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SOLiNZ 1 2025

SOLiNZ - solidarisches Linz - ist die Online-Zeitung der Solidarwerkstatt-Kommunalgruppe Linz.

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SOLiNZ

Die Nachbarschaftszeitung lesen - hören - schauen und aktiv werden! Ausgabe 1/2025

Dieses Transparent bei der

Waldeggspinne hing nur

kurz. Kritische Informationen

zur A26 sieht die Stadt

Linz nicht gerne.

Weiter auf Seite 7

Aus dem Inhalt:

DIE FRÖSCHE QUAKEN WIEDER:

Ein Kampf für Lebensqualität und Kulturerbe

Weiter auf Seite 10 bis 11

> Stopp A26 - kein Weiterbau! S. 2

> Versiegelung stoppen - Grünland erhalten S. 9

> Klostergarten: „Ein Armutszeugnis“ S. 12

> Irrsinn „freier Warenverkehr“ S. 14

> OÖVV gegen zusätzlichen Öffiverkehr? S. 18

> Gemeindefinanzen: „Innerer Zusammenhang“ S. 20

> Nachverdichtung ... mit Tiefgaragen! S. 21

> Best Practice: Mailand und Eindhoven S. 22

> Do kumt de Sun - auf Sonnenwegen S. 24

> OÖ: 10.000 Arbeitslose mehr S. 26

> Aktionstreffen gegen EU-Mercosur-Abkommen S. 27


Zum Video

Kundgebung vom 25.10.2024 auf Dorf TV

STOPP A26 –

kein Weiterbau!

Mit einer pompösen Show feierte die ASFINAG am 25.10. die Eröffnung der Donautalbrücke.

Diese soll der erste Teil der monströsen Stadtautobahn A26 sein.

Gar nicht zum Feiern war den Aktivist:innen zumute, die sich für eine nachhaltige und lebenswerte

Stadtgestaltung, Umweltschutz und Klimaschutz einsetzten. Aus diesem Grund

initiierte die Initiative „Verkehrswende jetzt!“ eine Kundgebung gegen den Weiterbau der

A26. Den Tatsachen geschuldet akzeptiert die Initiative die fertige Brücke und fordert umgehend

eine Verkehrsberuhigung und einen sicheren Radweg auf der Nibelungenbrücke,

sowie den Stopp des Weiterbaus an diesem fossilen Steinzeitprojekt.

Vor der Ablegestelle der ASFINAG-Partyschiffe wurde in zahlreichen Redebeiträgen sachlich

fundiert vor den schlechten Auswirkungen der A26-Tunnelautobahn gewarnt.

„Alleine dem Tunnelportal am Fuße des Freinbergs, welches in offener Bauweise errichtet

werden muss, werden 185 Bäume und der Bergschlösslpark zum Opfer fallen. Eine Megabaustelle

für mindestens 9 Jahre im Bahnhofsviertel.“, weiß Lenard Zipko.

„Viele Linzer:innen wissen noch nicht welche Auswirkungen die A26 auf Linz hat. Die A7

und die Kärtnerstraße sind so überlastet dass die Einbindungen der 30.000 zusätzlichen

Fahrzeuge nach Linz nicht möglich ist. Die Abgase aus dem Tunnel werden ungefiltert direkt

vor dem Wissensturm entlüftet.“, so Gertraud Walli: „Linz ist die letzte Stadt die noch eine

Autobahn ins Stadtzentrum bauen will.“

„Es wird sich nichts ändern, es wird weiter Staus geben.“, Christian Trübenbach

„86% der Linzer Straßen werden mit der A26, laut den Berechnungen der ASFINAG,

eine Verkehrszunahme erleiden und das, obwohl der Verkehr aus dem oberen Mühlviertel

rückläufig ist. Den wer Straßen sät wird Verkehr ernten“, berichtet Christian Leckschmidt.

Nach den Erklärungen, warum ein lebenswertes Linz mit der A26 nicht möglich ist, gingen

die Aktivist:innen auf die Nibelungenbrücke und hängten Banner mit den Kernaussagen

und Argumenten publikumswirksam von der Brücke (sh. Foto unten).

2


Nach Untersagung der Begehung der Donautalbrücke:

Kundgebung beim Tunnelportal

Die neue Donautalbrücke für die A26-Autobahn kann nur von Kraftfahrzeugen befahren

werden, es führt kein Fuß- oder Radweg darüber. Um dieses hochgelobte

Wunderwerk der Technik auch den Bürger:innen zu sehen zu geben, meldete die Initiative

„Verkehrswende jetzt!“ am Tag der geplanten Verkehrsfreigabe, am 16. November, eine

Kundgebung unter der Losung „Brückenbegehung“ an.

Das Interesse in der Bevölkerung und der Medien war groß. Zu groß?

Rund 30 Stunden vor der Begehung wurde diese untersagt. Mit Sicherheitsbedenken

und einem finanziellen Mehraufwand argumentierte die ASFINAG diese Beschneidung des

Versammlungsrechts.

Im Bescheid wurden Gründe genannt, die sich wir Normalbürger:innen nur schwer vorstellen

können. So sind die Fluchtwege in den Tunnelrampen nicht geeignet für so viele

Menschen (Reisebus?). Die Lüftungsanlage ist zu laut für Fußgänger (Cabrio?). Da die Brücke

mit Leitplanken gesichert ist, wäre sie außerdem zu gefährlich für Fußgänger (Unfall?).

Und weiters begründete der Autobahnbetreiber, dass nach dieser Begehung alle Sicherheitseinrichtungen

von der Asfinag neu geprüft werden müssen (?).

Es ist scheinbar nicht nur nicht gewünscht, dieses Bauwerk den Menschen zu zeigen, die

es teuer bezahlen. Sollten diese Argumente nicht nur vorgeschoben sein, um kritische Stimmen

mundtot zu machen, deuten sie auf schwerste Sicherheitsmängel der Donautalbrücke

und ihrer Zufahrtstunnel hin.

Umso mehr wollten die AktivistInnen auf dieses rückwärtsgewandte, menschenfeindliche

Bauprojekt hinweisen und meldeten umgehend eine Demonstration auf der Straße zu den

Tunnelportalen an. Sie forderten Antwort auf die Frage wie eine Verkehrsentlastung funktioniert,

wenn zusätzlich 30.000 Autofahrten täglich nach Linz kommen?

Wie eine lebenswerte Stadt mit der Zerstörung ganzer Stadtteile einhergehen soll?

In Redebeiträgen wurde die Verbauung und VerSTAUung der Stadt thematisiert, in einem

anderen die dominante Rolle der KFZ-Infrastruktur und die damit verbundene Unterdrückung

aller Nichtautofahrer. Die Nicht-Einhaltung der Klimaziele des Pariser Abkommens

wurde ebenso angeführt wie die Dysfunktionalität den durch die A26 angelockten Verkehr

in die überlastete A7 und die Kärtnerstraße einzubinden.

„Der Automobilismus, ist nicht nur klimaschädlich und setzt auf die falschen Ressourcen,

er schafft eine Kultur des Neids und der Rücksichtslosigkeit“, führt Boris Lechthaler aus.

3


„A26 ZERSTÖRT

Auszug aus einer Rede von Gertraud

Walli, Aktivistin der Initiative „Verkehrswende

jetzt!“, bei der Kundgebung anlässlich der Verkehrsfreigabe auf der Donautalbrücke

am 16.11.2024. Sie warnt: Der Bau der A26 werde zu einer Entwässerung am Bergschlösslund

Ziegeleipark und zum Absterben hunderter Bäume führen. Sie fordert das Aus des

Autobahnprojekts.

Vor ein paar Tagen kam in die Wohnungen, die zwischen Tips-Arena und Freinberg liegen,

ein Brief eines Rechtsanwaltsbüros hereingeflattert. Der Brief kam im Auftrag der

ASFINAG. Unter Androhung von Enteignung sollen die Bewohner einen Dienstbarkeitsvertrag

unterschreiben, der der ASFINAG erlaubt, unter den betreffenden Grundstücken

Brunnenschächte zu errichten.

