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UMWELT JOURNAL 2024-5

UMWELT JOURNAL Nr. 5/2024 mit den Themen: COVER: GREEN FINANCE - Themen: Green Finance - Förderungen, Privatanleger, Umfrage, Alliance ; Energietage, Buch: Finance-Perspektiven im Wandel; Ausbildungen, Seminare, Kongresse

UMWELT JOURNAL Nr. 5/2024 mit den Themen:
COVER: GREEN FINANCE - Themen: Green Finance - Förderungen, Privatanleger, Umfrage, Alliance ; Energietage, Buch: Finance-Perspektiven im Wandel; Ausbildungen, Seminare, Kongresse

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ABS.: UMWELT JOURNAL | RUDOLF-KASSNER-GASSE 3 | 1190 WIEN | AUSTRIA

EINZELAUSGABE: 8,00 €

Heft 5/2024

Green Finance

Förderung für KMU

The Green 100

Warum Green Finance

Neue Kriterien für GFA


UMWELTjournal 5/2024 | S2

INHALT

5 / 2 0 2 4

02 Inhalte

03 Editorial, Stories

04 Aktuelles

06 Green Finance

06 Green Finance Förderung für KMU

08 „The Green 100“, Ausgabe 2025

10 COVER

10 Warum Green Finance für Privatanleger

14 Green Finance

14 Was Österreich von Green Finance hält

20 Green Finance Alliance überarbeitet Kriterien

Veranstaltungen

24 imh Energietage 2024

32 Ausbildungen, Seminare, Partner

Bibliothek

27 Finance-Perspektiven im Wandel

10

GREEN FINANCE

Was ist das und wie geht das

für Privatanleger?

Foto © C. Stadler / Bwag

06

FÖRDERUNG

Der Klima- und Energiefonds

stellt 1 Million

Euro bereit, um

KMU bei der professionellen

Darstellung

der Nachhaltigkeitsaspekte

und bei einer

klaren Kommunikation

mit den Investor:innen

zu unterstützen.


Sehr geehrte Leserinnen und Leser!

Werte Kunden!

Das Thema Green Finance nimmt immer mehr

Raum ein. Darüber hinaus erhält es zusätzliche

Dimensionen. Zunächst eine Sache für Spezialisten,

finden nun auch immer mehr Privatanleger Gefallen

an dem Themenkomplex. Wir haben das zum Anlass

genommen und wollen hier ein paar grundsätzliche

Aspekte von Green Finance beleuchten.

14

UMFRAGE

OeNB und IFES haben eine große

Umfrage zum Thema Green Finance

unter der österreichischen Bevölkerung

durchgeführt. Was hält

Österreich von Green Finance?

20

GREEN FINANCE ALLIANCE

Bereits zum dritten Mal werden

das Handbuch und der Kriterienkatalog

der GFA überarbeitet. Der

Austausch mit den Stakeholdern

der Initiative ist ein wichtiges Kernelement

und wird nun erweitert.

In Österreich gibt es bereits zahlreiche Möglichkeiten

im Bereich Green Finance aktiv zu sein. Insgesamt

stellt sich die Frage: Wenn Privatanleger die Absicht

haben über ihre Investments einen finanziellen

Beitrag zu einer nachhaltigen Transformation zu

leisten, wie überprüfen sie dann, ob das denn

auch geschieht? Nun, dafür gibt es etablierte

Kontrollmechanismen und der Markt regelt das

weiterhin auch.

Worauf ist bei der Anlage mittels Green Finance

zu achten? Welche Finanzinstrumente stehen zur

Verfügung, wo gibt es sachdienliche Informationen?

All dies sind Fragen, die Privatanleger zunächst

einmal vor sich her tragen. Wir versuchen sie zu

beantworten.

Das UMWELT JOURNAL ist seit vielen Jahren ein

Wegbegleiter der Nachhaltigkeit – auch beim Thema

Energie. Wir zeigen regelmäßig auf, wer nachhaltig

arbeitet, welche Modelle angewendet werden und

welche Arbeitsweisen langfristig sinnvoll sind.

In diesem Sinne bedanke ich mich für 2024 - bei

unseren Kunden und bei unseren Lesern, online wie

auch offline. Bleiben Sie uns gewogen.

Viel Lesevergnügen,

Ihr Peter R. Nestler

Herausgeber


UMWELTjournal 5/2024 | S4

PERSONALIA

ARA-Präsidium formiert sich neu

Im Rahmen der ordentlichen Generalversammlung des ARA Vereins

wurde der ARA Vereinsvorstand für die kommenden drei

Jahre gewählt, der gleichzeitig die Funktion des Aufsichtsrates

der ARA AG innehat. Damit setzt sich das ARA Präsidium neu

zusammen: Neben Alfred Berger (NÖM AG) und Robert Nagele

(BILLA AG) wird Hubert Marte (Rondo Ganahl AG) als neues

Mitglied die Funktion als stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrats

einnehmen. Ebenfalls neu im ARA Aufsichtsrat sind

Harald Bauer (dm drogerie markt GmbH) und Horst Populorum

(Spitz Group). Gemeinsam werden sie maßgebliche Entscheidungen

in der Kreislaufwirtschaft Österreichs mitgestalten.

Hubert Marte ist neben

seiner Funktion als

zweiter stellvertretender

Vorsitzender des

Aufsichtsrates der ARA

AG Vorstandsvorsitzender

der Rondo Ganahl

AG. Durch seine langjährige

Erfahrung in

der Verpackungsindustrie

bringt er wertvolles

Fachwissen ein und

übernahm eine wichtige

Rolle im ARA Tarifausschuss.

„Als neues

Aufsichtsratsmitglied

freue ich mich auf die

Zusammenarbeit und die Chance, zur Weiterentwicklung der

Kreislaufwirtschaft beizutragen. Österreich und die EU befinden

sich mitten in einer zirkulären Transformation. Im ARA Verein

setzen wir uns für klare rechtliche Rahmenbedingungen, Rechtsund

Investitionssicherheit ein“, so Hubert Marte, Stellvertretender

Vorsitzender des Aufsichtsrats der ARA AG.

Alfred Berger, Vorsitzender des Aufsichtsrates der ARA AG und

Vorstand der NÖM AG: „Als Team erfahrener Expert:innen aus unterschiedlichen

Branchen sind wir im ARA Aufsichtsrat für die zukünftigen

Herausforderungen hervorragend aufgestellt. Die Kreislaufwirtschaft

in Österreich erfordert unser volles Engagement für

eine nachhaltige Zukunft. Besonders begrüße ich Hubert Marte

als neues Aufsichtsratsmitglied, der mit seinem umfangreichen

Know-how viel zur Arbeit des Gremiums beitragen wird. Gemeinsam

können wir die Entwicklung der Wirtschaft hin zu einer effizienten

Circular Economy entscheidend vorantreiben.“

Als Sprecher der Kurie Handel und langjähriges Mitglied des Aufsichtsrates

streicht Robert Nagele, stellvertretender Vorsitzender

des Aufsichtsrates der ARA AG und Vorstandsmitglied der BILLA

AG, die Zusammenarbeit

des Aufsichtsrates

Bild: © Christian Willinger

mit allen Stakeholdern

hervor: „Als Vertreter

des Handels freue ich

mich, auch in dieser herausfordernden

Zeit an

der Gestaltung der ARA

AG mitzuwirken. Im

ARA Aufsichtsrat werden

wir die Interessen

entlang der gesamten

Wertschöpfungskette

bestmöglich vertreten

und innovative Lösungen

für eine nachhaltige

Kreislaufwirtschaft

erarbeiten.“

ARA Verein mit neuem Vorstand

Neben Hubert Marte sind Harald Bauer, Geschäftsführer dm

drogerie markt GmbH, und Horst Populorum, CFO Spitz Group,

neu im ARA Aufsichtsrat, der aus den Reihen des ARA Vereins

gewählt wird und gleichzeitig dessen Vorstand bildet. Der ARA

Verein ist mit seinen rund 150 Mitgliedern ein umfassendes Netzwerk

der zentralen Akteur:innen der Kreislaufwirtschaft in Österreich

und spielt eine entscheidende Rolle bei richtungsweisenden

Entscheidungen in der österreichischen Circular Economy.

