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Mitteilungen der evangelischen Werke für die Kirchgemeinden

Mit Spiritualität und Spaten

Nr.1 | 2012

© Act Alliance / Paul Jeffrey


2 contigo Nr.1 | 2012

S4 – 9 DOSSIER

Viele Menschen im Süden leben ihre

Spiritualität ganz selbstverständlich im Alltag.

Darum wird die Religion wieder verstärkt in

die Entwicklungszusammenarbeit einbezogen.

Geheimnisvoll bleibt, wie aus dem Samen einmal

mehr und einmal weniger Frucht wächst. Gewiss aber

hilft Wissen, den Ertrag zu steigern. Nachhaltige Erfolge

ergeben sich, wenn Entwicklungszusammenarbeit auch

Religion und Spiritualität einbezieht. Das zeigen Erfahrungen

in Nigeria oder in Indonesien, wie im Dossier zu

lesen ist. Verstärkt besinnen sich die evangelischen Werke

darum auf ihre Wurzeln. Oft erleichtert das den Zugang

zu den Menschen im Süden und ihrer Spiritualität. uw

contigo

Mitteilungen der evangelischen

Werke für die Kirchgemeinden

Herausgegeben von Brot für

alle, HEKS, mission 21 und

den OeME-Fachstellen

Erscheint viermal jährlich im

März, Juni, September und

Dezember

ISSN 1660-3788

INHALT

© Act Alliance / Laurie MacGregor

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OeME-Fachstellen der Kantonalkirchen

Web: www.oeme.ch

S10 bROt füR allE – Dialogplattform bereit

S11 bROt füR allE – Noch mehr Unterschriften

für die Petition Recht ohne Grenzen nötig

S12 bROt füR allE – Warum der Widerstand von

GRAIN gegen LandGrabbing ausgezeichnet

wurde

S14 HEKS – Gemeindepartnerschaften:

Was Wipkingen und Göncruszka verbindet

S15 HEKS – Beratung durch ZBA half Anna A.

S17 HEKS – Tanzen, Diskutieren und Besinnen im

Jugendlager in Tschechien

S18 MISSIOn 21 – Neue Unterlagen zur Taufe

unterstützen Pfarrpersonen und Eltern

S19 MISSIOn 21 – Spitaleinsatz in Kamerun

S20 MISSIOn 21 – In Südkorea stärkt

Karina Schumacher die Umweltbewegung

S22 agEnDa unD MaRKtplatz

Redaktion

Peter Dettwiler (ped), OeME

Richard Geer (rg) mission 21

Christine Spirig (cs), HEKS

Urs Walter (uw), Brot für alle

Redaktionsleitung

Urs Walter

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Layout

grafik.trieb, 2560 Biel

Druck

rubmedia, 3001 Bern

Titelbild: Um ihre Ernährungssicherheit

zu erhöhen, graben Agnes

Mhona (Vordergrund) und Fanny Joni

in der Region Chisatha in Malawi ein

Wasserrückhaltebecken.

Rückseite: Bonita Noyok aus Orissa

gehört zu einer höheren Kaste. Sie pflegt

dennoch Kranke, die an der «Elefantenkrankheit»

leiden. Mehr Fusshygiene würde

helfen. Doch: Füsse gelten in Indien

als unrein, Menschen einer tieferen Kaste

zu berühren, ist anstössig.


contigo Nr.1 | 2012

liebe leserinnen,

liebe leser

«Dort, wo Religion und

Spiritualität im alltag der

Menschen und gesellschaften

verwurzelt sind,

können sie einen wichtigen

beitrag zur nachhaltigen

Entwicklung leisten»,

schrieb Walter fust 2005,

damals Direktor der Direktion

für Entwicklung

und zusammenarbeit in

einem von der DEza veröffentlichten Reflexionsund

arbeitspapier. noch nicht lange hat sich in der

fachdiskussion die Erkenntnis durchgesetzt, dass

es fahrlässig wäre, die bedeutung der Religion in

der internationalen zusammenarbeit zu ignorieren.

EDITORIAL

Religion als Schlüssel zu Veränderung

© mission 21

Magdalena Zimmermann, Direktorin ad interim mission 21

Wir kirchlichen Werke sind in vielen Regionen engagiert,

in denen religiöse Vorstellungen antworten

auf wichtige gesellschaftliche fragen geben. In afrika

sind wir zum beispiel mit der traditionellen Verknüpfung

von Krankheit und Hexerei konfrontiert.

Vor diesem Hintergrund werden Menschen mit HIV

und aids oft stigmatisiert und ausgegrenzt. Im

HIV/aids Regionalprogramm afrika versucht

mission21, diesem phänomen durch den aufbau

tragender, solidarischer gemeinschaften zu begegnen,

um so den Infizierten zu helfen. Darüber hinaus

leistet sie präventive arbeit.

Manches Mal ist dabei die Rolle von Religion und

Spiritualität ambivalent: Sie kann zusammenarbeit

behindern und Wandel erschweren. gleichzeitig

kann Religion, wie die artikel von Christine gühne

und Richard geer zeigen, der Hebel sein, durch den

nachhaltige Veränderung erst möglich wird. Wir setzen

darauf, das positive potenzial zu nutzen und die

möglichen Störfaktoren für unsere arbeit zu kennen

und zu berücksichtigen.

Die Leiterinnen und Leiter der drei Werke Brot für alle, HEKS und mission 21 sowie der OeME-Fachstellen wechseln sich beim Schreiben des Editorials ab.

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4 contigo Nr.1 | 2012

Entwicklung kann nicht von aussen an Menschen

und Gesellschaften herangetragen werden – eine

Binsenwahrheit. Aber richtet sich die Frage konkret

auf die Hühnerbrust im Suppentopf, finden sich

plötzlich Antworten, die zu Veränderung führen.

Ungezählte Autofahrten mit dem nigerianischen Team

gehörten zum Alltag bei unserem Einsatz: Selbstverständlich

warfen alle immer ihre Plastiktüten aus dem Fenster,

VERÄNDERUNGEN IN NIGERIA

«Wie ist das mit der Hühnerbrust?»

Ein neuer Lehmofen benötigt nur ein Drittel so viel Holz wie offene Feuer.

Christine Gühne *

© Jan Gühne

DOSSIER

nachdem wir gegessen und getrunken hatten. Und jedes Mal

regte ich mich wieder darüber auf, begann eine Diskussion

zum Thema Umweltschutz und versuchte, gemeinsames Abfallsammeln

in einer Tüte durchzusetzen, um diese zuhause

auf dem Kompost zumindest geordnet zu verbrennen. Die

anderen fanden meine Aktion völlig unverständlich und

sehr erheiternd – und warfen auf der nächsten Fahrt wieder

alles aus dem Autofenster hinaus. Ebenso wenig durften und

konnten wir uns in interne Familienkonflikte einschalten,

um Frauen zu schützen – dies wäre für die Schwächsten sogar

schädlich oder bedrohlich gewesen.

Mein Mann und ich zerbrachen uns auch den Kopf

darüber, warum sich nur wenige unserer nigerianischen

Bekannten für energieeffiziente Kochherde begeistern liessen,

obwohl sich deren Bau ökologisch wie finanziell direkt

lohnt. Und den «Big Men» mussten auch wir als Gäste im

Land zähneknirschend stets Respekt und Höflichkeit erweisen,

um keine gesellschaftlichen Tabus zu verletzen. Immer

wieder beschäftigte uns die Frage: Wie geht das, Überzeugungen

ändern, Einsichten eröffnen, Wandel anstossen,

Motivation schaffen? Oder ist das nicht unsere Aufgabe und

noch weniger unsere Berechtigung?

Glaube als hilfreiche Brücke

Schnell lernten wir: aufgeregte Einmischung unsererseits

verpufft völlig wirkungslos. Veränderungen entstehen

von innen heraus, wenn Überzeugungen sich wandeln,

alternative Denkweisen Sinn machen und sich dann auf

Verhaltensweisen auswirken. Belehrende und erzieherische

Interventionen von aussen, die nicht zur gewachsenen Kultur

vor Ort passen, bewirken Frustration auf beiden Seiten,

auch wenn sie gut gemeint sind. Anders die Begegnungen

auf der Ebene von geteilter Religion und Spiritualität. Diese

erlebten wir als Europäer in Nigeria als eine Brücke, die uns

verbindet, auf der beide Seiten ihre unterschiedlichen Bewertungen

vorbringen und austauschen. Von dieser Brücke

gehen Entwicklungsimpulse in beide Richtungen aus – wo

Spiritualität mit ins Spiel kommt, ist «Entwicklung» keine

Einbahnstrasse mehr.


contigo Nr.1 | 2012 DOSSIER

Die Aufstellung der Studenten vor dem Einzug in die Kirche.

Da stand dann auf einmal nicht mehr unsere Sicht gegen

die dortige Kultur, sondern beide Seiten bezogen sich auf eine

gemeinsame Instanz, die ausserhalb unserer selbst liegt und

die uns doch viel tiefer verbindet als unsere Unterschiede uns

trennen können. Das schützt vor direkter Machtausübung und

deckt Ungerechtigkeiten auf beiden Seiten auf. Dadurch werden

gemeinsame und beidseitige Lernprozesse möglich, die

die Tiefenschichten unserer Prägungen miteinbeziehen und

dort ansetzen, wo wir uns selbst und unser Leben gemeinsam

als von Gott geschenkt und ihm verantwortlich erfahren. Wo

wir biblische und theologische Texte zusammen bedachten,

da verstanden wir uns auf einer tieferen Ebene – trotz unserer

oft sehr unterschiedlichen Sichtweisen und Fragen.

Das Teilen der Hühnerbrust

«Wenn wir in Gottes Wort lesen, dass Männer und Frauen

eins sind in Jesus Christus – was ist dann mit der Hühnerbrust?»

Als weisse Europäerin konnte ich mit dieser Frage

zunächst überhaupt nichts anfangen. Doch hinterher wurde

mir klar, dass die Fragestellerin den biblischen Text genau verstanden

hatte und ihn direkt auf ihren eigenen Lebensalltag

bezog: Wenn Frauen und Männer vor Gott eins sind, warum

folgen wir dann noch der Tradition, dass der Mann vom geschlachteten

Hühnchen immer das beste Fleisch bekommt

und Frau und Kinder sich die Reste teilen? – Hier hat jemand

verstanden, dass der Glaube Konsequenzen hat in unserem

Zusammenleben – und dass ihm eine Dynamik innewohnt,

die gewöhnliche Abläufe und das dahinterstehende Machtgefälle

infrage stellt. Die Folgerung hat sie selbst gezogen.

Ähnliche Impulse tauchten bei anderen Themen auf: Jesus

lädt die Verachteten seiner Zeit zu sich ein und isst mit

ihnen – wen würde er bei uns zu sich einladen, wie mit HIVpositiven

und aidskranken Menschen umgehen? Was ist sein

Verständnis von Machtausübung, wie passt es zu den Formen

von Führung und Regierung, an die wir uns angepasst

© Jan Gühne

haben? Bald begannen die Leute in Nigeria nach Wegen zu

suchen, diese Wahrheiten des Glaubens in ihre Kultur umzusetzen.

Überzeugungen und Werte wurzeln in der Spiritualität

von Menschen, sie wird zum Zugangsweg, um Impulse

zur Veränderung wirksam werden zu lassen. So legen

afrikanische Christen ihre eigene Tradition als Ressource

frei für Alternativen und es besteht die Chance auf Wandel:

auf einen Wandel im Bild von Macht und Mächtigen, im

Geschlechterverhältnis oder für Einsichten im Umwelt- und

Klimaschutz. Das bleibt ein heikler Prozess: Immer wieder

wird religiöse Tradition dazu benutzt, die herkömmlichen

Machtverhältnisse und Lebensweisen zu stützen.

Erkennen bringt Veränderung

Wo einzelne sich auf den Weg gemacht haben, zu lesen

und zu lernen, durchschauen sie dieses Spiel und werden erfinderisch.

