Lerche Nr. 24

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Lerche Nr. 24

Nr. 24/ Frühjahr 2006

LEIPZIGER LERCHE

Zeitschrift des Studiengangs Buchhandel/Verlagswirtschaft der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig (FH)

Leipzigs steinerne Zeitzeugen

books.google.com

Der junge Blick auf die Branche

Bulgarische Streifzüge

Fotos: Steffi Beer, Fabienne Werner


AKTUELL

Anzeige

Aufgepasst und mitgemacht!

Wir laden Sie ein!

Der Studiengang Buchhandel/Verlagswirtschaft

der HTWK Leipzig hat sich in

Kooperation mit den Hochschulen aus

Leipzig, München, Stuttgart, Mainz und

Erlangen wieder eine Vielzahl von Veranstaltungen

während der Leipziger Buchmesse

für Sie ausgedacht. Ob diverse

Lesungen, ein Poetry Slam, »ZitateGeschnetzeltes«

oder aber die Vorstellung

des neu gegründeten Fachbereichs Medien

der HTWK Leipzig, für jeden ist etwas

dabei. Alle Veranstaltungen finden am

Gemeinschaftsstand »Studium rund ums

Buch« in Halle 5, Gang A, Standnummer

400 statt.

Donnerstag, 16. März 2006

12 Uhr »Studieren rund ums Buch«, eine Informationsveranstaltung

an der Ausbild-Bar in Halle

4, Gang A, Standnummer 505.

15 Uhr Lesung mit Michal Hvorecky anlässlich

seines Romandebuts »City: Der unwahrscheinlichste

aller Orte«, erschienen im Tropen Verlag,

Berlin.

2 Leipziger Lerche Nr. 24

19 Uhr Geyserhausparty in der Gräfestraße 25.

Der Studiengang Buchhandel/Verlagswirtschaft

lädt Professoren, Studenten, Absolventen, Gastdozenten

und alle dem Studiengang Verbundene

zum gemeinsamen Abend ein.

Freitag, 17. März 2006

11 Uhr »Neugründung Fachbereich Medien«,

Informationsveranstaltung der HTWK Leipzig.Vorstellung

und Podiumsdiskussion mit Gründungsdekan

Prof. Dr. Uwe Kulisch und der studentischen

Vertreterin Katja-Elisabetth Splichal.

14 Uhr Poetry Slam - Fünf Wortakrobaten treten

in poetischen Wettstreit. Dem Gewinner winkt

eine Veröffentlichung seines Werkes bei BoD.

Mit freundlicher Unterstützung von livelyrix

Leipzig und Books on Demand.

Samstag, 18. März 2006

14 Uhr Vorstellung des internationalen Studiengangs

»European Master in Publishing« am

Gemeinschaftsstand »Studium rund ums Buch«.

Zu Gast sind Kelvin Smith, leitender Dozent der

Verlagswirtschaft an der Oxford Brookes University

und Projektkoordinator Prof. Dr. Steffen

Hillebrecht, Studiendekan der Fachrichtung

Buchhandel/Verlagswirtschaft der HTWK Leipzig.

15 Uhr Absolvententreffen des Studiengangs

Buchhandel/Verlagswirtschaft am Gemeinschaftsstand

»Studium rund ums Buch«.

Sonntag, 19. März

11 Uhr Lesung von Melanie Arns, Absolventin

des Literaturinstituts Leipzig, aus ihrem Buch

»Heul doch!«, erschienen im Jung und Jung

Verlag, Salzburg.

16. - 19. März 2006

von 10 – 16 Uhr »ZitateGeschnetzeltes« und

»LiterRad«. Jeweils um 16 Uhr Ermittlung der

Tagessieger.

Ansprechpartner bei Fragen zu den Veranstaltungen:

Messeteam des Studiengangs Buchhandel/Verlagswirtschaft:

Franziska Wesener: franziska.wesener@freenet.de

Katja Walter: katja_wal@web.de


Das sind wir (von links nach rechts):

Isabel Kirsche, Steffi Grimm, Fabienne Werner, Franziska Immisch, Ursula Eitzen, Steffi Beer, Sabine

Giesser, Natalie Dittmann, Yvonne Anger, Johanna Krobitzsch, Nadja Zeughan, Michaela Bartzsch, Claudia

Hanke, Anne Jurack, Katja-Elisabetth Splichal, Maja Franke

Editorial

Liebe Leserin, lieber Leser,

Prüfungszeiten, stundenlange Recherchen, durchwachte Nächte und etliche

Tassen Kaffee hielten uns nicht davon ab, Ihnen pünktlich zur Buchmesse eine

neue Frühjahrs-Ausgabe der Leipziger Lerche vorzulegen. Auch dieses Mal präsentieren

wir ein buntgemischtes Sammelsurium an Themen rund um die

Branche und HTWK Leipzig.

Wo entstand der Duden? Was ist das »Grafische Viertel«? Und warum interessiert

uns das überhaupt? Ein Ausflug in die Vergangenheit bereinigt das Bild

rosiger Zeiten, ein Blick in die Zukunft verdrängt den Pessimismus der

Gegenwart. Die Fotoreportage »Auf den Spuren der Buchstadt Leipzig« führt Sie

zu traditionsreichen Druckereien und dokumentiert deren Kampf gegen Verfall

und Abrissbirne.

Olympia liegt hinter uns, die WM steht vor der Tür. Kämpfen ist das Motto des

Jahres. Auch Google schließt sich dieser Devise an und setzt sich mit seiner

Internet-Buchsuche über Kontroversen hinweg. Frech, frisch und frei widmen

wir uns diesen Entwicklungen und wagen einen Zwischenruf. Das britische

Unternehmen ICUE klinkt sich in den Wettstreit um die Gunst neuer Zielgruppen

mit ein – Literaturverhunzung versus hohe technische Anforderungen.

Aus dem Osten in den Osten. Bulgarien bietet mehr als LastMinute. Der bevorstehende

EU-Beitritt lenkt unseren Fokus auf Kultur und Tradition. Was war? Was

ist? Was kommt? Ein literarischer Streifzug.

Abseits der erwähnten Pfade können wir auch dieses Mal zahlreiche Abstecher

in andere Regionen unserer Zeitschrift nur empfehlen.

Allen treuen und neuen Lesern eine genüssliche Lektüre!

Ihre LERCHE-Redaktion

Inhaltsverzeichnis

2 Aufgepasst und mitgemacht!

– Veranstaltungsplan zur

Leipziger Buchmesse

3 Editorial

LEIPZIG

4 Auf den Spuren der Buchstadt Leipzig

– Druckereien im »Grafischen Viertel«

5 Deutsche Fußballkunst

– Das Kulturprogramm der FIFA zur WM

2006

BRANCHE

6 www.books.google.com

– Ein Zwischenruf

7 ICUE

– Moving the way you read

Shakespeare goes mobile

– British phone company offers world

literature via SMS

8 Detailgenau und einzigartig

– Der Buchbinderberuf zwischen industrieller

Moderne und manueller Kunst

9 »Wir haben der Welt etwas geschenkt«

– Ein literarischer Streifzug durch

Bulgarien

10 Auf neuen Wegen

– Die Vielfalt der Zusatzgeschäfte

REZENSIONEN

12 Aufgeschlagen

»Die Gruppe 47«

»Bulgarien Prosa«

»Crashkurs Typo und Layout«

KARRIERE

13 CRM für kleine Verlage

– Voland & Quist über Kundenbeziehungsmanagement

HTWK LEIPZIG

14 Typografie im Alltag

– Kreativität zwischen Vorlesung und

Prüfungsstress

15 Kompetent und voller Erwartungen

– Neuer Professor am Fachbereich

16 Impressum

Leipziger Lerche Nr. 24 3

EDITORIAL


LEIPZIG

Auf den Spuren der Buchstadt Leipzig

Druckereien im »Grafischen Viertel«

Leipzigs jahrhundertelange Tradition in

der Produktion und Vermarktung literarischer

Werke ist weithin bekannt. Verlage,

Druckereien und Buchbindereien

konzentrierten sich besonders um 1900

in Leipzigs Osten, dem so genannten

»Grafischen Viertel«.

Hier wurden Bücher gedruckt, die in die

Geschichte eingingen und bis in die heutige Zeit

von zentraler Bedeutung für Bildung und Wissen

sind. So entstanden Klassiker wie »Meyer's Lexikon«,

der »Duden« oder »Brehm's Tierleben«.

Die historischen Stätte, in denen diese Werke produziert

wurden, spielen heute jedoch kaum eine

Rolle mehr. Ihnen droht eher Verfall und Abrissbirne

als beständiger Ruhm.

Was über die Jahre aus den Leipziger Druckereien

geworden ist, möchten wir hier dokumentieren.

Im Jahre 1821 bezog F.A. Brockhaus mitsamt seiner

Druckerei einen neuen Gebäudekomplex innerhalb

des »Grafischen Viertels«. Das Unternehmen

führte elf Jahre später Schnellpressen ein

und konnte sich damit innerhalb kürzester Zeit

als größtes Druckerei- und Verlagshaus Deutschlands

positionieren.

Während des Zweiten Weltkrieges wurden die

Gebäude stark zerstört. Nach der Befreiung durch

die Alliierten wurde Brockhaus, wie viele andere

Verlage, dazu gezwungen, Filialen in Westdeutschland

zu eröffnen. Der Verlag ging nach

Brockhaus – Zentrum

4 Leipziger Lerche Nr. 24

Wiesbaden. 1953 wurde das Stammhaus durch

die DDR-Regierung enteignet und verlegte daraufhin

hauptsächlich Reiseliteratur.

Erst 1992 verkaufte die Treuhand die VEB Brockhaus

an die westdeutsche Verlagsgruppe, zuvor

angestrebte Kooperationen hatten nicht funktioniert.

In den folgenden Jahren wurde der Standort

Leipzig wieder zum Hauptsitz des Verlages

erklärt, die Lexikonredaktion hielt im »alten«

neuen Gebäude Einzug und bekannte sich 1993

zu ihrem Domizil in der Querstrasse 18.

Die Überreste des früheren Offizin Andersen

Nexö entdeckt man zwischen Gerichtsweg und

Perthelstraße. Um 1870 ließ sich C.G. Röder dort

mit seiner renommierten Notendruckerei nieder.

Durch die gute Auftragslage wurden die Gebäude

über Jahrzehnte hinweg erweitert.

Bis zur Jahrhundertwende entwickelte sich das

Unternehmen zum bedeutenden Buch- und

Postkartenhersteller mit eigener Lichtdruckabteilung.

Trotz starker Zerstörung durch den Zweiten

Weltkrieg und anschließender Verstaatlichung

konnte der zum Teil privat gebliebene

Großbetrieb seine Arbeit fortsetzen.

Erst 1972 wurde die Firma in das »Offizin

Andersen Nexö« eingegliedert und endgültig

verstaatlicht. Nach der Wende und der damit verbundenen

Veräußerung des Offizins an die

Treuhand wurde die Zerstörung der ausgedienten

Gebäude beschlossen.

So bestimmten Abrissbirnen und Bagger das Bild,

die erst wieder vor dem H-förmigen Trakt

Gerichtsweg 5-7 stoppten. Denkmalschützer hatten

festgestellt, dass es sich hier um den ältesten

Stahlbetonbau Deutschlands handelt.

Ein riesiges Industrieareal findet sich in der

Salomonstraße. Ab Ende des 19. Jahrhunderts

entstand hier das Offizin Wilhelm Drugulin, die

sich auf wissenschaftliche Werke in orientalischen

und okzidentalischen Sprachen spezialisierte.