Diese 45 (!) Brunnenschächte sollen 60 m tief in die Erde gebohrt werden, und sollen

einen Durchmesser von fast 30 cm haben. Die Bohrungen erfolgen vom öffentlichen Grund

aus, die schrägen Brunnenschächte verlaufen unter den betroffenen Grundstücken. Sinn

der Bohrungen: das Grundwasser soll abgeleitet werden, der Grundwasserspiegel soll abgesenkt

werden. Diese Maßnahme ist für den Bau der riesigen, dreigeschossigen Autobahnausfahrt

beim Wissensturm notwendig.

Es ist nun klar geworden, wie problematisch der Bau des Autobahntunnels ist - Grund

sind die Linzer Sande. Bei der geplanten Anschlusstelle gibt es eine Mächtigkeit von bis zu

40 m tiefen Lehmschichten. Der Bereich unterhalb der Tips-Arena ist aus den Linzer Sanden

gebildet. Bis Stadion gibt es Fels, dann beginnt der Mergel und die Linzer Sande. Diese

Lehmschichten sind stark wasserführend. Wo gebohrt wird, springt Wasser heraus. Deshalb

will die Asfinag den ganzen unteren Froschberg zwischen Ziegeleistraße und Gugl bis zum

Bahnhof entwässern.

Diese Entwässerung wird aber enorme ökologische und städtebauliche Schäden verursachen.

• Gefahr der Absenkung: Durch die Entnahme des Grundwassers kommt es zu Senkungen

der Gebäude. Durch das fehlende Wasser wird das Areal instabil werden,

die Häuser senken sich, es entstehen Risse. (Vergleich: wenn Sie am Strand mit nassem

Sand eine Burg bauen hält sie, sobald die Sonne den Sand trocknet, zufällt die

Burg). Bereits jetzt, wo es nur Bohrungen zu den Zu- und Abfahrten der Brücke gibt,

entstehen große Sprünge in den Wänden der Häuser im Bereich Ziegeleistraße und

Anemonenweg.

4


HUNDERTE BÄUME“

• Zerstörung der Gärten, Bäume und Parks: Durch die Grundwasserabsenkung werden

Hunderte Bäume zwischen Stadion und den ganzen Bergschlösslpark zerstört.

Die letzten wertvollen Grünanlagen des Bahnhofsviertels, der Ziegeleipark und der

historische Bergschlösslpark werden wegen der Monsterausfahrt beim Wissensturm

abgeholzt werden. Die Bäume, die nicht gleich gefällt werden, werden durch die

Grundwasserabsenkung absterben.

Wie kann es sein, dass in Zeiten des Klimawandels ein solches Autobahnprojekt mit derartigen

schädlichen Eingriffen einfach durchgezogen wird?

Die direkten Baumfällung infolge der offenen Baugrube. Durch die Grundwasserabsenkung

werden weitere hunderte Bäume zwischen Stadion und dem Bergschlösslpark zerstört.

Zum Video

ASFINAG, Land OÖ und Stadt Linz graben zwangsweise das Wasser ab, Video auf DorfTV

5


A26 – Weiterbau

des Westrings

wäre ein Affront

zum Erreichen

der Klimaziele im

Linzer Verkehr

6

D

ie Initiative Verkehrswende

jetzt! und die Klima-Allianz

OÖ warnen in einer gemeinsamen

Medieninformation vor dem

Weiterbau der A26-Autobahn

in Linz. Die CO2-Emissionen,

die beim Bau der Tunnel verursacht

werden, entsprechen den

CO2-Emissionen, die der gesamte

Verkehr im Großraum Linz binnen

eines Jahres emittiert.

Tunnel gehören hier zu den

Energievernichtern schlechthin. Nicht umsonst hat das Land OÖ schon 2004 (also vor 20

Jahren!) angekündigt, dass es sich weitgehend vom Neubau von Tunnels verabschieden

will. Jeder Meter Tunnel ist im Betrieb 45 mal so teuer wie eine normale Straße. Die aktuelle

oberösterreichische Landesregierung hat das alles vergessen. Beim Westring sollen rund

9.000 weitere Tunnelmeter errichtet und damit zukünftigen Generationen extrem hohe Kosten

aufgehalst werden.

Beim Energieverbrauch für die Errichtung von Tunnels muss man noch auf viele Jahre

davon ausgehen, dass hier v.a. fossile Energie eingesetzt wird. Sie steckt im Beton für die

Tunnelschalen, im Stahl, der für Brücken benötigt wird bzw. der auch im Stahlbeton enthalten

ist. Die vielen Baufahrzeuge- und maschinen (z.b. für den Tunnelausbruch) verbrauchen

auch enorme Mengen fossiler Energie. Also Energie (CO2), die nicht verbraucht (emittiert)

wird, wenn man diese klimaschädliche Tunnelautobahn nicht errichtet.

In Summe werden für den gesamten Baustoffeinsatz und des Treibstoffverbrauchs der

Baumaschinen beim Bau der A26 Emissionen in einer Größenordnung von 200.000 -

300.000 Tonnen CO2 anfallen. Das entspricht in etwa den CO2-Emissionen, die der gesamte

Verkehr im Großraum Linz binnen eines Jahres emittiert.

Bzw. entspricht dies den CO2-Emissionen von durchschnittlichen Autofahrten im Stadtund

Umland-Verkehr, umgelegt: Die Emissionen von 120 - 180 Millionen (!) Kfz-Wegen

könnten vermieden werden, wenn man dieses Autobahnmonster nicht errichtet.

Damit stellt die Nichterrichtung der A26 eine Klimaschutzmaßnahme ersten Ranges

dar, die die Politik umsetzen muss. Wenn man Tunnels für die Bahn errichtet, dann kann

zumindest bei Millionen Fahrten aufgrund des deutlich geringeren spezifischen Energieaufwands

der Bahn, diese zuerst für den Bau verbrauchte Energie (CO2-Emissionen) wieder

kompensiert werden. Bei Tunnels für Autos ist das über viele Jahre noch nicht der Fall.


86 Prozent der Straßen mehrbelastet

Wie schaut es in Ihrer

Straße aus?

AktivistInnen der Initiative Verkehrswende

jetzt! leisten die Arbeit, die eigentlich Aufgabe

der Stadt Linz wäre: Sie informieren darüber,

wie die ASFINAG die Verkehrsentwicklung durch

den Bau der A26-Autobahn prognostiziert. Diese

Prognosen sind eindeutig: In 86% aller 432 Straßen

kommt es zu einer Zunahme des Verkehrs, 7 Prozent

bleiben in etwa gleich, nur ca. 6 Prozent erfahren

eine Entlastung. Genau auf jene wenigen Straßenzüge

konzentriert sich aber die Politik, wenn sie

von eine „Entlastung“ durch die A26 spricht. Dass

die übergroße Mehrzahl der Menschen aber von

einer, zum Teil erheblichen, Mehrbelastung durch den Verkehr betroffen ist, fällt unter den

Tisch. Deshalb spricht die Initiative Verkehrswende jetzt! auch von der „Entlastungslüge“.

Die Informationsflyer werden in die Postkästen eingeworfen. Auf ihnen erfahren die BürgerInnen

die ASFINAG-Prognosen über die Verkehrsentwicklung in ihrem jeweiligen Straßenzug.

Die ASFINAG erhob diese Zahlen im Zug der Umweltverträglichkeitserklärung für

die A26. Diese Informationsarbeit ist wichtig, weil sonst diese Zahlen einfach verschwiegen

würden. Bisher wurden die BürgerInnen am Frosch- und Freinberg, im Bahnhofviertel, um

den Volksgarten und im Neustadtviertel informiert,

bald werden weitere Stadtteile folgen.

Auf der Webpage www.volksbefragung-linz.

at/die-entlastungslüge können sich die BürgerInnen

die Verkehrsprognose der ASFINAG in

ihrer Straße anschauen.

Im Alten Rathaus wurde viele Jahre eine

Propagandaausstellung für die A26 gezeigt.

Diese war offensichtlich selbst den Befürwortern

der Autobahn - ob der plumpen Art, wie

da die „Entlastungslüge“ wiederholt wurde

- schon peinlich und wurde daher im Vorjahr

still und heimlich entsorgt. Wenn allerdings

der öffentliche Raum, der ja eigentlich allen

LinzerInnen gehört, für eine Gegendarstellung

benutzt wird, haben die Stadtverantwortlichen

wenig Freude. Ein Transparent, das bei der

Waldeggspinne aufgehängt wurde und über

die Verkehrszunahme und Kosten infolge der

A26 informierte (sh. Titelseite), wurde nach

wenigen Tagen wieder entfernt. Jämmerlich.

