Stein 2/2025
Im Gang der Geschichte
Im Gang der Geschichte
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S02 | 2025
MINERALISCHE WERKSTOFFE FÜR ARCHITEKTUR UND HANDWERK
IM GANG DER
GESCHICHTE
RENOVIEREN
Der Campanile der Friedenskirche in
Potsdam wurde dank großzügiger
Spenden wieder vollständig saniert
RESTAURIEREN
Um Denkmäler wiederherzustellen,
braucht man handwerkliches Können
und spezialisierte Maschinen
REKONSTRUIEREN
Der alte Kölner Dom war auch unter
Karl dem Großen eine eindrucksvolle,
dreischiffige Pfeilerbasilika
EDITORIAL
LIEBE LESERINNEN
UND LESER,
restauratorische Expertise ist wichtig, um unser Kulturgut
auch in Zukunft für die Nachwelt zu bewahren. Das
gilt nicht nur für Restauratoren und Restauratorinnen,
sondern auch für das Gewerk des Steinmetzen. Wir haben
uns für Sie umgesehen und für diese Schwerpunktausgabe
Projekte ausgewählt, bei denen die Instandsetzung
von Naturstein eine wichtige Rolle gespielt hat.
Ab Seite 6 führt Sie unsere Autorin Dr. Inge Pett durch
die Kolonnaden auf der Museumsinsel in Berlin. Hier
wurde der letzte Bauabschnitt zur Wiederherstellung
des originalen Zustandes abgeschlossen. Die Kolonnaden
aus dem 19. Jahrhundert sind prägender Bestandteil
der UNESCO-Welterbestätte Museumsinsel Berlin.
Im Rahmen des Masterplans Museumsinsel werden
sie, wie auch die anderen Freiflächen, wieder hergerichtet.
Zuvor war der Großteil der Säulengänge entlang
der Spree, der Bodestraße und des Neuen Museums
sowie der Kolonnadenhof bereits bis 2010 aufbereitet
worden.
In der weiteren Nachbarschaft, in Potsdam, zeigt sich
der Campanile wieder in altem Glanz. Dank einer
Spendenaktion konnte der Turm der Friedenskirche,
die auf das Jahr 1850 zurückgeht, wieder vollständig
saniert werden. Lesen Sie mehr über das ehrgeizige
Bauvorhaben ab Seite 14.
Ein weiteres restauratorisches Projekt führt uns nach
Halberstadt. Dort hat die Kulturstiftung Sachsen-Anhalt
die Sanierung der Nordfassade des Doms veranlasst
und hierfür einen Strebepfeiler eingerüstet. Im
ersten Bauabschnitt wurde dort eine Musterachse für
die zukünftigen Arbeiten an der Fassade erstellt. Der
Strebepfeiler wurde systematisch von unten nach
oben bis auf Höhe der Dachtraufe des Seitenschiffs
untersucht, dokumentiert und bearbeitet. Mehr dazu
erfahren Sie ab Seite 46.
Titelbild: SPK Florian Gärtner
Die Kolonnaden auf der Museumsinsel zu Berlin
haben so einiges erlebt seit ihrer Errichtung um die
Mitte des 19. Jahrhunderts. Ihre Säulen trugen zuletzt
so viele Spuren und ihre Substanz war so angegriffen,
dass es eines Masterplans bedurfte, um sie wieder zu
dem einzigartigen Ensemble zusammenzufügen, als
das Friedrich August Stüler sie entworfen hatte.
Anstatt Teile auszuwechseln, wurden zuletzt stark
geschädigte Bauteile demontiert, möglichst werkstoffgetreu
erneuert und später wieder eingefügt –
stets in enger Abstimmung mit dem Denkmalamt.
Wegweisend ist auch eine digitale Innenraum-Rekonstruktion
des Kölner Doms, den die Bauhistorikerin Dr.
Dorothea Hochkirchen und der Architekturstudenten
Konstantin Kruse erstellt haben. Dabei kam heraus,
dass das gotische Meisterwerk früher deutlich spektakulärer
aussah, als bisher angenommen.
