Kat 112_EXPRESSIONISMUS - NEUE SACHLICHKEIT
EXPRESSIONISMUS - NEUE SACHLICHKEIT Gemälde - Zeichnungen - Künstlergraphik
EXPRESSIONISMUS - NEUE SACHLICHKEIT
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EXPRESSIONISMUS
NEUE SACHLICHKEIT
GEMÄLDE – ZEICHNUNGEN – KÜNSTLERGRAPHIK
Katalog 112
Feinbergweg 7 – 61440 Oberursel/Ts.
Telefon: +49 (0)6171 20 74 92
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VOM EXPRESSIONISMUS ZUR NEUEN SACHLICHKEIT?
Im Jahr 2025 jährt sich die Eröffnung der Ausstellung
„Neue Sachlichkeit – Deutsche Malerei seit dem Expressionismus“
in Mannheim zum hundertsten Mal. Die von
Gustav Friedrich Hartlaub, dem jungen, progressiven
Direktor der Mannheimer Kunsthalle, organisierte Schau
brachte aktuelle künstlerische Positionen „neuester deutscher
Malerei“ zusammen, die vor allem „durch das – an
sich rein äußerliche – Merkmal der Gegenständlichkeit“
verbunden waren. 1 Obwohl Hartlaubs Werkauswahl die
vielfältigen Tendenzen eines neuen Realismus nach dem
ersten Weltkrieg keineswegs vollständig erfassen konnte,
gehörte die Ausstellung zu jenen, die Epoche machen sollten.
Trotz seiner Unschärfen schien ihr Titel die unterschiedlichen
Strömungen letztlich von allen vorgeschlagenen
Charakterisierungen am überzeugtesten zu erfassen;
er war, mit den Worten des Hamburger Malers Friedrich
Ahlers-Hestermann, „schlicht und einprägsam“, es war
damit eine „eingetragene Warenmarke“ gefunden, die
heute rückblickend als epochendefinierend für die Kunst
der Weimarer Republik weiterlebt. 2
Vor der „Neuen Sachlichkeit“ hatte sich zu Beginn des
20. Jahrhunderts zunächst der Expressionismus zur prägenden,
avantgardistischen Strömung innerhalb der bildenden
Kunst Deutschlands entwickelt. Er ist Ausdruck
eines Aufbegehrens nach neuen Formen der Kunst und
des Lebens und mithin weit mehr als ein simples Stilphänomen
– eher eine vielfach in sich vernetzte, breite kulturelle
Strömung auf der Suche nach umfassenden Veränderungen
in einer zunehmend als spießbürgerlich und
beengend empfundenen Gesellschaft. Seine Vertreterinnen
und Vertreter brechen mit den vorherrschenden akademischen
Kunsttraditionen wie auch gesellschaftlichen
Konventionen und drängen mit ihren Werken darauf, subjektive
Wahrnehmungen und Empfindungen sichtbar zu
machen. Ihre radikale Abkehr von etablierten Ausdrucksformen
äußert sich in übersteigerten, kristallin zerberstenden
Formen und dynamischen Kompositionen, dem
impulsiven Einsatz von bisweilen grellen Farben, breiten
Strichen und starken Kontrasten. Ihre Motive speisen sich
aus existentiellen Emotionen – Angst, Verzweiflung, Leidenschaft
oder Freude – und verkörpern das Spannungsverhältnis,
in dem sich das Individuum innerhalb der modernen,
zunehmend industrialisierten Gesellschaft stets
bewegt. Sie zeigen seine Entfremdung und Desillusionierung
und wecken zugleich die Hoffnung auf Erlösung.
Der Zusammenschluss der vier Architekturstudenten
Ernst Ludwig Kirchner (Nr. 35), Fritz Bleyl, Erich Heckel
(Nr. 22) und Karl Schmidt-Rottluff zur Künstlergruppe
„Brücke“ in Dresden im Sommer 1905 markiert gewissermaßen
die „Geburtsstunde“ des deutschen Expressionismus.
Emil Nolde (Nr. 54) und Max Pechstein (Nr. 56)
stoßen im Folgejahr hinzu. In enger Zusammenarbeit – sei
es im Atelier bei den sogenannten „Viertelstundenakten“
oder später an den Moritzburger Teichen – finden sie eine
eigene, völlig freie und auf das spontane und unmittelbare
Erfassen ihrer Umwelt ausgerichtete künstlerische Ausdrucksweise,
die nicht auf die Weiterentwicklung des Bestehenden
abzielt, sondern auf die konsequente Überwindung
alles Bisherigen. Charakteristisch für die Gruppe ist
– zumindest in den Anfangsjahren – ein einheitlicher
1 Gustav Friedrich Hartlaub, Zum Geleit, in: Neue Sachlichkeit. Deutsche Malerei seit dem Expressionismus,
Ausst.-Kat. Kunsthalle Mannheim, 1925, S. 3 ff.
2 Zit. n. Wieland Schmied, Neue Sachlichkeit und Magischer Realismus in Deutschland 1918-1933, Hannover 1969, S. 7.
2
„Brücke-Stil“, der von einer starken Farbigkeit und Impulsivität
geprägt ist. Zur Verbreitung ihrer neuen Kunstvorstellungen
setzt die Künstlergemeinschaft auf Wanderausstellungen
und die Möglichkeit der Vervielfältigung
ihrer Arbeiten in der Druckgraphik, insbesondere dem
Holzschnitt. Mit der Übersiedlung von Max Pechstein
nach Berlin 1908, dem wenige Jahre später auch die übrigen
Mitglieder der „Brücke“ folgen, erschließt sich den
Künstlern ein neuer Motivfundus: Neben die Idylle der
Moritzburger Teiche tritt das pulsierende Großstadtleben,
mit mondänen Gesellschaften, Straßenszenen, Tanzlokalen
und Varietés. Besonders Ernst Ludwig Kirchner lässt
sich von den vielfältigen tänzerischen Darbietungen der
Berliner Unterhaltungsindustrie inspirieren, beispielsweise
in seiner für die „Chronik der Künstlergemeinschaft
Brücke“ vorgesehenen Lithographie Drei Tänzerinnen von
1912 (Nr. 35). Die Vorbereitung der „Chronik“ liegt maßgeblich
in Kirchners Hand, führt aber zum Zerwürfnis
unter den Brücke-Künstlern und letztlich 1913 zur Auflösung
der Gruppe – vor allem weil die übrigen Mitglieder
das Gefühl haben, Kirchner stelle sich selbst zu sehr in den
Mittelpunkt. 3
Neben der „Brücke“ in Dresden und später in Berlin bildet
die um Wassily Kandinsky und Franz Marc in München
entstandene Künstlervereinigung „Der Blaue Reiter“ eine
weitere Keimzelle des Expressionismus in Deutschland.
Mit ausschlaggebend für die Entstehung der Gruppe ist
ein Streit über die künstlerische Ausrichtung innerhalb
der 1909 begründeten „Neuen Künstlervereinigung München“
zwischen Kandinsky und Marc auf der einen und
Adolf Erbslöh (Nr. 13) und Alexander Kanoldt (Nr. 29-31)
auf der anderen Seite, der Ende 1911 schließlich zur ,Ab-
spaltung‘ des „Blauen Reiters“ führt. Im Gegensatz zur
„Brücke“ verfolgt „Der Blaue Reiter“ einen stärker programmatischen
Ansatz und einen stark spirituellen und
philosophischen Zugang zur Kunst. Diese soll, so der Anspruch,
nicht nur die sichtbare Realität abbilden, sondern
auch unsichtbare, geistige Dimensionen erfahrbar machen.
Während dies bei Kandinsky zu einer zunehmend
abstrakten Bildsprache führt, stehen bei Marc symbolische
Darstellungen von Tieren als Träger einer harmonischeren
Weltordnung im Fokus. Wohl auf Anregung Kandinskys
im Zusammenhang mit der Entstehung des
Almanachs „Der Blaue Reiter“ 1911 nimmt Marc mit der
für ihn neuen Technik des Holzschnittes das druckgraphische
Arbeiten wieder auf. Schon früh hatte er japanische
Farbholzschnitte gesammelt; einen besonderen Eindruck
von den vielfältigen künstlerischen Möglichkeiten dieser
Technik gewann Marc jedoch vor allem im Januar 1912,
als er in Berlin die Künstler der „Brücke“ in ihren Ateliers
besuchte. 4 Als erste eigene Arbeit entstehen 1911/12 die
Ruhenden Pferde (Nr. 47), von denen nur wenige Exemplare
als einfarbige Handdrucke bekannt sind. In kontinuierlicher
Folge fertigt Marc innerhalb des kurzen Zeitraumes
bis zum Kriegsausbruch nur etwas mehr als
20 Holzschnitte, vielfach mit Tiermotiven, wie beispielsweise
der Tiger von 1912 (Nr. 48). Schon unmittelbar nach
ihrer Entstehung erfahren diese Werke große Verbreitung
durch den Abdruck in der Zeitschrift „Der Sturm“. Sie
wird von dem Verleger und Galeristen Herwarth Walden
herausgegeben, der damit und mit seiner 1912 eröffneten
gleichnamigen Galerie zu den wichtigsten Förderern der
deutschen Avantgarde im frühen 20. Jahrhundert gehört.
Zum Kreis um die Galerie „Der Sturm“ zählte auch der aus
Schlesien stammende Künstler Ludwig Meidner. Seine
3 Meike Hoffmann, Leben und Schaffen der Künstlergruppe „Brücke“ 1905 bis 1913, Berlin 2005, S. 196 ff.
4 Annegret Hoberg u. Isabelle Jansen, Franz Marc – Werkverzeichnis. 3 Skizzenbücher u. Druckgraphik, München 2011, S. 319 ff.
3
Kaltnadelradierung Großstadtstraße von 1913 (Nr. 49),
zeigt den für diese Schaffensphase typischen Einfluss der
pulsierenden, berauschenden Metropole Berlin. Mit scharfen,
energischen Linien zerlegt Meidner den Straßenzug in
splittrige, wankende und in sich verschmelzenden Formen
und erschafft dadurch ein expressives Zerrbild der dynamischen
urbanen Szenerie mit der für den Expressionismus
typischen Übersteigerung der Wirklichkeit.
Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs erlebt der Expressionismus
die Zeit seiner größten öffentlichen Resonanz.
Hatte die ,junge‘ Kunst zuvor vielfach mit Anfeindungen
und Ablehnung zu kämpfen, verzeichnen ihre Ausstellungen
nun einen zuvor nicht gekannten Zustrom an Besuchern.
Allerorts bilden sich neue Künstlervereinigungen;
der Expressionismus hat längst auch die etablierten Theaterbühnen
sowie das junge Medium Film erreicht und die
Zahl an (Kunst-)Zeitschriften mit expressionistischer
Originalgraphik nimmt sprunghaft zu. Der Prozess seiner
Konventionalisierung scheint kaum mehr aufzuhalten.
Besonders diejenigen Kritiker und Verfechter, die sich zuvor
vehement für die neue Strömung eingesetzt haben,
sprechen angesichts dessen bereits Anfang der 1920er-
Jahre von der „Krise des Expressionismus“, gar von seinem
„Ende“. 5 Schon unmittelbar nach dem Kriegsende stellt
der Schriftsteller Walter Hasenclever polemisch fest: „Es
gibt wenige, denen etwas einfällt und viele Expres sionisten!“
6 In welch vielfältiger und eigenständiger Weise
der Expressionismus auch in den Anfangsjahren der Weimarer
Republik weiterhin präsent ist, zeigt der Blick auf
Arbeiten etwa von Georg Baumgarten (Nr. 4), Conrad
Felixmüller (Nr. 15, 16), Otto Lange (Nr. 39), Max
Oppenheimer (Nr. 55) oder in seiner ganz eigenen Bildsprache
aus feinen, nervösen Linien und Farbkompositionen
bei Paul Klee (Nr. 36, 37) mehr als deutlich. Und
dennoch, als avantgardistische und innovative Bewegung
hatte der Expressionismus – nicht zuletzt aufgrund der
realhistorischen Umstände einer gescheiterten Revolution,
großer Armut und hoher Arbeitslosigkeit – ausgedient:
sein „Pendel hat durchgeschwungen; das Positive
der Zukunft liegt“, so der Kunstkritiker Wilhelm Hausenstein,
„in einer neuen und frommen Bescheidung auf
die Natur“. 7
Es sind diese neuen künstlerischen Bestrebungen die
Gustav Friedrich Hartlaub 1925 mit seiner Mannheimer
Ausstellung „Neue Sachlichkeit“ vorstellen will. Hartlaubs
Planungen für die Mannheimer Ausstellung reichen bis
ins Jahr 1923 zurück. Seine theoretischen Überlegungen
zur Rückkehr zu mehr Naturalismus in der Malerei formuliert
er bereits im Jahr zuvor unter dem Titel „Zurück
zur Natur“ in einer Antwort auf eine Umfrage der Zeitschrift
„Das Kunstblatt“. 8 Auch wenn Hartlaub hier noch
nicht von „Neuer Sachlichkeit“ spricht, legt er seine für die
spätere Ausstellung grundlegenden Überlegungen bereits
ausführlich dar:
5 Wilhelm Worringer, Künstlerische Zeitfragen. Vortrag gehalten am 19. Oktober 1920 in der Ortsgruppe München der
Deutschen Goethegesellschaft, München 1921, S. 7.
6 Walter Hasenclever: Kunst und Definition. In: Neue Blätter für Kunst und Dichtung 1 (1918), S.40.
7 Wilhelm Hausenstein, Vom Expressionismus in bildender Kunst. Vortrag, gehalten am 14. März 1918 vor dem Bund Deutscher Gelehrter
und Künstler und der Deutschen Gesellschaft 1914, in: Die neue Rundschau 29 (1918), S. 913-930, hier S. 927.
8 Ein neuer Naturalismus?? Eine Rundfrage des Kunstblatts, in: Das Kunstblatt 9 (1922), S. 389-393.
4
„Ich sehe einen rechten, einen linken Flügel. Der eine
konservativ bis zum Klassizismus, im Zeitlosen Wurzel
fassend, will nach so viel Verstiegenheit und Chaos
das Gesunde, Körperlich-Plastische in reiner Zeichnung
nach der Natur, vielleicht noch mit Übertreibung
des Erdhaften, Rundgewachsenen wieder heiligen. […]
Der andere linke Flügel, grell zeitgenössisch, weit weniger
kunstgläubig, eher aus Verneigung der Kunst
geboren, sucht mit primitiver Feststellungs-, nervöser
Selbstentblößungssucht Aufdeckung des Chaos, wahres
Gesicht unserer Zeit.“ 9
In einem Rundschreiben, das 1923 im „Querschnitt“ veröffentlich
wird, kündigt Hartlaub die Ausstellung unter
dem Titel „Die neue Sachlichkeit“ öffentlich für Ende
September des gleichen Jahres an. Er präzisiert seine
Unterscheidung der beiden Flügel als den „mehr klassizistische[n]“
auf der einen und den „bekennerisch ‚veristisch‘
orientierte[n]“ auf der anderen Seite, wobei er sich
bei letzterem – wahrscheinlich aufgrund der in der breiten
Öffentlichkeit wahrgenommenen Prozesse gegen Otto Dix
und George Grosz 10 – vorbehält, einzelne Werke, die „in
einer unvorbereiteten Öffentlichkeit nur Mißverstehen
hervorrufen müßten“ auszuschließen. 11 Wahrscheinlich
aufgrund dieses gesellschaftlichen Klimas und der allgemein
angespannten politischen Lage 1923 scheint Hartlaub
das Ausstellungsprojekt vorerst zurückgestellt zu
haben, ohne es jedoch vollständig aufzugeben.
Rund zwei Jahre später, am 13. Juni 1925 öffnen sich in
der Mannheimer Kunsthalle schließlich doch die Türen
für die Ausstellung „Neue Sachlichkeit“. Die politische
und gesellschaftliche Situation ist stabilisiert, die harsche
Gesellschaftskritik zumindest in den neuen, hier gezeigten
Werken der „Veristen“ nicht mehr so präsent. 12 Der
deutliche Schwerpunkt der Ausstellung liegt zudem auf
dem „klassizistischen“ rechten Flügel, der Münchener
Gruppe um Franz Roh und die Galerie Hans Goltz:
Alexander Kanoldt (Nr. 29-31), Georg Schrimpf (Nr. 64),
Carlo Mense oder Adolf Erbslöh (Nr. 13). Sie streben in
ihren Werken nach einer ruhigeren, harmonischen, weitgehend
entemotionalisierten Bildsprache, die durch eine
formale Strenge der Kompositionen und Malweise hervortritt
und auf traditionelle Bildkonzepte zurückgreift.
Sie wenden sich bewusst von den politischen und sozialen
Themen ihrer Zeit ab und suchen stattdessen nach
innerem Gleichgewicht und Stabilität. Diese Betonung
von Ordnung und Dauerhaftigkeit äußert sich beispielsweise
in Alexander Kanoldts Lithographien Stilleben mit
Krügen von 1922 (Nr. 29) oder Rauhreif von 1923 (Nr. 30)
oder auch in Niklaus Stoecklins späterem Nachtstück
Place de Furstenberg, Paris (Nr. 65) in Form einer sachlichen
und ruhigen, geometrisch durchstrukturierten
Komposition.
Dem gegenüber steht der linke, „veristische“ Flügel mit
Künstlerinnen und Künstlern wie Otto Dix (Nr. 10-12),
9 Ebd., S. 390.
10 So stand Otto Dix beispielsweise 1923 aufgrund seiner Gemälde „Mädchen am Spiegel“ oder „Salon II“ wegen angeblicher Obszönität und
unzüchtigen Darstellungen vor Gericht; von Georges Grosz wurde u.a. das Mappenwerk „Ecce Homo“ als „grob unzüchtig“ beschlagnahmt.
Vgl. Ludwig Leiss, Kunst im Konflikt. Kunst und Künstler im Widerstreit mit der „Obrigkeit“, Berlin 1971, S. 327f. u. Rosamunde Neugebauer,
George Grosz. Macht und Ohnmacht satirischer Kunst, Berlin 1993, S. 111ff.
11 Rundschreiben zur Ausstellung „Neue Sachlichkeit“, in: Der Querschnitt 3 (1923), S. 200.
12 Vgl. Caroline Hille, Neue Sachlichkeit. Deutsche Malerei seit dem Expressionismus, Mannheim 1925, in: Stationen der Moderne.
Kommentarband zu den Nachdrucken der zehn Ausstellungskataloge, hrsg. v. Eberhard Roters, Köln 1988, S. 131-150, hier S. 138.
5
Georges Grosz (Nr. 20, 21), Karl Hubbuch (Nr. 25-28) oder
Jeanne Mammen (Nr. 43-46). Auch sie wenden sich einer
naturalistischeren Darstellungsweise zu, sehen die Aufgabe
ihrer Kunst jedoch vor allem darin, Sozialkritik zu
üben und die gesellschaftlichen Ungerechtigkeiten und
Verwerfungen ihrer Zeit aufzudecken. Ihre Arbeiten sind
Ausdruck einer politischen Wut und eines scharfen Zynismus
gegenüber der aktuellen Lebenssituation, der
Dekadenz und Heuchelei der Weimarer Gesellschaft. Die
„Veristen“ schockieren mit einem häufig harten, satirischen
und besonders schonungslosen Realismus in ihren
expliziten Darstellungen etwa von Kriegsversehrten, korrumpierten
Politikern oder Prostituierten, wie beispielsweise
in Jeanne Mammens Lithographie Nutten (Nr. 45)
von 1930 oder der Radierung Vohse II. (Nr. 10) und der
Lithographie Halbakt (Nr. 12) von Otto Dix aus den Jahren
1922 und 1923.
Die beiden Flügel der „Neuen Sachlichkeit“ scheinen –
abgesehen von der verbindenden Rückkehr zu einem gegenständlichen
Realismus oder Naturalismus – in ihrer
Ausrichtung schwer vereinbar. Ein Umstand, der Hartlaub
früh bewusst ist. In seiner Antwort auf die Umfrage des
Kunstblattes formuliert er dennoch seine Hoffnung auf
eine Zusammenführung: „vielleicht gelingt doch morgen
oder übermorgen schon die Einigung beider Ströme und
damit die Schaffung eines breiteren Strombetts. Wir
warten auf einen zukünftigen, einen erlösten Max
Beckmann.“ 13 1925 sieht er die Versöhnung der beiden
Richtungen dann tatsächlich erfüllt; dem Werk von Max
Beckmann (Nr. 5-7) widmet er in der Mannheimer Ausstellung
einen gesonderten Raum. Beckmanns verbindende
Rolle zur „Neuen Sachlichkeit“ sieht er in der „tragisch
groteske(n) Deutung, die er dem Menschentum der
Gegenwart zuteil werden läßt“ und durch „unerbittliche
Aktualität seiner Vorwürfe“. 14
Auch wenn sowohl der Untertitel der Mannheimer Ausstellung
„Deutsche Malerei seit dem Expressionismus“ als
auch die im gleichen Jahr erschienene, für diese Bewegung
programmatische Schrift „Nach-Expressionismus“ 15
von Franz Roh dies suggerieren mögen, schließen sich
weder Hartlaub noch Roh einem allgemeinen Abgesang
auf den Expressionismus an. Vielmehr wenden sie sich
vehement gegen die Vorstellung, die Kunstgeschichte sei
eine lineare Abfolge von Stilen und -ismen. Das Aufkommen
von mehr Sachlichkeit, Realismus und Naturalismus,
kurz der „Neuen Sachlichkeit“ erfordert nicht
zwangsläufig den „Tod des Expressionismus“. 16 Obschon
dieser in der Mitte der 1920er Jahre seine Rolle als primäre,
avantgardistische Strömung eingebüßt hat, bleibt er
weiter aktiv. Zurückgreifend auf die Einleitung von Franz
Rohs „Nach-Expressionismus“ lässt sich festhalten: Expressionismus
und „Neue Sachlichkeit“ sind „weder ein
reines Nacheinander, noch ein reines Nebeneinander.“
Die Kunst ist ein „dauerndes Ineinanderschieben und
Verzahnen der Stile“. 17
Dr. Daniel Cremer, Düsseldorf
13 Ein neuer Naturalismus?? (wie Anm. 8), S. 393.
14 Gustav Friedrich Hartlaub, Zum Geleit, in: Die neue Sachlichkeit. Ausschnitt aus der deutschen Malerei seit dem Expressionismus.
Sächsischer Kunstverein, Dresden 1925. Vgl. Hille, Neue Sachlichkeit (wie Anm. 12), S. 146.
15 Franz Roh, Nach-Expressionismus. Magischer Realismus. Probleme der neuesten europäischen Malerei, Leipzig 1925.
16 Vgl. Ebd., S. 1 ff. u. Hartlaub (wie Anm. 1), S. 3 ff.
17 Roh, Nach-Expressionismus (wie Anm. 15), S. 4.
6
KATALOGTEIL
7
PETER ABELEN
1884 – Köln – 1962
Tillmännchen.
1
Öl auf Leinwand, um 1920, auf Keilrahmen, unsigniert. 50:40 cm.