7


Geht`s noch?

1,2 Milliarden, um dem öffentlichen Verkehr zu schaden

Wieso wird mit 1,2 Mrd. Euro dem

umweltfreundlichen öffentlichen

Verkehr Konkurrenz gemacht?

Die permanent steigenden Kosten des Projektes A26-Autobahn, von momentan 1.200

Millionen Euro, müssen gerechtfertigt werden. Wie? In einer entgeltlichen Einschaltung

in einer Autopostille namens „OÖ Nachrichten“ erklärt uns die ASFINAG, mit der A26

werde sich die Fahrzeit mit dem Auto von der B 127/Urfahrwänd über die neue Brücke und

dem noch zu bauenden 3,5 Kilometer langen Tunnel zum Linzer Hauptbahnhof verkürzen:

von 40 Minuten in Stoßzeiten auf rasante 5 Minuten. Und Zitat ASFINAG: „Der Individualverkehr

der Straße wird so mit dem öffentlichen Verkehr vernetzt“.

Abgesehen davon, dass die Autofahrer bestenfalls schneller im Stau landen werden

(auf der Kärntner Straße oder im Bindermichl-Tunnel) muss man sich fragen: Geht’s noch?

Wieso werden für Fahrten auf einer umweltfeindlichen Autobahn 1200 Millionen Euro investiert

und damit dem umweltfreundlichen öffentlichen Verkehr noch mehr Konkurrenz

gemacht. Wieso werden umweltfreundliche Alternativen dazu nicht in Erwägung gezogen?

Wieso kann die Mühlkreisbahn über die Hafenbahn nicht in den Hauptbahnhof eingebunden

werden und damit die umsteigefreie Reisezeit der PendlerInnen zum Hauptbahnhof

erheblich zu reduzieren? So wie seit Jahrzehnten vor den Wahlen vielfach versprochen wurde!

Zu erheblich geringeren Kosten, mit erheblich geringerer Umweltbelastung, mit kurzer

Reisezeit sowie zukunftsfähigem Nebeneffekt der öffentlichen Schienenanbindung des gesamten

Industriegebietes in Linz?

Wieso werden in Linz sämtliche Autobahnprojekte mit Hochdruck vorangetrieben? Der

Ausbau des öffentlichen Schienenverkehrs (zweite Linzer Straßenbahnachse durch die Gruberstraße,

oder Hafenbahn) zeitlich und räumlich politisch blockiert bzw. in kurios teuren,

unwirtschaftlichen Tunnelprojekten präsentiert?

Rudolf Schober

8

Zum Video

„Hafenbahn geht sofort“ auf Dorf TV


Versiegelung stoppen –

Grünland erhalten!

Bereits versiegelte Flächen auf Kosten des Projektwerbers im Ausmaß des 1,5-fachen naturnah

wieder herstellen

Mit Anfang Dezember wurde im #Linzersüden ein weiterer Betrieb eines Fastfoodlokals

eröffnet. Wieder war die Politik in Form von Stadt und Land OÖ willfähriger Gehilfe bei

einer weiteren Bodenversiegelung im Bereich des Linzer Grüngürtels in Linz Kleinmünchen.

Scheinbar kommen die Warnungen der Wissenschaft bei der Politik nicht an, wenn man

nur mit dem Versprechen von mehr Arbeitsplätzen und den damit verbundenen steuerlichen

Mehreinnahmen winkt. Was andauernd anhaltende Bodenversiegelung (wie groß

diese auch ausfällt) bedeutet, erleben wir in diesen Tagen nur zu oft.

Oder sind in den Nachrichten noch zu wenig für den Menschen benachteiligende Klimaereignisse

vorhanden?

Daher muss die Forderung nach einem Ende dieser Beton- und Asphaltpolitik endlich

auch bei den so genannten Volksvertreter:innen ankommen. Anlässlich der Eröffnung des

Fastfoodlokals veranstalteten daher sieben Bürgerinitiativen am 10.12.2024 im Linzer Süden

eine Kundgebung. Zwei Forderungen standen dabei im Zentrum:

• Zuallererst muss eine Behörde den Bauwerbern eine bereits versiegelte Fläche für

ihre Bauprojekte im Gemeindegebiet anbieten.

• Sollte auf Antrag des Bauwerbers die zur Verfügung gestellte Fläche nicht den Wünschen

eines Projektbetreibers entsprechen, so wird diesem zwar eine unversiegelte

Fläche nach Wunsch angeboten, aber gleichzeitig die Auflage erteilt, dass bereits

versiegelte Flächen auf Kosten des Projektwerbers im Ausmaß des 1,5-fachen

naturnah wieder hergestellt werden müssen.

Armin Kraml von der Bürgerinitiative Linz Süd: „Dies würde auch den Auflagen einer Gesetzgebung

des EU-Renaturierungsgesetzes nachkommen, und auf Gemeindeebene die

günstige Umsetzung und Wiederherstellung von naturnahen Lebensräumen auf Gemeindegebiet

ermöglichen.“

Zum Video

Vortrag von Gernot Bodner (Boku) zu "Sind unsere Böden noch zu retten?"

9


FROSCHBERG

Die Frösche quaken wieder:

EIN KAMPF FÜR LEBENSQUALITÄT

UND KULTURERBE

Das Projekt "Froschberg 2.0" wird von den Wohnbaugesellschaften WAG und EBS als

eine innovative Lösung zur Schaffung von mehr Wohnraum und zur energetischen

Sanierung beworben. Ziel sei es, das Quartier zu einem klimaneutralen Stadtteil weiterzuentwickeln,

mit einem Fokus auf nachhaltige Energiequellen und umweltfreundliche Mobilität.

Gleichzeitig sollen neue Wohneinheiten durch Verdichtungsmaßnahmen geschaffen

werden, um den wachsenden Bedarf an leistbarem Wohnraum in Linz zu decken.

Doch diese Vision stößt auf massive Kritik. Die geplanten Neubauten, darunter quergestellte

moderne Wohnblöcke mit Tiefgaragen darunter,

würden das historische Erscheinungsbild der

Eisenbahnersiedlung zerstören. Kritiker:innen wie

die Initiative Froschberg betonen, dass diese übermäßige

Verdichtung das gewachsene städtebauliche

Gefüge unwiederbringlich zerstören könnte.

Wesentlich ist, beim Thema Mobilität endlich zukunftsweisende

Stadtentwicklung umzusetzen. Beispielweise

in Form einer Sammelgarage außerhalb

der Wohnanlage, Stadionparkplatz Lösung und Verbesserung

des öffentlichen Verkehrs.

Gebetsmühlenartig wird die Schaffung „leistbaren

Wohnraums“ von der Sozialdemokratie ins

Feld geführt. Reine Phrasendrescherei im Hinblick

auf den kürzlich erhobenen Leerstand von 10.000

Wohnungen.

10


Das nächste „Totsschlag-Argument“ findet sich im politisch positiv besetzten Begriff der

Nachverdichtung. Sie übersehen dabei aber, dass gerade weniger dicht verbaute Gartenwohnanlagen

wie unsere Eisenbahnersiedlung Menschen davon abhalten kann, ein Einfamilienhaus

in die grüne Wiese zu setzen.

Insgesamt beleuchtet die Auseinandersetzung um "Froschberg 2.0" ziemlich deutlich

folgendes Spannungsfeld: Das zwischen städtebaulichen Konzepten/Notwendigkeiten,

wirtschaftlichen und damit korrespondierenden politischen Interessen einerseits und dem

Interesse der Bewohner, dem Schutz historischer Quartiere sowie der Umwelt andererseits.

Die Kritiker fordern eine behutsame Sanierung des Bestands, die sowohl die architektonische

und ökologische Integrität der Siedlung als auch die Bedürfnisse der heutigen und

künftigen Bewohner:innen in Rechnung stellt.

Die großzügigen Grünanlagen mit dem alten Baumbestand entsprechen zeitgerecht den

Anforderungen der Klima Änderung. Die Bauten sind in gutem Zustand, nötig ist nur eine

Bestandssanierung. Die geplanten Neubauten im Grünraum, quer zwischen die Häuserzeilen

gestellt mit darunterliegenden Tiefgaragen sind sicherlich nicht klimaneutral. Der großzügige

Gartenanteil, der jetzt zur effektiven Verwertung den Neubauten weichen soll, hat

entscheidende Vorteile: Er dient nicht nur der Erholung nach einem stressigen Arbeitstag,

sondern ermöglicht, wenn nötig die Sicherung der Grundversorgung in schwierigen Zeiten.

