Ein Geeßel Eine Peitsche kennen heutzutage die meisten pferdebegeisterten Mädchen, die in den unzähligen Reiterhöfen das Reiten erlernen. Ob sie und die Pferde sie mögen, die Peitsche, ist eine andere Sache. Eine Geißel aber, „ein Geeßel“, kennen nur noch die Älteren, die noch erlebt haben, wie die Bauern mit Kuhgespannen zu ihren Feldern fuhren. Wenn ich an eine Geißel denke, dann sehe ich unseren Nachbarn mit seinen Kühen, auf dem dahinter gespannten Wagen sitzend, „die Kaap op dem Kopp, die Peif im Mund und die Geeßel in der Hand“ Ab und zu lässt er sie knallen, die Geißel, und wenn die Kühe gar nicht mehr voran wollen, bekommen sie auch die Geißel schon mal zu spüren. „En Geeßel“ hatten auch wir Kinder, wenn wir mit einem Dudeldoop spielten. Eine selbstgemachte Geißel. Vater hatte uns eine Weide geschnitten und am oberen Ende ein Kerb hineingeritzt, woran wir ein Seil befestigten. Das Seil wurde um den Kreisel gedreht, der dafür ein paar Rillen aufwies und mit etwas Geschick so über dem Boden gezogen, dass der Kreisel, der Dudeldoop, sich drehte. Und dann musste man darauf einschlagen, mit der Geißel. Das kann heute kein Kind mehr. Aber uns machte es Spaß. Am besten tanzte der Dudeldoop natürlich auf ebenen, glatten Flächen. Aber geteerte Höfe waren damals noch eine Seltenheit und gut ausgebaute Seitenstraßen im Dorf ebenfalls. Doch trotz Hühnerkacke, verstreutem Heu und Stroh, trotz überall herumliegenden Steinen und Dreck, wir drehten unseren Dudeldoop, wir peitschen auf ihn ein, wir hielten ihn am Laufen und es machte Spaß. Kiddelschierz - Schierzekiddel En Kiddelschierz, die Kittelschürze war für die Bauernfrauen in der Mitte des letzten Jahrhunderts die meistgetragene Bekleidung. Im Winter trugen sie das Teil, das es in verschiedenen Ausführungen gab, über dem Kleid, Pullover oder Rock. Im Sommer, wenn es warm war, ersetzte die Kittelschürze das Sommerkleid. Es gab Kittelschürzen, die vorne oder hinten herunter geknöpft wurden, oft waren sie als Wickelschürze geschnitten mit langen Bändern, die durch ein Loch gezogen vorne mit einer Schleife zusammengebunden wurden. Später hatten moderne Kittelschürzen auch Reißverschlüsse vorne. Wenn die meisten erwachsenen Frauen damals eher gedeckte und dunkle Farben für ihre Kleider wählten, so konnte man doch wenigstens bei den Schürzenkitteln zu bunten Mustern, hellen leuchtenden Farben und Blümchen greifen. Für ältere Frauen gab es gediegene Muster und Farben und sogar für Frauen „in der Trauer“ waren Schwarz-Weiß Muster auf dem Markt. Waren Frauen mit diesem Kleidungsstück ausgestattet, dann mussten sie nicht darauf achten, sich nicht schmutzig zu machen, so wie in ihren guten Sonntagskleidern. Sie konnten während des Kochens ruhig einmal die Finger an der Kittelschürze abwischen, einen Korb voll Holz aus dem Schuppen holen und vor sich her am Bauch tragen. Ebenso einen Korb mit Rummeln oder Schweinskrumpern, ein Eimer Schrots für die Schweine. Es war nicht schlimm, wenn die Kuh beim Melken mit ihrem Schwanz um sich schlug und dabei Reste ihrer Kuhscheiße verstreute oder wenn eine Sau sich mit den Vorderbeinen auf die Raufe stellte und ihrer glänzenden Schnauze zu nahe an die Bäuerin heranmachte, die das Fressen im „Kump“ verteilte.
Der Ausdruck „dat hängt der Motter on der Kiddelschierz“ kam nicht von ungefähr, denn etwas anderes hatten die Kinder nicht zum Greifen. Heute könnte man höchstens sagen: „Et hängt der Motter on der Jeansbox.“ Aber daran kann ein Kind sich wohl kaum festhalten, wenn es seine ersten Schrittchen macht. Braucht es auch nicht, denn heutzutage nehmen sich die Eltern Zeit, ihre Kinder an den kleinen Händchen zu halten, damit sie gehen lernen. Oder vielmehr, sie überlassen das den Tagesmüttern oder den ausgebildeten Erzieherinnen in Kindertagesstätten. Die tragen auch keine Kittelschürzen. Meine Oma besaß sogar Kittelschürzen für wochentags und für sonntags, meine Mutter unterschied eher zwischen den Schürzen für die Arbeiten im Haus und denen im Stall oder auch im Sommer für ins Heu. Wir Kinder waren auch mit Schürzen ausgestattet. Wir trugen Schürzen im herkömmlichen Stil mit Bändern, die im Rücken über Kreuz geknöpft wurden und hinten mit einer Schleife zusammengehalten wurden. Oft hatten unsere Mütter sie liebevoll genäht und an den Schultern kleine Rüschen anbracht. Die neuen, schönen trugen wir als Schulschürze. Waren sie schon etwas verbleicht vom vielen Waschen und wiesen Flecken auf, dann waren sie immer noch gut, um damit nachmittags draußen im Dreck zu spielen, denn mit der guten Schulschürze wurde das nicht erlaubt. Das Wort Schürze stammt übrigens von dem Germanischen „skurtjon“, was mit „abgeschnittenem, gekürzten Gewand“ übersetzt wird. Die Schürze ist ein Kleidungsstück, das dem Wandel der Zeit Tribut zollt. Heute tragen Kellner und Kellnerinnen in Restaurants riesige lange Schürzen. Hausfrauen oder besser gesagt Frauen bei der Hausarbeit tragen heute kaum noch Schürzen. Den meisten ist es egal, ob sie ein T-Shirt oder eine Schürze in die Waschmaschine stecken. Majusebetter „Majusebetter, wat e Gemelter“ rutscht uns manchmal heraus, wenn wir einen unaufgeräumten Raum betreten. „Majusebetter, wie gett et daan su eppes“, sagen wir, wenn uns etwas total ungewöhnlich erscheint, wenn Hagelsteine vom Himmel fallen, wenn wir schockiert sind über eine böse Tat. „Majusebetter“ rutscht uns aber auch heraus, wenn wir ungläubig erstaunt sind, etwa über ein ungewohntes Geschenk, einen Gewinn, erfreulichen Besuch. Was das Wort eigentlich besagt, ist nicht ganz klar. Es wird unterschiedlich interpretiert. Vor kurzem las ich die Übersetzung mit „Maria-Josef-Elisabeth“. Ich persönlich hatte es immer mit Maria und Josef und Beten in Verbindung gebracht. Dass Maria und Josef eine Rolle spielen, wobei Marie und Juseph mit der Zeit verkürzt und verschluckt wurden, ist wohl sicher, doch irgendwie scheint mir die Elisabeth da nicht recht dazu zu passen. Vielleicht sollte es heißen: Maria und Josef betet für uns? Also ist es auf jeden Fall ein „frommer“ Ausruf, obwohl da heute sicher niemand mehr dran denkt, wenn ihm ein Maju oder Majusebetter herausflutscht. © 2008 <strong>Rosi</strong> <strong>Nieder</strong> www.rosi-nieder.de