GSV Jahrbuch Mobilität 2024
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JAHRBUCH MOBILITÄT 2024
Dezember 2024
EDITORIAL
ENABLING FUTURE VEHICLE TECHNOLOGIES
Methods and Services for
Virtual Development,
Validation and Operation
• Credible simulation for virtual homologation
• Data exploration for dynamic digital twins
• Human-centered aspects for social acceptance
• SME-hub for software-defined systems
• Various levels of technological maturity
Standort wieder wettbewerbsfähig machen
Die Krisen der Welt scheinen kein Ende zu nehmen
– hatten wir auf eine Stabilisierung der
geopolitischen Lage in 2024 gehofft, so wurden
wir wieder enttäuscht. Im Gegenteil, der Druck
auf Europa in wirtschaftlicher, sozialer und sicherheitspolitischer
Hinsicht ist deutlich angestiegen.
Österreich ist insbesondere durch das
Stottern des deutschen Wirtschaftsmotors stark
in Mitleidenschaft gezogen.
Anstatt einen Anschub zu erfahren, wie von den
USA mit dem Inflation Reduction Act vorgezeigt,
leidet unsere Wirtschaft unter hohen Energiepreisen,
hohen Lohnabschlüssen und fehlendem
Mut für echte Reformen. Dazu kommt eine
überbordende Bürokratie, die zusätzlich auf die
Produktivität drückt. Zurecht fordert Draghi
in seinem Report etwa eine Reduktion der Berichtspflichten
für KMU um 50%.
Eine zentrale Aufgabe jeder kommenden Regierung
muss deshalb die Wiederherstellung der
Wettbewerbsfähigkeit gegenüber der internationalen,
respektive asiatischen Konkurrenz sein, um
Arbeitsplätze am Standort Österreich zu sichern.
Wichtig für den Standort ist auch unsere Infrastruktur:
Die GSV ist im Jahr 2024 in mehreren
Foren auf die notwendige Vernetzung der Verkehrsmodi,
die Frage der Energiebereitstellung
oder die gesamtsystemorientierte Betrachtung
Ihre
unserer Mobilität in einem technologieoffenen
Ambiente eingegangen. Ebenso haben wir die
zunehmende Bedeutung von Digitalisierung für
eine bessere Nutzung der vorhandenen Infrastruktur,
für intelligente Verkehrssteuerung und
nicht zuletzt für ein effizientes Erhaltungsmanagement
behandelt.
Ein Highlight war der Austausch mit Schweizer
Experten unseres Partnervereins Avenir Mobilité
zum Thema Potentiale und Grenzen der Schienen-
und Straßeninfrastruktur.
Der Themenbogen des Jahrbuchs ist wieder weit
gespannt von der Rolle von Beton für Bahnhöfe
und die Bahninfrastruktur als Teil der Lösung
für nachhaltiges Bauen, dem vielfältigen Einsatz
von Drohnen zum effizienten Monitoring von kritischen
Infrastrukturen bis zu modernem Wasserstraßenmanagement
auf der Donau.
Wir bedanken uns wieder insbesondere für die
wertvollen Fachbeiträge unserer Mitglieder und
zum Schluss ein Hinweis: Schauen Sie sich auch
die Inserate und Advertorials an – sie enthalten
viele Themen, die bewegen!
Wie jedes Jahr wünschen wir Ihnen auch heuer
wieder eine anregende Lektüre unseres Jahrbuchs
Mobilität, welches Sie auch auf unserer
Homepage online durchblättern können!
With 300 employees, VIRTUAL VEHICLE is Europe‘s largest research center for virtual vehicle
development in the automotive and rail industry. The focus on industry-oriented research
makes VIRTUAL VEHICLE an innovation catalyst for vehicle technologies of the future.
Dipl.-Ing. Markus Racz
Präsident
Dipl.-Ing. Mario Rohracher
Generalsekretär
Virtual Vehicle Research GmbH
Inffeldgasse 21a
A-8010 Graz
Phone: +43 316 873 9001
Mail: info@v2c2.at
www.virtual-vehicle.at
2 3
ZUKUNFT DER MOBILITÄT
GSV - Forum | Fahrplan zu einer leistbaren Energiewende im Verkehr
Inhaltsverzeichnis
Wir benötigen alle Technologien im größtmöglichen Ausbau
ZUKUNFT DER MOBILITÄT
Fahrplan zu einer leistbaren Energiewende im Verkehr
Länderübergreifender Austausch Österreich – Schweiz:
Potentiale & Grenzen des Schienen- & Straßenverkehrs
Nachhaltige Mobilität in Unternehmen – Wege zum Erfolg
14. vie-mobility Symposium
Faire, inklusive und datenbasierte Mobilität
INTELLIGENTE VERKEHRSSYSTEME
Wer bestimmt, was mit den Autodaten geschieht?
Was Sie über Straßenmauten wissen müssen
Die Zukunft der vernetzten Mobilität
KI & Vernetzung – nächstes Level der Verkehrssteuerung
Automatisierte Mobilität – Jetzt kommt der Realeinsatz
FORSCHUNG & INNOVATION
Satellitengestützte Bauwerksüberwachung
Forschung für das Bahnsystem
LOGISTIK
Internationaler Logistik Sommer 2024
Güter gezielt verlagert mit dem Verlagerungscoach
Nahtlose Vereinigung von Straßen- und Schienenverkehr
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STRASSE
Wege zum optimalen Bau- und Störfallmanagement
Radgipfel 2024
Die technologieoffene Antriebsstrategie von BMW
Höhere Reichweite in der E-Mobilität
Drohnen revolutionieren die Straßensanierung
SCHIENE
Forum Verkehr | Konferenz Schieneninfrastruktur
Höhere Streckenkapazität durch ETCS Level 2
Nachhaltiges Vorzeigeprojekt für Bahninfrastruktur
SCHIFFFAHRT
Niederwasserregulierung für die Schifffahrt
LUFTFAHRT
22. Luftfahrtsymposium
GSV
Mitgliederliste
Impressum
Informationen über alle Aktivitäten der GSV unter www.gsv.co.at
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Foto: GSV
Die Fristen für die Erreichung der Klimaziele
rücken näher: Österreich strebt bis 2040 Klimaneutralität
an, Europa bis 2050. Die Experten
des GSV-Forums „Fahrplan zu einer leistbaren
Energiewende im Verkehr“ Anfang April 2024 im
Techgate in Wien waren sich einig, dass es Technologieoffenheit
und die Zusammenarbeit aller
Stakeholder brauche, damit dies gelingen kann,
wobei das Umweltbundesamt den Begriff Technologieklarheit
bevorzugte.
Shell: E-Mobilität allein wird unser
Problem nicht lösen
Jens Müller-Belau, Geschäftsführer Energy
Transition der Deutschen Shell Holding,
berichtet im Rahmen seiner Keynote, dass der
Mineralölkonzern auf unterschiedliche alternative
Energiequellen setzt: „Wir bieten an unseren
Tankstellen weltweit bereits eine Palette unterschiedlicher
Kraftstoffe an: Biokraftstoffe wie Bio-
LNG und HVO, Wasserstoff und unterschiedliche
Lösungen für die Elektromobilität, jedoch nicht
flächendeckend in allen Märkten. Batteriewechselsysteme
z.B. sind aufgrund hoher Standardisierung
ein reales Geschäftsfeld für uns in China, in
Europa hingegen kaum.“
In Europa werde mit der E-Mobilität die perfekte
Lösung angestrebt und damit das Potential weiterer
Maßnahmen, die früher wirken könnten,
verschenkt. So können bereits heute biogene
Kraftstoffe zur CO 2
-Emissionsreduktion eingesetzt
werden, erste Mengen sind verfügbar. Müller-Belau:
„Hier benötigen wir jedenfalls die Unterstützung
der Politik, damit derartige Maßnahmen nicht
noch zusätzlich behindert werden.“
An der Technologie soll es laut Müller-Belau bei
allen Lösungen nicht scheitern. Die Frage ist,
ob Kunden diese auch nachfragen. In Deutschland
wurden beispielsweise im Jahr 2023 1 Mio.
Ölheizungen eingebaut, etwas Gewohntes und
Funktionierendes, aber fern jeder Energiewende.
Gleichzeitig müsse die Leistbarkeit im Auge behalten
werden. Denn die Energiewende wird uns unbestritten
viel Geld kosten, wie kürzlich auch der
deutsche Wirtschaftsminister Habeck festgestellt
hat. Auch die Zeithorizonte aller Technologien seien
nicht zu unterschätzen.
Grafik: Deutsche Shell Holding
Müller-Belau, Deutsche Shell Holding
4 5
ZUKUNFT DER MOBILITÄT
Wie ist die Situation in Österreich?
Das Energiesystem in Österreich sehe laut Müller-
Belau nicht deutlich anders aus als in Europa, zu
zwei Dritteln beruht es weiterhin auf Öl und Gas,
das sei Fakt. Strom ist nur ein Teil des Energiesystems.
Auch beim Energieverbrauch unterscheidet
sich Österreich kaum von Europa. Bestes Beispiel
ist der Verkehr, der ein Drittel des gesamten Energieverbrauches
ausmacht. Es brauche somit eine
vernünftige europäische Herangehensweise.
In Österreich sind viele Pkw zugelassen (Anm.:
5,1 Mio. im Jänner 2024), beim Verbrauch mischt
der Lkw jedoch kräftig mit. Die Elektrifizierungszahlen
in Österreich seien zwar besser als in
Deutschland, eine schnelle Umstellung der Flotte
findet jedoch auch in Österreich nicht statt. Der
Autokäufer, insbesondere der private, ist verunsichert
und verlängert daher lieber die Lebensdauer
seines bestehenden Autos. Müller-Belau spricht in
diesem Zusammenhang vom Kuba-Effekt.
Eine berechtigte Frage sei auch, wo all der Strom
für E-Autos herkommen soll: Für die aktuelle Elektroautoflotte
in Österreich (Anm.: ca. 170.000
reine Batterieautos) werden bei heute im Markt
bestehenden Anlagen (Durchschnittswerte) laut
Müller-Belau entweder 1,4 GW Leistung aus Windkraft
(465 Windräder) oder 3,3 GW aus Solarstrom
(16,5 km² Solarstrom) benötigt. Mit der zehn-
fachen Menge für die elektrische Mobilität (Vollelektrifizierung)
wären 14,6 GW aus Windstrom
(4.865 Windräder) oder 33,6 GW aus Solarstrom
(165 km² Solaranlagen) zuzüglich entsprechender
Speichertechnologien erforderlich. Zum Vergleich:
aktuell sind 3,9 GW Windräder, 6,3 GW Solaranlagen
und 11,8 GW Wasserkraft in Österreich
installiert. Müller-Belau: „Von den genannten erforderlichen
Erzeugungskapazitäten sind wir noch
weit entfernt und diese würden gerade einmal den
Mobilitätsbereich abdecken. Der Weg ist also noch
lang.“
In Österreich wird bei über 1.800 Tankstellen laut
Müller-Belau bereits eine breite Energiepalette
angeboten: 111 Tankstellen bieten CNG an, 107
Ladestationen, 33 LPG/Autogas, 6 LNG und 5
Wasserstoff. Müller-Belau: „Es bedarf neben dem
Angebot alternativer Produkte auch einer Nachfrage.
Eine Energiewende in der Mobilität muss mit
Bedacht und dem Kunden folgend umgesetzt werden.
LNG ist gerade im Schwerlasttransport eine
gute Lösung, um CO 2
einzusparen. BIO-LNG ist
sogar CO 2
neutral. Ebenfalls sinnvoll ist die Nutzung
von flüssigen Bio-Kraftstoffen, die in heutigen
Bestandflotten zur Dekarbonisierung beitragen
können. Shell baut gerade eine der größten
Biokraftstoffanlagen in den Niederlanden, eine
HVO-Anlage (Anm.: Hydrogen Vegetable Oils),
die stark für den Mobilitätssektor ausgelegt sein
wird.“
Auch im Wasserstoff sieht Müller-Belau grundsätzlich
Potential, doch da sind die Zeithorizonte
länger als bei Alternativen: „Wir bauen in den Niederlanden
die in Europa derzeit größte Elektrolyseanlage
für Wasserstoff mit 200 MW. Schritt für
Schritt geht es zur Skalierbarkeit (von 10 MW auf
200 MW), damit die Technologie auch hinsichtlich
Kosteneffizienz beherrschbar wird. Im Rheinland
haben wir seit heuer eine 10 MW Anlage in Vollbetrieb,
diese deckt etwa 1% des Wasserstoffbedarfs
unserer eigenen Raffinerie. Offizieller Projektbeginn
war 2018 und zu dieser Zeit war das
die größte Elektrolyse in Europa. Wir hoffen, dass
jetzt mehr Marktteilnehmer ähnliche Investments
tätigen, der Markt wird das brauchen. Wir investieren
heute viel in derartige Produkte und hoffen,
dass sich Kunden auch für diese entscheiden.“
Bestes Beispiel sei auch die H2 Mobility Initiative
in Deutschland, bei welcher Shell Partner ist und
knapp 100 Wasserstofftankstellen für aktuell 700
registrierte Autos errichtet wurden. Trendmäßig
sieht Shell im Lkw-Verkehr zuerst biogene Kraft-
strecke) und Wasserstoff (Landstrecke)-Lkw ab
2030 bis 2050 zum Einsatz kommen.
OMV benötigt selbst große Mengen
an grünem Wasserstoff
Michaela Jarosch, Head of International &
Governmental Relations, OMV, berichtet, dass
das Unternehmen vor zwei Jahren in einer neuen
Strategie die Ambition verankert hat, bis 2050
ein Netto Null Emissionsunternehmen in allen
drei Treibhausgas-Scopes zu werden: „Das ist die
größte Transformation, die das Unternehmen jemals
vor sich gehabt hat. Einerseits wollen wir die
Kunden mit den Produkten versorgen, die heute
nachgefragt werden und gleichzeitig Investitionen
tätigen, um die Transformation zu schaffen. Wir
investieren daher weiter in Gas- und Ölproduktion,
aber bauen daneben auch neue Geschäftsbereiche
wie z.B. Geothermie, grünen Wasserstoff
und E-Fuels auf. Im Bereich Chemicals & Materials
wollen wir Kunststoffe im Kreislauf führen - Stich-
stoffe, langfristig werden jedoch Elektro- (Kurzworte
mechanisches und chemisches Recycling.
GSV-Jahrbuch24_3-Antriebe_210x148quer,abf__Layout 1 25.10.2024 13:26 Seite 1
DiE NEUEN MAN TGX, hTGX UND eTGX.
LöwENsTArk. ViELsEiTiG. EffiziENT.
Grafik: Deutsche Shell Holding
Links: Energieverbrauch des österreichischen Mobilitätssektors 2021
Rechts: Es braucht enorme Mengen erneuerbare Energien, um den heutigen
Diesel- und Benzinverbrauch zu ersetzen
Die komplette MAN Lkw-Range, von Wasserstoff- und
Elektro-Technologien bis hin zur modernsten Diesel-Technologie.
6
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7
ZUKUNFT DER MOBILITÄT
Foto: GSV
Ich kann mich Herrn Belau nur anschließen, letztendlich
ist es eine Frage der Kundenentscheidung
und der Kosten. Es geht auch um die Geschwindigkeit
und Komplexität der Regulierung, die in
den letzten Jahren stark zugenommen hat. Diese
Entwicklung macht Investitionen oft schwierig,
da die Unternehmen Investitionen in Projekte
zur Zielerreichung oft zu einem Zeitpunkt treffen
müssen, an dem die gesetzlichen Rahmenbedingungen
nicht klar sind.“
Auch die OMV errichten gerade eine 10 MW-Elektrolyse
Anlage in der Raffinerieanlage Schwechat,
die 3% des in der Raffinerie benötigten grauen
Wasserstoffs ersetzen wird. Wenn die Anlage betriebsbereit
sein wird, bestehe laut Jarosch die
Gefahr, dass diese nicht eingeschaltet werden
kann, weil die Zertifizierung auf europäischer
Ebene noch fehlt – Stichwort Erneuerbaren-Richtlinie-2.
Der Fleckerlteppich in der Umsetzung europäischer
Richtlinien müsse verringert werden.
Ebenfalls sei eine bis zu 200 MW große Anlage
in Planung, die Investitionsentscheidung dazu
aber noch nicht getroffen. Jarosch: „Österreich
hat sich in der Wasserstoffstrategie das Ziel 1GW
Elektrolyseleistung bis 2030 gegeben. Da merkt
man, wie die Ziele der Politik und die Realisierung
auseinanderlaufen. Gleichzeitig müssen Ziele aus
der Kraftstoffverordnung erreicht werden." Das
könne die OMV in Österreich nur, wenn ab 2027
die OMV eine gewisse Menge grünen Wasserstoff
zur Verfügung stellt. Grün alleine reiche nicht aus,
der Wasserstoff müsse Erneuerbaren-Richtlinie-2
taik habe durchschnittlich nur 1050 Volllaststunund
-3 kompatibel sein. Der Bedarf werde enorm
sein, wie Jarosch berichtet: „Einerseits müssen
wir den grauen Wasserstoff, den wir heute in der
Raffinerie einsetzen, durch erneuerbaren Wasserstoff
ersetzen, andererseits müssen wir auch
noch die Wasserstoff-Kapazitäten aufbauen oder
importieren, die wir für künftige Projekte wie E-
Fuels oder SAFs (Sustainable Aviation Fuels) benötigen.
Nebenbei betreibt die OMV auch die fünf
Wasserstofftankstellen in Österreich für derzeit
sehr wenige Wasserstoffautos im Lande. Wir gehen
in Vorleistung, soweit es wirtschaftlich darstellbar
ist. Deutschland ist uns bei Planung von
Infrastruktur wie beispielsweise CO 2
-Infrastruktur
definitiv voraus.“
Auch bei den Förderungen hake es, wie Jarosch
am Beispiel des europäischen Transformationsfonds
der Industrie illustriert. In Österreich wurde
auf politischer Ebene entschieden, die Mineralölindustrie
aus diesem 5 Milliarden Topf auszunehmen.
Das sei weder zur Zielerreichung noch für
den Standort sinnvoll.
Müller-Belau ergänzt, dass insbesondere die
Stahlindustrie viel Wasserstoff benötigen wird.
„Diese laufende Prozesse können nicht einfach mit
dem Tankwagen oder dem Zug versorgt werden.
Entweder benötigt es eine eigene H2-Produktion
oder ein Partnernetzwerk. Wasserstoff ist für die
Industrie aktuell noch viel wichtiger als für den
Straßenverkehr, weil dort einiges nicht elektrifiziert
werden kann. Um eine Wasserstoffinfrastruktur
in kritischer Menge zu befüllen, muss die Politik
low carbon Wasserstoff in einer Übergangsphase
erst einmal zulassen. Denn die Verfügbarkeit von
grünem Wasserstoff ist äußerst begrenzt und es
ist nach wie vor nicht klar reguliert, wie dieser
konkret auszusehen hat. Ohne diese Klarheit ist
jede Investition schwierig.“
AVL: Die weltweite Entwicklungsnachfrage
ist unterschiedlich
Martin Rothbart, Senior Produktmanager,
Energie und Nachhaltigkeit, AVL, betont die global
unterschiedliche Entwicklungsnachfrage: „In
Europa wird E-Mobilität stark nachgefragt, in den
USA und China auch der Verbrennungsmotor. In
China hat auch der Range Extender einen zweiten
Müller-Belau (Deutsche Shell Holding), Heinfellner (Umweltbundesamt), Rothbart (AVL), Jarosch (OMV), Sponring (PwC Österreich), Rohracher (GSV)
Frühling. Die E-Mobilität ist eine wichtige Säule in
unserem Unternehmen, gleichzeitig brauchen wir
durch Märkte, die den Verbrennungsmotor nachfragen,
weiterhin eine breite technologische Aufstellung.“
Parallel zur Entwicklungsnachfrage werden weltweit
auch unterschiedliche Ansätze verfolgt, was
die Erfassung des CO 2
-Ausstosses betrifft: Japan
betrachtet beispielsweise die Well to Wheel
Emissionen, Europa hält nach wie vor am Tank to
Wheel Ansatz fest. Japans Weg ist aus der Sicht
von Rothbart der richtige: eine zukünftige Lebenszyklusanalyse
erlaubt es, alle Wege zur Verringerung
von CO 2
nebeneinander zu legen und dann
eine objektive Entscheidungsgrundlage zu haben.
PwC: Zeit wird bei der Energiewende
das größte Problem
Michael Sponring, Leiter Energie bei PwC Österreich,
hat sich mit Details zur Stromstrategie
2040 beschäftigt. Die zu erwartende Verdoppelung
des Stromverbrauches von derzeit rd. 70 TWh auf
140 TWh mache eine Verdreifachung der vorhandenen
Kapazitäten erforderlich. Denn der künftig
wichtigste erneuerbare Energieträger Photovol-
den im Jahr in Österreich (Zum Vergleich: 1 Jahr
hat 8.760 Stunden). Das wird für die Netze und
deren Ausbau eine gewaltige Herausforderung.
Sponring: „Im Netzbereich werden Kosten in Höhe
von bis zu 60 Milliarden Euro bis 2040 in Österreich
erwartet. Zuzüglich der erneuerbaren Erzeugungseinheiten
sind es schnell über 100 Milliarden
Euro. Das erfordert Zeit und Fachkräfte. Zeit wird
das größte Problem, hinderlich ist vor allem die
Akzeptanz in der Bevölkerung. Mit unserem Familienunternehmen
haben wir 2023 ein Wasserkraftwerk
mit einer Leistung von knapp 2 MW eröffnet,
14 Jahre hat es bis zur Inbetriebnahme gedauert.
Wenn dieses Tempo so weiter geht, werden wir die
komplette Umstellung 2040 sicher nicht schaffen.“
Immerhin habe Österreich EU-weit als eines der
ersten Länder kürzlich den Österreichischen Netz-
Infrastrukturplan (kurz „ÖNIP“) vorgelegt. Alle
müssen an einem Strang ziehen und es sind noch
viele Hürden auch regulatorischer Art zu überwinden.
Als Beispiel sei es derzeit etwa unklar, ob und
wenn ja, wie Stromspeicher im Netz eingesetzt
werden dürfen oder nicht.
Ohne Energieimporte werde es aus Sicht von
Sponring keine Energiewende geben. „Im Rahmen
der Stromstrategie 2040 sind wir davon ausge-
Foto: GSV
Jarosch (OMV), Sponring (PwC Österreich)
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Entspannt und
gangen, dass nur 20% des Wasserstoffbedarfes
aus österreichischem Strom kommen wird können.
Der Bedarf ist jedoch enorm, man denke hier
an ein Gaskraftwerk mit der Größe des Kraftwerks
Simmering in Wien: Wenn man dieses vollständig
mit Wasserstoff betreiben wollte, bräuchte
man dafür rd. 500 Waggons an Wasserstoff pro
Tag. Oder ein anderes Beispiel, um Größenordnungen
einzuschätzen: die OMV produziert derzeit
rd. 3.000 Tonnen Sustainable Aviation Fuels
(kurz „SAF“) am Standort Schwechat, doch alleine
die AUA braucht 800.000 Tonnen Flugtreibstoff
pro Jahr. Wir sind da noch weit von den Zielen
entfernt. Dennoch ist es wichtig anzufangen und
technologieoffen in die Zukunft zu blicken.“
UBA: Alle Technologien im größtmöglichen
Ausbau sind erforderlich
Holger Heinfellner, Teamleiter Mobilität, Umweltbundesamt,
begrüßt die in der Diskussion
angesprochenen Fortschritte: „Es freut mich sehr,
dass wir über den Schritt hinaus sind, wo wir Technologien
und Kraftstoffe gegeneinander ausspielen,
das war vor zwei bis drei Jahren noch durchaus
der Fall. Wir benötigen alle Technologien im
größtmöglichen Ausbau. Wichtig ist vor allem ein
Einsatz mit Bedacht – Stichwort Energieeffizienz.“
Die Kritik an der kurzen Realisierungsspanne für
den Transformationsprozess wie beispielsweise die
CO 2
-Reduktionsziele lässt Heinfellner nicht gelten:
„Die Ziele gibt es schon sehr lange. Früher waren
sie strategisch und unverbindlich. Jetzt drängt
allmählich die Zeit, deswegen werden sie jetzt
gesetzlich verbindlich und alle 5 - 10 Jahre entsprechend
nachgeschärft. Auf freiwilliger Basis ist
leider zu wenig passiert.“
Auch das Umweltbundesamt sieht die Notwendigkeit
von Importen: „Es ist ein Fakt, dass wir aus
inländischer Produktion nicht ausreichend Strom
aus erneuerbarer Energie produzieren werden
können, um das heute gelebte Mobilitätsverhalten
aufrecht zu erhalten. Jedoch haben wir Preis- und
Versorgungsunsicherheit durch Importe. Daher
sollte die Energieeffizienz im Inland möglichst
hoch sein.“ Ein Antriebs- und Kraftstoffwechsel
allein werde laut Heinfellner nicht genügen. Es
gelte das Motto Verkehr vermeiden, jedoch nicht
verunmöglichen: Maßnahmen wie z.B. den Pkw-
Besetzungsgrad erhöhen, auf umweltfreundlichere
Alternativen umzusteigen und für verbleibende
Wege Verbesserungen vorzunehmen, um mit der
vorgegebener Energiemenge auskommen zu können.
Heinfellner kommentiert weitere angesprochene
Punkte:
• E10: Eine frühere Einführung wäre laut UBA
sinnvoll gewesen. 10 Jahre habe es gedauert,
vor allem die Fahrzeughersteller waren dagegen
und hatten Bedenken zwecks Motorverträglichkeit.
• Lebenszyklusbetrachtung auf EU-Ebene:
Mit Initiativen wie Count Emissions und weiteren
gehe es auch auf EU-Ebene stärker in die
Richtung, die ganze Kette zu berücksichtigen.
• E-Fuels: Massive Verfügbarkeitsprobleme verhindern
eine Umstellung der Fahrzeugflotte von
heute auf morgen. Bereits im Flugverkehr sind
die SAF knapp und die Beimischungsquote muss
bekanntermaßen immer höher werden.
• Biokraftstoffe: Bei Biokraftstoffen dürfen die
vorgelagerten Emissionen insbesondere aus
dem Rohstoffanbau nicht vergessen werden.
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Mehrwertsteuer-Rückerstattung: unkomplizierte
Abrechnung über viele Ländergrenzen hinweg
Foto: GSV
Zu E10 ergänzt Müller-Belau, dass E10 in Deutschland
anfänglich deshalb gescheitert sei, weil der
Kunde stark verunsichert war. Künftig müsse versucht
werden, besser abgestimmt vorzugehen.
Autor: Bernhard Weiner, GSV
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ZUKUNFT DER MOBILITÄT
Foto: Katharina Schiffl
GSV - Forum | Länderübergreifender Austausch Österreich - Schweiz
Potentiale und Grenzen im Schienen- und Straßenverkehr
Österreich und die Schweiz haben viele Gemeinsamkeiten:
Beide Länder sind geprägt durch alpines
Gelände und eine hohe Anzahl von Sonderbauwerken
wie Brücken oder Tunnel, ähnlich
große Einwohnerzahl, starke Engagements in das
System Bahn, gleichzeitig aber auch Stausituationen
um Ballungsräume und Herausforderungen
in der Erhaltung der bestehenden Infrastruktur.
Anlass genug für die GSV und ihren strategischen
Partner aus der Schweiz, Avenir Mobilité, einen
gemeinsamen hochkarätig besetzten Austausch
Anfang September 2024 in Wien zum Thema „Potentiale
und Grenzen im Schienen- und Straßenverkehr“
zu organisieren, an dem rund 150 Teilnehmer
teilgenommen haben.
Markus Racz, Präsident der GSV und Kurt Fluri,
Präsident der Avenir Mobilité, freuen sich
über den gemeinsamen Austausch und heben die
konstruktive langjährige Zusammenarbeit beider
Organisationen hervor. Beide Veranstalter wollen
mit hochkarätigen und sachneutralen Fachveranstaltungen
einen wichtigen Beitrag leisten, damit
relevante Verkehrs- und Mobilitätsfragen diskutiert,
hinterfragt und entsprechend vorangetrieben
und gelöst werden.
Begrüßung Kurt Fluri (Präsident Avenir Mobilité) und Markus Racz (Präsident GSV)
Keynote Stefan Weiss, Geschäftsführer SCHIG
SCHIG: Zukunft der Bahn in
Österreich
In der ersten Keynote berichtet Stefan Weiss,
Geschäftsführer der Schieneninfrastruktur-
Dienstleistungsgesellschaft (SCHIG), über
einen regelrechten Bahnboom in Österreich und
das Zielnetz 2040. Erfolgsfaktoren seien günstige
Tickets, attraktive Verkehrsangebote sowie
eine verlässliche Infrastruktur. Weiters punktet
die Bahn durch hohe Sicherheit, im Idealfall
hohe Pünktlichkeit und Verlässlichkeit sowie hohe
Energieeffizienz. Etwas schwerer tut sich die Bahn
aufgrund starrer Fahrpläne bzw. Trassenreservierungen
mit der Flexibilität, was freilich auch für
die langfristige Planung und Errichtung neuer Infrastruktur
gilt. Daher ist eine sorgfältige in die
Zukunft gerichtete Planung entscheidend.
Oberstes Ziel ist aktuell das von BMK, ÖBB Infrastruktur
AG und SCHIG mbH gemeinsam erarbeitete
Zielnetz 2040, aus dem sich wiederum
sechsjährige Rahmenpläne ableiten, die sich jedes
Jahr erneuern – dies sorgt zumindest für sechs
Jahre für finanzielle Stabilität. Finanziert werden
diese Rahmenpläne durch Zuschussverträge zwischen
ÖBB und dem Klimaministerium. Highlights
im Zielnetz 2040 sind die neue Innkreisbahn, dank
der die Fahrzeit zwischen München und Wien von
Foto: Katharina Schiffl
Foto: Katharina Schiffl
aktuell vier Stunden auf zweieinhalb Stunden reduziert
werden kann, sowie der weitere Ausbau
der West- und Südstrecke. Weiss: „Insgesamt
sieht das Zielnetz 2040 Investitionen in Höhe von
rund 26 Milliarden Euro vor. Der Rahmenplan von
2024 bis 2029 umfasst ein Investitionsvolumen
von 21,1 Milliarden.“ Wesentlich beim Ausbau
der Eisenbahninfrastruktur sei die weitere Forcierung
des integrierten Taktfahrplanes, also dass an
Bahnhöfen Umstiege innerhalb kurzer Zeit effizient
möglich sind. Dafür ist es zum Beispiel unerlässlich,
die Fahrtzeit zwischen Linz und Salzburg
auf unter eine Stunde zu bekommen. Weiss: „Das
ist ein großer Vorteil dieser fahrplanbasierten Infrastrukturentwicklung,
dass es schon klare Vorstellungen
gibt, wie die spätere Nutzung aussehen
kann. Zur Absicherung des Integrierten Taktfahrplanes
wird derzeit in Europa und Österreich die
Einführung von Systemtrassen diskutiert, die unabhängig
vom Eisenbahnunternehmen wären.“
Keynote Andreas Tropper, Baudirektor Land Steiermark
Steiermark: Situation der Landesstraßen
in Österreich
In der zweiten Keynote berichtet Andreas Tropper,
Baudirektor Land Steiermark, über die
Herausforderungen des österreichischen Landestraßennetzes
am Beispiel Steiermark. Dieses
ist 5.000 Kilometer lang inklusive 3.300 Brücken
und Galerien. Haupttätigkeit ist die Erhaltung, der
Neubau ist mit rund sieben Kilometer pro Jahr
kaum mehr relevant. Gleichzeitig steigt der Verkehr
hauptsächlich auf der Straße immer weiter an,
die Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schiene
ist in den letzten Jahren nicht wirklich gelungen
und auch im Personenverkehr gibt es an den
Modal Split Verlauf Steiermark (Wege werktags nach Hauptverkehrsmittel)
64% Anteil des motorisierten Individualverkehrs
in der Steiermark maximal leichte Rückgänge.
In der Erhaltung setzt man nun voll auf die Digitalisierung,
jeder Kilometer des Landesstraßennetzes
wurde aufgezeichnet. Problematisch sei die Finanzierung,
sämtliche Versuche einer Finanzierungsstabilität
wie Mauten etc. sind gescheitert. Tropper:
„Wir müssen jedes Jahr kämpfen, um die Straßeninfrastruktur
auf Landes- und Gemeindeebene ordentlich
zu erhalten. Nach wie vor haben wir nicht
einmal ausreichend Mittel, um das Netz auf dem
heutigen Stand zu halten. Wir zögern Maßnahmen
ziemlich lange hinaus, haben im untergeordneten
Netz dann oft riesige Baustellen. Daher suchen
wir auch mit Forschungseinrichtungen nach neuen
und kostengünstigeren alternativen Baumaßnahmen,
vor allem dort, wo die Belastungen nicht so
groß sind. Erschwerend kommt hinzu, dass 2024
Grafik: Land Steiemark
Foto: Katharina Schiffl
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ZUKUNFT DER MOBILITÄT
Grafik: ASTRA
entscheidet. Bis 2030 stehen die prioritären Proein
Rekordjahr an Umweltschäden ist. Wir hatten
bis jetzt immer Schäden in der Höhe von 1 - 2
Mio. Euro pro Jahr, heuer sind es bereits 12 bis
13 Mio. Euro. Zum Vergleich: Unser Gesamtbudget
für die Erhaltung beträgt 100 Mio. Euro.“
Schweizer Straßen – Finanzierung
und Ausblick
Im Rahmen der dritten Keynote berichtet Guido
Biaggio, Vizedirektor und Leiter Abteilung
Straßeninfrastruktur Ost, ASTRA, über die Finanzierung
der Nationalstraßen und Ausbauvorhaben.
Eine wichtige Finanzierungssäule ist die Mineralölsteuer,
von der in der Schweiz etwa 40% in
den allgemeinen Bundeshaushalt und 50% in die
Spezialfinanzierung Straßenverkehr (Bergstraßen,
Hauptstraßen, kantonale Verkehrsinfrastruktur,
1,3 Mrd. CHF) fließen (Anm. der Redaktion: in Österreich
wurde die Zweckbindung der MöSt 1987
aufgehoben, seither fließen die Einnahmen ins allgemeine
Budget). Weiters gibt es den Nationalstraßen-
und Agglomerationsverkehrsfonds (NAF),
der seine Mittel aus dem Mineralölsteuerzuschlag
(Zuschlag auf Benzinpreis, 1,7 Mrd. CHF), der Nationalstraßenabgabe
(Autobahnmaut mit 40 Franken
pro Jahr recht günstig, 420 Mio. CHF), der
Automobilsteuer (380 Mio. CHF) und zu geringen
Teil auch aus der Mineralölsteuer (180 Mio. CHF)
erhält. Der NAF ist ein zweckgebundener Fonds,
diese Mittel können nur zu Gunsten der Nationalstraßen
und Agglomerationsprojekte verwendet
werden. Weiters existiert noch eine Schwerverkehrs-Abgabe,
die hauptsächlich zur Finanzierung
des Bahninfrastrukturfonds (BIF) verwendet wird.
Verwendung der Einnahmen analog Mineralölsteuern:
Anpassung der Bundesverfassung
Steuern und Abgaben aus dem Verkehr
Mineralölsteuer
Mineralölsteuerzuschlag
Nationalstrassenabgabe
Automobilsteuer
Schwerverkehrsabgabe
Abgabe E-Fz (Grundtarif)
Abgabe E-Fz (Zuschlag)
Verwendung
40−50%
Allgemeiner Bundeshaushalt
Avenir Mobilité Wien – 5./6. September 2024 – Guido Biaggio 14
Bundesamt für Strassen ASTRA
50%
i.d.R.
10%
100%
Spezialfinanzierung
Strassenverkehr (SFSV)
Nationalstrassen- und
Agglomerationsverkehrsfonds
(NAF)
Kantone
Bund bzw.
Bahninfrastrukturfonds (BIF)
Das ASTRA will die Finanzierungslücke durch E-Fahrzeuge bis 2030 schließen
1/3
2/3
Guido Biaggio, Vizedirektor und Leiter Abteilung Straßeninfrastruktur
Ost, ASTRA
Trotz dieses nachhaltigen Finanzierungssystems
werde es künftig eng hinsichtlich der Straßenfinanzierung,
da E-Fahrzeuge in der Schweiz wie in
vielen anderen europäischen Ländern keine Steuer
entrichten müssen. Deren Anteil steige laufend,
zuletzt machten batterieelektrische oder Plug-in-
Hybride 30% aller Neuzulassungen aus. Das ASTRA
drängt daher, diese Finanzierungslücke bis spätestens
2030 zu schließen. Möglich wäre eine Besteuerung
entsprechend der Fahrleistung in km (inklusive
Fahrzeugkategorie und Fahrzeuggewicht)
oder der Strommenge in kWh direkt bei der Abgabestelle.
Es folgt nun eine breite Konsultation, in
deren Rahmen diese zwei Lösungsmöglichkeiten
vorgeschlagen werden sollen, letztendlich brauche
es eine Volksabstimmung. Für 2024 rechnet
Biaggio noch mit einem positiven Saldo (Einnahmen
2,7 Milliarden, Ausgaben 2,4 Milliarden), aber
die Prognosen für die kommenden Jahre zeigen
deutlich, dass die Einnahmen zurückgehen. Biaggio:
„Darum haben wir klaren Handlungsbedarf.
Jährlich investieren wir fast 1,8 Milliarden für den
Unterhalt und den Ausbau des Nationalstraßennetzes.“
Auch der weitere Ausbau der Straßen ist wesentlich,
wobei Effizienzsteigerung (bestehende Straßen
besser nutzen, Verkehrsverlagerung, übergeordnete
Ansätze) vor Erweiterungen komme.
Insgesamt spricht Biaggio von 50 Groß- bzw.
Erweiterungsprojekten, diese wurden nach Dringlichkeit
entsprechenden Realisierungshorizonten
zugeordnet, über die das Parlament alle vier Jahre
Foto: Katharina Schiffl
jekte in den Bereichen Genf, Bern, Zürich, St. Gallen
und Basel im Fokus. Von diesen hat das Parlament
sechs Projekte um insgesamt 5 Milliarden
Euro ausgewählt. Dagegen ist von mehreren Verbänden
das Referendum ergriffen worden, womit
das Volk im November 2024 das letzte Wort hat.
Biaggio: „Es ist für uns wichtig, dass diese Vorlage
durchkommt, weil sonst unsere Strategie auch für
die kommenden Jahre in Frage gestellt wird. Wir
sind zuversichtlich. Wir haben gute Argumente,
aber wir müssen auch kämpfen.“
Die Schweiz investiert weiterhin
viel in die Bahn
Beat Deuber, Mitglied der Geschäftsleitung
Infrastruktur, Leiter Netzdesign, Anlagen &
Technologie bei der SBB AG, berichtet im Rahmen
des ersten Panels über den guten Zustand
der Schweizer Bahninfrastruktur: „Wir konnten
die Verfügbarkeit unseres Netzes in den letzten 10
Jahren kontinuierlich steigern. Lediglich 7% unseres
Netzes betreiben wir nicht mehr im betriebs-
und volkswirtschaftlichen Optimum. Jedoch haben
wir eine stetig steigende Belastung. Uns gehen
die Zeitfenster, in denen wir unsere Infrastruktur
unterhalten und instand setzen können, aus. Wir
haben erste Kantone, die für Agglomerationen
einen 24h Bahnbetrieb bestellen, womit es noch
schwieriger wird.“
Die Schweiz investiert auch weiterhin kräftig in die
Bahn: Eine Milliarde CHF in neue Bahninfrastruktur
und 2,5 Milliarden CHF in den Substanzerhalt
der bestehenden Infrastruktur. Mit dem Angebotskonzept
2035 sollen künftig 20% mehr Sitzplätze
angeboten werden als heute. Die großen Projekte
sind bereits beauftragt. Wichtig zur Zielerreichung
seien vor allem kleinere Infrastrukturinvestitionen
wie konfliktfreies Kreuzen, Aus- und Einfädeln
sowie Ausziehgleise in den Bahnhöfen (für
Wendemanöver), etc. Gut gefallen haben Deuber
die Worte von Weiss, dass vor dem Ausbau der
Fahrplan komme. Auch in der Schweiz sollen die
zukünftigen Ausbauten angebotsbasiert definiert
werden.
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gemeinsam stark für Österreichs Mobilität.
Die SCHIG mbH ist Kompetenzzentrum für Eisenbahnwesen:
› Bestellung des Schienenpersonenverkehrs
Im Auftrag von Bund und Ländern bestellen wir beinahe den gesamten Schienenpersonenverkehr in
Österreich.
› Infrastrukturkontrolle und Notified Body
Wir begleiten und kontrollieren die Eisenbahn-Infrastrukturprojekte der ÖBB-Infrastruktur AG sowie
der Privatbahnen Österreichs.
› Förderungen
Jährlich vergeben wir rund 200 Millionen Euro an Förderungen auf und abseits der Schiene.
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14 15
ZUKUNFT DER MOBILITÄT
Foto: Katharina Schiffl
ÖBB Infrastruktur: Rekordinvestitionen
in das Schienennetz
Auch die ÖBB investieren derzeit kräftig rund 3
Milliarden Euro pro Jahr in das Schienennetz, betont
Judith Engel, Vorständin, Netzausbau &
Infrastrukturbereitstellung bei der ÖBB Infrastruktur
AG. Hervorzuheben seien die großen
Tunnelbauprojekte Semmering (Eröffnung 2030),
Koralm (Eröffnung 2025) und auch der Brenner
Basistunnel (2032+). Engel: „Die große Welle an
Investitionen schiebt sich zunehmend in das Bestandsnetz
und wir haben nicht nur bei der Instandhaltung,
sondern auch bei den Ausbauvorhaben
zunehmend das Problem, dass wir dem
laufenden Betrieb in die Quere kommen. Zusätzlich
steigen auch die Zugkilometer, vor allem im
Personenverkehr. Erfreulicherweise sind wir trotz
der Herausforderungen des steigenden Verkehrs,
der alternden Schiene und zunehmend nicht vorhandener
Zeitfenster, ins Gleis gehen zu können,
vom Netzzustand her konstant. Aber es wird zunehmend
schwieriger.“
Engel berichtet von vielen weiteren Investitionen
in der Ostregion, im Raum Wien und Umgebung
und rund um Linz. Von Linz Richtung Salzburg
fehlen beispielsweise noch viergleisige Abschnitte.
Bis 2040 soll im Vergleich zu 2018 die Kapazität
auf der Schiene verdoppelt, also doppelt so viele
Zugkilometer abgewickelt werden. Zur Zielerreichung
werden ganz erhebliche Beiträge aus der
Digitalisierung des Zugbetriebes und des rollenden
Materials benötigt, Stichworte Betriebsführungssysteme
ETCS sowie fahrzeugseitige Ertüchtigungen
wie Beschleunigungswerte. Infrastrukturseitig
sind noch Potentiale in der Vereinheitlichung von
Geschwindigkeiten und Optimierungen bei Grenzübergängen
vorhanden.
ASFINAG: Investitionen in Bestand
werden immer höher
Die ASFINAG, die in Österreich für das Autobahn-
und Schnellstraßen zuständig ist, konzentriert sich
neben wenigen Neubauvorhaben ebenfalls hauptsächlich
auf die Erhaltung, berichtet Brigitte Sladek,
Fachbereichsleiterin Umwelt- und Verfahrensmanagement
bei der ASFINAG. 2024
konnte beispielweise die S7 Fürstenfelder Schnellstraße
eröffnet werden, in den nächsten Jahren
soll ein weiterer Abschnitt Richtung Ungarn folgen.
Sladek: „Wir haben in den letzten 15 Jahren
nicht einmal 100 Kilometer für den Verkehr neu
freigegeben, bei einem Streckennetz von 2.265
Kilometer. Dafür steigt das Sanierungsbudget in
den nächsten Jahren enorm auf 1 Milliarde Euro.
Auch der Sicherheitsausbau mit Pannenbuchten
und Mittelleitwänden steht im Fokus.“
Eine mögliche kapazitätserweiternde Maßnahme
ist die Nutzung des Pannestreifens für Linienbusse
während Stauphasen, was in Österreich derzeit
abschnittsweise getestet wird. Ansonsten werde
mit Verkehrsleitungen und Geschwindigkeitsbegrenzen
versucht, weitere Potentiale zu heben.
Wr. Linien: Das Netz nur oberflächlich
zu sanieren, reicht nicht mehr
2,2 Millionen Menschen werden jeden Tag auch
von dem öffentlichen Nahverkehrsbetreiber Wiener
Linien auf einem 1.000 Kilometer Netz transportiert,
berichtet Gudrun Senk, Geschäftsführerin
der Wiener Linien: „80% der Wege
werden mit U-Bahn und Straßenbahn zurückgelegt,
20% mit dem Bus. Das bedeutet, für uns
ist von der Infrastruktur her die Schiene sehr
wichtig. Und eines ist auch offensichtlich: jede
Maßnahme, die bei dieser Infrastruktur gesetzt
wird, hat eine unglaubliche Breitenwirkung, weil
ganz viele Menschen betroffen sind.“
Biaggio (ASTRA), Senk (Wiener Linien), Sladek (ASFINAG), Engel (ÖBB), Deuber (SBB), Rohracher (GSV)
Gleichzeitig stößt das bestehende Öffi-Netz durch Herausforderungen mit sich, trotz der erfolgreichen
das starke Wachstum von Wien an seine Grenzen.
Verlagerungspolitik auf die Bahn. Denn der
Daher gilt es, neben Neubaumaßnahmen wie dem Straßenverkehr ist mit über 70% Mobilitätsanteil
Linienkreuz U2xU5 (12 neue U-Bahn-Stationen, noch immer sehr populär. Biaggio: „Wenn wir
30% mehr Kapazität) auch das bestehende Netz heute eine Spurreduktion auf der Autobahn zwischen
bestmöglich instand zu halten und die Auswirkungen
Zürich und Bern um 2:00 Uhr in der Nacht
auf die Fahrgäste gering zu halten. Beides haben, hat man sofort einen Kilometer Stau. Am
macht hohe Investitionen erforderlich.