Die Siedlung strahlt Beschaulichkeit und Ruhe aus – das wollen wir für die nächsten

Generationen erhalten.

Klaus Pilz, Obmann der Bürgerinitiative und des Vereins:

Initiative Froschberg –

Verein(t) für menschenwürdige Stadtentwicklung

Kontakt: info@initiativefroschberg.at

www.initiativefroschberg.at

Auszug aus einem ausführlichen Beitrag zur Geschichte des Froschbergs, das geplante Projekt

„Froschberg 2.0“, die Positionen der Inititiative Froschberg und der aktuelle Stand der Auseinandersetzungen

> Weiterlesen

Zum Interview

80% der Bewohner:innen wünschen sich, dass es so bleibt. Bestandssanierung ist des Mieters

Glück - ihr Unglück sind die Profitgier der Konzerne und der Opportunismus der Politiker.

11


Klostergarten

„Ein Armutszeugnis“

Ein 12-stöckiges Hochhaus konnte im Klostergarten

verhindert werden. Das sechsstöckige

ist auch keine Augenweide.

Als Initiative „Zukunft Klostergarten“ haben wir uns 2017 gegen ein geplantes Hochhausprojekt

mit 12 Geschoßen und 42 m Höhe im Klostergarten gestellt. (Dabei

spielte auch die geplante, mehrgeschossige Tiefgarage und die unvorstellbare Ausfahrt

rund um die Michael Reitter Schule eine Rolle) Wir sehen und sahen uns nicht als Querulanten,

sondern als engagierte MitbürgerInnen, deshalb haben wir die Idee eines „kooperativen

Verfahrens“ entwickelt. Nachdem die massive Verbauung des Gartens vom Tisch war,

wurde von uns Architekt Andreas Kleboth als Moderator ins Boot geholt. Gemeinsam mit

Bauträgern, Architekten, AnrainerInnen, VertreterInnen der Michael Reitter Schule und vielen

anderen Stakeholdern haben wir über vier Monate in zahlreichen Workshops versucht,

Visionen zu entwickeln und einen möglichst guten Kompromiss für das Kapuzinerviertel,

deren BewohnerInnen und vor allem auch für die beeinträchtigten Kinder in der Michael

Reitter Schule zu finden.

Viel Engagement, Herzblut, Öffentlichkeitsarbeit und vor allem viel Zeit wurde dabei in

das Projekt investiert. Kernpunkt der künftigen Entwicklung sollte die Verlegung der Kapuzinerstraße

sein. Damit hätten folgende Vorstellungen realisiert werden sollen:

12

• Bildungscampus der Michael Reitter Schule wird durch Verkehrsberuhigung sicherer

und ruhiger

• Der Schulweg wird erleichtert, weiters soll der Großteil der Oberflächenparkplätze

verschwinden (der Denkraum reichte dabei bis zur Baumbachstraße und beinhaltete

das Domviertel)

• Den Entscheidungen des kooperativen Verfahrens entsprechend, hätte durch den

Bau einer Sammelgarage das sogenannte „Berner Modell“ umgesetzt werden sollen,

dazu innovative Lösungen mit Mobilitätspunkten

• An der Limonigasse war ein Grätzlpark und vor der Michael Reitter Schule ein kleiner

„Dorfplatz“ geplant, mit Rücksicht auf den bestehenden Altbaumbestand

• Das sogenannte „Grüne Band“ sah eine durchwegte Grünfläche von der Hirschgasse

über den Klostergarten, dem Limonipark bis zum Bauernberg vor.


Vertrauen zerstört

Nach fast sieben Jahren mussten wir feststellen, dass offensichtlich weder Vereinbarungen

noch Beschlüsse aus dem kooperativen Verfahren bindend waren. Der „unabhängige“

Moderator des Verfahrens hat sich selbst im Projekt als Architekt eingebracht, der Informationsaustausch

versiegte, und die versprochene Transparenz in der Umsetzung blieb aus.

Gebrochene Versprechen wie „kein Bauplatz im Klostergarten“, die damit verbundene Rodung

des gesamten Altbaumbestandes und die Zerstörung der denkmalgeschützten Mauer

sowie zuletzt die völlig rücksichtslose Anbringung einer riesigen Rückkühlanlage direkt

an der Michael Reitter Schule (Spezialschule für Hörbeeinträchtigte) haben das Vertrauen in

eine gemeinsame Weiterarbeit zerstört, sodass wir im April letzten Jahres aus dem Verfahren

(es gibt in Linz kein verbindliches Verfahrensdesign, die Entscheidungskompetenz liegt

nur bei den Eigentümern und der Stadt Linz, das fördert die Intransparenz und die fehlende

Nachvollziehbarkeit) ausgestiegen sind.

Investorenwünsche auf Punkt und Beistrich

Was derzeit medial kolportiert wird, hat mit diesen für uns eigentlich verbindlichen Vereinbarungen

kaum mehr etwas gemein, vor allem die Straßenverlegung war ein Kernpunkt

der geplanten Entwicklung. Mit ihr steht und fällt eine qualitativ hochwertige Lösung, die

nicht nur den Investoren, sondern auch den AnrainerInnen und vor allem den beeinträchtigten

SchülerInnen Vorteile bringt! Nach sieben Jahren ist es für uns mehr als ernüchternd

zu sehen, dass unsere ganze Arbeit darin mündet, dass sämtliche Investorenwünsche auf

Punkt und Beistrich umgesetzt wurden. Was offenbar noch kommt, ist die Realisierung der

Großgarage und die großzügige Verbauung des Viertels durch Investor Michael Ehrenfried.

Für uns bleiben eine Vielzahl gebrochener Versprechungen und der Eindruck, dass wir als

Initiative lediglich als Feigenblatt und billige Akzeptanzbeschaffer für die Umsetzung der

Investorenpläne herhalten durften.

Profit und Gewinn wichtiger als Rücksichtnahme

Persönlich, auch als langjähriger Gehörlosenpädagoge in der Michael Reitter Schule

musste ich erkennen, dass Profit und Gewinn weit wichtiger sind als Rücksicht und Entgegenkommen

gegenüber den Schwächsten der Gesellschaft - unseren seh-und hörbeeinträchtigten

Kindern. Die Pointe und größte Enttäuschung am Schluss: nicht einmal der seit

Jahren - auch medial - groß kommunizierte und zigmal versprochene, barrierefreie Spielplatz

im ehemaligen Klostergarten

wurde den beeinträchtigten Kindern

gewährt. Ein Armutszeugnis.

Erich Gusenbauer, Sprecher der

Initiative Klostergarten

Rücksichtslose Anbringung einer

riesigen Rückkühlanlage direkt an

der Grenze zur Michael Reitter

Schule – laut Hörgeräteakustikern

stellt die Dauerbeschallung für

die hörbehinderten Kinder eine

massive Beeinträchtigung dar.

13


IRRSINN „FREIER WARENVERKEHR“

Auf zwei Drittel des Warenverkehrs kann ohne

gesamtwirtschaftliche Verluste verzichtet werden

Der freie Warenverkehr ist hochgradig irrational. Unmengen an Fleisch, Tomaten, Milch,

Zucker und anderen Lebensmitteln werden kreuz und quer über tausende Kilometer durch

Europa gekarrt, nicht weil diese sonst nicht vorhanden wären, sondern um Kosten zu sparen

und Gewinn zu maximieren. Den Preis zahlt die Allgemeinheit: durch Zerstörung der regionalen

Wirtschaft, durch einen überbordenden Transitverkehr und zunehmende Klimaschäden.

7 Millionen Tonnen CO2 verursachten schwere LKWs in Österreich im Jahr 2022, doppelt

so viel wie 1990. Insgesamt ist der Lkw-Verkehr in Österreich für rund 36 Prozent der

vom Straßenverkehr verursachten Treibhausgas-Emissionen verantwortlich und verursacht

außerdem rund 30 Prozent der Stickoxid-Emissionen und 33 Prozent der Feinstaub-Emissionen

des Straßenverkehrs in Österreich.

