Österreich Maritim, Ausgabe 87/88
Julikrise 1914, Monitor SMS BODROG, 155 Jahre Österreich-Ungarn und Siam, DDSG-Werft Korneuburg 1939-1945, Evangelische Gemeinde in Pola, Tragödie auf Fährschiff LASTOVO,
Julikrise 1914, Monitor SMS BODROG, 155 Jahre Österreich-Ungarn und Siam, DDSG-Werft Korneuburg 1939-1945, Evangelische Gemeinde in Pola, Tragödie auf Fährschiff LASTOVO,
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Ausgabe 87/88
September 2024
Preis EUR 23,--
Zeitschrift der Freunde Historischer Schiffe
2
Österreich Maritim 87/88 – September 2024
Marinegeschichte
Inhalt
Die Julikrise 1914 und der Donaumonitor BODROG
Peter Strecha ............................................................................ 4
155 Jahre offiizielle Beziehungen Österreich-Ungarn
mit Siam (Teil 2)
Wilhelm M. Donko .................................................................... 8
MARINA oder die Geschichte einer legendären Fähre
Michael Ellenbogen ................................................................. 24
Die evangelische Gemeinde in Pola und die
Kriegsmarine
Thomas Zimmel ........................................................................ 26
Titelbild
Montage der beiden untenstehenden
Zeitdokumente:
Die Tragödie auf dem Fährschiff LASTOVO
Michael Ellenbogen ................................................................. 29
Das älteste Fluss-Kreuzfahrtschiff
wird 150
Peter Strecha ............................................................................ 36
Aus aller Welt - Chronikberichte
Freischärler-Angriffe auf Tanker im Roten Meer .............. 7
Mariner’s Reading Digest: Angriffe von Schwertwalen? 22
Betonkanu: Konstrukteursregatta mit österreichischer
Beteiligung ............................................................................. 23
Super-Segeljacht BAYESIAN vor Sizilien gesunken ........... 40
Donau, Binnengewässer
Die Werft Korneuburg im »Tausendjährigen Reich«
Otto Pacher .............................................................................. 14
Havarie des Twin City Liner in Wien .................................. 20
Das Ei des Kolumbus – am Binnengewässer ................. 21
Maritime Techniken und Aktivitäten
Zdravo Šiško: Schiffsmodelle sind seine Leidenschaft
Michael Ellenbogen ................................................................. 30
Einen Sommer lang im Norden (Teil 2)
Stephan Schernikau ............................................................. 32
Von der Plätte zum urbanen Ausflugsschiff
Peter Strecha ............................................................................ 39
Österreich Maritim 87/88 – September 2024
3
16. Sp 2024, 02:0
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Liebe Leserin,
lieber Leser von »Österreich Maritim!«
In dieser Zeit jähren sich die tragischen Ereignisse im Juli 1914, die
letztlich zur weltweiten Katastrophe führen sollten, zum 110. Male. Der
österreichische Schriftsteller Stefan Zweig schreibt dazu 1942 in seinen
berühmten Erinnerungen »Die Welt von gestern«:
»Ein rascher Ausflug ins Romantische, ein wildes und männliches Abenteuer, – so
malte sich der Krieg 1914 in der Vorstellung des einfachen Mannes, und die jungen
Menschen hatten sogar ehrliche Angst, sie könnten das Wundervoll-Erregende
versäumen.«
Lesen Sie dazu unseren Bericht auf Seite4 über die »Julikrise 1914« und
ihren direkten Zusammenhang mit der österreichischen (k.u.k.)
Kriegsmarine.
Auch weitere Artikel in dieser Doppelnummer von »Österreich Maritim«
zeigen, dass auch gegenwärtige Konflikte unvermeidlich ihre weltweiten Auswirkungen haben, siehe dazu den Beitrag
auf Seite 7 über die Angriffe von jemenitischen Huthi-Milizen auf den Seehandel im Roten Meer.
Ein ebenfalls trauriges »Jubiläum« ist der nunmehr 85 Jahre zurückliegendeBeginn des zweiten Weltkrieges. Dass das
nationalsozialistische Terror-Regime auch maritime Auswirkungen auf die Schifffahrt im Raum Österreich hatte,
zeigt der Beitrag von Otto Pacher (Stadtmuseum Korneuburg) auf Seit 14 über die NS-Zeit in der Werft Korneuburg.
Versöhnlicher stimmt uns der zweite Teil des Artikels von Wilhelm M. Donko über die offiziellen Beziehungen Österreich-
Ungarn mit Siam (Seite 8) sowie auch weitere Berichte mit maritimem Bezug.
Ein verlässlicher Berichterstatter aus Kroatien wurde – und ist auch – unser Korrespondent Michael Ellenbogen. Seine
historischen und auch die aktuellen Berichte lesen sie auf den Seiten 24, 29 und 30.
Wir wünschen Ihnen mit diesem Heft wieder eine interessante Lektüre – und einen ruhigen Herbst 2024!
Herzlichst,
Ihre Redaktion von »Österreich Maritim«
Impressum
Medieninhaber:
FHS – Freunde Historischer Schiffe, ZVR-Zahl 344016034
Vereinszweck: Erforschung marinehistorischer und nautischer
Sachverhalte, insbesondere unter Bezug zu Österreich,
Herausgabe eines Mitteilungsblattes.
FHS-Magazin ISSN 1813-3525
Key title: Österreich Maritim
Herausgeber:
FHS – Freunde Historischer Schiffe, 1070 Wien,
Neubaugasse 24/1/4. - E-Mail: info@fhsaustria.info
Blattlinie:
Fachmagazin für die Geschichte der Schifffahrt und verwandter
Themen, insbesondere unter Bezug zu Österreich.
Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung der
Autoren und nicht jene der Redaktion wieder.
Nicht eigens gekennzeichnete Abbildungen und Bilder sind
gemeinfrei oder als Public Domain lizenziert.
Redaktion: CvD Peter Strecha
Autoren dieser Ausgabe: Wilhelm M. Donko, Michael Ellenbogen,
Stephan Schernikau, Otto Pacher, Thomas Zimmel
Lektorat: Gerhard Nauer
Druck: druck.at, 2544 Leobersdorf, Aredstraße 7, office@druck.at
Online-Version:https://www.fhsaustria.info/projects-2-2
Inseratenpreise: 1/4 Seite, EUR 100, 1/2 Seite EUR 200,-, 1/1 Seite
EUR 400,-
Abopreise Inland EUR 46-, Ausland EU EUR 54,-, übriges Ausland
EUR 58,-
Bestellung Abo unter FHS – Freunde Historischer Schiffe, 1070
Wien, Neubaugasse 24/1/4
Bankverbindung:
IBAN: AT85 6000 0005 1006 4100
BIC: BAWAATWW
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Österreich Maritim 87/88 – September 2024
Die Julikrise 1914 und der Donaumonitor SMS BODROG
Redaktionelle Zusammenschau der Ereignisse von Peter Strecha
Die Julikrise 1914 wurde vom
Attentat auf den Thronfolger Franz
Ferdinand in Sarajewo ausgelöst.
Nach hektischen diplomatischen
Bemühungen sah sich Kaiser
Franz Josef I. zu seinem Mainifest
»An Meine Völker« gedrängt, und
Österreich erklärte dem Königreich
Serbien den Krieg.
Am 29 Juli 1914, also vor 110
Jahren, gab die Besatzung des österreichischen
Donau-Monitors BO-
DROG erste Schüsse auf die serbische
Festung Belgrad ab.
Zur besseren historischen Einordnung
und der Übersicht wegen
wird hier ein kurzer Abriss der historischen
Ereignisse vorangestellt.
28. Juni 2014
Erzherzog Franz Ferdinand Habsburt-Este
wurde an diesem Tag gemeinsam
mit seiner Ehefrau Sophie
Hohenberg bei einem Besuch in der
bosnischen Hauptstad Opfer eines
Attentats serbischer Nationalisten.
»Blankoscheck«: Telegramm Tiszas an
Berchtold zur deutschen Rückendeckung
(6. Juli 1914)
30. Juni: Berchtold und
Hötzendorf
In einer Unterredung mit dem k.u.k.
Minister des Äußeren Leopold
Berchtold fordert Generalstabschef
Franz Conrad von Hötzendorf sofortige
Schritte: »[...]» zu wirken vermag
nur die Gewalt«. Berchtold
hält hingegen eine diplomatische
Vorbereitung noch für nötig.
5. Juli: Mission Hoyos
Der Legationsrat
Alexander Hoyos
(Kabinetts-Chef
von Außenminister
Graf Berchtold)
reist als Gesandter
nach Berlin,
um sich deutscher
Rückende-
Alexander Hoyos
ckung (»Blankoscheck«, Faksimile
links) für militärisches Vorgehen Österreichs
zu versichern.
23. Juli: Das Ultimatum
István Tisza
Mit dem ungarischen
Ministerpräsidenten
István
Tisza (Bild)
v e r s t ä n d i g t e
man sich am 14.
Juli, nach einem
geplanten Staatsbesuch
in Frankreich,
ein mit 48 Stunden befristetes
Ultimatium an Serbien zu stellen.
Dies geschah in Form einer durch die
österreichische Regierung verschärfte,
zehn Punkte enthaltende
Version, die am 23. Juli um 18:00
Uhr in Belgrad übergeben wurde.
25. Juli: Die serbische Antwort
Bereits um 15:00 Uhr hatte die serbische
Regierung die Generalmobilmachung
ausgerufen, und um
17:55 Uhr wurde die Antwort auf
das österreichische Ultimatum überreicht.
Die Bedingungen wurden
weitgehend akzeptiert, die Teilnahme
von österreichischen Beamten an
Untersuchungen in Serbien wurde
dagegen abgelehnt. Die Antwort
wurde von Österreich-Ungarn als
»ungenügend« zurückgewiesen.
28. Juli:
Kriegserklärung
Außenminister Berchtold wollte
vollendete Tatsachen schaffen, um
die Unterschrift von Kaiser Franz Josef
unter die Kriegserklärung zu erhalten,
wobei ein vermutlich gar
nicht erfolgter serbischer Angriff bei
Temes Kubin (heute Kovin in Serbien)
als Vorwand diente (siehe Faksimile
auf der nächsten Seite).
Die auf die Kriegserklärung folgende
Proklamation »An Meine
Völker« von Kaiser Franz Joseph I.
erschien zuerst in der Wiener Zeitung
Nr. 175 vom 29. Juli 1914 in
deutscher Sprache und war an alle
Nationen der österreichsch-ungarischen
Monarchie gerichtet (Beispiele
dafür siehe Kasten am Ende des Artikels).
Österreich Maritim 87/88 – September 2024
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»Telegramm in claris« an das serbische Ministerium
des Äußeren mit dem Text der Kriegserklärung
(Entwurf 14. Juli 1914)
Dampfschiffahrts-Gesellschaft«
(DDSG) einen regelmäßigen
Dampfschiffbetrieb. Im Zuge der
Revolution 1848 kaufte die ungarische
Regierung von der DDSG das
Dampfschiff Franz I. und ließ es
umbauen und bewaffnen. Am
25. Juli wurde die Besatzung angelobt.
Am 19. August 1848 wurde
dieses Schiff in Kämpfe mit Kroaten
verwickelt und am 13. Oktober 1848
kam es bis Hainburg.
Eingliederung in die k.u.k. Kriegsmarine
nach 1867
Erster Weltkrieg
Am 29. Juli 1914 knapp nach 1 Uhr
morgens fielen die ersten Schüsse zu
Kriegsbeginn, als SMS Bodrog und
zwei weitere Monitore sowie auch
das DDSG-Schiff Inn Festungsanlagen
nahe Belgrad mit Granaten angriffen.
Am 11. August 1914 unternahm
die Donauflottille die erste größere
Kampfhandlung. Am 14. September
beschossen Einheiten der Donauflottille
Belgrad, wodurch in der alten
Belgrader Festung Kalemegdan Munitionslager
explodierten.
Die österreichische
Donauflotille
Die Aufgabe der Donauflottille war
die militärische Kontrolle der Donau
und deren schiffbaren Nebenflüssen
im Bereich des österreichischen Kaiserreiches,
speziell im Kampf gegen
die Ungarn und Türken. Hauptstützpunkt
der Donauflottille war
das Kaiserliche Arsenal in Wien.
Vor dem Ausgleich 1867
Für das Jahr 1514 wird eine Stärke
von 148 Schiffen mit 2.500 Hakenbüchsen
angegeben. Im Auftrag von
Kaiser Karl VI. wurden zwischen
1716 und 1718 zehn große Schiffe
mit bis zu 64 Kanonen gebaut, welche
sich allerdings ihrer Göße wegen
nicht für die Donau eigneten. Der
folgende Schiffstyp war die leichtere
und wendige Tschaike, die gerudert
und gesegelt werden konnte. Wichtige
Werften für Tschaiken war die
Schiffswerft Klosterneuburg sowie
die Festung Komorn in Ungarn.
1831 begann die »Erste Donau-
SMS BODROG (Postkarte 1914, Photo Kilophot
GmbH Wien; Public domain)
1871 wurde eine neue Donauflottille
aufgestellt. Wichtigster Schiffstyp
war der »Monitor«, der im amerikanischen
Sezessionskrieg erstmals gebaut
und eingesetzt worden war. Benannt
wurden diese Schiffe, die über
Geschütze in drehbaren Türmen verfügten,
nach Flüssen in Österreich
und Ungarn (Leitha, Szamos,
Körös, Temes, Bodrog, Enns,
Inn, Sava und Bosna). Unterstützt
wurden sie von 14 Patrouillenbooten
und einem Torpedoboot.
SMS BODROG, Vordecksbewaffung (Ministry
of defense, Rep. Srbija; Public domain)
SMS BODROG, Mannschaften (Ministry of defense,
Rep. Srbija; Public domain)
Am 13. November 1918 wurde
Ungarn von den Kriegssiegern in der
Militärkonvention von Belgrad
aufgetragen, die in Budapest liegenden
Monitore und eine große Zahl
weiterer Schiffe abzugeben.
Geschichte des serbischen
Museumsschiffs SAVA
Der letzte Auftrag von
SMS Bodrog im ersten Weltkrieg
betraf die Sicherung von Getreidelieferungen
im Schwarzen Meer. Die
Pariser alliierte Botschafterkonferenz
(gegr 1920) verlangte, dass Bodrog
zusammen mit Enns und Bosna bei
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Österreich Maritim 87/88 – September 2024
Aufteilung an das Königreich Jugoslawien
(Kraljevina Jugoslavija/
Краљевина Југославија) gehen sollte.
Das Schiff wurde neu Sava (cyrillisch
Caba) benannt.
Am 12. April 1941 wurde das
Schiff bei Zemun von der Besatzung
versenkt, um es nicht in die Hände
des »Unabhängigen Staates Kroatien«
fallen zu lassen.1944 nochmals
durch die eigene Besatzung bei Slavonski
Brod versenkt wurde Sava
1962 als Dalj in die jugoslawische
Zilvilflotte übernommen und diente
ab 1973 als Vorstellobjekt nahe der
Savemündung.
Der Monitor wurde am 13. Dezember
2005 als Wrack zum Kulturgut
des Staates Serbien erklärt und
2024 in Staatsbesitz überführt. Bereits
2015 erfolgte die Bergung des
Wracks, dann eine aufwendige Restaurierung
in der Werft Apatin. Seit
der Fertigstellung Anfang 2019 dient
Sava als Museumsschiff.
Die Temes-Klasse
... war eine Schiffsklasse von Fluss-
Kriegsschiffen des ersten Weltkriegs,
u r s p r ü n g l i c h
von österreichisch-ungarischem
Ursprung
.
Die Bewaffnung
bestand
aus zwei
120-mm-Turmgeschützen,
einer
einzelnen
120-mm-Haubitze
in fixer Pivot-Montierung
sowie zwei 35-mm-
Kanonen. Die Armierung bestand
aus einem 40 mm dicken Gürtelpanzer
(aus Nickel-Eisen-Legierung)
und 75 mm starken Geschütztürmen.
Die Wasserverdrängung betrug
484,1 t. Die Besatzung bestand aus
77-79 Offizieren und Mannschaften.
Der Stapellauf des Bodrog erfolgte
am 12. April 1904 – also vor 120 Jahren.
Fluss Bodrog – der Namensgeber
Slowakisch früher auch Bodrok genannt
ist der Bodrog einer drei
Hauptflüsse in der Ost-Slowakei und
Bild SAVA (ex BODROG) nach der Restaurierung 2021
Bild: Srđan Popović (Lizenz CC-BY SA 4.0)
in Nord-Ungarn. Er entwässert bei
Tokaj (Ungarn) in die Theiß (ungarisch
Tisza, slowakisch Tisa). Das hydrologische
Einzugsgebiet misst
rund 13.500 km 2 , die Fließlänge beträgt
67 km (15 km in der Slowakei
und 52 km in Ungarn). Bei einem
Sohlgefälle von 0,15 m/km handelt
es sich um ein Tieflandgewässer,
morphologisch gesehen mäandriert
der Bodrog deutlich.
Die ungarische Gemeinde Bodrog
im Kreis Kaposvár (Komitat Somogy)
gilt wiederum als Namenspatron
für den Fluss selbst.
Das kaiserliche Manifest in
verschiendenen Sprachen der
österreichisch-ungarischen Monarchie
Österreich Maritim 87/88 – September 2024
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Nachrichten aus aller Welt
Nachhaltige Gefährdung und Einschränkung des Welt-Seehandels im Roten Meer
23. August 2024
Meldung von EUNAVFOR ASPIDES
Am 21. August 2024 kam der Tanker
MV SOUNION im südlichen Roten
Meer unter Beschuss und die
Maschinenanlage wurde dadurch
funktionsunfähig. Der Kapitän der
MV SOUNION (IMO: 9312145) hat
um Schutz und Unterstützung von
EUNAVFOR ASPIDES ersucht, danach
entsandte die Organisation
ein Schiff zur Rettung der Besatzung.
Bei dem Schiff handelt es sich um einen
274 m langen und 50 m breiten
Öltanker unter griechischer Flagge,
bereedert von Delta Tankers. Er hatte
150.000 Tonnen Rohöl geladen und
eine Besatzung von 25 Seeleuten (Filipinos
und Russen) sowie vier Sicherheitspersonen.
Der Ausgangshafen
war Basra im Irak, die Destination
eine Raffinerie bei Agioi Theodoroi
(Griechenland).
Nahe der Mündung des Roten
Meeres in den Indischen Ozean erfolgte
ein Angriff durch Huthi mit
fünf Drohnen, infolgedessen entstand
ein Brand an Bord, der aber zunächst
gelöscht werden konnte. Die
Maschinenanlage und damit der Antrieb
des Tankers fiel jedoch später
aus.
Die gesamte Crew konnte durch
die militärische ASPIDES-Marineoperation
der Europäischen Union
MV DELTA SOUNION brennend, geschleppt
(EPA, EUNAVFOR ASPIDES)
(Rubymar im Februar, Tutor im
Juni 2024) zu bemerken.
Auswirkungen auf das Ökosystem
des Roten Meeres
Matthew Miller, Sprecher des
US Department of State (Außenministerium)
hält fest:
»Durch diese Angriffe haben
die Huthis klar gemacht, dass sie gewillt
sind, die Fischereiindustrie
und regionale Ökosysteme zu zerstören.[...]
Jemeniten und andere Bevölkerungsgruppen
in dieser Region
sind auf diese Lebensgrundlagen angewiesen,
durch solche rücksichtslosen
Attacken wird die dort dringend nötige
humanitäre Hilfe unterminiert
werden.«
Medien/Agenturen/Red.
Wie bereits in »Österreich Maritim«,
Ausgabe 84 berichtet greifen
jemenitische Huthi-Rebellen-Milizien
wiederholt den zivilen Schiffsverkehr
im Roten Meer an, um den
Schiffsverkehr zu Häfen in Israel zu
behindern oder zu unterbinden, welche
von Huthis als »besetzt palästinensisch«
angesehen werden.
Angriff auf den Tanker MV
SOUNION
DELTA
abgeborgen werden, während das
Schiff 77 Seemeilen westlich des Hafens
Al Hudayah trieb.
Am 22. August 2024 konnte die
eingesetzte französische Fregatte
Chevalier Paul die gerettete
Crew in den nahegelegenen Hafen
von Dschibuti bringen. Die UK Maritime
Trade Operations (UKMTO)
teilte inzwischen mit, dass das Schiff
zwischen Eritrea und Jemen vor Anker
liegt.
Am Abend des 23. August veröffentlichten
Huthis Aufnahmen
von drei drastischen Explosionen am
Tanker, wobei diese weniger wahrscheinlich
durch Drohnen, sondern
eher durch gezielt gelegte Bomben
verursacht worden waren. Daraus ist
eine geänderte Taktik der Huthis gegenüber
früheren Angriffen
Glossar
EUNAVFOR Operation Atalanta
European Union Naval Force
(https://www.eeas.europa.eu/_en)
Multinationale Mission der EU zum
Schutz von humanitären Hilfslieferungen,
der freien Seefahrt und Bekämpfung
der Piraterie
Operationsgebiet der multinationalen
Flotille: vor der Küste Somalias,
am Horn von Afrika, im Golf von
Aden.
ASPIDES (von altgr.: »Schilde«)
(https://www.eeas.europa.eu/eunavforaspides_en?s=410381)
Vom EU-Rat für auswärtige Angelegenheiten
am 19. Februar 2024 beschlossene
Operation im Rahmen
der Gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik
(GASP) zur Wiederherstellung
der freien Schifffahrt im
Roten Meer und im Golf von Aden.
8
Österreich Maritim 87/88 – September 2024
155 Jahre offiizielle Beziehungen Österreich-Ungarn mit Siam (Teil 2)
Anmerkungen zur k.(u.)k. Expedition nach Siam unter Kontreadmiral Petz 1869 von Wilhelm M. Donko
Im Nationalmuseum in Bangkok
wurde im Frühjahr 2024 jener Vertrag
über Freundschaft, Handel
und Schifffahrt ausgestellt, der von
Kontreadmiral Anton von Petz verhandelt
und am 17. Mai 1869 unterschrieben
wurde, das heißt vor
genau 155 Jahren. Mit diesem Vertrag
wurden auch die offiziellen Beziehungen
zwischen dem damaligen
Kaiserreich Österreich-Ungarn
und dem Königreich Siam aufgenommen.
Die derzeitigen österreichischen
und ungarischen Botschafter
im Königreich Thailand,
Mag. Wilhelm M. Donko und Dr.
Sándor Sipos, haben aus diesem
Anlass die Sonderausstellung im
Nationalmuseum gemeinsam besucht.
An Bord der beiden Schiffe befanden
sich aber noch einige weitere Personen,
die eine nähere Erwähnung verdienen.
