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Mäxchen und die Drillinge - Kurzgeschichten web

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Thea Schulz

Mäxchen und die Drillinge

Kurzgeschichten

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2. Auflage Februar 2025

Copyright Text, Covergestaltung, Fotos: Thea Schulz – miezhaus grafikdesign, Walsrode

Für diese Sammlung bin ich tief in meine Vergangenheit getaucht und habe alte Fotos und handschriftliche

Aufzeichnungen ausgegraben, die mir längst vergessen geglaubte Erinnerungen zurückgebracht haben. Es

hat sehr viel Spaß gemacht und mich in der Coronazeit die Pandemie eine Zeit lang vergessen lassen.

2025 sind ein paar Geschichten dazu gekommen und ich habe das Buch überarbeitet.

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Mäxchen und die Drillinge

Geschichten einer Ankunft


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Mäxchen und die Drillinge

Hallo Ihr Lieben,

mein Name ist Mäxchen und ich bin acht Jahre alt, also im besten Alter.

Obendrein bin ich beleidigt, denn heute ist bei uns so ein Haufen junges

Gemüse einmarschiert. Erst war ich erschrocken, aber dann dachte

ich: Na ja, wahrscheinlich haben unsere Menschen mal wieder Besuch

eingeladen. Auch, wenn es diesmal drei Wesen meiner Art waren, nur

eben ganz jung. Aber die zwei haben schon die verrücktesten Leute zu

Besuch gehabt. Also habe ich mich zunächst einmal verzogen, wie ich

das bei Gästen immer mache. Ich bin nämlich ziemlich zurückhaltend.

„Ach, sind die süß!” und: ”Na komm, mein Kleiner.” und all solchen

Schmus habe ich mir dann aus meinem Versteck anhören müssen und

dachte: ”Jetzt sind sie völlig durchgedreht”. Aber ich beschloss, zu

warten, bis der Besuch wieder ging. Das tut er nämlich irgendwann immer.

Diesmal aber nicht. Inzwischen weiß ich, dass es kein Besuch ist! Diese Krabbelkinder sollen jetzt bei uns wohnen!

Dabei bin ich doch noch in Trauer. Denn mein Mann, der Kater Mikesch, hat mich verlassen. Mikesch und ich

sind zusammen aufgewachsen und waren ein Herz und eine Seele. Ich habe immer auf ihn aufgepasst, obwohl

er viel größer war als ich. Wir waren alle sehr traurig und meine Menschen suchen ihn immer noch. Ich bin sogar

ziemlich krank geworden vor lauter Kummer. Und ich will ihn zurück oder meine Ruhe.

Und nun dies! Warum denn Zuwachs? Ich verstehe das nicht. Mögen mich denn meine Menschen nicht mehr?

Sie sind zwar immer noch sehr lieb zu mir und sagen mir immer wieder, dass ich die Chefin bin und ihre Liebste

und ähnliches Blabla, aber ich bin doch ziemlich schockiert. Und stinksauer!

Am Anfang habe ich die drei immer angeknurrt und auch mal gefaucht, nur ist das auf Dauer ganz schön anstrengend

und manchmal lasse ich sie jetzt etwas näher kommen. Besonders dieser Schwarze rückt mir ständig

auf die Pelle. Er ist zwar ganz lieb, aber ich habe auch meinen Stolz.

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Jetzt bin ich am liebsten draußen und ängstige meine Menschen, indem ich nicht sofort komme, wenn sie mich

rufen. Ich habe schon ein paar Mal erlebt, wie die beiden im Garten herumlaufen und mich suchen und rufen.

Mit zuckersüßer Stimme.

Hah! Sollen sie sich doch ruhig Sorgen machen! Ich warte dann eine Weile (letzten Montag waren es bestimmt

zwei Stunden und es hat geregnet), bis ich dann ganz gemütlich auf die Terrasse schlendere und mich klatschnass

auf das schöne weiße Polster des Gartenstuhls lege. Irgendwann entdecken sie mich, kommen heraus gestürmt


Mäxchen und die Drillinge

und wollen mich einfangen. Je nachdem, wie viel Gedanken sie sich gemacht haben und wie groß ihre Angst war,

dass ich vielleicht weg gelaufen bin, lasse ich das auch zu. Manchmal laufe ich aber wieder weg. Ich kann an ihren

Stimmen hören, wie es ihnen geht. Doch eine kleine Rache darf ich ja wohl nehmen.

Aber eines muss ich Euch unbedingt noch erzählen: Neulich lag ich in Theas Bett. Thea kam zu mir und hat mit

mir geschmust. Besonders gern habe ich es, wenn man mir den Bauch krault, also warf ich mich auf den Rücken

und stellte meine Schnurrmaschine auf volle Lautstärke.

Da kamen doch diese Jungtiere ins Schlafzimmer! Ich habe so getan, als würde ich sie nicht bemerken und habe

einfach weitergeschnurrt, damit Thea nicht aufhörte, sich um mich zu kümmern. Sie hat auch brav weiter gekrault.

Aber dieses junge Gemüse krabbelte doch einfach zu mir und der Kleine mit den großen Ohren (wirklich,

die sind riesig!) legte eine Vorderpfote um mich! Das kleine Mädchen fing an, mich zu putzen – das war eigentlich

ganz angenehm – und der kleine Schwarze lehnte sich an mich. Da Thea mich aber weiter streichelte (und zwar

nur mich!), habe ich auch jetzt nicht reagiert. Irgendwann bin ich wohl kurz weggenickt.

Nach ein paar Minuten wachte ich auf, Thea war weg und nur die Kleinen lagen noch da. Also bin ich auch gegangen.

Abends habe ich dann gehört, wie Thea begeistert erzählte, dass wir vier fast zwei Stunden zusammen gelegen

haben sollen. Das kann nicht sein! Und wenn, weiß auch gar nicht, was daran so bedeutsam sein soll, dass man

es sofort weiter erzählen muss!

Am letzten Sonntag sind die drei rausgelassen worden. Ich dachte: Vielleicht gehen sie jetzt wieder nach Hause!

Also bin ich auch raus, um mir den Abgang anzusehen. War aber nichts. Thea und Mike sind wie die Verrückten

im Garten herumgelaufen, damit die Kleinen nur ja nicht weglaufen! Warum haben sie sie denn dann hinaus gelassen?

Die kleinen Katzen sind rumgerannt wie die Wilden. Und dieser Großohrige, also ich finde den Namen

Dumbo eigentlich ganz passend, ist doch wahrhaftig auf einen Baum geklettert! Das mache ich doch sonst immer!

(Allerdings muss ich zugeben, dass der kleine Kerl das großartig gemacht hat.)

Nichts ist mehr, wie es war. Ich habe mir das eine Weile angesehen und bin

dann kopfschüttelnd ins Bett gegangen, denn das Getue war nicht auszuhalten.

Ob ich auch einmal so war? Bestimmt nicht.

Na ja, es wird sich zeigen, wie das weitergeht mit dieser Bande und mir.

Hoffentlich kommt Mikesch bald zu mir zurück, dann habe ich einen Erwachsenen,

mit dem ich reden kann. Drückt mir die Daumen.

Viele Grüße von Eurem

Mäxchen

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Hey, Leute!

Ich bin Henri, der Älteste von uns Dreien. Wir sind nämlich Geschwister,

meine Schwester Molly, mein Bruder Camillo und ich. Ich

bin ein richtiger Tiger, so wie der Felix von nebenan. Gestreift, wild

und stark. Und auf dem Bauch habe ich Punkte wie ein Leopard!

Wir sind zehn Wochen alt, also schon ganz schön groß. Am Anfang haben

mich meine zwei neuen Menschen immer Dumbo genannt, nach

irgend so einem Elefanten und alle haben sich kaputt gelacht darüber.

Nur weil meine Ohren ein bisschen größer sind als ihre. Voll krass!

Meine Mama hat auch so große Ohren und die ist wunderschön. Sie

hat mir mal erzählt, dass ihr Freund, also unser Papa, immer “Meine

kleine Fledermaus” zu ihr gesagt hat. Sie bekam dabei immer einen

ganz komischen Blick und das war voll peinlich. Erwachsene sind schon manchmal albern, oder?

Aber inzwischen heiße ich Henri. Mit ”i” am Schluss. Den Namen finde ich cool und ich gewöhne mich so langsam

an ihn. Nur darf man den Menschen nicht zu schnell zeigen, dass man etwas gelernt hat, denn dann lassen

sie einen nie in Ruhe. Also tue ich erst einmal so, als hätte ich keine Ahnung, wer Henri ist, dann wundert sich

auch niemand, wenn ich nicht höre. Ich habe schließlich anderes zu tun, als Männchen zu machen. Ich muss spielen,

meine Geschwister verdreschen, Tapete von der Wand abziehen, Wasserflaschen bekämpfen, Kartons und

Tüten besetzen und meine Menschen beißen. Komisch, dass die das chaotisch finden; ich finde das ganz normal.

Schließlich müssen wir ja noch kämpfen lernen!

Neulich waren wir zum ersten Mal im Garten. Voll das Abenteuer!

Ich bin gleich auf einen ganz hohen Baum geklettert. Das war voll gut! Mein Mensch Mike hat sich vielleicht angestellt,

weil er dachte, ich käme nicht mehr allein runter!

Ph! Als könnte ich nicht von da wieder runter, wo ich rauf bin! Das habe ich ihm dann noch ein paar Mal gezeigt.

Klar kann ich das! Ich habe mir dort ein bisschen Harz unter einer Hinterpfote gesammelt, und nachts roch das

Schlafzimmer super gut.

Ach ja, ich schlafe unheimlich gern. Das ist ganz wichtig. Am liebsten liege ich dabei an oder auf Mike oder Thea.

Dann schnurre ich ganz laut; das hört sich bei mir an wie bei einem kleinem Hubschrauber, was immer das ist.

Im Moment, während ich Thea diktiere, liege ich neben ihr und lehne mich gemütlich an sie.

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Also, mir gefällt es gut in meinem Haus und meine neuen Menschen sind auch ziemlich lieb. Schade finde ich es


Mäxchen und die Drillinge

allerdings, dass plötzlich die ganzen Pflanzen aus der Wohnung verschwunden sind; darin konnte man so schön

wühlen.

Ach ja, noch etwas richtig Wichtiges: Das Essen. Wenn unsere Menschen nach Hause kommen, meistens ist Thea

die erste, gibt es Essen. Wir haben dann tüchtig Hunger und erzählen ihr das. Anscheinend verstehen die Menschen

doch ein bisschen unsere Sprache, jedenfalls wird uns gleich unser Abendessen zubereitet. Ich helfe dann

ein wenig, indem ich an der Hose von Thea hochklettere. Natürlich mit ausgefahrenen Krallen. Ich habe voll

spitze Krallen. Thea schreit dann immer, lacht aber auch und hebt mich manchmal hoch. Das macht total Spaß.

Meinem kleinen Bruder Camillo habe ich den Trick auch schon beigebracht. Das ist ein Erste-Klasse-Trick! Müsst

Ihr unbedingt auch einmal ausprobieren!

Ich habe festgestellt, dass Menschen ganz schön schlau sind. Wenn nämlich meine Schwester Molly knurrt, weil

sie das Essen nicht mit uns teilen will, hört Camillo sofort eingeschüchtert auf zu fressen, aber ich laufe ich zu

Thea und sage Bescheid. Die versteht das und bringt uns noch einen Teller. Molly bildet sich prompt ein, sie hätte

einen Extra-Teller.

Aber soll sie ruhig, Hauptsache, wir Männer kriegen auch was ab.

Also, ich höre jetzt mal auf, denn meine Geschwister drängeln und wollen auch was sagen.

Wir sehen uns!

Euer Henri

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Ich grüße euch!

Mein Name ist Molly, ich bin die Dame

hier. Am Anfang haben mich immer alle

mit meinem Bruder Henri verwechselt.

Das war ätzend. Außerdem verstehe ich

es gar nicht, denn ich bin eine viel zierlichere

Katze als er. Und ziemlich hübsch,

wie ich finde. Meine Ohren sind auch

viel kleiner. Ich bin nicht einfach nur

gestreift, sondern habe ein paar Flecken

auf dem Rücken. Sieht riesig aus. Mein

Fell ist auch viel weicher als das meiner

Brüder. Thea sagt immer, dass ich mich

anfühle wie ein Plüschtier. Ist das gut?

Und ich kann unheimlich lieb gucken. Dann sind immer alle ganz aus dem Häuschen. Das mag ich.

Ich bin so froh, dass ich endlich einen eigenen Namen habe. Am Anfang haben meine Menschen immer “Hexe”

oder “Hexchen” zu mir gesagt. Angeblich passte dieser Name zu mir. Dann haben sie festgestellt, dass es sich so

ähnlich anhört wie Mäxchen – das ist die große Katze, die schon länger hier wohnt. Übrigens voll arrogant, aber

die kriegen wir schon hin. Camillo arbeitet daran.

Dann haben sie mich eine Zeit lang “Kim” genannt, aber keine Katze mag Namen, die nur eine Silbe haben; die

sind was für Menschen. Also habe ich den Namen abgelehnt.

Thea hat Mike dann jeden Tag mindestens ein Dutzend Namen vorgeschlagen, die ihm alle nicht gefielen. Irgendwann

hat sie sich beschwert, dass er ihre Ideen immer ablehnt, aber selbst nichts vorschlägt. Recht hatte sie! Ich

glaube, darüber hat er nachgedacht, denn als sie fragte, wie ihm “Molly” gefiel, hat er gesagt: “Ja, Molly ist okay.”

Also heiße ich Molly. Viel besser als Hexe, oder? Irgendwie netter.

Trotzdem es ist gar nicht so einfach als einziges Mädchen. Mäxchen zählt da nicht, die ist ja schon alt. Ich muss

mich manchmal durchsetzen. Zum Beispiel beim Essen. Da knurre ich meine Brüder immer an, damit sie abhauen

und ich den ganzen Teller für mich habe. Aber es dauert nicht lange und einer unserer Menschen kommt, und

füllt einen Teil der Mahlzeit auf einen Extra-Teller. Schon habe ich meine Portion für mich.

Cool, oder?

Das mit dem Knurren mache ich auch, wenn ich ein Papier-Taschentuch oder den kleinen weichen Ball eingefan-

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Mäxchen und die Drillinge

gen habe und meine Brüder damit spielen wollen. Aber dann schimpfen die Menschen immer. Voll blöd. Sollen

sich doch Henri und Camillo ihre eigenen Bälle fangen!

Einmal habe ich ein fliegendes Wesen entdeckt. Das konnte auf der Fensterscheibe laufen! Meine Brüder und ich

haben versucht, es zu fangen, sind aber leider nicht rangekommen. Na warte, bis ich erst größer bin, dann kriege

ich euch alle!

In meinem neuen Zuhause finde ich es schön. Wir haben viel Platz zum Toben und können rennen, soviel wir

wollen. Nur manchmal ist es etwas schwierig, sich richtig in die Kurven zu legen, weil der Boden so glatt ist. Da

flitze ich schon mal vor die Wand. Aber dann schüttele ich mich einmal kurz und weiter geht es.

Echt abgefahren zum Spielen ist die Ecke vor der Gästetoilette. Dort kann man an der Wand hochspringen und

die Tapete abreißen. Voll geil! Das dürfen wir zwar nicht, aber tagsüber sind wir ja allein und keiner sieht, was

wir machen.

Dass wir draußen waren, hat Henri ja schon erzählt. War voll spannend. Ich bin immer in den Busch links von

der Terrasse gerannt und dann gegenüber unter den Baum und wieder zurück. Immer hin und her. Ganz schnell!

Irgendwann entdeckten wir dann am Zaun eine neue große Katze. Sie sah so ähnlich aus wie Henri (Nur die

Ohren waren kleiner, hihi). Das war Felix, der wohnt nebenan. Wir haben ihn uns angeguckt, aber er war völlig

durcheinander. So etwas wie uns kannte er wohl nicht. Weil er aber nicht zum Spielen herüberkam, haben wir

uns auch nicht weiter für ihn interessiert. Wir hatten

einfach keine Zeit.

Abends war ich jedenfalls total erledigt und habe super

gut geschlafen. Hoffentlich machen wir das bald

mal wieder!

Also, macht´s gut!

Eure Molly

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Hallo Ihr Lieben,

jetzt bin ich endlich dran. Immer zum Schluss. Bloß, weil ich

der Jüngste bin. Naja, Hauptsache, ich komme überhaupt

einmal zum Erzählen.

Also, ich heiße Camillo (Freunde dürfen Millo sagen) und

bin der Mutigste von uns dreien. Das sagen alle. Als wir

nämlich hier ankamen, bin ich bald aus dem blöden Katzenkorb

raus und habe mir die Gegend angesehen. Meine zwei

Geschwister sind im Korb geblieben. Dabei war der doch so

eng!

Es hat nicht lange gedauert, da habe ich schon ein tolles knallgelbes Kissen vor unser Gefängnis gelegt bekommen,

auf das ich mich gelegt habe. Henri und Molly haben sich das aus ihrem Versteck heraus angesehen, hatten

aber nicht die Traute, zu mir zu kommen. Selbst schuld! Das gelbe Kissen war klasse, weil ich darauf super ausgesehen

habe.

Ich bin nämlich schwarz, wisst Ihr. Obwohl, eigentlich stimmt das nicht, denn in Wirklichkeit bin ich gestreift.

Nur eben ganz ganz dunkel und man muss schon genau hingucken, um das zu sehen. Auf der Nase habe ich

einen weißen Strich, einen weißen Latz unterm Kinn und drei weiße Pfoten. An der vierten ist nur ein Zeh weiß.

Und meine Schnurrhaare sind bombastisch und schneeweiß. Also ich finde das voll gut. Meine Menschen auch.

Nachdem ich ein kleines Schläfchen gehalten habe, bin ich neugierig geworden und in die Küche gegangen, wo

unsere neuen Menschen mit den Nachbarn saßen. Ich sah mich um, schaute zu Thea hinauf, die eines ihrer Beine

ausstrecke, mich anlächelte und sagte: Komm!“ Also bin ich ohne zu zögern am Bein nach oben auf den Tisch

gerannt und habe es mir in ihrer Hand gemütlich gemacht. Ich glaube, ich bin wieder eingeschlafen, denn als ich

aufwachte, war der Besuch weg, aber Thea hat mich immer noch in ihrer Hand gehalten.

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Jetzt muss ich Euch von meinem Abenteuer im Garten erzählen. Habe ich schon erzählt, dass ich mutig bin? Na

egal, jedenfalls war ich der Erste, der raus rannte.

Ja okay, zuerst bin ich langsam gegangen. Dieses grüne Zeug auf dem Boden hat sich aber auch komisch angefühlt!