Randdoubliert, mit restaurierter Fehlstelle im Bereich der Kopfbedeckung. Auf dem Keilrahmen
bezeichnet „Model Frau Tillmann“ und „Portrait Ruth“.
Provenienz: Privatsammlung, Köln.
Literatur: Ausstellungskatalog: August Sander und die Kunstszene der 20er Jahre im Rheinland, Köln,
Josef-Haubrich-Kunsthalle und Kunsthalle zu Kiel, 2000, Kat. Nr. 283, Abb. 91, S. 85.
Peter Abelen porträtierte Frau Tillmann mit ihrem von einer Lederkappe verdecktem Kurzhaarschnitt
und Fell jacke möglicherweise als Pilotin eines offenen Automobils, unbedingt aber als emanzipierte Frau
der Weimarer Republik.
Peter Abelen ist vielseitig künstlerisch begabt und zählt zu
den avantgardistischen Kölner Künstlern in der ersten
Hälfte des 20. Jahrhunderts. Er absolviert eine Lehre als
Maler und Anstreicher im familiären Betrieb und ist
Schüler von Peter Behrens (1868-1940) an der Kunstgewerbeschule
Düsseldorf. Seit 1907 studiert er das Zeichnen in
München an der Akademie der Bildenden Künste bei
Franz von Stuck (1863-1928). In den Jahren 1913/14 ist
er Mitglied der legendären Kölner Künstlergruppe der
„Lunisten“, benannt nach dem Café Luna am Rheinufer.
1919-1921 gehört er der Künstlergruppe der „Kalltal_gemeinschaft“
im Junkerhaus in Simonskall an. In der Zeit
von 1920-1932 gehört er zu den Kölner Progressiven und
ist Mitinitiator der Kölner Lumpenbälle. 1932-1938 hält er
sich in Mallorca auf und kehrt 1938 nach Deutschland zurück.
Wegen Ausstellungsverbotes während des Dritten
Reichs ist er hauptsächlich als Architekt und Innenarchitekt
in Köln tätig.
8
9
1
ALEXANDER ARCHIPENKO
1887 Kiew – New York City 1964
o. T. (Three figures, one in repose).
2
Lithographie, um 1921, auf hellbraunem Bütten, mit Bleistift nummeriert „20/100“ und signiert „Archipenko“.
Blattgröße 29,2:21,3 cm.
Mit wenigen Knickchen im Oberrand und kleinen Einrissen.
Der Umschlag des Heftes mit leichten Gebrauchsspuren.
Nr. 20 von 100 Exx.
Literatur: Karshan 24; Söhn HDO 50406-1.
Selten!
Als Beilage erschienen zur Vorzugsausgabe in 100 nummerierten Exemplaren zu: DER ARARAT: Glossen / Skizzen
und Notizen zur neuen Kunst. München, Goltzverlag, 2. Jg., 6. Heft, Juni 1921. Ss. 183-200, 3 Bll. Anzeigen.
Rot und schwarz gedruckter Umschlag mit Fadenheftung nach einem Entwurf von Toni Wendling (1891-1965).
Mit Texten von Maurice Raynal, Friedrich Markus Huebner, H. H. Stuckenschmidt, Helmut Kolle, Rudolf Utzinger,
Guido Kaschnitz und Grete Brandt. Mit Abbildungen nach A. Archipenko, Alb. Servaes (1883-1966),
F. Boucher (1703-1770) und Josef Eberz (1880-1942).
Von dieser wichtigen expressionistischen Zeitschrift erschienen insgesamt 24 Hefte und drei Flugblätter.
Biografie: Siehe Seite 138.
10
11
2
CHRISTIAN ARNOLD
1889 Fürth – Bremen 1960
Dorfstraße im Schnee.
3
Aquarell auf strukturiertem Papier,
mit schwarzer Tusche monogrammiert und datiert „CA (lig.) / 29.“. 34,8:51,3 cm.
Nach einer Bildhauerlehre an der Fachhochschule für
Holz in seiner mittelfränkischen Geburtsstadt Fürth und
einer zweijährigen Wanderschaft lässt sich Christian
Arnold 1908 in Bremen nieder. Hier nimmt er für kurze
Zeit Malunterricht an der Kunstgewerbeschule und bildet
sich anschließend autodidaktisch weiter. Im ersten Weltkrieg
wird Arnold schwer verwundet. Seine linke Hand ist
vollkommen gelähmt und er kann nicht mehr als Bildhauer
arbeiten. Zunächst arbeitet Arnold als technischer
Zeichner im Bremer Elektrizitätswerk, macht sich jedoch
1924 als freischaffender Künstler selbständig. Arnold
wird unter den Nationalsozialisten verfemt. Die Aufnahme
in die Reichskulturkammer wird ihm verweigert und
1933 wird er aus dem Künstlerbund Bremen ausgeschlossen.
In den Jahren 1942 und 1945 wird er unter politische
Anklage gestellt und inhaftiert. Bei der Bombardierung
Bremens werden ca. 2.000 seiner Werke zerstört. Arnolds
Œuvre weist eine Entwicklung auf, die von expressionistisch
geprägten Anfängen bis zu einem neusachlichen Stil
reicht.
12
13
3
GEORG BAUMGARTEN
1894 Neudamm – Berlin 1945
Selbstbildnis, Büste im Profil nach links.
4
Pinsel und schwarze Tusche, auf chamoisfarbenem Papier,
datiert, bezeichnet und signiert „24 / Selbst Portrait / GBaumgarten“. 50:38 cm.
Insgesamt leicht fleckig, linke untere Ecke fehlt.
Die Zeichnung ist auf einen Papierbogen mit vorgedruckten Umfassungslinien und Feldern
für Jahr, Klasse und Name gezeichnet.
Verso mit blauer Kreide nummeriert „23“, sowie bezeichnet „F93 – Bau 29“.
Georg Baumgarten war Maler, Schriftsteller und Konzertpianist.
Sein abstraktes expressionistisches Werk aus dem
frühen 20. Jahrhundert in Berlin steht unter den stilistischen
Einflüssen des „Sturm“-Kreises und wird erst nach
1945 nach seinem Tod im umkämpften Berlin durch
Initiativen William Wauers (1866-1962) öffentlich gezeigt
und ist gerade in den letzten Jahren im rheinischen Raum
durch museale Ausstellungen wiederentdeckt worden. Die
Charakteristika seiner emotional und stark intuitiv bestimmten
Kunst sind mit der „Sturm“-Ästhetik verglichen
worden, die Zeit und Ort künstlerisch bestimmt. Ihre
Prinzipien der abstrakten Form- und Farbgebung, die,
dem Musikalischen verwandt, unmittelbar dem Empfinden
und weniger dem Intellekt zugeordnet sind, bindet die
neue Kunst in spirituelle und kosmische Zusammenhänge
ein. Hier knüpft Georg Baumgarten, musisch hochbegabt
und als Maler fast Autodidakt, mit seiner Ausdruckskunst
unmittelbar an. 1935 Eintragung bei der Reichskammer
der bildenden Künste als Maler und Graphiker. Kurze Zeit
später endet seine künstlerische Tätigkeit aus Angst vor
Repressalien durch die nationalsozialistische Regierung.
1943 wird ein Teil des Werkes nach Halle an der Saale verbracht.
Sein lyrisches und dramatisches Werk ist bis heute
weitestgehend unbekannt. (Vgl. Susanne Henle, Bewegung
zur Tiefe, Georg Baumgarten, FAZ vom 8.1. 1994
und Matthias Koch, Georg Baumgarten. Ein Maler im
Umfeld des Sturms, Düsseldorf 2001, unveröffentl. Typoskript,
S. 38 ff.).
14
15
4
MAX BECKMANN
1884 Leipzig – New York 1950
Cafémusik.
5
Kaltnadelradierung, 1918, auf Japan, mit Bleistift betitelt „Concertcaffe“ und signiert „Beckmann“.
Darstellungsgröße 31:23 cm, Blattgröße 38,5:30,5 cm.
Herrlich frischer Druck mit vollem Rand und Blindstempel der Marées Gesellschaft,
von vorzüglicher Erhaltung!
Eines von 40 Exemplaren der Vorzugsausgabe auf Japan, vor Verstählung der Platte.
Blatt 9 aus der Mappe „Gesichter“. München, Verlag der Marées Gesellschaft R. Piper, 1919.
Provenienz: Privatsammlung, Frankfurt am Main.
Literatur: Hofmaier 130 III Ba (von Bb); Beckmann Liste 114; Glaser 111; Gallwitz 101.
Nach einer Ausbildung an der Weimarer Kunstschule bei
Carl Frithjof Smith (1859-1917) hielt sich Max Beckmann
u. a. in Paris, Holland und Florenz auf und lässt sich 1904
in Berlin nieder. 1914 ist er Mitbegründer der „Freien
Sezession Berlin“, 1919 der „Darmstädter Sezession“.
1925-1932 lehrt er am Städelschen Kunstinstitut. Daneben
unterhält er ein Atelier in Paris. 1933 wird er von den
Nationalsozialisten seines Amtes enthoben, er zieht nach
Berlin. 1937 werden seine Bilder auf der Münchner Ausstellung
„Entartete Kunst“ ausgestellt, wo auch sie als „artfremd“
diffamiert werden. Im darauffolgenden Jahr zieht
er nach London, geht dann aber nach Amsterdam. Nach
der Besetzung der Niederlande durch die Deutschen muss
er in den Untergrund gehen. 1947 siedelt er in die USA
über, wo er zunächst in St. Louis an der Washington
University, ab 1949 in New York am Art Department des
Brooklyn Museums unterrichtet. 1950 wird er zum Ehrendoktor
der Universität St. Louis ernannt.
Max Beckmann zählt sicher zu den bedeutendsten Künstlern
des 20. Jahrhunderts. Basierend auf neuen Kunstauffassungen
des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts, wie
etwa dem Impressionismus und Expressionismus, sowie
altmeisterlichen Kunsttraditionen entwickelte Beckmann
einen ganz eigenen Stil, der bewusst als Gegenposition
zum abstrakt-geometrischen Stil, etwa dem Kubismus
oder Futurismus, verstanden werden will und die Figur in
den Mittelpunkt seines Schaffens stellt.
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5
MAX BECKMANN
1884 Leipzig – New York 1950
Landschaft mit Ballon.
6
Kaltnadelradierung, 1918, auf Japan, mit Bleistift betitelt „Straße in Frankfurt a/M“ und signiert „Beckmann“.
Darstellungsgröße 23,3:29,2 cm. Blattgröße 33:36 cm.
Herrlich frischer, kräftiger und gratiger Druck mit vollem Rand und Blindstempel der Marées Gesellschaft,
von vorzüglicher Erhaltung!
Eines von 40 Exemplaren der Vorzugsausgabe auf Japan, vor der Verstählung der Platte.
Blatt 14 aus der Mappe „Gesichter“. München, Verlag der Marées Gesellschaft R. Piper, 1919.
Provenienz: Privatsammlung, Frankfurt am Main.
Literatur: Hofmaier 134 II Aa (von Bb); Beckmann Liste 118; Glaser 115; Gallwitz 105.
Dargestellt ist vermutlich die Darmstädter Landstraße im Frankfurter Stadtteil Sachsenhausen
(vergleiche das Ölbild von 1917, Göpel 195, seitenverkehrt und mit einigen Abweichungen).
18
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MAX BECKMANN
1884 Leipzig – New York 1950
Strand.
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Kaltnadelradierung, 1922, auf Japan, mit Bleistift signiert „Beckmann“.
Darstellungsgröße 21,4:32,7 cm, Blattgröße 29,8:43,8 cm.
Herrlich frischer, kräftiger und gratiger Druck mit vollem Rand, von vorzüglicher Erhaltung!
Eines von 50 Exemplaren auf Japan, von denen ein Teil von Günther Franke auf „x/XV“ nummeriert wurde.
Erschienen bei R. Piper & Co., München, 1922.
Provenienz: Galerie Wirnitzer, Baden-Baden, Kat.: Querschnitt, VII, 1981, Nr. 13, Abb. S. 19;
Privatsammlung, Süddeutschland.
Literatur: Hofmaier 239 Ba (von Bd); Beckmann Liste 218; Glaser 213; Gallwitz 209.
James Hofmaier erwähnt einen Abdruck der Edition mit einer Aufschrift von fremder Hand, dass bei
Beckmanns „Strand“ ein Küstenabschnitt der Nordseeinsel Wangerooge dargestellt sei.
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7
MAX BURCHARTZ
1887 Elberfeld – Essen 1961
Selbstbildnis.
8
Lithographie, 1921, auf Japan, mit Bleistift signiert „Max Burchartz“.
Blattgröße 40,2:30,4 cm.
Rechte obere Ecke mit kleiner Knickfalte.
Literatur: Jahn 84; Söhn HDO 72709-4.
Erschienen in: „Die Schaffenden“, 3. Jahrgang, 1. Mappe. Hrsg. von Paul Westheim, Berlin, Euphorion-Verlag, 1921.
Eines von 25 Exemplaren der Vorzugsausgabe auf Japanpapier.
Biografie: Siehe Seite 138.
22
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8
ROBERT DELAUNAY
1885 Paris – Montpellier 1941
La Fenêtre sur la Ville.
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Lithographie, 1925, auf Velin, mit schwarzer Kreide betitelt „La Fenêtre sur la Ville 1910“
und signiert „R Delaunay“. Darstellungsgröße 54,5:42 cm, Blattgröße 63,4:47,2 cm.
Mit dem Trockenstempel „Atelier R. Delaunay, 19 B Malesherbes, Paris“ in der rechten unteren Blattecke.
Mit Restaurierungen in den Blatträndern.
Literatur: Loyer/Perussaux 4. – Eines von 60 geplanten Exemplaren.
Die Lithographie entstand in freier Nachempfindung der
Gemälde „Fenêtre sur la Ville“ von 1910 und „Les Fenêtres
simultanées sur la Ville“ von 1911.
Robert Victor Félix Delaunay wird am 2. April 1885 in
Paris geboren. Der französische Maler beginnt von 1902-
1904 eine Lehre als Theaterdekorateur. Seine frühen
Arbeiten sind noch geprägt vom „Neoimpressionismus“
eines Georges Seurats (1859-1891) oder Henri Edmond
Cross (1856-1910).
Zwischen 1906 und 1909 macht Robert Delaunauy die
Bekanntschaft von Jean Metzinger (1883-1956), Henri
Rousseau (1844-1910) und Sonja Uhde-Terk (1885-1979),
seiner späteren Ehefrau. Angeregt durch die Kunst Paul
Cézannes (1839-1906) entstehen einige sakrale Arbeiten in
expressiv gebrochenen Formen (von 1908-1909), in deren
Folge sich die Bildkompositionen Robert Delaunays mehr
und mehr kubistisch zerlegen.
In dieser kurzen, vom Kubismus beeinflussten Phase von
1910-1912, entsteht die Serie der „Stadt-Bilder“ mit dem
Eiffelturm als zentrales Motiv z. B. „Die Stadt Paris“, von
1910-1912, heute im Musée National d’Art Moderne, Paris.
Mit der Serie „Fenster-Bilder“ („Les Fenêtres“, 1912-1913)
und den „Kreisformen“ („Formes Circulaires“, ab 1913)
beginnt Robert Delaunay mit der reinen und abstrakten
Malerei, deren Bildkomposition sich aus Farbkontrasten
ergibt.
Ausgangspunkt ist dabei das lichtdurchflutete Fenster, in
dem sich das gegenständliche Motiv in die Spektralfarben
zu geometrischen, und scheinbar energetisch bewegten
Formen aufbricht.
In den zwanziger Jahren arbeitet er zusammen mit seiner
Frau Sonja Delaunay-Terk an Bühnenbildern für das
„Ballets russes“ und für dadaistische Theaterstücke.
Zwischen 1930-1938 beginnt er wieder mit der Malerei
und übernimmt auf der Pariser Weltausstellung 1937 die
Dekoration im Pavillon der Eisenbahn und der Luftfahrt.
Im Jahr 1940 flieht er nach Südfrankreich und stirbt am
25. Oktober 1941 in Montpellier.
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9
OTTO DIX
1891 Untermhaus/Gera – Singen 1969
Vohse II.
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Radierung, 1922, auf Kupferdruckpapier, mit Bleistift betitelt „Fohse“, signiert und datiert „Dix 22“.
Darstellungsgröße 34,6:27,9 cm, Blattgröße 40:32,5 cm.
Herrlich frischer und kräftiger Druck mit viel Plattenton.
Provenienz: Sammlung Albert van Loock, Brüssel (geb. 1917), Sammler und Kunsthändler, Lugt 3751.
Literatur: Karsch 22/II, Abb. S. 45. Blatt 6 der 6-Blatt-Folge „Radierwerk III“.
Dresden, Dresdner Verlag 1922, erschienen in 50 nummerierten und signierten Exemplaren
als 11. Mappe der Graphischen Reihe. Das hier vorliegende Exemplar ist nicht nummeriert und
der Titel des Blattes „Vohse“ ist mit „Fohse“ – abweichend von Dix – geschrieben.
Otto Dix wird mit der Technik der Kaltnadelradierung
populär, als er beginnt, den späten Expressionismus – ein
experimentelles Zwischenspiel – aufzugeben und sich
einem grotesk-realistischen Stil zuzuwenden. Die Radierung
„Vohse“ entsteht 1922, zwei Jahre nachdem er die
Technik der Kaltnadelradierung für sich entdeckt hat. Mit
einer flinken Linie und einem ironischen Blick skizziert
Dix die alternde Schönheit und liefert den Beweis für sein
feines Auge für „echte“ Menschen. (Freya Mühlhaupt,
Otto Dix. Das graphische Werk. Berlin 2001, S. 17).
Biografie: Siehe Seite 139.
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10
OTTO DIX
1891 Untermhaus/Gera – Singen 1969
Mutzli (Bildnis Frau Martha Dix).
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Radierung, 1924, auf Bütten, mit Bleistift signiert und datiert „Dix 24“.
Darstellungsgröße 24,5:19,5 cm, Blattgröße 46,3:28,5 cm.
Vorzüglicher, vollrandiger Druck!
Provenienz: Privatsammlung, Baden-Baden.
Literatur: Karsch 123 b (von c).
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OTTO DIX
1891 Untermhaus/Gera – Singen 1969
Halbakt.
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Lithographie, 1923/24, auf Johann Wilhelm Bütten, mit Bleistift nummeriert, signiert und datiert „Dix 23“.
Darstellungsgröße 60,5:49 cm, Blattgröße 65:50 cm.
Vorzüglicher und vollrandiger Druck!
Nr. 12 von 55 Exemplaren.
Literatur: Karsch 125. Möglicherweise ist die Lithographie schon 1923 entstanden
und wurde jedoch erst 1924 von Karl Nierendorf verlegt.
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12
ADOLF ERBSLÖH
1881 New York – Irschenhausen, Isartal 1947
Blick auf Positano (Gewitterstimmung).
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Lithographie, 1927, auf Bütten mit Wasserzeichen: Krone im Oval, mit Bleistift mit der Werknummer bezeichnet
„Orig. Lith. (1927, I)“ und signiert „Erbslöh“. Darstellungsgröße 26,2:36,6 cm, Blattgröße 48,3:64,5 cm.
Mit kleinem Einriss im linken Rand und geringfügig knitterfaltig.
Prachtvoller, kontrastreicher Druck mit dem vollen Rand.
Literatur: Ausstellungskatalog: Steindrucke von Adolf Erbslöh München.
München, Karl und Faber, 1982, Nr. 17 mit Abb.
Am 27. Mai 1881 wird Adolf Erbslöh in New York geboren,
wo der Vater als Kaufmann tätig ist. Einige Jahre später
kehrt die Familie nach Deutschland zurück. Nach einer
halbjährigen kaufmännischen Ausbildung schreibt
sich Erbslöh 1901 an der Karlsruher Akademie für ein
Kunststudium ein und lernt dort Alexander Kanoldt
(1881-1939) kennen, mit dem ihn eine lebenslange Freundschaft
verbinden wird. 1904 setzt er sein Studium an der
Akademie in München bei Ludwig von Herterich (1856-
1932) fort. Die Begegnung mit Alexej von Jawlensky (1864-
1941) gibt den entscheidenden Anstoß zu seiner weiteren
künstlerischen Entwicklung. 1909 ist er Schriftführer im
Gründungskreis der „Neue Künstlervereinigung München“,
mit Kandinsky, Jawlensky, Kanoldt, Münter, Werefkin
und anderen, aus der dann der „Blaue Reiter“ hervorgeht.
Merkmal der neuen Kunst ist eine streng stilisierende
Darstellungsweise, verbunden mit intensiven
Farben und einer Betonung der rhythmisierten Fläche, die
die Nähe zum Expressionismus kennzeichnet. 1914, nach
einer Italienreise, wird Erbslöh zum Militärdienst einberufen
und dient bis Kriegsende als Kriegsmaler an der
Westfront. 1916 schließt er sich der „Neue Sezession München“
an. Die zwanziger Jahre sind von vielen Reisen geprägt,
auf denen zahlreiche Landschaftsbilder entstehen.
Vor allem das Motiv der Berge wird immer wieder variiert.
Ab 1927 hält sich der Maler vorwiegend am Bodensee
und in Oberbayern auf, wo er schließlich 1934 ein Haus im
Isartal erwirbt. Nach einer großen Retrospektive im
Kunstverein Barmen im Jahr 1931 wird es still um Erbslöh.
Ab 1933 sind Ausstellungen und öffentliche Arbeit
unmöglich, der Künstler lebt zurückgezogen mit der Familie
in Irschenhausen. Es entstehen zahlreiche Bildnisse
von Familienmitgliedern und Freunden. Daneben schildert
er in kleinen Formaten seine unmittelbare Umgebung:
den Garten, das Haus, die Kirche, die Wiesen. Vieles
bleibt unvoll endet, kaum eine Arbeit wird noch
signiert.
Jenseits aller Moden zählt der Künstler zu den bedeutenden
Vertretern der Klassischen Moderne, dessen Werk
die furiose Kunstentwicklung in der ersten Hälfte des
20. Jahrhunderts spiegelt, ohne dabei beliebig zu sein.
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13
LYONEL CHARLES ADRIAN FEININGER
1871 – New York – 1956
Troistedt auch Dorf mit strahlender Sonne.
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Holzschnitt, 1919, auf sehr feinem cremefarbenem Japan-Bütten, mit Bleistift signiert „Lyonel Feininger“.
Darstellungsgröße 17,3:22 cm, Blattgröße 30,5:41 cm.
Brillanter Druck mit dem vollen Rand.
Provenienz: Galerie Wirnitzer, Baden-Baden, Kat. Querschnitt II, 1976, Nr. 20 m. Abb;
Privatsammlung, Süddeutschland.
Literatur: Prasse W 192 II (v. II); Söhn HDO 72724-1. – Veröffentlicht unter dem Titel „Lehnstedt“
in „Die Schaffenden“, Euphorion-Verlag, Berlin, 8. Jahrgang, 2. Mappe (1932).
Biografie: Siehe Seite 139.
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CONRAD FELIXMÜLLER
1897 Dresden – Berlin 1977
Stillende Mutter.
