Martin Luther - Diakonie Leipzig

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Martin Luther - Diakonie Leipzig

Leipzig

Jahresbericht

2012

Diakonisches Werk

Innere Mission Leipzig e.V.

Vielfalt

für das Leben


2 Jahresbericht 2012 Vorwort

Vorwort

Dient einander, ein jeder mit der Gabe, die er empfangen hat,

als die guten Haushalter der mancherlei Gnade Gottes.

(1.Petr 4,10)

Einander zu dienen und seine Gaben für das Wohl von

Mitmenschen einzusetzen, ist seit jeher Aufgabe von Christen.

In unserem Werk geschieht dies auf vielfältige Weise seit

nunmehr 143 Jahren.

In diesem Bibelwort ist von der Aufforderung die Rede, dass

Christen als „gute Haushalter der mancherlei Gnade Gottes“

dienen sollen. Ein guter Haushalter – was ist das? Und was

bedeutet es für unser Werk, ein guter Haushalter zu sein?

Ein guter Haushalter sieht den Reichtum, der ihm zur Verfügung

steht, und er setzt ihn verantwortungsvoll und sinnvoll

zum Wohle der Menschen ein. Für uns heißt das, die Begabungen

unserer haupt- und ehrenamtlich Mitarbeitenden zu

erkennen und zu nutzen, das persönliche Engagement von

Menschen zu sehen und die Unterstützung vieler Menschen

durch Spenden und ehrenamtliche Mitarbeit zu würdigen. Es

bedeutet auch, die Tatsache anzuerkennen, dass die Arbeit

unseres Werkes unter den Rahmenbedingungen eines

demokratischen Rechtsstaates geschehen darf, denn dies ist

keineswegs selbstverständlich. Vor allem aber sind die

christlichen Grundlagen unserer Arbeit ein Reichtum, der sich

über die Zeiten hinweg als stabile Basis erwiesen hat.

Gute Haushalterschaft bedeutet aber auch anzuerkennen,

dass der zur Verfügung stehende Reichtum nicht unendlich

groß ist. Auch unsere diakonische Arbeit ist Begrenzungen

finanzieller, personeller, juristischer und auch anderer Art

unterworfen. Dies ist an vielen Stellen zu spüren und auch

Inhalt mancher Diskussion innerhalb unseres Werkes. Unter

Begrenzungen zu arbeiten, gehörte von Anfang ebenso zu

diakonischer Arbeit, wie dies auch in vielen anderen Bereichen

des Lebens zu finden ist. Begrenzungen gehören zu

dieser Welt.

Dienen als gute Haushalter bedeutet damit, die Begrenzungen

an einigen Stellen nach Möglichkeit zu erweitern, und sie dort,

wo sie nicht veränderbar sind, anzuerkennen.

Es bedeutet weiterhin, den vorhandenen vielfältigen Reichtum

zu sehen und im weitesten Sinne gewinnbringend für Mitmenschen

einzusetzen.

Was haben wir in unserem Werk als Begrenzungen und was

als Reichtum im Berichtsjahr erlebt?

Als erhebliche Begrenzung im Berichtszeitraum sehen wir

gravierende Änderungen von Rahmenbedingungen unserer

Arbeit: Am 27.4.2012 wurde entgegen der bisherigen Praxis

die Arbeit unserer Ökumenischen Kontaktstube „Leipziger

Oase“ für den Zeitraum ab 1.10.2012 öffentlich ausgeschrieben.

Da einem daraus folgenden Vertrag nach Sicht der uns

beratenden Juristen und Wirtschaftsprüfer nun nicht mehr

Sozialrecht, sondern Vergabe- bzw. Wirtschaftsrecht zugrunde

liegt, ist eine solche Leistung umsatzsteuerpflichtig und

kann im Rahmen der Gemeinnützigkeit unseres Werkes nicht

mehr durchgeführt werden. Da zu befürchten ist, dass sich

solche Veränderungen auch auf andere Arbeitsgebiete

ausweiten, besteht hier ein erhebliches Risiko für den Fortbestand

einiger unserer Dienste. Details dazu sind im Wirtschaftsbericht

und im Bericht des Verwaltungsrates beschrieben.

Es bleibt zu hoffen, dass in dieser Hinsicht Lösungen

gefunden werden, die sinnvolle Arbeit ermöglichen.

Weiterhin soll als Begrenzung unserer Dienste die dauernde

Spannung zwischen der Refinanzierung unserer Arbeit und

den erforderlichen Gehaltszahlungen nach AVR (Arbeitsvertragsrichtlinien)

genannt werden. Auch im Berichtsjahr konnte

nicht in allen Bereichen die 2. Hälfte der nach AVR vorgesehenen

Jahressonderzahlung ausgezahlt werden.

Aber auch Beispiele des Reichtums sollen erwähnt werden,

den wir erfahren durften. Zwei „Gottesdienste inklusive“

fanden in diesem Jahr gemeinsam mit der Bethlehemgemeinde

und der Nikolaigemeinde statt. Leipziger Kirchgemeinden

unterstützten mit über 5000 Euro die stark nachgefragte

Arbeit der Lebensberatungsstelle. Die Begleitung eines

Betreuten Wohnens für Senioren konnte in Leipzig-Gohlis in

der Elsbethstraße eröffnet werden. Außerdem wurde Ende des

Jahres 2011 die DiakonieStiftung Leipzig gegründet, die

bereits bedeutende Zustiftung erfahren hat und der Unterstützung

der finanziellen Ressourcen in Zukunft dienen soll.

Dienen als gute Haushalter ist unsere Aufgabe. Wir sind Gott

dankbar für vieles, was in dieser Hinsicht gelingen durfte.

Aber auch viele Menschen haben uns wieder durch Ehrenamt,

Gebet, Spenden oder auf andere Weise unterstützt. Herzlichen

Dank für diesen Reichtum!

Pfr. Christian Kreusel, Missionsdirektor


Inhalt

02 Vorwort

04 Einhundert Jahre Haus der Stadtmission

05 Einhundert Jahre Kindertagesstätte in der

Demmeringstraße

06 Spendenprojekte

08 Betriebliches Gesundheitsmanagement

10 Altenhilfe

12 Qualitätsprüfungen in den Pflegeheimen

13 Kunstprojekt im Marienheim

14 Behindertenhilfe - Der gute Hirte

16 Förderschulen - Sprungbrett der Entwicklung

18 Führung durch die Lindenwerkstätten

20 Evangelische Kindertagesstätten

22 Kinder- und Familienzentrum

24 Beratungs- und Betreuungsdienste

28 Hilfe für Menschen mit psychischen Krankheiten

29 Die Krise nach der Geburt eines Kindes

30 Teekeller Quelle - Umbaumaßnahmen und Ausstellung

32 Wirtschaftsbericht

38 Bericht Verwaltungsrat und Erinnerung an Heinz Wagner

40 Anschriften

42 Kurzchronik 2012

Jahresbericht 2012 Inhaltsverzeichnis 3


4 Jahresbericht 2012 Einhundert Jahre Haus der Stadtmission

Diakonie Leipzig feiert

Einhundert Jahre Haus der Stadtmission

Am 29. Juni 2012 feierte das Diakonische Werk Innere

Mission Leipzig e.V. das einhundertjährige Bestehen des

Hauses der Stadtmission in der Demmeringstraße 18 bis 20.

Im Festgottesdienst erinnerte Missionsdirektor Pfarrer Kreusel

an die Verdienste der Familie Fritzsche vor hundert Jahren,

die das Gebäude „Haus der Stadtmission“ gestiftet und für

die soziale Arbeit zur Verfügung gestellt haben. Dieses Haus

war ein Jahrhundert lang Herberge verschiedener Gruppen

und Kreise, die sich der Not anderer Menschen annahmen

und den Glauben an Jesus Christus in Wort und Tat verkündeten.

Auf dem Festakt wurde die Förderung des barrierefreien

Ausbaus im Haus der Stadtmission durch die Stadt Leipzig

und Mittel aus dem Europäischen Fond für Regionale Entwicklung

(EFRE) gewürdigt. Des weiteren wurde die neu

gegründete Diakonie-Stiftung Leipzig vorgestellt.

Von 13.00 bis 18.00 Uhr bestand die Möglichkeit, im Rahmen

eines Tages der Offenen Tür die Räume der Stadtmission mit

Kindertagesstätte und angrenzender Werkstatt für Menschen

mit Behinderungen zu besichtigen, ebenso in unmittelbarer

Nähe die Kita Nathanael, das Lindenlädchen (in dem Produkte

aus der Werkstatt verkauft werden) sowie die Hilfen für

Menschen mit Behinderungen (mit Beratungsstelle, Freizeitangeboten,

Betreutes Wohnen).

Vor hundert Jahren entstand das Gebäude der Leipziger

Stadtmission als Haus für die Arbeit des Blauen Kreuzes – gefördert

von Ernst Traugott Fritzsche, Inhaber der Firma

Schimmel & Co. Es diente zunächst der Betreuung von

alkoholabhängigen Menschen und war der Mittelpunkt der

Arbeit des Blauen Kreuzes und später des Christlichen

Volksdienstes. Heute befinden sich in dem Haus die Kindertagesstätte

Das Samenkorn, die Lindenwerkstätten sowie

mehrere Räume, die zu verschiedenen Zwecken genutzt

werden.

Zurzeit entsteht hier in mehreren Abschnitten ein stadtteilorientiertes

Integrations- und Begegnungszentrum. Dieses

umfasst eine Beratungsstelle und Ambulant Betreutes

Wohnen für Menschen mit Behinderungen, eine Kindertages-

stätte, ein Familienzentrum sowie ein eigenes Café mit dem

Angebot niedrigschwelliger sozialer Beratung durch professionelles

Personal. Dabei entstehen unterschiedliche Arbeitsplätze

für Menschen mit und ohne Behinderungen in den

Bereichen Veranstaltungsmanagement, Saalvermietung,

Hauswirtschaft, Reinigung, Catering, Raumdekoration und

Gastronomie. Verschiedene Arbeitsbereiche der Diakonie können

in diesen Räumen verwirklicht und vernetzt werden. Eine

Erweiterung des Kundenkreises und eine soziokulturellen

Nutzung durch Bürgerinnen und Bürger und Vereine aus

Lindenau und dem Leipziger Westen wird angestrebt. Das

Familienzentrum hat zum Ziel, ein zufriedenstellendes Leben

mit Kindern im Stadtteil Lindenau zu ermöglichen und Eltern

die nötige Unterstützung und Hilfe bei der Erziehung ihrer

Kinder anzubieten. Um diese Vorhaben in die Tat umzusetzen,

sind zahlreiche Umbaumaßnahmen notwendig. Ohne die

umfassende EFRE-Förderung wäre das Projekt nicht möglich.


Diakonie feiert

Einhundert Jahre Kindertagesstätte

in der Demmeringstraße

Auch die Kindertagesstätte Das Samenkorn in der Demmeringstraße

feierte ihr einhundertjähriges Bestehen, und zwar

gleich mit drei verschiedenen Veranstaltungen:

Zunächst am 7. Januar mit einem Festgottesdienst in den

Räumen der Stadtmission, die sich im gleichen Gebäude

befindet. Viele ließen sich einladen, der Saal war gut gefüllt.

Diakonie-Mitarbeiter, Kindergarten-Kinder und ihre Eltern,

Geschwister und Angehörige feierten gemeinsam diesen

schönen Tag. Erstmalig spielte ein Posaunenchor, bestehend

aus Mitarbeitern des Werkes und Eltern der Kita, und es sang

der Elternchor der Kindertagesstätte Das Samenkorn. Die

Predigt hielt Missionsdirektor Pfarrer Christian Kreusel.

Danach gab es köstliche Gebäckkreationen der Eltern,

Kaffeetrinken auf zwei Etagen, ein mit gebastelten Hunderten

geschmücktes Treppenhaus, Engel zum Mitnehmen für jeden

am Ausgang…

Jahresbericht 2012 Einhundert Jahre Kindertagestätte 5

Die zweite Feier war die offizielle Feier im Juni anlässlich 100

Jahren Stadtmission mit einem Festgottesdienst, einer

Grußstunde, dem Lied der Kinder (Geh aus mein Herz und

suche Freud – 10 Strophen), Spielständen, Kaffee und

Kuchen und Kindertheater.

Die dritte Feier fand als Erntedankfest im zur Kita gehörenden

Waldgründstück im Leutzscher Holz statt mit vielen ehemaligen

Kindern (die ältesten aus dem Jahr 1949), Posaunenchor,

Erntedankgaben und Gedicht dazu, einer Theateraufführung

der Kinder („Das Rübchen“), einer langen weißen

Kaffeetafel mit viel Kuchen, später dann Feuer und Stockbrote

und Gesang zur Gitarre …

Geschichte der Kindertagesstätte

Der Kindergarten wurde am 8. Januar 1912 in dem damals

neuen Blaukreuzhaus Demmeringstraße 18 eröffnet. In den

hundert Jahres seines Bestehens war der Kindergarten fast

durchgängig in Betrieb. Nur im 1. Weltkrieg trat eine kurze

Pause ein, aber 1925 wurde er wieder eröffnet. Während der

NS-Zeit war er kein kirchlicher Kindergarten mehr. Im Jahre

1945 übergaben die Amerikaner die Einrichtung der Kirche

und der Christliche Volksdienst übernahm den Kindergarten.

Seitdem gehört die Einrichtung zum Diakonischen Werk

Innere Mission Leipzig e.V. und ist damit wieder ein evangelischer

Kindergarten. Nach der Wende wurde der Kindergarten

grundlegend saniert und konnte im September 1991 wieder

voll in Betrieb genommen werden. Das Freigelände in der

Demmeringstraße wurde zu einer schönen Spieloase gestaltet.

Zum Kindergarten gehört ebenfalls ein Waldgrundstück im

Leutzscher Holz. Auf diesem verbringen die Kinder im Sommer

mehrere Wochen (die sogenannten Waldwochen). Die

Vermittlung des christlichen Glaubens und die kirchlichen

Feste spielen in der Einrichtung eine große Rolle. Am 23. Juni

2006 erhielt die Einrichtung in der Demmeringstraße den

Namen Das Samenkorn. Dieser Name ist Programm: Als

Samenkorn wird die christliche Botschaft den Kindern in ihre

Herzen gelegt, damit die Frucht aufgeht und der Glaube in

ihnen wächst und Früchte trägt.


6 Jahresbericht 2012 Spendenprojekte

Spendenprojekte –

Eine Auswahl

Viele Menschen helfen uns, indem sie unsere Arbeit mit einer

Spende unterstützen. Sie können hier nicht einzeln benannt

werden. Auch Firmen und Organisationen spenden Geld für

bestimmte Projekte. Ohne diese zusätzlichen Mittel wäre

vieles nicht möglich. Besondere Angebote, die mit Spenden

finanziert werden, tragen dazu bei, unser diakonisches Profil

sichtbarer zu machen. Sie ermöglichen ein gewisses „Mehr“

an Zuwendung zu den uns anvertrauten Menschen. In

manchen Einrichtungen ist allerdings auch das „Kerngeschäft“

nicht ohne Spenden denkbar.

Einige Projekte sollen hier beispielhaft benannt werden:

In der Leipziger Oase beträgt der „Eigenanteil“ mehr als die

Hälfte der zur Verfügung stehenden Mittel. Dies ist zum einen

die große Menge an Lebensmittelspenden für die Essensversorgung

der Gäste, aber auch jährlich etwa 20 000 Euro an

Geldspenden.

Der Besuchs- und Begleitdienst – eine Einrichtung der Hilfen

für Menschen mit Behinderungen - nimmt jährlich etwa 5000

Euro an Spenden ein. Hiervon werden Maßnahmen der

Öffentlichkeitsarbeit für die Gewinnung weiterer ehrenamtlicher

Helfer finanziert. Des weiteren werden Schulungen

sowie Dankveranstaltungen für die Ehrenamtlichen veranstaltet.

An die Mitglieder und Freunde wurden im Berichtszeitraum

drei Spendenaufrufe verschickt. Der Aufruf im Winter 2011war

bestimmt für einen Bus für die Wohnstätte Katharina von

Bora. Der Bus wird von Aktion Mensch zur Verfügung gestellt,

ein Eigenanteil muss aber selbst aufgebracht werden. Hierfür

sind über 4000 Euro zusammen gekommen.

Der Bus wird in Kürze angeschafft. Der Aufruf für die Außenanlagen

der Kita St. Moritz im Sommer erbrachte 3000 Euro.

Für unseren letzten Spendenaufruf „neue Stühle für die

Stadtmission“ haben wir über 2000 Euro eingenommen.

Verstärkt um Spenden geworben haben im Berichtszeitraum

die Kindertagesstätten. Die Kita Nathanael hat 1500 Euro für

ihre Kletterlandschaft gesammelt. Für die Unterstützung des

ehrenamtlichen Engagements erhielt die Kita Das Samenkorn

800 Euro und die Kita Unter dem Regenbogen 400 Euro, die

Kinderarche 70 Euro. Diese Spenden stammen zum großen

Teil von Eltern, Großeltern und Angehörigen, aus Basaren,

Flohmärkten und anderen Aktionen. Hier haben die Leiterinnen

und Mitarbeiterinnen viele zusätzliche Mühen und

Anstrengungen auf sich genommen, um zusätzliche Gelder zu

erhalten. Allen – Spendenden wie Sammelnden - an dieser

Stelle ein herzliches Dankeschön!

Das Martinstift, Wohnstätte für Menschen mit Behinderungen,

erhielt ca. 2000 Euro Spenden. Hier gibt es im Jahr 2012 eine

Kooperation mit der Kirchgemeinde Bethlehem. Regelmäßig

einmal im Monat wird in einem Sonntagsgottesdienst eine

Kollekte für die nahe gelegene Wohnstätte gesammelt.

Der Teekeller Quelle konnte mit Spendengeldern umfangreiche

Umbaumaßnahmen vornehmen. Kirchgemeinde und

Freundeskreis haben sich kräftig beteiligt. Ausschlaggebend

war eine Förderung von Andere Zeiten e.V. in Höhe von 4000

Euro. Die Umbaumaßnahmen sind mittlerweile abgeschlossen,

die Teekeller-Gäste sowie die haupt- und ehrenamtlichen

Mitarbeiter freuen sich über die neuen und schönen Räume.

Die Wohnstätte für Menschen mit Behinderungen „Heinz

Wagner, Haus 2, konnte 1500 Euro an Spenden einwerben.

Dieses Geld ist für die Anschaffung einer Nestschaukel

bestimmt. Das Diakonissenhaus Borsdorf hat im Berichtszeit-


aum über 17000 Euro gesammelt. Mit diesem Geld wurde

der Bau einer Zaunanlage und eines Weges vom Haus am

Viadukt zur Leipziger Straße finanziert. Weiterhin wurden

Spendengelder verwendet für den Tagesförderbereich (Spiele,

Bücher, DVDs), für Anschaffungen in den Wohngruppen sowie

für die Bewohner-Weihnachtsfeier.

Das Einwerben von Spenden ist keine leichte Aufgabe, die

von vielen unserer Mitarbeiter neben ihrer eigentlichen Arbeit

zusätzlich bewältigt wird. Wir danken allen, die sich dahingehend

engagieren und natürlich danken wir allen Spenderinnen

und Spendern, die unsere Arbeit unterstützen.

Stiften macht Zukunft – Diakonie-Stiftung Leipzig

gegründet

Um die Finanzierung diakonischer Arbeit – unabhängig von

den jeweiligen politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen

- auch nachhaltig und langfristig zu sichern, wurde im

Dezember 2011 die Diakonie-Stiftung Leipzig gegründet.

Diese fördert auf Antrag Projekte in den Bereichen Betreuung

pflegebedürftiger Menschen, Betreuung und Integration von

Menschen mit Behinderungen und Hilfe für Menschen in

sozialen und psychischen Notlagen. Die Stiftung will genau da

einspringen, wo es am nötigsten ist, wo vielleicht gerade

keine öffentlichen Gelder zu erwarten sind, wo aber sinnvoll

und wirkungsvoll Hilfe für die Zukunft angeboten werden

muss. Die Gremien der Stiftung sind mit Personen aus

Gremien unseres Werkes besetzt.

Mit der Gründung der Diakonie-Stiftung Leipzig geben wir

Menschen die Möglichkeit, für die Zukunft von Menschen zu

sorgen, die auf fremde Hilfe angewiesen sind. Die Diakonie-

Stiftung Leipzig ist eine selbständige und als gemeinnützig

anerkannte Förderstiftung der Diakonie mit Sitz in Leipzig.

Im Rahmen der Feierlichkeiten „100 Jahre Haus der Stadtmission“

wurde die Diakonie-Stiftung Leipzig feierlich der

Öffentlichkeit vorgestellt.

So können Sie die Stiftung unterstützen:

Jahresbericht 2012 Stiftung 7

Mit einer Zustiftung erhöhen Sie das Stiftungsvermögen und

helfen nachhaltig. Denn Ihre Zustiftung wird dem Grundstockvermögen

zugeführt und bleibt dort dauerhaft erhalten. Mit

dem Grundstockvermögen nehmen die Zinserträge und damit

auch die Zuschüsse für die geförderten Projekte zu.

Sie können die Diakonie-Stiftung in Ihrem Testament bedenken.

Mit einer Erbschaft oder einem Vermächtnis tragen Sie

zur Zukunftssicherung der Stiftung und der von ihr geförderten

Projekte bei.

Wenn Sie sich mit dem Gedanken tragen, die Diakonie-Stiftung

Leipzig zu unterstützen, nehmen Sie Kontakt zu uns auf.

