Wagnersche Magazin FJ 2025
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Wagner’sche
Innsbruck
Bücher Stierle
Salzburg
Stierle Kelten-
Buchhandlung
Hallein
Leporello die
Buchhandlung
Wien
Stöger —
Leporello die
Buchhandlung
Wien
Das Magazin unserer unabhängigen Buchhandlungen — 03.2025
#
unabhängig
No. 19
Impressum
Herausgeber und für den Inhalt verantwortlich:
Wagner’sche Universitätsbuchhandlung, Medici Buchhandels GmbH,
Museumstraße 4, 6020 Innsbruck
info@wagnersche.at, robert.renk@wagnersche.at — www.wagnersche.at
Redaktion: Robert Renk
Texte: div. (© bei den Autor*innen)
Grafische Ausstattung: himmel, Studio für Design und Kommunikation
Fotografie: © der Abbildungen bei den einzelnen Rechteinhaber*innen
Titelbild: Ilija Trojanow fotografiert von © Thomas Dorn
Korrekturen: Angelika Moser (www.korrekterweise.at)
Druck: Alpina Druck GmbH, Innsbruck
2
Fehler, Änderungen und Irrtümer vorbehalten. © 03.2025
Bücher seit 1639
#Vorwort
Motiviert, voller Ideen
und mit viel Vorfreude auf
die tollen Buchneuheiten
sind wir ins 386. Jahr der
Wagner’schen Buchhandlung
gestartet. Ganz besonders
freut es uns, dass der Egmont
Verlag auf unseren Vorschlag,
einen neuen Asterix auf
Tirolerisch herauszubringen,
eingegangen ist. Niemand
geringerer als Kabarettist
Markus Koschuh hat den
Band Kampf der Häuptlinge
ins Tirolerische übersetzt.
Wir freuen uns schon auf die
Buchpräsentation bei uns im
Haus! Mehr über den Asterix
Mander, s’isch Zeit! und andere
tolle Novitäten finden
Sie in unserem aktuellen
Magazin. Natürlich gibt es
aber auch wieder zahlreiche
andere Veranstaltungen an
allen unseren Standorten.
Am 20. Feber war Daniella
Spera zu Gast bei Leporello.
Bei Stöger gibt es eine
Doppel lesung mit zwei tollen
Debütantinnen. Und in
der Wagner’schen darf man
sich auf Franzobel freuen.
Aber mehr davon in unserem
neuen Magazin.
Viel Spaß beim Lesen!
Markus Renk (re.), Markus Hatzer
Inhalt
4 Neues aus den Buchhandlungen
Was ist los in Wien, Salzburg und Innsbruck
10 Zu viel Zäune
Markus Köhle präsentiert seinen neuen Roman
in der Wagner’schen und bei Stierle
12 Der Macht in die
Kiemen geschaut
Ilija Trojanow einmal mehr zu Gast in der Wagner’schen
16 Wildkräuter in Hallein
Rene Schröder präsentiert ihr Buch in der Keltenbuchhandlung
18 Prosafestival
Melanie Raabe liest beim 23. Innsbrucker Prosafestival
22 Karl-Markus Gauß
legt einen wichtigen Essayband vor …
24 Viel Schnee in Grönland
Franzobel mit seinem neuen Roman zu Gast in der Wagner’schen
26 Zwei wunderbare Debüts
Bei Stöger lesen Annemarie Andre und Selina Holešinsky
28 Literatur + Musik
Ein unvergleichlicher Abend für Klemens Klex Wolf
30 Vaterroman in Wien-Döbling
Michael Meister zu Gast bei Leporello
32 Birgit Birnbacher
moderiert die 47. Innsbrucker Wochenendgespräche
38 Isabella Feimer
liest beim Jubiläumsfestival – 10 Jahre Lyrik
42 Asterix auf Tirolerisch
Markus Koschuh als Übersetzer …
44 Klaus Merz …
wird 80 und wir feiern. Und WIE !
46 Mit den besten Empfehlungen
48 3×7 Best aber Seller
„Von allen Welten, die der
Mensch erschaffen hat, ist die
der Bücher die Gewaltigste“
Unsere Kollegin Andrea gestaltet die liebevoll verpackten und handbeschrifteten Buch-Blind-Dates.
© Wagner’sche Innsbruck
(Heinrich Heine)
Bücher sind so vieles. Sie sind Abenteuer
im Kopf, sie sind Bildung, sie sind festgeschriebenes
kollektives Menschheitswissen.
Sie sind ein Kulturgut, das vergeblich seinesgleichen
sucht. Und doch wird immer wieder
behauptet oder befürchtet, Bücher seien
überholt. Wir können beruhigen. Bücher sind
das vielleicht am öftesten totgesagte Produkt,
das aber so lebendig ist wie noch nie.
Bücher sind so viel mehr als nur auf Papier
gedruckter und gebundener Text, Bücher und
Buchhandlungen vermitteln Lebensgefühle.
Und es ist etwas zutiefst Menschliches, zu
lesen.
Bücherfrühling in der
Wagner’schen
Der Frühling ist eine der Jahreszeiten,
die für uns in der Wagner’schen besonders
spannend sind. Das alte Geschäftsjahr
ist abgeschlossen und wir schauen
voller Vorfreude in Richtung der neuen
Büchersaison. Auch in diesem Jahr sind
wir wieder begeistert von dem, was der
Markt zu bieten hat, und freuen uns unglaublich
darauf, Ihnen die aufregenden
Neuerscheinungen in persönlichen Gesprächen,
auf unseren Social-Media-Kanälen
und bei unseren großartigen literarischen
Veranstaltungen zu präsentieren.
Wir haben uns wieder ein umfang- und
abwechslungsreiches Programm für Sie
einfallen lassen, das Sie auf den kommenden
Seiten in diesem Heft kennenlernen
können. Zwei besondere Aktionen dürfen
aber auch schon einleitend eine Erwähnung
finden:
Bernhard Aichner wird den zweiten
Band seiner unter die Haut gehenden
Thriller-Reihe rund um Yoko persönlich für
Sie bei uns signieren. Sie dürfen sich also
darauf freuen, den Autor am 16. Juni am
Nachmittag in der Wagner’schen anzutreffen,
sich mit ihm auszutauschen und
ihn dabei zu beobachten, wie er sich erneut
die Finger wund schreibt. Natürlich ist das
Buch, John, auch signiert in all unseren
Filialen vorbestellbar.
Das zweite große Event wird ebenfalls im
Sommer stattfinden und die Präsentation
eines neuen Asterix auf Tirolerisch beinhalten.
Sicherlich erinnern Sie sich noch
an den großen Erfolg des mittlerweile
vergriffenen ersten Bandes. Wir sind sehr
gespannt und zuversichtlich, dass der zweite
Band ebenso gut bei Ihnen Anklang finden
wird wie sein Vorgänger.
Bücherwelt im Wandel:
Digitalisierung,
BookTok & Co
Eine der großen Herausforderungen im
Buchhandel ist es, sich stets an den sich
ständig vollziehenden Wandel der Bücherwelt
anzupassen. Womöglich liegt auch
hierin der Grund für die eingangs erwähnte
Unsicherheit, die in Bezug auf das Thema
Buch immer wieder anklingt. Wir sehen
das allerdings nicht so. Wandel ist etwas
Positives und bringt neben den Herausforderungen
auch große Chancen.
Junge Menschen informieren sich immer
mehr über digitale Kanäle. So auch über
die App TikTok, welche die Welt im Sturm
erobert hat, auch wenn sie nicht nur Gutes
bringt. Gut ist auf jeden Fall BookTok,
die lebendige Buch-Community auf
TikTok. Sie hat sich zu einem nicht mehr
wegzudenkenden Trend entwickelt, der
das Leseverhalten vieler, vor allem junger
Menschen beeinflusst. Die Plattform bietet
aber auch für uns als Wagner’sche Buchhandlung
zahlreiche Chancen, unsere jüngere
Zielgruppe zu erreichen und auf ihre
Wünsche einzugehen. Durch virale Buchempfehlungen
und kreative Inhalte können
selbst weniger bekannte oder auch ältere
Titel schnell an Popularität gewinnen und
zu Bestsellern werden. Außerdem haben die
jungen Menschen, die sich in dieser Bubble
bewegen, ein Auge für das Schöne. Aufwändig
gestaltete Cover und Farbschnitte
dominieren den Büchermarkt und natürlich
findet man deshalb auch bei uns in der
Wagner’schen eine tolle Auswahl an diesen
Buch-Kunstwerken in der New-Adultund
Fantasy-Sektion. Übrigens: Auch die
Wagner’sche Buchhandlung findet man
mit einem eigenen Account auf TikTok –
vorbeischauen lohnt sich!
Alt, aber neu – unser
„Wagner’sche“-Verlag
Natürlich liegt ein Fokus unserer Traditionsbuchhandlung
neben den neuen Trends,
die wir lieben, nach wie vor auf unserem
eigenen Regionalverlag. Es ist wahnsinnig
wichtig, neben den Jugendlichen und jungen
Erwachsenen auch Kindern einen Zugang
zum Thema Buch zu bieten. So sind
kürzlich ein eigenes Innsbruck-Rätselheft
für Kinder ab 7, ein Innsbruck-DKT und
ein neuer Band unserer beliebten „Erinnerungen
an Innsbruck“-Reihe mit dem
Stadtteil Mühlau im Fokus erschienen.
Auch in diesem Jahr dürfen Sie sich wieder
auf vielfältige Neuerscheinungen freuen –
Sie dürfen gespannt sein!
Besondere Services
von uns für Sie
Ein Vorteil, den der Buchhandel gegenüber
aller Konkurrenz aus dem Internet hat, ist
die der persönlichen Kundenbetreuung.
Die Wagner’sche hat ein weitreichendes
Angebot an besonderen Ideen, die Freude
bereiten: Kennen Sie beispielsweise schon
unsere Literatur-Abos? Unsere Kollegin
Lena stellt Ihnen ganz nach Ihren Vorlieben
und Ihrem persönlichen Rhythmus Bücher
zusammen und schickt sie als Buchüberraschung
zu. Und für eine gänzliche Überraschung
gestaltet unsere Kollegin Andrea
liebevoll verpackte und handbeschriftete
Buch-Blind-Dates.
Für schnelle Bestellungen bieten wir seit
einigen Wochen auch eine Bestellmöglichkeit
über WhatsApp an.
Eine Zusammenfassung all unserer
besonderen Services finden Sie zudem auf
unserer Homepage: www.wagnersche.at
4
Wagner’sche.
© Wagner’sche Innsbruck
Nicht alt aber neu sind unsere Schreibblöcke in tollen Frühlingsfarben.
Wagner’sche
Aufwändig gestaltete Cover und Farbschnitte dominieren den Büchermarkt.
© Wagner’sche Innsbruck
Innsbruck
Bücher
Stierle
Salzburg
Leporello
Wien
© Leproello die Buchhandlung, Wien
In Salzburg wurde umgebaut …
Empfehlungen vom Team der Stöger-Leporello Buchhandlung in Wien.
© Bücher Stierle, Salzburg
… und Hallein sendet beste Grüße!
Buchgenuss nach Ladenschluss jetzt auch bei Leporello in Wien!
© Stierle Kelten-Buchhandlung, Hallein
Stierle
Kelten- Buchhandlung
Hallein
Stöger–
Leporello
Wien
Alt, aber neu –
auch in Salzburg und Wien
In unseren Buchhandlungen in Wien und
Salzburg wird die Servicepalette ebenso erweitert.
An allen Orten hat es kleinere Umbauten
gegeben, um noch zielorientierter zu
arbeiten und den Kund*innen die Übersicht
zu erleichtern. Neue Kooperationen wurden
eingegangen, um u. a. auf Social Media das
Buch in andere Kontexte zu stellen.
So startet das neue Team in der Buchhandlung
Stierle eine Instagram-Aktion
mit dem Tee-Atelier „Tee am Eck“ von Tee-
Sommelier Nadja Huber-Ress. Wöchentliche
Posts münden in eine Abendveranstaltung
mit Teeverkostung und Bücherpräsentationen
(14. Mai um 18:30 Uhr).
Und auch der Tiroler Autor Markus
Köhle wird mit seinem neuen Buch
Land der Zäune bei Stierle vorbeischauen
(25. Juni um 19:00 Uhr).
Nicht weit entfernt in Hallein wird
weiter jeweils am ersten Samstag des
Monats an feinen Kinderbuchlesungen
gearbeitet. Auch die Kooperation mit
der Stadtbücherei Hallein wird beständig
weitergeführt. Unter anderem konnte unser
Kollege Hans Hamedinger die Bekanntschaft
der großartigen Hamburger Autorin
Isabel Bogdan machen. Sie gab in Hallein
ihr Österreichdebüt mit ihrem aktuellen
Roman Wohnverwandschaften (Kiepenheuer
& Witsch 2024). Im ersten Halbjahr folgen
noch Lesungen mit Olga Grjasnowa und
Beate Maxian.
Und dann ist da natürlich noch die Lesung
im eigenen Haus mit Renée Schroeder
und ihren Wildkräutern (siehe Seite 16)!
Am 25. Juni wird es in Hallein etwas
Nicht-Alltägliches geben: eine Kooperation
von Evangelischer Kirche Hallein, Stadtbücherei
und Kelten-Buchhandlung.
Felix Leibrock, der sowohl Regionalkrimis
als auch spirituelle Bücher schreibt, wird
versuchen, diese Themenbereiche zu verbinden.
Nachdem er Leiter des Evangelischen
Bildungswerkes in München ist, wird
ihm das sicher auch gelingen. Eine Buchpräsentation
in der Evangelischen Kirche?
Nachahmenswert finden wir!
Von der Evangelischen
Kirche in das jüdische Wien
Eine äußerst gelungene Buchpräsentation
gab es schon am 20.2. in der Buchhandlung
Leporello. Danielle Spera präsentierte –
unter großem Andrang – ihr Buch Stammgäste
– Jüdinnen und Juden am Semmering
(Amalthea 2024). Mit jüdischen Gästen verbindet
den Semmering eine lange Geschichte,
die vom Mittelalter, als Handelswege jüdischer
Kaufleute durch das Gebiet führten,
bis heute reicht. Prominente wie Sigmund
Freud, Arthur Schnitzler, Berta Zuckerkandl
kamen zur Sommerfrische, bewohnten Villen
und kleideten sich in örtliche Trachten als
Zeichen ihrer Zugehörigkeit. Doch unbeschwerte
Ferientage werden immer mehr
durch Antisemitismus getrübt, der schließlich
in die Vertreibung und Enteignung
durch die Nationalsozialisten mündet. All
das schilderte Spera eindrücklich. Sich
gemeinsam bei einer Abendveranstaltung
einem schwereren Thema zu widmen, auch
das kann eine Buchhandlung besser leisten
als viele anderen Orte, finden wir.
Neben den Kinderlesungen jeden
Dienstag und einem tollen Programm an
Buchpräsentationen (u. a. Gabor Fónyad
am 4. April) bietet Leporello auch ein neues
Service an.
Sie haben schon immer den
heimlichen Wunsch gehegt,
einmal bei uns im Leporello
eingesperrt zu werden?
Zwei volle Stunden ohne Kund*innen und
Buchhändler*innen die Buchhandlung
mehr oder weniger alleine zu nutzen? Dann
haben wir eine tolle Nachricht für Sie!
Leporello macht’s nun auch möglich!
Unter dem Motto „Buchgenuss nach
Ladenschluss“ stellen wir Ihnen die Buchhandlung
zur Verfügung. Ob mit Ihrer
Familie, den Verwandten oder Bekannten
oder mit Ihren Arbeitskolleg*innen –
buchen Sie einfach bei uns Ihren Abend.
Neben dem literarischen Erlebnis
erwartet Sie auch ein kleiner Snack.
In Kooperation mit „Pepper und Ginny –
Vegane Feinkost Wien“ bieten wir Ihnen
eine Hot-Dog-Station zum Selbstbefüllen
an und unsere selbstgebackenen „Bookies“.
Mehr unter www.leporello.at.
Die Buchhandlung als Ort
des Zusammenkommens
Dass eine Buchhandlung ein besonderes
Flair ausstrahlt, hören wir immer wieder.
Im Kleinen ist es auch ein Ort der positiven
Gesellschaftsentwicklung. Ein Ort, in dem
es sich mit der Lage der Welt entweder
intensiv beschäftigen oder wunderbar ab -
lenken lässt. Und am besten tut man das
gemeinsam. So wie in unserer Buchhandlung
Stöger-Leporello im 19. Bezirk.
Chefin Ina Cassik hat dort einen
Lesekreis eingerichtet, der bestens funktioniert
und den Ort als Inspiration feiert.
Darüber hinaus setzt man auch hier auf
Lesungen für Kinder (z. B. mit Bettina
Kleinszig am 22. März um 16:00 für Kinder
ab 9 Jahren). Ein besonderes Anliegen ist
uns die Förderung junger Autor*innen.
Dem tragen Ina Cassik und ihr Team Rechnung
und laden gleich zwei Debütantinnen
zur Lesung. Darüber lesen sie auf Seite 26.
Auf jeden Fall eine wunderbare Gelegenheit,
die Buch handlung als Ort der bewussten
Begegnung zu erleben.
Wir freuen uns darauf, wenn Sie uns auch
in dieser Büchersaison wieder begleiten, und
bedanken uns ganz herzlich für Ihre Treue!
Helene Töchterle & Robert Renk
© Stöger-Leporello die Buchhandlung, Wien
6 7
Wagner’sche.
Bücher seit 1639
Alle Veranstaltungen
im Überblick
Bücher seit 1639
Die älteste Buchhandlung Tirols feiert ihr Jubiläum!
März bis Oktober 2025
© Melanie Renk
März
Fr 07.03.25
Di 11.03.25
Di 18.03.25
Do 20.03.25
Fr 21.03.25
Sa 22.03.25
April
Mi 02.04.25
Do 03.04.25
Fr 04.04.25
Sa 05.04.25
Lesung Eva Lugbauer
18:30 Uhr, Leporello
Eintritt: € 7,00
Vorlesedienstag
für Kinder
9:00 Uhr, Leporello
Eintritt: frei!*
Lesung Markus Köhle
19:30 Uhr, Wagner’sche
Eintritt: frei!
Lesung
Michèle Yves Pauty
18:30 Uhr, Leporello
Eintritt: € 7,00
Lesung Elfriede Wimmer
ab 7 Jahren
16:00 Uhr, Leporello,
Eintritt: € 3,00
Lesung Bettina Kleinszig
ab 9 Jahren
16:00 Uhr, Stöger
Eintritt: € 5,00
Lesung Ilija Trojanow
19:30 Uhr, Wagner’sche
Eintritt: € 9,00/7,00
Lesung Renée Schroeder
18:30 Uhr, Kelten
Eintritt: frei!
Lesung Gabor Fónyad
18:30 Uhr, Leporello
Eintritt: € 7,00
Kinderbuchlesungen
10:00 Uhr, Kelten
Eintritt: frei!**
Mi 09.04.25
Fr 11.04.25
Di 15.04.25
Mi 23.04.25
Mi 30.04.25
Mai
Mi 07.05.25
Fr 09.05.25
Mi 14.05.25
Lesung Olga Grjasnowa
19:00 Uhr,
Stadtbücherei Hallein
Eintritt: frei!
Buchholz / Raabe/
Köller / Steinbeck
19:30 Uhr, Wagner’sche
Eintritt: frei!
Lesung
Karl-Markus Gauß
19:30 Uhr, Wagner’sche
Eintritt: € 9,00/7,00
Lesung Franzobel
19:30 Uhr, Wagner’sche
Eintritt: € 9,00/7,00
Debüt-Lesung
Annemarie Andre und
Selina Holešinsky
19:00 Uhr, Stöger
Eintritt: € 7,00
Lesung Beate Maxian
19:00 Uhr,
Stadtbücherei Hallein
Eintritt: frei!
Kinderbuchlesung
in Kooperation mit
Diakonie Bildung
ab 6 Jahren
16:00 Uhr, Leporello
Eintritt: € 3,00
Tee und Buch
18:30 Uhr, Stierle
Eintritt: frei!
Wagner’sche, Wagner’sche Altstadt Bücher Stierle Stierle Kelten-Buchhandlung
Leporello die Buchhandlung Stöger – Leporello die Buchhandlung
Do 15.05.25
Fr 16.05.25
Juni
Di 03.06.25
Sa 14.06.25
Mi 25.06.25
Mi 25.06.25
Oktober
Fr 03.10.25
Do 16.10.25
Lesung Michael Meister
18:30 Uhr, Leporello
Eintritt: € 7,00
Lesung
Doris Schmidauer
19:30 Uhr, Wagner’sche
Eintritt: frei!