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Aquatinta und Radierung, 1921, gedruckt in Rotbraun, auf cremefarbenem Kupferdruckkarton,
mit Bleistift nummeriert, signiert und datiert „Felixmüller 21“, sowie im Unterrand betitelt „Stillende Mutter“.
Darstellungsgröße 27,8:17,4 cm, Blattgröße 49,4:34,7 cm. Mit vereinzelten Stockflecken.
Nr. 2 von 10 Exx.
Vorzüglicher Druck mit viel Grat!
Literatur: Söhn 251 b (von b).
Als Conrad Felix Müller geboren, nimmt der Maler und
Graphiker den Künstlernamen Conrad Felixmüller an.
„Früh bemerkte er seine Leidenschaft für die Zeichnung
und konnte durch eine Sondererlaubnis von Carl Bantzer
(1857-1941) schon mit 15 Jahren in dessen Malklasse an
der Königlichen Kunstakademie in Dresden studieren.
Als Autodidakt eignet Felixmüller sich verschiedene grafische
Techniken an. Mit 18 Jahren lässt er sich als freischaffender
Maler in Dresden nieder und wird nach dem
Ersten Weltkrieg zu einem Wortführer des Expressionismus.
Er veröffentlicht Aufsätze und Druckgraphiken
in politisch links ausgerichteten Zeitschriften wie „Der
Sturm“ oder „Die Aktion“. Als sich seine revolutionären
Vorstellungen nicht erfüllen, beendet er seine politischen
Aktivitäten und distanzierte sich zunehmend von seinem
expressionistischen Frühwerk.
Von 1934 bis 1941 wohnt Felixmüller mit seiner Frau
Londa und seinen zwei Kindern Titus und Luca in Berlin.
Wegen seiner früheren politischen Haltung wird er von
den Nationalsozialisten zunehmend aus dem Kunstbetrieb
ausgegrenzt. 40 seiner Bilder werden in der Ausstellung
„Entartete Kunst“ in Dresden gezeigt und über 150
Werke aus deutschen Museumssammlungen beschlagnahmt.
1949 erhält Felixmüller eine Professur für Malen und
Zeichnen an der Martin-Luther-Universität in Halle. 1961
zieht er zurück nach Berlin in den Bezirk Köpenick. Da
sich seine Arbeiten auch in der DDR nicht mit der offiziellen
Staatskunst in Einklang bringen lassen, reist der
Künstler 1967 in den West-Berliner Bezirk Zehlendorf
aus.“ (Zitat Berlinische Galerie).
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15
CONRAD FELIXMÜLLER
1897 Dresden – Berlin 1977
Der alte Kohlenbergarbeiter.
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Stahlstich, 1921, auf Velin, mit Bleistift nummeriert und bezeichnet „6/8 Stahlstich, Probedruck / vor der Auflage, /
ohne Correcturen, Signum etc“, signiert, datiert und betitelt „Felixmüller / 1921. / Kohlenbergarbeiter“.
Darstellungsgröße 21,5:14,9 cm, Blattgröße 27,7:23,4 cm.
Prachtvoller, sehr ausgewogener Druck mit tiefen Schwärzen, deutlichem Grat,
wunderbar glänzendem Plattenton und breitem Rand.
Der seltene Probeabzug noch ohne das Monogramm und den zusätzlichen Schraffuren an der Gebäudewand
hinter dem Arbeiter, der linken Fensterfront, sowie dem rauchenden hinteren Gebäudeteil.
Provenienz: Privatsammlung, USA.
Literatur: Söhn 257 a (von b). – Söhn nennt ca. 10 Handabzüge auf unterschiedlichen Papieren
neben der Auflage von 100 Exemplaren auf Kupferdruckpapier, gedruckt bei Walter Künzel, Dresden,
als Beitrag zum „Jahrbuch der Jungen Kunst“, 2. Jahrgang, 1921, Klinkhardt & Biermann Verlag.
Abweichend zu diesen Angaben nummeriert Felixmüller unser Exemplar mit einer Auflage von 8 Probedrucken.
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PETER-ANTON GEKLE
1899 Immenried/Allgäu – Stuttgart 1981
Café Lunte.
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Feder in Schwarz und Aquarell in Rot, auf chamoisfarbenem Velin,
monogrammiert, bezeichnet und datiert „peag / Berlin (19)30“, auf Karton montiert, dort betitelt, bezeichnet und
datiert „Café Lunte“ / Orig. Zchg. / Berlin 1930“ sowie signiert „Peter-Anton Gekle.“
Dargestellt ist der Blick in das legendäre Café Lunte, dem
Treffpunkt der Berliner Bohème der 1920er bis 1930er
Jahre in der Eislebener Straße 11, an der Wand der dadaistische
Spruch „Anti chianti Chianti-Christ!“.
Die Eislebener Straße in Charlottenburg wurde ab 1893
angelegt und nach der Stadt Eisleben benannt, dem Geburts-
und Sterbeort Martin Luthers. Sie ist nur 270 Meter
lang und stellt eine der Verbindungsstraßen zwischen der
Rankestraße und der Nürnberger Straße dar.
Schon Anfang des 20. Jahrhunderts war die „Eislebener“
eine gutbürgerliche Adresse. Wie viele andere der umliegenden
Straßen war auch die Eislebener Straße in den
1920er und frühen 1930er Jahren geprägt von der künstlerischen
Bohème. In einem ehemaligen Zigarrenladen in
der Eislebener Straße 11 residierte das kleine Café „Die
Lunte“. Man nannte sie „wohl die verruchteste, billigste
der Künstlerkneipen“, der renommierte Fotograf Umbo
(d.i. Otto Umbehr, 1902-1980) fotografierte hier.
Peter Anton Gekle ist in den 1920er Jahren in Berlin als
Pressezeichner tätig und arbeitet unter anderem für
bedeutende Zeitschriften wie den „Simplicissimus“, die
„Fliegende Blätter“ und die „Jugend“.
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17
CARL GROSSBERG,
EIGENTL. GEORG CARL WILHELM GRANDMONTAGNE
1894 Elberfeld – Laon 1940
Fränkisches Dorf.
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Aquarell und Feder in Schwarz, auf Japan, auf festes Velin aufgezogen,
rechts unten schwer lesbar signiert und datiert „23“
und mit Bleistift in der rechten unteren Ecke bezeichnet „Dorff“.
Blattgröße 32,2:27,4 cm.
Am 6. September 1894 in Elberfeld geboren, beginnt Carl
Großberg mit neunzehn Jahren ein Architekturstudium
an den Hochschulen in Aachen und Darmstadt. Sein
Studium wird durch die Einziehung zum Kriegsdienst
unterbrochen. 1919 setzt er es zunächst als Schüler von
Walter Klemm (1883-1957) an der Hochschule für bildende
Künste und ab 1919 bis 1921 als Schüler Lyonel Feiningers
(1871-1956) am staatlichen Bauhaus zu Weimar fort,
wo er in den Disziplinen Malerei, Dekorationsmalerei und
Raumkunst ausgebildet wird. 1921 unternimmt Großberg
zu Studienzwecken ausgedehnte Reisen nach Süddeutschland
und lässt sich in der Nähe von Würzburg nieder. Seit
1927 reist Carl Großberg viel, um die für ihn typischen
Maschinenbilder, Industrielandschaften und Stadtbilder
zu malen. Immer öfter erhält er nun Aufträge von der
Industrie, so z. B. 1932 von der Norta-Tapetenfabrik im
Harz und 1937 von der Firma Oetker in Bielefeld, bei der
er ein eigenes Atelier bezieht. Seit 1933/34 nimmt Großbergs
Interesse an der Technik und der Industrie enzyklopädische
Dimensionen an. Er setzt es sich zum Ziel, die
wichtigsten Industrietypen und -betriebe in Deutschland
zu malen und nennt dieses Vorhaben seinen „Industrieplan“.
Doch durch die Herrschaft der Nationalsozialisten
und den nahenden Krieg verschlechtert sich die Auftragslage
Großbergs drastisch, so dass er über verschiedene
Kontakte nach Amerika versucht, seinen Plan dort zu verwirklichen.
Eine Reise in die USA wird ihm jedoch 1939
mit der Begründung, er dürfe als Reserveoffizier das Land
nicht verlassen, verweigert. Noch im selben Jahr wird
Großberg zum Kriegsdienst eingezogen. In diesen letzten
Jahren bleibt ihm kaum Zeit zu malen, so bleibt auch sein
letztes Aquarell unvollendet. Ein tragischer Autounfall im
Wald von Compiègne bei Laon am 19. Oktober 1940 wird
Carl Großberg zum tödlichen Schicksal.
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CARL GROSSBERG,
EIGENTL. GEORG CARL WILHELM GRANDMONTAGNE
1894 Elberfeld – Laon 1940
Motiv aus Olevano in den Aequer Bergen.
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Aquarell und Feder in Schwarz, auf Bütten,
mit Feder betitelt, datiert und signiert „Olevano 1931 / C. Grossberg“.
Blattgröße 49,7:40 cm.
Provenienz: Privatsammlung, Hessen.
Während seines Romaufenthaltes besuchte Großberg im Jahr 1931 auch das Bergstädtchen Olevano,
das schon im 19. Jahrhundert das Ziel zahlreicher Maler aus Nordeu ropa war.
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GEORGE GROSZ,
EIGENTL. GEORG EHRENFRIED GROSS
1893 – Berlin – 1959
Study of Textures.
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Kohle, auf Bütten mit Wasserzeichen: MICHALLET FRANCE,
mit Bleistift signiert und datiert „George Grosz / 1937“.
Blattgröße 63,2:48,1 cm. Zu den Rändern hin leicht fleckig.
Provenienz: Villa Grisebach, Berlin, A 254, Lot 1197, November 2015;
Privatsammlung, Hessen.
Biografie: Siehe Seite 140.
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GEORGE GROSZ,
EIGENTL. GEORG EHRENFRIED GROSS
1893 – Berlin – 1959
Allein.
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Lithographie, 1922, auf chamoisfarbenem Bütten, mit Bleistift nummeriert „40/40“ und signiert „Grosz“.
Darstellungsgröße 33,3:37,5 cm, Blattgröße 50:65,5 cm.
Kleiner hinterlegter Einriss im rechten Blattrand, ansonsten sehr schönes Exemplar.
Literatur: Dückers E 79. – Nach Dückers vermutlich im Selbstverlag, in einer Gesamtauflage
von mindestens 53 Exemplaren, erschienen. Die Darstellung ist unter dem genannten Titel abgebildet in „Ecce Homo“,
1923, Taf. 67, und wird dort ebenfalls auf 1922 datiert.
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ERICH HECKEL
1883 Döbeln – Radolfzell am Bodensee 1970
Tänzerinnen.
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Lithographie, 1922, auf chamoisfarbenem Velin mit Wasserzeichen: Johann Wilhelm,
mit Bleistift bezeichnet „1. Druck“, signiert, datiert und bezeichnet „Erich Heckel 22 / Probe“.
Darstellungsgröße 49:38,3 cm, Blattgröße 64,5:50,2 cm.
Von großer Seltenheit! Eines von drei bekannten Exemplaren des ersten Zustandes.
Provenienz: Sammlung Hermann Gerlinger, Würzburg, Lugt 6032.
Literatur: Annemarie und Wolf-Dieter Dube, Erich Heckel: Das graphische Werk, Bd. 2: Radierungen, Lithographien,
New York 1965, WVZ-Nr. L 270 I a (von III b); Renate Ebner, Andreas Gabelmann, Erich Heckel.
Werkverzeichnis der Druckgraphik, Bd. 2: 1914-1968, München 2021, WVZ-Nr. 784 L I a (von III b);
Heinz Spielmann (Hrsg.), Die Maler der Brücke. Sammlung Hermann Gerlinger, Stuttgart 1995, S. 312,
SHG-Nr. 480 (m. Abb.); Hermann Gerlinger, Katja Schneider (Hrsg.), Die Maler der Brücke.
Bestandskatalog Sammlung Hermann Gerlinger, Halle/Saale 2005, S. 222, SHG-Nr. 502 (Abb. S. 223).
Austellungen: Schleswig-Holsteinisches Landesmuseum, Schloss Gottorf, Schleswig (Dauerleihgabe aus der
Sammlung Hermann Gerlinger, 1995-2001); Kunstmuseum Moritzburg, Halle an der Saale (Dauerleihgabe
aus der Sammlung Hermann Gerlinger, 2001-2017); Buchheim Museum, Bernried (Dauerleihgabe aus der Sammlung
Hermann Gerlinger, 2017-2022); Erich Heckel, Einfühlung und Ausdruck, Buchheim Museum,
Bernried, 2020/2021, (Abb. S. 292).
Biografie: Siehe Seite 141.
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KARL HOFER
1878 Karlsruhe – Berlin 1955
Stilleben mit Töpfen.
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Öl auf Leinwand, um 1921, rechts unten monogrammiert „CH“ ligiert, 75:95 cm.
Verso auf dem Keilrahmen vom Künstler bezeichnet „K. Hofer Gegenständliches Stilleben“.
Provenienz: Privatsammlung, Mannheim; Privatsammlung, Frankfurt am Main.
Literatur: Weltkunst, 47. 1977, H 22, 15.11., S. 2517 (Abb. der Anzeige Sieber, Mannheim);
Auktionshaus Sieber, Mannheim, 10.12.1977, S. 21, Nr. 189 mit Abb. Bildtafel 12; K. B. Wohlert,
Karl Hofer Werkverzeichnis der Gemälde, Bd. 2, Köln, van Ham Art Publications, 2007, WVZ Nr. 465, Abb. S. 95.
Ausstellungen: Große Berliner Kunstausstellung 1921, S. 64, Nr. 911 (Stilleben Töpfe [?]); K.H., Kunsthütte zu Chemnitz
1922, Nr. 17 (?), C.H., E. de Fiori, Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen, Düsseldorf 1927, S. 3, Nr. 6 (?).
Stilleben nehmen in Hofers Œuvre einen großen Platz ein. Aus dem gleichen Jahr wie das vorliegende Werk,
stammt eine weitere Variante des Motivs (Stilleben mit Töpfen, Wohlert WVZ Nr. 464). Stilleben eignen sich
zur sachlichen Beobachtung und sind von derselben Distanziertheit, wie Hofers Figurenbilder. Das vorliegende Werk
zeichnet die für Hofer typische gedämpfte erdige Farbigkeit aus. Das verschachtelte Arrangement der Objekte
sowie die Farbgebung muten kubistisch an, während die Darstellungsweise rein sachlich bleibt.
Nach dem Studium bei Hans Thoma (1839-1924) und
Leopold von Kalckreuth (1855-1928) in Karlsruhe und
Stuttgart hält sich Karl Hofer von 1903 bis 1908 in Rom
auf. In dieser Zeit zeigt er seine Werke erstmals im Großherzoglichen
Museum in Weimar (1906) und in der
„Neuen Künstlervereinigung München“ (1908). 1909 siedelt
er nach Paris über und reist um 1911 nach Indien.
1913 lässt er sich dann in Berlin nieder. Während des Ersten
Weltkriegs wird er in Frankreich zivil-interniert, anschließend
lebt er in der Schweiz. Nach seiner Rückkehr
nach Deutschland wird er 1920 an die Kunsthochschule
in Berlin-Charlottenburg und 1923 an die Preußische
Kunstakademie Berlin berufen. 1927 ist er Mitbegründer
der Badischen Sezession. Zudem reist er in die USA, wo
er in Pittsburgh ausstellt. 1928 wird er in den Vorstand
der Berliner Sezession und 1929 in den Senat der Kunstakademie
gewählt. Ab 1934 erhält er Arbeits- und Ausstellungsverbot
und wird 1938 aus der Kunstakademie
ausgeschlossen. Durch die Bombenangriffe auf Berlin
verliert er 1943 einen großen Teil seiner Arbeiten. 1945
wird er zum Direktor der Berliner Kunsthochschule berufen
und 1950 zum Präsidenten des neu gegründeten
Deutschen Künstlerbundes gewählt. Karl Hofer verstirbt
1955 in Berlin.
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KARL HOLTZ
1899 Berlin – Rehbrücke/Potsdam 1978
Sächsische Schweiz.
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Lithographie, um 1925/30, auf chamoisfarbenem Japan, mit Bleistift signiert „Karl Holtz“.
Darstellungsgröße 26:21,5 cm, Blattgröße 37,7:33,4 cm.
Verso an den oberen Ecken Reste alter Montierung.
Literatur: Niemann 1987, 44.
Karl Holtz studiert 1914-1919 bei Emil Orlik (1870-1932)
an der Berliner Kunstgewerbeschule. Anschließend ist er
als Pressezeichner tätig. 1916 erscheint im „ULK“ von ihm
die erste Karikatur sowie Zeichnungen im „Wieland“ und
„Lustige Blätter“. 1918 leistet er Wehrdienst und nimmt
1919 an revolutionären Kämpfen in Berlin teil. 1920/21
unternimmt er Wanderungen in Nord- und Süddeutschland,
1922/23 folgen Reisen durch Italien, Südfrankreich
und Tunesien. Als Zeichner für sozialdemokratische Blätter
ist er um 1924 tätig, 1925 folgt die Beteiligung an der
„Ersten Allgemeinen Deutschen Kunstausstellung“ in
Moskau, Saratow und Leningrad. Als Mitarbeiter am
„Eulenspiegel“ und „Die Ente“ ist er ab 1928 tätig. Vorübergehend
ist er in Rehbrücke bei Potsdam ansässig, 1933
erhält er wegen antinationalsozialistischer Karikaturen
Berufsverbot als Pressezeichner und ist nun als Werbegraphiker
und technischer Zeichner tätig. Am 2. Weltkrieg
nimmt er als Soldat in Warschau teil. Nach 1945 ist
er wieder in Rehbrücke ansässig und arbeitet bei verschiedenen
Zeitschriften mit. Wegen der Veröffentlichung einer
Stalin-Karikatur im Schweizer Satire-Magazin „Nebelspalter“
wird Holtz verhaftet und zu 25 Jahren
Zwangs arbeit in Bautzen verurteilt. Nach sieben Jahren,
1956, wird er begnadigt und entlassen. Es folgt jedoch keine
Rehabilitierung. Sein Gesamtwerk wird 1974 in Berlin,
Potsdam, Leipzig und Greiz gezeigt.
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KARL HUBBUCH
1891 – Karlsruhe – 1979
Trouville, 1926.
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Lithokreide, farbige Kreide, auf chamoisfarbenem Velin, mit Wasserzeichen:
Importe d. A. Jonson, mit Bleistift signiert „Hubbuch“. 41,2:48,5 cm.
Literatur: Ausstellungskatalog: Karl Hubbuch 1891-1979. Karlsruhe, Badischer Kunstverein 1981,
Nr. 168 mit ganzs. Abb. S. 189 (dort fälschlich mit Titel einer anderen Zeichnung);
Ausstellungskatalog: Karl Hubbuch. Retrospektive. Städtische Galerie im Prinz-Max-Palais, Karlsruhe, 1993/94,
Kat.-Nr. 41 mit ganzs. Abb. S. 294.
Karl Hubbuchs erste Begegnung mit Frankreich findet
als Soldat während des 1. Weltkrieges statt, bleibt jedoch
künstlerisch ohne Folgen. Der nächste Aufenthalt im Jahr
1926 ist der Beginn einer lebenslangen, intensiven Auseinandersetzung
mit dem Land und seinen Menschen. Im
Gegensatz zu vielen anderen Künstlern seiner Zeit will er
sich nicht an der so häufig postulierten, vermeintlichen
Überlegenheit der französischen Kunst bilden, sondern ist
von der Atmosphäre der Städte und Landschaften angezogen.
Dieser Aufenthalt, bei dem er Paris und Nordfrankreich
bereist, zeigen u. a. auch Zeichnungen und Studien
mit Ansichten der Küstenstädte Trouville, Fécamp oder
Deauville; die Darstellung von Menschen, wie in den
späteren Jahren, findet noch keinen Eingang in sein Werk.
Biografie: Siehe Seite 141.
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KARL HUBBUCH
1891 – Karlsruhe – 1979
Dahlienstrauß in einer weißen Vase.
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Aquarell über Bleistift, auf festem strukturiertem Papier, mit Bleistift signiert „Hubbuch“. 50,5:42,5 cm.
Im Passepartoutausschnitt minimal gebräunt, sowie Nadelspuren in den Ecken.
Literatur: vgl. Ausstellungskatalog: Karl Hubbuch 1891-1979.
Karlsruhe, Badischer Kunstverein, 1981, Abb. S. 30 oben
(dort Zeichnung in farbiger Kreide „Margeriten und Löwenmaul“ von 1941/45; 59,5 x 40 cm).
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KARL HUBBUCH
1891 – Karlsruhe – 1979
Der Brief.
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Kaltnadelradierung, um 1923, auf cremefarbenem festem Velin, mit Bleistift signiert „Hubbuch“
und in der rechten unteren Blattecke bezeichnet „2“.
Darstellungsgröße 24,7:30,5 cm, Blattgröße 35,7:37 cm. Mit leichtem Lichtrand.
Prachtvoller, kontrastreicher Druck von ansonsten vorzüglicher Erhaltung!
Äußerst selten!
Literatur: R. Riester, Karl Hubbuch. Das graphische Werk. Freiburg/Brsg., 1969, Nr. 85 mit ganzs.
Abb. S. 45 (dort datiert „1924“); Ausstellungskatalog: Karl Hubbuch 1891-1979.
Badischer Kunstverein Karlsruhe, 1981, Kat.-Nr. 100 mit Abb. S. 169 (dort datiert „um 1923“);
M. Angermeyer-Deubner, Neue Sachlichkeit und Verismus in Karlsruhe 1920-1933,
Verlag C.F. Müller GmbH, Karlsruhe, 1988, Abb. 125, S. 251;
Ausstellungskatalog: Karl Hubbuch. Retrospektive. Karlsruhe, Städtische Galerie im Prinz-Max-Palais, 1993/94,
Kat.-Nr. 85 mit ganzseitiger Abb. S. 346 (dort datiert „um 1924“).
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KARL HUBBUCH
1891 – Karlsruhe – 1979
Das Treffen.
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Lithographie, um 1923, auf Kupferdruckpapier, mit Bleistift nummeriert und signiert „Hubbuch“, verso betitelt.
Darstellungsgröße 25:35,5 cm, Blattgröße 48:37,5 cm. Mit wenigen Fleckchen.
Nr. 7 von 10 Exx., sehr schöner Druck.
Literatur: nicht bei Riester; Ausstellungskatalog: Karl Hubbuch Druckgraphik,
Galerie Michael Hasenclever, München, Okt./Nov. 1983, Nr. 131 mit Abb.;
Ausstellungskatalog: Karl Hubbuch. Retrospektive.
Karlsruhe, Städtische Galerie im Prinz-Max-Palais, 1993/94, Kat.-Nr. 149, o. Abb.
Karl Hubbuch porträtiert hier die politische Realität zur Zeit der frühen Weimarer Republik
und entlarvt die Übereinkunft zwischen reichem, traditionell gesinntem Bürgertum bzw. Adel und dem
republikfeindlichen, vom Ausgang des 1. Weltkriegs enttäuschten Militär.