Diakonie-Stiftung Leipzig

Gneisenaustraße 10

04105 Leipzig

E-Mail: soenke.junge@diakonie-leipzig.de

Tel.: 0341. 56 12 – 11 10

www.diakonie-stiftung-leipzig.de

Konto: Diakonie-Stiftung Leipzig

Institut: Sparkasse Leipzig

KNR: 109 002 4467

BLZ: 860 555 92


8 Jahresbericht 2012 Gesundheitsmanagement

Betriebliches Gesundheitsmanagement –

Nach langer Krankheit zurück an den Arbeitsplatz

Seit Mai 2011 gibt es beim Diakonischen Werk Innere Mission

Leipzig e.V. wieder eine Referentin für Betriebliches Gesundheitsmanagement.

Frau Dr. Beckert-Zieglschmid ist dafür mit

50 Prozent Arbeitszeit angestellt. Hauptschwerpunkt ihrer

Arbeit ist das Betriebliche Eingliederungsmanagement (BEM),

also die Betreuung und Wiedereingliederung von Langzeitkranken

(ab 43 Kalendertage im Jahr). Im Jahr 2011 waren

dies ungefähr 13 Prozent der Angestellten unseres Werkes.

Häufigste Krankheitsursachen in unserem Werk sind Muskel-

und Skeletterkrankungen, gefolgt von psychischen Krankheiten

wie Burnout, Depression sowie Angst- und Panikstörungen.

Das BEM beansprucht etwa 70 Prozent der Arbeitszeit von

Frau Dr. Beckert-Zieglschmid. Eine weitere wichtige Aufgabe

ist die allgemeine psychosoziale Beratung für Mitarbeiter zur

Prävention von Krankheiten, die zunehmend mehr in Anspruch

genommen wird. Daneben organisiert und bietet Frau

Dr. Beckert-Zieglschmid Schulungen und Beratung für

Führungskräfte unseres Werkes zu wichtigen Gesundheitsthemen

(Burnout, Sucht, Konflikte und Mobbing) an. Zum

Beispiel wünschen Leiterinnen und Leiter immer häufiger

Beratungsgespräche oder Supervision, etwa wenn es Konflikte

zwischen ihnen und einem Mitarbeiter oder zwischen

den Kollegen gibt. So wurden bereits Schulungen durchgeführt

zu den Themen: „Burnout – erkennen und handeln,

lernen und wachsen“, „Vom Gerücht bis zur Kündigung – Umgang

mit suchtauffälligen Mitarbeitern“, „Drogen“, „Konflikte

und Mobbing“ (geplant für Januar). Auch Präventionsmaßnahmen

organisiert Frau Dr. Beckert-Zieglschmid, z.B. die

„aktive Minipause“ (finanziert von der BARMER GEK), im

Pflegeheim J.H. Wichern, bei der alle Mitarbeiter zweimal in

der Woche kostenlos Rückengymnastik machen können.

Im Rahmen des Betrieblichen Eingliederungsmanagements,

das im Folgenden einmal konkreter dargestellt werden soll,

geht es um die erfolgreiche Wiedereingliederung von länger

oder häufig erkrankten Mitarbeitern. Ziel ist es, dass die

Mitarbeiter wieder arbeiten können, ohne erneut zu erkranken,

und krankheitserzeugende Risikofaktoren möglichst auszu-

schalten. Dafür ist eine ausführliche Beratung erforderlich.

Dabei wird detailliert auf persönliche oder berufsbezogene

Ursachen der Erkrankungen eingegangen und dann über die

nächsten Schritte beraten. So werden Langzeiterkrankte nach

der Beendigung von Klinikaufenthalten oder Reha-Maßnahmen

zu Fördermöglichkeiten bei Krankenkassen, Rentenversicherung,

beim Arbeitsamt oder dem Integrationsamt

informiert. Das Ziel ist es dabei, eine erfolgreiche und

zielgerichtete Wiedereingliederung durchzuführen und dabei

alle dem Mitarbeiter zur Verfügung stehenden, hilfreichen

Leistungen einzubeziehen.

Die meistgenutzten Maßnahmen, die im Rahmen des Eingliederungsmanagement

angewendet werden, sollen hier kurz

dargestellt werden.

Im besten Fall kommt ein Mitarbeiter nach langer Krankheit

zurück und kann ohne Einschränkungen wieder arbeiten. Er

hat meist die Möglichkeit, zwischen vier und sechs Wochen

Wiedereingliederungszeit bei laufendem Krankengeld in

Anspruch zu nehmen. Dabei beginnt der Mitarbeiter z.B. mit

drei Stunden Arbeitszeit und erhöht dann langsam auf die

volle Arbeitszeit. In dieser Zeit kann man sehen, ob er der

Belastung gewachsen ist. Zusätzlich wird begleitend beraten,

ob weiterführende Hilfen sinnvoll sind.

In einem zweiten Fall kommt ein Mitarbeiter nach der Erkrankung

mit Einschränkungen zurück und ist chronisch weiter

krank, aber trotzdem arbeitsfähig. In der Beratung wird dann

gemeinsam entschieden, welche Unterstützungen (z.B.

technische Hilfsmittel oder Arbeitszeitreduktion) er braucht,

um auf seinem alten Arbeitsplatz weiter arbeiten zu können.

Sind die Einschränkungen größer, wird bei der Beratung

empfohlen, einen Grad der Behinderung zu beantragen.

Dann können im Falle einer Genehmigung Zuschüsse vom

Integrationsamt in Anspruch genommen werden. Zum

Beispiel: Eine Küchenmitarbeiterin kann wieder in der Küche

arbeiten, darf aber nicht mehr schwer heben, z.B. keine

Warenlieferung annehmen. Dann kann ein Antrag auf Nachteilsausgleich

beim Integrationsamt gestellt werden. Der


Leistungsträger gleicht dann die Minderleistung finanziell aus,

so dass beispielsweise ein anderer Mitarbeiter diese Tätigkeit

übernehmen kann. Andere Ausgleichsleistungen könnten

auch technische Hilfsmittel sein oder eine leidensgerechte

Arbeitsplatzausstattung.

Ein dritter, sehr häufig vorkommender Fall ist, dass ein

Mitarbeiter zwar wieder arbeiten kann, aber nicht in seinem

bisher ausgeübten Beruf. Diese Situation stellt für den

Arbeitgeber eine besondere Herausforderung dar. Dann wird

im Rahmen des BEM beraten, ob der Mitarbeiter bei der

Rentenversicherung Leistungen beantragen kann, die es uns

als Arbeitgeber erleichtern, den Mitarbeiter im Unternehmen

zu halten, ihn aber auf einen anderen Arbeitsplatz einzugliedern.

Meist liegt hierfür schon eine Stellungnahme vor, die im

Rahmen einer Rehakur als Abschlussgutachten erstellt wurde.

Unter solchen Umständen können sogenannte „Leistungen

zur Teilhabe am Arbeitsleben“ beantragt werden. Damit wird

es leichter möglich, einen Mitarbeiter umzusetzen, vor allem,

wenn derjenige eine Anpassungsqualifizierung oder Eingliederungszuschüsse

bewilligt bekommt. Voraussetzung für eine

solche Umsetzung ist natürlich, dass ein passender Arbeitsplatz

in unserem Werk vorhanden ist.

Und ob ein Arbeitsplatz passen könnte, muss die Beraterin im

sensiblen Gespräch herausfinden. Dabei muss sie neben der

körperlichen Belastbarkeit auch die kognitiven, mentalen und

psychischen Voraussetzungen des umzusetzenden berufsunfähigen

Mitarbeiters einschätzen. Häufig ist es aber leider

auch der Fall, dass kein geeigneter Arbeitsplatz zur Umsetzung

vorhanden ist. Dann wird im Rahmen der Gesundheitsmanagementberatung

viel Hilfe geleistet, so dass der Mitarbeiter

außerhalb der Diakonie seine Chancen auf einen

Arbeitsplatz erhöhen kann. Es wird das eine oder andere

Praktikum ermöglicht, das Erstellen von guten Arbeitszeugnissen

veranlasst oder Beratung zur Bewerbung angeboten.

Im vierten Fall der Wiedereingliederungsberatung stellt sich

heraus, dass erkrankte Mitarbeiter gar nicht mehr ins Arbeitsleben

zurückkehren können. Dann hilft die BEM-Beratung

beim Stellen eines Rentenantrages.

… ein Fall für`s BEM:

Gerd K.* arbeitete seit vielen Jahren in einem Pflegeheim der

Diakonie - zunächst als Pflegehelfer, später als gelernter

Altenpfleger. Die Arbeit mit den alten Menschen machte ihm

viel Spaß, die Kollegen waren ein gutes Team. In den letzten

Jahren nahm jedoch die Arbeitsbelastung immer mehr zu. Die

Bewohnerinnen und Bewohner wurden immer pflegebedürftiger

und der bürokratische Aufwand immer höher. Herr K.

wurde mit seiner Arbeit und mit sich selbst immer unzufrie-

Jahresbericht 2012 Gesundheitsmanagement 9

dener. Er hatte nicht mehr die Zeit, sich so den Menschen

zuzuwenden wie er es immer getan hatte. Seine Stimmung

wurde deprimierter, auch außerhalb der Arbeit. Schließlich war

der Gang zum Arzt und die Krankschreibung wegen Depressionen

unvermeidbar.

Nach mehreren Monaten Genesungszeit und einer psychosomatischen

Kur fühlte er sich wieder in der Lage zu arbeiten.

Für ihn stand jedoch die Frage, ob er wieder in seinen alten

Beruf zurück kann. Beim BEM wurden verschiedene Möglichkeiten

besprochen. Zunächst arbeitete er ein paar Wochen zur

Probe in einem anderen Pflegeheim, sah sich dort aber mit

den gleichen Problemen konfrontiert. Die Eingliederung in

seinen ursprünglichen Arbeitsplatz scheiterte ebenfalls.

Schließlich klappte – vom BEM vermittelt - kurzfristig ein

befristeter Einsatz in einer Wohnstätte für Menschen mit

Behinderungen. Dort arbeitete er in verschiedenen Wohngruppen

und fühlte sich überall wohl. Und – er hatte Glück – kurzfristig

wurde dort eine Stelle frei – bei den schwerstmehrfachbehinderten

Menschen, wo er seine pflegerischen Kenntnisse

gut einsetzen kann. Hier hat er wieder mehr Zeit für die

Menschen und damit geht es ihm psychisch wieder richtig

gut. Es bleibt zu hoffen, dass dies so bleibt und Herr K. er

noch viele Jahre dort gesund arbeiten kann.

*Name geändert

EIN SCHÖNES GEFÜHL. RÜCKHALT.

Man kann Leben einfach versichern. Man kann es aber

auch einfach sicherer und lebenswerter machen.

Gemeinsam tun wir das und unterstützen kirchliche

und soziale Projekte.

Gute Beratung braucht Gespräche. Ich bin für Sie da.

Steffi Brachmann, Agenturleiterin

Walnußweg 1 . 04249 Leipzig

Telefon 0341 4250584 . Fax 0341 4250588

steffi.brachmann@bruderhilfe.de


10 Jahresbericht 2012 Altenhilfe

Hilfe für alte Menschen

Diakonische Pflegeeinrichtungen genießen

hohes Ansehen in der Bevölkerung

Trotz des oft negativen Bildes eines Pflegeheimes freuen wir

uns sehr, dass unsere Pflegeeinrichtungen in Leipzig und

Umgebung ein hohes Ansehen genießen. Sicherlich bekommen

wir auch Absagen auf unsere Heimplätze – dennoch

hören wir sehr oft „Sie wurden uns empfohlen“ – und das

bestärkt uns auf unserem Weg. Im vergangenen Jahr haben

die diakonischen Einrichtungen der Altenhilfe viel bewegen

können. In allen Leistungsbereichen haben wir unsere Angebote

erfolgreich fortsetzen und ausweiten können.

Der Jahresbericht möchte neben den Geschehnissen in den

einzelnen Bereichen den Blick auf die Dinge öffnen, die im

vergangenen Jahr viel Leben und Aufregung in unseren

Fachbereich gebracht haben. Ein ganz wesentlicher Bestandteil

dabei waren die neuen Möglichkeiten in unserer sozialen

Betreuung. Eine Vielfalt therapeutischer Angebote, wie

Kunsttherapie, Musiktherapie und Hundetherapie sind dabei

nur ein kleiner Ausschnitt unserer Möglichkeiten. Die Bewohnerinnen

und Bewohner genießen dadurch ein sehr abwechs-

lungsreiches und für fast jedermann zutreffendes Beschäftigungsangebot.

Auch beim sogenannten „Pflege-TÜV“ des

Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung können wir

eine positive Entwicklung im Vergleich zum Vorjahr verzeichnen.

Der Druck auf die Kosten ging nicht zu Lasten der

Qualität unserer Arbeit. Dazu haben auch konzeptionelle

Veränderungen im Bereich der Essen- und Speisenkultur

beigetragen. Die Speisenversorgung kann einen deutlichen

Gewinn von Lebensqualität ermöglichen und zur zukünftigen

Entwicklung unserer Einrichtung beitragen. Auch die erfolgreichen

Ergebnisse der vergangenen Pflegesatzverhandlungen

zeigen, dass wir uns auf dem richtigen Weg befinden

und zuversichtlich in die Zukunft schauen können.

Beratungsstelle Altenhilfe – ein Angebot für pflegende

Angehörige

Die Beratungsstelle Altenhilfe organisiert einmal im Monat ein

Treffen für pflegende Angehörige. Hier können Probleme

angesprochen und Erfahrungen weitergegeben werden. Die

Pflege eines Angehörigen bedeutet oftmals eine große

physische und psychische Belastung. Rund um die Uhr die

Pflege organisieren, eigene Bedürfnisse auf unbestimmte Zeit

zurückschrauben, finanzielle Sorgen und nervenaufreibende

Korrespondenz mit Pflegekassen und Behörden können

einem Menschen die letzten Kräfte rauben – und das alles für

einen von der Gesellschaft kaum anerkannten Dienst. Umso

wichtiger sind neben dem regelmäßigen Erfahrungsaustausch

auch gemeinsame schöne Erlebnisse, bei denen pflegende

Angehörige neue Kräfte tanken können. So organisierten wir

im Juni einen Ausflug ins Grassimuseum. Unser Sommertreffen

mit der Gesprächsgruppe vom Caritasverband Leipzig e.V.

fand im Pflegeheim Albert Schweitzer statt. Durch die Vorstellung

der Tagespflege erfuhren die Teilnehmer die Vorzüge

eines teilstationären Hilfeangebotes – Entlastung für den

Angehörigen und gute Pflege und Betreuung für den zu

Pflegenden.


Unsere Sozialstation - neue Räume in der Innenstadt

Seit April 2012 ist der Sitz der Diakonie Sozialstation nahe

dem Stadtkern von Leipzig, in der Otto-Schill Straße 7.

Seither konnten wir auch im Umfeld unseres neuen Domizils

einige Klienten gewinnen. Um dem erhöhten Pflegeaufwand

gerecht werden zu können, war eine hohe Flexibilität unserer

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die Einstellung neuer

Pflegefachkräfte sowie die Beschaffung neuer Dienstfahrzeuge

erforderlich. Zeitweise durften wir auch auf die Unterstützung

von Mitarbeitenden unserer Pflegeheime zurückgreifen.

An dieser Stelle – noch einmal herzlichen Dank an die

Pflegekräfte sowie an die Heim- und Pflegedienstleitungen

der Häuser.

Kleine „Schönheitsreparaturen“ in unseren Tagespflegen

Wie wir bereits in den vergangenen Jahren berichten mussten,

sind die Auslastungszahlen unserer beiden Tagespflegen

Albert Schweitzer und Matthäistift immer noch nicht zufriedenstellend.

Trotz positiver Tendenz würden wir uns mehr

Gäste in der Tagesbetreuung wünschen. Um den Ursachen

der negativen Auslastungszahlen in Leipzig auf den Grund zu

gehen, haben wir im vergangenen Jahr kleine „Renovierungsarbeiten“

und räumliche Veränderungen vorgenommen. So

können wir unsere Angebote zukünftig vielseitiger gestalten

und unseren Gästen anbieten. Neben den räumlichen Veränderungen

wollen wir im kommenden Jahr verstärkt auf

inhaltliche Punkte in unserer Tagespflege eingehen, die die

Attraktivität unseres Angebotes erhöhen und von anderen

Tagespflegen hervorheben. Unsere Tagespflege im ländlichen

Bad Lausick freut sich weiterhin über sehr positive Auslastungszahlen.

Viel Bewegung in unseren Pflegeheimen

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unserer vollstationären

Pflegeeinrichtungen schauen auf ein sehr bewegtes Jahr

zurück. Zunächst sind dabei die Verabschiedungen und

Wechsel auf Heimleiterebene hervorzuheben. Zwei langjährige

Heimleiter, Dieter Haufe (Matthäistift) und Ingrid Otto (Albert-

Schweitzer-Haus) wurden in den Ruhestand verabschiedet.

Frau Schüler-Tecklenburg, bis dato Heim- und Pflegedienstleiterin

des Pflegeheims Matthias Claudius in Plagwitz, hat die

Heimleitung im Pflegeheim Albert Schweitzer übernommen.

Neuer Heim- und Pflegedienstleiter im Pflegeheim Matthias

Claudius ist Reinfried Bemmann.

Im Bereich der Esskultur können wir auf konzeptionelle

Fortschritte zurückblicken. Zukünftig wollen wir die Speisen-

versorgung in unseren Häusern grundlegend überdenken und

optimieren. Die Mittagsmahlzeiten werden in unseren zwei

Hauptküchen im Pflegeheim Albert Schweitzer und im

Pflegeheim Matthäistift zubereitet. Die übrigen Pflegeheime in

Leipzig werden von diesen mit der Mittagsmahlzeit beliefert

und dienen als Verteilerküchen. Die Frühstücks-, Vesper- und

Abendbrotmahlzeit wird seit kurzer Zeit in allen Häusern vor

Ort selbstständig organisiert und zubereitet. Abwechslungsreiche,

hauseigene und an den Bedürfnissen der Bewohner

orientierte Speisen sollen die Lebensqualität unserer Bewohner

erhöhen. Durch bauliche Gegebenheiten einiger unserer

Häuser ist es sogar möglich, dass alle Mahlzeiten – bis auf

das Mittagessen – in kleinen Küchenzeilen auf den Wohnetagen

gemeinsam mit den Bewohnern zubereitet und verteilt

werden. Solche konzeptionellen Veränderungen setzen

personelle und bauliche Veränderungen voraus, denen wir

bisher und auch zukünftig mit viel Mühe und Engagement

begegnen.

Ein weiterer Schwerpunkt im vergangenen Jahr waren die

Pflegesatzverhandlungen, bei denen wir für alle Häuser

zwischen 7% und 9% Erhöhung erzielt haben. In diesem Jahr

wurden bereits das Marienheim und das Marthahaus mit ca.

3% verhandelt. Im Oktober werden nun die Pflegesätze für

die Pflegeheime Albert Schweitzer Johann Hinrich Wichern

verhandelt, bei denen allerdings auch nicht mehr als 3%

beantragt und zu erwarten sind.

Susann Merkel

Qualitätsbeauftragte für die Altenhilfe

Jahresbericht 2012 Altenhilfe 11


12 Jahresbericht 2012 Qualitätsprüfungen

Schulnoten für die Pflegeheime

Transparenz der Betreuung und Pflege durch

jährliche Qualitätsprüfungen

Mit dem am 01. Juli 2008 in Kraft getretenen Pflege – Weiterentwicklungsgesetz

hat sich der Qualitätswettbewerb zwischen

den einzelnen Pflegeeinrichtungen verdichtet. Seit

Herbst 2009 werden die Leistungen der Pflegeeinrichtungen

im Ergebnis als Schulnote (1,0= sehr gut, 5,0 = mangelhaft)

veröffentlicht. Mit diesem Schritt können sich Verbraucher

und Interessenten jederzeit aktuell über die Qualität der

jeweiligen Pflegeeinrichtung auf Grundlage des Qualitätsberichtes

informieren.

Erstmals 2010 wurden unsere Pflegeheime, unsere Tagespflegen

sowie unsere Diakonie Sozialstation nach dem Schulnotensystem

geprüft. Nach „anfänglicher Unsicherheit und

großer Aufregung“ stehen wir den Prüfungen nun bereits mit

mehr Ruhe und Selbstbewusstsein gegenüber.

Die Prüfung

Die Landesverbände der Pflegekassen beauftragen den

Medizinischen Dienst der Krankenversicherung sowie den

Privaten Prüfdienst zur Durchführung der Qualitätsprüfung.

Grundlage der Prüfungen sind Qualitätsprüfungsrichtlinien

(QPR) für die ambulante und stationäre Altenpflege. Für die

Tagespflegen gibt es aktuell noch keinen separaten Prüfbogen.

Sie werden auf Grundlage der stationären Kriterien

geprüft und daher auch nicht mit „Note“ veröffentlicht. Alle

Prüfungen im teil- und vollstationären Pflegebereich finden

unangekündigt statt. Meist sind es zwei bis drei Prüfer, die

unerwartet früh gegen 9 Uhr am Eingang des Hauses klingeln

und die Heimleitung zur jährlichen Qualitätsprüfung begrüßen.

Von Seiten der Diakonie nehmen in der Regel die Fachbereichsleitung,

die Heim- und Pflegedienstleitung sowie die

Qualitätsbeauftragte des Fachbereichs teil. Für den ersten Teil

der Qualitätsprüfung sind viele schriftliche Unterlagen,

Konzeptionen und Handbuchinhalte von großer Bedeutung.