Viel Spaß bei der Lektüre von STEIN wünscht Ihnen
Ihre Steinredaktion
Redaktion@stein-magazin.de
S02| 2025 3
INHALT
SCHÖNE WELT DER
STEINE
06 Schön und verletzt
Die Kolonnaden auf der
Museumsinsel in Berlin
sind komplett restauriert
14 Neue, alte Mauern
Das Schlossareal in Plauen
wurde zu einer Studienakademie
20 Zementkrusten auf Marmor
reduzieren
Wie eine Studentin ein
verwittertes Epitaph reinigt
und restauriert
26 Rundum restauriert
Der Campanile in Potsdam
konnte dank großzügiger
Spender vor dem
Verfall gerettet werden
STEINE
BEARBEITEN
33 Golden Spider
Die STEINKUNDE stellt
einen Naturstein aus
Griechenland vor
36 Handwerkliche Tradition
und moderne Produktion
Stationäre Maschinen für
Restaurierungsbetriebe
46 Rettung für den
Halber-städter Dom
Eine Musterachse
bereitet in der Kathedrale
einer künftigen Sanierung
den Weg
54 Prachtvoller als vermutet
Eine digitale Rekonstruk
tion des Innenraums vom
Kölner Doms zeigt, wie
das Gebäude zur Zeit
Karls des Großen aussah
RUBRIKEN
59 Vorschau
60 Impressum
4 S02| 2025
KOLONNADEN AUF DER MUSEUMSINSEL BERLIN
SCHÖN UND
VERLETZT
Seit dem Sommer 2024 sind die Kolonnaden, die zum Welterbe der UNESCO zählen,
komplett restauriert und wiederhergestellt. Alles, was als erhaltenswert galt,
wurde erhalten. Selbst die Einschusslöcher aus dem Zweiten Weltkrieg.
Von Dr. Inge Pett
Die Kolonnaden auf der Museumsinsel zu Berlin
haben so einiges erlebt seit ihrer Errichtung um die
Mitte des 19. Jahrhunderts. Ihre Säulen trugen zuletzt
so viele Spuren und ihre Substanz war so angegriffen,
dass es eines Masterplans bedurfte, um sie wieder zu
dem einzigartigen Ensemble zusammenzufügen, als
das Friedrich August Stüler sie entworfen hatte.
Preußenkönig Friedrich Wilhelm IV. hatte sich die
Spreeinsel als eine „Freistätte für Kunst und Wissenschaften“
gewünscht und schlug höchstselbst die
Kolonnaden als verbindendes architektonisches Element
vor.
Wie einst sind die einzelnen Häuser der Museumsinsel
heute wieder durch Höfe und Kolonnaden verbunden.
Und dennoch vermitteln die Säulengänge keinen
Eindruck der Harmonie. Vielmehr reihen sich
helle, neue und nachgedunkelte alte Elemente aneinander.
Zudem zeugen zahlreiche Einschusslöcher
noch von den Auseinandersetzungen des Zweiten
Weltkriegs.
Dahinter steht eine Philosophie: „Das Bauwerk soll
einem seine Geschichte erzählen können“, so das
Credo der Architektin Christina Petersen. „Und da
gibt es viel zu erzählen.“ Sie ist Mitinhaberin des Architekturbüros
Petersen, Gesellschaft von Architekten
mbH, das mit der denkmalgerechten Instandsetzung
des zweiten Teils der historischen Kolonnaden
am Spreeufer nordöstlich der Alten Nationalgalerie
beauftragt worden war.
Foto: SPK Florian Gärtner
6 S02| 2025
SCHÖNE WELT DER STEINE
Foto:
Herzensprojekt des Preußenkönigs: Friedrich
Wilhelm IV. hatte sich die Spreeinsel als eine
„Freistätte für Kunst und Wissenschaften“
gewünscht. Auf seine Anregung hin gestaltete
Friedrich August Stüler die Kolonnaden als
verbindendes architektonisches Element
S02| 2025 7
KOLONNADEN AUF DER MUSEUMSINSEL BERLIN
Unter der Leitung des Bundesamtes für
Bauwesen und Raumordnung (BBR) wurden die
denkmalgeschützten Säulengänge auf der
Museumsinsel Berlin in ihren ursprünglichen
Zustand zurückversetzt
ZWEI ARCHITEKTURBÜROS – EINE LINIE
Zuvor hatte bereits das Büro David Chipperfield Architects
im Rahmen der Grundinstandsetzung des
Neuen Museums den ersten Teil der Kolonnaden saniert.
