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Kat 112_EXPRESSIONISMUS - NEUE SACHLICHKEIT

EXPRESSIONISMUS - NEUE SACHLICHKEIT Gemälde - Zeichnungen - Künstlergraphik

EXPRESSIONISMUS - NEUE SACHLICHKEIT
Gemälde - Zeichnungen - Künstlergraphik

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EXPRESSIONISMUS

NEUE SACHLICHKEIT

GEMÄLDE – ZEICHNUNGEN – KÜNSTLERGRAPHIK

Katalog 112

Feinbergweg 7 – 61440 Oberursel/Ts.

Telefon: +49 (0)6171 20 74 92

info@galerie-fach.de

www.galerie-fach.de


VOM EXPRESSIONISMUS ZUR NEUEN SACHLICHKEIT?

Im Jahr 2025 jährt sich die Eröffnung der Ausstellung

„Neue Sachlichkeit – Deutsche Malerei seit dem Expressionismus“

in Mannheim zum hundertsten Mal. Die von

Gustav Friedrich Hartlaub, dem jungen, progressiven

Direktor der Mannheimer Kunsthalle, organisierte Schau

brachte aktuelle künstlerische Positionen „neuester deutscher

Malerei“ zusammen, die vor allem „durch das – an

sich rein äußerliche – Merkmal der Gegenständlichkeit“

verbunden waren. 1 Obwohl Hartlaubs Werkauswahl die

vielfältigen Tendenzen eines neuen Realismus nach dem

ersten Weltkrieg keineswegs vollständig erfassen konnte,

gehörte die Ausstellung zu jenen, die Epoche machen sollten.

Trotz seiner Unschärfen schien ihr Titel die unterschiedlichen

Strömungen letztlich von allen vorgeschlagenen

Charakterisierungen am überzeugtesten zu erfassen;

er war, mit den Worten des Hamburger Malers Friedrich

Ahlers-Hestermann, „schlicht und einprägsam“, es war

damit eine „eingetragene Warenmarke“ gefunden, die

heute rückblickend als epochendefinierend für die Kunst

der Weimarer Republik weiterlebt. 2

Vor der „Neuen Sachlichkeit“ hatte sich zu Beginn des

20. Jahrhunderts zunächst der Expressionismus zur prägenden,

avantgardistischen Strömung innerhalb der bildenden

Kunst Deutschlands entwickelt. Er ist Ausdruck

eines Aufbegehrens nach neuen Formen der Kunst und

des Lebens und mithin weit mehr als ein simples Stilphänomen

– eher eine vielfach in sich vernetzte, breite kulturelle

Strömung auf der Suche nach umfassenden Veränderungen

in einer zunehmend als spießbürgerlich und

beengend empfundenen Gesellschaft. Seine Vertreterinnen

und Vertreter brechen mit den vorherrschenden akademischen

Kunsttraditionen wie auch gesellschaftlichen

Konventionen und drängen mit ihren Werken darauf, subjektive

Wahrnehmungen und Empfindungen sichtbar zu

machen. Ihre radikale Abkehr von etablierten Ausdrucksformen

äußert sich in übersteigerten, kristallin zerberstenden

Formen und dynamischen Kompositionen, dem

impulsiven Einsatz von bisweilen grellen Farben, breiten

Strichen und starken Kontrasten. Ihre Motive speisen sich

aus existentiellen Emotionen – Angst, Verzweiflung, Leidenschaft

oder Freude – und verkörpern das Spannungsverhältnis,

in dem sich das Individuum innerhalb der modernen,

zunehmend industrialisierten Gesellschaft stets

bewegt. Sie zeigen seine Entfremdung und Desillusionierung

und wecken zugleich die Hoffnung auf Erlösung.

Der Zusammenschluss der vier Architekturstudenten

Ernst Ludwig Kirchner (Nr. 35), Fritz Bleyl, Erich Heckel

(Nr. 22) und Karl Schmidt-Rottluff zur Künstlergruppe

„Brücke“ in Dresden im Sommer 1905 markiert gewissermaßen

die „Geburtsstunde“ des deutschen Expressionismus.

Emil Nolde (Nr. 54) und Max Pechstein (Nr. 56)

stoßen im Folgejahr hinzu. In enger Zusammenarbeit – sei

es im Atelier bei den sogenannten „Viertelstundenakten“

oder später an den Moritzburger Teichen – finden sie eine

eigene, völlig freie und auf das spontane und unmittelbare

Erfassen ihrer Umwelt ausgerichtete künstlerische Ausdrucksweise,

die nicht auf die Weiterentwicklung des Bestehenden

abzielt, sondern auf die konsequente Überwindung

alles Bisherigen. Charakteristisch für die Gruppe ist

– zumindest in den Anfangsjahren – ein einheitlicher

1 Gustav Friedrich Hartlaub, Zum Geleit, in: Neue Sachlichkeit. Deutsche Malerei seit dem Expressionismus,

Ausst.-Kat. Kunsthalle Mannheim, 1925, S. 3 ff.

2 Zit. n. Wieland Schmied, Neue Sachlichkeit und Magischer Realismus in Deutschland 1918-1933, Hannover 1969, S. 7.

2


„Brücke-Stil“, der von einer starken Farbigkeit und Impulsivität

geprägt ist. Zur Verbreitung ihrer neuen Kunstvorstellungen

setzt die Künstlergemeinschaft auf Wanderausstellungen

und die Möglichkeit der Vervielfältigung

ihrer Arbeiten in der Druckgraphik, insbesondere dem

Holzschnitt. Mit der Übersiedlung von Max Pechstein

nach Berlin 1908, dem wenige Jahre später auch die übrigen

Mitglieder der „Brücke“ folgen, erschließt sich den

Künstlern ein neuer Motivfundus: Neben die Idylle der

Moritzburger Teiche tritt das pulsierende Großstadtleben,

mit mondänen Gesellschaften, Straßenszenen, Tanzlokalen

und Varietés. Besonders Ernst Ludwig Kirchner lässt

sich von den vielfältigen tänzerischen Darbietungen der

Berliner Unterhaltungsindustrie inspirieren, beispielsweise

in seiner für die „Chronik der Künstlergemeinschaft

Brücke“ vorgesehenen Lithographie Drei Tänzerinnen von

1912 (Nr. 35). Die Vorbereitung der „Chronik“ liegt maßgeblich

in Kirchners Hand, führt aber zum Zerwürfnis

unter den Brücke-Künstlern und letztlich 1913 zur Auflösung

der Gruppe – vor allem weil die übrigen Mitglieder

das Gefühl haben, Kirchner stelle sich selbst zu sehr in den

Mittelpunkt. 3

Neben der „Brücke“ in Dresden und später in Berlin bildet

die um Wassily Kandinsky und Franz Marc in München

entstandene Künstlervereinigung „Der Blaue Reiter“ eine

weitere Keimzelle des Expressionismus in Deutschland.

Mit ausschlaggebend für die Entstehung der Gruppe ist

ein Streit über die künstlerische Ausrichtung innerhalb

der 1909 begründeten „Neuen Künstlervereinigung München“

zwischen Kandinsky und Marc auf der einen und

Adolf Erbslöh (Nr. 13) und Alexander Kanoldt (Nr. 29-31)

auf der anderen Seite, der Ende 1911 schließlich zur ,Ab-

spaltung‘ des „Blauen Reiters“ führt. Im Gegensatz zur

„Brücke“ verfolgt „Der Blaue Reiter“ einen stärker programmatischen

Ansatz und einen stark spirituellen und

philosophischen Zugang zur Kunst. Diese soll, so der Anspruch,

nicht nur die sichtbare Realität abbilden, sondern

auch unsichtbare, geistige Dimensionen erfahrbar machen.

Während dies bei Kandinsky zu einer zunehmend

abstrakten Bildsprache führt, stehen bei Marc symbolische

Darstellungen von Tieren als Träger einer harmonischeren

Weltordnung im Fokus. Wohl auf Anregung Kandinskys

im Zusammenhang mit der Entstehung des

Almanachs „Der Blaue Reiter“ 1911 nimmt Marc mit der

für ihn neuen Technik des Holzschnittes das druckgraphische

Arbeiten wieder auf. Schon früh hatte er japanische

Farbholzschnitte gesammelt; einen besonderen Eindruck

von den vielfältigen künstlerischen Möglichkeiten dieser

Technik gewann Marc jedoch vor allem im Januar 1912,

als er in Berlin die Künstler der „Brücke“ in ihren Ateliers

besuchte. 4 Als erste eigene Arbeit entstehen 1911/12 die

Ruhenden Pferde (Nr. 47), von denen nur wenige Exemplare

als einfarbige Handdrucke bekannt sind. In kontinuierlicher

Folge fertigt Marc innerhalb des kurzen Zeitraumes

bis zum Kriegsausbruch nur etwas mehr als

20 Holzschnitte, vielfach mit Tiermotiven, wie beispielsweise

der Tiger von 1912 (Nr. 48). Schon unmittelbar nach

ihrer Entstehung erfahren diese Werke große Verbreitung

durch den Abdruck in der Zeitschrift „Der Sturm“. Sie

wird von dem Verleger und Galeristen Herwarth Walden

herausgegeben, der damit und mit seiner 1912 eröffneten

gleichnamigen Galerie zu den wichtigsten Förderern der

deutschen Avantgarde im frühen 20. Jahrhundert gehört.

Zum Kreis um die Galerie „Der Sturm“ zählte auch der aus

Schlesien stammende Künstler Ludwig Meidner. Seine

3 Meike Hoffmann, Leben und Schaffen der Künstlergruppe „Brücke“ 1905 bis 1913, Berlin 2005, S. 196 ff.

4 Annegret Hoberg u. Isabelle Jansen, Franz Marc – Werkverzeichnis. 3 Skizzenbücher u. Druckgraphik, München 2011, S. 319 ff.

3


Kaltnadelradierung Großstadtstraße von 1913 (Nr. 49),

zeigt den für diese Schaffensphase typischen Einfluss der

pulsierenden, berauschenden Metropole Berlin. Mit scharfen,

energischen Linien zerlegt Meidner den Straßenzug in

splittrige, wankende und in sich verschmelzenden Formen

und erschafft dadurch ein expressives Zerrbild der dynamischen

urbanen Szenerie mit der für den Expressionismus

typischen Übersteigerung der Wirklichkeit.

Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs erlebt der Expressionismus

die Zeit seiner größten öffentlichen Resonanz.

Hatte die ,junge‘ Kunst zuvor vielfach mit Anfeindungen

und Ablehnung zu kämpfen, verzeichnen ihre Ausstellungen

nun einen zuvor nicht gekannten Zustrom an Besuchern.

Allerorts bilden sich neue Künstlervereinigungen;

der Expressionismus hat längst auch die etablierten Theaterbühnen

sowie das junge Medium Film erreicht und die

Zahl an (Kunst-)Zeitschriften mit expressionistischer

Originalgraphik nimmt sprunghaft zu. Der Prozess seiner

Konventionalisierung scheint kaum mehr aufzuhalten.

Besonders diejenigen Kritiker und Verfechter, die sich zuvor

vehement für die neue Strömung eingesetzt haben,

sprechen angesichts dessen bereits Anfang der 1920er-

Jahre von der „Krise des Expressionismus“, gar von seinem

„Ende“. 5 Schon unmittelbar nach dem Kriegsende stellt

der Schriftsteller Walter Hasenclever polemisch fest: „Es

gibt wenige, denen etwas einfällt und viele Expres sionisten!“

6 In welch vielfältiger und eigenständiger Weise

der Expressionismus auch in den Anfangsjahren der Weimarer

Republik weiterhin präsent ist, zeigt der Blick auf

Arbeiten etwa von Georg Baumgarten (Nr. 4), Conrad

Felixmüller (Nr. 15, 16), Otto Lange (Nr. 39), Max

Oppenheimer (Nr. 55) oder in seiner ganz eigenen Bildsprache

aus feinen, nervösen Linien und Farbkompositionen

bei Paul Klee (Nr. 36, 37) mehr als deutlich. Und

dennoch, als avantgardistische und innovative Bewegung

hatte der Expressionismus – nicht zuletzt aufgrund der

realhistorischen Umstände einer gescheiterten Revolution,

großer Armut und hoher Arbeitslosigkeit – ausgedient:

sein „Pendel hat durchgeschwungen; das Positive

der Zukunft liegt“, so der Kunstkritiker Wilhelm Hausenstein,

„in einer neuen und frommen Bescheidung auf

die Natur“. 7

Es sind diese neuen künstlerischen Bestrebungen die

Gustav Friedrich Hartlaub 1925 mit seiner Mannheimer

Ausstellung „Neue Sachlichkeit“ vorstellen will. Hartlaubs

Planungen für die Mannheimer Ausstellung reichen bis

ins Jahr 1923 zurück. Seine theoretischen Überlegungen

zur Rückkehr zu mehr Naturalismus in der Malerei formuliert

er bereits im Jahr zuvor unter dem Titel „Zurück

zur Natur“ in einer Antwort auf eine Umfrage der Zeitschrift

„Das Kunstblatt“. 8 Auch wenn Hartlaub hier noch

nicht von „Neuer Sachlichkeit“ spricht, legt er seine für die

spätere Ausstellung grundlegenden Überlegungen bereits

ausführlich dar:

5 Wilhelm Worringer, Künstlerische Zeitfragen. Vortrag gehalten am 19. Oktober 1920 in der Ortsgruppe München der

Deutschen Goethegesellschaft, München 1921, S. 7.

6 Walter Hasenclever: Kunst und Definition. In: Neue Blätter für Kunst und Dichtung 1 (1918), S.40.

7 Wilhelm Hausenstein, Vom Expressionismus in bildender Kunst. Vortrag, gehalten am 14. März 1918 vor dem Bund Deutscher Gelehrter

und Künstler und der Deutschen Gesellschaft 1914, in: Die neue Rundschau 29 (1918), S. 913-930, hier S. 927.

8 Ein neuer Naturalismus?? Eine Rundfrage des Kunstblatts, in: Das Kunstblatt 9 (1922), S. 389-393.

4


„Ich sehe einen rechten, einen linken Flügel. Der eine

konservativ bis zum Klassizismus, im Zeitlosen Wurzel

fassend, will nach so viel Verstiegenheit und Chaos

das Gesunde, Körperlich-Plastische in reiner Zeichnung

nach der Natur, vielleicht noch mit Übertreibung

des Erdhaften, Rundgewachsenen wieder heiligen. […]

Der andere linke Flügel, grell zeitgenössisch, weit weniger

kunstgläubig, eher aus Verneigung der Kunst

geboren, sucht mit primitiver Feststellungs-, nervöser

Selbstentblößungssucht Aufdeckung des Chaos, wahres

Gesicht unserer Zeit.“ 9

In einem Rundschreiben, das 1923 im „Querschnitt“ veröffentlich

wird, kündigt Hartlaub die Ausstellung unter

dem Titel „Die neue Sachlichkeit“ öffentlich für Ende

September des gleichen Jahres an. Er präzisiert seine

Unterscheidung der beiden Flügel als den „mehr klassizistische[n]“

auf der einen und den „bekennerisch ‚veristisch‘

orientierte[n]“ auf der anderen Seite, wobei er sich

bei letzterem – wahrscheinlich aufgrund der in der breiten

Öffentlichkeit wahrgenommenen Prozesse gegen Otto Dix

und George Grosz 10 – vorbehält, einzelne Werke, die „in

einer unvorbereiteten Öffentlichkeit nur Mißverstehen

hervorrufen müßten“ auszuschließen. 11 Wahrscheinlich

aufgrund dieses gesellschaftlichen Klimas und der allgemein

angespannten politischen Lage 1923 scheint Hartlaub

das Ausstellungsprojekt vorerst zurückgestellt zu

haben, ohne es jedoch vollständig aufzugeben.

Rund zwei Jahre später, am 13. Juni 1925 öffnen sich in

der Mannheimer Kunsthalle schließlich doch die Türen

für die Ausstellung „Neue Sachlichkeit“. Die politische

und gesellschaftliche Situation ist stabilisiert, die harsche

Gesellschaftskritik zumindest in den neuen, hier gezeigten

Werken der „Veristen“ nicht mehr so präsent. 12 Der

deutliche Schwerpunkt der Ausstellung liegt zudem auf

dem „klassizistischen“ rechten Flügel, der Münchener

Gruppe um Franz Roh und die Galerie Hans Goltz:

Alexander Kanoldt (Nr. 29-31), Georg Schrimpf (Nr. 64),

Carlo Mense oder Adolf Erbslöh (Nr. 13). Sie streben in

ihren Werken nach einer ruhigeren, harmonischen, weitgehend

entemotionalisierten Bildsprache, die durch eine

formale Strenge der Kompositionen und Malweise hervortritt

und auf traditionelle Bildkonzepte zurückgreift.

Sie wenden sich bewusst von den politischen und sozialen

Themen ihrer Zeit ab und suchen stattdessen nach

innerem Gleichgewicht und Stabilität. Diese Betonung

von Ordnung und Dauerhaftigkeit äußert sich beispielsweise

in Alexander Kanoldts Lithographien Stilleben mit

Krügen von 1922 (Nr. 29) oder Rauhreif von 1923 (Nr. 30)

oder auch in Niklaus Stoecklins späterem Nachtstück

Place de Furstenberg, Paris (Nr. 65) in Form einer sachlichen

und ruhigen, geometrisch durchstrukturierten

Komposition.

Dem gegenüber steht der linke, „veristische“ Flügel mit

Künstlerinnen und Künstlern wie Otto Dix (Nr. 10-12),

9 Ebd., S. 390.

10 So stand Otto Dix beispielsweise 1923 aufgrund seiner Gemälde „Mädchen am Spiegel“ oder „Salon II“ wegen angeblicher Obszönität und

unzüchtigen Darstellungen vor Gericht; von Georges Grosz wurde u.a. das Mappenwerk „Ecce Homo“ als „grob unzüchtig“ beschlagnahmt.

Vgl. Ludwig Leiss, Kunst im Konflikt. Kunst und Künstler im Widerstreit mit der „Obrigkeit“, Berlin 1971, S. 327f. u. Rosamunde Neugebauer,

George Grosz. Macht und Ohnmacht satirischer Kunst, Berlin 1993, S. 111ff.

11 Rundschreiben zur Ausstellung „Neue Sachlichkeit“, in: Der Querschnitt 3 (1923), S. 200.

12 Vgl. Caroline Hille, Neue Sachlichkeit. Deutsche Malerei seit dem Expressionismus, Mannheim 1925, in: Stationen der Moderne.

Kommentarband zu den Nachdrucken der zehn Ausstellungskataloge, hrsg. v. Eberhard Roters, Köln 1988, S. 131-150, hier S. 138.

5


Georges Grosz (Nr. 20, 21), Karl Hubbuch (Nr. 25-28) oder

Jeanne Mammen (Nr. 43-46). Auch sie wenden sich einer

naturalistischeren Darstellungsweise zu, sehen die Aufgabe

ihrer Kunst jedoch vor allem darin, Sozialkritik zu

üben und die gesellschaftlichen Ungerechtigkeiten und

Verwerfungen ihrer Zeit aufzudecken. Ihre Arbeiten sind

Ausdruck einer politischen Wut und eines scharfen Zynismus

gegenüber der aktuellen Lebenssituation, der

Dekadenz und Heuchelei der Weimarer Gesellschaft. Die

„Veristen“ schockieren mit einem häufig harten, satirischen

und besonders schonungslosen Realismus in ihren

expliziten Darstellungen etwa von Kriegsversehrten, korrumpierten

Politikern oder Prostituierten, wie beispielsweise

in Jeanne Mammens Lithographie Nutten (Nr. 45)

von 1930 oder der Radierung Vohse II. (Nr. 10) und der

Lithographie Halbakt (Nr. 12) von Otto Dix aus den Jahren

1922 und 1923.

Die beiden Flügel der „Neuen Sachlichkeit“ scheinen –

abgesehen von der verbindenden Rückkehr zu einem gegenständlichen

Realismus oder Naturalismus – in ihrer

Ausrichtung schwer vereinbar. Ein Umstand, der Hartlaub

früh bewusst ist. In seiner Antwort auf die Umfrage des

Kunstblattes formuliert er dennoch seine Hoffnung auf

eine Zusammenführung: „vielleicht gelingt doch morgen

oder übermorgen schon die Einigung beider Ströme und

damit die Schaffung eines breiteren Strombetts. Wir

warten auf einen zukünftigen, einen erlösten Max

Beckmann.“ 13 1925 sieht er die Versöhnung der beiden

Richtungen dann tatsächlich erfüllt; dem Werk von Max

Beckmann (Nr. 5-7) widmet er in der Mannheimer Ausstellung

einen gesonderten Raum. Beckmanns verbindende

Rolle zur „Neuen Sachlichkeit“ sieht er in der „tragisch

groteske(n) Deutung, die er dem Menschentum der

Gegenwart zuteil werden läßt“ und durch „unerbittliche

Aktualität seiner Vorwürfe“. 14

Auch wenn sowohl der Untertitel der Mannheimer Ausstellung

„Deutsche Malerei seit dem Expressionismus“ als

auch die im gleichen Jahr erschienene, für diese Bewegung

programmatische Schrift „Nach-Expressionismus“ 15

von Franz Roh dies suggerieren mögen, schließen sich

weder Hartlaub noch Roh einem allgemeinen Abgesang

auf den Expressionismus an. Vielmehr wenden sie sich

vehement gegen die Vorstellung, die Kunstgeschichte sei

eine lineare Abfolge von Stilen und -ismen. Das Aufkommen

von mehr Sachlichkeit, Realismus und Naturalismus,

kurz der „Neuen Sachlichkeit“ erfordert nicht

zwangsläufig den „Tod des Expressionismus“. 16 Obschon

dieser in der Mitte der 1920er Jahre seine Rolle als primäre,

avantgardistische Strömung eingebüßt hat, bleibt er

weiter aktiv. Zurückgreifend auf die Einleitung von Franz

Rohs „Nach-Expressionismus“ lässt sich festhalten: Expressionismus

und „Neue Sachlichkeit“ sind „weder ein

reines Nacheinander, noch ein reines Nebeneinander.“

Die Kunst ist ein „dauerndes Ineinanderschieben und

Verzahnen der Stile“. 17

Dr. Daniel Cremer, Düsseldorf

13 Ein neuer Naturalismus?? (wie Anm. 8), S. 393.

14 Gustav Friedrich Hartlaub, Zum Geleit, in: Die neue Sachlichkeit. Ausschnitt aus der deutschen Malerei seit dem Expressionismus.

Sächsischer Kunstverein, Dresden 1925. Vgl. Hille, Neue Sachlichkeit (wie Anm. 12), S. 146.

15 Franz Roh, Nach-Expressionismus. Magischer Realismus. Probleme der neuesten europäischen Malerei, Leipzig 1925.

16 Vgl. Ebd., S. 1 ff. u. Hartlaub (wie Anm. 1), S. 3 ff.

17 Roh, Nach-Expressionismus (wie Anm. 15), S. 4.

6


KATALOGTEIL

7


PETER ABELEN

1884 – Köln – 1962

Tillmännchen.