Nach einem Kurs über Schöpfung und ihre Bewahrung

stieg das Interesse an den energieeffizienten Öfen

an – die Studierenden im TEE-Projekt organisierten eigene

Workshops und wurden zu Multiplikatoren in diesem Prozess.

Warum erst jetzt, warum nicht vorher? Weil sie nun

selbst verstanden hatten, worum es geht – als Christen, die

verantwortlich sind für Gottes Welt, und als Konsumenten

von Holz. Weil sie ihre Beobachtung, dass die Regenzeit immer

kürzer wird, verbunden hatten mit ihrem eigenen Tun.

Und weil sie die Logik der Armut, dass man nur von einem

Tag zum nächsten denken könne, durchbrochen hatten, als

die Handlungsalternative für sie selbst sowohl spirituell als

auch praktisch sinnvoll wurde. So wächst Veränderung von

innen nach aussen.

Eine Absolventin nach der Übergabe der TEE-Zertifikate während des Gottesdienstes.

* Christine Gühne hat von 2007 bis 2010 in Nigeria für mission 21 an der

Ausbildungsstätte für Laien im EYN TEE College Mubi / Nordnigeria gearbeitet.

Heute lebt die 38-Jährige wieder in Deutschland und ist als Theologische Mitarbeiterin

für Migrationskirchen in Südbaden tätig.

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© Jan Gühne


6 contigo Nr.1 | 2012 DOSSIER

Eigentlich ist die Feststellung, dass Religion etwas

mit Entwicklung zu tun hat, beschämend bescheiden

und nichts Neues. Dennoch ging dieser Zusammenhang

lange Zeit fast vergessen. Erst nach und nach

wird der Blick auf die Welt wieder umfassender.

Kurz nach der Jahrtausendwende liessen Initiativen der

Weltbank und der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit

DEZA in der Schweiz aufhorchen: Beide stellten

die seit dem Zweiten Weltkrieg prägende Doktrin für die

Welt der Entwicklungszusammenarbeit in Frage. Diese war

wesentlich geprägt von der Idee, dass Entwicklung Techno-

GESELLSCHAFT

Fast hätten wir die Religion vergessen…

Heinz Bichsel *

Jesus als Quelle des Lebens, das sich darum herum in seiner ganzen Fülle und in lateinamerikanischer Farbigkeit abspielt.

logie- und Kapitaltransfer von reicheren zu ärmeren Ländern

bedeutet. Die Rolle der Religiosität für die Entwicklung

blieb ausgeklammert, und Wachstum und technische

Entwicklung wurden zu einer Art Ersatzreligion.

Umso heftiger war das Erwachen, als nach den Anschlägen

vom 11.September 2001 sowohl in den USA als auch in Europa

der Faktor Religion mit neuer Dynamik öffentlich diskutiert

wurde. Eine von Anne-Marie Holenstein geleitete DEZA-

Studie zu Religion, Spiritualität und Entwicklung löste gerade

auch in kirchlichen Organisationen der Entwicklungszusammenarbeit

intensive Debatten aus (vgl. «contigo» 4/2010, S. 23).

Verschiedentlich führte sie zu eigentlichen Aha-Erlebnissen.

© Heinz Bichsel


contigo Nr.1 | 2012 DOSSIER

Kultur und Religion tragen

Das monopolisierte Verständnis von Entwicklung muss

aber in Frage gestellt werden. Schon die Begriffe «Religion»

und «Entwicklung» sind in vielen Kulturen, in denen Entwicklungszusammenarbeit

betrieben wird, Lehnwörter.

Benutzen wir sie, gehen wir bereits mit einem Vorverständnis

an Gesellschaften heran, welches diesen selbst fremd ist.

Umso wichtiger ist, dass mit Geduld die Frage gestellt wird,

was denn das Gegenüber wirklich braucht. Der Respekt vor

den Menschen setzt im kirchlichen Bereich voraus, dass gemeinsam

mit der lokalen Bevölkerung entwickelt wird, was

denn das ökumenische Dreigestirn Gerechtigkeit, Frieden

und Bewahrung der Schöpfung vor Ort bedeuten könnte.

Eine solche Vorgehensweise kollidiert mit den Vorstellungen

der Machbarkeit von Entwicklung und ebenso mit dem

Ziel, möglichst hohe Finanzmittel umzusetzen. Aber sie gibt

den lokalen Kräften eine Chance zur Mitwirkung und anerkennt

den Beitrag ihrer Tradition und Religiosität. Das ist gerade

in Bereichen wie Gesundheit und Landwirtschaft entscheidend,

um nachhaltige Verbesserungen erreichen zu können.

Kirchliche Arbeit als Nische

Weltweit und in der Schweiz verändert sich der Spendenmarkt.

Einzelpersonen errichten Stiftungen, die oft über

mehr Geld verfügen als staatliche Organisationen, grosse

Nichtregierungsorganisationen schliessen sich zusammen.

Das führt zu einem Verdrängungskampf. Nachvollziehbar,

wenn darum für Wachstum und Profilierung auf Themen

gesetzt wird, die sich auf dem offenen Spendenmarkt gut

«verkaufen» lassen. Sollten da die kirchlichen Organisationen

der Entwicklungszusammenarbeit ihre Legitimation

nicht jenseits von Marktmacht finden? Sie würden dann

weniger nach immer höheren Wirtschaftszahlen, sondern

nach ihrem Beitrag zu einem Leben in Würde für alle fragen.

Dank der kirchlichen Basis könnten wir dazu stehen, dass

Religion eher ein Ferment sozialer Veränderung als Treiberin

ökonomischen Wachstums ist.

Mission und Diakonie

Die evangelischen Werke sind mit dem reformierten

schweizerischen Protestantismus verbunden und dank der

jährlichen ökumenischen Kampagne von Brot für alle, Fastenopfer

und Partner Sein auch sehr gut ökumenisch verankert.

So können sie sich mit Inhalten und Fragestellungen

profilieren und spätestens da ist die Thematik Religion,

Spiritualität und Entwicklungszusammenarbeit nicht mehr

etwas, das von aussen an die Werke herangetragen wird,

sondern stellt den Kern ihrer Arbeit dar. Sie müssen aber

auch ausweisen, dass sie bei kultur- und religionssensiblen

Themen besonders kompetent sind, und ihre Projekte hier

etwas bieten, was sonst schwer zu finden ist. Dabei ist das

missionarische Zeugnis untrennbar mit der Diakonie verbunden.

Und auf der anderen Seite muss die Entwicklungs-

arbeit eines evangelischen Hilfswerks immer auch theologisch

reflektiert werden. Erst so wird die Qualität eines

Hilfswerks oder eines Missionswerks jenseits von gängigen

Entwicklungsideologien deutlich.

Jesus oder Evo Morales, am Umzug ziehen Religion und Alltagspolitik vereint mit.

Allianzen andenken?

Die schöne Rede von Religion und Entwicklung darf nicht

darüber hinwegtäuschen, dass kirchliche und nichtkirchliche

Akteure der Entwicklungszusammenarbeit je für sich

vom damit verbundenen «ganzheitlichen» Anspruch überfordert

sind: Neben dem Druck, die Wirkungen der Arbeit

zu erfassen, kommt zu allem Überfluss noch die Religion ins

Spiel. Sollte ein ganzheitlicher Ansatz zu einem erklärten gemeinsamen

Ziel der mit dem reformierten Protestantismus

verbundenen Werke erklärt werden, kommen sie aus meiner

Sicht nicht darum herum, operative Allianzen zu schmieden.

Trotz ihrer manchmal konkurrenzierenden Interessen am

Spendenmarkt und steigendem Profilierungsdruck müssten

sie Themen wie Wirkungserfassung und kultur-und religionssensible

Faktoren arbeitsteilig bearbeiten.

Auch bei uns ein Thema

Die Auseinandersetzung mit der Thematik «Religion

und Entwicklung» setzt individuell wie kollektiv die Selbstreflexion

voraus. Plötzlich wird sichtbar, dass Austausch und

Begegnung in einer globalisierten Welt auch zu einer Herausforderung

für unsere Gesellschaft wird. Die Minarettinitiative

hat gezeigt, dass in der Schweiz in Bezug auf Religion

und gesellschaftliche Entwicklung noch einiges zu leisten

ist. Da sind gerade auch die Kirchen gefragt. Ein Projekt wie

das Haus der Religionen in Bern darf durchaus als Entwicklungsprojekt

für die schweizerische Gesellschaft betrachtet

werden. Ähnlich wie Projekte auf anderen Kontinenten sieht

die Trägerschaft das Haus als Gefäss des interreligiösen Dialogs,

das einen Beitrag zum Frieden leisten kann.

* Der Theologe Heinz Bichsel leitet seit April 2011 den Bereich OeME-

Migration der Reformierten Kirche Bern-Jura-Solothurn.

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© Heinz Bichsel


8 contigo Nr.1 | 2012 DOSSIER

INDONESIEN

Kirchen brechen Tabus

Richard Geer

Laut UNAIDS, der HIV/Aids-Behörde der Vereinten

Nationen, weist Indonesien im asiatischen Raum

eine der höchsten Ansteckungsraten auf. Die Kirchen

des Inselstaates leisten einen wichtigen Beitrag zur

Bekämpfung der Krankheit.

Die kleine, quirlige Emmy Sahertian steht unaufgeregt vor

einer Gruppe von Kirchenleitenden der indonesischen Partnerkirchen

von mission 21. Vor gut 30 hochrangigen Pfarrern

hält sie einen Workshop zu «Männer und HIV/Aids» und

spricht dabei unverblümt über die Verbreitung des HI-Virus,

Möglichkeiten der Prävention und den Umgang mit Betroffenen.

«Jesus hätte sich auch um Aids-Kranke gekümmert»,

sagt sie, und zeigt dies an biblischen Beispielen. Sie ist nicht

nur HIV/Aids-Beraterin, sondern auch Pfarrerin und kann so

auf Augenhöhe mit den Anwesenden diskutieren.

Aids ist ein Thema in Indonesien: Laut UNAIDS leben

heute mehr als 300 000 mit dem Virus infizierte Menschen

in Indonesien. Die Dunkelziffer ist vermutlich weit höher.

In der Hauptstadt Jakarta sowie der Provinz Papua liegt die

Rate rund 15 Mal über dem Landesdurchschnitt.

Vom Schweigen zum Handeln

Die Kirchen haben sich nach anfänglichem Schweigen

seit einigen Jahren des Problems angenommen. Und ihre

HIV/Aids-Arbeit kommt bei vielen Menschen an, die von der

staatlichen Aufklärungsarbeit nicht erreicht werden. «Im Gegensatz

zur Regierung und ihren regionalen Institutionen, die

als unzuverlässig oder korrupt gelten, geniessen die Kirchen

und auch die muslimischen Organisationen das Vertrauen

der Bevölkerung», sagt Emmy Sahertian. «Die Kirchen sind in

den abgelegenen Regionen Indonesiens, wo es nicht mal mehr

Strassen, sondern nur noch Wasserwege gibt, oft die einzigen

Institutionen, die präsent sind», fügt Katharina Gfeller, Programmverantwortliche

für Indonesien von mission 21 hinzu.

Möglich gemacht hat diese Durchdringung und die Mobilisierung

von vielen Freiwilligen in den Kirchgemeinden

die Tatsache, dass die Leitungen der indonesischen Partnerkirchen

von mission 21 sich das Thema zu eigen machten.

«Sie erkannten, dass es um Menschenleben geht, dass die

Ohne Scheu führt Pfarrerin und HIV/Aids-Beraterin Emmy Sahertian am Workshop Männer und HIV/Aids den Kirchenleitern ein Frauenkondom vor.

biblische Botschaft der Nächstenliebe eins zu eins auf von

Aids und HIV Betroffene anzuwenden ist», erläutert Gfeller.

