Vitalstoffe 3/2024
Vitalstoffe ist die erste Zeitschrift in deutscher Sprache, die sich zum Ziel setzt, umfassend über die Roh- und Wirkstoffe in Nahrungsergänzungsmitteln sowie über deren Darreichungsformen zu berichten. Im Mittelpunkt stehen die Produktion und Mischung von Rohstoffen und deren Wirkung auf die menschliche Gesundheit. Wissenschaftlich fundierte Informationen und Studien bieten die Möglichkeit der Aufklärung, die durch die Health Claims Verordnung immer schwieriger geworden ist. Leser sind Anbieter von Nahrungsergänzungsmitteln, Vermarkter, Lohnhersteller und Rohstoffhersteller bis hin zum Point of Sales sowie Ärzte, Ernährungsspezialisten und Apotheker.
Vitalstoffe ist die erste Zeitschrift in deutscher Sprache, die sich zum Ziel setzt, umfassend über die Roh- und Wirkstoffe in Nahrungsergänzungsmitteln sowie über deren Darreichungsformen zu berichten. Im Mittelpunkt stehen die Produktion und Mischung von Rohstoffen und deren Wirkung auf die menschliche Gesundheit. Wissenschaftlich fundierte Informationen und Studien bieten die Möglichkeit der Aufklärung, die durch die Health Claims Verordnung immer schwieriger geworden ist. Leser sind Anbieter von Nahrungsergänzungsmitteln, Vermarkter, Lohnhersteller und Rohstoffhersteller bis hin zum Point of Sales sowie Ärzte, Ernährungsspezialisten und Apotheker.
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Ausgabe 3/2024 14. Jahrgang ISSN 2192-2632 8,90 €
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Das Magazin für Mikronährstoffe und deren Wirkungen
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Cranberry und Mannose
Benno Keller
In diesem Heft stehen die Cranberrys im Vordergrund, besonders im Hinblick auf die
Wirkung auf das Darm-Mikrobiom und Harnwegsinfektionen bei Frauen. Cranberrys
besitzen ein starkes antioxidatives Potential. Spezielle Flavonoide sorgen dafür, das
Anhaften von Escherichia-coli-Bakterien an den Schleimhäuten der Harnwege zu verhindern.
Ellagsäure und Quercetin haben entzündungshemmende Eigenschaften und
können auch die Herzgesundheit unterstützen.
Interessant ist auch die Verbindung mit dem Einfachzucker Mannose. Bakterien in
der Blasenwand und auch der Prostata binden sich an die Zuckermoleküle. Dadurch
werden sie aus den Schleimhäuten entfernt und ausgeschwemmt. Zusammen mit den
Antioxidantien der Cranberry werden gute Ergebnisse erzielt. Dies spricht für diese
Form der Nahrungsergänzung, da ähnliche Wirkungen durch reguläre Ernährung
kaum zu erzielen ist.
Es grüßt Sie herzlich
Benno Keller
Herausgeber
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3
V italstoffe
Titel: Cranberry
Cranberrys (Vaccinium macrocarpon) werden als
Backzutat, in Joghurts und Müsliriegeln und als Saft
verwendet. Sie haben aber auch stark entzündungshemmende
Eigenschaften, z. B. für den Darm, den
Urogenitaltrakt und den Mundraum.
© Joanna Kosinska – unsplash.com
© Almix – shutterstock.com
Titelbeitäge ab Seite 42 und Seite 50
Inhalt
6 Aktuelle Studien
6 Zinkmangel
8 Rote Bete
10 Kakao-Flavanole und rote Beeren
13 Hormonaktive Substanzen
14 Protein
14 Snack-Riegel
18 Darm-Mikrobiom
18 Konjak-Glucomannan
50 Cranberry
18 Pflanzenextrakte
18 Konjak-Glucomannan
30 Artemisia annua
33 Ceramide
33 Beauty from within
36 Venengesundheit
36 Gesunde Venen und schöne Beine
mit Pycnogenol ®
42 Harnwegsgesundheit
42 Cranberryextrakt
46 Hautgesundheit
46 Nutri- und Dermokosmetik
50 Darm-Mikrobiom
50 Cranberry-Wirkstoffe
36 Pycnogenol®
42, 50 Cranberry
26 Mineralstoffe
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V italstoffe
Aktuelle Studien
Unsere Studienredaktion unter der Leitung von Dr. Stefan Siebrecht, Carola Weise und Laura Ingenlath
wertet für jede Ausgabe der Vitalstoffe aktuelle Studien zur Präsentation aus.
Zinkmangel – ein weltweites Problem
Zink gehört zu den lebensnotwendigen Mikronährstoffen. Das
Spurenelement kann vom Körper nicht selbst hergestellt werden,
muss also über die Nahrung aufgenommen werden, und
zwar täglich, denn der Mensch besitzt keine Speicherkapazitäten
für Zink.
Für viele Körperfunktionen ist eine ausreichende Zinkversorgung
unerlässlich: Es fördert u.a. die Zellbildung und
-gesundheit, ist wichtig für die Wundheilung, unterstützt das
Immunsystem und ist unverzichtbar für den Carotinoid-Stoffwechsel
– das bedeutet, dass bei einem Zinkmangel z. B. die
Aufnahme von Vitamin A nur unzureichend funktioniert. Darüber
hinaus ist Zink essentiell für die Gehirnfunktion und unentbehrlich
für die Augengesundheit. Es besitzt im Zusammenspiel
mit weiteren Mikronährstoffen antioxidatives Potential,
wirkt wachstumsfördernd, entzündungshemmend und spielt
eine wichtige Rolle bei der Fruchtbarkeit.
Zu den besten Zinkquellen zählen Lebensmittel tierischen
Ursprungs wie Milchprodukte und Fleisch, es ist aber auch
in Vollkornprodukten, Nüssen und Hülsenfrüchten zu finden.
Allerdings ist Zink aus tierischen Nahrungsmitteln besser bioverfügbar.
Leider erreichen nicht alle Menschen die für gesunde Erwachsene
empfohlene tägliche Zufuhrmenge an Zink (ca.
14 mg/Männer, ca. 8 mg/Frauen, 9 bis 11 mg/Schwangere und
Stillende), und diese Problematik ist weltweit anzutreffen.
Schätzungen zufolge sind ca. 17% der Weltbevölkerung nur
unzureichend mit Zink versorgt. Dafür gibt es unterschiedliche
Ursachen: Einerseits sind die Preise für hochwertige Lebensmittel
in den vergangenen Jahren stark angestiegen, aber
auch die sich rasant verändernden Umweltbedingungen nehmen
beispielsweise beim Getreideanbau auf den Nährstoffgehalt
und das Pflanzenwachstum Einfluss. Inwieweit sich die
Situation zum Negativen entwickelt, lässt sich schwer prognostizieren.
Ein Wissenschaftlerteam aus den Vereinigten Staaten und
Großbritannien bezeichnet den globalen Zinkmangel sogar als
besonders heimtückisch – für das Team der wichtigste Grund,
die Ergebnisse seiner Analysen zusammenzutragen und im
Rahmen eines Berichts in der Zeitschrift Advances of Nutrition
zu veröffentlichen. Dessen Ziel war es, die jüngsten Entwicklungen
mit der Rolle von Zink für die Gesundheit in Einklang
zu bringen und zu verstehen, die Auswirkungen des Klimawandels,
vielversprechende neue funktionelle Biomarker und Lösungen
zur Verbesserung der Zinkzufuhr in der Bevölkerung
zu erläutern.
Nicola Lowe, Professorin für Ernährungswissenschaften an der
University of Central Lancashire und Hauptautorin, befürchtet,
dass aufgrund der stark gestiegenen Lebensmittelpreise Zinkmangel
weltweit immer häufiger auftritt.
„Die Möglichkeiten, qualitativ hochwertige Lebensmittel zu
kaufen, sind begrenzt, und immer mehr Menschen sind auf die
Versorgung durch Tafeln und energiereiche, aber nährstoffarme
Lebensmittel angewiesen. Dies kann zu dem führen, was wir
„versteckten Hunger“ nennen, d. h. die Menschen sehen zwar
satt aus, sind aber aufgrund der Abhängigkeit von minderwertigen
Lebensmitteln versteckt mangelernährt.“
Die vielfältigen gesundheitsfördernden
Wirkungen von Zink im Detail
Bei Kindern gehören kognitive Beeinträchtigungen, wiederkehrende
Infektionen und Durchfall sowie eine verzögerte
Wundheilung zu den Charakteristika eines gravierenden Zinkmangels,
während bei Jugendlichen und Erwachsenen eine
Zink-Unterversorgung die Fortpflanzung beeinträchtigt und zu
einem erhöhten Risiko für kardiometabolische Störungen führt.
Das Spurenelement spielt eine wichtige Rolle bei der Insulinsekretion
und der Glukosehomöostase, und ein niedriger
Zinkstatus korreliert mit schwereren Verläufen bei einem Typ-
2-Diabetes mellitus. Er beeinflusst den Lipidstoffwechsel, einschließlich
der Absorption, der Synthese und des Metabolismus
von Fettsäuren, was sich auf die zirkulierenden Lipidprofile
auswirkt und die Gefahr von Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen
kann.
6
Aktuelle Studien
Kategorie
Die Auswirkungen von Zink auf die Immungesundheit sind
vielschichtig. So besteht beispielsweise ein Zusammenhang mit
der Aktivierung der T-Zellen – eine Schlüsselaktion bei der Immunantwort,
die für die Zerstörung von virusinfizierten Zellen
und Neoplasmen erforderlich ist.
Zink wird für die Bildung von Säuren und die Bündelung toxischer
Zinkkonzentrationen benötigt, um pathogene Bakterien
abzutöten, für die katalytische Aktivität von Proteasen, die von
Krankheitserregern stammende Proteine abbauen, und um die
Dismutation zytotoxischer Superoxidanionen zu katalysieren,
die bei der Wirtsabwehr entstehen.
Es hat zahlreiche wichtige Funktionen für die Gesundheit des
Stoffwechsels, da es mithilfe der β-Zellen der Bauchspeicheldrüse
eine übermäßige Insulinfreisetzung unterbindet und die
zinkabhängige Regulierung der Phosphorylierung die Empfindlichkeit
des Insulinrezeptors erhöht.
Der Stoffwechsel essentieller Fettsäuren, der für die Regulierung
von Entzündungen wichtig ist, reagiert ebenfalls sensibel
auf Veränderungen in der Zinkzufuhr. Zink ist ein Schlüsselelement
bei der Reaktion auf oxidativen Stress, zum Teil durch
seine katalytische Rolle in der Superoxiddismutase und die Signalisierung
der zellulären Reaktion auf oxidativen Stress.
Biomarker – wichtig für die Ermittlung
des Zinkstatus
Der am häufigsten verwendete Biomarker für den Zinkstatus ist
die Plasmazinkkonzentration (PZC), die jedoch bei einer Person
im Laufe des Tages um 20 % schwankt und von der Länge
des nächtlichen Fastens, der Größe und Zusammensetzung der
vorangegangenen Mahlzeit sowie von möglichen Entzündungen
beeinflusst wird. Selbst wenn diese Faktoren einer Kontrolle
unterliegen, kann es bei der Analyse zu einer Variabilität
kommen.
Mittlerweile kommen jedoch verstärkt funktionelle Biomarker
für Zink zum Einsatz – z. B. die Entsättigung essenzieller Fettsäuren,
DNA-Schäden und die Genexpression von Zinktransportern.
Diese bieten den Vorteil, dass sie empfindlicher als
PZC auf Veränderungen in der Zinkaufnahme reagieren.
Daten aus Tiermodellen deuten darüber hinaus darauf hin, dass
Veränderungen in der Darm-Mikrobiota für die Bewertung des
Zinkstatus genutzt werden können.
Umwelteinflüsse – welche Rolle
spielen sie für den Zinkgehalt von
Nahrungsmitteln?
Experimente haben ergeben, dass beim Anbau von Pflanzen
mit erhöhtem CO 2 -Gehalt in der Atmosphäre – wie er für 2050
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prognostiziert wird – die Zinkkonzentration in den Körnern
vieler Getreidesorten, die Grundnahrungsmittel liefern, sinkt.
Dieser Trend wird die weltweite Verfügbarkeit von Zink in der
Nahrung bis 2050 voraussichtlich um 14,6% (und 13,6% bei
Eisen) verringern.
Die Wissenschaftler sind sich einig, dass zur Steigerung der
Bioverfügbarkeit von Zink aus der Nahrung unbedingt Strategien
entwickelt werden müssen, um die Nettoaufnahme und
Verwertung von Zink zu verbessern.
Der Bericht thematisierte die groß angelegte Anreicherung mit
Zink durch Biofortifikation, bevor die Ernte der Pflanzen erfolgt.
Dabei geht es im Wesentlichen darum, die Auswahl von
Pflanzensorten auf der Grundlage ihrer Fähigkeit, den Nährstoffgehalt
zu maximieren, zu fördern – als risikoarmen und
kosteneffizienten Ansatz für industriell hergestellte Grundnahrungsmittel
und Gewürze.
Zink als Nahrungsergänzungsmittel –
eine gute Alternative?
Die chemische Form von Zink, die in Nahrungsergänzungsmitteln
verwendet wird, kann anorganisch (z. B. Sulfat, Oxid oder
Citrat), organisch (z. B. Gluconat oder Malat) oder an Aminosäuren
(z. B. Histidin oder Lysin) gebundenes Zink sein.
Systematische Übersichten und Meta-Analysen zur Zinksupplementierung
bei Kindern und Erwachsenen haben die Wirksamkeit
dieses Ansatzes bei der Erhöhung der PZC bei Erwachsenen
und der funktionellen Ergebnisse bei Kindern bis zu fünf
Jahren, einschließlich Größe, Gewicht und alters- und körperlängenbezogenem
Gewicht belegen können.
Ganz unproblematisch ist die Supplementierung allerdings
nicht. Die chemische Form von Zink beeinflusst die Löslichkeit
und Absorption, und der Verzehr bestimmter Lebensmittel
und Getränke vor, während und nach der Supplementierung hat
ebenfalls Auswirkungen auf die Bioverfügbarkeit. Diese wird
beispielsweise auch durch Phytinsäure (PA), einer Substanz,
die in vielen Pflanzensamen vorkommt, beeinträchtigt.
Die Wissenschaftler vertraten allerdings die Ansicht, dass eine
präventive Supplementierung „in den meisten LMICs (Low or
Middle Income Countries) weder wirtschaftlich noch logistisch
machbar ist“. Dies zeige sich an den mangelnden Fortschritten
bei der Skalierung der hochwirksamen gemeinsamen Leitlinie
der Weltgesundheitsorganisation und des Kinderhilfswerks der
Vereinigten Staaten für die Supplementierung zur Behandlung
von Durchfallerkrankungen und an der begrenzten Wirksamkeit
von Strategien zur Eisenergänzung bei Kindern und Frauen
im gebärfähigen Alter.
„Die Erhöhung der Zinkaufnahme und die Bekämpfung des
weltweiten Zinkmangels erfordern kontextspezifische Strategien
und eine Kombination sich ergänzender, evidenzbasierter
Interventionen, einschließlich Nahrungsergänzung, Nahrungsmittelanreicherung
und Lösungen für Lebensmittel und Landwirtschaft
wie Biofortifikation, neben Bemühungen zur Verbesserung
der Bioverfügbarkeit von Zink“, so das Forscherteam.
„Die Verbesserung des Zinkgehalts und der Bioverfügbarkeit
in der Nahrung durch die Bioanreicherung von Zink ist eine
integrative Ernährungslösung, die den am stärksten gefährdeten
Personen und Bevölkerungsgruppen, die von unzureichender
Ernährung betroffen sind, am meisten zugutekommen kann.“
Quelle: Advances in Nutrition
“Preventing and Controlling Zinc Deficiency Across the Life
Course: A Call to Action”, January 2024
Autoren: N.M. Lowe et al.
doi: 10.1016/j.advnut.2024.100181
Rote Bete – Booster für Gedächtnis und kognitive Leistung
Schon seit längerem ist die Rote Bete (Beta vulgaris) als Lieferant
gesundheitsfördernder Inhaltsstoffe bei Ernährungsexperten
in den Fokus geraten. Ihr Nitratgehalt wurde mit potenziellen
Vorteilen im Bereich der kardiovaskulären Gesundheit
in Zusammenhang gebracht. In Studien wurde wiederholt die
Bedeutung von Nitrat bei unterschiedlichen biologischen Prozessen
untersucht, vor allem im Hinblick auf die Regulierung
des Blutflusses, den Blutdruck, die zelluläre Signalübertragung,
die Glukosehomöostase und die Reaktion des Gewebes
auf einen niedrigen Sauerstoffgehalt (Hypoxie).
Die Erkenntnisse zu den Wirkungen von Nitrat fanden auch
im Leistungssport Beachtung, da es als leistungsfördernd eingestuft
wird, ohne einen Doping-ähnlichen Effekt zu besitzen.
Diese These wird auch von World Athletics, dem Dachverband
aller nationalen Sportverbände, unterstützt, und es gibt Berichte
über Sportmannschaften in aller Welt, die Rote-Bete-Saft als
Teil ihrer Ernährungsstrategien einsetzen.
In einer neuen Studie unter Beteiligung von Wissenschaftlern
mehrerer Universitäten (Universität Magna Graecia (Italien),
Université Libre de Bruxelles (Belgien), Universität von
8
Aktuelle Studien
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Kalabrien (Italien) und DBSS International (Kolumbien)) sollte
nun die gesundheitsfördernde Wirkung von Roter Bete unter
dem Aspekt der Gehirngesundheit untersucht werden. Gegenstand
der Studie, die von einem amerikanischen Hersteller gesponsert
wurde, war, inwieweit das in der Rote Bete enthaltene
NO3- zur Verbesserung der Gedächtnisleistung und der geistigen
Flexibilität bei jungen, gesunden Frauen und Männern beitragen
kann. Die Resultate wurden in der Zeitschrift European
Journal of Nutrition publiziert.
Rote Bete als Supplement – Details der
Studie
Im Allgemeinen wird die Rote Bete in Form von Saft konsumiert.
Allerdings ist der Geschmack nicht jedermanns Sache. So
lag es nahe, den nitratreichen Rote-Bete-Wirkstoff für die Studie
in Form angenehm schmeckender Tabletten anzubieten, was einen
gleichmäßigen Nährstoffgehalt garantierte. Hierzu wurden
Kautabletten mit einem Gehalt von 3 g Beta-vulgaris-Extrakt
verwendet, was einer Dosis von 4 Tabletten täglich entsprach.
Die Forscher rekrutierten 44 junge gesunde Männer und Frauen
(Durchschnittsalter 32,7 Jahre), die an ihrer randomisierten,
doppelblinden, Placebo-kontrollierten klinischen Crossover-
Studie über zwei unterschiedliche Zeiträume teilnahmen. Die
Mitwirkenden wurden nach dem Zufallsprinzip in zwei Gruppen
eingeteilt und erhielten entweder vier Kautabletten auf
Rote-Bete-Basis (BR-CT) oder vier Placebo-Tabletten (Maltodextrin).
Danach folgte eine viertägige Auswaschphase, im Anschluss
wechselten die Probanden zur jeweils anderen Intervention.
Die Gehirntests wurden 90 Minuten nach der Einnahme
der Interventionen durchgeführt.
Resultate der Untersuchung
Die Ergebnisse zeigten, dass die Rote-Bete-Supplementierung
neben den signifikanten Verbesserungen bei der unmittelbaren
und verzögerten Erinnerung auch mit signifikanten Steigerungen
der Frontallappenfunktionen und der kognitiven Flexibilität
im Vergleich zu Placebo verbunden war.
„Die akute Verabreichung eines kaubaren Nahrungsergänzungsmittels
auf der Basis von Roter Bete verbessert bestimmte
Aspekte der kognitiven Funktion bei gesunden Frauen und
Männern, insbesondere die Gedächtniskapazität und die frontalen
Fähigkeiten“, zu diesem Fazit gelangten die Forscher nach
Abschluss der Analyse.
Die Einnahme des Rote-Bete-Extrakts führte im Vergleich zu
Placebo zu einem 21%igen Anstieg der unmittelbaren Gedächtnisleistung
und einer 12%igen Verbesserung der verzögerten
Gedächtnisleistung. Darüber hinaus konnte eine Verbesserung
der Frontallappenfunktionen um 3% und eine Steigerung der
kognitiven Flexibilität um 11% festgestellt werden.
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Im Hinblick auf das verbale Kurzzeitgedächtnis, das Arbeitsgedächtnis
und die Informationsverarbeitungsgeschwindigkeit
konnten keine signifikanten Vorteile ermittelt werden. Bei der
Stimmung und möglichen Angstzuständen wurde über gemischte
Resultate berichtet.
„Die Ergebnisse dieser Studie tragen zu den Erkenntnissen bei,
die sich auf die Auswirkungen einer NO3-Supplementierung
auf die kognitive Leistung konzentrieren“, erläuterten die Wissenschaftler
ihre Beobachtungen. „Die Verbesserungen der
frontalen Fähigkeiten sowie der lexikalischen und Gedächtniskapazität
sind Elemente, die eine Verbesserung der allgemeinen
kognitiven Kapazität bestätigen. Darüber hinaus wurde die in
dieser Studie verwendete BR-CT-Ergänzung gut vertragen (sie
zeigte keinerlei unerwünschte oder nachteilige Wirkung) und
auch die Schmackhaftigkeit wurde geschätzt. Dieser letztgenannte
Aspekt sollte nicht unterschätzt werden, nicht nur wegen
der Compliance bei der Einnahme, sondern auch, weil dies
eine längere Verweildauer im Mund und damit eine größere
Exposition gegenüber der Speichel-Mikrobiota ermöglicht hat,
mit der Folge einer möglicherweise größeren Umwandlung von
NO3- in NO2- und der Aufnahme in den Plasmakreislauf.“
„Es könnte möglich sein, dass der Anstieg des zerebralen Blutflusses
und damit die höhere Nährstoffzufuhr nach der Supplementierung
mit dem kaubaren NO3-reichen Produkt auf BR-
Basis die kognitive Leistung beeinflusst haben könnte,“ so der
abschließende Kommentar der Forscher.