Besonders die Hinwendung zum buchkünstlerischen

Qualitätsdruck führte zum sehr

guten Ruf der Druckerei.

Als erstes Offizin der um 1895 erwachten Buchkunstbestrebungen

in Deutschland wurden hier

die Zeitschriften »Pan«, »Die Insel« und die

»Zeitschrift für Bücherfreunde« gedruckt.

Aufgrund finanzieller Schwierigkeiten verschmolz

das Unternehmen nach einigen Übernahmen

1928 schließlich mit der Leipziger

Druckerei von F. E. Haag zur Haag-Drugulin AG.

1953 wurde der Betrieb verstaatlicht und in

Offizin Andersen Nexö umbenannt.

Nach der Wende kümmerte sich die Treuhand

um die Gebäudekomplexe, innovative Nutzungskonzepte

für das Areal wurden seither nicht erarbeitet.

Gegenwärtig wird ein umgebauter Gebäudeteil

als Kindertagesstätte genutzt und so vor

dem beständigen Verfall bewahrt.

TEXT: STEFFI BEER

FOTOS: STEFFI BEER

Industrieareal Salomonstraße

Druckereieingang an der Salomonstraße

Überreste des Offizin Andersen Nexö, Gerichtsweg Fassade des Offizin Andersen Nexö, Gerichtsweg


GESCHICHTLICHER EXKURS

• Das »Grafische Viertel« um 1900

Die volle Blüte erreichte das Viertel gegen 1900 und es erlangte Weltruhm. Das Bild wurde dominiert

durch wuchtige Industriepaläste von Firmen wie Ph. Reclam jun., F. A. Brockhaus, E. A. Seemann,

Breitkopf & Härtel und andere.

Neben den Riesen waren zahlreiche mittlere und kleine Verlage, Papierhandlungen, Buchbindereien,

Druckereien, Kommisionsgeschäfte, Antiquariate und Buchhandlungen zu finden. In dieser Zeit existierten

im gesamten Leipziger Stadtgebiet laut Stadtadressbuch 848 Verlage und Buchhandlungen, 113

Musikalienhandlungen, 44 Antiquariate, 201 Buchbindereien und 189 Druckereien, zusammengefasst

waren es mehr als 2200 Betriebe des Buchgewerbes.

Erwähnenswert ist dabei, dass 95% der Firmen ihren Sitz im »Grafischen Viertel« hatten.

• Der Anfang vom Ende: 1943

Auch der Leipziger Osten blieb von Angriffen im Zweiten Weltkrieg nicht verschont. Am 4.Dezember

1943 wurden 70-80% des »Grafischen Viertels« zerstört.

In dem Inferno dieses Tages verbrannten mehr als 50 Millionen Bücher, etwa 1000 Firmen hatten

schwere Schäden zu beklagen, welche auch in den Folgejahren nicht mehr komplett beseitigt wurden.

Der langsame Verfall des Viertels nahm seinen Lauf.

Die LEIPZIGER LERCHE berichtete bereits darüber in in ihrer 20ten Ausgabe im Frühjahr 2004: »Nun liegt

alles in Schutt und Trümmern – Die Zerstörung der Buchstadt Leipzig«

Deutsche Fußballkunst

Das Kulturprogramm der Fifa zur WM 2006

Mit jedem Tag, mit dem die Fußball-Weltmeisterschaft

näher rückt, schlagen die

Herzen der Fans höher.

Damit auch Kunst- und Kulturanhänger

anlässlich des bevorstehenden Ereignisses

strahlende Augen bekommen, wurde in

Zusammenarbeit mit dem Organisationskomitee

FIFA WM 2006 ein spezielles Programm

der Bundesregierung beschlossen.

André Heller, Multimedia-Artist und künstlerischer

Leiter der Aktion, verknüpft die beiden

Bereiche miteinander, indem er Fans an Kultur

und Kulturbegeisterte an Sport heranführt. Unter

dem Gütesiegel »Offizieller Beitrag des

Kunst- und Kulturprogramms der Bundesregierung

zur FIFA WM 2006« entstehen diverse

Projekte in den Sparten Tanz, Theater, Film,

Kunst, Musik und Literatur.

Der Anpfiff für die literarische Fußball-Saison

erfolgte bereits im vergangenen Jahr bei einem

»Fest der Fußball-Poesie« im Münchner Literaturhaus.

Acht renommierte Autorinnen und

Autoren - Ilse Aichinger, Ulrike Draesner, Péter

Esterházy, Franzobel, Robert Gernhardt, Günter

Grass, Elfriede Jelinek und Urs Widmer - gestalteten

zu diesem Anlass »philosophische« Kernaussagen

des Fußballs wie »Der Ball ist rund«

oder »Ein Spiel dauert 90 Minuten« zu Gedichten

und lyrischen Kurztexten um.

»Kopfballspieler – Ein Gipfel der Welt-

Literaturen«

In Berlin kamen Anfang 2006 Autoren zusammen,

um über ihre zweite Leidenschaft, den

Fußball, ins Gespräch zu kommen. Erklärtes Ziel

war, die Faszination des Fußballs zu ergründen

sowie Rituale, Symbolwertcharakter und Ästhetik

dieses Sports zu beleuchten. Eine ebenso große

Bedeutung kam dem Blick auf verschiedene

Kulturen und der dortigen Rolle des Fußballspiels

zu. Bereits im Vorfeld erweckten diese auch

bei Nichtsportlern die Vorfreude auf das bevorstehende

Weltereignis. Ein Dialog der anderen Art

– ob im Streit der Meinungen oder mit Geschichten,

Versen und Erzähltem entwickelten die

Schriftsteller eigene, literarische Spielzüge. Sie

zählen zu der wachsenden Gemeinschaft intellektueller

Kicker: Per Olov Enquist, Henning Mankell,

Hwang Chi-Woo, Javier Marías, Franzobel,

Burkhard Spinnen, Ugo Riccarelli und Tim Parks

spielten zusammen mit Péter Esterházy, Thomas

Hürlimann, Ryszard Kapu´ci´ski,Viktor Jerofejew

und Calixthe Beyala. All jene sind große Schriftsteller

unserer Zeit. Die Veranstaltung »Kopfballspieler.

Ein Gipfel der Welt-Literaturen« führte sie

zum ersten Mal zusammen.

Leipzig

Im Museum der bildenden Künste Leipzig beginnt

Mitte Juni 2006 die Ausstellung »Weltelf -

Ballkünstler«, die elf internationale künstlerische

Positionen in einer Gegenüberstellung zu elf

Beiträgen aus Deutschland zeigt. Der Sport und

seine künstlerische Ästhetik kann hier aus den

unterschiedlichen Blickwinkeln der an der WM

teilnehmenden Nationen betrachtet werden. Das

Spektrum der Ausstellungsstücke umfasst Skulpturen,

Malereien, Grafiken, Fotografien und vieles

mehr. Im Haus des Buches sowie an anderen Orten

in und um Leipzig finden Literaturveranstaltungen

statt.

Die Literaturhäuser Berlin, Hamburg, Frankfurt,

München, Köln, Stuttgart und Leipzig stellen zu

Beginn der WM 2006 mit der Veranstaltungsreihe

»Fussballnationenimdialog« die spielenden Nationen

selbst in den Vordergrund.

Die Länder, die in der Vorrunde gegeneinander

spielen, werden in den jeweiligen Literaturhäusern

vorgestellt. Prominente Schriftsteller der

Teilnehmerländer lesen aus ihren Werken und

diskutieren den Mythos Fußball und seine Rolle

in ihrem Land. »Da gibt es ein dramatisches

Element im Fußball. Das ist es, was die Menschen

womöglich so stark anspricht. So wie man einen

Schauspieler an seinen Bewegungen erkennen

H-förmiger Trakt des Offizin Andersen Nexö, Gerichtsweg

Offizieller Fußball »Teamgeist« zur WM 2006

kann, so kann man einen Fußballer an ihnen

erkennen. Ohne dass man die Nummer sehen

muss.« (Javier Marías)

TEXT: ANNE JURACK

FOTO: STEFFI BEER

WEITERE INFORMATIONEN

• ANSTOSS.

Die Zeitschrift des Kunst- und Kulturprogramms

der Bundesregierung zur FIFA WM

2006

• DORT WO DER BALL ROLLT

Das Kulturprogramm des Netzwerks der

Literaturhäuser in Berlin, Frankfurt, Hamburg,

Köln, Leipzig, München, Salzburg und

Stuttgart

• POESIE-AUTOMAT

Der »Poesie-Automat« verwandelt Zahlen in

Poesie. Die Software generiert aus Toren und

Spielergebnissen einzigartige Gedichte, die

auf Anzeigetafeln, Fernsehschirmen, Handys

und im Feuilleton erscheinen.

• www.dfb-kulturstiftung.de

• www.literaturhaeuser.net

Leipziger Lerche Nr. 24 5

LEIPZIG


BRANCHE

Anzeige

www.books.google.com

Ein Zwischenruf

Bibliotheken und Verlage sind seit

Oktober 2004 vom Online-Riesen Google

herzlich eingeladen, sich an der Einrichtung

einer Millionen Bände umfassenden

Internet-Buchsuche zu beteiligen.

Das Angebot der dort verfügbaren Titel

wächst international und seit einem Jahr

auch in Deutschland beständig – einhergehend

mit dem Geschrei um Urheberrechte,

Autorenschutz und Unterwanderung

des Verlagswesen. Ein genauerer Blick

scheint unerlässlich.

Während zunächst nur Werke im Volltext erfasst

werden sollten, deren Urheberrechtsschutz abgelaufen

ist, finden sich nun mehr und mehr Verlage,

die eine Chance erkannt haben, ihren Absatz

zu steigern – durch die Buchsuche bei Google

Print. Hierfür werden – stark vereinfacht – Auszüge

oder ganze Werke gescannt, aufbereitet und

online gestellt, verlinkt und damit abrufbar

gemacht. Das soll schon alles sein? Ein Besuch der

Seite zwängt sich geradezu auf, natürlich nur zu

Forschungszwecken!

Land der unbegrenzten Möglichkeiten

»Das Ziel von Google ist es, die weltweit vorhandenen

Informationen zugänglich zu machen.

Viele dieser Informationen sind jedoch noch

nicht online. Google Buchsuche will Informationen

online verfügbar machen, indem es den

Inhalt von Büchern dort platziert, wo Sie ihn am

leichtesten finden – in Ihren Google-Suchergebnissen.«

Von den Betreibern mit derart verheißungsvollen

Worten begrüßt und herzlich empfangen im

Land der unbegrenzten Möglichkeiten, sind es

freilich nur noch ein paar wenige Schritte, bis

man auch als Verleger in spe der Versuchung

6 Leipziger Lerche Nr. 24

erliegt und die verpönten Inhalte einer gründlichen

(und kostenlosen) Inspektion unterzieht.

Vielleicht lässt sich ganz nebenbei noch die ein

oder andere Perle der Weisheit aufschnappen –

schließlich stehen alle möglichen Prüfungen ins

Haus.