Stünden die Ziele der internationalen Zusammenarbeit

mit den religiösen Werten der Menschen im Partnerland

in Einklang, sei die Wirkung von Massnahmen besonders

gross und nachhaltig. «Der Alltag der Menschen in Indonesien

ist voll von Spiritualität und Religion. Jede Form von

Entwicklungszusammenarbeit ist automatisch mit Religion

gekoppelt», so Gfeller weiter. Die religiöse Fundierung eines

Themas der gemeinsamen Arbeit eines Werks und einer Kirche

könne daher wie ein Hebel wirken.

Neben Aufklärung, Beratung, Austausch in Betroffenengruppen

und Zugang zu medizinischer Versorgung erhalten

die Menschen auch seelsorgerliche Unterstützung. Emmy

Sahertian und ihre Pfarrkolleginnen und –kollegen sprechen

auch die religiöse Dimension der Krankheit an. Dieser

ganzheitliche Ansatz ist wichtig. So sind sie den Menschen

im weit verzweigten Inselstaat nahe, wie es staatliche «top

down»-Institutionen nie sein können.

© mission 21


contigo Nr.1 | 2012

GEMEINSAME WURZELN

Spirituelle Basis bedeutet mehr

als Rechtsnormen

Interview Urs Walter

Der Glaube an die Würde, die Kreativität und die Fä-

higkeiten jedes Menschen, die alle nach dem Eben-

bild Gottes geschaffen sind, verbindet die Mitglieder

von APRODEV. Diese Ausrichtung wird in neuen

Richtlinien verdeutlicht, erläutert Beat Dietschy *.

APRODEV vereint die Stimmen von Werken, die ihre Entwicklungsarbeit

seit je auf den Glauben abstützen («Faith based

Organisations» / FBO). Weshalb also neue Grundsätze?

Beat Dietschy: Zum einen soll bei den Mitgliedorganisationen

die Aufmerksamkeit gegenüber dem wichtigen

Zusammenhang von Glauben und Entwicklungsarbeit geschärft

werden. Zum andern stärkt das Papier die Identität

der APRODEV-Mitglieder und verbessert ihren Umgang mit

den Partnern im Süden.

Was macht denn die Identität einer christlichen «FBO» in

der Entwicklungszusammenarbeit aus?

Auch wenn Kirche und Glaube und deren Einfluss auf

die Entwicklungsarbeit sehr unterschiedlich betrachtet

oder gewichtet werden – alle sind dem gleichen im biblischen

Zeugnis verwurzelten Ethos verpflichtet. Der Glaube

nährt, stützt und leitet die Arbeit. Historisch prägten erst

Missionare mit Bibel und Schaufel das Bild. Dann wurde

für lange Zeit in der Entwicklungsarbeit und in den westlichen

Gesellschaften überhaupt der Einfluss des Glaubens

auf die tägliche Arbeit beiseitegeschoben. Der Schritt ins

21. Jahrtausend brachte den Übergang von einer säkularen

zu einer post-säkularen Kultur.

Also gehört wieder die Bibel ins Entwicklungsgepäck?

Während europäische Staaten sehr zurückhaltend

Mission und Entwicklungsarbeit verknüpfen, findet sich

in den Ländern des Südens eine ganzheitlichere Sicht. Das

Paradigma einer Kirche ist dort die enge Verbindung von

Zeugnis, (diakonischen) Tätigkeiten und gesellschaftlicher

Präsenz. Der Rückgriff auf die Bibel ermöglicht vielen

Menschen, gerade ausserhalb Europas, die Menschenrechte

umfassender als nur als juristisches Konstrukt des Westens

zu sehen. Die spirituelle Basis bietet mehr Gewicht und

Überzeugungskraft als Rechtsnormen. Sie umfasst zudem

das Vergeben und Versöhnen.

Spiritualität, Religion, Ethik – was sieht hier das Positionspapier

vor?

Zunächst einmal hilft es den einzelnen Organisationen,

den Blick zu schärfen für die eigene religiös-kulturelle Verortung.

Das verbessert die Verständigungsbasis für den Austausch

mit Partnern anderswo. Dazu gehört nicht nur die Arbeit

an einer spirituellen, sondern auch die an einer ethischen

Identität. Die Studie von APRODEV gibt Orientierungshilfe,

wie im Blick auf unterschiedlichste Anspruchsgruppen im eigenen

Land wie gegenüber Partnern im Ausland ein ethischreligiöses

Selbstverständnis (weiter) entwickelt werden kann.

Das schafft auch eine Basis für den Austausch mit Organisationen

mit nichtchristlichem Hintergrund. Zu beachten ist

freilich, dass diese sich nicht immer als «Glaubensgemeinschaft»

verstehen. Islamische Hilfswerke würden sich nicht

als «FBO» bezeichnen, und indigene Kreise in Südamerika

Psalm 36,10

Bei dir ist die Quelle des Lebens, in deinem Licht sehen wir Licht.

DOSSIER

verweisen eher auf ein philosophisches Konzept des guten

Lebens im Einklang mit der Natur, das in der Spiritualität ihrer

Völker wurzelt ist. Wenn wir uns als «FBO» verstehen, so

haben wir die biblische Verheissung des «Lebens in Fülle» vor

Augen – und das für alle Menschen auf der Erde.

APRODEV bündelt seit 1990 die Arbeit von 16 europäischen protestantischen

Entwicklungsorganisationen, darunter Brot für alle und HEKS.

Enge Kontakte bestehen zum Weltkirchenrat. www.aprodev.eu

* Beat Dietschy, Zentralsekretär Brot für alle, hat am Positionspapier zu Religion

und Entwicklung mitgearbeitet. Es soll im Mai 2012 verabschiedet werden.

9

© ACT Alliance


10 contigo Nr.1 | 2012

DIALOGPLATTFORM

Mehr Gespräch heisst

bessere Entwicklung

Bruno Stöckli

Weltweite Entwicklung für alle

braucht weltweiten Austausch.

Die Dialogplattform von Brot

für alle und Fastenopfer vereint

kreative Köpfe aus aller Welt zum

Gespräch.

Die Entwicklung eines Landes mit

niedrigem Einkommen ist mehr als das

Resultat aller seiner eigenen Anstrengungen,

unterstützt durch Entwicklungshilfe.

Sie wird von überall her gefördert

– oder behindert. Globale Krisen,

Klimawandel, die Handelspolitik westlicher

Staaten oder die global agierenden

Unternehmen wirken sich aus. Diese

erweiterte Sicht von Entwicklung wirft

viele Fragen auf, die Brot für alle und

Fastenopfer seit längerem beschäftigen.

Dialog als Chance

Zum Anlass ihres 50-jährigen Bestehens

haben die beiden Werke eine Dialogplattform

ins Leben gerufen. Sie soll

im kritischen Austausch über Entwicklung

neue Antworten bringen. Vertreterinnen

und Vertreter aus verschiedenen

Disziplinen und Religionen und aus allen

Kontinenten wurden im Dezember

Fachtagung

2011 zum ersten Austausch eingeladen.

Raum für gegenseitiges Lernen schaffen,

das Bewusstsein über die Vielfalt von

Entwicklungswegen fördern, bestehende

Handlungsmuster lokaler und Internationaler

Akteure hinterfragen und

wirksamere Wege zur Lösung globaler

Problem aufzeigen, sind die Ziele. Unterschiedliche

Perspektiven und Erfahrungen

aus dem Süden wie dem Norden,

aber auch verschiedene Disziplinen, angefangen

von der lokalen Aufbauarbeit

bis hin zu Reflektionen in akademischen

Kreisen, sollen zusammenfinden.

Neues Wirtschaften nötig

Der Zeitpunkt sei da, grundsätzlich

über Entwicklung nachzudenken,

darüber waren sich die 25 Teilnehmenden

am Workshop einig. Der vorab auf

Wachstum und steigenden Konsum

ausgerichtete Entwicklungsweg des

An der Fachtagung werden verschiedene Aspekte zum «Recht ohne Grenzen» rund um Unternehmensverantwortung

und den Schutz von Menschen und Umwelt diskutiert, Fallbeispiele

wie Xstrata oder Danzer Group erörtert. Fachleute, darunter Chantal Peyer, bei Brot für alle

zuständig für «Unternehmensverantwortung», legen den Stand der Diskussion über «Corporate

Justice», international wie in der Schweiz, dar und präsentieren Lösungsansätze.

20. März in Bern, 9.15 – 15.45 Uhr

Hotel Bern, Zeughausgasse 9

Tagungsbeitrag Fr. 120.- (Trägerorganisationen Fr. 80.- )

www.rechtohnegrenzen.ch/de/symposium

Nordens stosse an ökologische Grenzen.

Begrenzte Ressourcen dürften

verunmöglichen, dass alle dieses Konsumniveau

erreichen. Künftige Modelle

für faire und nachhaltige globale

Entwicklung, so eine zentrale Folgerung

des Workshops, müssen auf drei

Säulen basieren: Die Stimmen marginalisierter

Gemeinschaften müssen in

Entscheidungsprozessen auf lokaler,

Viel Wissen und Erfahrung trifft dank der Dialogplattform aufeinander (von links): Saeed Mokbil, OIPMA Genf, Luis

Gallegos Chiriboga, UN-Botschafter von Ecuador UNO, Elisio Macamo, Professor Afrikainstitut, Universität Basel,

Heba Mostafa, Vertreterin Ägyptens in der UN-Arbeitsgruppe zum Recht auf Entwicklung.

nationaler wie internationaler Ebene

mehr Gewicht erhalten (Fachbegriff

Empowerment); politische Entscheide

und Tätigkeiten internationaler Unternehmen

müssen vermehrt und generell

auf ihre Entwicklungswirkung

geprüft werden (Stichwort «do no

harm» – keinen Schaden anrichten);

die limitierten natürlichen Ressourcen

müssen nachhaltiger genutzt und fairer

an die Menschen des Globus verteilt

werden, global und lokal.

Zurzeit reflektieren Arbeitsgruppen

gemeinsam über bestimmte Aspekte

von Entwicklungen. Die Resultate

werden veröffentlicht und sollen breit

diskutiert werden. Als erstes beschäftige,

wie es weitergehen soll, wenn die

Millennium Entwicklungsziele 2015

auslaufen. Dabei wird besonders gefragt,

was die kirchlichen Organisationen zu

künftigen Lösungen beitragen könnten.

* Bruno Stöckli leitet das Projekt Dialogplattform

© BFA


contigo Nr.1 | 2012

VERANTWORTUNG

Klare Gesetze besser

als vage Regeln

Bundesrat und Parlament sollen mit klaren Regeln

sicherstellen, dass Firmen mit Sitz in der Schweiz

weltweit die Menschenrechte und Umweltstandards

einhalten. Die Petition «Recht ohne Grenzen» wird von

Brot für alle und rund 50 Organisationen getragen.

Glencore, Syngenta, Nestlé, Triumph.... Immer wieder

verstossen Niederlassungen von Schweizer Konzernen im

Ausland gegen Menschenrechte oder Umweltstandards. Doch

die verantwortlichen Mutterkonzerne können dafür nicht zur

Rechenschaft gezogen werden. Verbindliche gesetzliche Regeln,

die alle in der Schweiz ansässige Unternehmen und ihre

Tochterfimen im Ausland zur Einhaltung von Menschenrechten

und Umweltstandards verpflichten würden, fehlen. Doch

beides sind zu wichtige Anliegen, um sie dem Gutdünken der

Konzerne zu überlassen. Eine Allianz von über 50 Entwicklungs-

und Menschenrechtsorganisationen, Umwelt- und

Frauenverbänden, Gewerkschaften und kirchlichen Gruppen

will dies ändern. Brot für alle unterstützt diese Petition. Unterschriften

können noch bis im Juni gesammelt werden.

