CLICK CINEMA
Das multimediale Filmmagazin
Das multimediale Filmmagazin
Verwandeln Sie Ihre PDFs in ePaper und steigern Sie Ihre Umsätze!
Nutzen Sie SEO-optimierte ePaper, starke Backlinks und multimediale Inhalte, um Ihre Produkte professionell zu präsentieren und Ihre Reichweite signifikant zu maximieren.
FEB-MÄR25CLICKCINEMA
Das eMagazin für Kino, Film & Streaming
EDITORIAL
Ich bin ein grosser Fan von
Maria Brendles FRIEDAS
FALL, schon lange nicht
mehr war ein Schweizer
Spielfilm so stimmig und
gut. Einfach sensationell!
Cover: Filmstill aus MARIA
Liebe CLICK CINEMA Leser:innen
Die Solothurner Filmtage sind Geschichte. Selber konnte ich leider
dieses Jahr nicht teilnehmen, da ich seit ein paar Jahren in Brüssel eine
der ältesten Kunstmessen der Welt besuche, die BRAFA.
Unglücklicherweise fiel sie dieses Jahr genau auf das Datum der
Filmtage. Aber in Gedanken war ich sehr wohl beim Schweizer Film und
seinen Macher:innen. Für mich sind die Filmtage das schönste aller
Filmfestivals, nirgendwo wird so intensiv über Filme diskutiert wie in der
wunderbaren Ambassadorenstadt an der Aare.
arttv.ch bedeutet eben nicht nur Film, sondern bedient alle
Kultursparten. Kunst, Musik, Literatur interessieren mich genau so.
Persönlich habe ich übrigens 2025 zum Jahr des Theaters auserkoren,
denn – so meine These – das Theater wird der Gewinner der
Digitalisierung sein. Ich glaube, die Menschen sehnen sich Zeiten von KI
wieder stärker nach dem Unmittelbaren. Gerade für sehr junge
Menschen könnte das Theater zu einer regelrechten Offenbarung
werden.
Aber hier soll es um den Film gehen: Was unserem Filmjournalisten Geri
Krebs an den diesjährigen Filmtagen besonders positiv aufgefallen ist,
lesen Sie in seiner Manöverkritik. Darüber hinaus geben wir einen
Überblick, was Sie in nächster Zeit Grossartiges in unseren
Deutsschweizer Kinos erwartet. Ich bin ein grosser Fan von Maria
Brendles FRIEDAS FALL, schon lange nicht mehr war ein Schweizer
Spielfilm so stimmig und gut. Einfach sensationell! Diese Begeisterung
teile ich mit unserer langjährigen Filmjournalistin Madeleine Hirsiger.
Mit freundlichen Grüssen
Felix Schenker, Chefredaktor arttv.ch
PS: Unseren regelmässigen Leser:innen wird beim Durchblätter dieses eMagazins auffallen,
dass wir einen neuen Host haben, der uns eine bessere Reichweite ermöglich.
SPIELFILM DES MONATS
MARIA
Mit MARIA bringt Pablo
Larraín seine lose
Trilogie über drei
tragische, mysteriöse
und einsame Frauen
unserer Zeit zu einem
glänzenden Abschluss.
Nach Jacqueline «Jackie» Kennedy und
Prinzessin Diana steht nun die
Opernlegende Maria Callas im Mittelpunkt.
In unvergesslichen Bildern erzählt Pablo
Larraín die Geschichte einer zwischen Ruhm
und Einsamkeit zerrissenen Opernsängerin.
MARIA ist eine Hommage an Maria Callas’
unvergleichliches Vermächtnis und ein tief
emotionaler Einblick in das Leben einer
Künstlerin, die trotz all ihrer Erfolge immer
eine Aussenseiterin blieb.
SYNOPSIS
MARIA | SYNOPSIS
Paris 1977: Maria Callas (Angelina Jolie) ist die wohl
grösste Sopranistin aller Zeiten. Doch schon seit Jahren
ist die Primadonna assoluta nicht mehr in der
Öffentlichkeit gesehen worden. Trotz unerschöpflicher
Bemühungen ihrer Köchin (Alba Rohrwacher) und ihres
ihr treu ergebenen Butlers (Pierfrancesco Favino) ernährt
sich die Diva fast ausschliesslich von Tabletten. Diese
Stimmungsaufheller sorgen dafür, dass Maria Callas noch
immer an ein unwahrscheinliches Comeback glaubt.
Doch die Realität ist eine andere…
«Pablo Larraín hat sich mit
JACKIE, SPENCER und nun
MARIA endgültig den Ruf als
wohl aufregendster Leinwand-
Biograf unserer Zeit erarbeitet.»
Von Madeleine Hirsiger
REZENSION
Es ist der 16. September 1977, ein Herbsttag. Maria
Callas ist in ihrer riesigen Wohnung in Paris
zusammengebrochen und stirbt. Ihr toter Körper ist
mit einem Leintuch bedeckt.
So beginnt die Lebensgeschichte der Diva assoluta,
die uns der 49jährige chilenische Regisseur Pablo
Larrain vielschichtig erzählt. Und mit diesem Bild
endet sie auch. Dazwischen liegt die letzte Woche
ihres Lebens, die sie zu Hause mit einem älteren
Ehepaar verbringt, einer Hausangestellten und einem
Butler. Ihnen ist völlig bewusst, in welcher Situation
sich Maria geistig und körperlich befindet. Sie
umsorgen sie – sehr zurückhaltend – in ihrem Zustand
von Depression und Tablettenabhängigkeit. Das ist
alles andere als einfach: denn sie ist immer noch die
grosse Callas und bestimmt, was Wahrheit ist und was
Imagination. Sie will anknüpfen an die alten Zeiten,
ihre einst so kraftvolle Stimme zurückgewinnen. Daran
arbeitet sie unerbittlich aber ohne Erfolg. Das ist die
Tragik dieser Lebensgeschichte.
>> WEITERLESEN AUF ARTTV FILM
TRAILER
MARIA | Regie: Pablo Larraín | Cast:
Angelina Jolie, Pierfrancesco Favino,
Valeria Golino | Drama | 124 Minuten |
USA, 2024 | Verleih: Pathé
Kinostart
Deutschschweiz: 6. Februar 2025
arttv CLUB-EINLADUNG
KINO
NIKI
arttv Club-Mitglieder
erhalten ein
kostenloses Ticket
ANMELDUNG SIEHE MITGLIEDER-MAIL
Ein Film so schillernd wie die Werke der Künstlerin Niki de Saint Phalle
selber.
Das Spezielle am Film der Regisseurin Céline Sallette ist, dass kein einziges
Kunstwerk zu sehen ist, auch keine von Saint Phalles fetten, bunten Nanas.
Das hat mit den Rechten zu tun, die von den Inhabern nicht gewährt wurden.
