen<br />
dem Schrecken einer<br />
Suchterkrankung<br />
entgegentreten.“<br />
JURYBEGRÜNDUNG<br />
MÜLHEIMER THEATERTAGE<br />
Geborgenheit liegt<br />
in geometrischen<br />
Formen und niemals<br />
auf Linien, finde ich.<br />
69<br />
ARMELA MADREITER<br />
südpol.windstill<br />
Junges Theater
70<br />
12 +<br />
4 Darsteller:innen<br />
UA: 29.11.2023, Next Liberty, Graz,<br />
in Koproduktion mit dem Hessischen<br />
Staatstheater Wiesbaden, Follow the<br />
Rabbit, Graz, und Apollo Theater, Siegen<br />
Ich dachte, es<br />
geht dir um die<br />
Verständlichkeit.<br />
Nicht um Gewalt.<br />
SERGEJ GÖßNER<br />
Junges Theater<br />
Shoot ’n’ shout<br />
© MAGDALENA HÖFNER<br />
In kurzen Szenen wirft Sergej<br />
Gößner einen Blick auf die<br />
Mechanismen und Spielarten<br />
von Gewalt. Ein Junge tritt auf<br />
eine Hummel. Dabei tötet er<br />
aus Versehen das kleine Tier<br />
und wird gleichzeitig von ihm<br />
gestochen. Zwei der Spieler:innen<br />
wollen sich gegenseitig<br />
kneifen – dürfen die das? Was<br />
passiert in dem Moment, in<br />
dem das Adrenalin ins Blut<br />
schießt und man blitzschnell<br />
entscheiden muss, ob man<br />
zurückschlägt oder nicht ?<br />
Moralisches Dilemma oder<br />
reflexhaftes Verhalten? Wie<br />
weit bin ich bereit zu gehen,<br />
um mich zu verteidigen?<br />
Und mit welchen Mitteln? Die<br />
Spieler:innen sind sich nicht<br />
ganz einig, wie sie mit Gewaltdarstellung<br />
umgehen sollten,<br />
und treten aus ihren Rollen<br />
heraus, um grundlegende<br />
Fragen zu klären. Und dann<br />
ergreift auch noch die Hummel<br />
das Wort, um ihre Sicht der<br />
Dinge zu schildern.<br />
Shoot ’n’ shout stellt sich<br />
assoziativ, spielerisch und<br />
dabei todernst den Fragen um<br />
verbale und körperliche<br />
Gewalt, ohne allzu einfache<br />
Antworten zu liefern. Denn<br />
gäbe es die, dann lebten wir in<br />
einer Welt des Friedens.<br />
Sergej Gößner hat zuletzt die Uraufführung<br />
seines Stücks Schau, der Mau!<br />
am Landestheater Schwaben in Memmingen<br />
inszeniert (siehe S. 35). In der<br />
nächsten Spielzeit wird er u. a. die<br />
Uraufführung von Kristo Šagors Stück<br />
„Nice“ am Theater Konstanz auf die<br />
Bühne bringen. Der Zauber von Oz,<br />
Gößners Fassung von L. Frank Baums<br />
Klassiker, wird nach der letztjährigen<br />
Uraufführung am Staatstheater Darmstadt<br />
in der kommenden Spielzeit am<br />
Theater Dortmund (Regie: Johanna<br />
Weißert) und am Deutschen Theater<br />
Göttingen (Regie: Maria Viktoria Linke)<br />
nachgespielt. Der fabelhafte Die ist<br />
weiterhin am Theater Überzwerg, Saarbrücken,<br />
zu sehen und hatte im September<br />
<strong>2024</strong> am Theater Lüneburg<br />
Premiere (Regie: Antonie Zschoch).<br />
weitere Stücke (Auswahl): Der fabelhafte Die / lauwarm / Rotkäppchen und Herr Wolff /<br />
Das schrillste Blau / Die überraschend seltsamen Abenteuer des Robinson Crusoe / Der Zauber von Oz
David Paquets Überschreibung<br />
von Wedekinds „Frühlings<br />
Erwachen“ ist fest im<br />
Heute verankert und fragt, ob<br />
das sexuelle Erblühen in<br />