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ALEXANDER KANOLDT
1881 Karlsruhe – Berlin 1939
Stilleben mit Krügen.
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Lithographie, 1922, auf JW Zanders-Bütten, mit Bleistift nummeriert „13/40“,
signiert, datiert und mit der Werknummer bezeichnet „Kanoldt 1922 / IX“.
Darstellungsgröße 39,8:31,8 cm, Blattgröße 58:38,7 cm.
Prachtvoller Druck mit breitem Rand.
Literatur: Amman L 9. Nr. 13 von 40 Exemplaren der Gesamtauflage,
wovon 10 Exemplare auf Japan gedruckt sind.
Biografie: Siehe Seite 142.
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ALEXANDER KANOLDT
1881 Karlsruhe – Berlin 1939
Rauhreif oder Frost.
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Lithographie, 1923, auf cremefarbenem Japan, mit Bleistift signiert „Kanoldt“.
Darstellungsgröße 35,2:26,8 cm, Blattgröße 47,8:35,9 cm.
Mit Resten alter Montage verso und ansonsten von tadelloser Erhaltung.
Prachtvoller, kontrastreicher Druck!
Literatur: Amman L 13; Söhn 52004-8.
Erschienen unter dem Titel „Frost“ in der Mappe:
Die Dritte Jahresgabe des Kreises graphischer Künstler und Sammler.
Leipzig, Verlag Arndt Beyer, 1923.
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ALEXANDER KANOLDT
1881 Karlsruhe – Berlin 1939
Im Leutasch I.
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Lithographie, 1932, auf chamoisfarbenem Bütten mit Wasserzeichen:
Ingres, mit Bleistift betitelt „In der Leutasch“,
signiert, mit der Werknummer bezeichnet und datiert „Kanoldt XLIII / 1922“,
in der linken unteren Ecke nummeriert.
Darstellungsgröße 34,7:48,7 cm, Blattgröße 48:62,7 cm.
Prachtvoller, kontrastreicher Druck mit vollem Rand!
Literatur: Amman L 43. Nr. 11 von 20 Exemplaren auf Bütten, weitere 25 Exemplare auf China.
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EDMUND DANIEL KINZINGER
1888 Pforzheim – Waco/Texas 1963
Stilleben mit verschiedenen Gefäßen und Blumentopf.
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Öl auf Karton, auf Blendrahmen aufgezogen,
links unten monogrammiert und datiert „E·D·K 13·“. 48,5:58,5 cm.
Provenienz: Aus dem künstlerischen Nachlass.
Seltenes Frühwerk Kinzingers, das in der Zeit entstand,
als er Meisterschüler von Adolf Hölzel war.
Edmund Daniel Kinzinger studiert ab 1906 an der Akademie
der Bildenden Künste in München. Nach einem Studienaufenthalt
1912 an der Académie Moderne in Paris ist
Kinzinger bis 1914 Schüler von Adolf Hölzel (1853-1934)
an der Stuttgarter Akademie.
Nach dem Kriegsdienst setzt Kinzinger sein Studium in
Stuttgart fort. Im Sommer 1919 gründet er gemeinsam mit
Willi Baumeister (1889-1955), Gottfried Graf (1881-1938),
Albert Müller (1897-1926), Oskar Schlemmer (1888-1943)
und Hans Spiegel (1894-1966) als Ortsgruppe der Berliner
Novembergruppe die Künstlervereinigung „Üecht“. Der
Name leitet sich von dem althochdeutschen Wort „uohta“
(Tagesanbruch, Morgendämmerung) her und geht auf einen
Vorschlag von Oskar Schlemmer zurück. Mit dem
Namen verbindet sich die Hoffnung auf eine Erneuerung
der Gesellschaft und der Kunst.
1924 folgt die Übersiedlung nach München, wo er bis 1928
eine private Kunstschule betreibt und 1927 die Amerikanerin
Alice Fish heiratet. Von 1928-1930 lehrt er als Austauschlehrer
an der Kunstschule des Art Institute of
Minneapolis, Minnesota. Trotz der sich in Deutschland
zuspitzenden ökonomischen und politischen Lage kehrt
Kinzinger 1930 wieder nach München zurück, wo er bis
1933 Direktor der Schule der Bildenden Künste von Hans
Hofmann ist. Nach Machtergreifung der Nationalsozialisten
flieht Kinzinger nach Frankreich und gründet eine
eigene Schule in Paris (École de l‘Époque). 1935 emigriert
er in die USA und wird Assistant Professor, Professor und
schließlich Direktor des Art Department der Baylor University
in Waco, Texas.
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EDMUND DANIEL KINZINGER
1888 Pforzheim – Waco/Texas 1963
Blick vom Fischerhafen auf die Häuser von Camaret-sur-Mer.
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Schwarze Kreide und Gouache in Braun und Blau, auf hellbraunem Velin, mit Bleistift betitelt,
monogrammiert und datiert „Camaret E D K 13“. Blattgröße 24,1:31 cm.
Vergleichsliteratur: Ausstellungskatalog: Galerie Joseph Fach, Frankfurt, Edmund Daniel Kinzinger / 1888-1963.
Pforzheim, Reuchlinhaus, 1988, Nr. 2 Abb. 2, S. 12.
Edmund Daniel Kinzinger hielt sich zeitweilig studienhalber
an der Académie Moderne in Paris auf und unternahm
von dort aus 1913 eine Reise in die Bretagne. Camaret-
sur-Mer war damals ein lebendiger und viel besuchter
Fischereihafen im äußersten Westen der Bretagne auf der
Halbinsel Crozon.
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EDMUND DANIEL KINZINGER
1888 Pforzheim – Waco/Texas 1963
Blick zwischen Baumstämmen hindurch auf einen Fischerhafen
und die dahinter liegende Ortschaft in der Bretagne.
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Tuschpinsel in Schwarz und Aquarell, auf chamoisfarbenem Velin, mit schwarzer Tusche betitelt,
datiert und monogrammiert „Bretagne 1913 / E.D.K.“.
Blattgröße 24,1:31,3 cm. Die Tusche ist bei den Zahlen 1 und 9 verwischt.
Vergleichsliteratur: Ausstellungskatalog: Galerie Joseph Fach, Frankfurt, Edmund Daniel Kinzinger / 1888-1963.
Pforzheim, Reuchlinhaus, 1988, Nr. 2 und 3, Abb. 2, S. 12 und Farbabb. 3, S. 13.
Edmund Daniel Kinzinger hielt sich zeitweilig studienhalber
an der Académie Moderne in Paris auf und unternahm
von dort aus 1913 eine Reise in die Bretagne. Camaret-
sur-Mer war damals ein lebendiger und viel besuchter
Fischereihafen im äußersten Westen der Bretagne auf der
Halbinsel Crozon.
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ERNST LUDWIG KIRCHNER
1880 Aschaffenburg – Frauenkirch, Davos 1938
Drei Tänzerinnen.
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Lithographie, 1912, auf Bütten mit Wasserzeichen: SLG, mit Bleistift signiert „E L Kirchner“.
Darstellungsgröße 26,7:21,5, Blattgröße 53:39 cm. Verso mit dem Basler Nachlass-Stempel, Lugt 1570b
und der handschriftlichen Registriernummer „L 175 I D“.
Provenienz: Frankfurter Kunstkabinett Hanna Becker vom Rath; Privatsammlung, Oberursel.
Literatur: Dube L. 214; Schiefler L. 175;
Gercken 559 I (von II) (das im Werkverzeichnis von Gercken aufgeführte Exemplar).
Biografie: Siehe Seite 143.
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PAUL KLEE
1879 Münchenbuchsee/Schweiz – Muralto/Schweiz 1940
Herzdame (Herzkönigin).
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Lithographie, 1921, auf cremefarbenem Bütten mit Fragment des Wasserzeichens: JW(hatman), im Stein datiert
und mit der Werknummer „1921 / 30“, mit Bleistift nummeriert „20/100“, mit blauer Tinte signiert „Klee“.
Darstellungsgröße 25,6:17,7 cm, Blattgröße 29:21,7 cm. Der Umschlag des Heftes mit leichten Gebrauchsspuren.
Selten!
Literatur: Kornfeld 80; Söhn HDO 50404-1.
Als Beilage erschienen zur Vorzugsausgabe in 100 nummerierten Exemplaren zu:
DER ARARAT: Glossen, Skizzen und Notizen zur neuen Kunst. München, Goltzverlag,
2. Jg., Viertes Heft, April 1921, Ss. 125-154, 3 Bll. Anzeigen.
Rot und schwarz gedruckter Umschlag mit Fadenheftung nach einem Entwurf von Toni Wendling.
Mit Texten von J.W. von Goethe, Henri Rousseau, Oskar Wilde, Alfred Kerr, Mac Neill Whistler, Diderot,
Charles Baudelaire, Emil Zola, G. Apollinaire, Paul Klee u. a. zum Thema „Kritik“ und A. Vollard, P.E. Küppers,
Paul F. Schmidt. Mit 15 Abbildungen nach Kandinsky, Chagall, Archipenko, George Grosz, Carl Mense,
Walter Lindgens, T. Parzinger und Edwin Scharff.
Biografie: Siehe Seite 143.
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PAUL KLEE
1879 Münchenbuchsee/Schweiz – Muralto/Schweiz 1940
Hoffmanneske Szene.
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Farblithographie, zwei Farbsteine, einer in Gelb, einer in Violett, 1921,
auf festem, cremefarbenem Velin, mit Bleistift signiert, datiert und mit der Werknummer bezeichnet „Klee 1921/123“.
Darstellungsgröße 31,6:23 cm, Blattgröße 35,3:26,4 cm.
Provenienz: Kunsthandel Dr. Ewald Rathke, Frankfurt am Main; Privatsammlung, Hessen.
Literatur: Kornfeld 82 II B b; eines von 100 Exemplaren, erschienen in: Bauhaus-Drucke.
Neue europäische Graphik. Erste Mappe. Meister des Staatlichen Bauhauses in Weimar. Weimar 1921.
Die Mappe enthält 14 Graphik blätter; Söhn HDO 101-6.
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OTTO LAIS
1897 Wilferdingen/Karlsruhe – Wegberg-Merbeck 1988
Selbstbildnis mit Sektglas.
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Radierung, 1927, auf festem, chamoisfarbenem Velin, mit Bleistift betitelt „Selbstbildnis mit Sektglas“
und signiert „Otto Lais“ sowie mit Widmung „Meinem lieben Herrn Ebner“.
Darstellungsgröße 23,2:19 cm, Blattgröße 38,4:25,7 cm.
Mit Reißnagellöchlein in den unteren Ecken.
Seltener Zustandsdruck mit vollem Rand!
Literatur: Langenfeld 48, dort der vollendete Zustand sowie abweichend betitelt „Der Mann mit dem Sektglas“.
Nachdem Otto Lais die Primareife am Gymnasium in
Durlach erlangt und als Soldat am 1. Weltkrieg teilgenommen
hat, wird er Zeichenlehrer. Das Staatliche Schulamt
hat früh seine künstlerische Begabung erkannt und stellt
ihn für zwei Tage pro Woche zum Weiterstudium an der
Badischen Landeskunstschule frei. 1924-1926 ist er Meisterschüler
bei Walter Conz (1872-1947). Während seines
Studiums wendet er sich immer mehr der Grafischen
Kunst, der Radierung zu. Zu seinem Kreis gehören Wilhelm
Schnarrenberger (1892-1966), Rudolf Schlichter
(1890-1955), Willi Müller-Hufschmid (1890-1966) und
Karl Hubbuch (1891-1979). Sein Werk endet 1933 abrupt,
als ein Schulbeamter ihm bedeutet, er habe mit seinen
Arbeiterbildern das Proletariat verherrlicht, und Kollegen
ihm vorwerfen, seine Sachen würden sich nicht mit der
Kunstauffassung des Nationalsozialismus vertragen, da er
bolschewistische Kunst mache. Es folgt ein Ausstellungsverbot;
der größte Teil seiner Arbeiten wird vernichtet.
Als Radierer der Neuen Sachlichkeit schuf Lais ab den
1920er Jahren ein bedeutendes sozialkritisches, grafisches
Werk, das dem symbolischen Realismus zugeordnet wird.
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OTTO LANGE, GEN. „OTTOLANGE“
1879 – Dresden – 1944
Van Zantens Ankunft auf Tongus Kanu.
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Farbholzschnitt, 1919/20, auf Japan-Bütten, mit Bleistift bezeichnet und signiert
„Hand. Selbstdruck“ und „Otto Lange“.
Darstellungsgröße 17,7:13,3 cm, Blattgröße 26,5:20,5 cm.
Abgesehen von Leimspuren in den oberen Ecken, tadellos erhalten.
Literatur: Schönjahn H 245. Blatt 1 von 20 Farbholzschnitten sowie Titelblatt.
Dieser Farbholzschnitt zeigt folgende Szene: „… Das Kanu
Tongus mit van Zanten kommt vom Riff. An seiner sanften
Linie bricht sich die Welle von Wahujas wilder Erregung.
Und die ziegelroten Flecke Lendentuch, Boot und
Ruder stehen im Bilde wie Bälle, mit denen ein Artist jongliert.“
(Hans F. Secker aus dem Geleitwort zu Otto Langes
Holzschnittfolge „Van Zantens glückliche Zeit“, Dresden
1920 (in Galerie Albstadt 1983, S. 97.)
Die Holzschnitte illustrieren den Roman „Van Zantens
glückliche Zeit“ des dänischen Autors Laurids Bruun
(1864-1935) [im Original „Van Zantens lykkelige Tid“
1908; in deutscher Übersetzung 1911]. Im Zusammenhang
mit Südseeaufenthalten des Schriftstellers entstanden,
begründet sich der Erfolg der Fortsetzungsromane, die
von den Abenteuern des Holländers van Zanten erzählen,
in der Sehnsucht nach fremden Ländern und im Fernweh
der damaligen Zeit. Ernst Schremmer beschreibt van
Zanten als europamüden Aussteiger, „[…] der fern aller
Zivilisation sein Glück findet in einer märchenhaften
Welt, in freier Liebe, dann als von der jüngsten Tochter des
Königs, Ali, auf der Insel Pelli, erwählter Mann, das gemeinsame
Glück, schließlich nach einem Taifun den Tod
von Weib und Kind.“ (Galerie Albstadt 1983, S. 15). Neben
Otto Lange haben sich u.a. auch die Brücke-Maler Otto
Mueller (1874-1930) bereits 1912 und Max Pechstein (1881-
1955) 1924 dem Thema des Südseeabenteurers van Zanten
durch das Medium Holzschnitt angenähert. Jedoch blieb
es bei beiden Künstlern bei unvollendeten Entwürfen.
Georg Schrimpf (1889-1938), Vertreter der Neue Sachlichkeit,
veröffentlichte ebenfalls 1920 eine farbig kolorierte
Folge von 10 Lithographien zu dem Thema im Verlag der
Galerie „Neue Kunst“ bei Hans Goltz in München.“
Biografie: Siehe Seite 144.
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WILHELM LEHMBRUCK
1881 Duisburg-Meiderich – Berlin 1919
Verzweifelnde Mutter.
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Radierung in Braundruck, 1910, auf festem, chamoisfarbenem Japan, mit Bleistift signiert „W. Lehmbruck“,
sowie eigenhändig betitelt „Verzweifelnde Mutter“ und als „1. Zustand“ bezeichnet.
Darstellungsgröße 11,8:15,9 cm, Blattgröße 25,8:32,6 cm.
Verso mit der Cassirer-Verzeichnis Nummer „25“ und am Oberrand vom Ablösen
einer alten Montierung entstandene dünne Stelle im Papier.
Ganz ausgezeichneter, mit reichem Ton effektvoll gesteigerter Druck mit breitem Rand.
Als signierter Frühdruck von allergrößter Seltenheit!
Literatur: Wilhelm Lehmbruck’s Graphisches Werk, Paul Cassirer Verlag, Berlin 1913 (57 Nrn.), Nr. 25;
Wilhelm Lehmbruck. Paul Cassirer Verlag, Berlin 1920 (Radierungen 138 Nrn., Lithographien 16 Nrn.), Nr. 25;
Petermann 5 I (von III).
Biografie: Siehe Seite 145.
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WILHELM LEHMBRUCK
1881 Duisburg-Meiderich – Berlin 1919
Kniende auf beiden Knien.
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Radierung, 1913, auf chamoisfarbenem Japan, mit Bleistift signiert „W. Lehmbruck“,
sowie eigenhändig betitelt „Kniende (auf beiden Knien) / Kopf hintenübergebeugt“.
Darstellungsgröße 19,7:14,7 cm, Blattgröße 39,7:26 cm.
Verso mit der Cassirer-Verzeichnis Nummer „47 / Bl 1“.
Ganz ausgezeichneter und gratiger, mit reichem Ton effektvoll gesteigerter Druck mit breitem Rand.
Als signierter Frühdruck von allergrößter Seltenheit!
Provenienz: Privatsammlung, Schweiz.
Literatur: Wilhelm Lehmbruck’s Graphisches Werk, Paul Cassirer Verlag, Berlin 1913 (57 Nrn.), Nr. 47;
Wilhelm Lehmbruck. Paul Cassirer Verlag, Berlin 1920 (Radierungen 138 Nrn., Lithographien 16 Nrn.), Nr. 47;
Petermann 78 (im Werkverzeichnis erwähntes Exemplar).
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FRANZ LENK
1898 Langenbernsdorf/Zwickau – Schwäbisch Hall 1968
Bildnis einer jungen Frau.
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Aquarell und Deckweiß, über Bleistift, auf cremefarbenem Velin, mit Bleistift signiert und datiert „Franz Lenk / 1920“.
Blattgröße 30,5:29,3 cm. Das Blatt stammt aus einem Zeichenblock, der Oberrand ist perforiert.
Lenk zeigt sich hier als ein vorzüglicher Porträtist, der die
Züge der jungen Frau mit großer Sensibilität und beeindruckendem
zeichnerischen Können formuliert.
Nach einer Lehre der Dekorationsmalerei und als Lithograf
von 1912-1915 nimmt Franz Lenk 1916 ein Malereistudium
bei Richard Müller (1874-1954) und Ludwig von
Hofmann (1861-1945) an der Dresdner Akademie auf.
Lenk wird dann zum Kriegsdienst im Ersten Weltkrieg
eingezogen. Er führt nach dem Krieg seine Studien ab
1922 bei Richard Dreher (1875-1932), als Meisterschüler
bei Ferdinand Dorsch (1875-1938) und Max Feldbauer
(1869-1948) fort. 1924 bis 1925 studiert er bei Robert Sterl
(1867-1932). Bereits ab 1922 hat er ein eigenes Atelier in
Dresden, das er 1925 nach Lausa verlegte.
1926 siedelt er nach Berlin über und ist 1928 Mitbegründer
der Gruppe „Die Sieben“ mit Theo Champion (1887-1952),
Adolf Dietrich (1877-1957), Hasso von Hugo (1897-1945),
Alexander Kanoldt (1881-1939), Franz Radziwill (1895-
1983) und Georg Schrimpf (1889-1938). Lenk ist Mitglied
im Verband Berliner Künstler und im Deutschen Künstlerbund.
1933 erfolgt die Berufung zum Professor an die Vereinigten
Staatsschulen in Berlin. Von 1933-1936 ist Lenk Mitglied
des Präsidialrates der Reichskammer der bildenden
Künste, und gehört 1934 zu den 37 Unterzeichnern des
Aufrufes der Kulturschaffenden zur Unterstützung des
Diktators Adolf Hitler. 1933 nimmt er an der umstrittenen
und von den Nationalsozialisten zeitweilig geschlossenen
Ausstellung „30 Deutsche Künstler“ in der Galerie Ferdinand
Möller in Berlin teil. 1935 hat er eine Doppelausstellung
mit dem von den Nationalsozialisten verfemten Otto
Dix (1891-1969) in der Galerie Nierendorf Berlin. Aber er
kann in der Zeit des Nationalsozialismus auch an mehr als
20 Ausstellungen teilnehmen, die dem Staat genehm sind.
1936 wird Lenk Vorstandsmitglied der Berliner Secession
und 1937 Mitglied der Preußischen Akademie der Künste.
In den folgenden Jahren reist er zu Studienzwecken ins
Vogtland, nach Thüringen, auf die Insel Amrum, nach
Schlesien, sowie an den Bodensee und in den Hegau. 1937
verweigert er eine Beteiligung an der Großen Deutschen
Kunstausstellung in München. 1943 erwirbt das Museum
der Stadt Trier Arbeiten Lenks. Eine Studienreise führt
Lenk 1934 zusammen mit Otto Dix in den Hegau. Lenk
setzt sich für verfolgte Kollegen ein und legt sein Lehramt
an den Vereinigten Staatsschulen aus Protest gegen die
Diffamierung von Kollegen und gegen die repressive
„Kunstpolitik“ im Dritten Reich nieder. Lenk zieht sich
1938 nach Orlamünde in Thüringen zurück. 1944 zieht er
nach Wilhelmsdorf/Württemberg, später wohnt er in
Großheppach, bis er 1948 in Fellbach ansässig wird. 1950
erhält er einen Lehrauftrag am Carnegie Institute in Pittsburgh,
USA. 1959 lässt sich Lenk in Schwäbisch Hall nieder,
wo er Kulturbeauftragter der Stadt wird.
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JEANNE MAMMEN
1896 – Berlin – 1976
Chansonette oder Die dicke Sängerin l.
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Feder in Schwarz, um 1932, auf festem, strukturiertem Papier, mit Bleistift signiert „J Mammen“,
verso am oberen Rand bezeichnet „Die dicke Sängerin“, am unteren Rand bezeichnet „Chansonette“.
Blattgröße 47,1:34,9 cm. – Insgesamt leicht gebräunt, der rechte Blattrand mit kleinem Einriss.
Provenienz: Jeanne-Mammen-Gesellschaft; Fischer Fine Art, London, dort 1980 vom Vorbesitzer erworben.
Literatur: Döpping/Klünner Z 282; abgeb. in: Der Querschnitt, Heft 9, Jg. 12, September 1932, S. 631.
Biografie: Siehe Seite 145.
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JEANNE MAMMEN
1896 – Berlin – 1976
Kurfürstendammpaar.
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Lithographie, teils aquarelliert, um 1930,
auf festem, chamoisfarbenem Velin, mit Bleistift nummeriert „1/6“ und signiert „JMammen“.
Darstellungsgröße 44,5:34 cm, Blattgröße 70:50,3 cm.
Eines von nur zwei handkolorierten Exemplaren der Lithographie und somit von allergrößter Seltenheit!
Provenienz: Atelier der Künstlerin; Sammlung Prof. Dr. Stanislaw Karol Kubicki, Berlin (1926-2019).
Karol Kubicki war lange Jahre Präsident der Jeanne-Mammen- Gesellschaft in Berlin.
Literatur: Döpping/Klünner D 14.
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JEANNE MAMMEN
1890 – Berlin – 1976
Nutten.
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Lithographie (Asphaltdruck), um 1930,
auf Bütten, mit Bleistift nummeriert „20/4“ und signiert „J. Mammen“.