Sylvia Geyer als Rektorin der FH Technikum Wien wiederbestellt

Sylvia Geyer, seit 2021 Rektorin der FH Technikum Wien, wurde

vom FH-Kollegium für eine weitere vierjährige Amtszeit ab

September 2025 wiederbestellt - gemeinsam mit dem bisherigen

Vizerektor Stefan Sauermann. „Ich freue mich, dass ich gemeinsam

mit Stefan Sauermann das Vertrauen ausgesprochen

bekommen habe, eine weitere Amtszeit im Rektorat unserer

Hochschule tätig zu sein“, sagt Sylvia Geyer. Die FH-Geschäftsführung

bestehend aus Barbara Czak-Pobeheim und Florian

Eckkrammer begrüßte die Wiederbestellung bereits in einer

Nachricht an alle Mitarbeitenden: „Wir gratulieren beiden zu

diesem Vertrauensbeweis durch das Kollegium und freuen uns

auf vier weitere Jahre guter Zusammenarbeit!“

FH-Prof. Dr. Sylvia Geyer ist promovierte Wirtschaftsinformatikerin

und agiert neben ihrer Funktion als Rektorin als Departmentleiterin

Computer Science. FH-Prof. DI Dr. Stefan Sauermann, Experte

im Bereich eHealth und Telemonitoring mit Fokus auf IT-Interoperabilität

und Standards, ist neben dem Amt als Vizerektor Leiter

des Master-Studiengangs Medical Engineering & eHealth.


Thomas Angerer neuer Geschäftsführer

Wiener Netze

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Mit Thomas Angerer (53) werden die Wiener Netze ab Jänner

2026 einen neuen Geschäftsführer neben Gerhard Fida

und Ilse Hirt haben. Der aktuelle Geschäftsführer Thomas

Maderbacher tritt mit Ende des Jahres 2025 in den Ruhestand

über. Angerer ist derzeit Geschäftsführer des Facilityunternehmens

immOH! und steigt somit innerhalb der Wiener

Stadtwerke auf.

Bild © Wiener Netze

Generaldirektor Peter Weinelt: „Thomas Angerer ist für mich

die Idealbesetzung für Österreichs führenden Netzbetreiber.

Er vereint inhaltliche Kompetenz mit Leadership und Durchsetzungskraft.

Es freut mich sehr, dass wir ihn für das Management-Team

der Wiener Netze gewinnen konnten.““ Als

Geschäftsführer der Wiener Netze wird Angerer die Bereiche

Betriebswirtschaft, Regulationsmanagement und Infrastrukturmanagement

führen.

Angerer studierte Industriellen Umweltschutz an der Montanuni

Leoben. Seine berufliche Karriere startete er 1998

beim Umweltbundesamt. Zwischen 2002 und 2013 erklomm

Angerer bei der Fernwärme Wien die Karriereleiter. Nach

seinem Wechsel zu Wien Energie führte ihn dort sein beruflicher

Weg bis 2020 in diversen Stationen nach oben. Seit

2020 ist Angerer Geschäftsführer von immOH!. immOH! ist

ein Teilunternehmen der Wiener Stadtwerke und eine der

größten Servicedienstleisterinnen für Immobilienbetreuung

in Österreich.

Der gebürtige Leobner ist verheiratet und Familienvater. Angerers

Interesse gilt Zukunftsthemen, vor allem in den Bereichen

Digitalisierung, Energiewirtschaft und Klimaschutz.


UMWELTjournal 5/2024 | S6

GREEN FINANCE

Green Finance

Förderprogramm

für KMU

Der Klima- und Energiefonds in Österreich stellt Fördermittel

in der Höhe von insgesamt 1 Million Euro

bereit, um kleinen und mittleren Unternehmen im

Lande bei der professionellen Darstellung der Nachhaltigkeitsaspekte

und bei einer klaren Kommunikation

mit den Investor:innen zu unterstützen. Ziel

dieser Förderinitiative ist es, die Chancen auf eine

Finanzierung durch private Investor:innen zu erhöhen

und die Anzahl an umgesetzten Klimaschutzprojekten

in Österreich zu steigern.

Der Klima- und Energiefonds stellt 1 Million

Euro bereit, um Unternehmen bei der

professionellen Darstellung der Nachhaltigkeitsaspekte

und klarer Kommunikation mit

Investor:innen zu unterstützen. Konkret werden

Dienstleistungen zur Verbesserung der Finanzierbarkeit

der Klimaschutzprojekte unterstützt: Dazu

gehören die professionelle Darstellung des Business-Cases,

eine transparente Darstellung der

Nachhaltigkeitsaspekte sowie finanzierungsrelevante

Kommunikationskonzepte für die Zielgruppe

der Investor:innen. Die maximale Förderung je

Unternehmen beträgt 75.000 Euro. Die Ausschreibung

ist ab sofort und bis zum 28. Februar 2025

(um 14 Uhr) geöffnet. Einreichungen sind online

möglich: Green Finance Programm.

Leitfaden Green Finance

Nähere Informationen zum neuen Förderprogramm

des Klimaschutzministeriums sind im Leitfaden –

Green Finance 2024 zusammengefasst. Das Dokument

ist ein Leitfaden für das Programm „Green

Finance“ des Klima- und Energiefonds der österreichischen

Bundesregierung für das Jahr 2024.

Es zielt darauf ab, kleine und mittlere Unternehmen

(KMU) bei der Finanzierung von Klimaschutzprojekten

zu unterstützen. Das Programm fördert

Dienstleistungen zur Verbesserung der Finanzierbarkeit

von Klimaschutzprojekten, wie die

professionelle Darstellung des Business-Cases,

die transparente Darstellung der Nachhaltigkeitsaspekte

und finanzierungsrelevante Kommunikationskonzepte.

Das Dokument enthält Informationen zu den

Programmzielen, der Zielgruppe, förderbaren

und nicht förderbaren Leistungen, dem Budget,

rechtlichen Grundlagen, dem Ablauf der Antragstellung

und Projektauswahl sowie Kontaktdaten.

Ziele des Green Finance Programm

Die Ziele des Green Finance Programms sind:

1. Steigerung der Anzahl umgesetzter Klimaschutzprojekte,

um zur Erreichung der österreichischen

Klima- und Energieziele beizutragen.

2. Unterstützung kleiner und mittlerer Unternehmen

(KMU) bei der professionellen Darstellung

von wirtschaftlichen Informationen und relevanten

Nachhaltigkeitsaspekten sowie bei der Kommunikation

mit Investor:innen.

3. Erleichterung der Finanzierbarkeit von geplanten

Klimaschutzprojekten durch die Mobilisierung

von privatem Kapital.

4. Förderung der Entwicklung und Verbreitung in-


novativer, klimafreundlicher Produkte und Dienstleistungen.

5. Positionierung heimischer Unternehmen als

Vorreiter in der grünen Transformation und Schaffung

von Wettbewerbsvorteilen.

Im laufenden Green Finance Programm sind folgende

Leistungen förderbar:

1. Professionelle Darstellung des Business-Case:

* Darstellung der Ertragsaussichten (z.B. Return

on Investment, Net Present Value)

* Finanzpläne

* Sicherstellung der Compliance mit rechtlichen

und regulatorischen Anforderungen

* SWOT-, Umfeld- und Stakeholder-Analysen

* Darstellung der Markt- und Wettbewerbsfähigkeit

* Risikoanalysen und -management (v.a. finanzielle,

Markt- und operative Risiken)

* Proof of Concept (PoC)

2. Transparente und professionelle Darstellung

der Nachhaltigkeitsaspekte:

* THG-Datenerhebung, -Darstellung und -Bilanzierung

nach etablierten Standards und Normen

(z.B. ISO-Normen, EU-Taxonomie-Verordnung,

GHG-Protocol)

* Nachhaltigkeitsberichterstattung (z.B. European

Sustainability Reporting Standards, CSRD)

* Wesentlichkeitsanalysen (insbesondere doppelte

Wesentlichkeit)

* Klimarisikoanalysen (z.B. Task Force on Climate

Related Financial Disclosures)

* ESG-Reporting (z.B. Global Reporting Initiative

Standards, Sustainable Accounting Standards

Board)

* Transitionspläne (z.B. Science Based Targets

initiative)

3. Finanzierungsrelevante Kommunikationskonzepte:

* Equity Storytelling/Financial Storytelling

* ESG-Kommunikation

* Crowdfunding-Kampagnen

* Investment Journeys

Diese Dienstleistungen müssen für das Projekt

finanzierungsrelevant sein und einen Beitrag

dazu leisten, dass das Klimaschutzprojekt überhaupt

oder schneller und/oder mit höherer Ambition

und/oder in größerem Umfang umgesetzt

werden kann.

Details zum Green Finance Förderprogramm für

KMU finden Sie im Internet unter: https://www.

umweltfoerderung.at/betriebe/green-finance/

unterkategorie-green-finance


UMWELTjournal 5/2024 | S8

GREEN FINANCE

„The Green 100“

geht in die

dritte Runde

Am 14. Mai 2025 ist es wieder so weit: Bereits zum

dritten Mal veranstaltet der Klima- und Energiefonds

„The Green 100“, das größte Green Finance-Festival

Österreichs. Die Aula der Wissenschaften in Wien

wird damit the place to be, um Unternehmen bei der

Finanzierung ihrer grünen Projekte zu unterstützen,

Investor:innen und Innovator:innen zu vernetzen

bzw. zu nachhaltigen Investitionen zu inspirieren.