Irgendwie weich und doch ein bisschen stachelig und feucht. Daran musste ich mich erst einmal gewöhnen.

Nachher fand ich es ganz toll, denn darauf kann man rennen, ohne auszurutschen. Viel besser als der blöde

Holzfußboden drinnen. Menschen haben einen seltsamen Geschmack. Warum haben sie denn in ihrer Wohnung

nicht so einen Boden?

Aber die Wiese und die Bäume und Beete kannte ich schon bald und wollte dann über den Hof ums Haus und auf


Mäxchen und die Drillinge

die Straße. Durfte ich aber nicht. Keine Ahnung, warum. Der Mike hat richtig Wache gestanden. Ich bin ja schon

verflixt gerissen und schnell, aber ich habe es nicht geschafft, an ihm vorbeizukommen! Aber beim nächsten Mal

klappt es bestimmt!

Ich möchte auch etwas zu Henris Ohren sagen: Also ich finde es voll gemein, dass sich alle darüber lustig machen.

Wir haben nämlich alle ziemlich große Ohren. Nur bei Henri fällt es mehr auf, weil die Ohren schon erwachsen

sind und er noch klein ist.

Was gibt es noch? Ach ja, das Mäxchen. Mäxchen wohnt schon länger hier und ist irgendwie traurig. Sie will nicht

mit uns spielen, aber ich finde sie echt cool. Die ist noch schwärzer als ich! Habe ich noch nie gesehen, so eine

schwarze Katze! Ich versuche, sie näher kennen zu lernen, aber sie ist ziemlich reserviert. Ich glaube, sie geht uns

aus dem Weg. Schade. Aber manchmal habe ich das Gefühl, dass sie mich mag. Dann stupst sie mit ihrer Nase an

meine. Ich finde sie richtig lieb und gebe nicht auf.

Ja, und dann muss ich noch von unseren Menschen erzählen. Ich mag sie. Wenn sie mit mir spielen, ziehe ich auch

immer die Krallen ein, damit ich sie nicht verletze. Henri findet es cool, wenn er sie so richtig kratzen kann. Er

meint immer: “Die sind alt genug, um das auszuhalten.” Na, ich sehe das anders. Ich bin jedenfalls lieb zu ihnen,

weil sie ja auch lieb zu uns sind.

Manchmal allerdings kann ich unsere Menschen nicht ganz verstehen. Wir dürfen so viel, aber wenn ich in die

Spülmaschine krabbeln möchte, setzen sie mich immer raus und machen sie zu. Und Henri möchte so gern einmal

in den Kühlschrank. Darf er auch nicht.

Raus dürfen wir auch nicht mehr. Angeblich, weil wir krank sind. Wir haben alle so einen komischen Durchfall.

Deshalb müssen wir auch immer wieder zum Tierarzt. Aber der ist nett. Einmal habe ich so laut geschnurrt, dass

der Doktor mich gar nicht abhören konnte. Das war lustig.

Doch wir sind voll fit und verstehen gar nicht, dass wir nicht in den Garten dürfen. Unserer Menschen sagen, dass

sie uns wieder raus lassen, wenn wir gesund sind und ich glaube ihnen. Bis dahin setzen wir uns manchmal vor

die Katzenklappe und gucken raus. Ich weiß schon, wie sie funktioniert, aber sie klemmt. Oder ist abgesperrt. Das

weiß ich nicht so genau.

So, ich glaube, das Essen ist fertig. Außerdem muss ich unbedingt

noch mal versuchen, an Mäxchen heranzukommen.

Ich wünsche Euch alles Gute,

Euer Camillo

September 2001

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Geschichten von Menschen und Tieren


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Geschichten von Menschen und Tieren

Blind Date

Meine Freundin Birgitt wollte mir helfen.

Und nun sitze ich hier in einer Kneipe im Kölner Zentrum und kann jeder einzelnen meiner Nerven einen Namen

geben. Grund ist eine Verabredung. Ich bin 44 Jahre alt und nervös wie vor dem ersten Date.

Aber ich greife vor.

Oben genannte Freundin war der Meinung, ich brauchte mal wieder einen Mann, eine neue Beziehung. Ich war

einsam und sie wollte mir helfen. Ich gab zwar zu, dass schön sein könnte, jemanden kennen zu lernen, nahm ihr

aber, da ich ein höchst verdächtiges Glitzern in ihrem Augen bemerkte, das Versprechen ab, mir keinen Mann zu

besorgen. Damit war das Thema erste einmal durch. Dachte ich.

Bei jedem Treffen kamen wir wundersamerweise immer wieder darauf zurück, und ich ließ sie jedes Mal das Versprechen

erneuern . An einem Tag jedoch, wahrscheinlich war ich besonders einsam oder besonders abenteuerlustig,

um nicht zu sagen, leichtsinnig, antwortete ich auf Birgitts Einwand: „Ich weiß, ich weiß, ich soll dir keinen

Mann besorgen!“ mit: „Schade eigentlich.“

Meine beste Freundin sah mich verblüfft an und grinste schließlich breit. Ich ahnte Schreckliches, ließ es aber auf

sich beruhen.

So weit, so gut. Bereits ein paar Tage später verkündete Birgitt freudestrahlend: „ Ich habe einen Mann für dich!“

Ich war sprachlos, was mir höchst selten passiert. So schnell? Dann dachte ich kurz darüber nach, ob ich nun böse

werden sollte, beschloss dann jedoch, ihre Bemerkung für einen Scherz zu halten und lachte. Aber so ist Birgitt

nicht; es war ihr blutiger Ernst. Sie erzählte von einem Fest mit Kollegen, bei dem sie mit einem gewissen Martin

ins Gespräch gekommen war. Dieses Gespräch behandelte, natürlich rein zufällig, unter anderem das Thema

Liebe und Beziehungen und er äußerte, er würde gern einmal wieder jemanden kennen lernen. Ich kann mir sehr

gut vorstellen, wie meine Freundin ihre Chance sah, sie ergriff und ihn gut gelaunt darüber informierte, sie habe

einen Frau für ihn. Er reagierte positiv und sie beschrieb mich.

Nun ja, sie mag mich, daher ist diese Beschreibung so ausgefallen, dass er sich mit mir treffen wollte.

Ich bekam natürlich auch eine Beschreibung von ihm: Klein (Birgitt ist der Auffassung, alle Männer, die kleiner

sind als ihr Mann, sind klein. Waldemar misst ca. 185 cm), schlank, braune Augen, schwarz-weiß-melierte Locken

und 46 Jahre alt.

Ach ja, und er komme aus Bayern. Aus Niederbayern.

Der Rheinländer an sich ist tolerant und zur Hälfte bin ich das ja. Rheinländerin, meine ich.

Also sitze ich nun zitternd, sorgfältig gekleidet und zurechtgemacht an einem Tisch der Kneipe Engelbät in der

Roonstraße im Kölner Kwartier Lateng vor einem Glas Weißweinschorle und hoffe insgeheim, er wird nicht

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Geschichten von Menschen und Tieren

auftauchen. Ich bin gespannt wie schon seit Jahren nicht mehr und das Adrenalin pulsiert. Wie mit siebzehn!,

schimpfe ich mit mir. Gäste kommen und gehen und ein paar Mal sehe ich Männer, die es sein könnten. Und

immer hoffe ich, mich zu irren, denn sie gefallen mir alle nicht. Doch da kommt ein schlanker, mittelgroßer Mann

mit Käppi, aus dem Locken herausquellen, herein. Ui, denke ich, nicht schlecht. Und dieser Mensch bewegt sich

wie die Kreuzung eines zappeligen Menschen mit einem geschmeidigem Tänzer auf mich zu! Sicher ist auch er

nervös, was mich ein wenig ruhiger macht.

„Hallo, ich bin Martin, Darf ich mich zu dir setzen?“

Martin gefällt mir auf Anhieb und er wirkt eher wie ein großer Junge als wie ein erwachsener Mann. Das Gefallen

ist wohl gegenseitig, denn die Befangenheit ist schlagartig weg und wir kommen ins Gespräch. Martin sieht in

meinen Augen ausgesprochen gut aus und mir gefallen besonders seine Hände, die sehr viel Zärtlichkeit und

Sanftmut ausstrahlen. Seine hellgrünen Augen sehen mich direkt an, wenn er mit mir spricht und das zeichnet

ihn besonders aus.

Es wird ein langer Abend mit viel Spaß und interessanten Themen, bei denen wir herausfinden können, dass wir

viel gemeinsam haben. Als das Engelbät schließen will, müssen wir gehen und stehen noch eine Weile auf der

Straße, wo wir uns recht schnell einig sind, dass wir uns am nächsten Nachmittag erneut treffen wollen.

Übrigens ist er nicht 46 Jahre alt, sondern so alt wie ich und hat auch nur zwei Tage nach mir Geburtstag. Also

zwei Skorpione.

Birgitt wird sich freuen, dass ihr Schachzug erfolgreich war und ich trabe zufrieden und mit einem warmen, hoffnungsvollen

Gefühl nach Hause.

Köln, Anno 1998

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Das Brötchen

Mein Freund Martin und ich wollen frühstücken. Der Tisch ist gedeckt. Mit Rührei, Wurst, Käse und Marmelade.

Und Brötchen.

Viele Brötchen. Viele verschiedene Brötchen. Die fantasievollsten Sorten. Mit Sesam, mit Mohn, ein einfaches,

eines mit Körnern, ein Röggelchen.

Trotz kurzen Zeit, die wir uns kennen, hat sich schon das erste Ritual entwickelt: Martin greift beim Frühstück

zum Brotmesser, sucht sich eines der herrlich duftenden, frischen Gebäckstücke heraus und teilt es in zwei Hälften.

Das will er auch heute tun. Doch dann zögert er und fragt höflich – wie gesagt, so lange kennen wir uns ja noch

nicht - : “Welche Hälfte möchtest du: Die obere oder die untere?“

„Ach“, erwidere ich, „ist mir egal.“ Schließlich will ich noch einen guten Eindruck machen und nicht egoistisch

erscheinen.

Aber so leicht macht es mir mein neuer Freund nicht. „Was ist dir denn lieber?“, fragt er erneut.

Ich, höflich, wie ich nun einmal bin, frage zurück: “Was schmeckt dir denn besser? Such du es dir aus.“

Martin, misstrauisch geworden, vermutet listig: “Du isst bestimmt lieber die obere Hälfte, stimmt es?!

Aha, denke ich, wenn er das glaubt, ist dieser Teil des Brötchens bestimmt sein Favorit und sage: „Du doch sicher

auch.“

„Ja, was denn nun?“

„Mhm..“

„Tja..“

Da plötzlich tritt ein Funkeln in Martins hellgrüne Augen, er lächelt triumphierend, hebt das Brötchen hoch und

zerteilt es in zwei Hälften.

Von oben nach unten.

Er strahlt mich stolz an, hält mir beide Teile hin und fragt feierlich: „Welche Hälfte möchtest du: Die linke oder

die rechte?“

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Geschichten von Menschen und Tieren

Kommunikation

Mein Freund Martin hat eine Leidenschaft für Telefone. Nicht, dass er gern telefoniert. Im Gegenteil, er ist geradezu

berüchtigt für seine kurze, oft schroffe Art, ein Gespräch zu führen oder es zu beenden. Aber er mag es,

angerufen zu werden, ist gern stets erreichbar. Also beschließt er, in seiner Wohnung eine Telefonanlage zu installieren.

Das Ziel ist, in jedem Raum seines Zuhauses ein Telefon zu haben. So kann Martin, egal, wo er sich gerade aufhält,

an den Apparat gehen, sollte jemand anrufen. Und spart er sich weite Wege. Schließlich verfügt seine Wohnung

über mehrere Zimmer. Vier, um genau zu sein. Kleine Zimmer. Inklusive Küche und Badezimmer. Fünf mit Flur.

Die Notwendigkeit, in jedem Raum Anrufe entgegennehmen zu können, ist sicher jedem klar. (Seltsamerweise

weigert er sich hartnäckig, meinen Vorschlag, auch das Bad, den Flur und den Balkon mit einem Gerät zu versehen.)

Ganz wichtig ist es meinem allein lebenden Freund, dass nach Abnehmen eines Hörers an den anderen

Fernsprechendgeräten niemand mithören kann.

Der Gedanke, nur ein Telefon zu besitzen, ist für Martin absurd, nahezu grotesk. Ein schnurloses gar, dass er im

Ernstfall vielleicht nicht finden, ja möglicherweise erst gar nicht hören kann, weil es weit entfernt liegt, völlig inakzeptabel.

Außerdem muss die neue Telefonanlage die Möglichkeit bieten, in einem Raum das Gespräch entgegenzunehmen

und im anderen weiter zu sprechen, ohne den ersten Hörer aufzulegen. (Bei mir zu Hause klappt der Raumwechsel

mit meinem schnurlosen Telefon großartig, aber sicher bringe ich da etwas durcheinander.)

Die Idee, den nächsten Apparat nur dann bedienen zu können, wenn man den eben verwendeten auflegt, hat für

Martin keinerlei Existenzberechtigung. Dafür müsste er ja hin und her laufen. Außerdem muss es möglich sein,

all die neuen Errungenschaften des Telefonierens nutzen zu können, wie Makeln, Rückfragen und so.

Also wird eine Telefonanlage bestellt, die all das realisieren kann.

Am Abend des Tages, an dem diese Apparatur in Martins Leben tritt, finde ich ihn in seinem Wohnzimmer, umgeben

von Kabeln, verschiedenen Exemplaren der Gattung Telefon, Schraubendrehern und Bohrmaschinen vor.

Im Fernsehen läuft „Kommissar Rex“. Das kann ich zwar nicht sehen – eine neue Raumordnung sieht vor, dass

die Couch nun vor dem Bildschirm steht – aber ich erkenne den Krimi an seinen Dialogen.

Martin liegt bäuchlings vor der frei geräumten Wand, die mehrere frische Löcher aufweist, und wirkt geschäftig

und zufrieden. Die Küche wird beherrscht von einer monströsen Werkzeugkiste. Dummerweise habe ich mich

bereit erklärt, einen Salat zu machen. Dafür bleibt mir nun ein Platz von ca. 20 cm im Quadrat. Aber in meiner

Küche gibt es auch nicht besonders viel Platz und so kann ich mich darauf einstellen.

Nach kurzer Zeit wird aber klar, dass meine Aufgabe heute nicht nur darin besteht, für unser leibliches Wohl zu

sorgen, sondern ich bin außerdem als Zuträgerin diverser Werkzeuge vorgesehen. Ich fühle mich wichtig und bin

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mächtig stolz, wenn ich schon beim zweiten Mal das Richtige bringe.

Nach einer Weile wird es ernst. Das Telefon im Wohnzimmer ist angeschlossen, nun kommt das Schlafzimmer an

die Reihe. Dort befinden sich sogar zwei Anschlüsse, was verständlich ist, da dieser Raum immerhin 15 qm misst.

Ich bin dafür zuständig, mich an den dort befindlichen Apparat zu begeben und ihn zu testen.

„Tot“, gebe ich zu Protokoll. Martin murmelt irgendetwas Geheimnisvolles und ich darf weiter Salat verlesen.

Aber bald habe ich meinen nächsten Einsatz, der allerdings genauso erfolglos verläuft. Nach etlichen Versuchen

kann ich dann aber endlich „Es geht!“ melden und wir sinken uns glücklich in die Arme.

Dann steht Martin mit dem Handy vor seinem neuen Telefon und wählt feierlich seine eigene Nummer.

Es klingelt.

So weit, so gut, doch nun kommt der Moment der Wahrheit. Martin geht an seinen neuen Fernsprecher, ich darf

das Handy halten und er versucht, auf das Gerät im Schlafzimmer umzuschalten. Eigentlich brauchen wir jetzt

dringend eine zusätzlich Person, denn jemand muss an den dritten Apparat. Wir meistern diese knifflige Situation,

indem mein Freund sein Handy selbst übernimmt und ich ins Schlafzimmer geschickt werde, wo ich mehrmals

beide Anschlüsse testen darf. Eine undankbare Aufgabe, da mir nicht vergönnt ist, eine positive Nachricht

zu übermitteln. Rufend, aus eigener Kraft, ohne elektronische Unterstützung.

Also lasse ich Martin allein mit seinem Genie und verschwinde in der Küche. Unterbrochen von nur wenigen

Botengängen kann ich endlich den Salat fertig stellen. Ich gebe diese Tatsache bekannt und ernte von Martin ein

Geräusch, dass er speziell für solche Situationen zur Verfügung stellt und das alles heißen kann. Heute suche ich

mir ein zerstreutes „Ich komme gleich!“ aus. Ich verstehe schließlich, dass er im Augenblick in einer wichtigen

Lebensphase steckt und so etwas Profanes wie Essen warten muss. Ich bin ja selbst ein wenig aufgeregt.

Außerdem haben wir gar keinen Platz, um uns hinzusetzen, geschweige denn, den Tisch zu decken. Also pieken

wir im Stehen ab und zu in den Salat und nehmen auf diese Weise das heutige Abendessen zu uns. Nach der

kleinen Stärkung geht es weiter.

Um es kurz zu machen: Am Ende hat Martin die alte Telefondose eingebaut, das Sofa steht wieder an der Wand

und bei jedem Anruf klingeln alle Telefone. Wenn eines abgehoben wird, sind alle anderen unterbrochen. So wie

früher.

Doch im Wohnzimmer steht nun ein Apparat mit Anrufbeantworter, im Schlafzimmer hängt ein Telefon an der

Wand und nach langer, gemeinsamer Planung hat jetzt auch eines seinen idealen Platz an einer der Küchenwände

gefunden. Neu ist, dass Martin nun ein klasse Haustelefon hat. Das Wohnzimmer hat die Rufnummer 1, die

Küche die 2 und das Schlafzimmer ist unter der Nummer 3 erreichbar.

Nach getaner Arbeit liege ich Martins Schlafzimmer im Bett, rechtschaffen müde von meinem Assistentinnenjob,

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Geschichten von Menschen und Tieren

als das Telefon klingelt. Nach einer Weile kann ich es nicht mehr ignorieren und hebe den Hörer ab. Am anderen

Ende ist die Küche. Dort steht Martin und ruft fröhlich: „Na, schläfst Du schon?“

„Nein“, knurre ich, „hier ist es zu laut!“ und hänge ein. Seufzend lasse ich mich wieder in die Kissen fallen und

schließe die Augen, nur um sie gleich darauf wieder aufzureißen, weil das Telefon läutet! Diesmal ruft er aus dem

Wohnzimmer an und flüstert: „Bin ich jetzt leise genug?“

Geplant ist nun noch ein Faxgerät. Und ein Computer. Wegen E-Mail und Internet. Martin hat gehört, dass man

sich auch damit Nachrichten zusenden kann.