Darstellungsgröße 46,5:35 cm, Blattgröße 62:49,9 cm.
Diese Lithographie zählt zu den Höhepunkten im graphischen Werk von Jeanne Mammen
und liegt hier in einem prachtvollen, klaren Druck vor!
Provenienz: Sammlung Prof. Dr. Stanislaw Karol Kubicki, Berlin.
Literatur: Döpping/Klünner D 15. Hier heißt es dazu: „Jedes der Mammen-Girls (…) scheint in seiner Isolierung
wie unter einem unsichtbaren Glassturz konserviert, der es von den anderen trennt. Ihre zu Schlitzen
zusammengezogenen, ins Leere blickenden, durch Hutkrempen verdeckten und durch Schleier vergitterten Augen
verbergen erfolgreich alles, was eventuell als ‚Seelenkäse‘ enttarnt werden könnte.“ (op. cit. S. 55).
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JEANNE MAMMEN
1896 – Berlin – 1976
Siesta.
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Farblithographie, um 1930/32, auf chamoisfarbenem Velin,
mit Bleistift bezeichnet „P./A 4“, zweifach signiert „J. Mammen“ sowie betitelt „Siesta“.
Darstellungsgröße 44,5:35,3 cm, Blattgröße 52,3:37,7 cm.
Vereinzelte winzige Stockfleckchen sowie im Passepartoutausschnitt minimal gebräunt.
Eines von nur sieben bekannten Exemplaren und somit sehr selten!
Provenienz: Atelier der Künstlerin; Sammlung Prof. Dr. Stanislaw Karol Kubicki, Berlin (1926-2019).
Literatur: Döpping/Klünner D 23, PA 4. Entstanden für den mit Fritz Gurlitt geplanten Zyklus „Lieder der Bilitis“.
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FRANZ MARC
1880 München – bei Verdun 1916
Ruhende Pferde.
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Holzschnitt, 1911/1912, auf feinem Japan, mit Bleistift bezeichnet „No. 1“,
verso von Maria Marc mit Bleistift bezeichnet „Nachlass Franz Marc bestätigt Maria Marc“,
Darstellungsgröße 16,9 x 23 cm, Blattgröße 20,5: 28,5 cm.
Von allergrößter Seltenheit!
Provenienz: Maria Marc, Gattin des Künstlers; Privatsammlung; Lempertz, Köln, Auktion 1212, Lot 149;
Rheinische Privatsammlung.
Literatur: Hoberg/Jansen Bd. III, Nr. 23 (im Werkverzeichnis aufgeführtes Exemplar); nicht bei Schardt;
nicht bei Lankheit (in seinen handschriftlichen Notizen auf geführt als nur 3 Abzüge vom schwarzen Holzstock).
Biografie: Siehe Seite 146.
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47
FRANZ MARC
1880 München – bei Verdun 1916
Tiger.
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Holzschnitt, 1912, auf feinem Japan. Darstellungsgröße 19,8 x 24 cm, Blattgröße 25: 36,7 cm.
Verso mit Bleistift bezeichnet „Handdruck vom Originalholzstock bestätigt Maria Marc“.
Der Holzschnitt von Franz Marc wurde für die Nrn. 1-25 der Vorzugsausgabe durch Heinrich Campendonk
mit der Hand vom Originalholzstock auf Japanpapier abgezogen.
Provenienz: Lempertz, Köln, Auktion 1234, Lot 129; Hessische Privatsammlung.
Literatur: Hoberg/Jansen Bd. III, Nr. 27, vgl. 3. Auflage; Söhn HDO 507-1; nicht bei Schardt; nicht bei Lankheit.
Erschienen in: Buch Der Toten. Hrsg. Wolf Pryzgode. Erster Sonderdruck der Dichtung, München, Roland-Verlag, 1919.
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48
LUDWIG MEIDNER
1884 Bernstadt/Schlesien – Darmstadt 1966
Großstadtstraße.
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Kaltnadelradierung, 1913, auf Van Gelder Zonen Bütten, unsigniert.
Darstellungsgröße 16,7:12 cm, Blattgröße 32,5:26 cm.
Von größter Seltenheit!
Provenienz: Hessische Privatsammlung.
Literatur: Ausstellungskatalog: W. Flammann, Ludwig Meidner, Das druckgraphische Werk /
Ein Überblick, Stadt Hofheim/Taunus, 1991, Kat. Nr. 3 mit Abb. S 24.
Biografie: Siehe Seite 147.
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49
MELA MUTER,
EIGENTL. MARIA MELANIA MUTERMILCH, GEB. KLINGSLAND
1876 Warschau – Paris 1967
Liegender Frauenakt.
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Bleistift, auf bräunlichem Velin mit Fragment eines Wasserzeichens, zweifach mit Bleistift signiert „Muter“.
Blattgröße 32,9:19,9 cm. Verso: Figürliche Skizzen. Bleistift.
Vorzeichnung für das Gemälde „Cubist nude (c.1919)“, das in folgenden Ausstellungen präsentiert wurde:
Mela Muter 1876-1967. Retrospektiv-Ausstellung, Galerie Gmurzynska, Köln 1967;
Pionnieres. Artistes dans le Paris des années folles, Paris, Musée du Luxembourg, 2022.
Die akzentuierte, eckig-kubistische Ausführung lässt eine Entstehungszeit um 1919 vermuten,
da die Künstlerin sich in dieser Zeit mit den Arbeiten von Albert Gleizes (1881-1953) und Gino Severini (1883-1966)
auseinandersetzte, die sie persönlich kennengelernt hatte.
Als Tochter eines literarisch interessierten vermögenden
Warschauers wird Mela Muter zuerst privater Zeichenunterricht
erteilt. Dann besucht sie ab 1899 in ihrer Geburtsstadt
die private Frauenmalschule unter der Leitung
von Milosz Kotarbiński (1854-1944). Im selben Jahr heiratet
sie den Kritiker, Schriftsteller und Aktivisten Michael
Mutermilch, mit dem sie 1900 nach Paris zieht. 1901 setzt
sie in der Kunstmetropole an der Seine ihre Studien an der
Académie Colarossi bei Etienne Tournés (1857-1931),
Raphaël Collin (1850–1916) und René François Xavier
Prinet (1861-1946) fort. Wiederholte Aufenthalte in Concarneau
schließen sich an und sie kommt mit der Kunst
der Schule von Pont-Aven in Berührung. Sie wird eine gefragte
Porträtistin, zudem erschafft sie Stilleben und
Landschaften, aber auch Bilder, die das Elend der armen
Bevölkerung, vor allem alte Leute und Bettler thematisieren.
Schon seit 1902 beteiligt sie sich an Ausstellungen
der Societé Nationale des Beaux Arts, des „Salon des Indépendants“,
„Salon d’Automne“ und „Salon des Tuileries“.
Vor dem 1. Weltkrieg reist sie mehrfach nach Spanien.
Durch die Beziehung zu dem Sozialaktivisten Raymond
Lefebvre seit 1917 scheitert ihre Ehe. Nach dem mysteriösen
Tod ihres Geliebten in der Sowjetunion sowie der
Tuberkulosekrankheit ihres Sohnes u.a. tragischen Ereignissen
konvertiert sie 1923 zum Katholizismus. Nach dem
Ersten Weltkrieg hat sie in Paris mehrere Einzelausstellungen,
1921 wird sie sogar eingeladen, Mitglied der Jury des
„Salon d’Automne“ zu werden. Nach dem Tod ihres Sohnes
1924 und Rainer Maria-Rilkes (1875-1926), mit dem sie
eng befreundet ist, fällt sie in tiefe Depression. Zu Beginn
der 1930er Jahre zwingt sie die zunehmend schwierige
finanzielle Lage Malunterricht zu geben. 1937 wird ihr die
Goldmedaille der Weltausstellung verliehen. Nach dem
Einmarsch der Nationalsozialisten in Paris flieht sie wegen
ihrer jüdischen Herkunft 1940 in das unbesetzte Avignon.
Nach ihrer Rückkehr nach Paris 1946 kann sie an
ihren vorherigen Erfolg anknüpfen und hat zahlreiche
Ausstellungen, auch in Köln und New York.
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50
ROLF NESCH
1893 Oberesslingen/Neckar – Oslo 1975
Selbstbildnis mit Zigarre.
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Kaltnadelradierung, um 1922, auf Bütten mit Fragment des Wasserzeichens:
JWZander, nummeriert und bezeichnet „18/25 Selbstdr(uck).“, sowie signiert „Nesch“.
Darstellungsgröße 24,6:17,5 cm, Blattgröße 38,7:29,2 cm.
Provenienz: Altenburg, Staatl. Lindenmuseum, ausgesch. 76/13922 (Stempel verso).
Literatur: Ausstellungskatalog: The Graphic Art of Rolf Nesch. Detroit, The Detroit Inst. of Arts, 1969, Kat. Nr. 2.;
Helliesen/Sorensen 173.
Rolf Nesch zählt neben Edvard Munch (1863-1944) zu den bedeutendsten Künstlern der Klassischen Moderne
in Skandinavien. Der gebürtige Deutsche mit norwegischer Staatsbürgerschaft ist einer der Ausnahmekünstler im
Bereich der Druckgraphik.
Biografie: Siehe Seite 147.
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ROLF NESCH
1893 Oberesslingen/Neckar – Oslo 1975
Die drei Töchter von Max Sauerlandt am Flügel.
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Kaltnadelradierung, um 1929, mit starkem Wischton und Deckweißhöhungen der Gesichter,
auf cremefarbenem Bütten mit Wasserzeichen: F M Head, mit Bleistift signiert „Rolf Nesch“.
Darstellungsgröße 44,7:33,3 cm, Blattgröße 63,7:51,5 cm.
Von größter Seltenheit!
Provenienz: Privatsammlung, Hamburg.
Literatur: Helliesen/Sorensen 371, Abb. 9. Im Gegensatz zu dem im Werkverzeichnis beschriebenen
und abgebildeten Exemplar, das zusätzlich mit einer farbigen Monotypie gedruckt wurde,
handelt es sich bei dem hier beschriebenen Blatt um ein Exemplar aus der Auflage von 1972,
die von Hartmut Frielinghaus nur in Schwarz gedruckt wurde.
In einer mit der Maschine geschriebenen Notiz heißt es:
„Die 3 Töchter von Max Sauerlandt am Flügel“. Radierung,
um 1929, Kaltnadel auf Zink: von der erhaltenen
Platte, ein Geschenk von Rolf Nesch an Frau Alice Sauerlandt,
hat Hartmut Frielinghaus 1972 in monochromer
Fassung für die Familie Sauerlandt und für einen Freund
etwa 8-10 Probedrucke gemacht; auf 3 dieser Drucke hat
Nesch die Gesichter der Frauen mit Weiß gehöht, weil sich
das alte Zink der Platte nicht mehr in gewünschtem Maß
an diesen Stellen reinwischen ließ, um das Inkarnat vorzustellen.“
Prof. Dr. Max Sauerlandt (1880-1934) war Direktor des
Museums für Kunst und Gewerbe in Hamburg von 1919-
1934 und hatte sich im November 1929 sehr für den Erwerb
eines Gemäldes von Rolf Nesch eingesetzt.
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ROLF NESCH
1893 Oberesslingen/Neckar – Oslo 1975
Hildegard.
53
Radierung und Aquatinta, um 1930, auf festem, chamoisfarbenem Velin,
mit Bleistift bezeichnet „Probedruck“, betitelt „Hildegard“ und signiert „Nesch“.
Darstellungsgröße 32,2:25 cm, Blattgröße 38,2:30,2 cm. Mit Werkstattspuren.
Von größter Seltenheit!
Provenienz: Auktion Ketterer, München, 25.11.1991, Los 764; Kunsthandel Marion Grcic-Ziersch, München.
Literatur: Helliesen/Sorensen 392.
Bei der Dargestellten handelt es sich um die Schwester des Künstlers Hildegard Nesch.
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EMIL NOLDE,
EIGENTL. EMIL HANSEN
1867 Nolde (Provinz Schleswig-Holstein) – Seebüll 1956
Kniendes Mädchen.
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Radierung mit heller Tonätzung, 1907, auf chamoisfarbenem Velin,
mit Bleistift signiert „Emil Nolde.“.
Darstellungsgröße 30:22,1 cm, Blattgröße 43,5:31,7 cm.
Gedruckt von Otto Felsing, Berlin.
Eines von 37 Exemplaren dieses Zustandes und von vorzüglicher Erhaltung!
Provenienz: Galerie Nierendorf, Berlin; Privatsammlung, Hessen.
Literatur: Schiefler/Mosel/Urban R 76 V (von V).
Biografie: Siehe Seite 148.
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MAX OPPENHEIMER, GEN. „MOPP“
1885 Wien – New York 1954
Rosé-Quartett.
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Farblithographie, um 1920, auf Velin, im Stein monogrammiert.
Darstellungsgröße 66:65 cm, Blattgröße 78,2:70,2 cm.
Literatur: Papst L 15; nicht bei Stix Lithographien; Ausstellungskatalog: Bernhard Echte (Hrsg.),
Max Oppenheimer (MOPP) 1885-1954, Gemälde und Graphiken, Stiftung Langmatt Sidney und Jenny Brown, Baden,
1995 und Bayerische Staatsgemäldesammlungen, Staatsgalerie moderner Kunst, München, 1995/96, Kat.-Nr. 57.
Der Lithographie liegt das Motiv des Gemäldes von Max
Oppenheimer „Klinglerquartett (Streichquartett)“ von 1917
zugrunde, das sich heute im Oberen Belvedere in Wien
befindet (Inv. Nr. 2493).
Das Rosé-Quartett setzte sich in dieser Zeit zusammen
aus: Arnold Rosé (1882-1945) Violine; Paul Fischer (1905-
1938) Violine; Anton Walter (1883-1950) Violincello; Anton
Rusitzka (1901-1929) Viola.
Musik und Musiker waren für Oppenheimer eine ständige
Quelle der Inspiration. Das hier vorliegende Blatt ist wohl
das bekannteste Motiv des Künstlers.
Max Oppenheimer ist von 1900-1903 Schüler der Akademie
der bildenden Künste in Wien und von 1903-1906 der
Prager Kunstakademie. Hier schließt er sich 1906 der
Gruppe „OSMA“ an, eine der ersten Vereinigungen tschechischer
Avantgardisten. 1907 kehrt er nach Wien zurück,
wo er zum Kreis des „Wiener Expressionismus“ gehört.
Stilistisch haben ihn Oskar Kokoschka (1886-1980), Egon
Schiele (1890-1918) und Albert Paris Gütersloh (1887-1973)
beeinflusst. 1911-1915 ist er in Berlin tätig und Mitarbeiter
der Zeitschrift „Die Aktion“ und nimmt kubistische
Elemente in seine Arbeiten auf. Es folgt ein Aufenthalt in
der Schweiz von 1915-1925, wo seine Auseinandersetzung
mit der Musik beginnt (Bildnisse von Musikern, „Musik
und Malerei“, 1919). 1931 kehrt er nach Wien zurück, 1938
emigriert er in die USA, wo er in New York bis zu seinem
Tode zurückgezogen lebt. 1940 veranstaltete die Galerie
Nierendorf, New York eine Ausstellung mit ihm, auf der
die Gemälde „Tilla Durieux“, „Geisselung“ und „Der
Weltkrieg“ gezeigt werden.
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55
HERMANN MAX PECHSTEIN
1881 Zwickau – Berlin 1955
Nach dem Bad.
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Kaltnadelradierung mit Riffelfeile und Pinselätzung, 1920, auf festem Japan, mit Bleistift signiert „HMPechstein“.
Darstellungsgröße 26,5:20,7 cm, Blattgröße 36,6:30,9 cm.
Eines von 25 Exemplaren der Vorzugsausgabe auf Japanpapier.
Provenienz: Privatsammlung Berlin.
Literatur: Krüger R 118; Söhn HDO 72709-8. Erschienen in: „Die Schaffenden“, 3. Jahrgang, 1. Mappe.
Hrsg. von Paul Westheim, Berlin, Euphorion-Verlag, 1921.
Schon früh wird das künstlerische Talent Max Pechsteins
erkannt und gefördert. Sein konventioneller Werdegang,
erst als Lehrling bei einem Zwickauer Malermeister, dann
in der Dresdner Kunstgewerbeschule und schließlich an
der dortigen Akademie bei dem Dekorationsmaler Otto
Gußmann (1869-1926), verhilft Pechstein zu einem soliden
handwerklichen Können. Als er 1906 für die Dresdner
Kunstgewerbeausstellung ein Deckenbild in so unkonventioneller
Farbigkeit malt, dass es der Auftraggeber durch
graue Spritzer dämpfen lässt, wird Erich Heckel (1883-
1970) auf Pechstein aufmerksam und holt ihn schließlich
in die ein Jahr zuvor gegründete Künstlervereinigung
„Die Brücke“, welche sich als Ziel eine dem Impressionismus
entgegengesetzte, aus der Kraft der Farbe kommende
Malerei gesetzt hatte und „alle revolutionären und gärenden
Kräfte an sich [...] ziehen wollte“ (Schmidt-Rottluff).
Im Umfeld der „Brücke“-Mitglieder entwickelt sich der
expressionistische Stil Pechsteins nun weiter, wobei sein
Ziel ist, mit wohldosiertem Einsatz malerischer Mittel den
motivischen Kernpunkt herauszuarbeiten. 1908 lässt sich
Pechstein in Berlin nieder und wird dort zum Mitbegründer
der „Neue Sezession“. Er schafft Figurenbilder, Stilleben
und Landschaften in einem gemäßigt expressionistischen
Stil, der zu dem frühen und langanhaltenden
Erfolg des Künstlers führt. 1937 wird er als entarteter
Künstler diffamiert. Ab 1945 lehrt Pechstein an der Berliner
Akademie der Künste. Neben der Malerei entsteht im
Bereich der Graphik ein Werk aus mehr als 850 Holzschnitten,
Lithographien und Radierungen.
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CHRISTIAN SCHAD
1894 Miesbach/Oberbayern – Stuttgart 1982
Jette.
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Lithographie, 1921, auf cremefarbenem Bütten, mit Bleistift betitelt und nummeriert „Jette 14/202“
sowie signiert und datiert „Christian Schad / 21“. Darstellungsgröße 15,5:15,7 cm, Blattgröße 30:22,5 cm.
Provenienz: Süddeutscher Privatbesitz.
Christian Schad wird am 21.8.1894 in Miesbach/Oberbayern
geboren. Sein Vater ist der hoch angesehene Geheime
Justizrat Carl Schad, seine Mutter Marie entstammt der
Familie des Malers Carl Philipp Fohr (1795-1818). Kurz
nach seiner Geburt zieht die Familie nach München, wo er
ab 1913 an der Münchner Kunstakademie bei Heinrich von
Zügel (1850-1941) und Carl Johann Becker-Gundahl (1856-
1925) studiert. Er bricht das Studium nach wenigen Semestern
ab und mietet in München Schwabing ein Atelier.
Zunächst entstehen expressionistische Holzschnitte. Um
nicht zum Militärdienst eingezogen zu werden, flüchtet
Schad 1915 in die neutrale Schweiz, nach Zürich. Dort
lernt er u. a. Hans Arp (1886-1966), Hugo Ball (1886-1927),
Emmy Hennings (1885-1948) und Tristan Tzara (1896-
1963) kennen und schließt sich der „Dada“-Bewegung an.
Er ist befreundet mit dem Dichter Walter Serner, der auch
Herausgeber der Zeitschrift „Sirius“ ist. Schad arbeitet an
Holzschnitten und veröffentlicht sie in Zeitschriften und
Graphikmappen. 1915 findet in Zürich die erste Einzelausstellung
mit Werken von Christian Schad statt. 1917 zieht
Schad nach Genf, dort entwickelt er mit lichtempfind lichen
Fotoplatten seine „Schadographie“ genannten Fotogramme.
In den Jahren 1920-1925 leben Schad und Serner zusammen
in Rom und Neapel. Seine Bilder aus diesen Jahren
zeigen die Anregung durch das unmittelbare Umfeld
der italienischen Kulturlandschaft. 1923 heiratet Schad die
Italienerin Marcella Arcangeli, sie bekommen einen Sohn.
1925 zieht die Familie nach Wien. Die Ehe wird bereits
1927 wieder geschieden und Schad zieht 1928 nach Berlin.
In den Bildern dieser Jahre in Wien und Berlin thematisiert
Christian Schad das Großstadtleben. Er porträtiert
Künstler, Intellektuelle und Persönlichkeiten des mondänen
Lebens. Mit den Malern Otto Dix (1891-1969) und
George Grosz (1893-1959) gilt Christian Schad als einer
der Hauptvertreter der Neuen Sachlichkeit.
Christian Schads Werke werden auf zahlreichen Ausstellungen
im In- und Ausland gezeigt. Mit der Machtergreifung
der Nationalsozialisten wird es dann jedoch auch für
Schad schwierig, er zieht sich mehr und mehr zurück. 1935
wird Schad Geschäftsführer eines Berliner Brauerei-
Depots. 1942 wird sein Atelier durch Bombenangriffe zerstört.
1943 zieht Schad nach Aschaffenburg, dort heiratet
er in zweiter Ehe Bettina Mittelstädt.
Ab Anfang der 1950er Jahre entstehen die sogenannten
„Magischen Bilder“, ab ca. 1960 beschäftigt sich Christian
Schad wieder mit den „Schadographien“.
1962 siedelt Christian Schad nach Keilberg im Spessart
über, er stirbt am 25.2.1982 in Stuttgart.
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CHRISTIAN SCHAD
1894 Miesbach/Oberbayern – Stuttgart 1982
Clelia.
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Lithographie, 1921, auf cremefarbenem Bütten, mit Bleistift betitelt und nummeriert „Clelia / 5/13“
sowie signiert und datiert „Christian Schad / 21“.
Darstellungsgröße 14,5:8,3 cm, Blattgröße 29,7:22,9 cm.
Von aller größter Seltenheit!
Provenienz: Galleria del Levante, München; Kunsthandel Marion Grcic-Ziersch, München.
Die Zeitung „Main Echo“ veröffentlichte am 06.01.2012
von Stefan Reis die Besprechung einer Ausstellung in der
Aschaffenburger Galerie Viola „Seltene Lithographien
und Radierungen von Christian Schad – Dabei ein verschollen
geglaubtes Porträt von 1921“. An späterer Stelle
heißt es: „Die 1921 entstandene Lithographie „Clelia“ gilt
als Schads graphisches Hauptwerk der 20er Jahre. In einer
Auflage von 15 Exemplaren gedruckt, galt sie Jahrzehnte
lang als verschollen, bis sie nun in der aufgelösten Sammlung
entdeckt wurde. (Dabei handelt es sich um eine
Sammlungsauflösung, die auf Vermittlung des Christian-
Schad-Archivs in Rottach-Egern zustande kam).
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58
RUDOLF SCHLICHTER
1890 Calw – München 1955
Speedy.
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Aquarell, um 1930, über leichter Bleistiftskizze, auf genarbtem Velin,
mit Bleistift signiert „R. Schlichter“. Blattgröße 56:40,2 cm.
