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Meine Firma 1/2025

Das Servicemagazin der AXA informiert Sie dreimal jährlich zu Themen, die Sie als Kleinunternehmerin oder Kleinunternehmer interessieren.

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1 | 2025

MeineFIRMA

Das KMU-Magazin der AXA

Digitales Marketing

leicht gemacht

Seite 8

So nutzen KMU

künstliche Intelligenz

Seite 22

«Mir fällt

auch nicht alles

in den Schoss»

Der Zürcher Fischknusperli-Papst

Michel Péclard mischt die

Zürcher Gastro-Szene mit neuen

Konzepten und frischen Ansätzen auf.

Das grosse Interview.

Seite 30


Mein Stolz

Christian Bonnot,

Gründer und Inhaber von

Bonnot’s Event House

Für perfekte und stressfreie Events

Vom Schreiner über den Chauffeur bis hin zum Messestand-

und Bühnenbauer und Video- und Tontechniker:

In meiner Jugend habe ich mich in vielen verschiedenen

Berufen versucht, bis ich dann über meinen

Schwager meine eigentliche Passion entdeckt und 1987

meine erste eigene Eventagentur gegründet habe. All

diese erlernten Fähigkeiten haben mir aber gerade in

meinen Anfängen sehr dabei geholfen, mich zu etablieren.

Und nun bin ich schon seit 37 Jahren erfolgreich

mit meiner Eventagentur unterwegs. Transparenz

und Dialog sind unser oberstes Gebot – wir liefern

unseren Kundinnen und Kunden genau das, was sie

wollen, absolut massgefertigt und auf ihre Bedürfnisse

zugeschnitten, aber ohne versteckte Kosten. Wir organisieren

vom Kundenanlass über das Firmenjubiläum

bis hin zur Produktepräsentation oder zum Weihnachtsessen

alles, was das Herz begehrt. Zu unseren

Kundinnen und Kunden gehören vor allem Grossunternehmen

und KMU, aber auch Verbände und wohltätige

Stiftungen sowie Privatpersonen. In unserem Beruf

sind vor allem gegenseitiges Vertrauen und ein gutes

Netzwerk wichtig; dadurch ergeben sich wertvolle Beziehungen

mit Kunden, Lieferanten und Künstlern, die

teilweise schon über Jahrzehnte anhalten. Was ich mir

für die nächsten Jahre wünsche? Ich muss mir kein

Denkmal setzen, deshalb wünsche ich mir nur, dass

ich weiterhin mit Freude meinen Beruf ausüben und

erfolgreiche und nachhaltige Events organisieren darf,

die in Erinnerung bleiben.

bonnotseventhouse.ch

Foto: Marco Vara

Meine FIRMA

2 01/2025


Mein Stolz

Mut zu Neuem, Verbundenheit zur Region

Schon als 5-Jähriger stand ich in der heimischen Küche

gerne am Herd. Mit der Ausbildung zum Restaurateur

habe ich meinen Traum dann auch zum Beruf gemacht.

Nach verschiedenen Stationen wie dem Adlon

Berlin, dem «Käfer» im Bundestag, im Waldhaus Flims

und der Mövenpick Gastronomie eröffnete sich 2023

Jahr die Chance, meine Erfahrung im Aufbau der RIVI

Gastro AG in Neuhausen einzubringen. Das Rhyfall

Village mit seiner historischen Industriearchitektur

und den modernen RhyfallTowers, der gastronomischen

Vielfalt und lebendigen Atmosphäre ist einfach

einzigartig in der Region, und es macht mich sehr

stolz, was wir hier in den letzten Monaten geschaffen

haben. Hoch über dem Rheinfall in 136 Metern

Höhe bieten wir in unserem Roof Restaurant im 17.

Stock neben einem atemberaubenden Ausblick auch

kulinarische Höhepunkte und einen herzlichen Service.

Ganz wichtig ist uns die Verbundenheit zur Region

Schaffhausen und Neuhausen; wir verwöhnen

unsere Gäste deshalb ausschliesslich mit frischen

und regionalen Zutaten, die mit viel Liebe zubereitet

werden. An dieser Stelle ein grosses Dankeschön an

mein 34-köpfiges Team für seine herausragende Arbeit

und an all unsere Gäste aus der Region, die uns

in den letzten Monaten tatkräftig unterstützt haben

und hoffentlich auch in Zukunft so zahlreich bei uns

vorbeikommen und sich von uns verwöhnen lassen.

rhyfall-village.ch

Foto: Alessandro Della Bella

Meine 01/2025FIRMA

Marco Wahl,

Gastgeber und

Geschäftsführer

der RIVI Gastro AG

3 Meine 03/2023 FIRMA


Hier gibt’s

freie Büro- und

Gewerbeflächen.

newhome.ch

powered by


Inhalt

7

8

14

Erfolg

Digitales Marketing:

So klappts mit SEO und Co.

Transportlogistik:

Trends und Herausforderungen

der Branche

Editorial

Neuer Tag,

neues Glück

Fotos: Dan Cermak; Daniel Ammann; Daniel Winkler; Gaëtan Bally

19

20

22

25

26

30

2

3

34

35

18

Sicherheit

Change-Management:

So führen Sie Mitarbeitende

durch

die Transformation

Künstliche Intelligenz:

So wird sie bei den

Schweizer KMU eingesetzt

Verantwortung

Outsourcing:

Auch für KMU eine

attraktive Lösung

Interview:

Michel Péclard über die

Zürcher Gastro-Szene und

Fischknusperli

Rubriken

Mein Stolz

Christian Bonnot

Marco Wahl

Ulrich Marbot

Susanne Schmid

Grafik: Medien

IMPRESSUM

Herausgeber: AXA, Newsroom

8

26

30

Lesen Sie unser E-Paper auf www.meine-firma.ch oder

besuchen Sie uns auf Linkedin unter www.linkedin.com/company/axaswitzerland.

Adresse der Redaktion: AXA «Meine Firma», Römerstrasse 17, 8400 Winterthur,

www.meine-firma.ch, E-Mail: meine.firma@axa.ch

Redaktion: Melanie Ade (Leitung) Mitarbeit an dieser Ausgabe: Lorenz Heinzer

Online: Urs Wildi Übersetzung: Language Services, AXA Gestaltung und Produktion: Der Layouter,

Beni Spirig, 6004 Luzern Druck und Versand: Vogt-Schild Druck AG, Gutenbergstrasse 1,

4552 Derendingen Erscheinungsweise: dreimal jährlich in Deutsch, Französisch und Italienisch

Gesamtauflage: 84’000 Anzeigenverkauf: Galledia Fachmedien AG, Burgauerstrasse 50, 9230 Flawil,

ornella.assalve@galledia.ch, www.galledia.ch

Adressänderungen und Abbestellungen: Bitte per Mail an meine.firma@axa.ch

Drucksache

myclimate.org/01-24-227513

Melanie Ade

Chefredaktorin

«Meine Firma»

Haben Sie sich an Silvester gute

Vorsätze für das neue Jahr vorgenommen?

Ich persönlich bin ja kein

grosser Fan davon. Ich sehe nicht ein,

weshalb ich jetzt ausgerechnet ab

dem 1. Januar gesünder essen oder

mehr Sport treiben sollte – das

kann ich doch genauso gut ab dem

15. April oder dem 26. August tun.

Und im beruflichen Kontext mag

zwar eine Jahresplanung in den meisten

Bereichen absolut Sinn machen,

aber mal ehrlich: So komplex und

schnelllebig, wie unsere Welt heute

ist, müssen wir uns im Berufsalltag

sowieso konstant hinterfragen,

weiterentwickeln und verbessern, um

weiterhin erfolgreich zu sein – das

wissen Sie als Unternehmerin und

Unternehmer besser als ich.

Falls Sie sich aber doch etwas vorgenommen

haben für das neue Jahr –

beispielsweise endlich Ihre digitalen

Marketingaktivitäten zu vertiefen

und dazu den schon lange geplanten

Linkedin-Account zu eröffnen oder

gewisse Prozesse Ihrer Wertschöpfungskette

wie die IT oder die Buchhaltung

an eine externe Firma auszulagern,

damit Sie sich noch stärker

auf Ihr Kerngeschäft konzentrieren

können –, wir haben die entsprechenden

Tipps und Best-Practice-Beispiele

für Sie in dieser Ausgabe.

Veränderung ist gut und Wandel

die einzige Konstante in unserem

Leben – vergessen Sie dabei nur nicht,

Ihre Mitarbeitenden auf die Reise

mitzunehmen. Aber auch dazu finden

Sie wissenswerte Infos in diesem

Magazin.

Viel Spass bei der Lektüre!

01/2025 5

Meine FIRMA


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Erfolg

Leserfrage

Schadenregulierung

im Ausland

Als wir in den Herbstferien in Spanien

waren, fuhr uns ein spanischer

Fahrzeuglenker in die Seite unseres

Fahrzeuges. Der Unfallverursacher

meinte, seine Versicherung regle nun

alles direkt mit uns. Gibt es für mich

noch eine andere Möglichkeit?

P. B., Nyon

In einem solchen Fall kommt das

Besucherschutz-System zum Tragen.

Darunter versteht man den Schutz von

Personen, die im Ausland Opfer von

Verkehrsunfällen wurden. Der Schutzbedarf

ergibt sich daraus, dass sich

Geschädigte zur Geltendmachung ihrer

Ansprüche an ausländische Verursachende

bzw. deren Versicherer halten

müssen. Zum einen kommt in den

meisten Fällen das ausländische Recht

zur Anwendung, zum anderen können

sprachliche Probleme die direkte Kommunikation

und damit die Abwicklung

des Fahrzeugschadens erschweren. Zur

Überwindung dieser Schwierigkeiten

sieht das Besucherschutz-System vor,

dass jeder Staat eine eigene Auskunftsstelle

betreibt, die Unterstützung bei

der Information über Schadenfälle im

Ausland bietet. Im konkreten Fall kann

sich P. B. an die Regulierungsstelle der

spanischen Versicherung in der Schweiz

wenden und die Forderungen geltend

machen. Diese Institution stellt

sicher, dass P. B die Ansprüche innert

nützlicher Frist erhalten wird.

nbi-ngf.ch

Patrick Villiger

Leiter Schaden

Motorfahrzeuge

Foto: iStock/Micha Steinmann

Der AXA Real Estate Fund Switzerland hat seine führende Stellung weiter ausgebaut.

Erfolgreiches Geschäftsjahr

für den AXA Real Estate Fund

Der im März 2024 fusionierte AXA Real Estate Fund Switzerland hat ein erfreuliches

Geschäftsjahr hinter sich. Die erzielte Anlagerendite beläuft sich auf

4,27 Prozent. Anlegerinnen und Anleger erhalten insgesamt eine Ausschüttung

von 31.49 Schweizer Franken pro Anteil. Der grösste NAV-basierte Immobilienfonds

für Vorsorgeeinrichtungen in der Schweiz verfügt über ein

schweizweit diversifiziertes Immobilienportfolio mit insgesamt 187 Bestandsliegenschaften

und einem Marktwert von 4,90 Milliarden Schweizer Franken.

Der Schwerpunkt des Fonds liegt auf Wohnimmobilien, die 59 Prozent des

Gesamtportfolios ausmachen. Ergänzt wird dieses durch erstklassig gelegene

Geschäftsliegenschaften, primär mit Büronutzungen, die rund ein Drittel des

Gesamtvermögens repräsentieren. Weitere 8 Prozent sind in gemischt genutzte

Liegenschaften investiert. Die Kapitalerhöhung von 279,35 Millionen Schweizer

Franken im Juni 2024 konnte erfolgreich durchgeführt werden. Dies stärkte die

Eigenkapitalbasis des Fonds zusätzlich und ermöglichte so eine gezielte Erweiterung

der Investorenbasis und eine Diversifikation des Portfolios. Mit einem

Nettofondsvermögen von insgesamt 4,20 Milliarden Schweizer Franken per

30. September 2024 hat der AXA Real Estate Fund Switzerland seine führende

Stellung als grösster NAV-basierter Immobilienfonds für Vorsorgeeinrichtungen

in der Schweiz weiter ausgebaut. Für das anstehende Geschäftsjahr wird weiteres

Wachstum erwartet.

«Eine effiziente Güterlogistik macht uns wettbewerbsfähig, kurbelt

die Wirtschaft an und ermöglicht unseren Wohlstand.»

Dr. Peter Acél, Gründer und CEO der Unternehmensberatung Dr. Acél & Partner AG, Seite 15

01/2025 7

Meine FIRMA


DIGITALES MARKETING

Der Mix machts

Gute Mundpropaganda war gestern, heute ist ein gut gefüllter Instagram-

Account das A und O in Sachen Marketing – so scheint es. Digitales

Marketing allein kann zwar den Unternehmenserfolg nicht garantieren,

bietet aber auch für KMU attraktive Möglichkeiten.

Text Melanie Ade Fotos Dan Cermak

Meine Firma

Mooris.ch ist die stilvolle

Online-Plattform für Möbel

und Lifestyle. Gegründet

2012 von den drei Freunden

Lea Montini, Frank Urech

und Claudio Beffa, will

Mooris.ch allen Designaffinen

und Möbelliebhabern

ausgewählte Produkte auf

eine neue, persönliche

und beratende Weise näherbringen.

mooris.ch

Früher war alles einfacher, mag sich

die eine oder der andere heimlich

denken. Wo man vor 20 Jahren einfach

eine Anzeige in die regionale

Gewerbezeitung setzte oder den lokalen

Fussballverein mit einer Bandenwerbung

unterstützte, erfolgen Marketingmassnahmen

heute immer mehr im digitalen Raum. Von

täglichen Newslettern über Blogposts, Landingpages

und Instagram-Accounts – wer sichtbar

sein will, bewegt sich online. Und verliert

ohne entsprechendes Fachwissen schnell den

Überblick, wenn es um SEO, SEA, Leads oder

KPIs geht. Aber müssen KMU überhaupt auf

digitales Marketing setzen? «Ja», sagt Anja

Däumigen, Managing Director der Mediaagentur

Mindshare Schweiz. «Online-Marketing

bietet vor allem kleineren Unternehmen die

Möglichkeit, sichtbarer und für potenzielle

Kunden relevanter zu werden. Die Menschen

verbringen immer mehr Zeit online, nutzen

das Internet als Informationsquelle Nummer

eins und tätigen immer mehr Einkäufe im

Netz. KMU müssen dort sein, wo ihre Kunden

sind, um relevant zu bleiben.»