Habe ich erwähnt, dass Martin ein Mensch mit einem winzigen Bekanntenkreis ist, seine Zeit am liebsten allein

Zuhause mit seinen Büchern verbringt und großen Wert darauf legt, seine Ruhe zu haben?

Köln, Anno 1998

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Groß St. Martin

Mein Freund Martin kommt aus Bayern. Die rheinische Seele ist ihm ein wenig suspekt. Obwohl er schon

viele Jahre in Köln lebt, stelle ich fest, dass er nur wenig von der Stadt, die ihn aufgenommen hat, weiß.

Es ist ihm zum Beispiel nicht bekannt, wie man den Namen der Kirche, die so imposant mitten in der Altstadt

thront, korrekt ausspricht, nämlich Groß St. Martin. Mit Betonung auf der zweiten Silbe. Für mich ist

das völlig normal und ich habe es immer kritiklos akzeptiert. Nicht so Martin. (Mit Betonung auf der ersten

Silbe.) Er rebelliert, besteht darauf, den Namen des heiligen Hauses auszusprechen wie seinen eigenen,

glaubt mir nicht, ja, will wissen, worin meine für ihn absurde Überzeugung begründet ist! Man stelle sich

vor, ich bin gezwungen, den Beweis für eine Behauptung anzutreten, die jeder Kölner hätte bestätigen

können!

Ärgerlicherweise kann ich aber die Frage nach dem Warum nicht beantworten, bin mir aber meiner Sache

so sicher, dass ich mich auf eine Wette einlasse.

Wir marschieren also durch die Schildergasse hinunter zum Heumarkt, überqueren ihn und begeben uns

in die engen alten Gassen im Herzen, oder sollte ich lieber sagen, im Geldbeutel Kölns? Wie auch immer,

bald stehen wir vor dem Gegenstand unserer Wette, der Kirche Groß St. Martin. Draußen informiert uns ein

Schild über die Daten des Hauses.

Von Betonung steht hier nichts, also tauschen Martin und ich noch einen kampfeslustigen Blick und betreten

entschlossen das Gebäude. Innen sieht es ein bisschen aus wie auf einer Baustelle. Ich bin enttäuscht,

weil es hier nicht so großartig ist, wie es von außen zu sein verspricht. Aber wir sind schließlich keine einfachen

Touristen, sondern wissensdurstige Bürger dieser Stadt, und ich schiebe meine Gefühle zur Seite.

An einer Wand entdecken wir einen langen Tisch, auf dem Broschüren und Bücher liegen, die über Köln

und diese Kirche informieren und käuflich zu erwerben sind. Aber auch diese Schriften enthalten keinen

Hinweis auf unsere Frage. Wir wenden uns also dem jungen Mann zu, der hinter all diesen Auslagen sitzt

und fragen ihn, ob er auch über spezielles Wissen über dieses Glaubenshaus verfügt. Er bejaht, und für uns

naht der Augenblick der Wahrheit. Ich überlasse es Martin, zu fragen, wie denn nun der Name St. Martin

ausgesprochen wird, und der junge Mann, ich bemerke erst jetzt, wie nett er eigentlich ist, antwortet: „Groß

St. Martin.“, und betont die letzte Silbe!

Hah! Ich strahle Martin an und werfe ihm ein freundliches „Siehste!“ zu.

Er aber hält das Ganze wohl für einen regionalen Sprachfehler und stellt auch jetzt die Frage nach dem

Warum.

„Die Kirche“, sagt der junge Mann unbeeindruckt, „wurde nach dem römischen Feldherren Martinus benannt.

Dieser Name wird, wie im Lateinischen üblich, auf der zweiten Silbe betont. Im Laufe der Zeit wur-

22


Geschichten von Menschen und Tieren

de dann das „us“ weggelassen, so dass es heute nur noch Martin heißt. In Anbetracht dessen, dass er ursprünglich

Martinus lautete, wird der Name auch heute noch auf der zweiten Silbe betont.“

Aha.

Nun muss der Martin der Jetzt-Zeit kapitulieren und endlich akzeptiert er die Wahrheit. Zugegeben, mit rheinischer

Seele hat das nichts zu tun – ich hatte die Aussprache für eine liebevolle kölsche Marotte gehalten – aber

meine leise Wehmut weicht bald dem guten Gefühl, etwas gelernt zu haben.

Außerdem habe ich die Wette gewonnen. Wenn mir doch nur einfallen würde, um was wir denn eigentlich gewettet

haben …

Köln, Anno 1998

Artikel Kölner Stadtanzeiger in der Rubrik "Unverlangt eingesandt"

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Neulich. Nachts.

4.30 Uhr

Ich liege wach und ich warte darauf, dass die Nachwirkung eines nicht sehr erfreulichen Traumes vorübergeht,

als ich im Schlafzimmer nebenan plötzlich das Rascheln von Bettzeug höre, begleitet von der schlaftrunken genuschelten

Rüge meines Lebensabschnittsgefährten: “Ach Mäxchen! Musst du denn immer krallen?“

Offensichtlich ist unsere Madam, die Chefkatze, wieder über ihn geklettert. Das macht sie immer, wenn man es

wagt, sich im Schlaf zu drehen und sie dadurch auf der falschen Seite liegt. Und dabei muss sie sich natürlich

festhalten, ist doch klar.

Die Stimme wird sofort liebenswürdiger, einschmeichelnd und sehr zärtlich. „Ach, Mäxchen, warum machst

du das denn immer, meine Süße?“ gurrt mein Liebster. Offensichtlich wird Mäxchen auch gekrault, denn sie

wirft augenblicklich ihre spektakuläre Schnurrmaschine an und das Ergebnis dringt bis zu mir herüber.

Lächelnd warte ich darauf, dass das Licht angeht, denn nun ist Franzbranntwein angesagt. Für die Wunde,

nicht für das Kätzchen. Stattdessen wird die Wasserflasche geöffnet und offensichtlich daraus getrunken. Und

das Licht bleibt aus.

Sollte ich mich so getäuscht haben? Nein, er steht auf! Aber er geht nur zur Toilette und danach ohne Umweg

zurück ins Bett. Nanu, ist da jemand tapfer? denke ich, warte aber noch ab.

Tatsächlich wird meine Ausdauer belohnt, denn kurze Zeit später erhebt sich mein Schatz erneut aus seinem

Bett und marschiert leise, immer noch im Dunkeln, die Treppe hinunter. Mäxchen folgt ihm. Nicht leise, denn

unsere kleine, kugelrunde Katze wird zwar auch Gazelle genannt, aber das ist nicht ganz ernst gemeint.

Das nächste, was ich wahrnehme, ist der Geruch nach Franzbranntwein, der aus dem Badezimmer zu mir hoch

dringt. Na, geht doch! Dann wird eine Jalousie hoch gezogen. Also wird Mäxchen nach draußen gelassen und

mein Süßer macht sich einen Kaffee.

Inzwischen ist es 5:00 Uhr und Camillo und Henri rennen auch nach unten, weil sie Freiheit und Frühstück wittern.

Nur Molly bleibt bei mir und schaut mich mit großen, wachen Augen an. Aber sie ist standhaft. Also versuchen

wir zwei, noch etwas zu schlafen, zumal die Geräusche im unteren Teil des Hauses langsam verebben.

Denkste, mein Teuerster kommt wieder nach oben, alles im Dunkeln und ganz leise, wie er sicher meint und

will wohl wieder in sein Bett. Doch nun kommt mein Einsatz. „Na, wirkt der Franzbranntwein?“ frage ich zuvorkommend

aus der Dunkelheit in die Dunkelheit.

„Uaaah!“ lautet die gewandte Antwort. Ich grinse und erkundige mich liebevoll: „Habe ich dich erschreckt?“

Okay, die Nacht ist vorbei. Nun sind wir alle wach und auch Molly und ich stehen auf und begleiten unseren

Verletzten nach unten, wo wir Menschen einen Kaffee trinken und die Katzen Frühstück und Freiheit bekommen.

Bergisch Gladbach, ca. 2002

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Geschichten von Menschen und Tieren

Finn

Als ich an einem Sommertag in den Garten ging, sah ich, dass unsere pelzigen Drillinge in halbkreisförmiger

Formation auf dem Hof hockten. Das kam mir doch recht seltsam vor, also ging näher heran, um zu schauen,

was es damit auf sich hatte.

Es bot sich mir ein bemerkenswerter Anblick: Unsere drei beäugten misstrauisch einen kleinen roten Kater, der

mit schräg gelegtem Köpfchen in stolzer Körperhaltung direkt vor ihnen stand. Der kleine Kerl schaute seinen

großen Artgenossen ohne jede Angst und ohne einen Funken Respekt in die Augen und ich konnte förmlich

hören, dass die drei dachten: „Was hat der denn hier zu suchen? Das ist unser Garten!“ Doch er wurde zunächst

einmal aufmerksam beobachtet, denn antun wollten sie ihm allen Anschein nach nichts.

Finn, so hieß der Kleine, wie ich später erfuhr, war in der Nachbarschaft eingezogen und wohl auf einer Erkundungstour.

Ein wunderschönes Tier. Zum Stehlen schön mit den vier weißen Kringeln rund um seinen

Schwanz. Der kleine Finn, ich schätzte ihn auf ca. 3-4 Monate, ging todesmutig auf den Größten, in diesem Fall

Henri, zu, holte mit einem Pfötchen, dem man schon ansah, dass der kleine Kerl einmal recht groß werden

sollte, aus und… haute dem großen, stolzen Kater eine runter! Henri löste sich aus seiner Starre, drehte sich um

ergriff die Flucht. Finn flitzte hinterher und jagte Henri durch sein eigenes Revier!

Das war ein Spaß! Für Finn.

Im Laufe der nächsten halben Stunde hatten außer Henri auch noch Camillo und Molly das zweifelhafte Vergnügen

einer persönlichen Jagd. Völlig irritiert verteilten sich die Drillinge an strategischen Plätzen im Garten

und schauten ziemlich verdutzt und fassungslos drein.

Als alle einmal an der Reihe gewesen waren, machte Finn sich daran, auch noch den Rest seines neu eroberten

Reiches zu inspizieren. Nächste Station: Die Terrasse. Dort saß unsere Chefkatze Mäxchen und betrachtete den

Neuankömmling interessiert. Anscheinend fiel die Überprüfung günstig aus. Für Mäxchen, denn sie kam unbehelligt

davon. Es kann aber auch sein, dass Finn Mäxchens unbestreitbare Autorität anerkannte.

Nach abgeschlossener Überprüfung aller Blumen und Gegenstände auf der Terrasse entdeckte Finn die Katzenklappe.

Betrachtete sie, beschnüffelte sie und… flitzte hindurch. Völlig selbstverständlich. Ich natürlich hinterher.

Allerdings durch die Tür.

Finn trabte zielsicher durch den Flur zum Futterplatz und machte sich über das Mittagessen unserer Bande her,

als würde er dies jeden Tag tun. Ganz schön dreist! Er futterte sich erst einmal satt und nahm anschließend noch

schnell den Rest des Hauses in Besitz. Als alles zu seiner Zufriedenheit erledigt war, begab er sich, natürlich

wieder ordentlich durch die Katzenklappe, wieder nach draußen und verschlief den Rest des Tages unter einem

Baum.

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Übrigens auf Mollys Lieblingsplatz, was diese sicher nicht wirklich gut fand.

Da ich weiß, wie es ist, wenn eine Katze nicht nach Hause kommt und auch, wo Finn wohnte, habe ich ihn mir

gegen Abend geschnappt und Richtung Heimat getragen, was er sich willig und schnurrend gefallen ließ. Er

war sehr zutraulich und lieb, obwohl er mich gar nicht kannte. Als wir durch das Gartentor seines Zuhauses

traten, wurde er plötzlich unruhig und begann zu zappeln. Ich dachte, er hätte genug vom Tragen und übergab

ihn der strahlenden Besitzerin.

Finn ist noch ein paar Mal wieder gekommen und ließ sich nach dem Besuch immer willig abtransportieren;

allerdings immer mit einer gewissen Anspannung kurz vor der heimatlichen Haustür. Da er dennoch jedes Mal

ohne Probleme hinein lief, dachte ich mir nichts dabei.

Hätte ich besser, denn ein paar Tage später erfuhr ich, dass der kleine Kater verschwunden war. Das war schon

einmal passiert, aber da wurde er gefunden und zurückgebracht. Diesmal war ihm der Auszug gelungen. Er

lebte in einer Familie mit drei Kindern, die sehr laut und lebhaft waren und hatte es wohl satt.

Wenn ich mir bewusst mache, dass wir vermutlich in der engeren Wahl für sein neues Zuhause gestanden haben,

könnte ich aus der Haut fahren. Wir kannten seine Familie aber nicht gut und haben absolut nicht begriffen,

dass Finn wahrscheinlich bei uns einziehen wollte. Wir hätten ihn einfach behalten sollen.

Im nächsten Sommer entdeckten wir in der

weiteren Nachbarschaft einen respektablen

roten Kater, der zufrieden auf der Fensterbank

seines Hauses saß und sich putzte.

Als sich die Haustür öffnete, sprang er

hinunter und verschwand im Haus.

Er hatte vier weiße Kringel rund um seinen

hoch erhobenen Schwanz.

Bergisch Gladbach, ca. 2003

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Geschichten von Menschen und Tieren

Der tapfere Henri

Vor unserem Umzug in ein Zuhause mitten in der Natur kamen unsere Katzen abends immer ins Haus und verbrachten

dort die Nacht. Das klappte problemlos, auch wenn die Kater manchmal abends noch einen dringenden

Termin wahrnehmen mussten und dadurch ab und zu ein wenig zu spät kamen. Aber das war die Ausnahme.

An einem Abend im Juli 2003, einem sehr heißen Sommer, hatte unser Henri, wie wir dachten, noch ein Date,

denn er kam auch nach langem Rufen nicht. Das war seltsam, denn unsere Katzen, so auch Henri, reagieren sonst

auf ihre Namen und auf unsere Stimmen. Wir machten uns jedoch noch keine Sorgen, denn es war ja noch hell

und wir vertrauten darauf, dass er gleich kam.

Es wurde 20.00 Uhr, dann 21.00 Uhr, 21.30 Uhr, 22.00 Uhr. Und dunkel.

Kein Henri. Ich ging noch einmal in den Garten, um eine Zigarette zu rauchen, als mich die Gewissheit: Es ist

etwas passiert! regelrecht ansprang.

Also lief ich an das Ende unseres Gartens, um erneut zu rufen. Tatsächlich wurde ich mit einem lauten Maunzen

belohnt, das von jenseits dieses Zaunes kam. Es klang kläglich und mein Herz begann heftiger zu klopfen, als sich

meine Sorge steigerte. Ich rief nochmals und er antwortete mir wieder.

Er ist sicher irgendwo eingesperrt, dachte ich, denn in dem Autohaus und auf dem ihn umgebenden Hof war

um diese Zeit niemand mehr. Sofort rannte ich zum Haus, um meinen Freund zu alarmieren. Wir setzten uns ins

Auto und fuhren zu dem Hof, der glücklicherweise nicht abgeschlossen war. Die Einfahrt ging von einer Straße

ab, die sehr viel befahrener war als die ruhige, an der wie wohnten und dahinter ging es fünfzig Meter eine sanfte

Anhöhe hoch, an deren Ende besagter Zaun, also unsere Grundstücksgrenze war.

Dort fanden wir Henri auf der Erde liegend. Als er meine Stimme erkannte, maunzte er laut und versuchte, zu

mir zu kommen. Doch er schien furchtbare Schmerzen zu haben, denn er begann bei dem Versuch, sich aufzurichten,

herzzerreißend zu schreien. Entsetzt mussten wir feststellen, dass er nicht aufstehen konnte, weil ihm

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beide Hinterpfoten den Dienst versagten. Irgendwie hat er auf dem Bauch unter Zuhilfenahme seiner Vorderpfoten

den langen Weg von der Straße bis zum Zaun zurückgelegt, um nach Hause zu kommen. In uns machte

sich Angst breit.

Mühsam unterdrückte ich meine Panik, stieg aus und ging langsam zu ihm. Leise sprach ich ihm Mut zu: „Nun

ist alles gut, Henri. Wir sind da.“ Dann hob ich ihn vorsichtig hoch und war beruhigt, weil ich kein Blut sah. Eine

naive Annahme.

Im Auto lag Henri auf meinem Schoß, schmiegte sich an mich, war ganz ruhig und schnurrte, als denke er: Jetzt

ist Frauchen da und alles wird gut. Damals wusste ich nicht, dass Schnurren nicht immer heißt, dass eine Katze

glücklich ist, sondern sie beruhigt sich bei Schmerzen damit.

Zuhause legten wir ihn vorsichtig in den Katzenkorb und riefen unseren Tierarzt auf seinem Handy an, beschrieben

ihm, was passiert war und er versprach, in Kürze in seiner Praxis zu sein.

Als er Henri sah, bekam er einen Blick, der mir panische Angst einjagte und die Tränen in die Augen trieb. Ich

hatte eine ganz besondere Beziehung zu diesem Kater, er war mein Augenstern und auch er hing sehr an mir.

Mein Herz raste. Der Arzt untersuchte Henri und stellte die erste niederschmetternde Diagnose: Wahrscheinlich

Beckenbruch! Er war überfahren worden und konnte beide Hinterbeine nicht mehr bewegen. Viel Hoffnung gab

er uns nicht, sagte aber, wir sollten ihn in der Praxis lassen, damit er ihn genauer untersuchen konnte. Wir blieben

bei Henri, bis er betäubt war, was ich vorher noch nie gesehen habe. Er sah aus wie tot, weil er die Augen offen

hatte und reglos dalag. Ein furchtbarerer Anblick. Mein Freund und der Tierarzt beruhigten mich und erklärten

mir, dass bewusstlose Katzen die Augen immer offen haben; das sei völlig normal.

Mutlos und traurig fuhren wir nach einem letzten Blick auf unseren schlafenden Kater nach Hause und versuchten,

zu schlafen. Die Nacht war nicht sehr erholsam und der darauf folgenden Arbeitstag auch bestimmt

nicht sehr produktiv. Mittags rief mich mein Freund an, um mir zu erzählen, dass der Tierarzt angefragt hatte,

ob derjenige, der die engste Beziehung zu ihm habe, wohl kommen könne, weil Henri nicht zu bändigen sei und

fauchte, knurrte und biss, wenn sich ihm jemand näherte. Man könne ihn nicht zu betäuben, was aber sein müsse,

um ihn röntgen zu können.

Der arme, immer sanfte Henri.

Zum Glück hatte ich damals eine sehr verständnisvolle Chefin, die mir sofort frei gab und ich fuhr zum Tierarzt.

