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Wagnersche Magazin FJ 2025

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Wagner’sche

Innsbruck

Bücher Stierle

Salzburg

Stierle Kelten-

Buchhandlung

Hallein

Leporello die

Buchhandlung

Wien

Stöger —

Leporello die

Buchhandlung

Wien

Das Magazin unserer unabhängigen Buchhandlungen — 03.2025

#

unabhängig

No. 19


Impressum

Herausgeber und für den Inhalt verantwortlich:

Wagner’sche Universitätsbuchhandlung, Medici Buchhandels GmbH,

Museumstraße 4, 6020 Innsbruck

info@wagnersche.at, robert.renk@wagnersche.at — www.wagnersche.at

Redaktion: Robert Renk

Texte: div. (© bei den Autor*innen)

Grafische Ausstattung: himmel, Studio für Design und Kommunikation

Fotografie: © der Abbildungen bei den einzelnen Rechteinhaber*innen

Titelbild: Ilija Trojanow fotografiert von © Thomas Dorn

Korrekturen: Angelika Moser (www.korrekterweise.at)

Druck: Alpina Druck GmbH, Innsbruck

2

Fehler, Änderungen und Irrtümer vorbehalten. © 03.2025

Bücher seit 1639

#Vorwort

Motiviert, voller Ideen

und mit viel Vorfreude auf

die tollen Buchneuheiten

sind wir ins 386. Jahr der

Wagner’schen Buchhandlung

gestartet. Ganz besonders

freut es uns, dass der Egmont

Verlag auf unseren Vorschlag,

einen neuen Asterix auf

Tirolerisch herauszubringen,

eingegangen ist. Niemand

geringerer als Kabarettist

Markus Koschuh hat den

Band Kampf der Häuptlinge

ins Tirolerische übersetzt.

Wir freuen uns schon auf die

Buchpräsentation bei uns im

Haus! Mehr über den Asterix

Mander, s’isch Zeit! und andere

tolle Novitäten finden

Sie in unserem aktuellen

Magazin. Natürlich gibt es

aber auch wieder zahlreiche

andere Veranstaltungen an

allen unseren Standorten.

Am 20. Feber war Daniella

Spera zu Gast bei Leporello.

Bei Stöger gibt es eine

Doppel lesung mit zwei tollen

Debütantinnen. Und in

der Wagner’schen darf man

sich auf Franzobel freuen.

Aber mehr davon in unserem

neuen Magazin.

Viel Spaß beim Lesen!

Markus Renk (re.), Markus Hatzer

Inhalt

4 Neues aus den Buchhandlungen

Was ist los in Wien, Salzburg und Innsbruck

10 Zu viel Zäune

Markus Köhle präsentiert seinen neuen Roman

in der Wagner’schen und bei Stierle

12 Der Macht in die

Kiemen geschaut

Ilija Trojanow einmal mehr zu Gast in der Wagner’schen

16 Wildkräuter in Hallein

Rene Schröder präsentiert ihr Buch in der Keltenbuchhandlung

18 Prosafestival

Melanie Raabe liest beim 23. Innsbrucker Prosafestival

22 Karl-Markus Gauß

legt einen wichtigen Essayband vor …

24 Viel Schnee in Grönland

Franzobel mit seinem neuen Roman zu Gast in der Wagner’schen

26 Zwei wunderbare Debüts

Bei Stöger lesen Annemarie Andre und Selina Holešinsky

28 Literatur + Musik

Ein unvergleichlicher Abend für Klemens Klex Wolf

30 Vaterroman in Wien-Döbling

Michael Meister zu Gast bei Leporello

32 Birgit Birnbacher

moderiert die 47. Innsbrucker Wochenendgespräche

38 Isabella Feimer

liest beim Jubiläumsfestival – 10 Jahre Lyrik

42 Asterix auf Tirolerisch

Markus Koschuh als Übersetzer …

44 Klaus Merz …

wird 80 und wir feiern. Und WIE !

46 Mit den besten Empfehlungen

48 3×7 Best aber Seller



„Von allen Welten, die der

Mensch erschaffen hat, ist die

der Bücher die Gewaltigste“

Unsere Kollegin Andrea gestaltet die liebevoll verpackten und handbeschrifteten Buch-Blind-Dates.

© Wagner’sche Innsbruck

(Heinrich Heine)

Bücher sind so vieles. Sie sind Abenteuer

im Kopf, sie sind Bildung, sie sind festgeschriebenes

kollektives Menschheitswissen.

Sie sind ein Kulturgut, das vergeblich seinesgleichen

sucht. Und doch wird immer wieder

behauptet oder befürchtet, Bücher seien

überholt. Wir können beruhigen. Bücher sind

das vielleicht am öftesten totgesagte Produkt,

das aber so lebendig ist wie noch nie.

Bücher sind so viel mehr als nur auf Papier

gedruckter und gebundener Text, Bücher und

Buchhandlungen vermitteln Lebensgefühle.

Und es ist etwas zutiefst Menschliches, zu

lesen.

Bücherfrühling in der

Wagner’schen

Der Frühling ist eine der Jahreszeiten,

die für uns in der Wagner’schen besonders

spannend sind. Das alte Geschäftsjahr

ist abgeschlossen und wir schauen

voller Vorfreude in Richtung der neuen

Büchersaison. Auch in diesem Jahr sind

wir wieder begeistert von dem, was der

Markt zu bieten hat, und freuen uns unglaublich

darauf, Ihnen die aufregenden

Neuerscheinungen in persönlichen Gesprächen,

auf unseren Social-Media-Kanälen

und bei unseren großartigen literarischen

Veranstaltungen zu präsentieren.

Wir haben uns wieder ein umfang- und

abwechslungsreiches Programm für Sie

einfallen lassen, das Sie auf den kommenden

Seiten in diesem Heft kennenlernen

können. Zwei besondere Aktionen dürfen

aber auch schon einleitend eine Erwähnung

finden:

Bernhard Aichner wird den zweiten

Band seiner unter die Haut gehenden

Thriller-Reihe rund um Yoko persönlich für

Sie bei uns signieren. Sie dürfen sich also

darauf freuen, den Autor am 16. Juni am

Nachmittag in der Wagner’schen anzutreffen,

sich mit ihm auszutauschen und

ihn dabei zu beobachten, wie er sich erneut

die Finger wund schreibt. Natürlich ist das

Buch, John, auch signiert in all unseren

Filialen vorbestellbar.

Das zweite große Event wird ebenfalls im

Sommer stattfinden und die Präsentation

eines neuen Asterix auf Tirolerisch beinhalten.

Sicherlich erinnern Sie sich noch

an den großen Erfolg des mittlerweile

vergriffenen ersten Bandes. Wir sind sehr

gespannt und zuversichtlich, dass der zweite

Band ebenso gut bei Ihnen Anklang finden

wird wie sein Vorgänger.

Bücherwelt im Wandel:

Digitalisierung,

BookTok & Co

Eine der großen Herausforderungen im

Buchhandel ist es, sich stets an den sich

ständig vollziehenden Wandel der Bücherwelt

anzupassen. Womöglich liegt auch

hierin der Grund für die eingangs erwähnte

Unsicherheit, die in Bezug auf das Thema

Buch immer wieder anklingt. Wir sehen

das allerdings nicht so. Wandel ist etwas

Positives und bringt neben den Herausforderungen

auch große Chancen.

Junge Menschen informieren sich immer

mehr über digitale Kanäle. So auch über

die App TikTok, welche die Welt im Sturm

erobert hat, auch wenn sie nicht nur Gutes

bringt. Gut ist auf jeden Fall BookTok,

die lebendige Buch-Community auf

TikTok. Sie hat sich zu einem nicht mehr

wegzudenkenden Trend entwickelt, der

das Leseverhalten vieler, vor allem junger

Menschen beeinflusst. Die Plattform bietet

aber auch für uns als Wagner’sche Buchhandlung

zahlreiche Chancen, unsere jüngere

Zielgruppe zu erreichen und auf ihre

Wünsche einzugehen. Durch virale Buchempfehlungen

und kreative Inhalte können

selbst weniger bekannte oder auch ältere

Titel schnell an Popularität gewinnen und

zu Bestsellern werden. Außerdem haben die

jungen Menschen, die sich in dieser Bubble

bewegen, ein Auge für das Schöne. Aufwändig

gestaltete Cover und Farbschnitte

dominieren den Büchermarkt und natürlich

findet man deshalb auch bei uns in der

Wagner’schen eine tolle Auswahl an diesen

Buch-Kunstwerken in der New-Adultund

Fantasy-Sektion. Übrigens: Auch die

Wagner’sche Buchhandlung findet man

mit einem eigenen Account auf TikTok –

vorbeischauen lohnt sich!

Alt, aber neu – unser

„Wagner’sche“-Verlag

Natürlich liegt ein Fokus unserer Traditionsbuchhandlung

neben den neuen Trends,

die wir lieben, nach wie vor auf unserem

eigenen Regionalverlag. Es ist wahnsinnig

wichtig, neben den Jugendlichen und jungen

Erwachsenen auch Kindern einen Zugang

zum Thema Buch zu bieten. So sind

kürzlich ein eigenes Innsbruck-Rätselheft

für Kinder ab 7, ein Innsbruck-DKT und

ein neuer Band unserer beliebten „Erinnerungen

an Innsbruck“-Reihe mit dem

Stadtteil Mühlau im Fokus erschienen.

Auch in diesem Jahr dürfen Sie sich wieder

auf vielfältige Neuerscheinungen freuen –

Sie dürfen gespannt sein!

Besondere Services

von uns für Sie

Ein Vorteil, den der Buchhandel gegenüber

aller Konkurrenz aus dem Internet hat, ist

die der persönlichen Kundenbetreuung.

Die Wagner’sche hat ein weitreichendes

Angebot an besonderen Ideen, die Freude

bereiten: Kennen Sie beispielsweise schon

unsere Literatur-Abos? Unsere Kollegin

Lena stellt Ihnen ganz nach Ihren Vorlieben

und Ihrem persönlichen Rhythmus Bücher

zusammen und schickt sie als Buchüberraschung

zu. Und für eine gänzliche Überraschung

gestaltet unsere Kollegin Andrea

liebevoll verpackte und handbeschriftete

Buch-Blind-Dates.

Für schnelle Bestellungen bieten wir seit

einigen Wochen auch eine Bestellmöglichkeit

über WhatsApp an.

Eine Zusammenfassung all unserer

besonderen Services finden Sie zudem auf

unserer Homepage: www.wagnersche.at

4

Wagner’sche.

© Wagner’sche Innsbruck

Nicht alt aber neu sind unsere Schreibblöcke in tollen Frühlingsfarben.

Wagner’sche

Aufwändig gestaltete Cover und Farbschnitte dominieren den Büchermarkt.

© Wagner’sche Innsbruck

Innsbruck



Bücher

Stierle

Salzburg

Leporello

Wien

© Leproello die Buchhandlung, Wien

In Salzburg wurde umgebaut …

Empfehlungen vom Team der Stöger-Leporello Buchhandlung in Wien.

© Bücher Stierle, Salzburg

… und Hallein sendet beste Grüße!

Buchgenuss nach Ladenschluss jetzt auch bei Leporello in Wien!

© Stierle Kelten-Buchhandlung, Hallein

Stierle

Kelten- Buchhandlung

Hallein

Stöger–

Leporello

Wien

Alt, aber neu –

auch in Salzburg und Wien

In unseren Buchhandlungen in Wien und

Salzburg wird die Servicepalette ebenso erweitert.

An allen Orten hat es kleinere Umbauten

gegeben, um noch zielorientierter zu

arbeiten und den Kund*innen die Übersicht

zu erleichtern. Neue Kooperationen wurden

eingegangen, um u. a. auf Social Media das

Buch in andere Kontexte zu stellen.

So startet das neue Team in der Buchhandlung

Stierle eine Instagram-Aktion

mit dem Tee-Atelier „Tee am Eck“ von Tee-

Sommelier Nadja Huber-Ress. Wöchentliche

Posts münden in eine Abendveranstaltung

mit Teeverkostung und Bücherpräsentationen

(14. Mai um 18:30 Uhr).

Und auch der Tiroler Autor Markus

Köhle wird mit seinem neuen Buch

Land der Zäune bei Stierle vorbeischauen

(25. Juni um 19:00 Uhr).

Nicht weit entfernt in Hallein wird

weiter jeweils am ersten Samstag des

Monats an feinen Kinderbuchlesungen

gearbeitet. Auch die Kooperation mit

der Stadtbücherei Hallein wird beständig

weitergeführt. Unter anderem konnte unser

Kollege Hans Hamedinger die Bekanntschaft

der großartigen Hamburger Autorin

Isabel Bogdan machen. Sie gab in Hallein

ihr Österreichdebüt mit ihrem aktuellen

Roman Wohnverwandschaften (Kiepenheuer

& Witsch 2024). Im ersten Halbjahr folgen

noch Lesungen mit Olga Grjasnowa und

Beate Maxian.

Und dann ist da natürlich noch die Lesung

im eigenen Haus mit Renée Schroeder

und ihren Wildkräutern (siehe Seite 16)!

Am 25. Juni wird es in Hallein etwas

Nicht-Alltägliches geben: eine Kooperation

von Evangelischer Kirche Hallein, Stadtbücherei

und Kelten-Buchhandlung.

Felix Leibrock, der sowohl Regionalkrimis

als auch spirituelle Bücher schreibt, wird

versuchen, diese Themenbereiche zu verbinden.

Nachdem er Leiter des Evangelischen

Bildungswerkes in München ist, wird

ihm das sicher auch gelingen. Eine Buchpräsentation

in der Evangelischen Kirche?

Nachahmenswert finden wir!

Von der Evangelischen

Kirche in das jüdische Wien

Eine äußerst gelungene Buchpräsentation

gab es schon am 20.2. in der Buchhandlung

Leporello. Danielle Spera präsentierte –

unter großem Andrang – ihr Buch Stammgäste

– Jüdinnen und Juden am Semmering

(Amalthea 2024). Mit jüdischen Gästen verbindet

den Semmering eine lange Geschichte,

die vom Mittelalter, als Handelswege jüdischer

Kaufleute durch das Gebiet führten,

bis heute reicht. Prominente wie Sigmund

Freud, Arthur Schnitzler, Berta Zuckerkandl

kamen zur Sommerfrische, bewohnten Villen

und kleideten sich in örtliche Trachten als

Zeichen ihrer Zugehörigkeit. Doch unbeschwerte

Ferientage werden immer mehr

durch Antisemitismus getrübt, der schließlich

in die Vertreibung und Enteignung

durch die Nationalsozialisten mündet. All

das schilderte Spera eindrücklich. Sich

gemeinsam bei einer Abendveranstaltung

einem schwereren Thema zu widmen, auch

das kann eine Buchhandlung besser leisten

als viele anderen Orte, finden wir.

Neben den Kinderlesungen jeden

Dienstag und einem tollen Programm an

Buchpräsentationen (u. a. Gabor Fónyad

am 4. April) bietet Leporello auch ein neues

Service an.

Sie haben schon immer den

heimlichen Wunsch gehegt,

einmal bei uns im Leporello

eingesperrt zu werden?

Zwei volle Stunden ohne Kund*innen und

Buchhändler*innen die Buchhandlung

mehr oder weniger alleine zu nutzen? Dann

haben wir eine tolle Nachricht für Sie!

Leporello macht’s nun auch möglich!

Unter dem Motto „Buchgenuss nach

Ladenschluss“ stellen wir Ihnen die Buchhandlung

zur Verfügung. Ob mit Ihrer

Familie, den Verwandten oder Bekannten

oder mit Ihren Arbeitskolleg*innen –

buchen Sie einfach bei uns Ihren Abend.

Neben dem literarischen Erlebnis

erwartet Sie auch ein kleiner Snack.

In Kooperation mit „Pepper und Ginny –

Vegane Feinkost Wien“ bieten wir Ihnen

eine Hot-Dog-Station zum Selbstbefüllen

an und unsere selbstgebackenen „Bookies“.

Mehr unter www.leporello.at.

Die Buchhandlung als Ort

des Zusammenkommens

Dass eine Buchhandlung ein besonderes

Flair ausstrahlt, hören wir immer wieder.

Im Kleinen ist es auch ein Ort der positiven

Gesellschaftsentwicklung. Ein Ort, in dem

es sich mit der Lage der Welt entweder

intensiv beschäftigen oder wunderbar ab -

lenken lässt. Und am besten tut man das

gemeinsam. So wie in unserer Buchhandlung

Stöger-Leporello im 19. Bezirk.

Chefin Ina Cassik hat dort einen

Lesekreis eingerichtet, der bestens funktioniert

und den Ort als Inspiration feiert.

Darüber hinaus setzt man auch hier auf

Lesungen für Kinder (z. B. mit Bettina

Kleinszig am 22. März um 16:00 für Kinder

ab 9 Jahren). Ein besonderes Anliegen ist

uns die Förderung junger Autor*innen.

Dem tragen Ina Cassik und ihr Team Rechnung

und laden gleich zwei Debütantinnen

zur Lesung. Darüber lesen sie auf Seite 26.

Auf jeden Fall eine wunderbare Gelegenheit,

die Buch handlung als Ort der bewussten

Begegnung zu erleben.

Wir freuen uns darauf, wenn Sie uns auch

in dieser Büchersaison wieder begleiten, und

bedanken uns ganz herzlich für Ihre Treue!

Helene Töchterle & Robert Renk

© Stöger-Leporello die Buchhandlung, Wien

6 7

Wagner’sche.

Bücher seit 1639



Alle Veranstaltungen

im Überblick

Bücher seit 1639

Die älteste Buchhandlung Tirols feiert ihr Jubiläum!

März bis Oktober 2025

© Melanie Renk

März

Fr 07.03.25

Di 11.03.25

Di 18.03.25

Do 20.03.25

Fr 21.03.25

Sa 22.03.25

April

Mi 02.04.25

Do 03.04.25

Fr 04.04.25

Sa 05.04.25

Lesung Eva Lugbauer

18:30 Uhr, Leporello

Eintritt: € 7,00

Vorlesedienstag

für Kinder

9:00 Uhr, Leporello

Eintritt: frei!*

Lesung Markus Köhle

19:30 Uhr, Wagner’sche

Eintritt: frei!

Lesung

Michèle Yves Pauty

18:30 Uhr, Leporello

Eintritt: € 7,00

Lesung Elfriede Wimmer

ab 7 Jahren

16:00 Uhr, Leporello,

Eintritt: € 3,00

Lesung Bettina Kleinszig

ab 9 Jahren

16:00 Uhr, Stöger

Eintritt: € 5,00

Lesung Ilija Trojanow

19:30 Uhr, Wagner’sche

Eintritt: € 9,00/7,00

Lesung Renée Schroeder

18:30 Uhr, Kelten

Eintritt: frei!

Lesung Gabor Fónyad

18:30 Uhr, Leporello

Eintritt: € 7,00

Kinderbuchlesungen

10:00 Uhr, Kelten

Eintritt: frei!**

Mi 09.04.25

Fr 11.04.25

Di 15.04.25

Mi 23.04.25

Mi 30.04.25

Mai

Mi 07.05.25

Fr 09.05.25

Mi 14.05.25

Lesung Olga Grjasnowa

19:00 Uhr,

Stadtbücherei Hallein

Eintritt: frei!

Buchholz / Raabe/

Köller / Steinbeck

19:30 Uhr, Wagner’sche

Eintritt: frei!

Lesung

Karl-Markus Gauß

19:30 Uhr, Wagner’sche

Eintritt: € 9,00/7,00

Lesung Franzobel

19:30 Uhr, Wagner’sche

Eintritt: € 9,00/7,00

Debüt-Lesung

Annemarie Andre und

Selina Holešinsky

19:00 Uhr, Stöger

Eintritt: € 7,00

Lesung Beate Maxian

19:00 Uhr,

Stadtbücherei Hallein

Eintritt: frei!

Kinderbuchlesung

in Kooperation mit

Diakonie Bildung

ab 6 Jahren

16:00 Uhr, Leporello

Eintritt: € 3,00

Tee und Buch

18:30 Uhr, Stierle

Eintritt: frei!

Wagner’sche, Wagner’sche Altstadt Bücher Stierle Stierle Kelten-Buchhandlung

Leporello die Buchhandlung Stöger – Leporello die Buchhandlung

Do 15.05.25

Fr 16.05.25

Juni

Di 03.06.25

Sa 14.06.25

Mi 25.06.25

Mi 25.06.25

Oktober

Fr 03.10.25

Do 16.10.25

Lesung Michael Meister

18:30 Uhr, Leporello

Eintritt: € 7,00

Lesung

Doris Schmidauer

19:30 Uhr, Wagner’sche

Eintritt: frei!

Lesung Markus Koschuh

19:30 Uhr, Wagner’sche

Eintritt: € 9,00/7,00

Lesung

Feimer / Leuenberger

19:30 Uhr, Wagner’sche

Eintritt: frei!

Lesung Markus Köhle

19:00 Uhr, Stierle

Eintritt: € 7,00

Lesung Felix Leibrock

19:00 Uhr,

Evangelische Kirche

Hallein

Eintritt: frei!

80. Geburtstag

Klaus Merz

19:30 Uhr, Wagner’sche

Eintritt: frei!

Lesung Barbara Smrzka

18:30 Uhr, Leporello

Eintritt: € 7,00

9

* Jeden Dienstag: 9:00 Uhr, Leporello (Voranmeldung), Eintritt: frei

** Jeden 1. Samstag im Monat: 10:00 Uhr, Kelten (Voranmeldung), Eintritt: frei

Bücher seit 1639

Unter dem Motto „385 Jahre Bücherliebe“

blickte die Wagner’sche im November 2024

mit Freude, Dankbarkeit und ein wenig

Nostalgie auf ihre wechselhafte Geschichte

zurück.

„Das besondere Jubiläum nehmen wir

zum Anlass, uns über gemeisterte Herausforderungen

zu freuen und positiv in die

Zukunft zu blicken. Gemeinsam mit unseren

Kund*innen werden wir die Geschichte

unserer Buchhandlung mit vielen weiteren

spannenden Kapiteln fortschreiben“, sagt

Markus Renk, Geschäftsführer der

Wagner’schen.

Wie alles begann

Wir schreiben das Jahr 1639, als sich die

Ereignisse in der Tiroler Buchdruckerszene

überschlagen. Nachdem kurz nacheinander

beide in der Landeshauptstadt ansässigen

Drucker verstarben, nutzte der Druckergeselle

Michael Wagner die ihm gebotene

Chance und kam durch Heirat mit der

Witwe des Buchdruckers Hans Gäch in

den Besitz einer eigenen Druckerwerkstatt.

Zudem war es ihm als „Buchführer“ gestattet,

Bücher zu vertreiben. Damit legte

er den Grundstein für die Geschichte der

Wagner’schen Buchhandlung.

Jubiläumsfest

Mit über 300 Gästen aus Politik und Wirtschaft,

Mitarbeiter*innen, Freund*innen,

Familie und Wegbegleiter*innen wurde am

Dienstag, den 5. November 2024, in der

Buchhandlung gefeiert. Vertreter*innen

des Landes, der Stadt, der Wirtschaftskammer

und des Hauptverbandes des

österreichischen Buchhandels würdigten

die Wagner’sche als wichtigen Bestandteil

des kulturellen Lebens in Innsbruck und

der Buchhandelslandschaft in Österreich.

Roland Sila, Bibliotheksleiter des Ferdinandeums,

gab in einem historischen Abriss

spannende Einblicke in die jahrhundertelange

Geschichte. Hannes Sprenger sorgte

mit seinen jazzigen Saxophonklängen für

musikalische Erfrischung.



Buchpräsentation:

Markus Köhle liest aus

Land der Zäune

Moderation: Martin Fritz

Di., 18. März 2025, 19:30 Uhr

Wagner’sche Buchhandlung,

Innsbruck

Eintritt: frei

(um Anmeldung wird gebeten:

literatur@wagnersche.at)

Markus Köhle liest aus

Land der Zäune

Moderation: Robert Renk

Mi., 25. Juni 2025, 19:00 Uhr

Buchhandlung Stierle,

Salzburg

Eintritt: € 7,00

© Alain Barbero

Wagner’sche

Innsbruck

Bücher

Stierle

Salzburg

Dann muss

es eine Berufung

sein, Pfosten

sein zu dürfen.

Bücher seit 1639

Der Zaun in den Köpfen

der Menschen

Land der Zäune, ein wunderbarer sprachspielerisch

und -kritischer Roman. Martin Fritz hat einiges zwischen

Zäunen, Pfosten, Grenzen und Haustieren erfahren.

Martin Fritz: In deinen bislang

jüngsten Büchern beschäftigst du dich

explizit mit deinen biographischen

und literarischen Wurzeln (in

Zurück in die Herkunft, 2022) bzw.

sind die (Haupt-)Figuren von Das

Dorf ist wie das Internet, es vergisst

nichts (2023) dir und deinem

persönlichen Umfeld sicher näher

als Hans Sagmeister, die Hauptfigur

deines aktuellen Romans Land der

Zäune (2025), ein in der niederösterreichischen

Speckgürtel-Zersiedlung

herumgrantelnder Nachbarschafts-

Querulant. Was hat dich zu diesem

Blick in eine völlig andere (als der

eigenen) Blase bewegt, in der die

heilige Dreifaltigkeit aus Carport,

Gabione und Pool regiert?

Markus Köhle: Ich wollte eine Figur erschaffen,

die nichts mit mir zu tun hat.

Seit der Sagmeister aber im Buche steht,

begegnet er mir andauernd. Denn in der

gegenwärtigen Gesellschaft haben wir alle es

leider zunehmend mit solchen Ungeheuern

namens Hans zu tun. Die Idee war, die

Verhältnisse im Großen herunterzubrechen

auf eine Figur und deren Geschichte. Ich

wollte zeigen, wie alles im Kleinen beginnt

und wohin es führen kann. Am Anfang

stehen Selbstverblendung, persönliche Abschottung

und Nachbarschaftskleinkriege

und weil sich Hans Sagmeister in allem so

erfolgreich und im Recht wähnt, muss am

Ende die große Polit-Karriere stehen.

Hans Sagmeister ist Zaun-Fan,

Gründer der ZPÖ (Zaun Partei

Österreichs), Mähroboter-Halter

und – bei allem Respekt, aller Liebe

und Zwiespältigkeit – eine insgesamt

sehr unsympathische Figur. Wie war

es, beim Schreiben so lange Zeit

in seinem Kopf zu verbringen, der

noch dazu (für konventionelle

Romanhandlungen sehr ungünstig!)

ausgesprochen soziophob ist?

11

Unsympathisch ja, aber doch auch interessant.

Das war das Ziel und wohl auch

der schwierigste Teil. Noch dazu, weil ich

das Ganze anfangs aus der Ich- Perspektive

erzählt habe. Diese erste Fassung habe ich

verworfen und dann alles nochmal mit

Distanz neu erzählt. Dabei hat generell

geholfen, mir vorzustellen: Wie würde ich

es nicht machen? Und: Wenn jemand

Zäune verherrlicht, dann muss das Brett

vorm Topf ein Ziel sein. Dann muss es

eine Berufung sein, Pfosten sein zu dürfen.

Bist du beim Schreiben auch zum

Zauny, also zum Teil der Zaun-Liebhaber-Community

geworden? Was ist

deine persönliche Lieblings-Zaunart

und welche bringt dich in Rage?

Nein. Ich habe zwar mit Staunen im Zuge

der Recherchen entdeckt, dass es beispielsweise

Zaunpedia gibt und jede Menge andere

Foren für Leute mit Zaun-Fetisch, mich

aber nicht weiter darauf eingelassen, denn

das Verbindende dieser Communitys ist

ja an sich die Abgrenzung. Kopfschütteln

machen mich noch immer Drahtgittersteinkörbe

in unterschiedlichsten Ausführungen.

Für Rage reicht nur noch der Zaun in den

Köpfen der Menschen.

Wir müssen auch über das ernste

Thema Katzen reden – Herr Hans’

Katzenhass kennt kaum Grenzen,

nicht einmal das Musical Cats bleibt

verschont. Hier müssen wir den Autor

wohl strikt vom Text und seiner Figur

trennen oder spricht da etwa doch ein

bisschen Köhle aus Sagmeister?

Der eigentliche Hans-Hass gilt ja den

Füchsen, die sind ihm aber zu schlau, so

müssen halt die Katzen herhalten, denn die

sieht er. Und so wie andere begehren, was

sie täglich sehen, hasst er, was er täglich

sieht. Außerdem überspielt er damit ja auch

sein persönliches Katzen-Trauma, das hier

natürlich nicht gespoilert wird. Und zu

Cats: Memory war einer meiner Lieblingssongs

der Fernsehsendung Wurlitzer und

bis zum sechzehnten Lebensjahr schlief

Katze Thekla in meinem Bett.