Die „vorzulegenden Unterlagen“ sind den Heim- und Pflegedienstleitungen

bekannt und können daher einen optimalen

Start ins Prüfgeschehen bieten. Parallel dazu findet gemeinsam

mit den Prüfern eine Begehung des Hauses statt. Dabei

achten die Prüfer auf hygienische Rahmenbedingungen, auf

die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften, betrachten sich die

Medikamentenaufbewahrung und schauen auch auf die Art

der Informationsweitergabe an die Bewohner. Im ambulanten

Bereich begrenzt sich dieser Rundgang auf die räumlichen

Gegebenheiten der Sozialstation. Im zweiten Teil der Prüfung

wählen die Prüfer per Zufallsgenerator 10% (mindestens 5)

der insgesamt von der Pflegeeinrichtung bzw. vom Pflegedienst

betreuten Personen aus. Die Personenauswahl erfolgt

pflegestufenabhängig und muss immer durch den ausgewählten

Pflegebedürftigen bzw. seinem Bevollmächtigten/ Betreuer

bewilligt werden. Nach Auswahl und Festlegung der zu

„begutachteten Personen“ beginnt die Prüfung „am Bewohner“.

Dabei wird der aktuelle Pflegezustand des Pflegebedürftigen

persönlich durch den Prüfer, mit Hilfe eines Mitarbeiters

des Hauses, betrachtet. Die abschließende Zufriedenheitsbefragung

des Pflegebedürftigen erfolgt meist ausschließlich

zwischen dem Prüfer und dem Pflegebedürftigen. Anschließend

werden die Pflegedokumentationen der jeweiligen

Pflegebedürftigen herangezogen und auf Fachlichkeit,

Vollständigkeit und Aktualität geprüft.

Das Ergebnis

Das Gesamtergebnis der Qualitätsprüfung ergibt sich aus vier

einzeln bewerteten Themen - „Pflege und medizinische

Versorgung“, „Umgang mit demenzkranken Bewohnern“,

„Soziale Betreuung und Alltagsgestaltung“, „Wohnen, Verpflegung,

Hauswirtschaft und Hygiene“ (Bsp. für Pflegeheime)

und wird als Schulnote rechnerisch ermittelt. Das Ergebnis

der Zufriedenheitsbefragung der Pflegebedürftigen fließt nicht

in die Bewertung ein, sie wird als separates Ergebnis zur

Information angegeben.

Auf Grundlage der ersten Prüfergebnisse von 2010 haben wir

das Qualitätsmanagement in unserem Fachbereich zielgerichteter

verfolgt. Durch harte Arbeit und viel Engagement aller

Beteiligten konnten wir eine positive Entwicklung in Bezug auf

die erreichten „Noten“ verzeichnen.

Susann Merkel (Qualitätsbeauftragte für die Altenhilfe)


Drei Peter und ein Harry

gegen das Vergessen …

Kunstprojekt im Marienheim

Eine Gruppe von vier Männern trifft sich jeden Dienstag um

10.00 Uhr im Andachtsraum des Marienheimes, um gemeinsam

an künstlerischen Produkten zu arbeiten. „Sieh an!“ – so

lautet der offizielle Name des Kunstprojektes, das seit Januar

im Marienheim angeboten wird. Doch die Teilnehmer haben

der Sache einen anderen Namen gegeben: drei Peter und ein

Harry – ihre Vornamen und das, was sie in diesem Projekt

verbindet. Sie kommen gern und sehr regelmäßig hierher.

Inzwischen sind sie ein gutes Team, das sich kennen- und

schätzen gelernt hat. Kunstpädagogin und Illustratorin

Franziska Adler leitet diese Gruppe. Am Anfang haben die

Männer viel ausprobiert: verschiedene Techniken wie Zeichnung,

Kartoffeldruck, Collage, Frottage. Dabei konnte jeder

herausfinden, welche Technik ihm liegt. Inzwischen hat jeder

der Herren die für sich passende Technik und seinen Stil

gefunden. Gemeinsam arbeiten sie an der Produktion eines

immerwährenden Kalenders, um die entstandenen Arbeiten in

eine Form zu bringen und zu veröffentlichen.

Harry Schnelle schreibt Lebensgeschichten – dafür hat er

sich richtig in den Computer eingearbeitet. Früher ist er viel

gereist und hat viel erlebt. Sein Stil ist „sinnlich, dokumentarisch,

authentisch und erzählerisch stark“, (Zitat Herr Kraft).

Peter Kraft ist spezialisiert auf Zeichnung und Collage, immer

wieder auftauchendes Thema sind die Kühe und die Berge,

die ihn schon in seiner Kindheit beeindruckt haben. „Ich bin

noch dabei, den Verlust meiner Heimat zu kompensieren“

erklärt er. Er hat auch schon Auftragsarbeiten für Pfleger

umgesetzt. Sein Stil ist expressiv, sehr lebendig, dynamisch

und stark. Wenn man es mit Musik beschreiben sollte, so sind

seine Arbeiten Free-Jazz (den er auch gern hören mag).

Peter Tomeit zeichnet und malt nach kopierten Vorlagen von

Leipziger Orten, aber auch aus dem Kopf, aus der Vorstellung

– idealisierte Landschaften mit immer etwas Mittelalterarchitektur.

Bereits früher hat er viel gezeichnet.

Jürgen-Peter Heintz beschäftigt sich mit der Schrift und ihrer

Weiterentwicklung zu Zeichnungen. Ansonsten hat er eine

ausgeprägte Fantasie und kann in den abstrakten Arbeiten

immer sehr viel lesen und entdecken.

Jahresbericht 2012 Kunstprojekt 13

Doch es geht nicht nur um die Beschäftigung mit der Kunst,

auch die Gespräche nebenbei und zwischendurch sind

wichtig. Während des Malens und Zeichnens unterhalten sich

die Männer viel. Zum Beispiel haben sie sich mit der Frage

befasst: Was würden wir machen, wenn wir ganz viel Geld

hätten? – Alle würden sich zuerst eine gute Therapie leisten;

und wenn es ihnen besser geht, würden sie verreisen – nach

Paris mit Freund und Rucksack (Klaus Peter Tomeit), nach

Wien (Harry Schnelle), nach London und New York, wo die

großen Galerien sind (Peter Kraft) … Doch um das zu finanzieren

sollten sie wohl besser eine Fälscherwerkstatt zum

Kopieren großer Meister errichten - so die spaßhafte Idee der

Herren. Immerhin: Herr Tomeit hat in der Folge schon ein Bild

für einen Euro verkauft…

Auch Musik spielt im Projekt eine große Rolle. Die Männer

und Frau Adler hören Schlager, Jazz, Elektro-Tango, Götz

Alsmann, Chanson, progressiven Rock, zeitgenössische

elektronische Musik – immer mal bringt jemand etwas mit und

sie tauschen sich darüber aus. Harry Schnelle hat am gleichen

Tag Geburtstag wie Louis Armstrong, den er sehr

verehrt.

Zur Zeit wird eine Ausstellung im Marienheim vorbereitet. Die

Eröffnung wird am 27. November im Marienheim-Café sein.

Herr Kraft hält eine Rede, es werden Texte von Herrn Schnelle

gelesen, Fotos gezeigt und das Projekt vorgestellt.


14 Jahresbericht 2012 Behindertenhilfe

Der gute Hirte

Vor einigen Tagen im August erhielt ich eine Einladung in die

Michaeliskirche, sozusagen in der Nachbarschaft meines

Arbeitsplatzes in der Geschäftsstelle. Dort sollte, nach

meinem Kalender, der neue Werbefilm vorgeführt werden,

welcher über die Arbeit mit und die Möglichkeiten von Godly

Play gedreht worden war. Ich gebe zu, ich war schlecht

vorbereitet, vielleicht sogar schlecht gelaunt, wusste nicht so

recht, was mich erwarten würde und schleppte mich eher

schlecht als recht an einem dunstigen und warmen Vormittag

zur Sakristei der Michaeliskirche.

Dort saßen schon erwartungsfroh alle Mitarbeiterinnen und

Mitarbeiter der Arbeitsgruppe Godly Play der Lindenwerkstätten

in Panitzsch, barfüßig oder in Socken, auf einem großen

Spielteppich, lauschten und sahen den neuen „Werbefilm“.

Die freundliche Begrüßung munterte mich auf und die freundliche

Aufforderung: „He, Herr Brandt, zieh deine Latschen

aus!“ besserte meine Laune.

Ich will und kann Ihnen sicher hier nicht ausführlich erklären,

worum es bei Godly Play geht. Aber dass es sich hierbei um

religionspädagogisches Lehrmaterial handelt, mit welchem

man nach einiger Übung biblische Geschichten erzählen

kann, soviel sei hier verraten.

Das diese Lehrmaterialien in den Lindenwerkstätten in

Panitzsch entworfen und hergestellt werden, das verrate ich

Ihnen auch noch. Wenn Sie es genau wissen wollen, dann

geben Sie doch im Internet bei Youtube einmal Godly Play

ein.

Sie wissen nicht, wie Sie das anstellen sollen? Dann fragen

Sie einmal Ihre Enkel oder Urenkel, die Nachbarskinder, ihre

EDV – kundigen KollegInnen. Na, Sie werden schon jemanden

finden, mit dem Sie diesen kurzweiligen Film gemeinsam

sehen können.

Denn gemeinsam diesen Film anzusehen, das macht sehr viel

Spaß und verbessert Ihre Laune ungemein. Sie werden

anschließend sagen, dass Sie jetzt viel froher in die Welt

schauen. Zum Filmende gab es viel Applaus und mir wurde

„ganz offiziell“ auch ein Exemplar des Filmes übergeben.

Glauben Sie es mir nur und versuchen Sie es! Ich habe es

gemeinsam mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der

Arbeitsgruppe erlebt.

Prof. Martin Steinhäuser, der für diese Godly Play – Geschich-

te „brennt“ fragte dann die Gruppe, welche Geschichte er

denn heute für und mit uns erzählen solle?

„Das Gleichnis vom guten Hirten“

Das konnte man umgehend und deutlich im Raum vernehmen.

Der gute Hirte? Zwanzig sehr unterschiedliche Menschen

saßen im Kreis und erlebten das Gleichnis vom guten

Hirten und stellten dann fest:

Ich habe auch schon einen guten Hirten erlebt.

Er hat mir geholfen, aus Not und Verderben, aus dem Mangel

an nicht erhaltener Liebe, aus der Arbeitslosigkeit, aus der

Mühe meiner Behinderung, aus den Schmerzen meiner Seele,

aus dem Ärger mit meinen Kollegen, aus der Traurigkeit

meines Abends und den Tränen des Morgen, aus meiner

Krankheit, aus meiner Ausweglosigkeit. Und … unverhofft

stand folgender Ausspruch im Raum:

Ich bin auch schon einmal ein guter Hirte gewesen.

Habe geholfen, Beistand geleistet, getröstet, mit aufgeräumt,

wo Unordnung war, in der Kirche die Kerze angezündet,

jemandem gezeigt, wie schön unser Leben ist, ja ich habe

geliebt. Und ganz, ganz leise, für alle die Anderen im Kreis

nicht oder kaum hörbar, sagt meine nachbarliche Stimme zu

mir:


Und Du, ja Du, Du bist auch schon einmal mein guter Hirte

gewesen.

Spätestens hier fiel sie ab von mir, die Qual des dunstigen

und warmen Tages, fühlte mich nicht mehr schlecht vorbereitet

und schon gar nicht schlecht gelaunt und wusste auch, wo

mein Platz war. Der war genau hier. Mein Taschentuch nahm

den Schweiß des Tages und auch die Tränen der Freude mit

sich. Die gemeinsame Runde mit Keks und Mineralwasser

und das gemeinsame, gleichzeitig stille und doch gesprochene

Gebet bildeten einen schönen Abschluss für diesen

Vormittag.

So einfach und so alltäglich kann uns die Botschaft erreichen.

Sie kommt zu uns durch einen guten Hirten, der weder so

aussehen, noch so arbeiten und schon überhaupt nicht so

heißen muss. Er kommt in jedem zu uns, den wir in unser

Herz lassen. Das können Sie, geneigte Leser, erleben, wenn

Sie es mit uns zu tun haben. Mit all denjenigen, welche bei

und mit uns arbeiten und leben, lernen und Rat suchen und

geben.

Dabei ist es, wie dieser Vormittag uns einmal mehr gezeigt

hat, völlig unerheblich, ob wir „behindert“ genannt werden

oder nicht. Der gute Hirte ist in jedem von uns. Sie hatten

auch in diesem Jahr wieder viele Gelegenheiten, ihn zu

treffen: zu allen Festen und Feiern, ob zur Festwoche 20

Jahre Förderschule Werner Vogel, ob 100-Jahr-Feier der

Stadtmission, oder zum Benefizkonzert der Kronendal Music

Jahresbericht 2012 Behindertenhilfe 15

Academy of Hout Bay (Südafrika) gemeinsam mit den

rockin´accordions aus Leipzig (Das haben Sie wohl verpasst?

Naja, der gute Hirte war da…), aber auch im ganz normalen

Arbeitsalltag, in Entgeltverhandlungen und an der Hobelbank,

an der Bohrmaschine und im Pflegebad, im Büro oder in der

Weiterbildung, im Rollstuhl und auf dem Motorrad. Diese

Seiten reichen nicht aus, all die Gelegenheiten aufzuzählen.

Achten Sie ruhig einmal in Ihrem Alltag darauf. Er hat auch

kein Problem mit inklusiven, barrierefreien und integrativen

Angeboten. Er nutzt diese sogar sehr gerne, damit wir alle

sehen und erleben können:

Der Herr ist mein Hirte;

mir wird nichts mangeln.

Er weidet mich auf einer grünen Aue

und führet mich zum frischen Wasser.

Er erquicket meine Seele.

Er führet mich auf rechter Straße

um seines Namens willen.

Und ob ich schon wanderte im finstern Tal,

fürchte ich kein Unglück;

denn du bist bei mir,

dein Stecken und Stab trösten mich.

Du bereitest vor mir einen Tisch

im Angesicht meiner Feinde.

Du salbest mein Haupt mit Öl

und schenkst mir voll ein.

Gutes und Barmherzigkeit

werden mir folgen mein Leben lang,

und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar.

Psalm 23

Josef Brandt

Fachbereichsleiter Behindertenhilfe


16 Jahresbericht 2012 Förderschule Werner Vogel

Förderschulen –

Sprungbrett der

Entwicklung

20 Jahre gibt es sie jetzt – die Förderschule Werner Vogel der

Diakonie in Leipzig. Nach der politischen Wende hatte sie sich

aus der ersten rehabilitationspädagogischen Fördertagesstätte

der DDR als staatlich genehmigte Ganztagsschule gegründet.

Heute erfreut sich die „Vogelschule“ beständiger Beliebtheit.

Die zahlreichen Neuanmeldungen von Schülerinnen und

Schülern bestätigen dies. Über die Stadtgrenzen hinaus ist

bekannt, dass diese Förderschule besonders gute Entwicklungs-

und Lernbedingungen für Schülerinnen und Schüler

mit besonderem Förderbedarf bietet.

Jedoch stellt sich gegenwärtig bei all den Bestrebungen nach

einem integrativen oder inklusiven Bildungssystem entsprechend

der UN-Konvention des Jahres 2009 die Frage:

Machen Förderschulen Sinn? Ermöglichen sie wirklich eine

optimale Entwicklung und umfassende Bildung? Sollen nicht

besser alle Kinder in einer „normalen“ Schule lernen? Wir sind

der Meinung, dass die Förderschule durchaus geeignet ist,

Schülerinnen und Schüler gut auf das Leben vorzubereiten.

In der Förderschule Werner Vogel lernen sieben bis elf Kinder

und Jugendliche in einer Klasse. In jeder Klasse sind ein/e

FörderschullehrerIn, ein bis zwei Pädagogische MitarbeiterInnen

sowie FSJlerInnen und PraktikantInnen tätig. In den

kleinen Klassen kennen sich alle untereinander sehr gut.

Soziales Lernen kann so gut inszeniert werden. Neben dem

Klassenunterricht sind Einzelförderstunden sowie offene

Lernformen fest eingeplant. Die Unterrichtsthemen haben

einen starken Lebensbezug. Die Vermittlung der Kulturtechniken

(lesen, schreiben, rechnen) erfolgt zusätzlich klassenübergreifend

in leistungshomogenen Kursen. Ausreichend Zeit

für Förderung im Bereich der Selbstversorgung sowie für

pflegerische Maßnahmen ist gegeben. Die „Vogelschule“

verfügt über ein modern ausgestattetes Schulgebäude mit

einer großen Pausenhalle, diversen Fachräumen für Werken,

Kunst und Rhythmik sowie über eine geräumige Lehrküche,

eine Turnhalle und ein Wassertherapiebecken.

Zahlreiche Lern- und Freizeitangebote beleben den Nachmittag

an dieser Förderschule. So gibt es zum Beispiel einen

Chor, eine Veeh-Harfen-Gruppe, das Schwarzlichttheater,

einen Trommelkurs, eine Kochgruppe, Englischunterricht

sowie weitere, oft auch speziell auf die besondere Schülerschaft

zugeschnittene Kreativ- und Sportangebote.

Die Mitarbeiterinnen der schulinternen Beratungsstelle stehen

SchülerInnen, Eltern sowie pädagogischen und therapeutischen

Fachkräften in Sachen schulischer Belange, Unterstützter

Kommunikation und Integration mit Rat und Tat zur

Seite. Drei Schulsozialarbeiterinnen bieten zudem gezielte

Hilfestellung in Problemfällen und koordinieren soziale

Dienstleistungen…

Förderschulen mit dem Schwerpunkt geistige Entwicklung

scheinen derzeit im Schulnetz notwendig und wichtig zu sein.

Sie sind Sprungbrett zur Entwicklung für SchülerInnen mit

entsprechendem Förderbedarf. Mit verschiedenen Kooperationsprojekten

schafft die „Vogelschule“ Orte der Begegnung

und des gegenseitigen Kennenlernens mit anderen Schulen.

Mit dem Ostwald-Gymnasium Leipzig gibt es bereits seit über

zwei Jahren eine Zusammenarbeit auf musikalischem Gebiet.

In einer Gemeinschaftsproduktion wurde 2011 das Singspiel

„Diese Erde ist dein Garten“ aufgeführt. Darüber hinaus gibt

es gemeinsame Projekte mit dem Evangelischen Schulzentrum

in Leipzig.

Peggy Gergs

Förderschule Werner Vogel


Jennifer über sich:

Ich bin Jennifer .ich bin seit 2002 in der Werner Vogel

Schule. Vorher war ich in einer anderen Schule dort hat

es mir nicht gefallen ich war schüchtern weil ich dick war

ich fühlet mich verletzt und worte wütend. ich hatte oft

streit. Heute fühle ich mich wohl.

Früher war ich ein wildes Kind und tobte viel herum… In

der Unterstufe hatte Peggy Mosch sehr mit mir zu tun, da

ich mich immer unter dem Tisch versteckte … Heute

versuche ich mich schneller zu beruhigen wen n ich

wütend bin. Ich gehe von selbst auf die anderen zu und

sage was mir nicht gefällt. Dan gibt es weniger streit.

Heute mache ich bei der sport AG und bei der fußball AG

mit .Das ist mir sehr wichtig weil ichbesser werden möchte.

sport ist beser für mich .Ich fühle mich beser. Am

anfang kannte ich nor einzelne Buchstaben. Heute kann

ich einige Wörter und Sätze schreiben. Ich habe mich

entwickelt. Ich habe gelernt alleine in die schule mit Bus

und Bahn zu fahren. Früher musste ich mit den Fahrdienst

in die schule fahren. Ich habe im verkehrsprojekt

die Verkehrsregeln gelernt.

Jetzt bin ich in der werkstufe und nicht mehr so wild. Ich

singe im chor und spiele theater. Ich habe keine angst

mehr etwas vor Menschen vorzuführen.

Das ist die coolste schule weil:

-ich unterstützt werde

-ich neue erfahrungen mache

-wir mitentscheiden

Jahresbericht 2012 Förderschule Werner Vogel 17

Die LehrerInnen über Jennifer:

Jennifer Klose ist ein Beispiel für eine Schülerin, die emotionale

und soziale Stabilität im Raum der Förderschule gewinnen

konnte, die sie in anderen Lernräumen wie einer integrativen

Grundschule aus unserer Sicht nicht hätte entwickeln

können. Jennifer kam 2002 aus der Erziehungshilfeschule

(heute Förderschule mit dem Schwerpunkt emotionale soziale

Entwicklung) in die Förderschule Werner Vogel. Sie war

extrem verunsichert, unruhig, ängstlich, leistungsabweisend,

lernverweigernd. Hier hat sie sich zu einer selbständigen, sehr

eindrucksvollen und vielbegabten jungen Frau entwickelt.

Sie hat Freunde in der Schule, die sie über die Schulzeit

hinaus behalten wird. Sie fühlt sich im Kreis von Schülern

wohl, die ähnliche Fragen und Probleme wie sie haben.

Jennifer hat gelernt, Tutorenaufgaben zu übernehmen, andere

zu unterstützen und anzuleiten. Sie hat Hilfsbereitschaft

entwickelt. Sie ist sehr selbstständig geworden durch viele

Übungen des täglichen Lebens in den Bereichen Wohnen,

Einkaufen, Hygiene, Straßenverkehr etc., die im Lehrplan

einer Förderschule einen wichtigen Platz einnehmen. Das wird

ihr in Zukunft ein eigenes betreutes Wohnen ermöglichen.

Sie kann sich jetzt viel besser konzentrieren, ihr Verhalten

reflektieren, Verantwortung übernehmen (Lernpatenschaften),

in Konflikten eine Lösung finden, ihr Verhältnis zu den Mitschülern

gestalten, anderen helfen, Ängste abbauen, in

schwierigen Situationen die Ruhe bewahren. Im Bereich

Schreiben, Lesen und Rechnen hat sie große Fortschritte

gemacht. Früher konnte sie mühsam einzelne Buchstaben in

den PC schreiben. Heute formuliert sie selbständig kurze

Texte und schreibt diese am PC ab. Während sie anfangs in

den Deutschstunden zu Leistungsverweigerung und Wutanfällen

neigte, arbeitet sie heute mit Freude in der Schülerzeitung

mit (z.B. Witzeseite gestalten). Jennifer kann eigenständig

fremde Texte lesen.