Tag ist eine derartige Maßnahme völlig undenkbar.
Das heißt, wir müssen innovativer denken und
Die kurzen Wartungsfenster kennt Senk durch alternative Lösungen wie z.B. mobile Baustellenbrücken
nächtlichen U-Bahn Betrieb und Co. nur allzu gut.
prüfen. Es kommt eine Welle von Sa-
Immer nur kurz irgendwo und irgendwann im Netz nierungsprojekten, 30% sind Tunnel oder Kunstbauten.
die Infrastruktur zu flicken, gehe sich nicht mehr
Gleichzeitig finden sich immer weniger
aus, weshalb die Wiener Linien auf mehr Flexibilität
Menschen, die in der Nacht arbeiten wollen. Aktustellen
gedrängt haben, größere und längere Bauell
können wir noch zwei Fahrspuren pro Richtung,
einzurichten. Ein Beispiel ist die Wiedner jedoch schmälere, zur Verfügung stellen. Aber wir
Hauptstraße, die jetzt ein dreiviertel Jahr für alle kommen wirklich an die Grenze.“
Verkehrsteilnehmer gesperrt ist. Im Gegenzug
werden alle erforderlichen Maßnahmen von unterschiedlichen
Sladek bestätigt diese Baustellenführung auch für
Unternehmen und Dienststellen der Österreich. Die Ostautobahn A4 von Wien Rich-
Stadt Wien gebündelt durchgeführt (z.B. Gas/ Telekom-Leitungen,
tung Osten wird beispielweise aktuell verbreitert,
Fernwärme, Oberflächengestal-
um im Falle einer Sanierung entsprechende Fahrtung
tung, etc.), damit dann für viele Jahre Ruhe sei. streifen zur Verfügung stellen zu können. Schwieriger
ist es beim Tunnel, wenn es keine zusätzliche
Innovatives Baustellenmanagement
Tunnelröhre gibt, die den Verkehr aufnehmen
kann. Dann müsse man stark in Richtung alternativer
Biaggio ergänzt, dass auch die Schweiz ein starkes
Maßnahmen (Öffentliche Verkehrsmittel,
Bevölkerungswachstum verzeichne. 2023 gab andere Routen etc.) denken. Sladek: „Bei der A10
es beispielsweise eine Zunahme von 140.000 Tauernautoahn haben wir es ähnlich wie die Wiener
Menschen. Mittlerweile bewege man sich Richtung
Linien gemacht. Lieber einige Monate groß
einem 10 Mio. Einwohner Land. Das bringe große sperren, als endlos lange hinausziehen.“
Foto: Katharina Schiffl
16 17
ZUKUNFT DER MOBILITÄT
Foto: Katharina Schiffl
Wie lässt sich der Güterverkehr
integrieren?
Deuber informiert, dass auch die Schweiz bis auf
wenige Ausnahmen einen Mischverkehr von Personen-
und Güterverkehr hat. Jedoch existieren
eigene Expresstrassen für den Güterverkehr, die
fix im Fahrplan eingeplant sind. Für diese müssen
allerdings einige Bedingungen wie eine Geschwindigkeit
von 120 km/h eingehalten werden, womit
Stahltransporte beispielsweise nicht möglich sind.
Gleichzeitig sollen im Mischverkehr Geschwindigkeitsharmonisierungen
u.a. auch mit ETCS Level 2
angestrebt werden. Deuber: „Es ist nicht sinnvoll,
die Personenzüge immer weiter zu beschleunigen."
Engel hofft auf die bereits erwähnten Systemtrassen,
die für bessere Ordnung und weniger vernichtete
Kapazität sorgen sollen. Engel: „Manchmal
wird es aber genauso sein müssen wie Beat Deuber
schon gesagt hat, dass wir Geschwindigkeiten
im Personenverkehr reduzieren müssen, um
das Band gleichmäßiger zustande zu bringen. Es
ist absehbar, dass wir an neuralgischen Punkten
in eine Konkurrenzsituation zwischen Güter- und
Personenverkehr kommen werden. Wir versuchen
jedoch mit Überholgleisen etc. unser Möglichstes.“
Mit Digitalisierung und Automatisierung
weitere Potentiale heben
Sigrid Pirkelbauer, Bereichsleiterin und Verantwortliche
für automatisierte Mobilität
Molin (BMK), Pirkelbauer (ASTRA), Trausmuth (ÖBB Infrastruktur), Reznicek (Kapsch TrafficCom), Deuber (SBB), Rohracher (GSV)
anzupassen. Deuber: „Wir haben einige Bahnhöfe,
wo wir mit heutigen Methoden die Sicherheit nicht
mehr ausreichend gewährleisten können. Gleichzeitig
sind Bahnhofsumbauten im Stadtzentrum
sehr kostspielig. Mit digitalen Lösungen wollen wir
daher die Kunden besser lenken, um die Bahnsteige
schnell zu leeren und die Fahrgäste dort zu
platzieren, wo der Zug auch noch freie Plätze hat.
In der Praxis werden jedoch schnell die Grenzen
der Digitalisierung aufgezeigt: Das funktioniert
gut bei schönem Wetter, bei Regen und Schnee
kennung in Straßen unterstützt, die Technik wäre
jedoch schon wesentlich weiter. Heute könnte Videosensorik,
die in Echtzeit Unfälle und Zwischenfälle
detektieren kann und Expertensysteme,
die Prognosen bzgl. unmittelbar bevorstehender
Staulagen berechnen schon wesentlich breiter
für die Lenkung von Verkehrsströmen eingesetzt
werden. Woran es aber generell noch scheitert
ist der nicht vorhandene elektronische Lückenschluss
zentraler Verkehrsmanagementinstanzen
mit Fahrzeugen. Aktuelle Navis sind leider weder
bleiben die Kunden jedoch unter dem Dach. Wir systematische noch intelligente Verkehrssteuerung
haben auch viel in die real time Lenkung der Züge
investiert. Das bedeutet nachfolgende Züge erhalten
eine neue Fahrempfehlung bzw. Geschwindigkeitsvorgabe,
wenn der Zug davor verspätet ist.
Dadurch konnten wir unnötige Stop-and-Gos vermeiden
und 10% Energieeinsparung erzielen.“
und es gibt leider auch kaum direkte In-
teraktion von Navis zu zentralen Instanzen. Hier
gibt es noch ordentlich Potential zu heben. Die
Beschaffungszyklen der öffentlichen Auftraggeber
sind möglicherweise auch nicht immer ganz so
schnell wie die Ent- und Weiterentwicklungszyklen
der Industrie. Die Industrie muss zwingend
Thomas Reznicek, Area Manager Österreich
& Schweiz, Kapsch TrafficCom, ist überzeugt,
dass auch auf der Straße ein echter Digitalisierungsschub
überfällig wäre: „Vor über 100 Jahren
wurde in Cleveland mit der Installation der ersten
elektrischen Verkehrslichtsignalanlage (VLSA)
die Vorteile der Digitalisierung der Straßeninfrastruktur
und einer zentralen Verkehrsoptimierung
kommunizieren und die öffentliche Hand dann
entscheiden, ob sie sich diese auch leisten will.
Die Industrie will die Innovation selbstverständlich
mittel- und langfristig zurückverdienen.“
auch die erste Verkehrsmanagementmöglichkeit
implementiert. Und heute kommunizieren wir
vielfach noch immer per Augenkontakt mit VLSA
oder Hinweistafeln, anstatt vollelektronisch. Die
Digitalisierung und Vernetzung der Verkehrsanlagen
schreitet zwar voran und werden diese
mittlerweile auch von Sensorik zur Verkehrser-
Aus Sicht des österreichischen Verkehrsministeriums
(BMK) sei Österreich hinsichtlich der Digitalisierung
bereits gut aufgestellt, berichtet Helge
Molin, Stabstelle Intelligente Verkehrssysteme
& Digitale Transformation im BMK: „Wir
sind ganz gut unterwegs. Digitalisiert wird im
beim ASTRA, berichtet im Rahmen des zweiten
Podiums, dass sich Digitalisierung in ihrem Hause
über alle Tätigkeiten von der Planung bis zum
Bau bzw. Realisierung, Betrieb und Erhaltung von
Infrastruktur erstrecke. Das ASTRA hoffe, auch
Daten vom Fahrzeug nutzen zu können, um beispielsweise
das Verkehrsmanagement weiter optimieren
zu können. Erste Anwendungen gibt es
auch für die künstliche Intelligenz: Einerseits, um
all die Bauvorgaben zu durchforsten bzw. besser
zu strukturieren, andererseits beim Erkennen von
Ereignissen mit Videokameras.
Die Schweizer Delegation mit Rohracher (GSV): Heimgartner (Lumisera), Brenner (Siemens Schweiz), Müller
(Avenir Mobilité), Rüedi (Centre Patronal), Fluri (Avenir Mobilité), Pirkelbauer (ASTRA), Biaggio (ASTRA)
René Trausmuth, Leiter Digitale Services,
ÖBB Infrastruktur, geht näher auf die Digitalisierungsprojekte
des Rahmenplanes ein, auf die
insgesamt etwa 2,5 Mrd. Euro entfallen: 350 Mio.
werden für die ETCS Ertüchtigung von aktuell 400
km auf 2.000 km Strecke bis 2030 verwendet. Im
Fokus stehen insbesondere schnellere Zugfolgen
entlang der TEN-Korridore. 800 Mio. bis 1 Milliarde
Euro sind für das digitale Stellwerk vorgesehen.
Herausforderungen seien in diesem Bereich
Cybersecurity und der überschaubare Lieferantenmarkt.
Ein weiteres Thema stellt die Automatisierung
dar, aktuell liegt der Fernsteuerungsgrad bei
den ÖBB bei 65%. Höhere Grade würden höhere
Effizienz erlauben. Weitere Digitalisierungsprojekte
sind Planungen, Zugvorbereitungen und digitale
Fahrbefehle. Insgesamt soll die Digitalisierung
den größeren Beitrag als der physische Ausbau
von Infrastruktur liefern, um von 170 Mio. auf 200
Mio. Zugkilometer bis zum Jahr 2030 zu gelangen.
Deuber kämpft mit ähnlichen
Herausforderungen,
plädiert
jedoch dafür, sich nicht nur auf
den fahrenden, sondern auch
auf den stehenden Zug zu konzentrieren:
„Wir investieren
viel in die Digitalisierung, damit
wir die Bahnsteige schnell
mit einem neuen Zug belegen
können. Wir wollen Lokführer
beispielsweise Prognosen geben,
wie: in 20 Sekunden ist
die Fahrtrasse frei.“ Ein weiterer
hoher Investitionsposten
ist, die Bahnhöfe an das
erhöhte
Fahrgastaufkommen
Foto: Katharina Schiffl
18 19
Verkehrsbereich seit 30-40 Jahren, nur hat man
damals Verkehrstelematik /ITS dazu gesagt. 50
Mio. Euro wurden in den vergangenen 15 Jahren
seitens des Ministeriums in digitale Grundlagen
und neue digitale Dienste investiert, die in diesen
Bereichen schon sehr stark wirksam sind. In
Zusammenarbeit mit den Stakeholdern in der ITS
Austria Plattform ist auch der Aktionsplan ‚Digitale
Transformation in der Mobilität‘ entstanden.
Themen sind u.a. betreiberübergreifendes und integriertes
Verkehrsmanagement, sowie integrierte
Mobilitätsdienste. Wesentliche Grundlage sind die
dafür notwendigen Daten.“
Österreich habe hinsichtlich der Daten eine ähnliche
Strategie wie die Schweiz, nämlich, dass die
Dateninfrastruktur als eine öffentliche Aufgabe
wahrgenommen wird. Darum haben Infrastrukturbetreiber,
Länder und Städte gemeinsam ein
digitales Verkehrsreferenzmodell aufgebaut. Für
die breite Bevölkerung wird das in Anwendungen
basierend auf der Verkehrsauskunft Österreich
sicht- und nutzbar. Die Akzeptanz und Kenntnisse
dieser Dienste gelte es in der Bevölkerung jedoch
noch stärker zu verankern, ist Molin überzeugt.
Pirkelbauer sieht Österreich beim Verkehrsreferenzmodell
definitiv voran, die Schweiz hat erst
2016/17 mit dem Verkehrsnetz Schweiz begonnen:
„Wir beschäftigen uns aktuell mit einem Gesetz,
damit der Bund überhaupt die Möglichkeit
hat, so etwas aufzubauen bzw. die Verantwortung
für die Plattform überhaupt wahrzunehmen. Wir
haben da einige Diskussionen vor uns, die Österreich
bereits hinter sich hat. Ich bin guter Dinge,
dass wir etwas Vergleichbares auch bald anbieten
werden können.“
Automatisiertes Fahren hat auf
Schiene und Straße Potential
Hinsichtlich des automatisierten Fahrens hofft Pirkelbauer,
dass derartige Fahrzeuge den Verkehr
effizienter gestalten. Auf Autobahnen könnten z.B.
die Abstände zwischen den Fahrzeugen geringer
werden, um die bestehende Fläche effizienter zu
nutzen. Pirkelbauer: „Wir haben im Jahr 2023 ein
Gesetz zum automatisierten Fahren verabschiedet,
das automatisiertes Fahren bis Stufe 4 (alleine
fahren ohne Eingriffe des Lenkers in spezifi-
schen Anwendungsfällen) in der Schweiz erlauben
wird. Aktuell beschäftigen wir uns mit der konkretisierenden
Verordnung dazu. Das Ganze wird
voraussichtlich Anfang 2025 in Kraft treten. Dann
können erste regulär zugelassene automatisierte
Fahrzeuge in der Schweiz fahren.“
Molin berichtet, dass zu diesem Thema viel in den
USA sowie China bzw. Asien passiert: „Wir sind
hier noch stark am Forschen und Ausprobieren. In
Österreich gibt es starke Impulse, automatisiertes
Fahren weiter voran zu bringen, in Form einer
strategischen Allianz zur Automatisierung, die
vom BMK koordiniert wird. Damit sollten wir künftig
auch Rahmenbedingungen adaptieren können,
um mehr zu ermöglichen.“
Deuber berichtet, dass der Goldgräberstimmung
etwas Ernüchterung gewichen ist: „Wir sehen in
der Lenkzeit Potential. Lokführer lenken nur 50%
ihrer Zeit Züge, sonst wird auf den nächsten Einsatz
gewartet oder Züge in Abstellanlagen gestellt
oder von dort geholt. Eine Automatisierung der
Züge von der Abstellanlage bis zum Bahnsteig
könnte die Produktivität der Lokführer massiv
erhöhen. Wir brauchen dann aber auch Rückmeldung
zum Fahrverhalten des Fahrzeuges.“
Reznicek ist überzeugt, dass sich vollautomatisiertes
Fahren auf der Straße nur dann durchsetzen
wird, wenn es einen Business Case hat: „Ich
sehe es in den höchsten Automatisierungs-Leveln
damit eher im gewerblichen Bereich, vor allem
beim Hub2Hub-Langstrecken-Cargo. Im Kurzstrecken-Verteilverkehr
zu Privatkunden aufgrund der
Entlade-Funktion der Fahrer eher nicht. Eventuell
noch am Land für Personenbeförderung in der
Last-Mile, wenn die Auslastung passt oder in Städten
als Ersatz klassischer Taxis.“
Mario Rohracher, Generalsekretär der GSV
und Moderator des Länderübergreifenden
Forums unterstreicht abschließend die Bedeutung,
sich angesichts der gemeinsamen Herausforderungen
an Straßen- und Schieneninfrastruktur
grenzüberschreitend auszutauschen und dankt
allen Sprechern für die offene und konstruktive
Diskussion.
Autor: Bernhard Weiner, GSV
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20 21
ZUKUNFT DER MOBILITÄT
GSV - Forum | Nachhaltige Mobilität in Unternehmen – Wege zum Erfolg
Es muss an vielen Schrauben gedreht werden
Der Weg zu einer erfolgreichen Mobilitätswende
erfordert zahlreiche Maßnahmen, eine besonders
vielversprechende ist das Betriebliche Mobilitätsmanagement
(BMM). Es bezeichnet die strategische
Planung, Organisation und Umsetzung
von Maßnahmen in Unternehmen, um die Mobilität
der Beschäftigten nachhaltiger zu gestalten.
Die Ausgangslage ist vielfältig: die Palette reicht
von guter bis mangelhafter ÖV- oder Radwege-
Anbindung, unterschiedlichen Arbeitswelten (von
Home-Office bis Schichtarbeit) sowie unterschiedlichen
Pendelentfernungen der Mitarbeiter. Umso
spannender war es, im Rahmen eines GSV-Forums
Anfang Juni 2024 zum Thema „Nachhaltige Mobilität
in Unternehmen – Wege zum Erfolg“ in Kooperation
mit der Klima- und Innovationsagentur
der Stadt Wien, Urban Innovation Vienna (UIV),
zu erfahren, wie ein gut aufgesetztes BMM diese
Anforderungen abdecken kann.
UIV: Klimafreundliche Maßnahmen
stärker fördern
Das ist mehr als die Umweltschutz- und Landesverteidigungsausgaben
zusammen.“
Um die Rahmenbedingungen zu verbessern, wird
im Mobilitätslabor Policy Lab daran gearbeitet, die
Mobilitätswende schneller voranzutreiben. UIV ist
die Trägerorganisation des Policy Labs.
Gerald Franz, Leiter des Teams Mobilität bei UIV
führt dazu aus: „Dieses Projekt läuft von 2022 bis
2025. Initialpartner sind die Städte Wien und Klagenfurt,
die Wirtschaftskammer Wien sowie die
Länder Salzburg, Tirol und Kärnten, die mit uns
gemeinsam an Fragestellungen zur Mobilitätswende
arbeiten. Weitere Partner im Kernteam sind die
TU Wien, tbw research, die Uni Innsbruck, netwiss
und RSA FG. BMM ist eines von mehreren Schwerpunktthemen.“
ASFINAG: Weitreichendes BMM
etabliert
ÖBB, 57.267 km Westbahn), 4.000.000 PKW- km
rein elektrisch statt mit Diesel zurückgelegt (es
existiert eine interne Ladeinfrastruktur mit mehr
als 150 Ladepunkten), sowie eine stärkere Nutzung
von E-Bikes und E-Scooter registriert.
Entscheidend für den Erfolg ist laut Koch der niederschwellige
Zugang: Die Zugfahrten werden bei
ÖBB & Westbahn direkt über Businesskontos abgerechnet,
womit Mitarbeiter kein Geld auslegen
müssen. Ab 70 Minuten planmäßiger Fahrzeit ist
die Nutzung der ersten Klasse möglich, um besseres
Arbeiten in den Zügen zu ermöglichen. An gut
an die Radinfrastruktur angeschlossenen Standorten
der ASFINAG bestehen bereits Pool E-Bikes
und E-Scooter für Dienst- und Privatfahrten, diese
werden laut Koch fleißig genutzt.
Die Akzeptanz der E-Poolfahrzeuge wurde auch
durch deren kostenlose Nutzung (inklusive interner
Ladeinfrastruktur) an Wochenenden und verlängerten
Wochenenden mit Fenstertagen erhöht.
Die Aktion sei jedes Wochenende
restlos ausgebucht. Auch die aktive
Mobilität wird mit Fahrradchecks,
Firmen-Bewegungs-Challenges,
kostenlosen Laufschuhanalysen für
Mitarbeitende, Ausbau der Fahrradinfrastruktur
an Standorten sowie
interner Kommunikation von Best-
Practice-Beispielen vorangetrieben.
Konzernweit gibt es auch das Klimaticket
Österreich als Wahlmöglichkeit
für alle Mitarbeiter anstelle
des üblichen Fahrkostenzuschusses.
Geplant ist auch eine Anpassung der
internen Reiserichtlinie mit priorisierter
ÖV-Nutzung und Ausschließlichkeit
auf der Weststrecke, sowie
Konzepte zur konzernweiten Einführung
von Angeboten zu den Themen
Mitfahren & Fahrgemeinschaften.
Florian Koch, ASFINAG
Foto: GSV
Foto: GSV
Ein Ansatzpunkt sind die gesetzlichen Rahmenbedingungen.
Matthias Nocker von der UIV plä-
diert im Rahmen seiner
Begrüßungsworte
für
die Abschaffung bzw.
steuerliche
Dieselprivileg,
Ökologisierung der klimaschädlichen
Subventionen
wie Pendlerpauschale,
Begünstigung
von Dienstwägen
und die verpflichtende
Errichtung von Stellplätzen:
„Wir haben in Österreich
die widersprüchliche
Situation einerseits
sehr ambitionierter Klimaziele
und andererseits
laut WIFO bis zu 4 Milliarden
Euro Förderung
CO 2
-intensiver Mobilität.
Florian Koch, ASFINAG, berichtet über drei
Säulen des ASFINAG Mobilitätskonzepts: Digital
First (Online-Meetings anstelle persönlicher Termine
vor Ort), Nutzung nachhaltiger Verkehrsmittel
(bei persönlichen Meetings) und Anreize zu
Veränderung bei An- und Abreise der Mitarbeiter
als auch des privaten Mobilitätsverhaltens.
Um dieses Konzept voranzutreiben, hat das Management
entschieden, die Dienstfahrzeugflotte
zu reduzieren und gleichzeitig ein österreichweites
Poolfahrzeugkonzept an ausgewählten ASFINAG
Standorten zu etablieren. Kein einfacher Schritt,
schließlich sei das Thema „Dienstfahrzeug“ nach
wie vor eine Herzensangelegenheit für viele Mitarbeitende.
Bis Ende 2025 soll der Pkw-Fuhrpark
auch rein elektrisch sein (zum Zeitpunkt der Veranstaltung
war es mehr als die Hälfte der Flotte).
Erfolge haben sich bereits eingestellt: im Jahr
2023 wurde erstmals die Marke 1 Mio. Schienen-
Kilometer für Dienstreisen geknackt (974.621 km
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Gewohnheiten Gewohnheiten ändern ändern – Mobilitätskonzept – Mobilitätskonzept Blum Blum
Schnupper
-tickets
Bus & Bahn
Jobticket
„Wir bei Blum „Wir fahren bei Blum Bus fahren & Rad” Bus & Rad”
Schnupper
-tickets -tickets
Bus Bus && Bahn
Fahrrad: Fahrrad:
PKW: PKW:
Jobticket
Jobrad-Programm Jobrad-Programm
Werksverkehr Werksverkehr
Intranet
&
App
Intranet
&
App
Mitarbeiter-
Porträts
Lockere
Videos
Mitarbeiter-
Porträts
Lockere
Videos
Foto und Grafik: Blum
Katharina Schön stellt das Mobilitätskonzept von Julius Blum vor
Gamification
Qualitative Fahrradinfrastruktur Fuhrpark
Gamification Gamification
Qualitative Fahrradinfrastruktur Qualitative Fahrradinfrastruktur & Fuhrpark & Fuhrpark
Bewusstseinsbildung Kommunikation
Bewusstseinsbildung Bewusstseinsbildung & Kommunikation & Kommunikation
06.06.2024 | © Copyright by Blum | Katharina Schön | Vertraulich/Confidential 7
06.06.2024 | © Copyright by Blum | Katharina Schön | Vertraulich/Confidential 7
06.06.2024 | © Copyright by Blum | Katharina Schön | Vertraulich/Confidential 7
BMM bei Julius Blum zeigt Wirkung
Katharina Schön, Julius Blum GmbH, stellt das
Unternehmen kurz vor: Blum stellt in dritter
Generation Klappen-, Scharnier-, Auszug- und Pocketsysteme
für Möbel für mehr Wohnqualität her.
In Vorarlberg sind knapp 7.000 Mitarbeiter auf acht
Werke verteilt, wodurch bei deren An- und Abreise
großes Potential besteht. Es brauche laut Schön
jedoch gute Gründe, um das gewohnte Mobilitätsverhalten
zu verändern. Diese hat Blum geliefert:
Fahrradabstellanlagen wurden vor Ort saniert
bzw. überdacht, deren Anzahl erhöht, sowie Umkleiden
und Duschen zur Verfügung gestellt. Darüber
hinaus haben alle Mitarbeiter Anspruch auf
ein kostenloses Klimaticket Vorarlberg, es existiert
ein Jobrad Programm (wenn auf den Parkplatz
verzichtet wird, gibt es einen weiteren Zuschuss)
sowie ein Werksverkehr für Lehrlinge und Produktionsmitarbeiter,
bei dem für organisierte Fahrgemeinschaften
Fahrzeuge zur Verfügung stehen.
Für alle nachhaltigen Wege existiert das Belohnungssystem
EcoPoints, wo täglich eingetragen
werden kann, welches Verkehrsmittel für die Anund
Abreise genutzt wurde. Je klimafreundlicher
das Verkehrsmittel, desto mehr Punkte können
gesammelt werden, die gegen Gutscheine eingelöst
oder für soziale Zwecke gespendet werden
können. Schön: „Wichtig ist die Kommunikation
an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Unser
Motto lautet: Wir bei Blum fahren Bus & Rad“.
Die Bemühungen haben sich ausgezahlt: 38%
der Mitarbeiter sind vor dem Mobilitätskonzept im
Jahresdurchschnitt im Umweltverbund angereist,
mittlerweile sind es bereits 47%. 50% der Mitarbeiter
nutzen ein Jobrad, über die Hälfte davon
verzichtet dafür an 2 bis 4 Tagen pro Woche auf
ihren Parkplatz. 840 Jobtickets wurden innerhalb
des letzten Jahres eingereicht, in diesem Fall gilt
immer der 4-Tage-Parkplatzverzicht. Über 60%
der Angestellten sammeln regelmäßig Ökopunkte.
2022 wurde Julius Blum für all diese Bemühungen
mit dem Gesamtgewinn des VCÖ-Mobilitätspreises
ausgezeichnet.
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Die größten Schwierigkeiten waren die rechtlichen
und steuerrechtlichen Rahmenbedingungen im
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24 25
ZUKUNFT DER MOBILITÄT
Wir sind
alle gleich da!
Vielfalt kommt gut an.
#TeamÖffiLiebe
Projekt, einiges wurde inzwischen jedoch gelöst,
berichtet Schön. Auch in der Produktion gab es
Erfolge, trotz angeblicher starker Autoaffinität. An
Fahrgemeinschaften für die große Masse wird noch
gearbeitet. Auf eine Frage zum Personalaufwand
antwortet Schön, dass der größte Verwaltungsaufwand
Sonderfälle und Fragen von Mitarbeitern
darstelle. In der Personalverwaltung braucht es
60% einer Vollzeitarbeitskraft für das Mobilitätsmanagement.
Der Großteil kann mittels Apps etc.
automatisiert ablaufen.
Hessen/Deutschland: Besser zur Arbeit
mit mehreren Verkehrsmitteln
Christine Breser, Betriebliches Mobilitätsmanagement
Hessen/Deutschland, ivm GmbH, stellt
das Programm „Besser zur Arbeit“ näher vor, welches
aus der Bundesförderung „effizient mobil“
im Jahr 2011 entstanden ist: „Ziel war es, in den
verschiedenen Regionen Deutschlands sich dem
betrieblichen Mobilitätsmanagement zu widmen
sowie organisatorische Rahmenbedingungen zu
schaffen und die Prozesse zu analysieren, die für
ein erfolgreiches BMM erforderlich sind. Der Blick
auf die Arbeits- und Dienstwege lohnt sich. Arbeitswege
waren jahrzehntelang in Verantwortung
des Arbeitsnehmers. Wenn ich einem Unternehmen
einen dicken Maßnahmenkatalog gebe, was
alles zu tun wäre, passiert vermutlich gar nichts.
Deshalb schauen wir uns die Erreichbarkeit der
Standorte genau an, um
zentrale Maßnahmen festzustellen,
die viel bewirken
und schlagen auch ergänzende
Maßnahmen vor.“
Das Programm besteht
aus Beratungen (kostenfrei
für Unternehmen), ergänzt
mit Veranstaltungen
zum Austausch mit anderen
(offener Umgang mit
Rückschlägen) und einem
Netzwerk vor Ort (damit
das Rad nicht ständig neu
erfunden wird). Arbeitgeber
können ihr BMM-
Engagement auch formal
bewerten lassen. Das
„Prädikat vorbildlich mobil“
macht den beispielhaften Umgang mit der
betrieblichen Mobilität gegenüber Mitarbeitern,
Kunden und der Öffentlichkeit deutlich.
Es lohne sich auch gewisse Zielgruppen wie
Kunden, Mitarbeiter, Besucher etc. zu betrachten.
Für erfolgreiches BMM benötigt es
personelle Ressourcen bzw. Kümmerer vor
Ort sowie eine Kontinuität der Angebote,
Mobilität hat viel mit Gewohnheit zu tun.
Wichtig ist, nicht nur auf ein Verkehrsmittel
den Fokus zu legen. Persönliche Rahmenbedingungen,
Wohnorte etc. machen ein
Verkehrsmittel für alle unmöglich. Deshalb
braucht es ein Maßnahmenportfolio: Förderung
der ÖV-Nutzung, des Radverkehrs, der
E-Mobilität (Ladeinfrastruktur vor Ort) sowie
Effizienzsteigerung im Fuhrpark (Integration von
Maßnahmenportfolio
individuelle Kommunikation und
Information, z.B. Mobilitätspakete für
neue Mitarbeiter, aktive Einbindung
von Beschäftigten
Effizienzsteigerung im Fuhrpark,
z.B. Fuhrparkmanagement,
Integration von CarSharing
Optimierung von PKW-Verkehr,
z.B. durch Fahrgemeinschaften
CarSharing). Breser: „Fahrgemeinschaften sind
das dickste Brett, welches zu bohren ist. Für eine
erfolgreiche Umsetzung braucht es mehrere Unternehmen,
die sich zusammentun, um die notwendige
kritische Masse zu erreichen.“
Das Thema BMM sei auch eng mit dem betrieblichen
Gesundheitsmanagement gekoppelt, wo in
vielen Unternehmen entsprechende Budgets vorhanden
sind. Mitarbeitende, die mit dem Rad unterwegs
sind, sind beispielsweise weniger krank.
Fitnessstudio Vergünstigungen haben nicht immer
zur Änderung von Routinen geführt.
Betriebsinterne Organisation, z.B.
Einsetzen einer / eines Mobilitätsbeauftragten
bzw. einer Arbeitsgruppe
Maßnahmenkonzept
Förderung von E-Mobilität,
z.B. Ladeinfrastruktur
04. Juni 2024 4
Christine Breser, ivm GmbH
Förderung von Bus- und
Bahnnutzung, z.B. Jobticket
Fahrradförderung, z.B. hochwertige
Abstellanlagen Umkleiden/Duschen,
Fahrradleasing
Förderung von Nahmobilität, z.B.
durch Aufwertung von Wegen
Foto: GSV
Grafik: Besser zur Arbeit
26 27
ZUKUNFT DER MOBILITÄT
Foto: GSV
Am Beratungsprogramm haben seit 2011 rund
145 Arbeitgeber und Hochschulen mit ca. 135.000
Beschäftigten und Studierenden teilgenommen.
Die Ergebnisse können sich sehen lassen:
• Verlagerung jeder vierten bis fünften Pkw-Fahrt
auf den Umweltverbund oder Fahrgemeinschaften
• Rückgang Modal-Split-Anteil PKW-Fahrer von
56% auf 43%
• Reduktionspotenzial MIV-Fahrleistung und CO 2
-
Emmissionen im Berufsverkehr: 25%.
• Reduktionspotenzial Kraftstoffkosten je Mitarbeiter
und Jahr: durchschnittlich 220€
ORF: Trotz Standortkonsolidierung
ist Garagengröße gleich geblieben
Im Rahmen der von GSV-Generalsekretär Mario
Rohracher moderierten Podiumsdiskussion berichtet
Pia Maria Ganser vom ORF über die Konsolidierung
aller Wiener Standorte (mit Ausnahme
des Landesstudios Wien) am Küniglberg: „Herausfordernd
waren die gleichbleibende Anzahl von
750 Parkplätzen und ein Plus von 40% Mitarbeitern
auf 3.500 am Standort. Es wurde entschieden,
dass jeder Mitarbeiter entweder ein gefördertes
Jobticket (Jahreskarte der Wiener Linien) oder
einen Stellplatz beantragen kann. Die Stellplätze
werden nach Punkten, genauer gesagt nach Anreisedauer
der Mitarbeiter vergeben und es ist auch
eine Stellplatzgebühr zu entrichten. Die Stellplatzgebühr
ist gehaltsgestaffelt. Die doch höheren
Stellplatzgebühren haben schon für lautes Raunen
im Haus gesorgt. Ein ORF Mitarbeiter hat davor
lediglich einen kleinen Beitrag für seinen Stellplatz
bezahlt. Bis auf wenige Ausnahmen, wie z.B.:
Menschen mit Behinderung kostet jeder Stellplatz
Geld. Mitarbeiter haben auch die Möglichkeit, den
Kurzparkplatz zu nutzen. Hier fällt ein Stundentarif
an, vergleichbar mit öffentlichen Parkgaragen.
Die faire Vergabe der Parkplätze gewährleistet,
dass jeder, der einen braucht, auch einen bekommt.
Die bestehende Garage ist jeden Tag zwischen
80% und 90% ausgelastet. Die Stellplatzgebühren
finanzieren das Jobticket / Klimaticket
sowie alle weiteren Maßnahmen im Betrieblichen
Mobilitätsmanagement. Im November 2022 wurde
auch die Stützung des Klimatickets eingeführt.“
Die Akzeptanz sei mittlerweile sehr hoch. Mit dem
Klimaticket gab es weiteren Aufwind für das Betriebliche
Mobilitätsmanagement. Vorher wurden
70% der Mitarbeiter erreicht, die ein Produkt des
BMM genutzt haben, heute sind es 98%. 2016
sind 40% aller Mitarbeiter öffentlich angereist,
mittlerweile sind es 62%. Der Modal Split wurde
somit gedreht. Aktuell werde an einem Konzept
für die Landesstudios gearbeitet, welches weitere
ca. 1.000 Mitarbeiter betreffen würde.
Mobilitätsmix und Tests erforderlich
Julia Schmid, tbw research & Policy Lab, plädiert
dafür, den Menschen und seine Bedürfnisse
in den Mittelpunkt aller Mobilitätsüberlegungen
zu stellen. Eine Mobilitätslösung für alle existiere
nicht, es benötige einen Mobilitätsmix und zielgruppenspezifische
Angebote. Im Policy Lab werden
daher Programme wie jenes von Hessen für
die Stadt Wien durchgespielt bzw. getestet.
Pave Commute: Wertschätzung
nachhaltiger Mobilität
Albert Vogl-Bader, Pave Commute, gibt Unternehmen
ein Tool bzw. eine App an die Hand, mit
der nachhaltige Mobilität wertgeschätzt werden
kann, in Form von Anreizen bzw. Belohnungen.
Wenn z.B. 50x mal mit dem Rad gefahren wird, ist
das als Meilenstein sichtbar, was in weiterer Folge
weitere Personen motiviert. Vogl-Bader: „Das
Produkt Pave („Wir ebnen den Weg“) ist seit 2,5
Jahren europaweit im Einsatz. Unser Ziel ist es,
zu Beginn alle Mitarbeiter abzuholen, die bereits
nachhaltig unterwegs sind. Diese Nutzer der ersten
Stunde überzeugen dann andere. Am besten
Vogl-Bader (Pave Commute), Schmid (tbw research), Ganser (ORF), Schuster (Herry Consult), Wickenbrock (JobRad Österreich), Rohracher (GSV)
funktioniert es dort, wo Unternehmen auch andere
Maßnahmen wie das Jobrad, Klimaticket oder
Infrastrukturmaßnahmen setzen. Kleine bis große
Unternehmen können mitmachen. Kunden sind
beispielweise Liebherr, Würth und ABB.“
Angedockt werden könne bei großen Unternehmen
entweder über die HR- / CSR- bzw. Innovationsabteilung
oder in Form von Kleingruppentests
einiger Mitarbeiter, in weiterer Folge verbreitet
sich das dann bis in die Führungsebene.
Künftig ist eine weniger Handyakku-intensive Erkennung,
welches Verkehrsmittel verwendet wird,
geplant, um die soziale Motivation weiter zu vergrößern.
Die Nutzung soll weiter steigen, ohne im
Unternehmen zusätzliche Ressourcen aufzuwenden.
Vogl-Bader: „Wir wollen den Zugang niederschwelliger
machen, damit jeder und jede einfach
loslegen kann.“
JobRad Österreich: Ein paar
rechtliche Hürden existieren noch
Josefine Wickenbrock, JobRad Österreich,
macht auf den Unterschied zwischen dem Jobrad
Programm (bezuschusstes Fahrrad vom Unternehmen)
und dem Unternehmen Jobrad Österreich als
Dienstleister für die Abwicklung aufmerksam: „Bei
JobRad Österreich suchen sich die Mitarbeitenden
ihr Traumrad ohne Einschränkungen aus und wir
kümmern uns um alle weiteren Schritte, wie das
Leasing über drei bis vier Jahre und die Möglich-
keit, das Fahrrad anschließend für einen definierten
Restwert zu erwerben. Attraktiv ist der Steuervorteil,
den die Unternehmen nutzen können,
womit 30-40% im Vergleich zum Privatkauf gespart
werden können. Auch im Fall von Ausfällen,
Diebstahl, Karenzzeiten gibt es Unterstützung. In
Deutschland ist Jobrad bereits sehr erfolgreich,
über 1,5 Mio. Räder wurden dort bereits verleast.“
Rechtlich hat das JobRad Österreich mit zwei Problematiken
zu kämpfen: Einerseits mit den Kollektivverträgen
(bei Mindest KV-Gehältern ist keine
Gehaltsumwandlung für das Jobrad möglich, unter
dem KV darf nicht bezahlt werden). Aktuell wird
das von KV zu KV gelöst, es gebe jedoch noch
nicht so viele Beispiele.
Andererseits muss im öffentlichen Bereich eine
Öffnung der einzelnen Bundesländer von der
Dienstweg-Regulatorik stattfinden, damit ein Jobrad
geleast werden kann. Auf Bundesebene gibt es
zwar seit 2023 eine Jobrad Regelung, von der jedoch
viele Beamte noch ausgenommen sind, weil
sie keine regelmäßigen Dienstwege haben (z.B.
Lehrer). Der Weg zur Arbeit ist kein Dienstweg. In
Vorarlberg konnte bereits eine Lösung gefunden
werden.
HERRY Consult: Auch Standortwahl
ist entscheidend
Markus Schuster, HERRY Consult, sieht BMM
wachsen: „Früher haben wir große Unternehmen
bei klassischen Fuhrparkumstellungen betreuen
Foto: GSV
28 29
ZUKUNFT DER MOBILITÄT
dürfen. Vor allem seit der Einführung des Klimatickets
im Jahr 2021 haben viele große Unternehmen
begonnen, sich auch der Mitarbeitermobilität
zu widmen. Es geht immer stärker in die Richtung
ganzheitliche Mobilitätskonzepte, was sehr wünschenswert
ist. Die Rahmenbedingungen sind in
Österreich gut, der Wille ist bei vielen Unternehmen
vorhanden, viele Dienstleister unterstützen
mit guten Produkten und auch die Fördermöglichkeiten
wie die Elektromobilitätsoffensive in der
Höhe von rd. 115 Mio. Euro bis Ende März 2025
sowie 95 Mio. Euro in der aktiven Mobilität (Fördermöglichkeiten
für E-Fahrräder mit 300 Euro bzw.
Radabstellanlagen mit bis zu 400,- Euro je Radabstellplatz)
sind attraktiv. Jobticket und Pendlerpauschale
können seit 2022 kombiniert werden,
früher war das nicht möglich. Im Falle des Jobrades
wurden sehr viele steuerliche Hürden überwunden,
den angesprochenen KV-Knackpunkt gibt
es aber noch. Als Raumplaner muss ich sagen, die
beste „Mobilitätsmaßnahme“ ist jedoch die Standortwahl.
Wo sich ein Unternehmen oder ich mich
als Privatperson ansiedle, wird das Fundament für
das zukünftige Mobilitätsverhalten gelegt. Im Falle
der Errichtung eines Unternehmens zum Beispiel
auf der grünen Wiese hilft dann auch ein Jobticket
(Klimaticket) wenig, wenn Mitarbeiter am Arbeitsweg
eventuell dreimal umsteigen müssen. Weitere
wichtige Hebel, was das Thema „Betriebliches Mobilitätsmanagement“
betrifft, wären zum Beispiel
Pendlerpauschale, die Stellplatzverpflichtung oder
die Sachbezugsregelung von Dienstfahrzeugen –
diese Hebel gilt es künftig auch anzugreifen.“
Das beste Konzept, um BMM im Unternehmen zu
etablieren, sei top down (kann zu Widerständen
führen) kombiniert mit bottom up (kann an Geschäftsführung
haken), kombiniert mit Betriebsrätinnen,
die wichtige Schlüsselpersonen und Multiplikatoren
seien, gepaart mit guter Infrastruktur
außerhalb des Unternehmens, sowie eine ordentliche
Brise an Mut und Willen zur Umsetzung. Jedes
Unternehmen in Österreich kann BMM umsetzen,
natürlich in unterschiedlichem Ausmaß.
Autor: Bernhard Weiner, GSV
14. vie-mobility Symposium
Elektromobilität und Wasserstoff für die Mobilitätswende
Das 14. vie-mobility Symposium in Kooperation
mit GSV, welches wieder im Zuge der Wiener
Elektrotage am Heldenplatz stattfand, bot ein
spannendes Themenspektrum. Nach einleitenden
Worten des Wiener Wirtschaftsstadtrats Peter
Hanke, der Wiens Dekarbonisierungsprojekte wie
die größte Großwärmepumpe Europas in Simmering,
die Erzeugung von grünem Wasserstoff für
die Mobilitäts- und Energiewende und die Nutzung
von Geothermie im Jahr 2027 anspricht, startet
Organisator Ralph Vallon von Vallon Relations mit
dem ersten Podium, in dem weitere nachhaltige
Infrastrukturlösungen für den Wirtschaftsstandort
diskutiert werden.
Julian Jäger, Vorstand des Flughafen Wien,
berichtet über den Weg zum CO 2
-neutralen Flughafenbetrieb
seit dem Jahr 2023: „50% des Stromes,
den wir benötigen, produzieren wir mit unserer
mittlerweile zweitgrößten PV-Anlage Österreichs,
die größte steht derzeit im Burgenland. Für uns
sind die Herausforderungen in den nächsten fünf
bis zehn Jahren die Busse, die Flugzeugschlepper,
die Catering-Fahrzeuge und die Fahrzeuge für
Rollstuhltransporte, die wir auf Elektrofahrzeuge
umstellen wollen. Für diese Spezialgeräte auf dem
Vorfeld müssen noch die notwendigen Zertifikate
erworben werden. Wir testen viele dieser Spezialfahrzeuge,
die Anschaffungskosten sind aktuell jedoch
noch doppelt so hoch und die Leistung deutlich
geringer als bei herkömmlichen Fahrzeugen,
insofern sind diese noch nicht wirtschaftlich. Bis
Vallon (Vallon Relations), Stribl (Wien Holding), Jäger (Flughafen Wien)
2033 wollen wir als Flughafen gar kein CO 2
mehr
ausstoßen. Generell braucht die Luftfahrt deutlich
mehr nachhaltige Kraftstoffe, so genannte Sustainable
Aviation Fuels (SAF). Dazu müssen beträchtliche
Investitionen getätigt werden, um mit
Unterstützung durch die öffentliche Hand hier in
Europa eine entsprechende Infrastruktur aufzubauen
zu können.“
Wien: E-Ladeinfrastruktur mit
großem Ausbaupotential
Am zweiten Podium, moderiert von GSV-Generalsekretär
Mario Rohracher, werden alternative
Antriebe und Quellen der Energiebereitstellung
diskutiert.
Foto: Christian Mikes
©NÖVOG/Gregory
©NÖ Werbung/Herbst
©VOR/Liebhart
Foto: Christian Mikes
Wiener Wirtschaftsstadtrat Peter Hanke
Gerald Franz, Teamleiter Mobilität bei Urban
Innovation Vienna (UIV), der Klima- und Innovationsagentur
der Stadt Wien, berichtet über
das Ziel der Stadt, Wien bis 2040 klimaneutral zu
machen. Insbesondere sei der Verkehrsbereich
gefordert, der in Wien für ein Drittel der CO 2
Emissionen
verantwortlich ist. Franz: „Wir müssen im
Verkehrsbereich vielfältige Maßnahmen ergreifen,
damit die Klimaneutralität gelingen kann. Vorrang
haben der Ausbau des öffentlichen Verkehrs
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ZUKUNFT DER MOBILITÄT
und des Aktivverkehrs, wir benötigen aber auch
E-Fahrzeuge, weil eine halbe Million Pkw in der
Stadt – trotz Rückgängen – erhalten bleiben wird.
Deshalb ist die Elektromobilität ein so wichtiger
Baustein im Gesamtsystem.“
dass 80% der Fahrgäste in Wien bereits elektrisch
mit Straßenbahn und U-Bahn unterwegs seien, die
mit nachhaltiger Energie gespeist werden. Handlungsbedarf
bestehe im Busbereich, nicht nur aufgrund
europäischer Vorgaben.
Foto: Christian Mikes
Foto: Christian Mikes
Essentiell ist auch die entsprechende E-Ladeinfrastruktur.