Lesung Markus Koschuh
19:30 Uhr, Wagner’sche
Eintritt: € 9,00/7,00
Lesung
Feimer / Leuenberger
19:30 Uhr, Wagner’sche
Eintritt: frei!
Lesung Markus Köhle
19:00 Uhr, Stierle
Eintritt: € 7,00
Lesung Felix Leibrock
19:00 Uhr,
Evangelische Kirche
Hallein
Eintritt: frei!
80. Geburtstag
Klaus Merz
19:30 Uhr, Wagner’sche
Eintritt: frei!
Lesung Barbara Smrzka
18:30 Uhr, Leporello
Eintritt: € 7,00
9
* Jeden Dienstag: 9:00 Uhr, Leporello (Voranmeldung), Eintritt: frei
** Jeden 1. Samstag im Monat: 10:00 Uhr, Kelten (Voranmeldung), Eintritt: frei
Bücher seit 1639
Unter dem Motto „385 Jahre Bücherliebe“
blickte die Wagner’sche im November 2024
mit Freude, Dankbarkeit und ein wenig
Nostalgie auf ihre wechselhafte Geschichte
zurück.
„Das besondere Jubiläum nehmen wir
zum Anlass, uns über gemeisterte Herausforderungen
zu freuen und positiv in die
Zukunft zu blicken. Gemeinsam mit unseren
Kund*innen werden wir die Geschichte
unserer Buchhandlung mit vielen weiteren
spannenden Kapiteln fortschreiben“, sagt
Markus Renk, Geschäftsführer der
Wagner’schen.
Wie alles begann
Wir schreiben das Jahr 1639, als sich die
Ereignisse in der Tiroler Buchdruckerszene
überschlagen. Nachdem kurz nacheinander
beide in der Landeshauptstadt ansässigen
Drucker verstarben, nutzte der Druckergeselle
Michael Wagner die ihm gebotene
Chance und kam durch Heirat mit der
Witwe des Buchdruckers Hans Gäch in
den Besitz einer eigenen Druckerwerkstatt.
Zudem war es ihm als „Buchführer“ gestattet,
Bücher zu vertreiben. Damit legte
er den Grundstein für die Geschichte der
Wagner’schen Buchhandlung.
Jubiläumsfest
Mit über 300 Gästen aus Politik und Wirtschaft,
Mitarbeiter*innen, Freund*innen,
Familie und Wegbegleiter*innen wurde am
Dienstag, den 5. November 2024, in der
Buchhandlung gefeiert. Vertreter*innen
des Landes, der Stadt, der Wirtschaftskammer
und des Hauptverbandes des
österreichischen Buchhandels würdigten
die Wagner’sche als wichtigen Bestandteil
des kulturellen Lebens in Innsbruck und
der Buchhandelslandschaft in Österreich.
Roland Sila, Bibliotheksleiter des Ferdinandeums,
gab in einem historischen Abriss
spannende Einblicke in die jahrhundertelange
Geschichte. Hannes Sprenger sorgte
mit seinen jazzigen Saxophonklängen für
musikalische Erfrischung.
Buchpräsentation:
Markus Köhle liest aus
Land der Zäune
Moderation: Martin Fritz
Di., 18. März 2025, 19:30 Uhr
Wagner’sche Buchhandlung,
Innsbruck
Eintritt: frei
(um Anmeldung wird gebeten:
literatur@wagnersche.at)
Markus Köhle liest aus
Land der Zäune
Moderation: Robert Renk
Mi., 25. Juni 2025, 19:00 Uhr
Buchhandlung Stierle,
Salzburg
Eintritt: € 7,00
© Alain Barbero
Wagner’sche
Innsbruck
Bücher
Stierle
Salzburg
Dann muss
es eine Berufung
sein, Pfosten
sein zu dürfen.
Bücher seit 1639
Der Zaun in den Köpfen
der Menschen
Land der Zäune, ein wunderbarer sprachspielerisch
und -kritischer Roman. Martin Fritz hat einiges zwischen
Zäunen, Pfosten, Grenzen und Haustieren erfahren.
Martin Fritz: In deinen bislang
jüngsten Büchern beschäftigst du dich
explizit mit deinen biographischen
und literarischen Wurzeln (in
Zurück in die Herkunft, 2022) bzw.
sind die (Haupt-)Figuren von Das
Dorf ist wie das Internet, es vergisst
nichts (2023) dir und deinem
persönlichen Umfeld sicher näher
als Hans Sagmeister, die Hauptfigur
deines aktuellen Romans Land der
Zäune (2025), ein in der niederösterreichischen
Speckgürtel-Zersiedlung
herumgrantelnder Nachbarschafts-
Querulant. Was hat dich zu diesem
Blick in eine völlig andere (als der
eigenen) Blase bewegt, in der die
heilige Dreifaltigkeit aus Carport,
Gabione und Pool regiert?
Markus Köhle: Ich wollte eine Figur erschaffen,
die nichts mit mir zu tun hat.
Seit der Sagmeister aber im Buche steht,
begegnet er mir andauernd. Denn in der
gegenwärtigen Gesellschaft haben wir alle es
leider zunehmend mit solchen Ungeheuern
namens Hans zu tun. Die Idee war, die
Verhältnisse im Großen herunterzubrechen
auf eine Figur und deren Geschichte. Ich
wollte zeigen, wie alles im Kleinen beginnt
und wohin es führen kann. Am Anfang
stehen Selbstverblendung, persönliche Abschottung
und Nachbarschaftskleinkriege
und weil sich Hans Sagmeister in allem so
erfolgreich und im Recht wähnt, muss am
Ende die große Polit-Karriere stehen.
Hans Sagmeister ist Zaun-Fan,
Gründer der ZPÖ (Zaun Partei
Österreichs), Mähroboter-Halter
und – bei allem Respekt, aller Liebe
und Zwiespältigkeit – eine insgesamt
sehr unsympathische Figur. Wie war
es, beim Schreiben so lange Zeit
in seinem Kopf zu verbringen, der
noch dazu (für konventionelle
Romanhandlungen sehr ungünstig!)
ausgesprochen soziophob ist?
11
Unsympathisch ja, aber doch auch interessant.
Das war das Ziel und wohl auch
der schwierigste Teil. Noch dazu, weil ich
das Ganze anfangs aus der Ich- Perspektive
erzählt habe. Diese erste Fassung habe ich
verworfen und dann alles nochmal mit
Distanz neu erzählt. Dabei hat generell
geholfen, mir vorzustellen: Wie würde ich
es nicht machen? Und: Wenn jemand
Zäune verherrlicht, dann muss das Brett
vorm Topf ein Ziel sein. Dann muss es
eine Berufung sein, Pfosten sein zu dürfen.
Bist du beim Schreiben auch zum
Zauny, also zum Teil der Zaun-Liebhaber-Community
geworden? Was ist
deine persönliche Lieblings-Zaunart
und welche bringt dich in Rage?
Nein. Ich habe zwar mit Staunen im Zuge
der Recherchen entdeckt, dass es beispielsweise
Zaunpedia gibt und jede Menge andere
Foren für Leute mit Zaun-Fetisch, mich
aber nicht weiter darauf eingelassen, denn
das Verbindende dieser Communitys ist
ja an sich die Abgrenzung. Kopfschütteln
machen mich noch immer Drahtgittersteinkörbe
in unterschiedlichsten Ausführungen.
Für Rage reicht nur noch der Zaun in den
Köpfen der Menschen.
Wir müssen auch über das ernste
Thema Katzen reden – Herr Hans’
Katzenhass kennt kaum Grenzen,
nicht einmal das Musical Cats bleibt
verschont. Hier müssen wir den Autor
wohl strikt vom Text und seiner Figur
trennen oder spricht da etwa doch ein
bisschen Köhle aus Sagmeister?
Der eigentliche Hans-Hass gilt ja den
Füchsen, die sind ihm aber zu schlau, so
müssen halt die Katzen herhalten, denn die
sieht er. Und so wie andere begehren, was
sie täglich sehen, hasst er, was er täglich
sieht. Außerdem überspielt er damit ja auch
sein persönliches Katzen-Trauma, das hier
natürlich nicht gespoilert wird. Und zu
Cats: Memory war einer meiner Lieblingssongs
der Fernsehsendung Wurlitzer und
bis zum sechzehnten Lebensjahr schlief
Katze Thekla in meinem Bett.
So was wie Anschluss findet Hans
am ehesten noch im Internet, im
bunten Gebrabbel der Likes, Memes,
Abzocker, Chatbots und Drunterkommentare,
womit du die Dialektik
von Vereinzelung und Vereinsamung
in den physischen Nicht-Orten der
Provinz sowie Neuverortung und Radikalisierung
in den erst wieder Gated
Communitys des www sehr schön
eingefangen hast. Wie beobachtest du
diese Entwicklungen und worin siehst
du dabei die Rolle der Literatur?
Es war sehr reizvoll, uranalog über das Universaldigitale
zu schreiben. Literatur kann
sich Zeit nehmen und versuchen, www-
Wucherungen durch das Festschreiben
kenntlich zu machen. Meine Aufgabe dabei
war das Durch-die-Blume-Winken mit dem
Zaunpfahl.
Sagmeister sammelt den ganzen
Roman über Postkarten- und Kalendersprüche
für alle Lebenslagen. Hast du
zum Abschluss noch eine Sagmeister-
Lebensweisheit für die Leser*innen
des Wagner’schen Magazins?
Ja, und zwar zwei exklusiv nur hier: Fragen
sind die Passwörter der realen Welt. Und:
Weisheiten sind auch nur Schuppen von
Häuptern. Und eine aus dem Buch: Geduld
ist das Öl in der Pfanne Leben, in die wir
alle gehauen werden.
Buchtipp:
Markus Köhle
Land der Zäune
Sonderzahl, 240 S., € 25,00
© Thomas Dorn
Das Buch
der Macht
Stojan Michailowski nacherzählt von Ilija Trojanow,
kommentiert von einem globalen Chor: eine Satire
und eine Analyse über das Wesen von Macht
und Mechanismen der Herrschaft – von evidenter
Aktualität. Im Gespräch mit Klaus Zeyringer
Wagner’sche
Innsbruck
… im Namen der
Freiheit werden uns
Fesseln angelegt.
Bücher seit 1639
Klaus Zeyringer: Nach
Tausendundein Morgen, dem großen
utopischen Roman mit historischen
Ausflügen, und nach Fans, den
Reportagen und Reflexionen aus den
Sportarenen, erscheint nun ein Buch
über die Macht. Was dich an der
Macht interessiert, geht aus deinem
gesamten Werk hervor. Was sagt uns
ein 1897 publiziertes Buch heute im
globalen Kontext?
Ilija Trojanow: Trotz Unterschiede in den
Traditionen und kulturellen Codes erweist
sich, dass Herrschaft in ihren Strategien
und Ausprägungen erstaunlich universell
ist. Manches, was der alte Wesir in dieser
Erzählung seinem Neffen auf den weiteren
Herrschaftsweg mitgibt, liest sich wie ein
aktuelles Programm autoritärer Macht.
Deswegen der Chor: Ob China oder Indien
vor 2000 Jahren oder USA vor zwei Jahrzehnten
– es gibt bemerkenswerte Parallelen
bei der Frage, wie die Mächtigen regieren
und manipulieren.
Das klingt nach trockener
politischer Abhandlung?
Und ist genau das Gegenteil. Denn der
Wesir neigt zu deftigen Formulierungen,
sarkastischen Weisheiten, schauderhaften
Beispielen und zu Aphorismen, die man in
die Fassade des Parlaments klopfen sollte:
„Der Staat braucht keine Kämpfer, sondern
Kriecher.“
13
Wie hast du dieses Vademecum
der Macht gestaltet?
An fünfzehn aufeinanderfolgenden Abenden
sitzt der Wesir mit seinem Neffen zusammen,
der lieber an seine Haremsfrauen
denkt, und vermittelt ihm in höchst lebendigen
Erzählungen sowohl die Feinheiten
als auch die Grobschlechtigkeiten staatlichen
Lenkens. Jeder Tag ist einem anderen
Aspekt des Herrschens gewidmet. Montag
ist die Lüge dran, Dienstag die Korruption,
Mittwoch die Denunziation, Donnerstag
die Gewalt. Dieser Erzählung auf der
rechten Seite des Buches steht links eine
Auswahl von Stimmen der Weltliteratur aus
allen Epochen und Kontinenten gegenüber,
die zu dem jeweiligen Thema passt: nicht
nur naheliegende Stimmen wie jene von
Machiavelli und Nietzsche, sondern auch
weniger bekannte Staatsphilosophen aus
Persien, Indien, China und Japan.
Was ist dem Wesir besonders wichtig,
welche Kontinuität besonders
augenfällig?
Erstaunlich, wie modern die Ausführungen
des Wesirs über Geld sind: Die Notwendigkeit
einer freien Kriegskasse und
die Verpflichtung, die eigenen Unterstützer
– ob Handlanger in einer Bande oder
Klientel in einer Parteiendemokratie –
finanziell zu begünstigen. Ohne Geld
keine Machtmusik. So erkennt man beim
Lesen, dass die Klaviatur der Selbstrechtfertigung,
auf der die Macht spielt, sich
im Laufe der Geschichte wenig verändert
hat. Weiterhin werden Maßnahmen, die
uns Schaden zufügen, zum Wohle unserer
Sicherheit durchgepeitscht, und im Namen
der Freiheit werden uns Fesseln angelegt.
Ob Wesir oder Kickl: Die Mechanismen
bleiben gleich.
Ilija Trojanow, geboren 1965 in Sofia, floh mit seiner
Familie 1971 über Jugoslawien und Italien nach
Deutschland, wo sie politisches Asyl erhielten.
1972 zog die Familie weiter nach Kenia. Von 1984
bis 1989 studierte Trojanow Rechtswissenschaften
und Ethnologie in München. 1998 zog Trojanow
nach Mumbai, 2003 nach Kapstadt, heute lebt er,
wenn er nicht reist, in Wien. Seine Romane wie der
Der Weltensammler, Macht und Widerstand und
Tausend und ein Morgen sowie seine Reisereportagen
sind gefeierte Bestseller. In der Anderen Bibliothek
erschienen von ihm: Nomade auf vier Kontinenten.
Auf den Spuren von Sir Richard Francis Burton
(Band 269) und Durch Welt und Wiese. Reisen zu
Fuß (mit Susann Urban, Band 370).
Buchtipp:
Ilija Trojanow
Das Buch der Macht
AB – Die Andere Bibliothek,
276 S., € 49,40/€ 26,80
Buchpräsentation:
Ilija Trojanow liest aus
Das Buch der Macht
Moderation & Gespräch:
Klaus Zeyringer
Mi., 2. April 2025, 19:30 Uhr
Wagner’sche Buchhandlung,
Innsbruck
Eintritt: € 9,00/€ 7,00 mit
Wagner- oder Ö1-Card
3 × Klaus Zeyringer
Begnadeter Erzähler und Moderator
Buchtipp:
Klaus Zeyringer/Ursula Prutsch:
Breaking News
S. Fischer, 432 S., € 30,90
Erstpräsentation:
Zeyringer/Prutsch lesen aus
Breaking News
Moderation: Ilija Trojanow
Fr., 4. April, 19:30 Uhr
Bücherei & Spielothek Telfs
Eintritt: freiwilliger Kulturbeitrag
www.telfs.bvoe.at/event/
buchpraesentationbreaking-news
© Simon Brugner
Beste Recherche und Vorbereitung merkt
man dem Tun von Klaus Zeyringer an.
Egal ob er moderiert oder sich in seine
Bücher vertieft.
Über 20 Publikationen zu so unterschiedlichen
Themen wie Literatur, Sport
und Fantum oder Zeitungsmeldungen
hat Zeyringer publiziert. Und die Reihe
Grenzgänge bringt ihn als Moderator zumindest
zweimal im Jahr nach Innsbruck!
Zum Beispiel, wenn Susanne Gregor und
Ilija Trojanow im Literaturhaus am Inn
aufeinandertreffen (3. April). Tags zuvor
moderiert der gebürtige Steirer, der lange
als Professor für Germanistik in Frankreich
tätig war, die Buchpräsentation von Ilija
Trojanows neuem Werk Das Buch der Macht
(siehe Vorderseite). In Telfs schließlich steht
sein eigenes Werk im Mittelpunkt! Sein
neues Buch, das er gemeinsam mit Ursula
Prutsch geschrieben hat, beleuchtet einmal
mehr eine Sonderform im Journalismus.
Was sagen uns Schlagzeilen
über gesellschaftliche
Debatten?
Schlagzeilen in den Zeitungen bestimmen,
was wichtig ist – aus Perspektive der Zeitgenossen.
Klaus Zeyringer liest ausgewählte
Nachrichten im Original in der damaligen
Zeitung und analysiert, ob und wie sie
etwas aufnahmen, das heute als welthistorisch
gilt. Er stellt fest, welche Vorfälle
und Themen sie zugleich beschäftigten –
und welche aus heutiger Perspektive nicht.
Somit erhalten wir Einsichten über Formen,
Möglichkeiten und Wertigkeiten der Kommunikation
sowie des sozialen Lebens.
Die Historikerin Ursula Prutsch ordnet
die Berichte in den Kontext der Geschichte
ein. Dadurch sehen wir, wie ein Ereignis
von den Zeitgenossen bewertet worden ist
und als was es sich im Laufe der Geschichte
herausgestellt hat.
An einer Fülle von Beispielen erfahren
wir u. a., wie schnell die Presse 1688/89 vor
Ort in der „Glorious Revolution“ mit den
Siegern einen Paradigmenwechsel vollzog;
dass die Blätter in Europa und den USA
(bis auf extrem wenige Ausnahmen) Not
und Elend indigener Bevölkerungen nicht
als Auswirkungen des Kolonialismus ver-
mittelten, etwa die Millionen Hungertoten
der 1770er-Jahre in Bengalen; wie intensiv
1848 der Ruf der Revolutionen hallte;
welch fatale Rolle Zeitungen beim Börsenkrach
1873 und in der folgenden langen
Wirtschaftskrise spielten; welchen Anteil
Propagandalügen an der Entwicklung zum
Weltkrieg und dann verstärkt von 1914 bis
1918 hatten; was beim Aufstieg der Nazis
gesehen, übersehen wurde, oder wie Fotos
die Einschätzung des Spanischen Bürgerkriegs
prägten.
Eine packende Zeitreise in die Aktualität
der Vergangenheit voller überraschender
Geschichten und ein Denkanstoß über die
Schlagzeilen von heute.
Klaus Zeyringer „ist ein begnadeter
Erzähler, seine historischen Sachbücher
sind eher Romane“. NZZ am Sonntag
„Wie nur wenige WissenschaftlerInnen
versteht es Klaus Zeyringer, seine
LeserInnenschaft literarisch zu fesseln.“
Die Wochenzeitung
Klaus Zeyringer, geboren 1953 in Graz, habilitierte
dort 1993 und war Professor für Germanistik in
Frankreich. Er ist als Literaturkritiker u. a. für den
„Standard“ tätig sowie Jurymitglied der ORF-
Bestenliste und moderiert Literatur-Veranstaltungen
in Österreich, Deutschland und der Schweiz. Im
S. Fischer Verlag ist Fußball. Eine Kulturgeschichte
erschienen sowie das zweibändige Werk Olympische
Spiele. Eine Kulturgeschichte. Band 1: Sommer
und Olympische Spiele. Eine Kulturgeschichte.
Band 2: Winter.
Ursula Prutsch, geboren 1965 in Graz. Professorin
am Amerika-Institut der LMU München.
Autorin einer Biografie über Eva Perón (2015), einer
Monografie über den Populismus in den USA und
Lateinamerika (2019). Zuletzt erschienen: Wer war
Fritz Mandl? Waffen, Nazis und Geheimdienste und
Leopoldine von Habsburg. Kaiserin von Brasilien,
beide 2022 im Molden-Verlag.
14
Wagner’sche.
Corporate Design
Fotografie
Packaging
Schöne Bücher
Informationsdesign
Editorial
Ausstellungen
Specials
www.himmel.co.at
© Leierhof
Heilkraft und
Wissenschaft
Reneé Schroeder präsentiert ihr neues Wildkräuter -
buch in der Keltenbuchhandlung. Vorab ein paar Fragen:
Stierle
Kelten- Buchhandlung
Hallein
Mein Ziel ist es,
eine Brücke zu
bauen.
Bücher seit 1639
Gibt es nicht schon genug
Kräuterbücher, Frau Schroeder?
Reneé Schroeder: Berechtigte Frage.