unserem geschwätzigen Zeitalter<br />
weniger tabuisiert ist, als<br />
es das in der restriktiven Vergangenheit<br />
war. Mit unverwechselbarem<br />
Humor und<br />
skurrilen Figuren gelingt<br />
Paquet eine genaue Beobachtung<br />
dessen, was uns heute<br />
ausmacht. Er denkt dabei die<br />
großen Themen der berühmtesten<br />
Coming-of-Age-<br />
Geschichte neu und lässt daraus<br />
junge Knospen entstehen.<br />
Moritz, Wendla, Melchior,<br />
Martha und Otto wachsen in<br />
einer Gesellschaft auf, in der<br />
die Erwachsenen über ihre<br />
eigene Libido nur stottern und<br />
Heuchelei, Tabus und Ansehen<br />
wichtiger sind als Verlangen.<br />
Nichtsdestotrotz versuchen<br />
sie ihre aufkommenden und<br />
überbordenden Triebe zu entwirren<br />
und den Irrsinn zu benennen,<br />
der von ihnen nicht<br />
verstanden wird. Im nah gelegenen<br />
Wald gehen sie auf<br />
individuelle Entdeckungsreisen,<br />
aber nicht alle kommen<br />
ans gewünschte Ziel.<br />
„Ein ebenso witziges<br />
wie tiefgründiges Stück.“<br />
LE SOLEIL<br />
„Die Pubertät in unserer Zeit<br />
zu erleben, ist nicht einfach.<br />
Ganz im Gegenteil. Und dieser<br />
eindringliche Text erinnert uns<br />
mit großer Schärfe daran.“<br />
LA PRESSE<br />
14+<br />
(L’éveil du printemps)<br />
Deutsch von Frank Weigand<br />
3D, 3H, 1 variabel<br />
DSE in Verhandlung<br />
Wir leben in einer<br />
Welt, in der eine<br />
Brustwarze mehr<br />
Angst macht als ein<br />
Maschinengewehr.<br />
Seit seinem Studium des szenischen<br />
Schreibens an der École nationale de<br />
théâtre du Canada arbeitet David<br />
Paquet als Autor, Dramaturg, Übersetzer<br />
und Lehrer für Nachwuchsautor:innen.<br />
Seine Werke wurden vielfach übersetzt<br />
und mit zahlreichen Preisen – darunter<br />
zwei Preise des Generalgouverneurs<br />
und ein Dora Award – ausgezeichnet.<br />
Sein Jugendstück Das Gewicht der<br />
Ameisen wird in der kommenden Spielzeit<br />
u. a. am Theater Dortmund, Theater<br />
Ingolstadt, Theater Oldenburg, Hans<br />
Otto Theater, Potsdam, Theater Altenburg<br />
Gera und Theater Junge Generation,<br />
Dresden, zu sehen sein. Immer<br />
Frühlings Erwachen ist zum Festival<br />
Primeurs eingeladen und wird unter<br />
dem Titel „Sternschnupfen“ vom SR als<br />
Hörspiel produziert. Der SR hatte bereits<br />
David Paquets Stücke 2 Uhr 14 und<br />
Feuersturm erstgesendet.<br />
© GUILLEAUME BOUCHER<br />
71<br />
DAVID PAQUET<br />
Immer<br />
Frühlings<br />
Erwachen<br />
weitere Stücke: Das Gewicht der Ameisen / 2 Uhr 14 / Feuersturm / Open House<br />
Junges Theater
72<br />
ESTHER BECKER: WILDBESTAND ODER VON EINER, DIE AUSZOG, EINE ZUKUNFT ZU FINDEN, WESTFÄLISCHES LANDESTHEATER <strong>2024</strong> © VOLKER BEUSHAUSEN
73<br />
Am Ende ist alles gut!<br />
Wenn es nicht gut ist,<br />
ist es nicht das Ende.<br />
ESTHER BECKER: WILDBESTAND ODER VON<br />
EINER, DIE AUSZOG, EINE ZUKUNFT ZU FINDEN<br />
Junges Theater
74
STO<br />
75<br />
FF<br />
REC<br />
HTE
76<br />
Stoffrechte<br />
BETTINA OBRECHT<br />
Wie anders ist alt?<br />
Manche Dinge ändern sich nie: Egal ob<br />
man alt oder jung ist, es tut gut, laut zu<br />