Sie rechnet sicher im Zahlenraum bis 20 und kann sich im

Zahlenraum bis 100 orientieren. Jennifers Hobby ist Sport. Sie

spielt sehr gern Fußball, ist festes Mitglied der Fußball AG und

nimmt auch an Turnieren teil.

Auf Grund der guten Förderung in der Förderschule, der

gründlichen Vorbereitung in den berufsvorbereitenden drei

Jahren der Werkstufe der Schule hat sie durchaus Chancen,

auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt einen Platz zu finden.


18 Jahresbericht 2012 Werkstattführung

Führung durch die

Lindenwerkstätten

Ein bisschen aufgeregt sind sie immer noch, dabei machen

sie es gut: Jörg Teichert (25 Jahre alt) und David Eilenberger

(21) zeigen interessierten Besuchern „ihre“ Werkstatt. Sie

selbst arbeiten hier seit über drei Jahren: Jörg in der Abteilung

Metall, David in der Hauswirtschaft. Vorher waren sie auch

schon in anderen Bereichen tätig. „Das ist das Schöne an

dieser Werkstatt – es gibt so viele Abteilungen und man kann

auch wechseln, wenn man sich ausprobieren möchte“, sagen

sie.

Kaum jemand kennt die Werkstatt so gut wie Jörg und David,

denn neben ihrer normalen Werkstatt-Tätigkeit haben sie hier

noch einen zweiten Job: Sie sind Werkstatt-Lotsen. Damit

angefangen haben sie vor zwei Jahren beim Tag der Offenen

Tür. Mit einem Zettel als Gedankenstütze und der Hilfe von

Sozialarbeiterin Katrin Schwarz führten sie die Besucher

durch die Einrichtung. Als Experten in eigener Sache können

sie am besten erklären, wie hier gearbeitet wird, und die

Jörg und David zeigen ihre Werkstatt

Fragen der Gäste beantworten. Für diese Tätigkeit als Werkstatt-Lotse

haben sie viel geübt: das Ablesen vom Leitfaden,

das freie Sprechen beim Beantworten von Fragen, Begrüßung

und Verabschiedung der Leute, sich abwechseln und aushelfen,

wenn einer mal nicht mehr weiter weiß. Inzwischen sind

sie ein eingespieltes Team und machen diesen Job mit

Begeisterung und Engagement.

Zunächst führen uns die beiden in den Berufsbildungs-Bereich.

In diesem Bereich geht es darum, dass die „Neuen“

sich mit allerlei Arbeitsmaterialen vertraut machen und

Arbeitsabläufe testen und einüben können, um dann gemeinsam

zu schauen, welcher Arbeitsbereich für sie in Frage

kommt. Je nach Fähigkeiten und Interesse sind auch Betriebs-

praktika möglich. Gern werden hierbei auch die Beziehungen

zu anderen diakonischen Einrichtungen genutzt.

Weiter geht es dann in der Abteilung Papier und Verpackung.

Hier zeigen die beiden, was hier alles geklebt, gefaltet,

etikettiert und komplettiert wird. Da die Aufträge von Firmen in

manchen Arbeitsbereichen zurückgegangen sind, wird vieles

in Eigenproduktion hergestellt und dann in den Lindenwerkstätten

verkauft. Filzstiefel für Weihnachten, Karten, Schmuck

– alles wird per Hand gefertigt. Danach führen uns die beiden

in den Bereich Metall und Verpackung. Hierbei erklärt und

zeigt uns Jörg genau, was er und seine Kollegen für Aufgaben

wie z.B. Bohr-, Entgrate- sowie Verpackungsarbeiten haben.

In der Wäscherei geht es heiß her. Hier werden täglich über

600 kg Wäsche gewaschen. Auftraggeber sind u.a. unsere

Kitas und Heime, aber auch das Diakonissenkrankenhaus und

verschiedene Restaurants aus der Gegend. Hinzugekommen

ist die Moppwäscherei im Keller, die monatlich fast 53 000

Wischbezüge von Reinigungsfirmen wäscht. Vorbei an der

Pforte, die übrigens von geschulten Beschäftigen selbst

geführt wird, gelangen wir in die Papier- und Verpackungsgruppe

mit erhöhtem Förderbedarf. Im Speisesaal, wo sich

auch der Sportraum befindet, können die Beschäftigten etwas

für ihre Fitness und Gesundheit tun. In der Holzabteilung gibt

es wieder viel zu zeigen und zu erklären.

Die Abteilung ist gut ausgelastet, hier gibt es viele Aufträge

von Firmen und Privatkunden, dass manchmal nur wenig Zeit

für Eigenprodukte wie z.B. Holzpuzzle und kleine Musikinstrumente

bleibt. Vorbei an zwei weitere Papier- und Verpackungsgruppen,

gelangen wir in die Keramik-Abteilung. Hier

werden mit viel Liebe zum Detail Unikate für den kommenden

Weihnachtsmarkt hergestellt. Nebenan im Förder- und

Betreuungsbereich werden derzeit 6 schwerstmehrfachbehin-


die Werkstattlotsen der Lindenwerkstätten in Leipzig

derte Menschen liebevoll betreut. Neben Reiten, Schwimmen

und Klangschalentherapie wird der Schwerpunkt auf die

Lebenspraxis gelegt. Gelegentlich kommt der Labrador Biene

vorbei, erzählt David freudig. Der Hauswirtschaftsgruppe wird

ebenfalls ein Besuch abgestattet. David berichtet stolz, wie

wichtig ihre Tätigkeiten sind. Neben der Reinigung der

gesamten Werkstatt sind sie auch für das Einräumen der

mietbaren Räumlichkeiten in der Stadtmission verantwortlich.

Zu erwähnen ist noch die Garten- und Landschaftspflegegruppe,

die u.a. Grünanlagen im Klinikum St.Georg pflegen.

Nach gut einer Stunde endet unsere Führung im Lindenlädchen.

Hier, im Laden in der Demmeringstraße werden Produkte

aus allen drei Lindenwerkstätten verkauft, also Holzwaren,

Keramik, Emailleschmuck und Produkte aus Filz aus

Leipzig, Pflanzen und Gemüse aus Schkeuditz sowie Eier von

„glücklichen“ Hühnern aus der Panitzscher Werkstatt. Jörg

und David verabschieden sich und gehen wieder an ihren

gewohnten Arbeitsplatz.

Insgesamt sechs Werkstatt-Lotsen hat die Werkstatt mittlerweile.

Sie wechseln sich in ihrer Tätigkeit ab und sind jedes

Mal stolz, wenn sie interessierte Besucher herumführen

dürfen. Dies sind vor allem zukünftige Praktikanten aus den

Fachrichtungen Ergotherapie, Heilerziehungspfleger, Politiker,

Journalisten, Mitarbeiter aus den unterschiedlichen Bereichen

der Diakonie sowie Interessenten aus anderen Berufsgruppen/

Einrichtungen.

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Jahresbericht 2012 Werkstattführung 19

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Gerhard Schöne liest den Sonntag. Lernen auch

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20 Jahresbericht 2012 Kindertagesstätten

Kindertagesstätten

Wenn Du ein Kind siehst, begegnest Du Gott auf frischer Tat.

Martin Luther

Im zurückliegenden Berichtszeitraum waren unsere Kindertagesstätten

wiederum stets sehr gut ausgelastet. Von August

2011 bis Juli 2012 wurden in unseren 6 Kindertagesstätten

insgesamt durchschnittlich 384 Kinder, davon 78 Krippenkinder

und 7 Kinder mit besonderem Förderbedarf betreut.

Dies entspricht einer Gesamtauslastung von 97,05 %.

In diesem Zeitraum standen im Durchschnitt insgesamt 52

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (39,6 Vollzeitäquivalente) als

Betreuungspersonal für die zu betreuende Kinderzahl (entsprechend

Sächsisches Kindertagesstätten-Gesetz) zur

Verfügung. Es kam zum Leitungswechsel in der Kindertagesstätte

St. Moritz im November 2011 sowie in der Kindertagesstätte

Unter dem Regenbogen im Januar 2012. Dadurch und

durch weitere personelle Veränderungen in unseren anderen

Kindertagesstätten lag ein Schwerpunkt der Arbeit in der

Teambildung.

Kochen macht Spaß!

Inhaltlich lag im vergangenen Jahr der Schwerpunkt für die

Kindertagesstätten auf der Fortführung der im Vorjahr begonnenen

Erstellung des Qualitätsmanagementhandbuches

sowie der damit verbundenen ebenfalls bereits begonnenen

Überarbeitung der Einrichtungskonzeptionen entsprechend

der „Leipziger Konzeptstruktur“ nach Prof. Dr. Markus Stück.

Für die Erstellung des Qualitätsmanagementhandbuches

fanden ein- bis zweimonatlich Qualitätszirkel mit den Kita-

Leiterinnen, organisiert und moderiert von der Fachberaterin/

Qualitätsbeauftragten, statt. In diesem Rahmen konnten u.a.

eine Benutzerregelung, eine Aufnahmemappe für neue Kinder

und deren Eltern sowie erste konzeptionelle Standards für alle

Kindertagesstätten erarbeitet werden.

Der Prozess der Überarbeitung der Einrichtungskonzeptionen

nach der „Leipziger Konzeptstruktur“ wurde nach den im

Vorjahr erfolgten Einführungsveranstaltungen von Prof. Dr.

Stück und seinem Team vom „Zentrum für Bildungsgesundheit“

mit zwei bis drei Seminaren je Kindertagesstätte indivi-


duell begleitet sowie von der Fachberaterin und der Koordinatorin

unterstützt. Das Teilziel der Erstellung der

Konzeptionsgliederung und der Formulierung von zunächst

zwei Zielen mit den dazugehörigen Methoden wurde von allen

Teams mit viel Engagement verfolgt und umgesetzt. Ein

wichtiger Meilenstein auf diesem Weg war der Erziehertag im

April 2012, wo alle Kindertagesstätten unter der Moderation

von Prof. Dr. Stück ihre bislang erreichten Ergebnisse in der

Konzeptionsarbeit den anderen Teams vorstellten und

darüber in Erfahrungsaustausch treten konnten. Dies trug zu

neuer Motivation und neuen Impulsen für die weitere Arbeit an

den Einrichtungskonzeptionen in den Teams bei.

Im Rahmen der Überarbeitung der pädagogischen Konzeptionen

kommt es neben unserem christlichen Gesamtprofil

zunehmend zur Herausbildung von Profilierungen in unseren

Kindertagesstätten. So bilden sich mittlerweile u.a. folgende

Profile heraus: drei Einrichtungen arbeiten nach bzw. sind auf

dem Weg zu einem offenen bzw. teiloffenen Konzept, drei

Einrichtungen bieten Waldwochen an, eine Einrichtung bietet

Pikler- als auch Montessori-Elemente in der pädagogischen

Arbeit an, eine Einrichtung arbeitet generationsübergreifend,

eine Einrichtung nahm am Modellprojekt „Weiterentwicklung

von Leipziger Kitas zu Kinder- und Familienzentren“ teil und

wurde als „Kinder- und Familienzentrum“ zertifiziert.

Die pädagogische Arbeit aller unserer Kindertagesstätten

orientiert sich am kirchlichen Jahreskreis und ist bunt und

individuell. Neben den vielfältigen an den Interessen und

Bedürfnissen der Kinder orientierten Angeboten jeder Kindertagesstätte

trägt u.a. das verschiedenartige und intensive

Engagement der Eltern als auch der ehrenamtlichen MitarbeiterInnen

sowie zahlreicher Praktikanten ganz wesentlich dazu

bei. Beispielhaft zu nennen sind u.a. Leseomis, Handarbeitsprojekt,

Kindergartenchor, Lesenacht. Daneben sind

unsere Kindertagesstätten im öffentlichen Raum sehr präsent

und damit bekannt, u.a. durch vielfältige Kooperationen wie

z.B. mit dem Konsum, dem Zoo und einem Fitnesscenter.

Jede Kindertagesstätte kooperiert außerdem mit einer

Kirchgemeinde und einer Grundschule. Darüber hinaus freuen

wir uns besonders über die diakonieinternen Kooperationen

wie z.B. mit den Werkstätten für Menschen mit Behinderungen

oder dem ambulanten Pflegedienst.

Zur qualifizierten Fortbildung der ErzieherInnen fanden, neben

den zahlreichen durch die ErzieherInnen besuchten externen

Fortbildungen, kitaübergreifend intern erstmalig zum fachlichen

Austausch sogenannte Kompetenzteams (z.B. für die

Hygienebeauftragten, Sicherheitsbeauftragten, Praxisanleiter)

sowie ein Treffen unserer ErzieherInnen in Ausbildung statt.

Jahresbericht 2012 Kindertagesstätten 21

Die Resonanz war sehr gut, so dass davon auszugehen ist,

dass diese Treffen in der Zukunft weitergeführt werden.

Mit den Ergebnissen der im Jahr 2011 vorgelegten Evaluationsstudie

der Uni Bremen zum Sächsischen Bildungsplan

beschäftigten sich zunächst der Träger und die Fachberaterin.

Die Auseinandersetzung mit den dort aufgezeigten Zielen und

deren Umsetzung zur Optimierung der Arbeit nach dem

Sächsischen Bildungsplan wird als eine der wichtigsten

Aufgaben ab dem Jahr 2013 für alle Kita-Teams angesehen.

Zusammenfassend kann auf eine konstant positive Entwicklung

im Bereich der Kindertagesstätten zurückgeblickt

werden.

Eines der brisantesten Themen bleibt jedoch auch zukünftig,

dass sich die laut Sächsischem Kindertagesstättengesetz

vorgesehene Anzahl an Betreuungspersonal nach wie vor als

unzureichend erweist angesichts der qualitativ hohen fachlichen

Anforderungen. Dieses den Entscheidungsträgern in

den politischen Gremien von Kommune, Land und Bund

weithin bekannte Thema, erfordert zukünftig dringend Handeln

zum Erhalt der Qualität unserer Kindertagesstätten.

Im Ausblick werden auch im kommenden Jahr die Schwerpunkte

der Arbeit in unseren Kindertagesstätten auf der

Fortführung der begonnenen Prozesse Qualitätsmanagement

und Konzeptionsentwicklung liegen. Im darüber hinausgehenden

Ausblick auf künftige Entwicklungen geht die Stadt

Leipzig von weiterhin ansteigenden Kinderzahlen aus. Dem

damit verbundenen steigenden Bedarf an Tagesbetreuungsplätzen,

welcher sich voraussichtlich durch den ab 2013

bestehenden Rechtsanspruch auf Krippenplätze nochmals

erhöhen wird, begegnen wir auch künftig durch den Bau

weiterer Kindertagesstätten. So begannen im Jahr 2011 die

intensiven Planungen zum Umbau des ehemaligen Pfarrhauses

auf dem Gelände des Diakonissenkrankenhauses zu

einer Kindertagesstätte mit 60 Plätzen. Die Eröffnung ist für

November 2012 vorgesehen. Planungen zum Bau weiterer

Kindertagesstätten sind bereits im Gespräch.

Mandy Naschwitz

Fachberaterin/QM-Beauftragte Kindertagesstätten


22 Jahresbericht 2012 Kinder- und Familienzentrum

Ein Ort für Familien

Kinder- und Familienzentrum

in der Kita Das Samenkorn

Im Jahr 2009 hatte die Stadt Leipzig ein Modellprojekt

beschlossen, nach dem zehn Kindertagesstätten im Stadtgebiet

zu Kinder- und Familienzentren ausgebaut werden sollen.

Diese sollen Familien unterstützen, Erziehungskompetenzen

von Eltern stärken, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf

fördern, den Alltag bewältigen helfen, Probleme frühzeitig

erkennen und gegebenenfalls in weitere Hilfen vermitteln. Für

dieses niedrigschwellige Angebot standen pro Zentrum eine

viertel Stelle für eine Sozialarbeiterin/Sozialpädagogin sowie

5000 Euro für Sachmittel zur Verfügung. Diese Familienzentren

sind über das Stadtgebiet verteilt. Verschiedene Träger

sind daran beteiligt.

Für den Stadtteil Leipzig-Lindenau wurde die Kindertagesstätte

der Diakonie Leipzig Das Samenkorn zu einem dieser

Familienzentren ausgebaut. Bereits vor dem Projekt hatten

sich in dieser Kita Angebote für die Kinder mit ihren Familien

etabliert, wie das wöchentliche gemeinsame Frühstück, das

Elterncafé und die vielen Feste und Veranstaltungen, zu

denen die Familie mit eingeladen wird. Weitere gern angenommene

Angebote für die Eltern waren Elternabende, das

Adventsbasteln, die Lesenacht mit den Vätern und der

Elternchor. Auch bei Arbeitseinsätzen oder im Kita-Alltag

beteiligten sich die Eltern.

In Anlehnung an das Konzept der Stadt Leipzig für dieses

Projekt erarbeitete der Träger eine eigene Konzeption, die

speziell auf die Kindertagesstätte Das Samenkorn zugeschnitten

wurde. Die Koordinatorin erarbeitete zudem einen Elternfragebogen

zur genauen Analyse der Standortdaten, der Motivation

gegenüber dem Projekt und möglichen Angeboten im

Familienzentrum. Einige Ideen der Eltern und des Erzieher-

Teams konnten kurzfristig umgesetzt werden, wie z. B. das

Anbringen einer Biete-Suche-Pinnwand als Alternative für

eine Kleiderbörse, die in den Kita-Räumlichkeiten keinen Platz

gefunden hätte. Die bereits etablierten Angebote wie Elterncafé

und gemeinsames Frühstück wurden um Angebote der

Eltern- und Familienbildung, v. a. im Bereich Erziehungskompetenz,

erweitert. Im Verlauf des Projektes entwickelte sich

aus der Zusammenarbeit mit Eltern schnell eine Erziehungspartnerschaft.

Diese war wesentlich für die Weiterentwicklung

der Kindertageseinrichtung zum Familienzentrum.

Väterlesenacht in der Kindertagesstätte

Das Kita-Team besuchte ein Seminar zu „Gesprächsführung“

und nahm an einer Fortbildung zum Thema „Konflikte als

Chance für Begegnung“ teil. Ein niedrigschwelliges Elternbildungsangebot,

das durch das Projekt entstand, war die

Krabbelgruppe. Der Leiterin und der Koordinatorin war

aufgefallen, dass mehrere Eltern mit Geschwisterkindern in

der Elternzeit waren. Die Krabbelgruppe war für sie die

Gelegenheit zum Austausch mit anderen Müttern und Vätern,

Möglichkeit zum Erlernen von Liedern und Fingerspielen

sowie eine vorzeitige Eingewöhnung der Geschwisterkinder,

da der Kurs in einem Gruppenraum stattfand und von einer

Erzieherin der Kita angeleitet wurde.

Es fanden viele Elternthemenabende, später Gesprächsrunden

am Nachmittag, mit gleichzeitiger Kinderbetreuung in der

Kita, zu verschiedenen Themen statt:

Kinder – brauchen Grenzen

Prävention des sexuellen Missbrauchs

Geschwister: Konstellationen und Konflikte

Erste Hilfe bei Kindernotfällen

Gefühle und Umgang mit Wut

Muss ich denn immer erst lauter werden?

Pubertät – eine zweite Trotzphase?

Durch den Themenabend „Geschwister“ entstand eine erste

Zusammenarbeit mit der Lebensberatungsstelle des Trägers.

Diese Kooperation vertiefte sich über weitere Themennach-


mittage sowie über das Angebot der Erziehungsberatung vor

Ort, bei der sich Eltern einmal im Monat kurzfristig für eine

Beratung in den Räumen der Kita bei einer erfahrenen und gut

ausgebildeten Erziehungsberaterin anmelden können.

Weiterhin lud sich das Team bei Bedarf Vertreter von wichtigen

Anlaufstellen der Diakonie oder aus dem Sozialraum zu

Dienstberatungen ein. Bei Gesprächen mit Eltern, die kein

Deutsch verstehen, ist die Zusammenarbeit mit Sprachmittlern

eine große Unterstützung. Wir nutzten diese Möglichkeit

bei einer Familie mit vietnamesischem Migrationshintergrund.

Durch Buchempfehlungen bei den thematischen Abenden

und Nachmittagen entstand eine kleine Fachbuchausleihe zu

den Themen, die die Eltern angeregt hatten. Diese wurde

sowohl zur Nachbereitung der Gesprächsrunden als auch

unabhängig davon gut genutzt. Dem Team ist die Transparenz

ihrer pädagogischen Arbeit sehr wichtig. Die Eltern bekamen

neben den Elternabenden und den Pinnwandaushängen

regelmäßig neue Informationen zum Kita-Alltag über Rundmails.

Die Koordinatorin informierte die Eltern zusätzlich in

Form eines regelmäßigen Newsletters über Entwicklungen in

der Kita, das Projekt KiFaZ betreffend.

Die Eltern haben die Möglichkeit, sich am Kita-Alltag zu

beteiligen. Eine Mitgestaltung und Mitwirkung ist sogar

erwünscht. Wenn das Kita-Team die Kompetenzen der Eltern

aufgreift, bringen sie sich vielfältig in den Alltag ein. Davon

profitieren sowohl die Kinder als auch die Erzieherinnen. In

der Kita Das Samenkorn basteln die Eltern mit den Kindern,

arbeiten an der Werkbank, stellen fremde Länder vor, übernehmen

die Technik bei Veranstaltungen, engagieren sich im

Elternchor, in der Krabbelgruppe, gestalten einen Babypflegekurs,

laden zu ihren Arbeitsplätzen ein (auch noch über die

Kita-Zeit hinaus), organisieren die Lesenacht oder Elterncafés,

beteiligen sich an Arbeitseinsätzen. Eine Zeit lang war die

Oma eines Kita-Kindes einmal in der Woche da und nahm

sich viel Zeit mit den Kindern, las ihnen z. B. aus Büchern vor.