Seit ich mich selbst mit Kräutern beschäftige,
habe ich sehr viele dieser Bücher
in der Hand gehabt. Ich kann versichern,
dieses Buch ist anders. Es geht einen entscheidenden
Schritt weiter, nämlich jenen
aus der traditionellen Heilslehre in die
wissenschaftliche, evidenzbasierte Anwendung
von Kräutern. Das bedeutet:
Ausgehend von den Jahrtausenden langen
Erfahrungen der „überlieferten Volksmedizin“
betreten wir den erforschten
Boden der Wissenschaft. Mein Ziel ist es,
die grundlegenden Komponenten der
Heilkräuter leicht verständlich für jede
und jeden zugänglich zu machen.
Wissenschaft und Naturheilkunde
widerspricht sich für Sie nicht?
Nein! Im Gegenteil, die ergänzen sich. Die
Verwendung von Heilpflanzen ist eine der
wichtigsten kulturellen Errungenschaften
der Menschheit: Wir haben erkannt, dass
wir aktiv gegen Krankheiten ankämpfen
können und diese nicht eine unabwendbare
Strafe Gottes sind. Diese jahrtausendealte
Sammlung an Erfahrungen ist heute eine
fast unerschöpfliche Quelle für die Suche
nach Wirkstoffen für die moderne Medizin.
Leider hat der Erfolg der modernen Medizin
dafür gesorgt, dass die Verwendung
von Heilkräutern eine untergeordnete
Rolle bekommen hat, die traditionellen
Behandlungsmethoden als veraltet und
esoterisch betrachtet werden. Beide Ansätze
sollten untrennbar verbunden werden und
gegenseitig ihre Vorteile nutzen. Mein Ziel
ist es deshalb, eine Brücke zu bauen, und
ich hoffe, dass die Pharmakognosie mit
wissenschaftlichen Methoden den traditionellen
Arzneien wieder jenen Stellenwert
wiedergibt, der ihnen gebührt.
17
Was hat Sie als Biochemikerin
besonders interessiert?
Im Buch stelle ich ja 60 Pflanzen –
Kräuter, Sträucher, Bäume – vor, die auf
oder um meine eigene wilde Wiese im Salzburgischen
wachsen. Fast alle davon sind
in der Naturheilkunde bereits ausgiebig
erforscht. Als Wissenschaftlerin hat es
mich natürlich ganz besonders interessiert,
welche heilsamen Eigenschaften bereits
nachgewiesen sind und welche auf volkskundlicher
Überlieferung beruhen. Über
jede porträtierte Pflanze, von Arnika bis
Zitronenverbene, erfahren die Leser*innen
Geschichtliches, etwas zu den Inhaltsstoffen,
Wirkung und Anwendung und
auch, was die Wissenschaft dazu sagt.
Für diejenigen, die weiter in die Materie
eintauchen wollen, habe ich die originalen
wissenschaftlichen Quellen, auf die ich
mich berufe, angegeben. Das Buch ist also
auch eine Art Lehrbuch.
Es geht aber auch ganz praktisch
zu, wenn Sie ihre persönlichen
Lieblingsrezepte vorstellen?
Absolut, ich nehme die Leser*innen mit
in meine Kräuterküche am Leierhof und
verrate die besten Rezepturen für Tees,
Elixiere, Kräuter- und Gewürzmischungen
oder auch Oxymele, eine Mischung aus
Honig und Essig. Diese sollen vor allem
Freude bereiten – deshalb sind sie auch
leicht nachzumachen. Allein die Herstellung
von Hydrolaten und Cremen ist
etwas aufwendiger. Die Rezepte, die ich
auf Basis der wissenschaftlichen Erkenntnisse
zusammengestellt habe, ermöglichen
es allen, wohltuende Kräuteranwendungen
selbst herzustellen. Ganz egal, ob er oder
sie an der wissenschaftlichen Erklärung für
die Wirkung interessiert ist oder nicht.
Auffällig sind auch die
besonderen Aufnahmen im Buch.
Was hat es damit auf sich?
Ich habe eine neue Leidenschaft entwickelt.
Mit meinem digitalen Mikroskop alles
Mögliche zu betrachten. Ich schaue mir
die Kräuter durch dieses Digitalmikroskop
an und vergrößere sie bis zu 200-fach.
Was wir dabei entdecken, ist eine erstaunliche
Schönheit. Eine Schönheit, die uns bis
jetzt verborgen geblieben war. Die Millimeter-Dimension
nehmen wir zwar mit
unseren Augen wahr, wir können in dieser
Größe aber keine Strukturen erkennen. Wir
sehen auf den Mikroskopbildern in diesem
Buch feingliedrige Härchen, filigrane Strukturen
und winzige Tropfen ätherischer Öle.
Die Schönheit dieser verborgenen Welt ist
atemberaubend in ihrer Ästhetik und liefert
gleichzeitig die Erklärung dafür, wie Brennnesseln
brennen, warum Lavendel duftet
und woran der Pollen haftet.
Buchtipp:
Renée Schroeder
Wie Wildkräuter wirken
Kneipp Verlag, 256 S., € 34,00
Buchpräsentation:
Renée Schroeder stellt
Wie Wildkräuter wirken vor
Moderation & Gespräch:
Klaus Zeyringer
Do., 3. April, 18:30 Uhr
Kelten Buchhandlung, Hallein
Eintritt: frei!
© Christian Faustus
Vom Krimi zum Roman
Die gefeierte Thrillerautorin Melanie Raabe
legt ihren 2. Roman vor, liest beim 23. Prosafestival
und spricht mit Katharina J. Ferner
Wagner’sche
Innsbruck
Die Schauplätze
meiner Bücher sind
oftmals wie eigene
Charaktere.
Bücher seit 1639
Katharina J. Ferner: Eine
Schlafforscherin, die von Albträumen
heimgesucht wird, die sich zu
bewahrheiten scheinen. Und was
hat es mit dieser geheimnisvollen
Schenkung eines Herrenhauses
in Deutschland auf sich? Melanie
Raabe führt uns auf eine Reise in
eine rätselhafte Vergangenheit.
Melanie Raabe: Als Mara Lux nach Limmerfeldt
kommt, hat sie vor, so wenig Zeit
wie möglich in der deutschen Kleinstadt
zu verbringen. Doch während sie versucht,
mehr über den vormaligen Besitzer des
Herrenhauses herauszufinden, begegnen
ihr Gestalten aus ihren Träumen wieder.
Irgendetwas scheint hier nicht mit rechten
Dingen zuzugehen.
Gleich zu Beginn erfahren wir,
dass stabile Freundschaften ein
wesentlicher Bestandteil im Leben
der Protagonistin sind. Abgesehen
von Roxane erfahren wir aber
wenig über deren gemeinsame
Vergangenheit. An welchem Punkt
vom Schreiben wissen Sie, welche
Geschichten weiterverfolgt werden
und welche nicht?
Das ist immer ganz unterschiedlich. Zu
Beginn probiere ich viel herum, produziere
jede Menge Text, um die Figuren, die Orte
kennenzulernen und mir über die Atmosphäre
des Textes klar zu werden. Dabei
kristallisiert sich oft heraus, wen und was es
braucht – und was nicht.
Woher kommt Ihr Interesse an
übernatürlichen Vorkommnissen?
Ich habe mich für dieses Buch mit den
Themen Schlaf, Schlaflosigkeit und Träume
auseinandergesetzt. Wenn man viel über die
kulturelle Rolle von Träumen liest, landet
man auch schnell bei Mythologie. So kam
mir die Idee zur superrationalen Schlafforscherin,
die anscheinend prophetische
Träume hat.
19
Haben die Nachforschungen zu
diesem Buch auch Ihren Schlaf
beeinflusst? Sind Sie sich Ihrer
Träume bewusster?
Als ich intensiv am Text gearbeitet und
tagsüber viel über Schlaf und Traumerleben
nachgedacht habe, habe ich tatsächlich eine
Zeit lang intensiver geträumt bzw. konnte
ich mich morgens besser an meine Träume
erinnern. Inzwischen ist mir diese Fähigkeit
leider schon wieder ein bisschen verloren
gegangen. Ich bin leider keine sehr begabte
Träumerin, mir zerrinnen meine Traumbilder
immer zwischen den Fingern.
Die Diskrepanz zwischen der
weltoffenen Stadt London und dem
erst einmal unfreundlich wirkendem
Limmerfeldt ist mehrfach spürbar.
Insbesondere beim Dorffest herrscht
ein hohes Aggressionspotenzial.
Warum ist dieses beschauliche Dorf
für Mara Lux so viel bedrohlicher als
die Großstadt?
Meine Hauptfigur Mara wird im Laufe
der Geschichte immer weiter aus ihrer
Komfortzone herauskatapultiert, die Dinge,
die ihr geschehen und denen sie sich stellen
muss, werden immer drastischer, immer
unglaublicher. Das spiegelt sich auch in
ihrer Umgebung. Die Großstadt ist der Ort,
den Mara sich ausgesucht und zur Heimat
gemacht hat. Die Kleinstadt Limmerfeldt
hingegen ist ihr fremd …
Auch wenn dieses Mal nicht Thriller
am Einband steht, nimmt die
Handlung gerade gegen Ende noch
einmal ordentlich Fahrt auf. Mögen
Sie es, spannungsreich zu erzählen?
Ich mag die Mittel der Spannung tatsächlich
sehr gerne, liebe Cliffhanger und Twists.
Mir macht es große Freude, mein Publikum
mit auf eine Reise zu nehmen, die immer
wieder Überraschungen bietet.
Geheimnisvolle Nachrichten, ein Dorf,
in das man nicht zurück möchte,
endlose Wälder – das sind Motive, die
auch bereits im Thriller Die Wälder
vorkommen. Wieso diese Parallelen?
Ich mag Geheimnisse, Mythologie und
besondere Orte. Die Schauplätze meiner
Bücher sind oftmals wie eigene Charaktere.
Für Die Wälder ein winziges Dorf zu
erschaffen, hat mir viel Freude gemacht
damals, denn ich habe die ersten Jahre
meines Lebens in einem winzigen Dorf verbracht.
Danach bin ich in einer Kleinstadt
aufgewachsen, und für Der längste Schlaf
fand ich es an der Zeit, erstmals ein solches
Setting zu kreieren – mit meiner fiktiven
Kleinstadt Limmerfeldt. Dörfer, Kleinstädte,
Metropolen haben alle ganz unterschiedliche,
spannende Dynamiken. Da gibt
es so endlos viel zu entdecken.
Haben Sie eine Lieblingsgutenachtgeschichte?
Oder hatten Sie eine als Kind?
Ich mochte die Märchen der Brüder
Grimm. Besonders geheimnisvolle oder eher
düstere Märchen haben mir als Kind gut gefallen,
viel mehr noch als die sehr bekannten
wie Schneewittchen oder Aschenputtel. Ich
mochte z. B. etwas obskurere Märchen wie
Die Gänsemagd oder Allerleirauh.
Melanie Raabe: geb. 1981 in Jena, lebt in Köln.
Sie schreibt Bücher in verschiedenen Genres: Thriller,
Sachbücher und Romane. Außerdem erschienen zwei
Fiction-Podcast. Der Schatten wurde 2023 verfilmt.
Zuletzt erschien Der längste Schlaf (btb 2024).
Buchtipp:
Melanie Raabe:
Der längste Schlaf
btb, 352 S., € 25,70
Lesung:
Melanie Raabe liest gemeinsam
mit Simone Buchholz, Katharina
Köller und Michelle Steinbeck
Moderation: Martin Fritz,
Markus Köhle und Robert Renk
Fr., 11. April 2025, 19:30 Uhr
Wagner’sche Buchhandlung,
Innsbruck
Eintritt: frei!
Endlich erwachsen!
Das Innsbrucker Prosafestival (IPF) wird 23.
www.prosafestival.wordpress.com
Do., 10. April, 19:30 Uhr
Stadtbibliothek
1 Dirk Kurbjuweit
2 Raphaelle Red
3 Jonas Lüscher
4 Noemi Somalvico
Dirk Kurbjuweit – © David Maupile
Jonas Lüscher – © Hassiepen Raphaelle Red – © privat
Noemi Somalvico – © Tim Rod
Fr., 11. April, 19:30 Uhr
Wagner’sche
1 Michelle Steinbeck
2 Melanie Raabe
3 Simone Buchholz
4 Katharina Köller
Hurra, endlich nicht mehr U 23. Das Innsbrucker
Prosafestival (IPF) gibt es seit 2003
und findet heuer zum bereits 23. Mal statt.
Jetzt quasi voll und ganz erwachsen.
Sa., 12. April, 19:30 Uhr,
Sillwerk, Innsbruck
1 Jurczok
2 Jessica Lind
3 Martin Peichl
4 Ulrike Haidacher
Natürlich strebt das Festival an, ein
Ü-30-Festival zu werden, mindestens. Aber
23 ist schon was. 23 war ein Film, der
Verschwörungstheorien erstmals so richtig
ins Zentrum rückte (23 – Nichts ist so wie
es scheint, Hans-Christian Schmid, 1998).
Mittlerweile glauben viele die krudesten
Geschichten. Die krudesten Geschichten
zu lesen, kann befreiend sein. Daran zu
glauben eher nicht. Mittlerweile glauben
viele, dass es so etwas wie Wahrheit,
Wissenschaft, Fakten gar nicht gibt, aber
alle Meinungen gleich viel wert sein müssen.
Das beschert uns die gegenwärtige gesellschaftliche
Stimmung. Das beschert uns
die gegenwärtige Politik. Literatur ist und
bleibt eine freudige Bescherung. Literatur
darf dich entführen, verführen, rühren,
entzücken, verrücken, beglücken. Literatur
darf dich schocken, aus den Socken hauen
und anders auf die Welt schauen lassen.
Literatur ist ein Kompass, ein Fernglas,
mitunter auch ein gerüttelt Maß an Unvernunft,
aber immer auf der Suche nach
Wahrhaftigkeit. Literatur ist gewissermaßen
das Gegenteil von Politik. Nein, Literatur
und Politik lassen sich nicht vergleichen.
Wer Literatur macht, die so schlecht wie die
gegenwärtige Politik ist, wird nicht verlegt
und erst recht nicht zum IPF eingeladen.
So läuft das seit 23 Jahren und so wird das
auch weiterhin bleiben. Denn es ist viel
schöner, sich an literarische Bücher zu halten
als an Parteiprogramme und Parteibücher.
Es ist viel schöner, Stimmen aus den unterschiedlichsten
literarischen Strömungen
zu hören als Stimmen aus dem Parlament.
Es ist viel schöner, an 3 Tagen, an 3 Leseorten
den Lesungen von 12 Autor*innen
(nicht nur aus dem deutschen Sprachraum)
beizuwohnen, als daheim zu bleiben und sich
über neueste Nachrichten zu ärgern.
Beginn ist jeweils um 19:30 Uhr. Der
Eintritt – ACHTUNG, AUFGEPASST –
ist frei!
Das Moderationsteam besteht wie immer
aus Robert Renk, Markus Köhle und (wie
auch schon lang) Martin Fritz. Das IPF-
Moderationsteam wird die geladenen
Autor*innen nicht nur gebührend vorstellen
und sie in ein Gespräch verwickeln,
sondern sie auch textmotiviert beschenken.
Carmen Sulzenbacher hat erneut das
Festivalprogrammheft gestaltet und die
Rundumorganisation übernommen.
20
Wagner’sche.
Der ehemalige Innsbruckliest-Autor
beginnt mit einem
algerischen Soldaten im Ersten
Weltkrieg. Der steht plötzlich auf
und verlässt den Kriegsschauplatz.
Bald landen wir in einem
neuen. Der Hauptprotagonist
ist an Maschinen angeschlossen
und kämpft um sein Leben. Eine
schwere Coronainfektion hat ihn
ins Koma befördert. Zwischen
Koma und Erwachen, zwischen
England und Ägypten, zwischen
Vergangenheit und Zukunft (inkl.
Cyborgs, die lachen und lieben)
oszilliert dieses Meisterwerk.
Traumwandlerisch und traumwandlerisch
sicher und sprachlich
herausragend. Robert Renk
Jonas Lüscher:
Verzauberte Vorbestimmung
Hanser, 352 S., € 27,80
Ein Kind ist da und nichts ist
mehr wie vorher. Das Kind
steht im Mittelpunkt. Das Kind
ist unfehlbar. Dann passiert was
in der Schule. Das Kind wird
beschuldigt. Die Eltern sind
fassungslos und es beginnen
gegenseitige Beobachtungen,
Verdächtigungen und Beschuldigungen.
Das Familiengefüge
verändert sich. Alles
verschwört sich im Kopf der
Erzählerin und es wird richtig
düster, wenn sie von ihrer
Vergangenheit eingeholt wird.
Da überträgt sich der Schuld-
Horror in unser aller Köpfe.
Grandios! Markus Köhle
Jessica Lind:
Kleine Monster
Hanser Berlin, 256 S., € 25,70
Noemi Somalvico erzählt in
aller angemessenen Schlichtheit
und Kompliziertheit von
Liebe in all ihren Spielarten. Es
geht ums Davor, Dazwischen
verzetteln und Nachwirken, um
die fast immer nie stimmigen
Gleichzeitigkeiten und Ungleichzeitigkeiten
der Gefühle
aller daran Beteiligten. Der
Bogen reicht von Liebenden,
die Liebschaften wie Kleidungsstücke
sammeln, bis zu – und
da werden viele in Tirol sich
wiederfinden – Dates, die mehr
am Bergsteigen interessiert sind
als am Daten, von kalt bis heiß!
Martin Fritz
Noemi Somalvico:
Das Herz wirft in der Brust
keinen Schatten
Voland & Quist, 216 S., € 23,70
2004 schlug der Roman des
Spiegelchefredakteurs wie ein
Erdbeben ein. Und die literarisch-seismischen
Wellen wirken
sich bis heute aus. Nachbeben,
in dem eine Erdbebennacht
zu einer Liebesnacht wird, ist
heuer zum „Frankfurt liest
ein Buch“ gewählt worden
und beschert uns eine schöne
Neuauflage. Der 82-jährige
Seismograf Luis erzählt uns die
Geschichte von Lorenz, der sich
in eine Telefonstimme verliebt,
zunächst als Geldwirtschaftsexperte
Karriere macht, dann
aber beruflich wie privat abstürzt.
Zu Recht ausgezeichnet!
Robert Renk
Dirk Kurbjuweit:
Nachbeben
Penguin, 224 S., € 24,70
Was für ein Debüt! Auf den
ersten Seiten schon merkt man
einen ganz eigenständigen
Ton und ist sofort in dem
Dilemma, in dem sich auch
Adikou befindet. Zu Weiß für
die Schwarze Community, vor
allem in ihrem Vaterland Togo,
und zu Schwarz für ihre Heimat
Paris oder die Uni in den USA.
Entlang der westafrikanischen
Küste und bis in die USA sucht
Adikou nach einem Platz in der
Geschichte – und schafft sich
ein Erbe aus Schlangenhäuten,
Skylines und stickigen Nächten.
Robert Renk
Raphaëlle Red:
Adikou
Rowohlt, 224 S., € 25,70
Marie und Johanna, zwei unterschiedliche
junge Frauen. Marie
flieht vor ihrem Leben in Wien.
Es sollte nach Italien gehen, das
schien immer eine gute Lösung.
Doch dann denkt sie an Johanna,
ihre Cousine in den Tiroler
Bergen. Dort wird man sie
gewiss nicht finden, abgelegen
und ohne Strom und fließend
Wasser versuchen die beiden,
ihren Rhythmus zu finden. Rau
und zärtlich zugleich, in einem
Tempo, das die Leser*innen in
ihren Bann zieht. Ich wollte nur
kurz reinlesen und habe dann
fast vergessen, meine Kinder
abzuholen. Lena Kripahle-Wiek
Katharina Köller:
Wild wuchern
Penguin, 208 S., € 23,70
In Es sind nur wir geht es um
das Gefühl kurz vor der jeweiligen
Katastrophe und um Verlustgeschichten
aller Art. Der
Ich-Erzähler gibt seinen Job als
Lehrer auf, um vermeintlich an
einem Wörterbuch der Verluste
zu arbeiten. In Wahrheit aber
arbeitet er an der Auflösung seiner
selbst und der Beseitigung
seiner Existenzspuren. Mischa
arbeitet dagegen. Mischa ist, so
wie die Sprache in diesem Buch,
ein Lichtblick. Mal traurig, mal
lustig, aber immer schön. Peichl
hat einen unvergleichlichen
Sound. Markus Köhle
Martin Peichl:
Es sind nur wir
Haymon, 208 S., € 23,90
Nach 15 Jahren Großstadt verschlägt
es Anja mit 30 zurück
ins heimatliche Industriekaff.