lachen oder wild zu tanzen, manches<br />
kann man auch nach siebzig Jahren noch<br />
nicht ausstehen. Doch manches ist auch<br />
ein kleines bisschen anders, wenn man<br />
alt ist. In einem Dialog zwischen Enkelkind<br />
und Großmutter wirft Bettina<br />
Obrecht philosophische Fragen zum<br />
Alter auf. Was macht Kindsein aus, was<br />
den letzten Lebensabschnitt? Und<br />
welche Eigenschaften sind einfach nur<br />
menschlich, egal wie alt man ist? Nach<br />
dem Erfolg von „Dann gehe ich jetzt,<br />
sagte die Zeit“ ein neues philosophisches<br />
Bilderbuch, das zum Perspektivwechsel<br />
einlädt.<br />
12+<br />
Nominiert für den Deutschen<br />
Jugendliteraturpreis 2023<br />
ARNDÍS THÓRARINSDÓTTIR UND<br />
HULDA SIGRÚN BJARNADÓTTIR<br />
12 Stockwerke.<br />
Mein unglaubliches<br />
Zuhause am Ende<br />
der Welt<br />
Eigentlich hatte sich Dagny darauf<br />
gefreut, ihre Oma kennenzulernen, die<br />
auf einer kleinen, wetterumtosten Insel<br />
wohnt. Doch als sie dort ankommt, ist<br />
alles seltsam. Sämtliche Einwohner:innen<br />
leben zusammen in einem einzigen<br />
Hochhaus und alles, was für Dagny<br />
immer selbstverständlich war, ist hier<br />
Mangelware: Shopping, ein eigenes<br />
Zimmer oder Strom für ihr Handy.<br />
Während sie versucht, sich an ihr neues<br />
Zuhause zu gewöhnen, stellen plötzlich<br />
unerklärliche Geschehnisse den Zusammenhalt<br />
der Hochhausgemeinschaft auf<br />
eine harte Probe! Kann Dagny herausfinden,<br />
wer hinter den Taten steckt? Mit<br />
viel Witz zeigt das isländische Autorinnenduo,<br />
wie mit Solidarität, Mitgefühl und<br />
Respekt ganz unterschiedliche Lebensentwürfe<br />
einander bereichern können.<br />
5+<br />
Nominiert für den Deutschen<br />
Jugendliteraturpreis <strong>2024</strong>
14+<br />
EVA ROTTMANN<br />
Fucking<br />
fucking schön<br />
Das erste Mal –<br />
In 10 kurzen<br />
Geschichten<br />
77<br />
KALEB ERDMANN<br />
wir sind pioniere<br />
Bruckner und Vero suchen das richtige<br />
Beziehungsmodell, den richtigen Wohnort,<br />
den richtigen Job, den richtigen<br />
Wohnzimmerschrank, kurz: das richtige<br />
Leben. Seit mehr als zehn Jahren sind sie<br />
ein Paar, jetzt ist ein Baby unterwegs.<br />
Wie und wo sollen sie ankommen, wenn<br />
ihr ganzes Leben eine einzige Suche<br />
war? Abwechselnd folgen wir den<br />
Gedanken- und Erzählströmen der beiden<br />
und nähern uns in dieser Zweistimmigkeit<br />
dem Lebensgefühl einer jungen<br />
Generation. Ausgezeichnet mit dem<br />
Debütpreis der Lit.Cologne <strong>2024</strong>:<br />
Wörter für Sex gibt es in drei Kategorien.<br />
In der ersten sind die Wörter, die im Biologiebuch<br />
stehen und die Erwachsene<br />
benutzen. So Wörter wie „Geschlechtsverkehr<br />
“ und „Koitus “ zum Beispiel. In<br />
der zweiten Kategorie sind Wörter wie<br />
schrauben, rammeln, knallen, nageln,<br />
flachlegen und so weiter. Wörter, die<br />
nach Baumarkt klingen, nach Schweiß<br />
und nach Arbeit. In der dritten Kategorie<br />
sind die Kuschelwörter, die alles ganz<br />
rosa und harmlos machen. So was wie:<br />
Liebe machen. Die Nacht zusammen<br />