So was wie Anschluss findet Hans

am ehesten noch im Internet, im

bunten Gebrabbel der Likes, Memes,

Abzocker, Chatbots und Drunterkommentare,

womit du die Dialektik

von Vereinzelung und Vereinsamung

in den physischen Nicht-Orten der

Provinz sowie Neuverortung und Radikalisierung

in den erst wieder Gated

Communitys des www sehr schön

eingefangen hast. Wie beobachtest du

diese Entwicklungen und worin siehst

du dabei die Rolle der Literatur?

Es war sehr reizvoll, uranalog über das Universaldigitale

zu schreiben. Literatur kann

sich Zeit nehmen und versuchen, www-

Wucherungen durch das Festschreiben

kenntlich zu machen. Meine Aufgabe dabei

war das Durch-die-Blume-Winken mit dem

Zaunpfahl.

Sagmeister sammelt den ganzen

Roman über Postkarten- und Kalendersprüche

für alle Lebenslagen. Hast du

zum Abschluss noch eine Sagmeister-

Lebensweisheit für die Leser*innen

des Wagner’schen Magazins?

Ja, und zwar zwei exklusiv nur hier: Fragen

sind die Passwörter der realen Welt. Und:

Weisheiten sind auch nur Schuppen von

Häuptern. Und eine aus dem Buch: Geduld

ist das Öl in der Pfanne Leben, in die wir

alle gehauen werden.

Buchtipp:

Markus Köhle

Land der Zäune

Sonderzahl, 240 S., € 25,00



© Thomas Dorn

Das Buch

der Macht

Stojan Michailowski nacherzählt von Ilija Trojanow,

kommentiert von einem globalen Chor: eine Satire

und eine Analyse über das Wesen von Macht

und Mechanismen der Herrschaft – von evidenter

Aktualität. Im Gespräch mit Klaus Zeyringer

Wagner’sche

Innsbruck

… im Namen der

Freiheit werden uns

Fesseln angelegt.

Bücher seit 1639

Klaus Zeyringer: Nach

Tausendundein Morgen, dem großen

utopischen Roman mit historischen

Ausflügen, und nach Fans, den

Reportagen und Reflexionen aus den

Sportarenen, erscheint nun ein Buch

über die Macht. Was dich an der

Macht interessiert, geht aus deinem

gesamten Werk hervor. Was sagt uns

ein 1897 publiziertes Buch heute im

globalen Kontext?

Ilija Trojanow: Trotz Unterschiede in den

Traditionen und kulturellen Codes erweist

sich, dass Herrschaft in ihren Strategien

und Ausprägungen erstaunlich universell

ist. Manches, was der alte Wesir in dieser

Erzählung seinem Neffen auf den weiteren

Herrschaftsweg mitgibt, liest sich wie ein

aktuelles Programm autoritärer Macht.

Deswegen der Chor: Ob China oder Indien

vor 2000 Jahren oder USA vor zwei Jahrzehnten

– es gibt bemerkenswerte Parallelen

bei der Frage, wie die Mächtigen regieren

und manipulieren.

Das klingt nach trockener

politischer Abhandlung?

Und ist genau das Gegenteil. Denn der

Wesir neigt zu deftigen Formulierungen,

sarkastischen Weisheiten, schauderhaften

Beispielen und zu Aphorismen, die man in

die Fassade des Parlaments klopfen sollte:

„Der Staat braucht keine Kämpfer, sondern

Kriecher.“

13

Wie hast du dieses Vademecum

der Macht gestaltet?

An fünfzehn aufeinanderfolgenden Abenden

sitzt der Wesir mit seinem Neffen zusammen,

der lieber an seine Haremsfrauen

denkt, und vermittelt ihm in höchst lebendigen

Erzählungen sowohl die Feinheiten

als auch die Grobschlechtigkeiten staatlichen

Lenkens. Jeder Tag ist einem anderen

Aspekt des Herrschens gewidmet. Montag

ist die Lüge dran, Dienstag die Korruption,

Mittwoch die Denunziation, Donnerstag

die Gewalt. Dieser Erzählung auf der

rechten Seite des Buches steht links eine

Auswahl von Stimmen der Weltliteratur aus

allen Epochen und Kontinenten gegenüber,

die zu dem jeweiligen Thema passt: nicht

nur naheliegende Stimmen wie jene von

Machiavelli und Nietzsche, sondern auch

weniger bekannte Staatsphilosophen aus

Persien, Indien, China und Japan.

Was ist dem Wesir besonders wichtig,

welche Kontinuität besonders

augenfällig?

Erstaunlich, wie modern die Ausführungen

des Wesirs über Geld sind: Die Notwendigkeit

einer freien Kriegskasse und

die Verpflichtung, die eigenen Unterstützer

– ob Handlanger in einer Bande oder

Klientel in einer Parteiendemokratie –

finanziell zu begünstigen. Ohne Geld

keine Machtmusik. So erkennt man beim

Lesen, dass die Klaviatur der Selbstrechtfertigung,

auf der die Macht spielt, sich

im Laufe der Geschichte wenig verändert

hat. Weiterhin werden Maßnahmen, die

uns Schaden zufügen, zum Wohle unserer

Sicherheit durchgepeitscht, und im Namen

der Freiheit werden uns Fesseln angelegt.

Ob Wesir oder Kickl: Die Mechanismen

bleiben gleich.

Ilija Trojanow, geboren 1965 in Sofia, floh mit seiner

Familie 1971 über Jugoslawien und Italien nach

Deutschland, wo sie politisches Asyl erhielten.

1972 zog die Familie weiter nach Kenia. Von 1984

bis 1989 studierte Trojanow Rechtswissenschaften

und Ethnologie in München. 1998 zog Trojanow

nach Mumbai, 2003 nach Kapstadt, heute lebt er,

wenn er nicht reist, in Wien. Seine Romane wie der

Der Weltensammler, Macht und Widerstand und

Tausend und ein Morgen sowie seine Reisereportagen

sind gefeierte Bestseller. In der Anderen Bibliothek

erschienen von ihm: Nomade auf vier Kontinenten.

Auf den Spuren von Sir Richard Francis Burton

(Band 269) und Durch Welt und Wiese. Reisen zu

Fuß (mit Susann Urban, Band 370).

Buchtipp:

Ilija Trojanow

Das Buch der Macht

AB – Die Andere Bibliothek,

276 S., € 49,40/€ 26,80

Buchpräsentation:

Ilija Trojanow liest aus

Das Buch der Macht

Moderation & Gespräch:

Klaus Zeyringer

Mi., 2. April 2025, 19:30 Uhr

Wagner’sche Buchhandlung,

Innsbruck

Eintritt: € 9,00/€ 7,00 mit

Wagner- oder Ö1-Card



3 × Klaus Zeyringer

Begnadeter Erzähler und Moderator

Buchtipp:

Klaus Zeyringer/Ursula Prutsch:

Breaking News

S. Fischer, 432 S., € 30,90

Erstpräsentation:

Zeyringer/Prutsch lesen aus

Breaking News

Moderation: Ilija Trojanow

Fr., 4. April, 19:30 Uhr

Bücherei & Spielothek Telfs

Eintritt: freiwilliger Kulturbeitrag

www.telfs.bvoe.at/event/

buchpraesentationbreaking-news

© Simon Brugner

Beste Recherche und Vorbereitung merkt

man dem Tun von Klaus Zeyringer an.

Egal ob er moderiert oder sich in seine

Bücher vertieft.

Über 20 Publikationen zu so unterschiedlichen

Themen wie Literatur, Sport

und Fantum oder Zeitungsmeldungen

hat Zeyringer publiziert. Und die Reihe

Grenzgänge bringt ihn als Moderator zumindest

zweimal im Jahr nach Innsbruck!

Zum Beispiel, wenn Susanne Gregor und

Ilija Trojanow im Literaturhaus am Inn

aufeinandertreffen (3. April). Tags zuvor

moderiert der gebürtige Steirer, der lange

als Professor für Germanistik in Frankreich

tätig war, die Buchpräsentation von Ilija

Trojanows neuem Werk Das Buch der Macht

(siehe Vorderseite). In Telfs schließlich steht

sein eigenes Werk im Mittelpunkt! Sein

neues Buch, das er gemeinsam mit Ursula

Prutsch geschrieben hat, beleuchtet einmal

mehr eine Sonderform im Journalismus.

Was sagen uns Schlagzeilen

über gesellschaftliche

Debatten?

Schlagzeilen in den Zeitungen bestimmen,

was wichtig ist – aus Perspektive der Zeitgenossen.

Klaus Zeyringer liest ausgewählte

Nachrichten im Original in der damaligen

Zeitung und analysiert, ob und wie sie

etwas aufnahmen, das heute als welthistorisch

gilt. Er stellt fest, welche Vorfälle

und Themen sie zugleich beschäftigten –

und welche aus heutiger Perspektive nicht.

Somit erhalten wir Einsichten über Formen,

Möglichkeiten und Wertigkeiten der Kommunikation

sowie des sozialen Lebens.

Die Historikerin Ursula Prutsch ordnet

die Berichte in den Kontext der Geschichte

ein. Dadurch sehen wir, wie ein Ereignis

von den Zeitgenossen bewertet worden ist

und als was es sich im Laufe der Geschichte

herausgestellt hat.

An einer Fülle von Beispielen erfahren

wir u. a., wie schnell die Presse 1688/89 vor

Ort in der „Glorious Revolution“ mit den

Siegern einen Paradigmenwechsel vollzog;

dass die Blätter in Europa und den USA

(bis auf extrem wenige Ausnahmen) Not

und Elend indigener Bevölkerungen nicht

als Auswirkungen des Kolonialismus ver-

mittelten, etwa die Millionen Hungertoten

der 1770er-Jahre in Bengalen; wie intensiv

1848 der Ruf der Revolutionen hallte;

welch fatale Rolle Zeitungen beim Börsenkrach

1873 und in der folgenden langen

Wirtschaftskrise spielten; welchen Anteil

Propagandalügen an der Entwicklung zum

Weltkrieg und dann verstärkt von 1914 bis

1918 hatten; was beim Aufstieg der Nazis

gesehen, übersehen wurde, oder wie Fotos

die Einschätzung des Spanischen Bürgerkriegs

prägten.

Eine packende Zeitreise in die Aktualität

der Vergangenheit voller überraschender

Geschichten und ein Denkanstoß über die

Schlagzeilen von heute.

Klaus Zeyringer „ist ein begnadeter

Erzähler, seine historischen Sachbücher

sind eher Romane“. NZZ am Sonntag

„Wie nur wenige WissenschaftlerInnen

versteht es Klaus Zeyringer, seine

LeserInnenschaft literarisch zu fesseln.“

Die Wochenzeitung

Klaus Zeyringer, geboren 1953 in Graz, habilitierte

dort 1993 und war Professor für Germanistik in

Frankreich. Er ist als Literaturkritiker u. a. für den

„Standard“ tätig sowie Jurymitglied der ORF-

Bestenliste und moderiert Literatur-Veranstaltungen

in Österreich, Deutschland und der Schweiz. Im

S. Fischer Verlag ist Fußball. Eine Kulturgeschichte

erschienen sowie das zweibändige Werk Olympische

Spiele. Eine Kulturgeschichte. Band 1: Sommer

und Olympische Spiele. Eine Kulturgeschichte.

Band 2: Winter.

Ursula Prutsch, geboren 1965 in Graz. Professorin

am Amerika-Institut der LMU München.

Autorin einer Biografie über Eva Perón (2015), einer

Monografie über den Populismus in den USA und

Lateinamerika (2019). Zuletzt erschienen: Wer war

Fritz Mandl? Waffen, Nazis und Geheimdienste und

Leopoldine von Habsburg. Kaiserin von Brasilien,

beide 2022 im Molden-Verlag.

14

Wagner’sche.

Corporate Design

Fotografie

Packaging

Schöne Bücher

Informationsdesign

Editorial

Ausstellungen

Specials

www.himmel.co.at



© Leierhof

Heilkraft und

Wissenschaft

Reneé Schroeder präsentiert ihr neues Wildkräuter -

buch in der Keltenbuchhandlung. Vorab ein paar Fragen:

Stierle

Kelten- Buchhandlung

Hallein

Mein Ziel ist es,

eine Brücke zu

bauen.

Bücher seit 1639

Gibt es nicht schon genug

Kräuterbücher, Frau Schroeder?

Reneé Schroeder: Berechtigte Frage.

Seit ich mich selbst mit Kräutern beschäftige,

habe ich sehr viele dieser Bücher

in der Hand gehabt. Ich kann versichern,

dieses Buch ist anders. Es geht einen entscheidenden

Schritt weiter, nämlich jenen

aus der traditionellen Heilslehre in die

wissenschaftliche, evidenzbasierte Anwendung

von Kräutern. Das bedeutet:

Ausgehend von den Jahrtausenden langen

Erfahrungen der „überlieferten Volksmedizin“

betreten wir den erforschten

Boden der Wissenschaft. Mein Ziel ist es,

die grundlegenden Komponenten der

Heilkräuter leicht verständlich für jede

und jeden zugänglich zu machen.

Wissenschaft und Naturheilkunde

widerspricht sich für Sie nicht?

Nein! Im Gegenteil, die ergänzen sich. Die

Verwendung von Heilpflanzen ist eine der

wichtigsten kulturellen Errungenschaften

der Menschheit: Wir haben erkannt, dass

wir aktiv gegen Krankheiten ankämpfen

können und diese nicht eine unabwendbare

Strafe Gottes sind. Diese jahrtausendealte

Sammlung an Erfahrungen ist heute eine

fast unerschöpfliche Quelle für die Suche

nach Wirkstoffen für die moderne Medizin.

Leider hat der Erfolg der modernen Medizin

dafür gesorgt, dass die Verwendung

von Heilkräutern eine untergeordnete

Rolle bekommen hat, die traditionellen

Behandlungsmethoden als veraltet und

esoterisch betrachtet werden. Beide Ansätze

sollten untrennbar verbunden werden und

gegenseitig ihre Vorteile nutzen. Mein Ziel

ist es deshalb, eine Brücke zu bauen, und

ich hoffe, dass die Pharmakognosie mit

wissenschaftlichen Methoden den traditionellen

Arzneien wieder jenen Stellenwert

wiedergibt, der ihnen gebührt.

17

Was hat Sie als Biochemikerin

besonders interessiert?

Im Buch stelle ich ja 60 Pflanzen –

Kräuter, Sträucher, Bäume – vor, die auf

oder um meine eigene wilde Wiese im Salzburgischen

wachsen. Fast alle davon sind

in der Naturheilkunde bereits ausgiebig

erforscht. Als Wissenschaftlerin hat es

mich natürlich ganz besonders interessiert,

welche heilsamen Eigenschaften bereits

nachgewiesen sind und welche auf volkskundlicher

Überlieferung beruhen. Über

jede porträtierte Pflanze, von Arnika bis

Zitronenverbene, erfahren die Leser*innen

Geschichtliches, etwas zu den Inhaltsstoffen,

Wirkung und Anwendung und

auch, was die Wissenschaft dazu sagt.

Für diejenigen, die weiter in die Materie

eintauchen wollen, habe ich die originalen

wissenschaftlichen Quellen, auf die ich

mich berufe, angegeben. Das Buch ist also

auch eine Art Lehrbuch.

Es geht aber auch ganz praktisch

zu, wenn Sie ihre persönlichen

Lieblingsrezepte vorstellen?

Absolut, ich nehme die Leser*innen mit

in meine Kräuterküche am Leierhof und

verrate die besten Rezepturen für Tees,

Elixiere, Kräuter- und Gewürzmischungen

oder auch Oxymele, eine Mischung aus

Honig und Essig. Diese sollen vor allem

Freude bereiten – deshalb sind sie auch

leicht nachzumachen. Allein die Herstellung

von Hydrolaten und Cremen ist

etwas aufwendiger. Die Rezepte, die ich

auf Basis der wissenschaftlichen Erkenntnisse

zusammengestellt habe, ermöglichen

es allen, wohltuende Kräuteranwendungen

selbst herzustellen. Ganz egal, ob er oder

sie an der wissenschaftlichen Erklärung für

die Wirkung interessiert ist oder nicht.

Auffällig sind auch die

besonderen Aufnahmen im Buch.

Was hat es damit auf sich?

Ich habe eine neue Leidenschaft entwickelt.

Mit meinem digitalen Mikroskop alles

Mögliche zu betrachten. Ich schaue mir

die Kräuter durch dieses Digitalmikroskop

an und vergrößere sie bis zu 200-fach.

Was wir dabei entdecken, ist eine erstaunliche

Schönheit. Eine Schönheit, die uns bis

jetzt verborgen geblieben war. Die Millimeter-Dimension

nehmen wir zwar mit

unseren Augen wahr, wir können in dieser

Größe aber keine Strukturen erkennen. Wir

sehen auf den Mikroskopbildern in diesem

Buch feingliedrige Härchen, filigrane Strukturen

und winzige Tropfen ätherischer Öle.

Die Schönheit dieser verborgenen Welt ist

atemberaubend in ihrer Ästhetik und liefert

gleichzeitig die Erklärung dafür, wie Brennnesseln

brennen, warum Lavendel duftet

und woran der Pollen haftet.

Buchtipp:

Renée Schroeder

Wie Wildkräuter wirken

Kneipp Verlag, 256 S., € 34,00

Buchpräsentation:

Renée Schroeder stellt

Wie Wildkräuter wirken vor

Moderation & Gespräch:

Klaus Zeyringer

Do., 3. April, 18:30 Uhr

Kelten Buchhandlung, Hallein

Eintritt: frei!



© Christian Faustus

Vom Krimi zum Roman

Die gefeierte Thrillerautorin Melanie Raabe

legt ihren 2. Roman vor, liest beim 23. Prosafestival

und spricht mit Katharina J. Ferner

Wagner’sche

Innsbruck

Die Schauplätze

meiner Bücher sind

oftmals wie eigene

Charaktere.

Bücher seit 1639

Katharina J. Ferner: Eine

Schlafforscherin, die von Albträumen

heimgesucht wird, die sich zu

bewahrheiten scheinen. Und was

hat es mit dieser geheimnisvollen

Schenkung eines Herrenhauses

in Deutschland auf sich? Melanie

Raabe führt uns auf eine Reise in

eine rätselhafte Vergangenheit.

Melanie Raabe: Als Mara Lux nach Limmerfeldt

kommt, hat sie vor, so wenig Zeit

wie möglich in der deutschen Kleinstadt

zu verbringen. Doch während sie versucht,

mehr über den vormaligen Besitzer des

Herrenhauses herauszufinden, begegnen

ihr Gestalten aus ihren Träumen wieder.

Irgendetwas scheint hier nicht mit rechten

Dingen zuzugehen.

Gleich zu Beginn erfahren wir,

dass stabile Freundschaften ein

wesentlicher Bestandteil im Leben

der Protagonistin sind. Abgesehen

von Roxane erfahren wir aber

wenig über deren gemeinsame

Vergangenheit. An welchem Punkt

vom Schreiben wissen Sie, welche

Geschichten weiterverfolgt werden

und welche nicht?

Das ist immer ganz unterschiedlich. Zu

Beginn probiere ich viel herum, produziere

jede Menge Text, um die Figuren, die Orte

kennenzulernen und mir über die Atmosphäre

des Textes klar zu werden. Dabei

kristallisiert sich oft heraus, wen und was es

braucht – und was nicht.

Woher kommt Ihr Interesse an

übernatürlichen Vorkommnissen?

Ich habe mich für dieses Buch mit den

Themen Schlaf, Schlaflosigkeit und Träume

auseinandergesetzt. Wenn man viel über die

kulturelle Rolle von Träumen liest, landet

man auch schnell bei Mythologie. So kam

mir die Idee zur superrationalen Schlafforscherin,

die anscheinend prophetische

Träume hat.

19

Haben die Nachforschungen zu

diesem Buch auch Ihren Schlaf

beeinflusst? Sind Sie sich Ihrer

Träume bewusster?

Als ich intensiv am Text gearbeitet und

tagsüber viel über Schlaf und Traumerleben

nachgedacht habe, habe ich tatsächlich eine

Zeit lang intensiver geträumt bzw. konnte

ich mich morgens besser an meine Träume

erinnern. Inzwischen ist mir diese Fähigkeit

leider schon wieder ein bisschen verloren

gegangen. Ich bin leider keine sehr begabte

Träumerin, mir zerrinnen meine Traumbilder

immer zwischen den Fingern.

Die Diskrepanz zwischen der

weltoffenen Stadt London und dem

erst einmal unfreundlich wirkendem

Limmerfeldt ist mehrfach spürbar.

Insbesondere beim Dorffest herrscht

ein hohes Aggressionspotenzial.

Warum ist dieses beschauliche Dorf

für Mara Lux so viel bedrohlicher als

die Großstadt?

Meine Hauptfigur Mara wird im Laufe

der Geschichte immer weiter aus ihrer

Komfortzone herauskatapultiert, die Dinge,

die ihr geschehen und denen sie sich stellen

muss, werden immer drastischer, immer

unglaublicher. Das spiegelt sich auch in

ihrer Umgebung. Die Großstadt ist der Ort,

den Mara sich ausgesucht und zur Heimat

gemacht hat. Die Kleinstadt Limmerfeldt

hingegen ist ihr fremd …

Auch wenn dieses Mal nicht Thriller

am Einband steht, nimmt die

Handlung gerade gegen Ende noch

einmal ordentlich Fahrt auf. Mögen

Sie es, spannungsreich zu erzählen?

Ich mag die Mittel der Spannung tatsächlich

sehr gerne, liebe Cliffhanger und Twists.

Mir macht es große Freude, mein Publikum

mit auf eine Reise zu nehmen, die immer

wieder Überraschungen bietet.

Geheimnisvolle Nachrichten, ein Dorf,

in das man nicht zurück möchte,

endlose Wälder – das sind Motive, die

auch bereits im Thriller Die Wälder

vorkommen. Wieso diese Parallelen?

Ich mag Geheimnisse, Mythologie und

besondere Orte. Die Schauplätze meiner

Bücher sind oftmals wie eigene Charaktere.

Für Die Wälder ein winziges Dorf zu

erschaffen, hat mir viel Freude gemacht

damals, denn ich habe die ersten Jahre

meines Lebens in einem winzigen Dorf verbracht.

Danach bin ich in einer Kleinstadt

aufgewachsen, und für Der längste Schlaf

fand ich es an der Zeit, erstmals ein solches

Setting zu kreieren – mit meiner fiktiven

Kleinstadt Limmerfeldt. Dörfer, Kleinstädte,

Metropolen haben alle ganz unterschiedliche,

spannende Dynamiken. Da gibt

es so endlos viel zu entdecken.

Haben Sie eine Lieblingsgutenachtgeschichte?

Oder hatten Sie eine als Kind?

Ich mochte die Märchen der Brüder

Grimm. Besonders geheimnisvolle oder eher

düstere Märchen haben mir als Kind gut gefallen,

viel mehr noch als die sehr bekannten

wie Schneewittchen oder Aschenputtel. Ich

mochte z. B. etwas obskurere Märchen wie

Die Gänsemagd oder Allerleirauh.

Melanie Raabe: geb. 1981 in Jena, lebt in Köln.

Sie schreibt Bücher in verschiedenen Genres: Thriller,

Sachbücher und Romane. Außerdem erschienen zwei

Fiction-Podcast. Der Schatten wurde 2023 verfilmt.

Zuletzt erschien Der längste Schlaf (btb 2024).

Buchtipp:

Melanie Raabe:

Der längste Schlaf

btb, 352 S., € 25,70

Lesung:

Melanie Raabe liest gemeinsam

mit Simone Buchholz, Katharina

Köller und Michelle Steinbeck

Moderation: Martin Fritz,

Markus Köhle und Robert Renk

Fr., 11. April 2025, 19:30 Uhr

Wagner’sche Buchhandlung,

Innsbruck

Eintritt: frei!



Endlich erwachsen!

Das Innsbrucker Prosafestival (IPF) wird 23.

www.prosafestival.wordpress.com

Do., 10. April, 19:30 Uhr

Stadtbibliothek

1 Dirk Kurbjuweit

2 Raphaelle Red

3 Jonas Lüscher

4 Noemi Somalvico

Dirk Kurbjuweit – © David Maupile

Jonas Lüscher – © Hassiepen Raphaelle Red – © privat

Noemi Somalvico – © Tim Rod

Fr., 11. April, 19:30 Uhr

Wagner’sche

1 Michelle Steinbeck

2 Melanie Raabe

3 Simone Buchholz

4 Katharina Köller

Hurra, endlich nicht mehr U 23. Das Innsbrucker

Prosafestival (IPF) gibt es seit 2003

und findet heuer zum bereits 23. Mal statt.

Jetzt quasi voll und ganz erwachsen.

Sa., 12. April, 19:30 Uhr,

Sillwerk, Innsbruck

1 Jurczok

2 Jessica Lind

3 Martin Peichl

4 Ulrike Haidacher

Natürlich strebt das Festival an, ein

Ü-30-Festival zu werden, mindestens. Aber

23 ist schon was. 23 war ein Film, der

Verschwörungstheorien erstmals so richtig

ins Zentrum rückte (23 – Nichts ist so wie

es scheint, Hans-Christian Schmid, 1998).

Mittlerweile glauben viele die krudesten

Geschichten. Die krudesten Geschichten

zu lesen, kann befreiend sein. Daran zu

glauben eher nicht. Mittlerweile glauben

viele, dass es so etwas wie Wahrheit,

Wissenschaft, Fakten gar nicht gibt, aber

alle Meinungen gleich viel wert sein müssen.

Das beschert uns die gegenwärtige gesellschaftliche

Stimmung. Das beschert uns

die gegenwärtige Politik. Literatur ist und

bleibt eine freudige Bescherung. Literatur

darf dich entführen, verführen, rühren,

entzücken, verrücken, beglücken. Literatur

darf dich schocken, aus den Socken hauen

und anders auf die Welt schauen lassen.

Literatur ist ein Kompass, ein Fernglas,

mitunter auch ein gerüttelt Maß an Unvernunft,

aber immer auf der Suche nach

Wahrhaftigkeit. Literatur ist gewissermaßen

das Gegenteil von Politik. Nein, Literatur

und Politik lassen sich nicht vergleichen.

Wer Literatur macht, die so schlecht wie die

gegenwärtige Politik ist, wird nicht verlegt

und erst recht nicht zum IPF eingeladen.

So läuft das seit 23 Jahren und so wird das

auch weiterhin bleiben. Denn es ist viel

schöner, sich an literarische Bücher zu halten

als an Parteiprogramme und Parteibücher.

Es ist viel schöner, Stimmen aus den unterschiedlichsten

literarischen Strömungen

zu hören als Stimmen aus dem Parlament.

Es ist viel schöner, an 3 Tagen, an 3 Leseorten

den Lesungen von 12 Autor*innen

(nicht nur aus dem deutschen Sprachraum)

beizuwohnen, als daheim zu bleiben und sich

über neueste Nachrichten zu ärgern.

Beginn ist jeweils um 19:30 Uhr. Der

Eintritt – ACHTUNG, AUFGEPASST –

ist frei!

Das Moderationsteam besteht wie immer

aus Robert Renk, Markus Köhle und (wie

auch schon lang) Martin Fritz. Das IPF-

Moderationsteam wird die geladenen

Autor*innen nicht nur gebührend vorstellen

und sie in ein Gespräch verwickeln,

sondern sie auch textmotiviert beschenken.

Carmen Sulzenbacher hat erneut das

Festivalprogrammheft gestaltet und die

Rundumorganisation übernommen.

20

Wagner’sche.

Der ehemalige Innsbruckliest-Autor

beginnt mit einem

algerischen Soldaten im Ersten

Weltkrieg. Der steht plötzlich auf

und verlässt den Kriegsschauplatz.

Bald landen wir in einem

neuen. Der Hauptprotagonist

ist an Maschinen angeschlossen

und kämpft um sein Leben. Eine

schwere Coronainfektion hat ihn

ins Koma befördert. Zwischen

Koma und Erwachen, zwischen

England und Ägypten, zwischen

Vergangenheit und Zukunft (inkl.

Cyborgs, die lachen und lieben)

oszilliert dieses Meisterwerk.

Traumwandlerisch und traumwandlerisch

sicher und sprachlich

herausragend. Robert Renk

Jonas Lüscher:

Verzauberte Vorbestimmung

Hanser, 352 S., € 27,80

Ein Kind ist da und nichts ist

mehr wie vorher. Das Kind

steht im Mittelpunkt. Das Kind

ist unfehlbar. Dann passiert was

in der Schule. Das Kind wird

beschuldigt. Die Eltern sind

fassungslos und es beginnen

gegenseitige Beobachtungen,

Verdächtigungen und Beschuldigungen.