War die letzte große Überseemission
der Fregatte „Novara“ 1857-
1859 noch mit einem Expeditionsmaler
ausgekommen, dem genialen
Josef Selleny, so sollten dieses Mal,
nach dem Vorbild der jüngsten preußischen
„Eulenburg-Expedition“,
ein Maler und ein Fotograf mit dabeisein.
Der junge Fotograf Wilhelm
Burger, geboren 1844 in Wien, hatte
Von Kaiser Franz Joseph I. bzw.
Wien wurde der bilaterale Freundschafts-,
Handels- und Schifffahrtsvertrag
mit Siam von 1869 am
8.5.1871 ratifiziert, von König
Chulalongkorn erst am 30.4.1872,
d.h. erst bei Ankunft des österreichischen
Ministerresidenten in
Bangkok, der mit der Korvette FASA-
NA nach Bangkok gekommen war.
Das Foto zeigt die Korvette FASANA
an der Einfahrt in den Suez-Kanal.
Der (schleusenlose) Suez-Kanal
wurde am 17. November 1869 mit
einer Länge von 164 km eröffnet
und entwickelte sich rasch zu einer
der bedeutendsten Wasserstraßen
der Welt. (Foto: Sammlung KMA Wien)
sich erfolgreich für diese Expedition
beworben. Scherzer, der sich der Vorteile
der Fotografie bewusst war, hatte
alle Mühe, die grundsätzlichen finanziellen
Bedenken zur Mitnahme
eines Vertreters dieser neuen Technik
zu begründen und durchzusetzen.
Ein junger Mann namens Michael
János Xántus wurde 1872 der erste Direktor
des Ethnografischen Museums in Ungarn
und auch des Budapester Zoos und
hat viel dafür getan, dass Siam bzw. Thailand
in Ungarn etwas bekannter wurde.
Die Ungarische Botschaft in Thailand hat
sich deshalb erfolgreich bemüht, dass im
März 2024 in einem Bangkoker Park eine
kleine Statue von ihm aufgestellt wurde.
Die offizielle Einweihung nahm der ungarische
Außenminister Péter Szijjártó persönlich
vor, hier im Bild gemeinsam mit Bangkoks
Gouverneur Chadchart Sittipunt.
(Foto: Ungarische Botschaft Bangkok)
Moser aus Altaussee begleitete Burger
als Assistent (und blieb später fast
ein Jahrzehnt in Japan).
Der in Bangkok erst 25-jährige
Burger brachte eindrucksvolle Fotos
von der Reise mit, die einfach aussagekräftiger
sein mussten, als noch so
gut gemalte Bilder. Sie wurden ein
großer Erfolg, auch für die Fotografie
als neues Medium. Er schuf auch
ein Albenwerk über die »K.u.k. Expedition
nach Ostasien 1868-1871«
für den Kaiser, ein besonders schönes
Exemplar, das sich heute im Besitz
des Museums für angewandte Kunst
in Wien befindet. Die Österreichische
Nationalbibliothek besitzt insgesamt
über 800 seiner Fotos, darunter
etwa 130 Negative von dieser Ostasien-Expedition,
die damals nachhaltige
Verbreitung fanden. Von
Siam sind darunter über 30 Fotos bekannt,
er dürfte aber meines Wissens
noch weitere Siam-Fotos unter seinem
Namen vertrieben haben. Seine
Bilder wurden vielfach abgedruckt,
in Museen ausgestellt und insgesamt
einem breiten Publikum zugänglich
gemacht. Er vertrieb aber auch viele
Fotografien unter seinem Namen,
die er dem bekannten und genialen
thailändischen Hoffotografen Francis
Chit abgekauft hatte. Man hatte
damals aber wohl noch eine andere
Vorstellung von geistigem »Copyright«
auf Lichtbilder, und ich habe
den Umstand des Vertriebs fremder
Bilder als eigene Werke bei Burger
früher wahrscheinlich zu hart beurteilt
bzw. verurteilt. Wenn man von
anderen Fotografen bessere Glas-Negative
erwerben konnte, sah man das
nicht wirklich als Plagiat, man kaufte
sie für den Vertrieb im eigenen Fotostudio.
Ich kam anhand der Analyse
Österreich Maritim 87/88 – September 2024
9
Viele europäische Staaten
bemühten sich in den
1860-er Jahren um offizielle
Beziehungen mit
Siam, ein sehr wichtiger
Grund dafür war der Bau
des Suez-Kanals 1859-
1869, der Europa so viel
näher an Ostasien heranführte
und die durchschnittliche
Fahrtzeit der
Schiffe von ca. drei auf
nur einen Monat senkte.
Hier Fotos der FASANA im
Kanal von Suez. (Foto:
Sammlung KMA Wien)
der Bilder auch zum falschen Schluss,
dass wohl alle Fotos der königlichen
Familie von Francis Chit stammen
würden. Inzwischen musste ich aber
feststellen (basierend auf dem Tagebuchs
seines Gehilfen Moser), dass
Burger tatsächlich einige Fotos sogar
gemeinsam mit Khun Sunthornsathitsalak
alias Francis Chit aufgenommen
hat, u.a. die bekannten Portraits
des Königs. Burger gilt jedenfalls
zurecht als früher und wichtiger
Pionier der Expeditionsfotografie. Er
musste krankheitshalber in Japan im
Herbst 1869 von Bord und fuhr
dann allein nach Europa zurück.
(Die österreichische und ungarische
Botschaft planen für Herbst 2024
eine Ausstellung seiner Fotos in
Bangkok aus Anlass des Jubiläumsjahres).
Man traute aber 1869 der Fotografie
noch nicht so recht, auch in
Bezug auf die Haltbarkeit der Bilder.
Ein Maler und Aquarellist sollte daher
auch dabei sein. Eugen Freiherr
von Ransonnet-Villez wurde in dieser
Rolle mitgenommen, formell war
er als ein Gesandtschaftsattaché dem
Stab des Ministeriums des Äußeren
zugeordnet.
Zusätzlich wurden mehrere
»fachmännische Begleiter und Berichterstatter«
für verschiedene Bereiche
der Industrie an Bord der beiden
Kriegsschiffe eingeschifft. Erwähnt
werden sollen noch die Marineärzte
Dr. Heinrich Wawra und
Dr. Emanuel Weiss, die botanische
Studien durchführten, der Korvettenarzt
Dr. Andreas Janka, der anthropologische
Studien betrieb (einschließlich
umfangreicher Körpermessungen),
sowie der Marine-Unteroffizier
Alois Kraus, der u.a. als
Tierpräperator arbeitete. Sie gehörten
zum Personalbestand der Marine.
Es war auf dieser Expedition aus Kostengründen
geübte Praxis, viele Personen
entweder als Angehörige der
Kriegsmarine oder auch des Außenministeriums
zu führen, die in Wahrheit
aber wissenschaftliche Funktionen
erfüllten, wie Ransonnet, Kraus
oder die Marineärzte etc. Erwähnen
möchte ich als Teilnehmer der Ostasien-Expedition
auch noch einen
der jungen Marineoffiziere, den später
bekannten Buchautor Jerolim
von Benko.
So viel zur Aufgabe und Zusammensetzung
der Mission. Am Abend
des 27.4.1869 traf die Fregatte
Donau in Paknam an der Mündung
des Menam Chao Phraya ein und
warf Anker, die Korvette Erz–
herzog Friedrich am nächsten
Morgen, am 28.4.1869. Bangkok anzulaufen
war aufgrund der Wasserverhältnisse
nicht möglich. Die siamesische
Regierung schickte eine
Dampfbarkasse zur Abholung und
am 30. April zog Kontreadmiral Petz
mit großer Begleitung – einer umfangreichen
»Suite«, wie es in der
Monarchie hieß – unter den Klängen
der selbst mitgebrachten Marine-Militärmusikkapelle
in Bangkok ein.
Petz berichtete nach Wien, dass 19
Salutschüsse abgefeuert wurden, als
er »in vollster Parade« in Siam an
Land ging. Der Zug wurde im Königspalast
durch zahlreiche Soldaten
und Kriegselefanten empfangen. Er
und seine Begleiter wurden in einem
europäisch eingerichteten Gebäude
als königliche Gäste untergebracht.
Auch das gesamte Personal des Gesandtschaftssekretariates
wurde nach
Bangkok verlegt, dazu Offiziere des
Stabes und ein »Detachment Marineinfanterie«.
Die siamesische Seite zeigte sich
in allen organisatorischen und protokollarischen
Belangen sehr entgegenkommend.
Kontreadmiral Petz und
seiner umfangreichen Suite wurden
Audienzen beim ersten und zweiten
König gewährt. Es ist vielleicht angebracht,
sich nochmals die Umstände
dieses ersten österreichischen Besuches
vor Augen zu führen, unter denen
die für beide Seiten durchaus
wichtigen Vertragsverhandlungen
geführt werden sollten. Der langjährige
König Mongkut (Rama IV.), der
dem Land seinen Stempel in Form
von ersten wichtigen Reformen
aufgedrückt hatte, war erst vor wenigen
Monaten verstorben, sein Sohn
und Nachfolger noch ein 16-jähriger
Jüngling, der spätere große Reformer,
König Chulalongkorn (Rama
V.). Die tatsächliche Macht lag im
Frühjahr 1869 beim zweiten König,
Krom Pra Rachwang Bawron Satanmongkol,
mit dem auch die substantiellen
Teile des Vertrages ausverhandelt
wurden.
Wie sehr das Französische schon
damals von Wien als Sprache der Diplomatie
überbewertet wurde, zeigt
sich daran, dass Petz bei der Audienz
beim ersten König am 4.5.1869 seine
Ansprache in Französisch hielt, der
König aber in englischer Sprache antwortete.
Petz beurteilte den zweiten
König, mit dem er die eigentlich inhaltlich
wichtigen Gespräche führte,
10
Österreich Maritim 87/88 – September 2024
Das Nationalmuseum Bangkok zeigt in einer Sonderausstellung im Frühjahr 2024 auch den
originalen Freundschafts-, Handels- und Schifffahrtsvertrag aus 1869, der sonst im thailändischen
Nationalarchiv abliegt. (Foto des Autors)
als angenehmen Menschen, der positiv
gegenüber Europa eingestellt war.
Auch der zweite König erinnerte sich
später gern an Petz, der immer wieder
initiativ Grüße an ihn ausrichten
ließ. Neben den offiziellen Audienzen
gab es auch private Zusammentreffen
mit dem König und zahlreiche
weitere protokollarische Ereignisse.
Ein Verhandlungsteam wurde zusammengestellt,
das auf siamesischer
Seite den Königsonkel Krom Hluang
Wonsa als Vorsitzenden hatte, dazu
den Minister für die Nordprovinzen,
den Premierminister, den Außenminister
und den obersten Richter des
internationalen Gerichtshofes als
Mitglieder. Auf österreichisch-ungarischer
Seite wurde das Kernteam
vom Gesandten und bevollmächtigten
Minister Kontreadmiral Petz geleitet,
weitere Mitglieder waren der
»erste Beamte« Ministerialrat
Scherzer, Generalkonsul Calice, Legationsrat
Herbert-Rathkeal, Legationssekretär
Trautenberg und Gesandtschafts-Attaché
Ransonnet-Villez.
Kontreadmiral Anton von Petz
überreichte dem siamesischen König
am 16 Mai 1869 ein Beglaubigungsschreiben,
wie das auch heute noch
heute bei allen residenten Botschaftern
gegenüber dem Staatsoberhaupt
des Gastlandes üblich ist. Er
überreichte es aber de facto nur in
seiner Funktion als Gesandter und
bevollmächtigter Minister in außerordentlicher
Mission, d.h. im Grunde
für die Unterschrift des Vertrages,
nicht als erster residenter Vertreter.
Die Vertragsverhandlungen in Bangkok
wurden vom 6. bis 17.5.1869 geführt.
Sie führten zur Übereinkunft
über die Etablierung eines Berufsdiplomaten
in Siam, in
Form eines sogenannten
Ministerresidenten
(entspricht in etwa einem
Gesandten, heute
würde man Botschafter
sagen). Der Diplomat
sollte gleichzeitig an
den Höfen in Japan,
China und Siam akkreditiert
sein. Die inhaltlichen
Verhandlungen
für den Vertrag begannen
am 6.5.1869 im
Gebäude des internationalen
Gerichtshofes in
Bangkok und verliefen
zügig. Beide Seiten hatten
ein zuvor von
Schweden verhandeltes
Abkommen als Verhandlungsgrundlage
anerkannt und waren
an einem raschen Abschluss
interessiert.
Den Verlauf der Audienz beim siamesischen
König und die unmittelbar
darauf folgende Zusammenstellung
der beiden Verhandlungsdelegationen
schildert Alois Kraus ausführlich
(auf Seite 86-90) in seinem handschriftlich
in Kurrent verfassten
Werk: »Aus meinem Tagebuch - Reiseskizzen
von der Weltumseglung
mit Sr. Majestät Fregatte Donau in
den Jahren 1868, 1869, 1870, 1871
Von Alois Kraus, Unter-Inspektor
der kk Menagerie zu Schönbrunn
1881«:
»Die Audienz der österr.ung. Gesandtschaft
bei Se. Majestät, dem
König von Siam, Somaduh Phra-
Paromindr-Maha-Tsihulalong, wurde
auf den 4. Mai festgesetzt. Am genannten
Tage erschien um die
11. Stunde ein Ceremonienmeister
Sr. Majestät des Königs, um den k.k.
Gesandten mit Gefolge abzuholen
und nach dem königlichen Palais zu
geleiten. In einem reich mit Gold verzierten,
und künstlerisch geschnitzten
Die Botschafter von Österreich und Ungarn in Bangkok,
Mag. Wilhelm M. Donko (rechts im Bild) und Dr. Sándor
Sipos, vor dem originalen österreichisch-ungarischen
Vertrag aufgenommen im Mai 2024, genau 155 Jahre nach
der Unterzeichnung. (Foto des Autors)
Österreich Maritim 87/88 – September 2024
11
Galaboote von 50 Mann gerudert,
wurde die k.k. Mission an das jenseitige
Ufer des Menam-Flusses, wo
der Palast des Königs lag, gebracht.
Vorher schon wurde das Marine Infanterie
Detachement mit der Bordmusik
der Fregatte Donau überführt,
um den Admiral in gebührender
Weise zu empfangen. Bei seiner
Ankunft am jenseitigen Ufer, wurde
derselbe im Momente seines Eintrittes
in das Gebäude des Ministeriums
des Äußeren, vom zunächst liegenden
Fort mit 19 Kanonenschüssen
begrüßt, während die Bordmusik
die Volkshymne intonierte. Hierauf
setzte sich der Zug nach dem königlichen
Palast in Bewegung. Denselben
eröffnete ein Bataillon der siamesischen
Garde, diesem folgte die
Bordkapelle, dann unter Vortragung
der entfalteten k.k. Bordflagge das
Detachement der Marine Infanterie.
Der Admiral wurde auf einem
hohen Tragsessel getragen, während
die Kommandanten der Fregatte
Donau und Corvette Friedrich,
die Herrn der Gesandtschaft, der österr.
Consulatsverweser und der Personal-Adjutant
des Admirals auf niederen
Palankinen getragen, folgte die
fachmännische Commission und
die übrigen Herren bildeten, auf
Pferden, welche die siamesische
Regierung beistellte, den Schluß. Im
Neben dem ausgestellten Originalvertrag
mit Österreich-Ungarn wurde vom Nationalmuseum
auch eine Faksimile-Kopie in Originalgröße
angefertigt, die Besucher auch
durchblättern können. Beim Vertrag wurde
vom Museum diese kleine Flagge aufgestellt.
Es handelt sich hier um die im August
1869 eingeführte Handelsflagge, die aus
der österreichischen Marineflagge mit Bügelkrone
und der ungarischen Reichsflagge,
ergänzt durch das ungarische Wappen,
besteht. Dahinter die Botschafter von Österreich
und Ungarn sowie die Direktorin des
Nationalmuseums Ruetaiwan Manosa, am
23. Mai 2024. Nach dem ersten dieser Handelsverträge,
die von Sir John Bowring für
das Britische Empire mit Siam ausgehandelt
wurden, werden diese auch »Bowring-Verträge«
genannt. (Foto des Autors)
Sehr interessant sind auch die
jeweiligen Stellen der Vertragsunterschriften
vom Mai 1869.
Petz unterschrieb insgesamt an
sechs verschiedenen Stellen,
aber nicht in seiner zusätzlichen
Funktion als bevollmächtigter
Gesandter, sondern immer mit
dem Schriftzug »Freiherr von
Petz, Contre Admiral«. Geschrieben
ist der Vertrag teilweise in
Latein, dann inhaltlich in thailändischer,
deutscher und englischer
Sprache. (Foto des Autors)
Vorhof des königlichen Palastes angelangt,
mußte das Detachement der
Marine Infanterie zurückbleiben,
während der Admiral samt der Suite
abstieg, und durch eine doppelte
Reihe siamesischer Garden, circa
2000 Mann, den inneren Höfen zum
Audienzsaal zuschritt. Die hier aufgestellten
siames. Musikchöre spielten
einheimische Weisen, während
die Garde abteilungsweise das Gewähr
präsentierte. Als der Ceremonienmeister
das Zeichen zum Eintritt in
den Empfangssalon gegeben hatte,
betrat der Admiral, an der Spitze
der Suite, den Audienzsaal, woselbst
der jugendliche König, fast noch ein
Kind, auf einem hohen, goldenen
Thron saß. An dessen rechter Seite
die Prinzen des königlichen Hauses,
an der linken die Häupter des hohen
Adels und im Hintergrunde die
Hofbeamten und Diener postiert waren,
der siamesischen Sitte gemäß,
das ganze den Thron umgebende
Gefolge, während der Anwesenheit
des Königs mit dem Gesichte auf
dem Boden liegend, harrten.
Als der Admiral die Ansprache
beendet hatte, stieg S.M. vom Thron
und nahm die schriftliche Ansprache
aus dessen Händen entgegen. Als
Erwiderung der Ansprache, gab
S.M. der König der Freude Ausdruck,
die k.u.k. Gesandtschaft in
seinem Lande begrüßen zu können
und drückte zugleich die Hoffnung
und den Wunsch aus, daß die Verhandlungen
im gegenseitigen Interesse
und zum Wohle beider Staaten
durchgeführt werden. Hierauf zog
sich S.M. zurück, während die Herren
der Gesandtschaft in einem Salon
zu einem opulenten Dejeuner geleitet
wurden. Nach dem Dejeuner besichtigte
der Admiral samt Suite die
Trauerkapelle, woselbst die Überreste
des erst kürzlich verstorbenen 1.
Königs von Siam aufbewahrt waren
und deren feierliche Verbrennung
erst im Februar des nächsten Jahres
stattfinden sollte. Nachdem der vorgeschriebenen
Ceremonie Genüge
geleistet wurde, begab sich die Gesandtschaft
mittels Booten ins Hotel
zurück. Der Vorgang aller dieser Ceremonien,
die genau beachtet werden
mußten; die Art und Weise der
Durchführung derselben; die bunten
Trachten vom Höchsten bis zum Niedersten;
die Truppen in Uniform
nach europäischen Schnitte, - fast
ähnlich der ehemaligen Wiener Bür-
12
Österreich Maritim 87/88 – September 2024
gergarde, - nur barfuß -; die große
Anzahl Elefanten mit ihren Reitern
in Kriegsausrüstung, - Alles zusammen
genommen, machte durchaus
den Eindruck eines theatralischen
Sinnes, dessen farbenreiches Bild noch
lange in Erinnerung derer bleiben
wird, ein so eigenthümliches Erlebnis
mit zumachen das Glück gehabt hatten.
Am Tage nach der Audienz wurde
von Seite der königl. siamesischen
Regierung der österr.ung. Gesandtschaft
die Eröffnung gemacht,
daß die Vertrags Bevollmächtigten
ernannt worden sind und dem Beginn
der Verhandlungen nichts im
Wege stehe.«
Nach ausführlichen Beschreibungen
der Stadt und Kultur etc.
kommt Alois Kraus erst am Schluss
seiner Tagebuchausführungen in
Bangkok wieder inhaltlich auf die
Verhandlungen des Admirals zurück.
Hier Auszüge aus seinem Bericht
über die feierliche Finalisierung der
Vertragsverhandlungen und die Beschreibung
des Besuchs des siamesischen
zweiten Königs an Bord der
Fregatte Donau: (S.111-114):
»Am 17. May waren die Verhandlungen
zwischen Siam und Österreich-Ungarn
beendet und die
Verträge von den dazu designierten
Persönlichkeiten unterzeichnet. Dieses
Ereignis zur allgemeinen Kenntnis zu
bringen und um dem Akt eine höhere
Weihe zu verleihen, wurden von
den siamesischen Forts, von der Fregatte
Donau und der Corvette
Friedrich Salutschüsse abgegeben.
Am selben Tag nach Unterzeichnung
der Verträge überreichte der k. u. k.
Gesandte im Namen des Kaisers
und Königs den beiden Herrschern
von Siam und den Würdenträgern
ihres Reiches mehrere hohe Orden
nebst zahlreiche Geschenke, welche
Courtoisie auf gleiche Art erwidert
wurde und außerdem jedes Mitglied
der österr. ung. Expedition in der Gestalt
eines Beutelchens handelsüblicher
Münzen ein Geschenk erhielt. Am
Abend gab Admiral Freiherr von Petz
ein Diner, zu welchem die Würdenträger
und Vertreter der verschiedenen
Regierungen Siams geladen waren.
Nachdem nunmehr die Aufgabe
der k. u. k. Mission in Siam beendet
war, schifften wir uns am 18. an
Bord des siamesischen Kanonenbootes
Bodner ein, und verließen nach
21tägigem Aufenthalt, die Hauptstadt
des Königreichs von Munang
Thai (:Siam:) – ›das freie Königreich‹
– genannt, um der Rhede von
Baknam zuzusteuern. Während der
Fahrt spielte unsere Bordmusik heimische
Weisen, deren Klänge die
Einwohner zu den Ufern lockten um
den hier so selten zu hörenden Tönen
zu lauschen. Am 19. des Morgens beehrte
der König von Siam die Fregatte
Donau mit seinem Besuch.
Während seiner Anwesenheit wurden
alle Arten von Exercitien vorgenommen,
die der König mit größtem Interesse
verfolgte. Den Schluß bildete
ein kleines Dejeuner, wobei der
König auf das Wohl unseres erhabenen
Kaisers sein Glas leerte, die übrigen
Gäste aber mit einem kräftigen
›Hipp‹ ›Hipp‹ ›Wipp‹ ›Wipp‹ und
›Hurrah‹ erwiderten. Als der König
sich verabschiedete und sein Boot bestieg,
wurden ihm zu Ehren 21 Salutschüsse
abgegeben, welche von den
siamesischen Forts Erwiderung fanden.