verbringen. Miteinander schlafen. Und<br />
wenn du es noch nie gemacht hast,<br />
guckst du dir das an und denkst dir:<br />
HOW THE FUCK KÖNNEN ALL DIESE<br />
WÖRTER EIN UND DIESELBE SACHE<br />
BESCHREIBEN?<br />
„wir sind pioniere von Kaleb Erdmann reißt<br />
seine Leser:innen (…) geradewegs in den<br />
Erzählfluss: Mit feiner Beobachtungsgabe<br />
und einem großen Sinn für Komik widmet<br />
Erdmann sich in seinem rasant geschriebenen<br />
Text den Auswirkungen, die eine<br />
Schwangerschaft für das Beziehungsmodell<br />
und die Zukunftsplanung eines jungen<br />
Paares mit sich bringt.“<br />
JURYBEGRÜNDUNG LIT.COLOGNE DEBÜTPREIS <strong>2024</strong><br />
Stoffrechte
78<br />
DREHBUCH VON İLKER ÇATAK UND<br />
JOHANNES DUNCKER<br />
ZUM GLEICHNAMIGEN FILM<br />
Das Lehrerzimmer<br />
Carla Nowak, eine engagierte Sport- und<br />
Mathematiklehrerin, tritt ihre erste Stelle<br />
an einem Gymnasium an. Im neuen Kollegium<br />
fällt sie durch ihren Idealismus<br />
auf. Als es an der Schule zu einer Reihe<br />
von Diebstählen kommt und einer ihrer<br />
Schüler verdächtigt wird, beschließt sie,<br />
der Sache eigenständig auf den Grund<br />
zu gehen. Zwischen empörten Eltern,<br />
rechthaberischen Kolleg:innen und<br />
angriffslustigen Schüler:innen versucht<br />
Carla zu vermitteln, wird dabei jedoch<br />
schonungslos mit den Strukturen des<br />
Systems Schule konfrontiert. Je verzweifelter<br />
sie sich bemüht, alles richtig zu<br />
machen, desto mehr droht die junge<br />
Lehrerin daran zu zerbrechen.<br />
Ausgezeichnet mit dem Deutschen<br />
Filmpreis 2023. Nominiert als bester<br />
internationaler Film für den Oscar <strong>2024</strong><br />
KATJA OSKAMP<br />
Die vorletzte Frau<br />
Katja Oskamp erzählt zärtlich und rückhaltlos<br />
von den Verwandlungen, die das<br />
Dasein bereithält, von brüchigen Lebensläufen,<br />
von den Rollen einer Frau und den<br />
Körpern in ihrer ganzen Herrlichkeit und<br />
Hässlichkeit. Vor allem aber erzählt sie die<br />
Geschichte einer großen Liebe.<br />
Stoffrechte<br />
Sie lernt ihn kennen, als sie noch jung ist<br />
und er beinahe schon alt. Er, der berühmte<br />
Schriftsteller. Sie, die mit dem Schreiben<br />
gerade anfängt und Mutter einer kleinen<br />
Tochter ist. Eine Beziehung voller Lust und<br />
Hingabe und Heiterkeit beginnt. Dann aber<br />
erhält er eine Diagnose, die alles ändert.
79<br />
JOVANA REISINGER<br />
PLEASURE<br />
„Was macht eigentlich das Unterschichtskind<br />
auf dem Roten Teppich?“, fragt eine<br />
Besucherin auf dem Münchner Filmfest<br />
in meine Richtung. Ja, was macht sie da?<br />
Sie ist auf einer Mission.<br />
PLEASURE ist eine atemberaubend eloquente<br />
Tour de Force durch die Luxus-<br />
Triade Schlaf (meterlange Hotelbett-<br />
Laken!), Nahrung (Schlemmermaus!)<br />
und Kleidung (Dior, aber fake!). Jovana<br />
Reisinger entlarvt die verdeckten Normen<br />
eines vermeintlich liberalen Milieus<br />
und bricht eine Lanze für den Kitsch, für<br />
die Völlerei und das Rumliegen.<br />
LUCY FRICKE<br />
Das Fest<br />
Der einst gefeierte Regisseur Jakob<br />