Trotz der verschiedenen Bauabschnitte und der
Beteiligung von zwei Architekturbüros erscheine die
denkmalpflegerische Handschrift einheitlich, betont
Ralf Nitschke, Leiter der Stabsstelle Bauplanung in
der Generaldirektion der Staatlichen Museen zu Berlin,
im SPK-Magazin.
„Alles, was zu erhalten war, haben wir erhalten“, resümiert
Petersen. Anstatt Teile auszuwechseln, wurden
stark geschädigte Bauteile demontiert, möglichst
werkstoffgetreu erneuert und später wieder eingefügt
– stets in enger Abstimmung mit dem Landesdenkmalamt.
Die ersten Säulengänge auf der Museumsinsel Berlin,
die sich entlang der Ost- und Südseite des Neuen Museums
und der Bodestraße erstrecken, hatte Friedrich
August Stüler zwischen 1853 und 1860 entworfen.
Er verstarb 1865. Die zwischen 1876 und 1878
erbauten Kolonnaden am Spreeufer und nördlich der
Alten Nationalgalerie hingegen passten die Architekten
Heinrich Strack und Georg Erbkam an Stülers ursprünglichem
Entwurf an und ergänzten ihn um drei
quadratische Pavillons mit Kuppeldächern.
Als dann das Pergamonmuseum erbaut wurde, musste
der nordwestlich der Nationalgalerie verlaufende
Teil der Kolonnaden weichen. Einen weiteren Eingriff
in den Ursprungsentwurf bedeutet 1908 die Verbauung
der Säulengänge am Neuen Museum: Eine Weile
lagerten hier die Friese des Pergamonaltars.
Im Jahr 1911 wurden zudem zweigeschossige Einbauten
in die Kolonnaden an der Spreeseite vorgenommen.
Dort war noch bis Anfang der 2020er-Jahre
die Skulpturenrestaurierungswerkstatt der Alten Nationalgalerie
untergebracht, die inzwischen neue
Räume im Bode-Museum bezog. Auch ringsherum
herrschte baulicher Wildwuchs – wo nötig, stellte
man einfach neue Nutzgebäude zwischen die Museen,
wie zu DDR-Zeiten etwa eine Kantine.
Fotos: SPK Florian Gärtner
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SCHÖNE WELT DER STEINE
Damit die Logistik funktioniert: Anbringen einer
temporären Schiffsleiteinrichtung an der Ufermauer
Foto: SPK Thomas Imo
S02| 2025 9
EPITAPH DES KONRAD POPP
ZEMENTKRUSTEN AUF
MARMOR REDUZIEREN
Das Marmorepitaph des Konrad Popp aus dem späten 16. Jahrhundert, das an der
südlichen Außenmauer der Stadtpfarrkirche St. Leonhard im Lavanttal (Kärnten),
angebracht war, wurde wegen seines gefährdeten Zustandes am Institut für Konservierung
und Restaurierung an der Universität für angewandte Kunst Wien untersucht
und restauriert. Die Untersuchung und einhergehende Restaurierung erfolgte
im Rahmen der Diplomarbeit von Sarah Moyschewitz.
Von Sarah Moyschewitz, Marija Milchin, Katharina Fuchs und Gabriela Krist
Zum Zeitpunkt der Demontage aus dem Mauerverband
wiesen einige Bereiche des Objektes einen
starken zuckerkörnigen Zerfall auf, der teilweise mit
einem ausgeprägten biogenen Bewuchs einherging.
Im Mittelfeld konnten verschiedene Krustenformen
festgestellt werden, die in weiteren Schritten
identifiziert sowie reduziert wurden. Eine Kruste,
die sich höchstwahrscheinlich durch Zementstäube
bilden konnte und deren Reduzierung liegt
im Fokus der Untersuchung.
20 S02| 2025
SCHÖNE WELT DER STEINE
Foto: Sarah Moyschewitz
Denkmal in Gefahr: Das Epitaph des Konrad Popp, li: Vorderseite, re: rechte Seitenansicht
S02| 2025 21
DER CAMPANILE IN PARK SANSSOUCI
RUNDUM
RESTAURIERT
Bei seiner Vollendung vor fast 175 Jahren galt der Turm der Potsdamer Friedenskirche
als ein Sinnbild fortschrittlichen Bauens in historisierendem Gewand. Seitdem
hat Korrosion den gusseisernen Innen-Konstruktionen schwer zugesetzt. Auch am
Mauerwerk ist die Zeit nicht spurlos vorbeigegangen. So war die Tragfähigkeit der
nur provisorisch gesicherten Sandsteinsäulen in den Rundbogenarkaden stark in
Mitleidenschaft gezogen. Darüber hinaus fehlten Terrakotta-, Kunst- und Natursteinelemente.