Der Schritt zur Öffnung der Kindertagesstätte in den Sozialraum

verlief über den Aufbau von weiteren Kooperationen mit

Anlaufstellen im Stadtteil. Die Zusammenarbeit mit dem

Quartiersmanagement Leipziger Westen erwies sich dabei als

sehr wertvoll, da es als Informationsnehmer und -geber,

zentrale und unparteiische Schnittstelle sowie als Moderator

bei Netzwerkstrukturen fungiert. Zusätzlich zu den Netzwerkpartnern

ist als Kooperationspartner der Konsum hinzugekommen,

da er sich direkt gegenüber der Kita befindet.

Momentan gestaltet sich die Zusammenarbeit in der Weise,

dass die Kinder für den Konsum Plakate gestalten und dafür

zu besonderen Anlässen ein Dankeschön erhalten. In spiele-

Jahresbericht 2012 Kinder- und Familienzentrum 23

rischen Angeboten wird das Wissen über gesunde Ernährung

vertieft. Die Eltern werden zu Verkostungen eingeladen und

Aushänge unserer Einrichtung können im Konsum platziert

werden. Für die Öffnung der familienbildenden Angebote in

den Stadtteil sollen Räumlichkeiten in der im Bau befindlichen

Integrations- und Begegnungsstätte direkt neben der Einrichtung

genutzt werden. Das Café der Begegnungsstätte würde

sich gut als Anlaufpunkt eignen.

Das Modellprojekt ist nun abgeschlossen. Die Kita hat ein

Gütesiegel „Kinder- und Familienzentrum der Stadt Leipzig

erhalten und führt die speziellen Angebote innerhalb des

Regelbetriebs der Kita weiter. Bei einer Elternbefragung im

Januar 2012 kreuzten die Eltern bei der Frage nach der

Atmosphäre in der Einrichtung ausschließlich positive Antworten

an: entspannt, gemütlich, offen und herzlich. Das Samenkorn

möchte weiterhin ihre Nähe zu den Eltern erhalten und

ein Ort für Familie sein.

Das Team der Kindertagesstätte Das Samenkorn

– Ein Ort für Familien –


24 Jahresbericht 2012 Beratungs- und Betreuungsdienste

Beratungs- und

Betreuungsdienste

„Einer trage des anderen Last, so werdet ihr das

Gesetz Christi erfüllen.“ (...)

Jede und ein jeder von uns trägt bestimmte Lasten mit sich -

körperliche oder seelische, gesundheitliche, berufliche oder

familiäre. Die Lasten des Lebens, die ein einzelner oder auch

eine Gemeinschaft zu tragen hat, sind ungleich und oft auch

ungerecht verteilt. Einander die Lasten zu tragen, heißt hier,

die ungleichen Lasten auf so viele verschiedene Schultern zu

verteilen, dass niemand überfordert wird.

Die Mitarbeitenden im Fachbereich Beratung- und Betreuungsdienste

sind in den jeweiligen Einrichtungen mit unterschiedlichen

„Lasten“ von Menschen konfrontiert. Sie

begleiten und betreuen diese Menschen und helfen ihnen bei

der Bewältigung ihrer Probleme. Dies allein ist jeden Tag eine

besondere Herausforderung. Hinzu kommt aber noch ein

immer wiederkehrendes Ringen, um die einzelnen Einrichtungen

auf finanziell feste Füße zu stellen. Dies führt einige

Einrichtungen an die Grenze ihrer Belastbarkeit. Ohne das

außergewöhnliche Engagement und die nötige innere Einstellung

aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wären die Dienste

in dieser professionellen Form nicht aufrecht zu erhalten.

Unser komplexester Dienst befindet sich direkt in der Innenstadt

von Leipzig, neben der Nikolaikirche und ist unter dem

Namen „Diakonie im Zentrum“ bereits seit einigen Jahren

bekannt. Dazu gehören die Ev. Jugendhilfe, die Kirchenbezirkssozialarbeit,

die Ev. Lebensberatung und seit diesem

Jahr auch die Ökumenische Telefonseelsorge.

Die Ev. Jugendhilfe begleitet, berät und unterstützt Familien

mit vielschichtigen Problemlagen. Im Bereich ambulante

Hilfen zur Erziehung ist im Berichtszeitraum eine sehr gute

Auslastung zu verzeichnen gewesen. Hier werden nach wie

vor auch Familien betreut, die mit vielen unterschiedlichen

Problemen zu kämpfen haben. Im Jahr 2012 ist die Anzahl der

Anzeigen auf vermutete Kindeswohlgefährdung im Vergleich

zum Vorjahr gestiegen.

Das Pilotprojekt „Kleine Familienhilfe“, welches im April

2010 in Zusammenarbeit mit unserem ambulanten Pflegedienst

startete, erfreute sich einer guten Resonanz, so dass

hier mittlerweile eine halbe Personalstelle geschaffen wurde.

Kleine Familienhilfe wird für die hauswirtschaftliche Unterstützung

von Familien oder für Abhol- und Bringedienste (zur und

von der Kita/Schule) eingesetzt. Die dafür angestellte Mitarbeiterin

kann im Fall von Urlaub oder Krankheit vom Ambulanten

Pflegedienst vertreten werden.

Die größte Herausforderung im Jugendhilfebereich derzeit ist

ein immer stärker werdender Preisdruck. Auf Grund eines

Vergabesystems, eingeführt 2010 durch das Jugendamt


Leipzig, sind die Jugendamtsmitarbeiter im Allgemeinen

Sozialen Dienst (ASD) angewiesen, immer die vergleichbar

günstigsten Anbieter auszuwählen. Auf Grund unseres

Tarifsystems gehören wir nicht zu den günstigsten Anbietern.

Eine Überarbeitung dieses amtlichen Vergabeverfahren soll

dazu führen, dass Faktoren wie persönliche Eignung, gute

Erfahrungen in der Zusammenarbeit (durch die unsere

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bisher immer eine sehr gute

Vergaberesonanz erreichen konnten) durch „objektive“

Vergabekriterien wie Preis und offizielle fachliche Eignung des

Trägers ersetzt werden. Hinzu kommt die sehr schwankende

Auslastung und die immer noch unzureichende Berücksichtigung

von Wege-, Krankheits- und Ausfallzeiten, sowie von

Fortbildungs- und sonstigen Nebenzeiten. Diese teils sehr

schwierigen Bedingungen werden nach wie vor durch Flexibilität

und Engagement der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

kompensiert.

In den Bereichen familiäre Bereitschaftspflege und Erziehungsstellen

ist nach wie vor eine steigende Nachfrage zu

verzeichnen. Wir sind durch das Jugendamt angefragt, unsere

Kapazität in diesem Bereich zu erweitern. Hier liegen die

Herausforderungen nicht in der Finanzierung oder Konkurrenz,

sondern in der Fluktuation und der Akquise neuer

Pflegeeltern. Trotz intensiver gemeinsamer Bemühungen

innerhalb unseres Werkes, des Trägerverbundes und des

Jugendamtes wird es aufgrund aktuell zunehmender Stellenangebote

im pädagogischen Bereich immer schwieriger,

geeignete Pflegefamilien zu finden, die sich diesen Herausforderungen

stellen.

Das Haus Lebensweg hatte ebenfalls angestiegene Herausnahme

von Kindern aus den Elternhäusern auf Grund von

Kindeswohlgefährdung zu verzeichnen sowie diverse Abbrüche

von Hilfen. Die Arbeit erschien dadurch schwieriger als in

den Jahren zuvor. Die Plätze sind aber nach wie vor stark

nachgefragt und oft kann der Bedarf nicht gedeckt werden.

Im Betreuten Einzelwohnen leben seit Februar 2011 zwei

Jugendliche. Die Kosten für die Miete der Wohnungen werden

vom Jugendamt getragen und die Betreuungsstunden sind

separat abzurechnen.

Im Bereich Schulsozialarbeit konnte eine Erhöhung unserer

Personalstunden verzeichnet werden. Der Stellenanteil für die

Schulsozialarbeit liegt jetzt bei 80 Prozent einer Vollzeitstelle.

Bei einem Vergabeverfahren zu einer neuen Schulsozialarbeiterstelle

in Leipzig ist die Diakonie, vorwiegend aus Kostengründen,

ausgeschieden. Die Schulsozialarbeit wird immer

nur für ein Jahr refinanziert. Allerdings ist die Schulsozialarbeit

Jahresbericht 2012 Beratungs- und Betreuungsdienste 25

in der freien Jugendhilfe durch die Politik hoch priorisiert, so

dass selbst bei weiteren Einsparungen in 2012 eine nahezu

gleiche Finanzierung dieses Angebotes erwartet werden kann.

Für den Arbeitsbereich Kirchenbezirkssozialarbeit (KBS)

konnte 2011 eine extra Zuwendung aus Radebeul bewilligt

werden, um den Umbau der Beratungszimmer zu realisieren.

Die Rahmenbedingungen der KBS sind somit nachhaltig

verbessert worden. Die Mitarbeiter tragen durch ihr hohes

Engagement zur Refinanzierung ihrer Arbeit bei. Im Projekt

„Kirche findet Stadt“ ist die KBS Leipzig als Referenzstandort

für Sachsen ernannt worden. Es wurden verschiedene soziale

Projekte mit den Kirchgemeinden durchgeführt, z.B. die

Begleitung des Spielgartens Volkmarsdorf durch eine Mitarbeiterin

oder das Projekt Kochen … Im Mai 2012 fand der

Diakonische Jugendtag zum 2. Mal mit großem Erfolg statt.

Über 400 Jugendliche konnten einen Tag lang in diakonischen

Einrichtungen arbeiten und diese vor Ort kennen lernen.

Durch die zentrale Innenstadtlage wird das Beratungsangebot

von Klienten sowohl im Bereich Vorsorgekurberatung als auch

in der allgemeinen sozialen Beratung stärker wahrgenommen

und damit auch mehr in Anspruch genommen. Gleichzeitig

steigt der Beratungsaufwand weiter und Multiproblem-Situationen

bei Klienten nehmen zu. Zeitweise überschreitet die

Nachfrage der Klienten die zeitlichen Kapazitäten der Mitarbeiter.

Wünschenswert wären mehr zeitliche Ressourcen für

die Arbeit mit den Kirchgemeinden.

Bei der Evangelischen Lebensberatungsstelle übersteigt

die Nachfrage nach Beratung die Kapazität bei weitem, und

dies schon seit Jahren. Inhaltlich trägt vor allem die Arbeit mit

hochstrittigen Paaren zu einer erhöhten Inanspruchnahme der

Beratungsstelle bei. Indirekt ist dies auch mit höheren Kosten

für z.B. Weiterbildung oder Co-Beratung verbunden. Leider ist

hierfür keine Kapazitätserhöhung seitens des Kostenträgers

vorgesehen, obwohl es dringend notwendig wäre. Ein Eigenanteil

ist im gesamten Bereich der Beratungsstelle zu erbringen,

der vor allem durch die zahlreichen Spenden erzielt wird.

Bezüglich Weiterbildungen und Supervision sind leider vom

Kostenträger keine höheren Beträge zu erwarten, sind doch

gerade in diesem Bereich die Weiterbildungen und Supervisionen

dringend erforderlich. Die Lebensberatung ist, wie auch

die KBS, ein „eigenfinanzierter“ Bereich, d.h. Mittel reichen für

den Bedarf an Beratung nicht aus. Die landeskirchlichen

Mittel, die wir hierfür erhalten, decken die dazu geforderten

Personalkosten nicht ab. Hier wäre es wünschenswert, den

großen Bedarf an Lebensberatung politisch anzuzeigen, um

eine Finanzierung hierfür zu erhalten.


26 Jahresbericht 2012 Beratungs- und Betreuungsdienste

In der Ökumenischen Telefonseelsorge arbeiten zurzeit

etwa 70 ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Seit

März 2011 ist die Telefonseelsorge Leipzig wieder 24 Stunden

am Netz. Es wurden insgesamt 8.845 Gespräche angenommen,

davon waren knapp 5.000 Gespräche Beratungsgespräche,

der Rest waren Scherz- oder Schweigeanrufe etc.

Auch in diesem Jahr wurden wieder neue MitarbeiterInnen

zum Dienst am Telefon beauftragt.

Unsere langjährige Mitarbeiterin, Frau Ruth Weismann, ist im

Juli in den Ruhestand gegangen. Ab 1. August ist die Stelle

mit Frau Zschüttig neu besetzt worden.

Das Psychosoziale Gemeindezentrum Blickwechsel

intensivierte im vergangenen Jahr seine Zusammenarbeit mit

anderen Akteuren in den zu versorgenden Stadtteilen Gohlis

und Möckern erheblich. Im engen Miteinander mit anderen

sozialen Einrichtungen, Kirchgemeinden, Unternehmen und

kulturellen Initiativen brachte es sich aktiv in die gesellschaftliche

Stadtteilkultur ein. Eine der vielen Veranstaltungen ist die

Lange Nacht der Kunst auf der Georg-Schumann-Straße.

Diese organisieren Anwohner, Händler, Eigentümer und

Künstler des Leipziger Nordens, um den anwohnenden

Bürgern zu zeigen, dass die lange vernachlässigte Magistrale

Georg-Schumann-Straße doch noch lebt und einen Stellenwert

besitzt. Im vorigen Jahr war aus dieser Aktion bereits der

sehr beliebte „Sonntagsbrunch“ im Café Blickwechsel

hervorgegangen.

Das Psychosoziale Gemeindezentrum Blickwechsel wird ab

Anfang 2013 die schwierigste Personalsituation seines

Bestehens bewältigen müssen. Öffentlich geförderte geeignete

Stellen fallen weg, daher müssen ab Anfang 2013 Stellen

für Aufsichtspersonen in den Bereichen Sozialcafé und

Bürgerwerkstatt geschaffen werden. Ehrenamtliche oder

Fachkräfte allein können diese Bereiche nicht betreiben.

Beide Angebote werden stark in Anspruch genommen. Das

Sozialcafé als Lebensmittelpunkt mit seinen besucherfreundlichen

Öffnungszeiten, preiswertem Mittagessen und vielfältigsten

Kontaktstiftungs- und Begegnungsangeboten wird

täglich von 40 bis 50 Klienten besucht. Ein Wegfall dieser

„Drehscheibe“ im Blickwechsel wäre für den gesamten

Leipziger Norden und Nordwesten dramatisch.

Zudem ist die Existenz des Sozialcafés, als Kerneinrichtung,

ein Erfordernis des Kommunalen Sozialverbandes Sachsen

und damit Voraussetzung für den Betrieb der Außenwohngruppe

(AWG) des Psychosozialen Gemeindezentrums

Blickwechsel. Auch diese AWG mit 12 Wohnplätzen wäre

somit im Bestand gefährdet. Sollten wir bis Anfang Dezember

2012 keine verbindliche Zusage für die beantragten Mittel

erhalten, werden die beiden genannten Bereiche Bürgerwerkstatt

und Sozialcafé mit Jahresbeginn 2013 nicht mehr

arbeitsfähig sein.

Die Sucht- und Beratungsstelle Blaues Kreuz (SBB) ist an

einen neuen Standort in der Georg-Schumann-Straße in

unmittelbare Nähe des JobCenters umgezogen. Die neuen

Räume sichern optimale Arbeitsabläufe, bieten mehr Raum

für Gruppenarbeit und sind hell, freundlich und einladend,

was auch von den Klienten positiv wahrgenommen wird.

Die Angebote der Suchtberatungsstelle konnten auf hohem

fachlichem Niveau und mit einer hohen und kontinuierlichen

Auslastung realisiert werden. Im Jahr 2011 wurden insgesamt

1.000 (Vorjahr: 924) Menschen mit einer Suchtmittelproblematik

bzw. deren Angehörige betreut. Darüber hinaus wurden 67

(Vorjahr: 57) Menschen im Rahmen des Ambulant Betreuten

Wohnen begleitet. Insgesamt 16 (Vorjahr: 13) Patienten

wurden in Form der ambulanten medizinischen Rehabilitation

behandelt.

In Bezug auf das erreichte Klientel sind keine signifikanten

Veränderungen hinsichtlich Suchtmittelgebrauch und sozialer

Situation gegenüber dem Vorjahr zu verzeichnen. Die Beratungsstelle

verfolgt in allen Arbeitsbereichen einen abstinenzorientierten

Ansatz. D.h. unser suchttherapeutisches Ziel ist

die Abstinenz vom Suchtmittel. Wir wollen unsere Klienten

und Patienten auf dem nicht leichten Weg zur Abstinenz

motivieren und unterstützen. Das Abstinenzziel stellt eine

besondere Herausforderung dar in einer Gesellschaft die an


vielen Stellen geprägt ist von süchtigen Verhaltensmustern

und unter Sinnentleerung leidet. Erschwerend kommt hinzu,

dass Menschen, welche nicht über Höchstleistungen und

hohe Anpassungsfähigkeit verfügen und sich somit in einer

chronischen Überlastungssituation befinden, schlechte

berufliche und wirtschaftliche Perspektiven haben.

Im Bereich Ambulant Betreutes Wohnen ist eine Steigerung

der Nachfragen (28 Neuaufnahmen bei 9 Beendern; Vorjahr:

20 Neuaufnahmen und 19 Beender) zu verzeichnen gewesen.

Darauf wurde mit einer moderaten Erhöhung der personellen

Ressourcen und der Erweiterung der Wohnplätze im Funke-

Wohnprojekt reagiert. Die Zusammenarbeit mit der LWB im

Rahmen des Wohnprojektes Funke konnte weiter ausgebaut

werden. Die LWB unterstützt das Projekt mit finanziellen

Spenden.

Trotz der geplanten und gewünschten, aber auch der unerwarteten

Veränderungen ist es gelungen, die Arbeit der

Suchtberatungsstelle mit allen Arbeitsbereichen auf hohem

fachlichem Niveau im Umfang der Vorjahre durchzuführen.

Das ist vor allem auf das hohe Engagement und Verantwortungsbewusstsein

der Mitarbeiter für ihre Klienten zurückzuführen.

Bei der Ökumenischen Kontaktstube für Wohnungslose

Leipziger Oase konnte im vergangenen Jahr sowohl im

Garten als auch in der Werkstatt über das Jobcenter Leipzig

geförderte Mitarbeiter angestellt werden, welche die arbeitswilligen

Gäste anleiteten. Leider ist durch den geplanten

Wegfall der geförderten Stellen noch offen, wie die einzelnen

Bereiche weiter abgesichert werden können, so dass die

Kontinuität hier wieder gefährdet ist. Die Durchführung des

Nachtcafés konnte mit Hilfe zusätzlicher Ehrenamtlicher aus

den evangelischen und katholischen Gemeinden aufrecht

erhalten werden. Neue ehrenamtliche Mitarbeiter, die in der

Lage sind, selbständig ihre Aufgaben zu erledigen, werden

immer wieder gebraucht.

Die Arbeit der Oase wurde in diesem Jahr, neben vielen

alltäglichen Schwierigkeiten, überschattet durch die öffentliche

Ausschreibung - veranlasst durch die Stadt Leipzig.

Viele rechtliche und steuerliche Unsicherheiten führten zu

Gesprächen zwischen Stadt und Vorstand des Diakonisches

Werk Innere Mission Leipzig e.V.. Der Ausgang dieser Gespräche

ist noch offen. Diese unsichere Situation stellt für die

Mitarbeiter der Oase eine große Belastung dar.

Der Teekeller Quelle ist inhaltlich mit der Leipziger Oase eng

verbunden, stellt aber seit dem Ausschreibungsbegehren der

Jahresbericht 2012 Beratungs- und Betreuungsdienste 27

Jugendliche lernen die Arbeit der Diakonie kennen – hier in der Ökumenischen

Kontaktstube für Wohnungslose Leipziger Oase

Stadt eine eigene wirtschaftliche Einheit dar. Neben den regelmäßigen

Angeboten am Dienstag und Donnerstag gibt es

viele Aktivitäten, in die die Gäste eng mit eingebunden

werden, wie gemeinsame Aktionen mit der Kirchgemeinde

und dem Freundeskreis oder Freizeiten und Straßenfeste.

Im Berichtszeitraum konnten dringend notwendige Umbauten

und Sanierungsarbeiten durchgeführt werden. Der finanzielle

Aufwand war erheblich und wurde durch die Kirchgemeinde,

den Freundeskreis, eine Förderung durch „Andere Zeiten“ in

Höhe von 4.000 Euro und persönliche Spender bewältigt. Die

Diakonie und die Gäste des Kellers haben mit praktischer

Hilfe das Vorhaben unterstützt, so dass nun sehr freundliche

und gut sanierte Räume einladen. In diesem Jahr feiert der

Teekeller Quelle sein 25-jähriges Bestehen mit zahlreichen

Veranstaltungen.

