Platt-Wearter - Rosi Nieder

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Platt-Wearter - Rosi Nieder

Der Ausdruck „dat hängt der Motter on der Kiddelschierz“ kam nicht von ungefähr, denn

etwas anderes hatten die Kinder nicht zum Greifen. Heute könnte man höchstens sagen: „Et

hängt der Motter on der Jeansbox.“ Aber daran kann ein Kind sich wohl kaum festhalten,

wenn es seine ersten Schrittchen macht. Braucht es auch nicht, denn heutzutage nehmen sich

die Eltern Zeit, ihre Kinder an den kleinen Händchen zu halten, damit sie gehen lernen. Oder

vielmehr, sie überlassen das den Tagesmüttern oder den ausgebildeten Erzieherinnen in

Kindertagesstätten. Die tragen auch keine Kittelschürzen.

Meine Oma besaß sogar Kittelschürzen für wochentags und für sonntags, meine Mutter

unterschied eher zwischen den Schürzen für die Arbeiten im Haus und denen im Stall oder

auch im Sommer für ins Heu. Wir Kinder waren auch mit Schürzen ausgestattet. Wir trugen

Schürzen im herkömmlichen Stil mit Bändern, die im Rücken über Kreuz geknöpft wurden

und hinten mit einer Schleife zusammengehalten wurden. Oft hatten unsere Mütter sie

liebevoll genäht und an den Schultern kleine Rüschen anbracht. Die neuen, schönen trugen

wir als Schulschürze. Waren sie schon etwas verbleicht vom vielen Waschen und wiesen

Flecken auf, dann waren sie immer noch gut, um damit nachmittags draußen im Dreck zu

spielen, denn mit der guten Schulschürze wurde das nicht erlaubt.

Das Wort Schürze stammt übrigens von dem Germanischen „skurtjon“, was mit

„abgeschnittenem, gekürzten Gewand“ übersetzt wird.

Die Schürze ist ein Kleidungsstück, das dem Wandel der Zeit Tribut zollt. Heute tragen

Kellner und Kellnerinnen in Restaurants riesige lange Schürzen. Hausfrauen oder besser

gesagt Frauen bei der Hausarbeit tragen heute kaum noch Schürzen. Den meisten ist es egal,

ob sie ein T-Shirt oder eine Schürze in die Waschmaschine stecken.

Majusebetter

„Majusebetter, wat e Gemelter“ rutscht uns manchmal heraus, wenn wir einen

unaufgeräumten Raum betreten. „Majusebetter, wie gett et daan su eppes“, sagen wir, wenn

uns etwas total ungewöhnlich erscheint, wenn Hagelsteine vom Himmel fallen, wenn wir

schockiert sind über eine böse Tat. „Majusebetter“ rutscht uns aber auch heraus, wenn wir

ungläubig erstaunt sind, etwa über ein ungewohntes Geschenk, einen Gewinn, erfreulichen

Besuch.

Was das Wort eigentlich besagt, ist nicht ganz klar. Es wird unterschiedlich interpretiert. Vor

kurzem las ich die Übersetzung mit „Maria-Josef-Elisabeth“. Ich persönlich hatte es immer

mit Maria und Josef und Beten in Verbindung gebracht. Dass Maria und Josef eine Rolle

spielen, wobei Marie und Juseph mit der Zeit verkürzt und verschluckt wurden, ist wohl

sicher, doch irgendwie scheint mir die Elisabeth da nicht recht dazu zu passen. Vielleicht

sollte es heißen: Maria und Josef betet für uns? Also ist es auf jeden Fall ein „frommer“

Ausruf, obwohl da heute sicher niemand mehr dran denkt, wenn ihm ein Maju oder

Majusebetter herausflutscht.

© 2008 Rosi Nieder

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