Dank einer groß angelegten Spendenaktion ist der Campanile nun
restauriert.
Von Dr. Inge Pett
Italiensehnsucht: Pate für die Potsdamer Friedenskirche, deren Entwurf auf eine
Skizze von Friedrich Wilhelm IV. zurückgeht, ist die frühchristliche Kirche San
Clemente in Rom. Der 42 Meter hohe Glockenturm wiederum ist dem Campanile von
Santa Maria di Cosmedin in Rom nachempfunden
Foto: SPSG Nicole Romberg
26 S02| 2025
SCHÖNE WELT DER STEINE
Sieben offene Obergeschosse: Alle Fassadenbauteile aus Naturstein sowie aus Terrakotta
wurden umfassend gereinigt, restauriert und gegebenenfalls ersetzt
Foto: SPSG Nicole Romberg
Er wollte ein Stück Italien an die Havel bringen. So
auch mit einem neuen Gotteshaus, das er nahe seiner
Potsdamer Residenz in Park Sanssouci erbauen
ließ. Friedrich Wilhelm IV. hatte den Architekten
Ludwig Persius beauftragt, einen Bau zu erschaffen,
der sich an die romanischen Kirchen südlich
der Alpen anlehnte.
Die Architekten Johann Gottfried Gutensohn und
Johann Michael Knapp hatten zwischen 1822 und
1827 eine umfangreiche Kupferstichsammlung der
frühen und mittelalterlichen Kirchen Roms herausgebracht,
die den Preußenkönig inspirierte. Als
Vorbild für die Potsdamer Friedenskirche, die seit
1990 zum UNESCO-Welterbe zählt, dienten San Clemente
sowie der Campanile von Santa Maria
in Cosmedin.
Während der 42 Meter hohe Glockenturm architektonisch
die Epoche der Romanik zitiert, entsprach er in
technischer Hinsicht dem seinerzeit neusten Stand.
Der Campanile ist ein Zeugnis der Entwicklung von
handwerklichen zu vorindustriellen Herstellungsund
Baumethoden im 19. Jahrhundert. Zu den Innovationen
zählen etwa eine Wandmalerei in Stereochromie-Technik,
die Baukeramik und die mit Romankalk
hergestellten Fugenputze.
Mit seinen grazilen Dreierarkaden ist der 1850 vollendete
Turm das wohl markanteste Element der Friedenskirche.
Leider befand er sich bis zur Restaurierung
lange in einem besorgniserregenden Zustand.
Dies betraf vor allem die guss- und schmiedeeiserne
Konstruktion im Inneren mit ihrer kunstvoll verzierten
Wendeltreppe.
S02| 2025 27
STATIONÄRE MASCHINEN FÜR RESTAURIERUNGSBETRIEBE
HANDWERKLICHE TRADITION
UND MODERNE PRODUKTION
Wer sich auf die Wiederherstellung von Bau- und Kunstdenkmälern spezialisiert,
braucht sowohl ein herausragendes Maß an handwerklichen Fähigkeiten als auch
hoch spezialisierte Maschinen, die sich um die ansonsten körperlich zeitintensive
schwere, schweißtreibende Bearbeitung des Rohmaterials kümmern - gerade in der
heutigen Zeit des Fachkräftemangels. Wir stellen solche branchengeeigneten, aktuell
verfügbaren Maschinen bei ausgewählten Betrieben vor.
Von Michael Spohr
Während momentan die meisten
Betätigungsfelder für Steinmetze
rückläufig sind – insbesondere
im Bau- und im Grabmal-Geschäft,
leidet das Restaurationsgeschäft
weniger stark unter
konjunkturellen Effekten und
kulturellen Veränderungen.
Dafür trifft der Fachkräftemangel
die Betriebe besonders stark, die
ihr Gewerk mit großer Kunstfertigkeit
ausüben müssen. Moderne
CNC-gesteuerte Bearbeitungsmaschinen
schonen nicht
nur den Naturstein und nehmen
dem Steinmetz eine Menge stereotyper
Arbeit ab, maschinentechnisch
ausgerichtete Arbeitsplätze
sind auch für die Mitarbeitersuche
von Vorteil, da kaum
mehr jemand ein ausschließlich
manuell geprägtes Handwerk erlernen
möchte.