ist in der Krise. Seine Karriere ist vorbei,<br />
seine letzte Beziehung über zehn<br />
Jahre her, er fühlt sich alt, der Körper<br />
ist schwach und der Kopf ohne Ideen.<br />
Es gibt nichts zu feiern, verkündet er<br />
am Morgen seines Geburtstages.<br />
Doch seine beste Freundin ist anderer<br />
Meinung und schickt ihn auf eine<br />
Reise durch seine Vergangenheit.<br />
Ein Buch aus der Mitte des Lebens.<br />
Lucy Fricke erzählt melancholisch<br />
und mit unerschütterlicher Komik von<br />
Verlusten, vom Verzeihen und von<br />
Freundschaften, ohne die wir nicht<br />
wären, wer wir sind.<br />
Stoffrechte
80<br />
JACKIE THOMAE<br />
Glück<br />
Ein Roman über Frauen unter Druck,<br />
über die Phase im Leben, in der sie zu<br />
alt sind, um noch länger warten zu<br />
können, und zu jung, um es hinter sich<br />
zu haben. Doch was wäre, wenn diese<br />
Phase sich künstlich verlängern ließe?<br />
Wenn die Frauen, wie die Männer<br />
schon immer, einfach noch Zeit hätten?<br />
Zwei erfolgreiche Frauen, die eine<br />
Medienschaffende, die andere Spitzenpolitikerin,<br />
werden mit der Frage konfrontiert:<br />
Kann man nur als Mutter oder<br />
auch anders glücklich werden?<br />
„Jackie Thomaes Kunst liegt darin, große<br />
Kunst zu schaffen, ohne dass die sich groß<br />
anfühlt, einen Roman mit Anspruch, der den<br />
Anspruch nicht vor sich herträgt.“<br />
DER SPIEGEL<br />
„Ernüchternd ehrlich und überaus feinfühlig.“<br />
DIE ZEIT<br />
MAX ORAVIN<br />
Toni & Toni<br />
Toni und Toni standen kurz vor dem<br />
großen Durchbruch – bis ein Unfall in<br />
einer euphorisierten Nacht alles änderte.<br />
Seither suchen die beiden ihren Weg<br />
zurück ins gemeinsame Leben. Toni,<br />
ausgebildete Tänzerin, fällt zurück in alte<br />
Muster der Selbstverletzung, während<br />
Toni, der Erzähler, eine Obsession für die<br />
buddhistische Lehre und das Erlernen<br />
japanischer Schriftzeichen entwickelt.<br />
Die gegenseitige Fürsorge und die inneren<br />
Konflikte stellen das Paar auf eine<br />
schwere Belastungsprobe. Zärtlich und<br />
atemlos wechselt der Text mit seiner<br />
besonderen rhythmischen Sprache<br />
zwischen Gegenwart und Erinnerung.<br />
Longlist Deutscher Buchpreis <strong>2024</strong><br />
Stoffrechte
ARAD DABIRI<br />
DRAMA<br />
81<br />
Ein junger Mann kehrt auf Einladung<br />
eines alten Freundes in seine Heimatstadt<br />
Wien zurück. Die Geister der Vergangenheit<br />
holen ihn ein, Erinnerungen<br />
brechen sich Bahn, sein altes Wien droht<br />
ihn erneut zu verschlucken. Auf der<br />
Dinnerparty des Freundes kommt es<br />
schließlich zur großen Offenbarung.<br />
Ausgezeichnet mit dem Debütpreis des<br />
Österreichischen Buchpreises 2023.<br />
ARAD DABIRI<br />
GLORIA!<br />
„DRAMA ist Drama: großes Gossentheater,<br />
eine Schmierenkomödie über Szenekaiser<br />
und Gernegroße, über deren Sprüche und<br />
die in diesen Sprüchen verborgenen Sehnsüchte,<br />
Ängste und Abgründe. Dabiri spielt<br />
mit dem Theater als Form, von der Ouvertüre<br />
bis zum letzten Vorhang – ohne großes<br />
Theater darum zu machen.“<br />
