Landesreport Baden-Württemberg Ausgabe 1/2025
Informationen für den Mittelstand und den freien Berufen in Baden-Württemberg
Informationen für den Mittelstand und den freien Berufen in Baden-Württemberg
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INFORMATIONEN FÜR DEN MITTELSTAND UND DEN FREIEN BERUF IN BADEN-WÜRTTEMBERG
NR. 1, 45. JAHRGANG
DIE DEUTSCHE INDUSTRIE
IN DER ZWICKMÜHLE
» 6
LANDESREPORT | BADEN-WÜRTTEMBERG | Januar-Februar | 1-2025
2
INHALT
4 STIMMEN DES
MITTELSTANDES
KOLUMNE VON
WOLFGANG STEIGER:
WARUM DEUTSCHLAND
VON GUTEN ABSICHTEN
NICHT WIEDER
WETTBEWERBSFÄHIG
WIRD
7 WIRTSCHAFT
JEDER ZWEITER WILL WEG
8 WIRTSCHAFT
MILLIONEN MENSCHEN
ARBEITEN HIERZULANDE
SCHWARZ
14 PR-BERICH
NACHFOLGER GESUCHT
16 LANDESPOLITIK
DIGITALISIERUNG:
207 MILLIONEN EURO
FÜR DEN BREITBAND-
AUSBAU IM LAND
5 STIMMEN DES
MITTELSTANDES
WOLFGANG STEIGER:
KEINE ANGST
VOR TRUMP!
6 WIRTSCHAFT
SCHWACHE KONJUNKTUR:
DIE DEUTSCHE INDUSTRIE
IN DER ZWICKMÜHLE
IMPRESSUM
LANDESREPORT
BADEN-WÜRTTEMBERG
Informationen für den Mittelstand
und den Freien Beruf in Baden-Württemberg
HERAUSGEBER: Martina Knöpfle
VERANTWORTLICH FÜR DEN INHALT & GESTALTUNG:
Karin Richter
VERLAG UND GESAMTHERSTELLUNG:
Knöpfle Medien UG (haftungsbeschränkt)
Winnender Straße 20 | 71522 Backnang
Telefon 07191 34338-0 | Telefax -17
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GESCHÄFTSFÜHRERIN: Martina Knöpfle
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JAHRESBEZUGSPREIS: 300,00 ¤
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9 POLITIK
WIRD DAS
DEUTSCHLANDTICKET
EIN AUSLAUFMODELL?
10 POLITIK
FACHKRÄFTEMANGEL:
KOMMUNEN
BUHLEN UM
EX-SOLDATEN
11 AUS DEM
BUNDESTAG
INNENPOLITISCHER
RÜCKBLICK
13 AUS DEM
BUNDESTAG
INNOVATIONS-
FÖRDERUNG IN
STRUKTURSCHWACHEN
REGIONEN
14 AUS DEM
BUNDESTAG
STEIGENDE MIETEN WERDEN
IM ALTER ZUNEHMEND
EIN PROBLEM
16 LANDESPOLITIK
LAND FÖRDERT
DEUTSCHES
HANDWERKSINSTITUT
17 LANDESPOLITIK
IDEEN AUS
CLUSTERINITIATIVEN
UND NETZWERKEN
GESUCHT
18 LANDESPOLITIK
TOURISMUS:
BESUCHERREKORD
BEI STAATLICHEN
SCHLÖSSERN UND
GÄRTEN
NACHDRUCK nur mit ausdrücklicher
» 20
Genehmigung des Verlages gestattet.
» 14
LANDESREPORT | BADEN-WÜRTTEMBERG | Januar-Februar | 1-2025
22 KURZ NOTIERT
REINIGUNGSKRÄFTE
SCHLUSSLICHT
BEIM VERDIENST
3
22 KURZ NOTIERT
BAUGENEHMIGUNGEN
ERNEUT WENIGER
23 MARKTPLATZ
24 KURZ NOTIERT
19 WISSENSWERTES
IN WELCHEN FÄLLEN
WIRD DIE FAHRTZEIT
ZUR ARBEIT BEZAHLT?
19 WISSENSWERTES
WIRD MAN ZUM
FAHRTENBUCH
VERDONNERT?
20 NEUES AUS DER
VERBRAUCHERWELT
WARUM MEHLWURM-
PULVER IM ESSEN
JETZT ERLAUBT IST
22 KURZ NOTIERT
ERWERBSUNFÄHIG
WEGEN PSYCHISCHER
ERKRANKUNG
22 KURZ NOTIERT
DEUTSCHE FAHREN
AUF DER AUTOBAHN
LANGSAMER
22 KURZ NOTIERT
DEUTLICH MEHR KOSTEN
FÜR KRANKENHAUS-
BEHANDLUNGEN
KINOS VERKAUFEN
WENIGER TICKETS
24 KURZ NOTIERT
TÄGLICH
FAST ELF STUNDEN
MEDIEN
24 KURZ NOTIERT
WORÜBER
SICH GÄSTE
BESCHWEREN
24 KURZ NOTIERT
WEITER STEIGENDE
SCHÜLERZAHLEN
21 STEUERNEWS
WIRTSCHAFTS-
IDENTIFIKATIONS-
NUMMER KOMMT —
NUR NICHT FÜR ALLE
» 8
21 STEUERNEWS
PROBLEME BEI
STEUERERKLÄRUNG
DURCH E-REZEPT
LANDESREPORT | BADEN-WÜRTTEMBERG | Januar-Februar | 1-2025
4
KOLUMNE VON WOLFGANG STEIGER, GENERALSEKRETÄR DES WIRTSCHAFTSRATES
WARUM DEUTSCHLAND VON GUTEN ABSICHTEN
NICHT WIEDER WETTBEWERBSFÄHIG WIRD
Bekanntlich attestierte Friedrich August
von Hayek vielen Sozialisten zumindest
löbliche Absichten und hehre Ziele. In
aller Härte und geradezu unerbittlich
kritisierte er jedoch ihre ungeeigneten
Werkzeuge, ihr völliges ökonomisches
Unverständnis und ihre politische Naivität,
die in der Konsequenz den „Weg
in die Knechtschaft“ weisen. Wer heute
versucht, sich an Hayeks wohlmeinenden
und nachsichtigen Maßstäben zu
orientieren, gerät im laufenden Bundestagswahlkampf
an seine Grenzen. Ökonomisches
Unverständnis entwickelt
sich dieser Tage vor unseren Augen zur
Exponentialfunktion.
Beispiel Altersvorsorge: Die gesetzliche
Rentenversicherung rät den Bürgern
schon seit Jahren, privat fürs Alter vorzusorgen.
Doch genau diese Eigenverantwortung
wird von Mitgliedern des
Bundeskabinetts konterkariert. Robert
Habecks unausgereifte Idee, Kapitalerträge
mit Sozialabgaben zu belasten,
hat zurecht für einen Sturm der Entrüstung
gesorgt. Der Vorschlag ist von
vorne bis hinten nicht zu Ende gedacht
und wird auch nicht besser, wenn man
etwas von solidarisch und Bürgerräten
hinterherschiebt.
Die Diskussion offenbart ein erschreckendes
Unverständnis in Bezug auf
die Grundlagen der Sozialversicherung
samt Beitragsbemessungsgrenzen und
Freibeträgen sowie auf die Erfordernisse
zur Altersvorsorge. Gesundheitsminister
Lauterbach entrüstet sich zeitgleich
über die Werbung einer Investmentplattform
mit dem Slogan: „Rentenreform:
Jetzt downloaden.“ und empfindet
diese als einen „Hohn“. Es ist doch
unfassbar: Unternehmen werden dafür
attackiert, dass sie Lösungen für Probleme
anbieten, die politische Versäumnisse
erst geschaffen haben und fleißige
Menschen, die sich aus versteuertem
Geld und ohne staatliche Unterstützung
etwas ansparen wollen, werden für ihre
Weitsicht immer weiter zur Kasse gebeten
und obendrein diskreditiert.
Beispiel Schuldenpolitik: In den USA
hat Ex-Präsident Joe Biden mit dem
„Inflation Reduction Act“ ein riesiges
schuldenfinanzierten Subventionsprogramm
aufgelegt. Doch das Programm
hat sich als „Inflation Perpetuation Act“
herausgestellt und die massive Liquidität
dazu beigetragen, dass die Inflation
so lange hoch blieb. Die kumulierte
Kerninflation von 2021 bis 2024 betrug
in den USA sportliche 24 Prozent. Genau
diese „klebrige Inflation“ war nach fast
allen Analysen einer der zentralen Gründe
für den Wahlsieg von Donald Trump.
Auch eine neue Studie des IfW Kiel zeigt,
dass hohe Inflation ein wesentlicher Baustein
sein kann, der zu Stimmenzuwächsen
bei populistischen Parteien führt.
Umso verblüffender ist es, dass Kanzlerkandidat
Habeck genau dieses Programm
nun zu seiner „zentralen wirtschaftlichen
Botschaft“ erhebt. Die USA hätten auf
Krisensituationen mit großen Investitionsprogrammen
reagiert. „Das hätten
wir auch machen sollen. Haben wir nicht.
Jetzt würde ich es gerne anverhandelt
an die deutsche Wirtschaftspolitik in der
nächsten Legislatur machen“ so Habeck.
Es löst sich damit immer noch nicht von
der folgenschweren Vorstellung, Wohlstand
lasse sich mit großzügigen Krediten
gleichsetzen und die Herausforderungen
mangelnder Wettbewerbsfähigkeit
sich durch das reflexartige Zuschütten
mit staatlichem Geld oder politisches Mikromanagement
beheben. Die Ausgangslage
ist längst viel zu düster, um dem
Treiben mit Hayeks nachsichtiger Geduld
zu begegnen.
Vielmehr gilt es offen zu benennen, wohin
dieser Kurs führt. In der aktuellen
Wachstumsprognose hat der Internationale
Währungsfonds seinen Ausblick auf
Deutschland drastisch nach unten korrigiert.
Schlusslicht, letzter Platz der 30
wichtigsten Volkswirtschaften. Dieses
schlechte Ergebnis ist nicht vom Himmel
gefallen: Deutschland ist mit seinen zu
hohen Steuer-, Regulierungs-, Arbeitsund
Energiekosten derzeit schlicht kein
wettbewerbsfähiger Wirtschafts- und Investitionsstandort.
Die vordringlichste
Aufgabe einer verantwortungsvollen Wirtschaftspolitik
ist es, in jeder dieser vier
Kostenkategorien spürbare Entlastungen
durch bessere Rahmenbedingungen zu
schaffen. Es braucht Kostensenkungen
und Leistungsanreize -sprich: Reformen.
Dieser Kernauftrag der Wirtschaftspolitik
wurde zu lange sträflich vernachlässigt.
Die notwendigen Entlastungen werden
absehbar auch mit höheren Haushaltsbelastungen
einhergehen. Hier
hat in den letzten Wochen der Begriff
Gegenfinanzierung in bemerkenswerter
Weise Einzug in die politische Debatte
gefunden. Insbesondere erstaunt es,
dass einige Parteien mittlerweile die
Reform oder Verwässerung der Schuldenbremse
ernsthaft für ein Modell der
Gegenfinanzierung halten. Das ist ein
Drehbuch dafür, dass man sich auch
morgen überrascht von der Realität umzingelt
fühlen wird. Es wird völlig ausgeblendet,
dass es auch europäische
Restriktionen gibt und weitere Schulden
auch zu steigenden Zinszahlungen führen.
Schon 2024 wurden fast 40 Milliarden
Euro allein für Zinsen benötigt.
Wir haben zudem bereits reichlich Lasten
in die Zukunft geschoben, die uns
schon bald einholen werden. Ab 2028
werden die Tilgungsverpflichtungen aus
den Corona-Notlagenkrediten mit 9,2
Milliarden Euro jährlich fällig, die Rückzahlung
der in Anspruch genommenen
Kredite aus dem EU-Wiederaufbaufonds
stehen ebenfalls an und auch das Sondervermögen
Bundeswehr wird dann
ausgeschöpft sein.
Nicht weniger unfundiert als die Ideen
zur „Reform“ der Schuldenbremse ist
die Erzählung, „Gegenfinanzierung über
eine Vermögenssteuer“. Hier fehlt das
Bewusstsein, dass eine wirtschaftlich
schädliche Substanzsteuer andere Steuereinnahmen
kostet, über Wirtschaftswachstum,
Beschäftigung und Investitionen.
Die Reise muss in die andere Richtung
gehen. Jedes Prozent Wachstum bringt
zehn Milliarden Euro höhere Staatseinnahmen.
100.000 Menschen in den
Arbeitsmarkt zu integrieren, bedeutet
etwa 3 Milliarden Euro mehr Einnahmen
und weniger Ausgaben. Die Fokussierung
des Begriffs Gegenfinanzierung
suggeriert zudem, dass die hohe Staatsquote
in Stein gemeißelt ist und es im
Haushalt keine Priorisierungs- und Effzienzpotenziale
gebe.
Doch bei einem Bundeshaushalt, der
von 2011 bis 2023 insbesondere erhebliche
Steigerungen der Transfer- und
Konsumausgaben auswies, finden sich
reichlich Spielräume zur Konsolidierung.
Allein die drei großen Blöcke Bürgergeld,
Migration und Subventionen bieten
Einsparmöglichkeiten von deutlich
über 50 Milliarden Euro.
LANDESREPORT | BADEN-WÜRTTEMBERG | Januar-Februar | 1-2025
STIMMEN DES MITTELSTANDES
5
Wolfgang Steiger:
KEINE ANGST VOR TRUMP!