Wien stehe laut Franz hinsichtlich der
Ladeinfrastruktur noch relativ am Anfang: „Wenn
einmal alle Autos von Privatpersonen und der
Wirtschaftsverkehr fast 100% elektrisch unterwegs
sein werden, braucht es selbstverständlich
viel mehr Ladeinfrastruktur als wir heute zur Verfügung
haben. Ich gehe von einer Vervierfachung
in Wien aus. Dafür wird es Lösungen im öffentlichen
und halböffentlichen Bereich wie Garagen
benötigen. Garagenbetreibern werden wir dazu
entsprechende Werkzeuge in die Hand geben
müssen, Ladeinfrastruktur leichter errichten zu
können. Aber auch der Wohnbau ist ein großer
Schlüssel. Im Neubau in den Stadtentwicklungsgebieten
braucht es viel mehr Drive, die Ladeinfrastruktur
voranzubringen. Nur eine Leerverrohrung
zu schaffen, reicht nicht aus. Der Hochlauf
der Fahrzeuge und der Ladeinfrastruktur müsse
Hand in Hand gehen.“
Wiener Linien: Umstellung im
Busbetrieb läuft
Barbara Hauenschild-Cyniburk, fachliche Leiterin
Public Affairs der Wiener Linien, betont,
Die Wiener Linien sieht Hauenschild-Cyniburk
als Vorreiter, schließlich wurden bereits vor über
zehn Jahren die ersten elektrifizierten Kleinbusse
in der Innenstadt eingesetzt: „2025 werden wir
den nächsten Schritt setzen und diese Elektrobusse
auf Hybridbusse (Elektro- und Wasserstoff)
umstellen. Dies ermöglicht längere Einsatzzeiten
ohne Zwischenladen, womit wir mit weniger Bussen
als bisher auskommen.“
Außerhalb der Innenstadt wurden bereits sechs
Elektrobuslinien umgesetzt, vor allem im Süden
Wiens, wo sich auch das E-Kompetenzzentrum der
Wiener Linien befindet. Über die Photovoltaikanlagen,
die auf den Dächern des Kompetenzzentrums
angebracht sind, werden die Busse mit nachhaltiger
Energie geladen und die Abwärme während
des Ladens der Elektrobusse wird fürs Heizen der
Gebäude genutzt. Ende 2025 soll auch eine reine
Wasserstoffbuslinie in Betrieb gehen (Heiligenstadt
– Sievering), die mit erneuerbarem Wasserstoff
von Wien Energie versorgt wird. Der Fuhrpark
besteht künftig aus 60 größeren Elektrobussen,
10 Wasserstoffbussen und 10 Elektrohybrid Kleinbussen.
Hauenschild-Cyniburk: „Leider eignet sich
nicht jede Linie für jede Art von emissionsfreiem
Antrieb, weil wir in Wien auch sehr große topografische
Herausforderungen haben. Daher sind wir
immer um individuelle Lösungen bemüht.“
Compact Electric: Für die Energiewende
braucht es Fachpersonal
Ulrike Haslauer, Geschäftsführerin und Mehrheitseigentümerin
von Compact Electric, erwartet
aufgrund von E-Mobilität und Co. viele Ausbauten
im Umspannwerks- und Kraftwerksbereich.
Da komme das Familienunternehmen mit seinen
Verteilerschränken, Schutzschränken sowie Nahschutzgeräten
wie zum Beispiel Spannungsüberwachungsrelais
zum Zug. Für die Energiewende
brauche es jedenfalls mehr Fachpersonal wie
Elektrotechniker/Mechatroniker, zudem eine absolute
Deregulierung und klare Zuständigkeiten.
Herndl (VW Pkw Österreich), Franz (UIV), Hauenschild-Cyniburk (Wiener Linien), Moderator Rohracher (GSV), Haslauer (Compact Electric),
Zabransky (Wien Energie), Martin (Veranstalter Wiener Elektrotage)
Wien Energie: Vorreiter bei Erzeugung
& Verteilung von Wasserstoff
Sascha Zabransky, Bereichsleiter E-Mobility,
IOT und neue Geschäftsfelder bei Wien Energie,
spricht von der Notwendigkeit einer Wärme-
und Mobilitätswende, um Wien erfolgreich bis
2040 dekarbonisieren zu können: „Im Mobilitätsbereich
müssen wir möglichst viele Menschen vom
öffentlichen Verkehr überzeugen, multimodale Angebote
an den Öffi-Knoten noch stärker ausbauen
und generell die Elektromobilität weiter stärken.“
Wien Energie leiste dazu wertvolle Beiträge, besonders
hervorzuheben sei die hauseigene Erzeugung
von grünem Wasserstoff inklusive Wasserstofftankstelle
in Wien Simmering. Der Elektrolyseur
hat eine Leistung von 3 Megawatt und produziert
pro Tag circa eintausenddreihundert Kilogramm
grünen Wasserstoff. Mit dieser Menge könne
man etwa 60 LKW oder Busse pro Tag betanken.
Bisherige Kunden sind die Wiener Linien (Wasserstoffbusse),
IKEA (Klein-Lkw) und die Mül-
lentsorgungsfahrzeuge der Stadt Wien (MA 48).
Die EU geht davon aus, dass innerhalb ihrer Grenzen
für Mobilität und Wärmeproduktion bis 2030
circa 20 Mio. Tonnen grüner Wasserstoff gebraucht
werden und schreibt vor, dass circa die Hälfte davon
innerhalb der EU erzeugt werden müsse und
die andere Hälfte importiert. Zabransky: „Es werden
mit großer Sicherheit in den nächsten Jahren
wesentliche Entscheidungen fallen, wo die Wasserstoff-Pipelines
in Europa verlaufen. Für den Wirtschaftsstandort
Österreich ist es ganz essentiell, in
guter Lage an diesen Pipelines zu liegen. Als Wiener
Stadtwerke Konzern sind wir überzeugt, den
zuvor angesprochenen Eigenbedarf mit unseren
eigenen Produktionsmitteln bis 2028/29 komplett
aus eigener Kraft und sozusagen mit grünem Wasserstoff
powered by Vienna abdecken zu können.“
Weiters sieht Zabransky den Breitbandausbau als
wichtiges Fundament für die Dekarbonisierung einer
Stadt. Einerseits sei die Glasfasertechnologie
die kosten- und energieeffizienteste Methode, um
Informationen zu übertragen, andererseits könne
32 33
so auch der Mobilitätsbedarf reduziert werden.
Zabransky: „Wenn ich möglichst vieles von zu
Hause oder dem Arbeitsplatz erledigen kann, dann
reduziert sich auch der Mobilitätsbedarf und das
hat in weiterer Folge einen positiven Effekt auf die
Dekarbonisierung.“
von Elektro- und Verbrennerfahrzeuge werden
sich auch zunehmend annähern. Herndl: „Es gibt
auch den klassischen österreichischen Mittelweg,
die Hybride, die noch weiter ansteigen werden, sie
kombinieren die Sicherheit eines Verbrenners und
das elektrische Fahren bis zu 150 km.“
Foto: Christian Mikes
VW: Schleppender Absatz von
Elektroautos aktuell nur eine Delle
Thomas Herndl, Markenleiter VW Pkw Österreich,
sieht für die Kaufzurückhaltung bei E-Fahrzeugen
mehrere Gründe. Generell ist der gesamte
Automarkt seit der Pandemie rückläufig. Herndl:
„Millionen Fahrzeuge, die früher abgesetzt wurden,
können heute nicht mehr verkauft werden.
Batterieelektrische Fahrzeuge sind in den letzten
Jahren exponentiell gestiegen, dieser Markt hat
aktuell eine kleine Delle. Die Zukunft ist definitiv
elektrisch, auch wenn der Weg dorthin ein bisschen
länger sein wird, als wir und die Politik es
vielleicht noch vor ein paar Jahren geglaubt haben.
Allerdings braucht es auch noch bei vielen
Kunden eine gewisse Überzeugungsarbeit.“
Klassisches Beispiel sei die Ladeinfrastruktur.
Kunden müsse die Angst genommen werden, mit
dem Elektroauto hängen zu bleiben. Den wenigsten
passiere das in der Praxis tatsächlich. Herndl:
„Wir sind in Österreich da schon sehr weit, ich
würde in Österreich keinen Fleck finden, wo ich
mit meinem Auto hängenbleibe.“ Kunden müsse
das Elektroautoerlebnis hautnah vermittelt werden.
Die Produktvielfalt, die von allen Herstellern
komme und auch in alle Segmente inklusive Kleinwagen
gehen wird, spreche für sich. Die Preise
Zur Konkurrenzsituation aus Asien betont Herndl,
dass Europa laut Experten aufgrund all der Regularien
25% mehr Aufwand habe. Preislich liegen
asiatische Produzenten dementsprechend voran.
Herndl: „Wettbewerb belebt das Geschäft, das ist
völlig richtig, aber er muss fair sein. Ob er fair ist,
hat die EU untersucht, offensichtlich ist das nicht
der Fall.“
In Europa wolle man schließlich auch die gesamte
Wertschöpfungskette von der Produktion bis zur
Entsorgung des Fahrzeugs CO 2
-neutral gestalten,
das werde mit Fahrzeugen aus Asien und Exporten
gegen Ende des Fahrzeuglebens nach Afrika
schwierig. Herndl dazu: „Wir produzieren mit
Volkswagen auch in China für China. Wir werden
nicht die Fahrzeuge aus Deutschland nach China
transferieren. Die Fahrzeuge, die in Österreich
fahren, sind alle ‚made in europe‘, auf das sind
wir stolz und das stärkt den deutschen und den
europäischen Wirtschaftsstandort.“
Porsche Media Creative: Event ermöglicht
Information & Austausch
Andreas Martin, Gastgeber und Veranstalter
der Wiener Elektrotage, betont, dass diese Veranstaltung
klar aufzeigt, wie weit die E-Mobilität
bereits fortgeschritten ist: Eine Vielzahl an Autos,
höhere Reichweiten, stärkere Digitalisierung und
einige weitere Aspekte, die bereits angesprochen
wurden. Martin: „Das ist die Idee dieses Eventformats,
welches die Autos nicht nur zeigt, sondern
auch informiert und Diskussionen zulässt, wie in
dieser Runde, die auch andere Aspekte wie das
Internet der Dinge betrachten. Ich bin wirklich
stolz auf das Team, dass da dahintersteht und das
Format ständig weiterentwickelt. Ich denke auch,
dass es die Wiener Elektrotage noch länger gibt,
weil sie ein wichtiger Hebel sind, um die Transformation
voranzutreiben.“
Autor: Bernhard Weiner, GSV
MOBILITÄT VON MORGEN
Mit der Porsche Bank steht Ihr Traumwagen schon bald vor der Tür.
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34 35
ZUKUNFT DER MOBILITÄT
Fachbeitrag der AustriaTech
Die Zukunft der Mobilität: Fair, inklusiv und datenbasiert
Mobilität spielt eine Schlüsselrolle im Klimaschutz
und ist zugleich ein zentraler Faktor für soziale
und wirtschaftliche Chancen. In unserer zunehmend
diversifizierten Gesellschaft haben Menschen
unterschiedliche Mobilitätsbedürfnisse, die
durch Faktoren wie Einkommen, Alter, geografische
Lage oder gesundheitliche Einschränkungen
geprägt sind. Besonders in ländlichen Regionen
oder für Menschen mit eingeschränktem Zugang
zu neuen Technologien und Angeboten bleibt Mobilität
oft eine Herausforderung. Die Frage, wie
wir eine gerechte und inklusive Mobilität für alle
gewährleisten können, steht daher im Mittelpunkt
der aktuellen Diskussion.
Innovative technologische Lösungen, gestützt auf
bessere Datengrundlagen, können helfen, diese
Lücken zu schließen und sicherstellen, dass niemand
auf der Strecke bleibt.
Daten als Grundlage für inklusive
Mobilität
Ein zentraler Hebel für mehr Fairness in der Mobilität
sind datenbasierte Lösungen. Durch die
Analyse von Erreichbarkeitsdaten kann beispielsweise
ermittelt werden, in welchen Regionen und
für welche Bevölkerungsgruppen Verbesserungen
nötig sind. Die AustriaTech bietet hier innovative
Ansätze zur Datenerfassung, -bereitstellung und
-analyse. Dadurch können gezielte Maßnahmen
ergriffen werden, um Mobilitätsangebote zu optimieren
oder neue, flexible Mobilitätsdienste wie
On-Demand-Lösungen dort anzubieten, wo sie am
meisten benötigt werden.
In diesem Kontext zeigt sich, dass Technologie
dabei helfen kann, Mobilitätsangebote inklusiver
zu gestalten, indem sie auf die Bedürfnisse verschiedener
Bevölkerungsgruppen eingeht. Die Erhebung
von Nutzer:innendaten, die über das reine
Verkehrsverhalten hinausgehen – etwa nach Alter,
Geschlecht oder Wohnort – ist entscheidend, um
sicherzustellen, dass alle Zugang zu Mobilität haben,
unabhängig von ihrem Lebensumfeld.
Technologie als Brücke für soziale
Teilhabe
Ein erfolgreiches Beispiel für den gezielten Einsatz
von Daten ist das Förderprogramm LADIN,
das AustriaTech in der Rolle als OLÈ - Österreichische
Leitstelle für Elektromobilität mit der FFG
und dem BMK entwickelte. Hier wurde mithilfe von
Datenanalysen sichergestellt, dass die Schnellladeinfrastruktur
auch in abgelegenen und bisher
unterversorgten Regionen ausgebaut wird. Diese
Maßnahme hat nicht nur den Zugang zu Elektromobilität
verbessert, sondern auch Barrieren abgebaut,
indem sie die Reichweite der Ladeinfrastruktur
in ländlichen Gebieten erweiterte.
Damit der Bedarf an Datenerhebung und -austausch
auch in Zukunft effizient bewältigt werden
kann betreibt AustriaTech unter anderem die
Plattform Mobilitaetsdaten.gv.at, die als nationaler
Zugangspunkt (NAP – National Access Point) zu
Verkehrsdaten dient. Ein weiteres wichtiges Projekt
in diesem Kontext ist NAPCORE (National Access
Point Coordination Organisation for Europe),
das auf europäischer Ebene Lösungen für Datenaustausch
und Zusammenarbeit entwickelt.
Daten können beitragen, Mobilitätslücken zu
schließen und den Zugang zu zentralen Angeboten
des täglichen Lebens, wie dem Weg zur Arbeit
oder zur Schule, zu erleichtern und so faire Mobilität
zu fördern.
Was ist faire Mobilität und wie
messen wir Sie?
Faire Mobilität bedeutet, dass alle Menschen, unabhängig
von ihren persönlichen oder geografischen
Voraussetzungen, gleichermaßen Zugang
zu Mobilitätsangeboten haben. Doch wie messen
wir Fairness? Hier kommen Erreichbarkeitsanalysen
ins Spiel, die objektiv aufzeigen, wie gut
verschiedene Bevölkerungsgruppen Zugang zu
bestimmten Zielen haben. AustriaTech entwickelt
in diesem Bereich innovative Methoden, die eine
detaillierte Bewertung der Mobilitätsgerechtigkeit
ermöglichen. So können Entscheidungsträger fundierte
Maßnahmen zur Verbesserung der Mobilität
für benachteiligte Gruppen ergreifen.
Bedarfsgerechte Mobilitätsangebote
für verschiedene Nutzer:innen
Es ist von zentraler Bedeutung, Mobilitätsangebote
zu schaffen, die unterschiedliche Bedürfnisse abdecken.
Projekte wie CATAPULT (PoliCies for inclusive,
demand-oriented and target group-specific
automated mobility solutions for cities), das sich
mit der Erarbeitung von Empfehlungen für inklusive
automatisierte Mobilitätslösungen in Städten für
die Bedürfnisse bestimmter Nutzer:innengruppen
fokussierte, SHOW (SHared automation Operating
models for Worldwide adoption), bei dem
der Einsatz elektrifizierter, vernetzter sowie automatisierter
Flotten im Personenverkehr und in
der Logistik in (peri-)urbanen Räumen in Europa
getestet werden, oder das Interreg Central Europe
Projekt DREAM_PACE (Demand Responsive
and Microtransit Passenger Centric Services), dass
sich durch bedarfsgerechte Verkehrskonzepte für
regionale Mobilitätsnetze in peripheren und ländlichen
Gebieten einsetzt, leisten wichtige Arbeit in
diesen Bereichen.
Inklusion durch Bildung
Neben der Technologie spielt Bildung eine wichtige
Rolle für eine faire und inklusive Mobilität.
Durch gezielte Mobilitätserziehung lernen Kinder
und Jugendliche frühzeitig, umweltbewusst und
eigenverantwortlich mobil zu sein. Die Arbeit am
Themenbereich Kinder- und Jugendmobilität ermöglicht
es dabei, Mobilitätsbedürfnisse in jungen
Jahren zu verstehen und Lücken zu identifizieren.
AustriaTech setzt sich zudem für die Inklusion
benachteiligter Gruppen in der Mobilitätsplanung
ein. Hier wird sichergestellt, dass beispielsweise
Barrieren für Menschen mit Behinderungen abgebaut
werden, um eine gleichberechtigte Mobilität
für alle zu gewährleisten.
Fazit: Mobilität als Treiber für
Chancengleichheit
Technologie bietet die Chance, Mobilität fairer
und inklusiver zu gestalten. Durch den geziel-
ten Einsatz von Daten und Innovationen können
Mobilitäts- und Datenlücken geschlossen und die
Teilhabe an Bildung, Arbeit und sozialem Leben
verbessert werden. AustriaTech kann hier nicht
nur in der Erarbeitung von Konzepten und Strategien,
sondern auch in der Pilotierung solcher Initiativen
zielgerichtet unterstützen.
Für die Mobilität der Zukunft ist entscheidend,
dass technologische Fortschritte nicht nur einer
kleinen Gruppe zugutekommen, sondern breitflächig
eingesetzt werden, um eine faire und nachhaltige
Mobilität für alle zu gewährleisten.
Autorin: Mag. Kristina Maria Brandstetter, MBA,
Head of Communications & Transformation,
AustriaTech
Über AustriaTech:
AustriaTech ist das österreichische Kompetenzzentrum für Mobilitätstransformation
und steht als Agentur im Eigentum des Bundes
(BMK). Um ein zukunftssicheres und nachhaltiges Verkehrs- und Mobilitätssystem
schaffen zu können, konzentrieren sich die Aktivitäten der
AustriaTech auf die Digitalisierung und Transformation in der Mobilität.
Zur Erreichung dieser Ziele fokussiert sich AustriaTech besonders auf Kooperationen
und Partnerschaften mit österreichischen und europäischen
Infrastrukturbetreibern, Mobilitätsdienstleistern, der Industrie sowie Forschungseinrichtungen
und Behörden.
https://www.austriatech.at
Von der Mobilität der Zukunft müssen alle profitieren
Foto: AustriaTech/Schallauer
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INTELLIGENTE VERKEHRSSYSTEME
GSV - Forum | Daten aus dem Auto – wer bestimmt, was damit geschieht?
Akzeptable Lösungen für alle sind möglich
einen speziellen Anspruch seitens unabhängiger
Wirtschaftsakteure gegen den Dateninhaber,
Daten zur Verfügung zu stellen. Das ist aus den
genannten Gründen, wo die Datenverordnung
Dienst auch im Fahrzeug aktiviert,
übertragen werden. Geffers: „Wir
dürfen diese dann aber für keinen
anderen weiteren Zweck verwen-
Foto: GSV
ein etwas grober Klotz ist, wahrscheinlich die
den. Gleichzeitig existiert etwa in
zukunftsträchtigere Variante. Die Frage ist, ob
Belgien ein Gesetz, dass wir die Ki-
Foto: GSV
Jedes moderne Auto sammelt heute eine Vielzahl
an Daten für unterschiedliche Zwecke. Knackpunkt
ist, wer diese Daten wie nutzen kann. Pannenhelfer
und freie Werkstätten wollen beispielsweise
den Zugriff zum Auto nicht verlieren, um
ihre Dienste weiter anbieten zu können. Autohersteller
wollen und können nicht einfach einen vollständigen
Zugriff gewähren, schließlich gelte es
Autos cybersicher über die Lebensdauer zu halten.
Ein Spagat, der nicht einfach zu lösen ist, wie das
GSV-Forum „Daten aus dem Auto – wer bestimmt,
was damit geschieht?“ Mitte November 2024 in
Wien gezeigt hat.
Die rechtliche Situation ist nicht
ganz klar
Christiane Wendehorst, stv. Institutsvorständin
Digitalisierung und Recht, Universität
Wien, gibt einen Überblick über die rechtliche Situation:
Prinzipiell spiele sich alles zwischen dem
Dateninhaber (in der Regel der Autohersteller),
dem Fahrzeugnutzer (Halter, Mieter) und potentiellen
Datenempfängern (andere Wirtschaftsakteure)
ab. Wer kann die Daten nutzen, wer soll
entsprechenden Zugang haben? Dies müsse man
vor dem Hintergrund der europäischen Datenstra-
tegie aus dem Jahr 2020 sehen,
wo einige Maßnahmen bereits angekündigt
worden sind:
• Zum europäische Mobilitätsdatenraum
hat es Ende 2023
seitens der EU-Kommission eine
kurze Ankündigung gegeben, in
der beschrieben wurde, dass es
einen besseren Zugang zu Daten
brauche und die gemeinsame
Nutzung bzw. Weiterverwendung
von Daten ausgebaut
werden soll. Im Fokus sollen
technische Dimensionen bzw.
Governance und offenbar keine
neue Regulierung stehen.
• Bei der neuen Datenverordnung hingegen
stehe eine neue Regulierung im Vordergrund.
Diese befinde sich seit Ende 2023 im Amtsblatt
und sei „mit Rekordtempo durchgedrückt worden.“
Im Artikel 3 stehe beispielsweise, dass
nach Möglichkeit Nutzern ein direkter Zugang zu
den Fahrzeugdaten und verbundenen Dienstdaten
gewährt werden soll. Laut Artikel 4 kann der
Nutzer kostenlosen Zugang zu Fahrzeug- und
verbundenen Dienstdaten verlangen. Der Dateninhaber
hat ihm dann diese Daten auf Verlangen
kostenfrei zur Verfügung zu stellen. Artikel
4 sieht auch vor, dass der Autodateninhaber,
also der Autohersteller, die Daten nur noch so
weit selber nutzen darf, wie es eine vertragliche
Vereinbarung mit dem Nutzer erlaubt. Laut
Artikel 5 Daten VO kann der Nutzer die Übertragung
der Fahrzeug- und verbundenen Dienstdaten
auch auf einen Dritten verlangen. Dieser
Zugang ist allerdings nicht kostenfrei. Details
wie, ob alle erforderlichen Datenkategorien erfasst
werden oder Fragen zum Vertragserfordernis
(Gibt es Rahmenverträge?) bei Datenbereitstellung
an Dritte oder ob Daten generell nur
bei Verlangen des Nutzers bereitgestellt werden
(Wer ist Nutzer? Mehr als 2 Personen möglicherweise)
sind Punkte, die noch ausjudiziert werden
müssen.
• Erweiterung und Überarbeitung der Datenzugangsvorschriften
der Typengenehmigungsverordnung:
Im Kapitel XIV geht es um
den Zugang zu Fahrzeug-OBD-Informationen
und zu Fahrzeugreparatur- und Wartungsinformationen
für unabhängige Wirtschaftsakteure
gegen angemessene, verhältnismäßige
und nicht abschreckende Gebühren. Ziel ist die
Verhinderung vertikaler Wettbewerbsbeschränkungen
durch Anspruch „unabhängiger Wirtschaftsakteure“
(einschließlich Automobilclubs)
auf Zugang zu Fahrzeug-On-Board-Diagnose
(OBD)-Informationen und Fahrzeugreparatur-
und Fahrzeugwartungsinformationen. Wendehorst:
„Das heißt, hier haben wir tatsächlich
die Typengenehmigungsverordnung wirklich aktuell
ist und ob wir sie hier nicht aktualisieren
müssen. Dazu hat es 2022 eine Sondierung seitens
der EU-Kommission gegeben, das Ergebnis
war alles andere als eindeutig. Intern hat die
Kommission an einem Entwurf einer neuen Verordnung
über die Nutzung von und den Zugang
zu Fahrzeugdaten, Funktionen und Ressourcen
gearbeitet. Der ist bis heute von allen Seiten
sehr umstritten.“
Autohersteller sammeln nicht
unbegrenzt Daten
Peter Geffers, Manager Connectivity Solutions
Integration & OTA software updates,
FORD, beleuchtet das Thema aus Sicht der Hersteller
und möchte der medialen Botschaft der
Datenkrake Auto entgegenhalten. Geffers: „Ein
Fahrzeug sendet nicht permanent von Zündung an
bis Zündung aus nur Daten.“ Fahrzeugdaten können
für Hersteller wertvolle Aufschlüsse geben,
z.B. für die Bauteiloptimierung in der Entwicklung,
über die tatsächliche Nutzung einzelner Features
oder auch im Aftermarket für Services, Reparaturen
etc. Selbstverständlich könne der Datenaustausch
hinterfragt werden. Gleichzeitig erwarten
die Kunden, Daten für notwendige Services zu
erhalten (Navigation, freie Ladesäulen / Parkplätze
etc.). Geffers: „Ich glaube, wenn ein Hersteller
diese Daten nicht zur Verfügung stellt, dann läuft
er Gefahr, aus dem Markt verdrängt zu werden.“
Durch die ePrivacy Directive (‚TTDSG‘) wurde die
Nutzung der Daten bei den Herstellern ohnehin
bereits extrem eingeschränkt. Geffers: „Mit der
Einführung dieser Direktive müssen wir jetzt unsere
Kunden explizit fragen, zu welchem Zweck wir
die Daten verwenden dürfen. Ohne eine Zustimmung
dürfen wir keine Daten mehr verwenden.“
Als Beispiel nennt Geffers Navigationslösungen:
Für diesen Dienst ist es erforderlich, dass Daten,
Positionsdaten, Ziele etc. ausgetauscht werden.
Diese Daten müssen, wenn der Kunde diesen
lometerstände bei vernetzten Fahrzeugen
einmal im Quartal übermitteln
müssen. Wir sehen da als
Hersteller leichte Komplikationen.“
All das Datensammeln sei für Hersteller aufgrund
von Mobilfunkverträgen etc. auch kein günstiges
Unterfangen. Laut Geffers müsse daher jedenfalls
ein konkreter Nutzen dahinterstehen.
Prinzipiell seien Autohersteller auch verpflichtet,
die Daten zu teilen. Das Identitätsmodell und Geschäftsmodell
von Drittanbietern muss natürlich
nicht bekannt gegeben werden. Geffers: „Wir ermöglichen
auch das Schreiben von Servicefunktionen,
in diesem Fall möchten wir uns jedoch
austauschen, damit der Drittanbieter unsere Fahrzeugarchitektur
und die Funktion versteht. Das
dient der Sicherheit.“
Cybersecurity ein Fahrzeugleben
lang als Herausforderung
Klaus Kainrath, Cybersecurity Manager, Magna
Steyr, berichtet über das Thema Cyber Security,
welches in der Automobilindustrie seit 2022
für neue Typen und seit 2024 mehr oder weniger
für alle Fahrzeuge verpflichtend berücksichtigt
werden muss: „Es gibt eine EU-Verordnung, die
UNECE R155, die besagt, dass jedes Fahrzeug Cybersecurity
by Design implementieren muss, das
heißt, das Produkt Auto muss sicher entwickelt
werden, man muss ein sogenanntes Cybersecurity
Management System in seinem Unternehmen
aufbauen und beweisen können, wie das im Produktentwicklungsprozess
wirklich implementiert
werden kann. Das muss von einer unabhängigen
Stelle zertifiziert werden - wir als Magna Steyr haben
seit zwei Jahren ein entsprechendes Zertifikat.“
Bei Cybersecurity sei man jedoch nie fertig. Die
Regularie besagt, Fahrzeuge müssen bis zum
Ende der Lebensdauer (bis zu 20 Jahre!) mit Cy-
Geffers, FORD
Wendehorst, Universität Wien
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INTELLIGENTE VERKEHRSSYSTEME
Foto: GSV
frühzeitig zuwenden sollte, damit dort nicht dobersicherheit
versorgt werden – eine Herausforderung.
Kainrath: „Auch wenn der OEM selbst dafür
bis End of Life verantwortlich ist, aus rationaler
Sicht wird man wahrscheinlich dann Verträge
abschließen und nach einem gewissen Zeitraum
einfach als Best Effort Support ansehen oder im
schlimmsten Fall Systeme abschalten müssen.“
ÖAMTC: Sektorspezifische Regelung
dringend erforderlich
Oliver Schmerold, Direktor, ÖAMTC, ist aufgrund
der Ausführungen von Frau Wendehorst besorgt,
dass der Gesetzgeber nicht alles zu Ende
gedacht hat, womit die Justiz das letzte Wort
hat. 2023 wurde in einem Verfahren gegen einen
Hersteller laut Schmerold auch klar festgehalten,
dass dieser entgegen der aktuell gültigen Typen-
Genehmigungsverordnung agiert und seine Verfahren
zu ändern hat, was jedoch nicht passiert
ist. Es brauche daher dringend die sektorspezifische
Regulierung im Automotive Bereich, also der
angesprochenen Typengenehmigungsverordnung.
Schmerold: „Es muss klar sein, dass ein Fahrzeugbesitzer
die Möglichkeit haben muss, aus unterschiedlichen
Diensten zu wählen und von einem
anderen Anbieter auch weiterführende Services
zu empfangen. In der Praxis stellt sich bei uns
die Frage, ob wir beispielsweise in Zukunft noch
Fehlercodes bei Mitgliederfahrzeugen löschen
können? Das legitime Interesse der Hersteller
an einem geregelten und vor allem geschützten
Zugang wollen wir überhaupt nicht in Frage stellen.
Es darf aber nicht dazu führen, dass zwischen
unterschiedlichen Dienstanbietern diskriminiert
wird. Wir wollen im Rahmen eines fairen, transparenten,
aber auch praxistauglichen Authentifizierungsverfahren
die Möglichkeit haben, auch aus
der Ferne oder auch vor Ort auf entsprechende
Daten zugreifen zu können. Aktuell haben wir den
Zugang zu den Daten über die Diagnosegeräte
der bekannten Hersteller. Unsere Mitarbeiter haben
alle einen persönlichen Account, der mit einer
digitalen Signatur abgesichert ist. Dieser Zugriff
funktioniert allerdings nur bei einer entsprechend
guten stabilen Datenverbindung. Es gibt jedoch
immer wieder Einsatzfälle, wo diese Datenverbindung
nicht gegeben ist wie Tunnel oder Garagen.
Das heißt, eine unserer Minimalforderungen ist,
dass ein Pannenhelfer nach Authentifizierung am
Beginn seiner Schicht am Diagnosegerät den ganzen
Tag lang Zugang haben muss.“
Aus Cyber Security Sicht ist der letzte Satz laut
Kainrath genau der kritische Punkt, weil durch einen
längeren Offline Zugang immerhin die Gefahr
bestehe, dass Schlüsselmaterial in falsche Hände
gelangt und in weiterer Folge ganze Flotten kompromittiert
werden können.
Schmerold präzisiert, dass es dem ÖAMTC nur
um ein gewisses Set an Daten gehe und andere
Daten durchaus entsprechend abgesichert werden
könnten. Kainrath ergänzt, dass Fehlercodes immer
auslesbar seien.
Was kann der Kunde daraus
ableiten?
Daniela Zimmer, Expertin digitaler Verbraucherschutz,
Arbeiterkammer, betont die verschiedenen
Typologien von Verbrauchern: „Early
Adopters wissen um die vielen Softwarekomponenten
im Auto, die Mehrheit weiß es nicht. Bei
all dem, was wir bisher gehört habe, bräuchte
es eigentlich wie im Telekom Sektor eine sektorspezifische
Aufsicht, damit neben den Interessen
der verschiedenen Stakeholder auch der Verbraucherschutz
nicht zu kurz kommt. Mir erscheint
es erstrebenswert, dass sich die EU-Kommission
mit ihrer Plattformregulierung, die bislang eigentlich
nur große Messengerdienste, Suchmaschinen
usw. betroffen hat, eigentlich auch diesem Sektor
Geffers (FORD), Kainrath (Magna Steyr), Rohracher (GSV), Zimmer (AK), Vondenhoff (Michelin), Schmerold (ÖAMTC)
minante Gatekeeper entstehen, wo Verbraucherorganisationen
unterstützen auch die Verbraucherverbände bei
oder Verkehrsclubs möglicherwei-
dem Thema, denn wir glauben schon, dass das
se nicht auf Augenhöhe wahrgenommen werden. ein ganz erheblicher Markt ist, den es hier zu heben
Das ist ein Prozess, der zu moderieren ist, damit
gibt. Und wenn wir uns als europäische Au-
er ausbalanciert ist.“ Zimmer schlägt vor, Fact tomobilindustrie nicht darum kümmern, machen
Sheets vor dem Kauf einzuführen, in denen übersichtlich
das Geschäft womöglich andere. Deswegen ist es
je nach Automarke aufgelistet ist, wel-
gut, wenn man relativ zügig zu klaren Regelun-
cher Anbieter wie intensiv Daten verwendet und gen kommt. Fiat hat vorgerechnet, was passiert
welche Hersteller Zugang zu Diagnosedaten für oder was volkswirtschaftlich verloren geht, wenn
Werkstätten etc. bieten.
man auf klare Regelungen verzichtet, da wurden
bis zum Jahr 2030 29 Milliarden Euro genannt, für
Neue Geschäftsmodelle erwartet 2050 sogar 89 Milliarden.“
Christoph Vondenhoff, Head of Public Affairs Geffers denkt auch, dass es vernünftig ist, Kunden
DACH-Region, Michelin, betont, dass Michelin
vor der Kaufentscheidung zu informieren,
alleine durch den Einbau von RFID-Chips in die welche Marke welches (digitale) Angebot unterstützt:
Reifen seit dem letzten Jahrzehnt auch mit dem
„Wenn wir uns dann nicht öffnen und die
Thema Daten aus dem Auto zu tun hat. Diese Daten
Daten nicht teilen und ein Kunde kann einen After
wurden dann weiter in der Entwicklung bzw. Market Servicedienst nicht bei uns abrufen, dann
Forschung genutzt, um festzustellen, wie die Reifen
werden wir, glaube ich, Kundschaft verlieren und
auf der Strecke geschlagen haben. Daraus das signifikant.“
wurden Verbesserungen entwickelt. Seit Ende
2023 werden etwa sämtliche LKW Reifen serienmäßig
Schmerold hebt abschließend Ford als wichtispricht
mit RFID Chips ausgestattet und das vergen
Partner hervor, der ÖAMTC habe dort bereits
auch entsprechende Geschäftsmodelle. direkte Anbindung ans Backend: „Das löst zwar
Vondenhoff: „Wir wollen auch als Reifenhersteller nicht das Authentifizierungs-Thema, aber den
unsere Geschäftsfelder erweitern unter anderem technischen Zugriff auf die Daten, den haben wir
in Richtung digitaler Dienstleistungen. Daher wäre bei Ford.“
eine sektorspezifische Regelung zum Thema Daten
aus unserer Sicht sehr wünschenswert. Wir Autor: Bernhard Weiner, GSV
Foto: GSV
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INTELLIGENTE VERKEHRSSYSTEME
Foto: Kapsch TrafficCom AG
Interview mit Thomas Reznicek von Kapsch TrafficCom
Was Sie über Straßenmauten wissen müssen
Mag. Thomas Reznicek, Mobilitätsexperte wird. Wenn klar ist, dass Mauten für den Erhalt
bei Kapsch TrafficCom, über die wirtschaftlichen,
technologischen und ökologischen Aszahlen
sind, wie es bei Autobahnen der Fall ist,
und Ausbau spezifischer Mobilitätsvorteile zu bepekte
und Trends von Mautsystemen.
wird das Modell eher akzeptiert. Wichtig sind faire
Tarifgestaltungen und die Sicherstellung, dass die
Sehr geehrter Herr Reznicek, was sind Straßenmauten?
erkennbaren Gegenwert führen.
Mauten nicht zu einer zusätzlichen Belastung ohne
Straßenmauten dienen zur Refinanzierung von Welche Mautmodelle sind aus Ihrer Sicht
Straßeninfrastruktur und stellen für die Benutzer
ein Leistungsversprechen dar. Autobahnen,
wirtschaftlich sinnvoll und effizient?
Schnellstraßen, spezifische Tunnel oder Brücken Die effizientesten Mautsysteme sind jene, bei
bieten überregionalen Reisekomfort und ersparen denen die Ziele der Refinanzierung klar definiert
den Nutzern Zeit und lange Umwege. In bemauteten
urbanen oder sensiblen Zonen, wo der Ver-
auf hochrangigen Straßennetzen am wirtschaft-
sind. In der Regel sind elektronische Mautsysteme
kehr zwar reduziert aber nicht gänzlich gesperrt lichsten. Diese haben eine hohe Fahrzeugdichte,
werden soll, können Zufahrten erworben werden. wodurch fahrleistungsabhängige Mauten eine sehr
In all diesen Fällen gibt es für die Gebühren einen gute Kosten-Nutzen-Relation aufweisen. Ein präzise
abgestimmtes Mautsystem kann die Nutzung
wahrnehmbaren Gegenwert. Kritisch in der politischen
Diskussion wird es jedoch, wenn pauschalierte
Mauten, wie zum Beispiel Jahresvignetten die notwendigen Einnahmen für deren Instand-
der Infrastruktur effizient steuern und gleichzeitig
ohne Rücksicht auf Fahrstrecke oder Nutzungsintensität
neu eingeführt werden. Dies erzeugt häu-
Bemautung des hochrangigen Straßennetzes bilhaltung
und Ausbau generieren. Ausnahmen zur
fig Unmut und wird meist als eine Art „versteckte den spezifische Mautprojekte für Tunnel- oder
Steuer“ wahrgenommen.
Brücken, die auf die Refinanzierung genau dieser
Bauwerke abzielen und auch Citymauten.
Wie lässt sich ein streckenabhängiges Mautsystem
Pendlern gegenüber erklären, die bereits
hohe Kosten tragen?
Citymauten diskutiert. Was ist Ihre
In den letzten Jahren wurde verstärkt über
Meinung
dazu?
Der Übergang von steuer- zu fahrleistungsbasierten
Finanzierungsmodellen
Citymauten erfüllen zwei wesentliche Funktionen:
für Straßeninfrastruktur
ist nicht neu und wird international
vermehrt verfolgt. Es ist aber verständlich,
dass es für die politischen
Verantwortungsträger schwer zu
Sie generieren Einnahmen für die Städte und reduzieren
den Verkehr in stark frequentierten städtischen
Zonen. Die Maßnahmen haben damit sowohl
fiskalische als auch ökologische Ziele, wobei
der Fokus je nach Stadtpolitik unterschiedlich gewichtet
argumentieren ist, nachträglich
wird. Wenn die bloße Reduktion des Ver-
Gebühren für zuvor kostenlos benützte
Straßeninfrastrukturen einzuführen.
Der Erfolg hängt stark
davon ab, wie transparent die Nutzung
der Einnahmen hinsichtlich
kehrs im Vordergrund steht, gibt es zu Citymauten
auch alternative Modelle wie z.B. City Access Control
in Italien oder Clean Air / Low Emission Zones.
Hier wird die Zufahrt zu meist innerstädtischen
Zonen mit Fahrverboten limitiert und elektronisch
einer Zweckbindung kommuniziert kontrolliert. Einfahrtsgenehmigungen gibt es
Thomas Reznicek, Kapsch TrafficCom
meist nur für Anwohner, Einsatzfahrzeuge, Wirtschaftsverkehr
oder E-Fahrzeuge. Solche Modelle
Welche technologischen Lösungen sind für
Mautsysteme am geeignetsten?
stoßen allerdings gelegentlich auf Akzeptanzprobleme,
wenn die Ausnahmekriterien von der Bevölkerung
als unfair wahrgenommen werden.
Die Wahl der Technologie hängt von den spezifischen
Anforderungen ab. Für sehr lange Straßennetze
mit einer begrenzten Anzahl an mautpflichtigen
Wie bewerten Sie die in Europa vielerorts geführte
Diskussion bezüglich Road User Charge
für alle Straßen und alle Fahrzeuge?
Fahrzeugklassen (z.B. Schwerverkehr
im kompletten Straßennetz) bietet sich aus betriebswirtschaftlichen
Überlegungen GNSS (satellitenbasierte
Fahrleistungserfassung) an. Mautsysteme,
Zunächst einmal muß man den Druckpunkt für
die alle Fahrzeugklassen bedienen,
diese Diskussionen analysieren. Auslöser sind
Überlegungen der Nationalstaaten, wie mit einem
Ausfall der Mineralölsteuer (MÖSt) durch die zunehmende
Verbreitung alternativer Antriebsarten,
insbesonders der Elektromobilität umzugehen ist.
Die MÖSt ist bekanntlich eine Verbrauchsteuer auf
fossile Fahrzeug-Treibstoffe. In manchen Ländern
ist diese für die Errichtung und Erhaltung der Straßeninfrastruktur
zweckgebunden. In vielen Ländern
(u.a. auch in Österreich) ist das nicht der Fall
und die Einnahmen fließen direkt ins Staatsbudget.
aber hauptsächlich im hochrangigen Straßennetz
etabliert sind, verwenden meist die Mikrowellen-
DSRC-Technologie (wie z.B. bei der Asfinag GO-
Maut) aufgrund ihrer Effizienz. Hierbei ist wichtig,
die richtige Balance zwischen bemauteter Netzwerklänge
und Fahrzeugmenge zu finden, um die
Investitions- und Betriebskosten des Mautsystems
zu optimieren. In urbanen Räumen (bzw. Innenstädte)
setzt man vorwiegend auf automatische
Fahrzeug-Kennzeichenerkennung an den jeweiligen
Zonengrenzen.
Im Unterschied zu einer Maut verspricht die
MÖSt damit vielfach keine spezifisch benannte Gegenleistung.
Weiters ist die Höhe und Einhebung
Welche technischen Trends sehen Sie bei
Mautsystemen in Europa?
der MÖSt keine supranationale Angelegenheit der
EU, sondern wie alle Steuern subsidiär, sprich nationalstaatlich
geregelt.
Bei allen neu errichteten Mautsystemen steht der
Benutzerkomfort im Vordergrund. Die Entrichtung
der Gebühr soll einfach, komfortabel und ohne
Fiskalische Lösungen für eine drohende Steuerminderung
müssen die Nationalstaaten daher
selbst finden, was zu den verschiedensten Überlegungen
hinsichtlich einer Kompensation führt. Am
Anhalten möglich sein. Smartphone-Apps oder ins
Fahrzeug-Dashboard integrierte und sprachgesteuerte
Apps können hierbei exzellent unterstützen.
Ein Mautsystem-Megatrend hat sich in Euro-
weitesten fortgeschritten sind solche
Diskussionen bezüglich „Road
User Charge“ in Norwegen, wo der
aktuell europaweit höchste Anteil
an Elektromobilität festzustellen ist
und auch in der Schweiz, wo Teile
der MÖSt für die Erhaltung der
Straßeninfrastruktur zweckgebunden
sind. Beide Länder sind bekanntlich
keine EU-Mitgliedsstaaten
und haben daher schon früh
damit begonnen, sich mit dieser
Problematik auseinanderzusetzen.
Für den Schwerverkehr hat die
Schweiz ein Road User Charge Modell
zusätzlich zur MÖSt bereits seit
2001 umgesetzt.
Citymauten und alternative Modelle können den Verkehr in Städten in den Griff bekommen
Foto: Kapsch TrafficCom AG
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INTELLIGENTE VERKEHRSSYSTEME
Foto: Kapsch TrafficCom AG
könnte insbesondere in Ballungsräumen dazu fühpa
mittlerweile durchgesetzt. Neue Mautsysteme
werden fast gänzlich als „Multi-Lane-Free-Flow“,
sprich als Durchfahrtssysteme ohne notwendigen
Stop für die Entrichtung der Mautgebühr konzipiert.
Selbst bei bestehenden Mautstellen werden
mittlerweile vielfach schrankenlose Durchfahrtsspuren
ergänzt, um den Fahrzeugdurchsatz zu erhöhen
und Staus zu vermeiden. Die Gebühren werden
entweder mittels kleiner auf der Frontscheibe
befindlicher Fahrzeug-Transponder entrichtet oder
die Fahrzeug-Kennzeichen automatisch identifiziert.
GNSS-Systeme kommen in Europa aktuell
nur beim Schwerverkehr ab 3,5t zum Einsatz und
benötigen bezüglich baulicher Maßnahmen nur
mehr die Kontrollinfrastruktur, die bei allen Projekten
als Durchfahrtssystem ausgestaltet ist.
Können Technologien, wie sie bei Mautsystemen
zum Einsatz kommen, auch für Road
User Charge und damit für eine Transformation
der Energieverbrauchssteuern fossiler
Antriebe hin zu Fahrleistungssteuern von
Fahrzeugen unterschiedlichster Antriebsarten
verwendet werden?
Die grundsätzliche Antwort ist Ja. Technisch ist
die Verwendung der vielerorts bewährten GNSS
Mauttechnologie für alle Straßen und alle Fahrzeuge
nur eine Frage der Systemskalierung auf eine
größere Fahrzeugmenge bzw. ein größeres Straßennetz.
Kapsch hat sich 2023 an einem staatlich
In städtischen Gebieten könnten Mautsysteme dazu beitragen, den Individualverkehr zu reduzieren
und den öffentlichen Nahverkehr zu fördern.
organisierten Proof of Concept in Norwegen beteiligt
und konnte belegen, dass die von Kapsch
entwickelte Geo-Location-Plattform (IT-Zentrale)
in der Lage ist Road User Charge auf Basis von
Fahrzeug-Satellitendaten auch im „High-Scale“
Betrieb präzise zu berechnen. Der Nachweis wurde
mit Echtfahrten, die mit Simulationen auf nationale
Fahrleistungen hochskaliert wurden geführt.
Wichtig für eine etwaige Fahrleistungs-Besteuerung
ist weiters die präzise Zuordnung der erfassten
Fahrdaten innerhalb der Grenzen der jeweiligen
Nationalstaaten, da ja die Steuerleistung nur dort
anfällt, wo sich das Fahrzeug auch fortbewegt hat.