Viel Macht und überall präsent

International tätige Unternehmen kontrollieren heute

zwei Drittel des Welthandels und haben damit eine riesige

Macht. Die Schweiz mischt als Standort von Multis ganz

vorne mit: Pro Kopf der Bevölkerung zählt sie die höchste

Dichte an international tätigen Firmen. Seit 2003 haben sich

über 300 neue Firmen in der Schweiz niedergelassen. Genf

und Zug sind heute wichtige Schaltzentralen im weltweiten

Rohstoffhandel. Tiefe Steuern und ein liberales Aktienrecht

machen das Land nicht nur für alteingesessene Firmen interessant,

sondern auch für Zuzüger wie Xstrata, Transocean

oder Trafigura. Letztere sorgte vor ein paar Jahren mit ihrem

Giftmüllexport nach Afrika für Schlagzeilen. Sogar Söldnerfirmen

wie Aegis haben die Vorzüge der Schweiz entdeckt.

Einzig für solche private Sicherheitsfirmen, die im Ausland

tätig sind, will der Bundesrat klare Bestimmungen einführen.

Bei allen anderen Firmen soll es aber bei der Selbstverantwortung

bleiben. Doch freiwillige Initiativen bleiben zu

wenig wirksam, um allgemein Verstösse gegen die Menschenrechte

und die Zerstörung der Umwelt zu verhindern.

Weil klare Gesetze fehlen, bleibt der Weg der wertvollen Rohstoffe vom Stollen bis zum Grosskonzern nicht nachvollziehbar. Im Bild: Kaum ausgerüstete Kleinschürfer in der Region

Katanga im Kongo fördern Erz ohne Schutz und Sicherheiten und für wenige Dollar Verdienst im Tag.

Besitz und Verantwortung

Ziel der gemeinsamen Kampagne sind gesetzliche Massnahmen

in der Schweiz. Sie sollen alle Firmen auf die Einhaltung

der Menschenrechte und Umweltstandards verpflichten.

«Heute trägt das Stammhaus eines Unternehmens

keine Verantwortung für die Handlungen seiner Filialen

oder Zulieferfirmen im Ausland», kritisierte Chantal Peyer,

zuständig für Unternehmensverantwortung bei Brot für alle.

Verstosse zum Beispiel ein Glencore-Tochterunternehmen

im Kongo gegen die Menschenrechte, hätten die Opfer heute

keine Möglichkeit, die verantwortliche Mutterfirma einzuklagen.

«Für die menschenrechtliche Situation in diesen

Ländern ist das gravierend».

Information und Petitionsbogen zum Unterschreiben

www.rechtohnegrenzen.ch

11

© Thierry Michel


12 contigo Nr.1 | 2012

PROJEKT GEGEN LAND GRABBING

Ernähren uns die Banken oder

die Bauern?

Interview: Pascale Schnyder

15 Leute in mehreren Ländern beobachten die ne-

gativen Folgen von Land Grabbing und verbreiten die

Informationen. Dafür wurden sie mit dem Alternativen

Nobelpreis ausgezeichnet. Henk Hobbelink, Mitgründer

und heute Koordinator von GRAIN, gibt Auskunft.

Henk Hobbelink, Mitgründer und Leiter von GRAIN

GRAIN wurde ausdrücklich auch für den Einsatz gegen

Land Grabbing ausgezeichnet. Warum ist das wichtig?

Henk Hobbelink: Wir begannen 2008 über das Thema

Land Grabbing zu sprechen. Eigentlich existiert dieses Phänomen

seit auf dieser Welt um Land gekämpft wird. Auch

der Kolonialismus war eine Form von Land Grabbing. Was

wir ab 2008 jedoch beobachteten und was neu war, war die

Tatsache, dass der Finanzsektor damit begann, Land zu

kaufen und damit zu spekulieren. Die Weltbank und die

grösseren Entwicklungsbanken nannten es «Large Scale

Investments». Da mussten wir Klartext reden und sagen

«Nein, das ist es nicht - es ist Land Grabbing».

Wir informierten: Welche Firmen sind involviert, welche

Länder und welche Landstriche werden verkauft etc.

Auf der Website www.farmlandgrab.org aktualisieren wir

die Informationen täglich, laden Fakten und Berichte von

Journalisten hoch, Studien und auch Landverträge, wenn

wir an sie rankommen. Dadurch erhält jeder, der Infor-

© GRAIN

mationen sucht, den Zugang dazu. So sprachen Anfang

2008 alle von den Golfstaaten und von China, die Land

im grossen Stil aufkauften. Wir bemerkten aber, dass das

nur teilweise der Wahrheit entsprach und dass die grossen

privaten Investoren und Spekulanten eigentlich eine viel

grössere Rolle spielten.

Dennoch wird immer mehr Land von ausländischen Investoren

in Beschlag genommen. Ist der Trend zu stoppen?

Ja, wir glauben fest daran. Land Grabbing ist ein Frontalangriff

auf die lokalen Bauern und verstärkt das rasante

Fortschreiten der industriellen Landwirtschaft. Letztendlich

geht es darum, wer uns ernähren soll – die Banken oder die

Bauern. Schliesslich ermöglicht unser Geld diese Landaufkäufe:

Pensionskassen arbeiten mit dem Geld von normalen

Leuten. Diese Leute können wir mobilisieren, indem wir ihnen

zeigen, was mit ihrem Geld gemacht wird und welche

Auswirkungen das hat. Hier tut sich bereits was.

Als Zweites unterstützen wir kleine Organisationen im

Süden direkt mit Informationen. Manchmal bringen wir auch

nur Leute zusammen, damit sie Erfahrungen und Wissen

austauschen können. Das ist ein guter Weg, Opposition zu

organisieren. Oft werden wir angefragt, ob wir an Meetings

teilnehmen können, um eine globale Sicht der Dinge zu geben.

Auch die FAO, die Ernährungsorganisation der UNO,

erarbeitet Richtlinien. Eine sinnvolle Sache?

Da sind wir nicht involviert. Doch die Organisationen

Via Campesina und FIAN haben sich sehr dafür eingesetzt.

Druck der Zivilgesellschaft finde ich gut. Die Frage bleibt

jedoch, wie viel sich wirklich bei den Betroffenen vor Ort

verbessert. Wir müssen den galoppierenden Aufkauf von

Wasser, Land, Saatgut und die Übernahme des Ernährungssektors

durch Investoren und die Industrie stoppen. Vieles,

was jahrhundertelang Allgemeingut war, wird heute privatisiert.

Es muss wieder ein Ernährungssystem entstehen, das

nachhaltiger ist, ökologischer und näher bei den Menschen!

GRAIN ist lokal verwurzelt und global anerkannt

GRAIN entstand 1990 aus der europäischen Saatgut-Kampagne. Für

diesen Einsatz zugunsten von Ernährungssicherheit und einer nachhaltigen,

biologischen und lokalen Landwirtschaft hat GRAIN am 5.Dezember

2011 den Alternativen Friedensnobelpreis erhalten. Die Organisation

mit weltweit 15 Beschäftigten hat als erste den weltweiten Wettlauf um

Land systematisch dokumentiert und den Begriff «Land Grabbing» geprägt.

Brot für alle unterstützt GRAIN seit 2007.

www.farmlandgrab.org

Spenden Konto 40 – 984-9, Brot für alle

Recht auf Nahrung Programm im Süden, 835.8026 Förderung der Biodiversität

GRAIN


contigo Nr.1 | 2012

ÖKUMENISCHEN

KAMPAGNE

Rio in Sertig Dörfli

Bis Ostern läuft die ökumenische

Kampagne «Mehr Gleichberechtigung

heisst weniger Hunger».

Wählen Sie, welches Projekt am

Weltgipfel in Rio vorgestellt wird.

zu Bildung ermächtigen wir die Frauen,

ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen.»

Sechs beispielhafte Projekte aus

Benin, Brasilien, Kamerun, Kolumbien,

den Philippinen und Senegal werden in

der Ökumenischen Kampagne vorgestellt.

Das Publikum bestimmt, welches

im Rahmen der UN-Nachhaltigkeitskonferenz

Rio+20 (20. bis 22. Juni) in

Rio präsentiert wird. Erstmals in einer

Kampagne lässt sich auf Facebook abstimmen.

Dort, in der Agenda und im

Internet, finden Sie weitere Informatio-

Mit einer Lichtkunstbeleuchtung der Kapelle in Sertig Dörfli startete die Ökumenische Kampagne 2012.

Eine beeindruckende Lichtkunst-installation

von Gerry Hofstetter eröffnete

die Kampagne. Der Zürcher Lichtkünstler

hat die 75 Meter hohe Christusstatue,

die hoch über der Millionenstadt

Rio de Janeiro steht, in Originalgrösse

auf den Schnee hinter der Kapelle von

Sertig Dörfli bei Davos projiziert. Das

Bild der schon als modernes Weltwunder

bezeichneten Statue verdeutlicht,

wie wichtig die Stimme der Frauen und

Gleichberechtigung der Geschlechter

für die Überwindung des Hungers sind.

«Hätten Frauen und Männer gleichen

Zugang zu Produktionsmitteln, würden

weltweit rund 150 Millionen Menschen

weniger hungern», heisst es in Statistiken

der Ernährungsorganisation der UNO.

Gegen diese Ungerechtigkeiten wehren

sich immer mehr Frauen. Brot für

alle, Fastenopfer und Partner sein unterstützen

sie dabei. Beat Dietschy, Zentralsekretär

von Brot für alle, erklärt: «Mit

Spar- und Kreditgruppen oder Zugang

nen und können abstimmen.

In über 530 Bäckereien ist das

«Brot zum Teilen» zu kaufen. Der Aufschlag

von 50 Rappen je Brot wird für

Projekte der Werke gespendet.

Spenden Brot für alle, 3001 Bern,

40-984-9

Liste aller Bäckereien

www.rechtaufnahrung.ch/brot

Information: www.rechtaufnahrung.ch

Abstimmen: www.facebook.ch/voiceinrio

NACHRICHTEN

© BFA/FOIllumination by Gerry Hofstetter, Foto Frank Schwarzbach

Neue Mitarbeiterin für KoGe

Kooperationsgemeinschaft (KoGe)

heisst das Netz von Brot für alle und

zwölf schweizerischen Organisationen

der kirchlichen Entwicklungszusammenarbeit.

Ihr Ziel ist es, durch das

Zusammenspiel der unterschiedlichen

Kompetenzen der Partnerwerke die

Wirksamkeit ihrer Arbeit im Süden zu

steigern. Für die Förderung der Partner

und ihrer Arbeit hat Brot für alle die

Stelle einer Koordinatorin der KoGe

geschaffen. Barbara Lutz übernimmt

Anfang April diese Aufgabe. uw

Klima, Kirchen, Entwicklung

Auf Anregung von BFA-Zentralsekretär

Beat Dietschy arbeiten mission

21 und Brot für alle auf dem Gebiet

«Klima, Theologische Bildung und

Entwicklungszusammenarbeit» künftig

enger zusammen. Ziel ist, die Kompetenzen

von Kirchen im Süden zur

Bewältigung der Klima- und Umweltrisiken

zu verbessern. Das Projekt wird

als Thema in die Fachgruppe Religion

und Entwicklung der Kooperationsgemeinschaft

eingebracht. uw

Selam tritt wieder aus

Der Verein Kinderheim Selam

führt seit 1986 in Addis Abeba ein

Waisenhaus, Schulen und ein Berufsbildungszentrum.

2011 trat Selam als

Partner der Kooperationsgemeinschaft

(KoGe) bei. Komplexere Vorarbeiten

als erwartet für ein neues Projekt

und nicht erfüllte Anforderungen

der DEZA führten jetzt wieder zum

Austritt aus der KoGe. uw

AGENDA

Vortrag zu den Klimafolgen

auf den Philippinen

Marion Künzler, Verantwortliche

für Klimatrainings bei Brot für alle, gibt

am Beispiel der Philippinen Einblicke

über die Auswirkungen des Klimawandels

in südlichen Ländern. Mit Klimatrainings

unterstützen Brot für alle und

Fastenopfer die lokale Bevölkerung, dagegen

anzugehen. Ein Film und Bilder

zeigen wie unterschiedliche Frauen und

Männern betroffen sind; Diskussion. uw

Donnerstag, 29. März, 19.30 – 21 Uhr, Lenzburg

Ref. Kirchgemeindehaus, Vortrag

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14 contigo Nr.1 | 2012

GEMEINDEPARTNERSCHAFT

Bereichernder Blick über

den Tellerrand

Christine Spirig

Mit der Kirchlichen Zusammenarbeit (KiZA) finanziert

HEKS nicht nur Projekte, sondern fördert Beziehungen

zwischen Reformierten in Osteuropa und in der

Schweiz. Gemeindepartnerschaften bereichern, wie

Zürich-Wipkingen und Göncruszka in Ungarn vorleben.