Am Nachmittag erschien abermals
ein kleines Dampfboot und überbrachte
im Auftrage des 1ten Königs
eine Menge Früchte, Thee,
Eier u. dgl. m. als Geschenk für die
Mannschaft.«
Soweit die Darstellung von Tierpräparator
Alois Kraus, dem späteren
Direktor des Tiergartens Schönbrunn.
Die Verhandlungen wurden
am 17.5.1869 formell abgeschlossen
und die Verträge am Vormittag in
Bangkok, im internationalen Gerichtshof,
unterzeichnet. Dieser feierliche
Akt wurde mit Kanonensalut
um 12:00 mittags seitens der Fregatte
Außenaufnahme des Nationalmuseums
von Bangkok im Mai 2024.
(Foto des Autors)
Donau (in großer Flaggengala; mit
21 Schuss) begrüßt und von den siamesischen
Forts am Fluss erwidert.
Kontreadmiral Petz gab noch selbst
ein Essen für die Verhandlungsteams
und einflussreiche siamesische Würdenträger.
Der zweite König hatte
zudem noch den Wunsch geäußert,
das österreichische Kriegsschiff
Donau zu besuchen, was ihm natürlich
gern gewährt wurde. Leider gibt
es von seinem Besuch an Bord am
19. Mai kein Foto.
Am Abend des 19.5.1869 verließ
auch die Fregatte Donau Bangkok
bzw. Paknam-Reede und traf am
24.5.1869 auf die Korvette
Erzherzog Friedrich in Saigon,
die Paknam-Reede schon etwas früher
verlassen hatte. Beide Schiffe fuhren
dann über China nach Japan weiter.
Von Kaiser Franz Joseph I. bzw.
Wien wurde der bilaterale Freundschafts-,
Handels- und Schifffahrtsvertrag
mit Siam von 1869 am
8.5.1871 in Wien ratifiziert, von König
Chulalongkorn erst am
30.4.1872, d.h. erst bei Ankunft des
österreichischen Ministerresidenten
in Bangkok, der mit der Korvette
Fasana nach Bangkok gekommen
war.
Österreich Maritim 87/88 – September 2024
13
Der erste Ministerresident war
Heinrich von Calice, der schon bei
den Verhandlungen 1869 anwesend
gewesen war. Calice überreichte sein
Beglaubigungsschreiben als erster
Ministerresident in Bangkok am
27.4.1872. Er war auch für Japan
und China zuständig. Die Vertretung
in Tokio wurde im März 1883
in den Rang einer k.u.k Gesandtschaft
erhoben und Siam von Tokio
aus mitbetreut.
Die meisten der Ministerresidenten
bzw. Gesandten kamen in ihren
Amtszeiten nur recht selten nach
Bangkok. Gerade deshalb versuchte
Wien diese diplomatischen Besuche
immer wieder mit Kriegsschiffbesuchen
zu verbinden, um etwas die
Großmacht hervorzukehren. Insgesamt
gab es beginnend mit 1869 vierzehn
Besuche von k.u.k. Kriegsschiffen
in Siam.
Erst am 1.11.1912 wurde eine eigenständige
k.u.k Gesandtschaft in
Siam eröffnet, d.h. eine residente Berufsvertretung
in Bangkok. Erster
und zugleich letzter Dienststellenleiter
war Gesandter Rudolf Wodianer
von Maglód. Wodianer traf im Februar
1913 in Bangkok ein, die erste
Adresse der Gesandtschaft war das
»Oriental Hotel«, später wurde ein
privates Haus angemietet. Pläne zum
Neubau einer Gesandtschaft wurden
nicht mehr verwirklicht.
Gesandter Wodianer fuhr aus
Krankheitsgründen im Mai 1914 auf
längeren Urlaub nach Europa und
konnte dann wegen des Kriegsausbruchs
nicht mehr nach Siam zurückkehren.
In seiner Abwesenheit
führte der Legationssekretär und Vizekonsul
Emil Keil als Geschäftsträger
das Amt, auch in den Kriegsjahren.
Die Gesandtschaft wurde infolge
der Kriegserklärung von Siam am
22.7.1917 geschlossen.
Danach wurden erst 1953 wieder
formal diplomatische Beziehungen
zwischen dem Königreich Thailand
und der Republik Österreich aufgenommen,
im Jahr 1954 wurde residente
Gesandtschaften (heute Botschaften)
in Bangkok und in Wien eröffnet.
Diese Eröffnungen jähren
sich 2024 zum 70. Mal; Österreichs
Zeit als Seemacht war da schon lange
Geschichte.
Binnenreviere: Gesunkene historische Schiffe – eines davon erfolgreich gehoben
Bodensee: Dampfschiff SAENTIS
Die SAENTIS war ein Seitenrad-Dampfer und fuhr ab 1892 bis
zu ihrer Ausmusterung 1933 als Passagierschiff auf dem Bodensee,
vor Romanshorn wurde sie im See versenkt. Das
Wrack liegt in 210 m Tiefe.
Die frühere Eignerin Schweizer Bundesbahn prüfte 1943
die Hebung, danach geriet das Schiff in Vergessenheit – bis
es 2023 der Schiffsbergeverein Romanshorn von der Schweizerischen
Bodensee-Schifffahrt erwarb. 2024 folgten zwei
wegen diverser Materialprobleme erfolglose Hebungsversuche.
Da die Schweiz 2020 die UNESCO-Konvention zum
Schutz des Kulturerbes unter Wasser ratifiziert hat, können
weitere Versuche nur bis 2033 unternommen werden. Indessen
hat der Schiffsbergeverein eine weitere Crowdfunding-
Kampagne lanciert, um die nötigen Geldmittel auftreiben zu
können.
https://schiffsbergeverein.ch/
Attersee: Sonderklasse BIBELOT II
Im Zuge einer Regatta sank am 2. August 2024 die aus Holz
gebaute historische Sonderklasse-Jacht auf eine(r) Wassertiefe
von 130 Metern. Sascha Grigkar, der Eigner des Jacht-
Klassikers erinnert sich: »Eigentlich hatten wir super Wind
zum Segeln. Allerdings hat uns eine relativ starke Böe erwischt,
als wir gerade eine Halse fahren wollten.« Das Schiff sei
aus dem Ruder gelaufen und habe sich flach aufs Wasser gelegt,
das sinkende Schiff musste vorerst aufgegeben werden.
Die Wasserrettung Oberösterreich konnte die gesunkene
Jacht zunächst orten und später mittels Unterwasser-Kamera
identifizieren. Am 14. August wurde ein erster Bergungsversuch
unternommen, in den folgenden Tagen wurden von
Spezialisten Bergeleinen fixiert. Mittels Seilwinde auf einem
Ponton wurde der Rumpf gehoben und in seichtes Gewässer
geschleppt, wonach die endgültige Hebung mit Hebeballons
gelang.
https://ooe.owr.at/
DS SAENTIS - Ausfahrt in Lindau, Postkarte ca. 1908
(Public Domain)
BIBELOT II hart am Wind (anon.)
14
Österreich Maritim 87/88 – September 2024
Die Werft Korneuburg im »tausendjährigen Reich«
Ing. Otto Pacher, Stadtmuseum Korneuburg (Auszug)
Die DDSG-Werft Korneuburg war
nach dem ersten Weltkrieg die einzig
verbliebene im Bereich der jungen
»ersten« Republik Österreich.
Ursprünglich handelte es sich um
einen Filialbetrieb der im Jahr 1835
gegründeten DDSG-Hauptwerft in
Óbuda / Budapest.
1849 fanden in Korneuburg erste
Adaptierungsarbeiten statt, und
1852 wurde der Abstell- und Reparaturplatz
für DDSG-Schiffe eingerichtet.
Der vorliegende Bericht
stellt im wesentlichen die Geschichte
unter nationalsozialistischer
Verwaltung bis 1945 dar.
Dieser Artikel ist eine gekürzte
Fassung der gleichnamigen Publikation
in den Kulturnachrichten
2018 des Stadtmuseums.
Die Abbildungen stammen
wenn nicht anders angegeben aus
der Sammlung es Museumsvereins
Korneuburg.
Erste Republik
Nach dem Zerfall der Donaumonarchie
1918, Österreich war zu einem
Kleinstaat geworden, erfolgte am
12. November die Ausrufung der
Republik Österreich. Die Zweifel an
Zugschiff FRANCE (Sammlung Franz Dosch)
Zugschiff Schutenentleerer FRANCE (Sammlung FAFNER, Franz 1927Dosch)
1
Grössing – Funk – Sauer – Binder, Rot-Weiss-Rot
auf blauen Wellen; 150 Jahre DDSG, 123, Wien,
1979
2
Oskar Absolon, Die Arbeiter an der Donau,
Studien zur Geschichte und Politik in
Oberösterreich, 42, Linz, 1990
der Bestandsmöglichkeit des kleinen
Staates waren groß, der Wunsch zum
Anschluss an Deutschland bestand
auch bei den damaligen politischen
Parteien. Die Siegermächte untersagten
1919 im Vertrag von Saint Germain
den Anschluss.
In diesem Vertrag wurde auch die
Vormachtstellung der DDSG auf der
Donau gebrochen. Die DDSG musste
die Hälfte ihres Schiffsparks an die
Siegermächte und Donauanrainerstaaten
abgeben und verlor auch ihre
Privilegien für die Befahrung der Donaunebenflüsse
1 . Die Aktienmehrheit
der DDSG lag nun in England.
Auch die ersten Zugschiffsneubauten
Glanz und Vindobona aus
der Werft Korneuburg waren davon
betroffen. Glanz fuhr danach unter
französischer Flagge als France,
Vindobona unter rumänischer
Flagge als Romania Mare.
Neben den Schiffsreparaturen
war die Werft Korneuburg mit dem
Neubau von Güterkähnen beschäftigt,
um den Verlust von Frachtkapazitäten
der DDSG auszugleichen.
Durch die beginnende Wirtschaftskrise
wurde der Beschäftigtenstand
der Werft ab 1923 von 420 Personen
auf 170 Personen reduziert.
Für die freigesetzten Mitarbeiter
blieb nur die Arbeitslosigkeit, in der
Folge verloren viele jegliches Einkommen
2 . Mit staatlichen Aufträgen
bemühte man sich, durch Verbesserung
der Infrastruktur Arbeitsplätze
zu schaffen, so konnte die Werft
1927 Aufträge für den Bau des Schutenentleerers
Fafner und 1928 für
das erste in Korneuburg gebaute
Fahrgastschiff, der Österreich für
den Bodensee, entgegennehmen.
Das Werftgelände beschränkte
sich um 1930 auf den Festlandteil.
Der Werfthafen war schmal. Während
des Winterstandes war der Hafen
voll, die Schiffe wurden »geschlichtet«.
Das nördlich gelegene
Gelände war bereits für eine Werfterweiterung
vorgesehen. Durch den
Klassenkampf wurden die demokratischen
Ansätze in der Republik zurückgedrängt.
Diese Zeit ist aus heu-
Zeittafel 1930 – 1938
18. Mai 1930 Korneuburger Eid der
Heimwehr: Absage an den westlichen
demokratischen Parlamentarismus.
Winter 1932/33 Höhepunkt der
Weltwirtschaftskrise: ca. 600.000
Arbeitslose in Österreich.
30. Jänner 1933 »Machtergreifung«
der Nationalsozialisten in Deutschland.
7. März 1933 Rücktritt der drei
österreichischen
Nationalratspräsidenten: Beginn des
autoritären Regimes von Kanzler
Dollfuß.
12. Februar 1934 Bürgerkrieg in
Österreich: Verbot der
Sozialdemokratischen Arbeiterpartei.
25. Juli 1934 Putschversuch der
österreichischen Nationalsozialisten:
Ermordung von Kanzler Dollfuß.
11. Juli 1936 Deutsch-österreichisches
Verständigungsabkommen: Österreich
wird als zweiter deutscher Staat
definiert.
12. Februar 1938 Berchtesgadener
Abkommen: Hitler setzt Kanzler
Schuschnigg unter Druck. Der
Nationalsozialist Seyß-Inquart wird
Innen- und Sicherheitsminister.
9. März 1938 Kanzler Schuschnigg
kündet für 13. März eine
Volksbefragung über die
Unabhängigkeit Österreichs an.
11. März 1938 Ultimatum von Hitler
nach Absetzung der Volksbefragung.
Rücktritt von Kanzler Schuschnigg mit
den Worten „Gott schütze Österreich“.
12. März 1938, 5:30 Uhr Einmarsch
der Deutschen Wehrmacht in
Österreich.
Österreich Maritim 87/88 – September 2024
15
tiger Sicht schwer zu verstehen. Einige
Zeitmarken sollen die Entwicklung
verständlicher machen.
Anschluss an das Deutsche
Reich
10. April 1938 »Offene Volksabstimmung«.
99 % stimmten für
den Anschluss. Hitler ließ »Österreich«
durch »Ostmark« ersetzen,
später durch »Donau- und
Alpenreichsgaue«. Österreich
wurde staatlich, militärisch, wirtschaftlich,
kulturell und sozial
nach reichsdeutschem Muster
neu organisiert. Alle »Reichsgaue«
auf österreichischem Gebiet
unterstanden direkt den Berliner
Zentralbehörden, der Begriff
»Österreich« verschwand aus der
offiziellen Kommunikation 1 .
Willkür und Missachtung
Auch in Korneuburg rächten sich
die Nazis für das Verbot der Nationalsozialistischen
deutschen Arbeiterpartei
– NSDAP. Vor dem
Einmarsch der deutschen Truppen
wurden offensichtlich durch
Anhänger der Christlich-Sozialen
Partei – CSP – Werbesprüche für
die Volksabstimmung Schuschniggs
(geplant für den 13. März)
auf den Hauptplatzboden gemalt.
Willkürlich zusammengetriebene
Anhänger der CSP und weitere
Personen mussten die Sprüche
mit einer Reibeaktion
wieder entfernen. Viele
Anhänger der NSDAP
und »Adabeis« verfolgten
diese Aktion, zu der
auch angesehene Korneuburger
eingeteilt waren 2 .
Diktatur
Die österreichische Presse wurde
beim »Anschluss« über Nacht
gleichgeschaltet. Die Presse wurde zu
einem wichtigen Instrument der
Durchsetzung der nationalsozialistischen
Herrschaft. Durch sie wurden
militärische Aggressionen stimmungsmäßig
aufbereitet, ebenso die
Ausgrenzungspolitik und Ermordung
von Teilen der Bevölkerung.
Zugelassen waren nur politisch opportune
sowie »arische« Journalisten
und Verleger.
Die erste große Verhaftungswelle
unmittelbar nach der Besetzung richtete
sich vor allem gegen Vertreter des
untergegangenen Ständestaates,
Kommunisten, Sozialisten, bekannte
antinazistische Künstler sowie Juden.
Die Zahlenangaben schwanken zwischen
50.000 und 76.000 Inhaftierten
innerhalb der ersten sechs Wochen.
Diskriminierung, Entrechtung
und Beraubung der Einwohner mit
jüdischer Religion, die in Deutschland
fünf Jahre lang Schritt für
Schritt durchgeführt worden waren,
wurden in der »Ostmark« in wenigen
Wochen nachgeholt und überholt.
Private Rache- und Raubgelüste
spielten dabei eine große Rolle.
85.000 ÖsterreicherInnen fielen
dem Holocaust zum Opfer 3 .
3
Dokumentationsarchiv des österreichischen
Widerstandes, Wikipedia
Werftübernahme
Die »neue Zeit« wirkte sich auch sofort
auf die Belegschaft der Werft aus.
Jüdische und nicht genehme Mitarbeiter,
meist politisch engagierte Personen,
wurden sofort freigestellt, einige
verhaftet. Diese Regelung betraf
vom Hilfsarbeiter bis zum leitenden
Angestellten alle dem Regime nicht
genehme Personen 4 . Das Beispiel des
Tischlermeisters Julius SCHWARZ
zeigt, dass die bisher geleistete Arbeit
und Fähigkeiten der politischen Verfolgung
untergeordnet wurde. 1919
in die Werft als Tischler eingetreten,
1923 Werkmeister, 1924 Werkführer,
1936 Erfolgsprämie und außerordentliche
Zuwendung, hatte er einen
entscheidenden Fehler: er war mit einer
Jüdin verheiratet. Er konnte nach
Amerika ausreisen und versuchte
nach Kriegsende wieder in der Werft
Fuß zu fassen, was nicht gelang 5 . Die
Bespitzelungstätigkeit und Vernaderung
wurde von der neuen nationalsozialistischen
Firmenleitung gefördert.
Auch der damalige Werftleiter,
Zentraloberinspektor Weber, musste
die Werft verlassen. Er konnte nach
Ende des zweiten Weltkrieges wieder
in der DDSG Fuß fassen.
Österreich war ein wichtiger
wehrwirtschaftlicher Ergänzungsraum
der deutschen Kriegswirtschaft,
dessen Bedeutung im Laufe
des Zweiten Weltkrieges aufgrund
der günstigen geographischen Lage
noch zunahm. Der Ausbau der Rüstungswirtschaft
setzte unmittelbar
nach dem »Anschluss«
ein. Nicht nur wurden
viele Betriebe auf Rüstungsproduktion
umgestellt
bzw. stillgelegte Betriebe reaktiviert,
es kam auch zur Errichtung
einer Reihe neuer
1
Dokumentationsarchiv des
österreichischen Widerstandes,
Wikipedia
2
Archiv Museumsverein Korneuburg,
Unterlagen Grete Rodler
Fahrgastschiff OSTMARK (heute AUSTRIA, am Bodensee)
4
Oskar Absolon, Die Arbeiter an der
Donau, Studien zur Geschichte und
Politik in Oberösterreich, 59, Linz,
1990
5
Archiv Museumsverein Korneuburg,
Unterlagen Grete Rodler
16
Österreich Maritim 87/88 – September 2024
Reichsbauprogramm 1938/39 (Archiv Franz Dosch)
Fabriken. Auch der soziale Wohnbau
wurde anfangs vorangetrieben. So
wurden in Korneuburg zivile Wohnbauten
in der Kreuzensteinerstraße
errichtet, in der Ungerweggasse und
in der Jochingergasse Wohnbauten
für Militärangehörige.
Die DDSG und somit
auch die Werft Korneuburg
gingen rasch in deutsches Eigentum
über und wurden
den »Hermann Göring-
Werken« übertragen. Die
zentralen Planungsstellen in
Berlin arbeiteten an einem
Reichsbauprogramm für die
zivile Hochrüstung der Binnenschifffahrtskapazitäten,
auch für den Donaubereich.
Zentrale Stelle für die Umsetzung des
Reichsbauprogramms für die Donau
war die DDSG-Direktion in Wien,
die alle Donauwerften im deutschen
Einflussbereich koordinierte.
Vor dem Wirksamwerden des
Reichsbauprogramms erfolgte die
Fertigstellung der vor dem Anschluss
bereits in Bau oder Planung befindlichen
Projekte wie dem zweiten Personenschiff
für den Bodensee aus der
Werft Korneuburg, als Austria geplant,
als Ostmark am 15. September1939
übergeben, den Zugschiffen
Romulus und Remus und einigen
Güterkähnen. Das Schwesterschiff
von Romulus, Remus, ging bereits
am 1. August 1938 an die Kriegsmarine
unter dem Namen Alberich.
Neue Fahrgastschiffe
Die Entwicklung
einer neuen
Fahrgastschiffstype
für
die DDSG,
ebenfalls vor
dem Anschluss
begonnen, war
auf eine Universalnutzung
ausgelegt.
Die Antriebsart wurde nach
dem Fahrbereich ausgewählt. Für die
obere Donau mit 35 Schiffsanlegestellen
galt es, die beste Art für das
talfahrende Anlegemanöver ohne
MFS Stadt Wien, Generalplan
Zeitverlust zu finden. Versuche hatten
ergeben, dass der Seitenradantrieb
beim Rückwärtsdrehen das beste
Bremsverhalten zeigt. Dadurch
konnten die Radschiffe auch talfahrend
ohne Wendemanöver an- und
ablegen. Die Zeit der Dampfmaschine,
die sich optimal für den Radantrieb
eignete, war vorbei. Die Dieselmotoren
standen schon lange Zeit
MFS STADT WIEN, Getriebe
(Archiv Hubert Giracek)
für den Schiffsantrieb - vor allem
kombiniert mit dem Propeller - in
Einsatz. Vibrations- und Lärmentwicklung
der Dieselmaschinen stellten
beim Einsatz für Fahrgastschiffe
immer ein Problem dar. Man entschied
sich für eine technisch
aufwendige Lösung, wie sie auch
beim allerersten Dieselflussschiff
(Vandal der Brüder Nobel 1903)
zum Einsatz kam, den Diesel-Elektroantrieb.
Reichsbauprogramm
Die Aufträge für die Donauwerften
im deutschen Einflussgebiet wurden
zentral von der DDSG abgewickelt,
deren Geschäftsführung
ebenfalls durch Nationalsozialisten
erfolgte. Vorgegeben
wurde das zivile Reichsbauprogramm
für die Donau
vom Reichsverkehrsministerium
Berlin. Die Schiffe
und Kähne teilte man auf
die deutschen Reedereien
auf.
Durch die stramm organisierte,
zentral gesteuerte
Planwirtschaft war es möglich,
in kurzer Zeit eine große
Flotte bereitzustellen.
Neben den Bauwerften gab es Zulieferbetriebe,
die ihrerseits mit den erforderlichen
Rohmaterialien versorgt
wurden und die erforderlichen
Schiffsteile anarbeiteten. Dieses System,
bei dem Menschen nur eine materialistische
Rolle spielten, wurde in
allen Bereichen des »Tausendjährigen
Reiches« eingesetzt, auch bei der
Vernichtung »unwerten Lebens«.
Werftarbeiter und Zivilgesellschaft
Da die Werft als »kriegswichtiger Betrieb«
eingestuft war, konnte ein
Großteil der »arischen« Werftmitarbeiter
im Betrieb bleiben. Erst mit
Fortschreiten der Kriegshandlungen
Österreich Maritim 87/88 – September 2024
17
Stapellauf eines Güterkahns
Schiffbauhalle 2
wurden auch Werftmitarbeiter zum
Kriegsdienst eingezogen. Viele landeten
bei der Marine und leisteten
Kriegsdienst auf Schlachtschiffen
und U-Booten. Die Anzahl der Beschäftigten
lag in dieser Zeit mit den
Fremdarbeitern und Gefangenen bei
1.700 Personen. Neben der Neubauproduktion
erfolgten zahlreiche Reparaturen
von Kähnen, Zug- und
Personenschiffen.