Eine Auszeit steht an,
ein Treffen mit der Jugendfreundin
Magda ebenso. Aber
an der einstigen Weltreisenden
Magda ist die Zeit nicht spurlos
vorübergegangen. Es ist
schwieriger geworden, einander
zu verstehen. Und dann hat
Magda auch noch einen Volker
im Schlepptau … Ulrike Haidacher
trifft in Malibu Orange
den Ton der Zeit und behandelt
unterhaltsam die Themen der
Zeit. Haidacher gehört gelesen.
Markus Köhle
Ulrike Haidacher:
Malibu Orange
Leykam, 224 S., € 25,50
© Thomas Schrott
Karl-Markus
Gauß
Mit Schuldhafte Unwissenheit legt
Karl-Markus Gauß einen ungewöhnlichen
und sehr aktuellen Essayband vor.
Dazu befragt ihn Robert Renk …
Wagner’sche
Innsbruck
Reale Reisen durch die
Länder und geistige
Reisen durch Bibliotheken
haben immer etwas
Abenteuerliches.
Bücher seit 1639
Robert Renk: Lieber Karl-Markus
Gauß, du hast ein Buch veröffentlicht,
das in deinem Werk womöglich
noch fehlte: eine politische Streitschrift,
verfasst in feurigem Stil und
mit leidenschaftlicher Parteinahme.
Sonst bist du ja eher als Meister subtiler
Nuancen bekannt.
Karl-Markus Gauß: Ja, ich ergreife Partei
in diesem Buch, vor allem dafür, dass
man die europäische Aufklärung nicht als
Schnee von gestern entsorgt oder, wie das
inzwischen häufig geschieht, als geistiges
Kriegsmittel denunziert, mit dem Europa
einst nichts anderes wollte, als seine Vormacht
in der Welt zu begründen. Leider
haben sich engstirnige Theoretiker und
selbstgefällige Aktivisten weltweit so
wichtige und richtige Dinge wie den „Antikolonialismus“
oder den „Antirassismus“
auf eine Weise unter den Nagel gerissen,
dass daraus geradezu eine Propaganda der
Gegenaufklärung wurde. In Anspielung
an Kants berühmte Definition, dass Aufklärung
der Ausgang des Menschen aus
seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit
sei, bezeichne ich das im Titel als Schuldhafte
Unwissenheit.
Du fokussierst das auf das Problem
Israel und Palästina?
Ja und nein. Ich betone an mehreren Stellen
meines Buches ausdrücklich, dass man die
israelische Siedlungspolitik und Kriegsführung
in Gaza kritisieren darf, nein, soll,
ohne deswegen des Antisemitismus geziehen
zu werden. Nicht nur hat Israel ein Recht
auf Selbstverteidigung, sondern auch den
Palästinensern darf das Recht auf eine eigene
staatliche Form nicht bestritten werden.
23
Allerdings ist der größte Feind der Palästinenser
die Hamas, der es nicht um die
Zweistaatenlösung, um nationale Gleichberechtigung
und derlei legitime Dinge
geht, sondern um den Gottesstaat, in dem
nicht nur für Juden oder gar für Atheisten
kein Platz wäre, sondern auch die Palästinenser,
vor allem die Palästinenserinnen,
der brutalen Zwangsordnung der Islamisten
unterworfen wären. Es ist ein Zeichen
horrender Unwissenheit, wenn moralisch
entrüstete Menschen im Westen die Köpfbrigadisten
der Hamas zu Widerstandskämpfern
adeln. Was für ein suizidales
Ansinnen, wenn sich queere Menschen mit
der Hamas solidarisieren, die dort, wo die
Hamas herrscht, bald von den Laternenmasten
baumeln würden. Homosexuelle,
ehebrecherische Frauen, zivilgesellschaftlich
denkende Menschen hat die Hamas in den
letzten Jahrzehnten in Serie hingerichtet.
Gegen diese Blindheit vieler Palästina-Sympathisant*innen
bringst
du eine Vielzahl an historischen und
aktuellen Begebenheiten auf, von
denen wohl viele Leser*innen noch
kaum etwas gehört haben. Wunderbar
auch die Porträts bekannter
und unbekannter Philosophen und
Autoren, wie Theodor Herzl, Boris
Pahor oder Hugo Bettauer. Man
liest, genießt und lernt. Ein Essayband,
der – wie selten einer – Stil und
Spannung vereint!
Danke, ich hoffe, das verbindet dieses Buch
mit meinen Reisebüchern und meinen Journalen.
Ich will ja oft etwas erzählen, was
nicht eh schon jeder weiß, aber um Gottes
Willen keine Gelehrtenprosa verfassen.
Sondern?
(lacht): Abenteuerbücher. Ich finde reale
Reisen durch die Länder und geistige Reisen
durch Bibliotheken haben immer etwas
Abenteuerliches.
Und bei beiden findet man in
Karl-Markus Gauß den abenteuerlichsten
und stilvollsten Begleiter.
Danke fürs Gespräch.
Karl-Markus Gauß, geboren 1954 in Salzburg,
wo er auch heute lebt. Seine Bücher wurden in viele
Sprachen übersetzt und oftmals ausgezeichnet,
darunter mit dem Prix Charles Veillon (1997), dem
Johann-Heinrich-Merck-Preis (2010) und dem
Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung
(2022). Zuletzt erschienen Abenteuerliche Reise durch
mein Zimmer (2019), Die unaufhörliche Wanderung
(2020), Die Jahreszeiten der Ewigkeit (2022), Schiff aus
Stein (2024).
Buchtipp:
Karl-Markus Gauß:
Schuldhafte Unwissenheit
Czernin Verlag, 200 S., € 23,00
Buchpräsentation:
Karl-Markus Gauß liest aus
Schuldhafte Unwissenheit
Moderation & Gespräch:
Robert Renk
Di., 15. April, 19:30 Uhr
Wagner’sche Buchhandlung,
Innsbruck
Eintritt: € 9,00 / € 7,00 mit
Wagner- oder Ö1-Card
www.oeticket.com
© Julia Haimburger
Wer war
am Nordpol?
Zwei, die es behaupten, beschreibt Franzobel in seinem
neuen Roman. Robert Renk hat mehr als zwei Fragen.
Wagner’sche
Innsbruck
Ich liebe und hasse
alle Figuren gleichermaßen,
weil sie alle
ein Teil von mir sind.
Bücher seit 1639
Franzobel legt wieder einen fulminanten
Roman vor, gespickt mit historischen
Kuriositäten und voll Sprachwitz! Es beginnt
mit den Arktisforschern Peary und Cook,
beschreibt aber vor allem das Schicksal
des Inughuitjungen Minik, der als Neunjähriger
von Nordgrönland in die USA
verschleppt wird und erst nach einer jahrzehntelangen
Odyssee, nach vielen falschen
Versprechungen und Schicksalsschlägen
wieder zurückkann.
Robert Renk: Lieber Franzobel:
Für einen historischen Roman
muss man recherchieren. Du hast
dir Fachliteratur besorgt, warst
aber auch in Kanada und Nordgrönland.
Was war das Schwierigste,
das Eindrücklichste, das Überraschendste,
das Spektakulärste
deiner Reisen?
Franzobel: In New Hampshire bin ich
auf dem Friedhof gelandet, an dem mein
Romanheld Minik begraben liegt, konnte
aber sein Grab nicht finden, weil der
Gottesacker tief verschneit war. In Nordgrönland
lernte ich einen Ururenkel Pearys
kennen, der mich mit auf eine Bootstour
durch die Inglefield-Bucht mitnahm.
Irgendwann fiel der Motor des kleinen
Schinakels aus, und die Zündkerze musste
getauscht werden. Nun leidet Pearys Nachfahre
aber an Parkinson. Wie er es mit
zitternden Händen geschafft hat, den
Außenbordmotor wieder in Gang zu bekommen,
ist mir immer noch ein Rätsel.
Unglaublich gut und unglaublich
eingängig gelingt dir auch hier wieder
die Figurenzeichnung, sprachlich
durch sehr plastische, karikierte
Zuschreibungen. Das rollende RRR
bei Peary, der böhmische Dialekt bei
Cook, die speziellen Redewendungen
bei Henson zum Beispiel.
25
Sind die belegt? Und wie wirst du das
bei Lesungen machen?
Was die Chronologie der Geschichte
anlangt, die diversen Stationen und Begegnungen,
halte ich mich streng an die
Fakten. Die sprachlichen Eigenheiten der
Personen sind aber allesamt erfunden. Bei
Lesungen werde ich schamlos outrieren.
In deinen Romanen hast du
eine Vorliebe für Gescheiterte.
Letztendlich sind beide Entdecker,
Cook und Peary, gescheitert. Der
eine komplett, der andere mit etwas
mehr Glanz. Mal ehrlich, wer war
dir beim Schreiben sympathischer,
das Schlitzohr Cook oder der
steife Peary (der ja dann wohl auch
ein Schlitzohr war, wenn auch ein
ruhmversessen steifes).
Cook ist eine Spur sympathischer, aber ich
liebe und hasse alle Figuren gleichermaßen,
weil sie ein alle Teil von mir sind. Ich habe
den kompromisslosen Ehrgeizling Peary
genauso in mir wie den geselligen Cook,
den sich in Lektüre flüchtenden Henson,
den zerrissenen Minik oder seinen schlitzohrigen
Ziehvater. All das Prüde, Lüsterne,
Suchende, Verzweifelte, Strebende kenne
ich von mir selbst.
Kann es sein, dass du eine leicht
prophetische Ader hast? Dein Krimi
Rechtswalzer (2019) nahm schon
politische Tendenzen in Österreich
voraus. Und nun sind sowohl der
Panamakanal als vor allem auch
Grönland akutes Thema.
Für das Buchmarketing ist Trumps
Gepolter natürlich ein Glücksfall, für die
Grönländer weniger. Vor meiner prophetischen
Gabe fürchte ich mich selbst ein bisschen,
aber vielleicht ist sie nichts anderes als
die Schlussfolgerung von etwas Geschichtswissen.
Vieles wiederholt sich halt, und ich
verzweifle oft, wenn ich sehe, wie viele Leute
aus der Geschichte nichts gelernt haben.
In deinem Romanwerk, das anfangs
ausschließlich der österreichische
Seele gewidmet war, entfernst du dich
immer mehr davon. Westafrika,
Florida und nun Nordgrönland.
Wohin wird es Franzobel bei
den nächsten Büchern treiben:
Neuseeland? Weltall?
Den Österreicher kriege ich nicht aus mir
heraus, aber es war schon eine Befreiung,
schriftstellerisch diesen Sumpf, den ich
liebe, verlassen zu können. Die nächsten
Projekte sind noch in Schwebe, aber auf
jeden Fall wird es etwas, das ich kenne oder
kennenlernen kann, insofern ist das Weltall
ausgeschlossen. Neuseeland ist genauso
möglich wie Wimsbach-Neydharting. Es
kommt immer darauf an, welche Geschichte
mich anspringt, mich überwältigt und
mir sagt, dass genauso sie jetzt geschrieben
werden muss.
Buchtipp:
Franzobel
Hundert Wörter für Schnee
Zsolnay, 528 S., € 29,80
Buchpräsentation:
Franzobel liest aus
Hundert Wörter für Schnee
Moderation: Robert Renk
Mi., 23. April, 19:30 Uhr
Wagner’sche Buchhandlung,
Innsbruck
Eintritt: € 9,00/€ 7,00 mit
Wagner- oder Ö1-Card
© Gabriel Hyden
Debüts bei Stöger
Zwei großartige Autorinnen lesen bei
Stöger und sprechen über ihre Erstlinge.
Mit Ina Cassik
Stöger–
Leporello
Wien
Meine Stimme entwickelt
sich immer weiter.
Manchmal verrennt
sie sich auch in dunkle
Einbahnstraßen.
Bücher seit 1639
Ina Cassik: Liebe Annemarie, liebe
Selina, ihr habt uns beide letztes Jahr
mit euren Debütromanen begeistert.
Wie war das Echo auf eure Bücher?
Annemarie Andre: Bisher sehr positiv! In vielen
Rezensionen habe ich davon gelesen, dass
die Leichtigkeit, mit der schwere Themen
besprochen werden, überzeugt. Vielen Leser*innen
ist außerdem Charlotte, die Hauptprotagonistin,
sehr ans Herz gewachsen und
sie wollen noch mehr über sie erfahren.
Selina Holešinsky: Das freut! In den
Texten über das Buch wurden meistens die
Sprache und die interessante Verhandlung
eines relevanten Themas hervorgehoben.
In Nacktschnecken wie auch in
Schaltiere am Waldboden wird
aus kindlicher Perspektive erzählt.
Aus welchen Gründen habt ihr euch
jeweils dafür entschieden?
AA: Das hat sich für mich zuerst intuitiv
ergeben, da der Roman mit den beiden
Geschwistern beginnt, und ich das kindliche
Spiel gut beschreiben wollte. Später, als ich
aktiv darüber nachgedacht habe, wurde
mir klar, dass ich den Roman nur über die
kindliche Perspektive erzählen kann, ohne
zu sehr ins Klischee oder ins Selbstmitleid
abzudriften.
SH: Mir war es wichtig, den Blick der
Protagonistin nicht mit Zynismus oder
Ironie einzufärben, sondern immer wieder
unvoreingenommen auf die Geschehnisse
im Dorf schauen zu können. Das war
durch die Augen eines Kindes einfacher
und glaubwürdiger darzustellen.
Annemarie, dein Text hat, wie du in
einem anderen Interview erklärt hast,
autobiografische Züge. Wie riskant
war es für dich – persönlich und
literarisch –, thematisch auf deine
eigene Kindheit zurückzugreifen?
AA: Dazu muss ich sagen, dass ich es meiner
Mama ja lange verschwiegen habe. Erst
einen Tag vor der Verleihung des Hans-
Weigel-Stipendiums habe ich sie angerufen
und ihr mitgeteilt, dass sie sich in einigen
Teilen wiederfinden wird. Das Schreiben
27
selbst war aufgrund des persönlichen Anteils
oft schwierig, aber das zu überwinden,
war notwendig.
Bei deinem Buch, Selina, fällt sofort
dein sehr literarischer Umgang
mit Sprache auf, der sich in beste
österreichische Traditionen einreiht.
Welche Rolle spielt die Sprache für
dich in deinen Texten?
SH: Ich habe keinen wissenschaftlichen
Zugang zu Literatur. Meine Beziehung zu
Worten kommt aus mir heraus. Manche
Sätze oder Floskeln tun mir oft beim Lesen
und vor allem beim Schreiben richtig weh.
Die kann ich dann gar nicht anschauen
und muss die Bücher weglegen oder meinen
Text löschen. Aber erklären kann ich’s
nicht. Die Sprache muss sich für den Text
und den beschreibenden Charakter richtig
anfühlen. Sie darf sich nicht verraten.
Eure Bücher sind formal und
sprachlich sehr ausgereift. Wie hat
sich euer literarisches Schreiben
entwickelt?
SH: Ich muss viel schreiben. Meine Stimme
entwickelt sich immer weiter. Sie bleibt
auch nie stehen, sondern erwartet, dass
man ihr hinterherläuft. Manchmal verrennt
sie sich auch in dunkle Einbahnstraßen.
Aber das ist dann halt so. Irgendwann
findet man auch da wieder raus.
AA: Jetzt beim Schreiben des zweiten
Romans habe ich das Gefühl, dass ich
wesentlich präziser arbeite. Aber natürlich
macht es auch einen großen Unterschied,
ob es das erste oder zweite Buch ist – beim
Schreiben des Debütromans spielen noch
viel mehr Selbstzweifel mit rein.
Vielen Dank für das Gespräch und
viel Erfolg!
Annemarie Andre, geboren 1994 in Waidhofen/
Ybbs. Studium der Kunstgeschichte, anschließend
Journalismus und Neue Medien in Wien. Journalistische
Beiträge und literarische Veröffentlichungen.
Mehrfach prämiert bei Poetry-Slam-Bewerben. Für
Nacktschnecken erhielt sie 2022/23 das Hans-Weigel-
Literaturstipendium. Lebt und arbeitet in Wien und
Amsterdam.
Selina Holešinsky, geboren 1991 in der Weststeiermark.
Von dort zog es sie nach Berlin, San Francisco
und Hamburg. Studierte Medienmanagement und
Journalismus, arbeitet seit knapp zehn Jahren in
der Werbung. Schreibt Texte und Hörspiele u. a. für
Ö1 Track 5’, „mosaik“, „Der Standard“ oder das
„Fleisch Magazin“ und lebt derzeit in Wien. Seit sie
denken kann, denkt sie am liebsten.
© Shalunova
Buchtipp:
Selina Holešinsky
Schaltiere am Waldboden
Picus, 184 S., € 23,00
Buchtipp:
Annemarie Andre:
Nacktschnecken
müry salzmann, 220 S., € 25,00
Lesung:
Debütlesung mit Gespräch
Annemarie Andre und
Selina Holešinsky
Moderation: Ina Cassik
Mi., 30. April 2024, 19:00 Uhr
Stöger-Leporello –
die Buchhandlung, Wien
Eintritt: € 7,00
© Siegfried Portugaller
Musik und Literatur
Ein Abend im Sinne von Klemens Klex Wolf
Klex Wolf war nicht nur herausragender
Komponist oder Pionier der Musiktherapie
in Tirol, nicht nur Improvisationskünstler
auf den Tasten oder im Kopf. Er war ein
ganz wichtiger Vermittler und Entwickler –
gerade dort, wo Musik und Literatur
zusammenkamen.
Wort und Ton im
Dialog – das war eine
Spezialität von Klex
Wolf, die auch diesen
Abend prägt.
Er war Gründungsmitglied und Musiker
bei vielen Musikprojekten, u. a. bei der
legen dären Formation JazzNoPhobia, beim
Ensemble Schönruh, beim Janus Art Trio
und zuletzt bei Fransen Musik.
Er war Mitbegründer und Vorstands
mitglied beim Tiroler Kammerorchester
InnStrumenti sowie beim Verein
37KOMMA8 und dem Nachfolgeverein
8ungKultur. Er war lebendige Vermittlung.
Am 13. Dezember 2024 ist Klex Wolf –
der auch die Wagner’sche immer wieder
als Musiker oder Ideengeber unterstützte –
nach schwerer Krankheit viel zu früh
gestorben.
An diesem besonderen Abend wollen
wir ihn als Künstler und Kulturarbeiter
würdigen, mit einem Programm, das kulturell
Funken sprühen wird und deshalb auch
hervorragend geeignet ist für interessierte
Be sucher*innen, die ihn nicht gekannt haben.
Es wird ein Abend, an dem Literatur
und Musik bestens zusammenspielen,
um dem Publikum etwas Besonderes zu
geben. Viele Weggefährt*innen von Klex
Wolf werden auftreten. Silvia Iberer und
Robert Spieler führen die Komposition
„Notturno“ für Violine und Gitarre auf.
Das Tiroler Kammerorchester InnStrumenti
schöpft aus mehr als 25 Jahren
gemeinsamer Geschichte, die Autor*innen
Barbara Hundegger, Alois Hotschnig und
Markus Köhle knüpfen literarisch an
Begegnungen an.
Zu einer Reunion kommt es schönerweise
mit den Musikern Siggi Haider und
Hannes Sprenger, die viele Jahre als Duo
AkkoSax kompositorisch und improvisatorisch
zu glänzen wussten; der Verein
37KOMMA8 durfte ihren ersten Tonträger
produzieren.
© Maria Stecher
Auch das Ensemble JazzNoPhobia
revival! verspricht musikalisch Interessantes.
Einige Musiker*innen haben sich hier zusammengetan,
um diese Band, die von Klex
Wolf in den 90ern mitbegründet wurde und
die bei der legendären Peter-Turrini-Lesung
1992 im Treibhaus ihr Debüt gab, noch einmal
zu feiern.
Nicht zuletzt wird es ein schöner Rahmen,
um auch an die zu denken, denen Klex
Wolf und ich auf unserer jahrelangen Reise
durch die Literatur begegnen durften und
die uns auch schon verlassen mussten. Großartige
Autor*innen wie Robert Gernhardt,
H.C. Artmann, Friederike Mayröcker, Anita
Pichler, Oskar Pastior, Gerhard Kofler,
Gerhard Jaschke … um nur einige zu nennen.
Dafür konnten wir Lisa Hörtnagl und
Harald Windisch gewinnen, die uns vorlesen
und in deren Welten führen werden.
Einen musikalischen und literarischen Abend,
der mit Stil und Humor begeistern wird,
den verspricht Ihnen Ihr Robert Renk.