1

Öl auf Leinwand, um 1920, auf Keilrahmen, unsigniert. 50:40 cm.

Randdoubliert, mit restaurierter Fehlstelle im Bereich der Kopfbedeckung. Auf dem Keilrahmen

bezeichnet „Model Frau Tillmann“ und „Portrait Ruth“.

Provenienz: Privatsammlung, Köln.

Literatur: Ausstellungskatalog: August Sander und die Kunstszene der 20er Jahre im Rheinland, Köln,

Josef-Haubrich-Kunsthalle und Kunsthalle zu Kiel, 2000, Kat. Nr. 283, Abb. 91, S. 85.

Peter Abelen porträtierte Frau Tillmann mit ihrem von einer Lederkappe verdecktem Kurzhaarschnitt

und Fell jacke möglicherweise als Pilotin eines offenen Automobils, unbedingt aber als emanzipierte Frau

der Weimarer Republik.

Peter Abelen ist vielseitig künstlerisch begabt und zählt zu

den avantgardistischen Kölner Künstlern in der ersten

Hälfte des 20. Jahrhunderts. Er absolviert eine Lehre als

Maler und Anstreicher im familiären Betrieb und ist

Schüler von Peter Behrens (1868-1940) an der Kunstgewerbeschule

Düsseldorf. Seit 1907 studiert er das Zeichnen in

München an der Akademie der Bildenden Künste bei

Franz von Stuck (1863-1928). In den Jahren 1913/14 ist

er Mitglied der legendären Kölner Künstlergruppe der

„Lunisten“, benannt nach dem Café Luna am Rheinufer.

1919-1921 gehört er der Künstlergruppe der „Kalltal_gemeinschaft“

im Junkerhaus in Simonskall an. In der Zeit

von 1920-1932 gehört er zu den Kölner Progressiven und

ist Mitinitiator der Kölner Lumpenbälle. 1932-1938 hält er

sich in Mallorca auf und kehrt 1938 nach Deutschland zurück.

Wegen Ausstellungsverbotes während des Dritten

Reichs ist er hauptsächlich als Architekt und Innenarchitekt

in Köln tätig.

8


9

1


ALEXANDER ARCHIPENKO

1887 Kiew – New York City 1964

o. T. (Three figures, one in repose).

2

Lithographie, um 1921, auf hellbraunem Bütten, mit Bleistift nummeriert „20/100“ und signiert „Archipenko“.

Blattgröße 29,2:21,3 cm.

Mit wenigen Knickchen im Oberrand und kleinen Einrissen.

Der Umschlag des Heftes mit leichten Gebrauchsspuren.

Nr. 20 von 100 Exx.

Literatur: Karshan 24; Söhn HDO 50406-1.

Selten!

Als Beilage erschienen zur Vorzugsausgabe in 100 nummerierten Exemplaren zu: DER ARARAT: Glossen / Skizzen

und Notizen zur neuen Kunst. München, Goltzverlag, 2. Jg., 6. Heft, Juni 1921. Ss. 183-200, 3 Bll. Anzeigen.

Rot und schwarz gedruckter Umschlag mit Fadenheftung nach einem Entwurf von Toni Wendling (1891-1965).

Mit Texten von Maurice Raynal, Friedrich Markus Huebner, H. H. Stuckenschmidt, Helmut Kolle, Rudolf Utzinger,

Guido Kaschnitz und Grete Brandt. Mit Abbildungen nach A. Archipenko, Alb. Servaes (1883-1966),

F. Boucher (1703-1770) und Josef Eberz (1880-1942).

Von dieser wichtigen expressionistischen Zeitschrift erschienen insgesamt 24 Hefte und drei Flugblätter.

Biografie: Siehe Seite 138.

10


11

2


CHRISTIAN ARNOLD

1889 Fürth – Bremen 1960

Dorfstraße im Schnee.

3

Aquarell auf strukturiertem Papier,

mit schwarzer Tusche monogrammiert und datiert „CA (lig.) / 29.“. 34,8:51,3 cm.

Nach einer Bildhauerlehre an der Fachhochschule für

Holz in seiner mittelfränkischen Geburtsstadt Fürth und

einer zweijährigen Wanderschaft lässt sich Christian

Arnold 1908 in Bremen nieder. Hier nimmt er für kurze

Zeit Malunterricht an der Kunstgewerbeschule und bildet

sich anschließend autodidaktisch weiter. Im ersten Weltkrieg

wird Arnold schwer verwundet. Seine linke Hand ist

vollkommen gelähmt und er kann nicht mehr als Bildhauer

arbeiten. Zunächst arbeitet Arnold als technischer

Zeichner im Bremer Elektrizitätswerk, macht sich jedoch

1924 als freischaffender Künstler selbständig. Arnold

wird unter den Nationalsozialisten verfemt. Die Aufnahme

in die Reichskulturkammer wird ihm verweigert und

1933 wird er aus dem Künstlerbund Bremen ausgeschlossen.

In den Jahren 1942 und 1945 wird er unter politische

Anklage gestellt und inhaftiert. Bei der Bombardierung

Bremens werden ca. 2.000 seiner Werke zerstört. Arnolds

Œuvre weist eine Entwicklung auf, die von expressionistisch

geprägten Anfängen bis zu einem neusachlichen Stil

reicht.

12


13

3


GEORG BAUMGARTEN

1894 Neudamm – Berlin 1945

Selbstbildnis, Büste im Profil nach links.

4

Pinsel und schwarze Tusche, auf chamoisfarbenem Papier,

datiert, bezeichnet und signiert „24 / Selbst Portrait / GBaumgarten“. 50:38 cm.

Insgesamt leicht fleckig, linke untere Ecke fehlt.

Die Zeichnung ist auf einen Papierbogen mit vorgedruckten Umfassungslinien und Feldern

für Jahr, Klasse und Name gezeichnet.

Verso mit blauer Kreide nummeriert „23“, sowie bezeichnet „F93 – Bau 29“.

Georg Baumgarten war Maler, Schriftsteller und Konzertpianist.

Sein abstraktes expressionistisches Werk aus dem

frühen 20. Jahrhundert in Berlin steht unter den stilistischen

Einflüssen des „Sturm“-Kreises und wird erst nach

1945 nach seinem Tod im umkämpften Berlin durch

Initiativen William Wauers (1866-1962) öffentlich gezeigt

und ist gerade in den letzten Jahren im rheinischen Raum

durch museale Ausstellungen wiederentdeckt worden. Die

Charakteristika seiner emotional und stark intuitiv bestimmten

Kunst sind mit der „Sturm“-Ästhetik verglichen

worden, die Zeit und Ort künstlerisch bestimmt. Ihre

Prinzipien der abstrakten Form- und Farbgebung, die,

dem Musikalischen verwandt, unmittelbar dem Empfinden

und weniger dem Intellekt zugeordnet sind, bindet die

neue Kunst in spirituelle und kosmische Zusammenhänge

ein. Hier knüpft Georg Baumgarten, musisch hochbegabt

und als Maler fast Autodidakt, mit seiner Ausdruckskunst

unmittelbar an. 1935 Eintragung bei der Reichskammer

der bildenden Künste als Maler und Graphiker. Kurze Zeit

später endet seine künstlerische Tätigkeit aus Angst vor

Repressalien durch die nationalsozialistische Regierung.

1943 wird ein Teil des Werkes nach Halle an der Saale verbracht.

Sein lyrisches und dramatisches Werk ist bis heute

weitestgehend unbekannt. (Vgl. Susanne Henle, Bewegung

zur Tiefe, Georg Baumgarten, FAZ vom 8.1. 1994

und Matthias Koch, Georg Baumgarten. Ein Maler im

Umfeld des Sturms, Düsseldorf 2001, unveröffentl. Typoskript,

S. 38 ff.).

14


15

4


MAX BECKMANN

1884 Leipzig – New York 1950

Cafémusik.

5

Kaltnadelradierung, 1918, auf Japan, mit Bleistift betitelt „Concertcaffe“ und signiert „Beckmann“.

Darstellungsgröße 31:23 cm, Blattgröße 38,5:30,5 cm.

Herrlich frischer Druck mit vollem Rand und Blindstempel der Marées Gesellschaft,

von vorzüglicher Erhaltung!

Eines von 40 Exemplaren der Vorzugsausgabe auf Japan, vor Verstählung der Platte.

Blatt 9 aus der Mappe „Gesichter“. München, Verlag der Marées Gesellschaft R. Piper, 1919.

Provenienz: Privatsammlung, Frankfurt am Main.

Literatur: Hofmaier 130 III Ba (von Bb); Beckmann Liste 114; Glaser 111; Gallwitz 101.

Nach einer Ausbildung an der Weimarer Kunstschule bei

Carl Frithjof Smith (1859-1917) hielt sich Max Beckmann

u. a. in Paris, Holland und Florenz auf und lässt sich 1904

in Berlin nieder. 1914 ist er Mitbegründer der „Freien

Sezession Berlin“, 1919 der „Darmstädter Sezession“.

1925-1932 lehrt er am Städelschen Kunstinstitut. Daneben

unterhält er ein Atelier in Paris. 1933 wird er von den

Nationalsozialisten seines Amtes enthoben, er zieht nach

Berlin. 1937 werden seine Bilder auf der Münchner Ausstellung

„Entartete Kunst“ ausgestellt, wo auch sie als „artfremd“

diffamiert werden. Im darauffolgenden Jahr zieht

er nach London, geht dann aber nach Amsterdam. Nach

der Besetzung der Niederlande durch die Deutschen muss

er in den Untergrund gehen. 1947 siedelt er in die USA

über, wo er zunächst in St. Louis an der Washington

University, ab 1949 in New York am Art Department des

Brooklyn Museums unterrichtet. 1950 wird er zum Ehrendoktor

der Universität St. Louis ernannt.

Max Beckmann zählt sicher zu den bedeutendsten Künstlern

des 20. Jahrhunderts. Basierend auf neuen Kunstauffassungen

des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts, wie

etwa dem Impressionismus und Expressionismus, sowie

altmeisterlichen Kunsttraditionen entwickelte Beckmann

einen ganz eigenen Stil, der bewusst als Gegenposition

zum abstrakt-geometrischen Stil, etwa dem Kubismus

oder Futurismus, verstanden werden will und die Figur in

den Mittelpunkt seines Schaffens stellt.

16


17

5


MAX BECKMANN

1884 Leipzig – New York 1950

Landschaft mit Ballon.

6

Kaltnadelradierung, 1918, auf Japan, mit Bleistift betitelt „Straße in Frankfurt a/M“ und signiert „Beckmann“.

Darstellungsgröße 23,3:29,2 cm. Blattgröße 33:36 cm.

Herrlich frischer, kräftiger und gratiger Druck mit vollem Rand und Blindstempel der Marées Gesellschaft,

von vorzüglicher Erhaltung!

Eines von 40 Exemplaren der Vorzugsausgabe auf Japan, vor der Verstählung der Platte.

Blatt 14 aus der Mappe „Gesichter“. München, Verlag der Marées Gesellschaft R. Piper, 1919.

Provenienz: Privatsammlung, Frankfurt am Main.

Literatur: Hofmaier 134 II Aa (von Bb); Beckmann Liste 118; Glaser 115; Gallwitz 105.

Dargestellt ist vermutlich die Darmstädter Landstraße im Frankfurter Stadtteil Sachsenhausen

(vergleiche das Ölbild von 1917, Göpel 195, seitenverkehrt und mit einigen Abweichungen).

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MAX BECKMANN

1884 Leipzig – New York 1950

Strand.

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Kaltnadelradierung, 1922, auf Japan, mit Bleistift signiert „Beckmann“.

Darstellungsgröße 21,4:32,7 cm, Blattgröße 29,8:43,8 cm.

Herrlich frischer, kräftiger und gratiger Druck mit vollem Rand, von vorzüglicher Erhaltung!

Eines von 50 Exemplaren auf Japan, von denen ein Teil von Günther Franke auf „x/XV“ nummeriert wurde.

Erschienen bei R. Piper & Co., München, 1922.

Provenienz: Galerie Wirnitzer, Baden-Baden, Kat.: Querschnitt, VII, 1981, Nr. 13, Abb. S. 19;

Privatsammlung, Süddeutschland.

Literatur: Hofmaier 239 Ba (von Bd); Beckmann Liste 218; Glaser 213; Gallwitz 209.

James Hofmaier erwähnt einen Abdruck der Edition mit einer Aufschrift von fremder Hand, dass bei

Beckmanns „Strand“ ein Küstenabschnitt der Nordseeinsel Wangerooge dargestellt sei.

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MAX BURCHARTZ

1887 Elberfeld – Essen 1961

Selbstbildnis.

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Lithographie, 1921, auf Japan, mit Bleistift signiert „Max Burchartz“.

Blattgröße 40,2:30,4 cm.

Rechte obere Ecke mit kleiner Knickfalte.

Literatur: Jahn 84; Söhn HDO 72709-4.

Erschienen in: „Die Schaffenden“, 3. Jahrgang, 1. Mappe. Hrsg. von Paul Westheim, Berlin, Euphorion-Verlag, 1921.

Eines von 25 Exemplaren der Vorzugsausgabe auf Japanpapier.

Biografie: Siehe Seite 138.

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ROBERT DELAUNAY

1885 Paris – Montpellier 1941

La Fenêtre sur la Ville.

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Lithographie, 1925, auf Velin, mit schwarzer Kreide betitelt „La Fenêtre sur la Ville 1910“

und signiert „R Delaunay“. Darstellungsgröße 54,5:42 cm, Blattgröße 63,4:47,2 cm.

Mit dem Trockenstempel „Atelier R. Delaunay, 19 B Malesherbes, Paris“ in der rechten unteren Blattecke.

Mit Restaurierungen in den Blatträndern.

Literatur: Loyer/Perussaux 4. – Eines von 60 geplanten Exemplaren.

Die Lithographie entstand in freier Nachempfindung der

Gemälde „Fenêtre sur la Ville“ von 1910 und „Les Fenêtres

simultanées sur la Ville“ von 1911.

Robert Victor Félix Delaunay wird am 2. April 1885 in

Paris geboren. Der französische Maler beginnt von 1902-

1904 eine Lehre als Theaterdekorateur. Seine frühen

Arbeiten sind noch geprägt vom „Neoimpressionismus“

eines Georges Seurats (1859-1891) oder Henri Edmond

Cross (1856-1910).

Zwischen 1906 und 1909 macht Robert Delaunauy die

Bekanntschaft von Jean Metzinger (1883-1956), Henri

Rousseau (1844-1910) und Sonja Uhde-Terk (1885-1979),

seiner späteren Ehefrau. Angeregt durch die Kunst Paul

Cézannes (1839-1906) entstehen einige sakrale Arbeiten in

expressiv gebrochenen Formen (von 1908-1909), in deren

Folge sich die Bildkompositionen Robert Delaunays mehr

und mehr kubistisch zerlegen.

In dieser kurzen, vom Kubismus beeinflussten Phase von

1910-1912, entsteht die Serie der „Stadt-Bilder“ mit dem

Eiffelturm als zentrales Motiv z. B. „Die Stadt Paris“, von

1910-1912, heute im Musée National d’Art Moderne, Paris.

Mit der Serie „Fenster-Bilder“ („Les Fenêtres“, 1912-1913)

und den „Kreisformen“ („Formes Circulaires“, ab 1913)

beginnt Robert Delaunay mit der reinen und abstrakten

Malerei, deren Bildkomposition sich aus Farbkontrasten

ergibt.

Ausgangspunkt ist dabei das lichtdurchflutete Fenster, in

dem sich das gegenständliche Motiv in die Spektralfarben

zu geometrischen, und scheinbar energetisch bewegten

Formen aufbricht.

In den zwanziger Jahren arbeitet er zusammen mit seiner

Frau Sonja Delaunay-Terk an Bühnenbildern für das

„Ballets russes“ und für dadaistische Theaterstücke.

Zwischen 1930-1938 beginnt er wieder mit der Malerei

und übernimmt auf der Pariser Weltausstellung 1937 die

Dekoration im Pavillon der Eisenbahn und der Luftfahrt.

Im Jahr 1940 flieht er nach Südfrankreich und stirbt am

25. Oktober 1941 in Montpellier.

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OTTO DIX

1891 Untermhaus/Gera – Singen 1969

Vohse II.

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Radierung, 1922, auf Kupferdruckpapier, mit Bleistift betitelt „Fohse“, signiert und datiert „Dix 22“.

Darstellungsgröße 34,6:27,9 cm, Blattgröße 40:32,5 cm.

Herrlich frischer und kräftiger Druck mit viel Plattenton.

Provenienz: Sammlung Albert van Loock, Brüssel (geb. 1917), Sammler und Kunsthändler, Lugt 3751.

Literatur: Karsch 22/II, Abb. S. 45. Blatt 6 der 6-Blatt-Folge „Radierwerk III“.

Dresden, Dresdner Verlag 1922, erschienen in 50 nummerierten und signierten Exemplaren

als 11. Mappe der Graphischen Reihe. Das hier vorliegende Exemplar ist nicht nummeriert und

der Titel des Blattes „Vohse“ ist mit „Fohse“ – abweichend von Dix – geschrieben.

Otto Dix wird mit der Technik der Kaltnadelradierung

populär, als er beginnt, den späten Expressionismus – ein

experimentelles Zwischenspiel – aufzugeben und sich

einem grotesk-realistischen Stil zuzuwenden. Die Radierung

„Vohse“ entsteht 1922, zwei Jahre nachdem er die

Technik der Kaltnadelradierung für sich entdeckt hat. Mit

einer flinken Linie und einem ironischen Blick skizziert

Dix die alternde Schönheit und liefert den Beweis für sein

feines Auge für „echte“ Menschen. (Freya Mühlhaupt,

Otto Dix. Das graphische Werk. Berlin 2001, S. 17).

Biografie: Siehe Seite 139.

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10


OTTO DIX

1891 Untermhaus/Gera – Singen 1969

Mutzli (Bildnis Frau Martha Dix).

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Radierung, 1924, auf Bütten, mit Bleistift signiert und datiert „Dix 24“.

Darstellungsgröße 24,5:19,5 cm, Blattgröße 46,3:28,5 cm.

Vorzüglicher, vollrandiger Druck!

Provenienz: Privatsammlung, Baden-Baden.

Literatur: Karsch 123 b (von c).

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OTTO DIX

1891 Untermhaus/Gera – Singen 1969

Halbakt.

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Lithographie, 1923/24, auf Johann Wilhelm Bütten, mit Bleistift nummeriert, signiert und datiert „Dix 23“.

Darstellungsgröße 60,5:49 cm, Blattgröße 65:50 cm.

Vorzüglicher und vollrandiger Druck!

Nr. 12 von 55 Exemplaren.

Literatur: Karsch 125. Möglicherweise ist die Lithographie schon 1923 entstanden

und wurde jedoch erst 1924 von Karl Nierendorf verlegt.

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ADOLF ERBSLÖH

1881 New York – Irschenhausen, Isartal 1947

Blick auf Positano (Gewitterstimmung).

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Lithographie, 1927, auf Bütten mit Wasserzeichen: Krone im Oval, mit Bleistift mit der Werknummer bezeichnet

„Orig. Lith. (1927, I)“ und signiert „Erbslöh“. Darstellungsgröße 26,2:36,6 cm, Blattgröße 48,3:64,5 cm.

Mit kleinem Einriss im linken Rand und geringfügig knitterfaltig.

Prachtvoller, kontrastreicher Druck mit dem vollen Rand.

Literatur: Ausstellungskatalog: Steindrucke von Adolf Erbslöh München.

München, Karl und Faber, 1982, Nr. 17 mit Abb.

Am 27. Mai 1881 wird Adolf Erbslöh in New York geboren,

wo der Vater als Kaufmann tätig ist. Einige Jahre später

kehrt die Familie nach Deutschland zurück. Nach einer

halbjährigen kaufmännischen Ausbildung schreibt

sich Erbslöh 1901 an der Karlsruher Akademie für ein

Kunststudium ein und lernt dort Alexander Kanoldt

(1881-1939) kennen, mit dem ihn eine lebenslange Freundschaft

verbinden wird. 1904 setzt er sein Studium an der

Akademie in München bei Ludwig von Herterich (1856-

1932) fort. Die Begegnung mit Alexej von Jawlensky (1864-

1941) gibt den entscheidenden Anstoß zu seiner weiteren

künstlerischen Entwicklung. 1909 ist er Schriftführer im

Gründungskreis der „Neue Künstlervereinigung München“,

mit Kandinsky, Jawlensky, Kanoldt, Münter, Werefkin

und anderen, aus der dann der „Blaue Reiter“ hervorgeht.

Merkmal der neuen Kunst ist eine streng stilisierende

Darstellungsweise, verbunden mit intensiven

Farben und einer Betonung der rhythmisierten Fläche, die

die Nähe zum Expressionismus kennzeichnet. 1914, nach

einer Italienreise, wird Erbslöh zum Militärdienst einberufen

und dient bis Kriegsende als Kriegsmaler an der

Westfront. 1916 schließt er sich der „Neue Sezession München“

an. Die zwanziger Jahre sind von vielen Reisen geprägt,

auf denen zahlreiche Landschaftsbilder entstehen.

Vor allem das Motiv der Berge wird immer wieder variiert.

Ab 1927 hält sich der Maler vorwiegend am Bodensee

und in Oberbayern auf, wo er schließlich 1934 ein Haus im

Isartal erwirbt. Nach einer großen Retrospektive im

Kunstverein Barmen im Jahr 1931 wird es still um Erbslöh.

Ab 1933 sind Ausstellungen und öffentliche Arbeit

unmöglich, der Künstler lebt zurückgezogen mit der Familie

in Irschenhausen. Es entstehen zahlreiche Bildnisse

von Familienmitgliedern und Freunden. Daneben schildert

er in kleinen Formaten seine unmittelbare Umgebung:

den Garten, das Haus, die Kirche, die Wiesen. Vieles

bleibt unvoll endet, kaum eine Arbeit wird noch

signiert.

Jenseits aller Moden zählt der Künstler zu den bedeutenden

Vertretern der Klassischen Moderne, dessen Werk

die furiose Kunstentwicklung in der ersten Hälfte des

20. Jahrhunderts spiegelt, ohne dabei beliebig zu sein.

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LYONEL CHARLES ADRIAN FEININGER

1871 – New York – 1956

Troistedt auch Dorf mit strahlender Sonne.

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Holzschnitt, 1919, auf sehr feinem cremefarbenem Japan-Bütten, mit Bleistift signiert „Lyonel Feininger“.

Darstellungsgröße 17,3:22 cm, Blattgröße 30,5:41 cm.

Brillanter Druck mit dem vollen Rand.

Provenienz: Galerie Wirnitzer, Baden-Baden, Kat. Querschnitt II, 1976, Nr. 20 m. Abb;

Privatsammlung, Süddeutschland.

Literatur: Prasse W 192 II (v. II); Söhn HDO 72724-1. – Veröffentlicht unter dem Titel „Lehnstedt“

in „Die Schaffenden“, Euphorion-Verlag, Berlin, 8. Jahrgang, 2. Mappe (1932).

Biografie: Siehe Seite 139.