KULTURGUT FOREVER
Ein auch wegen seiner maschinellen
Entwicklung seit mehr als 50
Jahren ständig wachsendes Unternehmen
ist die von Manfred und
Kristina Breitwieser geführte
gleichnamige Firma im niederösterreichischen
Tulln. Die Steinunternehmer
haben ihren Betrieb
mit zwei hochmodernen Werkund
Produktionshallen breit aufgestellt
– sie beschäftigen sich mit
Küche, Bad, Pool, Outdoor, Hospitality,
Steinobjekten und auch mit
der Sanierung architektonischer
Ikonen. Unter der Überschrift „Kulturgut
forever“ erläutern die beiden,
wie sie mit ihrem 120-köpfigen
Team, einem einzigartigen
Know-how und dem Gespür fürs
Detail alte Pracht mit neuem
Charme wieder aufleben lassen.
Um wertvolle historische Bausubstanz
sensibel und streng nach
Denkmalschutz-Vorgaben zu sanieren,
werden die Reliefs zunächst
mit dem 3D-Scanner erfasst
und in die Pegasus-Software übertragen.
Die beiden Werkstattleiter
Krzysztof Pieronek und Timo
Brandstetter übernehmen dann
mit ihren Spezialmaschinen die
Restaurierung. Weil sie einen Ansprechpartner
sowie den Maschinenpark
aus einer Hand wünschten,
hatten Manfred und Kristina
Breitwieser beim Produktionsumbau
mit Hallenneubau 2020 entschieden,
die Neuanschaffungen
für ihren Maschinenpark komplett
bei Geschäftspartner Breton zu beziehen,
vornehmlich zwei CNC-gesteuerte
Bearbeitungszentren
ContourFive NC 1200 und ein Shapemill-Bearbeitungszentrum
spe-
36 S02| 2025
STEINE BEARBEITEN
STEIN stellt folgende
Firmen vor:
1. Breitwieser GmbH, Tulln /
Österreich www.breitwieser.com
2. Steinmetz und Steinbildhauerei
Schwartzenberg, Aachen
www.3s-schwartzenberg.de
3. Traco Deutsche Travertin
Werke GmbH, Bad Langensalza
www.traco.de
Spart ebenso Arbeitszeit wie Material: Die mit
dem Roboter vorgefräste Oberfläche der Putte
muss vom Steinbildhauer nur noch im Detail
und gründlich von Hand überarbeitet werden
Foto: Steinmetz und Steinbildhauerei Schwartzenberg, Aachen
ziell für die Bearbeitung sehr großer
Werkstücke. Die drei fünfachsigen
Multifunktionsmaschinen
werden ergänzt von einer ebenfalls
fünfachsigen Wasserstrahl-
Maschine des Breton-Maschinenpartners
Waterjet Corporation.
BESONDERE MASCHINEN FÜR
DIE RESTAURIERUNG
Die letzte Investition der Breitwiesers
ist eine Breton-Brückensäge
mit Trennscheibe für Werkstücke
und Platten mit großer Dicke, welche
aber – ebenso wie eine Breton-
CombiCut-Brückensäge – eher zu
den Standardmaschinen des Unternehmens
zählt. Timo Brandstetter
listet der Vollständigkeit
halber noch zwei Primus-Wasserstrahlanlagen
von Intermac, eine
Donatoni-Quadrix-Drehkopfsäge
sowie drei Comandulli-Kantenschleifautomaten
auf. Während
diese Maschinen für viele andere
Arbeiten aus den verschiedenen
Geschäftsfeldern vollkommen
ausreichen, erfordert die Restaurierung
„architektonischer Ikonen“
wie etwa dem Schloss Hof im
niederösterreichischen Marchfeld
ganz besondere Maschinen, entsprechende
Bearbeitungswerkzeuge
und außerordentliche handwerkliche
Fertigkeiten.
Damit das Barockschloss nach
siebenjähriger Sanierung in
neuem Glanz erstrahlen konnte,
waren umfassende Restaurierungsarbeiten
erforderlich, zu
denen die Firma Breitwieser etwa
die historischen Stuckdecken, die
Sumpfkalk-Fassaden sowie die
weitläufigen Brunnenanlagen in
der umgebenden Gartenlandschaft
beisteuern konnte – dank
ihrer innovativen State-of-the-
Art-Technologien.