Elke Rüegger-Haller (8 v. l.) besuchte mit ihrer Ungarnreisegruppe einen

Gottesdienst in Berekfür

In der Zürcher Kirchgemeinde Wipkingen grassiert

das Ungarnvirus. Erwischt hat es nicht nur Pfarrerin Elke

Rüegger-Haller, sondern auch ein Dutzend Gemeindemitglieder

– Tendenz zunehmend. Ausgebrochen ist es

während einer Gemeindereise, die Elke Rüegger-Haller

2011 mit HEKS durchführte - im Gepäck die Frage nach

einer möglichen Gemeindepartnerschaft. Fünf Kirchgemeinden

hat die Gruppe besucht, bevor sie sich für Göncruszka

im Nordosten von Ungarn entschied. Es war vor

allem die Begeisterung und die Leidenschaft, mit der das

Pfarrehepaar Levente und Zsuzsa Sohajda trotz schwieriger

Voraussetzungen die Geschicke ihrer Gemeinde leiten,

die Eindruck machte. Die Wipkinger Kirchenpflege

befürwortete das Engagement, worauf Anfang Dezember

drei Personen aus der neu gegründeten Ungarngruppe

nach Göncruszka reisten, um sich über Bedürfnisse und

Erwartungen bezüglich dieser Gemeindepartnerschaft

auszutauschen.

© HMirjam Wirz

Soziales Engagement gegen Armut

«Für uns liegt der Sinn dieser Partnerschaft nicht darin,

Kollekten zu sammeln und nach Ungarn zu schicken»,

sagt Elke Rüegger-Haller. «Vielmehr möchten wir als

gleichwertige Partner voneinander lernen und uns gegenseitig

unterstützen.» Dabei sind die Unterschiede gross:

Schweizer Kirchen müssen sich mit schwindenden Mitgliederzahlen

auseinandersetzen, in Ungarn fehlt es oft

an den Ressourcen. Dennoch ist ihr soziales Engagement

gross. In Göncruszka bringt sich mehr als die Hälfte der

128 Gemeindeglieder aktiv in das Gemeindeleben ein: Sie

beteiligen sich am Bau einer Schule, in der sie Integration

von Roma- und Pflegekindern fördern wollen, und übernehmen

selbstverständlich die Reinigung der Gemeinde-

Räumlichkeiten oder verkaufen selbst produzierten Honig,

um den Betrieb der Schule zu finanzieren.

Voneinander lernen

«Sie sind arm – ihr Gemeindeleben aber ist reich», sagt

Rüegger-Haller über ihre ungarischen Glaubensbrüder und

-schwestern. «Wir können viel von ihnen lernen». So arbeiten

in Göncruszka auch ältere Mitglieder in der Gemeinde

mit und entgehen so der Einsamkeit. Göncruszka wiederum

wünscht sich von Wipkingen Beratung bei der Fort-

und Weiterbildung des Lehrerteams.

In den nächsten Monaten stehen gegenseitige Besuche

an: «Vielleicht ergeben sich wieder neue Ideen und Impulse,

wie wir uns gegenseitig noch mehr unterstützen können.»

Ein Fazit zieht die Pfarrerin schon jetzt: Der Blick über den

Tellerrand ist für das Gemeindeleben sehr bereichernd.

Pfarrerin Elke Rüegger-Haller hat eine Ausbildung als Exerzitienleiterin und

ist Kontaktperson und Vorstandsfrau der Ökumenischen Frauenbewegung

Zürich (www.oefz.ch).

Mehr unter www.ref-wipkingen.ch/OeME

Gemeindepartnerschaften:

Chance für Kirchgemeinden

Wie Zürich-Wipkingen können weitere Kirchgemeinden vom Austausch

mit einer Gemeinde in Tschechien, Ungarn oder Rumänien

profitieren. Was es für eine Gemeindepartnerschafte braucht und wie

HEKS bei der Vermittlung und dem Aufbau unterstützt, erfahren Sie

über unseren Flyer «Gemeindepartnerschaften» (http://www.heks.

ch/fileadmin/user_upload/domain1/1_news_and_service/pdf/Kirchgemeinden/HEKS_Gemeindepartnerschaften_Flyer.pdf)

oder bei

Matthias Herren, Beauftragter Kirchliche Zusammenarbeit:

mherren@heks.ch, 044 360 88 57


contigo Nr.1 | 2012

ASYLBERATUNG

Sonnenschein nach dunkelster Nacht

Christine Spirig

Die traumatischen Erlebnisse in Tschetschenien und

die Nerven aufreibende Flucht haben Anna A. fast zu

Grunde gerichtet. Doch sie stand wieder auf. Gestärkt

wurde ihr unermüdlicher Lebenswille durch die Zürcher

Beratungsstelle für Asylsuchende.

Verhelfen Asylsuchenden und vorläufig Aufgenommenen in der Schweiz zu Ihrem

Recht: Beraterinnen und Berater der Rechtsberatungsstellen für Asylsuchende.

Anna A. wurde in Vladimirovka, in der heutigen Ukraine,

geboren. Als Ärztin arbeitete sie auf der ganzen

Welt. 1994 kamen sie und ihr Ehemann nach Grosny,

der Hauptstadt Tschetcheniens – just als dort der erste

Tschetschenienkrieg ausbrach. Dieser Krieg nahm Anna

A. alles. Als ihr Ehemann 1998, während des zweiten

Tschetschenien-Kriegs, von Tschetschenen getötet wurde,

floh sie aus Angst vor Vergeltungsaktionen. Eine jahrelange

Odyssee begann. Nach der Flucht über Polen wurde sie

in Deutschland aufgegriffen und in ein polnisches Ausschaffungsgefängnis

überführt. Unter menschenunwürdigen

Bedingungen musste Anna A. ein Jahr lang ausharren.

Sie floh erneut, Richtung Schweiz, ohne Geld und

vorwiegend zu Fuss. Die beschwerliche Flucht endete am

7. Juli 2002, als sie die Grenze zu Basel passierte und in der

Schweiz Asyl beantragte.

Von der Vergangenheit eingeholt

Anna A. wurde dem Kanton Zürich zugeteilt. Die Ablehnung

ihres Asylantrags 2003 traf sie wie ein Schlag. Sie konn-

© Ruedi Luescher/HEKS

te nicht zurück an den Ursprungsort so vieler schmerzhafter

Erinnerungen. Doch ihr fehlte die Kraft, den Entscheid anzufechten.

Der psychische und physische Zusammenbruch

war der Tiefpunkt und gleichzeitig der Wendepunkt in ihrer

Asylgeschichte. Nach einem Suizidversuch und einem längeren

Klinikaufenthalt wandte sich Anna A. an die Zürcher

Beratungsstelle für Asylsuchende. Dort zog man den Asylentscheid

in Wiedererwägung mit der Begründung, dass

Anna A. in ihrer Heimat nicht die für sie überlebenswichtige

medizinische Versorgung erhalte.

Neue Hoffnung wuchs. Sie überbrückte die Wartezeit

bis zum Asylentscheid mit Deutsch lernen und der Teilnahme

an verschiedenen Arbeitsintegrationsprogrammen

durch den Ergänzenden Arbeitsmarkt des Kantons

Zürich. Obwohl sie nur einen symbolischen Lohn ausbezahlt

bekam, war sie froh um diese Beschäftigung. «Arbeiten

ist für mich existenziell», sagt sie. Im Juli 2011 wurde

ihr die vorläufige Aufnahme in der Schweiz gewährt.

Jetzt kann sie endlich eine feste Arbeit suchen.

Neue Heimat Schweiz

Anna A. ist dankbar für die Unterstützung, die sie erhalten

hat. «Ich war am Ende - doch jetzt lebe ich», sagt

sie. Auch gesundheitlich geht es ihr besser. Wunderbar,

denn Anna A. hat noch viel vor: Ihr Traum ist ein eigenes

Restaurant. «Meine Spezialität wären Reisgerichte – ich

kenne mindestens 365 verschiedene Rezepte.» Und falls

das nicht klappt, hat sie noch einen anderen Wunsch. «Ich

würde meine Geschichte gerne aufschreiben», sagt sie,

«um Menschen Mut zu machen und zu zeigen, dass auch

nach der dunkelsten Nacht die Sonne wieder scheint.»

Dank der sorgfältigen Beratung durch die ZBA kann Anna A. ihr Leben

wieder selbst in die Hände nehmen.

Nationaler Flüchtlingssonntag: 17. Juni 2012

Der Tag des Flüchtlings 2012 gibt Flüchtlingen und vorläufig

Aufgenommenen ein Gesicht. Der diesjährige Flüchtlingstag findet am

Sonntag, 17. Juni statt (siehe S. 17).

Mehr Informationen auf www.heks.ch/fluechtlingssonntag

© HMirjam Wirz

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16 contigo Nr.1 | 2012

JUGEND UND KIRCHE

Jugendliche füllen ein kommunistisches

Kongresszentrum

Matthias Herren

Rund 500 Jugendliche besuchten die Jugendtage

2011 der reformierten Kirche in Tschechien. Ob

bei Diskussionen über Gott oder Homosexualität,

bei Konzerten oder an Gottesdiensten: Im Zentrum

der jährlichen Treffen steht das Zusammensein.

Das Kongresszentrum von Jihlava, einer mittelgrossen

Stadt zwischen Prag und Brüss, ist ein typisches Relikt

aus der kommunistischen Zeit. Mit seiner graubraunen

Fassade macht es einen eher tristen und verlorenen

Eindruck. Doch letzten Herbst kam Leben in die Räume:

Drei Tage lang trafen sich rund 500 Jugendliche aus ganz

Tschechien zu den Jugendtagen der Evangelischen Kirche

der Böhmischen Brüder (EKBB).

HEKS arbeitet seit längerem mit der EKBB zusammen

und unterstützt auch deren Jugendarbeit. Der letztjährige

Jugendanlass wurde zusätzlich von der Stadt Juhlava, dem

Tschechischen Kulturministerium, der Uni Credit Bank

und Peugeot gesponsert. Die jugendlichen Teilnehmenden

kümmerte das wenig. Sie beachteten die Vertreter

der Sponsoring-Firmen nicht, die mit ihren Ständen links

oder rechts den Bücherstand flankierten. Im Mittelpunkt

ihres Interesses stand das Gemeinschaftserlebnis. In der

reformierten Minderheitskirche bleiben die Jugendlichen

in den teilweise kleinen Gemeinden oft etwas einsam. Die

Jugendtage boten ihnen eine ideale Gelegenheit, andere

junge Menschen zu treffen und an einem auf ihre Interessen

zugeschnittenen Programm teilzunehmen.

Neben Konzerten und sportlichen Aktivitäten fanden

Vorträge und Diskussionen zu Themen wie Glauben, Gebet

oder die Bibel statt. Unter dem Titel «Geist, Seele und

Körper im Computernetzwerk» ging es um die vielerorts

drohende Verletzung des Gebots «Du sollst kein falsches

Zeugnis reden» im Internet. Ein Pfarrer sprach mit den

Jugendlichen darüber, was es heisst, unter einem erfundenen

Namen und einer falschen Identität aufzutreten.

Auch kontroverse Themen wurden diskutiert. James,

ein Mitglied des Leitungsteams, hatte vor einem halben

Jahr erstmals offen über seine Homosexualität gesprochen.

