Falstaff Magazin Schweiz Nr. 10/2024
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dez–feb 2025<br />
GENIESSEN WEIN ESSEN REISEN<br />
SCHAUMWEIN<br />
PRICKELNDES<br />
FÜRS FEST<br />
BROT CUISINE<br />
AUFSTIEG IN DIE<br />
SPITZENKÜCHE<br />
ISTANBUL<br />
KURZTRIP AN<br />
DEN BOSPORUS<br />
Winterfreuden<br />
<strong>10</strong><br />
GENUSSVOLL DURCH DIE SCHÖNSTE ZEIT DES JAHRES<br />
SCHWEIZ-AUSGABE <strong>10</strong>/<strong>2024</strong><br />
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<strong>Schweiz</strong> AG, Schlieren. Obligatorische Vollkaskoversicherung nicht inbegriffen. Der Abschluss eines Leasingvertrags ist unzulässig, sofern er zur Überschuldung des Leasingnehmers führt.<br />
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HOCHSEE<br />
Es gibt wohl kaum ein berauschenderes Gefühl<br />
auf Reisen als jenen Moment, wenn das Schiff den<br />
Hafen verlässt und auf hohe See hinausfährt. Ziel:<br />
Horizont. Das Gefühl: Freiheit. Wenn man nichts<br />
mehr sieht als das blaue Meer aber genau weiß:<br />
Der Kapitän steuert mich an ein neues, spannendes<br />
Ziel.<br />
SEGEL<br />
Die „gemütliche Geschwindigkeit“ und die Auseinandersetzung<br />
mit den Elementen auf einer Segelkreuzfahrt<br />
erlauben es, ringsum wirklich wahrzunehmen<br />
– seien es die dahinziehenden Wolken,<br />
die schimmernden Wellen unter dem Bug, kleine<br />
Hafenstädtchen und traumhafte Strände entlang<br />
der Küsten.<br />
FLUSS<br />
Gemächlich gleitet das Schiff dahin. Am nahen<br />
Ufer ein Dorf, Wiesen, Wälder. Ab und zu eine Brücke.<br />
Manchmal Schleuse. Eine Flusskreuzfahrt ist<br />
wohl die gemächlichste Art des Reisens. Sie fühlen<br />
sich rundum entspannt und gleichzeitig voller<br />
Erwartung auf das, was Sie am nächsten Hafen<br />
erwartet.<br />
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HERAUSGEBERBRIEF<br />
PERLENDER GENUSS<br />
FÜR DIE FESTTAGE<br />
DIE FESTE FEIERN<br />
LIEBE FEINSCHMECKERINNEN,<br />
LIEBE FEINSCHMECKER!<br />
Der Jahreswechsel ist eine Zeit der Besinnung. Eine<br />
Zeit des Rückblicks auf das Erreichte, aber auch<br />
der Vorschau auf das Kommende. Und es ist eine<br />
Zeit, in der beides gefeiert werden darf. Wie wichtig es ist,<br />
das Leben zu geniessen und zu begiessen, dafür halten wir<br />
in unserer letzten Ausgabe <strong>2024</strong> ein ausführliches und<br />
hoffentlich überzeugendes Plädoyer. «Wie soll der, der<br />
nie in Masslosigkeit lebt, im Alltag das Mass finden?»,<br />
schreibt der renommierte Literaturkritiker und leidenschaftliche<br />
Geniesser Denis Scheck im Essay, den er<br />
beigesteuert hat. Man kann ihm nur beipflichten.<br />
Ihren <strong>Falstaff</strong>-Einstand feiert Romana Echensperger –<br />
Autorin, Sommelière und Master of Wine. Sie übernimmt<br />
ab sofort gemeinsam mit Ulrich Sautter die Wein-<br />
Chefredaktion von <strong>Falstaff</strong> Deutschland. Von Sautter<br />
und Echensperger können Sie im aktuellen <strong>Magazin</strong><br />
unter anderem erfahren, wie Sie gereifte Rotweine<br />
perfekt vorbereitet auf den Tisch bringen – und was ein<br />
gelungenes Fest eigentlich ausmacht. So viel sei verraten:<br />
Nicht alles muss perfekt sein! Wie wohltuend!<br />
Im Wein-Teil spüren wir zudem den besten Süssweinen<br />
und <strong>Schweiz</strong>er Schaumweinen nach. Im Gourmet-Teil<br />
widmen wir uns den Siegern des neu erschienenen<br />
<strong>Falstaff</strong> Restaurant- und Beizenguide 2025, gehen<br />
der Zutat Zeit auf die Spur und feiern das Brot. Zum<br />
Abschluss besuchen wir nicht nur das ikonenhafte<br />
«Bürgenstock Resort», sondern reisen auch der Wärme<br />
entgegen: auf die Kanarischen Inseln.<br />
Viel Freude mit dem neuen <strong>Falstaff</strong> – und: Geniessen Sie<br />
die «festive season» mit Ihren Liebsten!<br />
WOLFGANG ROSAM<br />
Chefredaktor und Herausgeber<br />
<strong>Falstaff</strong> <strong>Schweiz</strong><br />
ALOYS HIRZEL<br />
Verwaltungsratsvorsitzender und<br />
Herausgeber <strong>Falstaff</strong> <strong>Schweiz</strong><br />
DOMINIK VOMBACH<br />
und BENJAMIN HERZOG<br />
Chefredaktion <strong>Falstaff</strong> <strong>Schweiz</strong><br />
Fotos: Stefan Gergely, Andrea Ebener<br />
WOLFGANG M. ROSAM<br />
wolfgang.rosam@falstaff.com<br />
@RosamWolfgang<br />
DOMINIK VOMBACH<br />
dominik.vombach@falstaff.com<br />
ALOYS HIRZEL<br />
aloys.hirzel@falstaff.com<br />
BENJAMIN HERZOG<br />
benjamin.herzog@falstaff.com<br />
dez–feb 2025<br />
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DEZEMBER – FEBRUAR 2025<br />
18<br />
Feiern Sie mit <strong>Falstaff</strong> die schönste<br />
und genussvollste Zeit des Jahres!<br />
Wir haben praktische Tipps und<br />
Knigge für Gastgeber vorbereitet und<br />
stellen die besten Schaumweine sowie<br />
das perfekte Menü für die «festive<br />
season» vor.<br />
COVER<br />
FOTO: CORBIS / GETTY IMAGES<br />
60<br />
Drei Rezepte für<br />
Ihr perfektes<br />
Festtagsmahl.<br />
88<br />
Geliebte Tradition: Ursprünge und Revival<br />
des Eierlikörs.<br />
COVER:<br />
FESTIVE SEASON<br />
18 SO SPRUDELT DIE WELT<br />
Champagner, Cava, Sekt & Co.:<br />
Schaumweingenuss in neuen Sphären<br />
36 DAS PERFEKT UNPERFEKTE FEST<br />
<strong>10</strong> Gebote für den Gastgeber<br />
44 DEKANTIEREN ODER NICHT?<br />
Wie man noblen Wein perfekt serviert<br />
50 «PURE VERNUNFT DARF<br />
NIEMALS SIEGEN»<br />
Literaturkritiker Denis Scheck über<br />
Mass und Masslosigkeit<br />
52 GEFIEDERTE FREUDEN<br />
Grosser Genuss: Geflügel auf dem<br />
Festtagstisch<br />
60 FESTTAGSGLANZ<br />
Raffinierte Rezepte mit Ente, Wachtel<br />
und Truthenne<br />
70 EIN ECHTER CONNOISSEUR<br />
Pawel Mowlik im Interview<br />
76 ZUTAT ZEIT<br />
Schmoren, fermentieren, reifen lassen:<br />
Kochen zur Entschleunigung<br />
82 SERIE: KUNST, POLITIK UND<br />
KULINARIK<br />
Essen nach Jesus' Vorbild<br />
7 HERAUSGEBERBRIEF<br />
223 IMPRESSUM<br />
234 SAGEN SIE EINMAL …<br />
88 EIN GLÄSCHEN<br />
NOSTALGIE<br />
Der Eierlikör erlebt ein Revival<br />
94 DIE KÖNIGIN DES GENUSSES<br />
Zigarren: Genuss und Kulturgut<br />
18<br />
Die besten Schaumweine<br />
aus aller Welt.<br />
Fotos: Stocksy, Lena Staal / Gitte Jakobsen, StockFood / Kutschka, Christian, beigestellt<br />
8 falstaff dez–feb 2025
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DEZEMBER – FEBRUAR 2025<br />
146<br />
Die besten Adressen aus dem<br />
Restaurant- und Beizenguide 2025.<br />
<strong>10</strong>2<br />
Prickelnd:<br />
Schaumweine<br />
aus der <strong>Schweiz</strong>.<br />
WEIN & MEHR<br />
<strong>10</strong>0 WEIN-NOTIZEN<br />
Die Chefredaktoren Benjamin Herzog<br />
und Dominik Vombach präsentieren<br />
News aus der Weinwelt<br />
<strong>10</strong>2 SCHWEIZER SCHÄUMER<br />
Prickelndes aus der Heimat<br />
1<strong>10</strong> SÜSSES GOLD<br />
Die besten Süssweine von<br />
Frankreich bis Italien<br />
120 TOUR DE BORDEAUX<br />
Eine Weinreise ans linke Ufer<br />
der Garonne<br />
130 SPIRITS-NOTIZEN<br />
Alexander Thürer mit News<br />
aus der Welt der Spirituosen<br />
132 WIE DER WHISKY DIE<br />
WELT EROBERTE<br />
Der sagenhafte Aufstieg des<br />
Getreidebrands<br />
GOURMET<br />
144 GOURMET-NOTIZEN<br />
Die Chefredaktoren Benjamin<br />
Herzog und Dominik Vombach<br />
mit kulinarischen News<br />
146 SIMPLY THE BEST<br />
Alle Sieger aus dem brandneuen<br />
Restaurant- und Beizenguide<br />
154 BROT CUISINE<br />
Neue Backkunst in der<br />
Spitzengastronomie<br />
162 SERIE: AVANTGARDE<br />
DER KULINARIK<br />
Sven Wassmer: Der<br />
Alpen botschafter<br />
171 SIXPACK<br />
Sechs Restaurants im Test<br />
176 SERIE: KÄSE<br />
Vacherin Mont d'Or, ein<br />
duftender Grenzgänger<br />
REISE<br />
180 REISE-NOTIZEN<br />
Reise-Highlights der<br />
Chefredaktion<br />
182 VOM GLÜCK DES<br />
EWIGEN FRÜHLINGS<br />
Insel-Hopping auf den<br />
Kanaren<br />
192 SERIE: HOTELIKONE<br />
Dem Himmel so nah im<br />
«Bürgenstock»<br />
200 MAGISCHES MOSAIK<br />
Tipps für ein langes<br />
Wochenende in Istanbul<br />
JOURNAL<br />
142 UHREN<br />
208 AUTOS<br />
230 EVENTS<br />
TASTING<br />
212 PINOT NOIR TROPHY<br />
218 GRANDI ROSSI<br />
VENETI TROPHY<br />
224 VALPOLICELLA TROPHY<br />
DIE NÄCHSTE FALSTAFF-AUSGABE ERSCHEINT AM 14. FEBRUAR 2025<br />
154<br />
Brot als Hauptdarsteller<br />
in der Gourmet-Küche.<br />
200<br />
Tipps für ein genussvolles langes<br />
Wochenende in Istanbul.<br />
Fotos: Julien L. Balmer Visualspectrum photography, Swiss Wine Promotion, beigestellt, Shutterstock / OPIS Zagreb<br />
<strong>10</strong> falstaff dez–feb 2025
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festive season / INTRO<br />
WINTER …<br />
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12 falstaff dez–feb 2025
dez–feb 2025<br />
falstaff<br />
13
festive season / INTRO<br />
Foto: mauritius images / Westend61 / Nina Janeckova<br />
14 falstaff dez–feb 2025
… FREUNDE …<br />
dez–feb 2025<br />
falstaff<br />
15
festive season / INTRO<br />
Foto: Olya Humeniuk/Shutterstock<br />
16 falstaff dez–feb 2025
… SPASS<br />
dez–feb 2025<br />
falstaff<br />
17
festive season / SCHAUMWEINE<br />
SO SPRUDELT<br />
DIE WELT<br />
Zu einer richtigen Feier gehört<br />
Schaumwein ganz einfach dazu. Die<br />
Weinart gehört zu den wenigen, die sich<br />
weiterhin auf Wachstumskurs befindet.<br />
Foto: Stocksy<br />
18 falstaff dez–feb 2025
Die Welt der Schaumweine ist dynamisch wie bei kaum einer anderen<br />
Weinart. Natürlich, Vorbild für alle edlen Schäumer ist und bleibt der<br />
Champagner – und so entstehen in immer mehr Weinländern erstklassige<br />
Prickler. Wir stellen unsere aktuellen Favoriten vor und geben Tipps,<br />
wie der Schaumweingenuss in neue Sphären gehoben werden kann.<br />
TEXT BENJAMIN HERZOG, DOMINIK VOMBACH, ULRICH SAUTTER UND PETER MOSER<br />
dez–feb 2025<br />
falstaff<br />
19
festive season / SCHAUMWEINE<br />
PRICKELNDE<br />
TRENDS<br />
Schaumwein zwischen Tradition und<br />
Innovation: Marken wie Laurent-<br />
Perrier setzen auf beste Qualität im<br />
Champagnerbereich, bei Muri Drinks<br />
(u.) entstehen alkoholfreie Prickler<br />
der Extraklasse.<br />
Schaumwein ist ein wachsendes<br />
Segment im schrumpfenden<br />
Weinmarkt – und so zeigt sich der<br />
Bereich schon seit einigen Jahren<br />
besonders dynamisch. Da wäre<br />
beispielsweise der Rosé-Trend, der auch bei<br />
Schaumweinen eine tragende Rolle spielt –<br />
sei es bei den Rosé-Champagnern im<br />
Top-Segment oder bei den noch relativ<br />
neuen Rosé-Proseccos. In den letzten Jahren<br />
ist auch eine Premiumisierung zu beobachten<br />
– Top-Schaumweine mit langen<br />
Hefelagerungen und klarer Herkunft sind<br />
gefragter denn je.<br />
WENIG ZUCKER IST ANGESAGT<br />
Wer etwas auf sich hält, trinkt trocken –<br />
das gilt für Still- und Schaumweine<br />
gleichermassen. Neben dem in vielen<br />
Regionen als Standard geltenden Brut-Stil,<br />
ist insbesondere die ganz ohne zusätzlichen<br />
Zucker auskommende Geschmacksart<br />
Extra Brut oder Brut Nature hoch im Kurs.<br />
Das gilt für Champagner genauso wie für<br />
SCHAUMWEIN IST EIN<br />
WACHSENDES<br />
SEGMENT IN EINEM<br />
SCHRUMPFENDEN<br />
MARKT – UND SO ZEIGT<br />
SICH DER BEREICH<br />
BESONDERS DYNAMISCH.<br />
Schaumweine anderer Herkunft – auch für<br />
solche aus dem deutschsprachigen Raum.<br />
Das schäumende Segment wächst – und das<br />
nicht nur dank Wein! Prickelnde alkoholfreie<br />
Weinalternativen in Schaumweinflaschen<br />
trifft man immer öfters an. Neben<br />
entalkoholisierten und mit Kohlensäure<br />
angereicherten Weinen gibt es immer mehr<br />
innovative Kreationen wie Sparkling Tea,<br />
Kombucha oder ganz eigene Kreationen<br />
mit oder ohne Trauben als Ursprung.<br />
<<br />
Fotos: StockFood / Addictive Stock, beigestellt<br />
20 falstaff dez–feb 2025
Weit über seltene Jahrgänge hinaus<br />
Die Kreation des idealen Jahrgangs<br />
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festive season / SCHAUMWEINE<br />
SCHAUMWEIN-EINMALEINS<br />
LÖFFEL REIN STATT<br />
DECKEL DRAUF?<br />
Silberlöffel in den Flaschenhals und ab in den Kühlschrank?<br />
Auf diese Weise bleibt die Kohlensäure<br />
länger im Schaumwein, wusste schon die Oma und<br />
lag leider falsch, wie zahlreiche wissenschaftliche<br />
Untersuchungen bewiesen haben. Schaumwein<br />
bleibt nur frisch, wenn er mit einem Schaumweinverschluss<br />
verschlossen und kühl aufbewahrt wird.<br />
SOLL ICH<br />
SCHWENKEN?<br />
Auch Schaumwein darf und soll<br />
im Glas geschwenkt werden.<br />
Beim Schwenken kommt er mit<br />
Sauerstoff in Kontakt, was dazu<br />
führt, dass sich die diversen<br />
Geschmacksnuancen besser<br />
entfalten. Übertreiben sollte<br />
man es wegen der Kohlensäure<br />
jedoch nicht.<br />
22 falstaff dez–feb 2025<br />
WER HAT‘S ERFUNDEN?<br />
Entgegen der weit verbreiteten Annahme wurde<br />
Schaumwein nicht in der Champagne erfunden. Das<br />
Phänomen, dass Weine durch unerwünschtes Nachgären<br />
zu perlen beginnen, ist bereits seit der Antike<br />
bekannt. In der französischen Appellation Limoux<br />
wurde ein schäumender Wein erstmals 1531<br />
erwähnt, rund 160 Jahre bevor der erste Champagner<br />
hergestellt wurde.<br />
WIE KALT IST<br />
KALT GENUG?<br />
Die perfekte Trinktemperatur für<br />
Prickler gibt es nicht. Jedoch sollte<br />
die Starttemperatur möglichst tief<br />
sein. Am besten geht die Flasche 24<br />
Stunden vor Genuss in den Kühlschrank.<br />
Einfachere Schaumweine<br />
schmecken dann schon, komplexere<br />
entfalten ihren Charakter, wenn sie<br />
im Glas auf Temperatur kommen.<br />
DARF ES<br />
KNALLEN?<br />
Grundsätzlich sollte man beim Öffnen<br />
von edlen Schaumweinen so sanft vorgehen,<br />
dass eher ein «Pscht» als ein<br />
«Plopp» zu hören ist und überschäumen<br />
sollte eine Flasche beim Öffnen schon<br />
gar nicht. Natürlich gibt es aber festliche<br />
Momente, wo diese Regel gebrochen<br />
werden darf: Etwa, wenn man einen<br />
Formel-1-Grand-Prix gewinnt.<br />
Fotos: mauritius images / Gunter Kirsch / Alamy, StockFood / Cephas Picture Library, Bratic,Hasan / Action Press / picturedesk.com, istock / Getty Images, beigestellt
festive season / SCHAUMWEINE<br />
DIE TOP<br />
NON VINTAGE-CHAMPAGNER:<br />
DIE SICHERE BANK<br />
CHAMPAGNER BRUT<br />
NATURE: EXZELLENZ<br />
OHNE ZUCKER<br />
Die Kategorie Brut Nature – auch bezeichnet als<br />
Zéro Dosage oder pas dosé – ist im Trend. Diesen<br />
Champagnern wird nach dem Degorgieren keine<br />
Dosage zugegeben, entsprechend enthalten sie<br />
praktisch keinen Zucker. Die Weine zeigen sich<br />
besonders pur und terroirbetont.<br />
96<br />
94<br />
93<br />
93<br />
93<br />
92<br />
92<br />
92<br />
91<br />
91<br />
2006 Champagne Pommery «Cuvée<br />
Louise» Brut Nature, Champagne Pommery<br />
millesima, CHF 200,–<br />
2012 Champagne Canard-Duchêne Brut<br />
Nature, Champagne Canard-Duchêne<br />
manor.ch, CHF 42,50<br />
Champagne Ayala Brut Nature Dosage<br />
Zero NV, Champagne Ayala<br />
millesima.ch, CHF 47,–<br />
Champagne Tarlant «Zero»<br />
Brut Nature NV, Champagne Tarlant<br />
flaschenpost.ch, CHF 54,95,–<br />
Barons de Rothschild Brut Nature NV<br />
Champagne Barons de Rothschild<br />
vinotheque.ch, CHF 52,–<br />
Champagne Moutard «Père & Fils» Brut<br />
Nature NV, Champagne Moutard<br />
flaschenpost.ch, 38,95<br />
Champagne Drappier Pinot Noir Zero Dosage<br />
Brut Nature NV, Champagne Drappier<br />
vinothek-brancaia.ch, CHF 45,–<br />
Champagne Billecart-Salmon Brut<br />
Nature NV, Champagne Billecart-Salmon<br />
vinotheque.ch, CHF 54,50<br />
Champagne Philippe Glavier<br />
«La Grâce d’Alphaël Grand Cru» Brut<br />
Nature NV, Philippe Glavier<br />
vino.com, CHF 54,90<br />
Champagne Domaine Mea «Sig’Nature»-<br />
Premier Cru Extra Brut NV<br />
schaumweinkontor.com, ca. CHF 35,–<br />
Viele Champagnerhäuser setzen bei der Produktion ihrer wichtigsten Weine auf eine<br />
harmonische Assemblage von Weinen aus mehreren Jahrgängen. Oft werden aktuelle<br />
Weine mit den gereiften Reserveweinen kombiniert. Die perfekte Assemblage zu<br />
finden, ist eine grosse Kunst und meist in Händen erfahrener Kellermeister.<br />
97<br />
95<br />
94<br />
94<br />
94<br />
Champagne Krug Grande Cuvée<br />
«172ème Édition» Brut NV<br />
Champagne Krug<br />
moet-hennessy.ch, ca. CHF 185,–<br />
Champagne Laurent-Perrier<br />
Héritage Brut NV, Champagne<br />
Laurent-Perrier<br />
laurent-perrier.com, ca. CHF 70,–<br />
Champagne Éric Rodez<br />
«Cuvée des Grand Vintages»<br />
Extra Brut NV,<br />
Champagne Éric Rodez<br />
the-champagne.ch, CHF <strong>10</strong>5,–<br />
Champagne Louis Roederer<br />
« Collection 244» Brut NV,<br />
Champagne Louis Roederer<br />
moevenpick-wein.com, CHF 64,80<br />
Champagne Duval-Leroy<br />
Réserve, Brut NV, Champagne<br />
Duval-Leroy<br />
obrist.ch, CHF 45,–<br />
94<br />
94<br />
93<br />
93<br />
93<br />
Champagne Bollinger «Special<br />
Cuvée» Brut NV, Champagne<br />
Bollinger<br />
moevenpick-wein.com, CHF 68,–<br />
Champagne Ruinart Blanc<br />
Singulier «Édition 19» Brut<br />
Nature NV, Champagne Ruinart<br />
moet-hennessy.ch, ca. CHF 115,–<br />
Champagne Canard-Duchêne<br />
«P. 181» Extra Brut NV,<br />
Champagne Canard Duchêne<br />
xtrawine.com, CHF 57,50<br />
Drappier «Clarevallis» Extra Brut<br />
NV, Champagne Drappier,<br />
vinothek-brancaia.com,<br />
CHF 59,80<br />
Champagne Duval-Leroy<br />
«Fleur de Champagne» Premier<br />
Cru Brut NV, Champagne<br />
Duval- Leroy<br />
thewinefamily.ch, CHF 44,80<br />
ROSÉ-CHAMPAGNER:<br />
TRENDFARBE MIT FINESSE<br />
Die Farbe Rosa steht bei vielen Menschen hoch im Kurs – das geht auch am<br />
Wein nicht spurlos vorbei. Rosé-Champagner sind schon seit einigen Jahren im<br />
Aufschwung und das eben nicht nur wegen der trendigen Farbe, sondern auch<br />
wegen des Geschmacks: Die Weine zeigen oft eine prägnante Frucht und eine<br />
hohe Komplexität, was sie zu perfekten Apéroweinen, aber auch Speisenbegleitern<br />
macht.<br />
Fotos: beigestellt<br />
24 falstaff dez–feb 2025
CUVÉE DE PRESTIGE-CHAMPAGNER: FESTLICH UND RAR<br />
Prestige-Cuvées repräsentieren das Beste, was ein Champagnerhaus zu bieten hat. Sie verkörpern die Spitzenqualität und das<br />
Know-how des jeweiligen Produzenten. Oft werden für diese Champagner nur die besten Trauben aus den besten Lagen verwendet<br />
und besondere Sorgfalt bei der Vinifizierung und Reifung angewandt. Es ergibt sich von selbst, dass diese Weine nicht<br />
nur ihren Preis haben, sondern auch, dass sie oft nur in begrenzten Mengen verfügbar sind.<br />
99 97<br />
98<br />
97<br />
Champagne Laurent-Perrier Grand<br />
Siècle Itération N°24 Brut en Magnum,<br />
Assemblage der Jahrgänge 2004,<br />
2006, 2007, Champagne Laurent-<br />
Perrier<br />
laurent-perrier.com, Preis: k. A.<br />
Champagne Laurent-Perrier Grand<br />
Siècle Itération N°26 Brut, Assemblage<br />
der Jahrgänge 2007, 2008, 2012,<br />
Champagne Laurent-Perrier<br />
laurent-perrier.com, Preis: k. A.<br />
2015 Champagne Louis Roederer<br />
«Cristal» Brut, Champagne Louis<br />
Roederer S.A.<br />
moevenpick-wein.com, CHF 299,–<br />
96<br />
96<br />
96<br />
2015 Champagne Pol Roger, «Sir Winston<br />
Churchill» Cuvée Brut, Champagne<br />
Pol Roger<br />
moevenpick-wein.com, CHF 275,–<br />
2015 Champagne Bollinger «La Grande<br />
Année» Brut, Champagne Bollinger<br />
millesima.ch, CHF 190,–<br />
2015 Champagne Dom Pérignon Brut,<br />
Champagne Dom Pérignon<br />
ullrich.ch, CHF 2<strong>10</strong>,–<br />
2014 Champagne Charles Heidsieck<br />
«Blanc des Millénaires» Blanc de<br />
Blancs Brut, Charles Heidsieck<br />
moevenpick-wein.com, CHF 245,–<br />
96<br />
95<br />
95<br />
2013 Champagne Dom Pérignon<br />
Brut, Champagne Dom Pérignon<br />
vinotheque.ch,<br />
CHF 2<strong>10</strong>,–<br />
2017 Champagne Leclerc<br />
Briant «Abyss» Zéro, Cham-<br />
Leclerc Briant<br />
matasci-vini.ch,<br />
CHF 209,–<br />
2012 Champagne<br />
Drappier Grande Sendrée<br />
Brut, Champagne<br />
Drappier<br />
moevenpick-wein.com,<br />
CHF 99,–<br />
96<br />
96<br />
95<br />
94<br />
94<br />
2017 Champagne Louis Roederer Rosé<br />
Brut, Champagne Louis Roederer S.A.<br />
moevenpick-wein.com, CHF 93,–<br />
2012 Champagne Laurent-Perrier<br />
Alexandra Rosé Brut Millésimé<br />
Champagne Laurent-Perrier<br />
schubi-weine.ch, CHF 349,–<br />
2008 Champagne Duval-Leroy «Femme de<br />
Champagne» Grand Cru Rosé de Saignée<br />
Brut, Champagne Duval-Leroy<br />
duval-leroy.store, ca. CHF 270,–<br />
2018 Champagne Pol Roger Rosé Brut<br />
Champagne Pol Roger<br />
moevenpick-wein.com, CHF 95,–<br />
Champagne de Venoge Princesse Rosé<br />
Brut NV, Champagne de Venoge<br />
flaschenpost.ch, CHF 60,95<br />
CHAMPAGNER<br />
FÜR ALLE!<br />
96<br />
BLANC DE BLANCS:<br />
NOBLE BLÄSSE<br />
Blanc de Blancs-Champagner werden ausschliesslich aus weissen<br />
Trauben hergestellt, in der Regel aus <strong>10</strong>0 Prozent Chardonnay.<br />
Diese reinsortige Verwendung macht sie zu etwas Besonderem: Sie<br />
sind elegant und finessenreich.<br />
2016 Champagne Doyard<br />
«Voie d’Oger» Blanc de Blancs<br />
Extra Brut<br />
uvarara.ch, CHF 376,– (1,5 L)<br />
94<br />
Champagne Drappier «Quattuor»<br />
Blanc de Quatie Blancs Extra Brut<br />
NV<br />
amstein.ch, CHF 90,–<br />
94<br />
93<br />
93<br />
93<br />
93<br />
Champagne Charles Heidsieck Rosé<br />
Réserve Brut NV, Charles Heidsieck<br />
moevenpick-wein.com, CHF 55,80<br />
Champagne Éric Rodez «Macération» Rosé<br />
Grand Cru Extra Brut NV, Champagne Éric<br />
Rodez<br />
the-champagne.ch, CHF 74,–<br />
Champagne Laurent-Perrier Cuvée Rosé<br />
Brut NV, Champagne Laurent-Perrier<br />
misterchampagne.ch, CHF 79,–<br />
Champagne Leclerc Briant Rosé Extra Brut<br />
NV, Champagne Leclerc Briant<br />
shop.suedhang.com, CHF 57,–<br />
Champagne Perrier-Jouët Blason Rosé<br />
Brut NV, Champagne Perrier-Jouët<br />
delea.ch, CHF 85,–<br />
95<br />
95<br />
95<br />
95<br />
Champagne Duval-Leroy Blanc de<br />
Blancs Grand Cru Brut NV<br />
thewinefamily.ch, CHF 52,–<br />
2018 Champagne Ayala «A/18»<br />
Le Blanc de Blancs Extra Brut<br />
selection-schwander.ch, CHF 72,50<br />
2015 Champagne Pol Roger Blanc<br />
de Blancs Brut<br />
moevenpick-wein.com, CHF 95,–<br />
2015 Champagne Pierre Gimonnet<br />
«Special Club»Grand Cru<br />
Extra Brut<br />
magnusvinum.ch, CHF 64,–<br />
94<br />
94<br />
94<br />
94<br />
Champagne Laurent-Perrier Blanc<br />
de Blancs Brut Nature NV<br />
ullrich.ch, CHF 89,–<br />
Champagne Charles Heidsieck<br />
Blanc de Blancs Brut NV<br />
moevenpick-wein.com, CHF 79,80<br />
2018 Champagne Deutz Blanc<br />
de Blancs Brut<br />
casadelvino.ch, CHF 85,–<br />
2008 Champagne Duval-Leroy<br />
Blanc de Blancs Prestige<br />
Premier Cru Brut<br />
thewinefamily.ch, CHF 52,–<br />
dez–feb 2025<br />
falstaff<br />
25
festive season / SCHAUMWEINE<br />
Qualitätskontrolle<br />
bei Bailly Lapierre<br />
im Burgund – auch<br />
hier werden immer<br />
mehr Crémant-Weine<br />
hergestellt.<br />
DER CRÉMANT-BOOM<br />
Crémant bezeichnet man<br />
Schaumweine aus Frankreich,<br />
die zwar nach der<br />
traditionellen Champagnermethode<br />
hergestellt werden, aber eben<br />
nicht aus der Champagne stammen.<br />
Ganze acht Regionen sind<br />
für die Produktion von Crémant<br />
in Frankreich zugelassen – die mit<br />
Abstand wichtigste ist das Elsass.<br />
Mit fast 40 Millionen verkauften<br />
Flaschen im Jahr 2023 hat das<br />
Elsass im Bereich Crémant neue<br />
Sphären erreicht – und ein<br />
Abbruch scheint nicht in Sicht.<br />
Weltweit gelten die Weine als<br />
echte Alternative zu den meist um<br />
ein Vielfaches teureren Gewächsen<br />
aus der Champagne.<br />
Crémant gibt es nicht nur aus<br />
Frankreich: Auch in Luxemburg<br />
wird er produziert, ausserdem ist<br />
die Bezeichnung auch in Deutschland<br />
und Belgien geregelt.<br />
<<br />
Der Betrieb Bouvet-Ladubay an<br />
der Loire gehört zur Top-Liga der<br />
Crémant-Hersteller.<br />
CRÉMANT:<br />
UNGEAHNTE VIELFALT<br />
Crémant wird immer beliebter: Grösster<br />
Produzent ist das Elsass, doch neben anderen<br />
Weinregionen in Frankreich können auch die<br />
Winzer Luxemburgs Crémant produzieren.<br />
94<br />
94<br />
93<br />
93<br />
93<br />
93<br />
92<br />
92<br />
92<br />
92<br />
Henri Ruppert «La Brute Blanc»<br />
Crémant de Luxembourg NV, Domaine<br />
Henri Ruppert<br />
domaine-ruppert.lu, ca. CHF 25,–<br />
Alice Hartmann Crémant «Grande Cuvée»<br />
Brut NV, Domaine Alice Hartmann<br />
alice-hartmann.lu, ca. CHF 50,–<br />
2020 Sunnen-Hoffmann Brut Nature,<br />
Domaine Sunnen-Hoffmann<br />
caves-sunnen.lu, ca. CHF 20,–<br />
Domaine Ansen Brut Nature NV<br />
Domaine Ansen<br />
bevino.ch, CHF 20,50<br />
2020 Dirler-Cadé Crémant d’Alsace Brut<br />
Nature, Domaine Dirler-Cadé<br />
viniculture.de, ca. CHF 20,–<br />
2019 Dirler-Cadé Crémant d’Alsace Riesling<br />
Brut Nature, Domaine Dirler-Cadé<br />
walterundbenjamin.de,<br />
tannico.ch, CHF 26,40<br />
2020 Bouvet «Zéro» Saumur Brut Nature,<br />
Bouvet Ladubay<br />
bouvet-ladubay.fr, ca. CHF 20,–<br />
2019 Bouvet «Instinct» Saumur Extra<br />
Brut, Bouvet Ladubay<br />
bouvet-ladubay.fr, ca. CHF 20,–<br />
Taille aux Loups Montlouis sur Loire Vin<br />
Mousseux Triple Zéro Dosage NV,<br />
Domaine de la Taille aux Loups<br />
millesima.ch, CHF 21,70<br />
2015 Bouvet «Ogmius» Saumur Brut,<br />
Bouvet Ladubay<br />
proidee.ch, CHF 134,50<br />
Fotos: JeffE Pachoud / AFP / picturedesk.com, Gérald Angibaud, beigestellt<br />
26 falstaff dez–feb 2025
festive season / SCHAUMWEINE<br />
KELCHE FÜR GROSSEN GENUSS<br />
Das Champagnerglas der Firma<br />
Zalto verleiht den Schaumweinen<br />
der Welt Feinheit und Noblesse,<br />
wobei Mineralik und Rasse<br />
verstärkt werden.<br />
Das Double Bend Champagne<br />
von Markthomas mit dem<br />
charakteristischen Doppelknick<br />
ist für jede Art von Schaumwein,<br />
aber auch für Süssweine geeignet.<br />
Der Champagnerkelch<br />
Q1 von Stoelzle<br />
Lausitz erinnert<br />
an ein klassisches<br />
Schaumweinglas,<br />
bietet dem Wein<br />
aber viel Raum zur<br />
Aromenentfaltung.<br />
Das perfekte Schaumweinglas gibt<br />
es nicht! Die Welt der prickelnden<br />
Weine ist vielfältig – und dementsprechend<br />
gibt es eine Vielzahl von<br />
Schaumweingläsern. Während es schwierig<br />
ist, ein einziges Glas für Schaumwein zu<br />
bestimmen, ist es einfach, gewisse Schaumweingläser<br />
auszuschliessen: An erster Stelle<br />
steht die Champagnerschale. Die breite<br />
Form dieser Gläser ist alles andere als<br />
ideal für den Schaumweingenuss. Auch<br />
die schmalen Flöten haben in der Welt der<br />
edlen Schaumweine nichts zu suchen. Sie<br />
zeigen beim Schnuppern am Glas nur einen<br />
Bruchteil der Aromen. Eine Kelchform im<br />
weiteren Sinne muss also her.<br />
Das Italesse Etoilé<br />
Sparkle erinnert an ein<br />
Weissweinglas, wurde aber<br />
von Champagnerflöte und<br />
-schale inspiriert.<br />
Das Riedel Veritas<br />
Champagner-<br />
Weinglas erinnert<br />
mit seiner Eiform an<br />
ein Weissweinglas.<br />
Es eignet sich ideal<br />
für leichte, trockene<br />
Champagner und<br />
Schaumweine.<br />
Das Schaumweinglas aus der<br />
Serie Zwiesel Air Sense setzt<br />
auf eine Dekantierkugel, die den<br />
Luftkontakt des Weins fördert.<br />
Das Champagnerglas<br />
Grand Cru von Sophienwald<br />
wurde eigens für hochwertige<br />
Schaumweine<br />
entwickelt.<br />
Fotos: beigestellt<br />
28 falstaff dez–feb 2025
festive season / DIE <strong>10</strong> BESTEN<br />
30<br />
97DIE TOP<br />
FRANCIACORTA DOCG:<br />
ELEGANTER GENUSS<br />
Franciacorta stammt von rund 2800 Hektar<br />
Rebland in der Nähe des Iseosees in Nord italien.<br />
1955 war er der erste Schaumwein Italiens, der<br />
mit der höchsten Qualitätsstufe DOCG ausgezeichnet<br />
wurde.<br />
97<br />
96<br />
96<br />
96<br />
95<br />
95<br />
95<br />
95<br />
95<br />
RNA Riserva Nobile Alessandro Bianchi<br />
Franciacorta DOCG 2007 Millesimato<br />
Extra Brut, Villa Franciacorta<br />
villafranciacorta.it, ca. CHF 170,–<br />
Cabochon Franciacorta DOCG 2016<br />
Millesimato Brut, Monte Rossa<br />
monterossa.com, ca. CHF 95,–<br />
Vintage Collection Franciacorta DOCG<br />
2019 Extra Brut, Ca’del Bosco<br />
caratello.ch, CHF 59,–<br />
Riserva Vittorio Moretti Franciacorta<br />
DOCG 2016 Extra Brut Bellavista<br />
casadelvino.ch, CHF 119,–<br />
Annamaria Clementi Franciacorta<br />
Riserva DOCG 2015 Dosage Zéro<br />
Ca’ del Bosco<br />
vergani.ch, CHF 128,–<br />
Bagnadore Franciacorta Riserva DOCG<br />
2016 Dosaggio Zero, Barone Pizzini<br />
tannico.ch, CHF 53,90<br />
Alma Grande Cuvée Non Dosato<br />
Franciacorta DOCG Dosaggio Zero<br />
Bellavista<br />
casadelvino.ch, CHF 44,–<br />
EBB Franciacorta DOCG 2018 Extra Brut<br />
Mosnel, Passirano (BS)<br />
mosnel.com, ca. CHF 50,–<br />
Fuoriserie N° 25 Franciacorta DOCG Brut<br />
Monte Rossa<br />
monterossa.com, ca. CHF 60,–<br />
Palazzo Lana Extrême Franciacorta<br />
Riserva DOCG 2013 Extra Brut, Guido<br />
Berlucchi, Corte Franca (BS)<br />
berlucchi.it, ca. CHF 1<strong>10</strong>,–<br />
TRENTO DOC:<br />
FÜR KENNER<br />
Die Trento-DOC-Schaumweine aus<br />
dem Trentino werden nach der<br />
klassischen Methode hergestellt.<br />
Ihre Geschichte geht zurück bis auf<br />
das Jahr 1902.<br />
96<br />
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94<br />
93<br />
93<br />
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93<br />
93<br />
Giulio Ferrari Riserva del<br />
Fondatore<br />
Trento DOC 2015<br />
Extra Brut, Ferrari Trento<br />
bindella.ch, CHF 154,– (Jg. 2012)<br />
Le Général Blanc Riserva<br />
Trento DOC 2016 Dosaggio Zero,<br />
Cantine Monfort<br />
cantinemonfort.it, ca. CHF 36,–<br />
Rhodium Riserva Trento DOC<br />
2018 Nature,<br />
Cantina Salizzoni<br />
vinello.ch, CHF 43,–<br />
Altemasi Graal Riserva Trento<br />
DOC 2017, Cavit<br />
flaschenpost.ch, CHF 47,95<br />
Ferrari Riserva Lunelli Trento<br />
DOC 2016 Extra Brut, Ferrari<br />
Trento<br />
bindella.ch, CHF 75,– (Jg. 2015)<br />
Cuvée <strong>Nr</strong>. 9 Trento DOC 2020<br />
Extra Brut, Etyssa<br />
etyssaspumanti.it, ca. CHF 22,–<br />
Piancastello Rosé Riserva<br />
Trento DOC 2019 Millesimato<br />
Brut, Endrizzi<br />
endrizzi.it, ca. CHF 24,–<br />
Trento DOC 2020 Millesimato<br />
Brut, Pisoni<br />
glenfahrn.com, CHF 28,50<br />
Art Trento DOC Brut, De Vigili<br />
tannico.ch, CHF 29,90<br />
Rossi Rege Trento DOC 2019,<br />
Millesimato Brut,<br />
Cantina Zehnhof<br />
zehnhof.it, ca. CHF 25,–<br />
CONEGLIANO VALDOBBI-<br />
ADENE PROSECCO DOCG:<br />
DER SUPER-PROSECCO<br />
Der Conegliano Valdobbiadene Prosecco Superiore<br />
DOCG stammt aus der malerischen Hügellandschaft<br />
zwischen Conegliano und Valdobbiadene. Sie gilt als<br />
die Ursprungszone des Weinstils.<br />
94<br />
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94<br />
94<br />
93<br />
93<br />
Mas de Fer Rive di Soligo Conegliano Valdobbiadene<br />
Prosecco Superiore DOCG 2023 Extra<br />
Dry, Andreola xtrawine.com, CHF 15,98<br />
Cuvée 5 Conegliano Valdobbiadene<br />
Prosecco Superiore DOCG 2023 Extra Brut,<br />
Col Vetoraz xtrawine.com, CHF 19,50<br />
Franco Valdobbiadene Prosecco<br />
Superiore DOCG 2023 Millesimato<br />
Extra Brut, Le Bertole<br />
lebertole.it, Preis: k.A.<br />
Giustino B. Conegliano Valdobbiadene<br />
Prosecco Superiore DOCG 2023 Extra Dry,<br />
Ruggeri ruggeri.it, Preis: k.A.<br />
Valdobbiadene Superiore di Cartizze DOCG<br />
Brut, Ruggeri ullrich.ch, CHF 34,–<br />
Valdobbiadene Prosecco Superiore DOCG<br />
2023 Extra Dry, Le Bertole<br />
flaschenpost.ch, CHF 16,95<br />
Bosco di Gica Valdobbiadene<br />
Prosecco Superiore DOCG Brut,<br />
Adami<br />
flaschenpost.ch, CHF 17,95<br />
70 th Anniversary Rive di Col San<br />
Martino Valdobbiadene Prosecco<br />
Superiore DOCG 2022<br />
Millesimato Extra Brut<br />
Bortolomiol<br />
xtrawine.com, 19,50<br />
Conegliano Valdobbiadene<br />
Prosecco Superiore DOCG<br />
Brut, Dal Din Spumanti<br />
siebe-dupf.ch, CHF 19,90<br />
Amolèr Valdobbiadene<br />
Prosecco Superiore DOCG 2023<br />
Extra Brut Marsuret<br />
proseccheria.ch, CHF 26,–
PROSECCO SUPERIORE<br />
ASOLO DOCG:<br />
PRICKELNDE FRUCHT<br />
Die zweite, kleinere Prosecco-Appellation mit<br />
der höchsten Qualitätsstufe DOCG befindet sich<br />
in der Region Asolo in der Provinz Treviso. Die<br />
Weine aus der Zone gelten als frisch, weich und<br />
fruchtbetont.<br />
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Asolo Prosecco Superiore DOCG 2023<br />
Extra Brut, Bele Casel<br />
belecasel.com, ca. CHF 15,–<br />
Rissieri Asolo Prosecco Superiore DOCG<br />
2023 Brut, Bresolin Bio<br />
bresolin-bio.it, ca. CHF 15,–<br />
Asolo Prosecco Superiore DOCG 2023<br />
Extra Dry, Bele Casel<br />
myprivateboutique.ch, CHF 11,90<br />
Duse Asolo Prosecco Superiore DOCG<br />
2023 Millesimato Brut, Pat del<br />
Colmèl<br />
foodfordreams.ch, CHF 14,90<br />
Biodiversity Friend Asolo Prosecco<br />
Superiore DOCG Brut, Villa Sandi<br />
villasandi.it, ca. CHF <strong>10</strong>,–<br />
Asolo Prosecco Superiore DOCG<br />
Brut, Case Paolin<br />
casepaolin.it, ca. CHF <strong>10</strong>,–<br />
Celeber Asolo Prosecco Superiore<br />
DOCG 2023 Extra Brut, Dal Bello<br />
dalbellovini.it, ca. CHF 15,–<br />
Rocca d’Asolo Asolo Prosecco<br />
Superiore DOCG 2023 Vino Frizzante,<br />
Dal Bello<br />
dalbellovini.it, ca. CHF <strong>10</strong>,–<br />
Asolo Prosecco Superiore DOCG<br />
Extra Brut, Giusti Wine<br />
giustiwine.com, ca. CHF <strong>10</strong>,–<br />
Benny Asolo Prosecco Superiore DOCG<br />
2023 Extra Brut, Bresolin Bio<br />
bresolin-bio.it, ca. CHF 15,–<br />
PROSECCO DOC:<br />
PRICKLER FÜR JEDEN TAG<br />
Der meistproduzierte Schaumwein Italiens erfreut sich<br />
weltweit grosser Popularität. Wie fast alle Prosecco-<br />
Sorten wird er mittels Tankgärung hergestellt.<br />
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91<br />
Prosecco DOC Brut, La Jara<br />
amiata.ch, CHF 16,80<br />
Etichetta Nera Prosecco DOC Extra Dry<br />
Valdo Spumanti<br />
valdo.com, ca. CH 25,–<br />
Argeo Prosecco Treviso DOC Brut<br />
Ruggeri<br />
weinvogel.ch, CHF 12,80<br />
Penombra Prosecco DOC, Gino Prosecco DOC<br />
2023 Millesimato Dry, V8+<br />
ottopiuvineyards.it, ca. CH <strong>10</strong>,–<br />
Penombra Prosecco DOC 2023 Brut<br />
Diotisalvi<br />
diotisalvi.it, Preis: k.A.<br />
Prosecco Treviso DOC Brut, Ca’ di Rajo<br />
tannico.ch, CHF 18,70<br />
Serenitatis Prosecco Treviso DOC Brut,<br />
Montelvini<br />
montelvini.it, ca. CH 7,–<br />
Prosecco Treviso DOC Extra Dry<br />
Ponte Viticoltori<br />
wyhusbelp.ch, CHF 11,90<br />
Prosecco DOC 2022 Vino Frizzante<br />
Rifermentato in Bottiglia, Col de Mar<br />
coldemar.it, ca. CHF 9,–<br />
Casa Gheller Prosecco Treviso DOC Brut,<br />
Villa Sandi vinello.ch, ca. CHF 9,90<br />
Fotos: beigestellt<br />
Die «Bollicine» sind in Italien sehr<br />
gefragt – das Land ist nicht nur ein<br />
Grossimporteur von Champagner,<br />
sondern produziert auch selbst immer mehr<br />
erstklassige Prickler. Neben der Flaschengärung<br />
steht auch die Tankgärung in Italien<br />
hoch im Kurs – insbesondere bei den<br />
beliebten Prosecco-Weinen, die meist mit<br />
dieser Technik hergestellt werden.<br />
BOLLICINE FÜR<br />
JEDEN MOMENT<br />
dez–feb 2025<br />
falstaff<br />
31
festive season / SCHAUMWEINE<br />
SCHÄUMENDE EXOTEN<br />
SPANISCHER SCHAUM-<br />
WEIN: MEHR ALS CAVA<br />
Spanien ist ein echtes Schaumweinland, wobei der<br />
traditionelle Cava aus Penedès in Katalonien den<br />
Grossteil der Produktion ausmacht. Dieser wird<br />
mittels klassischer Flaschengärung hergestellt.<br />
Seit einigen Jahren tut sich viel im Land: Einige<br />
Top-Produzenten haben eigene Appellationen<br />
gegründet und auch Schaumweine aus neuen<br />
Anbauzonen sind immer häufiger anzutreffen.<br />
PRICKLER AUS ALLER<br />
WELT: ÜBERRASCHEND!<br />
97<br />
2011 Gramona Enoteca Font de Jui Brut<br />
Nature, Gramona, Sant Sadurní d’Anoia,<br />
Penedès<br />
smithandsmith.ch, CHF 209,–<br />
Schaumwein-Hotspots gibt es auf der ganzen<br />
Welt: Etwa in Südafrika, Kalifornien oder in England,<br />
wo die Herstellung von Schaumwein aufgrund<br />
der Klimaerwärmung richtiggehend floriert.<br />
94<br />
94<br />
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93<br />
93<br />
93<br />
93<br />
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91<br />
2018 Silverthorn «Jewel Box» Brut,<br />
Silverthorn Wines, Südafrika<br />
shop.kapweine.ch, CHF 49,–<br />
2014 Nyetimber «Tillington» Single<br />
Vineyard Brut, Nyetimber, England<br />
bauraulacvins.ch, CHF 165,– (Jg. 2013)<br />
2013 Nyetimber «<strong>10</strong>86» Brut, Nyetimber,<br />
England<br />
bauraulacvins.ch, CHF 280,– (Jg. 20<strong>10</strong>)<br />
2018 Gusbourne Blanc de Blancs Brut,<br />
Gusbourne, England<br />
realwines.ch, CHF 65,–<br />
2018 Gusbourne Rosé Brut, Gusbourne,<br />
England<br />
realwines.ch, CHF 59,–<br />
2015 Hattingley Valley Blanc de Blancs<br />
Traditional Method Extra Brut, England<br />
ullrich.ch, CHF 59,– (Jg. 2014)<br />
Nyetimber Rosé Brut NV, Nyetimber,<br />
England<br />
bauraulacvins.ch, CHF 69,80<br />
2016 Nyetimber Blanc de Blancs Brut,<br />
Nyetimber, England<br />
tannico.ch, CHF 94,90<br />
2016 Pieter Ferreira Blanc de Blancs, Extra<br />
Brut Pieter Ferreira, Südafrika<br />
capehouse.eu, Preis: k. A.<br />
Roederer Estate Quartet Rosé Brut,<br />
Roederer Estate, Kalifornien<br />
vinello.ch, CHF 36,90<br />
Der Traditionsbetrieb<br />
Gramona in Katalonien<br />
setzt auf einen naturnahen<br />
Anbau sowie lange<br />
Hefelager in den Kellern.<br />
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90<br />
90<br />
90<br />
2014 Gramona Celler Batlle Corpinnat Brut<br />
Nature, Gramona, Sant Sadurní d’Anoia,<br />
Penedès<br />
smithandsmith.ch, CHF <strong>10</strong>4,– (Jg. 2011)<br />
2015 Pere Ventura Gran Vintage Brut,<br />
Paraje Calificado Can Bas, Pere Ventura,<br />
Sant Sadurní d’Anoia, Penedès<br />
flaschenpost.ch, CHF 61,95<br />
2016 Blanca Cusiné Brut Nature<br />
Parés Baltà<br />
paresbalta.com, ca. CHF 30,–<br />
2016 Pere Ventura Vintage Gran Reserva<br />
Brut, Pere Ventura, Sant Sadurní<br />
d’Anoia, Penedès<br />
fischer-weine.ch, CHF 30,60<br />
2018 Pere Ventura Vintage Rosé Gran<br />
Reserva Brut, Pere Ventura, Sant<br />
Sadurní d’Anoia, Penedès<br />
vinello.ch, CHF 28,95<br />
2020 Pere Ventura «Tresor» Gran,<br />
Reserva Brut, Pere Ventura, Sant<br />
Sadurní d’Anoia, Penedès<br />
flaschenpost.ch, CHF 15,95 (Jg. 2019)<br />
Pere Ventura Cava Primer<br />
Reserva Brut NV, Pere Ventura,<br />
Sant Sadurní d’Anoia, Penedès<br />
fischer-weine.ch, CHF 13,50<br />
2021 Perelada Cava Stars<br />
Reserva Brut, Cavas Castillo de<br />
Perelada, Girona, Penedès<br />
vinos.ch, CHF 15,80<br />
2021 Perelada Cava Stars<br />
«Touch of Rosé» Brut, Cavas<br />
Castillo de Perelada, Girona,<br />
Penedès<br />
genusswein.ch, CHF 13,50<br />
Fotos: beigestellt<br />
32 falstaff dez–feb 2025
*BOLGHERI DOC LE SERRE<br />
NUOVE DELL’ORNELLAIA<br />
TENUTA DELL’ORNELLAIA<br />
2021, 75 CL<br />
54.95 (<strong>10</strong> CL = 7.33)<br />
*VALAIS AOC PETITE<br />
ARVINE LES TRÉSORS<br />
DE FAMILLE MAISON<br />
GILLIARD<br />
2022, 75 CL<br />
94<br />
Robert Parker<br />
94<br />
<strong>Falstaff</strong><br />
24.95 (<strong>10</strong> CL = 3.33)<br />
* TOSCANA IGT IL PINO<br />
DI BISERNO TENUTA<br />
DI BISERNO 2021, 75 CL<br />
54.95 (<strong>10</strong> CL = 7.33)<br />
Highlights aus dem<br />
Mondovino-Sortiment<br />
Exklusiv online erhältlich:<br />
mondovino.ch/highlights<br />
Preis- und Jahrgangsänderungen sind vorbehalten.<br />
Coop verkauft keinen Alkohol an Jugendliche unter 18 Jahren.<br />
*Nur auf mondovino.ch erhältlich.
festive season / SCHAUMWEINE<br />
Die Bündner Herrschaft ist ein<br />
Schaumweinparadies! Patrick und<br />
Hansruedi Adank gehören zu<br />
den Top-Produzenten genauso<br />
wie das Weingut Obrecht (u.).<br />
SCHÄUMENDE<br />
SCHWEIZ<br />
SCHWEIZER SCHAUMWEIN:<br />
SO GUT WIE NIE<br />
Schaumwein war für viele <strong>Schweiz</strong>er Weingüter lange ein Nebenprodukt, das man halt einfach noch<br />
mit anbot. Die gesamte Versektung wurde dafür in fremde Hände gegeben. Mittlerweile mehren sich die<br />
Hersteller von Schaumweinen, die den Prozess ins eigene Weingut verlegen oder zumindest ganz genau<br />
darauf bedacht sind, auch beim Schaumwein echte <strong>Schweiz</strong>er Qualität in die Flaschen zu bringen.<br />
94 92<br />
93<br />
93<br />
93<br />
93<br />
2021 Obrecht Blanc Brut Nature,<br />
Weingut Obrecht<br />
ullrich.ch, CHF 52,50<br />
Hansruedi Adank Brut NV, Weingut Familie<br />
Hansruedi Adank<br />
adank-weine.ch, CHF 38,–<br />
2020 Bachtobel Mousseux MX«Extra Brut»<br />
Schlossgut Bachtobel<br />
martel.ch, CHF 44,–<br />
Litwan Blanc de Noir Extra Brut 2019<br />
Litwan Wein<br />
vinothek-brancaia.ch, CHF 39,–<br />
Obrecht Rosé Brut NV,<br />
Weingut Obrecht<br />
ullrich.ch, CHF 36,–<br />
92<br />
92<br />
92<br />
92<br />
Lüthi Blanc de Noirs Extra Brut NV,<br />
Lüthi Weinbau<br />
terravigna.ch, CHF 59,–<br />
2021 St. Jodern Kellerei «Heida<br />
Chatouille» St. Jodern Kellerei<br />
jodernkellerei.ch, Ausverkauft<br />
2021 Fromm Vin Mousseux Zero Dosage,<br />
Weingut Fromm<br />
weingut-fromm.ch, CHF 39,–<br />
2019 Cäsar Millésimé Extra Brut,<br />
C. Varonier & Söhne<br />
varonier.ch, CHF 39,–<br />
2022 Hermann Brut,<br />
Weingut Roman Hermann<br />
weingut-hermann.ch, CHF 31,–<br />
Fotos: Adank Weinbau Fläsch / Siffert / weinweltfoto, beigestellt<br />
34 falstaff dez–feb 2025
CAVE FIN BEC<br />
MÉTHODE FIN BEC<br />
Cave Fin Bec: Pioniere der Schaumwein-Produktion<br />
aus autochthonen Walliser Rebsorten seit 2008.<br />
ADVERTORIAL Fotos: beigestellt<br />
Die Vorweihnachtszeit lädt dazu<br />
ein, in festlicher Stimmung<br />
besondere Momente zu geniessen<br />
und sich von der Magie der<br />
kommenden Feiertage verzaubern zu lassen.<br />
Was passt dazu besser, als ein Glas erstklassigen<br />
Schaumweins, begleitet von feinem<br />
Essen und anregenden Gesprächen im<br />
Kreise von Familie und Freunden? Während<br />
Frankreich, Spanien und Italien traditionell<br />
im Rampenlicht der Schaumweinwelt<br />
stehen, avanciert die <strong>Schweiz</strong> zunehmend<br />
zum Geheimtipp unter Kennern.<br />
MOUSSEUX AUTOCHTONE<br />
Ein herausragendes Beispiel dafür bietet das<br />
Wallis – eine Region, die für ihre sonnenverwöhnte<br />
Landschaft und kulinarischen<br />
«EIN SCHAUMWEIN<br />
IST SO GUT WIE<br />
DER WEIN, DER IHN<br />
GESCHAFFEN HAT.»<br />
YVO MATHIER WINZER<br />
Spezialitäten bekannt ist. Inmitten des beeindruckenden<br />
Rhônetals führt Yvo Mathier<br />
die Cave Fin Bec in Sion. Das Weingut hat<br />
sich als Pionier der Blanc-de-Blancs-Schaumweine<br />
aus autochthonen <strong>Schweiz</strong>er Rebsorten<br />
einen Namen gemacht. Seit 2008 entstehen<br />
hier exzellente Schaumweine aus Petite<br />
Arvine, Heida und Amigne, die die Vielfalt<br />
und Einzigartigkeit des Wallis widerspiegeln.<br />
Diese Schaumweine, nach der Méthode<br />
traditionelle gefertigt, wurden bereits mehrfach<br />
ausgezeichnet. Besonders hervorzuheben<br />
sind der Amigne Demi-Sec, der <strong>2024</strong><br />
als «Best Swiss Wine» prämiert wurde, und<br />
der Heida Brut, der bei der internationalen<br />
Bioprämierung «Amphore» mit Gold<br />
geehrt wurde.<br />
INFO<br />
Weitere Informationen unter<br />
finbec.ch<br />
dez–feb 2025 falstaff 35
festive season / FEIERTAGS-KNIGGE<br />
DAS<br />
PERFEKT<br />
UNPERFEKTE<br />
FEST<br />
Wenn an den Feiertagen Familie und Freunde<br />
zu Besuch kommen, hat die Stunde des Gastgebers<br />
geschlagen. <strong>Falstaff</strong> hat die zehn Gebote für einen<br />
wahrlich gelungenen Abend gesammelt.<br />
TEXT ROMANA ECHENSPERGER UND CHRISTOPH SCHWARZ<br />
«Same procedure<br />
as every year»:<br />
Der TV-Klassiker<br />
«Dinner for One»<br />
gehört zu Silvester<br />
einfach dazu. Doch<br />
auch wenn man mit<br />
ganz realen Gästen<br />
feiert, läuft nicht<br />
immer alles glatt.<br />
Foto: Siegfried Pilz/United Archives / Getty Images<br />
36 falstaff dez–feb 2025
dez–feb 2025<br />
falstaff<br />
37
festive season / FEIERTAGS-KNIGGE<br />
Familie und Freunde stehen vor der<br />
Tür, das grosse Fest startet – und<br />
der Anspruch von Gastgeber und<br />
Gastgeberin ist klar: Alles soll<br />
perfekt sein. Dumm nur, dass da so<br />
einige Fallstricke lauern – von der richtigen<br />
Sitzordnung über den Tischschmuck, von der<br />
Weinauswahl bis zu den Speisen, die auch bei<br />
Vegetariern und Gästen mit Unverträglichkeiten<br />
auf Gefallen stossen sollen. Und freilich<br />
sollen alle Gänge perfekt und rechtzeitig auf<br />
den Tisch. Auch die Gesprächsthemen sollte<br />
man im Auge behalten – vor allem, wenn<br />
Politik und Religion am Tisch Einzug halten,<br />
ist es mit der Besinnlichkeit oft rasch vorbei.<br />
Dem umsichtigen Gastgeber kann man an<br />
dieser Stelle die Lektüre des «Knigge», des<br />
Standardwerks unter den Fibeln für gutes<br />
Benehmen, ans Herz legen.<br />
Oder etwa doch nicht? <strong>Falstaff</strong> hat zehn<br />
Tipps und Tricks gesammelt, die zum Gelingen<br />
jedes Festmahls beitragen können. Der<br />
Tenor, den auch die Kommunikationsexpertin<br />
Katerina Vetter Kapagiannidou in ihrem<br />
neuen Buch, «Was Gäste glücklich macht»,<br />
anstimmt: Heutzutage muss nicht mehr alles<br />
perfekt sein! So darf man beim Schaumwein<br />
durchaus ein Auge zudrücken, wenn ein Gast<br />
ihn mit Orangensaft mischt – und nicht alles<br />
müssen die Gastgeber alleine stemmen!<br />
1<br />
BLOSS KEINE<br />
PERFEKTION<br />
Beim Staatsbankett ist sie unabdingbar, in der<br />
gemütlichen Familien- oder Freundesrunde ein<br />
No-Go: Perfektion. «Wenn alles zu perfekt und<br />
museal wirkt, werden die Gäste steif«, sagt<br />
Kapagiannidou. «Sie wissen nicht mehr, was sie<br />
tun und was sie anfassen dürfen. Das stresst<br />
Gäste und Gastgeber gleichermassen.»<br />
Besser: ganz bewusst selbst kleine Nachlässigkeiten<br />
inszenieren. Die Anekdote von der<br />
Gastgeberin, die absichtlich den ersten Weinfleck<br />
am Tischtuch verursacht, um den anderen<br />
die Furcht vorm Verschütten zu nehmen, ist<br />
bekannt. So weit muss es freilich nicht gehen.<br />
Aber: Nicht jede Stoffserviette muss zur Perfektion<br />
gebügelt sein, nicht jede Blume in der<br />
Vase perfekt sitzen. Das nimmt den Druck.<br />
38 falstaff dez–feb 2025
DER GRIFF ZUM<br />
RICHTIGEN WEIN<br />
2<br />
Hier sollen Tropfen stehen, die mit Herkunft und Weingut Prestige<br />
und Wertschätzung für die Gäste ausstrahlen, zugleich aber<br />
keinen überfordern. Kurzum: Weihnachten ist die Zeit für Klassiker.<br />
Zum Aperitif passen Champagner, Crémant oder Sekt, am besten in<br />
der Kategorie Brut. Ein paar Gramm Zucker in der Dosage haben noch<br />
nie geschadet, um einen breiten Geschmack zu treffen. Ruhig eine Flasche<br />
wählen, bei der einem nicht das Herz stehen bleibt, wenn die Tante<br />
Orangensaft dazu mischt. Der Weisswein ist am besten nicht betont<br />
trocken und hat nicht zu viel Säure und Holzeinsatz. Grüner Veltliner,<br />
Grau- oder Weissburgunder sind eine gute Wahl, auch ein gereifter<br />
grosser Riesling oder ein Klassiker aus Frankreich. Beim Rotwein<br />
darf es vollmundig zugehen. Weihnachten ist die Zeit<br />
für gereiften Bordeaux oder Barolo, saftige Ribera del<br />
Duero und samtige Burgunder. Und wann, wenn<br />
nicht jetzt, kann man endlich einen Süsswein<br />
öffnen?<br />
Fotos: mauritius images / Alamy Stock Photos / YAY Media, Grit Siwonia<br />
GETRÄNKE<br />
VERLANGEN NACH<br />
DRAMATURGIE<br />
Ein Wein-Menu sollte stets einer Dramaturgie folgen.<br />
Den Auftakt macht natürlich der Schaumwein, der den<br />
Appetit anregt. Werden mehrere Weissweine serviert,<br />
sollte ein fassgereifter Weisswein den fruchtbetonten,<br />
schlanken Weissweinen folgen. Fassgereifte Weine<br />
bringen oft mehr Alkohol und Röstaromen mit, die den<br />
zarten Duft und die Frische leichterer Weine nicht mehr<br />
wahrnehmen lassen. Bei verschiedenen Rotweinen empfiehlt<br />
es sich, mit den jüngeren, fruchtigen und weniger<br />
tanninreichen Weinen zu beginnen und die Intensität<br />
zu steigern.<br />
Den Ausklang bestimmt schliesslich die Kunst<br />
des stilvollen Zurückschaltens. Nach mehreren<br />
Weinen ist der Alkoholpegel merklich gestiegen,<br />
also gönnt man Gaumen und Gästen eine<br />
erfrischende Pause. Noch einmal ein Schaumwein,<br />
oder besser noch ein fruchtiger Mosel-<br />
Riesling, der mit seinen notorisch niedrigen<br />
Alkoholprozenten Wunder wirken kann.<br />
3 4<br />
VORSICHT BEI DER<br />
SITZORDNUNG<br />
Wenn die Gäste selbst den Sitzplatz wählen dürfen, «neigen<br />
sie dazu, Sicherheit zu suchen», sagt Kapagiannidou.<br />
Heisst: Sie setzen sich neben jene Menschen, bei denen sie<br />
sich am wohlsten fühlen. Das ist gut, weil es entspannt.<br />
Wer es lieber spannend hat und neue Leute – etwa den<br />
Onkel und den Freund der Schwester – zusammenbringen<br />
will, kann freilich eine Sitzordnung festlegen. Dabei hilft<br />
wiederum der Knigge: Ein etwaiger Ehrengast sitzt rechts<br />
vom Gastgeber oder links von der Gastgeberin, Letzteres<br />
aber nur, wenn es sich um einen Mann handelt. Gefährliche<br />
Nörgler in der Runde werden neben unterhaltsame<br />
Gäste gesetzt, die bestenfalls die Stimmung aller heben.<br />
Besonders «amüsante» Gäste, die zur<br />
Dauerbespassung neigen, sollten<br />
nicht nebeneinander sitzen.<br />
Das kann anstrengend für<br />
alle werden. Traditionell<br />
sitzen nicht verheiratete<br />
Paare nebeneinander –<br />
und verheiratete Paare,<br />
die schon alles<br />
voneinander wissen,<br />
getrennt. Wichtig:<br />
Der Ehrengast sitzt<br />
nicht am Kopfende,<br />
hier nimmt eher der<br />
Gastgeber Platz.<br />
dez–feb 2025<br />
falstaff<br />
39
festive season / FEIERTAGS-KNIGGE<br />
EIN VERSTECKTER<br />
GANG KANN DAS<br />
TEMPO RAUSNEHMEN<br />
5<br />
Die meisten Fehler passieren beim Kochen aufgrund des<br />
zu hohen Tempos. Alles soll perfekt gegart zur richtigen<br />
Zeit in ungewohnt grossen Mengen auf den Tisch. Daran<br />
kann man schon mal scheitern. Ein kleiner Trick ist der<br />
«versteckte Zwischengang», wie Kapagiannidou ihn<br />
nennt. Sie bereitet einen unkomplizierten, kleinen Gang<br />
vor, der immer passt – etwa ein leichtes Sorbet. Und<br />
dieser wird einfach spontan eingeschoben, falls es mal zu<br />
stressig wird. Während alle löffeln, haben die Gastgeber<br />
die Möglichkeit, wieder Zeit gutzumachen.<br />
DAS RICHTIGE GLAS<br />
ZUM SCHAUMWEIN<br />
7<br />
6<br />
HEIKLE<br />
GESPRÄCHE:<br />
DER TISCH<br />
BESTIMMT DIE THEMEN<br />
Politik, Religion oder Erziehung: Beim Familienfest kann fast<br />
jedes Thema rasch zum Fauxpas führen oder Debatten entfachen,<br />
die man lieber unterlassen hätte. Kann man als Gastgeber<br />
lenkend eingreifen? Ja. «Studien zeigen, dass rund ein<br />
Drittel dessen, worüber wir reden, davon bestimmt wird, was<br />
am Tisch steht», sagt Kapagiannidou. Die Deko wird<br />
also zum kleinen psychologischen Helfer: Schon<br />
ein altes Erbstück der beliebten (!) Uroma als<br />
Vase kann etwa dabei helfen, die Gäste in<br />
(schönen) gemeinsamen Erinnerungen<br />
schwelgen zu lassen.<br />
Hier gibt es keine eindeutige Antwort: Wer Eindruck machen<br />
will, greift zur ikonischen Champagner-Coupe. Für<br />
den Wow-Effekt stapelt man sie zu einer Champagnerpyramide.<br />
Die Coupe liegt perfekt in der Hand, fordert aber<br />
eine gewisse «Élégance» im Umgang. Wer sich tollpatschig<br />
bewegt oder zu heftig anstösst, verschüttet den Inhalt und<br />
steht bedröppelt da. Allerdings verfliegt die Kohlensäure in<br />
der Coupe schneller, was den Genuss schmälert. Weinliebhaber<br />
schmähen sie, da sich Geschmack und Spritzigkeit<br />
nicht entfalten können. Doch beim Schaumwein geht es<br />
eben nicht immer nur um die feinen Aromen, sondern auch<br />
um Emotionen, die Show und den Lifestyle.<br />
Die klassische Flöte ist weit verbreitet. Hier kann man<br />
wunderbar beobachten, wie die Kohlensäure in langen<br />
Schnüren aufsteigt. Das Auge trinkt mit. Oft sind diese<br />
Flöten kunstvoll gestaltet und ein echter Tischschmuck! Für<br />
Weingeniesser mit grossen Nasen ist es allerdings nicht sonderlich<br />
angenehm, daraus zu trinken. Beim Trinken rammt<br />
man sich ständig den Glasrand ins Gesicht oder muss seinen<br />
Kopf weit nach hinten neigen. Aromen kommen nur schwer<br />
zur Geltung, was eine Champagner-Expertin einmal treffend<br />
beschrieb: «Champagner aus Flöten zu trinken, ist, als würde<br />
man Opernmusik mit Ohrstöpseln hören.»<br />
Für den vollen Weingenuss empfiehlt sich letztlich das<br />
tulpenförmige Glas. In ihm können sich die feinen Hefearomen<br />
entfalten, und ein sogenannter «Moussierpunkt», der<br />
am Boden des Glases eingeschliffen wird, sorgt für gleichmässige<br />
Kohlensäureentwicklung.<br />
Fotos: Koll, Alicja / FoodCollection / picturedesk.com, Otfried Schmidt / Ullstein Bild / picturedesk.com<br />
40 falstaff dez–feb 2025
Ohlinda<br />
Interior Innovation Award Winner<br />
Headquarter: Alexander - Bretz - Straße 2 D-55457 Gensingen<br />
Tel. 0049-6727-895-0 info@bretz.de bretz.de
festive season / FEIERTAGS-KNIGGE<br />
8<br />
KEINEN<br />
KATZENTISCH<br />
FÜR DIE KINDER<br />
Kinder sollten unbedingt mit den Erwachsenen<br />
an einem Tisch sitzen, rät Kapagiannidou. «Gemeinsam<br />
zu essen, ist eine Kulturtechnik. Diese<br />
sollten wir unseren Kindern vermitteln.» Der<br />
sogenannte Kinder- oder Katzentisch am Rande<br />
des Raums ist also out. Nicht zuletzt, weil<br />
sich gerade ältere Gäste freuen, die Kinder an<br />
den Festtagen nahe zu haben. Gutes Benehmen<br />
könne man von den Kindern getrost einfordern,<br />
sagt Kapagiannidou, aber «irgendwann ist auch<br />
mal gut». Für Kinder kann man die Verweildauer<br />
am Tisch also verkürzen. Sie dürfen aufstehen<br />
und sich aufs Christkind freuen.<br />
MITHELFEN LASSEN<br />
IST ERLAUBT<br />
9<br />
Wie viel Zeit dürfen die Gastgeber in der Küche verbringen? Und<br />
wie lange müssen sie bei den Gästen ausharren, um nicht unhöflich<br />
zu wirken? Faustregel: Was man vorbereiten kann, soll vorbereitet<br />
werden. Alles andere wird live gemacht. Gerade in jüngeren,<br />
vertrauten Runden können die Gäste mithelfen, so sie das<br />
wollen – freilich nur, wenn es sich um kleine Tätigkeiten handelt.<br />
Für gute Stimmung sorgt es oft, wenn man eine gemeinsame<br />
Handlungsebene aller Gäste schafft. Sprich: Wenn die Gerichte<br />
nicht perfekt angerichtet auf den Tellern an den Tisch kommen,<br />
sondern man die Beilagen in Schüsseln reihum gehen lässt. Sharing<br />
bringt uns näher zusammen. Positiver Nebeneffekt: Auf diese Weise<br />
können auch Vegetarier, Allergiker oder Menschen mit Unverträglichkeiten<br />
gleich selbst entscheiden, welche Speisen sie wollen.<br />
«Was Gäste glücklich macht»<br />
(EMF-Verlag): Katerina Vetter<br />
Kapagiannidou, Kommunikationsexpertin<br />
und Inhaberin des<br />
Feinkost-Labels «von und zu<br />
Tisch» hat Tipps für jeden Anlass<br />
von familiär bis formal.<br />
<strong>10</strong><br />
SCHUHE AN ODER AUS,<br />
DAS IST HIER DIE FRAGE<br />
Hier erhitzen sich nicht selten die Gemüter. Müssen Gäste<br />
ihre Strassenschuhe ausziehen, wenn sie Wohnung oder<br />
Haus betreten? Nein, findet Kapagiannidou. Gerade an Festtagen<br />
haben sich Menschen Gedanken über ein passendes<br />
Outfit gemacht – und dazu zählt eben auch die Wahl des<br />
Schuhwerks. Und: «Nichts ist unfestlicher, als an der Tür<br />
von einem Haufen Schuhe begrüsst zu werden.» Übrigens:<br />
Auch Knigge-Experten sehen das so. Wer dennoch unbedingt<br />
will, dass die Gäste die Schuhe ausziehen, sollte das<br />
bereits in der Einladung vermerken. So kann jeder, der will,<br />
zumindest Hausschuhe mitbringen – oder absagen.<br />
Fotos: Getty Images, Shutterstock, Grit Siwonia<br />
42 falstaff dez–feb 2025
Über die perfekte Temperatur<br />
wird viel gesprochen:<br />
geniessen Sie sie einfach.<br />
Die wahre Leistung von Vinidor besteht darin, ein Umfeld zu schaffen, das Ihren Wein<br />
hegt und pflegt. Schliesslich geht es beim Temperieren um mehr, als nur die perfekte<br />
Temperatur aufrechtzuhalten. Es geht darum, Geschmacksnoten und Aromen zu wecken<br />
und das volle Potenzial zu entfalten.<br />
Bewahren, was Sie schätzen.<br />
Entdecken Sie mehr:<br />
home.liebherr.com/winefridge
festive season / GEREIFTE WEINE<br />
Wenn an den Feiertagen Schätze<br />
auf dem Tisch stehen, ist die<br />
Frage: Wann öffnen? Dekantieren<br />
oder nicht? Wir haben den<br />
Selbstversuch gewagt und vier<br />
Vorbereitungsmethoden verglichen –<br />
mit spannenden Erkenntnissen.<br />
Zudem geben wir Servicetipps<br />
für (fast) alle Lebenslagen.<br />
TEXT ROMANA ECHENSPERGER, ULRICH SAUTTER<br />
Vorbereitung auf die Festtafel: Das<br />
Maximum an Genuss aus seinen<br />
wertvollen Flaschen herauszuholen,<br />
ist gar nicht so schwierig.<br />
Foto: mauritius images / Alamy Stock Photos / Anton Violin<br />
44 falstaff dez–feb 2025
NOBLE<br />
WEINE,<br />
PERFEKT<br />
SERVIERT<br />
dez–feb 2025<br />
falstaff<br />
45
festive season / GEREIFTE WEINE<br />
Gläser mit einem grossen Kelch<br />
können helfen, den Wein atmen<br />
zu lassen – mit geringeren<br />
Nebenwirkungen, als es beim<br />
Dekantieren der Fall ist.<br />
DER WEIN AUS<br />
DER ZWÖLF<br />
STUNDEN ZUVOR<br />
ENTKORKTEN<br />
FLASCHE WAR<br />
EINE OFFEN-<br />
BARUNG – ALS<br />
HÄTTE MAN DIE<br />
LAUTSTÄRKE<br />
AUFGEDREHT.<br />
D<br />
ie Weihnachtszeit und die<br />
Tage des Jahreswechsels gehören<br />
für Wein-Aficio nadas und<br />
-Aficionados zu den glücklichsten<br />
Momenten im Jahresverlauf:<br />
Wann sonst nimmt man sich die<br />
Zeit, bei ausführlichen Streifzügen durch<br />
den eigenen Keller (oder das Angebot eines<br />
guten Fachhändlers) die Weinbegleitung<br />
für den Speisezettel zu entwerfen? Sind die<br />
Flaschen schliesslich in Küche oder Wohnzimmer<br />
angekommen, steigt die Vorfreude.<br />
Und mit ihr stellt sich immer drängender<br />
die Frage: Wie wird man den Preziosen<br />
am besten gerecht? So früh wie möglich<br />
aufmachen oder erst im letzten Moment?<br />
Dekantieren oder nicht? Und lässt sich der<br />
Genuss einzelner Flaschen vielleicht sogar<br />
auf zwei Tage strecken?<br />
DAS EXPERIMENT<br />
Das Hamburger <strong>Falstaff</strong>-Team wollte genau<br />
wissen, welche Vorbereitung bei welchem<br />
Wein zu welchen Ergebnissen führt,<br />
und probierte drei aufeinanderfolgende<br />
Tage lang jeweils vier unterschiedlich<br />
vorbereitete Flaschen von fünf unterschiedlichen,<br />
jeweils typischen Weinen<br />
(Riesling, Chardonnay, leichter Pinot<br />
Noir, kraftvoller Pinot Noir, Bordeaux). Die<br />
Verkostung über drei Tage zeigt, was im Anbruch<br />
passiert, lässt aber auch Rückschlüsse<br />
zu auf das Verhalten gereifterer Weine.<br />
Schon der erste Flight des ersten Tages mit<br />
einem 2023er Ruppertsberger Ortsriesling aus<br />
dem Pfälzer Weingut Seckinger (topwines.ch,<br />
CHF 18,–) brachte eine Offenbarung: Glas<br />
eins enthielt den Wein aus der unmittelbar vor<br />
der Probe geöffneten Flasche, einen jugendlichen<br />
Riesling mit würzigen Anlagen. Aus Glas<br />
zwei strömte ein ebenso frischer, aber in seiner<br />
Blumigkeit markant gesteigerter Duft. Es war,<br />
als würde Wein eins flüstern und bei Wein zwei<br />
Karaffieren kann<br />
dem Wein den<br />
letzten Schliff<br />
geben – aber ihn<br />
auch ermüden.<br />
hätte man den Lautstärkeregler aufgedreht.<br />
Der Wein rechts stammte aus einer Flasche, die<br />
zwölf Stunden zuvor geöffnet, mit einem neutralen<br />
Griffkorken wieder verschlossen und<br />
zurück in die Kühlung gestellt worden war.<br />
Diese Methode ist mit dem Namen von<br />
Aimé Guibert verbunden. Der legendäre<br />
Gründer des Languedoc-Weinguts Mas de<br />
Daumas Gassac soll, so die Legende, oft<br />
gleich nach dem Aufstehen um vier Uhr<br />
morgens die Weine fürs Abendessen geöffnet,<br />
auf Kork probiert und zurück in den Temperierschrank<br />
gestellt haben. Diese Methode<br />
brachte auch bei zwei weiteren Weinen das<br />
beste Resultat: beim 2021er Pouilly-Fuissé<br />
«L’Âme» von Éric Forest (vinothek-brancaia.<br />
ch, CHF 42,90), einem Chardonnay aus dem<br />
Süden Burgunds und bei einem kräuterwürzig-«wilden»<br />
Spätburgunder von der Obermosel,<br />
dem 2022er Langsurer Brüderberg von<br />
Weingut Rinke (weingut-rinke.de, ca. CHF<br />
30,–).<br />
DEKANTIEREN: RISKANT<br />
Bei zwei Weinen lag die zwei bis zweieinhalb<br />
Stunden zuvor in eine Karaffe<br />
dekantierte Variante vorn: Beim intensiv<br />
vom Kalk in den Böden und vom<br />
Hefeausbau geprägten («reduktiven»)<br />
Fotos: Getty Images, mauritius images / Alamy Stock Photos / Leonid Iastremskyi<br />
46 falstaff dez–feb 2025
Die im Keller gereiften Flaschen<br />
sollte man rechtzeitig an die Wärme<br />
holen – und aufrecht stellen oder<br />
im 30-Grad-Winkel in ein Körbchen<br />
legen. So kann sich Depot absetzen.<br />
2022er Ingelheimer Spätburgunder vom<br />
Weingut Baum-Barth (weingut-baum-barth.<br />
de, ca. CHF 22,–) und beim biodynamisch<br />
erzeugten Bordeaux Château Doyac (amiata.<br />
ch, CHF 25,–) aus dem Haut-Médoc, Jahrgang<br />
2020. Allerdings muss man anmerken,<br />
dass die Karaffe auch zu umstrittenen<br />
Ergebnissen führte: Sie machte den weissen<br />
Burgunder besonders mild und füllig, was je<br />
nach Trinkanlass und persönlicher Vorliebe<br />
erwünscht oder auch deplatziert sein kann.<br />
Am wenigsten überzeugen konnten die<br />
«doppeldekantierten» Varianten: Diese<br />
Weine waren zwei Stunden vor der Probe<br />
kurz in eine Karaffe dekantiert und dann<br />
mithilfe eines Trichters zurück in die Flasche<br />
gegeben worden. In der Verkostung lag die<br />
Variante bei vier von fünf Weinen auf<br />
dem letzten Platz: Die Verkoster<br />
beschrieben diese Weine<br />
unabhängig voneinander<br />
mit denselben Attributen:<br />
«spitz», «hart»,<br />
«kurz». Geschmacksbilder,<br />
die vermutlich<br />
durch das Entbinden<br />
geringer Mengen<br />
an Kohlensäure im<br />
Wein zu erklären sind<br />
– der Trichter ist ein<br />
Nadelöhr, das den Wein<br />
stresst. Daher sollte diese<br />
Methode wirklich nur zum<br />
Einsatz kommen, wenn das Depot<br />
abgetrennt werden und der Wein<br />
nicht in der Karaffe bleiben soll. Aber auch<br />
unter diesen Umständen gibt es eine Alternative:<br />
Das vorsichtige Ausgiessen aus einem<br />
Flaschenkörbchen.<br />
Die Weine aus der unmittelbar vor der<br />
Verkostung geöffneten Flasche schlugen sich<br />
übrigens gut: Sie belegten am ersten Tag des<br />
Experiments dreimal den zweiten Platz, am<br />
zweiten Tag waren sie in zwei Fällen auf<br />
Platz eins vorgerückt.<br />
Und wie gut hielten sich nun die Weine<br />
im Anbruch? Wenig überraschend bauten<br />
die dekantierten Weine im Lauf der Zeit<br />
ab – mit einer Ausnahme: Der Weisse Burgunder<br />
war nach 24 Stunden noch in Form,<br />
erst nach 48 Stunden zeigte der Geschmack<br />
Symptome der Müdigkeit. Die<br />
<<br />
dez–feb 2025<br />
falstaff<br />
47
festive season / GEREIFTE WEINE<br />
<<br />
«Guibert-Varianten» teilten sich am<br />
zweiten Tag in zwei Gruppen: Die Weissweine<br />
und der Mosel-Spätburgunder hatten<br />
verloren, der Ingelheimer Spätburgunder<br />
blieb stabil, und der Bordeaux hatte sogar<br />
gewonnen. 48 Stunden überforderten dann<br />
allerdings auch in dieser Variante die Weine.<br />
Bei sehr reifen Weinen sollte man also auch<br />
auf die Guibert-Methode besser verzichten.<br />
Am besten schnitten nach 48 Stunden die<br />
Weine aus den direkt vor dem ersten Probieren<br />
geöffneten Flaschen ab. Der Ingelheimer<br />
Spätburgunder erzielte so sogar seine absolut<br />
höchste Bewertung am dritten Tag.<br />
Das gute alte<br />
Kellnermesser<br />
wird von Profis<br />
bevorzugt. Aber<br />
es braucht ein<br />
Doppelgelenk!<br />
DOS AND DON’TS<br />
FAZIT<br />
Doppeldekantieren sollte man möglichst vermeiden.<br />
Auch das normale Dekantieren ist<br />
zweischneidig: Es verbessert nicht alle Weine,<br />
am zuverlässigsten profitiert Bordeaux. Wer<br />
im Zweifel darüber ist, wie viel Sauerstoff<br />
sein Wein benötigt (oder verträgt), sollte<br />
besser nicht dekantieren.<br />
Die «Guibert-Variante» (sechs Stunden<br />
bis einen halben Tag vor Genuss öffnen und<br />
mit einem sauberen Griffkorken – bitte keinesfalls<br />
mit dem umgedrehten Originalkorken!<br />
– wieder verschliessen) ist bei jungen bis<br />
mittelreifen Weinen empfehlenswert, wenn<br />
die Flasche am ersten Tag getrunken wird.<br />
Last, but not least: Wer seine Flasche<br />
unmittelbar vor dem Genuss öffnet, macht<br />
grundsätzlich keinen Fehler!<br />
Ideal ist ein Temperierschrank. Man<br />
kann aber auch mit dem Kühlschrank<br />
«spielen», indem man etwa Rotweine<br />
eine halbe Stunde hineinstellt, um sie<br />
auf 14–16 °C Grad zu bringen.<br />
<<br />
DER RICHTIGE KORKENZIEHER<br />
Der Korkenzieher sollte einen zweistufig<br />
konzipierten Hebel haben, damit man den<br />
Korken mit geringem Krafteinsatz und<br />
gerade herausziehen kann – das minimiert<br />
die Gefahr, dass er abbricht. Zum<br />
Kapselschneiden eignet sich das zusammenklappbare<br />
Kellnermesser: Die Kapsel<br />
sollte unterhalb des Flaschenwulstes<br />
abgeschnitten werden, damit der Wein<br />
beim Einschenken nicht über den Rest der<br />
Kapsel läuft. Beliebt sind Flügelkorkenzieher.<br />
Hier sorgen zwei Hebel dafür, dass der<br />
Korken gleichmässig und gerade aus der<br />
Flasche gezogen wird. Wer ältere Weine<br />
öffnet, sollte sich einen Korkenheber<br />
zulegen, der ideal ist für porös gewordene<br />
Korken. Bei ihm sind zwei Schienen parallel<br />
an einem Griff angebracht. Diese setzt<br />
man links und rechts zwischen Kork und<br />
Flaschenhals an und schiebt sie mit Druck<br />
sowie Hin-und-Her-Bewegung in die Flasche.<br />
Dann kann man den Korken mit einer<br />
sanften Drehung herausziehen. Das sollte<br />
an einfachen Weinen geübt werden, bevor<br />
man sich an den teuren Bordeaux wagt.<br />
Empfehlenswert für solche Fälle ist auch<br />
die Kombination aus Spange und Spindel<br />
im so genannten Durand-Korkenzieher.<br />
WENN DER KORKEN BRICHT<br />
Ist noch ein gutes Stück vom Korken im<br />
Flaschenhals, versucht man, die Spindel<br />
in dieses restliche Stück zu drehen und es<br />
herauszuziehen. Die Erfolgschancen sind<br />
auch bei Profis fifty-fifty. Misslingt der<br />
Versuch und ist der Korken vollends durchgedrückt<br />
oder in die Flasche gefallen, muss<br />
man den Wein anschliessend durch ein feines<br />
Sieb in eine Karaffe filtern. Bevor man<br />
sich die Zeit für solche Operationen nimmt,<br />
sollte man den Wein verkosten – manchmal<br />
sind Weine mit dermassen morschem<br />
Korken ohnehin kein Genuss mehr.<br />
DIE RICHTIGE TEMPERATUR<br />
Kühl serviert kommt beim Wein die Frucht<br />
besser zur Geltung, während Gerbstoffe<br />
härter wirken. Höhere Temperaturen<br />
heben Alkohol und Fülle hervor. Leichte,<br />
junge Weiss- und Roséweine glänzen bei<br />
8–<strong>10</strong> °C. Kräftigere Weiss- und Roséweine,<br />
besonders mit Holzausbau, entfalten sich<br />
bei <strong>10</strong>–12 °C. Tanninarme Rotweine wie<br />
Burgunder serviert man leicht gekühlt bei<br />
12–14 °C, während kräftige Rotweine bei<br />
16–18 °C optimal sind. Schaumweine wie<br />
Sekt und Champagner kommen bei 6–8 °C<br />
gut zur Geltung. Ein Tipp: Lieber etwas<br />
kühler einschenken, da sich der Wein im<br />
Glas rasch erwärmt. Aber bitte auch nicht<br />
eiskalt servieren – Kühlschranktemperatur<br />
raubt auch dem besten Wein die Feinheit.<br />
DIE GEFRIERTRUHE, EIN NO-GO?<br />
Jeder kennt es: Die Gäste sind durstiger<br />
als gedacht, der Kühlschrank ist leer. Wenn<br />
das im Restaurant passiert, greift der<br />
Sommelier zum Eiskübel und mischt Eis,<br />
Wasser und eine Prise Salz. Das Wasser<br />
ist entscheidend, weil es Kälte besser überträgt.<br />
Das Salz führt dazu, dass die Eisstücke<br />
bereits bei Minusgraden schmelzen:<br />
So wird das Wasser noch kälter. Zuhause<br />
haben die Wenigsten Kübel und grosse<br />
Eismengen parat. Geht’s auch im Gefrierschrank?<br />
Es dauert eine halbe Stunde,<br />
bis eine Flasche Weisswein von 21 °C auf<br />
Trinktemperatur heruntergekühlt ist. Für<br />
Schaumweine dauert es fünf bis zehn Minuten<br />
länger, da die Flaschen dicker sind.<br />
Wird der Wein zu kalt, kann übrigens<br />
Weinstein ausfallen. Das sieht nicht schön<br />
aus, beeinflusst den Geschmack aber nicht.<br />
Problematisch wird es, wenn man die Flasche<br />
im Gefrierschrank vergisst. Der Wein<br />
dehnt sich beim Gefrieren aus und kann die<br />
Flasche zum Bersten bringen. Daher sollte<br />
man zur Sicherheit einen Wecker stellen.<br />
Fotos: Getty Images, mauritius images / Alamy Stock Photos / Bombaert Patrick<br />
48 falstaff dez–feb 2025
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festive season / ESSAY<br />
PURE VERNUNFT<br />
DARF NIEMALS<br />
SIEGEN<br />
Die heutige Zauberformel lautet: «Mit ohne».<br />
Damit darf man sich nicht abfinden. Denn wie soll im Alltag<br />
das Mass finden, wer nie die Masslosigkeit lebt?<br />
Neulich war ich in Sasbach-<br />
Walden im Schwarzwald essen.<br />
Das Lokal hiess «Völlerei 5»,<br />
ein Steakhouse, und die<br />
Küchenleistung war nicht so,<br />
dass man unbedingt darüber schreiben muss.<br />
Aber der Name erschien mir derart aus der<br />
Zeit gefallen, dass ich noch lange darüber<br />
nachgrübelte. Die Fünf im Namen bezog sich<br />
natürlich nicht nur auf die Hausnummer,<br />
sondern auch auf die fünfte der sieben<br />
Todsünden.<br />
Völlerei entspricht so gar nicht unserem<br />
asketischen Zeitgeist. Genauso wenig wie<br />
«Die Fette Kuh» in Köln, das «Hüftgold» in<br />
Berlin oder das «Saus und Braus» in Wien.<br />
Eigentlich sind mir Restaurants mit solch<br />
pseudolustigen Namen genauso ein Graus wie<br />
Friseursalons, die sich «Haireinspaziert»,<br />
«Director’s Cut» oder «Yes We Kämm»<br />
nennen. «Völlerei» ist jedoch so sehr retro,<br />
dass es fast schon wieder Avantgarde ist.<br />
In einigen Wochen werde ich 60. Während<br />
meiner Lebenszeit hat sich das Bruttoinlandsprodukt<br />
meines glücklichen Heimatlands auf<br />
mehr als das Zwanzigfache vervielfacht. Die<br />
Zahl seiner Bewohner ist um fast ein Drittel<br />
auf rund 83 Millionen gestiegen. Die Fläche<br />
seines Staatsgebiets hat sich um fast die Hälfte<br />
erweitert. Gleichzeitig hat es beträchtlich an<br />
diplomatischem Gewicht zugelegt. Und<br />
zudem während einer in der Geschichte bislang<br />
nie dagewesenen bald achtzigjährigen<br />
Phase von Prosperität und Frieden eine bis<br />
heute währende Blüte der Künste und Wissenschaften<br />
erfahren. Ganz nebenbei hat es sich<br />
von einem weltweit verhassten fremdenfeindlichen<br />
Kasernenhofstaat in ein halbwegs<br />
liebenswertes demokratisches Gemeinwesen<br />
gewandelt.<br />
WO DER JAMMER ZUHAUSE IST<br />
In einem solchen Land, sollte man meinen,<br />
müssten Milch und Honig fliessen und unentwegt<br />
Champagnerkorken knallen. Aber das<br />
Gegenteil ist der Fall. Ich wohne, wo der<br />
Jammer zu Hause ist. Wo man einen Igel in<br />
der Tasche hat, wo der Gürtel enger geschnallt<br />
wird und der Teufel zur Not Fliegen<br />
frisst. Wo Schmalhans Küchenmeister und wo<br />
Schluss mit lustig ist.<br />
In meinem Land haben nämlich fast unbemerkt<br />
die Verhärmten und Verdrucksten<br />
geputscht, zusammen mit den Erbsenzählern<br />
und Fastenpredigern die Macht übernommen<br />
und regieren es nun in einer grossen Koalition<br />
mit den Selbstoptimierern und Lebenseffizienzlern.<br />
Mein Land hat sich den Neidhammel,<br />
die Unke und die Spassbremse zu seinen<br />
Wappentieren erwählt, und die GroKo der<br />
Gesundheitsapostel haben, was Milch und<br />
Honig angeht, den Hahn schlicht zugedreht.<br />
Zu den bestimmenden Signaturen unserer<br />
Zeit gehört der ständige Imperativ, uns zu<br />
verbessern. Man lässt uns nicht in Ruhe. Stillstand<br />
sei tödlich, heisst es: Wer rastet, rostet –<br />
«evolve or die». Bloss nicht auf dem Erreichten<br />
ausruhen. Leichter sollen wir werden.<br />
Gelenkiger. Fitter. Achtsamer. Nachhaltiger.<br />
Diverser. Woker. Toleranter. Klüger und<br />
Fotos: ddp, Andreas Hornoff<br />
50 falstaff dez–feb 2025
DENIS SCHECK<br />
moderiert seit 2003 die<br />
ARD-Literatursendung<br />
«Druckfrisch». Der 1964<br />
in Stuttgart geborene<br />
Kritiker und Autor (u. a.<br />
«Schecks Kanon»,<br />
«Schecks kulinarischer<br />