Ein Selbstversuch

Zur pflichtbewussten Suchanfrage zum Stichwort

»Urheberrecht« werden – beschränkt auf deutsche

Publikationen – in der Rekordzeit von 0,3

Sekunden 1730 Titel angezeigt. Eine internationale

Suche würde den Rahmen der studentischen

Imagination und des investigativen Journalismus

sprengen. Eine stichprobenhafte Untersuchung

der angezeigten Fundstücke bringt jedoch

ernüchternde Ergebnisse. So können beispielsweise

bei einem großen Teil der erfassten Bücher

lediglich die Inhaltsverzeichnisse oder kurze

Passagen eingesehen werden, andere bieten noch

nicht einmal diese Möglichkeit, sondern bitten

um Geduld und verweisen auf technische

Schwierigkeiten bei der Vervollständigung des

Angebots. Aha. Eine Spezifizierung der Anfrage

auf »urheberrecht, schutz, verlag« bringt »nur«

noch 46 Treffer und plötzlich brauchbares

Material in komprimierter Form, voll erfasst und

auch auf einem schlecht auflösenden Bildschirm

gut lesbar – der Konkurrenzgedanke nimmt

nachhaltig Gestalt an.

Die umfassende Datenbank erweist sich als einfach

zu handhaben, informativ und bequem, ausgesprochen

preisgünstig – nämlich kostenlos –

und im Gegensatz zur Universitätsbibliothek in

den eigenen vier Wänden befindlich, allzeit geöffnet

und völlig mahngebührenfrei. Allein der

Umfang und die Aktualität scheinen das Manko

zu sein, denn was nützen Gesetzestexte von anno

dazumal? Unseren Selbstversuch hat »books.google.com«

mit Bravour bestanden, ist aber in kaum

einem Fall mehr als ein Zusatzangebot. Eine wei-

Digitale Bibliothek

tere Möglichkeit unter vielen – jedoch kein Ersatz

für das Buch im Schrank.

Und die Verleger? Sie sind wie immer geteilter

Meinung. Während die einen eher Bereicherung

erwarten und begeistert mitmachen oder – mal

wieder – abwarten wollen wie sich die Lage am

amerikanischen Markt austangiert, vermuten andere

hinter den gegenwärtigen Entwicklungen

und Errungenschaften böswillige Angriffe auf

den ohnehin schon hart umkämpften Absatzmarkt.

Denn das Mitmachen ist ganz einfach, vor

allem für Bibliotheken, die sich am Buchprogramm

mit gutem Willen und wenigen Mausklicks

beteiligen können. Werke, deren Schutz

erloschen ist, aber auch von Verlagen freigegebene

Titel sind lediglich von legitimierter Hand auf

einer Liste zu vermerken und schon geht’s los –

aber nur fast, denn die zu erfassende Warteliste

umfasst bereits jetzt mehrere Millionen Seiten.

Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels als

Zentralorgan und gleichsam liebevolle Branchen-

Mutti hat den »Eindringlingen« den Kampf

angesagt. Da der Aufbau einer gemeinsamen

Plattform im Interesse aller Verleger liege, scheint

dies die adäquate Antwort auf den sich anbahnenden

Kontrollverlust zu sein: »Sich von branchenfremden

Anbietern nicht die Butter vom

Brot nehmen lassen«, »mit Erfahrung und technischem

Know-How die Kontrolle über die eigenen

Titel behalten« – löbliche Ansätze, aber

solange das deutsche Verlagswesen immer mindestens

ein Jahr hinter den globalen Entwicklungen

herhinkt, auch nicht mehr als das.

Chancen und Ausblicke

Warum nicht die Gelegenheit beim Schopfe

packen und die so entstehende Plattform nutzen,

als Schnupperstation, als virtuellen Buchladen,

wo ein Titel durchblättert und geprüft werden

kann, auf Tauglichkeit getestet, bestellt und auf

einem neuen Absatzweg an den Leser gebracht

werden kann? Weil Buchmarkt Tradition bedeutet?

Weil neue Dinge Angst machen? Weil alles

immer schlimmer wird? Technischer Fortschritt

hat sich noch nie aufhalten lassen und wird auch

diesmal auf lange Sicht in die Haushalte Einzug

halten – und wenn es soweit ist, profitieren

sicher nur die davon, die dabei sind!

TEXT: KATJA-ELISABETTH SPLICHAL

FOTO: THOMAS SCHULZE


ICUE

Moving the way you read

December 7th, 2005: A new era of reading

begins with the official launch of a promising

idea in the United Kingdom. ICUE

enables the user to read books whenever

and wherever he or she wants. Nothing

special, you think? It’s special when you

haven’t got a ‘real’ book and just a mobile

phone at your fingertips.

This private enterprise presents a new way of

distributing content to readers by sending entire

books to their mobile phone, and enabling them

to read comfortably without having to press any

keys. To avoid the impractical aspect of reading

long texts on a tiny screen, the system uses the so

called tachistoscope technology: one word after

the other appears on the screen of your mobile,

flickering up in front of your eyes to let them absorb

it.The system can be downloaded to any colour-screen

mobile phone, but isn’t yet working

in Germany due to missing contracts with

German mobile providers.

How to get it?

Within the UK, only a few seconds after sending

a text message to 64888, the ICUE-programme

appears on your phone’s applications menu. It

includes a direct link to the book store and a

WAP-based internet site, as well as generating an

internal ‘library’ in which to store the bought

books. It has a system for setting up reading preferences,

such as style, text size and the speed at

which the words appear. The text can also be set

up to scroll automatically across the screen or it

Shakespeare goes mobile

British phone company offers world literature via SMS

The British mobile service for students

Dot Mobile, offered by the London company

Taylor Herring Communications,

follows a new path in sending poems and

literary quotations via SMS. Classics of

English literature – varying from Jane

Austen over Charles Dickens to the great

William Shakespeare – are optimized for

mobile-phones.

The words are transformed into the typical »SMSlanguage«

or even substituted by symbols.The so

called »textification« was developed by John

Sutherland, professor for English at University

College London. He says that this service is a great

opportunity for both, introducing classic literature

to the youth and for students’ preparation for

exams. »The educational opportunities the service

offers are immense.«

can appear word by word or phrase by phrase. In

every chosen way the text will appear automatically,

which is essential for comfortable reading.

Even during reading the user is able to control

the speed, pause and skip back or forward in the

The mobile book

text, just like you can do with a ‘real’ book.

Getting used to the tachistoscope technique will

take two or three minutes reading and a little bit

of practice. Publishing houses in the UK are very

interested in this new way of distribution.

Currently ICUE has deals with major publishing

houses such as Harper Collins, Pan Macmillan

and Egmont. They are negotiating with other

houses including every major player in the UK.

ICUE gets the license for the content of the booksto-mobile

sector and the publisher gets a royalty

split for every book sold. »We ask in exchange

that they make us their exclusive mobile distributor«,

says Jane Tappuni, managing director of

ICUE.

While the project began in January 2006, it’s still

questionable if this method is useful because the

interest of teens in reading books dwindled to a

shocking level. Isn’t it actually an alarming step

back to bring up more and more facilitations

which make thorough reading somehow unnecessary?

Don’t we partly lose the richness and

colourfulness of a beautiful language?

Furthermore, this new kind of »language« doesn’t

follow the grammatical rules. Often letters are

left out and words shortened, which detracts the

ability of reading and understanding longer texts

or writing correctly.

Mr. Sutherland also states, that even Charles

Dickens himself would have supported this idea

because he also worked as a shorthand copyist.

The average cost of a book will be around £5

(approximately Euro 7.50). The mobile operator

takes around 35 per cent of this fee, and the rest

is shared between ICUE and the licenser. »People,

and in particular kids, are far more open to the

idea of using their mobile phones for a variety of

purposes – they’re already using them to play

games, watch TV clips, and send photos to their

friends. Reading off your mobile phone is the

natural next step«, said Sally Gritten, managing

director at Harper Collins. And because of that

teenagers are a main target group of ICUE, but they

are a market that statistics show does not read as

much as other segments.The company hopes that

the new system on a familiar gadget will show

teenagers the modern way to enjoy books and

encourage them to read far more. The promotion

of reading is one of ICUE´s main objectives.

Marc Lewis, a well known new media innovator in

the UK, is the founder of ICUE and represents a 75 per

cent share of the company. »All his profits are being

used to fund a new charity, which focuses on improving

reading skills among teenagers and adults.«,

as you can read on the homepage of the company.

ICUE is also liaising with organisations such as

The Book Trust and the British government, »to

explore ways which ICUE can use to improve

reading skills and to broaden access to books.«

TEXT: NADJA ZEUGHAN, MARIE LOMAX

FOTO: FABIENNE WERNER

MORE INFORMATION

• www.i-cue.co.uk

LITERATURE VIA SMS

• Jane Austen:

1) Fit&Loadd

• William Shakespeare:

2) 2B?NT2B?=???

3) Romeo, Romeo-wher4 R thou Romeo?

• Solutions:

1) ». . .handsome and wealthy . . .«

(Pride and Prejudice)

2) »To be or not to be – That’s the question«

(Hamlet)

3) »Romeo, Romeo, wherefore are

thou Romeo?« (Romeo & Juliet)

Try and find out, whether you might be a fan of

textification yourself, technically you are ready –

if you only own a mobile-phone. TEXT: YVONNE ANGER, FRANSISKA IMMISCH

Leipziger Lerche Nr. 24 7

BRANCHE


BRANCHE

Detailgenau und einzigartig

Industrielle Moderne versus manuelle Kunst

In den letzten Jahrzehnten erfuhr das frühere

Traditionshandwerk eine beachtliche

Wandlung: technische und wirtschaftliche

Entwicklungen in der Buchbinderei

prägten den Beruf in eine handwerkliche

und eine industrielle Richtung.

Noch in der ehemaligen DDR wurden alle Arbeiten

vom Satz bis zur endgültigen Fassung als

Komplettpaket unter einem Dach angeboten und

getätigt. Im Zuge der Wiedervereinigung und

einhergehendem Kapitalismus veränderte sich

dieser Herstellungsprozess.

Mit dem technischen Fortschritt bildeten sich

neue Verfahrensweisen heraus, die das Handwerk

des Buchbinders maßgeblich veränderten. Der

Wandel der Zeit hielt auch vor dem traditionellen

Gewerbe nicht inne, so dass zunehmende Konzentrationsprozesse

zu beobachten waren. Heute

tendiert der Buchbinder zu einer Art »Selbstversorger«

– er ist nicht länger ein Glied der

Kette in der Reihe der Produktionsschritte, er ist

die Kette. Die Arbeitsschritte und –techniken des

Buchbinders sind vielseitig, der Kreativität ist

hierbei kaum Grenzen gesetzt.

Auf die Technik kommt es an

Ein Blick in die Werkstatt von Thomas Schulze,

Reproduktionstechniker an der HTWK Leipzig und

Inhaber einer kleinen Allround-Buchbinderei in

der Nähe von Berlin zeigt, dass Buchbinder die

Fähigkeit besitzen müssen, kunstgerecht mit den

verschiedensten Materialien umzugehen: so entstehen

Gewebebänder,Titelprägungen, Schnittverzierungen

und verspielte Elemente wie das Zeichenband,

das als klassische Orientierungshilfe

im ungezügelten Lesefluss verwendet wird.

Auch Ledereinbände erstatten überzeugend

Bericht über die Wandlungsfähigkeit der buchhändlerischen

Arbeit: die aufwändig gearbeiteten

Franzbände spiegeln verblüffende Lederbearbeitungskunst

wider. Schließlich attestiert das

Endprodukt dem Meister großes Einfühlungsvermögen,

Können und das unermüdliche Bestreben,

etwas Besonderes zu kreieren.

Die richtige Verpackung im Blick

Besonders gefragt sind Alben, Schmuckkästchen,

Kassetten für Münz- oder Markensammlungen,

Buchhüllen oder Mappen. Eine Ausstellung

ausgefallener Werke ließe sich problemlos arrangieren:

Bücher, die sich von sechs Seiten öffnen

lassen oder mit Medaillons versehen sind, herzförmige

oder runde Bücher, Poesiealben aus reiner

Handarbeit – die Fantasie wird hier kaum

eingeschränkt.