Europa und Deutschland müssen jetzt endlich beherzt handeln und
die neue Amtszeit von Donald Trump als Chance begreifen
Wachstum und Wohlstand auf europäischer
Ebene sowie eine schlagkräftige europäische
Initiative zur Förderung von Forschung
und Entwicklung.“ Wolfgang Steiger weiter:
„Die Wahl Donald Trumps ist ein demokratischer
Fakt, mit dem wir jetzt schlicht und
ergreifend umgehen müssen.
Nach der Amtseinführung des neuen USamerikanischen
Präsidenten fordert der
Wirtschaftsrat Mut und ein Ende der Naivität
in der EU und Deutschland. Gefragt sei
jetzt eine Politik der Entschlossenheit, um
die eigene Wettbewerbsfähigkeit durch notwendige
Reformen spürbar zu steigern.
Ein wesentliches Motiv für die Wahlentscheidung
der Amerikaner sei die Erwartung
gewesen, dass Trump liefere. Die
direkt nach Amtseinführung umgesetzten
Maßnahmen würden zeigen, dass Trump
diese Erwartung sehr ernst nähme. „Daran
sollte sich Deutschland ein Beispiel nehmen
- nicht unbedingt hinsichtlich des Inhalts
der Politik, aber sehr wohl hinsichtlich
der Bereitschaft, beherzt zu handeln und
die Interessen des eigenen Landes robust
zu vertreten“, sagte Wolfgang Steiger, Generalsekretär
des Wirtschaftsrates der CDU
e.V. "Die Zeit der Sonntagsreden ist seit diesem
Tag endgültig vorbei."
Nachdem zunächst innenpolitische Themen
im Vordergrund standen, sei zu erwarten,
dass die Trump-Administration in den
nächsten Wochen zunehmend auch außenpolitische
Themen bearbeite. Dies könne
dann auch die EU und Deutschland unmittelbar
treffen.
„Die Zollthematik, Leistungsbilanzüberschüsse
und die Verteidigungsausgaben
der NATO-Mitgliedsstaaten - das alles ist
natürlich nicht vom Tisch und eine abgestimmte
Haltung und klare Antwort dazu
ist zwingend erforderlich“, sagt Wolfgang
Steiger. So brauche es beispielsweise eine
europäische Außenhandelsstrategie, um
gemeinsame Interessen effektiver als bislang
zu vertreten. „Das Klein-Klein in der
EU schadet nur uns. Ohne eine einheitliche
Stimme werden wir im Systemwettbewerb
zwischen China und den USA zerrieben.
Wenn wir diese Stimme aber finden, dann
ist Trumps zweite Amtszeit eine einmalige
Gelegenheit, sich endlich zu emanzipieren
und notwendige Themen gemeinsam anzupacken.“
Bei der Produktivität hinke die EU
den USA bereits 20 Prozent hinterher. Damit
sich dieser Abstand nicht weiter vergrößert,
könne die nächste Bundesregierung
einen gewichtigen Beitrag liefern, indem
sie eine wirtschaftspolitische Wende herbeiführe.
Notwendige Schritte dafür lägen
auf der Hand, sie müssten aber endlich
systematisch angegangen werden. „Dafür
braucht es Entlastung und Deregulierung
auf allen Ebenen, wettbewerbsfähige Energiepreise,
eine Reform der Sozialsysteme
mit stärkeren Arbeitsanreizen, eine echte
Kapitalmarktunion zur Finanzierung von
Wir müssen anfangen mit ihm zu arbeiten.
Es ist jetzt die Zeit der Transatlantiker,
denn unser Verhältnis zu den USA wird
auch weiterhin ein essenzielles Fundament
unseres Wohlstands bleiben.“
F
LANDESREPORT | BADEN-WÜRTTEMBERG | Januar-Februar | 1-2025
6
WIRTSCHAFT
Schwache Konjunktur:
DIE DEUTSCHE INDUSTRIE IN DER ZWICKMÜHLE
Die Börsen im Höhenflug, die Wirtschaft im Tal: Die künftige Regierung wird viel zu tun haben. Doch auch auf die deutsche Wirtschaft
kommt einiges zu. Muss sich Deutschland neu erfinden?
Der ifo-Geschäftsklimaindex dümpelt. Mal
bewegt er sich ein bisschen nach unten,
dann wieder ein bisschen nach oben, aber
so richtig von der Stelle kommt er nicht. Er
ist weit von seinen 100 Punkten entfernt,
auf denen er regelmäßig zwischen den Jahren
2010 und 2019 taxiert wurde. Diesmal
sind es wieder so um die 85 Punkte - die
aktuelle Lage ist ein wenig besser, die Aussichten
sind dafür schlechter. Ein Ausreißer
nach oben ist nicht in Sicht. Dafür tue
sich aber auch zu wenig in der deutschen
Wirtschaft, sagte Moritz Kraemer von Landesbank
Baden-Württemberg. Es fehle vor
allem an Investitionen.“ Wir haben einen
riesigen Investitionsstau an Infrastruktur,
und das muss behoben werden. Das ist
aber ein Projekt, das mehr als eine Legislaturperiode
brauchen wird, weil sich diese
Infrastruktur-Lücke während der letzten 20
Jahre aufgetan hat. Das können wir jetzt
nicht auf die Schnelle korrigieren“, so Kraemer.
Dabei gehe es nicht nur um Straßenbau, die
Bahn, Schulen oder Kindergärten, so Marktanalyst
Andreas Lipkow. Extremer Nachholbedarf
bei der Digitalisierung. Das sei ein
ganz wesentlicher Punkt. Es gibt nach wie
vor Unternehmen - das kann man sich nicht
vorstellen, die arbeiten noch mit Fax. Ein
weiteres Problem sei die internationale
Konjunktur, vor allem in China. Wenn die
nicht läuft, und wenn auch die in den USA
stagniert, dann ist auch der deutsche Maschinenbau
stagnierend unterwegs.
NEUE ZEITEN, ANDERE ANSPRÜCHE
Der Maschinenbau, ein Herzstück der deutschen
Industrie im vergangenen Jahrhundert.
Als auch Autos aus Deutschland ihre
große Zeit hatten, als sie das Bild auf den
Straßen in China geprägt haben. Das sei
vorbei, auch weil sich die Ansprüche geändert
hätten, so Lipkow.“ Die deutschen
Autofirmen sind vor allem bei der Software,
die in den Autos verbaut wird, absolut ins
Hintertreffen geraten. Man hat hier einfach
versäumt, den Anschluss zu behalten.“ Das
falle momentan den Unternehmen aus diesem
Sektor auf die Füße und strahle auch
auf andere Sektoren wie Chemie und Maschinenbau
aus - „also auf die Schlüsselindustrie
in Deutschland“, sagte Lipkow.
ABWANDERN ODER HIER BLEIBEN?
Für die nahe Zukunft sieht Moritz Kraemer
von der LBBW kein Licht am Ende des Tunnels.
Solange es Deutschland nicht schaffe,
die Energiewende erfolgreich zu vollenden
und auf den Import fossiler Energieträger
angewiesen bleibe, werde es vor allem die
energieintensive Industrie schwer haben,
konkurrenzfähig zu bleiben.“
Wir werden nicht mit den
Energiepreisen in Ländern wie
den USA oder Skandinavien
konkurrieren können. Daher
können wir nicht einfach so
weitermachen. Das ist kein
Erfolgsrezept. Wir müssen uns
anpassen an die Welt, die sich
um uns herum verändert“,
sagte Kraemer. Was zur Folge
haben wird, dass deutsche
Unternehmen mehr als ohnehin
schon dorthin gehen, wo
es genau diese kostengünstigere
Energie gibt - zum Beispiel
in die USA. Das ist ganz
im Sinne der neuen US-Administration.
Das bedeutet aber
auch, dass deutsches Geld
verstärkt ins Ausland geht;
Geld, das dann wiederum für
die dringenden Investitionen
hierzulande fehlt. Die deutsche
Industrie steckt in der
Zwickmühle.
F
LANDESREPORT | BADEN-WÜRTTEMBERG | Januar-Februar | 1-2025
hen. 44 Prozent der Befragten, die trotz Unzufriedenheit
an ihrem aktuellen Arbeitsplatz
festhalten, fehlt der Wechselwille mit
der der Jobsicherheit. Jeder Vierte schätzt
darüber hinaus die finanzielle Stabilität der
derzeitigen Arbeitssituation. Ebenso viele
haben außerdem Angst, dass sich ihre
Lage durch einen Wechsel verschlechtern
könnte.
7
JEDER ZWEITER
WILL WEG
Viele Beschäftigte sind im Job unzufrieden.
Doch die wirtschaftliche Unsicherheit hält
sie oft von der Kündigung ab.
Mehr als jeder zweite Beschäftigte in
Deutschland will seinen Job wechseln. 55
Prozent der Arbeitnehmer geben in einer
Befragung im Auftrag von Indeed an, wechselwillig
zu sein. Befragt wurden rund 550
Arbeitnehmer zwischen 18 und 65 Jahren.
Trotz der anscheinend hohen Unzufriedenheit
vieler Beschäftigter ist die Wechselwilligkeit
rückläufig. Vor einem Jahr gaben
bei der gleichen Umfrage noch 61 Prozent
der Arbeitnehmer an, sich nach einer neuen
Stelle umzusehen. Der Grund für diese
Diskrepanz zwischen Wunsch und Wirklichkeit:
Die Lage am Arbeitsmarkt hat sich
deutlich getrübt.
Zwar dominiert immer noch der Arbeitsund
Fachkräftemangel. Doch die Zahl der
offenen Stellen hat sich von ihrem Höhe-
punkt von annähernd zwei Millionen im
Jahr 2023 auf der derzeit rund 1,3 Millionen
beinahe halbiert. Die Einstellungsbereitschaft
vieler Firmen hat sich im Zuge der
Konjunkturkrise deutlich verschlechtert.
Und bei vielen Unternehmen, gerade im
verarbeitenden Gewerbe, stehen die Zeichen
sogar auf Abbau: Die Arbeitslosenzahl
kratzt an der Drei-Millionen-Mark, die führenden
Forschungsinstitute rechnen mit einem
Jahresdurchschnitt von mehr als sechs
Prozent. Die unsichere Lage dürfte also der
Grund dafür sein, dass jeder fünfte Angestellte
(21 Prozent) trotz Unzufriedenheit
im aktuellen Job verweilen will. Das sind
doppelt so viele wie noch vor einem Jahr.
Der angekündigte Stellenabbau in der Autobranche,
bei Zulieferern oder in der Industrie
habe die Arbeitnehmer verunsichert.
In diesem fragilen Umfeld sehnen sich die
Menschen nach Sicherheit und verweilen
in ihren Jobs, obwohl sie unzufrieden sind,
statt mit einer neuen Stelle ins Risiko zu ge-
Knapp jeder Fünfte will allerdings aktiv
nach einer Stelle suchen. Besonders wechselwillig
sind zufolge die Beschäftigen im
Bereich Bildung. Hier sind 41 Prozent der
Befragten offen für neue Jobs, jeder Vierte
will aktiv danach suchen. Für die Branche,
die ohnehin unter Personalmangel leidet,
ist das eine große Herausforderung. Wie
im Vorjahr ist die Aussicht auf ein besseres
Gehalt (51 Prozent) die größte Motivation
für Wechselgedanken. Fast genauso wichtig
ist ihnen mehr Flexibilität. 46 Prozent
der Arbeitnehmer hoffen auf den nächsten
Karriereschritt.
Die Arbeitsbelastung spielt ebenfalls eine
Rolle. Drei Viertel der Befragten (77 Prozent)
berichteten von Personalmangel,
das für die Firmen ein doppeltes Problem
darstelle. Denn der Mangel an Mitarbeitern
verstärkt den Wechselwillen bei den
bereits Beschäftigten. So überlegen zwei
Drittel (66 Prozent) derer, die von starkem
bis sehr starkem Personalmangel in ihrem
Unternehmen berichteten, diese im laufenden
Jahr zu verlassen. Das Zusammenspiel
aus Unzufriedenheit, hoher Arbeitsbelastung
wegen Personalmangels und dem
sich dadurch verstärkenden Wechselwillen
könnte sich zu einem Teufelskreis für die
Arbeitgeber entwickeln. Durch Mitarbeitende
die das Unternehmen verlassen, erhöht
sich der Personalmangel und die Unzufriedenheit
der verbliebenen Angestellten, die
dann auch über einen Arbeitsplatzwechsel
nachdenken.
F
8
LANDESREPORT | BADEN-WÜRTTEMBERG | Januar-Februar | 1-2025
MILLIONEN MENSCHEN ARBEITEN HIERZULANDE SCHWARZ
In Deutschland arbeiten mehr als drei Millionen Menschen
schwarz. Damit steht Deutschland im internationalen Vergleich
recht gut da. In einigen anderen Industriestaaten ist
die Schattenwirtschaft größer.
Schwarzarbeit ist einer Studie zufolge in Deutschland weit verbreitet.
In den vergangenen zwölf Monaten arbeiteten mindestens
3,3 Millionen Menschen am Finanzamt vorbei, wie aus
der auf einer Personenbefragung basierenden Untersuchung
des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW
Köln) hervorgeht. Das entspreche einem Anteil von 5,4 Prozent
der 15- bis 74-Jährigen. Die Schattenwirtschaft habe zwischen
2014 und 2024 rund zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts
ausgemacht, heißt es vom IW.