Provenienz: Rheinische Privatsammlung.
Bei der Dargestellten „Speedy“ handelt es sich um Schlichters Ehefrau Elfriede Elisabeth Köhler (1902-1975),
die er 1929 heiratete.
Rudolf Schlichter absolviert von 1904-1906 eine Lehre als
Emaille Maler in Pforzheim. Anschließend studiert er von
1907-1910 an der Kunstgewerbeschule in Stuttgart, bis
1916 an der Kunstakademie in Karlsruhe. Er studiert u. a.
bei Walter Georgi (1871-1924), Hans Thoma (1839-1924)
und Walter Conz (1872-1947) und wird Meisterschüler
von Kaspar Ritter (1861-1923) und Wilhelm Trübner
(1851-1917). Zum Kriegsdienst eingezogen, dient er ab 1916
als Munitionsfahrer in Frankreich. 1917 erzwingt er durch
einen Hungerstreik die Entlassung aus dem Militärdienst.
Wieder in Karlsruhe, gründet er mit 6 weiteren Künstlern
die „Gruppe Rih“. 1919 zieht er nach Berlin und schließt
sich dort der „Novembergruppe“ sowie der „Berliner
Sezession“ an, ferner tritt er in die KPD ein. 1920 nimmt
er an der Ersten Internationalen Dada-Messe teil und hat
seine erste Einzelausstellung in Berlin. Seinen Lebensunterhalt
bestreitet Schlichter mit Buchillustrationen.
1924 wird er Schriftführer der „Roten Gruppe“ und löst
sich von der „Novembergruppe“. Bert Brecht, Alfred
Döblin, Oskar Maria Graf, Erich Kästner und Egon Erwin
Kisch gehören zu seinem Freundeskreis. 1925 nimmt er
mit zwei Werken an der Mannheimer Ausstellung „Neue
Sachlichkeit“ teil. Zwei Jahre später verlässt Schlichter seinen
bisherigen Wirkungskreis und kehrt zur katholischen
Kirche zurück. Nach dem Ende der Dada-Phase wird
Schlichter Vertreter des veristischen Flügels der Neuen
Sachlichkeit. Die Kunst wird ihm zur Waffe im politischen
Kampf gegen Großbürgertum und Militarismus. Darstellungen
der Großstadt, Straßenszenen, die Subkultur der
intellektuellen Bohème und der Unterwelt, Portraits und
Erotisches sind seine bevorzugten Sujets. Eine regimekritische
Zeichnung, die Rudolf Schlichter für die katholische
Jugendzeitschrift „Junge Front“ fertigt, führt 1934 zum
Ausschluss aus der Reichskammer der bildenden Künste,
andere Werke von Schlichter werden beschlagnahmt und
in der Ausstellung „Entartete Kunst“ gezeigt. 1939 zieht
der Künstler nach München. 1942 verbrennt ein Teil seines
Werkes durch einen Bombenangriff. Ein Jahr nach dem
Krieg, 1946, beteiligt Rudolf Schlichter sich an der
„1. Deutsche Kunstausstellung“ in Dresden, in der er mit
seinem surrealistischen Spätwerk an die Öffentlichkeit
tritt. In seiner Schrift „Das Abenteuer der Kunst“, die 1949
im Rowohlt Verlag erscheint, begründet er seine Hinwendung
zum Surrealismus.
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GEORG SCHOLZ
1890 Wolfenbüttel – Waldkirch 1945
Sitzender weiblicher Akt.
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Bleistift, 1925, auf bräunlichem Bütten mit Wasserzeichen „Hahn im Kreis“,
mit Bleistift signiert und datiert „Scholz 1925“.
Blattgröße 60:45 cm. In den Rändern fachgerecht restaurierte Einrisse.
Provenienz: Nachlass Georg Scholz, Waldkirch; Privatsammlung, Hessen.
Literatur: Ausstellungskatalog: Georg Scholz. Ein Beitrag zur Diskussion realistischer Kunst.
Karlsruhe, Badischer Kunstverein, 1975, Nr. 59, mit Abb. S. 123; M. Angermeyer- Deubner, Neue Sachlichkeit
und Verismus in Karlsruhe 1920-1933. Karlsruhe, 1988, Abb. 37, S. 222;
H.-D. Mück, Georg Scholz. Malerei Zeichnung Druckgraphik. Stuttgart, 1991, Abb. S. 87.
Biografie: Siehe Seite 149.
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GEORG SCHOLZ
1890 Wolfenbüttel – Waldkirch 1945
Gespenst.
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Lithographie, 1916, auf chamoisfarbenem Papier, im Stein monogrammiert und datiert „Sch. 16“,
mit Bleistift signiert „Scholz“.
Darstellungsgröße 18:13,3 cm, Blattgröße 32,5:25 cm. Fleckig.
Äußerst selten!
Provenienz: Blauer Stempel einer unbekannten Sammlung verso; Privatsammlung, Karlsruhe.
Literatur: Ausstellungskatalog: Ein Beitrag zur Diskussion realistischer Kunst. Karlsruhe, Badischer Kunstverein e. V.,
1975, Nr. 21, Abb. S. 41; Georg Scholz. Das druckgraphische Werk. Karlsruhe, Künstlerhaus Galerie, 1982, Nr. 31,
Abb. S. 77; H.-D. Mück, Georg Scholz. Malerei Zeichnung Druckgraphik. Stuttgart, 1991, Abb. S. 32.
„Zu diesem Thema existiert im Nachlaß eine bereits 1914 entstandene (datierte) Federzeichnung,
auf der der Titel „Mann ohne Kopf“ eingetragen ist.“
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GEORG SCHOLZ
1890 Wolfenbüttel – Waldkirch 1945
Der Traum.
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Holzschnitt, 1919, auf chamoisfarbenem Japan-Bütten, mit Bleistift signiert „Scholz“.
Darstellungsgröße 15,6:25 cm, Blattgröße 30,6:46 cm.
Tiefschwarzer, sehr breitrandiger Druck und von vorzüglicher Erhaltung.
Äußerst selten!
Provenienz: Privatsammlung, Karlsruhe; Privatsammlung, Hessen.
Literatur: Georg Scholz. Das druckgraphische Werk. Karlsruhe, Künstlerhaus Galerie, 1982, Nr. 40, Abb. S. 85;
nicht im Katalog 1975.
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GEORG SCHOLZ
1890 Wolfenbüttel – Waldkirch 1945
Gestalt mit Tod.
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Holzschnitt, 1919, auf chamoisfarbenem Bütten, mit Bleistift signiert „Scholz“.
Darstellungsgröße 25,3:15,8 cm, Blattgröße 42,4:25,3 cm.
Tiefschwarzer, sehr breitrandiger Druck und von vorzüglicher Erhaltung.
Äußerst selten!
Provenienz: Privatsammlung, Karlsruhe; Privatsammlung, Hessen.
Literatur: Georg Scholz. Das druckgraphische Werk. Karlsruhe, Künstlerhaus Galerie, 1982, Nr. 41, Abb. S. 86;
nicht im Katalog 1975.
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GEORG SCHRIMPF
1889 München – Berlin 1938
Ohne Titel (Sitzende).
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Linolschnitt, 1916, auf Japan-Bütten, in Bleistift mit der Werknummer bezeichnet „XIV N.1“,
sowie signiert „Schrimpf“. Darstellungsgröße 28:19,5 cm, Blattgröße 32,3:23 cm.
Mit leichten Altersspuren, gering fleckig, im linken Rand etwas faltig, sowie mit Bleistiftannotationen des Sammlers,
die teils verwischt und nur schwer lesbar sind.
Provenienz: Sammlung Heinrich Stinnes, Köln, Lugt 4436.
Auf Druck der Eltern erlernt Georg Schrimpf das Handwerk
des Zuckerbäckers in Passau. Im Anschluss reist er
auf der Suche nach Arbeit quer durch Europa, besucht
Belgien, Frankreich und Norditalien, arbeitet als Bäcker,
Kellner und Heizer. 1909 geht Schrimpf nach München. Er
gerät in eine anarchistische Bewegung, die ihn oft in die
Schweiz und nach Italien führt, wo er sich 1913 für län gere
Zeit an den Lago Maggiore zurückzieht. Dort befreundet
er sich mit dem Schriftsteller Oskar Maria Graf. Er kehrt
wieder nach München zurück und arbeitet als Zuckerbäcker.
1915 geht er nach Berlin, wo er sich autodidaktisch
zum Maler fortbildet, während er seinen Lebensunterhalt
als Arbeiter in einer Schokoladenfabrik sichert. Das Zeichnen,
das er seit frühester Kindheit pflegt, hat er nie aufgegeben,
sondern mit großer Leidenschaft über die Jahre
seiner Wanderschaft hinweg gepflegt.
Georg Schrimpf erregt 1916 die Aufmerksamkeit des
großen Kunstförderers Herwarth Walden, der einige Gemälde
und Holzschnitte des jungen Künstlers in seiner
Galerie „Der Sturm“ ausstellt. Damit ist der entscheidende
Schritt in die Öffentlichkeit gelungen und er etabliert sich
in der Kunstszene. Die 1917 geschlossene Ehe mit der Malerin
Maria Uhden (1892-1918) endet tragisch, als die
Künst lerin im Kindbett stirbt. Schrimpf beteiligt sich
mehrfach an Ausstellungen der Novembergruppe und
publiziert seine Werke in Fachzeitschriften für expressionistische
Kunst. Sein politisches Engagement für die
Münchner Räterepublik bringt ihn vorübergehend in
Haft, doch kann er bald nach seiner Entlassung seine erste
Einzelausstellung in der Münchner Galerie Goltz eröffnen.
Georg Schrimpf zählt in den 1920er-Jahren zu den führenden
Vertretern der Neuen Sachlichkeit; er wird dem
Verismus zugerechnet und in einem Atemzug genannt mit
Künstlern wie Otto Dix (1891-1969), George Grosz (1893-
1959), Christian Schad (1894-1982) und Georg Scholz
(1890-1945). An der Mannheimer Ausstellung „Neue
Sachlichkeit“ im Jahr 1925 ist er prominent mit 12 Gemälden
vertreten. In der Zeit des Nationalsozialismus verliert
Schrimpf seine Stellung als außerordentlicher Professor an
der Hochschule für Kunsterziehung in Berlin, die er erst
1933 angetreten hat, und muss die Einstufung seiner Bilder
als entartete Kunst hinnehmen. Viele Objekte werden
entweder vernichtet oder ins Ausland verkauft.
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NIKLAUS STOECKLIN
1896 – Basel – 1982
Place de Furstenberg, Paris.
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Lithographie, 1929, auf cremefarbenem Velin, im Stein monogrammiert,
mit Bleistift nummeriert „34/130“ und signiert „Niklaus Stoecklin“.
Darstellungsgröße 30,5:38,4 cm, Blattgröße 46,2:56,7 cm.
Mit Restaurierungen in den Rändern.
Das Pariser Motiv schildert der Künstler als Nachstück.
Die mehrarmige Laterne ist von vier entlaubten Bäumen umgeben
und zeigt den kleinen Platz in intimer Atmosphäre.
Niklaus Stoecklin beginnt 1914 seine Ausbildung an
der Kunstgewerbeschule München. Nach Ausbruch des
1. Welt krieges ist er Maler, Zeichner, Lithograph und Illustrator
in Basel, später in Riehen. Stoecklins Werk reicht
vom Entwurf einer Briefmarke bis hin zu Wandbildern.
Neben Graphik und Malerei umfasst es auch Zeichnungen,
Tapisserien, Glasmalereien und insbesondere Plakate.
Beeinflusst durch die spätgotische Malerei des Oberrheins,
der sienesischen Renaissance und des Expressionismus gilt
Stoecklin als Hauptvertreter der Neuen Sachlichkeit und
des Magischen Realismus in der Schweiz. 1925 war er als
einziger Schweizer Künstler an Gustav Friedrich Hartlaubs
legendärer Ausstellung „Neue Sachlichkeit“ in der
Kunsthalle Mannheim beteiligt. Seine Werke befinden
sich hauptsächlich in den Museen von Basel, Winterthur
und Zürich. 1958 erhält er den Basler Kunstpreis.
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65
BIOGRAFIEN
ALEXANDER ARCHIPENKO
Alexander Archipenko gilt als einer der innovativsten
Bildhauer des 20. Jahrhunderts. Er übertrug den Kubismus
auf die Bildhauerei, entwarf bewegliche und bemalte
Skulpturen – die Archipentura –, gründete Kunstschulen
in Paris und Berlin, war am Bauhaus tätig und experimentierte
als einer der Ersten mit Plastik und Plexiglas.
„Archipenko verändert die traditionelle Auffassung der
Skulptur“, beschreibt Juan Gris dessen Arbeiten, die im
Paris des beginnenden 20. Jahrhunderts entstehen. Wenige
Jahre zuvor ist Archipenko wegen Rebellion gegen die
Lehrmethode der Kiewer Akademie verwiesen worden
und gelangt über Moskau nach Frankreich. Hier trifft er
auf Georges Braque (1882-1963) und Pablo Picasso (1881-
1973), lässt sich von Marcel Duchamp (1887-1968) inspirieren
und stellt mit den Futuristen aus. Später knüpft er
in Berlin Kontakt zu den Dadaisten und zum Bauhaus und
emigriert schließlich nach Amerika. Die letzten acht Jahre
seines Lebens begleitet ihn dort seine Frau Frances Archipenko
Gray.
MAX BURCHARTZ
Max Burchartz wird am 28. Juli 1887 in Elberfeld als Sohn
des Fabrikanten Otto Burchartz und dessen Frau Maria
Giani geboren. Er wächst in vermögenden Verhältnissen
auf und beginnt nach der Schule zunächst eine kaufmännische
Ausbildung. Anschließend besucht er die Textilfachschule
und die Kunstgewerbeschule in Barmen, bevor
er 1907 ein Studium an der Düsseldorfer Kunstakademie
aufnimmt, wo er Schüler von Walter Corde (1876-1944)
wird. 1914 wird Burchartz zum Kriegsdienst eingezogen.
Nach seiner Zeit als Soldat zieht er sich nach Blankenhain
in Thüringen zurück. Bereits in der unmittelbaren Nachkriegszeit
knüpft er von dort Kontakte zu avantgardistischen
Künstlerkreisen und wird Mitglied der Berliner
November gruppe. Zwischen 1919 und 1924 lebt Burchartz
abwechselnd in Düsseldorf, Weimar und Hannover, wo er
zum Kreis um Kurt Schwitters (1887-1948) gehört. 1919
schließt er sich auch dem „Jungen Rheinland“ an, an dessen
Ausstellungen er bis 1922 teilnimmt. Ebenfalls 1919 erscheinen
zehn Steinzeichnungen von Burchartz zu Dostojewskis
Roman „Raskolnikoff“ als Mappenwerk der Galerie
Flechtheim, wo der Künstler bis 1921 unter Vertrag ist.
Im August 1922 besucht Burchartz einen De Stijl-Kurs bei
Theo van Doesburg (1883-1931) am Bauhaus in Weimar,
infolgedessen er sich verstärkt dem Konstruktivismus zuwendet.
Burchartz nimmt im selben Jahr am Kongress der
Konstruktivisten und Dadaisten in Weimar teil und trifft
dort auf Künstler wie Hans Arp (1886-1966), Tristan Tzara
(1896-1963), El Lissitzky (1890-1941) und László Moholy-
Nagy (1895-1946). Er beginnt nebenher als Übersetzer für
das Bauhaus zu arbeiten und beschäftigt sich mit Typographie.
Ab 1924 lebt Burchartz im Ruhrgebiet. Er gründet in
Bochum die erste moderne Werbeagentur in Deutschland,
die unter dem Namen „werbe-bau“ rasch floriert. Ab 1926
entwirft Burchartz zusätzlich Möbel und ist für den Deutschen
Werkbund tätig. Zwischen 1927 und 1931 hat er eine
Professur für Typographie an der Folkwangschule in Essen
inne, die infolge der Wirtschaftskrise gestrichen wird.
In der Hoffnung auf bessere Arbeitsmöglichkeiten tritt
Burchartz 1933 der NSDAP bei. Er erhält bis 1939 wiederholt
Aufträge aus der Deutschen Industrie (für Drucksachen
und Prospekte), kann jedoch nicht verhindern,
dass 1937 im Rahmen der Aktion „Entartete Kunst“ über
20 seiner Werke aus öffentlichen Sammlungen beschlag-
138
nahmt werden. 1939 meldet er sich freiwillig zum Kriegsdienst.
1949 wird Burchartz erneut an die Folkwangschule in
Essen berufen. Er knüpft dort didaktisch an seine Zeit am
Bauhaus an. Max Burchartz stirbt am 31. Januar 1961 in
Essen.
OTTO DIX
Der Maler und Graphiker Otto Dix absolviert 1905-1909
in Gera eine Lehre als Dekorationsmaler, 1910-1914 besucht
er die Kunstgewerbeschule in Dresden. Hier besucht
er häufig die Dresdner Kunstsammlungen und studiert die
Meisterwerke der deutschen und italienischen Renaissance.
1912 sieht er in Dresden eine Ausstellung Vincent
van Goghs, die ihn tief beeindruckt, ebenso wie die Werke
der deutschen Expressionisten und der Futuristen. 1914
meldet sich Dix freiwillig zum Kriegsdienst, 1919-1922
setzte er sein Studium an der Dresdner Akademie fort. Er
ist befreundet mit Conrad Felixmüller (1897-1977). 1919
gehört Dix zu den Gründungsmitgliedern der „Dresdner
Sezession – Gruppe 1919“, 1920 lernt er George Grosz
(1893-1959) kennen und nimmt an der „Ersten Internationalen
Dada-Messe“ in Berlin teil. 1922 ist Dix Meisterschüler
an der Düsseldorfer Akademie und schließt sich dem
Kreis um die Förderin und Galeristin Johanna Ey („Mutter
Ey“) an, ebenso gehört er zur Künstlergruppe „Das Junge
Rheinland“. 1924 tritt Dix der „Berliner Secession“ bei und
wohnt seit 1925 in Berlin und beteiligt sich im selben Jahr
an der Ausstellung „Neue Sachlichkeit“ in Mannheim. Ab
1926 vertritt ihn die renommierte Galerie Nierendorf, 1927
wird Dix Professor an der Kunstakademie Dresden.
In seinen Werken folgte Otto Dix anfangs dem Expressionismus,
entwickelt jedoch um 1920 eine zunehmend
realistische Malweise, bis hin zur Überzeichnung und
schonungslosen Darstellung bzw. Demaskierung der hässlichen
Seiten der Menschen und des tagtäglichen Lebens.
In seinen Porträts stellte er bekannte Personen des öffentlichen
Lebens gnadenlos und auf ihre nackte Menschlichkeit
zurückgeführt dar. Diese Malweise erschien ihm
ehrlicher zu sein als die „Schönfärberei“ etwa der Expressionisten.
1933 muss der Künstler auf Veranlassung der
Nationalsozialisten seine Professur niederlegen und ist
heftigsten Anfeindungen ausgesetzt. 1937 werden seine
Gemälde in der Ausstellung „Entartete Kunst“ gezeigt. Für
Otto Dix bedeuten die Diffamierungen eine dramatische
Lebenswende und er lebt ab 1936 zurückgezogen in Hemmenhofen
am Bodensee. Sein späteres Werk erreicht nie
mehr die Kraft der 1920er Jahre.
Dix gehört zu den wichtigsten Malern und Graphikern des
Expressionismus und der Neuen Sachlichkeit in Deutschland.
LYONEL CHARLES ADRIAN FEININGER
Lyonel Feininger wird 1871 in New York geboren. Ab
1887 studiert er an der Hamburger Kunstgewerbeschule,
ab 1888 an der Kunstakademie in Berlin. 1890/91 ist er
Schüler am Jesuiten-Collège in Lüttich. 1891 besucht er in
Berlin das Atelier Schlabitz, setzt sein Studium schließlich
an der Berliner Akademie fort. Im Jahr 1892 reist
Feininger erstmals nach Paris, besucht dort die Académie
Colarossi.
Das Frühwerk ist bestimmt von seiner Tätigkeit als Karikaturenzeichner;
er zeichnet ab 1889 für die „Humoristischen
Blätter“ und andere Berliner Zeitungen, ab 1894
für die New Yorker Verleger Harper Brothers. Ab 1895 ist
er Mitarbeiter der Wochenbeilage „Ulk“ des „Berliner
Tageblatts“, 1897/98 ist er dort fest angestellt, zeichnet aber
auch für die „Lustigen Blätter“, 1898 für das „Narrenschiff“.
1906/07 erscheinen seine Bildergeschichten im
„Comic-Supplement“ der „Chicago Tribune“. 1904 werden
Feiningers Zeichnungen und Karikaturen auf der Großen
Kunstausstellung in Berlin gezeigt.
139
Von 1906 bis 1908 lebt Lyonel Feininger in Paris. Hier begegnet
er Robert Delaunay (1885-1941), dessen Kunst ihn
sehr beeindruckt. Erste Gemälde entstehen, die Feininger
1910 erstmals auf der 20. Ausstellung der „Berliner Secession“
sowie im „Salon des Artistes Indépendants“ präsentiert.
Hier begegnet er auch der kubistischen Malerei von
Pablo Picasso (1881-1973) und Georges Braque (1882-1963).
1912 kommt der Künstler in Kontakt zu den „Brücke“-
Künstlern. 1913 entstehen Gemälde mit Motiven der
thüringischen Dörfer um Weimar, so auch das erste
Gemälde von Gelmeroda, dessen Kirche auf zahlreichen
seiner Gemälde zu sehen ist.
1917 veranstaltet Herwarth Walden (1878-1941) in seiner
Galerie „Der Sturm“ die erste Einzelausstellung mit
Feiningers Gemälden. Walter Gropius (1883-1969) beruft
Feininger als Meister für die grafische Werkstätte ans
Bauhaus. 1919 entwirft er für das „Bauhaus-Manifest“ den
Titelholzschnitt „Kathedrale des Sozialismus“. 1921-1924
entstehen unter seiner Leitung die ersten Bauhaus-Mappen
mit „Neuer europäischer Grafik“. Nach dem Umzug
des Bauhauses lebt Feininger 1926-1933 in Dessau, er ist
zwar noch Meister, hat aber keine Lehrverpflichtung.
1926 bilden er, Paul Klee (1879-1940), Wassily Kandinsky
(1866-1944) und Alexej von Jawlensky (1864-1941) die
Ausstellungsgemeinschaft „Blaue Vier“. 1929-1931 arbeitet
er an den Halle-Bildern. 1937 kehrt Lyonel Feininger in
sein Geburtsland zurück. Im selben Jahr werden in der
Ausstellung „Entartete Kunst“ 378 seiner Werke gezeigt.
In den USA wird Feininger 1947 zum Präsidenten der
„Federation of American Painters and Sculptors“ gewählt
und stirbt 1956 in New York.
Lyonel Feiningers Lebenswerk umfasst ca. 1.500 Karika turen
und Illustrationen, zudem 539 Gemälde, 320 Holzschnitte,
65 Radierungen, 20 Lithographien und mehrere
hundert Aquarelle und Zeichnungen.