Das Festival umfasst zwei Programmschwerpunkte,

die Unternehmen und Kapitalgeber:innen strategisch

vernetzen: zum einen ein exklusives, kuratiertes Matchmaking

für grüne Start- und Scale-Ups und zum

anderen eine Green Finance-Messe.

Auch im Jahr 2025 stellt „The Green 100“

die wirtschaftlichen Chancen einer grünen

Transformation in den Fokus. Innovative,

klimafreundliche Technologien, Produkte und

Dienstleistungen sind entscheidend für diesen

Wandel. Heimische Unternehmen, die frühzeitig

auf grüne Strategien setzen, können sich damit als

Vorreiter positionieren und sich Wettbewerbsvorteile

sichern. Denn Nachhaltigkeit gewinnt für viele

Stakeholder zunehmend an Bedeutung und zieht

sowohl Investor:innen als auch Arbeitskräfte an.

Matchmaking und Messe – Jetzt bewerben!

Das Festival zum Thema Green Finance bietet in

seiner kommenden Ausgabe zwei zentrale Programmschwerpunkte:

• Matchmaking: Ein maßgeschneidertes Matchmaking

bringt Start-Ups und Scale-Ups mit Investor:innen

aus Mittel- und Osteuropa (CEE) zusammen.

Ziel ist es, optimale „Matches“ zu schaffen,

die beiden Seiten den größten Nutzen bieten und

den Zugang zu Kapital für grüne Innovationen ermöglichen.

• Green Finance-Messe: Die Messe präsentiert

eine breite Palette nachhaltiger Finanzprodukte,

Plattformen zur Vernetzung und Finanzierung,

Unterstützungsleistungen und digitale

Tools, die die Finanzierbarkeit grüner Projekte

verbessern.

Wer Aussteller:in auf der Green Finance-Messe

werden oder haben Interesse am Matchmaking?

Bewerben Sie sich bis zum 16. Februar 2025

kostenlos unter www.thegreen100.at.

Umfangreiches Rahmenprogramm

Neben Messe und Matchmaking erwartet die

Teilnehmer:innen ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm

mit Workshops, Diskussionsrunden

und Vorträgen führender Expert:innen aus

dem Bereich Green Finance. Besucher:innen

können sich zudem umfassend über nachhaltige

Anlagemöglichkeiten und finanzielle Weiterbildung

informieren.

Weitere Informationen im Internet:

https://www.thegreen100.at/


PLAS

TIK

TAK

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Höchste Zeit für deine Stimme

gegen Wegwerf-PLASTIK.

* Mit Ihrer kostenlosen SMS erklären Sie sich einverstanden, dass Greenpeace Ihre Telefonnummer

zum Zweck der Kampagnenkommunikation erheben, speichern und verarbeiten

darf. Diese Einwilligung kann jederzeit per Nachricht an service@greenpeace.at oder

Greenpeace, Wiedner Hauptstraße 120, 1050 Wien widerrufen werden.

Greenpeace dankt für die kostenlose Schaltung dieses Inserats.

SMS * mit

PLASTIK an

0800 540 540

plastik.greenpeace.at


UMWELTjournal 5/2024 | S10

Green Finance

Was ist das und warum

sollten Privatanleger darauf setzen

In einer Welt, die zunehmend mit den Folgen des Klimawandels und der Umweltzerstörungen konfrontiert

ist, rückt das Thema nachhaltige Finanzierung stärker in den Fokus. Green Finance spielt

eine Schlüsselrolle, um den Übergang zu einer nachhaltigeren Wirtschaft zu fördern. Doch was verbirgt

sich genau hinter diesem Begriff, und warum ist Green Finance so wichtig?

GGreen Finance bezieht sich auf finanzielle

Investitionen, die auf nachhaltige Projekte

und Initiativen abzielen. Dazu gehören

beispielsweise der Ausbau erneuerbarer Energien,

energieeffiziente Bauweisen, nachhaltige Landwirtschaft

und der Schutz der Biodiversität. Im Kern geht

es darum, Kapital in Projekte zu lenken, die ökologische

und soziale Ziele fördern, anstatt lediglich wirtschaftliche

Gewinne zu erzielen.

Warum ist Green Finance notwendig?

Die Vereinten Nationen schätzen, dass jährlich etwa

6 Billionen US-Dollar benötigt werden, um die globalen

Nachhaltigkeitsziele (SDGs) bis 2030 zu erreichen.

Öffentliche Gelder allein reichen dafür nicht

aus. Hier kommt der private Sektor ins Spiel, und

Green Finance bietet die Möglichkeit, private Investitionen

mit ökologischen Zielen zu verbinden.

Ein Beispiel ist der Markt für grüne Anleihen, der in

den letzten Jahren stark gewachsen ist. Diese speziellen

Anleihen ermöglichen es Unternehmen und

Regierungen, Gelder für nachhaltige Projekte zu

beschaffen. Der globale Marktwert grüner Anleihen

betrug 2022 mehr als 1 Billion US-Dollar – ein klarer

Beweis für das steigende Interesse an umweltfreundlichen

Investitionen.

Herausforderungen und Chancen

Obwohl Green Finance viele Vorteile bietet, gibt es

auch Herausforderungen. Ein zentrales Problem ist

die sogenannte „Greenwashing“-Gefahr, bei der

Projekte oder Produkte fälschlicherweise als nachhaltig

dargestellt werden, um Investoren zu gewinnen.

Transparenz und klare Standards sind daher

entscheidend, um das Vertrauen der Anleger zu

sichern.


Die Chancen sind jedoch enorm. Green Finance

fördert nicht nur nachhaltige Projekte, sondern bietet

auch finanzielle Anreize. Studien zeigen, dass

nachhaltige Investitionen oft langfristig stabilere

Renditen liefern als herkömmliche Anlagen. Zudem

legen immer mehr Verbraucher und Investoren

Wert auf Umwelt- und Sozialverträglichkeit, was

Unternehmen motiviert, sich stärker auf Nachhaltigkeit

zu konzentrieren.

Die Rolle der Politik

Regierungen spielen eine entscheidende Rolle bei

der Förderung von Green Finance. Durch Regulierungen,

Subventionen und steuerliche Anreize können

sie den Markt für nachhaltige Finanzierungen

stärken. Initiativen wie die EU-Taxonomie für nachhaltige

Investitionen sollen Investoren helfen, echte

grüne Projekte von wenig nachhaltigen zu unterscheiden.

Green Finance für Privatanleger attraktiv

Privatanleger spielen eine zunehmend wichtige

Rolle bei der Finanzierung einer nachhaltigen Zukunft.

Doch warum sollten sie sich dem Thema

Green Finance widmen? Die Gründe reichen von

ethischen Überzeugungen bis hin zu handfesten

finanziellen Vorteilen.

1. Ethische Verantwortung übernehmen

Viele Menschen möchten ihr Geld so anlegen, dass

es nicht nur ihnen selbst, sondern auch der Gesellschaft

und der Umwelt zugutekommt. Green Finance

ermöglicht es Privatanlegern, ihr Kapital in Projekte

zu investieren, die nachhaltige Ziele fördern

– wie erneuerbare Energien, saubere Technologien

oder den Erhalt natürlicher Ressourcen. Für viele ist

es ein gutes Gefühl, zu wissen, dass ihr Geld positiven

Einfluss hat, anstatt umweltschädliche Industrien

zu unterstützen.

2. Langfristige Stabilität und Renditen

Nachhaltige Anlagen bieten oft stabile und attraktive

Renditen. Studien zeigen, dass Unternehmen mit

starkem Fokus auf Umwelt-, Sozial- und Governance-Kriterien

(ESG) häufig besser aufgestellt sind, um

langfristig wirtschaftlichen Erfolg zu erzielen. Nach-


UMWELTjournal 5/2024 | S12

haltige Unternehmen profitieren von besseren regulatorischen

Rahmenbedingungen, einem positiven

Image und einer stärkeren Kundenbindung, was sie

krisenresistenter machen kann.

3. Wachsende Marktchancen

Der Markt für grüne Finanzprodukte wächst rasant.

Von grünen Anleihen über nachhaltige ETFs bis hin

zu Impact-Investments: Anleger haben heute mehr

Möglichkeiten als je zuvor, nachhaltig zu investieren.

Dieser dynamische Markt bietet Privatanlegern die

Chance, frühzeitig von einer der wichtigsten globalen

Transformationen zu profitieren.

4. Klimarisiken vermeiden

Klimawandel und Umweltzerstörung bergen finanzielle

Risiken. Unternehmen, die nicht nachhaltig wirtschaften,

könnten durch strengere Regulierungen,

höhere CO₂-Kosten oder den Verlust von Kunden

leiden. Green Finance hilft Anlegern, ihr Portfolio gegen

diese Risiken abzusichern, indem sie auf Unternehmen

setzen, die zukunftsfähig und klimabewusst

agieren.