Den Showroom

in die digitale Welt übertragen

Auf digitales Marketing setzt man bei der

Online-Möbelplattform Mooris.ch schon seit

der Gründung 2012. Co-Gründerin Lea Montini

erklärt, wie es dazu kam. «Mein Mitgründer

Frank betrieb früher ein Möbelgeschäft mit einem

Showroom in Zürich, merkte aber schnell,

dass er damit nicht dieselbe Reichweite erhält

wie im Internet. Die Grundidee von Mooris.ch

war deshalb, das Feeling eines Showrooms in

die digitale Welt zu übertragen». Was heute

so einfach klingt, benötigte damals noch viel

Überzeugungsarbeit. «Man gibt nicht einfach

mal eben 10’000 Franken online mit einem

Klick aus, dafür muss in einem ersten Schritt

eine Beziehung aufgebaut und Vertrauen ge-

schaffen werden», so die studierte Innenarchitektin.

Mooris.ch setzt von Beginn an ausschliesslich

auf digitales Marketing und verwendet dabei

eine eigene Sprache und Bildlandschaft: «Wir

erzählen Geschichten über unsere Produkte,

als besuchten die Leute uns zu Hause, wir

stellen Möbel vor, die wir auch gerne hätten.

Dadurch haben die Leute schnell Vertrauen zu

uns gefasst.» Neben einem täglichen Newsletter,

bei dem Mooris.ch auf Stimmungsbilder

statt Produktmarketing setzt, ist das Team

auch auf den sozialen Medien aktiv – und investiert

in Google-Ads. «Daran kommt heute ja

keiner mehr vorbei», lacht Lea Montini. Den

Content für die sozialen Medien erstellen sie

selbst, bei den bezahlten Anzeigen über Google

unterstützt sie eine darauf spezialisierte Agentur.

«Die technische Seite ist zu komplex und

ändert sich viel zu schnell, als dass wir da mit

unserem bescheidenen Know-how mithalten

könnten», meint Montini.

Das A und O: Seine Zielgruppe kennen

Auch Expertin Anja Däumigen meint: «Je komplexer

der Sachverhalt und je höher die Anforderungen

an das Marketing, desto mehr macht

es Sinn, sich externe Hilfe zu holen und sich

«Die Menschen verbringen

immer mehr Zeit

online und nutzen das

Internet als Informationsquelle.

KMU müssen

dort sein, wo ihre Kunden

sind, um relevant zu

bleiben.»

Anja Däumigen, Managing Director

der Mediaagentur Mindshare Schweiz

Meine FIRMA

8 01/2025


Lea Montini, Co-Gründerin der Online-Möbelplattform Mooris.ch, setzt bei der Erstellung von digitalem Content auf Authentizität, Vertrauen und Ehrlichkeit.

01/2025 9

Meine FIRMA


Rolf Schlagenhauf, CEO des Teams Schlagenhauf, und sein Marketingverantwortlicher Altin Kurtaj setzen auf einen Mix aus digitalem und analogem Marketing.

Meine FIRMA 10

01/2025


DIGITALES MARKETING

Foto: zVg

«Mit gutem Marketing

können wir unsere

Unternehmenswerte

transportieren und

uns als Marke sichtbarer

und sympathischer

machen.»

Rolf Schlagenhauf, Inhaber Team Schlagenhauf

selbst auf sein Kerngeschäft zu konzentrieren.»

Das A und O für erfolgreiches Marketing

sei jedoch die Definition spezifischer, messbarer,

erreichbarer und relevanter Ziele und

ein tiefes Verständnis für potenzielle Kunden.

Die Hauptzielgruppe von Mooris.ch deckt sich

interessetechnisch mit dessen Gründern – zwischen

35 und 50 Jahre alt, im urbanen Raum

lebend, designaffin und interessiert an Möbeln

und Stil. «Ein Glück für uns, wissen wir

so doch am besten, was unserer Zielgruppe

gefällt», lacht Lea Montini. Auf Social Media

agiert das Mooris.ch-Team deshalb selbst als

Protagonisten und hat damit gute Erfahrungen

gemacht: «Das Wichtigste ist, authentisch zu

bleiben und hinter dem zu stehen, was man

sagt und zeigt. Die Leute merken sofort, wenn

man ihnen ein Produkt andrehen will.» Anja

Däumigen ergänzt: «Eine weitere Barriere sind

Inhalte von geringer Qualität, die nicht relevant

für die Zielgruppe sind. Hochwertiger

Content, der Inhalte bietet, Mehrwert liefert

und informativ, unterhaltsam oder lehrreich

ist, zieht die Aufmerksamkeit der Zielgruppe

auf sich und fördert Engagement und Treue

zur Marke.»

Die Marke sichtbar machen

Ausschliesslich digital ist man beim Team

Schlagenhauf naturgemäss nicht unterwegs.

Beim Fachspezialisten für Renovationen sowie

Um- und Neubauten aus Meilen ist man überzeugt:

«Die beste Werbung ist immer noch qualitativ

hochstehende Arbeit und das persönliche

Engagement unserer Mitarbeitenden»,

erklärt Inhaber Rolf Schlagenhauf. Trotzdem

setzt die Firma stark auf Marketing – sowohl

analog als auch digital. Neben beschrifteten

Fahrzeugen und Firmentafeln, einem gedruckten

Kunden- und Mitarbeitermagazin sowie

lokalen Engagements für Sportvereine oder

Inserate in Lokalzeitungen ist der Handwerksbetrieb

auf den sozialen Onlinekanälen sehr

aktiv und hat Anfang Jahr im Rahmen eines Rebrandings

auch seine Website generalüberholt.

Rolf Schlagenhauf erklärt: «Ich bin überzeugt,

dass Kommunikation und Marketing ein grosser

Teil unseres Firmenerfolgs sind. Mit gutem

Marketing können wir unsere Unternehmenswerte

transportieren und uns als Marke sichtbarer

und sympathischer machen.»

Dabei geht es dem Unternehmer nicht nur

darum, neue Aufträge an Land zu ziehen:

«Mit unseren digitalen Marketingaktivitäten

sprechen wir auch potenzielle Mitarbeitende

an. Digitales Marketing ist für uns ein Instrument,

um unsere Arbeitgeberattraktivität

zu steigern.» Dem stimmt Marketingexpertin

Däumigen zu: «Digitales Marketing kann

im Rekrutierungsprozess sehr nützlich sein,

um qualifizierte Mitarbeitende zu finden, da

viele Jobsuchende ihre Suche online beginnen,

um sich über potenzielle Arbeitgeber zu informieren.»

Doch auch unternehmensintern

seien Marketingmassnahmen wichtig, meint

Schlagenhauf: «Eine professionelle und qualitativ

hochstehende Kommunikation – sei es

nun analog oder digital – trägt auch dazu bei,

dass bestehende Mitarbeitende stolz auf ihren

Arbeitgeber sind. Und das ist gerade im Baunebengewerbe

ein entscheidender Vorteil im

vorherrschenden Kampf um Fachkräfte.»

Glossar

SEO (Search

Engine Optimization)

Die Optimierung von

Inhalten und technischen

Aspekten einer Website, um

in den organischen Suchergebnissen

von Suchmaschinen

besser platziert zu

werden.

SEA (Search

Engine Advertising)

Bezahlte Werbeanzeigen

in Suchmaschinen, die

oberhalb oder neben den

organischen Suchergebnissen

erscheinen.

Content Marketing

Erstellung und Verbreitung

von wertvollen, relevanten

und konsistenten Inhalten,

um eine Zielgruppe anzuziehen

und zu binden.

Social Media Marketing

Nutzung von sozialen

Netzwerken wie Facebook,

Instagram, Twitter und

Linkedin, um mit Kunden zu

interagieren und Marketingziele

zu erreichen.

E-Mail-Marketing

Direktmarketing über

E-Mail, um Informationen,

Angebote und Inhalte an

eine definierte Zielgruppe

zu senden.

ROI (Return

on Investment)

Die Rentabilität einer Investition,

im digitalen Marketing

oft verwendet, um die

Effektivität von Kampagnen

zu messen.

KPI (Key Performance

Indicator)

Leistungskennzahlen, die

zur Messung des Erfolgs von

digitalen Marketingaktivitäten

herangezogen werden.

Meine Firma

Ob Maler-, Gipser- oder Maurerarbeiten,

Bodenbeläge,

Fassadenbau oder Gesamtsanierungen:

Team Schlagenhauf

ist der Fachspezialist für

Renovationen sowie Um- und

Neubauten im Grossraum

Zürich. 1934 gegründet, wird

die Firma mit Sitz in Meilen

heute in dritter Generation

von Rolf Schlagenhauf

geführt.

schlagenhauf.ch

Analytics

Die Sammlung und Auswertung

von Daten über das

Verhalten von Website-Besuchern,

um Einblicke in die

Performance zu gewinnen

und Entscheidungen zu

treffen.

Lead Generation

Die Anzahl der generierten

Leads, also der potenziellen

Kunden, die Interesse an

einem Produkt oder einer

Dienstleistung zeigen.

Traffic

Die Anzahl der Besucher

auf einer Website oder

Landingpage.

Quelle: Mindshare

01/2025 11

Meine FIRMA


DIGITALES MARKETING

Foto: zVg

Die Expertin

Anja Däumigen ist seit

Januar 2024 Managing

Director von Mindshare

Schweiz. Die Diplom-Soziologin

verfügt über mehr als

20 Jahre Mediaerfahrung

und ist spezialisiert auf

digitale Kommunikationsberatung

und Mediaplanung.

mindshareworld.com

Meine Firma

4B ist der Schweizer Marktführer

für die intelligente

Gebäudehülle und entwickelt

innovative, komfortable und

umweltfreundliche Fassadenund

Fensterlösungen. Das

1896 gegründete Familienunternehmen

mit Hauptsitz

in Hochdorf wurde Ende 2024

an den international tätigen

Fensteranbieter Dovista S/A

verkauft.

4-b.ch

Die Zielgruppe von morgen ist online

Trotzdem müsse man beim Team Schlagenhauf

noch mehr in Online-Marketing investieren,

ist Altin Kurtaj, der Marketingverantwortliche

der Firma, überzeugt: «Auch wenn wir in einer

analogen Branche tätig sind, bewegt sich unsere

Zielgruppe von morgen zunehmend nur

noch im digitalen Raum – das müssen wir im

Marketingmix berücksichtigen. Mit digitalem

Marketing können wir unsere Reichweite erhöhen

und unseren Kunden zeigen, dass wir auch

in der modernen Welt innovativ und präsent

sind. Dafür braucht es aber noch etwas Überzeugungsarbeit

bei meinem Chef», lacht der

27-Jährige. Der muss jedoch gar nicht überzeugt

werden – ein regelmässiger Newsletter und informative

Blogbeiträge auf der Website sind

bereits geplant. «In Bezug auf Geschwindigkeit

und Budget sind digitale Massnahmen klar im

Vorteil. Trotzdem bleibt der persönliche Kontakt

gerade in unserer Branche auch in Zukunft

unerlässlich», ist Rolf Schlagenhauf überzeugt.

Authentisch bleiben

Auch beim Fensterproduzenten 4B aus Hochdorf

setzt man neben bewährten analogen

Marketingmassnahmen wie TV-Spots und Publireportagen

auf digitale Instrumente. «Wir

sind zwar ein klassischer Produktionsbetrieb,

verkaufen unsere Produkte aber im Direktvertrieb

an unsere Endkonsumenten. Deshalb ist

für uns elementar, dass wir ihre Bedürfnisse

genau kennen und einen direkten Zugang zu

ihnen haben. Das geht über digitale Kanäle

einfach besser», sagt Fabiana Grilli Mühlebach,

Head Marketing & Communication bei

4B. Neben klassischen Google-Bannern und

dem Auftritt in den sozialen Medien betreibt

4B auch einen eigenen Blog. «Für die Themenfindung

analysieren wir Verhaltensdaten aus

unserer Website, Suchinteressen aus SEO-Abfragen

sowie häufige Kundenfragen, die uns

über den Verkauf erreichen», so Fabiana Grilli.

Auf den sozialen Medien setzt 4B auf Authentizität.

«Menschen interessieren Menschen; wir

posten deshalb viele People-Stories mit Mitarbeitenden

oder zeigen, was bei 4B hinter den

Kulissen passiert», erklärt die Marketingfachfrau.

Das unterstützt Anja Däumigen: «Mitarbeitende

können authentisch vermitteln, wie

das Produkt oder die Dienstleistung funktioniert

und welche Vorteile diese bieten. Zudem

können Mitarbeitende als Firmenbotschafter

fungieren. Durch ihr Engagement zeigen sie

potenziellen Mitarbeitenden, was sie erwartet.

«Menschen interessieren

Menschen; wir posten

deshalb viele People-

Stories mit Mitarbeitenden

oder zeigen, was bei

4B hinter den Kulissen

passiert.»

Fabiana Grilli Mühlebach, Head Marketing & Communication, 4B

Wichtig ist dabei, dass sich die Mitarbeitenden

gerne zeigen und nicht gezwungen werden,

auf den Social-Media-Kanälen des Arbeitgebers

zu erscheinen.»