Der Buchbinder gibt dem Buch sein adäquates

Gewand und baut durch die Verknüpfung von

Inhalt und Äußerem eine Verbindung zum Leser

auf. Da diese Formen in Zeiten von Massenanfertigungen

dem Industrieeinband zum Opfer

fallen, braucht es kleine Buchbindereien, die in

zwei Bereiche aufgeteilt werden: einerseits auf

Partiearbeit konzentriert, die sich der Klein- bis

Großauflagen annehmen, andererseits Handbuchbinder

wie Thomas Schulze. Sie spezialisie-

8 Leipziger Lerche Nr. 24

Von 6 verschiedenen Seiten zu öffnen: ein Buch des Verlags Faber und Faber

ren sich lediglich auf Kleinstserien mit Schwerpunkt

auf handwerklichen und künstlerischen

Anfertigungen. Handbuchbinder produzieren

überwiegend Bucheinbände. Sie nehmen sich

Zeit für Einzelaufträge und erledigen die meisten

Schritte liebevoll von Hand; im Gegensatz zur

Industriebuchbinderei, wo die Buchfließstrecke

viele Arbeitsplätze ersetzt.

Kurioserweise lassen spanische Unternehmen

Buchbinderarbeiten oftmals in Deutschland fertigen,

deutsche Firmen vergeben ihrerseits wieder

so manch einen Auftrag nach Polen, Tschechien

oder Italien. Gründe für diese Verschiebungen

finden sich in der Angst vor Ideenklau: Damit die

Konkurrenz einem Unternehmen nicht gefährlich

wird, werden Sprachbarrieren und Entfernungen

dazwischen geschoben.

Zur Existenzsicherung der meisten Buchbinder

gehören jedoch nicht die vor Raubkopie zu

schützenden Errungenschaften moderner Bindekunst,

sondern die Standardaufträge aus öffentlicher

Hand. Diese bringen zwar weniger Umsatz

und schränken die kreative Freiheit des Buchbinders

ein, geben ihm zugleich aber Einkommenssicherheit.

Unbemerkt der breiten Öffentlichkeit verfügen

einige Gefängnisse über bestens ausgestattete

Buchbinderwerkstätten. Haftinsassen arbeiten in

diesen Handwerksbetrieben für einen geringen

Lohn und übernehmen einen Teil öffentlicher

Aufträge.

Unterschiedliche, kreative Aufträge

Auch die Deutsche Bücherei in Leipzig besitzt

eine eigene Buchbinderei, die strapazierfähige

Einbände für den Bibliotheksbetrieb herstellt.

Lackiert oder in Folie geschweißt halten sie vielen

Entleihungen stand.

Die Aufträge von Thomas Schulze reichen dagegen

von Bibeln bis hin zu Kochbüchern. In den

meisten Fällen geht es um komplette Anfertigungen:

vom Buchblock über die Einbandfertigung

bis zur Veredelung mit Medaillons oder

dem Verschönern von Buchdecken. Von reinen

Restaurierungen nehmen die meisten Buchbinder

Abstand und geben diese Aufträge an Betriebe

mit entsprechender Spezialisierung weiter.

Realistische Ausblicke

Kunden können heutzutage oftmals

nur schwer nachvollziehen, dass

Einzelanfertigungen, Reparatur oder

Restaurierung eines Buches nach

anderen Zeit- und Kostenmaßstäben

berechnet werden müssen als industrielle

Massenanfertigungen. Selbst

Brancheninterne sehen die Tätigkeit

des Buchbinders oft als sekundär an.

Peter Jessen, Kunsthistoriker und

Bibliothekar, hat diese Entwicklung

folgendermaßen formuliert: »Wie

kommt es doch, dass Tausende und

Abertausende, die ihre Dichter verehren

und lieben, so völlig blind

gegen das Gewand sind, in dem sie

ihnen begegnen, blind gegen alle

Form im und am Buche, gegen den

Einband, die Buchstaben, den Satz,

das Papier, oft genug sogar gleichgültig gegen die

gewöhnlichsten Ansprüche der Ordnung und

Sauberkeit?«

Ist es nicht erstaunlich, dass sich die eigentliche

Arbeitsweise des Buchbinders seit Jahrzehnten

kaum verändert hat? Es ist und bleibt ein Beruf

mit langer Tradition, dessen Geschichte sich im

handgefertigten Buch widerspiegelt. Nehmen Sie

doch beim nächsten Lesen die Schöpfung des

Buchbinders einmal genauer in Augenschein und

genießen Sie traditionelles Handwerk.

TEXT: SABINE GIESSER, MAJA FRANKE

FOTO: VERLAG FABER UND FABER

WEITERE INFORMATIONEN

• Gründung der Leipziger Innung 1544

von 13 Meistern

• Neugründung 1990 mit Beteiligung von

19 Buchbindermeistern und 40 Mitarbeitern

• Kontakt:

www.buchbinder-innungleipzig.de

Mitgliederverzeichnis mit Leistungsprofilen

und Adressen, Preisen und Möglichkeiten

der individuellen Buchbinderleistungen

• Termine:

Leipziger Buchmesse

Buchwerkstatt in Halle 2

Täglich zwischen 10 – 18 Uhr finden

Vorführungen und Veranstaltungen statt


Wir haben der Welt etwas geschenkt

Ein literarischer Streifzug durch Bulgarien

Mit der EU-Osterweiterung wurden westund

osteuropäische Länder zusammen

geführt, deren gemeinsame Wurzeln sich

bis weit in die Vergangenheit zurückverfolgen

lassen. Die Auswirkungen dieses

Zusammenschlusses sind nicht nur auf

politischer und wirtschaftlicher Ebene

spürbar: frischer Wind aus dem Osten beeinflusst

modische und musikalische

Trends westlicher Gesellschaften. Im

Januar 2007 stehen zwei zusätzliche Beitritte

an, sofern Bulgarien und Rumänien

die Kopenhagener Kriterien weiter einhalten.

Grund für uns, einmal genauer

hinzusehen und eine kleine literarische

Reise anzutreten.

Bulgarische Geschichte, Kultur und Tradition löst

wohl bei den meisten westeuropäischen Studenten

ein Gefühl leichter Ahnungslosigkeit aus,

Kenntnisse des Landes beschränken sich im

Allgemeinen auf Oberflächlichkeiten: Sofia als

Hauptstadt, die Donau Grenzfluss zu Rumänien,

der Balkan im Innern Namensgeber für die Halbinsel

sowie die geografische Lage am Schwarzen

Meer. Beginnen wir daher unsere Expedition mit

einem Blick auf vergangene Zeiten.

Geschichtlicher Rückblick

Bis zur Machtübernahme der Osmanen am Ende

des 14. Jahrhunderts pflegte Bulgarien enge

Kontakte innerhalb Europas und war in gesamteuropäische

Entwicklungen involviert. Nachdem

der Staat türkische Provinz geworden war, zerrissen

diese Verbindungen. Die beinahe fünf

Jahrhunderte andauernde Herrschaft der Osmanen

(1396-1878) war, besonders in den

Anfängen, durch erfolglose Aufstände zur

Erlangung der Unabhängigkeit gekennzeichnet.

Mit den Jahren entwickelte sich eine gut organisierte

Befreiungsbewegung, sodass, beeinflusst

durch die bulgarische Aufklärung, ein Nationalgefühl

im Land entstand.

Diese Zeit, die unter dem Stichwort »Nationale

Wiedergeburt« in die Geschichtsbücher einging,

ist durch die Entstehung einer unabhängigen

Kirche und dem Aufkommen bulgarischer

Bildung und Kultur gekennzeichnet. 1855 veröffentlichte

der erste bulgarische Verlag in Plovdiv

nationale Literatur.

Im darauf folgenden Jahr entstanden Lesestuben,

so genannte Tschitalischta, die noch heute als

Bildungseinrichtungen betrieben werden. Militärische

Unterstützung in seinem Freiheitskampf

erhielt Bulgarien 1877 durch die offizielle

Kriegserklärung Russlands an das Osmanische

Reich, ein Jahr später erkannte die Türkei die

Unabhängigkeit des bulgarischen Staates an. Die

folgenden Jahrzehnte waren geprägt von immer

wieder aufflammenden Konflikten und Kleinkriegen

um Gebietszugehörigkeiten mit angrenzenden

Nachbarländern.

Literatur zwischen zwei Jahrhunderten

Wer sich mit dieser Epoche bulgarischer

Geschichte beschäftigt, stößt unweigerlich auf

den Namen Ivan Vazov. Der Schriftsteller, der von

1850 bis 1921 lebte, wird noch heute als

Nationaldichter verehrt und gilt als Begründer

der modernen Landesliteratur. Als Verfasser des

ersten bulgarischen Romans nutzte er einen

Wortschatz von rund 40 000 Wörtern und machte

die Sprache literaturfähig. Seine bekannteste

Erzählung »Unter dem Joch« beschreibt

Situationen des Alltags zur Zeit der Osmanenherrschaft.

Vazov, der selbst in der Bewegung der

nationalen Wiedergeburt engagiert war, schilderte

hier das Leiden der Bevölkerung und sensibilisierte

damit die europäische Öffentlichkeit. In der

Kurzgeschichte »Großvater Joco schaut« erhält

der Leser Einblicke in das Leben eines blinden

Bauern, der seine Tage als Knecht bei Türken ver-

Bulgarische Dorfbewohner am Rande des Balkans

bringt und im greisen Alter erste Vorboten der

bulgarischen Unabhängigkeit erfährt.

Neben Ivan Vazov verarbeiteten weitere

Schriftsteller in ihren Werken die Zeit der türkischen

Herrschaft sowie die anschließenden

Anfänge eines freien Bulgariens. Die Loslösung

vom osmanischen Reich gab der Literatur

schließlich spürbare Impulse: das aufkommende

Freiheitsgefühl war Triebfeder für die Entstehung

neuer Genres.

Die Gedichte Pentscho Slawejkows (1866-1912),

der bisher als einziger Bulgare für den Literaturnobelpreis

nominiert wurde, gelten als Meisterwerke

bulgarischer Lyrik. Slawejkow, der sein

Studium in Leipzig absolviert hatte, trug wie kein

anderer zur Verbreitung deutscher Literatur in seinem

Lande bei. Zu erwähnen wäre an dieser Stelle

auch Jordan Jowkow (1880-1937), der auf einfühlsame

Weise das Leben bulgarischer Bauern

beschrieb. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts sowie

zwischen den beiden Weltkriegen entstand

zudem Literatur, die den europäischen Zeitgeist

aufgriff und sich mit revolutionären und antifaschistischen

Themen auseinandersetzte.

Auf dem Weg ins 21. Jahrhundert

Im kommunistischen Bulgarien besaß Literatur,

wie auch in anderen Ländern der Sowjetunion,

einen hohen gesellschaftlichen Stellenwert.

Schriftsteller genossen besonderes Ansehen, vermittelte

doch das Lesen ein Gefühl von Freiheit.

In diesem Zusammenhang ist die doppelte

Wirkungsmacht der Bücher von Bedeutung: so

wurden systemkonforme, anerkannte Autoren

von Seiten des Staates mit Auszeichnungen und

einer entsprechend hohen Auflage belohnt, während

regimekritische, der Regierung verdächtig

wirkende Dichter bei der Opposition einen

besonderen moralischen Stellenwert hatten.