Wie Céline Sallette damit umgeht, ist alleine schon ein Grund, sich den Film
im Kino anzuschauen. Und aus Schweizer Sicht natürlich auch, dass einer der
bekanntesten unserer Künstler, Jean Tinguely, der Ehepartner der berühmten
französischen Künstlerin war.
NIKI | Regie: Céline Sallette | Cast: Charlotte Le Bon, John Robinson, Damien
Bonnard, Judith Chemla, Alain Fromager, Virgile Bramly | Bio-Pic | 98
Minuten | Frankreich, 2024 | Verleih: Praesens Film
Kinostart
Deutschschweiz: 20. Februar 2025
Noch nicht arttv
Club-Mitglied?
HIER GEHT ES ZUR ANMELDUNG
OSCARWÜRDIG
FRIEDAS FALL
So gut und
stimmig war
schon lange
kein Schweizer
Film mehr.
Der Fall der Kindsmörderin Frieda
erschütterte 1904 die Schweiz. Basierend
auf wahren Begebenheiten fächert
Regisseurin Maria Brendle ein
spannendes Gesellschaftsdrama um
Gleichberechtigung und Gerechtigkeit
auf, das zu Reformen in der Justiz führte.
In der Hauptrolle überzeugt die
charismatische Newcomerin Julia
Buchmann.
FRIEDAS FALL | SYNOPSIS
1904 steht in St. Gallen die 25-jährige Näherin
Frieda vor Gericht. Ihr wird vorgeworfen, ihr
uneheliches Kind getötet zu haben. Doch stimmt
das auch wirklich? Und wie viel Opfer steckt in der
mutmasslichen Täterin? Der Fall ruft Anwälte,
Presse und Zivilgesellschaft auf den Plan, die sich
darüber streiten, wie viele Rechte einer Frau
überhaupt zustehen.
SYNOPSIS
Von Madeleine Hirsiger
REZENSION
Frieda Keller, 25 Jahre alt, ist tief gefallen. Sie hat
ihren 5-jährigen Sohn Ernstli im Wald ermordet. Die
mittellose Näherin wird zu einem Fall für die Justiz, für
das Rechtssystem, für die Gesellschaft. Wir schreiben
das Jahr 1904.
Grosse Schlagzeilen in der Zeitung. Ein toter Bub, man
weiss nicht, um wen es sich handelt. Es ist eine
Ordensfrau von der Kinderbewahranstalt Tempelacker,
die die Kleider des Kindes identifizieren kann. Zwei
Polizisten gehen zu Frieda Keller, um ihr mitzuteilen,
dass ihr Sohn tot ist. Sie kommen aber nicht soweit.
Frieda gesteht sofort «I bis gsi». Sie hat ihr Kind mit
einer Schnur erwürgt.
Ein menschliches Drama nimmt seinen Lauf
Eine Klammer hält dieses menschliche Drama
zusammen: Frieda Keller, mit abgeschnittenen Haaren
und einem beigen Hemd bekleidet, vor dem
Staatsanwalt. «Sie müssen mit mir reden! Was ist im
Wald oben passiert.» Frieda redet nicht. In ihrer Zelle,
die sich im Keller des stattlichen Hauses des
Staatsanwalts befindet, wartet sie auf ihren Prozess.
>> WEITERLESEN AUF ARTTV FILM
«Dringende
Kinoempfehlung:
FRIEDAS FALL von
Maria Brendle»
Denise Bucher, NZZ
TRAILER
FRIEDAS FALL | Regie: Maria Brendle |
Cast: Julia Buchmann, Stefan Merki,
Rachel Braunschweig, Max
Simonischek, Marlene Tanczik, Liliane
Amuat | Drama | 107 Minuten | Schweiz,
2024 | Verleih: Praesens
Jetzt im Kino
WAS FÜR EIN THEATER
IM SCHATTEN
DER TRÄUME
Ein Film über jene zwei
Männer die Zarah
Leander zum Weltstar
machten. Inklusive
anschliessender
Theateraufführung
Regisseur Martin Witz erzählt die Geschichte
des Texters Bruno Balz und des Komponisten
Michael Jary. Die beiden Freunde haben über
Jahrzehnte die deutsche Pop- oder vielmehr
Schlagerkultur geprägt. Sie wurden aber auch
Opfer des Nazi-Regimes. Gleichzeitig nutzten
sie dieses für ihre eigenen Vorteile. Sie stehen
somit nicht nur für Ruhm und Ehre sondern
auch für Terror und Verfolgung sowie den
Drang, dem eigenen Erfolg durch
Kompromisse Schwung zu verleihen. Gerog
Kling spielt passend zum Film sein Erfolgsstück
ZARAH! EINMAL ZIRKUSPFERD, IMMER
ZIRKUSPFERD gespielt.
IM SCHATTEN DER TRÄUME | SYNOPSIS
Die Geschichte einer grossen – und höchst
produktiven – Freundschaft zwischen dem Texter
Bruno Balz und dem Komponisten Michael Jary.
Als erfolgreichstes Duo der deutschen Pop- und
Filmmusik haben sie über vier Jahrzehnte unsere
Popkultur geprägt: Die Roaring Twenties, Kino-
Glamour, ikonische Songs für Superstar Zarah
Leander, Gestapo-Haft, Neuanfang in den
Fünfzigern und die swingenden Sechziger. – Ein
wilder Ritt, und ihre Lieder sind noch heute
SYNOPSIS
Von Doris Senn
REZENSION
Nur wenigen dürften ihre Namen heute geläufig sein,
und doch prägte das Powerduo die deutsche
Musikszene von den Dreissigern bis in die Sechziger:
Komponist Michael Jary (1906–88) und Textdichter
Bruno Balz (1902–88). Ihr Lieblingsgenre:
Unterhaltungsmusik. Ihre Lieblingssängerin: Zarah
Leander. Ihr Output: rund 1000 Lieder und Musik für
250 Kinofilme. Von «Ich weiss, es wird einmal ein
Wunder gescheh’n» bis hin zum Schunkellied «Davon
geht die Welt nicht unter» zeichneten Jary und Balz
für eine Reihe von Schlagern, die sich in die deutsche
Volksseele einbrannten. Der Schweizer
Dokumentarfilmer Martin Witz (DUTTI DER RIESE,
GATEWAYS TO NEW YORK) widmet dem illusteren
Duo ein facettenreiches Porträt.
Von Zarah Leander bis Heintje
Die Karriere von Jary und Balz begann Anfang
Dreissiger. In Zarah Leander fanden sie ihre Muse, die
bald zum höchstbezahlten weiblichen Filmstar im
Nationalsozialismus avancierte.