Grafik 1

2500

2000

Länge des Autobahn- und Schnellstraßenetzes in Österreich, 1990 bis 2021

(in Kilometer)

Quelle: VCÖ

1934

2185

2250

1684

1500

1000

500

0

1990 2000 2010 2021

14


Wer das für den Preis von wachsendem Wohlstand hält, liegt daneben. Ein Drittel der

LKW-Fahrten sind Leerfahrten. Der deutsche Verkehrsexperte Winfried Wolf schätzt, dass

auf rund zwei Drittel des Straßengüterverkehrs verzichtet werden könnte, ohne dass gesamtwirtschaftlich

irgendwelche relevanten Verluste entstehen. Das geht innerhalb der EU

jedoch nicht, weil der Grundsatz des „freien Warenverkehrs“ und der „freien Marktwirtschaft“

zu den hochheiligen Dogmen der EU gehört, die im EU-Grundlagenrecht einzementiert

sind.

Grafik 2

100

Straßengütertransit durch Österreich, 2000 bis 2023, in Mio. Tonnen

90

80

70

60

50

40

30

20

10

0

2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023

Transeuropäische Netze

Damit der irrationale Gütertransit weiter expandieren kann, werden die „Transeuropäischen

Netze“ (TEN) gefördert und von EU-Mitgliedsstaaten gefordert, sprich der Ausbau

des Autobahn- und Schnellstraßennetzes kreuz und quer über den ganzen Kontinent. In

Österreich ist das Autobahn und Schnellstraßennetz zwischen 1990 und 2021 von 1684 auf

2258 Kilometer Länge ausgebaut worden, ein Plus von 34 Prozent (sh. Grafik 1). Es zählt

damit zu einem der dichtesten Autobahnnetze Europas. Mit 254 Kilometer pro Million Einwohner

ist Österreichs Autobahnnetz im Verhältnis zur Einwohnerzahl um rund 70 Prozent

größer als jenes von Deutschland und mehr als doppelt so groß wie jenes Italiens. Der

Großraum Linz ist massiv betroffen: Pyhrnautobahn und die S10 durch das untere Mühlviertel

gehören zum TEN-Straßennetz und sind dementsprechend favorisiert (aus)gebaut

worden. Der Transitverkehr auf der Straße ist in Österreich zwischen 1990 und 2023 von 16

Million Tonnen auf über 83 Millionen angewachsen, das ist mehr als eine Verfünffachung

(sh. Grafik 2).

FPÖ will Ostautobahn durch Linzer Naherholungsgebiet

Das ist noch immer viel zu wenig, plärren die Autobahn-Extremisten von der FPÖ. Wir müssen

unbedingt die Ostautobahn durch Linz bauen, um die „Anbindung des oberösterreichi-

15


Transeuropäische Autobahnnetze von der Ostsee bis zur Adria

Quelle: https://www.linza.at/ostumfahrung2022/

16


schen Zentralraums an die Hauptachsen der europäischen Verkehrsnetze zu verbessern“,

wie Landesrat Steinkellner und Stadtrat Raml bei einer FPÖ-Pressekonferenz im November

erklären. Der Korridor zwischen Berlin und Zagreb ist eine TEN-Strecke, die von der Ostsee

bis zur Adria reicht – und da darf in Linz kein Nadelöhr entstehen (sh. Grafik 3). Das Linzer

Naherholungsgebiet in den Traunauen, die Lebensqualität der Menschen im Linzer Süden

müssen halt dran glauben. Ein Opfer, das nach freiheitlicher Ansicht dem „freien Warenverkehr“

und der Frächterlobby zu erbringen ist. Wenn blau-schwarz auf Bundesebene kommt,

ist mit einem Neuanlauf zur Errichtung dieser Autobahn zu rechnen.

Am Tabu rütteln!

Wir glauben dagegen, dass diese überbordenden Güterströme, die nicht den Wohlstand,

sondern die Konten der Konzerne mehren, reduziert werden müssen, statt ihnen

auch die letzten Naherholungsgebiete, unsere Gesundheit und unser Klima zu opfern. Der

erste Schritt in diese Richtung ist einfach: keine Ostautobahn in Linz, Stopp aller Autobahnprojekte

in Österreich. Denn jeder Autobahnkilometer zieht zusätzlichen Verkehr nach sich.

Die nächsten Schritte sind schwieriger, müssen aber auch sofort in Angriff genommen werden:

zum einen die Verlagerung auf die Schiene. Was alles möglich ist, wenn man nicht

unter Kuratel der EU-Kommission steht, zeigt die Schweiz. Dort wird rd. drei Viertel des

Gütertransits auf der Schiene transportiert und nur ein Viertel auf der Straße. In Österreich

ist es derzeit noch umgekehrt (sh. Grafik 4).

Und zum anderen muss endlich am Tabu der „Freiheit des Warenverkehrs“ gerüttelt

werden. Kälber von Österreich über 2.000 km nach Spanien zu liefern, nur weil dort das

Schlachten billiger ist, muss der Vergangenheit angehören. Nur so können wir andere Prioritäten

durchsetzen. Nachhaltigkeit, Regionalität und Schutz unserer Naherholungsräume

sind wichtiger als das EU-Wettbewerbsrecht.

Gerald Oberansmayr

Grafik 4

Verhältnis Transitverkehr Straße - Schiene, Vergleich Österreich - Schweiz

(2023)

74%

72%

26%

28%

Quelle: Statistik

Austria, Bundesamt für

Statistik

Österreich

Schiene

Straße

Schweiz

17


OÖVV GEGEN ZUSÄTZLICHEN

ÖFFENTLICHEN VERKEHR?

Mit großer Verwunderung hat die Klima-Allianz OÖ die Aussage von Herrn Klaus

Wimmer gegenüber dem ORF zur Kenntnis genommen, wonach in Oberösterreich

mit 40.000 verkauften Klimatickets OÖ keine weiteren „verkaufsfördernden“ Maßnahmen

erforderlich seien. Zur Einordnung: Das entspricht lediglich ca. 3,5 Prozent aller Oberösterreicherinnen

und Oberösterreicher über 18 Jahren mit einer entsprechenden Jahreskarte.

Bemerkenswert ist dabei, dass Herr Klaus Wimmer seit rund drei Monaten als Geschäftsführer

tätig ist – nicht etwa im Bereich der Mineralölwirtschaft oder Automobilindustrie,

sondern beim Oberösterreichischen Verkehrsverbund.

In diesem Zusammenhang möchten wir als Klima-Allianz Oberösterreich die dringende

Frage stellen, weshalb es offenbar nicht das Ziel des OÖVV ist, den öffentlichen Verkehr

konsequent auszubauen. Wie sollen andernfalls die dringend notwendigen Ziele im Bereich

der Verkehrswende (Stichwort Modal Split) oder der Klimaziele erreicht werden?

“Wir ersuchen Herrn Wimmer eindringlich um rasche Klärung!", ersucht die Klima-Allianz

OÖ den Geschäftsführer des OÖVVs um eine entsprechende Stellungnahme.

Wir können nur appellieren, die Erwartungen deutlich nach oben zu schrauben und eine

weitere Steigerung des öffentlichen Verkehrs anzustreben und sie vor allem einem realistischen

Zielpfad zum Erreichen der Klimaziele schrittweise anzupassen.

Die öffentliche Hand stellt die Rahmenbedingungen und die Budgets für eine deutliche

Steigerung des klimafreundlichen und sozial verträglichen öffentlichen Verkehrs zur

Verfügung.

Den Willen, den öffentlichen Auftrag umzusetzen und die Tickets zu bewerben, muss

Aufgabe der Verkehrsbetreiber sein! Ein attraktives Jahresticket, das sich die breite Masse

auch leisten kann, ist ein sehr wesentlicher Baustein zum Erreichen der Klimaziele und

zu einer sozial gerechten Mobilität.

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Mobilitätsangebot im Wohnumfeld

ist entscheidend

Vier von fünf Alltagswegen beginnen oder enden zuhause. Wie nah oder entfernt der

Parkplatz fürs Auto bzw. die nächste Haltestelle für den öffentlichen Verkehr ist, bestimmt

maßgeblich die Verkehrsmittelwahl. Befindet sich die nächste Haltestelle fußläufig

mehr als 15 Minuten entfernt wird zu 79 Prozent das Auto benutzt. Wenn die Haltestelle

jedoch in 5 Minuten oder rascher erreicht werden kann, sinkt die Autobenutzung auf 60

Prozent (Erhebung Oberösterreich, 2022).