Kompass», «Schecks<br />
Bestsellerbibel») wurde<br />
vielfach ausgezeichnet.<br />
em pathischer sowieso. Unserem Denken ein<br />
oder besser gleich mehrere Upgrades unterziehen.<br />
Nicht nur unseren Kleiderschrank und<br />
unseren Keller gilt es auszumisten, sondern<br />
unser gesamtes Leben. Entrümpelungspropheten<br />
wie Marie Kondo werden internationale<br />
Stars. Auch Bas Kast mit seinem «Kompass<br />
für die Seele» und «Warum ich keinen Alkohol<br />
mehr trinke» ist in diesem Geschäftsfeld<br />
unterwegs.<br />
Nicht nur was die deutsche Wirtschaft<br />
anlangt, gilt: Die fetten Jahre sind vorbei. Ob<br />
«Dry January» oder «Veganuary» – die Zauberformel<br />
des Jahres <strong>2024</strong> lautet: «Mit<br />
ohne». Dass man in einem der reichsten Länder<br />
Europas dauernd Bibliotheken und<br />
Schwimmbäder schliessen, Symphonieorchester<br />
zusammenlegen und das Ballett an Dreispartenhäusern<br />
ausradieren zu müssen<br />
meint – daran habe ich mich fast schon<br />
gewöhnt. Nicht aber an die «Mit ohne»-<br />
Küchenphilosophie unserer Tage.<br />
Omelettes ohne Eigelb. Saucen ohne Butter.<br />
Kuchen ohne Mehl und ohne Zucker. Nudeln<br />
IN MEINEM LAND<br />
HABEN UNBEMERKT<br />
DIE VERHÄRMTEN<br />
GEPUTSCHT, MIT DEN<br />
ERBSENZÄHLERN UND<br />
FASTENPREDIGERN DIE<br />
MACHT ÜBERNOMMEN<br />
UND REGIEREN ES<br />
NUN MIT DEN SELBST-<br />
OPTIMIERERN.<br />
ohne Kohlenhydrate. Suppen ohne Salz.<br />
Joghurt ohne Fett. Schinken und Steaks wird<br />
der Fettrand abtrainiert, Geflügel die Haut<br />
abgezogen, ja am besten proklamiert man<br />
überhaupt gleich «Kochen ohne Knochen»,<br />
lässt die Sau raus und verzichtet aufs Fleisch.<br />
Die Deutschen der Gegenwart wollen Essen<br />
auf Diät, dekonstruiert, reduziert und entschlackt<br />
oder wenigstens reloaded in Version<br />
2.0 oder 3.0, auf light, ultralight oder am besten<br />
gleich auf Zero getrimmt. Und dazu bitte<br />
ein Mineralwasser – selbstverständlich ohne.<br />
Die Nulllösung in Küche und Keller eben.<br />
Neulich habe ich eine kleine Runde von<br />
zehn Leuten zum Abendessen eingeladen. Ich<br />
tischte zum Champagner-Apéro eine Consommé<br />
double vom Reh auf, ein Onsen-Ei<br />
mit Kaviar, selbst gemachte Blutwurst mit<br />
Hirschzunge und hauchdünn geschnittenes<br />
Bündnerfleisch vom Kultmetzger Hattecke<br />
aus Graubünden. Dann ging’s zu Tisch, und<br />
nach einem Fenchelsalat mit Blutorangen<br />
und frittierten Kapern, Artischocken-Carpaccio<br />
mit Bottarga, mit Ricotta gefüllten Zucchiniblüten,<br />
einer Pasta mit Königskrabbe<br />
und Tomate und einem Rehrücken mit Morchelsauce<br />
zu Rosenkohlblättchen mit Pinien<br />
und Granatapfelkernen fielen meine Gäste<br />
wie ausgehungert über ein grosses Tablett<br />
mit französischem Rohmilchkäse, Gruyère<br />
und Stilton her. Um halb zwei waren acht<br />
Magnumflaschen geleert und alle liessen sich<br />
nach Hause fahren, und zwar so, wie es sich<br />
nach einem fast siebenstündigen Gelage<br />
gehört: kugelrund und sturzbesoffen.<br />
So was ist nicht vernünftig. So was ist,<br />
genau besehen, das Gegenteil der Vernunft.<br />
So was geht gar nicht, sagen Ärzte und andere<br />
Apologeten des Lean Managements. So<br />
was muss ab und an drin sein, sagen wir<br />
Anhänger der Lebenskunst und summen mit<br />
Tocotronic: «Pure Vernunft darf niemals siegen».<br />
Keine Festkultur ohne Exzess. Deshalb<br />
feierte die Antike masslose Feste wie die<br />
Saturnalien. Wie soll im Alltag das Mass<br />
finden, wer nie die Masslosigkeit lebt?<br />
Vernünftig bleibt auf Dauer nur, wer gelegentlich<br />
die Vernunft in den Wind schlägt.<br />
<<br />
dez–feb 2025<br />
falstaff<br />
51
festive season / GEFLÜGEL<br />
GEFIEDERTE<br />
FREUDEN<br />
An hohen Festtagen gehört gutes Geflügel<br />
für viele zur Tradition – und auf den Tisch. Von<br />
der feinen Wachtel über die Ente à l’Orange<br />
bis zur Weihnachtstruthenne: Warum sie so<br />
beliebt sind und wie man grosse Vögel<br />
richtig tranchiert.<br />
TEXT VERENA CAROLA MAYER<br />
Woher die Tradition<br />
des festlichen<br />
Geflügelmahls<br />
stammt, ist nicht<br />
restlos geklärt.<br />
Die Geschichte von<br />
Mensch und Geflügel<br />
reicht jedoch lange<br />
zurück.<br />
Foto: Heritage Images / Getty Images<br />
52 falstaff dez–feb 2025
dez–feb 2025 falstaff 53
festive season / GEFLÜGEL<br />
Spielte die<br />
Ente früher<br />
kulinarisch eine<br />
untergeordnete<br />
Rolle, gehört<br />
sie heute zu den<br />
beliebtesten<br />
Geflügelarten.<br />
Man denke nur<br />
an Gerichte wie<br />
Ente à l’Orange.<br />
Unser Fleischkonsum sinkt seit<br />
Jahren. Ausnahme: Geflügel.<br />
Die Nachfrage nach Huhn,<br />
Gans und Co. ist gross – vor<br />
allem während der Festtage.<br />
Von der Martinigans über die Truthenne zu<br />
Thanksgiving (googeln Sie mal Kamala<br />
Harris und «Turkey Tips») bis zu Ente und<br />
Gans an Weihnachten. Selbst im unchristlichen<br />
Japan wird, einem findigen Geschäftsmann<br />
sei Dank, während der Weihnachtstage<br />
Geflügel gegessen: In Scharen strömen<br />
die Einheimischen seit nunmehr 50 Jahren<br />
in die Filialen der Fast-Food-Kette KFC, um<br />
frittiertes Huhn im Pappeimer zu geniessen.<br />
Die gemeinsame Geschichte von Mensch<br />
und Geflügel reicht lange zurück. Die ersten<br />
Gänse wurden vermutlich vor rund<br />
7000 Jahren von Reisbauern in China<br />
domestiziert, und die in Nordamerika<br />
beheimatete Truthenne wurde<br />
schon von den Ureinwohnern als<br />
Proteinquelle geschätzt. Neben dem<br />
Fleisch waren die Tiere auch wegen<br />
ihrer Federn und Daunen beliebt.<br />
Woher die Tradition des festlichen Geflügelmahls<br />
stammt, ist nicht restlos geklärt.<br />
Enten spielten früher, kulinarisch gesehen,<br />
eine untergeordnete Rolle. Gänse waren<br />
wesentlich einfacher zu mästen und auf fast<br />
jedem Hof zu finden. Nach vielen Monaten<br />
an der frischen Luft waren sie im Winter<br />
wohlgenährt. Statt sie durch die kalten<br />
Monate zu füttern, wurden sie als Festbraten<br />
serviert. Natürlich gibt es auch weniger<br />
irdische Erklärungen: das weisse Federkleid<br />
als Symbol für das unschuldige Kind.<br />
Der bescheidene Martin aus dem französischen<br />
Tours, der sich, als ihn die Bürger<br />
zum Bischof weihen wollten, im Gänsestall<br />
versteckte, wo ihn das Schnattern der Tiere<br />
verriet. Er wurde Bischof, heilig und fortan<br />
mit Martinigans geehrt.<br />
Wer es sich leisten konnte, servierte zum<br />
Festmahl Exoten wie Strauss und Fasan<br />
oder die edle Truthenne, die über die amerikanischen<br />
Kolonien nach Grossbritannien<br />
und Europa kam. Zeitzeugen berichteten<br />
von Tausenden Vögeln, Gänsen und Pfauen,<br />
die aufgetischt wurden. Auch Spielereien<br />
wie das Turducken waren beliebt: Truthenne<br />
(turkey), Ente (duck) und Huhn<br />
(chicken) wurden entbeint, gefüllt und –<br />
der Grösse nach – ineinander gefüllt.<br />
Solch kulinarische Extravaganz gibt<br />
es auch heute noch. Man denke nur<br />
Üppig-skurriler Festbraten: Für<br />
«Turducken» wird Truthenne der<br />
Grösse nach mit Ente und Huhn gefüllt.<br />
Fotos: Shutterstock, Getty Images, beigestellt<br />
54 falstaff dez–feb 2025
Vermutlich wurden die ersten<br />
Gänse bereits vor 7000<br />
Jahren von Reisbauern in<br />
China domestiziert.<br />
an den französischen Drei-Sterne-Koch<br />
Alain Passard, der Enten- und Hühnerhälften<br />
aneinander nähte und anschliessend in<br />
Guérande-Salzkruste im Ofen garte.<br />
BESONDERE EXOTEN<br />
Rund 13 Kilogramm Geflügel werden in<br />
Deutschland und Österreich pro Kopf und<br />
Jahr verzehrt, zwei Mal mehr als in der<br />
<strong>Schweiz</strong>. Das weisse Fleisch gilt als gesünder<br />
als das rote von Rind oder Schwein.<br />
Es liefert Eisen, Phosphor und Zink, ist<br />
proteinreich und fettarm. Am beliebtesten<br />
ist mit grossem Abstand das Huhn, gefolgt<br />
von Truthenne, Ente und Gans. Exotisches<br />
und Wildes wie Wachtel, Fasan oder Strauss<br />
tauchen in den meisten Statistiken nicht<br />
auf.<br />
Anders sieht es in den Gourmetküchen<br />
aus, wo vor allem die Wachtel hoch geschätzt<br />
ist: Paul Bocuse umwickelte sie mit<br />
Speck und servierte sie mit geschmorten<br />
Weintrauben. Bei Benjamin Chmura aus<br />
dem «Tantris Maison Culinaire» gibt es<br />
sie oft mit leichten Saucen, im Sommer<br />
auch gerne als kalte Vorspeise. Die Wachtel<br />
gehört wie das domestizierte Haushuhn<br />
zur Familie der Fasanenartigen. Mit einem<br />
Gewicht von um die <strong>10</strong>0 Gramm ist sie<br />
DAS HUHN GILT ALS<br />
GESÜNDER ALS<br />
ROTES FLEISCH UND<br />
WIRD AM LIEBSTEN<br />
GEGESSEN, GEFOLGT<br />
VON TRUTHENNE, ENTE<br />
UND GANS.<br />
der kleinste Hühnervogel und der einzige,<br />
der zum Überwintern in den Süden fliegt.<br />
Moderne Landwirtschaft und illegale Jagd<br />
haben dazu geführt, dass die Wachtel heute<br />
in einigen Ländern Europas als gefährdet<br />
gilt. Ein Grossteil der verspeisten Tiere<br />
stammt aus Brutfarmen, wo sie mit bis zu<br />
200 Gramm deutlich schwerer werden.<br />
Wie bei jeglichem Geflügel herrschen in<br />
der Zucht oft erschreckende Zustände. Das<br />
Fleisch ist auch deshalb so beliebt, weil<br />
es in der Regel günstig ist, was nur durch<br />
Massentierhaltung möglich ist. Platzmangel,<br />
Schmutz, Krankheiten und billiges<br />
<<br />
Robin Geisser beliefert mit<br />
Geflügel Gourmet in der <strong>Schweiz</strong><br />
Spitzenköche mit Maispoularden,<br />
Enten, Perlhühnern, Truthennen<br />
und Gänsen.<br />
dez–feb 2025<br />
falstaff<br />
55
festive season / GEFLÜGEL<br />
Das Münchner «Tantris»<br />
steht für beste französische<br />
Küche und klare Ästhetik.<br />
<<br />
Futter schlagen sich auch in minderwertiger<br />
Fleischqualität nieder.<br />
Als Vorreiter gilt Frankreich, in dessen<br />
Küche Geflügel seit jeher eine grosse<br />
Rolle spielt: von Coq au Vin über Ente<br />
à l’Orange bis zu Bressehuhn und Challans-<br />
Ente. Schon in den 1960er-Jahren wurde in<br />
Frankreich das Gütesiegel «Label Rouge»<br />
eingeführt, das den Tieren mehr Platz, Auslauf,<br />
Lebenswochen und artgerechtes Futter<br />
garantiert. Die Auswahl an besonderen,<br />
regional geschützten Rassen sei in Deutschland<br />
etwas geringer und das Bewusstsein<br />
für Qualität weniger ausgeprägt, meint<br />
«Tantris»-Chef Benjamin Chmura, der viele<br />
Jahre lang in französischen Sternerestaurants<br />
gekocht hat. «Dort wird Geflügel<br />
oft mit besonderer Hingabe zubereitet,<br />
sei es in klassischen Gerichten oder<br />
in modernen Interpretationen, die die<br />
Die Wachtel<br />
wird vor<br />
allem in der<br />
Gourmetküche<br />
geschätzt. Ihr<br />
Bestand ist<br />
aber teilweise<br />
gefährdet,<br />
die Zucht<br />
problematisch.<br />
Qualität des Produkts besonders hervorheben.»<br />
Auch Robin Geisser kommt bei französischem<br />
Geflügel ins Schwärmen. Gemeinsam<br />
mit seinen Brüdern hat der <strong>Schweiz</strong>er das<br />
Unternehmen Geflügel Gourmet aufgebaut,<br />
das Tiere aus heimischer Zucht vertreibt. Inspiriert<br />
hat ihn seine Ausbildungszeit in Frankreich.<br />
Gemeinsam mit rund 30 Landwirten<br />
züchtet er Maispoularden, Enten, Perlhühner,<br />
Truthähne und Gänse, die sich auch bei Topgastronomen<br />
grosser Beliebtheit erfreuen.<br />
Die Tiere wachsen in mobilen Ställen auf<br />
«natürlichem Boden» heran, der Futter und<br />
Immunisierung bietet. Im Sommer dürfen<br />
sie durchs Maisfeld rennen. «So muss man<br />
auch weniger zufüttern», erklärt Geisser.<br />
Gänse etwa fressen <strong>10</strong>0 Kilo Trockensubstanz<br />
pro Saison. «Das sind wahre Durchlauferhitzer.»<br />
Gezüchtet werden vorwiegend<br />
extensive Rassen wie die englischen<br />
Kelly Bronze, der «Rolls-Royce unter den<br />
Truten», beliebt auch im englischen Königshaus.<br />
Sie werden nach rund einem halben<br />
Jahr geschlachtet – doppelt bis dreimal<br />
so spät wie herkömmliche Truten. Die<br />
längere Zucht macht sich auch im<br />
Fleisch bemerkbar. Es sei fester und<br />
intensiver im Geschmack. Für ältere<br />
Tiere eignen sich daher langsame,<br />
sanfte Zube reitungsmethoden wie<br />
Schmoren, im Ganzen oder als Gu<br />
Fotos: Shutterstock, Erik Mooiman / Unsplash, beigestellt, Christian Maislinger<br />
56 falstaff dez–feb 2025
Chefkoch Stefan<br />
Doubek bezieht für sein<br />
gleichnamiges Fine-Dining-<br />
Restaurant in Wien Tiere<br />
nur im Ganzen, alle Teile<br />
werden verarbeitet.<br />
lasch. Aus den Karkassen werden Fonds und<br />
Brühen, die Einzelstücke lassen sich braten,<br />
grillieren, frittieren oder sautieren. Es sind<br />
diese Vielseitigkeit und «die Möglichkeit,<br />
das Produkt durch spezielle Zubereitungen<br />
zur Geltung zu bringen», die Koch Chmura<br />
am Geflügel besonders schätzt.<br />
WORAUF ES ANKOMMT<br />
Auch mit offenem Feuer verträgt sich das<br />
Fleisch, wie Kollege Stefan Doubek beweist,<br />
der in Wien an einer 35 Meter langen<br />
Feuerküche kocht, unter anderem eine fünf<br />
Wochen lang gereifte Ente, die über mehrere<br />
Stunden gegart und puristisch mit Entenjus<br />
serviert wird. Seine Tiere bezieht er «überregional»<br />
von guten Züchtern und stets im<br />
Ganzen: «Ich verwende lieber alles, als dass<br />
ich eine Hühnerbrust aus Österreich kaufe,<br />
von der alle anderen Teile dann über die ganz<br />
Welt verschickt werden.» Das Schöne am<br />
Geflügel: Dank der kompakten Grösse ist die<br />
Nose-to-Tail-Verarbeitung auch für Hobbyköche<br />
leicht umsetzbar.<br />
Trotz heimischer Zucht importieren<br />
Deutschland, Österreich und die <strong>Schweiz</strong><br />
grosse Mengen an Geflügelfleisch aus den<br />
Nachbarländern, aber auch aus Brasilien<br />
und Thailand. In Deutschland standen den<br />
2600 Tonnen heimischen Gänsefleisches rund<br />
12.<strong>10</strong>0 aus dem Ausland gegenüber. Grundsätzlich<br />
gelten für das heimische Geflügel<br />
DAS SCHÖNE AM<br />
GEFLÜGEL: DURCH<br />
DIE KOMPAKTE GRÖSSE<br />
IST DER NOSE-TO-TAIL-<br />
ANSATZ AUCH FÜR<br />
HOBBYKÖCHE LEICHT<br />
UMSETZBAR.<br />
strengere Vorgaben: Truten steht in Österreich<br />
75 Prozent mehr Platz zu als im EU-<br />
Durchschnitt. In Deutschland ist bei Gänsen<br />
die Freilandhaltung weit verbreitet.<br />
Wer auf Nummer sicher gehen will, geht<br />
wie Doubek zum «überregionalen» Züchter.<br />
Oft seien es spezielle Geflügelarten, die<br />
ein unverwechselbares Geschmackserlebnis<br />
garantieren, sagt «Tantris»-Chef Chmura.<br />
Gutes Geflügel erkennt man an gesunder<br />
Haut, die frei von Verletzungen, Verfärbungen<br />
und trockenen Stellen ist, sowie an einer<br />
gleichmässigen Fettschicht. Das Fleisch sollte<br />
fest und prall, insbesondere an Brust und<br />
Schenkel gut ausgebildet sein.<br />
Nach den Weihnachtstagen ist aber<br />
erst mal Schluss mit Geflügel – zumindest<br />
zu Silvester sollte man pausieren, besagt<br />
doch eine Mär, dass mit dem flugfähigen<br />
Tier auch das erhoffte Neujahrsglück von<br />
dannen fliegen könnte.<br />
<<br />
dez–feb 2025<br />
falstaff<br />
57
festive season / GEFLÜGEL<br />
IN NEUN SCHRITTEN ZUM<br />
PERFEKT TRANCHIERTEN VOGEL<br />
1<br />
2<br />
1<br />
Um die Keulen zu entfernen,<br />
mit dem Messer am Hüftgelenk<br />
entlang schneiden. Die Keule<br />
mithilfe einer Fleischgabel vorsichtig<br />
vom Körper wegdrücken<br />
und am Gelenk abtrennen.<br />
3<br />
2<br />
Die Keule anschliessend mit der<br />
Fleischgabel am Schneidbrett<br />
fixieren. Mit einem Schnitt im<br />
Gelenk in Ober- und Unterkeule<br />
zerteilen.<br />
3<br />
Das Fleisch der Ober- und Unterkeule<br />
in Scheiben schneiden<br />
und portionieren.<br />
4<br />
5<br />
6<br />
4<br />
Truthenne mit der Fleischgabel<br />
in Position halten und<br />
das Brustfleisch horizontal<br />
einschneiden.<br />
5<br />
Messer schräg halten und<br />
die Klinge beim Schnitt am<br />
Rumpf entlang führen. Immer<br />
gegen die Richtung der Fasern<br />
schneiden. Dadurch werden<br />
Druckstellen verhindert.<br />
6<br />
Das Fleisch in mindestens<br />
fünf Millimeter dicke Scheiben<br />
schneiden, damit sie nicht<br />
auseinanderfallen.<br />
7<br />
8<br />
9<br />
7<br />
Entlang des Brustbeins vom<br />
Hals bis zum Ende des Vogels<br />
schneiden.<br />
8<br />
Truthenne auf den Rücken drehen<br />
und restliches Brustfleisch<br />
herauslösen.<br />
9<br />
Das restliche Fleisch in<br />
Scheiben schneiden.<br />
Fotos: StockFood / Immediate Media / Good Food<br />
58 falstaff dez–feb 2025
G. BIANCHI AG<br />
In der festlichen Saison<br />
spielt das Weihnachtsessen<br />
eine zentrale Rolle.<br />
EIN HOCHGENUSS<br />
ZU WEIHNACHTEN<br />
Für Gastronomen und Feinschmecker ist das Festtagsgeflügel oft der<br />
Höhepunkt eines jeden Menüs. Bianchi bietet als führender Gastronomie-<br />
Grosshändler in der <strong>Schweiz</strong> seinen Kunden eine exklusive Auswahl an<br />
hochwertigem Geflügel, das in keinem festlichen Menü fehlen darf.<br />
ADVERTORIAL Fotos: beigestellt<br />
Das Sortiment von Bianchi umfasst<br />
eine Vielzahl an Geflügelarten, die<br />
für ihre Exklusivität und aussergewöhnliche<br />
Qualität bekannt<br />
sind. Besonders hervorzuheben sind dabei<br />
die Appenzeller Ribelmais-Gans und das<br />
edle Poulet Noir aus dem Greyerzer Land.<br />
Beide Arten garantieren ein unverwechselbares<br />
Geschmackserlebnis, dass auch die<br />
anspruchsvollsten Gäste begeistert.<br />
Die Appenzeller Ribelmais-Gans ist ein<br />
wahres Meisterwerk der <strong>Schweiz</strong>er Geflügelzucht.<br />
Auf den saftigen Weiden der Appenzeller<br />
Alpen ernähren sich die Gänse von<br />
hochwertigem Ribelmais, was für ein<br />
be sonders zartes Fleisch und einen intensiven<br />
Geschmack sorgt. Diese Art der Zucht<br />
und Fütterung verleiht der Gans eine unverwechselbare<br />
Aromatik, die sowohl beim Bra-<br />
ten als auch beim Füllen zur Geltung<br />
kommt.<br />
Für Feinschmecker, die das Besondere<br />
suchen, ist auch das Poulet de Bresse eine<br />
erstklassige Wahl. Dieses legendäre Huhn aus<br />
der Region Bresse in Frankreich gilt als das<br />
beste der Welt. Es zeichnet sich durch einzigartiges,<br />
zartes Fleisch mit intensivem Geschmack<br />
aus, das durch die besonderen Aufzuchtmethoden<br />
und spezielles Futter aus<br />
Mais und Kräutern in freier Natur entsteht.<br />
EXQUISITE FESTTAGE<br />
Ein weiterer Höhepunkt in der Bianchi-Geflügelkollektion<br />
ist das Poulet Noir. Dieses<br />
hochwertige Huhn mit seinen unverkennbaren<br />
dunkeln Füssen überzeugt durch seine<br />
aussergewöhnliche Fleischqualität und einen<br />
intensiven, natürlichen Geschmack. Es wird<br />
unter artgerechten Bedingungen aufgezogen<br />
und zeichnet sich durch eine besondere Fütterung<br />
und Pflege aus.<br />
Das Festtagsgeflügel von Bianchi steht für<br />
Qualität, Nachhaltigkeit und Geschmack.<br />
Die sorgfältige Auswahl der Lieferanten und<br />
die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit<br />
den besten Produzenten aus der <strong>Schweiz</strong><br />
und Europa garantieren, dass nur herausragende<br />
Produkte in die Küchen von Gastronomen<br />
gelangen. Entdecken Sie das umfassende<br />
Festtagsgeflügel-Sortiment von Bianchi<br />
und bereichern Sie Ihr Weihnachtsmenü<br />
mit den besten Geflügelarten.<br />
INFO<br />
Weitere Informationen unter<br />
shop.bianchi.ch<br />
dez–feb 2025 falstaff 59
festive season / REZEPTE<br />
<strong>Falstaff</strong> Rezept-Newsletter -<br />
Rezeptideen kostenlos<br />
via E-Mail erhalten:<br />
go.falstaff.com/rezept-newsletter<br />
60 falstaff dez–feb 2025
Die Weihnachtszeit ist ein Fest<br />
für die Sinne – und was könnte<br />
glanzvoller sein als kulinarische<br />
Klassiker, die den Tisch erstrahlen<br />
lassen? <strong>Falstaff</strong> präsentiert<br />
drei Festtagsklassiker von<br />
Spitzenköchen, die den Zauber<br />
der Feiertage mit zeitlosem<br />
Charme auf den Teller bringen.<br />
FEST-<br />
FOTOS LENA STAAL<br />
KONZEPT & PRODUKTION BIANCA DEMSA<br />
FOODSTYLIST GITTE JAKOBSEN<br />
TAGS<br />
GLANZ<br />
dez–feb 2025<br />
falstaff<br />
61
festive season / REZEPTE<br />
62 falstaff dez–feb 2025
PÂTÉ EN CROÛTE BOURGEOIS<br />
(FÜR 20 PORTIONEN)<br />
Die Pastete im Teigmantel, ein französisches Kulturgut, wird traditionell<br />
als Vorspeise serviert. Die Zubereitung wirkt kompliziert, dabei verlangt sie<br />
nur etwas Geduld. Im Münchner «Tantris» kommt sie kalt auf den Tisch –<br />
ihr Erfolg liegt in knusprigem Teig und saftiger Füllung.<br />
Foto: beigestellt<br />
ZUTATEN FÜR DIE FARCE (FÜLLUNG)<br />
• 1 kg Entenkeulen, ohne Knochen und Haut<br />
• 450 g Entenhaut<br />
• 500 g Schweineschulter<br />
• 250 g sizilianische Pistazien<br />
• 35 g Salz<br />
• 7,5 g weisser Pfeffer<br />
• 2,5 g geräucherter Paprika<br />
• Cognac<br />
ZUBEREITUNG DER FARCE<br />
– Zuerst die Entenkeulen entbeinen, die Haut<br />
entfernen und das Fleisch in 3 cm dicke Würfel<br />
schneiden. Die Schweineschulter ebenfalls in<br />
3 cm dicke Würfel schneiden.<br />
– Die Entenhaut 2 Minuten in gesalzenem Wasser<br />
blanchieren und abkühlen lassen. In Stücke<br />
schneiden und beiseitelegen.<br />
– Alle Zutaten in einer Schüssel mit den Gewürzen<br />
und einem Schuss Cognac vermischen.<br />
24 Stunden marinieren lassen.<br />
– Am nächsten Tag durch den Fleischwolf (feine<br />
Scheibe) drehen und für 1 Stunde abkühlen<br />
lassen. Die Pistazien vorsichtig von Hand<br />
untermischen.<br />
ZUTATEN FÜR DIE EINLAGEN<br />
• 500 g Herzbries vom Kalb<br />
• 500 g Entenleberterrine<br />
ZUBEREITUNG DER EINLAGEN<br />
– Das gewässerte Kalbsbries 13 Minuten in<br />
gesalzenem Wasser bei mittlerer Hitze blanchieren.<br />
Die Haut und das überschüssige Fett entfernen<br />
und zwischen zwei Blechen abkühlen lassen.<br />
– In 2,5 cm grosse Würfel schneiden und beiseitelegen.<br />
– Die gegarte Entenleberterrine ebenfalls in 2,5 cm<br />
grosse Würfel schneiden und kühl stellen.<br />
ZUTATEN FÜR DEN PASTETENTEIG<br />
• 1 kg Mehl (T55)<br />
• 800 g Butter<br />
• 4 Eier<br />
• 60 g Zucker<br />
• 30 g Salz<br />
ZUBEREITUNG DES PASTETENTEIGS<br />
– Das Mehl und die kalte Butter mit den Händen<br />
fein verreiben, bis eine sandige Konsistenz<br />
entsteht.<br />
– Die Eier mit dem Salz verrühren, bis sich das Salz<br />
vollständig aufgelöst hat.<br />
– Den Zucker zur Mehl-Butter-Mischung geben und<br />
alles zügig zu einem homogenen Teig verarbeiten.<br />
– Anschliessend den Teig in Frischhaltefolie einwickeln<br />
und für 24 Stunden im Kühlschrank ruhen<br />
lassen.<br />
ZUTATEN FÜR DEN PASTETENMANTEL<br />
Butter, zum Ausstreichen der Form<br />
2 Eigelb<br />
3 Challans-Entenbrüste<br />
500 ml Gelierte Entenconsommé<br />
Rezept von Benjamin Chmura, «Tantris»<br />
München, Deutschland<br />
Geboren in Ottawa und aufgewachsen in Brüssel,<br />
sammelte er Expertise in diversen Sterneküchen<br />
weltweit. Seit Oktober 2021 fungiert er als Küchenleiter<br />
im renommierten «Tantris», wo er mit<br />
einem Michelin-Stern ausgezeichnet wurde. Der<br />
französische Einfluss ist dabei ebenso spürbar<br />
wie die eigene kreative Handschrift, die seine<br />
Gerichte unverwechselbar machen.<br />
ZUBEREITUNG DES PASTETENMANTELS<br />
– Pastetenform (L x H x B: 40 x 8 x 7 cm) zunächst<br />
für 5 Minuten in den Gefrierschrank stellen.<br />
– Anschliessend die Butter schmelzen und die Innenseite<br />
der Form grosszügig damit bestreichen.<br />
Die Form erneut in den Gefrierschrank stellen und<br />
diesen Vorgang dreimal wiederholen.<br />
– Nun den Teig ausrollen: eine mittlere Lage von<br />
40 cm Länge und 28 cm Breite, für die Enden <strong>10</strong><br />
cm Breite und 15 cm Länge. Zuerst die lange Seite<br />
der Form mit Teig auslegen, dann die Enden.<br />
– 250 g Farce einfüllen und darauf die Hälfte des<br />
Kalbsbries sowie die Hälfte der Entenleberterrine<br />
gleichmässig verteilen.<br />
– Eine weitere Schicht von 250 g Farce hinzufügen<br />
und die drei Entenfilets mittig darauf platzieren.<br />
Danach 250 g Farce hinzufügen, gefolgt von dem<br />
restlichen Kalbsbries und Entenleberterrine.<br />
– Abschliessend eine letzte Schicht von 220 g<br />
Farce einfüllen.<br />
– Die Pastete mit einer Teigplatte von 46 cm Länge<br />
und 18 cm Breite abdecken und gut verschliessen,<br />
dabei die Luft herausdrücken und die Teigenden<br />
fest zusammendrücken.<br />
– Dreimal mit Eigelb bestreichen, dazwischen jeweils<br />
<strong>10</strong> Minuten im Kühlschrank ruhen lassen.<br />
– Am Ende mit einem Ausstechring von 2 cm<br />
Durchmesser 3 Luftlöcher (Schornsteine)<br />
schneiden: 8 cm von jedem Rand entfernt und<br />
eines in der Mitte.<br />
– Den Backofen auf 230 °C Umluft vorheizen und<br />
die Pastete 8 Minuten lang backen. Jetzt die<br />
Temperatur auf 180 °C reduzieren und weiterbacken,<br />
bis die Filets eine Kerntemperatur von 53 °C<br />
erreicht haben. Aus dem Ofen nehmen, überschüssiges<br />
Fett abgiessen und die Pastete ruhen<br />
lassen.<br />
– Nach einer Stunde Ruhezeit die Pastete mit<br />
gelierter Entenconsommé auffüllen und über<br />
Nacht im Kühlschrank lagern.<br />
FALSTAFF-WEINEMPFEHLUNG<br />
Blaufränkisch Himmel auf Erden Rosé 2023<br />
Weingut Christian Tschida, Österreich<br />
Zwiebelrot mit Orangereflexen. Noten von Nougat,<br />
Lakritze, eingelegten Kirschen und einem<br />
Hauch Erdbeerkonfit. Straff, elegant mit finessenreiche<br />
Säurestruktur. Rotbeeriger Nachhall,<br />
salzig im Abgang. maisonlibre.ch, CHF 29,90<br />
dez–feb 2025<br />
falstaff<br />
63
festive season / REZEPTE<br />
KLASSISCHE WACHTEL IM HEU<br />
mit Saturnpfirsich<br />
(FÜR 4 PERSONEN)<br />
Alain Weissgerber ist bekannt für seine puristischen und zugleich originellen<br />
Gerichte. Die Wachtel, der kleinste Hühnervogel Europas, mag zwar zart und<br />
klein sein, doch ihr Geschmack ist unverwechselbar und aussergewöhnlich.<br />
In einem Heubett serviert erhält sie zudem einen aussergewöhnlichen Auftritt.<br />
ZUTATEN FÜR DIE WACHTELN<br />
• 150 g ungestopfte Bio Gänseleberwürfel (1x1cm)<br />
• <strong>10</strong>0 g Apfelwürfel (1 x 1 Zentimeter)<br />
• <strong>10</strong>0 g Weissbrotwürfel, ohne Rinde<br />
• 2 EL Petersilie, gehackt<br />
• 1 EL Thymian und Rosmarin, gehackt<br />
• 1 Eigelb<br />
• 4 Stk. Wachteln<br />
• Salz<br />
• Weisser Pfeffer aus der Mühle<br />
• Butter<br />
• 4 Bögen Backpapier 30 x 30 Zentimeter<br />
• Bindfaden<br />
• Heu<br />
ZUBEREITUNG DER WACHTELN<br />
– Zuerst die Weissbrotwürfel in 1 EL Butter goldgelb<br />
anrösten und auskühlen lassen.<br />
– Nun die Apfelwürfel und die Gänseleberwürfel<br />
beigeben und vorsichtig unterrühren.<br />
– Mit Salz, Pfeffer und den Kräutern würzen und<br />
danach das Eigelb untermengen.<br />
– Anschliessend die Wachteln hohl auslösen und<br />
auf der Innenseite mit Salz und Pfeffer würzen.<br />
– Die Weissbrotmasse zu Knödeln formen und die<br />
Wachteln füllen.<br />
– Anschliessend die Wachteln wieder zusammenschlagen<br />
und die Hautseite mit halbflüssiger<br />
Butter bestreichen und salzen.<br />
– Die Papierbögen auflegen und das Heu in die<br />
Mitte setzen.<br />
– Die gefüllte Wachteln hineinsetzen und das Papier<br />
zusammenschlagen. Mit dem Bindfaden zusammenbinden<br />
und auf einem Rost im Backofen<br />
bei 225 °C für 25 Minuten braten.<br />
Rezept von Alain Weissgerber, «Relais & Châteaux<br />
Taubenkobel», Schützen, Österreich<br />
Der Elsässer und seine Frau Barbara Eselböck haben<br />
im burgenländischen Schützen ein Refugium<br />
des gehobenen Genusses geschaffen, wo sie einen<br />
kreativen kronländerisch-pannonischen Küchenstil<br />
mit französischen Einflüssen vereinen. Mit<br />
originellen Pop-ups im Winter begeistert das<br />
Duo jährlich in aussergewöhnlichen Locations, in<br />
diesem Jahr etwa im Wiener Club «Volksgarten».<br />
ZUTATEN FÜR DAS PFIRSICHMOUSSE<br />
• Einige Saturnpfirsiche<br />
• Ascorbinsäure<br />
• Läuterzucker<br />
ZUBEREITUNG DES PFIRSICHMOUSSE<br />
– Saturnpfirsiche schälen, vierteln, entkernen und<br />
in einem Vakuumbeutel mit Ascorbinsäure und<br />
wenig Läuterzucker weichkochen.<br />
– Danach sofort im Eiswasser abkühlen, aus dem<br />
Beutel nehmen und im Thermomixer zu Pfirsichmousse<br />
verarbeiten.<br />
– Mit Läuterzucker und Birnenbrand abschmecken.<br />
FALSTAFF-WEINEMPFEHLUNG<br />
Kreuth Chardonnay Südtirol DOC 2022<br />
Kellerei Terlan, Italien<br />
Leuchtendes, intensives Goldgelb. Feinwürzig<br />
in der Nase, reifer Pfirsich und Honigmelone,<br />
mineralischer Nachklang. Cremig und fruchtig<br />
mit erfrischender Säure, harmonisch und lang<br />
im Abgang. casadelvino.ch, CHF 24,90<br />
64 falstaff dez–feb 2025
Foto: beigestellt<br />
dez–feb 2025<br />
falstaff<br />
65
festive season / REZEPTE<br />
66 falstaff dez–feb 2025
ROASTED TURKEY LEG<br />
mit geschmortem Rotkohl<br />
(FÜR 4 PERSONEN)<br />
Das Herzstück des traditionellen britischen Festmahls ist wie<br />
weithin bekannt die Truthenne, die in dieser Jahreszeit oft am<br />
saftigsten und fettreichsten ist. Adam Byatts Variante ähnelt einer<br />
Roulade und präsentiert die Truthenne auf eine raffinierte Weise,<br />
die wohl nicht allzu bekannt ist.<br />
Foto: john carey<br />
ZUTATEN FÜR DIE FARCE<br />
• 200 g Wurstbrät<br />
• 1 weisse Zwiebel<br />
• 1 geriebene Knoblauchzehe<br />
• etwas Salbei, fein gehackt<br />
• 20 g gekochte Kastanien, gewürfelt<br />
• 20 g getrocknete Preiselbeeren<br />
• Schwarzer Pfeffer und Salz<br />
ZUBEREITUNG DER FARCE<br />
– Zuerst die Zwiebel fein würfeln und in einer<br />
mittelgrossen Pfanne mit Butter und Olivenöl<br />
anschwitzen.<br />
– Nun den Knoblauch dazugeben, mit einer<br />
Kartusche abdecken und 15 bis 20 Minuten<br />
unter häufigem Rühren anschwitzen.<br />
– Sobald die Zwiebel weich sind, Preiselbeeren und<br />
den Salbei hinzufügen.<br />
– Die Pfanne vom Herd nehmen und gut abkühlen<br />
lassen.<br />
– Anschliessend mit dem Wurstbrät vermischen.<br />
– Ein kleines Stück abkochen, um die Würze zu<br />
überprüfen.<br />
ZUTATEN FÜR DIE FÜLLUNG<br />
• 2 Truthennenkeulen, ohne Knochen<br />
• 300 g Farcemischung<br />
• 50 g Butter<br />
• 2 Bund Wurzelgemüse (Karotten, gelbe Rüben,<br />
Sellerie, Petersilie, etc.), gewürfelt<br />
• Alufolie zum Einrollen<br />
ZUBEREITUNG DER FÜLLUNG<br />
– 2 Blätter Alufolie auslegen und die Butter<br />
gleichmässig darauf verteilen.<br />
– Nun die Keulen so darauf legen, dass die Haut<br />
vollständig an der Alufolie anliegt.<br />
– Mit der Farce füllen und darauf achten, dass die<br />
Füllung vollständig in die Keulenenden gedrückt<br />
wird. Die Farce an den Schenkelenden der Keulen<br />
zylindrisch abrunden.<br />
– Anschliessend die Keulen in der Alufolie fest<br />
einrollen und die Enden verdrehen.<br />
– Auf einem Bratblech gemischte Gemüsewürfel<br />
und die gerollten Keulen darauf legen und im vorgeheizten<br />
Backofen bei 180 °C 30 bis 45 Minuten<br />
garen, bis die Keulen eine Kerntemperatur von<br />
75 °C erreicht haben.<br />
– Abkühlen lassen und die Keule(n) in einer<br />
gusseisernen Pfanne von allen Seiten goldbraun<br />
anbraten.<br />
– Anschliessend wieder abkühlen lassen und<br />
tranchieren.<br />
Rezept von Adam Byatt, «Trinity»<br />
London, England<br />
Adam Byatt startete seine Karriere bereits mit<br />
16 Jahren und eröffnete 2006 zusammen mit seinem<br />
Geschäftspartner Angus Jones das Michelin-Sterne-Restaurant<br />
«Trinity» im Herzen von<br />
Clapham Old Town. Seitdem hat sich sein Restaurant<br />
als eines der renommiertesten Fine-Dining-Restaurants<br />
der Stadt etabliert.<br />
ZUTATEN FÜR DAS GESCHMORTE ROTKRAUT<br />
• 1 Rotkraut, in dünne Scheiben geschnitten<br />
• 2 Äpfel der Sorte «Bramley», in dünne Scheiben<br />
geschnitten<br />
• <strong>10</strong>0 g Rosinen<br />
• 300 g Rotwein<br />
• 200 g Rotweinessig<br />
• 200 g «Redcurrant Jelly» (Alternativ: Ribiselmarmelade)<br />
• Salz<br />
• 1 Gewürzsäckchen (Zimtstange, Sternanis,<br />
Nelken)<br />
ZUBEREITUNG DES GESCHMORTEN ROT-<br />
KRAUTS<br />
– Das Kraut, die Äpfel und die Rosinen in eine<br />
Auflaufform geben.<br />
– Rotwein, Rotweinessig, Ribiselmarmelade, Salz<br />
und Gewürzsäckchen zum Kochen bringen und<br />
über die geschnittenen Apfel-Kraut-Mischung<br />
giessen.<br />
– Die Auflaufform mit Pergamentpapier und Alufolie<br />
abdichten und bei 160 °C für 1,5 bis 2 Stunden<br />
backen.<br />
– Anschliessend die Mischung herausnehmen und<br />
gut abtropfen lassen.<br />
– Die verbliebene Flüssigkeit um die Hälfte einkochen,<br />
bei Bedarf mit Speisestärke binden und<br />
eventuell nachwürzen. (Kann einen Tag im Voraus<br />
zubereitet werden.)<br />
– Das Kraut erwärmen und mit tranchierter<br />
Truthennenkeule servieren.<br />
FALSTAFF-WEINEMPFEHLUNG<br />
Roquette & Cazes Tinto 2021<br />
Roquette & Cazes, Portugal<br />
Rote und dunkle Beeren in der Nase, etwas<br />
Zwetschge sowie eine präsente Gewürzaromatik<br />
mit Zimtnoten. Am Gaumen angenehm weich<br />
und rund bei hoher Eleganz und Kraft. Feine, präzise<br />
Säure, elegantes Tannin. Hallt lange nach.<br />
ullrich.ch, CHF 20,50<br />
dez–feb 2025<br />
falstaff<br />
67
Wenn die Korken knallen, muss das kein Loch ins Portemonnaie<br />
reissen. Aber wer sich gerne etwas Besonderes gönnt, trifft mit<br />
dem französischen Original ins Schwarze.<br />
Nur keine Sorge wegen der Festtags-Schlemmereien.<br />
Champagner enthält weniger Kalorien als Rot- oder<br />
Weissweine und wer hat schon keine Freude an 49 Millionen<br />
Perlen? So viele Bläschen schlummern in einer<br />
Champagner-Flasche und sie alle bilden die glitzernde<br />
Perlage mit dem lieblichen Aussehen und dem aufbrausenden<br />
Temperament. Wem der Inhalt wichtiger ist als<br />
der Knalleffekt, versucht so wenig wie möglich zu verschütten.<br />
Indem man den Korken festhält und stattdessen<br />
die Flasche langsam dreht, kontrolliert man die<br />
Druckwelle und schont Mobiliar und Gäste. Aber auch<br />
wer es gerne laut und überschäumend mag, befindet<br />
sich in bester Gesellschaft. Schon in Versailles war kein<br />
Kronleuchter sicher vor den lustigen Freunden von Louis<br />
XV, denen im Bild "Le Déjeuner d'huîtres" schon<br />
1735 der Champagnerkorken um die Ohren fliegt.<br />
Wie der König ist auch der Champagner ein Bien-<br />
Aimé, von Klassikern wie Ruinart, Moet Chandon und<br />
Dom Perignon bis zum Saldo-Testsieger Colligny Brut<br />
findet sich die richtige Wahl für festliche Momente in<br />
unseren Filialen und auf denner.ch/wein.<br />
DIE PERFEKTE<br />
GESCHMACKS<br />
Pol Caston<br />
Champagne AOC<br />
Colligny<br />
Champagne AOC<br />
ADVERTORIAL
DENNER<br />
EXPLOSION<br />
Moët & Chandon<br />
Impérial Brut AOC<br />
Dom Pérignon<br />
Vintage Brut<br />
Ruinart<br />
Champagner Brut
festive season / INTERVIEW<br />
Foto: Stefan Gergely<br />
70 falstaff dez–feb 2025
CONNOISSEUR<br />
PAWEL<br />
Seine Leidenschaft, die Kulinarik, lässt sich Pawel Mowlik schon mal eine<br />
Million Euro im Jahr kosten. In rund 200 Drei-Sterne-Lokalen hat er bereits<br />
gegessen, bei Paul Bocuse hat er selbst gekocht, mit vielen Köchen ist er<br />
freundschaftlich verbunden. Ein Gespräch über Geld, Genuss – und darüber,<br />
was er vermisst: den Geschmack von frisch gesalzenen Tomaten nämlich,<br />
wie sie nur die polnische Urgrossmutter serviert hat.<br />
TEXT CHRISTOPH SCHWARZ<br />
Pawel Mowlik zu Gast bei <strong>Falstaff</strong>:<br />
Auf Instagram ist der Millionär als<br />
@connoisseur_pawel bekannt.<br />
dez–feb 2025<br />
falstaff<br />
71
festive season / INTERVIEW<br />
ICH BIN EIN VERFECHTER<br />
DES HEDONISMUS. WIR<br />
DÜRFEN NICHT LUSTFEINDLICH<br />
WERDEN UND ICH BIN ÜBER-<br />
ZEUGT: EIN MANN IST DANN EIN<br />
RICHTIGER MANN, WENN ER<br />
SICH MIT ESSEN AUSKENNT.»<br />
Pawel Mowlik zu Gast bei <strong>Falstaff</strong><br />
in Wien: Seine Reisen zu den besten<br />
Köchen führen ihn rund um die Welt.<br />
Das kostet Geld: «Und ich bereue<br />
keinen Cent davon.»<br />
Pawel Mowlik wirkt zurückhaltend,<br />
ja fast schüchtern, als er<br />
den Raum betritt. Understatement<br />
nennt man das wohl bei<br />
einem Millionär. Wenn er von<br />
seiner Leidenschaft, dem Genuss, erzählt,<br />
dann aber beginnen seine Augen zu leuchten<br />
– und Mowlik zieht einen mit seinen<br />
Geschichten und Anekdoten in seinen Bann.<br />
Kein Wunder, dass der gebürtige Pole, dessen<br />
Weg ihn unter anderem nach Deutschland<br />
und in die <strong>Schweiz</strong> geführt hat, auf<br />
Social Media begeistert: Als @connoisseur_<br />
pawel hat er auf Instagram eine wachsende<br />
Fangemeinde, die ihn auf seinen Reisen begleitet.<br />
Diese zeigen Mowlik in den Küchen<br />
der angesagtesten Chefköche der Welt, die<br />
er vielfach zu seinen Freunden zählt. Rund<br />
200 Drei-Sterne-Lokale hat er besucht.<br />
Medial macht Mowlik immer wieder<br />
von sich reden, weil er vor allem eines<br />
ist: radikal offen und ehrlich. Und<br />
so berichtet er von seiner einstigen<br />
Kokain- und Alkoholabhängigkeit,<br />
als er in seinen Zwanzigern mit<br />
Hedgefonds zu Reichtum kam.<br />
Und von den unzähligen Entzie<br />
hungskuren. Heute hilft er ehrenamtlich<br />
und spricht an Schulen über emotionale und<br />
mentale Gesundheit, um Jugendliche vor jenen<br />
Fehlern zu bewahren, die er gemacht hat.<br />
Und um sie zu inspirieren, ihre Leidenschaft<br />
zu entdecken. Inspirierend sind auch seine<br />
Reisen zu den kulinarischen Top-Adressen –<br />
an denen er übrigens nicht nur isst, sondern<br />
(wie im «Noma», im «Miramar» und bei<br />
Paul Bocuse) manchmal auch selbst kocht.<br />
Pawel Mowlik auf der Suche<br />
nach dem perfekten Baguette.<br />
FALSTAFF Einen echten Connoisseur, was<br />
macht den eigentlich aus?<br />
PAWEL MOWLIK Grundsätzlich meint man<br />
damit einen «Kenner», aber das Schöne ist,<br />
dass es sich nicht auf Essen und Trinken<br />
beschränkt. Es meint Ästhetik, Kultur und<br />
Kunst, Musik und Literatur. Die schönen<br />
Dinge des Lebens. Für mich beginnt aber<br />
alles beim Essen. Ich sage immer: Ein Mann<br />
ist dann ein Mann, wenn er sich mit Essen<br />
auskennt. Das beginnt damit, wie er ein<br />
Stück Fleisch angreift. Und das Wichtigste:<br />
Ich lasse mich sehr gerne von Menschen<br />
inspirieren. Gerade bei Kulinarik kommt es<br />
immer auf den Menschen dahinter an.<br />
Sie schreiben auf Ihrem Instagram-Account:<br />
«Kulinarik ist Kunst.» Sind Köche Künstler?<br />
Oder Handwerker?<br />
Ein Künstler ist immer ein Handwerker.<br />
Ich sage gerne: Alles im Leben findet<br />
immer zweimal statt. Einmal im Kopf.<br />
Und dann bei der Verwirklichung in<br />
der Realität.<br />
Sie posten immer wieder Fotos von<br />
sich mit weltberühmten Köchen. Bei<br />
Fotos: Stefan Gergely, beigestellt<br />
72 falstaff dez–feb 2025
einem ganz Grossen haben Sie sogar ein<br />
Jahr lang gekocht und dafür Ihr bisheriges<br />
Leben hinter sich gelassen – bei Paul Bocuse.<br />
Für mich sind die Wurzeln wichtig. Irgendwie<br />
hat alles, was sich heute kulinarisch<br />
tut und wie man Essen zelebriert – von der<br />
Nordic Cuisine bis zur spanischen Bewegung<br />
–, in Frankreich begonnen. Mit 15 Jahren<br />
habe ich mich in die französische Küche<br />
verliebt. Ich habe bemerkt, dass sie weit<br />
über Ernährung hinausgeht. Sie ist Kulturerbe,<br />
sie ist Magie. Das hat mein Herz bewegt.<br />
Heni blam qui beriorepra nobitaq<br />
uibusandi commodi sequis iliquia<br />
conet es molorum fugiand aectia<br />
sumquos aut ea vellam ea cor as<br />
ipsam untori<br />
Und dann haben Sie bei Bocuse angerufen<br />
und gesagt: «Hier bin ich.»<br />
Nein, nein (lacht). Es hat ein Jahr gedauert,<br />
bis es geklappt hat. Und das, obwohl tolle<br />
Menschen für mich vorgesprochen haben.<br />
Ich habe mehrfach die gleiche Bewerbung<br />
hingeschickt, nie hat man mich zurückgerufen.<br />
Ich bin mir vorgekommen wie im<br />
Vatikan: Bocuse ist der kulinarische<br />
Papst – der ruft dich nicht einfach an.<br />
Dann hat es aber doch geklappt.<br />
Ja. Man darf seine Träume niemals<br />
aufgeben, man muss für sie kämpfen.<br />
Als es schliesslich so weit war,<br />
hätte ich jeden Tag weinen können,<br />
so herzlich hat mich das Küchenteam<br />
von Bocuse auf diese Reise mitgenommen.<br />
Jeden Morgen kam Monsieur Paul<br />
wie ein Gott herein, jeder hat ihm die<br />
Hand geschüttelt und ihn begrüsst. Ich habe<br />
gezittert, bin wie verliebt zu ihm hin. Die<br />
anderen dachten wohl: «Der Pole, der<br />
spinnt.» Irgendwann ist mein Traum wahr<br />
geworden, als er auf mich zukam und mein<br />
Muschelsüppchen gekostet hat. Er hat<br />
gesagt: «Pas mal.» («Nicht schlecht», Anm.)<br />
Das grösste Kompliment, das man von<br />
einem Jahrhundertkoch bekommen kann.<br />
Kurz darauf bat er mich zum Gespräch. Die<br />
lang ersehnte Audienz beim Papst. Ich war<br />
kreidebleich, konnte kaum sprechen. Ich<br />
war am Zenit meiner Leidenschaft. Dann<br />
hat er mir aufgetragen, ein polnisches Traditionsgericht<br />
zu kochen. «Bigos», habe ich<br />
geantwortet, eine Art Szegediner Gulasch.<br />
Das musste ich kochen. Das erste, das ich<br />
<<br />
Schnappschüsse mit den grossen Köchen<br />
der Welt: Yoann Conte (oben), Juan<br />
Amador (im Kreis), Paul Bocuse (rechts).<br />
Im Gespräch mit Michel Guérard, der<br />
erst unlängst verstarb. Für Mowlik<br />
«der letzte grosse Vertreter der<br />
Nouvelle Cuisine».<br />
dez–feb 2025<br />
falstaff<br />
73
festive season / INTERVIEW<br />
Wenn Mowlik zu Gast ist,<br />
stattet er am liebsten auch<br />
den Küchen einen Besuch ab –<br />
hier im Bild mit «Saucenkönig»<br />
Fritz Zehner.<br />
AUTHENTISCHE<br />
KÜCHE ERZÄHLT DIE<br />
KULTUR EINES LANDES.<br />
UND KEINE KULTUR IST<br />
WENIGER WERT ALS<br />
DIE ANDERE.»<br />
hat alles seinen Platz, auch Fast Food. Ich<br />
mag eine gut gemachte Currywurst oder<br />
einen guten Kebab. Auch das ist Kulinarik.<br />
<<br />
gemacht habe: Ich habe meine Mutter<br />
angerufen und das Rezept besorgt. Es ist<br />
ein tolles Gericht, das Kindheitserinnerungen<br />
weckt. Am besten ist es mit polnischem<br />
Brot und dick aufgetragener Butter.<br />
Wie geht es Ihnen mit der deutschen Küche?<br />
Sehr gut. Jedes Land hat seine Küche. Und<br />
das Authentische ist immer interessant. Weil<br />
es die Kultur und die Geschichte eines<br />
Landes erzählt. Und keine Kultur ist weniger<br />
wert als die andere. Die deutsche Küche ist<br />
doch wunderschön – vom Matjes im Norden<br />
bis zum Sauerbraten im Süden.<br />
Sie verwehren sich gegen die Zu schreibung<br />
des «Kritikers».<br />
Ja. Kritik ist klebrig. In allen Genres, aber<br />
insbesondere bei Köchen. Wir alle sind Menschen,<br />
wir produzieren nicht jeden Tag die<br />
gleichen Resultate. Es ist nicht schön, Menschen<br />
zu brandmarken. Wenn man Kritik<br />
hat, äussert man sie persönlich, nicht öffentlich.<br />
Das ist eine Stilfrage, die sich bei einem<br />
Connoisseur nicht stellt.<br />
In Medien ist zu lesen, dass Sie im Jahr<br />
eine Million Euro für Kulinarik ausgeben.<br />
Sie lächeln gerade. Ist Ihnen die Aussage<br />
rückblickend unangenehm?<br />
Mowlik über Stefan Heilemann:<br />
«Als wäre man in drei Welten<br />
gleichzeitig – in Paris, in Bangkok,<br />
im Schwarzwald.»<br />
Nein. Vielleicht war es sogar mehr als eine<br />
Million. Und ich bereue keinen Cent davon.<br />
Aber ich mache das nicht jedes Jahr: 2007<br />
habe ich in einem kulinarischen Marathon<br />
in nur einem Jahr alle Drei-Sterne-Restaurants<br />
der Welt besucht, 2014 war ich nochmals<br />
unterwegs. Diese Challenge stand auf<br />
meiner Bucket List. Es gibt Menschen, die<br />
sagen, dass man diese Summe anderweitig<br />
besser investieren könnte – etwa, indem man<br />
Menschen hilft. Darauf antworte ich: Ich<br />
helfe gerne, ich spende Geld. Aber deshalb<br />
muss ich nicht lustfeindlich werden. Ich bin<br />
ein Verfechter des Hedonismus. Und ich versuche<br />
auch, die Branche zu fördern, gerade<br />
auch junge Köche. Die Gastronomie hat es<br />
nicht leicht, viele arbeiten hier am Limit.<br />
Was macht ein perfektes Gericht aus?<br />
Es gab einen grossen Koch, den kaum<br />
jemand kennt: Charles Barrier. Er hat gesagt:<br />
«Ein Gericht ist perfekt, wenn man nichts<br />
mehr wegnehmen kann.» Dinge auf ihre<br />
Essenz zu reduzieren, das ist wichtig. Viele<br />
verzetteln sich: hier ein Schäumchen, da ein<br />
Schäumchen! Mit Komplexität gut zu<br />
kochen, das können nur wenige. Das alles<br />
lässt sich generell auf das Leben ummünzen:<br />
Auf Englisch nennt man das «to<br />
declutter» – entrümpeln. So wird man im<br />
Kopf frei für das Wesentliche.<br />
Wo muss man als Connoisseur derzeit<br />
unbedingt gegessen haben?<br />
Ich bin nicht objektiv. Ich lebe in Zürich und<br />
liebe Stefan Heilemann. Er ist ein aussergewöhnlicher<br />
Mensch und der «Widder» ist<br />
meine Seelenkantine. Heilemann kocht, als<br />
wäre man in drei Welten gleichzeitig – in<br />
Paris, in Bangkok und im Schwarzwald. Aber<br />
alles hat immer die bodenständige Note, die<br />
jenes Wohlgefühl auslöst, das wir alle letztendlich<br />
suchen. Heilemanns Gerichte heilen<br />
meine Seele – er ist quasi mein Leibarzt.<br />
Gibt es einen Geschmack Ihrer Kindheit, der<br />
in Ihnen das ultimative Wohlgefühl auslöst?<br />
Die einfache Küche meiner Urgrossmutter.<br />
Die Hühnersuppe, die sie mit Entenfleisch<br />
verfeinert hat, dazu handgeschnittene<br />
Nudeln. Und eines gibt es heute nicht mehr:<br />
den Geschmack einer Tomate, so wie sie<br />
damals in Polen geschmeckt hat. Ich erinnere<br />
mich, wie mir meine Urgrossmutter jeden<br />
Abend einen Teller mit geschnittenen Tomaten<br />
mit Salz und Pfeffer über die Schulter<br />
reicht. Diesen Geschmack kriege ich nie<br />
wieder. Aber ich habe ihn abgespeichert.<br />
Gibt es Produkte, die Sie nicht essen?<br />
Ich esse nichts von schlechter Qualität. Sonst <<br />
Fotos: beigestellt<br />
74 falstaff dez–feb 2025
THE ONE<br />
DAS GESCHENK, DAS SIE FÜR IMMER LIEBEN WERDEN.<br />
Ob unter den funkelnden Lichtern des Weihnachtsbaums, in der Küche – dem<br />
Herzstück eines jeden Hauses – oder auf der weihnachtlich gedeckten Festtafel:<br />
Le Creuset bietet das perfekte Geschenk für passionierte Köche, herzliche Gastgeber,<br />
kreative Backfans und genussvolle Weinliebhaber. Machen Sie Ihren Liebsten eine<br />
Freude, die wie für sie gemacht ist und die sie für immer lieben werden. Ein Präsent,<br />
das über Generationen hinweg ein Teil ihrer Tradition wird – THE ONE.<br />
www.lecreuset.com
festive season / 48-STUNDEN-KÜCHE<br />
Foto: Stocksy / Trinette Reed<br />
76 falstaff dez–feb 2025
ZUTAT<br />
ZEIT<br />
Kochen ist ein ideales Instrument zur Entschleunigung.<br />
Ob Schmoren, Fermentieren oder Reifen – dank langwieriger<br />
Kochtechniken sind grosser Genuss<br />
und ruhiger Geist garantiert.<br />
TEXT BENJAMIN HERZOG<br />
Gerade Winterzeit und<br />
Festtage erlauben es,<br />
aufwendigere Rezepte<br />
zu kochen. Belohnt<br />
wird man mit Gerichten<br />
mit besonderer<br />
geschmacklicher Tiefe.<br />
dez–feb 2025<br />
falstaff<br />
77
festive season / 48-STUNDEN-KÜCHE<br />
Was lange währt, wird<br />
endlich gut! Diese<br />
Weisheit lässt sich<br />
auf die Küche ganz<br />
einfach übertragen.<br />
Die grössten Genüsse brauchen ihre Zeit:<br />
ein behutsam geschmortes Fleischgericht,<br />
Brot aus langer Teigführung genauso wie<br />
selbst fermentiertes Sauerkraut.<br />
Viele Gerichte, die Zeit beanspruchen,<br />
wirken aus heutiger Sicht etwas verstaubt.<br />
Die Küche unserer Zeit ist schnell. Das<br />
sieht man auch an den unzähligen Kochbüchern,<br />
die unkompliziertes, schnelles<br />
Kochen bei vollem Geschmack propagieren.<br />
Doch wer sich je tiefer mit dem Kochen<br />
beschäftigt hat, der weiss: Die Zutat<br />
Zeit lässt sich durch nichts ersetzen, und<br />
Abkürzungen gehen immer auf Kosten des<br />
Resultats.<br />
ECHTE ENTSCHLEUNIGUNG<br />
Es ist nicht allein geschmackliche Tiefe, die<br />
bei schnell zubereiteten Gerichten auf der<br />
Strecke bleibt, sondern auch die entschleunigende<br />
Wirkung, die das Kochen auf uns<br />
Menschen ausüben kann. Wenn wir uns<br />
denn darauf einlassen! Gerade die Winterzeit<br />
und insbesondere die Festtage erlauben<br />
es uns, auch mal aufwendigere Gerichte in<br />
der Küche<br />
umzusetzen,<br />
die<br />
mehr als<br />
30 Minuten<br />
unseres Tages<br />
beanspruchen.<br />
In dieser Phase<br />
des Jahres kann sich<br />
hoffentlich jeder den<br />
vermeintlichen Luxus Zeit<br />
auch leisten.<br />
Paradebeispiel für das langsame,<br />
entschleunigende Kochen sind behutsam<br />
gegarte Fleischstücke. Niedertemperaturgaren<br />
war einst genauso im Trend wie die<br />
Sous-vide-Zubereitung im Vakuumbeutel,<br />
die eigentlich aus Effizienzgründen in der<br />
DIE ZUTAT ZEIT<br />
LÄSST SICH DURCH<br />
NICHTS ERSETZEN –<br />
UND ABKÜRZUNGEN<br />
GEHEN BEIM KOCHEN<br />
IMMER AUF KOSTEN<br />
DES RESULTATS.<br />
Gastronomie<br />
ihren Ursprung<br />
hat. Beide<br />
Prozesse<br />
erfordern ihre<br />
Zeit und belohnen<br />
die Geniesserinnen<br />
und Geniesser mit<br />
Zartheit und feinem<br />
Geschmack – wirklich<br />
sinnlich jedoch sind sie nicht. Der<br />
berechtigte Klassiker der langsam und<br />
behutsam zubereiteten Fleischgerichte ist<br />
und bleibt das Schmoren, also das<br />
lang same Garen von bindegewebsreichen<br />
Fleischstücken in Flüssigkeit.<br />
Wer ein traditionelles Bœuf bourguignon<br />
beherrscht, kann diese Technik für<br />
viele andere Köstlichkeiten aus weniger<br />
wertvollen Fleischstücken anwenden.<br />
Ossobuco, Brasato al Barolo oder der<br />
König der geschmorten Rindfleischgerichte,<br />
das Kalbskopfbäckchen. Die Vorfreude<br />
auf den Genuss dieser Gerichte wächst mit<br />
der Zubereitung – im Fall des erwähnten<br />
Bœuf bourguignon dauert sie je nach<br />
Rezept rund 30 Stunden.<br />
Für perfekte Zartheit und vollen<br />
Geschmack wird das Fleisch zuerst eine<br />
Nacht in Rotwein mariniert und erst am<br />
Fotos: Getty Images, Shutterstock<br />
78 falstaff dez–feb 2025
Milchsauer vergorenes Gemüse<br />
eignet sich hervorragend als<br />
Grundlage von Saucen, die auf<br />
die Festtagstafel passen.<br />
Folgetag behutsam darin geschmort.<br />
Ein wesentlicher Bestandteil des<br />
Rezepts ist die Garnitur aus Speck<br />
und kleinen Schalotten. Erst 15<br />
Minuten vor dem Servieren brät man<br />
dafür Speck und kleine Zwiebeln in<br />
einer separaten Pfanne an und gibt sie<br />
zum Gericht. Danach hat man noch<br />
genug Zeit, um sich einer Beilage zu<br />
widmen. Wer nach diesem Prozess nicht<br />
tiefenentspannt zu Tisch ruft, sollte sich<br />
wohl am Brotbacken probieren.<br />
OBSESSION SAUERTEIG<br />
Gerade während der Coronazeit sind viele<br />
Geniesserinnen und Geniesser dem<br />
Brotbackvirus verfallen, insbesondere das<br />
Backen mit Sauerteig hat wohl nicht<br />
wenige davor bewahrt, im Lockdown<br />
komplett durchzudrehen. Dass die Natur<br />
das Korn mit allem ausgestattet hat, was<br />
es braucht, um einen perfekten, köstlichen<br />
Laib Brot auf den Tisch zu zaubern, ist<br />
ebenso faszinierend wie fantastisch – als<br />
schnell hat man das allerdings nicht erlebt.<br />
Eine ganze Woche dauert alleine das<br />
Anzüchten eines eigenen Anstellguts. Man<br />
beobachtet die erste Aktivität im Glas,<br />
füttert den Teig schliesslich täglich mit<br />
Wasser und Mehl, um dann endlich seine<br />
Triebkraft zu erleben. Der immer wieder<br />
herbeigezogene Vergleich mit einem<br />
urzeitlichen Tamagotchi können<br />
Sauerteigenthusiasten gut nachvollziehen.<br />
Das beschriebene Prozedere<br />
ist nur die Vorstufe des eigentlichen<br />
Rezepts, das wiederum selbst<br />
seine Zeit beansprucht. Wer einen<br />
aktiven Sauerteig sein Eigen nennt,<br />
braucht ein freies Zeitfenster von gut 48<br />
Stunden, um Brot herzustellen. Natürlich,<br />
Sauerteigbrote gibt es auch beim Bäcker<br />
zu kaufen, doch entschleunigend wirken<br />
sich diese höchstens auf unsere Verdauung<br />
aus. Der Geist bleibt unbefriedigt.<br />
DAS GROSSE FERMENTIEREN<br />
Zu den langwierigen Prozessen in der<br />
Genusswelt gehören das Fermentieren und<br />
meist in Verbindung damit auch das<br />
Reifen von Lebensmitteln. Bei Wein oder<br />
Käse ist es sicher gut, diese Prozesse aus<br />
der heimischen Küche auszulagern, bei<br />
<<br />
Sauerkraut selbst zu machen, ist<br />
keine Hexerei – erfordert neben<br />
Kraut, Wasser und Salz aber eine<br />
ganz entscheidende Ingredienz:<br />
mehrere Wochen Zeit.<br />
dez–feb 2025<br />
falstaff<br />
79
festive season / 48-STUNDEN-KÜCHE<br />
Einen selbst gemachten<br />
Laib Brot anzuschneiden,<br />
ist absolut befriedigend –<br />
gekauftes Brot kann da nie<br />
mithalten.<br />
DIE KOCHZUTAT ZEIT<br />
SCHEINT IM<br />
ALLTAG HEUTE WENIG<br />
BEDEUTUNG ZU HABEN.<br />
WIR SOLLTEN IHRE<br />
QUALITÄT IN VOLLEN<br />
ZÜGEN GENIESSEN.<br />
<<br />
fermentierten Gemüsen aber tut sich<br />
eine eigene, spannende Welt auf, die dem<br />
Wunder des Sauerteigs nahe kommt. Das<br />
Grundrezept für milchsauer vergorenes<br />
Gemüse ist einfach: Das zu fermentierende<br />
Produkt wird entweder trocken im<br />
Vakuumbeutel oder in einem Fermentationsbehälter<br />
mit Wasser und zwei Prozent<br />
Salz angesetzt. Dann heisst es warten.<br />
Je nach Temperatur dauert die Gärung<br />
von Gemüse etwa eine Woche, danach<br />
folgt eine Reifung, eine Harmonisierung,<br />
die je nach Gemüsesorte ein paar Tage<br />
oder mehrere Woche dauern kann. Neben<br />
klassischem Sauerkraut eignen sich für erste<br />
Fermentationsversuche im Winter etwa<br />
Karotten oder Blumenkohl. Diese sind in<br />
Kombination mit Mayonnaise und Gewürzen<br />
eine wunderbare Grundlage für eine<br />
Remouladensauce, wie sie zum Fleischfondue<br />
oder auch zum Weihnachtsschinken<br />
hervorragend passt. Oder wie wär’s mit<br />
hausgemachtem Kimchi?<br />
Die Kochzutat Zeit scheint im Alltag<br />
heute wenig Bedeutung zu besitzen. Die<br />
ruhige Zeit zum Jahreswechsel ist wie<br />
gemacht, um ihre Qualität in vollen Zügen<br />
zu geniessen.<br />
<<br />
Die ruhige Zeit zum<br />
Jahreswechsel erlaubt es uns<br />
auch, mal wieder aufwendigere<br />
Speisen zuzubereiten.<br />
Fotos: StockFood / Bauer Media, Sonja, Shutterstock, Westend61 / Addictive Stock / Virginia Martin, picture alliance / Zoonar, seasons.agency / Gräfe & Unzer Verlag / Neubauer, Mathias<br />
80 falstaff dez–feb 2025
BŒUF BOURGUIGNON<br />
FÜR 4–5 PERSONEN / KOCHSTART: MIN. 30 STUNDEN VOR DEM ESSEN<br />
Schmorgerichte sind für meditatives Kochen perfekt geeignet. Wer das klassische<br />
Bœuf bourguignon beherrscht, kann sich an ausgefallenere Schmorstücke wagen.<br />
ZUTATEN<br />
1 kg Rindfleisch zum Schmoren (Schulter)<br />
150 g Räucherspeck, in Würfeln/Stiften<br />
2 mittelgrosse Zwiebeln<br />
2 mittelgrosse Karotten<br />
3 Knoblauchzehen<br />
1 l Rotwein<br />
Petersilie<br />
2 Lorbeerblätter<br />
1 Thymianzweig<br />
30 g Mehl<br />
Öl zum Braten<br />
Salz, Pfeffer<br />
Butter<br />
300 g frische Silberzwiebeln oder kleine Schalotten<br />
300 g Champignons<br />
AM VORTAG<br />
– Rindfleisch in grosse Würfel schneiden<br />
(ca. 4–5 cm)<br />
– Karotten schälen und in dicke Scheiben schneiden<br />
– Zwiebeln schälen und in grosse Stücke schneiden<br />
– Knoblauchzehen zerdrücken und schälen<br />
– Einige Petersilienstängel, Thymian und Lorbeerblätter<br />
zu einem Sträusschen binden (Bouquet<br />
garni).<br />
– Fleischstücke in eine Schüssel geben, salzen<br />
und pfeffern, Karotten, Zwiebeln, Knoblauch und<br />
das Bouquet garni hinzufügen.<br />
– Den Rotwein darüber giessen. Alles muss komplett<br />
bedeckt sein. Zugedeckt für mindestens<br />
12 Stunden im Kühlschrank ziehen lassen.<br />
AM NÄCHSTEN TAG<br />
– Fleisch durch ein Sieb abschütten und Sud in<br />
separater Schüssel auffangen.<br />
– Fleischstücke herausnehmen und mit Küchenpapier<br />
trocken tupfen.<br />
– Etwas Öl im Bräter erhitzen und die Fleischstücke<br />
rundum gleichmässig anbraten.<br />
Bevor es ans Schmoren<br />
geht, darf das Fleisch<br />
für zwölf Stunden im<br />
Rotwein ruhen.<br />
– Fleischstücke herausnehmen.<br />
– Im Bräter die abgetropften Karotten und Zwiebeln<br />
anbraten. Fleisch hinzufügen, mit Mehl bestäuben<br />
und die Masse unter Wenden vermengen.<br />
Den Rotweinsud und das Bouquet garni hinzufügen,<br />
vermengen und abgedeckt bei kleiner<br />
bis mittlerer Hitze ca. 2,5 Stunden auf kleiner<br />
Flamme schmoren lassen.<br />
ETWA EINE STUNDE VOR ENDE<br />
DER GARZEIT<br />
– Speckwürfel in einer Bratpfanne anbraten und<br />
herausnehmen.<br />
– Die kleinen Schalotten und Butter in die Bratpfanne<br />
geben und langsam goldgelb karamellisieren<br />
lassen und herausnehmen.<br />
– Butter in die Bratpfanne geben und die geviertelten<br />
Champignons dazugeben. Ca. 8–<strong>10</strong> Minuten<br />
köcheln lassen.<br />
– Speck und Schalotten hinzugeben und mischen<br />
ETWA 15 MINUTEN VOR ENDE DER GARZEIT<br />
– Bouquet garni aus dem Bräter entfernen.<br />
– Die Champignonmischung in den Bräter geben,<br />
vermengen und noch ca. <strong>10</strong> Minuten mitköcheln<br />
lassen.<br />
Vor dem Servieren mit gehackter Petersilie<br />
bestreuen. Dazu passt Kartoffelpüree.<br />
dez–feb 2025<br />
falstaff<br />
81
festive season / JESUS<br />
FALSTAFF SERIE<br />
Teil 38<br />
«WENN DU EIN ESSEN<br />
GIBST, DANN LADE<br />
DIE ARMEN EIN»<br />
Aus der Bibel wissen wir, was die Menschen zu Lebzeiten Jesu<br />
im Heiligen Land gegessen haben – und wohl auch er selbst. Doch<br />
dem Gottessohn war nicht wichtig, was er ass: Auf die Gemeinschaft<br />
kam es ihm an, in der er sein Mahl zu sich nahm.<br />
TEXT JUDITH HECHT<br />
Don Colbert ist in den USA ein<br />
bekannter Mann. Mit seinem<br />
Diätbuch «What would Jesus<br />
eat» landete der Arzt aus<br />
Florida 2005 einen Verkaufsschlager.<br />
In unzähligen TV-Shows und<br />
Zeitungsinterviews erklärte er nicht nur,<br />
wie man so rank und schlank wie Jesus<br />
werden, sondern auch, wie man «göttliche<br />
Gesundheit» im umfassenden Sinn erlangt.<br />
«Wenn Sie Jesus wirklich in alle Bereiche<br />
Ihres Lebens lassen wollen, können Sie Ihre<br />
Essgewohnheiten nicht ignorieren», schrieb<br />
er. «Jesus bei Ihrer Ernährung zu folgen, erfordert<br />
die Bereitschaft zur Veränderung, die<br />
Bereitschaft, so zu sein, wie Gott Sie geschaffen<br />
hat, und die Bereitschaft, Ihre Wünsche<br />
den Anweisungen Gottes zu unterwerfen.<br />
Gott wiederum wird das honorieren, indem<br />
er Ihnen Energie, Gesundheit und Wohlbefinden<br />
schenkt», predigte «America’s #1<br />
Doctor» – wie er sich selbst schon in der Einleitung<br />
des Buches bezeichnet – und sprach<br />
damit Hunderttausende Menschen an.<br />
Wie der Erlöser solle man viel Gemüse,<br />
Obst, Hülsenfrüchte, Fisch und Brot essen,<br />
empfiehlt Colbert, und zwar stets langsam<br />
und am besten im Kreise von Familie<br />
und Freunden. Fleisch sollte nur selten auf<br />
den Tisch kommen, und wenn, dann von<br />
koscheren Tieren, von Kühen, Schafen und<br />
Ziegen. Auch Hühnerfleisch ist erlaubt.<br />
Kuchen und Torten sind verboten, aber das<br />
Verlangen nach Süssem darf mit ein paar<br />
Datteln, Feigen und Honig gestillt werden.<br />
Am allerwichtigsten sei es jedoch, sich vor<br />
jedem Bissen zu fragen: «Hätte das auch<br />
Jesus gegessen?»<br />
Bleibt die Frage, woher Colbert wissen<br />
will, was Jesus vor über 2000 Jahren<br />
<<br />
Foto: Allstar / George Stevens Productions<br />
82 falstaff dez–feb 2025
Alle Teile der Serie unter<br />
go.falstaff.com/kunstkulinarik<br />
Ein Hollywood-Klassiker: «Die grösste Geschichte<br />
aller Zeiten» aus dem Jahr 1965 erzählt die<br />
Lebensgeschichte Jesu – mit Max von Sydow in<br />
der Hauptrolle. Im Bild eins der wohl bekanntesten<br />
Dinner aller Zeiten: Das letzte Abendmahl.<br />
dez–feb 2025<br />
falstaff<br />
83
festive season / JESUS<br />
Der auferstandene Jesus mit seinen Jüngern (auf<br />
einem Gemälde von Raffael): 153 Fische fingen sie auf<br />
mysteriöse Weise an jenem Tag – ohne dass das Netz<br />
riss. Rechts: Leonardo da Vincis «Das letzte Abendmahl»,<br />
das bis heute das Refektorium des Dominikanerklosters<br />
Santa Maria delle Grazie in Mailand schmückt.<br />
Fladenbrot<br />
Ein Rezept für Brot, wie es Jesus und<br />
seine Freunde damals gegessen haben<br />
könnten:<br />
ZUTATEN<br />
2 Tassen Gerstenmehl<br />
1 TL Salz<br />
50 g Öl<br />
½ Tasse lauwarmes Wasser<br />
ZUBEREITUNG<br />
– Die Zutaten zu einem festen Teig verrühren<br />
und kräftig kneten, bis er Blasen<br />
wirft. Zehn kleine Kugeln formen<br />
und zu dünnen Fladen zurechtdrücken.<br />
– In einer sehr heissen, eingefetteten<br />
Pfanne von beiden Seiten backen,<br />
bis sie braunfleckig werden. Sofort<br />
servieren.<br />
<<br />
gegessen und welche Ernährungsgebote<br />
er befolgt hat. Die Antwort ist einfach: Der<br />
Bestsellerautor hat, wie er selbst sagt, die<br />
Bibel gelesen, um die Essgewohnheiten von<br />
Jesus zu erforschen.<br />
Tatsächlich finden sich im Alten und im<br />
Neuen Testament zahlreiche Stellen, die<br />
Auskunft geben, was im Alltag und bei<br />
Festmählern in der römischen Provinz<br />
Galiläa, in der Jesus gelebt hat, auf den<br />
Tisch kam. Darüber hinaus wissen wir<br />
genau, welches Getreide, Gemüse und Obst<br />
im Heiligen Land im ersten Jahrhundert<br />
nach Christus angepflanzt wurde und welche<br />
Tiere die Bauern hielten.<br />
VIELE BIBELSTELLEN<br />
Brot zählte zweifellos zu den wichtigsten<br />
Grundnahrungsmitteln. Teige wurden aus<br />
Weizen- und Gerstenmehl gemacht und mit<br />
Olivenöl, Salz und manchmal mit Honig<br />
und Rosinen verfeinert. Meist wurden die<br />
Fladen und Laibe in kleinen gewölbten<br />
Lehmöfen, die heute noch im Nahen Osten<br />
verwendet werden, gebacken. Doch Brot<br />
war für Jesus und alle, die ihm folgten,<br />
mehr als eine Speise, die satt macht. Es war<br />
geistige Nahrung. Beim letzten Abendmahl<br />
brach Jesus das Brot, teilte es mit seinen<br />
Jüngern und sprach: «Das ist mein Leib,<br />
der für euch gegeben wird.» So wurde Brot<br />
nicht nur ein Symbol für die Gemeinschaft,<br />
die miteinander alles teilt, was sie hat; es<br />
wurde auch Sinnbild für Jesus Christus<br />
selbst, sein Wirken und seine Wunder.<br />
So wird in den Evangelien von wundersamen<br />
Brotvermehrungen berichtet, die<br />
Jesus am Ufer des See Genezareth vollbracht<br />
hat. Eine hungrige Menschenmenge<br />
war dem Messias dahin gefolgt, nachdem<br />
er über das Reich Gottes gesprochen hatte.<br />
«Gebt ihnen zu essen», soll Jesus zu seinen<br />
Jüngern gesagt haben (Mk, 6,37). Diese<br />
entgegneten, dass sie nur fünf Gerstenbrote<br />
und zwei Fische gefunden hätten. Das sei<br />
viel zu wenig, um allen etwas geben zu können.<br />
«Lasst die Leute sich setzen!», befahl<br />
Jesus daraufhin.<br />
Was dann geschah, beschrieb der Evangelist<br />
Johannes am ausführlichsten: »Da<br />
setzten sie sich; es waren etwa fünftausend<br />
Männer. Dann nahm Jesus die Brote, sprach<br />
das Dankgebet und teilte an die Leute aus,<br />
so viel sie wollten; ebenso machte er es mit<br />
den Fischen. Als die Menge satt geworden<br />
war, sagte er zu seinen Jüngern: ‹Sammelt<br />
die übrig gebliebenen Brocken, damit nichts<br />
verdirbt!› Sie sammelten und füllten zwölf<br />
Körbe mit den Brocken, die von den fünf<br />
Gerstenbroten nach dem Essen übrig waren.<br />
Als die Menschen das Zeichen sahen,<br />
das er getan hatte, sagten sie: ‹Das ist wirklich<br />
der Prophet, der in die Welt kommen<br />
soll.›« (Joh 6,<strong>10</strong>–14).<br />
Fotos: bpk / Victoria and Albert Museum, London, bpk / Alinari Archives / Ranzani Mauro, ddp images, scott rodgerson / unsplash, beigestellt<br />
84 falstaff dez–feb 2025
Dieses Gleichnis ist übrigens all jenen ein<br />
Dorn im Auge, die der Überzeugung sind, Jesus<br />
sei Vegetarier oder sogar Veganer gewesen.<br />
Denn er hätte wohl kaum die Menschen<br />
mit Fisch genährt, wäre er ein überzeugter<br />
Vegetarier gewesen. Aber auch sonst finden<br />
sich keinerlei Belege für die Vegetarier-These.<br />
Im Gegenteil: Auch nach seiner Auferstehung<br />
ass Jesus «ein Stück gebratenen Fisch»<br />
vor den Augen der Jünger, um ihnen zu zeigen,<br />
dass er tatsächlich wieder am Leben sei.<br />
Auch Fleisch dürfte Jesus gegessen haben,<br />
aber – wie zu dieser Zeit üblich – nur<br />
zu besonderen Anlässen. Auch dafür gibt<br />
es in der Bibel Belege: Im Gleichnis vom<br />
verlorenen Sohn (Lukas 15, 1–3.11–32)<br />
etwa lässt der Vater sogleich ein Mastkalb<br />
schlachten, um die Rückkehr seines Sohnes<br />
gebührend zu feiern. Traditionell wurde<br />
auch beim Pascha fest Lammfleisch gereicht.<br />
Da Jesus an dem Fest teilnahm – das letzte<br />
JESUS WAR KEIN<br />
VEGETARIER, ER ASS<br />
FISCH UND FLEISCH.<br />
UND ER TRANK WEIN.<br />
GEZÄHLTE 37 MAL<br />
KOMMT WEIN IN DER<br />
BIBEL VOR.<br />
Abendmahl fand während des Paschafestes<br />
statt –, ist wahrscheinlich, dass auch er<br />
Lamm gegessen hat.<br />
Weder mit seinem Fisch- noch mit seinem<br />
Fleischkonsum verstösst er gegen die zahlreichen<br />
Speisegebote des Alten Testaments:<br />
«Alles Lebendige, das sich regt, soll euch<br />
zur Nahrung dienen. Alles übergebe ich<br />
euch wie die grünen Pflanzen (Gen 9, 2–3)»,<br />
sagte Gott zu Noah, nachdem dieser so viele<br />
Tiere wie möglich auf der Arche vor der<br />
Sintflut in Sicherheit gebracht hatte. «Denn<br />
die Lebenskraft des Fleisches sitzt im Blut»,<br />
heisst es im Buch Levitikus. Und was noch<br />
lebendig ist, darf nicht verzehrt werden.<br />
VIEL WEIN, MEIST VERDÜNNT<br />
Auch gegen den Genuss von Fischen aller<br />
Art gibt es, so liest man ebendort, mit wenigen<br />
Ausnahmen nichts einzuwenden: «Alle<br />
Tiere mit Flossen und Schuppen, die im Wasser,<br />
in Meeren und Flüssen leben, dürft ihr<br />
essen», sagte der Herr zu Mose und Aaron.<br />
Das heisst: Tintenfische, Aale und Krebse<br />
kamen nicht auf den Speiseplan Gläubiger,<br />
weil sie nicht unter diese Definition fallen.<br />
Sicher ist, dass Jesus und die Apostel regelmässig<br />
Wein tranken, wenngleich – wie<br />
bei den Griechen, Römern und Israeliten<br />
üblich – mit Wasser verdünnt. Bei der<br />
Hochzeit zu Kana verwandelte er sogar<br />
Wasser zu Wein, als dieser bei der ausgelassenen<br />
Feier ausgegangen war. Höchste<br />
sakrale Bedeutung verlieh Christus dem<br />
Wein beim letzten Abendmahl, indem er ihn<br />
zum Symbol seines eigenen Blutes erklärte.<br />
Bibelforscher sind überzeugt, dass der meist<br />
rote Rebensaft alkoholhaltig war. In 33 der<br />
37 Stellen, in denen im Neuen Testament<br />
von Wein gesprochen wird, wurde das<br />
griechische Wort «oinos» dafür verwendet,<br />
das ausschliesslich den gegorenen Saft der<br />
Beeren der Weinrebe bezeichnet.<br />
Ob Fisch, Fleisch, Brot, Datteln oder<br />
Wein: Jesus war kulinarisch bescheiden.<br />
Wichtig war ihm, seinen Hunger in der<br />
Gemeinschaft zu stillen und dabei jeden<br />
<<br />
Jesus war oft bei anderen<br />
zu Gast – und speiste mit<br />
Aussätzigen, Geächteten und<br />
Sündern. Links: Mit «What<br />
would Jesus eat» landete<br />
der US-amerikanische<br />
Autor Don Colbert<br />
im Jahr 2005 einen<br />
Verkaufsschlager.<br />
dez–feb 2025<br />
falstaff<br />
85
festive season / JESUS<br />
Der Ölberg in Jerusalem, auf dem der Überlieferung<br />
zufolge die Himmelfahrt Jesu 40 Tage nach seiner<br />
Auferstehung stattfand. Rechts oben: Das Gesicht des<br />
historischen Jesus, wie es Forensiker rekonstruiert<br />
haben. Ein stämmiger Mann mit olivfarbener Haut und<br />
einer Körpergrösse von 1,55 Metern.<br />
DAS LEBEN<br />
VON JESUS<br />
CHRISTUS<br />
• Unser Wissen über das Leben Jesu<br />
basiert vor allem auf den Evangelien von<br />
Matthäus, Markus, Lukas und Johannes,<br />
die Eingang in den Kanon des Neuen<br />
Testaments gefunden haben. Sie haben<br />
das Jesus-Bild geprägt. Was an den<br />
Evangelien fiktiv und was historisch<br />
ist, ist umstritten. Dass Jesus existiert<br />
hat, darüber sind sich Historiker jedoch<br />
weitgehend einig.<br />
• Der Legende nach wurde Jesu in der<br />
Nacht vom 24. auf 25. Dezember im Jahre<br />
0 in Bethlehem geboren. Wohlgemerkt<br />
wurde erst 525 n. Chr. diese Geburt zum<br />
Nullpunkt der Zeitrechnung gemacht.<br />
Laut biblischer Überlieferung herrschte<br />
zu Zeiten von Jesu Geburt König Herodes<br />
in Israel. Nachdem dieser im Jahr<br />
4 v. Chr. starb, gehen Historiker davon<br />
aus, dass Jesus zwischen 6 bis 4 v. Chr.<br />
zur Welt kam. Nach seiner Geburt zog er<br />
mit seinen Eltern Josef und Maria nach<br />
Nazareth in Galiläa, wo er seine Kindheit<br />
verbrachte. Nach Markus hatte Jesus vier<br />
Brüder namens Jakobus, Joses, Judas<br />
und Simon – sowie einige nicht benannte<br />
Schwestern.<br />
<<br />
Einzelnen die Nähe Gottes spüren zu lassen<br />
und vom Reich Gottes, von Vergebung,<br />
von Nächsten- und Feindesliebe zu sprechen.<br />
Der charismatische Prediger war oft Gast<br />
und lud sich auch selbst ein – bei Freund wie<br />
bei Feind. Das gemeinsame Essen im Hause<br />
des Pharisäers Simon nutzte er etwa, um seinem<br />
Gastgeber zu erklären, wer die rechten<br />
und wer die falschen Gäste seien: «Wenn<br />
du mittags oder abends ein Essen gibst, so<br />
lade nicht deine Freunde oder deine Brüder,<br />
deine Verwandten oder reiche Nachbarn ein;<br />
sonst laden auch sie dich ein, und damit ist<br />
dir wieder alles vergolten. Nein, wenn du ein<br />
Essen gibst, dann lade Arme, Krüppel, Lahme<br />
und Blinde ein. Du wirst selig sein, denn<br />
sie können es dir nicht vergelten; es wird dir<br />
vergolten werden bei der Auferstehung der<br />
Gerechten.» (Lk 14, 12–16).<br />
UNABWENDBARES LEID<br />
Und Jesus selbst lebte vor, was er Simon ans<br />
Herz gelegt hatte. Er bat Aussätzige, Geächtete,<br />
Diebe und Sünder, mit ihm zu essen.<br />
All das brachte seine Gegner nur noch<br />
mehr gegen ihn auf. Sie verteufelten ihn als<br />
Fresser und Weinsäufer, als Freund von<br />
Zöllnern und Sündern. Doch Jesus beachtete<br />
sie nicht, wusste er doch, welch unabwendbares<br />
Leid ihm bevorstand. Bevor ihn<br />
Judas Ischariot an die Hohenpriester verriet,<br />
er verhaftet und von Pontius Pilatus zum<br />
Tode verurteilt wurde, nahm er bei einem<br />
letzten Abendmahl von seinen Jüngern Abschied.<br />
Er teilte mit ihnen das Brot, reichte<br />
einen Kelch mit Wein, sprach ein Dankgebet<br />
und sagte: «Tut dies zu meinem Gedächtnis»<br />
(Lk 22,14–23). So geschah es: Die Eucharistie,<br />
also das Abendmahl, wurde zum<br />
Kernstück des christlichen Glaubens und<br />
vergegenwärtigt die Lebenshingabe Jesu am<br />
Kreuz und seine Auferstehung. So gedenken<br />
Christen Jesu in der heiligen Messe, wenn<br />
sie die Kommunion empfangen.<br />
Aber vielleicht denken sie auch noch ab<br />
und zu, wenn die Messe vorbei ist und sie<br />
vor der Kirche miteinander plaudern und<br />
lachen, an die Worte des Predigers Salomo<br />
im Buch Kohelet. Sie lauten: «Also: Iss<br />
freudig dein Brot und trink vergnügt deinen<br />
Wein; was du tust, hat Gott längst so festgelegt,<br />
wie es ihm gefiel.»<br />
<<br />
• Über Jesu Jugendzeit ist kaum etwas<br />
bekannt. Mit etwa 30 Jahren begann<br />
er, öffentlich zu predigen, nachdem ihn<br />
Johannes der Täufer am Fluss Jordan<br />
getauft hatte. In den folgenden drei<br />
Jahren zog Jesus mit seinen Anhängern<br />
durch Galiläa, Judäa und Samaria, heilte<br />
Leidende, half Armen und sprach über<br />
Gott, Liebe, Vergebung, Barmherzigkeit<br />
und Gerechtigkeit. Zu seinen bekanntesten<br />
Predigten zählt die Bergpredigt<br />
(Matthäus 4–7), in der er seinen Jüngern<br />
den Willen Gottes darlegt.<br />
• Von seinen Lehren fühlten sich die<br />
Machthaber bedroht. Während des<br />
Paschafestes wurde Jesus verhaftet<br />
und vor den Rat der Hohenpriester gestellt.<br />
Der römische Statthalter Pontius<br />
Pilatus verurteilte ihn zum Tod durch<br />
Kreuzigung. Diese fand zwischen 30 und<br />
33 n. Chr. in Golgota statt und ist auch in<br />
ausserbiblischen Quellen beschrieben.<br />
Laut den Berichten der Evangelisten<br />
wurde Jesus am dritten Tag nach seinem<br />
Tod von den Toten auferweckt. Er gab<br />
den Jüngern die Anweisung, seine<br />
Botschaft weiter zu verkünden. Nach<br />
40 Tagen soll Jesus Christus in den<br />
Himmel aufgefahren sein und sein irdisches<br />
Leben damit beendet haben.<br />
Fotos: Shuttertstock, Getty Images<br />
86 falstaff dez–feb 2025
BADEN-BADEN<br />
The good-good life.