Um Schwarzarbeit zu bekämpfen, müsse die Politik die Steuerund
Abgabenlast senken, fordert das Institut. „Neue Gesetze,
Vorschriften und Kontrollen werden die Schwarzarbeit nicht
reduzieren“, sagte Studienautor und IW-Verhaltensökonom Dominik Enste: „Der
Staat muss die Ursachen bekämpfen. Schwarzarbeit ist so attraktiv, weil den Beschäftigten
zu wenig Netto vom Brutto bleibt.“
MÄNNER ARBEITEN HÄUFIGER SCHWARZ
So arbeiteten insbesondere Besserverdienende schwarz, weil sich der Betrug für
sie besonders lohne und sich häufiger die Gelegenheit dazu ergebe. Während
7,5 Prozent der Männer in den vergangenen zwölf Monaten am deutschen Fis-
kus vorbeigearbeitet haben, arbeiteten Frauen mit
3,5 Prozent seltener schwarz. Und auch beim Alter
fanden die Experten große Unterschiede: Elf Prozent
der jüngeren Menschen (18 bis 34 Jahre) haben
danach schwarzgearbeitet, bei den anderen Altersgruppen
sind es hingegen nur drei bis fünf Prozent.
In vielen anderen Industriestaaten ist die Schattenwirtschaft
dem IW zufolge noch größer. In Griechenland
(21,4 Prozent), Italien (20,4 Prozent), Spanien
und Portugal (rund 17 Prozent) liege der Anteil im
Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt deutlich über
dem von Deutschland. In den USA (5,8 Prozent), in
der Schweiz (6,2 Prozent) und in Japan (8,7 Prozent)
sei Schwarzarbeit dagegen weniger stark verbreitet,
aber immer noch höher als in Deutschland. F
with
by
xk-kling.de
LANDESREPORT | BADEN-WÜRTTEMBERG | Januar-Februar | 1-2025
POLITIK
9
WIRD DAS DEUTSCHLANDTICKET
EIN AUSLAUFMODELL?
Ob das Deutschlandticket über dieses Jahr hinaus besteht, bleibt ungewiss. Wenn es überlebt,
dann nur nach einer weiteren Hängepartie.
möglicht das Ticket bundesweit Fahrten in
sämtlichen Bussen und Bahnen des Nahund
Regionalverkehrs zum einheitlichen
Monatspreis. Es hat die unübersichtliche
Tarifstruktur im öffentlichen Verkehrssektor
erheblich vereinfacht.
HARTE VERHANDLUNGEN IN SICHT
Das Deutschlandticket bleibt ein Zankapfel
zwischen Bund und Ländern sowie den Parteien.
Bisher gibt es keine Klarheit darüber,
wie es im kommenden Jahr weitergeht. Die
Finanzierung des Tickets ist nur bis Ende
des Jahres gesichert. Nach der Bundestagswahl
droht eine Hängepartie. Zum Januar
war der Monatspreis um fast ein Fünftel
von 49 Euro auf 58 Euro gestiegen. Nach
Angaben des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen
(VDV) hat das aber nicht zu
einem Nachfrageeinbruch geführt. Nach
„Insgesamt verzeichnete der Verband 2024
rund 9,8 Milliarden Bus- und Bahnfahrer.
Das sind etwa 300 Millionen mehr im Vorwie
vor besäßen rund 13,5 Millionen Kunden
das bundesweite Ticket. „Wir sehen
definitiv keine Kündigungswelle durch die
Preiserhöhung“, erklärte VDV-Präsident
Ingo Wortmann. Angestrebt worden sei
zwar zum Jahreswechsel ein Verkauf von
15 Millionen Tickets. Grund dafür sei aber,
dass Unternehmen ihren Mitarbeitern die
Version als Job-Ticket noch wenig anböten.
Das sei verständlich, da die Finanzierung
und damit auch Preis des Tickets ab 2026
noch völlig unklar sei. Seit Mai 2023 er-
Bund und Länder bezuschussen das Ticket
mit je 1,5 Milliarden Euro. Damit sollen
Einnahmeausfälle bei Verkehrsbetrieben
ausgeglichen werden, denn die meisten
ÖPNV-Abos waren zuvor deutlich teurer.
Die Bundesmittel sind nur noch für dieses
Jahr festgeschrieben. Für eine Fortführung
des Tickets über 2025 hinaus müsste das
Regionalisierungsgesetz geändert werden.
Es drohen harte Verhandlungen, zumal die
Zuschüsse nach Angaben der Verkehrsbetriebe
nicht ausreichen. Laut einer Hochrechnung
des VDV hätte die Branche im
vergangenen Jahr 3,45 Milliarden Euro an
Ausgleichszahlungen benötigt.“
Die von Bund und Ländern jährlich zur Verfügung
gestellten drei Milliarden Euro werden
dauerhaft nicht ausreichen, um den
Verlust der Branche auszugleichen“, sagte
VDV-Präsident Ingo Wortmann. „Für eine
langfristige Finanzierung des Deutschlandtickets
braucht es verbindlich zugesagte Mittel
von Bund und Ländern in ausreichender
Höhe und inklusive einer jährlichen Dynamisierung,
damit das Ticket für die Fahrgäste
preislich attraktiv bleiben kann."
„WIRTSCHAFTLICHE LAGE SPITZT SICH ZU
LANDESREPORT | BADEN-WÜRTTEMBERG | Januar-Februar | 1-2025
10
Das Auto bleibe Verkehrsmittel Nummer
eins, vor allem im ländlichen Raum. Im
Wahlprogramm von CDU und CSU kommt
das Wort Deutschlandticket nicht vor. „Eine
der ersten Aufgaben der neuen Bundesregierung
muss es sein, die Finanzierung des
Tickets langfristig abzusichern“, erklärte
dagegen Nordrhein-Westfalens Verkehrsminister
Oliver Krischer (Grüne). Das Deutschjahr.
Das Vor-Corona-Niveau lag bei 10,4
Milliarden Fahrgästen. Auch aufgrund des
Deutschland-Tickets spitze sich allerdings
die wirtschaftliche Lage der Unternehmen
weiter zu, sagte Wortmann. Viele wechselten
zum Deutschland-Ticket und verzichteten
so auf reguläre Fahrausweise.
Unterm Strich seien die Einnahmen so um
3,2 Milliarden Euro zurückgegangen. Auf
der anderen Seite seien die Personalkosten
um rund elf Prozent gestiegen. Das führe
bereits jetzt dazu, dass Verbindungen stillgelegt
werden müssten. Das attraktivste
Ticke nütze nichts, wenn man am Ende
das Angebot nicht mehr finanzieren könne,
sagte Wortmann mit Blick auf das Deutschlandticket.
BAYERN: BUND SOLL ALLEINE ZAHLEN
Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter
(CSU), Vorsitzender der Verkehrsministerkonferenz,
sagte: „Für die Länder
war es ein Kraftakt, den Bund dazu zu bringen,
seine Finanzierungszusagen für das
Deutschlandticket einzuhalten. Für 2025 ist
das Ticket gesichert, aber langfristig muss
die neue Bundesregierung über die Zukunft
des Tickets entscheiden.“ Aus bayerischer
Sicht müsse der Bund die Kosten künftig
ganz übernehmen, „schließlich war das
Deutschlandticket - wie der Name schon
sagt - ein Wunsch des Bundes“.
PARTEIEN UNEINS
Die Union hatte die Zukunft des Tickets
bereits offen gelassen. Es habe eine Vielzahl
von Konstruktionsfehlern und sei nicht
solide finanziert, hatte Unionsfraktionsvize
Ulrich Lange (CSU) im Dezember 2024 erklärt.
Der Bund mische sich in eine Länderaufgabe
ein, der ländliche Raum werde benachteiligt.
landticket sei eine Erfolgsgeschichte. Der
Bund müsse sich an der Finanzierung dauerhaft
mindestens hälftig beteiligen.“
Wir sollten weiter bei einer hälftigen Aufteilung
aller Kosten bleiben“, sagte auch
Niedersachsens Verkehrsminister Olaf Lies
(SPD). Das Ticket sei ein entscheidender
Baustein für die Mobilitätswende. Die Zukunft
des Tickets müsse nachhaltig gesichert
werden. „Wir müssen weg von dieser
wiederkehrenden Hängepartie bis kurz vor
Torschluss.“
WIRD DAS TICKET TEURER?
Eine Preiserhöhung über 2025 hinaus werde
man „mit Sicherheit“ diskutieren müssen,
sagte Lies. „Fakt ist: Wenn wir über
Preiserhöhungen sprechen, können wir die
allgemeine Preissteigerung nicht komplett
ausklammern. Aber sie müssen moderat
und erklärbar bleiben, denn der Erfolg des
Tickets hängt auch mit dem günstigen Preis
zusammen.“
Krischer sagte, der Ticketpreis hänge insbesondere
von den Kostenentwicklungen
sowie den Nutzerzahlen ab. „Eine langfristige
Perspektive für das Ticket würde helfen,
noch mehr Nutzer vom Ticket zu überzeugen.“
BUND-Verkehrsexperte Jens Hilgenberg
sagte: „Eine neue Bundesregierung muss
sich klar zum Ausbau des ÖPNV und eine
dauerhafte Beibehaltung eines für alle bezahlbaren
Deutschlandtickets bekennen.“F
Fachkräftemangel:
Kommunen
buhlen um
Ex-Soldaten
Pensionierte Soldaten sollen helfen, den
sich abzeichnenden Personalmangel in
den Kommunen in den Griff zu bekommen.
Der Deutsche Städte- und Gemeindebund
geht davon aus, dass bis 2030 jeder dritte
dort Beschäftigte in den Ruhestand gehen
wird. Dies dürfte gewaltige Lücken reißen.
Der Hauptgeschäftsführer des Verbandes,
André Berghegger, hat jetzt vor allem jene
Soldatinnen und Soldaten des mittleren
und gehobenen Dienstes im Blick, die mit
55 oder 56 Jahren die Bundeswehr altersbedingt
verlassen und bereit wären, beruflich
noch einmal neu anzufangen. „Gerade
die Kommunen sind absehbar in großem
Umfang auf qualifizierte ehemalige Soldatinnen
und Soldaten angewiesen“, so André
Berghegger. Sie könnten etwa als Mitarbeiter
im Verwaltungsdienst, beim Fuhrparkmanagement
oder bis hin zur Übernahme
des Bürgermeisteramtes noch einmal eine
späte Karriere starten. Das Problem bislang:
Bei Jobs im öffentlichen Dienst gelten
für Soldaten im Ruhestand anders
als bei Anstellungen in der Privatwirtschaft
strenge Hinzuverdienstgrenzen.
Beispielsweise kann ein früherer Stabsfeldwebel
bei einer Tätigkeit für einen
öffentlichen Arbeitgeber etwa 1600 Euro
brutto dazuverdienen, bevor zusätzliche
Einkünfte mit seiner Pension verrechnet
werden. Berghegger spricht sich dafür
aus, diese Hinzuverdienstgrenzen abzuschaffen,
damit Kommunen im Werben
um die begehrten Ex-Soldaten mit der
Wirtschaft mithalten können. F
LANDESREPORT | BADEN-WÜRTTEMBERG | Januar-Februar | 1-2025
AUS DEM BUNDESTAG
11
INNENPOLITISCHER
RÜCKBLICK
Als „Fortschrittskoalition“ sind SPD, Grüne
und FDP im Dezember 2021 angetreten.
Knapp drei Jahre später zerbrach das Mitte-
Links-Bündnis, die Wahlperiode endet mit
den Neuwahlen am 23. Februar vorzeitig.
Das Parlament befasste sich in dieser Zeit
unter anderem mit der Reaktion auf den
russischen Überfall auf die Ukraine - Stichwort:
“Zeitenwende”. Auch andere Themen
spielten eine gewichtige Rolle. Nicht immer
gelang es der Koalition dabei, ihre Ankündigungen
auch umzusetzen.
INNERES: MIGRATIONSPOLITIK UNTER
DEM DRUCK DER FLÜCHTLINGSZAHLEN
In ihrem Koalitionsvertrag kündigte die Ampel
einen „Neuanfang“ in der Migrationspolitik
an mit Erleichterungen etwa beim
Bleiberecht und bei der Einbürgerung. Bald
darauf begann Russlands Angriffskrieg gegen
die Ukraine, aus der mehr als 1,1 Millionen
Flüchtlinge in Deutschland Schutz
fanden; daneben stieg die Zahl der Asylerstanträge
von knapp 135.000 in 2021 auf
gut 329.000 im Jahr 2023. Auch wenn die
Zahl 2024 auf knapp 230.000 sank, setzte
dies die Ampel massiv unter Druck, verstärkt
noch vom Eindruck tödlicher Anschläge
von Migranten wie zuletzt in Magdeburg
und Aschaffenburg.
Dennoch setzte sie eine Reihe ihrer Vorhaben
um, so das 2022 beschlossene „Chancen-Aufenthaltsrecht“,
das Geduldeten
ein Bleiberecht ermöglichen sollte, oder
das 2023 verabschiedete Fachkräfteeinwanderungsgesetz
sowie die Anfang 2024
beschlossene Reform des Staatsangehörigkeitsrechts
mit einer generellen Hinnahme
von Mehrstaatigkeit und weiteren Erleichterungen
der Einbürgerung.