Unterschiedliche Kanäle kombinieren

Die Vorteile des digitalen Marketings sieht

Fabiana Grilli Mühlebach in der Flexibilität,

Transparenz und Messbarkeit: «Messbarkeit

ist für uns sehr wichtig, da wir auf Ressourcen

und Effizienz achten müssen. Gleichzeitig

kann man auch mal experimentierfreudig

sein, etwas Neues ausprobieren und dazulernen.»

Aber sie sagt auch: «Digitales Marketing

allein reicht oft nicht aus, um unsere KPIs zu

erreichen. Während es zur Reichweite beiträgt,

sind digitale Kanäle aufgrund ihrer schnellen

Interaktionszyklen und des kurzen Nutzeraufenthalts

nicht immer optimal für die Informationsvermittlung.

In vielen Fällen eignen

sich Printmedien besser, um komplexe Informationen

detailliert zu kommunizieren. Eine

Kombination aus digitalem und traditionellem

Marketing ist daher oft am effektivsten.»

Gemäss Expertin Anja Däumigen ist es für jedes

KMU elementar, sich im Vorfeld zu überlegen,

mit welchen Massnahmen die grösste

Hebelwirkung erzielt werden kann: «Digitale

Strategien sollten nicht isoliert betrachtet werden.

Integrieren Sie sie in Ihre Gesamtmarketingstrategie,

holen Sie alle Beteiligten an den

Tisch, um eine konsistente Markenbotschaft

über alle Kanäle zu gewährleisten.» Ob Content

Marketing, Social Media oder Eventmarketing:

Jedes Format habe seine eigenen Stärken und

könne somit je nach Zielgruppe, Budget und

Geschäftszielen unterschiedlich effektiv sein.

«Es ist wichtig, eine integrierte Marketingstrategie

zu entwickeln, die verschiedene Kanäle

kombiniert, um eine breite Palette von Kunden

zu erreichen und die Wirkung Ihrer Marketingbemühungen

zu maximieren.» Und sie rät

jedem KMU, Geduld zu bewahren: «Digitales

Marketing ist oft ein langfristiges Engagement.

Seien Sie geduldig und erwarten Sie nicht sofortige

Ergebnisse. Kontinuierliche Optimierung

und Anpassung sind der Schlüssel zum

Erfolg.»

Meine FIRMA

12 01/2025


Für Fabiana Grilli Mühlebach, Head Marketing & Communication, liegen die Vorteile des digitalen Marketings in der Flexibilität, Transparenz und Messbarkeit.

01/2025 13

Meine FIRMA


TRANSPORTLOGISTIK

Gut unterwegs

Für die Schweiz ist die Transportlogistik

von entscheidender Bedeutung,

da wir vieles nicht selbst produzieren.

Foto: iStock/mr-fox

Meine FIRMA

14 01/2025


TRANSPORTLOGISTIK

Foto: zVg

Ob Stückguttransport, Paketzulieferung,

Kurierdienste oder

Abfallentsorgung: Der Transportlogistik

kommt eine relevante

Rolle in der Schweizer Wirtschaft

zu. Wie sich die Branche entwickelt

hat und welche Herausforderungen

und Trends sich abzeichnen.

Text Melanie Ade Fotos Gian Vaitl

Ohne Logistik geht gar nichts. Das

ist spätestens seit der Corona-Pandemie

allen klar, als Lieferketten

unterbrochen und die Versorgung

mit wichtigen Gütern nicht

mehr überall lückenlos sichergestellt werden

konnte. Doch auch nach der Pandemie ist die

Logistik treibende Kraft in unserem Alltag, wie

Dr. Peter Acél, Gründer und CEO der Unternehmensberatung

Dr. Acél & Partner AG, sagt:

«Wir alle sind umgeben von physischen Waren.

Die Rohstoffe für diese Produkte müssen zum

Produzenten und die Produkte anschliessend

in den Handel und zum Verbraucher transportiert

werden. Das gilt auch für einfache Produkte

wie Lebensmittel: Die meisten von uns

haben keinen grossen Garten mehr zu Hause,

in dem sie sich den eigenen Salat anbauen

können. Also muss dieser Salat vom Feld über

den Detailhändler bis in den heimischen Kühlschrank

transportiert werden.»

Gerade für die Schweiz sei die Transportlogistik

von entscheidender Bedeutung, da wir viele

der täglichen Produkte nicht selbst produzieren,

sondern auf den Zugang zu internationalen

Märkten und damit auf den Import und

Export angewiesen seien. «Die weltweite ökonomische

Vernetzung und Arbeitsteilung hat

zu einer Zunahme globaler Transportströme

geführt und die Auslagerung einzelner Produktionsschritte

an Drittanbieter ermöglicht,

womit Firmen ihre Kosten senken und sich

auf ihr Kerngeschäft konzentrieren können.

Heutzutage wird ein Auto nicht mehr vom

Dorfschmied zusammengeschraubt, das wäre

unbezahlbar. Man bestellt es sich bequem und

kostengünstig in Fernost», so Dr. Acél. Und das

ergebe auch durchaus Sinn: «Eine effiziente

Güterlogistik macht uns wettbewerbsfähig,

kurbelt die Wirtschaft und den Konsum an

und ermöglicht uns schlussendlich unseren

Wohlstand. Wenn wir uns alle plötzlich wieder

selbst versorgen müssten, könnten wir unseren

bisherigen Lebensstandard kaum halten.»

Wirtschaftslage und Konsum

Ein Blick auf die Zahlen des Bundesamts für

Statistik (BFS) zeigt: Der Güterverkehr in der

Schweiz wird in erster Linie über den Landweg

abgewickelt, also via Strasse und Schiene.

62 Prozent der Verkehrsleistungen im Landverkehr

wurden 2023 von Strassenfahrzeugen

geleistet, 38 Prozent von der Bahn. Zusammen

wurde 2023 mit diesen beiden Verkehrsmitteln

eine Transportleistung von 26,1 Milliarden

Tonnenkilometern erbracht. Der bis anhin

höchste Wert war mit 28,2 Milliarden Tonnenkilometern

im Jahr 2014 verzeichnet worden

– in den letzten Jahren hat der Güterverkehr

in der Schweiz weniger stark zugenommen

als das Bruttoinlandprodukt. «Ein Anstieg des

Wirtschaftswachstums führt zu einer erhöhten

Nachfrage nach Gütern, die von der Produktion

zu den Konsumierenden transportiert

werden müssen. Im Umkehrschluss wirkt sich

die gedämpfte Wirtschaftslage der letzten

Jahre auch negativ auf den Konsum und damit

auf den Güterverkehr aus», erklärt Peter Acél.

Starke Zunahme bei Lieferwagen

2023 waren in der Schweiz gemäss BFS insgesamt

6,4 Millionen Strassenmotorfahrzeuge

immatrikuliert, davon knapp 4,8 Millionen Personenwagen.

Fahrzeuge, die primär dem Transport

von Gütern dienen, sind deutlich weniger

zahlreich: 2023 waren 485’303 Güterfahrzeuge

registriert, davon 430’062 Lieferwagen, 42’503

Lastwagen und 12’738 Sattelschlepper. Der Bestand

der Lieferwagen hat zwischen 2010 und

2023 mit Abstand am stärksten zugenommen,

nämlich um 52 Prozent. Die Zahl der Lastwagen

ist von 2010 bis 2023 mit plus 4 Prozent

verhältnismässig wenig angestiegen.

Herausforderung Nachhaltigkeit

Dazu André Kirchhofer, Vizedirektor des Schweizerischen

Nutzfahrzeugverbands ASTAG: «Die

starke Zunahme des Lieferwagenbestandes basiert

auf dem Güterstruktureffekt. Transportierte

Güter werden tendenziell immer kleiner,

während die grossen Massengüter in der

Tendenz abnehmen – Stichwort Deindustriali-

Der Experte

André Kirchhofer ist Vizedirektor

des Schweizerischen

Nutzfahrzeugverbands

(ASTAG). Im Auftrag

von rund 3750 Mitgliedern

und Partnern setzt sich der

Verband für die Interessen

und Anliegen des Strassentransportgewerbes

ein.

Nebst dem gewerbsmässigen

Gütertransport und dem

Werkverkehr zu firmeneigenen

Zwecken vertritt die

ASTAG auch die Personenbeförderung

mit den beiden

Fachgruppen Car und Taxi.

astag.ch

01/2025 15

Meine FIRMA


TRANSPORTLOGISTIK

Foto: Gian Vaitl

Der Experte

Dr. Peter Acél ist Gründer

und CEO der Dr. Acél &

Partner AG. Gegründet 1996,

beraten Peter Acél und sein

Team Unternehmen und Institutionen

umfassend in den

Leistungsgebieten Lean Management,

Logistikmanagement

& SCM, Produktion &

Technik. Die international

tätige Beratungsfirma hat

ihren Sitz in Zürich und beschäftigt

10 Mitarbeitende.

acel.ch

sierung der Schweiz.» Kirchhofer meint damit,

dass durch den beschleunigten Wandel hin zu

einer Dienstleistungsgesellschaft mit immer

weniger Industrieanteil eine Stagnation oder

ein Produktionsrückgang in der Grundstoffindustrie

und gleichzeitig ein steigender Anteil

von hochwertigen Konsum- und Investitionsgütern

zu beobachten sind. Die Folgen sind ein

Rückgang des Massengut- und eine Zunahme

des Stückgutverkehrs. Dieser Effekt ist in allen

hochentwickelten Volkswirtschaften feststellbar.

Kirchhofer sieht die grösste Herausforderung

der Logistikbranche allerdings in der Nachhaltigkeit:

«Wir bekennen uns seitens ASTAG

klar zum Netto-Null-Ziel bis 2050. Die Bestrebungen

in der Branche, die CO 2-Emissionen zu

senken, sind gross. Aber ganz so einfach ist das

eben nicht. Elektro-Lastwagen sind in der Anschaffung

immer noch doppelt so teuer wie ein

normaler Diesel-LKW; zudem mangelt es noch

an Ladestationen und generell an der nötigen

Energieverfügbarkeit in der Schweiz. Diese Herausforderungen

gehen weit über unsere Branche

hinaus und erfordern ein vernetztes Denken

und branchenübergreifende Lösungen.»

E-Commerce verursacht Strukturwandel

Deutlich wird Kirchhofer auch, was kritische

Stimmen gegenüber dem Strassentransportgewerbe

anbelangt: «Das steigende Verkehrsaufkommen

ist de facto eine Auswirkung des zunehmenden

Freizeitverkehrs sowie des durch

den E-Commerce verursachten Strukturwandels.

Wer sich also über Stau auf der Autobahn

oder in den Innenstädten ärgert, sollte

sich einmal hinterfragen, welchen Beitrag

Dr. Peter Acél berät Unternehmen und Institutionen zum Thema Logistikmanagement.

man selbst dazu leistet.» Fakt sei, dass jährlich

in der Schweiz mehrere hundert Millionen

Pakete verschickt werden. Diese müssten zugestellt

und oftmals wieder abgeholt werden.

Jedes bestellte Paket löse demnach zusätzlichen

Verkehr aus. «Weniger Verkehr bedeutet

deshalb auch immer individuellen Verzicht»,

betont Kirchhofer. Unternehmensberater Acél

pflichtet ihm bei: «Alle wollen überall sparen,

nur nicht bei sich selbst. Diese Rechnung kann

nicht aufgehen.» Eine weitere Herausforderung

in der Transportlogistik ist der Fachkräftemangel,

da sind sich beide Experten einig.

«Wir beobachten einen Mangel an qualifizierten

Arbeitskräften aufgrund des demografischen

Wandels und der körperlichen Arbeit.

Die Arbeit als Chauffeur ist anstrengend, das

will heutzutage fast niemand mehr auf sich

nehmen», erklärt Dr. Peter Acél. Abhilfe sieht

er in den neuen Technologien. «In Zukunft

werden unsere Waren durch selbstfahrende

Fahrzeuge transportiert, das wird schneller

Realität, als wir denken. Technisch zeigt sich

kontinuierlicher Fortschritt, welcher in den

USA bereits mehr als nur Pilotprojekte ermöglicht.

Wann vollautomatisiertes Fahren in Europa

Einzug hält, dürfte nur noch eine Frage

der Regulatorik sein.»

Drohnen für die letzte Meile

Für den Einsatz in der letzten Meile, also dem

letzten Kilometer zwischen Schienenverkehr

und Privathaushalt, vorwiegend in Innenstädten,

hält Acél zudem auch den Einsatz von

Drohnen als durchaus sinnvoll: «Drohnen sind

kostengünstiger, schneller und umweltfreundlicher

als ein Lieferwagen. Für die Paketzustellung

bis zu fünf Kilogramm sind sie deshalb

durchaus eine interessante Alternative.»

Ob Diesel-LKW, selbstfahrende Fahrzeuge oder

Drohnen: Die Transportlogistikbranche wird

auch in Zukunft weiter an Bedeutung gewinnen.

«Die Schweizerischen Verkehrsperspektiven

2050 des Bundesamts für Umwelt, Verkehr,

Energie und Kommunikation (UVEK) prognostizieren

auch für die nächsten Jahre eine Zunahme

des Verkehrs auf allen Verkehrsträgern.

Das hängt mit dem Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum

sowie unserem Wohlstand

zusammen: Wir wollen unterwegs sein, wir

wollen konsumieren. Das führt automatisch

zu einer Zunahme der Transportleistungen.

Das kann man gut oder schlecht finden, das

ist einfach eine Realität», erklärt André Kirchhofer

von der ASTAG.

Meine FIRMA

16 01/2025


Der Schweizer Logistikmarkt in Zahlen

Massengutlogistik

Dieses Segment beinhaltet den Transport

umfangreicher Mengen homogener, überwiegend

unverpackter Güter, darunter Erz, Kohle,

Getreide und Erdöl, Für den Transport und den

Umschlag dieser Güter kommen spezialisierte

Fahrzeuge und Anlagen wie Tanker und Förderbänder

zum Einsatz. Der Bereich umfasst sowohl

flüssige als auch trockene Massengüter.

