Sie ist verheiratet, Agraringenieurin, Mutter von sieben Kindern ...

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Sie ist verheiratet, Agraringenieurin, Mutter von sieben Kindern ...

Wie Glaube

meinen Alltag

prägt

Interview mit der Synodalen Andrea Bleher (Untermünkheim).

Sie ist verheiratet, Agraringenieurin, Mutter von sieben

Kindern, Kirchengemeinderätin und Mitglied im Leitungskreis

des synodalen Gesprächskreises „Lebendige Gemeinde“.

Die Fragen stellte Rainer Holweger.

RH: Andrea, was heißt für dich, den Glauben

im Alltag zu leben?

AB: Glaube ist leicht, wenn man mit Glaubensgeschwistern

zusammen ist, sich gegenseitig

stärkt oder gerade eine ansprechende

Bibelauslegung gehört hat. Man

fühlt sich Gott nahe. Aber die Herausforderung

für mich beginnt am Montag, im

Alltag, dann, wenn ich wieder in meinem

Kontext gefragt bin. Wenn ich als Andrea

durch den Tag gehe, mit allen Aufgaben

und anliegenden Entscheidungen. Wenn

es morgens damit beginnt, Menschen zu

begegnen, zuerst denen in der Familie und

dann den vielen anderen, mit dem man es

tagtäglich zu tun hat: in der Gemeinde, bei

der Arbeit, beim Einkaufen, Tanken, …..

RH: Worin besteht für dich konkret die

Herausforderung?

AB: Die Herausforderung besteht für mich

darin, in allem, was ich tue, Gott nicht zu

vergessen, mich leiten zu lassen von seinem

Geist, auf ihn zu hören. Das heißt für

mich auch, mit seinen Möglichkeiten zu

rechnen - das ist manchmal das Schwerste.

Denn Glaube soll sich auswirken. Es soll

deutlich sein: Jesus ist mein Herr. Mein

Handeln soll von echter Liebe bestimmt

sein. Ich möchte Entscheidungen so treffen,

wie die Bibel sagt, wie Gottes Kinder

leben sollen.

RH: Was hilft dir dabei?

AB: Es sind überwiegend die „Klassiker“,

die mich begleiten: Beten, und wissen,

dass andere für mich beten, Bibel lesen,

den Gottesdienst besuchen, Lieder und

Predigten, die mich prägen, mich mit anderen

gemeinsam auseinanderzusetzen...

Im Tagesablauf ist mir die gemeinsame

Zeit mit meinem Mann beim Frühstück

besonders wertvoll. Wir lesen die Losung

und den Neukirchner Kalender und beten.

Aber am meisten hilft mir, dass ich das als

wirkliche Zusage nehme: „Ich bin bei euch

alle Tage…“ (Matthäus 28,20) Für mich ist

diese Zusage Jesu die Grundlage. Wichtig

ist mir dieser Satz beispielsweise morgens,

beim Aufwachen, wenn der vor mir liegende

Tag unüberschaubar ist. Dann kommt

als nächster Gedanke: „Lieber Vater, bitte

hilf mir. Ich allein bin zu schwach, hilf mir

durch diesen Tag, mit allen seinen Herausforderungen.“

RH: Ihr habt eine große Familie und du

bist in etlichen Ehrenämtern aktiv. Wie

schaffst du dir Freiräume für den Glauben?

AB: Eines war und ist mir schon immer

wichtig, dass ich mich als Christ auch außerhalb

der Gemeinde einsetze. Das gehört

für mich auch zum Glauben im Alltag

dazu. Als die Kinder noch kleiner waren,

da gab es viele solcher Tage, an denen ich

schon müde aufgewacht bin und ein anstrengender

Tag vor mir lag und ich wusste,

da musst du jetzt durch. Deshalb sind

mir die Gottesdienste immer bedeutsamer

geworden, Frauenfrühstück, Hauskreis,

alles Gelegenheiten, sich Zeit zu nehmen,

um mehr aus der Bibel zu erfahren. In gedrängten

Zeiten finde ich es wichtig, die

sich bietenden Gelegenheiten auch ganz

bewusst anzunehmen.

RH: Wie „entdeckst“ du solche Gelegenheiten?

AB: Ich habe mir angewöhnt, eigentlich

immer in Zwiesprache mit Gott zu sein.

Ihm das zu nennen, was mich beschäftigt,

ihn zu fragen, wie ich mich in verzwickten

Situationen verhalten soll. Und davon gibt

es ziemlich viele. Ein Mitarbeiter sagt zum

Beispiel: „Ich mache mit, aber nicht wenn

der oder die dabei ist.“ Oder: Es ist etwas

gründlich schief gelaufen - wie soll ich jetzt

reagieren?

Die Zusammenhänge in der Gemeinde

und in der Synode sind nicht einfach zu

überschauen. Manchmal sind Folgen einer

Entscheidung nicht eindeutig abzusehen.

Das sind für mich schwierige Situationen.

Und manchmal habe ich auch keine Lust

darauf, auf das Ringen, das einer Entscheidung,

oder einer Entschuldigung, oder der

nächsten Begegnung mit einer Person, mit

der es gerade nicht so gut läuft, voraus-

Die Leitung der Synodalgruppe „Lebendige Gemeinde“:

Andreas Schäffer, Andrea Bleher, Steffen Kern, Siegfried Jahn

geht. Aber da ist Jesus am Werk: Er hilft,

die Dinge in seinem Licht zu sehen.

RH: Und wie gehst du damit um, wenn die

schwierigen Situationen sich nicht auflösen?

AB: Beim Glauben im Alltag begleitet mich

auch mein Konfirmationsspruch: „Mit

meinem Gott kann ich über Mauern springen.“

(Psalm 18,30b) Für mich als noch

nicht mal 14jährige, schüchterne Konfirmandin

war das ein überaus kräftiger Vers,

mit dem ich nicht so viel anfangen konnte.

Etwas später war er Ansporn, dran zu bleiben

an manchen Dingen. Und noch später

wurde mir ein anderer Vers als Gegenüber

genauso wichtig, die diesjährige Jahreslosung:

„Lass dir an meiner Gnade genügen,

denn meine Kraft ist in dem Schwachen

mächtig.“ (2. Korinther 12,9)

Scheitern und Schwäche gehören zum Leben

dazu, auch zu dem eines Christenmenschen

und dann zu wissen, das ist nicht das

Ende, sondern manchmal erst der Anfang

Gottes. Mehr mit seinen Möglichkeiten zu

rechnen. Gelassen sein, denn Gott hat alles

in der Hand. Zwischen diesem beidem,

Kraft und Schwäche bewegt sich mein Leben

- umspannt von der Zusage: „Ich bin

bei euch alle Tage.“

RH: Vielen Dank für das Gespräch!

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