Das Familiengefüge

verändert sich. Alles

verschwört sich im Kopf der

Erzählerin und es wird richtig

düster, wenn sie von ihrer

Vergangenheit eingeholt wird.

Da überträgt sich der Schuld-

Horror in unser aller Köpfe.

Grandios! Markus Köhle

Jessica Lind:

Kleine Monster

Hanser Berlin, 256 S., € 25,70

Noemi Somalvico erzählt in

aller angemessenen Schlichtheit

und Kompliziertheit von

Liebe in all ihren Spielarten. Es

geht ums Davor, Dazwischen

verzetteln und Nachwirken, um

die fast immer nie stimmigen

Gleichzeitigkeiten und Ungleichzeitigkeiten

der Gefühle

aller daran Beteiligten. Der

Bogen reicht von Liebenden,

die Liebschaften wie Kleidungsstücke

sammeln, bis zu – und

da werden viele in Tirol sich

wiederfinden – Dates, die mehr

am Bergsteigen interessiert sind

als am Daten, von kalt bis heiß!

Martin Fritz

Noemi Somalvico:

Das Herz wirft in der Brust

keinen Schatten

Voland & Quist, 216 S., € 23,70

2004 schlug der Roman des

Spiegelchefredakteurs wie ein

Erdbeben ein. Und die literarisch-seismischen

Wellen wirken

sich bis heute aus. Nachbeben,

in dem eine Erdbebennacht

zu einer Liebesnacht wird, ist

heuer zum „Frankfurt liest

ein Buch“ gewählt worden

und beschert uns eine schöne

Neuauflage. Der 82-jährige

Seismograf Luis erzählt uns die

Geschichte von Lorenz, der sich

in eine Telefonstimme verliebt,

zunächst als Geldwirtschaftsexperte

Karriere macht, dann

aber beruflich wie privat abstürzt.

Zu Recht ausgezeichnet!

Robert Renk

Dirk Kurbjuweit:

Nachbeben

Penguin, 224 S., € 24,70

Was für ein Debüt! Auf den

ersten Seiten schon merkt man

einen ganz eigenständigen

Ton und ist sofort in dem

Dilemma, in dem sich auch

Adikou befindet. Zu Weiß für

die Schwarze Community, vor

allem in ihrem Vaterland Togo,

und zu Schwarz für ihre Heimat

Paris oder die Uni in den USA.

Entlang der westafrikanischen

Küste und bis in die USA sucht

Adikou nach einem Platz in der

Geschichte – und schafft sich

ein Erbe aus Schlangenhäuten,

Skylines und stickigen Nächten.

Robert Renk

Raphaëlle Red:

Adikou

Rowohlt, 224 S., € 25,70

Marie und Johanna, zwei unterschiedliche

junge Frauen. Marie

flieht vor ihrem Leben in Wien.

Es sollte nach Italien gehen, das

schien immer eine gute Lösung.

Doch dann denkt sie an Johanna,

ihre Cousine in den Tiroler

Bergen. Dort wird man sie

gewiss nicht finden, abgelegen

und ohne Strom und fließend

Wasser versuchen die beiden,

ihren Rhythmus zu finden. Rau

und zärtlich zugleich, in einem

Tempo, das die Leser*innen in

ihren Bann zieht. Ich wollte nur

kurz reinlesen und habe dann

fast vergessen, meine Kinder

abzuholen. Lena Kripahle-Wiek

Katharina Köller:

Wild wuchern

Penguin, 208 S., € 23,70

In Es sind nur wir geht es um

das Gefühl kurz vor der jeweiligen

Katastrophe und um Verlustgeschichten

aller Art. Der

Ich-Erzähler gibt seinen Job als

Lehrer auf, um vermeintlich an

einem Wörterbuch der Verluste

zu arbeiten. In Wahrheit aber

arbeitet er an der Auflösung seiner

selbst und der Beseitigung

seiner Existenzspuren. Mischa

arbeitet dagegen. Mischa ist, so

wie die Sprache in diesem Buch,

ein Lichtblick. Mal traurig, mal

lustig, aber immer schön. Peichl

hat einen unvergleichlichen

Sound. Markus Köhle

Martin Peichl:

Es sind nur wir

Haymon, 208 S., € 23,90

Nach 15 Jahren Großstadt verschlägt

es Anja mit 30 zurück

ins heimatliche Industriekaff.

Eine Auszeit steht an,

ein Treffen mit der Jugendfreundin

Magda ebenso. Aber

an der einstigen Weltreisenden

Magda ist die Zeit nicht spurlos

vorübergegangen. Es ist

schwieriger geworden, einander

zu verstehen. Und dann hat

Magda auch noch einen Volker

im Schlepptau … Ulrike Haidacher

trifft in Malibu Orange

den Ton der Zeit und behandelt

unterhaltsam die Themen der

Zeit. Haidacher gehört gelesen.

Markus Köhle

Ulrike Haidacher:

Malibu Orange

Leykam, 224 S., € 25,50



© Thomas Schrott

Karl-Markus

Gauß

Mit Schuldhafte Unwissenheit legt

Karl-Markus Gauß einen ungewöhnlichen

und sehr aktuellen Essayband vor.

Dazu befragt ihn Robert Renk …

Wagner’sche

Innsbruck

Reale Reisen durch die

Länder und geistige

Reisen durch Bibliotheken

haben immer etwas

Abenteuerliches.

Bücher seit 1639

Robert Renk: Lieber Karl-Markus

Gauß, du hast ein Buch veröffentlicht,

das in deinem Werk womöglich

noch fehlte: eine politische Streitschrift,

verfasst in feurigem Stil und

mit leidenschaftlicher Parteinahme.

Sonst bist du ja eher als Meister subtiler

Nuancen bekannt.

Karl-Markus Gauß: Ja, ich ergreife Partei

in diesem Buch, vor allem dafür, dass

man die europäische Aufklärung nicht als

Schnee von gestern entsorgt oder, wie das

inzwischen häufig geschieht, als geistiges

Kriegsmittel denunziert, mit dem Europa

einst nichts anderes wollte, als seine Vormacht

in der Welt zu begründen. Leider

haben sich engstirnige Theoretiker und

selbstgefällige Aktivisten weltweit so

wichtige und richtige Dinge wie den „Antikolonialismus“

oder den „Antirassismus“

auf eine Weise unter den Nagel gerissen,

dass daraus geradezu eine Propaganda der

Gegenaufklärung wurde. In Anspielung

an Kants berühmte Definition, dass Aufklärung

der Ausgang des Menschen aus

seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit

sei, bezeichne ich das im Titel als Schuldhafte

Unwissenheit.

Du fokussierst das auf das Problem

Israel und Palästina?

Ja und nein. Ich betone an mehreren Stellen

meines Buches ausdrücklich, dass man die

israelische Siedlungspolitik und Kriegsführung

in Gaza kritisieren darf, nein, soll,

ohne deswegen des Antisemitismus geziehen

zu werden. Nicht nur hat Israel ein Recht

auf Selbstverteidigung, sondern auch den

Palästinensern darf das Recht auf eine eigene

staatliche Form nicht bestritten werden.

23

Allerdings ist der größte Feind der Palästinenser

die Hamas, der es nicht um die

Zweistaatenlösung, um nationale Gleichberechtigung

und derlei legitime Dinge

geht, sondern um den Gottesstaat, in dem

nicht nur für Juden oder gar für Atheisten

kein Platz wäre, sondern auch die Palästinenser,

vor allem die Palästinenserinnen,

der brutalen Zwangsordnung der Islamisten

unterworfen wären. Es ist ein Zeichen

horrender Unwissenheit, wenn moralisch

entrüstete Menschen im Westen die Köpfbrigadisten

der Hamas zu Widerstandskämpfern

adeln. Was für ein suizidales

Ansinnen, wenn sich queere Menschen mit

der Hamas solidarisieren, die dort, wo die

Hamas herrscht, bald von den Laternenmasten

baumeln würden. Homosexuelle,

ehebrecherische Frauen, zivilgesellschaftlich

denkende Menschen hat die Hamas in den

letzten Jahrzehnten in Serie hingerichtet.

Gegen diese Blindheit vieler Palästina-Sympathisant*innen

bringst

du eine Vielzahl an historischen und

aktuellen Begebenheiten auf, von

denen wohl viele Leser*innen noch

kaum etwas gehört haben. Wunderbar

auch die Porträts bekannter

und unbekannter Philosophen und

Autoren, wie Theodor Herzl, Boris

Pahor oder Hugo Bettauer. Man

liest, genießt und lernt. Ein Essayband,

der – wie selten einer – Stil und

Spannung vereint!

Danke, ich hoffe, das verbindet dieses Buch

mit meinen Reisebüchern und meinen Journalen.

Ich will ja oft etwas erzählen, was

nicht eh schon jeder weiß, aber um Gottes

Willen keine Gelehrtenprosa verfassen.

Sondern?

(lacht): Abenteuerbücher. Ich finde reale

Reisen durch die Länder und geistige Reisen

durch Bibliotheken haben immer etwas

Abenteuerliches.

Und bei beiden findet man in

Karl-Markus Gauß den abenteuerlichsten

und stilvollsten Begleiter.

Danke fürs Gespräch.

Karl-Markus Gauß, geboren 1954 in Salzburg,

wo er auch heute lebt. Seine Bücher wurden in viele

Sprachen übersetzt und oftmals ausgezeichnet,

darunter mit dem Prix Charles Veillon (1997), dem

Johann-Heinrich-Merck-Preis (2010) und dem

Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung

(2022). Zuletzt erschienen Abenteuerliche Reise durch

mein Zimmer (2019), Die unaufhörliche Wanderung

(2020), Die Jahreszeiten der Ewigkeit (2022), Schiff aus

Stein (2024).

Buchtipp:

Karl-Markus Gauß:

Schuldhafte Unwissenheit

Czernin Verlag, 200 S., € 23,00

Buchpräsentation:

Karl-Markus Gauß liest aus

Schuldhafte Unwissenheit

Moderation & Gespräch:

Robert Renk

Di., 15. April, 19:30 Uhr

Wagner’sche Buchhandlung,

Innsbruck

Eintritt: € 9,00 / € 7,00 mit

Wagner- oder Ö1-Card

www.oeticket.com



© Julia Haimburger

Wer war

am Nordpol?

Zwei, die es behaupten, beschreibt Franzobel in seinem

neuen Roman. Robert Renk hat mehr als zwei Fragen.

Wagner’sche

Innsbruck

Ich liebe und hasse

alle Figuren gleichermaßen,

weil sie alle

ein Teil von mir sind.

Bücher seit 1639

Franzobel legt wieder einen fulminanten

Roman vor, gespickt mit historischen

Kuriositäten und voll Sprachwitz! Es beginnt

mit den Arktisforschern Peary und Cook,

beschreibt aber vor allem das Schicksal

des Inughuitjungen Minik, der als Neunjähriger

von Nordgrönland in die USA

verschleppt wird und erst nach einer jahrzehntelangen

Odyssee, nach vielen falschen

Versprechungen und Schicksalsschlägen

wieder zurückkann.

Robert Renk: Lieber Franzobel:

Für einen historischen Roman

muss man recherchieren. Du hast

dir Fachliteratur besorgt, warst

aber auch in Kanada und Nordgrönland.

Was war das Schwierigste,

das Eindrücklichste, das Überraschendste,

das Spektakulärste

deiner Reisen?

Franzobel: In New Hampshire bin ich

auf dem Friedhof gelandet, an dem mein

Romanheld Minik begraben liegt, konnte

aber sein Grab nicht finden, weil der

Gottesacker tief verschneit war. In Nordgrönland

lernte ich einen Ururenkel Pearys

kennen, der mich mit auf eine Bootstour

durch die Inglefield-Bucht mitnahm.

Irgendwann fiel der Motor des kleinen

Schinakels aus, und die Zündkerze musste

getauscht werden. Nun leidet Pearys Nachfahre

aber an Parkinson. Wie er es mit

zitternden Händen geschafft hat, den

Außenbordmotor wieder in Gang zu bekommen,

ist mir immer noch ein Rätsel.

Unglaublich gut und unglaublich

eingängig gelingt dir auch hier wieder

die Figurenzeichnung, sprachlich

durch sehr plastische, karikierte

Zuschreibungen. Das rollende RRR

bei Peary, der böhmische Dialekt bei

Cook, die speziellen Redewendungen

bei Henson zum Beispiel.

25

Sind die belegt? Und wie wirst du das

bei Lesungen machen?

Was die Chronologie der Geschichte

anlangt, die diversen Stationen und Begegnungen,

halte ich mich streng an die

Fakten. Die sprachlichen Eigenheiten der

Personen sind aber allesamt erfunden. Bei

Lesungen werde ich schamlos outrieren.

In deinen Romanen hast du

eine Vorliebe für Gescheiterte.

Letztendlich sind beide Entdecker,

Cook und Peary, gescheitert. Der

eine komplett, der andere mit etwas

mehr Glanz. Mal ehrlich, wer war

dir beim Schreiben sympathischer,

das Schlitzohr Cook oder der

steife Peary (der ja dann wohl auch

ein Schlitzohr war, wenn auch ein

ruhmversessen steifes).

Cook ist eine Spur sympathischer, aber ich

liebe und hasse alle Figuren gleichermaßen,

weil sie ein alle Teil von mir sind. Ich habe

den kompromisslosen Ehrgeizling Peary

genauso in mir wie den geselligen Cook,

den sich in Lektüre flüchtenden Henson,

den zerrissenen Minik oder seinen schlitzohrigen

Ziehvater. All das Prüde, Lüsterne,

Suchende, Verzweifelte, Strebende kenne

ich von mir selbst.

Kann es sein, dass du eine leicht

prophetische Ader hast? Dein Krimi

Rechtswalzer (2019) nahm schon

politische Tendenzen in Österreich

voraus. Und nun sind sowohl der

Panamakanal als vor allem auch

Grönland akutes Thema.

Für das Buchmarketing ist Trumps

Gepolter natürlich ein Glücksfall, für die

Grönländer weniger. Vor meiner prophetischen

Gabe fürchte ich mich selbst ein bisschen,

aber vielleicht ist sie nichts anderes als

die Schlussfolgerung von etwas Geschichtswissen.

Vieles wiederholt sich halt, und ich

verzweifle oft, wenn ich sehe, wie viele Leute

aus der Geschichte nichts gelernt haben.

In deinem Romanwerk, das anfangs

ausschließlich der österreichische

Seele gewidmet war, entfernst du dich

immer mehr davon. Westafrika,

Florida und nun Nordgrönland.

Wohin wird es Franzobel bei

den nächsten Büchern treiben:

Neuseeland? Weltall?

Den Österreicher kriege ich nicht aus mir

heraus, aber es war schon eine Befreiung,

schriftstellerisch diesen Sumpf, den ich

liebe, verlassen zu können. Die nächsten

Projekte sind noch in Schwebe, aber auf

jeden Fall wird es etwas, das ich kenne oder

kennenlernen kann, insofern ist das Weltall

ausgeschlossen. Neuseeland ist genauso

möglich wie Wimsbach-Neydharting. Es

kommt immer darauf an, welche Geschichte

mich anspringt, mich überwältigt und

mir sagt, dass genauso sie jetzt geschrieben

werden muss.

Buchtipp:

Franzobel

Hundert Wörter für Schnee

Zsolnay, 528 S., € 29,80

Buchpräsentation:

Franzobel liest aus

Hundert Wörter für Schnee

Moderation: Robert Renk

Mi., 23. April, 19:30 Uhr

Wagner’sche Buchhandlung,

Innsbruck

Eintritt: € 9,00/€ 7,00 mit

Wagner- oder Ö1-Card



© Gabriel Hyden

Debüts bei Stöger

Zwei großartige Autorinnen lesen bei

Stöger und sprechen über ihre Erstlinge.

Mit Ina Cassik

Stöger–

Leporello

Wien

Meine Stimme entwickelt

sich immer weiter.

Manchmal verrennt

sie sich auch in dunkle

Einbahnstraßen.

Bücher seit 1639

Ina Cassik: Liebe Annemarie, liebe

Selina, ihr habt uns beide letztes Jahr

mit euren Debütromanen begeistert.

Wie war das Echo auf eure Bücher?

Annemarie Andre: Bisher sehr positiv! In vielen

Rezensionen habe ich davon gelesen, dass

die Leichtigkeit, mit der schwere Themen

besprochen werden, überzeugt. Vielen Leser*innen

ist außerdem Charlotte, die Hauptprotagonistin,

sehr ans Herz gewachsen und

sie wollen noch mehr über sie erfahren.

Selina Holešinsky: Das freut! In den

Texten über das Buch wurden meistens die

Sprache und die interessante Verhandlung

eines relevanten Themas hervorgehoben.

In Nacktschnecken wie auch in

Schaltiere am Waldboden wird

aus kindlicher Perspektive erzählt.

Aus welchen Gründen habt ihr euch

jeweils dafür entschieden?

AA: Das hat sich für mich zuerst intuitiv

ergeben, da der Roman mit den beiden

Geschwistern beginnt, und ich das kindliche

Spiel gut beschreiben wollte. Später, als ich

aktiv darüber nachgedacht habe, wurde

mir klar, dass ich den Roman nur über die

kindliche Perspektive erzählen kann, ohne

zu sehr ins Klischee oder ins Selbstmitleid

abzudriften.

SH: Mir war es wichtig, den Blick der

Protagonistin nicht mit Zynismus oder

Ironie einzufärben, sondern immer wieder

unvoreingenommen auf die Geschehnisse

im Dorf schauen zu können. Das war

durch die Augen eines Kindes einfacher

und glaubwürdiger darzustellen.

Annemarie, dein Text hat, wie du in

einem anderen Interview erklärt hast,

autobiografische Züge. Wie riskant

war es für dich – persönlich und

literarisch –, thematisch auf deine

eigene Kindheit zurückzugreifen?

AA: Dazu muss ich sagen, dass ich es meiner

Mama ja lange verschwiegen habe. Erst

einen Tag vor der Verleihung des Hans-

Weigel-Stipendiums habe ich sie angerufen

und ihr mitgeteilt, dass sie sich in einigen

Teilen wiederfinden wird. Das Schreiben

27

selbst war aufgrund des persönlichen Anteils

oft schwierig, aber das zu überwinden,

war notwendig.

Bei deinem Buch, Selina, fällt sofort

dein sehr literarischer Umgang

mit Sprache auf, der sich in beste

österreichische Traditionen einreiht.

Welche Rolle spielt die Sprache für

dich in deinen Texten?

SH: Ich habe keinen wissenschaftlichen

Zugang zu Literatur. Meine Beziehung zu

Worten kommt aus mir heraus. Manche

Sätze oder Floskeln tun mir oft beim Lesen

und vor allem beim Schreiben richtig weh.

Die kann ich dann gar nicht anschauen

und muss die Bücher weglegen oder meinen

Text löschen. Aber erklären kann ich’s

nicht. Die Sprache muss sich für den Text

und den beschreibenden Charakter richtig

anfühlen. Sie darf sich nicht verraten.

Eure Bücher sind formal und

sprachlich sehr ausgereift. Wie hat

sich euer literarisches Schreiben

entwickelt?

SH: Ich muss viel schreiben. Meine Stimme

entwickelt sich immer weiter. Sie bleibt

auch nie stehen, sondern erwartet, dass

man ihr hinterherläuft. Manchmal verrennt

sie sich auch in dunkle Einbahnstraßen.

Aber das ist dann halt so. Irgendwann

findet man auch da wieder raus.

AA: Jetzt beim Schreiben des zweiten

Romans habe ich das Gefühl, dass ich

wesentlich präziser arbeite. Aber natürlich

macht es auch einen großen Unterschied,

ob es das erste oder zweite Buch ist – beim

Schreiben des Debütromans spielen noch

viel mehr Selbstzweifel mit rein.

Vielen Dank für das Gespräch und

viel Erfolg!

Annemarie Andre, geboren 1994 in Waidhofen/

Ybbs. Studium der Kunstgeschichte, anschließend

Journalismus und Neue Medien in Wien. Journalistische

Beiträge und literarische Veröffentlichungen.

Mehrfach prämiert bei Poetry-Slam-Bewerben. Für

Nacktschnecken erhielt sie 2022/23 das Hans-Weigel-

Literaturstipendium. Lebt und arbeitet in Wien und

Amsterdam.

Selina Holešinsky, geboren 1991 in der Weststeiermark.

Von dort zog es sie nach Berlin, San Francisco

und Hamburg. Studierte Medienmanagement und

Journalismus, arbeitet seit knapp zehn Jahren in

der Werbung. Schreibt Texte und Hörspiele u. a. für

Ö1 Track 5’, „mosaik“, „Der Standard“ oder das

„Fleisch Magazin“ und lebt derzeit in Wien. Seit sie

denken kann, denkt sie am liebsten.

© Shalunova

Buchtipp:

Selina Holešinsky

Schaltiere am Waldboden

Picus, 184 S., € 23,00

Buchtipp:

Annemarie Andre:

Nacktschnecken

müry salzmann, 220 S., € 25,00

Lesung:

Debütlesung mit Gespräch

Annemarie Andre und

Selina Holešinsky

Moderation: Ina Cassik

Mi., 30. April 2024, 19:00 Uhr

Stöger-Leporello –

die Buchhandlung, Wien

Eintritt: € 7,00



© Siegfried Portugaller

Musik und Literatur

Ein Abend im Sinne von Klemens Klex Wolf

Klex Wolf war nicht nur herausragender

Komponist oder Pionier der Musiktherapie

in Tirol, nicht nur Improvisationskünstler

auf den Tasten oder im Kopf. Er war ein

ganz wichtiger Vermittler und Entwickler –

gerade dort, wo Musik und Literatur

zusammenkamen.

Wort und Ton im

Dialog – das war eine

Spezialität von Klex

Wolf, die auch diesen

Abend prägt.

Er war Gründungsmitglied und Musiker

bei vielen Musikprojekten, u. a. bei der

legen dären Formation JazzNoPhobia, beim

Ensemble Schönruh, beim Janus Art Trio

und zuletzt bei Fransen Musik.

Er war Mitbegründer und Vorstands

mitglied beim Tiroler Kammerorchester

InnStrumenti sowie beim Verein

37KOMMA8 und dem Nachfolgeverein

8ungKultur. Er war lebendige Vermittlung.

Am 13. Dezember 2024 ist Klex Wolf –

der auch die Wagner’sche immer wieder

als Musiker oder Ideengeber unterstützte –

nach schwerer Krankheit viel zu früh

gestorben.

An diesem besonderen Abend wollen

wir ihn als Künstler und Kulturarbeiter

würdigen, mit einem Programm, das kulturell

Funken sprühen wird und deshalb auch

hervorragend geeignet ist für interessierte

Be sucher*innen, die ihn nicht gekannt haben.

Es wird ein Abend, an dem Literatur

und Musik bestens zusammenspielen,

um dem Publikum etwas Besonderes zu

geben. Viele Weggefährt*innen von Klex

Wolf werden auftreten. Silvia Iberer und

Robert Spieler führen die Komposition

„Notturno“ für Violine und Gitarre auf.

Das Tiroler Kammerorchester InnStrumenti

schöpft aus mehr als 25 Jahren

gemeinsamer Geschichte, die Autor*innen

Barbara Hundegger, Alois Hotschnig und

Markus Köhle knüpfen literarisch an

Begegnungen an.

Zu einer Reunion kommt es schönerweise

mit den Musikern Siggi Haider und

Hannes Sprenger, die viele Jahre als Duo

AkkoSax kompositorisch und improvisatorisch

zu glänzen wussten; der Verein

37KOMMA8 durfte ihren ersten Tonträger

produzieren.

© Maria Stecher

Auch das Ensemble JazzNoPhobia

revival! verspricht musikalisch Interessantes.

Einige Musiker*innen haben sich hier zusammengetan,

um diese Band, die von Klex

Wolf in den 90ern mitbegründet wurde und

die bei der legendären Peter-Turrini-Lesung

1992 im Treibhaus ihr Debüt gab, noch einmal

zu feiern.

Nicht zuletzt wird es ein schöner Rahmen,

um auch an die zu denken, denen Klex

Wolf und ich auf unserer jahrelangen Reise

durch die Literatur begegnen durften und

die uns auch schon verlassen mussten. Großartige

Autor*innen wie Robert Gernhardt,

H.C. Artmann, Friederike Mayröcker, Anita

Pichler, Oskar Pastior, Gerhard Kofler,

Gerhard Jaschke … um nur einige zu nennen.

Dafür konnten wir Lisa Hörtnagl und

Harald Windisch gewinnen, die uns vorlesen

und in deren Welten führen werden.

Einen musikalischen und literarischen Abend,

der mit Stil und Humor begeistern wird,

den verspricht Ihnen Ihr Robert Renk.

Veranstaltung:

Musik und Literatur

Ein Abend im Sinne von

Klemens Klex Wolf

Organisiert von 8ungKultur,

unterstützt von Sonja Prieth,

Armin Moser und Hannes

Sprenger, mit Dank an Daniela

Weiss-Schletterer (VIER

UND EINZIG) und alle mitwirkenden

Künstler*innen!

Es wirken mit:

Siggi Haider

Lisa Hörtnagl

Alois Hotschnig

Barbara Hundegger

Silvia Iberer

Markus Köhle

Robert Spieler

Hannes Sprenger

Harald Windisch

JazzNoPhobia revival!

Tiroler Kammerorchester

InnStrumenti

Bücher seit 1639

29

Fr., 2. Mai 2025, 19:30 Uhr

VIER UND EINZIG,

Hallerstraße 41, Innsbruck

Eintritt: freiWILLIGE Spenden



© Koko Meister

Michael Meister

liest bei Leporello

Ein früh verstorbener Vater,

ein spätes Debüt und ein Gespräch

mit Dagmar Harbich

Leporello

Wien

Erzählt wurde so -

zusagen eine Form

des imaginierten

Erinnerns.

Bücher seit 1639

Dagmar Harbich: Was hat dich zum

Setting deines Buches inspiriert?

Michael Meister: Ich denke, ich kann nur

glaubhaft über das schreiben, was ich gut

kenne. Insofern war das Soziotop Wien-

Döbling – der vermeintliche Nobelbezirk

mit all seinen Abgründigkeiten – nur eine

logische Wahl. In einem zweiten Handlungsstrang

habe ich – fiktionalisiert – meinem

Vater, dem Schauspieler Ernst Meister,

nachgespürt. Darin wird also unter anderem

das Wiener Theatermilieu verortet.

Der frühe Tod meines Vaters – ich war

damals erst 20 Jahre alt – hat eine Lücke

geschlagen: so vieles, das ich über ihn nicht

wusste und füllen wollte.

Die Figur des Ernst Scheiner ist,

wie schon erwähnt, stark an deinen

Vater, den 1986 verstorbenen Schauspieler

Ernst Meister, angelehnt.

Wie viel dichterische Freiheit hast du

dir genommen, ihn zu schildern?

Manches an Ernst ist tatsächlich faktisch

belegt, anderes – das ich über ihn nicht

mehr in Erfahrung bringen konnte – ist frei

erfunden. Mein Wissen über und meine

Erinnerungen an ihn sind also nun fiktional

ergänzt und aufgefüllt. Erzählt wurde

sozusagen eine Form des imaginierten

Erinnerns.

Ist auch das übrige Personal des

Romans biografisch grundiert?

Nein, das sind fiktive Figuren. Ich wurde

gefragt: Gibt es diese Familie Werth

wirklich? Die gibt es nicht. Aber ich bin in

meiner Jugend ganz vielen Werths begegnet:

junge Männer, ausgestattet mit viel Selbstvertrauen,

noch mehr Geld, und damit der

Überzeugung, sich über gesellschaftliche

Konventionen und moralische Kodizes

hinwegsetzen zu können.

31

Schreibst du lieber mit einem

Stift oder tippst du bevorzugt am

Computer? Und warum?

Ich habe für den Roman einiges recherchieren

müssen, vor allem den zeitgeschichtlichen

Kontext. Dazu habe ich

handschriftliche Notizen gemacht, auch bei

der konzeptuellen Arbeit zu den einzelnen

Kapiteln habe ich den Stift zur Hand

genommen. Den eigentlichen Text habe

ich dann aber in den Computer geklopft –

aus dem einfachen Grund, dass ich meine

Handschrift oft selbst nicht lesen kann.

Ich habe die beiden parallel verlaufenden

Handlungsstränge übrigens ursprünglich

in zwei unterschiedlichen Typografien verfasst,

um sie besser voneinander abzuheben.

Meine Verlegerin Vanessa Wieser hat mich

dann davon überzeugt, dass das im Druck

nicht nötig ist.