Veranstaltung:
Musik und Literatur
Ein Abend im Sinne von
Klemens Klex Wolf
Organisiert von 8ungKultur,
unterstützt von Sonja Prieth,
Armin Moser und Hannes
Sprenger, mit Dank an Daniela
Weiss-Schletterer (VIER
UND EINZIG) und alle mitwirkenden
Künstler*innen!
Es wirken mit:
Siggi Haider
Lisa Hörtnagl
Alois Hotschnig
Barbara Hundegger
Silvia Iberer
Markus Köhle
Robert Spieler
Hannes Sprenger
Harald Windisch
JazzNoPhobia revival!
Tiroler Kammerorchester
InnStrumenti
Bücher seit 1639
29
Fr., 2. Mai 2025, 19:30 Uhr
VIER UND EINZIG,
Hallerstraße 41, Innsbruck
Eintritt: freiWILLIGE Spenden
© Koko Meister
Michael Meister
liest bei Leporello
Ein früh verstorbener Vater,
ein spätes Debüt und ein Gespräch
mit Dagmar Harbich
Leporello
Wien
Erzählt wurde so -
zusagen eine Form
des imaginierten
Erinnerns.
Bücher seit 1639
Dagmar Harbich: Was hat dich zum
Setting deines Buches inspiriert?
Michael Meister: Ich denke, ich kann nur
glaubhaft über das schreiben, was ich gut
kenne. Insofern war das Soziotop Wien-
Döbling – der vermeintliche Nobelbezirk
mit all seinen Abgründigkeiten – nur eine
logische Wahl. In einem zweiten Handlungsstrang
habe ich – fiktionalisiert – meinem
Vater, dem Schauspieler Ernst Meister,
nachgespürt. Darin wird also unter anderem
das Wiener Theatermilieu verortet.
Der frühe Tod meines Vaters – ich war
damals erst 20 Jahre alt – hat eine Lücke
geschlagen: so vieles, das ich über ihn nicht
wusste und füllen wollte.
Die Figur des Ernst Scheiner ist,
wie schon erwähnt, stark an deinen
Vater, den 1986 verstorbenen Schauspieler
Ernst Meister, angelehnt.
Wie viel dichterische Freiheit hast du
dir genommen, ihn zu schildern?
Manches an Ernst ist tatsächlich faktisch
belegt, anderes – das ich über ihn nicht
mehr in Erfahrung bringen konnte – ist frei
erfunden. Mein Wissen über und meine
Erinnerungen an ihn sind also nun fiktional
ergänzt und aufgefüllt. Erzählt wurde
sozusagen eine Form des imaginierten
Erinnerns.
Ist auch das übrige Personal des
Romans biografisch grundiert?
Nein, das sind fiktive Figuren. Ich wurde
gefragt: Gibt es diese Familie Werth
wirklich? Die gibt es nicht. Aber ich bin in
meiner Jugend ganz vielen Werths begegnet:
junge Männer, ausgestattet mit viel Selbstvertrauen,
noch mehr Geld, und damit der
Überzeugung, sich über gesellschaftliche
Konventionen und moralische Kodizes
hinwegsetzen zu können.
31
Schreibst du lieber mit einem
Stift oder tippst du bevorzugt am
Computer? Und warum?
Ich habe für den Roman einiges recherchieren
müssen, vor allem den zeitgeschichtlichen
Kontext. Dazu habe ich
handschriftliche Notizen gemacht, auch bei
der konzeptuellen Arbeit zu den einzelnen
Kapiteln habe ich den Stift zur Hand
genommen. Den eigentlichen Text habe
ich dann aber in den Computer geklopft –
aus dem einfachen Grund, dass ich meine
Handschrift oft selbst nicht lesen kann.
Ich habe die beiden parallel verlaufenden
Handlungsstränge übrigens ursprünglich
in zwei unterschiedlichen Typografien verfasst,
um sie besser voneinander abzuheben.
Meine Verlegerin Vanessa Wieser hat mich
dann davon überzeugt, dass das im Druck
nicht nötig ist.
Zu welcher Tageszeit schreibst du am
liebsten und hörst du dabei Musik?
Ich kann zu jeder Tages- und Nachtzeit
schreiben – Hauptsache, ich verspüre
den Drang, dass jetzt etwas dringend zu
Papier gebracht oder eben in den Laptop
getippt werden muss. Dabei Musik hören
geht gar nicht.
Schreibst du lieber allein oder in
der Öffentlichkeit? Hast du ein
„Schreibplätzchen“?
Schreiben empfinde ich als etwas Intimes,
ich könnte mich damit nicht der Öffentlichkeit
aussetzen. In einem Kaffeehaus
würde ich auch nur ständig die Menschen
im Raum beobachten. Meine Schreibplätzchen
waren die unterschiedlichsten
Hotelzimmer. Ich gehe als Kulturredakteur
einem Brotberuf nach und konnte nur in
den Ferien schreiben – und dies über mehrere
Jahre hinweg.
Wie legtest du die Namen deiner
Figuren fest?
Ich lausche sehr lange in mich hinein –
und plötzlich höre ich ihre Namen.
Welches deiner Hobbys wird deine
Leser*innen deiner Meinung nach
überraschen?
Mein Hobby ist Barbra Streisand.
Ihre Filme, ihre Alben, zuletzt ihre rund
1.000 Seiten starke Autobiografie …
Alles von ihr fasziniert mich. Sie findet
auch in meinem Roman Erwähnung.
Beschreibe deine idealen
Leser*innen!
Alle, die sich auf meine Figuren
einlassen.
Michael Meister, geb. 1965 (als Sohn des Schauspielers
Ernst Meister und der Autorin Annemarie
Meister) in Wien. Seit 1988 Artikel für diverse
Magazine (Extradienst, ORF-Nachlese etc.), Drehbücher
für das TV, Texter im Marketing-Bereich.
Seit 1987 unterschiedliche Tätigkeiten für den ORF
als Texter und Redakteur. 2010 bis 2017 leitender
Redakteur der Sendung „Kulturmontag“, seither
Redakteur der Doku-Abteilung der ORF-Kulturredaktion.
Michael Meister hat zwei Kinder und lebt
in Wien. Das Leben ist ernst ist sein Debütroman.
Buchtipp:
Michael Meister:
Das Leben ist ernst
Milena, 260 S., € 26,00
Buchpräsentation:
Michael Meister liest aus
Das Leben ist ernst
Moderation: Dagmar Harbich
Do, 15. Mai 2025, 18:30 Uhr
Leporello – die Buchhandlung,
Wien
Eintritt: € 7,00
© Siegrid Cain
Birgit Birnbacher
moderiert die 47. Innsbrucker Wochenendgespräche
zum Thema „Arbeit“. Ein paar Fragen beantwortet sie
im Interview mit Birgit Holzner.
Mich hat so was immer
mehr interessiert
als irgendeine Salon-
Literatur, die man nur
mit weißen Handschuhen
angreifen darf.
Bücher seit 1639
Birgit Holzner: Die Arbeit ist
so alt wie die Menschheit. Viele
Intellektuelle haben sich dazu
Gedanken gemacht. Karl Marx
beschrieb die Arbeit als „Austausch
des Menschen mit der Natur“
und Marie von Ebner-Eschenbach
behauptete: „Müde macht uns die
Arbeit, die wir liegenlassen, nicht
die wir tun.“ Der französische
Literaturnobelpreisträger Anatole
France stellte fest, Arbeit sei
etwas Unnatürliches, die Faulheit
dagegen göttlich. Was bedeutet
„Arbeit“ für Sie?
Birgit Birnbacher: Ich bin eigentlich recht
froh, sehr unterschiedliche Arten von Arbeit
kennengelernt zu haben. Mein Lebenslauf
ist nicht geradlinig, so habe ich halt
vom Schulabbruch bis zur Berufslehre, als
Augenoptikerin war ich übrigens in Hall in
Tirol im Berufsschulinternat, und von der
berufsbegleitenden Ausbildung zur Dipl.
Sozialfachbetreuerin, neben zehn Jahren
Tätigkeit in Wohnhäusern und Werkstätten
für Menschen mit Behinderung, alles genauso
kennengelernt wie später das akademische
Milieu beim Studium der Soziologie
und Sozialwissenschaften und noch einmal
später dann die Literatur- Bubble. Daneben
habe ich alle möglichen Arten von Arbeit
gemacht. Auch Kellnerin war ich, im Harrys
Social Club in St. Johann im Pongau, jedoch
gab es in der Nachmittagsschicht nur drei
Gäste, die alle laut Verordnung vom Chef
dort gar nichts konsumieren durften, aus
verschiedenen Gründen. So habe ich halt
mit ihnen geredet und große Kannen Filterkaffee
ausgeschenkt. Ich denke heute noch
manchmal an sie. All diese Erfahrungen
möchte ich nicht missen.
33
Die Arbeitswelt ist in einem
tiefgreifenden Wandel: Nicht nur
die Art und Weise, wie wir arbeiten,
verändert sich in Zeiten von
Digitalisierung und Krisen, sondern
auch unser Verständnis von Arbeit.
Inwiefern spiegelt sich das in der
zeitgenössischen Literatur?
Interessant ist, dass endlich so langsam
einmal auch von „unten“ geschrieben wird,
aus den Milieus, die nicht zu einer privilegierten
Elite gehören, die sich das Schreiben
leisten können. Wir lesen jetzt Romane
und Erzählungen aus der Fischfabrik, aus
der Tristesse irgendwelcher ostdeutschen
Kaffs. Das hat es immer gegeben, aber ich
glaube, es war nicht immer so gefragt. Ich
finde das ganz wichtig, mich hat so was
immer mehr interessiert als irgendeine
Salon-Literatur, die man nur mit weißen
Handschuhen angreifen darf. Bei den Innsbrucker
Wochenendgesprächen sind etliche
der spannendsten Interpret*innen zu Gast,
darauf freue ich mich sehr.
Ihr Roman Wovon wir leben zeigt
die Tristesse der Arbeits- und
Sozialwelten in einem Dorf, das von
patriarchalen Strukturen geprägt ist.
Inwiefern stehen Frauen heute immer
noch unter anderen gesellschaftlichen
und sozialen Zwängen als Männer?
Die Probleme der Frauen werden oft in
den Hauptstädten diskutiert. Die meisten
Frauen leben aber nicht in den Hauptstädten.
Sie leben da, wo es noch immer
vollkommen klar ist, dass sie es sind, die
den Vater pflegen und die Kinder hüten,
wenn sie krank werden. So bleiben Frauen
weiterhin machtloser, was Geld und Status
anbelangt, und wenn sie sich trennen oder
der Mann stirbt, geraten sie in eine Altersarmut,
obwohl sie ihr ganzes Leben lang
geschuftet haben. Dieser Umstand hat mich
so wütend gemacht, dass ich Wovon wir
leben schreiben wollte.
© Alois Feldner
Buchtipp:
Birgit Birnbacher:
Wovon wir leben
btb, 192 S., € 14,40
Veranstaltung:
47. Innsbrucker
Wochenendgespräche
auf der nächsten Seite …
47. Innsbrucker
Wochenendgespräche
zum Thema „Arbeit“
Sternenhimmel der Menschheit
beim Osterfestival
www.wochenendgespraeche.at/2025/
Do., 15. Mai
20.00 Uhr
ORF Tirol, Studio 3, Rennweg 14
Lesung mit allen Autor*innen
Moderation: Birgit Holzner und
Joe Rabl
Fr., 16. Mai
10.00–12.00 Uhr
Gespräche im Ensembleproberaum
des Tiroler Landestheaters
Susanne Gregor
Saskia Hennig von Lange
Siljarosa Schletterer
Moderation: Birgit Birnbacher
Sa., 17. Mai
10.00–12.00 Uhr
Gespräche im Ensembleproberaum des
Tiroler Landestheaters
Reinhard Kaiser-Mühlecker
Lydia Mischkulnig
Jana Volkmann
Moderation: Birgit Birnbacher
15.00–17.00 Uhr
Ernst-Wilhelm Händler
Thorsten Nagelschmidt
Heike Geißler
Moderation: Birgit Birnbacher
15.00–17.00 Uhr
Alle Autor*innen
Moderation: Birgit Birnbacher
© Christoph Greussing
„Wir leben in einer Zeit, in der jeder von
uns einen modernen Sklaven hat, einen
unsichtbaren anderen Menschen, der einen
Hungerlohn empfängt, damit wir gut leben
und uns gut kleiden können“, schreibt
Marica Bodrožić. Was man alles braucht,
merkt man erst, wenn es fehlt. Doch das
Leben in pandemischen Zeiten, in Zeiten
der Klimakrise und des Krieges zeigt, dass
es uns nur zusammen geben kann und wir
aufeinander angewiesen sind. All die Krisen
haben auch den Blick geschärft für die vielen
verschiedenen Aspekte von Arbeit: Selbstverwirklichung
und sinnerfülltes Tätigsein
gehören da ebenso dazu wie prekäre Arbeitsverhältnisse
und Abstrampeln im Hamsterrad
turbokapitalistischer Abhängigkeiten. Den
zahlreichen Facetten von Arbeit zwischen
Wertschätzung und Existenzsicherung,
Ausbeutung und fremdbestimmter Selbstoptimierung,
gesellschaftlicher Realität und
ideologischem Überbau wollen die 47. Innsbrucker
Wochenendgespräche nachspüren.
Unter der Moderation von Birgit
Birnbacher, die in ihrem Roman Wovon wir
leben die Tristesse der Arbeits- und Sozialwelten
in einem Dorf zeigt, das immer
noch von patriarchalen Strukturen geprägt
ist, diskutieren: Saskia Hennig von Lange,
die in ihrem Roman Heim die Geschichte
eines Elternpaares erzählt, das zunächst
mit der Betreuung des behinderten Kindes
überfordert ist, es dann aber zu sich zurück
aus dem Heim holt. Jana Volkmann, die in
ihrem Roman Der beste Tag seit langem von
Tieren, Menschen und gleichberechtigten
Formen des Zusammenlebens berichtet, die
ebenso selbstverständlich wie revolutionär
sind. Reinhard Kaiser-Mühlecker, der in
seinem Roman Brennende Felder von einer
Frau mit turbulent-tristem Leben erzählt,
die beschließt, Schriftstellerin zu werden.
Lydia Mischkulnig, die in ihrem Roman Die
Richterin Einblicke in den Berufsalltag einer
Asylrichterin gibt, die zwischen Macht und
Ohnmacht taumelt, und längst überholte,
aber immer noch verbreitete Rollenbilder
auf den Kopf stellt. Weiters: Ernst-Wilhelm
Händler, Unternehmer und Autor
zahlreicher Romane und Essays, in denen
er die Verfasstheit der westeuropäischen
kapitalistischen Gesellschaften seziert.
Thorsten Nagelschmidt, Autor, Künstler
und Musiker, dessen kunstvoll komponierter
Roman Arbeit eine ganze Reihe prekärer
Arbeitsverhältnisse am Beispiel einer Nacht
in Berlin durchspielt. Susanne Gregor – in
ihrem Roman Halbe Leben beleuchtet sie
Bedingungen moderner Care-Arbeit mit
all den Konsequenzen sowohl für die unmittelbar
Beteiligten als auch deren soziales
Umfeld. Siljarosa Schletterer, die nicht
nur wunderbare Lyrik schreibt, sondern
sich als Kulturvermittlerin und Interessenvertreterin
für die Sichtbarmachung und
Anerkennung schriftstellerischer Arbeit einsetzt.
Sowie Heike Geißler, die sich in ihrem
Werk immer wieder mit Arbeit(sverhältnissen)
auseinandersetzt, etwa in Saisonarbeit
oder zuletzt in ihrem aktuellen Essay mit
dem Titel Arbeiten.
34 35
Wagner’sche.
Bücher seit 1639
Die UNESCO zählt die Sternenhimmel
der Menschheit zum immateriellen Kulturerbe,
„da eine Kultur erst der versteht, der
auch ihren Sternenhimmel kennt“. Mit
ihrer ungeheuren Einbildungskraft haben
Menschen in den Sternen ihre ältesten
Kunstwerke geschaffen und dadurch ihre
Kulturen dargestellt. Sie bildeten den ersten
Kalender, mit dem Jäger und Sammler
bestimmen konnten, wann welche Beute gejagt
und welche Früchte gesammelt werden
konnten. Mit der Sesshaftigkeit nahm diese
Bedeutung noch einmal zu, die Aufgänge
einzelner Sternbilder markierten die Wochen,
in denen ein Feld vorzubereiten, zu
pflügen, zu besäen, zu bewässern war. Ohne
sie wäre keine Landwirtschaft möglich gewesen
– und ohne diese gäbe es wiederum
keine Städte, Tempel, Schrift, Herrschaftsstrukturen
oder Zivilisation.
In langjähriger intensiver Forschungsarbeit
ist der österreichische Schriftsteller
Raoul Schrott durch die verschiedenen
Länder gereist, hat vieles zusammengetragen
und erforscht. Der Atlas versammelt
17 Sternenhimmel von allen Kontinenten:
von den alten Ägyptern bis zu den
australischen Aborigines, aus China, Indien
und Tahiti, von den Inuit, Buschleuten und
den Tuareg. Unser Großer Wagen war für
die Maya ein göttlicher Papagei, für die
Inka der einbeinige Gott des Gewitters,
für die Inuit ein Elch, für die Araber eine
Totenbahre. Raoul Schrott fügt diese
Sternsagen zu einem einzigartigen Epos der
Menschheitsgeschichte zusammen.
Im Zentrum dieses Abends steht das
Zwischenstromland, von dem wir die allermeisten
unserer Sternbilder übernommen
haben.
Buchpräsentation:
Raoul Schrott erzählt aus dem
Sternenhimmel der Menschheit
Hanser, 1.280 S., € 153,20
So., 13. April 2025, 19:30 Uhr
Salzlager Hall | Saline 18
(Autobahnauffahrt Hall Mitte),
Hall in Tirol
Eintritt: € 27,00
osterfestival.at
© Jork Weismann
Trau dich!
Im Rahmen des 4. Journalismusfestes
stellt die „First Lady“ Doris Schmidauer
ihre Autobiographie vor …
Wagner’sche
Innsbruck
Es zeigt, wie
wichtig es ist,
den eigenen
Horizont
zu erweitern.
Bücher seit 1639
… ihre Motivation,
das Buch zu schreiben:
Meine erste Reaktion, als mich der Verlag
im Herbst 2023 kontaktiert hat, war: Wieso
ein Buch über mich? Ich dachte dann über
mögliche Beweggründe, Chancen und Ideen
nach und vor allem an die vielen großartigen
Projekte und die Frauen, die ich in den vergangenen
Jahren – insbesondere, seit mein
Mann zum Bundespräsidenten gewählt
worden war – kennengelernt habe. Wäre
das nicht eine gute Gelegenheit, einige von
ihnen vor den Vorhang zu holen und damit
nicht nur meine Geschichte, sondern auch
ihre zu erzählen? Darüber zu berichten und
damit auch den Frauen in Österreich eine
Bühne zu geben, das fand ich spannend.
… ihre Idee, Brigitte Bierlein
als erste Bundeskanzlerin ins Spiel
zu bringen:
Es wurden unglaublich viele Krisengespräche
geführt, meist bis tief in die
Nacht hinein. An einem dieser Abende standen
mein Mann und ich bei uns zu Hause
in der Küche und besprachen den Tag. Er
ist ein ausgesprochen geduldiger Mensch,
einer, der gründlich nachdenkt, der keine
voreiligen Schlüsse zieht, sondern möglichst
vieles bedenkt, um nach gewissenhafter
Abwägung die vernünftigste Entscheidung
zu treffen. An diesem Abend aber war seine
Geduld schon aufs Äußerste gefordert. […]
Ich hörte ihm lange zu, dann hatte ich eine
Idee: „Du hast doch bereits Brigitte Bierlein
als Justizministerin erwogen. Sie ist eine
hochkompetente Frau, die unangefochten
an der Spitze des Verfassungsgerichtshofs
steht. Warum fragst du sie nicht, ob sie
bereit wäre, Bundeskanzlerin zu werden?“
Mit dieser Option im Kopf ging mein Mann
am nächsten Tag in sein Büro und besprach
sich mit seinem Team.
… ihre Rolle als „First Lady“:
Für die Funktion der sogenannten
First Lady gibt es keine Jobbeschreibung.