Maria Dösinger-von Wolffersdorff

Fachbereichsleiterin


28 Jahresbericht 2012 Psychosoziales Gemeindezentrum Blickwechsel

Ein Rettungsboot –

für den Ernstfall

Hilfe für Menschen mit

psychischen Krankheiten

Stephan K. *(30) ist viel beschäftigt. Der schlanke freundliche

Mann hilft, wo er kann bei Umzügen und beim Möbelaufbau,

verteilt Flyer, macht Spaziergänge, bastelt und lernt andere

beim Basteln an, genießt als Band- und Karaokesänger gern

öffentliche Aufmerksamkeit und hat außerdem sein Faible fürs

Arbeiten mit Holz entdeckt… Dabei hatte er einen völlig

anderen Beruf gelernt. Aber beruflich pausiert er gerade

unfreiwillig: Krankheit – Arbeitsunfähigkeit – Arbeitsverlust –

stationäre Behandlung. Solche Umwege bleiben manchem

nicht erspart. Erst recht, wenn einer schon „anfällig“ für

solche Verzweiflungsphasen ist, wie Stephan. Aus dem

Rennen genommen findet er Gelegenheit zu Ruhe und

Sammlung. Aber wie dann weiter? Nach der Klinik ist manchmal

wie neu Laufen lernen. Zunächst traut man sich nichts zu,

erst recht nicht auf eigene Faust…

Zum Glück fand er den Weg in das Psychosozialen Gemeindezentrum

Blickwechsel. Da gab es „Gedächtnistraining“ und

eine „Singegruppe“. Das war etwas für ihn. Einfach erst

einmal mitmachen unter Gleichbetroffenen. Die stellen keine

dummen Fragen. Sie wissen eben Bescheid, wie man sich da

fühlt. Solches intensives Dazugehören führt zu immer mehr

aktiver Beteiligung. Stephan findet Geschmack an vielen

verschiedenen Gruppen: der Bastelgruppe, der Tongruppe,

der Bildungs- und Begegnungsgruppe und der Holzwerkstatt.

Gemeinschaftliche Unternehmungen und soziale Kontakte

waren die ersten Erfolgserlebnisse, die Mut zu mehr machten.

Zur Selbständigkeit zum Beispiel: auf eigenen Füßen in der

Freizeit laufen lernen. Die Wochenenden in die eigene Hand

nehmen, sich verabreden, den eigenen Aktionskreis erweitern.

Unvergesslich der gemeinsame Zoobesuch in einer großen

Gruppe im Leipziger Gondwanaland!

Gut wenn es zudem die Möglichkeit zu ehrenamtlicher

Mitarbeit gibt, zu einer sinnvollen, ausfüllenden Tätigkeit, in

der man sich richtig austun kann. Sie entlastet auch. Und

ganz großartig, wenn die Arbeit auch noch nützlich für andere

Menschen ist. Und die „Kleinen häuslichen Hilfen“ kommen

wirklich gut an bei Leuten, die sich zuhause selbst nicht zu

helfen wissen. Da wächst das Selbstbewusstsein. Und der

Ergotherapie im Psychosozialen Gemeindezentrum Blickwechsel

Blick geht wieder Richtung Arbeitsleben. Doch zum Arbeitsalltag

gehören auch Ausdauer, Konzentration, Umgang mit

Stress und Konflikten: Warum bin ich so schnell erschöpft?

Wie lange kann ich bei einer Aufgabe bleiben? Wie kann ich

mich besser konzentrieren? Oder wie komme ich zurecht,

wenn mich etwas stört? Das alles sind Themen, die im

ergotherapeutischen Belastungstraining großgeschrieben

werden. Seine Teilnahme daran verdankt Stephan einem wohlwollenden

und verständnisvollen Psychiater. Schön dass es

Mediziner gibt, die die Ergotherapie mit dieser Kombination

aus Praxis, Kreativität und Gesprächen so schätzen, dass sie

sie psychisch erkrankten Menschen auch wirklich verordnen…

Und das Resümee? Was bringt Stephan am Ende der Kontakt

mit dem Psychosozialen Gemeindezentrum? Es ist zunächst

die Erfahrung, selbst im Zentrum des Geschehens zu sein,

anstatt nur als Beobachter am Rande zu stehen. Und es ist

ein „Netz“ von Menschen, die ihn auch in verzweifelter

Situation an sich heranlassen und verstehen würden - ohne

lange Erklärungen. Ein Freundes- und Bekanntenkreis, der

über Familie und Beruf hinausgeht, und so auch unabhängiger

von Verwandten und Arbeitskollegen macht. Aber vor

allem: ein Ausweg für den Notfall, ein Plan für die Krise.

Stephan hat jetzt ein „Rettungsboot für den Ernstfall“.

Johannes Wonneberger

Psychosoziales Gemeindezentrum Blickwechsel

*Name geändert


Die Krise nach der Geburt eines Kindes

Die Lebensberatungsstelle

berät junge Eltern in Konflikten

Das erste Kind ist geboren, die Krönung der Liebe zwischen

Mann und Frau, ein kleiner Mensch, dem sie ihre ganze Liebe

widmen. Das Kind gibt ihrem Leben einen tieferen Sinn. Dabei

wachsen beide noch mehr zusammen, lernen sich in ihrer

neuen Rolle kennen und lieben und wachsen als Eltern über

sich hinaus ...

So könnte es sein, so haben es sich beide in den Monaten

der Schwangerschaft vorgestellt. Aber oftmals ist es so nicht.

Viele Paare kommen mit der Situation nicht zurecht, sie

verlieren sich als Paar. Die beiden merken, dass sie sich zu

sehr verletzen, dass der Streit nicht mehr konstruktiv ist, und

sie fürchten, dass das Kind in die Auseinandersetzung mit

hineingezogen wird. Gespräche mit Eltern und Freunden,

deren Rat und Unterstützung, haben nicht gereicht, um eine

wirkliche Änderung herbeizuführen. Finanzielle Engpässe, die

hohen Anforderungen innerhalb einer Ausbildung, eines

Studiums oder schon im Beruf kommen oftmals in unserer

harten Leistungsgesellschaft noch hinzu. Nicht selten wird

dann auch über Trennung nachgedacht. In dieser Situation

sucht man Hilfe in der Evangelischen Lebensberatungsstelle,

meldet sich an für eine Paarberatung.

Im ersten Beratungsgespräch schauen die Beraterinnen mit

den Betroffenen zunächst, was bisher miteinander gut und

was schief gelaufen ist. Welche Erwartungen blieben unerfüllt?

Welche sind gar unrealistisch und unerfüllbar? Ist ein

Beziehungsmuster erkennbar?

Als kinderloses, junges Paar – da ging es ausschließlich nach

den Wünschen und Bedürfnissen der beiden Partner. Doch

jetzt dreht sich alles nur noch um das Kind.

Die Mutter - von Natur aus sehr eng mit dem Kind verbunden

- hat vielleicht gar nicht bemerkt, wie sie sich zur alleinigen

„Expertin“ für die Bedürfnisse des Kindes entwickelt hat und

unbewusst den Vater ausgrenzt. Und dieser fühlt sich

vielleicht an den Rand gedrängt, zieht sich zurück. Die junge

Mutter wiederum fühlt sich von ihm im Stich gelassen, meint

von ihm als Frau auch nicht mehr wahrgenommen zu werden,

die erotische Beziehung schläft ein. Gegenseitige Vorwürfe

Jahresbericht 2012 Lebensberatungsstelle 29

und Entwertungen überwiegen nun im Alltag. Was bisher an

Eigenheiten am Partner großzügig übersehen wurde, wird auf

einmal zum ständigen Streitthema. Das Erwachen aus den

idealisierten Vorstellungen von Partner und Partnerschaft ist

schmerzhaft, und die damit verbundene Enttäuschung über

den Partner wird nicht selten auch an diesem ausgelassen.

Der eigene Anteil am Streit kann nicht gesehen werden. Die

Andersartigkeit des Partners/der Partnerin kann nicht akzeptiert

und respektiert werden, er /sie ist schuld an meinem Leid.

In den Beratungssitzungen versucht die Beraterin beide in

ihrer Unterschiedlichkeit zu verstehen. Paare sind oft nicht

darauf vorbereitet, mit solch heftigen Konflikten umzugehen,

zuweilen ist sogar Angst zu spüren, diese überhaupt konkret

zu benennen. Nehme ich meine negativen Gefühle schnell

genug wahr, und wie soll ich darüber sprechen, ohne den

anderen nicht noch mehr zu verletzen? Und dennoch kann es

gelingen, dass das Paar erkennt, was gerade mit ihm geschieht

und dass Zeit, Geduld und neue Verhaltensstrategien

nötig sind, um Entwicklungsprozesse für eine alltagstaugliche

Liebe zu befördern – die beste Voraussetzung für ein gutes

Gedeihen des Kindes.

Die junge Mutter braucht ihren Mann doch gerade jetzt ganz

besonders als Schutz und Bindeglied zum Leben in der

Gesellschaft, und sie will von ihm für ihre aufopferungsvolle

Familienarbeit anerkannt und geschätzt werden. Der Mann,

der müde vom Dienst kommt, braucht ihre freundliche Begrüßung

und eventuell erst mal eine kurze Ruhepause, ehe er sich

Frau und Kind zuwendet. Verständnis für den Partner/die

Partnerin kann das erste zarte Pflänzchen auf dem Weg zu

einem besseren Miteinander und einer realitätsgeprüften Liebe

sein, die beiden mit dem Kind einen Reifungsprozess er-

möglicht – ein Leben lang. Partnerschaft und Elternsein kann

gelingen.

nach einem Interview mit Gisela Berger,

Beraterin bei der Evangelischen Lebensberatungsstelle


30 Jahresbericht 2012 Teekeller Quelle

Teekeller Quelle

Umbaumaßnahmen und

Ausstellung zum 25-jährigen

Jubiläum

Mit Hilfe von Spenden, der Unterstützung des Förderkreises

und einer Förderung durch den Verein Andere Zeiten e.V. war

es möglich, das Projekt „Küche der Begegnung im Teekeller

Quelle“ umzusetzen. Am 18. Juli 2012 wurde der renovierte

Kirchenkeller in der Michaeliskirche den Gästen des Teekellers

Quelle im Rahmen eines Gemeindeabends übergeben.

Viele wichtige Baumaßnahmen konnten ausgeführt werden:

Im gesamten Keller wurde eine Entlüftung eingebaut, da die

Fenster für eine ausreichende Belüftung beim Aufenthalt von

30 Personen nicht ausreichten. In der Küche gibt es einen

neuen Heizkörper.

Es stehen ein neuer Herd, ein Geschirrspüler und ein zweiter

Kühlschrank zur Verfügung und es wurde ein extra Handwasch-

und Ausgussbecken installiert. Der Küchenfußboden

wurde neu gefliest. Es gibt eine neue Unterputz-Elektroinstallation

und einen zweiten Fluchtweg. Der gesamte Kirchenkeller

wurde malermäßig instand gesetzt.

Die Küche ist in einem größeren Raum untergebracht und

ermöglicht die Mitarbeit der Gäste. Dies eröffnet neue Möglichkeiten

für die Sozialarbeit, wie gemeinsame Zubereitung

der Mahlzeiten, Kochkurse, etc.

Das Büro ist nun in der ehemaligen Küche untergebracht und

verfügt neuerdings über ein Faxgerät und einen Internetanschluss.

Die baulichen Veränderungen waren wichtig, um die

Gäste des Teekellers besser in das Geschehen mit einzubeziehen

(gemeinsame Zubereitung der Mahlzeiten). Mit dem

nun vorhandenen Büro hat die Leiterin und Sozialarbeiterin

nun einen Raum, um soziale Beratung durchführen zu können.

Im Teekeller Quelle finden sozial benachteiligte, wohnungslose

und einsame Menschen einen Raum zur Begegnung,

menschlichen Halt und fachliche Hilfe für unterschiedliche

Problemlagen. Es gibt gemeinsame Mahlzeiten, Freizeitangebote

sowie soziale Beratung. Der Teekeller lebt von der freiwilligen

Mithilfe der Gäste und Ehrenamtlichen. Sowohl bei der

Ausgestaltung der offenen Abende wie auch bei der Organisation

von Festen und Ausflügen bringen sie ihre Ideen, ihre

Der Teekeller „Quelle“ – früher und heute.

Zeit und ihr Talent ein. Die neuen Räume sollen Gemeindeglieder

und Gäste „von draußen“ einladen, sich hier zu begegnen

und zu engagieren. Der Teekeller Quelle ist ein Ort, wo

Glaube gelebt wird und Kirchgemeinde in die Welt hinein

wirkt.

Gemeinsam gegen Armut und Ausgrenzung –

Ausstellung anlässlich 25 Jahre Teekeller „Quelle“

Seit 1987 ist der Teekeller Quelle Teil der sozialen Arbeit der

Michaelis-Friedens-Gemeinde. In jenem Jahr erließ die DDR

eine Generalamnestie in deren Folge viele Haftentlassene „auf

der Straße“ standen. In der Kirchgemeinde sah man die Not

und handelte – mit dem Teekeller entstand ein Ort, an dem

Menschen in sozialen Notlagen geholfen werden kann.

Das 25jährige Bestehen des Teekellers wurde und wird mit

mehreren Veranstaltungen gefeiert. Am 16. September fand

eine Ausstellungseröffnung in der Michaeliskirche Leipzig

statt.

Die Ausstellung beschreibt zum einen die Gründung des

Teekellers und die Inhalte der sozialen Arbeit.

Zwei Fotoserien mit Portraits von Gästen des Teekellers

zeigen Gäste und Ehrenamtliche von ihrer schönsten Seite in

Portrait-Aufnahmen und einer überraschenden Perspektive –

in einem berühmten, adaptierten Kontext. Die Aufnahmen

sind von Andreas Seller vom Freundeskreis Teekeller Quelle

und von Simon Pech von „Augenfutter“. Die Ausstellung wird


voraussichtlich bis Januar 2013 zu den Veranstaltungen in der

Michaeliskirche zu sehen sein.

Am 15.11. 2012 findet ein Jubiläumsabend im Teekeller statt,

wo Gäste und Gemeindeglieder, Gründer und Unterstützer

des Teekellers Erinnerungen aus 25 Jahren austauschen

können. Ganz groß und offiziell wird das Jubiläum, zu dem

Teekeller-Gäste, Gemeindemitglieder, Freunde des Teekellers,

Jahresbericht 2012 Teekeller Quelle 31

Mitarbeiter aus der Stadtverwaltung und Wohnungslosenhilfe

eingeladen werden, am 6. Januar 2013 nach dem Teekeller-

Gottesdienst in der Michaeliskirche gefeiert. Mit diesen

ausgedehnten Aktionen anlässlich des 25-jährigen Jubiläums

möchten wir in der Michaelis-Friedens-Gemeinde um größere

Bekanntheit, Akzeptanz und breite Unterstützung des Teekellers

als Teil der Gemeinde werben.

Bilder einer Ausstellung – Gäste des Teekellers in einem adaptierten Kontext

Fotograf: Simon Pech, www.augen-futter.com


32 Jahresbericht 2012 Wirtschaftsbericht

Wirtschaftsbericht

1. Grundsätzliche Überlegungen

Die wirtschaftliche Belebung in Deutschland hatte im Berichtsjahr

erhebliche Mehreinnahmen öffentlicher Haushalte

zur Folge. Dies führte jedoch nicht bei allen Gebietskörperschaften

zu einer Änderung ihres zum Teil äußerst restriktiven

Sparverhaltens bei Ausgaben für soziale Aktivitäten.

Leider nimmt auch die Bereitschaft, soziale Tätigkeit dauerhaft

zu finanzieren, tendentiell ab; statt dessen setzen Fördermittelgeber

stärker auf zeitlich begrenzte Projekte. Der damit

für die Antragsteller verbundene hohe Verwaltungsaufwand

(Antrag, Zwischenberichte, Abrechnung, Dokumentation) ist

jedoch meist nicht mit finanziert, erfordert also höheren Eigenmitteleinsatz.

Daneben fehlt, in Folge der zeitlichen Begrenzung,

die Verlässlichkeit. Soziale Arbeit jedoch ist Beziehungs-

und Vertrauensarbeit, sie braucht Beständigkeit der

handelnden Personen und Nachhaltigkeit der Aktivität, keinen

kurzfristigen Aktionismus.

Die wirtschaftliche Entwicklung hat eine Abnahme der

Arbeitssuchenden auch in Leipzig zur Folge. Dieser positive

Effekt war allerdings auch Grund dafür, dass die Arbeitsverwaltung

im Berichtsjahr die Mittel für Maßnahmen der

Beschäftigungsförderung noch weiter einschränkte. Konnten

wir seit Mitte der neunziger Jahre die mangelnde Finanzierung

insbesondere offener sozialer Arbeit durch Einsatz von

Menschen, die aus Mitteln der Beschäftigungsförderung

finanziert wurden, ausgleichen, so besteht diese Möglichkeit

fast nicht mehr. Dies führt zu Leistungseinschränkungen

insbesondere in den Beratungs- und Betreuungsstellen.

Der als Ersatz für den Zivildienst geschaffene Bundesfreiwilligendienst

wird nunmehr angenommen. Neben einer Steigerung

der zur Verfügung stehenden Mittel erwarten wir vom

Gesetzgeber eine Justierung der Anreizsysteme insbesondere

für Empfänger von ALG II. Auch für diese muss sich Leistung

lohnen. Die Existenz von Parallelstrukturen (Freiwilliges

Soziales Jahr) verursacht unnötig zusätzliche Kosten.

2. Darstellung des Geschäftsverlaufs

vom 01.01.2011 bis 31.12.2011

2.1. Überblick

Im Jahr 2011 konnten wir die ordentlichen Erträge erneut, um

2,5 %, steigern. Dieser Zuwachs ist auch auf Ausweitung von

Aktivitäten und Verbesserungen von Betreuungsleistungen

zurück zu führen. Der Ertragszuwachs konnte den Anstieg der

Sachaufwendungen (ohne AfA und Zinsen: 0,8 %) und den

der Personalkosten (2,4 %) ausgleichen, wobei letzterer

allerdings durch teilweise Kürzung des zweiten Teils der

Jahressonderzahlung gemindert wurde. Ausdrücklich danken

wir allen davon betroffenen Mitarbeitenden für ihr Verständnis,

dass wir diese Maßnahme ergreifen mussten. Das Wachstum

der Personalaufwendungen war geprägt durch die Steigerungen

der Zahlungen zur Altersversorgung und die Erhöhung

der Entgelte unserer Mitarbeitenden. Dem Kostendruck

versuchten wir durch effektivere Nutzung vorhandener

Ressourcen zu begegnen. Dies gelang nur zum Teil, zumal

Vorgaben öffentlicher Stellen zu einem Anstieg des Verwaltungsaufwandes

führen. Die Verpflichtung zur Zahlung einer

betrieblichen Altersversorgung erfüllen wir durch Mitgliedschaft

in der Evangelischen Zusatzversorgungskasse, Darmstadt,

und Zahlung entsprechender Beiträge.

Am 31.12.2011 waren 966 Menschen in unserem Werk

beschäftigt, von denen allerdings 84 dauerhaft abwesend

waren. Die verbleibenden 882 Personen füllten fast 720

Vollzeitarbeitsplätze aus. Zum Ende des Berichtsjahres

beschäftigten wir 16 (Vorjahr 27) Mitarbeitende, die, zumindest

teilweise, aus Mitteln der Beschäftigungsförderung

finanziert wurden. Zum Ende des Jahres 2011 gaben wir 19

(Vorjahr 15) Auszubildenden in unseren Pflegeheimen die

Möglichkeit, den berufspraktischen Teil der Ausbildung zu

absolvieren.

Im Jahr 2011 wandten wir etwa 122 (Vorjahr 101) T€ für Fort-

und Weiterbildung sowie Supervision auf. Unsere Beschäftigungspflichten

nach dem Schwerbehindertenrecht haben wir

eingehalten, Ausgleichszahlungen fielen wiederum nicht an.

Die Deutsche Rentenversicherung hat im Rahmen ihrer

Prüfung zum Zeitraum 2009 und 2010 im April 2011 auch die

Einhaltung der Vorschriften und Pflichten im Zusammenhang

mit der Künstlersozialversicherung und zur geringfügigen

Beschäftigung überprüft, es ergaben sich keine wesentlichen

Beanstandungen.

Die Stelle Gesundheitsmanagement in unserem Werk konnte

wieder besetzt werden. Als Wirkung erwarten wir auch eine


höhere Arbeitsproduktivität sowie eine Absenkung des

Krankenstandes. Diesbezüglich können wir für das Berichtsjahr

eine Veränderung des durchschnittlichen Krankenstandes

(mit Lohnfortzahlung) von 7,28 % auf 5,26 % feststellen.

Unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern danken wir für ihre

engagierte Leistung, die innerhalb wie außerhalb unseres

Werkes hoch geschätzt wird.

2.2. Fachbereich Altenhilfe

Die Auslastung der vollstationären Plätze unserer Pflegeheime

konnten wir im Berichtsjahr auf knapp 98 % verbes-

Erträge nach

Fachbereichen

sern. In den erfolgreichen Verhandlungen mit den Pflegekassen

über Entgelte in den Pflegeheimen wurden die

arbeitsrechtlichen Grundlagen der Entgelte unserer Mitarbeitenden

weitgehend anerkannt. Die Ertragssteigerungen

wurden allerdings erst gegen Ende des Jahres 2011 wirksam.

Das demzufolge negative Ergebnis in diesem Teilbereich

veranlasste uns, den zweiten Teil der Jahressonderzahlung

der Mitarbeitenden in diesem Fachbereich nicht zu leisten.

Konsequenz der Prüfungen des Medizinischen Dienstes der

Krankenkassen (MDK) war vor allem die intensivere und

umfänglichere Dokumentation der Erhebungen des Gesundheitszustandes

unserer Bewohner und der durchgeführten,

auch pflegerischen Maßnahmen.

Der Ersatzbedarf für Ausstattung und Inventar steigt, bei den

Altbauten nimmt der bauliche Instandhaltungs- und Renovierungsaufwand

zu. In diesem Zusammenhang verbessern wir

die Sicherheit unserer Bewohner ebenso wie die konzeptionellen

Bedingungen, z.B. durch Einbau von Küchen in den

Jahresbericht 2012 Wirtschaftsbericht 33

Pflegeeinheiten. Das durchgehende Angebot von der Beratungsstelle

Altenhilfe über Betreutes Wohnen, den weiterhin

wachsenden Ambulanten Pflegedienst und Tagespflegen bis

zu den stationären Plätzen ermöglichte interne Vernetzungen

und hat ebenfalls zur guten Auslastung beigetragen.