Zu welcher Tageszeit schreibst du am

liebsten und hörst du dabei Musik?

Ich kann zu jeder Tages- und Nachtzeit

schreiben – Hauptsache, ich verspüre

den Drang, dass jetzt etwas dringend zu

Papier gebracht oder eben in den Laptop

getippt werden muss. Dabei Musik hören

geht gar nicht.

Schreibst du lieber allein oder in

der Öffentlichkeit? Hast du ein

„Schreibplätzchen“?

Schreiben empfinde ich als etwas Intimes,

ich könnte mich damit nicht der Öffentlichkeit

aussetzen. In einem Kaffeehaus

würde ich auch nur ständig die Menschen

im Raum beobachten. Meine Schreibplätzchen

waren die unterschiedlichsten

Hotelzimmer. Ich gehe als Kulturredakteur

einem Brotberuf nach und konnte nur in

den Ferien schreiben – und dies über mehrere

Jahre hinweg.

Wie legtest du die Namen deiner

Figuren fest?

Ich lausche sehr lange in mich hinein –

und plötzlich höre ich ihre Namen.

Welches deiner Hobbys wird deine

Leser*innen deiner Meinung nach

überraschen?

Mein Hobby ist Barbra Streisand.

Ihre Filme, ihre Alben, zuletzt ihre rund

1.000 Seiten starke Autobiografie …

Alles von ihr fasziniert mich. Sie findet

auch in meinem Roman Erwähnung.

Beschreibe deine idealen

Leser*innen!

Alle, die sich auf meine Figuren

einlassen.

Michael Meister, geb. 1965 (als Sohn des Schauspielers

Ernst Meister und der Autorin Annemarie

Meister) in Wien. Seit 1988 Artikel für diverse

Magazine (Extradienst, ORF-Nachlese etc.), Drehbücher

für das TV, Texter im Marketing-Bereich.

Seit 1987 unterschiedliche Tätigkeiten für den ORF

als Texter und Redakteur. 2010 bis 2017 leitender

Redakteur der Sendung „Kulturmontag“, seither

Redakteur der Doku-Abteilung der ORF-Kulturredaktion.

Michael Meister hat zwei Kinder und lebt

in Wien. Das Leben ist ernst ist sein Debütroman.

Buchtipp:

Michael Meister:

Das Leben ist ernst

Milena, 260 S., € 26,00

Buchpräsentation:

Michael Meister liest aus

Das Leben ist ernst

Moderation: Dagmar Harbich

Do, 15. Mai 2025, 18:30 Uhr

Leporello – die Buchhandlung,

Wien

Eintritt: € 7,00



© Siegrid Cain

Birgit Birnbacher

moderiert die 47. Innsbrucker Wochenendgespräche

zum Thema „Arbeit“. Ein paar Fragen beantwortet sie

im Interview mit Birgit Holzner.

Mich hat so was immer

mehr interessiert

als irgendeine Salon-

Literatur, die man nur

mit weißen Handschuhen

angreifen darf.

Bücher seit 1639

Birgit Holzner: Die Arbeit ist

so alt wie die Menschheit. Viele

Intellektuelle haben sich dazu

Gedanken gemacht. Karl Marx

beschrieb die Arbeit als „Austausch

des Menschen mit der Natur“

und Marie von Ebner-Eschenbach

behauptete: „Müde macht uns die

Arbeit, die wir liegenlassen, nicht

die wir tun.“ Der französische

Literaturnobelpreisträger Anatole

France stellte fest, Arbeit sei

etwas Unnatürliches, die Faulheit

dagegen göttlich. Was bedeutet

„Arbeit“ für Sie?

Birgit Birnbacher: Ich bin eigentlich recht

froh, sehr unterschiedliche Arten von Arbeit

kennengelernt zu haben. Mein Lebenslauf

ist nicht geradlinig, so habe ich halt

vom Schulabbruch bis zur Berufslehre, als

Augenoptikerin war ich übrigens in Hall in

Tirol im Berufsschulinternat, und von der

berufsbegleitenden Ausbildung zur Dipl.

Sozialfachbetreuerin, neben zehn Jahren

Tätigkeit in Wohnhäusern und Werkstätten

für Menschen mit Behinderung, alles genauso

kennengelernt wie später das akademische

Milieu beim Studium der Soziologie

und Sozialwissenschaften und noch einmal

später dann die Literatur- Bubble. Daneben

habe ich alle möglichen Arten von Arbeit

gemacht. Auch Kellnerin war ich, im Harrys

Social Club in St. Johann im Pongau, jedoch

gab es in der Nachmittagsschicht nur drei

Gäste, die alle laut Verordnung vom Chef

dort gar nichts konsumieren durften, aus

verschiedenen Gründen. So habe ich halt

mit ihnen geredet und große Kannen Filterkaffee

ausgeschenkt. Ich denke heute noch

manchmal an sie. All diese Erfahrungen

möchte ich nicht missen.

33

Die Arbeitswelt ist in einem

tiefgreifenden Wandel: Nicht nur

die Art und Weise, wie wir arbeiten,

verändert sich in Zeiten von

Digitalisierung und Krisen, sondern

auch unser Verständnis von Arbeit.

Inwiefern spiegelt sich das in der

zeitgenössischen Literatur?

Interessant ist, dass endlich so langsam

einmal auch von „unten“ geschrieben wird,

aus den Milieus, die nicht zu einer privilegierten

Elite gehören, die sich das Schreiben

leisten können. Wir lesen jetzt Romane

und Erzählungen aus der Fischfabrik, aus

der Tristesse irgendwelcher ostdeutschen

Kaffs. Das hat es immer gegeben, aber ich

glaube, es war nicht immer so gefragt. Ich

finde das ganz wichtig, mich hat so was

immer mehr interessiert als irgendeine

Salon-Literatur, die man nur mit weißen

Handschuhen angreifen darf. Bei den Innsbrucker

Wochenendgesprächen sind etliche

der spannendsten Interpret*innen zu Gast,

darauf freue ich mich sehr.

Ihr Roman Wovon wir leben zeigt

die Tristesse der Arbeits- und

Sozialwelten in einem Dorf, das von

patriarchalen Strukturen geprägt ist.

Inwiefern stehen Frauen heute immer

noch unter anderen gesellschaftlichen

und sozialen Zwängen als Männer?

Die Probleme der Frauen werden oft in

den Hauptstädten diskutiert. Die meisten

Frauen leben aber nicht in den Hauptstädten.

Sie leben da, wo es noch immer

vollkommen klar ist, dass sie es sind, die

den Vater pflegen und die Kinder hüten,

wenn sie krank werden. So bleiben Frauen

weiterhin machtloser, was Geld und Status

anbelangt, und wenn sie sich trennen oder

der Mann stirbt, geraten sie in eine Altersarmut,

obwohl sie ihr ganzes Leben lang

geschuftet haben. Dieser Umstand hat mich

so wütend gemacht, dass ich Wovon wir

leben schreiben wollte.

© Alois Feldner

Buchtipp:

Birgit Birnbacher:

Wovon wir leben

btb, 192 S., € 14,40

Veranstaltung:

47. Innsbrucker

Wochenendgespräche

auf der nächsten Seite …



47. Innsbrucker

Wochenendgespräche

zum Thema „Arbeit“

Sternenhimmel der Menschheit

beim Osterfestival

www.wochenendgespraeche.at/2025/

Do., 15. Mai

20.00 Uhr

ORF Tirol, Studio 3, Rennweg 14

Lesung mit allen Autor*innen

Moderation: Birgit Holzner und

Joe Rabl

Fr., 16. Mai

10.00–12.00 Uhr

Gespräche im Ensembleproberaum

des Tiroler Landestheaters

Susanne Gregor

Saskia Hennig von Lange

Siljarosa Schletterer

Moderation: Birgit Birnbacher

Sa., 17. Mai

10.00–12.00 Uhr

Gespräche im Ensembleproberaum des

Tiroler Landestheaters

Reinhard Kaiser-Mühlecker

Lydia Mischkulnig

Jana Volkmann

Moderation: Birgit Birnbacher

15.00–17.00 Uhr

Ernst-Wilhelm Händler

Thorsten Nagelschmidt

Heike Geißler

Moderation: Birgit Birnbacher

15.00–17.00 Uhr

Alle Autor*innen

Moderation: Birgit Birnbacher

© Christoph Greussing

„Wir leben in einer Zeit, in der jeder von

uns einen modernen Sklaven hat, einen

unsichtbaren anderen Menschen, der einen

Hungerlohn empfängt, damit wir gut leben

und uns gut kleiden können“, schreibt

Marica Bodrožić. Was man alles braucht,

merkt man erst, wenn es fehlt. Doch das

Leben in pandemischen Zeiten, in Zeiten

der Klimakrise und des Krieges zeigt, dass

es uns nur zusammen geben kann und wir

aufeinander angewiesen sind. All die Krisen

haben auch den Blick geschärft für die vielen

verschiedenen Aspekte von Arbeit: Selbstverwirklichung

und sinnerfülltes Tätigsein

gehören da ebenso dazu wie prekäre Arbeitsverhältnisse

und Abstrampeln im Hamsterrad

turbokapitalistischer Abhängigkeiten. Den

zahlreichen Facetten von Arbeit zwischen

Wertschätzung und Existenzsicherung,

Ausbeutung und fremdbestimmter Selbstoptimierung,

gesellschaftlicher Realität und

ideologischem Überbau wollen die 47. Innsbrucker

Wochenendgespräche nachspüren.

Unter der Moderation von Birgit

Birnbacher, die in ihrem Roman Wovon wir

leben die Tristesse der Arbeits- und Sozialwelten

in einem Dorf zeigt, das immer

noch von patriarchalen Strukturen geprägt

ist, diskutieren: Saskia Hennig von Lange,

die in ihrem Roman Heim die Geschichte

eines Elternpaares erzählt, das zunächst

mit der Betreuung des behinderten Kindes

überfordert ist, es dann aber zu sich zurück

aus dem Heim holt. Jana Volkmann, die in

ihrem Roman Der beste Tag seit langem von

Tieren, Menschen und gleichberechtigten

Formen des Zusammenlebens berichtet, die

ebenso selbstverständlich wie revolutionär

sind. Reinhard Kaiser-Mühlecker, der in

seinem Roman Brennende Felder von einer

Frau mit turbulent-tristem Leben erzählt,

die beschließt, Schriftstellerin zu werden.

Lydia Mischkulnig, die in ihrem Roman Die

Richterin Einblicke in den Berufsalltag einer

Asylrichterin gibt, die zwischen Macht und

Ohnmacht taumelt, und längst überholte,

aber immer noch verbreitete Rollenbilder

auf den Kopf stellt. Weiters: Ernst-Wilhelm

Händler, Unternehmer und Autor

zahlreicher Romane und Essays, in denen

er die Verfasstheit der westeuropäischen

kapitalistischen Gesellschaften seziert.

Thorsten Nagelschmidt, Autor, Künstler

und Musiker, dessen kunstvoll komponierter

Roman Arbeit eine ganze Reihe prekärer

Arbeitsverhältnisse am Beispiel einer Nacht

in Berlin durchspielt. Susanne Gregor – in

ihrem Roman Halbe Leben beleuchtet sie

Bedingungen moderner Care-Arbeit mit

all den Konsequenzen sowohl für die unmittelbar

Beteiligten als auch deren soziales

Umfeld. Siljarosa Schletterer, die nicht

nur wunderbare Lyrik schreibt, sondern

sich als Kulturvermittlerin und Interessenvertreterin

für die Sichtbarmachung und

Anerkennung schriftstellerischer Arbeit einsetzt.

Sowie Heike Geißler, die sich in ihrem

Werk immer wieder mit Arbeit(sverhältnissen)

auseinandersetzt, etwa in Saisonarbeit

oder zuletzt in ihrem aktuellen Essay mit

dem Titel Arbeiten.

34 35

Wagner’sche.

Bücher seit 1639

Die UNESCO zählt die Sternenhimmel

der Menschheit zum immateriellen Kulturerbe,

„da eine Kultur erst der versteht, der

auch ihren Sternenhimmel kennt“. Mit

ihrer ungeheuren Einbildungskraft haben

Menschen in den Sternen ihre ältesten

Kunstwerke geschaffen und dadurch ihre

Kulturen dargestellt. Sie bildeten den ersten

Kalender, mit dem Jäger und Sammler

bestimmen konnten, wann welche Beute gejagt

und welche Früchte gesammelt werden

konnten. Mit der Sesshaftigkeit nahm diese

Bedeutung noch einmal zu, die Aufgänge

einzelner Sternbilder markierten die Wochen,

in denen ein Feld vorzubereiten, zu

pflügen, zu besäen, zu bewässern war. Ohne

sie wäre keine Landwirtschaft möglich gewesen

– und ohne diese gäbe es wiederum

keine Städte, Tempel, Schrift, Herrschaftsstrukturen

oder Zivilisation.

In langjähriger intensiver Forschungsarbeit

ist der österreichische Schriftsteller

Raoul Schrott durch die verschiedenen

Länder gereist, hat vieles zusammengetragen

und erforscht. Der Atlas versammelt

17 Sternenhimmel von allen Kontinenten:

von den alten Ägyptern bis zu den

australischen Aborigines, aus China, Indien

und Tahiti, von den Inuit, Buschleuten und

den Tuareg. Unser Großer Wagen war für

die Maya ein göttlicher Papagei, für die

Inka der einbeinige Gott des Gewitters,

für die Inuit ein Elch, für die Araber eine

Totenbahre. Raoul Schrott fügt diese

Sternsagen zu einem einzigartigen Epos der

Menschheitsgeschichte zusammen.

Im Zentrum dieses Abends steht das

Zwischenstromland, von dem wir die allermeisten

unserer Sternbilder übernommen

haben.

Buchpräsentation:

Raoul Schrott erzählt aus dem

Sternenhimmel der Menschheit

Hanser, 1.280 S., € 153,20

So., 13. April 2025, 19:30 Uhr

Salzlager Hall | Saline 18

(Autobahnauffahrt Hall Mitte),

Hall in Tirol

Eintritt: € 27,00

osterfestival.at



© Jork Weismann

Trau dich!

Im Rahmen des 4. Journalismusfestes

stellt die „First Lady“ Doris Schmidauer

ihre Autobiographie vor …

Wagner’sche

Innsbruck

Es zeigt, wie

wichtig es ist,

den eigenen

Horizont

zu erweitern.

Bücher seit 1639

… ihre Motivation,

das Buch zu schreiben:

Meine erste Reaktion, als mich der Verlag

im Herbst 2023 kontaktiert hat, war: Wieso

ein Buch über mich? Ich dachte dann über

mögliche Beweggründe, Chancen und Ideen

nach und vor allem an die vielen großartigen

Projekte und die Frauen, die ich in den vergangenen

Jahren – insbesondere, seit mein

Mann zum Bundespräsidenten gewählt

worden war – kennengelernt habe. Wäre

das nicht eine gute Gelegenheit, einige von

ihnen vor den Vorhang zu holen und damit

nicht nur meine Geschichte, sondern auch

ihre zu erzählen? Darüber zu berichten und

damit auch den Frauen in Österreich eine

Bühne zu geben, das fand ich spannend.

… ihre Idee, Brigitte Bierlein

als erste Bundeskanzlerin ins Spiel

zu bringen:

Es wurden unglaublich viele Krisengespräche

geführt, meist bis tief in die

Nacht hinein. An einem dieser Abende standen

mein Mann und ich bei uns zu Hause

in der Küche und besprachen den Tag. Er

ist ein ausgesprochen geduldiger Mensch,

einer, der gründlich nachdenkt, der keine

voreiligen Schlüsse zieht, sondern möglichst

vieles bedenkt, um nach gewissenhafter

Abwägung die vernünftigste Entscheidung

zu treffen. An diesem Abend aber war seine

Geduld schon aufs Äußerste gefordert. […]

Ich hörte ihm lange zu, dann hatte ich eine

Idee: „Du hast doch bereits Brigitte Bierlein

als Justizministerin erwogen. Sie ist eine

hochkompetente Frau, die unangefochten

an der Spitze des Verfassungsgerichtshofs

steht. Warum fragst du sie nicht, ob sie

bereit wäre, Bundeskanzlerin zu werden?“

Mit dieser Option im Kopf ging mein Mann

am nächsten Tag in sein Büro und besprach

sich mit seinem Team.

… ihre Rolle als „First Lady“:

Für die Funktion der sogenannten

First Lady gibt es keine Jobbeschreibung.

Ich überlegte mir aber in der Anfangszeit

gut, wie ich diese Rolle positiv gestalten

konnte. Aufgaben der Partnerin des

37

Bundespräsidenten – einen Partner gab

es bis dato ja noch nie – kommen in der

Verfassung nicht vor und sind auch sonst

nirgends definiert. Die Partnerin oder der

Partner des österreichischen Staatsoberhaupts

bekleidet kein offizielles Amt. Es

ist eine ehrenamtliche Tätigkeit. In dieser

Funktion übernimmt man dennoch eine

ganze Reihe an Aufgaben und Auftritten,

wenn man dazu bereit ist. Und ist gleichzeitig

auch mit unterschiedlichen Erwartungen

konfrontiert. Ich begleite meinen

Mann bei öffentlichen Anlässen im In- und

Ausland und trete auch bei Veranstaltungen

von gemeinnützigen Organisationen und Initiativen

auf. Besonders positiv empfinde ich

die Überparteilichkeit als Maßstab für all

meine Aktivitäten und Initiativen. Vielleicht

weil ich viele Jahre in einer politischen Partei

gearbeitet habe, sehe ich, was für einen

Unterschied dies macht. Es zeigt, wie wichtig

es ist, den eigenen Horizont zu erweitern

und Grenzen im Kopf zu überwinden.

Neben den öffentlichen Auftritten sehe ich

meine Funktion vor allem darin, Menschen

zusammenzubringen, speziell auch solche,

die zuvor keinen Kontakt zueinander hatten.

Weil es wichtig ist, offene Gesprächsrunden

zu schaffen, haben wir dazu verschiedene

Diskussionsformate entwickelt: kleine oder

größere Runden, manchmal auch in einem

informellen Rahmen.

… den Rat, den sie

ihrem jüngeren Ich gibt:

Wenn es etwas gibt, das ich meinem

jüngeren Ich rückblickend gerne mitgeben

würde, dann wäre das nur ein kurzer

Satz: Trau dich! Dieses „Trau dich, sei

selbstbewusst und trau dir zu, dich in die

erste Reihe zu stellen“, das würde ich am

liebsten bereits der Schülerin, die ich einmal

war, laut zurufen. Ich sehe mich dabei

selbst, wie ich als Teenagerin von meinem

Elternhaus den Hügel hinunter zum Bahnhof

laufe, um den Zug zur Schule zu erwischen.

Im Winter, wenn unser Städtchen

oft ganz zugeschneit war, blieb mir nichts

anderes übrig, als auf dem Hosenboden

den Hügel hinunterzurutschen. Sonst hätte

ich den Zug verpasst. Es mag eigenartig

klingen, aber dieser Mut, sich bewusst ganz

nach vorne zu stellen, zum Beispiel eine

öffentliche Rede zu halten, ist etwas, das

mir selbst lange Zeit fehlte.

Doris Maria Schmidauer (* 21. September 1963

in Grieskirchen, Oberösterreich) ist eine österreichische

Politikwissenschafterin und die Ehefrau

des amtierenden österreichischen Bundespräsidenten

Alexander Van der Bellen. Sie arbeitete unter

anderem für die Austria Presse Agentur, das Dokumentationsarchiv

des österreichischen Widerstandes.

Sie war 1984 beteiligt an der Besetzung

der Hainburger Au, leitete (mit Peter Pilz) den

Untersuchungs ausschuss im Noricum-Skandal und

erlebte die Gründungszeit der Grünen mit.

Buchtipp:

Nina Horaczek,

Doris Schmidauer:

Land der Töchter zukunftsreich

Styria, 192 S., € 27,00

Buchpräsentation:

Im Rahmen des

Journalismusfests

Mit Doris Schmidauer (First

Lady) & Nina Horaczek (Falter)

Fr., 16. Mai, 19.30 Uhr

Wagner’sche Buchhandlung,

Innsbruck

Eintritt: frei!

Zum 4. Journalismusfest

Innsbruck – Internationale Tage

der Information vom 16. bis 18.

Mai 2025 werden 150 Gäste aus

20 Staaten erwartet.

Das Festival ist offen für alle.



© Manfred Poor

Ausbrechen aus dem Kokon

Anna Rottensteiner im Interview mit der Autorin

Isabella Feimer über ihren neuen Gedichtband

Versuch einer Verpuppung

Wagner’sche

Innsbruck

Die Form ist

für mich ebenso

Sprache wie

d e Worte.

Bücher seit 1639

Anna Rottensteiner: Liebe Isabella,

beginnen wir mit dem Titel.

Verpuppung ist das Stadium der

Larve, in dem sich diese in ihren

Kokon einspinnt, wo dann die

Metamorphose vor sich geht. Ist

Schreiben für dich eine Einhüllung in

die Schichten von Sprache, während

dessen Verwandlung geschieht?

Isabella Feimer: Lieber möchte ich glauben,

dass meine Gedichte aus ihren Kokons

ausbrechen. Dass Sprache ein Befreiungsakt

ist, an dessen Ende eine Enthüllung

steht. Vielleicht. Eine Spurensuche, die

eine Verwandlung aktiv vorantreibt und

im Schönsten aller Fälle die derzeit stark in

sich verpuppte Welt ein wenig öffnet.

Du spielst in den Texten mit der

Ambivalenz von Innen und Außen,

von Entblößung und Verbergung.

Ich würde sogar sagen, die Poesie

der Texte liegt in dem Raum, der

genau in diesem Dazwischen entsteht.

Als Leser*innen betreten wir damit

unbekanntes, vielleicht bisher

unentdecktes Terrain. Geht es dir

beim Schreiben auch so?

Ja. Mein Schreiben möchte dem Dazwischen

seine Töne und seine Textur

entlocken. Dabei denke ich an etwas ganz

Feines, alte schwarze Spitze zum Beispiel,

die jederzeit auseinanderbrechen kann. Im

Dazwischen kann ich auch Entdeckerin

sein, plötzlich in dieser Aufregung des Ungewissen.

Und Schreiben selbst hat immer

einen ungewissen Ausgang. Manchmal

ist auch das Schreiben ein Dazwischen.

Etwas Schüchternes, etwas Provozierendes.

Etwas, das sich nicht festlegen will und

mich immer aufs Neue überraschen kann.

Gerade in der Poesie. Ich mag, dass mich

die Poesie überraschen kann.

Die Metamorphosen, die du in deinen

Texten andeutest, sind ganz oft

Verwandlungen des Ichs in Tierwesen,

in Moor, Moos und Torf. Welche

Sehnsucht steckt da dahinter? Welche

Ungeheuer, welche Sternenwünsche?

39

Meine Wünsche und meine Ungeheuer

treiben mich in seltener Eintracht an, mich

in ein Naheverhältnis zur Natur zu setzen.

Mit meinen Worten, den gesagten und

den nicht gesagten, suche ich die Nähe zur

Natur, von der ich nicht möchte, dass sie

aus mir verlorengeht. Ich habe Angst, dass

sie überhaupt verlorengeht. Angst ist mein

Ungeheuer. Und mein Wunsch ist es, das

Besondere festzuhalten und das Erlebte

durch Sprache wieder zu erleben. Die

Meisen im Hinterhof, Moos, wie es dem

Wald Beständigkeit gibt, oder eine Sonnenfinsternis.

Im letzten Kapitel kommen neben

Gedichten in freien Versen auch

Notate vor, die an poetische Prosa

erinnern, Fragmente von Reflexionen

und Erzählungen. Insgesamt

besticht der Gedichtband durch

den Variationenreichtum deiner

Formensprache. Wie können wir

uns den Entstehungsprozess eines

Gedichts und anschließend eines

Gedichtbands vorstellen?

Mein Herz schreibt die Gedichte. Mein

Sehen gibt die Impulse dazu. Mein Fühlen

entscheidet über die Form, in der sich ein

Gedicht letztendlich wiederfindet. Stets

möchte ich formal ausprobieren. Damit

möchte ich nie fertig sein. Die Form ist für

mich ebenso Sprache wie die Worte, die sich

für ein Gedicht zusammenfügen. Wie das

alles entsteht? Manchmal weiß ich es nicht.

Aber manchmal glaube ich, es entsteht

mit der Entscheidung, loszulassen. Konventionen,

Ängste, Zweifel und Begehrlichkeiten.

Selbst Liebe. Lasse ich all das los,

kann ich es dem Gedicht schenken.

Reisen rund um den Globus sind in

deinem Werk von außerordentlicher

Bedeutung. In ihnen konfrontierst

du dich mit dem Fremden, das dich

umgibt, aber auch mit dem Fremden

in dir selbst. Orte geben auch den

Zyklen im neuen Gedichtband ihren

Titel, sind aber mehr Koordinaten

einer Suche. Sind Orte und das

Reisen für dich Inspiration, Spiegel,

Kompass und/oder …?

Das Reisen ist für mich die größte Inspiration.

Dass ich seit jungen Jahren rund

um den Globus unterwegs sein konnte, hat

mich zu der gemacht, die ich bin, und ja,

es hat auch mein Schreiben geformt und

wird es immer weiter formen. Dem Fremden,

also dem bislang Unbekannten gegenüber

möchte ich meine Berührungsängste verlieren,

meine Ängste, die der Alltag wieder

und wieder in mir zu festigen sucht. Das

Reisen aber bricht sie auf, lässt nicht zu, dass

man sich verpuppt, sich in den Kokon der

Komfortzone zurückziehen kann. Man muss

sich Herausforderungen stellen, muss auch

über sich selbst lachen können. Schreiben ist

ja auch ein bisschen wie Reisen. Um ehrlich

zu sein, nicht nur ein bisschen.

Isabella Feimer, geboren 1976 in Niederösterreich,

Studium der Theater-, Film- und Medienwissenschaft,

arbeitet als freie Regisseurin und Schriftstellerin

in Wien. Sie schreibt Prosa, Essays, Lyrik

und Theatertexte und erhielt zahlreiche Stipendien

und Preise. Zu ihren Veröffentlichungen gehören u. a.

die Lyrikbände Tiefschwarz zu unsichtbar, American

apocalypse (Limbus), Bendita vida (Klingenberg), die

Erzählung Cadavre exquis (Literaturedition Niederösterreich)

sowie die Romane Trophäen, Stella maris,

Frieda und Wir könnten Dschungel sein (Braumüller).

Buchtipp:

Isabella Feimer:

Versuch einer Verpuppung

Haymon, 128 S., € 22,90

Veranstaltung:

Isabella Feimer liest zusammen

mit Eva Maria Leuenberger

(CH) im Rahmen des 10.

Internationalen Lyrikfestivals

W:ORTE

Moderation: Gabriele Wild

Sa., 14. Juni, 19:30 Uhr

Wagner’sche Buchhandlung,

Innsbruck

Eintritt: frei!



W:ORTE 2025

#poesieaberwie

Zehn Jahre im Dienst der Poesie! — www.lyrikfestival.com

Das internationale Lyrikfestival wird

zehn Jahre alt und feiert, aber wie!

Unter dem Motto #poesieaberwie feiert

W:ORTE, wie gewohnt an unterschiedlichen

Orten in ganz Tirol (und darüber hinaus),

sein zehnjähriges Bestehen mit einem

poetisch hochkarätigen Programm. Das

Festival präsentiert sich poetisch, musikalisch,

tänzelnd, kritisch, in lauten und leisen

Tönen. Neben dem Hauptort Innsbruck

gibt es musikalisch-lyrische Töne auch in

Wien, Brixen, Schwaz, Telfs, Imst, Bludenz

und Hohenems.

In einer Eröffnungsrede wird Barbara

Hundegger im Sinne von #poesieaberwie

danach fragen, wie Poesie unsere aus den

Fugen geratene Welt zusammenhält, Ähnliches

hat der Schweizer Poet Raphael Urweider

vor, wenn er in einer poetisch musikalischen

Tanzperformance u. a. gemeinsam mit

Tänzer*innen des Tiroler Landestheaters

nach den Kippmomenten in unserer Gesellschaft

fragt. Groß aufgespielt und performt

wird bei der Veranstaltung klang_sprachen,

bei der die Lyrikerin Nora Gomringer mit

dem Kammerorchester InnStrumenti zusammentrifft.

Und sonst? Zum ersten Mal

gibt es mit dem „Kleinen Doppelpunkt“

auch ein Kinderprogramm mit Lesungen

und Workshops. Internationale Gäste aus

Portugal, Deutschland, Spanien und den

Niederlanden werden erwartet – der Klang

ihrer Sprachen, der Rhythmus ihrer Worte,

ihr Nachdenken über die Welt sollen die

Orte erfüllen – aber wie?!