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CONRAD FELIXMÜLLER

1897 Dresden – Berlin 1977

Stillende Mutter.

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Aquatinta und Radierung, 1921, gedruckt in Rotbraun, auf cremefarbenem Kupferdruckkarton,

mit Bleistift nummeriert, signiert und datiert „Felixmüller 21“, sowie im Unterrand betitelt „Stillende Mutter“.

Darstellungsgröße 27,8:17,4 cm, Blattgröße 49,4:34,7 cm. Mit vereinzelten Stockflecken.

Nr. 2 von 10 Exx.

Vorzüglicher Druck mit viel Grat!

Literatur: Söhn 251 b (von b).

Als Conrad Felix Müller geboren, nimmt der Maler und

Graphiker den Künstlernamen Conrad Felixmüller an.

„Früh bemerkte er seine Leidenschaft für die Zeichnung

und konnte durch eine Sondererlaubnis von Carl Bantzer

(1857-1941) schon mit 15 Jahren in dessen Malklasse an

der Königlichen Kunstakademie in Dresden studieren.

Als Autodidakt eignet Felixmüller sich verschiedene grafische

Techniken an. Mit 18 Jahren lässt er sich als freischaffender

Maler in Dresden nieder und wird nach dem

Ersten Weltkrieg zu einem Wortführer des Expressionismus.

Er veröffentlicht Aufsätze und Druckgraphiken

in politisch links ausgerichteten Zeitschriften wie „Der

Sturm“ oder „Die Aktion“. Als sich seine revolutionären

Vorstellungen nicht erfüllen, beendet er seine politischen

Aktivitäten und distanzierte sich zunehmend von seinem

expressionistischen Frühwerk.

Von 1934 bis 1941 wohnt Felixmüller mit seiner Frau

Londa und seinen zwei Kindern Titus und Luca in Berlin.

Wegen seiner früheren politischen Haltung wird er von

den Nationalsozialisten zunehmend aus dem Kunstbetrieb

ausgegrenzt. 40 seiner Bilder werden in der Ausstellung

„Entartete Kunst“ in Dresden gezeigt und über 150

Werke aus deutschen Museumssammlungen beschlagnahmt.

1949 erhält Felixmüller eine Professur für Malen und

Zeichnen an der Martin-Luther-Universität in Halle. 1961

zieht er zurück nach Berlin in den Bezirk Köpenick. Da

sich seine Arbeiten auch in der DDR nicht mit der offiziellen

Staatskunst in Einklang bringen lassen, reist der

Künstler 1967 in den West-Berliner Bezirk Zehlendorf

aus.“ (Zitat Berlinische Galerie).

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CONRAD FELIXMÜLLER

1897 Dresden – Berlin 1977

Der alte Kohlenbergarbeiter.

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Stahlstich, 1921, auf Velin, mit Bleistift nummeriert und bezeichnet „6/8 Stahlstich, Probedruck / vor der Auflage, /

ohne Correcturen, Signum etc“, signiert, datiert und betitelt „Felixmüller / 1921. / Kohlenbergarbeiter“.

Darstellungsgröße 21,5:14,9 cm, Blattgröße 27,7:23,4 cm.

Prachtvoller, sehr ausgewogener Druck mit tiefen Schwärzen, deutlichem Grat,

wunderbar glänzendem Plattenton und breitem Rand.

Der seltene Probeabzug noch ohne das Monogramm und den zusätzlichen Schraffuren an der Gebäudewand

hinter dem Arbeiter, der linken Fensterfront, sowie dem rauchenden hinteren Gebäudeteil.

Provenienz: Privatsammlung, USA.

Literatur: Söhn 257 a (von b). – Söhn nennt ca. 10 Handabzüge auf unterschiedlichen Papieren

neben der Auflage von 100 Exemplaren auf Kupferdruckpapier, gedruckt bei Walter Künzel, Dresden,

als Beitrag zum „Jahrbuch der Jungen Kunst“, 2. Jahrgang, 1921, Klinkhardt & Biermann Verlag.

Abweichend zu diesen Angaben nummeriert Felixmüller unser Exemplar mit einer Auflage von 8 Probedrucken.

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PETER-ANTON GEKLE

1899 Immenried/Allgäu – Stuttgart 1981

Café Lunte.

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Feder in Schwarz und Aquarell in Rot, auf chamoisfarbenem Velin,

monogrammiert, bezeichnet und datiert „peag / Berlin (19)30“, auf Karton montiert, dort betitelt, bezeichnet und

datiert „Café Lunte“ / Orig. Zchg. / Berlin 1930“ sowie signiert „Peter-Anton Gekle.“

Dargestellt ist der Blick in das legendäre Café Lunte, dem

Treffpunkt der Berliner Bohème der 1920er bis 1930er

Jahre in der Eislebener Straße 11, an der Wand der dadaistische

Spruch „Anti chianti Chianti-Christ!“.

Die Eislebener Straße in Charlottenburg wurde ab 1893

angelegt und nach der Stadt Eisleben benannt, dem Geburts-

und Sterbeort Martin Luthers. Sie ist nur 270 Meter

lang und stellt eine der Verbindungsstraßen zwischen der

Rankestraße und der Nürnberger Straße dar.

Schon Anfang des 20. Jahrhunderts war die „Eislebener“

eine gutbürgerliche Adresse. Wie viele andere der umliegenden

Straßen war auch die Eislebener Straße in den

1920er und frühen 1930er Jahren geprägt von der künstlerischen

Bohème. In einem ehemaligen Zigarrenladen in

der Eislebener Straße 11 residierte das kleine Café „Die

Lunte“. Man nannte sie „wohl die verruchteste, billigste

der Künstlerkneipen“, der renommierte Fotograf Umbo

(d.i. Otto Umbehr, 1902-1980) fotografierte hier.

Peter Anton Gekle ist in den 1920er Jahren in Berlin als

Pressezeichner tätig und arbeitet unter anderem für

bedeutende Zeitschriften wie den „Simplicissimus“, die

„Fliegende Blätter“ und die „Jugend“.

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CARL GROSSBERG,

EIGENTL. GEORG CARL WILHELM GRANDMONTAGNE

1894 Elberfeld – Laon 1940

Fränkisches Dorf.

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Aquarell und Feder in Schwarz, auf Japan, auf festes Velin aufgezogen,

rechts unten schwer lesbar signiert und datiert „23“

und mit Bleistift in der rechten unteren Ecke bezeichnet „Dorff“.

Blattgröße 32,2:27,4 cm.

Am 6. September 1894 in Elberfeld geboren, beginnt Carl

Großberg mit neunzehn Jahren ein Architekturstudium

an den Hochschulen in Aachen und Darmstadt. Sein

Studium wird durch die Einziehung zum Kriegsdienst

unterbrochen. 1919 setzt er es zunächst als Schüler von

Walter Klemm (1883-1957) an der Hochschule für bildende

Künste und ab 1919 bis 1921 als Schüler Lyonel Feiningers

(1871-1956) am staatlichen Bauhaus zu Weimar fort,

wo er in den Disziplinen Malerei, Dekorationsmalerei und

Raumkunst ausgebildet wird. 1921 unternimmt Großberg

zu Studienzwecken ausgedehnte Reisen nach Süddeutschland

und lässt sich in der Nähe von Würzburg nieder. Seit

1927 reist Carl Großberg viel, um die für ihn typischen

Maschinenbilder, Industrielandschaften und Stadtbilder

zu malen. Immer öfter erhält er nun Aufträge von der

Industrie, so z. B. 1932 von der Norta-Tapetenfabrik im

Harz und 1937 von der Firma Oetker in Bielefeld, bei der

er ein eigenes Atelier bezieht. Seit 1933/34 nimmt Großbergs

Interesse an der Technik und der Industrie enzyklopädische

Dimensionen an. Er setzt es sich zum Ziel, die

wichtigsten Industrietypen und -betriebe in Deutschland

zu malen und nennt dieses Vorhaben seinen „Industrieplan“.

Doch durch die Herrschaft der Nationalsozialisten

und den nahenden Krieg verschlechtert sich die Auftragslage

Großbergs drastisch, so dass er über verschiedene

Kontakte nach Amerika versucht, seinen Plan dort zu verwirklichen.

Eine Reise in die USA wird ihm jedoch 1939

mit der Begründung, er dürfe als Reserveoffizier das Land

nicht verlassen, verweigert. Noch im selben Jahr wird

Großberg zum Kriegsdienst eingezogen. In diesen letzten

Jahren bleibt ihm kaum Zeit zu malen, so bleibt auch sein

letztes Aquarell unvollendet. Ein tragischer Autounfall im

Wald von Compiègne bei Laon am 19. Oktober 1940 wird

Carl Großberg zum tödlichen Schicksal.

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CARL GROSSBERG,

EIGENTL. GEORG CARL WILHELM GRANDMONTAGNE

1894 Elberfeld – Laon 1940

Motiv aus Olevano in den Aequer Bergen.

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Aquarell und Feder in Schwarz, auf Bütten,

mit Feder betitelt, datiert und signiert „Olevano 1931 / C. Grossberg“.

Blattgröße 49,7:40 cm.

Provenienz: Privatsammlung, Hessen.

Während seines Romaufenthaltes besuchte Großberg im Jahr 1931 auch das Bergstädtchen Olevano,

das schon im 19. Jahrhundert das Ziel zahlreicher Maler aus Nordeu ropa war.

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GEORGE GROSZ,

EIGENTL. GEORG EHRENFRIED GROSS

1893 – Berlin – 1959

Study of Textures.

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Kohle, auf Bütten mit Wasserzeichen: MICHALLET FRANCE,

mit Bleistift signiert und datiert „George Grosz / 1937“.

Blattgröße 63,2:48,1 cm. Zu den Rändern hin leicht fleckig.

Provenienz: Villa Grisebach, Berlin, A 254, Lot 1197, November 2015;

Privatsammlung, Hessen.

Biografie: Siehe Seite 140.

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GEORGE GROSZ,

EIGENTL. GEORG EHRENFRIED GROSS

1893 – Berlin – 1959

Allein.

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Lithographie, 1922, auf chamoisfarbenem Bütten, mit Bleistift nummeriert „40/40“ und signiert „Grosz“.

Darstellungsgröße 33,3:37,5 cm, Blattgröße 50:65,5 cm.

Kleiner hinterlegter Einriss im rechten Blattrand, ansonsten sehr schönes Exemplar.

Literatur: Dückers E 79. – Nach Dückers vermutlich im Selbstverlag, in einer Gesamtauflage

von mindestens 53 Exemplaren, erschienen. Die Darstellung ist unter dem genannten Titel abgebildet in „Ecce Homo“,

1923, Taf. 67, und wird dort ebenfalls auf 1922 datiert.

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ERICH HECKEL

1883 Döbeln – Radolfzell am Bodensee 1970

Tänzerinnen.

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Lithographie, 1922, auf chamoisfarbenem Velin mit Wasserzeichen: Johann Wilhelm,

mit Bleistift bezeichnet „1. Druck“, signiert, datiert und bezeichnet „Erich Heckel 22 / Probe“.

Darstellungsgröße 49:38,3 cm, Blattgröße 64,5:50,2 cm.

Von großer Seltenheit! Eines von drei bekannten Exemplaren des ersten Zustandes.

Provenienz: Sammlung Hermann Gerlinger, Würzburg, Lugt 6032.

Literatur: Annemarie und Wolf-Dieter Dube, Erich Heckel: Das graphische Werk, Bd. 2: Radierungen, Lithographien,

New York 1965, WVZ-Nr. L 270 I a (von III b); Renate Ebner, Andreas Gabelmann, Erich Heckel.

Werkverzeichnis der Druckgraphik, Bd. 2: 1914-1968, München 2021, WVZ-Nr. 784 L I a (von III b);

Heinz Spielmann (Hrsg.), Die Maler der Brücke. Sammlung Hermann Gerlinger, Stuttgart 1995, S. 312,

SHG-Nr. 480 (m. Abb.); Hermann Gerlinger, Katja Schneider (Hrsg.), Die Maler der Brücke.

Bestandskatalog Sammlung Hermann Gerlinger, Halle/Saale 2005, S. 222, SHG-Nr. 502 (Abb. S. 223).

Austellungen: Schleswig-Holsteinisches Landesmuseum, Schloss Gottorf, Schleswig (Dauerleihgabe aus der

Sammlung Hermann Gerlinger, 1995-2001); Kunstmuseum Moritzburg, Halle an der Saale (Dauerleihgabe

aus der Sammlung Hermann Gerlinger, 2001-2017); Buchheim Museum, Bernried (Dauerleihgabe aus der Sammlung

Hermann Gerlinger, 2017-2022); Erich Heckel, Einfühlung und Ausdruck, Buchheim Museum,

Bernried, 2020/2021, (Abb. S. 292).

Biografie: Siehe Seite 141.

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KARL HOFER

1878 Karlsruhe – Berlin 1955

Stilleben mit Töpfen.

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Öl auf Leinwand, um 1921, rechts unten monogrammiert „CH“ ligiert, 75:95 cm.

Verso auf dem Keilrahmen vom Künstler bezeichnet „K. Hofer Gegenständliches Stilleben“.

Provenienz: Privatsammlung, Mannheim; Privatsammlung, Frankfurt am Main.

Literatur: Weltkunst, 47. 1977, H 22, 15.11., S. 2517 (Abb. der Anzeige Sieber, Mannheim);

Auktionshaus Sieber, Mannheim, 10.12.1977, S. 21, Nr. 189 mit Abb. Bildtafel 12; K. B. Wohlert,

Karl Hofer Werkverzeichnis der Gemälde, Bd. 2, Köln, van Ham Art Publications, 2007, WVZ Nr. 465, Abb. S. 95.

Ausstellungen: Große Berliner Kunstausstellung 1921, S. 64, Nr. 911 (Stilleben Töpfe [?]); K.H., Kunsthütte zu Chemnitz

1922, Nr. 17 (?), C.H., E. de Fiori, Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen, Düsseldorf 1927, S. 3, Nr. 6 (?).

Stilleben nehmen in Hofers Œuvre einen großen Platz ein. Aus dem gleichen Jahr wie das vorliegende Werk,

stammt eine weitere Variante des Motivs (Stilleben mit Töpfen, Wohlert WVZ Nr. 464). Stilleben eignen sich

zur sachlichen Beobachtung und sind von derselben Distanziertheit, wie Hofers Figurenbilder. Das vorliegende Werk

zeichnet die für Hofer typische gedämpfte erdige Farbigkeit aus. Das verschachtelte Arrangement der Objekte

sowie die Farbgebung muten kubistisch an, während die Darstellungsweise rein sachlich bleibt.

Nach dem Studium bei Hans Thoma (1839-1924) und

Leopold von Kalckreuth (1855-1928) in Karlsruhe und

Stuttgart hält sich Karl Hofer von 1903 bis 1908 in Rom

auf. In dieser Zeit zeigt er seine Werke erstmals im Großherzoglichen

Museum in Weimar (1906) und in der

„Neuen Künstlervereinigung München“ (1908). 1909 siedelt

er nach Paris über und reist um 1911 nach Indien.

1913 lässt er sich dann in Berlin nieder. Während des Ersten

Weltkriegs wird er in Frankreich zivil-interniert, anschließend

lebt er in der Schweiz. Nach seiner Rückkehr

nach Deutschland wird er 1920 an die Kunsthochschule

in Berlin-Charlottenburg und 1923 an die Preußische

Kunstakademie Berlin berufen. 1927 ist er Mitbegründer

der Badischen Sezession. Zudem reist er in die USA, wo

er in Pittsburgh ausstellt. 1928 wird er in den Vorstand

der Berliner Sezession und 1929 in den Senat der Kunstakademie

gewählt. Ab 1934 erhält er Arbeits- und Ausstellungsverbot

und wird 1938 aus der Kunstakademie

ausgeschlossen. Durch die Bombenangriffe auf Berlin

verliert er 1943 einen großen Teil seiner Arbeiten. 1945

wird er zum Direktor der Berliner Kunsthochschule berufen

und 1950 zum Präsidenten des neu gegründeten

Deutschen Künstlerbundes gewählt. Karl Hofer verstirbt

1955 in Berlin.

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KARL HOLTZ

1899 Berlin – Rehbrücke/Potsdam 1978

Sächsische Schweiz.

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Lithographie, um 1925/30, auf chamoisfarbenem Japan, mit Bleistift signiert „Karl Holtz“.

Darstellungsgröße 26:21,5 cm, Blattgröße 37,7:33,4 cm.

Verso an den oberen Ecken Reste alter Montierung.

Literatur: Niemann 1987, 44.

Karl Holtz studiert 1914-1919 bei Emil Orlik (1870-1932)

an der Berliner Kunstgewerbeschule. Anschließend ist er

als Pressezeichner tätig. 1916 erscheint im „ULK“ von ihm

die erste Karikatur sowie Zeichnungen im „Wieland“ und

„Lustige Blätter“. 1918 leistet er Wehrdienst und nimmt

1919 an revolutionären Kämpfen in Berlin teil. 1920/21

unternimmt er Wanderungen in Nord- und Süddeutschland,

1922/23 folgen Reisen durch Italien, Südfrankreich

und Tunesien. Als Zeichner für sozialdemokratische Blätter

ist er um 1924 tätig, 1925 folgt die Beteiligung an der

„Ersten Allgemeinen Deutschen Kunstausstellung“ in

Moskau, Saratow und Leningrad. Als Mitarbeiter am

„Eulenspiegel“ und „Die Ente“ ist er ab 1928 tätig. Vorübergehend

ist er in Rehbrücke bei Potsdam ansässig, 1933

erhält er wegen antinationalsozialistischer Karikaturen

Berufsverbot als Pressezeichner und ist nun als Werbegraphiker

und technischer Zeichner tätig. Am 2. Weltkrieg

nimmt er als Soldat in Warschau teil. Nach 1945 ist

er wieder in Rehbrücke ansässig und arbeitet bei verschiedenen

Zeitschriften mit. Wegen der Veröffentlichung einer

Stalin-Karikatur im Schweizer Satire-Magazin „Nebelspalter“

wird Holtz verhaftet und zu 25 Jahren

Zwangs arbeit in Bautzen verurteilt. Nach sieben Jahren,

1956, wird er begnadigt und entlassen. Es folgt jedoch keine

Rehabilitierung. Sein Gesamtwerk wird 1974 in Berlin,

Potsdam, Leipzig und Greiz gezeigt.

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KARL HUBBUCH

1891 – Karlsruhe – 1979

Trouville, 1926.

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Lithokreide, farbige Kreide, auf chamoisfarbenem Velin, mit Wasserzeichen:

Importe d. A. Jonson, mit Bleistift signiert „Hubbuch“. 41,2:48,5 cm.

Literatur: Ausstellungskatalog: Karl Hubbuch 1891-1979. Karlsruhe, Badischer Kunstverein 1981,

Nr. 168 mit ganzs. Abb. S. 189 (dort fälschlich mit Titel einer anderen Zeichnung);

Ausstellungskatalog: Karl Hubbuch. Retrospektive. Städtische Galerie im Prinz-Max-Palais, Karlsruhe, 1993/94,

Kat.-Nr. 41 mit ganzs. Abb. S. 294.

Karl Hubbuchs erste Begegnung mit Frankreich findet

als Soldat während des 1. Weltkrieges statt, bleibt jedoch

künstlerisch ohne Folgen. Der nächste Aufenthalt im Jahr

1926 ist der Beginn einer lebenslangen, intensiven Auseinandersetzung

mit dem Land und seinen Menschen. Im

Gegensatz zu vielen anderen Künstlern seiner Zeit will er

sich nicht an der so häufig postulierten, vermeintlichen

Überlegenheit der französischen Kunst bilden, sondern ist

von der Atmosphäre der Städte und Landschaften angezogen.

Dieser Aufenthalt, bei dem er Paris und Nordfrankreich

bereist, zeigen u. a. auch Zeichnungen und Studien

mit Ansichten der Küstenstädte Trouville, Fécamp oder

Deauville; die Darstellung von Menschen, wie in den

späteren Jahren, findet noch keinen Eingang in sein Werk.

Biografie: Siehe Seite 141.

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KARL HUBBUCH

1891 – Karlsruhe – 1979

Dahlienstrauß in einer weißen Vase.

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Aquarell über Bleistift, auf festem strukturiertem Papier, mit Bleistift signiert „Hubbuch“. 50,5:42,5 cm.

Im Passepartoutausschnitt minimal gebräunt, sowie Nadelspuren in den Ecken.

Literatur: vgl. Ausstellungskatalog: Karl Hubbuch 1891-1979.

Karlsruhe, Badischer Kunstverein, 1981, Abb. S. 30 oben

(dort Zeichnung in farbiger Kreide „Margeriten und Löwenmaul“ von 1941/45; 59,5 x 40 cm).

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KARL HUBBUCH

1891 – Karlsruhe – 1979

Der Brief.

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Kaltnadelradierung, um 1923, auf cremefarbenem festem Velin, mit Bleistift signiert „Hubbuch“

und in der rechten unteren Blattecke bezeichnet „2“.

Darstellungsgröße 24,7:30,5 cm, Blattgröße 35,7:37 cm. Mit leichtem Lichtrand.

Prachtvoller, kontrastreicher Druck von ansonsten vorzüglicher Erhaltung!

Äußerst selten!

Literatur: R. Riester, Karl Hubbuch. Das graphische Werk. Freiburg/Brsg., 1969, Nr. 85 mit ganzs.

Abb. S. 45 (dort datiert „1924“); Ausstellungskatalog: Karl Hubbuch 1891-1979.

Badischer Kunstverein Karlsruhe, 1981, Kat.-Nr. 100 mit Abb. S. 169 (dort datiert „um 1923“);

M. Angermeyer-Deubner, Neue Sachlichkeit und Verismus in Karlsruhe 1920-1933,

Verlag C.F. Müller GmbH, Karlsruhe, 1988, Abb. 125, S. 251;

Ausstellungskatalog: Karl Hubbuch. Retrospektive. Karlsruhe, Städtische Galerie im Prinz-Max-Palais, 1993/94,

Kat.-Nr. 85 mit ganzseitiger Abb. S. 346 (dort datiert „um 1924“).

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KARL HUBBUCH

1891 – Karlsruhe – 1979

Das Treffen.

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Lithographie, um 1923, auf Kupferdruckpapier, mit Bleistift nummeriert und signiert „Hubbuch“, verso betitelt.

Darstellungsgröße 25:35,5 cm, Blattgröße 48:37,5 cm. Mit wenigen Fleckchen.

Nr. 7 von 10 Exx., sehr schöner Druck.

Literatur: nicht bei Riester; Ausstellungskatalog: Karl Hubbuch Druckgraphik,

Galerie Michael Hasenclever, München, Okt./Nov. 1983, Nr. 131 mit Abb.;

Ausstellungskatalog: Karl Hubbuch. Retrospektive.

Karlsruhe, Städtische Galerie im Prinz-Max-Palais, 1993/94, Kat.-Nr. 149, o. Abb.

Karl Hubbuch porträtiert hier die politische Realität zur Zeit der frühen Weimarer Republik

und entlarvt die Übereinkunft zwischen reichem, traditionell gesinntem Bürgertum bzw. Adel und dem

republikfeindlichen, vom Ausgang des 1. Weltkriegs enttäuschten Militär.