Stückgutlogistik

Die Stückgutlogistik widmet sich dem Transport

einzeln verpackter Güter verschiedener Dimensionen

und Beschaffenheiten, wie beispielsweise

grosse Pakete, Paletten und Fässer. Im Unterschied

zur Massengutlogistik erfolgt eine

individuelle Behandlung dieser Güter, die zu

grösseren Ladeeinheiten zusammengestellt

werden. Dieser Bereich gilt als wesentlicher

Bestandteil des Dienstleistungsspektrums der

Logistik.

KEP-Dienste (inkl. Briefe und Zeitungen)

Die KEP-Dienste (Kurier-, Express- und Paketdienste)

inklusive Briefe, Zeitungen und

Zeitschriften spezialisieren sich auf den

Transport von Sendungen geringen Gewichts

und Volumens, darunter kleine Pakete, Briefe

und Zeitschriften. Sie zeichnen sich durch

schnelle Lieferzeiten und hohe Flexibilität aus,

wobei der Transport vorrangig über die Strasse

erfolgt.

Quelle: BFS-Gütertransportstatistik 2024 Güterverkehr in der Schweiz 2023

191ʼ541ʼ268 Tonnen 52%

Rest 48%

Containergutlogistik

Im Fokus der Containergutlogistik steht der

Transport von Waren in standardisierten

Containern, die mittels Schiffen, Zügen oder

Schwerlasttransportern transportiert werden.

Die Verwendung standardisierter Container

erleichtert den Güterumschlag erheblich, da ein

Umpacken der Ware entfällt. Dieses Segment

umschliesst alle Transporte von Grosscontainern

und vergleichbaren Behältnissen.

30ʼ952ʼ471 Tonnen 92%

Rest 8%

98ʼ798ʼ001 Tonnen 73%

Rest 27%

Anteil der Verkehrsträger

PKW-Verkehr

74,59%

Übriger Verkehr

4,12%

Strassengüterverkehr

21,29%

4ʼ696ʼ131 Tonnen 1%

Marktvolumen 99%

Übrige Teilmärkte

Unter «Übrige Teilmärkte» werden Transportmengen

zusammengefasst, die nicht eindeutig

den definierten Logistikbereichen zugeordnet

werden können. Dies umfasst beispielsweise

Spezialtransporte und Krandienste, die sich von

den klassischen Segmenten unterscheiden.

4ʼ107ʼ948 Tonnen 11%

Marktvolumen 89%

Unfälle

kosten.

Freizeitunfälle zu verhüten, ist ein Gewinn für alle.

Für Mitarbeitende wie für Unternehmen.

Die BFU ist dafür die sichere Partnerin.

Beratungsstelle für

Unfallverhütung

01/2025 17

bfu.ch/unternehmen

Meine FIRMA


DIE GRAFIK: MEDIEN

Fallende Blätter

Die Auflagen der Schweizer Zeitungen, jahrhundertelang

massgebend für die öffentliche Meinungsbildung, sind

seit Jahren stark rückläufig. Mit dem Siegeszug der sozialen

Medien droht ein zunehmendes Informationsvakuum.

Illustration Daniel Karrer

37% Social Media

Hauptinformationsquelle

Gratis-News

Nur gerade 17 Prozent der Schweizerinnen

und Schweizer bezahlen für ein Online-

Informationsangebot. Dennoch sind

News-Sites die wichtigste Nachrichtenquelle.

Prozentzahl der Personen, welche

die entsprechende Informationsquelle

in der Vorwoche genutzt haben.

Quelle: Reuters Digital News Report 2024

20Minuten

2014: 477ʼ000

62% News-Sites 51% TV 28% Print 28% Radio

Blick ins Bodenlose

Kein Printtitel konnte sich dem Abwärtstrend entziehen.

Besonders stark Federn lassen musste der «Blick».

Auflagenzahlen ausgewählter Zeitungstitel.

Quelle: BfS/Wemf

Blick

164ʼ000

Tages-Anzeiger

173ʼ000

Tribune de Genève

44ʼ000

Corriere del Ticino

36ʼ000

2024: 298ʼ000 69ʼ000 92ʼ000 22ʼ000 26ʼ000

Abnehmendes Interesse

Weniger als die Hälfte der Schweizer Bevölkerung

zeigt mittlerweile ein grosses Interesse am

Nachrichtengeschehen – bei den Jungen ist es nur

gerade ein Viertel.

50%

50%

Alter 18–24 25–34 35–44 45–54

Anteil an Personen, die angeben,

«sehr» oder «äusserst» an Nachrichten

interessiert zu sein.

Quelle: Digital News Report 2014

55+

Netflixen statt Zeitung lesen

Mittlerweile haben doppelt so viele Schweizer

Haushalte ein Streaming-Abo als ein Zeitungsabo.

Quelle: James-Studie 2024 ZHAW

News-Fatigue

Etwa ein Drittel der Schweizerinnen und Schweizer

verzichtet bewusst auf den Konsum von Nachrichten.

Insbesondere jüngere Frauen fühlen sich durch die Flut

von Negativschlagzeilen erschöpft.

50%

Frauen

Männer

50%

52

18–24

57

33 35 36

25–34

53

35–44

46

42 40 39

45–54

55+

Anteil Personen, die sich von der Menge

verfügbarer Nachrichten erschöpft fühlen,

nach Geschlecht und Alter.

Quelle: Reuters Institute Digital News Report 2024

80% Film- und Serien-Streaming-Abo

72% Musik-Streaming-Abo

45% Abo-Fernsehen

40% Tageszeitungs-Abo

36% Zeitschriften-Abo

35% Game-Flatrate-Abo

12% KI-Abo

11% E-Book-Abo

10% Social-Media-Premium-Abo

09% YouTube-Premium-Abo

Meine FIRMA

18 01/2025


Sicherheit

Leserfrage

Höhere Gewalt

oder Eigenverschulden?

Wegen starken Schneefalls kam

mein Mitarbeiter eine Stunde zu

spät zur Arbeit. Kann ich von ihm

verlangen, länger zu bleiben?

S. L., Basel

Ja, das dürfen Sie. Eine Absenz muss

nur dann als Arbeitszeit angerechnet

werden, wenn die Absenz in der

Person des Arbeitnehmers begründet

liegt, zum Beispiel wenn er Militärdienst

leistet. Wenn aber der Zug

ausfällt oder der Mitarbeiter im Stau

feststeckt, liegt das nicht in der Person

des Arbeitnehmers begründet. Die

ausgefallene Zeit muss also entweder

nachgearbeitet werden, oder es kann

ein Lohnabzug gemacht werden.

Anders sieht es aus, wenn die Arbeit

wegen einer Störung unterbrochen

wird, die ins Betriebsrisiko des

Unternehmens fällt, zum Beispiel

aufgrund einer defekten Maschine.

Wenn der Arbeitgeber aus solchen

Gründen die Leistung seiner Mitarbeitenden

nicht annehmen kann, kommt

er in Annahmeverzug und schuldet

den vollen Lohn, ohne dass die

Angestellten nacharbeiten müssen.

Carole Kaufmann Ryan

Anwältin AXA-ARAG

Fotos: zVg; iStock/Jinda Noipho

Dank der elektronischen Lohnmeldung werden KMU administrativ stark entlastet.

Lohndaten direkt an AHV

und BVG übermitteln

Die AXA bietet ihren Unternehmenskundinnen- und -kunden als eine der ersten

Pensionskassen an, Meldungen an AHV, Suva und Versicherungen direkt aus ihrer

Lohnbuchhaltung zu tätigen. Ob berufliche Vorsorge, Unfallversicherung oder

Krankentaggeld – dank der elektronischen Lohnmeldung (ELM) übermitteln Sie

uns Ihre Lohndaten mit nur wenigen Klicks. Schnell, einfach und sicher. Dazu

benötigen Sie lediglich eine Lohnsoftware, welche durch Swissdec zertifiziert ist.

Swissdec organisiert die Übermittlung von Lohndaten von den Unternehmen zu

den Sozialversicherungen und Behörden bei höchsten Sicherheitsstandards. Unternehmen

werden administrativ stark entlastet, indem sie ihre Löhne an alle

Lohndatenempfänger nur einmal melden müssen. Das Lohnprogramm stellt automatisch

für jeden Empfänger alle relevanten Daten zusammen. Per Knopfdruck

werden die Lohndaten an AHV, Versicherungen, Suva, Steuerämter sowie das Bundesamt

für Statistik übermittelt. Dank der Kooperation der AXA mit Swissdec

können KMU-Kundinnen und -Kunden der AXA ihre Lohndaten für das berufliche

Vorsorgegeschäft BVG, wie Eintritt, Austritt, Lohn- oder Beschäftigungsgradänderungen,

Pensionierungen und Todesfälle, aber auch Arbeitsunterbrüche bei Unfall

oder Krankheit, einfach und schnell via Lohnsoftware an die AXA senden. Die

Pensionskasse übermittelt dann die Beiträge wiederum direkt an die Lohnsoftware

des Unternehmens. Weitere Informationen unter:

axa.ch/elm

«In der Schweiz müssen Texte in verschiedene Sprachen übersetzt

werden, dafür leistet künstliche Intelligenz effiziente Hilfe.»

Kathrin Braunwarth, Leiterin Data, Technology & Innovation der AXA Schweiz, Seite 22

01/2025

19 Meine FIRMA


CHANGE-MANAGEMENT

Die einzige Konstante

ist der Wandel

In einer komplexen Welt steigt der Druck auch auf KMU,

sich stetig weiterzuentwickeln und zu transformieren. Damit

die Belegschaft den Veränderungsprozess aktiv mitträgt,

braucht es einen strukturierten, durchdachten Plan – und das

richtige Change-Management.

Text Melanie Ade

Der Experte

Marcel Rüfenacht ist Digital-

Experte, Inspiration Leader

und Kundenbegleiter für Personal-

und Organisationsentwicklung

bei der KV Business

School Zürich. Er betreut,

berät und begleitet Teams

und Organisationen in den

Schwerpunktthemen Digitale

Transformation, Leadership,

New Work und Future

Skills und ist darüber hinaus

als Dozent und Trainer für

digitale Themen tätig.

Marcel Rüfenacht, was

versteht man unter

«Change-Management»?

Gemäss Definition umfasst Change-Management

alle Projekte, Methoden und Massnahmen,

die eine mehr oder weniger weitreichende

Veränderung in einer Organisation bewirken

sollen. Grundsätzlich geht es aber vor allem

darum, seine Mitarbeitenden in einen Veränderungsprozess

miteinzubeziehen, ihnen die

Notwendigkeit und Vorteile der Veränderung

zu erklären und sie dadurch auf die Reise mitzunehmen.

Change-Management definiert also

nicht die Transformation an sich, sondern deren

Begleitung.

Ist das Thema auch für KMU relevant?

Absolut. Auch kleine und mittlere Unternehmen

müssen sich laufend verändern und

weiterentwickeln, Tradition ist heute kein immer

funktionierendes Geschäftsmodell mehr.

Aktuelle Themen wie der Reform- oder Digitalisierungsstau,

der Fachkräftemangel und fehlende

Nachfolgelösungen stellen gerade KMU

vor grosse Herausforderungen, die aktiv angegangen

werden müssen.

Können KMU das Thema Change selbst in

Angriff nehmen, oder muss dafür externe

Hilfe in Anspruch genommen werden?

Ich bin ein grosser Verfechter davon, Veränderungen

intern anzustossen; das wird in der

Organisation erfahrungsgemäss besser angenommen

als Massnahmen, die durch externe

Beratungsfirmen aufgezwungen werden. Natürlich

kann man bei Bedarf punktuell externe

Unterstützung in Anspruch nehmen, wenn es

beispielsweise darum geht, nützliche Tools

und Methoden aufzuzeigen, gemeinsam eine

Strategie zu erarbeiten oder einfach nur Impulse

von aussen zu erhalten. Oft wissen KMU

selbst nicht, welche Veränderungen nötig sind,

um weiterhin am Markt zu bestehen, und wie

sie diese Veränderung angehen sollen.

Wie gehe ich am besten vor?

In einem ersten Schritt sollte man sich überlegen,

weshalb es überhaupt eine Veränderung

braucht. Kommt der Druck aus dem Markt, von

den Mitarbeitenden, aus der Gesellschaft? Sich

nur der Veränderung wegen zu transformieren,

bringt keinen Erfolg. Die Mitarbeitenden

müssen wissen, WARUM die Veränderung nötig

ist, damit sie sie mittragen. Es geht darum,

ein gemeinsames Verständnis dafür zu entwickeln,

wo man aktuell steht und wohin die

Reise gehen soll. Ganz wichtig ist deshalb in

erster Linie eine Vision oder ein Zielbild, das

den Sinn und Zweck der Transformation erklärt.

Wir nennen das gerne einen Nordstern

– ein Zukunftsbild, das uns als Referenzpunkt

am Horizont dient, jedoch nicht unbedingt nur

den linearen Weg dorthin weist.

Und wenn der Nordstern festgelegt ist?

Danach benötigen wir eine solide Analyse

der Ausgangslage (Ist-Situation). Wo steht das

Unternehmen; welches sind unsere Stärken

und Schwächen; wie stehen wir im Vergleich

zum Markt und zur Konkurrenz da; gibt es

Prozesse oder Geschäftszweige, die besser laufen

als andere; worauf sollte in Zukunft fokussiert

werden? Daraus abgeleitet wird das angestrebte

Ziel, der Soll-Zustand, formuliert, und

es werden entsprechende Massnahmen daraus

abgeleitet, wie das Ziel erreicht werden soll.

Dadurch können KMU transparent und umfassend

aufzeigen, WARUM die Veränderung nötig

ist, WAS sie verändern müssen und WIE sie

das angestrebte Zielbild erreichen.

Worauf sollte man zusätzlich achten?

Holen Sie Ihre Mitarbeitenden von Anfang

an ins Boot, machen Sie Betroffene zu Beteiligten.