GEORGE GROSZ
EIGENTL. GEORG EHRENFRIED GROSS
Nach dem Besuch der Oberrealschule in Stolp in Pommern
von 1902–07 studiert George Grosz 1909-11 an der Kunstakademie
in Dresden bei Richard Müller (1874-1954). 1912
kehrt er nach Berlin zurück, wo er sein Kunststudium bei
Emil Orlik (1870-1932) an der Kunstgewerbeschule fortsetzt.
Im darauffolgenden Jahr geht er nach Paris, wo er
die Académie Colarossi besucht. 1914 meldet sich der
Künstler freiwillig zum Kriegsdienst, wird jedoch bereits
im Mai 1915 entlassen und lernt die Brüder Herzfeld kennen.
Wie Helmut Herzfeld (John Heartfield, 1891-1968)
anglisiert er 1916 seinen Namen aus Protest gegen die politische
Hetze gegen Großbritannien. Im Januar 1917 wird
Grosz erneut als Soldat eingezogen und vier Monate später
endgültig ausgemustert. 1917 gründet George Grosz mit
John Heartfield und Wieland Herzfelde (1896-1988) in
Berlin den Malik-Verlag, im selben Jahr erscheint dort die
„Kleine Grosz-Mappe“. 1918 gehört Grosz zu den Mitbegründern
von „Dada Berlin“, ebenso gehört er 1924 der
„Roten Gruppe“ sowie 1928 dem „ARBKD“ an. Bereits
1918 tritt Grosz der KPD bei und reist 1922 für ein halbes
Jahr nach St. Petersburg und Moskau, wo er von Lenin
empfangen wird. Seit 1916 widmet sich Grosz in seinen
Werken dem Thema der Großstadt, deren bürgerliche
Gesellschaft er mit überdeutlichem und anklagendem
Verismus schildert. Die gewöhnlichen Verbrechen des
Alltags erschienen ihm als Fortsetzung der Kriegsgräuel.
1919 gibt er mehrere satirische Zeitschriften heraus, darunter
„Die Pleite“, „Jedermann sein eigener Fußball“ oder
„Der blutige Ernst“. Mit John Heartfield entwickelt er die
Collage und die Fotomontage und setzt sie für die offene
politische Agitation ein. 1921 erscheint im Malik-Verlag
„Das Gesicht der herrschenden Klasse“, eine Sammlung
von Zeichnungen, mit denen er das in seinen Augen
„Spießertum“ der Deutschen und den Militarismus der
Weimarer Republik angreift. 1923 entsteht das Sammelwerk
„Ecce Homo“ mit 84 Lithographien und 16 Aquarel-
140
len, 1925 „Der Spießer-Spiegel“. Er wird wegen seiner politischen
Kunstaussagen insgesamt dreimal zu Geldstrafen
ver urteilt. 1932-1936 hat Grosz einen Lehrauftrag an der
„Art Students League“ in New York, 1933 übersiedelt er in
die USA. 1933-1937 betreibt er gemeinsam mit Maurice
Sterne (1878-1957) die eigene Kunstschule „Sterne-Grosz-
School“. 1938 wird er von den Nazis ausgebürgert und
nimmt die amerikanische Staatsbürgerschaft an. 1940-
1944 sowie 1950-1955 lehrt er erneut an der Art Students
League, 1941-1942 an der Kunstschule der Columbia
Uni versity. 1959 kehrt Grosz nach Deutschland zurück,
wo er noch im selben Jahr verstirbt.
ERICH HECKEL
1904 beginnt Erich Heckel ein Architekturstudium an der
Technischen Hochschule in Dresden, doch gibt er dieses
schon ein Jahr später wieder auf. Als sich Heckel 1905 mit
seinen Künstlerfreunden Karl Schmidt-Rottluff (1884-
1976), Fritz Bleyl (1880-1966) und Ernst Ludwig Kirchner
(1880-1938) zur Künstlergruppe „Die Brücke“ zusammenschließt,
wird der Weg zum Expressionismus geebnet. Der
Künstler widmet sich nun verschiedenen Drucktechniken
wie dem Holzschnitt, der Lithographie und der Radierung.
Landschaften von strahlender Farbigkeit entstehen.
Im Herbst des Jahres 1911 übersiedelt Heckel nach Berlin.
Er kennt inzwischen Max Pechstein (1881-1955), Emil
Nolde (1867-1956) und Otto Mueller (1874-1930), die sich
den „Brücke“-Künstlern angeschlossen hatten, nun begegnet
er Franz Marc (1880-1916), August Macke (1887-1914)
und Lyonel Feininger (1871-1956). 1912 malt Heckel mit
Kirchner zusammen die Kapelle der Sonderbund-Ausstellung
in Köln aus. Ein Jahr später wird die „Brücke“ aufgelöst,
eine erste Sonderausstellung der Werke Heckels
findet bei Fritz Gurlitt in Berlin statt. Von 1915-1918 begibt
sich Heckel als Pfleger beim Roten Kreuz nach Flandern,
dann geht er zurück nach Berlin, das bis Anfang 1944 sein
Hauptwohnsitz bleibt. Die Sommer allerdings verbringt
Heckel vorwiegend an der Flensburger Förde. Zahlreiche
Reisen führen Heckel u. a. auch in die Alpen, nach Südfrankreich,
Nordspanien und Norditalien. 1937 werden
729 Arbeiten des Künstlers in deutschen Museen beschlagnahmt,
im Jahr vor Kriegsende zerstören Fliegerbomben
das Atelier in Berlin. Alle Druckstöcke und zahlreiche andere
Arbeiten werden dabei vernichtet. Heckel zieht daraufhin
nach Hemmenhofen an den Bodensee. 1949 erhält
er einen Lehrauftrag an der Akademie der Bildenden
Künste in Karlsruhe, den er bis zum Jahr 1955 innehat. In
diesem Jahrzehnt gewinnt das Stilleben in Heckels Schaffen
an Bedeutung. Die Darstellungen sind nun in ruhigerer,
ausgewogener Malweise ausgeführt und vermitteln
eine fast lyrische Stimmung. 1953 finden anlässlich des
siebzigsten Geburtstages von Erich Heckel Einzelausstellungen
in zahlreichen Städten Deutschlands statt, in
gleicher Weise ehrt man den Künstler zum achtzigsten
Geburtstag. Heckel erhält überdies noch weitere Ehrungen
und Preise: den Kunstpreis der Stadt Berlin (1957), des
Landes Nordrhein-Westfalen (1961) und das Große Bundesverdienstkreuz
(1956).
KARL HUBBUCH
Karl Hubbuch besucht in Karlsruhe von 1908-1912 die
Staatliche Akademie der Bildenden Künste. Es folgt ein
Wechsel an die Schule des Museums der angewandten
Künste in Berlin und wird Schüler bei Emil Orlik (1870-
1932). Die Teilnahme als Soldat im 1. Weltkrieg unterbricht
seine Ausbildung, die er dann ab 1920 an der
Landeskunstschule in Karlsruhe als Meisterschüler in
der Radierklasse von Walter Conz (1872-1947) fortsetzt.
Hubbuch kommt mit den Werken von Georg Scholz (1890-
1945) und George Grosz (1893-1959) in Berührung. 1922
geht er nach Berlin. Hier wendet er sich, angeregt von
Orlik und Grosz, der Schilderung des großstädtischen
Lebens zu, wobei seine Arbeiten nun auch eindeutige
sozialkritische und politische Standpunkte verraten. Von
der Landeskunstschule Karlsruhe erhält er 1925 das Angebot,
eine Lehrtätigkeit zu übernehmen und wird 1928 zum
141
Professor ernannt. Nun kann er sich auch der Ölmalerei
widmen, es entstehen betont sachlich aufgefasste, alltägliche
Szenen. Während der 1920er und frühen 1930er Jahre
sind seine Arbeiten in zahlreichen Ausstellungen, unter
ihnen 1925 „Neue Sachlichkeit“ in Mannheim, zu sehen.
Schon gegen Ende der zwanziger Jahre ändert sich Hubbuchs
Stil wieder, was sich in den Tafel- und Leinwandbildern
in einer Auflockerung, einer pastoseren Malweise
und einheitlicheren Körper- und Raumauffassung äußert.
1933 wird er von den Nationalsozialisten aus dem Lehramt
in Karlsruhe entlassen und muss sich mit Gelegenheitsarbeiten
durchschlagen. 1947 kann er sein Lehramt wieder
aufnehmen, wechselt an die Akademie in Karlsruhe und
wird dort Professor. Ab 1957 arbeitet er wieder freischaffend.
Hubbuch setzt sich in den 1950er Jahren intensiv mit
dem Werk Max Beckmanns (1884-1950) auseinander und
entwickelt eine expressive Formensprache. Parallel dazu
wendet er sich verstärkt dem Holzschnitt zu. In seiner
letzten Stilphase ab den späten fünfziger Jahren knüpft
Hubbuch wieder an die 1930er Jahre an. Außerdem arbeitet
er an Wiederholungen und Überarbeitungen früherer
Arbeiten.
ALEXANDER KANOLDT
Als Sohn des spätklassizistischen Landschaftsmalers
Edmund Friedrich Kanoldt (1845-1904) wird Alexander
Kanoldt am 29. September 1881 in Karlsruhe geboren. Der
Künstler beginnt im Alter von achtzehn Jahren zunächst
eine Lehre als Dekorationsmaler an der dortigen Kunstgewerbeschule.
Er wechselt jedoch 1901 an die Akademie
der bildenden Künste. Kanoldt eignet sich bei Ernst
Schurth (1848-1910) erste zeichnerische Grundlagen an
und befreundet sich mit dem Kommilitonen Adolf Erbslöh
(1881-1947). Die Technik der Neoimpressionisten studiert
der Künstler in dieser Zeit intensiv. Sie regt ihn zu drucktechnisch
aufwendigen Farblithographien an. In der Malklasse
von Friedrich Fehr (1862-1927) setzt Kanoldt 1904
sein Studium fort und wird 1906-1909 dessen Meisterschüler.
Der Maler siedelt 1908 nach München über, wo er
ein Jahr später u.a. mit Alexej von Jawlensky (1864-1941),
Wassily Kandinsky (1866-1944) und Gabriele Münter
(1877-1962) die „Neue Künstlervereinigung München“
gründet, einem Vorläufer des „Blauer Reiter“. Alexander
Kanoldt beteiligt sich an deren erster Ausstellung 1909 in
der Münchner modernen Galerie von Heinrich Thannhauser.
Neben Karl Caspar (1879-1956), Jawlensky und
Paul Klee (1879-1940) ist der Künstler 1913 Mitglied der
„Münchener Neue Secession“. Durch den Kriegsausbruch
wird Kanoldts künstlerische Laufbahn unterbrochen. Als
Offizier leistet er in den Jahren 1914-18 Kriegsdienst. 1924
entstehen während eines längeren Italien-Aufenthaltes
multiperspektivische Architekturlandschaften und kühle
Raumdarstellungen. Diese Werke stellen einen Neubeginn
in Kanoldts Schaffen dar und lassen ihn 1925 an der Ausstellung
„Neue Sachlichkeit“ in der Kunsthalle Mannheim
teilnehmen. Dort ist er neben Max Beckmann (1884-1950)
mit dem größten Werkkonvolut vertreten. Im selben Jahr
wird Alexander Kanoldt von Oscar Moll (1875-1947) an
die Breslauer Kunstakademie berufen, die er jedoch 1931
wieder verlässt. Der Künstler ist zusammen mit Karl Hofer
(1878-1955) Mitbegründer der „Badische Secession“ in
Freiburg und eröffnet 1931 in Garmisch-Partenkirchen
eine private Malschule. Mitglied der Münchner Künstlergruppe
„Die Sieben“ wird Kanoldt 1932 und nimmt regelmäßig
an deren Ausstellungen teil. Der Künstler malt in
dieser Zeit vorwiegend Stilleben und italienische Landschaften,
die sich in ihrer nüchternen Darstellungsweise
an der „Neue Sachlichkeit“ orientieren. Kanoldts Werke
gelten unter dem NS-Regime als „entartet“, obwohl er
noch 1933 als Professor an die Kunstakademie in Berlin
berufen wird. Sie werden 1937 beschlagnahmt. Die Professur
in Berlin muss Kanoldt bereits ein Jahr zuvor aus gesundheitlichen
Gründen aufgeben. Der Künstler erliegt
am 24. Januar 1939 einem Herzleiden.
142
ERNST LUDWIG KIRCHNER
Ernst Ludwig Kirchner wird am 6.5.1880 in Aschaffenburg
geboren. 1886 zieht die Familie um nach Frankfurt
am Main, 1887 nach Perlen bei Luzern, schließlich 1890
nach Chemnitz. Hier besucht Kirchner das Realgymnasium.
1901-1905 studiert er an der Technischen Hochschule
in Dresden Architektur. Während dieses Studiums belegt
Kirchner 1903 in München ein Semester an der
Kunstakademie in München.
1904 unternimmt er mit dem Kommilitonen und Freund
Fritz Bleyl (1880-1966) erste Ausflüge ins Umland von
Dresden zu den Moritzburger Seen. Im selben Jahr lernen
sie Erich Heckel (1883-1970) kennen, 1905 folgt die Begegnung
mit Karl Schmidt-Rottluff (1884-1976). Im Jahr 1905,
nach dem Abschluss des Architekturstudiums, gründet
Ernst Ludwig Kirchner mit Fritz Bleyl, Erich Heckel und
Karl Schmidt-Rottluff die Künstlergemeinschaft „Brücke“.
Im November 1905 findet die erste Ausstellung der
„Brücke“-Künstler in der Kunsthandlung P.H. Beyer und
Sohn in Leipzig statt.
1910 tritt Kirchner der „Neue Secession“ in Berlin bei, 1911
folgt er Heckel und Max Pechstein (1881-1955) nach Berlin,
wo er bis 1917 mit Unterbrechungen wohnt. 1912 findet ein
reger künstlerischer Austausch zwischen der „Brücke“
und dem „Blauen Reiter“ in München statt, sie stellen gemeinsam
in der Münchner Galerie Hans Goltz aus. 1913
verfasst Ernst Ludwig Kirchner die „Chronik der KG
Brücke“, aufgrund von Meinungsverschiedenheiten löst
sich die Gruppe im Mai des Jahres auf. Im Folkwang-
Museum in Hagen findet die erste Einzelausstellung
Kirchners statt, weitere folgen.
Kirchner hält sich immer wieder auf der Insel Fehmarn
auf, wo er arbeitet und auch Besuch von anderen Künstlern
bekommt. Ab 1912 nehmen die Stadtansichten von
Berlin breiten Raum in seinem Werk ein. 1915 meldet sich
Kirchner freiwillig zum Kriegsdienst. Er erleidet einen
körperlichen und psychischen Zusammenbruch und
kommt erstmals ins Sanatorium nach Königstein im Taunus.
Das Jahr 1916 verbringt Kirchner in Sanatorien, doch
sein Gesundheitszustand bessert sich nicht. In dieser Zeit
arbeitet er an Landschaftsbildern und Porträts.
Anfang 1917 ist Ernst Ludwig Kirchner erstmals in Davos.
Er reist überstürzt zurück nach Berlin, kehrt dann aber
wieder und bezieht im Sommer mit einer Pflegeschwester
die Rüesch-Hütte auf der Stafelalp bei Zermatt. Im September
1917 ist er im Sanatorium in Kreuzlingen, er leidet
an Lähmungen und Bewusstseinsstörungen. Trotzdem
arbeitet er in dieser Zeit an Druckgraphiken und Zeichnungen.
Ab September 1918 bewohnt Kirchner in Davos-
Frauenkirch ein Haus, das er skulptural auszustatten beginnt.
Er malt eine Reihe von Bildern mit Alpenansichten,
fertigt aber auch Möbel und Holzskulpturen. 1920 verfasst
Kirchner den ersten Artikel über sein eigenes Werk, den er
unter dem Pseudonym Louis de Marsalle veröffentlicht.
Trotz der Abgeschiedenheit hält Kirchner regen Kontakt
zur Kunstszene in Deutschland. 1923 zieht Ernst Ludwig
Kirchner um in das Wildboden-Haus in Davos-Frauenkirch.
Mit Veränderung der politischen Lage und den Konsequenzen
daraus für das kulturelle Leben in Deutschland,
empfindet Kirchner seine Situation in der Schweiz als
zunehmend unsicher, befürchtet sogar einen Einmarsch
der Deutschen auch in die Schweiz. Am 15.6.1938 begeht
Ernst Ludwig Kirchner in Davos Selbstmord.
PAUL KLEE
Der deutsch-schweizer Künstler Paul Klee wird am
18.12.1879 in Münchenbuchsee bei Bern geboren. 1898
geht er nach München, um an der Akademie Malerei zu
studieren. Paul Klee wird zunächst abgelehnt und nimmt
daraufhin Zeichenunterricht in einer privaten Zeichen-
143
schule. 1900 wird er schließlich an der Akademie in die
Klasse von Franz von Stuck (1863-1928) aufgenommen.
Bereits 1901 verlässt Klee die Akademie wieder. 1901/02
reist er durch Italien, im Mai 1902 kehrt er nach Bern zurück.
Er beschäftigt sich mit den grafischen Techniken,
vor allem der Radierung. 1905 reist er nach Paris. 1906 ist
Klee wieder in München, wo er nun neben seiner bildkünstlerischen
Tätigkeit auch als Geiger und Musikkritiker
arbeitet.
Erst durch verschiedene Galeriebesuche, bei denen Klee
die Werke Vincent van Goghs (1853-1890) und Paul
Cézannes (1839-1906) kennenlernt, beschäftigt er sich
wieder intensiver mit der Malerei. Seine ersten Ausstellungen
im Kunstmuseum Bern und im Kunsthaus Zürich
enthalten fast ausschließlich grafische Arbeiten.
1911 lernt Paul Klee in München Wassily Kandinsky
(1866-1944), Gabriele Münter (1877-1962), Franz Marc
(1880-1916), August Macke (1887-1914) und Marianne von
Werefkin (1860-1938) kennen. In der ersten Ausstellung
des „Blauer Reiter“ in der Galerie Thannhauser sind auch
Gemälde von Robert Delaunay (1885-1941) zu sehen, mit
dem sich Paul Klee in der Folgezeit intensiv auseinandersetzt.
In der zweiten Ausstellung des „Blauer Reiter“ stellt
Klee ebenfalls grafische Blätter aus. 1912 nimmt er an der
„Sonderbund“-Ausstellung in Köln teil.
1914 unternimmt Paul Klee mit August Macke und Louis
Moilliet (1880-1962) eine Reise nach Tunis, er malt eine
Vielzahl von Aquarellen und entdeckt die Farbe für sich.
1916 wird Klee als Landsturmsoldat eingezogen, die Tätigkeit
in der Zahlmeisterei lässt ihm Zeit für seine Beschäftigung
mit der Malerei. 1920 schließlich wird Paul Klee an
die neu gegründete Bauhaus-Schule in Weimar berufen.
Hier wirkt er vor allem durch seine Theorie der „Bildnerischen
Formlehre“. Ab 1931 lehrt Paul Klee an der Düsseldorfer
Akademie. 1933 wird er von den nationalsozialistischen
Machthabern fristlos entlassen. Er kehrt nach
Bern zurück. 1935 zeigt die Kunsthalle Bern eine große
Retrospektive. Im selben Jahr erkrankt Klee schwer. In
den folgenden drei Jahren entstehen nur wenige Werke. Ab
1937 fühlt er sich wieder stark genug und es entsteht ein
bedeutendes und großes Spätwerk.
Paul Klee stirbt am 29.6.1940 in Muralto bei Locarno im
schweizerischen Tessin.
Von 1897-1918 führt der Künstler ein künstlerisches
Ideenskizzenbuch. Sein „Pädagogisches Skizzenbuch“ veröffentlicht
er in der Reihe der Bauhaus-Bücher.
OTTO LANGE, GEN. „OTTOLANGE“
Nach einer Lehre als Dekorationsmaler wird Otto Lange
Schüler der Kunstgewerbeschule in Dresden und studiert
danach an der Kunstakademie bei Otto Gussmann (1869-
1926). Von 1915-1919 ist er Lehrer an der Kunstgewerbeschule
in Bromberg. Seit 1919 ist er in Dresden ansässig
und gehört zur „Dresdner Sezession Gruppe 1919“, seit
1921 ist er Mitglied des Akademischen Rates Sachsens.
1925 wird er als Professor an die Staatliche Kunstschule
für Textilindustrie Plauen berufen. 1926 malt er die
Luther-Kirche in Ellefeld/Vogtland aus. Nach seiner
Amtsenthebung durch die Nationalsozialisten 1933 arbeitet
er als freischaffender Künstler in Dresden. 1938 werden
zwei seiner Bilder auf der Berliner Ausstellung „Entartete
Kunst“ gezeigt. Mit dem anbrechenden Krieg und dem
Stigma des entarteten Künstlers gelingt Lange der große
künstlerische Durchbruch nicht mehr, obwohl seine
Arbeiten bereits in den 1920er Jahren geschätzt sind. Sein
malerisches und grafisches Werk ist dem Expressionismus
zuzuordnen. Er unternimmt zahlreiche Reisen in die südlichen
Länder Europas.
144
WILHELM LEHMBRUCK
Wilhelm Lehmbruck besucht von 1895-1899 die Kunstgewerbeschule
in Düsseldorf, von 1901-1906 die dortige
Akademie als Meisterschüler von Karl Janssen (1855-
1927). 1905 folgt die 1. Italienreise und bereits 1907 erringt
der Bildhauer und Graphiker durch eine Ausstellung im
Grand Palais in Paris internationale Aufmerksamkeit.
Lehmbruck lebt von 1910-1914 in Paris, wo er Alexander
Archipenko (1887-1964), Auguste Rodin (1840-1917), den
Architekten Ludwig Mies van der Rohe (1886-1969) und
den Kunstkritiker Julius Meier-Graefe kennen lernt. Unterbrochen
wird das Leben in Paris 1912 von der 2. Reise
nach Italien. Auch stellt er sich dem Sammler Karl Ernst
Osthaus vor, der ihm 1912 die Ausstellung einiger Werke
in seinem Folkwang Museum ermöglicht. Ferner werden
auch 1912 seine Werke in Ausstellungen in Berlin, Köln,
München, Düsseldorf und 1913 in der Armory Show in
New York gezeigt. Noch 1914 kommt es in der Galerie Paul
Levesque in Paris zur ersten großen Ausstellung, die ausschließlich
seinen Werken gewidmet ist. Kurz vor Ausbruch
des 1. Weltkrieges kehrt Lehmbruck nach Deutschland
zurück, doch müssen einige seiner Werke in Paris
zurückbleiben, die im Verlauf des Krieges verloren gehen.
Bis er eine Wohnung und Atelier in Berlin findet, die nicht
weit entfernt von der Bronzegießerei Noack liegt, lebt er
vorübergehend in Köln. 1914-1917 weilt er in Berlin und
vertieft seine Beziehung zu dem Galeristen Paul Cassirer,
der seit 1913 Verwalter von seinem grafischen Werk ist.