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ALEXANDER KANOLDT

1881 Karlsruhe – Berlin 1939

Stilleben mit Krügen.

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Lithographie, 1922, auf JW Zanders-Bütten, mit Bleistift nummeriert „13/40“,

signiert, datiert und mit der Werknummer bezeichnet „Kanoldt 1922 / IX“.

Darstellungsgröße 39,8:31,8 cm, Blattgröße 58:38,7 cm.

Prachtvoller Druck mit breitem Rand.

Literatur: Amman L 9. Nr. 13 von 40 Exemplaren der Gesamtauflage,

wovon 10 Exemplare auf Japan gedruckt sind.

Biografie: Siehe Seite 142.

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ALEXANDER KANOLDT

1881 Karlsruhe – Berlin 1939

Rauhreif oder Frost.

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Lithographie, 1923, auf cremefarbenem Japan, mit Bleistift signiert „Kanoldt“.

Darstellungsgröße 35,2:26,8 cm, Blattgröße 47,8:35,9 cm.

Mit Resten alter Montage verso und ansonsten von tadelloser Erhaltung.

Prachtvoller, kontrastreicher Druck!

Literatur: Amman L 13; Söhn 52004-8.

Erschienen unter dem Titel „Frost“ in der Mappe:

Die Dritte Jahresgabe des Kreises graphischer Künstler und Sammler.

Leipzig, Verlag Arndt Beyer, 1923.

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ALEXANDER KANOLDT

1881 Karlsruhe – Berlin 1939

Im Leutasch I.

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Lithographie, 1932, auf chamoisfarbenem Bütten mit Wasserzeichen:

Ingres, mit Bleistift betitelt „In der Leutasch“,

signiert, mit der Werknummer bezeichnet und datiert „Kanoldt XLIII / 1922“,

in der linken unteren Ecke nummeriert.

Darstellungsgröße 34,7:48,7 cm, Blattgröße 48:62,7 cm.

Prachtvoller, kontrastreicher Druck mit vollem Rand!

Literatur: Amman L 43. Nr. 11 von 20 Exemplaren auf Bütten, weitere 25 Exemplare auf China.

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EDMUND DANIEL KINZINGER

1888 Pforzheim – Waco/Texas 1963

Stilleben mit verschiedenen Gefäßen und Blumentopf.

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Öl auf Karton, auf Blendrahmen aufgezogen,

links unten monogrammiert und datiert „E·D·K 13·“. 48,5:58,5 cm.

Provenienz: Aus dem künstlerischen Nachlass.

Seltenes Frühwerk Kinzingers, das in der Zeit entstand,

als er Meisterschüler von Adolf Hölzel war.

Edmund Daniel Kinzinger studiert ab 1906 an der Akademie

der Bildenden Künste in München. Nach einem Studienaufenthalt

1912 an der Académie Moderne in Paris ist

Kinzinger bis 1914 Schüler von Adolf Hölzel (1853-1934)

an der Stuttgarter Akademie.

Nach dem Kriegsdienst setzt Kinzinger sein Studium in

Stuttgart fort. Im Sommer 1919 gründet er gemeinsam mit

Willi Baumeister (1889-1955), Gottfried Graf (1881-1938),

Albert Müller (1897-1926), Oskar Schlemmer (1888-1943)

und Hans Spiegel (1894-1966) als Ortsgruppe der Berliner

Novembergruppe die Künstlervereinigung „Üecht“. Der

Name leitet sich von dem althochdeutschen Wort „uohta“

(Tagesanbruch, Morgendämmerung) her und geht auf einen

Vorschlag von Oskar Schlemmer zurück. Mit dem

Namen verbindet sich die Hoffnung auf eine Erneuerung

der Gesellschaft und der Kunst.

1924 folgt die Übersiedlung nach München, wo er bis 1928

eine private Kunstschule betreibt und 1927 die Amerikanerin

Alice Fish heiratet. Von 1928-1930 lehrt er als Austauschlehrer

an der Kunstschule des Art Institute of

Minneapolis, Minnesota. Trotz der sich in Deutschland

zuspitzenden ökonomischen und politischen Lage kehrt

Kinzinger 1930 wieder nach München zurück, wo er bis

1933 Direktor der Schule der Bildenden Künste von Hans

Hofmann ist. Nach Machtergreifung der Nationalsozialisten

flieht Kinzinger nach Frankreich und gründet eine

eigene Schule in Paris (École de l‘Époque). 1935 emigriert

er in die USA und wird Assistant Professor, Professor und

schließlich Direktor des Art Department der Baylor University

in Waco, Texas.

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EDMUND DANIEL KINZINGER

1888 Pforzheim – Waco/Texas 1963

Blick vom Fischerhafen auf die Häuser von Camaret-sur-Mer.

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Schwarze Kreide und Gouache in Braun und Blau, auf hellbraunem Velin, mit Bleistift betitelt,

monogrammiert und datiert „Camaret E D K 13“. Blattgröße 24,1:31 cm.

Vergleichsliteratur: Ausstellungskatalog: Galerie Joseph Fach, Frankfurt, Edmund Daniel Kinzinger / 1888-1963.

Pforzheim, Reuchlinhaus, 1988, Nr. 2 Abb. 2, S. 12.

Edmund Daniel Kinzinger hielt sich zeitweilig studienhalber

an der Académie Moderne in Paris auf und unternahm

von dort aus 1913 eine Reise in die Bretagne. Camaret-

sur-Mer war damals ein lebendiger und viel besuchter

Fischereihafen im äußersten Westen der Bretagne auf der

Halbinsel Crozon.

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EDMUND DANIEL KINZINGER

1888 Pforzheim – Waco/Texas 1963

Blick zwischen Baumstämmen hindurch auf einen Fischerhafen

und die dahinter liegende Ortschaft in der Bretagne.

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Tuschpinsel in Schwarz und Aquarell, auf chamoisfarbenem Velin, mit schwarzer Tusche betitelt,

datiert und monogrammiert „Bretagne 1913 / E.D.K.“.

Blattgröße 24,1:31,3 cm. Die Tusche ist bei den Zahlen 1 und 9 verwischt.

Vergleichsliteratur: Ausstellungskatalog: Galerie Joseph Fach, Frankfurt, Edmund Daniel Kinzinger / 1888-1963.

Pforzheim, Reuchlinhaus, 1988, Nr. 2 und 3, Abb. 2, S. 12 und Farbabb. 3, S. 13.

Edmund Daniel Kinzinger hielt sich zeitweilig studienhalber

an der Académie Moderne in Paris auf und unternahm

von dort aus 1913 eine Reise in die Bretagne. Camaret-

sur-Mer war damals ein lebendiger und viel besuchter

Fischereihafen im äußersten Westen der Bretagne auf der

Halbinsel Crozon.

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ERNST LUDWIG KIRCHNER

1880 Aschaffenburg – Frauenkirch, Davos 1938

Drei Tänzerinnen.

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Lithographie, 1912, auf Bütten mit Wasserzeichen: SLG, mit Bleistift signiert „E L Kirchner“.

Darstellungsgröße 26,7:21,5, Blattgröße 53:39 cm. Verso mit dem Basler Nachlass-Stempel, Lugt 1570b

und der handschriftlichen Registriernummer „L 175 I D“.

Provenienz: Frankfurter Kunstkabinett Hanna Becker vom Rath; Privatsammlung, Oberursel.

Literatur: Dube L. 214; Schiefler L. 175;

Gercken 559 I (von II) (das im Werkverzeichnis von Gercken aufgeführte Exemplar).

Biografie: Siehe Seite 143.

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PAUL KLEE

1879 Münchenbuchsee/Schweiz – Muralto/Schweiz 1940

Herzdame (Herzkönigin).

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Lithographie, 1921, auf cremefarbenem Bütten mit Fragment des Wasserzeichens: JW(hatman), im Stein datiert

und mit der Werknummer „1921 / 30“, mit Bleistift nummeriert „20/100“, mit blauer Tinte signiert „Klee“.

Darstellungsgröße 25,6:17,7 cm, Blattgröße 29:21,7 cm. Der Umschlag des Heftes mit leichten Gebrauchsspuren.

Selten!

Literatur: Kornfeld 80; Söhn HDO 50404-1.

Als Beilage erschienen zur Vorzugsausgabe in 100 nummerierten Exemplaren zu:

DER ARARAT: Glossen, Skizzen und Notizen zur neuen Kunst. München, Goltzverlag,

2. Jg., Viertes Heft, April 1921, Ss. 125-154, 3 Bll. Anzeigen.

Rot und schwarz gedruckter Umschlag mit Fadenheftung nach einem Entwurf von Toni Wendling.

Mit Texten von J.W. von Goethe, Henri Rousseau, Oskar Wilde, Alfred Kerr, Mac Neill Whistler, Diderot,

Charles Baudelaire, Emil Zola, G. Apollinaire, Paul Klee u. a. zum Thema „Kritik“ und A. Vollard, P.E. Küppers,

Paul F. Schmidt. Mit 15 Abbildungen nach Kandinsky, Chagall, Archipenko, George Grosz, Carl Mense,

Walter Lindgens, T. Parzinger und Edwin Scharff.

Biografie: Siehe Seite 143.

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PAUL KLEE

1879 Münchenbuchsee/Schweiz – Muralto/Schweiz 1940

Hoffmanneske Szene.

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Farblithographie, zwei Farbsteine, einer in Gelb, einer in Violett, 1921,

auf festem, cremefarbenem Velin, mit Bleistift signiert, datiert und mit der Werknummer bezeichnet „Klee 1921/123“.

Darstellungsgröße 31,6:23 cm, Blattgröße 35,3:26,4 cm.

Provenienz: Kunsthandel Dr. Ewald Rathke, Frankfurt am Main; Privatsammlung, Hessen.

Literatur: Kornfeld 82 II B b; eines von 100 Exemplaren, erschienen in: Bauhaus-Drucke.

Neue europäische Graphik. Erste Mappe. Meister des Staatlichen Bauhauses in Weimar. Weimar 1921.

Die Mappe enthält 14 Graphik blätter; Söhn HDO 101-6.

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OTTO LAIS

1897 Wilferdingen/Karlsruhe – Wegberg-Merbeck 1988

Selbstbildnis mit Sektglas.

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Radierung, 1927, auf festem, chamoisfarbenem Velin, mit Bleistift betitelt „Selbstbildnis mit Sektglas“

und signiert „Otto Lais“ sowie mit Widmung „Meinem lieben Herrn Ebner“.

Darstellungsgröße 23,2:19 cm, Blattgröße 38,4:25,7 cm.

Mit Reißnagellöchlein in den unteren Ecken.

Seltener Zustandsdruck mit vollem Rand!

Literatur: Langenfeld 48, dort der vollendete Zustand sowie abweichend betitelt „Der Mann mit dem Sektglas“.

Nachdem Otto Lais die Primareife am Gymnasium in

Durlach erlangt und als Soldat am 1. Weltkrieg teilgenommen

hat, wird er Zeichenlehrer. Das Staatliche Schulamt

hat früh seine künstlerische Begabung erkannt und stellt

ihn für zwei Tage pro Woche zum Weiterstudium an der

Badischen Landeskunstschule frei. 1924-1926 ist er Meisterschüler

bei Walter Conz (1872-1947). Während seines

Studiums wendet er sich immer mehr der Grafischen

Kunst, der Radierung zu. Zu seinem Kreis gehören Wilhelm

Schnarrenberger (1892-1966), Rudolf Schlichter

(1890-1955), Willi Müller-Hufschmid (1890-1966) und

Karl Hubbuch (1891-1979). Sein Werk endet 1933 abrupt,

als ein Schulbeamter ihm bedeutet, er habe mit seinen

Arbeiterbildern das Proletariat verherrlicht, und Kollegen

ihm vorwerfen, seine Sachen würden sich nicht mit der

Kunstauffassung des Nationalsozialismus vertragen, da er

bolschewistische Kunst mache. Es folgt ein Ausstellungsverbot;

der größte Teil seiner Arbeiten wird vernichtet.

Als Radierer der Neuen Sachlichkeit schuf Lais ab den

1920er Jahren ein bedeutendes sozialkritisches, grafisches

Werk, das dem symbolischen Realismus zugeordnet wird.

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OTTO LANGE, GEN. „OTTOLANGE“

1879 – Dresden – 1944

Van Zantens Ankunft auf Tongus Kanu.

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Farbholzschnitt, 1919/20, auf Japan-Bütten, mit Bleistift bezeichnet und signiert

„Hand. Selbstdruck“ und „Otto Lange“.

Darstellungsgröße 17,7:13,3 cm, Blattgröße 26,5:20,5 cm.

Abgesehen von Leimspuren in den oberen Ecken, tadellos erhalten.

Literatur: Schönjahn H 245. Blatt 1 von 20 Farbholzschnitten sowie Titelblatt.

Dieser Farbholzschnitt zeigt folgende Szene: „… Das Kanu

Tongus mit van Zanten kommt vom Riff. An seiner sanften

Linie bricht sich die Welle von Wahujas wilder Erregung.

Und die ziegelroten Flecke Lendentuch, Boot und

Ruder stehen im Bilde wie Bälle, mit denen ein Artist jongliert.“

(Hans F. Secker aus dem Geleitwort zu Otto Langes

Holzschnittfolge „Van Zantens glückliche Zeit“, Dresden

1920 (in Galerie Albstadt 1983, S. 97.)

Die Holzschnitte illustrieren den Roman „Van Zantens

glückliche Zeit“ des dänischen Autors Laurids Bruun

(1864-1935) [im Original „Van Zantens lykkelige Tid“

1908; in deutscher Übersetzung 1911]. Im Zusammenhang

mit Südseeaufenthalten des Schriftstellers entstanden,

begründet sich der Erfolg der Fortsetzungsromane, die

von den Abenteuern des Holländers van Zanten erzählen,

in der Sehnsucht nach fremden Ländern und im Fernweh

der damaligen Zeit. Ernst Schremmer beschreibt van

Zanten als europamüden Aussteiger, „[…] der fern aller

Zivilisation sein Glück findet in einer märchenhaften

Welt, in freier Liebe, dann als von der jüngsten Tochter des

Königs, Ali, auf der Insel Pelli, erwählter Mann, das gemeinsame

Glück, schließlich nach einem Taifun den Tod

von Weib und Kind.“ (Galerie Albstadt 1983, S. 15). Neben

Otto Lange haben sich u.a. auch die Brücke-Maler Otto

Mueller (1874-1930) bereits 1912 und Max Pechstein (1881-

1955) 1924 dem Thema des Südseeabenteurers van Zanten

durch das Medium Holzschnitt angenähert. Jedoch blieb

es bei beiden Künstlern bei unvollendeten Entwürfen.

Georg Schrimpf (1889-1938), Vertreter der Neue Sachlichkeit,

veröffentlichte ebenfalls 1920 eine farbig kolorierte

Folge von 10 Lithographien zu dem Thema im Verlag der

Galerie „Neue Kunst“ bei Hans Goltz in München.“

Biografie: Siehe Seite 144.

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WILHELM LEHMBRUCK

1881 Duisburg-Meiderich – Berlin 1919

Verzweifelnde Mutter.

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Radierung in Braundruck, 1910, auf festem, chamoisfarbenem Japan, mit Bleistift signiert „W. Lehmbruck“,

sowie eigenhändig betitelt „Verzweifelnde Mutter“ und als „1. Zustand“ bezeichnet.

Darstellungsgröße 11,8:15,9 cm, Blattgröße 25,8:32,6 cm.

Verso mit der Cassirer-Verzeichnis Nummer „25“ und am Oberrand vom Ablösen

einer alten Montierung entstandene dünne Stelle im Papier.

Ganz ausgezeichneter, mit reichem Ton effektvoll gesteigerter Druck mit breitem Rand.

Als signierter Frühdruck von allergrößter Seltenheit!

Literatur: Wilhelm Lehmbruck’s Graphisches Werk, Paul Cassirer Verlag, Berlin 1913 (57 Nrn.), Nr. 25;

Wilhelm Lehmbruck. Paul Cassirer Verlag, Berlin 1920 (Radierungen 138 Nrn., Lithographien 16 Nrn.), Nr. 25;

Petermann 5 I (von III).

Biografie: Siehe Seite 145.

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WILHELM LEHMBRUCK

1881 Duisburg-Meiderich – Berlin 1919

Kniende auf beiden Knien.

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Radierung, 1913, auf chamoisfarbenem Japan, mit Bleistift signiert „W. Lehmbruck“,

sowie eigenhändig betitelt „Kniende (auf beiden Knien) / Kopf hintenübergebeugt“.

Darstellungsgröße 19,7:14,7 cm, Blattgröße 39,7:26 cm.

Verso mit der Cassirer-Verzeichnis Nummer „47 / Bl 1“.

Ganz ausgezeichneter und gratiger, mit reichem Ton effektvoll gesteigerter Druck mit breitem Rand.

Als signierter Frühdruck von allergrößter Seltenheit!

Provenienz: Privatsammlung, Schweiz.

Literatur: Wilhelm Lehmbruck’s Graphisches Werk, Paul Cassirer Verlag, Berlin 1913 (57 Nrn.), Nr. 47;

Wilhelm Lehmbruck. Paul Cassirer Verlag, Berlin 1920 (Radierungen 138 Nrn., Lithographien 16 Nrn.), Nr. 47;

Petermann 78 (im Werkverzeichnis erwähntes Exemplar).

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FRANZ LENK

1898 Langenbernsdorf/Zwickau – Schwäbisch Hall 1968

Bildnis einer jungen Frau.

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Aquarell und Deckweiß, über Bleistift, auf cremefarbenem Velin, mit Bleistift signiert und datiert „Franz Lenk / 1920“.

Blattgröße 30,5:29,3 cm. Das Blatt stammt aus einem Zeichenblock, der Oberrand ist perforiert.

Lenk zeigt sich hier als ein vorzüglicher Porträtist, der die

Züge der jungen Frau mit großer Sensibilität und beeindruckendem

zeichnerischen Können formuliert.

Nach einer Lehre der Dekorationsmalerei und als Lithograf

von 1912-1915 nimmt Franz Lenk 1916 ein Malereistudium

bei Richard Müller (1874-1954) und Ludwig von

Hofmann (1861-1945) an der Dresdner Akademie auf.

Lenk wird dann zum Kriegsdienst im Ersten Weltkrieg

eingezogen. Er führt nach dem Krieg seine Studien ab

1922 bei Richard Dreher (1875-1932), als Meisterschüler

bei Ferdinand Dorsch (1875-1938) und Max Feldbauer

(1869-1948) fort. 1924 bis 1925 studiert er bei Robert Sterl

(1867-1932). Bereits ab 1922 hat er ein eigenes Atelier in

Dresden, das er 1925 nach Lausa verlegte.

1926 siedelt er nach Berlin über und ist 1928 Mitbegründer

der Gruppe „Die Sieben“ mit Theo Champion (1887-1952),

Adolf Dietrich (1877-1957), Hasso von Hugo (1897-1945),

Alexander Kanoldt (1881-1939), Franz Radziwill (1895-

1983) und Georg Schrimpf (1889-1938). Lenk ist Mitglied

im Verband Berliner Künstler und im Deutschen Künstlerbund.

1933 erfolgt die Berufung zum Professor an die Vereinigten

Staatsschulen in Berlin. Von 1933-1936 ist Lenk Mitglied

des Präsidialrates der Reichskammer der bildenden

Künste, und gehört 1934 zu den 37 Unterzeichnern des

Aufrufes der Kulturschaffenden zur Unterstützung des

Diktators Adolf Hitler. 1933 nimmt er an der umstrittenen

und von den Nationalsozialisten zeitweilig geschlossenen

Ausstellung „30 Deutsche Künstler“ in der Galerie Ferdinand

Möller in Berlin teil. 1935 hat er eine Doppelausstellung

mit dem von den Nationalsozialisten verfemten Otto

Dix (1891-1969) in der Galerie Nierendorf Berlin. Aber er

kann in der Zeit des Nationalsozialismus auch an mehr als

20 Ausstellungen teilnehmen, die dem Staat genehm sind.

1936 wird Lenk Vorstandsmitglied der Berliner Secession

und 1937 Mitglied der Preußischen Akademie der Künste.

In den folgenden Jahren reist er zu Studienzwecken ins

Vogtland, nach Thüringen, auf die Insel Amrum, nach

Schlesien, sowie an den Bodensee und in den Hegau. 1937

verweigert er eine Beteiligung an der Großen Deutschen

Kunstausstellung in München. 1943 erwirbt das Museum

der Stadt Trier Arbeiten Lenks. Eine Studienreise führt

Lenk 1934 zusammen mit Otto Dix in den Hegau. Lenk

setzt sich für verfolgte Kollegen ein und legt sein Lehramt

an den Vereinigten Staatsschulen aus Protest gegen die

Diffamierung von Kollegen und gegen die repressive

„Kunstpolitik“ im Dritten Reich nieder. Lenk zieht sich

1938 nach Orlamünde in Thüringen zurück. 1944 zieht er

nach Wilhelmsdorf/Württemberg, später wohnt er in

Großheppach, bis er 1948 in Fellbach ansässig wird. 1950

erhält er einen Lehrauftrag am Carnegie Institute in Pittsburgh,

USA. 1959 lässt sich Lenk in Schwäbisch Hall nieder,

wo er Kulturbeauftragter der Stadt wird.

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JEANNE MAMMEN

1896 – Berlin – 1976

Chansonette oder Die dicke Sängerin l.

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Feder in Schwarz, um 1932, auf festem, strukturiertem Papier, mit Bleistift signiert „J Mammen“,

verso am oberen Rand bezeichnet „Die dicke Sängerin“, am unteren Rand bezeichnet „Chansonette“.

Blattgröße 47,1:34,9 cm. – Insgesamt leicht gebräunt, der rechte Blattrand mit kleinem Einriss.

Provenienz: Jeanne-Mammen-Gesellschaft; Fischer Fine Art, London, dort 1980 vom Vorbesitzer erworben.

Literatur: Döpping/Klünner Z 282; abgeb. in: Der Querschnitt, Heft 9, Jg. 12, September 1932, S. 631.

Biografie: Siehe Seite 145.

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JEANNE MAMMEN

1896 – Berlin – 1976

Kurfürstendammpaar.

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Lithographie, teils aquarelliert, um 1930,

auf festem, chamoisfarbenem Velin, mit Bleistift nummeriert „1/6“ und signiert „JMammen“.

Darstellungsgröße 44,5:34 cm, Blattgröße 70:50,3 cm.

Eines von nur zwei handkolorierten Exemplaren der Lithographie und somit von allergrößter Seltenheit!

Provenienz: Atelier der Künstlerin; Sammlung Prof. Dr. Stanislaw Karol Kubicki, Berlin (1926-2019).

Karol Kubicki war lange Jahre Präsident der Jeanne-Mammen- Gesellschaft in Berlin.

Literatur: Döpping/Klünner D 14.

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JEANNE MAMMEN

1890 – Berlin – 1976

Nutten.