Bangen Herzens betrat ich die Praxis und wurde auch gleich zu Henri gelassen. Als ich mich dem Käfig, in dem

er lag, näherte und er meine Stimme hörte, wurde er sofort ruhig, gab mir Köpfchen und schnurrte. Ich redete mit

ihm und er ließ sich streicheln, was durch die Gitterstäbe nicht wirklich einfach war. Als ich mich umdrehte, sah

ich den Tierarzt, der gerade seiner Assistentin ein Zeichen gab, dass alles okay sei. Er hatte auf mich aufgepasst!

Als würde Henri mir etwas tun!

28


Geschichten von Menschen und Tieren

Leider bestätigte das Röntgen die Befürchtung des Tierarztes. Henri hatte eine Beckenimpression. Sein Becken

war durch den Aufprall nach innen gedrückt worden. Beide Hinterbeine waren bewegungsunfähig und es blieb

nun abzuwarten, ob seine Blase auch gelähmt war. Davon hing ab, ob er überlebte.

Nun ging das Warten und Fiebern los. Wir standen im ständigen telefonischen Kontakt mit der Tierarztpraxis, besuchten

Henri täglich und schmusten mit ihm durch die Gitterstäbe. Aber immer wurde uns die Frage, ob er nun

endlich Wasser gelassen hatte, mit Nein beantwortet und unsere Angst um diesen ganz besonderen Kater wurde

täglich größer. Wir wollten ihn nicht verlieren; er war doch erst zwei Jahre alt!

Dann endlich die erlösende Nachricht, er habe Wasser gelassen. Also war die Blase funktionsfähig und die erste

Hürde war genommen.

Die zweite Hürde jedoch noch nicht, denn die beiden Hinterbeine reagierten nach wie vor nicht auf äußere Reize.

Das Bangen und Warten ging also weiter und der Arzt machte uns nicht viel Hoffnung. Sollten beide Beine gelähmt

sein, müsse man ihn einschläfern, sagte er. Wir informierten uns bei anderen Ärzten und in einer Tierklinik,

welche Möglichkeiten noch blieben und alle bestätigten die Aussage unseres Arztes. Also ging das Bangen weiter.

Mein Henri. Er war so ein fröhlicher Kerl und liebte das Leben so sehr. Er durfte einfach nicht sterben!

Drei weitere Tage vergingen und wir verloren so langsam allen Mut und die Hoffnung auf Besserung, als endlich,

endlich der erlösende Anruf kam: Sein linkes Hinterbein reagierte! Wir flehten den Arzt an, noch etwas mit der

Amputation des anderen Beines zu warten. Vielleicht kam ja auch dort das Gefühl wieder. Er tat uns den Gefallen,

sagte aber auch, er können nicht zu lange warten, weil das Bein, dass noch Gefühl hatte, schließlich auch operiert

werden müsse und die Gefahr bestand, es könne falsch anwachsen, wenn wir zu lange warten. Damit würde

der Heilungsprozess erschwert, denn dieses Bein musste genagelt werden, damit Henri wieder laufen konnte.

Wir gaben also schweren Herzens die Einwilligung zur Amputation des rechten Hinterbeines.

Wieder begann das Zittern, denn eine OP kann schief gehen; schließlich handelte es sich um die Amputation

eines und das Nageln des anderen Beines.

Die OP verlief erfolgreich und endlich konnten wir Henri wieder nach Hause holen. Wir bekamen leihweise einen

Käfig, den wir mit nach Hause nehmen konnten, denn darin musste Henri die nächsten sechs Wochen verbringen.

Da das andere Bein genagelt worden war, durfte er sich nicht viel bewegen, um die Heilung nicht zu gefährden.

Sechs Wochen in einem Käfig, in den nur Henri, ein kleines Katzenklo und Futter hineinpassten. Eine Qual für

einen so lebendigen Kater, der zudem Freigänger war. Mehrmals am Tag machte ich ihm das Klo sauber und

nahm ihn oft heraus und auf den Arm. Dort lag er wie ein Baby, die Vorderpfoten um meinen Hals gelegt. Er hat

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mir so Leid getan, aber diese Zeit war wichtig für seine Heilung. Und mein Henri war sehr tapfer und ertrug seine

Gefangenschaft mit stoischer Ruhe.

Und es war für uns ein so schrecklicher Anblick, ihn mit nur drei Beinen zu sehen!

Irgendwann ging auch diese Zeit zu Ende und Henri durfte wieder aus dem Käfig in die Freiheit, aber noch nicht

nach draußen. In dieser Zeit wurde er unsauber und unsere Sitzmöbel waren mit großen auseinander geschnittenen

Mülltüten bedeckt. Darüber lagen Handtücher. Sehr gemütlich.

Er war schrecklich und zugleich faszinierend zu sehen, wie er sich auf drei Beinen fortbewegte. Er kam sofort damit

zurecht, nur uns tat es in der Seele weh, ihn so humpeln zu sehen. Er hatte früher einen richtigen Machogang

mit seinen langen Beinen. Der war nun natürlich im Eimer.

Dann kam der Tag, an dem er raus durfte. Henri lag auf der Couch, alle Türen waren auf und ich bin mit einem

Kissen zu ihm gegangen, um es ihm gemütlich zu machen. Keine gute Idee.

Er sah das Kissen über seinem Kopf und rannte in panischer Angst nach draußen, sprang über den Zaun (!) und

weg war er! Später kam mir der Gedanke, dass ihn das sicher an das Auto, das ihn angefahren hat, und kurz über

ihm war, erinnerte und hätte mich ohrfeigen können.

Jedenfalls war Henri weg. Er kam auch abends nicht wieder. Und auch am nächsten Abend nicht, neun Tage lang.

Es war eine furchtbare Zeit. Ab und zu hörten wir ihn maunzen und sahen ihn auch oft. Er entfernte sich nie weit

vom Haus, kam aber nicht zu uns. Dabei brauchte er täglich Medizin, um seinen Stuhl weich zu halten, denn sein

Darm war ja auch zusammengepresst worden bei dem Unfall. Manchmal hörten wir ihn vor Schmerzen schreien,

wenn er Stuhl lassen musste. Wir haben ihm sein Futter mit Medizin auf die Terrasse gestellt und gehofft, dass es

nicht immer der Igel war, wenn der Napf am nächsten Tag leer war.

Wahrscheinlich gab es aber in der Zeit in unserem Garten einen Igel mit Durchfall…

Die diversen Anlockversuche, die in den nächsten neun Tagen folgten, zu beschreiben, würden den Rahmen dieser

Erzählung sprengen, aber es sei gesagt, dass wir dabei viel Fantasie entwickelten.

Bis meinem Freund die Idee kam, vom nahen Tierheim eine Lebendfalle zu leihen. Er rief mich im Büro an und

erzählte mir, die Falle stehe auf dem Hof und er habe sie auch ein bisschen getarnt. Als ich nach Hause kam und

auf den Hof schlich, musste ich trotz meiner nicht mehr ganz reißfesten Nerven lachen. Der Käfig war liebevoll

mit ein paar Kiefernzweigen bedeckt, damit Henri nichts merkte. Ein herrlicher Anblick.

Aber Henri war noch nicht drin. Also Putenbrust holen und auslegen. Tatsächlich kam Henri und holte sie sich.

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Geschichten von Menschen und Tieren

Richtig gelesen: Er holte sie sich!

Drei Mal ist er in diesen Käfig gegangen und zwei Mal kam er mit seiner Beute unversehrt wieder heraus!

Ich stand daneben, sah, wie er halb in der Falle verschwand und dachte nur; „Gaaanz ruhig stehen bleiben! Nicht

reinschieben! Dann ist er weg!“ Das hat einige Nerven gekostet und mein Herz hat man sicher ein paar Straßen

weiter noch pochen hören, doch beim dritten Mal hörte ich ein entrüstetes „Miau!“ und unser Ausreißer war drin!

Meine Erleichterung war grenzenlos. Sofort trug ich den Käfig hinein und öffnete ihn. Und was macht Henri? Er

kommt ganz lässig heraus, geht zum Futterplatz, schlägt sich den Bauch voll, geht nach oben, legt sich auf mein

Bett und schläft selig ein! Als wäre nie etwas gewesen! Ich habe in den neun Tagen fünf Kilo Gewicht verloren,

unsere Nerven lagen blank und Henri lag in meinem Bett und schlief sich erst einmal richtig aus.

Übrigens war die Unsauberkeit weg, er ging ganz normal aufs Klo und kam brav jeden Abend ins Haus.

Inzwischen ist unser Henri fünf Jahre alt und ein absoluter Sonnenschein, der allerdings Angst vor großen Autos

hat. Wenn er eines hört, rennt er sofort ins Haus. Die anderen inzwischen auch.

Lange Zeit ängstige ihn auch alles, was über ihm war, lief beispielsweise panisch weg, wenn jemand mit dem

Wäschekorb kam. Doch das ist inzwischen glücklicherweise vorbei.

Wir sagen uns immer wieder, es ist gut, Henri hat „nur“ ein Bein verloren und nicht sein Leben. Selbst die Nachbarn,

die der Meinung waren, wir tun unserem Kater keinen Gefallen, wenn wir ihn am Leben lassen, sind inzwischen

definitiv anderer Meinung. Besonders, wenn Klaus, unser Nachbar, mal wieder im Affenzahn von Henri

überholt wird und auf den Pflaumenbaum rast (Henri, nicht Klaus), aus dessen Astgabel er so schön seinen und

den Nachbargarten (der selbstverständlich auch ihm gehört) übersehen kann.

Mein Herzenskater Henri ist 17 Jahre alt geworden

Henri ist wachsamer geworden und nicht mehr ganz unbeschwert,

aber immer noch ein fröhlicher Kerl, der alles

kann, was seine Geschwister auch können. Seine Reaktionen

sind ungeheuer schnell, da ist er seinem Bruder Camillo,

unserem „Muskelkater“ sogar um einiges voraus.

Er klettert auf Bäume und über Zäune, fängt zu unserem

Leidwesen Vögel und Mäuse, und wenn er rennt, sieht

man gar nicht, dass er nur drei Beine hat. Nur wenn er

müde ist, hinkt er doch sehr. Aber ich glaube, wir haben

damit ein größeres Problem als er, denn ein Tier nimmt

eine Behinderung hin und lebt damit. Davon können wir

Menschen eine Menge lernen.

Bergisch Gladbach 2003

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Warnung vor der Putzfrau

Unsere Katzen habe Angst vor Staubsauger und Besen weil „nette“ Nachbarn sie, als sie noch Kitten waren, mit

einem Besen recht brutal verjagt haben. Diese Menschen mochten nichts Junges, Lebendiges und Lebenslustiges

und versuchten es aus ihrem Leben zu verbannen.

Aber das ist eine andere Geschichte.

Nun hatten wir ein paar Jahre lang eine Putzfee, die zwar sehr nett zu unseren Katzen war und ihnen auch oft

etwas mitbrachte, doch auch sie benutzte natürlich den Staubsauger.

Besonders unsere Prinzessin Molly reagierte sehr ängstlich, wenn sie die Höllenmaschine nur sah. Also flitzte

sie nach draußen, wenn das Ungeheuer zu dröhnen begann, denn dort wurde es erfahrungsgemäß nie gesehen.

Da ich auf der Terrasse ein paar Blumen umtopfen wollte, begab ich mich, bewaffnet mit Schaufel und Blumenerde,

zu ihr. Sie empfing mich mit ihrem üblichen Begüßungsgurren, das aber diesmal sehr beunruhigt klang und

sie maunzte mich aufgeregt an, als wollte sie mir sagen: „Gut, dass Du da bist. Mensch, bleib bloß hier draußen,

da drinnen ist es gefährlich!“

Ich habe ihr gesagt, dass alles in Ordnung ist und sie strich mir um die Beine.

Ob sie mich nun warnen wollte und froh war, dass ich nun endlich auch in Sicherheit war oder ob sie meinen

Beistand brauchte, weiß ich nicht, aber ich bin bei ihr geblieben und wir haben gemeinsam die gefährliche Zeit

überstanden.

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Geschichten von Menschen und Tieren

Inge

An einem heißen Sommerabend brachte unsere Molly ein Tier mit herein. Als es panisch durch das Wohnzimmer

flatterte, erkannten wir, dass es sich um eine Fledermaus handelte!

Sofort löschten wir das Licht und öffneten alle Fenster, aber sie blieb im Treppenhaus an der Wand hängen. Ich

war so müde, dass ich das Ergebnis der Rettungsaktionen nicht abwarten wollte und ging ins Bett, wo mir dann

einfiel: Hey, Du kannst doch mit ihr reden! Gesagt, getan.

Ich versuche, hier das Gespräch aus der Erinnerung zu wiederzugeben.

Ich: Hallo Fledermaus, wie heißt Du?

Sie: Inge. Warum?

Ich: Wie jetzt, Du heißt tatsächlich Inge?

Sie: Ja, warum nicht? Ist das nicht in Ordnung? (das kam recht schnippisch)

Ich: Doch, doch, natürlich. Ich habe nur nicht gedacht, dass Fledermäuse Inge heißen.

Sie. Jetzt weißt Du es.

Ich: Willst Du nach draußen?

Sie: Eigentlich nicht. Mir gefällt es hier.

Ich: Morgen wird es aber wieder hell und ich glaube, es ist dann unangenehm, wenn die Sonne auf Dich scheint.

Und weil wir morgen weg sind, sind dann die Fenster geschlossen.

Sie: Mhm...

Ich: Flieg einfach dahin, wo Du einen kühlen Luftzug spürst (Die Fenster waren noch offen), dann kannst Du raus.

Sie: Ich denke darüber nach.

Später kam Mike, um mir noch gute Nacht zu sagen und verkündete, die Fledermaus sei weg. Ich war kurz vorm

Einschlafen und nuschelte nur: „Sie heißt Inge und es hat ihr bei uns gefallen. Schön, dass sie raus ist.“

Mike bedachte mich mit einem liebevollen (und ich glaube, auch leicht nachsichtigen nach dem Motto: Jaja, ist

klar) Lächeln und meinte: „Inge? Na, dann ist ja alles gut.“

Overath, ca. 2006

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Das Grollen

An einem Winternachmittag hatten meine sechs Mitbewohner ein Erlebnis der Dritten Art. Ich glaube, so haben

sie es gesehen.

Ich lag auf der Couch, hatte es mir gemütlich gemacht und las, da – was war das? – spürte ich mehr, als ich es

hörte, ein langes, dumpfes Grollen. Da hier häufig Flugzeuge hoch oben flogen, wollte ich es schon ignorieren,

als mein Blick auf Oskar fiel. Er hatte auf der Fensterbank gesessen, aber nun stand er wie zur Statue erstarrt und

mit wildem Blick mitten im Wohnzimmer. Das gab mir dann doch zu denken.

Zeitgleich mit Oskar reagierten auch die anderen Katzen, allerdings mit Bewegung. Sie spritzten auseinander und

flüchteten panisch und mit aufgerissenen Augen, jede in eine andere Richtung. Also erhob ich mich, alarmiert

nicht zuletzt durch den Blick auf Oskar, der sich immer noch nicht bewegte, und versuchte, herauszufinden, was

passiert war.

Zuerst habe ich die Katzen durchgezählt – es waren alle da – und bin dann auf die Suche nach der Ursache gegangen.

War natürlich nichts zu finden. Wie immer, wenn es irgendwo im Haus kracht.

Kopf kratzend stand ich da und überlegte. Was hat den Katzen solch eine Angst gemacht und was habe ich eigentlich

gespürt? Es hatte in meinem Bauch gegrollt, aber nun erinnerte ich mich, auch etwas gehört zu haben. Doch

was? Ich wanderte durch Haus und dachte heftig nach, bis mir ein Gedanke kam und ich, der Eingebung folgend,

draußen nachsah.

Nun hatten wir Winter, es hatte viel geschneit das Dach war natürlich damit bedeckt. Allmählich aber krochen die

Temperaturen ein bisschen nach oben und die Sonne schien. Und siehe da: Es hatte sich in der Länge von ca. fünf

Metern eine riesige Schneelawine vom Dach gelöst und war auf die Erde gedonnert. Sofort habe ich alle Katzen

noch einmal durchgezählt.

Leo unter Mikes Bett.

Oskar immer noch völlig erschüttert und in der Bewegung eingefroren im Wohnzimmer.

Camillo und Henri desorientiert in meinem Schlafzimmer.

Pauline im Bad (sie fühlt sich im Katzenklo immer sehr sicher).

Molly geduckt unterm Esstisch. Also Entwarnung.

Ich habe alle eindringlich gebeten, draußen bitte nicht so dicht am Haus entlang zu gehen und vorsichtig zu sein.

Sie nickten eingeschüchtert und immer noch ängstlich.

Im Laufe des Abends und in den nächsten Tagen kamen noch mehr Lawinen herunter, aber das hat niemanden

mehr interessiert. Weder die Katzen, inzwischen mutig geworden, noch mich. Wenn das so weitergeht, liegt rund

um das Haus ein Wall. Dann kann uns niemand mehr etwas tun.

Und da sagt man, es sei langweilig, auf dem Land zu leben.

Overath, ca. 2006

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Geschichten von Menschen und Tieren

Eine Weinbergschnecke schaut mich an

An einem Sommerabend erklärte Mike sich freiwillig bereit, auf der Terrasse die Pflanzen zu gießen, was allein

schon eine Erwähnung wert ist.

Ich freute mich und beschrieb ihm den Weg zur Gießkanne, die er auch bald fand und mit Wasser füllte.

Mir fiel auf, dass er auf sie hinunter starrte und auch etwas seltsam hielt und fragte mich, ob er einen Krampf

hatte oder plötzlich dachte, dass es eine blöde Idee war, ein solches Angebot zu machen und warum er nicht anfing,

die Kübelpflanzen zu wässern.

Plötzlich kam er langsam, in der Hand die volle Kanne, auf mich zu und erkundigte sich grinsend, ob ich auch

schon einmal einen Gießassistenten hatte. Ich glaubte, er meinte die Katzen, aber er wies mit feierlichem Blick

auf den Hals der Gießkanne. Ich schaute erst ihn, dann die Kanne fragend an und staunte, denn dort saß eine

wunderschöne Weinbergschnecke.

So ein schönes Tier! Und so groß! Es gibt Menschen, die essen solche perfekten Schönheiten.

Da ich das aber nicht vorhatte, legte ich meine Hand unter den Hals der Kanne und die Schnecke kroch, ohne zu

zögern, in meine Handfläche. Sie fühlte sich schwer an, trocken und eiskalt und überhaupt nicht schleimig. Als

sie vollends auf der Hand saß, trug ich sie vorsichtig in den Garten auf der Suche nach der richtige Stelle, um

sie wieder der Natur zu übergeben, während sie ganz ruhig liegen blieb. Immer wieder sah ich fasziniert zu ihr

hinunter.