Die Stellplatzverordnung, die verpflichtend einen Parkplatz pro Wohnung vorsieht (zurückgehend

auf Hitlers „Reichsgaragenordnung 1938“!) ist daher der falsche Weg, wenn

wir den Anteil des motorisierten Individualverkehrs senken wollen. Wer mit dem Lift nur zur

Tiefgarage fahren muss, um das Auto zu erreichen, fährt signifikant häufiger mit dem Auto

– und lebt teurer: Tiefgaragen treiben die Baukosten und damit auch Mieten und Wohnungspreise

in die Höhe. Tiefgaragenplätze kosten zwischen 20.000 und 30.000 Euro, verpflichtende

Stellplätze machen 10 bis 15 Prozent der gesamten Baukosten im Wohnbau

aus, die sowohl bei Verkauf als auch Miete an die BewohnerInnen weitergegeben werden.

Wohnen und Mobilität muss zusammengedacht werden: Reduktion der vorgeschriebenen

Stellplätze, dafür Bereitstellung von Car- und Bikesharingangeboten und eine Verbesserung

der Öffianbindung sind ein wichtiger Schlüssel für ökologische Mobilität und leistbares

Wohnen.

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„Innerer Zusammenhang“

Oder: Wie unsere Gemeinden geplündert werden

Die Gemeinden sind verpflichtet, die Ver- bzw. Entsorgung

von Wasser in ihren Gemeindegebieten

zu organisieren und in höchster Qualität, auch baulich,

zu garantieren. Die den BürgerInnen dafür verrechneten

Gebühren müssen ohne Gewinn, kostendeckend

inkl. Rücklagen den kostenintensiven Ausbau-, Erweiterung

und Sanierung des Netzes abdecken. Die anlaufenden

Rücklagen sind durch ein Verbot gesetzlich gegen

fremdgewidmete Verwendungszwecke geschützt.

Diese Rücklagentöpfe waren sprichwörtlich heilig, also unantastbar.

Seit gut 15 Jahren müssen die OÖ Gemeinden den BürgerInnen eine Mindestgebühr

bei Wasser und Kanal verrechnen, welche die eigenen Gestehungskosten um bis zu 100%

überschreiten dürfen. Damit wird praktisch eine Wasser- und Kanalsteuer auf Anordnung

der OÖ Landesregierung von den BürgerInnen durch die Gemeinden zwangsweise einkassiert.

Nun denken wir, der gut 100%ige Überschuss wird sowieso in den unantastbaren

Rücklagentopf für Wasser und Kanal geschoben und stellt damit ein gut dotiertes Sparbuch

für laufende Investitionen in diesem kostenintensiven Bereich dar.

Falsch gedacht! Sollte eine Gemeinde keine freie Finanzspitze zusammenkratzen können,

also Überschüsse für notwendige Investitionen auftreiben, so schreibt die OÖ Landesregierung

den Gemeinden zwangsweise das brutale Ausräumen dieser geschützten Rücklagen

vor. Der Trick des Land OÖ, die Wasserrücklagen dem gesetzlichen Schutz zu entziehen, ist

dabei die Wortkreation des „inneren Zusammenhang“! Soll eine Straße neu gebaut werden,

dann kann eine Wasserleitung und Kanal darunter verlegt sein. Das Geld aus den

Wasserrücklagen soll somit in den Straßenbau fließen, indem ein „innerer Zusammenhang“

konstruiert wird. Und das Land OÖ braucht aus dem Straßenerhaltungsbudget kaum bis

nichts mitzuzahlen.

Ausräumen der kommunalen Budgettöpfe

Dazu gibt es viele Beispiele, auch in meiner Heimatgemeinde, welche Wasser- und Kanalrücklagen

seit Jahren in Höhe von mehreren hunderttausend Euro auflösen muss, um

das jährliche Gemeindebudget überhaupt erstellen zu können. Mit dem Trick des „inneren

Zusammenhangs“ werden die Zukunftsrücklagen für Investitionen bei Wasser und Kanal

geleert, damit die Länder positive Budgets vorweisen können. Eine Vorschrift bei der Entnahme

von Rücklagen im Zuge des „inneren Zusammenhangs“ lautet, dass diese Gelder

binnen 10 Jahren wieder zurückfließen müssen. Eine politische Provokation sondergleichen,

denn wieso wurde vom Land OÖ ein „innerer Zusammenhang“ geschaffen und welches

freigewordene Geld soll in die Rücklagentöpfe zurückfließen?

Genau, richtig gedacht. Mit überschießenden Wasser- und Kanalgebühren, welche im

Grunde eine Steuer darstellen. Mittlerweile wurde auch die Abfallentsorgungsgebühr dermaßen

angehoben, dass wir uns die Frage stellen müssen, wer kann da nicht wirtschaften?

Eine Vorschrift der Landeregierung, welche ihrerseits Unsummen in Autobahnbau und Tunnels

vergräbt, mit Millionen private Motorradmuseen finanziert, aber mit diesem „inneren

Zusammenhang“ den Gemeinden die Budgettöpfe ausräumt.

Rudolf Schober

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Wohnen

Die Handschrift der asozialen

Heimatpartei

Seit 2010 ist Manfred Haimbuchner von der FPÖ

für das Wohnbaubudget im Land OÖ zuständig.

Im letzten Nicht-Haimbuchner-Jahr 2009 betrug der

Anteil des Wohnbaus am gesamten Landesbudget

noch 6,2 Prozent. Bei einem Landesbudget von 4,9 Milliarden Euro machte das damals

304,2 Millionen Euro aus. 15 Jahre später im Jahr 2025 beträgt des Wohnbaubudget 344,7

Millionen Euro bei einem Gesamtbudget von 9,4 Milliarden. Das sind lediglich 3,7 Prozent.

Akkumuliert man die fehlenden Wohnbaumittel über 15 Jahre, so fehlt rund eine Milliarde,

die in günstige gemeinnützige Wohnungen investiert werden hätte können. Die Aushungerung

des sozialen Wohnbaus ist einer der Hauptgründe dafür, dass leistbarer Wohnraum

knapp und die Wohnungsnot groß geworden ist.

Auch bei der Wohnbeihilfe hat die asoziale Heimatpartei ihre Handschrift hinterlassen.

2010 waren noch 85 Millionen dafür budgetiert, 2025 sind es nur mehr 68 Millionen, ein

nomineller Rückgang von 20 Prozent. Zieht man noch eine Inflation von rund 40 Prozent

in diesem Zeitraum in Betracht, hat sich die Wohnbeihilfe um 60 Prozent gegenüber 2010

verringert. Die Zahl der Förderwerber ist von rd. 40.000 auf rd. 26.000 zurückgegangen.

Der Grund: mangelnde Wertanpassung, Kürzungen und die Tatsache, dass für marktübliche

Mieten oft gar keine Wohnbeihilfe beantragt werden kann.

Nachverdichtung …………

mit Tiefgaragen!

D

ie oberösterreichische Landesregierung

hat eine Nachverdichtungsverordnung

2025 erlassen. Grundsätzlich

ein vernünftiges Unterfangen. Damit soll

das Verhältnis von Wohnfläche zur Grundstücksfläche

erhöht werden. Das Instrument

dafür bilden Förderungsdarlehen.

Der Pferdefuß aus ökologischer Sicht:

Für Tiefgaragen gibt es Zusatzförderungen.

Bei Errichtung von unter dem Erdgeschoßniveau

liegenden überdachten

Stellplätzen je Wohneinheit für einen errichteten

Stellplatz 2.500 Euro bzw. wenn

das gesamte Bauprojekt eine Bebauungsdichte von mindestens 265 Prozent (Wohnfläche

im Verhältnis zur be- und überbauten Fläche) erreicht, 5.000 Euro. So wird Wohnbauförderung

zur Autoförderung.

Boris Lechthaler

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Best practice

Städtische Lebensqualität verbessern

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Menschen-klima und umweltfreundliche Hochhäuser

In Mailand wurden 2014 zwei mit grün bedeckte Gebäude fertiggestellt. Die sogenannten

Bosco Verticale (Vertikaler Wald). Die Bäume, Büsche und Pflanzen, die dort wachsen,

dienen nicht nur der Optik - grün statt grau. Die Designer wollten u.a. dazu beitragen,

die schlechte Luft in der Stadt zu verbessern.

