Die Regierung von Niederbayern

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„Klasse2000“ macht Kinder fit fürs Leben

Effektive Suchtprävention beginnt bereits im Grundschulalter.

Lernziel: Ein starkes Selbstwertgefühl

27 Kinder halten ein großes buntes Schwungtuch gespannt. „Wirbelsturm“ ruft Gesundheitspädagogin

Angelika Klostermeier und die Kinder beginnen, das Tuch wild auf und ab zu schwingen. Heftiger

Wind schlägt ihnen entgegen und sie haben offensichtlich einen Riesenspaß dabei.

Die Klasse 2 b der Grundschule Landau an der Isar erlebt an diesem Vormittag eine Schulstunde der

besonderen Art. Eine Stunde, in der soziales Verhalten groß geschrieben wird: Um das soziale Klima

innerhalb einer Klasse zu fördern, brauchen die Kinder Fähigkeiten wie Empathie, Kontrolle der eigenen

Impulse sowie das Arbeiten mit konstruktiven Problemlösestrategien. Bei Spielen mit dem

Schwungtuch wie, „Platzwechseln“ oder „Wellenreiten mit dem Ball“ merken die Kinder, dass es für

die Gemeinschaft wichtig ist, aufeinander zu achten und sich abzustimmen. Dabei ist jeder Einzelne in

der Klasse wichtig.

Für die Schulkinder ist Angelika Klostermeier mittlerweile eine gute Bekannte. Als „Gesundheitsförderin“

des Programms „Klasse2000“ besucht sie die Schüler zwei- bis dreimal im Jahr und vermittelt den

Kindern seit dem ersten Schuljahr spielerisch Themen rund um Gesundheit, Sucht- und Gewaltvorbeugung.

„Das Programm zieht sich wie ein roter Faden durch die gesamte Grundschulzeit“, erklärt

Klostermeier. „So bleibt bei den Kindern wirklich etwas hängen.“

Als Sympathieträger immer dabei: „KLARO“, eine Glühbirne auf zwei Beinen.

Das „helle Köpfchen“ will die Kinder nicht nur mit ihrem Körper vertraut machen, sondern Selbstwertgefühl

und soziale Kompetenz stärken und zum kritischen Umgang mit Zigaretten und Alkohol anleiten.

„Suchtprävention muss schon im Grundschulalter ansetzen“ betont Klostermeier. In ihrer Arbeit als

Rettungsassistentin ist sie zunehmend mit der Suchtproblematik bei Jugendlichen konfrontiert.

In der 4. Klasse lernen die Schüler, Werbebotschaften zu durchschauen und üben das „Nein-Sagen“,

um dem Gruppendruck durch Gleichaltrige zu widerstehen.

Auf den erhobenen Zeigefinger verzichtet das Programm bewusst. Entwickelt von Pädagogen, Medizinern,

Psychologen, Ernähungs- und Sportwissenschaftlern setzt „Klasse2000“ stattdessen auf Spiel,

Spaß und Stärkung der Lebenskompetenz.

Allein im vergangenen Schuljahr nahmen bundesweit über 12000 Klassen mit mehr als 280.000 Kindern

teil. Somit ist „Klasse2000“ das größte Programm zur Gesundheitsförderung und Suchtvorbeugung

an Grundschulen.

Zu verdanken ist dies auch der wachsenden Zahl engagierter „Paten“, die das Projekt finanzieren.

„Vor allem der Lions Club in Dingolfing-Landau unterstützt uns sehr“, sagt Ulrike Dreihäupl, regionale

Koordinatorin für die Region Niederbayern. Eltern übernehmen den Betrag auch manchmal selbst –

die Patenschaft für eine Klasse beträgt 220,- € und ist steuerlich absetzbar.

Im Landkreis Dingolfing-Landau haben die Grundschulen in Landau, Reisbach und Moosthenning

schon neue erste Klassen angemeldet.

- Amtl. Schulanzeiger Januar 2010 - I


„Klasse2000“ wird ständig wissenschaftlich begleitet und anhand aktueller Erkenntnisse überarbeitet.

Gerade ist zum Beispiel eine neue Lerneinheit für die vierte Klasse geplant, um auf den wachsenden

Konsum elektronischer Unterhaltungsmedien zu reagieren.

Der Großteil der Inhalte ist im Lehrplan enthalten. „Viele Schulen nutzen unser Programm und das

Material unterstützend“, sagt Ulrike Dreihäupl, „und beziehen gerne externe Gesundheitsfachleute

ein.“ Die Lehrerinnen Frau Hellinger und Frau Grutke der 2.Klassen der Grundschule Landau berichten:

Die Kinder kennen Klaro bereits seit der 1.Klasse und freuen sich jedes Mal wenn Frau Klostermeier

uns mit Klaro besuchen kommt. Mit Eifer und Begeisterung waren alle bei den Übungen mit

dem Schwungtuch dabei. Auch der Umgang mit den Erbsensäckchen oder das Massagespiel zum

Thema ,Die wichtigste Säule der Welt’ bereitete Freude. Die Kinder erlernten so in altersgemäßer

Weise alles Wesentliche über den Weg der Nahrung oder die Vorgänge bei der Atmung. Die Übungen

lassen sich auch später problemlos in den Unterricht einbauen.“

Den Großteil der „Klasse2000“-Stunden – immerhin zehn bis zwölf pro Schuljahr – bestreiten die

Klassenlehrer allerdings selbst anhand ausführlicher Unterrichtsvorschläge. Auch die Eltern werden

durch Informationsabende, Elternbriefe und Projektzeitungen in das Programm eingebunden.