Als ich die richtige Stelle fand, kniete ich mich hin und legte meine Hand mit der Handfläche nach oben auf die

Wiese vor einem Bett und wartete. Ohne Zögern kroch das schöne Geschöpf langsam hinunter ins Gras.

Das allein war schon faszinierend, weil ich beobachten konnte, wie sich ihre Fühler bei der Berührung des Grases

erst zurückzogen und es dann abtasteten.

Kurz bevor sie unten war, hielt sie inne und sah hoch zu mir! Ich konnte ein wunderschönes, perfektes Mäulchen

sehen und ich schwöre, ich hörte ein gehauchtes „Danke“.

Dann kroch sie zu den Pflanzen und ließ mich völlig verzaubert zurück.

Overath 2007

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Alle da?!

Wir wohnten zu der Zeit, als sich diese Geschichte ereignetet, sehr ländlich, trotzdem gab es eine Straße bei uns

vor dem Haus. Die einzige Straße in unserem Minidorf. Sie führte zu einem Campingplatz mit Restaurant, das

regional recht bekannt war und gerade jetzt, da es so langsam sommerlich wurde, manchmal von mehr Autos

befahren wurde, als uns das lieb war. Und leider oft auch schneller, als wir uns das wünschten. Wir waren also

ständig in Sorge, dass den Katzen etwas passierte, besonders Pauline und Oskar, denn sie waren zu der Zeit noch

sehr jung und jagten sich gegenseitig wie die Irrwische. Auch schon mal über die Straße. Oder sie lagen mitten

auf dem warmen Pflaster und schauten sich ihre Gegend an.

Die Straße war von der Terrasse des Hauses aus sichtbar, deshalb konnte ich eines Abends, es war schon dunkel,

beobachten, das ein Auto die Straße herunter kam, immer langsamer wurde, plötzlich bremste und dann sehr

zögernd weiterfuhr. Ich war sofort alarmiert. Und entschied, hinzugehen, um nach dem Rechten zu sehen. Womöglich

war etwas passiert und eine der Katzen lag dort! Verletzt oder noch schlimmer. Also schnappte ich mir

eine starke Taschenlampe und ging mit klopfendem Herzen los.

Als ich mich der Stelle ängstlich und vorsichtig, auf das Schrecklichste gefasst, näherte, hörte ich plötzlich das

typische Quieken von Pauline und den kleinen, aber lauten und auch sehr typischen Kampfschrei von Oskar, die

beide höchst lebendig vor und hinter mir auftauchten und mir dadurch zeigten, dass sie wohlauf waren.

Erleichtert atmete ich erst einmal auf, ging aber weiter auf die Stelle zu, beleuchtete alles ringsherum, fand jedoch

nichts Beunruhigendes. Keine verletzte Katze. Also drehte ich um, war aber immer noch ein wenig unruhig, weil

ich mir nun wünschte, die gesamte Bande auf der Stelle zu sehen.

Wir drei, Pauline, Oskar und ich, trotteten einträchtig die Straße wieder zurück zum Haus, wobei sich der Weg

ein wenig beschwerlich gestaltete. Pauline rannte zwar vorneweg, aber Oskar lief mir ständig zwischen den Beinen

umher, so dass ich aufpassen musste, ihn nicht zu treten Es war ein ziemlich holpriger, stolpernder, immer

Oskar ausweichender Rückweg. Als ich dann endlich kapierte, dass Oskar mit dem Lichtstrahl der Taschenlampe

spielen wollte, der vor uns her tanzte, richtete ich die Lampe auf die Weide neben der Straße und Oskar sauste

prompt auf die Wiese und flitzte in Richtung Garten.

So kamen wir unfallfrei am Haus an, stiegen auf die Terrasse und ich öffnete die Tür, die zum Wohnzimmer

führte. Oskar rannte ohne zu Zögern hinein und warf sich auf seinen Sessel (Mike glaubte doch tatsächlich, es sei

sein Sessel).

Ich stand gerade wieder auf der Terrasse, als auch Henri und Camillo auftauchten, als hätte ich sie gerufen, was

ich ja auch irgendwie getan hatte, und trotteten mit mir hinein. Da Molly drinnen immer noch friedlich auf der

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Geschichten von Menschen und Tieren

Couch schlief, war ich sehr beruhigt, dass es allen gut ging.

Paulinchen raste nach oben ins Arbeitszimmer, wo sie am liebsten schlief, Henri begab sich aufs Sofa und Camillo

blieb kurz sitzen, damit ich ihn sah und ging dann wieder raus. Er hatte wohl noch etwas vor. Sein Dorf checken,

nehme ich an.

Aber kurze Zeit waren sie alle im Haus. Geliebte coole Bande.

Overath 2008

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Stille

Als ich in der Eifel mitten im Wald wohnte, bin ich in einer warmen Nacht im Mai aus dem Bett gekrochen und

beschloss, meine Schlaflosigkeit durch das Durchwachen der Nacht zu bekämpfen.

Dieses Erlebnis ist bis heute unvergessen.

In dieser Nacht habe ich viel über mich nachgedacht, war bei mir wie nie und bin immer wieder hinaus in die

Natur, respektive, die Terrasse, gegangen, um zu beobachten und zu horchen, was dort geschah. Die Dunkelheit

vor mir – und es war eine wirkliche Finsternis – verschärfte meinen Gehörsinn und so nach und nach kristallisierten

sich die Geräusche des Waldes heraus. Ich hörte einen Fuchs bellen und Eulen, die einander riefen. Im Garten

lärmten die Marder in der Totholzhecke und es raschelte überall geheimnisvoll.

Im Laufe der Zeit bildete sich Nebel, der so dicht war, dass die Landschaft und irgendwann auch der große Garten

nach und nach verschwanden, beleuchtet vom Licht im Wohnzimmer hinter mir. Diese Nebelwand reichte bis

an den äußeren Rand der Terrasse, alle Geräusche verstummten und die Welt wurde vollständig still.

Ich hatte das Gefühl, der einzige Mensch auf dieser Erde zu sein. Oder, was es besser trifft, mich auf meinem

eigenen kleinen Planeten zu befinden. Das machte mir keine Angst, sondern ich war fasziniert wie nie zuvor in

meinem Leben.

Ruhe. Absolute Stille, totale Dunkelheit bis auf das Licht, das aus dem Haus hinter mir drang. Ich ging hinein

und löschte es. Nun war sie perfekt, diese Stille. Und ich mittendrin, ganz allein. Ich bewegte mich ganz behutsam,

um die Lautlosigkeit nicht zu stören, denn es hatte den Eindruck, dass ich in der Welt, in die ich eintauchte,

das einzige Wesen war, das Geräusche produzierte. Und die störten diesen einzigartigen Frieden. Ich atmete die

Atmosphäre dieses Augenblicks tief ein. Sehr lange stand ich einfach nur da und staunte.

Irgendwann verzog sich der Nebel. Ganz allmählich wurde der große Garten wieder sichtbar, dann der Zaun, die

Weide gegenüber und dahinter der Berg. Es wurde ganz langsam heller und die Sonne kroch schläfrig über den

Michelsberg. Die Welt erschien erneut und mit ihm die Laute der Tiere des Waldes, die nach und nach erwachten,

um ihrem Tagesgeschäft nachzugehen.

Dieses Erlebnis hat mich süchtig gemacht. Nach einer Welt, in der die Geräusche der Menschen abwesend sind

und nur die Natur hörbar ist. Das mag manchem angst machen, doch ich war verzaubert.

Wenn du das einmal erlebt hast, bist du verloren. Und ich träume von der Stille und sehne mich nach ihr.

Nicht von der Stille des Todes, nein, auch wenn er kommen wird. Ich träume, ganz profan, von einem Haus,

inmitten der Natur, umgeben von Sonne, Wärme oder Schnee und den Geräuschen der Natur. Zusammen mit

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Geschichten von Menschen und Tieren

meinen Katzen, vielen Büchern, guter Musik und endlich innerer Ruhe.

Am folgenden Tag hielt ich mich wach, was oft nur zu schaffen war, indem ich mich gut gelaunt telefonierend,

hüpfend und tanzend durch das Haus bewegte, aber um 20:00 Uhr ging auch das nicht mehr und ich schlief wie

seit Jahren nicht. Tief und traumlos.

Kop Nück, Bad Münstereifel Mai 2013

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Schienenersatzverkehr

Vor einigen Jahren wurde auf der Bahnstrecke, die ich auf dem Weg zur Arbeit nutzte, eine Brücke abgebaut. Also

gab es Schienenersatzverkehr.

Gut. Ich bin früh los, nachdem ich wie eine Irre aus dem Bett gefallen bin, weil ich vergessen hatte, den Wecker

zu stellen. Statt um 6 Uhr erst um 7.30 Uhr.

Tolle Wurst.

Ich bin also irgendwann mit der Bahn los bis zu dem Bahnhof, an dem die Busse weiter fahren sollten. Der kam

tatsächlich auch bald und ich hatte einen schönen Stehplatz, umgeben von einigen dumpf vor sich hinguckenden

Menschen, die am Walkman hingen und ihn auch schön laut laufen ließen, damit wir alle was davon hatten.

Durch deren Innenblick war kein Blickkontakt möglich, um darum zu bitten, doch die Musik ein bisschen hinunter

zu regeln.

Die Fahrt dauerte eine halbe Stunde und endete weit weg von dem Bahnhof, an dem der Zug, der uns den Rest

der Strecke bringen sollte, abfuhr. Also war wandern angesagt.

Am Bahnsteig angekommen, wartete die Bahn tatsächlich dort, was alle potenziellen Fahrgäste freudig registrierten.

Nur, dass sie in dem Augenblick, als wir einsteigen wollten, losfuhr. Die gute Nachricht war, dass sie in die

falsche Richtung rollte. Die nächste kam bald auf einem anderen Gleis, startete aber erst 40 Minuten später (Oder

war es dieselbe, die nur das Gleis gewechselt hat?).

Das Ende vom Lied war, dass ich um 11:00 Uhr endlich meinen Arbeitsplatz erreichte.

Der Heimweg verlief ähnlich und ich war um 19:30 Uhr zu Hause. Anderthalb Stunden später als sonst.

Heute Morgen habe ich schon um 6:30 Uhr das Haus verlassen, weil ich um 8:00 Uhr da sein wollte. Ist ja Feiertag

und wir haben wieder Minimalbesetzung (Zwei Leute, von denen einer aus Frankfurt kommt.). Der Zug stand

schon da und kaum saß ich drin, verkündete der Zugführer vergnügt, dass die Bauarbeiten nicht beendet seien

und wir uns auch heute auf die Busse freuen durften.

Na gut, ich hatte es schon befürchtet. Der Zug fuhr ab, der Bus stand bereit und fuhr auch gleich los, ich bekam

einen Sitzplatz und wir wurden bis an den Bahnhof gefahren. Und unsere Bahn stand auch schon da.

Wow, das klappt ja, freute sich mein Herz. Nur, dass uns dann gesagt würde, die Bahn fahre erst um 8:37 Uhr

weiter.

Es war 7:45 Uhr.

Auftritt potenzieller Fahrgast. Er beschimpfte wüst den Zugführer mit Worten, die ich vielleicht mal gelesen, aber

noch nie in freier Wildbahn gehört hatte. Und zwar in einer Lautstärke, die ich um diese Zeit nicht in der Lage

bin, zu produzieren, geschweige denn, auszuhalten.

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Geschichten von Menschen und Tieren

So weit, so gut. Wir überlegten, auf einen anderen Bahnsteig zu gehen, um zu sehen, ob wir dort mit einer anderen

Bahn eine Chance hätten. Mister Schlechtgelaunt überwand brüllend die Distanz über alle Gleise. Es hätte

nichts passieren können, denn alle eventuell kommenden Züge wären durch seine Lautstärke gewarnt worden.

Am anderen Bahnsteig angekommen, war er plötzlich nicht mehr zu sehen. Und unser Umzug hatte uns zwar ein

wenig Bewegung gebracht, aber keinen Erfolg, denn auch von dort fuhr nichts.

Also alle wieder zurück. An „unserer“ Bahn angekommen, wurde uns verkündet, hier finde gar nichts mehr statt.

Der Zugführer hatte sich krank gemeldet und ein anderer (ich weiß nicht, ob es der Kranke war) sagte beleidigt,

dass er keinen Meter mehr weiter fahren würde. Er sei von einem Fahrgast körperlich angegriffen worden und

nun sei Schluss. Sprach´s, schloss die Bahn ab und stapfte von dannen.

Und nun? Unterdessen hatte man zwar Freundschaften geschlossen und unterhielt sich nett, jedoch war es mittlerweile

8:00 Uhr und uns fiel nichts mehr ein, mit dem wir uns die Zeit vertreiben konnten. Da kam die Rettung

in Gestalt einer körperlosen Stimme aus „unserer“ Bahn, die verkündete, auf Gleis 2 würde eine Regionalbahn

außerplanmäßig um 8:20 Uhr halten und uns mitnehmen.

Erneut Völkerwanderung. Mister Ich-hasse-euch-alle-besonders-mich sah ich schreiend das Weite suchen, wobei

ihm sämtliche Mülleimer zum Opfer fielen, die seinen Weg kreuzten.

Letztendlich war ich um 9:00 Uhr auf der Arbeit und nun sitze ich hier und schreibe mein abenteuerliches Leben

auf. Angeblich soll heute Mittag der Spuk wirklich vorbei sein.

Bad Münstereifel

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Das Wunder

Meine Katze Pauline war elf Jahre alt, als sie am 23.03.2019 nicht nach Hause kam. Ausgerechnet Paulinchen, die

niemals ihr Frühstück ausließ. Sie hat in ihrem ganzen Leben nicht eine Mahlzeit verpasst. Das allein war schon

ein Grund, sich Sorgen zu machen.

Da sie auch in den folgenden Stunden, Tagen Wochen und Monaten nicht kam, erfolgte eine verzweifelte und

sehr intensive Suche, bei der ich sämtliche Scheunen in dem Dorf, in dem ich mit meinen Katzen lebte, von innen

kennenlernte. Ich hätte nie gedacht, dass es in einem doch recht kleinen Ort so viele davon geben könnte. So

durfte ganz viele Leute kennenlernen und die Unterstützung im Dorf war riesengroß. Alle Nachbarn beteiligten

sich an der Suche, und eine besonders liebe Nachbarin steuerte kreative Ideen bei, wo man überall noch suchen

könnte.

Sylvia, eine Bekannte, und ich haben bis zur völligen körperlichen und auch seelischen Erschöpfung alles abgegrast,

was es in der näheren Umgebung gab, und ich glaube, ohne ihren Halt hätte ich das nicht durchgehalten.

Sie hat genauso getrauert wie ich, und wir haben uns gegenseitig Mut gemacht. Wenn ich nicht mehr konnte, hat

sie es immer wieder geschafft, mich auf die Beine zu bringen, und ich stolperte erneut los, um weiter zu suchen.

Ich habe Suchplakate angefertigt, an jedem zweiten Baum des Dorfes und der Nachbardörfer angebracht und in

Geschäften und im Tierheim aushängen lassen sowie Facebook bemüht, wo die Suchanzeige auch fleißig geteilt

wurde. Auch auf die Homepage des Tierheimes habe ich die Suchmeldung gestellt.

Das Fundtierregister TASSO wurde informiert, weil Pauline gechippt und registriert ist.

Sogar eine Wahrsagerin habe ich in meiner Verzweiflung kontaktiert und auch Tierkommunikation zu Rate gezogen.

Die Tierkommunikatorin hatte Pauline in oder an einem Wohnwagen oder Camper „gesehen“, woraufhin

ich alle Dorfbewohner mit Wohnwagen oder Wohnmobil zwang, mich ihre Gefährte sehen zu lassen.

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Geschichten von Menschen und Tieren

Doch alles Suchen war ohne Erfolg. Trotzdem war ich weiterhin sicher: Pauline lebt.

Dann wurde mir das Haus, in dem ich zur Miete wohnte, überraschend wegen Eigenbedarfs gekündigt.

Aber ich konnte doch nicht einfach fortziehen ohne Pauline! Was, wenn sie zurückkommt und mich nicht finden

kann? Das war mein erster Gedanke, ein entsetzlicher Gedanke! Meine Nachbarn versprachen, die Augen offen

zu halten, doch das war nur ein kleiner Trost, weil meine kleine Wildkatze bei Personen, die ihr nicht vertraut

sind, scheu ist.

Und doch half alles nichts: Zum Jahreswechsel 2019/2020 musste ich zwangsläufig wegziehen aus dem Dorf –

ohne meine kleine, geliebte Pauline. Nun hatte sie nicht die geringste Chance, mich zu finden. Die Hoffnung, sie

eines Tages maunzend vor meiner Tür vorzufinden, musste ich zwar nun schweren Herzens aufgeben, aber ich

dachte jeden Tag an sie und habe nie aufgehört, sie über Facebook zu suchen. Bei jeder Fundmeldung, die eine

Katze zeigte, die nur entfernt aussah wie Pauline, völlig egal, ob Katze oder Kater, erfüllte mich neue Zuversicht.

Immer grundlos. Doch schließlich habe ich versucht, loszulassen, was eine meine schwersten Übungen ist.

Wenn man loslässt, geschieht oft etwas.

Am Abend des 20.5.2020, über ein Jahr nach Paulines Verschwinden, wurde mir von einer aufmerksamen Mitarbeiterin

des Tierheimes (Danke, Laura!) eine Mail weitergeleitet. Die Absenderin berichtete, sie habe seit dem

Herbst letzten Jahres eine Katze bei sich, die sie in der Gesucht/Gefunden-Rubrik der Homepage des Tierheimes

als Paulinchen erkannt haben wollte. Sie hatte auch Fotos geschickt. Ich machte große Augen und sah mir mit

vorsichtiger Erwartung unter heftigem Herzklopfen die Bilder an. Und tatsächlich: Das war meine verloren geglaubte

Pauline! Mein Paulinchen! Nach so langer Zeit! Der Adrenalinspiegel schoss schlagartig bis in meine

Haarspitzen, ich konnte kaum glauben, was ich da sah. Also sofort Kontakt aufgenommen, die Adresse notiert

und ab ins Auto.

Pauline befand sich im Nachbardorf meines ehemaligen Wohnortes. Sie saß draußen in einem Eimer, als ich mit

Sylvia, die ich unterwegs noch eingesammelt hatte, eintraf. Typisch Paulinchen. Ich sah nur das Köpfchen, und es

war sofort klar, dass sie das tatsächlich ist. Als ich leise ihren Namen nannte, sprang sie blitzartig aus dem Eimer,

kam zu mir und begrüßte mich auf ihre typische Art und mit hocherhobenen Schwanz. Sie sah mich an und – ich

schwöre – sagte: "Na, das wurde aber auch Zeit!". Dann marschierte sie an mir vorbei und begrüßte auch meine

Freundin, die Freudentränen vergoss.