Können Mautsysteme zur Verfolgung umweltpolitischer
Ziele genutzt werden?
Ja, Mautsysteme sind durchaus ein wirksames
Mittel, um umweltpolitische Ziele zu erreichen.
Durch die Einführung von zeitlich und räumlich differenzierten
Mauttarifen kann der Verkehr gezielt
gesteuert und beeinflusst werden. In städtischen
Gebieten könnten Mautsysteme dazu beitragen,
den Individualverkehr zu reduzieren und den öffentlichen
Nahverkehr zu fördern.
Welche ökologischen Vorteile könnte eine distanzbasierte
Pkw-Maut in Österreich haben?
Eine räumlich und zeitlich differenzierte Pkw-Maut
ren, dass der Individualverkehr reduziert
und auf öffentliche Verkehrsmittel
verlagert wird.
Durch die Einführung solcher Mautsysteme
lässt sich der Verkehr in Stoßzeiten
verringern, was nicht nur den
Straßenverkehr entlastet, sondern
durch die Reduktion von Stauzeiten
und Verringerung von CO 2
-Emissionen
auch einen Beitrag zur Erreichung der
Klimaziele leisten kann.
Voraussetzung ist jedoch, dass die
Angebote im öffentlichen Nahverkehr
ausreichend aufnahmebereit, attraktiv
und zugänglich sind, um die Verkehrsteilnehmer
zum Umstieg zu bewegen.
Fachbeitrag von EFS Consulting
Die Zukunft der vernetzten Mobilität
Was bedeutet die Vehicle to Everything (V2X)
Kommunikation für unsere Zukunft? – In der bereits
14. Ausgabe des virtuellen Diskussions-Formats
„Winestorming“ von EFS Consulting, konnten
sich Expert:innen und Interessierte lebhaft zum
Thema „Vehicle to Everything – V2X: Die Revolution
in der vernetzten Mobilität?“ austauschen.
V2X ist der Schlüssel zur sicheren, effizienten und
nachhaltigen Mobilität, indem es die Vernetzung
von Fahrzeugen untereinander und mit ihrer Umgebung
ermöglicht. Dadurch können Gefahren
frühzeitig erkannt, der Verkehrsfluss verbessert
und die Grundlage für autonomes Fahren geschaffen
werden. Es ist mehr als nur ein technischer
Trend – es ist eine dringende Notwendigkeit, um
die Verkehrssicherheit zu erhöhen, Emissionen zu
reduzieren und eine vernetzte Mobilität für alle zu
realisieren. V2X ist der nächste Schritt auf dem
Weg zu einem sicheren und umweltfreundlichen
Verkehrssystem.
Wofür steht V2X?
Als V2X „Vehicle to Everything“ wird die Kommunikation
in Echtzeit zwischen Fahrzeugen und ihrer
Umgebung bezeichnet. Dabei wird zwischen verschiedenen
Kommunikationsformen unterschieden:
• V2V (Vehicle-to-Vehicle): Kommunikation zwischen
Fahrzeugen
• V2I (Vehicle-to-Infrastructure): Austausch von
Informationen zwischen Fahrzeugen und Verkehrsinfrastruktur
• V2P (Vehicle-to-Pedestrian): Kommunikation
zwischen Fahrzeugen und Fußgänger:innen
bzw. Radfahrer:innen
• V2N (Vehicle-to-Network): Verbindung von
Fahrzeugen mit dem Internet und Netzwerken
• V2G (Vehicle-to-Grid): Kommunikation zwischen
Fahrzeug und dem Stromnetz
Indem Fahrzeuge mit ihrer Umgebung vernetzt
sind, können Informationen über die
Umgebung und mögliche Risiken an andere
Verkehrsteilnehmer:innen drahtlos und schnell
übermittelt werden. Diese Technologie ist ein zentraler
Baustein zukünftiger intelligenter Verkehrssysteme
und einer vernetzten Mobilität.
Geschichte & Entwicklung von V2X
Die ersten Ideen zur Kommunikation zwischen
Fahrzeugen und Infrastruktur sind bereits in den
frühen 1990er Jahren entstanden und wurden in
den 2000er Jahren weiterentwickelt, als Automobilhersteller
begannen sich intensiver mit der Vernetzung
von Fahrzeugen auseinanderzusetzen. Mit
der Verbreitung von drahtlosen Netzwerken und
Mobilfunktechnologien wurde die Vision der intelligenten
Fahrzeugkommunikation greifbar. Eine der
Das Winestorming Team 2024 v.l.n.r.: Konstantin Dungl, Roman Benedetto, Mathias
Halmetschlager, Johanna Enzenberger, Marie-Therese Beck, Christian Fischbacher
Foto: EFS Cosnulting
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INTELLIGENTE VERKEHRSSYSTEME
ersten V2X-Technologien stellte die Kommunikation
zwischen Fahrzeugen und Ampelsystemen dar,
um den Verkehrsfluss zu verbessern.
Heute befindet sich die V2X-Technologie bereits in
der Pilotphase und wird weltweit in Städten getestet
und implementiert. Namhafte Automobilhersteller
haben bereits Fahrzeuge mit V2X-Funktionalitäten
auf den Markt gebracht. Dennoch sind
Investitionen vor allem in die Infrastruktur erforderlich,
bevor die Technologie flächendeckend
zum Einsatz kommen kann.
Technologische Grundlagen
V2X-Kommunikation basiert auf verschiedenen
Funktechnologien. Die beiden vorherrschenden
Standards sind Dedicated Short Range Communication
(DSRC) und Cellular V2X (C-V2X)
DSRC basiert auf WLAN, der für die Fahrzeugkommunikation
auf kurzen Strecken entwickelt
wurde und ermöglicht die direkte Kommunikation
zwischen Fahrzeugen und Infrastruktur in einem
Radius von bis zu 1000 Metern.
Cellular V2X basiert auf Mobilfunknetzen und bietet
sowohl direkte als auch netzwerkbasierte Kommunikation.
Diese Technologie nutzt dabei zwei Modi:
den PC5-Sidelink-Modus, der eine direkte Kommunikation
zwischen Fahrzeugen (V2V), Infrastruktur
und Fußgänger:innen ermöglicht, sowie den Uu-
Modus, bei dem die Kommunikation über Mobilfunkmasten
und cloudbasierten Lösungen läuft.
Cloudbasierte Lösungen spielen dabei eine immer
größere Rolle, Daten können von Fahrzeugen
direkt in die Cloud hochgeladen werden,
wo sie aggregiert, analysiert und mit anderen
Verkehrsteilnehmer:innen geteilt werden können.
Use Cases
V2X-Technologie ermöglicht eine Vielzahl an Anwendungsfälle,
um den Straßenverkehr sicherer,
effizienter und intelligenter zu machen. Beispiele
hierfür sind:
Notfallkommunikation
Eine der wichtigsten Anwendungsfälle von V2X ist
die Notfallkommunikation. Es wird möglich, dass
Fahrzeuge Informationen über Risiken, wie Unfälle,
Gefahrenstellen oder Wetterbedingung in Echtzeit
austauschen. Im Falle eines Unfalls, kann von
einem Fahrzeug automatisch ein Signal an alle sich
in der Umgebung befindenden Fahrzeuge gesendet
werden, um vor einem Stau oder einer potenziellen
Gefahrensituation zu warnen. Nachfolgende Fahrzeuge
können somit rechtzeitig die Geschwindigkeit
anpassen und Kollisionen vermieden werden.
Auch Rettungsdiente können durch die bereitgestellten
Informationen schneller reagieren,
indem sie relevante Daten über
beispielsweise den Unfallort erhalten.
Dynamische Parkleitsysteme
Diese Systeme werden genutzt, um in Echtzeit
Informationen über verfügbare Parkplätze auszutauschen.
Das ermöglicht eine direkte Fahrt
zu dem nächstgelegenen Parkplatz, was wiederum
den Parksuchverkehr erheblich reduziert.
Besonders in Städten mit großem Verkehrsaufkommen
können auf diese Weise der Verkehrsfluss
optimiert und die damit einhergehende
Umweltbelastung minimiert werden.
V2P-Kommunikation zwischen Fahrzeug und
Radfahrer:innen
Insbesondere die Sicherheit von Radfahrer:innen
und Fußgänger:innen ist in urbanen Gebieten
zu beachten, wo viele Verkehrsteilnehmer:innen
auf engem Raum aufeinandertreffen. Eine
V2P-Kommunikation ermöglicht beispielsweise
Radfahrer:innen oder Fußgänger:innen über
Apps oder Sensoren mit Fahrzeugen in der Umgebung
zu kommunizieren. Das Fahrzeug empfängt
Warnungen, sollte sich ein/e Radfahrer:in
im toten Winkel befinden; Radfahrer:innen und
Fußgänger:innen könnten potentiell Signale an
Fahrzeuge senden, um eine sichere Überquerung
der Straße sicherzustellen.
V2X – Ein Blick in die Zukunft
Die V2X-Kommunikation ist eine Schlüsseltechnologe
für die Zukunft der Mobilität. Sie verspricht,
die Sicherheit im Straßenverkehr zu verbessern,
die Effizienz zu steigern und den Übergang zu einer
vernetzten Mobilität zu ermöglichen.
Von Notfallkommunikation, über dynamische
Parkleitsysteme bis hin zur Kommunikation zwischen
Fahrzeugen und Radfahrer:innen - diese
Technologie eröffnet eine Vielzahl an Möglichkeiten,
wie Verkehrsteilnehmer:innen miteinander
kommunizieren können.
Obwohl die Technologie bereits in einigen Pilotprojekten
implementiert wurde, steht der flächendeckende
Einsatz noch bevor. Insbesondere mit der
Einführung von 5G-Netzwerken und der zunehmenden
Verbreitung autonomer Fahrzeuge wird
V2X in den kommenden Jahren weiter an Bedeutung
gewinnen und das Rückgrat der zukünftigen
Mobilitätsinfrastruktur bilden.
Autor: Roman Benedetto, Head of Smart Mobility
EFS Consulting
Smart Traffic Lights
Foto: VW
Investitionen in die Infrastruktur sind erforderlich, bevor die V2X-Technologie flächendeckend
zum Einsatz kommen kann.
Intelligente Ampelsysteme sind ein wesentlicher
Bestandteil von V2X-Anwendungen. Durch diese
Technologie können Fahrzeuge und Ampeln direkt
kommunizieren, wodurch das Ampelsystem in
Echtzeit auf den aktuellen Verkehrsfluss reagieren
und dynamisch die Ampelschaltung anpassen
kann. Ampeln können somit sich nähernde Fahrzeuge
erkennen und ihre Grün- und Rot-Phasen
entsprechend anpassen.
46 47
INTELLIGENTE VERKEHRSSYSTEME
Grafik: Yunex Traffic Austria
Fachbeitrag von Yunex Traffic Austria
KI & Vernetzung – das nächste Level der Verkehrssteuerung
Neue Technologien wie künstliche Intelligenz (KI) KI trifft auf Verkehrssicherheit
revolutionieren nicht nur die Art und Weise, wie
wir uns fortbewegen, sie eröffnen Verkehrstechnikern
Im Straßenverkehr können KI-gestützte Lösungen
auch neue Möglichkeiten für die Entwick-
dazu beitragen, besonders gefährliche Situationen
lung von Mobilitätslösungen – und diese intelligenten
zu verbessern, zum Beispiel im Kreuzungsbereich.
Lösungen sind dringend gefragt. Denn der Aktuelle Unfallstatistiken zeigen, dass hier aku-
fortschreitende Klimawandel, wachsende Städte, ter Bedarf besteht, weil dort Fußgänger:innen,
überfüllte Straßen sowie steigende Unfallzahlen Radfahrende und Fahrzeuge am häufigsten zusammentreffen.
machen deutlich, dass Handlungsbedarf besteht
Die Systeme nutzen hierfür
und wir Antworten finden müssen, wie wir Mobilität
Sensoren und Kameras, um die Bewegungen
künftig effizienter, nachhaltiger und siche-
aller Verkehrsteilnehmenden anonym zu erfas-
rer gestalten können. Das wird uns nur gelingen, sen und verarbeiten dann die Informationen.
wenn wir das volle Potenzial neuer technologischer
Basierend auf Algorithmen können Gefahrensi-
Errungenschaften ausschöpfen. So bieten tuationen frühzeitig erkannt und Warnungen an
uns heute massive Echtzeitdatensätze und eine Verkehrsteilnehmer:innen gesendet werden.
wachsende Anzahl an vernetzten Geräten vielfältige
Anwendungsmöglichkeiten.
Wenn sich nun zum Beispiel ein Radfahrender auf
dem Fahrradweg einer Kreuzung nähert und sich
Für KI-gestützte Lösungen gibt es in diesem Kontext
gleichzeitig ein Auto darauf vorbereitet, abzubiekehrszustandserfassung
zahlreiche Anwendungsfelder: Von der Vergen,
dann werden diese Objekte von der Kamera
und -interpretation über erfasst. Der KI-Algorithmus verarbeitet die Information
die infrastrukturseitige Verkehrssteuerung bis hin
und leitet sie über die Road-Side-Unit
zum automatisierten Fahren oder der Verkehrsmodellierung.
(RSU) an die Verkehrslichtsignalanlage (VLSA)
Mit Hilfe der steigenden Datenmen-
weiter. In dieser Situation beginnt die VLSA Gelb
ge und neuen Datenquellen können KI-gestützte zu blinken und warnt präventiv den rechts abbiegenden
Systeme dazu beitragen, die Sicherheit im Straßenverkehr
Fahrer oder die Fahrerin vor einer mögli-
zu erhöhen, den Verkehr effizienter chen Gefahrensituation. Fahrzeuge, die mit Car2xzu
steuern und Emissionen zu reduzieren. Dabei Technologie ausgestattet sind und dadurch per
passen sie sich kontinuierlich an die verändernde ITS-G5 WLAN-Standard oder über eine Onboard-
Landschaft der Verkehrsnetze an und sind in der Unit mit ihrer Umwelt kommunizieren können,
Lage schneller zu reagieren als bisherige Systeme. erhalten zusätzlich eine Gefahrenmeldung, die
sogenannte C-ITS Nachricht. Über die Road-Side-
Unit wird ihnen diese Meldung dann direkt auf
dem Armaturenbrett angezeigt.
Das Besondere: Der Gelbblinker und die C-ITS
Nachricht sind nur während der potenziellen Gefahrensituation,
also wenn sich beispielsweise eine
Person – per Fahrrad, Scooter oder zu Fuß – im toten
Winkel befinden könnte, aktiv. Hierfür müssen
sich die Verkehrsteilnehmer:innen in festgelegten
Detektionszonen befinden. Damit soll sichergestellt
werden, dass man sich nicht an ein kontinuierliches
Blinken im Kreuzungsbereich gewöhnt
und das Warnsignal aktiv wahrgenommen wird.
Signalisierungsprogramme können dank KI dynamisch für alle angepasst werden
Neue Ansätze zur optimierten
Steuerung des Verkehrs
KI-gestützte Systeme ermöglichen eine effizientere
und schnellere Steuerung des Verkehrs. So gibt
es Lösungen, die mit Hilfe eines digitalen Zwillings
kurzfristige Verkehrsvorhersagen treffen und Signalisierungsprogramme
dynamisch anpassen
können, um den Verkehrsfluss zu optimieren. Prognosefunktionen
helfen dabei, Verkehrsanomalien
zu erkennen, bevor sie auftreten. Die erwarteten
Auswirkungen werden dann mit möglichen
Reaktionsplänen verglichen. Die Systeme nutzen
intelligente Methoden, um innerhalb des definierten
Gebiets schnell die besten Entscheidungen
für Anpassungen der VLSA-Signalisierungen und
Verkehrssteuerungsstrategien zu finden. Hierfür
nutzen sie Informationen aus historischen Daten,
wie Tageszeit, bestimmte Ereignisse, Unfälle oder
Straßensperrungen.
Städte und Verkehrsbetreiber sind mit dieser erweiterten,
adaptiven Steuerung in der Lage, ihre
individuellen Prioritäten zu setzen. Das bedeutet,
dass die Steuerung der städtischen Mobilität
flexibel an die aktuelle Situation angepasst
und entsprechend justiert werden kann. Erstmalig
werden in diese Entscheidungsprozesse alle
Verkehrsteilnehmer:innen miteinbezogen, nicht
nur der motorisierte Individualverkehr – ein entscheidender
Schritt, um die Mobilitätswende voranzutreiben
und eine klare Neuausrichtung jenseits
der herkömmlichen Ansätze.
Hierfür nutzen die Systeme anstatt der herkömmlichen
Induktionsschleifenerkennung umfangreichere
multimodale Datenquellen. Diese Datensätze
ermöglichen es, die Bewegungen verschiedener
Verkehrsteilnehmer:innen zu erfassen. Zudem
sind die KI-erweiterten Lösungen in der Lage,
nicht nur einzelne Kreuzungen, sondern auch das
gesamte Stadtgebiet zu betrachten. Das heißt,
dass verschiedene Verkehrsteilnehmer:innen auch
an den Knotenpunkten des gesamten Straßennetzes
erfasst werden können und es so möglich
ist, den Verkehr im Gesamtbild zu betrachten. Im
Gegensatz zu bisherigen Ansätzen der netzweiten
Verkehrssteuerung erlaubt die neue Methode
eine separate Modellierung, sodass die Durchfahrt
einzelner Objekte im Netzwerk gezielt priorisiert
werden kann.
Fahrzeuge müssen dabei nicht länger die einzige
Optimierungsgröße sein. Auch Fußgänger:innen,
Radfahrer:innen, Lastkraftwagen und Fahrzeuge
des öffentlichen Nahverkehrs können je nach Bedarf
priorisiert werden. Zudem ist es möglich bestimmte
Routen und Streckenabschnitte unterschiedlich
zu gewichten, um sicherzustellen, dass der Verkehr
auf den wichtigsten Reisekorridoren flüssig läuft.
Die Mobilitätsherausforderungen
von morgen schon heute lösen
Die gute Nachricht ist, dass diese Lösungen mit
KI-Unterstützung keine ferne Zukunftsmusik mehr
sind, sondern in den Startlöchern stehen und nur
noch darauf warten, in sämtlichen Städten eingeführt
zu werden. Erste Städte, wie London oder
Prag setzen bereits heute auf diese innovativen
Lösungen.
Das Yunex Traffic Team unterstützt Städte und
Mobilitätsbetreiber dabei, intelligente Lösungen zu
entwickeln, um individuelle Mobilitätsherausforderungen
zu lösen. Dabei werden den verantwortlichen
Akteuren intuitive, nutzerfreundliche Werkzeuge
an die Hand gegeben, die es ermöglichen,
schnelle und einfache Konfigurationen vorzunehmen.
Dadurch wird Mobilität sicherer, effizienter
und nachhaltiger. Kontaktieren Sie uns!
Autorin: Dr. Karin Kraschl-Hirschmann, Head von
System Engineering and Innovation, Yunex Traffic
Austria
KI Lösungen ermöglichen es auch, das gesamte Stadtgebiet zu betrachten
Grafik: Yunex Traffic Austria
48 49
INTELLIGENTE VERKEHRSSYSTEME
Fachbeitrag von ALP.Lab
Automatisierte Mobilität – Jetzt kommt der Realeinsatz
Waymo führt in den USA bereits 100.000 bezahlte
Taxifahrten pro Woche durch – voll
autonom, ganz ohne Fahrer. Unternehmen
wie Aurora und Kodiak bewegen autonome
LKW auf öffentlichen Straßen in Texas, ab
Ende 2024 planmäßig ohne Sicherheitsfahrer.
Und auf nicht-öffentlichen Betriebsgeländen
sind schon seit Jahren voll automatisierte
Fahrzeuge im Dauereinsatz. Welche
automatisierten Mobilitätslösungen heute
schon möglich sind, weiß das Beraterteam
von ALP.Lab.
Noch vor wenigen Jahren waren voll automatisierte
Fahrzeuge reine Prototypen im Rahmen von
Forschungsprojekten. Dann folgten erste Realsysteme
für landwirtschaftliche Flächen (zB. AutoTrac
von John Deere), automatisierte Hafenfahrzeuge
(zB. von Kalmar oder Cargotec) und Baumaschinen
(zB. von Caterpillar und Komatsu). Auf den
Transport von Waren spezialisierte „Automated
Guided Vehicles“ (AGV) sind zudem schon länger
in Lagerhallen oder auf Betriebsgeländen aktiv.
Mittlerweile ist aber auch der Schritt auf öffentliche
Straßen erfolgt, zumindest in ausgewählten
Einsatzgebieten. Und damit gibt es in Summe eine
Bandbreite von automatisierten Mobilitätslösungen,
die tatsächlich geeignet sind, im Regulärbetrieb
eingesetzt zu werden. Auch wenn das „voll
autonome Auto“, das immer und überall selbst
fahren kann, noch in weiter Ferne ist.
Das richtige autonome System für
die richtige Anwendung
ALP.Lab berät Mobilitätsbetreiber, Kommunen, Unternehmen
und Automotive-Partner dabei, automatisierte
Mobilitätstechnologien zum Einsatz zu
bringen. Im Rahmen von Forschungsprojekten,
aber auch als fertig entwickelte, belastbare Lösung
im Serieneinsatz.
Der in diesem Zusammenhang wichtigste Begriff
ist die ODD – Operational Design Domain. Damit
sind die spezifischen Bedingungen und Grenzen
gemeint, innerhalb derer ein automatisiertes
Fahrsystem (Automated Driving System, ADS)
sicher funktionieren kann. Alle Anwendungsfälle
(sog. Use Cases), die innerhalb dieser ODD liegen,
sind damit umsetzbar.
Nach der Identifizierung spezifischer Anforderungen
an eine Mobilitätslösung wird international
nach einem passenden System gesucht und die
Implementierung begleitet.
Schritt für Schritt zur nachhaltigen,
automatisierten Mobilitätslösung
Ein automatisiertes System, das out-of-thebox
gekauft und aktiviert werden kann, existiert
(noch) nicht. Es gilt passende Komponenten zu
identifizieren und zu einem individuell angepassten
System zu kombinieren. Die Herausforderun-
gen dabei sind vielfältig und erfordern Expertise
in verschiedenen Bereichen, die gemeinsam mit
Partnerorganisationen abgedeckt werden – von
der Bedarfsanalyse über Funktions- und Sicherheitstests
bis hin zur öffentlichen Demonstration
und Inbetriebnahme. Auch die Akzeptanz der Mobilitätsnutzer
wird mit individuellen Schulungs-
und Kommunikationsmaßnahmen adressiert.
Smart Vehicle + Smart Infrastructure
= Smart Mobility
Insgesamt ist ALP.Lab für die Realisierung von
neuen smarten Mobilitätslösungen auf zwei Ebenen
aktiv. Einerseits auf Ebene des Fahrzeugs:
Um voll automatisiert agieren zu können, braucht
es eine Kombination aus Hardware (neben dem
eigentlichen Fahrzeug zB. Sensoren, Recheneinheiten,
Lokalisierungssysteme etc.) und Software
(von der Pfadplanung, der Längs- und Querführung
des Fahrzeuges, der Objektdetektion, bis hin
zur Flottenüberwachung). Andererseits gilt es die
Infrastruktur mitzuberücksichtigen, sie muss auf
ihre Tauglichkeit für automatisierte Mobilität überprüft
und eventuell angepasst werden.
Automatisierte Systeme sind zudem auf eine virtuelle
Erfassung der Umgebung, in der sie sich
bewegen, angewiesen. Gemeinsam mit Partnern
werden hier unter anderem Digitale Zwillinge angeboten,
um sowohl Straßen, Gebäude und Bodenmarkierungen
als statische Elemente zu erfassen,
als auch die dynamische Bewegung anderer
VerkehrsteilnehmerInnen in diesem Umfeld. So
sammelt ALP.Lab beispielsweise 10 Millionen Kilometer
an Verkehrstrajektorien pro Jahr – als Basis
für Verkehrsplaner und als Trainingsdaten für
Fahrassistenzsysteme.
tles und PKW – sowie einem hoch qualifizierten
Team aus Testingenieuren inklusive notwendigem
state-of-the-art Testequipment, kann ALP.Lab
die neuen Technologien zudem sicher erproben,
ehe sie integriert werden. Ein wesentlicher
Aspekt, da die sichere Funktion von automatisierten
Mobilitätslösungen niemals am Papier
allein überprüft werden kann, sondern erst in
einer realitätsnahen, sicheren Testumgebung.
Typische Awendungsfälle
Regionen und Mobilitätsbetreiber, die automatisierte
Mobilitätslösungen in ihren eigenen Betrieb
integrieren wollen, zählen ebenso zum Kundenkreis
wie Industriepartner, die umgekehrt an qualifiziertem
Feedback zu neu entwickelten Komponenten
und Systemen interessiert sind.
Next Step: Die Zukunft aktiv
gestalten
Die automatisierte Mobilität bietet enorme Chancen
– aber auch komplexe Herausforderungen. Es
braucht erfahrene Partner, die die neue Formen
der Mobilität von der ersten Idee bis zur praktischen
Umsetzung begleiten. Denn entscheidend
ist nicht nur, den ersten Schritt zu tätigen, um
rechtzeitig neue Vorteile nutzen zu können, sondern
diese auch effizient und sicher zu implementieren
und in den Realeinsatz überzuführen.
Autor: Martin Aichholzer, ALP.Lab, www.alp-lab.at
Foto: ALP.Lab
Auch bei der Kommunikation zwischen Fahrzeug
- Infrastruktur - anderen Fahrzeugen und der Leitstelle
wird Unterstützung angeboten.
Herausforderung Test & Integration
Ein wichtiger Schwerpunkt der Arbeit liegt auf der
Grafik: ALP.Lab
Automatisiertes Fahren etabliert sich - von der innerbetrieblichen Logistik und Landwirtschaft bis zu Pkw und Lkw auf der Straße
nahtlosen Integration automatisierter Systeme in
bestehende, operative Infrastrukturen, Abläufe
und Systeme. Mit einer Flotte aus hochautomatisierten
Testfahrzeugen – darunter Busse, Shut-
Im Projekt TORUS betreibt ALP.Lab einen straßenzugelassenen, automatisierten,
batterie-elektrischen City-Bus als Testträger für automatisiertes Fahren
50 51
FORSCHUNG & INNOVATION
Foto: ESA/ATG medialab
Fachbeitrag vom AIT
Satellitengestützte Bauwerksüberwachung mit Sentinel 1
Die Überwachung und Inspektion von Bauwerken
spielen eine zentrale Rolle, um die strukturelle Integrität
und Langlebigkeit von Infrastrukturen wie
Brücken, Dämmen, Tunnel oder Bahnstrecken zu
gewährleisten. Traditionelle Methoden basieren
auf der in RVS- bzw. RVE-Richtlinien geregelten
handnahen Prüfungen. Durch Inspektionen in Intervallen
von drei, sechs oder zwölf Jahren werden
die Bauwerke vor Ort durch Fachpersonal begutachtet.
Im Spezialfall werden bei Auffälligkeiten
durch lokal installierte Sensoren die Verformungen,
Dehnungen, Neigungen oder andere Anomalien
im Zuge eines Bauwerksmonitoring an gezielten
Punkten gemessen.
Mit der Entwicklung von satellitengestützten
Fernerkundungstechnologien, insbesondere der
Sentinel-1-Mission der Europäischen Weltraumorganisation
(ESA), eröffnen sich jedoch neue Möglichkeiten
für eine großflächige, kontaktlose und
kosteneffiziente Überwachung von Verformungsmessungen
wie Kriechbewegungen und Setzungen
von Bauwerken.
Der vorliegende Artikel erläutert den aktuellen
Stand der Forschung im Bereich des Bauwerksmonitorings
mithilfe von frei zugänglichen Sentinel-
1-Radardaten, den Einsatz synthetischer Apertur-
Radartechnologie (SAR) und die Fortschritte, die
durch Methoden wie die virtuelle Sensorik und die
Temperaturkompensation erzielt wurden.
Die Sentinel-1-Mission der ESA umfasste ursprünglich
zwei Satelliten, Sentinel-1A und Sentinel-1B,
die im Jahr 2014 bzw. 2016 gestartet
wurden. Diese Satelliten verwenden Synthetic
Aperture Radar (SAR), eine Technologie, die hochpräzise
Verformungsmessungen auf der Erdoberfläche
ermöglicht. Dabei wird die Erdoberfläche in
Intervallen von sechs Tagen in unterschiedlichen
Umlaufbahnen gescannt, was eine lückenlose Datenaufnahme
für die Überwachung großer Infrastrukturen
sicherstellt.
Obwohl Sentinel-1B im Dezember 2021 aufgrund
eines durch einen Sonnensturm verursachten technischen
Defekts außer Betrieb genommen wurde,
Obwohl Sentinel-1B im Dezember 2021 aufgrund eines durch einen Sonnensturm verursachten technischen Defekts außer Betrieb genommen
wurde, bleibt die Methode weiterhin von hoher Bedeutung und ist weiterhin anwendbar.
bleibt die Methode weiterhin von hoher Bedeutung
und ist weiterhin anwendbar. Die verfügbaren Daten
aus Sentinel-1A sowie andere SAR-basierte
Satelliten, wie TerraSAR-X (DLR/Airbus) oder CosmoSAT
etc. erlauben es, auch künftig Bauwerke
zeitlich konsistent zu überwachen. Besonders hervorzuheben
ist, dass keine physischen Sensoren
auf den Bauwerken installiert werden müssen, da
natürliche Reflexionspunkte wie Lärmschutzwände,
Leitplanken oder markante Gebäudeecken
verwendet werden. Zusätzlich können künstliche
Reflektoren, sogenannte Corner-Reflektoren, an
bestimmten Punkten installiert werden, um die
Messgenauigkeit und Punktzuordnung zu erhöhen.
Hohe Genauigkeit und thermische
Verformung als Herausforderungen
Die von SAR erfassten Daten bieten eine Auflösung
im Bereich weniger Millimeter in der vertikalen
Richtung und ermöglichen eine präzise
Überwachung von Erdverformungen. Die SAR-Interferometrie
(InSAR) nutzt Radarsignale, um aus
der Differenz zwischen zwei oder mehr Aufnahmen
eine Verformung abzuleiten. Bei einer Wellenlänge
von 5,4 cm (C-Band) erreicht die Methode
eine Genauigkeit von etwa 1 cm für Bewegungen
auf der Erdoberfläche. Für die Überwachung von
Bauwerken, die oft noch geringere Verformungen
aufweisen, ist jedoch eine Genauigkeit im Millimeterbereich
erforderlich. Um diese Herausforderung
zu bewältigen, hat das AIT Austrian Institute of
Technology eine Reihe von innovativen Ansätzen
entwickelt, die auf der Fusion verschiedener Messmethoden
und der Temperaturkompensation basieren.
Ein zentrales Problem beim Einsatz von satellitengestützten
Methoden für das Bauwerksmonitoring
ist die thermische Verformung. Bauwerke reagieren
auf Temperaturänderungen, was zu unterschiedlichen
Messwerten bei Aufnahmen zu verschiedenen
Tageszeiten oder Jahreszeiten führt.
Diese thermischen Verformungen können die
Interpretation der Messungen erschweren. Hier
setzt die von AIT entwickelte und patentierte „Virtuell-Sensing
Methode“ an. Diese Methode nutzt
zentral erfasste Wettermodelldaten, um die Temperaturverformungen
von Bauwerken sensorlos
zu berechnen und die Messungen entsprechend zu
Überwachung der Schottwien-Brücke an der S6 der ASFINAG: Hier konnten Differenzverformungen
des Mittelfelds zum Pfeiler innerhalb eines Jahrs im Bereich von ca. -15
und +45 mm gemessen werden
kompensieren. Dies ermöglicht eine präzisere Erfassung
von Verformungen, ohne dass zusätzliche
Sensoren am Bauwerk installiert werden müssen.
Ein Beispiel für die Anwendung dieser Methode ist
die Überwachung der Schottwien-Brücke an der
S6 der ASFINAG. Hierbei konnten Differenzverformungen
des Mittelfelds zum Pfeiler innerhalb eines
Jahrs im Bereich von ca. -15 und +45 mm mit
Hilfe von SAR-Daten aufgrund von Temperaturunterschieden
gemessen werden. Durch die von AIT
entwickelte Temperaturkompensation wurden dabei
Genauigkeiten im Bereich von 1,7 bis 3,0 mm
gemessen. Rückblickend können historisch Verformungen
bis ins Jahr 2016 überwacht werden. Als
Referenz diente eine digitale Schlauchwaage, das
derzeit präziseste Instrument zur Messung von
Setzungsdifferenzen über längere Zeiträume.
Großflächige Anwendung als Ziel
Die Forschung am AIT konzentriert sich nicht nur
auf die Verbesserung der Messgenauigkeit, sondern
auch auf die großflächige Anwendung der
Technologie. Ziel ist es, gesamte Infrastrukturabschnitte
wie Eisenbahnstrecken oder Straßen mit
mehreren Bauwerken gleichzeitig zu überwachen.
Dabei spielen die Ausrichtung und die Höhenlage
der Bauwerke eine entscheidende Rolle, da diese
Faktoren die Qualität der Radarsignale beeinflussen
können. Ein weiterer entscheidender Fortschritt
ist der Einsatz von Corner-Reflektoren auf
Bauwerken. Diese speziell geformten Reflektoren
Foto: AIT
52 53
verstärken das zurückgesendete Radarsignal und
ermöglichen so eine präzisere Verfolgung der Verformung
an diskreten Punkten. In Kombination
mit der Sensorfusion, bei der verschiedene Messmethoden
und Sensoren miteinander kombiniert
werden, lassen sich so systematische Fehler reduzieren
und die Auflösung der Messungen deutlich
erhöhen.
Darüber hinaus steht das Monitoring von Hochwasserdämmen
im Fokus. Im Rahmen des durch
die FFG im Programm ASAP geförderten Projekts
HoSMOS, das gemeinsam mit der viadonau gestartet
wurde, sollen Verformungen von Hochwasserdämmen
mithilfe der InSAR-Technologie überwacht
werden. Diese Ansätze sind insbesondere
in Zeiten des Klimawandels und der damit einhergehenden
Extremwetterereignisse von enormer
Bedeutung, da sie eine frühzeitige Erkennung von
Schäden und Verformungen ermöglichen.
Ökologische und ökonomische
Vorteile des Satellitenmonitorings
Neben den technischen Fortschritten bietet das
satellitengestützte Bauwerksmonitoring auch erhebliche
ökologische und ökonomische Vorteile.
Die Möglichkeit, Bauwerke kontaktlos und mit minimalem
Installationsaufwand zu überwachen, reduziert
nicht nur den Wartungsaufwand, sondern
verlängert auch die Lebensdauer der Infrastrukturen,
durch die Nutzung von derzeit noch nicht
direkt bewertbaren rechnerischen Reserven. Dies
führt zu einer Reduzierung von CO 2
-Emissionen,
da die Notwendigkeit eines Neubaus durch die
präventive Instandhaltung verringert bzw. verzögert
wird. Darüber hinaus ermöglicht das Monitoring
über große Strecken hinweg eine kontinuierliche
Überwachung vieler Bauwerke, ohne
dass einzelne Sensoren aufwendig installiert oder
gewartet werden müssen. Die gewonnenen Daten
bieten nicht nur Informationen über den aktuellen
Zustand des Bauwerks, sondern erlauben auch
langfristige Vorhersagen über mögliche Schäden
oder Verschleißerscheinungen.
Fazit
Das satellitengestützte Bauwerksmonitoring mit
SAR-Daten, insbesondere auf Basis der Sentinel-
1-Mission, stellt eine vielversprechende Methode
dar, um Bauwerke großflächig und präzise zu
überwachen. Durch innovative Ansätze wie die virtuelle
Sensorik und die Temperaturkompensation
können selbst kleinste Verformungen erfasst und
analysiert werden. Dies ermöglicht eine kosteneffiziente,
langfristige Überwachung von Bauwerken
und trägt zur Verlängerung ihrer Lebensdauer bei.
Die Forschung in diesem Bereich steht jedoch erst
am Anfang. Die Erhöhung der Messgenauigkeit
sowie die großflächige Überwachung ganzer Infrastrukturabschnitte
sind zentrale Herausforderungen,
die es in den kommenden Jahren zu meistern
gilt. Dennoch zeigt sich bereits jetzt, dass die
satellitengestützte Überwachung ein wesentlicher
Baustein für die Zukunft der Bauwerksüberwachung
sein wird.
Kontakt: Alois Vorwagner, AIT Austrian Institute
of Technology, alois.vorwagner@ait.ac.at
Für
augenblicke
die
bleiben
1
Literaturhinweise:
Foto: AIT
Corner-Reflektoren verstärken das zurückgesendete Radarsignal und ermöglichen so
präzisere Messergebnisse
Vorwagner, A., Kwapisz, M., Leopold, P., Ralbovsky, M.,
Gutjahr, K.H. und Moser, T. (2024), Verformungsmonitoring
von Brücken mittels berührungsloser Satellitenradarmessungen.
Beton- und Stahlbetonbau, 119: 636-647.
https://doi.org/10.1002/best.202400017
Schlögl, M., Dorninger, P., Kwapisz, M., Ralbovsky, M.
& Spielhofer, R., 2022, Remote Sensing Techniques for
Bridge Deformation Monitoring at Millimetric Scale: Investigating
the Potential of Satellite Radar Interferometry,
Airborne Laser Scanning and Ground-Based Mobile
Laser Scanning in: PFG-JOURNAL OF PHOTOGRAMMET-
RY REMOTE SENSING AND GEOINFORMATION SCIENCE.
2022, 21 S.
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PILOT ALPIN 5 SUV
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68–
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(1)
C-D
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69dB (3) (4)
ABC
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FORSCHUNG & INNOVATION
Fachbeitrag von Virtual Vehicle
Forschung für das Bahnsystem: Integriert - Digital - Vernetzt
Digitale Werkzeuge sind heutzutage unverzichtbar,
um das Gesamtsystem Bahn zu optimieren.
Der Bereich Rail Systems bei VIRTUAL VEHICLE
entwickelt seit rund 20 Jahren Expertise in der virtuellen
Abbildung komplexer System-of-Systems
im Bahnsektor. Dabei liegt der Fokus auf der Interaktion
zwischen Fahrzeug und Fahrweg, der
Modellierung von Verschleiß- und Schädigungsmechanismen
sowie der Tribologie. Zudem werden
Algorithmen zur Zustandsüberwachung und
Prognose von Komponenten entwickelt, die es
ermöglichen, das Verhalten und den Zustand des
Gesamtsystems realitätsgetreu unter Berücksichtigung
des Bahnbetriebes abzubilden und zu simulieren.
Systemwissen als Schlüssel der
digitalen Abbildung
Ein vertieftes Verständnis der physikalischen Phänomene
des Eisenbahnsystems und der numerischen
Modellierungstechniken ist die Grundlage,
um das dynamische Verhalten der Fahrzeug-Fahrweg-Interaktion,
ihre Ursachen und Auswirkungen
zuverlässig zu beschreiben. Spezifisch entwickelten
Algorithmen sowie die Modellierung in unterschiedlichster
Detaillierung liefern zuverlässige,
verwertbare Ergebnisse und damit solide Entscheidungsgrundlagen.
Durch die Kombination von fundiertem Systemverständnis
und methodischem Wissen in den
Bereichen numerische Simulation, physikalische
Modellbildung, datenbasierte Algorithmen, Künstliche
Intelligenz (KI) sowie Signalverarbeitung
werden verbesserte Ansätze für komplexe Bahnsysteme
entwickelt. Abhängig von der jeweiligen
Problemstellung oder der betrachteten Komponente
werden passende modellbasierte oder datengetriebene
Methoden verwendet oder in hybriden
Ansätzen kombiniert. Diese integrativen
Methoden ermöglichen es, genauere Vorhersagen
über den Zustand und das Verhalten von Komponenten
im Gesamtsystem zu treffen und dadurch
die Effizienz und Zuverlässigkeit des Bahnsystems
nachhaltig zu steigern.
Ein Beispiel für solche Effizienzsteigerung und Erhöhung
der Zuverlässigkeit sind die Ergebnisse des Europäischen
Forschungsprojekts In2Smart2.
Unregelmäßigkeiten im Fahrweg, insbesondere
spezielle Formen von Abweichungen der Gleislage
von der Solllage, können im Wechselspiel
zwischen Fahrzeug und Fahrweg zu erhöhter Dynamik
führen. Eine spezielle Form von Gleislageabweichungen
sind periodische Wellen im Wellenlängenbereich
zwischen 3 und 70 m, welche auch
Cyclic Top (CT) genannt werden. Sie sind alleine
in Großbritannien für 3 bis 6 Entgleisungen pro
Jahr verantwortlich und müssen daher idealerweise
bereits in einem sehr frühen Stadium erkannt
werden.
Im Forschungsprojekt wurde hierfür eine Methodik
entwickelt, die in der Lage ist, genau diese
CT-Muster frühzeitig zu erkennen. Dazu werden
historische Daten von Gleislageabweichungenanalysiert
und spektrale Veränderungsraten im
Wellenlängenbereich bis 70 m berechnet. Diese
spektralen Veränderungsraten geben Auskunft
darüber, ob es sich um ein CT-Muster handelt oder
nicht. Falls ja, dann werden weitere Merkmale berechnet,
um festzustellen, ob sich das CT-Muster
in einer frühen oder bereits fortgeschrittenen Entwicklungsphase
befindet. Aus diesen berechneten
Informationen können wiederum mit Hilfe eines
zustandsorientierten bzw. vorausschauenden Instandhaltungskonzepts
des Fahrwegs rechtzeitig
Maßnahmen abgeleitet und so Entgleisungen verhindert
werden. In2Smart2 erhielt Fördermittel
durch das Shift2Rail Joint Undertaking (JU) durch
das Grant Agreement No 881574.
Fahrerloser Schienenverkehr & KI
In der Bahnbranche gilt weithin der Konsens,
dass eine konsequente Digitalisierung und Automatisierung
des Zugbetriebs ein wichtiger Be-
standteil für einen klimaneutralen und attraktiven
Verkehrsmix darstellen. Hier spielt vor allem der
Einsatz von fahrerlosen Zügen eine wichtige Rolle,
um durch ein breites und flexibles Angebot die
Attraktivität des Schienenverkehrs zu erhöhen.
Die Vision: In einem sicherheitskritischen Umfeld
wie dem fahrerlosen Schienenverkehr werden KI-
Methoden benötigt, die nachweisbar robust und
sicher sind, um z. B. Hindernisse auf der Strecke
mit der notwendigen Verlässlichkeit erkennen zu
können. Das Vorhaben safe.trAIn zielt darauf ab,
die Grundlagen für den sicheren Einsatz von KI
für fahrerlose Schienenfahrzeuge zu schaffen und
damit die technologisch größte Herausforderung
zur Einführung des fahrerlosen Regionalverkehr
zu adressieren.
In einem Konsortium aus Technologiezulieferern,
Forschungseinrichtungen sowie Normungs- und
Prüforganisationen beschäftigen sich Virtual Vehicle
damit, die Möglichkeiten von Künstlicher
Intelligenz mit den Sicherheitsbetrachtungen des
Schienenverkehrs zu verbinden. Basierend auf
den Anforderungen an die Sicherheitsnachweisführung
werden Prüfmethoden und Werkzeuge
für KI-basierte Methoden für den Einsatz in einem
fahrerlosen Regionalzug entwickelt und anschließend
in einem virtuellen Testfeld validiert und verifiziert.
Der Fokus hierbei liegt auf KI-basierten
Funktionen für die Objekterkennung. Das Projekt
safe.trAIn wird vom deutschen Bundesministerium
für Wirtschaft und Klimaschutz im Rahmen des
Fachprogramms „Neue Fahrzeug- und Systemtechnologien“
gefördert.
Rail4Future: Forschung im Verbund
für Österreichs Bahnindustrie
Das Ziel der Bahnindustrie ist ein modulares,
standardisiertes und vollständig integriertes virtuelles
Eisenbahnsystem – denn nur so lässt sich
ein kontinuierlicher Fluss von zuverlässigen Informationen
über die gesamte Lebensdauer der
verschiedenen Komponenten der Eisenbahninfrastruktur
und der interagierenden Schienenfahrzeuge
gewährleisten.
VIRTUAL VEHICLE forscht auf Systemebene an
der Zukunft Bahn und unterstützt damit aktiv die
angestrebte Erhöhung der Zuverlässigkeit, Verdoppelung
der Kapazität und Halbierung der Lebenszykluskosten
und Zeit bis zur Marktreife von
Bahnsystemtechnik. Der Schwerpunkt der Aktivitäten
liegt auf dem europäischen Markt mit besonderem
Fokus auf Österreich, Deutschland und der
Schweiz. Als zentraler Partner in Forschungsprogrammen
wie Horizon Europe oder als Anlaufstelle
in Österreich für „Europes’s Rail Joint Undertaking“
(ERJU) Beteiligungen konnte eine hohe internationale
Sichtbarkeit und Reputation erreicht werden.
Grafik: Virtual Vehicle
Digital Twin-AI-Reliable-System-Simulation
56 57
VIRTUAL VEHICLE ist u.a. auch mit der wisseschaftlichen
Leitung des Projektes Rail4Future
betraut und zählt über die Forschung im COMET
K2 Programm u.a. ÖBB, DB, SBB, RailPlus, voestalpine,
Siemens, Plasser & Theurer, Knorr-Bremse,
u.v.m. zu seinen Forschungspartnern.
Bahnsysteme zu bilden. Durch die Verschränkung
von Daten aus unterschiedlichsten Quellen sowie
durch den Einsatz von Berechnungsmodellen und
Modellierungstechniken soll ein digitales Abbild
von Streckenabschnitten erstellt werden, ein sogenannter
Digitaler Zwilling.
Rail4Future ist ein Leitprojekt für die Zukunft der
Bahn: Die Zukunft des effizienten Einsatzes und
Managements von Bahn-Ressourcen liegt in einem
vollständig vernetzten und digitalisierten Bahnsystem.