>> WEITERLESEN AUF ARTTV FILM
TEHEATER
Parallel zum Film
IM SCHATTEN DER TRÄUME
zeigt Gerog Kling am 7. und 14
März 2025 im Frame in Zürich
ZARAH! EINMALZIRKUSPFERD,
IMMER ZIRKUSPFERD
Die kontroverse Geschichte der Zarah Leander
Ein Pakt mit dem Teufel und eine beispiellose Karriere als eine der
grössten Diven des 20 Jahrhunderts! Das zeichnet die 1907 im
schwedischen Provinznest Karlstad geborene Sara Stina Hedberg aus. Ein
ehrgeiziges Mädchen voller Tatendrang, das später als Zarah Leander die
Kinoleinwände und Konzertsäle der Welt erobert. Der Psychologe,
Psychotherapeut und Schauspieler Georg Kling erzählt in seiner
Produktion Zarah! Einmal Zirkuspferd immer Zirkuspferd ihre unglaubliche
Geschichte und lässt dank Fotografien, Filmausschnitten und Liedern das
Publikum in das Leben und die Karriere des Weltstars eintauchen.
Leanders dunkle Stimme verzaubert das Publikum bis heute und machten
sie zu einer der ersten LGBTIQ+-Ikonen. Das Ganze hat allerdings eine
grausame Schattenseite. Leanders grenzenloser Ehrgeiz lässt sie zur
skrupellosen Opportunistin werden. Hemmungslos lässt sie sich vom
deutschen Naziregime vor den Propagandakarren spannen und opfert
dafür auch Liebe und Familie. Zarah Leanders Lebensgeschichte hat
durch die aktuelle Weltlage eine brisante Dimension erhalten, die man in
Europa noch vor kurzem für nicht mehr möglich hielt.
DAS PROGRAMM IST SO
GUT UND VERDIENT,
GESEHEN ZU WERDEN.
ICH DRÜCKE ALLE
DAUMEN, DASS ES
ENGAGEMENTS UND
PUBLIKUM HAGELT.
GISELA WIDMER, AUTORIN
TRAILER
IM SCHATTEN DER TRÄUME | Regie:
Martin Witz | Dokumentarfilm | 80
Minuten | Schweiz, 2024 | Verleih:
Filmcoopi
Der Film feierte seine Weltpremier am
Zurich Film Festival 2024.
Kinostart
Deutschschweiz: 13. Februar 2025
ANZEIGE
TICKETS KAUFEN
Frame Cinema
Robert Stephenson Weg 57
8004 Zürich
Standort
Europaallee
Ecke Lagerstrasse / Langstrasse
ANZEIGE
ENTTÄUSCHUNG DES MONATS
«Das Drehbuch zu schreiben,
Regie zu führen und gleichzeitig
mitzuspielen, beinhaltet stets ein
gewisses Risiko. Oft ist diese
Konstellation zum Scheitern
verurteilt. Das ist auch in WHEN
WE WERE SISTERS der Fall. Die
simple Geschichte wirkt
unplausibel, aufgesetzt und
befremdet mit hölzernen Dialogen.
Warum die Mutter ihre
jugendliche Tochter ablehnt, ist
überhaupt nicht nachvollziehbar.
Eine reine Behauptung, die
emotionslos zur Kenntnis
genommen werden muss.»
arttv.ch - Felix Schenker
WHEN WE WERE
SISTERS
Die Zürcherin Lisa Brühlmann (Foto links) ist
Schauspielerin, Regisseurin und
Drehbuchautorin. Sie studierte Schauspiel an
der Schauspielschule Charlottenburg in Berlin
und danach Filmregie an der Zürcher
Hochschule der Künste. Im Jahr 2017 gewann
sie für ihr Filmdebüt BLUE MY MIND drei
Preise am Zürich Film Festival. WHEN WE
WERE SISTERS feiert am diesjährigen ZFF
seine Weltpremiere. Es ist der erste ihrer
Filme, in dem Brühlmann selbst auch eine
Rolle verkörpert. Das war dann wobl alles
etwas zu viel auf einmal.
BLACK BOX DIARIES
TRAILER
WHEN WE WERE SISTERS | Regie: Lisa
Brühlmann | Cast: Lisa Brühlmann,
Paula Rappaport, Malou Mösli, Carlos
Leal | Drama | 101 Minuten | Schweiz
und Griechenland, 2024 | Verleih:
Filmcoopi
Jetzt im Kino
BANNERWERBUNG AUF ARTTV.CH & CLICK eMagazine
WERBEN MIT
EXCELLENTES ZEITDOKUMENT
SEPTEMBER 5
DIE SCHWEIZER
OSCAR
NOMINIERUNG
Manchmal ist
mangelndes
Geld ein
Segen!
Der Schweizer Regisseur Tim Fehlbaum
wollte ursprünglich das Geiseldrama,
das die Olympischen Spiele 1972 in
München erschütterte, aus diversen
Perspektiven beleuchten: Entführer,
Opfer, Justiz, Medien. Doch das
aufwändige Vorhaben liess sich nicht
finanzieren. So beschränkte er sich
darauf, den Film ganz aus der Sicht der
Medien zu erzählen. Ein Glücksfall!
SYNOPSIS
SEPTEMBER 5 | SYNOPSIS
München, 5. September 1972: Der junge TV-Produzent Geoff
des US-Senders ABC bereitet sich auf die Berichterstattung
über den zweiten Tag der Olympischen Spiele vor, als er
Schüsse hört. Bald stellt sich heraus, dass palästinensische
Terroristen elf israelische Athleten als Geiseln genommen
haben. Mit Hilfe einer deutschen Dolmetscherin treibt Geoff
die Berichterstattung gegen den Widerstand seiner
Vorgesetzten voran.
Von Felix Schenker
Es war die erste Live-Übertragung eines
Terroranschlags weltweit. Eine Gruppe
palästinensischer Terroristen nahm am 5. September
an den Olympischen Spielen in München elf Mitglieder
der israelischen Sportmannschaft als Geiseln. Die
Folgen sind bekannt, elf der vierzehn israelischen
Olympiateilnehmer:innen wurden ermordet, darunter
fünf Athleten. Die Bilder, die viele von uns noch im
Kopf haben – die Terroristen mit den Wollmützen über
ihrem Gesicht, die Geiseln am Fenster, die kreisenden
Helikopter – wurden damals von Sportjournalisten des
US-Senders ABC um Roone Arledge und Geoff Mason
mit der Kamera festgehalten und live in die ganze
Welt übertragen. 900 Millionen Zuschauer:innen
sassen gebannt vor den Bildschirmen. Regisseur Tim
Fehlbaum wollte ursprünglich das Geschehen aus
diversen Perspektiven beleuchten: Entführer, Opfer,
Justiz, Medien. Doch das aufwändige Vorhaben, das
ursprüngliche auf einem 170 Seiten schweren
Drehbuch basierte, liess sich nicht finanzieren.