Ich überlegte mir aber in der Anfangszeit
gut, wie ich diese Rolle positiv gestalten
konnte. Aufgaben der Partnerin des
37
Bundespräsidenten – einen Partner gab
es bis dato ja noch nie – kommen in der
Verfassung nicht vor und sind auch sonst
nirgends definiert. Die Partnerin oder der
Partner des österreichischen Staatsoberhaupts
bekleidet kein offizielles Amt. Es
ist eine ehrenamtliche Tätigkeit. In dieser
Funktion übernimmt man dennoch eine
ganze Reihe an Aufgaben und Auftritten,
wenn man dazu bereit ist. Und ist gleichzeitig
auch mit unterschiedlichen Erwartungen
konfrontiert. Ich begleite meinen
Mann bei öffentlichen Anlässen im In- und
Ausland und trete auch bei Veranstaltungen
von gemeinnützigen Organisationen und Initiativen
auf. Besonders positiv empfinde ich
die Überparteilichkeit als Maßstab für all
meine Aktivitäten und Initiativen. Vielleicht
weil ich viele Jahre in einer politischen Partei
gearbeitet habe, sehe ich, was für einen
Unterschied dies macht. Es zeigt, wie wichtig
es ist, den eigenen Horizont zu erweitern
und Grenzen im Kopf zu überwinden.
Neben den öffentlichen Auftritten sehe ich
meine Funktion vor allem darin, Menschen
zusammenzubringen, speziell auch solche,
die zuvor keinen Kontakt zueinander hatten.
Weil es wichtig ist, offene Gesprächsrunden
zu schaffen, haben wir dazu verschiedene
Diskussionsformate entwickelt: kleine oder
größere Runden, manchmal auch in einem
informellen Rahmen.
… den Rat, den sie
ihrem jüngeren Ich gibt:
Wenn es etwas gibt, das ich meinem
jüngeren Ich rückblickend gerne mitgeben
würde, dann wäre das nur ein kurzer
Satz: Trau dich! Dieses „Trau dich, sei
selbstbewusst und trau dir zu, dich in die
erste Reihe zu stellen“, das würde ich am
liebsten bereits der Schülerin, die ich einmal
war, laut zurufen. Ich sehe mich dabei
selbst, wie ich als Teenagerin von meinem
Elternhaus den Hügel hinunter zum Bahnhof
laufe, um den Zug zur Schule zu erwischen.
Im Winter, wenn unser Städtchen
oft ganz zugeschneit war, blieb mir nichts
anderes übrig, als auf dem Hosenboden
den Hügel hinunterzurutschen. Sonst hätte
ich den Zug verpasst. Es mag eigenartig
klingen, aber dieser Mut, sich bewusst ganz
nach vorne zu stellen, zum Beispiel eine
öffentliche Rede zu halten, ist etwas, das
mir selbst lange Zeit fehlte.
Doris Maria Schmidauer (* 21. September 1963
in Grieskirchen, Oberösterreich) ist eine österreichische
Politikwissenschafterin und die Ehefrau
des amtierenden österreichischen Bundespräsidenten
Alexander Van der Bellen. Sie arbeitete unter
anderem für die Austria Presse Agentur, das Dokumentationsarchiv
des österreichischen Widerstandes.
Sie war 1984 beteiligt an der Besetzung
der Hainburger Au, leitete (mit Peter Pilz) den
Untersuchungs ausschuss im Noricum-Skandal und
erlebte die Gründungszeit der Grünen mit.
Buchtipp:
Nina Horaczek,
Doris Schmidauer:
Land der Töchter zukunftsreich
Styria, 192 S., € 27,00
Buchpräsentation:
Im Rahmen des
Journalismusfests
Mit Doris Schmidauer (First
Lady) & Nina Horaczek (Falter)
Fr., 16. Mai, 19.30 Uhr
Wagner’sche Buchhandlung,
Innsbruck
Eintritt: frei!
Zum 4. Journalismusfest
Innsbruck – Internationale Tage
der Information vom 16. bis 18.
Mai 2025 werden 150 Gäste aus
20 Staaten erwartet.
Das Festival ist offen für alle.
© Manfred Poor
Ausbrechen aus dem Kokon
Anna Rottensteiner im Interview mit der Autorin
Isabella Feimer über ihren neuen Gedichtband
Versuch einer Verpuppung
Wagner’sche
Innsbruck
Die Form ist
für mich ebenso
Sprache wie
d e Worte.
Bücher seit 1639
Anna Rottensteiner: Liebe Isabella,
beginnen wir mit dem Titel.
Verpuppung ist das Stadium der
Larve, in dem sich diese in ihren
Kokon einspinnt, wo dann die
Metamorphose vor sich geht. Ist
Schreiben für dich eine Einhüllung in
die Schichten von Sprache, während
dessen Verwandlung geschieht?
Isabella Feimer: Lieber möchte ich glauben,
dass meine Gedichte aus ihren Kokons
ausbrechen. Dass Sprache ein Befreiungsakt
ist, an dessen Ende eine Enthüllung
steht. Vielleicht. Eine Spurensuche, die
eine Verwandlung aktiv vorantreibt und
im Schönsten aller Fälle die derzeit stark in
sich verpuppte Welt ein wenig öffnet.
Du spielst in den Texten mit der
Ambivalenz von Innen und Außen,
von Entblößung und Verbergung.
Ich würde sogar sagen, die Poesie
der Texte liegt in dem Raum, der
genau in diesem Dazwischen entsteht.
Als Leser*innen betreten wir damit
unbekanntes, vielleicht bisher
unentdecktes Terrain. Geht es dir
beim Schreiben auch so?
Ja. Mein Schreiben möchte dem Dazwischen
seine Töne und seine Textur
entlocken. Dabei denke ich an etwas ganz
Feines, alte schwarze Spitze zum Beispiel,
die jederzeit auseinanderbrechen kann. Im
Dazwischen kann ich auch Entdeckerin
sein, plötzlich in dieser Aufregung des Ungewissen.
Und Schreiben selbst hat immer
einen ungewissen Ausgang. Manchmal
ist auch das Schreiben ein Dazwischen.
Etwas Schüchternes, etwas Provozierendes.
Etwas, das sich nicht festlegen will und
mich immer aufs Neue überraschen kann.
Gerade in der Poesie. Ich mag, dass mich
die Poesie überraschen kann.
Die Metamorphosen, die du in deinen
Texten andeutest, sind ganz oft
Verwandlungen des Ichs in Tierwesen,
in Moor, Moos und Torf. Welche
Sehnsucht steckt da dahinter? Welche
Ungeheuer, welche Sternenwünsche?
39
Meine Wünsche und meine Ungeheuer
treiben mich in seltener Eintracht an, mich
in ein Naheverhältnis zur Natur zu setzen.
Mit meinen Worten, den gesagten und
den nicht gesagten, suche ich die Nähe zur
Natur, von der ich nicht möchte, dass sie
aus mir verlorengeht. Ich habe Angst, dass
sie überhaupt verlorengeht. Angst ist mein
Ungeheuer. Und mein Wunsch ist es, das
Besondere festzuhalten und das Erlebte
durch Sprache wieder zu erleben. Die
Meisen im Hinterhof, Moos, wie es dem
Wald Beständigkeit gibt, oder eine Sonnenfinsternis.
Im letzten Kapitel kommen neben
Gedichten in freien Versen auch
Notate vor, die an poetische Prosa
erinnern, Fragmente von Reflexionen
und Erzählungen. Insgesamt
besticht der Gedichtband durch
den Variationenreichtum deiner
Formensprache. Wie können wir
uns den Entstehungsprozess eines
Gedichts und anschließend eines
Gedichtbands vorstellen?
Mein Herz schreibt die Gedichte. Mein
Sehen gibt die Impulse dazu. Mein Fühlen
entscheidet über die Form, in der sich ein
Gedicht letztendlich wiederfindet. Stets
möchte ich formal ausprobieren. Damit
möchte ich nie fertig sein. Die Form ist für
mich ebenso Sprache wie die Worte, die sich
für ein Gedicht zusammenfügen. Wie das
alles entsteht? Manchmal weiß ich es nicht.
Aber manchmal glaube ich, es entsteht
mit der Entscheidung, loszulassen. Konventionen,
Ängste, Zweifel und Begehrlichkeiten.
Selbst Liebe. Lasse ich all das los,
kann ich es dem Gedicht schenken.
Reisen rund um den Globus sind in
deinem Werk von außerordentlicher
Bedeutung. In ihnen konfrontierst
du dich mit dem Fremden, das dich
umgibt, aber auch mit dem Fremden
in dir selbst. Orte geben auch den
Zyklen im neuen Gedichtband ihren
Titel, sind aber mehr Koordinaten
einer Suche. Sind Orte und das
Reisen für dich Inspiration, Spiegel,
Kompass und/oder …?
Das Reisen ist für mich die größte Inspiration.
Dass ich seit jungen Jahren rund
um den Globus unterwegs sein konnte, hat
mich zu der gemacht, die ich bin, und ja,
es hat auch mein Schreiben geformt und
wird es immer weiter formen. Dem Fremden,
also dem bislang Unbekannten gegenüber
möchte ich meine Berührungsängste verlieren,
meine Ängste, die der Alltag wieder
und wieder in mir zu festigen sucht. Das
Reisen aber bricht sie auf, lässt nicht zu, dass
man sich verpuppt, sich in den Kokon der
Komfortzone zurückziehen kann. Man muss
sich Herausforderungen stellen, muss auch
über sich selbst lachen können. Schreiben ist
ja auch ein bisschen wie Reisen. Um ehrlich
zu sein, nicht nur ein bisschen.
Isabella Feimer, geboren 1976 in Niederösterreich,
Studium der Theater-, Film- und Medienwissenschaft,
arbeitet als freie Regisseurin und Schriftstellerin
in Wien. Sie schreibt Prosa, Essays, Lyrik
und Theatertexte und erhielt zahlreiche Stipendien
und Preise. Zu ihren Veröffentlichungen gehören u. a.
die Lyrikbände Tiefschwarz zu unsichtbar, American
apocalypse (Limbus), Bendita vida (Klingenberg), die
Erzählung Cadavre exquis (Literaturedition Niederösterreich)
sowie die Romane Trophäen, Stella maris,
Frieda und Wir könnten Dschungel sein (Braumüller).
Buchtipp:
Isabella Feimer:
Versuch einer Verpuppung
Haymon, 128 S., € 22,90
Veranstaltung:
Isabella Feimer liest zusammen
mit Eva Maria Leuenberger
(CH) im Rahmen des 10.
Internationalen Lyrikfestivals
W:ORTE
Moderation: Gabriele Wild
Sa., 14. Juni, 19:30 Uhr
Wagner’sche Buchhandlung,
Innsbruck
Eintritt: frei!
W:ORTE 2025
#poesieaberwie
Zehn Jahre im Dienst der Poesie! — www.lyrikfestival.com
Das internationale Lyrikfestival wird
zehn Jahre alt und feiert, aber wie!
Unter dem Motto #poesieaberwie feiert
W:ORTE, wie gewohnt an unterschiedlichen
Orten in ganz Tirol (und darüber hinaus),
sein zehnjähriges Bestehen mit einem
poetisch hochkarätigen Programm. Das
Festival präsentiert sich poetisch, musikalisch,
tänzelnd, kritisch, in lauten und leisen
Tönen. Neben dem Hauptort Innsbruck
gibt es musikalisch-lyrische Töne auch in
Wien, Brixen, Schwaz, Telfs, Imst, Bludenz
und Hohenems.
In einer Eröffnungsrede wird Barbara
Hundegger im Sinne von #poesieaberwie
danach fragen, wie Poesie unsere aus den
Fugen geratene Welt zusammenhält, Ähnliches
hat der Schweizer Poet Raphael Urweider
vor, wenn er in einer poetisch musikalischen
Tanzperformance u. a. gemeinsam mit
Tänzer*innen des Tiroler Landestheaters
nach den Kippmomenten in unserer Gesellschaft
fragt. Groß aufgespielt und performt
wird bei der Veranstaltung klang_sprachen,
bei der die Lyrikerin Nora Gomringer mit
dem Kammerorchester InnStrumenti zusammentrifft.
Und sonst? Zum ersten Mal
gibt es mit dem „Kleinen Doppelpunkt“
auch ein Kinderprogramm mit Lesungen
und Workshops. Internationale Gäste aus
Portugal, Deutschland, Spanien und den
Niederlanden werden erwartet – der Klang
ihrer Sprachen, der Rhythmus ihrer Worte,
ihr Nachdenken über die Welt sollen die
Orte erfüllen – aber wie?!
Gabi Wild, Robert Renk, Siljarosa Schletterer (Festivalteam) — © Ruth Pearce
Habitus bezeichnet das Auftreten
einer Person, ihre
Gewohnheiten, die Art ihres
Sozialverhaltens. Wie verhält
man sich nun in einer globalisierten
Welt, die sich um individuelle
Geschichten nicht schert?
Die niederländische Poetin
Radna Fabias ist von einer
kolonialen Biografie geprägt.
Aufgewachsen mit einer Vielzahl
an Sprachen und Kulturen
auf der Karibikinsel Curaçao,
führte sie dieser „chaotische
Spracherwerb“ zur Poesie.
Diese ist klangvoll, körperlich
und hochpolitisch. Gabriele Wild
Radna Fabias:
Habitus
elifverlag, € 23,70
Dieser Lyrikband ist eine poetische
Anthropologie und vereint
Gomringers Trilogie Monster
Poems, Morbus und Moden.
Wie selbstverständlich werden
hier die Verbindungen zwischen
Krankheit, Mode und Monster
offenbart. Dieser Band lässt
gleichermaßen Hochglanz bröckeln
und bringt Apokalypsen
zum Glänzen – einer der bibliophilsten
Lyrikbände, die ich
kenne. Ein Ausrufzeichen nach
mehr Menschlichkeit, Lebenshunger,
radikaler Zärtlichkeit &
Poesie. Siljarosa Schletterer
Nora Gomringer:
Monster – Morbus – Moden (mit CD)
Voland & Quist, € 27,70
die spinne ist einerseits eine Begegnung
mit dem Unheilvollen,
andererseits eine Bearbeitung
der Frage, wie man den drohenden
Katastrophen der Welt
begegnet. Mit Lethargie und
Schockstarre oder mit Trotz
und Mut? Leuenberger webt
in ihrem Langgedicht ein Netz
aus Fragen, in denen Natur
und Mensch oder Schuld und
Scham verhandelt werden.
Was kann die Welt noch retten?
Achtsamkeit gegenüber den
kleinsten Lebewesen, vielleicht,
auch wenn sie (zu Unrecht) so
unpopulär sind wie Spinnen.
Gabriele Wild
Eva Maria Leuenberger:
die spinnen
Droschl, € 22,00
Cover in Arbeit
„Eine schöne Frau braucht
Narben“ lesen wir im Band der
luso-angolischen Autorin und
wir brauchen diesen Gedichtband.
Es sind Störungen
und Aufschreie. Es sind Schreie
eines „zerrissenen Herzens“
(S. 76) über den „prekären
Markt der Gefühlskälte“.
Es sind dekoloniale und ökofeministische
Gedichte über
„gesäte Eizellen“ (S. 42) und
„verdichtete Flüsse“ (S. 41), über
„Tränenantworten“ (S. 100) über
„Sprachlosigkeit“ (S. 37) hinweg.
Es ist ein Band, der in „fetten
Buchstaben“ (S. 70) liebt, aufbegehrt,
aufzeigt und berührt!
Siljarosa Schletterer
Yara Nakahanda Monteiro:
Herz Rhythmus Störungen
Haymon, € 23,90
Programmauszug:
Di., 10. Juni 2025, 19:30 Uhr
Stadtbibliothek,
Eröffnungsrede von Barbara Hundegger:
poesie!? aber wie!?
Jan Wagner – D
Yara Nakahanda Monteiro – PRT (angefragt)
Nora Gomringer – D/CH
Mi., 11. Juni 2025, 19:30 Uhr
Literaturhaus am Inn
José F. A. Oliver – ES/D
Radnas Fabias – NL
Carmen Camacho – ES
Do., 12. Juni 2025, 19:30 Uhr
Open Air: Vorplatz des Messegeländes,
Ing. Etzel Str. 31,
Tipping Point – eine poetisch,
musikalische Tanzperformance
Mit Raphael Urweider (Poesie),
Tänzer*innen des Tiroler Landestheaters
und Ralph und Xaver Schutti (Musik)
Fr., 13. Juni 2025, 20:00 Uhr
Treibhaus
Nora Gomringer und InnStrumenti
Sa., 14. Juni 2025, 19:30 Uhr
Wagner’sche Buchhandlung,
Isabella Feimer – A
Eva Maria Leuenberger – CH
Mo., 16. Juni 2025, 19:30 Uhr
Stadtbühne Imst
Ulrike Sarcletti – A
Nils Mohl – D
Mo., 16. Juni 2025, 19:30 Uhr
Bücherei und Spielothek Telfs
Katharina J. Ferner – A
Und die Ergebnisse aus der
Schüler*innen-Werkstätte
Di., 17. Juni 2025, 19:30 Uhr
Museum der Völker Schwaz
Katharina J. Ferner – A
Hans Aschenwald – A
40
Nils Mohl – D
Wagner’sche.
Von einer, die auszieht, den
Sexismus das Fürchten zu
lehren. Siljarosa Schletterer,
Wasserflüstererin unseres Vertrauens,
wendet sich in ihrer
neuen Gedichtsammlung dem
Körper zu. Eine poetische
Zurückeroberung der Sinnlichkeit,
Lust und Liebe aus den
Klauen der Übergriffigkeit,
Erniedrigung, Gewalt und des
Traumas. Hochaktuell, ansteckend
mutig und vor allem
heilsam ist dieses Manifest
für eine neue Sprache, Wahrnehmung
und Achtsamkeit.
Pflichtlektüre – auch und insbesondere
für Männer!
Mikael Vogel
Siljarosa Schletterer:
entschämungen. körperkantate
Limbus, € 15,00
Wagner zeigt mit präzisen
Wortbildern, wie die Kunst
im vermeintlich Alltäglichen
stattfindet. Mein Lieblingszweizeiler
des Bandes findet sich im
Gedicht Mississippi: „spürst
mit einem mal, wie er deine
knöchel umspielt, aber ahnst
nicht, daß / du schon seit jahren
mit nassen füßen durchs leben
gehst“. Diese Gedichtsammlung
tastet oder tropft sich eher Zeile
für Zeile in die Wunderkammer
Realität. Ein Band voll leiser,
aber eindringlicher und nachhaltiger
Schönheit. Siljarosa Schletterer
Jan Wagner:
Steine & Erden
Hanser Berlin, € 23,70
Endlich. Endlich ist neue Lyrik
von Ulrike E. Sarcletti da. Endlich
wird die Hohe Munde, die
prägende Bergspitze des oberen
Inntals mit ihrem richtigen Geschlecht
angesprochen. Endlich
ist sie da, die „bergin“, die „ur.
alte stein.weise“ als ein Du im
Gedicht. In drei Kapiteln wird
dialogisiert, denn das lyrische
Ich weiß um das Wissen im
Stein. Sarcletti setzt Punkte
besonders, sie setzt sie nicht
als Abschlusszeichen, sondern
als Türöffner ins tiefere Hören
hinein. Siljarosa Schletterer
Ulrike E. Sarcletti:
mude.n – gespräche mit der alten bergin
TAK, ca. € 19,00
Mikael Vogel hat u. a. mit dem
Band Dodos auf der Flucht
Nature Writing neu im deutschsprachigen
Raum definiert.
Nach Morphine und Massenhaft
Tiere widmet er sich hier ausgestorbenen
Arten: ein Requiem
für ein verlorenes Bestiarium.
Eine neue Poetik der Empathie,
die gegen die Biodiversitätskrise
und jeglichen Speziesismus mit
jeder Zeile anschreibt. Was sein
Werk auszeichnet: akribisch
recherchierte und komponierte
Zeilen und Umbrüche. Sein
Schreiben macht die Vermissten
Tierarten sichtbar.
Siljarosa Schletterer
Mikael Vogel:
Dodos auf der Flucht
Verlagshaus Berlin, € 19,40
© Stefan Huber
quod erat
demonstrandum
Asterix auf Tirolerisch à la Koschuh.
Vor der Präsentation ein paar Fragen von Robert Renk
Wagner’sche
Innsbruck
Beim Kampf der
Häuptlinge habe ich
selbst am meisten
lachen müssen.
Bücher seit 1639
Robert Renk: Lieber Markus
Koschuh, du übersetzt den Asterix-
Band Der Kampf der Häuptlinge ins
Tirolerische. Wie kam es dazu?
Markus Koschuh: Das hat das Mastermind
der Wagner’schen, Markus Renk, auf Schiene
gebracht. Es war seine Idee, 25 Jahre
nach einer Asterix-Übersetzung durch Felix
Mitterer eine neue Asterix-Übersetzung anzugehen.
Dass er mich gefragt hat, hat mich
natürlich sehr gefreut.
Hast du dir den Band ausgesucht?
Wenn ja, warum genau diesen?