Durch eine gemeinsame Erarbeitung des

Zielbilds und der Umsetzungsmassnahmen

«bottom up» wird eine Veränderung stärker

im Unternehmen verankert und mitgetragen,

als wenn sie nur in der Geschäftsleitung entwickelt

und im Anschluss nach unten – wenn

überhaupt – kommuniziert wird. Natürlich

müssen nicht alle Mitarbeitenden mitreden

Meine FIRMA

20 01/2025

Foto: zVg


CHANGE MANAGEMENT

Fotos: iStock/Charday Penn; zVg

können, idealerweise sind in einer Kerngruppe

aber alle Bereiche einer Unternehmung vertreten.

Ich empfehle jedoch immer, auch Querdenker

und Skeptiker ins Projektteam aufzunehmen.

Das braucht manchmal Mut, kann

aber den grossen Unterschied machen. Zum einen

stellt man sicher, dass ihre Ideen ebenfalls

einfliessen, schenkt ihnen Wertschätzung und

macht sie darüber hinaus zu Ambassadoren,

die nicht nur hinter der Veränderung stehen,

sondern diese sowohl in die Organisation als

auch in die Abteilungen hineintragen.

Welche Stolpersteine gilt es zu umgehen?

Die meisten Unternehmen scheitern an der

Kommunikation. Transparenz ist heilig – wer

im stillen Kämmerlein vor sich hin plant, sorgt

für Unsicherheit in der Belegschaft. Sobald

Ausgangslage, Zielbild und nötige Massnahmen

definiert wurden, sollte eine umfassende

Initialkommunikation an die gesamte Organisation

stattfinden, auch wenn die Veränderung

nicht alle gleichermassen stark betrifft. Es ist

wichtig aufzuzeigen, wohin die Reise geht, dass

man einen konkreten und schlüssigen Plan

verfolgt und die Verantwortlichkeiten klar definiert

sind. Informieren Sie regelmässig und

ehrlich, sprechen Sie über Fortschritte, aber

auch über Rückschläge und Misserfolge, feiern

Sie Meilensteine. Es bringt nichts, wenn man

der Belegschaft einen Masterplan präsentiert

und im Anschluss drei Jahre lang nicht mehr

darüber spricht.

Wie geht man damit um, wenn sich

einzelne Mitarbeitende konsequent gegen

Veränderung sperren?

Widerstand gibt es immer, das liegt in unserer

DNA. Wir sind Gewohnheitstiere und mögen

grundsätzlich keine Veränderung. Wichtig

ist, dass man Widerstand nicht ignoriert,

sondern die Betroffenen ernst nimmt. Es wird

immer Mitarbeitende geben, die etwas mehr

Begleitung oder Unterstützung benötigen,

um mit Veränderung klarzukommen. Suchen

Sie das persönliche Gespräch, zeigen Sie Verständnis

und Empathie und versuchen Sie, die

Beweggründe der Betroffenen zu verstehen.

Geben Sie Widerstandskämpfern die Gelegenheit,

ihre Meinung kundzutun, aber setzen Sie

trotzdem Grenzen und verfolgen Sie eine klare

Linie. Sonst verlieren Sie an Glaubwürdigkeit.

Gibt es sonst noch einen

Tipp, den Sie unseren KMU

mitgeben möchten?

Haben Sie den Mut, auch einmal einen

Schritt zurückzugehen. Wenn Sie sich im Veränderungsprozess

befinden und merken, Sie

steuern auf eine Sackgasse zu: Halten Sie inne,

hinterfragen Sie Ihre Strategie und richten Sie

sich gegebenenfalls neu aus. Wie wir spätestens

seit der Pandemie wissen, leben wir in einer

komplexen Welt, in der sich von einem Tag

auf den anderen alles verändern kann. Es kann

deshalb gut sein, dass Sie Ihre Richtung mehrmals

anpassen müssen. Behalten Sie stets Ihren

Nordstern im Fokus, aber bleiben Sie flexibel

und agil in der Umsetzung. Und seien Sie sich

stets bewusst: Veränderungen benötigen viel

Zeit und Ressourcen. Aber sie sind schlussendlich

immer auch eine langfristige Investition

in Ihr Unternehmen und in eine erfolgreiche

Zukunft.

Durch eine gemeinsame

Erarbeitung des Zielbilds und

der Umsetzungsmassnahmen

wird eine Veränderung stärker

im Unternehmen verankert und

mitgetragen.

Best Practice –

8 Change-Management-

Erfolgsfaktoren für

KMU

1.

2.

Schnelle Erfolge

zulassen

Kritiker und Kritikerinnen

onboarden

3. Unternehmenskultur

ist Teil des Change

4.

Change bedingt

Ressourcen

5. Widerstand

zulassen

6.

7.

Verlierer zu

Gewinnern machen

Offene, transparente

Kommunikation

8. Kernteam

definieren

weiterbildung-in-kmu.ch

01/2025 21

Meine FIRMA


KMU-ARBEITSMARKTSTUDIE

Nur ein Fünftel aller KMU

nimmt KI als Bedrohung wahr

Illustration: iStock

Mehr als die Hälfte der Schweizer KMU integriert

künstliche Intelligenz schon heute in ihre

Arbeitsprozesse. Welche Effekte sie auf ihre

Arbeitslast spüren und ob die Angst vor einem

KI-bedingten Stellenabbau wirklich begründet

ist, zeigen die Ergebnisse der aktuellen KMU-

Arbeitsmarktstudie der AXA Schweiz.

Text Melanie Ade

Spätestens seit der Lancierung des

Chatbots ChatGPT im November 2022

spricht die ganze Welt über künstliche

Intelligenz und ihre Auswirkungen.

Wie die Ergebnisse der letztjährigen

KMU-Arbeitsmarktstudie der AXA zeigen, setzen

sich auch Schweizer KMU bereits aktiv mit

der Thematik auseinander. Mehr als die Hälfte

(55%) der befragten Firmen integriert künstliche

Intelligenz in ihre Unternehmensprozesse.

Ein Drittel der KMU befindet sich noch im Erprobungsstadium

und setzt KI entweder bei gewissen

Projekten oder durch Eigeninitiative der

Mitarbeitenden ein. Rund ein Fünftel (22%) der

KMU integriert künstliche Intelligenz hingegen

bereits ganz bewusst in ihre Unternehmensprozesse.

Sechs Prozent tun dies in allen Unternehmensbereichen

und 16 Prozent bei gewissen

Projekten. 45 Prozent der befragten Unternehmen

nutzen noch keine KI-Instrumente für

Unternehmensprozesse.

Im Kundenkontakt bleibt der persönliche

Austausch wichtig

Dabei zeigt sich, dass ein Grossteil der befragten

KMU künstliche Intelligenz vorwiegend

für Kommunikations- und Schreibaufgaben

verwendet. 48 Prozent nutzen die Software

für Übersetzungen, 40 Prozent setzen KI für

Korrespondenzaufgaben ein, wie das Verfassen

von E-Mails und Briefen zu beschleunigen oder

zu erleichtern. «In diesem Bereich können KI-

Anwendungen einen klaren Mehrwert bringen

und relativ problemlos in existierende Arbeitsprozesse

integriert werden. Gerade in einem

mehrsprachigen Land wie der Schweiz mit einer

international stark vernetzten Wirtschaft

müssen Texte, E-Mails oder Präsentationen

ständig in verschiedene Sprachen übersetzt

werden, dafür leistet künstliche Intelligenz

effiziente Hilfe», sagt Kathrin Braunwarth, Leiterin

Data, Technology & Innovation der AXA

Schweiz.

Meine FIRMA

Meine FIRMA

22 01/2025


KMU-ARBEITSMARKTSTUDIE

«Kommunikations- und Schreibaufgaben können in KI-Anwendungen

einen klaren Mehrwert bringen und problemlos integriert werden.»

Kathrin Braunwarth, Leiterin Data, Technology & Innovation der AXA Schweiz

Gut ein Drittel (36%) nutzt KI für das Erstellen

von Werbetexten. Noch etwas zurückhaltender

eingesetzt wird KI von den KMU bei der

Bildgenerierung (21%). Von rund einem Viertel

der KI-nutzenden KMU wird künstliche Intelligenz

für die Optimierung von Arbeitsschritten

und Datenanalysen verwendet. «In diesen Bereichen

ist die Integration von KI etwas zeitaufwendiger

und benötigt mehr Erfahrung als im

Bereich der Kommunikation», erklärt Michael

Hermann, Geschäftsführer des Forschungsinstituts

Sotomo, das die Erhebung im Auftrag der

AXA durchgeführt hat. Derzeit am seltensten

mit rund 15 Prozent findet KI Anwendung in

der personalisierten Werbung und der Kundenbetreuung.

«Im Kundenkontakt bleibt der persönliche

Austausch also wichtig. Dieser wird

vielleicht durch KI unterstützt, wie bei Korrespondenzaufgaben,

aber nicht vollständig

durch diese abgelöst», so Michael Hermann.

Aufgaben der KI im Unternehmen

«Für welche Aufgaben benutzen Sie KI-Instrumente wie ChatGPT?

(mehrere Antworten möglich)» – Nur KMU, welche bereits KI nutzen.

Übersetzungen

Optimierung Arbeitsschritte

Datenanalyse

Bildgenerierung Werbetexte

Werbetexte

Korrespondenz

Personalisierte Werbung

Kundenbetreuung und Support

48%

23%

22%

21%

36%

40%

15%

16%

0% 10% 20% 30% 40% 50%

Ein Drittel der KMU nimmt KI

als Chance wahr

Obwohl künstliche Intelligenz in den meisten

Unternehmen derzeit eher getestet als vollständig

integriert wird, ist die grundsätzliche Einstellung

der Unternehmen gegenüber KI entscheidend

für ihren zukünftigen Einsatz. Die

Studienergebnisse der AXA zeigen, dass 45 Prozent

der Unternehmen Künstlicher Intelligenz

gleichgültig gegenüberstehen. Sie nehmen

diese also weder als Bedrohung noch als Chance

für ihr Unternehmen wahr. Rund ein Drittel

der KMU sieht KI-Applikationen als Chance für

das Unternehmen und ist diesen gegenüber

positiv gestimmt. Bedeutend weniger, rund

20 Prozent, nehmen künstliche Intelligenz

(eher) als Bedrohung für ihr Geschäft wahr.

Dabei zeigen sich deutliche Unterschiede in

Bezug auf die Unternehmensgrösse: Über die

Hälfte (52%) der befragten Firmen mit mehr

als 50 Mitarbeitenden empfindet künstliche

Intelligenz als eine positive Entwicklung. Bei

den mittleren Firmen bis zu 49 Mitarbeitenden

sind es noch 41 Prozent und nur 27 Prozent bei

den befragten KMU mit 5 bis 9 Mitarbeitenden.

Bei den kleinen Unternehmen stuft ein Viertel

der Befragten KI sogar als Bedrohung für die eigene

Geschäftstätigkeit ein, wohingegen es bei

den mittleren KMU nur deren 15 Prozent sind

und bei den grossen KMU knapp jedes sechste

Unternehmen. «Eine sinnvolle Implementierung

von KI benötigt oft Ressourcen, wie Technik

und Mitarbeitende, die wissen, wie sie mit

ebendieser umzugehen haben. Grösseren KMU

Integration von KI in Unternehmensprozessen

«Wie integrieren Sie künstliche Intelligenz in Ihre Unternehmensprozesse?»

Keine Nutzung von KI

Erprobung von KI

in gewissen Projekten

Erprobung von KI durch

Mitarbeitende auf eigene Initiative

Bewusste Integration von KI

in allen Unternehmensbereichen

Bewusste Integration von KI

in gewissen Projekten

Auswirkungen der KI auf die Arbeitslast

«Wie wirkt sich der Einsatz von KI-Instrumenten auf die Arbeitslast im Moment ■

und in den kommenden zwei Jahren ■ aus?»

Implementation braucht mehr Zeit, als sie einspart,

was zu mehr Stellen führt.

Implementation braucht mehr Zeit, als sie einspart,

ohne Auswirkung auf die Zahl der Stellen.

Kein

spürbarer Effekt.

Es führt zu Zeiteinsparungen, die sich jedoch nicht

auf die Zahl der Stellen auswirken.

Aufgrund von Zeiteinsparungen kann auf Personal

verzichtet werden.

6%

8%

14%

12%

53%

37%

25%

35%

2%

8%

0% 20% 40% 60%

01/2025 23

Meine FIRMA


KMU-ARBEITSMARKTSTUDIE

stehen diese Ressourcen eher zur Verfügung

als kleineren KMU», ordnet Kathrin Braunwarth

von der AXA die Ergebnisse ein.

Eine der gefürchtetsten Auswirkungen von

künstlicher Intelligenz ist der Abbau von Arbeitsplätzen.

Sie basiert auf der Annahme, dass

dank KI gewisse Aufgaben, welche heute von

Menschen ausgeführt werden, automatisiert

werden könnten. Dies betrifft besonders Routinearbeiten,

welche einen hohen Standardisierungsgrad

haben. Wie aus der KMU-Arbeitsmarktstudie

der AXA hervorgeht, sind zum

heutigen Zeitpunkt die Befürchtungen eines

Stellenabbaus durch KI übertrieben. Über die

Hälfte (53%) der befragten Unternehmen gibt

an, noch keine Effekte auf die Arbeitslast zu

spüren. Während rund ein Viertel (27%) der Befragten

meint, dass KI durchaus Zeiteinsparungen

bringt, denkt ein Fünftel, dass im Moment

die Implementation von KI mehr Arbeitslast

erzeugt als einspart.