REZENSION
>> WEITERLESEN AUF ARTTV FILM
WEITERE STIMMEN
«Der Thriller des Schweizers Tim Fehlbaum lässt uns
die dramatische Geiselnahme durch die Augen der
Journalistinnen und Journalisten erleben. Der Film
wirft medienethische Fragen auf. Wessen Geschichte
wird es, wenn Medien bei Terror live berichten – jene
des Senders oder jene der Terroristen?» – Zurich Film
Festival | «Ein intensiv verdichteter, stark gespielter
Journalismus-Thriller, bei dem die aus heutiger Sicht
fast schon steinzeitlich anmutende Fernsehtechnik der
Siebzigerjahre massgeblich zum Appeal beiträgt.» –
Christoph Petersen. Filmstarts.de | «Um keine
falschen Erwartungen zu schüren: Auch wenn es in
September 5 um die Geiselnahme an den
Olympischen Spielen 1972 geht, so ist es mehr ein
Film übers Live-TV als ein Film über islamistischen
Terror. Entsprechend ist es auch kein Hochspannungs-
Thriller, sondern ein aufschlussreicher Innenblick in ein
Stück (Massen-)Kommunikationsgeschichte. Diese
dialoglastige Art von Filmen muss man mögen – wenn
man es tut, kriegt man ein durchaus fesselndes
Kammerspiel mit einem engagierten Cast.» – Simon
Eberhard, outnow.ch
«Ein atemloser, dichter,
schnörkelloser Film.» –
Denise Bucher, NZZ
TRAILER
SEPTEMBER 5 | Regie: Tim Fehlbaum |
Cast: Leonie Benesch, John Magaro,
Peter Sarsgaard, Ben Chaplin | 91
Minuten | Deutschland / 2024 | Verleih:
Praesens Film
Der Film feierte 2024 in Venedig seine
Weltpremier, wurde am 20. Zurich Film
Festival als Gala Premiere gezeigt, war
für die Golden Globes als Best Motion
Picture – Drama nominiert und ist
momentan im Oscar-Rennen
Jetzt im Kino
ABENTEUER KINO
THE LAST
EXPEDITION
Über eine Frau, die hoch
und höher stieg, der
männlich dominierten
Alpinist:innengemeinsch
aft trotzte und selbst zu
einer Legende wurde.
Die polnische Bergsteigerin Wanda Rutkiewicz
verblüffte die Elite der Gipfelstürmer. Sie
erklomm als erste Frau den Mount Everest und
K2 und verschwand 1992 spurlos im Himalaya.
Regisseurin Eliza Kubarska ist den Spuren einer
mutigen Einzelgängerin und eines Mysteriums
nachgegangen. Herausgekommen ist ein
fesselnder, beherzter Dokumentarfilm, der
keine Rätsel löst, wohl aber das Bild einer
Machowelt von Bergsteigern beschreibt.
SYNOPSIS
THE LAST EXPEDITION | SYNOPSIS
Wanda Rutkiewicz galt lange als berühmteste
Bergsteigerin der Welt. Als erste Frau alle 8000er zu
bezwingen, war ihr grosses Ziel. Acht hat sie geschafft.
Schon das war ein Rekord, mit dem sie auch viele
Männer überholte. 1992 verschwand Wanda Rutkiewicz
spurlos am Kangchendzönga in Nepal. Doch bis heute
halten sich Gerüchte, sie sei noch am Leben. Der Film
begibt sich im Himalaya auf Spurensuche. Dort findet
Regisseurin Eliza Kubarska zahlreiche Menschen, die
sich lebhaft an die die Ausnahme-Bergsteigerin
erinnern. Viele davon können sich vorstellen, dass sie
noch lebe – wie auch Reinhold Messner.
Von Rolf Breiner
Ungestüm, ehrgeizig, eigenwillig, risikofreudig, stur,
freiheitsdurstig – die Liste derartiger Eigenschaften
liesse sich verlängern. «Sie war eine faszinierende und
charismatische Person. Aber sie war auch eigensinnig
und völlig unberechenbar», schrieb Gertrude Reinisch
aus Steyr in Oberösterreich über sie. Die Autorin war
mit ihr 1990 im Karakorum unterwegs gewesen und
verfasste das Buch «Karawane der Träume» über sie.
Für die polnische Filmerin Eliza Kubarska war sie eine
«Ikone der freien Frau, die trotz aller Schwierigkeiten
ihren eigenen Weg ging».
Vom Ehrgeiz gepackt
Wanda Rutkiewicz, 1943 in Plunge (Litauen) geboren,
in Breslau heimisch geworden, entdeckte früh das
Klettern für sich. Ihr gelang als erste Frau 1973 die
Winterbesteigung der Eiger-Nordwand. 1978
überwand sie als erste Europäerin den Mount Everest.
Für sie gab es kein Halten mehr. 1992 hatte sie bereits
acht Achttausender im Himalaya bestiegen.
REZENSION
>> WEITERLESEN AUF ARTTV FILM
REGIE
Die Polin Eliza Kubarska ist Regisseurin, Alpinistin und
Reisende. Sie absolvierte die Akademie der Bildenden
Künste in Warschau und die Wajda Film School. Seit 2004
hat sie weltweit preisgekrönte Dokumentarfilme gedreht,
die oft an extremen Orten entstanden sind: WHAT
HAPPENED ON PAM ISLAND (2010), gedreht auf
Grönland, WALKING UNDER WATER (2014), gefilmt auf
den Meeren um Borneo und unter Wasser (Hot Docs Jury
Prize und Special Mentions beim Los Angeles IFF und Palm
Springs IFF) und K2. TOUCHING THE SKY (2015), gedreht
im Karakorum und einer der meist ausgezeichneten
polnischen Bergfilme der Geschichte. Seit 2008 ist sie
Direktorin des Vertical Vision Film Studio.
TRAILER
THE LAST EXPEDITION | Regie: Eliza
Kubarska | Dokumentarfilm | 86
Minuten | Polen und Schweiz, 2024 |
Verleih: Vinca Film
Jetzt im Kino
CH DOKFILM
EMPFEHLUNG
SUSPEKT
Ein Interventionsfilm
über den Anwalt, der
auch Brian Keller, den
wohl bekanntesten
Häftling der Schweiz,
verteidigt.
Bernard Rambert, der «Rote Beni», ist einer
der bekanntesten und umstrittensten
Strafverteidiger der Schweiz. Regisseur
Christian Labhart lässt in seinem Film
SUSPEKT den «Terroristenanwalt» ausführlich
– und bewusst einseitig – zu Wort kommen.
Diese Erzählperspektive durchzuziehen, ist für
Labhart insofern ein legitimer Entscheid, als er
die ungleichen Machtverhältnisse
widerspiegelt, denen Bernard Rambert Zeit
seines Lebens Widerstand entgegensetzte.