festive season / EIERLIKÖR<br />
Eier, Getreidebrand, Zucker, Honig<br />
und Milch oder Rahm: Das Rezept<br />
für Eierlikör ist simpel.<br />
Foto: StockFood / Kutschka Christian<br />
88 falstaff dez–feb 2025
EIN<br />
Er ist heiss umstritten – und in der festlichen<br />
Zeit aus vielen Haushalten dennoch nicht<br />
wegzudenken. Mit der Rückbesinnung auf<br />
traditionelle Gerichte hat der Eierlikör zuletzt<br />
ein Revival gefeiert. Warum er einst Grund<br />
für einen bewaffneten Aufstand war und<br />
wieso er eigentlich aus Südamerika kommt.<br />
TEXT CHRISTOPH SCHWARZ<br />
GLASCHEN<br />
NOSTALGIE<br />
:<br />
dez–feb 2025<br />
falstaff<br />
89
festive season / EIERLIKÖR<br />
Fixer Bestandteil des Weihnachtsfestes – und mit<br />
grossem Nostalgiefaktor: in Europa als Eierlikör,<br />
in den USA als Eggnog-Cocktail.<br />
Am Morgen des<br />
25. Dezembers<br />
brach der Aufstand<br />
los. Und der Eierlikör<br />
war schuld daran. Nein, das<br />
ist keine Beschreibung einer aus dem Ruder<br />
gelaufenen Familienfeier! Tatsächlich spielt<br />
das Getränk eine entscheidende Rolle in<br />
einem Militäraufstand in den USA, der<br />
unter dem Namen «Eggnog Riot» in die<br />
Geschichte einging.<br />
Der Eierlikör, konkret Eggnog, war<br />
in der US-amerikanischen Armee ein<br />
beliebtes Getränk – so beliebt, dass der<br />
Kommandant der Militärakademie in<br />
West Point seinen Kadetten im Jahr 1826<br />
den Konsum verbot. Die jungen Soldaten<br />
liessen sich das nicht gefallen, bestachen<br />
einen Wachmann und schummelten den<br />
Alkohol in ihre Unterkünfte. Am 24.<br />
Dezember wurde ausgelassen gefeiert,<br />
bis die Vorgesetzten tadelnd auf den Plan<br />
traten. Die Kadetten griffen zu Bajonetten,<br />
Musketen, Schwertern, Stöcken und<br />
Steinen, es folgten ein Schusswechsel,<br />
Verhaftungen – und letztendlich wurden<br />
elf Soldaten vor ein Kriegsgericht gestellt<br />
und verurteilt.<br />
Umstritten ist der<br />
Eierlikör auch heute<br />
noch, allerdings eher ob<br />
seiner kulinarischen Qualitäten.<br />
Den einen kommt der cremige Likör<br />
unter keinen Umständen ins Glas, die anderen<br />
lieben ihn, gerade an hohen Feiertagen<br />
wie Weihnachten oder Ostern. Rund 50<br />
Prozent des jährlichen Absatzes, konstatieren<br />
auch die Hersteller, konzentrieren sich<br />
auf diese wenigen Tage.<br />
Zu unterscheiden ist zwischen Eggnog<br />
und Eierlikör. Ersterer ist eigentlich ein<br />
Cocktail, der mit Rum, Whisky, Bourbon<br />
oder Cognac als Leitspirituose gemixt wird<br />
und der neben dem Ei auch Rahm oder<br />
Milch und Zucker beinhaltet – und den<br />
man warm oder kalt geniesst. Der Eierlikör<br />
hingegen bezieht seinen Alkohol im Normalfall<br />
aus einem Getreidebrand<br />
und besteht darüber hinaus<br />
nur aus Ei und Zucker<br />
Ein Eierlikör-Festgelage<br />
als Gemälde: 1826<br />
sorgte das Getränk zu<br />
Weihnachten für einen<br />
Aufstand im US-Militär.<br />
oder Honig. Erst seit einiger Zeit erlaubt<br />
die Europäische Spirituosenverordnung<br />
auch die Zugabe von Milchprodukten.<br />
Ob der Eggnog in den USA oder in<br />
Grossbritannien erfunden wurde, darüber<br />
lässt sich streiten, genauso wie über seinen<br />
Namen. Eine Theorie besagt, dass das Wort<br />
eine Verballhornung aus Egg und Grog<br />
ist – jenem Namen, den Rum in der Kolonialzeit<br />
in den USA trug. Angeblich ist gar<br />
ein Hausrezept des einstigen US-Präsidenten<br />
George Washington überliefert.<br />
SPUR IN DEN AMAZONAS<br />
Der Eierlikör wiederum wird auch Advocaat<br />
genannt. Und damit kommt man auch<br />
seinen Ursprüngen, die deutlich älter sind<br />
als gedacht, auf die Spur: Eine Theorie besagt,<br />
dass der Eierlikör, der einst<br />
ein Getränk der Oberschicht<br />
war, vor allem<br />
bei niederländischen<br />
Anwälten, also<br />
Advokaten, beliebt<br />
war. Andere<br />
wiederum<br />
glauben, zu<br />
wissen, dass<br />
Fotos: Getty Images, mauritius images / Alamy Stock Photos / LightField Studios, Richard Foss, Lukas Lienhard / Boris Müller<br />
90 falstaff dez–feb 2025
der Name A(d)vocaat auf seine lateinamerikanische<br />
Herkunft verweist: Die Niederländer<br />
seien im Amazonasgebiet einst auf<br />
Ureinwohner getroffen, die einen cremigen<br />
Likör aus dem Fruchtfleisch cremiger<br />
Avocados zubereiteten und «Abacate»<br />
nannten. Die Kolonialisten brachten es<br />
mit nach Europa – und experimentierten<br />
in Ermangelung von Avocados mit Eidotter.<br />
Die ersten Produzenten gab es in den<br />
Niederlanden im Jahr 1616.<br />
VERSTAUBTES IMAGE<br />
Auch im deutschsprachigen Raum ist das<br />
Getränk bis heute beliebt, vor allem – das<br />
ist kein Vorurteil – bei Frauen, die 80 Prozent<br />
der Käufer ausmachen. Zu den traditionsreichsten<br />
Herstellern zählt Verpoorten.<br />
Das deutsche Unternehmen, dessen Werbeslogan<br />
«Ei, Ei, Ei, Verpoorten» einst Kult<br />
war, begeht bald sein 150-Jahre-Jubiläum<br />
und ist Marktführer. Neben dem deutschen<br />
Megaunternehmen versuchen sich viele<br />
kleine, regionale Hersteller am Eierlikör.<br />
Eine Herausforderung eint sie alle: Sie<br />
müssen sich dem verstaubten Image des<br />
Eierlikörs als «Oma-Getränk» stellen.<br />
BIS HEUTE WERDEN<br />
50 PROZENT DES<br />
EIERLIKÖRS AN DEN<br />
TAGEN RUND UM<br />
WEIHNACHTEN UND<br />
OSTERN VERKAUFT<br />
UND GETRUNKEN.<br />
Manchmal wird die Not aber zur Tugend:<br />
Sein Image habe der Eierlikör «nicht ganz<br />
zu Unrecht», sagt etwa Florian Mückstein,<br />
dessen Familienunternehmen, Gautier-<br />
Mückstein, in Wien seit drei Generationen<br />
Eierlikör produziert. Und von diesem<br />
Image habe man gerade während der<br />
Pandemie profitiert. Der gegenwärtige<br />
Trend zurück zur<br />
Hausmannskost<br />
spiele<br />
den Pro<br />
duzen<br />
<<br />
EIERLIKÖR<br />
nach<br />
Irmgard Hochgesang<br />
Im «Lindenhofkeller» von Sebastian<br />
Rösch in Zürich hat der Eierlikör seinen<br />
fixen Platz auf der Karte. Hergestellt<br />
wird er nach dem Rezept der Oma des<br />
gebürtigen Franken.<br />
Der <strong>Schweiz</strong>er Spitzenkoch Sebastian<br />
Rösch stellt seinen beliebten Eierliklör<br />
nach dem Rezept der Oma her.<br />
ZUTATEN<br />
8 Eigelb<br />
200 g Zucker<br />
250 g Rahm<br />
250 g Doppelkorn oder weisser Rum<br />
1 Päckchen Vanillezucker<br />
ZUBEREITUNG<br />
– Alle Zutaten in den Thermomix geben<br />
und bei Stufe 4 rund 8 Minuten auf 70 °C<br />
aufschlagen. Anschliessend durch ein Sieb<br />
passieren und direkt abfüllen.<br />
– Ohne Thermomix: Die zimmerwarmen<br />
Eigelbe mit dem Vanillezucker in einer<br />
Metallschüssel verrühren. Zucker, Rahm<br />
und Alkohol nach und nach unterrühren.<br />
Die Masse über dem heissen Wasserbad mit<br />
dem Schneebesen dickcremig aufschlagen,<br />
bis das Ei bindet. Auf dem Wasserbad noch<br />
5 Minuten weiterrühren. Sobald die Masse<br />
(gleichmässig) cremig ist, vom Wasserbad<br />
nehmen und ein paar Minuten weiterrühren.<br />
dez–feb 2025<br />
falstaff<br />
91
festive season / EIERLIKÖR<br />
Die Produzenten wollen vom etwas<br />
verstaubten Oma-Image des Getränks<br />
loskommen – und promoten es<br />
als Zutat für Kuchen und Desserts.<br />
Links: ein souffliertes Eierlikör-<br />
Törtchen aus dem Hause Verpoorten.<br />
<<br />
ten in die Hände. «Jüngere Menschen<br />
haben zu backen begonnen und alte Rezepte<br />
ausgegraben.» Da gehört der Eierlikör-<br />
Guglhupf natürlich mit zum Repertoire.<br />
So habe der Eierlikör «so etwas wie ein<br />
Revival erlebt», sagt Mückstein.<br />
Auch Granden wie Verpoorten versuchen,<br />
die jüngere Kundschaft über die<br />
Themen Backen und Desserts zu erreichen.<br />
Nicht umsonst hat man auf der eigenen<br />
Website eine Rezeptdatenbank mit Hunderten<br />
Einträgen aufgebaut. Altbacken will<br />
man nicht sein, im Gegenteil. So findet sich<br />
hier etwa ein «Souffliertes Verpoorten-<br />
Schokolade- Törtchen», kreiert von der<br />
preisgekrönten Patissière Alexandra Lang.<br />
Der Eierlikör, Fine-Dining-tauglich?<br />
Nicht ganz, aber fast. Auch an renommierten<br />
Adressen in der Gastronomie findet er<br />
sich immer wieder. Etwa im «Lindenhofkeller»<br />
in Zürich, wo ihn Küchenchef Sebastian<br />
Rösch, ein gebürtiger Franke, zum fixen<br />
und mittlerweile kultigen Bestandteil seiner<br />
Karte gemacht hat. Im Sommer, sagt er,<br />
serviere er ihn gerne als «Kalte Henne», im<br />
Winter klassisch als Absacker. Ganz ohne<br />
die Oma kommt auch Rösch nicht aus –<br />
das Rezept, das er gerne weitergibt, stammt<br />
von ihr.<br />
Selbst gemacht ist der Eierlikör zu Hause<br />
rasch – und die Herstellung hat etwas<br />
durchaus Faszinierendes an sich. Ganz<br />
klassisch werden die Dotter über einem<br />
Wasserbad mit den anderen Zutaten aufgeschlagen.<br />
Da sie den natürlichen Emulgator<br />
Lecithin enthalten, entsteht die Emulsion<br />
beim Aufschlagen von selbst. Getrunken<br />
werden sollte der Likör dann rasch.<br />
Bei industriell hergestelltem Eierlikör<br />
sind Sorgen um die Haltbarkeit übrigens<br />
unbegründet, sagt Mückstein. Die pasteurisierten<br />
Dotter werden im sterilen Edelstahltank<br />
geliefert, der zugesetzte Alkohol<br />
tötet schliesslich alle Bakterien im Likör. An<br />
sich ist er somit unbegrenzt haltbar. Dass<br />
er – wie auch andere Liköre – mit der Zeit<br />
an der Oberfläche eindickt oder sich einzelne<br />
Bestandteile absetzen, tut der Qualität<br />
keinen Abbruch. «Einfach kräftig aufschütteln»,<br />
rät Mückstein. Weihnachten kann<br />
kommen.<br />
<<br />
Florian Mückstein<br />
produziert in dritter<br />
Generation Eierlikör:<br />
Das Revival der<br />
Hausmannskost<br />
(im Bild: Eierlikör-<br />
Guglhupf) hat die<br />
Nachfrage befeuert.<br />
Fotos: Christoph Papsch / laif / picturedesk.com, ullstein bild - Will, Herbert Lehmann, Garbinska, Bozena / FoodCollection / picturedesk.com, beigestellt<br />
92 falstaff dez–feb 2025
SO FÜHLT SICH<br />
WEIHNACHTEN AN<br />
GENAU WIE ICH ES LIEBE<br />
Confiserie Sprüngli – <strong>Schweiz</strong>er Schokoladentradition seit 1836<br />
spruengli.ch
festive season / ZIGARRE<br />
DIE KÖNIGIN<br />
DES GENUSSES<br />
Was haben Greta Garbo und Marlene Dietrich, Winston<br />
Churchill und Konrad Adenauer, Thomas Mann und Freddie<br />
Mercury oder Pablo Picasso und Sigmund Freud gemeinsam?<br />
Sie waren Menschen, die in das Ritual der Zigarre und ihre<br />
Geheimnisse eingeweiht waren. Ein Ritual, das sich auch heute<br />
wieder steigender Beliebtheit erfreut.<br />
TEXT FLORIAN SCHWAB<br />
Der Zigarrengenuss lässt uns<br />
eintauchen in einen besonderen<br />
Moment, abtauchen in eine selten<br />
gewordene Welt ohne Hast und Eile.<br />
Foto: beigestellt<br />
94 falstaff dez–feb 2025
dez–feb 2025<br />
falstaff<br />
95
festive season / ZIGARRE<br />
Die Zigarre – ihre Geschichte<br />
ist eine Reise durch Kulturen,<br />
Epochen und Gesellschaften<br />
von den indigenen Völkern<br />
Mittelamerikas, die Tabak in<br />
heiligen Ritualen verbrannten, bis zu den<br />
Prominenten des 20. Jahrhunderts, die sie<br />
als Teil ihres öffentlichen Images präsentierten.<br />
Sie stand für Genuss und Luxus.<br />
Nicht einmal die freudlose Gesundheitsfixierung<br />
der modernen Epoche konnte der<br />
Zigarre den Garaus machen. Im Gegenteil,<br />
ein Blick in die Oasen der rauchenden Gesellschaft<br />
zeigt, dass sie sich gerade unter<br />
jüngeren Generationen wieder einer wachsenden<br />
Beliebtheit erfreut.<br />
Woher kommt das? Die Antwort auf diese<br />
Frage liegt in der Zigarre selbst – in ihrer<br />
Essenz als reines Genussmittel, als eigentlich<br />
überflüssiges Instrument der schwelgenden<br />
Freude. Als solches hebt sie sich<br />
beispielsweise vom Wein und den Spirituosen<br />
ab, die neben der Gaumenfreude ihre<br />
bekannte Wirkung auf das Nervensystem<br />
entfalten und den Körper immerhin mit etwas<br />
Flüssigkeit und Nährstoffen versorgen.<br />
Nicht so die Zigarre! Kein Mensch raucht<br />
Zigarre des Nikotins wegen. Man kann von<br />
ihr auch nicht körperlich abhängig werden.<br />
Auch die Freunde zeitloser Luxusobjekte<br />
wie Uhren oder Classic Cars erleiden<br />
Schiffbruch an der Zigarre, ist sie doch<br />
ihrer Natur nach vergänglich.<br />
EINE ENTDECKUNGSREISE<br />
Wer eine Zigarre raucht, begibt sich auf<br />
eine sensorische Entdeckungsreise. Vom ersten<br />
Zug an entfaltet sich ihre sorten typische<br />
Prägung an Aromen, die sich mit jedem<br />
Zug verändern und entwickeln. Das aromatische<br />
Universum reicht von erdigen und<br />
holzigen Tönen über fruchtige und blumige<br />
Noten bis hin zu schokoladigen, pfeffrigen<br />
und würzigen Akzenten. Wer sich auf das<br />
Abenteuer Zigarre einlässt, dem tut sich<br />
eine Welt unzähliger Produkte mit individuellem<br />
Geschmacksprofil, Rauchtextur und<br />
Nikotingehalt auf. Und wer einmal in die<br />
Fotos: mauritius images / Alamy Stock Photos / Ana Maria Tudor, Shutterstock<br />
96 falstaff dez–feb 2025
Politiker wie Winston Churchill liebten<br />
die Zigarre – als Zeichen des Stolzes<br />
und des Durchhaltevermögens.<br />
DIE ZIGARRE IST NIE<br />
NUR DAS, WAS SIE<br />
AUF DEN ERSTEN BLICK<br />
ZU SEIN SCHEINT – SIE<br />
IST EIN ERLEBNIS, DAS<br />
SICH MIT JEDEM ZUG<br />
VERÄNDERT.<br />
Die eingerollten<br />
Tabakblätter fanden<br />
einst ihren Weg aus<br />
der Karibik in unsere<br />
Breitengrade.<br />
Vielfalt dieses Universums eingetaucht ist,<br />
kann kaum anders, als der Zigarre erneut<br />
zu begegnen. Sie ist ein sinnliches Erlebnis,<br />
das in seiner Variabilität nie langweilig<br />
wird. Die Zigarre ist nie nur das, was sie auf<br />
den ersten Blick zu sein scheint – sie ist ein<br />
Erlebnis, das sich mit jedem Zug verändert,<br />
mit zunehmender Intensität der Begegnung<br />
mit ihr tiefgründiger wird.<br />
OHNE HAST UND EILE<br />
Aber mit diesen sensorischen Reizen nicht<br />
genug: Der Zigarrengenuss lässt uns eintauchen<br />
in einen besonderen Moment,<br />
abtauchen in eine selten gewordene Welt<br />
ohne Hast und Eile. In einer Zeit, in der alles<br />
immer schneller und effizienter werden<br />
muss, stellt das Zigarrenrauchen eine Oase<br />
der Entschleunigung dar. Auch darin liegt<br />
ihre Faszination.<br />
Der Akt des Zigarrenrauchens fordert<br />
vom Geniesser, sich Zeit zu nehmen, zu<br />
reflektieren, in sich zu gehen. Der Zigarrenraucher<br />
entscheidet sich aktiv für diesen<br />
Moment der Ruhe, des wohligen Wartens<br />
auf die Entfaltung der Wirkung in Körper<br />
und Geist. Und so ist es eigentlich kein<br />
Wunder, dass eine kleine Minderheit von<br />
Eingeweihten – nur ein kleiner einstelliger<br />
Prozentsatz der Bevölkerung geniesst gelegentlich<br />
eine Zigarre – die gerollten Tabakblätter<br />
schätzt, seit sie als Kulturgut ihren<br />
Weg aus der Karibik in unsere Breitengrade<br />
fand.<br />
EINE EIGENE AURA<br />
Der historische Hintergrund der Zigarre<br />
ist faszinierend und erklärt die Aura, die<br />
sie bis heute umweht. Prominente Persönlichkeiten<br />
wie Winston Churchill, John<br />
F. Kennedy, Konrad Adenauer und Zino<br />
Davidoff frönten dieser Leidenschaft. Sie<br />
standen für eine Ära des politischen und<br />
gesellschaftlichen Lebens, in der die Zigarre<br />
ein Zeichen der Macht, des Erfolgs und des<br />
Selbst bewusstseins war.<br />
Winston Churchill wurde mit seiner unverwechselbaren<br />
Zigarre zu einem Symbol<br />
für britischen Stolz und Durchhaltevermögen<br />
während des Zweiten Weltkriegs.<br />
John F. Kennedy, dessen Liebe zu Zigarren<br />
legendär ist, soll vor der Verhängung des<br />
Zigarrenembargos gegen Kuba noch 1200<br />
Havannas in Washington aufgekauft haben.<br />
Und Konrad Adenauer, der erste Bundeskanzler<br />
der Bundesrepublik Deutschland,<br />
hatte ebenfalls eine Affinität zur Zigarre, die<br />
ihm staatsmännische Autorität verlieh.<br />
<<br />
dez–feb 2025<br />
falstaff<br />
97
festive season / ZIGARRE<br />
BEST OF<br />
DAVIDOFF<br />
Oro Blanco Special Reserve<br />
111 Years<br />
Die Chiffre «Oro Blanco» steht bei<br />
Davidoff für besonders seltene und<br />
alte Tabake. Hier sind die Tabaksorten<br />
der Einlage, des Umblatts<br />
und des Deckblatts gemeinsam<br />
111 Jahre alt. Feingliedrige, nussige<br />
Prägung, die man oft bei dominikanischen<br />
Zigarren findet. Perfekt zum<br />
top Champagner.<br />
Die Zigarrenindustrie hat<br />
sich immer wieder neu<br />
erfunden – heute wird<br />
nachhaltig angebaut.<br />
<<br />
Ebenso sein Wirtschaftsminister<br />
Ludwig<br />
Erhard: Gemeinsam erhoben<br />
sie die Zigarre zum<br />
Symbol des Wirtschaftswunders<br />
nach dem Zweiten Weltkrieg.<br />
Den grössten individuellen Anteil am<br />
Wandel der Zigarre vom Alltagsprodukt<br />
zum luxuriösen Genussmittel hatte der<br />
<strong>Schweiz</strong>er Tabakhändler Zino Davidoff,<br />
der im 20. Jahrhundert in den besseren<br />
Kreisen Europas zu einer Art Kulturbotschafter<br />
des Zigarrengenusses aufstieg. In<br />
seinen Jugendjahren hatte er in Lateinamerika<br />
die landwirtschaftliche Basis der<br />
Zigarrenherstellung erlernt und bewirtschaftete<br />
anschliessend jahrzehntelang sein<br />
international vielbeachtetes Fachgeschäft<br />
in Genf. Als Autor mehrerer Bücher zur<br />
Zigarren-Thematik hinterliess er der Nachwelt<br />
ein bleibendes Manifest für die Einzigartigkeit<br />
des Zigarrengenusses.<br />
IMMER IM WANDEL<br />
Auch die Zigarrenindustrie hat sich immer<br />
wieder neu erfunden und den Klassiker<br />
in moderner Form neu interpretiert. Man<br />
denke nur an die Entwicklung der nachhaltigen<br />
Anbaumethoden und den boomenden<br />
Markt für Zigarren des obersten Premiumsegments<br />
und limitierte Auflagen. Heute ist<br />
die Zigarre mehr denn je<br />
ein Synonym für Qualität<br />
und Handwerkskunst,<br />
die im Einklang mit modernen<br />
Erwartungen steht. Hersteller wie<br />
Davidoff, das kubanische Export-Monopol<br />
Habanos oder findige Einzelkämpfer<br />
wie Nestor Plasencia, Rocky Patel, Arturo<br />
Fuente oder A. J. Fernandez verknüpfen ihre<br />
Tradition mit innovativen, immer wieder<br />
überraschenden Konzepten und Designs.<br />
Die Zigarre lebt und entwickelt sich, bleibt<br />
in ihrer Funktion und Reduktion auf den<br />
Genussaspekt konstant. So gesehen schlägt<br />
sie eine Brücke zwischen Vergangenheit und<br />
Gegenwart, zwischen Tradition und Innovation.<br />
In einer Zeit, in der alles schneller und<br />
direkter wird, ist die Zigarre das Gegenteil:<br />
Sie ist eine Einladung zur Langsamkeit, zur<br />
Achtsamkeit, zum bewussten Geniessen.<br />
Gerade darin liegt das Geheimnis ihrer Faszination<br />
– sie vermag uns aus der Hektik des<br />
Alltags herauszureissen. Wie kein anderes<br />
Genussmittel harmoniert sie daher mit der<br />
Besinnlichkeit, welche die letzten Wochen des<br />
Jahres und die Weihnachtszeit kennzeichnet.<br />
Florian Schwab ist Zigarrenkenner und<br />
Publishing Director von finews.ch,<br />
einer Newsplattform über die <strong>Schweiz</strong>er<br />
Finanzindustrie.<br />
<<br />
COHIBA<br />
Esplendidos Gran Reserva<br />
In einer Cohiba kulminiert der Berufsstolz<br />
der kubanischen Zigarrenindustrie.<br />
Erst zum zweiten Mal präsentiert<br />
die Marke eine Gran Reserva,<br />
diesmal aus der Ernte von 2017. Vollmundige<br />
Kraft bei wunderbarer<br />
Balance aus Kaffee, holzigen Noten<br />
und Süsse. Ein Meisterwerk, neben<br />
dem der Christbaum verblasst.<br />
PARTAGAS<br />
Línea Maestra Rito<br />
Die Premium-Linie von Partagás.<br />
Das neue Format Rito stellt mit seinen<br />
stolzen Abmessungen einen<br />
festlichen Neuzugang für lange<br />
Abende dar. Die erste «Terroir»-<br />
Zigarre aus Kuba, da sie zu <strong>10</strong>0 Prozent<br />
aus Tabak der als besonders<br />
schmackhaft geltenden Produktion<br />
der Gemeinde San Luís stammt.<br />
Komplexes Aroma.<br />
DAVIDOFF<br />
Royal Release Salomones<br />
Im eleganten, an beiden Enden konisch<br />
zulaufenden Salomones-Format<br />
gehalten, ist diese Zigarre eine<br />
bewährte Begleiterin für feierliche<br />
Anlässe. Es fasziniert der Reichtum an<br />
aromatischem Temperament. Gestaltet<br />
sich der Auftakt nuanciert rund um<br />
Holznoten, steigert sich die Aromatik<br />
gegen Ende zu einem opulenten<br />
Festival süsser Einflüsse.<br />
ARTURO FUENTE<br />
Opus X Double Corona<br />
Für Liebhaber der milden Ausprägung<br />
ein Sehnsuchtspunkt. Nicht einfach zu<br />
erwerben (die Produktion ist sehr<br />
begrenzt), es werden sämtliche Tabake<br />
auf Château Fuente in der Dominikanischen<br />
Republik kultiviert. Perfekte<br />
handwerkliche Qualität und eine<br />
Abwechslung von nussigen Aromen,<br />
betörender Süsse und Röstnoten.<br />
Fotos: Shutterstock, beigestellt<br />
98 falstaff dez–feb 2025
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dez–feb 2025 falstaff 99
Chefredaktion <strong>Schweiz</strong><br />
DOMINIK VOMBACH<br />
und BENJAMIN HERZOG<br />
WEIN<br />
WELTWEIT KLEINE<br />
ERNTEMENGEN<br />
Dieses Jahr waren die Erntemengen<br />
der grössten Weinproduktionsländer<br />
wieder sehr gering, wie die Internationale<br />
Organisation für Rebe und Wein<br />
(OIV) an ihrem jährlichen Kongress in<br />
Dijon bekannt gab. Sie dürften kaum über<br />
denen von 2023 liegen und somit die niedrigsten<br />
oder zweitniedrigsten seit 1961 sein.<br />
Die Zahlen beruhen auf vorläufigen Schätzungen<br />
der grössten Weinproduktionsländer.<br />
Zusammen stellen diese drei Viertel der<br />
weltweiten Weinmenge her. 2023 wurden<br />
237 Millionen Hektoliter Wein gekeltert,<br />
auch dieses Jahr dürften es höchstens 250<br />
Millionen Hektoliter sein. Der Grund dafür<br />
ist der Klimawandel, der extreme Wetterereignisse<br />
verursacht.<br />
EISHOCKEY-NATI HAT<br />
EIGENEN SCHAUMWEIN<br />
Schum heisst der neue Schaumwein der<br />
<strong>Schweiz</strong>er Eishockey-Nationalmannschaft.<br />
Entwickelt wurde er von der Zürcher<br />
Weinhandlung Vergani, Partnerin der<br />
Swiss Ice Hockey Federation, und der<br />
Schaumweinmanufaktur Zürischum.<br />
vergani.ch<br />
DÜRRE-KATASTROPHE<br />
IN JUMILLA<br />
In der spanischen Weinregion Jumilla<br />
herrscht seit drei Jahren Dürre. Auch<br />
dieses Jahr gab es sehr wenig Regen, was<br />
zu einer äusserst kleinen Ernte führte.<br />
Sollte es weiterhin nicht regnen, besteht<br />
die Gefahr, dass die mehrheitlich mit<br />
Monastrell bestockten Rebberge eingehen.<br />
NEUES LAGENKONZEPT<br />
IN SÜDTIROL<br />
Nach jahrelangen Diskussionen hat das<br />
italienische Landwirtschaftsministerium<br />
das neue Lagenkonzept für Südtiroler<br />
Weine anerkannt. Neben der Bezeichnung<br />
Südtirol AOC dürfen nun 86 anerkannte<br />
Lagen als zusätzliche geografische<br />
Angaben das Etikett zieren.<br />
<strong>10</strong>0 falstaff dez–feb 2025
NOTIZEN<br />
WEIN-OSCAR FÜR MARQUÉS DE RISCAL<br />
Bei der Verleihung der<br />
diesjährigen «World’s Best<br />
Vineyards Awards» wurde<br />
Marqués de Riscal im<br />
spanischen Rioja zum<br />
Sieger gewählt. Die<br />
Auswahl der Betriebe ist<br />
einmal mehr eine bunte<br />
Mischung, bemerkenswert<br />
ist auch die Tatsache, dass<br />
ausgerechnet der Libanon<br />
mit drei Wein gütern aus<br />
dem Bekaa-Tal dabei ist.<br />
worldsbestvineyards.com<br />
NEU: WEINGUIDE DEUTSCHLAND<br />
Der <strong>Falstaff</strong> Weinguide Deutschland ist<br />
soeben erschienen. Er versammelt die<br />
besten Weine und Winzer des Landes.<br />
In seinem zwölften Erscheinungsjahr<br />
präsentiert er mehr Weingüter denn je:<br />
519 aus allen deutschen Anbaugebieten.<br />
Es gab auch noch nie so viele Spitzenbewertungen:<br />
fünf Mal <strong>10</strong>0 Punkte.<br />
go.falstaff.com/weinguide-de-25<br />
WEINBESTIMMUNG<br />
DURCH KI<br />
Fotos: Shutterstock, Herbstmeister Weine GmbH, Quim Roser, beigestellt<br />
KASTANIEN STATT SO₂<br />
Die portugiesische Firma Tree Flower Solutions<br />
hat ein neues Konservierungsmittel für Wein<br />
entwickelt. Bei «Chestwine» handelt es sich um<br />
Tannine aus der männlichen Kastanienblüte. Diese<br />
wirken antioxidant und verhindern mikrobielles<br />
Wachstum im Wein so gut wie Schwefeldioxid<br />
(SO₂), welches das älteste und am meisten<br />
eingesetzte Konservierungsmittel in der Weinherstellung<br />
ist. Im Gegensatz zu SO₂ ist «Chestwine»<br />
allergikerfreundlich. Das Pulver hat keinen Einfluss<br />
auf Farbe und Geschmack des Weins und<br />
wird während des Maischevorgangs, vor der<br />
malolaktischen Gärung, während der Reifung oder<br />
kurz vor der Abfüllung eingesetzt.<br />
Forscher und Forscherinnen der<br />
Universität Lyon haben ein Verfahren<br />
zur Weinanalyse entwickelt. Mit dem<br />
Einsatz eines neuen KI-Tools können<br />
sie aufgrund des mineralischen<br />
Profils eines Weins sein Herkunftsland<br />
mit 92 Prozent und die ihm<br />
zugrundeliegenden Rebsorten mit<br />
85 Prozent Genauigkeit bestimmen.<br />
FUSSBALLSTARS MACHEN WEIN<br />
Die deutschen Fussballprofis Mats<br />
Hummels, Christoph Kramer und Robin<br />
Gosens haben einen eigenen Wein kreiert.<br />
Die Trauben für die Riesling-Cuvée<br />
«Herbstmeister» stammen aus dem<br />
Zellertal in der Pfalz, wo die VDP-Winzer<br />
Philipp Kuhn und H.O. Spanier beste<br />
Lagen besitzen.<br />
herbstmeister.de<br />
CHINESEN IN BORDEAUX<br />
AUF DEM RÜCKZUG<br />
In Bordeaux stehen derzeit rund 50<br />
Weingüter zum Verkauf, die sich in<br />
chinesischem Besitz befinden, berichtet<br />
die «Revue du Vin de France» mit Bezug<br />
auf das Christie’s-Tochterunternehmen<br />
Vineyards Bordeaux. Viele Weingüter<br />
würden für weniger als die Hälfte des<br />
früheren Kaufpreises wieder veräussert.<br />
dez–feb 2025<br />
falstaff<br />
<strong>10</strong>1
wein / PRICKELNDE SCHWEIZ<br />
SCHWEIZER<br />
SCHÄUMER<br />
Die <strong>Schweiz</strong> hat eine lange und interessante<br />
Schaumweintradition. Seit Jahrhunderten werden hier<br />
fantastische Prickler hergestellt, die sich hervorragend<br />
als Festtagsweine eignen und sich nicht vor der<br />
internationalen Konkurrenz verstecken müssen.<br />
TEXT LARISSA GRAF<br />
Es gibt keine feierlicheren Tropfen als<br />
Schaumweine. Sie gehören auf jede<br />
Festtagstafel, ob zum Weihnachtsapéro<br />
oder zum Anstossen zu Neujahr.<br />
Foto: beigestellt<br />
<strong>10</strong>2 falstaff dez–feb 2025
dez–feb 2025<br />
falstaff<br />
<strong>10</strong>3
wein / PRICKELNDE SCHWEIZ<br />
Das grösste Schaumweinunternehmen<br />
der <strong>Schweiz</strong> heisst Mauler. Es wurde im<br />
19. Jahrhundert in einem ehemaligen<br />
Neuenburger Kloster gegründet.<br />
Die <strong>Schweiz</strong>er lieben<br />
Schaumweine. Kaum ein<br />
Apéro kommt heute ohne<br />
Roséchampagner oder ein<br />
Glas Prosecco aus. In den<br />
letzten Jahren hat der Weinkonsum<br />
hierzulande zwar abgenommen, prickelnde<br />
Tropfen scheinen aber nicht von<br />
diesem Trend betroffen zu sein. Im<br />
Gegenteil, sie sind beliebt wie nie zuvor.<br />
Besonders über die Festtage trinkt man in<br />
der <strong>Schweiz</strong> gerne und viel Schaumwein.<br />
Allerdings sind ausländische Tropfen auf<br />
den hiesigen Festtagstafeln immer noch<br />
beliebter als nationale. Und das, obwohl<br />
auch in der <strong>Schweiz</strong> unzählige herausragende<br />
Exemplare gefertigt werden, und<br />
das schon seit Jahrhunderten. Die<br />
Schaumweintradition der <strong>Schweiz</strong> reicht<br />
weiter zurück als die Bildung der modernen<br />
Eidgenossenschaft, nämlich bis ins<br />
frühe 19. Jahrhundert.<br />
Als Pioniere auf dem Gebiet der <strong>Schweiz</strong>er<br />
Sektindustrie gelten die Gebrüder<br />
Bouvier, die aus Frankreich in die <strong>Schweiz</strong><br />
einwanderten. In ihrer Heimat hatten<br />
sie die hohe Kunst der Schaumweinherstellung<br />
gelernt und beschlossen 1811,<br />
in Neuenburg eine Manufaktur zu gründen.<br />
Bis heute gibt es die edlen Prickler der<br />
Bouvier Frères. Sogar die frühere First Lady<br />
Amerikas, Jacqueline Kennedy-Bouvier, soll<br />
das Weingut besucht haben, um die Arbeit<br />
ihrer Namensvettern und möglichen Vorfahren<br />
kennenzulernen.<br />
Ob diese Geschichte stimmt oder nicht,<br />
Fakt ist, dass die Bouvier Frères grossen<br />
Einfluss auf die Entwicklung einer <strong>Schweiz</strong>er<br />
Schaumweintradition hatten. Kurze<br />
Zeit nach der Gründung ihres Unternehmens<br />
lernte ein gewisser Abram-Louis<br />
Richardet bei den Bouvier Brüdern die<br />
Kunst der Schaumweinherstellung. Kurz<br />
darauf gründete er seine eigene Schaumweinmanufaktur<br />
im ehemaligen Kloster<br />
Le Prieuré de Saint Pierre im Neuenburger<br />
Val de Travers. Bis 1859 führte er sie<br />
selbst, dann übernahm die elsässische<br />
Fotos: Mauler, Stöh Grünig, Getty Images<br />
<strong>10</strong>4 falstaff dez–feb 2025
<strong>Schweiz</strong>er Schaumweine gibt es in<br />
verschiedensten Ausführungen. Die<br />
meisten werden mit der «Méthode<br />
Traditionelle» hergestellt.<br />
Familie Mauler das Ruder. Heute ist Caves<br />
Mauler der grösste Schaumweinproduzent<br />
der <strong>Schweiz</strong> mit rund 600’000 jährlichen<br />
Flaschen – jede einzelne davon wird mit der<br />
arbeitsintensiven «Méthode Traditionelle»<br />
hergestellt.<br />
TRADITION UND MODERNE<br />
Über hundertfünfzig Jahre nach den Gebrüdern<br />
Bouvier beschloss der Walliser<br />
Önologe Jacques Germanier Ende der<br />
1980er, in seinem Kanton Schaumwein zu<br />
keltern. Er überredete seine Traubenlieferanten,<br />
ihren Chasselas in den höheren<br />
Lagen durch Chardonnay zu ersetzen.<br />
Dort reifte die einheimische Traubensorte<br />
nicht so gut, den Chardonnay aber konnte<br />
er für die Herstellung von Schaumweinen<br />
verwenden. Zur Reifung seines Brut du<br />
Valais liess er ein Tunnelnetzwerk von 800<br />
Quadratmetern in den Berg graben. So<br />
kam sein Weingut zum Namen «Cave du<br />
Tunnel». Tief unter der Erde sind Temperaturschwankungen<br />
minimal, perfekt, um<br />
Schaumwein schonend zu reifen. Das zeigt<br />
sich in den besonderen Cuvées des Weinguts<br />
wie etwa dem Brut du Valais Millésimé,<br />
der ganze drei Jahre auf der Hefe im<br />
Tunnel lagert.<br />
Man muss aber keine Tunnels graben,<br />
um gute Schaumweine zu machen. Obwohl<br />
heute in allen Gegenden der <strong>Schweiz</strong><br />
hervorragende Prickler gekeltert werden,<br />
sind die wenigsten Hersteller ganz auf ihre<br />
Produktion spezialisiert. Viele keltern die<br />
arbeitsintensiven Weine nebenher. Immer<br />
mehr Kellereien merken aber, dass die<br />
<strong>Schweiz</strong> sich ganz hervorragend für die<br />
Schaumweinproduktion eignet. Denn die<br />
Herstellung der für die Produktion von<br />
Sekt nötigen trockenen Basisweine mit tiefem<br />
Alkoholgehalt ist dank des gemässigten<br />
Klimas in den meisten <strong>Schweiz</strong>er Weinregionen<br />
relativ einfach. Zudem gedeihen<br />
hier viele Traubensorten hervorragend,<br />
die international für Schaumwein verwendet<br />
werden – allen voran Pinot Noir und<br />
Chardonnay.<br />
Aus diesen klassischen Champagnersorten<br />
werden auch in der <strong>Schweiz</strong> die meisten<br />
prestigeträchtigen Schaumweine gekeltert.<br />
Einen besonders guten Ruf auf diesem<br />
<<br />
WIE DIE BLÄSCHEN<br />
IN DEN WEIN KOMMEN<br />
IMPRÄGNIERVERFAHREN<br />
Die günstigsten Schaumweine der Welt<br />
werden ganz einfach mit Kohlensäure versetzt<br />
wie Softdrinks. Dabei wird der Wein<br />
in einem unter Druck stehenden Tank mit<br />
Kohlendioxid injiziert. Die Bläschen sind so<br />
schnell im Wein, aber auch schnell wieder<br />
draussen. Zudem fehlen die Reife- und<br />
Hefenoten, die richtig gute Schaumweine<br />
ausmachen.<br />
MÉTHODE ANCESTRALE<br />
ODER RURALE<br />
Diese Methode wurde wohl durch Zufall<br />
entdeckt und ist die älteste Art der<br />
Schaumweinherstellung. Heute ist sie<br />
besonders unter Naturweinproduzenten<br />
beliebt, weil sie ganz ohne Zusätze von<br />
Hefe und Zucker auskommt. Traubenmost<br />
wird während der Gärung in eine Flasche<br />
gefüllt und diese mit einem Kronkorken<br />
luftdicht verschlossen. Weil der Most noch<br />
Zucker und aktive Hefen enthält, gärt er in<br />
der Flasche weiter. Dabei entsteht Kohlendioxid<br />
als Nebenprodukt, das in der Flasche<br />
gefangen wird. Wenn die Gärung zu Ende<br />
ist, hat man also einen prickelnden, meist<br />
trockenen Wein in der Flasche. Meistens<br />
sind diese Weine trüb, oft werden sie unter<br />
dem Namen «Pét-Nat» kurz für «Pétillant<br />
Naturel» verkauft.<br />
MÉTHODE TRADITIONELLE<br />
Sekt, Cava, Crémant, Franciacorta und<br />
Champagner werden mittels Flaschengärung<br />
hergestellt, genannt «Méthode<br />
Traditionelle» oder im Fall von Champagner<br />
«Méthode Champenoise». Dabei wird<br />
erst ein trockener Basiswein mit maximal<br />
zwölf Volumenprozent Alkohol hergestellt.<br />
Dieser wird mit Zucker und Hefe – dem<br />
sogenannten «Liqueur de Tirage» – in eine<br />
Flasche gefüllt, die anschliessend mit<br />
einem Kronkorken verschlossen wird. Die<br />
Hefe vergärt den Zucker in der Flasche<br />
zu Alkohol, dabei entsteht Kohlendioxid.<br />
Wegen des luftdichten Verschlusses der<br />
Flasche bleibt dieses als Bläschen im Wein.<br />
MÉTHODE CHARMAT<br />
Auch bekannt als Martinotti- oder<br />
Tank-Methode, wird vor allem für die<br />
Herstellung von Prosecco und Lambrusco<br />
verwendet. Das Prinzip ist hier ähnlich wie<br />
bei der Méthode Traditionelle, allerdings<br />
wird für die Zweitgärung ein Drucktank<br />
verwendet, der mit einem trockenen Basiswein,<br />
Hefe und Zucker gefüllt wird. Da der<br />
Tank abgeschlossen ist, bleibt das bei der<br />
zweiten Gärung entstehende Kohlendioxid<br />
darin gefangen. Meistens wird der Wein<br />
für einige Monate mit der Hefe im Tank<br />
gelassen, was die Aromatik und die Perlage<br />
positiv beeinflusst. Nach Ablauf der Zeit<br />
wird der Wein auf Minusgrade heruntergekühlt,<br />
so werden die Bläschen inaktiv,<br />
und der Wein kann ohne Probleme filtriert<br />
und abgefüllt werden. Vor der Abfüllung<br />
kann noch etwas Zucker für die Dosage<br />
hinzugefügt werden.<br />
dez–feb 2025<br />
falstaff<br />
<strong>10</strong>5
wein / PRICKELNDE SCHWEIZ<br />
<<br />
Gebiet hat die Bündner Herrschaft, wo<br />
etwa der Jungwinzer Patrick Adank wirkt.<br />
Nach einigen Lehrjahren in der Champagne<br />
brachte er sein dort erlerntes Know-How<br />
mit ins elterliche Weingut in Fläsch und<br />
kelterte 2015 den ersten Adank Brut, einen<br />
Blanc de Noirs aus hundert Prozent Pinot<br />
Noir. Ein Schaumwein, der frischen Wind<br />
ins Land brachte und seitdem regelmässig<br />
auch bei den <strong>Falstaff</strong>-Verkostungen punktet.<br />
Etwas weiter nördlich mischt das Thurgauer<br />
Schlossgut Bachtobel dem Pinot für<br />
seinen Mousseux noch ein Drittel Chardonnay<br />
für mehr Frische bei. Seit Jahren heimst<br />
das Weinfelder Weingut dafür regelmässig<br />
Auszeichnungen ein, dieses Jahr wurde der<br />
Wein wie der Adank Brut von <strong>Falstaff</strong> mit<br />
93 Punkten bewertet.<br />
Als Patrick Adank ins<br />
elterliche Weingut<br />
einstieg, brachte er<br />
seine Arbeitserfahrung<br />
in der Champagne mit.<br />
Sein Brut gehört zu den<br />
besten des Landes.<br />
AUTOCHTHONEN TRAUBEN<br />
Dass auch einheimische Traubensorten hervorragende<br />
Schaumweine liefern können,<br />
Der Brut du Valais von Germanier<br />
Cave du Tunnel wird aus Chardonnay<br />
hergestellt (Kreis). Ganz in der Nähe<br />
keltert die Cave du Chavalard einen<br />
Schaumwein aus Petite Arvine (unten).<br />
zeigen diverse andere Produzenten. Zu<br />
empfehlen ist etwa der vollmundige Les<br />
Bulles de Petite Arvine des Walliser Weinguts<br />
Cave du Chavalard, der zu hundert<br />
Prozent aus der Walliser Ursorte Petite<br />
Arvine hergestellt wird. In der Deutschschweiz<br />
stellt das Schaffhauser Winzerpaar<br />
Besson-Strasser aus Räuschling ihren<br />
exzellenten Brut Nature her. Für sie eignet<br />
sich die im Raum Zürich heimische Traube<br />
perfekt für die Schaumweinherstellung,<br />
weil sie sich durch einen hohen Säuregehalt<br />
auszeichnet, der auch nach zwei Jahren<br />
Hefereifung noch präsent ist.<br />
Aber auch in südlicheren Gefilden wird<br />
richtig guter Sekt hergestellt. Das beweist<br />
zum Beispiel Enrico Trapletti im warmen<br />
Tessin. Er hat sich mit seinen komplexen<br />
Spumanti im ganzen Land einen Namen<br />
gemacht. Drei verschiedene stellt er her, den<br />
Bòla aus Chasselas und weiss abgepresstem<br />
Merlot und den Enrico aus Chardonnay,<br />
Sauvignon Blanc und Grauburgunder, der<br />
ganze vierzig Monate auf der Hefe bleibt.<br />
Eine ganz besondere und sehr beliebte<br />
Spezialität von Trapletti ist der Godié Rosé,<br />
Fotos: Weingut Adank / Hans-Peter Siffert / Joan Minder, Thomas Masotti, beigestellt<br />
<strong>10</strong>6 falstaff dez–feb 2025
den er aus Nebbiolo keltert. Während 36<br />
Monaten auf der Hefe entwickelt er eine<br />
komplexe Aromatik und eine feine Perlage.<br />
Der Jahrgang 2019 wurde deswegen von<br />
<strong>Falstaff</strong> mit 92 Punkten ausgezeichnet.<br />
Es gibt also in allen Kantonen eine grosse<br />
Auswahl an Qualitätsschaumweinen. Dass<br />
viele <strong>Schweiz</strong>er Weintrinker für die Festtage<br />
aber trotzdem lieber auf Importweine setzen,<br />
hat mehrere Gründe. Zum einen sind<br />
die hiesigen Schaumweine nicht so bekannt,<br />
denn sie sind recht rar. Zum anderen sind<br />
sie im internationalen Vergleich teuer. Im<br />
Hochpreisland <strong>Schweiz</strong> kostet die Herstellung<br />
mehr, denn Löhne und Warenkosten<br />
sind höher. Zudem werden hier vor allem<br />
Méthode-Traditionelle-Weine gekeltert.<br />
Das Verfahren ist aufwendig und setzt viel<br />
Arbeit voraus, die Weine werden oft lange<br />
auf der Hefe zur Reifung gelassen. Der<br />
viel günstigere Prosecco, der hierzulande<br />
äusserst gefragt ist,<br />
wird grösstenteils<br />
mittels Tankgärung<br />
hergestellt. Diese ist<br />
kosteneffizienter und viel<br />
schneller durchgeführt. Allerdings<br />
sind diese Weine in der Regel<br />
weniger komplex.<br />
Wenn man die <strong>Schweiz</strong>er Schaumweine<br />
aber mit ihren wahren Konkurrenten<br />
vergleicht, sind sie gar nicht mehr<br />
so teuer. Champagner kosten oft sogar<br />
etwas mehr als vergleichbare <strong>Schweiz</strong>er<br />
Tropfen, richtig gute Cavas sind ebenfalls<br />
nicht billig. Einen weiteren Vorteil haben<br />
die hiesigen Schaumweine: Ist man sich<br />
bei der Auswahl nicht sicher, schaut man<br />
beim Produzenten vorbei und informiert<br />
sich persönlich. Dann kann man sich auch<br />
gleich mit feinen Weinen für die Festtage<br />
eindecken. <<br />
Auch das<br />
malerische<br />
Thurgauer<br />
Schlossgut<br />
Bachtobel<br />
stellt einen<br />
hervorragenden<br />
Schaumwein her.<br />
Die Basis des<br />
Mousseux ist<br />
eine klassische<br />
Champagnercuvée.<br />
Wein massvoll geniessen<br />
dez–feb 2025<br />
falstaff<br />
<strong>10</strong>7
PRICKELNDE<br />
FEIERTAGE<br />
Über die Festtage wird gerne Schaumwein getrunken, besonders<br />
Champagner ist dann beliebt. Es gibt in verschiedenen Gegenden Europas<br />
aber würdige Alternativen für diese noblen französischen Schaumweine.<br />
Crémant, Prosecco oder doch Champagner? Hauptsache es prickelt!<br />
Schaumweine sind die Festtagstropfen<br />
schlechthin. Sie eignen sich für<br />
einen Weihnachtsapéro, wo sie<br />
herrlich zu beliebten Vorspeisen<br />
wie Räucherlachs-Canapés passen. Noch<br />
viel wichtiger sind sie aber an Neujahr: Es<br />
gibt kaum eine Silvesterparty, bei der nicht<br />
die Korken knallen. Dabei muss es nicht<br />
immer Champagner sein, denn es gibt überall<br />
auf der Welt spannende Alternativen zu<br />
den französischen Prestigepricklern.<br />
Champagner wird nach der sogenannten<br />
traditionellen Methode in der Flasche<br />
Festliche Stimmung und prickelnde Momente:<br />
Mit einem Glas Schaumwein auf unvergessliche<br />
Augenblicke anstossen.<br />
vergoren. Dazu wird ein trockener, also<br />
vollständig vergorener Basiswein mit etwas<br />
Zucker und Hefe abgefüllt. Die Flasche<br />
wird dann luftdicht verschlossen, meistens<br />
mit einem Kronkorken. Die Hefe fängt an,<br />
den Zucker zu vergären. Dabei entsteht<br />
etwas Alkohol und Kohlensäure. Weil diese<br />
der geschlossenen Flasche nicht entweichen<br />
kann, bleibt sie in Bläschenform darin aufgelöst<br />
– so kommt der Sprudel in den<br />
Champagner. In der Fachwelt werden die<br />
Bläschen übrigens Perlage oder Mousseux<br />
genannt. Genau gleich werden auch andere<br />
<strong>10</strong>8<br />
falstaff dez–feb 2025
ALDI SUISSE<br />
Weine hergestellt, die etwas preiswerter<br />
sind. Wer eine hochwertige Champagner-<br />
Alternative sucht, die genauso schön prickelt,<br />
wird in anderen Regionen Frankreichs<br />
fündig. Vielerorts wird Crémant hergestellt,<br />
ebenfalls nach der klassischen Methode.<br />
Besonders beliebt sind die Schaumweine aus<br />
dem Elsass, die Crémants d’Alsace. Sie werden<br />
hauptsächlich aus den Traubensorten<br />
Pinot Blanc und Auxerrois gekeltert,<br />
manchmal in Kombination mit Pinot Gris,<br />
Pinot Noir, Chardonnay oder Riesling. Für<br />
die recht seltenen Rosés wird hingegen<br />
ausschliesslich Pinot Noir verwendet.<br />
AUS FLASCHE ODER TANK<br />
Im Westen Frankreichs in den Gegenden<br />
um Anjou, Saumur und Tours wird der<br />
Crémant de Loire gefertigt. Für die weisse<br />
Version werden Chardonnay und Sauvignon<br />
Blanc sowie die einheimischen Traubensorten<br />
Chenin, Menu Pineau und Grolleau<br />
Gris verwendet. Der Rosé wird hingegen<br />
aus Cabernet Sauvignon und Franc,<br />
Grolleau Noir, Pineau d’Aunis und Pinot<br />
Noir gekeltert. Weil so viele verschiedene<br />
Traubensorten für Crémant de Loire verwendet<br />
werden können, ist die Bandbreite<br />
an Weinen, die mit dieser Herkunftsbezeichnung<br />
hergestellt werden, recht gross –<br />
ideal für entdeckungsfreudige Weintrinker.<br />
Natürlich gibt es auch ausserhalb Frankreichs<br />
hervorragende Schaumweine. In der<br />
norditalienischen Region Veneto wird der<br />
berühmte Prosecco auf rund 28’000 Hektar<br />
gekeltert. Die wichtigste Traubensorte hier<br />
heisst Glera, die mindestens 85 Prozent des<br />
Blends ausmachen muss. Anders als bei<br />
Crémant und Champagner werden diese<br />
Weine aber mittels der Tank- oder Charmat-Methode<br />
hergestellt. Für die zweite<br />
Gärung wird dem Basiswein wie auch bei<br />
der traditionellen Methode Zucker und<br />
Hefe zugefügt, allerdings findet sie in einem<br />
Tank statt in einer Flasche statt. Dieser<br />
Tank wird luftdicht verschlossen, so bleibt<br />
die in der alkoholischen Gärung entstehende<br />
Kohlensäure im Wein. Das macht viel<br />
weniger Arbeit als die Flaschengärung,<br />
weswegen diese Weine ein hervorragendes<br />
Preis-Leistungs-Verhältnis haben. Die besten<br />
Proseccos entstehen in den Hügeln um<br />
die Städte Conegliano und Asolo, wo die<br />
Trauben für den Valdobiaddene Prosecco<br />
Superiore DOCG wachsen. Diese Prickler<br />
sind in der Regel etwas komplexer und tiefgründiger<br />
als andere Weine der Region. Wer<br />
Prosecco mag, wird diese Weine also lieben.<br />
Ob Champagner, Crémant d’Alsace, de<br />
Loire oder Prosecco, sie alle eignen sich<br />
hervorragend, um im Kreis der Familie oder<br />
mit Freunden ein gediegenes Weihnachtsfest<br />
zu feiern. Oder natürlich, um an Silvester<br />
ordentlich die Korken knallen zu lassen!<br />
WEINE IN DEN ALDI-SUISSE-FILIALEN<br />
MARQUIS DE BEAUCEL<br />
CRÉMANT D’ALSACE BRUT<br />
Les Grands Chais de France, Petersbach<br />
91 von <strong>10</strong>0 <strong>Falstaff</strong>-Punkten<br />
12,5 Vol.-%. Helles Gelb mit Goldreflexen. Riecht<br />
nach reifen Äpfeln, Pfirsich, Orangenschale und<br />
-blüten mit Brotkruste im Hintergrund. Am Gaumen<br />
erfrischend, mit einer knackigen Säure, kräftigem<br />
Mousseux, feinen mineralischen Noten und<br />
Kräutern im Abgang.<br />
CHF 9,99<br />
MARQUIS DE BEAUCEL<br />
CRÉMANT DE LOIRE<br />
Les Celliers du Prieuré,<br />
Bellevigne-les-Châeaux<br />
90 von <strong>10</strong>0 <strong>Falstaff</strong>-Punkten<br />
12 Vol.-%. Helles Gelb mit goldenen Reflexen.<br />
Aromen von grünem Apfel, Quitte, Zitruszeste und<br />
Kräuter sowie etwas Hefe. Am Gaumen recht vollmundig,<br />
ausgeglichen mit einer lebhaften Perlage<br />
und mineralischen Noten im Abgang.<br />
CHF 9,95<br />
2023 OROPERLA PROSECCO SUPERIORE<br />
MILLESIMATO DOCG<br />
IWB Italia spa, Calmasino<br />
88 von <strong>10</strong>0 <strong>Falstaff</strong>-Punkten<br />
11 Vol.-%. Sehr helles Strohgelb. Zurückhaltende<br />
Nase mit Aromen von reifen Birnen und weissen<br />
Blüten, mit einem Hauch von Zitrusfrüchten.<br />
Am Gaumen leicht und erfrischend mit sanftem<br />
Mousseux und einer leichten Süsse, die sich gegen<br />
den Abgang offenbart.<br />
CHF 11,99<br />
2023 OROPERLA ROSÉ MILLESIMATO<br />
EXTRA DRY<br />
IWB Italia spa, Calmasino<br />
88 von <strong>10</strong>0 <strong>Falstaff</strong>-Punkten<br />
11,5 Vol.-%. Helles Lachsrosa. Riecht zurückhaltend,<br />
doch einladend nach Himbeerbonbons und saftigen<br />
Erdbeeren. Zeigt im Gaumen eine lebendige Perlage<br />
und saftige Frucht, die von mineralischen Noten und<br />
einer feinen Süsse begleitet wird.<br />
CHF 8,99<br />
ADVERTORIAL Fotos: © Shutterstock; beigestellt<br />
DELLARA MEDIUM DRY<br />
Bodegas Juan Ramón, Castilla-La Mancha<br />
87 von <strong>10</strong>0 <strong>Falstaff</strong>-Punkten<br />
11 Vol.-%. Helles Gelb mit grünlichen Reflexen. In<br />
der Nase gelbe und exotische Früchte, Birnenbonbon<br />
und weisse Blüten. Am Gaumen erst säurebetont,<br />
dann süsslich und fruchtig. Mittlerer Körper, mit<br />
lebhafter Perlage und leichten Bitternoten.<br />
CHF 5,99<br />
INFO<br />
Weitere Informationen<br />
vinoteca.aldi-suisse.ch<br />
dez–feb 2025 falstaff <strong>10</strong>9
wein / SÜSSWEINE<br />
SÜSSES<br />
GOLD<br />
Süssweine sind nur pappig und süss? Weit gefehlt! Die<br />
grossen Süssweine zählen zu den gesuchtesten und teuersten<br />
Flaschen der Welt. Ihr Geheimnis ist die feine Balance<br />
zwischen Süsse und Säure. Ideal für die Festtage.<br />
TEXT OTHMAR KIEM, PETER MOSER, ULRICH SAUTTER, DOMINIK VOMBACH<br />
Foto: Deepix Studio<br />
1<strong>10</strong> falstaff dez–feb 2025
dez–feb 2025<br />
falstaff<br />
111
wein / SÜSSWEINE<br />
Vor zwei, drei Jahrhunderten<br />
waren Süssweine die<br />
eindeutige Topkategorie unter<br />
den Weinen – und auch weit<br />
verbreitet. Die längste<br />
Tradition weisen sie im Mittelmeerraum auf.<br />
Bereits in der Antike wurden Trauben in der<br />
Sonne getrocknet, damit sie mehr Süsse und<br />
höheres Mostgewicht erlangten. Auf<br />
Pantelleria, einer kleinen Insel vor Sizilien,<br />
werden heute immer noch süsse Moscatotrauben,<br />
lokal Zibibbo genannt, auf dem<br />
Boden getrocknet und dann gepresst. Ein<br />
anderes bekanntes Beispiel ist der Vin Santo<br />
in der Toskana oder der Vino Santo im<br />
Trentino. Dabei werden Trauben für<br />
mehrere Monate auf Strohmatten getrocknet<br />
und die Weine bis zu zehn Jahre in<br />
kleinen Holzfässern ausgebaut. Während der<br />
ganzen Zeit bleiben die Fässer verschlossen<br />
und werden aufgefüllt. Der Wein wird so<br />
leicht oxidativ und bekommt den typischen<br />
Ton nach Mandeln und Feigen.<br />
Auch im Norden des Landes in Venetien<br />
und in Südtirol werden köstliche Stroh weine<br />
erzeugt. In die Typologie der Strohweine<br />
fallen auch die wunderbaren Süssweine<br />
aus dem spanischen<br />
Málaga. Sie zählten<br />
einstmals zu den<br />
IN DEN EDELSÜSSEN<br />
WEINEN KOMMT DIE<br />
ESSENZ DER SORTE,<br />
DES JAHRGANGS UND<br />
DER LAGE PRÄGNANT<br />
ZUM AUSDRUCK.<br />
KURZUM: TERROIR.<br />
berühmtesten Dessertweinen überhaupt und<br />
wurden schon unter römischer Herrschaft<br />
über das Mittelmeer exportiert. Mitte des<br />
19. Jahrhunderts war Málaga eine Welt marke<br />
und die Provinz Málaga das zweitgrösste<br />
Weinanbaugebiet Spaniens. Heute ist alles<br />
viel kleiner, hergestellt werden zwei Arten<br />
von Málaga. Zum einen der Likörwein, zum<br />
anderen der natürliche Süsswein, der in der<br />
D.O. Sierras de Málaga Naturalmente Dulce<br />
genannt wird und ohne Zusatz von Alkohol<br />
auskommt.<br />
Vor einigen Dekaden begannen Visionäre<br />
wie Telmo Rodríguez und Jorge Ordóñez, die<br />
Tradition der Süssweine aus Málaga wiederzubeleben<br />
und zu modernisieren. Telmo<br />
Rodríguez lancierte Mitte der 1990er seine<br />
Die Cantina Tramin in<br />
Südtirol erzeugt regelmässig<br />
feine Süssweine aus<br />
Gewürztraminer, sowohl aus<br />
getrockneten als auch aus<br />
Botrytis-Trauben.<br />
Fotos: Greg Devil, Florian Andergassen, Fabio Gambina, beigestellt, Goussard, Deepix<br />
112 falstaff dez–feb 2025
ersten ungespriteten Málaga-Süssweine<br />
aus Moscatel, darunter der<br />
heute legendäre Molino Real. Jorge<br />
Ordóñez, ein erfolgreicher Weinimporteur,<br />
gründete 2004 sein eigenes Weingut in<br />
der Region und arbeitete mit dem österreichischen<br />
Süssweinexperten Alois Kracher zusammen,<br />
um eine Kollektion aussergewöhnlicher<br />
Süssweine zu kreieren. Trotz dieser<br />
beiden Leuchttürme gehört Málaga heute<br />
immer noch zu den Süsswein-Exoten.<br />
SÜSSE DANK EDELFÄULE<br />
Seit dem 18. Jahrhundert zählen die Süssweine<br />
von Sauternes und Barsac bei Bordeaux<br />
zu den Leuchttürmen in der Weinwelt. Gute<br />
Exemplare sind ein Mosaik, in dem sich<br />
Süsse, Öligkeit und Alkohol, Frucht und<br />
Botrytiswürze, Mineralität, Säure und Stoffigkeit<br />
sowie der Einfluss der Vergärung und des<br />
Ausbaus im Barrique zu einem Geschmacksbild<br />
von grösster Eleganz zusammenfügen.<br />
In mehreren Lesedurchgängen werden jeden<br />
Herbst die jeweils perfekt von Edelfäule<br />
(Botrytis) befallenen Trauben in den Keller<br />
gebracht, vergoren und die schliesslich<br />
entstandenen Weine assembliert. Es ist das<br />
Wunder der grossen Sauternes und Barsacs,<br />
dass sie auch mit 150 Gramm Restzucker<br />
und 14 Volumenprozent Alkohol niemals<br />
Rings um diese Mauern entsteht der<br />
edelste – und teuerste – edelsüsse<br />
Wein: Château d’Yquem in Sauternes.<br />
Weinbau wie in der Antike:<br />
Die Reben auf Pantelleria<br />
werden in Buscherziehung<br />
gehalten. Donnafugata<br />
erzeugt hier den Ben Ryé.<br />
schwer oder klebrig wirken. Ein grosser<br />
Yquem etwa ist zunächst vor allem ein grosser<br />
Weisswein und wurde früher auch gern<br />
zu Austern, Seeigeln oder zu Wildgeflügel<br />
getrunken.<br />
KÖNIG RIESLING<br />
In Deutschland wird vorwiegend Riesling<br />
für die Süssweinproduktion verwendet.<br />
Seitdem das deutsche Weinrecht 1971 die<br />
Süssweinprädikate von Spätlese bis<br />
<<br />
WOHER KOMMT<br />
DIE SÜSSE?<br />
Süsse durch Sonne: seit der Antike im<br />
Mittelmeerraum verbreitete Methode.<br />
Vollreife Trauben werden in der Sonne<br />
unter offenem Himmel oder in Schuppen<br />
auf Strohmatten getrocknet. Sie werden<br />
als Strohweine oder Passiti bezeichnet.<br />
Süsse durch Kälte: Bei den Eisweinen<br />
wird mithilfe der Kälte eine höhere Konzentration<br />
erreicht. Die Trauben bleiben<br />
bis Dezember, ja manchmal auch bis in<br />
den Januar hinein am Stock hängen. Bei<br />
kräftigen Minustemperaturen werden<br />
sie gelesen und kommen rasch unter die<br />
Presse. Das Wasser in den Beeren<br />
bleibt dabei gefroren und wird nur<br />
zu einem geringen Teil ausgepresst.<br />
Eisweine betören durch<br />
ihre klare, prägnante Frucht.<br />
Süsse durch Botrytis:<br />
Gesunde, gut ausgereifte<br />
Trauben werden von Edelfäule<br />
befallen (Botrytis cinerea).<br />
Die Pilzsporen treiben mikroskopisch<br />
feine Öffnungen in die<br />
Beerenhaut, ohne diese aber wirklich<br />
zu verletzen. Durch die Öffnungen<br />
verdunstet das Wasser, die Inhaltsstoffe<br />
konzentrieren sich. Voraussetzung für<br />
das Auftreten von Edelfäule ist eine<br />
hohe relative Luftfeuchtigkeit bzw. die<br />
Nähe eines grossen Gewässers. Je nach<br />
Grad des Befalls steigt das Mostgewicht<br />
der Trauben. Dies wird in den Kategorien<br />
Auslese, Beerenauslese und Trockenbeerenauslese<br />
ausgedrückt.<br />
dez–feb 2025<br />
falstaff<br />
113
wein / SÜSSWEINE<br />
<<br />
Trockenbeerenauslese mithilfe der Mostgewichte<br />
definierte, hat sich eine Inflation<br />
der Süssegrade eingestellt: Hatten Auslesen<br />
früher oft 40 bis 60 Gramm Restzucker,<br />
liegt heute der Restzuckergehalt der meisten<br />
Spätlesen über diesen Werten.<br />
Natürlich hat auch der Klimawandel den<br />
Trend zum dichteren, noch süsseren, gehaltvolleren<br />
edelsüssen Wein beschleunigt.<br />
Gleichzeitig setzen jedoch die trockenen<br />
Sommer und die warmen Herbste seiner<br />
Erzeugung immer engere Grenzen: Denn solange<br />
trockene Witterung herrscht, entsteht<br />
keine Edelfäule: gut für trockene Weissund<br />
Rotweine, schlecht fürs süsse Genre.<br />
Regnet es hingegen im Herbst, ist es<br />
oft noch so warm, dass sich keine<br />
edle Fäulnis einstellt, sondern die<br />
gefürchtete Essigfäule.<br />
In der Pfalz setzt der für<br />
seine Innovationen bekannte<br />
Winzer Werner Knipser,<br />
den <strong>Falstaff</strong> Deutschland im<br />
vergangenen Jahr für sein<br />
Lebenswerk ausgezeichnet<br />
hat, neuerdings auf die Sorte<br />
Petit Manseng aus Jurançon in<br />
Frankreichs Südwesten. Die Sorte<br />
reift so spät und hat so dicke Schalen,<br />
dass sie unter Global-Warming-Bedingungen<br />
dieselbe langsame Infektion mit dem<br />
Botrytispilz gestattet, die unter kühleren<br />
Bedingungen beim Riesling eintritt.<br />
Das Familienweingut<br />
J. Wegeler glänzt beim<br />
Jahrgang 2023 gleich mit<br />
zwei <strong>10</strong>0-Punkte-Weinen,<br />
einmal von der Mosel,<br />
einmal vom Rheingau.<br />
Am Kiedricher Gräfenberg<br />
erzeugt das Weingut Weil<br />
grossartige Beeren- und<br />
Trockenbeerenauslesen.<br />
Auch hier war uns der<br />
2023er <strong>10</strong>0 Punkte wert.<br />
ELEGANT BIS MONUMENTAL<br />
Wie der Jahrgang 2023 zeigte, sind in<br />
Deutschlands klassischen Süssweinregionen<br />
nach wie vor elegante Auslesen, finessenreiche<br />
Beerenauslesen und monumentale<br />
Trockenbeerenauslesen möglich. Ihr Reiz<br />
besteht darin, dass die Botrytis nicht nur<br />
Süsse, Säure und Frucht zu höchster Ausdruckskraft<br />
konzentriert. Auch Terroir-<br />
Töne und Mineralität sind auf eine spektakuläre<br />
Weise gesteigert. Alles, was die<br />
Rebwurzeln aus dem Boden geholt haben,<br />
wird hier aufs Dichteste zusammengeballt.<br />
Und das bei nur fünf oder sechs Volumenprozent<br />
Alkohol – einzigartig.<br />
Eiswein ist eine deutsche Besonderheit.<br />
Eine, die auf einem schmalen Grat wandelt:<br />
Denn natürlich ist nicht vorhersehbar,<br />
wann der Frost kommt – unter den Bedingungen<br />
der globalen Erwärmung ist auch<br />
zunehmend unklar, ob er überhaupt kommt<br />
und, wenn ja, ob die erforderlichen minus<br />
sieben Grad Celsius wirklich erreicht<br />
werden. Kann ein Eiswein erst im Januar<br />
gelesen werden, haben die Trauben in der<br />
Regel viel von ihrer aromatischen Frische<br />
verloren – ganz zu schweigen davon, dass<br />
das Fäulnisrisiko mit jedem feuchten Tag<br />
und jedem Regenguss wächst. Manche<br />
Winzer packen die Trauben, die sie für Eiswein<br />
hängen lassen, zum Schutz vor Feuchtigkeit<br />
in kleine Kokons aus Zellstoff. Ein<br />
immenser Aufwand, den die besten Weine<br />
mit ihrer Dichte und ihrer klirrenden Säure<br />
aber auch vollauf rechtfertigen.<br />
EDLES AUS DER SCHWEIZ<br />
In der alpinen <strong>Schweiz</strong> sind Süssweine eher<br />
Nischenprodukte. Dabei ist das Wallis ein<br />
Süssweinparadies. Dank des warmen Föhnwinds<br />
herrschen im Herbst perfekte Bedingungen,<br />
um die Trauben lange am Stock<br />
Fotos: Sandra Fehr / Heroes of Riesling, Greg Devil, fueloep, beigestellt<br />
114 falstaff dez–feb 2025
eifen zu lassen. Hier entstehen Süssweine<br />
wie der rare Grain par Grain Petite Arvine<br />
der Ausnahmewinzerin Marie- Thérèse<br />
Chappaz, der aus Trauben mit <strong>10</strong>0 Prozent<br />
Botrytis hergestellt wird und als erster<br />
<strong>Schweiz</strong>er Wein von Parker mit <strong>10</strong>0<br />
Punkten gekürt wurde.<br />
SÜSSWEINTRADITION<br />
Im österreichischen Burgenland, das<br />
bis 1921 zu Ungarn gehörte, gibt es<br />
eine lange Süssweintradition. Hier<br />
reicht die Geschichte des edelsüssen<br />
Weins 500 Jahre zurück. Für das Jahr<br />
1526 ist die erste Produktion einer<br />
Trockenbeerenauslese im pannonischen<br />
Raum aus Donnerskirchen belegt.<br />
In den übrigen Weinbauregionen<br />
Österreichs war die Herstellung von edelsüssen<br />
Weinen bis ins 19. Jahrhundert unüblich.<br />
Da zudem der Import ungarischer<br />
Weine über Jahrhunderte hinweg nicht<br />
erlaubt und später mit hohen Zöllen belegt<br />
war, konnte sich Süssweine nur die wohlhabende<br />
Aristokratie leisten. In der breiten<br />
Bevölkerung hielt wegen der astronomischen<br />
Preise echter Süsswein nie Einzug in<br />
die Tisch kultur. Das führt heute zu einem<br />
Paradoxon: In Österreich wachsen edelsüsse<br />
Weine und Süssweine wie Eis- und Stroh-<br />
weine von Weltformat, werden aber von einheimischen<br />
Konsumenten weitgehend ignoriert.<br />
Ohne Export könnte ein auf Süssweine<br />
spezialisiertes Weingut nicht überleben.<br />
Dennoch kamen Regionen wie Rust<br />
am Neusiedler See durch den Süsswein<br />
zu Wohlstand. Nach Weltkrieg und Wirtschaftskrise<br />
erfreuten sich die Weine hier<br />
vor allem ab den 1960er-Jahren grösserer<br />
Nachfrage. Im Zweijahrestakt – 1967,<br />
1969, 1971 und 1973 – wurden im<br />
Nordburgenland quantitativ wie qualitativ<br />
grosse Süss weinernten eingefahren.<br />
Der Wein-<br />
Berühmt für seine Ruster<br />
Auslesen: Kurt Feiler vom<br />
Weingut Feiler-Artinger.<br />
Marie-Thérèse Chappaz, Ausnahmewinzerin in den<br />
Steilhängen des Wallis.<br />
skandal 1985 setzte dem süssen Treiben<br />
ein jähes Ende. In den 90ern schaffte es der<br />
Illmitzer Winzer Alois Kracher fast im Alleingang,<br />
den österreichischen Edelsüsswein<br />
international salonfähig zu machen. Heute<br />
bietet Österreich eine Vielfalt an Prädikatsweinen<br />
aus einer grossen Bandbreite von<br />
Rebsorten. Von der Wachau bis in die Südsteiermark<br />
entstehen tolle Süssweine, das<br />
nördliche Burgenland rund um den Neusiedler<br />
See ist mit den Spezialisten aus Rust<br />
und dem Seewinkel die klare Nummer eins.<br />
WEIN DER KÖNIGE<br />
Der Tokajer gilt als der erste Süsswein<br />
aus edelfaulen Trauben, der<br />
schon Bestand hatte, bevor er 1571<br />
auch urkundlich belegbar ist. Das<br />
Anbaugebiet befindet sich an der<br />
nordöstlichen Grenze Ungarns.<br />
Hier wachsen auf vulkanischen<br />
Böden die Rebsorten Furmint,<br />
Lindenblättriger sowie etwas Gelber<br />
Muskateller. Im Herbst begünstigen<br />
Nebel und Luftfeuchtigkeit die Entstehung<br />
der Edelfäule.<br />
Die Weinberge wurden bereits 1730 nach<br />
Lagen klassifiziert, bis zum Auftreten der<br />
Reblaus Ende des 19. Jahrhunderts brachte<br />
der weltweit begehrte Süsswein Wohlstand<br />
in die Region. Der Niedergang erfolgte im<br />
20. Jahrhundert in mehreren Wellen, am<br />
Ende stand die Verstaatlichung der Produktion<br />
durch die Kommunisten. Seit 1989<br />
erlebt der Weinbau dank ausländischer<br />
Investitionen und des Know-hows der<br />
Winzer vor Ort eine Renaissance. Heute<br />
werden Spitzensüssweine, wenngleich auch<br />
in geringerem Umfang, wieder bis hin zur<br />
legendären Aszú-Essenz hergestellt.<br />
<<br />
feb–dez 2025<br />
falstaff<br />
115
wein / SÜSSWEINE<br />
BEST OF<br />
SÜSSWEIN INTERNATIONAL<br />
<strong>10</strong>0<br />
<strong>10</strong>0<br />
96<br />
RIESLING TBA RIED HEILIGEN-<br />
STEIN »ESSENZ« 2018<br />
Weingut Bründlmayer, Langenlois<br />
Niederösterreich, Österreich<br />
Leuchtendes mittleres Gelbgold.<br />
Intensives Bukett nach frischem<br />
Zitronenabtrieb, Kiefernwipfeln und<br />
Blütenhonig, facettenreich und betörend.<br />
Komplex, seidig, reife Aprikosenfrucht,<br />
rassige Säurestruktur, absolut<br />
in Balance, hochelegant, Limetten<br />
und Honig auch im Finale, ein Wein für<br />
Jahrhunderte, bleibt minutenlang.<br />
bruendlmayer.at<br />
ca. CHF 125,– (0,375 l)<br />
WELSCHRIESLING TBA NO. 9<br />
ZWISCHEN DEN SEEN 2017<br />
Weinlaubenhof Kracher, Illmitz<br />
Burgenland, Österreich<br />
Leuchtendes mittleres Goldgelb.<br />
Mit Mandarinenzesten unterlegtes<br />
Aprikosenkonfit, feine Botrytiswürze,<br />
zart nach Kräutern, facettenreich<br />
Saftig, komplex, gut integrierte Süsse,<br />
reifer Pfirsich, perfekt integrierte<br />
Säurestruktur, tolle Balance und<br />
Frische, glockenklar im Finish, salzig<br />
im Nachhall, Potenzial für Jahrzehnte,<br />
einfach grosse Klasse.<br />
secli-weinwelt.ch, CHF 48,–<br />
BEN RYÉ PASSITO DI<br />
PANTELLERIA DOC 2021<br />
Donnafugata, Sizilien, Italien<br />
Glänzendes Orange mit goldfarbenen<br />
Reflexen. Duftet nach Pfirsich,<br />
Honig, Bienenwaben, dazu feiner<br />
Muskatanklang, gedörrte Aprikosen,<br />
Bergamotten, Orangen. Am Gaumen<br />
wunderbar ausgewogen, cremig-ölige<br />
Textur, mit klarer, strahlender<br />
Pfirsichfrucht, wohl ausbalanciertes<br />
Spiel zwischen Zucker und Säure,<br />
kommt in vielen Schichten endlos<br />
lange, im Finale auf gedörrte Feigen.<br />
weinvogel.ch, CHF 34,50<br />
<strong>10</strong>0<br />
99<br />
96<br />
BERNKASTEL DOCTOR RIESLING<br />
TROCKENBEERENAUSLESE 2023<br />
Gutshaus Mosel, Bernkastel<br />
Mosel, Deutschland<br />
Sattes Goldgelb, Richtung Bernstein.<br />
Intensiver, von Würze und<br />
Schiefer geprägter Duft, kandierte<br />
Orange. Am Gaumen mit vifer,<br />
frischer Säure, durchdringender<br />
Extrakt, feine Phenolik, Limonentarte,<br />
frisch bleibend, voller Spannung,<br />
extrem dicht und lang, gross.<br />
wegeler.com, ca. CHF 270,–<br />
(0,375 l)<br />
CHÂTEAU D’YQUEM 2017<br />
Château d’Yquem<br />
Sauternes, Frankreich<br />
Sehr feine, nuancierte Botrytis<br />