Daneben ergriff die Koalition restriktive
Maßnahmen: Der Einstufung von Georgien
und Moldawien als sichere Herkunftsländer
im November 2023 folgte Anfang 2024 das
„Rückführungsverbesserungsgesetz“ das
für mehr Abschiebungen sorgen sollte. Deren
Zahl lag 2024 bei rund 20.100 nach gut
16.400 im Vorjahr und knapp 13.000 im Jahr
2022. Weitere Verschärfungen brachte im
Oktober 2024 das „Sicherheitspaket“, etwa
den Ausschluss von Leistungen nach dem
Asylbewerberleistungsgesetz für bestimmte
Fälle der Sekundärmigration. Schrittweise
ausgeweitet wurden die Grenzkontrollen,
die es seit September 2024 an allen deutschen
Landgrenzen gibt.
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Den Mitte 2023 gefundenen Kompromiss
der EU-Innenminister für eine Reform des
Gemeinsamen Europäischen Asylsystems
zählt die Koalition zu den großen Erfolgen
von Bundesinnenministerin Nancy Faeser
(SPD). 2024 stimmte das Europäische Parlament
der Verschärfung des EU-Asylrechts
zu, mit der Flüchtlinge bei unbegründeten
Asylanträgen direkt von der Außengrenze
abgeschoben werden sollen.
Auf internationaler Ebene setzte die Ampel
zudem auf bilaterale „Migrationsabkommen“,
mit denen dem Fachkräftemangel
entgegengewirkt und irreguläre Migration
begrenzt werden sollen. Solche Abkommen
oder Verhandlungen darüber gibt es mittlerweile
etwa mit Indien, Georgien, Moldau,
Usbekistan, Kirgisistan, Kenia, Kolumbien,
Marokko, Ghana und den Philippinen.
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6. INNOVATIONSPREIS
IN FOLGE
LANDESREPORT | BADEN-WÜRTTEMBERG | Januar-Februar | 1-2025
12
SOZIALES: MINDESTLOHN, BÜRGERGELD
UND RENTENPAKET
Sozialpolitisch konnte zumindest die SPD
ein Jahr nach dem Start sagen: Wir arbeiten
unsere Wahlversprechen ab: Im Oktober
2022 wurde der gesetzliche Mindestlohn
außerplanmäßig von 10,45 Euro auf zwölf
Euro je Stunde angehoben. Ein paar Wochen
später wurde die, aus Sicht der SPD,
„größte sozialpolitische Reform seit Jahrzehnten“
verabschiedet und das Bürgergeld
eingeführt, das den Vorgänger Hartz
IV ablöste.
Doch seitdem tobt eine zuweilen scharf
geführte Debatte über das Bürgergeld mit
seiner stärkeren Fokussierung auf Weiterbildung
und Qualifizierung, großzügigeren
Regeln bei der Vermögenanrechnung und
milderen Sanktionen. Zwar verschärfte die
Ampel unter diesem Druck einige Regeln
wieder. Doch die Union hat angekündigt,
das Bürgergeld wieder abschaffen zu wollen.
Um ein anderes sozialpolitisches Prestigeprojekt
der SPD wurde lange gerungen
und im Frühherbst 2024 bewegte es sich
eigentlich schon auf die Zielgerade zu: das
Rentenpaket II. Damit sollte die 2018 eingeführte
Haltelinie für das Rentenniveau
von 48 Prozent verlängert werden. Die
Rentenbeiträge sollten dafür mittelfristig
auf 22,3 Prozent steigen. Um den Beitrags-
anstieg abzumildern, war der Einstieg in
eine teilweise aktienbasierte Finanzierung
(Generationenkapital) geplant. Das vorzeitige
Ampel-Aus verhinderte nicht nur
die Verabschiedung des Rentenpakets II,
sondern auch das lange angekündigte und
immerhin schon vom Kabinett gebilligte
Tariftreuegesetz.
FAMILIE: PRESTIGEPROJEKT
KINDERGRUNDSICHERUNG
IST GESCHEITERT
Mit der Kindergrundsicherung von Bundesfamilienministerin
Lisa Paus (Grüne) sollten
Kinder aus der Armut geholt werden, indem
familienpolitische Leistungen gebündelt,
besser zugänglich gemacht und auch erhöht
werden sollten. Finanzminister Christian
Lindner (FDP) machte schnell klar, dass
das Familienministerium nicht mit dem gewünschten
zweistelligen Milliardenbetrag
rechnen könne. Stattdessen hatten sich die
Parteien auf Leistungserhöhungen innerhalb
der bisherigen Strukturen geeinigt.
Nach der Anhörung im Familienausschuss
verschwand die Kindergrundsicherung in
der Schublade. Das gleiche Schicksal suchte
das Demokratiefördergesetz heim, wie die
Kindergrundsicherung ein weiteres grünes
Vorzeigeprojekt.
Mit dem Selbstbestimmungsgesetz (gilt
seit 1. November 2024) dagegen konnten
die Grünen eines ihrer zentralen Versprechen
umsetzen: Es löste das Transsexuellengesetz
ab und ermöglicht seitdem Transpersonen,
ihren Geschlechtseintrag und
Vornamen in einem einfachen Verfahren
beim Standesamt ändern zu lassen.
GESUNDHEIT: MANCHE REFORM
IST AUF DER STRECKE GEBLIEBEN
Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach
(SPD) hat in seiner Amtszeit ein
Feuerwerk an Reformen und Reformankündigungen
gezündet. Die Liste der beschlossenen
Gesetze und Verordnungen
ist an sich schon beachtlich, die Liste an
nicht mehr beschlossenen Reformvorhaben
allerdings auch. Während zu Beginn
der Legislatur die Corona-Pandemie in
der Gesetzgebung bestimmend war, verlagerte
sich der Schwerpunkt später auf
Krankenhäuser, Pflege, Arzneimittel, Digitalisierung,
Forschung sowie Finanzierungsfragen
in der Gesetzlichen Krankenversicherung
(GKV).
Mit dem Krankenhausversorgungsverbesserungsgesetz
(KHVVG) ist zuletzt eine
große Reform verabschiedet worden,
die nach langem Streit auch im Bundesrat
die nötige Mehrheit fand. Das Ziel ist
eine Spezialisierung der Krankenhäuser
und damit auch eine bessere Qualität
der Versorgung. In einem ersten Schritt
war zuvor schon der Krankenhaus-Atlas
an den Start gegangen. Auf einer neuen
Homepage können sich Versicherte und
Patienten über die Behandlungsangebote
von Krankenhäusern informieren.
Auch die Digitalisierung des Gesundheitssystems
ist einen Schritt nach vorne gekommen.
So beschloss der Bundestag
mit dem Digitalgesetz ab 2025 die verbindliche
Einrichtung der elektronischen
Patientenakte (ePA) für alle Versicherten,
die dem nicht widersprechen, sowie das
elektronische Rezept (E-Rezept) als verbindlichen
Standard.
Zahlreiche Gesetzesvorhaben sind zuletzt
jedoch liegen geblieben, was von Fachpolitikern
und Fachverbänden jeweils sehr
bedauert wurde.
Dazu gehören das Pflegekompetenzgesetz
und das Pflegefachassistenzeinführungsgesetz,
die Neuregelung der
Lebendorganspende, das Gesundes-Herz-
Gesetz, der Gesetzentwurf zur Stärkung
der öffentlichen Gesundheit und die geplante
Reform der Notfallversorgung.
Auch ein Vorschlag zur langfristigen Finanzierung
der Kranken- und Pflegeversicherung
wurde erwartet. Mit der alten
Ampel-Mehrheit kurzfristig noch umgesetzt
wurde die Entbudgetierung der
Hausärzte mit dem Gesundheitsversorgungsstärkungsgesetz
(GVSG).
LANDESREPORT | BADEN-WÜRTTEMBERG | Januar-Februar | 1-2025
BILDUNG: STARTCHANCENPROGRAMM
FÜR BRENNPUNKTSCHULEN
VERABSCHIEDET
Mit dem Startchancen-Programm hat die
Ampel-Koalition nach eigenen Angaben das
größte und langfristigste Bildungsprojekt in
der Geschichte der Bundesrepublik auf den
Weg gebracht. Nach zähen Verhandlungen
zwischen Bund und Ländern konnte das
Programm Anfang 2024 beschlossen werden.
Ab dem Schuljahr 2024 investieren
Bund und Länder zu gleichen Teilen über
einen Zeitraum von zehn Jahren insgesamt
20 Milliarden Euro in rund 4.000 Schulen,
die einen besonders hohen Anteil sozial
benachteiligter Schülerinnen und Schüler
aufweisen.
Ziel des Programms ist es, das deutsche
Bildungssystem leistungsfähiger und gerechter
zu gestalten. Im Mittelpunkt stehen
dabei die Förderung der Basiskompetenzen
Lesen, Schreiben und Rechnen sowie
der Ausbau des Unterstützungssystems für
schulische Bildung.
Finanziell besser gestellt werden sollen
künftig auch Studierende. Nach monatelangem
Ringen einigte sich die Ampel-Koalition
auf eine Erhöhung des BAföG um
rund fünf Prozent. Zusätzlich wurde eine
Anhebung der Wohnkostenpauschale sowie
des Elternfreibetrags beschlossen. Neu eingeführt
wurde außerdem eine sogenannte
Studienstarthilfe: Bedürftige Studienanfängerinnen
und -anfänger erhalten einmalig
1.000 Euro zu Beginn ihres Studiums.
RECHT: BÜROKRATIE ABGEBAUT,
SUIZIDBEIHILFE BLEIBT UNGEREGELT
Das Feld der Rechtspolitik ist ein weites
Feld, entsprechend umfangreich war die
Agenda der gescheiterten Ampel-Koalition.
So ging es unter anderem um den Bürokratieabbau.
Mit dem Ende September 2024
verabschiedeten Bürokratieentlastungsgesetz
IV soll die Wirtschaft um knapp eine
Milliarde Euro Erfüllungsaufwand pro Jahr
entlastet werden. Aus Sicht der Opposition
griffen die Maßnahme zum Bürokratieabbau,
etwa die Absenkung von Formerfordernissen,
allerdings viel zu kurz.
Das Haus von Ex-Bundesjustizminister
Marco Buschmann (FDP) erwies sich als
produktiv und brachte viele kleinteilige
Entwürfe auf den Weg, um etwa die Digitalisierung
im Justizwesen voranzubringen.
Mit Blick auf die Strafrechtspolitik blieb
die Ampel hinter ihren eigenen Ansprüchen
zurück. Zwar schaffte die Koalition im
Juni 2022 das sogenannte Werbeverbot für
Schwangerschaftsabbrüche ab, die geplante
Entrümpelung des Strafgesetzbuches fiel
aber ebenso aus wie die Einführung der Ermittlungsinstrumentes
„Quick Freeze“. Rein
auf parlamentarische Initiative ging die erneute
Debatte über Regelungen zur Suizid-
beihilfe zurück. Allerdings fand keiner der
vorgelegten Gesetzentwürfe der Parlamentariergruppen
eine Mehrheit. Die Suizidbeihilfe
bleibt damit ungeregelt.
Ebenfalls auf eine parlamentarische Initiative
- mit tatkräftiger Unterstützung aus dem
Justizreform - ging die fraktionsübergreifende
Initiative zum Schutz des Bundesverfassungsgerichtes
zurück, die im Dezember
2024 vom Bundestag verabschiedet worden
ist. Künftig sind wichtige Strukturmerkmale
des Gerichtes im Grundgesetz verankert -
und können folglich nicht so einfach geändert
werden.
KULTUR: DIE GROSSE REFORM DER
FILMFÖRDERUNG IST GESCHEITERT
Erst auf den letzten Metern der Legislatur
haben doch noch zwei zentrale kulturpolitische
Vorhaben der gescheiterten Ampelkoalition
den Bundestag passiert. Ende Januar
verabschiedete er die Reform der Stiftung
Preußischer Kulturbesitz (SPK), die den 25
angeschlossenen Museen, Bibliotheken und
Instituten mehr finanzielle Flexibilität einräumen
und die Führungsstrukturen der SPK
effizienter machen soll. Im Dezember 2024
verabschiedete der Bundestag zudem das
neue Filmförderungsgesetz, das der Filmförderungsanstalt
neue Kompetenzen zuweist
und die Filmförderung durch ein Referenzmodell
weitestgehend automatisiert. Die
von Staatsministerin Claudia Roth (Grüne)
geplante große Reform mit einem Steueranreizmodell
für Filmproduktionen in Deutschland
sowie eine Investitionsverpflichtung für
Streamingdienste hingegen ist gescheitert.
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BUNDESTAG: ERBITTERTER STREIT
ÜBER DAS WAHLRECHT
Erbittert gestritten haben die Abgeordneten
über das Wahlrecht. Nachdem in einer eigens
dafür eingesetzten Kommission kein
Konsens gefunden werden konnte, setzte
die Ampel-Koalition ihre Wahlrechtsreform
gegen den Widerstand von Union und Linken
durch. Die Zahl der Abgeordneten wird
damit auf 630 begrenzt, dafür könnten
künftig einige Wahlkreise „verwaist“ sein.
Die von der Ampel-Koalition ebenfalls geplante
Abschaffung der Grundmandatsklausel
scheiterte vor dem Bundesverfassungsgericht.
Über die Geschäftsordnung gab es ebenfalls
Debatten. Zu Beginn der Wahlperiode
setzte die Ampel-Koalition unter anderem
durch, dass die Ausschüsse öfter öffentlich
tagen können. Eine Verschärfung des Ordnungsrechts
im Parlament, die seit Sommer
2024 diskutiert wird, scheint hingegen nicht
mehr verabschiedet zu werden.