SUSPEKT | SYNOPSIS
SYNOPSIS
Bernard Rambert, der «Rote Beni», ist einer der bekanntesten und
umstrittensten Strafverteidiger der Schweiz. Der von der Presse als
«Terroristenanwalt» verunglimpfe Protagonist erzählt ausführlich
von seiner Tätigkeit und seinen Fällen der letzten 50 Jahre. Warum
verteidigte er Petra Krause, Christian Möller, Gabriela Kröcher-
Tiedemann und Marco Camenisch, die alle den bewaffneten
Kampf oder zumindest Gewalt als legitimes Mittel zur
Durchsetzung ihrer Ziele proklamierten? Und warum den
gewaltbereiten Brian Keller oder den unpolitischen Bankräuber
Walter Stürm? Hat nicht jeder Mensch das Recht auf eine
Verteidigung? Und: Welche Bilanz zieht ein Mensch, der sein
ganzes Leben mit juristischen Mitteln widerständige Menschen
verteidigt hat?
INTERVIEW
«Ich bewundere Bernard
Ramberts Mut,
widerständige Menschen
zu verteidigen, heikle
Fälle zu übernehmen, die
sonst niemand
übernommen hätte.»
Interviewv
CHRISTIAN LABHART
>>hier lesen
TRAILER
SUSPEKT | Regie: Christian Labhart |
Dokumentarfilm | 82 Minuten |
Schweiz, 2024 | Verleih: Cineworx
Kinostart
Deutschschweiz: 20. Februar 2025
SCHON GESEHEN?
THE SEED OF
THE SACRED FIG
Der Film, der den
iranischen Regisseur
Mohammad Rasoulof
letztlich dazu
veranlasste, aus dem
Iran zu fliehen.
Der mit einem Berufsverbot belegte
iranische Regisseur drehte sein jüngstes
Werk im Verborgenen. Als Anfang Mai das
Urteil zu acht Jahren Haft fiel, floh er aus
dem Iran, zu Fuss über die Berge. Nach
Preisen und Standing Ovations in Cannes
präsentierte er sein eindrückliches Drama
um einen Richter und seine Familie
persönlich am Locarno Film Festival. Seit
Mitte November 2024 läuft der Film in den
Schweizer Kinos. Also letzte Gelegenheit,
sich den herausragenden Film im Kino noch
anzusehen.
SYNOPSIS
THE SEED OF THE SACRED FIG | SYNOPSIS
Iman, ein Untersuchungsrichter am Revolutionsgericht in Teheran,
hat mit Misstrauen und Paranoia zu kämpfen, als die landesweiten
politischen Proteste zunehmen und seine Waffe auf mysteriöse
Weise verschwindet. Da er seine Frau Najmeh und seine Töchter
Rezvan und Sana verdächtigt, etwas damit zu tun zu haben,
ergreift er zu Hause drastische Massnahmen, die die Spannungen
noch verstärken. Nach und nach werden soziale Normen und die
Regeln des Familienlebens ausser Kraft gesetzt. So direkt wie noch
nie bäumt sich Rasoulof hier gegen das repressive iranische
Regime auf und dokumentiert erstmals die Welle der
Frauenproteste und die brutale Reaktion der Behörden. Ein
weiterer Geniestreich nach seinem Goldenen Bären für THERE IS
NO EVIL.
INTERVIEW
«Als ich aus dem
Knast kam, wusste
ich: Ich habe nur
wenig Zeit, um
diesen Film zu
machen.»
Interviewv
MOHAMMAD RASOULOF
>>hier lesen
TRAILER
THE SEED OF THE SACRED FIG |
Regie: Mohammad Rasoulof | Drama |
168 Minuten | Iran, Frankreich und
Deutschland, 2024 | Verleih: Trigon
Film
Jetzt im Kino
DOKFILM DES MONATS
WIR ERBEN
Ein grandioser Film
über die Frage, was
von uns bleibt und
was wir an unsere
Nachkommen
weitergeben.
«Meine Eltern wollen uns ihr Lebenswerk
vererben. Wir müssen reden. Über Erwartungen
und Ideale. Über Privilegien und Lasten. Aber
auch über Geld.» So schildert der Schweizer
Filmregisseur Simon Baumann, der bereits 2012
mit seinem Dokumentarfilm ZUM BEISPIEL
SUBERG für Furore sorgte und mehrere
Festivalpreise gewann – die Ausgangslage für
seinen neuen Dokumentarfilm. Ein charmantes
und humorvolles Porträt seiner Eltern, seiner
Familie und den damit verbundenen
Erwartungen an die Zukunft.
SYNOPSIS
WIR ERBEN | SYNOPSIS
Als Kind hat Filmemacher Simon Baumann seine Eltern
im Fernsehen beobachtet, und sich für sie geschämt
und sie dennoch bewundert. Sie kämpften als
Nationalräte für eine naturnahe Landwirtschaft und
verwirklichten später ihre Ideale in einem Hof in
Südfrankreich. Weil der abgelegene Hof nicht als
Alterswohnsitz taugt, möchten sie ihn nun Simon und
seinen Bruder vererben. Für die beiden stellt sich die
Frage: Sollen wir weiterführen, was ihre Eltern
begonnen haben, oder sie enttäuschen? Dabei ist es
nicht das erste Mal, dass die beiden sich gegenüber
ihren Eltern positionieren müssen. Während Simons
Bruder als Bauer und Nationalrat ihre politischen
Kämpfe weiterführt, entdeckt Simon im Filmemachen
die Möglichkeit, auf Distanz zu gehen und ihnen doch
nahe zu bleiben.
Von Madeleine Hirsiger
REZENSION
Eigentlich könnte man meinen: Erben ist schön. Da
bekommt man etwas, für das man selber nichts
beigetragen hat: ein Haus, Bauland, ein Auto,
Wertpapiere, Schmuck, Silberbesteck, eine Oldtimer-
Sammlung, Gemälde. Aber wir wissen auch, dass es
bei vielen Erbschaften zu Streitigkeiten, ja, zu
Feindseligkeiten kommt: Man redet nicht mehr
miteinander, die einen erhalten mehr als die anderen,
zwei begehren dasselbe – und oft haben die
Erbberechtigten schon selbst genug an materiellen
Gütern. Absurditäten sind die Folge, die von denen,
die nie etwas erben werden, nur schwer
nachvollziehbar sind.
Wenn die Moral auf die Erben drückt
WIR ERBEN geht diesem Dilemma auf den Grund. Im
Mittelpunkt steht die Familie Baumann. Ruedi, der
erste ökologische Bauer im Nationalrat – ein Grüner –
und seine Frau Stephanie – einst SP-Nationalrätin –
waren in den 1980er-Jahren ein exotisches Paar:
engagiert, überzeugend, ehrlich, vorausschauend,
präsent in allen politischen Talkshows im Schweizer
Fernsehen.
>> WEITERLESEN AUF ARTTV FILM
TRAILER
WIR ERBEN | Regie: Simon Baumann |
Dokumentarfilm | 96 Minuten |
Schweiz | Verleih: Filmcoopi
Der Film wurde am Film Festival
Locarno mit dem Grand prix de la
Semaine de la critique
ausgezeichnet und ist für den
Schweizer Filmpreis als bester
Dokumentarfilm nominiert.