Quelle: European Journal of Nutrition
“Acute effects of a chewable beetroot-based supplement on
cognitive performance: a double-blind randomized placebo-controlled
crossover clinical trial”, October 2023
Autoren: Maria Grazia Vaccaro, et al.
doi: 10.1007/s00394-023-03265-y
Kakao-Flavanole und Anthocyane für die kardiovaskuläre Gesundheit
Sowohl Kakao als auch dunkle Beeren sind reich an sekundären
Pflanzenstoffen, die die Gesundheit auf sehr angenehme
Art und Weise unterstützen können. Die Flavonoide, die zur
Gruppe der Polyphenole gehören, besitzen eine unterschiedliche
Struktur, verfügen aber beide über ein bemerkenswertes
antioxidatives Potential, insbesondere, wenn sie regelmäßig
konsumiert werden.
Kakao und dunkle Beeren –
Inhaltsstoffe und Wirkungen
Im Kakao sind es vor allem die Flavanole, die ein natürlicher
Bestandteil von Kakaobohnen sind und deren gesundheitsfördernde
Eigenschaften im Hinblick auf das Herz-Kreislauf-
System schon in mehreren Studien belegt werden konnten. Im
Vordergrund stand dabei die Gefäßgesundheit, die im Laufe des
Alterungsprozesses fortschreitende Beeinträchtigungen erfährt.
Die Gefäße, die für den reibungslosen Bluttransport benötigt
werden, werden mit zunehmendem Alter weniger beweglich
und dehnungsfähig und können versteifen, was das Risiko von
kardiovaskulären Erkrankungen, aber auch von Schlaganfällen
steigen lässt. Genau hier setzt die Wirkung der Kakao-Flavanole
an: Sie sind imstande, die kontinuierlichen Gefäßversteifungen
abzumildern und unterstützen das Gefäßsystem dabei,
flexibel und elastisch zu bleiben.
Über die heilsamen Effekte der Anthocyane gibt es ebenfalls
umfangreiche Untersuchungen. Es handelt sich dabei um Farbstoffe,
die vor allem in dunklen Früchten und Gemüsearten
zu finden sind. Hier stehen dunkle Beeren wie Heidelbeeren,
Himbeeren und Brombeeren an erster Stelle. Sie verfügen über
ein ausgezeichnetes antioxidatives Potential, was sie ebenfalls
zu einem starken Verbündeten in Sachen Herzgesundheit
macht.
Ansätze der Studie
Was liegt näher, als diese beiden Polyphenole miteinander zu
kombinieren, um ihre gefäßschützenden Fähigkeiten im Dienste
der kardiovaskulären Gesundheit zu optimieren?
Dieser Aufgabe stellte sich ein spanisches Forscherteam, das
im vergangenen Jahr eine Studie zu diesem Thema durchführte.
Darüber hinaus sollte erforscht werden, ob ein Zusammenhang
zwischen dem regelmäßigen Verzehr von Flavanolen und
Anthocyanen im Hinblick auf die Modulation des Mikrobiota-
Stoffwechsels besteht.
Die von der Abteilung für Stoffwechsel und Ernährung des Instituts
für Lebensmittelwissenschaft und -technologie und Ernährung
(ICTAN-CSIC) in Madrid geleitete Analyse wurde von
der spanischen Forschungsagentur im Rahmen des Nationalen
Programms für Forschung zur Bewältigung der gesellschaftlichen
Herausforderungen (RETOS) finanziert, die Testprodukte
wurden von einem in Barcelona ansässigen Unternehmen zur
Verfügung gestellt. Die Ergebnisse der Studie wurden in der
Zeitschrift Nutrients veröffentlicht.
„Unsere Studie zeigte eine positive Modulation des Mikrobiota-Stoffwechsels
nach regelmäßigem Verzehr von
10
Aktuelle Studien
Kakao-Flavanolen und Anthocyanen aus roten Beeren, was zu
einer Verbesserung der kardiovaskulären Funktion führte, insbesondere
in der Gruppe, die Kakao konsumierte“, kommentierten
die an der Untersuchung beteiligten Wissenschaftler
ihren Ansatz.
Eine gute Kombination mit
ausgezeichneter Wirksamkeit
Im Laufe des Alterungsprozesses kommt es zu einer Dysfunktion
des Gefäßendothels sowie zu einer zunehmenden Verdickung
und Steifheit der Arterien, was ein erhöhtes Risiko für
Bluthochdruck, Arteriosklerose und Herzinfarkt zur Folge hat.
Der regelmäßige Verzehr von Kakao-Flavanolen und Beerenanthocyanen
kann dabei helfen, dieser Entwicklung entgegenzuwirken
und kann daher als präventive Strategie zur Unterstützung
des Gefäßsystems eingesetzt werden, da die Polyphenole
entzündliche und ROS-abhängige Signalwege regulieren, die
mit der Seneszenz, einer Einschränkung im Zellbildungsvorgang,
in Verbindung stehen.
Die Studie ergab, dass der Verzehr von polyphenolreichem Kakao
und Beeren nachweislich die Auswirkungen des Alterns
mildern kann, sowohl in Bezug auf den kognitiven Abbau als
auch auf die Entwicklung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Eigene Forschungsarbeiten des Teams hatten zuvor gezeigt,
dass der regelmäßige Verzehr von roten Beeren, Kakao und einer
Mischung aus beidem die exekutiven Funktionen gesunder
Erwachsener verbessert.
Die Wissenschaftler erklärten dazu: „Ziel der vorliegenden
Studie war es, die Auswirkungen von Kakao-Flavanolen und
Anthocyanen aus roten Beeren auf kardiovaskuläre Biomarker
wie Homocystein, Angiotensin-konvertierendes Enzym
(ACE), Stickstoffmonoxid (NO), flussvermittelte Vasodilatation
(FMD), Blutdruck und Lipidprofil zu analysieren. Darüber
hinaus wollten wir ihre möglichen Wechselwirkungen mit Mikrobiota-bezogenen
Metaboliten wie sekundären Gallensäuren
(SBA), kurzkettigen Fettsäuren (SCFA) und Trimethylamin-N-
Oxid (TMAO) untersuchen.“
Details der Studie
Für die randomisierte Parallelgruppenstudie wurden 60 gesunde
Männer und Frauen im Alter zwischen 45 und 85 Jahren rekrutiert
und nach dem Zufallsprinzip einer von drei Gruppen
September 2024
11
V italstoffe
zugeteilt. Die Probanden nahmen über einen Zeitraum von 12
Wochen täglich entweder 2,5 g Kakaopulver (9,59 mg/Tag an
Gesamtflavanolen), 5 g rote Beerenmischung (13,9 mg/Tag an
Gesamtanthocyanen) oder 7,5 g einer Kombination aus beiden
zu sich.
„Die Gruppe, die Kakao konsumiert hatte, zeigte eine signifikante
Senkung der TMAO- und Harnsäurewerte im Serum,
begleitet von einem Anstieg der FMD-Werte und der Gesamtpolyphenole“,
so die Wissenschaftler zu den Ergebnissen. „Außerdem
beobachteten wir in den Gruppen, die Kakao und rote
Beeren konsumiert hatten, zwischen dem Beginn und dem Ende
der Intervention einen Anstieg der Kohlenhydratfermentation“.
Dieser Anstieg der Kohlenhydratfermentierung (und damit der
SCFA-Synthese) hatte eine Senkung des systolischen und diastolischen
Blutdrucks sowie einen Rückgang des Verhältnisses
von HDL zu Gesamtcholesterin in Verbindung zur Folge.
Nicht stichhaltig geklärt werden konnte die fehlende Wirkung
der Kakao-Rote-Beeren-Mischung auf die untersuchten kardiovaskulären
Biomarker. Die Forscher vermuten, dass dies auf
eine bisher nicht bekannte antagonistische Interaktion zwischen
Anthocyanen aus roten Beeren und Kakao-Flavanolen zurückzuführen
sein könnte. Als Ursache nehmen sie an, dass die dimeren
Strukturen beider die Darmbarriere zwar überwinden
können, aber nicht so effizient wie die isolierten Verbindungen.
Abschließend stellte das Forscherteam fest, dass längerfristige,
Placebo-kontrollierte Studien notwendig seien, um die Auswirkungen
der Verbindungen auf SCFAs, SBAs und andere kardiovaskuläre
Parameter wie die ACE-Aktivität und NO-Konzentration
zu klären.
Quelle: Nutrients
“Regular Consumption of Cocoa and Red Berries as a Strategy
to Improve Cardiovascular Biomarkers via Modulation of
Microbiota Metabolism in Healthy Aging Adults”, May 2023
Autoren: Joaquín García-Cordero et al.
doi.org/10.3390/nu15102299
Unsichtbare Gefahr aus Alltagsprodukten
In einer kürzlich erschienenen Pressemitteilung nahm die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie
(DGE) zu hormonaktiven Substanzen Stellung.
Hormonaktive Substanzen, auch bekannt
als endokrine Disruptoren (ED), finden
sich überall – von Plastik und Kosmetika
über Nahrung und Trinkwasser bis hin
zu Alltagsgegenständen und Spielzeug.
„Unsere Umwelt ist mit diesen Schadstoffen
regelrecht durchtränkt“, warnt
Professor Dr. rer. nat. Köhrle, Experte
der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie
(DGE). ED stellen eine ernsthafte
Bedrohung für die Gesundheit dar und
können die Entwicklung und Gesundheit
von Ungeborenen beeinträchtigen. Daher
fordert die DGE bereits seit Jahren,
die betreffenden Substanzen aus dem
Verkehr zu ziehen.
Die Plastikproduktion hat sich in den
letzten 70 Jahren 200-fach erhöht und
übertrifft mittlerweile die gesamte Masse
aller tierischen Lebewesen auf unserem
Planeten. „Diese Plastikwelle ist
nicht nur ein Umweltproblem, sondern
auch eine erhebliche Gesundheitsgefahr:
Hormonaktive Substanzen, die in Mikroplastik,
Kosmetika und vielen anderen
Produkten enthalten sind, können hormonelle
Prozesse im Körper erheblich
stören“, erklärt Professor Dr. rer. nat.
Josef Köhrle, ehemaliger Direktor des
Instituts für Experimentelle Endokrinologie
an der Charité-Universitätsmedizin
Berlin. „Wir beobachten beispielsweise,
dass Jugendliche früher in die Pubertät
kommen. Auch Übergewicht, Diabetes
und Entwicklungsstörungen nehmen bei
Kindern zu.“
Gefährliche Belastung
während der
Schwangerschaft
Besonders besorgniserregend ist die Belastung
während der Schwangerschaft.
Per- und polyfluorierte Verbindungen
sowie langlebige organische Chemikalien
finden sich in hohen Konzentrationen
im Fruchtwasser und in der Follikelflüssigkeit
der Eierstöcke. „Ungeborene
Kinder baden förmlich in einem Mix aus
Schadstoffen“, so Köhrle. Diese Substanzen
können die Entwicklung des Fötus
schwer beeinträchtigen, insbesondere
die Gehirnentwicklung. Kinder von Müttern
mit hoher ED-Belastung haben ein
dreifach höheres Risiko für einen verzögerten
Spracherwerb.
Auswirkungen auf
die Schilddrüse und
Autoimmunerkrankungen
ED wie die für die Plastikproduktion
verwendeten Bisphenole (BPA) und
Phthalate, die Weichmacher für Plastikprodukte,
können das Schilddrüsenhormonsystem
verändern, was zu
12
Aktuelle Studien
ernsthaften Entwicklungsproblemen
führen kann. „Eine ausreichende Versorgung
mit dem für die Schilddrüsenhormonbildung
lebenswichtigen Spurenelement
Jod ist bereits ein globales
Problem, und die zusätzliche Belastung
durch EDs verschärft die Situation erheblich,
weil sie die Synthese, den Transport
und die Schilddrüsenhormonwirkung
beeinträchtigen können“, erklärt Köhrle.
Zudem können diese Chemikalien das
Risiko für Autoimmunerkrankungen wie
Hashimoto und sogar Schilddrüsentumoren
erhöhen.
ihre Unbedenklichkeit zu prüfen, bevor
sie in großem Maßstab produziert und in
Umlauf gebracht würden, so Köhrle. Insbesondere
sei es nicht sinnvoll, bekannte
endokrine Disruptoren durch verwandte,
aber noch wenig untersuchte Verbindungen
zu ersetzen.
Literatur:
(1) Reincke M, Arlt W, Damdimopoulou
P, Köhrle J, Bertherat J. Endocrine
disrupting chemicals are a threat to
hormone health: a commentary on
behalf of the ESE” Nat Rev Endocrinol.
2024 Apr;20(4):187-188. doi: 10.1038/
s41574-024-00958-0.
Was man für seine
Hormongesundheit tun
kann
Köhrle weist darauf hin, dass wir auch
individuell unseren Konsum hinsichtlich
bestimmter Gefahrstoffe überprüfen
können und sollen. „Etwa die Hälfte der
aktuellen ED-Belastung kann auf individuelles
Konsumverhalten zurückgeführt
werden. Jeder Mensch kann durch bewusste
Produkt-Entscheidungen seinen
Beitrag leisten“, sagt Köhrle. Doch um
die unfreiwillige Exposition zu senken,
müssen Produktion und Vertrieb von
identifizierten ED strikt reguliert und
gestoppt werden. „Von den rund 100.000
weltweit verwendeten Chemikalien sind
etwa 50 als endokrine Disruptoren klassifiziert
und gehören damit zur gleichen
Gefahrenklasse wie krebserregende Substanzen“,
warnt der Biochemiker und
Hormonexperte. „Es ist an der Zeit, diese
stille Bedrohung ernst zu nehmen und
sofort zu handeln.“
Dringende Maßnahmen
gefordert
Die DGE fordert ein sofortiges Handeln:
„Die Belastung mit ED muss reduziert
werden. Wir brauchen strengere Regulierungen
und ein Verbot der Herstellung
und Nutzung dieser gefährlichen
Chemikalien“, betont Köhrle. Besonders
für Frauen mit Kinderwunsch, Schwangere
und Kinder muss die Jodversorgung
verbessert werden. Wichtig sei jedoch
auch, neue chemische Substanzen auf
Ein bewährter Weg zu einem gesünderen Herzen.
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Wir bei BENEO wissen, dass Verbraucherinnen und Verbrauchern eine gesunde Ernährung
am Herzen liegt. Auch herkömmliche Lebensmittel können die Herzgesundheit fördern –
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13
V italstoffe
Oliver Wolf
Der ideale Riegel: Textur und Nährwert neu definiert
Proteinreich, zuckerreduziert und angenehm weich dank OPTIBAR®
© GELITA
Das Marktsegment „Snacking On-The-
Go” ohne Riegel? Undenkbar, denn
längst erfreuen sich viele Verbraucherinnen
und Verbraucher an Produkten, die
genau ihren Bedürfnissen entsprechen:
Ob es der kleine Hunger ist, den sie stillen
wollen, oder der Energiehaushalt,
der nach einer intensiven Sporteinheit
schnell wieder aufgefüllt werden soll.
Riegel sind praktisch – nicht nur für
Konsumentinnen und Konsumenten,
sondern auch für Hersteller.
Die Gestaltungsfreiheit von Formulierungen
ist scheinbar grenzenlos, wodurch
die Produzenten auch besonders
gut auf aktuelle Trends reagieren können.
Um jedoch den Erwartungen nach
gesünderen und sensorisch hervorragenden
Produkten gerecht zu werden, sind
innovative Inhaltsstoffe gefragt.
Eine der größten Hürden bei der Entwicklung
von Sportriegeln mit hohem Eiweißgehalt
ist die Textur und das Mundgefühl:
Ein hoher Anteil an Protein kann
zu trockenen, harten Riegeln führen, die
ein unangenehm sandiges Mundgefühl
hinterlassen. Bei Müsliriegeln wiederum
treiben herkömmliche Bindemittel
wie Sirup den Zuckergehalt in die
Höhe – das kann die Kaufentscheidung
negativ beeinflussen, da die Nachfrage
nach zuckerarmen Produkten steigt. Hier
kommt OPTIBAR ® ins Spiel, ein neues
Ingredient von GELITA, das gleich zwei
Lösungen bietet: Mit diesem Inhaltsstoff
lassen sich Proteinriegel mit einem sehr
hohen Eiweißgehalt von bis zu 60% und
höher produzieren. Die Textur bleibt dabei
weich und über die gesamte Haltbarkeitsdauer
hinweg stabil. Zudem können
Hersteller mit OPTIBAR ® zuckerfreie
Bindemittel für Müsliriegel fertigen, die
nicht nur den Zuckergehalt im Endprodukt
reduzieren, sondern auch herzhafte
Produktkreationen ermöglichen.
Wachstumschancen:
Funktionelle Snacks mit
mehr Protein
Innerhalb des weltweit steigenden Marktes
für Sportnahrung mit einer jährlichen
Wachstumsrate (CAGR) von rund fünf
Prozent haben sich Proteinriegel aufgrund
ihrer Funktionalität und breiten
Akzeptanz einen festen Platz gesichert
(1): Einst nur in Fitnessstudios oder speziellen
Geschäften erhältlich, sind sie
heute im Alltag der Menschen angekommen,
wo die breite Produktvielfalt für
volle Supermarktregale sorgt.
14
Protein
Eine Analyse von Innova Market Insights
zeigt, dass 17% der Konsumentinnen
und Konsumenten von Sportriegeln
diese viermal oder öfter pro Woche
verzehren. Sieben Prozent essen diese
sogar täglich. Trotz dieser beachtlichen
Zahlen bleiben die Konsumraten hinter
denen von Sportpulvern zurück, die von
27% der Nutzerinnen und Nutzer vierbis
sechsmal pro Woche und von 12%
täglich konsumiert werden (1). Natalie
Leuwer, Category Manager Food Specialties
bei GELITA, betont jedoch:
„Statt Pulver oder Kapseln bevorzugen
es viele Verbraucherinnen und Verbraucher,
ihren Nährstoffbedarf über angereicherte
Lebensmittel oder Nahrungsergänzungsmittel
in Snackformaten zu
sich zu nehmen. Eiweißreiche Riegel
haben daher ein enormes Potenzial, allerdings
nur, wenn die Endprodukte sensorisch
überzeugen.”
Bislang sind Produzenten immer wieder
an der Aufgabe gescheitert, Proteinriegel
mit sehr hohem Proteinanteil herzustellen,
die Funktionalität und Genuss
vereinen. Doch durch eine geschickte
Kombination verschiedener Eiweißquellen
lässt sich diese Herausforderung
meistern.
Weiche Riegel, auch bei
60 Prozent Proteingehalt
Herkömmliche Proteinriegel beispielsweise
auf Soja- oder Molkenbasis neigen
dazu, eine feste Textur zu entwickeln,
sobald sie einen bestimmten Eiweißanteil
überschreiten. Dies führt oft zu einer
harten, trockenen und bröseligen Konsistenz
mit potenziell unangenehmen Aromen.
Durch OPTIBAR ® bleibt die Textur
von Riegeln während ihrer gesamten
Haltbarkeit angenehm weich und bewahrt
dabei den Geschmack – selbst bei
einem Proteingehalt von mehr als 60%.
Die Löslichkeit einer Proteinquelle ist
entscheidend für die Rezeptentwicklung.
Während Milchproteine und viele Pflanzenproteine
nur teilweise löslich sind,
zeichnen sich Kollagenpeptide aufgrund
ihrer einzigartigen Struktur durch eine
außergewöhnlich hohe Löslichkeit aus.
Dies ermöglicht es Produzenten, überdurchschnittliche
Mengen an Eiweiß in
ihren Riegeln unterzubringen und dabei
die gewünschte weiche und angenehme
Textur beizubehalten.
Bei ausschließlicher Verwendung von
Molken- oder Pflanzenproteinen können
krümelige Riegel das Resultat sein,
während die alleinige Verwendung von
Kollagenpeptiden dazu führen könnte,
dass die Riegel zu weich werden. Daher
empfiehlt GELITA eine Kombination,
um optimale Ergebnisse zu erzielen:
Molken- und Pflanzenproteine verleihen
Struktur, während die Kollagenpeptide
von OPTIBAR ® für Homogenität, einen
angenehmen Biss und langanhaltende
Weichheit sorgen. Durch die Integration
von OPTIBAR ® in Riegelformulierungen
können Hersteller den steigenden
Anforderungen der Verbraucherinnen
und Verbraucher gerecht werden und
sich auf dem Markt hervorheben. Bei
einem Proteingehalt um die 40% kann
OPTIBAR ® zur Optimierung der Textur
eingesetzt werden. Liegt dieser zwischen
40 und 60%, gewährleistet es eine
langanhaltend weiche und genussvolle
Textur. Riegel mit mehr als 60% Eiweiß
werden durch OPTIBAR ® überhaupt erst
ermöglicht.
Weniger Zucker liegt im
Trend
Doch nicht nur proteinreiche Riegel sind
aktuell sehr beliebt auf dem Markt, die
Nachfrage nach zuckerarmen Riegeln ist
© GELITA
Abb. 1: OPTIBAR ® kann für Bindemittel in Müsliriegeln fungieren und damit den Zuckergehalt reduzieren.
September 2024
15
V italstoffe
aktuell höher als das Angebot in diesem
Marktsektor: Innova Market Insights
stellte fest, dass 26% der Konsumentinnen
und Konsumenten von Sportnahrung
durch zuckerarme Produktversprechen
beeinflusst werden. Allerdings weisen
nur 11 bis 16% der jüngsten Einführungen
dieses Merkmal auf (1), was unbefriedigte
Bedürfnisse und Raum für Innovationen
aufzeigt.