Die Abgeordneten mussten sich nach der
Auflösung der Fraktion Die Linke zudem mit
den Rechten der Gruppen Linke und BSW
befassen. Ursprünglich sahen die neuen
Regeln unter anderem vor, die Zahl der
Kleinen Anfragen zu begrenzen. Dagegen
klagen die Linken in Karlsruhe. Diese Regel
wird aktuell nicht angewandt.
Änderungen gab es auch im Petitionsrecht.
Der Petitionsausschuss senkte Mitte 2024
unter anderem das Quorum ab, ab dem
eine Petition öffentlich beraten ist. F
INNOVATIONSFÖRDERUNG IN
STRUKTURSCHWACHEN REGIONEN
Die Ausgaben für die Innovationsförderung in
strukturschwachen Regionen sind in den vergangenen
Jahren gesunken. Dem Bundesministerium
für Bildung und Forschung standen
im Jahr 2021 rund 182 Millionen Euro für die
Förderung entsprechender Projekte zur Verfügung.
Bis 2023 sank dieser Betrag auf etwa
139 Millionen Euro. Angaben zu den Fördermitteln
für die Jahre 2024 und 2025 liegen der
Bundesregierung noch nicht vor. F
13
14
LANDESREPORT | BADEN-WÜRTTEMBERG | Januar-Februar | 1-2025
STEIGENDE MIETEN WERDEN
IM ALTER ZUNEHMEND EIN PROBLEM
werden, das die angemessene Teilhabe
von Rentner*innen an der gesellschaftlichen
Wohlstandsentwicklung gewährleistet
und jüngeren Beitragszahler*innen
indem diskontinuierliche Lebensverläufe
und Phasen der Arbeitslosigkeit besser
abgesichert werden, zum Beispiel durch
eine Weiterentwicklung der sogenannten
‚Grundrente‘. Notwendig ist darüber hinaus
auch eine weitere Verbesserung der
Absicherung des Erwerbsminderungsrisikos;
ein besonderer Fokus sollte hier auf
der Stärkung von Gesundheitsförderung,
Prävention und Rehabilitation liegen.“
Materielle Sicherheit ist eine zentrale Voraussetzung
für gesellschaftliche Teilhabe
im Alter. Für die Gesetzliche Rentenversicherung
(GRV) als tragende Säule des deutschen
Alterssicherungssystems sollte auch
über das Jahr 2025 hinaus ein gesetzlich
kodifiziertes, verlässliches Sicherungsziel
(Mindestrentenniveau) festgelegt
ein verlässliches Sicherungsversprechen
gibt, an dem sie sich bei ihrer Lebensplanung
orientieren können. Der soziale Ausgleich
in der GRV sollte gestärkt werden,
Zu weiteren Empfehlungen gehören auch,
die Nichtinanspruchnahme der Grundsicherung
im Alter und bei Erwerbsminderung
und die damit verbundene verdeckte
Altersarmut substanziell zu reduzieren,
die soziale Schuldnerberatung strukturell
zu stärken und auf die spezifischen
Beratungsbedarfe älterer Menschen auszurichten,
die Voraussetzungen für die
Vereinbarkeit von Erwerbsarbeit und Sorgearbeit
zu verbessern und bezahlbaren
Wohnraum für ältere Menschen mit geringem
Einkommen zu schaffen und barrierereduzierte
Wohnangebote zu fördern.
„Ältere Menschen mit geringem Einkommen
und ohne Wohneigentum sind aufgrund
steigender Mieten und Wohnkosten
immer häufiger finanziell überfordert. Der
soziale Wohnungsbau kann ein Instrument
sein, um diese Wohnkostenüberlastung
abzumildern. Die Zahl der Sozialwohnungen
ist seit der Jahrtausendwende jedoch
deutlich zurückgegangen“, kritisieren die
Sachverständigen. Die Länder sollten diese
Entwicklung umkehren und den sozialen
Wohnungsbau wiederbeleben und sicherstellen,
dass Sozialwohnungen der zentralen
Zielgruppe (Menschen mit geringen
Einkommen) vorbehalten bleiben, fordern
sie.
F
PR-BERICHT
Auszeichnung: Autenrieth reduziert seine
CO 2
-Emissionen um ein Drittel
Die Heroldstätter Firma 1A Autenrieth-Kunststofftechnik hat vom
Land Baden-Württemberg das Umweltzertifikat Klimafit erhalten.
„Der CO 2
-Fußabdruck wird die neue
Währung, nicht mehr der Teilepreis“,
sagt Indira Frankenstein. Die Umweltund
Qualitätsbeauftragte von 1A Autenrieth
hat das Unternehmen auf die
Klimazertifizierung vorbereitet. Diese
wurde Anfang Dezember von einer
Kommission aus Umweltexperten abgenommen.
Um das Audit zu bestehen,
nehmen die Kunststofftechniker aus
Heroldstatt an einem am Klimafit-Pro-
gramm teil, das vom Umweltministerium
Baden-Württemberg gefördert wird.
Damit Autenrieth als nachhaltiges
Unternehmen zertifiziert werden kann,
war zunächst eine Bestandsaufnahme
notwendig. Basisjahr war das Jahr
2023. Dafür hat Frankenstein alle CO 2
-
Emissionen des Mittelständlers in drei
Kategorien eingeteilt. Scope 1 umfasst
die Primärenergien wie Diesel, Heizöl
und Benzin. In Scope 2 wird der Energiebezug
zusammengefasst. Dazu
gehört die eigene Photovoltaikanlage
aber auch extern bezogener Strom.
Scope 3 umfasst etwa den Wasserverbrauch,
Fracht und Verpackung – vor allem
aber zugekaufte Granulate, Metalle
und Spritzgusswerkzeuge.
Autenrieth emittierte im Basisjahr
2500 Tonnen Kohlendioxid. Davon entfallen
1,2 Prozent auf den Fuhrpark.
Mit 22 Prozent schlägt der bezogene
Mischstrom mit 1,2 Megawattstunden
zu Buche. Größter Posten ist mit 35
Prozent das zugekaufte Produktionsmaterial
Kunststoffgranulat. Auf zugekaufte
Metalle und Werkzeuge entfallen
LANDESREPORT | BADEN-WÜRTTEMBERG | Januar-Februar | 1-2025
10 Prozent. Knapp 4 Prozent entfallen
auf Verpackung und Transport.
Um die Verbräuche nach ihrer Treibhausgaswirkung
einzustufen, werden
die Energieträger mit einem Faktor
multipliziert, dem CO 2
-Äquivalenten.
Kunststoffgranulat hat einen Faktor
von 3,1, Erdgas von 0,21 und Recyclinggranulat
von 1,5. Daraus ergibt sich: Je
mehr Energieträger mit niedrigem Faktor
eingesetzt werden, desto besser ist
Für hochkomplexe Bauteile, wie sie Autenrieth
für die Elektro-Industrie oder
die Luftfahrtindustrie herstellt, werden
hochtechnische Kunststoffe verwendet.
„Der Recyclingprozess für diese
Kunststoffverbindungen ist komplex
und steckt noch in den Anfängen“, weiß
Frankenstein.
Wer am Klimafit-Programm des Landes
teilnimmt, verpflichtet sich, vier bis
fünf Maßnahmen umzusetzen, welche
die CO 2
-Emissionen verringern. Autenrieth
hat sich zum Ziel gesetzt, seine
Emissionen jährlich um 20 Prozent
zu senken. Zu den jetzt eingeleiteten
Maßnahmen gehört der Neubau der
Produktionshalle mit einer Nutzungsfläche
von 2800 m² nach dem Energieeffizienzstandard
EE 40.
Hier spart vor allem die Sandwich-
Bauweise Energie. Zudem findet ein
Wasserspeicher Platz. Kombiniert mit
Luftschächten und Betonkanälen entsteht
ein ökologisches Klimasystem,
das Erdwärme bzw. -kühle nutzt. Außerdem
nutzt Autenrieth die Abwärme der
25 Spritzgießmaschinen zum Heizen.
Zusätzlich erweitert das Unternehmen
die bestehende Photovoltaikanlage,
reduziert Bemusterungsschleifen bei
Kunden und stellt zum Jahreswechsel
auf 100 Prozent Ökostrom um.
15
Die Investition für alle Maßnahmen
liegt bei 4,2 Millionen Euro und sparen
803 Tonnen Kohlendioxid. Was den
Treibhausgasausstoß der Firma um
ein Drittel senkt. Zusätzlich sieht das
Förderprogramm des Landes vor, dass
zertifizierte Firmen für jede gesparte
CO 2
-Tonne 150 Euro pro Jahr erhalten.
Freude über den Erhalt des Umweltzertifikats (v.l.): Steffen Autenrieth (Geschäftsführer,
Fa. 1A Autenrieth-Kunststofftechnik), Michael Maucher (Prokurist Energieagentur
Oberschwaben), Peter Neisecke (Amtsleiter Bau- und Umweltamt, Landratsamt
Ravensburg), Indira Frankenstein (Leiterin Qualitäts- und Umweltmanagement,
Fa. Autenrieth) Madeleine Marquardt (Umweltamt, Landratsamt Ravensburg) und
Stefan Kesenheimer (Bereichsleiter Unternehmensförderung und Regionalentwicklung
der IHK Bodensee-Oberschwaben).
(FOTO: Bischoff)
Doch auch nach diesem Mammutprogramm
emittiert Autenrieth künftig
noch 1700 Tonnen Kohlendioxid pro
Jahr. Neben dem Erwerb von Klimazertifikaten,
um den firmeneigenen
CO 2
-Fußabdruck, den Corporate Carbon
Footprint (CCF), zu reduzieren,
wollen die Kunststofftechniker künftig
ihren Lieferanten danach auswählen,
wie diese ihren Produktfußabdruck,
den Product-Carbon-Footprint (PCF),
verringern. Dann greift die These von
Frankenstein: „Der CO2-Fußabdruck
wird die neue Währung, nicht mehr der
Produktpreis.“
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die Klimabilanz, weil weniger Kohlendioxid
in die Atmosphäre gelangt.
„Größter Hebel zur CO 2
-Einsparung liegt
beim Granulat“, folgert Frankenstein
aus diesen Ergebnissen. Doch hier ist
das Unternehmen, das derzeit 50 Mitarbeiter
beschäftigt und einen Umsatz
von rund zehn Millionen Euro erwirtschaftet,
auf die Nachhaltigkeitsstrategie
seiner Lieferanten angewiesen.
Wenn Granulat-Hersteller für den
Kunststoff immer wieder frisches Öl
verwenden, wird immer mehr Kohlendioxid
freigesetzt. Die Lösung: den
Rezyklat-Anteil im Granulat erhöhen,
indem Altkunststoffe recycelt werden.
„Bei einfachen Bauteilen gelingt das
derzeit schon gut“, so Frankenstein.
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LANDESREPORT | BADEN-WÜRTTEMBERG | Januar-Februar | 1-2025
16
LANDESPOLITIK
Digitalisierung:
207 MILLIONEN EURO FÜR DEN
BREITBANDAUSBAU IM LAND
Baden-Württemberg treibt den Ausbau von schnellem Internet weiter voran.
21 Institutionen aus 17 Landkreisen erhielten Förderbescheide in Höhe von 207
Millionen Euro.
dieser Förderung des kommunalen Breitbandausbaus
kommt die Landesregierung ihrem Ziel eines flächendeckenden
Gigabitnetzes wieder ein ganzes Stück näher.
Seit 2016 hat das Land Baden-Württemberg insgesamt
3,2 Milliarden Euro für den Breitbandausbau bereitgestellt.
Zusammen mit den Mitteln des Bundes in Höhe
von 3,53 Milliarden Euro wurde ein Gesamtfördervolumen
von 6,73 Milliarden Euro erreicht. „Baden-Württemberg
ist bereits heute eine digitale Vorzeigeregion, doch
wir ruhen uns nicht auf diesem Erfolg aus“, so Minister
Thomas Strobl.
Insgesamt erhalten 21 Institutionen aus 17 Landkreisen
36 Förderbescheide mit einem Gesamtvolumen von
207.277.828,50 Mio. Euro. Damit werden 37.460 neue
Teilnehmeranschlüsse geschaffen, darunter 18 Anschlüsse
von Schulen, 2.514 Anschlüsse für Unternehmen,
45 Anschlüsse für öffentliche Einrichtungen und 70
Anschlüsse für schwer erreichbare Grundstücke.
GEFÖRDERTE PROJEKTE
Die Bandbreite der geförderten Projekte reicht von großen
Ausbauvorhaben bis hin zu gezielten Maßnahmen
in kleinen Gemeinden.
F
LAND FÖRDERT DEUTSCHES
HANDWERKSINSTITUT
Baden-Württemberg treibt den Ausbau
von schnellem Internet auch im
Jahr 2025 mit Nachdruck und Millioneninvestitionen
voran: Digitalisierungsminister
Thomas Strobl in Stuttgart
Förderbescheide in Höhe von
207 Millionen Euro übergeben.
„Die Digitalisierung verändert unsere
Art zu leben, zu arbeiten und zu kommunizieren.
Wir setzen alles daran,
WIR BIETEN
Baden-Württemberg auch in Zukunft
als digitale Spitzenregion zu positionieren.