2.3. Fachbereich Behindertenhilfe

In den seit 2008 andauernden Verhandlungen mit dem

Kommunalen Sozialverband Sachsen (KSV) über die Einführung

eines Verfahrens zur Einstufung der von uns betreuten

Menschen mit Behinderungen in Hilfebedarfsgruppen (Metzler-Verfahren)

sind wir beharrlich, um unseren Bewohnern eine

2008 2009 2010 2011

Altenhilfe 13,3 Mill. Euro 13,7 Mill. Euro 14,1 Mill. Euro 14,7 Mill. Euro

Behindertenhilfe

Beratung &

Betreuung

17,8 Mill. Euro 18,6 Mill. Euro 18,8 Mill. Euro 19,1 Mill. Euro

4,6 Mill. Euro 5,2 Mill. Euro 5,8 Mill. Euro 5,9 Mill. Euro

angemessene Versorgung und Betreuung zu sichern. In einem

fachlich fundierten Diskussionsprozess konnten wir erreichen,

dass statt 5 nunmehr 11 Hilfebedarfsgruppen festgelegt

wurden. Damit kann der Hilfebedarf individueller festgestellt

werden. Statt der vom KSV angestrebten Streichung von

Stellen erreichten wir durchweg eine Verbesserung der

Stellenschlüssel. Allerdings spiegeln sich diese Ergebnisse

der mündlichen Verhandlungen nicht in den vom KSV vorgelegten

Entwürfen zu den Vergütungsvereinbarungen wider.

Hier besteht noch erheblicher Klärungsbedarf.

Auch im Jahr 2011 verzeichneten wir in den Wohnstätten für

Menschen mit (geistigen) Behinderungen eine Auslastung von

über 97 %, die allerdings zwischen den Häusern stark variiert.

Leider reagieren staatliche Verwaltungsinstanzen nur mit

Zeitverzug auf sich ändernde Nachfragebedingungen. So

bemühen wir uns seit 2009 darum, mit den beteiligten

Verwaltungen über eine Änderung der Konzeption und damit

der Belegung unseres Hauses Heinz Wagner I in zielführende


34 Jahresbericht 2012 Wirtschaftsbericht

Verhandlungen zu treten. Erst gegen Ende des Berichtsjahres

zeichnete sich Bereitschaft, insbesondere beim KSV, ab,

Gespräche aufzunehmen, um die Folgen speziell einer

Zunahme von jungen Menschen mit einer Kombination von

geistiger Behinderung und stark herausforderndem Verhalten

zu berücksichtigen.

Ein extern begleiteter Prozess sowie stärkerer Einsatz von

Controllinginstrumenten führten in unseren Wohnstätten für

Menschen mit Behinderungen zu sinnvollerem Ressourceneinsatz.

Die Bemühungen reichten jedoch nicht aus, ein

wirtschaftliches Ergebnis zu erzielen, das es uns ermöglicht

hätte, den dort Arbeitenden unseres Werkes den zweiten Teil

der Jahressonderzahlung für das Jahr 2011 voll auszuzahlen.

Die Leistung in unseren drei Lindenwerkstätten nahm auf ca.

1.169 T€ (netto) zu. Sowohl die Auslastung der Werkstätten

nahm zu wie auch die Zahl der Arbeitsplätze, vor allem der

Außenarbeitsplätze. Dies stellt häufig einen ersten Schritt in

den ersten Arbeitsmarkt dar; eine Tendenz, die wir unterstützen.

In den Lindenwerkstätten sowie in unserer Förderschule

nimmt der Anteil von Menschen mit herausforderndem

Verhalten zu. Dies erfordert eine Anpassung der pädagogischen

Konzepte. Wir sind sehr dankbar, dass unsere

Mitarbeitenden auf die Veränderungen angemessen reagieren.

Der Übergang von der Förderschule in das Berufsleben, auch

in eine geschützte Werkstatt, wird von Mitarbeitenden unserer

Förderschule gemeinsam mit Mitarbeitenden unserer Werkstatt

begleitet. Mit Lehrern allgemeinbildender Schulen

verfolgt die Förderschule Konzepte inklusiven Lernens, um

Strukturveränderungen mit gestalten zu können

2.4. Fachbereich Beratungs- und Betreuungsdienste

Die Arbeit in den Einrichtungen dieses Fachbereiches erfordert

weiterhin die Einbringung von Geldern unserer Landeskirche,

des weitaus größten Teils der Spenden sowie von

Eigenmitteln. Für das anhaltend hohe Aufkommen an Sachspenden

sind wir dankbar.

Im Berichtsjahr konnten Kürzungen der Finanzierung auf

Landesebene Sachsens teilweise noch durch die Stadt

Leipzig ausgeglichen werden, dies wird zukünftig vermutlich

nicht eintreten. Leider mussten wir die Projekte Beta (Wiederheranführung

ehemals suchtkranker Menschen an den ersten

Arbeitsmarkt) und IKUSH (Intervention und Prävention bei

suchtkranken und suchtgefährdeten Migranten) beenden, da

die Förderungen ausliefen.

Die Stadt Leipzig nahm die Dynamisierung der finanziellen

Leistungen zur Betreibung von Kindertagesstätten zwar

wieder auf, hat sich aber durch das einmalige Aussetzen der

Anpassung an die Veränderungen des Tarifgefüges im

öffentlichen Dienst einen Wettbewerbsvorteil in diesem

Segment des Arbeitsmarktes verschafft.

3. Darstellung der Lage

3.1. Vermögens- und Finanzlage

Das bilanzierte Vermögen unseres Werkes besteht zu rund 81

Prozent aus immobilen Sachanlagegütern. Das langfristig

gebundene Vermögen in Höhe von fast 61,9 Mio. € ist durch

Eigenkapital (nach Ergebnisverwendung etwa 23,1 Mio. €),

Sonderposten (rund 39,0 Mio. €) und lang- und mittelfristig

verfügbares Fremdkapital (rund 7,3 Mio. €) finanziert. Im

Berichtsjahr konnten weitere Kredite in Höhe von gut 33 T€

außerplanmäßig zurückgezahlt werden. Damit ist das bis

Ende 2011 ausgelegte Programm zum Abbau der Verschuldung

planmäßig beendet worden.

Aus dem Jahresergebnis von gut 0,7 Mio. € stärkten wir die

Rücklagen. Die Eigenkapitalquote kann damit auf 31,9 %

verbessert werden, wobei wir Sonderposten nicht dem

Eigenkapital zurechnen. Die Betriebsmittelrücklage wurde in

den ersten Monaten des Jahres 2011 in Anspruch genommen


und zum Jahresende neu dotiert. Der Cash-Flow aus laufender

Geschäftstätigkeit blieb positiv, der Finanzmittelbestand

hat, auch durch den Erwerb des Heinrich-Schumann-

Hauses, Otto-Schill-Straße 7, abgenommen.

Der zur Finanzierung weiterer Bauabschnitte des Umbaus des

Hauses der Stadtmission an die Sächsische Aufbaubank

GmbH eingereichte Antrag wird gegenwärtig zwischen und

mit den weiteren beteiligten Behörden abgestimmt.

Auch im Jahr 2011 konnten wir, wenn auch nicht in uns

befriedigendem Umfang, Reserven zur Abdeckung künftiger

baulicher Risiken bilden. Die Geldanlagen unseres Werkes

sind in mündelsicheren Wertpapieren oder als Anlagen bei

Instituten, die in ihrer Existenz durch einen gesonderten

Verbund gesichert sind, getätigt. Kapitalverluste oder

Zinsausfälle mussten wir daher auch im Berichtsjahr nicht

hinnehmen. Derivative Finanzgeschäfte haben wir nicht getä-

tigt. Das Lutherstift in Störmthal haben wir an einen der

Diakonie angehörenden gemeinnützigen Verein zur Unterbringung

und Resozialisierung von jungen Strafgefangenen

vermietet. Eine größere Erbschaft werden wir für bauliche

Verbesserungen im Matthäistift verwenden. Mehrere Gläubigerbanken

attestierten uns mit dem Ergebnis Ihrer Ratingeinschätzung

eine hohe Bonitätseinstufung.

3.2. Ertragslage

Im Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit konnten wir

eine leichte Verbesserung auf rund ./. 105 T€ erreichen, was

allerdings vorwiegend aus der erwähnten Streichung bzw.

Kürzung des zweiten Teils der Jahressonderzahlung für eine

große Zahl unserer Mitarbeitenden resultiert. Das Finanzergebnis

war mit ./. 281 T€, besser als im Vorjahr. Die anhaltend

niedrigen Zinssätze schmälern unsere Erträge aus Finanzanlagen,

können aber nur in geringem Umfang zur Absenkung der

Zinslast aus Krediten genutzt werden, da wir langfristige

Zinsbindungen eingegangen sind.

Unser Ziel, positive, zumindest ausgeglichene Betriebsergebnisse

auch in den einzelnen Einrichtungen zu erwirtschaften,

haben wir insbesondere in stationären Einrichtungen nicht

erreicht. Die gute Auslastung unserer Förderschule für Kinder

mit geistigen Behinderungen war Grund für deren Überschuss.

Auch in unserer Werkstatt für Menschen mit Behinderungen

mit ihren drei Betriebsstätten konnten wir einen

Überschuss erzielen.

Außerordentliche Erträge wurden durch Auflösung von

Rückstellungen für den zweiten Teil der Jahressonderzahlung

2010 erzielt. Das Spendenaufkommen konnten wir im Jahr

2011 gegenüber dem Vorjahr nicht ganz halten. Gegenwärtig

überprüfen wir unsere Spendenstrategie. Verlässlicher

Berichterstattung über die vereinnahmten Spenden kommt

weiter hohes Gewicht zu, dies erfolgt in unserem Jahresbericht

und in anderen Veröffentlichungen.

Insgesamt konnten wir einen Jahresüberschuss von rd. 718

T€ erwirtschaften.

4. Bericht zur Steuerung des Vereins

Der Verwaltungsrat unseres Werkes hat eine Anlagerichtlinie

in Kraft gesetzt, mit der das ohnehin vorsichtige und konservative

Umgehen des Vorstandes mit den finanziellen Mitteln

des Vereins bestätigt wurde.

Hinsichtlich der Personalaufwendungen können wir Planungssicherheit

bis Ende 2014 konstatieren.

Der Prozess zur Erstellung des Wirtschaftsplans für das

jeweils kommende Jahr wurde optimiert, die Leiter der

Einrichtungen und Dienste werden stärker beteiligt. Damit

wachsen deren Verständnis für betriebswirtschaftliche

Zusammenhänge, das Bewusstsein, dass auch unser Werk

ein Wirtschaftsbetrieb ist und die Bereitschaft und die Kompetenz

zum ökonomischen Erfolg des Werkes, also der Erwirtschaftung

eines Überschusses, beizutragen. Nur so können

wir die Basis dafür schaffen, uns an Veränderungen anzupassen

und damit die Existenz unseres Werkes dauerhaft zu

sichern. Dass auch Überschüsse nur dem Zweck unseres

gemeinnützigen Werkes entsprechend eingesetzt werden, ist

selbstverständlich.

Im Berichtsjahr hat es keine die Existenz des Werkes bedrohenden

Sachverhalte gegeben. Die Zahlungsfähigkeit des

Werkes und seiner Einrichtungen war stets gegeben, Zahlungen

werden unter Nutzung von Skonti vorgenommen.

Wirtschaftlichen und technischen Risiken wird, soweit

wirtschaftlich vertretbar, durch Abschluss entsprechender

Versicherungsverträge begegnet. Größere Risiken aus

unterlassener Instandhaltung sind derzeit nicht zu erkennen.

5. Nachtragsbericht

Jahresbericht 2012 Wirtschaftsbericht 35

Bis zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Berichtes gab es

keine negativen Veränderungen in der Auslastung unserer

stationären Einrichtungen und ambulanten Dienste.

Das Finanzamt Leipzig II führte in unserem Werk eine Prüfung

der Jahre 2008 bis 2010 hinsichtlich Körperschaftsteuer,

Gewerbesteuer und Umsatzsteuer durch mit dem Ergebnis,


36 Jahresbericht 2012 Wirtschaftsbericht

dass uns Vorsteuer erstattet wurde. Die Zahlungsfähigkeit des

Werkes war und ist gesichert, Skonti werden bei Rechnungsbegleichung

abgezogen. Auch im Jahr 2012 sind, wo möglich,

Sondertilgungen vorgesehen. Die Gebäudesubstanz unseres

Werkes erhalten wir durch entsprechende Aufwendungen für

laufende Instandhaltungen, die Finanzierung erfolgt nur aus

eigenen Mitteln.

Mit einem privaten Investor wurden langfristige Verträge über

Betreuungsleistungen und die Betreibung einer Tagespflege

unterzeichnet. Wir erwarten die Ausweitung unserer ambulanten

Leistungen in Stadtgebiete hinein, in denen wir bisher

noch nicht aktiv waren.

In den ersten Monaten des laufenden Jahres war die Ertragslage

geprägt von zunehmenden Erträgen einerseits und

steigenden Personalkosten andererseits. Letzteres resultiert

aus den Steigerungen der Entgelte unserer Mitarbeitenden.

Die Liquiditätshaltung konnte verbessert werden.

Das Finanzergebnis wird sich vermutlich kurzfristig nicht

verbessern lassen, dies veranlasst uns aber nicht dazu,

riskantere Anlagen zu tätigen.

Wir erwarten für das laufende Geschäftsjahr ein ausgeglichenes

Jahresergebnis.

6. Ausblick

In der Altenhilfe müssen wir eine Zunahme der juristischen

Auseinandersetzungen mit Krankenkassen über die auch

finanzielle Verantwortung von Krankheitskosten feststellen.

Als Konsequenz werden wir noch mehr Wert auf die Umfänglichkeit

und die Genauigkeit der Dokumentation des Gesundheitszustandes,

durchgeführter Pflegemaßnahmen und

daraus resultierender Veränderungen des Gesundheitszustandes

unserer Bewohner legen. Der zusätzliche Zeitaufwand

wird uns in den Pflegeentgelten nicht honoriert.

Die bauliche Situation in Borsdorf hat sich gegenüber dem

Vorbericht nur insofern verändert, als wir das „Seminargebäude“,

unter alleinigem Einsatz von Eigenmitteln, haben abreißen

lassen.

Eine auch wirtschaftliche Herausforderung resultiert aus der

durch einzelne Urteile veränderten Rechtslage, derzufolge

auch für jene Menschen, die nicht oder nicht mehr in einer

geschützten Werkstatt arbeiten, Anspruch auf adäquate

Tagesförderung besteht.

Der Ev.-Luth. Diakonissenhaus Leipzig e.V. lässt gegenwärtig

das auf dessen Gelände stehende ehemalige Pfarrhaus

umbauen, um eine Nutzung als Kindertageseinrichtung zu


ermöglichen. Als Betreiber ist unser Werk vorgesehen, wir

wollen den Betrieb am 12.11.2012 aufnehmen.

Wir rechnen mit dem häufigeren Einsatz von den Wettbewerb

verstärkenden Maßnahmen. Sofern Ausschreibungen bisher

von uns im Auftrag eines Kostenträgers erbrachter Leistungen

erfolgen, werden wir unsere durch die Bindung an die AVR

vergleichsweise hohen Personalkosten auch durch hohe

Qualität der Leistungserbringung und die Nutzung ehrenamtlichen

Engagements z.B. infolge unserer Einbindung in

kirchliche Strukturen zu kompensieren versuchen. Gelingt

dies nicht, werden wir die Kürzung oder sogar die Einstellung

der betreffenden Leistungen erwägen müssen. Wir bezweifeln,

dass insbesondere der Preiswettbewerb bei Erbringung

sozialer Leistungen adäquat ist.

Die Stadt Leipzig hat die Erbringung der Leistungen der Hilfe

für wohnungslose und von Wohnungslosigkeit bedrohte

Menschen im Vergabeverfahren ausgeschrieben. Dies halten

wir nicht für rechtskonform, zumal damit die Stadt einen für

sie geltenden Vertrag verletzte. Es ist ferner festzustellen,

dass aus unserer Sicht eine Leistungserbringung nach von

der Stadt Leipzig vorgesehenen vertraglichen Regelungen

nicht innerhalb der engen Grenzen der Gemeinnützigkeit und

damit nicht von unserem Werk erbracht werden kann. Ferner

unterläge die Leistungserbringung u.E. der Mehrwertsteuer,

die würde vor allem zu einer Verteuerung der Leistungen

führen.

Die Stadt Leipzig hat den von den Betreibern zu erbringenden

Anteil an den Kosten des Betriebs von Kindereinrichtungen

mit Beginn des Jahres 2012 angehoben, weitere Anhebungen

sind zu befürchten.

Die aufgezeigten Risiken müssen wir berücksichtigen, wir

halten sie allerdings nicht für so groß, dass daraus eine

Existenzgefährdung unseres Werkes resultiert. Zumal dessen

Einrichtungen ein breites Spektrum sozialer Leistungen

anbieten und damit Vernetzungen ermöglichen, die einerseits

dem Klientel zu Gute kommen und andererseits Synergien

bergen.

An der Aufgabe, durch strukturelle Veränderungen, Überprüfung

und Anpassung von Arbeitsabläufen sowie Einsatz

weiterer Instrumente im Controlling wirtschaftliches Potential

freizusetzen, arbeiten wir kontinuierlich. Die Mitarbeit leitender

Personen unseres Werkes in wichtigen Gremien der Kirche

sowie unseres Landesverbandes setzen wir fort.

Um die Bindung freiwillig, unentgeltlich tätiger Menschen an

unser Werk sind wir weiter bemüht, stets mit den Hinweisen,

Jahresbericht 2012 Wirtschaftsbericht 37

dass auch Ehrenamt nicht frei von (finanziellem) Aufwand

wahrzunehmen ist und Ehrenamt nicht Hauptamt ersetzen

kann. Nur gemeinnützige Vereinigungen, so unsere Überzeugung,

sind allerdings in der Lage, bürgerschaftliches Engagement

im sozialen Bereich erfolgreich zu befördern. Auch unter

diesem Aspekt wird zukünftig der Zusammenarbeit und

Abstimmung mit Kirchgemeinden und anderen diakonischen

Vereinigungen mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden.

Als Dienstleister auf dem Sozialmarkt wie auch als Dienstgeber

am Arbeitmarkt genießen wir ein großes Vertrauen, für das

wir sehr dankbar sind, das uns stärkt. Um dieses Vertrauen

muss aber auch jeden Tag neu geworben werden. Wir

müssen beweisen, dass wir diesen Vertrauensvorschuss nicht

missbrauchen. Dies ist uns bewusst, es bestimmt unser

Handeln.

Soenke Junge

Kaufmännischer Vorstand

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38 Jahresbericht 2012 Bericht Verwaltungsrat

Rückblick und

zukünftige Entwicklung –

Bericht des Verwaltungsrates

Im Berichtszeitraum von September 2011 bis August 2012 hat

der Verwaltungsrat sechsmal getagt. Der Hauptausschuss

des Verwaltungsrates tagte fünfmal.

Im Folgenden soll über einige Aktivitäten und Projekte

berichtet werden, die für die weitere Entwicklung des Werkes

bedeutsam sind:

In diesem Jahr konnten zwei Einrichtungen das 100-jährige

Bestehen feiern: Die Kindertagesstätte mit dem heutigen

Namen Das Samenkorn und das Haus der Stadtmission, jetzt

mit dem Namenszusatz Begegnungs- und Integrationszentrum

Lindenau.

Am 7. Januar 2012 wurde der Gottesdienst zum Jahresbeginn

mit einem engagiert und intensiv einstudierten Krippenspiel

des Kindergartens zum 100-jährigen Bestehen der Einrichtung

gefeiert.

Am 29. Juni 2012 wurde in einem Feiergottesdienst und

weiteren Veranstaltungen das 100-jährige Bestehen des

Hauses der Stadtmission gefeiert. Dieses Haus wird zurzeit in

ein Stadtteil-Begegnungszentrum umgebaut, das von der

Werkstatt für Menschen mit Behinderungen zum Teil heute

schon betrieben wird. Diese Aktivitäten sollen in den nächsten

Jahren ausgebaut werden. Weiter oben wurde dazu bereits

ausführlicher berichtet.

Anlässlich dieser 100-Jahr-Feier wurde durch umfangreiche

Recherchen das Wirken der Familie Fritzsche zugunsten der

Inneren Mission vor 100 Jahren wieder deutlich. Besonders

Ernst Traugott Fritzsche, ab 1906 Inhaber der damals weltweit

agierenden Firma Schimmel & Co. hat gemeinsam mit seiner

Frau Magdalene Fritzsche in bedeutender Weise Grundstücke

und Häuser gestiftet, die noch heute der sozialen Arbeit in

unserem Werk und darüber hinaus dienen. Aber auch andere

Mitglieder der Familie waren in dieser Hinsicht aktiv.

Zu dieser 100-Jahr-Feier wurde deshalb auch die Ende 2011

gegründete Diakonie-Stiftung Leipzig der Öffentlichkeit

vorgestellt, die nun ihrerseits die diakonische Arbeit in Leipzig

in der Zukunft unterstützen soll.

Weiterhin zu erwähnen ist der Aufbau eines „Stellen-Pools“,

der von der Personalabteilung organisiert wird. Ziel ist es,

einige Mitarbeitende an einer Stelle im Werk anzustellen, von

der aus sie in verschiedenen Bereichen eingesetzt werden

können. Damit werden die zu Krankheits-, Urlaubs-, und

anderen Vertretungsarten bisher eingesetzten Mitarbeiterinnen

mit Mitarbeiter von Zeitarbeitsfirmen minimiert.