Die Produkteigenschaft „ohne Zuckerzusatz“
nehmen Verbraucherinnen und Verbraucher
bei Müsliriegeln positiv wahr.
Diese Riegelsorte macht den zweitgrößten
Teil des rund 39 Milliarden Euro großen
globalen Marktes für Cerealien aus.
Während der Gesamtmarkt mit einer
CAGR von etwa drei Prozent wächst,
übertreffen Müsliriegel dies mit einem
Wachstum von rund fünf Prozent. Zwischen
April 2022 und September 2022
trugen sie außerdem zu 36% aller weltweiten
Markteinführungen im Bereich
Müsli bei (2).
Innova prognostiziert, dass zukünftige
marktbestimmende Trends in diesem
Sektor stark auf Gesundheit und
„frei von” Erzeugnissen liegen werden
(2). Verbraucherinnen und Verbraucher
wünschen sich vermehrt Produkte, die
laktosefrei, kalorienarm, ohne Zuckerzusatz
oder zuckerfrei sind und nicht
gentechnisch modifiziert wurden. Diese
Trends folgen dicht auf die heutigen drei
beliebtesten Produktversprechen in diesem
Sektor: „glutenfrei”, „reich an Ballaststoffen”
und „reich an Protein“.
Zuckerfreies Bindemittel:
OPTIBAR ® macht’s
möglich
Die neue innovative Zutat kann auch
das Nährwertprofil in Müsliriegeln verbessern,
indem Hersteller es für zuckerfreie
Bindemittel verwenden: Durch
OPTIBAR ® können Produktentwickler
herkömmliche sirup- und zuckerreiche
Inhaltsstoffe in Bindemitteln ersetzen
und so den Zuckergehalt der Riegel erheblich
minimieren. Gleichzeitig sorgt
OPTIBAR ® als reines Protein dafür,
dass die Produkte einen zusätzlichen
Proteinboost erhalten. Die Kollagenpeptide
zeichnen sich durch einen neutralen
Geschmack aus und sind daher ideal
für die Herstellung sowohl süßer als
auch herzhafter Riegel geeignet. Dank
der technologischen Eigenschaften von
OPTIBAR ® lässt sich damit schnell und
einfach ein Binder herstellen. Im Gegensatz
zu traditionellen Rezepturen, bei
denen Bindemittel wie Zucker und Sirup
zuerst mit Wasser und Fett gekocht
werden, vereinfacht OPTIBAR ® den
Prozess erheblich. Es wird lediglich mit
Wasser und Fett auf 70° C erhitzt und anschließend
mit den Cerealien vermengt
und geformt.
Zusätzlich können Hersteller OPTIBAR ®
nahtlos in ihre bestehenden Produktionslinien
integrieren, ohne zusätzliche
Ausrüstung zu benötigen. Dies bietet
gleich mehrere Vorteile: geringerer
Energiebedarf, reduzierte Verarbeitungskosten,
weniger thermische Belastung
für empfindliche Zutaten und eine
geringere Umweltbelastung. Neben der
Zuckerreduktion und der Erhöhung des
Proteingehalts verbessert OPTIBAR ®
die Struktur der Riegel und sorgt für eine
angenehm knusprige Textur über die gesamte
Haltbarkeitsdauer des Produkts
hinweg. Darüber hinaus ist es vielseitig
einsetzbar und kann mit sämtlichen
Müsliriegelzutaten kombiniert sowie in
verschiedene Formen gebracht werden,
um den aktuellen Verbrauchertrends zu
entsprechen.
© GELITA
Abb. 2: Mit OPTIBAR ® können Hersteller genussvolle Riegel mit einem
Proteingehalt von mehr als 60% entwickeln.
Abb. 3: Dank seiner hervorragenden Löslichkeit lässt sich OPTIBAR ®
leicht verarbeiten, gewährleistet zudem einen hohen Proteingehalt
von über 60% und sorgt für eine langanhaltende weiche Textur in
Sportriegeln.
16
Protein
Ein technischer
Inhaltsstoff für alle Fälle
GELITA hat OPTIBAR ® entwickelt,
um Herstellern dabei zu helfen, sich in
den Märkten für Müsli- und Proteinriegel
optimal zu positionieren und schnell
auf Trends reagieren zu können. Der
vielseitige Inhaltsstoff ist die neueste
Ergänzung im Portfolio an natürlichen
und funktionalen Kollagenpeptiden.
Gewonnen wird OPTIBAR ® durch die
enzymatische Hydrolyse von Kollagen
und ist speziell für den Einsatz in
Riegelanwendungen optimiert. Das Pulver
bietet hervorragende Löslichkeit und
ist in agglomerierter Form erhältlich, was
eine staubfreie Handhabung garantiert.
Außerdem ist es geschmacksneutral, wodurch
es für jegliche Geschmacksrichtung
individuell anwendbar ist – egal ob
süß oder salzig. Ein entscheidender Vorteil
von OPTIBAR ® ist seine leichte Verdaulichkeit
und hohe Bioverfügbarkeit.
Als natürliche Zutat trägt es keine E-
Nummer, was es ideal für die Formulierung
von Clean-Label-Produkten macht.
Außerdem bietet OPTIBAR ® Potenzial
für nährwertbezogene Angaben wie
„Proteinquelle“, „reich an Protein“,
„zuckerreduziert“, „zuckerarm“ oder
„zuckerfrei“ gemäß der EU-Verordnung
1924/2006.
Umfassende
Unterstützung bei
der Anwendung und
Formulierung
Als Pionier im Bereich Kollagen und
Kollagenpeptide sowie als führender
Anbieter von Gelatine für Lebensmittel
und pharmazeutische Produkte steht
GELITA mit Rat und Tat zur Seite und
unterstützt bei der praktischen Anwendung
von OPTIBAR ® . Dabei begleitet
das Expertenteam von GELITA seinen
Kunden in jeder Phase der Entwicklung
und liefert langjährige wissenschaftliche
Expertise und technisches Know-How.
GELITA entwickelt sein Portfolio an
natürlichen Produkten kontinuierlich
weiter, um zukunftsfähige Lösungen für
die Lebensmittelindustrie anzubieten.
Darüber hinaus unterstützen die qualifizierten
Marketing- und Zulassungsteams
des Unternehmens ihre Kunden mit umfassender
Beratung zu Verbraucherinformationen,
Verpackungsangaben und
Marketingstrategien für Produkte, die
auf der ganzen Welt eingeführt werden.
Referenzen:
Innova Market Insights, Category
Insider: Fuelling the World with Sports
Nutrition, 2023.
Innova Market Insights, Category
Review: What’s Trending in Cereal &
Energy Bars – Global, October 2023.
Autor:
Oliver Wolf
Head of B2B Marketing (global),
GELITA AG
Global Marketing & Communication
Alle
Anwendung s
gebiete mehrfach
durch Studien
belegt:
Die Kraft der Natur.
Natürliche Nahrungsergänzungsmittel aus erstklassigen Beeren-Extrakten
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17
V italstoffe
Jörg Schreiber
Konjak-Glucomannan als präbiotischer Inhaltsstoff
und die Rolle des Mikrobioms bei Übergewicht
VIVA W8
© wasanajai – shutterstock.com
Übersicht
Kürzlich wurde ein neuer Weg zu einer
trinkbaren Konjak-Glucomannan-Variante
vorgestellt: Neuartige trinkfertige Produkte
auf Basis von Konjak-Glucomannan
für das Gewichtsmanagement, VIVA W8
(Schreiber, Vitalstoffe 4, 30-34, 2023).
Konjak-Glucomannan ist der einzige
Wirkstoff, für den die EFSA eine Indikation
für das Gewichtsmanagement erlaubt.
Das zunehmende Interesse an Präbiotika
(z. B. präbiotische Getränke) wirft
die Frage auf, ob Konjak-Glucomannan
einen Einfluss auf das Mikrobiom
hat und ob es möglich ist, dass die
Veränderungen des Mikrobioms nach
dem Verzehr von Konjak-Glukomannan
für die gesundheitlichen Vorteile
verantwortlich sind.
Taxonomische
Rangstufen
Bei erwachsenen gesunden Menschen
dominieren sechs Bakteriengruppen die
Darmflora: Firmicutes und Bacteroidetes
(90%), Proteobacteria, Actinobacteria,
Fusobacteria und Verrucomicrobia
(Abb. 1), (Woting, 2016).
Nomenklatur der Stämme (Phyla) nach
Rinninella (Rinninella, 2019).
Abb. 1
Quelle: Rinninella, 2019
18
Darm-Mikrobiom
Firmicutes und Bacteroidetes können
zusammen einen Anteil von mehr als
90% erreichen, während der Anteil
der Vertreter der anderen Stämme
zwischen 2% und 10% liegt. Das meiste
Wissen über die Zusammensetzung der
menschlichen Darmflora stammt aus
der Analyse von Fäkalproben (Woting,
2016).
Diese Bakterien sind in verschiedenen
Bereichen des menschlichen Körpers zu
finden (Palade, 2022).
Abb. 2 Quelle: Palade 2022
Entwicklung des menschlichen Darm-Mikrobioms
Das Darm-Mikrobiom des Menschen
entwickelt sich unterschiedlich, was
u.a. durch Ungleichheiten in der Säuglingsernährung
bedingt ist (Abb. 3).
Stillen erhöht die Anzahl der Bifidobakterien
und verringert Clostridien und
Bacteroides. Flaschennahrung erhöht
Clostridium und Bacteroides (Albenberg,
2014).
Abb. 3 Quelle: Albenberg, 2014
Die Rolle der Mikroflora beim Menschen
Darm-Mikrobiom und Adipositas
Schwankungen in der Kohlenhydrat-, Protein- und Fettzufuhr
wirken sich auf die Struktur der mikrobiellen Gemeinschaft aus,
wodurch bestimmte Bakterientypen häufiger vorkommen können
(Murga-Garrido, 2022).
Zwischen dem Darm-Mikrobiom und dem „Säugetierwirt“ gibt
es u.a. eine Wechselwirkung bei Entzündungen und dem Stoffwechsel
(Abb. 4), (Boulangé, 2016)
Abb. 4 Quelle: Boulange, 2016
September 2024
19
V italstoffe
Mikrobiom bei
übergewichtigen oder
fettleibigen Personen
(ältere Studiendaten)
Humanstudien an übergewichtigen gegenüber
normalgewichtigen Frauen
zeigten in einer Studie aus dem Jahr
2010 eine bemerkenswerte Verschiebung
der Bakterien (Abb. 5), (Santacruz,
2010). Die Ergebnisse lassen sich wie
folgt zusammenfassen:
Eine Verringerung von
• Bifidobacterium
• Bacteroides
Eine Zunahme von
• E. coli
• Enterobacteriaceae
• Staphylococcus
Abb. 5 Quelle: Santacruz, 2010
Erhöhung des Verhältnisses
von Firmicutes zu
Bacteroidetes
Der Zusammenhang zwischen dem
Body-Mass-Index und dem Verhältnis
von Firmicutes und Bacteroidetes ist in
Abb. 6 dargestellt (Koliada, 2017). Eine
Steigerung des Body-Mass-Index führt
zu einem Anstieg des Verhältnisses von
Firmicutes zu Bacteroidetes.
Es gibt aber auch Studien, bei denen ein
umgekehrter Trend festgestellt wurde
(Schwiertz, 2010).
Abb. 6 Quelle: Koliada, 2017
Zunehmender
Gewichtsverlust
versus Anteil der
Bacteroidetes bei
Übergewichtigen
Wenn fettleibige Personen Gewicht verlieren,
nimmt der Anteil der Bacteroidetes
zu. (Ley, 2006).
© mi_viri – AdobeStock.com
20
Darm-Mikrobiom
Energiegewinnung durch ein verändertes
Verhältnis von Firmicutes zu
Bacteroidetes
Eine 20-prozentige Zunahme der Firmicutes
(und eine entsprechende 20-prozentige
Abnahme der Bacteroidetes) war
mit einer um 150 kcal/Tag höheren Energieausbeute
verbunden, was im Laufe
der Zeit zu einer Gewichtszunahme führte
(Jumpertz, 2011).
Die Rolle der Ballaststoffe
Die Rolle der Ballaststoffe wird in
Abb. 7 erläutert (Cantu-Jungles, 2023).
Oberes Bild: Ballaststoff A wird von einer
Vielzahl von Bakterien verwertet und
vermehrt sich entsprechend.
Unteres Bild: Der Ballaststoff B wird nur
von wenigen Bakterien verwertet, die
sich entsprechend stark vermehren.
Nach heutigem Stand des Wissens sind
beide Wege vorteilhaft.
Das Mikrobiom von übergewichtigen
Menschen scheint effizienter darin zu
sein, Energie aus der Nahrung zu gewinnen
und als Fett zu speichern (Turnbaugh,
2006).
Ballaststoffe werden
von vielen Bakterien
genutzt
Geringes Wachstum
von vielen Bakterien
Mikrobiom bei
übergewichtigen oder
fettleibigen Personen
(Übersicht über neuere
Studiendaten)
In den letzten Jahren wurden zahlreiche
Studien darüber veröffentlicht, welche
Bakterien bei übergewichtigen oder fettleibigen
Personen vermehrt oder vermindert
vorkommen (Andoh (2016), Chen
(2016), Cheng (2022), Indiani (2018),
Komodromou (2024), (Li, Yue, 2022),
Lindstad (2021), Loftfield (2020), Mathur
(2015), Org (2017), Pinart (2022),
Palmas (2021).
Vermehrt kommen vor:
Bacteroides fragilis, Bacteroides ovatus,
Blautia, Clostridium, Coprococcus, Eubacterium,
Enterobacteriaceae, Escheria
shigella, Eschericha coli, Firmicutes,
Fusobacterium, Lachnospiraceae, Staphylococcus,
Lactobacillus, Lactobacillus
fermentum, Lactobacillus reuteri,
Lactobacillus fermentum, Streptococcus
(usw.).
Abb. 7
Ballaststoff A
Ballaststoffe werden
von wenigen
Bakterien genutzt
Ballaststoff B
Stärkeres
Wachstum von
wenigen Bakterien
Quelle: Cantu-Jungles, 2023
Abb. 7 Quelle: Cantu-Jungles, 2023
Die Rolle des Ballaststoffs Konjak-Glucomannan für
das Darm-Mikrobiom
Die Rolle der Darmbakterien beim
Abbau von Konjak-Glucomannan
Konjak-Glucomannan ist ein aus der
Konjak-Pflanze gewonnener Ballaststoff,
der durch Verdauungsenzyme im
Magen und Dünndarm nicht abgebaut
wird. Stattdessen wird er hauptsächlich
im Dickdarm verdaut und abgebaut.
Die Abbauprodukte von Konjak-Glucomannan
(Abb. 8) haben die gewünschten
Vorteile für die Darmgesundheit, fördern
das Wachstum von Probiotika, adsorbieren
pathogene Bakterien, senken die
Blutfette und fangen freie Radikale.
Verringert kommen vor:
Akkermansia, Bacteroides, Bifidobacterium
longum, Desulfovibrio, Faecalibacterium,
Faecalibacterium prausnitzii,
Lactobacillus plantarum (usw.).
Offensichtlich sind viele Spezies im
Darm an der Entstehung von Fettleibigkeit
beteiligt.
Abb. 8
September 2024
21
V italstoffe
Abb. 9
Präbiotische Wirkung
von Konjak-Glucomannan
oder der Abbauprodukte
von Konjak-Glucomannan
In den letzten Jahren wurde publiziert,
wie sich das Mikrobiom in In-vitro- oder
In-vivo-Studien in Gegenwart von Konjak-Glucomannan
verändert (Al-Ghazzewi
(2012), Ariestanti (2019), Chen
(2008, 2006, 2005), Cui (2021), Jiang
(2018), Lestari (2023), Li (2022), Mao
(2023, 2021), Pallister (2017), Santacruz
(2010), Tan (2024), Yang (2017), Wang
(2023, 2016, 2008), Wen (2024), Yang
(2018)).
Abb. 9 gibt einen Überblick über den
Einfluss der Abbauprodukte von Konjak-
Glucomannan, die das Substrat für die
Fermentation verschiedener Bakterien
sind, und die Vorteile, die sich aus der
Verschiebung der Bakterien ergeben.
Veränderung in der
Anzahl der Bakterien
Wie bereits erwähnt gibt es bei Übergewicht
eine Vielzahl an Bakterien, die im
Vergleich zu Menschen mit Normalgewicht
vermehrt auftreten.
Interessanterweise zeigt die Studienlage
bei Konjak-Glucomannan, dass viele
dieser Bakterien in den In-vitro- oder in
In-vivo-Studien verringert vorkommen.
Wie bereits angeführt gibt es bei Übergewicht
eine Vielzahl an Bakterien, die
im Vergleich zu Menschen mit Normalgewicht
weniger häufig zu finden sind.
Bei Konjak-Glucomannan ergibt sich
hier in den In-vitro-/In-vivo-Studien der
umgekehrte Effekt.
Fazit bezüglich der Daten
in Abb. 9
Menschen, die Konjak-Glucomannan
konsumieren, sollten durch die Verschiebung
von mindestens 19 Bakterienarten
mögliche Vorteile haben, da die entsprechenden
Bakterien (die bei Übergewichtigen
reduziert sind) gefördert werden und
umgekehrt. Ferner ist der Zusammenhang
zwischen dem Vorhandensein/der Abwesenheit
von einigen Bakterien und Übergewicht
aus anderen Studien bekannt.
Visualisierung der
wissenschaftlichen Daten
Die Auswirkungen von Konjak-Glucomannan
auf die verschiedenen Bakterien
bzw. ihre Interaktionen mit anderen
Bakterien und die daraus resultierenden
Vorteile sind komplex und nicht leicht zu
verstehen (Abb. 9).
22
Darm-Mikrobiom
Antioxidative
Wirkungen
B. breve/
B. longum
Reduktion
von
Triglyceriden
Verbesserte
Darm
Schleimhaut
Muzin
Sekretion
Butyrate
Produktion
Bifidobacterium
breve
Fettmassen
Reduzierung
Akkermansia
Faecalibacterium
prausnitzii
Wachstumsförderung
Ballaststoffe
Lactobacillus
plantarum
Gewichtsabnahme
BMI
verringert
Enzündungs
Reduktion
Clostridium
perfringens
Erklärung
Orange: Phänotyp: Welcher Effekt ist in der
Literatur beschrieben?
Rot Positive Korrelation
Grün: Positive Auswirkungen von Konjak
Glucomannan auf Bakterienarten
Blau: Hemmung einer bestimmten Bakterienart
durch eine "grüne" Bakterienart
Abb. 10
Abb. 10
Bifido
Bakterien
Lese-Hinweis: (Mögliche Vorteile):
Konjak-Glucomannan hat einen positiven Einfluss auf das
Wachstum von B. breve
Akkermansia fördert das Wachstum von F. Prausnitzii
F. Prausnitzii reduziert den Body Mass Index (BMI)
Akkermansia fördert die Gewichtsabnahme
B. breve/B. longum fördert den Fettabbau
L. plantarum hemmt das Wachstum von C. perfringens
In Abb. 10 wurde ein Versuch unternommen,
diese Beziehungen zu visualisieren
(unter Berücksichtigung von nur 6 Bakterienarten).
Die wirkliche Zahl der Bakterieninteraktionen
ist natürlich höher.
Mikrobielle Komponente von Übergewicht:
Diese Ergebnisse legen nahe,
dass Übergewicht eine mikrobielle
Komponente hat und die Supplementierung
von Konjak-Glucomannan daher
sinnvoll ist, weil das Mikrobiom vorteilhaft
beeinflusst werden könnte.
Präbiotischer Index
Der präbiotische Index (PI) ist ein quantitatives
Maß zur Bewertung des präbiotischen
Potenzials verschiedener Kohlenhydrate.
Er wird auf der Grundlage
der Veränderungen in wichtigen Bakteriengruppen
wie Bifidobakterien, Laktobazillen,
Clostridien und Bacteroides
durch In-vitro-Fermentationsstudien ermittelt.
Ein höherer PI-Wert zeigt eine
stärkere präbiotische Wirkung. Konjak-
Glucomannan (KGM, 1.26) ist besser
als Inulin (0.97).
Abb. 11 Quelle: Ariestanti, 2019
September 2024
23
V italstoffe
Entwicklung des
präbiotischen Marktes
Der vorgestellte Überblick über die
Wirkung von Konjak-Glucomannan auf
das Mikrobiom öffnet die Tür für neue
präbiotische Getränkekonzepte auf der
Basis von Konjak-Glucomannan, da man
ein Kategorie-Wachstum für probiotische
und präbiotische Getränke erwartet
(Abb. 12).
Insbesondere präbiotische Getränkekonzepte
zur Gewichtsreduktion auf Basis
des Konjak-Glucomannans könnten hier
vorteilhaft sein, da bei Probiotika durch
den Einsatz spezieller Bakterienstämme
die Komplexität auf die Auswirkungen
des Mikrobioms nicht unterschätzt werden
sollte. Abb. 12 Quelle: www.kbvresearch.com
Neuartige trinkfertige Produkte auf Basis von Konjak-Glucomannan
für präbiotische Konzepte
Vivatis entwickelte eine trinkbare Version von Konjak-Glucomannan, VIVA W8 (Abb. 13), die für präbiotische Konzepte
genutzt werden könnte (Schreiber, Vitalstoffe 4, 30-34, 2023).
Abb. 13
© nadianb – AdobeStock.com
24
Darm-Mikrobiom
Abb. 14
Zusammenfassung
Typische Diäten zur Gewichtsreduktion
könnten scheitern, weil die komplexe
Rolle des Mikrobioms unterschätzt wird.
Konjak-Glucomannan hat die Fähigkeit,
das Sättigungsgefühl zu verbessern und
den Cholesterinspiegel zu senken (EFSA
Claim).