Kinostart
Deutschschweiz: 30. Januar 2025
DER BESONDERE FILM
^
REISE DER
SCHATTEN
Medienkünstler Yves
Netzhammer mit
seinem ersten
Langfilm im Kino.
Minimalistisch und
faszinierend.
Er ist einer der ganz grossen und
faszinierendsten Künstler der Schweiz:
Yves Netzhammer. Sein erste Langfilm
wirft einen schonungslosen Blick auf die
Gegenwart und die Zukunft und
verwendet dabei eine einzigartige 3D-
Animationstechnik. Ergänzt durch eine
komplexe, ausgefeilte Tonspur bietet
REISE DER SCHATTEN ein immersives,
traumhaftes Filmerlebnis.
SYNOPSIS
REISE DER SCHATTEN | SYNOPSIS
Der Film beschäftigt sich mit der Frage, was den Menschen im
Zeitalter von Technologie und künstlicher Intelligenz zum
Menschen macht. Mit einer einzigartigen 3D-
Animationstechnik wirft der Schweizer Künstler Yves
Netzhammer in seinem Langfilmdebüt einen schonungslosen
Blick auf Gegenwart und Zukunft des digitalen Zeitalters und
reflektiert die gegenseitige Bedingung von menschlichen und
nichtmenschlichen Wesen in einem ständigen Kreislauf von
Werden und Vergehen. Das animierte Universum und die
Protagonist:innen zeichnen sich durch fluide Identitäten aus.
Ergänzt durch eine komplexe, ausgefeilte Tonspur, bietet
«Reise der Schatten» ein immersives, traumhaftes
Filmerlebnis.
Von Hanspeter Stalder
REZENSION
Das Menschsein digital erforscht: Eine idyllische
Liebesszene entpuppt sich als Anfang einer surrealen
Odyssee non-binärer Figuren durch ein dystopisches
Universum. Der Animationsfilm «Reise der Schatten»
reflektiert, was den Menschen in Zukunft zum
Menschen macht. Yves Netzhammer schuf dazu
faszinierende und geheimnisvolle Visionen und
verwendet einzigartige 3D-Techniken.
Eindeutige Antworten oder linear und chronologisch
erzählte Geschichte sollte man nicht erwarten. Doch
das Ergebnis ist grossartig, wenn man die «Reise» als
Homo viator macht, die Figuren als «Schatten»
versteht, die die Figuren entmaterialisieren,
vergeistigen und Wahrheiten kreieren lassen. Vielleicht
hilft uns der berühmte Satz von Dschalāl ad-Dīn
Muhammad Rūmī, dem Sufi-Meisters aus dem 13.
Jahrhundert, dem nicht alltäglichen Film etwas näher
zu kommen: «Die Wahrheit ist ein Spiegel, der vom
Himmel gefallen ist, er ist in tausend Stücke
zersplitter, jedes besitzt einen kleinen Splitter und
glaubt, die ganze Wahrheit zu besitzen.»
>> GANZE REZENSION AUF DER ANDERE FILM
REGIE
Yves Netzhammer wurde 1970 in Schaffhausen geboren,
absolvierte eine Lehre als Hochbauzeichner und machte die
gestalterische Berufsmatur, absolvierte den Vorkurs der
Zürcher Hochschule für Gestaltung und Kunst und das
Studium für visuelle Gestaltung. Er lebt und arbeitet in Zürich.
Ausstellungen mit Videoinstallationen, Diaprojektionen,
Zeichnungen und Objekten von ihm gab es ab 1997; dann
arbeitete er für internationale Magazine, seit 2006 online im
«Journal für Kunst, Sex und Mathematik», hatte zwei Dutzend
Einzel- , halb so viele
Gruppenausstellungen und
wurde mit zahlreichen
Auszeichnungen geehrt.
Zusammen mit Christine Streuli
vertrat er 2007 die Schweiz an
der Biennale von Venedig. Mit
seinen digitalen Kurzfilmen
wurde er in der internationalen
Kunstszene berühmt.
Foto: Andri Pol
TRAILER
REISE DER SCHATTEN | Regie: Yves
Netzhammer | 87 Minuten | Schweiz,
2024 | Verleih: Xenix Filmdistribution
GmbH
Kinostart
Jetzt im Kino
BERLINALE CH FOKUS
Petra Volpe
und Lionel
Baier an der
Berlinale 2025
Die beiden
Filmschaffenden
sorgen für eine starke
Schweizer Präsenz am
Festival.
Lionel Baier ist mit seinem neuen Film LA
CACHE im Wettbewerb der Berlinale vertreten.
Frei nach dem gleichnamigen Roman von
Christophe Boltanski, der 2015 mit dem Prix
Femina ausgezeichnet wurde. Baiers Film zeigt
auch den letzten Leinwandauftritt des
unvergesslichen Michel Blanc, der im Herbst
2024 verstarb. In der Rubrik Berlinale Special
stellt Petra Volpe ihren neuen Spielfilm
HELDIN vor. Ein Krankenhaus-
Drama mit der deutschen
Schauspielerin Leonie Benesch
in der Hauptrolle
arttv.ch ist in Berlin vor
Ort.
Alle unsere Beiträge zum
Festival finden Sie in
unserem Dossier
Berlinale 2025
BANNERWERBUNG AUF ARTTV.CH & CLICK eMagazine
JETZT IM KINO
BESUCHEN SIE
ARTTV FILM UND
ENTDECKEN SIE
DIE WELT DES
ARTHOUSEKINOS
WEITERE
EMPFEHLUNGEN
DER GRAF VON MONTE CHRISTO
DOM
THE BRUTALIST
BABYGIRL
LES COURAGEUX
NOSFERATU
BALD IM KINO
Ob und wie unsere
Erwartungen erfüllt
werden, erfahren
Sie im nächtens
CLICK CINEMA
AUF DIESE FILME
FREUEN WIR UNS!
NIKI
IM SCHATTEN DER TRÄUME
A COMPLETE UNKOWN
MANÖVERKRITIK
SOLOTHURNER
FILMTAGE
Wo bleiben die
guten Spielfilme?
Von Geri Krebs
RÜCKBLICK
Wie bereits im vergangenen Jahr gingen sämtliche
Auszeichnungen der drei Wettbewerbe – Prix de
Soleure, Visioni und PRIX DU PUBLIC – an
Dokumentarfilme. Überhaupt überwiegt der Eindruck,
Solothurn werde was Weltpremieren betrifft,
zunehmend zu einem Dokumentarfilmfestival – mithin
eine Konkurrenz zum Festival Visions du Réel in Nyon.
Unter den diesjährigen 23 Weltpremieren langer Filme
waren gerade mal vier Spielfilme und davon
vermochte keiner zu überzeugen.