JURYBEGRÜNDUNG ÖSTERREICHISCHER BUCHPREIS 2023<br />
Homayoun, Yorgos, Ferdinand, Yasmina<br />
sind Mitte zwanzig und: verzweifelt. Sie<br />
verzweifeln an der Kunst, an sich selbst,<br />
am ausbleibenden Erfolg, an ihrer Stadt,<br />
am Alkohol und natürlich an der Liebe.<br />
Und so stromern sie in Arad Dabiris zweitem<br />
Roman durch die Bars und Clubs in<br />
Wien, in Frankfurt, in Berlin und München,<br />
auf der Suche nach der Gloria – Pop!<br />
Rausch! Fame! – und immer nur einen<br />
Fingerzeig entfernt vom Abrutschen. Aber<br />
genau dort, am Rand des Abgrunds, dort<br />
ist der Tanz am schönsten; es sind Fragmente<br />
aus einem Leben, aus einer Nacht,<br />
aus allen Nächten, in denen gelebt wurde,<br />
um darüber zu schreiben: in denen<br />
geschrieben wurde, um zu überleben.<br />
„Der Wiener Arad Dabiri schreibt noch nicht<br />
lange, aber mit ,magic‘.“<br />
DER STANDARD<br />
Stoffrechte
Ur- und Erstaufführungen (Auswahl)<br />
JONA RAUSCH<br />
Betonklotz 2000<br />
UA: 20.09.<strong>2024</strong>, Schauspiel Hannover<br />
YORGOS LANTHIMOS / EFTHIMIS<br />
FILIPPOU<br />
The Lobster<br />
DE: 26.09.<strong>2024</strong>, Münchner Volkstheater<br />
PAUL GRAHAM BROWN / JAMES<br />
EDWARD LYONS<br />
Vermisst! oder:<br />
Was geschah mit Agatha Christie?<br />
SE: 27.09.<strong>2024</strong>, Kammerspiele Seeb<br />
HALEY MCGEE<br />
Age is a Feeling<br />
DSE: 27.09.<strong>2024</strong>, Theater Bielefeld<br />
IVANA SOKOLA<br />
Balkan Drift<br />
UA: 27.09.<strong>2024</strong>, Schauspiel Köln<br />
PHILIPP LÖHLE<br />
Frida und der NeinJa-Ritter<br />
UA: 28.09.<strong>2024</strong>, Next Liberty, Graz<br />
SOKOLA//SPRETER<br />
Der Grund. Eine Verschwindung<br />
UA: 28.09.<strong>2024</strong>, Nationaltheater<br />
Mannheim<br />
NILS STRUNK / LUKAS SCHRENK<br />
Die Zauberflöte<br />
DE: 28.09.<strong>2024</strong>, Rheinisches<br />
Landestheater Neuss<br />
FELIX LOBRECHT<br />
Sonne und Beton<br />
UA (Klassenzimmerstück): 02.10.<strong>2024</strong>,<br />
Deutsches Theater Berlin<br />
UA: 08.03.20<strong>25</strong>, Rheinisches<br />
Landestheater Neuss<br />
AUDREY SCHEBAT<br />
Der Abschiedsbrief<br />
DE: 03.10.<strong>2024</strong>, Kammertheater Karlsruhe<br />
SE: 31.10.<strong>2024</strong>, Theater Affix, Langnau<br />
JÖRG MENKE-PEITZMEYER<br />
Das Wunder von Hof<br />
UA: 05.10.<strong>2024</strong>, Theater Hof<br />
MARIA URSPRUNG<br />
Höhere Gewalt<br />
UA: 16.10.<strong>2024</strong>, Theater Marie, Aarau<br />
VERA SCHINDLER<br />
Vogelfrei<br />
UA: 18.10.<strong>2024</strong>, Neuköllner Oper, Berlin
83<br />
CLÉMENT MICHEL<br />
Wie der Vater, so der Sohn<br />
DSE: 24.10.<strong>2024</strong>, Theater Kanton<br />
Zürich, Winterthur<br />
FELICIA ZELLER<br />
Antrag auf größtmögliche<br />
Entfernung von Gewalt<br />
ÖE: 31.10.<strong>2024</strong>, Theater praesent,<br />
Innsbruck<br />
HADRIEN RACCAH<br />
Die Einladung<br />
ÖE: 06.11.<strong>2024</strong>, Theater Oberzeiring<br />
GORDON KAMPE / CARINA SOPHIE<br />
EBERLE / FRIDA NILSSON<br />
Sasja und das Reich jenseits<br />
des Meeres (Oper)<br />
UA: 10.11.<strong>2024</strong>, Theater Münster<br />