Pauline war seit dem Herbst letzten Jahres bei dieser Frau. Was sie zwischen März und September/Oktober gemacht

hat, werde ich wohl nie erfahren. Aber das ist jetzt auch unwichtig, denn alles, was zählt, ist, dass sie wieder

da ist und in der Zwischenzeit gut versorgt wurde. Ich habe sie kurzerhand eingepackt und mitgenommen.

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Das Haus stand übrigens direkt neben einem Campingplatz.

Als ich mir ihr in meine Einfahrt bog, wurde Paulinchen ganz still, als wisse sie, dass ihre Odyssee nun ein Ende

hatte, obwohl durch meinen Umzug alles unbekannt für sie war. Im Haus flitzte sie ohne Zögern aus dem Korb

und erkundete ihr altes/neues Zuhause. Die Umgebung war zwar fremd und neu, aber es roch vertraut. Das hat

sie dann bei jedem Buch in den Regalen und jedem Möbelstück ausgiebig kontrolliert. Zwischendurch bekam sie

Hunger, hat mit viel Genuss gefressen und weiter das Haus erkundet, bis sie sich ermattet in einer Ecke des Sofas

einkuschelte und einschlief. Als wäre sie nie weg gewesen.

Etwas später entdeckte ich eine kleine Warteschlange vor der Katzenklappe. Ganz vorn stand, wer wohl? Natürlich

Pauline! Hinter ihr Kater Leo, der zu sagen schien: "Nun mach schon, ich will auch raus!" Tja, das ging aber

nicht sofort. Zumindest für Paulinchen. Sie musste sich noch ein paar Tage gedulden, denn sie hatte erst einmal

ein bisschen Hausarrest.

Ich ging in der ersten Zeit immer mal wieder gucken, ob Pauline wirklich da war. Obwohl es so ein vertrauter

Anblick war, wie sie durchs Haus lief, wusste ich, dass ich noch eine Weile brauchen würde, um es tatsächlich

zu realisieren. Und wenn ich sie sehe, muss ich immer noch lächeln und schüttele ungläubig staunend den Kopf.

Inzwischen hat sie natürlich wieder Freigang und alles erkundet

und ist tatsächlich, ohne, dass ich ein Trauma feststellen kann, wieder

zu Hause. Auch ihr Verhalten gegenüber ihrem Bruder Oskar

hat sich nicht geändert. Er wird von ihr nach wie vor gemobbt,

was mir jedes Mal, wenn sie ihn anfaucht, einen äußerst erstaunten

Blick von meinem roten Rocker einbringt.

Ich möchte mit dieser Geschichte allen, die ihr Tier vermissen, Mut

machen, denn Wunder können tatsächlich geschehen. Auch, wenn

es manchmal 424 Tage dauert.

Hünzingen, Walsrode 2020

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Geschichten von Menschen und Tieren

Mäuse vergiften

Vor einer Weile habe ich zwecks Umzugs Häuser besichtigt. Aber das nur am Rande. Unter anderem sah ich mir

ein wunderschönes Nur-Dach-Haus an, in das ich mich augenblicklich verliebte. Es war perfekt.

Fast. Warum nur fast, sei gleich erklärt.

Die Vermieterin führte mich herum und erzählte, dass in einem solchen Haus Mäuse leben. Niedlich dachte ich.

Dann wurde mir mitgeteilt, dass sie gefüttert werden müssten. Es gebe da so rote Haferflocken, die die Mäuse

sehr gern fraßen.

Ungewöhnlich, dass ein Vermieter sich um das Überleben der Mäuse Gedanken macht, dachte ich, hakte aber

nicht nach. Doch nach einer Weile dämmerte es mir und ich begriff, dass sie diese Bemerkung ironisch meinte

und ich fragte zur Sicherheit nach, ob sie mit "füttern" "vergiften" meint. Ein Grinsen, ein Nicken und ein Vortrag

über Keime und Schweineställe, den ich nicht wirklich verstanden habe, folgten. Seltsamer Humor. Ich war schockiert

und erwiderte, dass ich das ganz sicher nicht machen würde. Ich töte mit Sicherheit nicht vorsätzlich Tiere.

Da hatte ich bei ihr verloren und das Haus war weg.

Bis heute bin ich fassungslos. Viele Menschen finden es völlig in Ordnung, Gift für Mäuse auszustreuen, doch ich

denke, dass wenige sich darüber Gedanken machen, was mit Katzen oder Raubvögeln passiert, die eine solche

Maus fressen. Sie haben keine Chance und sterben jämmerlich an inneren Blutungen. Und dabei will die Eule

doch nur leben und auch die Katze handelt, wie der Instinkt ihr das vorgibt.

Ganz abgesehen davon, dass man sich als Mensch furchtbare Sorgen macht, wenn es das eigene Tier betrifft.

Umzug

Wir, meine Katzen, und ich, haben ganz klar eine Serie in unserem Leben: Umzüge wegen Eigenbedarfs.

Die Reaktionen darauf waren bei jeder Katze unterschiedlich, weil eben jede ihren eigenen Charakter hat. Meine

Prinzessin Molly war bei ihrem letzten Umzug 18 Jahre alt, hat im Jahr 2020 ihren fünften Umzug erlebt und war

ganz offensichtlich begeistert.

Klar, der Umzug selbst war für alle Beteiligten stressig, übrigens auch für mich (Nur für den Fall, dass das jemanden

interessiert). Die Katzen wurde im alten Zuhause, das ich sehr ungern verließ, weil es einfach schön in

diesem alten Bauernhaus in Bockhorn war, in einen Raum gesperrt, in dem sich viel vertraute Dinge, wie Kissen,

Körbchen und Spielzeug befanden und natürlich eine Katzentoilette. Durch die Verabreichung eines pflanzlichen

Mittels, das sie ein paar Tage vorher bekamen, waren sie recht gelassen. Im Gegensatz zu mir.

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Ab und zu habe ich sie in ihrem Gefängnis besucht, um zu sehen, wie es ihnen ging. Meist waren sie neugierig,

fanden es blöd, eingesperrt zu sein oder schliefen schlicht. Allerdings habe ich sie nur selten gestört, denn meine

Nervosität fingen sie ja auf. Und das hätte Unruhe erzeugt.

Dann wurde umgezogen. Im neuen Zuhause stand wieder ein Raum zur Verfügung, der mit allem ausgestattet

war, was die Katzen brauchten und ihnen vertraut war. Und natürlich ihr jeweiliges Lieblingsfutter und Leckerchen.

Wichtig war mir vor allem, dass der Raum abschließbar war, damit ihn die Umzugsleute nicht versehentlich

betreten konnten. Den Schlüssel habe ich abgezogen und bei mir getragen, um zu verhindern, dass er im Umzugschaos

verloren geht.

Als schließlich der unendlich erscheinende Umzug vorbei war und Ruhe einkehrte, wurde die Tür des Katzenraumes

geöffnet und die Katzen durften das neue Haus kennenlernen. Sie erkundeten interessiert, aber vorsichtig,

alle Ecken der fremden Umgebung. Ein faszinierender Anblick, auch wenn ich ihn schon häufiger, als mir lieb

war, erleben durfte.

Mein sanfter Riese Leo schaute sich seine neue Behausung kurz an und stand eine halbe Stunde später vor der

Hintertür (Ja, hierhin kommt die Klappe für euch), sah mich mit großen Augen an, schaute zur Tür, hoch zur Türklinke,

dann wieder zu mir und schien zu sagen: „Okay, das Haus kenne ich jetzt. Darf ich raus?“. Als das nicht

klappte, begab auch er sich zur Ruhe.

Die alte, kranke Molly, begab sich sofort auf die Couch und sah sich staunend um. Als sie mit dem Staunen fertig

war, lief sie fröhlich maunzend durchs Haus (was bei ihr sehr laut ausfiel, da sie taub geworden war) und ging,

als Freigang wieder erlaubt war, sogar nach draußen, was sie schon seit Jahren nicht mehr getan hatte.

Oskar, mein roter Rocker, suchte sich nach kurzer Erkundung einen gemütlichen Platz auf dem Sofa und ruhte

sich erst einmal gründlich aus.

Nach einer Woche Gefangenschaft duften sie durch die inzwischen eingebaute, funkelnagelneue Katzenklappe

nach draußen. Da wir eine enge Beziehung zueinander haben, ist das problemlos möglich. Sie erforschten vorsichtig

die neue Umgebung ein kleines Stück, bevor sie wieder ins Haus kamen.

Weil ich die Erfahrung gemacht habe, dass Freigänger, die plötzlich wochenlang eingesperrt sind, aufgeben können,

entscheide ich es aus meinem Bauch heraus, wann sie raus dürfen. Mein Kater Henri zog sich wegen der wochenlangen

Gefangenschaft nach unserem ersten Umzug komplett zurück und resignierte. Als sich die Tür nach

draußen endlich öffnete, musste ich ihn auf den Arm nehmen und holen, weil er auf Rufen nicht mehr reagierte.

Er konnte es kaum glauben, dass seine Gefangenschaft nun doch ein Ende nahm, als ich ihm die Katzenklappe

zeigte, sie öffnete und er schließlich erleichtert hindurch ging.

Und noch etwas durfte ich beobachten: Feindschaften oder Antipathien zwischen Katzen können in einer neuen

Umgebung abnehmen oder sogar aufhören, weil die Karten neu verteilt werden. So geschehen bei meinen beiden

Katern, die nun ganz friedlich miteinander umgehen, obwohl Oskar Leo nie wirklich akzeptiert hat.

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Hünzingen, Walsrode, 2020


Geschichten von Menschen und Tieren

Alles gelogen

„Warte bitte kurz, mein Handy klingelt.“, sagte ich zu Sylvia, mit der ich übers Festnetz telefonierte.

„Ja?“, meldete ich mich dann, aussagekräftig wie immer, am Handy.

Eine weibliche Stimme mit osteuropäischer Sprachfärbung fragte: „Kann ich bitte Michael Nolte sprechen?“

„Der ist nicht da, kann ich was ausrichten?“, fragte ich freundlich, obwohl ich mich wunderte, wieso jemand

meinen Lebensgefährten sprechen wollte und dafür auf meinem Handy anrief. Schließlich war die Nummer neu

und kaum jemandem, außer ein paar meiner Kunden, bekannt.

„Ja, Sie können ihm sagen, dass ich morgen aus dem Krankenhaus entlassen werde.“

„Krankenhaus? Meinen Sie die Eifelhöhenklinik Marmagen?“ Dort war mein Lebensgefährte Geschäftsführer.

„Nein, das Krankenhaus in Mechernich.“

Nun stutzte ich noch mehr. „Woher haben Sie denn meine Nummer?“

„Von Ihrer Homepage.“, war die Antwort. Ich hatte mich ein paar Monate zuvor als Grafikdesignerin selbstständig

gemacht und warb dort um Kunden.

Ich fragte schließlich, so langsam ein wenig wirr im Kopf: „Nun habe ich aber doch noch eine Frage: Wer, bitte,

sind Sie?“

Die Frau antwortete: „Seine Frau.“

„Na guck, ich auch.“, kam prompt meine Antwort. Ich spürte nur eine kleine Überraschung, wie die Bestätigung

eines geheimen Verdachtes. Schweigen am anderen Ende, dann sagte die Frau mit leiser Stimme: „Ich habe es

gewusst.“

„Ich bin seit 15 Jahren mit Mike zusammen.“, informierte ich die mir immer noch unbekannte Frau.

„Das wollte ich nie. Ich wollte nie eine andere Frau unglücklich machen.“, brach es nun schluchzend aus ihr

heraus.

„Sie können ihn meinetwegen haben“, beschied ich, „Ich brauche ihn nicht mehr. Aber ich kann ihn nicht empfehlen.“

Nun brach alles aus der Frau heraus, wobei durch die Aufregung der Akzent immer deutlicher wurde,

bis sie kaum noch zu verstehen war.

„Warten Sie“, sagte ich, „ich habe auf der anderen Leitung meine Freundin. Ich muss ihr eben sagen, dass ich sie

später zurückrufe.“

Nach fünf Ansätzen, die Frau zu unterbrechen, gelang es endlich und ich ging kurz an den anderen Apparat, um

meiner Freundin zu verkünden: „Ich rufe dich später noch einmal an; ich spreche gerade mit Mikes Frau.“

Nun war es an Sylvia, zu verstummen, bis sie schließlich stammelte: „Ja, öhm, ist gut. Bis, äh... bis gleich.“

Ich legte auf und wandte mich wieder der unbekannten Frau an meinem Handy zu und versuchte, sie zu beruhigen.

Schon, damit ich eine Chance hatte, zu verstehen, was sie eigentlich sagte.

„Ich kann ihn nicht erreichen, schon seit zwei Wochen nicht. Deshalb habe ich Sie jetzt angerufen“

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„Woher kennen Sie eigentlich meine Homepage?“, wollte ich wissen.

„Michael hat sie mir gezeigt. Ich finde es so schön, dass er Ihnen die Firma geschenkt hat.“ Das war gut zu verstehen.

Nun musste ich aber doch schlucken.

„Wie bitte? Die Firma ist ganz allein mein Ding; damit hat Mike überhaupt nichts zu tun!“

Ich war empört. Dass er eine andere Frau hatte, überraschte mich nicht, und ließ mich auch einigermaßen kalt,

aber dass er meine Firma als seine ausgab, war ja wohl die Höhe!

„Oh.“, war alles, was nun aus dem Hörer drang. Immerhin war das gut zu verstehen, denn von den Infos, die anschließend

auf mich einprasselten und sicher auch interessant waren, konnte man das nicht behaupten.

“Könnten Sie bitte langsamer sprechen? Ich kann Sie nicht verstehen.“, bat ich ein ums andre Mal.

Mit kurzfristigem Erfolg. Sehr kurzfristigem Erfolg.

Was ich schließlich glaubte, zu verstehen, war, dass die Frau Ineta hieß, seit drei oder vier Jahren (das wechselte)

mit meinem Lebensgefährten zusammen war. Ich war seine Ex, die seit ein paar Jahren lesbisch war (Oh?) und

deren Katzen er ab und zu versorgte. Sie war sogar schon im Haus gewesen und hatte meine - eigentlich ja unsere

- sechs heiß geliebte Mitbewohner kennengelernt. Aber immerhin fand sie sie super, das war ja schon mal was.

Das Gespräch wurde immer schwieriger und anstrengender, weil von Seiten der anderen Frau derart unverständlich,

dass ich mehrfach darum bat, es zu beenden und vielleicht einmal miteinander zu sprechen, wenn sie

sich wieder beruhigt hatte. Nach einer Weile gelang mir das und ich konnte endlich auflegen.

Was war das, bitte? Ich sackte erst einmal zusammen, aber die Bedeutung dieser Eröffnung kam mir noch nicht zu

Bewusstsein. Erst einmal musste ich mich kopfschüttelnd setzen und mir ein Glas Rotwein einschenken.

Dann rief ich Sylvia zurück, die natürlich schon sehr ungeduldig war, weil das Gespräch mit Ineta viel länger gedauert

hatte, als ich bemerkt hatte. Natürlich musste ich alles haarklein erzählen. Typisch Sylvia wurden Fragen

gestellt, die ich nicht beantworten konnte (Wie alt ist sie? Wie sieht sie aus? Wo arbeitet sie? Wo wohnt sie?). Von

meiner Seite war das Gespräch recht schnell beschrieben, weil ich ja nur das weitergeben konnte, was ich auch

verstanden hatte. Aber die Info genügte für eine stundenlange Analyse der Situation. Das Adrenalin floss heftig,

aber irgendwann musste ich mal in mich gehen und wir trennten die Verbindung.

Am nächsten Tag ging es dann noch weiter, denn mir fiel ein Gästebucheintrag ein, den ich schon vor längerer

Zeit auf meiner HP gefunden hatte und der lautete:

Guten Tag,

schöne Gestaltung der Homepage. Toll zu sehen wie sich Pauline und Oskar entwickelt haben. Sie waren schon meine Lieblinge,

als sie geboren wurden.

Viel Erfolg.

Den Eintrag hatte ich nie verstanden, schaute ihn mir nun aber noch einmal an. Dabei fiel mir auf, dass das jemand

anderes geschrieben hatte als die Dame von gestern, denn dort stand ein anderer Frauenname, Ilona. Pauline

und Oskar sind zwei Kittengeschwister, die mein damaliger Lebensgefährte aus einem Müllcontainer gerettet

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Geschichten von Menschen und Tieren

hatte. Oder vielleicht doch nicht?

Der Name war meinem Freund unbekannt, als ich ihn fragte, ob er diese Frau kenne. Aber was bedeutet das nun?

Sylvia war im Gegensatz zu mir bei Facebook und schaute dort nach dem Namen, wurde fündig und schrieb ihr

eine Nachricht mit der Bitte, mich doch mal anzurufen. Ilona, so hieß sie, antwortete recht schnell mit der Frage,

ob es um Mike ging. Das bestätigten wir und nach kurzer Zeit ging mein Telefon.

Ilona.

Anfangs war sie ein wenig distanziert und misstrauisch, aber dann folgte ein Gespräch, bei dem ich mir vorkam

wie in einem schlechten Film. Und auch lange Zeit danach noch.

Ich versuche mal, das zusammenzufassen.

Also Ilona, die einen Sohn hat, war seit 11 Jahren mit Mike zusammen und wurde von ihm schwanger. Als er das

erfuhr, verschwand er von der Bildfläche. Da Ilona schon einen Sohn hatte und nicht viel Geld verdiente, war sie

gezwungen, das Kind abzutreiben, was ihr sicher nicht leichtgefallen ist. Ein halbes Jahr später tauchte Mike wieder

auf und heulte Rotz und Wasser, als er sah, dass da kein dicker Bauch war und bat um Verzeihung. Er gelobte

hoch und heilig, sich zu ändern und sie verzeih ihm.

Jedenfalls hat sie mit Mike zusammen in Duisburg, wo er ebenfalls in einer Klinik Geschäftsführer war, gelebt

und ist sogar zusammen mit ihrem Sohn nach Marmagen in die kleine Klinikwohnung gezogen, ein paar Kilometer

von mir entfernt.