Für ihn, der sich mit der EKBB sehr verbunden

fühlt, war dies ein schwerer Schritt. Die EKBB tut sich

mit der Akzeptanz von Homosexuellen immer noch

schwer. Auch die Meinungen an den Jugendtagen waren

kontrovers. Die Mehrheit der Wortmeldungen war kritischer

Natur. Gleichzeitig zeugte die hohe Zahl der Teilnehmenden

an dieser Gesprächsrunde von einem grossen

Interesse für die Thematik.

Zusammenkunft junger Reformierter: Über 500 Teilnehmende aus ganz Tschechien kamen zu

den Jugendtagen nach Jihlava.

Das abwechslungsreiche Programm fand bei den Jugendlichen

grossen Anklang. Ausgelassen tanzten sie

am Samstagabend bei einem Rockkonzert vor der Bühne

und sassen nachher noch bis tief in die Nacht zusammen.

Doch genauso selbstverständlich folgten sie der Abendandacht

und nahmen nach einer kurzen Nacht am zweistündigen

Abschlussgottesdienst teil. Bei den Abschiedsszenen

vor der Kirche wird klar: Die meisten werden

auch dieses Jahr wieder dabei sein.

Die Materialien zur Kampagne und das Dossier können auf der Homepage

(News und Services) heruntergeladen oder telefonisch bestellt werden:

044 360 88 15.

HEKS unterstützt Jugendarbeit

Für eine reformierte Minderheitskirche wie der Evangelischen Kirche

der Böhmischen Brüder in Tschechien ist eine gute Jugendarbeit

zentral. HEKS unterstützt neben den Jugendtagen diverse Lager,

Ausbildungskurse und die Koordinationsstelle in Prag.

DVD-Video, 28 Minuten, zu bestellen unter info@heks.ch.

© HEKS


contigo Nr.1 | 2012

VORSCHAU I

Inlandkampagne

«Integrationswoche

2012»

Vom 26. bis 30. März 2012 führt

HEKS zum dritten Mal eine nationale

Integrationswoche durch. Ziel dieser

Woche ist es, den sozial benachteiligten

Menschen, mit denen HEKS

in der Schweiz arbeitet, eine Stimme

zu geben und auf ihre Situation aufmerksam

zu machen. HEKS betreibt

in der Schweiz sechs Regionalstellen

mit über vierzig Projekten in den Bereichen

soziale Integration und Anwaltschaft

für sozial Benachteiligte.

In den einzelnen Regionen finden

verschiedene «Blickwechsel»

statt, bei denen prominente Personen

aus Wirtschaft, Politik, Kultur oder

Sport und Begünstigte von HEKS

gemeinsam einen Tag verbringen

und so Einblick in die Lebenswelt

des anderen gewinnen. Unter anderem

dabei sind der Berner Journalist

und Autor Walter Däpp, der Zürcher

Star-Gastronom Rolf Hiltl oder der

Basler Tausendsassa –minu. Lesen

Sie mehr über den «Blickwechsel» auf

www.heks.ch/blickwechsel.

Einladung zu regionalen

Veranstaltungen

Um die Öffentlichkeit mit der Idee

des Blickwechsels vertraut zu machen

und für das Thema soziale Integration

zu sensibilisieren, führen die HEKS-

Regionalstellen in der gleichen Woche

verschiedene Veranstaltungen durch:

zum Beispiel eine mit dem Schweizer

Schriftsteller Catalin Dorian Florescu

oder ein Schnellkurs in Tamilisch.

Wer spontan noch teilnehmen möchte,

findet alle Informationen zum Anlass

in seiner Region auf:

www.heks.ch/blickwechsel.

VORSCHAU II

Am 17. Juni 2012 ist

Flüchtlingssonntag

«Integrationswoche»: HEKS führt seine

Inlandkampagne im Rahmen der sozialen

Integration 2012 zum dritten Mal durch.

Integration bedeutet, einen Schritt

aufeinander zuzugehen. Dazu sind auch

am Flüchtlingssonntag vom 17. Juni 2012

alle aufgefordert. Zur Unterstützung der

Kirchgemeinden und Pfarrämter stellt

HEKS wie jedes Jahr eine breite Palette

von Materialien zur Verfügung: Plakate,

Predigtbausteine, Kollektenansagen,

Projektreportagen und vieles mehr.

Nutzen Sie den Flüchtlingssonntag, um

Flüchtlingen bei ihrer beruflichen Integration

eine Chance zu geben.

Weitere Auskünfte über:

fluechtlingssonntag@heks.ch

Materialien zum Herunterladen:

www.heks.ch/fluechtlingssonntag

AGENDA

MäRz

Sprachwechsel

Zwei interkulturelle Abende mit

Sprach-Crashkursen und anschliessendem

tamilischem oder arabischem Apéro

organisiert durch die HEKS-Regionalstelle

beider Basel

Dienstag, 27. März, Basel

Donnerstag, 29. März, Basel

18 bis 21 Uhr, HEKS, Pfeffingerstrasse 41

© HEKS

Begegnung in Wort und Klang

Lesung mit Zwischentönen von

und mit dem Autoren und Journalisten

Walter Däpp und der Unterstützung

durch einen Teilnehmenden aus einem

HEKS-Projekt

organisiert durch die HEKS-Regionalstelle Bern

Donnerstag, 29. März, Bern

Beginn 18.30 Uhr

Kornhaus, Kornhausforum 1. Stock

Szenische Lesung

«Teigresten» - Texte, Geschichten

Szenen, vorgetragen vom Kabarettisten

Joachim Rittmeyer

organisiert durch die HEKS-Regionalstelle

Ostschweiz

Donnerstag 29. März,,St. Gallen

19.30 Uhr, Talhof, Torstrasse 14

Yeter Sits Blick auf Aarau

Ein Stadtrundgang durch Aarau

aus kurdisch-schweizerischer Perspektive

mit anschliessendem Apéro in der

HEKS-Regionalstelle Aargau/Solothurn

organisiert durch die HEKS-Regionalstelle

Aargau/Solothurn

Apéro: HEKS, Augustin-Keller-Strasse 1

Dienstag, 27. März, Aarau

Donnerstag, 29. März, Aarau

Freitag, 30. März, Aarau

jeweils 17 bis ca. 18.15 Uhr

Besammlung am Holzmarkt

Literarische Lesung

Ein kultureller Abend mit dem

Schweizer Schriftsteller Catalin Dorian

Florescu.

Organisiert durch die HEKS-Regionalstelle

Zürich/Schaffhausen

Freitag, 30. März, Winterthur,

Einlass 18.30 Uhr, Beginn 19 Uhr

Stadtbibliothek, Obere Kirchgasse 6

JuNI

J.S. Bach: Messe in h-Moll

Benefizkonzert zugunsten von HEKS

Montag, 4. Juni, Zürich

19.30 Uhr

Tonhalle Zürich, grosser Saal

Karten bestellen unter

www.bach-ensemble.ch

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18 contigo Nr.1 | 2012

MATERIALIEN FÜR GEMEINDEARBEIT

Getauft in eine weltweite Kirche

Richard Geer

mission 21 bietet Pfarrerinnen und Pfarrern ein

neues Arbeitsheft zur Taufe und ergänzend ein Taufbüchlein

mit einem Taufschein für die Eltern an.

Baden, AG: Die kleine Lea, vier Monate alt, wird im

Anschluss an den Sonntagsgottesdienst von der Pfarrerin

getauft, im Beisein ihrer Eltern und naher Verwandter. Ihre

»religiöse Zukunft» ist ungewiss, da ihre Eltern nicht sehr

kirchennah sind. Concepción, Chile: Maria, 45 Jahre, hat

sich entschieden, sich in einem Bach taufen zu lassen. Nach

dem Erdbeben und dem anschliessenden Tsunami im Februar

2010 hat sie Gott in ihrem Leben erfahren. Sie möchte

nun ihre Zukunft mit der Kraft des Heiligen Geistes neu in

die Hand nehmen. Tianjin, China: Kang, 25 Jahre, lässt sich

in aller Heimlichkeit zu Hause in der Badewanne taufen. Er

hat Angst vor Ausgrenzung und auch davor, die Verbindung

zu einem Teil seiner Verwandten und Bekannten zu verlieren,

die dem Christentum ablehnend gegenüberstehen.

Weltweite Verbindung durch die Taufe

Drei Beispiele der Taufe. So unterschiedlich die Situationen,

so verschieden sind auch die Taufrituale. Und doch

verbindet uns die Taufe über Tausende von Kilometern und

Ländergrenzen hinweg. In der Taufe werden Menschen in

die weltweite Gemeinschaft Jesu Christi aufgenommen, in

ihr schenkt uns Gott seine grenzenlose Annahme. Die Gemeinschaft

der Getauften kann jeder bei sich vor Ort erleben.

Und doch steht sie in einem weltweiten Kontext und

macht Christinnen und Christen über Kontinente hinweg

zu Schwestern und Brüdern.

Die Taufe bringt uns in Verbindung mit den Gläubigen

in Afrika, mit ihrer lebendigen Spiritualität, aber auch mit

dem Leid der Hungernden. Sie bringt uns die Christinnen

und Christen in Lateinamerika nahe, mit ihrem befreienden

Glauben, aber auch mit ihrem Leiden unter Ungerechtigkeit.

In der Gemeinschaft der Getauften leiden alle Glieder mit,

wo ein Glied leidet (vgl. 1. Kor 12: 26). Die Taufe weckt unsere

Sehnsucht nach der Gerechtigkeit des Reiches Gottes.

Impulse für die Taufvorbereitung

Mit ihrem Netzwerk christlicher Kirchen in Afrika, Asien,

Lateinamerika und Europa bietet mission 21 die Mög-

Taufe in einem Fluss in der Kwangoregion in der Demokratischen Republik Kongo.

lichkeit, die weltweite Dimension der Taufe zu erfahren. Die

Spiritualität der Partnerkirchen kann mit ihren Liedern, Gebeten,

Kunstwerken und Bibelauslegungen Impulse für die

Taufvorbereitung und Tauferinnerung geben. Unter dem Titel

«Getauft in eine weltweite Kirche» stellt mission 21 nach

Ostern allen Seelsorgenden ein Arbeitsheft zur Verfügung,

das praktische Anregungen für die Taufvorbereitung und

den Konfirmandenunterricht gibt. Ein neues Taufbüchlein

mit einem Taufschein, das Pfarrerinnen und Pfarrer bei

Tauffeiern und Tauferinnerungen an Eltern abgeben können,

ergänzt das Arbeitsheft. Ausserdem kann das Bildungs-

Team von mission 21 zu zwei neu konzipierten Kursen gebucht

werden, die das Thema Taufe berühren: «Die Kraft

der Taufe neu entdecken» und «Ein Glaube – viele Kulturen:

Neue Zugänge für die eigene Spiritualität».

Materialien zur Taufe

Arbeitsheft und Taufbüchlein werden im April allen Pfarrpersonen kostenlos

zugestellt. Nachbestellungen sind möglich unter material@mission-21.org.

Zusatzmaterial: Ist ab Mitte April auf www.mission-21.org/taufe abrufbar.

Kurse: Information und Buchung unter www.mission-21.org/baf.

© Helmut Fässler/mission 21


contigo Nr.1 | 2012

PROJEKT KAMERUN

Wenn Rettung in letzter

Minute kommt

Matthias Bosshard

Die medizinische Versorgung der ländlichen Bevölkerung

Kameruns wird vom Staat stark vernachlässigt.

Die kirchlichen Gesundheitsdienste, wie das

Spital Manyemen, sind daher für die Gesundheitsversorgung

auf dem Land unentbehrlich.

«Um drei Uhr nachts werde ich geweckt und ins Krankenhaus

gerufen. Im Kreissaal liegt bereits Mrs L., die ihr

viertes Kind erwartet. Sie hatte sich zu Hause auf die nahende

Geburt eingestellt. Aber das Kind liess auf sich warten,

nur die Hand des Kindes kam zum Vorschein. Ihr Dorf ist

abgelegen, es ist Regenzeit und die Wege sind schlecht. Nach

vier Stunden Motorradfahrt, eingeklemmt zwischen Fahrer

und Begleiter, erreichen sie Manyemen. Das Kind liegt quer,

die Mutter hat hohes Fieber und ist am Ende ihrer Kraft.»