Gabi Wild, Robert Renk, Siljarosa Schletterer (Festivalteam) — © Ruth Pearce

Habitus bezeichnet das Auftreten

einer Person, ihre

Gewohnheiten, die Art ihres

Sozialverhaltens. Wie verhält

man sich nun in einer globalisierten

Welt, die sich um individuelle

Geschichten nicht schert?

Die niederländische Poetin

Radna Fabias ist von einer

kolonialen Biografie geprägt.

Aufgewachsen mit einer Vielzahl

an Sprachen und Kulturen

auf der Karibikinsel Curaçao,

führte sie dieser „chaotische

Spracherwerb“ zur Poesie.

Diese ist klangvoll, körperlich

und hochpolitisch. Gabriele Wild

Radna Fabias:

Habitus

elifverlag, € 23,70

Dieser Lyrikband ist eine poetische

Anthropologie und vereint

Gomringers Trilogie Monster

Poems, Morbus und Moden.

Wie selbstverständlich werden

hier die Verbindungen zwischen

Krankheit, Mode und Monster

offenbart. Dieser Band lässt

gleichermaßen Hochglanz bröckeln

und bringt Apokalypsen

zum Glänzen – einer der bibliophilsten

Lyrikbände, die ich

kenne. Ein Ausrufzeichen nach

mehr Menschlichkeit, Lebenshunger,

radikaler Zärtlichkeit &

Poesie. Siljarosa Schletterer

Nora Gomringer:

Monster – Morbus – Moden (mit CD)

Voland & Quist, € 27,70

die spinne ist einerseits eine Begegnung

mit dem Unheilvollen,

andererseits eine Bearbeitung

der Frage, wie man den drohenden

Katastrophen der Welt

begegnet. Mit Lethargie und

Schockstarre oder mit Trotz

und Mut? Leuenberger webt

in ihrem Langgedicht ein Netz

aus Fragen, in denen Natur

und Mensch oder Schuld und

Scham verhandelt werden.

Was kann die Welt noch retten?

Achtsamkeit gegenüber den

kleinsten Lebewesen, vielleicht,

auch wenn sie (zu Unrecht) so

unpopulär sind wie Spinnen.

Gabriele Wild

Eva Maria Leuenberger:

die spinnen

Droschl, € 22,00

Cover in Arbeit

„Eine schöne Frau braucht

Narben“ lesen wir im Band der

luso-angolischen Autorin und

wir brauchen diesen Gedichtband.

Es sind Störungen

und Aufschreie. Es sind Schreie

eines „zerrissenen Herzens“

(S. 76) über den „prekären

Markt der Gefühlskälte“.

Es sind dekoloniale und ökofeministische

Gedichte über

„gesäte Eizellen“ (S. 42) und

„verdichtete Flüsse“ (S. 41), über

„Tränenantworten“ (S. 100) über

„Sprachlosigkeit“ (S. 37) hinweg.

Es ist ein Band, der in „fetten

Buchstaben“ (S. 70) liebt, aufbegehrt,

aufzeigt und berührt!

Siljarosa Schletterer

Yara Nakahanda Monteiro:

Herz Rhythmus Störungen

Haymon, € 23,90

Programmauszug:

Di., 10. Juni 2025, 19:30 Uhr

Stadtbibliothek,

Eröffnungsrede von Barbara Hundegger:

poesie!? aber wie!?

Jan Wagner – D

Yara Nakahanda Monteiro – PRT (angefragt)

Nora Gomringer – D/CH

Mi., 11. Juni 2025, 19:30 Uhr

Literaturhaus am Inn

José F. A. Oliver – ES/D

Radnas Fabias – NL

Carmen Camacho – ES

Do., 12. Juni 2025, 19:30 Uhr

Open Air: Vorplatz des Messegeländes,

Ing. Etzel Str. 31,

Tipping Point – eine poetisch,

musikalische Tanzperformance

Mit Raphael Urweider (Poesie),

Tänzer*innen des Tiroler Landestheaters

und Ralph und Xaver Schutti (Musik)

Fr., 13. Juni 2025, 20:00 Uhr

Treibhaus

Nora Gomringer und InnStrumenti

Sa., 14. Juni 2025, 19:30 Uhr

Wagner’sche Buchhandlung,

Isabella Feimer – A

Eva Maria Leuenberger – CH

Mo., 16. Juni 2025, 19:30 Uhr

Stadtbühne Imst

Ulrike Sarcletti – A

Nils Mohl – D

Mo., 16. Juni 2025, 19:30 Uhr

Bücherei und Spielothek Telfs

Katharina J. Ferner – A

Und die Ergebnisse aus der

Schüler*innen-Werkstätte

Di., 17. Juni 2025, 19:30 Uhr

Museum der Völker Schwaz

Katharina J. Ferner – A

Hans Aschenwald – A

40

Nils Mohl – D

Wagner’sche.

Von einer, die auszieht, den

Sexismus das Fürchten zu

lehren. Siljarosa Schletterer,

Wasserflüstererin unseres Vertrauens,

wendet sich in ihrer

neuen Gedichtsammlung dem

Körper zu. Eine poetische

Zurückeroberung der Sinnlichkeit,

Lust und Liebe aus den

Klauen der Übergriffigkeit,

Erniedrigung, Gewalt und des

Traumas. Hochaktuell, ansteckend

mutig und vor allem

heilsam ist dieses Manifest

für eine neue Sprache, Wahrnehmung

und Achtsamkeit.

Pflichtlektüre – auch und insbesondere

für Männer!

Mikael Vogel

Siljarosa Schletterer:

entschämungen. körperkantate

Limbus, € 15,00

Wagner zeigt mit präzisen

Wortbildern, wie die Kunst

im vermeintlich Alltäglichen

stattfindet. Mein Lieblingszweizeiler

des Bandes findet sich im

Gedicht Mississippi: „spürst

mit einem mal, wie er deine

knöchel umspielt, aber ahnst

nicht, daß / du schon seit jahren

mit nassen füßen durchs leben

gehst“. Diese Gedichtsammlung

tastet oder tropft sich eher Zeile

für Zeile in die Wunderkammer

Realität. Ein Band voll leiser,

aber eindringlicher und nachhaltiger

Schönheit. Siljarosa Schletterer

Jan Wagner:

Steine & Erden

Hanser Berlin, € 23,70

Endlich. Endlich ist neue Lyrik

von Ulrike E. Sarcletti da. Endlich

wird die Hohe Munde, die

prägende Bergspitze des oberen

Inntals mit ihrem richtigen Geschlecht

angesprochen. Endlich

ist sie da, die „bergin“, die „ur.

alte stein.weise“ als ein Du im

Gedicht. In drei Kapiteln wird

dialogisiert, denn das lyrische

Ich weiß um das Wissen im

Stein. Sarcletti setzt Punkte

besonders, sie setzt sie nicht

als Abschlusszeichen, sondern

als Türöffner ins tiefere Hören

hinein. Siljarosa Schletterer

Ulrike E. Sarcletti:

mude.n – gespräche mit der alten bergin

TAK, ca. € 19,00

Mikael Vogel hat u. a. mit dem

Band Dodos auf der Flucht

Nature Writing neu im deutschsprachigen

Raum definiert.

Nach Morphine und Massenhaft

Tiere widmet er sich hier ausgestorbenen

Arten: ein Requiem

für ein verlorenes Bestiarium.

Eine neue Poetik der Empathie,

die gegen die Biodiversitätskrise

und jeglichen Speziesismus mit

jeder Zeile anschreibt. Was sein

Werk auszeichnet: akribisch

recherchierte und komponierte

Zeilen und Umbrüche. Sein

Schreiben macht die Vermissten

Tierarten sichtbar.

Siljarosa Schletterer

Mikael Vogel:

Dodos auf der Flucht

Verlagshaus Berlin, € 19,40



© Stefan Huber

quod erat

demonstrandum

Asterix auf Tirolerisch à la Koschuh.

Vor der Präsentation ein paar Fragen von Robert Renk

Wagner’sche

Innsbruck

Beim Kampf der

Häuptlinge habe ich

selbst am meisten

lachen müssen.

Bücher seit 1639

Robert Renk: Lieber Markus

Koschuh, du übersetzt den Asterix-

Band Der Kampf der Häuptlinge ins

Tirolerische. Wie kam es dazu?

Markus Koschuh: Das hat das Mastermind

der Wagner’schen, Markus Renk, auf Schiene

gebracht. Es war seine Idee, 25 Jahre

nach einer Asterix-Übersetzung durch Felix

Mitterer eine neue Asterix-Übersetzung anzugehen.

Dass er mich gefragt hat, hat mich

natürlich sehr gefreut.

Hast du dir den Band ausgesucht?

Wenn ja, warum genau diesen?

Ich hab mir vom deutschen Verlag egmont

nach Recherche fünf Bände schicken lassen,

um die definitive Auswahl zu treffen. Beim

Kampf der Häuptlinge habe ich selbst am

meisten lachen müssen. Es ist eine herrliche

Geschichte, die sich bestens ins Tirolerische

und in einen „Kampf“ Tiroler Oberland

gegen Tiroler Unterland übertragen lässt.

Es ist erst der zweite Band, der auf

Tirolerisch herauskommt. Den ersten

hat – wie du schon sagtest –

Felix Mitterer übersetzt. Hast du

Anleihen bei ihm genommen?

Natürlich habe ich mir Obelix und’s groasse

Gschäft von Felix genau angeschaut. Das

ist riiichtig gut. Aber Anleihen habe ich

mir keine genommen. Erstens ist die Story

dafür viel zu unterschiedlich und zweitens

sind auch der Wortwitz und Humor von

Felix ein ganz anderer als meiner.

In der Wagner’schen wird deine

Übersetzung präsentiert. Wie darf

man sich einen Abend mit Asterix

und Markus Koschuh vorstellen?

43

Ziemlich lustig! Ich werde manche Original-

Passagen den Tirolerischen Passagen

gegenüberstellen. Das Schöne ist ja, dass

einem der Verlag viele Freiheiten einräumt.

Es ist also keine Eins-zu-eins-Übersetzung,

sondern ganz viel Koschuh mit drin …

Gibt es noch andere Übersetzungsprojekte?

Der kleine Prinz würde

noch warten (die Übersetzung

von Annemarie Regensburger ist

vergriffen) …

Ja, dass Der kluene Prinz vergriffen ist,

finde ich ewig schade. Aber da steckt so viel

Können und Leidenschaft von Annemarie

drin, dass es mir unmöglich scheint, das

gleiche Büchlein noch einmal zu übersetzen.

Das hat auch mit Respekt vor Annemarie

Regensburger zu tun. Aber in Sachen

Übersetzen habe ich Blut geleckt. Vielleicht

kommt noch mehr!

Was sind die nächsten Projekte?

Gibt es ein neues Buch?

Ein neues Programm?

Am 27. Juni feiert „Vollmond. Ein Land

jagt den Wolf“ bei den Schlossbergspielen

Rattenberg Premiere. Es ist eine aberwitzige

Komödie für mehr als 20 Mitspielende.

Da hieß es, beim Schreiben den Überblick

zu bewahren. Auch ein Buchprojekt ist

am Entstehen und die Idee für ein neues

Kabarettprogramm ist schon geboren. In

den kommenden Monaten bin ich aber jetzt

mal zusammen mit Franz Posch unter dem

Titel „Quetschn trifft Schmäh“ auf der

Bühne, mein Kabarettprogramm „Eine kleine

Machtmusik“ läuft erfolgreich weiter,

und da und dort bin ich auch als Moderator

engagiert. Fad wird mir also sicher

nicht, haha!

Das hoffen wir, vielen Dank fürs

Gespräch und für alle, die deine

Aktivitäten weiter verfolgen wollen,

hier noch ein Hinweis auf

www.markuskoschuh.at!

Markus Koschuh, Jahrgang 1977, stand schon mit

acht Jahren auf der Bühne. Kabarettist, Moderator,

Poetry Slammer und seit neuestem auch Übersetzer,

zweimaliger österreichischer Poetry-Slam-Meister.

Im Verlag der Wagner’schen Universitätsbuchhandlung

erschien 2018 in der „Erinnerungen an

Innsbruck“ – Reihe Olympisches Dorf. Kleinstadt

im Weltdorf.

Buchtipp:

Übersetzt von Markus Koschuh:

Asterix Mundart Tirolarisch 2,

Mander, s’isch Zeit!

René Goscinny & Albert

Uderzo, Ehapa Comic

Collection, 48 S., € 15,50

Veranstaltung:

Markus Koschuh präsentiert:

Asterix Mundart Tirolarisch 2,

Mander, s’isch Zeit!

Di., 3. Juni, 19:30 Uhr

Wagner’sche Buchhandlung

Eintritt: € 9,00/€ 7,00 mit

Wagner- oder Ö1-Card



© David Zehnder

80 Jahre

Ver-Dichtung

Klaus Merz feiert seinen Runden

in Innsbruck, wir feiern mit …

Wagner’sche

Innsbruck

Klaus Merz – ein Poet

der Herzensbildung. Ein

scharfsinniger Erzähler

wider die Risskanten des

Verstands. Seine Texte

sind Sonaten.

José F. A. Oliver

Bücher seit 1639

Klaus Merz, der große Schweizer Dichter

und Ver-Dichter von Sprache und Welt,

feiert seinen 80. Geburtstag mit einem

großen Literaturfest in Innsbruck.

Seit seinem Debüt, dem Gedichtband

Mit gesammelter Blindheit (1967), hat

Klaus Merz ein Werk von beeindruckender

Vielfalt geschaffen, das eine siebenbändige

Gesamtausgabe füllt. Über dieses halbe

Literaturjahrhundert hinweg ist Merz sich

und seinem Schreiben stets treu geblieben:

dem klaren und wachen Blick, der Zugewandtheit

und der Melancholie, dem

hintergründigen Witz, die seine Gedichte,

Erzählungen und Prosaminiaturen auszeichnen.

Und der Fähigkeit, genau hinzusehen

auf die nebensächlichen Details,

in denen sich ein ganzes Leben verdichtet,

auf die kleinen Irritationen des Alltags und

auf das scheinbar Unscheinbare, dem er in

seinen Texten nachspürt. Denn Literatur,

so Klaus Merz, bedeutet, es auf den Punkt

zu bringen, und diesen Punkt glühen zu

lassen, auf dass er Wärme und Helligkeit

verströme.

Klaus Merz nimmt die Wörter beim

Wort, setzt sie sparsam und mit Bedacht

und lässt ihnen viel Raum, um in allen

Zwischentönen nachzuklingen. Er braucht

nie viele Sätze, um große Geschichten

zu erzählen. In seinem Meisterwerk Jakob

schläft etwa entfaltet sich in kurzen Kapiteln

eine berührende, bezaubernde Familiengeschichte

vor dem Zeitpanorama der

1950er-Jahre. In der Novelle Der Argentinier

begleitet er einen Mann um die halbe Welt

auf seiner Suche nach der Liebe und dem

Tango und zeichnet zugleich ein scharfsichtiges

Porträt der Nachkriegs-Schweiz.

45

Und in seinen Gedichten genügen ihm

wenige Zeilen, um die Perspektive zu weiten

und das Denken auf Reisen zu schicken.

Seine Texte seien „Sprungbretter für

Seele und Kopf“, hat Klaus Merz einmal

geschrieben, und damit ist schon viel gesagt:

Sie sind leicht und federnd, sie haben

Bodenhaftung und ragen hinaus ins Weite,

sie laden ein, hinauszuspringen über den

Horizont, und geben den nötigen Schwung

dazu. Und dann taucht man ein in einen

See aus Wörtern und Bildern, der den

Blick klärt, die Gedanken erfrischt und

das Herz belebt. Georg Hasibeder

Sammlertipp:

Klaus Merz:

Werkausgabe in sieben Bänden

Die Lamellen stehen offen;

In der Dunkelkammer. Frühe

Prosa; Fährdienst. Prosa;

Der Mann mit der Tür oder

Vom Nutzen des Unnützen.

Feuilletons; Das Gedächtnis

der Bilder. Texte zu Malerei

und Fotografie; Brandmale

des Glücks. Prosa;

Außer Rufweite. Lyrik

Haymon, 2.352 S., € 150,00

Veranstaltungen zum

80iger von Klaus Merz

in Innsbruck:

Mi., 1. Oktober, 19:00 Uhr

Innsbrucker Stadtbibliothek

u. a. mit Michael Forcher,

Sabine Gruber,

Melinda Nadj Abonji & Jurczok

und Peter Stamm (angefragt)

Eintritt: frei!

Do., 2. Oktober, 19:00 Uhr

Literaturhaus am Inn

Grenzgänge „Leise & Leise“

Klaus Merz und Alois

Hotschnig im Gespräch

mit Klaus Zeyringer

Eintritt: frei!

Fr., 3. Oktober, 19:30 Uhr

Wagner’sche Buchhandlung,

Innsbruck

„Ein literarisches Fest“

für und mit Klaus Merz,

u. a. mit Sepp Mall, Markus Bundi,

José F.A. Oliver …

Eintritt: frei!

Buchtipp:

Klaus Merz:

Jakob schläft

Haymon, 104 S., € 10,95



Bücher

für

Kinder

und

Jugend:

Embla hat sich nie richtig

zugehörig gefühlt. Ihre neue

Schule, eine nervige Schwester

und überfürsorgliche Eltern

machen ihr das Leben schwer.

Doch als ein schreibender Käfer

ihr eine rätselhafte Botschaft

überbringt, ändert sich alles.

Werwesen – von Ameisen bis

Hirschen – leben im Verborgenen

unter uns, und Embla

erkennt, dass sie Teil einer Welt

ist, in der magische Kreaturen

und dunkle Geheimnisse

herrschen. Ein packendes Abenteuer

über Gestaltwandler, Mut

und Freundschaft …

Marcus Hakon:

Wildwandler

Ars Edition, 416 S., € 18,50

In Dantessa dreht sich alles ums

Spielen – egal, ob mit Würfeln,

Degen oder Marshmallows, an

Land, im Wasser oder auf den

Dächern der Stadt. Das wichtigste

und zugleich gefährlichste

Spiel von allen ist Noctis, ein

Wettkampf auf Leben und Tod.

Und die letzte Chance für die

12-jährige Pia, ihren geliebten

Großvater zu retten, der plötzlich

alle Spiele verlor und dafür

aus der Stadt verbannt wurde.

Ein magisches Abenteuer, das

einen ungerechten gesellschaftlichen

Status quo in Frage stellt.

Deva Fagan:

Game of Noctis – Spiel um dein Leben

Carlsen, 352 S., € 16,50

Eine Berührung von Kaythara

ist tödlich. Immer. Daher

lebt sie in einem von der Welt

abgeschotteten Tempel, unter

den strengen Gesetzen des

Königreichs des schwarzen

Mondes. Bis ein geheimnisvoller

Wärter plötzlich alle Regeln

für sie bricht und sie über ihre

magische Gabe und das Leben

außerhalb der Mauern aufklärt:

Kaythara soll für den

bevorstehenden Krieg genutzt

werden. Als Soldatin, gefährlich

und zum Gehorsam erzogen.

Sie bringt den Tod. Ist er bereit,

für sie zu sterben?

Lexy v. Golden:

Kingdom of the Black Crescent

Carlsen, 448 S., € 25,70

Wichtelin Glim hat ihre Ausbildung

in der Zauberstabherstellung

beendet und geht

auf Wanderschaft, wie es sich

für Laubwichtel gehört. Unterwegs

trifft sie die tollpatschige

Elfe Annivé, die zur treuen

Freundin wird. Doch dann

gerät die Welt in Unordnung:

Der Himmel über Ravenholm

verdunkelt sich und Eisblitze

schlagen ein. Gemeinsam versuchen

die Freundinnen herauszufinden,

woher die Bedrohung

kommt. Für alle Fans vom

kleinen Hobbit und Snöfried –

ein fantastisches Abenteuer.

Marcus Raffel:

Glim aus dem Ginsterwald

Thienemann, 320 S., € 16,50

Berry kann es nicht fassen: Sie

soll Schülerin der berühmten

Wächter-Akademie auf der

Lotusinsel werden! Dort lernen

die Novizen, sich in magische

Wesen zu verwandeln – die

Wächter. Ihre Aufgabe ist es,

alle Tiere und Pflanzen mit

ihren magischen Kräften zu

beschützen. Aber will sie denn

überhaupt eine Wächterin sein?

Eins steht fest: Wenn sie ihre

Bestimmung nicht bald erkennt

und ihr magisches Selbst findet,

muss Berry die Insel verlassen.

Und die besten Freunde, die

sie je hatte, wird sie nie wiedersehen.

Christina Soontornvat:

Die Insel der magischen Wächter.

Der große Test

cbj, 176 S., € 14,40

Als die Sonne über der Wüste

aufgeht, erwacht das kleine

Kamel Konrad und hat

schlechte Laune. Ihm ist heiß,

es ist müde, und auf keinen

Fall will es zur Oase wandern.

Sollen die anderen Kamele eben

ohne ihn losziehen. Aber allein

im heißen Sand ist es irgendwie

auch blöd … Da hoppelt

plötzlich eine Wüstenspringmaus

vorbei, die vor Fröhlichkeit

nur so sprüht! Was ist wohl

ihr Geheimnis? Könnte auch

Konrad nur ein Lächeln von

guter Laune entfernt sein?

Rachel Bright:

Das Kamel hat schlechte Laune

Magellan, 32 S., € 17,50

Wie summt eine Biene?

Und wie brüllt ein Tiger?

Mit tiptoi starten die Kinder

ihre Entdeckungsreise durch die

faszinierende Tierwelt – vom

Bauernhof bis zum Regenwald.

Über 200 authentische Geräusche

erwecken bekannte und

neue Lieblingstiere zum Leben.

Die umfangreiche Sammlung

bietet eindrucksvolle Tierfotos

und erstes spannendes Sachwissen.

Das macht riesig Spaß,

denn spielerisch und interaktiv

können schon die Kleinsten ihr

Wissen testen und die Tierstimmen

richtig zuordnen.

Tiptoi:

Kennst du diese Tiergeräusche

Ravensburger, 24 S., € 21,60

Bei einem magischen Fest in

London wird Lucys Leben mit

einem Schlag auf den Kopf

gestellt: Ihre Großmutter wird

vor ihren Augen entführt und

Lucy kann sich danach an

nichts erinnern! Zum Glück hat

sie Freunde, die ihr zur Seite

stehen – und ihre magischen

Objekte. Denn Lucy hat ein

ganz besonderes Talent: Sie ist

eine Spellcrafterin und kann

Gegenständen Magie einhauchen.

Doch die Suche nach

der Wahrheit führt sie auf eine

gefährliche Spur. In London

ist die Magie außer Kontrolle

geraten …

R.L. Ferguson:

Spellcraft – Die Magie der

silbernen Flammen, Bd. 1

Ravensburg, 320 S., € 17,50

Endlich ist er da: der Tag, auf

den Ileana schon ihr ganzes

Leben wartet. Alle 17 Jahre

erwachen auf Calliste die

Ewigen zum Leben und ziehen

Touristen aus aller Welt in

ihren Bann. Ila verdient sich als

Fremdenführerin etwas dazu,

da sie die versteinerten Wesen

in- und auswendig kennt. Sie

wurde in der Nacht des letzten

Erwachens geboren und spürt

eine besondere Verbindung zu

ihnen. Niemand weiß besser

als sie, wie unberechenbar und

Respekt einflößend die Ewigen

sein können!

Katja Bradis:

Die Ewigen von Calliste

Arena, 448 S., € 21,60

Wenn die Uhren rückwärts

laufen, wissen die Zeit- Agenten:

Ein neues Abenteuer ruft!

In dieser fesselnden Kinderbuch-Reihe

begleiten junge

Leser*innen ab 7 Jahren die

Zeit-Agenten zu den bedeutendsten

Momenten der

Geschichte. Mit Mut und

Geschick müssen die 8 Kinder

die fiesen Pläne von Bösewicht

Mora durchkreuzen, der quer

durch alle Jahrhunderte für

Chaos sorgt. Jede Reise bietet

Grundschulkindern faszinierendes

Geschichtswissen und ein

actionreiches Katz-und-

Maus-Spiel.

S. J. King:

Die Zeitagenten 1.

Das Propeller-Dilemma

Dorling Kindersley, 128 S., € 11,30

Das Fellmuster der Giraffe

oder die schleimige Haut des

Pfeilgiftfrosches: Tierwissen

mal anders! Vom Säugetier

bis zum Insekt werden

verschiedenste Tierarten in

großformatigen Fotos und

Grafiken vorgestellt und ihre

anatomischen Besonderheiten

erklärt. Das besonders anschauliche

Layout mit leicht

verständlichen Erklärtexten und

übereinandergelegten Fotos

und Illustrationen offenbart,

was im Inneren der Tiere

vorgeht, und zeigt Kindern

Knochen, Organe und Körperfunktionen

einmalig visuell.

Jess French:

Anatomie der Tiere

Dorling Kindersley, 160 S., € 21,60

Cleodora ist ein Niemand.

Nach dem Tod ihres Vaters

kann sie sich und ihre sterbenskranke

Schwester kaum über

Wasser halten. Sie wohnt in der

glanzvollen Stadt Lutèce, doch

deren Welt der magischen Talente

ist für Cleo unerreichbar.

Als sie von der berüchtigten

Madame Dahlia beim Diebstahl

erwischt wird, nimmt ihr Leben

eine unglaubliche Wendung:

Dahlia macht sie mit Hilfe eines

Gesangstalents über Nacht zur

gefeierten Sängerin an der Oper.

Sie erlebt Galas und opulente

Bälle.

Adi Denner:

Kiss oft he Nightingale

Fischer Sauerländer, 496 S., € 21,50

„Geh auf keinen Fall den Hügel

hinauf“, hatte Christophers

Großvater gesagt. Doch die

Ferien sind zu langweilig, um

sich an Verbote zu halten. Als

Christopher den Hügel erklimmt,

bebt plötzlich die Erde.

Sprechende Eichhörnchen, ein

geflügeltes Pferd und ein Einhorn

kommen ihm entgegen.

Christopher kann es nicht

fassen! Vom Großvater erfährt

er, dass sich ein Tor zu einer

anderen Welt geöffnet hat. Eine

Welt voller Magie und atemberaubender

Fabelwesen, doch

genau diese sind jetzt in Gefahr!

Katherine Rundell:

Impossible Creatures. Das Geheimnis

der unglaublichen Wesen

Fischer Sauerländer, 384 S., € 17,40

Die Urwelt ist unglaublich

spannend! Wann lebten Dinosaurier?

Welche Arten gab

es? Wo lebten sie? Was fraßen

Flugsaurier und Dinosaurier

besonders gerne? Warum

leben sie heute nicht mehr? Wo

werden noch immer Knochenreste

gefunden? Was haben

Meteoriten mit dem Tod der

Saurier zu tun? Was verbirgt

sich hinter den Begriffen Kreide

und Jura? Wie arbeiten eigentlich

Paläontolog*innen? Fragen

über Fragen! Spannende Sachinformationen

zu Dinosauriern

eigenständig entdecken.

Birk Grülling:

Dinosaurier

Kosmos SCHLAUFUX, 64 S., € 13,40



HOCH

HÖHER

STAPLER

7 × Romane mit wunderbaren

Hochstapler*innen

WER EINE

REISE TUT,

DER HAT

7 × etwas zu erzählen von

Wolfgang Finger *

TON

FÜR

TON

7 × großartige Bücher mit

Musik als Handlungsträger

von Fritz Ostermayer **

3×7

Best

aber

Seller:

1

2

Yellowface

Für immer die Alpen

Benjamin Quaderer

btb, € 13,40

Rebecca F. Kuang

Eichborn, € 25,70

1

2

Atlas

Zeitreisen

Angela Steidele

Matthes & Seitz, € 29,80

eines ängstlichen Mannes

Christoph Ransmayr

S. Fischer, € 15,40

1

2

Unter

Melodien

Helmut Krausser

Dumont € 16,50

Wölfen

John Wray

Rowohlt € 27,80

3

Die

Tigerin

Walter Serner

Arco, € 20,00

3

Traumpfade

Bruce Chatwin

S. Fischer, € 16,50

3

Der

größere Teil der Welt

Jennifer Egan

S. Fischer € 14,40

4

Lila,

Lila

Martin Suter

Diogenes € 14,40

4

Herz

der Finsternis

Joseph Conrad

Diogenes, € 16,50

4

Der

Lärm der Zeit

Julian Barnes

btb, € 10,30

* Tipps unseres Reiseexperten Wolfgang Finger

(jeden Dienstag für Sie in der Reise- und

Literaturabteilung)

** Tipps unseres Musikexperten Fritz Ostermayer,

FM4-Mitbegründer und Musikfachmann

48

Wagner’sche.