Außerdem wurde der Einfluss der Energiereduzierung
als Strategie zur Verringerung
der Fettleibigkeit mit dem
relativen Verhältnis von Firmicutes zu
Bacteroidetes erläutert. Ein Anstieg der
Firmicutes um 20% (und ein entsprechender
20%iger Rückgang bei den
Bacteroidetes) ist mit einem Anstieg der
Energiegewinnung um 150 kcal/Tag verbunden,
was im Laufe der Zeit zu einer
Gewichtszunahme führt.
Der spezifische Mechanismus, durch den
Konjak-Glucomannan die bioaktive Rolle
gegen Übergewicht oder ganz allgemein
eine präbiotische Wirkung ausübt,
war noch umstritten.
Daten aus öffentlich zugänglichen Quellen
über die Veränderung des Mikrobioms
bei Fettleibigkeit wurden mit den
wissenschaftlichen Daten über die Wirkung
von Konjak-Glucomannan auf verschiedene
Bakterienarten verglichen.
Mikrobielle Komponente
von Übergewicht beim
Menschen/bei Konsum
von Konjak-Glucomannan
(präbiotische Wirkung):
Die vorgestellten Ergebnisse legen nahe,
dass Übergewicht eine mikrobielle Komponente
hat.
Konjak-Glucomannan kann einen positiven
Einfluss auf das Mikrobiom
haben, da es Bakterien fördert, die das
Körpergewicht, den Body-Mass-Index,
die Triglyceridwerte, stille Entzündungen,
die Darmschleimhaut beeinflussen.
Mögliche positive Wirkungen hängen
sicher auch von der Darreichungsform
(in Kapselform oder trinkfertiges Pulver,
weitere Inhaltsstoffe) und den täglichen
Ernähungsgewohnheiten ab.
Darüber hinaus könnte die Einnahme
von Konjak-Glucomannan die Vielfalt
des Mikrobioms erhöhen. Die Ergebnisse
zeigten, dass es eine komplexe Korrelation
zwischen den Bakterien des Mikrobioms
und dem Phänotyp gibt. Es wurde
versucht, diese Komplexität graphisch zu
veranschaulichen (Abb. 10 und Abb. 14)
Eine trinkfertige Zubereitung auf Basis
von Konjak-Glucomannan ist daher
empfehlenswert (VIVA W8).
Referenzen:
Literatur liegt beim Verfasser vor.
Autor:
Dr. Jörg Schreiber
Business Development Formulation
Vivatis Pharma GmbH
© amawasri – AdobeStock.com
September 2024
25
V italstoffe
Magnesium – ein lebensnotwendiger Mineralstoff
Interview mit Frau Dr. Sonja John, Head of Product & Application Management, und
Frau Katrin Schultz, Manager Business Development, beide tätig bei der MAGNESIA GmbH, Lüneburg.
Einleitung
Magnesium ist ein wesentlicher Bestandteil
der Ernährung. Es ist beteiligt
an zahlreichen Stoffwechselprozessen
und spielt eine wichtige Rolle bei der
physiologischen Funktion von Gehirn,
Herz- und Skelettmuskulatur.
Außerdem ist Magnesium ein Co-Faktor
für Hunderte von Enzymen, die mehrere
biochemische Prozesse regulieren,
einschließlich Energiestoffwechsel, Proteinsynthese,
Muskel- und Nervenfunktion,
Blutzuckerspiegel und Blutdruck.
Magnesium wird vor allem in den Knochen,
Zähnen, Muskeln und Weichteilen
gespeichert. Die Magnesiumhomöostase
wird durch die Sekretion und Rückresorption
in den Nieren geregelt.
Gute Lieferanten für Magnesium sind
Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte,
grünes Blattgemüse, Nüsse und Samen,
sowie Fisch und Meeresfrüchte. Aufgrund
der Verzehrmenge und -häufigkeit
tragen Kartoffeln, Bananen, Fleisch
sowie Milch- und Milchprodukte trotz
geringerer Magnesiumgehalte zur Versorgung
bei.
Mobilisierung aus den Knochen. Dabei
hält unser Körper die Magnesiumkonzentration
im Serum in einem engen
Bereich (0,75 bis 0,96 mml/l) und dieser
Serumspiegel nimmt erst nach langer unzureichender
Versorgung (über mehrere
Wochen, > 80 Tage) ab. Das bedeutet
auch bei chronisch latenter Unterversorgung
bleibt die Serumkonzentration,
i.d.R. stabil.
Da Sie nach dem Bedarf gefragt hatten:
Für Erwachsene im Alter von 19 bis
über 65 Jahre wurde ein Schätzwert von
350 mg/Tag für Männer und 300 mg/Tag
für Frauen abgeleitet.
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Wie schätzen Sie die
Magnesium versorgung weltweit
und in Deutschland ein?
Schultz: Eine bedarfsgerechte Magnesiumversorgung
ist von enormer Wichtigkeit.
Ein Magnesiummangel kann
zu verschiedenen Symptomen führen,
wie neuromuskuläre Dysfunktion, Muskelschwäche
und Muskelkrämpfe. Die
Aufrechterhaltung eines angemessenen
Magnesiumspiegels im Körper ist deshalb
von besonderer Bedeutung für eine
optimale körperliche Leistung und Erholung
nach dem Sport.
Wie hoch ist der tägliche Bedarf an Magnesium bei Erwachsenen
und welche Zufuhrempfehlungen gibt es?
John: Leider weist die Studienlage zur
Bestimmung des durchschnittlichen Magnesiumbedarfs
deutliche Limitationen
auf und insgesamt ist die uns vorliegende
Menge an Studiendaten dünn. Deshalb
kann der Magnesiumbedarf nicht genau
bestimmt werden, um daraus eine
Zufuhrempfehlung abzuleiten. Deshalb
werden nur Schätzwerte angegeben.
Weiterhin existiert derzeit kein geeigneter
Biomarker, um zu bestimmen, wie
gut der Körper mit Magnesium versorgt
ist. Dies rührt daher, dass Magnesium
überwiegend intrazellulär vorliegt und
sich lediglich 1% in der extrazellulären
Flüssigkeit befindet. Es herrscht ein
komplexes Zusammenspiel von Absorption,
Ausscheidung über die Niere und
Ernährungsumfragen und epidemiologische
Studien in den USA und der EU
zeigten, dass die Aufnahme von Magnesium
über die Nahrung im Durchschnitt
niedriger ist als die empfohlene Tagesdosis
(Recommended Daily Allowance
(RDA)) von 320 bis 420 mg Magnesium
pro Tag. Die RDA ist definiert als
die durchschnittliche tägliche Zufuhrmenge,
die ausreicht, um den Nährstoffbedarf
von fast allen gesunden Personen
(97% – 98%) zu decken.
26
Mineralstoffe
Die Magnesiumzufuhr über die Nahrung
unterscheidet sich stark zwischen verschiedenen
Ländern, wie auch zwischen
verschiedenen Bevölkerungsgruppen
(jung vs. alt, sitzend vs. sportlich). Auf
Grundlage der Studienergebnisse kann
davon ausgegangen werden, dass mehr
als 50% der Normalbevölkerung einen
geringfügigen Magnesiummangel hat.
Laut Nationaler Verzehrsstudie (NVS II)
liegt die mittlere Zufuhr von Magnesium
bei Frauen bei 284 mg und bei Männern
bei 345 mg pro Tag.
John: Neben der normalen, gesunden
Bevölkerung, die sich optimalerweise
mit einer ausgewogenen Vollkost ernährt,
müssen insbesondere chronisch
kranke Personen gesondert betrachtet
werden. Einige Krankheiten und ihre
zugehörige Medikation wirken sich auf
den Mineralstoffhaushalt aus und erhöhen
entweder die Ausscheidung über die
Niere oder vermindern die Resorption
im Magen-Darm-Trakt. Ein prominentes
Beispiel hierfür ist die Einnahme von
Cortison, das bei einer Vielzahl entzündlicher
Erkrankungen Einsatz findet.
Kann der Magnesiumbedarf
durch den Verzehr einer
normalen Vollkost gedeckt
werden?
Schultz: Kerne und Samen wie Mandeln,
Sonnenblumen- und Kürbiskerne,
sowie Leinsamen und Sesam haben
einen hohen Magnesiumgehalt. Hohe
Magnesiumgehalte weisen zudem Getreideprodukte
aus Vollkorn auf. Auch
Kakaopulver und Bitterschokolade enthalten
hohe Mengen an Magnesium.
Weitere Magnesiumquellen sind Hülsenfrüchte
(z. B. Kidneybohnen, Linsen,
Erbsen), grünes Blattgemüse (z. B. Mangold,
Blattspinat), Fisch (z. B. dorschartige
Fische) und Meeresfrüchte (z. B.
Garnelen).
Getränke wie Espresso, Fruchtsäfte
(z. B. schwarzer Johannisbeersaft) und
Wasser liefern ebenfalls Magnesium.
Beim Trinkwasser kommt es auf die
Quelle und den Härtegrad an, härteres
Wasser weist höhere Konzentrationen
auf als weiches.
Eine vielfältige Ernährung kann zu einer
guten Versorgung mit Vitaminen und
Mineralstoffen beitragen, da die oben
aufgeführten Magnesiumquellen sich in
ihrer Bioverfügbarkeit unterscheiden –
ein abwechslungsreicher Speiseplan ist
deshalb sinnvoll (und zwar nicht nur für
die Magnesiumversorgung).
John: Gerade bei pflanzlichen Lebensmitteln
muss neben einem hohen Mineralstoffgehalt
auch die Menge an absorptionshemmenden
Substanzen wie
Phytin, Oxalsäure und Ballaststoffen in
Betracht gezogen werden. Diese können
die Verfügbarkeit für den menschlichen
Organismus erheblich beeinträchtigen.
Auch die Art der Zubereitung der Nahrung
kann ein Verarmen der zubereiteten
Lebensmittel z. B. durch Auslaugen
durch einen zu langen Kochvorgang bedingen.
Einige Studien belegen ebenfalls, dass
die Vitamin- und Mineralstoffgehalte unserer
Lebensmittel über den Zeitverlauf
gesunken sind. Dies ist z. B. auf neue
Züchtungen auf bestimmte Parameter,
wie den Stärkegehalt in Getreide, zurückzuführen
oder auf eine Mineralstoffverarmung
der Böden.
Es müssen also immer die individuellen
Verzehrs-Gewohnheiten mit in Betracht
gezogen werden, wenn die Versorgungssituation
beurteilt werden soll.
Die gezielte Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln
kann daher je nach
Ernährungsgewohnheiten, Allgemeinzustand
und Lebensphase eine gute Ergänzung
darstellen.
Welches sind sinnvolle
Darreichungsformen für
Nahrungsergänzungsmittel mit
Magnesium?
Schultz: Magnesium kann in verschiedenen
Formen supplementiert werden,
z. B. als Kapsel oder Tablette, als Pulver
oder Granulat zum Direktverzehr (z. B.
Magnesiumcitrat) oder zum Einrühren
in Wasser. Mittlerweile gibt es auch mit
Magnesium angereicherte Weingummis.
Zu beachten ist hierbei, dass sich nicht
jede Magnesiumverbindung für jede
Darreichungsform eignet. Soll das Magnesiumprodukt
z.B. in Wasser gelöst
werden, ist ein Citrat wunderbar geeignet,
wohingegen sich für die Tablettierung
ein Oxid mit seinem vergleichsweise
hohen Magnesiumanteil anbietet.
Für Bisglycinate würde ich aufgrund
des Geschmacks eher die Verwendung
in Kapseln empfehlen. Sie merken, es
gibt nicht die eine pauschale Antwort.
Die gängigsten Varianten sind allerdings
Kapseln und Tabletten, dicht gefolgt von
Pulver und Brausetabletten.
Das Tolle an den Darreichungsformen
Kapseln und Pulver bzw. Granulat ist,
dass wir hier oftmals ohne Hilfsstoffe
(z.B. Fließmittel) auskommen, sofern
wir die richtige Verbindung wählen –
dadurch können wir sehr einfach ein
cleanes und gleichzeitig hochwirksames,
weil gut bioverfügbares Produkt
herstellen.
Besonders stolz sind wir derzeit auf zwei
neue Produkte in unserem Portfolio:
1. Ein Magnesiumcitrat-Granulat, was
uns die Abfüllung in Kapseln oder
als pures Granulat zum Einrühren in
Wasser erlaubt, denn es gibt kaum
Produkte am Markt, die reines Magnesiumcitrat
enthalten und ohne
Fließmittel auskommen. Und genau
diese Lücken schließen wir mit diesem
Produkt.
2. Weiterhin konnten wir unser Portfolio
um ein säurelösliches Magnesiumoxid
erweitern, das in der Endanwendung
nicht nur gut funktioniert,
sondern auch gut schmeckt. Derlei
Rezepturentwicklungen bringen uns
Spaß und helfen auch Endverbraucherinnen
und -verbrauchern.
September 2024
27
V italstoffe
Inwieweit eignet sich
Magnesium zur Anreicherung
von Lebensmitteln und
Getränken?
John: Magnesiumsalze, die für die Anreicherung
von Lebensmitteln und den
Einsatz in NEM in Europa zugelassen
sind, haben durchaus unterschiedliche
physikalische Eigenschaften.
Die Eigenschaften werden oftmals
durch das Herstellungsverfahren der
Mineralstoffe beeinflusst. So können
sich chemisch identische Produkte mit
gleichen ausgewiesenen Monographien
sehr deutlich je nach Hersteller unterscheiden.
Dies macht die Arbeit von
Produktentwicklern und -entwicklerinnen
zu einem wirklich herausfordernden
Job, insbesondere, wenn bereits im
Markt existierende Produkte nachgebaut
werden sollen.
Neben der allgemeinen Löslichkeit ist es
z. B. auch die Lösungsgeschwindigkeit,
die einen Unterschied ausmacht. Generell
sind die relevanten Parameter auch
auf die Partikelgröße, das Fließverhalten
und das Schüttgewicht auszuweiten.
Diese bestimmen, ob ein Magnesiumsalz
aus rein technologischer Sicht in der
Herstellung von Fertigprodukten eingesetzt
werden kann.
Der Geschmack zählt insbesondere für
den Endkonsumenten zu den wichtigsten
Parametern. Auch wenn es noch immer
heißt: „Wenn es nicht gut schmeckt,
dann hilft es wenigstens“, beeinflusst der
Geschmack das Kaufverhalten und die
Verwendung.
immer einzigartig. Eine individuelle
Betreuung ist bei einer vermeintlich einfachen
Stoffgruppe wie die der Mineralstoffe
daher absolut notwendig und entspricht
der Philosophie der MAGNESIA
GmbH.
Wie unterscheiden sich
Magnesium-Verbindungen und
welches sind ihre Vorteile?
Schultz: Ungefähr 30% des aufgenommenen
Magnesiums wird im Darm absorbiert.
Die Nieren regulieren anschließend
einen homöostatischen Spiegel im
Serum über die Sekretion und Reabsorption
in den Nierenkörpern. Das Ausmaß
der Absorption hängt dabei vom Magnesiumstatus
des Körpers ab. Ein Magnesiummangel
führt zu einer erhöhten
Absorption.
Die Bioverfügbarkeit der verschiedenen
Magnesiumverbindungen (und übrigens
auch vieler anderer Mineralstoffe)
Organische Magnesiumsalze
Magnesiumcitrat
Magnesiumlactat
Magnesiumgluconat
Magnesiumbisglycinat
vorauszusagen, ist jedoch schwierig, da
die Studienlage dünn ist und es weiterhin
nicht immer geeignete Parameter gibt,
über die sich Aussagen zur Bioverfügbarkeit
ableiten lassen.
Nach jetzigem Studienstand lässt sich
vereinfacht sagen: Die Löslichkeit von
Magnesiumverbindungen in verschiedenen
Lösungen kann dazu verwendet
werden, die Bioverfügbarkeit vorherzusagen.
Auch viele weitere Mikronährstoffe,
die derzeit in Form von Nahrungsergänzungsmitteln
auf dem Markt
sind, weisen möglicherweise eine suboptimale
Wirksamkeit aufgrund schlechter
Löslichkeit und/oder Bioverfügbarkeit
auf.
So scheinen organische Magnesiumverbindungen
aufgrund ihrer besseren
Löslichkeit über eine bessere Bioverfügbarkeit
zu verfügen. Organische Stoffe
weisen jedoch oftmals weniger elementares
Magnesium auf als anorganische
Verbindungen.
Anorganische Magnesiumsalze
Magnesiumoxid
Magnesiumchlorid
Magnesiumsulfat
Magnesiumcarbonat
Die unterschiedlichen Magnesiumverbindungen
wirken sich teilweise auch
auf andere in Lebensmitteln oder NEM
enthaltenen Zutaten aus. So können z. B.
freie Mg 2+ -Kationen Proteine koagulieren
lassen. Diese Interkationen treten
aber oft nicht unmittelbar auf, sondern
entstehen über den Lagerungszeitraum
der Haltbarkeitsspanne der Fertigprodukte.
Diese große Variation an Möglichkeiten
macht die Beratung unserer Kunden
Tabelle 1: Beispiele für organische und anorganische Magnesiumverbindungen
John: Die Verträglichkeit oder Unverträglichkeit
von Mineralstoffen und insbesondere
von Magnesiumsalzen hängt
oft vom Anion ab.
Das Anion selber kann neben der Beeinflussung
der Verträglichkeit auch eine
Wirkung haben. Jedoch müsste die Dosierung
des Mineralstoffs für eine Wirkung
des Anions so hoch gewählt werden, dass
das Kation, also die Metallkomponente,
in einem Mineralstoff stark überdosiert
wäre.
Um die Verträglichkeit im Allgemeinen
zu verbessern, bietet sich eine Kombination
unterschiedlicher Magnesiumverbindungen
an.
28
Mineralstoffe
Sie sind beide Ernährungswissenschaftlerinnen
und arbeiten im Bereich
Nahrungsergänzungsmittel –
Forschung trifft also auf
Marktwirtschaft. Hand aufs
Herz, würden Sie selbst
Magnesiumsupplemente
konsumieren und wenn ja,
welche Verbindung würden Sie
wählen?
Schultz: Ich würde nicht nur, ich tue
es. Magnesium hat einfach ein breites
Wirkspektrum und kann nicht nur nach
sportlicher Aktivität den krampfenden
Muskeln vorbeugen, sondern eignet sich
insbesondere auch für Frauen im Rahmen
der Zyklusgesundheit oder für einen
guten Schlaf. Ich persönlich entscheide
mich meistens für ein Magnesiumcitrat
in Kapseln, da hier eine gute Waage zwischen
elementarem Magnesiumgehalt
und Bioverfügbarkeit (zumindest nach
derzeitiger Datenlage) gehalten wird.
Und das Großartige an Magnesiumsupplementen
ist auch, dass man es nicht
unbemerkt überdosieren und dabei unangenehme
Schäden verursachen kann
(wie es z.B. bei Selen der Fall ist). Wer
zu viel Magnesium einnimmt (= über
die empfohlene Tagesdosis hinaus), der
muss halt auf Klo und das war‘s dann
aber auch.
John: Ich verwende ebenfalls Magnesiumsupplemente
und mische gerne organische
Magnesiumverbindungen wie
Magnesium-Lactat und Monomagnesium-Citrat.
Diese Mischung löst sich gut
auf und schmeckt dabei auch noch gut,
ohne dass es weiterer Geschmacksstoffe
bedarf. Diese Mischung gebe ich morgens
in meine große Wasserflasche, die
ich im Tagesverlauf austrinke. Die Zufuhr
kleiner Magnesiumdosen über den
Tag verteilt verbessert die Aufnahme und
verringert die erwähnten Nebenwirkungen.
Ganz nebenbei erwähnt bekommt auch
mein Pferd Magnesium als Supplement.
Magnesium wirkt sich auch beim Tier
positiv auf die mentale Stabilität und natürlich
die Muskulatur und Nerven aus.
Sie sprachen gerade die
Muskelkrämpfe an – ist eine
hohe Dosis von Magnesium
sinnvoll, wenn man zu
Krämpfen neigt? Und falls ja,
wie hoch?
Schultz: Bei gesunden Menschen
können ein höheres Lebensalter,
Schwangerschaft, sportliches Training
oder Elektrolytstörungen Muskelkrämpfe
begünstigen. Da Magnesium auch für
die Muskelfunktion wichtig ist, wird es
oft zur Krampf-Prophylaxe verwendet.
Die Evidenz der Studien hierzu ist jedoch
dünn.
Klar ist: Die Leistung unserer Muskeln
hängt mit der Elektrolytversorgung zusammen.
Magnesium allein ist allerdings
Katrin Schultz
Ernährungswissenschaftlerin (M.Sc.)
Zertifizierte Ernährungsberaterin (DGE)
nicht entscheidend, wenn es um Muskelkrämpfe
geht, auch Kalium und Natrium
scheinen, gemeinsam mit dem Flüssigkeitshaushalt,
eine wichtige Rolle zu
spielen.
Wem eine ausgewogene Ernährung
schwerfällt und wer bei hohen sportlichen
Belastungen sein Wasser aufwerten
möchte, kann gut auf Magnesiumpräparate
zurückgreifen. Auch im Rahmen
der von der nationalen Verzehrsstudie
aufgedeckten Mangelversorgung kann
eine Supplementierung Sinn machen.
Ich persönlich würde aufgrund der unten
genannten Nebenwirkung jedoch nicht
empfehlen, hohe Dosen auf einmal zu
nehmen, sondern lieber mehrere kleine
Dosen über den Tag verteilt (z.B. morgen
und abends).
Wir bedanken uns herzlich für das aufschlussreiche Interview mit
Dr. Sonja John
Ökotrophologin mit dem Schwerpunkt Lebensmitteltechnologie | PTA
Seit über 10 Jahren im Mineralstoffbusiness
September 2024
29
V italstoffe
Laura Ingenlath
Neue Erkenntnisse über Artemisia annua – Potenziale und
Herausforderungen in der Medizin
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Artemisia annua, auch bekannt als Einjähriger
Beifuß, ist eine Pflanze mit einer
langen Geschichte in der traditionellen
chinesischen Medizin und Heilkunde.