PHILIPP LÖHLE<br />
Die Legende von Sleepy Hollow<br />
UA: 14.11.<strong>2024</strong>, Staatstheater Nürnberg<br />
NILS ZAPFE / SELMA LAGERLÖF<br />
Nils Holgersson (Schauspiel)<br />
UA: 16.11.<strong>2024</strong>, Schauspielhaus Bochum<br />
THOMAS ZAUFKE / HENRY MASON /<br />
SELMA LAGERLÖF<br />
Die wunderbare Reise des<br />
Nils Holgersson (Musiktheater)<br />
UA: 24.11.<strong>2024</strong>, Oper Graz<br />
YASMINA REZA<br />
James Brown trug Lockenwickler<br />
SE: 06.12.<strong>2024</strong>, Bühnen Bern<br />
SINA AHLERS<br />
Milch & Schuld<br />
UA: 06.12.<strong>2024</strong>, Staatstheater Kassel<br />
ARMELA MADREITER<br />
südpol.windstill<br />
ÖE: 07.12.<strong>2024</strong>, Dschungel Wien<br />
NECATI ÖZIRI<br />
Vatermal<br />
UA: 21.12.<strong>2024</strong>, Maxim Gorki Theater,<br />
Berlin<br />
IVANA SOKOLA<br />
Aqua Tofana<br />
UA: 15.01.20<strong>25</strong>, Kosmos Theater, Wien<br />
ARAD DABIRI<br />
DRUCK!<br />
UA: 23.01.20<strong>25</strong>, Nationaltheater<br />
Mannheim<br />
SIMONE SAFTIG<br />
Modern Mermates<br />
UA: 24.01.20<strong>25</strong>, Theater Kiel<br />
PHILIPP LÖHLE<br />
Das deutsche Haus<br />
UA: <strong>25</strong>.01.20<strong>25</strong>, Deutsches Theater<br />
Göttingen<br />
BETTINA OBRECHT<br />
Dann gehe ich jetzt, sagte die Zeit<br />
UA: 28.01.20<strong>25</strong>, Theater Pforzheim<br />
MARCUS PETER TESCH<br />
Patient Zero 1<br />
ÖE: 10.02.20<strong>25</strong>, Theater praesent,<br />
Innsbruck<br />
FRIDA NILSSON<br />
Sasja und das Reich jenseits<br />
des Meeres (Schauspiel)<br />
UA: 15.02.20<strong>25</strong>, Theater an der<br />
Parkaue, Berlin<br />
SOKOLA//SPRETER<br />
Eliza<br />
UA: 21.02.20<strong>25</strong>, Staatstheater Nürnberg<br />
MARIA URSPRUNG<br />
Halluzinationen<br />
UA: 01.03.20<strong>25</strong>, Schauspielhaus Zürich<br />
TOVE DITLEVSEN<br />
Vilhelms Zimmer<br />
DSE: 01.03.20<strong>25</strong>, Deutsches Schauspielhaus<br />
Hamburg<br />
LAETITIA COLOMBANI<br />
Freitags ist Kiwi-Tag<br />
SE: 06.03.20<strong>25</strong>, Casinotheater<br />
Winterthur<br />
CLARA LEINEMANN<br />
Buddeln<br />
UA: 04.04.20<strong>25</strong>, Theater Paderborn<br />
VERA SCHINDLER<br />
Im Parlament der Jugend (AT)<br />
UA: 05.04.20<strong>25</strong>, Neuköllner Oper, Berlin<br />
BUDDY THOMAS<br />
Der Teufelsplan von Planet Pluto<br />
DSE: 26.04.20<strong>25</strong>, Theater<br />
Altenburg Gera<br />
VOLKER SCHMIDT<br />
Lücke zum Glück<br />
UA: 09.05.20<strong>25</strong>, Stadttheater Ingolstadt<br />
PIJA LINDENBAUM<br />
Der erste Schritt<br />
DSE: 17.05.20<strong>25</strong>, Theater Münster<br />
Ur- und Erstaufführungen (Auswahl)
84 Felix Bloch Erben GmbH & Co. KG<br />
Verlag für Bühne, Film und Funk<br />
Theater-Verlag Desch GmbH<br />
Karl Mahnke Theaterverlag GmbH<br />
FBE Agentur Drehbuch / Regie<br />
Hardenbergstraße 6<br />
10623 Berlin<br />
T +49 (0)30 313 90 28<br />
F +49 (0)30 312 93 34<br />
info@felix-bloch-erben.de<br />
felix-bloch-erben.de<br />
fbe-agentur.de<br />
MITARBEITER:INNEN<br />
Gabriela Bellack (Lizenzen)<br />
Susan Colak (Agentur Drehbuch / Regie)<br />