Die holländischen, französischen
und jugoslawischen Fremdarbeiter
konnten sich in Korneuburg frei bewegen
und waren im Barackenlager
untergebracht. Das Lager war mit
der erforderlichen Infrastruktur für
die Versorgung der Fremdarbeiter
ausgerüstet. So gab es eine eigene
Holländische Arbeiter (Josef de Boer)
Kantine mit Küche, Waschräume,
Toiletten usw., um die Fremdarbeiter
von den »deutschen« Beschäftigten
möglichst zu separieren. Eigenes Personal
sorgte für den reibungslosen
Betrieb.
Ein Teil des Lagers war mit einem
zusätzlichen Zaun umgeben. In diesem
Bereich wohnten die in der
Werft beschäftigten Kriegsgefangenen.
Ein französischer Fremdarbeiter
wurde mit einem Koffer mit Kleidungsstücken
vom Werksschutz festgenommen
und der GESTAPO (Geheime
Staats-Polizei) übergeben.
Widerstand gegen die Diktatur
Die sozialen Bedingungen für die Belegschaft
waren durch die diktatorische
Führung äußerst schlecht. Teile
der Belegschaft versuchten im Untergrund
ein soziales Netz aufzubauen.
Es bildete sich im Untergrund eine
Widerstandsgruppe, deren Kern aus
35 Arbeitern und Angestellten bestand.
Ähnliche Widerstandsgruppen
gab es auch bei den Reichsbahnen
und weiteren Industriebetrieben.
Sie waren unter dem Titel
»Rote Hilfe« miteinander lose verbunden.
Dies blieb der GESTAPO
nicht lange verborgen. Ab 1941 kam
es zur Verhaftung von zahlreichen
Aktiven und Mitläufern aus diesen
Gruppen. Davon waren auch elf
Werftmitarbeiter und ein Maurer eines
Korneuburger Bauunternehmens,
der bei der Errichtung der neuen
Werftanlagen beschäftigt war, betroffen.
Einer der Aktiven war der Maschinenschlosser
Josef Schwarzböck,
der am 2. Juli 1941 verhaftet wurde.
Viele Verhaftungen erfolgten in Bereich
der Reichsbahnen, wo die sogenannte
»Rote Hilfe« sehr aktiv war;
das Verbrechen der »Roten Hilfe«
bestand im Wesentlichen darin, für
jene Familien von Sozialisten und
Kommunisten zu sammeln, deren
Angehörige bei der nationalsozialistischen
Machtübernahme verhaftet
worden waren und die keinen Unterhalt
erhielten. Natürlich wurden im
Untergrund auch Flugblätter gedruckt
und verteilt. Bei den folgenden
Hochverratsprozessen gab es für
sieben Angeklagte das Todesurteil
und für die weiteren lange Zuchthausstrafen.
In der Urteilsbegründung
von Josef Schwarzböck wird
Todesurteil J. Schwarzböck
auf seine kommunistischen Tätigkeiten
hingewiesen, er war jedoch bis
zum Verbot der SPÖ 1934 deren
Mitglied. Die Kosten des Hochverratsprozesses
sowie die Kosten der
Hinrichtung hatte seine Frau zu tragen.
Zwei Hinrichtungen erfolgten
in Wien, vier Hinrichtungen in Berlin,
ein zum Tode
Verurteilter wurde
begnadigt und
zu lebenslangem
Zuchthaus verurteilt.
Die Propagandamaschine
der
Nationalsozialis-
Josef Schwarzböck im GESTAPO-Akt
18
Österreich Maritim 87/88 – September 2024
ten nutzte die Hinrichtungen zur
Unterdrückung jeglichen Widerstandes
aus der Bevölkerung gegen das
Regime bewusst aus. Durch Zeitungsartikel
und Plakate verglich
man die Hilfe der Arbeiterschaft untereinander
mit Partisanentum. Die
Diktatur (Politik) bestimmte das
Recht!
Kriegstransporter KT
SME 5 (SchwarzMeerEinheitsschiff CONSTANŢA)
Mit dem Fortschreiten der Kriegshandlungen
verlagerte sich der
Schwerpunkt des Bauprogramms auf
die Rüstung. Entsprechend der zentralen
Planwirtschaft konstruierte
eine Werft einen Schiffstyp, der auf
verschiedenen Werften im deutschen
Einflussbereich gebaut wurde. Einer
dieser Schiffstypen waren die Hochsee-Kriegstransporter
»KT«, die von
der Kriegsmarine bei verschiedenen
Werften in Auftrag gegeben wurden.
Geplant war der Bau von 62 Einheiten,
beauftragt wurden 60, fertiggestellt
und übergeben 47 Einheiten.
Korneuburg erhielt 1942 vom
Oberkommando der Kriegsmarine
den Auftrag für den Bau von drei
Hochseeschiffen der Type »KT«.
KT4 und KT17 wurden als U-Boot-
Jäger für das Schwarze Meer ausgerüstet,
KT18 setzte man als Transporter
ein. Von den KT-Schiffen aus
Korneuburg gibt es keine Bilder.
Man kann jedoch davon ausgehen,
dass die Schiffe ähnlich aussahen wie
auf dem hier gezeigten
Foto.
Durch die immer
größer werdende
Treibstoffknappheit
im »Tausendjährigen
Reich« installierte
man auf diesem
Schiffstyp Dampfmaschinen. Die
Kessel wurden mit Kohle beheizt, die
in Deutschland leichter verfügbar
war.
Schwarzmeer-Einheitsschiffe
SME
KT16 (P. Schenk, Sammlung Wilhelm Donko)
Generalplan Schwarzmeer-Einheitsschiff (Dietrich Fischer)
Der Bedarf der Heeresgruppe Süd an
Frachtschiffen im Schwarzen Meer
war durch Nachschubprobleme sehr
groß. Die Nachschubwege mit der
besten Kapazität liefen über die Donau
und anschließend
durch das
Schwarze Meer. Bereits
1942 begann
man mit der Planung
von geeigneten
Schiffen, um diese
Wege besser nützen
zu können. Die auf
Küstenmotorschiffe
spezialisierte Werft D.
W. Krämer Sohn in
Elmshorn bei Hamburg
bekam vom
»Reichskommissar für die Seeschiffahrt«
den Auftrag für die generelle
Planung der SME-Schiffe und
den Bau von vier Einheiten.
Durch die Lage an der Donau mit
direkter Verbindung zum Schwarzen
Meer bekam die Werft Korneuburg
den Auftrag für den Bau von acht
SME-Schiffen nach den Plänen der
Krämer-Werft.
Die ersten fünf Kiellegungen erfolgten
in der zweiten Jahreshälfte
1943, die weiteren drei 1944. Zum
Zeitpunkt der Stapelläufe der meisten
SME-Schiffe war durch die
Kampfhandlungen der Weg ins
Schwarze Meer bereits abgeschnitten.
Dies führte dazu, dass kein SME
in der Werft Korneuburg fertiggestellt
und ordnungsgemäß übergeben
werden konnte. Am 24. November
1944 kam es durch den »Reichskommissar
für die Seeschiffahrt« zu
einer „»vorläufigen Übernahme«
von SME 2 und SME 7, deren Bau
am weitesten fortgeschritten war.
Diese beiden Schiffe wurden zur Sicherung
in den Bereich von Dürnstein
gebracht. Aus einem Vertrag
geht hervor, dass die beiden Schiffe
mit je drei durch die DDSG beige-
Österreich Maritim 87/88 – September 2024
19
stellten Besatzungmitgliedern auf
Rechnung der »Schiffahrt GmbH
Hamburg« bemannt waren.
Die vier in der Werft D. W. Krämer
Sohn in Elmshorn bei Hamburg
gebauten Schiffe wurden in Teilen
zerlegt auf dem Landweg zur Donau
transportiert und vermutlich in einer
Werft an der oberen Donau zusammengebaut.
Zwei der Schiffe lagen
mit SME 2 und SME 7 beim Anrücken
der Roten Armee 1945 ebenfalls
in Rossatz und wurden von der
eigenen Mannschaft im flachen Wasser
versenkt.
Bei der Übernahme der Werft
durch die Rote Armee im April 1945
lagen zwei SME nach wie vor am Stapel.
Die anderen nicht fertiggestellten
SME-Schiffe lagen im Bereich der
Werft Korneuburg und wurden nach
der Befreiung und Besetzung durch
die Rote Armee mit den in Dürnstein
liegenden Schiffen von den Sowjets
übernommen. Die Sowjets
überstellten alle in Korneuburg gebauten
SME nach Budapest in die
Werft Obuda, wo diese als Küstenmotorschiffe,
ausgestattet mit amerikanischen
Dieselmaschinen, fertiggestellt
wurden. Sechs Schiffe waren
unter sowjetischer Flagge, zwei
Schiffe unter rumänischer Flagge lange
Jahre im Einsatz 1 .
Bomber und Aufklärer
Am 26. Mai 1944 begannen die Luftangriffe
auf Korneuburg. Ziele waren
die Raffinerie und die Panzerkaserne.
Die Werft wurde nie bombardiert,
jedoch bei den darauf folgenden
Aufklärungsflügen sehr wohl fotografiert,
um die Schiffbautätigkeiten
festzuhalten. Dies wurde auch
für weitere Werften / Schiffbauplätze
im Raum Wien durchgeführt.
Die amerikanische Aufklärung
1
Wilhelm M. Donko, Daten aus »Die
Schwarzmeer-Einheitsschiffe SME 1 - SME 12
der Deutschen Kriegsmarine: Konzept, Einsatz
und Verbleib«. Verlag epubli GmbH
erstellte anhand der Bilder genaue
Beschreibungen der Werftanlagen,
Gebäude und erfasste die Schiffbauaktivitäten
in diesen Werften. Ein
Plan der Korneuburger Werft mit
Maßangaben wurde ebenfalls erstellt.
Das Aufklärungsfoto der amerikanischen
Luftwaffe vom 5. April
1945 zeigt, dass nur mehr wenige
Schiffe im Hafen liegen. Gut zu erkennen
ist das Barackenlager, man erkennt
auch den Zaun um den Gefangenenbereich.
Ab 1944 waren die Schiffbautätigkeiten
überwiegend auf Rüstungsfertigung
ausgerichtet. So begann
man 1944 mit dem Bau von Marinefährprahmen.
In den Baulisten der
Werft scheinen die meisten Kiellegungen
und Stapelläufe datumsmäßig
auf, jedoch keine Übergaben.
Die ersten beiden als Marinefährprahme
geführten Schiffe Themis
und Thetis mit den Bau-Nummern
428 und 429 weichen mit den technischen
Angaben wesentlich von den
in der Literatur beschriebenen Fährprahmen
der deutschen Kriegsmarine
ab. Es gibt auch keine Bilder von
den acht in Korneuburg gebauten
Einheiten.
Die letzten in
der Korneuburger
Werft-Bauliste angeführten
Produkte
waren 30 U-Boottürme
und 15 U-
Bootachtersteven.
Anfang April ergab
sich auch für die
verbliebenen Werftmitarbeiter
eine
neue Situation. Die
Produktion war
komplett zurückgefahren,
es blieben
nur mehr 30 Personen
als Werksschutz im Betrieb. Viele
Werftarbeiter hatten sich in Güterkähnen
eine kleine Wohneinheit eingerichtet,
um mit ihren Familien mit
den letzten nach Westen fahrenden
Schiffen vor der anrückenden Roten
Armee zu fliehen. Diese Kähne lagen
längere Zeit in Linz als Wohnschiffe.
Erst langsam kehrten die Familien
nach Kriegsende wieder nach Korneuburg
zurück.
Bei der Vorbereitung zum Rückzug
der SS aus Korneuburg versah
diese unter Mithilfe des Werkschutzes
die Werftanlagen und Gebäude
mit Sprengsätzen. Beim Abmarsch
der SS sollten die Sprengladungen gezündet
werden. Einige Werkschutzleute
unter der Führung von Werkschutzleiter
Friedrich Koth entfernten
heimlich unter Todesgefahr die
Zündkapseln. Friedrich Koth war
1945 Leiter des Werkschutzes, auch
danach lange Jahre Kommandant der
freiwilligen Betriebsfeuerwehr der
Schiffswerft Korneuburg und hat aktiv
beim Aufbau der Wasserwehren
in Niederösterreich mitgearbeitet.
Durch die Entfernung der Zündkapseln
war der Weiterbestand der
Schiffswerft Korneuburg nach 1945
möglich. Ob die Werft Korneuburg
nach einer Sprengung der Anlagen
durch die SS in den Nachkriegsjahren
wieder aufgebaut worden wäre,
Aufklärungsfoto der amerikanischen Luftwaffe vom 5. April 1945
(Sammlung Wilhelm Donko)
ist fraglich.
Die Korneuburger Rollfähre,
Baujahr 1935, wurde jedoch 1945
durch die SS gesprengt und war nach
den alten Plänen der erste Neubau
20
Österreich Maritim 87/88 – September 2024
der Werft nach dem Krieg im Jahr
1949.
In der Nacht vom 12. auf den
13. April 1945 überquerte die Rote
Armee die Donau, befreite und besetzte
die Werft und die Stadt Korneuburg.
Am 8. Mai erfolgte die Kapitulation,
das sieben Jahre dauernde
»Tausendjährige Reich« war Geschichte.
128 Schiffs-Neubauten
und zahlreiche große Schiffsreparaturen
erfolgten während der nationalsozialistischen
Diktatur in der
Schiffswerft Korneuburg.
Nachgeschichte
Nachdem die Sowjets die Werft als
früheres »Deutsches Eigentum« in
Besitz genommen hatten, begann der
Abbau von fast drei Viertel des Maschinenparks
und Verfrachtung in
die Sowjetunion. Dabei wurde vieles
irreparabel zerstört. Ab 1946 begannen
die neuen Besitzer die Schiffswerft
Korneuburg zu nutzen, in dem
viele zerstörte Schiffe entlang der Donau
gehoben und zur Instandsetzung
nach Korneuburg gebracht wurden.
Der erste Neubau nach dem Zweiten
Weltkrieg war die Rollfähre Korneuburg
– Klosterneuburg im Jahr 1949.
Nach den Plänen der 1935 gebauten
und 1945 von der SS gesprengten
Fähre errichtet, versieht die Fähre
nach wie vor ihren Dienst zwischen
den beiden Städten.
Für die »Arbeiter an der Donau«
normalisierte sich das Leben trotz
Besatzung langsam wieder, die Werft
wurde ein USIA-Betrieb (Sowjetisches
Eigentum in Österreich) und
produzierte von 1949 bis 1955 im
Dreischichtbetrieb mit bis zu 1.500
Beschäftigten vorwiegend für die Sowjetunion.
Niemals
vergessen!
Bereits während des Krieges und vor
allem nach dessen Ende bemühten
sich Angehörige und auch Politiker,
die Leichen der Justifizierten in die
Heimatorte zu überführen. Die Hingerichteten
wurden jedoch alle verbrannt
und die Asche unauffindbar
entsorgt.
Um die Erinnerung an das Geschehene
für die folgenden
Generationen
zu erhalten, beschloss
der Gemeinderat
von Korneuburg
1946, ein Ehrenmal
für die Hingerichteten
zu errichten.
Das Mahnmal
entstand 1947 am
Gelände der Schiffswerft
vor der Tischlerei,
Obj. 63, und übersiedelte 1965
vor die neu errichtete Werkskantine.
Nach der Werftschließung 1993 verlegte
man das Denkmal in den Bahnpark.
2004 konnte das Mahnmal wieder
auf das Werftgelände versetzt
werden, wo es hoffentlich seinen
endgültigen Platz haben wird.
Mahnmal für die Opfer des nationalsozialistischen Terror-Regimes
Aktueller Chronikbericht: TWIN CITY LINER bei Brückenbaustelle havariert
Wien, 24. August 2024: An diesem Samstagvormittag kollidierte
im Donaukanal der talfahrende Schnellkatamaran
um 8:42 Uhr mit einem Durchfahrtshindernis an der Ostbahnbrücke,
an der zurzeit durch die Stadt Wien (Brückenbau
und Grundbau) eine Generalsanierung durchgeführt
wird. Damit fällt die schnelle Schiffsverbindung Wien-Bratislava
auf unbestimmge Zeit aus.
Die Schifffahrtsaufsicht Wien hat den Hergang auch
nach Zeugenaussagen dokumentiert. Bei dem Vorfall waren
keine Verletzten zu beklagen, jedoch wurde das Schiff an
einem der Rümpfe erheblich beschädigt. Zunächst im Hafen
Wien abgestellt wurde das Schiff mittlerweile zur Reparatur
und Überprüfung auf eigenem Kiel nach Linz (bei der
Österreichischen Schiffswerften AG – ÖSWAG) überstellt.
Die Fahrgäste wurden von der Unfallstelle mit Bussen an
den Ausgangsort Wien, Schwedenplatz zurückgebracht.
Aufschlussreich ist der Text der Nachricht für die Binnenschifffahrt
Nr. 41/01 gemäß § 24 Schifffahrtsgesetz:
[...] »Für die Brücke Ostbahnbrücke, Wiener Donaukanal
km 11,7 im ganzen Bereich gilt die folgende Beschränkung:
in der Zeit vom 11. März 2024 07:00 Uhr bis 31. Dezember
2024 23:59 Uhr durchgehend – Durchfahrtshöhe 5,6 m bezogen
auf [HSW] im ganzen Bereich [...] Der Bereich ist mit
sicherer Geschwindigkeit zu durchfahren!« [...]
»Seit 05.04.2024 ist die aktuelle Durchfahrtshöhe [...] über
[www.doris.bmk.gv.at/fahrwasserinformation/brueckendurchfahrtshoehen]
abrufbar!«
Red.
Österreich Maritim 87/88 – September 2024
21
Das Ei des Kolumbus? – Patent am Binnengewässer
Ein österreichisches Patent zur nautischen Umfahrung von Verkehrsproblemen zu Lande
Übertourismus ist ein beinahe weltweit beobachtetes
Problem, wenn, wie beispielsweise in Venedig (oder
auch in Österreich an den Seen des Salzkammergutes)
die anreisende Touristenpopulation und die durch sie
hervorgerufenen Verkehrsströme nicht mehr adäquat
bewältigt werden können.
Ein innovativer, als Verkehrsplaner aktiver österreichischer
Bauingenieur sah sich dadurch zur Erfindung der Hydroseilbahn
veranlasst, und er hat auch tatsächlich – unter Beteiligung
der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft
(FFG) – eine Patentschrift erstellt, und im Frühjahr
2024 hat das europäische Patentamt eine darauf bezogene
»Erteilungsabsicht« kundgetan.
Das technische Prinzip
Diese »Schwimm- oder Wasserseilbahn« nutzt laut
dem Erfinder die Oberfläche von Flüssen und Seen als Verkehrsfläche
und löst oder mildert damit zu Land auftretende
Verkehrsprobleme. An einem elektrisch angetriebenen
und über Rollen geführten Unterwasser-Seil werden kuppelbare
Boote geführt, dies folgt daher dem Prinzip der
klassischen Einseil-Umlaufbahn. Damit soll eine Förderleistung
von 1.500 Personen pro Stunde erreichbar sein.
Da außerhalb der Betriebszeiten die Gewässer-Oberfläche
komplett leer sei (die Boote werden im Boots-Depot abgestellt),
sei diese Technologie nach Angebe des Patentwerbers
auch umweltschonend.
Unsere Bewertung der Idee
Wir haben in unserem FHS-Team diese Neuerung natürlich
interessiert diskutiert: Abgesehen von der grundsätzlichen
bau-, maschinen- und seilbahntechnischen Machbarkeit
– hier sehen wir uns aufgrund mangelnden Expertenwissens
als nicht genügend befugt an – sind uns doch einige
Fragen zum Projektvorhaben aufgefallen:
• Obwohl die Zwischenräume zwischen den geplanten
geschleppten Wasserfahrzeugen frei befahrbar sind, ergeben
sich für die restliche »Seefahrt« (Linien-Schiffsverkehr,
frei fahrende Sport- und Fischereifahrzeuge)
Gefahrensituationen bei Begegnungen. Eine schifffahrtsrechtliche
Bewilligungsfähigkeit des Projektes
wird deshalb schwierig zu erlangen sein.
• Die limnologischen Verhältnisse am Beispiel der Salzkammergut-Seen
haben die Besonderheit eines meromiktischen
Gewässers: die vertikale Wasserzirkulation
findet nicht über das ganze Tiefenprofil statt. Dies ist
für die Ökologie des Gewässers von entscheidender
Bedeutung: Nur im jahreszeitlichen Wechsel der Temperaturschichtungen
können die für alle Organismen
notwendigen Temperatur- und Sauerstoffwerte eingehalten
werden. Die »Wasserseilbahn« – vornehmlich
im Sommer betrieben – würde durch eine nicht natürliche
Zirkulation »unerwünscht« warmes (und damit
auch sauerstoffarmes) Wasser in die Tiefe bringen.
Eine wasserrechtliche Bewilligungsfähigkeit kann also
derzeit ebensowenig als gegeben angenommen werden.
Wir sind der guten Hoffnung, dass sich die genannten
Problembereiche durch geeignete Abänderungen vermeiden
oder kompensieren lassen, und sehen der Verwirklichung
eines derartigen Projektes mit Spannung
entgegen!
pS
Es ist nicht sicher, ob unser Graphiker das technische
Grundprinzip der Patentidee richtig verstehen
kann (oder konnte).
Speziell die Funktionsweise des erforderlichen
Kuppelmechanismus scheint ihm nicht ganz klar
gewesen zu sein, denn bei einer Seil-Umlaufgeschwindigkeit
von 4,5 m/s am Umkehrpunkt auftretende
Zentrifugalkraft ist wohl nicht ausreichend
steuerbar, um eine sichere und punktgenaue
Landung der Fahrgäste auf der Anlegebrücke
zu gewährleisten.
22
Österreich Maritim 87/88 – September 2024
Mariner’s Reading Digest
Aktuelle Meldungen aus der Schifffahrt, zusammengestellt vom Team »Alter Museumshafen«
Medien: Schwertwale versenkten
Jacht vor Marokko
Schwertwale sollen am 12.05.2024
spanischen Medienberichten zufolge
erneut eine Segeljacht in der Nähe
von Gibraltar versenkt haben. Die
zwei Besatzungsmitglieder
der 15 Meter langen
Alborán Cognac“
hätten etwa 26 Kilometer
vor Kap Spartel in
Marokko zunächst
dumpfe Schläge gegen
den Rumpf wahrgenommen,
berichteten die spanische
Zeitung El Pais,
das Portal 20Minutos
und andere Medien unter
Berufung auf Spaniens
Seenotrettungsdienst.
Dabei sei das Ruderblatt
beschädigt worden. Als dann
Wasser in das Boot eingedrungen sei,
hätten die Segler einen Notruf abgesetzt.