In den letzten Jahrzehnten hat die Pflanze
wegen ihres Hauptwirkstoffs Artemisinin,
der als revolutionäre Behandlung
gegen Malaria anerkannt wurde,
weltweite Aufmerksamkeit erlangt. Die
Entdeckung von Artemisinin durch die
chinesische Wissenschaftlerin Youyou
Tu, die dafür 2015 den Nobelpreis für
Physiologie oder Medizin erhielt, markierte
einen bedeutenden Durchbruch in
der Infektionsbekämpfung (Wang et al.,
2023; Farmanpour-Kalalagh, Kashkooli,
Babaei, Rezaei & van der Krol,
2022).
In jüngster Zeit hat die Forschung die
vielfältigen potenziellen Anwendungen
von Artemisia annua und ihren Derivaten
über die Malariatherapie hinaus untersucht.
Neueste Studien deuten darauf
hin, dass Artemisia-annua-Extrakt antivirale
Eigenschaften besitzt, die sie zu
einer potenziellen natürlichen Substanz
im Kampf gegen Viruserkrankungen
wie COVID-19 machen könnten (Farmanpour-Kalalagh,
Kashkooli, Babaei,
Rezaei & van der Krol, 2022). Darüber
hinaus zeigen präklinische Untersuchungen
vielversprechende Ergebnisse
im Bereich der Onkologie und deuten
darauf hin, dass Artemisinin und dessen
Derivate möglicherweise das Wachstum
von Krebszellen hemmen können (Farmanpour-Kalalagh,
Kashkooli, Babaei,
Rezaei & van der Krol, 2022).
Diese wachsende wissenschaftliche
Neugier und die vielfältigen therapeutischen
Möglichkeiten machen Artemisia
annua zu einem interessanten, aktuellen
Forschungsgegenstand.
30
Pflanzenextrakte
Botanische Eigenschaften
von Artemisia annua
Artemisia annua ist eine einjährige krautige
Pflanze, die ursprünglich aus den
gemäßigten Zonen Asiens stammt, aber
inzwischen weltweit kultiviert wird. Sie
kann bis zu drei Meter hochwachsen und
zeichnet sich durch ihre zarten Blätter,
die an Federn erinnern, und kleine gelbe
Blüten aus. Die Pflanze gehört zur Familie
der Asteraceae, einer der größten und
vielfältigsten Pflanzenfamilien. Artemisia
annua wächst bevorzugt in sonnigen,
gut durchlässigen Böden und benötigt
wenig Pflege, was sie zu einer robusten
und weit verbreiteten Heilpflanze macht
(Wani et al., 2022).
Pharmakologische
Wirkmechanismen
Artemisinin und seine Derivate
Artemisinin, ein Sesquiterpenlacton
(SLs) mit einer ungewöhnlichen endoperoxidischen
Struktur, ist der Hauptwirkstoff,
der aus den Blättern und
Blüten von Artemisia annua gewonnen
wird. Der Wirkmechanismus von Artemisinin
basiert auf der Aktivierung
durch Häm oder Eisenionen, die in den
Plasmodium-Parasiten vorkommen.
Diese Aktivierung führt zur Bildung von
freien Radikalen, die die Zellmembranen
und essenziellen Proteine des Parasiten
schädigen und somit dessen Abtötung
bewirken. Plasmodium-Parasiten haben
eine große Bedeutung, da die Krankheitserreger
der Malariakrankheit zu dieser
Gattung gehören (Wang et al., 2023;
Farmanpour-Kalalagh, Kashkooli, Babaei,
Rezaei & van der Krol, 2022).
Extrakte aus Artemisia annua die Vermehrung
der Viren beeinflussen. Die Laborversuche
zeigten, dass durch Hemmung
der Virusaufnahme und Blockierung von
Signalwegen die Virusvermehrung reduziert
werden kann. Diese Entdeckungen
der Studie von Farmanpour-Kalalagh,
Kashkooli, Babaei, Rezaei und van der
Krol (2022) sind vielversprechend und
deuten darauf hin, dass Artemisia annua
ein möglicher natürlicher Wirkstoff gegen
Viruserkrankungen sein könnte. Weitere
Forschung zu diesem Thema ist nötig, um
die Sicherheit von Artemisia annua in der
Anwendung gegen Viruserkrankungen zu
gewährleisten.
Onkologische Anwendungen
Die krebshemmenden Eigenschaften
von Artemisinin und seinen Derivaten
wurden in verschiedenen präklinischen
Studien untersucht. Diese Studien deuten
darauf hin, dass Artemisinin das Wachstum
von Tumorzellen hemmen und den
programmierten Zelltod (Apoptose) in
verschiedenen Krebszelllinien induzieren
kann. Die spezifischen Mechanismen
sind noch Gegenstand aktueller Forschung,
aber es wird angenommen, dass
Artemisinin durch die Erzeugung von
reaktiven Sauerstoffspezies (ROS) und
die Störung der mitochondrialen Funktionen
in Krebszellen eine potenzielle
antikanzerogene Wirkung aufweist (Farmanpour-Kalalagh,
Kashkooli, Babaei,
Rezaei & van der Krol, 2022).
Herausforderungen und
Zukunftsaussichten
Produktion und Versorgung
Angesichts der gestiegenen Nachfrage
nach Artemisinin für die Malariatherapie
und den Ausblick auf neue therapeutische
Anwendungen stehen die
Produktionskapazitäten für Artemisiaannua-Präparate
vor erheblichen Herausforderungen.
Traditionelle Anbaumethoden
sind oft nicht ausreichend, um
den globalen Bedarf zu decken. Deshalb
sind biotechnologische Ansätze in der
Entwicklung, um die Herstellung von
Artemisininprodukten zu steigern. Eine
Möglichkeit bietet die gentechnische
Veränderung von Mikroorganismen
wie Hefen und Bakterien, die in großen
Mengen Artemisinin produzieren können
(Farmanpour-Kalalagh, Kashkooli,
Babaei, Rezaei & van der Krol, 2022).
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Antivirale Eigenschaften
Eine neue Studie aus dem Jahr 2022 konnte
zeigen, dass Artemisia annua nicht nur
gegen Parasiten wirkt, sondern auch antivirale
Eigenschaften besitzt. Besonders
interessant ist die Wirkung gegen das
SARS-CoV-2-Virus, das COVID-19 verursacht.
Die Forscher untersuchten, wie
September 2024
31
V italstoffe
Nachhaltigkeit und
Umweltfaktoren
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die
nachhaltige Kultivierung von Artemisia
annua. Der Anbau sollte umweltschonend
und ressourceneffizient gestaltet
werden, um langfristig die Versorgung
zu sichern. Forschungsprojekte, die auf
die Verbesserung der Pflanzenresistenz
gegenüber Schädlingen und Krankheiten
abzielen, sowie die Optimierung der
Ernte- und Verarbeitungsmethoden sind
hierbei von entscheidender Bedeutung
(Ding et al. 2020).
Schlussfolgerung
Artemisia annua hat sich von einer traditionellen
Heilpflanze zu einem bedeutenden
Akteur in der modernen Medizin
entwickelt. Die vielfältigen potenziellen
Anwendungsmöglichkeiten, die von der
Malariabehandlung über antivirale Therapien
bis hin zur Krebstherapie reichen,
machen Artemisia annua zu einem wertvollen
Forschungsobjekt. Zukünftige
Studien und innovative Produktionsmethoden
werden entscheidend sein, um das
volle Potenzial dieser bemerkenswerten
Pflanze auszuschöpfen und den globalen
Gesundheitsherausforderungen gerecht
zu werden.
Referenzen:
Ding, F. et al. (2020). Mapping Worldwide
Environmental Suitability for
Artemisia annua L. Sustainability, 12,
1309.
Farmanpour-Kalalagh, K., Kashkooli,
A.B., Babaei, A., Rezaei, A. & van
der Krol, A.R. (2022). Artemisinins
in Combating Viral Infections Like
SARS-CoV-2, Inflammation and Cancers
and Options to Meet Increased Global
Demand. Front. Plant Sci., 07 February,
Volume 13.
Wang, X. et al. (2023). Promoter variations
in DBR2-like affect artemisinin
production in different chemotypes of
Artemisia annua. Horticulture Research,
Volume 10, Issue 9, uhad164.
Wani, K.I. et al. (2022). Artemisia
annua L.: Traditional Uses, Phytochemistry,
and Pharmacological Activities.
In: Devkota, H.P., Aftab, T. (eds) Medicinal
Plants of the Asteraceae Family.
Springer, Singapore. PP. 17-42.
Zhang, N., Yang, H., Han, T., Kim, H.S.
& Marcelis, L.F.M. (2023). Towards
greenhouse cultivation of Artemisia
annua: The application of LEDs in
regulating plant growth and secondary
metabolism. Front. Plant Sci., Vol.
13:1099713.
Autorin:
Laura Ingenlath
MSc Ernährungstherapie
© Orest lyzhechka – shutterstock.com
32
Ceramide
Marie-José Épaule Chauvin
Pflanzliche Inhaltsstoffe für eine schöne Haut:
Die Macht der Ceramide
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Das Konzept „Beauty from within“ wird
immer beliebter und unterstreicht die Bedeutung
von Ernährung und Nahrungsergänzungsmitteln
zur Optimierung des
äußeren Erscheinungsbildes. Wenn wir
uns von innen heraus um unsere Gesundheit
kümmern, können wir das Aussehen
unserer Haut, unserer Haare und unserer
Nägel verbessern. Dies unterstreicht, wie
wichtig es ist, den Körper mit den richtigen
Nährstoffen zu versorgen, um äußerlich
sichtbare Ergebnisse zu erzielen.
So zeichnen sich die eingenommenen
Ceramide durch ihre positiven Auswirkungen
auf die Gesundheit und Schönheit
der Haut aus.
Ceramide, was ist das?
Ceramide sind körpereigene Sphingolipide.
Sie machen etwa 50% der Lipide
im Stratum corneum, der äußersten
Schicht der Epidermis, aus (1). Ihre
Hauptaufgabe besteht darin, die Hautbarriere
intakt zu halten. Dies ist wichtig,
um den transepidermalen Wasserverlust
oder TEWL (TransEpidermal Water
Loss) zu verhindern und die Haut vor
äußeren Einflüssen zu schützen.
Studien zeigen, dass Ceramide entscheidend
zur Barrierefunktion der Haut beitragen
und so Hautirritationen und ihre
Aggression durch Krankheitserreger
verringern (2). Ein Ceramidmangel kann
mit verschiedenen Hauterkrankungen
einhergehen, darunter atopische Dermatitis,
Ekzeme und Psoriasis, die durch
eine fehlerhafte Barrierefunktion und
einen erhöhten TEWL gekennzeichnet
sind (3).
Ceramide spielen auch eine grundlegende
Rolle bei der Feuchtigkeitsversorgung
der Haut. Durch die Bildung einer kohäsiven
Lipidmatrix helfen sie, Feuchtigkeit
zu binden, Trockenheit vorzubeugen
und die Elastizität beizubehalten. Die
Forschung von Bouwstra u. a. (2003)
hat nachgewiesen, dass Ceramide eine
wasserundurchlässige Barriere schaffen,
September 2024
33
V italstoffe
die für die Vermeidung trockener Haut
und die Erhaltung der Elastizität von
entscheidender Bedeutung ist (4). Mit
zunehmendem Alter nimmt die Produktion
von Ceramiden ab, was zu Feuchtigkeitsverlust,
Falten, Elastizitätsverlust
und einer geschwächten Hautbarriere
führt. Daher ist die Aufrechterhaltung
oder Wiederherstellung des Ceramidspiegels
für die Gesundheit der Haut von
maßgeblicher Wichtigkeit.
Wirkungsmechanismen
von Ceramiden zur
Einnahme
Die Aufnahme von Ceramiden über Nahrungsergänzungsmittel
oder angereicherte
Lebensmittel kann die Barrierefunktion
der Haut von innen heraus verbessern.
Ceramide pflanzlichen Ursprungs, z. B.
aus Weizen, Reis und Süßkartoffeln, haben
sich bei der Stärkung der Hautbarriere
und der Steigerung des Feuchtigkeitsgehalts
als wirksam erwiesen. Guillou
u. a. (2011) haben nachgewiesen, dass
orale Ceramid-Ergänzungen die Hautfeuchtigkeit
deutlich erhöhen und TEWL
reduzieren (6).
Als Antwort auf diese Problematik bietet
Vidya Europe SKINCERA an,
einen natürlichen Extrakt aus Konjac
(Amorpho phallus konjac), der reich an
Ceramiden ist. Dieser patentierte, an
Phytoceramiden standardisierte Wirkstoff
(>5% Glycosylceramide) wurde
mit in vitro- und in vivo-Methoden oral
und topisch objektiviert.
Die enzymatische In-vitro-Studie zeigt
eine Hemmung von Tyrosin, das an der
Melaninproduktion beteiligt ist, was die
Wirksamkeit von SKINCERA bei der
Reduzierung von Pigmentflecken und
der Aufhellung des Teints belegt.
In klinischen Studien zur Einnahme
und topischen Anwendung (5) wurden
mehrere Vorteile nachgewiesen, wie
die Stärkung der Barrierefunktion der
Haut, die Verringerung von Falten, die
Milderung von Pigmentflecken sowie
die Aufhellung und Vereinheitlichung
des Teints.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass
der patentierte Wirkstoff SKINCERA
die Fähigkeit besitzt, die Hautbarriere zu
stärken, den Wasserverlust zu verringern
und die Integrität der epidermalen Zellen
zu erhalten, wodurch er dazu beiträgt,
die Gesundheit und Vitalität aller Hauttypen
zu bewahren.
Die eingenommenen Ceramide wirken
von innen heraus und stärken die Hautbarriere.
Nach dem Verzehr werden
sie im Darm absorbiert und über den
Blutkreislauf zur Haut transportiert.
Dort integrieren sie die Lipidstruktur
der Hornschicht und verbessern so den
Feuchtigkeitsgehalt und die Barrierefunktion
der Haut. Dadurch wird der
transepidermale Wasserverlust (TEWL),
ein Schlüsselindikator für den Feuchtigkeitsgehalt
der Haut, verringert.
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34
Ceramide
Ebenso hat Vidya Europe einen öligen
Quinoa-Extrakt Vi-Noa ® entwickelt,
der durch überkritisches CO 2 gewonnen
wird und reich an Ceramiden ist, die
hauptsächlich aus Ceramidvarianten
(d18:1/16:0) bestehen, die auch als N-
Palmitoyl-Sphingosin bekannt sind. Die
Besonderheit der Ceramide (d18:1/16:0)
ist ihre Zusammensetzung aus Sphingosin
(d18:1), das an Palmitinsäure
(16:0) gebunden ist. Es hat verschiedene
gesundheitliche Funktionen, insbesondere
im Zusammenhang mit der Struktur
und Funktion von Zellmembranen, der
Integrität der Barriere, der Hautreparatur
und -heilung, der Zellsignalisierung, der
kardiovaskulären Gesundheit und der
Modulation der Entzündungsreaktion
der Haut und anderer Gewebe, wodurch
es chronische Entzündungszustände beeinflusst.
Als Fazit lässt sich feststellen, dass Ceramide
für die Gesundheit der Haut und
die biologischen Funktionen des Körpers
von erheblichem Interesse sind.
Das Konzept „Beauty from within“
findet eine perfekte Illustration in den
Vorteilen der eingenommenen Ceramide.
Wissenschaftliche Beweise unterstützen
ihre Wirksamkeit und machen
Ceramide zu einer wertvollen Ergänzung
jeder Hautpflegeroutine. So bieten
die von Vidya Europe angebotenen
ceramidreichen Pflanzenextrakte wie
SKINCERA und Vi-Noa ® einen natürlichen
und effektiven Ansatz, um die
Gesundheit der Haut von innen heraus
zu verbessern. Mit fortschreitender Forschung
verspricht die Anwendung von
Ceramiden in der Hautpflege immer vielfältiger
zu werden und bietet potenzielle
Lösungen für eine Vielzahl von Vorteilen
für Schönheit und Gesundheit.
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the functional integrity of the stratum
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Aesthetic Dermatology, 4(9), 22-42.
Autorin:
Marie-José Épaule Chauvin
Leiterin Kosmetik-Aktiva
cosmetics@vidyaeurope.eu
September 2024
35
V italstoffe
Franziska Weichmann
Gesunde Venen und schöne Beine mit Pycnogenol®
© Me dia – shutterstock.com
Die Gesundheit der Venen ist eine wichtige
Voraussetzung, um Blutstauungen
und weitere Schäden in den Beinen zu
vermeiden. Nachdem die Beine lebenswichtigen
Sauerstoff und Nährstoffe
erhalten haben, muss das sauerstoffarme
Blut gegen die Schwerkraft zurück
zum Herzen gepumpt werden (1). Damit
dieser Mechanismus richtig funktioniert,
sind Venenklappen, die ähnlich
wie Rückschlagventile agieren, und
Muskelkontraktion von entscheidender
Bedeutung, um einen Rückfluss und
eine Ansammlung von Blut in den Beinen
und Füßen zu verhindern (1). Wenn
die Venen beschädigt sind oder ein teilweiser
Venenverschluss vorliegt, staut
sich das Blut in den Beinvenen, was zu
hohem Druck in diesen Venen, chronischen
Gefäßentzündungen und einer
Beeinträchtigung der Mikrozirkulation
führt (1). Im Laufe der Zeit und wenn
dieser Zustand unbehandelt bleibt,
kann sich daraus eine chronische Veneninsuffizienz
(CVI) entwickeln, die
Symptome wie Schwellungen (Ödeme),
Juckreiz, Schweregefühl und Hautveränderungen
wie Hautverfärbungen,
Krampfadern oder, schlimmer noch,
Geschwüre aufweist (1).
Eine Venenschädigung kann durch eine
Schädigung der Venenwand entstehen
oder als Folge einer tiefen Venenthrombose
auftreten, die durch ein Blutgerinnsel
in den Venen verursacht wird
(2). Zu den wichtigsten Risikofaktoren
für Veneninsuffizienz und Thrombose
zählen ein Alter über 50 Jahre, Übergewicht,
Venenerkrankungen in der
Familie, Rauchen, Bewegungsmangel,
langes Stehen oder Sitzen sowie
weibliches Geschlecht, kombiniert mit
der Anzahl der Geburten, hormoneller
Verhütung und der Menopause (1).
Krampfadern, Besenreiser oder Teleangiektasien
entstehen durch beschädigte
oberflächliche Kapillargefäße in
der Haut, erscheinen als rote oder blaue
Linien oder hervortretende Schlängelungen
und verursachen selten ein
ernsthaftes Gesundheitsproblem, können
aber zu erheblichen ästhetischen
Unannehmlichkeiten führen (3). Interessanterweise
ergab eine Studie, dass
bei fast einem Viertel der Patienten mit
Besenreisern und Krampfadern Anzeichen
einer Veneninsuffizienz festgestellt
wurden (4).
Weltweit leiden bis zu 17% der Männer
und bis zu 40% der Frauen an chronischer
Veneninsuffizienz, wobei die Zahl
der Fälle, insbesondere in frühen, symptomlosen
Stadien der Krankheit, sehr
hoch ist (1).
36
Pflanzenextrakte
Pycnogenol ® , der Extrakt der französischen
Meereskieferrinde, trägt als Teil
eines gesünderen Lebensstils zur Verbesserung
der Venengesundheit bei. Tatsächlich
war Venengesundheit die erste
und ist seit Jahrzehnten eine der wichtigsten
Anwendungen von Pycnogenol ®
(5). Eine ständig wachsende Zahl klinischer
Studien belegt die Wirksamkeit
von Pycnogenol ® für gesunde Venen und
zeigt positive Effekte insbesondere bei
CVI(Risiko-)-Patienten (5 – 20).
Pycnogenol ® wirkt nachweislich einer
Veneninsuffizienz entgegen und beugt
Thrombosen vor, indem es die Mikrozirkulation
(20 – 25), den Blutfluss (26 –
28) und die Thrombozyten-Funktion (29,
30) verbessert. Darüber hinaus reduzierte
Pycnogenol ® bei Menschen mit oberflächlichen
Krampfadern die Nebenwirkungen
nach der Sklerotherapie, einem
typischen Verfahren zur Behandlung von
Krampfadern (20, 31).
Pycnogenol® beugt
Beinschwellungen vor
Eines der ersten Symptome einer CVI
sind geschwollene Beine und Füße –
Ödeme, die nach längerem Stehen, bei
warmem Wetter oder am Ende des Tages
zunehmen (1). Auch gesunde Menschen
können an heißen Tagen, während der
Schwangerschaft oder nach längerer
eingeschränkter Mobilität, wie z. B.
während eines Flugs, unter geschwollenen
Beinen leiden.
Pycnogenol ® unterstützt nachweislich
die Venengesundheit und beugt Ödemen
bei gesunden Menschen und bei Menschen
mit CVI vor (5 – 20).
Pycnogenol ® reduzierte nach 7- bis
12-stündigen Flügen bei Personen mit
leichtem bis mäßigem Thromboserisiko
die Beinschwellungen im Vergleich zur
Kontrollgruppe. Der Knöchelumfang
nahm in der Kontrollgruppe um 11%
und in der Pycnogenol ® -Gruppe um 6%
zu (6).
Eine ähnliche Langstreckenflug-Studie
mit gesunden Personen und Personen
mit hohem Thromboserisiko konnte nach
Pycnogenol ® -Einnahme einen deutlich
niedrigeren Ödem-Wert, eine geringere
Knöchelschwellung und weniger Beinbeschwerden
zeigen, im Vergleich zu
Kontrollpersonen, die Kompressionsstrümpfe
trugen (7).
Eine doppelblinde, Placebo-kontrollierte
Studie belegte, dass die Einnahme von
Pycnogenol ® über 2 Monate das Schweregefühl
(-54%), Schwellungen (-64%)
und Beschwerden und Unbehagen
(-64%) in den Beinen von CVI-Patienten
im Vergleich zu Placebo (-3%, -7% bzw.