im Duft, nussige Töne, Nektarine,<br />
Terroir-Noten. Am Gaumen ist der<br />
Wein von höchster Finesse, seidig<br />
und zart, aber mit immenser Festigkeit,<br />
sublim stoffig, lang anhaltend<br />
süss und von zarter Säure begleitet,<br />
durchdringend mineralisch. Sehr<br />
lang, sehr fein, viel innere Spannung,<br />
griffig und zupackend, aber<br />
alles in völliger Delikatesse.<br />
arvi.ch, CHF 481,–<br />
GRAIN NOBLE ASSEMBLAGE<br />
2019, Marie-Thérèse Chappaz<br />
Wallis, <strong>Schweiz</strong><br />
Stammt aus der Lage Les Claives<br />
in Fully und wird aus den Sorten Marsanne,<br />
Petite Arvine und Pinot Gris<br />
gekeltert. Betörendes Bukett mit<br />
Noten von gedörrtem Steinobst, Quittengelée<br />
und Agrumen. Anklänge von<br />
Honig, Piment und Kardamom. Am<br />
Gaumen viskos und trotz intensiver<br />
Süsse erstaunlich frisch, was der<br />
knackigen Säure zuzuschreiben ist.<br />
Bleibt lange am Gaumen. cantinadelmulino.ch,<br />
CHF 80,– (0,5 l)<br />
<strong>10</strong>0<br />
97<br />
96<br />
KIEDRICH GRÄFENBERG RIESLING<br />
TROCKENBEERENAUSLESE<br />
2023, Weingut Robert Weil,<br />
Kiedrich, Rheingau, Deutschland<br />
Duft nach Dattel und getrockneter<br />
Aprikose, dazu Dörrbirne, aber auch<br />
Kamille und rauchiger Schiefer. Im<br />
Mund konzentriert, dicht, extrem<br />
stringent, vibrierend, luzide Säure,<br />
Spiel und Konzentration. Sehr klar,<br />
sehr stilsicher, ungemein subtil bei<br />
aller Kraft.<br />
topwines.ch<br />
CHF 338,– (0,375 l)<br />
TERMINUM GEWÜRZTRAMINER<br />
VENDEMMIA TARDIVA SÜDTIROL<br />
DOC 2022<br />
Cantina Tramin, Südtirol, Italien<br />
Kraftvoll leuchtendes, helles Bernstein.<br />
Sehr intensive und einladende<br />
Nase nach Rosenöl, Litschi, kandierter<br />
Ananas und getrockneter Aprikose,<br />
unterlegt von einem feinen<br />
Gewürzteppich. Am Gaumen sehr<br />
intensiv, satter Schmelz, sehr gut<br />
ausbalanciertes Süsse-Säurespiel,<br />
im Finale sehr langer Nachhall, wie<br />
ein Konzentrat aus Aprikose.<br />
tannico.ch, CHF 49,85 (0,375 l)<br />
MOLINO REAL<br />
«OLD MOUNTAIN» 2009<br />
Telmo Rodriguez, Malaga, Spanien<br />
Bernsteinfarben im Glas. In der Nase<br />
wild, kopmlex und intensiv. Noten von<br />
Dattel, gedörrten Feigen und Sultaninen<br />
sowie kandierten Zitrusfrüchten.<br />
Ausserdem finden sich Anklänge von<br />
gerösteten Nüssen, Macis und florale<br />
Nuancen. Am Gaumen dicht, pralle<br />
Süsse die von einer frischen Säure<br />
ausbalanciert wird. Wirkt frisch und<br />
elegant und bleibt lange am Gaumen.<br />
smithandsmith.ch<br />
CHF 130,– (0,375 l)<br />
Fotos: Klaus Peterlin, Deepix, beigestellt<br />
116 falstaff dez–feb 2025
ROCCA DI MONTEGROSSI<br />
JOY IN EXCELLENCE<br />
Tradition und Ehrfurcht vor den Rohstoffen und dem Anbaugebiet bilden die<br />
Grundlagen des IGT Ridolfo di Rocca di Montegrossi von Marco Ricasoli Firidolfi.<br />
Ein Wein mit eleganter, intensiver Frucht und samtigen Tanninen, der selbst<br />
die erfahrensten Gaumen verzaubert und überrascht.<br />
Die Geschichte der Familie beginnt<br />
mit Geremia, dem Sohn von<br />
Ildebrando, dem der Bau der<br />
Rocca di Montegrossi am Ende<br />
des <strong>10</strong>. Jahrhunderts zu verdanken ist. Erst<br />
im hohen Alter gelang es Geremia, von seiner<br />
zweiten Frau den sehnlichst gewünschten<br />
Sohn zu bekommen: Ridolfo. Ridolfo,<br />
der zu Ehren der lombardischen Herkunft<br />
der Familie Gotulo genannt wurde, war zu<br />
seiner Zeit ein bekannter Mann, ebenso wie<br />
dessen Söhne und Enkel, die in lateinisch<br />
verfassten Dokumenten häufig als de filiis<br />
Rodulphi erwähnt wurden. Beim Übergang<br />
vom Lateinischen zum Italienischen setzte<br />
sich dann die Abkürzung Firidolfi durch,<br />
die auch heute noch die Nachkommen der<br />
Familie als Nachname tragen.<br />
Der IGT Ridolfo entstand aus der Intuition<br />
und dem Gespür des Winzers von Rocca<br />
di Montegrossi, Marco Ricasoli Firidolfi,<br />
der als Erster die überraschende Alchemie<br />
zwischen Cabernet Sauvignon und Pugnitello,<br />
wie sie in den Weinbergen des Weinguts<br />
entsteht, erkannt hat. Ein Wein, der<br />
Internationalität und Tradition perfekt vereint<br />
und einen weiteren neuen Schlüssel<br />
zum Verständnis der herrlichen Gegend<br />
von Monti im Chianti Classico bietet.<br />
Im IGT Ridolfo vereint sich die internationale<br />
und elegante Seele des Cabernet Sauvignon<br />
perfekt mit der weniger aristokratischen<br />
und ehrlichen toskanischen Seele des<br />
Pugnitello, einer seltenen Rebsorte, die in<br />
Monti im Chianti aussergewöhnliche<br />
Ergebnisse liefert. Diese einzigartige Kombination<br />
vereint sich zu einem komplexen<br />
und verführerischen Geschmack, den es<br />
Schluck für Schluck zu entdecken gilt.<br />
Ein faszinierender Wein mit starker Persönlichkeit,<br />
den man unmöglich vergessen<br />
kann. Verfügbar im Magnum-Format, in<br />
limitierter und handnummerierter Auflage,<br />
ist der IGT Ridolfo von Rocca di<br />
Montegrossi eine wahre Gaumenfreude,<br />
die jeden geselligen Anlass unvergesslich<br />
macht.<br />
ADVERTORIAL Fotos: © Fani Kurti; Eva Trifft Fotografie; beigestellt<br />
ROCCA DI MONTEGROSSI<br />
Betriebsfläche: <strong>10</strong>0 Hektar<br />
Rebfläche: 20 Hektar<br />
Langlebigkeit des Weins:<br />
15–20 Jahre<br />
Biologisch zertifiziert<br />
Vegan<br />
Der IGT Ridolfo verbindet auf<br />
meisterhafte Weise internationale<br />
Einflüsse mit traditionellen Werten<br />
und öffnet eine neue Perspektive auf<br />
das grossartige Terroir der Monti<br />
in Chianti innerhalb des Chianti<br />
Classico.<br />
INFO<br />
Weitere Informationen unter<br />
roccadimontegrossi.it<br />
dez–feb 2025 falstaff 117
Das ideale Weihnachtsgeschenk für Geniesser<br />
Spitzenweine von 150 top Weingütern wie Antinori, Sassicaia und Planeta sowie kulinarische<br />
Kreationen von Spitzenköchen wie Tristan Brandt, Maria Groß, Marcel Kazda, Mario Kotaska, Ricky<br />
Saward, Douce Steiner und Ralf Zacherl. Dazu eine vielfältige Auswahl an kulinarischen Köstlichkeiten<br />
unserer Genusspartner zur freien Verkostung.<br />
wein-gourmet-festival.de<br />
Fotos: Valentin Behringer
13.–15. Juni 2025<br />
Kongresshaus Baden-Baden<br />
Freuen Sie sich auf die zweite Ausgabe<br />
des Baden-Baden Wein- & Gourmet-Festivals<br />
by <strong>Falstaff</strong>.<br />
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wein / BORDEAUX – LINKES UFER<br />
Bordeaux an der Atlantikküste ist der grosse französische<br />
Klassiker. Bei dieser Reise ans legendäre «linke Ufer» rund<br />
um die Stadt Bordeaux entdecken wir komplexe Rotweine von<br />
Weltruf, kernige Weissweine und edelsüsse Legenden.<br />
TEXT PETER MOSER<br />
Ein Hauch von Exotik an der<br />
Schlösserstrasse im Médoc: Château<br />
Cos d’Estournel in Saint-Estèphe.<br />
Foto: Shutterstock<br />
120 falstaff dez–feb 2025
TOUR DE<br />
WEINREISE<br />
BORDEAUX<br />
LINKES UFER<br />
BORDEAUX<br />
dez–feb 2025<br />
falstaff<br />
121
wein / BORDEAUX – LINKES UFER<br />
Das prächtige Château Ducru-<br />
Beaucaillou liegt an der<br />
Schlösserstrasse in Saint-<br />
Julien.<br />
Mit über <strong>10</strong>0.000 Hektar<br />
Rebfläche zählt Bordeaux<br />
mit seiner Vielzahl an<br />
Appellationen zu den<br />
grössten Weinherkünften<br />
der Welt. Dieses wahre<br />
Wein universum im Zuge einer<br />
einzigen Reise zu erschliessen, ist ein<br />
Ding der Unmöglichkeit. Diesmal<br />
erkunden wir also das sogenannte<br />
In der pulsierenden Grossstadt<br />
Bordeaux trifft die Moderne (Cité<br />
du Vin) auf mittelalterliches Flair.<br />
«linke Ufer» – damit sind im Kern jene<br />
Appellationen gemeint, die sich links des<br />
Flusses Garonne und links der Gironde und<br />
der atlantischen Küste befinden.<br />
Flussabwärts bis zur Mündung ins Meer<br />
sind das die Süssweingebiete von Sauternes<br />
und Barsac, die Appellation Pessac-Léognan<br />
im Süden, aber auch direkt in der Stadt<br />
Bordeaux und schliesslich das Médoc, wo<br />
sich in Richtung Norden die bekannten<br />
Weinbaugebiete von Margaux, Saint Julien,<br />
Pauillac und Saint-Estèphe aneinanderreihen.<br />
Hier dominiert die Rotweinsorte<br />
Cabernet Sauvignon, während am «rechten<br />
Ufer», den Appellationen rechts der<br />
Gironde und des Flusses Dordogne, Merlot<br />
und Cabernet Franc regieren. Es sind die<br />
bekannten Anbaugebiete von Saint-Émilion,<br />
Pomerol, Fronsac und den Côtes.<br />
URBANER STARTPUNKT<br />
Ausgangspunkt ist die lebhafte Grossstadt<br />
Bordeaux, die sich in den letzten Jahren mit<br />
grossem Aufwand von einem «hässlichen<br />
Entlein» in eine wahre Schönheit verwandelt<br />
hat. Machte man in früheren Tagen<br />
eher einen Bogen um die alte Dame, ist die<br />
City heute modern, jung und dynamisch.<br />
Fotos: beigestellt, Eo naya / Shutterstock, Deepix Karte: Stefanie Hilgarth / carolineseidler.com<br />
122<br />
falstaff<br />
dez–feb 2025
Tolle Gastronomie, Weinbars, Sternetempel<br />
an allen Ecken und Enden, entlang der<br />
wunderbar ausgebauten Quais lässt es sich<br />
am Flussufer flanieren.<br />
Rund um die Cité du Vin ist ein neues,<br />
modernes Viertel entstanden, zahlreiche<br />
neue Hotels laden zum Verweilen, und der<br />
Markt Les Halles de Bacalan gegenüber des<br />
Weinmuseums ist ein neues Highlight für<br />
jeden Besucher der Stadt. Mitten in dieser<br />
pulsierenden Metropole verstecken sich<br />
bereits in den Vororten einige weltbekannte<br />
Weingüter wie Château Haut-Brion und<br />
gegenüber gleich La Mission Haut-Brion.<br />
Nur einen Steinwurf weiter, ebenso mitten<br />
im dicht verbauten Gebiet, liegen die Reben<br />
von Carmes Haut-Brion. Und gleich neben<br />
der Stadtautobahn Rocade wachsen die<br />
Reben von Château Pape-Clément.<br />
Der Premier Grand<br />
Cru Classé Haut-<br />
Brion liegt samt<br />
seinen 45 Hektar<br />
Rebbergen mitten in<br />
der Stadt.<br />
DER ROTE NORDEN<br />
Von Bordeaux-Stadt kommend folgen wir<br />
dem Fluss und der Gironde auf der linken<br />
Seite in Richtung Norden und fahren auf der<br />
berühmten Schlösserstrasse in Richtung<br />
Margaux. Diese südlichste Appellation des<br />
Médoc beherbergt 56 Châteaux – darunter<br />
Weltstars der Weinkultur wie Châteaux Margaux,<br />
Premier Grand Cru Classé seit 1855 –<br />
sowie weitere 20 klassifizierte Gewächse, mit<br />
21 gesamt die grösste Zahl von Grands Crus<br />
Classés im Médoc bei einer Rebfläche von<br />
1500 Hektar. Architektonisch reicht das<br />
Angebot von mittelalterlicher Befestigung bis<br />
zu klassizistischem Palast, berühmt sind die<br />
Parks und Gärten der Anwesen, die längst<br />
von der UNESCO als Welterbe anerkannt<br />
sind. Die Rotweine von Margaux sind<br />
berühmt für ihren Charme, seidige Tannine<br />
und tiefgründige Finesse.<br />
Einige Kilometer nördlicher beginnt<br />
Saint-Julien, die kleinste Appellation mit<br />
9<strong>10</strong> Hektar und mit elf Grands Crus – darunter<br />
aber gleich fünf Superseconds wie<br />
Durcu-Beaucaillou, Gruaud-Larose und<br />
die drei Léovilles (Las Cases, Poyferré und<br />
Barton). Die Rotweine hier sind straffer,<br />
würziger und komplexer wie in Margaux,<br />
ein Anteil von Merlot sorgt neben dem<br />
dominanten Cabernet Sauvignon für eine<br />
gewisse Geschmeidigkeit.<br />
<<br />
dez–feb 2025<br />
falstaff<br />
123
wein / BORDEAUX – LINKES UFER<br />
Château Haut-Bailly in<br />
Pessac-Léognan hat<br />
seinen neuen Keller dezent<br />
unter einem grünen Hügel<br />
versteckt.<br />
<<br />
Nächster Halt ist der Gral für Freunde<br />
des Cabernet Sauvignon. Rund um die<br />
kleine Hafenstadt Pauillac liegen einige<br />
der berühmtesten Weingüter der Welt. Im<br />
Süden entlang der Schlösserstrasse bilden<br />
Pichon-Baron und Pichon-Comtesse die<br />
Eingangspforte, blickt man Richtung Gironde<br />
nach rechts, erblickt man den Turm<br />
von Château Latour. Nördlich der Stadt<br />
liegen die weiteren zwei Premiers Grands<br />
Crus Mouton-Rothschild und Lafite-Rothschild.<br />
Insgesamt haben stolze achtzehn<br />
klassifizierte Gewächse ihren Sitz in der<br />
Cabernet-Hochburg. Die Weine hier sind<br />
kernig und mit festem Tannin ausgestattet,<br />
verfügen über grosses Reifepotenzial und<br />
sind markiert von Cassis und Tabak.<br />
EXOTISCHER PFLICHTBESUCH<br />
Auf einer kleinen Anhöhe gegenüber von<br />
Lafite-Rothschild steht das optisch vielleicht<br />
exotischste Anwesen des Médoc,<br />
das dem Sitz eines indischen Maharadschas<br />
würdige Château Cos d’Estournel.<br />
Es ist eines der bedeutendsten Weingüter<br />
der Appellation Saint-Estèphe und muss<br />
als Pflichtbesuch eingeplant werden. Noch<br />
weiter nördlich erreicht man das eindrucksvolle<br />
Château Montose in Ufernähe<br />
der Gironde sowie den Klassiker Calon-<br />
Ségur. Die Weine zeigen eine gute Frische,<br />
dunkle Beerenfrucht, robustes, kerniges<br />
Tannin und eine salzige Mineralität. Im<br />
Süden der Stadt Bordeaux erstreckt sich das<br />
Gebiet von Pessac-Léognan. An der Spitze<br />
steht Château Haut-Brion, das als einziges<br />
1855 und damals gleich als Premier Grand<br />
Cru Classé eingestuft wurde. In dieser Zone<br />
gibt es sechzehn Weine, die als Crus Classeés<br />
de Graves eingestuft sind, es wird allerdings<br />
zwischen Weiss- und Rotwein unterschieden.<br />
Sechs Betriebe sind für beide Couleurs<br />
klassifiziert, sieben nur für ihren Rotwein<br />
und drei nur für Weisswein - einzigartig in<br />
der Welt. Neben den Haut-Brions sind die<br />
Domaine de Chevalier, Château Smith Haut<br />
Lafitte, Malartic-Lagravière und Haut-Bailly<br />
Auf Cos d’Estournel kann<br />
man auch fein speisen<br />
oder im «La Maison»<br />
übernachten.<br />
volle Aufmerksamkeit wert.<br />
Zum süssen Finale geht es noch eine halbe<br />
Autostunde weiter südlich ins Sauternes.<br />
Hier sorgen herbstliche Nebel für das Auftreten<br />
der Edelfäule, und das ermöglicht die<br />
Produktion von stoffigen Süssweinen aus<br />
den Sorten Sauvignon Blanc und Sémillon.<br />
Hier wurden 1855 insgesamt 27 Güter<br />
klassifiziert, Château d’Yquem ist Solist als<br />
Premier Cru Supérieur, gibt es elf Prémiers<br />
Crus und 16 Deuxième Crus. Das «linke<br />
Ufer» hat also alles zu bieten: grosse Rote,<br />
mineralische trockene Weissweine und tolle<br />
Süssweine.<br />
<<br />
Fotos: beigestellt, Iwan Baan, Grégoire Gardette<br />
124 falstaff dez–feb 2025
wein / BORDEAUX – LINKES UFER<br />
Die Stadt Bordeaux<br />
hat kulinarisch mehr<br />
zu bieten denn je: Zu<br />
den Topadressen zählt<br />
das «Pressoir d’Argent»<br />
im «Le Grand Hotel».<br />
WEINGÜTER<br />
CHÂTEAU MARGAUX, MARGAUX<br />
Eines der ältesten und anerkanntesten Güter im<br />
Médoc, heute in dritter Generation geführt von der<br />
Familie Mentzelopoulos. Berühmt für seinen seidigeleganten<br />
Rotwein sowie einen der besten Weissweine<br />
(Pavillon Blanc) aus Sauvignon Blanc.<br />
Château Margaux, 3460 Margaux<br />
T: +33 557 888383, chateau-margaux.com<br />
CHÂTEAU LÉOVILLE-LAS-CASES, SAINT-<br />
JULIEN<br />
Wenn es einen Kandidaten gibt, der die Aufwertung<br />
von Zweit- zum Erstgewächs verdienen würde,<br />
dann ist es Leóville-las-Cases, der direkte Nachbar<br />
von Château Latour und Primus inter pares in<br />
Saint-Julien. Hier entsteht seit 1902 mit dem Clos<br />
du Marquis ein weiterer, exzellenter Terroirwein<br />
Rue de l’École, 33250 St.Julien-Beychevelle<br />
T: +33 556 732526, domaines-delon.com<br />
CHÂTEAU LATOUR, PAUILLAC<br />
Die Geschichte dieses weltbekannten Weinguts<br />
reicht bis 1331 zurück. 1993 vom Milliardär François<br />
Pinault erworben wird Latour nunmehr seit<br />
1998 von Frédéric Engerer geleitet. Längst wird<br />
hier mit den Prinzipien der Biodynamie gearbeitet,<br />
die Rotweine des Hauses setzen Jahr für Jahr die<br />
Massstäbe für das Linke Ufer und gelten als die<br />
langlebigsten Gewächse der Region.<br />
27, route des Châteaux, 33250 Pauillac<br />
T: +33 556 731980<br />
chateau-latour.com<br />
CHÂTEAU MOUTON-ROTHSCHILD, PAUILLAC<br />
Legendär für seinen erstklassigen Wein und dessen<br />
jährlich wechselnde Künstleretiketten. 1853 hat<br />
Baron Nathan de Rothschild das Gut erworben,<br />
1973 schaffte Baron Philippe das bisher einmalige<br />
Kunststück, das Mouton von Zweitgewächs zum<br />
Erstgewächs aufrücken durfte.<br />
Château Mouton-Rothschild, 33250 Pauillac<br />
T: +33 556 732129,<br />
chateau-mouton-rothschild.com<br />
CHÂTEAU LAFITE-ROTHSCHILD, PAUILLAC<br />
Im Klassement von 1855 steht Lafite an der ersten<br />
Stelle der Premiers Grands Crus und dank kompromissloser<br />
Arbeit kann man diesem Anspruch auch<br />
gerecht werden. Mit Saskia de Rothschild an der<br />
Spitze hat nun eine neue Generation das Sagen.<br />
Château Lafite-Rothschild, 33250 Pauillac<br />
T: +33 556 731818, lafite.com<br />
CHÂTEAU COS D’ESTOURNEL,<br />
SAINT-ESTÈPHE<br />
Ein in vielerlei Hinsicht einzigartiges Weingut. Seit<br />
2000 arbeitet Michel Reybier an diesem Gesamtkunstwerk,<br />
neben tollen roten und weissen Cos-<br />
Weinen kann man auch im Maison d’Estournel relaxen<br />
und nächtigen.<br />
Cos S, 33180 Saint-Estèphe<br />
T: +33 556 731550, estournel.com<br />
CHÂTEAU HAUT-BRION, PESSAC<br />
Der Empfang für Gäste findet aktuell im wunderschön<br />
adaptierten Pavillon Catelan am Eingang des<br />
Châteaux statt, hier können private Tastings organisiert<br />
werden, in der Vinothek werden Weine aller<br />
Güter der Clarence-Dillon-Familie angeboten.<br />
Château d’Yquem in Sauternes erzeugt die besten<br />
Süssweine des Bordeaux.<br />
135 avenue Jean Jaurés, 33608 Pessac<br />
T: +33 556 002930, haut-brion.com<br />
CHÂTEAU SMITH HAUT LAFITTE, LÉOGNAN<br />
Seit der Übernahme 1991 durch die Familie Cathiard<br />
hat dieses Weingut sowohl mit seinen trockenen<br />
Weissweinen als auch mit den Rotweinen neue<br />
Massstäbe gesetzt. Mit den Restaurants, dem<br />
Hotel und Spa ein Erlebnis für alle Sinne.<br />
Smith Haut Lafitte, 33650 Martillac<br />
T: +33 557 831122, smith-haut-lafitte.com<br />
CHÂTEAU D’YQUEM, SAUTERNES<br />
Weithin sichtbar thront die Bastion des edelsüssen<br />
Weins über seinen Weingärten. Hier entstehen die<br />
besten Süssweine der Welt. Yquem ist nur mit<br />
einem Wort zu beschreiben: Perfektion.<br />
Château d’Yquem, 332<strong>10</strong> Sauternes<br />
T: +33 557 980707, yquem.fr<br />
WOHNEN & ESSEN<br />
LE GRAND HOTEL<br />
Das Flaggschiff der Intercontinental-Gruppe bietet<br />
allen erdenklichen Komfort. Die Lage gegenüber<br />
der Opéra National ist zentraler Ausgangspunkt,<br />
um die Stadt Bordeaux zu erkunden. Zwei Restaurants,<br />
darunter das von Gordon Ramsay kuratierte<br />
«Pressoir d’Argent», eine legendäre Rooftop-Bar,<br />
bestes Service, eine Wohlfühloase.<br />
2-5 place de la Comédie, 33000 Bordeaux<br />
T: + 33 557 304444, ihg.com<br />
HOTEL RENAISSANCE BORDEAUX<br />
Das zur Marriott-Gruppe gehörende neue Hotel<br />
liegt praktisch gegenüber der Cité du Vin in einem<br />
lebendigen aufstrebenden Viertel. Tolle Terrasse<br />
mit Blick aufs alte Hafenbecken und das Gourmetzentrum<br />
«Les Halles de Bacalan».<br />
15, rue de Gironde, 33000 Bordeaux<br />
T: +33 519 800200, marriott.com<br />
RESTAURANT LE PAVILLON DES BOULEVARDS<br />
Der junge Chef Thomas Morel und seine zauberhaf-<br />
Fotos: Yoris Photographer, Pepa, Tim Graham / robertharding / Picturedesk, beigestellt, Edouard Nguyen, Agi Simoes / Reto Guntli, Karine Faby<br />
126 falstaff dez–feb 2025
Dinieren im Weingut: Der<br />
Grand Cru Classé Marquis<br />
de Terme ist ein idealer<br />
Halt für Weinfreunde.<br />
te Gattin Celia bieten an dieser Adresse, die<br />
bereits seit 1989 einen Michelin-Stern hat, moderne,<br />
leichtfüssige und dabei sehr elaborierte<br />
Küchenlinie in einem ansprechenden Ambiente.<br />
120 Rue de la Croix-de-Seguey, 33000 Bordeaux<br />
T: +33 556 815<strong>10</strong>2, pavillondesboulvards.fr<br />
LA TUPINA<br />
Diese Auberge zählt seit vielen Jahren zum gastronomischen<br />
Kanon der Stadt Bordeaux. Unweit der<br />
Grande Cloche pflegt Chef Franck Audu die klassisch-rustikale<br />
Küche des Sud-Ouest (Gascogne/<br />
Guyenne) und führt so die 1968 von Jean-Pierre<br />
Xiradaks gegründete Institution weiter.<br />
6 Rue Porte de la Monnaie, 33000 Bordeaux<br />
T: +33 556 915637, latupina.com<br />
RESTAURANT L’OBSERVATOIRE DU GABRIEL<br />
Die kulinarische Aussenstelle von Château Angélus<br />
in der Stadt. Der mit einem Michelin-Stern ausgezeichnete<br />
Chef Bertrand Noeureuil schafft<br />
Kunstwerke am Teller, die Weinliste spielt mit über<br />
<strong>10</strong>00 Positionen die ganze Bandbreite und wird von<br />
Stéphanie de Broüard-Rivoual persönlich betreut.<br />
<strong>10</strong> Place de la Bourse, 33000 Bordeaux<br />
T: +33 556 300080, le-gabriel-bordeaux.fr<br />
CHÂTEAU CORDEILLAN-BAGES<br />
Im Ortsteil Bages in Pauillac betreibt Familie Cazes<br />
nicht nur das berühmte Weingut Lynch-Bages, sondern<br />
hat hier einen veritablen kulinarischen Stützpunkt<br />
im Médoc entwickelt. Das Cordeillan-Bages<br />
ist das Fünf-Sterne-Hotel der Region, in der Nähe<br />
fungiert das «Café Lavinal» als kulinarische Topadresse.<br />
Head Sommelier Arnaux Le Saux hat rund<br />
1800 Positionen auf seiner tollen Weinkarte.<br />
Route de Châteaux, 33250 Pauillac<br />
T: +33 556 592424, cordeillanbages.com<br />
RESTAURANT LE SAINT-JULIEN<br />
Claude und Rosy Broussard führen den klassischen<br />
Landgasthof mit traditioneller Küche seit 1996. Hier<br />
nimmt man sich gerne Zeit zum Geniessen.<br />
11 Rue de Saint-Julien, Saint-Julien Beychevelle<br />
T: +33 556 596387, restaurant-le-saint-julien.com<br />
RESTAURANT (AU) MARQUIS DE TERME<br />
Sterneküche auf einem Grand Cru Classé bietet<br />
Thibaud Guena auf der Terrasse im Innnenhof des<br />
Weinguts und im eleganten Restaurant. Für die<br />
Küchenlinie zeichnet Grégory Coutanceau aus<br />
La Riochelle (Les Flots) verantwortlich.<br />
Marquis de Terme, 3 Rte de Rauzan,<br />
33460 Margaux<br />
T: +33 557 082533, au-marquis-de-terme.com<br />
LES SOURCES DE CAUDALIE<br />
Das Fünfsternehotel und Spa mit der bekannten<br />
Vinotherapie und zwei Restaurants liegt keine<br />
zwanzig Autominuten ausserhalb der Stadt<br />
inmitten der Weinberge von Pessac-Léognan.<br />
Smith Haut-Lafitte, 33650 Martillac<br />
T: +33 557 838383, sources-caudalie.com<br />
CHÂTEAU LAFAURIE-PEYRAGUEY<br />
Weingut, Luxushotel und Spitzenrestaurant: Hier<br />
hat sich der <strong>Schweiz</strong>er Unternehmer und Lalique-<br />
Besitzer Silvio Denz einen Traum erfüllt.<br />
Peyraguey, 332<strong>10</strong> Bommes, Sauternes<br />
T: + 33 524 228011<br />
chateau-laforie.peyraguey.com<br />
<<br />
Ausgangspunkt für<br />
Sauternes-Trips:<br />
Château Laforie-<br />
Peyraguey mit<br />
dem Restaurant<br />
«Lalique».<br />
dez–feb 2025<br />
falstaff<br />
127
wein / BORDEAUX – LINKES UFER<br />
BEST OF<br />
BORDEAUX – LINKES UFER<br />
<strong>10</strong>0<br />
<strong>10</strong>0<br />
<strong>10</strong>0<br />
CHÂTEAU PONTET-CANET 2019<br />
Tiefdunkles Rubingranat, opaker Kern,<br />
violette Reflexe, zarte Randaufhellung.<br />
Bukett entsprechend mehr von<br />
Herzkirschen geprägt als vom üblichen<br />
Cassis de Pauillac, zart nach<br />
Nougat und Karamell, feine Kräuterwürze.<br />
Kraftvoll, engmaschig, zeigt<br />
gute Süsse, schokoladiger Touch,<br />
reife Tannine, grosse Komplexität, tolle<br />
Länge und Würze, eine sehr eigenständige<br />
Persönlichkeit, ein Riesenversprechen<br />
für die Zukunft, hat alles,<br />
was ein Weltklassewein braucht.<br />
wineandsomm.com, CHF 84,–<br />
CHÂTEAU D’YQUEM 2009<br />
Mittleres Goldgelb. Attraktive Nuancen<br />
von Orangenblüten, Jasmin,<br />
weissem Pfirsich, Vanilleschoten,<br />
kandierten Orangenzesten und Honig.<br />
Am Gaumen superbe Balance aus<br />
Fruchtsüsse und Säurestruktur,<br />
ungemein fein und vielschichtig,<br />
mineralische Nuancen unterlegt, ein<br />
Süsswein von grösster Präzision und<br />
überzeugender Länge, perfekte<br />
Botrytis würze, ausgestattet mit enormem<br />
Reifepotenzial.<br />
denzweine.ch<br />
CHF 875,–<br />
CHÂTEAU MOUTON-ROTHSCHILD<br />
2019<br />
Dunkles Rubingranat, opaker Kern,<br />
violette Reflexe, dezente Randaufhellung.<br />
Feine schwarze Beerenfrucht,<br />
ein Hauch von Cassis und Lakritze,<br />
frische Mandarinenzesten, Nuancen<br />
von Zedernholz, das Bukett übt sich<br />
in nobler Zurückhaltung. Komplex,<br />
stoffig, superelegante Textur, feine<br />
süsse, reife, lange anhaftende, seidige<br />
Tannine, tolle Dichte, reife Herzkirschen,<br />
mineralisch, feine Würze,<br />
überzeugende Länge.<br />
granchateaux.ch, CHF 572,–<br />
<strong>10</strong>0<br />
<strong>10</strong>0<br />
<strong>10</strong>0<br />
CHÂTEAU LÉOVILLE-LAS-CASES<br />
2019<br />
Dunkles Rubingranat, opaker Kern,<br />
violette Reflexe, zarte Randaufhellung.<br />
Feines Edelholz, Nougat,<br />
schwarze Beeren unterlegt, etwas<br />
Kardamom, dunkle Kirschen, ein<br />
Hauch von kandierten Orangen.<br />
Kraftvoll, straff, engmaschig, frischer<br />
Säurebogen, würzige, tragende Tannine,<br />
Schokolade im Abgang, mineralisch<br />
und sehr lange anhaftend, Herzkirschen,<br />
enormes Zukunftspotenzial.<br />
martel.ch, CHF 240,–<br />
CHÂTEAU HAUT-BRION 2020<br />
Dunkles Rubingranat, violette Reflexe,<br />
tiefer Kern, zarte Randaufhellung.<br />
Dunkle Waldbeeren, ein Hauch von<br />
Edelholz, reife Kirschen, zarte florale<br />
Nuancen nach kandierten Veilchen,<br />
süsser Tabak, sehr einladendes<br />
Bukett. Komplex, saftig, rotbeerige<br />
Textur, gut integrierte, reife Tannine,<br />
feine Süsse im Abgang, wirkt bereits<br />
sehr in sich ruhend, grosse Länge,<br />
ein ausgezeichneter Speisenbegleiter,<br />
sichere Zukunft.<br />
vinpark.com, CHF 550,–<br />
CHÂTEAU LAFITE-ROTHSCHILD<br />
2019<br />
Dunkles Rubingranat, opaker Kern,<br />
violette Reflexe, dezente Randaufhellung.<br />
Nougat, reife Kirschen, ein<br />
Hauch von Cassis, frische Orangenzesten,<br />
ein Hauch von Edelholz, sehr<br />
einladend. Komplex, stoffig, reife<br />
schwarze Kirschfrucht, angenehme<br />
Fruchtsüsse, seidige Tannine, frisch<br />
strukturiert, mineralisch, Schokolade,<br />
bereits in diesem frühen Zustand<br />
sicheres Reifepotenzial, ein Wein<br />
von enormem Charme und grosser<br />
Finesse. martel.ch, CHF 890,–<br />
<strong>10</strong>0<br />
<strong>10</strong>0<br />
<strong>10</strong>0<br />
CHÂTEAU PALMER 2018<br />
Tiefdunkles Rubingranat, opaker<br />
Kern, violette Reflexe, zarte Randaufhellung.<br />
Intensive Nuancen von<br />
schwarzen Waldbeeren, ein Hauch<br />
von Lakritze und Cassis, kandierte<br />
Veilchen, aber auch rote Konfitüre,<br />
etwas Nougat und Mandarinenzesten,<br />
ungemein verführerisch, ein<br />
Hauch von Zedernholz ist unterlegt.<br />
Saftig, schwarze Kirschen, Brombeerkonfit,<br />
präsente, reife Tannine, die<br />
lange tragen werden, extraktsüss und<br />
anhaftend, Schokotouch im Abgang.<br />
lucullus.ch, CHF 396,–<br />
CHÂTEAU MARGAUX 2022<br />
Tiefdunkles Rubingranat, opaker<br />
Kern, violette Reflexe, zarte Randaufhellung.<br />
Schwarze Kirschen, Cassis,<br />
dunkle Waldbeeren, einladende<br />
Gewürznuancen, kandierte Orangenzesten,<br />
sehr verführerisch. Stoffig,<br />
schwarze Herzkirschen, seidige<br />
Tannine, die dem Wein eine enorme<br />
Länge geben, salzige Mineralität,<br />
bleibt minutenlang haften, bestes<br />
Reifepotenzial, setzt ohne Zweifel<br />
neue Massstäbe für Margaux.<br />
grvins.ch, CHF 675,–<br />
CHÂTEAU LATOUR 2009<br />
Tiefdunkles Rubingranat, violette<br />
Reflexe, dezente Randaufhellung.<br />
Zart floral unterlegte kleine schwarze<br />
Beerenfrucht, ein Hauch von Edelholz,<br />
zart nach Nougat und Karamell,<br />
reifes Brombeer-Cassis-Konfit,<br />
tabakiger Touch, sehr facettenreiches<br />
Bukett. Komplex, kraftvoll, sehr<br />
saftig, vollreife Herzkirschen, tolle<br />
Extraktsüsse, reife, tragende Tannine,<br />
zeigt bereits eine enorme Länge,<br />
wirkt kühl und frisch im Abgang.<br />
pierre-wyss.ch<br />
CHF 1113,–<br />
Fotos: beigestellt<br />
128 falstaff dez–feb 2025
GROSSE KUNST.<br />
OHNE ALLÜREN.<br />
Österreichs Weine sind daheim im<br />
Herzen Europas, wo kontinentale<br />
Wärme mit kühler Nordluft tanzt.<br />
In diesem einzigartigen Klima wachsen<br />
edle Weine mit geschützter Ursprungsbezeichnung<br />
– zu erkennen an der<br />
rotweißroten Banderole auf der Kapsel<br />
und der staatlichen Prüfnummer auf<br />
dem Etikett.<br />
österreichwein.at
Chefredakteur<br />
Spirits<br />
ALEXANDER<br />
THÜRER<br />
SPIRITS<br />
LIMITED EDITION<br />
STARKER CHARAKTER<br />
Donald Johnston ist einer der Gründerväter der 1815 eröffneten<br />
Laphroaig Distillery auf Islay. Ihm zu Ehren bringt die<br />
Brennerei nun einen limitierten Single Malt auf den Markt,<br />
der zugleich den Auftakt zur neuen «Strong Characters»-Serie<br />
markiert. Der rund <strong>10</strong>00 Euro teure Single Malt reifte 33 Jahre lang<br />
in amerikanischen Eichenfässern und europäischen Ex-Sherry-<br />
Hogsheads. Besonders ist auch das Etikett, welches vom britischen<br />
Künstler Bill Bragg gestaltet wurde. laphroaig.com<br />
DREI BRENNEREIEN,<br />
EINE SYMPHONIE<br />
Master Blender sind in japanischen<br />
Brennereien die wichtigsten Personen,<br />
denn ihre Handwerkskunst ist für die<br />
einzigartige Qualität japanischer Whiskys<br />
entscheidend. The House of Suntory<br />
stellt nun mit dem Hibiki 40 Y.O. nicht<br />
nur ein echtes Meisterwerk, sondern<br />
auch den ältesten Blended Whisky seiner<br />
Geschichte vor. Hibiki 40 Years Old<br />
vereint hierfür über 40 Jahre gereifte<br />
Whiskys aus den renommierten Suntory-<br />
Destillerien Yamazaki, Hakushu und<br />
Chita. Leider ist dieses in einer Kristallflasche<br />
eingefangene liquide Erlebnis<br />
äusserst rar: Nur 400 Flaschen gibt es<br />
weltweit. suntoryglobalspirits.com<br />
DIE VOLLE KRAFT<br />
DES ZUCKERROHRS<br />
Die Insel Mauritius ist für<br />
ihre charaktervollen Rums<br />
im Stil französischer<br />
Agricoles bekannt.<br />
Auf Basis von frischem<br />
Zuckerrohrsaft entsteht<br />
auch der neue Mauricia<br />
L’Intendance. Gebrannt<br />
im Pot Still, für über zwei<br />
Jahre in Stahltanks<br />
gereift und mit stolzen<br />
60 Vol.-% abgefüllt, zählt er zu den hocharomatischen<br />
High Ester Rums und begeistert<br />
Geniesser mit den agricole-typischen,<br />
vegetalen Noten des frischen Zuckerrohrs.<br />
fancyfood.eu<br />
130 falstaff dez–feb 2025
NOTIZEN<br />
MIT ZIGARREN UM DIE WELT<br />
Nach der Einführung des<br />
Davidoff Travel Humidor<br />
Explorer Anfang <strong>2024</strong><br />
folgt nun der Travel<br />
Humidor Business. Er<br />
ermöglicht es Aficionados,<br />
stilvoll und komfortabel<br />
mit Zigarren zu<br />
reisen. Zusätzliche<br />
Taschen für Zubehör und<br />
Visitenkarten machen ihn<br />
zu einem stilvollen und<br />
praktischen Accessoire.<br />
davidoff.com<br />
OLYMPISCHER SAMMELSPASS<br />
Aromatische Muskatweine von den Ägäis-<br />
Inseln, gereifte Weindestillate und mediterrane<br />
Kräuter zeichnen den «Metaxa 12<br />
Sterne» seit jeher aus. In der limitierten<br />
Zeus-Edition wird die Flasche nun jedoch<br />
mit einem farbenfrohen Kunstwerk von<br />
Zeus’ Porträt verziert, das den Göttervater<br />
zeitgemäss zurückbringt.<br />
metaxa.com<br />
Fotos: Adrian Almasan, beigestellt<br />
MILDER EINSTIEG<br />
Whisky aus Schottland verbinden viele Geniesser<br />
mit vor allem mit Torf und Rauch. Doch in den<br />
südlichen Lowlands, wird ein milderer, fruchtbetonterer<br />
Whisky-Stil gepflegt, der auch Neueinsteiger<br />
begeistert. In Lowland Destillerien,<br />
zu denen auch die Bladnoch Brennerei aus der<br />
Grafschaft Dumfries & Galloway zählt, wird<br />
zudem traditionell auf getorftes Malz verzichtet.<br />
Bladnoch-Whiskys sind nun exklusiv bei Baur au<br />
Lac Vins zu haben, allen voran die beiden Einsteiger-Whiskys<br />
Bladnoch Vinaya und Bladnoch<br />
Samsara, zwei Single Malt Whiskys, die in Sherry-<br />
Casks, bzw. kalifornischen Rotweinfässern<br />
gefinisht werden. bauraulacvins.ch<br />
PIÑA COLADA<br />
TRIFFT MAI TAI<br />
Aus dem «Kimpton Aysla»-Resort auf Mallorca<br />
kommt ein feiertagstauglicher Cocktail-Twist zu<br />
uns, der die Klassiker Mai Tai und Piña Colada<br />
vereint und mit Champagner veredelt. Für den<br />
«My Colada» 4 cl Rum, 2 cl Kokosnusslikör,<br />
1 cl Zuckersirup, 6 Spritzer Zitronensaft im<br />
Shaker auf Eis schütteln, in ein Cocktailglas auf<br />
Eis abseihen und mit 3 cl Champagner toppen.<br />
kimptonayslamallorca.com<br />
NEUES AUS SUGARLANDIA<br />
Vor rund zwei Jahren brachte Don Papa<br />
erstmals die Rum-Kreation Gayuma auf<br />
den Markt. Diese gibt es ab sofort wieder<br />
regulär zu kaufen. Dabei handelt es sich<br />
um einen dunklen, rauchigen Double<br />
Barrel Aged Rum, der aus <strong>10</strong>0 Prozent<br />
lokal produzierter Zuckerrohrmelasse der<br />
Insel Negros hergestellt wird.<br />
donpaparum.com<br />
KEINE NEWS MEHR<br />
VERPASSEN<br />
Lust auf einen Deep Dive in den Ozean<br />
der destillierten Glückseligkeit? Der<br />
<strong>Falstaff</strong> «Spirits Newsletter» nimmt<br />
Sie mit an die besten Tresen der Welt,<br />
enthüllt grossartige Spirits und trifft<br />
die Macher hinter dem Liquid. Also<br />
gleich anmelden auf<br />
go.falstaff.com/newsletter<br />
dez–feb 2025<br />
falstaff<br />
131
spirits / WHISKY<br />
WIE DER<br />
WHISKY<br />
DIE WELT<br />
EROBERTE<br />
Whisky trinkt man heute nicht nur auf der ganzen<br />
Welt, er wird auch rund um den Globus gebrannt.<br />
Seine Stile sind dabei so vielfältig wie seine regionalen<br />
Entstehungsgeschichten. Ein Blick auf den sagenhaften<br />
Aufstieg eines einfachen Getreidebrandes auf den<br />
Gipfel des Spirituosenolymps.<br />
TEXT ALEXANDER THÜRER<br />
Die Welt des Whisk(e)ys ist so bunt wie<br />
nie zuvor. Doch egal, woher das Liquid<br />
stammt, die Wurzeln führen irgendwie<br />
immer in die schottische und irische<br />
Heimat zurück.<br />
Foto: Paul Hampton<br />
132 falstaff dez–feb 2025
dez–feb 2025<br />
falstaff<br />
133
spirits / WHISKY<br />
Die Brennerei<br />
Aberfeldy in den<br />
schottischen<br />
Highlands ist nicht<br />
nur die Heimat<br />
des gleichnamigen<br />
Single Malts,<br />
sondern auch des<br />
Dewar’s Blended<br />
Scotch.<br />
W<br />
hisky ist schottisch<br />
und Single Malt die<br />
Krone der Schöpfung.<br />
Diesen Eindruck<br />
konnte man lange<br />
Zeit gewinnen, wenn man den Ausführungen<br />
einiger «Whisky-Experten» lauschte,<br />
die alles, was nicht von ihrer Lieblingsinsel<br />
kam, mit Nichtachtung straften. Fakt ist<br />
aber: Whisky ist schon seit Jahrhunderten<br />
alles andere als ein schottisches Privileg und<br />
längst zu einem weltweiten Phänomen<br />
geworden. Es ist zudem nicht mal klar, wer<br />
den Stoff einst überhaupt erfunden hat!<br />
Da gibt es beispielsweise die irische Legende,<br />
dass das Wissen um die Destillation<br />
bereits im fünften Jahrhundert von Schutzpatron<br />
St. Patrick nach Irland gebracht<br />
wurde, weshalb man dort die Erfindung<br />
des Whiskeys gern für sich reklamiert. Die<br />
selbstbewussten Schotten entgegnen, St. Patrick<br />
sei bei ihnen in Dumbarton geboren<br />
worden, weshalb die Erfindung des Whiskys<br />
ganz klar ihre Errungenschaft sei. Nach<br />
heutigem Wissensstand jedoch wurde der<br />
Destillierhelm, den man zur Ethanol-Destillation<br />
benötigt, im achten Jahrhundert im<br />
heutigen Irak erfunden und schaffte erst im<br />
elften Jahrhundert den Sprung nach Europa.<br />
Schlechte Karten für Legendenfans, aber<br />
immerhin passt das zur ersten schriftlichen<br />
Erwähnung einer Brennerei, die vom englischen<br />
König Heinrich II. überliefert ist. Dieser<br />
marschierte 1170 in Irland ein und fand<br />
dort angeblich gut ausgebaute Brennanlagen<br />
vor. Die erste Quelle, die in Schottland von<br />
Destillerien berichtet, stammt hingegen erst<br />
aus dem Jahr 1494. Ganz klar ist die Sache<br />
damit aber noch immer nicht, denn Whisky,<br />
wie wir ihn heute kennen, war das damals<br />
weder in Irland noch in Schottland. Man<br />
hatte es stattdessen eher mit einem recht<br />
üblen, mit Kräutern versetzten Brand von<br />
minderer Qualität zu tun.<br />
DER SPRUNG IN DIE WELT<br />
Das, was wir heute unter Whisky verstehen,<br />
entstand erst später im 18. Jahrhundert, als<br />
man anfing, Alkohol gezielt in Fässern auszubauen.<br />
Man hatte nämlich gemerkt, dass oftmals<br />
ruppige Destillate beim Transportieren<br />
in Fässern mit der Zeit besser wurden – eine<br />
Erkenntnis, die zweifelsfrei zu den grossen<br />
Errungenschaften der Menschheitsgeschichte<br />
zählt, aber erschreckend unterbewertet<br />
ist. Schottland und Irland sind trotz aller<br />
Fotos: Graeme Hart / Perthshire Picture Agency, Chris Watt Photography, beigestellt<br />
134 falstaff dez–feb 2025
HEUTE GIBT ES IN<br />
DEUTSCHLAND<br />
SCHON MEHR WHISKY-<br />
PRODUZENTEN ALS<br />
IN SCHOTTLAND.<br />
Die noch recht<br />
junge Teeling<br />
Distillery im<br />
Herzen Dublins<br />
ist für ihre<br />
innovativen<br />
Irish Whiskeys<br />
bekannt.<br />
Ohne Reifung kein Whisky: Mindestens<br />
drei Jahre müssen Whiskys reifen, um<br />
sich so nennen zu dürfen. Die Wahl<br />
des Fasses und dessen eventuelle<br />
Vorbelegung haben grossen Einfluss<br />
auf den Geschmack.<br />
Diskussionen, wer denn nun der Erfinder ist,<br />
zweifelsfrei die traditionellen Whisky-Destinationen<br />
– dicht gefolgt von den USA.<br />
Doch die Entstehung des amerikanischen<br />
Whiskeys wäre ohne die Wirren des alten<br />
Europa nicht denkbar, waren es doch vor<br />
allem irische Auswanderer, die das Wissen<br />
um das Whiskeybrennen mit in die Staaten<br />
brachten und eine Kultur begründeten, die<br />
später als Bourbon bekannt werden sollte.<br />
DIE GEBURT DES BOURBON<br />
Aufgrund englischer Restriktionen war<br />
man es gewohnt, Whiskey auch aus anderen<br />
Grundstoffen als reinem Gerstenmalz<br />
herzustellen. Ein Grund dafür war<br />
beispielsweise eine strenge Malzsteuer, die<br />
irischen Brennern 1785 von der englischen<br />
Krone auferlegt wurde. Als Reaktion begannen<br />
diese, gemälzte mit ungemälzter<br />
Gerste zu mischen, um die Steuerlast zu<br />
senken. Heraus kam der irische Whiskey-Stil,<br />
der bis heute diese Liquids<br />
der grünen Insel massgeblich prägt.<br />
Der Stolz der Iren trieb weitere<br />
Blüten, die neben Massen an<br />
schwarz gebranntem Whiskey<br />
auch den berüchtigten «Poiteen»<br />
hervorbrachte – einen<br />
mit einfachsten Mitteln und<br />
aus allem, was fermentierbar war, hergestellten<br />
Brand. Irische Brenner waren es<br />
also gewohnt, erfinderisch zu sein – und in<br />
der Neuen Welt fanden die Auswanderer<br />
vor allem eines in rauen Mengen: Mais,<br />
bis heute Bestandteil eines jeden Bourbon.<br />
Doch die Alte Welt scheint in den USA wieder<br />
vermehrt an Attraktivität zu gewinnen,<br />
denn aktuell machen neben klassischen<br />
Bourbon- oder Rye-Whiskys vor allem<br />
amerikanische Single Malts auf sich aufmerksam.<br />
Dieser noch recht junge Whiskey-Stil<br />
hat mittlerweile nicht nur einen<br />
eigenen Brennerverband hervorgebracht,<br />
sondern scheint derart vielversprechend zu<br />
sein, dass sogar Marken wie Jack Daniels<br />
erste eigene Single Malts produzieren.<br />
DER AUFSTIEG DER JAPANER<br />
Wer sich mit Whisky beschäftigt, wird<br />
schnell auf weitere Destinationen stossen,<br />
die eine wesentlich jüngere Whiskytradition<br />
haben, in den letzten Jahren aber immer<br />
stärker in den Fokus gerückt sind. Allen<br />
voran trifft dies auf Japan zu, wo man erst<br />
seit etwas mehr als <strong>10</strong>0 Jahren Whisky herstellt.<br />
Tatsächlich lässt sich der Beginn der<br />
japanischen Whiskygeschichte genau datieren<br />
und ist mit zwei Namen verbunden:<br />
Shinjiro Torij und Masataka Taketsuru.<br />
Letzterer, Sohn einer Familie von Sake-<br />
Brauern, reiste 1918 nach Schottland, um<br />
Chemie zu studieren, lernte dort aber die<br />
Kunst des Whiskybrennens kennen und<br />
lieben. Dieses Wissen brachte er mit in seine<br />
Heimat, wo er mit dem Weinimporteur<br />
Shinjiro Torij wenig später in Kotobukiya<br />
mit der Yamazaki-Brennerei die erste Whisky-Destille<br />
des Landes eröffnete.<br />
Es sollte nicht die letzte Brennereigründung<br />
der beiden gewesen sein, zumal sich<br />
Taketsuru 1934 mit der Nikka-Brennerei auf<br />
eigene Pfade begab. So haben die bis heute<br />
bedeutendsten japanischen Whiskybrennereien<br />
gemeinsame Eltern – die ihr Wissen<br />
wiederum aus Schottland importierten.<br />
Historisch gesehen waren japanische<br />
<<br />
dez–feb 2025<br />
falstaff<br />
135
spirits / WHISKY<br />
Der beliebteste US-Whiskey ist der Bourbon, zu dem<br />
etwa Blanton’s oder Woodford Reserve zählen und der zu<br />
mindestens 51 Prozent aus Mais bestehen muss. Aufgrund<br />
des «Charcoal Mellowing» (Kohlefiltration, u. r.) ist<br />
Tennessee Whiskey wie Jack Daniels jedoch kein Bourbon.<br />
<<br />
Whiskys in der Regel Blends, also eine<br />
Mischung verschiedener Whiskys aus unterschiedlichen<br />
Brennereien, weshalb die Kunst<br />
des Blendings bis zur Perfektion kultiviert<br />
wurde. Heute sind es die japanischen Single<br />
Malts, die weltweit gefragt sind. Als der<br />
Yamazaki Sherry Cask 2013 in Jim Murrays<br />
«Whisky Bible 2015» als bester Single<br />
Malt der Welt angepriesen wurde, löste das<br />
einen Run aus, der auch die Hersteller selbst<br />
überrumpelte. Das macht viele japanische<br />
Single Malts bis heute zu einem ebenso raren<br />
wie teuren Gut. Whisky, insbesondere Single<br />
Malt, hat aber auch auf dem europäischen<br />
Festland eine Heimat gefunden. Interessante<br />
Liquids finden sich von Spanien bis<br />
Schweden, mithin am umtriebigsten sind<br />
die Brenner aber in Deutschland, wo es aktuell<br />
über 400 Destillerien gibt, die Whisky<br />
herstellen – mehr als in Schottland.<br />
KONTINENTALER BOOM<br />
Obwohl das Kornbrennen vor allem in<br />
Norddeutschland schon lange praktiziert<br />
wurde, beginnt die Geschichte des deutschen<br />
Whiskys erst nach dem Zweiten Weltkrieg,<br />
Obwohl die<br />
Geschichte des<br />
japanischen<br />
Whiskys (l.) erst<br />
gut <strong>10</strong>0 Jahre<br />
alt ist, zählt das<br />
Land heute zu<br />
den beliebtesten<br />
Whisky-<br />
Destinationen.<br />
als die Besatzungsmächte ihre Whiskys mit<br />
ins Land brachten. Importierter Whisky<br />
wurde über Nacht zum Prestigeobjekt, und<br />
1958 erblickte der erste Whisky aus dem<br />
Hause Racke das Licht der Welt. Hierbei<br />
handelte es sich noch um einen Blend aus<br />
deutschem Getreidebrand und Scotch. Einer<br />
der ersten echten deutschen Whiskys kam<br />
erst 1982 auf den Markt, als die Brennerei<br />
Robert Fleischmann ihren Whisky «Blaue<br />
Maus» vorstellte. Sie ist damit einer der Pioniere<br />
des deutschen Whisky-Wunders.<br />
Im Laufe der Jahre folgten zahlreiche<br />
Brenner Fleischmanns Vorbild. Namen wie<br />
Slyrs, Stonewood, Beverbach, Liebl, Elsburn<br />
oder St. Kilian erlangen langsam auch internationale<br />
Bekanntheit. Doch auch in<br />
Österreich finden sich bei Brennern wie<br />
David Gölles, Hans Reisetbauer, Jasmin<br />
Haider oder Peter Affenzeller grossartige<br />
Malts, die auf internationalem Niveau mithalten<br />
können. Sogar in Italien blüht das<br />
Whisky- Pflänzchen. Brennereien wie Psenner<br />
mit dem «Eretico Single Malt», Puni, die<br />
erste italienische Whisky-Destillerie, oder die<br />
Brennerei Poli mit den «Segretario di Stato»-<br />
Whiskys setzen spannende Duft marken.<br />
Whiskyherz, was willst du mehr?<br />
<<br />
Fotos: Christopher Jeney, beigestellt<br />
136 falstaff dez–feb 2025
spirits / WHISKY<br />
BEST OF<br />
WHISKY<br />
97<br />
96<br />
95<br />
WHISTLE PIG ESTATE OAK RYE<br />
15 Y0<br />
Whistle Pig, USA<br />
Kräftige Roggenwürze im Duft, der<br />
von satter Eiche, Toffee, Tabak und<br />
etwas Orangenschale untermalt<br />
wird. Am Gaumen geben<br />
zunächst Eiche und Vanille den<br />
Ton an, im Mittelteil kommen<br />
dann Roggenwürze und etwas<br />
Karamell hinzu. Im wärmendwürzigen,<br />
trockenen Finish finden<br />
sich Töne von Eiche, Leder und<br />
Orange. ullrich.ch, CHF 245,–<br />
EAGLE RARE KENTUCKY<br />
STRAIGHT BOURBON WHISKEY<br />
<strong>10</strong> YO<br />
Buffalo Trace Distillery, USA<br />
Würzig-süsse Nase, komplex und<br />
dunkelfruchtig, feine Eiche, Vanille<br />
und dunkle, getrocknete Beeren. Im<br />
Mund balanciert und vielschichtig.<br />
Tolle, würzige Fassreife, Toffee,<br />
gedörrte Beere, Vanille, subtile<br />
Süsse, und komplexer, warmer<br />
Nachhall.<br />
schubiweine.ch, CHF 49,–<br />
TUSCAN MALT WHISKY SUPER<br />
TUSCAN WINE CASK<br />
Winestillery Florentis, Italien<br />
Goldgelb glänzend mit leichten<br />
bernsteinfarbenen Reflexen. Harmonisches,<br />
intensives und komplexes<br />
Bukett, getrocknete Früchte, süsse<br />
Gewürze und Kakao. Am Gaumen<br />
fruchtig und elegant mit Anklängen<br />
von Toast, Vanille und Schokolade,<br />
tiefgründig und anhaltend.<br />
spiritacademy.it, CHF 75,–<br />
96<br />
96<br />
95<br />
EMPEROR´S WAY «OTTO I»<br />
Hercynian Distilling Co,<br />
Deutschland<br />
Satte Rauchnote im Duft, die von<br />
Noten von Trockenfrucht, Nuss<br />
sowie Eiche, Malz und Schokolade<br />
begleitet wird. Am Gaumen kräftig,<br />
würzig, balancierter Rauch, Rosine,<br />
Toffee, Karamell, dunkle Schokolade,<br />
Tabak und etwas Orange runden<br />
das komplexe Bild ab.<br />
bringts.ch, CHF 159,35<br />
BOWMORE ISLAY SINGLE MALT<br />
SCOTCH WHISKY 12 YO<br />
Bowmore Distillery, Schottland<br />
Sehr subtile Torfnote, sherrytypische<br />
Trockenfrucht, dunkle Schokolade<br />
und sanftes Malz. Am Gaumen<br />
komplex. Rote Trockenfrucht und<br />
kalter Rauch in feiner Balance, Holz,<br />
Toffee und Orangenzeste bilden den<br />
Rahmen. Trockenes, fruchtig-rauchiges<br />
Finish.<br />
myspirits.ch, CHF 51,–<br />
THE MACALLAN DOUBLE CASK<br />
18 YO<br />
The Macallan, Schottland<br />
Intensives, süssliches Eichenholz,<br />
etwas Sherry, Nuancen von getrockneten<br />
Früchten, Toffee und Vanille,<br />
warme Gewürze, zitrische Anklänge.<br />
Vielschichtige, ausgewogene und<br />
typische Nase. Am Gaumen sehr<br />
weich, fast süsslich wirkend. Noten<br />
von Vanille und Karamell,<br />
hallt lange nach.<br />
houseofsinglemalts.ch, CHF 320,–<br />
96<br />
95<br />
94<br />
«THE HAKUSHU» SINGLE MALT<br />
JAPANESE WHISKY 12 YO<br />
Suntory Whisky, Japan<br />
Vielschichtige Nase, würzig, leicht<br />
ätherische Piniennadel, Eiche,<br />
Malz und feine Süsse. Am Gaumen<br />
würzig, hell-fruchtig, reife<br />
Fassnoten, frischer, trockener<br />
Körper, langes, adstringierendes,<br />
gelbfruchtiges, dezent rauchiges<br />
Finish.<br />
drinks.ch, CHF 249,–<br />
RUOTKER´S «<strong>10</strong>0% RYE»<br />
Manufaktur Gölles, Österreich<br />
Volle und doch weiche Nase mit raffinierten<br />
Nuancen von Dörrbirnen,<br />
Brotwürze und in Honig eingelegten<br />
Nüssen. Am Gaumen erst würzigpfeffrig,<br />
dann folgen in enger Abfolge<br />
die Duftnoten wiederkehrend.<br />
Enorme Länge, der Alkohol ist<br />
bestens eingebunden.<br />
s-fabrik.ch, CHF <strong>10</strong>2,–<br />
TEELING SMALL BATCH IRISH<br />
WHISKEY<br />
Teeling Distillery, Irland<br />
Harmonischer Duft mit marzipanartigem<br />
Unterton, feinem Holzrauch<br />
und fruchtigen Einsprengseln. Am<br />
Gaumen dem Duft entsprechend<br />
mit gut ausgewogenem Gesamtbild.<br />
Malziges und Würziges gehen eine<br />
schöne Liaison ein. Sehr gute Länge.<br />
schuewo.ch, CHF 38,50<br />
Fotos: beigestellt<br />
138 falstaff<br />
dez–feb 2025
THE MACALLAN<br />
200 JAHRE THE MACALLAN<br />
SCHOTTISCHER WHISKY AUF WELTKLASSENIVEAU<br />
Seit 1824 steht The Macallan für Spitzenqualität, handwerkliche<br />
Perfektion und aussergewöhnlichen Single Malt Whisky.<br />
ADVERTORIAL Fotos: © Ralph Dunning; beigestellt<br />
Ein Whisky mit dem Ruf, einer der<br />
besten Single Malts der Welt zu<br />
sein – The Macallan verdankt seine<br />
Qualität und den unverwechselbaren<br />
Charakter seinem reichen Erbe,<br />
der Handwerkskunst und der Kreativität.<br />
Die Destillerie in Speyside gilt seit der<br />
Gründung 1824 als eine der renommiertesten<br />
Produzentinnen von Single-Malt-Whiskys.<br />
Die sechs Leitprinzipien,darunter die<br />
exklusiven Eichenfässer und die natürliche<br />
Farbe des Whiskys, unterstreichen die<br />
herausragende Qualität, die jede Flasche<br />
von The Macallan ausmacht. Jedes Jahr<br />
wird eine Serie limitierter Spezialitäten<br />
veröffentlicht. Zum 200-jährigen Bestehen<br />
sind die Editionen jedoch noch besonderer.<br />
A NIGHT ON EARTH IN JEREZ<br />
Diese limitierte Edition ist eine Hommage an<br />
Jerez de la Frontera in Andalusien, wo die<br />
Sherry-Eichenfässer von The Macallan gefertigt<br />
werden. Die Aromen reflektieren süsses<br />
Gebäck, glasierte Mandeln und Zitrus no-<br />
ten – jene Geschmacksnuancen, die traditionelle<br />
Desserts aus der Region auszeichnen.<br />
HARMONY COLLECTION –<br />
VIBRANT OAK<br />
Die vierte Ausgabe der «Harmony Collection»<br />
feiert das 200-Jahre-Jubiläum und die<br />
reiche Geschichte der Eiche, welche für die<br />
Whiskyherstellung so wichtig ist. In einer<br />
Kombination von verschiedenen Sherry-<br />
Fässern gelagert überzeugt der Whisky<br />
mit klassischen Eichenaromen und süssen<br />
Noten von Vanille-Panna-cotta und<br />
buttrigem Mürbegebäck.<br />
CLASSIC CUT<br />
Die achte Ausgabe von Classic Cut zeigt die<br />
ganze Kreativität von The Macallan, wenn<br />
es um die Erforschung von Aromen geht.<br />
Gereift in einer Kombination aus amerikanischer<br />
Bourbon-Eiche und europäischen<br />
Sherryfässern entfaltet der Whisky Aromen<br />
von Vanille, Milchschokolade und ausgewogenen<br />
Eichengewürzen.<br />
RARE CASK<br />
Ein facettenreicher Single Malt, gereift in<br />
seltenen Sherry-Eichenfässern. Er zeichnet<br />
sich durch eine reiche, sanfte Textur und<br />
einen komplexen Charakter aus. Noten von<br />
süssen Rosinen, Vanille und Schokolade<br />
erklingen am Gaumen, der Abgang ist lang<br />
und samtig.<br />
INFO<br />
Erhältlich sind die Editionen<br />
von The Macallan auf<br />
drinks-and-style.ch<br />
dez–feb 2025 falstaff 139
DIE<br />
KUNST<br />
DER<br />
REIFUNG<br />
The Balvenie Fifty First<br />
Edition vereint fünf<br />
Jahrzehnte Handwerkskunst<br />
in einem einzigartigen,<br />
fünfzig Jahre alten Fass,<br />
ausgewählt von Malt Master<br />
Kelsey McKechnie.<br />
140 falstaff dez–feb 2025
THE BALVENIE<br />
Die auf 125 Flaschen pro<br />
Jahr limitierte «The Balvenie<br />
Fifty Collection» gibt einen<br />
einzigartigen Einblick in die<br />
Welt von «The Balvenie» und<br />
steht als Symbol für die<br />
Sorgfalt, mit der das Haus<br />
seine Traditionen bewahrt.<br />
Bei einem Rundgang durch<br />
«The Balvenie» bietet sich<br />
die Möglichkeit, die Menschen<br />
hinter der Herstellung des<br />
hochwertigen Single Malts<br />
persönlich kennenzulernen.<br />
ADVERTORIAL Fotos: beigestellt<br />
The Balvenie» hat mit der Fifty Collection<br />
eine ihrer bisher seltensten<br />
Abfüllungen angekündigt, die eine<br />
dreiteilige Hommage an fünf Jahrzehnte<br />
Handwerkskunst der Speyside-<br />
Destillerie darstellt. Diese einzigartige Trilogie<br />
umfasst sorgfältig ausgewählte Einzelfassabfüllungen,<br />
welche die Geschichte und<br />
Entwicklung der Brennerei auf eindrucksvolle<br />
Weise erzählen. Über die nächsten drei<br />
Jahre hinweg werden jeweils nur 125 Flaschen<br />
pro Jahr auf den Markt kommen, was<br />
die Fifty Collection zu einer weiteren eexklusiven<br />
Abfüllung in der Whiskywelt macht.<br />
«THE BALVENIE FIFTY»<br />
VEREINT DREI EDLE FÄSSER<br />
IN EINER TRILOGIE<br />
Den Auftakt der Trilogie bildet die First<br />
Edition, ein Single Cask, das in einem Refill<br />
Butt aus europäischer Eiche reifte. Das Fass<br />
mit der Nummer 8720 wurde im Jahr 1973<br />
abgefüllt und von Malt Master Kelsey<br />
McKechnie für diese Edition ausgewählt. In<br />
der Nase entfaltet sich ein reiches Bouquet<br />
aus dunklen Früchten, Cassis und kandierten<br />
Aprikosen, gepaart mit feinen Holznoten<br />
von Zedernholz und einer nussigen,<br />
wärmenden Würze. Am Gaumen setzt sich<br />
die Opulenz fort: Karamellisierte Früchte<br />
verschmelzen mit reichhaltigen Gewürzen<br />
und einer weichen Vanillenote, die durch<br />
eine dezente Ingwerschärfe und einen<br />
Hauch Zitrusfrucht abgerundet wird. Der<br />
Abgang bleibt lange und zeigt die Tiefe und<br />
Komplexität, die durch das Fass aus europäischer<br />
Eiche geprägt wurden.<br />
Für die zweite Edition wird Kelsey<br />
McKechnie ein weiteres Fass aus dem Jahr<br />
1973 – diesmal ein Hogshead aus amerikanischer<br />
Eiche – hinzufügen, das mit der ersten<br />
Abfüllung vermählt wird. In der finalen<br />
Edition wird ein drittes Fass aus dem Jahr<br />
1974 eingeführt, um die Trilogie perfekt<br />
abzurunden. Alle dieser Editionen sind auf<br />
subtile Weise miteinander verwoben, und<br />
doch bringt jede ein einzigartiges<br />
Geschmacksprofil hervor, das durch die<br />
Kombination von Fässern aus europäischer<br />
und amerikanischer Eiche entsteht.<br />
DIE ENTWICKLUNG<br />
DES FASS-FINISHINGS<br />
BEI «THE BALVENIE»<br />
Die Geschichte dieser aussergewöhnlichen<br />
Kollektion begann 1973, als das erste Fass<br />
unter der Leitung des legendären Malt<br />
Masters David C. Stewart abgefüllt wurde.<br />
Stewart und sein Team legten mit ihrer<br />
Arbeit den Grundstein für die heutige Handwerkskunst<br />
von «The Balvenie». Viele der<br />
damaligen Handwerker arbeiten noch immer<br />
für die Destillerie und haben im Laufe der<br />
Jahre zahlreiche Innovationen in der Whiskyherstellung<br />
vorangetrieben. Besonders hervorzuheben<br />
ist die Einführung des Fass-Finishings,<br />
einer Technik, die den Stil und Charakter<br />
von «The Balvenie» massgeblich<br />
geprägt hat. Diese Tradition setzt Kelsey<br />
McKechnie fort und führt das Erbe mit ihrer<br />
Kunst der Fassvermählung weiter. Durch ihre<br />
Arbeit entstehen Abfüllungen, die nicht nur<br />
die Geschichte von «The Balvenie» erzählen,<br />
sondern auch neue Massstäbe in Sachen<br />
Komplexität und Tiefe setzen.<br />
Neben der herausragenden Qualität des<br />
Whiskys selbst beeindruckt auch die luxuriöse<br />
Präsentation der «Balvenie Fifty Collection».<br />
Entwickelt wurde sie von Croglin,<br />
einem in Cumbria, Grossbrittanien, ansässigen<br />
Handwerksbetrieb. Jedes Stück besteht<br />
aus über <strong>10</strong>0 Einzelteilen. Besonders ins<br />
Auge fällt die spiralförmige Struktur aus<br />
vier Holzschichten, die mit höchster Präzision<br />
gefertigt wird. Die Fehlertoleranz liegt<br />
bei weniger als einem Zehntelmillimeter,<br />
was die aussergewöhnliche Handwerkskunst<br />
unterstreicht. Ein Display aus<br />
14-karätig vergoldetem Messing setzt den<br />
finalen Akzent und macht diese Kollektion<br />
zu einem Schmuckstück, das ebenso kostbar<br />
ist wie der Whisky selbst.<br />
INFO<br />
Weitere Informationen unter<br />
thebalvenie.com<br />
dez–feb 2025 falstaff 141
festive season / UHREN-KOLUMNE<br />
«ICH BIN NICHT<br />
DER TREND!»<br />
Die Genfer Luxusmarke Patek Philippe präsentierte eben ihre<br />
erste neue Kollektion seit 25 Jahren. Und bestätigte damit<br />
ein Erfolgsrezept: Man geht seinen ganz eigenen Weg.<br />
Die Antwort kam höflich daher,<br />
aber auch bestimmt. Und sie<br />
betraf die brandneue Kollektion<br />
der Marke namens<br />
«Cubitus». Ein Journalist<br />
hatte von Patek-Philippe-Patron Thierry<br />
Stern wissen wollen, warum die Uhr mit<br />
45 Millimetern Durchmesser doch recht<br />
gross ausgefallen sei – wo der Trend klar<br />
Richtung kleinere Uhren gehe. Sterns<br />
Antwort: «Ich bin nicht der Trend!»<br />
Man kann in dem Satz ein Erfolgsrezept<br />
der Marke sehen. Und auch eine leichte<br />
Untertreibung: Nur wenige Marken scheren<br />
sich derart wenig um Modeerscheinungen<br />
wie die Genfer Luxusmarke. Als zum<br />
Beispiel alle wie Lemminge nervös nach<br />
China eilten, weil man dort das neue Absatz-Eldorado<br />
wähnte, blieb Patek Philippe<br />
auffällig unaufgeregt. «Ich fände es nicht<br />
redlich», meinte Thierry Stern, «heute den<br />
Amerikanern zu sagen: Danke für die guten<br />
Geschäfte. Es war super, wie ihr in den letzten<br />
<strong>10</strong>0 Jahren unsere Uhren gekauft habt.<br />
Aber jetzt gehen wir nach China. Tschüss!»<br />
Exemplarisch zeigen zwei Geschichten,<br />
wie Patek Philippe tickt. Bei der ersten<br />
Geschichte geht es um eine Uhr, die niemand<br />
mehr kaufen wollte. Bei der zweiten Geschichte<br />
geht es um eine Uhr, die alle haben<br />
wollten. Und bei beiden Geschichten geht es<br />
darum, wie verblüffend die Marke darauf<br />
reagierte.<br />
UNGEWOLLTE MEISTERSTÜCKE<br />
Die Uhr, die niemand mehr kaufen wollte,<br />
war eine Tisch-Domuhr. Das sind runde<br />
Penduletten mit einem Kuppeldach – kunsthandwerkliche<br />
Preziosen, zum Beispiel in<br />
einem Gehäuse aus Baccarat-Kristall oder<br />
Fotos: Patek Philippe/JD Meyer, beigestellt<br />
142 falstaff dez–feb 2025
TUDOR<br />
WIE EIN TACHO AM HANDGELENK:<br />
DIE UHR FÜR RADFAHRER<br />
Der Tachymeter ist bei<br />
Uhren eine Art Tacho für<br />
das Handgelenk: Man<br />
stoppt die Zeit, die man für<br />
einen Kilometer braucht,<br />
und kann dann auf der<br />
Skala die Durchschnittsgeschwindigkeit<br />
ablesen.<br />
Die Rolex-Schwestermarke<br />
Tudor präsentiert nun mit<br />
der «Pelagos FXD Chrono<br />
Cycling Edition» eine Uhr,<br />
die speziell für Radfahrer<br />
des Tudor Pro Cycling<br />
Teams entwickelt worden<br />
ist. Eine Besonderheit: Sie<br />
kann auch Tempi anzeigen,<br />
die auf Rädern gefahren<br />
werden. Üblicherweise ist<br />
die Skala eines Tachymeters<br />
für Geschwindigkeiten<br />
ausgelegt, welche zur<br />
Autowelt oder zu noch<br />
schnelleren Fahrzeugen<br />
gehören.<br />
PIERRE-ANDRÉ<br />
SCHMITT<br />
ist Chefredakteur<br />
des <strong>Schweiz</strong>er<br />
Uhrenmagazins<br />
WATCH AROUND. Er<br />
schreibt seit mehr als<br />
20 Jahren über Uhren.<br />
NOTIZEN<br />
GRÜNES LEUCHTEN<br />
Der Werkstoff Saxem, so erklärt uns die<br />
Marke Hublot, sei chemisch gesehen ein<br />
Cousin von Saphir, also sozusagen ein<br />
besseres Glas. Saxem macht allerdings<br />
auch dieses transparente Gehäuse mit<br />
magisch grünem Leuchten möglich. Ein<br />
Effekt, der durch die Verwendung seltener<br />
Erden erreicht wird. Die « Big Bang<br />
Unico Green Saxem» hat als Motor das<br />
Manufakturwerk «HUB1280 Unico 2»<br />
eingebaut, ein Flyback-Chronographenwerk<br />
der Spitzenklasse.<br />
mit kunstvoller Holzintarsienarbeit. Sie<br />
schienen aus der Zeit gefallen zu sein, niemand<br />
kaufte sie. Die Besitzerfamilie Stern<br />
konnte sich dennoch nicht zu einem Produktionsstopp<br />
durchringen, zu sehr liebte<br />
man die aufwendig gemachten Stücke.<br />
Am Schluss standen 80 unverkaufte<br />
Dome «Table Clocks» in den Regalen – ein<br />
Albtraum für jeden Buchhalter. Doch die<br />
Beharrlichkeit zahlte sich aus: Plötzlich<br />
waren die Meisterstücke wieder der Renner.<br />
Heute gibt es dafür Wartelisten, lange<br />
Wartelisten.<br />
Solche gab es seit Langem auch für<br />
das Erfolgsmodell «Nautilus, Referenz<br />
5711/1A» – bis zu zehn Jahren musste<br />
man sich dafür gedulden. Und was tat<br />
Patek Philippe? Die Marke stellte die<br />
Produktion des begehrtesten Modells im<br />
Katalog ganz einfach ein. Fertig. Man<br />
habe genügend Exemplare gebaut, fand<br />
Thierry Stern, und man müsse dafür<br />
sorgen, dass die Uhr ihren Wert behalte.<br />
NICHT NUR LOB<br />
Die «Cubitus» ist sozusagen der kleine<br />
Bruder der «Nautilus», eine viereckige Uhr,<br />
die der «Nautilus» ziemlich gleicht. Es gibt<br />
ein Modell aus Stahl, eines aus Stahl und<br />
Gold sowie eines aus Platin mit Wochentag,<br />
Mondphase und Großdatum. – Letzteres<br />
ist für Patek Philippe ein Novum.<br />
Wie seinerzeit bei der Lancierung<br />
der «Nautilus» 1976 gab es nicht<br />
nur Lob. Ein paar Influencer im<br />
Internet rümpften stänkernd die<br />
Nase. Was zweifellos ein gutes<br />
Zeichen ist. Nämlich der Beweis<br />
für ein Programm: Patek<br />
Philippe ist nicht der Trend.<br />
RETROCHARME<br />
Diese Uhr erinnert an die Zeit, als die<br />
Menschheit zu fliegen begann, die Kontinente<br />
näher rückten und es plötzlich eine Rolle<br />
spielte, welche Zeit die Uhren jetzt zum<br />
Beispiel in New York, Timbuktu oder Peking<br />
anzeigten. Die Marke Carl F. Bucherer präsentierte<br />
eben eine Hommage an eine Uhr<br />
aus den 1950ern, die mit der Anzeige einer<br />
zweiten Zeitzone ausgestattet war. Auch<br />
das neue Modell, «Heritage Worldtimer»<br />
genannt, hat einen Städtering, auf<br />
dem bei Bedarf eine zweite<br />
Zeitzone abgelesen<br />
werden kann. Für Retrocharme<br />
sorgt überdies<br />
das Gehäuse im<br />
wieder angesagten<br />
39-Millimeter-<br />
Format.<br />
dez–feb 2025<br />
falstaff<br />
143
Chefredaktion <strong>Schweiz</strong><br />
DOMINIK VOMBACH<br />
und BENJAMIN HERZOG<br />
GOURMET<br />
Jetzt anmelden –<br />
Wöchentlich aktuelle Nachrichten<br />
go.falstaff.com/newsletter<br />
IGNIV BY ANDREAS CAMINADA<br />
NEUERÖFFNUNG<br />
IN ANDERMATT<br />
Mitte Dezember eröffnet die neue<br />
Filiale der Restaurantkette<br />
«IGNIV by Andreas Caminada»<br />
in Andermatt. Damit wird der Ferienort ein<br />
weiteres prestigeträchtiges Gastronomieunternehmen<br />
gewinnen. Es wird der fünfte<br />
Standort für Caminadas Fine-Dining-Sharing-Konzept<br />
sein. Die Küche wird der<br />
27-jährige Valentin Sträuli übernehmen. Er<br />
begann seine Karriere im Zürcher «IGNIV»<br />
und ist seit 2023 Chef de Partie im Flaggschiff<br />
der Caminada Group, «Schloss<br />
Schauenstein». Auch die Restaurantleiterin<br />
Hannah van den Nieuwenhuizen ist bestens<br />
mit dem «IGNIV»-Konzept vertraut. Sie ist<br />
Chef de Service der Zürcher Filiale. Wie<br />
bereits bei den anderen fünf Lokalen wurde<br />
auch das «IGNIV» Andermatt von der spanischen<br />
Stararchitektin Patricia Urquiola<br />