An der Realisierung dieser hochkomplexen
Forschungsaufgabe arbeitet das VIRTUAL VEHIC-
LE zusammen mit der ÖBB, voestalpine Railway
Systems, Siemens Mobility und rund 20 weiteren
Partnern aus Wirtschaft und Wissenschaft.
Digitale Bahnsysteme müssen resilient konzipiert
werden, um deren Leistungsfähigkeit zu optimieren.
Erklärtes Ziel des Forschungsprojekts Rail4Future
ist es, die Grundlagen für die Gestaltung einer
virtuellen Bewertungs- und Validierungsplattform
als universell einsetzbare Lösung für digitalisierte
Bahn als zentraler Bestandteil
der Mobilität der Zukunft
Österreich will bis 2040 klimaneutral werden. Erreicht
werden kann dieses Ziel durch den raschen
Umbau des Energie- und Mobilitätssystems. Konkret
bedeutet das: mehr Energieeffizienz, mehr
Tempo beim Ausbau erneuerbarer Energie sowie
die Modernisierung und Digitalisierung von multimodaler
Mobilität und Energiesystemen. Ziel der
Forschung am VIRTUAL VEHICLE wird es weiterhin
sein, neue Methoden zu entwickeln, die rasch und
erfolgreich in der Industrie und unserem internationalen
Partnernetzwerk umgesetzt werden können
und die Attraktivität und Wettbewerbsfähigkeit
der Bahn verbessern.
Autor: Dr. Peter Perstel, Railway Systems Research,
Coordinator ERJU Projects
VIRTUAL VEHICLE
Die Virtual Vehicle Research GmbH ist mit 300
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Europas größtes
Forschungszentrum für virtuelle Fahrzeugentwicklung.
Forschungsschwerpunkt ist die
enge Verknüpfung von numerischen Simulationen
und Hardware-Tests in der Automobil- und
Bahnindustrie. Damit wird die Gestaltung und
Automatisierung von Test- und Validierungsverfahren
auf definiertem Qualitätslevel erreicht
und die kontinuierliche Entwicklung und
Absicherung von komplexen Hardware-Software-Gesamtsystemen
ermöglicht.
Grafik: Virtual Vehicle
VIRTUAL VEHICLE kooperiert mit über 180 nationalen
und internationalen Industriepartnern
sowie mehr als 90 wissenschaftlichen Institutionen
und hat sich durch seine Forschungserfolge
eine internationale Reputation als zuverlässiger
Innovationskatalysator für Fahrzeugtechnologien
der Zukunft erarbeitet.
Für die Klimaneutralität benötigt es höhere Energieeffizienz, mehr Tempo beim Ausbau
erneuerbarer Energie und die Digitalisierung von multimodaler Mobilität.
58 59
LOGISTIK
Internationaler Logistik Sommer 2024
Das fliegende Auto (PAL-V) steht in den Startlöchern
Foto: ILS
Der Internationale Logistik Sommer (#ILS2024)
der Independent Logistics Society (ILS) bot Mitte
September 2024 ein spannendes Programm rund
um KI, Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Logistik,
an dem über 350 Teilnehmer im Live Congress
Leoben teilgenommen haben. Ein wesentliches
Thema war die Transformation der Mobilität, die
im Rahmen der von GSV-Generalsekretär Mario
Rohracher moderierten Podiumsdiskussion
näher beleuchtet wurde. Tenor war, dass die Mobilitätswende
allmählich in die Gänge kommen müsse,
schließlich gelte es die Emissionen bis 2050
drastisch um 90% zu senken.
AVL: Alles auf eine Karte zu setzen,
kann gefährlich sein
Markus Tomaschitz, Unternehmenssprecher
AVL List, spricht die Krise der Automobilindustrie
an: Europa sei die einzige Region, die den Verbrenner-Motor
mit allen Konsequenzen verbieten
will. Der „Point of no return“ in der E-Mobilität sei
überschritten, aber politische Rahmenbedingungen,
Strafzölle und die Konkurrenz durch chinesische
Elektrofahrzeughersteller würden die europäische
Industrie stark belasten. Verunsicherte
Käufer und fehlende Ladeinfrastruktur führen zu
Kaufzurückhaltung und beeinflussen die gesamte
Wertschöpfungskette von Herstellern und Zulieferern.
Tomaschitz: „Die Lage ist jedoch von Region
zu Region unterschiedlich. Die Amerikaner werden
wahrscheinlich noch lange auf den Verbrennungsmotor
setzen, weil die Öl-Unabhängigkeit durch
Fracking gegeben ist. Die Europäer haben sich
aus meiner Sicht - nicht wirklich wissenschaftlich
fundiert und nachvollziehbar - in eine Drucksituation
begeben, in der sie nur verlieren können. Wir
haben eine der Leitindustrien Europas und eine
Wohlstandssäule unnötigerweise in die Bredouille
gebracht, weil vieles zu schnell geht. Alles auf eine
Karte zu setzen kann gefährlich sein. Als AVL plädieren
wir für Technologieoffenheit, also für alles,
was hilft, CO 2
einzusparen. Generell wird weltweit
in Elektromobilität, Wasserstoff und in die Weiterentwicklung
des Verbrennermotors investiert – die
Technologieoffenheit ist damit eigentlich gegeben.
Wir werden jedenfalls eine Lösung für die 1,6 Milliarden
Verbrennerautos weltweit benötigen. Ein
spannender Ansatz dazu sind die E-Fuels.“
eFuels: Investitionssicherheit
dringend herstellen
Allerdings seien aktuell die rechtlichen Rahmenbedingungen
für eFuels unklar, womit keine Investitionssicherheit
gegeben sei, wie Dora Szalay, die
technische Leiterin der eFuel Alliance Österreich,
berichtet: „Als eFuel Alliance mit unseren
110 Mitgliedern arbeiten wir daran, praxistaugliche
Rahmenbedingungen zu erzielen.“ Prinzipiell
wären die Verfügbarkeit und der Preis von eFuels
durch die weltweite Produktion u.a. an klimatisch
geeigneteren Orten und die Nutzung vorhandener
Infrastruktur in den Griff zu bekommen. Eine
Hochskalierung könne jedoch nur mit verlässlichen
Rahmenbedingungen für Investoren erfolgen.
Crombach (PAL-V), Szalay (eFuel Alliance), Herzog (Dassault Sys.), Draxler (AC Styria), Knauder (ALP.Lab), Rohracher (GSV), Tomaschitz (AVL)
tral unterwegs sein. Die Frage ist nur, wer wird gramm für Flugzeuge über 120 Sitze aufwärts wie
das bezahlen und wie setzen wir das um? Jedenfalls
braucht es keine neue Technologie, vor-
können heute relativ viele Behördenanforderun-
beispielsweise die Boeing 737. Mittels Simulation
handene Triebwerke können genutzt werden.“ gen automatisiert erfüllt werden – Stichwort Zertifizierung.
Das verkürze den Entwicklungszyklus.
Auch für Richard Crombach, Country Manager
DACH-Raum PAL-V (fliegendes Auto), sind wichtiger, jede Gesellschaft möchte ihr eigenes
Auf der anderen Seite werde Individualität immer
E-Fuels essentiell, um grün fliegen zu können. Flugzeug haben. Außen kann es zwar gleich bleiben,
aber in der Kabine möchten sich die Airlines
Elektrisch fliegen wäre auch für sein Produkt eine
Option, jedoch seien das Gewicht der Batterie und unterscheiden, was die Komplexität erhöht. Das
die Reichweite problematisch. Das fliegende Auto sei der große Unterschied zwischen Automotive
wiege leer 660 Kilogramm, inklusive Personen und und Luftfahrt: Im Automotiven Bereich sind zum
Handgepäck werden es rund 1.000 Kilogramm. Start der Fertigung sämtliche Varianten bekannt,
in der Luftfahrt sei das nicht der Fall. Das bedeutet,
die Prozessplanung für die Fertigung muss in
Lars Herzog erwähnt ergänzend den Wasserstoff.
Airbus möchte bis 2035 ein entsprechendes Flugzeug
in Betrieb nehmen inklusive der notwendigen
Infrastruktur am Flughafen. Herzog skeptisch:
„Ich glaube da nicht so ganz daran. Zwar wird das
technisch funktionieren, nur wird das Wasserstoffflugzeug
so teuer, dass es niemand kaufen wird.
Foto: PAL-V
Foto: ILS
Markus Tomaschitz, Unternehmenssprecher AVL List
Einem Einsatz von E-Fuels in der Luftfahrt stehe
hingegen nichts im Wege, wie Lars Herzog,
Business Consultant von Dassault Systèmes,
ausführt: „Bereits heute kann jedes Flugzeug
mit eFuels betankt werden und damit CO 2
-neu-
Individualisierungswünsche für
Flugzeuge als Herausforderung
Herzog berichtet über die Produktentwicklung:
Im Moment gebe es kein neues kommerzielles Pro-
Interessenten können bei der Pioneer Edition des Flugautos zuschlagen, das sind 90
Stück um 499.000 Euro
60 61
Innovations-Hub für automatisierte klimaneutrale Mobilität
Foto: ILS
der Luftfahrt jedes Mal neu aufgesetzt werden,
wenn ein neuer Kunde bestellt. Unterstützende
Tools gebe es, aber gerade für die Luftfahrt ist
eine Neuentwicklung weiterhin ein schwieriger,
langwieriger und teurer Prozess.
Flugauto ab 300.000 Euro erhältlich
Richard Crombach ergänzt, dass der limitierende
Faktor für PAL-V die Zertifizierung ist: „50-60%
unserer Kosten gehen in die Zertifizierung. Wenn
Europa, genauer gesagt die EASA, das Flugzeug
zugelassen hat, wird das auch in den USA anerkannt.“
Interessenten können bei der Pioneer Edition
des Flugautos zuschlagen, das sind 90 Stück
um 499.000 Euro. Die Lieferung startet vermutlich
im Jahr 2025/26, je nach Erteilung der EASA-Zulassung.
Crombach: „Wir sind am Ende des Zertifizierungsprozesses
angelangt und haben bereits
95% erledigt. Wir sind die einzigen in Europa und
in der Welt, die mit den Patenten und der Zertifizierung
so weit sind.“ Anschließend soll noch eine
Sport Edition folgen, die nur 300.000 Euro kosten
wird. Geflogen werden kann mit dem Flugauto
unter der Voraussetzung eines Führerscheins sowie
der Absolvierung einer Flugschule. Crombach
spricht von 6 Modulen von einer Woche.
Automatisiertes Fahren erfordert
EU-weite Rahmenbedingungen
Die Entwicklung und Validierung zukünftiger Mobilitätslösungen
unterstützt auch ALP.Lab, wie
deren Geschäftsführer Christoph Knauder berichtet:
„Wir zeigen neue Möglichkeiten des automatisierten
Fahrens auf, setzen in diesem Bereich
Lösungen um und testen Sicherheit und Alltagstauglichkeit.“
Bereits heute werden enorme Datenmengen
generiert, Knauder spricht vom Software
Defined Vehicle: „Rund um den Bildschirm wird
das gesamte Fahrzeug entwickelt und aufgebaut,
Software ist das Kernthema. Die Komplexität ist
vor allem in Städten, wo viele - auch verletzliche
– Verkehrsteilnehmer und unterschiedlichen Fahrzeuge
zusammenkommen, nicht zu unterschätzen.
Auch an entsprechenden Lösungen für den
Mischverkehr automatisierter und konventioneller
Fahrzeuge wird gearbeitet. Aus meiner Sicht ist
dabei die Logistik ein Vorreiter im Bereich der Automatisierung
und autonomer Lösungen.“
Für Knauder stehen sichere Rahmenbedingungen
an erster Stelle, jedoch brauche es europaweite
Regelungen. Knauder: „Deshalb sind wir wahrscheinlich
hinsichtlich der Ausrollung des automatisierten
Fahrens etwas langsamer, jedoch werde
mit dem sogenannten Level 4 Gesetz versucht,
dieses gesamteuropäisch auszurollen, um eben
eine Zulassung solcher Systeme dann nicht nur
für spezifische Bereiche wie in San Francisco oder
einigen chinesischen Städten zu haben.
Standort muss wieder
wettbewerbsfähig werden
Kerstin Draxler, Leitung Marketing & Internationalisierung
beim AC Styria Mobilitätscluster,
berichtet über die zunehmende Bedeutung
von Bahn und Luftfahrt im AC Styria. Zwar
bleibe Automotive mit 180 Unternehmen das
Backbone, 80 Unternehmen im Luftfahrt- und 60
im Bahnbereich zeigen jedoch den Wandel. Draxler:
„Wir haben es in der Steiermark mit über 5%
Forschungs- und Entwicklungsquote rechtzeitig
geschafft, auch in Zukunftsthemen zu investieren.
Das haben wir den Unternehmen und den wissenschaftlichen
Einrichtungen zu verdanken. Wir sind
im AC Styria stolz darauf, dass unser Netzwerk sogar
eine F & E Quote von 12% aufweist. Was wir
dringend benötigen, ist der Abbau von Bürokratie
und Regularien, aber auch, dass die Steiermark,
und mit ihr Österreich und Europa wieder wettbewerbsfähig
werden, Stichworte sind Energie- und
Personalkosten. Andernfalls wird es schwer, innovativ
zu sein und zu bleiben.
Autor: Bernhard Weiner, GSV
unterstützt Industriepartner, Mobilitätsbetreiber und
Kommunen bei der Realisierung neuer Mobilitätstechnologien
– als Berater, Testdienstleister und Umsetzungsbegleiter.
Wir identifizieren neue Möglichkeiten, implementieren Lösungen
und testen diese auf Sicherheit und Alltagstauglichkeit.
Traffic
Monitoring
ADAS/AD Tests
Level 4
Testfahrzeuge
Smarte
Infrastruktur
Smarte
Fahrzeuge
Neue Mobilitätslösungen
LiDAR
Sensoren
Euro NCAP
Elektrischer
City-Bus
uvm.
www.alp-lab.at
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unterstützt durch:
LOGISTIK
Foto: Bauer
Fachbeitrag der SCHIG mbH
Güter gezielt verlagert mit dem Verlagerungscoach
Verlagerungscoach Bauer
Vermeiden, verlagern, verbessern – So lauten die
drei wesentlichen Grundsätze des Mobilitätsmasterplans
2030 und des Masterplans Güterverkehr
2030 des Klimaschutzministeriums (BMK). Als besonders
energieeffizienter Verkehrsträger kommt
der Schiene im Bereich der Verlagerung eine tragende
Rolle zu, da diese durch die hohe Energieeffizienz
auch bei knappen Energieressourcen
weiterhin ein (moderates) Wachstum des Güterverkehrs
ermöglicht. Mit dem Strategiepapier
Masterplan Güterverkehr 2030 wurde ein umfangreiches
Maßnahmenpaket für einen klimaneutralen
Güterverkehr in Österreich geschaffen, wobei
14 Maßnahmen für die Schiene definiert wurden.
Eine davon betrifft den Bereich „Information“,
wobei hier die Vermarktung und die Werbung für
den Verkehrsträger im Vordergrund stehen, die zu
einem besseren Verständnis und einer gesteigerten
Nutzung beitragen sollen. Damit geht auch die
Beauftragung eines sogenannten Verlagerungscoachs
einher, der zur Beratung im Güterverkehr
wesentlich beiträgt. In der SCHIG mbH angesiedelt,
ist Maximilian Bauer seit Ende 2023 mit dieser
Aufgabe betraut.
Was macht der Verlagerungscoach?
Mit Maximilian Bauer haben Unternehmen und
Gemeinden österreichweit eine direkte Ansprechperson,
wenn es um die Verlagerung von Gütern
von der Straße auf die Schiene geht. Der Umstieg
auf die Schiene ist für Unternehmen, die noch
keine Erfahrung mit Bahntransporten haben,
mit einigen Herausforderungen verbunden.
Der Verlagerungscoach bietet seine Beratung
auf Anfrage als auch proaktiv an, um für
ein besseres Verständnis und damit zu einer
gesteigerten Nutzung des Verkehrsträgers
Schiene beizutragen. Dazu zählen Informationen
über Fördermöglichkeiten, geeignete Terminals,
Zugangsangebote und Destinationen,
Bündelung von Verkehren, Vermittlung von
Ansprechpersonen sowie die öffentlichkeitswirksame
Vermarktung von Best-practice Beispielen
im Schienengüterverkehr.
14 Maßnahmen für die Schiene sind enthalten, unter
anderem die weitere Vermarktung
Wie berät der Verlagerungscoach?
Zu Beginn ist eine Analyse der zu transportierenden
Güter im Eingang sowie im Ausgang wichtig,
ebenso wie eine Prüfung der Transportrelationen,
also der Transportbeziehung zweier Orte, zwischen
denen ein regelmäßiger Beförderungsbedarf
besteht. Dann gilt es sich anzusehen, welche
Möglichkeiten es zu einer Verladung auf die Schiene
gibt: Ist ein Anschlussgleis an das Schienennetz
vorhanden? Welche anderen Optionen hat ein
Unternehmen?
Hier kommt das Konzept des Kombinierten Verkehrs
zu tragen: Im Zusammenspiel aus LKW und
Schiene – wobei Ladeeinheiten überwiegend auf
der Schiene transportiert werden und der LKW für
die First- und/oder Last-Mile herangezogen wird
– muss verortet werden, welche Terminals und
Relationen in Frage kommen. Im Bereich des sogenannten
Unbegleiteten Kombinierten Verkehrs,
wo lediglich die intermodalen Ladeeinheiten um-
Grafik: BMK
geschlagen werden, kommen neuen Entwicklungen
von Schienentransportlösungen eine immer
wichtigere Rolle zu. Dabei geht es vor allem um
die Frage, wie sogenannte nicht-kranbare Sattelauflieger,
die derzeit rund 90 Prozent der europäischen
Lkw-Flotten ausmachen, ebenso auf die
Schiene verladen werden können. Hierzu berät der
Verlagerungscoach ebenso neutral über die aktuellen
Lösungen im europäischen Kontinentalverkehr:
Derzeit gibt es Lösungen, die mit Hilfe einer
Plattform oder Wanne Sattelauflieger aufnehmen
können und mit gängigem Terminalequipment –
wie einem Portalkran oder einem Reachstacker
– in die sogenannte Tasche eines Doppeltaschenwagens
gehoben werden (beispielsweise die innovative
roadrailLink R2L-Lösung eines österreichischen
Unternehmens).
Bei anderen alternativen Anbietern ist die Technologie
für den Umschlag der Sattelauflieger in dem
Güterwagen verbaut. Hierbei ist kein Reachstacker
oder Portalkran notwendig und es bedarf nur
einer asphaltierten Fläche neben dem Gleis, damit
der Güterwagen ausgeklappt werden kann. Die
Sattelauflieger werden dann mit Hilfe einer Terminal-Zugmaschine
auf die ausgefahrene Plattform
positioniert, anschließend wird der Güterwagen
wieder zugeklappt. Ebenso informiert und berät
der Verlagerungscoach Unternehmen, welches intermodale
Transportequipment es gibt und auch,
wie dieses gefördert werden kann, beispielsweise
im Zuge des sogenannten Investitionsförderprogramms
Kombinierter Güterverkehr.
Beratungsangebot
Österreich verfügt über zahlreiche „Hidden Champions“
im Bereich des Schienengüterverkehrs.
Beförderungs-
Angebote
• Ganzzug,
• Einzelwagenverkehr,
• Unbegleiteter
Kombinierter Verkehr
(UKV)
• RoLa
Beratungsangebot des Verlagerungscoaches
Förder-
Möglichkeiten
• Schienengüterverkehr
sowie
Wegeentgeltförderung
(SGV-Plus)
• Anschlussbahn- und
Terminalförderung (ATF)
• Investitionsförderprogramm
Kombinierter
Verkehr (IKV)
Deshalb fällt auch die öffentlichkeitswirksame Vermarktung
und Bekanntmachung von Best Practice
Beispielen in seinen Tätigkeitsbereich.
Stefan Weiss, CEO der SCHIG mbH, dazu: „Als Förderabwicklungsstelle
ist die SCHIG seit vielen Jahren
zuverlässige Partnerin des Ministeriums. Ich
freue mich, dass wir mit dem Verlagerungscoach
unsere Kompetenzen und Leistungen weiter ausbauen
konnten. Der Verlagerungscoach und die
SCHIG stehen österreichweit niederschwellig allen
Unternehmen und Gemeinden, die in Sachen Verlagerung
aktiv werden wollen, beratend zur Seite.“
Förderprogramme für die Schiene
Die SCHIG mbH ist langjährige Abwicklungsstelle
für diverse Förderschienen des BMK: Die Anschlussbahn-
und Terminalförderung richtet sich
an Unternehmen, die ihre Güter nachhaltig auf
der Schiene transportieren wollen. Mit dem Investitionsförderprogramm
Kombinierter Güterverkehr
werden neue Systeme und Technologien sowie die
entsprechenden Konzepte im Kombinierten Verkehr
gefördert. Das Programm richtet sich an Verlader,
Frächter, Terminalbetreiber und Unternehmen.
Auch mit dem Förderprogramm „SGV-Plus“
(Schienengüterverkehrsförderung und Wegeentgeltförderung)
werden Eisenbahnverkehrsunternehmen
unterstützt. Mit dem Verlagerungscoach
erweitert die SCHIG mbH ihre Kompetenzen im
Schienengüterverkehr mit der fachlichen Beratung
für eine erfolgreiche Verlagerung auf die Schiene.
Autorin: Mag. Tamara Riedl-Joven, BA, Unternehnmenskommunikation,
SCHIG
Umschlags-
Möglichkeiten
• Terminals
• Anschlussbahnen
• Ladestellen
Vermittlung von
regionalen
(Ansprech)Partner:innen
• Synergieeffekte
• Austausch mit anderen
Initiativen
Grafik: SCHIG
www.schig.com | zertifiziert nach ISO 9001 1
64 65
LOGISTIK
Fachbeitrag der Rail Cargo Group und Transporeon
Nahtlose Vereinigung von Straßen- und Schienenverkehr
Die Klimakrise und der European Green Deal machen
deutlich: Europas Verkehr muss nachhaltiger
werden. Ein Modal Shift, also die Verlagerung
von Straßentransporten auf die Schiene, ist dafür
unerlässlich. Bisher gibt es in der Logistikbranche
jedoch Barrieren, die diesen Wandel erschweren.
Die Rail Cargo Group, zweitgrößter Bahnlogistiker
in Europa, und die Transportmanagement-Plattform
Transporeon, ein Trimble Unternehmen, haben
sich zusammengeschlossen, um diese Hürden
zu überwinden und eine integrierte, multimodale
Lösung zu entwickeln, die erstmals den Schienen-
und Straßentransport nahtlos vereint.
Multimodale Logistik als Schlüssel
für nachhaltigeren Güterverkehr
Der Güterverkehr steht heute vor großen Herausforderungen:
Der wachsende Transportbedarf
führt zu hohen Emissionen und Umweltbelastungen.
Laut dem European Green Deal muss Europa
dringend Emissionen reduzieren und Verkehrsverlagerungen
fördern. Derzeit stammen etwa 12%
aller CO 2
-Emissionen aus dem Transportsektor –
Tendenz steigend. Die Verlagerung des Güterverkehrs
auf die Schiene ist der schnellste und direkteste
Weg, CO 2
-Emissionen und Klimabelastung
zu bekämpfen. Jede Tonne Fracht mit dem Zug ist
30-mal klimafreundlicher als mit dem Lkw. Jedoch
verfügt nicht jedes Unternehmen über ein eigenes
Anschlussgleis, weshalb viele nach wie vor auf den
Lkw setzen.
Multimodale Logistik, bei der der Hauptlauf auf
der Schiene und die ersten und letzten Kilometer
Der Lkw holt die Ware am Unternehmensstandort (erste
Meile) und bringt sie zum Zug (Hauptlauf). Das letzte
Stück (letzte Meile) erfolgt dann wieder auf der Straße.
flexibel auf der Straße erfolgen, bietet eine effiziente
und umweltfreundliche Alternative zu reinen
Straßentransporten, denn sie vereint die Vorteile
verschiedener Verkehrsträger. Ein typischer
multimodaler Transport erfolgt door-to-door und
umfasst den Vorlauf mit dem Lkw, den Hauptlauf
auf der Schiene und den Nachlauf wieder auf der
Straße. Diese Kombination ermöglicht einen reibungslosen
und umweltschonenden Transportprozess.
Die Schiene übernimmt den energieeffizienten
Hauptlauf, während die Flexibilität des Lkw
für die Feinverteilung sorgt. Bisher scheiterte die
Massentauglichkeit jedoch oft daran, dass Schienen-
und Straßentransporte als getrennte Systeme
betrachtet wurden.
Industrie fordert integrierte Lösung
Dabei möchte die Industrie genau das: integrierte
Lösungen. Laut einer von ALICE mit Unter-
Foto:Marek Knopp
stützung von Transporeon in Auftrag gegebenen
Studie wünschen sich Verlader eine nahtlose Integration
von Schiene und Straße. Sie kritisieren
vor allem den Mangel an digitaler Integration,
Transparenz und Echtzeit-Informationen bei multimodalen
Transporten. Außerdem: Viele große
Betriebe, die rein auf Straßentransporte setzen,
führen täglich zwischen 500 und 1.000 Sendungen
durch. Selbst wenn sie Transporte auf die Schiene
verlagern möchten, müssten sie sich separat an
Bahnlogistikanbieter wenden und individuelle Lösungen
manuell erstellen lassen. Angesichts der
hohen Anzahl täglicher Transporte ist dieser Prozess
ineffizient und in der Praxis eigentlich kaum
durchführbar.
Einfaches Konzept mit großer
Wirkung
Genau hier setzt die Partnerschaft der Rail Cargo
Group und Transporeon an. Gemeinsam bieten
die beiden Unternehmen eine einzigartige Lösung
in Europa, die das Know-how von Transporeon im
Straßentransport mit der Schienenkompetenz von
RCG verbindet. Durch die Integration von Bahntransporten
auf der Transporeon-Plattform ist der
Zugang zu und die Abwicklung von multimodaler
Logistik zum Kinderspiel geworden: Die Verlagerung
von der Straße auf die Schiene kann per
Mausklick durchgeführt werden.
Bestehende und neue Kunden von Transporeon
haben nun die Möglichkeit, sowohl Straßen- als
auch – und das ist neu – Schienentransporte in
Echtzeit zu buchen und zu verfolgen. Sensorbasierte
Daten sorgen für maximale Transparenz und
erlauben eine präzise Verfolgung der Transporte.
Das Projekt ist bereits ein voller Erfolg: Zahlreiche
namhafte Unternehmen wie Nestlé und Vöslauer
fahren ihre Waren bereits multimodal quer durch
Europa.
Die Partnerschaft wurde auch auf einer Lokomotive verewigt.
tigen Bedingungen dafür geschaffen würden. Und
dafür wurde nun der Grundstein gelegt.
Österreichischer Logistikpreis
Für die wegweisende Lösung gab es in diesem Jahr
sogar den Österreichischen Logistikpreis. Einmal
im Jahr wird dieser vom Verein Netzwerk Logistik
(VNL) an das innovativste Logistik-Projekt des
Jahres verliehen. Die Rail Cargo Group und Transporeon
konnten beim umfassenden Hearing die
Expert:innen-Jury überzeugen. Vertreter:innen
beider Unternehmen nahmen den Preis bei der
Verleihung am 5. Juni 2024 entgegen.
Autorin: Tatjana Sickl, Externe Kommunikation,
Rail Cargo Group
Foto: Simlinger Wolfgang Foto: Lewisch
GO
FIR S T M ILE
PORT
LOADING POINT
TERMINAL
WAREHOUSE
SHUNTING
SHUNTING
PORT
LOADING POINT
TERMINAL
WAREHOUSE
L A S T M ILE
THANKS
Grafik: RCG
Eine Lösung für die Zukunft
Mit dieser innovativen Lösung leisten beide Unternehmen
einen bedeutenden Beitrag zum Ziel,
mehr Güter auf die Schiene zu verlagern und die
europäischen Klimaziele zu erreichen. Laut Schätzungen
könnte der Markt für multimodale Transporte
in Europa verdoppelt werden, wenn die rich-
Multimodale Logistik mit der nachhaltigen Schiene im Hauptlauf.
Gewinner des Österreichischen Logistikpreises: Innovativstes Projekt des Jahres
66 67
ÖSTERREICHISCHER BETONPREIS 2025
GSV - Forum | Schlüssel zum optimalen Bau- und Störfallmanagement
Einschränkungen werden so gering wie möglich gehalten
Baustellen und unvorhersehbare Ereignisse stellen
enorme Herausforderungen an Betreiber und
Nutzer von Straßen- und Schieneninfrastruktur.
Während Baustellen grundsätzlich plan- und koordinierbar
sind, erfordern Naturereignisse, Unfälle,
technische Defekte an Fahrzeugen, Gleisschäden
etc. rasches Handeln und ein professionell aufgesetztes
Störfallmanagement. Wie bedeutende
österreichische Infrastrukturbetreiber vorgehen,
welche Hürden zu überwinden sind und welches
Verbesserungspotential besteht, diskutierten Experten
im Rahmen eines GSV-Forums „Schlüssel
zum optimalen Bau- und Störfallmanagement“ am
14. März 2024 in der Diplomatischen Akademie in
Wien.
Wien: Baustellenkoordinator als
wesentlicher Schlüssel zum Erfolg
das Verkehrsgeschehen. Weiters gehe es auch
um Bewusstseinsbildung der Bauausführenden.
Maßnahmen werden mit dem Ist-Zustand überprüft
und evaluiert, ob für zukünftige Maßnahmen
etwas gelernt werden kann.
• Zentrale Schnittstelle zu anderen Stakeholdern
wie ASFINAG, ÖBB, Polizei, Autofahrerclubs
usw.
• Zentrale Ansprechperson für Medien
Die Baustellentätigkeit in Wien sei nicht zu unterschätzen:
2.800 km Straßennetz, 10.000 Aufgrabungen
pro Jahr, davon ein paar 100 am hochrangigen
Straßennetz, die länger als ein paar Tage
dauern. Zehn Highlight-Baustellen davon werden
einer besonderen Betrachtung in Koordination und
Öffentlichkeitsarbeit unterzogen.
Foto: GSV
Peter Lux, Stadt Wien
Die Stadt Wien hat seit dem 2015 Jahr ein Baustellenmanagement
inklusive eines Koordinators
für strategisches Baustellenmanagement etabliert,
wie Peter Lux, Gruppenleiter Kompetenzzentrum
technische Infrastruktur, bauliche
Sicherheit im öffentlichen Raum der Stadt
Wien, berichtet. Folgende Aufgaben hat der Baustellenkoordinator
in Wien:
• Strategische
Koordination
von verkehrswirksamen
Bauvorhaben in Wien: Laut
Lux werde vor allem bei Großvorhaben
viele Jahre im Voraus
geplant (mit Planungsebenen
in unterschiedlichen Zeithorizonten),
Jahreskoordinationen
abgehalten und detaillierte Verkehrsstromanalysen
erstellt.
• Baustellenkontrolltätigkeit
bei diesen Bauvorhaben:
Der
Baustellenkoordinator
überprüft die Verständlichkeit
der Verkehrsführung für die
Verkehrsteilnehmer und hat
umfangreiche Eingriffsrechte in
Wien hat jedoch auch für Spontangebrechen ein
professionelles Risikomanagement etabliert. Lux
zeigt das exemplarisch an der Abteilung MA31
Wiener Wasser, die ein rund 4.000 km langes
Rohrnetz betreut (auch große Rohre mit 1 Meter
Durchmesser), welches selbstverständlich zur
kritischen Infrastruktur gehört. Normalerweise
werden mit einer Software drohende Schäden
rechtzeitig erkannt, für den Fall des Falles hat
diese Abteilung einen 24/7 Bereitschaftsdienst
und geht je nach Art des Gebrechens entsprechend
vor. Kleinere Gebrechen werden im Zuge
des Standard-Risikomanagements abgewickelt,
größere durch Einsatz eines Einsatz- bzw. Krisenmanagements
mit entsprechenden Krisenstäben.
Ein Beispiel in letzter Zeit in Wien war der Flötzersteig,
wo ein 1m Rohr und ein 80cm Rohr in
einem nahegelegenen Straßenabschnitt geplatzt
waren, viel Wasser auf der Straße austrat und an
den Straßen ein großer Schaden entstanden ist.
ASFINAG: Teilweise werden
Baustellen sehr kritisch eingestuft
Baustellen werden laufend auch am Streckennetz
der ASFINAG errichtet, die teilweise als sehr kritisch
eingestuft werden, betont Andreas Fromm,
Beton Dialog Österreich prämiert nachhaltige Projekte
mit dem Baustoff Beton
Ziel des Österreichischen Betonpreises 2025 ist aufzuzeigen, wie Zement und
Beton zum intelligenten Bauen beitragen können. Bewertet werden Nachhaltigkeit,
Funktionalität, Ausführungsleistung, Kreislaufwirtschaft, Innovation und Design
von Bauprojekten, die im Zeitraum von 2020 bis 2025 fertiggestellt wurden.
Einreichen können Architekturbüros, Planungsbüros, ausführende Unternehmen,
Bauherren, Bauträger, Zement-, Transportbeton- und Betonfertigteil-Lieferanten
mit Sitz in Österreich.
Gefragt sind Projekte aus den Kategorien Neubau, Nachverdichtung und Sanierung
mit unterschiedlichsten Funktionen: Wohnbau, Verwaltungs-, Kultur- und Bildungsbau,
Gewerbe- und Industriebau, Infrastrukturbau sowie Tiefbau.
EINREICHBEGINN
15. NOVEMBER 2024
INFORMATION
68
betonpreis@betondialog.at | www.betondialog.at/betonpreis2025
69
Fotos: Wolfgang Thaler (Wientalterrassen) | Konrad Neubauer (Prinzersdorf)
DIE SIEGERPROJEKTE DES ÖSTERREICHISCHEN BETONPREISES 2023:
Wohnquartier Wientalterrassen (li) | Rathaus Prinzersdorf (re)
EINREICHFRIST
4. APRIL 2025
PREISVERLEIHUNG
JUNI 2025
STRASSE
Geschäftsführer der ASFINAG Bau Management
GmbH: „Die Herausforderungen steigen.
Das Streckennetz wurde weitgehend in den 70er
und 80er Jahren errichtet. Viele Bauwerke sind
damit um die 50 Jahre alt und müssen generalerneuert,
einige am Ende ihrer Lebensdauer neu
errichtet werden. Wir werden daher unsere Investitionen
im Bau in den nächsten Jahren auf knapp
zwei Milliarden Euro pro Jahr nahezu verdoppeln,
um weiterhin ein hochverfügbares Streckennetz
zur Verfügung stellen zu können.“
Die ASFINAG tue ihr Bestes, die Beeinträchtigungen
für Kunden so gering wie möglich zu halten und
hat dazu in der Vergangenheit bereits einige Hebel
in Gang gesetzt: Sanierungen bei stark belasteten
Strecken in der Nacht, Sicherstellung uneingeschränkt
verfügbarer Ausweichrouten, Umstieg auf
öffentliche Verkehrsmittel, Neubau von Bauwerken
unter Verkehr (Hochstraße Inzersdorf) usw.
Nicht immer könne jedoch die gleiche Verfügbarkeit
während der Bauzeit zur Verfügung gestellt
werden, aktuelles Beispiel ist die A10 Tauernautobahn,
die auch in den Medien sehr präsent war.
Fromm dazu: „Wir wollen bei diesen Tunnelsanierungen
alles in Bewegung setzen, um die Auswirkungen
so gering wie möglich zu halten. Wir verbauen
dort im Monat 10 Mio. Euro unter Einsatz
von bis zu 300 Personen, damit wir in einer Zeit
von zehn Monaten fünf Tunnelröhren komplett sanieren
können. Während und vor dieser Zeit war
uns entsprechendes Informationsmanagement
besonders wichtig, für Urlauberströme hat dieses
auch gut funktioniert, Pendler können nicht immer
so gut ausweichen.“
ÖBB: Belastung des Bestandnetzes
wird künftig weiter steigen
Ein hochverfügbares Streckennetz ist auch Ziel
der ÖBB und gleichzeitig soll die Leistungsfähigkeit
des Systems Bahn bis 2040 verdoppelt werden,
berichtet Christian Holzer, Leiter Asset-
Management, ÖBB-Infrastruktur AG: „Das
ist eine gewaltige Herausforderung. Zur Verdoppelung
muss zu 60% die Infrastruktur (15% soll
Beitrag der Digitalisierung sein, 35% der Ausbau
mit Stahl und Beton, 10% vorhandene Kapazitäten
– dichtere Takte etc.) aufkommen und zu 40%
die Fahrzeuge ihren Beitrag leisten (längere Züge,
schwerere Züge usw.). Heute werden 170 Mio.
Zugkilometer pro Jahr produziert, 2040 sollen es
255 Mio. sein. Das Netz wird schon heute deutlich
stärker belastet und wird sich im Jahr 2040 an
der Belastungsgrenze befinden, jede Störung hat
dann erhebliche Auswirkungen. Gleichzeitig gilt es
das 4.871 km lange Streckennetz hochverfügbar
zu halten. Dazu werden 1 Milliarde Euro jährlich
in die Erneuerung investiert, 600 Mio. zusätzlich
in die Instandhaltung. 2.000 Projekte werden im
Jahr umgesetzt (Investition und Instandhaltung).
Gefordert sind dabei die Maßnahmenplanung,
Baubetriebsplanung, Ressourcenplanung und das
Stakeholdermanagement.“
Wiener Linien: Lange Gleissperren
sind mittlerweile unausweichlich
Bei den Wiener Linien wird man sich neben den
Neubauprojekten wie U2/U5 künftig auch intensiv
dem Bestandsnetz widmen, wie Dieter Dorazin,
Leiter Infrastrukturmanagement bei
den Wiener Linien berichtet: „Es sind in der Vergangenheit
für die Erhaltung des Streckennetzes
nicht ausreichend Mittel geflossen und die Belastungen
mit Taktverdichtungen und moderneren,
schwereren Niederflurfahrzeugen steigen weiter
an. Daher wollen wir in den nächsten Jahren insbesondere
auf dem Straßenbahnnetz in die Bestandsinfrastruktur
investieren. In der Nacht das
Straßenbahnnetz oberflächlich zu flicken reicht
nicht mehr aus, wir müssen mehrere Kilometer
Gleis auf einmal sanieren. Paradebeispiel wird die
Sperre der Wiedner Hauptstraße sein, wo in einem
auf einer Strecke von mehreren Kilometern der
Oberbau erneuert, Gleise verlegt und generell die
Straße neugestaltet wird, was für Nutzer während
der Bauphasen schmerzhaft ist, uns jedoch abwicklungsseitig
viele Vorteile bringt. Heute muss
geplant und abgestimmt werden, was in drei bis
sieben Jahren infrastrukturseitig zu erneuern ist.“
Wie lange halten Infrastrukturen?
Schienen und Weichen halten laut Holzer/ÖBB je
nach Verschleiß 15 – 60 Jahre, Brücken und Tunnel
erlauben bis zu 150 Jahre Nutzungsdauer (Innenausrüstung
kürzer), neue Technologien haben hingegen
viel kürzere Entwicklungs- und Einsatzzeiten.
Ruthner (ORF-Verkehrsredaktion), Fromm (ASFINAG), Lux (Stadt Wien), Rohracher (GSV), Holzer (ÖBB), Dorazin (Wiener Linien)
Fromm/ASFINAG betont, dass die Qualität und
damit die Lebensdauer im konstruktiven Ingenieurbau
laufend steigt: „Die Tangente hielt nach
der Errichtung in den 70er Jahren 40-50 Jahre,
mit den heutigen Konstruktionen kommen wir auf
70-100 Jahre. Wir haben viel investiert, um die Erneuerungszyklen
von Bauwerken wie Tunnel und
der elektrotechnischen maschinellen Ausrüstung
gleich zu takten. Im Tunnel müssen wir die komplette
E-Technik alle 10-15 Jahre komplett tauschen,
eine Bauwerkssanierung wie Fahrbahnentwässerung
und Innenschale ist erst nach ca. 30
Jahren notwendig. Die 15 Jahre lassen sich dann
mit den 30 Jahren gut zusammenführen.“
Lux ergänzt, dass auch in Wien die teilweise hohen
Belastungen von Straßen, z.B. am Gürtel, die
Lebensdauer erheblich verkürzen.
Dorazin/Wiener Linien ergänzt, dass das Brückentragwerk
der Linie U6 zwischen den Stationen
„Am Schöpfwerk“ und „Alterlaa“ 2023 50 Jahre alt
geworden ist: „Wir haben es bei diesem Bauwerk
mit einer Sanierung geschafft, die Brücke noch
30 Jahre in Betrieb halten zu können. Alle Stakeholder
waren über diese Lösung sehr glücklich,
denn diesen Bauabschnitt neu zu bauen wäre ein
massiver Kraftakt gewesen. Bei Bauwerken wie
den Otto Wagner-Stationen ist das große Thema,
wie ich das Wasser wegbekomme, welches von
oben kommt oder von unten drückt. Wenn es gelingt,
die Bauwerke trocken zu halten, können wir
die Bauwerke de facto ewig nutzen. Auch Schienen
könnte man selbstverständlich längerlebig
machen mit dem Problem, dass dann die Räder
schneller verschleißen. Deshalb muss es eine gute
Abstimmung des Rad-/Schienesystems geben.
Wir haben 10 bis 40 bzw. 50 Jahre Liegedauer,
abhängig von Radius der Gleisbögen / Weichenanlagen
etc. Wir können etwa auch nicht 20 Großbaustellen
mit großräumigen Straßensperren in
Wien zeitgleich umsetzen. Daher müssen wir zur
Entflechtung des Bauprogramms, vorausschauend
Maßnahmen – wie Geschwindigkeitsreduktionen –
ergreifen, um die Lebensdauer der Gleisanlagen
zu erhöhen.“
Beispiele von komplexen Großprojekten
in kommender Zeit
• Luegbrücke/Brennerautobahn: Trotz den
Bemühungen des vorausschauenden ASFI-
NAG Erhaltungsmanagements, existiert auf der
Brennerautobahn die zwei Kilometer lange und
Foto: GSV
70 71
STRASSE
Foto: GSV
statisch extrem komplexe Luegbrücke, die optimistisch
gesehen in den nächsten fünf Jahren
an das Ende ihrer Lebensdauer kommen wird.
Fromm/ASFINAG dazu: „Wir haben keine Lösung
gefunden, die Schadstellen an der Brücke
zu sanieren. Unser Plan ist, daneben eine neue
Brücke zu bauen und anschließend die alte Brücke
wegzureißen. Leider haben wir keine rechtlichen
Genehmigungen dafür vorliegen, Verfahren
und Einsprüche verzögern einen raschen
Bau. Es ist zu befürchten, dass wir ab 2025
den Verkehr über diese Brücke einspurig führen
müssen. Wir bemühen uns, baldmöglich mit der
Ersatzbrücke zu beginnen, die Bauzeit für diese
Brücke beträgt aber allein zweieinhalb Jahre. Es
sind daher in den nächsten zwei bis drei Jahren
Einschränkungen absehbar.“
• Die S-Bahn-Stammstrecke in Wien wurde im
Jahr 1962 gebaut, 700 Züge und ca. 250.000
Reisende fahren täglich über diesen Abschnitt,
jetzt steht die Sanierung an. Holzer/ÖBB berichtet
über erste Streckensperren im Juli und August
2024 zwischen Floridsdorf und Praterstern.
Die Sperren dauern bis Dezember 2027 an und
betreffen mehrere Streckenabschnitte. Entsprechende
Ersatzverkehre sollen noch vor der ersten
Sperre kommuniziert werden. Holzer: „Ein
Riesen Projekt! Wir müssen genauestens darauf
achten, dass dann zumindest alles rundherum
funktioniert, um noch größere Probleme zu vermeiden.“
Wie steht es um die Kommunikation?
Thomas Ruthner, Leiter der ORF-Verkehrsredaktion,
informiert: „Verkehrsinformation ist
immer so gut, wie die Informanten sind. Die Verkehrsinformation
im ORF kommt aus den 70er
Jahren, die sehr autozentriert waren. Heute gilt
es nicht nur den Autofahrer zu informieren, sondern
jeden Mobilitätsteilnehmer (z.B. auch ÖV-
Nutzer).“ Am Bahnsteig zu erfahren, dass der Zug
oder die Straßenbahn nicht fährt bzw. ausfällt, sei
definitiv zu spät.
Ruthner: „Radio hat immer noch eine Kraft, die
uns v.a. in der Verkehrsinformation auch in den
nächsten Jahren begleiten wird. Hörer erfahren am
besten schon beim Frühstück von einem Problem
im Straßenverkehr oder im ÖV-Netz. Dann können
sie ihre Route in die Arbeit, in die Schule oder
auch in der Freizeit entsprechend anpassen, womit
letztendlich auch die Akzeptanz des ÖV steigt.
Auf der Straße, z.B. bei der Baustelle an der A10,
hilft Radioinformation bezüglich Ausweichrouten
sehr gut. Beim öffentlichen Verkehr besteht noch
Luft nach oben, wenn es darum geht, aktuelle Informationen
an die Hörer weiterzugeben. Rechtzeitige
Mobilitätsinformation hat das Potential,
mehr Menschen für umweltfreundlichere Mobilität
zu begeistern. Manchmal kann auch die Empfehlung
lauten: Bleiben Sie nach Möglichkeit zu Hause
und machen Sie Home-Office.“
Holzer/ÖBB räumt ein, dass es nicht trivial ist,
die Informationen richtig und rasch zum Kunden
zu bringen. Informationsketten müssen künftig
durchgängig und Prognosen exakter werden.
Welche Rolle spielt die Digitalisierung
bzw. Künstliche Intelligenz?