Situationen wie diese sind für Claudia Bender, Fachärztin

für Gynäkologie und ökumenische Mitarbeiterin von

mission 21 am Spital Manyemen, keine Seltenheit. Nicht nur

Geburten sind hier mit grossen Risiken verbunden, auch viele

Krankheiten, die in Europa dank dichter ärztlicher Versorgung

meist einen guten Verlauf nehmen, enden in Kamerun

oft tödlich. Die staatliche Gesundheitsversorgung konzentriert

sich auf die städtischen Gebiete. Die ländliche Bevölkerung

bleibt auf Gesundheitszentren der Kirchen, wie das

Spital Manyemen, angewiesen. Es wurde Anfang der 1950er-

Jahre als Lepra-Spital von der Basler Mission gegründet und

ist heute als «General Hospital» Teil der Gesundheitsdienste

der Presbyterianischen Kirche in Kamerun (PCC). Sowohl

Im Operationssaal führen Dr. Ngiri Johannes Ngwang und sein Team eine Leistenoperation durch.

© Heiner Heine / mission 21

akut als auch chronisch kranke Patientinnen und Patienten

aus einem weiten Einzugsgebiet werden behandelt und medizinisch

sowie psychologisch beraten.

Dr. Claudia Bender, ökumenische Mitarbeiterin von mission 21, im Gespräch mit einer

Mutter während der Morgenvisite auf der Kinderstation.

mission 21 unterstützt das Spital durch Beiträge zur Verbesserung

der Infrastruktur und zur Anschaffung von medizinischen

Geräten. Auf Anfrage der PCC wurden zudem

medizinische und technische Fachkräfte ausgesandt. Seit

August 2010 lebt und arbeitet das Ärzte-Ehepaar Bender in

Manyemen, seit Anfang 2012 auch die Familie von Gunten.

Ohne Notversorgung hätten Frau L. und ihre kleine Tochter

wohl nicht überlebt. Dank Kaiserschnitt und Ausheilung

einer schweren Infektion konnten beide Manyemen nach zwei

Wochen gesund verlassen. Dem Spital fehlen aber Mittel für

dringend notwendige Renovierungsmassnahmen, um die medizinische

Versorgung sicherzustellen.

Projektdienst: Seraina Vetterli, 061 260 23 03, seraina.vetterli@mission-21.org

Projekt Nr.: 134.1029

Spendenkonto: 40-726233-2

www.mission-21.org/kamerun

Lydia und Benjamin von Gunten

Der Elektrotechniker Benjamin, zuletzt Medizinaltechniker am Inselspital

Bern, und die Pflegefachfrau Lydia unterstützen als ökumenische

Mitarbeitende das Spital-Team in Manyemen. Kamerun lernten sie schon

bei früheren Besuchen kennen und lieben, auch wenn sie die Gegensät-

ze als extrem empfinden: «Opulenter Luxus und schnüffelnde Strassen-

kinder trennt oft nur eine dünne Betonmauer», berichtet Benjamin.

Begleitet werden sie von ihren Kindern Maëlle und Aveline.

19

© Heiner Heine / mission 21


20 contigo Nr.1 | 2012

PROJEKTEINSATZ SÜDKOREA

«Zusammenhänge des Lebens

begreifen und schützen»

Richard Geer

Seit Anfang Januar 2012 ist die Agrarökologin Karina

Schumacher als ökumenische Mitarbeiterin für mission

21 in Südkorea im Einsatz. Sie unterstützt die

presbyterianische Kirche Koreas beim Aufbau ihres

Umweltengagements.

«Ein Job im Ökologiebereich in Asien bei einem christlichen

Träger verbindet drei sehr wichtige Bereiche meines

Lebens», erzählt Karina Schumacher. In einem christlichen

Elternhaus aufgewachsen, engagierte sie sich von klein auf

in den Jugendgruppen ihrer Kirchgemeinde. «Für mich gehört

der Glaube zum Leben. Nach der Konfirmation habe

ich Kinderfreizeiten, Kinder-Bibelwochen und Kindergottesdienste

mit vorbereitet», sagt die heute 27-Jährige. Als

Jugendliche habe sie dann das Interesse für den Umweltschutz

gepackt.

Glaube und Ökologie gehören für Schumacher untrennbar

zusammen: «Ich glaube, dass eine andere Welt möglich

ist. Ich bin überzeugt, dass wir Menschen als Teil des

Ökosystems Erde im Einklang mit unseren Mitgeschöpfen

leben können und müssen». Ein freiwilliges ökologisches

Jahr nach der Matura bestärkte sie, sich beruflich in diese

Richtung zu entwickeln: «Ich habe erlebt, wie filigran das

Netz der Schöpfung Gottes ist. Ich will die Zusammenhänge

des Lebens begreifen und schützen – das ist Ökologie»,

sagt die junge, sympathische Frau.

Von Asien ist Karina Schumacher seit ihrer ersten Reise

durch den Kontinent im Jahr 2007 fasziniert. Drei Jahre

später lebte und forschte sie für ihre Masterarbeit fünf Monate

in Vietnam. Sie erlebte die Menschen pragmatischer

und offener als in Europa. «Sie teilen das, was sie haben und

finden Halt in der Gemeinschaft». Die Agrarökologin fand

eine zweite Heimat, der Abschied aus Vietnam fiel ihr entsprechend

schwer.

Anfang Januar reiste Karina Schumacher im Auftrag von

mission21 und Evangelische Mission in Solidarität (EMS)

nach Südkorea aus, um die Presbyterian Church in the Republic

of Korea (PROK) in der Umweltarbeit zu unterstützen.

Zweimal jährlich wird sie in Rundbriefen, die bei mission

21 bestellt werden können, von ihrer Arbeit berichten.

Karina Schumacher, ökumenische Mitarbeiterin in Südkorea

Neues Projekt: «Stärkung der

umweltbewegung in Südkorea»

Die PROK nimmt in der jungen Ökologiebewegung Südkoreas eine

aktive Rolle ein und gründete im Jahr 2008 das Ecology Community

Movement Center (ECMC). Dieses Ökologiezentrum motiviert

Christinnen und Christen, sich aktiv für den Schutz der Schöpfung

einzusetzen. Um diese Bestrebungen zu verstärken, hat die PROK

mission 21 und die EMS um die Entsendung einer ökumenischen

Mitarbeiterin gebeten. Ziel ihrer Tätigkeit ist es unter anderem, ein

Umweltmanagement für die Kirchgemeinden zu initiieren. Das

kirchliche Ökologiezentrum befähigt Kirchgemeinden und Pfarrperso-

nen, sich aktiv für Umweltbelange und damit für die Bewahrung und

den Schutz der Schöpfung einzusetzen. Die Gemeindemitglieder

sollen den Umweltschutz als eine ethische Verpflichtung gegenüber

Gott und der Gesellschaft verstehen lernen.

Projektdienst: Seraina Vetterli, 061 260 23 03, seraina.vetterli@mission-21.org

Projekt Nr.: 276.2521

Spendenkonto: 40-726233-2

www.mission-21.org/suedkorea

© zvg


contigo Nr.1 | 2012

AGENDA

MäRz

Vortrag zu Simone Weil

Die Theologin und Philosophin

Dr. Imelda Abbt spürt in ihrem Vortrag

«Eine Frau auf der Schwelle: Simone

Weil 1909-1943» der Aktualität

dieser Denkerin, Fabrikarbeiterin und

Mystikerin nach. (mit ars vitae, Basel),

Eintritt Fr. 20.-.

Donnerstag, 22. März, 19.30 Uhr

mission 21, Missionsstrasse 21, Basel

Information: Christa Debély, 061 260 22 59,

christa.debely@mission-21.org

Info- und Begegnungstag

Haben Sie ein wenig freie Zeit und

interessieren sich für die Arbeit von

mission 21 und ihrer Partnerkirchen?

Dann herzlich willkommen am Infotag

zum Abschluss der Kampagne

«Frauen mit einer Mission!»

Donnerstag, 29. März, 13.30 – 17.30 Uhr,

mission 21, Missionsstrasse 21, Basel

Information: Judith Gysi, 061 260 23 37,

judith.gysi@mission-21.org

MAI

Hujambo Afrika in Basel

In einem musikalisch umrahmten

Vortrag beleuchtet Pfarrer Nosigwe

Buya, Vorsitzender der Moravian

Church in Tanzania, den Zusammenhang

von Musik, Mission und

Gemeindeaufbau in seiner Kirche.

Anschliessend sind alle zum gemeinsamen

Essen und Singen in die Peterskirche

eingeladen.

Dienstag, 29. Mai, 11 - 14 Uhr,

mission 21, Missionsstrasse 21, Basel;

ab 12.15 Uhr in der Peterskirche Basel

Information:

Markus Perrenoud, 061 260 23 35,

markus.perrenoud@mission-21.org

JuNI

Abgeordnetenversammlung

mission 21

Die jährliche Abgeordnetenversammlung

mit Berichten des Vorstands,

der Geschäftsleitung sowie

aus den Kontinentalversammlungen

und deren Partnerkirchen und –

organisationen ist öffentlich.

Freitag, 29. – Samstag, 30. Juni

mission 21, Missionsstrasse 21, Basel

Information: Silke Fehrenbach, 061 260 22 29,

silke.fehrenbach@mission-21.org

JuLI

Missionsfest

Das Missionsfest beginnt mit einem

Festgottesdienst im Basler Münster

und wird mit einem bunten, internationalen

und familienfreundlichen

Programm im Garten des Missionshauses

fortgeführt.

Sonntag, 1. Juli, 10 – 17 Uhr,

mission 21, Missionsstrasse 21, Basel

Information: Gisèle Wittmer, 061 260 22 76,

gisele.wittmer@mission-21.org

Begegnungsreise nach Tansania

Die 15-tägige Reise beginnt in Sansibar

und durchquert Tansania von

Dar-es-Salaam aus. Die Projektbesuche

in Mbeya und Rungwe sowie touristische

Sehenswürdigkeiten bieten ein

eindrückliches Reiseprogramm.

7. – 22. Juli

Information: Christa Debély, 061 260 22 67,

christa.debely@mission-21.org

NACHRICHTEN

Claudia Bandixen gewählt

Der Vorstand von mission 21 hat

Claudia Bandixen, Präsidentin des Kirchenrats

der Reformierten Landeskirche

Aargau, zur neuen Direktorin von

mission 21 berufen. Sie übernimmt die

Leitung des evangelischen Missionswerkes

im Sommer 2012. Die 54-jährige

Theologin ist gut in der Deutschschwei-

zer Kirchenlandschaft verankert. Sie

bringt zudem einen Leistungsausweis

in der Leitung grosser kirchlicher Organisationen

mit und verfügt über

Erfahrung in der Projektarbeit des

Missionswerks.

Christine Christ neue

Vorstandspräsidentin

An der ausserordentlichen Abgeordnetenversammlung

vom 24. Februar

ist Christine Christ-von Wedel von

den 25 Delegierten aus Afrika, Asien,

Lateinamerika und Europa einstimmig

zur neuen Vorstandspräsidentin

von mission 21 gewählt worden. Die

promovierte Historikerin amtete von

1996 bis 2000 als Vorstandsmitglied

der Basler Mission, 2005 bis 2011 engagierte

sie sich im Missionsrat des

Evangelischen Missionswerks in Solidarität

(EMS) und zuletzt leitete sie die

Gruppe «Strukturen und Prozesse»

von mission 21.

Ehrenpromotion für

Marie-Claire Barth

Grosse Ehre für Marie-Claire

Barth-Frommel: Die 85-jährige Pfarrerin

aus Basel erhielt die Ehrendoktorwürde

der Theologischen Fakultät

Basel. Die ehemalige Missionarin setzt

sich seit 55 Jahren für Entwicklung in

Indonesien ein und kämpft bis heute

mit stiller Beharrlichkeit für die Sache

der Frauen in Ost und West.