5

Der

6

Die

7

Bekenntnisse

Hauptmann von Köpenick

Carl Zuckmayer

S. Fischer, € 13,40

Abenteuer des Joel Spazierer

Michael Köhlmeier

dtv € 15,40

des

Hochstaplers Felix Krull

Thomas Mann

S. Fischer, € 17,50

5

Tristan

6

Der

7

Durch

da Cunha

Raoul Schrott

S. Fischer, € 14,40

alte Patagonien-Express

Paul Theroux

Dumont, € 19,50

Welt und Wiese

Trojanow/Urban

Die Andere Bibliothek, € 25,70

5

Bruckner:

6

Jazz

7

The

Journal einer Leidenschaft

Norbert Trawöger

Residenz, € 23,00

Tony Morrison

Rowohlt, € 13,40

Dirt: Sie wollten Sex,

Drugs & Rock’n’Roll

Neil Strauss & Mötley Crüe

Heyne € 15,50



© Michaela Putz

Über drei Generationen

von Frauen …

Michèle Yves Pauty erzählt die Geschichte

mehrerer Frauenleben, erzählt von den Zusammenhängen

zwischen Geschlecht, Herkunft, Klasse,

Bildung und Gesundheit. Die Geschichte einer

Abgrenzung, eines Zueinanderfindens.

Leporello

Wien

Erinnerung ist

wie Wahrheit,

es gibt nicht eine,

sondern viele

subjektive.

Bücher seit 1639

Die Ich-Figur wächst im Tirol der 80er-Jahre

auf, zwischen schneebedeckten Bergspitzen

und dem schlammgrünen Fluss, der sich

durch die Stadt schlängelt; wächst als gesunder

Körper zwischen Kranken auf. Großmutter,

Mutter, Schwestern – Krankheit

trifft alle. Die Ärzte reagieren nicht, wiegeln

ab. Um sich selbst zu schützen, entfremdet

das Ich sich immer mehr. Und beginnt dann

doch, alles zusammenzusetzen, verwebt einen

Familienkörper.

Medical Gaslighting und Gender-

Medizin sind zwei zentrale Themen in

deinem Roman, die eng miteinander

verbunden sind. Dabei handelt es

sich um strukturelle, kontinuierliche

Problematiken, die doch immer noch

sehr wenig thematisiert werden. Was

war für dich der ausschlaggebende

Punkt, genau diese Themen in

einem Roman zu verarbeiten? Hat

dich deine Familiengeschichte dazu

bewegt oder konntest du erst durch

den Schreibprozess einordnen, dass

diese Themen eng mit deiner Familie

verknüpft sind?

Michèle Yves Pauty: Am Beginn des

Schreibprozesses waren diese beiden

Themen noch nicht bewusst als Schlagwörter

in meinen Überlegungen vorhanden.

Es war mehr ein Nachtasten, was diesen

Familienkörper umtreibt, warum manche

Episoden sich zu wiederholen scheinen.

Ich wollte verstehen. Medical Gaslighting

und Gender- Medizin haben sich erst

im Laufe des Schreibens als Themen

herauskristallisiert, die inhärent mit der

Gesundheit von Frauen im Allgemeinen

und besonders mit denen meiner Familie

zusammenhängen.

51

In deinem Roman erzählst du über

drei Generationen von Frauen. Das

Buch setzt bei allen drei Perspektiven

in der Kindheit ein und berichtet über

lange Spannen hinweg auch über

sehr unterschiedliche Jahrzehnte.

Wie war es für dich, in diese

verschiedenen Figuren, Leben und

auch Zeiten einzutauchen? Welche

Herausforderungen gab es dabei?

Die erste Version des Textes bestand aus

elf Seiten, in der eine Erzählstimme das

Geschehen von außen beobachtet. Inhaltlich

ging es damals ausschließlich um

meine ältere Schwester, den Super-GAU in

Tschernobyl und ihre Hashimoto-Diagnose.

Als der Text länger wurde, war es nicht

mehr möglich, mich aus den Erzählungen

herauszuhalten. Die Stimme des Kindlichen

wurde zum roten Faden für die Geschichte,

sie bietet eine gewisse Chronologie in den

Zeitsprüngen. An einem Punkt war alles

von meiner Erinnerung dominiert, das war

nicht, wie ich schreiben wollte. Zusätzlich

gibt es die Erzählungen im Roman, die vor

meiner Geburt stattgefunden haben. Um

diese Episoden nah an den Personen zu gestalten,

habe ich viel recherchiert und Interviews

mit meinen Familienmitgliedern begonnen.

Zuerst waren es nur gelegentliche

Anrufe, „Wie war das damals mit Tschernobyl?“,

aber irgendwann habe ich die Interviews

in den Roman mit aufgenommen.

Ich fand den Blick der anderen spannend,

die Unsicherheit von Erinnerung. Immer

wieder kamen vollkommen unterschiedliche

Erzählungen über dasselbe Ereignis.

Erinnerung ist wie Wahrheit, es gibt nicht

eine, sondern viele subjektive.

Du bist Schriftsteller*in, aber auch

Fotograf*in. In Familienkörper hast

du dich für eine bildhafte Sprache

entschieden, beim Lesen wird

deutlich, wie intensiv optische Reize,

Licht, Räumliches auf die Ich-Figur

wirken. Wie stark beeinflusst das

Visuelle dein literarisches Schaffen,

sind die beiden Bereiche für dich

stark miteinander verknüpft?

Ich höre öfters, dass ich so schreibe, weil

ich Fotograf*in bin. Aber wahrscheinlich

bin ich Fotograf*in geworden, weil ich

so wahrnehme. Und dasselbe gilt für das

Schreiben, nur dass ich dort tiefer gehen

kann, als es mir mit der Fotografie möglich

ist. Fotografie ist trügerisch. Wir interpretieren

aufgrund eines Bildes, dabei kann

die Bildunterschrift den gesamten Kontext

ändern.

Michèle Yves Pauty (*1982) hat Fotografie und

Deutsche Philologie in Wien und Literarisches

Schreiben in Hildesheim und Leipzig studiert.

Pauty hat in diversen Magazinen und Anthologien

veröffentlicht, 2021 folgte die Auszeichnung mit dem

Hilde-Zach-Literaturförderstipendium. Pauty lebt in

Wien und Leipzig und ist Teil des Künstler*innen-

Kollektivs sy:rup.

Buchtipp:

Michèle Yves Pauty:

Familienkörper

Haymon, 208 Seiten, € 23,90

Lesung:

Michèle Yves Pauty

Familienkörper

Do., 20. März 2025, 18:30 Uhr

Leporello – die Buchhandlung,

Wien

Eintritt: € 7,00



Die 14. achensee.literatour

bittet Newcomer*innen und

Stars an den Achensee

Das Programm

8.–11. Mai 2025

Die bereits 14. Auflage des viertägigen

Literaturfestivals bietet vom 8.–11. Mai 2025

ein buntes Programm und bittet arrivierte

Stars und interessante Newcomer*innen auf

die verschiedenen Lesebühnen rund um den

Achensee. Erfolgsautor Daniel Glattauer

eröffnet das Festival mit einer Lesung aus

seinem neuen Roman In einem Zug und die

Grande Dame der österreichischen Belletristik,

Erika Pluhar, nimmt ihre Leserschaft

mit auf eine Lesung am Schiff.

Daniel Glattauer eröffnet das Festival und

präsentiert seinen neuen Roman In einem

Zug am Donnerstag, den 8. Mai im Hotel

Entners am See. Ein weiteres Highlight

des Abends ist die Vergabe des HAYMON

achensee.literatour Stipendiums 2025 an

die gebürtige Steirerin Selina Holešinsky,

die mit ihrem sprachlich beeindruckenden

Debütroman Schaltiere am Waldboden

überzeugt. Mit fantasievollen Bildern und

berührenden Momenten beschreibt die

Autorin im Roman die Komplexität der

Klima- und Umweltfrage und der Lösungsfindung.

Arrivierte Stars und

weitere Newcomer*innen

Der Freitag startet mit einer nachmittäglichen

Lesung der Stipendiatin Selina

Holešinsky im Seehotel Einwaller in

Pertisau, bevor dann die Grande Dame der

österreichischen Literatur, Erika Pluhar,

die Gäste zu einer Schiffslesung an Bord

der Achenseeflotte bittet. Pluhar, die

zum ersten Mal am Achensee zu Gast ist,

präsentiert ihren brandneuen Roman Spät

aber doch. Bernhard Aichner, Schirmherr der

Veranstaltung und Bestsellerautor bittet zum

Abschluss des Tages dann zum Krimidinner

ins Entners am See und lässt die Titelheldin

seines gleichnamigen Romans Yoko zwischen

den kulinarischen Genüssen Glückskekse

verteilen. Ein neuer Name im Literaturbetrieb

ist Katharina Köller, die dann am

Samstag auf die Erfurter Hütte hoch oben

im Rofangebirge entführt, um dort aus ihrem

Roman wild wuchern zu lesen.

Im Seehotel Einwaller findet dann auch

die diesjährige Debütlesung mit Michèle Yves

Pauty statt. Pauty erzählt in ihrem Romandebüt

Familienkörper die autofiktionale

Geschichte mehrerer Frauenleben – die

Geschichte einer Abgrenzung und eines

Zueinanderfindens. Ein weiteres Erstlingswerk

ist Petra Pellinis Der Bademeister ohne

Himmel, das die Vorarlberger Autorin zum

Abschluss des Samstags im Alten Widum in

Achenkirch präsentiert. Es ist die Geschichte

einer einzigartigen Freundschaft zwischen

der fünfzehnjährigen Linda und dem an

Demenz erkrankten Hubert, einem Bademeister

im Ruhestand. Pellini erzählt mit

Wärme und Humor vom Erwachsenwerden

und Vergessen.

Die Krimiwanderung am Dien-Mut-Weg

in Pertisau – der traditionelle Abschluss des

viertägigen Literaturevents – ist 2025 fest

in Salzburger Hand, präsentiert dort doch

Katharina Eigner ihren eigens für die achensee.literatour

geschriebenen Kurzkrimi. Die

Moderation der achensee.literatour übernimmt

einmal mehr Theodora Bauer, ihres

Zeichens selbst Autorin.

Treue Partner

Mit der Wagner’schen Buchhandlung,

dem Reisebüro iDEALTOURS sowie

zahlreichen Partnerhotels und Betrieben

rund um Tirols größten See kann die

achensee.literatour auf starke Partner

bauen. Martin Tschoner, Geschäftsführer

Achensee Tourismus, über die 14. Auflage

der achensee.literatour, die den Auftakt in

die Sommersaison bildet: „Das Programm

unseres Literaturfestivals vereint arrivierte

Stars und Publikumslieblinge mit jungen

Talenten und ich bin überzeugt, dass

genau dieser Mix unseren Gästen ein

in teressantes, berührendes und nachdenkliches

Literaturvergnügen bieten wird

können.“

Bildnachweis (v. l. n. r.): Daniel Gattauer (© Heribel Corn),

Selina Holešinsky (© Gabriel Hyden), Erika Pluhar (© Lukas Beck),

Bernhard Aichner (© Fotowerk Aichner), Katharina Köller (© Peter Rigaud),

Michèle Yves Pauty (© Michaela Putz), Petra Pellinis (© Nina Bröll),

Katharina Eigner (© Martina Weiss), Theodora Bauer (© Walter Pobaschnig),

Martin Tschoner (© Franz Oss)

52 53

Wagner’sche.

Bücher seit 1639

Do., 8. Mai, 20 Uhr

Eröffnung im Entners am See

Einlass 19:30 Uhr

Daniel Glattauer In einem Zug/

Verleihung Stipendium & Kurzlesung

Selina Holešinsky Schaltiere am

Waldboden – Stipendiatin 2025

Eintritt: € 29,00 inkl. Begrüßungsgetränk

Fr., 9. Mai, 14:30 Uhr

Lesung im Seehotel Einwaller

Stipendiatin Selina Holešinsky

Schaltiere am Waldboden

Eintritt: frei!

Fr., 9. Mai, 16 Uhr

iDEALTOURS-Lesung am Schiff

Erika Pluhar liest aus ihrem aktuellen

Roman Spät aber doch

Eintritt: € 29,00 –

Lesung inkl. Begrüßungsgetränk

Fr., 9. Mai, 19:30 Uhr

Krimidinner im Entners am See

Einlass 19:30 Uhr

Bernhard Aichner liest aus seinem

aktuellen Thriller Yoko

Eintritt: € 79,00 – Aperitif, Lesung und

dreigängiges Menü

Sa., 10. Mai, 11 Uhr

Lesung auf der Erfurter Hütte

Auffahrt mit der Rofanseilbahn

um 10:30 Uhr

Katharina Köller wild wuchern

Eintritt: € 29,00 inkl. Berg- und Talfahrt

Rofanseilbahn

Sa., 10. Mai, 15 Uhr

Debütlesung im Seehotel Einwaller

Michèle Yves Pauty Familienkörper

Eintritt: frei!

Sa., 10. Mai, 18 Uhr

Lesung im Alten Widum in

Achenkirch

Petra Pellini Der Bademeister ohne Himmel

Eintritt: € 19,00 inkl. Begrüßungsgetränk

So., 11. Mai, 10–12 Uhr

Krimiwanderung

Am Dien-Mut-Weg mit Katharina Eigner

Eintritt: frei!

Programm & Tickets

Das genaue Programm mit allen

Beginnzeiten, Örtlichkeiten und

Ticketreservierungen finden Sie

auf www.achensee-literatour.at.



Mit

sachlichen

Empfehlungen:

Unsere Gegenwart ist geprägt

von ständiger Veränderung,

oft begleitet von sozialer Ungerechtigkeit

und politischer

Instabilität. Viele Menschen

fühlen sich unsicher, sind unzufrieden

und suchen nach

Hoffnung und Zuversicht.

Wolfgang Schüssel wirft einen

Blick zurück auf bewegende

Momente in der Geschichte

sowie auf einschneidende

Augenblicke seiner politischen

Karriere – und zeigt, dass wir

auch in schwierigen Zeiten zuversichtlich

sein dürfen.

Wolfgang Schüssel:

Mit Zuversicht

ecoWing, 256 S., € 28,00

Das Lebensgefühl der italienischen

Küste kann man sich

nach Hause holen durch die

Geschichten und die Lebensphilosophie

der Menschen, die

den Strand bevölkern. In diesem

ganz eigenen Mikrokosmos

lernen wir die besonderen

Rituale und Regeln kennen,

die kleinen Strandgeheimnisse

und das Treiben am Meeresufer

auch jenseits der Hauptsaison.

Und wir erfahren fast nebenbei,

wie man die Leichtigkeit des

Südens in den eigenen Alltag

bringt.

Stefan Maiwald:

Mein Leben am Strand

Mosaik, 304 S., € 22,70

Paula Bründl ist Pinzgauerin

mit Südtiroler Wurzeln, studierte

Psychologin, Outdoor-

Abenteurerin, leidenschaftliche

Jägerin und vor allem: eine

großartige Köchin. Mit eigenen

Formaten auf ServusTV, in

„Servus in Stadt & Land“, auf

den digitalen Servus-Kanälen,

einem Servus-Podcast. Und nun

auch mit dem etwas anderen

Kochbuch: Endlich kochen!

In elf Kapiteln serviert Paula

Bründl ihre liebsten Kompositionen

für alle Lebenslagen.

Und warum Kochen in Wahrheit

eine Schule des Lebens ist.

Paula Bründl:

Endlich kochen

Servus, 256 S., € 36,00

Immer wieder Kreisky. Ende

der 1970er-Jahre äußerte er

seine feste Überzeugung, dass

es keinen Frieden in Nahost

ohne einen Staat für Israel und

einen für Palästina geben könne.

Mit seinem Vorschlag der Zweistaatenlösung

erntete Kreisky

Skepsis, Hass, aber auch Bewunderung.

Daniel Aschheim

beleuchtet den Kultkanzler aus

frischer Perspektive in all seiner

Zwiespältigkeit, in seinen Handreichungen

an Altnazis und

seiner Haltung gegenüber Israel

und der arabischen Welt.

Daniel Aschheim:

Kreisky, Israel und die Juden

ecoWing, 208 S., € 28,00

Tolle Haut, mehr Energie und

rundum happy – diesen Effekt

unterstützt eine anti-entzündliche

Ernährung. Mit ihrer

Hilfe hat es auch Influencerin

Carlotta Polzer geschafft, sich

im wahrsten Sinne des Wortes

glücklich und (haut)gesund zu

essen. In diesem Kochbuch teilt

sie ihr umfangreiches Wissen

und 70 vegane Rezepte, damit

auch wir uns rundum wohlfühlen.

Lottas Kochbuch lässt

von innen strahlen!

Carlotta Polzer:

Gesund gekocht

Christian, 224 S., € 30,90

In seinem neuen Buch entfaltet

Tarek Leitner die Geschichte

der Zweiten Republik auf eine

völlig neue Art und Weise.

Ausgangspunkt sind ungewöhnliche

Fotografien, die hinter den

Kulissen großer historischer

Ereignisse entstanden sind und

die häufig Rätsel aufgeben.

Tarek Leitner entschlüsselt

diese versteckten Geschichten,

verbindet sie mit persönlichen

Erlebnissen und gibt dabei

einen überraschend facettenreichen

Blick auf das Österreich

von der Nachkriegszeit bis in

die Gegenwart frei.

Tarek Leitner:

Augenblicke der Republik

Brandstätter Verlag, 176 S., € 25,00

54

Wagner’sche.

80 wird das neue 50 sein – visionäre

Forscher tüfteln intensiv

an der Frage, wie sich das Beste

aus dem Alter herausholen

lässt. Doch die Erkenntnisse der

Longevity-Medizin wirken auf

die meisten teuer, kompliziert

und alltagsfern. Höchste Zeit,

dass Ernährungs- Doc Matthias

Riedl dieses wertvolle Wissen

in leicht umsetzbare Strategien

für jeden übersetzt. Überzeugend

und praxisnah zeigt er,

wie schon kleine Veränderungen

in der Ernährung eine große

Wirkung haben.

Matthias Riedl:

Die Longevity-Food-Formel

Gräfe & Unzer, 192 S., € 29,90

Die Klimakrise ist da – und mit

ihr vielfältige Auswirkungen

auf unsere Gesundheit: Kreislaufprobleme,

Dehydrierung, zu

hohe UV-Belastung, Hitzewellen,

Infektionskrankheiten,

allergische Reaktionen und

auch psychische Belastungen.

Was jeder Einzelne von uns dagegen

tun und wie Widerstandskraft

aufgebaut werden kann,

zeigt die renommierte Wissenschaftsjournalistin

Christina

Berndt. In ihrem neuen Buch

gibt sie uns Strategien an die

Hand, die uns helfen, körperlich

und psychisch gesund zu

bleiben.

Christina Berndt:

Klimaresilienz

C. Bertelsmann, 304 S., € 22,70

Es ist der 28. August 2022 in

St. Johann in Tirol, als Florian

Apler bewusstlos auf der Uferpromenade

der Kitzbüheler

Ache aufgefunden wird. Daneben

der Buggy seines Sohnes –

umgestürzt und leer. Später

wird der Leichnam des sechsjährigen

Leon geborgen. Mit

diesem Buch tritt Florian Apler

erstmals an die Öffentlichkeit

und berichtet schonungslos

über jene Ereignisse, die sein

Leben für immer verändert

haben. Mängel in Justiz und

Polizeiarbeit haben ihn 522

Tage seines Lebens gekostet.

Florian Apler:

Der Fall Leon

Molden Verlag, 256 S., € 25,00

Waldameisen sind erstaunlich.

Sie sind Architekten, Raumklima-Ingenieure,

Jäger, Gärtner,

Viehhalter, Putzkolonne

und wahre Kraftprotze, die

sich selbst mit Wildschweinen

anlegen. Ingo Arndt und Jürgen

Tautz haben Waldameisen im

Jahresverlauf beobachtet, von

denen viele erstmals mit der

Kamera festgehalten wurden.

In einzigartigen Bildern und

anschaulichen Texten zeigen die

beiden, wie sich Waldameisen

organisieren und welche wichtige

Rolle sie im Ökosystem

Wald spielen.

Ingo Arndt, Jürgen Tautz:

Waldameisen

Knesebeck, 176 S., € 41,10

Willkommen in der kreativen

Küche von Flo Seidl, dem

leidenschaftlichen Hobbykoch

und Kolumnisten der beliebten

MundArt-Reihe im Innsbrucker

Magazin „6020“. In seinem

ersten Kochbuch präsentiert

Flo eine inspirierende Auswahl

seiner besten Rezepte aus

über 20 Jahren. Begleitet von

eindrucksvollen Bildern, die er

selbst auf seiner Sonnenterrasse

inszeniert, entführt dieses Buch

in eine Welt voller Geschmack,

Leidenschaft und kulinarischer

Abenteuer.

Flo Seidl:

MundArt

Tyrolia, 176 S., € 29,00

Bei 90 Prozent aller Diabetiker

Typ 2 ist der Lebensstil die

Ursache der Erkrankung. Die

gute Nachricht: Mit Ernährung

bekommt man Blutzuckerschwankungen

in den Griff.

Wo früher vor allem Verbote

galten, stehen heute allerdings

Genuss und Lebensqualität im

Vordergrund. Der umfangreiche

Theorieteil zeigt den aktuellen

Stand der Forschung und im

Rezeptteil sind 100 gesunde und

genussvolle Alltagsrezepte, die

jedem schmecken. Ein verlässlicher

Begleiter auf dem Weg zu

mehr Genuss bei Diabetes!

Johann Lafer, Matthias Riedl:

Medical Cuisine –

Genussvoll leben mit Diabetes

Gräfe & Unzer, 264 S., € 32,90



100 Jahre Ernst Jandl

Sein Hausverlag Luchterhand feiert und

wir dürfen uns freuen!

Tulipan Verlag

Bilderbücher auf höchstem Niveau

Der Tulipan Verlag wurde 2006 in Berlin gegründet.

Das Programm umfasst ein breites Spektrum hochwertig

gestalteter Bilderbücher, Vorlesebücher, Erstlesebücher,

Pappbilderbücher, Sachbücher für Kinder und Kinderromane.

Und heuer feiert der Verlag zehn Jahre Karl-Heinz

und Bisy. Zehn Jahre, in der die Fliege Bisy und die grummelige

Spinne Karl-Heinz diverse Abenteuer erleben. Ein

Bilder- und Leseerlebnis für Leser*innen ab vier Jahren.

Am 1. August 2025 hätte Ernst Jandl seinen

100. Geburtstag gefeiert. In der Mitte des

vergangenen Jahrhunderts hat er die Lyrik

revolutioniert: Seine Laut- und Sprechgedichte

verbinden Poesie und Performance,

Avantgarde und Populärkultur, sie schwanken

zwischen der Liebe zur Sprache und ihrer

Zertrümmerung, zwischen anarchischem

Witz und existenziellem Ernst.

Das Interesse an Ernst Jandls Werk ist ungebrochen.

Immer neue Generationen von

Leser*innen finden Gefallen an „ottos mops“,

der unerschrocken durch einen Kosmos aus

lauter „Os“ hopst, oder an dem ungleich

ernsteren Gedicht „schtzngrmm“, bei

dem am Ende Tote in den lautlich nachgebildeten

Schützengräben zurückgelassen

werden. Diesem auch nach dem Tod Ernst

Jandls im Jahr 2000 lebhaft gebliebenen

Interesse an seinem Werk trägt der Luchterhand

Verlag Rechnung. Zum einen wird die

wunderbare sechsbändige Werkausgabe von

€ 102,80 auf € 89,00 reduziert angeboten.

Sie enthält alle Gedichte, die der Autor

zu seinen Lebzeiten veröffentlicht hat,

gleichgültig ob er sie in seine berühmt

gewordenen Gedichtbände wie Laut und

Luise aufgenommen oder an verstreuten

Stellen veröffentlicht hat. Enthalten sind in

dieser Ausgabe auch alle seine essayistischen

Arbeiten, seine Theaterstücke, Hörspiele, die

Prosa und die autobiografischen Schriften.

In den Nachworten werden Jandls Schreiben

und darüber hinaus die Entstehungszusammenhänge

einzelner exemplarisch

Wer die Wiederbegegnung mit dem Dichter

Ernst Jandl sucht oder zum ersten Mal sich

den Texten dieses Autors annähern möchte

oder sich endlich einmal mit diesem Werk

als Ganzem beschäftigen möchte, findet in

dieser Ausgabe alles, was er sucht.

Sämtliche Gedichte, dazu die Prosa, die

Theaterstücke und Hörspiele und das zu

Recht gerühmte essayistische Werk sowie

die zur Legende gewordenen Frankfurter

Poetik-Vorlesungen: Das Gesamtwerk von

Ernst Jandl wird mit dieser Ausgabe wieder

zugänglich. Es ist eine Leseausgabe, die

im Geschenkschuber oder in Einzelbänden

erhältlich ist.

ausgewählter Gedichte erläutert. In dieser

Vollständigkeit waren die Texte von Ernst

Jandl noch nie zugänglich; zusätzlich enthält

die Ausgabe große Konvolute bisher unveröffentlicht

gebliebener Texte.

Ernst Jandl wurde 1925 in Wien geboren. Nach

Schule, Militärdienst und Kriegsgefangenschaft

studierte er Germanistik und Anglistik. Von 1949

bis 1974 arbeitete er als Gymnasiallehrer. Seit 1952

schrieb und veröffentlichte er Gedichte, seit 1954

bis zu seinem Lebensende war er mit Friederike

Mayröcker befreundet. Sein Werk wurde mit vielen

renommierten Preisen ausgezeichnet, darunter 1968

dem Hörspielpreis der Kriegsblinden (gemeinsam

mit Friederike Mayröcker), 1982 dem Mülheimer

Dramatikerpreis, 1984 dem Großen Österreichischen

Staatspreis und dem Georg-Büchner-Preis. 1995

erhielt er den Friedrich-Hölderlin-Preis und ein Jahr

danach das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um

die Republik Österreich.

Sammlertipp:

Sämtliche Werke Ernst Jandls

in einer sechsbändigen Ausgabe.

Hrsg. von Klaus Siblewski.

Luchterhand 3.712 S., € 102,80,

nun für € 89,00

Eines schönen Dezembermorgens

geht der grummeligen

Spinne Karl-Heinz die Fliege

Bisy ins Netz: ein vorzüglicher

Festtagsbraten, der,

nach Spinnenart zum Paket

verschnürt, bis Heiligabend im

Netz baumeln soll. Bisy bleiben

24 Tage, um Karl-Heinz von

seinen Festtagsplänen abzubringen.

24 Tage, um der Spinne

so richtig auf die Nerven zu

gehen. Und auf einmal stellt

sich die Frage, wer hier eigentlich

Opfer und wer Täter ist.

Eines schönen Tages werden die

grummelige Spinne Karl-Heinz

und die Stubenfliege Bisy unsanft

aus ihrem Netz geschüttelt.

Schnell wird den beiden klar,

was los ist: „In vielen Wohnungen

wütet der sogenannte

Frühjahrsputz. Dabei werden

Insekten und Spinnen einfach

weggefegt.“ Auch Karl-Heinz

und Bisy verlassen fluchtartig

das Wohnzimmer, bei der das

ungleiche Duo auf verschiedene

Gartenbewohner trifft: nervige

Ameisensoldaten, hilfsbereite

Kellerasseln, wichtigtuerische

Blattwanzen und gefährliche

Libellen.

Endlich wieder zu Hause –

in der guten alten Buchenhecke!

Aber hier ist nichts mehr, wie

es sein sollte. Keine blühenden

Blumen im Garten und der

Rasen ist raspelkurz. Doch

damit nicht genug: Ein verwöhnter,

pummeliger Bienen-

Drohn hat sich in Karl-Heinz’

und Bisys Netz eingenistet.

Leider ist der nicht der Einzige,

der Stunk macht. Das ganze

Bienenvolk wirbelt die Hecke

mächtig auf. Aber bald wird

klar: Auch die Bienen sind

Opfer des blütenlosen Gartens.

Ein Plan muss her …

Karl-Heinz und Bisy führen

ein beschauliches Leben in ihrer

Buchenhecke. Da reißt sie

eine zweifelhafte Ein ladung

aus ihrem Alltagstrott. Tante

Kassandra lädt zum gemeinsamen

Essen ein. Natürlich

wissen die beiden Freunde, dass

das nicht ungefährlich ist, weil

man schnell mal selbst zum

Hauptgericht wird. Trotzdem

sagen sie zu. Doch als sie im

Netz der Tante ankommen, ist

diese verschwunden. Das Netz

ist vollkommen verwüstet, als

hätte ein Kampf stattgefunden.