5. Einfluss auf die Wirtschaft nehmen

Jede Investition ist auch eine Stimme für die Zukunft.

Privatanleger können durch ihre Anlageentscheidungen

ein Zeichen setzen und Unternehmen dazu

bewegen, nachhaltiger zu handeln. Wenn immer

mehr Menschen auf Green Finance setzen, wächst

der Druck auf die gesamte Wirtschaft, ökologische

und soziale Kriterien stärker zu berücksichtigen.

Privatanleger, die bewusst in Green Finance investieren,

tun also nicht nur Gutes für die Umwelt und

Gesellschaft, sondern schaffen auch eine stabile

Grundlage für ihre eigene finanzielle Zukunft. Es ist

eine Win-win-Situation, bei der Ethik und Rendite

Hand in Hand gehen können.

Angebote in Österreich

Privatanleger in Österreich haben eine Vielzahl von

Möglichkeiten, ihr Kapital nachhaltig zu investieren

und somit einen positiven Beitrag zum Umweltschutz

und zur Gesellschaft zu leisten. Hier sind

einige Optionen im Bereich Green Finance:

1. Nachhaltige Investmentfonds: Viele österreichische

Banken und Finanzinstitute bieten Investmentfonds

an, die gezielt in Unternehmen investieren,

die ökologische und soziale Kriterien erfüllen.

Diese Fonds berücksichtigen Umwelt-, Sozial- und

Governance-Faktoren (ESG) bei der Auswahl ihrer

Investments.

2. Grüne Anleihen (Green Bonds): Diese Anleihen

werden von Unternehmen oder öffentlichen Institutionen

ausgegeben, um spezifische Umweltprojekte

zu finanzieren. Investoren können so direkt

zur Finanzierung von Projekten wie erneuerbaren

Energien oder nachhaltiger Infrastruktur beitragen.

3. Nachhaltige Sparprodukte: Einige Banken bieten

Sparprodukte an, bei denen die Einlagen in

nachhaltige Projekte fließen. Ein Beispiel ist die


Steyler Bank, die ethisch-ökologische Anlageprodukte

anbietet und dabei christliche Finanzprinzipien

verfolgt.

4. Crowdfunding für nachhaltige Projekte: Plattformen

ermöglichen es Privatanlegern, direkt in

nachhaltige Projekte zu investieren. Dies kann von

erneuerbaren Energieprojekten bis hin zu sozialen

Initiativen reichen.

5. Beteiligungen an erneuerbaren Energieprojekten:

Einige Unternehmen bieten die Möglichkeit,

sich direkt an Wind-, Solar- oder Wasserkraftprojekten

zu beteiligen und so von deren Erträgen zu

profitieren.

6. Nachhaltige Versicherungsprodukte: Versicherungen

bieten Produkte an, die in nachhaltige

Projekte investieren oder spezielle Konditionen für

umweltfreundliche Verhaltensweisen bieten.

Wichtige Hinweise für Anleger:

Vor allem Privatanleger sollten bei Anlagen stets

gewisse Kriterien beachten. Das gilt auch für Investments

mit dem Thema Green Finance. Das sind

insbesondere:

Transparenz: Achten Sie darauf, dass die Finanzprodukte

klar definierte Nachhaltigkeitskriterien erfüllen

und vermeiden Sie „Greenwashing“.

Risikobewertung: Wie bei allen Investitionen sollten

Sie die Risiken sorgfältig abwägen und sich gegebenenfalls

professionell beraten lassen.

Informationseinholung: Nutzen Sie Ressourcen

wie die Website des Bundesministeriums für Klimaschutz,

Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und

Technologie (BMK), um sich über aktuelle Angebote

und Initiativen im Bereich Green Finance zu

informieren.

Fazit

Durch bewusste Entscheidungen im Bereich Green

Finance können Privatanleger nicht nur potenziell

attraktive Renditen erzielen, sondern auch aktiv zur

Förderung einer nachhaltigen Wirtschaft beitragen.

Die Wahl der Instrumente ist um nichts leichter als

bei klassischen Anlagen. Und das Prinzip der breiten

Streuung gilt natürlich auch für Veranlagungen

in Green Finance. Letztlich sollten vor allem kürzerfristige

oder Anlagen mit einem höheren Risikograd

immer auch beobachtet werden.

Die Entscheidungen zur Veranlagung kann der Privatanleger

ganz auf sich gestellt treffen oder die

Auswahl in die Händen von Experten legen. Wir

würden uns in diesem Zusammenhang von den

Finanzdienstleistern und Anlageberatern mehr Angebote

wünschen, die klar einen „grünen“ Auftrag

haben und diesen auch konsequent verfolgen. Ein

grünes Mascherl brauchen wir nicht und es würde

ohnedies bald enttarnt werden. In diesem Sinne

freuen wir uns darüber, wenn auch Sie künfitg grüne

Veranlagungen anstreben. Denn damit leisten

sie einen direkten Beitrag zu mehr Nachhaltigkeit.

Viel Erfolg bei ihrem Green Investment!


UMWELTjournal 5/2024 | S14

GREEN FINANCE

Was halten Menschen

in Österreich von

Green Finance?

Die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) veröffentlichte im August

2024 einen Bericht mit dem Titel „Was halten die Menschen in Österreich

von Green Finance?“. Dieser analysiert die Ergebnisse des OeNB-

Barometers 2022, einer repräsentativen Umfrage zum Thema nachhaltiger

Finanzmarkt. Die Mehrheit der Befragten erwartet, dass sich ihre

finanzielle Situation durch den Klimawandel in den nächsten 15 Jahren

verschlechtern wird. Gleichzeitig zeigen die Antworten eine überwiegend

positive Einstellung gegenüber nachhaltigeren Finanzprodukten

und Unternehmen.

Text: Andreas Breitenfellner, Heider Kariem

Die Finanzwirtschaft soll Nachhaltigkeitsrisiken

berücksichtigen und gleichzeitig die

Klimawende maßgeblich finanzieren. Diese

Herausforderungen lassen sich nicht rein technokratisch

„am Reißbrett lösen“, ohne die Erwartungen,

Hoffnungen und Bedürfnisse der Menschen zu beachten.

In dieser Studie werden die wichtigsten Ergebnisse

einer repräsentativen Umfrage zum Thema

Green Finance bzw. nachhaltiger Finanzmarkt

überblicksmäßig vorgestellt und kontextualisiert. Die

Umfrage (OeNB-Barometer) selbst führte das Institut

für empirische Sozialforschung (IFES) im Auftrag der

Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) durch.

Nachhaltigkeit gewinnt an Bedeutung

Ungeachtet immanenter Definitionsprobleme spielt

Nachhaltigkeit auch in der Finanzwelt eine zunehmend

wichtige Rolle. International hat sich der Begriff

ESG (Environment, Social and Governance) etabliert,

womit ökologische und soziale Kriterien sowie

Aspekte der guten Unternehmensführung in die Geschäftstätigkeit

integriert werden.

Wir verwenden hier synonym den Begriff Green

Finance, nicht zuletzt, weil er ökologische Nachhaltigkeit

und insbesondere die Bewältigung des

Klimawandels betont, die einen enormen Finanzierungsbedarf

nach sich ziehen. Zwar ist der Green-

Finance-Markt auch in Österreich in einigen Anlagesegmenten

aus seinem Nischendasein getreten

(Ćetković und Zhan, 2023; FNG, 2023). Gemessen

am Umfang der notwendigen Umschichtung von

Ressourcen von emissionsintensiven zu umweltund

klimaschonenden Wirtschaftsaktivitäten steckt

Green Finance allerdings noch in den Kinderschuhen

(Breitenfellner et al., 2020).

ESG-Risiken im Mittelpunkt

Für Notenbanken und andere Aufsichtsorgane

steht diesbezüglich das Management von physischen

und transitorischen Klima- und anderen

ESG-Risiken im Mittelpunkt (NGFS, 2019). 5 Finanzrisiken

einer inkonsistenten und krisendurchsetzten

Transition entstehen mitunter, wenn die

Entwicklung von Green Finance nicht mit einer

entsprechenden Dekarbonisierung bzw. Defossilisierung

der realen Wirtschaft im Einklang steht

(Claessen et al., 2022). 6 Je nach Richtung eines

solchen Ungleichgewichts kann eine „braune“

oder „grüne“ Spekulationsblase entstehen. Bei

einer braunen Blase sind Investitionen in fossile

Brennstoffe und andere umweltschädliche Industrien

überbewertet; bei einer grünen Blase sind

nachhaltige und umweltfreundliche Technologien

und Projekte überbewertet. Greenwashing, also

die Diskrepanz zwischen vorgegebener Nachhaltigkeit

und der tatsächlichen Auswirkung auf

Umwelt und Klima, stellt eine weitere realistische

Gefahr dar. Ritsch und Prantner (2022) legen nahe,

dass überzogene Marketingversprechen von Fi-


Grafiken (5) © Oesterreichische Nationalbank

nanzdienstleistern oft auf

unklare oder unrealistische

Erwartungshaltungen der

Kund:innen treffen. Gangl et

al. (2023) stellen diesbezüglich

mittels repräsentativer

Umfrage in Österreich fest,

dass das nachhaltigkeitsbezogene

Finanzwissen bei der

Hälfte der Befragten unzureichend

ist.