gestaltet. igniv.com<br />
WAS IST DRAN AM HYPE UM DIE DUBAI-SCHOKOLADE?<br />
Der Hype um die Dubai-Schokolade hält<br />
sich so hartnäckig, dass man dem Produkt<br />
eine Chance geben sollte: Es handelt sich<br />
um Schokolade, die mit Pistazien-Kadayif<br />
(das orientalische Kadayif ist hierzulande<br />
auch als Engelshaar bekannt) gefüllt ist.<br />
Erfunden hat die Schokolade die Chocolatière<br />
Sarah Hamouda aus Dubai. Via Social<br />
Media wurde sie zum weltweiten Hit – vor<br />
Geschäften stehen Fans teils<br />
stundenlang Schlange oder<br />
zahlen horrende Preise für<br />
eine Tafel. Als etwa der<br />
<strong>Schweiz</strong>er Schokoladenproduzent<br />
Lindt in<br />
Deutschland eine<br />
Limited Edition mit <strong>10</strong>00 Stück herausgab,<br />
wurden die Tafeln im Internet um bis zu<br />
350 Euro gehandelt. Künstliche Verknappung<br />
ist das Zauberwort. Laut Lindt soll sie<br />
allerdings bald in weiteren Boutiquen und<br />
im Onlineshop erhältlich sein. Wie die<br />
Dubai-Schokolade schmeckt? Mächtig. Sie<br />
ist wegen ihrer üppigen Füllung extra<br />
cremig (Achtung, Kleckergefahr!) und hat<br />
(dank Kadayif) einen tollen<br />
Crunch. Neuerdings folgen<br />
weitere Kreationen, etwa<br />
der Dubai-Schneck oder<br />
der Dubai-Burger. Zu<br />
finden: Überall, wo man<br />
trendig sein will.<br />
Die Erfindung der Chocolatière Sarah Hamouda (Bild links) ging<br />
viral – ein Interview mit ihr lesen Sie auf falstaff.com/at.<br />
144 falstaff dez–feb 2025
NOTIZEN<br />
KOCHBUCH-TIPP: «WÄÄRLI GUET»<br />
Der Koch Noah Bachofen<br />
erobert mit seinen<br />
humorvollen Kochvideos<br />
die sozialen Medien.<br />
Soeben ist sein erstes<br />
Kochbuch erschienen.<br />
Es heisst «Wäärli Guet»<br />
und versammelt einfach<br />
nachkochbare Rezepte,<br />
die Bachofen selbst<br />
gerne isst, sowie einige<br />
Profi-Tricks. Erschienen<br />
im AT Verlag; 216 Seiten,<br />
ca. CHF 39,–<br />
at-verlag.ch<br />
SAN PELLEGRINO YOUNG CHEF<br />
ACADEMY IN VITZNAU<br />
Mitte November fand im Vitznauer Hotel<br />
«DAS MORGEN» das Regionalfinale der<br />
San Pellegrino Young Chef Academy<br />
Competition statt. Der Luxemburger Theo<br />
Kopp holte sich den Sieg und wird die<br />
Region <strong>Schweiz</strong>, Luxemburg und Belgien<br />
nächstes Jahr im Finale vertreten.<br />
sanpellegrinoyoungchefacademy.com<br />
DAVID GEISSER<br />
ERÖFFNET LOKAL<br />
Fotos: Studio Urquiola, Shutterstock, Jon Trachsel, AT Verlag, ronson, l lanchou, Jairo N'tango, ICOMOS Suisse, beigestellt<br />
AUSZEICHNUNG FÜR<br />
HOTEL KREUZ<br />
Die <strong>Schweiz</strong>er Landesgruppe des internationalen<br />
Rats für Denkmäler und historische<br />
Stätten ICOMOS hat kürzlich das historische<br />
Hotel des Jahres ausgezeichnet, das «Hotel<br />
Restaurant Kreuz» in Herzogenbuchsee im<br />
Kanton Bern. Seit 1787 werden in diesem<br />
altehrwürdigen Haus Gäste bewirtet.<br />
Es wurde von einer Fachjury zum Sieger<br />
erkoren – dank der grossen Anstrengungen,<br />
die in die Restaurierung und Instandhaltung<br />
des Betriebs eingeflossen sind. icomos.ch<br />
Zusammen mit seinem Bruder<br />
Benjamin wird der Content Creator,<br />
Fernsehkoch und Kochbuchautor<br />
David Geisser am 14. Januar in<br />
St. Gallen sein eigenes Restaurant,<br />
das «Soleil d’Or», eröffnen. Während<br />
David Geisser das Konzept entworfen<br />
hat, wird Benjamin Geisser, der seine<br />
Kochlehre im Zürcher Luxushotel<br />
«The Dolder Grand» machte, die<br />
Rolle des Küchenchefs übernehmen.<br />
davidgeisser.ch<br />
GLOBUS BELLEVUE IST ZURÜCK<br />
Die Globus-Filiale am Bellevue hat nach<br />
fast zwei Jahren Umbau wiedereröffnet.<br />
Fokus liegt voll und ganz auf Genuss. Im<br />
Untergeschoss werden in der Delicatessa<br />
unter anderem 150 Käsesorten verkauft,<br />
im Erdgeschoss gibt es im Gastronomiebereich<br />
Köstlichkeiten lokaler Unternehmen.<br />
globus.ch<br />
KEINE NEWS MEHR<br />
VERPASSEN<br />
Mit dem <strong>Falstaff</strong>-Newsletter sind Weinfreunde<br />
und Gourmets top informiert!<br />
Die <strong>Falstaff</strong>-Online-Redaktion versorgt<br />
Sie mit den aktuellsten Nachrichten<br />
und Informationen aus den Bereichen<br />
Wein, Gourmet und Reise. Dazu gibt<br />
es attraktive Gewinnspiele mit<br />
sensationellen Preisen!<br />
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dez–feb 2025<br />
falstaff<br />
145
gourmet / RESTAURANT- UND BEIZENGUIDE 2025<br />
SIMPLY<br />
THE BEST<br />
Der <strong>Falstaff</strong> Restaurant- und Beizenguide ist da!<br />
Dieses Jahr umfasst er ganze 1300 Lokale, wie<br />
immer bewertet von der <strong>Falstaff</strong>-Community.<br />
Die Kategoriensieger stellen wir hier vor.<br />
TEXT LARISSA GRAF<br />
Alle Informationen<br />
und Bestenlisten unter<br />
go.falstaff.com/restaurantund-beizenguide-ch-25<br />
Mit Gerichten, die mindestens so gut<br />
schmecken, wie sie aussehen, haben<br />
Marcel Koolen und sein Team das<br />
Restaurant «7132 Silver» in Vals zur<br />
Gourmetadresse des Jahres gemacht.<br />
Foto: 7132 Hotel / Julien Balmer<br />
146 falstaff dez–feb 2025
dez–feb 2025<br />
falstaff<br />
147
gourmet / RESTAURANT- UND BEIZENGUIDE 2025<br />
LEBENSWERK<br />
IRMA DÜTSCH<br />
Bereits als Vierjährige wusste die<br />
Bauerntochter, dass sie Köchin werden<br />
würde. Der Weg von den idyllischen<br />
Bergen des Greyerzerlands in<br />
die <strong>Schweiz</strong>er Hotel- und Restaurantküchen<br />
war für eine Frau in den 1950er-Jahren aber<br />
nicht einfach, denn Restaurantköchinnen gab<br />
es damals kaum. So führte ihr Weg zum ersten<br />
Mal aus der Romandie in die Deutschschweiz,<br />
wo sie eine Kochlehrstelle fand – als erste Frau<br />
des Landes. Nach der Ausbildung zog sie ins<br />
Ausland, in Montreal heiratete sie den <strong>Schweiz</strong>er<br />
Koch und Sommelier Hans Jörg Dütsch.<br />
Zusammen arbeiteten sie in Kanada, in Mexiko<br />
und in den USA, bevor sie wieder in die<br />
Heimat zogen. Nach einer kurzen Zeit in<br />
Kreuzlingen übernahmen sie das «Hotel<br />
Fletschhorn» in Saas-Fee, wo sie 30 Jahre lang<br />
wirteten. In dieser Zeit wurde sie als erste Frau<br />
der <strong>Schweiz</strong> mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet,<br />
Mitglied in den «Grandes Tables de<br />
Suisse» und erreichte auf etlichen Auslandsreisen<br />
internationales Renommee. Mit ihrer Unerschrockenheit<br />
und ihrem Durchsetzungswillen<br />
hat Dütsch vielen Frauen den Weg geebnet.<br />
Sie ist zu Recht eine der grössten Ikonen der<br />
<strong>Schweiz</strong>er Gastronomie.<br />
Irma Dütsch ist eine<br />
Wegbereiterin für<br />
<strong>Schweiz</strong>er Köchinnen. Als<br />
erste Frau im Land hat<br />
sie eine Kochausbildung<br />
absolviert, später wurde<br />
sie die erste Sterneköchin<br />
der <strong>Schweiz</strong>.<br />
JÖRG BÜHLER,<br />
BÜ’S HOPFENAU, ZÜRICH<br />
Essen 44 | 50<br />
Service 19 | 20<br />
Getränke 19 | 20<br />
Ambiente 8 | <strong>10</strong><br />
GESAMT 90 | <strong>10</strong>0<br />
Büs Markenzeichen sind<br />
die bunten Hemden.<br />
Diese trägt er auch in<br />
seinem Restaurant, wo<br />
der Gastgeber ein gutes<br />
Händchen für klassische<br />
Küche und ausgesuchten<br />
Wein beweist.<br />
WIRT DES<br />
JAHRES<br />
Jörg Bühler, besser bekannt unter<br />
dem Spitznamen «Bü», kennt man<br />
in der Stadt Zürich. Nach einer<br />
Zwangspause ist er seit dem Frühjahr<br />
wieder zurück: mit gewohntem Gastgebergeschick<br />
und einer Weinkarte, die sich<br />
gewaschen hat. In der Quartierbeiz «Bü’s<br />
Hopfenau» bewirtet das Unikat die Gäste<br />
nun wieder mit seiner unverkennbaren Mischung<br />
aus Humor und Professionalität.<br />
Dass der ausgebildete Koch und Sommelier<br />
Bü sich mit Weinen hervorragend auskennt<br />
und die klassische Küche liebt, ist ebenso<br />
kein Geheimnis wie sein Faible für bunte<br />
Hemden und Wortspiele. Die Beiz lebt von<br />
seiner Präsenz, denn er ist ein Gastgeber<br />
und Wirt, wie er im Buche steht.<br />
Fotos: Marcus Gyger, Henrik Nielsen, Julien L. Balmer, beigestellt<br />
148 falstaff dez–feb 2025
PATISSIER<br />
DES JAHRES<br />
Kreativ und technisch perfekt sind<br />
Andy Vorbuschs Dessertkreationen<br />
alle, und köstlich noch dazu.<br />
Kein Wunder, hat der umtriebige<br />
Patissier doch in unzähligen berühmten Restaurants<br />
gearbeitet. Seit einigen Jahren ist<br />
der gebürtige Deutsche in der <strong>Schweiz</strong>, wo<br />
er bereits im «The Dolder Grand» wirkte,<br />
bei Sven Wassmer in Bad Ragaz und zuletzt<br />
im «Parkhotel Vitznau». Für das Zürcher<br />
Hotel «Mandarin Oriental Savoy» war es<br />
also ein grosser Coup, den erfahrenen Vorbusch<br />
als «Executive Pastry Chef» gewinnen<br />
zu können. Nun ist er nicht nur in der eleganten<br />
Brasserie Savoy fürs Süsse zuständig,<br />
sondern erschafft auch die kreativen Nachspeisen<br />
im Gourmetrestaurant «Orsini».<br />
TASTING<br />
POWERED INFO BY<br />
GENESIS<br />
WEITERE BEWERTUNGEN<br />
UND BESCHREIBUNGEN<br />
FINDEN SIE<br />
AB SEITE 148.<br />
Architektonisch ist das «7132 Hotel» in Vals<br />
ein Meisterwerk. Dank dem hauseigenen<br />
Sternerestaurant «7132 Silver» hat es aber<br />
auch kulinarisch Hochstehendes zu bieten.<br />
Dabei arbeitet er nicht nur mit klassischen<br />
Dessertzutaten, sondern auch mit Gemüsen<br />
und Gewürzen, die man sonst selten in Süssspeisen<br />
findet. Seine Kreationen sind so<br />
spannend, dass man bei keinem Restaurantbesuch<br />
darauf verzichten sollte – lieber bestellt<br />
man einen herzhaften Gang weniger!<br />
ANDY VORBUSCH,<br />
MANDARIN ORIENTAL<br />
SAVOY, ZÜRICH<br />
Essen 47 | 50<br />
Service 19 | 20<br />
Getränke 18 | 20<br />
Ambiente <strong>10</strong> | <strong>10</strong><br />
GESAMT 94 | <strong>10</strong>0<br />
7132 SILVER, VALS<br />
Essen 48 | 50<br />
Service 19 | 20<br />
Getränke 19 | 20<br />
Ambiente <strong>10</strong> | <strong>10</strong><br />
GESAMT 96 | <strong>10</strong>0<br />
Für Andy Vorbusch gibt es<br />
fast nichts, das nicht zu<br />
einem Dessert verarbeitet<br />
werden könnte.<br />
GOURMET-<br />
ADRESSE<br />
DES JAHRES<br />
Im Frühling 2023 übernahm Marcel<br />
Koolen die Leitung im «7132 Silver»<br />
von seinem Vorgänger Mitja Birlo.<br />
Mit der Wahl für den Niederländer<br />
bewies Inhaber Remo Stoffel erneut, dass er<br />
ein Händchen zur Talenteförderung hat.<br />
Koolens Küche mischt Alpines mit feinsten<br />
Zutaten aus ferneren Wäldern und Gewässern,<br />
ist elegant und technisch anspruchsvoll,<br />
aber keinesfalls kompliziert. Natürlich<br />
spielt auch das besondere Ambiente für das<br />
Gesamterlebnis eine grosse Rolle: Im modernen<br />
Gastraum speist man mit Blick auf<br />
die wunderbare Valser Bergwelt, es gibt<br />
aber auch den Chef’s Table in der Küche,<br />
an dem die Gäste selbst Teil des Gebotenen<br />
werden. Für den reibungslosen Ablauf des<br />
Service ist Koolens Partnerin Franziska<br />
Woelfle verantwortlich. Die junge Australierin<br />
mit deutschen Wurzeln hat auch den<br />
beeindruckenden Weinkeller und das Getränke-Pairing<br />
fest im Griff. Ein Abend im<br />
«7132 Silver» ist umfassendes Verwöhnprogramm<br />
für Körper, Geist und Seele.<br />
95–<strong>10</strong>0 Punkte 90–94 Punkte 85–89 Punkte 80–84 Punkte<br />
dez–feb 2025<br />
falstaff<br />
149
gourmet / RESTAURANT- UND BEIZENGUIDE 2025<br />
Der sympathische Sommelier<br />
Paul Valentin Fröhling schenkt in<br />
Tanja Grandits’ Restaurant «Stucki»<br />
gerne Weine aus Magnumflaschen aus.<br />
Der Münchener Paul Valentin<br />
Fröhling ist seit letztem Jahr<br />
Sommelier bei Tanja Grandits.<br />
Er fällt durch sein grosses Fachwissen<br />
und seinen entspannten Umgang mit<br />
den Gästen des Stucki auf und ist somit<br />
eine perfekte Ergänzung für Grandits’ eingespieltes<br />
Team. Bevor er in die <strong>Schweiz</strong><br />
kam, sammelte er unter anderem Erfahrungen<br />
im legendären «Pauly Saal», der vor<br />
drei Jahren seine Türen schloss. Heute<br />
kümmert er sich um den 7000 Flaschen<br />
umfassenden Weinkeller im «Stucki». Ein<br />
besonderes Augenmerk widmet er Grossflaschen,<br />
aus denen er auch die Pairings zu<br />
den aromenreichen Menus auswählt. Wie<br />
zu erwarten gibt es auf der Karte gesuchte<br />
SOMMELIER<br />
DES JAHRES<br />
Tropfen, die auch mit Jahrgangstiefe erhältlich<br />
sind. Allerdings findet man auch Trouvaillen<br />
der besonderen Art, sowohl aus der<br />
<strong>Schweiz</strong> als auch aus dem Ausland. Es ist<br />
eine besondere Auswahl, die Fröhling mit<br />
grosser Leidenschaft und unermüdlichem<br />
Einsatz an die Gäste bringt.<br />
PAUL VALENTIN FRÖH-<br />
LING, TANJA GRANDITS –<br />
STUCKI, BASEL<br />
Essen 49 | 50<br />
Service 20 | 20<br />
Getränke 19 | 20<br />
Ambiente 9 | <strong>10</strong><br />
GESAMT 97 | <strong>10</strong>0<br />
BESTE<br />
SCHWEIZER<br />
WEINKARTE<br />
TASTING<br />
POWERED BY<br />
INFO<br />
SWISS WINE<br />
WEITERE BEWERTUNGEN<br />
UND BESCHREIBUNGEN<br />
GOURMET<br />
FINDEN SIE<br />
AB SEITE 148.<br />
Wo Alexandre Hannemann<br />
Gastgeber ist, sind die<br />
Weinkeller gut gefüllt.<br />
So war es im «Restaurant<br />
Neumarkt», im «Schlüssel» im Seefeld und<br />
auch in seinem aktuellen Lokal «Blaue<br />
Ente», das er seit Frühling <strong>2024</strong> mit seinem<br />
Team bespielt. Besonders gut vertreten<br />
sind auch hier die <strong>Schweiz</strong>er Produzenten<br />
und Produzentinnen. Hannemann ist<br />
Mitglied der Vereinigung «Mémoire des<br />
Vins Suisses», die es sich auf die Fahne geschrieben<br />
hat, die Qualität und das Reifepotenzial<br />
grosser <strong>Schweiz</strong>er Weine aufzuzeigen.<br />
Dieses Ziel verfolgt Hannemann<br />
auch in der «Blauen Ente»: Es gibt Tropfen<br />
aus allen wichtigen Weinregionen des<br />
Landes, darunter zahlreiche Raritäten und<br />
ältere Jahrgänge. Allein schon bei den<br />
Schaumweinen entfällt über ein Drittel der<br />
Positionen auf <strong>Schweiz</strong>er Weine, und diese<br />
Philosophie zieht sich weiter bis zum Süsswein.<br />
Dabei sind grosse Klassiker genauso<br />
vertreten wie Nischenweine.<br />
Alexandre Hannemann hat<br />
vor Kurzem die «Blaue Ente»<br />
in der Mühle Tiefenbrunnen<br />
übernommen. Dank ihm gibt<br />
es dort jetzt eine fantastische<br />
Auswahl an <strong>Schweiz</strong>er Weinen.<br />
BLAUE ENTE,<br />
ZÜRICH<br />
Essen 44 | 50<br />
Service 18 | 20<br />
Getränke 19 | 20<br />
Ambiente 9 | <strong>10</strong><br />
GESAMT 90 | <strong>10</strong>0<br />
Fotos: beigestellt, Alina Birjuk, Liliana Lafranchi, Lukas Lienhard<br />
150 falstaff dez–feb 2025
ERÖFFNUNG DES<br />
JAHRES<br />
In den meisten Städten der Welt ist der<br />
Bahnhof keinesfalls ein kulinarischer<br />
Hotspot. Eine brandneue Ausnahme<br />
ist der Zürcher Hauptbahnhof. Nach<br />
fünfjähriger Generalsanierung des Bahnhof-<br />
Südtrakts hat die SBB verschiedenen Gastronomen<br />
ermöglicht, hier Lokale zu eröffnen<br />
und damit einen einzigartigen Food-Hotspot<br />
geschaffen. Statt Standard-Systemgastronomie<br />
bekommt man die saftigen Smashburger<br />
von «Action Burger», das knusprige Fried<br />
Chicken von «Yardbird», die luftige neapolitanische<br />
Pizza von «San Gennaro» und nach<br />
wie vor die legendären Pralinés und Luxemburgerli<br />
der Confiserie Sprüngli. Hinter den<br />
grössten Perlen des Südtrakts stehen zwei<br />
umtriebige Zürcher Gastrounternehmer:<br />
Valentin Diem und Nenad Mlinarevic, die<br />
bereits die «Neue Taverne», die «Bauern-<br />
schänke» und das «Restaurant Neumarkt»<br />
bespielen. Im Hauptbahnhof haben sie dieses<br />
Jahr die zeitgenössische «Brasserie Süd» und<br />
das Fine-Dining-Restaurant «The Counter»<br />
eröffnet, das dank Küchenchef Mitja bereits<br />
im Eröffnungsjahr zwei Michelinsterne holte.<br />
Es ist ein einmaliges Projekt, das die SBB hier<br />
realisiert hat, und eines, das Zürichs Ruf als<br />
Foodie-Destination weiter untermauert.<br />
HAUPTBAHNHOF<br />
SÜDTRAKT, ZÜRICH<br />
• Brasserie Süd, brasserie-sued.ch<br />
• The Counter, the-counter.ch<br />
• Yardbird, yardbird.ch<br />
• San Gennaro, sangennarozurigo.ch<br />
• Action Burger, actionburger.ch<br />
• Confiserie Sprüngli, spruengli.ch<br />
In der «Brasserie Süd» geniesst man<br />
vor der Abfahrt, nach der Ankunft oder<br />
einfach so moderne Brasserieküche.<br />
PLANT-BASED-<br />
RESTAUR ANT<br />
DES JAHRES<br />
Im «Anoah» serviert der junge Koch Noah<br />
Rechsteiner veganes Fine Dining. Mit seinen<br />
ANOAH, ZÜRICH<br />
schmackhaften Gerichten schafft er es, sogar<br />
eingefleischte Karnivoren zu beeindrucken. Essen 45 | 50<br />
Service 18 | 20<br />
Getränke 18 | 20<br />
Ambiente 9 | <strong>10</strong><br />
GESAMT 90 | <strong>10</strong>0<br />
Trotz seines jungen Alters kann<br />
Noah Rechsteiner bereits auf eine<br />
bewegte Karriere zurückblicken.<br />
Mit 15 begann er eine Kochlehre<br />
im prestigeträchtigen «Restaurant Widder».<br />
Später reiste er durch Asien und absolvierte<br />
Praktika in diversen Sternerestaurants, bevor<br />
er beim Veggie-Pionier Hiltl als Rezeptentwickler<br />
anfing und sich mit verschiedenen<br />
Pop-up-Konzepten einen Namen machte.<br />
Rechsteiner kennt sich also mit Sterneküche<br />
genauso aus wie mit vegetarischer<br />
und veganer Gastronomie. Nebenbei<br />
lernte er an der Hotelfachschule<br />
Zürich die Fähigkeiten,<br />
die es zur Führung eines eigenen<br />
Restaurants braucht. Anfang<br />
<strong>2024</strong> eröffnete er – mit 23 immer<br />
noch blutjung – sein erstes<br />
eigenes Lokal, das «Anoah»<br />
Plant-Based-Restaurant beim Rigiblick.<br />
Sein veganes Fine-Dining-Konzept<br />
eroberte die Herzen der Zürcher im<br />
Sturm – egal, ob diese sich vegan ernähren<br />
oder nicht. Mit einem ebenso jungen Team<br />
im Rücken zeigt er, dass Genuss und Plant-<br />
Based-Küche zusammengehören und die<br />
Gourmetküche Zukunft hat.<br />
95–<strong>10</strong>0 Punkte 90–94 Punkte 85–89 Punkte 80–84 Punkte dez–feb 2025 falstaff 151
gourmet / RESTAURANT- UND BEIZENGUIDE 2025<br />
BEIZ DES JAHRES<br />
Es ist wunderbar, wenn talentierte<br />
Köche sich den scheinbar einfachen<br />
Dingen des Lebens widmen.<br />
So wie im Suure Mocke im<br />
«Gasthof zum Brunnen», wo Alexander<br />
Rufibach sich seit 40 Jahren der Perfektion<br />
des namensgebenden Gerichts verschrieben<br />
hat. Kein Wunder also, dass der Suure Mocke<br />
hier der beste weit und breit ist. Genauso<br />
wie der Kartoffelstock, den es dazu gibt.<br />
Natürlich gibt es auf der kleinen Karte<br />
auch weitere Köstlichkeiten, je nach Angebot<br />
und Lust und Laune des Chefs. Der<br />
«Gasthof zum Brunnen» ist eine Beiz, wie<br />
man sie sich in jedem Dorf wünscht: gemütlich,<br />
bodenständig und richtig fein. Dafür,<br />
dass man sich hier schnell wie zu Hause<br />
fühlt, sorgt Patronne Brigitte Rufibach, die<br />
jeden Gast behandelt, als käme er schon<br />
seit Jahren mehrmals wöchentlich vorbei.<br />
Zur Essensbegleitung lagern im Keller viele<br />
spannende <strong>Schweiz</strong>er Wein-Trouvaillen.<br />
SUURE MOCKE,<br />
FRAUBRUNNEN<br />
Essen 45 | 50<br />
Service 19 | 20<br />
Getränke 17 | 20<br />
Ambiente 8 | <strong>10</strong><br />
GESAMT 89 | <strong>10</strong>0<br />
HOTELRESTAURANT<br />
DES JAHRES<br />
Das Ambiente im «The Japanese<br />
Restaurant», auf etwa 1500<br />
Metern Höhe in einem der besten<br />
Hotels des Landes gelegen,<br />
ist wie zu erwarten fantastisch. Die Weinkarte<br />
enthält nicht nur alles, was Rang und<br />
Namen hat, sondern auch viele Besonderheiten<br />
und eine vorzügliche Sake-Auswahl.<br />
Auch was die Küchenchefs Fabio Toffolon<br />
und Dominik Sato hier auf die Teller bringen,<br />
beeindruckt nachhaltig. Die beiden<br />
Zwillingsbrüder – Sato hat den Nachnamen<br />
seiner Frau angenommen – haben<br />
2023 die Leitung des «Japanese Restaurants»<br />
übernommen. Das Duo kocht eine<br />
raffinierte und zeitgenössische japanische<br />
Küche, die sich auf kluge Weise auch europäischer<br />
Zutaten und Techniken bedient.<br />
Mit von der Partie ist auch Satos Frau<br />
Yoshiko, die sich um die hervorragenden<br />
Desserts kümmert – ein wunderbares<br />
«Familienunternehmen»!<br />
THE JAPANESE RESTAU-<br />
RANT, ANDERMATT<br />
Essen 48 | 50<br />
Service 19 | 20<br />
Getränke 19 | 20<br />
Ambiente 9 | <strong>10</strong><br />
GESAMT 95 | <strong>10</strong>0<br />
Die besten Restaurants und<br />
Beizen der <strong>Schweiz</strong> in einem<br />
Guide – online bestellbar<br />
unter shop.falstaff.ch.<br />
GESAMTWERTUNG<br />
FÜR DIE SCHWEIZ<br />
Name des Bewertung Punkte /<br />
Restaurants Essen max. <strong>10</strong>0<br />
Cheval Blanc by 50<br />
Peter Knogl<br />
4001 Basel<br />
Schauenstein 50<br />
7414 Fürstenau<br />
L’Hôtel de Ville 49<br />
<strong>10</strong>23 Crissier<br />
Memories 49<br />
73<strong>10</strong> Bad Ragaz<br />
La Table du Valrose 48<br />
1659 Rougemont<br />
Pic 49<br />
<strong>10</strong>00 Lausanne<br />
Tanja Grandits – Stucki 49<br />
4059 Basel<br />
The Restaurant 49<br />
8032 Zürich<br />
Widder Restaurant 49<br />
8001 Zürich<br />
Ecco im Giardino 48<br />
Ascona<br />
6612 Ascona<br />
95–<strong>10</strong>0 Punkte<br />
90–94 Punkte<br />
85–89 Punkte<br />
80–84 Punkte<br />
falstaff<br />
RESTAURANT &<br />
BEIZEN GUIDE<br />
SCHWEIZ<br />
2025<br />
Die besten 1300 Restaurants und Beizen<br />
der <strong>Schweiz</strong>. Von Gästen bewertet.<br />
99<br />
99<br />
98<br />
98<br />
97<br />
97<br />
97<br />
97<br />
97<br />
97<br />
Fotos: Michael Adair, beigestellt<br />
152 falstaff dez–feb 2025
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Nicht mit anderen Aktionen kombinierbar. Nur solange der Vorrat reicht. Abgabe nur an Personen ab 16 Jahren. Keine Barauszahlung möglich. Satz- und Druckfehler<br />
vorbehalten.
gourmet / BROT CUISINE<br />
BROT<br />
CUISINE<br />
Mehl, Wasser, Hefe, Salz – was einst als schlichtes Grundnahrungsmittel<br />
diente, erfährt heute eine Renaissance auf<br />
höchstem kulinarischen Niveau. Entdecken Sie mit uns die<br />
faszinierendsten Zentren der Backkunst und erfahren Sie,<br />
was Spitzenköche über die Magie des Brotes denken.<br />
TEXT SEBASTIAN SPÄTH, ANNA WENDER<br />
Brot erlebt in der Spitzenküche eine Renaissance<br />
wie nie zuvor. So integriert «Lakeside»-Küchenchef<br />
Julian Stowasser für die Gäste in Hamburg eine<br />
Delikatesse seiner oberbayerischen Heimat in<br />
seinen Brotgang: Laugenbrötchen.<br />
Foto: The Fontenay Hamburg<br />
154 falstaff dez–feb 2025
dez–feb 2025<br />
falstaff<br />
155
gourmet / BROT CUISINE<br />
Uralte Technik: Die Herstellung von<br />
Brot mit den Händen ist bis heute<br />
ein Qualitätssiegel.<br />
Erinnern Sie sich noch an die Zeit,<br />
als Hefe und Mehl genauso<br />
restlos ausverkauft waren wie<br />
Klopapier? Es war der erste<br />
Corona-Lockdown, und über<br />
sämtliche Gesellschaftsschichten hinweg<br />
wurden plötzlich «Herbert» oder «Hildegard»<br />
gefüttert, die spätestens an Tag fünf<br />
ordentlich vor sich hin blubberten. Die<br />
Google-Suchanfragen nach Sauerteig stiegen<br />
in dieser Zeit um 384 Prozent – kein Scherz.<br />
Und Barbara van Melle versank in Bestellungen.<br />
Die 65-jährige Wienerin nährte zu<br />
diesem Zeitpunkt bereits seit mehr als sieben<br />
Jahren ihre Sauerteigstarter.<br />
Den Grundstein für ihr Unternehmen<br />
Kruste & Krume legte sie 2015 mit einem<br />
Buchprojekt, einer Sammlung von Brotrezepten<br />
der besten Bäcker Österreichs. 2018<br />
eröffnete die ehemalige ORF-Moderatorin<br />
schliesslich Wiens erste Brotbackschule und<br />
kurz darauf die «Greisslerei», im deutschsprachigen<br />
Raum das einzige Fachgeschäft<br />
für unterschiedlichste Mehlsorten und alles,<br />
was man zusätzlich zum Brotbacken benötigt.<br />
Für Back-Fans ein Paradies.<br />
NICHTS AUSSER BROT<br />
Genau dort türmten sich während der<br />
Pandemie stapelweise Kartons: «Plötzlich<br />
haben alle Mehl bestellt», erinnert sich van<br />
Melle. Dazu hielt sie Online-Brotbackkurse<br />
ab, die ihre Abonnentenzahl auf YouTube<br />
in die Höhe schnellen liessen. Bis heute sei<br />
diese Nachfrage ungebrochen. «Kann man<br />
da noch von einem Boom sprechen?», fragt<br />
van Melle zu Recht. Für die leidenschaftliche<br />
Hobbybäckerin ist es ein gesamtgesellschaftlicher<br />
Bewusstseinswandel. Brot<br />
ist wieder etwas Besonderes!<br />
Auch in der Bonner Südstadt lässt sich<br />
diese Renaissance der Brotliebe beobach-<br />
ASMA KHAN<br />
«Darjeeling Express», London, England<br />
DURCH DEN GERUCH VON<br />
FLADENBROT, DER DURCH EIN<br />
FENSTER STRÖMTE, ENTDECKTE SIE<br />
IHRE LIEBE ZUM KOCHEN.<br />
«Das indische Fladenbrot Roti ist<br />
mehr als nur ein Brot – das Wort<br />
wird auch als Synonym für Lohn<br />
oder Einkommen verwendet und ist<br />
auf Hindi der erste Begriff, der die<br />
Grundbedürfnisse des Lebens beschreibt:<br />
›Roti, Kapada aur Makaan‹ –<br />
Nahrung, Kleidung und Unterkunft.»<br />
Fotos: Bastian Werner, Ming Tang Evans, The Fontenay Hamburg, Thomas Kaup, beigestellt<br />
156 falstaff dez–feb 2025
ten. «Die Menschen haben Brot wieder<br />
zu schätzen gelernt», findet Bäckermeister<br />
Max Kugel. Wie sehr genau, kann man an<br />
der Menschenschlange vor dem Betrieb des<br />
34-Jährigen ablesen – an guten Tagen misst<br />
sie bis zu 80 Meter. Wartezeiten von über<br />
30 Minuten sind da keine Seltenheit. Während<br />
anderswo Bäckereien reihenweise betriebsbedingt<br />
schliessen, allein in den letzten<br />
20 Jahren rund die Hälfte im deutschsprachigen<br />
Raum, muss Kugel regelmässig<br />
Kunden wegschicken, weil er ausverkauft<br />
ist. Was macht er anders?<br />
«Grundsätzlich alles», sagt der 34-Jährige.<br />
Das fängt schon damit an, dass es in seinem<br />
Laden nichts ausser Brot zu kaufen gibt –<br />
sechs Sorten nur, meist erst ab Mittag.<br />
Sonntag und Montag sind Ruhetage. Für<br />
Kugel und seine 13 Mitarbeiter ist Nachtarbeit,<br />
die den Bäckerberuf für viele so unattraktiv<br />
macht, ein Relikt der Vergangenheit.<br />
Er sieht sein Modell als einzige Möglichkeit,<br />
das Handwerk in die Zukunft zu<br />
führen und «sozial kompatibel» zu machen.<br />
«Es ist eine reine Qualitätsentscheidung, für<br />
das Produkt und für die Menschen.»<br />
Kugels Brote tragen Namen wie «Föhrer»,<br />
«Aschauer» oder «Heinz», nach<br />
Orten und Menschen, die ihn auf seinem<br />
Weg geprägt haben. Auf den sechs schwarzen<br />
Brottafeln hinter der Theke prangt in<br />
Leuchtschrift: Sauerteig, Roggen, Sonnenblume,<br />
Wasser, Salz. Jede Zutat ist einzeln<br />
aufgelistet «wie in einem Gericht in einem<br />
Gourmetrestaurant», erklärt er. «Was wir<br />
hier leben und verkörpern, ist die Sternegastronomie<br />
des Bäckerhandwerks.»<br />
ANERKENNUNG ZURÜCKGEBEN<br />
Kugels Ziel: dem Bäckerhandwerk den Stellenwert<br />
und die Anerkennung zurückzugeben,<br />
die es verdient, ähnlich wie die gehobene<br />
Gastronomie sie geniesst. Schliesslich profitiert<br />
diese enorm davon, drei Restaurants<br />
sogar direkt: Zwei in Bonn und eines im<br />
Schwarzwald beziehen Kugels Brote. Weitere<br />
Anfragen lehnt er ab, selbst der Münchner<br />
Drei-Sterne-Koch Jan Hartwig, momentan<br />
einer der angesagtesten Köche der Welt,<br />
hatte bereits Kugels Brote zur Verkostung<br />
angefordert, aber eine Absage kassiert.<br />
Also entschied Hartwig, sein Brot selbst<br />
zu backen. Ein Anruf in München: «In<br />
Spitzenzeiten hatten wir sechs verschiedene,<br />
aromatisierte Sorten», erinnert sich der<br />
42-Jährige an seine Zeit als Küchenchef<br />
im «Atelier» im Luxushotel «Bayerischer<br />
Hof». Heute findet er: «Das ist Quatsch.»<br />
Ein exzellentes Brot, das zu verschiedensten<br />
Gerichten passt, ob Saibling, vegetarische<br />
<<br />
JULIAN STOWASSER<br />
«Lakeside», Hamburg, Deutschland<br />
DER ZWEI-STERNE-KOCH HOLT<br />
MIT SEINEM BROTGANG EIN STÜCK<br />
SEINER OBERBAYERISCHEN HEIMAT<br />
NACH HAMBURG.<br />
«Brot gehört für mich untrennbar<br />
zu gutem Essen. Es ist tief in unserer<br />
Tradition verankert. Zwar wurde es nicht<br />
in Deutschland erfunden, doch gerade<br />
hier hat sich eine einzigartige Brotkultur<br />
entwickelt. Neben knusprigem Sauerteigist<br />
Laugenbrot Teil meines Menus – weil<br />
es mich an meine süddeutsche Heimat<br />
erinnert.»<br />
Max Kugel (r.) versteht sich als<br />
Gourmetbäcker. In seinem Laden gibt es<br />
ausschliesslich Brot – sechs Sorten, meist<br />
erst ab Mittag. Dafür in höchster Qualität.<br />
dez–feb 2025<br />
falstaff<br />
157
gourmet / BROT CUISINE<br />
<<br />
Gänge oder Entenbrust,<br />
sei die eigentliche Kunst. In<br />
seinem Restaurant «Jan» ist<br />
Brot ein eigener Gang gewidmet,<br />
denn: «Deutschland ist<br />
eine Brotnation», so Hartwig.<br />
«Nirgendwo auf der Welt ist<br />
Brot so gut wie bei uns.»<br />
Sein Ursprung liegt allerdings woanders:<br />
Vor etwa 6000 Jahren erfanden<br />
die Ägypter das moderne Brot (der mit<br />
Sauerteig gelockerte Brotlaib aus dem<br />
Ofen), die Römer brachten es nach Europa.<br />
Vor 1300 Jahren eröffneten in Deutschland<br />
die ersten Bäckereien, und mit über 3000<br />
verschiedenen Brotsorten ist das Land heute<br />
weltweiter Spitzenreiter. Diese Vielfalt ist<br />
so bedeutend, dass die deutsche Brotkultur<br />
2014 von der Unesco als immaterielles<br />
Kulturerbe anerkannt wurde.<br />
Zu den innovativsten Kreationen des<br />
Drei-Sterne-Kochs Niko Romito<br />
gehört das Sauerteigbrot mit<br />
Kartoffeln, das eine völlig neue<br />
Textur hervorbrachte: innen<br />
extrem luftig und aussen knusprig.<br />
BROT UND BODEN<br />
Die Vielfalt der Brotsorten ist vor allem den<br />
unterschiedlichen Böden zu verdanken: Im<br />
Norden wird Roggen angebaut, im Süden<br />
Weizen, und auf der Schwäbischen Alb<br />
gedeiht Dinkel. Früher war Brot auch ein<br />
Statussymbol: Weizenbrote für den Adel,<br />
Mischbrote für wohlhabende Handwerker,<br />
und Vollkornbrote für das einfache Volk.<br />
In München bei Jan Hartwig wird heute<br />
Weizensauerteigbrot aus regionalem Mehl<br />
und einem schon jahrelang gefütterten An-<br />
Für Niko Romito<br />
ist Brot ein<br />
wesentliches<br />
Element seiner<br />
Arbeit und ein<br />
nie endendes<br />
Experiment.<br />
NIKO ROMITO<br />
«Reale», Castel di Sangro, Italien<br />
DIE BROTLIEBE DES DREI-STERNE-<br />
KOCHS FÜHRTE ZUR ERÖFFNUNG<br />
SEINES «LABORATORIO», IN DEM ER<br />
DIE BACKKUNST ERFORSCHT.<br />
«Unsere Brotkultur ist für mich eine<br />
riesige Faszination – von alten Getreidesorten<br />
bis zur Fermentation und den<br />
technischen Aspekten des Backens. Mein<br />
Credo lautet: Fine Dining sollte der Anstoss<br />
für Veränderungen in der gesamten<br />
Gastronomie sein, und mein Brot spiegelt<br />
diese Idee perfekt wider.»<br />
Fotos: Andrea Straccini, Lukas Lorenz, Inge Prader / Wolfgang Hummer, Tammy Bar Shay, beigestellt<br />
158 falstaff dez–feb 2025
Lukas Jakobi bietet sein eigens<br />
entwickeltes Brot nicht nur in<br />
seinen Menüs, sondern auch in<br />
Zusammenarbeit mit einer Bäckerei<br />
zum regulären Verkauf an.<br />
stellgut serviert, begleitet von Sauerrahmbutter<br />
aus dem Allgäu und einem saisonal<br />
wechselnden Dip. Und das mitten im<br />
Menu. Das minimiere die Chance, dass sich<br />
Gäste am Brot satt essen, und gebe dem<br />
Brot die verdiente Bühne als Kulturgut und<br />
als handwerklich einwandfrei gefertigtes<br />
Produkt. Für Hartwig sind es schliesslich<br />
Emotionen, die die Freude am Brot lebendig<br />
halten.<br />
Die Idee, Brot einen eigenen Gang zu<br />
widmen, hat jedoch nicht Hartwig als Erster<br />
erdacht. Noch bevor er 2014 Küchenchef<br />
im «Atelier» wurde, servierte ein anderer<br />
Dreisterner Brot als eigenständigen Gang:<br />
ausgerechnet ein Italiener.<br />
Seit Niko Romito im Jahr 2000 das<br />
«Reale» übernahm, verfolgt der Autodidakt<br />
kompromisslos die Perfektion und Einfachheit<br />
in seinen Gerichten. Brot wurde zum<br />
wesentlichen Element seiner Arbeit und zu<br />
einem nie enden wollenden Experiment.<br />
Vor allem das Sauerteigbrot mit Kartoffeln<br />
gilt als Innovation, die eine völlig neue<br />
Textur hervorbrachte: extrem luftig, aussen<br />
knusprig. Seine Leidenschaft führte schliesslich<br />
zur Gründung des «Laboratorio», eines<br />
Forschungszentrums für Brot, das heute<br />
auch italienische Backwaren wie Panettone,<br />
Pandoro und Colomba herstellt.<br />
DAS «MAGDI-BROT»<br />
Eine ähnliche Geschichte lässt sich in<br />
Schwyz, rund 60 Kilometer südlich von<br />
Zürich, erzählen. Als Küchenchef Dominik<br />
Hartmann im Sommer 2020 das Restaurant<br />
«Magdalena» eröffnete, ahnte er wohl<br />
kaum, dass sein<br />
Brot das grösste<br />
Aufsehen erregen würde.<br />
Bereits wenige Monate<br />
nach der Eröffnung erhielt<br />
er zwei Sterne, kein Wunder, lernte<br />
Hartmann doch bei Grössen wie Andreas<br />
Caminada und Fabian Fuchs. Doch am<br />
meisten beeindruckte die Gäste das «Magdi-Brot».<br />
«Es ist das Highlight des Menus»,<br />
erzählt Hartmann. Sein Geheimnis: Kartoffeln,<br />
genauer gesagt Bergkartoffeln aus<br />
dem Albula -Tal. Das Brot wird zwar nicht<br />
als eigener Gang serviert, ergänzt jedoch<br />
perfekt das Menu. Doch damit nicht genug.<br />
Weil die Nachfrage nach dem Brot nicht<br />
weniger wurde – ganz im Gegenteil –, eröffnete<br />
das «Magdalena»-Team Ende 2021<br />
eine Pop-up-Bäckerei. Hartmann, der eine<br />
Ausbildung zum Konditor und Confiseur<br />
absolviert hat, träumte schon lange von<br />
einer eigenen Bäckerei. Inzwischen gibt es<br />
ASSAF GRANIT<br />
«Machneyuda», Jerusalem, Israel<br />
ZUM ANGEBOT DES STARGASTRONOMEN<br />
GEHÖRT EINE RIESIGE AUSWAHL AN<br />
JEMENITISCH-JÜDISCHEN BROTEN.<br />
«Israel ist ein Schmelztiegel der Kulturen und<br />
Küchenstile, jede Gemeinschaft hat ihre eigenen<br />
Rezepte und Traditionen. Am deutlichsten spiegelt<br />
sich das im Brot wider. Die Vielfalt der Sorten ist<br />
überwältigend. Brot ist für mich deshalb eines der<br />
bedeutsamsten Nahrungsmittel.»<br />
Barbara van Melle,<br />
renommierte Autorin<br />
und Unternehmerin,<br />
hat sich intensiv mit<br />
dem Bäckerhandwerk<br />
auseinandergesetzt.<br />
drei Standorte, an denen neben dem<br />
«Magdi-Brot» auch Baguettes, Croissants,<br />
Zimtknoten und Pain au Chocolat angeboten<br />
werden. «Es ist schwierig, eine gute<br />
Bäckerei zu finden, in der Brot das Aushängeschild<br />
ist», sagt Hartmann. Deshalb<br />
erfüllt es ihn mit besonderem Stolz, dass<br />
sein Brot die Tische und Herzen so vieler<br />
Menschen erreicht.<br />
VON «HIMMEL UND ÄHD»<br />
Dass man dafür keine eigene Bäckerei<br />
eröffnen muss, zeigt indes Lukas Jakobi,<br />
Düsseldorfs derzeit umtriebigster Sternekoch.<br />
Jakobi backt nicht selbst – die nur<br />
knapp 40 Quadratmeter grosse Küche des<br />
«Zwanzig23» ist dafür zu klein –, doch es<br />
gibt eine nach ihm benannte Brotsorte: ><br />
dez–feb 2025<br />
falstaff<br />
159
gourmet / BROT CUISINE<br />
SPITZENKÖCHE<br />
SERVIEREN<br />
SELBST GEMACHTES<br />
BROT HEUTE ALS<br />
EIGENEN GANG.<br />
Das «Magdi-Brot» ist für Küchenchef Dominik Hartmann vom Restaurant<br />
«Magdalena» ein kulinarisches Highlight. Dieses Sauerteigbrot mit<br />
Bergkartoffeln aus dem Albula-Tal wird täglich frisch gebacken.<br />
ERIC FRECHON<br />
ehemals «Le Bristol», Paris, Frankreich<br />
DER DREI-STERNE-KOCH BEGLEITET<br />
JEDE MAHLZEIT MIT BROT, BEVOR-<br />
ZUGT AUS ALTEN GETREIDE SORTEN,<br />
DAS IN DIE MITTE DES TISCHES<br />
GESTELLT WIRD.<br />
«In der französischen Kultur ist Brot weit<br />
mehr als nur eine Beilage. Abgesehen von<br />
seinem Geschmack verkörpert es Werte,<br />
die mir am Herzen liegen, wie das Teilen<br />
und der Respekt vor Lebensmitteln. Es ist<br />
kein Zufall, dass das Baguette 2022 von<br />
der Unesco als immaterielles Kulturerbe<br />
anerkannt wurde. Brot, insbesondere<br />
Baguette, spiegelt Frankreich und unsere<br />
Lebensart wider.»<br />
<<br />
das «Jakobi <strong>Nr</strong>. 1». Der 30-Jährige hat<br />
es gemeinsam mit einem örtlichen Handwerksbäcker<br />
entwickelt. Inspiriert vom<br />
rheinischen Gericht «Himmel & Ähd»<br />
verwendet Jakobi statt Weizen Dinkel und<br />
Ackerbohnen, regionale Zutaten, die den<br />
hohen Massstäben seines Restaurants entsprechen.<br />
Ergänzt wird sein Brotteig durch<br />
Kartoffeln, Äpfel und Röstzwiebeln. Lediglich<br />
die Prise des mediterranen Gewürzes<br />
Piment d’Espelette, das dem Brot seine<br />
charakteristische Würze verleiht, fällt aus<br />
diesem Muster. Die Devise des jungen Spitzenkochs:<br />
«Wenn der Gast sein Brot nicht<br />
anrührt, sind die Sossen nicht gut genug.»<br />
Jakobi bietet sein Brot nicht nur in seinen<br />
Menus, sondern auch regulär in der Bäckerei<br />
an. Für 3,95 Euro – das ist zwar nicht<br />
wenig für einen 250-Gramm-Laib, aber für<br />
ein Stück Sterneküche ein unschlagbarer<br />
Preis. Während viele seiner Kollegen nur<br />
noch ein Brot anbieten, träumt Jakobi davon,<br />
für jeden Gang ein eigenes zu kreieren.<br />
Das sei zwar Grössenwahn, räumt er ein,<br />
aber in der Welt der Spitzenköche ist das ja<br />
nichts Ungewöhnliches.<br />
Inzwischen gibt es auch den umgekehrten<br />
Fall: Handwerksbäcker mit gastronomischen<br />
Ambitionen. Einer von ihnen ist Michael<br />
Gauert. Schon früh wusste der heute<br />
37-Jährige, dass er trotz der Bedenken seiner<br />
Akademiker-Eltern Bäcker werden wollte.<br />
Gegen ihren Rat verliess er das Gymnasium<br />
nach der zehnten Klasse, um seine Ausbildung<br />
zu beginnen. «Ich war immer extrem<br />
ehrgeizig und wollte in der Klasse stets der<br />
Beste sein. Das hat mich schon damals gestresst.»<br />
Die Arbeit mit Teig empfindet der<br />
Bäckermeister dagegen als ruhespendend.<br />
2017 eröffnete er in Düsseldorf den<br />
Handwerksbetrieb «Bulle», benannt nach<br />
dem Standort in einer ehemaligen Metzgerei<br />
und dem schwedischen Wort für Brötchen.<br />
Längst ist sein Imperium gewachsen:<br />
um eine Filiale und – das ist das Einzigartige<br />
– Bistro, Weinbar und Burgerladen.<br />
«Letzteres ergab sich aus dem Vorschlag<br />
eines Kunden, der schon immer fand,<br />
unsere Brötchen würden als Burger genial<br />
schmecken», erzählt Gauert. «Heute leitet<br />
genau dieser Kunde den Burgerladen.» Es<br />
scheint fast, als würde Brot nicht nur den<br />
Gaumen erfreuen, sondern auch Menschen<br />
auf wunderbare Weise zusammenführen. <<br />
Fotos: Digitale Massarbeit, Benoit Linero<br />
160 falstaff dez–feb 2025
Geschenkideen<br />
für GeniesserInnen<br />
Glück ist das einzige, das sich verdoppelt, wenn man es teilt. Das<br />
haben wir uns zu Herzen genommen – und feierlich aufgemachte<br />
Sets mit Weinen und Delikatessen zusammengestellt.<br />
Salute!<br />
Diese Trilogie verspricht einen<br />
vergnüglichen Aperitivo all’Italiana!<br />
Ferrari<br />
Ein echtes Schmuckstück:<br />
dieser Trentodoc-Spumante.<br />
Vino & Pasta<br />
Ein italienisches Festessen<br />
samt Weinbegleitung.<br />
Jetzt Geschenkideen entdecken!<br />
bindella.ch/geschenkideen
gourmet / SVEN WASSMER<br />
Ausnahmetalent Sven Wassmer:<br />
Mit gerade einmal 35 Jahren<br />
erkochte sich der Culinary<br />
Director des «Grand Resorts Bad<br />
Ragaz» seinen dritten Michelin-<br />
Stern und den Grünen Stern<br />
für Nachhaltigkeit, was ihn zu<br />
einem der jüngsten Träger dieser<br />
Auszeichnungen weltweit macht.<br />
Fotos: Lukas Lienhard, beigestellt<br />
162 falstaff dez–feb 2025
DER<br />
ALPEN-<br />
BOTSCHAFTER<br />
Zirbenzapfen, Tannenöl, Bergspargel – der <strong>Schweiz</strong>er<br />
Drei-Sterne-Koch Sven Wassmer kreiert aus vermeintlich<br />
unscheinbaren heimischen Produkten einzigartige<br />
Genusserlebnisse. Nirgendwo erlebt man den Geschmack<br />
der Alpen so authentisch wie in seinem Gourmetrestaurant<br />
«Memories» im «Grand Resort Bad Ragaz».<br />
TEXT SEBASTIAN SPÄTH<br />
dez–feb 2025<br />
falstaff<br />
163
gourmet / SVEN WASSMER<br />
Sven Wassmer führt sein Team auf<br />
Augenhöhe. Alle sind gleichberechtigt,<br />
jeder kann sich einbringen, auch Fehler sind<br />
erlaubt – das ist das Credo des Kochs.<br />
Bad Ragaz, ein kleiner Kurort am<br />
Fusse des Pizols. Bereits die Anfahrt<br />
läutet einen Entschleunigungsprozess<br />
ein, so idyllisch ist<br />
seine Lage. Mit jedem zurückgelegten<br />
Kilometer, jedem vorbei ziehenden<br />
Berggipfel wächst der Abstand zum Alltag,<br />
der Stresspegel sinkt. Das heisse, heilende<br />
Thermalwasser, das der Taminaschlucht<br />
entspringt, hat die 6800 Einwohner grosse<br />
Gemeinde bekannt gemacht und ist, seit es<br />
im Jahr 1242 entdeckt wurde, ihre Wohlstandsquelle.<br />
Doch seit einigen Jahren muss<br />
es diesen Status teilen. Denn viele Touristen<br />
zieht es inzwischen aus einem anderen<br />
Grund in die Ostschweiz: wegen Sven<br />
Wassmer, dem wohl brillantesten <strong>Schweiz</strong>er<br />
Koch seiner Generation.<br />
In seinem Drei-Sterne-Restaurant<br />
«Memories» im «Grand Resort Bad<br />
Ragaz», einem Luxushotel alter Schule,<br />
bietet Wassmer, Jahrgang 1986,<br />
Kochkunst, die aufgrund ihrer beeindruckenden<br />
Raffinesse und Kreativität<br />
ohne Vergleich ist, dabei jedoch so aufs<br />
Wesentliche reduziert, dass sie kaum<br />
konträrer zum spätklassizistischen Pomp<br />
des Grandhotels sein könnte. Denn es ist<br />
Wassmers Credo, ausschliesslich Produkte<br />
aus seiner gebirgigen Heimat zu verwenden.<br />
«New Alpine Cuisine» nennt man diese<br />
Art des Kochens, und Wassmer gilt als ihr<br />
Idealvertreter.<br />
Da ist zum Beispiel sein Signature-Dish:<br />
Bergsaibling mit karamellisiertem Sennenrahm<br />
und Tannenöl. Optisch wenig<br />
beeindruckend, überzeugt es geschmacklich<br />
umso mehr: würzig, harzig, ätherisch –<br />
wie ein Tannenwald nach einem kräftigen<br />
Regen. Wassmer kocht dafür Sahne ein,<br />
bis sie karamellisiert, dann giesst er sie mit<br />
frischem Rahm, wie es auf Schwyzerdütsch<br />
heisst, auf und aromatisiert sie anschliessend<br />
mit Tannenöl. Insgesamt dauert die<br />
Herstellung der Sosse drei Tage. Den Saibling<br />
aus dem Val Lumnezia, aus einer Höhe<br />
von 1300 Metern, räuchert er mit Heu, getrockneten<br />
Tannenzapfen und Rinde – aber<br />
nur ganz minimal –, schmeckt ihn mit Salz<br />
und Tannenschösslingen ab und temperiert<br />
ihn anschliessend unter der Wärmelampe<br />
auf exakt 39 Grad. Erst dann wird er<br />
serviert.<br />
FRÜH ÜBT SICH<br />
«Die Idee zu dem Gericht entstand durch<br />
einen Unfall», erzählt Wassmer, als er zum<br />
Interview in seinem Zweitrestaurant empfängt,<br />
dem mit einem Stern dekorierten<br />
«verve by sven». Es ist ebenfalls im Grandhotel<br />
untergebracht – genauso übrigens<br />
wie das mit zwei Sternen ausgezeichnete<br />
«Igniv» seines Kollegen Andreas<br />
Caminada. Wassmers Grünen Stern<br />
eingerechnet vereint das Grand Resort<br />
Bad Ragaz insgesamt sieben Michelin-<br />
Sterne.<br />
Fotos: Thomas Kessler Visuals / Heidiland Tourismus / Grand Resort Bad Ragaz, beigestellt<br />
164 falstaff dez–feb 2025
Zurückhaltender Luxus:<br />
Das «Memories» beeindruckt<br />
mit Marmor, Stuckdecken,<br />
edlen Hölzern und einer<br />
komplett offenen Küche.<br />
SVEN WASSMER NUTZT<br />
AUSSCHLIESSLICH<br />
SCHWEIZER PRODUKTE,<br />
KREIERT DAMIT ABER<br />
UNVERWECHSELBARE<br />
GESCHMACKSVIELFALT.<br />
Im Kreis: Chnöpfli mit<br />
gerösteter Hefe und Trüffel.<br />
«Einmal habe ich Sahne<br />
aufgestellt und sie dann völlig<br />
auf dem Herd vergessen»,<br />
erzählt Wassmer. Als er zurückkam,<br />
hatte sich das Fett schon<br />
von der Molke getrennt. «Zuerst<br />
dachte ich, sie sei hin, aber<br />
die Sennensahne aus Andeer war<br />
zu schade, um sie wegzuwerfen. Als<br />
ich davon probierte, fand ich das Zufallsergebnis<br />
so interessant, dass ich damit<br />
weiterarbeiten wollte.» Inzwischen ist der<br />
Sahne-Saibling seit fast einer Dekade unveränderter<br />
Bestandteil von Wassmers Menus.<br />
Die Leidenschaft für das Essen wurde<br />
bei ihm schon in frühester Kindheit geweckt.<br />
«Bei uns zu Hause war das immer<br />
ein grosser gemeinsamer Event – auf den<br />
Teller kam stets Frisches und Selbstgekochtes»,<br />
erinnert sich Wassmer. «Ich hatte<br />
mich auch für Luftfahrt interessiert. Doch<br />
als es um die Berufswahl ging, hat meine<br />
Familie mich in die entscheidende Richtung<br />
geschubst.» Seinen eigenen Stil als Koch<br />
entwickelte er jedoch fernab von ihr – im<br />
«Viajante» bei Nuno Mendes im Londoner<br />
«Town Hall Hotel». «In England<br />
<<br />
dez–feb 2025<br />
falstaff<br />
165
gourmet / SVEN WASSMER<br />
<<br />
arbeitete ich zum<br />
ersten Mal in einem<br />
Land, in dem ich fangfrischen<br />
Meeresfisch<br />
verarbeiten konnte»,<br />
erzählt Wassmer. «Wir<br />
riefen nachts auf den<br />
Booten an, und am nächsten<br />
Morgen wurde uns der frisch gefangene<br />
Fisch geliefert.» Diese Erfahrung<br />
legte den Grundstein für seinen heutigen<br />
Küchenstil. Ihm sei damals klar geworden,<br />
dass er in der <strong>Schweiz</strong> niemals so frischen<br />
Salzwasserfisch verarbeiten könne, doch er<br />
wusste: Wenn er eines Tages zurückkehrte,<br />
würde er einen Weg finden, die Vorzüge<br />
seiner Heimat ebenso hervorzuheben. Man<br />
übertreibt nicht, wenn man zu dem Urteil<br />
kommt, dass ihm mehr gelungen ist als das.<br />
ETHISCH EINWANDFREI<br />
Es ist das Fleisch einer elfjährigen Milchkuh,<br />
in dem sich die Wassmers Küchenphilosophie<br />
am deutlichsten offenbart. Serviert<br />
wird es mit einem Püree aus Butter und<br />
Kartoffeln im Verhältnis eins zu eins sowie<br />
seiner Interpretation einer Gulaschsauce.<br />
Vor etwa drei Jahren fasste der Spitzenkoch<br />
den Entschluss, anstelle von klassischem<br />
Rinderfilet nur noch das Fleisch<br />
reifer Kühe mit einem Alter zwischen acht<br />
und sechzehn Jahren zu verarbeiten. «Ich<br />
Im Kreis: Entrecôte von der<br />
elf Jahre alten Milchkuh mit<br />
«Memories»-Gulasch und<br />
Kartoffelpüree.<br />
kann nicht dahinterstehen, dass Tiere hochgezüchtet<br />
werden, mit dem einzigen Zweck,<br />
dass wir sie essen», erklärt Wassmer. Für<br />
ihn bedeutet nachhaltige Haltung, «dass ein<br />
Tier auf der Weide grasen darf und, bevor<br />
es stirbt, neues Leben schenkt.»<br />
Zubereitet wird das Fleisch von<br />
Wassmers Souschef, dem Südafrikaner<br />
Ruari May, auf einem original japanischen<br />
Konro-Grill, und zwar ausschliesslich<br />
dort. Kein vorheriges Sous-vide, kein<br />
Nachgaren im Ofen, und dennoch strahlt<br />
das Grillfleisch in rosaroter Perfektion.<br />
«Moderne alpine Küche bedeutet zum<br />
Beispiel, fremde Techniken wie die japanische<br />
BBQ-Kunst auf heimische Produk<br />
te anzuwenden», erklärt Wassmer. Auch<br />
die zeitintensive Eigenproduktion von<br />
Bergheu Mandel-Miso oder Gersten-Koji<br />
zählt dazu.<br />
Zum Abschluss des Menus kommt man<br />
noch in den Genuss einer seiner neuesten<br />
Kreationen: erfrischendes Sauerklee-Sorbet,<br />
kombiniert mit cremigem Joghurt und<br />
jungen, in Zuckersirup kandierten Zirbenzapfen.<br />
Jedes Element spiegelt hier die<br />
wilde Schönheit von Wassmers Heimat wider.<br />
Eines steht nach den insgesamt neun<br />
Gängen fest: Wenn man das «Memories»<br />
verlässt, bleibt einem der Geschmack der<br />
Alpen noch lange eingeprägt – ganz wie es<br />
der Name verspricht.<br />
<<br />
ZU GAST<br />
Sven Wassmer Memories<br />
Das Drei-Sterne-Restaurant im «Grand<br />
Resort Bad Ragaz» besticht durch elegantes<br />
Design und offene Küche. Die Gerichte, die<br />
Wassmer und sein Team zaubern, sind purer<br />
Alpengenuss. Exzellente Weinbegleitung.<br />
Sven Wassmers Signature-Dish:<br />
Saibling aus dem Val Lumnezia<br />
mit gerösteter Sennereisahne<br />
und Tannenöl. Wassmer im<br />
Bild mit seinem Souschef, dem<br />
Südafrikaner Ruari May (li.).<br />
Grand Resort Bad Ragaz<br />
Erstklassiges Wellnesshotel am Fusse der<br />
Alpen mit angeschlossener Therme, Medical<br />
Center, Golfplatz und Casino.<br />
Bernhard-Simon-Strasse 14,<br />
73<strong>10</strong> Bad Ragaz, <strong>Schweiz</strong><br />
T: +41 81 3033036, memories.ch<br />
Fotos: Lukas Lienhard, beigestellt<br />
166 falstaff dez–feb 2025
GASTRONOMIE<br />
Die Mitglieder der <strong>Falstaff</strong>- Community besuchen und<br />
bewerten die besten Beizen und Restaurants der <strong>Schweiz</strong>.<br />
In dieser Rubrik stellen wir eine Auswahl aus unserem<br />
Guide vor, die wir Ihnen wärmstens empfehlen wollen.<br />
Alle <strong>10</strong>00 Beizen und Restaurants dieses Guides finden<br />
Sie auch auf falstaff.com.<br />
ADVERTORIAL Foto: Beigestellt<br />
Pflanzenbasierte Gourmetküche<br />
entdecken<br />
In der Berner Altstadt bietet das<br />
«ZOE» eine unvergleichliche kulinarische<br />
Reise. Mit einem Stern im<br />
«Guide Michelin» und 15 Gault-Millau-<br />
Punkten ausgezeichnet zelebriert das<br />
Team um Küchenchef Fabian Raffeiner<br />
eine pflanzenbasierte Küche, die<br />
Gemüse in all seinen faszinierenden<br />
Facetten zeigt. Raffeiners kreative<br />
Herangehensweise bietet unerwartete<br />
Geschmackskombinationen,<br />
wobei er sich sowohl von traditionellen<br />
als auch von modernen Kochtechniken<br />
inspirieren lässt. Stets im<br />
Zeichen der Nachhaltigkeit verarbeitet<br />
er saisonale und regionale Zutaten zu<br />
innovativen und charaktervollen Gerichten,<br />
präsentiert als Meisterwerke<br />
aus Farbe, Textur und Kreativität.<br />
Die Speisekarte bietet etwas für jede<br />
Gelegenheit – von einem entspannten<br />
Mittagessen bis hin zu einem unvergesslichen<br />
Fine-Dining-Erlebnis.<br />
RESTAURANT ZOE<br />
90 Punkte im <strong>Falstaff</strong><br />
Restaurantguide 2025<br />
Münstergasse 39, 3011 Bern<br />
T: +41 31 3183333, restaurant-zoe.com<br />
The Cambrian Adelboden<br />
«A true one-off»<br />
«The Cambrian» ist ein Ort für luftigleichte<br />
Momente und unvergessliche<br />
Erlebnisse. Kürzlich ausgezeichnet<br />
mit einem MICHELIN-Key bietet<br />
das Hotel <strong>Schweiz</strong>er Topservice<br />
mit einem walisischen Twist. «The<br />
Cambrian» verwöhnt seine Gäste<br />
mit einem Komfort- und Erlebnisniveau,<br />
das so einzigartig ist wie die<br />
Landschaft, die es umgibt. Kulinarisch<br />
begeistert «The Cambrian» im<br />
«Bryn Williams at The Cambrian»<br />
mit spannenden Konzepten und<br />
neu interpretierten Klassikern. Chef<br />
Patron Bryn Williams ist in dem nach<br />
ihm benannten Restaurant für den<br />
kreativen Prozess verantwortlich und<br />
begeistert seine Gäste zusammen mit<br />
seinem ambitionierten Team jeden<br />
Tag aufs Neue. «The Axe Bar & Grill»<br />
ist die entspannte Alternative mit gesunden<br />
Grillgerichten, einer exzellent<br />
kuratierten Bar und einem Ambiente,<br />
das zum Lesen und Reflektieren<br />
eines ereignisreichen Tages einlädt.<br />
THE CAMBRIAN<br />
Dorfstrasse 7, 3715 Adelboden<br />
T: +41 33 6738383<br />
thecambrianadelboden.com<br />
95–<strong>10</strong>0 Punkte 90–94 Punkte 85–89 Punkte 80–84 Punkte<br />
dez–feb 2025 falstaff 167
Im Fokus der «Regional<br />
Competition» standen<br />
vor allem die jungen<br />
Talente, die der Jury<br />
ihre Signature Dishes<br />
präsentierten.<br />
THEO KOPP<br />
GEWINNT<br />
REGIONALFINALE<br />
Am 18. November gewann Theo Kopp das Regionalfinale der<br />
S. Pellegrino Young Chef Academy Competition – mit seinem<br />
Signature Dish «Potée Lorraine». Zehn Jungköche aus der <strong>Schweiz</strong>,<br />
Belgien und Luxemburg traten an und wurden von einer<br />
hochkarätigen Jury um Spitzenkoch Franck Giovannini bewertet.<br />
168<br />
falstaff dez–feb 2025
S. PELLEGRINO YOUNG CHEF ACADEMY COMPETITION<br />
ADVERTORIAL Fotos: beigestellt<br />
Die Spannung war greifbar, als<br />
die Jungköche ihre Signature<br />
Dishes der fünfköpfigen Jury<br />
präsentierten. Mit der letzten<br />
Sekunde der Zubereitung lieferten die<br />
Teilnehmer ihre Kreationen an die Jury, zu<br />
der auch Spitzenköche wie Franck<br />
Giovannini und Silvia Manser gehörten.<br />
Die Mimik der Juroren blieb zunächst<br />
undurchsichtig, doch nach der Verkostung<br />
folgte schnell ein erstes, prägnantes Feedback,<br />
das den jungen Köchen wertvolle<br />
Hinweise gab.<br />
Die Nachwuchstalente hatten genau fünf<br />
Stunden Zeit, um ihr Signature Dish perfekt<br />
umzusetzen. Sie mussten ihre Kreation insgesamt<br />
zehnmal anfertigen – fünf Portionen<br />
für die Jury und die restlichen für das Fototeam.<br />
Bei der Verkostung bewertete die Jury<br />
die technischen Fertigkeiten, Kreativität<br />
und die persönliche Vision der Köche, die<br />
im Alter von 18 bis 30 Jahren waren.<br />
DAS<br />
GEWINNER-<br />
GERICHT<br />
VON THEO KOPP:<br />
Potée Lorraine. Kopp<br />
kombinierte ein ausgewähltes<br />
Stück Schweinefleisch mit Kimchi-<br />
Mirabelle und Schweineohr, einem<br />
reduzierten Schweinejus und<br />
Picon-Mirabellen-Saft.<br />
Parallel dazu sprach Christa Rigozzi mit<br />
den Kandidaten und ergründete die Ideen<br />
sowie die Techniken, die ihre Gerichte prägen.<br />
Auf diese Weise bot sie dem Publikum<br />
spannende Einblicke in die kulinarische<br />
Welt und die persönlichen Motivationen<br />
der Teilnehmer.<br />
INNOVATIVES GERICHT<br />
Das Regionalfinale der S. Pellegrino Young<br />
Chef Academy Competition wurde im<br />
eleganten Hotel «Das Morgen» in<br />
Vitznau (LU) ausgetragen. Am Ende des<br />
spannenden Wettbewerbs setzte sich der<br />
Luxemburger Theo Kopp mit seinem innovativen<br />
Signature Dish durch. Als Sieger<br />
wird er die Region <strong>Schweiz</strong>, Belgien und<br />
Luxemburg 2025 beim internationalen<br />
Finale in Mailand vertreten. Dort trifft er<br />
auf 14 weitere Nachwuchstalente aus der<br />
ganzen Welt und präsentiert sein Gericht<br />
erneut einer hochkarätigen Jury.<br />
SONDERAUSZEICHNUNGEN<br />
Neben dem Hauptpreis wurden drei<br />
Sonderauszeichnungen an herausragende<br />
Talente verliehen. Clémentine Perradin<br />
aus der <strong>Schweiz</strong> erhielt den Acqua Panna<br />
Connection in Gastronomy Award für ihre<br />
aussergewöhnliche Fähigkeit, kulinarische<br />
Verbindungen zu schaffen. Der S. Pellegrino<br />
Social Responsibility Award ging an<br />
Davide Rauco, ebenfalls aus der <strong>Schweiz</strong>,<br />
für seine nachhaltige Herangehensweise<br />
in der Küche. Davide Calabrese aus<br />
Luxemburg wurde mit dem Fine Dining<br />
Lovers Food for Thought Award für seine<br />
kreative Vision ausgezeichnet.<br />
Die S. Pellegrino Young Chef Academy<br />
bietet eine wichtige Plattform für Nachwuchstalente<br />
und betont die Vielfalt sowie<br />
das hohe Niveau der regionalen Gastronomie.<br />
Die Teilnehmer beeindruckten mit<br />
ihren Fähigkeiten und innovativen Konzepten,<br />
die die Zukunft der Gastronomie<br />
prägen werden.<br />
INFO<br />
Weitere Informationen unter<br />
sanpellegrinoyoungchefacademy.com<br />
dez–feb 2025 falstaff 169
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SIXPACK<br />
RESTAURANTS IM TEST<br />
1<br />
2<br />
3<br />
4<br />
5<br />
6<br />
EINSTEIN GOURMET<br />
im Hotel Einstein<br />
Berneggstrasse 2<br />
9000 St. Gallen<br />
CAAA BY PIETRO CATALANO<br />
Haldenstrasse 19<br />
6006 Luzern<br />
FRISK FISK<br />
Niederdorfstrasse 31<br />
8001 Zürich<br />
CYRUS<br />
Schützengasse 8<br />
9000 St. Gallen<br />
HALLERS BRASSERIE<br />
Hallerstrasse 33<br />
3012 Bern<br />
CONTRA CORRENTE<br />
Ostermundigenstrasse 69<br />
3006 Bern<br />
UNSERE TESTER<br />
LARISSA GRAF (LG)<br />
studierte Gastronomiewissenschaften und<br />
mag lange Abende mit spannenden Leuten,<br />
gutem Essen und interessantem<br />
Wein.<br />
CLAUDIA SALZMANN (CLS) verbringt<br />
ihre Stunden am liebsten am Tisch bei<br />
kreativen Köch:innen. Gästen zu Hause<br />
serviert sie gern monochrome Gerichte<br />
oder einen Mehrgänger vom Grill.<br />
CARMEN STALDER (CS)<br />
Carmen Stalder mag kreative saisonale<br />
Küche. Wenn sie nicht gerade über<br />
<strong>Schweiz</strong>er Wein schreibt, liebt sie<br />
abenteuerliche Reisen.<br />
DOMINIK VOMBACH (DV)<br />
ist Teil der Chefredaktion <strong>Schweiz</strong> und<br />
liebt extravagante Aromenkombinationen<br />
genauso wie die Einfachheit.<br />
WERNER VON HAMBERG (WVH)<br />
ist seit 30 Jahren Gastrokritiker im<br />
gesamten deutschsprachigen Raum.<br />
Kunstvoll: die Kreationen<br />
im «Einstein Gourmet» in<br />
der Stadt St. Gallen.<br />
NEU EINGEDECKT<br />
Foto: Einstein / Steve Hadorn<br />
JETZT<br />
GRATIS<br />
RESTAURANT-<br />
GUIDE APP<br />
Kreative Präzision von Sebastian Zier und Richard Schmidtkonz im<br />
St. Galler «Einstein Gourmet», ein unvergesslicher Besuch im<br />
«CAAA by Pietro Catalano» in Luzern und eine Neueröffnung in<br />
Bern. Die <strong>Falstaff</strong>-Tester waren wieder in der <strong>Schweiz</strong> unterwegs.<br />
95–<strong>10</strong>0 Punkte 90–94 Punkte 85–89 Punkte 80–84 Punkte<br />
dez–feb 2025<br />
falstaff<br />
171
gourmet / SIXPACK<br />
EINSTEIN<br />
GOURMET<br />
St. Gallen<br />
1Mit der Verpflichtung von Sebastian<br />
Zier vor gut zehn Jahren bewies man<br />
im St. Galler Hotel «Einstein» ein<br />
wahrhaft glückliches Händchen. Zier ist ein<br />
echter Teamplayer, der überzeugt ist, dass<br />
man gemeinsam Grösseres schaffen kann als<br />
alleine. Seit einigen Jahren teilt er die Verantwortung<br />
in der Küche mit Richard<br />
Schmidtkonz. Beide kennen einander schon<br />
lange, sind dicke Freunde und matchen hinsichtlich<br />
ihrer Küchen-DNA hervorragend.<br />
Bereits die Snacks lassen aufhorchen: darunter<br />
eine Schweinebauch praline im Pankomantel<br />
mit Kimchi und Shisocréme und eine<br />
himmlische Safran suppe. Alles tiefgründig,<br />
ausbalanciert und kunstvoll angerichtet. Die<br />
umwerfende Optik der Gerichte ist grundsätzlich<br />
hervorzuheben, auch die Lichtspots<br />
über den Tischen, die sie unverschämt gut in<br />
Szene setzen.<br />
Die Gänge die dann folgen sind allesamt<br />
grosse Klasse, besonders heraus stechen für<br />
uns aber Entenleber mit Sauerkirschsud,<br />
Kokos und Rauchaal und der Carabinero-<br />
Shrimp mit Alge, Curry und Mango – herrlich<br />
wohlige Aromenkombinationen. Für<br />
absolutes Wohlgefühl sorgen auch Gastgeber<br />
Daniel Bölle und Sommelier Loris<br />
Lenzo. Lenzos Winepairings sind überaus<br />
stimmig wie etwa beim klassischen Zander<br />
mit Sauerkraut, Gurkensalat und Meerrettichschaum,<br />
zu dem der durchaus üppige<br />
Gewürztraminer Hengst von Zind-Humbrecht<br />
zitrische Leichtigkeit beiträgt. Im<br />
unglaublichen Weinkeller des «Einstein»,<br />
der zweifellos zu den besten der <strong>Schweiz</strong><br />
gehört, werden aber sowieso jegliche Wünsche<br />
erfüllt. Das Dessert-Highlight: Grapefruit,<br />
Schokolade und Yuzu aus der Feder<br />
des talentierten Patissiers Julian Koch. DV<br />
Im St. Galler «Einstein Gourmet»<br />
erlebt man Hochgenuss mit Blick<br />
über die Gallusstadt.<br />
BEWERTUNG<br />
Essen<br />
Service<br />
Weinkarte<br />
Ambiente<br />
GESAMT<br />
48 von 50<br />
20 von 20<br />
20 von 20<br />
9 von <strong>10</strong><br />
97 von <strong>10</strong>0<br />
EINSTEIN GOURMET<br />
im Hotel Einstein<br />
Berneggstrasse 2<br />
9000 St. Gallen<br />
+41 71 2275555<br />
einstein.ch<br />
CAAA BY PIETRO<br />
CATALANO<br />
Luzern<br />
2Den Besuch im «CAAA by Pietro<br />
Catalano» vergisst man vielleicht<br />
nie. Das Gourmetlokal wurde mithilfe<br />
von KI und Architekten in Barcelona<br />
entworfen. Mit 72 Elementen wurden Decke<br />
und Wände ausgekleidet, und als Gast fühlt<br />
man sich wie in einer wohligen Höhle. Das<br />
Gefühl wird von Spitzenkoch Pietro Catalano,<br />
seiner Frau und seiner Schwester noch<br />
verstärkt. Am Bartresen geht es mit einem<br />
Cocktail mit alkoholfreiem Schaumwein<br />
und destillierten Shiitakepilzen los. Sieben<br />
Häppchen hat Catalano produziert, unter<br />
anderem ein Dampfbrötchen mit frischen<br />
und eingelegten Pfifferlingen und Pilzconfit,<br />
ein gefülltes Brandteiggebäck mit Lardo und<br />
Trockenfleischspänen und die süditalienische<br />
Spezialität «Braccioli di riso» mit dehydriertem<br />
Basilikum und Parmigiano. Dann wechselt<br />
man ins Lokal, wo die nächsten Amuse-<br />
Gueules serviert werden: Ein gepuffter<br />
Hühnerhaut-Chip mit Eigelb und Trüffel, ein<br />
Plin mit Steinpilzfüllung an fermentiertem<br />
Champignon-Espuma und einer Waldessenz<br />
mit Fichten, ein perfektes Randen-Frischkäse-Tartelette<br />
und eine Mousseline mit<br />
Wachtelei-und-Spinat-Einlage. Nach diesen<br />
Eindrücken startet das Menü mit gebeiztem<br />
Gotthard-Zander, als Ring angerichtet, verziert<br />
mit eingelegten Zwiebeln, Senfkörnern,<br />
gepufftem Quinoa und Osietra-Kaviar an<br />
Buttermilch-Jalapeño-Sud. Der Hauptgang:<br />
ein Kalbsfilet mit einem Kern von Rehfilet<br />
und Kalbsbries. Bei jedem Gericht legt<br />
Catalano noch eine Schippe obendrauf.<br />
Beim Dessert wird weisse Schokolade mit<br />
fünf laktofermentierten Früchte- und Beerenpulvern<br />
bestäubt und mit Kaviar serviert.<br />
Vielleicht verblasst im Laufe der Zeit der<br />
Besuch, aber diese Nachspeise vergisst man<br />
bestimmt nie.<br />
CLS<br />
BEWERTUNG<br />
Essen<br />
Service<br />
Weinkarte<br />
Ambiente<br />
GESAMT<br />
45 von 50<br />
20 von 20<br />
19 von 20<br />
<strong>10</strong> von <strong>10</strong><br />
94 von <strong>10</strong>0<br />
CAAA BY PIETRO CATALANO<br />
Haldenstrasse 19<br />
6006 Luzern<br />
T: + 41 76 7679983<br />
pietrocatalano.ch<br />
Das «CAAA by Pietro<br />
Catalano» in Luzern<br />
wurde mittels KI<br />
entworfen.<br />
Fotos: Steve Hadorn, filippo bamberghi, beigestellt<br />
172 falstaff dez–feb 2025
FRISK FISK<br />
Zürich<br />
3Die Einrichtung im nordischen Stil<br />
ist gleichgeblieben, aber doch weht<br />
im «Frisk Fisk» seit August ein frischer<br />
Wind. Inhaber Matteo Trivisano hat<br />
die Leitung seines Zürcher Fischrestaurants<br />
einem neuen Gastgeberpaar anvertraut. Am<br />
Herd steht nun Rony Weiss, seine Partnerin<br />
Emelie Brandin kümmert sich um die Gäste<br />
und den Weinkeller. Brandin selbst ist<br />
Schwedin, das Paar arbeitete bereits in Norwegen<br />
zusammen, weiss also, worum es in<br />