Die Mitarbeitenden des Stellenpools erhalten Gehälter nach

den Arbeitsvertragsrichtlinien der Diakonie und nicht die

erheblich niedrigeren der Zeitarbeitsfirmen. Gleichzeitig

können durch die wegfallenden Verwaltungsaufwendungen

und Gewinnspannen dieser Firmen die Gesamtkosten für

unser Werk im diesem Bereich eher gesenkt werden.

Weiterhin können auf diese Weise Mitarbeitende, die wir

ausgebildet haben und die gute Arbeit leisten, auch dann

übernommen werden, wenn gerade keine passenden Stellen

in den Einrichtungen frei sind. Auch andere engagiert Mitarbeitende,

die zunächst im Stellenpool arbeiten, können so bei

frei werdenden Stellen in feste Anstellungsverhältnisse

übernommen werden. Auf diese Weise können im zunehmenden

Wettbewerb um Fachkräfte gut geeignete Mitarbeitende

für unsere Dienste und Einrichtungen gewonnen

werden. Der Verwaltungsaufwand für den Stellenpool ist zwar

einerseits hoch, andererseits ist das Werk unbedingt auf gute

Fachkräfte, möglichst auch mit christlichem Hintergrund,

angewiesen, so dass sich der Aufwand lohnt.

Im Herbst 2011 konnte das Heinrich-Schumann-Haus in der

Otto-Schill-Straße 7 aus einem Erbbau-Pachtverhältnis

zurückerworben werden und dient nun durch entsprechende

Mieteinnahmen der Vermögensverwaltung des Werkes.

Außerdem hat in diesem Haus die Diakonie-Sozialstation

einen guten Platz in der Nähe der Stadtmitte gefunden.

Im Bereich des sogenannten „2. Arbeitsmarktes“ waren im

Berichtsjahr weitere deutliche Veränderungen zu verzeichnen.

Durch in diesem Bereich kaum mehr vorhandene öffentlich

geförderte Stellen können insbesondere im Bereich der

Psychosozialen Beratung, in der Ökumenischen Kontaktstube

Leipziger Oase und an einigen weiteren Stellen Leistungen

nicht mehr wie bisher erbracht werden. Zurzeit wird nach

praktikablen Lösungen gesucht. Weitere Details dieses

Themas sind im Wirtschaftsbericht benannt.

Besondere Sorgen bereitet das in diesem Bericht bereits


enannte Vorgehen der Stadt Leipzig, wonach die Leistungen

der Tagestreffs der Wohnungslosenhilfe ausgeschrieben

wurden. In einem entsprechenden Vertragsentwurf der Stadt

Leipzig war auffällig, dass neben dem Abwälzen sämtlicher

steuerrechtlicher und anderer Risiken auf die entsprechenden

Bewerber und der damit verbundenen möglichen Gefährdung

ihrer Gemeinnützigkeit die Höhe der Leistungen über drei

Jahre eingefroren wurden. Dies bedeutet durch den fehlenden

Inflationsausgleich eine Senkung der Leistung, falls nicht

durch Effizienzsteigerungen ein Teil davon ausgeglichen

werden kann.

Folgender Passus dieses Vertragsentwurfs wirkte in besonderer

Weise befremdlich: Neben den üblichen datenschutzrechtlichen

Regelungen hat der Auftragnehmer und das von ihm

beschäftigte Personal eine Schweigepflicht zu beachten und

darf – wohl nicht nur über den Arbeitsinhalt, sondern auch die

Vertragsinhalte – keine Auskünfte an Dritte, „insbesondere an

Medien, Vereine, Wohlfahrtsverbände, Religionsgemeinschaften

oder Privatpersonen….“ weitergeben. Falls dies so zu

verstehen ist, kann über die konkreten Rahmenbedingungen

der Arbeit der Wohnungslosenhilfe nicht mehr gemeinsam mit

dem Caritasverband im zuständigen Kuratorium und auch

nicht innerhalb der Arbeitsgemeinschaft der Spitzenverbände

der freien Wohlfahrt gesprochen werden, was deren Arbeit

massiv untergräbt. Auch hier wurden wohl unreflektiert im

Wirtschaftsbereich übliche Regelungen in den Sozialbereich

übernommen, ohne weitere Folgen zu bedenken.

Es ist bis zum Zeitpunkt des Entstehens dieses Berichtes

bedrückend, dass trotz vieler Gespräche des Vorstandes

unseres Werkes mit zuständigen Entscheidungsträgern und

der mehrfachen Erörterung dieses Themas seitens der

Arbeitsgemeinschaft der Spitzenverbände der Freien Wohlfahrt

in der Stadt Leipzig mit mehreren zuständigen Verwaltungsebenen

und Fraktionen des Stadtrates noch keine

sinnvolle Lösung gefunden werden konnte. Falls die Stadt

Leipzig bei dieser Haltung bleibt, muss die Arbeit der Oase

eingestellt werden. Darüber hinaus ist zu befürchten, dass

eine solche Vorgehensweise auch in anderen Arbeitsfeldern

Einzug hält, was auch deren Fortführung gefährdet.

Falls durch die vielfältigen Gespräche keine Lösung erzielt

werden kann, wird diese Entwicklung wohl öffentlich dargestellt

werden müssen, da es sich nach unserer Sicht um eine

inhaltlich signifikante und politisch brisante Veränderung des

Miteinanders von Freien Trägern und der Stadt Leipzig im

Rahmen des Subsidiaritätsprinzips handelt. Es bleibt zu

hoffen, dass das notwendige Vertrauensverhältnis zwischen

den entsprechenden Partnern keinen Schaden nimmt.

Jahresbericht 2012 Bericht Verwaltungsrat 39

Weitere Themen, deren Bearbeitung weithin schon begonnen

wurde und die in den nächsten Monaten hohe Priorität haben,

sind:

< Fortentwicklung der strategischen Überlegungen zur

Entwicklung der Altenhilfe

< Weiterentwicklung der Arbeit von Kindertagesstätten

< Fortentwicklung der internen Organisation.

An dieser Stelle danken wir im 143. Jahr des Bestehens

unseres Werkes wieder den haupt- und ehrenamtlichen

Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für ihre engagierten Dienste,

die unzähligen Menschen zugute kamen. Auch den etwa 1600

Mitgliedern unseres Werkes sowie allen Freunden und Helfern

danken wir für ehrenamtliche Dienste, für Spenden, für das

Mitbeten und Mittun sowie für andere Formen der Unterstützung.

Es bleibt zu wünschen, dass auch weiterhin durch den

Einsatz der letztlich von Gott gegebenen Begabungen und

Möglichkeiten und durch kluges Haushalten der vorhandenen

Mittel auch in der kommenden Zeit viele Menschen durch die

Arbeit des Werkes inneren Reichtum, Segen und Zukunftshoffnung

erfahren können.

Prof. Dr. Martin Petzoldt

Vorsitzender des Verwaltungsrates

Erinnerung an Heinz Wagner (1912 bis 1994)

In diesem Jahr erinnern wir uns in besonderer Weise an Prof.

D. Heinz Wagner, der am 28. November 100 Jahre alt geworden

wäre. Pfarrer Heinz Wagner war Professor für Praktische

Theologie an der Theologischen Fakultät der Universität

Leipzig und Rundfunkprediger beim Sender Leipzig, später

bei Radio DDR. Fast 45 Jahre lang war er leitend bei der

Diakonie in Leipzig tätig, seit 1946 als Direktor der Inneren

Mission und zugleich als Rektor des Diakonissenhauses Borsdorf,

seit 1960 als Vorsitzender des Verwaltungsrates der

Inneren Mission. Das Diakonische Werk Innere Mission

Leipzig e.V. hat zwei Häuser nach ihm benannt, die Wohnstätten

für Menschen mit Behinderungen in der Scheffelstraße

und in der Nieritzstraße.

Martin Petzoldt


40 Jahresbericht 2012 Anschriften

Anschriften (Stand 01.10.2012)

Diakonisches Werk Innere Mission Leipzig e.V.

Geschäftsstelle - Haus der Diakonie

Gneisenaustraße 10, 04105 Leipzig;

Tel.: 0341. 56 12 - 0 Fax: 0341. 56 12 - 11 35

Ev.-Luth. Diakonissen-Mutterhaus Borsdorf

Am Diakonissenhaus 7, 04451 Borsdorf

Tel.: 034291. 891 21

Haus der Stadtmission

Begegnungs- u. Integrationszentrum Lindenau,

Demmeringstr. 18, 04177 Leipzig, Tel.: 0341. 478 22 03

Fachbereich Altenhilfe

Beratungsstelle Altenhilfe

Diakonie im Zentrum

Nikolaikirchhof 3, 04109 Leipzig

Tel.: 0341. 58 61 72 19

Diakonie Sozialstation - Ambulanter Pflegedienst

Otto-Schill-Str. 7, 04109 Leipzig

Tel.: 0341. 230 56 56

Pflegeheime und Seniorenzentren

< Albert Schweitzer + Tagespflege

Täubchenweg 14/16, 04317 Leipzig

Tel.: 0341. 684 50

< Marienheim

Chopinstr. 14, 04103 Leipzig

Tel.: 0341. 70 22 00

< Marthahaus

Löhrstr. 9, 04105 Leipzig

Tel.: 0341. 127 20

< Matthäistift + Tagespflege

Kommandant-Prendel-Allee 85, 04299 Leipzig

Tel.: 0341. 271 30

< Matthias Claudius

Weißenfelser Str. 18, 04229 Leipzig

Tel.: 0341. 870 97 10

< Johann Hinrich Wichern

Seeburgstraße 11, 04103 Leipzig

Tel.: 0341. 866 39 11

< Paul Gerhardt

Ludolf-Colditz-Str. 3, 04651 Bad Lausick

Tel.: 034345. 530

Betreutes Wohnen am Matthäistift

Lausicker Str. 59 a, 04299 Leipzig

Tel.: 0341. 271 31 13

Betreutes Wohnen Paul Gerhardt, Bad Lausick

Ludolf-Colditz-Str. 1, 04651 Bad Lausick;

Tel.: 034345. 530

Fachbereich Behindertenhilfe

Hilfen für Menschen mit Behinderungen - Lindentreff

Demmeringstraße 20, 04177 Leipzig

Tel.: 0341. 478 22 44

Besuchs- und Begleitdienst

Gneisenaustraße 10, 04105 Leipzig

Tel.: 0341. 56 12 12 91

Blinden- und Sehbehindertendienst

Gneisenaustraße 10, 04105 Leipzig

Tel.: 0341. 56 12 12 90

Wohnstätten u. Außenwohng. für Menschen mit Behinderungen

< Ev.-Luth. Diakonissenhaus Borsdorf

August-Bebel-.Str. 8, 04451 Borsdorf

Tel.: 034291. 89-0

< Wohnverbund Alte Posthalterei

Hauptstr. 21, 04451 Panitzsch

Tel.: 034291. 424-300

< Heinz Wagner

Haus 1 - Scheffelstr. 42, 04277 Leipzig

Tel: 0341. 305 48-60

Haus 2 - Nieritzstr. 9, 04289 Leipzig

Tel.: 0341. 863 850-460

< Katharina von Bora

Freiburger Allee 74, 04416 Markkleeberg

Tel.: 0341. 350 14 71 10

< Martinstift

Arndtstr. 51 a-c, 04275 Leipzig

Tel.: 0341. 30 63 50


Lindenwerkstätten Werkstätten für behinderte Menschen

< Lindenwerkstätten WfbM I

Roßmarktstr. 17/19, 04177 Leipzig

Tel.: 0341. 478 22 00

< Lindenwerkstätten WfbM II

An den Werkstätten 4, 04451 Panitzsch

Tel.: 034291. 44 02 50

< Lindenwerkstätten WfbM III

Edisonstraße 26-28, 04435 Schkeuditz

Tel.: 034204. 704 80

Förderschule Werner Vogel

Hans-Marchwitza-Str. 12, 04279 Leipzig

Tel: 0341. 33 63 80

Fachbereich Beratungs- und

Betreuungsdienste

Diakonie im Zentrum

Nikolaikirchhof 3 in 04109 Leipzig

< KirchenBezirksSozialarbeit, Tel.: 0341. 58 61 72 22

< Evangelische Jugendhilfe, Tel.: 0341. 58 61 72 12

< Müttergenesung, Tel.: 0341. 58 61 72 20

< Evangelische Lebensberatungsstelle

Ritterstraße 5 Tel.: 0341. 140 60 40

Psychosoziales Gemeindezentrum Blickwechsel

< Beratungsstelle und Sozialcafé

Natonekstr. 2, 04155 Leipzig, Tel.: 0341. 561 14 40

< Ambulant Betreutes Wohnen

Eisenacher Str. 37, 04155 Leipzig

Tel.: 0341. 25 39 79 25

< Kreative Bürgerwerkstatt

Eisenacher Str. 68, 04155 Leipzig

Tel.: 0341. 462 43 94

< Praxis für Ergotherapie

Eisenacher Str. 68, Tel.: 0341. 462 43 95

Jahresbericht 2012 Anschriften 41

Suchtberatungs- und ambulante Behandlungsstelle

Blaues Kreuz

Georg-Schumann-Straße 172, 04159 Leipzig

Tel.: 0341. 92 65 70

Ökumen. Kontaktstube für Wohnungslose Leipziger Oase

Nürnberger Str. 31, 04103 Leipzig, Tel.: 0341. 268 26 70

Ökumen. Kontaktstube für Wohnungslose Teekeller Quelle

Nordplatz 14, 04105 Leipzig, Tel.: 0175. 447 80 12

Ökumen. Kontaktstube für Wohnungslose Kleiderkammer

Passgenau, Georg-Schuhmann-Straße 172,

Tel.: 0176. 53 26 14 57

Evangelische Kindertagesstätten

< Das Samenkorn

Demmeringstr. 18, 04177 Leipzig;

Tel.: 0341. 87 07 98-0

< Mosaik

Ferdinand-Rhode-Str. 17 A, 04107 Leipzig

Tel.: 0341. 124 79 90

< Nathanael

Rietschelstraße 12, 04177 Leipzig

Tel.: 0341. 47 83 91 72

< Unter dem Regenbogen

Löhrstr. 9, 04105 Leipzig

Tel.: 0341. 12 452 80

< Kinderarche

Goldsternstraße 21a, 04329 Leipzig

Tel.: 0341. 251 92 72

< St. Moritz

Max-Liebermann-Straße 2, 04425 Taucha

Tel.: 034298. 98 97 57

Ökumenische Telefonseelsorge Leipzig

Geschäftsstelle, Paul-List-Str.19, 04103 Leipzig

Tel.: 0341. 994 06 76

Ökumenische Bahnhofsmission Leipzig

Hauptbahnhof, Westseite (Betriebsführung: Caritasverband)

Willy-Brandt-Platz 2a, 04109 Leipzig

Tel.: 0341. 968 32 54


42 Jahresbericht 2012 Kurzchronik

Kurzchronik 2012

Januar

Am 7. Januar feiert die Kindertagesstätte Das Samenkorn

seinen 100. Geburtstag im Festgottesdienst zum Jahresbeginn

in den Räumen der Stadtmission. Es spielte erstmalig ein

Posaunenchor, der aus Diakonie-Mitarbeitern besteht und es

sang der Elternchor der Kita Das Samenkorn.

Februar

Am 29. Februar fand die offizielle Eröffnung der neuen

Außenwohngruppe der Wohnstätte für Menschen mit Behinderungen

in Markkleeberg statt. Damit kann die Wohnstätte

Katharina von Bora ein differenziertes Wohnangebot für

Menschen mit Behinderungen vorhalten.

April

Bereits zum zweiten Mal fand am 27. April ein Diakonischer

Jugendtag in Leipzig statt. Über 100 Jugendliche besuchten

einen Tag lang eine Einrichtung der Diakonie und lernten

soziale Arbeit vor Ort kennen.

Mai

Am 10. Mai fand besuchten die Leiterinnen und Leiter sowie

Mitglieder der Mitarbeitervertretung die Weiterbildung „Sucht

am Arbeitsplatz“ im Haus der Stadtmission.

Diese Veranstaltung war Teil eines vom Betrieblichen Gesundheitsmanagement

organisierten Weiterbildungsprogramms.

Juni

Der vierte Gottesdienst Inklusive fand am 17. Juni in der

Bethlehemkirche Leipzig statt. Mitwirkende waren die Bewohnerinnen

und Bewohner des Martinstiftes sowie Kinder und

Jugendliche der Kirchgemeinde.

Das 100-jährige Bestehen des Hauses der Stadtmission

wurde am 29. Juni mit einem Festakt und einem bunten

Programm gefeiert. Zu diesem Anlass wurde auch die Gründung

der Diakonie-Stiftung Leipzig der Öffentlichkeit bekannt

gegeben.

Juli

Mit einer Festwoche beging die Förderschule Werner Vogel in

der Woche vom 2. bis 7. Juli ihr Fest zum 20-jährigen Bestehen

mit zahlreichen Veranstaltungen. Der Festgottesdienst mit

der Stunde der Erinnerung wurde am 2. Juli mit vielen Gästen

gefeiert.

September

Am 1. September feierte die Theatergruppe „Südstaatler“

Premiere ihres nunmehr dritten Stückes „Die elfte Posaune“. In

dieser Theatergruppe spielen Bewohnerinnen und Bewohner

unserer Wohnstätten Martinstift und Heinz-Wagner, Haus 2.

Oktober

Der 5. Gottesdienst Inklusive wurde am 14. Oktober in der

Nikolaikirche Leipzig gefeiert. Mitwirkende waren der Chor der

Förderschule Werner Vogel und der Gebärdenchor des

Berufsbildungswerkes Leipzig.

November

Der Festgottesdienst zum 143. Jahresfest findet am 11.

November um 9.30 Uhr in der Thomaskirche zu Leipzig statt.

Die Predigt hält Oberkirchenrat Christhard Wagner, es singt

der Thomanerchor.

Gemeinsam mit dem Ev.-Luth. Diakonissenhaus Leipzig e.V.

eröffnet die Diakonie Leipzig die neue Kindertagesstätte

Arche Noah in dem sehr schönen ehemaligen Pfarrhaus auf

dem Gelände des Diakonissenkrankenhauses. Diese Kita

kann 60 Kinder aufnehmen, davon 21 Krippenkinder und 39

Kindergartenkinder.

Dezember

Wir laden herzlich ein zur Weihnachtsmusik des Diakonischen

Werkes am 16. Dezember 2012 um 15:30 Uhr in der Nikolaikirche.

Es singt die Schola Cantorum unter der Leitung von

Marcus Friedrich.


Der Verwaltungsrat des Diakonischen Werkes Innere Mission Leipzig e.V. für die 6. Legislaturperiode (2011 bis 2015)

in alphabetischer Reihenfolge

Gewählte Mitglieder (stimmberechtigt)

• Pastorin Elke Bucksch

• Matthias Krause

• Wolfgang Menz

• Prof. Dr. Martin Petzoldt (Vorsitzender)

• Prof. Dr. Bernhard Rohde

• Pfarrer Hans-Christoph Runne

• Kristin Unverzagt

• Friedrich Vosberg

Geborenes Mitglied (stimmberechtigt)

• Superintendent Martin Henker

Berufene Mitglieder (stimmberechtigt)

• Jens Gerlach

• Siegfried Haller

• Jasmine Schwarzer

Impressum

Herausgegeben vom Verwaltungsrat des Diakonischen Werkes

Innere Mission Leipzig e.V.

Leipzig, November 2012

Haus der Diakonie I Gneisenaustraße 10 I 04105 Leipzig

Redaktion: Susanne Straßberger

Gestaltung: MARTENS – Grafikbüro Leipzig { www.m-art-ens.com }

Druck: Merkurdruck Leipzig

Personen, die an der Sitzung des Verwaltungsrates

gemäß der Satzung § 8 Abs. 4 beratend teilnehmen

• Rektorin des Ev.-Luth. Diakonissen-Mutterhauses

Borsdorf – Pfarrerin Friederike Müller

• Fachbereich Altenhilfe – Susann Merkel

• Fachbereich Behindertenhilfe – Susann Hanske

• Fachbereich Beratungs- und Betreuungsdienste

– Benjamin Förster

• Vorsitzender der Mitarbeitervertretung – Jörg Nagel

• Direktor des Diakonischen Amtes Radebeul Pfarrer

Christian Schönfeld ständig vertreten von Kaufm.

Vorstand Friedhelm Fürst

Fotos/Bildnachweise:

Titel – Swen Reichhold

Swen Reichhold – Seiten 1, 10, 11, 16, 17, 27, 34

Matthias Möller – Seiten 4, 5, 13, 14, 15, 19, 28

Susanne Straßberger – Seite 18

schoki_01 - fotolia.com – Seite 6

complize / photocase.com – Seite 7

Kita Das Samenkorn – Petra Kahnt – Seiten 20, 22, 23

Kzenon - fotolia.com – Seite 24

rowan/photocase.com – Seite 26

Andreas Seller und Unbekannt – Seite 30

Simon Pech – Seite 31 { www.augen-futter.com }

Texte:

Susanne Straßberger (soweit nicht anders angegeben)


Diakonisches Werk

Innere Mission Leipzig e.V.

Haus der Diakonie

Gneisenaustraße 10

04105 Leipzig

Telefon 0341. 56 12 - 0

Telefax 0341. 56 12 11 35

E-Mail info@diakonie-leipzig.de

www.diakonie-leipzig.de

Spendenkonto

Volksbank Leipzig eG

Konto: 100 100 100

BLZ: 860 956 04

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