Unser Ziel ist klar: Kein Haushalt,
keine Schule und kein Unternehmen
in Baden-Württemberg darf
von der digitalen Welt abgeschnitten
bleiben“, sagte Digitalisierungsminister
Thomas Strobl bei der ersten
Übergabe von Förderbescheiden zum
Breitbandausbau in diesem Jahr im
Innenministerium in Stuttgart. Mit
AUSGEZEICHNETE
LOGISTIK
Mit mehr als 225.000 Euro fördert das Land 2025
das Deutsche Handwerksinstitut e.V. in Berlin. Das
Handwerk hat mit der Fachkräftesicherung, der Digitalisierung
und der Nachhaltigkeit große Herausforderungen
zu meistern.
Das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus
fördert das Deutsche Handwerksinstitut e.V.
(DHI) in Berlin im Jahr 2025 mit rund 227.500 Euro.
Das DHI ist eine Forschungsinstitution, die sich gezielt
mit dem Handwerk beschäftigt und dieses
unterstützt. Es befasst sich mit anwendungsorientierter
Handwerksforschung auf einem weiten Themenfeld,
insbesondere in den Bereichen Technologietransfer,
Unternehmensführung, betriebs- und
volkswirtschaftliche Fragestellungen, Recht und
Berufsausbildung. Innerhalb des DHI sind deutschlandweit
fünf regional verteilte Forschungsinstitute
zusammengeschlossen, darunter das Institut für
Betriebsführung im Handwerk (itb) in Karlsruhe.
„Das Handwerk hat mit der Fachkräftesicherung,
der Digitalisierung und der Nachhaltigkeit große
Herausforderungen zu meistern. Gerade jetzt sind
die Institute des DHI als Anlaufstelle für den Innovationstransfer
in das baden-württembergische
Handwerk unverzichtbar. Sie sind Mittler zwischen
Theorie und Praxis, Forschung und Anwendung
und liefern wichtige Erkenntnisse für Zukunftsentwicklungen
im Handwerk“, sagte Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut,
Ministerin für Wirtschaft, Arbeit und
Tourismus.
IDEEN AUS CLUSTERINITIATIVEN
UND NETZWERKEN GESUCHT
Um die Kompetenzen von Clusterinitiativen
und Netzwerken im regionalen Innovationsökosystem
gezielt zu stärken und weiterzuentwickeln,
veröffentlicht das Ministerium
für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus einen
neuen Förderaufruf.
LANDESREPORT | BADEN-WÜRTTEMBERG | Januar-Februar | 1-2025
Mit einem neuen Förderaufruf stärkt das Land gezielt Kompetenzen von Clusterinitiativen
und Netzwerken im regionalen Innovationsökosystem.
INNOVATIONSPROZESSE BESCHLEUNIGEN
Gerade in Zeiten des Strukturwandels und
des sich verschärfenden Wettbewerbs
kommt den Clusterinitiativen und Netzwerken
eine Schlüsselrolle zu. Als Intermediäre
EUROPÄISCHER FONDS
FÜR REGIONALE ENTWICKLUNG
Die Förderung stammt aus Mitteln des
Europäischen Fonds für regionale Entwicklung
(EFRE) im Rahmen des EFRE-
Programms Baden-Württemberg 2021
bis 2027. Insgesamt stehen dem Land
in dieser Förderperiode rund 279 Millionen
Euro EFRE-Mittel zur Verfügung, um
Innovationen, Technologietransfer und
Vernetzung in der Wirtschaft zu unterstützen.
17
Mit einem Fördervolumen von rund 2,6
Millionen Euro sollen die Zielgruppen unterstützt
werden, innovative Ansätze zur
Bewältigung von Transformation und Strukturwandel
zu entwickeln und zu erproben.
Baden-Württemberg ist bekannt für seine
regionale Vielfalt und Innovationskraft. Um
die herausragende Position des Landes als
Wirtschafts- und Innovationsstandort langfristig
zu sichern, zielt die Innovationsstrategie
des Landes auf Zukunftsfelder wie
Digitalisierung, nachhaltige Mobilität und
Energiewende ab.
an der Schnittstelle zwischen Wirtschaft,
Wissenschaft und Politik können sie Innovationsprozesse
beschleunigen und als
Katalysatoren fungieren. „Um die Fähigkeiten
der Clusterinitiativen und Netzwerke
für den Transformationsprozess noch
besser zu nutzen, müssen wir diese gezielt
unterstützen“, sagte Dr. Nicole Hoffmeister-
Kraut, Ministerin für Wirtschaft, Arbeit und
Tourismus. Daher startet das Wirtschaftsministerium
nun einen Förderaufruf für die
besten Ideen zur Entwicklung neuer Konzepte
und Lösungen durch Clusterinitiativen
und Netzwerke.
IM FOKUS STEHEN DREI ANSÄTZE:
1- Cross-Cluster-Kooperationen, die transformative
Themenfelder der regionalen
Strategie adressieren,
2. neue und kollaborative Geschäftsmodelle
sowie
3. innovative Dienstleistungen und Services,
die Clusterakteurinnen und
-akteure bei der Bewältigung von
Transformation und Strukturwandel
unterstützen.
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18
LANDESREPORT | BADEN-WÜRTTEMBERG | Januar-Februar | 1-2025
Tourismus:
BESUCHERREKORD BEI STAATLICHEN
SCHLÖSSERN UND GÄRTEN
und Mitarbeitern der Staatlichen Schlösser
und Gärten für ihr großes Engagement.“
was, das in Zeiten zunehmender Digitalisierung
an Bedeutung gewinnt.“
In Schwetzingen fanden zum Beispiel das
Jubiläumsprogramm „300 Jahre Carl Theodor
von der Pfalz“ oder der Aktionstag
„Historische Gärten im Klimawandel“ statt.
Im Garten von Schloss Bruchsal veranstalteten
die SSG die Konzertreihe „Musik im
Park“ und den Adventsmarkt im Ehrenhof
der einstigen fürstbischöflichen Residenz.
Im Innenhof des Residenzschlosses Ludwigsburg
war das Musikfestival „KSK Music
Open“ wieder sehr gut besucht. Und
in Kloster und Schloss Salem fanden das
Schloss Salem Open Air sowie der Mozart-
Sommer statt. Auf der Grabkapelle auf dem
Württemberg wurde das 200. Jubiläum gefeiert.
Im UNESCO-Welterbe Kloster Maulbronn
waren neben den Klosterkonzerten
auch das Klosterfest Publikumsmagneten.
MEISTBESUCHTE MONUMENTE IM LAND
Die Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg
verzeichneten 2024 mit
4,1 Millionen Gästen einen neuen Besucherrekord.
Die Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg
(SSG) haben im vergangenen
Jahr einen Besucherrekord verzeichnet.
Die Besuchszahlen stiegen auf knapp
4,1 Millionen. Im Jahr 2023 besuchten rund
3,6 Millionen Gäste die 63 Monumente der
SSG. Die Staatlichen Schlösser und Gärten
Baden-Württemberg verwalten und pflegen
die historischen Monumente des Landes.
ZUWACHS BEI DEN MONUMENTEN
Das neueste Monument ist der Kur- und
Schlosspark Badenweiler. Er gehört seit
Sommer 2023 zur SSG-Familie. Der Park verzeichnete
366.000 Gäste. Aber auch ohne
diesen Zuwachs lagen die Besucherzahlen
bei den anderen Monumenten über den
Vorjahreszahlen.
Finanzstaatssekretärin Gisela Splett: „Die
Topwerte bei den Gästezahlen 2024 zeigen,
wie engagiert und besuchsorientiert die
Arbeit der SSG in den Monumenten des Landes
ist. Ich danke allen Mitarbeiterinnen
Viele kleinere und größere Ausstellungen in
den Schlössern und Klöstern trugen im vergangenen
Jahr zum Anstieg der Besuchszahlen
bei. Ebenso waren die zahlreichen
Großveranstaltungen ein weiterer Grund für
die Attraktivität der Schlösser und Gärten.
SSG-Geschäftsführerin Patricia Alberth:
„Das Rekordergebnis von 2024 bestärkt uns
in unserer Arbeit. Die Angebote in unseren
Monumenten sprechen alle Sinne an - et-
Der kulturelle Leuchtturm Schloss Heidelberg
verzeichnete rund 1.073.000 Besucherinnen
und Besucher. Damit ist die ehemalige
Residenz der pfälzischen Kurfürsten
nach wie vor Spitzenreiterin unter den
historischen Monumenten des Landes sowie
eine der meistbesuchten Attraktionen
in Deutschland. Auch das Schloss und der
Schlossgarten Schwetzingen wurden wieder
gut besucht. Rund 810.000 Gäste waren es im
Jahr 2024.
F
LANDESREPORT | BADEN-WÜRTTEMBERG | Januar-Februar | 1-2025
WISSENSWERTES
19
IN WELCHEN FÄLLEN WIRD DIE
FAHRTZEIT ZUR ARBEIT BEZAHLT?
Kaffeepause, Arzttermin, Fortbildung, Dienstreise: Längst nicht alles gehört zur Arbeitszeit.
Was Beschäftigte dazu wissen sollten.
Sie pendeln täglich eine Stunde zur Arbeit
und haben sich vielleicht schon gefragt, ob
das nicht auch als Arbeitszeit angerechnet
werden könnte? Oder sind Sie häufig im
Außendienst unterwegs und müssen weite
Strecken zurücklegen? In einigen Fällen
kann die Fahrtzeit tatsächlich als Arbeitszeit
gewertet werden. Aber wann genau
trifft das zu?
„Entscheidend ist zunächst die Frage, ob
die Fahrtzeit zur Hauptleistungspflicht des
Arbeitnehmers gehört“, so der Fachanwalt
für Arbeitsrecht Alexander Bredereck. Das
ist zum Beispiel bei Berufen wie Lkw-Fahrern,
Bauarbeitern, die auf ständig wechselnden
Baustellen arbeiten, oder Außendienstmitarbeitern
oft der Fall.
Für die meisten Arbeitnehmer mit einem
festen Arbeitsplatz gilt jedoch: Die Anfahrt
zur Arbeit, auch Wegezeit genannt, gehört
nicht zur Arbeitszeit und wird in der Regel
nicht bezahlt. Es gibt laut Bredereck aber
Ausnahmen:
Wenn der Arbeitgeber während der Fahrt
Aufgaben überträgt, wird die Zeit als Arbeitszeit
gerechnet und muss vergütet werden.
Muss ein bestimmtes Transportmittel, wie
zum Beispiel ein Werksbus, genutzt werden,
beginnt die Arbeitszeit möglicherweise
schon beim Einsteigen in das Transportmittel.
Auch in diesem Fall wird die
Fahrtzeit bezahlt.
In solchen Fällen kann die Fahrtzeit jedoch
oft niedriger bezahlt werden als die normale
Arbeitszeit. Wie genau das geregelt ist,
hängt vom Arbeitsvertrag, einer Betriebsvereinbarung
oder einem Tarifvertrag ab.
Der Mindestlohn muss jedoch immer gezahlt
werden, so Bredereck.
Fährt ein Arbeitnehmer auf eigenen Wunsch
zu einer Fortbildung, fällt dies nicht unter
die reguläre Arbeitszeit. Ordnet indes der
Arbeitgeber sie an, gehört die Fortbildung
zur Arbeitszeit.
Da Dienstreisen meist der Arbeitgeber anordnet,
zählen sie zur Arbeitszeit. Problematisch
sind oft die Fahrtzeiten. Wenn man
beispielsweise im Zug sitzt und selbst entscheiden
kann, was man macht, gilt dies
zumeist als Freizeit.
Wenn ein Arbeitnehmer oder eine Arbeitnehmerin
bei der Zugfahrt jedoch auf dem
Tablet ein Protokoll für den Arbeitgeber
über einen Kundenbesuch schreibt, zählt
dies als Arbeitszeit. Quelle: ntv.de
WIRD MAN ZUM FAHRTENBUCH VERDONNERT?
Zu schnell, geblitzt, Bußgeldbescheid. Ein normaler Dreiklang im Straßenverkehr.
Lässt sich aber der Fahrer nicht finden, droht dem Halter
eine Fahrtenbuchauflage. Oder lässt sich das noch abwenden?
War ein Auto zu schnell unterwegs und konnte der dafür verantwortliche
Fahrer nicht ermittelt werden, kann der Halter zum Führen
eines Fahrtenbuchs verpflichtet werden. Das gilt aber nicht in
jedem Fall, wie eine Entscheidung (Az.: 14 K 1289/22) des Verwaltungsgerichts
(VG) Berlin zeigt, auf die die Arbeitsgemeinschaft Verkehrsrecht
des Deutschen Anwaltvereins (DAV) hinweist.
In dem Fall ging es um einen Tempoverstoß. Ein auf den späteren
Kläger zugelassenes Auto wurde innerorts mit 20 km/h zu viel geblitzt.
Der Fahrer konnte nicht ermittelt werden, das Ordnungswidrigkeitsverfahren
stellte die Polizei ein.
KLAGE GEGEN DIE FAHRTENBUCHPFLICHT
Allerdings ordnete die Behörde ein Bußgeld von 70 Euro an
und verhängte die Pflicht zum Führen eines Fahrtenbuchs für
ein Jahr. Gegen letzteres ging der Betroffene gerichtlich vor.
Und tatsächlich hob das VG Berlin die Fahrtenbuchanordnung
der Behörde auf. Es wertete die Überschreitung um 20 km/h
als nicht hinreichend schweren Verstoß dafür.
FAHRTENBUCH ERST AB EINEM PUNKT IN FLENSBURG
Gravierend genug, um das Führen eines Fahrtenbuchs anordnen
zu können, wäre der Verstoß nur gewesen, wenn er mit mindestens
einem Punkt in Flensburg bestraft worden wäre, so die Kammer.