der nordischen Küche geht. Die Karte bietet<br />
einen spannenden Mix aus skandinavischen<br />
und französischen Einflüssen. Die Hauptrolle<br />
spielen der hervorragende Fisch und<br />
Meeresfrüchte aus Wildfang, die «Frisk<br />
Fisk» hauptsächlich aus Norwegen importiert.<br />
Wir beginnen mit einem Glas Champagner<br />
und Scheiben vom warmen Brot mit<br />
aufgeschlagener brauner Butter. Kurz darauf<br />
bekommen wir eine «Handvoll Schrimps»,<br />
von denen die eine Hälfte geräuchert und die<br />
andere gekocht ist. Sie sind so gut, dass wir<br />
die Aioli dazu beinahe komplett ignorieren –<br />
obwohl uns diese ebenfalls sehr schmeckt.<br />
Weiter geht’s mit einem feinen Lachstatar,<br />
das in kleinen Häppchen in einer Schneckenpfanne<br />
serviert wird. Zum Hauptgang entscheiden<br />
wir uns für den Heilbutt, der von<br />
einer luftigen, mit Schalentieren aromatisierten<br />
Hollandaise bedeckt ist. Dazu bestellen<br />
wir buttrige Dill-Kartoffeln und ein Tatar<br />
aus geräucherten Randen mit Estragon und<br />
Ei. Beim Dessert beschränken wir uns aufs<br />
Erfrischende und bekommen je eine Kugel<br />
Sanddornsorbet, Lakritze- und Vanille glace –<br />
aus geräuchterter Vanille – köstlich! Auch<br />
die Weinkarte mit Tropfen von kleinen,<br />
handwerklich arbeitenden Produzenten<br />
gefällt uns sehr. Wir kommen wieder! LG<br />
Seit August weht im<br />
Zürcher «Frisk Fisk»<br />
frischer Wind.<br />
BEWERTUNG<br />
Essen<br />
Service<br />
Weinkarte<br />
Ambiente<br />
GESAMT<br />
45 von 50<br />
18 von 20<br />
19 von 20<br />
9 von <strong>10</strong><br />
91 von <strong>10</strong>0<br />
FRISK FISK<br />
Niederdorfstrasse 31<br />
8001 Zürich<br />
T: +41 44 5216006<br />
friskfisk.ch<br />
CYRUS<br />
KITCHENBAR<br />
St. Gallen<br />
4<br />
Warum an diesem Abend so wenige<br />
Menschen im kürzlich eröffneten<br />
«Cyrus» sitzen, wissen wir nicht. Und<br />
ob St. Gallen der richtige Ort für ein Konzept<br />
wie dieses ist, steht eh in den Sternen. Im<br />
Nachfolger des an gleicher Stelle entschlafenen<br />
«Misnik» gibt es statt Steaks neuerdings<br />
persische Küche, mittags, abends und dazwischen.<br />
Dazu diverse Cocktails, eine Bar in der<br />
Mitte des Raums, an der Decke so etwas wie<br />
eine Discokugel. Na ja, denken wir am<br />
Anfang, ob das Hand und Fuss hat? Hat es<br />
aber. Mast-o Khiyar und Mast-o Musir,<br />
joghurtlastige Vorspeisen, böten sich zum<br />
Start an, aber wir fangen mit Hummus an.<br />
Ein Hummus, das wir lange nicht mehr in dieser<br />
Güte bekommen haben, dazu knuspriges<br />
Fladenbrot der gehobenen Klasse. Khoresht-e<br />
Bademjan, die Auberginen in einer tomatigen,<br />
schön frisch abgeschmeckten Sauce, gehört zu<br />
jenen vegetarischen Speisen, deretwegen wir<br />
wiederkommen würden. Einen Spiess mit<br />
dünngeklopftem Lammfilet heben wir uns<br />
fürs nächste Mal auf. Hausgemachte Safranglace<br />
gelingt ausgezeichnet – safranwürzig,<br />
nicht zu süss –, aber es hätte auch Reispudding<br />
oder Reiscreme mit Himbeerpüree und<br />
persischer Zuckerwatte sein können, um den<br />
orientalischen Abschluss perfekt zu machen.<br />
Gute Weine erwarten wir übrigens nicht in<br />
einem Restaurant wie diesem, aber es gibt sie.<br />
Allerlei Shiraz-Abfüllungen wie den 2020er<br />
Incognito von Cortes de Cima aus dem Alentejo<br />
oder den 2017er Relentless von Shafer<br />
aus dem Napa Valley, dazu Champagner bis<br />
hinauf zu Dom Pérignon und Krug. Da in St.<br />
Gallen nicht täglich über die Stränge geschlagen<br />
wird, ist auch für Bezahlbares glasweise<br />
gesorgt: Der Hochar von Château Musar aus<br />
dem Libanon passt, so finden wir an diesem<br />
Tag, prima zum Essen.<br />
WVH<br />
BEWERTUNG<br />
Essen<br />
Service<br />
Weinkarte<br />
Ambiente<br />
GESAMT<br />
46 von 50<br />
17 von 20<br />
17 von 20<br />
8 von <strong>10</strong><br />
88 von <strong>10</strong>0<br />
CYRUS KITCHENBAR<br />
Schützengasse 8<br />
9000 St. Gallen<br />
T: +41 71 2201112<br />
cyrus-sg.ch<br />
Neu und empfehlenswert: die<br />
«Cyrus Kitchenbar» in St. Gallen.<br />
95–<strong>10</strong>0 Punkte 90–94 Punkte 85–89 Punkte 80–84 Punkte<br />
dez–feb 2025<br />
falstaff<br />
173
gourmet / SIXPACK<br />
HALLERS<br />
BRASSERIE<br />
Bern<br />
Gemütlich und weltoffen:<br />
«Hallers Brasserie» in der<br />
Hauptstadt Bern.<br />
5«Hallers Brasserie tout le monde»<br />
nennt sich das Restaurant im Berner<br />
Länggass-Quartier mit ganzem<br />
Namen. Im gemütlichen Lokal sind alle willkommen<br />
– auch Menschen in schwie rigen<br />
Lebenssituationen, die hier beim Berufseinstieg<br />
unterstützt werden. Daneben legen die<br />
Gastgeber den Fokus auf nachhaltige Gastronomie.<br />
In der Küche verwendet Chefkoch<br />
Stefan Zingg nur Produkte mit Bio- oder<br />
Demeter-Label. Die klein gehaltene Karte ist<br />
bei unserem Besuch herbstlich geprägt: So<br />
gibt es etwa Wild aus heimischer Jagd, Trüffel<br />
aus dem Seeland oder ein Dessert mit<br />
Haselnüssen und Marroni. Wir starten mit<br />
Rotkraut und Gemüse zwiebel, wobei letztere<br />
zu unserer Überraschung als Glace serviert<br />
wird. Das funktioniert erstaunlich gut<br />
und passt bestens zum Rotkraut, das einmal<br />
als Püree und einmal knusprig gebraten und<br />
mit Kreuzkümmel verfeinert daherkommt.<br />
Köstlich ist auch die Kürbis-Tarte-Tatin mit<br />
Frischkäse-Tupfen und fein gezupftem<br />
Rosenkohl. Auf diese Weise zubereitet<br />
schmeckt dieser sogar, wenn man dem bitteren<br />
Gemüse normalerweise nicht viel abgewinnen<br />
kann. Gut gefällt auch der Wildteller<br />
mit Rehgeschnetzeltem, Herbstgemüse wie<br />
Pastinaken und Pilzen sowie hausgemachten<br />
Knöpfli. Das Fleisch perfekt gegart, die<br />
Knöpfli schön knusprig. Die freundliche<br />
Bedienung empfiehlt uns kompetent den<br />
passenden Wein – aus einer Karte, auf der<br />
sich grösstenteils <strong>Schweiz</strong>er Gewächse finden.<br />
Den Abschluss bildet ein zimtzuckriges<br />
Pain perdu mit einem leicht säuerlichen<br />
Bratapfel und Fior-di-Latte-Glace. Spätestens<br />
jetzt entpuppt sich das Lokal als<br />
Quartierbeiz, die auch gehobene Ansprüche<br />
zufriedenstellt.<br />
CS<br />
BEWERTUNG<br />
Essen<br />
Service<br />
Weinkarte<br />
Ambiente<br />
GESAMT<br />
46 von 50<br />
17 von 20<br />
17 von 20<br />
8 von <strong>10</strong><br />
88 von <strong>10</strong>0<br />
HALLERS BRASSERIE<br />
Hallerstrasse 33<br />
3012 Bern<br />
T: +41 31 3764488<br />
hallersbrasserie.ch<br />
CONTRA<br />
CORRENTE<br />
Bern<br />
6<br />
Ende September hat das «Aparthotel<br />
Il Momento» im Osten von Bern<br />
eröffnet. Im hauseigenen Restaurant<br />
«Contra Corrente» (auf Deutsch «gegen den<br />
Strom») präsentiert Küchenchef Angelo<br />
Palumbo eine mediterrane Küche. Dies<br />
scheint auf Anklang zu stossen: Bei unserem<br />
Besuch an einem Freitagabend ist jeder Tisch<br />
besetzt. Das im Industrial Chic eingerichtete<br />
Lokal verströmt urbanes Flair. Als Amuse-<br />
Bouche werden uns von der aufmerksamen<br />
Bedienung Focaccia-Würfel mit Tomaten-<br />
Tapenade serviert. Ein Blick in die Karte<br />
verspricht italienische Gerichte mit einem<br />
gewissen Twist. Den Anfang machen Crostini<br />
mit Lachs, Stracciatella di Burrata und<br />
Pistazien in reichlich Olivenöl knusprig<br />
getoastet – eine schmackhafte Kombi. Dazu<br />
teilen wir uns einen knackigen Fenchelsalat<br />
mit Orangen, Granatapfel und Mohnsamen.<br />
Das dünn geschnittene Gemüse ist hübsch<br />
angerichtet und eine passende Vorspeise für<br />
die kalte Jahreszeit. Die kompakte Weinkarte<br />
setzt klar auf italienische Tropfen, bietet<br />
aber gerade bei den offenen Weinen eine<br />
etwas gar kleine Auswahl. Die Primi Piatti,<br />
eine schöne Auswahl an Pasta- und Risotto-<br />
Gerichten, überspringen wir. Als Hauptgang<br />
gibt es ein wunderbar zartes Rindsfilet an<br />
kräftiger Drei-Pfeffer-Sauce mit sämigem<br />
Parmesan-Risotto. Nur das Dessert kann<br />
nicht ganz überzeugen: Tiramisu oder Panna<br />
Cotta erscheinen uns etwas gar gewöhnlich,<br />
also soll es eine Torta di Mele sein. Diese ist<br />
jedoch alle, und so wird uns stattdessen ein<br />
Birnenkuchen empfohlen. Zwischen einem<br />
Haselnussboden und -deckel befindet sich<br />
Schlagrahm mit kleinen Birnenstückchen,<br />
was vor allem süss ist. Noch ein Tipp für die<br />
wärmeren Monate: Auf dem Dach gibt es<br />
eine hübsche Rooftop-Bar.<br />
CS<br />
BEWERTUNG<br />
Essen<br />
Service<br />
Weinkarte<br />
Ambiente<br />
GESAMT<br />
45 von 50<br />
17 von 20<br />
16 von 20<br />
8 von <strong>10</strong><br />
86 von <strong>10</strong>0<br />
Neu in Bern: Das<br />
«Contra Corrente»<br />
im «Aparthotel Il<br />
Momento».<br />
CONTRA CORRENTE<br />
Ostermundigenstrasse 69<br />
3006 Bern<br />
T: +41 31 3350000<br />
contra-corrente.ch<br />
Fotos: Steven Kohl Photography, Fotograf Rolf Neeser<br />
174 falstaff dez–feb 2025 95–<strong>10</strong>0 Punkte 90–94 Punkte 85–89 Punkte 80–84 Punkte
GASTROSOPHINNEN<br />
EIN GENUSSVOLLES JAHR<br />
Kulinarische Highlights, spannende Entdeckungsreisen und eindrucksvolle Erlebnisse:<br />
So lässt sich das Jahr <strong>2024</strong> der Gastrosophinnen zusammenfassen.<br />
ADVERTORIAL Fotos: beigestellt<br />
Die Gastrosophinnen blicken auf<br />
ein ereignisreiches Jahr zurück,<br />
das von kulinarischen Höhepunkten,<br />
spannenden Entdeckungen<br />
und bereichernden Reisen geprägt<br />
war. Zahlreiche Besichtigungen bei Produzenten<br />
boten faszinierende Einblicke in die<br />
Entstehung hochwertiger Lebensmittel und<br />
Getränke. Darüber hinaus boten Kochund<br />
Backkurse wertvolle Gelegenheiten,<br />
neue Fertigkeiten zu erlernen und bestehende<br />
zu verfeinern. Bei all diesen Erlebnissen<br />
stand der Austausch und das gesellige<br />
Beisammensein stets im Vordergrund und<br />
sorgte für eine herzliche Atmosphäre unter<br />
den Teilnehmerinnen. Die Gastrosophinnen<br />
blicken voller Vorfreude auf das kommende<br />
Jahr, das erneut viele neue kulinarische<br />
Entdeckungen und bereichernde Begegnungen<br />
bereithält.<br />
NÄCHSTE EVENTS<br />
Gourmet-Lunch PIC im Beau-Rivage Palace<br />
Lausanne, 13. Dezember <strong>2024</strong><br />
GS Träff Lindenhofkeller<br />
Zürich, 18. Dezember <strong>2024</strong><br />
Didi’s Frieden<br />
Zürich, 23. Januar 2025<br />
Sharing Lunch im IGNIV<br />
Zürich, 29. Januar 2025<br />
Dinner Restaurant Rosa Pulver<br />
Winterthur, 5. Feburar 2025<br />
Führung und Degustation Städtlichäsi<br />
Willi Schmid<br />
Lichtensteig, 13. März 2025<br />
Mitgliederversammlung und Lunch<br />
im Lucide<br />
Luzern, 29. März 2025<br />
JETZT MITGLIED WERDEN<br />
UND FALSTAFF-ABO SICHERN!<br />
Frauen, die Freude am Kochen und am Essen,<br />
an schön gedeckten Tischen und am Ausprobieren<br />
und Austauschen von Rezepten haben,<br />
sind herzlich willkommen.<br />
Alle Mitglieder kommen in den<br />
Genuss folgender Vorteile:<br />
Teilnahme an exklusiven Anlässen und<br />
Kochkursen/Spezialangeboten<br />
Austausch mit Gleichgesinnten<br />
Freundschaften knüpfen und pflegen<br />
Jahresabonnement von <strong>Falstaff</strong> <strong>Schweiz</strong><br />
Kosten: CHF 200,– pro Jahr<br />
zuzüglich einmaliger Eintrittsgebühr von CHF 70,–<br />
gastrosophinnen.ch<br />
dez–feb 2025 falstaff 175
gourmet / VACHERIN MONT D’OR<br />
Der Vacherin Mont d’Or<br />
wird in einem Ring aus<br />
Fichtenholz gereift.<br />
Dieser beeinflusst den<br />
Geschmack des Käses.<br />
MONT D’OR<br />
DUFTENDER<br />
GRENZGANGER<br />
:<br />
Foto: Stefan Thurmann / Picture Press / picturedesk.com<br />
176 falstaff dez–feb 2025
falstaff-Serie<br />
K ÄSE,<br />
DEN JEDER KENNEN<br />
SOLLTE<br />
Das Juragebirge ist ein nördlicher<br />
Ausläufer der Alpen im schweizerischfranzösischen<br />
Grenzgebiet. In<br />
dieser mystischen Region gibt es<br />
wunderbaren Wein, besondere<br />
Spirituosen wie Absinth und natürlich<br />
köstlichen Käse wie den aromatischen<br />
Weichkäse Vacherin Mont d’Or.<br />
TEXT LARISSA GRAF<br />
dez–feb 2025<br />
falstaff<br />
177
gourmet / VACHERIN MONT D’OR<br />
STECKBRIEF<br />
Typ:<br />
Weichkäse mit gewaschener Rinde<br />
Der aromatische<br />
Weichkäse stammt<br />
aus dem Juragebirge.<br />
Dort wird er seit<br />
Jahrhunderten<br />
auf beiden Seiten<br />
der schweizerischfranzösischen<br />
Grenze<br />
gekäst.<br />
Produktionsgebiet:<br />
In Frankreich in der Region Haut-Doubs<br />
und in der <strong>Schweiz</strong> im Waadtländer<br />
Vallée de Joux und am Fuss des Juras<br />
Geschmack:<br />
Milchig, salzig, etwas säuerlich, mit<br />
Fichtenharznoten und leichten Stallaromen<br />
Konsistenz:<br />
Cremig, geschmeidig, leicht fliessend<br />
Gewicht eines Laibs:<br />
350 Gramm bis<br />
3 Kilogramm<br />
Reifezeit:<br />
17 bis 25 Tage<br />
DER VACHERIN<br />
MONT D’OR IST BIS<br />
HEUTE EIN SAISONALES<br />
PRODUKT GEBLIEBEN.<br />
ER WIRD NUR NACH<br />
DEM SOMMER GEKÄST.<br />
Einige der berühmtesten Käse<br />
der Welt haben ihre Wurzeln<br />
im Juragebirge, allen voran<br />
Gruyère und Comté. Diese<br />
wurden schon vor Jahrhunderten<br />
aus der reichhaltigen Sommermilch der<br />
jurassischen Bergkühe hergestellt. Während<br />
der warmen Monate wurde das Vieh auf<br />
die höher liegenden Alpwiesen getrieben,<br />
denn dort gab es reichlich saftiges, nahrhaftes<br />
Sommergras für sie.<br />
Deswegen, und weil im Frühling die<br />
meisten Kälber auf die Welt kamen, war die<br />
Milchleistung der Kühe im Sommer um einiges<br />
höher als in den kälteren Jahreszeiten.<br />
Die im Überfluss vorhandene Milch wurde<br />
zu grossen Hartkäsen verarbeitet, um die<br />
Bauern im Winter zu ernähren – Gruyère<br />
Laibe wiegen bis heute zwischen 25 und<br />
40 Kilogramm, beim Comté sind es 30 bis<br />
48 Kilogramm.<br />
In den kalten Monaten hatten die Kühe<br />
weniger zu fressen, ihre Milchleistung<br />
nahm drastisch ab. Eine Käsesorte musste<br />
her, die auch in kleineren Laiben hergestellt<br />
werden konnte. So erfanden die jurassischen<br />
Bauern den aromatischen Weichkäse,<br />
der in der <strong>Schweiz</strong> als Vacherin Mont<br />
d’Or und in Frankreich als Vacherin du<br />
Haut-Doubs oder Mont d’Or bekannt ist,<br />
benannt nach einem Berggipfel im französischen<br />
Jura. Dieser wird beidseits der<br />
Grenze in sehr ähnlichen Verfahren in<br />
Laiben von maximal drei Kilogramm hergestellt.<br />
Auch wenn die Milchleistung der<br />
heutigen Kühe das ganze Jahr über hoch<br />
ist, ist der Vacherin Mont d’Or bis heute<br />
ein saisonales Produkt geblieben. Er wird<br />
ausschliesslich nach dem Sommer gekäst:<br />
in der <strong>Schweiz</strong> vom 20. August bis 31.<br />
März, in Frankreich vom 15. August bis<br />
zum 15. März. Verkauft wird er jeweils<br />
zwischen September und April.<br />
KÄSE MIT HOLZAROMA<br />
Für die Herstellung dieses cremigen Weichkäses<br />
wird in Frankreich Rohmilch verwendet.<br />
In der <strong>Schweiz</strong> muss die Milch seit<br />
einem Listerienvorfall in den 1980er-Jahren<br />
thermisiert werden, wird also für mindestens<br />
15 Sekunden auf eine Temperatur<br />
zwischen 55 und 68 Grad Celsius erhitzt.<br />
Ansonsten unterscheidet sich die Machart<br />
auf beiden Seiten der Grenze kaum.<br />
Der Milch wird Lab hinzugefügt, welches<br />
sie zu einer gelartigen Masse, der Gallerte,<br />
gerinnen lässt. Diese Gallerte wird anschliessend<br />
in kirschgrosse Stücke zerteilt,<br />
wodurch sich der feste Teil der Milch, der<br />
Bruch, vom flüssigen, der Molke, trennt.<br />
Das Bruch-Molke-Gemisch wird dann auf<br />
rund 35 Grad erhitzt, anschliessend wird<br />
der Bruch in flache, runde Formen mit<br />
einem Durchmesser von zehn bis 33 Zenti<br />
Fotos: Shutterstock, Adrien Pilet, Yanick Turin Studio / kommunikationsberater GmbH, lookphotos / Cannon, Brown, mauritius images / Hemis.fr, Getty Images<br />
178 falstaff dez–feb 2025
Die Schachteln und Reifen aus<br />
Fichtenholz, die den Käse umgeben,<br />
werden meistens von Handwerkern<br />
aus lokalem Holz hergestellt<br />
(links). Der ehemalige französische<br />
Präsident Jacques Chirac schätzte<br />
den leicht harzigen Geschmack des<br />
Weichkäses sehr (Kreis).<br />
MONT-D’OR-<br />
VARIANTEN<br />
metern geschöpft. Nach einer leichten Pressung<br />
wird der frische Käse aus der Form<br />
genommen und mit einem Fichtenreifen<br />
umfasst. Mitsamt diesem Reifen kommen<br />
die Käse dann für zwei bis vier Stunden in<br />
ein Salzlakebad.<br />
Danach werden die jungen Käselaibe<br />
in einen Reifekeller gebracht, wo sie auf<br />
Brettern aus Fichtenholz bei einer Temperatur<br />
von neun bis 16 Grad und einer Luftfeuchtigkeit<br />
von mindestens 85 Prozent 17<br />
bis 25 Tage gereift werden. Alle paar Tage<br />
werden die Käselaibe mit einer Salzlösung<br />
geschmiert, um die Bildung von Schimmel<br />
zu verhindern. Nach 17 bis 25 Tagen sind<br />
sie fertig gereift. Nun wird der Fichtenring<br />
entfernt, bevor die Vacherins in Fichtenholzschachteln<br />
verpackt werden. Diese<br />
sind etwas kleiner als die Käselaibe selbst,<br />
Oberfläche. Vor dem Verkauf wird die Rinde<br />
ein letztes Mal mit Salzlake gewaschen.<br />
Fertig gereifter Vacherin Mont d’Or hat<br />
eine bernsteingelbe bis rotbraune Rinde,<br />
die manchmal von einem weissen Flaum<br />
überzogen ist. Sein Teig ist elfenbeinfarben,<br />
geschmeidig und weist wenige Löcher<br />
auf. Er schmeckt leicht salzig, milchig und<br />
etwas säuerlich mit deutlich schmeckbarem<br />
Fichtenaroma, das vom Holzring, dem Brett<br />
und der Schachtel herrührt. Er wird gerne<br />
auf Brot gestrichen oder alleine, etwa als<br />
Aperitif, aus der Schachtel gelöffelt. Beliebt<br />
ist auch eine Art Fondue aus Vacherin Mont<br />
d’Or. Dafür wird der Käse mit Weisswein<br />
übergossen, inklusive der Schachtel in Alufolie<br />
gewickelt und im Ofen erhitzt. In den geschmolzenen<br />
Käse werden dann Brotwürfel<br />
oder Kartoffeln getunkt. Dazu passt ein Glas<br />
so bilden sie ihre typische, leicht gewellte eines intensiven Jura-Weissweins perfekt. <<br />
Im <strong>Schweiz</strong>er Kanton Waadt wird der<br />
Vacherin Mont d’Or aus thermisierter<br />
Kuhmilch gekäst, die aus dem Herstellungsgebiet<br />
stammen muss. Die Kühe<br />
fressen nur Gras und Heu, Silofutter<br />
ist verboten. Er wird nur von Anfang<br />
September bis Ende März gekäst und<br />
meistens 17 Tage gereift, umgeben von<br />
einem Fichtenring, der aus Waadtländer<br />
Holz gefertigt werden muss. Seit 2003<br />
wird die Herstellung des Vacherin Mont<br />
d’Or durch die Herkunftsbezeichnung<br />
AOP geregelt. Der im französischen<br />
Département Doubs hergestellte Mont<br />
d’Or oder Vacherin du Haut-Doubs wird<br />
zwischen dem 15. August und dem<br />
15. März aus Rohmilch der Rassen<br />
Montbéliard oder Simmental gekäst, die<br />
ebenfalls nur Heu oder Gras fressen. In<br />
Frankreich wird die Herkunft der Fichtenringe<br />
nicht kontrolliert, sie stammen<br />
daher oft aus Osteuropa. Trotzdem<br />
ähneln sich die zwei Varianten sehr, wobei<br />
die französische in der Regel etwas<br />
länger gelagert wird als jene aus der<br />
<strong>Schweiz</strong>, nämlich mindestens 21 Tage.<br />
dez–feb 2025<br />
falstaff<br />
179
Chefredakteur<br />
CHRISTOPH<br />
SCHWARZ<br />
REISE<br />
ONE&ONLY<br />
ITALIENISCHE ELEGANZ IN DUBAI<br />
Die Luxushotelkette «One&Only» setzt erneut auf die<br />
Zusammenarbeit mit der italienischen Designermarke<br />
«Missoni». Sie bringt für ein Jahr lang ihren unverwechselbaren<br />
Stil ins «Royal Mirage»-Resort in Dubai. Bekannt für markante<br />
Muster und farbenfrohe Designs, verwandelt «Missoni» den Poolbereich<br />
in ein stilvolles Refugium. oneandonlyresorts.com<br />
FRANKREICH<br />
GORDON RAMSAY<br />
FEIERT JUBILÄUM<br />
Ob bretonischer Hummer, Ravioli mit<br />
Enten-Confit oder Wellington vom Hirsch:<br />
Der britische Starkoch Gordon Ramsay<br />
zeigt im Michelin-besternten «Au Trianon»<br />
im 19<strong>10</strong> eröffneten Hotel «Waldorf<br />
Astoria Versailles» mit seinem Team<br />
unter Küchenchef Gabriele Ravasio, wie<br />
zeitgemäße französische Spitzenkulinarik<br />
funktionieren kann. Nun feiert das exklusive<br />
Restaurant mit Blick auf das Landgut<br />
Versailles 15-Jahr-Jubiläum. Wahrlich ein<br />
Grund zum Feiern.<br />
waldorfastoriaversailles.fr<br />
Spitzenkoch Gordon Ramsay<br />
feiert in Versailles Jubiläum.<br />
Das <strong>Falstaff</strong>-Herausgeberpaar<br />
Angelika und Wolfgang Rosam<br />
gratuliert.<br />
180 falstaff dez–feb 2025
NOTIZEN<br />
SPANIEN<br />
NEUES ZIEL FÜR<br />
WELLNESS-FANS<br />
Fotos: beigestellt, Serge Detalle, Paul Schirhofer, Joel Anderson / Eyevine / picturedesk, Königshof / Luxury Collection Hotel Munich, mauritius images / McPHOTO / Thula-Photography<br />
Das Grand Hotel «Son Net» im<br />
malerischen Tal von Puigpunyent,<br />
nur 20 Minuten von Palma<br />
entfernt, hat seinen brandneuen<br />
Spa-Bereich eröffnet: Beeindrucken<br />
will man neben hochwertigen<br />
Wellness-Angeboten<br />
mit dem Design – kräftigen Farben<br />
und luxuriösen Materialien<br />
– sowie mit maximaler Privatsphäre.<br />
sonnet.es<br />
MALEDIVEN<br />
LUXURIÖSES EIGENHEIM<br />
Der Luxus-Appartement-Komplex «The<br />
Coral Residences» auf Kandimas hat für<br />
wohlhabende Liebhaber der Malediven-<br />
Insel ein besonderes Angebot: Sie können<br />
sich eines der 40 Appartments in der neuen,<br />
direkt am Strand gelegenen Anlage auch<br />
kaufen. Der Preis: ab 1,1 Millionen Euro.<br />
coralresidencesmaldives.com<br />
SÜDAFRIKA<br />
IM REICH<br />
DER WEISSEN<br />
LÖWEN<br />
Nur eine Handvoll weisser<br />
Löwen leben noch in freier<br />
Wildbahn. Erleben kann man sie<br />
als Gast im «Ngala Tented<br />
Camp» von «andBeyond», das<br />
frisch renoviert im Naturschutzgebiet<br />
wieder eröffnet hat. Es<br />
bietet noch mehr Luxus: Die<br />
weitläufigen Gästesuiten wurden<br />
um grosse Aussendecks erweitert.<br />
andbeyond.com<br />
DER «KOENIGSHOF» ZIEHT<br />
POSITIVE BILANZ<br />
Seit Juni hat der «Koenigshof», Teil der<br />
«Luxury Collection» von «Marriott International»,<br />
in München geöffnet – und freut<br />
sich über eine starke Auslastung in den<br />
ersten Monaten. Mit seiner markanten<br />
Architektur prägt es die Achse zwischen<br />
Hauptbahnhof und Marienplatz, auch im<br />
Inneren des Hotels spielt Kunst und Design<br />
eine Schlüsselrolle. marriott.com<br />
«25HOURS»“ ERÖFFNET<br />
ERSTES HOTEL IN ASIEN<br />
Mit dem «25hours»-Hotel «The Oddbird»<br />
eröffnet die Kette ihr erstes Haus in Asien:<br />
Es erstreckt sich in der indonesischen<br />
Hauptstadt Jakarta über 38 Stockwerke<br />
eines Hochhauses mitten im Grossstadtjungle.<br />
Neben 2<strong>10</strong> Zimmern stehen 135<br />
Residences für längere Aufenthalte sowie<br />
ein umfrangreiches Gastro-Angebot zur<br />
Verfügung. 25hours-hotels.com<br />
COLUMBUS SETZT ZEICHEN FÜR<br />
NACHHALTIGES REISEN<br />
Das 1932 eröffnete Reisebüro «Columbus»<br />
– eines der ältesten Wiens – hat<br />
seine Firmenzentrale am Universitätsring<br />
nachhaltig revitalisiert: Das Reisebüro<br />
wird künftig CO₂-neutral betrieben.<br />
columbus-reisen.at<br />
dez–feb 2025<br />
falstaff<br />
181
eise / KANARISCHE INSELN<br />
Die Kanareninsel Fuerteventura erkundet<br />
man vorzugsweise vom Wasser aus – die<br />
Insel gilt als Eldorado für Surfer.<br />
Foto: Shutterstock<br />
182 falstaff dez–feb 2025
VOM GLÜCK<br />
DES EWIGEN<br />
FRÜHLINGS<br />
Paradiesische Strände und spektakuläre Vulkanlandschaften,<br />
Nebelwälder und artenreiche Gewässer, historische Plätze,<br />
kulturelle Vielfalt und authentische Inselkulinarik: Die Kanaren<br />
vereinen die Schönheit eines ganzen Kontinents in sich.<br />
TEXT CAROLINE METZGER<br />
dez–feb 2025<br />
falstaff<br />
183
eise / KANARISCHE INSELN<br />
Im Timanfaya-Nationalpark geht<br />
man entweder zu Fuss oder<br />
schaukelt auf Kamelrücken<br />
durch die Vulkanlandschaft.<br />
Wenn ein Ort nicht nur<br />
einen verheissungsvollen<br />
Spitznamen trägt,<br />
sondern derer gleich<br />
mehrere, dann ist<br />
davon auszugehen, dass in den liebevollen<br />
Bezeichnungen zumindest ein Quäntchen<br />
Wahrheit schlummert. Den Beweis dafür treten<br />
die Kanarischen Inseln an: Als Inseln des<br />
ewigen Frühlings werden sie oft bezeichnet,<br />
und das mit gutem Grund. Denn obwohl<br />
den Archipel mit seinen sieben Hauptinseln<br />
Die Bewohner machen sich<br />
die Hitze aus dem Erdinneren<br />
zunutze: Im Besucherzentrum<br />
des Timanfaya-Nationalparks<br />
wird damit gegrillt.<br />
Vor 300 Jahren spuckten die letzten Vulkane<br />
auf Lanzarote Lava – und hinterliessen eine<br />
beeindruckende Landschaft.<br />
kaum mehr als <strong>10</strong>0 Kilometer von der westafrikanischen<br />
Küste und damit der heissen<br />
Unwirtlichkeit der Sahara trennen, hat sich<br />
auf ihm ein aussergewöhnlicher klimatischer<br />
Mikrokosmos entwickelt: Kaum jemals<br />
übersteigt das Thermometer die 30-Grad-<br />
Grenze, und genauso selten fällt es unter<br />
15 – egal, zu welcher Jahreszeit. Das macht<br />
die Kanaren zum idealen Fluchtpunkt vor<br />
hochsommerlichen Extremhitzewellen, vor<br />
allem aber vor den nasskalten Herbst- und<br />
Wintertagen Kontinentaleuropas.<br />
Und auch der zweite salbungsvolle Spitzname<br />
der Inselgruppe dürfte zumindest<br />
teilweise mit ihrem Klima zu tun haben: In<br />
antiken Aufzeichnungen nannte man sie die<br />
Inseln der Glückseligen. Auch dieser Name<br />
ist schwer von der Hand zu weisen, vereinen<br />
die Kanaren doch alles, was zu einem<br />
Traumurlaub gehört: Kunst, Kultur und Kulinarik<br />
– oder lieber Ruhe und Natur? Alles<br />
davon gibt es in unvergleichlicher Üppigkeit<br />
und Vielfalt von der aufstrebenden Gourmetszene<br />
Gran Canarias zum Surferparadies<br />
Fuerte ventura, von der spektakulären Lavalandschaft<br />
Lanzarotes zu Teneriffas unerreichter<br />
Artenvielfalt über und unter Wasser.<br />
LANZAROTE: DIE FEUERINSEL<br />
Isla de fuego, also Feuerinsel, nennen die<br />
Einheimischen ihr Zuhause: Lanzarote<br />
Fotos: mauritius images / Hemis.fr / Franck Guiziou, Shutterstock, Getty Images, beigestellt Karte: Stefanie Hilgarth / carolineseidler.com<br />
184 falstaff dez–feb 2025
Im Südwesten von Lanzarote<br />
liegt der Lago Verde – der<br />
grüne See macht seinem<br />
Namen alle Ehre.<br />
DIE «INSELN DES<br />
EWIGEN FRÜHLINGS»<br />
SIND DER IDEALE<br />
FLUCHTPUNKT AN<br />
KALTEN HERBST- UND<br />
WINTERTAGEN.<br />
dürfte unter den ersten der Kanarischen<br />
Inseln gewesen sein, die vor rund 15 Millionen<br />
Jahren nach mehreren Vulkanausbrüchen<br />
auf dem Meeresboden aus der<br />
Wasseroberfläche tauchten.<br />
Zur Ruhe kam das Eiland danach noch<br />
lange nicht: Die letzte Serie heftiger Eruptionen<br />
auf der Insel liegt weniger als 300 Jahre<br />
zurück und prägt das Landschaftsbild bis<br />
heute. Denn hinterlassen hat der andauernde<br />
Regen aus Asche, Gestein und Lava eine<br />
karge und scheinbar unwirtliche, dabei aber<br />
umso beeindruckendere Landschaft.<br />
Am schönsten zeigt diese sich an den<br />
Feuerbergen des Nationalparks Timanfaya.<br />
Zwar schweigen die Vulkane seit der letzten<br />
Eruptionsphase, unter der Oberfläche brodelt<br />
es aber weiterhin – ein Grund, warum<br />
die Tour durch den Nationalpark, die Ruta<br />
de Termesana, nur in Begleitung erfahrener<br />
Guides in Angriff genommen werden darf<br />
und aufgrund der wenigen Plätze lange im<br />
Voraus geplant und gebucht werden muss.<br />
Zunutze machen sich die Einwohner<br />
Lanzarotes ihre Feuerberge aber auch kulinarisch.<br />
So wird im Restaurant des Timanfaya-Besucherzentrums<br />
mit der Hitze aus<br />
dem Erdinneren gekocht, während im edlen<br />
Restaurant «Erizo», einer der besten Adressen<br />
der Insel, die typisch makaronesischen<br />
Gerichte der nahen und fernen Vulkaninseln<br />
serviert werden. Und auch so manches<br />
<<br />
LA PALMA<br />
DIE GRÜNE<br />
Isla verde, grüne Insel, heisst die nordwestlichste<br />
Landmasse des Kanarischen<br />
Archipels auch. Tatsächlich fällt auf La<br />
Palma mehr Niederschlag als auf allen<br />
ihrer Nachbarinseln, die Fläche ist deshalb<br />
zu über 40 Prozent von Wäldern<br />
bedeckt, der übrige Teil des Landes wird<br />
von den steilen Hängen der Vulkangebirge<br />
bestimmt. La Palma ist aber auch<br />
nachts einen Besuch wert – aufgrund<br />
der Abgeschiedenheit und der dadurch<br />
bedingten geringen Lichtverschmutzung<br />
gilt die Insel als Hotspot für die Sternenbeobachtung.<br />
Der Roque de los Muchachos,<br />
der höchste Berg der Insel, ist nur<br />
einer von zahlreichen astronomischen<br />
Aussichtspunkten.<br />
dez–feb 2025<br />
falstaff<br />
185
eise / KANARISCHE INSELN<br />
<<br />
Gewächs profitiert von den Lavaböden:<br />
Trotz der eher spärlichen Vegetation der<br />
Insel ist es den Bewohnern gelungen, Weinstöcke<br />
zu kultivieren. Und dann verstecken<br />
sich in der kleinen inseleigenen Weinregion<br />
auch Juwele wie die «Finca Malvasia». Im<br />
stylischen Boutiquehotel sind Vulkanlandschaft,<br />
Reben und die daraus gewonnenen<br />
Erzeugnisse in greifbarer Nähe.<br />
FUERTEVENTURA:<br />
DER RUHEPOL<br />
Obwohl die beiden einander nächsten<br />
Inseln der Kanaren auch landschaftlich eng<br />
miteinander verwandt sind – hier wie dort<br />
bestimmt das Vulkan- und Lavagestein das<br />
Bild –, entscheidet Fuerteventura den Punkt<br />
in der Kategorie «Strände» eindeutig für<br />
sich. Wenn der Passatwind günstig steht,<br />
und das tut er hier fast immer, werden die<br />
flach abfallenden, hellen Sandstrände mit<br />
Brettern aller Art im Gepäck gestürmt.<br />
Wer den Body-, Kite- und Windsurfern<br />
lieber zusehen will, statt sich selbst in die<br />
Fluten zu stürzen, steuert am besten das<br />
North Shore an. Zum einen wagen sich dort<br />
nur die Erfahrenen in die Brandung und sorgen<br />
für den entsprechenden Unterhaltungsfaktor,<br />
zum anderen befindet sich unweit des<br />
Wassers mit «The Ugly Duckling» eines der<br />
angesagtesten Lokale der Insel. Auf den insgesamt<br />
gut 150 Kilometer langen Stränden<br />
Fuerteventura ist ein Paradies<br />
für Surfer aller Art – aber<br />
auch für Schwimmer und<br />
Ruhesuchende.<br />
lässt sich auch schlicht die Stille geniessen –<br />
Sonnenanbeter und Schwimmer finden ein<br />
ruhiges Plätzchen abseits des Trubels.<br />
Diesen Bedürfnissen hat sich die Hotellerie<br />
perfekt angepasst: Neben lässigen Surf<br />
Houses ist die Dichte luxuriöser Adressen<br />
mit allen Annehmlichkeiten auf der Insel inzwischen<br />
hoch. So wartet etwa in jeder der<br />
Villen des «Bahiazul Resort» ein eigener Privatpool,<br />
das «Secrets Bahía Real Resort &<br />
Spa» steht dafür dank Adults-only-Philosophie<br />
vor allem bei verliebten Ruhesuchenden<br />
hoch im Kurs. Und wer es doch schafft, sich<br />
von den Küstengebieten loszureissen, wird<br />
mannigfaltig belohnt: In einem traumwandlerischen<br />
Bauernhaus aus dem 17. Jahrhundert<br />
liegt die «Casa Santa Maria», die<br />
Kunsthandwerk mit einer ausgezeichneten<br />
traditionellen Bodega vereint.<br />
Im luxuriösen Adults-only-Haus<br />
«Secrets Bahia Real Resort & Spa»<br />
stehen die Zeichen auf maximaler<br />
Entspannung und Genuss.<br />
GRAN CANARIA:<br />
DAS AUSHÄNGESCHILD<br />
Als meistbesuchte Insel des Archipels ist<br />
Gran Canaria das Aushängeschild der Kanaren.<br />
Das gebirgige, grüne Herz der Insel<br />
rund um den fast 2000 Meter hohen Pico<br />
de las Nieves ist von Schluchten und Höhlen<br />
durchsetzt und wird von schier endlosen<br />
Sandstränden eingefasst. Einige der<br />
hier verstreuten Bergdörfer zählen mit ihrer<br />
historischen Architektur zu den schönsten<br />
Spaniens und wohl auch zu den urigsten.<br />
Denn die Uhren ticken hier merklich langsamer,<br />
was das Landesinnere zum wohltuenden<br />
Gegenentwurf zu den Ferienorten<br />
Fotos: beigestellt, Shutterstock, Simone Tognon / Shutterstock<br />
186 falstaff dez–feb 2025
Die Kathedrale Santa Anna in Las<br />
Palmas ist die älteste, grösste und<br />
schönste Kirche Gran Canarias.<br />
EL HIERRO<br />
DIE ZUKUNFTSINSEL<br />
Die kleinste der Kanarischen Inseln hat<br />
sich ganz der Erhaltung ihrer Ursprünglichkeit<br />
verschrieben. Erreichbar<br />
ist das Eiland nur per Fähre<br />
oder kleinem Inselflugzeug,<br />
die gesamte<br />
Fläche wurde von<br />
der UNESCO zum<br />
Geopark erklärt und<br />
hat sich zum Ziel<br />
gesetzt, die erste<br />
emissionsfreie Insel<br />
der Welt zu werden.<br />
Damit soll nicht nur<br />
die Insel selbst geschützt<br />
werden, sondern vor allem ihr<br />
berühmtester Bewohner: die hier lebende<br />
endemische Rieseneidechse.<br />
rund um Maspalomas im Süden macht, wo<br />
sich jahrein, jahraus sonnenhungrige Besucher<br />
tummeln.<br />
Die Hauptstadt Las Palmas ist unterdessen<br />
ein kulturelles Monument: Die pittoreske<br />
Altstadt und ihre Museen erzählen die<br />
bewegte Geschichte der Insel, ihrer Bewohner<br />
und berühmten Besucher – die Casa<br />
de Colón etwa ist Christoph Columbus<br />
gewidmet, der auf seinen Entdeckungsfahrten<br />
gerne Halt auf der Insel gemacht<br />
haben soll.<br />
In den vergangenen Jahren haben<br />
auch die Foodies die Stadt<br />
für sich entdeckt. Inzwischen<br />
verfügt sie über eine erfreuliche<br />
Anzahl an ausgezeichneten<br />
Adressen, in denen die traditionelle<br />
Inselküche kunstvoll in<br />
einen Fine-Dining-Mantel gehüllt<br />
wird, mitunter sogar in direkter<br />
Nachbarschaft. So kommt im mit dem<br />
grünen Stern für genussvolle Nachhaltigkeit<br />
ausgezeichneten «Muxgo» nur auf den<br />
Tisch, was dem eigenen Garten oder der<br />
unmittelbaren Umgebung entstammt. Im<br />
selben Haus wird im «Poemas» auf Geheiss<br />
der Gebrüder Padrón wahlweise kanarische<br />
oder internationale Raffinesse aufgefahren.<br />
Dabei ist die kanarische Küche schon für<br />
sich eine länderübergreifende Angelegenheit.<br />
Geprägt wird sie seit jeher sowohl<br />
vom spanischen Mutterland als auch dem<br />
nahen Westafrika sowie südamerikanischen<br />
Einwanderern. Fisch und Meeresfrüchte<br />
aus den umliegenden Gewässern sind heute<br />
genauso fixer Bestandteil der Inselküche<br />
wie deftige Eintöpfe aus Huhn oder Kaninchen<br />
und lokalem Gemüse, das seine<br />
intensiven Aromen vor allem der Fülle an<br />
Sonnenstunden verdankt. Viele Traditionsgerichte<br />
bestechen dabei mit faszinierender<br />
Einfachheit. So werden für das bekannteste<br />
kanarische Gericht Papas arrugadas<br />
lediglich kleine Kartoffeln<br />
gekocht – einstmals<br />
in Meerwasser, das<br />
für die Salzkruste<br />
auf den «runzligen<br />
Kartoffeln» sorgte. Serviert werden sie<br />
traditionell mit Mojo rojo, einer würzigen<br />
Sauce auf Chili- und Knoblauchbasis, vielfach<br />
nutzt man inzwischen aber für unterschiedlichste<br />
Dips und Saucen auch die<br />
anderen mediterranen Kräuter der Insel.<br />
TENERIFFA: DIE FARBENFROHE<br />
Im Herzen der grössten der kanarischen<br />
Inseln bestimmt ein besonders imposanter<br />
Berg Leben und Landschaft – und sorgt<br />
für eine ganze Reihe von Superlativen: Mit<br />
seinen über 3700 Metern ist der Pico del<br />
Teide der höchste Berg Spaniens, der<br />
Die aufstrebende Fine-Dining-Szene Gran Canarias ist in bester<br />
Gesellschaft. Zur Wahl stehen luxuriöse Resorts und stylische<br />
Boutiquehotels wie etwa das «Seaside Grand Hotel Residencia».<br />
<<br />
dez–feb 2025<br />
falstaff<br />
187
eise / KANARISCHE INSELN<br />
<<br />
dritthöchste Inselvulkan der Welt und<br />
Namensgeber für den grössten Nationalpark<br />
der Kanaren.<br />
Gerade dort kommt man ihm auf vielfache<br />
Art und Weise näher, denn über 40<br />
Wanderwege durchziehen die Fläche des<br />
Naturschutzgebiets. Das Highlight unter<br />
ihnen ist der Weg nach ganz oben: Schon<br />
die Strasse bis zum höchsten mit dem Auto<br />
erreichbaren Punkt ist ein Erlebnis. Von<br />
dort gilt es dann, noch einmal über <strong>10</strong>00<br />
Höhenmeter zu Fuss zu erklimmen. Wer es<br />
gemütlicher angehen will, lässt sich von der<br />
Seilbahn bis knapp unter den Gipfel tragen<br />
und geniesst dann die sensationelle Aussicht<br />
über die Weite des Atlantiks.<br />
Ein weit weniger frequentierter, aber mindestens<br />
genauso schöner Weg durch die unberührte<br />
Natur der Insel findet sich weiter<br />
nördlich: Die Wanderung durch den Bosque<br />
de la Esperanza, den Wald der Hoffnung,<br />
gleicht dem Weg durch ein Märchenland.<br />
Die mächtigen Kiefern werden hier von<br />
endemischen Pflanzen gesäumt, gemeinsam<br />
legen sie gerade im Frühjahr einen duftenden<br />
Farbteppich über das Land.<br />
Der biologische Reichtum der Kanaren<br />
beschränkt sich aber nicht nur auf ihre<br />
Flora, auch die Tierwelt ist für ihre Diversität<br />
berühmt, besonders unter Wasser:<br />
Die bunten Häuser<br />
von Puerto de la<br />
Cruz sind nicht<br />
nur aus der Luft<br />
ein bezaubernder<br />
Anblick.<br />
Mehrere Wal- und Delfinarten sind in den<br />
Gewässern des Archipels heimisch, aus der<br />
Nähe bestaunen kann man sie im Rahmen<br />
der Whale-Watching-Ausflüge, die meist<br />
von Teneriffas südlicher Costa Adeje in See<br />
stechen und Besucher zu den bevorzugten<br />
Aufenthaltsorten der beeindruckenden Tiere<br />
bringen. Hier sind allerdings Recherche<br />
und Vorsicht geboten: Nicht alle Anbieter<br />
haben das Tierwohl im Sinn.<br />
Nach der Rückkehr auf festen Boden<br />
werden die gewonnenen Eindrücke dann<br />
am besten am Strand verarbeitet, denn<br />
auch davon besitzt Teneriffa eine fast<br />
schwindelerregende Vielfalt. Die Palette<br />
reicht dabei von den pechschwarzen Vulkansandstränden<br />
der südwestlichen Playa<br />
de Arena über Puerto de la Cruz an der<br />
Nordküste bis zur goldenen Playa de Peresitas<br />
am nordöstlichsten Zipfel der Insel.<br />
Spätestens hier muss man als Besucher<br />
zugeben, dass Spitznamen nicht immer<br />
euphemistisch oder beschönigend, sondern<br />
manchmal schlicht wahrheitsgetreu<br />
ausfallen. Welch ein Glück!<br />
LA GOMERA<br />
DIE LETZTE IHRER ART<br />
Auf der wenige Kilometer vor der Südwestküste<br />
Teneriffas gelegenen Insel<br />
La Gomera steckt der Tourismus noch in<br />
den Kinderschuhen, auch deshalb ist die<br />
Insel ein Paradies für Individualtouristen<br />
und Aussteiger. Aber sie ist auch die<br />
Insel der Naturliebhaber, denn in ihrem<br />
Zentrum liegt der Nationalpark Garajonay,<br />
und der ist die Heimat einer seltenen<br />
Besonderheit: Der Nebelwald ist der<br />
grösste weltweit noch verbliebene seiner<br />
Art. Die Stämme der immergrünen Lorbeerbäume<br />
sind oft bis zum Gipfel mit<br />
Moos bewachsen und stets von Dunst<br />
umhüllt, den die Passatwinde von den<br />
umliegenden Berghängen in den Wald<br />
tragen. Das sorgt für mystisch-märchenhafte<br />
Anblicke, besonders dann, wenn<br />
sich die Sonne Bahn durch den Nebel<br />
bricht und die Landschaft mit natürlichen<br />
Scheinwerfern beleuchtet.<br />
Berg der Superlative: Der<br />
Pico del Teide auf Teneriffa<br />
ist mit seinen über 3700<br />
Metern der höchste Berg<br />
Spaniens und dritthöchste<br />
Inselvulkan der Welt.<br />
188 falstaff dez–feb 2025
LANZAROTE<br />
Villas Kamezí<br />
Die Anlage am Wasser bietet moderne Villen in allen<br />
Grössen und unterschiedlichen Stilen – am schönsten<br />
sind jene mit Meerblick; über einen privaten Pool<br />
und alle Annehmlichkeiten verfügen aber alle.<br />
C. Monaco, 2, 35580 Playa Blanca,<br />
Lanzarote<br />
T: +34 928 518624, villaskamezi.com<br />
Inselküche auf<br />
höchstem Niveau:<br />
das Restaurant<br />
«M.B.» des<br />
spanischen<br />
Ausnahmekochs<br />
Martin Berasateguí.<br />
Fotos: Getty Images, Shutterstock, Edu LÛpez, beigestellt<br />
Finca Malvasia<br />
Die Apartments, Fincas und Villen<br />
liegen eingebettet in der Weinregion<br />
der Insel und punkten mit authentischem<br />
Interieur und viel Stil, auch<br />
der nächste Strand ist nicht weit.<br />
Cam. El Oratorio, 14, 35572 Tías,<br />
Lanzarote<br />
T: +34 665 468538, fincamalvasia.com<br />
Kamezí Deli & Bistro<br />
Moderne Küche mit internationalem Touch und<br />
luxuriösem Anstrich aus regionalen Produkten –<br />
auch für Dinnergäste, die sich nicht in einer der<br />
stylischen Villas eingemietet haben.<br />
C. Monaco, 2, 35580 Playa Blanca,<br />
Lanzarote<br />
T: +34 626 873695, kamezidelibistro.com<br />
TENERIFFA<br />
Dreams Jardin Tropical Resort & Spa<br />
Die grosszügige Anlage besticht mit viel üppigem<br />
Grün und dem unverstellten Blick über den Atlantik<br />
bis nach La Gomera. Dazu gehören auch Pools,<br />
Wellness und zahlreiche Plätze, an denen die Seele<br />
ganz in Ruhe baumelt.<br />
C. Gran Bretaña, s/n, 38660 Costa Adeje<br />
T: +34 911 229855<br />
hoteljardintropical.com-hotel.com<br />
La Laguna Gran Hotel<br />
Von Pool und Lounge auf der Dachterrasse der<br />
mondänen Adresse blickt man auf die Altstadt von<br />
San Cristóbal, im Inneren mischen sich prächtige<br />
historische Akzente mit modernem Style.<br />
C. Nava y Grimon, 18,<br />
38201 La Laguna<br />
T: +34 922 <strong>10</strong>8080, lalagunagranhotel.com<br />
Hotel LIVVO La Quinta Roja<br />
Im ruhigeren Eck der Insel versteckt sich ein kleines<br />
Juwel: Im ehemaligen Herrenhaus eines Markgrafen<br />
aus dem 17. Jahrhundert wandeln Gäste zwischen<br />
historischen Mauern und alten Holzarbeiten, ohne<br />
dabei auf modernen Komfort verzichten zu müssen.<br />
Gta. San Francisco, s/n,<br />
38450 Garachico<br />
T: +34 922 133377<br />
quintaroja.com<br />
M.B<br />
In der weitläufigen Anlage des Ritz-Carlton kocht<br />
Chef Erlantz Gorostiza im Zwei-Sterne-Restaurant<br />
die regionalen Kreationen seines Chefs und Mentors<br />
Martin Berasateguí – beide sind nicht umsonst mit<br />
den höchsten kulinarischen<br />
Auszeichnungen<br />
dekoriert.<br />
Calle María Zambrano 2,<br />
38687 Guía de Isora<br />
T: +34 922 126000<br />
mb-tenerife.com<br />
El Secreto de Chimiche<br />
Das hübsche Interieur bildet die Kulisse für traditionell<br />
kanarische Küche aus den besten regionalen<br />
Produkten, die sich behutsam in die Moderne einfügt.<br />
TF-28, 4, 38594 Chimiche<br />
T: +34 922 777279, elsecretodechimiche.com<br />
Brunelli’s<br />
Mit fast schon unwirklich schönem Ausblick über<br />
das Wasser werden hier perfekt gegarte Steaks<br />
vom galicischen Rind serviert, und die gehören zu<br />
Recht zu den besten der Welt.<br />
C. Bencomo, 42,<br />
38400 Puerto de la Cruz<br />
T: +34 922 062600<br />
brunellis.com<br />
GRAN CANARIA<br />
Seaside Grand Hotel Residencia – Gran Lujo<br />
Unweit der Dünen von Maspalomas liegt die Anlage<br />
im spanischen Kolonialstil mit ihrem gepflegten tropischen<br />
Garten. Im Inneren herrscht mondänes Ambiente<br />
und der Fokus auf Qualität – von der Einrichtung<br />
bis zu den Kosmetikprodukten von L’Occitane.<br />
Av. del Oasis, 32,<br />
35<strong>10</strong>0 Maspalomas,<br />
T: +34 928 723<strong>10</strong>0, grand-hotel-residencia.com<br />
Hotel Santa Catalina, A Royal Hideaway Hotel<br />
Vom modernen Rooftop-Pool blickt man auf die historischen<br />
Dächer und den Hafen von Las Palmas –<br />
die Kombination aus Moderne und Geschichte zieht<br />
sich auch durch den Rest des Hauses, das neben<br />
Spa und Pianobar auch mehrere Restaurants beheimatet.<br />
C. León y Castillo, 227, 35005 Las Palmas de Gran<br />
Canaria, T: +34 928 243040<br />
barcelo.com/es-es/santa-catalina-a-royal-hideaway-hotel/<br />
Poemas by Hermanos Padrón<br />
Im luxuriösen Hotel «Santa Catalina» kocht Chef<br />
Adrián García auf merklichem Sterneniveau –<br />
sowohl das innovative DegustationsMenu als auch<br />
das «Clásicos»-Menu überzeugen auf ganzer Linie.<br />
C. León y Castillo, 227,<br />
35005 Las Palmas de Gran Canaria<br />
T: +34 928 243041, restaurantepoemas.com<br />
Tabaiba<br />
So modern die Gestaltung, so innovativ ist auch die<br />
Küche: kanarische Gerichte am Puls der Zeit, die<br />
der Vielfalt der regionalen Produkte entspringen.<br />
Chef Abraham Ortega wurde dafür mit einem Stern<br />
geehrt.<br />
C. Portugal, 79,<br />
350<strong>10</strong> Las Palmas de Gran Canaria<br />
T: +34 928 027055, tabaibarestaurante.com<br />
FUERTEVENTURA<br />
Secrets Bahía Real Resort & Spa<br />
Die luxuriöse Adults-only-Anlage richtet sich<br />
exklusiv an Paare auf der Suche nach Ruhe und<br />
Zweisamkeit. Neben dem Privatstrand und den Pools<br />
relaxt es sich am schönsten im grosszügigen Spa.<br />
Av. Corralejo Grandes Playas, <strong>10</strong>3,<br />
35660 Fuerteventura<br />
T: +34 911 229866<br />
hyattinclusivecollection.com/en/resorts-hotels/<br />
secrets/espana/bahia-real-resort-spa<br />
Bahiazul Resort Fuerteventura<br />
Jede der weiss getünchten Villen der Anlage verfügt<br />
über einen privaten Pool, manche laden zusätzlich zum<br />
Entspannen im eigenen Jacuzzi – nur Spa und Fitnessraum<br />
müssen mit anderen Gästen geteilt werden.<br />
C. Pardelas, 7, 35660 Corralejo<br />
T: +34 928 854598, bahiazul.com<br />
Restaurant Mahoh<br />
Ein zum Landhotel umgebautes Bauernhaus aus<br />
dem 19. Jahrhundert ist auch das Zuhause eines der<br />
authentischsten Restaurants der Insel – traditionelle<br />
Köstlichkeiten aus Fisch und Fleisch werden ohne<br />
Schischi, dafür mit viel Geschmack aufgetischt.<br />
Sitio de Juan Bello, S/n, 35640 Villaverde<br />
T: +34 661 388066<br />
<<br />
dez–feb 2025<br />
falstaff<br />
189
EIN ERLEBNIS FÜR<br />
SINNE UND SEELE<br />
Wunderschöne Landschaften, malerische Dörfer und eine einzigartige Küche,<br />
die keine Wünsche offen lässt: Frankreichs Normandie ist ein Genuss<br />
für Liebhaber schöner Dinge – von Kultur über Kunst bis hin zur Kulinarik.<br />
Mit VIVA Boutique bringt der<br />
Düsseldorfer Flussreise-Spezialist<br />
VIVA Cruises eine Produktlinie<br />
auf den Markt, die Flusskreuzfahrt<br />
auf ein neues Level hebt und das<br />
abwechslungsreiche Frankreich aus einer eindrucksvollen<br />
Perspektive zeigt. So sind Gourmets<br />
wie Kultur- und Kunstinteressierte, die<br />
das Besondere suchen und finden möchten,<br />
auf exklusiven Reisen ab Frühjahr 2026<br />
genau richtig. Auf der Seine geht es mit dem<br />
neuen Boutiqueschiff «VIVA BEYOND» von<br />
Frankreichs Hauptstadt in acht Tagen bis zur<br />
rauen Alabasterküste in Honfleur und<br />
zurück nach Paris. Eine Flussreise, gespickt<br />
mit aussergewöhnlichen Erlebnissen für Sinne<br />
und Seele zu Wasser und an Land.<br />
DAS ERSTE BOUTIQUE-SCHIFF<br />
Der Neuzugang beeindruckt mit einem<br />
modernen Design, grosszügigen Kabinen<br />
Die hochwertig gestalteten<br />
Master-Suiten beinhalten<br />
exklusive Privilegien wie<br />
Frühstück in der Kabine,<br />
Landausflüge und einen<br />
Apéro mit dem Kapitän.<br />
und schafft mit nur 112 Gästen an Bord<br />
eine ganz eigene Wohlfühlatmosphäre.<br />
Ebenfalls besonders: Mehr als die Hälfte<br />
aller Kabinen sind Suiten. Die vielen<br />
Details, kombiniert mit einem von Frankreich<br />
inspirierten Interieur, schaffen ein<br />
Ambiente, das Erholung und stilvolles<br />
Reisen perfekt miteinander verbindet.<br />
KULINARISCHE HIGHLIGHTS<br />
Gourmetdinner und erlesene Weine, reichhaltige<br />
Frühstücksbuffets, exquisite Mittagsund<br />
Abendmenüs sowie erstklassige Getränke<br />
aus dem Bar-Menü lassen keine Wünsche<br />
offen und sind dank VIVA komplett im Reisepreis<br />
inbegriffen. Hochwertige Zutaten<br />
und sorgfältig zusammengestellte Menüs<br />
sorgen für genussvolle Momente auf höchstem<br />
Niveau in den drei Restaurants an Bord.<br />
Die Gäste dürfen sich zudem auf die «Quatre<br />
heure» mit süssen und herzhaften Köst-<br />
lichkeiten sowie eine täglich gefüllte, im Preis<br />
inbegriffene Minibar in der Kabine freuen.<br />
Ergänzt wird das Angebot durch eine Vielfalt<br />
an französischen Delikatessen wie Crêpes<br />
und Macarons, die den kulinarischen Charakter<br />
der Flusskreuzfahrt perfekt abrunden.<br />
FRANZÖSISCHER CHARME<br />
Von Mai 2026 an nimmt das Boutiqueschiff<br />
Kurs auf eine der wohl schönsten Regionen<br />
Frankreichs und lässt seine Gäste dieses einzigartige<br />
Land aus einem neuen Blickwinkel<br />
kennenlernen. Die achttägigen Reisen führen<br />
von Paris aus durch die idyllische Normandie<br />
bis zur rauen Atlantikküste und wieder<br />
zurück in die französische Hauptstadt. Und<br />
eines ist sicher: Auf dieser Route erleben<br />
Reisende nicht nur atemberaubende Landschaften,<br />
sondern auch aussergewöhnliche<br />
Landausflüge, die tief in die französische<br />
Kulinarik, Geschichte und Kunst eintauchen.<br />
FRANKREICH PUR<br />
Klingt es nicht verlockend, am Morgen<br />
durch die Sonne geweckt zu werden und<br />
beim Blick aus dem Fenster festzustellen,<br />
dass über Nacht das nächste Reiseziel<br />
erreicht wurde? Ob dann der romantische<br />
Fischerort Honfleur, imposante Bauwerke<br />
wie Château La Roche-Guyon, Château<br />
Gaillard oder die einzigartigen Gärten von<br />
Étretat direkt am Atlantik auf dem Programm<br />
stehen, ist jedem Gast selbst überlassen:<br />
Denn jeder Ausflug ist ein Highlight,<br />
das die vielen Facetten des Landes ganz<br />
indivi duell in den Mittelpunkt rückt.<br />
INFO<br />
Informationen zu VIVA Boutique sowie allen<br />
VIVA Cruises Reisen finden Interessierte in jedem<br />
Reisebüro, unter viva-cruises.com oder unter<br />
T: +41 41 5126028.<br />
190<br />
falstaff dez–feb 2025
VIVA CRUISES<br />
Im malerischen Fischerort<br />
Honfleur, direkt am Atlantik,<br />
sollte unbedingt ein Besuch<br />
des Hafens eingeplant werden.<br />
ADVERTORIAL Fotos: beigestellt<br />
dez–feb 2025 falstaff 191
eise / BÜRGENSTOCK RESORT<br />
DEM HIMMEL<br />
SO NAH<br />
Die Geschichte des «Bürgenstock Resorts» über dem<br />
Vierwaldstättersee in der Zentralschweiz reicht zurück bis ins<br />
Jahr 1873. Hier wurden schon Friedensverträge verhandelt,<br />
prominente Ehen geschlossen und nicht zuletzt in allen Zügen<br />
genossen. Eine Hotellegende, wie sie im Buche steht.<br />
TEXT BENJAMIN HERZOG<br />
Das «Bürgenstock Hotel & Alpine<br />
Spa – The Contemporary» ist eines<br />
von vier Hotels innerhalb des<br />
«Bürgenstock Resorts» auf dem<br />
gleichnamigen Bergücken.<br />
Foto: Bürgenstock Hotels AG<br />
192 falstaff dez–feb 2025
HOTEL-<br />
LEGENDEN<br />
TEIL 13<br />
dez–feb 2025<br />
falstaff<br />
193
eise / BÜRGENSTOCK RESORT<br />
Im Restaurant «Spices Kitchen» wird<br />
asiatisch genossen: Die offene Küche<br />
ist unterteilt in je einen Bereich für<br />
Japan, China, Indien und Thailand.<br />
Der Katamaran «MS Bürgenstock»<br />
gleitet fast wie auf<br />
Schienen über den Vierwaldstättersee.<br />
Die Fahrt auf dem<br />
ruhigen, modernen Schiff<br />
inmitten der Naturschönheit der Innerschweizer<br />
Berg- und Wasserwelt wirkt<br />
unwirklich, ja fast futuristisch. Von Luzern<br />
aus dauert die Überfahrt 25 Minuten und<br />
stimmt perfekt auf das ein, was gleich<br />
kommt. Mit der Standseilbahn des<br />
«Bürgenstock Resorts» geht es von der<br />
Anlegestelle in wenigen Minuten bequem<br />
ganz nach oben auf den Bergrücken.<br />
440 Höhenmeter überwindet die Bahn auf<br />
gerade mal 944 Metern Fahrstrecke.<br />
Oben angekommen tut sich eines der<br />
spektakulärsten Panoramen der <strong>Schweiz</strong><br />
auf: der See zu Füssen, der Pilatus und<br />
die Stadt Luzern zur Linken, die Rigi zur<br />
Rechten. Und nicht nur das: Mit 30 Gebäuden,<br />
vier Hotels, 383 Zimmern, zehn<br />
Restaurants und Bars, einem Golfplatz und<br />
einem der grössten Spas Europas erreicht<br />
man hier ein modernes Luxusparadies, das<br />
weltweit seinesgleichen sucht.<br />
unter dem Namen «Hotel Kurhaus». Ihr<br />
grenzenloser Pioniergeist führte zur<br />
Erbauung gleich mehrerer technischer<br />
Attraktionen auf dem Bürgenstock: der<br />
ersten Standseilbahn der <strong>Schweiz</strong>, die man<br />
noch heute zur Anfahrt benutzt, des<br />
höchsten und schnellsten Freiluftaufzugs<br />
Europas, eines revolutionären Wasserkraftwerks<br />
und des Felsenwegs, eines Panoramawegs<br />
entlang steiler Felswände. Kein<br />
Wunder, war der Bürgenstock bald bei<br />
Luxusreisenden aus aller Welt beliebt.<br />
Seinen Legendenstatus in der modernen<br />
Popkultur erreichte das Resort in den<br />
1950er-Jahren. Der damalige Hotelier in<br />
zweiter Generation, Fritz Frey, liess einen<br />
sogenannten Hollywood-Pool in damals<br />
trendiger Nierenform erbauen. Der bis<br />
heute für Hotelgäste zugängliche Badeort<br />
ist Sinnbild für die damalige Zeit. Audrey<br />
Hepburn badete nicht nur liebend gern<br />
darin, sie lebte gar einige Jahre in einer der<br />
Villen auf dem Bürgenstock – und heiratete<br />
1954 in der hiesigen Kapelle. Ihre illustren<br />
BEWEGTE GESCHICHTE<br />
Der Bürgenstock ist schon seit 1873 ein<br />
Ziel für Luxusreisende aus aller Welt. Die<br />
<strong>Schweiz</strong>er Hotelpioniere Franz Josef<br />
Bucher-Durrer und Josef Durrer eröffneten<br />
damals auf dem Berg ein Grand Hotel<br />
Fotos: Bürgenstock Hotels AG<br />
194 falstaff dez–feb 2025
Im «Waldhotel»<br />
(o. r.) dreht<br />
sich alles um<br />
Wohlbefinden<br />
und Gesundheit.<br />
Im «Bürgenstock<br />
Hotel & Alpine<br />
Spa» (o. & r.)<br />
stehen Genuss<br />
und Wellness im<br />
Mittelpunkt.<br />
Nachbarn: Sofia Loren und Carlo Ponti,<br />
die damals eines der Chalets bewohnten.<br />
Zu den berühmten Gästen aus der Filmwelt<br />
gehörte ausserdem Sean Connery, der<br />
während der Dreharbeiten zu «Goldfinger»<br />
gleich einen ganzen Monat auf dem<br />
Bürgenstock residierte.<br />
Kulinarisch bleiben auf dem Bürgenstock<br />
keine Wünsche offen: Ganze zehn<br />
Restaurants und Bars stehen zur<br />
Wahl – auch für Tagesgäste ohne<br />
Hotelübernachtung.<br />
EXKLUSIVE LAGE<br />
«Bürgenstock» ist heute Synonym für das<br />
Resort. Das Wort bezeichnet aber den<br />
ganzen Bergrücken, einen durch die<br />
natürliche Topografie isolierten Ort. Das<br />
sorgt nicht nur im Alltag für exklusive<br />
Abgeschiedenheit, sondern auch dafür, dass<br />
sich Sicherheitsmassnahmen relativ einfach<br />
umsetzen lassen. Ebenfalls ab den 1950er-<br />
Jahren wurde der Bürgenstock so Schauplatz<br />
der Weltpolitik.<br />
Konrad Adenauer verbrachte seine Sommerurlaube<br />
hier, Politiker wie Ben Gurion,<br />
Golda Meir oder Jawaharlal Nehru besuchten<br />
das Resort. Verschiedenste Konferenzen<br />
und Verhandlungen fanden im geschützten<br />
Rahmen des Bergrückens statt – etwa die<br />
Zypern-Verhandlungen 2004 unter UN-<br />
Generalsekretär Kofi Annan und zuletzt die<br />
Ukraine-Friedenskonferenz im Juni <strong>2024</strong>.<br />
Ganze 383 Zimmer und Suiten befinden<br />
sich heute in den vier Hotels des Resorts,<br />
genug, um die eine oder andere Landesdelegation<br />
unterzubringen.<br />
Zu seiner heutigen Grösse verholfen<br />
hat dem «Bürgenstock Resort» Katar<br />
<<br />
dez–feb 2025<br />
falstaff<br />
195
eise / BÜRGENSTOCK RESORT<br />
<<br />
Hospitality, ein weltweit tätiges Unternehmen<br />
im Besitz des Emirats Katar. Von<br />
2007 bis 2017 hat es mehr als 500 Millionen<br />
<strong>Schweiz</strong>er Franken in eine umfassende<br />
Renovierung und Neugestaltung des<br />
Resorts investiert.<br />
Hotelseitiges Highlight ist heute das<br />
«Bürgenstock Hotel & Alpine Spa», das<br />
sich in das moderne Hauptgebäude «The<br />
Contemporary» und das einstige «Palace<br />
Hotel» namens «The Heritage» unterteilt.<br />
Der Spa-Bereich gehört mit seinen <strong>10</strong>’000<br />
Quadratmetern zu den grössten seiner Art<br />
in der <strong>Schweiz</strong> und in ganz Europa.<br />
Besondere Highlights sind neben den<br />
exklusiven Private Spas die 5000 Quadratmeter<br />
umfassende Saunalandschaft sowie<br />
der Infinitypool mit 35 Grad Wassertemperatur<br />
und einem atem be raubenden Blick<br />
über den Vierwaldstättersee.<br />
Im «Waldhotel Health & Wellbeing»<br />
dreht sich alles um Gesundheit und Natur,<br />
darüber hinaus gibt es zwölf Doppelzimmer<br />
in der urigen «Taverne 1879» und die<br />
fix vermieteten Residenzen. Allen Gästen<br />
auf dem Bürgenstock – auch Tagesgästen<br />
ohne Hotelbuchung – steht das kulinarische<br />
Angebot zur Verfügung. Je nach<br />
Saison kann aus insgesamt zehn<br />
Restaurants und Bars gewählt<br />
werden: Das «Spices Kitchen &<br />
Terrace» bringt die Küche Asiens<br />
in die <strong>Schweiz</strong>. Gerichte aus<br />
Japan, China, Indien und<br />
Thailand stehen zur Wahl. Das<br />
«Oak Grill» unweit des legendären<br />
Hollywood-Pools serviert<br />
erstklassige Steakhouse- Gerichte.<br />
Im «Parisa» kommt persische<br />
Küche auf den Tisch, und in der wenige<br />
Schritte entfernten «Taverne 1879» gibt es<br />
klassische <strong>Schweiz</strong>er Küche. Zu den<br />
Highlights gerade auch für Tagesgäste<br />
gehört die «Lakeview Bar» im Hauptgebäude.<br />
Durch grosse Fenster geniesst man<br />
den Blick über den See und die erstklassigen<br />
Signature-Cocktails des Hauses. Für<br />
Zigarrenliebhaber befindet sich angrenzend<br />
eine grosszügige Zigarrenlounge.<br />
Das «Bürgenstock Resort» gehört<br />
zweifellos zu den Hotel-Highlights der<br />
<strong>Schweiz</strong>. Der Mix aus intakter, alpiner<br />
Naturschönheit und weltmännischem<br />
Luxus ist weltweit einzigartig. Zu verdanken<br />
ist dies zwei innovativen <strong>Schweiz</strong>er<br />
Hoteliers, die vor 150 Jahren ganz offensichtlich<br />
den richtigen Riecher hatten.<br />
Audrey Hepburn lebte in den 1950er-Jahren<br />
in einer Villa auf dem Bürgenstock. Sie spielte<br />
hier Golf, genoss die Annehmlichkeiten des<br />
Resorts und heiratete 1954 sogar hier.<br />
<<br />
ZU GAST IM<br />
BÜRGENSTOCK<br />
RESORT<br />
Auf dem Bürgenstock stehen gleich vier<br />
Hotels zur Wahl, wobei das «Bürgenstock<br />
Hotel & Alpine Spa – The Contemporary»<br />
das Haupthaus ist. Gleich<br />
nebenan befindet sich mit dem «The Heritage»<br />
das nächste Hotelgebäude, dieses<br />
wurde 1904 als drittes grosses Hotel<br />
auf dem Berg eröffnet. Im «Waldhotel»<br />
stehen Gesundheit und Wohlbefinden im<br />
Zentrum. Einfacher zu und her geht es<br />
in der «Taverne 1879». Neben den zehn<br />
Restaurants und Bars stehen den Gästen<br />
der grosse Spa-Bereich, ein eigener<br />
Golfplatz, Wanderwege, der spektakuläre<br />
Hammetschwand-Lift und viele<br />
weitere Highlights zur Verfügung.<br />
Bürgenstock Resort Lake Lucerne<br />
6363 Obbürgen, <strong>Schweiz</strong><br />
T: +41 612 6000<br />
burgenstockresort.com<br />
Fotos: Bürgenstock Hotels AG, ETH-Bibliothek Zürich/Bildarchiv<br />
196 falstaff dez–feb 2025
VISIT VALENCIA<br />
VALENCIA<br />
VIELFALT AM MITTELMEER<br />
Valencia fasziniert mit einer harmonischen Verbindung aus Natur, reicher Geschichte,<br />
futuristischer Architektur und erstklassiger Kulinarik. Als Heimat der Paella gilt<br />
die Stadt als Eldorado für Feinschmecker – mit acht Michelin-Sterne-Restaurants<br />
und mehr als 2000 Lokalen, die jede Vorliebe bedienen.<br />
ADVERTORIAL Fotos: © Visit Valencia / Mike Water, David Rota, Pablo Casino<br />
Valencia, die drittgrösste Stadt<br />
Spaniens, ist ein echtes Juwel am<br />
Mittelmeer. Hier verschmelzen<br />
Geschichte und Moderne zu<br />
einer einzigartigen Atmosphäre. Die Stadt<br />
bietet eine perfekte Balance zwischen pulsierendem<br />
Stadtleben und entspannter Strand-<br />
Atmosphäre. Die weitläufigen Sandstrände<br />
bieten Platz für Sonnenliebhaber und Wassersportler<br />
gleichermassen.<br />
Ein Wahrzeichen Valencias ist zweifellos<br />
die futuristische Stadt der Künste und<br />
Wissenschaften. Dieses architektonische<br />
Meisterwerk des renommierten Architekten<br />
Santiago Calatrava begeistert mit seinen<br />
kühnen Formen und innovativen Designs.<br />
Besucher können hier nicht nur die beeindruckende<br />
Architektur bewundern, sondern<br />
auch zahlreiche Museen, ein Planetarium<br />
und Europas grösstes Aquarium erkunden.<br />
Valencia hat über die moderne Architektur<br />
hinaus viele weitere Highlights zu bieten.<br />
Die Stadt ist reich an Geschichte und<br />
Kultur, was sich zum Beispiel in den drei<br />
UNESCO-Welterbestätten und der<br />
imposanten Oper widerspiegelt.<br />
Für Naturliebhaber und Aktivurlauber ist<br />
Valencia ein wahres Paradies. Die Stadt wurde<br />
von der Europäischen Kommission zur<br />
European Green Capital <strong>2024</strong> gekürt – eine<br />
Valencia beeindruckt nicht nur<br />
mit Geschichte und moderner<br />
Architektur, sondern auch mit<br />
einer vielfältigen und aufregenden<br />
Kulinarik.<br />
Anerkennung für die herausragenden Bemühungen<br />
im Bereich Umweltschutz und die<br />
Förderung eines nachhaltigen Lebensstils.<br />
KULINARISCHES VALENCIA<br />
Kulinarisch zeigt sich Valencia ebenfalls sehr<br />
vielfältig. Als Geburtsort der weltberühmten<br />
Paella ist die Stadt ein Mekka für Feinschmecker.<br />
Von traditionellen Tapas-Bars bis<br />
hin zu Sternerestaurants – hier findet jeder<br />
Gaumen seine Erfüllung. Aktuell sind acht<br />
Restaurants mit der prestigeträchtigen Auszeichnung<br />
des «Guide Michelin» dekoriert.<br />
Besonders empfehlenswert sind die lokalen<br />
Spezialitäten, die mit frischen Zutaten aus<br />
der Huerta zubereitet werden. Die gastronomische<br />
Vielfalt der Stadt wird von über<br />
2000 Bars, Cafés und Restaurants,<br />
ergänzt – traditionelle, nachhaltige<br />
und die kreative Küche verschmelzen<br />
auf diese Weise<br />
perfekt miteinander.<br />
Mit ihren abwechslungsreichen<br />
Attraktionen, ihrer<br />
reichen Geschichte und ihrer<br />
lebendigen Atmosphäre ist<br />
Valencia eine Stadt, die es zu<br />
entdecken gilt. Ob Kulturliebhaber,<br />
Feinschmecker oder<br />
Sonnenliebhaber – in dieser facettenreichen<br />
Metropole am Mittelmeer findet<br />
jeder sein persönliches Highlight.<br />
Die besten Restaurants:<br />
INFO<br />
Weitere Informationen unter<br />
visitvalencia.com<br />
dez–feb 2025 falstaff 197
CONNECT TO<br />
AMAZING FLAVOR<br />
with delicious choices prepared by our flying chefs<br />
Products and services are subject to change depending on flight duration and aircraft.