Dorazin/Wiener Linien bringt es auf den Punkt:
Für heutiges Störungsmanagement ist Digitalisierung
unerlässlich. Bei den Wiener Linien können ab
1. April 2024 alle Mitarbeiter Störungen direkt über
das Mobiltelefon melden. Baustellenkoordination
über Excel-Listen funktioniere nicht mehr, heute
werde alles über GIS-Systeme abgewickelt, die einen
genauen Überblick geben, welche Maßnahmen
in den nächsten Jahren von wem geplant sind. Das
sei inzwischen unentbehrlich für die Koordination.
Lux/Stadt Wien berichtet über die Entwicklung
einer Software, die auf Basis von Echtzeitdaten
Auswirkungen einer Baustellenmaßnahme auf den
Verkehr sichtbar machen soll.
Holzer/ÖBB berichtet, dass bei den ÖBB Digitalisierung
künftig noch stärker im Fokus stehen
wird: „Wie sich das Netz in Zukunft verhält (Simulationen,
Prognosen), ist herausfordernd, dazu
benötigen wir viel mehr Daten. Entsprechende
Sensoren werden jetzt nachgerüstet, jedoch steigt
mit mehr Technik auf der Strecke auch die Fehleranfälligkeit.“
Insbesondere wird ein einheitliches
Datenformat zwecks Austausch mit internen und
externen Partnern angepeilt. 2024 soll es eine einheitliche
Basis zum Gleisnetz der ÖBB Infrastruktur
geben.
Künstliche Intelligenz wird laut den Experten
derzeit noch zurückhaltend eingesetzt:
Bei den Wiener Stadtwerken erhofft man sich eine
Krems/D. | Amstetten | Linz
qualitativ bessere Analyse großer Datenmengen,
bei der ASFINAG kommt KI vor allem bei Textgeneration
und Zusammenfassung von Texten
u.a. von Meetings zwecks höherer Effizienz im
Arbeitsalltag zum Einsatz. Bei den ÖBB soll KI
bei großen Datenmengen im Traffic Management
unterstützen, die Letztentscheidung liege jedoch
bis auf weiteres beim Menschen. Ruthner/ORF
hofft, mittels KI noch bessere Prognosen erstellen
zu können.
Gemeinsam Zukunft
gestalten.
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Zusammenfassend hat sich in den letzten Jahren
viel Positives beim Bau- und Störfallmanagement
getan. Luft nach oben besteht im Störfallmanagement
und in der Kommunikation zum Kunden.
Digitalisierung und künstliche Intelligenz können
wertvolle Beiträge liefern. Manchmal lassen sich
aber trotz intensiver Bemühungen suboptimale
Abläufe nicht vermeiden.
Autor: Bernhard Weiner, GSV
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72 73
STRASSE
Radgipfel 2024
Stärkere gegenseitige Rücksichtnahme führt zum Erfolg
Foto: GSV
Mitte April 2024 fand der 15. Österreichische Radgipfel
in Wiener Neustadt statt, der von der Stadt
Wiener Neustadt, dem Land Niederösterreich und
dem Klimaschutzministerium im Rahmen von klimaaktiv
mobil veranstaltet wurde. 88 Vorträge
und Workshops sowie 18 Podiumsdiskutanten boten
den 300 Fachleuten aus Österreich und den
benachbarten Ländern ein umfangreiches Programm.
Auch die GSV konnte ihre Expertise einbringen.
unabdingbar, oberirdisch könne das Fahrrad nicht
mehr abgestellt werden, als einzige Alternative
bleibe die Fahrradgarage. Das Ordnungsamt
greife gnadenlos durch. Auch der Flächenbedarf
an Bahnhöfen für die vorher genannten riesigen
Fahrradanlagen sei nicht zu unterschätzen. Der
Fahrradboom sei das Ergebnis 50-jähriger kontinuierlicher
Arbeit zur Stärkung des Radverkehrs,
in den 70ern waren die Niederlande noch ein starkes
Autoland.
Foto: klimaaktiv/APA-Fotoservice/Krisztian Juhasz
Benchmark für Radfahren sind die
Niederlande
Wenn über das Radfahren diskutiert wird, dauert es
nicht lange, bis das Vorzeigebeispiel Niederlande
genannt wird. Christian Rudolph von der Technischen
Universität Wildau in Deutschland
berichtet im Rahmen seiner Keynote über Fahrradparkhäuser
an Bahnhöfen mit bis zu 12.500
Stellplätzen in Utrecht, tausenden Leihrädern der
Niederländischen Bahn und der großen Begeisterung
fürs Radfahren. In Städten wie Utrecht und
Amsterdam sei die enorme Zahl an Fahrrädern
auch mit Herausforderungen behaftet: Fahrradparkverbote
sind gerade in den Einkaufsstraßen
Wichtig sei laut Rudolph, das Fahrrad als Teil des
multimodalen Reisens zu sehen: Auf der ersten
und letzten Meile biete sich das Fahrrad an, auf
der längeren Strecke der öffentliche Verkehr. In
Berlin und Hamburg werde auch an die Verbindung
zu Fähren oder Flughäfen gedacht. Auch die
Kombination mit dem Auto könne sinnvoll sein.
Essentiell sind gute und sichere Abstellmöglichkeiten
in unmittelbarer Nähe zu den Bahnhöfen
bzw. Umsteigepunkten, um Verlustzeiten zu reduzieren.
Sammelschließanlagen oder Fahrradboxen
seien gute Beispiele – „möglichst einfach und
schnell“ ist das Motto. Auch gelte es, gestaltungstechnisch
Angsträume zu vermeiden.
In Frage zu stellen sei die Fahrradmitnahme im
Zug. Zwar werde versucht, mit sogenannten
Mehrzweckabteilen in Zügen mehr Flexibilität zu
schaffen, diese seien jedoch noch nicht der Weisheit
letzte Schluss. Rudolph: „Oftmals sitzen auf
den Klappsitzen normale Reisende, die dann gebeten
werden müssen, aufzustehen. Eine weitere
Barriere. Wir benötigen noch bessere Konzepte.“
Deutschland: Mit dem Rad zur Bahn
Die Deutsche Bahn versucht etwa, mit einem
Gamification-Ansatz im Rahmen der App „DB
Rad+“ Kunden zu motivieren, mit dem Fahrrad
zum Bahnhof zu fahren und dabei Kilometer zu
sammeln, die gegen Prämien und Rabatte eingetauscht
werden können. An ausgewählten Bahnhöfen
könne auch das Service DB RadFix genutzt
Julia Schütze (Moderation), Mario Rohracher (GSV), Oliver Schmerold (ÖAMTC), Roland Romano (Radlobby Österreich), Renate Platzer (Stadt Graz),
Thomas Berger (ÖBB)
werden, wofür nach Online-Buchung eines freien
Slots Fahrräder lediglich an sogenannte Smart
Locks angeschlossen werden müssen. Der Reparateur
kann sich das Fahrrad anschließend abholen
und am Nachmittag kann es repariert oder inspiziert
wieder abgeholt werden.
Potential sieht Rudolph in Sharing-Lösungen: Diese
bieten sich vor allem in Stadtrandlage als Zubringer
oder Erweiterung zum ÖV an. Gemeinsam
mit dem Mobilitätsdienstleister Bolt wurde 2023
untersucht, wie man mit Preis und Abstellmöglichkeiten
Menschen zur vermehrten Fahrrad-Nutzung
in Kombination mit dem ÖV motivieren kann. Ergebnis
war, dass die Menschen weniger preissensibel
als erwartet waren, jedoch drei Viertel bei
gleichem Preis zum E-Scooter statt zum E-Bike
gegriffen haben. Rudolph: „Der E-Scooter kann
jedoch eine gute Einstiegsdroge sein, um die Menschen
in den Umweltverbund zu bekommen. Es
braucht Rückenwind aus der Politik und weniger
Polarisierung sowie eine Planung, die möglichst die
Bedürfnisse aller Menschen berücksichtigt.“
ÖBB: Österreichische Kunden sind
anspruchsvoller
Thomas Berger von den ÖBB betont in der anschließenden
Podiumsdiskussion die klimafreund-
liche Partnerschaft von Bahn und Fahrrad: „Die
Zahl der Bahnreisenden geht durch die Decke
und auch die Zahl der Fahrradmitnahmen steigt
kräftig. Wir haben im Vergleich zum Vorjahr 20%
mehr Fahrradmitnahmen und sind jetzt bei knapp
900.000 pro Jahr. Ich erwarte, dass wir heuer die
Millionenmarke knacken werden.“
Allerdings stellt Berger einen gewissen Kulturunterschied
zwischen Österreich und den Niederlanden
fest: „Tendenziell ist es vielen Kunden in
den Niederlanden nicht so wichtig, um welches
Fahrrad es sich handelt, der österreichische Kunde
ist anspruchsvoller. Vor allem wenn das Fahrrad
mehrere tausend Euro gekostet hat, ist ein günstiges
Leihrad meist keine Option.“
Des Weiteren sei festzuhalten, dass unterschiedliche
Bedürfnisse bei Nutzung der Züge der ÖBB
aufeinanderprallen und nicht immer alle zu 100%
erfüllt werden können. Berger: „Wir engagieren
uns laufend, bei jedem Fahrzeugumgestaltungs-
und Neubeschaffungsprojekt mehr Fahrradabstellplätze
anzubieten und befinden uns diesbezüglich
u.a. auch mit der Radlobby in Austausch. Der Railjet
alt bietet 5 Radabstellplätze, der Railjet neu
6 Plätze und der künftige Railjet Doppelstock 10
Plätze. In den Nahverkehrszügen bieten wir immer
mehr Mehrzweckbereiche an, die auch von
74 75
STRASSE
Foto: klimaaktiv/APA-Fotoservice/Krisztian Juhasz
Radfahrern genutzt werden können. Dennoch wollen
wir im Zug das Fahrrad nur dann mitnehmen,
wenn es nicht anders geht. Schließlich gibt es
auch Abstellmöglichkeiten am Bahnhof und entsprechende
Infrastruktur, wie man zum Bahnhof
gelangt.“
Graz: Bestmöglicher Kompromiss
für alle als Ziel
Die Fußgängerbeauftragte der Stadt Graz,
Renate Platzer, betont die Herausforderung, mit
dem vorhandenen Straßenraum sinnvoll umzugehen.
Ideen sind beispielsweise, zugunsten von
Geh- oder Radwegen Parkflächen einzusparen,
wenn diese nicht mehr in gleichem Umfang benötigt
werden. Platzer: „Ich hätte gerne immer einen
zumindest 2 Meter breiten Gehsteig, wenn nicht
sogar breiter, je nachdem, wo man sich befindet.
Wenn jedoch die Radinfrastruktur mangelhaft vorhanden
ist, fahren die Radfahrer auf den Gehsteigen.
Das wollen wir auch nicht. Das Ergebnis wird
daher meist ein Kompromiss sein, mit dem alle leben
können. Ideal wäre es auch noch, Grünraume
unterzubringen. Denn wenn es extrem heiß ist, ist
es weder für Radfahrer noch für Fußgänger in der
prallen Sonne besonders angenehm. Vor Kurzem
wurde auch der Masterplan Gehen in der Stadt beschlossen,
ein weiteres wichtiges Werkzeug, um
für wichtige Fußgängerverbindungen (z.B. Schulumfeld,
Altersheim) zu argumentieren."
ÖAMTC: Ein vernünftiges
Miteinander ist die Lösung
ÖAMTC-Direktor Oliver Schmerold berichtet
von einem jüngsten Aufenthalt in den Niederlanden,
wo er von Staus auf Radwegen selbst bei
schlechtem Wetter beeindruckt war: „Dennoch haben
die Niederländer deswegen nicht weniger Autoverkehr,
das war weder mein Eindruck noch ist
es von den Zahlen her belegbar. Allerdings funktioniert
das Miteinander einfach besser. Das liegt an
der Gestaltung des öffentlichen Straßenraumes,
der in Österreich auch nicht in einer Legislaturperiode
komplett verändert werden kann. Das ist
ein langer Prozess, den wir zum Glück begonnen
haben einzuleiten. Vor allem im außerstädtischen
Bereich sind die Niederlande einen anderen Weg
gegangen, es gibt neben jeder Verbindungsstraße
eine eigene Radverkehrsanlage. Damit wird
zwar mehr Platz in Anspruch genommen, das ist
jedoch im Interesse aller. In der Stadt muss der
verfügbare Platz bestmöglich geteilt und gestaltet
werden. Wo immer möglich, sollten das getrennte
Verkehrsbereiche sein, um Konfliktsituationen
auszuschließen. Dort wo gemischter Verkehr erforderlich
ist, ist für Klarheit zu sorgen.“
Teilweise seien die Regeln jedoch sehr komplex,
womit ein regelkonformes Verhalten nicht immer
möglich sei. Dann bleibe nur mehr die gegenseitige
Rücksichtnahme. In diesem Punkt seien uns
die nordischen Länder von ihrer Grundmentalität
voraus. Auch das werde in einer Generation nur
schwer änderbar sein. Dennoch müsse versucht
werden, diesen Wandel zu gestalten.
GSV: Fahrrad als wichtiger Teil
multimodaler Verkehre
GSV-Generalsekretär Mario Rohracher betont
die multimodale Ausrichtung der GSV und ebenfalls
die Wichtigkeit eines geordneten Miteinander.
Als weitere wichtige Stellschraube bringt er die Digitalisierung
ins Spiel: „Wir benötigen letztlich alle
Verkehrsmittel und müssen dabei Polarisierungen
vermeiden. Deshalb ist es sinnvoll, die betroffenen
Menschen zu befragen und gute Kompromisse
anstreben. Dabei können technische Lösungen
wie ein intelligentes Verkehrsmanagement helfen,
auf alle Verkehrsteilnehmer in Echtzeit Rücksicht
zu nehmen.“ Zu unterscheiden sei zwischen Freizeit-
und Alltagsverkehr. Im Alltagsverkehr wollen
alle schnell ihr Ziel erreichen. Früher nahm man
einfach das Auto, heute werde über Apps recherchiert,
welches Verkehrsmittel am besten in Frage
kommt. In diesem Zusammenhang spiele das
Fahrrad eine zunehmende Rolle, schließlich seien
die Streckenlängen unserer Alltagswege Erhebungen
zufolge überschaubar. Dennoch müsse auch
akzeptiert werden, dass es Menschen gibt, die aus
unterschiedlichen Gründen einfach nicht Radfahren
wollen. Auch sei es nicht jedermanns Sache,
bei widrigen Witterungsverhältnissen wie Schnee
oder Starkregen zu radeln.
Der Sprecher der Radlobby Österreich, Roland
Romano, kritisiert die Rahmenbedingungen in
Österreich für Radfahren - Stichwort StVO Fahrradverordnung
– diese atmen noch immer den
Geist des letzten Jahrtausends. Maßnahmen wie
die Errichtung von Radwegen, Begegnungszonen,
Fahrradstraßen oder Tempolimits werden
Mega-Projekt Argentinierstraße:
Radfahren wie in Amsterdam
rechtlich noch immer als Verkehrsbeschränkungen
qualifiziert und seien nur in Ausnahmefällen
erlaubt. Erst durch eine kürzlich beschlossene
StVO-Novelle sei die Behörde bei der Erlassung
von Verkehrsbeschränkungen freier. Romano:
„Wir müssen an diesen Rahmenbedingungen arbeiten.
Eigentlich gilt Klimaneutralität und Safety
First, aber nach wie vor stehen Verkehrsfluss und
schnelles Fahren im Vordergrund, da besteht dringender
Handlungsbedarf. Schließlich führen die
hohen Geschwindigkeiten zu den schwersten Verkehrsunfällen.
Im Radverkehr hilft die moderate
Geschwindigkeit sehr stark.“
Auch die Radlobby sieht das „Klimateam“ öffentlicher
Verkehr und Fahrrad und versteht aber, dass
die Fahrrad-Mitnahme ein komplexes Thema ist.
Leistungsstarke Bilanz
ten mit 70 Baumpflanzungen, Wasserspielen und Sitzgelegenheiten
wird die neue Argentinierstraße außerdem zum Aufenthaltsbereich
76 für alle.
77
Argentinierstraße: Fahrradstraße nach niederländischem Vorbild
Entgeltliche Einschaltung
Jedenfalls benötige es eine gewisse Mindestversorgung.
Autor: Bernhard Weiner, GSV
Stadt Wien – Straßenverwaltung und Straßenbau: Klimafreundliche
Mobilität für alle
Damit Radfahren noch einfacher und sicherer wird, setzt die
Stadt Wien auch heuer entschlossen auf den Ausbau eines
hochwertigen Radverkehrsnetzes. Das erleichtert nicht nur den
Verkehr, sondern schont auch unser Klima.
Von großen Rad-Highways zu kleinen Lückenschlüssen sind 2024
über 20 Kilometer an neuer Radinfrastruktur in Arbeit, gekoppelt
mit intensiven Entsiegelungen und Begrünungen. 46 Projekte
quer durch Wien – die Radwegoffensive zieht sich von Penzing
im Westen bis in die östliche Donaustadt, von Floridsdorf im Norden
bis nach Favoriten im Süden. Die Stadt Wien geht damit einen
entscheidenden Schritt in eine klimafreundliche Zukunft.
Holland ist mit seiner hervorragenden Radinfrastruktur das ultimative
Radfahrland. Nach niederländischem Vorbild entstand
deshalb von 2023 bis 2024 in der Argentinierstraße im 4. Wiener
Gemeindebezirk vom Karlsplatz bis zum Wiedner Gürtel
auf einer Länge von rund 1,4 Kilometern eine breite Fahrradstraße
mit rotem Asphalt. Die wichtige Verkehrsader zwischen
Hauptbahnhof und Karlsplatz wird jährlich von mehr als einer
Million Menschen auf Fahrrädern befahren. Der neu aufgeteilte
Straßenraum ermöglicht nicht nur ein sicheres Vorankommen
für Radfahrende und Zu-Fuß-Gehende. Mit fast 100 Grünbee-
Straßen sind die lebenswichtigen Adern einer Stadt. Die Stadt
Wien – Straßenverwaltung und Straßenbau sorgt dafür, dass
durch diese Straßen ungehindert das Leben fließen kann. Als
eine von rund 60 Magistratsabteilungen vertritt sie die Stadt
Wien als Grundeigentümerin, führt Baustellen durch und koordiniert
alle Bauvorhaben im öffentlichen Straßenraum Wiens.
Derzeit werden über 6.900 Straßen betreut. Das sind rund
2.800 Kilometer, die laufend an die sich ändernden Anforderungen
der Nutzer*innen angepasst werden müssen. Im Jahr
2023 hat die Stadt Wien – Straßenverwaltung und Straßenbau
505 Straßenbaustellen abgewickelt und 9.629 Aufgrabungen
im öffentlichen Straßenraum koordiniert.
Nutzen auch Sie das vielfältige Angebot des Radverkehrsnetzes
der Stadt Wien: wien.gv.at/verkehr/radfahren/radnetz
Foto: Fürthner PID
STRASSE
Grafik: BMW Group Werk Steyr
ÖVK-Vortrag | Die technologieoffene Antriebsstrategie der BMW Group
Wasserstoff als Schlüsselelement der Energiewende
, Honeder, BMW Motoren Steyr
Langfristig sei die Zukunft der Mobilität elektrisch,
in diesem Punkt bestehe weitgehend Konsens. Der
Weg dorthin ist aber nicht eindeutig. Europas und
Österreichs Politik setzt stark auf das Elektroauto,
Alternativen stehen nicht wirklich im Fokus. Autohersteller
verfolgen hingegen mehrere Möglichkeiten,
wie Josef Honeder, Leitung Entwicklungszentrum
Dieselmotor, E-Antriebsmaschine,
Brennstoffzelle, Wärmemanagement BEV bei
BMW Motoren GmbH in Steyr, im Rahmen eines
ÖVK -Vortrags (Österreichischer Verein für Kraftfahrzeugtechnik)
zum Thema „Das Wasserstoffsystem
des BMW iX5 Hydrogen und die technologieoffene
Antriebsstrategie der BMW Group“ Mitte
April 2024 in Wien ausführte: „Es werden weltweit
unterschiedliche Strategien verfolgt, Europa
ist nicht die Welt. Deshalb ist das Battery Electric
Vehicle (BEV), welches in Europa vor allem auch
politisch stark propagiert wird, nicht die einzige
Antriebslösung. Technologieoffenheit ist für uns
der wesentliche Schlüssel für eine nachhaltige Mobilität
der Zukunft.“
Steyr entwickelt und baut künftig
Elektro- und Verbrennungsmotoren
Diese Antriebsvielfalt spiegelt sich auch im BMW-
Werk in Steyr wider, welches Teil des weltweiten
Produktionsnetzwerkes von BMW ist. Dort werden
nicht nur neue Diesel- und Benzinmotoren,
sondern ab 2025 auch die nächste Generation an
E-Antrieben produziert. Über 1,2 Million Motoren
und mehr als 10 Millionen Kernkomponenten
für Motoren verlassen jährlich das Werk. Sie
treiben rund die Hälfte aller BMW und MINI
weltweit an. Seit Mitte Juli 2024 (Update Redaktion)
laufen die ersten Vorserien von E-
Motoren vom Band, im August 2025 wird die
Serienproduktion der neuen Generation von
E-Antrieben starten. Insgesamt wird laut Honeder
1 Milliarde Euro bis 2030 in den Standort
Steyr investiert, davon 230 Mio. Euro in
das Entwicklungszentrum, in dem bis 2030
voraussichtlich bis zu 90% der Mitarbeiter
am E-Antrieb arbeiten werden (2022 war es
erst ein Drittel aller Mitarbeiter). In der Produktion
wird erwartet, dass bis 2030 50% der Beschäftigten
im Bereich E-Mobilität arbeiten werden.
Honeder: „In der Produktion werden wir natürlich
dem Verbrenner auch weiterhin treu bleiben.“
Das Werk Steyr wurde 1980 als Entwicklungszentrum
für Dieselmotoren eröffnet (Kooperation
Steyr Daimler Puch AG). Heute arbeiten 4.760
Beschäftigte im Werk (davon 700 in der Entwicklung),
die 2023 4,2 Mrd. Euro Umsatz generiert
haben. Seit 1977 wurden 8,7 Milliarden Euro an
Investitionen im österreichischen Werk getätigt,
das entspricht 1 Million Euro pro Arbeitstag, 45
Jahre lang. Honeder: „Es existieren, glaube ich,
wenige Unternehmen, die das an einem Standort
bewerkstelligen. Im konzerninternen Wettbewerb
muss man sich kontinuierlich behaupten, um auch
neue Produktionen oder Entwicklungen erhalten
zu können.“ Unter anderem erwähnt Honeder die
Entwicklung von High-Performance E-Antrieben
für die nächste Generation von M Fahrzeugen.
Darüber hinaus wird das Wärmemanagement für
alle Fahrzeuge der BMW Group exklusiv in Steyr
entwickelt, welches bei den Elektrofahrzeugen
wesentlich für gute Leistungsabgabe und -aufnahme
beim Ladevorgang ist. Auch die Wasserstoff-
Brennstoffzellen-Entwicklung ist in Honeders Verantwortung.
Nachhaltigkeit über den gesamten
Produkt-Lebenszyklus
Gleichzeitig bekennt sich BMW zu den Klimazielen:
Das Unternehmen habe als erster europäischer
Automobilhersteller das Pariser Klimaabkommen
unterzeichnet und will Klimaneutralität über die
gesamte Wertschöpfungskette bis spätestens
2050 erreichen. Honeder: „Bei der CO 2
-Reduktion
ist die ausschließliche Betrachtung des Fahrzeuges
zu wenig, es braucht einen gesamtheitlichen
Ansatz von der Lieferkette, zur Produktion bis
zur Nutzung des Fahrzeuges. Bis 2030 wollen wir
über den gesamten Produkt-Lebenszyklus eine
40% Einsparung gegenüber 2019 erzielen, davon
STRATEGIE DER BMW GROUP WELTWEIT.
REDUKTION VON CO2 ÜBER GESAMTEN PRODUKT-LEBENSZYKLUS
Lieferkette
größer
-20 %
CO 2 pro Fzg.
2030 vs. 2019
NACHHALTIGSTER AUTOMOBILHERSTELLER DER WELT – PLATZ 1 im
-20% in der Lieferkette, -80% in der Produktion Neue Klasse an E-Fahrzeugen mit
zuletzt veröffentlichten Dow Jones Sustainability Index (DJSI)
und -50% in der Nutzung unserer Flotte (Nutzungsphase
= über 70 % der CO 2
weiteren Verbesserungen
-Bilanz der BMW
ÖVK-Vortrag Wien, 16.04.2024 - 10 -
Group). Das Werk Steyr wird das erste Produktionswerk
im Produktionsverbund sein, wo wir bereits
2024 CO 2
-neutral sein werden.“
Die vorgegebenen CO 2
-Grenzwerte will BMW einhalten,
ein Zertifikatkauf stelle keine strategische
Option dar. Honeder: „Aktuell befindet sich die
Flotte der BMW-Gruppe bei 102 g CO 2
/km. Mit unserem
Produkt- und Verkaufsportfolio werden wir
die gesetzlich geforderten Limits unterbieten und
somit erfüllen.“ Bei EURO 7 habe es zum Glück
eine Einigung gegeben, wodurch mehr Klarheit
bezüglich der rechtlichen Rahmenbedingungen
herrscht. Neu ist, dass nicht mehr nur Abgasemis-
sionen betrachtet werden, sondern
erstmals auch Reglementierungen
für Bremsen- und Reifenabrieb
existieren und in der E-Mobilität
auch die Dauerhaltbarkeit von Batterien
betrachtet wird.
Bereits die unterschiedlichen EURO
6 Stufen hätten Wirkung gezeigt,
wodurch sich die Luftqualität in den
letzten Jahren an viel befahrenen
Straßen deutlich verbessert habe,
womit es für Maßnahmen wie dem
Lufthunderter eigentlich keine Legitimation
mehr gebe.
Lebenszyklus
Produktion
-80 %
CO 2 pro Fzg.
2030 vs. 2019
mindestens
-40%
Nutzung
mindestens
-50 %
CO 2 pro Fzg.
2030 vs. 2019
Nutzungsphase: über 70 % der CO 2 -Bilanz der BMW Group.
BEV-Ramp-up: CO 2 -Reduktion in der Nutzungsphase um min. 50 % bis 2030.
Daher sinken CO 2 -Emissionen je Fahrzeug um mind. 40 % bis 2030.
BMW fokussiert sich seit längerem auch auf E-
Mobilität. 2013 habe man mit dem i3 das erste
E-Auto Serienangebot gemacht und Pionierarbeit
geleistet. Honeder: „Möglicherweise auch etwas
zu früh für den Markt.“ Heute existiere beinahe für
jede Modellreihe auch ein elektrifiziertes Angebot.
Mit der neuen Klasse bzw. einer komplett auf die
E-Mobilität orientierte neuen Fahrzeugarchitektur
will BMW die dritte Stufe der Elektrifizierung
einläuten. Die neue Klasse an E-Fahrzeugen soll
Nachhaltigkeit in allen Dimensionen (Lieferkette,
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efficiency in a new dimension.
up to
+25 %
Vehicle Efficiency
Every-Day use
External conditions
Regulations
Individual vehicle and fleet
Neue Klasse an BMW E-Fahrzeugen
ÖVK-Vortrag Wien, 16.04.2024 - 18 -
Grafik: BMW Group Werk Steyr
Grafik: BMW Group Werk Steyr
-3-
78 79
Elektroauto erforderlich sind. Europa sei schließneuen
Regulierungen weltweit erfüllen. Parallel
soll jedoch auch die Fahrzeugarchitektur beim
Verbrenner weiterentwickelt und auch diese Fahrzeuge
weiter gebaut werden.
Was bedeutet die neue E-Klasse für
den Antrieb?
BMW wird von einem 400 V Hochvolt-System auf
ein 800 V System umsteigen, was wesentliche
Vorteile bei den Ladezeiten bringen soll. Mit der
entsprechenden 350 kW Ladeinfrastruktur können
dann 300 Kilometer Reichweite in 10 Minuten
Ladezeit Wirklichkeit werden. Weiteres werde die
Zellenergiedichte erhöht und mit der neuen E-Auto
Einheit (highly integrated E-Drive Unit) bis zu
40% Energie eingespart.
Letztendlich müsse jedoch auch Geld mit diesen
Fahrzeugen verdient werden. Honeder blickt diesbezüglich
vorsichtig optimistisch in die Zukunft:
„Wir konnten die E-Auto Verkaufszahlen von 2022
bis 2023 um 74% auf 375.716 steigern.
Wasserstoff in speziellen Anwendungen
auch im Pkw sinnvoll
Weltweit
gesehen werden wir 2024 20% aller Fahrzeuge
als batterieelektrische E-Fahrzeuge verkaufen,
hauptsächlich in Europa. 2030 gehen wir davon
aus, jedes zweite Fahrzeug als E-Fahrzeug zu verkaufen.“
EFFIZIENZ VON ELEKTROANTRIEBEN.
STARK ABHÄNGIG VOM FAHRVERHALTEN.
Die Effizienz von Elektroantrieben ist stark abhängig
vom Fahrverhalten: Sehr hohe und
Einflussgrößen elektrische Reichweite.
niedrige
100 %
70 % -
85 %
85 % -
95 %
Temperaturen, lange Distanzen und Fahrten mit
Anhänger setzen dem E-Antrieb zu. Daher beschäftigt
sich Honeders Team auch mit Wasserstoff
bzw. der Brennstoffzelle für größere Pkw (X6, X7)
im Fernverkehr. Den Wasserstoff könnte man zwar
auch direkt im Fahrzeug verbrennen, das sieht
BMW jedoch vorrangig beim Lkw. Hintergrund sei,
dass die Brennstoffzelle im Teilastbetrieb (Pkw) einen
höheren Wirkungsgrad als im Volllastbetrieb
(Lkw) habe. Beim Verbrennungsmotor sei es genau
umgekehrt, dieser habe bei höheren Lasten
einen höheren Wirkungsgrad.
Zum Aufbau des BMW iX5 Hydrogen: Vom
Wasserstofffahrzeug BMW iX5 ist zu Lernzwecken
weltweit eine Pilotflotte unterwegs. Der Antriebsstrang
besteht aus der Brennstoffzelle (125
KW), anschließend ist unter der Rücksitzbank
der Wasserstofftank (maximal 6kg bei 700 bar)
positioniert, zuletzt folgen der E-Motor mit einer
Maximalleistung von 295 kW und eine Leistungsbatterie
mit 170 kW. Dieser Aufbau ermöglicht
Reichweiten von rund 500 km, eine Maximalgeschwindigkeit
von 185 km/h, eine Beschleunigung
von 0 auf 100 km/h in weniger als 6 Sekunden
und ein Gesamtgewicht, welches mit einem Plug-
In Hybrid vergleichbar und damit deutlich unter
einem reinem BEV-Fahrzeug liegt. Außerdem kann
der Tankvorgang wie heute üblich auf 3 - 4 Minuten
begrenzt werden.
Ein weiterer Vorteil von Wasserstofffahrzeugen
sei, dass 90% weniger kritische Rohstoffe als beim
70 % -
80 %
35 % -
45 %
. Tagesverbrauch -7 ° C +35 ° C Langdistanz Fahrten mit
Anhänger
ÖVK-Vortrag Wien, 16.04.2024 - 21 -
Die Effizienz von Elektroantrieben ist stark abhängig vom Fahrverhalten
Grafik: BMW Group Werk Steyr
Mit E-Autos alleine wird Österreich nicht klimaneutral
Wann eFuels kommen, entscheidet die Politik...hoffentlich bald
Wie kann Österreich seine Klimaziele erreichen
und eine stabile Versorgung mit Energie sicherstellen?
Mit einer Vielzahl ambitionierter Maßnahmen,
eine davon ist die Einführung der eFuels.
Eigentlich ist alles angerichtet. Standorte, Technologien,
Finanzierung, Investoren – alles ist da. Was
fehlt? Ermöglichende (!) Regulierungen. Wenn die
EU ein Minus der CO 2
-Emissionen um 55% bis 2030
vorschreibt, ist damit noch nichts gewonnen. Es
braucht die Investitionen. Sie zielen auf flächendeckende
klimaneutrale Energieversorgung ab.
Wer viel Geld in Investitionen steckt, braucht Sicherheit.
In unserem Fall die Sicherheit, dass seine
Produkte als klimaverträglich anerkannt sind.
Dazu braucht es ein Zertifikat mit langer Haltbarkeit.
Investitionen dieser Dimensionen können
nicht auf Sand gebaut werden.
Regulierungen bieten keinen festen
Grund für Investitionen
Hier hakt es. Die Regulierungen der EU aus dem
European Green Deal schießen am Ziel vorbei.
Unendlich viel Klein-Klein, schwerfällig, detailverliebt.
Jederzeit revidierbar. So wird die EU nicht
Wasserstoff-Champion.
Neue Anlagen zur Stromerzeugung müssen den
Strom für den Wasserstoff liefern. Die Ingredienz
CO 2
muss aus bestimmten Quellen kommen. Das
CO 2
muss erst aus dem Rauchfang entweichen,
dann darf man es verwenden.
eFuels sollen dort produziert werden, wo Ökostrom
um einen erheblichen Faktor günstiger zur Verfügung
steht, die Gunstlagen sind auf viele Regionen
der Welt verteilt und reichlich vorhanden. Aber
wenn die CO 2
-Quelle einer CO 2
-Bepreisung wie in
der EU unterliegen muss, ist mit einem Federstrich
ein großer Teil der Projekte ausgeschlossen. Dann
müsste man zB bei der eFuel-Produktion in Marokko
CO 2
aus eines spanischen Zementanlage holen,
anstatt das lokal verfügbare CO 2
zu verwenden.
Flugbenzin und eFuels für Pkw sind
Kuppelprodukte
In Österreichs Straßen fahren rund 5 Mio PKW mit
Benzin und Diesel. Sie können genauso gut eFuels
verwenden. Dazu muss der grüne Verbrenner als
Erfüllung der Grenzwerte anerkannt werden. Die
gültige CO 2
-Grenzwerte-Verordnung enthält dazu
keine Regelung.
Mit E-Autos allein wird Österreich, das das Ziel
um 10 Jahre vorverlegt hat, nicht einmal bis 2050
klimaneutral sein. Mehr als 80% der neu angemeldeten
PKW sind mit Verbrenner ausgestattet.
Werden diese Fahrzeuge 20 Jahre lang genutzt,
dauert es bis in die 2050er-Jahre, bis die Umstellung
auf das E-Auto greift. Für das Klimaziel 2030,
für Österreich eine Halbierung der Emissionen,
bringt das E-Auto ein paar Prozentpunkte. So viel
Ökostrom ist in Österreich gar nicht vorhanden,
dass alle auch bei Dunkelflauten elektrisch fahren
können. Die Industrie wird sehr viel Strom brauchen,
um sich von den fossilen Energieträgern
verabschieden zu können.
Der schnellste Weg zum klimaneutralen Fliegen
führt über eFuels im Straßenverkehr. Die Luftfahrt
allein kann die Einführungskosten nicht schultern.
EU-Airlines geraten unter schwerem Druck, wenn
ihre Wettbewerber ohne Zusatzkosten billigere Tickets
anbieten können. Wer eFuels in der Aviation
will, muss auch eFuels im Road Sector unterstützen.
Lesen Sie mehr unter www.efuel-alliance.at
eFuels ersetzen flüssige fossile Energieträger
Dr. Stephan Schwarzer,
Geschäftsführer
Entgeltliche Einschaltung
80 81
STRASSE
DAS ENERGIESYSTEM:
“SUN-TO-WHEEL”.
Grafik: BMW Group Werk Steyr
WASSERSTOFF.
lich kein Rohstoffland, geopolitische Abhängigkeiten
die Folge. Der einzige kritische Rohstoff bei
der Brennstoffzelle ist das Platin, welches bereits
heute in Katalysatoren enthalten ist und gute Recyclingquoten
aufweist. Der Anteil von Platin werde
jedoch laufend gesenkt: Die Generation 3 der
Brennstoffzelle weist mehr als eine Halbierung des
Platingehalts gegenüber der Generation 1 auf.
Wasserstoff als Schlüsselelement in
der Energiewende
Auch energetische Überlegungen sprechen für
die Wasserstoff-Technologie. Zwar ist die direkte
Nutzung von Elektrizität von BEVs, dort wo es
möglich ist, immer die erste Wahl. Allerdings ist
Strom nicht speicherbar und dessen erneuerbare
Erzeugung starken Schwankungen unterworfen,
weshalb Speichermedien wie Wasserstoff benötigt
werden. Elektrische Speicher seien im Vergleich zu
den erforderlichen Mengen laut Honeder ein Tropfen
auf den heißen Stein. Diese können zwar sinnvoll
zur Netzstabilisierung sein, jedoch keine Jahreszeitverlagerungen
unterstützen. Auch im Falle
von erforderlicher Wärme für industrielle Prozesse
sowie im Luft- und Seeverkehr und für schwere
Lkw, gepaart mit langen Fahrzeiten, sei eine direkte
Nutzung von Elektrizität technologisch und
(Wasserstoff, E-Fuels): „Wir haben bereits heute
große Herausforderungen bezüglich der Ladeinfrastruktur.
Darüber hinaus ist eine kombinierte
Infrastruktur günstiger als eine rein elektrische,
da die heutigen elektrischen Netze nicht skalierbar
sind. Beim Wasserstoff hingegen könnten wir die
bestehenden Gasnetze nützen, die entsprechende
Befähigung wäre günstig machbar.“
Ein Problem stelle auch die erneuerbare Energieversorgung
dar, wie Honeder weiter ausführt: „Europa
wird maximal 30% der Energie, die es benötigen
wird, selbst erzeugen können. Wir werden
definitiv Importeur von Energie bleiben. Wasserstoff
ist eine naheliegende Lösung zur temporären
Energiespeicherung und für den Energietransport.
Wenn Wasserstoff in der Energiewirtschaft breit
verfügbar ist, rückt die Effizienz im PKW in den
Hintergrund.“
Honeder illustriert das an einem Beispiel: Eine
1kW Solaranlage in Deutschland erzeugt jährlich
950 kWh, in Wüstenregionen wie z.B. im nahen
Osten sind es aufgrund stärkerer Sonneneinstrahlung
2.200 kWh. Obwohl durch Elektrolyse, Transport
/ Verteilung und Verluste in der Anwendung
(Die Brennstoffzelle hat einen niedrigeren Wirkungsgrad
als der E-Motor) viel Energie verloren
physikalisch wenig sinnvoll. Daher sieht Honeder geht, schneiden am Ende beide Varianten mit rund
SCHLÜSSELROLLE Potential BEI in der DER indirekten DEKARBONISIERUNG.
Nutzung von Elektrizität 670 kWh nahezu gleich gut ab, was rund 6.000
Solar
Wasser
Wind
Direkte Nutzung von Elektrizität
(Netz, Batterien)
Die Herausforderung der
Elektrifizierung
H2
Indirekte Nutzung von Elektrizität
(H2, E-Fuels)
Industrie, Maschinen, Werkzeuge
Öffentliche Verkehrsmittel in Städten
Städtische Lieferungen
Reisebusse, leichte Nutzfahrzeuge
Schwere Lkw
Luft- und Seeverkehr
Industrie (hohe Hitze)
ÖVK-Vortrag Wien, 16.04.2024 - 23 -
Wasserstoff spielt eine Schlüsselrolle bei der Dekarbonisierung
.
Personenkraftwagen, Stadt- und Pendlerwagen
Große Personenkraftwagen (Fernverkehr)
BEVs sind effizienter als FCEVs bedingt durch
die Umwandlungsverluste.
Pkw km/Jahr entspricht. Honeder: „Der
höhere Ertrag der erneuerbaren Energiegewinnung
in bestimmten Regionen
Höherer Ertrag der erneuerbaren
Energiegewinnung in bestimmten Regionen
gleicht die Verluste aus. Kosten und
Durchführbarkeit sind wichtiger als die
gleicht die Effizienz.“ Verluste aus.
Kosten und Durchführbarkeit sind
wichtiger als die Effizienz.
Ein weiteres Potential sieht Honeder
in der Nutzung überschüssiger Energie.
Zusätzliche 10% seien mindestens
verfügbar. In Deutschland entspricht
das 5,8 TWh, die 2022 nichts ins Netz
eingespeist wurden, umgerechnet sind
das 100.000 Tonnen Wasserstoff.
Zusammengefasst ergänzen sich Batterieelektrische
Fahrzeuge (BEVS) und
Brennstoffzellenfahrzeuge. Beides sind
Elektrofahrzeuge und beide können zur
Dekarbonisierung beitragen. Technolo-
Quelle: „Roadmap gieoffenheit towards zero emissions ist “ der (McKinsey Schlüssel for Hydrogen zum Council Erfolg. 2021).
Sun to wheel
Well to wheel
PKW km/Jahr
aus 1 kW
erneuerbare
Energiequelle
BEV aufgeladen mit
lokalen PV-Panel.
1 kW x 250%
Solarpanel, Kapazitätsfaktor
Naher Osten
1 kW x 110%
Solarpanel, Kapazitätsfaktor
Deutschland
950 kWh
680 kWh
~ 6,100
13%
Transport
+ Ladung,
Verluste
18%
TTW Verluste
FCEV-Antrieb mit importiertem erneuerbarem Wasserstoff aus
Photovoltaik in sonnenreichen Regionen, z. B. im Nahen Osten.
2,200 kWh
660 kWh
~ 5,900
20%
Elektrolyse
24%
Transport/Vert
eilung
50%
TTW Verluste
ÖVK-Vortrag Wien, 16.04.2024 - 25 -
Der höhere Ertrag der erneuerbaren Energiegewinnung in bestimmten Regionen gleicht die Verluste
Autor: Bernhard Weiner, GSV
aus. Kosten und Durchführbarkeit sind wichtiger als die Effizienz.
PARK
WRITE
Zum Handyschauen
Pause machen.
Grafik: BMW Group Werk Steyr
Auf Österreichs Autobahnen
gibt es durchschnittlich alle 9 km
einen Rastplatz, um Nachrichten
Alle Rastmöglichkeiten
82 auf einen Blick:
asfinag.at/parken-rasten
83
sicher zu beantworten.
STRASSE
Foto: AIT Thomas Bäuml
Fachbeitrag des AIT
Höhere Reichweite durch effizientes Wärmemanagement
Die Herausforderungen im Bereich der Elektromobilität,
insbesondere in Bezug auf die Reichweite
von Elektrofahrzeugen, sind vielschichtig. Neben
der Batteriekapazität und der Effizienz des Antriebsstrangs
spielen auch äußere Bedingungen
eine entscheidende Rolle. Extreme Temperaturen,
sei es Hitze oder Kälte, beeinträchtigen die
Reichweite erheblich, da Klimaanlage bzw. Heizung
zusätzliche Energie verbrauchen. Dieser
Aspekt ist nicht nur technisch relevant, sondern
hat auch direkte Auswirkungen auf die Akzeptanz
von Elektrofahrzeugen durch Konsument:innen.
Im Gegensatz zu herkömmlichen Fahrzeugen mit
Verbrennungsmotor, die die Abwärme des Motors
nutzen, müssen Elektroautos die Energie für die
Heizung direkt der Batterie entnehmen, was zu
erheblichen Einbußen bei der Reichweite führen
kann.
Der IVECO eDaily-Minibus wird zur Validierung der Ergebnisse
auf einem klimatisierten Rollenprüfstand vermessen
In diesem Zusammenhang initiierte ein hochkarätiges
europäisches Konsortium unter der Leitung
des AIT Austrian Institute of Technology das
Forschungsprojekt MINDED (Thermal and energy
Management for INcreased Driving range of an
Electric minibus including improved user-centric
Design and thermal comfort) – mit dem Ziel, einen
wesentlichen Beitrag zur Steigerung der Reichweite
von Elektrofahrzeugen durch ein innovatives
und effizientes Wärmemanagement zu leisten.
Im Rahmen des Projekts
strebt das Konsortium,
das aus insgesamt elf
europäischen Partnern
aus Forschung und Industrie
besteht, die
Entwicklung eines innovativen
batterieelektrischen
IVECO eDaily
Minibus an. Dieser soll
bei 0°C Umgebungstemperatur
eine um
20 Prozent verbesserte
Reichweite
aufweisen.
Erreicht wird dies durch ein Bündel an Maßnahmen,
wie zum Beispiel die Integration äußerst
effizienter Infrarot-Heizpaneele im Fahrzeug, die
von einer optimierten thermischen und energetischen
Betriebsstrategie geregelt werden.
Optimiertes Wärmemanagement
durch Infrarot und KI
Bei aktuellen Elektrofahrzeugen kommen häufig
konventionelle PTC-Heizer zur Innenraumbeheizung
zum Einsatz. Diese Heizelemente
aus keramischem Material arbeiten nach dem
Prinzip des positiven Temperaturkoeffizienten
(PTC), bei dem der Widerstand mit steigender
Temperatur zunimmt. Dies führt jedoch
zu einem hohen Energieverbrauch, der direkt
aus der Antriebsbatterie gespeist wird und somit
die Fahrzeugreichweite verringert.
Um diese Problematik zu lösen, setzt das MINDED-
Projekt auf den Einsatz innovativer Infrarot-
Heizpaneele. Die von den Passagieren als angenehm
empfundene Strahlungswärme reduziert
den gesamten Wärmebedarf, was ein erhebliches
Einsparpotenzial an Energie bietet. Durch
die strategische Platzierung der Paneele kann die
Raumtemperatur um bis zu 5°C gesenkt werden,
ohne den Komfort zu beeinträchtigen.
Zur Bewertung der Wirksamkeit der Maßnahmen
wurden zunächst die Ausgangswerte des
unveränderten Fahrzeugs ermittelt. Dazu wurde
ein Minibus bei 0°C auf einem klimatisierten
Rollenprüfstand getestet, wobei alle relevanten
Daten über den Controller Area Network Bus
(CAN-Bus) protokolliert und thermische Kreisläufe
mit zusätzlichen Sensoren überwacht
wurden. Komfortmessdummys, die Temperatur,
Luftfeuchtigkeit, Strahlungstemperatur und
Luftgeschwindigkeit erfassten, wurden an verschiedenen
Stellen in der Kabine platziert, um
den thermischen Komfort anhand des Predicted
Mean Vote (PMV) Index zu bewerten.