Von Spanien aus sei ein Hubschrauber
gestartet und der in der
Nähe fahrende Tanker
MT Lascaux gebeten worden, dem
Boot zu Hilfe zu kommen, hieß es
unter Berufung auf das Verkehrsministerium
in Madrid weiter.
Eine Stunde nach dem Notruf
seien die Schiffbrüchigen von dem
Tanker wohlbehalten an Bord genommen
worden. Die Jacht habe
man jedoch nicht bergen können, sie
sei kurz darauf gesunken. Es war bereits
der siebente derartige Vorfall seit
2020.
Hintergründe unklar
Experten, die das Verhalten der Tiere
studieren, gingen davon aus, dass die
zwei Schwertwale zu einer Gruppe
gehören, die zwischen dem Norden
der Iberischen Halbinsel und der
Straße von Gibraltar im Süden leben,
wie die Zeitung weiter berichtete.
Warum die Tiere es seit 2020 immer
wieder auf die Schiffe abgesehen haben,
ist nicht bekannt.
Zwei Schwertwale (Orcinus orca s. l.) vor Unimak Island, Ost-Aleuten, Alaska.
Bild: Robert Pittman (U.S. National Oceanic and Atmospheric Administration, Public domain)
Rätseln über Verhalten von
Schwertwalen
Ähnliche Vorfälle häuften sich in
den vergangenen Jahren. Obwohl
stets von »Attacken« die Rede ist,
sprechen Forscher lieber von »Interaktionen«,
da der Grund für dieses
bisher nur in diesem Seegebiet beobachtete
Verhalten der Schwertwale
nicht bekannt sei. So sei es möglich,
dass die Tiere »nur spielen« wollten.
Es könne sich aber auch um die Reaktion
auf ein negatives Erlebnis mit
einem Schiff handeln
Laut den Medienberichten war es
bereits der siebente derartige Vorfall
seit 2020. Erst im Vorjahr sank nach
Zusammenstößen die Jacht eines
polnischen Reiseveranstalters vor der
Küste Marokkos, nachdem sie eine
Gruppe von Schwertwalen rund
45 Minuten lang gerammt hatte.
Offenbar haben es die Schwertwale
öfter auf Ruderblätter abgesehen.
Der weltweit verbreitete Schwertwal
(lat. Orcinus orca) gehört zu den
Zahnwalen und ist der größte in der
Delfinfamilie – männliche Tiere
können bis zu 10 Metern messen.
Die Wale sind wie alle
Arten der Famile der
Delfine sozial, sehr intelligent,
und neugierig.
Evolutionär sind
die darauf ausgelegt,
im Meer große Entfernungen
zurückzulegen.
Üblicherweise
greifen sie keine Menschen
direkt an, in Gefangenschaft
hingegen
kam es in seltenen Fällen
vor, dass sie etwa
auch auf ihre Tiertrainer
losgingen.
Im offenen Meer hingegen sind
Angriffe äußerst selten, die Tiere sehen
Menschen auch nicht als Beute
an. Stattdessen wurde oft beobachtet,
dass sich die Wale spielend und
neugierig Menschen und Booten auf
offenem Meer annähern. Die Walschule
in der Straße von Gibraltar
dürfte aus dem normalen Verhalten
ausscheren.
Schwertwal und Mensch
Der Schwertwal war vom Walfang
nicht so stark betroffen wie andere
Arten. Zwischen 1946 und 1981 erlegten
Japan durchschnittlich 43 Exemplare
pro Jahr, Norwegen 56 und
Russland 26. Schwertwale werden
von zahlreichen indigenen Kulturen
verehrt. Auch spielen sie in der Populärkultur
eine Rolle, etwa in den
Free-Willy-Filmen und werden be-
Österreich Maritim 87/88 – September 2024
23
vorzugt beim Whale Watching beobachtet.
Aus Beobachtungen von
Schwertwalen ist bekannt, dass die
Meeressäuger häufig in Gruppen
agieren, zum Beispiel beim Beutefang.
Bei den Angriffen auf Segeljachten
handelt es sich um ein neuartiges
Verhalten, das »ebenso schnell
wieder verschwinden könnte, wie es
auftauchte«, heißt es in einem Brief
aus dem Jahr 2023, den 35 Expertinnen
und Experten veröffentlichten
und der seither von zahlreichen weiteren
unterstützt wurde.
Berichtete Zwischenfälle dieser
Art sind nicht neu. Seit 2020 gab es
bereits sechs deratige Vorfälle, die mit
Totalschäden endeten. Daneben
wurden hunderte Vorfälle gezählt,
die glimpflich ausgingen – nach Angaben
der Forschungsgruppe Grupo
de Trabajo Orca Atlántica (GTOA)
durchschnittlich 168 Interaktionen
pro Jahr. Im Jahr 2024 verzeichnete
die Forschungsgruppe bisher 26 Interaktionen
gegenüber 61 im Vergleichszeitraum
2023.
Experten, die das Verhalten der
intelligenten Tiere studieren, gehen
davon aus, dass die Orcas, die die
15 Meter lange Jacht vor Marokko
rammten, zu den immer gleichen angriffslustigen
Tieren gehören. Mehr
als ein Dutzend Orca Ibéricas wurden
bereits identifiziert, einige der
Meeressäuger haben bereits eigene
Namen erhalten.
Während eine Theorie davon ausgeht,
dass es sich um ein Spielverhalten
handelt – Orcas sind von Natur
aus neugierig, Jungtiere lernen die
Angriffe von den Großen – gibt es
eine andere, nicht unumstrittene
Theorie, die von »Rache« spricht.
Ein portugiesischer Wissenschaftler,
der die Begegnungen untersucht hat,
geht davon aus, dass ein Orca-Weibchen
eine traumatische Begegnung
mit einem Boot gehabt hatte, die es
dazu veranlasste, ihren Nachkommen
beizubringen, Boote anzugreifen.
Agenturen, ORF, Red.
Betonschiffe - auch aktuell im sportlichen Wettbewerb
Am 14. und 15. Juni 2024 fand in Brandenburg an der Havel
auf dem Beetzsee die 19. Deutsche Betonkanu-Regatta
statt.
Teilnahmeberechtigt sind Ausbildungsstätten, Schulen,
Fachhochschulen, Hochschulen, Universitäten und andere
Institutionen, an denen Betontechnik gelehrt wird. Die Kanus
müssen aus bewehrtem Beton, Feinbeton bzw. Zementmörtel
hergestellt werden. Die Festigkeit und Steifigkeit
der Kanus sollen durch Formgebung, Bewehrung sowie
durch den Beton erreicht werden.
Archimedes was right – Beton schwimmt sehr wohl! Bereits
in der rohstoffknappen Zeit des Zweiten Weltkriegs
wurde als Schiffbaumaterial stahlarmierter Beton herangezogen:
Eine Flotte von 612 Einheiten Kriegsfischkutter
wurden durch die deutsche Kriegsmarine in Auftrag gegeben
und – nach einem Amtsentwurf der Schiffsbautechnischen
Versuchsanstalt in Wien – auf 42 Werften auf Kiel
gelegt und ausgeliefert. Auch nach Kriegsende wurden in
Deutschland, Polen und der DDR weitere Schiffe gebaut.
Typische technische Daten: L 24 m, B 6,4 m, T 2,8 m,
Verdrängung 110 t, Diesel 162 kW, v 9 kn, Besatzung 18
Das älteste bekannte Boot aus Beton stammt aus dem
Revolutionsjahr 1848 und war wegweisend für den Baustoff
Beton. Joseph-Louis Lambot führte dazu unzählige Versuche
durch. Bereits um 1860 wurden in den Niederlanden
Betonschiffe für Kanalfahrten hergestellt.
Vor allem Eigenbauten von Segeljachten wurden etwa ab
den 1970er Jahren aus Ferrozement gefertigt.
1986 fand die erste Betonkanu-Regatta statt, und ein Team
der FHS Campus Wien war 2024 auch mit einer eigenen
Konstruktion am Start. Traditionell waren auch weitere
Teams von höheren Schulen oder Universitäten aus Österreich
vertreten, wie von der HTL Zeltweg oder auch der
TU Graz – auch mit einigen Spitzenplätzen im Klassement.
Bild: FH Campus Wien
Bild: HTL Zeltweg
Agenturen, de.wikipedia.org, Red.
https://www.fh-campuswien.ac.at/studium-weiterbildung/aktuell/news-undevents/betonkanu-donauville-schwimmt-perfekt.html
24
Österreich Maritim 87/88 – September 2024
MARINA oder die Geschichte einer legendären Fähre
Von Michael Ellenbogen
In den 1930er Jahren entwickelten
sich Personen- und Lastkraftwagen
zu Massenverkehrsmitteln. Daher
wurden nicht nur mehr Straßen errichtet,
sondern auch bestehende
Verkehrswege ausgebaut. Auch andere
infrastrukturelle Entwicklungen
trugen dazu bei, bequemer und
schneller mit dem »fahrbaren Untersatz«
zu reisen.
Viele Reedereien in Europa ließen
Fährschiffe bauen, wie auch jene Gesellschaft,
die Frederikshaven in Dänemark
mit Göteborg in Schweden
verband. Die Schiffswerft Verft &
Flydedok erhielt 1935 den Auftrag
zum Bau einer Fähre, die den Namen
Kronprinsessan Ingrid erhielt
und von dieser auch höchstpersönlich
»getauft« wurde. Der Stapellauf
der Fähre erfolgte am 7. Februar
1936, einige Monate vor der Hochzeit
von Kronprinzessin Ingrid mit
dem dänischen Thronfolger Prinz
Frederik.
Während des zweiten Weltkrieges
lag das Schiff im Hafen von Göteborg
im neutralen Schweden, um einer
Requirierung durch die deutsche
Kriegsmarine zu entgehen. Im Jahr
1945 erlangte das kleine Fährschiff
erstmals mediale Bekanntheit, da es
Überlebende aus deutschen Konzentrationslagern,
polnische Juden und
Kriegsflüchtlinge von Lübeck und
Danzig nach Göteborg, Malmö und
Trelleborg brachte. Insgesamt wurden
6.566 Menschen mit diesem
Schiff in Sicherheit gebracht. Die
Passage war kurz nach dem Ende des
zweiten Weltkrieges gefährlich, da sowjetische
Marineeinheiten die
Kronprinsessan Ingrid immer
wieder auf hoher See aufbrachten,
um nach versteckten deutschen
Kriegsverbrechern zu suchen. Die
Flüchtlingstransporte dauerten bis
1946. Danach wurde die Fähre wieder
auf ihrer Linie zwischen Frederikshaven
und Göteborg eingesetzt.
Da das Schiff nur 30 Kraftfahrzeuge
aufnehmen konnte, wurde die
dänische Werft Burmeister & Wain
beauftragt, die Fähre um acht Meter
zu verlängern. Im Jahr 1955 erwarb
die schwedische Reederei A/B Gotland
die ehemalige Kronprinsessan
Ingrid und taufte sie
nach einem schwedischen Wissenschaftler
und Unternehmer, der von
1661 bis 1751 lebte, auf den Namen
Christoffer Pohlen um. Bis zum
Jahr 1963 setzte die schwedische Reederei
das Schiff im Küstendienst ein.
Danach kam die Fähre in den Besitz
der Reederei Ekspresslinijen & Co
und erhielt wieder einen neuen Namen.
Als Marina befuhr sie die
Route von Stockholm nach Mariehamn
auf den Aland-Inseln bis 1969.
Danach wurde das mittlerweile 33
Jahre alte Schiff stillgelegt.
Die Lošinjska Plovidba, eine Reederei
in Mali Lošinj, kaufte das
Schiff. Die Marina begab sich am
17. November 1969 auf die lange
Reise in die Adria und lief am 30.
November im Hafen von Mali Lošinj
ein. Die »Weiße Prinzessin«, wie sie
von vielen Schiffsliebhabern genannt
wurde – nur der markante Schorns
Aus dem persönlichen Photo-Album des Verfassers
Botel Marina 2013 im Hafen von Rijeka, nach der
Eröffnung 2013
Fährschiff Marina 2003, im Hafen von Mali Losinj
Fä
Si
Österreich Maritim 87/88 – September 2024
25
stein war blau-weiß-blau gestrichen –
nahm ihren Liniendienst 1970 auf.
Zunächst wurde das einzige Passagierschiff
der Reederei in Mali Lošinj,
welche sonst nur Frachtschiffe
besaß, auf der Linie Rijeka-Cres-Rabac-Rijeka
eingesetzt.
Ein Jahr danach verband das
Schiff die historische Hafenstadt
Pula in Istrien mit Zadar in Dalmatien.
Ab dem 1. Juni 1974 wurde das
Streckennetz erweitert. Ab diesem
Zeitpunkt konnten die Passagiere
auch bis nach Venedig fahren. Ab
1978 legte die Marina in den Sommermonaten
auf ihren Fahrten zwischen
Zadar und Silba auch auf der
Insel Silba selbst an.
Autoreisen beherrschten in den
1980er Jahren das touristische Geschehen.
Der Bedarf nach immer
größeren Fähren wurde größer. Die
gute alte Marina konnte nur eine
begrenzte Menge an Fahrzeugen
aufnehmen. Die Reederei Lošinjska
Plovidba suchte nach größeren und
moderneren Autofähren, fand aber
viele Jahre keinen Ersatz für die mittlerweile
von der Bevölkerung förmlich
»geliebte« Marina. Am 30.
November 1986 übergab der damalige
Bürgermeister von Mali Lošinj,
Julijano Sokolič, dem Kapitän Nikola
Kučić ein Ölgemälde des außergewöhnlichen
Schiffes, welches mittlerweile
50 Jahre alt war.
Im jugoslawischen Bürgerkrieg
1991 wurde die Marina gemeinsam
mit anderen Fähren der mittlerweile
kroatischen Jadrolinija für Fahrten
in die von der jugoslawischen Volksarmee
beschossenen Küstenstädte
Dalmatiens, wie Zadar, Split und
Dubrovnik eingesetzt, um die flüchtende
Zivilbevölkerung in sichere
Städte wie Pula oder Rijeka zu bringen.
Bei diesen Fahrten wurde die
Fähre immer wieder von Einheiten
der jugoslawischen Kriegsmarine
aufgehalten und durchsucht. In einem
Fall wurden sogar der Maschinist
sowie der Erste Offizier kurzfristig
als Geiseln genommen. Die
Marina wurde sogar mit Granaten
beschossen. Glücklicherweise fiel der
Sprengkörper ins Meer und explodierte
dort. Einige Splitter beschädigten
die Aufbauten und die in Teakholz
gehaltene Kapitänsbrücke. Dennoch
»überlebte« das Schiff alle Gefahren
und lief am 17. November
1991 wieder in ihren Heimathafen
Mali Lošinj ein, um in der Saison
1992 wieder im Liniendienst die
Strecke Zadar-Silba-Mali Lošinj-Unije-Pula
zu befahren.
Im Jahr 2005 wollte eine dänische
Institution die bis dahin älteste noch
in Verwendung stehende Autofähre
der Adria erwerben. Ein Unternehmer
aus Mali Lošinj kam dem Ansinnen
zuvor, kaufte das Schiff von der
Lošinjplov und baute dieses zunächst
zu einem exotischen Nachtklub mit
Diskothek um. Die Marina diente
nun einige Jahre allen Tanzwütigen
in Mali Lošinj und Umgebung.
Doch das sollte nicht das Ende der
schwimmenden Legende sein. Ein
Hotelier, ebenfalls aus Mali Lošinj,
kaufte dem Nachtklubbesitzer den
»Tanzpalast am Wasser« ab, ließ diesen
nach Rijeka schleppen und zu einem
modernen, ja farbenprächtigen
Boat-Hotel oder Botel umbauen. Seit
2013 werden an Bord des Botel Marina
im Hafen von Rijeka Gäste aus aller
Welt begrüßt und mit allerlei
Schmankerln aus der »Bordküche«
verwöhnt. Die bunten »Botel«-
Zimmer laden zum Ausruhen nach
einer langen Reise ein.
Fährschiff Marina 2004, auf der Fahrt von der Insel
Silba nach Mali Losinj
Botel MARINA 2012/14 im Hafen von
Rijeka
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Österreich Maritim 87/88 – September 2024
Die evangelische Gemeinde von Pola und die Kriegsmarine
Ende 1867 gelang es der kleinen evangelischen
Gemeinde im österreichischen
Hauptkriegshafen Pola als Tochtergemeinde
der Pfarre Triest konstituiert
zu werden. Bereits 1872 erlangte
die Pfarrgemeinde Pola ihre Unabhängigkeit,
löste sich aber im März 1919,
nach dem Weggang der meisten Gemeindemitglieder,
wieder auf.
Der bevorstehende Gedenktag zu
Luthers Thesenanschlag (31. Oktober
2024) gibt uns einen passenden Anlass
für die Veröffentlichung dieses Artikels
(Red.).
Rechts hinter den Bäumen das Pfarrhaus.
Aufnahme von Alois Beer (um 1900)
Der Aufstand von Venedig 1848/49,
dem sich große Teile der venezianisch-geprägten
habsburgischen Seestreitkräfte
anschlossen, führte zu einer
tiefgreifenden Reform der k.k.
Kriegsmarine. Um das als unzuverlässig
angesehene »italienische Element«
zurückzudrängen, wurde ein
starker personeller Wandel im Offizierskorps
eingeleitet. Bereits Hans
Birch Dahlerup, der neue Oberkommandierende
der Kriegsmarine, wurde
von einer Gruppe von Offizieren
aus norddeutschen und skandinavischen
Ländern begleitet. Die Auflösung
der ersten Flotte des Deutschen
Bundes im Jahr 1852 brachte eine
weitere Welle von Kadetten und
Offizieren für die habsburgischen
Seestreitkräfte, die zum großen Teil
aus dem protestantischen Norden
stammten. So erreichte das Marineoffizierskorps
schnell einen – in einer
vormals streng katholisch-venezianisch
geprägten Streitmacht – bis dahin
undenkbar hohen Anteil evangelischer
Marineoffiziere.
Im habsburgischen Vielvölkerstaat
waren nationale oder religiöse
Zugehörigkeiten für Militärlaufbahnen
irrelevant, es herrschte eine
Gleichberechtigung, die im zivilen
Leben noch lange
nicht selbstverständlich
war. Selbst bei
Einsätzen, die eine besondere
»religiöse«
Dimension hatten,
rückte das Marinekommando
von diesen
Grundsätzen nicht ab.
Dies unterstreicht eine
Episode aus dem Jahr
1866/67: Irreguläre
Truppen des Garibaldi
bedrohten den Kirchenstaat,
und zum Schutz des Papstes
Pius IX., eines fanatischen Antisemiten,
entsandten mehrere Staaten
Kriegsschiffe nach Civitavecchia
(Seehafen in der Provinz Latium, 69
km nordwestlich von Rom, Red.).
Die österreichische Regierung beteiligte
sich mit der Korvette
Erzherzog Friedrich, die aber
unter dem Kommando eines jüdischen
Offiziers stand. Der rangnächste
Offizier war einer von mehreren
Protestanten im Schiffstab, wo
die Katholiken deutlich in der Minderheit
waren. An Bord hoffte man,
der Papst würde diesen Umstand
nicht bemerken.
Nachdem Pola im Zuge der Marinereform
zum Hauptkriegshafen für
die k.k. Kriegsmarine ausgebaut worden
war, kamen durch die Stationierung
von Marine- und Heerespersonal
einige Evangelische in die Stadt,
die zuvor eine fast ausschließlich katholische
Bevölkerung hatte. Da in
den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhungerts
die Lebensqualität in Pola
wegen der hygienischen Verhältnissen
sehr gering war, zögerten viele
Marineangehörige, ihre Familien
nachkommen zu lassen. So bestand
die evangelische Gemeinde von Pola
Ende der 1850er Jahre nur aus etwa
20 Zivilpersonen, die gelegentlich
vom evangelischen Pfarrer von Triest
aus betreut wurden. Der erste evangelische
Gottesdienst ist für das Jahr
1857 dokumentiert, der von einem
Das Pfarrhaus in Pola in drei Ansichten
Thomas Zimmel (2024)
Österreich Maritim 87/88 – September 2024
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durchreisenden Pfarrer in einer Privatwohnung
gefeiert wurde. Militärpersonal
war bei diesem Gottesdienst
ausdrücklich nicht willkommen, weil
dieses eigentlich in die Zuständigkeit
des evangelischen Feldpredigers Carl
Taubner gefallen wäre. Taubner hatte
seinen Dienstsitz in Verona, ein
Aufenthalt Taubners in Pola ist nicht
dokumentiert.
Nachdem die Zahl der Evangelischen
in Pola aber weiterhin wuchs,
befasste sich bereits die erste Generalsynode
der Evangelischen Kirchen in
Österreich auf Antrag der Gemeinde
in Pola 1864 mit der Frage, ob man
von der Marineleitung die Anstellung
eines Marinepredigers verlangen
sollte, der auch die Betreuung der zivilen
Gemeinde übernehmen hätte
können. Der Synodenausschuss unterstützte
diese Forderung nicht, weil
man fürchtete, dass der Staat das Gehalt
des Marinepredigers nicht finanzieren
würde und die Marine, wegen
der seelsorgerischen »Unterversorgung«
keine Evangelischen mehr
aufnehmen würde.
Seit den frühen 1860er Jahren
reiste ein Vikar aus Triest zu regelmäßigen
Gottesdiensten nach Pola, für
die das Marinekommando den Prüfungssaal
der Marineschule für Gottesdienste
zu Verfügung stellt.
Im Dezember 1867 wurde die
kleine Gemeinde von Pola, sie zählte
zu diesem Zeitpunkt erst etwa
130 Seelen, offiziell als Tochtergemeinde
der Pfarre von Triest konstituiert.
Gleichzeitig baten die Evangelischen
den griechisch-orientalischen
Diözesanbischof, die unbenutzte Kapelle
St. Nicolo in Pola für Gottesdienste
nutzen zu dürfen, was ihnen
aber verwehrt wurde. Erster Vikar
der Tochtergemeinde wurde Heinrich
Freiensehner, der von Triest
nach Pola berufen wurde. Er leitete
die Gemeinde ein Jahr lang. Sein
Auftrag umfasste auch, jährlich acht
Gottesdienste in Fiume (Rijeka) und
einen in Zara (Zadar) zu halten.
Ein großes Problem für die Gemeinde
war von allen Anfängen an
die Finanzierung des Gemeindelebens.