Sie hatten sich kennen gelernt, als er in einer Anstellung in Bottrop (auch als Geschäftsführer) war. Zu der Zeit

waren Mike und ich gerade in Bergisch Gladbach zusammengezogen. Ilona war sogar in dem Haus und hat einen

Ausweis von mir gefunden (ich war derzeit in Urlaub in Ägypten) und gefragt, wer das ist. Also wurde ich kurzerhand

zu seiner Schwägerin, die mit seinem Bruder eine Zeitlang mit ihm im Haus wohnten. Komischerweise

durfte sie den Garten nicht betreten, weil da der Rasen gerade gekalkt sei. Wohl eher, damit die Nachbarn, bei

denen es sich um seinen Onkel mit Frau handelt, und mit denen wir einen sehr guten Kontakt hatten, sie nicht

sehen konnten.

Auch das Rätsel, dass sie meine Katzenzwillinge Pauline und Oskar kannte, wurde gelöst. Es waren ihre Katzen,

die Mike angeblich zu einem befreundeten Arzt bringen wollte. Als Ilona diesen Arzt mal danach fragte, wie es

den beiden gehe, sagte er, dass er sie nicht habe, weil er immer nur Hunde gehabt habe und war sehr erstaunt

über Ilonas Frage. Mike danach gefragt, behauptete der, der Sohn des Arztes habe eine Katzenallergie und um die

Katzen vor dem Tierheim zu retten, habe er sie zu einer Bekannten gebracht. Diese Bekannte war ich.

Ilona erzählte auch, dass sie Mike im Verdacht hatte, ihr fremd zu gehen und durch Zufall einen Umschlag mit

unserer Adresse in Overath gefunden habe. Sie sei sogar an unserem Haus gewesen und habe dort sein Auto (und

meins) gesehen und fast geklingelt. Hätte sie s gemacht, wäre uns beiden eine Menge erspart geblieben.

Wir hatten ein paar solcher Gespräche, eines in Walsrode mit Sylvia an einem und mir am anderen Hörer. Und

Ilona an ihrem Telefon. Das Gespräch musste ich aber irgendwann abbrechen, weil es mir zu viel wurde. Das war

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die offizielle Erklärung. In Wahrheit bekam ich heftige Kopfschmerzen, weil Sylvia sich immer wieder einmischte

und das so laut, dass sie sicher die gesamte Nachbarschaft unterhalten hat und es in meinen Ohren klingelte.

Fassungslosigkeit machte sich breit. Ich konnte kaum glauben, was ich da so alles erfuhr, und fühlte mich wie in

einem schlechten Film. So etwas gab es doch nur in Romanen und Kitschfilmen. Oder nicht? Das passierte mir?

Unglaublich. Und doch war es so. Da soll mal jemand behaupten, mein Leben sei langweilig.

Nun fielen uns viele Situationen ein, die nicht schlüssig waren.

Ein Beispiel: Ich hatte Besuch von Sylvia und Tanja, einer Bekannten. Zu der Zeit verfügte ich über wenig Geld

und konnte nicht einkaufen, um die beiden zu bewirten. Also rief ich Mike an, um ihn zu bitten, mir ein bisschen

Geld zu bringen. Er aber war, wie ich erfuhr, gerade in Berlin und sein Auto war auf dem Parkplatz von

jemandem angefahren worden und musste in die Werkstatt. Er hatte auch schon einen Termin am selben Tag und

konnte dadurch nicht kommen. Höchstens mit dem Flugzeug, was sehr teuer geworden wäre. Einsichtig und

verständnisvoll oder sollte ich eher sagen, naiv und vertrauensvoll, wie ich da noch war, habe ich das natürlich

verstanden. Nur hatte ich nun kein Geld und uns drohte der Hungertod. Damals kannte ich Sylvia noch nicht

sehr lange, aber sie hatte trotzdem so viel Vertrauen zu mir, dass sie mir Geld lieh. Das war zwar unangenehm,

aber mir blieb nichts anderes übrig, als das Angebot dankbar anzunehmen.

Ach so, habe ich erwähnt, dass Feiertag war? Auch in Berlin?

Ilona danach gefragt, stellte sich heraus, dass ihn mein Anruf in Marmagen erreichte und es gerade einmal 20

Minuten gedauert hätte, bis Mike bei uns gewesen wäre, um mir auszuhelfen.

Ein anderes Beispiel: Er verlor seinen Führerschein, weil er im Auto mit dem Handy telefoniert hatte. Also fuhr

ich ihn zu einer dringenden Besprechung mit dem Bürgermeister von Nettersheim. In Wahrheit habe ich Dussel

ihn zu seiner Freundin Ineta gefahren!

Dann, inzwischen hatte er den Führerschein zurück, flog er aus seinem Job. Natürlich unschuldig und völlig unverständlich.

Und kam plötzlich mit einem fremden Auto nach Hause. Danach gefragt, woher er das hat, sagte

er, es sei das Auto eines befreundeten Bauers. Irgendwann lag ein fremder Schlüssel auf dem Esstisch, der, das

konnte ich anhand der verspielten Details sehen, ganz klar einer Frau gehörte. Da wurde aus dem Bauern ganz

schnell dessen Frau. Und ich habe ihm immer wieder geglaubt! Es war Inetas Wagen. Und ihr Schlüssel.

Um es kurz zu machen: Solche Klärungen häuften sich und es wurde immer deutlicher, dass mein feiner Lebensgefährte

(und auch Ilonas und Inetas und wer weiß, wie viele es da noch gab) ein notorischer Lügner war. Er log

sogar in Situationen, die es überhaupt nicht nötig machten. Das ist mir schon früher aufgefallen, wenn er eine

Party mit der erfundenen Begründung, er habe am nächsten Morgen eine wichtige Besprechung, verlassen wollte.

Das konnte ich nie verstehen, hatte mir aber nichts dabei gedacht.

Also auch noch ein Wichtigtuer.

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Geschichten von Menschen und Tieren

Zwischenzeitlich traf eine Mail von Mike ein, in der erklärte, dass unsere Beziehung (Ineta hatte wohl mit ihm

gesprochen) für ihn schon lange vorbei sei, er mich aber für einen sehr wertvollen Menschen halte.

Fast hätte ich auf die Tastatur gekotzt. So geht er also mit einem wertvollen Menschen um?!

Nun war klar, dass ich diese Beziehung nun offiziell beenden musste. Die Entscheidung an sich fiel mir leicht,

weil er sowieso kaum zu Hause war (Er hatte nicht einmal seine Kleidung beim Umzug mit ins Haus gebracht)

und ich mich gefühlsmäßig bereits von ihm entfernt hatte. Darüber nachgedacht hatte ich schon oft, habe es aber

nie getan, weil ich finanziell leider von ihm abhängig war und mir die Miete für eine eigene Wohnung (und schon

gar nicht für das Haus, in dem ich im goldenen Käfig lebte) nicht leisten konnte. Und da waren ja auch noch meine

sechs Katzen, die versorgt werden mussten. Und ohne sie zu gehen war keine Option.

Also machte ich einen Termin bei meiner Bank. Dort druckste ich herum mit der Erklärung, mein Lebensgefährte

sei arbeitslos und irgendwoher musste das Geld für die Miete kommen. Meine Sachbearbeiterin (wir kannten uns

schon länger) grinste mich breit an und sagte: „Jetzt sehen wir erst einmal zu, dass Sie diesen Typen loswerden.“

Ich war zunächst völlig baff, musste dann aber ebenfalls grinsen und spürte eine grenzenlose Erleichterung. Sie

machte mir ein Angebot, das ich mir tatsächlich leisten konnte, und meine Freiheit und die Möglichkeit, mir mein

Leben zurückzuholen, ermöglichte.

Zuhause angekommen, lief ich gleich zum Telefon, rief Sylvia an und verkündete freudestrahlend.“ Ich kann

gehen! Ich kann ausziehen!“

Und nun kamen einige Aufgaben auf mich zu. Ich musste eine neue Bleibe finden, die bezahlbar war und bei der

meine Katzen ohne Gefahr nach draußen konnten. Dann musste ich mir was einfallen lassen, wie ich aus dem

Mietvertrag, den ich dummerweise mit unterschrieben hatte, herauskam.

Also haben Sylvia und ich nach einem Haus geguckt. Ich in der Eifel und sie in Walsrode. Da ich feststellen musste,

dass ich mir die Häuser, denn wegen der Katzen sollte es ein Haus ein, mir in NRW nicht leisten konnte. Da

ich aber schon immer den Norden mochte, entschloss ich mich, in Niedersachen zu suchen. Dort waren die Mieten

deutlich niedriger. Es folgten diverse Fahrten nach Walsrode, um dort Häuser zu besichtigen. Bis Sylvia mir

eine Anzeige mit den Worten, es sei zu teuer, sie wolle es mir aber mal zeigen, schickte. Ich war augenblicklich

schockverliebt. Es handelte sich um ein ebenerdiges altes Bauernhaus, mit Fachwerk und einem schönen Garten.

Aber es war definitiv zu teuer.

Nur ließ es mich nicht mehr los und ich beschloss, es mir wenigstens einmal anzusehen. Also einen Termin gemacht

und ab nach Walsrode. Kaum war ich im Haus, war klar: Das ist meins! Und ich konnte es haben!

Ich habe mir Bedenkzeit erbeten und wir fuhren zu Sylvia, rechnen. Bald stand mein Entschluss fest: Zu teuer.

Ich würde es nicht nehmen. Oder doch? Sylvia war bereit, mir über die Zeit, bis ich meine Rente, die ausreichen

würde, bekam, zu helfen. Nein, auch das wollte ich nicht, denn das waren noch zwei Jahre. Aber das Haus war so

schön! Dann verkündete ich, es nicht zu nehmen.

Nach einer Weile nahm ich das Telefon und wählte die Nummer des Maklers. Wir waren beide der Meinung,

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dass ich ihm absagen würde. Doch zu ihrer und

auch meiner Verblüffung sagte ich: „Ich nehme das

Haus!“. Nachdem die Verwirrung überwunden war,

freute sie sich, weil dieses Haus nur sieben Kilometer

von ihrem eigenen entfernt war. Ich war über meine

eigene Entscheidung selbst so verdutzt, dass ich erst

einmal einen Kaffee brauchte.

Also zurück nach Bad Münstereifel. Dort stand ein

Gespräch mit Mike auf meinem Plan. Und eines mit

dem Vermieter. Ich telefonierte mit dem Vermieter,

aber er sah keine Möglichkeit, den Mietvertrag ohne

Mikes Einverständnis allein auf ihn zu übertragen.

Und damit würde er nicht einverstanden sein.

Also setzte ich ein Schreiben auf, in dem Mike sich verpflichtete, alle laufenden Kosten für das Haus zu übernehmen

und auch die Kündigung des Mietvertrages, was ich beides an den Vermieter schicken wollte. Also tief Luft

geholt und mit meinem Ex-Liebsten einen Termin vereinbart, an dem er kommen sollte. Ich ließ keine Begründung,

sich darum zu drücken zu und er kam tatsächlich. Nun musste ich ihn dazu bringen, beide Dokumente zu

unterschreiben.

Adrenalin pur!

Ich hatte keine Ahnung, wie ich meinen Plan in die Tat umsetzen sollte, aber das würde sich hoffentlich ergeben.

Als er den Weg zum Haus hochkam, stand ich draußen und nahm ihn in Empfang. Da ich gern gleich zur Sache

komme, erklärte ich ihm, dass ich ausziehen würde. Er war verblüfft und sagte: „ Wo willst du denn hin?“

Ich sagte: „Das lass mal meine Sorge sein.“, worauf sich die erste Röte in seinem Gesicht zeigte, denn so kannte er

mich nicht. Er war tatsächlich sprachlos, ein seltenes Ereignis, dass ich sehr genoss. Was bitte, hatte er sich denn

vorgestellt? Ganz offensichtlich war er der Meinung, alles laufe weiter so und ich blieb im Haus wohnen.

Also forderte ich ihn auf, mir eine Unterschrift zu geben. Wir gingen ins Haus und ich zeigte ihm die Kündigung

für den Mietvertrag, den er unterschrieb. Dann sagte ich: „Auch hier unterschreiben.“ und legte ihm das andere

Dokument hin. Das wollte er erst einmal seinem Anwalt zeigen. Eine typische Reaktion. Bloß sich keinem Konflikt

aussetzen. Aber da war ich schon im Ich-lasse-mir-nichts-mehr-gefallen-Modus. Wenn ich in dieser Stimmung

bin, werde ich ganz ruhig und sehr deutlich und habe merkwürdigerweise sehr viel Autorität. Ich sagte

ihm, dass das auf keinem Fall in Frage komme und er jetzt – bitte! – unterschreiben soll. Und er unterschrieb

kleinlaut auch dieses Dokument!

Ich war unendlich erleichtert, zeigte dies aber natürlich nicht. Nun konnte ich ihm endlich die Meinung sagen.

Das hatte ich bislang immer vermieden aus Angst, dass er wütend wird und mich aus dem Haus wirft. Das ris-

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Geschichten von Menschen und Tieren

kierte ich nicht, weil ich dann meine Katzen

verloren hätte.

Aber nun durfte ich endlich. Immer noch

sehr freundlich, aber innerlich kochend,

legte ich los.

Zunächst erklärte ich ihm, dass er lügt,

sobald er den Mund aufmache. Seine

Antwort war ein arrogantes „Wenn du

meinst...“

„Nein,“ sagte ich fest, „ich meine das

nicht, ich weiß es!“

Keine Reaktion, aber die Röte vertiefte

sich.

Jetzt machte er sich auf den Weg hinunter

Der lange Weg

zu seinem Auto. Nun muss man wissen,

dass dieser Weg recht lang war und er eine Weile brauchen würde, bis ihn hinter sich gebracht hätte.

Ich hatte also Zeit und legte nun richtig los. Ich schleuderte ihm hinterher: „Es ist eine Unverschämtheit, auch

Sylvia gegenüber, uns als lesbisch zu bezeichnen!“

Merkwürdigerweise blieb er stehen und drehte sich um. In seinem Gesicht vertiefte sich die Röte, er sagte aber

nichts, sondern drehte sich um und trabte weiter den Weg hinunter.

Es gab noch mehr, was ich ihm genüsslich gesagt habe, muss aber gestehen, dass es mir nicht einfallen will. Schade,

aber bei jeder Bemerkung blieb er stehen, was ich mir bis heute nicht erklären kann.

Dachte er vielleicht, ich würde ihm noch sagen, wie sehr ich liebte und dass ich alles verzeihe, wenn er nur bei

mir bleibt?

Meine letzte Bemerkung weiß ich aber noch. Sie ließ ihn auch wieder stoppen und sich umdrehen und sein Gesicht

nun vollends dunkelrot anlaufen. Jaja, der hohe Blutdruck.

Ich eröffnete ihm: „Übrigens kenne ich auch Ilona inzwischen.“ Dann trabte er ein wenig schneller, um dem Ganzen

zu entkommen zu seinem rettenden Auto. Er war ziemlich schnell verschwunden.

Ich habe das Ilona erzählt, die ein wenig enttäuscht war, denn sie war mit ihm verabredet und hätte auch gern so

einen Auftritt gehabt. Tut mir leid, Ilona, aber ich konnte einfach meinen Mund nicht halten.

Er hat sich nie wieder bei ihr gemeldet. Feigling.

Und nun ging es mit der Arbeit erst richtig los. Das Haus in der Eifel war sehr groß, hatte ein Nebengebäude,

einen Keller und zwei Garagen. Dort standen unendlich viele Sachen von Mike herum, weil er ein Sammler ist.

Also erst einmal seinen Kram in eine Garage geräumt. Die war dann voll. Es waren etliche Kartons mit Sachen

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von meiner Vorgängerin und jede Menge Bücher und Aktenordner. Also ganz schön zu schleppen.

In einem Kellerraum, einem Bunker (gruselig) lagen gefühlte zwei Millionen Umzugskartons, die nach einem

Unwetter alle nass geworden waren. Also musste ich sie raus schleppen und entsorgen. Also erst einmal nach

oben, dann den langen Weg hinunter zu meinem Auto und dann so nach und nach zu Papiercontainern fahren

und entsorgen. Nasse Pappe ist verflixt schwer. Und dann neue bestellen, was mit meinem bisschen Geld eine

Herausforderung war.

Ich habe die Möglichkeiten des Sperrmülls ausgenutzt und auch auf dem Haufen für Elektromüll lag eine Menge.

Unter anderem alte Fernseher von Mike, die ich auf die Straße schleppen musste. Aber ich hatte ja eine Schubkarre.

Trotzdem nicht so einfach, weil der Weg abschüssig war. Schließlich lag das Haus in der Eifel. Ich war zwei

Monate von morgens bis abends mit Aufräumen und Wegwerfen beschäftigt, bis endlich alles geschafft war. Mike

hat natürlich keinen Handschlag getan. War zu eingespannt. Klar, der wichtige Dr. Nolte.

Als ich fertig war, wog ich noch fünfzig Kilo, hatte also schlappe acht Kilo verloren. Und das sah nicht wirklich

schön aus bei einer Größe von knapp 1,70 m.

Am Tag des Auszuges ereignete sich aber noch etwas Interessantes. Ich hatte mit Mike vereinbart, dass ich seine

Post in eine der Garagen legen würde, was ich auch brav tat. An besagtem Tag tauchte er morgens auf und hat

sicher nicht mit mir gerechnet, da er wusste, ich schlafe lange und seine Zeiten drauf ausgerichtet hatte. Dumm

gelaufen, denn da stand ich nun mit dem Müll, der noch in die Tonne sollte, am Grundstücksrand. Er wollte gerade

ins Auto (Inetas Auto) steigen und wir grüßten uns freundlich, als er plötzlich etwas hinter mir entdeckte, in

der Bewegung stockte und murmelte, dass er losmüsse. Sprach´s, verschwand im Auto und brauste davon. Als

ich mich umdrehte, sah, wie Sylvia gerade den Weg herunterkam. Er hatte sie gesehen und war abgehauen. Das

tat Sylvia sehr leid, denn sie hätte ihm gern ein paar Takte gesagt. Wenn er gewusst hätte, dass dies der Tag war,

an dem ich verschwand...

Nachdem Sylvia, meine Schwiegernichte Anke (die aus

Soest kam, um uns zu unterstützen und drei der Katzen

zu transportieren) und ich den Umzug geregelt und noch

einmal durchgefegt hatten, ging es los. Es war sehr schwer,

diesen Ort, der mir Heimat geworden war, zu verlassen,

denn Kop Nück war schlicht ein magischer Ort. Mitten

in der Natur und voll von Tieren und Waldgeistern. Von

einem Baum verabschiedete ich mich besonders. denn er

hatte eine ganz eigene Persönlichkeit.

Ich schaute noch einmal durchs ganze Haus, ging zu meinem

Auto und fuhr los. Ich war den Tränen nah, als das

Haus und das Grundstück aus meinem Rückspiegel ver-

Ein besonderer Baum

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Geschichten von Menschen und Tieren

Ein letzter Blick

schwanden und trat die 400 km lange Reise nach Walsrode an.