Was denken die Menschen?

Die Überprüfung der Einstellungen

von (potenziellen)

Konsument:innen zu nachhaltigen

Anlageprodukten trägt

also nicht nur zur Analyse des

Wachstums- und Risikopotenzials

grüner Finanzmärkte,

sondern auch zur allgemeinen

Vertrauensbildung in Finanzmärkte und somit

zu deren Funktionsfähigkeit und Stabilität bei.

Vor diesem Hintergrund untersuchen wir die Umfrageergebnisse

nach Hinweisen für die Beantwortung

folgender Fragen: Wird der Klimawandel als

finanzielle Bedrohung wahrgenommen? Wie hoch

sind Verständnis und Akzeptanz grüner Finanzprodukte?

Wird die Gefahr von Greenwashing erkannt?

Welche Faktoren beeinflussen die entsprechenden

Antworten? Sind Trends gegenüber früheren Erhebungen

erkennbar?

OeNB-Untersuchung

Die Ergebnisse des hier untersuchten OeNB-Barometers

bestätigen eine überwiegend positive

Meinung zu nachhaltigen Finanzprodukten bzw.

nachhaltig orientierten Finanzunternehmen.

Affinität zu Green Finance ist häufiger bei jener

Mehrheit der Befragten zu finden, die damit rechnet,

dass der Klimawandel ihre persönliche Finanzsituation

immer stärker beeinträchtigen wird. Wir untersuchen

zudem die konkreten Antworthäufigkeiten

mit Hinblick auf demografische, sozioökonomische

und finanzwissenbezogene Merkmale. Diese Studie

ist eine überarbeitete Fassung eines bereits in

englischer Sprache erschienen Artikels, in dem die

Umfrageergebnisse weniger detailliert dargestellt

wurden (Breitenfellner und Kariem, 2023).

Aufbau der OeNB-Studie

Diese Studie ist wie folgt gegliedert: Kapitel 1 beschreibt

die Umfrage inklusive relevanter demografischer

Daten. In Kapitel 2 stellen wir die wichtigsten

Umfrageergebnisse zu den erwarteten Klimawandeleffekten

auf die individuelle Finanzlage sowie

der wahrgenommenen ökologischen Nachhaltigkeit

von Finanzprodukten dar. Kapitel 3 analysiert

deskriptiv die Einflussfaktoren auf Basis grundlegender

statistischer Merkmale. Kapitel 4 stellt die

gewonnenen Erkenntnisse in den Kontext ähnlicher

Umfragen und versucht daraus Trends abzuleiten.

Schließlich ziehen wir in Kapitel 5 tentative Schlussfolgerungen

für Forschung, Aufsicht und Finanzbildung.

Das Kapitel 6 umfasst das Literaturverzeichnis.

Die Ergebnisse der Regressionsanalyse zu den

Beobachtungen von Kapitel 3 sind im Annex der

PDF-Version dieses Reports zu finden.

Hintergrundinfos zur OeNB-Barometer-Umfrage

Das OeNB-Barometer ist eine regelmäßig stattfindende

Umfrage der Oesterreichischen Nationalbank.

Sie ist als wiederkehrender Querschnitt

angelegt und auf Bundes- und Landesebene repräsentativ

(Voith und Zieser, 2024). Die hier untersuchte

OeNB-Barometer-Umfrage wurde durch IFES vom

23. Mai bis 16. August 2022 österreichweit unter

1.431 Personen der Wohnbevölkerung ab dem Alter

von 16 Jahren durchgeführt. Insgesamt wurden 49

Fragen gestellt, wobei oft weitere Detailfragen untergeordnet

sind. Das Hauptziel der Umfrage ist, Informationen

über Einstellungen zur OeNB sowie über

Vermögensbestände, Inflationserwartungen und andere

für Zentralbanken relevante wirtschaftliche Verhaltensweisen

oder Einstellungen zu erhalten.

Grafik 1:

Erwarteter Einfluss des

Klimawandels auf die

persönliche Finanzlage


UMWELTjournal 5/2024 | S16

GREEN FINANCE

überrepräsentierte Internetnutzer:innen

(Fessler und

Weber, 2024).

Die Ergebnisse unserer Studie

ändern sich durch diese Korrektur

jedoch nicht substanziell,

sondern nur marginal. Ein

weiterer Unterschied zur englischen

Version besteht darin,

dass wir nun bei einer Regressionsanalyse

(siehe Anhang

der PDF-Version dieses

Reports) zusätzliche Variablen

geschätzt haben bzw. bei der

Kodierung einige Änderungen

vorgenommen haben.

Grafik 2:

Meinungen zur

Nachhaltigkeit im

Finanzsektor

Unterschiedliche Methoden eingesetzt

Zur Durchführung der Umfrage kamen zwei unterschiedliche

Methoden zum Einsatz: 953 Interviews

wurden als Computer-Assisted Personal Interviews

(CAPI) direkt bei Hausbesuchen durchgeführt, die

restlichen 478 Interviews online als Computer-Assisted

Web Interviews (CAWI). Die Auswahl der

Interviewpartner:innen erfolgte über mehrfach geschichtete

Zufallsstichproben ( Stratified Multistage

Clustered Random Sampling ) und wurde durch Zufallsziehungen

aus dem ständigen Befragten-Pool

von IFES erweitert.

Die abgefragten demografischen Merkmale sind

Geschlecht, Alter, Bildung, Beruf, soziale Schicht,

Einkommen (individuell & auf Haushaltsebene), Gemeindegröße,

Bundesland, Medienpräferenz sowie

politische Präferenz. Wir haben alle Ergebnisse gewichtet.

Beispielsweise sind im Datensatz ältere Befragte

überrepräsentiert (weil sie öfter zu Hause anzutreffen

sind als Berufstätige). Durch die Gewichte

wird das wieder ausgeglichen.

Zwei Versionen

Im Unterschied zur englischen Version dieses Berichts

(Breitenfellner und Kariem, 2023) werten

wir nun ausschließlich CAPI-Fragen aus, um verzerrende

Moduseffekte von CAWI-Umfragen zu

vermeiden (Liedl und Steiber, 2023). 11 Die CAPI-

Methode zeichnet sich durch eine wahrscheinlichkeitsbasierte

Stichprobenziehung auf der Basis

von Postadressen und persönlichen Interviews

aus und gewährleistet damit einen repräsentativeren

demografischen Querschnitt der Gesamtbevölkerung

ohne Verzerrungen durch zum Beispiel

Bis auf wenige Ausnahmen

(zeitungslesend, Vertrauen in

die EU, Vertrauen in den heimischen

Finanzsektor) sind die neuen Variablen insignifikant.

An den Gesamtergebnissen ändert sich

nur wenig.

Hauptergebnisse der Umfrage

Dieses Kapitel präsentiert die wichtigsten Umfrageergebnisse

deskriptiv. Bevor wir auf die eigentlichen

Fragen zur ökologischen Nachhaltigkeit auf

dem Finanzmarkt eingehen, behandeln wir jene

zu klimabedingten Einkommenseffekten . Die ökonomischen

Auswirkungen des Klimawandels sind

bereits Gegenstand vieler Untersuchungen. Uns ist

jedoch keine Erhebung bekannt, die auf die individuelle

Betroffenheit durch den Klimawandel hinsichtlich

der finanziellen Aussichten der befragten

Personen abstellt.

Mehrheit geht von Verschlechterung ihrer

finanziellen Lage wegen Umwelteinflüssen aus

Wie in Grafik 1 dargestellt, geht eine Mehrheit der

Befragten davon aus, dass der Klimawandel ihre

finanzielle Situation in den nächsten 15 Jahren

verschlechtern wird. Die relative Mehrheit ist am

größten bei einem 5-jährigen Zeithorizont. Dies

erscheint angesichts wissenschaftlich untermauerter

Szenarien mittel- und langfristiger Effekte

auf Produktivität und Kapitalanlagen begründbar.

Während nur eine relative Mehrheit von 49 Prozent

eher oder bestimmt mit einer Verschlechterung in

den nächsten zwei Jahren rechnet, erwarten bereits

55 Prozent eine schlechtere Finanzsituation in

fünf Jahren. Diese absolute Mehrheit nimmt dann

jedoch für den zehn- und fünfzehnjährigen Zeitho-


rizont wieder etwas ab, wobei

jedoch statistische Unschärfen

von 2,7 Prozent zu berücksichtigen

sind.