Wenn es um die Aussichten für die nächsten

zwei Jahre geht, glauben mehr KMU, dass

künstliche Intelligenz KI die Arbeitslast verringern

wird (43%) im Vergleich zu denen,

die glauben, dass sie erhöht wird (20%). Aber

auch hier zeigen sich Unterschiede, insbesondere

nach Unternehmensbranche. Nicht weiter

überraschend rechnet vor allem der Kommunikationssektor

(67%) mit erheblichen Zeiteinsparungen

in Zukunft. «Da derzeit künstliche

Intelligenz vor allem für Übersetzungen und

Korrespondenzarbeit genutzt wird, ergibt es

Sinn, dass Unternehmen im Bereich Kommunikation

und Medien am stärksten von KI profitieren

können. Aber auch IT-Unternehmen,

welche ebenfalls zu diesem Sektor zählen, sind

prädestiniert, von KI-Instrumenten im Bereich

Datenanalyse und Programmierung zu profitieren»,

sagt Michael Hermann von Sotomo.

Auch in der Industrie (59%), im verarbeitenden

Gewerbe (53%) und im Handel (47%) erwarten

etwa die Hälfte der Unternehmen Zeiteinsparungen

dank KI-Applikationen. Über die Branchen

hinweg überwiegt der Anteil, welcher in

der nahen Zukunft von KI-Applikationen einen

zeitlichen Vorteil zieht.

«Mit der

Implementierung

von KI

kann erwartet

werden, dass

sich die

Anforderungsprofile

an die

Mitarbeitenden

verändern

werden.»

Michael Hermann, Geschäftsführer

des Forschungsinstituts Sotomo

Handel (18%) und in der Industrie (14%). In

diesen Branchen fallen verhältnismässig viele

standardisierbare Arbeiten, wie Produktions-,

Sortierungs- oder Logistikaufgaben, an, was

das hohe Potenzial für Stelleneinsparungen

erklärbar macht. Im Informations- und Kommunikationssektor,

in dem heute die grössten

Zeiteinsparungen vermutet werden, rechnen

interessanterweise nur sieben Prozent der

KMU mit Stelleneinsparungen. «Auch wenn KI-

Applikationen heute vor allem in der Kommunikation

Anwendung finden, scheinen KI-Aufgaben

wie Übersetzungen oder Korrespondenz

eher unterstützend als ersetzend verwendet

zu werden. Der Informationssektor profitiert

stark von Zeiteinsparungen, da Mitarbeitende

hemmende und zum Teil auch lästige Aufgaben

an KI-Applikationen abgeben können. Wir

sehen aktuell, dass KI die derzeitige Arbeit vereinfacht

und nicht Stellen einspart», ordnet

DTI-Leiterin Kathrin Braunwarth ein. Die aktuelle

Einschätzung der befragten KMU deutet

also darauf hin, dass ein erhöhter Nutzen von

KI nicht gleichzeitig mit erhöhtem Stellenabbau

einhergeht.

Es stellt sich die Frage, ob KI-Instrumente gewisse

Arbeitsschritte nur vereinfachen oder

unsere Zusammenarbeit und damit auch die

Anforderungen an Fachkräfte verändern werden.

Wie die KMU-Arbeitsmarktstudie zeigt,

sind KMU diesbezüglich noch skeptisch. Mehr

als die Hälfte der KMU befinden, dass sich

durch KI-Applikationen das Anforderungsprofil

an die Mitarbeitenden nicht verändern wird,

nur 21 Prozent der befragten Unternehmen

vertreten die Meinung, dass künstliche Intelligenz

einen Einfluss auf das Anforderungsprofil

hat. Doch dies wird sich mit der stärkeren

Implementierung von KI wohl ändern. «Bei den

KMU, welche KI bereits nutzen, beobachten

29 Prozent eine Änderung der Anforderungen.

Mit der Implementierung von KI in mehr und

mehr Unternehmen kann also erwartet werden,

dass sich auch die Anforderungsprofile

an die Mitarbeitenden stärker verändern werden»,

glaubt Sotomo-Institutsleiter Michael

Hermann.

Foto: Marco Vara

Kein Personalabbau

aufgrund von KI abzusehen

Trotz der absehbaren Zeiteinsparungen glaubt

nur eine klare Minderheit der KMU, dass sie

aufgrund von KI auf Personal verzichten werden.

Am grössten ist der erwartete Stellenabbau

im verarbeitenden Gewerbe (22%), im

Zur Studie

Für die vorliegende Studie befragte das Forschungsinstitut

Sotomo 300 Schweizer KMU mit fünf und

mehr Beschäftigten aus der deutsch- und französischsprachigen

Schweiz. Die Datenerhebung erfolgte

zwischen dem 5. und 13. Februar 2024 über das

Unternehmenspanel von AmPuls.

Meine FIRMA

Meine FIRMA

24 01/2025


Verantwortung

Leserfrage

Aufschub der

Altersleistungen

Einer meiner Mitarbeitenden konnte

nicht sein ganzes Freizügigkeitsguthaben

in die Pensionskasse einbringen

und verfügt deshalb auch über

ein Freizügigkeitskonto bei einer

Freizügigkeitsstiftung. Er erreicht

nächstes Jahr das Referenzalter, will

aber weiterarbeiten und den Bezug

der Altersleistungen sowohl in der

Pensionskasse als auch in der

Freizügigkeitsstiftung aufschieben.

Was muss er beachten, wenn er die

Erwerbstätigkeit allenfalls doch

aufgeben will?

A. M., Gossau SG

Seit dem Inkrafttreten der AHV-Reform

per 1.1.2024 haben alle versicherten

Personen in der beruflichen Vorsorge,

die nach dem Erreichen des reglementarischen

Rentenalters oder des

Referenzalters weiterarbeiten, einen

gesetzlichen Anspruch auf Aufschub der

Altersleistungen bis zum Erreichen des

70. Altersjahres (Art. 13 Abs. 2 BVG). Ein

Aufschub der Freizügigkeitsleistung bis

zum Erreichen des 70. Altersjahres ist

auch bei den meisten Freizügigkeitsstiftungen

möglich. Im Unterschied zum

Aufschub in der beruflichen Vorsorge ist

der Aufschub aufgrund der 5-jährigen

Übergangsfrist (bis Ende 2029) jedoch

noch nicht zwingend an eine Weiterführung

der Erwerbstätigkeit geknüpft; das

ändert erst per 1.1.2030 (Art. 16 Abs. 1

FZV).

Sabine Spross

Rechtsanwältin

Senior Legal Counsel

Group Life

Fotos: zVg, iStock/wah_fotobox

Das Schweizer Start-up «Neustark» hat eine Technologie entwickelt, die CO 2 aus Biogasanlagen

abscheidet und dieses in Abbruchbeton speichert.

Neue Partnerschaften zur

CO 2 -Entfernung

Das Pariser Klimaziel fordert bei den globalen Treibhausgasemissionen die Erreichung

von Netto-Null bis 2050. Das heisst, dass bis 2050 nicht mehr Treibhausgase

wie CO 2 in die Atmosphäre gelangen sollen, als wieder entfernt werden

können. Um die CO 2-Entfernung bis 2050 im notwendigen Ausmass zu ermöglichen,

ist eine frühzeitige Skalierung verschiedener Technologien in diesem

Bereich essenziell. Deshalb legt die AXA Schweiz ab 2026 den Fokus auf ihren

Beitrag zu Netto-Null durch die Förderung von CO 2-Entfernungstechnologien

und nicht länger auf den Ausgleich der betrieblichen CO 2-Bilanz. Im Rahmen

ihrer angepassten Strategie unterstützt die AXA Schweiz von 2026 bis 2030 zwei

neue CO 2-Entfernungsprojekte: Beim deutsch-brasilianischen Start-up «Inplanet»

erfolgt die CO 2-Entfernung durch die Verwitterung bestimmter Gesteinsarten.

Das Start-up beschleunigt den natürlichen Prozess, indem es fein gemahlenes

Gesteinsmehl auf Landwirtschaftsflächen in Brasilien verteilt. Was ansonsten

Jahrhunderte benötigen würde, wird durch dieses Verfahren in weniger als

einem Jahrzehnt möglich. Bis 2028 werden dadurch 1950 Tonnen CO 2 entfernt

und langfristig gespeichert, für weitere 1800 Tonnen bis 2030 sorgt das Schweizer

Jungunternehmen «Neustark». Das Start-up hat eine Technologie entwickelt, die

CO 2 aus Biogasanlagen abscheidet und dieses in Abbruchbeton speichert. Diese

innovative Lösung wird bereits an verschiedenen Standorten in der Schweiz und

in Europa eingesetzt.

Fotos: zVg; Sreenshot

«Wenn ein Koch sich heutzutage weigert, vegane oder vegetarische

Gerichte auf die Karte zu setzen, hat er seinen Beruf verfehlt.»

Michel Péclard, Zürcher Unternehmer und Gastronom, Seite 30

03/2024 25

Meine FIRMA


OUTSOURCING

Auslagern

und

profitieren

Grossunternehmen lagern Prozesse und Funktionen,

die nicht direkt mit ihrer Wertschöpfung verbunden sind,

schon seit Langem aus, um sich so auf ihre Kernkompetenzen

konzentrieren zu können. Outsourcing ist aber

auch für KMU durchaus attraktiv.

Text Melanie Ade Fotos Daniel Ammann

Das Verlagern unternehmerischer

Aufgaben oder Prozesse in den

kostengünstigeren Euroraum hat

sich in den letzten Jahren zu einem

zentralen Thema in der Schweizer

Industrielandschaft entwickelt. Aufgrund der

hohen Produktionskosten in der Schweiz und

der dadurch schwindenden Wettbewerbsfähigkeit

müssen Firmen aktiv nach neuen Wegen

zur Kostenreduktion und Effizienzsteigerung

suchen. Der strategische Einsatz von Outsourcing

hat sich dabei als effektives Instrument

erwiesen, um diese Herausforderungen zu bewältigen

und den Unternehmenserfolg nachhaltig

zu steigern. Doch Outsourcing muss

nicht zwingend ins Ausland erfolgen. «Unter

dem Begriff Outsourcing wird grundsätzlich

verstanden, einzelne Prozesse in der eigenen

Leistungskette an einen Dritten zu übergeben.

Entsprechend entsteht anstelle einer Eigeneine

Fremdleistung», erklärt Roland Schegg,

Director Consulting Familienunternehmen bei

PwC Schweiz.

Outsourcing auch für KMU attraktiv

Früher vor allem bei Grossunternehmen populär,

lagern zunehmend auch KMU einzelne

Prozesse wie die Buchhaltung oder die Lohnabrechnungen

an externe Dienstleister aus.

«Beim Outsourcing können praktisch alle

Leistungen eines Unternehmens abgegeben

werden», so Roland Schegg. Ein klassischer

Outsourcing-Bereich sei die Auslagerung der

IT-Infrastruktur. «Gerade der Betrieb eigener

Speicherstrukturen und die zugehörige Datensicherheit

stellen immer höhere Anforderungen

an Unternehmen, die ihre Kernkompetenz

aber nicht in der IT haben. Grundsätzlich ist

das aber für jeden Prozess oder Bereich überlegbar»,

erklärt der Unternehmensberater.

Auch wenn auch KMU zunehmend von einem

strategischen Outsourcing Gebrauch machen,

gibt es weiterhin nur wenige, die Teile ihrer

Wertschöpfungskette ins Ausland verlagern.

Eines davon ist die kybun Joya Gruppe aus

Roggwil. Die selbsternannten «Schuhmacher

der Nation» produzieren ihre Schuhe an vier

verschiedenen Standorten – in den eigenen

Werken im sankt-gallischen Sennwald und

in Norditalien sowie in zwei Produktionsstätten

in Südkorea und Indonesien. «Schon als

wir unser Unternehmen 2008 gründeten, war

klar, dass wir nicht ausschliesslich hier in der

Schweiz würden produzieren können. Es gibt

hier weder ausgebildete Fachleute noch die

nötigen Maschinen für eine Schuhproduktion.

Italien hingegen hat eine sehr starke Schuhindustrie,

entsprechend viel Know-how und

Lieferanten gibt es dort», erklärt Karl Müller,

CEO der kybun Joya Gruppe. Die Ostschweizer

Schuhproduzenten hatten die Produktion ihrer

Gesundheitsschuhe deshalb anfangs nach

Norditalien ausgelagert, produzieren aber seit

einigen Jahren auch verschiedene Modelle der

Marke kybun in der Schweiz; die Marke Kandahar

wird ausschliesslich in Sennwald hergestellt.

«Unser langfristiges Ziel ist es, hier in der

Schweiz den grössten Anteil unserer Schuhe

herzustellen, um den Werkplatz Schweiz zu

stärken und Arbeitsplätze zu schaffen», sagt

Müller.

Unterschiedliche Standorte,

unterschiedliche Vorteile

Meine Firma

Aber machen verschiedene Standorte den

Produktionsprozess nicht komplizierter und

dadurch teurer? «Im Prinzip ist das so», sagt

Seit 1996 entwickelt, produziert

und vertreibt die kybun Geschäftsführer Claudio Minder. «Bei unseren

Joya Gruppe hochwertige kybun-Schuhen machen die beiden Standorte

Gesundheitsschuhe. Karl deshalb Sinn, weil wir gewisse Produktionstechnologien

nur in Norditalien entwickeln

Müller und Claudio Minder

gründeten Joya 2008, können. Noch fehlt es uns in der Schweiz am

fusionierten 2021 mit kybun Know-how und an der Infrastruktur, um die gesamte

Wertschöpfungskette abzubilden», sagt

und führen das Unternehmen

mit 200 Mitarbeitenden

Minder.

seither. Pro Jahr produziert

Die Schuhe der Marke Joya werden hingegen

die Firma mit Sitz in Roggwil

in Südkorea und Indonesien produziert, und

rund 400ʼ000 Paar Schuhe

der Marken kybun, Joya und

auch das hat seine Gründe. «Unsere Joya-

Kandahar und verkauft diese Schuhe sind rund ein Drittel günstiger als

an 1200 Verkaufspunkten diejenigen der Marke kybun, entsprechend

weltweit.

spielen Kostenfaktoren eine 2 entscheidende

kybunjoya.swiss Rolle bei der Wahl des Produktionsstandorts. ▶

Meine FIRMA

26 01/2025


1 Claudio Minder und Karl Müller

produzieren hochwertige

Gesundheitsschuhe aus

Leidenschaft.