Irgendwann war der ganze Stress vorbei und ich zog in mein neues Haus ein. Dort erreichte mich eine weitere

Nachricht. Sie kam von einem (wohl nun auch ehemaligen) Freund von Mike, der mit ihm zusammengearbeitet

hat. Er erzählte mir, dass Mike wegen Betruges angezeigt worden ist und über verschiedenen Konten verfüge.

Also Tante Google gefragt.

Es stellte sich heraus, dass mein feiner „Doktor“ nicht nur keinen Doktortitel hat, sondern nicht einmal studiert

hat. Alles war gefälscht. Und er ist drei Jahrzehnte damit durchgekommen. Kein Wunder, dass er seine Anstellungen

immer nach zwei bis drei Jahren verlor und rausgeworfen wurde. Nur, dass niemand Anzeige erstattet hat

und er so immer weitermachen konnte mit seiner Masche. Reden kann er ja. Und überzeugend ist er auch. Das

habe ich schließlich am eigenen Leib erfahren.

Nun aber wurde er angezeigt von einer Arztgruppe in seiner neuen Anstellung in Bad Wurzach (wohin ihm üb-

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rigens seine Freundin Ineta gefolgt ist.) Auch dort war er Geschäftsführer.

Als er verhaftet werden sollte, ist er abgehauen und nun wurde gefahndet. Fies, wie ich nun einmal bin, habe ich

die Staatsanwaltschaft angerufen und dort alle Kontakte, die ich von ihm hatte, durchgegeben. Nach drei Monaten

wurde er dann gefunden. Ausgerechnet in Overath, wo wir auch einmal gewohnt habe und ihn viele Leute

kannten! Ganz schön dämlich.

Er kam in Untersuchungshaft. Nach vier Montane fand der Prozess statt und Mike wurde wegen Titelbetrugs

und Urkundenfälschung zu einem Jahr und fünf Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt. Und zu 100

Stunden gemeinnütziger Arbeit. Vier Monate saß er in Untersuchungshaft, der Arme. Selbst schuld, was verschwindet

er auch. Sogar an seinem Geburtstag, einem für ihn heiligen Tag. Schlimm, schlimm... Die Bewährungsstrafe

wurde auf drei Jahre festgesetzt.

Nun war ich endlich frei und konnte mein Leben wieder anpacken. Es stellte sich jedoch heraus, dass man seine

Probleme mitnimmt und sie nicht einfach weg sind, nur weil man den Ort wechselt. Meine Fassungslosigkeit

wurde zu einer unbändigen Wut und irgendwann tat es auch unglaublich weh, so betrogen worden zu sein.

Trotzdem habe ich mich nie als Opfer gefühlt und inzwischen bin ich wieder ich selbst und lebe mein Leben.

Vieles, was geschehen ist, habe ich schon vergessen und so fehlen ganz viele Erlebnisse in diesem Bericht. Es ist

viel mehr passiert als ich erzählt habe. Und vieles bekomme ich auch nicht mehr in die richtige Reihenfolge. Also

muss das reichen. Inzwischen gelingt es mir sogar, an schöne und lustige Momente zu denken, denn die gab es

schließlich auch. Und ich hätte die Katzen nicht in meinem Leben und allein diese Tatsache wiegt sehr vieles auf.

Bockhorn 2014

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Geschichten von Menschen und Tieren

Killerhornissen!?

Ein warmer Abend in der Eifel. Es war recht selten, dass es auch im Sommer draußen abends so warm blieb, dass

ich im Freien sitzen konnte, ohne einen Winterpullover zu tragen. An diesem Abend war es zum ersten Mal, seit

ich in dem Haus im Wald wohnte, möglich. Also habe ich alle Kerzen draußen und Lampen, die in den Büschen

hingen, entzündet. Dann holte ich mir ein Glas Rotwein und setzte mich raus, um die Stille zu genießen und den

Geräuschen der Nachttiere zu lauschen.

Plötzlich spürte ich mehr, als ich es hörte, Unruhe hinter mir. Ich drehte mich um und sah, dass alle Katzen – mir

war noch gar nicht aufgefallen, dass sie alle nicht mehr bei mir lagen – eine wilde Jagd im Wohnzimmer veranstalteten.

„Was macht ihr da?“, rief ich über die Schulter. Keine Antwort. Nun, ich hatte auch keine erwartet. Stattdessen

wurde es dort richtig hektisch, so dass ich aufstand und ins Wohnzimmer ging, um zu sehen, was da so jäh meine

Ruhe störte. Und sah, wie alle sechs Katzen wie die Verrückten hin und her rannten. Zuerst konnte ich nicht

identifizieren, was sie da eigentlich jagten. Dann sah ich es: Eine Hornisse! Ich hatte noch nie eine gesehen staunte

erst einmal über ihre schiere Größe.

Dann fiel mir ein, dass es hieß: Sieben Stiche dieses Tieres töten ein Pferd, drei einen Erwachsenen und zwei ein

Kind. Und bekam Angst um meine Katzen, die so viel kleiner waren (Und, ich gebe es zu, auch ein bisschen um

mich.)

Ich musste also ganz schnell eine Rettungsaktion starten. Ich näherte mich todesmutig der Hornisse, in der Hand

eine Zeitung. Nun wollte ich das Tier aber nicht töten, sondern nach draußen bugsieren, denn es hatte ja ein Recht

auf sein Leben.

Nun stelle man sich folgendes vor: Ein mit einer Zeitung bewaffneter Mensch mit hoch konzentriertem Gesichtsausdruck,

der versuchte, den Plan, die Hornisse lebend des Hauses zu verweisen, die quirlige Katzenbande jedoch

im Haus zu halten, in die Tat umzusetzen. Und das umgeben von sechs aufgeregten Katzen, die in sechs

verschiedene Richtungen rannten.

So, das lasse ich jetzt erst einmal wirken.

Nun muss ich zugeben, dass ich nicht mehr weiß, wie ich das gemacht habe, es sei nur berichtet, dass es gelang.

Außer Atem und stolz auf meine Leistung stand ich dann im Wohnzimmer und sah meinen Wunsch, nun wieder

gemütlich den Abend draußen zu beschließen, in Luft aufgehen. Denn was sich meine Augen bot, war, dass sich

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auf der Terrasse tummelten sich gefühlt tausende – na gut, hunderte – Hornissen um Lampen, die dort immer

noch unschuldig brannten.

Wir waren erst vor kurzem in dieses Haus gezogen und ich dachte: „Wo bin ich denn hier gelandet? Im Land der

Killerhornissen?“

Der Abend wurde im Wohnzimmer beendet. Mit einer hellen Terrasse im Hintergrund und sechs interessierten

Katzen auf der Fensterbank.

Inzwischen weiß ich, dass Hornissen nachtaktive Tiere sind, zum Licht fliegen und ihr Stich harmloser als der

einer Biene ist. Und sie auch nur stechen, wenn man ihnen zu nahekommt und sie sich dadurch bedroht fühlen.

Am nächsten Tag, nachdem ich die Lampen gelöscht und abgebrannten Kerzen ersetzt hatte, entdeckte ich hoch

oben an einer Wand unseres Hauses ein Hornissennest, was gerade gebaut wurde und war komplett fasziniert.

Ich ließ diese schönen Tiere in Ruhe und auch sie haben mich nie wieder aufgesucht.

Wahrscheinlich wollten sie sich an dem Abend nur vorstellen. Oder es lag daran, dass ich entdeckte, wie schön es

ist, im Dunkeln draußen zu sitzen und einfach nur zu horchen.

In der Bauphase

Fertig

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Geschichten von Menschen und Tieren

Eigenbedarf

Wir, meine Katzen, und ich, haben ganz klar eine Serie in unserem Leben: Umzüge wegen Eigenbedarfs.

Die Reaktion darauf war bei jeder Katze unterschiedlich, weil jede ihren eigenen Charakter hat. Meine Prinzessin

Molly war bei ihrem letzten Umzug 18 Jahre alt, hat im Jahr 2020 ihren fünften Umzug erlebt und war ganz offensichtlich

begeistert.

Klar, der Umzug selbst war für alle Beteiligten stressig, übrigens auch für mich – Nur für den Fall, dass das jemanden

interessiert –. Die Katzen wurde im alten Zuhause, das ich sehr ungern verließ, weil es einfach schön war

in diesem alten Bauernhaus, in einen Raum gesperrt, in dem sich viel vertraute Dinge, wie Kissen, Körbchen und

Spielzeug befanden und natürlich eine Katzentoilette. Durch die Verabreichung eines pflanzlichen Mittels, das sie

ein paar Tage vorher bekamen, waren sie recht gelassen. Im Gegensatz zu mir.

Ab und zu habe ich sie in ihrem Gefängnis besucht, um zu sehen, wie es ihnen ging. Meist waren sie neugierig,

fanden es blöd, eingesperrt zu sein oder schliefen. Allerdings habe ich sie nur selten gestört, denn meine Nervosität

fingen sie ja auf. Und das hätte Unruhe erzeugt.

Dann sind wir endlich umgezogen.

Im neuen Zuhause stand der Katzenbande wieder ein Raum zur Verfügung, der mit allem ausgestattet war, was

die Katzen brauchten und ihnen vertraut war. Und natürlich ihr jeweiliges Lieblingsfutter und Leckerchen. Wichtig

war mir vor allem, dass der Raum abschließbar war, damit ihn die Umzugsleute nicht versehentlich betreten

konnten. Den Schlüssel habe ich abgezogen und bei mir getragen, um zu verhindern, dass er im Umzugschaos

verloren geht.

Als schließlich der unendlich erscheinende Umzug vorbei war und Ruhe einkehrte, wurde die Tür des Katzenraumes

geöffnet und die Katzen durften das neue Haus kennen lernen. Sie erkundeten interessiert, aber vorsichtig,

alle Ecken der fremden Umgebung. Ein faszinierender Anblick, auch wenn ich ihn schon häufiger, als mir lieb

war, sehen durfte.

Mein sanfter Riese Leo schaute sich seine neue Behausung kurz an und stand eine halbe Stunde später vor der

Hintertür , sah mich mit seinen schönen Augen an, schaute zur Tür, hoch zur Türklinke, dann wieder zu mir und

schien zu sagen: "Okay, das Haus kenne ich jetzt. Darf ich raus?". Als das nicht klappte, begab auch er sich zur

Ruhe.

Die alte, kranke Molly, hüpfte sofort auf die Couch und sah sich staunend um. Als sie schließlich damit fertig war,

lief sie fröhlich maunzend durchs Haus (was bei ihr sehr laut ausfiel, da sie taub geworden war) und ging, als

Freigang wieder erlaubt war, sogar nach draußen, was sie schon seit Jahren nicht mehr getan hatte.

Oskar, mein roter Rocker, suchte sich nach kurzer Erkundung einen gemütlichen Platz auf dem Sofa und ruhte

sich erst einmal gründlich aus.

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Nach einer Woche Gefangenschaft duften vier durch die inzwischen eingebaute, funkelnagelneue Katzenklappe

nach draußen. Da wir eine enge Beziehung zueinander haben, ist das problemlos nach so kurzer Zeit möglich. Sie

erforschten vorsichtig die neue erst Umgebung erst einmal ein kleines Stück, bevor sie wieder ins Haus kamen.

Weil ich die Erfahrung gemacht habe, dass Freigänger, die plötzlich wochenlang eingesperrt sind, aufgeben können,

entscheide ich es aus meinem Bauch heraus, wann sie raus dürfen. Mein Kater Henri zog sich wegen der

wochenlangen Gefangenschaft nach unserem ersten Umzug komplett zurück und resignierte. Als sich die Tür

nach draußen endlich öffnete, musste ich ihn holen, weil er auf Rufen nicht mehr reagierte. Er konnte es kaum

glauben, dass seine Gefangenschaft nun doch ein Ende nahm, als ich ihn zur die Katzenklappe trug, sie öffnete

und er schließlich erleichtert hindurch ging.

Und noch etwas durfte ich beobachten: Feindschaften oder Antipathien zwischen Katzen in einer neuen Umgebung

können abnehmen oder sogar aufhören, weil die Karten neu verteilt werden. So geschehen bei meinen

beiden Katern, die nun ganz friedlich miteinander umgehen, obwohl Oskar Leo nie wirklich akzeptiert hat.

Hünzingen, Walsrode, Oktober 2020

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Geschichten von Menschen und Tieren

Futterlieferung

Es klingelt. Als ich die Haustür öffne, steht mein freundlicher Postbote vor mir, und übergibt mir strahlend ein

Riesenpaket meines Katzenfutterlieferanten. Ich erwartete zwar eine Futterlieferung, doch konnte mir nicht vorstellen,

was in diesem schweren Paket sein sollte. Aber da meine Adresse darauf stand, nahm ich es an.

Gespannt öffnete ich das schon recht gebeutelte Paket und meine staunenden Augen erblickten zwei 12 Kg-Pakete

Hundefutter. Nun habe ich zwar Tiere, doch es handelt sich dabei bekanntlich um Katzen.

Also ran an den PC und eine Mail geschrieben, in der ich meine Überraschung beschrieb, die mich befiel, als ich

das völlig zerrissene Paket öffnete und mitteilte, dass ich das nicht bestellt habe. Ich fragte nach, was ich nun damit

machen solle und schlug vor, es dem Tierheim zu spenden.

Die Antwort war, dass ich es zurückschicken solle.

Als ich zu bedenken gab, dass ich alt und schwach sei, es große schwere Futtersäcke seien und ich nicht wüsste,

wie ich das bewerkstelligen sollen, und ich auch niemanden hätte, der mir helfen könne, wurde mir angeboten,

das Futter abholen zu lassen.

Gute Idee. Auf die Frage, ob das Hundefutter bei Abholung eingepackt sein müsse, wurde mir vorgeschlagen,

dass ich warten solle, bis die Lieferung mit dem bestellten Katzenfutter komme und dann diesen Karton zu benutzen.

Als ich fertig gelacht hatte, stellte ich das leere Paket der inzwischen eingetroffenen Ersatzlieferung neben die

beiden riesigen Pakete mit dem Hundefutter – wie gesagt, zwei Mal 12 Kg! – und fotografierte das Arrangement.

Das Foto sandte ich mit den Worten: „Sensationelle Idee! Wenn Sie mir jetzt noch verraten, wie das gehen soll,

sind wir alle endlich glücklich.“

Nun darf ich das Hundefutter spenden.

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Momentaufnahmen


Momentaufnahmen

Fütterung

Ich habe den ganzen Tag am Rechner gesessen und gearbeitet. Nun ist es bald 16.00 Uhr und ich finde, dass ich

eine Pause verdient habe, ja, spiele sogar mit dem verwegenen Gedanken, Feierabend zu machen. Es war ein

ruhiger und produktiver Tag, die Katzen liegen auf ihren Lieblingsplätzen des Tages und chillen oder schlafen

oder sehen aus dem Fenster mit diesem sehnsüchtigem Blick, als dürften sie nie raus. Also sichere ich meine Datei

und begebe mich in die Küche. Und als hätte ich einen Gong geschlagen, erwachen augenblicklich alle Katzen

aus ihrer Starre und denken: „Thea geht in die Küche; ich habe wahrscheinlich Hunger.“ und ich sehe mich von

schmeichelnde Katzenkörpern umgeben, von denen einer schon auf der Arbeitsplatte steht und schreit: „Den

ganzen Tag warte ich! Nie gibt es was zu essen“. Und rollt den pummeligen Körper in meine Richtung.

Da ich ein verständnisvoller Mensch bin und weiß, dass Katzen in der Lage sind, kurzerhand zu verhungern,

wenn es die Situation erfordert, lasse ich mich erbarmen und füttere sie.

Der Kratzbaum

Jeder kennt es: Ab und zu muss geputzt werden. Ich nutzte einen Energieschub aus und begab mich an die Arbeit.

Dazu gehörte auch, den meist ungenutzten Kratzbaum aus seiner Ecke im Arbeitszimmer zu holen, um den Boden

darunter einer Säuberung zu unterziehen. Als der Kratzbaum dann im Raum stand, stand noch etwas anderes

im Raum. Nämlich die Überlegung, das Ungetüm zu entsorgen, denn meine Katzen benutzen ihn überhaupt

nicht. Und, mal ehrlich, schön sind die gekauften Teile in der Regel nicht, wenn man nicht gerade ein Vermögen

ausgeben kann.

Aber dann dachte ich bei mir: Der Winter kommt und vielleicht entdeckt in Kater Leo neu, denn es war sein

Kratzbaum. Man kennt ja die Katzen.

Ich schob ihn wieder in seine Ecke. Den Kratzbaum, nicht Leo.

Eine Weile später, es war Zeit für die Raubtierfütterung, lief ich mit Paulinchens Futternapf durchs Haus und

suchte die Dame. Von der ein leises Maunzen aus der Ecke kam, wo der Kratzbaum steht.

Und darin saß Madam und – ich schwöre – grinste mich an.

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Sommerzeit

Meine Katzen bekommen zwei Mal am Tag Futter. Einmal morgens, wenn ich mich aus dem Bett gequält habe,

was nicht ohne tatkräftige kätzische Unterstützung vonstattengeht, wie einen Patsch mit fast eingezogenen Krallen

aufs Auge (Leo), kräftiges Maunzen (Oskar), mit Anlauf und Geschrei aufs Bett springen (Oskar) und dem

Versuch, meine Füße zu fangen (Leo).

Die zweite Mahlzeit habe ich auf 16:30 Uhr festgelegt. Im Sommer.

Das mit der Zeitumstellung wird von meinen Mitbewohnern nicht akzeptiert. Also stehen sie um 15:30 Uhr vor

mir und erklären, dass sie jetzt ihr Anrecht auf Futtern einfordern möchten. Aber es ist ja nicht 16:30 Uhr. Das geht

also nicht. Nun hat mein Leo eine neue, perfide Möglichkeit ersonnen, um mich zu überzeugen: Er sitzt vor mir

und starrt mich an. Das kann er gut. Wenn die anderen schon aufgegeben haben, hält er durch.

An guten Tagen schaffe ich es bis 16.00 Uhr…

Und was macht Leo? Schaut sich an, was ich ihm hinstelle, dreht sich um und schläft erst einmal eine Runde.

Schließlich geht es ums Prinzip, egal, ob Hunger oder nicht.

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So, geschafft. Ich hoffe sehr, es hat Spaß gemacht, diese wilde Mischung zu lesen.

Vielleicht habe ich es ja geschafft, ein kleines Lachen oder sogar ein paar Tränchen herauszulocken. Wenn

das passiert ist, bin ich superstolz, denn dann habe ich was richtig gemacht.

Ich bedanke mich ganz herzlich fürs Lesen.

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