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Lithographie (Asphaltdruck), um 1930,

auf Bütten, mit Bleistift nummeriert „20/4“ und signiert „J. Mammen“.

Darstellungsgröße 46,5:35 cm, Blattgröße 62:49,9 cm.

Diese Lithographie zählt zu den Höhepunkten im graphischen Werk von Jeanne Mammen

und liegt hier in einem prachtvollen, klaren Druck vor!

Provenienz: Sammlung Prof. Dr. Stanislaw Karol Kubicki, Berlin.

Literatur: Döpping/Klünner D 15. Hier heißt es dazu: „Jedes der Mammen-Girls (…) scheint in seiner Isolierung

wie unter einem unsichtbaren Glassturz konserviert, der es von den anderen trennt. Ihre zu Schlitzen

zusammengezogenen, ins Leere blickenden, durch Hutkrempen verdeckten und durch Schleier vergitterten Augen

verbergen erfolgreich alles, was eventuell als ‚Seelenkäse‘ enttarnt werden könnte.“ (op. cit. S. 55).

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JEANNE MAMMEN

1896 – Berlin – 1976

Siesta.

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Farblithographie, um 1930/32, auf chamoisfarbenem Velin,

mit Bleistift bezeichnet „P./A 4“, zweifach signiert „J. Mammen“ sowie betitelt „Siesta“.

Darstellungsgröße 44,5:35,3 cm, Blattgröße 52,3:37,7 cm.

Vereinzelte winzige Stockfleckchen sowie im Passepartoutausschnitt minimal gebräunt.

Eines von nur sieben bekannten Exemplaren und somit sehr selten!

Provenienz: Atelier der Künstlerin; Sammlung Prof. Dr. Stanislaw Karol Kubicki, Berlin (1926-2019).

Literatur: Döpping/Klünner D 23, PA 4. Entstanden für den mit Fritz Gurlitt geplanten Zyklus „Lieder der Bilitis“.

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FRANZ MARC

1880 München – bei Verdun 1916

Ruhende Pferde.

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Holzschnitt, 1911/1912, auf feinem Japan, mit Bleistift bezeichnet „No. 1“,

verso von Maria Marc mit Bleistift bezeichnet „Nachlass Franz Marc bestätigt Maria Marc“,

Darstellungsgröße 16,9 x 23 cm, Blattgröße 20,5: 28,5 cm.

Von allergrößter Seltenheit!

Provenienz: Maria Marc, Gattin des Künstlers; Privatsammlung; Lempertz, Köln, Auktion 1212, Lot 149;

Rheinische Privatsammlung.

Literatur: Hoberg/Jansen Bd. III, Nr. 23 (im Werkverzeichnis aufgeführtes Exemplar); nicht bei Schardt;

nicht bei Lankheit (in seinen handschriftlichen Notizen auf geführt als nur 3 Abzüge vom schwarzen Holzstock).

Biografie: Siehe Seite 146.

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FRANZ MARC

1880 München – bei Verdun 1916

Tiger.

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Holzschnitt, 1912, auf feinem Japan. Darstellungsgröße 19,8 x 24 cm, Blattgröße 25: 36,7 cm.

Verso mit Bleistift bezeichnet „Handdruck vom Originalholzstock bestätigt Maria Marc“.

Der Holzschnitt von Franz Marc wurde für die Nrn. 1-25 der Vorzugsausgabe durch Heinrich Campendonk

mit der Hand vom Originalholzstock auf Japanpapier abgezogen.

Provenienz: Lempertz, Köln, Auktion 1234, Lot 129; Hessische Privatsammlung.

Literatur: Hoberg/Jansen Bd. III, Nr. 27, vgl. 3. Auflage; Söhn HDO 507-1; nicht bei Schardt; nicht bei Lankheit.

Erschienen in: Buch Der Toten. Hrsg. Wolf Pryzgode. Erster Sonderdruck der Dichtung, München, Roland-Verlag, 1919.

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LUDWIG MEIDNER

1884 Bernstadt/Schlesien – Darmstadt 1966

Großstadtstraße.

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Kaltnadelradierung, 1913, auf Van Gelder Zonen Bütten, unsigniert.

Darstellungsgröße 16,7:12 cm, Blattgröße 32,5:26 cm.

Von größter Seltenheit!

Provenienz: Hessische Privatsammlung.

Literatur: Ausstellungskatalog: W. Flammann, Ludwig Meidner, Das druckgraphische Werk /

Ein Überblick, Stadt Hofheim/Taunus, 1991, Kat. Nr. 3 mit Abb. S 24.

Biografie: Siehe Seite 147.

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MELA MUTER,

EIGENTL. MARIA MELANIA MUTERMILCH, GEB. KLINGSLAND

1876 Warschau – Paris 1967

Liegender Frauenakt.

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Bleistift, auf bräunlichem Velin mit Fragment eines Wasserzeichens, zweifach mit Bleistift signiert „Muter“.

Blattgröße 32,9:19,9 cm. Verso: Figürliche Skizzen. Bleistift.

Vorzeichnung für das Gemälde „Cubist nude (c.1919)“, das in folgenden Ausstellungen präsentiert wurde:

Mela Muter 1876-1967. Retrospektiv-Ausstellung, Galerie Gmurzynska, Köln 1967;

Pionnieres. Artistes dans le Paris des années folles, Paris, Musée du Luxembourg, 2022.

Die akzentuierte, eckig-kubistische Ausführung lässt eine Entstehungszeit um 1919 vermuten,

da die Künstlerin sich in dieser Zeit mit den Arbeiten von Albert Gleizes (1881-1953) und Gino Severini (1883-1966)

auseinandersetzte, die sie persönlich kennengelernt hatte.

Als Tochter eines literarisch interessierten vermögenden

Warschauers wird Mela Muter zuerst privater Zeichenunterricht

erteilt. Dann besucht sie ab 1899 in ihrer Geburtsstadt

die private Frauenmalschule unter der Leitung

von Milosz Kotarbiński (1854-1944). Im selben Jahr heiratet

sie den Kritiker, Schriftsteller und Aktivisten Michael

Mutermilch, mit dem sie 1900 nach Paris zieht. 1901 setzt

sie in der Kunstmetropole an der Seine ihre Studien an der

Académie Colarossi bei Etienne Tournés (1857-1931),

Raphaël Collin (1850–1916) und René François Xavier

Prinet (1861-1946) fort. Wiederholte Aufenthalte in Concarneau

schließen sich an und sie kommt mit der Kunst

der Schule von Pont-Aven in Berührung. Sie wird eine gefragte

Porträtistin, zudem erschafft sie Stilleben und

Landschaften, aber auch Bilder, die das Elend der armen

Bevölkerung, vor allem alte Leute und Bettler thematisieren.

Schon seit 1902 beteiligt sie sich an Ausstellungen

der Societé Nationale des Beaux Arts, des „Salon des Indépendants“,

„Salon d’Automne“ und „Salon des Tuileries“.

Vor dem 1. Weltkrieg reist sie mehrfach nach Spanien.

Durch die Beziehung zu dem Sozialaktivisten Raymond

Lefebvre seit 1917 scheitert ihre Ehe. Nach dem mysteriösen

Tod ihres Geliebten in der Sowjetunion sowie der

Tuberkulosekrankheit ihres Sohnes u.a. tragischen Ereignissen

konvertiert sie 1923 zum Katholizismus. Nach dem

Ersten Weltkrieg hat sie in Paris mehrere Einzelausstellungen,

1921 wird sie sogar eingeladen, Mitglied der Jury des

„Salon d’Automne“ zu werden. Nach dem Tod ihres Sohnes

1924 und Rainer Maria-Rilkes (1875-1926), mit dem sie

eng befreundet ist, fällt sie in tiefe Depression. Zu Beginn

der 1930er Jahre zwingt sie die zunehmend schwierige

finanzielle Lage Malunterricht zu geben. 1937 wird ihr die

Goldmedaille der Weltausstellung verliehen. Nach dem

Einmarsch der Nationalsozialisten in Paris flieht sie wegen

ihrer jüdischen Herkunft 1940 in das unbesetzte Avignon.

Nach ihrer Rückkehr nach Paris 1946 kann sie an

ihren vorherigen Erfolg anknüpfen und hat zahlreiche

Ausstellungen, auch in Köln und New York.

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ROLF NESCH

1893 Oberesslingen/Neckar – Oslo 1975

Selbstbildnis mit Zigarre.

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Kaltnadelradierung, um 1922, auf Bütten mit Fragment des Wasserzeichens:

JWZander, nummeriert und bezeichnet „18/25 Selbstdr(uck).“, sowie signiert „Nesch“.

Darstellungsgröße 24,6:17,5 cm, Blattgröße 38,7:29,2 cm.

Provenienz: Altenburg, Staatl. Lindenmuseum, ausgesch. 76/13922 (Stempel verso).

Literatur: Ausstellungskatalog: The Graphic Art of Rolf Nesch. Detroit, The Detroit Inst. of Arts, 1969, Kat. Nr. 2.;

Helliesen/Sorensen 173.

Rolf Nesch zählt neben Edvard Munch (1863-1944) zu den bedeutendsten Künstlern der Klassischen Moderne

in Skandinavien. Der gebürtige Deutsche mit norwegischer Staatsbürgerschaft ist einer der Ausnahmekünstler im

Bereich der Druckgraphik.

Biografie: Siehe Seite 147.

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ROLF NESCH

1893 Oberesslingen/Neckar – Oslo 1975

Die drei Töchter von Max Sauerlandt am Flügel.

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Kaltnadelradierung, um 1929, mit starkem Wischton und Deckweißhöhungen der Gesichter,

auf cremefarbenem Bütten mit Wasserzeichen: F M Head, mit Bleistift signiert „Rolf Nesch“.

Darstellungsgröße 44,7:33,3 cm, Blattgröße 63,7:51,5 cm.

Von größter Seltenheit!

Provenienz: Privatsammlung, Hamburg.

Literatur: Helliesen/Sorensen 371, Abb. 9. Im Gegensatz zu dem im Werkverzeichnis beschriebenen

und abgebildeten Exemplar, das zusätzlich mit einer farbigen Monotypie gedruckt wurde,

handelt es sich bei dem hier beschriebenen Blatt um ein Exemplar aus der Auflage von 1972,

die von Hartmut Frielinghaus nur in Schwarz gedruckt wurde.

In einer mit der Maschine geschriebenen Notiz heißt es:

„Die 3 Töchter von Max Sauerlandt am Flügel“. Radierung,

um 1929, Kaltnadel auf Zink: von der erhaltenen

Platte, ein Geschenk von Rolf Nesch an Frau Alice Sauerlandt,

hat Hartmut Frielinghaus 1972 in monochromer

Fassung für die Familie Sauerlandt und für einen Freund

etwa 8-10 Probedrucke gemacht; auf 3 dieser Drucke hat

Nesch die Gesichter der Frauen mit Weiß gehöht, weil sich

das alte Zink der Platte nicht mehr in gewünschtem Maß

an diesen Stellen reinwischen ließ, um das Inkarnat vorzustellen.“

Prof. Dr. Max Sauerlandt (1880-1934) war Direktor des

Museums für Kunst und Gewerbe in Hamburg von 1919-

1934 und hatte sich im November 1929 sehr für den Erwerb

eines Gemäldes von Rolf Nesch eingesetzt.

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ROLF NESCH

1893 Oberesslingen/Neckar – Oslo 1975

Hildegard.

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Radierung und Aquatinta, um 1930, auf festem, chamoisfarbenem Velin,

mit Bleistift bezeichnet „Probedruck“, betitelt „Hildegard“ und signiert „Nesch“.

Darstellungsgröße 32,2:25 cm, Blattgröße 38,2:30,2 cm. Mit Werkstattspuren.

Von größter Seltenheit!

Provenienz: Auktion Ketterer, München, 25.11.1991, Los 764; Kunsthandel Marion Grcic-Ziersch, München.

Literatur: Helliesen/Sorensen 392.

Bei der Dargestellten handelt es sich um die Schwester des Künstlers Hildegard Nesch.

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EMIL NOLDE,

EIGENTL. EMIL HANSEN

1867 Nolde (Provinz Schleswig-Holstein) – Seebüll 1956

Kniendes Mädchen.

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Radierung mit heller Tonätzung, 1907, auf chamoisfarbenem Velin,

mit Bleistift signiert „Emil Nolde.“.

Darstellungsgröße 30:22,1 cm, Blattgröße 43,5:31,7 cm.

Gedruckt von Otto Felsing, Berlin.

Eines von 37 Exemplaren dieses Zustandes und von vorzüglicher Erhaltung!

Provenienz: Galerie Nierendorf, Berlin; Privatsammlung, Hessen.

Literatur: Schiefler/Mosel/Urban R 76 V (von V).

Biografie: Siehe Seite 148.

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MAX OPPENHEIMER, GEN. „MOPP“

1885 Wien – New York 1954

Rosé-Quartett.

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Farblithographie, um 1920, auf Velin, im Stein monogrammiert.

Darstellungsgröße 66:65 cm, Blattgröße 78,2:70,2 cm.

Literatur: Papst L 15; nicht bei Stix Lithographien; Ausstellungskatalog: Bernhard Echte (Hrsg.),

Max Oppenheimer (MOPP) 1885-1954, Gemälde und Graphiken, Stiftung Langmatt Sidney und Jenny Brown, Baden,

1995 und Bayerische Staatsgemäldesammlungen, Staatsgalerie moderner Kunst, München, 1995/96, Kat.-Nr. 57.

Der Lithographie liegt das Motiv des Gemäldes von Max

Oppenheimer „Klinglerquartett (Streichquartett)“ von 1917

zugrunde, das sich heute im Oberen Belvedere in Wien

befindet (Inv. Nr. 2493).

Das Rosé-Quartett setzte sich in dieser Zeit zusammen

aus: Arnold Rosé (1882-1945) Violine; Paul Fischer (1905-

1938) Violine; Anton Walter (1883-1950) Violincello; Anton

Rusitzka (1901-1929) Viola.

Musik und Musiker waren für Oppenheimer eine ständige

Quelle der Inspiration. Das hier vorliegende Blatt ist wohl

das bekannteste Motiv des Künstlers.

Max Oppenheimer ist von 1900-1903 Schüler der Akademie

der bildenden Künste in Wien und von 1903-1906 der

Prager Kunstakademie. Hier schließt er sich 1906 der

Gruppe „OSMA“ an, eine der ersten Vereinigungen tschechischer

Avantgardisten. 1907 kehrt er nach Wien zurück,

wo er zum Kreis des „Wiener Expressionismus“ gehört.

Stilistisch haben ihn Oskar Kokoschka (1886-1980), Egon

Schiele (1890-1918) und Albert Paris Gütersloh (1887-1973)

beeinflusst. 1911-1915 ist er in Berlin tätig und Mitarbeiter

der Zeitschrift „Die Aktion“ und nimmt kubistische

Elemente in seine Arbeiten auf. Es folgt ein Aufenthalt in

der Schweiz von 1915-1925, wo seine Auseinandersetzung

mit der Musik beginnt (Bildnisse von Musikern, „Musik

und Malerei“, 1919). 1931 kehrt er nach Wien zurück, 1938

emigriert er in die USA, wo er in New York bis zu seinem

Tode zurückgezogen lebt. 1940 veranstaltete die Galerie

Nierendorf, New York eine Ausstellung mit ihm, auf der

die Gemälde „Tilla Durieux“, „Geisselung“ und „Der

Weltkrieg“ gezeigt werden.

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HERMANN MAX PECHSTEIN

1881 Zwickau – Berlin 1955

Nach dem Bad.

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Kaltnadelradierung mit Riffelfeile und Pinselätzung, 1920, auf festem Japan, mit Bleistift signiert „HMPechstein“.

Darstellungsgröße 26,5:20,7 cm, Blattgröße 36,6:30,9 cm.

Eines von 25 Exemplaren der Vorzugsausgabe auf Japanpapier.

Provenienz: Privatsammlung Berlin.

Literatur: Krüger R 118; Söhn HDO 72709-8. Erschienen in: „Die Schaffenden“, 3. Jahrgang, 1. Mappe.

Hrsg. von Paul Westheim, Berlin, Euphorion-Verlag, 1921.

Schon früh wird das künstlerische Talent Max Pechsteins

erkannt und gefördert. Sein konventioneller Werdegang,

erst als Lehrling bei einem Zwickauer Malermeister, dann

in der Dresdner Kunstgewerbeschule und schließlich an

der dortigen Akademie bei dem Dekorationsmaler Otto

Gußmann (1869-1926), verhilft Pechstein zu einem soliden

handwerklichen Können. Als er 1906 für die Dresdner

Kunstgewerbeausstellung ein Deckenbild in so unkonventioneller

Farbigkeit malt, dass es der Auftraggeber durch

graue Spritzer dämpfen lässt, wird Erich Heckel (1883-

1970) auf Pechstein aufmerksam und holt ihn schließlich

in die ein Jahr zuvor gegründete Künstlervereinigung

„Die Brücke“, welche sich als Ziel eine dem Impressionismus

entgegengesetzte, aus der Kraft der Farbe kommende

Malerei gesetzt hatte und „alle revolutionären und gärenden

Kräfte an sich [...] ziehen wollte“ (Schmidt-Rottluff).

Im Umfeld der „Brücke“-Mitglieder entwickelt sich der

expressionistische Stil Pechsteins nun weiter, wobei sein

Ziel ist, mit wohldosiertem Einsatz malerischer Mittel den

motivischen Kernpunkt herauszuarbeiten. 1908 lässt sich

Pechstein in Berlin nieder und wird dort zum Mitbegründer

der „Neue Sezession“. Er schafft Figurenbilder, Stilleben

und Landschaften in einem gemäßigt expressionistischen

Stil, der zu dem frühen und langanhaltenden

Erfolg des Künstlers führt. 1937 wird er als entarteter

Künstler diffamiert. Ab 1945 lehrt Pechstein an der Berliner

Akademie der Künste. Neben der Malerei entsteht im

Bereich der Graphik ein Werk aus mehr als 850 Holzschnitten,

Lithographien und Radierungen.

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CHRISTIAN SCHAD

1894 Miesbach/Oberbayern – Stuttgart 1982

Jette.

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Lithographie, 1921, auf cremefarbenem Bütten, mit Bleistift betitelt und nummeriert „Jette 14/202“

sowie signiert und datiert „Christian Schad / 21“. Darstellungsgröße 15,5:15,7 cm, Blattgröße 30:22,5 cm.

Provenienz: Süddeutscher Privatbesitz.

Christian Schad wird am 21.8.1894 in Miesbach/Oberbayern

geboren. Sein Vater ist der hoch angesehene Geheime

Justizrat Carl Schad, seine Mutter Marie entstammt der

Familie des Malers Carl Philipp Fohr (1795-1818). Kurz

nach seiner Geburt zieht die Familie nach München, wo er

ab 1913 an der Münchner Kunstakademie bei Heinrich von

Zügel (1850-1941) und Carl Johann Becker-Gundahl (1856-

1925) studiert. Er bricht das Studium nach wenigen Semestern

ab und mietet in München Schwabing ein Atelier.

Zunächst entstehen expressionistische Holzschnitte. Um

nicht zum Militärdienst eingezogen zu werden, flüchtet

Schad 1915 in die neutrale Schweiz, nach Zürich. Dort

lernt er u. a. Hans Arp (1886-1966), Hugo Ball (1886-1927),

Emmy Hennings (1885-1948) und Tristan Tzara (1896-

1963) kennen und schließt sich der „Dada“-Bewegung an.

Er ist befreundet mit dem Dichter Walter Serner, der auch

Herausgeber der Zeitschrift „Sirius“ ist. Schad arbeitet an

Holzschnitten und veröffentlicht sie in Zeitschriften und

Graphikmappen. 1915 findet in Zürich die erste Einzelausstellung

mit Werken von Christian Schad statt. 1917 zieht

Schad nach Genf, dort entwickelt er mit lichtempfind lichen

Fotoplatten seine „Schadographie“ genannten Fotogramme.

In den Jahren 1920-1925 leben Schad und Serner zusammen

in Rom und Neapel. Seine Bilder aus diesen Jahren

zeigen die Anregung durch das unmittelbare Umfeld

der italienischen Kulturlandschaft. 1923 heiratet Schad die

Italienerin Marcella Arcangeli, sie bekommen einen Sohn.

1925 zieht die Familie nach Wien. Die Ehe wird bereits

1927 wieder geschieden und Schad zieht 1928 nach Berlin.

In den Bildern dieser Jahre in Wien und Berlin thematisiert

Christian Schad das Großstadtleben. Er porträtiert

Künstler, Intellektuelle und Persönlichkeiten des mondänen

Lebens. Mit den Malern Otto Dix (1891-1969) und

George Grosz (1893-1959) gilt Christian Schad als einer

der Hauptvertreter der Neuen Sachlichkeit.

Christian Schads Werke werden auf zahlreichen Ausstellungen

im In- und Ausland gezeigt. Mit der Machtergreifung

der Nationalsozialisten wird es dann jedoch auch für

Schad schwierig, er zieht sich mehr und mehr zurück. 1935

wird Schad Geschäftsführer eines Berliner Brauerei-

Depots. 1942 wird sein Atelier durch Bombenangriffe zerstört.

1943 zieht Schad nach Aschaffenburg, dort heiratet

er in zweiter Ehe Bettina Mittelstädt.

Ab Anfang der 1950er Jahre entstehen die sogenannten

„Magischen Bilder“, ab ca. 1960 beschäftigt sich Christian

Schad wieder mit den „Schadographien“.

1962 siedelt Christian Schad nach Keilberg im Spessart

über, er stirbt am 25.2.1982 in Stuttgart.

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CHRISTIAN SCHAD

1894 Miesbach/Oberbayern – Stuttgart 1982

Clelia.

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Lithographie, 1921, auf cremefarbenem Bütten, mit Bleistift betitelt und nummeriert „Clelia / 5/13“

sowie signiert und datiert „Christian Schad / 21“.

Darstellungsgröße 14,5:8,3 cm, Blattgröße 29,7:22,9 cm.

Von aller größter Seltenheit!

Provenienz: Galleria del Levante, München; Kunsthandel Marion Grcic-Ziersch, München.

Die Zeitung „Main Echo“ veröffentlichte am 06.01.2012

von Stefan Reis die Besprechung einer Ausstellung in der

Aschaffenburger Galerie Viola „Seltene Lithographien

und Radierungen von Christian Schad – Dabei ein verschollen

geglaubtes Porträt von 1921“. An späterer Stelle

heißt es: „Die 1921 entstandene Lithographie „Clelia“ gilt

als Schads graphisches Hauptwerk der 20er Jahre. In einer

Auflage von 15 Exemplaren gedruckt, galt sie Jahrzehnte

lang als verschollen, bis sie nun in der aufgelösten Sammlung

entdeckt wurde. (Dabei handelt es sich um eine

Sammlungsauflösung, die auf Vermittlung des Christian-

Schad-Archivs in Rottach-Egern zustande kam).

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RUDOLF SCHLICHTER

1890 Calw – München 1955

Speedy.

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Aquarell, um 1930, über leichter Bleistiftskizze, auf genarbtem Velin,

mit Bleistift signiert „R. Schlichter“. Blattgröße 56:40,2 cm.