Das ist innerorts aber erst ab 21 km/h zu viel der Fall.
Grundsätzlich gilt: Ist die Ordnungswidrigkeit geringfügig, kann die
Auflage nur bei einer extremen Häufung eines Vergehens angewendet
werden.
Das Rechtsprinzip dahinter: Künftigen, nicht nachvollziehbaren Verstößen
mit einem Fahrzeug soll vorgebeugt werden. Bei einem Firmenfuhrpark
kann das auch mehrere Fahrzeuge betreffen. Und: Der
Halter hat an der Aufklärung nicht mitgewirkt - hier geht es in der
Rechtsprechung darum, ob der Fahrzeughalter eine gewisse Kontrolle
darüber hat, wer sein Fahrzeug nutzt. Der Halter muss aber in
der Lage sein, den Personenkreis zu benennen, der in einem gewissen
Zeitraum Zugriff auf das Fahrzeug hatte, und er ist zur Auskunft
verpflichtet.
Quelle: ntv.de
LANDESREPORT | BADEN-WÜRTTEMBERG | Januar-Februar | 1-2025
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NEUES AUS DER VERBRAUCHERWELT
WARUM MEHLWURMPULVER
IM ESSEN JETZT ERLAUBT IST
Nach einer neuen EU-Verordnung dürfen jetzt Mehlwürmer mit erhöhtem Vitamin-D-Gehalt
in Lebensmitteln enthalten sein. Welche Produkte sind betroffen? Und wie sinnvoll ist das
Ganze?
In bestimmten Lebensmitteln wie Brot oder
Käse dürfen nach neuer EU-Verordnung
jetzt auch bis zu vier Prozent Mehlwurmpulver
enthalten sein. Mehlwürmer und
andere Insekten sind zwar schon seit mehr
als drei Jahren (Mai 2021) für Lebensmittel
zugelassen. Neu ist nun, dass das neue
Produkt aufgrund einer besonderen UV-Behandlung
mehr Vitamin D enthält.
Mit diesem Zusatz an Insektenmehl sollen
Produkte gezielt mit wertvollen Nährstoffen
angereichert werden, die Verbraucherinnen
und Verbraucher sonst nur oder vor allem
aus weniger nachhaltigen Lebensmitteln
wie Fleisch oder Milchprodukten bekommen.
MEHR NÄHRSTOFFE DURCH
INSEKTENMEHL?
Eine Methode, um Lebensmittel billig zu
strecken, ist Insektenmehl nicht. Im Gegenteil:
Insektenmehl ist sogar teurer als herkömmliches
Mehl, die entsprechenden Produkte
auch. Diese Produkte wurden speziell
dafür entwickelt wurden. Das heißt, sie haben
auch im Namen meistens den Hinweis
auf Insekten und sie haben entsprechende
Bilder drauf. Es braucht sich niemand Sorgen
machen, dass das irgendwie heimlich
untergemischt wird. Die EU schreibt zudem
vor, dass Insektenmehl in der Liste
der Inhaltsstoffe und als Allergiehinweis
auf der Verpackung stehen müssen. Denn
Menschen, die eine Allergie gegen Krebstiere
oder Hausstaubmilben haben, können
auch auf das Mehlwurmpulver allergisch
reagieren.
Die Behandlung mit UV-Strahlung für mehr
Vitamin D ist zwar nicht allen bekannt, aber
in der Lebensmittelindustrie kein neues
Verfahren. Bekannt sei die UV-Behandlung
mehr aus der Haltbarmachung, um Keime
abzutöten. Diese Behandlung mit UV-Licht,
um den Vitamin-D-Gehalt zu erhöhen, das
ist neuartig in dem Sinn, dass es noch keine
lange Tradition hat. Gleichzeitig gibt es
auch da schon Zulassungen für andere Lebensmittel
- nämlich für Pilze, Bäckerhefe
und auch für Milch, sodass es jetzt auch
in diesem Fall nicht ganz neu ist. Auch die
Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit,
die das Produkt geprüft hat, stuft
das Verfahren als sicher ein.
VITAMIN D BESSER DURCH SONNE
AUFNEHMEN
Nach der industriellen Züchtung und Trocknung
der Larven werden die Mehlwürmer
mit UV-Licht bestrahlt. Durch diesen Prozess
wird der Gehalt an Vitamin D3 im
Mehlwurmpulver erhöht. Solch ein Verfahren
zur Anreicherung mit Vitamin D wird bereits
teilweise bei Speisepilzen angewandt.
Gerade in den Wintermonaten könnten Verbraucherinnen
und Verbraucher von einem
erhöhten Vitamin-D-Gehalt profitieren, so
scheint es. Bei Erwachsenen kann ein Vitamin-D-Mangel
zu brüchigen Knochen und
zur Muskelschwäche führen. Auch unser
Immunsystem kann unter einem Vitamin-
D-Mangel leiden.
Doch ein wirkliches Verkaufsargument für
die mit Vitamin D angereicherten Mehlwürmer
ist das nicht. Zwar deckt die in vier
Gramm Mehlwurmpulver enthaltene Menge
an Vitamin D ein Sechstel des Tagesbedarfs,
doch viel wichtiger sei die körpereigene Bildung
durch einstrahlende Sonne. Das ist
eigentlich auch der größere Anteil und auch
der wichtigere, um den man sich auch gerne
ein bisschen kümmern darf. Niemandem
schadet es, bei frischer Luft und gutem
Wetter draußen spazieren zu gehen, das
hat gleich mehrere positive Effekte.
KEINE ÜBERDOSIS-GEFAHR BEIM
MEHLWURMPULVER
Die Arzneimittelkommission der deutschen
Ärzteschaft warnt zudem ausdrücklich vor
der Gefahr einer möglichen Überdosierung
von Vitamin D durch die langfristige Einnahme
hoher Dosen des Vitamins. Es bestehe
dadurch beispielsweise die Gefahr
eines akuten Nierenversagens. Zu viel Vitamin
D kann den Kalziumspiegel erhöhen,
was langfristig etwa zu Nierensteinen, Magen-Darm-Beschwerden
und Gefäßerkrankungen
führen kann. Eine konkrete Gefahr
der Überdosis geht vom neuen Mehlwurmpulver
wohl nicht aus. Durch die UV-Behandlung
steigt der Vitamin-D-Gehalt im
Präparat lediglich auf ein mit anderen Lebensmitteln
vergleichbares Maß.
INSEKTENPULVER BLEIBT ERSTMAL
NISCHENPRODUKT
Wer aus Nachhaltigkeitsgründen Produkte
mit Insektenmehl kauft, kann sich also in
Zukunft überlegen, mit dem Mehlwurmpulver
des französischen Herstellers Nutri’Earth
eine etwas nährstoffreichere
Alternative zu wählen. Das französische
Unternehmen ist derzeit auch das einzige,
das die Zulassung für ein entsprechendes
Produkt hat - ein Kritikpunkt, da es damit
zunächst einen Vorteil gegenüber anderen
Herstellern hat. Weil sich der Verkauf nicht
wirklich lohnt, sind Produkte mit Insektenmehl
allerdings ohnehin nur selten in Supermarktregalen
zu finden. UV-behandeltes
Mehlwurmpulver bleibt zunächst also
eine eher exotische Zutat.
F
LANDESREPORT | BADEN-WÜRTTEMBERG | Januar-Februar | 1-2025
STEUERNEWS
21
WIRTSCHAFTS-IDENTIFIKATIONSNUMMER KOMMT —
NUR NICHT FÜR ALLE
Hintergrund der Vergabe der W-IdNr. soll eine klare
Trennung vom betrieblichen und dem privaten Bereich
sein. Steuerzahler müssen jedoch
nicht selbständig tätig werden
und diese beantragen. Das Bundeszentralamt
für Steuern wird diese
auf Anforderung der zuständigen Finanzbehörde
vergeben und dem wirtschaftlich
Tätigen mitteilen.
Dabei dürften einige Steuerzahlerinnen
und Steuerzahler ihre Nummer
bereits bekommen haben. Die Vergabe
erfolgt seit dem 1. November in
mehreren Stufen und soll für derzeit
wirtschaftliche Tätige bis voraussichtlich
Ende November 2026 abgeschlossen
sein. Unabhängig davon, zu welchem
Zeitpunkt die W-IdNr. vergeben
wird, entsteht Steuerzahlern kein
Nachteil.
Gut zu wissen: Steuerzahlende, die
ausschließlich Einkünfte aus Vermietung
und Verpachtung erzielen
und keine andere wirtschaftliche
Tätigkeit ausüben, gelten nicht als
wirtschaftlich tätig im Sinne der Wirtschafts-Identifikationsnummer.
Ihnen
wird daher in der Regel keine W-IdNr.
zugeteilt. Liegt jedoch neben den
Einkünften aus Vermietung und Verpachtung
eine weitere wirtschaftliche
Tätigkeit vor, könne eine W-IdNr. erteilt
werden.
Die W-IdNr. besteht aus den Anfangsbuchstaben
„DE“ und einer 9-stelligen
Ziffernfolge.
Steuerzahlerinnen und Steuerzahler, die einer wirtschaftlichen
Tätigkeit nachgehen, erhalten zusätzlich
zu ihrer bisherigen Steuer-Identifikationsnummer
auch noch eine Wirtschafts-Identifikationsnummer
(W-IdNr.). Diese Kennziffer soll zur Identifizierung von
wirtschaftlich tätigen Personen und Organisationen
dienen - also etwa auch Freiberuflern und Selbstständigen
oder abhängig Beschäftigten mit gewerblicher
Nebentätigkeit. Und sie soll die Kommunikationen zwischen
Unternehmen und Behörden sowie Behörden
untereinander vereinfachen.
VERGABE ERFOLGT STUFENWEISE
Für die eindeutige Identifizierung im
Besteuerungsverfahren wird jedem
wirtschaftlich Tätigen fortlaufend für
jede einzelne wirtschaftliche Tätigkeit
stufenweise ein Unterscheidungsmerkmal
beginnend mit 00001 zugeordnet.
Dabei ist jedes vergebene
Unterscheidungsmerkmal mit einer
Steuernummer verknüpft, mit welcher
der Betrieb oder die Betriebsstätte
beim zuständigen Finanzamt
geführt wird.
BEISPIELE:
W-IdNr.: DE123456789
W-IdNr. + Unterscheidungsmerkmal
für die erste wirtschaftliche
Tätigkeit: DE123456789-00001
In der W-IdNr. sind keine persönlichen
beziehungsweise betrieblichen Daten
oder Daten des zuständigen Finanzamts
verschlüsselt.
F
PROBLEME BEI STEUERERKLÄRUNG DURCH E-REZEPT
Sonderregelung für das 2024
Außergewöhnliche Belastungen sind steuerlich absetzbar, und dazu
zählen insbesondere Krankheitskosten: Ausgaben für Brillen, Zahnersatz
oder die Zuzahlung für Medikamente. Doch
beim letzteren Posten gibt es neuerdings ein technisches
Problem, seit für gesetzlich Versicherte meist
nur och E-Rezepte ausgestellt werden, der Patient also
keinen Papierbeleg mehr erhält. Der Kassenbon der
Apotheke wiederum enthält nicht den Namen des Patienten.
Ein Nachweis gegenüber dem Finanzamt, dass
die Medikamente für den jeweiligen Steuerzahler bestimmt
waren, ist folglich nicht möglich.
Daher hat das Bundesfinanzministerium nun entschieden,
dass künftig die Kassenbelege als Nachweis ausreichen.
Allerdings müssen diese dazu zusätzlich zum
Namen des Medikamentes, dessen Preis und Zuzahlungsbetrag
auch die Art des Rezeptes und den Namen
der steuerpflichtigen Person enthalten.
Da dies im zurückliegenden Jahr jedoch meist nicht
der Fall gewesen sein dürfte, hat das Ministerium zusätzlich
eine sogenannte Nichtbeanstandungsregelung
getroffen. „Diese besagt, das das Finanzamt bei Belegen
für das vergangene Jahr ausnahmsweise nicht
beanstandet, wenn der Name des Steuerpflichtigen fehlt“, erklärte
Tobias Gerauer, Vorstand der Lohnsteuerhilfe Bayern. „Übergangsweise
werden solche unvollständigen Kassenbelege für das Steuerjahr
2024 vom Finanzamt anerkannt.“
F
LANDESREPORT | BADEN-WÜRTTEMBERG | Januar-Februar | 1-2025
22
KURZ NOTIERT
ERWERBSUNFÄHIG
WEGEN PSYCHISCHER
ERKRANKUNG
Die Zahl der Fälle von Erwerbsunfähigkeit
wegen psychischer Erkrankungen ist 2023
gegenüber 2020 leicht gesunken. Sie lag bei
rund 68.700, im Jahr 2020 waren es noch
knapp 73.000 Fälle. Es ist deutlich zu erkennen,
dass psychische Erkrankungen 2023,
wie auch in den Jahren zuvor, hauptverantwortlich
für eine Erwerbsunfähigkeit sind,
41 Prozent der Neuzugänge in die Erwerbsunfähigkeitsrente
gehen auf diese Diagnose
zurück.
F
DEUTSCHE FAHREN
AUF DER AUTOBAHN
LANGSAMER
Auf deutschen Autobahnen gilt eine Richtgeschwindigkeit
von 130 Kilometer pro
Stunde. Eine IW-Studie zeigt, dass Autofahrer
2024 im Durchschnitt weniger flott
unterwegs waren als noch 2021. Insgesamt
bleiben mehr als 80 Prozent der Pkw im
empfohlenen Temporahmen.