ZUSAMMENSPIEL AUS SCAN-
NER, SOFTWARE, STEUERUNG,
STEINBEARBEITUNGSMASCHI-
NEN UND STEINMETZARBEIT
Um herausragende restauratorische
Leistungen mit maschineller
Hilfe vollbringen zu können, „müssen
moderne CNC-Maschinen mit
den korrekten Informationen gefüttert
werden“, erläutert Christoph
Schwartzenberg. Der Steinmetz-
und Steinbildhauer-Meister
aus Aachen beschafft sich diese
Informationen mit einem besonders
leistungsstarken Lidar-Laserscanner
des österreichischen Herstellers
Riegl, einer Drohne mit
hochauflösender Kamera, einem
S02| 2025 37
SANIERUNG DER BESONDERS GEFÄHRDETEN NORDSEITE
HILFE FÜR DEN
HALBERSTÄDTER DOM
Seit über zehn Jahren ist die Kathedrale in Halberstadt abgesperrt. Schutztunnel ermöglichen
den Zugang für Besichtigungen und Gottesdienste. Wind und Wetter, auch
saurer Regen haben dem Gebäude im Laufe der Jahre erheblich zugesetzt. Betroffen
sind vor allem eine Reihe von Strebepfeilern. Restauratoren und Steinmetze erproben
an einem Pfeiler, wie diese möglichst schonend und effizient saniert werden können.
Von Redaktion Stein
Der Dom mit seinem Schatz ist ein
Touristenmagnet in der Halberstädter
Innenstadt. Im letzten Jahr
besuchten rund 86.000 Gäste das
besondere Bauensemble mit dem
angeschlossenenMuseum. Zuletzt
beschäftigt die Kulturstiftung
Sachsen-Anhalt als Eigentümerin
wieder zunehmend der bauliche
Zustand der Kathedrale. 2022/2023
musste ein Strebepfeiler am
Hohen Chor saniert werden, der
massive Schäden aufwies und in
seiner Standsicherheit gefährdet
war. Im Verlauf des Jahres 2022
wurden zudem vermehrt Steinabstürze
an verschiedenen Bereichen
des Domes registriert, sodass
eine weiträumige Absperrung des
Bauwerks nötig war. Die Verwitterungsprozesse
an der sowohl aus
Kalk- wie auch aus Sandstein bestehenden
Kathedrale schreiten
voran, gerade an den zum Teil
noch bauzeitlich geprägten Bereichen,
bei denen eine Sanierung
über 100 Jahre her ist. Die Kulturstiftung
Sachsen-Anhalt plant nun
die Sanierung der Nordfassade.
Hierfür war seit Sommer 2023 für
ein Jahr ein Strebepfeiler eingerüstet
und mit Planen eingehaust.
In dem aktuellen, vorgelagerten
Bauabschnitt wird an diesem Strebepfeiler
eine Musterachse (auch
Probeachse genannt) für die zukünftigen
Arbeiten an der Fassade
erstellt. Hierzu wird der Strebepfeiler
systematisch auf seiner
ganzen Höhe von unten nach oben
bis auf Höhe der Dachtraufe des
Seitenschiffs untersucht, dokumentiert
und bearbeitet. Dabei
umfasst die Musterachse die gesamte
Westseite des Strebepfeilerschaftes
und die Hälfte der Nordseite.
Außerdem wird an der
Hauptfiale, die auf dem Strebepfeiler
sitzt, gearbeitet.
REINIGUNG, KONSERVIERUNG,
RESTAURIERUNG
In der Musterachse bearbeiten
Restauratoren und Steinmetze
Probeflächen mit dem Ziel, Erkenntnisse
zusammenzutragen
und die Herangehensweise für die
Sanierung aller weiteren Strebepfeiler
festzulegen. Im Wesentlichen
erfolgen zunächst Reinigungsarbeiten
an den Oberflächen.
Bei der Reinigung ist zu beachten,
dass sowohl Kalkstein als
auch Sandstein an der Kathedrale
verbaut wurde: Unterschiedliche
Materialien erfordern auch unterschiedliche
Herangehensweisen.
Wenn es zum Erhalt historischer
46 S02| 2025
STEINE BEARBEITEN
Fotos: Carsten Sußmann
Dom zu Halberstadt, Musterachse, nach der Fertigstellung
S02| 2025 47