Was ist bloß passiert?

Buchtipp:

Ernst Jandl zum 100.

Luchterhand,

176 S., € 19,50

© XXX

Was hat uns das Werk Jandls

heute noch zu sagen?

Der Luchterhand Literaturverlag, in dem

Jandls Werk seit über 50 Jahren beheimatet

ist, hat seine deutschsprachigen Autor*innen

gebeten, mit einem eigenen Text jeweils

auf ihr Lieblingsgedicht aus dem Werk von

Ernst Jandl zu reagieren – herausgekommen

sind sehr persönliche und höchst originelle

Annäherungen an einen der wichtigsten

Dichter deutscher Sprache. Für Jandl-

Einsteiger*innen und Profis. Im Geschenkbuchformat.

Mit Beiträgen von: Martin Becker,

Kristine Bilkau, Marica Bodrožić,

Melitta Breznik, Marie Gamillscheg,

Christian Haller, Kerstin Hensel, Franz

Hohler, Norbert Hummelt, Judith Keller,

Terézia Mora, Christiane Neudecker,

Hanns-Josef Ortheil, Angelika Overath,

Christoph Peters, Benjamin Quaderer,

Jaroslav Rudiš, Saša Stanišić,

Michael Stavarič und Daniel Wisser.

56

Wagner’sche.

Ding-dong! Als der Paketbote

bei Karl-Heinz und Bisy

klingelt, stehen die Kreuzspinne

und die Stubenfliege vor einem

Rätsel. Denn das Paket enthält

ein rundes Irgendwas. Ein

Ei! Ob sie wollen oder nicht:

Der Familienzuwachs steht

an. Und die Adoptivtochter

bringt mächtig Schwung in das

Familiennetz – doch kann das

auf die Dauer gut gehen? Der

vierte Band nach dem Bestseller

Du spinnst wohl!

Puh, ist das heiß hier! Und mitten

im Dschungel den perfekten

Platz für ein neues Netz zu finden,

ist für Kreuzspinne Karl-

Heinz und Stubenfliege Bisy

auch keine einfache Aufgabe.

Ihre Adoptivtochter, die Vogelspinne

Mia, ist ihrer eigenen

Wege gegangen. Eines Tages

fliegt ein Flyer vom Ferienclub

Insektario auf sie herab. Doch

was ist das? Mia – gefesselt an

die Zielscheibe eines Messerwerfers!

Karl-Heinz und Bisy

befürchten das Schlimmste: Ihre

Tochter schwebt in Gefahr!

Karl-Heinz und Bisy haben die

Tropen verlassen und stechen

in See, um zu ihrer heimischen

Buchenhecke zurückzukehren.

Dabei finden sie eine

Flaschenpost und darin – eine

geheimnisvolle Schatzkarte!

Nun packt Karl-Heinz und

Bisy die Abenteuerlust und sie

machen sich auf den Weg, um

den Schatz zu heben. Dass sie

dabei in die Gefangenschaft

von Piraten geraten und den

schwarz-weißen Drachen überlisten

müssen, ahnen die beiden

da natürlich noch nicht …

Rette sich, wer kann! Die

einsame Insel von Bisy und

Karl-Heinz wird von einer

Horde Touristen gestürmt, die

alles verwüsten und sämtliches

Essen wegfuttern. Da bleibt den

beiden Freunden nur die Flucht

aufs offene Meer. Doch schon

bald geraten sie auf ihrem Floß

in Seenot. Zum Glück werden

sie von einem U-Boot aufgefischt

und der Wasserspinnen-

Kapitän erweist sich als überaus

freundlich und hilfsbereit –

scheinbar. Denn in Wirklichkeit

hat er ganz andere fiese Pläne …



Mit

literarischen

Empfehlungen:

Kein Satz zu viel, kein Satz

hohl, jeder Satz getragen von

einem hintersinnigen, existenziellen

Humor – Peter Handkes

Schnee von gestern, Schnee

von morgen mutet mit seinen

74 Seiten wie ein schmales

Prosabändchen an, ist aber ein

erstaunliches poetisches Kraftpaket.

Statt auf Story setzt

der Nobelpreisträger auf die

Verführungskraft der Sprache

und ihre Weisheit. Jemanden

beim Spazierengehen durch

die Landschaft des Lebens zu

begleiten, war niemals spannender,

erhellender, unterhaltsamer!

Friederike Gösweiner

Peter Handke:

Schnee von gestern, Schnee von morgen

Suhrkamp, 74 S., € 21,60

Sommer 1987, die junge Diamond

wächst ohne ihren Vater

auf, er ist vor sieben Jahren verschwunden.

Seitdem trampen

ihre Mutter und sie überall hin,

ein Zuhause gibt es nicht. Aber

auch mit Rassismus und Spott

wegen ihres Übergewichts hat

sie zu kämpfen. Ein Brief von

einer Unbekannten lässt sie auf

ein Wiedersehen hoffen. Dieser

kraftvolle Roman beinhaltet

alle Themen eines Teenagers,

schwierige Beziehungen Vater/

Tochter, Mutter/Tochter, der

Wunsch nach Zugehörigkeit.

Eine wundervolle Protagonistin.

Andrea Scheiber

Essie Chambers:

Swift River

Eichborn, 352 S., € 25,70

Ein niederländischer Gehirnchirurg

reist einmal im Jahr

nach Israel, um nach seiner

Tochter zu suchen, die dort vor

zehn Jahren spurlos in einem

Wüstenkrater verschwunden ist.

Ein fast unmöglicher medizinischer

Eingriff an der Tochter

eines arabischen Herrschers

verschafft ihm die – allerdings

hochriskante – Aussicht auf ein

Vermögen, das ihm bei dieser

Suche helfen soll. Ein fantastisches

modernes Märchen

aus Nahost und ein berührender

Roman über Verlust und

Elternliebe vom großen Leon

de Winter. Ina Cassik

Leon de Winter:

Stadt der Hunde

Diogenes, 272 S., € 27,80

Wolfgang Maria Bauers Debütroman

entführt die Leser*innen

in eine melancholische Bergwelt,

in der Stubber, ein wortkarger

Einzelgänger, um seinen

Platz ringt. Nach einer tragischen

Explosion wird ihm die

Schuld zugeschoben, während

er sich auf einer emotionalen

Reise mit der Sehnsucht nach

„Alaska“ konfrontiert sieht.

Bauers geschickte Erzählweise

verwebt eindrucksvoll Themen

wie Liebe und Fremdheit. Ein

fesselndes und atmosphärisches

Leseerlebnis, das lange nachhallt.

Sarah Loretz

Wolfgang Maria Bauer:

Kaltblut

C. Bertelsmann, 224 S., € 25,70

Versteckt im großen Massasauga-Sumpf

gibt es eine kleine

Insel, die kein Mann zu betreten

wagt. Dort lebt die Kräuterkundlerin

Hermine und heilt

alle Frauenleiden mit ihrem

Wissen. Sie selbst hat drei

Töchter, und ihre Enkeltochter

lebt bei ihr in der Wildnis. Diese

verbringt die Zeit damit, nach

Wahrheiten zu suchen. Wünsche

können auch gefährlich

werden. Großartig von Anfang

bis Ende, fasziniert haben mich

auch die unterschiedlichen Charaktere.

Für alle Leser*innen

von Gesang der Flusskrebse.

Andrea Scheiber

Bonnie Jo Campbell:

Moorlande

Harper Collins, 480 S., € 25,70

Für Polina ist eine Liebesgeschichte,

die – wie die

Melodie, die Hannes Prager

komponiert – noch lange nachklingt.

Hannes, Fritzis Sohn,

der aus einer kurzen Begegnung

im italienischen Lucca in den

Sommerferien vor ihrem Abitur

entstand, ist zeit seines Lebens

eng mit Polina und der Musik

verbunden. Ein Schicksalsschlag

kappt die Saiten, doch er findet

einen Weg zurück in sein Leben.

Eine berührende Geschichte

über Freundschaft, Mut und

Liebe. Angelika Moser

Takis Würger:

Für Polina

Diogenes, 291 S., € 26,80

58

Wagner’sche.

Die Idylle des Dorflebens wird

jäh zerstört, als Ingo – erschöpft

vom Pendeln zwischen seinem

Start-up in Hamburg und dem

beschaulichen Fehrdorf – eines

Abends eine weiße Hirschkuh

anfährt. Denn das bringt Unglück,

um nicht zu sagen:

den Tod, und zwar den eigenen.

Wird die Stadtflucht zum Landfluch?

Martina Behm, Journalistin

und Strickdesignerin, zeichnet

in ihrem Debüt, das „allen,

die neu anfangen“ gewidmet

ist, ohne sentimentalen Kitsch

das Porträt einer Dorfgemeinschaft

aus dem Gleichgewicht.

Angelika Moser

Martina Behm:

Hier draußen

dtv, 490 S., € 24,70

Endlich kommt Schotti mit

seiner beliebten Reihe auch

nach Tirol. Goethezitate dürfen

beim belesenen Reisenden

nicht fehlen. „Nur wo du zu

Fuß warst, bist du gewesen“,

hat dieser gewusst. Die Schönheit

der Landschaft – meint

Schottenberg heute – macht

noch immer süchtig. Kostbares

wie Kurioses entdeckt er. In

Tirol pfeifen Tiere von den Bergen,

fliegen Menschen durch die

Luft, spazieren Elefanten über

Gipfel, versinken Kirchtürme

im Wasser und thronen Götter

in Steintempeln – und das alles

auf Tausenden Metern Höhe.

Robert Renk

Michael Schottenberg:

Tirol für Entdecker

Amalthea, 158 S., € 27,00

Liebe, Geld, Machenschaften.

Greg und Karine sind eben

in das Nobelviertel Cologny

gezogen. Dort freunden sie

sich mit Traumpaar Arpad

und Sophie an. Der Wunsch

dazuzugehören und Konflikte

im Beziehungsleben führen zu

Heimlichkeiten zwischen den

Eheleuten. Doch bald stellt

sich heraus, dass auch Arpad

ein schwerwiegendes Geheimnis

aus seiner Vergangenheit

mit sich herumträgt. Dann

bringt ein Raubüberfall beim

Juwelier alles durcheinander.

Ein spannungsreicher Roman,

in dem der Schein häufig trügt.

Katharina J. Ferner

Joel Dicker:

Ein ungezähmtes Tier

Piper, 432 S., € 26,80

Paolo Rumiz lesen ist immer ein

Erlebnis. Quer durch Italien, bis

an die Ränder Europas und darüber

hinaus erkundet Italiens

bekanntester Reiseschriftsteller

die Wunder der Erde, mal zu

Fuß oder mit dem Rad, gern

auf historischen Routen, stets

unterfüttert mit Wissen über

die Mythen der Region. Dem

unterirdischen Italien widmet er

sich in seinem neuesten Buch,

das voller interessanter und

kurioser Geschichten steckt,

und wie immer erzählt Rumiz

spannend, sprachmächtig und

höchst anschaulich. Joe Rabl

Paolo Rumiz:

Eine Stimme aus der Tiefe.

Reise durch das unterirdische Italien

Folio, 320 S., € 29,00

In einer Madrider Werbeagentur

arbeitet Marisa, und

damit die Arbeit erträglicher

ist, stillt sie ihre Unruhen

und Angststörungen mit Beruhigungsmitteln

und You-

Tube-Videos. Was macht einen

Job aus? Ist es erfüllend, nur

Mitläufer zu sein, ohne dass

es einem was gibt? Vielleicht

kann sich der eine oder andere

in diesem Buch identifizieren.

An einigen Stellen ist es zum

Lachen, wenn der Hintergrund

nicht so realistisch wäre. Ein beeindruckender,

melancholischer,

berührender Roman. Regt zum

Denken an. Andrea Scheiber

Bearitz Serrano:

Geht so

Eichborn, 240 S., € 22,70

Sie ist alles andere als eine

Feministin, hat eine Schwäche

für mächtige Männer. Trotzdem

gibt man nun ihr die Schuld

am Suizid eines erfolgreichen

Theaterintendanten. In einem

Artikel berichtete sie über seine

tyrannischen und frauenfeindlichen

Methoden. Jetzt liegt er

tot hinter der Oper in Sidney.

Der neue Roman der Deutschen

Buchpreisträgerin erzählt die

Geschichte einer Eskalation,

analytisch, vielschichtig und

ohne einseitige Schuldzuweisungen.

Veronika Schuchter

Antje Rávik Strubel:

Der Einfluss der Fasane

S. Fischer, 240 S., € 25,70



Von den schottischen Orkney

Inseln aus zu einer in die

gleißenden, verspiegelten

Landschaften der Literatur.

Kracht schickt einen Schweizer

Innenarchitekt auf eine Reise,

die ihn an die Grenzen seiner

Welt und weit darüber hinaus

führt. Erzählt aus dem Geiste

einer radikalen Romantik

schreibt Kracht eine faszinierende

Geschichte vom Hier und

vom Dort und katapultiert uns

aus unserer spätmodernen, leerlaufenden

Zivilisation mitten in

das, was Literatur zu erschaffen

vermag. Robert Renk

Christian Kracht:

Air

Kiepenheuer & Witsch, 224 S., € 26,70

Jane Austen war eine Meisterin

der Literatur, die mit

ihren Werken nicht nur ihre

eigene Zeit, sondern auch die

nachfolgenden Generationen

geprägt hat. Ihre scharfsinnige

Beobachtungsgabe, Gesellschaftskritik

und ihre zeitlosen

Themen machen ihre Romane

zu einem wichtigen Bestandteil

der Weltliteratur. Diese

limitierte Geschenkbuchausgabe

mit Lesebändchen, Dünndruckpapier

und Farbschnitt

umfasst alle sechs Romane in

ungekürzter Fassung. Eine

wunderbare Gelegenheit, in

diese Welt einzutauchen.

Andrea Scheiber

Jane Austen:

Die Romane

Reclam, 2.008 S., € 83,30

Ausgerechnet in River Valley,

einem Internat für Gehörlose,

wird die von Geburt an gehörlose

Charlie zur Außenseiterin,

weil sie die Gebärdensprache

nicht versteht. Als sie und zwei

weitere Schüler verschwinden,

gerät die Schulleiterin February

Waters noch mehr unter

Druck, soll doch ihre Schule

geschlossen werden. Sara Nović

gibt Einblicke in eine Welt,

für die hörenden Menschen

meist das Bewusstsein fehlt.

Sie mischt einen spannenden

Roman mit Fakten über die Gebärdensprachen

und das Leben

von Gehörlosen. Veronika Schuchter

Sara Nović:

Klartext

btb, 480 S., € 25,70

Wie ist das, wenn ein neuer

Staat gegründet wird, revolutionär

und utopisch? Christoph

Heins Erzähler berichtet von

der DDR, ihren Anfangsjahren,

in denen sich „Kadavergehorsam“

unter parteikonformen

Stümpern breitmacht, bis

zum Ende, als alles ordentlich

heruntergewirtschaftet ist und

der „antifaschistische Schutzwall“

fällt. Es ist die nüchterne

Chronik jener schönen neuen

Welt, die zwischen der Strahlkraft

ihrer Idee und dem realen

Alltag ihres exemplarischen

Erzählpersonals zerrissen ist.

Ein starkes Stück!

Bernhard Sandbichler

Christoph Hein:

Das Narrenschiff

Suhrkamp, 750 S., € 28,80

Santa Tereza erzählt von einem

Friedhofswächter, der damit

ganz zufrieden ist, nachts in

Ruhe seine Runden zu drehen.

Er ist als Sonderling bekannt

und lebt in seiner eigenen Welt.

Als er auf die 13-jährige Teresa

trifft und ihr nichtsahnend

Feuer für einen Joint gibt, hat

das schwere Folgen für ihn. Er

wird verdächtigt, das Hasch

verkauft zu haben, und verliert

dadurch seinen Job. Was aber

das Positive daran ist: Es entwickelt

sich daraus eine Freundschaft,

die ihn an seine Träume

erinnert. Andrea Scheiber

Flurin Jecker:

Santa Tereza

Nagel & Kimche, 144 S., € 23,70

2002 feierte Bernadette Schiefer

mit beeindruckender Prosa ihr

Debüt im Innsbrucker Skarabäus

Verlag. Auch in Nach dir

erzählt sie in einer eindringlich

verdichteten Sprache von

Trauer und Schmerz und den

unterschiedlichen Wegen, mit

dem Verlust eines Kindes fertig

zu werden, erzählt von der

Zerbrechlichkeit einer Liebe,

die dadurch an ihre Grenzen

stößt. Zwischen Verlust und der

verzweifelten Suche nach Halt

ringen Marie und Paul mit der

Frage, ob und wie sie als Paar

weiterleben können. Beeindruckend!

Robert Renk

Bernadette Schiefer:

Nach dir

Braumüller, 232 S., € 21,00

Mögen sich andere Autor*innen

in ihren Poetikvorlesungen

oft zu akademisch überhöhten

Selbstkommentaren hinreißen

lassen, die schon im Hörsaal,

aber erst recht zwischen

Buchdeckeln gähnen lassen.

Markovićs Text dagegen wird

zum Stand-up-Act, der wie

nebenbei Auskunft über die

Bedingungen und Grundlagen

ihres Schreibens gibt. Sie behauptet,

man könne bei einer

Poetikvorlesung sowieso nicht

gewinnen, und widerlegt es

zugleich: indem sie immer das

Gleiche macht, ohne jemals

das Gleiche zu machen.

Irene Zanol

Barbi Marković::

Stehlen, Schimpfen, Spielen

Rowohlt, 128 S., € 21,60

Wie erleben die Menschen –

Sieger/Besiegte, Opfer/Täter,

Prominente/Unbekannte – den

Sommer 1945, der alles veränderte

und in dem die alte

Welt in sich zusammenbrach? In

vielen Geschichten mit unterschiedlichen

Protagonist*innen

führt der Autor von Berlin

nach Tokio, von München nach

Paris oder von Bayreuth nach

Moskau und fängt die einzigartige

Atmosphäre dieser Zeit

der Extreme ein: Szenen, die

das große Glück und die Hoffnung

der Befreiten, das Elend

und die Trauer, die Ängste der

Besiegten und die neue Freiheit

beschreiben. Angelika Moser

Oliver Hilmes:

Ein Ende und ein Anfang

Siedler, 288 S., € 25,70

Nila ist die rebellische Tochter

afghanischer Ärzte, die nach

Berlin flohen. Nach dem Tod

ihrer Mutter kennt sie nur noch

Exzesse, Rausch und Drogen

und hofft, die Erinnerungen zu

vergessen. Sie treibt sich in alten

Hallen mit Hakenkreuz-Graffiti,

Skinheads und Nachtclubs

herum. Als sie einen amerikanischen

Schriftsteller trifft, ist es

die erste Liebe. Er fördert auch

ihre künstlerischen Fähigkeiten

und fordert auch einiges zurück.

Und trotz allem begeistert Nila

einen mit Wildheit und Schönheit.

Andrea Scheiber

Aria Aber:

Good Girl

Claassen Verlag, 400 S., € 26,70

Ganze 10 Jahre übersetzte

Mannoni Hitlers Mein Kampf

für eine kritisch-wissenschaftliche

Edition ins Französische.

In über 700 Seiten hatte sich Hitler

in einer kaum zugänglichen

Prosa ergossen und dieses Werk

dennoch „salonfähig“ gemacht.

Bis 1945 waren 12 Millionen Exemplare

im Umlauf. Angesichts

einer politischen Realität, in der

nationalsozialistisches Vokabular

in unseren Alltag zurückkehrt,

warnt uns Mannoni vor der

Wirkmacht dieser Sprache und

dem damit einhergehenden suggestiven

Kalkül und schildert,

was der hasserfüllte Text mit ihm

machte. Angelika Moser

Olivier Mannoni:

Hitler übersetzen

HarperCollins, 144 S., € 22,70

Era ist ein 15-jähriges Mädchen

und lebt am Waldesrand

mit ihrer Mutter. Nichts ist

naheliegender, als die vom

Aussterben bedrohten Vogelarten

zu dokumentieren und

dem entgegenzuwirken. Die

Mitschülerin Maja hat die

gleichen Interessen, und eine

Liebesgeschichte beginnt. Der

gelungene Debütroman spielt in

der nahen Zukunft, die klimatischen

Veränderungen sind weit

vorangeschritten, Waldbrände

häufen sich, das Atmen fällt

schwer. Durch humorvolle Momente

wird der Roman nicht

schwermütig. Andrea Scheiber

Fiona Sironic:

Am Samstag gehen die Mädchen in den

Wald und jagen Sachen in die Luft

Ecco Verlag, 208 S., € 23,70

Mitreißend, dringlich und

klug spannt Chimamanda

Ngozi Adichie über Kontinente

hinweg die Geschichten

von vier Frauen, die einander

immer wieder die Hand reichen.

Wie keine andere erzählt sie

von existentieller weiblicher

Erfahrung, die oft in den ganz

kleinen Augenblicken zutage

tritt: im Schwangerschaftstest

auf dem Badewannenrand, in

Tagträumen nach einem Augenkontakt

im Flugzeug oder im

Warten auf einen Anruf. Zehn

Jahre nach dem Weltbestseller

Americanah endlich der neue

große Roman. Robert Renk

Chimamanda Ngozi Adichie:

Dream Count

S. Fischer, 528 S., € 29,80

Ein reicher Fabriksbesitzer

wird 1980 von seinen Anwesen

in Long Island entführt, und

nachdem eine große Geldsumme

gezahlt wurde, kehrt

er wieder heim. Das Ereignis

prägt die jüdisch-amerikanische

Familie über Jahrzehnte, und

nichts ist mehr, wie es vorher

war. Die Frau kümmert sich

nur noch um ihren Mann, der

älteste Sohn hat psychische

Probleme, der zweite schreibt

Drehbücher mit Entführungsthemen,

die Tochter weiß noch

nicht recht. Ein sehr gelungener,

lesenswerter Familienroman mit

viel Humor. Andrea Scheiber

Taffy Brodesser-Akner:

Die Fletchers von Long Island

Eichborn, 576 S., € 26,70

Familie Hormann: Mutter

Marlene, Vater Siegfried und

die vier Kinder. Grundstückseigentümer,

Architekt, Vertreter

für Wasserfilter und ein eigener

Wollladen – das Geld reicht trotzdem

nicht. Familie Hormann

kann Geld ausgeben, aber es

nicht gut beisammenhalten.

Die Briefe der Bank und vom

Finanzamt stapeln sich, der Gerichtsvollzieher

kündigt sich an.

Doch wenn Marlene und Siegfried

eines können, dann ist es, in

diesem Schlamassel den Schein

zu bewahren. Ein Streifzug durch

die Zeit, Chaos und Charaktere

mit ganz viel Charme. Eigentlich

eine ganz normale Familie.

Lena Kripahle-Wiek

Christian Schünemann:

Bis die Sonne scheint

Diogenes, 251 S., € 26,70

Paris: Nachdem Anna, eine

Psychoanalytikerin, eine Fehlgeburt

hatte, nimmt ihr Mann

einen Job in England an.

Um sich abzulenken, renoviert

sie wie getrieben die Küche.

Sie macht Bekanntschaft mit

der radikal-feministischen

Clementine, einer sehr unruhigen

Frau. Der Roman

spielt in drei Teilen, und jede

Geschichte spielt in derselben

Wohnung, nur zeitversetzt.

Ein intelligenter, anspruchsvoller

Roman über Liebe,

Feminismus, Mutterschaft und

Romantik. Mit philosophischen

Details. Andrea Scheiber

Lauren Elkin:

Fassaden

Nagel & Kimche, 480 S., € 25,70

Der sensationelle Romanerfolg

aus Frankreich, ausgezeichnet

mit dem Prix Goncourt, endlich

auf Deutsch und sehr gut

übersetzt von Thomas Brovot.

Im großen Spiel des Schicksals

hat Mimo die falschen Karten

gezogen. In Armut geboren,

wird er als Junge zu seinem

Onkel nach Italien gegeben, um

Bildhauer zu werden. Dort trifft

er auf Viola, Tochter aus gutem

Hause. Auf ewig verbunden

durchleben sie die erste Hälfte

des 20. Jahrhunderts. Aber

nicht immer auf derselben Seite.

Sensationell! Robert Renk

Andrea Jean-Baptiste:

Was ich von ihr weiß

Luchterhand, 512 S., € 25,70



Die wunderbare Musikerin

legt ihren ersten Roman vor.

Sie schreibt von zwei Außenseiter*innen,

die die Kraft der

Musik gemeinsam überleben

lässt. Die Ich-Erzählerin und

ihr Freund Niemand wachsen

zuerst in London, dann in Bern

auf. Doch dann bekommt die

Freundschaft Risse. Während

Niemand eine Obsession für

die Volkskunde der Walserinnen

entwickelt, von denen

die Erzählerin abstammt, und

während sie selbst erste eigene

Lieder schreibt, bahnt sich

eine Katastrophe an. Ein vielschichtiger

und bewegender

Roman! Robert Renk

Sophie Hunger:

Walzer für Niemand

Kiepenheuer & Witsch, 192 S., € 23,70

„The Walking Date“ ist eine

Dating-Plattform für Menschen,

die nicht mehr lange zu

leben haben. Raphael meldet

sich an und tatsächlich funkt

es zwischen ihm und Nala. Am

Tag ihres ersten Dates geht es

ihm nicht gut, und er überredet

seinen besten Freund

Julius, an seiner Stelle zu gehen.

Julius spielt widerwillig den

Schwerkranken, doch Nala ist

enttäuscht von seinem oberflächlichen

Auftreten. Um zu

beeindrucken, lügt er über seine

letzten Tage und muss bald alles

verschenken, um nicht alles zu

verlieren. Lena Kriphale-Wieck

Sebastian Fitzek:

Horror-Date / Kein Thriller

Droemer HC, 336 S., € 18,50

Endlich wieder ein satter und

spannender Roman des großen

Iren in N. Y.! Verbindungen

und ihre Störungen stehen im

Mittelpunkt. Ob es die Tiefseekabel,

die die globalen Datenflüsse

leiten, sind, oder zwei

Männer, die sich – vielleicht

– für dieselbe Frau interessieren.

Die zwei sind Fennell und

Conway. Der eine Journalist,

der eine Reportage über das

Reparaturschiff für Kabelbrüche

in der Tiefsee schreiben

soll. Der andere der Missionschef

am Schiff. Ein grandioser

Roman, der auch Hemingway

oder Conrad gefallen würde!

Robert Renk

Colum McCann:

Twist

Rowohlt, 416 S., € 29,80

Ein eindringliches Porträt dreier

Generationen von Frauen, das

die Themen Schweigen, Verlust

und Identität beleuchtet. Mit

poetischer Sprache erweckt

Edel das Unausgesprochene

zum Leben. Die Protagonistin

Raisa kämpft gegen die

Schatten ihrer Vergangenheit

und die emotionalen Barrieren

ihrer Mutter Martha. Das Zusammenspiel

von Vergangenheit

und Gegenwart schafft ein

vielschichtiges und berührendes

Leseerlebnis. Ein herausragendes

Werk über die Kraft

von Erinnerungen und die

Fähigkeit, sich neu zu erfinden.

Sarah Loretz

Rabea Edel:

Portrait meiner Mutter mit Geistern

C.H. Beck, 590 S., € 26,80

Die Großmutter flieht im

Zweiten Weltkrieg aus Polen

in den Libanon. Die Mutter

verlässt den Libanon für ein

Leben in Deutschland. Die

Tochter muss für eine Zukunft

zurück nach Polen. Über eine

Zeitspanne von siebzig Jahren

hinweg erzählt Paola Lopez die

mitreißende Familiengeschichte

dreier Frauen, die sich ein freies

Leben erkämpfen und eine

Verbindung zueinander suchen.

Ein berührender Roman über

das Erbe unserer Mütter, das

wir alle mit uns tragen. Ein

wunderbares Debüt der österreichischen

Autorin!

Robert Renk

Paola Lopez:

Die Summe unserer Teile

Tropen, 256 S., € 25,70

Annett Gröschners Roman

über Hanna Krause erzählt

eindrucksvoll das 20. Jahrhundert

durch das Leben einer

bemerkenswerten Frau. Von

der Blumenbinderin zur Kranführerin

meistert sie Kriege,

Diktaturen und persönliche

Tragödien. Ihr Lebensweg

spiegelt die Stärken der Frauen

dieser Zeit wider. Mit einer

eindringlichen Mischung aus

Poesie und Realismus gelingt

Gröschner eine berührende Erzählung

über Verlust, Liebe und

Lebenswillen, die nachhaltig

beeindruckt und zum Nachdenken

anregt. Ein großer Wurf

der Literatur! Sarah Loretz

Annett Gröschner:

Schwebende Lasten

C. H. Beck, 282 S., € 25,80

Johann Strauss (Sohn) verbrachte

elf Sommer als Kapellmeister

in Pawlowsk bei St.