Der hohe Anteil der Militärangehörigen
in der Gemeinde und die
Besonderheiten des Dienstes bei der
Marine beschrieb ein Bericht im Jahr
1871: »Das Wandern, das Kommen
und Gehen ist hier Gebrauch und
Nothwendigkeit. Darum können wir
auch die durch freiwillige jährliche
Beiträge von 32 Mitgliedern gezeichneten
880 fl. unmöglich genau
eincassiren, denn die Officiere und
Beamten, aus denen die Gemeinde
fast ausschließlich besteht, – sie zählt
jetzt an 120 Seelen – werden nur zu
oft versetzt, pensionirt oder auf Jahre
Der Pfarrstempel von 1883
eingeschifft, und von einem Schiff in
Smyrna oder auch Japan etwas zu bekommen,
ist nicht ganz leicht.«
Das Bittschreiben der Gemeinde
Pola um die Anerkennung als selbständige
Gemeinde an den k.u.k.
Oberkirchenrat in Wien datiert mit
29. Juli 1870 und trägt die Unterschrift
von Vikar Fritsche. Der k.u.k
Oberkirchenrat in Wien genehmigte
die Gründung der evangelischen Kirchengemeinde
von Pola mit Erlass
Z. 1937 vom 24. September 1872.
Der Pfarrsprengel der evangelischen
Gemeinde Pola umfasste die
vier istrianischen Bezirkshauptmannschaften
Pola, Parenzo (Poreč),
Pisino (Pazin) und Voloska, sowie das
Königreich Dalmatien mit der gesamten
Inselwelt. Im Vergleich zu
diesem riesigen Gebiet war die Zahl
der Gemeindemitglieder gering. Sie
betrug in und um Pola 350 bis 400,
in Abbazia etwa 100, in Südistrien
30, Dalmatien 100, zusammen also
etwa 600 Evangelische im Pfarrgebiet.
Die Pfarrgemeinde Pola war die
südlichste evangelische Gemeinde
auf dem Gebiet der Habsburgermonarchie.
Nachdem mit den direkten
Gemeindemitgliedern die wirtschaftliche
Basis für die Finanzierung
einer Kirche, der Pfarrerstelle und
des Pfarrhauses nicht gegeben war,
war die Gemeinde von finanziellen
Hilfen von außen stark abhängig.
Der deutsche Gustav-Adolf-Verein
und der Gustav-Adolf-Zweigverein
für Südösterreich unterstützten die
Gemeinde laufend, die k.u.k. Kriegsmarine
bezahlte für die seelsorgerische
Betreuung der Marineangehörigen
eine kleine jährliche Gebühr und
der Ärar schenkte der Gemeinde zwei
Grundstücke für Errichtung einer
Kirche und für ein Pfarrhaus.
Das Kirchengebäude hätte an der
Ecke Via Zaro/Via della Specula entstehen
sollen, aber die Gemeindefinanzen
reichten für ein Bauprojekt
dieses Volumens nicht aus. Nur wenige
Meter weiter, an der Via della
Specula No. 3 erhielt die evangelische
Kirchengemeinde ein kleineres
Grundstück für das Pfarrhaus. 1874
spendete Kaiser Franz Josef I.
500 Gulden für die Errichtung des
Pfarrhauses mit Gemeindesaal in
Pola. Noch im selben Jahr wurde der
Bau des Pfarrhauses begonnen, das
am 9. November 1879 feierlich eingeweiht
wurde. 1886 wurde die Zahl
der Seelen mit 185 angegeben, 19 waren
stimmberechtigte Gemeindevertreter
und 6 Presbyter (gewählte Mitglieder
der evang. Kirchengemeindeleitung,
Red.). Die Gemeinde hatte
21 schulpflichtige Kinder. Die Pfarrstelle
war unbesetzt, als Pfarradministrator
war Heinrich Medicus,
Pfarrer von Triest eingesetzt. Das Gehalt
des Pfarrers, das von der Gemeinde
aufgebracht werden musste,
war nie sehr üppig bemessen, daher
war es anfangs nur ledigen Pfarrern
28
Österreich Maritim 87/88 – September 2024
möglich, die Pfarrstelle in Pola anzunehmen:
Eine Familie konnte mit
diesem Einkommen nicht erhalten
werden. Das führte dazu, dass viele
Berufsanfänger, teilweise noch Theologiestudenten,
die Pfarrstelle für
kurze Zeit übernahmen, dazwischen
kam es immer wieder zu längeren Vakanzen.
Im Jahr 1890 erhielt die Gemeinde
ein kräftiges Harmonium für den
Gemeindesaal. Zu dieser Zeit
dürfte sich die finanzielle Situation
der Gemeinde stabilisiert
haben, denn die Evangelische
Kirchen-Zeitung für Österreich
schrieb 1892: »Die Gemeinde
ist schuldenfrei und kann bei
dem Besitze eines kleinen Vermögens
und des eigenen Pfarrund
Bethauses ihren kleinen Jahresbedarf
fast selbst bestreiten,
wenn außerordentliche Ausgaben
nicht vorkommen.«
1904 kam mit dem Berliner
Kurt Holtz ein besonders tatkräftiger
Pfarrer nach Pola. Pfarrer
Kurt Holtz war ein freiheitlicher
Deutschnationaler, ein brillanter
Rhetoriker, dessen Vorträge
großes Interesse auch außerhalb
seiner Gemeinde erregten.
So fanden in Triest, in Fiume
und in Zara regelmäßig »Kurt
Holtz-Abende« statt, an denen
er über Themen wie die »Gedankenwelt
des Friedrich Nietzsche«
und referoerte über die »Entwicklung
des Darwinismus«. Ab
1900 wurden zur Unterstützung des
Pfarrers Bibelboten in Pola eingesetzt:
Einer nahm sich besonders der
kroatischen Matrosen in Pola an, ein
anderer fand ein gutes Einvernehmen
mit den italienischen Führern der Polaer
Sozialdemokraten. So kam es,
dass in der sozialdemokratischen Arbeiterbücherei
eine italienische Lutherbibel
aufgestellt wurde.
Die evangelische Predigtstation in
Abbazia, die im Pfarrbereich von
Pola lag und vom Pfarrer betreut
wurde, wurde mit Erlass vom 28. Februar
1908 vom k.u.k. Oberkirchenrat
in Wien zu einer eigenen Pfarrgemeinde
erhoben.
Im Herbst 1909 verließ Kurt
Holtz den österreichischen Kriegshafen
und die Gemeinde musste die
Pfarrstelle neu ausschreiben. Schon
im Oktober 1909 traf Richard Hollerung
als neuer Pfarrer in Pola ein. Er
stammte aus einer Pfarrersfamilie aus
Titelblatt einer von Hubatscheks Schriften
der Stadt Modern (heute als Modra
in der Slowakei). Er sprach neben
Deutsch auch fließend Ungarisch,
was die Seelsorge für die ungarischen
Angehörigen der Marine und des
Heeres wesentlich erleichterte. Richard
Hollerung kümmerte sich besonders
um die evangelische Diaspora
in Dalmatien und unternahm regelmäßig
Reisen in seinem riesigen
Pfarrsprengel.
Mit Kriegsausbruch wurde Pfarrer
Hollerung eingezogen und an die
galizische Front versetzt. Sein Ersatz
in Pola wurde Karl Hubatschek, der
evangelische Pfarrer von Bruck an
der Mur, der später ebenfalls als Reservist
eingezogen wurde. Durch die
Mobilisierung war die Garnison in
Pola stark gewachsen, er war daher
für die Seelsorge der etwa 3.000 evangelischen
Marine- und Heeresangehörigen
im Kriegshafen Pola zuständig.
Darunter etwa 1.300 deutschsprachige,
1.000 Ungarn und 700
Slowaken. Da Karl Hubatschek aber
kein Ungarisch sprach, kam es zu
einer Vernachlässigung der seelsorgerischen
Betreuung dieser
Gruppe. Mehreren Beschwerden
führten im Sommer 1915 zum
Abgang von Karl Hubatschek
und Richard Hollerung kehrte
als Feldkurat wieder nach Pola
zurück. Im März 1917 heiratetet
er und kehrte in seine Heimatgemeinde
Modern bei Preßburg
zurück. Die Gemeinde in Pola
wurde daraufhin von Pfarrer Zoeller
aus Abbazia administriert.
Der Zusammenbruch der
Habsburgermonarchie und die
Flucht der Deutschen aus Istrien
ließ auch die evangelische Gemeinde
in Pola kollabieren. Bei
einer Sitzung des Presbyteriums
am 1. März 1919 wurde die
Auflösung der Pfarrgemeinde
beschlossen. Das Pfarrhaus wurde
an die Methodisten verkauft,
die es aber 1936 aufgaben. Die
weitere Nutzung des Gebäudes
ist nicht durchgehend dokumentierbar,
es wurde aber bis in die jüngste
Vergangenheit von der Kirche der
Siebenten-Tags-Adventisten genutzt,
die aber offensichtlich im Spätherbst
2023 ausgezogen sind.
Der Autor Thomas Zimmel ist Vizepräsident
des Marineverbands Wien. Seine
Forschungsinteressen sind die Fotografiegeschichte
und die Sozialgeschichte
der ehemaligen habsburgischen
Küstengebiete.
Österreich Maritim 87/88 – September 2024
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Die Tragödie auf dem Fährschiff LASTOVO
Von unserem Kroatien-Korrespondenten Michael Ellenbogen
Am Sonntag, dem 11. August 2024 kam es um 15:10 Uhr
in Mali Lošinj zu einer Katastrophe, als sich die Rampe des
mittlerweile 55 Jahre alten Fährschiffes LASTOVO aus der
Verankerung löste und drei Besatzungsmitglieder unter sich
begrub. Entsprechend den bisherigen Ermittlungsergebnissen
wurde die durch einen Elektromotor bewegte, 10 Tonnen
schwere Rampe von den zuständigen Mitarbeitern
nicht mit den dafür vorgesehenen Stahlbolzen abgesichert.
Die Rampe dürfte beim Absenken stecken geblieben sein.
Drei Besatzungsmitglieder, darunter einer der beiden
Steuermänner und der leitende Maschinist, wollten die
Ursache der nicht funktionierenden Zufahrt für die Autos
überprüfen, da das Schiff am selben Tag gegen 16 Uhr
wieder nach Zadar auslaufen sollte. Mit einem ohrenbetäubenden
Krach fiel der stählerne Schiffsteil auf die drei, völlig
widerrechtlich unter der nicht abgesicherten Rampe befindlichen
Männer, die auf der Stelle getötet wurden. Der in der
Nähe befindliche Kommandant wurde von einem der gebrochenen
Stahlseile getroffen und ins Meer geschleudert. Er
wurde schwer verletzt geborgen und per Hubschrauber in
eine Klinik nach Rijeka geflogen.
Das Schiff fuhr ursprünglich unter dem Namen ISHIZUCHI
in japanischen Gewässern, ehe es von der Jadrolinija im
Jahre 1978 erworben wurde. Am 15. August 1993 brach ein
Brand auf dem Schiff aus, der dieses stark beschädigte. Die
Fähre sollte verschrottet werden, doch der Schiffseigner, die
Jadrolinija, entschied, das Schiff wiederherzustellen. Im
Zuge der Instandsetzungsarbeiten wurden die japanischen
Schiffsmaschinen gegen MAN-Dieselmotoren getauscht.
Bisher zählte die LASTOVO zu den verlässlichsten Fährschiffen
der kroatischen Reederei, die auch Stürmen und hohem
Wellengang standhält. Die gegenwärtigen gerichtlichen
Untersuchungen mit einigen Sachverständigen werden
entsprechend den Meldungen in den kroatischen Medien
und der Jadrolinija bis Jahresende dauern, über Ergebnisse
herrscht eine strenge Informationssperre.
Bug des Fährschiffs LASTOVO beim
Auslaufen aus dem Hafen von Silba, 2023
(Alle Bilder Michael Ellenbogen) Fährschiff LASTOVO legt, aus Zadar über die Insel Olib kommend, im Hafen Zalić auf Silba an, 2023
Fährschiff LASTOVO im Hafen Gaženica, Zadar, 2023
Fährschiff LASTOVO vor dem Auslaufen aus dem Hafen Gaženica bei Zadar in Richtung der
Inseln Ollib, Silba und Premuda mit dem Ziel Mali Lošinj, 2023
30
Österreich Maritim 87/88 – September 2024
Zdravko Šiško: Schiffsmodelle sind seine Leidenschaft
Michael Ellenbogen
Wer an der Küste lebt, sieht jeden Tag
die faszinierenden stählernen Wasserfahrzeuge
in allen Größen – gleichgültig
ob Frachter, Tanker, Fähren
oder Kreuzfahrt- oder Segelschiffe.
Bereits in seinen Jugendjahren zogen
Zdravko Šiško die Giganten der Weltmeere
ebenso an, wie die kleinen
Küstenpassagierschiffe, die jeden Tag
von Rijeka aus zu den Inseln Krk und
Cres unterwegs waren. Als zwölfjähriger
Bub las er erstmals die Zeitschrift
»ABC Tehnike«, ein auf
Schiffsmodellbau spezialisiertes Medium,
in dem Schnittzeichnungen
kleiner Boote und Jachten abgebildet
waren. Der junge Mann erstand mit
seinem geringen Taschengeld eine
kleine Laubsäge, eine Zange, ein
Messer sowie eine Rolle Schmirgelpapier.
Mit Feuereifer machte sich
Zdravko Šiško ans Werk. Mit der Zeit
entstanden einige Bootsmodelle, die
seine Freunde bei jedem Besuch bestaunen
durften.
Eines Tages baute er ein Sportbootmodell
mit einer Länge von 50
cm, das er mit einem kleinen Motor
ausrüsten wollte. Der vorgesehene
Bootsantrieb war ursprünglich für
Bild 2: Motor-Schüttgut- und Sandtransportschiff aus Holz
mit der Bezeichnung »Stilac Salbunjer« oder »Pjeskar«
(Sandschiff), stand an den Küsten Istriens und Dalmatiens
bis zu Beginn der 2000er Jahre im Einsatz. Vereinzelt gibt
es sie noch heute.
Bild 1: Modellbauer Ingenieur Zdravko
Šiško aus Kastav bei Rijeka, Kroatien
Modellflugzeuge vorgesehen und
sehr teuer. »Ich sparte eisern, doch
das Objekt meiner Begierde wurde
leider vorher verkauft,« erinnert sich
der heutige
Ingenieur
für
Automationstechnik,
der in
den Erdölraff
inerien
von Sisak
und in
O m i s a l j
auf der Insel
Krk tätig
war. In
der ersten Zeit seines wohlverdienten
Ruhestandes überlegte der im be-
Bild 3: Dampfschlepper VOJVODINA, der in den ersten Jahrzehnten nach dem
zweiten Weltkrieg auf der Donau eingesetzt wurde.
schaulichen Städtchen
Kastav in der Nähe von
Rijeka lebende Techniker,
welchem Hobby er
sich widmen sollte.
Seine Ehefrau nahm
ihm gewissermaßen die
Entscheidung ab. »Sie
bat mich für sie ein kleines
Schiffsmodell zu
bauen. Ich entschloss
mich eine Bracera, einen
im 19. und zu Beginn des
20. Jahrhunderts verwendeten
Segelschoner
für Lastentransporte, zu
bauen,« erzählt der Modellbauer.
Ab diesem Zeitpunkt hatte
ihn die Liebe zum Modellbau völlig
in Beschlag genommen, wie er
selbst sagt. Am Anfang entstanden
eine Reihe traditionsreicher kroatischer
Segelschiffe, wie die »Gaeta«
aus Lovran (ital. Laurana, dt. Lauran,
Red.) oder den für den Fischfang
prädestinierten Typ »Stilac Salbunjer«.
Ebenso baute der Schiffsliebhaber
ein Modell des Schiffstyps
»Ninska Plazulja«, ein größeres Segelboot,
welches früher bei den Bewohnern
in der Gegend des Städtchens
Nin (dt. veraltet Fleissenburg,
Red.) bei Zadar (Zara) sehr beliebt
war.
Die erste Nachbildung eines
Schiffes mit Dampfantrieb war der
legendäre Schaufelrad-Schlepper
Vojvodina. Danach folgten die ersten
Passagierschiffe wie die Bakar,
die 1931 in der Schiffswerft Samuel
White & Co auf der Isle of Wight für
die Reederei Jadranska plovidba d.d.
in der Werft in Sušak (Stadtteil von
Rijeka/Fiume, Red.) gebaut wurde.
Auch von den in den 1950er Jahren
entstandenen ersten Passagierschiffen
der Jadrolinija 1 , wie die
Premuda, die Trogir sowie die
1
Siehe den Artikel »Die weiße Flotte ...« in
Österreich Maritim 84, Dezember 2023
Österreich Maritim 87/88 – September 2024
31
Bild 4: Segelschulschiff JADRAN der ehemaligen
jugoslawischen Kriegsmarine, 1926 in Hamburg
für die Königlich Jugoslawische Kriegsmarine
gebaut. Seit Beginn des Bürgerkrieges 1991 befindet
sich das Schiff im Besitz der kleinen montenegrinischen
Marine. Alle Bemühungen der
bisherigen kroatischen Regierungen das Schiff
zurückzubekommen waren bislang nicht erfolgreich.
Ohrid schuf Zdravko Šiško Repliken,
für die er bei Modellbauwettbewerben
ausgezeichnet wurde. Historisch
besonders interessant sind
die maßstabgetreuen Reproduktionen
der ehemaligen Staatsjacht
Galeb 1 , mit der Josip Broz Tito
in den 1950er und 1960er Jahren
zahlreiche Länder Afrikas und
Asiens bereiste. Auch das ehemalige
Segelschulschiff Jadran der
jugoslawischen Marine begeisterte
als Modell zahlreiche Schiffsliebhaber.
Doch nicht nur die perfekt
nachgebildeten Kopien ziviler
Schiffe umfassen die Werkschau
des ehemaligen Ingenieurs für Anlagenbau,
sondern auch Kriegsschiffe.
1
Siehe den Artikel »Die ehemalige ›Yacht‹ von
Präsident Tito«, Österreich Maritim 80, März
2021
Bild 6: GALEB (Möwe) ehemalige Staatsjacht
von Marschall Josip Broz Tito, 1938
bei der Werft Ansaldo STS in Genua als
Kühlschiff RAMB III für Obst- und Gemüsetransporte
gebaut (siehe den Beitrag des
Autors in »Österreich Maritim 84
(März 2021). Gegenwärtig sollen die Arbeiten
betreffend der Innenraumgestaltung
sowie des Restaurants vor der Fertigstellung
stehen.
Bild 5: Passagierschiff PREMUDA im Küstendienst, erbaut
1957 in der Werft »Uljanik« in Pula als Tuzla, ausgestattet
mit zwei Sulzer Schiffsmotoren. Gegenwärtig auf der Linie
Vodice-Sibenik im Dienst.
Das Raketenschnellboot Petar
Kresimir IV der kroatischen
Kriegsmarine gehört ebenso zu seiner
Sammlung, wie der Zerstörer
Zagreb der ehemals königlich jugoslawischen
Marine, der 1939 in
Dienst gestellt wurde. Die Marineoffiziere
Sergej Masera und Milan
Spasic versenkten dieses Kriegsschiff
1941 in der Bucht von Tivat,
damit die italienische Marine dieses
nicht requirieren konnte. Die Offiziere
verloren bei der Versenkung
ihr Leben. Ebenso ziert die NB 11
Crvena Zvijeza (Roter Stern), eines
der ersten kleinen Schiffseinheiten
der Marine der jugoslawischen
Volksarmee im zweiten Weltkrieg, die
einzigartige Sammlung des Schiffsliebhabers.
Bis jetzt gehören 40 Modelle zur
Sammlung des mehrfach ausgezeichneten
Modellbauers. »Ich fertige
Schiffsnachbildungen natürlich
auch auf Bestellung an, doch den
Großteil der originalgetreuen Kopien
baue ich für meine Sammlung,«
erklärt Zdravko Šiško. Er
betrachtet es immer wieder als persönliche
Herausforderung, Originalpläne
von den jeweiligen
Schiffen zu bekommen, die er
nachbauen will. Der Techniker
zeichnet sich die Pläne für die späteren
Schiffsmodelle selbst – auf
der Grundlage verschiedener Bilder,
die er entweder selbst besitzt,
oder in Museen und Archiven
»ausgräbt.«
»Die Modelle, die ich für mich
baue, sind nie länger als 60 Zentimeter.
Bei Bestellungen halte ich mich
strikt an die Vorgaben des Auftraggebers.
Für die Herstellung des Rumpfes,
des Kieles und der Rippenstruktur
verwende ich Sperrholz. Bei
Schiffsrümpfen aus Metall, decke ich
diesen mit einem Rudertuch ab und
bestreiche diesen mit Epoxidharz,«
plaudert der Meister aus dem »Nähkästchen.«
Bei zahlreichen Ausstellungen
und Wettbewerben erhielt
Zdravko Šiško viele Preise und Auszeichnungen.
Für das Modell des Passagierschiffes
Premuda erhielt er
insgesamt fünf Medaillen.
Gegenwärtig arbeitet der mit der
Seefahrt eng verbundene Kroate
an zwei Nachbildungen des legendären
Segelschiffes Cutty Sark
sowie am einst legendären
Dampfschlepper Uragan, der
im Hafengelände von Rijeka steht
und vom »Zahn der Zeit angenagt«
ist, da es zwar einige Initiativen
gibt, ihn als Museumsschiff
zu retten, doch diesen fehlen die
finanziellen Mittel. »Ohne meine
liebe Frau und meinen Sohn, die
mich in meinem Tun bestärken,
wäre ich vielleicht nicht so erfolgreich,«
meint der Schöpfer vieler
wunderschöner Modelle bescheiden.
Bild 7: Ninska Pazulja«, ein Segel- und später
auch Ruder- sowie Motorboottyp, der nach
der Tradition der Bootsbauer der Küstenstadt
Nin bei Zadar seit dem Mittelalter gebaut wird,
wie dies auf dem Bild dargestellt wird.
32
Österreich Maritim 87/88 – September 2024
Einen Sommer lang im Norden - Teil 2 (Fortsetzung aus Ausgabe 84)
Die Schären von Norwegen
und Schweden
14. Juli 2023, Arendal
Wie so oft nach dem Vollmond
wechselt das Wetter. Morgens ist es
grau und kühl mit etwas Regen.
Nachmittags klart es auf. Wir beschließen,
hinaus in den Schärengarten
zu segeln und
uns einen schönen
Ankerplatz zu suchen.
In der heutigen
Zeit ist das mittels
Kartenplotter (auf
der Hoppetosse
verwende ich ein
einfaches Tablet
mit der Navionix-
App) und Google
Maps einfacher als
früher, wenn auch
weniger spannend.
Wir segeln ca. 10 sm Richtung
SW durch die Schärenlandschaft und
laufen dann in einen kleinen Archipel
ein, der aus drei Schären besteht.
In der Mitte bilden die drei Inseln
eine perfekt geschützte Ankerbucht.