2 Die Schuhe der Marke kybun

werden im sankt-gallischen

Sennwald und in Norditalien

hergestellt.

3 Rund 400ʼ000 Paar Schuhe stellt

das Unternehmen jährlich her.

1

2

01/2025 27 Meine FIRMA

3


OUTSOURCING

1

2

1 Noch fehlt es dem

«Schuhmacher der

Nation» in der Schweiz

am Know-how und an

der Infrastruktur, um

die gesamte Wertschöpfungskette

abzubilden.

2 Bei der kybun Joya

Gruppe stehen Qualität

und Handwerk im

Fokus, jeder Schuh

wird deshalb manuell

geprüft.

3 Langfristig soll der

Grossteil der kybun-

Schuhe in der Schweiz

angefertigt werden,

um den Wirtschaftsstandort

zu stärken.

3

Meine FIRMA

28 01/2025


OUTSOURCING

Würden wir die Joya-Produktion in die Schweiz

zurückholen, müsste der Preis auf kybun-

Niveau ansteigen. Damit würden wir uns innerhalb

der Firma konkurrenzieren, was natürlich

nicht in unserem Interesse ist», begründet Karl

Müller den Entscheid. Für Südkorea hatten

sich die beiden Unternehmer entschieden, weil

bereits Müllers Vater, der Gründer der Firma

MBT, seine Schuhe in Fernost produziert hatte

– man konnte das bereits bestehende Netzwerk

an lokalen Produktionspartnern nutzen. «Da

zudem meine Mutter aus Südkorea stammt

und ich lange dort gelebt hatte, bin ich mit

der dortigen Kultur und Sprache vertraut, was

ebenfalls hilfreich ist», erklärt Müller.

Neben Kosten- auch Effizienzvorteile

Aus Kostengründen sahen sich die beiden Gründer

aber vor einigen Jahren gezwungen, einen

Teil der Joya-Produktion nach Indonesien zu

verlagern. «Die Löhne in Südkorea sind mittlerweile

auf Deutschland-Niveau, in Indonesien

sind sie noch bedeutend tiefer», sagt Claudio

Minder. Trotzdem hätten beide Standorte ihre

Vorteile: «In Südkorea ist das Know-how in der

Herstellung von Schuhen mit technischen Materialien

sehr hoch, davon können wir profitieren

und unsere Marke weiterentwickeln.»

Vom Werk in Indonesien könne man zudem

direkt und zollfrei nach Japan liefern – ausserhalb

der eigenen Märkte der grösste Absatzmarkt

von Joya. Ein gutes Beispiel, wie Experte

Roland Schegg findet: «Mit Outsourcing kann

eine externe Expertise zum eigenen Vorteil genutzt

werden und dadurch Kosten- und Effizienzvorteile

bewirken. Aber auch im Vertrieb

können Vorteile resultieren, weil der Partner

gegebenenfalls einen deutlich besseren oder

effizienteren Zugang zu gewissen Märkten

hat.» Outsourcing kann neben einer Kostenreduktion

also auch eine Qualitätssteigerung zur

Folge haben. Und ein weiterer Benefit: Indem

nicht kerngeschäftskritische Funktionen ausgelagert

werden, können Unternehmen ihre

internen Ressourcen auf strategisch wichtigere

Bereiche konzentrieren, was zu einer besseren

Effizienz und Produktivität führt.

Fokus auf Kernkompetenz

Der Fokus auf das Kerngeschäft und die Weiterentwicklung

ihres Unternehmens ist auch

für die beiden Gründer der kybun Joya Gruppe

zentral. «Wir lagern alles aus, was andere besser

können als wir; so haben wir; beispielsweise

eine externe Agentur für spezifische Marke-

Roland Schegg,

Director Consulting

Familienunternehmen,

PwC Schweiz.

«Grundsätzlich

ist

Outsourcing

für jeden

Prozess oder

Bereich

überlegbar.»

1. Buchhaltung

Die Auslagerung von Buchhaltungsaufgaben

ist eine gängige Praxis bei Kleinunternehmen.

Erfahrene Buchhalter können

Finanzprozesse und Compliance-Standards

für mehrere Unternehmen effizient

verwalten und so Zeit sparen und Kosten

senken.

2. Vertrieb

Fehlt es Ihrem Unternehmen an Personal

oder Know-how für Verkaufsfunktionen,

kann die Auslagerung an Vertriebsfirmen

oder -profis Ihr Geschäft erheblich steigern,

indem mehr Kunden gewonnen und

Deals abgeschlossen werden.

3. Marketing

Externe Marketingagenturen können das

Wachstum Ihres Unternehmens beschleunigen,

indem sie sich um Aufgaben wie

Anzeigengestaltung, Inhaltsentwicklung

und Social-Media-Management kümmern.

Dies ermöglicht es Ihnen, sich auf interne

Abläufe zu konzentrieren und gleichzeitig

von der Expertise von Marketingprofis zu

profitieren.

4. IT-Dienstleistungen

Der weltweite Markt für ausgelagerte

tingaufträge engagiert. Zudem haben wir vor

Kurzem eine Stelle für die operative Leitung

des Geschäfts geschaffen – damit wir uns noch

stärker um die Strategie und Innovation unseres

Unternehmens kümmern können.» Das

unterstützt Unternehmensberater Roland

Schegg: «Durch die kluge Nutzung von Outsourcing-Partnern

können Unternehmen ihre

finanzielle Gesundheit stärken und gleichzeitig

ihre Wettbewerbsfähigkeit steigern. Er gibt

aber auch zu bedenken: «Bei der Zusammenarbeit

mit Dritten entstehen externe Schnittstellen.

Es muss daher gut überlegt werden,

wie man damit umgeht, um trotzdem effizient

zu bleiben. Letztlich muss ein partnerschaftlicher

Zusammenarbeitsmodus auf Augenhöhe

gefunden werden, damit sich Outsourcing

wirklich auszahlt. Prüfen Sie den Schritt deshalb

gut. Und lagern Sie zwei Tätigkeitsfelder

niemals aus: Kernkompetenzen und Schlüsseltechnologien

sollten immer in Ihrem Betrieb

bleiben.»

Sieben Bereiche, bei denen sich Outsourcing

auch für KMU lohnen kann

IT-Dienstleistungen hat beeindruckende

Zahlen erreicht, was die Beliebtheit des

Outsourcings in dieser Branche unterstreicht.

Die Zusammenarbeit mit Managed-

Service-Providern oder Firmen, die bedarfsgesteuerte

Unterstützung bieten, kann Ihre

technischen Probleme effizient lösen.

5. Verwaltungsaufgaben

Virtuelle Assistenten sind immer beliebter

für die Bewältigung von Verwaltungsaufgaben.

Vom Management des E-Mail-Postfachs

bis hin zu Social-Media-Beiträgen

gibt es virtuelle Assistenten, die kostengünstig

und effizient arbeiten.

6. Kundenservice

Für Unternehmen, die hauptsächlich online

oder telefonisch mit Kunden interagieren,

kann die Auslagerung der Kundenservice-Strategie

an externe Callcenter oder

Chat-Dienste den Kundensupport verbessern,

ohne das interne Team zu belasten.

7. Versand und Logistik

E-Commerce-Unternehmen können ihre

Abläufe optimieren, indem sie Versand und

Abwicklung ihrer Produkte direkt an Kunden

an Produktionsstätten oder Dropshipping-Dienste

auslagern.

Quelle: Linkedin, Vineo Services GmbH – Foto: zuVg

01/2025

29

Meine FIRMA


MARKETING

INTERVIEW

«Wenn die Leute Fischknusperli

wollen, gebe ich

ihnen Fischknusperli»

Enfant terrible, Fischknusperli-Papst, Freigeist. Für Michel Péclard gibt es viele Begriffe. Von den

einen geliebt, von den anderen gehasst, und nie ein Blatt vor den Mund nehmend, polarisiert der

Betreiber von 19 Restaurants rund um den Zürichsee seit jeher – und hat trotzdem durchschlagenden

Erfolg. Was er besser macht als andere und weshalb er sich selbst nicht als Gastronom sieht,

erklärt der Zürcher Unternehmer im Interview.

Interview Melanie Ade

Fotos Daniel Winkler

Sie waren gerade 12 Tage auf

einem Segeltörn in der Karibik

mit Ihren Kadermitarbeitenden.

Gratisferien oder Workation?

Mir ist es wichtig, dass sich meine Kadermitarbeitenden

gut verstehen. Denn wenn sie

sich gut verstehen, helfen sie sich untereinander

auch aus, wenn Not am Mann ist. Also lade

ich die 34 Geschäftsführer und Küchenchefs

der verschiedenen Betriebe einmal im Jahr auf

eine Reise ein. Was dabei entsteht, ist einfach

unglaublich: Wir steigen als Team ins Flugzeug

und kommen als Familie zurück. Das macht

mich unglaublich glücklich. Schliesslich verbringst

du 60 Prozent deiner Zeit am Arbeitsplatz

– da macht es Sinn, wenn du mit den

Menschen um dich herum ein gutes Verhältnis

hast. Wir stärken also zum einen das Team

und holen uns gleichzeitig neue Inspiration in

den Restaurants dieser Welt. Währenddessen

halten die Mitarbeitenden hier vor Ort die Stellung

und führen ihre Betriebe ohne ihre Chefs

– was auch sie enorm motiviert. Eine Win-win-

Situation.

Ist das Teil Ihrer Unternehmenskultur?

Absolut. Ich will, dass sich jeder und jede

in dieser Firma wohlfühlt, egal woher sie oder

er kommt oder welche Hautfarbe, welches Geschlecht,

welche Religion, ethnische Zugehörigkeit

oder sexuelle Orientierung eine Person hat.

Bei mir arbeiten Ex-Drogenabhängige, Geflüchtete,

ehemalige Strafgefangene und Transvestiten.

Ich schere mich nicht darum, was die Gesellschaft

vorgibt. Jeder Mensch ist gleichwertig.

Und jeder Mensch hat eine zweite Chance verdient.

Daran glaube ich. Und wenn du solchen

Menschen eine Chance gibst, kommt unendlich

viel Dankbarkeit und Motivation zurück.

Worauf achten Sie bei

der Rekrutierung Ihres Personals?

Ich schaue mir nie einen Lebenslauf an.

Wenn sich neue Kaderleute bei uns bewerben,

gehe ich immer einen Abend ins «Coco» mit

ihnen – wir essen gemeinsam, trinken Wein bis

um zwei Uhr morgens, und ich schau mir an,

was das für ein Mensch ist und ob er oder sie

ins Team passt. Ich habe lange genug an der

Hotelfachschule Luzern unterrichtet, um zu

wissen: Du brauchst in einer Gruppe nur einen

einzigen Piranha – der zieht alle anderen mit

runter.

In der Gastroszene haben Sie sich

mit der Umstellung Ihres Lohnmodells

auf den Umsatzlohn nicht

gerade beliebt gemacht.

Es ist doch so: Jeder Gastronom flucht darüber,

dass er schlechte Mitarbeitende hat.

Und trotzdem sind sie zu geizig, in ihre Leute

zu investieren. Seien wir doch mal ehrlich: In

Zürich verdienen Servicemitarbeitende knapp

4200 Franken – davon kann in dieser Stadt

kein Mensch leben. Kein Wunder, wandern die

guten Leute ab. Da muss man sich halt etwas

einfallen lassen. Sei grosszügig zu deinen Mitarbeitenden

und sie sind grosszügig zu dir.

Hat sich der Schritt gelohnt?

Absolut! Wir haben unseren Umsatz um 30

und den Gewinn um 50 Prozent erhöht, gleichzeitig

sind die Personalkosten um fünf Prozent

gesunken. Es zeigt sich: Wer für sein eigenes

Business arbeitet, ist produktiver. Zudem haben

wir deutlich weniger Absenzen, weniger

krankheitsbedingte Ausfälle und weniger Reklamationen.

Kritische Stimmen bemängeln,

dass die Angestellten dadurch nur

noch verkaufen wollen.

Davor hatte ich tatsächlich auch Angst. Bei

zwei meiner Angestellten hat sich das auch

«Ich schaue

mir nie einen

Lebenslauf an.

Wenn sich

neue Kaderleute

bei uns

bewerben,

gehe ich

immer einen

Abend ins

‹Coco› mit

ihnen.»

Michel Péclard

Je mehr man ihn hinterfragt,

umso mehr läuft er zur

Hochform auf: Michel Péclard

ist ein kreativer Freigeist.

Meine FIRMA

30

01/2025


01/2025 31

Meine FIRMA


MARKETING

INTERVIEW

«Die Story mit

den 16’000

Franken

Monatslohn

hat sich wie

ein Lauffeuer

in ganz Europa

verbreitet,

die Bewerber

rennen mir

seither die

Bude ein. Ich

werde sogar

im Urlaub

darauf angesprochen,

ob

ich noch eine

Stelle frei

hätte.»

Michel Péclard

Zur Person

Michel Péclard ist ein Zürcher

Unternehmer und Gastronom.

1968 in Kilchberg geboren,

absolvierte er zuerst eine

Ausbildung zum Buchhalter,

bevor er 1994 am Zürifest erfolgreich

einen Spiesslistand

betrieb und damit seine Liebe

zur Gastroszene entdeckte.

Nachdem er die Hotelfachschule

absolviert hatte, eröffnete

er gemeinsam mit seiner

geliebten Cousine Janka, die

2014 an Krebs verstarb, 1998

die «Pumpstation». Heute

umfasst das Péclard-Imperium

19 Betriebe rund um den

Zürichsee. Péclard führt die

Pumpstation Gastro GmbH

seit 2010 mit seinem Geschäftspartner

Florian Weber,

das Unternehmen beschäftigt

750 Mitarbeitende. Michel

Péclard war verheiratet und

hat zwei erwachsene Söhne.

peclard.net

bewahrheitet. Die habe ich knallhart rausgeworfen,

so ein Verhalten hat bei mir keinen

Platz. Seither weiss meine Crew, dass mit mir

in dieser Sache nicht zu spassen ist. Wir hatten

danach nie mehr ein Problem damit.