-18%) signifikant linderte (8).
Bei Patienten mit schwerer venöser
Hypertonie und einer Vorgeschichte
von venösen Ulzerationen zeigten sich
nach der regelmäßigen Einnahme von
Pycnogenol ® über 8 Wochen signifikante
Verbesserungen hinsichtlich Ödemen,
Restless-Leg-Syndrom, Unbehagen,
Schwellungen und Hautverfärbungen
(9).
Die Wirksamkeit von Pycnogenol ® gegen
Symptome von schwerer, langanhaltender
Veneninsuffizienz wurde in einer
8-wöchigen Sommerstudie untersucht
(10). Die Studie konnte nachweisen,
dass Pycnogenol ® Knöchelschwellungen
wirksamer linderte als das Tragen
von Kompressionsstrümpfen und die
mikrozirkulatorische Durchblutung
deutlich verbessert war. Die Kombination
aus Kompressionsstrümpfen und
Pycnogenol ® war am wirksamsten gegen
die Symptome von Venenerkrankungen
und führte zu einer Verringerung der
Knöchelschwellungen um 38% und einer
Verbesserung der Mikrozirkulation
um 61%.
In einer anderen ähnlichen Studie erwies
sich Pycnogenol ® als wirksamer als
Kompressionsstrümpfe und verringerte
die Ödeme der Teilnehmer statistisch um
35%, während Kompressionsstrümpfe
die Schwellungen in einer vergleichbaren
Kontrollgruppe um nur 13% verminderten
(11).
September 2024
37
V italstoffe
Eine neuere Zwei-Jahres-Studie belegte,
dass Pycnogenol ® das Fortschreiten von
Venenerkrankungen bei Frauen vor der
Menopause reduzierte und die Symptome
von CVI im Vergleich zum Tragen
von Kompressionsstrümpfen deutlich
linderte (12).
Des Weiteren haben vier vergleichende
Untersuchungen gezeigt, dass
Pycnogenol ® für die Linderung von
CVI-Symptomen wirksamer ist als andere
Produkte oder die Wirksamkeit
in Kombination mit diesen Produkten
verstärkt ist (13 – 16). So erwies sich
Pycnogenol ® bei der Verringerung von
Knöchelschwellungen und Ödemen sowie
der Verbesserung der Mikrozirkulation
als wirksamer als ähnliche Produkte
auf dem Markt.
Eine sehr häufige Erkrankung, die während
der Schwangerschaft auftritt, sind
Krampfadern, die durch geschwächte
oder beschädigte Venenwände entstehen
können. In einer 12-monatigen Studie mit
Frauen, die nach ihrer zweiten Schwangerschaft
Krampfadern bekommen hatten,
wurde die Verwendung von Kompressionsstrümpfen
allein oder in Kombination
mit Pycnogenol ® verglichen (18). Symptome
wie schwere Beine, Beschwerden
beim Stehen, Restless-Leg-Syndrom und
Blutergüsse wurden bei gleichzeitiger
Einnahme von Pycnogenol ® im Vergleich
zur alleinigen Verwendung von Kompressionsstrümpfen
deutlich verringert.
Diabetes oder chronischer Veneninsuffizienz.
(17, 20 – 25).
Eine doppelblinde, Placebo-kontrollierte
Studie zeigt, dass Pycnogenol ® positive
Auswirkungen auf die Mikrozirkulation
und die klinischen Symptome bei Frauen
mit CVI nach Sklerotherapie hat (20).
Nach einer Sklerotherapie nahmen 50
Frauen mit CVI drei Monate lang entweder
Pycnogenol ® oder ein Placebo ein.
Zusätzlich trugen sie nach der Intervention
30 Tage lang Kompressionsstrümpfe.
Die Einnahme von Pycnogenol ®
verbesserte die Lebensqualität erheblich
und verringerte den klinischen Schweregrad
der Symptome und den Grad der
Beschwerden im Vergleich zu Placebo.
Mithilfe eines transkutanen Mikroskops
maßen die Forscher die Mikrozirkulationsparameter
der Patienten und beurteilten
Gesundheit und Funktionalität der
kleinen Kapillaren direkt unter der Haut,
die für die Versorgung mit Sauerstoff und
Nährstoffen verantwortlich sind. Nach 3
Monaten Pycnogenol ® -Einnahme wurden
in den Beinen der CVI-Patienten
deutlich mehr funktionsfähige Kapillaren
gefunden als vor der Studie. Darüber
hinaus wurden im Vergleich zum Ausgangswert
deutlich weniger veränderte
oder nicht funktionsfähige Mikrogefäße
festgestellt und die Studienteilnehmer in
der Pycnogenol ® -Gruppe hatten deutlich
weniger Beinödeme (-26%) als in der Placebogruppe
(-10%).
Die Auswirkungen von Pycnogenol ® auf
die Mikrozirkulation wurden in einer
weiteren Studie bei Patienten untersucht,
die an einer koronaren Herzkrankheit
litten (21). Die Erweiterung der Mikrogefäße
an den Fingerspitzen war bei
Patienten, die Pycnogenol ® einnahmen,
viel größer als bei der entsprechenden
Kontrollgruppe.
In einer anderen Studie hatten Patienten
mit diabetischer Mikroangiopathie, die 6
Wochen lang Pycnogenol ® konsumierten,
eine bessere Sauerstoffversorgung
der Gewebe, während der Kohlendioxidspiegel
im Vergleich zu den Kontrollpatienten
abnahm. (22).
Des Weiteren zeigte sich, dass eine
Pycnogenol ® -Einnahme in Kombination
mit lokaler äußerlicher Anwendung die
Mikrozirkulation und die Heilung von
venösen Geschwüren bei CVI-Patienten
unterstützt (23). Sauerstoffversorgung,
Entgiftung und Nährstoffversorgung
verbesserten sich nach der Einnahme
von Pycnogenol ® , was innerhalb von
6 Wochen zu einem Rückgang der Geschwürgröße
um 88% führte, im Vergleich
zu einer Verringerung von 69%
bei Kontrollpatienten.
Eine gestörte Mikrozirkulation ist eng
mit der Gefäßdurchlässigkeit und der
Kapillarfiltration verbunden. In einer
klinischen Studie mit diabetischen
Verbesserte
Mikrozirkulation mit
Pycnogenol ®
Beschädigte Venenklappen in den Bein-
Venen von CVI-Patienten verursachen
Venenstauungen, die zu hohem Venendruck
führen. Kleine Kapillaren können
hohen hydrostatischen Druck nicht vertragen
und die daraus resultierende gestörte
Mikrozirkulation kann Gewebeschäden,
Ödemen und schließlich Geschwürbildung
bewirken. (1, 32). Pycnogenol ® verbessert
nachweislich das mikrozirkulatorische
Durchblutungssystem bei Patienten
mit Mikroangiopathie (Mikrozirkulationsstörung)
infolge von Arteriosklerose,
38
Pflanzenextrakte
Patienten, die an Retinopathie leiden,
wurde gezeigt, dass Pycnogenol ® die
Mikrozirkulation der Netzhaut verbessert
und die Kapillarfiltration und das daraus
resultierende Ödem reduziert (24).
Das durch Messung der Netzhautdicke
festgestellte Netzhautödem war bei Patienten,
die Pycnogenol ® einnahmen,
deutlich verkleinert. Diese Studie deutete
darauf hin, dass Pycnogenol ® durch
Verbesserung der Mikrozirkulation verstärkten
Kapillarfiltrationslecks entgegenwirken
kann.
Ein weiteres Maß für Kapillarlecks ist die
Häufigkeit von Knöchelschwellungen,
die nach der Einnahme von Pycnogenol ®
bei diabetischen Patienten mit Mikroangiopathie
deutlich zurückging (25).
Darüber hinaus zeigte eine 12-monatige
Vergleichsstudie, dass Pycnogenol ® die
Mikrozirkulation um 43% signifikant
verbesserte, den Ödem-Wert um 53%
senkte und den Sauerstoff- (+13%) und
Kohlendioxidspiegel (-10%) bei Patienten
mit mittelschweren bis schweren
Symptomen einer CVI verbesserte und
damit die Wirkungen von sieben anderen
veno-aktiven Produkten übertraf (17).
Eine kürzlich veröffentlichte Studie bestätigte
diese Ergebnisse und wies nach,
dass Pycnogenol ® die Wasser- und Flüssigkeitsansammlung
in CVI-Gliedmaßen
reduzierte, was sich in einer signifikanten
Verringerung des Gliedmaßen-Volumens
durch Verbesserung der Mikrozirkulationsparameter
wie transkutaner Sauerstoff-
und Kohlendioxidwerte dokumentierte
(19).
Normalisierte
Thrombozyten-Aktivität
und Verringerung
thrombotischer
Komplikationen
Eines der größten Risiken für die Entwicklung
einer CVI ist die Thrombose.
Die Aggregation von Blutplättchen kann
zur Bildung von Blutgerinnseln und
möglicherweise zu einer tiefen Venenthrombose
führen.
In einer sechsjährigen Beobachtungsstudie
mit Patienten nach einer tiefen
Venenthrombose wurden verschiedene
Behandlungsmethoden hinsichtlich der
Entwicklung eines postthrombotischen
Syndroms und einer wiederkehrenden
tiefen Venenthrombose untersucht
(26). Das postthrombotische Syndrom
ist eine mögliche Langzeitkomplikation
einer tiefen Venenthrombose
mit Symptomen einer Veneninsuffizienz
wie Unbehagen oder Schweregefühl
in den Beinen, Schwellungen der
Gliedmaßen, Geschwüren oder Hautverfärbungen
(33). Die Wirkungen
von Pycnogenol ® in Kombination mit
elastischer Kompression wurden mit
Kompression allein und Kompression
in Kombination mit Aspirin-Einnahme
verglichen. Pycnogenol ® zeigte die sichersten
und wirksamsten Ergebnisse,
insbesondere beim postthrombotischen
Syndrom. Darüber hinaus führte eine
Pycnogenol ® -Einnahme nach sechs Jahren
zu einer signifikanten Verringerung
des Auftretens wiederkehrender tiefer
Venenthrombosen um 66%.
Eine weitere einjährige Studie zum postthrombotischen
Syndrom untersuchte die
Unterschiede in der Wirksamkeit zwischen
Pycnogenol ® und Kompressionsstrümpfen
bei Personen, die eine einzelne
Episode einer tiefen Venenthrombose
erlitten hatten (27). Bei diesen Patienten
verringerte sich der Venendruck nach
einjähriger Pycnogenol ® -Einnahme um
8,6%, verglichen mit einer Verringerung
von 6,8% bei alleiniger Kompression.
Die Kombination von Pycnogenol ®
und Kompressionsstrümpfen über ein
Jahr führte zu einer Verringerung des
Venendrucks um 12,8%. Bezüglich der
mit Ödemen und Thrombose verbundenen
Symptome (Unbehagen in den
Beinen, Restless-Leg-Syndrom, subjektive
Schwellungen, Hautveränderungen)
zeigte sich, dass Pycnogenol ® eine größere
Linderung verschaffte als Kompressionsstrümpfe.
Die Ergebnisse weisen
erneut auf eine zusätzliche Verbesserung
der Symptomlinderung hin, wenn Kompressionsstrümpfe
mit der Einnahme von
Pycnogenol ® kombiniert werden.
Eine zwölfmonatige Studie über Netzhautvenenthrombosen
konnte zeigen,
dass die Einnahme von Pycnogenol ® das
Auftreten von Netzhautödemen und die
Inzidenz neuer Netzhautvenenthrombosen
deutlicher verringerte als Aspirin
(28).
Zwei klinische Studien haben gezeigt,
dass Pycnogenol ® die Thrombozytenaggregation
hemmen kann, wenn diese
induziert wurde (29, 30). Bei gesunden
Rauchern, die eine pathologisch
erhöhte Blutplättchen-Aktivität aufweisen,
konnte nachgewiesen werden,
dass Pycnogenol ® die Aggregation der
Blutplättchen nach einer 2-monatigen
September 2024
39
V italstoffe
Pycnogenol ® -Einnahme auf das Niveau
von Nichtrauchern reduziert (29). Bei
gesunden Nichtrauchern kam es jedoch
nicht zu einer Verringerung der normalen
Thrombozyten-Funktion.
In einer anderen Studie verhinderte
Pycnogenol ® eine Thrombozyten-
Hyperaktivität bei starken Rauchern, beeinflusste
jedoch die Blutungszeit nicht
(30). Im Vergleich dazu erhöhte sich die
Blutungszeit bei einer Gruppe, die Aspirin
einnahm, signifikant von 167 auf 236
Sekunden.
Pycnogenol® kontrolliert
Entzündungen
Chronische Veneninsuffizienz und
thrombotische Ereignisse stehen in engem
Zusammenhang mit Entzündungsprozessen
(34). Entzündungshemmende
Mittel werden teilweise eingesetzt, um
das Risiko von Thrombosen und CVI-
Entstehung zu verringern (34).
In mehreren Studien kam man zu dem
Ergebnis, dass Pycnogenol ® starke entzündungshemmende
Wirkungen hat
(35 – 37). Bereits nach fünf Tagen täglicher
Einnahme wurde in einer Studie
berichtet, dass Pycnogenol ® die Hochregulation
der entzündungsfördernden
Enzyme 5-LOX und COX-2 signifikant
verringerte (35). In einer weiteren Exvivo-Studie
zeigten Plasmaproben von
Freiwilligen nach der Einnahme von
Pycnogenol ® eine statistisch signifikante
Hemmung eines wichtigen Regulators
im Entzündungsprozess, NF-κB, um
15,5% (36). In einer ähnlichen Studie
wurde nach Einnahme einer Einzeldosis
Pycnogenol ® eine statistisch signifikante
Hemmung der Entzündungsmoleküle
COX-1 und COX-2 beobachtet (37).
Die Freisetzung von Matrix-Metalloproteinase
9 (MMP-9), einem Entzündungsmarker,
wurde um 25% reduziert (36).
MMPs sind Enzyme, die Matrixproteine
wie Kollagen und Elastin abbauen. Die
Einnahme von Pycnogenol ® verringerte
die Menge mehrerer MMPs im Blut und
schützte Elastin und Kollagen – die auch
ein wichtiger Bestandteil der Venenwände
sind – vor dem Abbau (38). In einer
Studie mit CVI-Patienten wurde gezeigt,
dass Pycnogenol ® die Venenelastizität
verbessert, was teilweise durch den
indirekten Schutz von Elastin durch
Pycnogenol ® in den Venen erklärt werden
kann (39).
Neu veröffentlichte
Studie zeigt die
Wirksamkeit von
Pycnogenol® bei
Nebenwirkungen nach
der Behandlung von
Krampfadern
Eine kürzlich veröffentlichte Studie ergab,
dass Pycnogenol ® das Auftreten
und die Intensität von Hautverfärbungen
nach der Sklerotherapie reduzierte (31).
Die Sklerotherapie ist eine minimalinvasive
kosmetische Behandlung oberflächlicher
Venen wie Besenreiser oder
Krampfadern, bei der eine chemische
Lösung in die Venen gespritzt wird, die
den Blutfluss stoppt und zum Verblassen
der Venen führt. Diese Behandlung
kann Hautverfärbungen sowie Blutergüsse
oder Schwellungen um die Injektionsstelle
verursachen. Für die Studie
unterzogen sich 161 Frauen in ihren
Vierzigern einer Sklerotherapie gegen
Krampfadern (31). Alle trugen nach dem
Eingriff mindestens drei Wochen lang
Kompressionsstrümpfe, um Thrombosen
vorzubeugen. Ein Teil von ihnen nahm
ab dem Tag vor der Sklerotherapie drei
Monate lang Pycnogenol ® ein, die verbleibende
Gruppe erhielt die Standardbehandlung.
Am Ende der Studie hatten
die Frauen in der Pycnogenol ® -Gruppe
einen signifikant niedrigeren Hautverfärbungswert
von 0,4 als die Kontrollgruppe
mit einem Wert von 2,1 auf einer Skala
von 0 (keine Verfärbung) bis 3 (sichtbare
Verfärbung auf über 1 cm2 Hautfläche).
Darüber hinaus war die Anzahl der Hautverfärbungen
pro Injektionsstelle in der
Pycnogenol ® -Gruppe (3,81% der Injektionsstellen)
im Vergleich zur Kontrollgruppe
(8,58%) deutlich geringer.
40
Pflanzenextrakte
Die Ansammlung von Hämosiderin ist
die wahrscheinlichste Ursache für Hautverfärbungen
bei CVI und anderen Gefäßerkrankungen
(40). Hämosiderin ist
ein Pigment, das in der Dermis vorkommt
und durch das Austreten von roten Blutkörperchen
nach Gefäß-Sklerosierung
oder CVI sowie Entzündungsreaktionen
aufgrund von Eisenüberschuss und Bildung
freier Radikale entsteht.
Die Ergebnisse einer In-vitro-Studie
deuten auf einen möglichen Wirkmechanismus
von Pycnogenol ® auf Hämosiderin-Ablagerungen
in der Haut in
Kombination mit seinen entzündungshemmenden
Effekten hin (41).
Pycnogenol ® , der Extrakt der französischen
Meereskieferrinde, ist eine sichere,
natürliche und evidenzbasierte
Lösung zur effizienten Unterstützung
der Venengesundheit. Pycnogenol ®
hilft, Beinschwellungen zu reduzieren,
verbessert Durchblutung und Mikrozirkulation,
normalisiert die Thrombozytenaktivität
und hat eine starke entzündungshemmende
Wirkung. Dank dieser
Eigenschaften bekämpft Pycnogenol ®
effektiv die komplexe Pathophysiologie
der chronischen Veneninsuffizienz
(CVI) und verwandter Venenerkrankungen.
Nach der Sklerotherapie reduziert
die Einnahme von Pycnogenol ® die
Nebenwirkungen und fördert die Heilung.
Weitere Informationen dazu, wie
Pycnogenol ® die Venengesundheit unterstützt
und vieles mehr, finden Sie unter
www.pycnogenol.com.
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Autorin:
Dr. Franziska Weichmann,
Manager für Wissenschaftliche
Kommunikation und
Produktentwicklung bei
Horphag Research
September 2024
41
V italstoffe
Mieke Acda
Cranberry – Ein natürlicher Weg zu gesunden Harnwegen
PACRAN ® unterstützt die Harnwegsgesundheit bei Frauen jeden Alters.
© SkazovD – shutterstock.com
In Europa hatten mehr als 6 von 10
Frauen in den letzten drei Jahren eine
Harnwegsinfektion (HWI). Davon geben
zwei Drittel an, die Symptome seien
so schwer gewesen, dass sie einen Arzt
aufsuchen mussten (1). Noch besorgniserregender
ist, dass über ein Viertel
dieser Frauen immer wieder unter HWI
leidet (1). HWI können bei Frauen jeder
Altersgruppe vorkommen, wobei sie mit
zunehmendem Alter tendenziell häufiger
auftreten. Abgesehen von körperlichen
Beschwerden lösen diese Infektionen bei
den betroffenen Frauen häufig Ängstlichkeit
und Bedrücktheit aus, sodass sie
sich sogar auf der Arbeit krankmelden.
Es dürfte also kaum überraschen, dass
dies natürlich auch ihre Fähigkeit, das
Leben in vollen Zügen zu genießen, erheblich
einschränkt. Die gute Nachricht
ist, dass Aussichten auf Abhilfe bestehen.
Oft ist der Arzt die erste Anlaufstelle
für die Behandlung von HWI, doch natürliche
Lösungen, die auf allgemein
bekannten pflanzlichen Inhaltsstoffen
mit Wiedererkennungswert basieren,
erfreuen sich in allen Bereichen des
Gesundheitswesens und der Wellnessbranche
zunehmender Beliebtheit. Diese
verstärkte Vorliebe für klinisch erprobte
Lösungen aus pflanzlichen Inhaltsstoffen
stellt auf dem europäischen Markt
für HWI-Gesundheitssupplements eine
große Chance dar: Zwar verwenden
derzeit nur 15% der Frauen derartige
Supplements, doch ganze 88% der Frauen,
die bereits eine HWI hatten, wären
bereit, sie auszuprobieren (1). Darüber
hinaus sind klinischen Studien unterzogene
Markeninhaltsstoffe, die sich auf
zugelassene Health Claims stützen, bei
den Verbraucherinnen besonders beliebt,
da sie von ihnen als höherwertig,
vertrauenswürdiger und wirksamer eingestuft
werden (2). Das verdeutlicht das
bestehende enorme Potenzial, den Markt
für wirksame, markengeschützte, pflanzliche
Lösungen auszuweiten.
Harnwegsinfektionen:
Ursachen, Symptome und
Lösungen
HWI entstehen, wenn Bakterien wie
E. coli in die Harnwege gelangen. Diese
Bakterien können sich an der Auskleidung
der Harnwege festsetzen und eine
als Biofilm bezeichnete Schleimschicht
bilden. In dieser Umgebung können sie
sich schnell vermehren und plötzliche,
schmerzhafte Infektionen auslösen. HWI
rufen verschiedene unangenehme Symptome
hervor, darunter häufige, schmerzhafte
Blasenentleerung, ein brennendes
42
Pflanzenextrakte
Gefühl beim Harnlassen, häufiges Absetzen
kleiner Urinmengen, stark riechender
oder trüber Urin und Unterleibsschmerzen.
Unsere eigenen Untersuchungen ergaben,
dass über 60% aller Frauen in Europa
in den letzten drei Jahren an einer
HWI erkrankt sind, wobei zwei Drittel
von ihnen ärztliche Hilfe in Anspruch
nehmen mussten (1). Darüber hinaus leiden
20 – 40% der Frauen immer wieder
an HWI (1). Eine in fünf europäischen
Ländern durchgeführte Umfrage bestätigte,
dass diese wiederkehrenden Infektionen
die Lebensqualität der Frauen
erheblich beeinträchtigen (3).