Ich hab mir vom deutschen Verlag egmont
nach Recherche fünf Bände schicken lassen,
um die definitive Auswahl zu treffen. Beim
Kampf der Häuptlinge habe ich selbst am
meisten lachen müssen. Es ist eine herrliche
Geschichte, die sich bestens ins Tirolerische
und in einen „Kampf“ Tiroler Oberland
gegen Tiroler Unterland übertragen lässt.
Es ist erst der zweite Band, der auf
Tirolerisch herauskommt. Den ersten
hat – wie du schon sagtest –
Felix Mitterer übersetzt. Hast du
Anleihen bei ihm genommen?
Natürlich habe ich mir Obelix und’s groasse
Gschäft von Felix genau angeschaut. Das
ist riiichtig gut. Aber Anleihen habe ich
mir keine genommen. Erstens ist die Story
dafür viel zu unterschiedlich und zweitens
sind auch der Wortwitz und Humor von
Felix ein ganz anderer als meiner.
In der Wagner’schen wird deine
Übersetzung präsentiert. Wie darf
man sich einen Abend mit Asterix
und Markus Koschuh vorstellen?
43
Ziemlich lustig! Ich werde manche Original-
Passagen den Tirolerischen Passagen
gegenüberstellen. Das Schöne ist ja, dass
einem der Verlag viele Freiheiten einräumt.
Es ist also keine Eins-zu-eins-Übersetzung,
sondern ganz viel Koschuh mit drin …
Gibt es noch andere Übersetzungsprojekte?
Der kleine Prinz würde
noch warten (die Übersetzung
von Annemarie Regensburger ist
vergriffen) …
Ja, dass Der kluene Prinz vergriffen ist,
finde ich ewig schade. Aber da steckt so viel
Können und Leidenschaft von Annemarie
drin, dass es mir unmöglich scheint, das
gleiche Büchlein noch einmal zu übersetzen.
Das hat auch mit Respekt vor Annemarie
Regensburger zu tun. Aber in Sachen
Übersetzen habe ich Blut geleckt. Vielleicht
kommt noch mehr!
Was sind die nächsten Projekte?
Gibt es ein neues Buch?
Ein neues Programm?
Am 27. Juni feiert „Vollmond. Ein Land
jagt den Wolf“ bei den Schlossbergspielen
Rattenberg Premiere. Es ist eine aberwitzige
Komödie für mehr als 20 Mitspielende.
Da hieß es, beim Schreiben den Überblick
zu bewahren. Auch ein Buchprojekt ist
am Entstehen und die Idee für ein neues
Kabarettprogramm ist schon geboren. In
den kommenden Monaten bin ich aber jetzt
mal zusammen mit Franz Posch unter dem
Titel „Quetschn trifft Schmäh“ auf der
Bühne, mein Kabarettprogramm „Eine kleine
Machtmusik“ läuft erfolgreich weiter,
und da und dort bin ich auch als Moderator
engagiert. Fad wird mir also sicher
nicht, haha!
Das hoffen wir, vielen Dank fürs
Gespräch und für alle, die deine
Aktivitäten weiter verfolgen wollen,
hier noch ein Hinweis auf
www.markuskoschuh.at!
Markus Koschuh, Jahrgang 1977, stand schon mit
acht Jahren auf der Bühne. Kabarettist, Moderator,
Poetry Slammer und seit neuestem auch Übersetzer,
zweimaliger österreichischer Poetry-Slam-Meister.
Im Verlag der Wagner’schen Universitätsbuchhandlung
erschien 2018 in der „Erinnerungen an
Innsbruck“ – Reihe Olympisches Dorf. Kleinstadt
im Weltdorf.
Buchtipp:
Übersetzt von Markus Koschuh:
Asterix Mundart Tirolarisch 2,
Mander, s’isch Zeit!
René Goscinny & Albert
Uderzo, Ehapa Comic
Collection, 48 S., € 15,50
Veranstaltung:
Markus Koschuh präsentiert:
Asterix Mundart Tirolarisch 2,
Mander, s’isch Zeit!
Di., 3. Juni, 19:30 Uhr
Wagner’sche Buchhandlung
Eintritt: € 9,00/€ 7,00 mit
Wagner- oder Ö1-Card
© David Zehnder
80 Jahre
Ver-Dichtung
Klaus Merz feiert seinen Runden
in Innsbruck, wir feiern mit …
Wagner’sche
Innsbruck
Klaus Merz – ein Poet
der Herzensbildung. Ein
scharfsinniger Erzähler
wider die Risskanten des
Verstands. Seine Texte
sind Sonaten.
José F. A. Oliver
Bücher seit 1639
Klaus Merz, der große Schweizer Dichter
und Ver-Dichter von Sprache und Welt,
feiert seinen 80. Geburtstag mit einem
großen Literaturfest in Innsbruck.
Seit seinem Debüt, dem Gedichtband
Mit gesammelter Blindheit (1967), hat
Klaus Merz ein Werk von beeindruckender
Vielfalt geschaffen, das eine siebenbändige
Gesamtausgabe füllt. Über dieses halbe
Literaturjahrhundert hinweg ist Merz sich
und seinem Schreiben stets treu geblieben:
dem klaren und wachen Blick, der Zugewandtheit
und der Melancholie, dem
hintergründigen Witz, die seine Gedichte,
Erzählungen und Prosaminiaturen auszeichnen.
Und der Fähigkeit, genau hinzusehen
auf die nebensächlichen Details,
in denen sich ein ganzes Leben verdichtet,
auf die kleinen Irritationen des Alltags und
auf das scheinbar Unscheinbare, dem er in
seinen Texten nachspürt. Denn Literatur,
so Klaus Merz, bedeutet, es auf den Punkt
zu bringen, und diesen Punkt glühen zu
lassen, auf dass er Wärme und Helligkeit
verströme.
Klaus Merz nimmt die Wörter beim
Wort, setzt sie sparsam und mit Bedacht
und lässt ihnen viel Raum, um in allen
Zwischentönen nachzuklingen. Er braucht
nie viele Sätze, um große Geschichten
zu erzählen. In seinem Meisterwerk Jakob
schläft etwa entfaltet sich in kurzen Kapiteln
eine berührende, bezaubernde Familiengeschichte
vor dem Zeitpanorama der
1950er-Jahre. In der Novelle Der Argentinier
begleitet er einen Mann um die halbe Welt
auf seiner Suche nach der Liebe und dem
Tango und zeichnet zugleich ein scharfsichtiges
Porträt der Nachkriegs-Schweiz.
45
Und in seinen Gedichten genügen ihm
wenige Zeilen, um die Perspektive zu weiten
und das Denken auf Reisen zu schicken.
Seine Texte seien „Sprungbretter für
Seele und Kopf“, hat Klaus Merz einmal
geschrieben, und damit ist schon viel gesagt:
Sie sind leicht und federnd, sie haben
Bodenhaftung und ragen hinaus ins Weite,
sie laden ein, hinauszuspringen über den
Horizont, und geben den nötigen Schwung
dazu. Und dann taucht man ein in einen
See aus Wörtern und Bildern, der den
Blick klärt, die Gedanken erfrischt und
das Herz belebt. Georg Hasibeder
Sammlertipp:
Klaus Merz:
Werkausgabe in sieben Bänden
Die Lamellen stehen offen;
In der Dunkelkammer. Frühe
Prosa; Fährdienst. Prosa;
Der Mann mit der Tür oder
Vom Nutzen des Unnützen.
Feuilletons; Das Gedächtnis
der Bilder. Texte zu Malerei
und Fotografie; Brandmale
des Glücks. Prosa;
Außer Rufweite. Lyrik
Haymon, 2.352 S., € 150,00
Veranstaltungen zum
80iger von Klaus Merz
in Innsbruck:
Mi., 1. Oktober, 19:00 Uhr
Innsbrucker Stadtbibliothek
u. a. mit Michael Forcher,
Sabine Gruber,
Melinda Nadj Abonji & Jurczok
und Peter Stamm (angefragt)
Eintritt: frei!
Do., 2. Oktober, 19:00 Uhr
Literaturhaus am Inn
Grenzgänge „Leise & Leise“
Klaus Merz und Alois
Hotschnig im Gespräch
mit Klaus Zeyringer
Eintritt: frei!
Fr., 3. Oktober, 19:30 Uhr
Wagner’sche Buchhandlung,
Innsbruck
„Ein literarisches Fest“
für und mit Klaus Merz,
u. a. mit Sepp Mall, Markus Bundi,
José F.A. Oliver …
Eintritt: frei!
Buchtipp:
Klaus Merz:
Jakob schläft
Haymon, 104 S., € 10,95
Bücher
für
Kinder
und
Jugend:
Embla hat sich nie richtig
zugehörig gefühlt. Ihre neue
Schule, eine nervige Schwester
und überfürsorgliche Eltern
machen ihr das Leben schwer.
Doch als ein schreibender Käfer
ihr eine rätselhafte Botschaft
überbringt, ändert sich alles.
Werwesen – von Ameisen bis
Hirschen – leben im Verborgenen
unter uns, und Embla
erkennt, dass sie Teil einer Welt
ist, in der magische Kreaturen
und dunkle Geheimnisse
herrschen. Ein packendes Abenteuer
über Gestaltwandler, Mut
und Freundschaft …
Marcus Hakon:
Wildwandler
Ars Edition, 416 S., € 18,50
In Dantessa dreht sich alles ums
Spielen – egal, ob mit Würfeln,
Degen oder Marshmallows, an
Land, im Wasser oder auf den
Dächern der Stadt. Das wichtigste
und zugleich gefährlichste
Spiel von allen ist Noctis, ein
Wettkampf auf Leben und Tod.
Und die letzte Chance für die
12-jährige Pia, ihren geliebten
Großvater zu retten, der plötzlich
alle Spiele verlor und dafür
aus der Stadt verbannt wurde.
Ein magisches Abenteuer, das
einen ungerechten gesellschaftlichen
Status quo in Frage stellt.
Deva Fagan:
Game of Noctis – Spiel um dein Leben
Carlsen, 352 S., € 16,50
Eine Berührung von Kaythara
ist tödlich. Immer. Daher
lebt sie in einem von der Welt
abgeschotteten Tempel, unter
den strengen Gesetzen des
Königreichs des schwarzen
Mondes. Bis ein geheimnisvoller
Wärter plötzlich alle Regeln
für sie bricht und sie über ihre
magische Gabe und das Leben
außerhalb der Mauern aufklärt:
Kaythara soll für den
bevorstehenden Krieg genutzt
werden. Als Soldatin, gefährlich
und zum Gehorsam erzogen.
Sie bringt den Tod. Ist er bereit,
für sie zu sterben?
Lexy v. Golden:
Kingdom of the Black Crescent
Carlsen, 448 S., € 25,70
Wichtelin Glim hat ihre Ausbildung
in der Zauberstabherstellung
beendet und geht
auf Wanderschaft, wie es sich
für Laubwichtel gehört. Unterwegs
trifft sie die tollpatschige
Elfe Annivé, die zur treuen
Freundin wird. Doch dann
gerät die Welt in Unordnung:
Der Himmel über Ravenholm
verdunkelt sich und Eisblitze
schlagen ein. Gemeinsam versuchen
die Freundinnen herauszufinden,
woher die Bedrohung
kommt. Für alle Fans vom
kleinen Hobbit und Snöfried –
ein fantastisches Abenteuer.
Marcus Raffel:
Glim aus dem Ginsterwald
Thienemann, 320 S., € 16,50
Berry kann es nicht fassen: Sie
soll Schülerin der berühmten
Wächter-Akademie auf der
Lotusinsel werden! Dort lernen
die Novizen, sich in magische
Wesen zu verwandeln – die
Wächter. Ihre Aufgabe ist es,
alle Tiere und Pflanzen mit
ihren magischen Kräften zu
beschützen. Aber will sie denn
überhaupt eine Wächterin sein?
Eins steht fest: Wenn sie ihre
Bestimmung nicht bald erkennt
und ihr magisches Selbst findet,
muss Berry die Insel verlassen.
Und die besten Freunde, die
sie je hatte, wird sie nie wiedersehen.
Christina Soontornvat:
Die Insel der magischen Wächter.
Der große Test
cbj, 176 S., € 14,40
Als die Sonne über der Wüste
aufgeht, erwacht das kleine
Kamel Konrad und hat
schlechte Laune. Ihm ist heiß,
es ist müde, und auf keinen
Fall will es zur Oase wandern.
Sollen die anderen Kamele eben
ohne ihn losziehen. Aber allein
im heißen Sand ist es irgendwie
auch blöd … Da hoppelt
plötzlich eine Wüstenspringmaus
vorbei, die vor Fröhlichkeit
nur so sprüht! Was ist wohl
ihr Geheimnis? Könnte auch
Konrad nur ein Lächeln von
guter Laune entfernt sein?
Rachel Bright:
Das Kamel hat schlechte Laune
Magellan, 32 S., € 17,50
Wie summt eine Biene?
Und wie brüllt ein Tiger?
Mit tiptoi starten die Kinder
ihre Entdeckungsreise durch die
faszinierende Tierwelt – vom
Bauernhof bis zum Regenwald.
Über 200 authentische Geräusche
erwecken bekannte und
neue Lieblingstiere zum Leben.
Die umfangreiche Sammlung
bietet eindrucksvolle Tierfotos
und erstes spannendes Sachwissen.
Das macht riesig Spaß,
denn spielerisch und interaktiv
können schon die Kleinsten ihr
Wissen testen und die Tierstimmen
richtig zuordnen.
Tiptoi:
Kennst du diese Tiergeräusche
Ravensburger, 24 S., € 21,60
Bei einem magischen Fest in
London wird Lucys Leben mit
einem Schlag auf den Kopf
gestellt: Ihre Großmutter wird
vor ihren Augen entführt und
Lucy kann sich danach an
nichts erinnern! Zum Glück hat
sie Freunde, die ihr zur Seite
stehen – und ihre magischen
Objekte. Denn Lucy hat ein
ganz besonderes Talent: Sie ist
eine Spellcrafterin und kann
Gegenständen Magie einhauchen.
Doch die Suche nach
der Wahrheit führt sie auf eine
gefährliche Spur. In London
ist die Magie außer Kontrolle
geraten …
R.L. Ferguson:
Spellcraft – Die Magie der
silbernen Flammen, Bd. 1
Ravensburg, 320 S., € 17,50
Endlich ist er da: der Tag, auf
den Ileana schon ihr ganzes
Leben wartet. Alle 17 Jahre
erwachen auf Calliste die
Ewigen zum Leben und ziehen
Touristen aus aller Welt in
ihren Bann. Ila verdient sich als
Fremdenführerin etwas dazu,
da sie die versteinerten Wesen
in- und auswendig kennt. Sie
wurde in der Nacht des letzten
Erwachens geboren und spürt
eine besondere Verbindung zu
ihnen. Niemand weiß besser
als sie, wie unberechenbar und
Respekt einflößend die Ewigen
sein können!
Katja Bradis:
Die Ewigen von Calliste
Arena, 448 S., € 21,60
Wenn die Uhren rückwärts
laufen, wissen die Zeit- Agenten:
Ein neues Abenteuer ruft!
In dieser fesselnden Kinderbuch-Reihe
begleiten junge
Leser*innen ab 7 Jahren die
Zeit-Agenten zu den bedeutendsten
Momenten der
Geschichte. Mit Mut und
Geschick müssen die 8 Kinder
die fiesen Pläne von Bösewicht
Mora durchkreuzen, der quer
durch alle Jahrhunderte für
Chaos sorgt. Jede Reise bietet
Grundschulkindern faszinierendes
Geschichtswissen und ein
actionreiches Katz-und-
Maus-Spiel.
S. J. King:
Die Zeitagenten 1.
Das Propeller-Dilemma
Dorling Kindersley, 128 S., € 11,30
Das Fellmuster der Giraffe
oder die schleimige Haut des
Pfeilgiftfrosches: Tierwissen
mal anders! Vom Säugetier
bis zum Insekt werden
verschiedenste Tierarten in
großformatigen Fotos und
Grafiken vorgestellt und ihre
anatomischen Besonderheiten
erklärt. Das besonders anschauliche
Layout mit leicht
verständlichen Erklärtexten und
übereinandergelegten Fotos
und Illustrationen offenbart,
was im Inneren der Tiere
vorgeht, und zeigt Kindern
Knochen, Organe und Körperfunktionen
einmalig visuell.
Jess French:
Anatomie der Tiere
Dorling Kindersley, 160 S., € 21,60
Cleodora ist ein Niemand.
Nach dem Tod ihres Vaters
kann sie sich und ihre sterbenskranke
Schwester kaum über
Wasser halten. Sie wohnt in der
glanzvollen Stadt Lutèce, doch
deren Welt der magischen Talente
ist für Cleo unerreichbar.
Als sie von der berüchtigten
Madame Dahlia beim Diebstahl
erwischt wird, nimmt ihr Leben
eine unglaubliche Wendung:
Dahlia macht sie mit Hilfe eines
Gesangstalents über Nacht zur
gefeierten Sängerin an der Oper.
Sie erlebt Galas und opulente
Bälle.
Adi Denner:
Kiss oft he Nightingale
Fischer Sauerländer, 496 S., € 21,50
„Geh auf keinen Fall den Hügel
hinauf“, hatte Christophers
Großvater gesagt. Doch die
Ferien sind zu langweilig, um
sich an Verbote zu halten. Als
Christopher den Hügel erklimmt,
bebt plötzlich die Erde.
Sprechende Eichhörnchen, ein
geflügeltes Pferd und ein Einhorn
kommen ihm entgegen.
Christopher kann es nicht
fassen! Vom Großvater erfährt
er, dass sich ein Tor zu einer
anderen Welt geöffnet hat. Eine
Welt voller Magie und atemberaubender
Fabelwesen, doch
genau diese sind jetzt in Gefahr!
Katherine Rundell:
Impossible Creatures. Das Geheimnis
der unglaublichen Wesen
Fischer Sauerländer, 384 S., € 17,40
Die Urwelt ist unglaublich
spannend! Wann lebten Dinosaurier?
Welche Arten gab
es? Wo lebten sie? Was fraßen
Flugsaurier und Dinosaurier
besonders gerne? Warum
leben sie heute nicht mehr? Wo
werden noch immer Knochenreste
gefunden? Was haben
Meteoriten mit dem Tod der
Saurier zu tun? Was verbirgt
sich hinter den Begriffen Kreide
und Jura? Wie arbeiten eigentlich
Paläontolog*innen? Fragen
über Fragen! Spannende Sachinformationen
zu Dinosauriern
eigenständig entdecken.
Birk Grülling:
Dinosaurier
Kosmos SCHLAUFUX, 64 S., € 13,40
HOCH
HÖHER
STAPLER
7 × Romane mit wunderbaren
Hochstapler*innen
WER EINE
REISE TUT,
DER HAT
7 × etwas zu erzählen von
Wolfgang Finger *
TON
FÜR
TON
7 × großartige Bücher mit
Musik als Handlungsträger
von Fritz Ostermayer **
3×7
Best
aber
Seller:
1
2
Yellowface
Für immer die Alpen
Benjamin Quaderer
btb, € 13,40
Rebecca F. Kuang
Eichborn, € 25,70
1
2
Atlas
Zeitreisen
Angela Steidele
Matthes & Seitz, € 29,80
eines ängstlichen Mannes
Christoph Ransmayr
S. Fischer, € 15,40
1
2
Unter
Melodien
Helmut Krausser
Dumont € 16,50
Wölfen
John Wray
Rowohlt € 27,80
3
Die
Tigerin
Walter Serner
Arco, € 20,00
3
Traumpfade
Bruce Chatwin
S. Fischer, € 16,50
3
Der
größere Teil der Welt
Jennifer Egan
S. Fischer € 14,40
4
Lila,
Lila
Martin Suter
Diogenes € 14,40
4
Herz
der Finsternis
Joseph Conrad
Diogenes, € 16,50
4
Der
Lärm der Zeit
Julian Barnes
btb, € 10,30
* Tipps unseres Reiseexperten Wolfgang Finger
(jeden Dienstag für Sie in der Reise- und
Literaturabteilung)
** Tipps unseres Musikexperten Fritz Ostermayer,
FM4-Mitbegründer und Musikfachmann
48
Wagner’sche.