Obwohl es das erste Anlegemanöver
dieser Art in diesem Sommer ist,
klappt alles auf Anhieb und es dauert
nicht lange und die Hoppetosse ist
gut vertäut. Die kleinere Believe
mit Dana und Hannah an Bord kann
Ankern mit Landfeste in den norwegischen Schären
Bild: Hannah Keil
kurze Zeit später einfach längsseits
festmachen - das spart Arbeit und wir
laufen nicht Gefahr, dass die Heckankerleinen
sich überkreuzen.
Generell darf man in den norwegischen
und schwedischen Schären
überall ankern und festmachen. Auf
vielen der Inseln gibt es »Plumpsklos«
und Abfallbehälter. Das Liegen
ist immer kostenlos!
Wir setzen uns weiter oben auf
den Felsen und lassen unsere Blicke
über die wunderbare Landschaft
gleiten. Später sammeln wir Feuerholz
und braten die Makrelen, die
wir unterwegs gefischt haben, auf
Stöcken gespießt über dem Feuer.
15. Juli 2023
Morgens ist es kühl und bedeckt. Wir
gehen Anker auf und verlassen den
geschützten Platz. Draußen steht
mehr Wind als erwartet: SSW mit
5 Bft., die nur 20 Fuß lange Belive
von Hannah und Dana hat – nur unter
Fock – mehr Welle und Wind, als
es gut wäre. Es beginnt auch noch zu
regnen und wir beschließen, bald den
Ankermanöver in den Schären
Das Anlegen an den felsigen Schären ist nicht ganz einfach.
An vielen Stellen kann man auch mit einem tiefgehenden
Kielschiff direkt mit dem Bug oder auch längsseits an dem
Felsen festmachen, so dass man trockenen Fußes an Land
klettern kann.
Die Genauigkeit des Kartenplotters reicht erfahrungsgemäß
bei weitem nicht aus, man muss schauen, wie der Fels
über Wasser aussieht, und wie könnte sich die Formation
unter Wasser fortsetzen, ist der Felsen geeignet, um gut an
Land zu kommen usw. Es kann oft sehr lange brauchen, um
einen perfekten Platz zu finden und das Boot gut vertäut zu
haben.
Gerade wenn Ich allein an Bord bin, gehe ich dabei folgender
Maßen vor:
Erst wird auf dem Plotter eine grobe Auswahl, getroffen
dann wird der Platz angesteuert, jetzt kann ich sehen, ob er
sich eignet und genügend Schutz vor Wind und Schwell
bietet. Dann suche ich mir eine Stelle am Felsen, die geeignet
zum Festmachen scheint. An vielen guten Stellen sind
Ringe zum Festmachen befestigt. Gibt es keine Ringe, so
kann man sogenannte »Schärenanker« verwenden. Schärenanker
sind aus Flachstahl gefertigte Winkel mit einer Öse
daran; diese Flachstahlstücke werden mit dem Hammer in
Felsspalten getrieben, dann wird die Festmacherleine daran
geknotet. Oft bieten sich auch Bäume, Sträucher oder große
Steine zum Festmachen an.
Habe ich eine geeignete Stelle gefunden, fahre ich langsam
an den Felsen heran und schaue, ob der Grund rein ist,
um dort zu ankern. Passt alles, wird noch eine Runde gedreht
und die Stelle angefahren. ca. 2-3 Schiffslängen vorher
der Heckanker geworfen und dann langsam mit dem
Bug an den Felsen heran gesteuert. Da darf man sich ruhig
etwas trauen: Ein kleiner »Rumpler« an den mit Algen bewachsenen
Stein macht meistens nichts aus. Gerade wenn
man allein ist, ist es wichtig, sicher mit den Festmachern an
Land zu kommen. Ich knote mir meistens die Schärenanker
schon an die Festmacher und werfe diese zuerst an Land,
dann fliegt der Hammer hinterher, so habe ich beide Hände
frei, um über den Bugkorb zu klettern. Sind die Landleinen
fest wird der Heckanker entsprechend dicht geholt. Einen
Tidenhub von etwa einem halben Meter sollte man hier berücksichtigen.
Österreich Maritim 87/88 – September 2024
33
nahen Strandfjord anzulaufen und
uns ins etwas geschützte Landesinnere
zu begeben.
Später liegen wir längsseits an einer
kleinen Brücke im Fjord, es Regnet,
aber vor dem kalten Wind sind
wir hier geschützt.
Bei einem Spaziergang werden
wir bis auf die Knochen durchnässt.
Langsam kriecht die Feuchtigkeit
auch in die Schiffe, hier und da leckt
es durchs Deck, alles ist klamm bei
Temperaturen um die 15 Grad, so ist
es eben in Norwegen. Auf der
Hoppetosse wird gut gekocht und
der Kocher brennt weiter, um die
kleine Kajüte zu heizen. Jeder hat
noch etwas Trockenes zum Anziehen
gefunden, und es wird ein sehr gemütlicher
Kajüten-Abend.
18. Juli 2023, Mandal
Die Hoppetosse liegt im schicken
Hafen von Mandal am Südostende
von Norwegen. Es hat 15 Grad, Regen
und Wind mit 7 Bft. aus Südwest.
Auf die kleine Flussmündung
steht eine gewaltige Brandung, einige
Boote laufen ein oder aus, ich würde
mich das nicht trauen.
Ich kaufe ein und fülle die Dieselund
Wasservorräte. Schiffsdiesel ist
in Norwegen steuerfrei!
Die Windvorhersagen für die
nächsten Tage sind nicht berauschend,
immer wieder Starkwind
und sehr gemischtes, kaltes Wetter.
Ich gebe meinen Plan auf, weiter
nach Norden zu segeln, wo die ganz
großen Fjorde wie der Hardangerfjord
warten. Mir ist nach Wärme
und Sommer, Lagerfeuer und fröhlichen
Menschen, und das werde ich
eher in den Schären von Südnorwegen
und der Schwedischen Westküste
finden. Also geht es ab jetzt wieder
Richtung Osten.
29. Juli 2023, Mandal
Wind NNW 5, Schauer, ca. 13 Grad.
Die Hoppetosse läuft gegen 10
Uhr aus. Kurs Ost, nur mit der Fock
winden wir uns durchs Schärenfahrwasser.
Zwei Stunden später laufe ich
in den Trissefjord ein. Mein Ziel ist
es, 3 sm bis ans Ende des Fjordes zu
fahren, um dort windgeschützt an
geeignetem Ort zu ankern.
Im Fjord wird das Wetter besser,
und ich lege an einer kleinen bewaldeten
Schäre an. Die Sonne kommt
heraus, und im Windschutz kann ich
am Vordeck die Sonne und die Wärme
genießen. Am Nachmittag geht
es wieder hinaus in die Schären, an
Kristiansand vorbei, zu einer kleinen
Bucht – dort treffe ich Hannah mit
der Believe wieder. Wir machen
Feuer und braten unsere geangelten
Makrelen, später laden uns die Norweger
zu ihrem großen Feuer ein, es
wird erzählt, gesungen und gelacht.
Ich denke, bezüglich
meines Kurses habe
ich die richtige Entscheidung
getroffen.
In den nächsten
Tagen ist das Wetter
gemischt, je nach dem
Sonnenschein hat es
18-22 Grad; die Wassertemperatur
liegt
um die 19 Grad. In
diesem Sommer bilden
sich immer wieder
kleinere Tiefdruckgebiete,
draußen
am Skagerrak ist
oft viel Wind, an der
Küste aber moderat
und es ist auch sonnig.
Einige wundervolle
Tage segeln die
Believe und die
Hoppetosse gemeinsam
durch die
Schären. Mich zieht
es dann nach Schweden:
Ich möchte nach
Göteborg zu einer Tanzveranstaltung.
26. Juli 2023, Ankerbucht bei Risör
Im südlichen Skagerrak weht es mit
7-8 Beaufort, hier im Norden habe
ich 5-6 Bft. abnehmend. Am Abend
ist der Wind abgeflaut auf 3-4 Bft.,
und ich laufe um 18.00 Uhr aus mit
Ziel Lysekil (Schweden), Distanz
rund 70 sm. Wind WSW 3-4 Bft., allerdings
steht draußen gewaltiger
Schwell, und immer wieder bauen
sich hohe Wellen mit Kreuzseen auf,
die teilweise brechen.
Es wird eine ungemütliche
Nacht, kalt und nass. Später frischt
der Wind auf. Ich segle mit gerefftem
Groß und Fock am Wind, die Seen
scheinen von überall zu kommen.
Vier Wochen nach Mittsommer wird
es hier nachts auch wieder richtig
dunkel, vor allem bei derart bedecktem
Wetter. In der Dämmerung gibt
»Schären-Idylle « Bild: Hannah Keil
34
Österreich Maritim 87/88 – September 2024
es eine unheimliche Begegnung mit
einen Schleppverband, der an einer
kilometerlangen Trosse lange Pipelines
schleppt, ich schätze die Länge
des Gespanns auf eine Seemeile.
Dazu sind die Pipelines nicht oder
nur schlecht beleuchtet, verursachen
aber ein ohrenbetäubendes Dröhnen,
wenn sie im Seegang aneinander
krachen.
Später in der Nacht hakt der
Lümmelbeschlag aus, und der Großbaum
knallt an Deck. Ich klettere
zum Mast, berge das Segel und lasche
den Baum so gut es geht fest. Es ist
genug Wind, so dass ich auch allein
mit der Fock gute Fahrt mache. Morgens
bei Licht kann ich den Baum
wieder einhängen und mit einen Reservebolzen
sichern.
Die schwedische Küste ist in
Sicht, aber eine harte Strömung lässt
das Land nur ganz langsam näher
kommen, und erst um 11.00 Uhr
kann ich in Lysekil festmachen.
Müde setze ich mich mit einem Bier
auf die Mole, die Sonne scheint und
ich genieße die Wärme. Dann geht es
in die Koje: Schlaf nachholen. Als ich
zwei Stunden später an Deck komme,
hängt eine Aufforderung vom
Hafenmeister an der Reling, ich sollte
umgehend Hafengebühr bezahlen.
Da ich insgesamt ja erst knapp 3 Std.
festgemacht habe finde ich das nicht
gerechtfertigt. Und lege ab.
Zwei Stunden später finde ich am
Eingang zum Uddefalla-Fjord einen
wunderbaren Ankerplatz, mit dem
Heckanker und der Bugleine an einer
Birke festgemacht. Ein Schiff ist
schon ein tolles Fahrzeug: Zehn
Stunden zuvor waren wir auf hoher,
ruppiger See, und jetzt können wir
trockenen Fußes an Land steigen
und auf weichem Moos durch einen
geheimnisvollen Wald »schleichen«!
Das Wetter bleibt sehr gemischt.
In den nächsten Tagen segle ich den
Uddefalla-Fjord südwärts nach Göteborg.
Die Ansteuerung einer größeren
Stadt ist immer aufregend. Da ich
keine große Marina mag, fahre ich
sehr weit in die Mündung des
Götaelvs hinein. Hinter der Klappbrücke
gibt es einige
kleine Häfen und gemütliche
Anlegemöglichkeiten,
ich werde
heran gewinkt und
darf längsseits an einem
alten Frachtensegler
festmachen. So
ein Platz gefällt mir!
Ich hole das Fahrrad
aus dem Vorschiff
und mache mich auf,
um Göteborg zu erkunden.
Die Stadt ist
etwas enttäuschend,
es gibt wohl ein paar
schöne Parks, und ich
finde auch schöne alte
Häuser und Fußgängerzonen,
aber der
Ankerbucht im Fjord
Bild: Hannah Keil
überwiegende Eindruck
sind große,
breite Straßen mit viel
Verkehr. Am interessantesten
ist der Alte Hafenbereich
hinter der Brücke, aber auch hier gibt
es triste und steilweise verfallenen Industrieanlagen.
2. August 2023, Göteborg
Am nächsten Tag regnet es Bindfäden.
Ich beschließe eine dringende
Reparatur an der Hoppetosse zu
erledigen. Auf der Hoppetosse
nimmt der Türrahmen Last des Mastes
auf. Der Rahmen ist sehr massiv
und schön gearbeitet, aber im unteren
Bereich, wo die Kraft des Mastes
auf das Kielschwein übertragen wird,
kommt es durch das Austrocknen
des Holzes zu Spannungen. Bei harter
Beanspruchung kann das zu Rissbildung
führen. Auf der Überfahrt
nach Schweden ist wohl ein solcher
Riss entstanden – ausgerechnet an einer
ungünstigen Stelle, sodass ich
Sorge um die Festigkeit der Maststütze
habe. Ich überlege, wie ich mit einfachen
Mitteln die Reparatur ausführen
kann.
Beim Nahe gelegenen Baumarkt
erhalte ich große Holzschrauben,
Bohrer, Akkuschrauber und Epoxidharz
sind an Bord. Es wird ein ganzer
Tag harte Arbeit: Die Kojen müssen
ausgebaut werden, um Platz zum
Schrauben und Bohren zu haben.
Doch als ich dann die 180 mm langen
und 8 mm starken Schrauben
mit Gefühl anziehe, und sich das
Epoxidharz satt aus der Fuge drückt,
habe ich das Gefühl eine gute Arbeit
gemacht zu haben. Auf dem weiteren
Törn beweist sich dann auch die Stabilität
der Reparatur.
Die Nächsten 10 Tage verbringe
ich in den Schären rund um Tjön. Ja,
so ist das Segeln: Beim Einlaufen in
die »Fantasy Marina« im Uddefallafjord
streikt der Anlasser. Über einen
deutschen Versand kann ich Ersatz
bestellen, der Einbau ist zum
Glück einfach.
In der Marina lerne ich die beiden
jungen Österreicher Lena und David
Österreich Maritim 87/88 – September 2024
35
kennen, sie haben ein Kunststoff-
Folkeboot gekauft und wollen damit
auf große Fahrt gehen. Auch lerne
ich den Schweden Mike kennen, der
in der Marina arbeitet und auf seinen
Boot Olga wohnt. Wir unternehmen
in den nächsten Tagen viele gemeinsame
Touren zu Fuß und mit
dem Fahrrad. Das Wetter bleibt unbeständig
– ein Tiefdruckgebiet mit
orkanartigen Böen das über die Ostsee
zieht ist angesagt.
Ich mache mich auf die Suche
nach einem wirklich geschützten Ankerplatz,
den finde ich in einer Bucht
im nördlichen Uddefallafjord.
8. August 2023, Ankerplatz
Uddefallafjord
Der Sturm tobt über das Skagerrak.
Mein Ankerplatz ist sicher wie ein
Ententeich, und wie am Windfinder
zu sehen ist, liegt das Zentrum des
Tiefs direkt über dem Uddefallafjord
– das heißt, draußen im Fjord ist mäßiger
Wind mit etwa 6 Bft., und in
der Bucht herrscht Flaute mit Nieselregen.
12. August 2023, Marstrand
Tagsüber bin ich mit Mike in der
wundervollen kleinen Stadt
Marstrand unterwegs. Das Wetter ist
wunderbar, wir genießen den Tag
und lassen es uns gut gehen. Spät am
Abend kommt ein sehr kleines Schiff
in den Hafen - es ist Hanna mit der
Believe, ein freudiges Wiedersehen
und eine Nacht, in der nicht geschlafen,
sondern erzählt wird.
Im stillen Fjord Bild: Hannah Keil
13.August 2023, Rückreise
Believe und Hoppetosse werden
sich gemeinsam auf den Rückweg
über Kopenhagen nach Kiel machen.
Die Sonne scheint, und es ist schon
Mittag, als wir nach dem Frühstück
den Anker lichten.
Jetzt beginnt für uns die Heimreise.
Goodbye Mike, Goodbye Schären
– aber es warten noch ca. 300 sm
Abenteuer und die aufregende dänische
Hauptstadt Kopenhagen.
Ankerplatz-Romantik im Norden Europas
Bilder: Hannah Keil
36
Österreich Maritim 87/88 – September 2024
Das älteste Fluss-Kreuzfahrtschiff wird 150
Durch den süd-schwedischen Landesteil
Götaland verläuft der Götakanal,
auf dem historische Kreuzfahrtschiffe
verkehren. Eines davon
feiert heuer sein 150-jähriges Jubiläum.
Die M/S Juno wurde im Jahre 1874
in der Motala-Werft (schwed. Motala-Verkstad,
auch eine wichtige Lokomotivfabrik,
Red.) am See Vättern
gebaut. Damit ist sie das älteste registrierte
Schiff der Welt mit Passagierkabinen,
die deshalb angeboten wurden,
da die Kanalpassage mindestens
vier Tage benötigt. Die insgesamt
29 Kabinen des Schiffes verteilen sich
dabei auf drei Decks, weiters gibt es
auf dem Zwischendeck (Shelterdeck)
einen Speisesaal und einen Salon.
Auf dem sogenannten Brückendeck
ermöglicht ein überdachtes Achterdeck
bei Wind und Wetter einen geschützten
Ausblick auf die vorbeiziehende
Natur.
Das Schiff wurde 2003 zuletzt renoviert,
wobei größte Sorgfalt auf
M/S JUNO am Göta-Kanal 2012
Autor: Ulkl (Lizenz CC0 1.0)
M/S JUNO
Baujahr: 1874
Registr.-Nr.: 1840
Rufzeichen: SFCD
Werft: Motala
Länge: 31,45 m
Breite: 6,68 m
Tiefgang: 2,72 m
Fahrt: 9 Knoten
Maschine: 450 kW (600 PS)
Bruttotonnen: 254
Anzahl Kabinen: 29
Authentizität gelegt wurde. Seit
2004 steht die M/S Juno – genau
wie die übrigen Schiffe der Göta Kanal-Flotte
– unter Denkmalschutz.
Dies bedeutet, dass die staatlichen
Maritimen Museen das Boot als kulturhistorisch
wertvoll betrachten.
Dies fördert den Erhalt historischer
Boote und des maritimen Erbe
Schwedens.
Geschichte der M/S JUNO
Im Jahre 1874 auf Kiel gelegt sollte
das Schiff ursprünglich nach dem
britischen Naturforscher Charles Robert
Darwin getauft werden, einige
Aktionäre waren aber strikt dagegen,
da Darwin mit seinen Thesen zu dieser
Zeit noch zu heftigen Kontroversen
führte. Stattdessen benannte
man es nach Juno, der Göttin von
Ehe und Mutterschaft. Seit dieser
Zeit haben viele Boote der Reederei
Götternamen erhalten.
In seinen Anfangstagen war das
Schiff noch schwarz lackiert, nur
rund um die viereckigen Fenster und
das Deck verlief ein weißer Streifen.
Auf dem Oberdeck gab es ursprünglich
eine einzige Kabine für Passagiere
und der Schornstein war lang und
schmal, wie damals üblich, um den
Kohlegeruch von den Passagieren
fernzuhalten.
Aufnahme des Linienverkehrs
Die Juno verkehrte auf der Route
Stockholm–Göteborg über den
Götakanal, ab 1877 wurden Kristinehamn,
Karlstad, Mariestad, Lidköping,
Hellekis und Sjötorp angelaufen.
In den Jahren 1880 bis 1885
diente das Schiff einer Eisenbahngesellschaft,
um danach wieder auf der
Route Stockholm–Göteborg eingesetzt
zu werden. 1888 benannte sich
die Reederei in Ångfartygs Ab Göta
Kanal um.
1904 nahm die Zweigstelle Beckholmen
der Motala Verkstad umfassende
Umbauten am Schiff vor, vor
allem wurde die Passagierkapazität
erhöht. Zum Ende des Ersten Weltkriegs,
1918, veräußerten die Eigner
das Schiff an ein Konsortium der
Reedereien Ångfartygs Ab Tirfing
und Stockholms Rederi AB Svea.
In den Kriegsjahren 1940 bis
1945 war die Juno aufgelegt und die
Österreich Maritim 87/88 – September 2024
37
Besitzanteile der Reedereien änderten
sich. 1947 war schließlich die Ab
Svea der alleinige Eigner. 1956 wurde
die Dampfmaschine durch zwei Dieselmotoren
ersetzt.
Ein größerer Umbau erfolgte
1961, wobei unter anderem der
Deckaufbau versetzt und erweitert
wurde. Das Schiff verfügt seitdem
über 29 Kabinen auf drei Decks, einen
Speisesaal und einen Salon. Im
Regelverkehr werden trotz der Zulassung
auf 125 Passagiere nur diese
29 vorhandenen Doppelkabinen mit
maximal 58 Personen belegt. Im Jahre
1963 erhielt die M/S Juno mit einem
helleren Anstrich in Weiß mit
schwarzen Akzenten ihr jetziges
Aussehen.
1981 wurde das Schiff an die
Canalroute AB in Lidköping übertragen
und 1996 erwarb die Rederei
AB Astrea in Göteborg das Schiff.
Fünf Jahre darauf erwarb die Strömma
Turism & Sjöfart AB aus Göteborg
die Juno. Im Mai 2002 fand
der letzte Umbau mit Überholung
auf der Werft Tjörnvarvet AB in
Rönnäng, Tjörn statt.
2024 begeht das Schiff 150 Jahre
nach Indienststellung sein Jubiläum
als ältestes Kreuzfahrtschiff der Welt.
Es befährt im Sommer die Strecke
zwischen Göteborg und Stockholm
und benötigt dafür vier Tage und
drei Nächte.
Schwesterschiff WILHELM THAM
Sie ist das zweitälteste Schiff der Ree-
M/S WILHELM THAM
Baujahr: 1912
Registr.-Nr. :5359
Rufzeichen: SHIG
Bauwerft: Motala
Fahrt: 9 Knoten
Maschine: 450 kW (600 PS)
Bruttotonnen: 268
Länge: 31,53 m
Breite: 6,73 m
Tiefgang: 2,72 m
Anzahl Kabinen: 25
derei Göta Kanal.
Ihr Namensgeber
war
I n d u s t r i e l l e r
und zwischen
1876 und 1911
Geschäftsführer
der Waffenfabrik
Husqvarna.
1912 lief das
Schiff bei der
Motala Werft
vom Stapel. Dabei
waren die Schiffsmaße so berechnet,
dass es genau durch die engen
Schleusen des Kanals passte. Zusammen
mit der Viktor Rydberg und
der Per Brahe bildete die M/S
Wilhelm Tham eine Serie von drei
Schiffen, die allesamt nach bekannten
Persönlichkeiten aus der südschwedischen
Region Småland benannt
waren.
1914 gelangte M/S Wilhelm
Tham durch eine Fusion mit dem
Dampfschiffsunternehmen Ångbåts
Aktiebolaget Jönköping-Stockholm
in Besitz der Reederei. In den Kriegsjahren
1940 bis 1945 war die Juno
aufgelegt und die Besitzanteile der
Reedereien änderten sich. 1947 war
schließlich die Ab Svea der alleinige
Eigner.