Petersburg. Dort verliebte er

sich in die Komponistin Olga

Smirnitzkaja, doch ihre Eltern

und seine Mutter verhinderten

die Heirat. Eine Flucht

scheiterte an seinem Zögern.

Fast 30 Jahre später blickt der

60-Jährige in St. Petersburg auf

sein Leben zurück. Seine Erkrankungen

erscheinen nun in

neuem Licht. „Nur einen Sommer

habe ich wirklich gelebt“,

resümiert er in einer schonungslosen

Selbstanklage.

Angelika Moser

Michael Dangl:

Der Walzermacher

Braumüller Verlag, 160 S., € 23,00

Im Schatten der vermögenden

Familie Van Laar entfaltet

sich das Drama um das

Verschwinden der Tochter

Barbara in einer Atmosphäre

voller Geheimnisse und Machtkämpfe.

Die Parallelität zu dem

seit Jahren vermissten Bruder

erzeugt ein beklemmendes Gefühl,

das die Leser*innen fesselt.

Moore beleuchtet eindringlich

soziale Ungleichheit und den

Kampf um Selbstbestimmung,

während sie die Verstrickungen

der Charaktere meisterhaft

entfaltet. Roman oder Thriller?

Egal, spannend und lesenswert!

Sarah Loretz

Liz Moore:

Der Gott des Waldes

C.H. Beck, 590 S., € 26,80

Es scheint alles gut geregelt:

Klara hat eine Rundumbetreuung

für ihre Mutter

gefunden, Paulína aus der

Slowakei eine gut bezahlte

Arbeit. Aber das Arrangement

ist nur auf den ersten Blick eine

Win-win-Situation, und dann

geschieht auch noch ein Unglück.

In klarer, präziser Sprache

beschreibt Susanne Gregor

die Bedingungen moderner

Care-Arbeit mit all den Konsequenzen

für die unmittelbar

Betroffenen sowie deren soziales

Umfeld. Gesellschaftlich relevant,

ästhetisch überzeugend:

große Literatur. Joe Rabl

Susanne Gregor:

Halbe Leben

Zsolnay, 189 S., € 24,70

Zum ersten Mal wagt sich der

Shootingstar der französischen

Literatur vom Land in die

Stadt. In die Hauptstadt! Édouard

Louis kehrt zur Geschichte

seiner Mutter zurück. Zu einer

Frau, die sich schon einmal befreit

hat. Von Alkohol, Gewalt

und Scham, vom Schweigen.

Und deren Geschichte sich

zu wiederholen droht. Schritt

für Schritt plant der Sohn mit

ihr den Ausbruch, ein neuer

Anfang gelingt, aber wie geht

das Leben weiter, wenn man

Freiheit nie gelernt hat? Ein

einfühlsames und zartes Porträt

einer Mutter! Robert Renk

Edouard Louis:

Monique bricht aus

S. Fischer, 160 S., € 23,70

Nach über 60 Jahren trifft

Luisa zufällig ihre Jugendliebe

Heinrich wieder. Sie hatten sich

einst aus den Augen verloren,

doch nun verabreden sie ein

Wiedersehen – dem viele weitere

folgen. In Gesprächen blicken

sie auf ihre kurze Liebe und

die Jahrzehnte ihrer Trennung

zurück. Die alte Nähe kehrt

zurück, und sie reisen durch die

Höhen und Tiefen ihres Lebens.

Entsteht spät, aber doch eine

neue Liebe? Denn: Ab einem

gewissen Alter sollte man nichts

mehr verschieben.

Angelika Moser

Erika Pluhar:

Später aber doch

Residenz, 156 S., € 23,00

Immer wenn Büchnerpreisträger

Clemens Setz zum Übersetzer

wird, kann man sich auf

etwas skurril Besonderes freuen!

So auch hier, wie der Titel

schon verrät! Unsere Heldin

befindet sich im Jenseits. Sie

lebt im Hotel der Untoten, hat

kaum Erinnerungen, einen Arm

zu wenig, dafür aber eine Krähe

zu viel. „Schlichtweg glorreich.

Eine eigene Zombiepoesie.

Es währt für immer und dann ist

es vorbei fesselt uns und zieht

uns ins Zombie Hotel.“

The Times Literary. Robert Renk

Anne de Marcken:

Es währt für immer und dann ist es vorbei

Suhrkamp, 151 S., € 24,70

An einem Juni-Tag steht

die Zeit still: Niemand stirbt,

niemand wird geboren. Die

Menschen reagieren unterschiedlich

auf die neue Ewigkeit.

Margo will reisen, doch

ihr Mann bleibt bei seinen

Pflanzen. Jenny genießt die

Zeit mit ihrer Familie, fürchtet

aber, etwas zu verpassen. Eva

sorgt sich um Schwangere ohne

Geburtstermin. Während das

Rätsel bleibt, warum nur Menschen

aus der Zeit gefallen sind,

erzählt Maja Lunde einfühlsam

von Vergänglichkeit, Natur und

dem Leben im Jetzt.

Angelika Moser

Maja Lunde:

Für immer

btb, 313 S., € 24,70

Auf der Longlist des International

Booker Prize 2025 steht

der aktuelle Roman der wichtigsten

surinamischen Autorin!

Wir gratulieren dem Residenz

Verlag! Paramaribo um 1950:

Die junge Lehrerin Nunka wird

von ihrer Familie mit Louis aus

Curaçao verheiratet. Bald schon

wagt sie Unglaubliches: Nach

nur neun Tagen flieht sie vor

ihrem gewalttätigen Ehemann.

Die Geschichte einer unerhörten

Liebe im Surinam der Fünfzigerjahre:

dicht, sinnlich und

poetisch erzählt von einer großen

Stimme der postkolonialen

Literatur. Robert Renk

Astrid H. Roemer:

Vom Wahnsinn einer Frau

Residenz, S. 356, € 29,00

In Die Dauer der Liebe wird

das Leben der Übersetzerin

Renata jäh erschüttert, als sie

vom Tod ihres langjährigen

Partners erfährt. Ihre Trauer

wird durch das Missachten

seiner Herkunftsfamilie verstärkt,

die ihre Beziehung nicht

anerkennt. Gruber meistert es,

Renatas schmerzhafte Suche

nach Identität und Respekt in

poetischer Sprache darzustellen.

Das Buch berührt mit seiner

Tiefe und zeigt, wie Renata

lernt, ohne Konrad weiterzuleben.

Ergreifend und kraftvoll,

jetzt auch als Taschenbuch!

Sarah Loretz

Sabine Gruber:

Die Dauer der Liebe

C.H. Beck, 251 S., € 16,50

Seit sie nach ihrem Tod an der

Blackwood Academy gelandet

ist, muss Wren verlorene Seelen

auf die andere Seite begleiten.

Nur ein magischer, aber

gnadenloser Wettkampf kann

sie von dieser Aufgabe erlösen,

doch dieser findet nur alle 10

Jahre statt. Kann sie sich gegen

die Konkurrenz durchsetzen

und wird es ihr gelingen, aus

dem Zwischenreich zu entfliehen?

Düstere Fantasy voller

Geheimnisse und Romantik.

Angelika Moser

I. V. Marie:

Immortal Consequences.

Die Blackwood Academy Trials

cbj, 528 S., € 25,70



Mit

kriminalistischen

Empfehlungen:

64

Wagner’sche.

Nach Yoko erzählt John die

Geschichte eines gnadenlosen

Mörders. Yoko, eine gesuchte

Mörderin, lebt unter der Identität

John auf einer griechischen

Insel, arbeitet in einer Taverne

und pflegt das Anwesen

einer wohlhabenden Frau.

Yoko ist Vergangenheit. John

ist die Zukunft. John genießt

die Ruhe, doch in Deutschland

wird der Fall Yoko wieder

aufgerollt. Neue Beweismittel

kommen ans Licht, ihre Akte

wird geöffnet – und John wird

enttarnt. Die Jagd beginnt.

Der ersehnte Nachfolger von

Bernhard Aichner.

Bernhard Aichner:

John

Rowohlt Wunderlich, 352 S., € 25,70

Während die Wahl des norwegischen

Parlaments immer näher

rückt, herrscht bei der Terrorabwehr

höchste Alarmbereitschaft:

Es gibt Hinweise auf

einen bevorstehenden Anschlag.

Im Verdacht steht eine Gruppe

rechtsnationaler Extremisten,

mit einer großen Menge Rizin.

Die Anti-Terror-Ermittler Liselott

Benjamin und Martin Tong

versuchen fieberhaft, den Anschlag

zu vereiteln. Währenddessen

geht der Wahlkampf in

die heiße Phase. Und irgendjemand

will das Land ins Chaos

stürzen. Und die Uhr tickt!

Ingar Johnsrud:

Echokammer

Droemer TB, 448 S., € 18,50

Journalistin Gianna Pitti soll

auf Bitten ihres Vaters einen

Informanten treffen. Dort entdeckt

sie eine Frauenleiche und

sieht einen Wagen davonfahren.

Bei der Leiche findet sie eine

CD-ROM-Hülle mit der Aufschrift:

Churchills Geheimnis.

Gemeinsam mit ihrem Vater,

Onkel Francesco und Chefredakteurin

Elvira Sondrini

versucht Gianna, das Rätsel

zu lösen. In der Bibliothek

finden sie Aufzeichnungen von

Giannas Urgroßvater, der mit

Winston Churchill an der Baia

delle Sirene war. Historisch gut!

Lenz Koppelstätter:

Was am Ufer lauert

Kiepenheuer & Witsch, 288 S., € 18,50

Simon Dorn beendet nach

persönlichen Schicksalsschlägen

seinen Polizeidienst und zieht

sich ins Hotel Dornwald zurück.

Dort verwandelt er das

Hotel in einen Schaukasten ungelöster

Mordfälle. Seine einzige

Verbindung zur Außenwelt ist

Karla Hofbauer vom Cold-Case-Management.

Als Hofbauer

in Hamburg ermordet wird,

deutet alles auf einen Serientäter

hin. Die Kriminalpolizistin

Lea Wagner folgt Hofbauers

Spuren nach Bad Gastein,

und bald ermitteln Dorn und

Wagner gemeinsam gegen einen

grenzenlosen Mörder.

Jan Beck:

Dorn

Penguin Verlag, 384 S., € 17,50

Svetlana liebt russische Literatur

und Detektivgeschichten.

Ihre Lebensweisheiten sind

legendär wie ihre Grammatik.

Tommi, Chaot Anfang 30,

arbeitet an seinem Durchbruch

als Autor. Aus Geldmangel

haust er im alten Wohnmobil

seines Vaters; dieses hat er

zusammen mit der Putzfrau

Svetlana bekommen. Als

die beiden eines Abends ein

kleines Mädchen am Waldrand

auflesen, ahnen sie nicht,

dass ihre unkonventionelle und

bisweilen tollkühne Suche nach

der Mutter sie auf die Spur

eines schrecklichen Verbrechens

bringt.

Volker Klüpfel:

Wenn Ende gut dann alles

Penguin Verlag, 416 S., € 25,70

Die 15-jährige Ámbar lebt

zwischen einsamen Landstraßen

und heruntergekommenen

Motels. An der Seite ihres Vaters

Víctor Mondragón ist sie Gewalt

und Kriminalität gewöhnt. Statt

Freunde zu treffen, verarztet sie

Víctors Schussverletzungen. Was

ihr zum Leben genügt, sind ein

abgesägtes Gewehr, gefälschte

Pässe und das wenige Geld, das

sie heimlich für ein Tattoo spart.

Doch je tiefer sie in die Welt ihres

Vaters eintaucht, desto mehr

Zweifel kommen ihr. Kann sie

ihm wirklich vertrauen? Und

wird sie lange genug überleben,

um seinen Geheimnissen auf die

Spur zu kommen?

Nicolás Ferraro:

Ámbar

Pendragon, 280 S., € 23,70

Amy ist Besitzerin eines Londoner

Blumenladens, Darling Blossom.

Der erfolgreiche Architekt

J. Elliot beauftragt Amy, die

Blumen für die Überraschungsparty

für seine Schwägerin Isabel

zu arrangieren. Diese ist alles,

was sich Amy immer erträumt

hat: schön, selbstbewusst und

beliebt. Immer mehr wird Amy

Teil von Isabels Leben, doch

dann kommt jemand zu Tode,

und alle Augen sind auf Amy

gerichtet. Sie muss alles tun,

um den Verdacht von sich zu

lenken, denn in ihrer Vergangenheit

lauert eine Tat, die niemals

entdeckt werden darf, und auch

die Elliotts scheinen nicht unschuldig

zu sein.

C. L. Pattison:

The Florist

dtv, 352 S., € 17,50

DI Ryan Wilkins, aufgewachsen

in einem Trailerpark, kennt

die Universität Oxford nur

aus der Ferne. Der Mord an

einer jungen Frau führt ihn

genau dorthin. Zusammen

mit seinem Namensvetter DI

Ray Wilkins, Absolvent der

Universität Oxford, muss das

ungleiche Team herausfinden,

wer die Unbekannte ermordet

hat. Die Ermittlungen erfordern

Takt und Fingerspitzengefühl,

beides nicht Ryans Stärken.

Gemeinsam mit Ray stößt er

auf Verbindungen zwischen der

Toten und einer alten Schuld,

die bald weitere Opfer fordert.

Simon Mason:

Ein Mord im November

Goldmann Verlag, 400 S., € 17,50

Irgendwo in der Nordsee: Eine

Gruppe von Tauchern muss

vor ihrem Einsatz bei einer

Ölpipeline zum Druckausgleich

mehrere Tage in einer eisernen

Kammer verbringen. Für

die Profis eine vermeintliche

Routine – bis es in der Kammer

plötzlich einen ersten Todesfall

gibt, dem weitere folgen. Die

verbleibenden Tage werden für

die weiter schwindende Zahl

an Überlebenden zu einem

nervenzerfetzenden Albtraum,

aus dem es kein Entkommen

gibt. Denn das Öffnen der Tür

würde für alle Insassen den Tod

bedeuten.

Will Dean:

Die Kammer

Hoffmann und Campe, 400 S., € 18,50

Ein Mord am Straßenstrich

zwingt den geheimnisvollen

„Kuckuck“, sein wahres Gesicht

zu zeigen. Nahe der letzten

Straßenstriche Wiens wird ein

80-Jähriger ermordet. Der Täter,

ein Zuhälter, ist schnell gefasst,

doch das Sterben geht weiter.

Fina ermittelt in weiteren Mordfällen

an 80-jährigen Männern,

die mehr verbindet als ihr Alter.

Der Zeuge schweigt aus Angst

um sein Leben. Fina ahnt, dass

der „Kuckuck“ seine Taten in

anderen Mordserien versteckt

hat und nun nicht länger warten

will, um sein Werk zu vollenden.

Ursula Poznanski:

Teufels Tanz

Knaur HC, 368 S., € 19,50

London 1901: Der Temple-Bezirk

mit seinen alten Gebäuden,

Zentrum der englischen Rechtswelt,

und bisher gab es hier nie

einen offiziellen Mord. Doch

dann findet der Anwalt Gabriel

Ward an einem Mai-Morgen

die Leiche des obersten Richters

und wird mit der Aufklärung

betraut. Ohne polizeiliche

Unterstützung stürzt er sich mit

Logik und Akribie auf die Ermittlungen.

Doch bald merkt er,

dass der Mord eigenen Gesetzen

folgt und im Temple-Bezirk

dunkle Geheimnisse lauern,

die er sich nie hätte vorstellen

können.

Sally Smith:

Der Tote in der Crown Row

Goldmann Verlag, 400 S., € 23,70

Emma führt ein ruhiges Leben

an der bretonischen Küste.

Nach einem tragischen Ereignis

in ihrer Vergangenheit widmet

sie all ihre Kraft ihrer Arbeit in

einem namhaften Zentrum für

Meerestherapie. Bis sie die Chance

erhält, im Oman das Team

eines neuen Wellness- Resorts

zu schulen. An der Spitze der

luxuriösen Einrichtung steht

Tariq, der Sohn eines mächtigen

Ministers. Die beiden fühlen sich

zueinander hingezogen. Inmitten

eines weitreichenden Machtspiels

voller Intrigen kann sie bald niemandem

mehr trauen und gerät

in tödliche Gefahr. Doch Emma

weiß, wie man überlebt.

Jean Reno:

Emma

Lübbe, 320 S., € 25,70



40

Orte

Täglich außer

sonntags — 15 Uhr

In der Fastenzeit — Aschermittwoch

bis Karsamstag —

wird täglich (außer sonntags)

ein anderer Ort zwischen

Wattens, Hall und Innsbruck

besucht, um gemeinsam

30 Minuten lang jeweils

Inseln des Innehaltens zu

erleben. Im Zentrum der

kurzen Aktionen stehen vor

allem Musik und Text, die

sich dem Thema sein_schein

widmen.

Veranstaltung:

BACH, TELEMANN, GIRTAIN

Anna Gratl – Violine und

Erika Wimmer Mazohl – Text

Sa., 19.04., 15:00 Uhr

Wagner’sche Buchhandlung,

Innsbruck

Aktuelle Informationen:

osterfestival.at/orte

© Thommy Mardo

listening

closely 2025

21.–29. Mai 2025

Wattens, Innsbruck

listening closely 2025 – 8 Konzerte,

3 Masterclasses, 10 Uraufführungen

Assoziativ und spielerisch frei bewegt sich

das Programm der dritten Ausgabe des

Kammermusikfestivals listening closely

über sogenannte Genregrenzen hinweg.

Folk Songs und Kunstlieder treten in Dialog

miteinander, sehr Altes und Brandneues

offenbaren ihre Verwandtschaft, Uraufführungen

auf fast vergessenen Instrumenten

bringen neue musikalische Farben ans

Licht …

Natürlich wird auch wieder ein heimischer

Künstler als Featured Artist ins Zentrum

des Programms gerückt, diesmal der

Jochberger Saxophonist Andreas Mader

(*1993). Auch Masterclasses finden wieder

statt, bei denen Publikum herzlich willkommen

ist.

Featured Artist

Andreas Mader

in concert:

Bach+

Andreas Mader, Saxophon und

Live-Elektronik

Werke von J. S. Bach, Steve Reich,

Theo Loevendie {UA} u. a.

Sa., 24. Mai, 18:00 Uhr

Innsbruck, ORF Tirol, Studio 3

Walking the Dog

Andreas Mader, Saxophon und

Joseph Moog, Klavier

Werke von Claude Debussy,

Darius Milhaud, Sergei Prokofiev,

Lera Auerbach {ÖEA} u. a.

Sa., 24. Mai, 18:00 Uhr

Innsbruck, ORF Tirol, Studio 3

Infos und Tickets über

www.listeningclosely.eu

Bücher seit 1639

Autor*innen

dieser Ausgabe

Ina Cassik ist Buchhändlerin bei Stöger-Leporello in Wien.

Aus dem einstigen Studentenjob in einer Buchhandlung

wurde der Traumberuf! Leidenschaftliche Vielleserin mit

Schwerpunkt auf Gegenwartsliteratur. Liebt ihren Beruf,

weil er so vielseitig ist wie kein anderer. Lebt mit ihrer

Familie am Stadtrand von Wien.

Katharina J. Ferner, geb. 1991, lebt als Poetin und

Performerin in Salzburg und Wien. Redaktionsmitglied der

Literaturzeitschrift „mosaik“. Jüngste Veröffentlichung

salamanderin (Limbus, 2025).

Wolfgang Finger, Reisen hat schon immer einen großen

Stellenwert in seinem Leben gespielt. Einerseits durch seine

berufliche Tätigkeit, von der Lehre in der Reisebuchhandlung

freytag & berndt in Wien bis zur selbstständigen Übernahme

der Filiale in Innsbruck. Anderseits durch viele private

Reisen. Seit 2019 ist er der Reiseliteraturfachmann in der

Wagner’schen (jeden Dienstag!).

Martin Fritz, geboren 1982, studierte Vergleichende

Literaturwissenschaft und Deutsche Philologie in Innsbruck,

hört sich in seiner Freizeit gerne DJ Patex’ Coverversion des

Songs I Wish I Was Him an. War Teil der 1. Innsbrucker

Lesebühne Text ohne Reiter, ist Teil der Innsbrucker Lesebühne

FHK5K.

Friederike Gösweiner, geb. 1980 in Rum, Autorin, Kritikerin

(Die Presse) und Lektorin. Ihr Debütroman Traurige

Freiheit (Droschl 2016) wurde mit dem Österreichischen

Buchpreis (Debüt) ausgezeichnet, ihr zweiter Roman

Regenbogenweiß (Droschl) erschien 2022. Mehrere Stipendien

und Preise, zuletzt Elias-Canetti-Stipendium der

Stadt Wien. www.friederikegoesweiner.com

Dagmar Harbich, ist seit 30 Jahren Buchhändlerin und ihr

Herz schlägt besonders für das Kinder- und Jugendbuch.

Wenn sie nicht die Filiale Leporello im 1. Wiener Gemeindebezirk

leitet, reist sie leidenschaftlich gerne in Begleitung des

Kinderbuchmaskottchens Frau Erna.

Georg Hasibeder, geb. 1977, langjähriger Lektor

und Programmverantwortlicher des Haymon Verlags,

lebt in Innsbruck.

Birgit Holzner, 1974 in Innsbruck geboren, Studium der

Romanistik und Germanistik an der Universität Innsbruck,

1995–1996 EU-Fremdsprachenassistentin am Lycée francofinlandais

d’Helsinki, 2000–2003 Lektorin des Helbling

Verlages, 2003–2006 ÖK-Lektorin an der Université de Caen

und an der Sciences Po Paris, seit 2008 Verlagsleiterin der

innsbruck university press und der edition laurin an der

Universität Innsbruck.

67

Markus Köhle schreibt, um gehört zu werden. Er ist Sprachinstallateur,

Literaturzeitschriftenaktivist und Papa Slam

Österreichs. Seit 23 Jahren organisiert er (gem. mit Robert

Renk) das Innsbrucker Prosafestival. Zuletzt erschienen

Dass Dort ist wie das Internet, es vergißt nichts (2023) und

Land der Zäune (2025 – beide Sonderzahl).

Lena Kriphale-Wiek, Buchhändlerin in der Wagner’schen seit

2015, neben der Begeisterung für Bücher – egal ob Krimi,

Roman oder Reiseliteratur – ist sie mittlerweile Mutter von

zwei Kindern. Dadurch hat sich ihr Lesespektrum auch auf

alle Bilderbücher und Geschichten für Kinder erweitert.

Sarah Loretz, geboren 1998. Aufgewachsen in einem kleinen

Bergdorf in Vorarlberg. Hat schon als Kind ihre Liebe zu

Büchern (vor allem Fantasyromane, die auch gerne von

Markus Heitz sein dürfen) entdeckt. In der Wagner’schen

hat sie ihr Hobby zum Beruf gemacht, zieht allerdings

inzwischen weiter in andere Berufsgefilde.

Angelika Moser, 1968 in Innsbruck geboren, hat Übersetzungswissenschaften,

Jus und Vergleichende Literaturwissenschaften

studiert. Sie ist als selbstständige Lektorin

und Texterin tätig (www.korrekterweise.at). Korrekt und

weise nimmt sie auch das Wagner’sche Buchmagazin unter

ihre Fittiche. Sie schreibt Kurzgeschichten (Das kleine

Grauen, Allein im Café) oder auch mal etwas Längeres

(Beinahe ein Roman).

Fritz Ostermayer, seines Zeichens Mitbegründer von FM4

und dort noch als Obersumpfist tätig. Bis vor kurzem

auch künstlerischer Leiter der Schule für Dichtung, dieses

Zepter reichte er vor kurzem an Nicolas Mahler weiter.

Fritz Ostermayer gilt als Förderer von Unterground- und

Alternativkultur und gab Musikern und Künstlern wie

Christoph & Lollo, Soap&Skin, Beirut oder monochrom

schon früh eine Bühne. Außerdem ist der gebürtige Schattendorfer

Burgenländischer Meister im Chilipartyschmeißen

und Spezialist für Trauermärsche!

Joe Rabl, 1963 in Kufstein geboren; Studium der Komparatistik

und Germanistik in Innsbruck; war in diversen

Verlagen beschäftigt; lebt nach Jahren in Wien und Salzburg

wieder in Innsbruck; arbeitet als freier Lektor.

Markus Renk, seit 38 Jahren in der Buchbranche.

Vom Lehrling, über den Vorstand bis zum selbstständigen

Unternehmer. Buchhändler aus Leidenschaft, der sich

mit den Übernahmen der Wagner’schen, Stierle, Kelten-

Buchhandlung, Stöger und Leporello gleich mehrere

Träume verwirklichen konnte.

Robert Renk, Buchhändler und Kulturvermittler,

u. a.Innsbrucker Prosafestival, Lyrikfestival W:ORTE

und stv. Festivalleiter vom Hausacher Leselenz.

Seit 2025 Sortimentsleiter in der Wagner’schen.

Gibt das Magazin #unabhängig heraus.

Anna Rottensteiner, geboren 1962 in Bozen, lebt als

Literaturwissenschaftlerin und Autorin in Innsbruck.

Bernhard Sandbichler, Germanist und Romanist, Innsbruck.

Andrea Scheiber, seit 1992 in der Wagner’schen Buchhandlung.

Betreut Koch- und Kinderbuch und steckt hinter

den Blind Dates. Wenn sie nicht gerade liest, ist sie in der

Natur oder beim Handarbeiten zu finden.

Siljarosa Schletterer, Autorin und Lyrikaktivistin.

Wurde von Flüssen und Hunden erzogen und gebe es die

Lyrik nicht, würde sie wohl mehr bellen. Sie erhielt mehrere

Stipendien und Auszeichnungen, u. a. das Große Literaturstipendium

des Landes Tirol. Ist fixes Organisationsmitglied

beim Lyrikfestival W:ORTE. Zuletzt erschien azur ton nähe –

flussdiktate (Limbus 2022) und entschämungen. körperkantate

(Limbus 2025). siljarosaschletterer.com

Veronika Schuchter ist Literaturwissenschaftlerin am

Institut für Germanistik an der Universität Innsbruck

und freie Literaturkritikerin.

Helena Töchterle, geb. 1995, hat Philosophie studiert.

Leitet seit November 2023 die Wagner’sche Buchhandlung.

Begeisterte Leseratte quer durch alle Genres.

Mikael Vogel, Lyriker, lebt in Berlin und Innsbruck.

Sein siebter Gedichtband nach u. a. Dodos auf der Flucht.

Requiem für ein verlorenes Bestiarium (Verlagshaus Berlin,

2018) wird voraussichtlich im Herbst 2025 erscheinen.

Gabriele Wild, studierte Literaturwissenschaft und Slawistik

und ist seit vielen Jahren Leserin und Literaturvermittlerin.

Sie arbeitet als Programmgestalterin im Literaturhaus am

Inn und im Team des Lyrikfestivals W:ORTE (dem größten

Lyrikfestival Österreichs).

Anita Winkler hat Deutsche Philologie an der

Universität Innsbruck studiert, sie war viele Jahre

Programmleiterin eines Sachbuchverlages,

seit 2022 beim Verlag der Wagner’schen.

Irene Zanol, geboren in Südtirol, ist Literaturwissenschaftlerin

am Brenner-Archiv der Universität Innsbruck

und betreibt seit 2020 den Literaturpodcast „Auf Buchfühlung“.

Klaus Zeyringer lehrte Germanistik in Frankreich und

ist heute als Autor und Moderator tätig. Im S. Fischer Verlag

sind zuletzt erschienen Fans. Von den Höhen und Tiefen

sportlicher Leidenschaft (gem. mit Ilija Trojanow),

Die Würze der Kürze. Eine kleine Geschichte der Presse

anhand der Vermischten Meldungen sowie mehrere Bände

zur Kulturgeschichte des Sports.



Wagner’sche.

Bücher seit 1639

Museumstraße 4

6020 Innsbruck

T. +43 512 59505 0

office@wagnersche.at

www.wagnersche.at

Bücher Stierle Salzburg

Kaigasse 1 / Mozartplatz, 5020 Salzburg, +43 662 840114

office@buecher-stierle.at, www.buecher-stierle.at

Stierle Kelten-Buchhandlung

Sigmund-Thun-Straße 9, 5400 Hallein +43 6245 82761

office@keltenbuchhandlung.at, www.keltenbuchhandlung.at

Leporello die Buchhandlung

Singerstraße 7, 1010 Wien, +43 1 9611500

service@leporello.at

Stöger – Leporello

die Buchhandlung

Obkirchergasse 43, 1190 Wien, +43 1 3203449

office@stoegerbuch.at

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