Umgekehrt nimmt kaum jemand

an, dass der Klimawandel die Situation

verbessert. Der Rest der

Befragten antwortet großteils

unentschieden, wobei diese

Unbestimmtheit mit weiterem

Zeithorizont zugunsten der

Nichtbeantwortungen abnimmt.

Die Fragen zur Rolle von Green

Finance sind in zwei Gruppen

eingeteilt, von denen die ersten

sechs eher Meinungen und weitere

acht eher Einstellungen reflektieren.

Die Unterscheidung

ist nicht einfach, aber nützlich:

Meinungen sind eher situativ

und faktenbasiert, während

Einstellungen eher grundsätzlich

sind und meist auch Konsequenzen

für das eigene Verhalten

nach sich ziehen.

Grafik 2 stellt jene Meinungsfragen dar, von denen

einige auch als Fragen zu nachhaltigem Finanzwissen

(Gangl et al., 2023) betrachtet werden können:

Eine klare Mehrheit von 70 Prozent der Befragten

sieht den Finanzsektor in einer besonderen Verantwortung

für den Übergang zu einer CO2-armen

Wirtschaft. Tatsächlich spricht dafür die zentrale

Funktion des Finanzsektors, Ressourcen bzw. Kapital

in die Gesamtwirtschaft zu verteilen, auch wenn

der eigene CO2-Ausstoß im Vergleich zu anderen

Wirtschaftssektoren gering ist.

Greenwashing ist ein Thema

Greenwashing ist offensichtlich für 56 Prozent

der Befragten ein Thema, da sie meinen, dass

das vermeintlich nachhaltige Image des Finanzsektors

nur gewinnorientiert sei. Bemerkenswert

ist die starke Zustimmung, zumal das Wort „nur“

ausschließend gemeint ist.

Eine Mehrheit von 59 Prozent hält nachhaltige

Unternehmen für langfristig ertragreicher – eine

Aussage, über die wir in der Literatur keinen eindeutigen

wissenschaftlichen Konsens erkennen

können (Atz, et al., 2023).

Den Klimawandel hält genau die Hälfte der Befragten

für ein Finanzrisiko – eine Meinung, die

in Wissenschaft, Praxis und Aufsicht weitgehend

akzeptiert wird. Nur 16 Prozent der Befragten widersprechen.

57 Prozent sehen in der Einhaltung von Umweltstandards

einen ertragsmindernden Kostenfaktor.

Die Formulierung „vor allem“ unterstreicht eine gewisse

inhaltliche Inkonsistenz mit Teilfrage 3.

Eine große Mehrheit von 65 Prozent der Befragten

lehnt jedoch das normative Statement in der Kontrollfrage

ab, wonach sich Investoren stärker auf Gewinn

als auf Umweltschutz orientieren sollen. Nur

14 Prozent stimmen zu.

Positive Meinung zu Green Finance

In Summe lassen sich überwiegend positive Meinungen

zu Green Finance festhalten, wobei Greenwashing

und die Regulierungskosten von der Mehrheit

als problematisch erkannt werden.

Im Folgenden untersuchen wir die Einstellungsfragen

, die sich unter anderem von den Meinungsfragen

durch den Ich-Bezug unterscheiden (Grafik 3).

59 Prozent bevorzugen Finanzunternehmen mit

klaren umweltfreundlichen und ethischen Standpunkten.

Grafik 3:

Einstellungen zur

Nachhaltigkeit im

Finanzsektor


UMWELTjournal 5/2024 | S18

GREEN FINANCE

Jene 20 Prozent der Befragten,

die „weder noch“ antworten,

deuten auf Verständnisschwierigkeiten.

Ähnliches

gilt möglicherweise für die 20

Prozent, die keine Angaben

machen.

Grafik 4:

Alter und erwarteter

Klimaeinfluss auf die

persönliche Finanzlage

56 Prozent halten einen Kohleausstieg ihrer Versicherung

für wichtig. Tatsächlich bekennt sich bereits

eine Vielzahl von Versicherern zu diesem Ziel und

sind diesbezüglich vielen Banken voraus.

Ebenso viele Befragte wollen ihre Bank bis zur Jahrhundertmitte

klimaneutral sehen. Viele Banken verpflichten

sich bereits zu den Pariser Klimazielen.

Eine Mehrheit von 54 Prozent will ihr Geld nicht in

fossile Energie investiert sehen.

Eine Mehrheit von 52 Prozent will wissen, ob ihr Geld

zum Umweltschutz beiträgt; nur 17 % wollen es nicht.

53 Prozent sind auch bereit, einen erhöhten Informationsaufwand

zu betreiben, um sicher zu gehen,

dass ihre Geldanlage nachhaltigen Kriterien entspricht.

Diese Frage ist somit als Kontrollfrage zu den

vorhergehenden zu verstehen.

Ganze 29 Prozent der Befragten geben an, bereit zu

sein, auf einen Teil ihrer Rendite zu verzichten, wenn

ihr Geld in nachhaltige, ökologische oder humanitäre

Projekte investiert wird; 38 Prozent sind dazu jedoch

nicht bereit.

Mehr Interesse als konkrete Taten

Nur eine Minderheit von 30 Prozent gibt an, sich für

klima- oder umweltschonende Finanzprodukte entschieden

zu haben. Das suggeriert jedoch einen

weitaus größeren Anteil von Green Finance als er im

Finanzmarkt tatsächlich zu beobachten ist: Zwar sind

bereits 17 Prozent der von Haushalten gehaltenen

Investitionsfonds mit dem Umweltzeichen zertifiziert

(Ćetković P. und J. C. Zhan 2023), bei allen übrigen

Finanzprodukten liegt der Anteil lediglich im Bereich

eines niedrig einstelligen Prozentsatzes (Breitenfellner

et al., 2020).

Insgesamt sind die positiven

Einstellungen in Bezug

auf Green Finance etwas

schwächer als die positiven

Meinungen ausgeprägt, was

angesichts der konkreteren

Konsequenzen für das eigene

Verhalten auch nicht weiter

verwundert. Unter Umständen

spielen jedoch sozial erwünschte

Antworten eine Rolle,

was die Aussagekraft einer

positiven Einstellung zusätzlich schwächen kann.

Die Bereitschaft, Aufwand oder Kosten in Kauf zu

nehmen, um persönliche Green-Finance-Ziele zu erreichen,

ist zwar begrenzt, deutet aber auf ein substanzielles

Nachfragesegment hin, für das sich Nachhaltigkeit

nicht zwangsläufig rechnen muss.

Welche Faktoren beeinflussen

Meinungen und Einstellungen?

Die subjektive ökonomischen Betroffenheit vom

Klimawandel und Einstellung zu Green Finance

unterscheidet sich nach demografischen oder sozioökonomischen

Merkmalen. Bezüglich ersteren

interessiert uns insbesondere der Einfluss des Alters,

zumal nach gegenwärtigem Erkenntnisstand

jüngere Generationen vom Klimawandel auch objektiv

stärker betroffen sein werden. Entsprechend

konzentrieren wir uns hier auf den längsten abgefragten

Zeithorizont von 15 Jahren.

In Grafik 4 sind geringe Unterschiede zwischen den

Altersgruppen erkennbar, sofern man die beiden

Ausprägungen der erwarteten Verschlechterung

(einschließlich „wahrscheinlich verschlechtern“) zusammenfasst.

18 Während die mittleren Kohorten

(30–59 Jahre) pessimistischer zu sein scheinen,

sind insbesondere die beiden älteren Kohorten (ab

60 Jahre) sowie überraschenderweise die jüngste

Kohorte (bis 29 Jahre) offenbar weniger besorgt.

Verschiedene Faktoren können die Wahrnehmung

von und das Interesse an nachhaltigen Finanzpraktiken

beeinflussen. Im Folgenden untersuchen wir


einige Merkmale, die uns im

Rahmen einer tabellarischen

Analyse als möglicherweise

bedeutsam für die Erklärung

unterschiedlicher Meinungen

und Einstellungen zu Green Finance

aufgefallen sind. Grafik 5

zeigt nur jene Merkmalsausprägungen,

die die Stichprobe am

nächsten zum jeweiligen Median

teilen. Auf der horizontalen

Achse sind die prozentuellen

Abweichungen vom Umfrageergebnis

der gesamten Stichprobe

für die 14 Teilfragen zu

Meinungen und Einstellungen

eingetragen. Positive Abweichungen

können in der Regel

als „pro Green Finance“ interpretiert

werden.

Das Einkommensniveau sticht

auf den ersten Blick als besonders

bedeutsam hervor: Hier

werden alle Befragten betrachtet,

die ein monatliches persönliches

Einkommen ab 1.950

EUR aufweisen. Die Antworten

dieser Gruppe fallen im Durchschnitt

um 9,7 Prozentpunkte affirmativer

zu Green Finance aus

als jene des Gesamtsamples.