Ist das nicht unfair für

die Leute hinter den Kulissen?

Bei uns in der Küche arbeiten viele Gastarbeiter

aus anderen Ländern. Diejenigen unter

ihnen, die in unseren Betrieben am See arbeiten

und nur in den Sommermonaten beschäftigt

sind, bekommen im Winter vier bis fünf

Monate Urlaub und können dann nach Hause

zu ihren Familien – bei voller Bezahlung. Die

anderen, die ihre Familien in der Schweiz haben

und in den Wintermonaten in anderen Betrieben

aushelfen, erhalten in dieser Zeit den

doppelten Lohn. Es rechnet sich also für alle.

Der Fachkräftemangel ist bei Ihnen

also kein Thema?

Nein. Die Story mit den 16’000 Franken

Monatslohn hat sich wie ein Lauffeuer in ganz

Europa verbreitet, die Bewerber rennen mir

seither die Bude ein. Ich werde sogar im Urlaub

darauf angesprochen, ob ich noch eine

Stelle frei hätte. Nur bei der Besetzung von

guten Küchenchefs haben auch wir Probleme.

Deshalb setzen wir auf interne Weiterbildung

und haben unsere eigene Kochschule gegründet,

in der wir unsere Küchencrew im Winter

während drei Monaten weiterbilden und ihnen

von der Pike auf alles beibringen. Was gar nicht

so einfach ist, weil viele von ihnen weder lesen

noch schreiben können – man muss ihnen

also alles zeigen oder durch Videos beibringen.

Aber auch hier gilt: Man muss halt einfach

kreativ werden und in seine Mitarbeitenden

investieren.

Sie polarisieren stark.

Ist das Erfolgsrezept oder Hürde?

Was andere Gastronomen oder die Medien

von mir denken, ist mir egal. In meiner Crew

ist es mir aber schon wichtig, dass mich die

Leute mögen. Und irgendetwas scheinen wir ja

richtig zu machen: Im Schnitt sind Gastromitarbeitende

vier bis fünf Jahre in einem Betrieb,

bei uns sind es 15 Jahre. Aber ja, die Zusammenarbeit

mit mir kann schwierig sein, ich

sprudle vor Ideen, bin Perfektionist, kann auch

mal explodieren. Wir streiten und wir vertragen

uns – wie in einer richtigen Familie halt.

Aber was ist denn nun

Ihr Erfolgsrezept?

Auch wenn viele Leute behaupten, mir falle

alles in den Schoss – dem ist nicht so. Aber ich

habe halt auch mal den Mut, etwas Neues zu

wagen, um die Ecke zu denken. Klar wird mir

jeden Tag ein Restaurant angeboten. Aber es

ist ja nicht so, dass diese Betriebe nicht schon

vorher existiert hätten. Sie waren nur nicht

erfolgreich in dem, was sie taten. Manchmal

muss man halt ein wenig verrückt sein, um

Erfolg zu haben. Und ich habe mit meinem Geschäftspartner

Florian Weber, der zur Hälfte an

allen Betrieben beteiligt ist, meinen ruhigen

Gegenpol an meiner Seite. Er kümmert sich um

die unternehmerischen Belange, was mir den

kreativen Freiraum erlaubt, den ich brauche.

Wie handhaben Sie bei neuen

Konzepten das Verhältnis zwischen

Konvention und Innovation?

Auch dafür brauche ich Flo. Ich komme

am Tag mit fünf neuen Ideen an, vier davon

schmettert er rigoros ab. Ich bin der innovative

Freigeist, er der realistische Kopfmensch, der

alles hinterfragt – deshalb ergänzen wir uns

auch so gut. Und deshalb führt er unsere Firma

mit ihren rund 750 Angestellten – müsste ich

das machen, wären wir schon lange in Konkurs.

Ohne ihn ginge es nicht. Ich sage immer:

Wenn der mir mal davonläuft, laufe ich einfach

hinterher. (Lacht.)

Gab es auch mal Rückschläge?

Natürlich, das gehört zum Unternehmertum

dazu. Mit der «Schönau» in Erlenbach,

dem «Schober» im Zürcher Niederdorf und

dem «NZZ Bistro» am Bellevue bin ich in den

letzten 15 Jahren dreimal so richtig auf die

Nase gefallen, das hat mich Millionen gekostet.

Ich hatte Konzepte entwickelt, an die ich selbst

nicht geglaubt habe. Das war nicht ich, da war

das Scheitern vorprogrammiert.

Ihnen wird vorgeworfen, überall

denselben Einheitsbrei zu servieren:

Fischknusperli und Trüffelpommes.

Wenn die Leute Fischknusperli wollen, gebe

ich ihnen Fischknusperli. Da können meine

Berufskollegen die Nase rümpfen, aber ich bin

nun mal überzeugt, dass du als Gastronom das

auf den Tisch bringen musst, was die Leute

essen wollen – und nicht das, was du selbst

magst. Ich bezeichne mich deshalb auch nicht

als Gastronom, ich sehe mich als Gast. Wenn

ich ein Restaurant besuche, versetze ich mich

immer in die Besucher hinein und überlege

mir: Weshalb sind die Gäste hier? Was gefällt

ihnen an dieser Location, dieser Speisekarte?

Weshalb sind sie bereit, ihr Geld hier auszugeben,

und nicht an einem anderen Ort?

Welches ist Ihr Lieblingsrestaurant?

Immer mein neustes Projekt. (Lacht.) Nein,

im Ernst: Ich liebe die Herausforderung, insofern

mag ich Projekte, bei denen ich mich

kreativ austoben kann, wie zum Beispiel das

Meine FIRMA

32 01/2025


«Rooftop» an der Bahnhofstrasse. Das war

vorher ein Lüftungsraum. Als ich den Leuten

erzählte, dass ich dort eine Beiz hineinbauen

möchte, hielten mich alle für bekloppt. Je mehr

man mich hinterfragt, umso eher laufe ich zur

Hochform auf. Die «Kronenhalle» würde ich

nie übernehmen, die läuft ja schon. Das würde

mich nur langweilen.

Geben die Leute heutzutage

tendenziell mehr oder weniger Geld

aus für ihr Essen?

Das hängt stark von der Generation ab. Junge

Leute gehen lieber einmal weniger auswärts essen,

dafür investieren sie ihr Geld in hochwertige

und regionale Produkte. Die feiern, dass

unsere Fischknusperli von unseren eigenen Fischern

frisch aus dem Zürichsee gezogen werden.

Ältere Leute achten eher auf den Preis.

Wie hat sich die Gastronomie sonst

noch verändert?

Die Leute achten stärker auf gesundes Essen.

In der «Pumpstation» wird heute ein Drittel

weniger Bratwürste bestellt als noch vor zehn

Jahren, dafür umso mehr Salat. 30 Prozent der

jungen Frauen leben vegan oder vegetarisch,

und auch Männer achten vermehrt auf Kohlenhydrate

– nur sprechen sie nicht darüber.

Entsprechend muss man sein Angebot anpassen

– im «Lulu» am Opernhaus setzen wir deshalb

auf eine leichte französische Küche. Wenn

ein Koch sich heutzutage weigert, vegane oder

vegetarische Gerichte auf die Karte zu setzen,

hat er seinen Beruf verfehlt. Wer nicht mit der

Entwicklung mithält, muss sich nicht wundern,

wenn er in Konkurs geht.

Spüren Sie die Inflation?

Wir merken, dass sich die wirtschaftliche

Lage in den letzten zwei Jahren verändert hat,

insbesondere in unseren höherpreisigen Betrieben

wie dem «Coco Grill» oder dem «L’O». Dafür

steigt der Umsatz in wirtschaftlich schlechteren

Zeiten in günstigeren Betrieben wie der

«Pumpstation» oder dem «Fischer’s Fritz». Es

findet eine Verlagerung statt – die Leute wollen

ja auswärts essen, können aber nicht mehr so

viel Geld ausgeben.

Wie reagieren Sie darauf?

Es bringt nichts, über die schlechte Wirtschaftslage

zu jammern, schlussendlich müssen

alle unter den gleichen Bedingungen

arbeiten. Man muss sich auf die veränderten

Bedürfnisse der Gäste einstellen. Ein Beispiel:

Heute wird viel weniger Alkohol getrunken als

früher. Anstatt das zu beklagen, haben wir die

Karte angepasst. Im «Rooftop» verkaufen wir

heute mehr Cocktails ohne als mit Alkohol –

bei gleichem Preis, wohlgemerkt.

Der Erfolg gibt Ihnen Recht,

heute sind Sie Millionär.

Geld allein macht nicht glücklich. Ich kenne

genügend Topbanker, die zwar viel Geld nach

Hause bringen, aber todunglücklich sind mit

ihrem Leben. Ich sage immer: Du lebst nur

einmal, also mach das Beste daraus. Was will

ich mit einem grossen Haus und teuren Autos?

Ich liebe es, neue Konzepte zu entwickeln und

kreativ zu sein. Das ist es, was mich glücklich

macht. Und ich hoffe, dass ich das noch sehr

lange tun kann.

Er weiss genau, dass er

polarisiert. Aber der Erfolg

gibt ihm Recht – gerade

hat Michel Péclard sein

19. Restaurant eröffnet.

«Geld allein

macht nicht

glücklich.

Ich kenne

genügend Topbanker,

die

zwar viel Geld

nach Hause

bringen, aber

todunglücklich

sind mit ihrem

Leben. »

Michel Péclard

01/2025 33

Meine FIRMA


Mein Stolz

Ulrich Marbot,

Inhaber Presento AG,

fotografiert in der Stiftung

Karolinenheim, einer

Produktionspartnerin.

Foto: Raffael Waldner

Meine FIRMA

Nach vielen Jahren als Finanzchef in der Buchhaltung

reifte in mir der Wunsch, endlich meine kreative

Seite ausleben zu können. Vor über 20 Jahren

gründete ich deshalb einen Glückwunschkartenverlag

mit Fokus auf personalisierte Grussbotschaften

und Geschenke. In den Gesprächen mit CEOs

und HR-Verantwortlichen habe ich gemerkt, dass

gerade haptische Aufmerksamkeiten als Wertschätzung

einem echten Bedürfnis entsprechen. Im geschäftlichen

Umfeld kommt das Schenken nämlich

noch zu kurz, obwohl das Thema Wertschätzung

in Zeiten von Fachkräftemangel und Employer

Branding immer relevanter wird. Mit der Presento

AG übersetzen wir Firmenwerte in einzigartige Geschenke

und vermitteln neben der Wertschätzung

Wertschätzung vermitteln

auch eine Botschaft. Unsere Kundinnen und Kunden

werden dabei stark miteinbezogen; gemeinsam

erarbeiten wir, was entstehen soll. Einmal wurde

gebrauchten Glasflaschen ein zweites Leben als

personalisierte Vorratsdose eingehaucht, andernorts

lädt ein dreidimensionales 4 gewinnt zu einem

guten Zusammenspiel ein. Produziert wird ausschliesslich

in sozialen Werkstätten, sodass unsere

Geschenke nicht nur nützlich und nachhaltig sind,

sondern auch regional und sozial angefertigt werden.

Stolz bin ich darauf, dass viele Kunden schon

seit Jahren mit mir zusammenarbeiten und darauf

vertrauen, dass mir immer wieder etwas Neues einfällt,

das ihre Mitarbeitenden begeistert.

presento-ag.ch

34 01/2025


Mein Stolz

Susanne Schmid,

Inhaberin Haarkult

Foto: Herbert Zimmermann

03/2024

Achtsam, natürlich, anders

Meine Mutter hat ihren Friseursalon «Coiffeur Ursula»

1967 gegründet und über Jahrzehnte hinweg

mit Herzblut geführt. Ich selbst habe schon meine

Lehre hier absolviert und bin dann – nach ein paar

Jahren in anderen Betrieben – 1997 zurückgekehrt,

um den Salon gemeinsam mit meiner Mutter zu leiten.

2008 habe ich den Betrieb schliesslich offiziell

übernommen und in «Haarkult» umbenannt. 2013

wurde ich schwanger, gleichzeitig erkrankte meine

Mutter an Krebs und starb schliesslich – zwei Monate

nach der Geburt meines Sohnes – auch daran.

Das hat mich sehr geprägt und löste ein Umdenken

bei mir aus. Ich begann, mich mit schädlichen Inhaltsstoffen

generell und in Kosmetikprodukten im

Speziellen zu befassen, und strich chemische Produkte

soweit möglich aus meinem Leben und meinem

Salon. Ökologisches Denken und Handeln ist

mir sehr wichtig; wir setzen deshalb auf Pflanzenfarben,

und auch unsere Haarpflege- und Stylingprodukte

bestehen aus natürlichen Inhaltsstoffen.

Chemie setzen wir nur noch dort ein, wo es nicht

anders geht, und informieren im Rahmen unserer

Haarsprechstunde auch transparent über Inhaltsstoffe.

Zu Beginn wurden wir mit unserem achtsamen

Konzept bisweilen als esoterisch abgestempelt;

seit aber Themen wie Gesundheit und Natürlichkeit

auch in der Gesellschaft angekommen sind, können

wir uns vor Anfragen kaum retten. Das macht mich

sehr stolz.

haarkult.ch

35 Meine FIRMA


Gemeinsam für

mehr Nachhaltigkeit

1 m 2 Biodiversitätsfläche für jede Kundin und jeden Kunden:

Wir unterstützen bis 2025 Projekte, die sich für die

biologische Vielfalt in der Schweiz einsetzen. Insgesamt

werden so rund 2 Mio. m 2 aufgewertet.

Know You Can

AXA.ch/biodiversitaet

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