Provenienz: Rheinische Privatsammlung.

Bei der Dargestellten „Speedy“ handelt es sich um Schlichters Ehefrau Elfriede Elisabeth Köhler (1902-1975),

die er 1929 heiratete.

Rudolf Schlichter absolviert von 1904-1906 eine Lehre als

Emaille Maler in Pforzheim. Anschließend studiert er von

1907-1910 an der Kunstgewerbeschule in Stuttgart, bis

1916 an der Kunstakademie in Karlsruhe. Er studiert u. a.

bei Walter Georgi (1871-1924), Hans Thoma (1839-1924)

und Walter Conz (1872-1947) und wird Meisterschüler

von Kaspar Ritter (1861-1923) und Wilhelm Trübner

(1851-1917). Zum Kriegsdienst eingezogen, dient er ab 1916

als Munitionsfahrer in Frankreich. 1917 erzwingt er durch

einen Hungerstreik die Entlassung aus dem Militärdienst.

Wieder in Karlsruhe, gründet er mit 6 weiteren Künstlern

die „Gruppe Rih“. 1919 zieht er nach Berlin und schließt

sich dort der „Novembergruppe“ sowie der „Berliner

Sezession“ an, ferner tritt er in die KPD ein. 1920 nimmt

er an der Ersten Internationalen Dada-Messe teil und hat

seine erste Einzelausstellung in Berlin. Seinen Lebensunterhalt

bestreitet Schlichter mit Buchillustrationen.

1924 wird er Schriftführer der „Roten Gruppe“ und löst

sich von der „Novembergruppe“. Bert Brecht, Alfred

Döblin, Oskar Maria Graf, Erich Kästner und Egon Erwin

Kisch gehören zu seinem Freundeskreis. 1925 nimmt er

mit zwei Werken an der Mannheimer Ausstellung „Neue

Sachlichkeit“ teil. Zwei Jahre später verlässt Schlichter seinen

bisherigen Wirkungskreis und kehrt zur katholischen

Kirche zurück. Nach dem Ende der Dada-Phase wird

Schlichter Vertreter des veristischen Flügels der Neuen

Sachlichkeit. Die Kunst wird ihm zur Waffe im politischen

Kampf gegen Großbürgertum und Militarismus. Darstellungen

der Großstadt, Straßenszenen, die Subkultur der

intellektuellen Bohème und der Unterwelt, Portraits und

Erotisches sind seine bevorzugten Sujets. Eine regimekritische

Zeichnung, die Rudolf Schlichter für die katholische

Jugendzeitschrift „Junge Front“ fertigt, führt 1934 zum

Ausschluss aus der Reichskammer der bildenden Künste,

andere Werke von Schlichter werden beschlagnahmt und

in der Ausstellung „Entartete Kunst“ gezeigt. 1939 zieht

der Künstler nach München. 1942 verbrennt ein Teil seines

Werkes durch einen Bombenangriff. Ein Jahr nach dem

Krieg, 1946, beteiligt Rudolf Schlichter sich an der

„1. Deutsche Kunstausstellung“ in Dresden, in der er mit

seinem surrealistischen Spätwerk an die Öffentlichkeit

tritt. In seiner Schrift „Das Abenteuer der Kunst“, die 1949

im Rowohlt Verlag erscheint, begründet er seine Hinwendung

zum Surrealismus.

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GEORG SCHOLZ

1890 Wolfenbüttel – Waldkirch 1945

Sitzender weiblicher Akt.

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Bleistift, 1925, auf bräunlichem Bütten mit Wasserzeichen „Hahn im Kreis“,

mit Bleistift signiert und datiert „Scholz 1925“.

Blattgröße 60:45 cm. In den Rändern fachgerecht restaurierte Einrisse.

Provenienz: Nachlass Georg Scholz, Waldkirch; Privatsammlung, Hessen.

Literatur: Ausstellungskatalog: Georg Scholz. Ein Beitrag zur Diskussion realistischer Kunst.

Karlsruhe, Badischer Kunstverein, 1975, Nr. 59, mit Abb. S. 123; M. Angermeyer- Deubner, Neue Sachlichkeit

und Verismus in Karlsruhe 1920-1933. Karlsruhe, 1988, Abb. 37, S. 222;

H.-D. Mück, Georg Scholz. Malerei Zeichnung Druckgraphik. Stuttgart, 1991, Abb. S. 87.

Biografie: Siehe Seite 149.

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GEORG SCHOLZ

1890 Wolfenbüttel – Waldkirch 1945

Gespenst.

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Lithographie, 1916, auf chamoisfarbenem Papier, im Stein monogrammiert und datiert „Sch. 16“,

mit Bleistift signiert „Scholz“.

Darstellungsgröße 18:13,3 cm, Blattgröße 32,5:25 cm. Fleckig.

Äußerst selten!

Provenienz: Blauer Stempel einer unbekannten Sammlung verso; Privatsammlung, Karlsruhe.

Literatur: Ausstellungskatalog: Ein Beitrag zur Diskussion realistischer Kunst. Karlsruhe, Badischer Kunstverein e. V.,

1975, Nr. 21, Abb. S. 41; Georg Scholz. Das druckgraphische Werk. Karlsruhe, Künstlerhaus Galerie, 1982, Nr. 31,

Abb. S. 77; H.-D. Mück, Georg Scholz. Malerei Zeichnung Druckgraphik. Stuttgart, 1991, Abb. S. 32.

„Zu diesem Thema existiert im Nachlaß eine bereits 1914 entstandene (datierte) Federzeichnung,

auf der der Titel „Mann ohne Kopf“ eingetragen ist.“

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GEORG SCHOLZ

1890 Wolfenbüttel – Waldkirch 1945

Der Traum.

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Holzschnitt, 1919, auf chamoisfarbenem Japan-Bütten, mit Bleistift signiert „Scholz“.

Darstellungsgröße 15,6:25 cm, Blattgröße 30,6:46 cm.

Tiefschwarzer, sehr breitrandiger Druck und von vorzüglicher Erhaltung.

Äußerst selten!

Provenienz: Privatsammlung, Karlsruhe; Privatsammlung, Hessen.

Literatur: Georg Scholz. Das druckgraphische Werk. Karlsruhe, Künstlerhaus Galerie, 1982, Nr. 40, Abb. S. 85;

nicht im Katalog 1975.

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GEORG SCHOLZ

1890 Wolfenbüttel – Waldkirch 1945

Gestalt mit Tod.

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Holzschnitt, 1919, auf chamoisfarbenem Bütten, mit Bleistift signiert „Scholz“.

Darstellungsgröße 25,3:15,8 cm, Blattgröße 42,4:25,3 cm.

Tiefschwarzer, sehr breitrandiger Druck und von vorzüglicher Erhaltung.

Äußerst selten!

Provenienz: Privatsammlung, Karlsruhe; Privatsammlung, Hessen.

Literatur: Georg Scholz. Das druckgraphische Werk. Karlsruhe, Künstlerhaus Galerie, 1982, Nr. 41, Abb. S. 86;

nicht im Katalog 1975.

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GEORG SCHRIMPF

1889 München – Berlin 1938

Ohne Titel (Sitzende).

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Linolschnitt, 1916, auf Japan-Bütten, in Bleistift mit der Werknummer bezeichnet „XIV N.1“,

sowie signiert „Schrimpf“. Darstellungsgröße 28:19,5 cm, Blattgröße 32,3:23 cm.

Mit leichten Altersspuren, gering fleckig, im linken Rand etwas faltig, sowie mit Bleistiftannotationen des Sammlers,

die teils verwischt und nur schwer lesbar sind.

Provenienz: Sammlung Heinrich Stinnes, Köln, Lugt 4436.

Auf Druck der Eltern erlernt Georg Schrimpf das Handwerk

des Zuckerbäckers in Passau. Im Anschluss reist er

auf der Suche nach Arbeit quer durch Europa, besucht

Belgien, Frankreich und Norditalien, arbeitet als Bäcker,

Kellner und Heizer. 1909 geht Schrimpf nach München. Er

gerät in eine anarchistische Bewegung, die ihn oft in die

Schweiz und nach Italien führt, wo er sich 1913 für län gere

Zeit an den Lago Maggiore zurückzieht. Dort befreundet

er sich mit dem Schriftsteller Oskar Maria Graf. Er kehrt

wieder nach München zurück und arbeitet als Zuckerbäcker.

1915 geht er nach Berlin, wo er sich autodidaktisch

zum Maler fortbildet, während er seinen Lebensunterhalt

als Arbeiter in einer Schokoladenfabrik sichert. Das Zeichnen,

das er seit frühester Kindheit pflegt, hat er nie aufgegeben,

sondern mit großer Leidenschaft über die Jahre

seiner Wanderschaft hinweg gepflegt.

Georg Schrimpf erregt 1916 die Aufmerksamkeit des

großen Kunstförderers Herwarth Walden, der einige Gemälde

und Holzschnitte des jungen Künstlers in seiner

Galerie „Der Sturm“ ausstellt. Damit ist der entscheidende

Schritt in die Öffentlichkeit gelungen und er etabliert sich

in der Kunstszene. Die 1917 geschlossene Ehe mit der Malerin

Maria Uhden (1892-1918) endet tragisch, als die

Künst lerin im Kindbett stirbt. Schrimpf beteiligt sich

mehrfach an Ausstellungen der Novembergruppe und

publiziert seine Werke in Fachzeitschriften für expressionistische

Kunst. Sein politisches Engagement für die

Münchner Räterepublik bringt ihn vorübergehend in

Haft, doch kann er bald nach seiner Entlassung seine erste

Einzelausstellung in der Münchner Galerie Goltz eröffnen.

Georg Schrimpf zählt in den 1920er-Jahren zu den führenden

Vertretern der Neuen Sachlichkeit; er wird dem

Verismus zugerechnet und in einem Atemzug genannt mit

Künstlern wie Otto Dix (1891-1969), George Grosz (1893-

1959), Christian Schad (1894-1982) und Georg Scholz

(1890-1945). An der Mannheimer Ausstellung „Neue

Sachlichkeit“ im Jahr 1925 ist er prominent mit 12 Gemälden

vertreten. In der Zeit des Nationalsozialismus verliert

Schrimpf seine Stellung als außerordentlicher Professor an

der Hochschule für Kunsterziehung in Berlin, die er erst

1933 angetreten hat, und muss die Einstufung seiner Bilder

als entartete Kunst hinnehmen. Viele Objekte werden

entweder vernichtet oder ins Ausland verkauft.

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NIKLAUS STOECKLIN

1896 – Basel – 1982

Place de Furstenberg, Paris.

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Lithographie, 1929, auf cremefarbenem Velin, im Stein monogrammiert,

mit Bleistift nummeriert „34/130“ und signiert „Niklaus Stoecklin“.

Darstellungsgröße 30,5:38,4 cm, Blattgröße 46,2:56,7 cm.

Mit Restaurierungen in den Rändern.

Das Pariser Motiv schildert der Künstler als Nachstück.

Die mehrarmige Laterne ist von vier entlaubten Bäumen umgeben

und zeigt den kleinen Platz in intimer Atmosphäre.

Niklaus Stoecklin beginnt 1914 seine Ausbildung an

der Kunstgewerbeschule München. Nach Ausbruch des

1. Welt krieges ist er Maler, Zeichner, Lithograph und Illustrator

in Basel, später in Riehen. Stoecklins Werk reicht

vom Entwurf einer Briefmarke bis hin zu Wandbildern.

Neben Graphik und Malerei umfasst es auch Zeichnungen,

Tapisserien, Glasmalereien und insbesondere Plakate.

Beeinflusst durch die spätgotische Malerei des Oberrheins,

der sienesischen Renaissance und des Expressionismus gilt

Stoecklin als Hauptvertreter der Neuen Sachlichkeit und

des Magischen Realismus in der Schweiz. 1925 war er als

einziger Schweizer Künstler an Gustav Friedrich Hartlaubs

legendärer Ausstellung „Neue Sachlichkeit“ in der

Kunsthalle Mannheim beteiligt. Seine Werke befinden

sich hauptsächlich in den Museen von Basel, Winterthur

und Zürich. 1958 erhält er den Basler Kunstpreis.

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BIOGRAFIEN

ALEXANDER ARCHIPENKO

Alexander Archipenko gilt als einer der innovativsten

Bildhauer des 20. Jahrhunderts. Er übertrug den Kubismus

auf die Bildhauerei, entwarf bewegliche und bemalte

Skulpturen – die Archipentura –, gründete Kunstschulen

in Paris und Berlin, war am Bauhaus tätig und experimentierte

als einer der Ersten mit Plastik und Plexiglas.

„Archipenko verändert die traditionelle Auffassung der

Skulptur“, beschreibt Juan Gris dessen Arbeiten, die im

Paris des beginnenden 20. Jahrhunderts entstehen. Wenige

Jahre zuvor ist Archipenko wegen Rebellion gegen die

Lehrmethode der Kiewer Akademie verwiesen worden

und gelangt über Moskau nach Frankreich. Hier trifft er

auf Georges Braque (1882-1963) und Pablo Picasso (1881-

1973), lässt sich von Marcel Duchamp (1887-1968) inspirieren

und stellt mit den Futuristen aus. Später knüpft er

in Berlin Kontakt zu den Dadaisten und zum Bauhaus und

emigriert schließlich nach Amerika. Die letzten acht Jahre

seines Lebens begleitet ihn dort seine Frau Frances Archipenko

Gray.

MAX BURCHARTZ

Max Burchartz wird am 28. Juli 1887 in Elberfeld als Sohn

des Fabrikanten Otto Burchartz und dessen Frau Maria

Giani geboren. Er wächst in vermögenden Verhältnissen

auf und beginnt nach der Schule zunächst eine kaufmännische

Ausbildung. Anschließend besucht er die Textilfachschule

und die Kunstgewerbeschule in Barmen, bevor

er 1907 ein Studium an der Düsseldorfer Kunstakademie

aufnimmt, wo er Schüler von Walter Corde (1876-1944)

wird. 1914 wird Burchartz zum Kriegsdienst eingezogen.

Nach seiner Zeit als Soldat zieht er sich nach Blankenhain

in Thüringen zurück. Bereits in der unmittelbaren Nachkriegszeit

knüpft er von dort Kontakte zu avantgardistischen

Künstlerkreisen und wird Mitglied der Berliner

November gruppe. Zwischen 1919 und 1924 lebt Burchartz

abwechselnd in Düsseldorf, Weimar und Hannover, wo er

zum Kreis um Kurt Schwitters (1887-1948) gehört. 1919

schließt er sich auch dem „Jungen Rheinland“ an, an dessen

Ausstellungen er bis 1922 teilnimmt. Ebenfalls 1919 erscheinen

zehn Steinzeichnungen von Burchartz zu Dostojewskis

Roman „Raskolnikoff“ als Mappenwerk der Galerie

Flechtheim, wo der Künstler bis 1921 unter Vertrag ist.

Im August 1922 besucht Burchartz einen De Stijl-Kurs bei

Theo van Doesburg (1883-1931) am Bauhaus in Weimar,

infolgedessen er sich verstärkt dem Konstruktivismus zuwendet.

Burchartz nimmt im selben Jahr am Kongress der

Konstruktivisten und Dadaisten in Weimar teil und trifft

dort auf Künstler wie Hans Arp (1886-1966), Tristan Tzara

(1896-1963), El Lissitzky (1890-1941) und László Moholy-

Nagy (1895-1946). Er beginnt nebenher als Übersetzer für

das Bauhaus zu arbeiten und beschäftigt sich mit Typographie.

Ab 1924 lebt Burchartz im Ruhrgebiet. Er gründet in

Bochum die erste moderne Werbeagentur in Deutschland,

die unter dem Namen „werbe-bau“ rasch floriert. Ab 1926

entwirft Burchartz zusätzlich Möbel und ist für den Deutschen

Werkbund tätig. Zwischen 1927 und 1931 hat er eine

Professur für Typographie an der Folkwangschule in Essen

inne, die infolge der Wirtschaftskrise gestrichen wird.

In der Hoffnung auf bessere Arbeitsmöglichkeiten tritt

Burchartz 1933 der NSDAP bei. Er erhält bis 1939 wiederholt

Aufträge aus der Deutschen Industrie (für Drucksachen

und Prospekte), kann jedoch nicht verhindern,

dass 1937 im Rahmen der Aktion „Entartete Kunst“ über

20 seiner Werke aus öffentlichen Sammlungen beschlag-

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nahmt werden. 1939 meldet er sich freiwillig zum Kriegsdienst.

1949 wird Burchartz erneut an die Folkwangschule in

Essen berufen. Er knüpft dort didaktisch an seine Zeit am

Bauhaus an. Max Burchartz stirbt am 31. Januar 1961 in

Essen.

OTTO DIX

Der Maler und Graphiker Otto Dix absolviert 1905-1909

in Gera eine Lehre als Dekorationsmaler, 1910-1914 besucht

er die Kunstgewerbeschule in Dresden. Hier besucht

er häufig die Dresdner Kunstsammlungen und studiert die

Meisterwerke der deutschen und italienischen Renaissance.

1912 sieht er in Dresden eine Ausstellung Vincent

van Goghs, die ihn tief beeindruckt, ebenso wie die Werke

der deutschen Expressionisten und der Futuristen. 1914

meldet sich Dix freiwillig zum Kriegsdienst, 1919-1922

setzte er sein Studium an der Dresdner Akademie fort. Er

ist befreundet mit Conrad Felixmüller (1897-1977). 1919

gehört Dix zu den Gründungsmitgliedern der „Dresdner

Sezession – Gruppe 1919“, 1920 lernt er George Grosz

(1893-1959) kennen und nimmt an der „Ersten Internationalen

Dada-Messe“ in Berlin teil. 1922 ist Dix Meisterschüler

an der Düsseldorfer Akademie und schließt sich dem

Kreis um die Förderin und Galeristin Johanna Ey („Mutter

Ey“) an, ebenso gehört er zur Künstlergruppe „Das Junge

Rheinland“. 1924 tritt Dix der „Berliner Secession“ bei und

wohnt seit 1925 in Berlin und beteiligt sich im selben Jahr

an der Ausstellung „Neue Sachlichkeit“ in Mannheim. Ab

1926 vertritt ihn die renommierte Galerie Nierendorf, 1927

wird Dix Professor an der Kunstakademie Dresden.

In seinen Werken folgte Otto Dix anfangs dem Expressionismus,

entwickelt jedoch um 1920 eine zunehmend

realistische Malweise, bis hin zur Überzeichnung und

schonungslosen Darstellung bzw. Demaskierung der hässlichen

Seiten der Menschen und des tagtäglichen Lebens.

In seinen Porträts stellte er bekannte Personen des öffentlichen

Lebens gnadenlos und auf ihre nackte Menschlichkeit

zurückgeführt dar. Diese Malweise erschien ihm

ehrlicher zu sein als die „Schönfärberei“ etwa der Expressionisten.

1933 muss der Künstler auf Veranlassung der

Nationalsozialisten seine Professur niederlegen und ist

heftigsten Anfeindungen ausgesetzt. 1937 werden seine

Gemälde in der Ausstellung „Entartete Kunst“ gezeigt. Für

Otto Dix bedeuten die Diffamierungen eine dramatische

Lebenswende und er lebt ab 1936 zurückgezogen in Hemmenhofen

am Bodensee. Sein späteres Werk erreicht nie

mehr die Kraft der 1920er Jahre.

Dix gehört zu den wichtigsten Malern und Graphikern des

Expressionismus und der Neuen Sachlichkeit in Deutschland.

LYONEL CHARLES ADRIAN FEININGER

Lyonel Feininger wird 1871 in New York geboren. Ab

1887 studiert er an der Hamburger Kunstgewerbeschule,

ab 1888 an der Kunstakademie in Berlin. 1890/91 ist er

Schüler am Jesuiten-Collège in Lüttich. 1891 besucht er in

Berlin das Atelier Schlabitz, setzt sein Studium schließlich

an der Berliner Akademie fort. Im Jahr 1892 reist

Feininger erstmals nach Paris, besucht dort die Académie

Colarossi.

Das Frühwerk ist bestimmt von seiner Tätigkeit als Karikaturenzeichner;

er zeichnet ab 1889 für die „Humoristischen

Blätter“ und andere Berliner Zeitungen, ab 1894

für die New Yorker Verleger Harper Brothers. Ab 1895 ist

er Mitarbeiter der Wochenbeilage „Ulk“ des „Berliner

Tageblatts“, 1897/98 ist er dort fest angestellt, zeichnet aber

auch für die „Lustigen Blätter“, 1898 für das „Narrenschiff“.

1906/07 erscheinen seine Bildergeschichten im

„Comic-Supplement“ der „Chicago Tribune“. 1904 werden

Feiningers Zeichnungen und Karikaturen auf der Großen

Kunstausstellung in Berlin gezeigt.

139


Von 1906 bis 1908 lebt Lyonel Feininger in Paris. Hier begegnet

er Robert Delaunay (1885-1941), dessen Kunst ihn

sehr beeindruckt. Erste Gemälde entstehen, die Feininger

1910 erstmals auf der 20. Ausstellung der „Berliner Secession“

sowie im „Salon des Artistes Indépendants“ präsentiert.

Hier begegnet er auch der kubistischen Malerei von

Pablo Picasso (1881-1973) und Georges Braque (1882-1963).

1912 kommt der Künstler in Kontakt zu den „Brücke“-

Künstlern. 1913 entstehen Gemälde mit Motiven der

thüringischen Dörfer um Weimar, so auch das erste

Gemälde von Gelmeroda, dessen Kirche auf zahlreichen

seiner Gemälde zu sehen ist.

1917 veranstaltet Herwarth Walden (1878-1941) in seiner

Galerie „Der Sturm“ die erste Einzelausstellung mit

Feiningers Gemälden. Walter Gropius (1883-1969) beruft

Feininger als Meister für die grafische Werkstätte ans

Bauhaus. 1919 entwirft er für das „Bauhaus-Manifest“ den

Titelholzschnitt „Kathedrale des Sozialismus“. 1921-1924

entstehen unter seiner Leitung die ersten Bauhaus-Mappen

mit „Neuer europäischer Grafik“. Nach dem Umzug

des Bauhauses lebt Feininger 1926-1933 in Dessau, er ist

zwar noch Meister, hat aber keine Lehrverpflichtung.

1926 bilden er, Paul Klee (1879-1940), Wassily Kandinsky

(1866-1944) und Alexej von Jawlensky (1864-1941) die

Ausstellungsgemeinschaft „Blaue Vier“. 1929-1931 arbeitet

er an den Halle-Bildern. 1937 kehrt Lyonel Feininger in

sein Geburtsland zurück. Im selben Jahr werden in der

Ausstellung „Entartete Kunst“ 378 seiner Werke gezeigt.

In den USA wird Feininger 1947 zum Präsidenten der

„Federation of American Painters and Sculptors“ gewählt

und stirbt 1956 in New York.

Lyonel Feiningers Lebenswerk umfasst ca. 1.500 Karika turen

und Illustrationen, zudem 539 Gemälde, 320 Holzschnitte,

65 Radierungen, 20 Lithographien und mehrere

hundert Aquarelle und Zeichnungen.