Katharina Fröhlich (Assistenz Dramaturgie)<br />
Heike Groß ( Amateurtheatergruppen / Empfang)<br />
Bastian Häfner ( Leitung Schauspiel / Agentur Regie)<br />
Michaela Heberer (Vertragswesen / Abrechnungen)<br />
Christa Hohmann ( Schauspiel / Desch)<br />
Carsten Kretlow (Material-Leih-Abteilung)<br />
Wanda Künzel (Assistenz Dramaturgie, Agentur)<br />
Gesine Pagels ( Schauspiel / Agentur Drehbuch / stellvertretende Verlagsleiterin)<br />
Boris Priebe (Leitung Musiktheater)<br />
Melanie Rehder (Assistenz der Geschäftsführung / Empfang)<br />
Tanja Richter (Assistenz Agentur / Lizenzen Medien)<br />
Florine Schmitter (Assistenz Lizenzen, Tournee)<br />
Jonas Schönfeldt ( Schauspiel / Marketing / Agentur Regie)<br />
Julia Solms (in Elternzeit)<br />
Moritz Staemmler (Geschäftsführer / Verlagsleitung)<br />
Kerstin Stölting (Karl Mahnke Theaterverlag)<br />
Stefanie Sudik ( Musiktheater / Agentur Regie)<br />
Judith Weißenborn ( Schauspiel / Junges Theater / Agentur Regie)<br />
<strong>Charivari</strong><br />
174. Jahrgang<br />
<strong>2024</strong>/<strong>25</strong><br />
Redaktionsschluss 31.07.<strong>2024</strong><br />
Redaktion<br />
Dramaturgie / Marketing<br />
Impressum<br />
Gesamtgestaltung und Satz<br />
milchhof / milchhof.net<br />
Druck<br />
primeline print berlin GmbH
Wir haben unseren Versandverteiler für Theater aktualisiert.<br />
Möchten Sie mehr oder weniger Exemplare unserer jährlichen Verlagsbroschüre erhalten?<br />
Schreiben Sie uns eine Mail an info@felix-bloch-erben.de.<br />
3
FELIX BLOCH ERBEN GmbH & Co. KG<br />
Verlag für Bühne Film und Funk<br />
Hardenbergstraße 6 10623 Berlin<br />
T +49 (0)30 313 90 28<br />
F +49 (0)30 312 93 34<br />
info@felix-bloch-erben.de<br />
felix-bloch-erben.de<br />
174. Jahrgang <strong>2024</strong>/<strong>25</strong><br />
24— C<br />
SINA AHLERS / MARTIN G. BERGER / BAHRAM BEYZAIE / JHEREK<br />
BISCHOFF / HULDA SIGRÚN BJARNADÓTTIR / SÉBASTIEN BLANC /<br />
WOLFGANG BÖHMER / İLKER ÇATAK / AGATHA CHRISTIE / MATT<br />
COLEMAN / LÉONORE CONFINO / ARAD DABIRI / KARIN DRECHSEL /<br />
FRANCK DUARTE / JOHANNES DUNCKER / JAN DVOŘÁK / CARINA<br />
SOPHIE EBERLE / NATHAN ELLIS / KALEB ERDMANN / MARIO FESLER /<br />
LUCY FRICKE / CESC GAY / CARSTEN GOLBECK / SERGEJ GÖßNER /<br />
ANNA GSCHNITZER / AMIR GUDARZI / ANJA HILLING / GORDON<br />
KAMPE / ASJA KRSMANOVIĆ / R.P.S. LANRUE / CLARA LEINEMANN /<br />
DANIELA LÖFFNER / PHILIPP LÖHLE / PETER LUND / MATT LYLE /<br />
ARMELA MADREITER / HENRY MASON / HALEY MCGEE / JÖRG MENKE-<br />
PEITZMEYER / GERT C. MÖBIUS / MARTIN MUTSCHLER / FRIDA NILSSON /<br />
BETTINA OBRECHT / MAX ORAVIN / KATJA OSKAMP / DAVID PAQUET /<br />
ANDREAS PFLÜGER / HADRIEN RACCAH / AXEL RANISCH / JONA<br />
RAUSCH / RIO REISER / JOVANA REISINGER / YASMINA REZA / EVA<br />
ROTTMANN / LUKAS SCHRENK / FRANK LEO SCHRÖDER / MARK<br />
SHANAHAN / IVANA SOKOLA / SOKOLA//SPRETER / JONA SPRETER /<br />
PHILIPP STÖLZL / SARA STRIDSBERG / NILS STRUNK / SÉBASTIEN<br />
THIÉRY / JACKIE THOMAE / ARNDÍS THÓRARINSDÓTTIR / WOLFGANG<br />
WILLASCHEK / CHRISTA WINSLOE / PAUL ZACHER / THOMAS ZAUFKE /<br />
FELICIA ZELLER / STEFAN ZIMMERMANN