Enttäuschende Spielfilme
Die wohl allergrösste Enttäuschung war der Spielfilm BERNADETTE WILL
TÖTEN von Oliver Paulus. Der Regisseur, der sich mit Filmen wie VIELEN
DANK FÜR NICHTS oder TANDOORI LOVE als eigenständige und
originelle Schweizer Stimme im Bereich eines sozialkritischen Erzählkinos
einen Namen gemacht hatte, versucht sich in seinem neuen Film am Genre
des Splatterfilms, schafft jedoch nur eine so pubertäre wie sinnfreie Blut-
Enttäuschend: BEHIND
THE GLASS eine allzu
klischeebeladene
Drogengeschichte von
Olga Dinnikova
und Gewaltorgie. Demgegenüber bot ROADS END IN TAIWAN, erster
Langspielfilm der Genferin Maria Nicollier wenigstens gepflegte
Unterhaltung. Diese erste Koproduktion zwischen der Schweiz und Taiwan
ist – wie bereits der Titel verrät – ein Road Movie, das in Taiwan spielt und
das einmal mehr zeigte, dass wechselnde Schauplätze einen schwachen
Plot auch nicht zu retten vermögen. Auch ein weiterer Erstling einer
Filmemacherin, das zwischen Lettland und der Schweiz spielende
Sozialdrama BEHIND THE GLASS der schweizerisch-lettischen Regisseurin
Olga Dinnikova, vermittelte mit seiner arg klischeebeladenen
Drogengeschichte nicht viel mehr als eine durchschnittliche
Fernsehproduktion. Da vermochte auch die Präsenz von Marcus Signer in
einer Nebenrolle nichts zu ändern. Mit NORMA DORMA, dem zweiten
Spielfilm des Zürcher Regisseurs Lorenz Suter, stand ein Beitrag auf dem
Programm, der, im Gegensatz zu den beiden vorher genannten,
erzählerisch immerhin etwas wagte, sich dabei aber in der Welt zwischen
Traum und Realität, in der die titelgebende Nora steckt, häufig zu verlieren
drohte.
Solothurner Filmtage unter Druck
Natürlich gab es grosse und gelungene Spielfilme im diesjährigen
Solothurn-Programm, aber eben nicht als Premiere. Mehr noch als in
früheren Jahren setzt sich ein Trend fort: Die «grossen Kisten» gehen kaum
nach Solothurn.
Locarno und das
Zurich Film Festival
graben Solothurn
immer stärker das
Wasser ab. Unter den
Filmen, die bereits in
Die guten Spielfilme
laufen anderwo: DER
SPATZ IM KAMIN
Locarno zu sehen
waren, fanden sich
etwa ELECTRIC CHILD
oder der – mit
Nominationen für den Schweizer Filmpreis überhäufte – DER SPATZ IM
KAMIN. Während FRIEDAS FALL und MOTHER MARA, zwei Highlights im
aktuellen Schweizer Spielfilmschaffen, den schon vor Jahren verkündeten
Anspruch von ZFF-Direktor Christian Jungen verdeutlichen, sein Festival
sei der einzig wahre Ort, an dem neue Schweizer (Spiel-)Filme einen
gebührenden Platz erhalten.
Prix de Soleure
Wenn von grossen und gelungenen Spielfilmen die Rede ist, die in
Solothurn zu sehen waren, darf BAGGER DRAMA nicht fehlen. Der erste
Spielfilm des talentierten Berner Regisseurs Piet Baumgartner wurde 2024
bei seiner Weltpremiere am Filmfestival von San Sebastián mit dem
Hauptpreis als bester Nachwuchsregisseur ausgezeichnet. Nur wenige
Tage vor seiner Schweizer Premiere kamen am renommierten Festival Max
Ophüls von Saarbrücken der Drehbuch- und der Regiepreis dazu. Der
Preissegen, den BAGGER DRAMA bisher erfahren durfte, kann eine
Erklärung dafür sein, warum der Film als einer von sechs im Wettbewerb
des Prix de Soleure nicht erneut ausgezeichnet wurde. (Ein Interview mit
Regisseur Piet Baumgartner finden Sie weiter unten.) Stattdessen gab die
Jury dem Dokumentarfilm IMMORTALS von Maja Tschumi den Vorzug. Die
Regisseurin wurde 2022 mit ROTZLOCH bekannt, einem Porträt mehrerer
Flüchtlinge an dem titelgebenden abgelegenen Ort im Kanton Nidwalden.
Ihr neuer Film, IMMORTALS zeigt ein unglaublich mutiges
Protagonist:innenpaar der blutig niedergeschlagenen
Demokratiebewegung im Irak vom Herbst 2019 – und was aus ihnen
geworden ist.
Krieg und Krisen
Bei den sechs für den Prix de Soleure nominierten Filmen – von BAGGER
DRAMA einmal abgesehen – ist interessant, dass sich alle in Gebieten
gegenwärtiger oder vergangener Kriege oder Krisen bewegen. In IL
RAGAZZO DELLA DRINA ist es Bosnien-Herzegowina, das Land, in dem
HOTEL SILENCE spielt, erinnert an Georgien, wo auch der Dokumentarfilm
DOM verortet ist und
UNTER
MANGOBÄUMEN
begleitet seine
Zuschauer:innen nach Sri
Lanka. Vor allem UNTER
MANGOBÄUMEN
hinterlässt einen der
stärksten Eindrücke unter
den Weltpremieren an
den Filmtagen. Der Film
dokumentiert das Leben ehemaliger Soldatinnen der Tamil Tigers in der
Schweiz und Sri Lanka. Es wird eindrücklich erlebbar, was der Irrsinn des
2009 zu Ende gegangenen Krieges mit diesen Frauen gemacht hat. Zum
einen überzeugt UNTER MANGOBÄUMEN durch seine so behutsame
Hinterlässt einen starken
Eindruck: UNTER
MANGOBÄUMEN
Annäherung an die Schicksale dieser ehemaligen Kämpferinnen und zum
andern durch die Differenziertheit, mit der die Geschichte des Krieges
zwischen den Tamil Tigers und den sri-lankischen Regierungstruppen
aufgezeigt wird. Man kann sich nur wünschen, dereinst möge jemand
einen so differenzierten Film zum Nahostkonflikt machen.
Palästina?
Erstaunlicherweise erschien der Nahostkonflikt im ganzen Programm der
über 150 Titel der diesjährigen Filmtage nur am Rande in einem
halblangen Dokumentarfilm einer jungen Solothurner Regisseurin. HABIBI
SAMI hiess der knapp halbstündige Film, in welchem die 1992 in
Niederbipp geborene Lesley
Kennel den Palästinenser Sami
Daher porträtierte. Als Besitzer
der hinter dem Restaurant
Kreuz gelegenen «Pittaria»
geniesst er lokale Bekanntheit.