GEORGE GROSZ

EIGENTL. GEORG EHRENFRIED GROSS

Nach dem Besuch der Oberrealschule in Stolp in Pommern

von 1902–07 studiert George Grosz 1909-11 an der Kunstakademie

in Dresden bei Richard Müller (1874-1954). 1912

kehrt er nach Berlin zurück, wo er sein Kunststudium bei

Emil Orlik (1870-1932) an der Kunstgewerbeschule fortsetzt.

Im darauffolgenden Jahr geht er nach Paris, wo er

die Académie Colarossi besucht. 1914 meldet sich der

Künstler freiwillig zum Kriegsdienst, wird jedoch bereits

im Mai 1915 entlassen und lernt die Brüder Herzfeld kennen.

Wie Helmut Herzfeld (John Heartfield, 1891-1968)

anglisiert er 1916 seinen Namen aus Protest gegen die politische

Hetze gegen Großbritannien. Im Januar 1917 wird

Grosz erneut als Soldat eingezogen und vier Monate später

endgültig ausgemustert. 1917 gründet George Grosz mit

John Heartfield und Wieland Herzfelde (1896-1988) in

Berlin den Malik-Verlag, im selben Jahr erscheint dort die

„Kleine Grosz-Mappe“. 1918 gehört Grosz zu den Mitbegründern

von „Dada Berlin“, ebenso gehört er 1924 der

„Roten Gruppe“ sowie 1928 dem „ARBKD“ an. Bereits

1918 tritt Grosz der KPD bei und reist 1922 für ein halbes

Jahr nach St. Petersburg und Moskau, wo er von Lenin

empfangen wird. Seit 1916 widmet sich Grosz in seinen

Werken dem Thema der Großstadt, deren bürgerliche

Gesellschaft er mit überdeutlichem und anklagendem

Verismus schildert. Die gewöhnlichen Verbrechen des

Alltags erschienen ihm als Fortsetzung der Kriegsgräuel.

1919 gibt er mehrere satirische Zeitschriften heraus, darunter

„Die Pleite“, „Jedermann sein eigener Fußball“ oder

„Der blutige Ernst“. Mit John Heartfield entwickelt er die

Collage und die Fotomontage und setzt sie für die offene

politische Agitation ein. 1921 erscheint im Malik-Verlag

„Das Gesicht der herrschenden Klasse“, eine Sammlung

von Zeichnungen, mit denen er das in seinen Augen

„Spießertum“ der Deutschen und den Militarismus der

Weimarer Republik angreift. 1923 entsteht das Sammelwerk

„Ecce Homo“ mit 84 Lithographien und 16 Aquarel-

140


len, 1925 „Der Spießer-Spiegel“. Er wird wegen seiner politischen

Kunstaussagen insgesamt dreimal zu Geldstrafen

ver urteilt. 1932-1936 hat Grosz einen Lehrauftrag an der

„Art Students League“ in New York, 1933 übersiedelt er in

die USA. 1933-1937 betreibt er gemeinsam mit Maurice

Sterne (1878-1957) die eigene Kunstschule „Sterne-Grosz-

School“. 1938 wird er von den Nazis ausgebürgert und

nimmt die amerikanische Staatsbürgerschaft an. 1940-

1944 sowie 1950-1955 lehrt er erneut an der Art Students

League, 1941-1942 an der Kunstschule der Columbia

Uni versity. 1959 kehrt Grosz nach Deutschland zurück,

wo er noch im selben Jahr verstirbt.

ERICH HECKEL

1904 beginnt Erich Heckel ein Architekturstudium an der

Technischen Hochschule in Dresden, doch gibt er dieses

schon ein Jahr später wieder auf. Als sich Heckel 1905 mit

seinen Künstlerfreunden Karl Schmidt-Rottluff (1884-

1976), Fritz Bleyl (1880-1966) und Ernst Ludwig Kirchner

(1880-1938) zur Künstlergruppe „Die Brücke“ zusammenschließt,

wird der Weg zum Expressionismus geebnet. Der

Künstler widmet sich nun verschiedenen Drucktechniken

wie dem Holzschnitt, der Lithographie und der Radierung.

Landschaften von strahlender Farbigkeit entstehen.

Im Herbst des Jahres 1911 übersiedelt Heckel nach Berlin.

Er kennt inzwischen Max Pechstein (1881-1955), Emil

Nolde (1867-1956) und Otto Mueller (1874-1930), die sich

den „Brücke“-Künstlern angeschlossen hatten, nun begegnet

er Franz Marc (1880-1916), August Macke (1887-1914)

und Lyonel Feininger (1871-1956). 1912 malt Heckel mit

Kirchner zusammen die Kapelle der Sonderbund-Ausstellung

in Köln aus. Ein Jahr später wird die „Brücke“ aufgelöst,

eine erste Sonderausstellung der Werke Heckels

findet bei Fritz Gurlitt in Berlin statt. Von 1915-1918 begibt

sich Heckel als Pfleger beim Roten Kreuz nach Flandern,

dann geht er zurück nach Berlin, das bis Anfang 1944 sein

Hauptwohnsitz bleibt. Die Sommer allerdings verbringt

Heckel vorwiegend an der Flensburger Förde. Zahlreiche

Reisen führen Heckel u. a. auch in die Alpen, nach Südfrankreich,

Nordspanien und Norditalien. 1937 werden

729 Arbeiten des Künstlers in deutschen Museen beschlagnahmt,

im Jahr vor Kriegsende zerstören Fliegerbomben

das Atelier in Berlin. Alle Druckstöcke und zahlreiche andere

Arbeiten werden dabei vernichtet. Heckel zieht daraufhin

nach Hemmenhofen an den Bodensee. 1949 erhält

er einen Lehrauftrag an der Akademie der Bildenden

Künste in Karlsruhe, den er bis zum Jahr 1955 innehat. In

diesem Jahrzehnt gewinnt das Stilleben in Heckels Schaffen

an Bedeutung. Die Darstellungen sind nun in ruhigerer,

ausgewogener Malweise ausgeführt und vermitteln

eine fast lyrische Stimmung. 1953 finden anlässlich des

siebzigsten Geburtstages von Erich Heckel Einzelausstellungen

in zahlreichen Städten Deutschlands statt, in

gleicher Weise ehrt man den Künstler zum achtzigsten

Geburtstag. Heckel erhält überdies noch weitere Ehrungen

und Preise: den Kunstpreis der Stadt Berlin (1957), des

Landes Nordrhein-Westfalen (1961) und das Große Bundesverdienstkreuz

(1956).

KARL HUBBUCH

Karl Hubbuch besucht in Karlsruhe von 1908-1912 die

Staatliche Akademie der Bildenden Künste. Es folgt ein

Wechsel an die Schule des Museums der angewandten

Künste in Berlin und wird Schüler bei Emil Orlik (1870-

1932). Die Teilnahme als Soldat im 1. Weltkrieg unterbricht

seine Ausbildung, die er dann ab 1920 an der

Landeskunstschule in Karlsruhe als Meisterschüler in

der Radierklasse von Walter Conz (1872-1947) fortsetzt.

Hubbuch kommt mit den Werken von Georg Scholz (1890-

1945) und George Grosz (1893-1959) in Berührung. 1922

geht er nach Berlin. Hier wendet er sich, angeregt von

Orlik und Grosz, der Schilderung des großstädtischen

Lebens zu, wobei seine Arbeiten nun auch eindeutige

sozialkritische und politische Standpunkte verraten. Von

der Landeskunstschule Karlsruhe erhält er 1925 das Angebot,

eine Lehrtätigkeit zu übernehmen und wird 1928 zum

141


Professor ernannt. Nun kann er sich auch der Ölmalerei

widmen, es entstehen betont sachlich aufgefasste, alltägliche

Szenen. Während der 1920er und frühen 1930er Jahre

sind seine Arbeiten in zahlreichen Ausstellungen, unter

ihnen 1925 „Neue Sachlichkeit“ in Mannheim, zu sehen.

Schon gegen Ende der zwanziger Jahre ändert sich Hubbuchs

Stil wieder, was sich in den Tafel- und Leinwandbildern

in einer Auflockerung, einer pastoseren Malweise

und einheitlicheren Körper- und Raumauffassung äußert.

1933 wird er von den Nationalsozialisten aus dem Lehramt

in Karlsruhe entlassen und muss sich mit Gelegenheitsarbeiten

durchschlagen. 1947 kann er sein Lehramt wieder

aufnehmen, wechselt an die Akademie in Karlsruhe und

wird dort Professor. Ab 1957 arbeitet er wieder freischaffend.

Hubbuch setzt sich in den 1950er Jahren intensiv mit

dem Werk Max Beckmanns (1884-1950) auseinander und

entwickelt eine expressive Formensprache. Parallel dazu

wendet er sich verstärkt dem Holzschnitt zu. In seiner

letzten Stilphase ab den späten fünfziger Jahren knüpft

Hubbuch wieder an die 1930er Jahre an. Außerdem arbeitet

er an Wiederholungen und Überarbeitungen früherer

Arbeiten.

ALEXANDER KANOLDT

Als Sohn des spätklassizistischen Landschaftsmalers

Edmund Friedrich Kanoldt (1845-1904) wird Alexander

Kanoldt am 29. September 1881 in Karlsruhe geboren. Der

Künstler beginnt im Alter von achtzehn Jahren zunächst

eine Lehre als Dekorationsmaler an der dortigen Kunstgewerbeschule.

Er wechselt jedoch 1901 an die Akademie

der bildenden Künste. Kanoldt eignet sich bei Ernst

Schurth (1848-1910) erste zeichnerische Grundlagen an

und befreundet sich mit dem Kommilitonen Adolf Erbslöh

(1881-1947). Die Technik der Neoimpressionisten studiert

der Künstler in dieser Zeit intensiv. Sie regt ihn zu drucktechnisch

aufwendigen Farblithographien an. In der Malklasse

von Friedrich Fehr (1862-1927) setzt Kanoldt 1904

sein Studium fort und wird 1906-1909 dessen Meisterschüler.

Der Maler siedelt 1908 nach München über, wo er

ein Jahr später u.a. mit Alexej von Jawlensky (1864-1941),

Wassily Kandinsky (1866-1944) und Gabriele Münter

(1877-1962) die „Neue Künstlervereinigung München“

gründet, einem Vorläufer des „Blauer Reiter“. Alexander

Kanoldt beteiligt sich an deren erster Ausstellung 1909 in

der Münchner modernen Galerie von Heinrich Thannhauser.

Neben Karl Caspar (1879-1956), Jawlensky und

Paul Klee (1879-1940) ist der Künstler 1913 Mitglied der

„Münchener Neue Secession“. Durch den Kriegsausbruch

wird Kanoldts künstlerische Laufbahn unterbrochen. Als

Offizier leistet er in den Jahren 1914-18 Kriegsdienst. 1924

entstehen während eines längeren Italien-Aufenthaltes

multiperspektivische Architekturlandschaften und kühle

Raumdarstellungen. Diese Werke stellen einen Neubeginn

in Kanoldts Schaffen dar und lassen ihn 1925 an der Ausstellung

„Neue Sachlichkeit“ in der Kunsthalle Mannheim

teilnehmen. Dort ist er neben Max Beckmann (1884-1950)

mit dem größten Werkkonvolut vertreten. Im selben Jahr

wird Alexander Kanoldt von Oscar Moll (1875-1947) an

die Breslauer Kunstakademie berufen, die er jedoch 1931

wieder verlässt. Der Künstler ist zusammen mit Karl Hofer

(1878-1955) Mitbegründer der „Badische Secession“ in

Freiburg und eröffnet 1931 in Garmisch-Partenkirchen

eine private Malschule. Mitglied der Münchner Künstlergruppe

„Die Sieben“ wird Kanoldt 1932 und nimmt regelmäßig

an deren Ausstellungen teil. Der Künstler malt in

dieser Zeit vorwiegend Stilleben und italienische Landschaften,

die sich in ihrer nüchternen Darstellungsweise

an der „Neue Sachlichkeit“ orientieren. Kanoldts Werke

gelten unter dem NS-Regime als „entartet“, obwohl er

noch 1933 als Professor an die Kunstakademie in Berlin

berufen wird. Sie werden 1937 beschlagnahmt. Die Professur

in Berlin muss Kanoldt bereits ein Jahr zuvor aus gesundheitlichen

Gründen aufgeben. Der Künstler erliegt

am 24. Januar 1939 einem Herzleiden.

142


ERNST LUDWIG KIRCHNER

Ernst Ludwig Kirchner wird am 6.5.1880 in Aschaffenburg

geboren. 1886 zieht die Familie um nach Frankfurt

am Main, 1887 nach Perlen bei Luzern, schließlich 1890

nach Chemnitz. Hier besucht Kirchner das Realgymnasium.

1901-1905 studiert er an der Technischen Hochschule

in Dresden Architektur. Während dieses Studiums belegt

Kirchner 1903 in München ein Semester an der

Kunstakademie in München.

1904 unternimmt er mit dem Kommilitonen und Freund

Fritz Bleyl (1880-1966) erste Ausflüge ins Umland von

Dresden zu den Moritzburger Seen. Im selben Jahr lernen

sie Erich Heckel (1883-1970) kennen, 1905 folgt die Begegnung

mit Karl Schmidt-Rottluff (1884-1976). Im Jahr 1905,

nach dem Abschluss des Architekturstudiums, gründet

Ernst Ludwig Kirchner mit Fritz Bleyl, Erich Heckel und

Karl Schmidt-Rottluff die Künstlergemeinschaft „Brücke“.

Im November 1905 findet die erste Ausstellung der

„Brücke“-Künstler in der Kunsthandlung P.H. Beyer und

Sohn in Leipzig statt.

1910 tritt Kirchner der „Neue Secession“ in Berlin bei, 1911

folgt er Heckel und Max Pechstein (1881-1955) nach Berlin,

wo er bis 1917 mit Unterbrechungen wohnt. 1912 findet ein

reger künstlerischer Austausch zwischen der „Brücke“

und dem „Blauen Reiter“ in München statt, sie stellen gemeinsam

in der Münchner Galerie Hans Goltz aus. 1913

verfasst Ernst Ludwig Kirchner die „Chronik der KG

Brücke“, aufgrund von Meinungsverschiedenheiten löst

sich die Gruppe im Mai des Jahres auf. Im Folkwang-

Museum in Hagen findet die erste Einzelausstellung

Kirchners statt, weitere folgen.

Kirchner hält sich immer wieder auf der Insel Fehmarn

auf, wo er arbeitet und auch Besuch von anderen Künstlern

bekommt. Ab 1912 nehmen die Stadtansichten von

Berlin breiten Raum in seinem Werk ein. 1915 meldet sich

Kirchner freiwillig zum Kriegsdienst. Er erleidet einen

körperlichen und psychischen Zusammenbruch und

kommt erstmals ins Sanatorium nach Königstein im Taunus.

Das Jahr 1916 verbringt Kirchner in Sanatorien, doch

sein Gesundheitszustand bessert sich nicht. In dieser Zeit

arbeitet er an Landschaftsbildern und Porträts.

Anfang 1917 ist Ernst Ludwig Kirchner erstmals in Davos.

Er reist überstürzt zurück nach Berlin, kehrt dann aber

wieder und bezieht im Sommer mit einer Pflegeschwester

die Rüesch-Hütte auf der Stafelalp bei Zermatt. Im September

1917 ist er im Sanatorium in Kreuzlingen, er leidet

an Lähmungen und Bewusstseinsstörungen. Trotzdem

arbeitet er in dieser Zeit an Druckgraphiken und Zeichnungen.

Ab September 1918 bewohnt Kirchner in Davos-

Frauenkirch ein Haus, das er skulptural auszustatten beginnt.

Er malt eine Reihe von Bildern mit Alpenansichten,

fertigt aber auch Möbel und Holzskulpturen. 1920 verfasst

Kirchner den ersten Artikel über sein eigenes Werk, den er

unter dem Pseudonym Louis de Marsalle veröffentlicht.

Trotz der Abgeschiedenheit hält Kirchner regen Kontakt

zur Kunstszene in Deutschland. 1923 zieht Ernst Ludwig

Kirchner um in das Wildboden-Haus in Davos-Frauenkirch.

Mit Veränderung der politischen Lage und den Konsequenzen

daraus für das kulturelle Leben in Deutschland,

empfindet Kirchner seine Situation in der Schweiz als

zunehmend unsicher, befürchtet sogar einen Einmarsch

der Deutschen auch in die Schweiz. Am 15.6.1938 begeht

Ernst Ludwig Kirchner in Davos Selbstmord.

PAUL KLEE

Der deutsch-schweizer Künstler Paul Klee wird am

18.12.1879 in Münchenbuchsee bei Bern geboren. 1898

geht er nach München, um an der Akademie Malerei zu

studieren. Paul Klee wird zunächst abgelehnt und nimmt

daraufhin Zeichenunterricht in einer privaten Zeichen-

143


schule. 1900 wird er schließlich an der Akademie in die

Klasse von Franz von Stuck (1863-1928) aufgenommen.

Bereits 1901 verlässt Klee die Akademie wieder. 1901/02

reist er durch Italien, im Mai 1902 kehrt er nach Bern zurück.

Er beschäftigt sich mit den grafischen Techniken,

vor allem der Radierung. 1905 reist er nach Paris. 1906 ist

Klee wieder in München, wo er nun neben seiner bildkünstlerischen

Tätigkeit auch als Geiger und Musikkritiker

arbeitet.

Erst durch verschiedene Galeriebesuche, bei denen Klee

die Werke Vincent van Goghs (1853-1890) und Paul

Cézannes (1839-1906) kennenlernt, beschäftigt er sich

wieder intensiver mit der Malerei. Seine ersten Ausstellungen

im Kunstmuseum Bern und im Kunsthaus Zürich

enthalten fast ausschließlich grafische Arbeiten.

1911 lernt Paul Klee in München Wassily Kandinsky

(1866-1944), Gabriele Münter (1877-1962), Franz Marc

(1880-1916), August Macke (1887-1914) und Marianne von

Werefkin (1860-1938) kennen. In der ersten Ausstellung

des „Blauer Reiter“ in der Galerie Thannhauser sind auch

Gemälde von Robert Delaunay (1885-1941) zu sehen, mit

dem sich Paul Klee in der Folgezeit intensiv auseinandersetzt.

In der zweiten Ausstellung des „Blauer Reiter“ stellt

Klee ebenfalls grafische Blätter aus. 1912 nimmt er an der

„Sonderbund“-Ausstellung in Köln teil.

1914 unternimmt Paul Klee mit August Macke und Louis

Moilliet (1880-1962) eine Reise nach Tunis, er malt eine

Vielzahl von Aquarellen und entdeckt die Farbe für sich.

1916 wird Klee als Landsturmsoldat eingezogen, die Tätigkeit

in der Zahlmeisterei lässt ihm Zeit für seine Beschäftigung

mit der Malerei. 1920 schließlich wird Paul Klee an

die neu gegründete Bauhaus-Schule in Weimar berufen.

Hier wirkt er vor allem durch seine Theorie der „Bildnerischen

Formlehre“. Ab 1931 lehrt Paul Klee an der Düsseldorfer

Akademie. 1933 wird er von den nationalsozialistischen

Machthabern fristlos entlassen. Er kehrt nach

Bern zurück. 1935 zeigt die Kunsthalle Bern eine große

Retrospektive. Im selben Jahr erkrankt Klee schwer. In

den folgenden drei Jahren entstehen nur wenige Werke. Ab

1937 fühlt er sich wieder stark genug und es entsteht ein

bedeutendes und großes Spätwerk.

Paul Klee stirbt am 29.6.1940 in Muralto bei Locarno im

schweizerischen Tessin.

Von 1897-1918 führt der Künstler ein künstlerisches

Ideenskizzenbuch. Sein „Pädagogisches Skizzenbuch“ veröffentlicht

er in der Reihe der Bauhaus-Bücher.

OTTO LANGE, GEN. „OTTOLANGE“

Nach einer Lehre als Dekorationsmaler wird Otto Lange

Schüler der Kunstgewerbeschule in Dresden und studiert

danach an der Kunstakademie bei Otto Gussmann (1869-

1926). Von 1915-1919 ist er Lehrer an der Kunstgewerbeschule

in Bromberg. Seit 1919 ist er in Dresden ansässig

und gehört zur „Dresdner Sezession Gruppe 1919“, seit

1921 ist er Mitglied des Akademischen Rates Sachsens.

1925 wird er als Professor an die Staatliche Kunstschule

für Textilindustrie Plauen berufen. 1926 malt er die

Luther-Kirche in Ellefeld/Vogtland aus. Nach seiner

Amtsenthebung durch die Nationalsozialisten 1933 arbeitet

er als freischaffender Künstler in Dresden. 1938 werden

zwei seiner Bilder auf der Berliner Ausstellung „Entartete

Kunst“ gezeigt. Mit dem anbrechenden Krieg und dem

Stigma des entarteten Künstlers gelingt Lange der große

künstlerische Durchbruch nicht mehr, obwohl seine

Arbeiten bereits in den 1920er Jahren geschätzt sind. Sein

malerisches und grafisches Werk ist dem Expressionismus

zuzuordnen. Er unternimmt zahlreiche Reisen in die südlichen

Länder Europas.

144


WILHELM LEHMBRUCK

Wilhelm Lehmbruck besucht von 1895-1899 die Kunstgewerbeschule

in Düsseldorf, von 1901-1906 die dortige

Akademie als Meisterschüler von Karl Janssen (1855-

1927). 1905 folgt die 1. Italienreise und bereits 1907 erringt

der Bildhauer und Graphiker durch eine Ausstellung im

Grand Palais in Paris internationale Aufmerksamkeit.

Lehmbruck lebt von 1910-1914 in Paris, wo er Alexander

Archipenko (1887-1964), Auguste Rodin (1840-1917), den

Architekten Ludwig Mies van der Rohe (1886-1969) und

den Kunstkritiker Julius Meier-Graefe kennen lernt. Unterbrochen

wird das Leben in Paris 1912 von der 2. Reise

nach Italien. Auch stellt er sich dem Sammler Karl Ernst

Osthaus vor, der ihm 1912 die Ausstellung einiger Werke

in seinem Folkwang Museum ermöglicht. Ferner werden

auch 1912 seine Werke in Ausstellungen in Berlin, Köln,

München, Düsseldorf und 1913 in der Armory Show in

New York gezeigt. Noch 1914 kommt es in der Galerie Paul

Levesque in Paris zur ersten großen Ausstellung, die ausschließlich

seinen Werken gewidmet ist. Kurz vor Ausbruch

des 1. Weltkrieges kehrt Lehmbruck nach Deutschland

zurück, doch müssen einige seiner Werke in Paris

zurückbleiben, die im Verlauf des Krieges verloren gehen.

Bis er eine Wohnung und Atelier in Berlin findet, die nicht

weit entfernt von der Bronzegießerei Noack liegt, lebt er

vorübergehend in Köln. 1914-1917 weilt er in Berlin und

vertieft seine Beziehung zu dem Galeristen Paul Cassirer,

der seit 1913 Verwalter von seinem grafischen Werk ist.