In der Turnhalle ist es mittlerweile ganz still geworden. Wie Sonnenstrahlen liegen die Kinder auf dem

Schwungtuch. Sie üben gerade die „KLARO-Entspannung“. Angelehnt an die Progressive Muskelentspannung

nach Jacobsen erlernen die Kinder damit ein Instrument, um Aufregung, Wut, Angst und

anderen Stresssituationen begegnen zu können.

Foto: Schwungtuch

Zum Abschied gibt Angelika Klostermeier den Kindern einen Wunsch mit auf den Weg: „KLARO und

ich wünschen uns, dass ihr euch auch im normalen Unterricht gegenseitig helft und unterstützt.“

II - Amtl. Schulanzeiger Januar 2010 -


Angelika Klostermeier erforscht mit den Drittklässlern die Körpersprache. Was fühlt das Kind auf diesem

Bild?

Ich bin Klaro – der Forscher!

Kontakt und Informationen unter:

Verein Programm Klasse2000 Gesundheitspädagogin/SKA

Regionale Koordination Bayern Süd-Ost Frau Angelika Klostermeier

Frau Ulrike Dreihäupl Tel.: 09951/599287

Tel.: 09901/948099

www.klasse2000.de

- Amtl. Schulanzeiger Januar 2010 - III


Evaluation von „Klasse2000“

Das „Klasse2000“-Programm wird fortlaufend vom Verein Programm „Klasse2000“ e.V. evaluiert, häufig

in Kooperation mit anderen Institutionen. In jedem Schuljahr beantworten Schüler, Eltern, Lehrer

oder Gesundheitsförderer Fragebögen über ihre Zufriedenheit mit unterschiedlichen Aspekten des

Programms. Diese Studien belegen die hohe Zustimmung aller Beteiligten. So erreichte das „Klasse2000“-Konzept

in kürzlich durchgeführten Studien bei Klassenlehrern Zustimmungsquoten (Beurteilung

„sehr gut“ oder „gut“) je nach Jahrgangsstufe von bis zu 89%. Die Fragbogenerhebungen bilden

zudem eine wichtige Grundlage für die Überarbeitung und Verbesserung des „Klasse2000“-

Programms.

Wirksamkeit von „Klasse2000“

Die Wirksamkeit von „Klasse2000“ wurde in Bezug auf das Rauchverhalten von Kindern der 4. Jahrgangsstufe

bestätigt (Bölcskei et al., 1997). Dazu wurde das Rauchverhalten von Kindern aus Interventionsklassen

und Kontrollklassen am Ende der 1. Klasse im Schuljahr 1991/1992 (5584 Kinder)

und nochmals am Ende der 4. Klasse im Schuljahr 1994/95 verglichen (3494 Kinder). Als Grundlage

dienten zwei altersgerecht entwickelte Fragebögen. Am Ende der ersten Jahrgangsstufe war noch

kein Unterschied zwischen den Schülern festzustellen.

In den Interventionsklassen hatten wie auch in den Kontrollklassen etwa 10 % der Kinder mindestens

einmal geraucht. In der 4. Jahrgangsstufe hatten 32 % der Schüler aus den Kontrollklassen Erfahrungen

mit Zigaretten. In den Interventionsklassen waren es „nur” 25,2%. Noch deutlicher fiel der Unterschied

beim Anteil jener Schüler aus, die regelmäßig Zigaretten rauchen. Hier waren es bei den Klasse2000-Schülern

(1,5%) nur halb so viele wie in den Kontrollklassen (3,0%).

Dieses Ergebnis ist angesichts der niedrigen Basisraten des Rauchens im untersuchten Lebensalter

beachtlich und belegt den unmittelbaren Effekt der Intervention. Doch auch im Hinblick auf eine langfristige

Wirksamkeit ist dieses Ergebnis ermutigend. Studien zeigen, dass eine Verzögerung des Einstiegs

in den Tabakkonsum einen Schutzfaktor darstellt. Je früher ein Kind bzw. Jugendlicher beginnt,

das Rauchen auszuprobieren, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit einer späteren Abhängigkeit

(Kröger et al. 1999). Kurzfristige präventive Effekte sind somit eine gute Prognose für eine langfristige

Wirksamkeit (Bühler, Kröger 2006).

Darüber hinaus beeinflusst das Programm Klasse2000 durch die Stärkung von Gesundheitsbewusstsein

und Selbstwirksamkeit wichtige Prädiktoren für das Gesundheitsverhalten im späteren Jugendalter

(vgl. Lohaus et al. 2004). Im Januar 2005 startete eine vierjährige Langzeitstudie in Hessen unter

Leitung des Instituts für Therapie- und Gesundheitsforschung IFT-Nord, um die Auswirkungen des

Programms auf unterschiedlichen Ebenen zu überprüfen. Neben dem Substanzgebrauch werden insbesondere

die gewaltpräventive Wirkung und die Förderung der sozialen und persönlichen Kompetenzen

der Kinder untersucht.

IV - Amtl. Schulanzeiger Januar 2010 -

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