Viele Pkw-Fahrer auf deutschen Autobahnen
halten sich auch ohne ein geltendes
Tempolimit an die empfohlene Richtgeschwindigkeit.
Zudem sind die Autofahrer
auf den Fernstraßen im Durchschnitt etwas
langsamer unterwegs als noch vor ein paar
Jahren.
Pkw-Fahrer fuhren zuletzt im Durchschnitt
113,5 Kilometer pro Stunde (km/h) und
damit 3 km/h weniger im Jahr 2021. Die
absolute Masse der Autofahrer versucht,
die Richtgeschwindigkeit einzuhalten. Die
meisten scheinen, selbst wenn sie 200 fahren
könnten, keine Lust darauf zu haben.
AUF DEN AUTOBAHNEN
IST ES VOLLER GEWORDEN
Die Autobahn-Richtgeschwindigkeit beträgt
in Deutschland 130 km/h. Das Einhalten
dieser Geschwindigkeit wird Fahrzeugführern
auf Streckenabschnitten empfohlen,
auf denen keine gesondert ausgewiesene
Geschwindigkeitsbegrenzung gilt. Fast 83
Prozent der Pkws hielten sich daran oder
fuhren sogar langsamer. Weitere gut 10
Prozent wurden mit einer Geschwindigkeit
zwischen 130 und 140 km/h gemessen.
Deutlich über der Richtgeschwindigkeit von
130 km/h fuhren etwa 7 Prozent der Pkw.
Nur wenige Autofahrer fuhren schneller als
160 km/h. F
DEUTLICH MEHR
KOSTEN FÜR KRANKEN-
HAUSBEHANDLUNGEN
Mittel- bis langfristige Finanzprognosen
sind in der Gesetzlichen Krankenversicherung
(GKV) in hohem Maße von den unterstellten
Annahmen abhängig und daher mit
erheblicher Unsicherheit behaftet
Neben der Unsicherheit über die demografische
und gesamtwirtschaftliche Entwicklung
ist in der GKV - im Unterschied
zu anderen Sozialversicherungszweigen
- insbesondere auch die Ausgabenentwicklung
von sehr
hoher Unsicherheit geprägt,
da diese von einer Vielzahl
an angebots- und nachfrageseitigen
Faktoren in vielen
sehr unterschiedlich regulierten
Leistungsbereichen
abhängig ist. Die Finanzreserven
der GKV 2023 gegenüber
2022 sind um 18 Prozent
gesunken und liegen bei rund
acht Milliarden Euro. Die Ausgaben
der GKV für Krankenhausbehandlungen
sind seit
2015 um mehr als 20 Milliarden
Euro jährlich gestiegen
und lagen 2023 bei rund 94
Milliarden Euro (2015: 70 Milliarden
Euro).
F
REINIGUNGSKRÄFTE
SCHLUSSLICHT
BEIM VERDIENST
In keiner anderen Berufsgruppe verdienen
Angestellte so wenig wie im Reinigungssektor
mit einem durchschnittlichen Bruttoverdienst
von 2493 Euro.
Auf Platz zwei folgend Landwirtschaftsberufe
mit 2531 Euro. Platz drei belegen Berufe
im Tourismus-, Hotel- oder Gaststättengewerbe
mit 2634 Euro im Durchschnitt. F
BAUGENEHMIGUNGEN
ERNEUT WENIGER
Die Flaute am Bau hält auch im neuen Jahr
an. Im ersten Quartal ist die Zahl der Genehmigungen
für neue Häuser und Wohnungen
um fast ein Viertel im Vergleich
zum Vorjahr eingebrochen. Von Januar bis
März gaben die Behörden demnach grünes
Licht zum Bau von nur 53.500 Wohnungen
(15.200 weniger als zu Jahresbeginn 2023).
Vor allem teure Materialien und höhere
Zinsen bei der Finanzierung schrecken viele
potenzielle Bauherren und Investoren
ab. Die Branche ruft deshalb seit Langem
nach mehr staatlichen Staatshilfen und Lockerungen
bei teureren Baustandards, wie
etwa bei der Energieeffizienz.
Bereits im vergangenen Jahr war die Zahl
der Baugenehmigungen mit etwa 260.000
auf dem tiefsten Stand seit 2012 eingebrochen.
Das Bundesbauministerium sprach in
einer Reaktion von „gleichbleibend wenig
erfreulichen“ Zahlen.
F
LANDESREPORT | BADEN-WÜRTTEMBERG | Januar-Februar | 1-2025
MARKTPLATZ | GESCHÄFTSKONTAKTE
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GESUNDHEIT
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DIENSTLEISTUNG
Dengler GmbH & Co.KG
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Fax 07453/50001
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DIENSTLEISTUNG
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Talstr. 1
88348 Bad Saulgau
Tel. 07581/5086-0
Fax 07581/5086-20
www.kabus-textilpflege.de
info@kabus-textilpflege.de
DIENSTLEISTUNG
Mantz Stadthygiene GmbH & Co. KG
Riedlinger Str. 33
89584 Ehingen
Tel. 07391/6692
Fax 07391/71902
www.mantz-stadthygiene.de
info@mantz-stadthygiene.de
DIENSTLEISTUNG
recycling plus GmbH
Kiesgräble 16
89129 Langenau
Tel. 07345/928792-0
Fax 07345/928792-2
www.recycling-plus.de
mj@recycling-plus.de
DIENSTLEISTUNG
Ruprecht Werbeland
GmbH+Co.KG
Werbetechnik Siebdruck
Habsthalerstr. 12
72505 Krauchenwies
Tel. 07576/9615-0
Fax 07576/9615-15
www.rupwt.de
julia.ruf@rupwt.de
FREIZEIT - SPORT
Bäderbetriebe
Uwe Hamann
aquatal im Sportpark
Wittenhofen
Schulweg 5
88693 Deggenhausertal,OT Wittenhofen
Tel. 07555/5373
Fax 07555/927368
www.aquatal.de
aquatal@t-online.de
GROSS- UND
EINZELHANDEL
Schwarz GmbH
Mineralöl-Tanktechnik
Ulmer Str. 84
88400 Biberach/Riss
Tel. 07351/44480
Fax 07351/444822
www.oel-schwarz.de
r.schumpp@buerk-kauffmann.de
GROSS- UND
EINZELHANDEL
Südpack
Verpackungen SE & Co. KG.
Jägerstrasse 23
88412 Ochsenhausen
Tel. 07352/925-01
Fax 07352/925-1102
www.suedpack.com
lisa.fecht@suedpack.com
HANDWERK
BINZ
GmbH & Co.KG
Holzbau - Sägewerk
Am Limes 40
73479 Ellwangen-Pfahlheim
Tel. 07965/801880
www.holzbau-binz.de
info@holzbau-binz.de
HANDWERK
Elektro Kärcher GmbH
Mörikestraße 30
73765 Neuhausen/Filder
Tel. 07158/985631-10
Fax 07158/985631-99
www.elektro-kaercher.com
info@elektro-kaercher.com
HANDWERK
K + B Elektronik GmbH
Ehinger Str. 18
89601 Schelklingen
Tel. 07394/9331-0
Fax 07394/9331-20
www.k-b-gmbh.de
p.keller@kb-elektronik.de
HANDWERK
Mack GmbH & Co.KG
Magirusstraße 42
89077 Ulm/Donau
Tel. 0731/384038
Fax 0731/384030
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HANDWERK
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73271 Holzmaden
Tel. 07023/9006-40
Fax 07023/9006-464
www.braun-pulverbeschichtungen.de
info@braun-pulverbeschichtungen.de
INDUSTRIE UND
FERTIGUNG
GK Automatendreherei GmbH
Schwarzenbacher Straße 8
88348 Bad Saulgau
Tel. 07581/202970
Fax 07581/2029710
www.gkgmbh.de
info@gkgmbh.de
INDUSTRIE UND
FERTIGUNG
Kammerer
Gewindetechnik GmbH&Co.KG
In der Hausmatte 3
78132 Hornberg-Niederwasser
Tel. 07833/9603-0
Fax 07833/9603-80
www.kammerer-gewinde.com
achim.kammerer@kammerer-gewinde.com
INDUSTRIE UND
FERTIGUNG
Marquis
Automatisierungstechnik GmbH
Toräckerstr. 19
89542 Herbrechtingen
Tel. 07324/96350
Fax 07324/963530
www.marquis-tech.de
info@marquis-tech.de
INDUSTRIE UND
FERTIGUNG
Bernd Meffle GmbH
Kunststoffverarbeitung
Am Vogelherd 42
72589 Westerheim
Tel. 07333/20188-0
Fax 07333/20188-49
www.meffle.de
sandra.nickel@meffle.de
INDUSTRIE UND
FERTIGUNG
NOVA
Neue Kunden - Neue Mitarbeiter
Schönblickstraße 52
75331 Engelsbrand
Tel. 07233/75-0
Fax 07233/75-11
www.mwn-niefern.de
vmuchenberger@mwn-niefern.de
INDUSTRIE UND
FERTIGUNG
Peter Prinzing GmbH
Maschinenbau
Siechenlach 2
89173 Lonsee-Urspring
Tel. 07336/9610-0
Fax 07336/9610-50
www.prinzing-online.de
info@prinzing-online.de
INDUSTRIE UND
FERTIGUNG
Roth GmbH
Biolog. Abluftreinigung
Am Tobel 4
88263 Horgenzell
Tel. 07504/970423-0
Fax 07504/970423-9
www.roth-gmbh.de
info@roth-gmbh.de
INDUSTRIE UND
FERTIGUNG
Oskar Schwilk GmbH
Albstraße 15
72535 Heroldstatt
Tel. 07389/908958-0
Fax 07389/908958-30
www.schwilk-drehteile.de
info@schwilk-drehteile.de
TRANSPORT, VERKEHR
UND LOGISTIK
Denkinger
Internationale Spedition GmbH
Röntgenstr. 11
89584 Ehingen
Tel. 07391/70880
Fax 07391/708811
www.spedition-denkinger.de
info@denkinger-sped.de
TRANSPORT, VERKEHR
UND LOGISTIK
Xaver Kling GmbH
Lauinger Str. 75
89344 Aislingen
Tel. 09075/9572-0
Fax 09075/9572-23
www.xk-kling.de
t.schang@xk-kling.de
LANDESREPORT | BADEN-WÜRTTEMBERG
24 KURZ NOTIERT
KINOS VERKAUFEN
WENIGER TICKETS
Kinos in Deutschland haben
2024 weniger Menschen
vor die Leinwand gelockt.
Wie die Filmförderungsanstalt
(FFA) mitteilte,
wurden im vergangenen
Jahr rund 90,1 Millionen
Tickets verkauft.
Das sei
ein Rückgang
von 5,8 Prozent im
Vergleich zu 2023 (95,7 Millionen). Der Umsatz der Kinos
hierzulande sank 2024 nach Angaben der FFA auf rund
868,4 Millionen Euro (2023: 929,1 Millionen Euro). Bei den
Ticketpreisen wurde es etwas günstiger: Der Eintritt kostete
2024 im Schnitt 9,64 Euro. Zum Vergleich: 2023 waren
es 9,71 Euro
F
TÄGLICH FAST
ELF STUNDEN MEDIEN
Knöpfle Medien UG | Winnender Straße 20 | 71522 Backnang
TV und Radio, Social Media und Zeitung: Die Menschen in
Deutschland haben 2024 einer Studie zufolge im Schnitt täglich
zehn Stunden und 53 Minuten Medien genutzt. Dies
waren 16 Minuten weniger als im Jahr davor, zeigt die jährliche
Analyse des Verbands Privater Medien. Mit neun Stunden und 38 Minuten
machten Audio- und audiovisuelle Inhalte (Radio, Fernsehen, Online-Audio- und
-Video-Konsum) fast 90 Prozent der gesamten Mediennutzung der ab 14-Jährigen
aus. In den einzelnen Segmenten gab es unterschiedliche Entwicklungen. F
WORÜBER SICH GÄSTE BESCHWEREN
An Ferienhäusern stört Urlauber am häufigsten etwas, das
sich nicht beeinflussen lässt: das Wetter. Darüber beschweren
sich 19 Prozent der Gäste, wie eine Umfrage der Ferienhaus-Suchmaschine
Holidu unter gut 1.000
größtenteils privaten Ferienhausvermietern
in Deutschland hervorgeht. An zweiter Stelle
der Beschwerdeliste stehen Einschränkungen für Haustiere
(zwölf Prozent), gefolgt von schlechtem oder ganz fehlendem
Internet in der Unterkunft (elf Prozent). Etwas weniger oft
genannt werden das Preis-Leistungs-Verhältnis (zehn Prozent),
Lärm (fünf Prozent), schlechte Parkmöglichkeiten, eingeschränkte
Barrierefreiheit und mangelnde Sauberkeit und
Hygiene (jeweils drei Prozent).
dpa
WEITER STEIGENDE
SCHÜLERZAHLEN
Die Zahl der Schülerinnen und Schüler in Deutschland wird
bis 2035 voraussichtlich von derzeit kanpp 11,1 Millionen auf
rund 11,8 Millionen steigen. Während die Schülerzahlen in den
Stadtstaaten und den westdeutschen Flächenländern bis 2035
zunehmen, sinken sie in den ostdeutschen Ländern ab 2027
ab. Die Zahl der Grundschüler erreicht 2025 mit 3,3 Millionen
ihren Höhepunkt und sinkt dann bis 2035 leicht ab. F