Lehmbruck ist vom 15. Januar bis 15. April 1916 Kriegsmaler,
wird jedoch wegen einer Schwerhörigkeit vom Kriegsdienst
freigestellt. Noch 1916 hat er in der Kunsthalle
Mannheim seine erste große Einzelausstellung in Deutschland.
Seit Ende 1916 lebt und arbeitet der Künstler in
Zürich. Hier lernt er zahlreiche pazifistisch gesinnte
Künstler und Literaten wie Ludwig Rubiner, Else Lasker-
Schüler, Leonard Frank, Ivan Goll und Claire Studer kennen,
von denen er viele porträtiert. Seit 1917 verbindet ihn
eine enge Freundschaft mit dem Schriftsteller Fritz von
Unruh. Durch Albert Ehrenstein lernt er die Schauspielerin
Elisabeth Bergner kennen, die Lehmbruck mehrfach
portraitiert und in die er sich unglücklich verliebt. Lehmbruck
stellt noch in Basel und Zürich aus und es entstehen
in dieser Zeit zahlreiche Zeichnungen und Druckgraphiken.
Während der gesamten Kriegsjahre schafft er Werke,
die zu den Höhepunkten seines Schaffens zählen. Anfang
1919 ist er wegen eines Porträtauftrages wieder in Berlin.
In dieser Zeit unterschreibt er den Aufruf „An das Deutsche
Volk und die Kulturwelt!“ von Rudolf Steiner und
wird zum Mitglied der Preußischen Akademie der Künste
ernannt. Der Künstler leidet schon längere Zeit an Depressionen
und hat sich das Leben genommen. Er wird am
25. März 1919 tot in seiner Wohnung aufgefunden.
JEANNE MAMMEN
Jeanne Mammen zählt sicher zu den schillerndsten Künstlerpersönlichkeiten
unserer Zeit. Als Tochter eines wohlhabenden
Kaufmannes wächst sie frei von finanziellen
Sorgen ab etwa 1895 in Paris auf. Wohl gefördert von
ihrem Elternhaus beginnt sie hier 1906 das Studium an der
Académie Julien. Zur Weiterbildung geht sie 1908 nach
Brüssel an die Académie Royale des Beaux-Arts und 1911
an die Scuola Libera Villa Medici in Rom. Nach Paris 1911
zurückgekehrt veranstaltet sie schon im darauffolgenden
Jahr eine erste Ausstellung ihrer Werke in ihrem Atelier.
Darüber hinaus nimmt sie an den Ausstellungen der
„Indépendants“ in Paris teil. Bei Ausbruch des 1. Weltkrieges
muss sie mit der wegen Beschlagnahmung aller
Besitztümer durch die Franzosen mittellos gewordene
Familie das Land verlassen, kommt erst nach Holland,
1915 nach Berlin. Hier sucht sie mit steigendem Erfolg
durch Illustrationen, Modezeichnungen oder etwa Kinoplakaten
für die Ufa, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten.
Schließlich wird sie Mitarbeiterin der Zeitschrift „Simplicissimus“
und anderer satirischer Blätter wie die „Lustige
Blätter“, „Uhu“ und „Ulk“. Diese gesellschaftskritischen
und satirischen Zeichnungen und Aquarelle, Milieustudi-
145
en, Szenen aus Bars und von Kleinkunstbühnen, Bordellen
und der Straße bescheren ihr in der zweiten Hälfte der
20er Jahre wachsendes Ansehen und ein ausreichendes
Einkommen. Schon zu Beginn ihres Schaffens ist die
Fokussierung auf Frauendarstellungen festzustellen, ebenso
wie die Beziehungen zwischen Mann und Frau, aber
auch die zwischen Frau und Frau. Eine Ausstellung im
Oktober/November 1930 in der Galerie Fritz Gurlitt folgt.
Ein Jahr zuvor hat sie eine Reise in die Sowjetunion unternommen.
1933 wird ihre Karriere durch die Nationalsozialisten
abrupt unterbrochen. Ihre Reaktion darauf ist die
totale Abkehr von der bisherigen Malweise. Zugleich beginnt
sie als Plastikerin zu arbeiten. Die Zeit nach 1933
bringt bald den Verlust ihrer Verdienstmöglichkeiten
durch Verbot oder „Gleichschaltung“ der Zeitschriften;
für die „Angepassten“ hätte sie ohnehin nicht arbeiten
wollen. So sucht sie sich etwa mit Bücherverkauf – umherziehend
mit einem Karren – über Wasser zu halten. Nach
dem Krieg entstehen aus Mangel an Farben Materialbilder
aus Draht und Kordel. Ab 1949 entwirft sie für das existentialistische
Kabarett „Die Badewanne“ Kostüme und
Bühnenbilder. Erste Ausstellungsbeteiligungen finden
schon 1945 statt. Reisen, die sie sich endlich leisten kann,
folgen. Künstlerisch ist bald die allmähliche Annäherung
an die Abstraktion zu beobachten.
FRANZ MARC
Franz Marc wird am 8. Februar 1880 in München geboren.
Sein Vater, der Maler und Professor Wilhelm Marc (1839-
1907), bringt dem Sohn die handwerklichen Grundlagen
bei, doch steht eine Laufbahn als Künstler zunächst nicht
zur Debatte. Vielmehr will Franz Marc Theologie studieren
und einen geistlichen Beruf ergreifen. Obwohl er
diesen Wunsch schließlich wieder verwirft und nach seinem
Militärdienst ein Studium der Malerei an der Akademie
der Bildenden Künste in München beginnt, wohnt
seinem Schaffen immer eine religiöse Dimension inne.
Nicht die äußere Gestalt, die er mit viel Symbolkraft vor
allem in der Farbigkeit verändert, sondern das innere
Wesen, die „Tierseele“, steht im Zentrum der Bilder von
Franz Marc, der während eines Studienaufenthalts in Paris
mit der Malerei des Impressionismus in Berührung
kommt. Sein bevorzugtes Motiv werden die Tiere, die er
auf Anregung seines Freundes, des Schweizer Tiermalers
Jean-Bloé Niestlé (1884-1942) nicht nach ihrer Natur, sondern
nach ihrem Wesen zu erfassen versucht.
Franz Marc experimentiert mit verschiedenen Mal-Stilen
und entdeckt vor allem die Farbgebung als sein persönliches
Ausdrucksmittel. Die Freundschaft mit Wassily
Kandinsky (1866-1944) und Gabriele Münter (1877-1962)
ist durch eine intensive Auseinandersetzung mit der Farbenlehre
geprägt. Gemeinsam mit Kandinsky begründet
Franz Marc die avantgardistische Künstlergemeinschaft
„Der Blaue Reiter“, dem sich später auch noch Paul Klee
(1879-1940) und August Macke (1887-1914) anschließen.
Das Blaue Pferd verkörpert für Marc die Sehnsucht nach
der Erlösung von dem irdischen Ballast, der sichtbaren
Welt, die für den Künstler nichts weiter als eine Täuschung
darstellt, die es zu überwinden gilt. An der Seite seines
lebenslangen Freundes Macke besucht Marc in Paris den
französischen Maler Robert Delaunay (1885-1941), dessen
Orphischer Kubismus beide Künstler sehr beeindruckt.
Mehr noch als Delaunay beeindruckt Franz Marc aber die
Kunst des Futurismus, die er nach seiner Rückkehr aus
Paris in einer Bonner Ausstellung bewundern kann. Es
wird für Marc immer deutlicher, dass er sein Streben nicht
in der Figuration erreichen kann, und seine Farben sprengen
ihre Formen ab.
Franz Marc entfernt sich auch unter dem Eindruck der
heraufziehenden Weltkriegswolken immer mehr vom
Tiermotiv und wendet sich der Abstraktion zu. Die Natur,
die ihn einst begeistert hat, empfindet er nun als hässlich
und das rein geistige Sein als einziges Ziel des wahren
Künstlers. Sein spätes Hauptwerk, die vierteilige Bilder-
146
folge „Spielende Formen, Heitere Formen, Zerbrochene
Formen und Kämpfende Formen“ illustriert diese Entwicklung
eindrucksvoll und hat die Kritik zu ganz unterschiedlichen
Interpretationen angeregt. Die düstere, resignierende
Grundstimmung, die Marcs Werk durchzieht,
kulminiert in apokalyptischen Darstellungen lebloser
Welten und bewegen den Künstler vielleicht auch zu seiner
verhängnisvollen freiwilligen Meldung zum Kriegsdienst.
Franz Marc fiel am 4. März 1916 in Braquis bei Verdun. Er
wurde nur 36 Jahre alt. Sein vielleicht berühmtestes Bild,
der „Turm der blauen Pferde“, war 1937 Teil der berüchtigten
Ausstellung „Entartete Kunst“. Es gilt heute als verschollen.
LUDWIG MEIDNER
Auf Wunsch der Eltern beginnt der junge Ludwig Meidner
zunächst eine Maurerlehre, bricht diese ab und wird 1903
in die Kunst- und Kunstgewerbeschule in Breslau aufgenommen.
Meidner verlässt die Schule nach zweieinhalb
Jahren und zieht nach Berlin. Bedeutsam für sein späteres
Werk ist der Unterricht im Radieren, den er bei dem
Künstler Hermann Struck (1876-1944) nimmt. In den
ersten Berliner Jahren entstehen nur wenige Gemälde –
„Industrielle Stadtlandschaften“, die formal und farblich
den Werken der französischen Fauves nahestehen. Meidner
interessiert sich nicht für den ästhetischen Reiz der
Bauwerke, sondern für die aggressive Verdrängung der
Natur durch die expandierende Großstadt, die er als bedrohlich
und unheimlich schildert. 1906 geht Ludwig
Meidner für ein knappes Jahr nach Paris, wo er Amedeo
Modigliani (1884-1920) kennenlernt. Die folgenden Jahre
in Berlin sind von existenzieller Finanznot, aber auch intensivem
Erleben der expressionistischen Bohème geprägt.
Die befreundeten Literaten werden zu bevorzugten
Modellen. 1912 ist ein wichtiges Jahr für den Künstler: er
malt die ersten seiner eindringlichen Selbstporträts und
„Apokalyptischen Landschaften“, gründet zusammen mit
Jacob Steinhardt (1887-1968) und Richard Janthur (1883-
1956) die Gruppe „Die Pathetiker“, die in Herwarth
Waldens (1878-1941) Sturm-Galerie ausstellt. Hier lernt
Meidner Robert Delaunay (1885-1941) kennen, dessen orphistische
Malweise ihn ebenso inspiriert wie die Kunst
der italienischen Futuristen. Von existenziellen Ängsten
getrieben, wendet er sich religiösen Bildthemen zu. Meidner
wird 1916 zum Kriegsdienst eingezogen und dient als
Dolmetscher und Zensor in einem Kriegsgefangenenlager.
Hier beginnt er zu schreiben. Nach dem Krieg schließt sich
Meidner 1918 der „Novembergruppe“ und dem revolutionären
„Arbeitsrat für Kunst“ an. Enttäuscht vom Scheitern
der Revolution, zieht sich der Künstler desillusioniert ins
Private zurück. Er wendet sich vom Expressionismus ab,
der als mittlerweile populäre Kunstrichtung zunehmend
kommerziell erfolgreich ist. In Meidners „Autobiographischer
Plauderei“ distanziert er sich von seinem Frühwerk,
verprellt Weggefährten und Freunde. Religiöse Themen,
Landschaften, Stilleben und weiterhin Porträts bestimmen
fortan sein Werk. 1933 als „entartet“ erklärt und als
Jude verfolgt, emigriert der Maler nach England und kehrt
erst 1953 nach Deutschland zurück. In einer letzten, sehr
produktiven Schaffensphase entwickelt er seinen in den
1920er Jahren gefundenen Stil eines malerischen Realismus
weiter.
ROLF NESCH
Nach einer Lehre als Dekorationsmaler in Hildesheim,
besucht Rolf Nesch von 1909-1912 die Stuttgarter Kunstgewerbeschule
und kommt 1912 als Malergeselle nach
Dresden, wo er bald an der Akademie aufgenommen wird.
Der 1. Weltkrieg unterbricht das Studium, das Nesch erst
1919 nach seiner Rückkehr aus englischer Kriegsgefangenschaft
fortsetzt. Zurück in Dresden, erhält Nesch ein
Meisteratelier. Drei Jahre später verbringt der Künstler
mehrere Wochen bei Ernst Ludwig Kirchner in Frauenkirch
bei Davos, um druckgrafische Techniken zu erler-
147
nen. Seit 1922 weilt Nesch jedes Jahr bei Freunden in
Hamburg, wo er unter anderem engen Kontakt zu Gustav
Schiefler (1857-1935) pflegt und sich 1929 niederlässt. Dort
wird Nesch Mitglied der „Freie Sezession“. In den 1930er-
Jahren erschafft der ehemalige Meisterschüler von Oskar
Kokoschka (1886-1980) zahlreiche druckgrafische Arbeiten,
die von einer starken Experimentierfreude geprägt
sind, wie die Folgen „Karl Muck und sein Orchester“,
„St. Pauli“ und die „Hamburger Brücken“ zeigen und gilt
seitdem als Erfinder des Metalldrucks. Kurz darauf zwingt
ihn die Machtergreifung der Nationalsozialisten zur Emigration
nach Norwegen, wo er sich zunehmend von seinen
künstlerischen Vorbildern löst und zu einer ganz eigenen
Formensprache findet. Nach der deutschen Kapitulation
lernt Nesch in Oslo seine spätere Frau Ranghild Hald kennen
und nimmt 1946/47 seine grafische Arbeit wieder auf.
Nach Ausstellungen in Oslo, Kopenhagen und 1949 in
New York, folgen zahlreiche Ausstellungen in Deutschland
und Europa. Die Hansestadt Hamburg verleiht ihm
1958 den „Lichtwarck-Preis“. Der Künstler arbeitet jetzt
wieder verstärkt an verschiedenen Materialbildern, die
parallel zu seinem grafischen Œuvre entstehen, wie z. B.
„Heringsfang“. Das Jahr 1961 verbringt Nesch größtenteils
in Venedig. Zahlreiche Skizzen für eine Graphikfolge der
Lagunenstadt entstehen, die Nesch 1962, im selben Jahr, in
dem er Ehrenmitglied der Hamburger Akademie der
Künste wird, auf der Biennale ausstellt. Zehn Jahre später
widmet die Nationalgalerie Oslo Rolf Nesch anlässlich
seines 80. Geburtstags eine umfangreiche Retrospektive.
EMIL NOLDE, EIGENTL. EMIL HANSEN
Der deutsche Maler und Graphiker Emil Nolde wird am
7.8.1867 in der Ortschaft Nolde geboren. Seinen ursprünglichen
Namen ändert er ab 1901 um und nennt sich nach
seinem Geburtsort. Bereits früh zeigt sich das künstlerische
Talent des zarten Landjungen. 1884 wird er in Flensburg
Lehrling in einer Möbelwerkstatt, später besucht er
dort bis 1888 die Sauermannsche Schnitzschule. 1889/90
studiert Emil Nolde an der Kunstgewerbeschule in Karlsruhe.
Er fertigt Mustervorlagen für Möbelfabrikanten in
München und Karlsruhe.
1890/91 ist Nolde in Berlin. 1892 erhält er eine Anstellung
als Zeichenlehrer an der Schule des Industrie- und Gewerbemuseums
in St. Gallen. Hier entstehen karikaturistische
Zeichnungen der Schweizer Berge als Riesen und Naturgestalten,
die als Postkartenmotive so erfolgreich veröffentlicht
werden, dass sie Nolde für Jahre eine unverhoffte
finanzielle Unabhängigkeit bescheren.
1898 beginnt er daraufhin in München ein Malereistudium
an der Malschule von Friedrich Fehr (1862-1927),
1899 besucht er die Hölzel-Schule (nach Adolf Hölzel,
1853-1934) in Dachau. 1899/1900 ist Emil Nolde in Paris,
wo er die Académie Julian besucht. Ab 1901 hat Nolde ein
eigenes Atelier in Berlin. Er erkrankt an Tuberkulose, verbringt
die Jahre bis 1913 in den Sommermonaten immer
wieder auf dem elterlichen Hof in Nordschleswig, in Jütland,
auf der Insel Alsen. 1904/05 reist er nach Italien.
1906 wird Emil Nolde Mitglied der „Berliner Secession“.
Ebenfalls 1906 findet in der Galerie Arnold in Dresden
eine Ausstellung mit Werken von ihm statt, durch die die
Brücke-Künstler auf ihn aufmerksam werden und den
Kontakt zu ihm suchen. Nolde schließt sich der Künstlergemeinschaft
„Brücke“ an, ist jedoch zu sehr Einzelgänger
und trennt sich 1907 wieder von ihr.
1911 ist Nolde Mitglied der „Neue Berliner Secession“.
1913/14 unternimmt Nolde mit seiner Frau Ada eine Südseereise,
während der auf dem gesamten Reiseweg eindrückliche
Skizzen und Aquarelle der Menschen entstehen.
1916 zieht der Künstler nach Utenwarf. 1926
über siedelt Emil Nolde mit seiner Frau nach Seebüll, wo
er sich ein Atelierhaus baut. Von dem Umschwenken der
Kulturpolitik bleibt auch Nolde nicht verschont und wird
148
1933 als entarteter Künstler verfemt. Er wird aus der
Preußischen Akademie der Künste ausgeschlossen, wo er
seit 1930 Mitglied ist. 1.052 seiner Werke werden aus
deutschen Museen entfernt, zudem erhält er 1941 Malverbot.
In den folgenden Jahren bis zu seinem Tod arbeitet Emil
Nolde an vorwiegend kleinformatigen Aquarellen, die er
die „Ungemalten Bilder“ nennt. Über 1.300 Blätter entstehen,
Landschaften, Figurenbilder, Blumenstilleben in
intensiven leuchtenden Farben. Nolde ist ein begnadeter
Kolorist und stirbt am 13.04.1956 in Seebüll. Das Atelierund
Wohnhaus wird 1956 als „Stiftung Ada und Emil
Nolde“ zu einem Museum umgestaltet.
GEORG SCHOLZ
Georg Scholz ist seit seinem 6. Lebensjahr Halbwaise und
wird als Achtjähriger von dem Physiker J. Elsner und
seiner Frau als Pflegesohn aufgenommen. Er beginnt ein
Studium an der Gewerbeschule in Braunschweig und
wechselt danach an die Karlsruher Akademie, wo er von
1908-1914 u. a. bei Ludwig Dill (1848-1940), Hans Thoma
(1839-1924) und als Meisterschüler bei Wilhelm Trübner
(1871-1917) studiert. Ein Semester verbringt er bei Lovis
Corinth (1858-1925) in Berlin.
Während des 1. Weltkriegs ist er 1915-1918 an der Ostund
an der Westfront eingesetzt. Unter dem Eindruck der
Kriegserlebnisse engagiert er sich danach in der KPD und
wird Mitglied der „Novembergruppe“. 1919 folgt die
Gründung der revolutionären Karlsruher Künstlergruppe
„Rih“ gemeinsam mit ehemaligen Kommilitonen darunter
Rudolf Schlichter (1890-1955) und Wladimir von
Zabotin (1884-1967), auch arbeitet er bei der kritischen
Zeitschrift „Der Gegner“ mit. Es folgt nun die Auseinandersetzung
mit der internationalen Avantgarde und er
nähert sich expressiven – u. a. in der Graphik – futuristischen
Tendenzen an. Auf der „Erste Internationale Dadamesse“
1920 in Berlin ist er mit einem Gemälde vertreten
und hält auch Kontakt zu Otto Dix (1891-1869) und George
Grosz (1893-1959). Mitte der 20er Jahre entstehen seine
Hauptwerke im Stil der Neuen Sachlichkeit in den Gattungen
wie Landschaft, Porträt und Stilleben. Auf der Ausstellung
„Neue Sachlichkeit“ 1925 in Mannheim ist er
prominent vertreten. Noch in diesem Jahre wird er zum
Professor an die Karlsruher Akademie berufen und es
entsteht kurz darauf sein bedeutsamstes Werk, das „Selbstbildnis
vor der Litfaßsäule“. 1927 ist er Gründungsmitglied
der „Badische Sezession“, Ende der 20er Jahre Mitglied des
Instituts für Handwerkswirtschaft in Karlsruhe und bis
1933 intensive Auseinandersetzung mit dem Thema Kunst
– Handwerk – Industrie. Seine künstlerischen Motive
kreisen in dieser Zeit angelehnt an Pablo Picassos (1881-
1973) Klassische Periode und André Derain (1880-1954)
um die Aktdarstellung, um die Frage der Figur im Raum.
1933 wird er aus dem Lehramt entlassen und zahlreiche
seiner Frühwerke als „entartet“ eingestuft. 1935 zieht er
sich nach Waldkirch zurück und beschränkt sich fortan
fast ausschließlich auf Auftrags- und Ausstattungsarbeiten,
darunter auch seit seiner Konversion sakrale Motive.
Im Oktober 1945 wird er von den Alliierten als Bürgermeister
von Waldkirch eingesetzt und stirbt nur wenige
Wochen später an Herzversagen.
149
KÜNSTLERVERZEICHNIS
Abelen, Peter .......................................................................... 1
Archipenko, Alexander ........................................................ 2
Arnold, Christian................................................................... 3
Baumgarten, Georg ............................................................... 4
Beckmann, Max.............................................................. 5, 6, 7
Burchartz, Max ...................................................................... 8
Delaunay, Robert .................................................................. 9
Dix, Otto.................................................................... 10, 11, 12
Erbslöh, Adolf....................................................................... 13
Feininger, Lyonel Charles Adrian....................................... 14
Felixmüller, Conrad ...................................................... 15, 16
Gekle, Peter-Anton............................................................... 17
Grossberg, Carl .............................................................. 18, 19
Grosz, George................................................................. 20, 21
Heckel, Erich......................................................................... 22
Hofer, Karl............................................................................. 23
Holtz, Karl............................................................................. 24
Hubbuch, Karl .................................................... 25, 26, 27, 28
Lais, Otto............................................................................... 38
Lange, Otto............................................................................ 39
Lehmbruck, Wilhelm..................................................... 40, 41
Lenk, Franz ........................................................................... 42
Mammen, Jeanne ............................................... 43, 44, 45, 46
Marc, Franz .................................................................... 47, 48
Meidner, Ludwig ................................................................. 49
Muter, Mela ......................................................................... 50
Nesch, Rolf................................................................ 51, 52, 53
Nolde, Emil .......................................................................... 54
Oppenheimer, Max.............................................................. 55
Pechstein, Hermann Max .................................................. 56
Schad, Christian............................................................. 57, 58
Schlichter, Rudolf................................................................. 59
Scholz, Georg...................................................... 60, 61, 62, 63
Schrimpf, Georg................................................................... 64
Stoecklin, Niklaus................................................................. 65
Kanoldt, Alexander.................................................. 29, 30, 31
Kinzinger, Edmund Daniel..................................... 32, 33, 34
Kirchner, Ernst Ludwig........................................................ 35
Klee, Paul......................................................................... 36, 37
150
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