BEST PART OF THE JOURNEY<br />
STOPOVER<br />
IN ISTANBUL<br />
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AND EASY VISA<br />
1 night for Economy Class<br />
2 nights for Business Class<br />
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eise / LONG WEEKEND – ISTANBUL<br />
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MOSAIK AUS<br />
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Mehr Städtereise-Tipps<br />
für lange Wochenenden<br />
go.falstaff.com/longweekend<br />
Foto: Shutterstock<br />
200 falstaff dez–feb 2025
Eine Stadt der Gegensätze: Istanbul verbindet Ost und West in einer<br />
faszinierenden Mischung aus abgenutzt und weltmännisch. Wir sind den<br />
Hügel der türkischen Hauptstadt hinauf und hinunter gewandert und<br />
haben den Bosporus von Europa nach Asien und zurück überquert, um<br />
die Geheimnisse der Stadt zu lüften und lokale Favoriten zu erleben –<br />
die berühmten wie die bodenständigen.<br />
TEXT ARGOT MURELIUS<br />
Die Sultan-Ahmed-Moschee,<br />
auch bekannt als Blaue Moschee,<br />
ist eines der Hauptwerke der<br />
osmanischen Architektur und<br />
liegt in unmittelbarer Nähe zur<br />
Hagia Sophia.<br />
dez–feb 2025<br />
falstaff<br />
201
eise / LONG WEEKEND – ISTANBUL<br />
FREITAG<br />
Königlicher Döner,<br />
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Kaffee im versteckten<br />
Strassenlokal – und<br />
kunstvoll-farbenfrohes<br />
Fine Dining mit Blick<br />
über die Stadt.<br />
Der Duft der Rotisseriespiesse<br />
zieht durch die Strassen<br />
Istanbuls. Der Döner ist<br />
beliebtes Fastfood.<br />
K<br />
leine Gassen schlängeln sich durch<br />
das labyrinthische Beyoglu-Viertel,<br />
vom mittelalterlichen Galataturm<br />
vorbei an Galerien, Restaurants, schicken<br />
Boutiquen und Werkstätten bis zur Kılıç Ali<br />
Pasha Külliye, die 1578 vom berühmten<br />
Architekten Sinan entworfen wurde. Der<br />
Komplex beinhaltet eine Moschee und einen<br />
liebevoll renovierten Hamam – und grenzt an<br />
die altehrwürdige Baklava-Bäckerei «Güllüoglu»,<br />
die ihrerseits mit einem Einkaufszentrum,<br />
dem neuen Kreuzfahrtterminal Galataport<br />
und dem Museum für moderne Kunst<br />
verbunden ist. In Istanbul bestehen das Alte<br />
und das Neue nebeneinander – so wie die<br />
Gebetsrufe sechsmal am Tag ertönen und<br />
Katzen die heimlichen Herrscher der Stadt<br />
sind. Sie schleichen um Fischhändler, streifen<br />
durch die Metro – und legen sich zum<br />
Nickerchen auf freundliche Schösse.<br />
Eine freche Katze weist so auch den Weg zu<br />
«Engin» – dem König der Dönerläden, wie<br />
Kenner behaupten –, wo der Duft vom Rotisseriespiess<br />
die Gäste anlockt. «Er wiegt 50<br />
Kilo», erklärt Engin Kavutlar, der sein Rindfleisch<br />
mit Marinade (das Rezept ist geheim!)<br />
würzt, bevor er es mit Frühlingszwiebeln und<br />
Lammfett belegt. Zum Fleisch gibt es flaumig-weiches<br />
Fladenbrot. Königlich! Und fast<br />
so gediegen wie der türkische Kaffee im<br />
Die alteingesessene<br />
Baklava-Bäckerei<br />
«Güllüoglu» ist Kult.<br />
Und den besten<br />
türkischen Kaffee in<br />
Istanbul findet man<br />
oft in winzig kleinen<br />
Strassenläden.<br />
«Mandabatmaz», einem versteckten Café in<br />
einer Sackgasse, die von der Istiklal-Strasse<br />
abzweigt, der Hauptstrasse von Galata.<br />
Eigentlich ist es nur eine Mauernische mit ein<br />
paar Sitzplätzen. Der türkische Kaffee wird<br />
mit Ehrfurcht zubereitet. Der Barista wirbelt<br />
den Kaffee mit Wasser in einer Kupferkanne<br />
über der Flamme, bis die Mischung schäumt,<br />
und serviert das Elixier in winzigen Tassen.<br />
Das nahe Museum der Unschuld ist eine<br />
erstaunliche Ode des Autors Orhan Pamuk<br />
an sein gleichnamiges Buch – eine tragische<br />
Liebesgeschichte, deren Hauptfigur wie<br />
besessen den Schnickschnack seiner Geliebten<br />
sammelt. Das Museum befindet sich in<br />
einem traditionellen Gebäude, das dem Haus<br />
der Herzensbrecherin nachempfunden ist,<br />
vollgestopft mit den realen Objekten einer<br />
fiktiven Geschichte. Einen Besuch wert.<br />
Am Abend geht es in das mit einem Michelin-Stern<br />
ausgezeichnete «Neolokal», ein entspanntes<br />
Fine-Dining-Restaurant im opulenten<br />
ehemaligen Hauptsitz der Ottomanischen<br />
Bank, wo das allgegenwärtige Thema «Alt<br />
trifft Neu» sogar aufgetischt wird. Küchenchef<br />
Maksut Askar bietet ein farbenfrohes,<br />
kunstvoll angerichtetes Menü, das mit handverlesenen<br />
türkischen Weinen gepaart wird.<br />
«Indem wir der anatolischen Küche einen<br />
modernen Einschlag geben, hoffen wir, unser<br />
Erbe lebendig zu halten und die Aromen<br />
unserer Kindheit zu bewahren», sagt Askar,<br />
während die Dämmerung einbricht und der<br />
Blick von der Dachterrasse bis zu den Minaretten<br />
über dem Goldenen Horn reicht. ><br />
Fotos: Kurkul / Tekkol / Shutterstock, beigestellt, Shutterstock, Can Mete<br />
202 falstaff dez–feb 2025
Der Grosse Basar erstreckt sich über<br />
31.000 Quadratmeter und beherbergt<br />
rund 4000 Geschäfte.<br />
Der Galataturm dominiert das<br />
Nordufer des Goldenen Horns und ist<br />
der vielleicht schönste Aussichtspunkt<br />
der Stadt. Im Kreis: kulinarische Kunst<br />
im Michelin-besternten «Neolokal».<br />
dez–feb 2025<br />
falstaff<br />
203
eise / LONG WEEKEND – ISTANBUL<br />
Blick in die Süleymaniye-Moschee:<br />
Der Sultan wünschte sich, dass sie<br />
prächtiger als die Hagia Sophia werden<br />
sollte. Ob das gelungen ist, kann man<br />
bei einem Besuch diskutieren.<br />
Oben: Boza aus fermentierter Hirse – ein<br />
herrlich nostalgisches Getränk – gibt es<br />
bei «Vefa Bozacısı».<br />
SAMSTAG<br />
Ein Rundgang durch den brummenden<br />
Gewürzbasar – und eine kulinarische Reise<br />
zu den vergessenen Rezepten Anatoliens.<br />
Auf der Galata-Brücke faulenzen die<br />
Angler, während sich die Möwen<br />
zanken und die Sonnenstrahlen von<br />
der Yeni Camii, der Neuen Moschee, am<br />
Eminönü-Platz reflektiert werden. Die Vögel<br />
segeln und schweben vor den Kuppeln der<br />
Moschee und dem blauen Himmel – eine<br />
postkartenreife Szene. Der Bau der Yeni<br />
Camii dauerte 67 lange Jahre; sie wurde im<br />
Jahr 1665 eröffnet, kurz vor dem angrenzenden<br />
Gewürzbasar, mit dem Geld für die<br />
wohltätigen Zwecke der Moschee gesammelt<br />
werden sollte.<br />
Gleich am Haupteingang des Basars befindet<br />
sich das «Pandeli», ein auffälliges Bistro<br />
mit türkisfarbenen Fliesen, in dem Könige<br />
und Stars seit 1901 essen. Durch seine Lage<br />
im ersten Stock fühlt es sich wie ein Geheimtipp<br />
an – die perfekte Wahl für ein gemütliches<br />
Mittagessen gefolgt von einem Spaziergang<br />
über den duftenden Markt mit seinem<br />
kaleidoskopischen Angebot an Gewürzen,<br />
Nüssen und türkischem Honig. Die Sprüche<br />
der Händler schaffen eine greifbare Energie,<br />
die durch die brummende Akustik des Basars<br />
verstärkt wird. Sie steigt hoch bis zur mehrkuppeligen<br />
Decke, wo eine Struktur aus einer<br />
Ecke herausragt. «Eine Kanzel», sagt Lebensmittelhistorikerin<br />
Aylin Öney. «Bis heute hält<br />
ein Imam hier das Morgengebet, bevor der<br />
Markt eröffnet wird.»<br />
Draussen beten Einkäufer zu den Schnäppchengöttern<br />
der Tahtakale-Strasse, die mit<br />
Waren und Leckereien zugestopft ist – etwa<br />
Künefe, eine Mehlspeise aus Frischkäse und<br />
Engelshaar. Herzstück ist der Kaffeehändler<br />
Kurukahveci Mehmet Efendi. 1871 hatte der<br />
Gründer die neuartige Idee, Kaffeebohnen<br />
geröstet und gemahlen zu verkaufen – um<br />
Kunden lästige Hausarbeit zu ersparen.<br />
Eine Wanderung bergauf führt zur Süleymaniye<br />
Camii – eine Moschee, die von<br />
Süleyman dem Prächtigen in Auftrag gegeben<br />
wurde, um der Hagia Sophia Konkurrenz<br />
zu machen. Das Mausoleum des Sultans<br />
liegt im Garten unter Pinien, eine stattliche<br />
letzte Ruhestätte mit Panoramablick<br />
über die Stadt.<br />
Er thront auch über «Vefa Bozacısı»,<br />
einem Getränkehandel mit einem vergoldeten<br />
Schild an einem Fenster mit Spitzenvorhängen.<br />
Das Haus ist eine Zeitkapsel aus<br />
dem Jahr 1876: Damals wurde es vom albanischen<br />
Einwanderer Hacı Sadık Bey Vefa<br />
eröffnet, um Boza zu verkaufen, ein Getränk<br />
aus fermentierter Hirse. Das nostalgische<br />
Getränk schmeckt nach Apfelkompott und<br />
spendet Trost. Ein Kulturgut.<br />
Das gilt auch für Musa Dag ˘ deviren, den<br />
legendären Chefkoch und Besitzer von<br />
«Çiya Sofrası». Wie ein Anthropologe ist er<br />
auf der Suche nach vergessenen Rezepten<br />
aus allen Ecken Anatoliens. In Olivenöl<br />
geschmortes Gemüse, Dolma, Dips, Spiesse,<br />
Pilaws, Eintöpfe … alles voller Aromen und<br />
mit viel Gespür gewürzt.<br />
Um bei «Çiya» zu speisen, muss man mit<br />
der Fähre auf die asiatische Seite des Bosporus<br />
übersetzen. Tipp: An Bord gibt es<br />
immer einen Mann, der Tee verkauft. In<br />
den kälteren Monaten bietet er auch heissen<br />
Salep an, ein dickflüssiges, zuckerhaltiges<br />
Getränk aus Orchideenwurzeln.<br />
Fotos: mauritius images / Westend61 / Martin Siepmann, Neslihan Ülkütaş, beigestellt, Shutterstock<br />
204 falstaff dez–feb 2025
Ins «Foxy» geht man nicht nur<br />
wegen des Essens, sondern auch<br />
wegen der Naturweine aus der<br />
Region, die es hier gibt. Unten im<br />
Kreis: feine Kulinarik im hippen<br />
«Apartiman».<br />
SONNTAG<br />
Eine Fahrt mit der Fähre, Kulturgenuss im<br />
Museum – und viel Fisch, Meeresfrüchte und<br />
regionale Naturweine.<br />
Istanbuls Fähren sind eine fabelhafte<br />
und preiswerte Möglichkeit, die Stadt<br />
aus anderen Blickwinkeln zu sehen.<br />
Wenn man bei Eminönü an Bord geht und<br />
auf der geschichtsträchtigen Meerenge gen<br />
Norden fährt, befinden sich die besten Sitzplätze<br />
auf der Backbordseite (also links),<br />
von der aus ein herrlicher Blick auf die<br />
architektonischen Wunderwerke des europäischen<br />
Ufers wartet.<br />
Da sind der schicke Kreuzfahrtterminal,<br />
der extravagante Dolmabahçe-Palast,<br />
Luxushotels und die Ortaköy-Moschee, die<br />
auf dem Wasser zu schweben scheint. Hier<br />
gleitet die Fähre unter der imposanten<br />
Bosporusbrücke hindurch, vorbei an den<br />
kunstvollen Holzhäusern von Arnavutköy<br />
und einer Ansammlung von Motorjachten,<br />
die vor dem trendigen Stadtteil Bebek liegen.<br />
Langsam tuckert sie am A iyan-Asri-<br />
Friedhof vorbei bis nach Emirgan, einen<br />
hervorragenden Ort, um eine Dosis Kultur<br />
zu geniessen. Das Sakıp-Sabancı-Museum,<br />
das in einem historischen Herrenhaus<br />
untergebracht ist, stellt eine faszinierende<br />
Sammlung von Gemälden, osmanischer<br />
Kalligrafie und Porzellan aus dem 19. Jahrhundert<br />
aus – und auch seltene Stücke aus<br />
Berlin und Wien, die zu den wertvollsten<br />
Exponaten des Museums gehören.<br />
Wenn die Mittagsglocken läuten, ist das<br />
«Apartiman» nicht weit. Das hippe und<br />
gemütliche Restaurant wird vom sympathischen<br />
Geschwisterpaar Murat und Burçak<br />
Kazdal geführt. Er ist der zauberhafte<br />
Gastgeber, sie steckt hinter dem schmackhaften,<br />
unkomplizierten und doch raffinierten<br />
Essen. Man hat die Wahl zwischen<br />
einer Terrasse vor dem Haus und einem<br />
gemütlichen Speisesaal. Bemerkenswert ist<br />
die Cocktailkarte, der Negroni ist auf<br />
Empfehlung des Hausherren quasi Pflicht.<br />
Wem der Sinn nach Fisch und nach<br />
Meeresfrüchten steht, der geht ins<br />
«Yeniköy Balıkçısı», ein ausgelassenes,<br />
familienfreundliches Restaurant weiter<br />
südlich in der gleichen Strasse. Der Fisch<br />
ist garantiert frisch, die rosafarbenen Garnelen<br />
sind brackig-süss, und die Lakerda<br />
(eingelegter Bonito), die traditionell mit<br />
Olivenöl bestrichen und mit roten Zwiebelstücken<br />
serviert wird, ist ein echter<br />
Renner.<br />
Niemand hat es eilig, und der Kellner<br />
schenkt Rakı ein, als wolle er nicht, dass<br />
die Party endet. Ein Mittagsmahl kann hier<br />
leicht in ein Abendessen übergehen.<br />
Zeit bleiben sollte auch für das «Foxy»,<br />
ein entspanntes Bistro mit gut zubereiteten<br />
kleinen Gerichten und einer sorgfältig<br />
zusammengestellten Auswahl an einheimischen<br />
Naturweinen. Man hat das Lokal<br />
eröffnet, um lokale Winzer zu unterstützen<br />
und die uralte Weinproduktion des Landes<br />
lebendig zu halten. Darauf ist man stolz.<br />
Die Übung ist auf jeden Fall gelungen.<br />
><br />
Am besten vom Boot aus zu besichtigen:<br />
der extravagante Dolmabahçe-Palast.<br />
dez–feb 2025<br />
falstaff<br />
205
eise / LONG WEEKEND – ISTANBUL<br />
TIPPS &<br />
ADRESSEN<br />
HOTELS<br />
TOMTOM SUITES (1)<br />
Ein winziges Hotel mit grosszügigen Suiten, üppigen<br />
Marmorbädern und Dachterrasse – in einem ehemaligen<br />
Kloster, einen Katzensprung von Galata entfernt.<br />
Tomtom Mahallesi, Firuzağa Mah. Boğazkesen<br />
Cad <strong>Nr</strong>:18, Tomtom Kaptan Sk, Beyoğlu<br />
T: +90 212 2924949<br />
tomtomsuitesistanbul.de<br />
PERA PALACE (2)<br />
Atatürk wohnte in Zimmer <strong>10</strong>1 – heute ein Mini-<br />
Museum mit persönlichen Gegenständen des beliebten<br />
Landesvaters. Auch Alfred Hitchcock, Zsa Zsa<br />
Gabor und Agatha Christie übernachteten hier.<br />
Mesrutiyet Cad. <strong>Nr</strong>:52, Beyoğlu<br />
T: +90 212 3774000, perapalace.com<br />
BEBEK HOTEL BY THE STAY (3)<br />
Im gehobenen Stadtteil Bebek gelegen, kann man<br />
in diesem Hotel mit Blick auf den Bosporus aufwachen.<br />
Abends kehrt im Restaurant die High Society<br />
zum Sehen und Gesehen-Werden ein.<br />
Cevdet Pasa Cd. <strong>Nr</strong>:34, Bebek<br />
T: +90 212 9707836, thestay.com.tr<br />
ÉCOLE ST. PIERRE (4)<br />
Die Zimmer sind in einem Gebäude aus dem 18.<br />
Jahrhundert untergebracht, das einst eine französische<br />
Schule war. Mit <strong>10</strong>00 Jahre alten genuesischen<br />
Steinmauern und Blick auf den Galataturm.<br />
Galata Kulesi Sk. <strong>Nr</strong>:14 D:20, Beyoğlu<br />
T: +90 212 2442675, estphotel.com<br />
RESTAURANTS<br />
DÖNERCI ENGIN USTA (1)<br />
Engin Kavutlar war erst acht Jahre alt, als er lernte,<br />
Döner zuzubereiten, mit 13 war er ein Meister. Sechs<br />
Jahre später eröffnete er ein viel gefeiertes Lokal, in<br />
dem unschlagbares Streetfood serviert wird.<br />
Okçu Musa Cd. <strong>Nr</strong>:3, Beyoğlu<br />
T: +90 212 2939787, keine Website<br />
NEOLOKAL (2)<br />
Das mit einem Michelin-Stern ausgezeichnete und<br />
auf Nachhaltigkeit bedachte Restaurant feiert das<br />
reiche kulinarische Erbe Anatoliens mit modernisierten<br />
Interpretationen von klassischen Gerichten.<br />
Bankalar Cd. <strong>Nr</strong>:11, Beyoğlu<br />
T: +90 551 4474545, neolokal.de<br />
PANDELI (3)<br />
Im kultigen Gewürzbasar findet man dieses Kleinod<br />
aus dem Jahr 1901 mit respektvoll zubereiteter<br />
traditioneller Küche. Hier wird Geschichte greifbar.<br />
Rüstempaşa Mah. Balık Pazarı Kapısı Sokağı<br />
Mısırçarşı İçi 1, D:2, Eminönü<br />
T: +90 212 5273909,<br />
pandeli.com.tr<br />
ÇIYA SOFRASI (4)<br />
Herzhaftes anatolisches Essen von einem kulinarischen<br />
Nationalhelden. Im Çiya wählen Gäste diverse<br />
Gerichte von einem bemannten Buffet, bevor sie<br />
wie von Zauberhand am Tisch erscheinen.<br />
Güneşli Bahçe Sok. 43, Kadiköy<br />
T: +90 216 3303190, ciya.com.tr<br />
APARTIMAN YENIKÖY (5)<br />
Das Bistro ist in einer ehemaligen Wohnung untergebracht.<br />
Das geschwisterliche Besitzerduo hat einen<br />
Ort geschaffen, an dem man gerne leben würde.<br />
Köybaşı Cd. <strong>Nr</strong>:153, Yeniköy<br />
T: +90 212 2234477<br />
@apartiman_yenikoy auf Instagram<br />
YENIKÖY BALIKÇISI (6)<br />
Fischrestaurants gibt es überall; gute sind selten.<br />
Hier gibt es ein Ritual, das befolgt werden sollte:<br />
Zuerst bestellt man eine Auswahl an Mezze, dann<br />
noch etwas mehr, dann Fisch – und am Ende Rakı.<br />
Iskele Sk. <strong>Nr</strong>:3, Yeniköy<br />
T: +90 212 2998233<br />
FOXY NIŞANTAŞI (7)<br />
Ein Bistro im trendigen Viertel Nişantaşı, das die blühende<br />
Naturweinszene der Türkei feiert und nebenbei<br />
kreative kleine Gerichte serviert.<br />
Mim Kemal Öke Cd. <strong>Nr</strong>:1 D, Nişantaşı<br />
T: +90 531 4843891,<br />
followthefoxy.com<br />
BARS UND CAFÉS<br />
MANDABATMAZ (1)<br />
«Mandabatmaz» beherrscht die Kunst der Zubereitung<br />
einer perfekten Tasse Kaffee – mit Bohnen, die<br />
exklusiv für das winzige Lokal geröstet werden.<br />
Olivya Gç. 1/A, Beyoğlu<br />
T: +90 212 2437737<br />
VEFA BOZACISI (2)<br />
Seit 1876 im Geschäft. Hier verkauft man «Boza», ein<br />
süss-säuerliches Hirsegetränk. Dazu passen geröstete<br />
Kichererbsen, die man gegenüber kaufen kann.<br />
Vefa Cd. <strong>Nr</strong>:66, Fatih<br />
T: +90 212 5194922, vefa.com.tr<br />
ERNEST’S BAR (3)<br />
Inspiriert von Hemingway und geleitet von einem<br />
geschätzten Mixologen, ist die Bar angeschlossen<br />
an ein elegantes, modernes Thai-Restaurant.<br />
Meşrutiyet Cd. <strong>Nr</strong>:54/A, Beyoğlu<br />
T: +90 212 2436465, cokcokpera.com<br />
PROBADOR COLECTIVA<br />
Eine winzige Kaffeerösterei, die in Industrial-Chic-<br />
Ambiente erstklassige Single-Origin-Pour-overs<br />
und koffeinhaltige Getränke serviert.<br />
Kadiriler Ykş. <strong>Nr</strong>:69, Beyoğlu,<br />
probadorcolectiva.com<br />
SEHENSWÜRDIGKEITEN<br />
DAS MUSEUM DER UNSCHULD (1)<br />
Das Museum zum gleichnamigen Buch von Orhan<br />
Pamuk. Dieses Kuriositätenkabinett ist eine Studie<br />
über Melancholie und Magie – wie ein Kunstwerk,<br />
das das Istanbul der Vergangenheit in Szene setzt.<br />
Çukurcuma Caddesi, Dalgıç Çk. <strong>Nr</strong>:2, Beyoğlu<br />
T: +90 212 2529738, masumiyetmusezi.org<br />
KILIÇ ALI PASA HAMAN (2)<br />
Ein ruhiges Bad, in dem man seine Müdigkeit abwaschen,<br />
sich ein Dampfbad und eine Massage gönnen<br />
kann. Vormittags für Frauen und nachmittags<br />
für Männer geöffnet. Online-Reservierung!<br />
Kemankeş Karamustafa Paşa,<br />
Hamam Sk. <strong>Nr</strong>:1, Beyoğlu<br />
T: +90 212 39380<strong>10</strong>, kilicalipasahamami.com<br />
SAKIP SABANCI MUSEUM (3)<br />
Einst die Residenz hochrangiger Paschas, heute ein<br />
Kunstmuseum mit einzigartigen Artefakten,<br />
Gemälden und prächtiger osmanischer Kalligrafie.<br />
Sakıp Sabancı Cd. <strong>Nr</strong>:42, Sarıyer<br />
T: +90 212 2772200, sakipsabancimusezi.org<br />
><br />
Karte: Stefanie Hilgarth / carolineseidler.com<br />
206 falstaff dez–feb 2025
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Der Italiener<br />
Luca de Meo<br />
war für Renault ein<br />
wahrer Glücksgriff:<br />
Er weiss, wie Retro<br />
funktioniert.<br />
Wer ist der spannendste Autohersteller<br />
in Europa? Wir verraten es! Spoiler:<br />
Aus Deutschland kommt er nicht.<br />
EIN ITALIENER<br />
IN FR ANKREICH<br />
Der Mann hat Visionen, muss<br />
aber gar nicht zum Arzt: Für<br />
die Franzosen war der Italiener<br />
Luca de Meo ein Glücksgriff.<br />
Seit er die Renault-<br />
Gruppe leitet, geht dort die Post ab, und die<br />
Aktie des Konzerns gleich mit.<br />
Doch fangen wir hinten an: De Meo<br />
weiss, im Gegensatz zu einigen anderen, wie<br />
Retro funktioniert. Die Konsequenz, mit der<br />
sich der nagelneue Stromer Renault 5 und<br />
sein sportlicher Zwilling Alpine A290 an das<br />
Design des Urvaters aus den 70er- und<br />
80er-Jahren anlehnen, erinnert an die Neuauflage<br />
des Mini: Grösser und moderner,<br />
aber die legendären Formen der Karosse<br />
blieben erhalten. Für die nächste Ikone, den<br />
Renault 4, wird dasselbe gelten.<br />
Bei Fiat hatte De Meo die Neuauflage des<br />
«Cinquecento» als Lifestyle-Knutschkugel<br />
durchgesetzt; zunächst wollte Fiat den 500<br />
als Sparmobil bringen. Bei Seat erfand er als<br />
Chef der VW-Tochter gemeinsam mit seinem<br />
britischen Marketingchef Wayne Griffiths die<br />
Zweitmarke Cupra und setzte sie gegen alle<br />
Bedenkenträger durch; für VW ist Cupra<br />
heute Imageträger und Gewinnlieferant. Bei<br />
Renault fördert er nicht nur die Sporttochter<br />
Alpine, sondern auch die Zweitmarke Dacia.<br />
Ihr hat er selbstbewusstes Design spendiert,<br />
pflegt aber die Tugenden: niedrige Preise für<br />
funktionelle Autos ohne Schnickschnack.<br />
ANDERS ALS DIE KONKURRENZ<br />
Warum ist nun Renault spannend? Weil der<br />
Konzern vieles anders macht als die Konkurrenz:<br />
Produktion wird nicht in billigere<br />
Regionen ausgelagert, sondern zurück in<br />
die Heimat geholt. Das alte Werk Flins nahe<br />
Paris, seit Jahrzehnten von der Schliessung<br />
bedroht, funktionierte de Meo zum Gebrauchtwagenzentrum<br />
um: Autos werden<br />
aufbereitet und im Studio professionell fotografiert<br />
und gefilmt, sodass die Händler die<br />
Autos schneller wieder verkaufen können.<br />
Auch ungewöhnlich: De Meo hat die<br />
E-Sparte in ein eigenes Unternehmen namens<br />
Ampere ausgegliedert, weil E «operativ eine<br />
andere Sportart» sei und von der Software<br />
ausgehend gedacht werden müsse. So wie es<br />
Tesla oder die Chinesen vormachen, die vor<br />
allem mit Schnelligkeit trumpfen. Also hat<br />
sich de Meo eine Truppe chinesischer Entwickler<br />
für neue E-Autos zugelegt, die dann<br />
in Frankreich montiert werden. Bis 2028,<br />
verkündet er, solle Renault in puncto Produkt-<br />
und Fertigungskosten mit Chinas Autobauern<br />
gleichziehen, wohlgemerkt am Standort<br />
Frankreich. Ganz offen strebt er nach<br />
dem »Leadership« bei Elektroautos in Europa.<br />
Das ist auch eine Kampfansage an die von<br />
der Börse lange favorisierten Grosskonkurrenten<br />
Volkswagen (Audi, Lamborghini, Skoda,<br />
Seat) oder Stellantis (Lancia, Alfa Romeo,<br />
Citroën, Opel). Beide kämpfen mit Absatzproblemen<br />
in China, aber auch in Europa,<br />
wo Unsicherheit die Kunden bremst.<br />
Wer sich den Spass gönnt (wie ich), den<br />
Alpine A290 auf einer abgesperrten Strecke<br />
um die Kurven zu hetzen, merkt schnell: Das<br />
Teil sieht nicht nur sympathisch aus, es fährt<br />
auch gut. Natürlich werden sich VW und<br />
Stellantis wieder erholen. Doch derzeit hält<br />
Renault mit Luca de Meo die Fackel für<br />
Europas Autobauer hoch.<br />
Fotos: beigestellt<br />
208 falstaff dez–feb 2025
eise / AUTO-KOLUMNE<br />
DIRK<br />
RUSCHMANN<br />
ist stv. Chefredakteur<br />
beim <strong>Schweiz</strong>er<br />
Wirtschaftsmagazin<br />
BILANZ. Er fährt<br />
einen Zweitürer.<br />
AUTO-<br />
NOTIZEN<br />
Der sportliche Alpine A290<br />
lehnt sich optisch an den Mini,<br />
den Urvater aus den 70er- und<br />
80er-Jahren, an.<br />
ERHÖHTER SPORTLER<br />
Weil wir – siehe Renault – gerade bei Retro<br />
sind: Der neue Ford Capri hat mit seinem<br />
sexy Vorfahren nicht mehr allzu viel gemein.<br />
Nicht, dass der Stromer nun schlecht<br />
aussieht, mehr als 600 Kilometer Reichweite<br />
sind auch eine Ansage, und gut verkaufen<br />
wird sich der Neue trotzdem – aber<br />
für den legendären Namen Capri hätte Ford<br />
etwas mehr Unvernunft wagen können.<br />
CHINESISCHER BRITE<br />
Die englische Marke MG, seit 2005 in chinesischer Hand, hat sich mit ihren Stromern<br />
und Hybriden in Europa zuletzt wieder enorm ausgebreitet. Und weil MG für offene<br />
Sportler steht, hat Eigentümer SAIC den Cyberster lanciert, ein schnittiges Cabrio mit<br />
spektakulären Scherentüren. Dass jetzt der Winter kommt, stört den Hersteller nicht,<br />
irgendwo scheint ja immer die Sonne. Das Teil fährt sich stramm, die Preise sind<br />
höchst fair – ein vergleichbares Auto gibt es in Europa ohnehin nicht.<br />
STROMERNDE KATZE<br />
Der Radikalumbau beginnt: Im Heimatmarkt<br />
Grossbritannien verkauft Jaguar<br />
bereits keine Autos mehr, in anderen Ländern<br />
sind die Konfiguratoren eingestellt<br />
und nur noch Lagerfahrzeuge im Angebot:<br />
Das Projekt «Reimagine» startet, alle<br />
Modellreihen bis auf die bestverkaufte,<br />
das SUV F-Pace, laufen aus. 2025 erfolgt<br />
dann der rein elektrische Neustart mit<br />
luxuriösen Stromern. Zuerst soll eine<br />
Sportlimousine kommen, die wohl<br />
gegen den Porsche Taycan<br />
antritt. Danach soll ein<br />
grosses SUV folgen. Die<br />
Briten brauchen den<br />
Befreiungsschlag. 2023<br />
verkauften sie nur noch<br />
gut 60.000 Autos weltweit,<br />
fünf Jahre zuvor<br />
waren es noch drei Mal<br />
so viele.<br />
dez–feb 2025<br />
falstaff<br />
209
24.000<br />
RESTAURANTS<br />
3.000<br />
COCKTAIL- &<br />
WEINBARS<br />
2.500<br />
STREETFOOD-<br />
TIPPS<br />
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tasting<br />
PINOT NOIR TROPHY<br />
EXTRAKLASSE<br />
Pinot Noir ist die wichtigste Rebsorte der <strong>Schweiz</strong>. Nicht nur<br />
quantitativ, sondern besonders auch qualitativ, wie die<br />
Ergebnisse der <strong>Falstaff</strong> Pinot Noir Trophy <strong>2024</strong> eindrucksvoll<br />
beweisen. Welche Weine und Winzer die <strong>Falstaff</strong>-Verkoster<br />
besonders begeisterten, lesen Sie hier.<br />
TEXT DOMINIK VOMBACH NOTIZEN LARISSA GRAF UND DOMINIK VOMBACH<br />
Auch an den Ufern des<br />
Zürichsees gedeiht der<br />
Blauburgunder hervorragend.<br />
Dorther stammt nämlich der<br />
Sieger der diesjährigen Trophy.<br />
Fotos: Zürich Tourismus / Andi Hofstetter, beigestellt<br />
212 falstaff dez–feb 2025
Pinot Noir ist und bleibt die<br />
wichtigste Rebsorte der <strong>Schweiz</strong>.<br />
Keine andere Sorte wird hierzulande<br />
häufiger kultiviert und keine<br />
andere hat einen derart hohen<br />
Stellenwert bei Winzern und Weingeniessern.<br />
Im letzten Jahr waren in der <strong>Schweiz</strong> rund<br />
3700 Hektar mit der Burgundersorte<br />
bepflanzt, was etwa 25 Prozent der gesamten<br />
Rebfläche des Landes entspricht. Die Dominanz<br />
der Sorte zeigt sich besonders in der<br />
Deutschschweiz, wo sie rund 60 Prozent der<br />
Rebfläche ausmacht. Von hier stammte nicht<br />
nur das Gros der über <strong>10</strong>0 eingereichten<br />
Weine, sondern auch jeder der Sieger der<br />
diesjährigen <strong>Falstaff</strong> Pinot Noir Trophy.<br />
Allen voran der bestplatzierte Wein der<br />
Trophy, der 2023er Pinot Noir Reblaube von<br />
Erich Meier in Uetikon am See. Ein beeindruckendes<br />
Gewächs, das die <strong>Falstaff</strong>-Verkoster<br />
mit seiner immensen Komplexität und<br />
fliessenden Eleganz durchweg begeisterte,<br />
was mit sagenhaften 97 Punkten belohnt<br />
wurde. Die Pinot-Trauben für Meiers<br />
brandneuen Einzellagen-Coup gedeihen<br />
übrigens in einer nach Süden ausgerichteten,<br />
eher kühlen Miniparzelle direkt vor<br />
seinem Weingut, die sich durch ihre karge<br />
Bodenbeschaffenheit auszeichnet.<br />
Wie Meiers Reblaube stammt auch der<br />
zweitplatzierte Wein der <strong>Falstaff</strong> Trophy aus<br />
einer besonderen Einzellage. Und zwar aus<br />
der 0,42 Hektar grossen Lage Michel in<br />
Malans, die vom Weingut Fromm bewirtschaftet<br />
wird. Der mineralisch-saftige Jahrgang<br />
2022 des Crus, der mit einem Anteil<br />
von 30 Prozent Ganztrauben vergoren und<br />
13 Monate in französischen Barriques<br />
ausgebaut wurde, erreichte 96 Punkte bei der<br />
Verkostung. Ein weiterer Beweis dafür, wie<br />
grossartig sich einzigartiges Terroir auf die<br />
Rebsorte Pinot Noir auswirkt.<br />
Platz drei geht ebenfalls an ein Gewächs<br />
aus der Bündner Herrschaft: den Monolith<br />
vom Weingut Obrecht aus dem Jahr 2022.<br />
Das stoffige, ausbalancierte Flaggschiff der<br />
Obrechts wird aus den Trauben der ältesten<br />
Pinot-Stöcke des Weinguts gekeltert und<br />
offenbart gemeinsam mit den anderen beiden<br />
Weinen auf dem Treppchen die unglaubliche<br />
Vielfalt der Rebsorte hierzulande. ><br />
PLATZ<br />
2023 PINOT NOIR REBLAUBE<br />
WEINGUT ERICH MEIER<br />
«Elegant und fliessend.»<br />
Alle Verkostungsnotizen<br />
online unter<br />
go.falstaff.com/<br />
trophy-pinot-noir-ch-24<br />
dez–feb 2025<br />
falstaff<br />
213
tasting<br />
PINOT NOIR TROPHY<br />
PLATZ<br />
PINOT NOIR MICHEL<br />
WEINGUT FROMM<br />
«Saftig, würzig und mineralisch.»<br />
97 Punkte<br />
1. Platz<br />
•<br />
2023 Pinot Noir Reblaube<br />
Weingut Erich Meier, Uetikon am See<br />
13,5 Vol.-%, Komplexes Bukett, das von zarten<br />
Rauchnoten unterlegt ist. Noten von<br />
roten und dunklen Beeren, Schwarzkirsche,<br />
Pflaume und Oolong-Tee. Etwas Grafit und<br />
Karamell-Nuancen. Am Gaumen schöne<br />
Fülle, wirkt elegant und fliessend. Saftige<br />
tragende Säure, kerniges Tannin, langes<br />
Finish. Reifepotenzial!<br />
erichmeier.ch, CHF 89,–<br />
96 Punkte<br />
2. Platz<br />
•<br />
BIO 2022 Pinot Noir Michel<br />
Weingut Fromm, Malans<br />
13,5 Vol.-%, Intensive und einladende Nase<br />
mit Aromen von Sauerkirschen, gedörrten<br />
Feigen, Gewürzen, blumigen Noten und etwas<br />
Bratapfel. Am Gaumen ausgeglichen,<br />
mit einer saftigen Säure, fein geschliffenen<br />
Gerbstoffen und einem mineralischen Finish,<br />
das lange währt.<br />
weingut-fromm.ch, CHF 56,–<br />
95 Punkte<br />
SORTENPROFIL<br />
PINOT NOIR<br />
Die ursprünglich aus dem Burgund<br />
stammende Traubensorte kann Weine<br />
von grosser Eleganz liefern. Sie ist die am<br />
meisten angebaute Sorte der <strong>Schweiz</strong>.<br />
AROMENSPEKTRUM<br />
Pinot-Noir-Weine zeigen häufig Aromen von<br />
Himbeeren, Erdbeeren oder Kirschen. Sehr<br />
reife Exemplare riechen zudem nach Leder,<br />
Tabak oder Waldboden.<br />
3. Platz<br />
•<br />
BIO 2022 Monolith<br />
Weingut Obrecht, Christian und<br />
Francisca Obrecht, Jenins<br />
13 Vol.-%, Mittleres Rubingranat. Eher zurückhaltende<br />
Frucht, Pflaume, Süsskirsche,<br />
Himbeere, etwas frischer Granatapfel,<br />
dazu edel wirkende Röstnoten, rauchigwürzige<br />
Nuancen. Am Gaumen kräftig wirkend<br />
mit viel Extrakt, aber reifer, harmonisierender<br />
Säure. Feines, derzeit noch spürbares<br />
Tannin. Hallt lange nach. Muss reifen.<br />
obrecht.ch, CHF 58,–<br />
•<br />
2021 Churer Blauburgunder<br />
«Gian-Battista»<br />
Weinbau von Tscharner –<br />
Schloss Reichenau, Reichenau<br />
14,5 Vol.-%, Elegantes Bukettt mit Aromen<br />
von Kirschen, Brombeeren, Pflaumen und<br />
roten Beeren, untermalt von Kräuter- und<br />
Gewürznoten. Am Gaumen intensiv, saftig<br />
und sehr ausbalanciert, mit einer reifen<br />
Säurestruktur und samtigem Tannin. Langes<br />
Finale. reichenau.ch, CHF 62,–<br />
•<br />
BIO 2022 Pinot Noir Schöpfi<br />
Weingut Fromm, Malans<br />
13,5 Vol.-%, Bukett mit Aromen von Sauerkirsche,<br />
Hagebutte, im Hintergrund etwas<br />
Rosenblüte und eine feine Kräuterwürze.<br />
Am Gaumen filigran und elegant, mit guter<br />
Säurestruktur, viel Druck, mineralischen<br />
Anklängen und feinen Gerbstoffen. Langer<br />
Abgang.<br />
weingut-fromm.ch, CHF 75,–<br />
•<br />
2023 Pinot Noir Kirche<br />
Weingut Erich Meier, Uetikon am See<br />
13 Vol.-%, Frisches, komplexes Bukett mit<br />
Noten von Roter Johannisbeere, Kirsche,<br />
Granatapfel, Hagebutte und dezenter kühler,<br />
rauchiger Würze. Am Gaumen elegant,<br />
dicht und saftig. Schöner Säurefaden, hervorragend<br />
eingebundenes Tannin, rote<br />
Frucht und dezent warme Gewürze, langes<br />
Finale. erichmeier.ch, CHF 62,–<br />
94 Punkte<br />
•<br />
2019 Pinot Noir L'Enfer du Calcaire<br />
Domaine Histoire d’Enfer SA, Loc-Sierre<br />
13,8 Vol.-%, Offene, zugängliche Nase mit<br />
Noten von reifer Zwetschge, Roter Johannisbeere<br />
und Cranberry. Dazu gesellt sich<br />
eine dunkle kräuterig-florale Würze. Am<br />
Gaumen kraftvoll und ausgewogen, reife<br />
Säure, dezentes Tannin, langes Finish.<br />
histoiredenfer.ch, CHF 68,–<br />
•<br />
2021 Churer Blauburgunder<br />
«Johann-Baptista»<br />
Weinbau von Tscharner –<br />
Schloss Reichenau, Reichenau<br />
14,5 Vol.-%, In der Nase Sauerkirschen, Cassis,<br />
Waldbeeren, Hibiskusblüten und etwas<br />
Gewürze. Am Gaumen von mittlerem Körper,<br />
mit einer saftigen Säure, feinem Tannin<br />
und einem salzig-mineralischen und<br />
intensiven langen Finale.<br />
reichenau.ch, CHF 35,–<br />
•<br />
2021 Pur Sang<br />
Domaine de Chambleau, Colombier<br />
13,8 Vol.-%, Dunkles Rubingranat. Aroma-<br />
Fotos: beigestellt, Shutterstock<br />
214 falstaff dez–feb 2025
tisch zeigt er sich auf der würzigen Seite:<br />
Pfeffer, Bourbonvanille, Gewürznelken,<br />
dazu Pflaume und Amarenakirsche. Entwickelt<br />
sich mit Luft immer weiter. Am Gaumen<br />
kräftig und dicht mit wiederum prägnanter<br />
Würze sowie perfekt reifer Frucht.<br />
Reife, gut integrierte Säure, feines, superbes<br />
Tannin. Hallt lange nach.<br />
chambleau.ch, CHF 93,–<br />
•<br />
BIO 2022 Fläscher Pinot Noir<br />
Barrique, Weingut Familie Hansruedi<br />
Adank AG, Fläsch<br />
13 Vol.-%, Duftet nach Roten Johannisbeeren,<br />
Sauerkirsche, Zwetschge und Himbeere.<br />
Unterlegt ist das Ganze mit einer prägnanten<br />
Würze mit Noten von wildem Fenchel<br />
etwa. Am Gaumen elegant und saftig,<br />
schöne Säure, frische Beerenfrucht, feinkörniges,<br />
kreidiges Tannin, langes Finale.<br />
Lagerpotenzial!<br />
adank-weine.ch, CHF 39,–<br />
•<br />
2022 Pinot Noir Reserve<br />
Christian Hermann Weinbau, Fläsch<br />
13,5 Vol.-%, Intensives Bukett mit Aromen<br />
von Sauerkirschen, Brombeeren und Cassis.<br />
Leichte Anklänge von Holz und Gewürzen<br />
im Hintergrund. Am Gaumen saftig und<br />
ausbalanciert, mit gut eingebundenem,<br />
feinkörnigem Tannin und einer erfrischenden<br />
Säure. Langer Abgang.<br />
hermann.ch, CHF 42,50<br />
•<br />
2022 Pinot Noir élevé en Barrique<br />
Lüthi Weinbau, Männedorf<br />
13,6 Vol.-%, Komplexes Bukett mit gedörrter<br />
Beerenfrucht. Noten von Roter Johannisbeere,<br />
dunklen Waldbeeren, etwas Cassis<br />
und Kirsche. Dazu betont dunkelwürzige<br />
Anklänge, etwas Grafit und Nuancen von<br />
Kurkuma. Am Gaumen elegant und zugänglich,<br />
mit saftiger Säure und wunderbar<br />
feinkörnigem Tannin. Langes, würzigfruchtiges<br />
Finale.<br />
luethiweinbau.ch, CHF 37,–<br />
•<br />
BIO 2022 Eichholz<br />
Weingut Eichholz –<br />
Irene Grünenfelder, Jenins<br />
13 Vol.-%, In der Nase zwischen Würze und<br />
Frucht pendelnd. Noten von reifen Himbeeren,<br />
Sauerkirsche und Roten Johannisbeeren.<br />
Etwas Granatapfel und Anklänge von<br />
Piment sowie Bohnenkraut. Dazu feine,<br />
schön eingebundene Röstnoten. Am Gaumen<br />
elegant und sanft, mit feinem Säurefaden,<br />
würziger roter Frucht, leicht spürbarem,<br />
reifem Tannin und langem Finale.<br />
eichholz-weine.ch, CHF 58,–<br />
93 Punkte<br />
•<br />
BIO Pinot Noir Les Planes<br />
Le Petit Château, Môtier<br />
13,5 Vol.-%, Offenes, einladendes Bukett<br />
mit Noten von gedörrter Zwetschge, Brombeerkonfitüre<br />
und Sauerkirsche. Dazu Anklänge<br />
von Feigenblatt, Mokka und Piment.<br />
Am Gaumen elegant und ausgewogen, mit<br />
schöner tragender Säure, Waldbeerenfrucht,<br />
kompaktem Tannin und balsamisch-würzigem<br />
Finish.<br />
lepetitchateau.ch, CHF 36,–<br />
•<br />
2019 Pinot Noir L'Enfer de la Passion<br />
Domaine Histoire d’Enfer SA, Loc-Sierre<br />
13,4 Vol.-%, Schöne, reife Fruchtaromatik in<br />
der Nase. Noten von dunklen Beeren wie<br />
Cassis und Brombeere sowie Pflaume.<br />
Dazu eine prägnante kräuterige Würze. Am<br />
Gaumen kräftig, mit reifer Säure, dunkler<br />
Frucht, feinkörnigem Tannin und langem<br />
Abgang. histoiredenfer.ch, CHF 54,–<br />
•<br />
2020 Jeninser Blauburgunder<br />
Mariafeld, Weinbau von Tscharner –<br />
Schloss Reichenau, Reichenau<br />
14,5 Vol.-%, Offenes Bukett mit Aromen von<br />
Heidelbeeren, Zwetschge und Sauerkirsche,<br />
im Hintergrund etwas Gewürze und<br />
leichte balsamische Noten. Am Gaumen<br />
feingliedrig, mit einer animierenden Säure,<br />
sanften Gerbstoffen und mineralischen Noten<br />
im Abgang. reichenau.ch, CHF 40,–<br />
•<br />
BIO 2020 Lättebuck<br />
Weingut Lindenhof, Osterfingen<br />
13 Vol.-%, Konzentrierte Aromatik in der<br />
Nase. Noten von dunklen Waldbeeren,<br />
Schwarzkirsche und Zwetschge. Anklänge<br />
von Grafit und eine Spur Kakao. Am Gaumen<br />
kompakt und elegant, frische Säure,<br />
kreidiges Tannin, mineralisch anmutendes<br />
Finale. weingut-lindenhof.ch, CHF 29,–<br />
•<br />
BIO 2021 La Gavotte<br />
Domaine de Chambleau, Colombier<br />
13,8 Vol.-%, Mittleres Granatrot. In der Nase<br />
dunkle Kirschen und Waldbeeren, dazu<br />
würzige Nuancen, etwas schwarzer Pfeffer<br />
und Gewürznelke. Spannende, vielschichtige<br />
Aromatik. Am Gaumen kräftig, von mittlerer<br />
Statur, wiederum dunkle Beeren und<br />
Gewürze. Schön eingepacktes, feines Tannin,<br />
vife, reife Säure. Endet lang.<br />
chambleau.ch, CHF 47,–<br />
•<br />
2021 Davaz Fläscher Pinot Noir Uris<br />
Weingut Davaz, Fläsch<br />
13,5 Vol.-%, Dezente, warme Röstaromatik<br />
in der Nase: Mokka und etwas Toast. Dazu<br />
gesellen sich Noten von Zwetschge, Waldbeeren<br />
und Kirsche sowie floral-würzige<br />
Anklänge. Am Gaumen stoffig, schöne Säure,<br />
crémige Frucht, feinkörniges Tannin,<br />
langer Abgang.<br />
davaz-wein.ch, CHF 48,–<br />
•<br />
BIO 2021 Pinot Noir «Le Bouffon»<br />
Domaine Bonnet du Fou, Twann<br />
13 Vol.-%, In der Nase Noten von gedörrten<br />
und frischen Waldbeeren, Sauerkirsche sowie<br />
Pflaume. Etwas Kakao und kräuterigwürzige<br />
Nuancen. Am Gaumen lebendig<br />
und kräftig, mit saftiger Säure, kreidigem<br />
Tannin und langem Finish.<br />
bonnetdufou.ch, CHF 54,–<br />
•<br />
2022 Bechtus Grand Cru Eglisau<br />
Bechtel-Weine, Eglisau<br />
13 Vol.-%, Das Bukett zeigt Aromen von<br />
Sauerkirschen, Erdbeeren und Himbeeren,<br />
untermalt von feinen Kräuter- und würzigen<br />
Röstnoten. Am Gaumen mit einer gut<br />
integrierten, saftigen Säure, seidigen Gerbstoffen<br />
und einem langen, von Frucht- und<br />
Holznoten begleiteten Finale.<br />
bechtel-weine.ch, CHF 56,–<br />
•<br />
2022 Ottenberg Blauburgunder<br />
«Alte Rebe»<br />
Michael Broger Weinbau, Ottoberg<br />
12,5 Vol.-%, Schöne Sauerkirschfrucht in<br />
der Nase. Zudem Noten von Himbeere, Roter<br />
Johannisbeere und Schlehe. Unterlegt<br />
ist das Ganze von malzig-karamelligen Noten<br />
und einer dunklen balsamischen Würze.<br />
Am Gaumen kräftig und dennoch elegant,<br />
mit reifer saftiger Säure und feinkörnigem<br />
Tannin. Leicht herbes, langes Finale.<br />
broger-weinbau.ch<br />
CHF 43,–<br />
Die besten <strong>Schweiz</strong>er Pinots<br />
werden nach wie vor im Fass<br />
ausgebaut, wobei dieses heute<br />
zurückhaltender eingesetzt<br />
wird als vor einigen Jahren.<br />
•<br />
2022 Pinot Noir «H»<br />
Christian Hermann Weinbau, Fläsch<br />
13,5 Vol.-%, In der Nase Aromen von Sauerkirsche,<br />
Himbeere, Preiselbeere und etwas<br />
Grapefruit, unterlegt von Eichenholz. Am<br />
Gaumen leichtfüssig und jugendlich, von<br />
mittlerer Säure, mit feinen Gerbstoffen<br />
und einem langen Finale. Wird mit weiterer<br />
Reife noch zulegen.<br />
hermann.ch, CHF 62,50<br />
•<br />
BIO 2022 Pinot Noir No 3<br />
Schlossgut Bachtobel, Weinfelden<br />
13,5 Vol.-%, Filigrane Nase mit Aromen von<br />
Himbeeren, Cassis und Kirschen und leichten<br />
balsamischen und würzigen Noten. Am<br />
Gaumen harmonisch, mit feingeschliffenen<br />
Gerbstoffen, viel Trinkfluss und einer<br />
gut integrierten Säure. Langer Abgang.<br />
bachtobel.ch, CHF 43,–<br />
•<br />
2022 Pinot Noir Oelberg<br />
Rebgut Felixer am Oelberg<br />
Walenstadt<br />
13 Vol.-%, In der Nase Aromen von Sauerkirschen<br />
und Brombeeren, mit etwas kühlem<br />
Eukalyptus und einer feinen Holznote. Am<br />
Gaumen ausgeglichen, viel Frucht,<br />
LEGENDE<br />
Weisswein, trocken<br />
•<br />
Rotwein, trocken<br />
• Süsswein<br />
95 – <strong>10</strong>0 Klassiker<br />
93 – 94 ausgezeichnet<br />
91 – 92 exzellent<br />
88 – 90 sehr gut<br />
85 – 87 empfehlenswert<br />
DIAM<br />
DV<br />
KK<br />
NK<br />
VL<br />
Verschluss aus gepresstem<br />
Korkgranulat<br />
Drehverschluss<br />
Kunststoffkork<br />
Naturkork<br />
Vinolok<br />
zertifiziert nachhaltig (Österreich)<br />
><br />
dez–feb 2025<br />
falstaff<br />
215
tasting<br />
PINOT NOIR TROPHY<br />
Anspruchsvoll: Der Blauburgunder<br />
braucht ein eher kühles Klima und ein<br />
ideales Gleichgewicht zwischen<br />
Sonnenschein und Niederschlag.<br />
feines Tannin und ein langer, mineralischer<br />
Abgang. felixeramoelberg.ch, CHF 32,–<br />
•<br />
BIO 2022 Pinot Noir Prezius<br />
Ueli & Jürg Liesch, Malans<br />
13 Vol.-%, Duftet nach Sauerkirschen, Waldbeeren<br />
und Granatapfel. Dazu würzige und<br />
florale Anklänge. Am Gaumen ausgewogen,<br />
saftige Säure, schöne Kirschfrucht,<br />
feinkörniges Tannin, langer Abgang.<br />
liesch-weine.ch, CHF 34,–<br />
•<br />
BIO 2022 Pinot Noir, Clos de la Couta<br />
Domaine Jean-René Germanier, Vétroz<br />
13 Vol.-%, Dezentes, zunächst betont balsamisch<br />
anmutendes Bukett. Mit etwas Luft<br />
und Zeit treten Noten von frischen Waldbeeren<br />
und Kirsche in den Vordergrund. Am<br />
Gaumen elegant, mit frischer Säure und<br />
viel Schmelz. Geschliffenes Tannin und langer<br />
Abgang.<br />
jrgermanier.ch, CHF 58,–<br />
•<br />
2023 Pinot Noir Schwändi<br />
Weingut Erich Meier, Uetikon am See<br />
13,5 Vol.-%, In der Nase Noten von Kirsche,<br />
Roter Johannisbeere und Blutorange. Dazu<br />
dezente würzige und florale Anklänge. Am<br />
Gaumen stoffig, mit frischer Waldbeeraromatik,<br />
schöner Säure, leicht spürbarem,<br />
feinem Tannin und langem Finale.<br />
erichmeier.ch, CHF 44,–<br />
•<br />
2023 Pinot Noir élevé en fûts<br />
de chêne, Lüthi Weinbau, Männedorf<br />
14 Vol.-%, Filigranes, komplexes Bukett mit<br />
Noten von Kirsche, Himbeere und Johannisbeere<br />
sowie feinen kühlwürzig-balsamischen<br />
Anklängen von Piment und Grafit.<br />
Am Gaumen feingliedrig und elegant, mit<br />
reifer Säure und ebensolcher Beerenfrucht<br />
sowie schön eingebundenem Tannin. Langer<br />
Abgang.<br />
luethiweinbau.ch, CHF 23,–<br />
•<br />
BIO 2022 Alte Reben<br />
Weingut Eichholz – Irene Grünenfelder,<br />
Jenins<br />
13 Vol.-%, In der Nase Noten von weihnachtlichen<br />
Gewürzen und konfierten Waldbeeren<br />
sowie Pflaume. Am Gaumen elegant,<br />
schöne Fülle, reife Säure, kreidiges Tannin,<br />
betont würziges Finale.<br />
eichholz-weine.ch, CHF 50,–<br />
•<br />
2021 Pinot Noir Kalkgestein<br />
Weingut Roman Hermann, Fläsch<br />
13 Vol.-%, Einladendes Bukett mit Aromen<br />
von Brombeeren, Kirschen, feine Kräuternoten<br />
und florale Anklänge. Am Gaumen<br />
ausgeglichen, viel Saft und eine lebendige<br />
Säure, mit spürbarem Tannin und einem<br />
langen, leicht herben Abgang. Muss<br />
PLATZ<br />
MONOLITH<br />
WEINGUT OBRECHT<br />
«Kräftig und mit viel Extrakt.»<br />
noch etwas reifen.<br />
weingut-hermann.ch<br />
CHF 68,–<br />
92 Punkte<br />
•<br />
2019 Pinot Noir L'Enfer du Plaisir<br />
Domaine Histoire d’Enfer SA, Loc-Sierre<br />
13,1 Vol.-%, Reife, elegante, aber frischfruchtige<br />
Nase: Pflaume, rote Beeren, florale<br />
und röstartige Nuancen, etwas Mokka,<br />
dezent Tabak. Am Gaumen eher kräftig,<br />
aber elegant mit roter Frucht, wiederum<br />
würzige Nuancen. Hallt lange nach mit saftiger,<br />
reifer Säure und etwas anhaftendem,<br />
feinem Tannin.<br />
histoiredenfer.ch, CHF 40,–<br />
•<br />
2019 Pinot Noir ann mee<br />
Baumann Weingut, Oberhallau<br />
13 Vol.-%, In der Nase Aromen von Sauerkirschen<br />
und Waldbeeren, dazu Kräuter und<br />
balsamische Noten. Am Gaumen ausbalanciert<br />
und leichtfüssig mit einer animierenden<br />
Säure, feingeschliffenen Tanninen und<br />
einem mittellangen Finale.<br />
baumannweingut.ch, CHF 42,–<br />
•<br />
BIO 2020 Chölle<br />
Weingut Lindenhof, Osterfingen<br />
13 Vol.-%, In der Nase Noten von Preiselbeerkonfitüre,<br />
Kirsche und Roter Johannisbeere.<br />
Anklänge von Backgewürzen und<br />
kräuterige Nuancen. Am Gaumen stoffige<br />
Eleganz, feinkörniges Tannin und langer<br />
Abgang. weingut-lindenhof.ch, CHF 29,–<br />
•<br />
BIO 2020 Kloster Sion Klingnau<br />
Réserve Pinot Noir<br />
Weingut zum Sternen,<br />
Andreas Meier & Co AG, Würenlingen<br />
13,5 Vol.-%, Recht komplexe Nase: Kirschen,<br />
dunkle Beeren, Zwetschge, dazu Gewürze<br />
wie Gewürznelke und Zimt sowie angenehme<br />
Reifenoten. Am Gaumen kräftig mit<br />
süsslich-fruchtigem Eindruck, zupackender<br />
Säure und spürbarem, mittelfeinem Tannin.<br />
Hallt lange nach.<br />
weingut-sternen.ch, CHF 39,–<br />
•<br />
2022 DW Pinot noir Barrique<br />
Küsnacht<br />
Weingut Diederik, Küsnacht (Zürich)<br />
13,6 Vol.-%, Reife und gedörrte Beerenfrucht<br />
in der Nase mit Noten von Brombeere<br />
und Himbeere. Zudem Noten von<br />
Schwarzkirsche und Holundermark sowie<br />
würzig-balsamische Anklänge. Am Gau-<br />
Fotos: Zürich Tourismus / Gian Vaitl, Shutterstock, beigestellt<br />
216 falstaff dez–feb 2025
men ausgewogen und elegant, mit schmelziger<br />
Beerenfrucht und reifer, saftiger Säure.<br />
Feinkörniges Tannin und langes Finale.<br />
diederik.ch, CHF 29,<strong>10</strong><br />
•<br />
BIO 2022 Pinot Noir Armonia<br />
Ueli & Jürg Liesch, Malans<br />
13,5 Vol.-%, In der Nase Noten von Zwetschge,<br />
Sauerkirsche, Roten Johannisbeeren,<br />
Brombeere und Himbeere. Dazu Anklänge<br />
von Kakao und floral-würzige Nuancen. Am<br />
Gaumen saftig, kreidiges Tannin, langes Finale.<br />
liesch-weine.ch, CHF 26,–<br />
•<br />
2022 Pinot Noir Grand Vin<br />
Weingut Wolfer, Weinfelden<br />
13,5 Vol.-%, Diskretes Bukett mit Noten von<br />
Weichsel und Himbeere sowie kräutrigwürzigen<br />
und floralen Anklängen. Zudem<br />
ein Hauch Karamell. Am Gaumen weicher<br />
Auftakt, wirkt geschliffen, reife Säure, dezentes<br />
Tannin, langes Finale auf Weichselhaut<br />
und warmer Würze.<br />
wolferwein.ch, CHF 34,–<br />
•<br />
BIO 2022 Pinot Noir de Mur<br />
Le Petit Château, Môtier<br />
13,5 Vol.-%, Intensives Bukett mit Noten von<br />
Granatapfel, Preiselbeere und Cassis sowie<br />
etwas Rande und florale Nuancen. Am<br />
Gaumen frisch und saftig, mit wilder Beerenfrucht<br />
und leicht spürbarem Tannin.<br />
Langer fruchtig-pfeffriger Abgang.<br />
lepetitchateau.ch, CHF 42,–<br />
•<br />
BIO 2022 Trocla Nera<br />
Weingut Obrecht, Christian und<br />
Francisca Obrecht, Jenins<br />
12,5 Vol.-%, Eher dezente, elegante Nase:<br />
Kirschen, Waldbeeren, dazu rauchige Nuancen<br />
sowie eine frische Kräuterwürze. Am<br />
Gaumen von schöner Dichte und dennoch<br />
eher filigran mit intensiven Noten von roten<br />
Beeren, wiederum rauchige Nuancen.<br />
Reife, spürbare Säure, feines Tannin. Langer<br />
Nahhall. obrecht.ch, CHF 32,–<br />
•<br />
2022 Unter der Linde Pinot Noir<br />
Grand Cru Sonnhalde<br />
Weingut zur Linde, Linn<br />
13,7 Vol.-%, Reife Anmut in der Nase. Noten<br />
von gedörrter Pflaume und gedörrten<br />
Waldbeeren. Anklänge von Cranberry,<br />
ebenfalls gedörrten, weihnachtlichen Gewürzen<br />
sowie etwas Kokos. Am Gaumen<br />
kräftig und stoffig, mit schmelziger, dunkler<br />
Frucht, reifer Säure, geschmeidigem<br />
Tannin und Kokoseinschlag im langen Finish.<br />
weingutlinde.ch, CHF 64,–<br />
•<br />
BIO 2023 Cuvée Charlotte<br />
Domaine de Chambleau, Colombier<br />
13,8 Vol.-%, Helles Granatrot. Duftige, feine<br />
Kirschfrucht, helle Beeren, florale und röstartige<br />
Nuancen. Am Gaumen angenehm<br />
leicht und frisch, jedoch kompakt wirkend.<br />
Reife, gut eingebundene Säure, feines Tannin,<br />
hoher Trinkfluss. Nur das sehr feine<br />
Tannin ist noch etwas spürbar, darf also<br />
noch etwas reifen.<br />
chambleau.ch<br />
CHF 32,–<br />
•<br />
2021 Pinot Nero, Ticino Denominazione<br />
di Origine Controllata<br />
Cantina Pelossi SA, Pazzallo<br />
13 Vol.-%, Reife Nase mit Aromen von Cassis,<br />
Dörrpflaumen, eingelegten Kirschen,<br />
Brombeerkompott und etwas Paprika, mit<br />
einer leichten, gut integrierten Holznote.<br />
Am Gaumen ausgeglichen, mit viel Würze,<br />
samtigem Tannin, einer saftigen Säure und<br />
einem langen, etwas herben Abgang.<br />
viticoltori, CHF 27,–<br />
•<br />
2022 Pinot Nero, Ticino Denominazione<br />
di Origine Controllata<br />
Cantina Pelossi SA, Pazzallo<br />
13 Vol.-%, Intensive Nase mit Noten von<br />
Cassis, Heidelbeere, Kirsche und Pflaume.<br />
Dazu feine Edelholzanklänge und etwas Tabak.<br />
Am Gaumen ausgewogen und elegant.<br />
Schöne Fülle, passende Säure, leicht spürbares<br />
Tannin, langer Abgang.<br />
viticoltori, CHF 27,–<br />
•<br />
2023 Blauburgunder Steillage<br />
Weingut Roman Hermann, Fläsch<br />
13,5 Vol.-%, Frische Fruchtaromatik in der<br />
Nase. Noten von Himbeere, Holunderbeere<br />
und Roten Johannisbeeren. Anklänge von<br />
Blutorange und dezente würzige Nuancen.<br />
Am Gaumen ausbalanciert, saftige Säure,<br />
feinkörniges Tannin, langes Finale.<br />
weingut-hermann.ch<br />
CHF 30,–<br />
•<br />
2022 Pinot Noir Grand Maître<br />
Weingut Roman Hermann, Fläsch<br />
13,5 Vol.-%, In der Nase dunkle Waldbeerfrucht<br />
sowie Kirsche, die von dezenten<br />
Mokkanoten und etwas Grafit unterlegt<br />
sind. Zudem finden sich subtile kräuterige<br />
Anklänge. Am Gaumen elegant, mit reifer<br />
Waldbeerfrucht, schöner Säure, feinkörnigem<br />
Tannin und ätherisch-würzigem Abgang.<br />
weingut-hermann.ch, CHF 45,–<br />
91 Punkte<br />
•<br />
2020 Bechtel Sélection<br />
Bechtel-Weine, Eglisau<br />
13,5 Vol.-%, In der Nase Aromen von eingelegten<br />
Sauerkirschen, Erdbeeren und<br />
Pflaumen, unterlegt von feinen Würz- und<br />
Kräuternoten. Am Gaumen von mittlerem<br />
Körper, mit fruchtig-würzigem Charakter<br />
und feingeschliffenen Gerbstoffen. Langer<br />
Abgang. bechtel-weine.ch, CHF 29,–<br />
•<br />
2020 CÄSAR Pflanowinja Pinot Noir<br />
C. Varonier & Söhne, Varen<br />
13,35 Vol.-%, Einladendes Bukett mit Noten<br />
von Himbeer- und Erdbeerkonfitüre, zerdrückten<br />
Brombeeren und etwas Kräutern.<br />
Am Gaumen von mittlerem Körper, saftig,<br />
mit einer reifen Säure und geschmeidigem<br />
Tannin. Langer Abgang mit würzigen Noten.<br />
varonier.ch, CHF 69,–<br />
•<br />
2023 Blauburgunder<br />
Mario Gagliardi, Ottoberg<br />
13 Vol.-%, Duftet nach Amarenakirsche,<br />
konfierten Johannisbeeren und Granatapfel.<br />
Anklänge von Süssholz und eine kräuterige<br />
Würze, die auch am Gaumen präsent<br />
ist. Dort präsentiert er sich kräftig und zugänglich,<br />
mit reifer Säure, leicht spürbarem,<br />
reifem Tannin und langem Finish.<br />
CHF 27.–<br />
•<br />
2021 Grand Evec<br />
St. Jodern Kellerei, Visperterminen<br />
13,6 Vol.-%, In der Nase Aromen von Brombeerkompott<br />
und Pflaumen, dazu Nuancen<br />
von Gewürzen, Unterholz und balsamischen<br />
Noten. Am Gaumen konzentriert und<br />
intensiv, mit reifer Frucht und samtigen<br />
Gerbstoffen. Langer Nachhall.<br />
jodernkellerei.ch, CHF 26,80<br />
•<br />
BIO 2021 Pinot Noir «Gaucheten»<br />
Domaine Bonnet du Fou, Twann<br />
12,5 Vol.-%, Schmeichelnde Fruchtaromatik<br />
im Bukett: Noten von Himbeere, Sauerkirsche,<br />
Roten Johannisbeeren und Schlehe.<br />
Unterlegt ist das Ganze von einer ätherisch-kräuterigen<br />
Würze und Grafit. Am<br />
Gaumen elegant, mit schmelzigem Körper<br />
und reifer roter Frucht. Feinkörniges Tannin,<br />
langes Finale.<br />
bonnetdufou.ch, CHF 45,– <<br />
Seit Jahrhunderten gehört<br />
Pinot Noir zur <strong>Schweiz</strong>er<br />
Weinkultur. Er wurde bereits<br />
1472 im Kanton Waadt<br />
urkundlich erwähnt.<br />
Alle Verkostungsnotizen<br />
online unter<br />
go.falstaff.com/<br />
trophy-pinot-noir-ch-24<br />
dez–feb 2025<br />
falstaff<br />
217
tasting<br />
TROPHY GRANDI ROSSI VENETI<br />
Die Colli Euganei, die<br />
Euganeischen Hügel, sind<br />
Vulkankegel die sich aus der<br />
Po-Ebene erheben.<br />
BORDEAUX<br />
IN VENETIEN<br />
Schon seit Mitte des 19. Jahrhunderts sind Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc<br />
und Merlot im östlichen Venetien heimisch. Als Besonderheit kommt die<br />
Carménère hinzu. Die Weine zeigen sich mit charakteristisch würzigen Noten,<br />
die von Weinliebhabern mehr denn je geschätzt werden.<br />
TEXT OTHMAR KIEM NOTIZEN OTHMAR KIEM, SIMON STAFFLER<br />
Fotos: Shutterstock, beigestellt<br />
218 falstaff dez–feb 2025
Bereits um das Jahr 1820 fand<br />
Cabernet über die Habsburger<br />
und das Haus Arenberg seinen<br />
Weg nach Venetien. Was anfangs<br />
für Cabernet Franc gehalten<br />
wurde, stellte sich allerdings später als dessen<br />
würziger Vetter Carménère heraus. Der<br />
Merlot kam um 1880 hinzu. Die Bordeaux-<br />
Sorten haben also eine lange Tradition in<br />
Venetien. Ihre wichtigsten Anbaugebiete sind<br />
die Colli Berici, Colli Euganei, Colli Asolani,<br />
Montello und Breganze. Die Weinberge der<br />
Colli Euganei, die auf vulkanischen Böden<br />
liegen, verleihen den Weinen eine eigene<br />
mineralisch-salzige Note. Früher galten die<br />
würzigen Aromen in Cabernet und Merlot<br />
oft als Zeichen von Unreife und waren wenig<br />
beliebt. Doch inzwischen werden sie als<br />
charakteristisches Merkmal der Bordeaux-<br />
Cuvées aus dieser Region wahrgenommen<br />
und geschätzt.<br />
Durch das kühlere Klima und die hohen<br />
Erträge reiften die Trauben in der Vergangenheit<br />
oft tatsächlich nicht vollständig aus.<br />
Dank moderner Techniken und reduzierter<br />
Erträge hat sich das jedoch stark verändert.<br />
Die heutigen Weine zeigen eine reifere<br />
Frucht, mehr Tiefe und ein feines Tannin. Die<br />
typische Kräuterwürze ist dabei erhalten<br />
geblieben und gilt als prägendes Merkmal.<br />
Das gilt auch für unsere drei Trophy-Sieger.<br />
Den ersten Platz holte Marco Sambin,<br />
der bis zu seiner Pensionierung Professor für<br />
Psychologie an der Universität Padua war.<br />
2002 gründete er ein kleines Weingut in den<br />
Colli Euganei, das er nach biodynamischen<br />
Richtlinien bewirtschaftet. Sein Marcus ist<br />
eine überaus gelungene Cuvée aus Cabernet<br />
Sauvignon, Merlot und Cabernet Franc.<br />
Das Weingut Masari liegt im Valle d'Agno<br />
im Hinterland von Vicenza. 1998 gründeten<br />
hier Massimo Dal Lago und Arianna Tessari<br />
ihr eigenes Weingut. Auf vulkanischen und<br />
kalkhaltigen Böden erzeugen sie Weine mit<br />
Struktur und Finesse. Der Merlot MM<br />
Montepulgo erreichte den zweiten Platz.<br />
Auf dem dritten Platz folgt der herrlich<br />
würzige Carménère Oratiorio di San Lorenzo<br />
von Inama. Die heute in Bordeaux verschwundene<br />
Sorte fühlt sich in den Colli<br />
Berici sehr wohl. ><br />
PLATZ<br />
MARCUS TRIVENETO ROSSO 2020<br />
MARCO SAMBIN<br />
«Granatapfel, Blutorange, Wassermelone,<br />
Preiselbeere, elegant und geschliffen.»<br />
Alle Verkostungsnotizen<br />
online unter<br />
go.falstaff.com/<br />
trophy-grandi-rossi-veneti-24<br />
dez–feb 2025<br />
falstaff<br />
219
tasting<br />
TROPHY GRANDI ROSSI VENETI<br />
PLATZ<br />
MM MONTEPULGO ROSSO 2017<br />
MASARI<br />
«Duftet nach Waldbeeren, Pfirsich<br />
und Pfefferminze, vielschichtig.»<br />
96 Punkte<br />
1. Platz<br />
•<br />
BIO 2020 Marcus Trevenezie Rosso<br />
IGT, Marco Sambin, Cinto Euganeo<br />
14,5 Vol.-%, Tiefdunkles, leuchtendes Rubinrot.<br />
Elegante Nase, nach Granatapfel,<br />
Blutorange, etwas Wassermelone, reifen<br />
Preiselbeeren, unterlegt von eleganter<br />
Würze. Am Gaumen mit viel Saftigkeit und<br />
klarer Frucht, herzhaft, aber gleichzeitig<br />
elegant und geschliffen, schöne Länge bei<br />
leichtfüssigem Verlauf.<br />
tenutamarcosambin.it, ca. CHF 35,–<br />
95 Punkte<br />
2. Platz<br />
•<br />
BIO 2017 MM Montepulgo Rosso<br />
Veneto IGT, Masari, Valdagno<br />
14,5 Vol.-%, Leuchtendes, tiefdunkles Rubinrot.<br />
Duftet hervorragend in der Nase<br />
nach frischen Waldbeeren, Pfirsich, klarer<br />
Pfefferminze, Brombeeren, dazu auch<br />
leichte Anklänge von Edelholz, einladend.<br />
Am Gaumen saftig, klar, fruchtbetont, mit<br />
vielen Schichten und leicht steiniger<br />
Haptik, tolle Länge.<br />
masari.it, ca. CHF 95,–<br />
3. Platz<br />
•<br />
2020 Oratorio di San Lorenzo Colli<br />
Berici Riserva DOC<br />
Inama, San Bonifacio<br />
14 Vol.-%, Intensives, leuchtendes Purpurrot<br />
mit granatrotem Rand. In der Nase duftend<br />
nach frischen roten Früchten wie<br />
Brombeeren, Roten Johannisbeeren und<br />
Kirschen sowie Wacholderbeeren und Lorbeerblatt<br />
im Nachhall. Am Gaumen mit<br />
sehr fruchtigem Kern, ausgewogenem Körper,<br />
harmonischen Gerbstoffen und viel<br />
Frucht im anhaltenden Finale.<br />
inama.wine, ca. CHF <strong>10</strong>0,–<br />
94 Punkte<br />
•<br />
2021 Cecilia di Baone Colli Euganei<br />
Riserva DOC, Il Filò delle Vigne, Baone<br />
14 Vol.-%, Dunkles, sattes Rubinrot. Tolle,<br />
würzige und einladende Nase nach kaltem<br />
Rauch, Fumé, reifen Kirschen, dazu auch<br />
feine grüne Würze, spannend. Am Gaumen<br />
würzig und kompakt, mit sehr feinem Trinkfluss,<br />
herzhaft, präsent und knackig, gute<br />
Länge. ilfilodellevigne.it, ca. CHF 15,–<br />