Das Bildungsniveau wirkt sich nicht so bedeutsam

aus: Hier beträgt am Beispiel von Befragten, die zumindest

einen Maturaabschluss haben, die positive

Abweichung 4,9 Prozentpunkte. Deutlich größer,

nämlich 12,8 Prozentpunkte, ist die Differenz zum

Durchschnitt bei den Befragten mit Hochschulabschluss,

die in der Stichprobe allerdings nur 70 Personen

ausmachen.

Das Sparverhalten ist ebenfalls bemerkenswert,

korreliert jedoch möglicherweise mit dem Einkommen.

Hier wird jene Befragtengruppe dargestellt,

die laut Umfrageergebnis monatlich mindestens

300 EUR sparen kann. Die durchschnittliche als

positive Einstellung interpretierbare Abweichung

beträgt 4,8 Prozentpunkte.

Nur mehr geringen Einfluss scheint der Beschäftigungsstatus

zu haben. Beschäftigte heben sich um

durchschnittlich 2,3 Prozentpunkte ab.

Hinsichtlich des Geschlechts geben Frauen durchschnittlich

um 1,1 Prozentpunkte häufiger Green-Finance-affine

Antworten als der Durchschnitt.

Das Alter spielt offensichtlich nur eine geringe

Rolle. Personen unter 45 Jahren stechen negativ

hervor (–2,2 Prozentpunkte), obwohl sie bei

einzelnen Teilfragen auch positiv abweichen. Das

widerspricht der oft kolportierten Wahrnehmung

wonach jüngere Generationen, wie Millennials und

die Generation Z, also die maßgeblichen Träger der

Umweltbewegung, oft ein stärkeres Interesse an

nachhaltigen und umweltbewussten Investitionen

zeigen. 23 Eine mögliche Erklärung wäre, dass bei

Jüngeren zunächst jene Sorgen über den Klimawandel

dominieren, die die Lebensqualität betreffen,

während der konkrete Bezug zum Wirtschaftsleben

und zu den Finanzen erst mit vollem Eintritt

ins Erwerbsleben und mit steigendem persönlichen

Vermögen in den Vordergrund rücken.

Weitere Details zu der Umfrage finden Sie im Internet:

https://www.oenb.at/Publikationen/Volkswirtschaft/reports/2024/report-2024-16-green-finance/html-version.html?utm_source=chatgpt.com

Grafik 5:

Soziodemografische

Einflussfaktoren auf die

Haltung zu Green Finance


UMWELTjournal 5/2024 | S20

GREEN FINANCE

Green Finance Alliance

überarbeitet Kriterien

Bereits zum dritten Mal werden das Handbuch und der Kriterienkatalog

der GFA überarbeitet. Der Austausch mit den Stakeholdern der Initiative

ist ein wichtiges Kernelement und wird nun erweitert: Nationale

und internationale Stakeholder hatten die Möglichkeit, die Überarbeitungen

des Handbuchs und des Kriterienkatalogs im Rahmen von öffentlichen

Konsultationen zu kommentieren.

Die Inputs von Stakeholdern tragen essenziell

zur Weiterentwicklung der Initiative

Green Finance Alliance (GFA) bei. Daher

wurdw die Möglichkeit des Austauschs im zweiten

Halbjahr 2024 mit einer öffentlichen Konsultation

erweitert. Nationale und internationale Stakeholder

waren eingeladen, die Überarbeitungen des

Handbuchs und des Kriterienkatalogs der GFA

im Rahmen von öffentlichen Konsultationen zu

kommentieren. Alle bis zur Deadline erhaltenen

Rückmeldungen wurden gesammelt und von der

GFA-Koordinierungsstelle im Umweltbundesamt

evaluiert. Diese fließen im nächsten Schritt in die

Erstellung der finalen Version ein.

Die Green Finance Alliance - GFA ist die Initiative

des Klimaschutzministeriums für zukunftsorientierte

Finanzunternehmen. Mitglieder der

Green Finance Alliance nehmen eine Vorreiterrolle

für den Klimaschutz ein und zeigen die Vereinbarkeit

von Klimaschutz und nachhaltigem

Wirtschaften.

Für eine zukunftsfähige und klimafitte Finanzwirtschaft

benötigen wir neue Perspektiven und

Methoden, in denen Klimaaspekte berücksichtigt

werden. Das bedeutet, Klimaziele und konkrete

Maßnahmen in bestehende und neue Prozesse

zu integrieren. Ziel der Green Finance Alliance ist,


Bilder/Grafiken (2): © BMK

dass die Aktivitäten des Kerngeschäfts in eine zukunftsfähige

Richtung gelenkt werden. Unter anderem

geht es um die Ausrichtung der Portfolios

am 1,5-Grad-Ziel sowie um die Ausweitung grüner

Aktivitäten im Kerngeschäft.

Ziele der Green Finance Alliance

Die Green Finance Alliance definiert fünf Zieldimensionen

für das Kerngeschäft der Mitglieder:

* Portfolios werden am 1,5-Grad-Ziel des Pariser

Klimaabkommens ausgerichtet.

* Treibhausgas-neutrale Portfolios 2050: Kontinuierliche

Reduktion der über die Portfolios verantworteten

Treibhausgas-Emissionen.

* Grüne Aktivitäten im Kerngeschäft werden ausgeweitet.

* Klimarisiken werden gemanagt und Resilienz gefördert.

* Klima-Governance und Mainstreaming wird forciert.

Gemeinsamer Weg in die Klimaneutralität

Als Mitglied der Green Finance Alliance verpflichten

sich ambitionierte Unternehmen aus

dem heimischen Finanzsektor freiwillig dazu, ihre

Portfolios für das Investment- und Kreditgeschäft

sowie im Versicherungsbereich, für die Underwriting-Aktivitäten

mit Unternehmen, schrittweise

klimaneutral zu gestalten. Die Mitgliedschaft in

der Green Finance Alliance bietet die Chance, zu

den Vorreitern zu zählen. Mit dem ambitionierten

Kriterienkatalog erhalten die Mitglieder einen

Wegweiser, der sie Schritt für Schritt auf ihrem

Zielpfad begleitet. Dadurch trägt die Green Finance

Alliance dazu bei, dass Österreich und die

EU die vereinbarten Klimaziele erreichen.

Bewerbung als neues Mitglied

In fünf Schritten zum Mitglied der Green Finance

Alliance: Sie sind eine Bank, Versicherung, Pensionskasse,

Betriebliche Vorsorgekasse oder Kapitalanlagegesellschaft

und möchten Klimaschutz

ernsthaft und ambitioniert umsetzen? Wir laden

Sie herzlich ein, Teil einer weltweit einzigartigen

Initiative zu werden.

Ihr Kerngeschäft soll Schritt für Schritt an den Pariser

Klimazielen ausgerichtet werden? Die Green

Finance Alliance ermöglicht Ihnen, langfristige

Klimaziele durch konkrete, kurzfristig umzusetzende

Maßnahmen zu beschreiten und einen es-


UMWELTjournal 5/2024 | S22

GREEN FINANCE

sentiellen Beitrag im Kampf gegen die Klimakrise

zu leisten. Dabei werden Sie von Expertinnen und

Experten bei der Umsetzung durch Workshops,

Webinare und weitere Austauschformate begleitet.

Ganz unter dem Motto: Gemeinsam ist es einfacher!

Finanzunternehmen mit Sitz in Österreich haben

jederzeit die Möglichkeit, sich laufend als neues

Mitglied der Green Finance Alliance zu bewerben.

Sie haben Interesse? Schreiben Sie eine E-Mail an

gf-alliance@umweltbundesamt.at oder kontaktieren

Sie die dortige Koordinierungsstelle direkt telefonisch

unter +436649602873 (Kontakt: Pedram

Payami). Viel Erfolg!

Unterstützung bei der Umsetzung

Ein großer Mehrwert der Mitgliedschaft in der GFA

sind die zahlreichen Austauschformate. Sie bietet

Workshops, Webinare, Schulungsformate wie die

GFA-Akademie und bilaterale Gespräche an, die

exklusiv für die Mitglieder organisiert werden. Die

GFA unterstützt mit diesen maßgeschneiderten

Formaten ihre Mitglieder

beim Aufbau von

fachlichen Kapazitäten

und Know-how. Für

Ad-hoc-Fragen stehen

GFA-Expert:innen

über den Helpdesk im

Umweltbundesamt zur

Verfügung. Wertvollen

Input und Unterstützung

bekommt die

GFA auch über ihren

hochkarätig besetzten

Beirat, bestehend aus

nationalen und internationalen

Green-Finance-Expert:innen.

Jährliches Reporting & Monitoring

Das jährliche Reporting & Monitoring ist für die

Mitglieder in der Regel mit einem sehr überschaubaren

zeitlichen Aufwand verbunden. Sie

erhalten am Jahresanfang jeweils einen einfach

gehaltenen Fragebogen und haben einen Monat

Zeit diesen auszufüllen. Anschließend evaluiert

die Koordinierungsstelle (Umweltbundesamt) Ihre

Angaben und erstellt ein Evaluierungsergebnis.