Stellvertretend sei in diesem Zusammenhang

Schelju Schelew erwähnt, der sich in seiner 1982

erschienenen kontroversen Dokumentation »Der

Faschismus« mit dem deutschen, italienischen

und spanischen Faschismus auseinandersetzte

und Parallelen zum sozialistischen Gesellschaftssystem

aufzeigte. Das Buch wurde aufgrund seines

brisanten Inhalts innerhalb weniger Tage verboten,

Schelew selbst nach dem politischen

Umbruch 1990 zum ersten nichtkommunistischen

Staatsoberhaupt Bulgariens gewählt.

Die Bedeutung anspruchsvoller Literatur hat sich

seitdem gewandelt: Wie in allen kapitalistischen

Staaten hat die Zahl der verlegten Trivialwerke

zugenommen, auch in Bulgarien steht das Buch

in ständiger Konkurrenz zu den elektronischen

Massenmedien. Bulgarische Autoren haben nun

zwar das Privileg der uneingeschränkten Themenwahl,

müssen für diese Freiheit jedoch einen

Ansehensverlust in Kauf nehmen.

Geteilter Blick auf die Balkanhalbinsel

Mit unterschiedlichen Vorstellungen gehen Leser,

Verleger und Buchhändler heute auf das Land am

Schwarzen Meer zu: während die einen das Gefühl

haben, einem Exoten zu begegnen, ist einem

anderen Teil literarisch interessierter Bürger die

bulgarische Literatur stets bewusst gewesen. Auf

der diesjährigen Frankfurter Buchmesse verleiht

KulturKontaktAustria in Kooperation mit dem

Klagenfurter Wieser Verlag zum ersten Mal den

»Großen Preis für Osteuropäische Literatur«. Mit

der Auszeichnung soll Schriftstellern aus dem

europäischen Osten im deutschsprachigen Raum

eine öffentliche Plattform geboten werden.

Eine Anthologie »Bulgarische Prosa« mit einem

Überblick über bulgarische Erzählungen des 20.

Jahrhunderts wird auf Seite 12 vorgestellt.

TEXT: STEFFI GRIMM

FOTO: BALZ WEINGAND

Leipziger Lerche Nr. 24 9

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10 Leipziger Lerche Nr. 24

Auf neuen Wegen

Die Vielfalt der Zusatzgeschäfte

Hier stehen wir, inmitten einer unendlich scheinenden Büchervielfalt.

Unser erster Blick fällt auf bunt gemischte Bücherregale,

die bis unter die Decke reichen.

Nachdem wir uns eine Weile umgeschaut haben, entdecken wir etwas weiter

hinten Tische mit Sonderangeboten. Doch im nächsten Moment richtet

sich unsere Aufmerksamkeit auf eine Bücherreihe, die durch Preis und Aussehen

zu überzeugen scheint.Wir entdecken einen Titel, der uns bereits vorher

im Regal aufgefallen ist. Diesmal wesentlich preiswerter aber dennoch

qualitativ gut verarbeitet, macht er dem anderen Buch starke Konkurrenz.

Hin und her gerissen zwischen diesen beiden Angeboten fällt die Entscheidung

nicht gerade leicht.

Im Dschungel der Bücher

Neben dem Sortiment der Buchverlage bieten Buchhandlungen immer öfter

auch die Bibliotheken und Editionen der Zeitungsverlage an. Aufgrund von

Einbrüchen im Anzeigenmarkt 2001 mussten sich viele Zeitungsverlage raffinierte

Überlebensstrategien einfallen lassen. So entstand eine neue Werbeform

mit Refinanzierungspotential und zusätzlichen Erlösmöglichkeiten.

Zudem konnte die Marke auf diesem Weg, über das eigentliche Kerngeschäft

hinaus, gestärkt werden. Auftakt für diese Entwicklung gab der Süddeutsche

Verlag. Mittlerweile befinden sich Leser wahrlich in einem Dschungel der

Zusatzgeschäfte. Nahezu alle großen Verlagshäuser, die Zeitungen und

Zeitschriften wie »Brigitte«, »FAZ«, »Die Welt«, »Die Zeit«, »Spiegel«,

»Stern« und »Handelsblatt« herausgeben, versuchen ihre neuen Produkte an

den Mann zu bringen. Dabei zeigen sie viel Kreativität. So reicht das

Spektrum des Süddeutschen Verlags beispielsweise von einer allgemeinen

Belletristik-Bibliothek, über eine DVD-Reihe und eine Kinderbibliothek, bis

hin zu einer Krimi-Edition.

Auch die Brigitte Hörbuchedition »Starke Stimmen« und die Brigitte Edition

sind auf dem Markt der Zusatzgeschäfte zu finden. Hierbei scheint der Verlag

darauf zu achten, jene Zielgruppe anzusprechen, die auch mit der Zeitschrift

angesprochen werden soll. Anders ist das Konzept der Frankfurter

Allgemeinen Zeitung bezüglich ihrer Comic-Bibliothek, denn richtet sich

diese doch an ein bedeutend breiteres Publikum, als die Zeitung selbst.

An dieser Stelle könnten noch viele weitere Beispiele aufgezählt werden,

doch sollte man sich auch fragen, wie weit dieser Boom noch gehen wird.

Einerseits besteht die Gefahr, dass sich das Preisbewusstsein für Bücher stark

verändert und Sortimenter große Überzeugungskraft leisten müssen, um den

Käufer von den Preisen der Novitäten überzeugen zu können. Andererseits

könnte der Boom dazu führen, dass dem Medium Buch mehr Aufmerksamkeit

entgegengebracht wird. Durch den geringen Preis und die neuen

Absatzwege könnten auch all diejenigen erreicht werden, welche nicht zu

den alltäglichen Kunden einer Buchhandlung gehören.Vielleicht würde dies

dazu führen, dass wieder mehr gelesen wird.


Andere Wege

So hat es sich auch »Die Zeit« zur Aufgabe

gemacht, mit ihrer Kinder-Edition die Lust am

Lesen und Vorlesen zu wecken, um Kindern die

Welt der Bücher zu eröffnen. Dazu verriet uns

Susanne Gaschke, Herausgeberin der »Zeit«

Kinder-Edition: »In Büchern findet der Leser

Spannung, Abenteuer, Leid, Kummer, Gefahren,

Heldentaten, große Erlebnisse und kleine

Alltagssorgen. Er findet sich selbst und entdeckt

zugleich andere, aufregende Welten, die er nach

Belieben betreten und wieder verlassen kann. Um

diese Freiheit, auf die jedes Kind ein Recht hat,

geht es uns.«

Konzipiert als Vorlesebibliothek beinhaltet die

Kinder-Edition fünfzehn »besondere Schätze der

Kinderliteratur«, die schon lange nicht mehr aufgelegt

wurden und Eltern eventuell aus eigenen

Kindertagen bekannt sein dürften. Ein weiteres

Zusatzgeschäft, bei dem der Verlag jedoch einen

neuen Weg einschlägt. Denn so arbeitet »Die

Zeit« hierfür mit der »Stiftung Lesen« zusammen,

der gesamte Reinerlös kommt den Leseförderungsprojekten

der »Stiftung Lesen« zugute

und unterstützt somit deren Bemühungen, das

Ganz vertieft in die Geschichten des ersten Bands

Lesen in der Medienkultur zu stärken und zu fördern.

Da das Hamburger Verlagshaus bereits seit

längerem mit der »Stiftung Lesen« zusammenarbeitet,

war es wohl nur eine Frage der Zeit, bis

ein solches Projekt verwirklicht werden würde.

Wie auch bei der bundesweiten Vorlesekampagne

»Wir lesen, überall und jederzeit« hat die

Kooperation auch diesmal das Ziel, Vorlesen und

Erzählen populär zu machen. Dabei liefert »Die

Zeit« mit der Kinder-Edition attraktives »Lesefutter«.

Begleitet wird die Kinder-Edition jede Woche

durch einen Artikel in der »Zeit« über das jeweilig

erscheinende Buch. Hier kann man viel

Spannendes über die Autoren, die Erzählung und

deren Entstehung erfahren.

So macht Lesen Spaß!

Neben dem Inhalt der Bücher ist auch die

Gestaltung und Aufbereitung der Werke erwähnenswert.

So werden die fünfzehn hochwertig

ausgestatteten Bände im vorlesefreundlichen

Format erscheinen.

Liebevoll gestaltet mit Halbleinen-Einband,

Leseband und Fadenheftung sorgen die Hardcover

dafür, dass Kinder und Eltern lange Freude

daran haben werden. Für die Illustrationen der

Umschläge sorgte die Kinderbuchillustratorin

Sybille Hein und verleiht ihnen somit ein unverwechselbares

Äußeres. Im Inneren entdecken die

Kleinsten unter uns Lesern die Originalzeichnungen,

die beim Zuhören der Fantasie

keine Grenzen setzen.

Angeregt durch diese schönen Bücher werden

Eltern vielleicht einmal öfter den Gang in die

Buchhandlung wagen, um mit ihren Kindern

zuhause gemeinsam in die Welt von »Frederico

Oktopod und Tünne Tintenfisch« von Adolf Himmel,

»Die Puppe Mirabell« von Astrid Lindgren

oder »Drachen, Katzen, Königskinder« von Edith

Nesbit einzutauchen. »Sie werden kämpferischen

Prinzessinnen und desorientierten Prinzen

begegnen, Zauberer durch den Wilden Westen

und sprechende Tintenfische tief hinunter ins

Meer begleiten.«

Damit ist die neue Edition der »Zeit« nicht nur

ein Zusatzgeschäft des Verlags, sondern vor allem

eine Reise. Eine Reise, die Eltern und Kinder

gemeinsam gehen können.

Ausblicke

Trotz des kaum noch überschaubaren Angebots

an neuen Produkten der Zeitungsverlage würden

die Pressehäuser durchaus gerne mehr Projekte

dieser Art starten. Doch haben sie Probleme,

attraktive Lizenzen für die jeweilige Zielgruppe

zu ergattern. Fraglich ist aber, wie lange sich dieser

Markt noch hält, könnte doch schon bald eine

Sättigung beim Leser eintreten. Doch vielleicht

ebnet »Die Zeit« Kinder-Edition mit ihrer Cha-

rity-Kampagne auch nur einen neuen Weg für

ähnliche Projekte und wir werden noch des Öfteren

zwischen Originaltitel und Editionsausgabe

entscheiden müssen. Werden noch mehrmals

Buchhändler dabei beobachten, wie sie Platz für

die neuen Editionen der Zeitungsverlage schaffen.

Doch so können wir am Ende immer wieder

mit einem guten Gefühl aus der Buchhandlung

gehen, denn alles in allem sind die

Zusatzgeschäfte eine Bereicherung für die

Buchbranche.

TEXT: FABIENNE WERNER, ISABEL KIRSCHE

FOTO: ISABEL KIRSCHE

ILLUSTRATION: SYBILLE HEIN

WEITERE INFORMATIONEN

• www. zeit-kinderedition.de

• www. stiftunglesen.de

Leipziger Lerche Nr. 24 11

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REZENSIONEN

Aufgeschlagen

Akustik, Haptik, Optik

Heinz Ludwig Arnold: »Die Gruppe 47.

Zwei Jahrzehnte deutscher Literatur«,

Der Hörverlag in Zusammenarbeit mit

dem Hessischen Rundfunk, München

2002, 19,95 Euro, ISBN 3-89940-014-3

In diesem Feature stellt Heinz Ludwig

Arnold eine sehr interessante Ausprägung

der deutschen Literaturgeschichte

vor. Er erklärt, wie es zur Gruppe 47

kam, beschreibt mit zahlreichen Originaltönen

das Bestreben der Gruppe und

gibt einen Überblick über wichtige Besucher

der jährlichen Treffen. Oft wird

von der Gründung der Gruppe 47 gesprochen.