Foto: AIT Thomas Bäuml
Im weiteren Verlauf des Projekts wurden Infrarot-
Heizpaneele individuell an den Sitzlehnen und im
Fußraum der Passagiere installiert, um gezielte
Strahlungswärme zu liefern. Insgesamt wurden
18 Paneele für die Rückenlehnen und 19 für den
Boden gefertigt, um eine optimale Anpassung an
die Fahrzeuggeometrie zu gewährleisten. Auch
der Fahrersitz erhielt ein eigenes Heizpaneel. Die
Verbesserungen werden in verschiedenen Fahrzeugkonfigurationen
getestet, unter anderem mit
verbesserter Isolierung und einem neu entwickelten
Wärme- und Energiemanagementsystem.
Zusätzlich liegt ein weiterer Schwerpunkt des Projekts
auf der Entwicklung einer neuartigen Klimaanlage
mit Wärmepumpenfunktion und ölfreiem
Kompressor, um ganzjährig eine hohe Energieeffizienz
zu gewährleisten. Mithilfe von Künstlicher
Intelligenz (KI) werden Fahrentscheidungen vorhergesagt,
um das Energiemanagement weiter zu
optimieren. Zur Ansteuerung der Heizpaneele wird
eine innovative Mensch-Maschine-Schnittstelle
(HMI) entwickelt, die eine intuitive Bedienung sicherstellt.
Auch die Verbesserung der Dämmung
des Fahrzeugs ist ein wichtiger Aspekt des Projekts.
Validierung am Rollenprüfstand
sowie mittels Digital Twin
Zur Validierung der Ergebnisse wird der IVECO
eDaily-Minibus auf einem klimatisierten Rollenprüfstand
vermessen, wobei WLTP Fahrzyklen simuliert
werden, um die Performance der Heizpaneele
bei 0°C zu demonstrieren. Die Simulation
des gesamten Fahrzeug-Digital-Twin-Modells berücksichtigt
den Antriebsstrang, die Heiz- und
Klimatisierungssysteme sowie KI-basierte Vorhersagen
des Fahrverhaltens. Dies ermöglicht eine
Infrarot-Heizpaneele wurden an den Sitzlehnen und im Fußraum
installiert, um gezielte Strahlungswärme zu liefern
umfassende Bewertung der thermischen und energetischen
Betriebsstrategie und den Nachweis der
20 Prozent verbesserten Reichweite durch das Zusammenspiel
aller implementierten Maßnahmen.
Das AIT übernimmt folgende Aufgaben:
• Gesamtprojektmanagement: 11 Partner, Gesamtfördersumme
rd. 5 Mio Euro
• Digital Twin-Modelle: In Zusammenarbeit mit
Partnern wird ein umfassendes Simulationssystem
entwickelt, um eine simulative Gestaltung
und Entwicklung der Betriebsstrategie zu ermöglichen.
• Implementierung eines neuen Thermomanagement-Systems:
Die Umsetzung eines effizienten
Heizsystems erfolgt durch die Integration
von Infrarot-Heizpaneelen in den Minibus.
Zusätzlich wird eine benutzer:innenzentrierte
Mensch-Maschine-Schnittstelle entwickelt, die
es Fahrer:innen und Passagier:innen ermöglicht,
die Zieltemperaturen festzulegen und Rückmeldungen
zu ihrem Komfortstatus zu erhalten.
• Thermisches Managementsystem: Im Fokus
steht die Entwicklung einer energieeffizienten
und komfortoptimierten Betriebsstrategie für
das Infrarot-Heizsystem.
AIT-Experte Thomas Bäuml, Projektleiter von
MINDED, betont: "Unser Ziel ist es nicht nur, die
Energieeffizienz zu steigern, sondern auch den
Komfort für Fahrer:innen und Passagier:innen zu
optimieren. Durch die Integration von Infrarot-
Heizpaneelen und die Entwicklung intelligenter
Benutzer:innenoberflächen schaffen wir eine innovative
Lösung im Bereich des thermischen Managements
für Elektrofahrzeuge. Damit möchten
wir einen Beitrag zur Erhöhung der Akzeptanz
elektrisch angetriebener Fahrzeuge leisten und
letztendlich zu einer umweltverträglichen Mobilität
im Sinne des European Green Deal beitragen."
Fördergeber: Horizon Europe HORIZON-CL5-
2023-D5-01-01 (User-centric design and operation
of EV for optimized energy efficiency [2ZERO
Partnership])
Kontakt: Thomas Bäuml, AIT Austrian Institute of
Technology, thomas.baeuml@ait.ac.at
https://www.minded-project.eu
84 85
STRASSE
Fachbeitrag des Amtes der Kärntner Landesregierung
Drohnen revolutionieren die Straßensanierung
In der Welt der Vermessungstechnik haben sich Vorteile und Nachteile der Photogrammetrischen
bahnbrechende Entwicklungen ergeben, die die
Datenerfassung
Effizienz und Genauigkeit von Vermessungsarbeiten
dramatisch verbessern. Insbesondere der Einsatz
• Hohe räumliche Auflösung: RGB-Kameras
von Unbemannten Luftfahrzeugen (UAVs), im an UAVs können hochauflösende Bilder aufneh-
Volksmund als Drohnen bekannt, hat eine Revolution
men, die eine detaillierte Rekonstruktion der
in der Vermessungsbranche eingeleitet. In die-
Geländeoberfläche ermöglichen.
sem Artikel werden die vielfältigen Möglichkeiten,
• Kostengünstig: Der Einsatz von Kameras ist
wie UAVs für Vermessungsarbeiten genutzt werden
im Vergleich zu Laserscannern in der Regel kostengünstiger,
sowohl in Bezug auf die Anschaf-
können und wie sie die Planung von Straßensanierungsprojekten
sowie Inspektionen von Brücken
fung als auch auf den Betrieb.
und Straßenmauern transformieren, erkundet.
• Flexibilität: Kameras sind leicht und einfach an
Drohnen in der Vermessung
UAVs anzubringen, was die Flexibilität bei der
Datenerfassung in verschiedenen Umgebungen
UAVs bieten eine kostengünstige und flexible Lösung
erhöht.
für Vermessungsarbeiten. Durch ihre Fähig-
• Vielseitigkeit: Kameras können nicht nur für
keit, hochauflösende Bilder mittels photogrammetrischer
die Geländemodellierung, sondern auch für die
RGB (Rot Grün Blau) Kameras oder LiDAR Erstellung von Orthofotos, 3D-Modellen und
(Light Detection and Ranging) Scanning aus der Oberflächenanalysen verwendet werden.
Luft aufzunehmen, ermöglichen sie die Erstellung • Abhängigkeit von Lichtverhältnissen: Die
detaillierter Karten, Geländemodelle und Orthofotos.
Qualität der Aufnahmen mit Kameras ist stark von
Durch die Integration von GNSS-Empfängern den Lichtverhältnissen abhängig. Bei schlech-
können die erfassten Daten präzise georeferenziert
tem Wetter oder ungünstigen Lichtverhältnissen
werden, was eine genaue räumliche Analyse können die Ergebnisse beeinträchtigt werden.
ermöglicht.
• Eingeschränkte Tiefe und Genauigkeit: Im
Vergleich zu Laserscannern bieten Kameras eine
begrenzte Tiefenwahrnehmung und ihre Genauigkeit
kann durch Faktoren wie Objektivverzerrungen
beeinträchtigt werden.
Vorteile und Nachteile der Datenerfassung
durch Laser (LiDAR) Scanning
• Große Reichweite: Laserscanner können große
Gebiete in kurzer Zeit erfassen und sind besonders
effektiv bei der Erfassung von schwer
zugänglichen oder gefährlichen Gebieten.
• Kostenintensiv: Die Anschaffung und Wartung
von Laserscannern ist in der Regel teurer als bei
Kameras, was die Gesamtkosten für Vermessungsprojekte
erhöht.
• Komplexität der Datenverarbeitung: Die
Verarbeitung und Auswertung von Laserscanner-Daten
erfordert spezialisierte Software und
Know-how, was zusätzliche Kosten und Zeit in
Anspruch nehmen kann.
• Begrenzte Oberflächendetails: Im Vergleich
zu Kameras können Laserscanner Schwierigkeiten
haben, feine Oberflächendetails
wie Farben und Texturen genau zu erfassen.
Insgesamt bieten sowohl UAV-Aufnahmen mit
RGB-Kamera als auch mit LiDAR-Scanner einzigartige
Vor- und Nachteile, die je nach den Anforderungen
und Zielen eines Vermessungsprojekts
abgewogen werden müssen. Die Wahl zwischen
den beiden Methoden hängt von verschiedenen
Faktoren wie Genauigkeitsanforderungen, Budget,
Geländebedingungen und Projektzielen ab.
Drohnen inspizieren Brücken,
Mauern & erhöhen Arbeitssicherheit
Die kontinuierliche Weiterentwicklung von Technologien
wie künstlicher Intelligenz und maschi-
nellem Lernen wird die Leistungsfähigkeit von
UAVs weiter verbessern und ihre Anwendungsbereiche
erweitern. In Zukunft werden wir Zeuge
einer zunehmenden Integration von UAVs in
die Planung und Durchführung von Infrastrukturprojekten
sein, einschließlich der Straßensanierung.
Angesichts ihrer vielfältigen Vorteile ist
es klar, dass UAVs eine immer wichtigere Rolle
und zu einem vermehrten Einsatz und Anschaffung
in der Straßenverwaltung sowie bei
Ingenieurkonsulenten kommen wird.
Die Zukunft von UAVs in der
Vermessung
In der Welt der Infrastrukturunterhaltung und
-sicherheit haben sich UAV-Drohnen als transformative
Technologie erwiesen, insbesondere bei
der Inspektion von Brücken und Straßenmauern.
Diese fliegenden Maschinen bieten nicht nur eine
effiziente und kostengünstige Alternative zu herkömmlichen
Inspektionsmethoden, sondern verbessern
auch signifikant die Sicherheit des Arbeitspersonals.
• Effizienz und Genauigkeit: Eine der herausragenden
Eigenschaften von UAVs ist ihre
Fähigkeit, detaillierte visuelle Daten aus verschiedenen
Blickwinkeln und Perspektiven zu
erfassen. Mit hochauflösenden Kameras und
gegebenenfalls anderen Sensoren ausgestattet,
können Drohnen präzise Bilder und Videos von
Brücken und Straßenmauern aufnehmen. Diese
Foto: Multikopter, 2024
• Hohe Genauigkeit: Laserscanner liefern hoch-
Foto: ADP PRO - MAVERIC MK II, 2022
Drohne Scorpio MK II 1
präzise 3D-Punktwolken, die eine genaue Rekonstruktion
der Geländeoberfläche ermöglichen.
• Unabhängig von Lichtverhältnissen: Im Gegensatz
zu Kameras sind Laserscanner unabhängig
von den Lichtverhältnissen und können
auch bei schlechtem Wetter oder in dunklen
Umgebungen eingesetzt werden.
High-End MultiKopter Drohne MK-X8 – LiDAR Scanner
86 87
Daten ermöglichen Ingenieuren und Inspekteuren
eine gründliche Analyse des Zustands der
Strukturen, einschließlich der Identifizierung
von Rissen, Verschleiß, Korrosion und anderen
Schäden.
• Sicherheit des Arbeitspersonals: Eine der
bemerkenswertesten Verbesserungen, die UAVs
für Brückeninspektionen und die Inspektion von
Straßenmauern bieten, ist die Verbesserung der
Sicherheit des Arbeitspersonals. Früher mussten
Inspektoren oft in gefährliche Höhen klettern
oder sich über stark befahrenen Straßen bewegen,
um Inspektionen durchzuführen. Diese Arbeiten
waren nicht nur zeitaufwendig, sondern
auch mit erheblichen Risiken für die Sicherheit
verbunden. Mit UAVs können Inspektionen nun
aus sicherer Entfernung durchgeführt werden,
ohne dass Inspektoren direkten physischen Gefahren
ausgesetzt sind.
• Flexibilität und Zugänglichkeit: Durch den
Einsatz von UAVs können Brücken und Straßenmauern,
die schwer zugänglich oder in unwegsamem
Gelände liegen, effizienter inspiziert
werden. Selbst in Gebieten, die für traditionelle
Inspektionsmethoden schwer zu erreichen
sind, können Drohnen mühelos navigieren und
hochwertige Aufnahmen liefern. Dies ermöglicht
eine umfassende Überwachung von Strukturen,
die zuvor vernachlässigt oder nur unzureichend
überwacht wurden.
• Kosteneffizienz: Die Verwendung von UAVs
für Brückeninspektionen und die Inspektion von
Straßenmauern ist nicht nur sicherer, sondern
auch kosteneffizienter als herkömmliche Methoden.
Die Reduzierung von Arbeitsstunden,
Material- und Ausrüstungskosten sowie die Minimierung
von Ausfallzeiten für den Verkehr tragen
zur Senkung der Gesamtkosten bei.
Zukunftsausblick
UAVs haben das Potenzial, die Art und Weise,
wie Vermessungsarbeiten durchgeführt werden,
grundlegend zu verändern. Durch ihre Fähigkeit,
hochpräzise Daten schnell und kostengünstig zu
erfassen, bieten sie eine effiziente Lösung für die
Planung und Durchführung von Straßensanierungsprojekten.
Mit fortschreitender Technologieentwicklung werden
UAVs zweifellos zu einem unverzichtbaren
Werkzeug für Vermessungsingenieure und Stadtplaner
weltweit. Die Zukunft der Vermessung
ist zweifellos von den unermüdlichen Flügen der
Drohnen geprägt.
Pannenhilfe Tag & Nacht
120
oder per App
Mit der kontinuierlichen Weiterentwicklung von
Technologien wie autonomem Flug, künstlicher
Intelligenz und maschinellem Lernen wird die
Leistungsfähigkeit von UAVs weiter verbessert.
Zukünftige Innovationen könnten die Fähigkeiten
von Drohnen erweitern, um noch präzisere Inspektionen
durchzuführen und neue Anwendungen
in der Infrastrukturüberwachung zu erschließen.
Foto: DJI Mavic 3 Enterprise, 2024
DJI Mavic 3 Enterprise RTK-Modul 1 (DJI Mavic 3 Enterprise, 2024)
Insgesamt stellen UAV-Drohnen eine wegweisende
Lösung für die Inspektion und Überwachung von
Brücken und Straßenmauern dar. Ihre Fähigkeit,
Effizienz, Genauigkeit und vor allem die Sicherheit
des Arbeitspersonals zu verbessern, macht sie zu
einem unverzichtbaren Werkzeug in der modernen
Infrastrukturwartung.
Autor: DI Thomas Klinghan, Amt der Kärntner
Landesregierung
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88 89
SCHIENE
Grafik: BMK
Forum Verkehr 2024 | Konferenz Schieneninfrastruktur
Für die Mobilitätswende gilt es an vielen Schrauben zu drehen
Das imh Forum Verkehr vereinte Ende Februar
2024 in Wien nicht nur 150 Experten aus der Verkehrsbranche,
Mobilitätsforscher und Verkehrsplaner,
sondern hatte wie jedes Jahr auch einen
spannenden Themenmix zu bieten, der in diesem
Artikel nur auszugsweise dargestellt werden kann.
Die Palette reicht von der Digitalisierung im Schienenverkehr,
Einschätzungen des weiteren Verlaufs
der Inflation und Auswirkungen auf die Verkehrsbranche,
Gewinnen und Halten von Arbeitskräften
bis zu Motiven der Menschen für die Verkehrsmittelwahl.
Vermeiden, Verlagern, Verbessern
https://www.bmk.gv.at/themen/mobilitaet/mobilitaetsmasterplan/mmp2030.html
BMK: Verbessern befindet sich
stärker im Fokus als Vermeiden
Die Sektionsleiterin der Sektion IV-Verkehr im
BMK, Vera Hofbauer, eröffnet das Forum mit ihrem
Vortrag „Mobilitätswende in Österreich – wohin
geht die Reise?“. Hofbauer: „Eine klimaneutrale,
inklusive und sichere Mobilität in 2040 ist
das Ziel. Die Wege dorthin sind möglicherweise
noch nicht ganz klar. Grundsätzlich gibt jedoch der
Mobilitätsmasterplan 2030 die Richtung bzw. den
Kompass für die Mobilitätswende in Österreich vor,
nach dem Grundprinzip Vermeiden (Pyramidenbasis),
Verlagern und Verbessern (Pyramidenspitze).
In der Öffentlichkeit steht diese Pyramide meist
am Kopf: Es wird viel über Verbesserung, kaum
über Vermeiden gesprochen. Konkretisiert werden
die Ziele des Mobilitätsmasterplanes mit vielen
spezifischen Strategien wie beispielsweise der
Luftfahrtstrategie, dem Masterplan Güterverkehr
3. Verbessern
Der verbleibende Verkehr muss verbessert werden, um den
Energieverbrauch zu reduzieren.
2. Verlagern
Verkehr und Transport der sich nicht vermeiden lässt, sollte
auf umweltfreundliche Verkehrs- und Transportmittel
verlagert werden.
1. Vermeiden
Der umweltfreundlichste Verkehr und Transport
ist jener, der ganz vermieden werden kann.
Grundprinzip Mobilitätswende Vermeiden Österreich –- Wohin Verlagern geht die - Reise? Verbessern
7
bmk.gv.at
Sektionsleiterin Hofbauer, BMK
sowie dem Aktionsplan Digitale Transformation in
der Mobilität.“
Hofbauer erwähnt auch wichtige Themen wie die
Gestaltung eines nationalen Mobilitätsdatenraumes
(Vernetzung bestehender Datenplattformen,
wie kann man international anknüpfen), das Positionspapier
automatisierte Mobilität (im Fokus
steht insbesondere die Stärkung des öffentlichen
Verkehrs auf der ersten und letzten Meile und die
Bekämpfung des Mangels an hochqualifizierten
Fahrern) sowie das Sofortprogramm „Erneuerbare
Energie in der Mobilität“, welches den Markthochlauf
von emissionsfreien Fahrzeugen und den Ausbau
der Ladeinfrastruktur unterstützen soll. Laut
diesem Sofortprogramm will Österreich beim Anteil
der Neuzulassungen von emissionsfreien PKW
bis 2030 auf Platz 1 der EU 27 kommen und 95%
der Bevölkerung sollen in max. 15 Kilometern einen
Standort zum Schnellladen erreichen können.
Der Ladepunktausbau gehe voran, herausfordernd
ist die Ladeinfrastruktur für LKW. Mindestanforderungen
an die Infrastruktur sind Ladestationen für
PKW im TEN-V mind. alle 60 km ab 2025 (im erweiterten
Netz ab 2030) sowie LKW-Ladestationen
im TEN V mind. alle 60 km ab 2030 (im erweiterten
Netz alle 100 km). Hofbauer: „Die europäischen
Vorgaben sind vor allem für Lkw noch relativ
gering, diese wollen wir übertreffen.“
Foto: Studio Next / imh
UniCredit Bank Austria: Uns geht es
besser, als wir denken
Stefan Bruckbauer, Chefvolkswirt der UniCredit
Bank Austria AG, berichtet anschaulich über
die weitere Entwicklung von Inflation (Veränderung
der Preise) und Wirtschaftswachstum. Der
Kaufkraftverlust der Konsumenten sei ein wesentlicher
Grund, warum wir speziell in Europa
konjunkturell nicht weiterkommen. Bruckbauer:
„Wobei speziell bei Personen in den mittleren und
höheren Einkommensbereichen der Kaufkraftverlust
gefühlt stärker ist, als er tatsächlich ist. Die
Inflation wird überschätzt und die Einkommensentwicklung
unterschätzt, was die Konjunktur
bremst.“
Die Inflation ist Anfang 2024 im Euroraum bereits
unter 4% gefallen, ausschlaggebend dafür
sind die niedrigeren Energiepreise und auch die
Lebensmittelpreise steigen nicht mehr so stark
an. Bruckbauer: „Jetzt wird es jedoch zäher mit
dem Rückgang der Inflation werden. Enorme wirtschaftspolitische
Impulse aus der Pandemie- bzw.
Energieschockzeit wurden beendet. Das entzieht
der Wirtschaft Geld. In Europa wollen wir jetzt
wieder Sparweltmeister (Defizitreduktion) sein,
in Amerika hingegen wird u.a. mit dem Inflation
Reduction Act Gas gegeben. Daher brummt dort
auch die Wirtschaft, in Europa hingegen stecken
wir in einer Rezession fest. Die Industrie kann ihre
Preise nicht mehr erhöhen und ihre Kosten weitergeben,
der Dienstleistungssektor ist dazu noch in
der Lage. So lange die Kosten weitergegeben und
die Margen gehalten werden können, wird die EZB
die Zinsen nicht senken, weil dies eine Lohn-Preis-
Spirale fördert. Erst wenn die Margen nicht mehr
gehalten werden können, geht die Inflation zurück
und dann kann man über Zinssenkungen reden.
Superkonjunktur, Supergewinne, Superlöhne und
niedrige Inflation ist leider nicht möglich.“
Wie geht es nun weiter?
Bruckbauer ging von einer Zinssenkung im Juni
2024 aus (Anm. der Red.: die auch tatsächlich
eingetreten ist), zwei weitere im zweiten Halbjahr
2024 und dann vier weitere 2025. Gleichzeitig erwartete
der Chefvolkswirt ab Sommer 2024 eine
deutliche Belebung der Konjunktur, jedoch nicht
Stefan Bruckbauer, Chefvolkswirt UniCredit Bank Austria
mehr als 0,3% reales Wirtschaftswachstum im
Jahr 2024. Es soll 2024 auch reale Einkommenszuwächse
geben, weil die Einkommen stärker
als die Inflation steigen werden. 2025 erwartet
Bruckbauer in Österreich 1,5% Wirtschaftswachstum,
gleichzeitig soll die Inflation 2024 auf 3,6%
und 2025 auf 2,3% zurückgehen, wenn auch nicht
so dynamisch wie im Euro-Raum.
Seit 2019 sind in Österreich die Preise um vier
Prozentpunkte mehr als in Deutschland gestiegen,
„weil die Österreicher so gern ins Wirtshaus
gehen“ und Energiepreise teurer waren, Nahrungsmittel
sind hingegen weniger stark als in
Deutschland gestiegen. Bruckbauer: „Seit 25 Jahren
haben wir eine höhere Inflation in Österreich
aufgrund der Preisentwicklung im Freizeitbereich.
Diese muss die österreichische Industrie immer
durch Produktivität abfangen. Die höhere Produktivität
in Österreich hat das Wirtshausgehen
ausgeglichen, die österreichische Industrie war in
letzten 25 Jahren eine Erfolgsgeschichte. Wir ha-
Foto: Studio Next / imh
Foto: Studio Next / imh
90 91
SCHIENE
Foto: Studio Next / imh
realistisch sind. Wir müssen statt Ideologie bzw.
Naivität zu einer rationalen, effizienzgetriebenen
Sichtweise kommen, denn das Geld wächst nicht
auf den Bäumen. Das Klimaticket ist beispielsweise
vollkommen irrational: Diese Maßnahme kostet
1.000 Euro pro eingesparter Tonne CO 2
, auch die
E-Mobilitätsförderung fällt in diese Kategorie. Wir
sollten das Geld in sinnvollere und wirkungsvollere
Maßnahmen investieren.“
• ein positives Selbstwertgefühl aufbauen und
verteidigen. Dazu gehören auch Selbstdarstellung,
Selbstverwirklichung (Internet, Auto) und
Streben nach Eigenständigkeit/Unabhängigkeit,
• mit anderen kommunizieren und in Beziehung
treten, Zugehörigkeit empfinden, sich einordnen
(auch unterordnen), sich unterhalten, sich
mit anderen messen/amüsieren etc.
Sebastian Kummer (WU Wien), Sven Kohoutek (Rhein-Main-Verkehrsverbund), Moderatorin Alexandra Terzaki (TERZAKI & Partner), Stefan Mayr
(Verkehrauskunft Österreich), Niki Schmölz (Eisenbahn.Blog)
werden Ziele vorgegeben, die vollkommen unben
in Österreich real eine fast um 70% höhere
Produktion als im Jahr 2000, in Deutschland sind
es 18%. Die nächsten zwei Jahre werden jedoch
sportlich für Österreichs Industrie, wirtschaftspolitisch
besteht Handlungsbedarf: Investitionsfreibetrag,
Energieunterstützungen etc. Der aktuelle
Fokus auf die Bauwirtschaft ist aus meiner Sicht
nicht ganz gerechtfertigt.“
Diskussion: Auswirkungen der
Inflation auf die Mobilität
Sebastian Kummer, Vorstand des Instituts für
Transportwirtschaft und Logistik, Wirtschaftsuniversität
Wien, glaubt, dass die Inflation im Verkehrsbereich
nicht so eine große Rolle spielt, vor
allem nicht für die langfristigen Investitionen. Die
Unternehmen selbst kämpfen hingegen mit der
Inflation, vor allem bei den Betriebskosten.
Sven Kohoutek, Ltr. Innovations- und Vertriebsmanagement,
Rhein-Main-Verkehrsverbund Servicegesellschaft
mbH, betont, dass sein Unternehmen
viele Lohnsteigerungen weitergereicht hat,
auch um Fachkräfte zu halten, der Effekt sei aber regelrecht
verpufft. Die Maßnahme wurde als selbstverständlich
angesehen. Kohoutek: „Uns geht es
noch nicht schlecht genug, wir müssen manchmal
auch harte Maßnahmen ergreifen, Innovationen
durchsetzen für Effizienz, das Bargeldhand-
ling z.B. kostet uns einfach unfassbar viel Geld.“
Stefan Mayr, Geschäftsführer Verkehrsauskunft
Österreich & Mobilitätsverbünde Österreich - Strategie
und Projekte, ist auch der Meinung, dass bei
langfristigen Investitionen die Inflation nicht das
große Thema sein wird. Mayr: „Wir haben bei der
Verkehrsauskunft Österreich (VAO) und in den
Mobilitätsverbünden hingegen das Problem der
explodierenden IT-Kosten. Einerseits für die Experten
und andererseits Investitionen in Server &
Co. Ein Server hat vor eineinhalb Jahren 30 - 40%
weniger gekostet. Wir können diese Kosten nicht
weitergeben. Das ist ein großes Problem.“
Niki Schmölz, Co-Founder & Partner der tetraversity
media GmbH und Chefredakteur von Eisenbahn.Blog,
führt ergänzend die hohen Strompreise
im Bahnverkehr an: „Die Strompreissteigerung
war für viele Unternehmen ein Riesen Thema,
auch im Güterverkehr. Diese Kosten haben sich
verdreifacht. Der Diesel für Lkw hat einen viel geringeren
Preisanstieg verzeichnet. Lohnsteigerungen
und Streiks setzen der Branche auch zu.“
Sinnvolle Maßnahmen setzen und
Daten besser nutzen
Kummer merkte im Laufe der Diskussion zum
Mobilitätsmasterplan sehr kritisch an: „Im MMP
Foto: Studio Next / imh
Kohoutek erwähnt schlummernden Datenschätze:
„Dank Sharing Diensten, On Demand Diensten
wissen wir, wie sich die Menschen bewegen möchten,
sind aber noch nicht in der Lage, das sauber
auszuwerten.“
Mayr will sich auf bestehenden Erfolgen nicht
ausruhen: „Die Graphenintegrations-Plattform
GIP ist ein Schatz, das sind öffentliche Daten, die
es in dieser Qualität und Datentiefe weltweit m.E.
nicht gibt. Wir dürfen uns aber nicht zu lange auf
diesem Erfolg ausruhen, sondern müssen weiterentwickeln,
es gibt Luft nach oben.“
Warum nutzen Menschen welches
Verkehrsmittel?
Auf diese Frage geht Michael Praschl, mipra – motiv-
& mobilitätsforschung näher ein: Neben der
Befriedigung seiner Grundbedürfnisse möchte der
Mensch
• Anerkennung finden, geachtet (gemocht/geliebt)
und respektiert werden. Dazu gehört
auch das Streben nach hohem Status und nach
Macht/Überlegenheit, Attraktivität etc.,
Praschl, mipra – motiv- & mobilitätsforschung
• ausreichend gefordert werden, um sich selbst
und anderen seine Fähigkeiten und Fertigkeiten
zu beweisen. Dazu gehört auch die Abenteuerlust
(Lust am Lösen von Problemen/Aufgaben)
• mit dem richtigen Maß an Reizen angenehme
Gefühle/Empfindungen, Spaß/Spannung erleben,
versorgt werden, um sich nicht zu langweilen
(Langeweile ist für viele – vor allem junge
- Menschen unerträglich und damit ein starkes
Verhaltensmotiv).
• im Leben Sicherheit, Geborgenheit, Orientierung
und Sinn finden und eingeschliffene Gewohnheiten
beibehalten (mit dem Auto in die
Arbeit zu fahren, ist schwer zu ändern)
• Auf die Wahl des Verkehrsmittels haben auch
die unterschiedlichen Lebensphasen einen entscheidenden
Einfluss. Der unmittelbar erlebte
persönliche Vorteil ist das dominierende Verhaltensmotiv.
Verhaltenskonsequenzen in ferner
Zukunft sind wenig verhaltensrelevant.
Praschl ergänzt aus seinen Studien: „Wir wissen,
dass knapp die Hälfte derer, die täglich mit dem
Auto fahren, ohne großen Zusatzaufwand auch
öffentliche Verkehrsmittel verwenden könnten.
Motorradfahrer nutzen interessanterweise sehr
wenig öffentliche Verkehrsmittel, bei schlechten
Witterungsverhältnissen kommt eher das Auto
zum Zug. Aus meiner Sicht sind E-Autos auch als
stärkere ÖV-Konkurrenz als Verbrennerautos zu
sehen. Einerseits ist man damit umweltfreundlich
unterwegs, andererseits ist man durch höhere
Investitionskosten und geringeren variablen Kosten
verleitet, es öfter zu benutzen. Den Gegenpol
stellt das Klimaticket dar, welches bereits bezahlt
wurde und somit motiviert, die Bahn möglichst
viel zu nutzen.“
92 93
Foto: Studio Next / imh
UNKONZENTRIERT
UNKONZENTRIERT
KOLLIDIERT
Thomas Kreiter (Leiter People & Culture ÖBB-Infrastruktur), Karin Zipperer (Geschäftsführerin VOR), Stefan Weiss (Geschäftsführer SCHIG)
Diskussion Knackpunkt Personal
Karin Zipperer, Geschäftsführerin des Verkehrsverbundes
Ost-Region (VOR), betont
das breite Feld an Aufgaben, die zu erfüllen sind
und die unterschiedlichen Anforderungen an neue
Mitarbeiter. Zipperer: „Es gilt jedoch nicht nur
Menschen für Unternehmen zu gewinnen, sondern
diese als attraktiver Arbeitgeber auch zu halten.
Dafür gilt es die Entwicklung der Mitarbeiter im
Auge zu behalten: Nicht jeder kann v.a. in kleineren
Unternehmen eine Führungskraft werden,
dafür aber beispielsweise eine Expertenkarriere
anstreben und international das Unternehmen
vertreten.“
Stefan Weiss, CEO der SCHIG – Schieneninfrastruktur-Dienstleistungsgesellschaft
mbH, ergänzt:
„Wir leben davon, dass wir Mitarbeiter haben,
die von Mobilität begeistert sind und darin
einen Job mit Sinn sehen. Wichtig ist, dass das
Gegenüber auch gute Mitarbeiter hat. Nur so funktioniert
das ganze System. Der Kampf um Talente
ist eine Tatsache. Gleichzeitig dürfen wir bei all
den Bemühungen um junge Leute auch die ältere
Generation nicht verlieren, das ist schon eine Herausforderung.“
Thomas Kreiter, Leiter People & Culture, ÖBB
Infrastruktur AG, berichtet, dass vor allem die
große Pensionswelle bei den ÖBB in den nächsten
Jahren sowie geburtenschwache Jahrgänge eine
Herausforderung darstellen, gleichzeitig soll das
Leistungsvolumen in den nächsten sechs bis sieben
Jahren mit 30% mehr Verkehr am Netz weiter
steigen, was schlussendlich einen hohen Personalbedarf
am aufgeheizten Arbeitsmarkt bedeutet.
Die ÖBB versuchen daher so engagiert wie noch
nie eine Flexibilisierung der Arbeitsbedingungen
aufgrund starker Nachfrage (u.a. nach mehr Freizeit)
anzubieten und setzen auf Weiterentwicklungsmöglichkeiten.
Junge Menschen wollen laut
Kreiter sehr wohl noch arbeiten, jedoch anders.
Digitalisierung im Schienenverkehr:
Es scheitert nicht an der Technik
Christian Sagmeister, Geschäftsbereichsleiter
Bahnsysteme, ÖBB Infrastruktur AG, erläutert
die Chancen und Herausforderungen, die
die Digitalisierung auf der Schiene mit sich bringt.
Technologisch sei das meist kein Problem, die Hürden
liegen in der Interoperabilität und im Zusammenwirken
der verschiedenen Systeme. Sagmeister:
„Die Digitalisierung bietet viel Potential, man
muss sie aber auch nutzen, dazu müssen wir alle
- inklusive Verkehrspolitik - einen Beitrag leisten.“
Das European Train Control System (ETCS) wird
in Österreich auf Level 2 ausgerüstet und ersetzt
künftig alle konventionellen Sicherungssysteme.
Achtloses Überqueren von
Eisenbahnkreuzungen ist lebensgefährlich.
passaufdichauf.at
94 95
SCHIENE
Anfang 2024 waren 616 Streckenkilometer mit
ETCS ausgerüstet, davon 461 Streckenkilometer
mit ETCS Level 2. Geplant ist die Ausrüstung von
ca. 3.300 km des Streckennetztes der ÖBB Infrastruktur
bis 2038. 20 RBC (Radio Block Center
- Zentrale Einheit von ETCS L2) werden zwecks
Ausfallssicherheit georedundant errichtet (bis
2038). Ab 2030/32 soll die Außensignalisierung
abgebaut werden, die dank ETCS nicht mehr benötigt
wird. Seit der Inbetriebnahme vom ETCS
L2 im Jahr 2012 habe es laut Sagmeister keinen
einzigen sicherheitskritischen Vorfall gegeben.
Bis 2026 werden rund 1.300 Streckenkilometer
mit ETCS ausgestattet: Der Großraum Wien (inkl.
Wien Hauptbahnhof) und wesentliche Korridore
der Ostregion, Bereiche im Kontext zu den Neubaustrecken
Koralm und Semmeringbasistunnel,
Erweiterungen im Zuge des viergleisigen Ausbaus
Linz-Wels, Lückenschluss Innsbruck Hauptbahnhof
am Brennerkorridor. Bis 2030 soll Süd- und
Westachse durchgehend mit ETCS Level 2 ausgerüstet
werden. Die ÖBB Infrastruktur hat einen
Partner, der das gesamte Streckennetz ausrüstet,
deswegen soll dieser Ausbauplan auch kontinuierlich
verfolgt werden können.
Communication System (FRMCS, auf Basis von
5G) als Nachfolger von GSM-R eingeführt, diese
Technologie der 90er Jahre wird voraussichtlich
2035 auslaufen. Die europäische Spezifikation
sieht vor, dass ausschließlich Fahrzeuge mit der
neuesten Version (Baseline 4) derzeit mit FRMCS
kompatibel sind. Damit müssten nach Abbau von
GSM-R alle Fahrzeuge mit Baseline 4 ausgerüstet
sein. Aus dem Publikum ergänzt jemand, dass
bei Lokkosten in der Größenordnung von 3-4 Mio.
Euro diese Baseline Aufrüstung bis zu 1,4 Mio. pro
Lok ausmachen kann, ein signifikanter Faktor für
Eisenbahnunternehmen. Sagmeister: „Wir arbeiten
auf internationaler Ebene intensiv daran, diesen
FRMCS Standard auch auf früheren Baseline
Versionen zu integrieren. Es ist Aufgabe der europäischen
Spezifikation bzw. Regulierung, nicht
zu komplex zu werden, sodass es für Infrastruktur
und Fahrzeuge Investitionssicherheit gibt.“
Aktuell befinde man sich bei FRMCS in der Spezifikationsphase,
2027/28 soll es erste Implementierungen
geben, womit laut Sagmeister maximal sieben
Jahre Zeit bleiben, um den Übergang bis 2035 zu
schaffen. Sagmeister: „Jeder, der das System Bahn
kennt, weiß, dass das sehr herausfordernd ist.“
Die Fahrzeuge der Westbahn weisen eine extrem
hohe Laufleistung von über 500.000 km pro Jahr
auf. Posch: „Unsere Fahrzeuge sind zu 99,9%
verfügbar und fahren 365 Tage im Jahr. Die Wartung
passiert über Nacht. Wenn es dann doch mal
haken sollte, dann haben wir eine versteckte Reserve
im Fahrplan. Erst ab dem zweiten Zug wird
es kritisch. Schadensmeldungen erfolgen durch
die Crew mittels App direkt an den Instandhalter.“
Herausfordernd sei die Fahrzeugbeschaffung: Volle
Auftragsbücher und hohe Preise bei den Herstellern
bedeuten auch lange Lieferzeiten, auch aufgrund
komplexer Zulassungsprozesse. Schließlich
gebe es signifikante nationale Unterschiede bei
Zulassungen. Posch: „Es ist erschütternd, wie
sich die Branche selbst im Weg steht. Wir werden
so den weiteren Zulauf nicht bewältigen können.
Das nationale regionale Schubladendenken muss
zurückgestellt werden. Es braucht einen globalen
Schulterschluss bei der Fahrzeugbeschaffung,
die über die Standortpolitik gestellt wird, Verein-
Thomas Posch, Geschäftsführer der WestBahn
fachungen beim Zulassungsverfahren, gleichen
Zugang zu gleicher Finanzierung (Staatsbahnen
erhalten niedrigere Risikoaufschläge) und eine
einheitliche Durchsetzung des 4. Eisenbahnpakets.
Das nächste Forum Verkehr findet von 25. bis 26.
Februar 2025 statt.
Autor: Bernhard Weiner, GSV
Foto: Studio Next / imh
Foto: Studio Next / imh
Grundlage für ETCS ist die Kommunikation der
ETCS-Streckenzentralen (Radio Block Center /
RBC) und der in den Fahrzeugen integrierten On-
Board-Units (OBU). Zur Authentifizierung werden
zwischen Infrastruktur und Fahrzeug sogenannte
Keys ausgetauscht. Jedes Land hat eigene Keys,
ohne diese der Zug nicht fahren kann. Es könnte
für Eisenbahnunternehmen schwierig werden, diese
unterschiedlichen Keys
einzusammeln und immer
aktuell am Fahrzeug
zu haben. Daher bietet
die ÖBB Infrastruktur ein
Key Management Service
an, wo alle Keys europaweit
eingesammelt und
auf einer Webplattform
zur Verfügung gestellt
werden.
Zusätzlich wird europaweit
das sogenannte
Future Railway Mobile
Christian Sagmeister, ÖBB-Infrastruktur
Westbahn mit beeindruckendem
Wartungskonzept
Thomas Posch, Geschäftsführer der West-
Bahn, berichtet abschließend vom erfolgreichen
Doppelstockzugkonzept der Westbahn, welches
40% mehr Kapazität gegenüber herkömmlichen
Zügen vergleichbarer Länge bietet. Aktuell ist die
dritte Generation des KISS vom Hersteller Stadler
im Einsatz, der gesamte Flottentausch wurde innerhalb
einer (!) Woche durchgeführt.
200 km/h Höchstgeschwindigkeit sind aus der
Sicht von Posch für das österreichische Schienennetz
vollkommen ausreichend. Schließlich
steigt der Energieverbrauch exponentiell mit der
Geschwindigkeit an. Posch: „Wir fahren auch nur
im Verspätungsfall mit 200 km/h andernfalls mit
170-180 km/h. Die Zeitdifferenz ist extrem gering
und vernachlässigbar. Dank unserer breiten und
barrierefreien Türen sparen wir lieber Zeit in den
Haltestellen ein. Ich spreche immer von eintreten
statt einsteigen.“
Yellow machines
GO GREEN
E³ steht bereits seit zehn Jahren für alternativ angetriebene Bahnbaumaschinen.
Ob Strom aus der Oberleitung, Batteriebetrieb oder Versorgung
über Powerpacks, die mit Synfuels wie HVO 100 betrieben werden –
die Bahn der Zukunft braucht grüne Alternativen.
E³ bietet die Symbiose aus Performance und Zukunftssicherheit
für CO ²
-neutrales Fahren und Arbeiten.
plassertheurer.com
96 97
„Plasser & Theurer“, „Plasser“ und „P&T“ sind international eingetragene Marken
SCHIENE
Fachbeitrag der Siemens Mobility Austria GmbH
Mit ETCS Level 2 wird mehr möglich
Der steigende Mobilitätsbedarf, die Anforderungen
an den Klimaschutz sowie die wirtschaftliche Bedeutung
des grenzüberschreitenden Verkehrs machen
eine höhere Effizienz und Standardisierung
im europäischen Schienenverkehr unerlässlich.
Die europaweite Migration zum European Train
Control System (ETCS) zielt darauf ab, die Vielzahl
der bestehenden Zugbeeinflussungssysteme
durch einen einheitlichen, interoperablen Standard
zu ersetzen. Diese Harmonisierung erhöht
die Zuverlässigkeit im grenzüberschreitenden
Bahnbetrieb und ermöglicht einen nahtlosen europäischen
Zugverkehr.
Das hochdigitalisierte System ETCS Level 2 wurde
schon vor einigen Jahren erstmalig als europäisch
standardisiertes Zugsicherungssystem, unter
Trainguard 200 for ETCS Level 2
European
Vital
Computer
GSM-R
antenna
DMI
Driver Machine
Interface
Radio
block
center
anderem in Österreich, funktional implementiert.
Dennoch befindet sich unser Produkt auch einige
Jahre nach Ersteinsatz in einem stetigen sowie
umfangreichen Optimierungs- und Weiterentwicklungsprozess,
dessen Ende aktuell keineswegs in
absehbarer Zukunft liegt. Diese Weiterentwicklungen
sind einerseits durch funktionale Optimierungen
für die Bahnbetreiber und letztlich die PassagierInnen
sowie durch Effizienzsteigerungen in der
Hardwarearchitektur bestimmt. Der stetig wachsende
Bedarf zur Schaffung attraktiver öffentlicher
Mobilitätsangebote, die eine optimale Eisenbahninfrastruktur
bedingen, sorgt auch im bestehenden
Zugsicherungssystem ETCS Level 2 (Produktname
bei Siemens Mobility: Trainguard 200) für laufende
Neuentwicklungen und Produkt-Pilotierungen in
enger Zusammenarbeit mit den Bahnbetreibern.
GSM-R
Die digitalisierte Zugsicherung
Das European Train Control System (ETCS) Level
2 ist ein fortschrittliches Zugsicherungssystem,
das eine zentrale Rolle in der Modernisierung des
europäischen Schienennetzes spielt. Es ermöglicht
eine präzise Überwachung und Steuerung der
Zugbewegungen und steigert sowohl die Sicherheit
als auch die Effizienz des Bahnbetriebs.
Im Gegensatz zu ETCS Level 1, das auf streckenseitige
Signalgebung angewiesen ist, erfolgt bei
ETCS Level 2 die Kommunikation zwischen dem
Zug und der Leitstelle kontinuierlich über digitale
Funkübertragung mittels GSM-R (Global System
for Mobile Communications – Railway).
ETCS Level 2 bietet eine kontinuierliche Echtzeitübertragung
von Streckeninformationen und Signalen
direkt in das Führerstandsanzeigegerät
(Driver Machine Interface, DMI) des Zuges. Die
Position des Zuges wird dabei durch Datenbalisen
im Gleis (bodenbasierte Signalübertragungspunkte,
siehe Bild rechts in gelber Farbe) auf der Strecke
ermittelt und an das Radio Block Centre (RBC),
die zentrale Steuerstelle, übermittelt.
Das RBC berechnet basierend auf diesen Informationen
den sicheren Fahrweg des Zuges und
überträgt diese Daten direkt an das DMI, das als
Schnittstelle zwischen dem Triebfahrzeug und
dem Fahrzeug fungiert. Dadurch kann der Lokführer
den Zug stets innerhalb sicherer Geschwindigkeits-
und Streckenparameter bewegen, ohne auf
externe Lichtsignale angewiesen zu sein.
Die Position des Zuges wird durch Datenbalisen im Gleis (gelbe Farbe) ermittelt
plangestaltung und somit kürzere Wartezeiten und
eine höhere Zugfrequenz, was den Komfort für die
Reisenden insgesamt erhöhen kann.
ETCS Level 2 in Österreich
Im März 2021 wurde der ETCS Level 2 Rahmenvertrag
zwischen den Österreichischen Bundesbahnen
und der Siemens Mobility Austria GmbH
offiziell unterzeichnet. Dieses Ereignis determiniert
den Rollout von insgesamt 21 RBC-Systemen
verteilt über die hochfrequentierten Eisenbahnstrecken
Österreichs.
Im Zuge dieses Rahmenvertrags wurde mit dem
Pilotprojekt RBC Wels das erste Projekt Mitte 2023
erfolgreich auf den Strecken Linz–Wels–Vöcklabruck
bzw. Wels–Haiding in Betrieb genommen.
Foto: Siemens Mobility Austria
Grafik: Siemens Mobility Austria
EVC
Balise
antenna
Odometer
pulse generator
Radar
Eurobalise
position
calibration
Funktionsweise des Trainguard 200 für ETCS Level 2
Eurobalise
position
calibration
Interlocking
RBC
Euvrobalise
position
calibration
TVD
Track
vacancy
detection
Vacancy detection
section boundary
Für Bahnbetreiber bietet ETCS Level 2 eine erhöhte
Streckenkapazität, da Züge dichter und mit
optimierten Geschwindigkeits- und Bremsprofilen
auf den Strecken verkehren können. Dies führt zu
einer effizienteren Nutzung der Infrastruktur und
geringeren Anlagen Life Cycle Costs. Zudem minimiert
das System die Abhängigkeit konventioneller
Signaltechnik und reduziert somit Wartungsaufwand
und Störanfälligkeit.