•<br />
2021 Phigaia After the Red Montello<br />
Asolo DOC, Serafini & Vidotto, Nervesa<br />
della Battaglia<br />
13,7 Vol.-%, Leuchtendes Rubinviolett mit<br />
dezent aufhellendem Rand. Duftet stark<br />
nach Pfirsichjelly, frischer Pfefferminze,<br />
Salbei, Brombeermarmelade, Edelholz,<br />
sehr viel Duft im Glas. Am Gaumen klar,<br />
mit strahlender balsamischer Frucht und<br />
toller Saftigkeit, zugänglich, mit eigenem,<br />
wiedererkennbarem Stil.<br />
serafinievidotto.com, ca. CHF 15,–<br />
•<br />
2021 Frank!<br />
Cabernet Franc Veneto Rosso IGT<br />
Barollo, Preganziol<br />
14,5 Vol.-%, Dunkelleuchtendes Rubinrot<br />
mit dezent aufhellendem Rand. In der Nase<br />
spannend und einladend, nach schwarzem<br />
Trüffel, nasser Erde, dazu feine fleischige<br />
Töne, dezent nach Lack, im Nachhall dann<br />
satte dunkle Beerenfrucht. Am Gaumen<br />
mit toller Würze, Saftigkeit und festem<br />
Druck, kommt in mehreren Schichten, im<br />
Ausklang auf herzhaften Trüffelnoten.<br />
barollo.com, ca. CHF 25,–<br />
•<br />
2019 Gemola Rosso Colli Euganei<br />
DOC, VignAlta, Arquà Petrarca<br />
14 Vol.-%, Intensives, leuchtendes Rubinrot<br />
mit dunklem Kern. In der Nase intensives<br />
und reifes Fruchtaroma nach Herzkirschen,<br />
Zwetschgen und Himbeermarmelade, unterlegt<br />
mit Bitterschokolade und Zimt. Am<br />
Gaumen mit lebendiger Säure, zarter<br />
Frucht und griffigem Tannin, anhaltend.<br />
vignalta.it, ca. CHF 35,–<br />
•<br />
BIO 2019 Masari Rosso Veneto IGT<br />
Masari, Valdagno<br />
13,5 Vol.-%, Tiefdunkles Rubinrot. Sehr einladende,<br />
komplexe Nase, mit feinen Anklängen<br />
von Minze, reifer Cassisfrucht, Roter<br />
Johannisbeere, im Nachhall dezentes<br />
Edelholz und steinige Töne, finessenreich.<br />
Am Gaumen sehr spannend, mit kompaktem<br />
Kern und engmaschigem Tannin, zeigt<br />
tolle Saftigkeit und schönen Druck, angenehm,<br />
bei toller Komplexität und Länge.<br />
masari.it, ca. CHF 40,–<br />
•<br />
2021 Umberto I Montello Rosso<br />
Superiore DOCG<br />
Giusti Wine, Nervesa della Battaglia<br />
13,5 Vol.-%, Leuchtendes, dunkles Rubinrot.<br />
In der Nase elegant und duftend, nach feinem<br />
Edelholz, Milchschokolade, reifen<br />
Waldfrüchten, dazu feiner Toast und getrocknetes<br />
Rosenblatt. Am Gaumen kompakt,<br />
elegant, mit toller Kraft und Ausgewogenheit,<br />
kommt in mehreren Schichten,<br />
lange. giustiwine.com, ca. CHF 45,–<br />
•<br />
2019 Fratta Veneto Rosso IGT<br />
Maculan, Breganze<br />
14,5 Vol.-%, Leuchtendes Rubinrot mit<br />
In den Colli Euganei liegt das<br />
Weingut des ehemaligen<br />
Psychologie-Professors<br />
Marco Sambin.<br />
dezent aufhellendem Rand. In der Nase<br />
nach Grafit, Leder, reifen Waldbeeren, etwas<br />
Schwarztee, feinem Unterholz. Geschmeidig<br />
am Gaumen, mit klarer saftiger<br />
Frucht, mit erdig-kompaktem Tannin, zeigt<br />
viel Entwicklungspotenzial, weglegen und<br />
in ein paar Jahren voll geniessen.<br />
maculan.net, ca. CHF 60,–<br />
93 Punkte<br />
•<br />
2022 Vigna Costa Cabernet<br />
Sauvignon Colli Euganei DOC<br />
Borin Vini e Vigne, Monselice<br />
14 Vol.-%, Dunkel leuchtendes Rubinrot mit<br />
dezent aufhellendem Rand. In der Nase<br />
nach rotem Pfirsich, knackiger Himbeerfrucht<br />
und sanftem Rosenblatt, duftend.<br />
Am Gaumen cremig, mit gut integriertem<br />
Tannin, zeigt feinen Druck, im Nachhall feiner,<br />
kerniger Ausklang, saftig!<br />
viniborin.it, ca. CHF 15,–<br />
•<br />
2016 Marrano Veneto IGT<br />
VignAlta, Arquà Petrarca<br />
14,5 Vol.-%, Dunkles Rubinrot mit violettem<br />
Kern und aufhellendem Rand. In der Nase<br />
herzhaft nach reifen roten und dunklen<br />
Beeren, Brombeeren und Heidelbeeren,<br />
Minze und etwas Unterholz, unterlegt mit<br />
einem Hauch Roter Bete. Am Gaumen<br />
dicht und mit schönem Fruchtkern, öffnet<br />
sich saftig und mit einladender Frische,<br />
leichtem Druck im Finale und griffigem<br />
Tannin. vignalta.it, ca. CHF 20,–<br />
•<br />
2020 Venegazzù della Casa<br />
Montello Colli Asolani DOC<br />
Loredan Gasparini,<br />
Volpago del Montello<br />
13,5 Vol.-%, Dunkel leuchtendes Rubinrot,<br />
satt und dicht. Duftet in der Nase herrlich<br />
nach Trüffel, reifer Brombeere, etwas Tabak,<br />
dann viele weitere dunkle Gewürznoten,<br />
einladend. Am Gaumen sehr herzhaft,<br />
kompakt, kommt in vielen Schichten, mit<br />
mächtigem Körper, im Nachgang gute Saftigkeit,<br />
schwingt lange dahin.<br />
loredangasparini.it, ca. CHF 25,–<br />
Fotos: il montello, LORENZO BIANCHINI, beigestellt<br />
220 falstaff dez–feb 2025
•<br />
2019 Vinciguerra I Colli di<br />
Conegliano Rosso Riserva DOCG<br />
Conte Collalto, Susegana<br />
14 Vol.-%, Dunkelleuchtendes Rubinrot,<br />
dicht. In der Nase satt nach Trüffel,<br />
Schwarzen Johannisbeeren, Unterholz,<br />
Lack, reifen Preiselbeeren. Am Gaumen<br />
dann kraftvoll und in sich harmonisch, auf<br />
erdigem Stil mit viel Holzeinsatz, druckvoll,<br />
lange. cantine-collalto.it,<br />
ca. CHF 25,–<br />
•<br />
2018 Villa Giustinian Veneto Rosso<br />
IGT, Castello di Roncade, Roncade<br />
13,5 Vol.-%, Dunkelleuchtendes, elegantes<br />
Rubinrot. In der Nase elegante Würze, reifer<br />
Cassis, Paprika, Honiganklänge, Edelholz<br />
und leichte Lakritze. Am Gaumen<br />
herzhaft, ausgewogen, mit tollem Säure-<br />
Frucht-Spiel, kommt im Nachhall wieder,<br />
endet auf sehr griffigem Tannin.<br />
castellodironcade.com, ca. CHF 25,–<br />
•<br />
2019 Borgo delle Casette Colli<br />
Euganei Riserva DOC<br />
Il Filò delle Vigne, Baone<br />
14 Vol.-%, Dunkles, finsteres Rubin mit dezent<br />
aufhellendem Rand. Elegante Nase,<br />
nach dunklen Beeren und steinigen Anklängen,<br />
einladend. Stoffig am Gaumen,<br />
mit dichtem, engmaschigem Tannin, schöne<br />
Cremigkeit, zeigt sich toll ausgewogen<br />
und mit herzhaftem Spiel, kommt in mehreren<br />
Schichten, gerbstoffhaltiges Finish.<br />
ilfilodellevigne.it, ca. CHF 30,–<br />
•<br />
BIO 2021 San Carlo Asolo<br />
Montello Rosso DOC<br />
Case Paolin, Volpago del Montello<br />
14 Vol.-%, Dunkel leuchtendes Rubinviolett.<br />
In der Nase duftend, einladend, nach reifer<br />
Beerenfrucht und dunkler Würze, zeigt feine<br />
Aromen von frischem Leder und Unterholz.<br />
Am Gaumen griffig, mit sattem, reichhaltigem<br />
Gerbstoff, dazu schöne Saftigkeit,<br />
drückt im Abgang lange auf den Gaumen.<br />
casepaolin.it, ca. CHF 30,–<br />
•<br />
2021 Casa del Merlo Colli Euganei<br />
DOC, Il Filò delle Vigne, Baone<br />
14,5 Vol.-%, Tiefdunkles Rubinrot. Tolle, einladende<br />
und würzige Nase nach gemahlenem<br />
Pfeffer, dunkler Beerenfrucht, dazu<br />
feine steinige Anklänge, getrocknetes Rosenblatt<br />
im Nachhall. Am Gaumen kompakt,<br />
mit stark griffigem Tannin und steinigem<br />
Unterton, zeigt tolle Komplexität und<br />
Länge, salziger Unterton.<br />
ilfilodellevigne.it, ca. CHF 30,–<br />
•<br />
2021 Carminium Colli Berici DOC<br />
Inama, San Bonifacio<br />
14 Vol.-%, Dunkler, purpurfarbener Kern mit<br />
feinem granatrotem Rand. Öffnet sich<br />
herzhaft und würzig in der Nase auf saftige<br />
Pflaume, dahinter Salbei und Gewürznelke.<br />
Am Gaumen mit weicher, süsser Frucht,<br />
zieht sich mit sanftem Druck rund und elegant<br />
ins lange Finale.<br />
inama.wine, ca. CHF 35,–<br />
•<br />
2021 Bradisismo Cabernet Colli<br />
Berici DOC, Inama, San Bonifacio<br />
14,5 Vol.-%, Dunkles Rubinrot mit violetten<br />
Reflexen und aufhellendem Rand. In der<br />
Nase intensiver Duft nach Schwarzer Johannisbeere,<br />
etwas Rosmarin sowie Bitterschokolade,<br />
unterlegt mit Paprikaaromen.<br />
Am Gaumen sehr dicht, saftig und mit präsentem<br />
Tannin, im Nachhall auf Gewürzaromen<br />
endend.<br />
inama.wine, ca. CHF 50,–<br />
92 Punkte<br />
•<br />
BIO 2021 Fra i Broli Merlot Colli<br />
Berici DOC<br />
Piovene Porto Godi, Toara di Villaga<br />
14,5 Vol.-%, Tiefdunkles Rubinrot. In der<br />
Nase nach nassem Holz, zart animalischer<br />
Ton, würzig, pfeffrig, im Nachhall leicht<br />
nach Eisen und dunkler, reifer Beerenfrucht.<br />
Am Gaumen griffig, mit sattem,<br />
reichhaltigem Gerbstoff, erdig, mit Noten<br />
von Grafit, schwingt lange nach.<br />
piovene.com, ca. CHF 15,–<br />
•<br />
BIO 2021 Pozzare Cabernet Colli<br />
Berici DOC<br />
Piovene Porto Godi, Toara di Villaga<br />
14,5 Vol.-%, Tiefdunkles Rubinviolett. Würzige,<br />
leicht animalische Nase, erinnert zudem<br />
an Kastanienhonig und Früchtetee, im<br />
Nachhall nach Kirschsaft und Edelholz. Am<br />
Gaumen herzhaft, mit kompaktem Tannin<br />
und schönem Druck, zeigt auch viel Saftigkeit,<br />
toller Charakter, kann sicher gut lagern.<br />
piovene.com, ca. CHF 20,–<br />
•<br />
2023 Volo Veneto Rosso IGT<br />
Il Filò delle Vigne, Baone<br />
SORTENPROFIL<br />
ROTE BORDEAUX-SORTEN<br />
Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc und Merlot zählen zu den<br />
grossen Rotweinsorten der Welt und sind ursprünglich im Bordelais<br />
beheimatet. Carménère ist dort mittlerweile ausgestorben.<br />
AROMENSPEKTRUM<br />
Charakteristisch bei Cabernet Sauvignon sind Noten nach<br />
Schwarzen Johannisbeeren und Johannisbeerlikör (Cassis), bei<br />
Merlot dominieren Brombeeren. Bei Cabernet Franc und<br />
Carménère kommen grün-würzige Komponenten hinzu.<br />
PLATZ<br />
ORATORIO DI SAN LORENZO 2020<br />
INAMA<br />
«Brombeeren, Rote Johannisbeeren,<br />
Kirschen, dazu Wacholderbeeren<br />
und Lorbeer.»<br />
13 Vol.-%, Leuchtendes Rubinrot mit einem<br />
Tupfen Violett. Duftet nach Veilchen,<br />
Zwetschgen und Waldbeeren, am Gaumen<br />
sehr trinkig, leichtfüssig, mit knackigen<br />
Kirscharomen und Pflaumen, ausbalanciert,<br />
mit leichtem Körper, toller Light-<br />
Bodied-Red-Wine!<br />
ilfilodellevigne.it, ca. CHF <strong>10</strong>,–<br />
•<br />
BIO 2022 Rosso del Milio Veneto<br />
Rosso IGT<br />
Case Paolin, Volpago del Montello<br />
13,5 Vol.-%, Dunkelleuchtendes Rubin mit<br />
dezentem violettem Stich. Duftende, würzige<br />
Nase, zunächst nach kandierten Kirschen,<br />
Rosmarin, Salbei, aber auch frisch<br />
gemahlener Pfeffer, ansprechend und einladend.<br />
Zeigt sich herzhaft am Gaumen,<br />
ausgewogen, mit cremig-geschliffenem<br />
Tannin, gewisser Druck, trinkt sich sehr gut.<br />
casepaolin.it, ca. CHF 20,–<br />
Cabernet – sowohl Sauvignon<br />
als auch Franc – und Merlot<br />
sind in Venetien schon seit<br />
langer Zeit verbreitet.<br />
•<br />
2020 Antonio Asolo Montello DOC<br />
Giusti Wine, Nervesa della Battaglia<br />
13 Vol.-%, Dunkles Rubinrot mit zart ziegelfarbenen<br />
Reflexen. In der Nase nach getrockneten<br />
Tomaten, dezent nach reifer<br />
Kirsche, feines Edelholz, im Nachhall duftender<br />
Eukalyptus. Am Gaumen mit feinem<br />
Aromenspiel, schöne Präsenz, saftig, im<br />
Nachhall satter Druck, mit leicht zehrendem<br />
Tanninausklang.<br />
giustiwine.com, ca. CHF 20,–<br />
•<br />
2021 Carménère Riserva Colli<br />
Euganei DOC, VignAlta, Arquà Petrarca<br />
13,5 Vol.-%, Mittleres, leuchtendes Rubinrot<br />
mit violetten Reflexen. In der Nase sehr saftige<br />
Frucht von Brombeeren, Heidelbeeren<br />
und schwarzen Holunderbeeren, unterlegt<br />
von schwarzem Pfeffer und Minze. Am Gaumen<br />
mit toller Frische, zartem Fruchtschmelz,<br />
im weiteren Verlauf Schat- ><br />
dez–feb 2025<br />
falstaff<br />
221
tasting<br />
TROPHY GRANDI ROSSI VENETI<br />
•<br />
2016 Carménère Asolo Montello<br />
DOC, Villa di Maser, Maser<br />
13 Vol.-%, Tiefdunkles, sattes Rubinrot.<br />
Würzige Nase, spannend und einladend,<br />
nach reifen Kirschen, reifen Waldfrüchten,<br />
dazu elegante grüne Komponenten, einladend.<br />
Am Gaumen mit schöner Frucht und<br />
kompaktem, mittelkräftigem Körper,<br />
spannt sich schön auf.<br />
villadimaser.it, ca. CHF 12,–<br />
Das Weingut Masari liegt etwas<br />
abgelegen im Agno-Tal im Hinterland<br />
von Vicenza. Auf vulkanischen Böden<br />
erzeugt Massimo Dal Lago hier<br />
individuelle Weine.<br />
•<br />
2020 Jenio Cabernet Sauvignon<br />
Colli Euganei DOC<br />
Il Pianzio, Galzignano Terme<br />
13 Vol.-%, Leuchtendes Rubinrot. In der<br />
Nase ein Potpourri aus Siegellack, altem<br />
Fass, getrockneten Tomaten und Hagebutten,<br />
dazu leicht rauchiger Anklang. Am<br />
Gaumen mit würzigem Unterton, spannender<br />
Saftigkeit, zeigt durchaus Charakter, im<br />
Ausklang dann leider etwas bitter.<br />
ilpianzio.it, ca. CHF <strong>10</strong>,–<br />
tenmorellen, die feinen und geschliffenen<br />
Gerbstoffe stützend.<br />
vignalta.it, ca. CHF 20,–<br />
•<br />
2016 Maserino Rosso Montello<br />
Rosso DOCG<br />
Villa di Maser, Maser<br />
13,5 Vol.-%, Dunkles, sattes Rubinrot. In der<br />
Nase zunächst sanft nach Minze, reifem<br />
Cassis und dezenter Brombeerfrucht, zeigt<br />
zudem feine Anklänge von kaltem Rauch.<br />
Am Gaumen schöne Saftigkeit und klare,<br />
dunkle Beerenfrucht, unterlegt von angenehmer<br />
Würze, mittelkräftiger Körper, im<br />
Nachhall leicht weitmaschiges Tannin.<br />
villadimaser.it<br />
ca. CHF 20,–<br />
Können auf ihren Wein<br />
stolz sein: Alessio, Luca<br />
und Matteo Inama.<br />
•<br />
2020 Cicogna Colli Berici Cabernet<br />
DOC, Cavazza, Montebello Vicentino<br />
14 Vol.-%, Rubin mit dunklem Kern. In der<br />
Nase feine Würze, Cassis, Paprika, Pfeffer,<br />
dazu leichte Anklänge von Grafit und nassem<br />
Holz. Am Gaumen dann schöner süsser<br />
Kern, ummantelt von herzhaftem Tannin,<br />
griffig, mit guter Länge.<br />
cavazzawine.com<br />
ca. CHF 25,–<br />
•<br />
2019 Cicogna Colli Berici Merlot DOC<br />
Cavazza, Montebello Vicentino<br />
14 Vol.-%, Aufhellendes Rubinrot mit zart<br />
wässrigem Rand. Duftet in der Nase nach<br />
Muskat, Honig, Minze und reifem Pfirsich,<br />
im Nachhall nach dunkler Beerenfrucht.<br />
Am Gaumen mit toller Saftigkeit, zeigt sich<br />
herzhaft und klar, auf roter Beerenfrucht,<br />
zugänglich, trinkt sich sehr gut.<br />
cavazzawine.com, ca. CHF 25,–<br />
•<br />
2020 Zonta Cavallare Breganze DOC<br />
Vigneto Due Santi, Bassano del Grappa<br />
13,5 Vol.-%, Dunkel leuchtendes, sattes Rubinrot<br />
mit dezent aufhellendem Rand. In<br />
der Nase feines, elegantes Edelholz, dezente<br />
Minze, zeigt zudem feine fleischige Aromen,<br />
Preiselbeere, einladend. Am Gaumen<br />
saftig, mit klarer, präsenter Frucht, braucht<br />
noch etwas Zeit.<br />
vignetoduesanti.it, ca. CHF 30,–<br />
•<br />
2021 602020 Cabernet Veneto IGT<br />
Zýmē, San Pietro in Cariano<br />
15 Vol.-%, Tiefdunkles Rubin mit violettem<br />
Touch. In der Nase zurückhaltend,<br />
sanfter schwarzer Beerenduft, Bitterschokolade,<br />
Edelholz, Malz, Holunderbeersaft,<br />
dazu feine Minze. Am<br />
Gaumen viel Extrakt, sattes, kompaktes<br />
Tannin, viel Druck, allerdings<br />
im Nachhall leicht trocknend-rau.<br />
Am besten weglegen und in ein paar<br />
Jahren geniessen.<br />
zyme.it, ca. CHF 40,–<br />
•<br />
2020 Il Rosso dell'Abazia Montello<br />
Asolo DOC, Serafini & Vidotto,<br />
Nervesa della Battaglia<br />
13,5 Vol.-%, Elegant leuchtendes Rubinrot.<br />
Duftet stark nach Eukalyptus und Lakritze<br />
in der Nase, dazu feines Edelholz, im Nachhall<br />
Früchtetee und kandierter Ingwer. Am<br />
Gaumen kompakt, griffig, mit viel<br />
Holzeinsatz.<br />
serafinievidotto.com, ca. CHF 40,–<br />
•<br />
2011 Cabernet Riserva Colli Euganei<br />
DOC, VignAlta, Arquà Petrarca<br />
15 Vol.-%, Tiefdunkles, sattes Rubinrot mit<br />
dezent aufhellendem Rand. In der Nase<br />
sehr reife Noten, Melasse, Haselnuss, Preiselbeere,<br />
steinige Noten, kalter Rauch. Am<br />
Gaumen schöne Reife, mit cremiger<br />
Frucht, aber auch sattem, erdigem Tannin.<br />
vignalta.it, ca. CHF 50,–<br />
•<br />
2021 Spineda Montello Colli Asolani<br />
DOC, Loredan Gasparini,<br />
Volpago del Montello<br />
14 Vol.-%, Tiefdunkles Rubinrot mit einem<br />
Tropfen Violett. In der Nase viel Edelholz,<br />
zarter Anklang von Preiselbeermarmelade,<br />
dazu leicht erdige Töne, etwas rauchig. Öffnet<br />
sich am Gaumen mit guter Saftigkeit,<br />
kompaktem Körper und feiner würziger<br />
Aromatik, im Nachhall dann viel trockener<br />
Gerbstoff, bleibt etwas weitmaschig.<br />
loredangasparini.it, ca. CHF 170,–<br />
91 Punkte<br />
•<br />
2021 Casara Roveri Cabernet Veneto<br />
IGT, Dal Maso, Montebello Vicentino<br />
14,5 Vol.-%, Dunkel leuchtendes, sattes Rubinviolett.<br />
In der Nase nach Kerzenwachs,<br />
Weihrauch, Rosinen, dunkler Schokolade,<br />
komplex und reichhaltig. Am Gaumen von<br />
Holz geprägt und dominiert, auch hier wiederum<br />
Aromen von Weihrauch und Kerzenwachs,<br />
gerne noch weglegen.<br />
dalmasovini.com, ca. CHF 29,–<br />
•<br />
BIO 2022 Campi Novi Cabernet<br />
Sauvignon Colli Berici DOC<br />
Mancassola, Lonigo<br />
13 Vol.-%, Dunkelleuchtendes Rubinrot,<br />
glänzend. Duftet in der Nase nach reifen<br />
Roten Johannisbeeren, Himbeeren, dazu<br />
herzhafte helle Würze, leicht vegetaler<br />
Nachton. Zeigt sich am Gaumen geschliffen,<br />
mit cremiger Frucht und saftigem<br />
Nerv, noch leicht grünes Tannin, Geduld.<br />
mancassola.com, ca. CHF <strong>10</strong>,–<br />
•<br />
2020 Notte di Galileo Colli Euganei<br />
Riserva DOC, Cantina Colli Euganei, Vò<br />
14,5 Vol.-%, Leuchtendes, sattes Rubin mit<br />
einem Tropfen Violett. Duftende Nase nach<br />
getrocknetem weissem Rosenblatt, Hagebutten<br />
und Pfirsichmarmelade, erinnert<br />
entfernt an Vanille. Am Gaumen mit toller<br />
Würze und knackiger, rotbeeriger Frucht,<br />
viel Wein für wenig Geld.<br />
cantinacollieuganei.it, ca. CHF <strong>10</strong>,–<br />
•<br />
2020 Campo Sella Trevenezie IGT<br />
Sutto, Campo di Pietra di Salgareda<br />
13,5 Vol.-%, Leuchtendes Rubinrot mit dezent<br />
aufhellendem Rand. In der Nase nach<br />
dunkler Beerenfrucht, kaltem Rauch, von<br />
mittlerem Ausdruck. Am Gaumen kernig,<br />
mit viel Gerbstoff, zeigt feine Aromen von<br />
dunklen Beeren, Leder und Edelholz, im<br />
Ausklang dann leider ziemlich trocknend.<br />
Geduld. sutto.it, ca. CHF 35,–<br />
Alle Verkostungsnotizen<br />
online unter<br />
go.falstaff.com/<br />
trophy-grandi-rossi-veneti-24<br />
<<br />
Fotos: beigestellt<br />
222 falstaff dez–feb 2025
BEET<br />
WELLINGTON:<br />
DAS PFLANZLICHE<br />
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In sorgfältiger Handarbeit von unseren<br />
Mitarbeitenden produziert und in den<br />
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Bequem zu Hause zubereiten und nach<br />
Belieben garnieren und ergänzen.<br />
Dieses Jahr ist neu eine perfekt<br />
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Mehr Informationen:<br />
tibits.ch/beet-wellington<br />
DEZEMBER – FEBRUAR 2025<br />
IMPRESSUM<br />
INTERNATIONALE ZEITSCHRIFT<br />
FÜR ESSEN, TRINKEN UND REISEN<br />
Die in dieser Ausgabe veröffentlichten Beiträge sind<br />
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Ruschmann, Claudia Salzmann, Dr. Ulrich Sautter, Denis<br />
Scheck, Pierre-André Schmitt, Florian Schwab, Sebastian<br />
Späth, Simon Staffler, Carmen Stalder, Alexander Thürer<br />
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FOTOGRAFIN Lena Staal<br />
ILLUSTRATORINNEN Stefanie Hilgarth (carolineseidler.com),<br />
Gina Müller (carolineseidler.com)<br />
LEKTORAT Andreas Hierzenberger, Angelika<br />
Hierzenberger-Gokesch, Rocco Prumer, Sabine Till,<br />
Birgit Weißkircher<br />
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Mag. Elisabeth Kamper, Wolfgang M. Rosam,<br />
Sophie-Marie von Haugwitz<br />
VERWALTUNGSRAT<br />
Aloys Hirzel, Wolfgang M. Rosam<br />
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Einzelverkauf: CHF 14,–<br />
Jahresabonnement (<strong>10</strong> Hefte): CHF 115,–<br />
Preise inkl. MwSt.<br />
Gültig in der <strong>Schweiz</strong><br />
dez–feb 2025<br />
falstaff<br />
223
tasting<br />
VALPOLICELLA TROPHY<br />
VALPOLICELLA,<br />
CHE BELLA!<br />
Foto: beigestellt<br />
224 falstaff dez–feb 2025
Eingebettet zwischen Gardasee, Po-Ebene<br />
und Alpen entwickelt sich in der Valpolicella<br />
eine reizvolle Hügellandschaft.<br />
Das Valpolicella zählt zu den klassischen Rotweingebieten Italiens. Der gleichnamige Wein<br />
zeichnet sich durch feine Frucht, Saftigkeit und guten Trinkfluss aus. Es gibt ihn in den<br />
Varianten Valpolicella, Valpolicella Superiore und Valpolicella Ripasso.<br />
TEXT OTHMAR KIEM NOTIZEN OTHMAR KIEM, SIMON STAFFLER<br />
Amarone ist zweifellos der<br />
berühmteste Wein aus dem<br />
Valpolicella-Gebiet. Er zeichnet<br />
sich durch opulente Fülle<br />
aus und erfreut sich grosser<br />
Beliebtheit. Allmählich besinnt man sich bei<br />
Produzenten und Konsumenten aber zu nehmend<br />
auf den ursprünglichen Wein des<br />
Gebiets, den Valpolicella eben, einen frischen,<br />
saftigen Rotwein, der mit feinen Aromen,<br />
lebhafter Frucht und sanftem Tannin<br />
überzeugt. «Valpolicella» ohne Zusatzbezeichnung<br />
ist eine authentische, unverfälschte<br />
Ausdrucksform dieses Terroirs und wird<br />
hauptsächlich aus den autochthonen Reb-<br />
sorten Corvina, Corvinone und Rondinella<br />
gekeltert. Um seinen frischen Charakter zu<br />
bewahren, verzichten viele Winzer auf den<br />
Einsatz von Holzfässern. Der «Valpolicella<br />
Superiore» ist die kräftigere Variante und<br />
muss mindestens ein Jahr reifen. In den<br />
letzten Jahren haben immer mehr Erzeuger<br />
begonnen, auch beim Superiore teilweise<br />
getrocknete Trauben zu verwenden, was ihm<br />
zusätzliche Struktur und Intensität verleiht.<br />
Diese Weine, manchmal als «Baby-Amarone»<br />
bezeichnet, wirken dichter und kraftvoller,<br />
verlieren dabei jedoch gelegentlich an<br />
Leichtigkeit und Saftigkeit. Zu guter Letzt<br />
gibt es den «Valpolicella Ripasso», der im<br />
Frühjahr ein zweites Mal auf den Schalen<br />
des Amarone vergoren wird. Dieses Verfahren<br />
schenkt ihm zusätzliche Dichte,<br />
Geschmeidigkeit und Komplexität, die ihn<br />
bei vielen Weinliebhabern begehrt macht.<br />
Der Ripasso hat sich in den vergangenen<br />
Jahren zu einem regelrechten Bestseller entwickelt<br />
und trägt massgeblich zum Renommee<br />
der Valpolicella-Region bei.<br />
Alle Verkostungsnotizen<br />
online unter<br />
go.falstaff.com/trophyvalpolicella-superiore-ripasso-24<br />
<<br />
dez–feb 2025<br />
falstaff<br />
225
tasting<br />
VALPOLICELLA TROPHY<br />
TROPHY<br />
VALPOLICELLA<br />
1. Platz<br />
2. Platz<br />
3. Platz<br />
Valpolicella<br />
94 Punkte<br />
1. Platz<br />
•<br />
Le Miniere di Novare Valpolicella<br />
Classico DOC 2023<br />
Bertani, Grezzana<br />
13,4 Vol.-%. Funkelndes, mitteldichtes<br />
Rubin. Zarte Noten nach Sauerkirschen,<br />
Granatapfel und Veilchen. Saftig und mit<br />
sehr guter Spannung am Gaumen, feiner<br />
Fruchtschmelz, zartes Tannin, herrlich<br />
leichtfüssig und beschwingt.<br />
bertani.net, ca. CHF 25,–<br />
2. Platz<br />
•<br />
Valpolicella Classico DOC 2023<br />
Ca’ dei Maghi, Fumane<br />
12,5 Vol.-%. Funkelndes Rubinrot mit leicht<br />
aufhellendem Rand. Fein gezeichnete Nase<br />
mit frischen dunklen Kirschen, etwas<br />
Brombeere und Rosenblätter. Rund und<br />
mit viel würziger Frucht ausgestattet,<br />
Kirschen und dazu viel Gewürznelken,<br />
ansprechender Druck im Finale.<br />
cadeimaghi.it, ca. CHF 20,–<br />
3. Platz<br />
•<br />
BIO Teatrino Valpolicella Classico<br />
DOC 2023, Tenuta Villa Bellini,<br />
San Pietro in Cariano<br />
12 Vol.-%. Funkelndes Rubinrot mit aufhellendem<br />
Rand. Fein gezeichnete Nase<br />
mit zarter Note nach Kirschen und Veilchen,<br />
etwas Süssmandel. Saftig und geschmeidig<br />
am Gaumen, sehr viel Frucht,<br />
süsser Schmelz, gute Spannung, hallt<br />
lange nach, sehr guter Trinkfluss.<br />
tenutavillabellini.com<br />
ca. CHF 30,–<br />
93 Punkte<br />
•<br />
Zèfiro Valpolicella DOC 2021<br />
Piccoli, Parona<br />
12,5 Vol.-%. Funkelndes, mitteldichtes Rubin<br />
mit Granatschimmer. Duftige und fein<br />
gezeichnete Nase, zeigt Noten nach Weichselkirschen,<br />
Granatapfel und etwas Safran.<br />
Saftig und salzig am Gaumen, zeigt viel<br />
Frucht, Granatapfel, Weichselkirsche und<br />
etwas Erdbeere, feines Tannin, gute Länge.<br />
piccoliwine.it<br />
ca. CHF 15,–<br />
•<br />
Cuvée XVII Valpolicella Classico DOC<br />
2023, Guerrieri Rizzardi, Bardolino<br />
13,5 Vol.-%. Sattes, intensiv leuchtendes<br />
Rubin. Intensive Nase mit Noten nach<br />
Brombeere und Gewürznelken, dunkle Kirsche,<br />
dunkler Pfeffer. Kernig und zupackend<br />
am Gaumen, feine Gewürznoten<br />
auch da, eine sehr kraftvolle Variante des<br />
Valpolicella, im Finale erdige Noten.<br />
guerrieri-rizzardi.it, ca. CHF <strong>10</strong>,–<br />
•<br />
Volavia Valpolicella Classico DOC<br />
2022, Damoli Bruno, Negrar<br />
12,5 Vol.-%. Leuchtendes Rubin mit feinem<br />
Granatschimmer. Sehr klar und intensive<br />
Nase, nach frischen Kirschen und etwas<br />
Erdbeere, im Hintergrund nach Veilchen.<br />
Saftig am Gaumen, zeigt gute Spannung<br />
und feinen Fruchtschmelz, breitet sich<br />
schön aus, gute Spannung.<br />
damolivini.com, ca. CHF 15,–<br />
92 Punkte<br />
•<br />
BIO Valpolicella DOC 2023<br />
Cavedini, San Martino Buon Albergo<br />
12,5 Vol.-%. Leuchtendes Rubinrot mit<br />
leichtem Granatschimmer. Zarte Nase mit<br />
Noten nach Safran und Granatapfel. Am<br />
Gaumen rund und mit feiner Frucht ausgestattet,<br />
sehr guter Trinkfluss, im Nachhall<br />
nach Kirschen. cavedini.it, ca. CHF 15,–<br />
GEBIETSPROFIL<br />
DAS GEBIET<br />
Das Valpolicella liegt um Verona in Venetien.<br />
Im Westen wird es von Etschtal und<br />
Gardasee begrenzt, im Süden von der<br />
Poebene und im Norden von den Alpen.<br />
Gleich fünf Typologien werden erzeugt:<br />
Valpolicella, Valpolicella Superiore,<br />
Ripasso, Amarone und der süsse Recioto.<br />
DIE SORTEN<br />
Die autochthonen Sorten Corvina, Corvinone<br />
und Rondinella bilden das Grundgerüst<br />
für die Valpolicella-Cuvée. Fallweise<br />
kommen Molinara, Oseleta, Dindarella,<br />
Croatina oder Spigamonti hinzu.<br />
•<br />
Capitel della Crosara Valpolicella<br />
Classico DOP 2023, Montresor, Verona<br />
13 Vol.-%. Glänzendes Rubin mit leicht<br />
aufhellendem Rand. Fein gezeichnete Nase<br />
mit viel präsenter Frucht, nach dunklen<br />
Kirschen, Brombeeren und Rosenblättern.<br />
Saftig und mit gutem Volumen im vorderen<br />
Bereich, öffnet sich mit feinmaschigem,<br />
leicht griffigem Tannin, herzhaft.<br />
vinimontresor.it, ca. CHF 7,–<br />
•<br />
BIO Rio Albo Valpolicella DOC 2023<br />
Ca’ Rugate, Montecchia di Crosara<br />
13 Vol.-%. Leuchtendes Rubin mit feinem<br />
Granatschimmer. Eröffnet mit betont würzigen<br />
Komponenten, Gewürznelken<br />
und etwas Zimt, dann Rote Ribisel, feine<br />
Kirsche. Griffiges Tannin, herzhaft und<br />
mit gutem Biss, viel feiner Fruchtschmelz,<br />
beschreibt einen weiten Bogen.<br />
carugate.it<br />
ca. CHF <strong>10</strong>,–<br />
•<br />
Rêverie Valpolicella DOP 2022<br />
Zýmē, San Pietro in Cariano<br />
12 Vol.-%. Leuchtendes Rubinrot mit aufhellenden<br />
Rändern. Frisch und fruchtig in<br />
der Nase nach Johannisbeere und Minze,<br />
im Nachhall Baumrinde und Pfeffer. Am<br />
Gaumen trinkfreudig mit gutem Schmelz,<br />
feines Tannin mit Nachhall.<br />
zyme.it, ca. CHF <strong>10</strong>,–<br />
Die Weingärten des Weinguts Ca’ dei<br />
Maghi in Fumane werden schon seit dem<br />
17. Jahrhundert von der Famile Fasoli<br />
Fedrigo bewirtschaftet.<br />
Fotos: beigestellt, Shutterstock<br />
226 falstaff dez–feb 2025
•<br />
Figari Valpolicella Classico<br />
Superiore DOC 2022<br />
Villa Spinosa, Negrar di Valpolicella<br />
13,5 Vol.-%. Strahlendes Kirschrot mit funkelnden<br />
Reflexen. In der Nase zunächst mit<br />
feinen erdigen Tönen, dann nach getrockneten<br />
Veilchen, im Nachhall Pflaume, Erdbeere<br />
und etwas Leder. Am Gaumen mit<br />
zartbitter-erdigem Unterton, gut eingebundener<br />
Säure, klarer Erdbeerfrucht, im<br />
Abgang griffiger Gerbstoff.<br />
villaspinosa.com, ca. CHF 20,–<br />
Valpolicella Superiore<br />
94 Punkte<br />
1. Platz<br />
•<br />
Case Vecie Valpolicella Superiore<br />
DOC 2022, Brigaldara,<br />
San Pietro in Cariano<br />
13,5 Vol.-%. Mittleres Granatrot mit aufhellendem<br />
Rand. In der Nase feiner Duft nach<br />
Wassermelone, Zitrone, dann Walderdbeeren,<br />
Himbeeren, unterlegt mit Süssholz.<br />
Am Gaumen sehr fruchtbetont, präzise und<br />
ausgewogen, mit angenehmer Frische und<br />
feinmaschigem Tannin, sehr saftig im<br />
Nachhall. brigaldara.it, ca. CHF 20,–<br />
2. Platz<br />
•<br />
BIO Valpolicella Superiore DOC 2022<br />
Bronzato, Verona<br />
13,5 Vol.-%. Leuchtendes Rubinrot mit<br />
dezent aufhellendem Rand. Duftet einladend<br />
nach saftigen Kirschen, Blutorange,<br />
Pfeffer, im Nachklang elegante, einladende<br />
grüne Würze. Am Gaumen saftig, mit gut<br />
eingebundener Säure, spannungsvoll,<br />
kommt in mehreren Wellen, im Ausklang<br />
wiederum saftig und mit feinem Druck.<br />
bronzatowine.it, ca. CHF 20,–<br />
3. Platz<br />
•<br />
BIO Podere Castagne - Valpolicella<br />
Superiore DOC 2019<br />
Camerani, Mezzane di Sotto<br />
13 Vol.-%. Dunkel leuchtendes Rubinrot mit<br />
dezent aufhellendem Rand. Spannende<br />
und ansprechende Nase mit feiner Grünwürze,<br />
Holunderbeeren und gut eingebundener<br />
Säure, lebendig, auch leicht salzig,<br />
kommt in mehreren Schichten und entwickelt<br />
sich toll im Glas, dynamischer Wein.<br />
camerani.wine, ca. CHF 25,–<br />
93 Punkte<br />
•<br />
Brolo dei Giusti Valpolicella Superiore<br />
DOC 2015, Cantine di Verona, Verona<br />
14,5 Vol.-%. Dunkel leuchtendes Rubinrot<br />
mit dezent aufhellendem Rand. Ansprechende<br />
Nase, duftend, reife Kirschen,<br />
Blutorangen, etwas Meersalz, sehr ansprechend.<br />
Am Gaumen herzhaft, zugänglich,<br />
mit toller Frische und klarer Frucht, spannend,<br />
im Ausklang blitzsauber.<br />
cantinadiverona.it<br />
•<br />
Rocolo Valpolicella Superiore DOC<br />
2019, Piccoli, Parona<br />
14,5 Vol.-%. Leuchtendes Rubinrot mit<br />
dezent aufhellendem Rand. Duftet in der<br />
Nase nach getrockneten Kräutern, satten<br />
Kirschen, dezent nach Tomatenpaste, Himbeeren<br />
im Nachhall. Am Gaumen sehr saftig,<br />
mit gut eingebundener Säure und ausgewogenem<br />
Tannin, feine Salzigkeit, trinkt<br />
sich sehr gut. piccoliwine.it, ca. CHF 30,–<br />
•<br />
Valpolicella Classico Superiore DOC<br />
2021, Rubinelli Vajol,<br />
San Pietro in Cariano<br />
13,5 Vol.-%. Rubinrot mit funkelndem Kern.<br />
Duftig in der Nase nach Veilchen, getrockneten<br />
Rosen und nassem Stein. Am Gaumen<br />
reife Kirsche, lebhafte Säure, rund und<br />
ausgewogen, mit leichtfüssiger Tanninstruktur,<br />
anregender, leicht salziger<br />
Ausklang. rubinellivajol.it, ca. CHF 20,–<br />
•<br />
Valpolicella Superiore DOC 2018<br />
Villa Canestrari, Colognola Ai Colli<br />
14,5 Vol.-%. Tiefdunkles Rubinrot. Duftende<br />
Nase nach reifen Kirschen, feinen erdigen<br />
Noten, Preiselbeermarmelade, etwas<br />
Minze im Nachhall. Am Gaumen mit toller<br />
Saftigkeit und klarer Frucht, spannungsgeladen,<br />
präzise, mit leichter Salzigkeit,<br />
hallt lange nach.<br />
villacanestrari.com, ca. CHF 20,–<br />
•<br />
BIO Ruberpan Valpolicella Superiore<br />
DOC 2021, Pieropan, Soave<br />
14 Vol.-%. Elegant leuchtendes Rubinrot<br />
mit feinem Rand. Fein gezeichnete Nase<br />
nach reifen Kirschen und Himbeeren,<br />
1. Platz<br />
etwas Gewürznelke und Waldboden. Mit<br />
schönem Spannungsbogen am Gaumen,<br />
animierender Säure und feinkörnigem<br />
Tannin, toller Trinkfluss, anhaltend, im<br />
Ausklang viel Edelholz.<br />
pieropan.it, ca. CHF 20,–<br />
•<br />
La Bandina Valpolicella Superiore<br />
DOC 2021, Tenuta Sant’Antonio -<br />
Famiglia Castagnedi,<br />
Colognola Ai Colli<br />
14 Vol.-%. Leuchtendes Rubinrot mit sattem<br />
Kern. Sehr toller floraler Duft, einladend,<br />
nach Blumen und saftigen Himbeeren,<br />
Walderdbeeren, dann nach Orangen.<br />
Am Gaumen sehr saftig und klar, mit rundem<br />
Körper und ausgewogenem Verlauf,<br />
spannt sich weit auf, kommt immer wieder,<br />
im Nachhall dann etwas Holzüberhang.<br />
tenutasantantonio.it, ca. CHF 25,–<br />
•<br />
BIO Sant’Urbano Valpolicella<br />
Classico Superiore DOC 2021<br />
Speri, San Pietro in Cariano<br />
13,5 Vol.-%. Strahlendes Rubinrot mit violetten<br />
Reflexen. Duftet in der Nase nach<br />
Erdbeermarmelade, dann Amarena, Veilchen<br />
und Milchkaffee, sehr einladend. Am<br />
Gaumen jugendlich mit lebhafter Säure,<br />
komplexer Trunk, finessenreich, mit steinigen<br />
Anklängen, kommt in mehreren<br />
Wellen, lange. speri.com, ca. CHF 25,–<br />
•<br />
BIO Profasio Valpolicella Superiore<br />
DOC 2021, Massimago,<br />
Mezzane di Sotto<br />
14 Vol.-%. Sanft schimmerndes Rubin mit<br />
ziegelroten Nuancen. Von mittlerer Intensität<br />
in der Nase, elegante Kirschfrucht, darunter<br />
zarte Röstaromen von Toast und Kaffee.<br />
Mit schönem Fruchtschmelz im Mund,<br />
griffiges Tannin, angenehme Frische, saftiges<br />
Finish. Hat von Flaschenreife profitiert.<br />
massimago.com, ca. CHF 25,–<br />
2. Platz<br />
3. Platz<br />
•<br />
Valpolicella Classico Superiore DOC<br />
2019, Ca’ dei Maghi, Fumane<br />
13,5 Vol.-%. Dunkel leuchtendes Rubinrot<br />
mit dezent aufhellendem Rand. In der Nase<br />
mit dunkler Würze, satter Kirschfrucht,<br />
Erdbeeren, dazu feiner Duft nach getrockneten<br />
Rosenblüten. Am Gaumen saftig, geschliffen<br />
und elegant, mit herzhaftem Ansatz<br />
und Verlauf, druckvoll, kommt ständig<br />
wieder. Noch jung, am besten noch weglegen<br />
und in ein paar Jahren geniessen.<br />
cadeimaghi.it, ca. CHF 30,–<br />
•<br />
Maternigo Valpolicella Superiore<br />
DOC 2021<br />
Tedeschi, San Pietro in Cariano<br />
14,5 Vol.-%. Leuchtendes Rubinrot mit dichtem,<br />
dunklem Kern. In der Nase vielschichtig,<br />
Duft nach roten Beeren, gepaart mit<br />
Nuancen von Kräutern, erinnernd an<br />
Wacholder und Thymian. Am Gaumen<br />
überraschend füllig mit tänzelnder Säure,<br />
sauberes Mundgefühl.<br />
tedeschiwines.com, ca. CHF 30,–<br />
•<br />
Valpolicella Classico Superiore DOP<br />
2019, Zýmē, San Pietro in Cariano<br />
13,5 Vol.-%. Leuchtendes Rubinrot mit<br />
leichten granatfarbenen Reflexen. In der<br />
Nase Veilchen, Blutorange und kandierte<br />
Mandarine, im Nachhall ätherisch, erinnernd<br />
an Salbei und Hustenbonbon. Am<br />
Gaumen präzise mit anregender Säure, im<br />
Trunk zügig mit leicht zuckrigem<br />
Mundgefühl. zyme.it, ca. CHF 30,–<br />
•<br />
BIO Tirele Valpolicella Classico<br />
Superiore DOC 2022<br />
Tenuta Villa Bellini,<br />
San Pietro in Cariano<br />
13 Vol.-%. Leuchtendes, elegantes Rubinrot<br />
mit dezent aufhellenden Reflexen. Duftet<br />
angenehm in der Nase, feine vegetal-pfeffrige<br />
Würze, frische Kirschfrucht, dezent<br />
nach Tomatenblatt, einladend. Am Gaumen<br />
kompakt, mit engmaschigem, jugendlichem<br />
Tannin, griffig, kann noch gut reifen,<br />
weglegen!<br />
tenutavillabellini.com, ca. CHF 35,–<br />
•<br />
Valpolicella Superiore DOC 2014<br />
Le Guaite di Noemi, Mezzane di Sotto<br />
15 Vol.-%. Dunkles, sehr finsteres Rubinrot<br />
mit minimal aufhellendem Rand. Duftet in<br />
der Nase nach Kreide, grüner Paprika, Cassis,<br />
Holunderbeeren, Minze, im Nachhall<br />
leichte Pfefferwürze. Am Gaumen stoffig,<br />
mit viel Saft und kühler Frucht, rund und<br />
ausgewogen, im Nachhall griffiges Tannin,<br />
hoher Trinkspass auch bei höherem<br />
Alkohol. leguaite.it, ca. CHF 40,–<br />
•<br />
Morandina Valpolicella Superiore<br />
DOC 2020, Graziano Prà, Monteforte<br />
d’Alpone<br />
14,5 Vol.-%. Tiefdunkles, sattes Rubin mit<br />
Violett. In der Nase feine Würze, dunkle<br />
<<br />
dez–feb 2025<br />
falstaff<br />
227
tasting<br />
VALPOLICELLA TROPHY<br />
Frucht, Cassis, Kirschen, auch nach Orangen,<br />
dazu kommt im Nachhall feiner, süsser<br />
Gewürzduft. Am Gaumen mit guter<br />
Säure, straff, dazu feine cremige Frucht,<br />
kommt in mehreren Schichten, pikanter<br />
Ausklang.<br />
vinipra.it, ca. CHF 45,–<br />
•<br />
De Buris Valpolicella Classico<br />
Superiore DOC 2019<br />
Tommasi, Pedemonte<br />
14,5 Vol.-%. Glänzendes, sattes Rubin mit<br />
feinem Granatschimmer. Präsentiert sich<br />
mit Noten nach dunklen Kirschen und reifen<br />
Zwetschgen, dazu etwas kalter Rauch.<br />
Sehr geschliffen im Ansatz, öffnet sich mit<br />
feinmaschigem Tannin, saftige dunkle<br />
Kirsche, im Finale mit gutem Druck, im<br />
Nachhall etwas Kaffeesatz.<br />
tommasiwine.com, ca. CHF 70,–<br />
92 Punkte<br />
•<br />
Valpolicella Superiore DOC 2021<br />
Zenato, Peschiera del Garda<br />
13,5 Vol.-%. Dunkelleuchtendes Rubinrot.<br />
Duftet fein in der Nase, nach reifen Feigen,<br />
reifen Himbeeren, etwas Pfirsichsaft,<br />
im Hintergrund leicht grünwürzige<br />
Touch, Fumé. Am Gaumen griffig, mit<br />
reichhaltiger Struktur und gutem Druck,<br />
kommt in mehreren Wellen, tolle<br />
Komplexität. zenato.it, ca. CHF <strong>10</strong>,–<br />
•<br />
San Pietro Valpolicella Superiore<br />
DOC 2023, Monte Tondo, Soave<br />
13,5 Vol.-%. Leuchtendes, schönes Rubinrot.<br />
Duftet nach saftigen Kirschen, Waldbeeren,<br />
dezent nach Veilchen. Knackig am<br />
Gaumen, mit toller Frucht, ausgewogen,<br />
jugendlich, unkompliziert und rund, macht<br />
viel Spass beim Trinken.<br />
montetondo.it, ca. CHF <strong>10</strong>,–<br />
•<br />
Valpolicella Classico Superiore DOC<br />
2021, Scriani, Fumane<br />
13,5 Vol.-%. Sattes, glänzendes Rubin mit<br />
ziegelrotem Rand. In der Nase vegetale<br />
Würze, Pfeffer, nach Holunderbeeren,<br />
frisch gemähtes Gras, im Nachhall wiederum<br />
nach knackiger Cassis. Am Gaumen mit<br />
saftigem Ansatz und Verlauf, zielgerade,<br />
sehr frisch, knackig, trinkt sich sehr fein,<br />
hat durch Flaschenreife etwas zugelegt.<br />
scriani.it, ca. CHF 15,–<br />
•<br />
Valpolicella Classico Superiore DOC<br />
2019, Fumanelli, San Pietro in Cariano<br />
13,5 Vol.-%. Dunkel leuchtendes Rubinrot<br />
mit dezent aufhellendem Rand. Duftet in<br />
der Nase nach satten Blutorangen, reifen<br />
Kirschen, etwas Pfefferwürze. Am Gaumen<br />
mit leicht süsslichem Gaumeneintritt,<br />
herzhaftem Spiel, kommt saftig im<br />
hinteren Bereich, guter Trinkfluss.<br />
fumanelli.it, ca. CHF 14,–<br />
•<br />
Montezovo Valpolicella Superiore<br />
DOC 2022, Montezovo - Famiglia<br />
Cottini, Caprino Veronese<br />
13,5 Vol.-%. Leuchtendes, elegantes<br />
Rubinrot. In der Nase duftend nach satten<br />
Kirschen, reifen Waldfrüchten, etwas Grafit<br />
und Rosenblatt. Am Gaumen rund und geschmeidig,<br />
mit gut eingebundenem Tannin,<br />
kraftvoll und ausgewogen, gefällt.<br />
montezovo.com, ca. CHF 20,–<br />
•<br />
Ca’ del Nin Valpolicella Classico<br />
Superiore DOC 2018<br />
Vigneti Villabella, Calmasino<br />
13 Vol.-%. Tiefdunkles Rubinrot mit dezent<br />
aufhellenden Rändern. Duftet ausgeprägt<br />
in der Nase, nach Holunderblütensirup,<br />
Zitrone, erinnert im Nachhall auch an<br />
Kastanienhonig, einladend und fein. Am<br />
Gaumen mit mittleren Gewicht, ausgewogen<br />
und klar, nicht komplex aber<br />
zugänglich, trinkt sich sehr fein.<br />
vignetivillabella.com, ca. CHF 20,–<br />
•<br />
Ognisanti di Novare Valpolicella<br />
Classico Superiore DOC 2022<br />
Bertani, Grezzana<br />
12,5 Vol.-%. Leuchtendes Rubinrot mit<br />
dezent aufhellendem Rand. Schöner Duft<br />
nach knackigen Zwetschgen, frischen<br />
Kirschen, weissem Pfeffer, dazu edle<br />
Grünwürze, einladend. Am Gaumen herzhaft,<br />
mit präsentem Tannin, gut eingebunden,<br />
leicht steinige Anklänge, im Nachhall<br />
leicht bitter und weitmaschig.<br />
bertani.net, ca. CHF 20,–<br />
•<br />
BIO Graspo Alto Valpolicella<br />
Superiore DOC 2022<br />
Contrada Palui, Verona<br />
13 Vol.-%. Leuchtendes Rubin mit hellem<br />
Rand. Fein gezeichnete Nase mit zartem<br />
Duft nach frischen Kirschen und Zwetschgen,<br />
etwas Veilchen. Am Gaumen saftig<br />
und mit gutem Trinkfluss, feiner Schmelz<br />
im Finale.<br />
contradapalui.com, ca. CHF 20,–<br />
•<br />
Hercules Valpolicella Superiore DOC<br />
2018, Pietro Zardini, San Pietro in<br />
Cariano<br />
15 Vol.-%. Tiefdunkles, sattes Rubinrot. In<br />
der Nase sehr offen, reife Zwetschge, Feige,<br />
Nuss, nach etwas Zeit auch Brombeeren.<br />
Am Gaumen sehr offenherzig, nach Brombeergelee<br />
und etwas grünem Tannin, leicht<br />
harsch, aber auch saftig.<br />
pietrozardini.it, ca. CHF 30,–<br />
•<br />
Il Rientro Valpolicella Superiore<br />
DOC 2020, La Giuva, Verona<br />
14 Vol.-%. Tiefdunkles Rubinrot. In der Nase<br />
Seit 1928 betreibt die<br />
Familie Cesari erfolgreich<br />
das Weingut<br />
Brigaldara.<br />
etwas Unterholz, feiner erdiger Ton, dunkle,<br />
reife Frucht, im Nachhall dezent würzig.<br />
Am Gaumen starker Edelholzeinfluss, kompakt<br />
und druckvoll, zartbitterer Unterton,<br />
animierend, grosser Körper.<br />
lagiuva.com<br />
ca. CHF 35,–<br />
•<br />
La Fabriseria Valpolicella Classico<br />
Superiore DOC 2021<br />
Tedeschi, San Pietro in Cariano<br />
15 Vol.-%. Leuchtendes Rubinrot mit aufhellenden<br />
Rändern. In der Nase viel Mokka<br />
und Pfeffer, im Nachhall Cassis und Heidelbeere.<br />
Am Gaumen präzise Frucht mit rassiger<br />
Säure, engmaschiger Gerbstoff mit<br />
gutem Trinkgenuss. Macht Spass!<br />
tedeschiwines.com<br />
ca. CHF 35,–<br />
•<br />
Valpolicella Superiore DOC 2013<br />
Le Guaite di Noemi, Mezzane di Sotto<br />
15,5 Vol.-%. Tiefdunkles Rubinrot. Sehr ansprechender<br />
Duft, edle grüne Würze, nach<br />
Holunderbeeren, Minze, Salbei, dazu feine<br />
Noten von roter Paprika, hat viel Charakter,<br />
im Nachhall aktuell noch griffiges Tannin,<br />
kann lange lagern.<br />
leguaite.it, ca. CHF 40,–<br />
•<br />
BIO Casalvegri Valpolicella Classico<br />
Superiore DOC 2022<br />
Ca’ La Bionda, Marano di Valpolicella<br />
13,5 Vol.-%. Rubinrot mit dezentem Ziegelreflex.<br />
Stille Nase, etwas würzig. Am Gaumen<br />
mit reichlich stoffigem Tannin, schöner<br />
Saftigkeit und leichtem Salz, die Frucht<br />
bleibt im Hintergrund, noch sehr jung, unbedingt<br />
weglegen und in ein paar Jahren<br />
geniessen.<br />
calabionda.it, ca. CHF 45,–<br />
•<br />
Valpolicella Superiore DOC 2019<br />
Torre di Terzolan, Verona<br />
14,5 Vol.-%. Tiefdunkles Rubinrot, satt. In<br />
der Nase dezent nach Käserinde, leicht<br />
vegetaler Anklang, aber auch nach Milchschokolade<br />
und Nougat, wirkt etwas verwaschen.<br />
Am Gaumen mit zartbitterem<br />
Unterton, griffig, mit leicht weitmaschigem<br />
Tannin, aber auch gut eingebundener<br />
Säure, sollte unbedingt noch etwas lagern.<br />
torrediterzolan.it<br />
ca. CHF 50,–<br />
•<br />
La Fabriseria Valpolicella Classico<br />
Superiore DOC 2012<br />
Tedeschi, San Pietro in Cariano<br />
15 Vol.-%. Tiefdunkles, sattes Rubin, finster.<br />
Toller Duft, ansprechend, nach Zimtstange,<br />
Himbeermarmelade, leicht rauchig, Edelholz.<br />
Am Gaumen mit herzhaftem, leicht<br />
grünwürzigem Tannin, griffig, aber auch<br />
viel Frische, wird im Nachklang dann leider<br />
etwas weitmaschig mit leichter Trocknung.<br />
tedeschiwines.com<br />
ca. CHF 55,–<br />
Fotos: beigestellt<br />
228 falstaff dez–feb 2025
Verdienter zweiter Platz:<br />
Bei Rubinelli Vajol legt man viel<br />
Wert auf Handarbeit.<br />
Valpolicella Ripasso<br />
95 Punkte<br />
1. Platz<br />
•<br />
Valpolicella Ripasso Superiore<br />
DOC 2013<br />
Le Guaite di Noemi, Mezzane di Sotto<br />
16 Vol.-%. Leuchtendes Rubingranat, satt<br />
bis an den Rand. Vielschichtige Nase mit<br />
Noten nach Lebkuchen und Schokolade,<br />
dann etwas Dattel, Cassis-Likör und eingelegte<br />
Kirschen, spannend. Am Gaumen<br />
stoffig und mit sehr guter Dichte, viel feiner<br />
Fruchtschmelz, darin eingebettet viele<br />
Schichten feinen Tannins, sehr lange.<br />
leguaite.it, ca. CHF 45,–<br />
94 Punkte<br />
2. Platz<br />
•<br />
Valpolicella Classico Superiore<br />
Ripasso DOC 2019<br />
Rubinelli Vajol, San Pietro in Cariano<br />
14,5 Vol.-%. Sattes Rubinrot mit aufhellenden<br />
Rändern. In der Nase duftig nach<br />
Thymian, Lavendel und Nelke, gefolgt<br />
von reifen Beeren. Am Gaumen ätherisch,<br />
erinnert an Orangenschale, im Trunk ausgewogen<br />
und cremig, mit saftig-salzigem<br />
Unterton, hat von etwas Flaschenreife<br />
stark profitiert. rubinellivajol.it, ca.<br />
CHF 20,–<br />
3. Platz<br />
•<br />
BIO Campo Bastiglia Valpolicella<br />
Ripasso Superiore DOC 2022<br />
Ca’ Rugate, Montecchia di Crosara<br />
13,5 Vol.-%. Funkelndes, lebhaftes Rubin.<br />
Duftige und überaus ansprechende Nase,<br />
1. Platz<br />
satt nach frischen Kirschen, dazu Granatapfel<br />
und etwas getrocknete Orange.<br />
Satte Frucht am Gaumen, zeigt Noten<br />
nach Brombeere und Heidelbeere, feinmaschiges<br />
Tannin, das sehr gut in den<br />
Kontext eingebunden ist, hallt lange<br />
nach. carugate.it, ca. CHF 15,–<br />
•<br />
Monti Garbi Valpolicella Ripasso<br />
Superiore DOC 2021<br />
Tenuta Sant’Antonio - Famiglia<br />
Castagnedi, Colognola Ai Colli<br />
14 Vol.-%. Glänzendes Rubin mit aufhellendem<br />
Granatrand. Klare und einladende<br />
Nase, nach Hagebutte, roten Johannisbeeren<br />
und knackiger Kirsche. Saftig<br />
und salzig am Gaumen, öffnet sich mit<br />
viel feinmaschigem Tannin, gepaart mit<br />
saftiger Frucht, geradlinig und klar.<br />
tenutasantantonio.it, ca. CHF 20,–<br />
•<br />
Giago Valpolicella Ripasso<br />
Classico Superiore DOC 2020<br />
Damoli Bruno, Negrar<br />
Kraftvolles, funkelndes Rubin, am Rande<br />
zarter Granatschimmer. Intensive und<br />
einladende Nase, zeigt schönes Spiel zwischen<br />
reifer Kirschfrucht, etwas Himbeere<br />
und spannende Gewürzkomponenten.<br />
Stoffiges, zupackendes Tannin am Gaumen,<br />
eingepackt in viel feinen Schmelz,<br />
spannt einen weiten Bogen, im Finale<br />
fester Druck.<br />
damolivini.com, ca. CHF 25,–<br />
•<br />
BIO Sottolago Valpolicella<br />
Classico Ripasso DOC 2021<br />
Tenuta Villa Bellini,<br />
San Pietro in Cariano<br />
14,5 Vol.-%. Funkelndes Rubinrot mit<br />
leicht aufhellendem Rand. Fein gezeichnete,<br />
einladende Nase mit satten Noten<br />
nach Waldhimbeere, eingekochten<br />
2. Platz<br />
3. Platz<br />
Preiselbeeren und dunklen<br />
Kirschen. Geschliffen<br />
und präzise am Gaumen,<br />
sehr schön herausgearbeitete<br />
Frucht, saftig, im<br />
hinteren Verlauf dann<br />
feinmaschiges Tannin.<br />
tenutavillabellini.com,<br />
ca. CHF 50,–<br />
93 Punkte<br />
•<br />
Pojega Valpolicella Ripasso<br />
Classico Superiore DOC 2022<br />
Guerrieri Rizzardi, Bardolino<br />
14,5 Vol.-%. Glänzendes, sattes Rubin mit<br />
aufhellendem Rand. Kompakte Nase,<br />
zeigt Noten nach Kirschen und Brombeere,<br />
im Hintergrund eingekochte Preiselbeere.<br />
Klar und geradlinig am Gaumen,<br />
zeigt sehr viel präsente Frucht, feinmaschiges<br />
Tannin, im Finale feiner Schmelz.<br />
guerrieri-rizzardi.it, ca. CHF 15,–<br />
•<br />
Valpolicella Ripasso Superiore<br />
DOC 2021<br />
Santa Sofia, San Pietro in Cariano<br />
14 Vol.-%. Leuchtendes Rubin mit feinem<br />
Granatrand. Klar und frisch in der Nase,<br />
anregend, nach Gewürznelken, Rosen<br />
und eingelegten Kirschen. Süsser<br />
Schmelz, gut herausgearbeitete, klare<br />
Frucht, dazu kommt feinmaschiges, gut<br />
eingebundenes Tannin, das dem Wein<br />
Länge gibt.<br />
santasofia.com, ca. CHF 20,–<br />
•<br />
Valpolicella Ripasso Classico<br />
Superiore DOC 2018<br />
Montecariano, San Pietro in Cariano<br />
14,5 Vol.-%. Leuchtendes Rubinrot mit<br />
finsterem Kern. In der Nase nach reifen<br />
Himbeeren, feiner Beerenfrucht, auch<br />
nach Hagebutten, sehr herzhaft, ebenso<br />
am Gaumen, mit satter, präsenter Struktur,<br />
sehr kompakt und wuchtig.<br />
montecariano.it, ca. CHF 20,–<br />
•<br />
Valpolicella Ripasso Superiore<br />
DOC 2020, Corte Scaletta,<br />
San Martino Buon Albergo<br />
14,5 Vol.-%. Aufhellendes, leuchtendes<br />
Rubinrot mit leicht wässrigem Rand. Duftet<br />
in der Nase nach Walderdbeeren,<br />
Blutorangen, etwas Kalkstein, leicht blumige<br />
Komponenten im Nachgang. Am<br />
Gaumen mit schöner Klarheit und Saftigkeit,<br />
saftige Frucht, auch leicht salzig.<br />
cortescaletta.it, ca. CHF 25,–<br />
•<br />
BIO Corte Sant’Alda - Campi<br />
Magri Valpolicella Ripasso Superiore<br />
DOC 2020<br />
Camerani, Mezzane di Sotto<br />
13,5 Vol.-%. Leuchtendes, glänzendes Rubinrot.<br />
Duftet sehr ansprechend in der<br />
Nase, nach frischen Kirschen, Veilchen,<br />
Zwetschgen, dazu leichte grüne Würze,<br />
sehr ansprechend. Am Gaumen mit feiner<br />
Textur, ansprechendem Trunk, ausgewogen<br />
und fein, schöne Eleganz.<br />
camerani.wine, ca. CHF 25,–<br />
•<br />
Giago Valpolicella Ripasso<br />
Classico Superiore DOC 2019<br />
Damoli Bruno, Negrar<br />
14 Vol.-%. Dunkel leuchtendes, abdunkelndes<br />
Rubinrot. In der Nase nach Zimtstange,<br />
Amarenakirschen, leicht ätherischem<br />
Anklang, dann reife, dunkle Frucht<br />
im Nachhall. Am Gaumen mit schöner<br />
Komplexität und Saftigkeit, aber auch<br />
leicht griffigem Tannin.<br />
damolivini.com, ca. CHF 25,–<br />
•<br />
Valpolicella Ripasso Classico<br />
Superiore DOC 2018<br />
Secondo Marco, Fumane<br />
14 Vol.-%. Funkelndes, helles Rubinrot.<br />
Expressive Nase, delikate Frucht, Erdbeeren<br />
und Kirsche, weisser Pfeffer, dezent<br />
ätherisch, erinnert etwas an Eukalyptus.<br />
Am Gaumen elegant, saftig, feinwürzig,<br />
perfekt integrierte Säure und Gerbstoffe.<br />
secondomarco.it, ca. CHF 35,–<br />
•<br />
BIO Malavoglia Valpolicella<br />
Ripasso Classico Superiore DOC 2021<br />
Ca’ La Bionda, Marano di Valpolicella<br />
13,5 Vol.-%. Kraftvolles, leuchtendes Rubin,<br />
leicht aufhellender Rand. Ansprechende<br />
Nase mit Noten nach Zwetschgen,<br />
eingelegten Kirschen, dazu etwas<br />
Zimt und dunkle Schokolade. Am Gaumen<br />
gute Spannung, salzig, kerniges Tannin<br />
mit Tiefgang, baut sich gut auf, saftige,<br />
sehr klar herausgearbeitete Frucht.<br />
calabionda.it, ca. CHF 45,–<br />
Alle Verkostungsnotizen<br />
online unter<br />
go.falstaff.com/trophyvalpolicella-superiore-ripasso-24<br />
<<br />
dez–feb 2025<br />
falstaff<br />
229
events<br />
Chefredakteur Dominik<br />
Vombach überreicht die Urkunde<br />
an «Lebenswerk»-Preisträgerin<br />
Irma Dütsch.<br />
Rechts: Jörg Bühler von der<br />
Quartierbeiz «Bü‘s Hopfenau»<br />
(Mitte) ist Wirt des Jahres.<br />
DER NEUE RESTAURANT-<br />
UND BEIZENGUIDE IST DA!<br />
GASTRO-<br />
LEGENDEN<br />
Alexander Rufibach kocht seit über<br />
40 Jahren im «Suure Mocke», der<br />
<strong>Falstaff</strong> Beiz des Jahres.<br />
Im brandneuen <strong>Falstaff</strong> Restaurant- und Beizenguide<br />
versammeln sich rund 1300 Top-Gourmet-<br />
Adressen in der <strong>Schweiz</strong>. Die Besten der Besten unter<br />
ihnen wurden im Rahmen einer feierlichen<br />
Präsentation im Restaurant «Neumarkt» mit einem<br />
der begehrten Sonderpreise geehrt. Die Chefredaktoren<br />
Benjamin Herzog und Dominik Vombach<br />
überreichten Urkunden etwa an Irma<br />
Dütsch für ihr Lebenswerk, den Wirt des Jahres,<br />
Jörg Bühler, oder Andy Vorbusch, der den Titel<br />
<strong>Falstaff</strong>-Patissier des Jahres ergattern konnte.<br />
Alle Sieger werden in dieser Ausgabe ab Seite 146<br />
ausführlich vorgestellt. Gefeiert wurde im Anschluss<br />
an die Siegerehrung bei einem Glas Champagner<br />
von Laurent Perrier und einem Flying Lunch<br />
des «Neumarkt»-Teams.<br />
Zum köstlichen Flying Lunch<br />
gab es edlen Champagner von<br />
Laurent Perrier.<br />
Fotos: andrea ebener<br />
230 falstaff dez–feb 2025
Die Gäste kamen in den Genuss eines<br />
Flying Lunch vom Team des<br />
Restauramnts «Neumarkt».<br />
Marcel Koolen (3. v. l.) kocht im Gourmet-Restaurant<br />
des Jahres «7132» in Vals. Der Sonder-Award wurde<br />
in Kooperation mit Genesis verliehen - zu Gast war<br />
auch Irene Franco, Marketing-Spezialistin bei Genesis<br />
Motors Europe (2.v.l.).<br />
Dominik Sato<br />
und Fabio<br />
Toffolon<br />
nehmen die<br />
Auszeichnung<br />
für das «Hotelrestaurant<br />
des<br />
Jahres»<br />
entgegen.<br />
Im Kreis: Noah<br />
Rechsteiners<br />
«Anoah» ist<br />
Plant-based<br />
Restaurant des<br />
Jahres.<br />
Alexandre<br />
Hanne mann wird<br />
für die beste<br />
Weinkarte in der<br />
«Blauen Ente»<br />
ausgezeichnet.<br />
dez–feb 2025<br />
falstaff<br />
231
events<br />
Cover-Star:<br />
Renza vom Gut<br />
«La Terrazza<br />
Castiglione<br />
Falletto» feierte<br />
mit den Gästen<br />
den Launch.<br />
Drei Wein- und<br />
Grappa-Legenden:<br />
Marchese<br />
Piero Antinori (li.),<br />
Giannola Nonino<br />
und Vittorio Moretti<br />
wurden ausgezeichnet.<br />
FALSTAFF ITALIA:<br />
GLAMOURÖSER LAUNCH<br />
CIAO<br />
ITALIA!<br />
<strong>Falstaff</strong> ist endlich in Italien, dem Land der Lebensfreude<br />
und der Kulinarik, angekommen! Gemeinsam<br />
mit 380 geladenen Gästen feierten Herausgeber<br />
Wolfgang Rosam und die Chefredakteure Othmar<br />
Kiem und Simon Staffler in den Werkstätten der Mailänder<br />
Scala die «primissima copia» – die allererste<br />
Ausgabe – des italienischsprachigen <strong>Magazin</strong>s. Die<br />
Starköche Massimiliano Alajmo, Massimo Bottura,<br />
Enrico Bartolini sowie die Cerea-Brüder Enrico und<br />
Roberto präsentierten ihre Signature Dishes, Weinund<br />
Grappa-Ikonen wurden mit dem «<strong>Falstaff</strong> Legend<br />
Award» für ihr Lebenswerk ausgezeichnet. Klar,<br />
dass da auch der Cover-Star der ersten Ausgabe –<br />
Renza vom Gut «La Terrazza Castiglione Falletto» –<br />
unter den Gästen gesichtet wurde!<br />
Musikalisches<br />
von den Stars<br />
der Scala und<br />
dem «Dolce<br />
Vita»-Prinzen<br />
Alessandro<br />
Ristori (re.).<br />
Oben: Mit einem<br />
AUA-Sonderflieger<br />
reisten die<br />
österreichischen<br />
Gäste zur<br />
Präsentation.<br />
Rechts: Sternekoch<br />
Enrico<br />
Bartolini.<br />
Fotos: Andreas Tischler / Vienna Press<br />
232 falstaff dez–feb 2025
FESPO.CH
epilog / NACHGEFRAGT<br />
SAGEN SIE EINMAL,<br />
DOREEN JAENICHEN …<br />
DOREEN<br />
JAENICHEN<br />
Doreen Jaenichen ist ärztliche<br />
Leiterin im «MAYRLIFE Medical<br />
Health Resort Altaussee» und Fachärztin<br />
für Allgemeinmedizin und Naturheilverfahren.<br />
Zu ihren Schwerpunkten<br />
zählen Integrative Onkologie, Akupunktur<br />
und die moderne Mayr-Medizin, basierend<br />
auf den Ideen des Arztes<br />
Franz Xaver Mayr, die traditionelle<br />
Diagnostik und<br />
Fastenkuren verbinden.<br />
WIE KOMMT MAN 2025<br />
WIEDER IN FORM?<br />
INTERVIEW VERENA RICHTER<br />
FALSTAFF Die Weihnachtszeit steht für Genuss – und auch für Überfluss. Wie geniesst man diese Zeit, ohne es zu<br />
übertreiben, sodass der Start ins neue Jahr ein nicht ganz so schwerer ist?<br />
DOREEN JAENICHEN Die Weihnachtszeit ist ideal, um bewusst und achtsam zu geniessen. Wir setzen bei Mayrlife auf langsames,<br />
bewusstes Kauen, um die Verdauung zu unterstützen und das Sättigungsgefühl zu spüren. Es geht nicht darum, auf<br />
Genuss zu verzichten, sondern massvoll zu wählen. Regelmässige Pausen und sanfte Bewegung – zum Beispiel Spazier gänge<br />
oder leichte Gymnastik nach dem Essen – fördern das Wohlbefinden und helfen, das Verdauungssystem in Balance zu halten<br />
und Überlastung zu vermeiden.<br />
Warum ist es klug, zu Jahresbeginn auf den Körper zu schauen?<br />
Der Jahresbeginn ist der perfekte Zeitpunkt, den Körper zu reflektieren und zu regenerieren, besonders nach den festlichen,<br />
oft belastenden Tagen. Ein bewusster Start ins neue Jahr unterstützt den Stoffwechsel, entlastet das Verdauungssystem<br />
und gibt dem Körper Raum für Erholung. Der Körper wird gestärkt und ist bereit, im Alltag optimal zu funktionieren.<br />
Welche schnellen Tipps gibt es, um gesund und entschlackt ins neue Jahr zu starten?<br />
Eine basische Ernährung aus Gemüse und leicht verdaulichen Nahrungsmitteln unterstützt den Säure-Basen-<br />
Haushalt. Legen Sie zwischen den Mahlzeiten längere Pausen oder einen Fastentag ein. Das fördert die<br />
Darmregeneration. Um die Verdauung zu unterstützen, hilft es, gründlich zu kauen und langsam zu<br />
essen. Trinken Sie viel Wasser und Kräutertee, das fördert die Entgiftung und hydriert.<br />
Wie gelingt es, Vorsätze für mehr Gesundheit besser einzuhalten?<br />
Am besten durch kleine, realistische Schritte und alltagstaugliche Gewohnheiten.<br />
Rituale wie ein bewusster Tagesbeginn oder eine entspannte<br />
Abendroutine erleichtern das Dranbleiben. Mit Geduld und<br />
Achtsamkeit bleibt man fokussiert und erreicht<br />
langfristige Veränderungen.<br />
Fotos: Mayrlife - Doreen Jaenichen, Getty Images, Shutterstock, alice pasqual / unsplash<br />
234 falstaff dez–feb 2025
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