Dieses dient dann dem Lenkungsgremium als Entscheidungsgrundlage.

Solange das Gesamtbild

der Evaluierung positiv ist, gibt das Lenkungsgremium

grünes Licht. Möglicherweise gibt es einzelne

Nachbesserungsaufträge. Nur im Extremfall

kommt es bei einem negativen Gesamtbild zu

einer negativen Entscheidung, deren Folgen zum

Beispiel die temporäre Aussetzung der Mitgliedschaft

oder ein Ausschluss sein können.

Nachbesserung möglich

Bei dem jährlichen Monitoring wird die Erfüllung

der Kriterien von der Koordinierungsstelle überprüft.

Wenn von einem Mitglied bestimmte Kriterien

nicht vollständig erfüllt werden können, dann

sind die dafür ausschlaggebenden Gründe im jährlichen

Reporting anzuführen („Comply or Explain“).

Die Konsequenz für punktuelle Abweichungen

können entsprechende Nachbesserungsaufträge

sein, die ausschließlich an Sie kommuniziert werden.

Innerhalb einer festgesetzten Frist können

dann die Vorgaben nachgeholt werden.

Dekarbonisierung als Ziel

In der GFA ist die Transitionsbegleitung von Unternehmen

im Erdgasbereich von großer Bedeutung

und gegenüber Divestments zu bevorzugen.

Die Mitglieder der GFA

sind dazu aufgefordert,

mit den betroffenen

Kund:innen in Kontakt

zu treten und durch Engagement

einen Dekarbonisierungspfad

ihres

Geschäftsmodells entsprechend

den Pariser

Klimazielen anzuregen.

Ab Ende 2025 dürfen

Mitglieder der GFA keine

neuen Geschäftsaktivitäten

(Neugeschäft) mehr

eingehen, die auf den

Ausbau der Erdgasinfrastruktur

abzielen. Mit anderen Worten: Mitglieder

der GFA haben noch etwas Zeit, um mit ihren Geschäftskund:innen

diese Transition gemeinsam

vorzubereiten Jene Unternehmen, die bereits im

Transformationsprozess sind und keine Erdgasinfrastruktur

mehr ausbauen, können auch nach

Ende 2025 von GFA-Mitgliedern finanziert oder

versichert werden. Neugeschäft in der bestehenden

Erdgas-Infrastruktur (zum Beispiel Wartung,

Carbon Capturing) ist daher mit diesen Kund:innen

auch nach Ende 2025 weiterhin erlaubt.

Weitere Informationen zur Green Finace Alliance

finden Sie im Internet unter: https://www.

bmk.gv.at/green-finance/alliance.html



UMWELTjournal 5/2024 | S24

VERANSTALTUNGEN

Energietage 2024

Die imh Energietage 2024 in Wien brachten mehr

als 170 führende Köpfe der Energiebranche zusammen,

um Herausforderungen und Innovationen

der Energiewende zu diskutieren.

Im Plenum der drei Fachkonferenzen standen

der Ausbau der Netzinfrastruktur, Energiespeichertechnologien

und Digitalisierung im Mittelpunkt.

Highlights waren hier die Keynote zur

integrierten Energieinfrastrukturplanung für die

Energiewende (Judith Neyer, BMK), als auch die

aktuelle Lage des Strommarktes (Alfons Haber,

E-Control). Abschließend fand eine hochkarätige

Diskussionsrunde zum Thema KI in der Energiewirtschaft

statt, bei der man den Fragen nachging

– Welche Handlungsmöglichkeiten die KI der

Energiewirtschaft bietet.

Rückblick Energietage 2024

19. – 20. November 2024

Das hat einigen Teilnehmenden der Energietage

besonders gut gefallen:

„Spannende Diskussionen auf Grund der guten

Durchmischung von Wissensträgern aus unterschiedlichen

Bereichen.“

– Manfred Tragner, FH Technikum Wien

„Gute Atmosphäre und informativ, gute Vernetzungsmöglichkeit.“

– Peter Linzner, denkstatt

„Hintergrundinformationen bei Podiumsdiskussionen,

vielschichtige Betrachtung der Themen.“

– Friedrich Zemanek, Wasser-, Energie- und

Umwelt-Consulting DI Friedrich Zemanek

„Durch Vorträge aus verschiedenen Branchen

konnte ein guter Eindruck vom Gesamtbild der

Thematik Sustainability vermittelt werden.“

– Pruckner-Herran, Wiener Städtische VersAG

„Interessante Vorträge, spannende Diskussionen

und köstliche Verpflegung lässt diese Veranstaltung

zu einer der besten im Energiesektor

werden.“

– Severin Grussmann, Wien Energie GmbH

„Die Qualität der Vortragenden. Guter Überblick

über aktuelle Themen.“

– Dr. Roman Hager, LLM, WMWP Rechtsanwälte

GmbH

„Die Vernetzung von Branchenvertretern auf

hohem Niveau.“

– Roland Kefaloudi-Walli, ePilot GmbH

Die Recherchen für die Energietage 2025 haben

begonnen - Sie dürfen gespannt sein.


Bilder (3): © Studio NEXT


UMWELTjournal 5/2024 | S26

AUSBILDUNG

SEMINARE, PRÜFUNGEN & AUSBILDUNGEN

2024 / 2025 TITEL ORT* ANBIETER

Anmeldungen

möglich

Fachhochschul-Bachelorstudiengang

Energie- und Umweltmanagement

Pinkafeld

FH Burgenland

Anmeldung

möglich

Fachhochschul-Bachelorstudiengang

Gebäudetechnik und Gebäudeautomation

Pinkafeld

FH Burgenland

mehrere

Termine

Ausbildung zum Umweltmanagementbeauftragten

nach ISO 14001 und EMAS

online

WIFI Wien

mehrere

Termine

Lehrgang Abfallbeauftragte:r

Linz, Steyr,

Gmunden

WIFI Oberösterreich

10.12. – 11.12.2024 KI in der Energiewirtschaft Wien imh

29.01.2025 Spezialtag Grüner Wasserstoff Wien imh

25.02. – 26.02.2025 Forum Verkehr: Schieneninfrastruktur Wien imh

25.02. – 26.02.2025 Forum Verkehr: Fuhrpark- & Mobilitätsmanagement Wien imh

25.02. – 26.02.2025 Forum Verkehr: ÖPNV der Zukunft Wien imh

25.02. – 26.02.2025 Forum Verkehr: KI & Digitalisierung im Verkehr Wien imh

* andere Termine und/oder Orte verfügbar. Im E-Paper/PDF klicken Sie für weitere Informationen einfach auf die Ausbildung oder den Veranstalter.

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im Steuerrecht sowie der Wandel des Finance-

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Die Autoren dieses Buches sind:

Prof. Dr. Matthias Hiller - Professor für Rechnungswesen

und Steuerlehre, Prof. Dr. Kathrin Krüger -

Professorin für Externes Rechnungswesen, Dr. Tea

Riedel - Fachdozentin für International Finance,

Prof. Dr. Thomas Schempf - Professor für Finanzwirtschaft,

Prof. Dr. Volker Steinhübel - Professor

für Controlling, Prof. Dr. Olaf Zeitnitz - Professor für

Digital Finance - alle an der SRH Fernhochschule -

The Mobile University.

IMPRESSUM

Medieninhaber: Peter Nestler, Markus Jaklitsch

Herausgeber: Peter Nestler

Redaktion: Peter Nestler, Mag. Manfred Kainz

Grafik: nes2web

Rudolf-Kassner-Gasse 3, 1190 Wien, Austria

E-Mail: redaktion@umwelt-journal.at

https://umwelt-journal.at

Das UMWELT JOURNAL erscheint 6 x jährlich.

Zusätzlich: E-Paper, Website, Newsletter, Sonderpublikationen

Unsere aktuellen Mediadaten finden Sie hier.

Ausgewählte Kapitel:

* Digitalisierung des Finanzbereichs – Wie Cloud-Lösungen

und Low-Code-/No-Code-Ansätze Wettbewerbsvorteile

generieren

* Blockchain und Kryptowerte: Mögliche Implikationen

und Herausforderungen für die Finanzwirtschaft

* Kennzahlen, strategische Entscheidungen und ihre

Kommunikation und deren Einfluss auf soziale Nachhaltigkeit

* Greenwashing bei Geldanlagen

* CSRD, EU-Taxonomie, LkSG: Ein Überblick über

die Berichterstattung zu nachhaltigkeitsbezogenen

Themen

* Green Finance


„Nachhaltige Finanzierung

fördert nicht

nur den Umweltschutz,

sondern auch die

soziale Gerechtigkeit.”

Kristalina Georgiewa

Wissenschafterin, IWF

NÄCHSTE AUSGABE: JÄNNER 2024

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