SERVICE

unser CD-Geschenk für Sie –

hören Sie rein!

Für den Gottesdienst in Ihrer

Kirchgemeinde haben wir eine CD

mit 17 internationalen ökumenischen

Liedern aus dem Liederbuch «Thuma

Mina» zusammengestellt. Darauf gibt

es neben Hörproben auch PowerPoint-

Folien mit den Liedtexten und Noten.

Bestellung: material@mission-21.org,

061 260 22 36.

21


22 contigo Nr.1 | 2012

Weitere Veranstaltungshinweise

auf den Seiten der Werke 10 bis 21

März

Filmfestival Freiburg

24. – 31. März, Freiburg

Von morgens bis abends, von Koreanisch,

Farsi, Spanisch bis Chinesisch

Filme aus vielen Kulturen.

Details www.fiff.ch

April

OstermarsCH 2012

Montag, 9. April, ab 13 Uhr

Auftakt im Eichholz

(Wabern, beim Camping an der Aare)

Schlusskundgebung um ca. 14.30

Uhr mit Reden von nationalen und

internationalen Persönlichkeiten auf

dem Münsterplatz Bern; Motto «Stopp

der wirtschaftlichen Gewalt - Rohstoffe

zum Leben» statt.

Musikalische Unterhaltung von

«Pazif und ab u zue blutt» (GSoA-Band)

und Chèvre Chô, Essen aus dem Jura.

www.ostermarschbern.ch

Fair Trade Break(fast)

1. April – 28. Mai

Dieses Jahr feiert die Fair Trade-

Labelorganisation Max Havelaar den

20. Geburtstag. Das ist ein Grund, ab

1. April bis zum 28. Mai und besonders

am Fair Trade-Tag am 13. Mai, mit besonderen

Fair Trade-Breakfast – oder

Fair Trade Breaks in den Unternehmen

– zu feiern.

Informationen www.fairtradebreakfast.ch

MAi

Hujambo Afrika in Basel

Dienstag 29. Mai, 11 - 14 Uhr

Pfarrer Nosigwe Buya, Tansania, über

den Zusammenhang von Musik, Mission

und Gemeindeaufbau in seiner Kirche.

Details Seite 21

Juni

«Leben kostbarer als Gold»

Montag, 4. – Mittwoch 6. Juni

je 9 – 12 Uhr und 14 – 17 Uhr

Bern, Ref. Kirchgemeindehaus Johannes,

Wylerstrasse 5

4. ökumenisches Seminar zu Fragen im

Spannungsfeld von Bibel, Ökonomie

und Ökologie; Themen wie Ausbeutung

von Ressourcen, Land/Landbesitz

und Landverteilung, Menschenrechte

und Bewahrung der Schöpfung

werden mit biblischen Psalmen und

anderen Texten aus der Hebräischen

Bibel ins Gespräch gebracht; mit Jürgen

Ebach (Prof. em Uni Bochum, D),

Erik Gruulos (Priester, Guatemala)

und Anna Leissing (Koordinatorin

Guatemalanetz Bern).

Anmeldeschluss: 30.April, oeme@refbejuso.ch

Nationaler Flüchtlingssonntag

Sonntag, 17. Juni

Der Tag des Flüchtlings 2012 gibt

Flüchtlingen und vorläufig Aufgenommenen

ein Gesicht.

Weitere Angaben auf Seite 17 oder auf

www.heks.ch/fluechtlingssonntag.

nAchrichten

Fairer Reisen leichter gemacht

Wegweiser durch den Labeldschungel

im Tourismus. Eine neue Broschüre

informiert über Nachhaltigkeits-Gütesiegel

für Reiseangebote.

Zum Herunterladen: www.fairunterwegs.org

Wie die Schweiz helfen will

Erstmals fasst der Bundesrat alle

Rahmenkredite der Internationalen

Zusammenarbeit zusammen: Entwicklungshilfe

im Süden, Osthilfe in

den Transitionsländern und Humanitäre

Hilfe. Das dürfte die Kohärenz

des Beitrags der Schweiz zur Überwindung

der weltweiten Probleme verbessern.

Der Fokus soll dabei deutlicher

auf die ärmsten Länder und solche mit

fragilen Strukturen und akuten Konflikten

ausgerichtet werden. Bis 2015

soll der Betrag der Entwicklungshilfe

auf 0,5 Prozent des Bruttoinlandproduktes

steigen.

Botschaft herunterladen ab:

www.deza.admin.ch/de/Dossiers/ressources/

resource_de_208305.pdf.

Weltweite Vision der UNO

In Brüssel hat das vom UN-Generalsekretär

eingesetzte Expertengremium

zu nachhaltiger Entwicklung

seinen Bericht und seine Beurteilung

der Belastbarkeit des Planeten Erde

veröffentlicht. Darin wird ein Paradigmenwechsel

hin zu nachhaltiger

Entwicklung und Wirtschaftsweise

gefordert.

http://environmentportal.in/files/file/

GSPReport.pdf

…und AusserdeM:

Viele Sprachen redet

niemand mehr

agEnDa

Weltweit werden 6909 Sprachen

gesprochen. Noch! Immer mehr

Sprachen sterben aus. Wer die neun

Sprachen Chinesisch (21 Prozent Anteil),

Spanisch (6), Englisch (6), Arabisch

(4), Hindi (3), Bengalisch (3),

Portugiesisch (3), Russisch (2) und

Japanisch (2) kann, versteht die halbe

Weltbevölkerung. Seit der letzten

Übersicht des Standardwerkes Ethnologue

von 2005 verschwanden 166

Sprachen. Dabei verschmolzen 75

Sprachen mit anderen – und für 91

Idiome fand sich keine Person mehr,

die sie noch spricht. Sprache ist laut

Definition ein eigenständiges Verständigungsmittel,

das Mütter und

Väter ihren Kindern lernen.

Statistisch neue Sprachen sind

80, die sich aus seiner anderen fortentwickelt

haben, und 83, die neu als

eigenständig gelten. Die fast stabile

Gesamtzahl täuscht: Sprachen verschwinden

immer schneller, aber die

Wissenschaft zögert jeweils lange, den

Tod einer Sprache festzuhalten. uw

Mehr zum Lesen und Hören

www.ethnologue.com oder www.unesco.de


contigo Nr.1 | 2012

BuCH

Neugierde und der Dialog

mit Kirchen

Mit viel Neugier hat sich Arnold

Bittlinger den Menschen und Kirchen

in der Welt wie in Oberhallau

angenähert. Jetzt blickt er persönlich

und mit viel Achtung zurück.

«Seit einigen Tagen weilte ich

in West-Afrika. Dort wollte ich das

‹Christentum› kennenlernen – ganz

innoffiziell. Ich studierte die Zeitung

und stellte fest, dass es in der nahen

Hauptstadt verschiedene Kirchen gibt.

Wenn ich über Mittag blieb, konnte

ich am Sonntag drei Gottesdienste

besuchen.» Mit Neugierde und einem

sorgfältigen Blick für Grosses und Kleines

berichtet der 83-jährige analytische

Psychologe und Theologe Arnold Bittlinger.

Er hat im Auftrag des Ökumenischen

Rates der Kirchen ÖRK in vielen

Ländern den Kontakt zu den Menschen

und den Institutionen gesucht. Davon

berichtet er im Band 3 der Erinnerungen

«Oft auch gegen den Strom».

Wie mit Blitzlicht erhellt Bittlinger

in seinem Bilderreigen auch Fragen

und Herausforderungen im Verhältnis

«unserer» Kirche und Spiritualität zu

den Christinnen und Christen in Afrika

und Südamerika. Heilungserfahrungen

gehören dazu, ob in Rom nach einer

Messe des Papstes oder bei den Kimbangisten

im damaligen Bas-Zaïre (Kongo).

Arnold Bittlinger, Oft auch gegen den Strom –

Erinnerungen 3, Mein Weg in die Weite, ISBN

978-3-905827-08-8, 23.50 Fr.,Metanoia Verlag

«Widerspruch» zur

Finanzkrise

Alle reden und lesen von der Finanzkrise.

Doch viele Facetten rund

um Vermögen und Schulden, die

uns alle betreffen, bleiben unklar.

Ausgabe 61 des «Widerspruch»

bringt unterschiedliche Beiträge zur

unkontrollierten Dynamik der Finanzmärkte,

zum Ungleichgewicht von

Real- und Finanzwirtschaft, aber auch

zu den Folgen für die Demokratie oder

wie die Einzelnen und Frauen oder

Männer betroffen sind.

In einem Diskussionsbeitrag bringt

der Theologe und Kulturvermittler Rolf

Bossart mit dem Beitrag «Der Glaube

der anderen – Der vulgäre Atheismus

und der Niedergang der Religionskritik»

eine umfassende Antwort auf die

vielzitierte Rückkehr des Religiösen.

Widerspruch 61, Diktatur der Finanzmärkte,

EU-Krise und Widerstand; 216 Seiten, Fr. 25.-,

Bezug: Widerspruch, Postfach 8031 Zürich,

www.widerspruch.ch

Leben in Fülle für alle

Auf dem Planet Erde könnten wie

in einer Arche Noah 12 Milliarden

Menschen leben. Doch dafür ist eine

nachhaltige, dauerhaft umweltgerechte

Lebensweise aller Erdenbewohnerinnen

und –bewohner nötig. Wie das konkret

und für den Alltag möglich wäre, zeigt

die Wanderausstellung «Leben in Fülle

- nachhaltig leben» auf. Fragen zu Entwicklungszusammenarbeit,

Mission,

nachhaltiger Konsum, Ressourcenproduktivität,

Energie, Mobilität oder Geldwirtschaft

und ethisch Geldanlegen werden

vertieft behandelt, auch in Modulen

für Schulklassen oder Jugendarbeit.

www.ganzschoenheilig.ch; die Wanderausstellung

kann kostenlos gebucht werden bei

gerschwilerbistum-stgallen.ch

oder Daniel Schmid Holz, 071 227 05 32,

www. schmidholzref-sg.ch

FILM

Der Imam und der Pastor

Gewalt zwischen Christen und

Muslimen gehört in Afrika vielerorts

zur Tagesordnung. Eindrucksvoll

zeigt der Film den Weg zu

Partnerschaft statt Hass.

In vielen Ländern Afrikas gehören

Gewalt und Terror zwischen den Angehörigen

verschiedener Religionen zum

Alltag, oft enden Konflikte in gewalttätig,

wie letztes Jahr wieder im nördlichen

Nigeria. Dass daraus auch Partnerschaft

erwachsen kann, erzählt dieser

Film. Imam Muhammad Ashafa und

Pastor James Movel Wuye gehörten zu

zwei verfeindeten Milizen. Imam Ashafa

musste die Ermordung seiner nahen

Angehörigen durch christliche Milizen

erleben, Pastor Wuye verlor eine Hand,

als Muslime versuchten, ihn zu ermorden.

Wenig verwunderlich, dass sich die

beiden als Feinde betrachteten.

Wie es ihnen gelungen ist, Misstrauen,

Hass, Ängste und innere Verletztheit,

aber auch die Verschiedenheiten

von kulturellen Werten und

religiöser Prägung zu überwinden und

zu gemeinsamen Positionen zu finden,

davon erzählt dieser höchst eindrucksvolle

Film. Die einstigen Feinde leiten

heute gemeinsam ein Mediationszentrum,

dessen Dienste in der ganzen Region

in Anspruch genommen werden.

Pastor James Movel Wuye und

Imam Muhammad Ashafa

MEDIEntIpp

© Filme für eine Welt

Der Imam und der Pastor

Dokumentarfilm von Alan Channer, Nigeria/GB

2006, 40 Minuten, ab 16 Jahren

Bezug: Bildung und Entwicklung; Fr. 35.-

031 389 20 21, verkauf@globaleducation.ch

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contigo Nr.1 | 2012

«Gott schläft im Stein, atmet in der Pflanze,

träumt im Tier und erwacht im Menschen.»

Indisches Sprichwort

© Sean Hawkey / ACT

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