Das vorliegende Hörbuch

verdeutlicht dagegen, dass sie zufällig

entstand und viele unterschiedliche Autoren einmal,

mehrmals oder auch die ganzen zwanzig

Jahre des Bestehens der Einladung Hans Werner

Richters folgten. Mit vielen sehr eigenen Charak-

Valeria Jäger, Alexander Sitzmann

(Hrsg.): »Bulgarien Prosa«, Reihe

»Europa erlesen«,Wieser Verlag,

Klagenfurt 2005, 25,90 Euro,

ISBN 3-851-29431

Unter dem Motto »Das Buch hebt

Grenzen auf« veröffentlicht der österreichische

Wieser Verlag seit 1997 literarische

Entdeckungsreisen durch die

Länder Südosteuropas.

»Bulgarien Prosa«, das jüngste Werk in

der Reihe »Europa erlesen«, erfasst die

Vielschichtigkeit der bulgarischen Erzählkunst

des 20. Jahrhunderts. Die

Anthologie enthält 57 kurze Erzählungen

von 39 Autoren. Vertreten sind Klassiker wie

Ivan Vazov (1850-1921), der Begründer der modernen

Nationalliteratur, sowie Autoren der Ge-

Cyrus Dominik Khazaeli: »Crashkurs

Typo und Layout« Rowohlt Taschenbuchverlag,

Reinbek bei Hamburg

2005, 14,90 Euro,

ISBN 3-499-61252-6

Der Erfolg eines Buches, einer Zeitung

oder Zeitschrift hängt selbstverständlich

von den dargebotenen Inhalten ab.

Mindestens genauso wichtig sind aber

der Aufbau des Textes und das Layout,

führen diese doch oft zum ersten Interesse

und zur späteren Kaufentscheidung.

Einen Einblick in die Fähigkeit,

Satzmaterial so anzuordnen, dass beste

Lesbarkeit ermöglicht wird und die Form dem

Inhalt gerecht wird, bietet »Crashkurs Typo und

Layout« von Cyrus Khazaeli. Der Autor spannt in

12 Leipziger Lerche Nr. 24

teren wie Günter Grass, Martin Walser oder

Marcel Reich-Ranicki fanden Treffen der Gruppe

statt, bei denen für alle die selben Regeln galten:

Einer der Autoren setzte sich auf einen Stuhl, las

aus einem unveröffentlichten Manuskript und

stellte sich dann den Kommentaren der anwesenden

Versammlung. Dabei ging

es um handwerkliche und

inhaltliche Kritik. Die vom

Krieg missbrauchte Sprache

sollte von propagandistischen

und belasteten Wörtern befreit

werden. »Nicht einmal

die Sprache war mehr zu gebrauchen,

die Nazijahre und

die Kriegsjahre hatten sie

unrein gemacht. Sie musste

erst mühsam wieder Wort

für Wort abgeklopft werden. Jedem Und, jedem

Adjektiv gegenüber war Vorsicht geboten.« (W.

Schnurre, 1960) Nachdem sich die Gruppe 1967

getrennt hatte, veranstaltete Günter Grass im

genwart wie Alek Popov, Christo Zaprjanov und

Georgi Gospodinov. Das Anliegen des Werkes ist,

der bulgarischen Literatur Gehör und Anerkennung

in Europa zu verschaffen.

Den Auftakt der Literatursammlung

stellt die patriotische Erzählung

»Großvater Joco schaut«

von Ivan Vazov dar. Deren Hauptfigur

ist ein aufgeweckter alter

Bauer, der in einem unzugänglichen

Bergdorf im Balkan lebt.

Sein Leben ist geprägt von der

schweren, leidvollen Zeit unter

osmanischer Herrschaft. Mit Ausbruch

des Russisch-Türkischen

Krieges, der die Unabhängigkeit

Bulgariens einleitete, erblindet

Joco. In der Finsternis seiner Blindheit und der

Tristesse des Dorflebens werden die Symbole der

Unabhängigkeit zu hoffnungsvollen Strahlen.

seinem Buch einen Bogen von den Anfängen der

Schrift bis zu den typografischen Elementen

unserer Zeit. Der Leser erhält eine solide Einführung

in das Thema Typografie

und Layout: die Harmonie einer

Buchseite, praktische Hilfen für

den Aufbau von Zeitungs- und

Zeitschriftenseiten und die Entwicklung

von Marken. Auch den

Besonderheiten, die sich aus der

heutigen Reizüberflutung für

Werbekonzepte als auch der allgemeinen

Gestaltung der Medien

ergeben, ist ein Kapitel gewidmet.

Kurz und knapp werden die

Grundlagen dargelegt, Hintergründe

gezeigt und an Beispielen verdeutlicht.

Die Beispieltexte sind, mit ihren teilweise eigenen

Inhalten, auch selbst lesenswert.

Dezember 2005 mit den Autoren Thomas Brussig,

Michael Kumpfmüller, Katja Lange-Müller,

Benjamin Lebert, Eva Menasse, Matthias Politycki,

Tilman Spengler und Burkhard Spinnen ein

Treffen nach dem früheren Vorbild. Grass geht es

jedoch, im Gegensatz zu damaligen Treffen, darum,

dass aus den literarischen Werkstattgesprächen

politisches Engagement entsteht. Eine der Regeln

Hans Werner Richters war, dass es während der

Lesungs- und Kritikzeit keine politischen Diskussionen

geben sollte.Aber es gab sie natürlich doch:

»In den Pausen ja, abends, nächtelang.« Was für

ihn besonders wichtig war, möchte Grass den

jungen Autoren auch bieten: eine »literarische

Hauptstadt«. Spannend und absolut hörenswert!

TEXT: URSULA EITZEN

Großvater Joco ist stolz auf die Uniform des einzigen

Soldaten des Ortes sowie auf den Pfiff der

neu entstandenen Eisenbahnlinie durch die felsige

Schlucht. Ivan Vazov wird auf Seite 9 dieser

Lerche-Ausgabe näher vorgestellt.

Die Erzählungen der Gegenwart in »Bulgarien

Prosa« stimmen den Leser nachdenklich und

sind zum Teil überraschend skurril. So beschreibt

Alek Popov (geb.1966) in »Die Dienstleistung«

ein absonderliches Geschäft mit dem Tod durch

Enthauptung. Kunden, die diese Dienstleistung in

Anspruch nehmen, werden von den skrupellosen

Geschäftsleuten aber nicht enthauptet, sondern

lediglich um ihr Geld erleichtert. Die Sammlung

ist besonders lesenswert durch ihre Vielseitigkeit,

die den Reichtum der bulgarischen Literatur verdeutlicht.

TEXT: JOHANNA KROBITZSCH

So erfährt man z.B., dass es sich bei den hilfreichen

Informationen am Rand um Marginalien

handelt. Zum Teil geht dadurch der Überblick

etwas verloren, wobei es sich um Text, hilfreichen

Hinweis oder Beispiel handelt. Das tut dem

kompakten Informationsgehalt dieses Buches

aber keinen Abbruch.

Dem anwendungsnahen Konzept wird durch

erste praktische Einblicke in Quark XPress sowie

InDesign Rechnung getragen. Dank der gut nachvollziehbaren

Informationseinheiten eignet sich

das Buch bestens für Einsteiger in das Thema.

TEXT: MICHAELA BARTZSCH


CRM für kleine Verlage

Voland & Quist über Kundenbeziehungsmanagement

Mit dem fast alle Branchen betreffenden

Wandel vom Verkäufer-zum Käufermarkt

hat sich in den letzten Jahren, vornehmlich

bisher bei Großunternehmen, ein

neues Verständnis der Beziehung zum

Kunden entwickelt.

Customer Relationship Management beziehungsweise

das deutsche Pendant

»Kundenbeziehungsmanagement« beschreibt

einen ganzheitlichen Ansatz zur

Unternehmensführung und vereint Aufgaben

aus Marketing, Vertrieb und Kundenservice.

Die übergeordnete Zielsetzung von CRM ist, die

Profitabilität des Unternehmens zu erhöhen.Verbunden

mit einer langfristigen Umsatz- und

Gewinnsteigerung wird als oberstes Ziel die Stärkung

der Kundenbindung über eine höhere Kundenzufriedenheit

anvisiert.

Auch wenn vor allem Softwarehersteller CRM-

Systeme als neue Technologien darstellen und

vermarkten, geht es im Grunde um etwas ganz

Alltägliches, um Höflichkeit gegenüber den Kunden

und Partnerunternehmen. Die verstärkte

Kundenorientierung im Marketing und Vertrieb

kann grundsätzlich losgelöst von jedem Datenverarbeitungs-Bezug

in die Praxis umgesetzt

werden. CRM-Software bietet allerdings die notwendige

Hilfe, um die komplexen Anforderungen

beim Kundenmanagement zu erfüllen

und trägt zu transparenteren und effizienteren

Prozessen bei. Software und Datenbank bilden

also lediglich das Werkzeug, um die Prozesse im

Marketing und Vertrieb optimal zu gestalten. Die

Integration aller Arbeitsplätze mit dem Kundenkontakt

und das Zusammenführen sämtlicher

Kommunikationskanäle, wie Fax, Brief, E-Mail,

Telefon und SMS auf Grundlage einer Datenbank,

sind Kernstück von erfolgreichen CRM-Projekten.

Hinter CRM steht die vielfach zitierte Vorstellung,

die Kunden wie im Tante Emma Laden individuell

anzusprechen, persönliche Präferenzen zu

kennen und dementsprechende Kaufvorschläge

zu unterbreiten. Notwendig dafür sind Data-

Mining-Verfahren, mit deren Hilfe die Daten analysiert

und Zusammenhänge hergestellt werden.

So können über die Kaufhistorie und Interessen,

die man vom Kunden kennt, Klassifizierung und

Segmentierung vorgenommen werden. CRM zielt

darauf ab, jeden Kunden atomar zu betrachten

und im besten Fall Ein-Personen-Segmente zu

bilden.

Gerade bei kleineren Verlagen sind nicht nur

monetäre Ressourcen knapp, sondern meist auch

die zeitlichen. Effizienz im Vertrieb optimiert das

Verhältnis von Vertriebskosten zu Umsätzen.

Durch schnelleres Ausliefern werden Lagerkosten

verringert und Zahlungseingänge können früher

verbucht und damit die Liquidität erhöht werden.

Gleichzeitig trägt Effizienzsteigerung zu ei-

ner gesteigerten Kundenzufriedenheit bei. Auch

die Effektivität kann durch Kundenmanagement-

Programme gesteigert werden. Mehr Informationen

über Kunden können gesammelt und

gezielter verarbeitet werden. Ein CRM-System in

einem Verlag bezieht sich grundsätzlich auf alle

Kunden, ob Sortimenter oder Endkunde, und

Partner (Pressevertreter, Multiplikatoren und

Autoren).

Oft haben gerade kleinere Unternehmen überwiegend

Insellösungen in ihrer kaufmännischen

Software. Wo das Debitorenmanagement nicht

mit der Kundendatenbank verknüpft ist, lassen

sich schwer Aussagen über die Bonität und damit

Profitabilität eines Kunden machen und gezielt

auswerten. Erstes Prinzip von CRM ist daher, alle

Informationen über einen Kunden redundanzfrei

Leif Greinus und Sebastian Wolter

in einer Datenbank abzulegen und bei verteilten

Kundendatenbanken diese miteinander zu verknüpfen.