Der italienische Architekt Stefano Boeri und seine Partner planten die beiden 110 und 80

m hohen Wohngebäude neben Mailands zweitgrößten Bahnhof Milano Porta Garibaldi.

Man wollte den urbanen Raum möglichst effektiv nutzen, ihn nicht weiter zersiedeln und

gleichzeitig die Biodiversität und die Lebensqualität in der Großstadt verbessern. Mit der

Bepflanzung der Türme wurden neue Lebens- und Nahrungsräume für Insekten und Vögel

geschaffen. Etwa 900 Bäume zwischen 3 und 5 m Höhe sowie 2000 weitere Pflanzen an

den Fassaden sollen das Mikroklima in den Wohnungen und auf den Balkonen verbessern,

Schatten spenden, sowie Lärm, Staub und Hitze mildern. Mit diesem Konzept gewann Stefano

Boeri im Jahr 2014 den mit 50.000 Euro dotierten Internationalen Hochhauspreis.

Die Pflanzungen erfolgten in 1,3 m tiefen Betonwannen die mit Gittern verankert sind. Die

Gewächse wurden speziell für die Besonderheiten der engen Wachstumsbedingungen an

einer Fassade gezüchtet und sind Gemeinschaftseigentum. Gepflegt werde sie von Gärtnern

die sich von einem am Dach installierten Kran abseilen. Die Bewässerung erfolgt durch

ein Schlauchsystem, mit Wasser aus einem Becken im Keller, in dem das Brauchwasser der

Häuser gesammelt wird.

Weltweit entstehen nach diesem Konzept weitere Gebäude. Dass dies sogar im sozialen

Wohnungsbau möglich ist, zeigt Eindhoven, in den Niederlanden, mit dem Bau des Trudo

Vertical Forest. Dieser beherbergt 125 Sozialwohnungen, auf 19 Etagen, mit niedrigen Mieten

und hoher Wohnqualität. Errichtet wurde der Turm mit vorgefertigten Betonmodulen,

was die Baukosten deutlich reduzierte.

Gerade im Zusammenhang mit der Linzer Stadtplanung zeigen diese Beispiele, dass

Hochhäuser menschen-, klima und umweltfreundlich gestaltet sein können - grün statt grau.

Eveline Steinbacher


EINDHOVEN

... wo 40 Prozent der Wege mit dem Rad zurückgelegt werden

Die niederländische Stadt Eindhoven zählt bereits jetzt zu einer der attraktivsten

Städte für RadfahrerInnen in den Niederlanden bzw. Europa. Aufgrund seiner gut

ausgebauten Infrastruktur werden rund 40% der Fahrten in der Stadt mit dem Rad zurückgelegt.

Doch nicht nur innerstädtisch, auch regional forciert die Politik die Weiterentwicklung.

Um das stark steigende Verkehrsaufkommen zwischen Eindhoven, Veldhoven

und Meerhoven in Zukunft bewältigen zu können, hatten VerkehrsplanerInen eine

innovative Idee. Dabei stand die Sicherheit der einzelnen VerkehrsteilnehmerInnen im

Fokus. Sie teilten, den damals noch ebenerdigen Kreisverkehr, an dem die vier Hauptverkehrsachsen

mit täglich ca. 25.000 Fahrzeugen aufeinandertreffen, auf mehrere Ebenen

auf und trennten so die einzelnen VerkehrsteilnehmerInnen voneinander. Sie schufen

den ersten schwebenden Kreisverkehr der Welt für Radfahrende namens Hovenring. Bei

Dunkelheit ist die Konstruktion prächtig beleuchtet. Ein markantes Eingangstor zur Stadt.

Eveline Steinbacher

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Da kumt de Sun -

auf Sonnenwegen

Wir verbrauchen immer mehr Energie.

Die Wege mehr Energie zur

Verfügung zu haben sind vielfältig. Wasser,

Wind und Sonne liefern umweltfreundlichen

Strom. Für letztere werden Sonnenkollektoren

inzwischen auf Dächern, über Feldern ...

angebracht. Wo finden wir weitere Flächen

zur Energiegewinnung? Eine innovative Idee

aus der Schweiz könnte uns inspirieren.

In der Westschweiz gibt es eine Weltneuheit

- abnehmbare Solarmodule auf Bahnstrecken.

Erfunden hat diese das kleine

Schweizer Startup Sun-Ways. Dieses bestätigte Anfang Oktober, dass nach zehn Monaten,

in denen Prototypen gebaut, getestet, Ergebnisse gemessen und von Sachverständigen

bewertet wurden, das Schweizer Bundesamt für Verkehr der Firma nun die Erlaubnis erteilte,

ihre Technologie auf einer für den Verkehr freigegebenen Bahnstrecke im Kanton

Neuenburg zu testen.

Eine Weltneuheit - zum ersten Mal werden Solarmodule zwischen Schienen installiert

und Züge werden über sie hinwegfahren. Dieses Projekt nutzt den ungenutzten Gleisraum

der Eisenbahn und wandelt ihn in eine erneuerbare Energiequelle um. Sun-Ways hat als

erste Firma in Zusammenarbeit mit der Eidgenössischen Technischen Hochschule Lausanne

(EPFL) ein entfernbares System patentieren lassen. Die Solarmodule können per Hand

ausgetauscht oder maschinell eingefügt werden, letzteres mithilfe einer speziellen Bahntrassen-Maschine

der Gleiswartungsfirma Scheuchzer SA. 1000 m2 Solarmodule sollen so

täglich installiert werden können. Jedes Element der Solaranlage lässt sich für Wartungsarbeiten

rasch entfernen.

Sun-Ways ist an ähnlichen geplanten Projekten in Südkorea, Spanien und Rumänien beteiligt.

Mit potenziellen Partnern in China, Thailand, Australien und den USA sind Gespräche

im Gang.

Welchen Nutzen für die Umwelt könnte

die Solar-Schienen-Technologie haben?

Laut Sun-Ways könnten auf sämtlichen

5317 Kilometern des Schweizer Bahnnetzes

Solarmodule installiert werden. Dadurch

könnte das nationale Schienennetz bis zu 1

Terawattstunde (TWh) Solarenergie pro Jahr

produzieren. Eine Idee auch für Österreich.

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Zum Video

> Mehr Infos

Eveline Steinbacher


Unterstützung unserer Petition

gegen den rechtsextremen RFJ

Das Netzwerk gegen Rassismus und Rechtsextremismus unterstützt die Forderung an die OÖ Landesregierung

nach Streichung der Förderung des RFJ.

Am 10. Oktober 2024 fand erneut das große Netzwerktreffen gegen Rassismus und

Rechtsextremismus im Schloss Puchberg bei Wels statt. Seitens der Solidarwerkstatt

brachten wir einen Antrag auf Unterstützung unserer Petition für eine Streichung der Förderung

des Landes Oberösterreich für den rechtsextremen RFJ ein, welcher einstimmig

angenommen wurde. Dieses Thema ist – nicht erst seit der Stimmenzunahme der FPÖ –

höchst relevant.

Wie die Website „Stoppt die Rechten“ recherchierte, werden in der Jugendorganisation

der FPÖ offen faschistische Inhalte propagiert. Unter anderem wird auch die Idee einer

„Remigration“ bereitwillig aufgegriffen. Man will eine Gesellschaft von „normalen Österreichern“

und spricht diese selbst Menschen mit Staatsbürgerschaft ab. Diese Ideologie ist

im Kern nur mit Gewalt umsetzbar. Auch wird Vokabular aus dem Umfeld der Identitären

verwendet, neofaschistische Literatur wird als „politische Bildung“ angepriesen. Der RFJ

geht sogar so weit, von einem „lebensbedrohlichen Abwehrkampf“ gegen den sogenannten

„Bevölkerungsaustausch“ zu sprechen und sich selbst als Organisation, welche diesem

entgegentritt, zu inszenieren.