«Mich hat seine Herzlichkeit
berührt», schwärmte Lesley
Kennel in der «Solothurner
Zeitung» vom 24. Januar. Nicht
ganz so herzlich war der
Pittaria-Wirt Anfang Oktober 2023:
Drei Tage nach dem Überfall der
Hamas vom 7. Oktober liess er sich im «Blick» so vernehmen: «Ich spürte
einen gewissen Stolz, dass wir Palästinenser militärisch zu so einem Schlag
überhaupt fähig sind.»
HABIBI SAMI von Lesley Kennel
Lobhudelei
Eine andere durchaus kontroverse Figur porträtierte Regisseur Laurin Merz
in einem Film, der in Solothurn ebenfalls seine Weltpremiere feierte – und
der ebenfalls eine reine Lobhudelei war: Lukas Bärfuss (LUKAS BÄRFUSS –
SCHRIFTSTELLER). Die Tatsache, dass es sich bei ihm um einen der
wichtigsten – aber vielleicht auch etwas überschätzten – einheimischen
Literaten seiner Generation handelt, soll hier überhaupt nicht in Abrede
gestellt werden. Aber dennoch: Ein bisschen kritischer hätte Laurin Merz
sich dem Mann mit dem stets grimmigen Gesicht annähern können. So
hatte dieser etwa kürzlich in einem Interview der
«SonntagsZeitung» (29.12.2024) auf die Frage, was er mit den 350 000
Franken mache, die er für den Verkauf seines Archivs an das
Schweizerische Literaturarchiv (die höchste Summe, die die Schweiz je
einem Literaten bezahlt hat) erhalten hatte, geantwortet: «Das geht
niemanden etwas an.»
Grössenwahnsinniger Egomane
Es stellt sich die Fragen, warum sollen Filmschaffende überhaupt
sympathische Menschen porträtieren? Das fragte sich an den Filmtagen
Hat alles, was Kino zum reinen
Vergnügen macht: Spektakel,
verrückte Einfälle, Spannung, Tragik,
absurden Humor und
Protagonist:innen, die einem sofort
ans Herz wachsen: VINGT DIEUX
eine Gesprächsrunde, die im Rahmen der Fokusreihe «Biopics» stattfand.
Eine mögliche Antwort auf diese Frage gab der so vielfältig schillernde wie
distanzierte und doch empathische Dokumentarfilm BARLUSCHKE von
Thomas Heise. Der 2024 verstorbene Regisseur begleitete in seinem 1997
entstandenen Porträt den Stasi-Offizier Berthold Barluschke. Dieser so
sinistre wie grössenwahnsinnige Egomane wechselte 1985 die Seiten und
diente sich dem Bundesdeutschen BND an. Später nach der Wende
versank er in der Bedeutungslosigkeit. Peter Badel, Heises Kameramann,
stellte den Film in Solothurn vor und erzählte, wie Heise als Lehrer an der
Filmschule seinen Studierenden den Rat gab, sie sollten bei der Auswahl
ihrer Figuren für einen möglichen Dokumentarfilm statt im Familien- oder
Freundeskreis besser bei Fremden suchen, das ergebe oftmals die
interessanteren Filme.
Den Jura entfalten
Die interessantesten Filme gab es in der thematischen Retrospektive-Reihe
«Den Jura entfalten» zu entdecken. 19 lange und ebenso viele kurze Film
wurden präsentiert. Im Zentrum stand dabei stets die grandiose
Landschaft, die sich von Baselland bis Genf und dann bis weit hinein nach
Frankreich erstreckt. Die Filmtage-Leitung vermerkte nicht ohne Stolz, dass
die filmischen Beiträge elf Jahrzehnte umfassten, der älteste, IMAGES DU
VAL DE TRAVERS, ist von 1910 und die beiden neuesten, die schwarze
Komödie UN OURS DANS LE JURA und die Coming-of-Age-Komödie
VINGT DIEUX, datieren vom vergangenen Jahr. Neben zahlreichen
anderen, darunter ein atemberaubender Dokumentarfilm über einen
Klippenspringer, LE PLONGEUR von 1936, hat es uns vor allem VINGT
DIEUX der jungen französischen Regisseurin Louise Courvoisier angetan.
Der Film, der seine Weltpremiere 2024 am Filmfestival Cannes in der Reihe
Un Certain Regard feierte, hat alles, was Kino zum reinen Vergnügen
macht: Spektakel, verrückte Einfälle, Spannung, Tragik, absurden Humor
und Protagonist:innen, die einem sofort ans Herz wachsen. Und das
Unglaubliche: Silvie Courvoisier hat ausschliesslich mit
Laiendarsteller:Innen gedreht, die alle in dieser Gegend, einer der
entlegensten des französischen Jura, leben und die hier weitgehend sich
selber spielen. Dabei bleibt in dieser Geschichte von einem etwas
linkischen Bauernburschen, der nach dem plötzlichen Tod seines Vaters
zusammen mit seiner kleinen Schwester plötzlich alleine einen hoch
verschuldeten Hof über die Runde bringen muss, bei aller Tragik vor
Lachen kein Auge trocken. Und wenn der Bursche am Ende seine
angehimmelte Jungbäuerin zu bekommen scheint, hofft man nur, dieses
Happy End möge so bleiben. Der Film, der in der Romandie bereits Mitte
Dezember in die Kinos gekommen ist, hat sich dort bereits zu einem
grossen Erfolg entwickelt und wird im April auch in der Deutschschweiz in
die Kinos kommen.
>> zum arttv
DOSSIER
SOLOTHURNER
FILMTAGE
Die Solothurner Filmtage fanden vom 20. bis 29 Januasr
2024 statt.Viele weiter Artikel zum Festival finden Sie in
unserem arttv Dossier
FREE STREAMING
LAS TORERAS
Ein Film über
Versöhnung sowie den
Mut und die Kraft sich
familiären Tabus zu
stellen.
Trotz einer schweren Kindheit hat
Jackie ihr Glück als Künstlerin
gefunden. Als sie die dunkle
Vergangenheit einholt, macht sie
sich mit ihrer Kunstfigur Jack Torera
auf den Weg, das Unglück ihrer
psychisch kranken Mutter zu
enträtseln, das ihre Kunst inspiriert,
aber ihre Familien in der Schweiz
und in Spanien entzweit hat.
KOSTENLOS STREAMEN
LAS TORERAS | Regie: Jaqueline
Brutsche | Dokumentarfilm | 101
Minuten | Schweiz, 2023 | Verleih:
Filmbringer Distribution
Der Film kam im November 2023 in die
Deutschschweizer Kinos.
CLICKMAGS
powered by
IMPRESSUM
arttv.ch
Dienerstrasse 64
CH-8004 Zürich
kontakt@arttv.ch
PRÄSIDIUM
Dr. Jean-Pierre Hoby
GESCHÄFTSLEITUNG
lic. phil Georg Kling
CHEFREDAKTION
lic. phil Felix Schenker