Die Kundendaten bilden die Basis einer CRM-

Software. Neben den allgemeinen Datenfeldern

wie den Adressdetails oder Bankverbindung sind

Datenfelder zur Segmentierung und Klassifizierung

notwendig. Gute CRM-Systeme bieten

dem Anwender die Option, diese Datenfelder frei

zu konfigurieren und neue anzulegen. Ein weiteres

Indiz für eine funktionale CRM-Anwendung

ist dann gegeben, wenn für jeden Kunden persönliche

Briefanreden und Grußformeln entworfen

werden können. Nur so sind Serienbriefe individuell

gestaltbar und Mailings mit einer höheren

Erfolgsquote versehen. In kleinen Verlagen

wirken sich Fluktuation und Abwesenheit von

Verantwortlichen für Vertrieb/Marketing ungleich

stärker aus, als bei großen Verlagen mit

mehreren Angestellten pro Abteilung. Eine wirkliche

Kundenorientierung ist nur gegeben, wenn

jeder Mitarbeiter den Kundenkontakt sofort und

mit dem gleichen Wissensstand ausführen kann.

Die Kontakthistorie liefert Auskunft über alle

Kontakte von Seiten des Kunden an den Verlag,

wie auch die Kontakte und Mailings vom Verlag

an den Kunden. Dabei sollten das Kontaktmedium,

Datum und Inhalt der Kontakte abrufbar

sein.

Durch diese Dokumentation kann schneller und

gezielter auf die Wünsche des Kunden eingegangen

werden, was die Kundenzufriedenheit erhöht

und die Vertriebsprozesse optimiert.

Grundsätzlich sind Module zur Auftragsverwaltung

und Debitorenmanagement nicht

zwangsläufig Bestandteil von CRM-Software. Eine

Verknüpfung oder besser noch Integration zu

entsprechenden Anwendungen ist in jedem Falle

unabdingbar. Nur so können Informationen über

aktuelle Bestellvorgänge, Vormerker, bisher gekaufte

Titel und den Umsatz abgerufen und analysiert

werden.

Während bei der Hardwareausstattung eine hohe

Abdeckung mit neuer Technik gegeben ist und

modernste Grafikprogramme Anwendung finden,

so ergab eine Umfrage unter kleinen Verlagen,

ist die Aufstellung mit Software für die

Verlagsverwaltung mehr als mangelhaft.

Ob das allein eine Frage des Geldes ist? Zum Teil

sicher schon, kosten doch einzelne Programme

einen fünfstelligen Betrag in der Anschaffung.

Ein anderer Faktor ist sicherlich die Fülle von

Angeboten. Ob nun eine der preiswerten Standardanwendungen

für unter 300 Euro, die allerdings

nicht auf die Buchhandelsbranche abgestimmt

sind, oder die komplexe Software eines

Branchenanbieters für 10.000 Euro, es gibt

immense Unterschiede in Funktionalität, Gestaltung,

Support und Preis. Was fehlt, sind branchenspezifische

Softwarelösungen, die sehr gut

gestaltet und intuitiv bedienbar sind und deren

Basislizenz 1500 Euro nicht übersteigt.

TEXT: LEIF GREINUS, SEBASTIAN WOLTER

FOTO: CORDULA GIESE

WEITERE INFORMATIONEN

• »Voland & Quist« präsentiert lebendige

Literatur:

Als erster Verlag in Deutschland setzt er konsequent

auf die Kombination von Buch und Audio

CD. Auf diese Weise kann man den Lesungen

passionierter Bühnenpoeten lauschen und die

Live-Atmosphäre einer Literaturshow auch zu

Hause nacherleben.

• Leif Greinus und Sebastian Wolter sind Alumnis

des Studiengangs Buchhandel/Verlagswirtschaft

der HTWK.

• www.voland-quist.de

Leipziger Lerche Nr. 24 13

KARRIERE


HTWK LEIPZIG

Typografie im Alltag

Kreativität zwischen Vorlesung und Prüfungsstress

Unter der Headline »Fototype« hat das

Projekt Kulturmanagement des Studiengangs

Buchhandel/ Verlagswirtschaft im

vergangenen Herbst Studierende animiert,

den – künstlerischen – Blick auf

Typografie im alltäglichen Leben zu richten.

Entstanden ist eine Ausstellung, die

ab dem 29. März im »Blickwinkel« im

südlichen Zentrum Leipzigs die originellsten

Bilder der Öffentlichkeit präsentiert.

Ein dampfender Pott Kaffee, dazu die frischen

Brötchen vom Bäcker um die Ecke und die neueste

Ausgabe der Tageszeitung. Studentenleben

morgens um halb zehn, irgendwo in Deutschland.

Während im Nebenzimmer Stapel von

Büchern zur Vorbereitung der kommenden Prüfungen

lagern, nimmt der eifrige Zeitungsleser in

der Küche das aktuelle Weltgeschehen auf – und

setzt sich dabei unbewusst mit Typografie auseinander.

Im Gegensatz zu früher bezeichnet der

Terminus heute das reproduzierte Schriftbild als

solches und wird nur noch selten mit klassischem

Buchdruck in Verbindung gebracht. Laut

Zukunftsträchtiges Kooperationsprojekt

der Universität Leipzig, der Hochschule

für Technik Wirtschaft und Kultur Leipzig

(FH) und der Medienstiftung der Stadtund

Kreissparkasse Leipzig hat begonnen.

Seit dem Wintersemester 2005/06 gibt es in

Leipzig zwei weitere verlockende Angebote für

medial orientierte Studier- und Weiterbildungswillige.

Während an der Universität Leipzig zusätzlich

der Master – Studiengang »Web Content

Management« angeboten wird, hält der neue

Fachbereich Medien der HTWK Leipzig seit

Oktober letzten Jahres den Weiterbildungs-

Master-Studiengang »Technology of Multimedia

Production« bereit. Beide Studiengänge richten

sich an Medienschaffende mit abgeschlossenem

Studium und erster Berufserfahrung, die im immer

feiner vernetzten Geflecht neuer Informations-

und Kommunikationstechnologien auf

disziplinübergreifendes Wissen und spezielle

Fortbildungsangebote angewiesen sind.

Web Content Management (Universität Leipzig)

widmet sich informationstechnischen, journalistischen

und rechtlich – wirtschaftlichen Aspekten.

Der Studiengang Technologies of Multimedia

Production (HTWK Leipzig) legt den Schwerpunkt

auf technische, gestalterische und inhaltliche

Umsetzung von Multimedia-Produktionen.

14 Leipziger Lerche Nr. 24

Plakat zu Fototype

»Galileo Design« ist Typografie die Kunst, Satzmaterial

in Übereinstimmung mit einem bestimmten

Zweck zu gliedern, Typen anzuordnen

und Zwischenräume so zu bestimmen, dass

Lesern das Verständnis von Texten im Höchstmaß

erleichtert wird. Ob in den Massenmedien, auf

Reklametafeln oder dem Klingelschild des Nachbarns,Typografie

umgibt uns überall und wird in

den meisten Fällen als nichts Besonderes wahrgenommmen.

So wie auch Alltag als vertraute

Routine, als Kontrast zum Außergewöhnlichen

verstanden wird. Studenten, Zielgruppe der

erwähnten Ausschreibung. Lebensabschnitte, die

Masterprogramm Medien Leipzig

Web Content Management/Technologies of Multimedia Production

An Konzeption und Vermittlung beteiligt sind

daher auch alle tangierten Lehrgebiete der Hochschulen:

Journalistik, Medieninformatik, Medientechnik,

Informatik, Rechts- und Wirtschaftswissenschaften.

So stellen beide Aufbaustudiengänge

eine fächerübergreifende, berufsbegleitende Ausbildung

und Weiterqualifikation im Bereich

Medien dar und richten sich ob ihrer inhaltlichen

und ausbilderischen Schwerpunktlegung insbesondere

an die potentiellen Führungskräfte von

morgen.

Der Master »Technologies of Multimedia

Production« an unserer Hochschule basiert auf

der Grundlage des Studienfachs »Multimedia-

Technologie« im Studiengang Informatik und ist

– dem System der bereits existierenden Regelund

Masterstudiengänge nachempfunden – in

Module gegliedert. Diese werden in Form von

Präsenz- und E-Learning – Seminaren, Projektarbeiten

und Praktika angeboten. Seminare finden

bis zur Fertigstellung des Mediencampus an

Wochenenden in den Räumlichkeiten der

Medienstiftung der Sparkasse Leipzig in Gohlis

sowie an der HTWK statt und – nomen est omen

– weiterer Lernstoff wird in Form von E-Learning

an der »virtuellen Hochschule« vermittelt. Nach

erfolgreichem Studium werden beide aus vier

Semestern bestehenden Studiengänge mit dem

Master of Science abgeschlossen. Doch nicht der

inhaltliche Novitätswert allein birgt Erfolgs-

sich von den übrigen abheben. Das erste Zimmer

in einer WG oder im Wohnheim, ohne Eltern auf

dem Weg in die Selbstständigkeit. Neugierde auf

die Welt, naive Lebensfreude. Zumindest am

Anfang. Die Entdeckung neuer Interessen,

Fähigkeiten und Hobbys führt – in Zusammenhang

mit kontinuierlichem Wissenserwerbdazu,

dass sich der studentische Blick verschärft,

Hintergründe miteinander verknüpft werden.

Das Projekt Kulturmanagement hat dies erkannt

und mit der Ausstellung aufgegriffen: Studierende

machen sich auf, das Besondere der

Schriftgestaltung im Alltäglichen zu entdecken

und künstlerisch umzusetzen. Als Ausdrucksmittel

steht die Fotografie zur Verfügung. Dass

eine gewisse Sensibilität notwendig ist, um das

Eigentümliche der Typografie zu erkennen und

kunstgerecht auf Fotopapier zu bannen, verdeutlichen

die von einer Jury prämierten Arbeiten der

Ausstellung. Interessierte sind ab dem 29. März

herzlich willkommen, im Blickwinkel, dem roten

Haus am Floßplatz in Leipzig, die studentischen

Werke zu besichtigen.

TEXT: STEFFI GRIMM

FOTO: FABIENNE WERNER

chancen, sondern auch die Kooperation der

Hochschulen. Diese sieht ausdrücklich vor, den

Studierenden das Wissen der Lehrenden beider

Einrichtungen zu Gute kommen zu lassen – gebündelte

Kompetenzen auf einem umfassenden

Lehrgebiet für den entscheidenden Vorteil in der

Praxis.

Dass dieser allerdings nicht ganz umsonst zu

haben ist, bleibt der nicht weg zu diskutierende

Wehrmutstropfen an dem so verheißungsvollen

und staatlich geförderten Verbundprojekt. 2.500

Euro Studiengebühren pro Semester, also 10.000

Euro für einen Master in Regelstudienzeit, könnten

für die meisten Interessenten durchaus eine

Einstiegsbarriere darstellen – nichts desto trotz

geht der Trend deutschlandweit zum Bezahlstudiengang

und es scheint absehbar, dass sich

auch im Kopf der Studierenden ein Umdenkprozess

anbahnt. Qualität hat Ihren Preis. Wenn

dies überall akzeptabel ist, warum dann nicht

auch für eine hochwertige Weiterbildung?

TEXT: KATJA-ELISABETTH SPLICHAL, NATALIE DITTMANN

WEITERE INFORMATIONEN

• www.mml-leipzig.de


Kompetent und voller Erwartungen

Neuer Professor am Fachbereich

Studenten des Studienganges Buchhandel/Verlagswirtschaft

interviewten den

neuen Professor für Rechnungswesen,

Controlling sowie Unternehmensgründung

und -führung.