Durch die kontinuierliche Überwachung der Zugbewegungen
werden Unfälle und Gefahrenpotenziale
signifikant reduziert. Außerdem ermöglicht
die höhere Streckenkapazität eine flexiblere Fahr-
Wenige Monate später, Ende 2023, folgte ein weiterer
wichtiger Meilenstein mit der Inbetriebnahme
des RBC Graz u.a. auf der Strecke der Koralmbahn,
die auch als erste ETCS Level 2 only Strecke
in Betrieb genommen wurde.
ETCS Level 2 only bedeutet, dass auf der Koralmbahn
keine herkömmliche Signalisierung
vorhanden ist, wodurch ausschließlich das Zugsicherungssystem
ETCS Level 2 zur Anwendung
kommt. Aktuell befinden sich weitere Projekte in
der gleichzeitigen Implementierung, sodass das
Rollout-Ziel zur Errichtung von 21 RBCs bis 2038
weiter forciert wird.
98 99
Weitere Informationen
zu ETCS Level 2:
ETCS Level 2 auf der Wiener
Schnellbahn Strecke
Im Zuge der Eisenbahn-Digitalisierungsoffensive
finden auf der hochfrequentierten Wiener Schnellbahn
Strecke der ÖBB bis planmäßig Ende 2027
umfangreiche Bau- und Modernisierungsvorhaben
statt.
Siemens Mobility liefert hierzu unter anderem das
ETCS Level 2 Zugsicherungssystem, sodass künftig
auch für den Bahnverkehr durch Wien keine
konventionellen Außensignale mehr notwendig
sind und für den kommerziellen Betrieb Optimierungsmaßnahmen
für Betreiber und PassagierInnen
gewährleistet sind.
ETCS Level 2 in den SEE-Regionen
als zukunftsorientierte und digitalisierte Zugsicherungssystem-Lösung.
Beispielsweise erfolgt in Rumänien
künftig die ETCS Level 2 Markteinführung
des Produkts Trainguard 200. Die Produktvariabilität
erlaubt hierbei die spezifische Anpassung des
Gesamtsystems an die individuellen Anforderungen
und Bedürfnisse der Bahnbetreiber. So lassen
sich durch die breit aufgestellte Produktplattform
mitunter auch die verschiedenartigen Betriebsordnungen
und Anforderungen von Bahnbetreibern
unterschiedlicher Länder berücksichtigen.
Zudem ist der Bedarf in SEE-Ländern als stetig
wachsend zu deklarieren, wodurch Siemens Mobility
bestrebt ist sich durch globale Projekterfahrung
und innovativen Lösungen auch im SEE-
Raum mittel- und langfristig als zuverlässiger
ETCS Level 2 Lieferant zu positionieren.
Neben dem Österreichischen Markt vertreibt und
implementiert die Siemens Mobility Austria GmbH
auch in weiteren Ländern Europas ETCS Level 2
Autor: Ing. Roland Seigerschmidt, MA
Project Manager, Siemens Mobility Austria GmbH
Foto: Siemens Mobility Austria
Verkehrssicherheit: Besser sehen und
gesehen werden
Unsere Straßen werden immer voller und verlangen in jeder Sekunde
höchste Aufmerksamkeit. Von allen Verkehrsteilnehmer:innen. Schon
eine kleine Unachtsamkeit kann katastrophale Folgen haben. Aber nicht
nur die eigene Vorsicht ist entscheidend. Auch die Vorsicht und
Rücksichtnahme der anderen Verkehrsteilnehmer:innen ist für die
Sicherheit im Straßenverkehr unerlässlich. Wie in vielen anderen
Bereichen auch, entstehen Fehler, wenn Menschen nicht ausreichend
über das aktuelle Geschehen informiert sind, nicht mit- einander
kommunizieren oder Situationen nicht auf den ersten Blick erkennen
können. Die intelligenten Lösungen von Yunex Traffic helfen,
potenzielle Gefahrensituationen frühzeitig zu erkennen und darauf zu
reagieren.
Siemens Mobility stattet die hochfrequentierte Wiener Schnellbahn Strecke der ÖBB mit ETCS Level 2 aus
Mehr erfahren unter:
yunextraffic.com/de/verkehrssicherheit
Auf LinkedIn folgen und informiert bleiben:
@Yunex Traffic
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SCHIENE
Foto: BDÖ
Fachbeitrag der Vereinigung der Österreichischen Zementindustrie (VÖZ)
Nachhaltiges Vorzeigeprojekt für Bahninfrastruktur
Der Ausbau einer leistungsstarken Bahninfrastruktur
ist maßgeblich, um der wachsenden Moge
– Stahlbetonfertigteile, die beim Tunnelbau so-
Anwendungen wie etwa Spritzbeton und Tübbinbilität
von Menschen und Gütern nachhaltig gerecht
zu werden. Neben der Verbesserung der – zum Einsatz. Große Tunnelbaustellen wie der
wohl als Außen- als auch als Innenschale dienen
Streckennetze steigen auch die Anforderungen an Semmering-Basistunnel, der Brenner Basistunnel
Bahnhöfe. Sie sind heute nicht nur Zweckbauten, und die Koralmbahn zeigen, dass Beton für die
sondern praktischer Dreh- und Angelpunkt, der Mobilitätswende essentiell ist. Die Zement- und
die Reise ihrer Nutzer:innen so komfortabel wie Betonbranche ist durch ihre hohe Innovationskraft
möglich machen soll. Und das für eine möglichst zudem ein wichtiger Treiber für kreislauffähiges,
lange Zeit. Dabei spielen das Bindemittel Zement effizientes und klimagerechtes Bauen.
und der Baustoff Beton eine maßgebliche Rolle.
Sie sind die Basis für robuste und dauerhafte Bauwerke
der Bahninfrastruktur.
Best-Practice Bahnhof Kapfenberg
Ein Vorzeigebeispiel für den Einsatz von Beton im
Beton für die Mobilitätswende
Bereich Bahninfrastruktur, welches Funktion und
Ästhetik miteinander verbindet, ist der ÖBB Bahnhof
Kapfenberg in der Steiermark. Die Stadt feiert
Beton ist Teil der Lösung für das nachhaltige Bauen
der Zukunft. Mit diesem Baustoff kann man 2024 ihr 100-jähriges Bestehen, drei Jahre jung
dauerhaft und platzsparend bauen, denn er ist dagegen ist ihr rundum modernisierter Bahnhof.
langlebig, belastbar und vielseitig. Er ist sowohl Während der zweijährigen Bauzeit wurde er barrierefrei
gemacht, mit ansprechenden Durchgängen
im Hoch- und Tiefbau, als auch im Infrastrukturbau
unverzichtbar und bildet die Basis für die und einem schönen Vorplatz ausgestattet. Und
Energie- und Mobilitätswende. Der umfassende das bei laufendem Betrieb bei 200 Zügen täglich.
Einsatzbereich reicht von der Errichtung von Tunnelbauwerken
für den gesamten Schienenverkehr Komplexe Bauteile aus einem Guss
über Brückenbauwerke, Bahnschwellen bis hin zu
Bahnsteigkanten. Dabei kommen verschiedene Der Umbau des Bahnhofes Kapfenberg ist Teil der
neuen Südstrecke, auf der die ÖBB Infrastruktur-
AG mehr als hundert Neubau- und Modernisierungsprojekte
umsetzt. Ein neuer, barrierefreier
Personentunnel mit einem ikonischen Eingangsportal
über der P&R-Anlage sorgt seit dem Umbau
für eine optische Verbindung der beiden Stadtteile
nördlich und südlich der Gleise. Blickfang ist das
ellipsenförmige Fenster in Sichtbetonausführung,
das den Blick auf die Gleis- und Bahnsteiganlagen
freigibt. Diese komplexen Bauteile mit unterschiedlichen
Radien in einer Höhe von drei
bis 5,50 Meter entstanden je in einem Guss. Bei
der Ausführung wurde die Rezeptur nach Musterversuchen
angepasst, um den Beton in das geschlossene
Schalungssystem einzubringen und die
Anforderungen der Sichtbetonklasse SB3 gemäß
ÖBV-Richtlinie zu erfüllen.
Als Gegenpol zu den großen Glasflächen stehen gerundete Wände aus Sichtbeton.
Best-Practice mit Auszeichnung
Dass der Bahnhof Kapfenberg ein bauliches Vorzeigebeispiel
ist, bestätigte auch der Betonpreis
2020, ausgelobt vom Güteverband Transportbeton
GVTB. In allen Kategorien – Funktion, Innovation,
Ausführungsleistung, Nachhaltigkeit und Design –
überzeugte der Bau im Bereich Infrastruktur die
Jury: „Ein Zweckbau, der schön aussieht und Beton
als massiven und widerstandsfähigen Baustoff
in den Vordergrund stellt“, lautete das Fazit von
Elmar Hagmann, Bauunternehmen Sedlak.
Für Renate Hammer vom Institute of Building
Research & Innovation ZT GmbH ist der Bahnhof
Kapfenberg, geplant von Ostertag Architekten,
ein neuer, sehr spezieller Ansatz, mit Bahnhöfen
umzugehen, und zugleich ein wichtiges Signal in
Richtung Nachhaltigkeit: „Ein öffentlicher Auftraggeber
in Kooperation mit der Schaberreiter GmbH,
einem lokalen steirischen Betonunternehmen –
regional, nachhaltig.“
Johann Kollegger vom Institut für Tragkonstruktionen-Betonbau/TU
Wien zeigte sich
vom Umgang mit selbstverdichtendem SCC-Beton
beeindruckt: „Das ist eine besondere Leistung,
das Material ist nicht einfach zu verarbeiten,
um einiges aufwendiger als herkömmlicher Be-
ton, es muss ein Betontechnologe vor Ort sein.
Aber die Investition rechnet sich, wie das Ergebnis
zeigt.“ Hagmann gefiel bei der Bewertung
auch der Schwung, der dem ausführenden Bauunternehmen
Gebr. Haider & Co Hoch- und Tiefbau
GmbH im Gebäudeeingang zum Ausgleich
des Niveauunterschieds gelungen ist.
Autoren: Mag. Katharina Kutsche, Zement und Beton
InformationsGmbH, DI Sebastian Spaun, VÖZ
Österreichischer Betonpreis
2025 wird der österreichische Betonpreis von Beton Dialog Österreich,
der Interessensgemeinschaft von Zement-, Betonfertigteil- sowie Transportbetonherstellern,
an nachhaltige Projekte mit dem Baustoff Beton
verliehen. Bewertet werden Nachhaltigkeit, Funktionalität, Ausführungsleistung,
Kreislaufwirtschaft, Innovation und Design von Bauprojekten,
die im Zeitraum von 2020 bis 2025 fertiggestellt wurden. Einreichen
können Architekturbüros, Planungsbüros, ausführende Unternehmen,
Bauherren, Bauträger, Zement-, Transportbeton- und Betonfertigteil-
Lieferanten mit Sitz in Österreich. Gefragt sind Projekte aus den Kategorien
Neubau, Nachverdichtung und Sanierung mit unterschiedlichsten
Funktionen: Wohnbau, Verwaltungs-, Kultur- und Bildungsbau, Gewerbe-
und Industriebau, Infrastrukturbau sowie Tiefbau.
Einreichfrist: 4. April 2025 Preisverleihung: Juni 2025
Infos unter www.betondialog.at/betonpreis2025
Blickfang des Bahnhofes ist das ellipsenförmige Fenster in Sichtbetonausführung im zentralen Zugangsgebäude im Süden, das den Blick auf die
Gleis- und Bahnsteiganlagen freigibt.
Foto: BDÖ
102 103
SCHIFFFAHRT
Fachbeitrag der viadonau
Dynamische Niederwasserregulierung für die Schifffahrt
Grafik: viadonau
Wo Herausforderungen „beweglich“ sind, müssen
es auch entsprechende Lösungen sein. Nach diesem
klaren Motto verknüpft viadonau mit sogenannter
„flexibler Infrastruktur“ zur gezielten Beeinflussung
der Schifffahrtsbedingungen auf der
Donau eine alte Idee mit modernem Wasserstraßenmanagement.
Am 27. August 2024 startete
der Pilotversuch an der Furt „Rote Werd“, einem
kritischen Seichtstellenbereich für die Donauschifffahrt
zwischen Wien und Bratislava.
Testgebiet östlich von Wien
In Österreich weist die Donau auf ihrem freifließenden
Abschnitt östlich von Wien die meisten
Seichtstellen auf. Treten ausgedehnte Niederwasserperioden
auf, kann es hier zu für die Schifffahrt
schnell kritischen Fehltiefen kommen, die
durch Nassbaggerungen im Rahmen des proaktiven
Wasserstraßenmanagements von viadonau
beseitigt werden. Der dabei gebaggerte Kies wird
dem Strom in weiterer Folge – ökologisch sinnvoll
– wieder zugegeben. Um die Erhaltung der Fahrrinne
effizienter und zugleich noch wirkungsvoller
und bedarfsorientierter zu gestalten, strebt das
Unternehmen die Einbindung „flexibler Infrastruktur“
in das Maßnahmen-Spektrum des Wasserstraßenmanagements
an.
Methode und Wirkung
Im Zentrum der aus dem 19. Jahrhundert stammenden
und für das heutige Wasserstraßenmanagement
auf der Donau adaptierten Methode
stehen flexibel platzierbare Transportschuten. Mit
ihrer Funktionsweise als gezielt „justierbare“ Infrastrukturelemente
sollen diese eine dynamische
Niederwasserregulierung ermöglichen.
Die unmotorisierten Schiffseinheiten werden mit
Kies aus Erhaltungsbaggerungen beladen, seitlich
außerhalb der Fahrrinne mithilfe eines Schubschiffes
positioniert und mit mehreren schweren
Ankern gesichert. Durch die Schuten wird der
Flussquerschnitt eingeengt, die Strömungsgeschwindigkeit
sowie Sohlschubspannungen erhöht
und so kurzfristig der Geschiebetransport verstärkt
und zugleich die Fahrwassertiefe erhöht.
Grafische Darstellung des Prinzips der "flexiblen Infrastruktur". Durch die verankerte Schute wird Donauwasser verstärkt in die Fahrrinne gelenkt.
Die durch die Erhöhung der Fließgeschwindigkeit
erreichte Reduktion von Kiesablagerungen
bedeutet somit auch eine Verringerung des Baggeraufwands
in den Seichtstellenbereichen, was
insbesondere in Niederwasserperioden einen wesentlichen
Vorteil darstellt. Das Aufsetzen der
Transportschuten auf den Donaugrund bei sinkendem
Wasserstand ist dabei ein gewollter Effekt.
Für ein je nach Bedingungen optimales Wirkungspotenzial
werden zukünftig voraussichtlich bis zu
drei aneinandergekoppelte Schuten eingesetzt.
Im Vergleich zu „harten“ Wasserbauwerken, zum
Beispiel aus Wasserbausteinen geschüttete Buhnen
oder Leitwerke, sind die flexiblen Elemente
ein Schritt in Richtung eines anpassungsfähigen
Systems, in dem die Ansprüche der Schifffahrt
und der Ökologie Hand in Hand gehen. Um den
Effekt der Methode genau zu dokumentieren und
zu analysieren, wird der Ende August gestartete
Pilotversuch über einen Zeitraum von vier Jahren
laufen.
Internationales Einsatzpotential
und Klimafokus
und unteren Donau bringen. Der erweiterte internationale
Fokus liegt auch der globalen Klima-
Herausforderung zugrunde. Der Pilotversuch wird
in der Praxis untersuchen, ob „flexible Infrastrukturelemente“
dazu geeignet sind, auf durch den
Klimawandel verursachte Effekte zu reagieren und
so zu einer Modernisierung und Weiterentwicklung
des Wasserstraßenmanagements in Österreich
und an der gesamten Donau beizutragen.
Die als „flexible Infrastruktur“ eingesetzten Transportschuten
sind gemäß Wasserstraßenverkehrsordnung
gekennzeichnet und mit entsprechenden
Tafeln versehen, die darauf hinweisen, dass das
Anlegen und Betreten derselben verboten ist.
Autor: Andreas Herkel, viadonau
Foto: viadonau/Zinner
Im Rahmen des jüngst gestarteten und von viado-
Foto: viadonau/Zinner
Im Vordergrund: Mit Kies beladene Transportschute an der Furt „Rote Werd“ zur gezielten Verbesserung der Schifffahrtsbedingungen
nau koordinierten internationalen Projekts FAIRway
Danube II, kofinanziert durch die Connecting
Europe Facility (CEF) der Europäischen Union, soll
der Pilotversuch vorab wichtige Erkenntnisse auch
für eine Umsetzung in den Ländern der mittleren
Achten Sie auf Schuten mit diesem Schild! Dort ist nämlich der Pilotversuch
„flexible Infrastruktur“ im Gange
104 105
LUFTFAHRT
22. Luftfahrtsymposium 2024
Luftfahrt boomt, in Europa besteht Handlungsbedarf
Foto: AIA / Martin Steiger
Foto: AIA / Martin Steiger
„Die Luftfahrt boomt, das sehen wir an den
Flugzeugbestellungen und an nahezu allen
Flughäfen“, betont Julian Jäger, Vorstand
der Flughafen Wien AG und neuer Präsident
der Aviation Industry Austria (AIA),
im Rahmen seiner Eröffnungsworte beim 22.
Luftfahrtsymposium der AIA Ende September
2024 in der Wirtschaftskammer Österreich.
Maßnahmen zur Stärkung des
Wirtschaftssstandorts erforderlich
Die Nachfrage nach Passagierflugzeugen befinde
sich auf einem Allzeithoch, Spitzenreiter ist Indien
mit 1.200 Flugzeugbestellungen im Jahr 2023.
Airbus und Boeing kommen bei der Produktion
von neuen Jets nicht nach. Davon könne auch die
innovative und starke österreichische Zulieferindustrie
profitieren, die bei Airbus bereits die siebtgrößte
Zuliefernation darstellt.
Auch die Passagierzahlen befinden sich wieder nahezu
auf Vorkrisenniveau, 2023 lagen diese gemeinsam
mit dem Cargobereich EU-weit nur mehr
6% darunter. Jedoch werden strukturelle Veränderungen
sichtbar: Der Tourismus boomt v.a.
in Südeuropa, Deutschland hinkt weit hinterher
Begrüßung Julian Jäger, neuer Präsident AIA und Vorstand Flughafen Wien
(15% unter Vorkrisenniveau – hohe steuerliche
Belastung und Kosten). Geschäftsreisen befinden
sich weiterhin deutlich unter Vorkrisenniveau (ca.
20%). In Österreich lagen im 1. Halbjahr 2024
die Passagierzahlen an den sechs heimischen Verkehrsflughäfen
nur mehr 3,9% unter dem Vorkrisenniveau.
Gleichzeitig sanken die Flugbewegungen
um 16,6%, aufgrund vollerer und größerer
Flugzeuge. Konnektivität und Erreichbarkeit liegen
damit deutlich unter Vorkrisenniveau. Jäger:
„Größere Flughäfen erholen sich schneller von der
Krise als kleinere. Die Anbindung der Bundesländer-Flughäfen
an das Drehkreuz Flughafen Wien
ist wichtig. Wir müssen das nahtlose Reisen der
Passagiere in den Mittelpunkt stellen, schließlich
finanzieren diese all unsere Leistungen.“ Im Cargo
Bereich ging sich im 1. Halbjahr 2024 sogar ein
Plus von 3,5% im Vergleich zu 2019 aus.
Diesen Boom in Zeiten multipler Krisen und Herausforderungen
beurteilt Jäger als bemerkenswert.
Schließlich schwächle auch der Wirtschaftsstandort
Europa seit der Finanzkrise, die USA und
China seien deutlich besser unterwegs. Jäger: „Die
Ausgangsvoraussetzungen für Europa waren vor
zehn bis fünfzehn Jahren deutlich besser. Die EU
hat sich zu viel mit Regulativen beschäftigt, was
zu massiven Kostensteigerungen führt. Insofern
ist der Vorsatz der Kommission, verstärkt auf das
Thema Wettbewerbsfähigkeit zu setzen, der richtige
Weg. Allerdings müssen jetzt auch Taten wie
eine besser koordinierte Industriepolitik folgen,
die die Luftfahrindustrie als strategische Branche
adressiert. Erfreulich ist, dass von einer weiteren
Belastung der Luftfahrt in Form einer europäischen
Kerosinsteuer Abstand genommen werden
soll. Hoffnung macht Schweden, das ab Mitte
2025 die nationale Luftverkehrssteuer ersatzlos
streicht.“ Auch in Österreich bestehe durch die
Rekord-Inflation der letzten Jahre, die die internationale
Wettbewerbsfähigkeit stark geschmälert
habe, Handlungsbedarf. Es brauche dringend Impulse
einer neuen Bundesregierung zur Stärkung
des Wirtschaftsstandortes.
Norbert Draskovits (Flughafen Linz), Elisabeth Landrichter (Austro Control), Julian Jäger (Flughafen Wien/AIA), Christoph Helmenstein (Economica
Institut), Bettina Ganghofer (Flughafen Salzburg), Peter Malanik (Aviation Industry Austria), Wolfgang Grimus (Flughafen Graz), Maximilian Wildt
(Flughafen Klagenfurt), Margit Mischkulnig (BMK), Antonia Gilbert (Austrian Business Aviation Association), Markus Pohanka (Austro Control)
Hinsichtlich Nachhaltigkeit sei festzuhalten, dass
der Anteil der Luftfahrt am globalen CO 2
-Ausstoß
2,7% beträgt, innerhalb der EU sind es 0,5%.
Jedoch werden diese Werte ohne entsprechende
Maßnahmen aufgrund des starken Wachstums der
Luftfahrt weiter steigen. Trotz innovativer Ideen
wie Wasserstoff- oder Elektroflugzeugen sieht Jäger
Sustainable Aviation Fuels (SAF) als einzige
wirksame Alternative. Jäger: „Nachdem es auf
EU-Ebene eine Verpflichtung gibt, SAF ab 2025
beizumischen, bestehen bei Preis und Verfügbarkeit
dringender Handlungsbedarf. Aktuell sind
SAF fünfmal so teuer wie herkömmliches Kerosin.
Als Verband fordern wir die Zweckbindung der
umfangreichen Einnahmen aus Umweltabgaben,
ETS und der nationalen Flugabgabe zugunsten
Forschung, Produktion und Nutzung von SAF, um
wettbewerbsfähige Preise zu sichern. Andernfalls
wird der Verkehr auf außereuropäische Airlines
und Hubs verlagert, was eine Schwächung des
heimischen Luftfahrtstandorts und höhere Emissionen
bedeutet.“
Thaler: Regionalflughäfen sind
unverzichtbar
Barbara Thaler, Präsidentin Wirtschaftskammer
Tirol und frühere EU-Abgeordnete, ist überzeugt,
dass alle Transportmittel eine wichtige Rolle
spielen, idealerweise ergänzen sie sich: „Eine
Barbara Thaler, Präsidentin Wirtschaftskammer Tirol
Foto: AIA / Martin Steiger
106 107
politische Fokussierung auf einen Verkehrsträger
führt zu einem schlechteren Gesamtsystem. Einschränkungen
und Verbote sind der falsche Weg.
Die Politik soll Rahmenbedingungen wie nachhaltige
Transportmöglichkeiten schaffen, aber vorzuschreiben,
wie die Bevölkerung zu reisen hat, geht
zu weit. Der Bahnverkehr kann von der Luftfahrt
lernen, vor allem wenn es um grenzüberschreitende
Verkehre geht.“
Foto: AIA / Martin Steiger
Weiters hob Thaler die Bedeutung des Regionalflughafens
Innsbruck als entscheidenden Standortfaktor
hervor: „Industrie, Universitäten und
viele mehr benötigen diese Anbindung an die
Drehkreuze bzw. die Welt. Wir dürfen den Flughafen
Innsbruck auf keinen Fall verlieren, das gilt
auch für die anderen Regionalflughäfen. Auch die
Baustellen auf der Straßen- (Luegbrücke, Arlbergtunnel)
und Schieneninfrastruktur (Richtung deutsches
Eck) verdeutlichen den Bedarf. Wir brauchen
standortpolitische Planbarkeit. Wer von einer
Industrie viel fordert, muss ihr auch die richtigen
Rahmenbedingungen geben.“
Christian Helmenstein, Chefökonom der Industriellenvereinigung
und Geschäftsführer Economica Institut
Economica: Österreichs Luftfahrtzulieferindustrie
ist beachtlich
Hinsichtlich der Biokraftstoffe ist Thaler überzeugt,
dass, dürften wir diese auch im großen Stil für die
Straße produzieren, auch die Kosten für die Luftfahrt
sinken würden – Stichwort Skaleneffekte.
Christian Helmenstein, Chefökonom der Industriellenvereinigung
und Geschäftsführer
des Economica Institutes für Wirtschaftsforschung
berichtet über die volkswirtschaftliche
Bedeutung der Hidden Champions der Zulieferindustrie:
Diese trägt insgesamt 1,7 Mrd. Euro zur
österreichischen Wirtschaftsleistung bei (direkt:
993,1 Mio. Euro, indirekt 617,6 Mio. Euro, induziert
133,2 Mio. Euro). Diese Wertschöpfung wird
von 10.000 direkt in der Luftfahrtzulieferindustrie
Beschäftigten erbracht. Insgesamt seien es sogar
18.000 (indirekt 6.315, induziert 1.663) Beschäftigte.
Der Fiskaleffekt (Steuern und Abgaben) beträgt
eine halbe Milliarde Euro pro Jahr, was u.a.
die gesamten Einnahmen der Normverbrauchsabgabe
(NoVA) übertrifft.
Grafik: Handelsblatt
Indien ist Spitzenreiter bei der Bestellung neuer komerzieller Linienflugzeuge
Zu Recht könne das BMK stolz sein, dass im österreichischen
Take Off Programm seit dem Jahr
2000 ungefähr 450 Mio. Euro kumulativ in die österreichische
Luftfahrtindustrie investiert wurde.
Helmenstein: „Es braucht ein politisches Kommitment,
diese Branche weiterhin massiv zu unterstützen
und eine gewisse Mindest-Konnektivität
– Stichwort Regionalflughäfen.“ Weltweit sei auch
ein starker Aufwärtstrend hinsichtlich Patentie-
kompetent.
kompakt.
exakt.
www.viadonau.org/publikationen
Jahresbericht Donauschifffahrt in Österreich
108 109
LUFTFAHRT
rung sichtbar (mit Ausnahme der letzten Jahre),
vor allem seitens China und den USA. Österreich
belegt Rang 22. Helmenstein dazu: „Eine erstaunlich
gute Position, schließlich liegt die österreichische
Volkswirtschaft weltweit auf Rang 27. Top
Anmelder aus Österreich sind mit Abstand FACC,
es folgt Frequentis, weltweit sind Boeing, Airbus
und Honeywell vorne.“
Österreichs Luftfahrtindustrie könne auch von fantastischen
Absatzmöglichkeiten in anderen boomenden
Regionen, wie dem bereits angesprochenen
indischen Markt, profitieren, vor allem wenn
Europa aktuell wirtschaftlich schwächelt: immerhin
werde 2024 ein globales reales Wachstum von
3,1% bis 3,2% erwartet.
Austro Control: Menschen wollen
wieder fliegen
Elisabeth Landrichter, Geschäftsführerin
Austro Control, berichtet über 4.000 Flugbewegungen
im österreichischen Luftraum an einem
Tag: „Das ist nicht nur ein Rekord für den österreichischen
Luftraum, sondern ein deutlicher Beweis
dafür, dass die Branche wieder Fahrt aufnimmt
und die Menschen wieder reisen und fliegen wollen.
Wir sehen aber auch durch den Ukraine-Krieg
und entsprechende Luftraumsperren, dass sich
auch Verkehre nach Österreich verlagern. Unser
Luftraum liegt im Herzen Europas und gehört zu
Elisabeth Landrichter, Geschäftsführerin Austro Control
den besonders stark frequentierten Bereichen.
Steigender Flugverkehr bringt auch für die Flugsicherung
Herausforderungen mit sich, insbesondere
in den Sommermonaten, wenn der Verkehr auf
ein Maximum ansteigt. Unsere Fluglotsen leisten
außerordentliche Arbeit, auch aufgrund verstärkter
Gewitterlagen den Flugverkehr sicher, pünktlich
und effizient abzuwickeln. Essentiell dafür ist
die gute Zusammenarbeit von Flughäfen, Airlines
und Flugsicherung. Im Jahr 2023 haben wir 1,4
Mio. Flüge verzeichnet.“
Als Beitrag zu mehr Nachhaltigkeit sind seit dem
Jahr 2019 die Flugräume Österreich, Slowenien,
Kroatien, Bosnien, Montenegro, Nordmazedonien,
Albanien und Serbien gemeinsam mittels „Free
Route Airspace“ verbunden. Mit März 2024 wurde
auch eine entsprechende Verbindung zu Italien
hergestellt. Free Route bedeutet, dass Flugzeuge
einen Luftraum auf direktem Weg und damit auf
der kürzesten Strecke durchfliegen können. Damit
können laut Landrichter CO 2
-Einsparungen in
Höhe von 30.000 Tonnen pro Jahr erreicht werden.
Diesen Weg will Austro Control konsequent
weiterverfolgen.
Foto: AIA / Martin Steiger
haltenen Start Anfang des Jahres 2024 (Anm.
der Red. Der Flughafen Salzburg ist ein starker
Winterflughafen), dafür war der Sommer und vor
allem der August der stärkste in den letzten 10
Jahren. Ganghofer: „Wir haben keine Airline, die
unter 80% Auslastung fliegt. Als grenznaher Flughafen
sind wir auch stark von der deutschen Volkswirtschaft
abhängig. Der innerdeutsche Flugverkehr
hat 50% von dem Stand vor Corona erreicht.
Auch der gebremste Reiseverkehr der Geschäftsleute
zeigt sich bei uns deutlich. Das private Segment
ist jedoch sehr stark. Drehkreuze an Regionalflughäfen
mit gewisser Frequenz anzubinden
ist herausfordernd. Es benötigt unbedingt eine
Fluganbindung Salzburg-Wien, auch aufgrund der
Anfälligkeit anderer Verkehrssysteme, wie aktuell
Überflutungen oder andere Störungen zeigen. Wir
brauchen alle Verkehrsträger.“
Francesco Sciortino, Vorstand der AUA, bestätigt
die Rekordpassagierzahlen und hervorragende
Auslastung: „Die AUA zählte 14 Mio. Fluggäste
2023. Gleichzeitig verzeichneten wir eine
Rekordauslastung der Flugzeuge in die USA von
96%, einzelne Strecken waren sogar zu 99% ausgelastet.
Auch wir sehen Zuwächse im Privat- und
Rückgänge im Geschäftsreiseverkehr. Die Menschen
wollen die Welt sehen und nehmen diese
Flüge wahr. Wir unterstützen zusätzlich Zug zum
Flug mit unserem langjährigen Produkt AirRail. Der
Passagier muss es aber auch annehmen.“
Jörg Hennemann, Senior Vice President Commercial
Fleet Management, Lufthansa Group,
ist ebenfalls von der Bedeutung der Regionalflughäfen
überzeugt: „Wir brauchen die Gäste aus den
Regionen für unsere Hubs, daher halten wir an
unserer Strategie fest. Selbstverständlich gilt es
dabei auf die Kosten zu schauen.“
Julian Jäger, Flughafen Wien, berichtet ergänzend
über den mit Abstand stärksten Sommer
aller Zeiten am Flughafen Wien: „Im Juli und
August 2024 sind wir mit jeweils 3,3 Mio. Passagieren
rund 5% über dem Rekordvorkrisenjahr
2019 gelegen, bei den Flugbewegungen liegen wir
10% unter dem Vorkrisenniveau. Die Konnektivität
geht allerdings zurück. In Österreich haben
wir beispielsweise die Anbindung nach Salzburg
verloren. Gleichzeitig haben wir festgestellt, dass
wir durch die neue Weststrecke der Bahn deutlich
Markanteile im oberösterreichischen und teilweise
im Salzburger Raum gewonnen haben, wenn auch
nur bis zu einem gewissen Grad. Aus Salzburg mit
der Bahn Frühflüge aus Wien zu erreichen, ist aber
leider unmöglich.“
Autor: Bernhard Weiner, GSV
Foto: AIA / Martin Steiger
Foto: AIA / Martin Steiger
Podium: Regionalflughäfen und
Verbindungen zu Hubs essentiell
Im anschließenden Podium berichtet Bettina
Ganghofer, Geschäftsführerin Flughafen
Salzburg, über einen witterungsbedingten ver-
Ganghofer (Flughafen Salzburg), Jäger (Flughafen Wien und AIA), Sciortino (AUA), Hennemann (Lufthansa), Moderator Pohanka (Austro Control)
110 111
MITGLIEDER | STAND 12/2024
Verkehrsinfrastruktur- & Verkehrsbetriebe
Verkehrstelematik / Verkehrstechnik
Ämter von Landesregierungen
Serviceorganisationen
ASFINAG
Schnirchgasse 17, 1030 Wien
3B infra infrastruktur management systeme
GmbH, Operngasse 20b, 1040 Wien
Amt der Burgenländischen Landesregierung
Europaplatz 1, 7000 Eisenstadt
Arbeitskreis der Automobilimporteure (IV)
Schwarzenbergplatz 4, 1031 Wien
Best in Parking AG
Schwarzenbergplatz 5/7.1, 1030 Wien
AustriaTech
Raimundgasse 1, 1020 Wien
Amt der Kärntner Landesregierung
Arnulfplatz 1, 9020 Klagenfurt am Wörthersee
ARBÖ
Johann-Böhm-Platz 1, 1020 Wien
Flughafen Wien AG
Postfach 1, 1300 Wien Flughafen
Beckhoff Automation GmbH
Hauptstraße 4, 6706 Bürs
Amt der Niederösterr. Landesregierung
Landhausplatz 1, 3109 St. Pölten
BMW Austria Leasing GmbH
Siegfried-Marcus-Straße 24, 5020 Salzburg
Graz-Köflacher Bahn und Busbetrieb GmbH
Köflacher Gasse 35-41, 8020 Graz
DÜRR Austria GmbH
Frank-Stronach-Straße 5, 8200 Gleisdorf
Amt der Oö. Landesregierung
Bahnhofplatz 1, 4021 Linz
ÖAMTC
Baumgasse 129, 1030 Wien
Hafen Wien GmbH
Seitenhafenstraße 15, 1023 Wien
EasyPark Austria GmbH
Weyringergasse 3/3/B3, 1040 Wien
Amt der Steiermärkischen Landesregierung
Stempfergasse 7, 8010 Graz
Österreichischer Gemeindebund
Löwelstrasse 6, 1010 Wien
Holding Graz - Kommunale Dienstleistungen
GmbH, Andreas Hofer Platz 15, 8010 Graz
Evolit Consulting GmbH
Marxergasse 1B/Top 6, 1030 Wien
Amt der Tiroler Landesregierung
Herrengasse 1-3, 6020 Innsbruck
Österreichischer Städtebund
Rathaus, Stiege 5, Hochparterre, 1082 Wien
Linz LINIEN GmbH
Wiener Straße 151, 4020 Linz
GIFAS ELECTRIC GmbH
Pebering-Straß 2, 5301 Eugendorf
Amt der Vorarlberger Landesregierung
Landhaus, 6901 Bregenz
TÜV AUSTRIA Automotive GmbH
Deutschstrasse 10, 1230 Wien
Niederösterreichische VerkehrsorganisationsgmbH,
Werkstättenstraße 13, 3100 St. Pölten
Batsch Waagen & EDV GmbH & Co KG
Wachaustraße 61, 3382 Loosdorf
Stadt Wien - Straßenverwaltung und Straßenbau
Lienfeldergasse 96, 1170 Wien
Vereinigung der Österreichischen Industrie
Schwarzenbergplatz 4, 1031 Wien
ÖBB-Infrastruktur AG
Praterstern 3, 1020 Wien
Österreichische Postbus AG
Am Hauptbahnhof 2, 1100 Wien
Schienen-Control GmbH
Linke Wienzeile 4/1/6, 1060 Wien
Schieneninfrastruktur-DienstleistungsgmbH
Jakov-Lind-Straße 2, Stiege 2, 1020 Wien
TAXI 31300 VermittlungsgmbH
Zetschegasse 15, 1230 Wien
CC Taxicenter GmbH
Pfarrgasse 54, 1230 Wien
Verkehrsverbund Ost-Region (VOR) GmbH
Europaplatz 3/3, 1150 Wien
via donau – Österr. Wasserstraßen GmbH
Donau-City-Straße 1, 1220 Wien
WIENER LINIEN GmbH & Co KG
Erdbergstraße 202, 1030 Wien
Wiener Lokalbahnen GmbH
Purkytgasse 1B, 1230 Wien
ITS Vienna Region
Europaplatz 3/3, 1150 Wien
Kapsch TrafficCom AG
Am Europlatz 2, 1120 Wien
OHB Digital Solutions GmbH
Rettenbacher Straße 22, 8044 Graz
Pilz Ges.m.b.H. Sichere Automation
Modecenterstraße 14, 1030 Wien
PRISMA solutions EDV-Dienstleistungen GmbH
Klostergasse 18, 2340 Mödling
Robert Bosch AG
Göllnergasse 15-17, 1030 Wien
Siemens Mobility Austria GmbH
Siemensstrasse 90, 1210 Wien
Yunex Traffic Austria GmbH
Siemensstraße 90, 1210 Wien
Fahrzeug- / Reifenindustrie
Michelin ReifenverkaufsgmbH
Schönbrunner Straße 222, 1120 Wien
Forschung und Technologie
Austrian Institute of Technology (AIT)
Giefinggasse 4, 1210 Wien
FH Campus Wien
Favoritenstraße 226, 1100 Wien
FH St. Pölten, Department Bahntechnologie & Mobilität,
Matthias Corvinus-Str. 15, 3100 St. Pölten
SCIOFLEX Hydrogen GmbH
Haydnstraße 88, 7024 Hirm
TU Wien, Institut für Fahrzeugantriebe und
Automobiltechnik, Getreidemarkt 9, 1060 Wien
Virtual Vehicle Research GmbH
Inffeldgasse 21A, 8010 Graz
VRVis GmbH
Donau-City-Straße 11, 1220 Wien
Luftfahrt
AUSTRO CONTROL
Schnirchgasse 17, 1030 Wien
FACC AG
Fischerstraße 9, 4910 Ried im Innkreis
Verband der freien Kfz-Teile-Fachhändler
Inkustraße 13/4, 3400 Klosterneuburg
VÖZ – Vereinigung der Österr. Zementindustrie
Franz-Grill-Str. 9, Obj. 214, 1030 Wien
Wirtschaftskammer Österreich
Wiedner Hauptstraße 63, 1045 Wien
WKÖ Bundesgremium Fahrzeughandel
Wiedner Haupstraße 63, 1045 Wien
WKÖ Bundesinnung der Fahrzeugtechnik
Schaumburgergasse 20, 1040 Wien
WKÖ Fahrschulen und Allgemeiner Verkehr,
Wiedner Hauptstraße 63, 1045 Wien
Energie- / Mineralölunternehmen
AGRANA Beteiligungs-AG
Friedrich-Wilhelm-Raiffeisen-Pl. 1, 1020 Wien
OMV AG
Trabrennstraße 6-8, 1020 Wien
Shell Austria GmbH
Tech Gate, Donau-City-Straße 1, 1220 Wien
Wien Energie GmbH
Thomas Klestil Platz 14, 1030 Wien
112 113
MITGLIEDER
Kommunikation
Bauindustrie
Hutchison Drei Austria GmbH
Brünner Straße 52, 1210 Wien
Plasser & Theurer, Export von Bahnbaumaschinen,
GmbH, Johannesgasse 3, 1010 Wien
T-Mobile Austria GmbH
Rennweg 97-99, 1030 Wien
Transportwirtschaft / Logistik
Konferenzanbieter
imh Institut Manfred Hämmerle GmbH
Schönbrunner Schlossstr. 4, Top 501, 1120 Wien
Impressum
Felbermayr Transport- und Hebetechnik GmbH
& Co KG, Voralpenstraße 4, 4600 Wels
Müller-Transporte GmbH
Palmersstraße 10, 2351 Wiener Neudorf
Rail Cargo Austria AG
Am Hauptbahnhof 2, 1100 Wien
Zivilingenieure / Verkehrsplaner / Berater
AXIS Ingenieurleistungen ZT GmbH
Rainergasse 4, 1040 Wien
BERNARD Gruppe ZT GmbH
Bahnhofstraße 19, 6060 Hall in Tirol
EFS Unternehmensberatung GmbH
Ungargasse 59–61, 1030 Wien
HERRY Consult GmbH
Argentinierstraße 21, 1040 Wien
NachrichteN
Schneider Consult Ziviltechniker GmbH
Rechte Kremszeile 62a/1, 3500 Krems/Donau
UIV Urban Innovation Vienna GmbH
Operngasse 17-21, 1040 Wien
Nachrichten für die Mitglieder
des Österreichischen Vereins für Kraftfahrzeugtechnik
– In eigener Sache
– ÖVK-Veranstaltungen
– Veranstaltungen befreundeter Organisationen
– Forschung und Lehre in Österreich
– Technische Universität Graz
– Ehrungen
– Buchpräsentation
– Historische Ecke
Offenlegung nach § 25 Mediengesetz:
Eigentümer, Herausgeber, Verleger und Medieninhaber: GSV, Österreichische Gesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen, Marxergasse 10, 1030 Wien
Tel. +43 1 713 62 96, e-Mail: verkehrswesen@gsv.co.at, Homepage: www.gsv.co.at
Chefredakteur & Layout: Bernhard Weiner, BSc MA Präsident: DI Markus Racz Generalsekretär: DI Marius Rohracher
Grundlegende Richtung: Die GSV setzt sich mit ihren Aktivitäten für eine leistungsfähige, nachhaltige, multimodale, sichere und leistbare Mobilität ein.
Die Plattform will die verkehrsträgerübergreifende Zusammenarbeit fördern. Sie unterstützt mit ihren Veranstaltungen und Publikationen die Entwicklung
und Umsetzung fortschrittlicher Verkehrs- und Mobilitätstechnologien.
Druck: marketingfabrik, E. & F. Gabner GmbH, Landstraßer Hauptstraße 148/1/B1, 1030 Wien
Tel.: +43/(0)1/ 585 98 98; e-Mail: info@marketingfabrik.at, Homepage: www.marketingfabrik.at
Rechtsanwälte
Brenner + Klemm Rechtsanwälte GesbR
Rathausgasse 8/2, 2500 Baden
Strategische Partner
AVENIR MOBILITÉ | ZUKUNFT MOBILITÄT
Gemeindestrasse 48, 8032 Zürich, Schweiz
Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und
Logistik in Öst., Liechtensteinstr. 35, 1090 Wien
CombiNet - Netzwerk Kombinierter Verkehr
Zeleborgasse 5/4, 1120 Wien
Deutsches Verkehrsforum e.V.
Klingelhöferstraße 7, 10785 Berlin
eFuel Alliance Österreich
Untere Donaustr. 13-15/3.OG, 1020 Wien
Österreichischer Verein für Kraftfahrzeugtechnik
Elisabethstraße 26/24, 1010 Wien
Unser OMV Performance Diesel ECO7 mit HVO-Anteil bietet optimale Reinigungswirkung
Quellenangaben Titelblatt: ALP.Lab, Lewisch, Multikopter, PAL-V, viadonau/Zinner, Volkswagen AG
und schützt den Motor vor Ablagerungen, reduziert CO₂-Emissionen * und überzeugt durch
hohe Lagerstabilität. Setzen Sie auf einen verlässlichen Partner im Arbeitsalltag.
Aus Gründen der einfacheren Lesbarkeit wird in den meisten Beiträgen auf die geschlechtsneutrale Differenzierung verzichtet. Entsprechende Begriffe
*
gegenüber der fossilen Vergleichsgröße von EU RED II (2018/2001)
gelten im Sinne der Gleichbehandlung grundsätzlich für alle Geschlechter.
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Mehr Infos auf www.omv.at
Foto © TU Graz
aUSGaBe 06 /14
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OMV Performance Diesel ECO7
Setzen Sie auf Zuverlässigkeit
und Effizienz.
Mit ETCS Level 2
wird mehr möglich
ETCS bildet die Grundlage für sicheres und betriebsoptimiertes Fahren bei idealer Geschwindigkeit und Energieeffizienz.
Durch präzise High-Tech-Ortung und nahtlose Kommunikation ermöglicht die funkbasierte Weiterentwicklung
von ETCS Level 1 auf ETCS Level 2 eine kontinuierliche Überwachung der Zugpositionen. Darüber
hinaus erhält der Lokführer alle wichtigen Signale direkt im Führerstand, wodurch keine zusätzlichen Außensignale
benötigt werden. ETCS Level 2 überzeugt somit durch höhere Leistungsfähigkeit, höhere Zuverlässigkeit
sowie geringere Infrastrukturkosten. Hierdurch können mehr Menschen und Güter in kürzerer Zeit transportiert
werden, was die Tragkraft der Schiene erhöht, die Wirtschaftlichkeit steigert und Reisezeiten verkürzt.
ETCS Level 2 ist in Österreich bereits auf mehreren Bahnstrecken wie beispielsweise Linz-Wels-Vöcklabruck,
Wien-Breclav, Wien-St. Pölten und Kufstein-Brenner im Einsatz und soll langfristig auf alle Hochleistungsstrecken
und Hauptverbindungen ausgeweitet werden. Dies wird auch als europaweiter Standard grenzüberschreitende
Fahrten erleichtern und somit Reisen zu internationalen Destinationen bequemer, kürzer und sicherer machen.
siemens.at/mobility
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