Ihr jetziges Aussehen erhielt die
M/S Wilhelm Tham dabei in der
Falkenbergs Werft Anfang der 60er
Jahren.1965 wurde schließlich der
Dampfkessel durch zwei Dieselmotoren
ersetzt.
Schwesterschiff M/S DIANA
M/S JUNO, im Hintergrund M/S DIANA
Autor: Artifex (Lizenz GNU FDL)
Die M/S Diana wurde 1931 in der
Finnboda Werft in Stockholm vom
Stapel gelassen, was sie zum jüngsten
Schiff der Flotte auf dem Göta Kanal
macht. Insgesamt 25 Kabinen finden
hier über drei Decks verteilt
Platz: auf dem Zwischendeck liegen
sowohl Speisesaal und Salon und auf
dem sogenannten Brückendeck sowie
dem überdachten Achterdeck
findet sich bei jedem Wetter ein geschützter
Ausblick auf die vorbeiziehende
Natur.
Im Laufe der Jahre und Jahrzehnte
ist M/S Diana immer renoviert
und restauriert worden, wobei großer
Wert daraufgelegt wurde, den
zeitgenössischen Stil des historischen
Originals zu erhalten und widerzuspiegeln.
Nach einer allgemeinen
Renovierung im Jahre 2003 wurden
M/S DIANA
Stapellauf: 1930
Rufzeichen: SDRU
Eigner: Rederi AB Götakanal
Bauwerft: Finnboda Varv, Nacka
Länge: 31,66 m
Breite: 6,85 m
Tiefgang (max.): 2,95 m
Verdrängung: 269 t
Fahrt: 10 Knoten
Maschine: 338 kW (460 PS)
vor der Saison 2012 sämtliche Kabinen
auf dem Hauptdeck umgebaut
und der Speisesaal sowie der Salon
nochmals restauriert. Seitdem sind
auf der M/S Diana Speisesaal und
Salon direkt miteinander verbunden,
so dass sich das Schiff auch hervorragend
für Konferenzen oder
ähnliche Anlässe mit bis zu 50 Personen
eignet.
Seit 2009 steht die M/S Diana –
genau wie die anderen Schiffe der
Reederei der Kanalflotte – unter
Denkmalschutz. Das bedeutet, dass
38
Österreich Maritim 87/88 – September 2024
die staatlichen maritimen Museen dieses
Kanalboot ebenfalls als kulturhistorisch
besonders wertvoll befunden
haben.
Der Göta-Kanal
Der Göta-Kanal ist ein Wasserweg
durch den schwedischen Landesteil
Götaland. In der Ostsee beginnt der
Kanal bei der Seeschleuse Mem, der
westliche Endpunkt ist die Mündung
in den See Vänern; von dort besteht
eine weitere Wasserweg-Verbindung
bis Göteborg an der Nordsee.
Der Kanal hat eine Länge von 190,5
km, wovon die 87,3 km lange tatsächliche
Kanalstrecke zwischen fünf
verbundenen Seen verläuft (Asplången,
Roxen, Boren, Vättern sowie der
Viken). Das Bauwerk wurde beginnend
im Mai 1810 von 58.000 schwedischen
Soldaten gegraben und 1832
fertiggestellt. Die ursprüngliche Intention
war die Umgehung des Öresunds,
wo an Dänemark »Sundzoll«
zu entrichten war. Nach Eröffnung
der Eisenbahn – und wegen der kurz
danach erfolgten Aufhebung des
Sundzolls –hatte der Kanal nur mehr
strategische Bedeutung. Zusammen
mit dem Trollhätte-Kanal und dem
Anteilsschein am Göta-Kanal, 1810
Göta älv bildet der Göta-Kanal eine
390 km lange Wasserstraße quer
durch Schweden, die einen Höhenunterschied
von 91,5 m überwindet.
Schleuse Berg, nahe Linköping
Autor: Lars Aronsson (Lizenz: CC SA 1.0)
Die Kanalstrecke umfasst
58 Schleusen, 50 Brücken, zwei Trogbrücken
und darf von Schiffen mit
bis zu 30 m Länge, 7 m Breite, 22 m
Höhe über dem Wasser und 2,82 m
Tiefgang befahren werden.
Viel Unterstützung musste aus
dem Ausland eingebracht werden,
insbesondere aus Großbritannien,
dessen Kanalsystem damals das am
weitesten entwickelte der Welt war.
Der schottische Ingenieur Thomas
Telford – bekannt für seine Planung
des Caledonian Canal in Schottland
Johann Christian Berger, Eröffnung des Göta-Kanals, 1832
(Schwedisches Nationalmuseum, Stockholm)
– entwickelte die ersten Pläne und
reiste 1810 nach Schweden, um einige
der ersten Arbeiten an der Kanalstrecke
persönlich zu überwachen.
Auch viele andere britische Ingenieure
und Fachtechniker wurden als
Assistenz bei diesem Projekt »importiert«
– und auch ein bedeutender
Umfang an Ausrüstung: sogar alltägliche
Gegenstände wie Spitzhacken,
Spaten und Schiebetruhen fanden so
ihren Weg an die Baustelle in Schweden.
Heutzutage wird der Kanal
hauptsächlich als Tourismus- und
Erholungseinrichtung genutzt. Etwa
eine Million Menschen besuchen
jährlich den Göta-Kanal für Vergnügungs-Fahrten
– entweder auf ihren
eigenen Jachten oder auf einem der
vielen Kreuzfahrtschiffe.
Der Kanal wird ironisch manchmal
als »Scheidungs-Graben«
(schwed. skilsmässodiket) bezeichnet,
weil die Schwierigkeiten bei der Navigation
und wegen der vielen
Schleusen im Kanal selbst »durchlitten«
werden müssen.
Weitere Informationen:
https://www.gotacanal.se/de/
https://[en|de].wikipedia.orgI
Österreich Maritim 87/88 – September 2024
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Von der Plätte zum urbanen Ausflugsschiff
Im Sommer 2024 führte die Erkundungsreise
der »Historischen Sektion
Museumshafen« nach Zentral-
Slowenien mit der Hauptstadt
Ljubljana (deutscher Name Laibach).
Die pulsierende Stadt mit
rund 285.000 Einwohnern ist auch
der Standort einiger touristischer
Boots-Rundfahrt-Unternehmen.
Ein Angebot sticht darunter besonders
hervor: Das in mehrfacher Hinsicht
nachhaltig operierende Unternehmen
Barka Ljubljanica, dessen
Boot aus Holz gebaut und elektrisch
angetrieben ist – die Batterien werden
mit Sonnenenergie aufgeladen.
Schiff LJUBLJANICA
Bilder: Lakecraft / Borina Mišica
Der Stapellauf fand 2011 am Bleder
See statt, später ging es dann per
Tieflader auf die Ljubljanica. Im
Winter 2023/2024 erfolgte der Ausbau
und die Installation der Photovoltaik-Anlage.
Seit 2024 ist
Ljubljanica das erste und einzige
elektrisch angetriebene Schiff auf
dem Fluss und bietet zum Beispiel
von April bis Anfang Januar geführte
50-Minuten-Touren am Fluss direkt
durch das Stadtzentrum von Ljubljana
an.
https://www.barka-ljubljanica.si/
+386 41 386 945
Schiff LJUBLJANICA
Bauwerft: Lakercraft d.o.o, Bled (SLO)
Baujahr: 2011
Material: Lärche (Vollholz)
LWL: 10 m
Breite: 4,4 m
Tiefgang: 0,35 m (max. 50 PAX)
Tonnage: 7,5 t plus Batterien 1,6 t
Fahrgäste: max. 50
Batteriebank: TAB Slowenien
zwei Systeme mit je 86, zusammen 173
kWh
Antrieb: zwei Edyne Marine-Außenbordmotoren
mit 25 kW Leistung
Solar-Einspeisung der Photovoltaik-Module
am Dach: 5,5 kW/h
Die Bauwerft Lakercraft in Bled
Hier werden Standard-Holzboote sowie
auch traditionelle Schiffe entworfen
und gebaut, einschließlich
Zubehör für den Bootssport. Die
Ökologie ist der Firma sehr wichtig
und die gelieferten Boote tragen in
Zeiten der Klimakrise mit globaler
Erwärmung nachhaltig zur Milderung
der negativen Folgen bei. Holz
speichert beim Wachstum beträchtliche
Mengen von CO 2
und kann daher
Materialien mit höherem CO 2
-
Ausstoß weitgehend ersetzen.
Nach einem Bericht der Bauwerft
reiste bereits Kaiser Franz Joseph I.
in den 1890er Jahren bei seinem ersten
Aufenthalt in Bled nachhaltig per
Fiaker und Plätte von Laibach
(Ljubljana) an den Veldeser (Bleder)
See und auf die im See befindliche
Insel.
Pletnja - Plätte
Das Baumaterial Lärchenholz
wurde jahrhundertelang erfolgreich
für Boote und Schiffe verwendet.
Lakercraft baut alle seine Schiffe daraus.
Ein Beispiel ist die tratditionelle
Schiffstype Pletnja, die etwa der auf
den meisten Alpenseen eingesetzten
Plätten entspricht (die slowenische
Bezeichnung leitet sich auch davon
ab).
Weitere Boote nach historischen
Vorbildern aus der Lakercraft-Werft
sind Ruderboote, Kajaks und Kanus
und auch Ruderboote nach norwegischer
Tradition.
Peter Strecha
www.lakercraft.com
Der Kurort Bled (Bad Veldes)
In der Regierungszeit von Maria Theresia
(1740-1780) erlebte Veldes einen
wirtschaftlichen Aufschwung, war
aber schon davor durch heilende
Wirkung von See und Quellen als
»Gesund-Bad« bekannt.
Georg (Jurij) Freiherr von Vega
(1754-1802) – einer der Namensgeber
der Wiener Vega-Payer-Weyprecht-Kaserne
– wurde im Herzogtum
Krain geboren und war Artillerieoffizier,
Mathematiker (Herausgeber
von Logarithmentafeln!) und Ingenieur
(Flussregulierungen an Save und
Ljubljanica).
Julius Payer (*1841 Teplitz), ein
weiterer Namenspatron leitete mit
Carl Weyprecht die Österreichisch-
Ungarische Nordpolexpedition und
erlag am 30. August 1912 in Veldes
(Bled) einem Herzanfall.
40
Österreich Maritim 87/88 – September 2024
Super-Segeljacht BAYESIAN vor Sizilien gesunken
Wahrscheinlichste Ursache war eine Wasserhose
In der Nacht von 18. auf 19. August
2024 ankerte BAYESIAN 700 m vor
der Ortschaft Porticello. Etwa um
5:00 Uhr MEST wurde sie von einer
Wasserhose oder einer Fallböe
hart getroffen. Dadurch kenterte
sie und sank innerhalb weniger Minuten
auf einer Wassertiefe von
49 Metern.
Die Superjacht BAYESIAN in Milazzo, dem letzten Anlaufhafen
vor dem Untergang
(Sfischer 08.08.2024, Lizenz CC-BY SA 4.0
Unmittelbar vor dem Untergang
wurde durch die Schiffsbesatzung
eine Signalrakete abgefeuert und sie
setzte die Notrufbake (EPIRB) in die
See, welche später von einem einheimischen
Fischer aufgefunden wurde.
Von den 22 Menschen an Bord
konnten 15 unmittelbar nach dem
Sinken gerettet werden. Die Verunglückten
wurden durch den deutschen
Kapitän eines in der Nähe ankernden
Schiffes an Bord genommen.
Am 20. August konnte zunächst
der Schiffskoch tot geborgen
werden. Zu diesem Zeitpunkt waren
noch weitere sechs Personen vermisst.
An Bord befanden sich zum Zeitpunkt
des Unglücks neben der Crew
der britische Technologie-Mogul Michael
Lynch, seine Ehefrau Angela
Bacares (als Alleineignerin
registriert) und
weitere Geschäftspartner
von Lynch.
Die Jacht war in
den Tagen vor ihrem
Untergang aus Rotterdam
kommend über
die Küsten der Normandie
und Portugals
und Gibraltar bis ins
Mittelmeer gesegelt.
Das weitere Ziel waren
die Äolischen Inseln
mit Stationen in Lipari,
Stromboli und Milazzo
(Bild).
Auf ihrem Ankerplatz
vor Sizilien war
während des Böen-
Durchgangs auf zufällig
entstandenen Video-Aufnahmen
zu sehen,
dass die
Bayesian fast um 80°
krängte, wodurch der
Mast scheinbar fast waagrecht über
der Wasseroberfläche lag.
Die Rettungsmaßnahmen
Der deutsche Kapitän Karsten Borner
aus Friesland beobachtete von
Bord des deutschen Schoners Sir
Robert Baden Powell das Sinken
der Bayesian und sah ein rotes
Leuchtsignal über der Unfallstelle.
Bevor er zu Hilfe eilte, sicherte er zuerst
sein eigenes Schiff und berichtet:
»Wir konnten unser eigenes Schiff an
der Stelle halten, und als sich der
Sturm gelegt hatte, war das Schiff
hinter uns verschwunden«. Der Erste
Offizier der Sir Robert Baden
Powell entdeckte in der Folge eine
Rettungsinsel mit mehr als zwölf Personen
an Bord, darunter die gerettete
Angela Bacares, die erst keine medizinische
Betreuung annehmen wollte,
weil ihr Ehemann Michael Lynch
sowie die gemeinsam Tochter Hannah
unter den Vermissten war, so
Borner.
Bergungsarbeiten
Die Jacht lag am Meeresgrund auf ihrer
Steuerbord-Seite, der Rumpf
schien nach ersten Erkundungen intakt.
In der Hoffnung, im Rumpf in
einer Luftkammer noch Überlebende
finden zu können, schnitten die
mit Mischgas-Atemgeräten ausgestatteten
Rettungstaucher einen Zugang
ins Schiffsinnere. Aufgrund der
großen Wassertiefe konnten die einzelnen
Teams wegen der notwendigen
Dekompressionszeiten pro
Tauchgang nur rund zwölf Minuten
am Wrack selbst arbeiten.
Technische Besonderheiten
Von der Rumpflänge her gesehen
rangiert die 56 m lange Superjacht
unter den 5 % der größten Einheiten.
Das Schiffsdesign stammt von Ron
Holland, der Entwurf der Innenausstattung
von Rémi Tessier. Gebaut
wurde Bayesian auf der italienischen
Werft Perini Navi und sie wurde
2008 ausgeliefert. Geriggt nach
dem Typ eines »modernen Kutters«
beträgt die Höhe des aus einem Stück
gefertigten Aluminium-Mastes 75 m.
Österreich Maritim 87/88 – September 2024
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N
Palermo
Sizilien
Palermo
S/Y BAYESIAN
AIS-Position 19.08.2024
38°05’06,82“ E
013°33’01,17’ N
Porticello
1 sm
Diese Höhe erfordert eine Verstagung
über sechs (!) Salingpaare. Erste
Stellungnahmen vermuteten einen
Zusammenhang der Masthöhe mit
der Unfallursache; um dem krängenden
Moment des Mastes entgegenzuwirken
besitzt die Jacht einen 9 m (!)
hohen Hubkiel. Hier schließt sich
eine weitere mögliche Ursache an, da
dieser Kiel (fast 10 m Tiefgang) nicht
auf volle Tiefe ausgefahren gewesen
sein dürfte.
Untersuchungen
Eine Woche nach dem Untergang hat
der Staatsanwalt von Termini Imerese
(Gemeinde in der Metropolitanstadt
Palermo), Ambrogio Cartosio,
gegen den 51jährigen James Cutfield,
den neuseeländischen Kapitän
der Bayesian, ein Verfahren wegen
siebenfacher fahrlässiger Tötung eingeleitet.
Am 25. August fand eine
zweite Einvernahme statt, und Cutfield
wurde aufgefordert, sich einen
Anwalt zu nehmen.
von Tornados im World Wide Web,
die an Küsten entlangliefen und auch
in der Lage wären, eine derartige
Jacht extrem zu krängen. Auch wenn
Schiffe »selbstaufrichtend« konstruiert
würden, komme es jedoch darauf
an, ob die Stabilitätskurve überschritten
wird und das Schiff damit
kein aufrichtendes Moment mehr
hat.Nach Kenntnis der Redaktion
wird von Untersuchungsinstanzen
bei Schiffsunglücken stets der »Verschlusszustand«
als ein wichtiges
Prüfkriterium erhoben. Das korrespondiert
auch mit der Aussage von
Holger Flindt: »Wenn solche Luken
nicht ordentlich verriegelt oder gar
offen sind, haben sie die Möglichkeit,
dass rasch Wasser eindringt und das
Schiff schnell kentert und sinkt.«
Rasch war auch die aufgescheuchte
Community mit verschwörungstheoretischen
Vermutungen über Sabotage
zur Stelle. Dazu Flindt: »Man
kann diesen Untergang auch ohne
ein Verbrechen schlüssig erklären«.
Agenturen/Medien/Red.
Dr. Michael Lynch †
Warhscheinliche Ursachen des
Untergangs
Der Schiffsingenieur und Gutachter
des führenden europäischen Jacht-
Versicherers Pantaenius, Holger
Flindt, berichtet von Aufnahmen
S/Y BAYESIAN (Bild: Perini Navi)
42
Österreich Maritim 87/88 – September 2024
Lände Greifenstein: Arbeiten der FHS-Sektion »Am Wasser«
Aktueller Bildbericht von Sektionsobmann Kpt. Edgar Wilhelm
Am 19. Mai besuchte eine Gruppe von »Am Wasser« das
Stadtmuseum in Korneuburg. Der ehemalige Werft-Mitarbeiter
und Direktor des Stadtmuseums, Ing. Otto Pacher,
führte fundiert durch die Sammlung. Die Geschichte der
DDSG-Werft Korneuburg ist im Museum reichhaltig dokumentiert,
mit dem Artikel auf Seite 14 dieser Ausgabe ist
ein Beginn für eine gute Zusammenarbeit gesezt.
Am 25. Mai luden wir zum ersten Mal zu unserem Saison-Eröffnungsfest...
Bericht in Österreich Maritim 85, Juni 2024) haben sich
bestens bewährt.
Bei unserem nächsten »Werkeltag« (8. Juni) beschäftigten
wir uns mit der Verstärkung der Schorbäume
und der Nachspannung der Landseile, teilweise war auch
ein Austausch von beschädigtem Material notwendig.
Auch die durch das Hochwasser notwendige Reparatur
der Zugangsbrücke wurde vorbereitet. Die endgültige Reparatur
erfolgte dann am 13. Juli: Anschweißen von neuen
Gleitrollen an der Brücke und Anfertigung von Gleitlagern
für den Hochwasserfall konnten – nicht zuletzt durch
großzügige Materialspenden von Kurt Ruthner und Gerhard
Nauer – erfolgreich abgeschlossen werden.
Parallel dazu hielten wir unsere routinemäßigen Sektionssitzungen
ab (28.06., 26.07., 23.08.2024).
Hochwasser am 5. Juni 2024
10. August: Forstarbeit am Wasser
Hochwasser
Um den 5. Juni hatte uns der Scheitel eines mehr als fünfjährlichen
Donau-Hochwassers passiert, das Wasser stand
bis auf den Treppelweg im Bereich unserer Lände (Bilder).
Die Arbeiten zur Ertüchtigung der Verheftung des GK
10065 (und damit der gesamten Anlage – siehe unseren
Verstärkter Schorbaum-Schuh
Artfremde Tätigkeit
Der Werkeltag am 10. August sah uns vorerst bei keinerlei
nautischen Tätigkeiten, sondern wir mussten entsprechend
den Bestimmungen unseres Länden-Bestandnahmevertrages
den Bewuchs an der Uferböschung und bei
der Slipanlage »kurz halten«; auch wurde eine beträchtliche
Menge an Schwemmholz entfernt, gesammelt und den
Heizmaterial-Vorräten einverleibt. Unser zertifiziertes
Schweißerteam begann mit der Montage einer »Seereling«
(Bild links unten) auf dem Bugsiertrecker Gnom, mittlerweile
ist diese auch fertiggestellt. Danke dafür an Karl
Riegler! Zur weiteren Sicherung wurden (vor allem für
Österreich Maritim 87/88 – September 2024
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Gäste der FHS) Absperrketten montiert, wie dies auch im
schiffartsrechtlichen Bewilligungsbescheid (2016) vorgeschrieben
ist.
Liebe Freunde und Segler!
Die Saison 2024 neigt sich langsam in Richtung
Herbst, daher wird es auch Zeit für unser
Saisonabschlussfest
Die fertige Reling am Bugsiertrecker GNOM
am Samstag, dem 21. September 2024
Oft Ersatztermin kommt es anders, bei Schlechtwetter als man denkt Samstag, ... 28.
Das September untenstehende (Ihr werdet Bild wurde verständigt). am 20. September 2024 an
unserer Lände – direkt vor der Zugangsbrücke – aufgenommen
und zeigt den mit Hochwasser-Schwemmgut gut gefüllten
Treppelweg. Der »Festtermin« sah uns bei schweren
Aufräumungsarbeiten...
(Bild P. Strecha)
Was kommt auf uns zu...
Beim September-Werkeltag (Samstag, 16.09.) soll (sollte!,
siehe Spalte rechts, Red.) die Vergrößerung der »Messe«
(das ist der Raum an Bord des Schiffes, in dem das Essen
eingenommen und die Freizeit verbracht wird) in der Steuermannswohnung
angegangen werden; die restlichen
»Forstarbeiten« sollen ebenfalls stattfinden.
Am Freitag, 27. September findet die jährliche Hauptversammlung
der FHS-Sektion »Am Wasser« statt. Dabei
werden auch die Anträge an die
FHS-Generalversammlung
F:reitag, 18.10.2024 18:00
in Kritzendorf, Gasthaus Silbersee)
formuliert.
Für den Werkeltag am Samstag, dem 12. Oktober haben
wir uns die Vorbereitung auf die Wintersaison vorgenommen:
Anstriche Steuermannswohnung und Matrosenquaetier
(Funkerbude) im Vorschiff.
Stets: gute Stimmung auf/von der »Veranda«
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Österreich Maritim 87/88 – September 2024
Unsere
Tätigkeitsbereiche:
Abbruch- und
Rodungsarbeiten
Karner GmbH
Hauptstraße 3
3422 Greifenstein
Telefon: +43 (0)2242/3224)
E-Mail: erdbau@karner-gmbh.at
Erdbauarbeiten
Entsorgung
Baurestmassen/
eigene
Bodenaushubdeponie
/Recyclinganlage
Natursteinmauern/
Außenanlagen
Sand, Schotter,
Recyglingmaterialien
Straßen- Plätze- und
Wegebau