Es ist inakzeptabel, dass das Land Oberösterreich solche demokratiefeindliche Ideologie

jährlich mit 75.000 Euro „Jugendförderung“ unterstützt – während Organisationen, die

sich tatsächlich um das Wohlergehen junger Menschen kümmern, dringend mehr Gelder

brauchen. Gerade vor dem Hintergrund der zunehmenden Unterstützung oder Tolerierung

solchen Gedankengutes ist es aber besonders wichtig, dem entgegenzuhalten. Daher bitten

wir weiterhin, die Petition zu unterzeichnen und zu teilen, um gemeinsam genug Druck

für ein Ende dieser Förderung zu machen. Bereits einmal hat sich ein solcher Einsatz bezahlt

gemacht: Im Jahr 2022 stoppte das Land Oberösterreich Förderungen für rechtsextreme

Burschenschaften – nachdem über 1.000 Personen eine entsprechende Petition der Solidarwerkstatt

unterschrieben. Das Engagement gegen die extreme Rechte zahlt sich aus.

Gemeinsam schaffen wir es auch in diesem Fall.

Andreas Schütz

Zum Video

Antifa-Netzwerktreffen am 12.10.202 auf Dorf TV

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OÖ: 10.000 Arbeitslose mehr - 10 % weniger

Geld fürs AMS

Die wirtschaftliche Lage

trübt sich weiter ein.

Die Zahl der Arbeitslosen in

Oberösterreich ist im Dezember

2024 (inkl. AMS-SchulungsteilnehmerInnen)

auf fast

56.000 geklettert. Das sind rd.

5.000 mehr als im Dezember

2023 und 10.000 mehr als im

Dezember 2022. Ein Zuwachs

um fast 22 Prozent. Gleichzeit

ist die Zahl der offenen Stellen

um mehr als 10.000 zurückgegangen. Kamen im Dezember 2022 1,6 Arbeitslose auf

eine offene Stelle, so stellten sich im Dezember 2024 mit 3,2 bereits doppelt so viele

Arbeitslose um eine offene Stelle an. Auch im Arbeitsmarktbezirk Linz zeigt sich eine

ähnliche Tendenz.

Die Krise der deutschen

Automobilindustrie trifft gerade

Oberösterreich mit seinen

Zulieferindustrien schwer.

Statt eines „Weiter so“ wäre

es jetzt wichtig, Arbeitsplätze

in zukunftsfähigen Branchen

zu schaffen – Öffentlicher Verkehr,

erneuerbare Energie,

sozialer Wohnbau, Pflege,

Gesundheit usw. Da ist die öffentliche

Hand gefordert. Das

AMS müsste jetzt verstärkt

Geld für eine aktive Arbeitsmarktpolitik

ausgegeben, die Ausbildung und Umschulung großzügig fördert. Doch

weit gefehlt. Die Rückkehr der EU-Austeritätspolitik gefährdet Zukunftsinvestitionen. Das

Budget für das AMS soll in Oberösterreich für 2025 soll um 10 Prozent gekürzt werden.

Nur für Rüstung und Autobahnen scheint das Geld zu sprudeln.

Für eine sozialökologische und friedensorientierte Wende!

Die Solidarwerkstatt Österreich hat Ideen entwickelt, wie eine sozialökologische und friedensorientierte

Wende gelingen kann. In 12 Themen haben wir skizziert, wie ein zukunftsfähiger

Weg aus der Krise gefunden werden kann. Denn Widerstand braucht Perspektive!

Mehr darüber erfahren hier im Falter

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Verschiedene Initiativen, darunter die Solidarwerkstatt Österreich, laden ein:

EU-Mercosur – Ein giftiges Abkommen

Wie den Widerstand organisieren?

Aktionstreffen, Donnerstag 13. März 2025

18 Uhr, JZ Stuwe, Steingasse 5, 4020 Linz

Das EU-Mercosur-Freihandelsabkommen ist ein giftiges Abkommen: Es gefährdet das

globale Klima genauso wie die regionale Landwirtschaft, es treibt die Abholzung des Regenwaldes

für die Agroindustrie an und ruiniert bäuerlicher Existenzen, vergiftet die Umwelt

und unsere Ernährungsgrundlagen durch verstärkte Pestizidexporte, bremst die Mobilitätswende

durch Ankurbelung der Autoindustrie aus und führt zur Ausbreitung prekärer Arbeitsverhältnisse.

Es droht auf beiden Seiten ein zerstörerischer Wettlauf nach unten – mit

neokolonialer Ausbeutung des Südens, Menschenrechtsverletzungen und Aushöhlung von

Verbraucherschutz und Tierwohl.

Es gibt viele Gründe, gegen dieses giftige Abkommen aktiv zu werden. Die EU-Kommission

will dieses Abkommen im nächsten Halbjahr durchsetzen. Um die Mitspracherechte

der nationalen Parlamente auszuhebeln, ist geplant, das Abkommen in einen Freihandelsund

politischen Teil aufzuspalten. Bei diesem Treffen wollen wir daher nicht nur informieren,

sondern versuchen, zu gemeinsamen Widerstandsaktionen zu kommen, um dieses für

Mensch und Umwelt toxische Abkommen zu verhindern.

Kontakt: office@solidarwerkstatt.at

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FRIEDENSWANDERUNGEN, So., 23. März 2025

Frauen für Frieden OÖ und Wandern für den Frieden rufen zu

Friedenswanderungen in veschiedenen Orten in OÖ (Linz, Ried/I.,

Braunau, Ernsthofen, .... sowie im Mühlviertel) auf.

Linz: Treffpunkt: Friedensdenkmal Schillerpark, 14h

Ried/Innkreis: Treffpunkt, Hauptplatz, Dietmarbrunnen 14h

Mehr Informationen unter: frauenfuerfrieden.ooe@posteo.at-

Nutzen wir dir die Gelegenheit, gemeinsam für den Frieden

ein Zeichen zu setzen!


Gewerkschaft vida und

KlimaaktivistInnen gemeinsam

A

m 23. Jänner protestierten die BetriebsrätInnen der Gewerkschaft vida für einen Kollektivvertrag

bei den BusfahrerInnen, der u.a. endlich Überstundenzuschläge für die

Arbeit an Sonn- und Feiertragen und Verbesserungen bei den Arbeitszeiten vorsieht. In der

Branche sind Überstunden und Schichtdienste bis zu 15 Stunden an der Tagesordnung.

Dem Personalmangel in der Branche muss dringend mit einer Verbesserung der Arbeitsbedingungen

begegnet werden. Die Gewerkschaftsaktion wurde von KlimaaktivistInnen

unterstützt. Denn: Eine klimafreundliche Mobilitätswende mit mehr Öffentlichem Verkehr

braucht auch gute Arbeitsbedingungen und mehr Personal.

SOLiNZ - wir über uns

SOLiNZ – Solidarisches Linz – ist das Online-Medium der Solidarwerkstatt-Kommunalgruppe

Linz. Wir verstehen uns als Nachbarschaftszeitung in mehrfacher Hinsicht: Unser

Schwerpunkt liegt auf Linz und seinen Nachbargemeinden; auch Nachbarschaftsthemen

– was tut sich im Grätzel? – wollen wir ein großes Augenmerk schenken; und wir wollen gute

Nachbarschaft fördern – im Sinne von Zusammenstehen und gemeinsam Handeln statt sich

auseinander dividieren zu lassen. Wir wollen dazu ermutigen, solidarisch für eine soziale

und ökologische Stadtentwicklung, für Demokratie und Selbstbestimmung aktiv zu werden.

Dabei ist es unser Anspruch, mehr als eine Zeitung zum Lesen zu sein, indem wir Text, Video

und Audio miteinander verknüpfen.

Wir sind von Parteien und Konzernen unabhängig. Aber wir sind abhängig davon, dass

Menschen mithelfen, SOLiNZ zu gestalten und zu verbreiten. Wenn auch du dazu Lust

hast, schau bei unseren 14-tägigen Kommunalgruppen-Treffen vorbei oder schick uns

deine Ideen!

KONTAKT:

Solidarwerkstatt-Büro, Waltherstraße 15, 4020 Linz, T 0732 77 10 94 od. 0664 15 40 742.

office@solidarwerkstatt.at, www.solidarwerkstatt.at, www.facebook.com/solidarwerkstatt

Wir freuen uns auch über finanzielle Unterstützung für unser Zeitungsprojekt SOLiNZ:

Raiffeisenbank Perg, IBAN: AT42 3477 7000 06274146, BIC: RZOO AT2L 777. Vielen Dank!

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