Antibiotika sind zwar das übliche Mittel
zur Behandlung von HWI, doch können
diese auch Nachteile haben. Mit der Zeit
entwickeln Bakterien gegebenenfalls
Resistenzen gegen Antibiotika, was die
Behandlung von Infektionen erschwert.
Zudem können Antibiotika Nebenwirkungen
wie Durchfall und vaginale Candida
hervorrufen. Auch kann es für viele
Frauen problematisch sein, die Behandlungsvorgaben
einzuhalten. Dieses zunehmende
Bewusstsein und der Wunsch
vieler Frauen, ihre Gesundheit und ihr
Wohlbefinden mit pflanzlichen Lösungen
proaktiv zu steigern, treiben die Suche
nach natürlichen Alternativen voran.
Cranberry: eine
bewährte, natürliche
Variante
Die Cranberry ist ein bekannter, bewährter
Inhaltsstoff, der seit Jahrhunderten
zur Stärkung eines gesunden Harntrakts
verwendet wird. Aktuelle Forschungsergebnisse
belegen, dass sie das Anhaften
von E. coli an den Harnwegswänden verhindern
kann.
Dass 38% der Frauen aktiv HWI vorbeugen,
indem sie Cranberrysaft trinken,
belegt, dass diese Frucht bereits eine
beliebte Wahl ist (1). Allerdings bereitet
die Dosierung noch Schwierigkeiten:
Vorsorglich täglich 250 ml Cranberrysaft
zu trinken, ist für viele schwierig.
Außerdem schrecken der säuerliche
Geschmack und der hohe Zuckergehalt
einige Menschen ab. Daher ist die Nachfrage
nach bequemeren, wirksameren
Lösungen groß, beispielsweise nach
Nahrungsergänzungsmitteln auf Cranberry-Basis.
Cranberrys dienen dank der darin
enthaltenen spezifischen sekundären
Pflanzenstoffe, den Proanthocyanidinen
(PAC), der Prävention von HWI.
Zunächst ging man davon aus, ihre
präventiven Eigenschaften seien vor allem
auf die PAC zurückzuführen. Doch
haben Studien der letzten 15 Jahre gezeigt,
dass die gesamte Cranberry – und
nicht nur ihr PAC-Gehalt – eine wichtige
Rolle für ihren gesundheitlichen
Nutzen spielt. Denn die pflanzlichen
Inhaltsstoffe bilden eine komplexe Matrix,
und häufig besteht eine Wechselwirkung
zwischen ihnen. Cranberrys
enthalten Antioxidantien, darunter Polyphenole
mit antibakterieller und entzündungshemmender
Wirkung. Ganze
Cranberrys verfügen über diese kombinierte
Wirksamkeit. Verbraucherseits
profitiert man so vom vollen Nutzen der
natürlichen Komplexität der Frucht.
PACRAN® – Givaudans
wissenschaftlich
fundierte Vollwert-
Cranberry-Lösung stellt
sich vor
PACRAN ® ist eine eigens entwickelte,
wissenschaftlich dokumentierte Lösung,
die das Risiko eines erneuten Auftretens
von HWI deutlich reduziert. Klinische
Forschungsprojekte belegen, dass
PACRAN ® die Gefahr einer neuerlichen
Erkrankung um 58% verringert, den
Zeitraum bis zum erstmaligen Auftreten
einer HWI verlängert und die durchschnittliche
Anzahl der HWI bei Frauen
reduzieren kann.
© GSDesign – shutterstock.com
September 2024
43
V italstoffe
Diese beeindruckende Wirksamkeit
stützt sich auf solide Ergebnisse aus sieben
klinischen Studien, die über einen
Zeitraum von 15 Jahren veröffentlicht
wurden, darunter zwei von Experten begutachtete
Studien, und wird zudem von
einer noch ausstehenden EU-Veröffentlichung
untermauert. Diese streng wissenschaftliche
Prüfung hat belegt, dass
500 mg PACRAN ® einen starken Effekt
und klinische Wirksamkeit aufweist. Darüber
hinaus haben sich externe Regierungsstellen
vier verschiedener Länder
(USA, Kanada, Kolumbien und Südkorea)
mit den wissenschaftlichen Erkenntnissen
befasst und einhellig festgestellt,
dass man mit PACRAN ® HWI effektiv
vorbeugen kann (4567891011121314).
Eine wesentliche Eigenschaft von
PACRAN ® ist die geringe, aber dennoch
wirksame Tagesdosis von nur 500 mg.
Diese niedrige Dosierung reicht aus,
weil die gesamte Cranberry verwendet
wird, anstelle von isolierten Bestandteilen
wie PAC. Indem PACRAN ® das
komplette Spektrum der Gesundheitsvorteile
der gesamten Frucht nutzt, bietet
es einen umfassenden Ansatz für die
Harnwegsgesundheit und ist somit eine
kosteneffektive Lösung sowohl für die
Erwerbenden als auch für Hersteller.
Darüber hinaus ist PACRAN ® äußerst
vielseitig und kann in diverse Produkte
wie Pillen, Tabletten und Kapseln eingearbeitet
werden. Außerdem eignet es
sich hervorragend für besondere Darreichungsformen,
die sich zunehmender
Beliebtheit erfreuen, darunter Gummibärchen.
Diese Vielseitigkeit kommt
nicht nur den Wünschen der Verbraucherinnen
entgegen, sondern erhöht auch
die Attraktivität der Produkte auf dem
Markt. Dank dieser Flexibilität können
die Hersteller innovativ sein und eine
Palette attraktiver Produkte schaffen, die
unterschiedliche Verbraucherbedürfnisse
abdecken.
Ein erstklassiges Beispiel dafür, wie
PACRAN ® seine Wirkung entfaltet, ist
die Cranberr‘Ease-Kautablette. So können
Frauen auf angenehme und bequeme
Weise ihre Harnwegsgesundheit fördern
und profitieren bei jeder Kautablette
von der Wirkung der ganzen Cranberry.
Durch diese innovative Darreichungsform
können die Kundinnen PACRAN ®
leicht in ihre täglichen Gewohnheiten
einbauen, was zur regelmäßigen Einnahme
ermutigt und langfristig den Umgang
mit HWI verbessert.
Von Seiten der Verbraucher wird heute
zunehmend auf die Herkunft der Produkte
geachtet. PACRAN ® wird aus natürlich
und nachhaltig gewonnenen nordamerikanischen
Cranberrys hergestellt
und entspricht damit der zunehmenden
Nachfrage nach umweltfreundlichen Lösungen.
Die für PACRAN ® verwendeten
Cranberrys sind bis zum Feld vollständig
rückverfolgbar. Dies fördert nicht nur
die Transparenz, sondern schafft auch
Vertrauen bei den Verbraucherinnen, die
bei ihren Kaufentscheidungen Wert auf
Nachhaltigkeit legen.
Die an der Produktion von PACRAN ®
beteiligten Cranberry-Erzeuger sind in
Verbänden und Genossenschaften organisiert,
die sich um Wassernutzung und
-recycling kümmern und den Pestizidkontakt
mit Grund- und Oberflächenwasser
minimieren. Das Wasser spielt
beim Cranberry-Anbau eine zentrale
Rolle, da die Landwirte große Wassermengen
für die Bewässerung, die Schädlingsbekämpfung
und die einzigartige
Nassernte verwenden. Darüber hinaus
ist ein Großteil der Landwirte, die die
Cranberrys anbauen, an so genannten
FSA-Inititaiven beteiligt. Diese widmen
sich der Bewertung einer nachhaltigen
Landwirtschaft. Mit der Entscheidung
für PACRAN ® investieren die Verbraucherinnen
nicht nur in ihre Gesundheit,
sondern unterstützen auch ein System,
das nachhaltige landwirtschaftliche
Praktiken fördert.
Was Frauen wollen:
Erkenntnisse unserer
Forschung
Unsere firmeneigene Verbraucherstudie,
an der über 450 Frauen aus dem
Vereinigten Königreich, Frankreich
und Deutschland beteiligt waren, lieferte
wichtige Erkenntnisse darüber, was
Frauen von einer Lösung für die Harnwegsgesundheit
erwarten.
Frauen in einem
erfüllten, aktiven Leben
unterstützen
Givaudan ist bemüht, gründlich zu verstehen,
wie PACRAN ® die Lebensqualität
von Frauen verbessern kann. Das
Unternehmen verfügt über umfangreiche,
bereits veröffentlichte Forschungsergebnisse,
die die zahlreichen Vorteile
von PACRAN ® belegen. Sein Engagement,
die wissenschaftliche Forschung
voranzutreiben, wird fortgesetzt. In
Kürze wird Givaudan die Ergebnisse
einer bevorstehenden klinischen Studie
zu PACRAN ® in einer der angesehensten
wissenschaftlichen Fachzeitschriften
auf dem Gebiet der Harnwegsgesundheit
veröffentlichen.
Die Ergebnisse sind eindeutig:
PACRAN ® ist eine rein natürliche, durch
klinische Studien untermauerte Lösung,
die Frauen dabei unterstützt, ihrem aktiven
Leben mehr Zeit widmen zu können.
Weitere Informationen zu PACRAN ®
und Givaudans anderen Markeninhaltsstoffen
sowie zu Vitaminen, pflanzlichen
Stoffen und anderen Inhaltsstoffen finden
Sie im Givaudan Health and Nutrition
Hub.
Referenzen:
(1) Daten liegen vor (2022) Givaudan
consumer survey. Women’s health: Urinary
tract study.
(2) Daten liegen vor (2024) Givaudan
2024 Branded Ingredients Research.
Umfrage mit 2060 Verbraucherinnen in
Brasilien, Frankreich, Deutschland, den
Niederlanden, dem Vereinigten Königreich
und den USA.
(3) Wagenlehner et al., 2018.
(4) Daten liegen vor. Howell A. et
44
Pflanzenextrakte
al. (2013) „Assessment of bacterial
anti-adhesion activity of Pacran® in
human urine against P-type uropathogenic
Escherichia coli.”
(9) Daten liegen vor. Howell A. et al.
(2009) „Bacterial Anti-Adhesion Activity
of Human Urine: PACran Capsule vs.
Theracran Capsule Consumption.“
(5) Von der l’Agence française de
sécurité sanitaire des aliments (Französischen
Agentur für Lebensmittelsicherheit)
zur Bewertung der Nachweise
für den Claim „contribue à diminuer la
fixation de certaines bactéries E.coli sur
les parois urinaires“ pour un nectar/
cocktail de jus de cranberry / canneberge.
Afssa – Saisine n° 2004-SA-214.
1. Abrufbar unter: https://www.anses.fr/
en/system/files/NUT2006sa0256.pdf (am
6. Februar 2024 bewertet).
(6) Daten liegen vor. Howell A. et
al. (2013) „Assessment of bacterial
anti-adhesion activity of Pacran ® in
human urine against P-type uropathogenic
Escherichia coli. A randomized,
placebo-controlled, ex vivo, double-blind,
crossover trial.“
(7) Daten liegen vor. Howell A. et al.
(2009) „Bacterial Anti-Adhesion Activity
of Human Urine: Pacran Capsule vs.
Theracran Capsule Consumption.“
(8) Daten liegen vor. Howell A. et
al.(2009) „Bacterial Antiadhesion Activity
of Human Urine Following 27%
Cranberry Juice Cocktail vs. Pacran
Capsule Consumption.“
(10) Vostalova J. et al. (2015) „Are
High Proanthocyanidins Key to Cranberry
Efficacy in the Prevention of
Recurrent Urinary Tract Infection?“,
Phytotherapy Research, 29(10):1559-
1567.
(11) S. Korea Food and Drug Administration.
Claim-Wortlaut: Kann durch
Vorbeugung vor Harnwegsinfektionen
dazu beitragen, die Harnwegsgesundheit
zu erhalten. 3. November 2019.
(12) Health Canada Natural Product
Number 80053151. Claim-Wortlaut:
Trägt zur Vorbeugung wiederkehrender
Harnwegsinfektionen bei Frauen bei
oder wird in der Pflanzenheilkunde
eingesetzt, um zur Prävention von
wiederkehrenden Harnwegsinfektionen
beizutragen. 15. August 2014.
(13) Colombia (INVIMA). Claim-
Wortlaut: Unterstützt die Behandlung
rezidivierender Harnwegsinfektionen.
18. November 2015.
(14) US (FDA). 21. Juli 2020.
Autorin:
Mieke Acda
Product Manager Nutritional Ingredients
Taste & Wellbeing
© Irina Gutyryak – shutterstock.com
September 2024
45
V italstoffe
Dermoceutic: ein neues Konzept am Scheideweg
© Lyubov Levitskaya – shutterstock.com
Die Erwartungen der Verbraucher im
Hinblick auf die Schönheit sind vielfältig,
aber bestimmte Trends beherrschen
das Bild nach wie vor, insbesondere seit
der Pandemiekrise: Natürlichkeit, Clean
Label und Nachhaltigkeit, Wirksamkeit
und personalisierte Lösungen. Auch die
Ernährung zur Förderung der Schönheit
spielt eine immer wichtigere Rolle. Die
Verbraucher erkennen, dass die Ernährung
einen erheblichen Einfluss auf die
Schönheit ihrer Haut, Haare und Nägel
haben kann. Nahrungsergänzungsmittel
und insbesondere Nutricosmetics – mit
durchschnittlichen Wachstumsraten
von 9,4% bis 2030 (01) – tragen dazu
bei, diese Bedürfnisse zu erfüllen. Aber
könnten wir noch weitergehen und
die zu Atopie oder Psoriasis neigende
Haut unterstützen, indem wir die
Hautbeschwerden (Juckreiz, Trockenheit,
Läsionen), aber auch die damit
verbundenen Unannehmlichkeiten reduzieren?
Nehmen wir das Beispiel der atopischen
Dermatitis, besser bekannt als
Ekzem, einer multifaktoriellen chronisch-entzündlichen
Hauterkrankung
(1), von der im Jahr 2022 weltweit mehr
als 223 Millionen Menschen betroffen
waren (2) und die ihr physisches und
psychisches Wohlbefinden und ihre
Lebensqualität erheblich beeinträchtigt.
Heutzutage werden hauptsächlich
symptomatische Behandlungsstrategien
angewandt, die darin bestehen, das
Hautmikrobiom zu modulieren, das angeborene
und adaptive Immunsystem
zu beeinflussen, den Juckreiz zu lindern
oder die Entzündungsreaktion zu hemmen
(2). Diese Behandlungen, die in
der Regel auf dem Einsatz von Dermokortikoiden
oder Antihistaminika beruhen,
sind kurzfristig effektiv, aber es
bleibt die Frage nach ihrer langfristigen
Wirksamkeit.
Menschen mit atopischer Dermatitis leiden
unter trockener bis sehr trockener
und empfindlicher Haut, lokal auftretenden
roten und schuppigen Flecken,
starkem und anhaltendem Juckreiz und
Hautläsionen, die Schmerzen und Unwohlsein
verursachen (3). Atopische
Dermatitis kann auch erhebliche psychische
Auswirkungen haben und zu
Schlafstörungen, Reizbarkeit und sogar
Depressionen führen.
46
Hautgesundheit
Obwohl die Ursachen noch nicht vollständig
geklärt sind, spielen zahlreiche
Faktoren und Auslöser, sowohl endogene
als auch umweltbedingte (Allergene,
Umweltverschmutzung, Reizstoffe,
klimatische Bedingungen usw.), eine
Schlüsselrolle bei dieser Pathologie.
Zu den endogenen Faktoren gehören
genetische Mutationen (insbesondere
Filaggrin), die zu einer Dysfunktion
der Hautbarriere führen, Anomalien
des Hautmikrobioms (in Bezug auf Abundanz
und Diversität), Dysregulation
des Immunsystems und hormonelle
Veränderungen. Das komplexe Zusammenspiel
dieser Veränderungen macht
die Haut besonders empfindlich und
reaktiv.
Neben den oben genannten Faktoren,
die nicht kontrolliert werden können,
ist es möglich, einige von ihnen einzuschränken,
wie z. B. Stress, von dem
man annimmt, dass er die Symptome der
atopischen Dermatitis auslöst oder verschlimmert.
Stress ist eine allgemeine Reaktion des
Körpers auf interne oder externe Einflüsse,
die sowohl psychologische als
auch physiologische Ressourcen einbezieht.
Stress aktiviert die Hypothalamus-Hypophysen-Achse
(HPA), die
über neuroendokrine Faktoren und das
sympathische Nervensystem die Immunantwort
steuert. Die Haut, deren
Zellen eine funktionelle Entsprechung
der HPA-Achse haben, reagiert aktiv
auf Stress, wobei kutane Immunzellen,
Hormone und Neurotransmitter beteiligt
sind (4 – 5). Zu den stressbedingten Reaktionen
der Haut gehören die Sekretion
von entzündungsfördernden Zytokinen
(IL-6, IL-1, IFN-γ), die Freisetzung von
peripheren neuroendokrinen Faktoren
(CRH, ACTH) und die Produktion von
Kortikosteroiden (6 – 7).
Zahlreiche Studien deuten darauf hin,
dass Stress und neuroendokrine Faktoren
an der Entstehung, dem Wiederauftreten
oder der Verschlimmerung von dermatologischen
Erkrankungen wie Psoriasis,
Akne, Rosazea, Vitiligo oder atopischer
Dermatitis beteiligt sind (8 – 10). So
können beispielsweise bestimmte Stressfaktoren
wie Ohnmachtsgefühle oder
Sorgen eine Rolle bei der Verschlimmerung
des Juckreizes bei Patienten mit
Hauterkrankungen spielen (11). In vielen
klinischen Studien haben Menschen mit
Hautkrankheiten über Stress berichtet,
oder Stress wurde als ein Faktor identifiziert,
der zu Hautreizungen oder zum
Syndrom der empfindlichen Haut beitragen
kann (12 – 15). Ebenso reagierten
Menschen, die sich selbst als Personen
mit empfindlicher oder sehr empfindlicher
Haut bezeichneten, stärker auf Emotionen
als Menschen mit leicht empfindlicher
oder nicht empfindlicher Haut und hatten
eine schlechtere Lebensqualität (16 – 17).
Die Reaktion des Körpers auf Stress
kann sich negativ auf die Funktion der
Hautbarriere auswirken und die Immunreaktion
beeinflussen (18). Chronischer
Stress kann auch zu einer erhöhten Anfälligkeit
für Infektionen und damit zu
einer Verschlimmerung von Hautläsionen
führen. Darüber hinaus wurde kürzlich
gezeigt, dass das Mikrobiom des
Darms und der Haut Faktoren sind, die
die Wechselwirkungen zwischen Haut
und Gehirn beeinflussen (19).
Auf der Grundlage dieser Beobachtung
und der jüngsten Forschung über die
Wirkungen und Mechanismen natürlicher
mariner Wirkstoffe auf die Schönheit
und den Stress der Haut bringt
Abyss Ingredients ein neues Konzept auf
den Markt: Dermoceutics. Auf halbem
Weg zwischen Dermokosmetik und Nutraceuticals
zielt diese neue Palette von
Wirkstoffen darauf ab, das Wohlbefinden
und das Aussehen der Haut mit dermatologischen
Problemen sowie die Lebensqualität
der Betroffenen zu verbessern.
Dermatidyss ® , das erste aus diesem
Konzept hervorgegangene Produkt, ist
ein natürlicher Meereswirkstoff, der
Anti-Stress- und Kollagenpeptide sowie
Glykosaminoglykane (GAGs) wie
Chondroitin, Glucosamin und Hyaluronsäure
kombiniert.
Mehrere Studien haben die Wirkung dieser
Komponenten nicht nur auf Stress,
sondern auch auf die Hydratation der
Haut und eine schnellere Heilung nachgewiesen.
Durch die Modulation der
Expression von Genen, die an der Stressreaktion
beteiligt sind, und die Verhinderung
der Deregulierung von stressinduzierten
Proteinen unterbinden marine
Peptide die negativen Auswirkungen von
Stress, auch auf unsere Haut (20 – 21).
© Abyss
Kollagenpeptide und GAGs haben ihren
Nutzen für die Haut unter Beweis
September 2024
47
V italstoffe
gestellt. Durch die Stimulierung der
Synthese von Hyaluronsäure (22), die
eine Schlüsselrolle bei der Hydratation
des Gewebes spielt (23 – 24), tragen diese
Verbindungen zur Aufrechterhaltung
der tiefen Hautfeuchtigkeit bei, was sie
zu einem wirksamen Verbündeten gegen
die Trockenheit der atopischen Haut
machen könnte. Sie beschleunigen auch
die Gewebereparatur, indem sie die Produktion
von TGF-β fördern, einem entzündungshemmenden
Zytokin, das eine
Signalfunktion bei der Hemmung der
Enzyme hat, die für den Abbau der Kollagenmatrix
(Metalloproteinasen) und
die Proliferation von Hautzellen verantwortlich
sind (25).
Ein Wirkstoff, der diese Komponenten
kombiniert, wäre eine natürliche Lösung
zur Verbesserung des Hautkomforts und
zur Reduzierung von Stress bei Menschen
mit empfindlicher und/oder zu
Atopien neigender Haut.
Studie zu den
positiven Effekten von
Dermatidyss®
Eine Verbraucherstudie hat den Nutzen
von Dermatidyss ® auf die mit atopischer
Haut verbundenen Dysfunktionen der
Haut und auf das allgemeine Wohlbefinden
untersucht und bestätigt diese Hypothese.
Dieser Test, der unter dermatologischer
ärztlicher Beratung durchgeführt
wurde, zeigte, dass Dermatidyss ® die
Intensität der atopischen Hautsymptome
und die Menge der zur Behandlung
notwendigen Medikamente verringern
kann.