Lehmbruck ist vom 15. Januar bis 15. April 1916 Kriegsmaler,

wird jedoch wegen einer Schwerhörigkeit vom Kriegsdienst

freigestellt. Noch 1916 hat er in der Kunsthalle

Mannheim seine erste große Einzelausstellung in Deutschland.

Seit Ende 1916 lebt und arbeitet der Künstler in

Zürich. Hier lernt er zahlreiche pazifistisch gesinnte

Künstler und Literaten wie Ludwig Rubiner, Else Lasker-

Schüler, Leonard Frank, Ivan Goll und Claire Studer kennen,

von denen er viele porträtiert. Seit 1917 verbindet ihn

eine enge Freundschaft mit dem Schriftsteller Fritz von

Unruh. Durch Albert Ehrenstein lernt er die Schauspielerin

Elisabeth Bergner kennen, die Lehmbruck mehrfach

portraitiert und in die er sich unglücklich verliebt. Lehmbruck

stellt noch in Basel und Zürich aus und es entstehen

in dieser Zeit zahlreiche Zeichnungen und Druckgraphiken.

Während der gesamten Kriegsjahre schafft er Werke,

die zu den Höhepunkten seines Schaffens zählen. Anfang

1919 ist er wegen eines Porträtauftrages wieder in Berlin.

In dieser Zeit unterschreibt er den Aufruf „An das Deutsche

Volk und die Kulturwelt!“ von Rudolf Steiner und

wird zum Mitglied der Preußischen Akademie der Künste

ernannt. Der Künstler leidet schon längere Zeit an Depressionen

und hat sich das Leben genommen. Er wird am

25. März 1919 tot in seiner Wohnung aufgefunden.

JEANNE MAMMEN

Jeanne Mammen zählt sicher zu den schillerndsten Künstlerpersönlichkeiten

unserer Zeit. Als Tochter eines wohlhabenden

Kaufmannes wächst sie frei von finanziellen

Sorgen ab etwa 1895 in Paris auf. Wohl gefördert von

ihrem Elternhaus beginnt sie hier 1906 das Studium an der

Académie Julien. Zur Weiterbildung geht sie 1908 nach

Brüssel an die Académie Royale des Beaux-Arts und 1911

an die Scuola Libera Villa Medici in Rom. Nach Paris 1911

zurückgekehrt veranstaltet sie schon im darauffolgenden

Jahr eine erste Ausstellung ihrer Werke in ihrem Atelier.

Darüber hinaus nimmt sie an den Ausstellungen der

„Indépendants“ in Paris teil. Bei Ausbruch des 1. Weltkrieges

muss sie mit der wegen Beschlagnahmung aller

Besitztümer durch die Franzosen mittellos gewordene

Familie das Land verlassen, kommt erst nach Holland,

1915 nach Berlin. Hier sucht sie mit steigendem Erfolg

durch Illustrationen, Modezeichnungen oder etwa Kinoplakaten

für die Ufa, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten.

Schließlich wird sie Mitarbeiterin der Zeitschrift „Simplicissimus“

und anderer satirischer Blätter wie die „Lustige

Blätter“, „Uhu“ und „Ulk“. Diese gesellschaftskritischen

und satirischen Zeichnungen und Aquarelle, Milieustudi-

145


en, Szenen aus Bars und von Kleinkunstbühnen, Bordellen

und der Straße bescheren ihr in der zweiten Hälfte der

20er Jahre wachsendes Ansehen und ein ausreichendes

Einkommen. Schon zu Beginn ihres Schaffens ist die

Fokussierung auf Frauendarstellungen festzustellen, ebenso

wie die Beziehungen zwischen Mann und Frau, aber

auch die zwischen Frau und Frau. Eine Ausstellung im

Oktober/November 1930 in der Galerie Fritz Gurlitt folgt.

Ein Jahr zuvor hat sie eine Reise in die Sowjetunion unternommen.

1933 wird ihre Karriere durch die Nationalsozialisten

abrupt unterbrochen. Ihre Reaktion darauf ist die

totale Abkehr von der bisherigen Malweise. Zugleich beginnt

sie als Plastikerin zu arbeiten. Die Zeit nach 1933

bringt bald den Verlust ihrer Verdienstmöglichkeiten

durch Verbot oder „Gleichschaltung“ der Zeitschriften;

für die „Angepassten“ hätte sie ohnehin nicht arbeiten

wollen. So sucht sie sich etwa mit Bücherverkauf – umherziehend

mit einem Karren – über Wasser zu halten. Nach

dem Krieg entstehen aus Mangel an Farben Materialbilder

aus Draht und Kordel. Ab 1949 entwirft sie für das existentialistische

Kabarett „Die Badewanne“ Kostüme und

Bühnenbilder. Erste Ausstellungsbeteiligungen finden

schon 1945 statt. Reisen, die sie sich endlich leisten kann,

folgen. Künstlerisch ist bald die allmähliche Annäherung

an die Abstraktion zu beobachten.

FRANZ MARC

Franz Marc wird am 8. Februar 1880 in München geboren.

Sein Vater, der Maler und Professor Wilhelm Marc (1839-

1907), bringt dem Sohn die handwerklichen Grundlagen

bei, doch steht eine Laufbahn als Künstler zunächst nicht

zur Debatte. Vielmehr will Franz Marc Theologie studieren

und einen geistlichen Beruf ergreifen. Obwohl er

diesen Wunsch schließlich wieder verwirft und nach seinem

Militärdienst ein Studium der Malerei an der Akademie

der Bildenden Künste in München beginnt, wohnt

seinem Schaffen immer eine religiöse Dimension inne.

Nicht die äußere Gestalt, die er mit viel Symbolkraft vor

allem in der Farbigkeit verändert, sondern das innere

Wesen, die „Tierseele“, steht im Zentrum der Bilder von

Franz Marc, der während eines Studienaufenthalts in Paris

mit der Malerei des Impressionismus in Berührung

kommt. Sein bevorzugtes Motiv werden die Tiere, die er

auf Anregung seines Freundes, des Schweizer Tiermalers

Jean-Bloé Niestlé (1884-1942) nicht nach ihrer Natur, sondern

nach ihrem Wesen zu erfassen versucht.

Franz Marc experimentiert mit verschiedenen Mal-Stilen

und entdeckt vor allem die Farbgebung als sein persönliches

Ausdrucksmittel. Die Freundschaft mit Wassily

Kandinsky (1866-1944) und Gabriele Münter (1877-1962)

ist durch eine intensive Auseinandersetzung mit der Farbenlehre

geprägt. Gemeinsam mit Kandinsky begründet

Franz Marc die avantgardistische Künstlergemeinschaft

„Der Blaue Reiter“, dem sich später auch noch Paul Klee

(1879-1940) und August Macke (1887-1914) anschließen.

Das Blaue Pferd verkörpert für Marc die Sehnsucht nach

der Erlösung von dem irdischen Ballast, der sichtbaren

Welt, die für den Künstler nichts weiter als eine Täuschung

darstellt, die es zu überwinden gilt. An der Seite seines

lebenslangen Freundes Macke besucht Marc in Paris den

französischen Maler Robert Delaunay (1885-1941), dessen

Orphischer Kubismus beide Künstler sehr beeindruckt.

Mehr noch als Delaunay beeindruckt Franz Marc aber die

Kunst des Futurismus, die er nach seiner Rückkehr aus

Paris in einer Bonner Ausstellung bewundern kann. Es

wird für Marc immer deutlicher, dass er sein Streben nicht

in der Figuration erreichen kann, und seine Farben sprengen

ihre Formen ab.

Franz Marc entfernt sich auch unter dem Eindruck der

heraufziehenden Weltkriegswolken immer mehr vom

Tiermotiv und wendet sich der Abstraktion zu. Die Natur,

die ihn einst begeistert hat, empfindet er nun als hässlich

und das rein geistige Sein als einziges Ziel des wahren

Künstlers. Sein spätes Hauptwerk, die vierteilige Bilder-

146


folge „Spielende Formen, Heitere Formen, Zerbrochene

Formen und Kämpfende Formen“ illustriert diese Entwicklung

eindrucksvoll und hat die Kritik zu ganz unterschiedlichen

Interpretationen angeregt. Die düstere, resignierende

Grundstimmung, die Marcs Werk durchzieht,

kulminiert in apokalyptischen Darstellungen lebloser

Welten und bewegen den Künstler vielleicht auch zu seiner

verhängnisvollen freiwilligen Meldung zum Kriegsdienst.

Franz Marc fiel am 4. März 1916 in Braquis bei Verdun. Er

wurde nur 36 Jahre alt. Sein vielleicht berühmtestes Bild,

der „Turm der blauen Pferde“, war 1937 Teil der berüchtigten

Ausstellung „Entartete Kunst“. Es gilt heute als verschollen.

LUDWIG MEIDNER

Auf Wunsch der Eltern beginnt der junge Ludwig Meidner

zunächst eine Maurerlehre, bricht diese ab und wird 1903

in die Kunst- und Kunstgewerbeschule in Breslau aufgenommen.

Meidner verlässt die Schule nach zweieinhalb

Jahren und zieht nach Berlin. Bedeutsam für sein späteres

Werk ist der Unterricht im Radieren, den er bei dem

Künstler Hermann Struck (1876-1944) nimmt. In den

ersten Berliner Jahren entstehen nur wenige Gemälde –

„Industrielle Stadtlandschaften“, die formal und farblich

den Werken der französischen Fauves nahestehen. Meidner

interessiert sich nicht für den ästhetischen Reiz der

Bauwerke, sondern für die aggressive Verdrängung der

Natur durch die expandierende Großstadt, die er als bedrohlich

und unheimlich schildert. 1906 geht Ludwig

Meidner für ein knappes Jahr nach Paris, wo er Amedeo

Modigliani (1884-1920) kennenlernt. Die folgenden Jahre

in Berlin sind von existenzieller Finanznot, aber auch intensivem

Erleben der expressionistischen Bohème geprägt.

Die befreundeten Literaten werden zu bevorzugten

Modellen. 1912 ist ein wichtiges Jahr für den Künstler: er

malt die ersten seiner eindringlichen Selbstporträts und

„Apokalyptischen Landschaften“, gründet zusammen mit

Jacob Steinhardt (1887-1968) und Richard Janthur (1883-

1956) die Gruppe „Die Pathetiker“, die in Herwarth

Waldens (1878-1941) Sturm-Galerie ausstellt. Hier lernt

Meidner Robert Delaunay (1885-1941) kennen, dessen orphistische

Malweise ihn ebenso inspiriert wie die Kunst

der italienischen Futuristen. Von existenziellen Ängsten

getrieben, wendet er sich religiösen Bildthemen zu. Meidner

wird 1916 zum Kriegsdienst eingezogen und dient als

Dolmetscher und Zensor in einem Kriegsgefangenenlager.

Hier beginnt er zu schreiben. Nach dem Krieg schließt sich

Meidner 1918 der „Novembergruppe“ und dem revolutionären

„Arbeitsrat für Kunst“ an. Enttäuscht vom Scheitern

der Revolution, zieht sich der Künstler desillusioniert ins

Private zurück. Er wendet sich vom Expressionismus ab,

der als mittlerweile populäre Kunstrichtung zunehmend

kommerziell erfolgreich ist. In Meidners „Autobiographischer

Plauderei“ distanziert er sich von seinem Frühwerk,

verprellt Weggefährten und Freunde. Religiöse Themen,

Landschaften, Stilleben und weiterhin Porträts bestimmen

fortan sein Werk. 1933 als „entartet“ erklärt und als

Jude verfolgt, emigriert der Maler nach England und kehrt

erst 1953 nach Deutschland zurück. In einer letzten, sehr

produktiven Schaffensphase entwickelt er seinen in den

1920er Jahren gefundenen Stil eines malerischen Realismus

weiter.

ROLF NESCH

Nach einer Lehre als Dekorationsmaler in Hildesheim,

besucht Rolf Nesch von 1909-1912 die Stuttgarter Kunstgewerbeschule

und kommt 1912 als Malergeselle nach

Dresden, wo er bald an der Akademie aufgenommen wird.

Der 1. Weltkrieg unterbricht das Studium, das Nesch erst

1919 nach seiner Rückkehr aus englischer Kriegsgefangenschaft

fortsetzt. Zurück in Dresden, erhält Nesch ein

Meisteratelier. Drei Jahre später verbringt der Künstler

mehrere Wochen bei Ernst Ludwig Kirchner in Frauenkirch

bei Davos, um druckgrafische Techniken zu erler-

147


nen. Seit 1922 weilt Nesch jedes Jahr bei Freunden in

Hamburg, wo er unter anderem engen Kontakt zu Gustav

Schiefler (1857-1935) pflegt und sich 1929 niederlässt. Dort

wird Nesch Mitglied der „Freie Sezession“. In den 1930er-

Jahren erschafft der ehemalige Meisterschüler von Oskar

Kokoschka (1886-1980) zahlreiche druckgrafische Arbeiten,

die von einer starken Experimentierfreude geprägt

sind, wie die Folgen „Karl Muck und sein Orchester“,

„St. Pauli“ und die „Hamburger Brücken“ zeigen und gilt

seitdem als Erfinder des Metalldrucks. Kurz darauf zwingt

ihn die Machtergreifung der Nationalsozialisten zur Emigration

nach Norwegen, wo er sich zunehmend von seinen

künstlerischen Vorbildern löst und zu einer ganz eigenen

Formensprache findet. Nach der deutschen Kapitulation

lernt Nesch in Oslo seine spätere Frau Ranghild Hald kennen

und nimmt 1946/47 seine grafische Arbeit wieder auf.

Nach Ausstellungen in Oslo, Kopenhagen und 1949 in

New York, folgen zahlreiche Ausstellungen in Deutschland

und Europa. Die Hansestadt Hamburg verleiht ihm

1958 den „Lichtwarck-Preis“. Der Künstler arbeitet jetzt

wieder verstärkt an verschiedenen Materialbildern, die

parallel zu seinem grafischen Œuvre entstehen, wie z. B.

„Heringsfang“. Das Jahr 1961 verbringt Nesch größtenteils

in Venedig. Zahlreiche Skizzen für eine Graphikfolge der

Lagunenstadt entstehen, die Nesch 1962, im selben Jahr, in

dem er Ehrenmitglied der Hamburger Akademie der

Künste wird, auf der Biennale ausstellt. Zehn Jahre später

widmet die Nationalgalerie Oslo Rolf Nesch anlässlich

seines 80. Geburtstags eine umfangreiche Retrospektive.

EMIL NOLDE, EIGENTL. EMIL HANSEN

Der deutsche Maler und Graphiker Emil Nolde wird am

7.8.1867 in der Ortschaft Nolde geboren. Seinen ursprünglichen

Namen ändert er ab 1901 um und nennt sich nach

seinem Geburtsort. Bereits früh zeigt sich das künstlerische

Talent des zarten Landjungen. 1884 wird er in Flensburg

Lehrling in einer Möbelwerkstatt, später besucht er

dort bis 1888 die Sauermannsche Schnitzschule. 1889/90

studiert Emil Nolde an der Kunstgewerbeschule in Karlsruhe.

Er fertigt Mustervorlagen für Möbelfabrikanten in

München und Karlsruhe.

1890/91 ist Nolde in Berlin. 1892 erhält er eine Anstellung

als Zeichenlehrer an der Schule des Industrie- und Gewerbemuseums

in St. Gallen. Hier entstehen karikaturistische

Zeichnungen der Schweizer Berge als Riesen und Naturgestalten,

die als Postkartenmotive so erfolgreich veröffentlicht

werden, dass sie Nolde für Jahre eine unverhoffte

finanzielle Unabhängigkeit bescheren.

1898 beginnt er daraufhin in München ein Malereistudium

an der Malschule von Friedrich Fehr (1862-1927),

1899 besucht er die Hölzel-Schule (nach Adolf Hölzel,

1853-1934) in Dachau. 1899/1900 ist Emil Nolde in Paris,

wo er die Académie Julian besucht. Ab 1901 hat Nolde ein

eigenes Atelier in Berlin. Er erkrankt an Tuberkulose, verbringt

die Jahre bis 1913 in den Sommermonaten immer

wieder auf dem elterlichen Hof in Nordschleswig, in Jütland,

auf der Insel Alsen. 1904/05 reist er nach Italien.

1906 wird Emil Nolde Mitglied der „Berliner Secession“.

Ebenfalls 1906 findet in der Galerie Arnold in Dresden

eine Ausstellung mit Werken von ihm statt, durch die die

Brücke-Künstler auf ihn aufmerksam werden und den

Kontakt zu ihm suchen. Nolde schließt sich der Künstlergemeinschaft

„Brücke“ an, ist jedoch zu sehr Einzelgänger

und trennt sich 1907 wieder von ihr.

1911 ist Nolde Mitglied der „Neue Berliner Secession“.

1913/14 unternimmt Nolde mit seiner Frau Ada eine Südseereise,

während der auf dem gesamten Reiseweg eindrückliche

Skizzen und Aquarelle der Menschen entstehen.

1916 zieht der Künstler nach Utenwarf. 1926

über siedelt Emil Nolde mit seiner Frau nach Seebüll, wo

er sich ein Atelierhaus baut. Von dem Umschwenken der

Kulturpolitik bleibt auch Nolde nicht verschont und wird

148


1933 als entarteter Künstler verfemt. Er wird aus der

Preußischen Akademie der Künste ausgeschlossen, wo er

seit 1930 Mitglied ist. 1.052 seiner Werke werden aus

deutschen Museen entfernt, zudem erhält er 1941 Malverbot.

In den folgenden Jahren bis zu seinem Tod arbeitet Emil

Nolde an vorwiegend kleinformatigen Aquarellen, die er

die „Ungemalten Bilder“ nennt. Über 1.300 Blätter entstehen,

Landschaften, Figurenbilder, Blumenstilleben in

intensiven leuchtenden Farben. Nolde ist ein begnadeter

Kolorist und stirbt am 13.04.1956 in Seebüll. Das Atelierund

Wohnhaus wird 1956 als „Stiftung Ada und Emil

Nolde“ zu einem Museum umgestaltet.

GEORG SCHOLZ

Georg Scholz ist seit seinem 6. Lebensjahr Halbwaise und

wird als Achtjähriger von dem Physiker J. Elsner und

seiner Frau als Pflegesohn aufgenommen. Er beginnt ein

Studium an der Gewerbeschule in Braunschweig und

wechselt danach an die Karlsruher Akademie, wo er von

1908-1914 u. a. bei Ludwig Dill (1848-1940), Hans Thoma

(1839-1924) und als Meisterschüler bei Wilhelm Trübner

(1871-1917) studiert. Ein Semester verbringt er bei Lovis

Corinth (1858-1925) in Berlin.

Während des 1. Weltkriegs ist er 1915-1918 an der Ostund

an der Westfront eingesetzt. Unter dem Eindruck der

Kriegserlebnisse engagiert er sich danach in der KPD und

wird Mitglied der „Novembergruppe“. 1919 folgt die

Gründung der revolutionären Karlsruher Künstlergruppe

„Rih“ gemeinsam mit ehemaligen Kommilitonen darunter

Rudolf Schlichter (1890-1955) und Wladimir von

Zabotin (1884-1967), auch arbeitet er bei der kritischen

Zeitschrift „Der Gegner“ mit. Es folgt nun die Auseinandersetzung

mit der internationalen Avantgarde und er

nähert sich expressiven – u. a. in der Graphik – futuristischen

Tendenzen an. Auf der „Erste Internationale Dadamesse“

1920 in Berlin ist er mit einem Gemälde vertreten

und hält auch Kontakt zu Otto Dix (1891-1869) und George

Grosz (1893-1959). Mitte der 20er Jahre entstehen seine

Hauptwerke im Stil der Neuen Sachlichkeit in den Gattungen

wie Landschaft, Porträt und Stilleben. Auf der Ausstellung

„Neue Sachlichkeit“ 1925 in Mannheim ist er

prominent vertreten. Noch in diesem Jahre wird er zum

Professor an die Karlsruher Akademie berufen und es

entsteht kurz darauf sein bedeutsamstes Werk, das „Selbstbildnis

vor der Litfaßsäule“. 1927 ist er Gründungsmitglied

der „Badische Sezession“, Ende der 20er Jahre Mitglied des

Instituts für Handwerkswirtschaft in Karlsruhe und bis

1933 intensive Auseinandersetzung mit dem Thema Kunst

– Handwerk – Industrie. Seine künstlerischen Motive

kreisen in dieser Zeit angelehnt an Pablo Picassos (1881-

1973) Klassische Periode und André Derain (1880-1954)

um die Aktdarstellung, um die Frage der Figur im Raum.

1933 wird er aus dem Lehramt entlassen und zahlreiche

seiner Frühwerke als „entartet“ eingestuft. 1935 zieht er

sich nach Waldkirch zurück und beschränkt sich fortan

fast ausschließlich auf Auftrags- und Ausstattungsarbeiten,

darunter auch seit seiner Konversion sakrale Motive.

Im Oktober 1945 wird er von den Alliierten als Bürgermeister

von Waldkirch eingesetzt und stirbt nur wenige

Wochen später an Herzversagen.

149


KÜNSTLERVERZEICHNIS

Abelen, Peter .......................................................................... 1

Archipenko, Alexander ........................................................ 2

Arnold, Christian................................................................... 3

Baumgarten, Georg ............................................................... 4

Beckmann, Max.............................................................. 5, 6, 7

Burchartz, Max ...................................................................... 8

Delaunay, Robert .................................................................. 9

Dix, Otto.................................................................... 10, 11, 12

Erbslöh, Adolf....................................................................... 13

Feininger, Lyonel Charles Adrian....................................... 14

Felixmüller, Conrad ...................................................... 15, 16

Gekle, Peter-Anton............................................................... 17

Grossberg, Carl .............................................................. 18, 19

Grosz, George................................................................. 20, 21

Heckel, Erich......................................................................... 22

Hofer, Karl............................................................................. 23

Holtz, Karl............................................................................. 24

Hubbuch, Karl .................................................... 25, 26, 27, 28

Lais, Otto............................................................................... 38

Lange, Otto............................................................................ 39

Lehmbruck, Wilhelm..................................................... 40, 41

Lenk, Franz ........................................................................... 42

Mammen, Jeanne ............................................... 43, 44, 45, 46

Marc, Franz .................................................................... 47, 48

Meidner, Ludwig ................................................................. 49

Muter, Mela ......................................................................... 50

Nesch, Rolf................................................................ 51, 52, 53

Nolde, Emil .......................................................................... 54

Oppenheimer, Max.............................................................. 55

Pechstein, Hermann Max .................................................. 56

Schad, Christian............................................................. 57, 58

Schlichter, Rudolf................................................................. 59

Scholz, Georg...................................................... 60, 61, 62, 63

Schrimpf, Georg................................................................... 64

Stoecklin, Niklaus................................................................. 65

Kanoldt, Alexander.................................................. 29, 30, 31

Kinzinger, Edmund Daniel..................................... 32, 33, 34

Kirchner, Ernst Ludwig........................................................ 35

Klee, Paul......................................................................... 36, 37

150



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Januar 2025



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