LEIPZIGER LERCHE: Zum Sommersemester 2006 treten

Sie die Nachfolge von Frau Prof. Erika Barth

an.Was reizt Sie besonders an der neuen Aufgabe

und wie bereiten Sie sich vor?

DR. DIECKMANN: Mit den Gebieten, die ich hier

unterrichten werde, habe ich mich in den letzten

Jahren hauptsächlich beschäftigt. Als kaufmännischer

Leiter bei Weltbild plus war ich zuständig

für Rechnungswesen, Controlling und IT.

Außerdem habe ich schon im Rahmen meiner

Promotion an der Universität Hamburg Begleitkurse

zur BWL gegeben. Insofern ist es mir nichts

Neues, vor Studenten fachliche Inhalte zu vermitteln.

Trotzdem werde ich mich natürlich intensiv

vorbereiten; insbesondere was Didaktik

und Neuheiten in den Bereichen Rechnungswesen

und Controlling betrifft. Ich hoffe auf das

Interesse der Studenten, ich erwarte, dass Studenten

mitmachen, den Stoff kritisch hinterfragen

und den Willen zeigen, ihr Studium erfolgreich

zu Ende zu führen. Nicht nur in meinen Fächern,

sondern in allen.

LEIPZIGER LERCHE: Welches Projekt werden Sie

betreuen?

DR. DIECKMANN: Ich werde von Frau Prof. Barth

das Projekt der Lehrbuchhandlung Bumerang

übernehmen. Erfahrungen im Buchhandel zu

sammeln halte ich für sehr wichtig, besonders

für Studenten ohne buchhändlerische Ausbildung.

Als ich direkt nach der Promotion zu Gondrom

kam, musste man mir »Belletristik« noch

buchstabieren. Gut, buchstabieren nicht, aber in

der Einarbeitungszeit hatte ich Fragen wie: Was

ist ein Barsortiment? Wieso heißt der

Branchenverband »Börsenverein«? Warum muss

man auf Preisbindung Rücksicht nehmen? Obwohl

ich mich intensiv mit Handelsbetriebslehre

beschäftigt habe, waren mir die Branchenspezifika

nicht bekannt.

LEIPZIGER LERCHE: Außer Rechnungswesen und

Controlling geben Sie auch Vorlesungen in Unternehmensgründung

und -führung. Wo werden

Sie den Schwerpunkt legen?

DR. DIECKMANN: Als Assistent des Verlegers beim

Falken Verlag hatte ich den ersten Kontakt zur

Verlagswirtschaft. Dort hatte ich viel mit Lizenzgeschäften

zu tun und habe mich mit Kalkulation

und Preisfindung auseinander gesetzt. Das war

eine spannende Zeit. Trotzdem komme ich aus

dem Buchhandel und würde den Schwerpunkt

hier auch gerne auf den Buchhandel legen. Zum

einen, weil ich mich da auskenne, zum anderen,

weil die großen Buchhandlungen in der Branche

ein immer größeres Gewicht bekommen. Es sind

die Filialisten, die das Gesicht der Branche in Zukunft

noch stärker prägen werden als heute. Aus

meiner Erfahrung bei Weltbild plus, die eine

Tochter von Weltbild und Hugendubel ist, weiß

Prof. Dr. Randolf Dieckmann

ich, dass es bei diesen Unternehmen einen gewissen

Personalbedarf auf der unteren und mittleren

Managementebene geben wird. Dabei sind

aber nicht nur buchhändlerische Fähigkeiten gefragt.

Gesucht werden Menschen mit Personalführungsqualitäten

und damit auch Controllingkenntnissen.

Es ist wichtig eine Wirtschaftlichkeitsrechnung

lesen und verstehen zu können,

denn es bedeutet zu wissen, wo die Stellhebel

sind: Wo kann ich angreifen um erfolgreich zu

sein, um dann auch besondere Bücher herstellen

und verkaufen zu können? Ich denke aber, dass

wir nicht nur buchhandelsspezifisch arbeiten,

sondern eher einen betriebswirtschaftlichen

Rundumschlag machen werden.

LEIPZIGER LERCHE: Es ist zu beobachten, dass

immer öfter Buchhandelsunternehmen von

Filialisten übernommen werden, wie seit dem 1.

Januar 2006 Gondrom von Thalia. Wie sehen Sie

die Zukunft der Filialunternehmen, die noch in

Familienhand sind und die der kleineren Sortimenter?

Haben diese in Zeiten von Konzentrationsprozessen

eine Chance zu überleben?

DR. DIECKMANN: Der Buchhandel nimmt die gleiche

Entwicklung wie andere Branchen des

Einzelhandels vor ihm auch. Inhabergeführte

Einzelunternehmen haben es zunehmend schwerer,

das eigene Geschäft bei stagnierenden

Margen und steigenden Kosten wirtschaftlich zu

betreiben.

Die »großen« Filialisten haben es dagegen vielfach

leichter, unrentable durch ertragsstarke

Filialen zu subventionieren und können an

einem Standort existieren, wenn dies für einen

»kleinen« Sortimenter nicht mehr möglich ist.

Gleichzeitig müssen die Filialisten Marktanteile

gewinnen, um zu wachsen, denn Wachstum

bedeutet unter anderem, mit großen Verlagen auf

Augenhöhe zu verhandeln und dadurch die

besten Konditionen zu erzielen. Bei einem stagnierenden

Markt geht das nur über einen

Verdrängungswettbewerb, wobei die Gefahr besteht,

dass insbesondere die finanziell schwachen

Sortimenter auf der Strecke bleiben. Familienbetriebe,

die filialisieren, müssen dabei

besonders aufpassen. Ein Flop in der Standortwahl

kann das Aus für das gesamte Unternehmen

bedeuten. Aber es gibt genug Ansatzpunkte für

Filialunternehmen in Familienhand oder die

kleineren Sortimente. Für die Familien-Filialunternehmen

wie Hugendubel und Mayersche bieten

sich zum Beispiel Kooperationsmodelle an,

indem bestimmte Buchhandelsprozesse gemeinsam

betrieben werden. Kleinere Sortimente

haben unzweifelhaft eine große persönliche

Kompetenz in Sortiments-gestaltung und -kenntnis,

sie sind häufig engagierter und flexibler oder

haben bestimmte Schwerpunkte.

Das sind alles Ansatzpunkte zur langfristigen

Kundenbindung oder zur Verfolgung einer

Nischenstrategie, in der sich hervorragend überleben

lässt. Man sollte die Entwicklung nicht

kleinreden oder ignorieren, aber auch nicht den

Kopf in den Sand stecken, sondern bewusst und

aktiv mit der steigenden Konzentration umgehen.

LEIPZIGER LERCHE: Sie haben in Großstädten wie

Hamburg und München gelebt.Wie gefällt Ihnen

Leipzig?

DR. DIECKMANN: Ich war schon öfter hier zu

Tagungen und es gibt sehr schöne Gebiete. Ich

werde mich in Leipzig sehr wohl fühlen. Da bin

ich ganz sicher.

LEIPZIGER LERCHE: Das ist schön zu hören. Vielen

Dank für das Interview.

INTERVIEW: URSULA EITZEN, CLAUDIA HANKE

FOTO: PROF. DR. RANDOLF DIECKMANN

ZUR PERSON

• Prof. Dr. Randolf Dieckmann

• 1982-88 Studium der Betriebswirtschaftslehre

an der Universität Hamburg

• Schwerpunkte: Handelsbetriebslehre,

Personalwirtschaftslehre

und Wirtschaftsrecht

• 1988-1992 Promotionsstudium

• 1993-1996 Filialleiter bei Gondrom

• 1996-1998 Verlegerassistent

beim Falken Verlag

• 1998-2006 Kaufmännischer Leiter

bei Weltbild plus

HTWK LEIPZIG

Leipziger Lerche Nr. 24 15


Schleipen

Papier zum Lesen

Studiengang Buchhandel/Verlagswirtschaft

Hochschule: Hochschule für Technik, Wirtschaft

und Kultur Leipzig (FH)

Fachbereich: Buch und Museum

Regelstudienzeit: 8 Semester (incl. Praxis-Semester)

Voraussetzungen: allgemeine oder fachgebundene

Hochschulreife,Vorpraktikum

Studienabschluss: Diplom-BuchhandelswirtIn (FH)

Bewerbungszeitraum: 01.05. - 15.07.2006

Studienbeginn: Wintersemester 2006/07

Informationstag: 22.04.2006

Internet: http://www.htwk-leipzig.de/bum

Weitere Informationen zu den Bewerbungsmodalitäten:

HTWK Leipzig

Dezernat für Studienangelegenheiten

Postfach 30 11 66

04251 Leipzig

„Studium rund ums Buch“

Besuchen Sie den

Gemeinschaftsstand der Hochschulen

„Studium rund ums Buch“

auf der Leipziger Buchmesse 2006

Halle 5, Stand A 400.

Wir freuen uns auf Sie!

LEIPZIGER LERCHE

ISSN: 1430-0737

AUFLAGE: 3.000 Exemplare

HERAUSGEBER: Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig (FH)

Fachbereich Buch und Museum

Studiengang Buchhandel/Verlagswirtschaft

Karl-Liebknecht-Straße 145, 04277 Leipzig

Internet: http://www.htwk-leipzig.de/bum/bv/

projekte/lerche.html

E-Mail: lerche-online@htwk-leipzig.de

V.i.S.d.P. Prof. Dr. Steffen Hillebrecht

REDAKTION: Yvonne Anger,Anja Bareinz, Michaela Bartzsch, Stefanie Beer,

Natalie Dittmann, Ursula Eitzen, Maja Franke, Sabine Giesser,

Steffi Grimm, Claudia Hanke, Franziska Immisch, Anne

Jurack, Isabel Kirsche, Johanna Krobitzsch, Katja-Elisabetth

Splichal, Fabienne Werner, Nadja Zeughan

KORREKTUR: Ursula Eitzen, Steffi Grimm, Katja-Elisabetth Splichal

BILDREDAKTION: Fabienne Werner

ANZEIGEN: Michaela Bartzsch, Maja Franke,Anne Jurack, Katja-Elisabetth

Splichal, Nadja Zeughan

HERSTELLUNG: Ursula Eitzen, Isabel Kirsche

Papierfabrik Schleipen

Kaiserslauterer Straße 405

67098 Bad Dürkheim

Telefon 0 63 22/6 00 80

Fax 0 63 22/6 17 02

Ein Unternehmen der

Cordier Spezialpapier GmbH

Die LEIPZIGER LERCHE

wurde gedruckt auf

Schleipen-Fly 05 spezialweiß

1,2faches Volumen

100g/qm

LAYOUT: Steffi Beer, Natalie Dittmann, Sabine Giesser, Claudia

Hanke, Franziska Immisch, Isabel Kirsche, Johanna

Krobitzsch, Fabienne Werner

VERTRIEB: Michaela Bartzsch, Maja Franke, Anne Jurack, Nadja Zeughan

REPRODUKTION,DRUCK UND WEITERVERARBEITUNG:

Fachbereich Polygrafische Technik:Thomas Schulze, Roger

Troks und Petra Kraft (Fb BuM)

Wir bedanken uns für die freundliche Unterstützung bei:

Marie Lomax, Heiko Rechenberger, Regina Bruch, Prof. Dr. Steffen

Hillebrecht, Linda Tsardakas-Grimm, Dipl.-Ing. Thomas Schulze,

Anke Schlegel, Roger Troks und der Papierfabrik Schleipen.

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