Nach ihren Erwartungen befragt, wollten
die an der Studie teilnehmenden Frauen
in erster Linie ihre trockene Haut verbessern
(76%), die das häufigste Symptom
darstellt. 66% von ihnen wollten das
Wohlgefühl und die Schönheit ihrer Haut
verbessern, und 64% wollten, dass ihre
Haut weicher wird. 86% der Teilnehmerinnen
würden sich für ein wirksames
Nahrungsergänzungsmittel entscheiden,
das von Verbrauchern getestet wurde
(34%) oder das Gegenstand klinischer
Studien war (30%).
Zu Beginn der Studie fühlten sich 62%
der ausgewählten Frauen aufgrund ihrer
atopischen Haut tatsächlich und in
erheblichem Maße unwohl. Bei den
hautbezogenen Symptomen gaben die
Teilnehmerinnen einen hohen Grad an
Unbehagen aufgrund ihrer trockenen
Haut, Juckreiz, Spannungsgefühl, Trockenheitsschüben,
Reizungen und Rötungen
sowie unschöne, empfindliche
und raue Haut an. Sie berichteten auch
über ein hohes Maß an Stress und Nervosität
– im Durchschnitt mit 7,2/10 bewertet,
wobei 10 einen sehr hohen Wert
darstellt –, begleitet von Müdigkeit,
Angst, Unruhe und Schlafproblemen.
Insgesamt hatte die atopische Haut einen
starken und negativen Einfluss auf ihre
Lebensqualität (6,1/10) und ihr Wohlbefinden
(6,2/10).
In weniger als 30 Tagen erfüllte
Dermatidyss ® die Erwartungen von 8
von 10 Frauen, die eine deutliche Verbesserung
bei fast allen diesen Symptomen
feststellten. Am Ende der Studie,
d.h. nach 3-monatiger Einnahme, verzeichneten
fast 7 von 10 Frauen eine
Verringerung von Hauttrockenheit, Trockenheitsschüben,
Juckreiz, Empfindlichkeit
und Rauheit. Mehr als 6 von 10
Frauen bemerkten eine Verringerung der
Spannungsgefühle, Rötungen, Unwohlsein
und Hautreizungen.
Darüber hinaus beobachteten am Ende
der Studie 68% der Teilnehmerinnen eine
Verbesserung ihres Stressempfindens,
70% ihrer Ängste, 68% ihres Schlafs und
64% ihres Müdigkeitsgefühls, wobei die
Häufigkeit der Beschwerden bei jeder
von ihnen nach 30 Tagen Supplementierung
abnahm. Die Auswirkungen der
atopischen Haut auf die Lebensqualität
der Frauen, die an der Studie teilgenommen
haben, haben sich in der Tat verringert,
und fast 6 von 10 Frauen hatten
das Gefühl, dass sich ihre Lebensqualität
und ihr Wohlbefinden verbessert haben.
Das allgemeine Unbehagen, das mit der
atopischen Haut verbunden ist, hat sich
bei mehr als 6 von 10 Frauen verringert.
Am Ende der Behandlung spüren
fast 9 von 10 Frauen die Vorteile von
Dermatidyss ® auf ihrer atopischen Haut
und bestätigen seine Wirksamkeit. Ihr
Feedback, das sie uns geliefert haben,
spricht für sich selbst.
Mit den ersten Effekten, die innerhalb
von weniger als 3 Wochen beobachtet
wurden, scheint Dermatidyss ® eine
natürliche Lösung für ein angenehmes
Hautgefühl und Wohlbefinden zu sein,
die für atopisch veranlagte Haut geeignet
ist. In diesem Zusammenhang könnten
die Vorteile von Dermatidyss ® dazu
beitragen, die Intensität der Schübe zu
verringern oder sogar die Notwendigkeit
von Medikamenten zu reduzieren. Diese
vielversprechenden Ergebnisse bestärken
uns in unserer Absicht, die Wirksamkeit
von Dermatidyss ® bei zur Atopie
neigender Haut nachzuweisen, bevor
wir die Entwicklung der Dermoceutika-
Reihe fortsetzen.
Ende Oktober 2024 erwarten wir weitere
Ergebnisse klinischer Untersuchungen.
Abyss Ingredients
Abyss Ingredients wurde 2004 von ortsansässigen
Fischern aus der Bretagne
gegründet, die Meeresnebenprodukte
durch die Kombination von Innovation,
lokaler Upcycling-Wirtschaft und
Nachhaltigkeit aufwerten wollten, um
die Bedürfnisse einer alternden Bevölkerung
mit natürlichen Inhaltsstoffen für
den Nutraceutical- und Nutricosmetics-
Markt zu erfüllen.
Ende 2018 stieg GO Capital in den Innovationsprozess
von Abyss ein und
ermöglichte es dem bretonischen Unternehmen,
stark in Forschung und Entwicklung
zu investieren: Gemeinsame
Projekte (Alg4Health, BrainBooster,
VIPP, eCabyss) und eigene wissenschaftliche
Wirksamkeitsnachweise –
die Wissenschaft ist die neue Arena für
Abyss.
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49
V italstoffe
Noëmie Daniel
Cranberry-Wirkstoffe für das Darm-Mikrobiom
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Es ist hinreichend anerkannt, dass die
Ernährung die Gesundheit bestimmt und
wesentlichen Einfluss auf die Beziehung
zwischen Wirt und Mikrobiom hat. Die
Darmflora trägt nämlich zum energetischen
Gleichgewicht bei und produziert
Metaboliten, die auf unterschiedliche
Stimuli hin, wie beispielsweise die Ernährung,
Stoffwechsel- und Entzündungsreaktionen
auslösen (1).
In einem gesunden Organismus bilden
die Epithelzellen eine solide, von einer
Mucus-Schicht geschützte Barriere, die
residente Bakterien abwehrt, während
bestimmte Symbionten durch Wechselwirkungen
mit dem Epithel des Wirts
die Ausbildung des Immunsystems der
Schleimhaut begünstigen (1). Wissenschaftliche
Erkenntnisse weisen vermehrt
darauf hin, dass die Ernährung in
den westlichen Ländern mit ihrem hohen
Anteil an Zucker und Fett und einem
niedrigen Anteil an Ballaststoffen im
Zuge eines Dysbiose genannten Phänomens
zur Entstehung chronischer entzündlicher
Erkrankungen beiträgt und
die Darmflora schädigt, was wiederum
negative Auswirkungen auf die Darmbarriere
und das Immunsystem hat. Dies
wiederum führt zu einem als „Leaky
Gut“ (durchlässiger Darm) bezeichneten
Phänomen, d.h. zu einer Beeinträchtigung
der Darmbarriere in Verbindung
mit Schädigungen der Darmflora, einer
Beeinträchtigung der Dicke und der
Konsistenz der Schleimhaut und somit
zu einer erhöhten Anfälligkeit gegenüber
Bakterieninvasionen, zu einer
Schädigung des Schleusensystems, einer
erhöhten Durchlässigkeit und somit
zur Translokation von Pathogenen und
verbundenen Molekülen (Endotoxämie)
sowie Entzündungen (1, 2).
Glücklicherweise bieten sich bestimmte
Nahrungsbestandteile wie Polyphenole
als mögliche ernährungstechnische
Lösungen an, die sich positiv auf die
Gesundheit auswirken. Der Verzehr von
Fruchtpolyphenolen führt zu einer Minderung
des Riskos chronischer Pathologien
wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen
oder des metabolischen Syndroms (3 –
5). Diese bioaktiven Metaboliten werden
im Dünndarm nur wenig absorbiert
und erreichen den Dickdarm, wo sie auf
die Darmflora einwirken und eine präbiotische
Wirkung entfalten, die wiederum
positive Auswirkungen auf die
Stoffwechsel- und Darmgesundheit hat
(3 – 5). (Ein Präbiotikum ist eine Substanz,
die von den Mikroorganismen des
Wirts gezielt genutzt wird und gesundheitsfördernd
wirkt (6))
50
Pflanzenextrakte
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Phenobio+ –
Ein fünfjähriges
Forschungsprogramm
Im Jahr 2018 finanzierte Symrise in Zusammenarbeit
mit dem Institute of Nutrition
and Functional Foods (INAF) und
dem Natural Science and Engineering
Research Council of Canada (CRSNG)
die Gründung eines Phenobio+ genannten
fünfjährigen Lehrstuhls. Unter der
Leitung von Professor Yves Desjardins
zielte dieser darauf ab, die mögliche präbiotische
Wirkung von Frucht-Polyphenolen
und dabei insbesondere von Cranberry-Polyphenolen
zu untersuchen.
Die Ergebnisse dieses vollkommen neuartigen
Spitzenforschungsprogramms
sind talentierten Studenten unter der Leitung
von Professor Yves Desjardins sowie
weiteren hervorragenden Forschern
des Lehrstuhls (den Forschern André
Marette, Denis Roy, Alain Veilleux und
Emile Levy) zu verdanken.
Symrise und Cranberry:
eine lange Geschichte
Prebiocran - Eine
neuartige Lösung
zur Förderung der
Darmgesundheit
Dank ihres hohen Polyphenolgehalts
zeichnen sich Cranberrys durch antioxidative
Eigenschaften aus und bieten
eine Vielfalt von Vorteilen, insbesondere
für die Gesundheit des Harntrakts
und des kardiometabolischen Systems.
Prebiocran ist ein natürlicher, durch
die Extraktion von Phenolverbindungen
aus Cranberrys gewonnener Inhaltsstoff.
Seine alle Polyphenolsorten der Frucht
enthaltende Rezeptur ist standardisiert,
um einen Gesamtgehalt von mindestens
30% Polyphenolen zu gewährleisten
(Folin-Ciocalteu-Methode). Dank seiner
geringen Dosierung von 480 mg eignet
sich Prebiocran ideal als Nahrungsergänzung,
was mit traditionellen Präbiotika
wie Ballaststoffen nicht umsetzbar ist.
Im Rahmen des auf einer Industriepartnerschaft
beruhenden Lehrstuhls
verfolgte Symrise das Ziel, das mögliche
präbiotische Wirkspektrum von
Prebiocran auf die Funktion der
Darmbarriere sowie den Nutzen des
Produkts für die Stoffwechselgesundheit
zu untersuchen. Der dabei verwendete
systemische Ansatz beinhaltete eine
klinische Studie, spezifische Tiermodelle
für Stoffwechselstörungen, Zelllinienexperimente
sowie fortschrittliche
In-vitro-Modelle, wie Darm-Organoide
und M-SHIME ® , eines der seltenen
Darm-Modelle, das den gesamten Gastrointestinaltrakt
künstlich nachbildet.
Die Ergebnisse haben gezeigt, dass
Prebiocran die Zusammensetzung und
die Funktion des Darm-Mikrobioms moduliert,
was mit einer Verbesserung der
Stoffwechselgesundheit in Verbindung
gebracht wird.
Prebiocran moduliert
die Beta-Diversität des
Darm-Mikrobioms
In einer klinischen Kurzzeitstude nahmen
39 gesunde Probanden über einen
Zeitraum von 4 Tagen täglich 480 mg
Prebiocran ein. Während eines der
Behandlung vorausgehenden Zeitraums
von 7 Tagen wurde die Zufuhr von polyphenolhaltigen
Nahrungsmitteln auf ein
Mindestmaß beschränkt. Vor und nach
der Behandlung wurden biologische Proben
genommen und es wurde die fäkale
DNA sequenziert, um die Entwicklung
des Darm-Mikrobioms zu untersuchen.
Die Cranberry (Vaccinium macrocarpon)
ist eine aus Nordamerika stammende
Frucht mit einem hohen Polyphenolgehalt,
die bereits von den
amerikanischen Ureinwohnern zur Behandlung
verschiedener Leiden eingesetzt
wurde.
Die Erfahrung von Symrise bei der
Verarbeitung und Extraktion von Cranberry-Polyphenolen
geht auf das Jahr
2008 zurück. Das Unternehmen verfügt
dank seines Extraktionsstandorts
mitten im Cranberry-Anbaugebiet in
der kanadischen Provinz Quebec über
privilegierte Kontakte zu den örtlichen
Produzenten und wählt sorgfältig die
Sorten mit der höchsten Polyphenolkonzentration
aus.
Abbildung: Die Verabreichung von Prebiocran moduliert das menschliche Mikrobiom in einer
klinischen Studie (Lessard-Lord et al., Daten nicht veröffentlicht). Jeder Punkt steht für ein einziges
menschliches Mikrobiom, das durch Sequenzierung des amplifizierten Gens rRNA 16S vor
(blau) und nach (violett) der Behandlung analysiert wird. Die distanzbasierte Redundanzanalyse
zeigt deutlich, dass Prebiocran das Darm-Mikrobiom nach 4-tägiger Verabreichung verändert.
September 2024
51
V italstoffe
Die Ergebnisse dieser klinischen Prüfung
haben gezeigt, dass eine kurzzeitige
Verabreichung von Prebiocran
ausreichend ist, um die Betadiversität
des menschlichen Darm-Mikrobioms zu
modulieren und insbesondere eine Verbreitung
von Bifidobacterium, einer der
Darmgesundheit förderlichen Bakterie,
zu begünstigen (7, 8).
Diese Modulierung des Darm-Mikrobioms
wurde auch im M-SHIME ® , einem
komplexen In-Vitro-Modell beobachtet.
Das Reaktorsystem zur Simulation
des menschlichen Magen-Darm-Trakts
(SHIME ® ) ist eines der seltenen Darmmodelle,
das den gesamten Gastrointestinaltrakt
nachbildet. Dabei handelt es
sich um ein semidynamisches Modell
bestehend aus mehrstufigen Komponenten,
von denen ein jedes in Abhängigkeit
von der von ihm dargestellten Darmregion
genau spezifizierte Bedingungen
(pH-Wert, Kulturlösung, usw.) aufweist
und das längsachsig angeordnet ist. Das
Modell M-SHIME ® (M für Mucus) bildet
eine Erweiterung dieses Modells, da
es gleichzeitig das Mikrobiom der Darmschleimhaut
simuliert, indem mit Muzin
bedeckte Mikrokosmen miteinbezogen
werden, was wiederum ein besseres Verständnis
der Wirt-/Keim-Interaktionen
nach einer transversalen Achse ermöglicht
(9, 10).
In dieser Studie haben die Forscher das
M-SHIME ® -System mit Fäzes von sechs
gesunden Probanden inokuliert. Nach einem
angemessenen Anpassungszeitraum
haben sie während einer Zeitspanne von
zwei Wochen 480 mg Prebiocran inokuliert
und danach die Zusammensetzung
des Darm-Mikrobioms analysiert
(11). In Übereinstimmung mit der klinischen
Prüfung haben die Ergebnisse
gezeigt, dass Prebiocran die Zusammensetzung
des Mikrobioms in allen
Darm-Kompartimenten signifikant modulierte
(Lumen und Mucus des aufsteigenden
Dickdarms und des Querdarms).
Insbesondere konnte belegt werden, dass
Prebiocran in den Kompartimenten des
Lumens und des Muzins des Querdarms
das Wachstum von Bakterien fördert,
die bekanntermaßen Proanthocyanidine
(PACs) in kleinere bioaktive Metaboliten
(wie Eggerthella, Flavonifactor und
Lactiplantibacillus) (12, 13), aber auch
in für den Schutz der Darmbarriere verantwortliche
und gesundheitsförderliche
Bakterien wie Akkermansia und Faecalibacterium
(14, 15) metabolisieren.
Diese Ergebnisse wurden auch in Invivo-Langzeitmodellen
bestätigt. Die
meisten dieser vorklinischen Studien
wurden mit Hilfe von Mausmodellen
mit ernährungsbedingter Fettleibigkeit
und Diabetes Typ 2 durchgeführt. Die
Mäuse erhielten während eines Zeitraums
von 14 bis 19 Wochen entweder
eine Kontrolldiät oder eine Diät mit
hohem Fett- und Zuckeranteil (HFHS)
oder die gleiche Diät mit hohem Zuckerund
Fettanteil, ergänzt mit Prebiocran
(16, 17). Es ist interessant festzustellen,
dass alle Tierstudien mit den klinischen
Prüfungen und der M-SHIME ® -Studie
übereinstimmen und mehrmals gezeigt
werden konnte, dass Prebiocran das
Darm-Mikrobiom von Mäusen modulierte.
Dieses Phänomen ging häufig mit
einem Anstieg der Gattung Akkermansia
einher.
Prebiocran und einige
Cranberry-Fraktionen
unterstützen die Funktion
der Darmbarriere
Gleichzeitig mit diesen Forschungsarbeiten
untersuchten die Forscher an
mehreren Modellen die Fähigkeit der
Cranberry-Extrakte, die Funktion der
Darmbarriere zu unterstützen.
Um die zugrundeliegenden Mechanismen
und die zum Tragen kommenden
Funktionen besser zu verstehen, zeigten
tiefgreifende Untersuchungen am
M-SHIME®-Modell, dass Prebiocran
nicht nur die Anzahl bestimmter individueller
Bakterien erhöhte, sondern auch
die Größe eines Bakterienkonsortiums
oder einer Bakteriengemeinschaft. Dies
wurde mit gesundheitlichen Vorteilen in
Zusammenhang gebracht, da hierdurch
ein Ökosystem geschaffen wurde, das
die Produktion von gesundheitsrelevanten
Metaboliten wie Butyrat und einigen
Gallensäuren förderte (11) (Cattero und
Lessard-Lord et al., Daten nicht veröffentlicht).
Außerdem wurden Mausorganoide verwendet,
um einen Minidarm in Form
eines komplexen multizellularen Systems
in vitro nachzubilden. Die Forscher
haben das von O‘Rourke et al. (18) veröffentlichte
Modell reproduziert, das die
wichtigsten Zelltypen der Darmbarriere
(d.h. Paneth-Zellen, Enterozyten, Becherzellen
und enteroendokrine Zellen)
abbildet. Die Ergebnisse haben gezeigt,
dass eine proanthocyanidinbereinigte
Fraktion Prebiocran (PACs) – in Abhängigkeit
von der Zeit und der Dosierung
– die Muc2 und Klf4 Genexpression,
d.h. die Expression der wichtigen
Biomarker der Darmstärkung, die zur
Differenzierung der Becherzellen und
zur Muzinproduktion beitragen, erhöht
(Tinoco-Mar et al., nicht veröffentlichte
Daten).
Weitere Ergebnisse der oben genannten
Tierversuche zur Fettleibigkeit und Diabetes
Typ 2 zeigten, dass Prebiocran
die Fähigkeit besitzt, die Funktion der
Darmbarriere und die Stoffwechselgesundheit
zu verbessern, was wiederum
einen Hinweis auf das präbiotische Potential
von Prebiocran darstellt. Anhê
et al. haben in der Tat beobachtet, dass
der Cranberry-Extrakt Endotoxämie
(d.h. hohe Lipopolysaccharid-Spiegel im
Blutkreislauf – ebenfalls Marker für die
Darmdurchlässigkeit) und der Entstehung
mehrerer Entzündungsmarker des
Leerdarms wie der Erhöhung der Cox2,
TNFα oder NF-κB (16) Genexpression
vorbeugt. Medina-Larqué et al. haben außerdem
nachgewiesen, dass Prebiocran
den schädlichen Auswirkungen der
HFHS-Diät auf die Widerstandsfähigkeit
der Darmbarriere vorbeugt, indem es der
Verringerung der Tiefe der Krypten und
der Anzahl der Becherzellen (Muzinproduzenten)
entgegenwirkt und die Schädigung
der Darmschleimhaut verhindert
(19). In einem Modell, in dem die Mäuse
nach einer 13-wöchigen HFHS-Diät bereits
unter Fettleibigkeit litten, förderte
Prebiocran die Wiederherstellung der
in den Fäces festgestellten Mucusmenge
(20).
52
Pflanzenextrakte
Prebiocran trägt zur
Stoffwechselgesundheit
bei
In einem klassischen Caco-2/15 Darmzellenmodell
untersuchten die Forscher
die positiven Auswirkungen einer Cranberry-Fraktion
mit hohem PAC-Anteil
auf die Entzündung, die Oxidierung,
die Fette und die Homöostase der Glukose.
Es wurde beobachtet, dass diese
Prebiocran-Fraktion die Verringerung
der Abwehrmarker von Oxidation
(SOD2) und oxidativem Stress (COX2)
in den Darmzellen wirksam bekämpft.
Der Extrakt zeigte auch eine vorbeugende
Wirkung des Extrakts auf der
Ebene mehrerer Marker der Lipogenese
(SREBP-1C), der Neoglukogenese
(G6P) und der Insulinsignalisierung
(pAkt).
Und schließlich testeten die Forscher in
den Mausmodellen die potentiellen positiven
vorbeugenden Wirkungen von
Prebiocran gegen die mit Fettleibigkeit
einhergehenden Erkrankungen wie
Diabetes Typ 2 und Fettleber. Anhê et
al. sowie Daoust et al. haben beobachtet,
dass Cranberry-Extrakt den durch
die HFHS-Diät bewirkten Stoffwechselschäden
entgegenwirkt: Hierzu zählen
insbesondere die Zunahme des Gewichts
der Leber und die Ansammlung von
Fetten in der Leber, sowie Hyperinsulinämie
und die Erhöhung des HOMA-IR
Indexes (homöostatisches Modell zur
Bewertung der Insulinresistenz) (16, 17).
So zeigten alle Ergebnisse der Forschungspartnerschaft
zwischen Symrise
und INAF die Funktion und den Nutzen
von Prebiocran im Bereich der Darmund
der Stoffwechselgesundheit bei einer
geringen Dosierung von 480 mg.
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Autorin:
Dr. Noëmie Daniel ist Diplom-Ingenieurin
für Lebensmittel und Gesundheit
(Frankreich) und erwarb ihren MSc- und
PhD-Abschluss in Ernährungswissenschaften
an der Universität Laval (Kanada),
wo sie die zentrale Rolle der Darm-
Mikrobiota bei den kardiometabolischen
Auswirkungen von Ernährungsmaßnahmen
untersuchte. Sie ist jetzt Projektmanagerin
für Darm- und Immungesundheit
in der globalen Plattform Health
Active Solutions bei Symrise.
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