5
Der
6
Die
7
Bekenntnisse
Hauptmann von Köpenick
Carl Zuckmayer
S. Fischer, € 13,40
Abenteuer des Joel Spazierer
Michael Köhlmeier
dtv € 15,40
des
Hochstaplers Felix Krull
Thomas Mann
S. Fischer, € 17,50
5
Tristan
6
Der
7
Durch
da Cunha
Raoul Schrott
S. Fischer, € 14,40
alte Patagonien-Express
Paul Theroux
Dumont, € 19,50
Welt und Wiese
Trojanow/Urban
Die Andere Bibliothek, € 25,70
5
Bruckner:
6
Jazz
7
The
Journal einer Leidenschaft
Norbert Trawöger
Residenz, € 23,00
Tony Morrison
Rowohlt, € 13,40
Dirt: Sie wollten Sex,
Drugs & Rock’n’Roll
Neil Strauss & Mötley Crüe
Heyne € 15,50
© Michaela Putz
Über drei Generationen
von Frauen …
Michèle Yves Pauty erzählt die Geschichte
mehrerer Frauenleben, erzählt von den Zusammenhängen
zwischen Geschlecht, Herkunft, Klasse,
Bildung und Gesundheit. Die Geschichte einer
Abgrenzung, eines Zueinanderfindens.
Leporello
Wien
Erinnerung ist
wie Wahrheit,
es gibt nicht eine,
sondern viele
subjektive.
Bücher seit 1639
Die Ich-Figur wächst im Tirol der 80er-Jahre
auf, zwischen schneebedeckten Bergspitzen
und dem schlammgrünen Fluss, der sich
durch die Stadt schlängelt; wächst als gesunder
Körper zwischen Kranken auf. Großmutter,
Mutter, Schwestern – Krankheit
trifft alle. Die Ärzte reagieren nicht, wiegeln
ab. Um sich selbst zu schützen, entfremdet
das Ich sich immer mehr. Und beginnt dann
doch, alles zusammenzusetzen, verwebt einen
Familienkörper.
Medical Gaslighting und Gender-
Medizin sind zwei zentrale Themen in
deinem Roman, die eng miteinander
verbunden sind. Dabei handelt es
sich um strukturelle, kontinuierliche
Problematiken, die doch immer noch
sehr wenig thematisiert werden. Was
war für dich der ausschlaggebende
Punkt, genau diese Themen in
einem Roman zu verarbeiten? Hat
dich deine Familiengeschichte dazu
bewegt oder konntest du erst durch
den Schreibprozess einordnen, dass
diese Themen eng mit deiner Familie
verknüpft sind?
Michèle Yves Pauty: Am Beginn des
Schreibprozesses waren diese beiden
Themen noch nicht bewusst als Schlagwörter
in meinen Überlegungen vorhanden.
Es war mehr ein Nachtasten, was diesen
Familienkörper umtreibt, warum manche
Episoden sich zu wiederholen scheinen.
Ich wollte verstehen. Medical Gaslighting
und Gender- Medizin haben sich erst
im Laufe des Schreibens als Themen
herauskristallisiert, die inhärent mit der
Gesundheit von Frauen im Allgemeinen
und besonders mit denen meiner Familie
zusammenhängen.
51
In deinem Roman erzählst du über
drei Generationen von Frauen. Das
Buch setzt bei allen drei Perspektiven
in der Kindheit ein und berichtet über
lange Spannen hinweg auch über
sehr unterschiedliche Jahrzehnte.
Wie war es für dich, in diese
verschiedenen Figuren, Leben und
auch Zeiten einzutauchen? Welche
Herausforderungen gab es dabei?
Die erste Version des Textes bestand aus
elf Seiten, in der eine Erzählstimme das
Geschehen von außen beobachtet. Inhaltlich
ging es damals ausschließlich um
meine ältere Schwester, den Super-GAU in
Tschernobyl und ihre Hashimoto-Diagnose.
Als der Text länger wurde, war es nicht
mehr möglich, mich aus den Erzählungen
herauszuhalten. Die Stimme des Kindlichen
wurde zum roten Faden für die Geschichte,
sie bietet eine gewisse Chronologie in den
Zeitsprüngen. An einem Punkt war alles
von meiner Erinnerung dominiert, das war
nicht, wie ich schreiben wollte. Zusätzlich
gibt es die Erzählungen im Roman, die vor
meiner Geburt stattgefunden haben. Um
diese Episoden nah an den Personen zu gestalten,
habe ich viel recherchiert und Interviews
mit meinen Familienmitgliedern begonnen.
Zuerst waren es nur gelegentliche
Anrufe, „Wie war das damals mit Tschernobyl?“,
aber irgendwann habe ich die Interviews
in den Roman mit aufgenommen.
Ich fand den Blick der anderen spannend,
die Unsicherheit von Erinnerung. Immer
wieder kamen vollkommen unterschiedliche
Erzählungen über dasselbe Ereignis.
Erinnerung ist wie Wahrheit, es gibt nicht
eine, sondern viele subjektive.
Du bist Schriftsteller*in, aber auch
Fotograf*in. In Familienkörper hast
du dich für eine bildhafte Sprache
entschieden, beim Lesen wird
deutlich, wie intensiv optische Reize,
Licht, Räumliches auf die Ich-Figur
wirken. Wie stark beeinflusst das
Visuelle dein literarisches Schaffen,
sind die beiden Bereiche für dich
stark miteinander verknüpft?
Ich höre öfters, dass ich so schreibe, weil
ich Fotograf*in bin. Aber wahrscheinlich
bin ich Fotograf*in geworden, weil ich
so wahrnehme. Und dasselbe gilt für das
Schreiben, nur dass ich dort tiefer gehen
kann, als es mir mit der Fotografie möglich
ist. Fotografie ist trügerisch. Wir interpretieren
aufgrund eines Bildes, dabei kann
die Bildunterschrift den gesamten Kontext
ändern.
Michèle Yves Pauty (*1982) hat Fotografie und
Deutsche Philologie in Wien und Literarisches
Schreiben in Hildesheim und Leipzig studiert.
Pauty hat in diversen Magazinen und Anthologien
veröffentlicht, 2021 folgte die Auszeichnung mit dem
Hilde-Zach-Literaturförderstipendium. Pauty lebt in
Wien und Leipzig und ist Teil des Künstler*innen-
Kollektivs sy:rup.
Buchtipp:
Michèle Yves Pauty:
Familienkörper
Haymon, 208 Seiten, € 23,90
Lesung:
Michèle Yves Pauty
Familienkörper
Do., 20. März 2025, 18:30 Uhr
Leporello – die Buchhandlung,
Wien
Eintritt: € 7,00
Die 14. achensee.literatour
bittet Newcomer*innen und
Stars an den Achensee
Das Programm
8.–11. Mai 2025
Die bereits 14. Auflage des viertägigen
Literaturfestivals bietet vom 8.–11. Mai 2025
ein buntes Programm und bittet arrivierte
Stars und interessante Newcomer*innen auf
die verschiedenen Lesebühnen rund um den
Achensee. Erfolgsautor Daniel Glattauer
eröffnet das Festival mit einer Lesung aus
seinem neuen Roman In einem Zug und die
Grande Dame der österreichischen Belletristik,
Erika Pluhar, nimmt ihre Leserschaft
mit auf eine Lesung am Schiff.
Daniel Glattauer eröffnet das Festival und
präsentiert seinen neuen Roman In einem
Zug am Donnerstag, den 8. Mai im Hotel
Entners am See. Ein weiteres Highlight
des Abends ist die Vergabe des HAYMON
achensee.literatour Stipendiums 2025 an
die gebürtige Steirerin Selina Holešinsky,
die mit ihrem sprachlich beeindruckenden
Debütroman Schaltiere am Waldboden
überzeugt. Mit fantasievollen Bildern und
berührenden Momenten beschreibt die
Autorin im Roman die Komplexität der
Klima- und Umweltfrage und der Lösungsfindung.
Arrivierte Stars und
weitere Newcomer*innen
Der Freitag startet mit einer nachmittäglichen
Lesung der Stipendiatin Selina
Holešinsky im Seehotel Einwaller in
Pertisau, bevor dann die Grande Dame der
österreichischen Literatur, Erika Pluhar,
die Gäste zu einer Schiffslesung an Bord
der Achenseeflotte bittet. Pluhar, die
zum ersten Mal am Achensee zu Gast ist,
präsentiert ihren brandneuen Roman Spät
aber doch. Bernhard Aichner, Schirmherr der
Veranstaltung und Bestsellerautor bittet zum
Abschluss des Tages dann zum Krimidinner
ins Entners am See und lässt die Titelheldin
seines gleichnamigen Romans Yoko zwischen
den kulinarischen Genüssen Glückskekse
verteilen. Ein neuer Name im Literaturbetrieb
ist Katharina Köller, die dann am
Samstag auf die Erfurter Hütte hoch oben
im Rofangebirge entführt, um dort aus ihrem
Roman wild wuchern zu lesen.
Im Seehotel Einwaller findet dann auch
die diesjährige Debütlesung mit Michèle Yves
Pauty statt. Pauty erzählt in ihrem Romandebüt
Familienkörper die autofiktionale
Geschichte mehrerer Frauenleben – die
Geschichte einer Abgrenzung und eines
Zueinanderfindens. Ein weiteres Erstlingswerk
ist Petra Pellinis Der Bademeister ohne
Himmel, das die Vorarlberger Autorin zum
Abschluss des Samstags im Alten Widum in
Achenkirch präsentiert. Es ist die Geschichte
einer einzigartigen Freundschaft zwischen
der fünfzehnjährigen Linda und dem an
Demenz erkrankten Hubert, einem Bademeister
im Ruhestand. Pellini erzählt mit
Wärme und Humor vom Erwachsenwerden
und Vergessen.
Die Krimiwanderung am Dien-Mut-Weg
in Pertisau – der traditionelle Abschluss des
viertägigen Literaturevents – ist 2025 fest
in Salzburger Hand, präsentiert dort doch
Katharina Eigner ihren eigens für die achensee.literatour
geschriebenen Kurzkrimi. Die
Moderation der achensee.literatour übernimmt
einmal mehr Theodora Bauer, ihres
Zeichens selbst Autorin.
Treue Partner
Mit der Wagner’schen Buchhandlung,
dem Reisebüro iDEALTOURS sowie
zahlreichen Partnerhotels und Betrieben
rund um Tirols größten See kann die
achensee.literatour auf starke Partner
bauen. Martin Tschoner, Geschäftsführer
Achensee Tourismus, über die 14. Auflage
der achensee.literatour, die den Auftakt in
die Sommersaison bildet: „Das Programm
unseres Literaturfestivals vereint arrivierte
Stars und Publikumslieblinge mit jungen
Talenten und ich bin überzeugt, dass
genau dieser Mix unseren Gästen ein
in teressantes, berührendes und nachdenkliches
Literaturvergnügen bieten wird
können.“
Bildnachweis (v. l. n. r.): Daniel Gattauer (© Heribel Corn),
Selina Holešinsky (© Gabriel Hyden), Erika Pluhar (© Lukas Beck),
Bernhard Aichner (© Fotowerk Aichner), Katharina Köller (© Peter Rigaud),
Michèle Yves Pauty (© Michaela Putz), Petra Pellinis (© Nina Bröll),
Katharina Eigner (© Martina Weiss), Theodora Bauer (© Walter Pobaschnig),
Martin Tschoner (© Franz Oss)
52 53
Wagner’sche.
Bücher seit 1639
Do., 8. Mai, 20 Uhr
Eröffnung im Entners am See
Einlass 19:30 Uhr
Daniel Glattauer In einem Zug/
Verleihung Stipendium & Kurzlesung
Selina Holešinsky Schaltiere am
Waldboden – Stipendiatin 2025
Eintritt: € 29,00 inkl. Begrüßungsgetränk
Fr., 9. Mai, 14:30 Uhr
Lesung im Seehotel Einwaller
Stipendiatin Selina Holešinsky
Schaltiere am Waldboden
Eintritt: frei!
Fr., 9. Mai, 16 Uhr
iDEALTOURS-Lesung am Schiff
Erika Pluhar liest aus ihrem aktuellen
Roman Spät aber doch
Eintritt: € 29,00 –
Lesung inkl. Begrüßungsgetränk
Fr., 9. Mai, 19:30 Uhr
Krimidinner im Entners am See
Einlass 19:30 Uhr
Bernhard Aichner liest aus seinem
aktuellen Thriller Yoko
Eintritt: € 79,00 – Aperitif, Lesung und
dreigängiges Menü
Sa., 10. Mai, 11 Uhr
Lesung auf der Erfurter Hütte
Auffahrt mit der Rofanseilbahn
um 10:30 Uhr
Katharina Köller wild wuchern
Eintritt: € 29,00 inkl. Berg- und Talfahrt
Rofanseilbahn
Sa., 10. Mai, 15 Uhr
Debütlesung im Seehotel Einwaller
Michèle Yves Pauty Familienkörper
Eintritt: frei!
Sa., 10. Mai, 18 Uhr
Lesung im Alten Widum in
Achenkirch
Petra Pellini Der Bademeister ohne Himmel
Eintritt: € 19,00 inkl. Begrüßungsgetränk
So., 11. Mai, 10–12 Uhr
Krimiwanderung
Am Dien-Mut-Weg mit Katharina Eigner
Eintritt: frei!
Programm & Tickets
Das genaue Programm mit allen
Beginnzeiten, Örtlichkeiten und
Ticketreservierungen finden Sie
auf www.achensee-literatour.at.
Mit
sachlichen
Empfehlungen:
Unsere Gegenwart ist geprägt
von ständiger Veränderung,
oft begleitet von sozialer Ungerechtigkeit
und politischer
Instabilität. Viele Menschen
fühlen sich unsicher, sind unzufrieden
und suchen nach
Hoffnung und Zuversicht.
Wolfgang Schüssel wirft einen
Blick zurück auf bewegende
Momente in der Geschichte
sowie auf einschneidende
Augenblicke seiner politischen
Karriere – und zeigt, dass wir
auch in schwierigen Zeiten zuversichtlich
sein dürfen.
Wolfgang Schüssel:
Mit Zuversicht
ecoWing, 256 S., € 28,00
Das Lebensgefühl der italienischen
Küste kann man sich
nach Hause holen durch die
Geschichten und die Lebensphilosophie
der Menschen, die
den Strand bevölkern. In diesem
ganz eigenen Mikrokosmos
lernen wir die besonderen
Rituale und Regeln kennen,
die kleinen Strandgeheimnisse
und das Treiben am Meeresufer
auch jenseits der Hauptsaison.
Und wir erfahren fast nebenbei,
wie man die Leichtigkeit des
Südens in den eigenen Alltag
bringt.
Stefan Maiwald:
Mein Leben am Strand
Mosaik, 304 S., € 22,70
Paula Bründl ist Pinzgauerin
mit Südtiroler Wurzeln, studierte
Psychologin, Outdoor-
Abenteurerin, leidenschaftliche
Jägerin und vor allem: eine
großartige Köchin. Mit eigenen
Formaten auf ServusTV, in
„Servus in Stadt & Land“, auf
den digitalen Servus-Kanälen,
einem Servus-Podcast. Und nun
auch mit dem etwas anderen
Kochbuch: Endlich kochen!
In elf Kapiteln serviert Paula
Bründl ihre liebsten Kompositionen
für alle Lebenslagen.
Und warum Kochen in Wahrheit
eine Schule des Lebens ist.
Paula Bründl:
Endlich kochen
Servus, 256 S., € 36,00
Immer wieder Kreisky. Ende
der 1970er-Jahre äußerte er
seine feste Überzeugung, dass
es keinen Frieden in Nahost
ohne einen Staat für Israel und
einen für Palästina geben könne.
Mit seinem Vorschlag der Zweistaatenlösung
erntete Kreisky
Skepsis, Hass, aber auch Bewunderung.
Daniel Aschheim
beleuchtet den Kultkanzler aus
frischer Perspektive in all seiner
Zwiespältigkeit, in seinen Handreichungen
an Altnazis und
seiner Haltung gegenüber Israel
und der arabischen Welt.
Daniel Aschheim:
Kreisky, Israel und die Juden
ecoWing, 208 S., € 28,00
Tolle Haut, mehr Energie und
rundum happy – diesen Effekt
unterstützt eine anti-entzündliche
Ernährung. Mit ihrer
Hilfe hat es auch Influencerin
Carlotta Polzer geschafft, sich
im wahrsten Sinne des Wortes
glücklich und (haut)gesund zu
essen. In diesem Kochbuch teilt
sie ihr umfangreiches Wissen
und 70 vegane Rezepte, damit
auch wir uns rundum wohlfühlen.
Lottas Kochbuch lässt
von innen strahlen!
Carlotta Polzer:
Gesund gekocht
Christian, 224 S., € 30,90
In seinem neuen Buch entfaltet
Tarek Leitner die Geschichte
der Zweiten Republik auf eine
völlig neue Art und Weise.
Ausgangspunkt sind ungewöhnliche
Fotografien, die hinter den
Kulissen großer historischer
Ereignisse entstanden sind und
die häufig Rätsel aufgeben.
Tarek Leitner entschlüsselt
diese versteckten Geschichten,
verbindet sie mit persönlichen
Erlebnissen und gibt dabei
einen überraschend facettenreichen
Blick auf das Österreich
von der Nachkriegszeit bis in
die Gegenwart frei.
Tarek Leitner:
Augenblicke der Republik
Brandstätter Verlag, 176 S., € 25,00
54
Wagner’sche.
80 wird das neue 50 sein – visionäre
Forscher tüfteln intensiv
an der Frage, wie sich das Beste
aus dem Alter herausholen
lässt. Doch die Erkenntnisse der
Longevity-Medizin wirken auf
die meisten teuer, kompliziert
und alltagsfern. Höchste Zeit,
dass Ernährungs- Doc Matthias
Riedl dieses wertvolle Wissen
in leicht umsetzbare Strategien
für jeden übersetzt. Überzeugend
und praxisnah zeigt er,
wie schon kleine Veränderungen
in der Ernährung eine große
Wirkung haben.
Matthias Riedl:
Die Longevity-Food-Formel
Gräfe & Unzer, 192 S., € 29,90
Die Klimakrise ist da – und mit
ihr vielfältige Auswirkungen
auf unsere Gesundheit: Kreislaufprobleme,
Dehydrierung, zu
hohe UV-Belastung, Hitzewellen,
Infektionskrankheiten,
allergische Reaktionen und
auch psychische Belastungen.
Was jeder Einzelne von uns dagegen
tun und wie Widerstandskraft
aufgebaut werden kann,
zeigt die renommierte Wissenschaftsjournalistin
Christina
Berndt. In ihrem neuen Buch
gibt sie uns Strategien an die
Hand, die uns helfen, körperlich
und psychisch gesund zu
bleiben.
Christina Berndt:
Klimaresilienz
C. Bertelsmann, 304 S., € 22,70
Es ist der 28. August 2022 in
St. Johann in Tirol, als Florian
Apler bewusstlos auf der Uferpromenade
der Kitzbüheler
Ache aufgefunden wird. Daneben
der Buggy seines Sohnes –
umgestürzt und leer. Später
wird der Leichnam des sechsjährigen
Leon geborgen. Mit
diesem Buch tritt Florian Apler
erstmals an die Öffentlichkeit
und berichtet schonungslos
über jene Ereignisse, die sein
Leben für immer verändert
haben. Mängel in Justiz und
Polizeiarbeit haben ihn 522
Tage seines Lebens gekostet.
Florian Apler:
Der Fall Leon
Molden Verlag, 256 S., € 25,00
Waldameisen sind erstaunlich.
Sie sind Architekten, Raumklima-Ingenieure,
Jäger, Gärtner,
Viehhalter, Putzkolonne
und wahre Kraftprotze, die
sich selbst mit Wildschweinen
anlegen. Ingo Arndt und Jürgen
Tautz haben Waldameisen im
Jahresverlauf beobachtet, von
denen viele erstmals mit der
Kamera festgehalten wurden.
In einzigartigen Bildern und
anschaulichen Texten zeigen die
beiden, wie sich Waldameisen
organisieren und welche wichtige
Rolle sie im Ökosystem
Wald spielen.
Ingo Arndt, Jürgen Tautz:
Waldameisen
Knesebeck, 176 S., € 41,10
Willkommen in der kreativen
Küche von Flo Seidl, dem
leidenschaftlichen Hobbykoch
und Kolumnisten der beliebten
MundArt-Reihe im Innsbrucker
Magazin „6020“. In seinem
ersten Kochbuch präsentiert
Flo eine inspirierende Auswahl
seiner besten Rezepte aus
über 20 Jahren. Begleitet von
eindrucksvollen Bildern, die er
selbst auf seiner Sonnenterrasse
inszeniert, entführt dieses Buch
in eine Welt voller Geschmack,
Leidenschaft und kulinarischer
Abenteuer.
Flo Seidl:
MundArt
Tyrolia, 176 S., € 29,00
Bei 90 Prozent aller Diabetiker
Typ 2 ist der Lebensstil die
Ursache der Erkrankung. Die
gute Nachricht: Mit Ernährung
bekommt man Blutzuckerschwankungen
in den Griff.
Wo früher vor allem Verbote
galten, stehen heute allerdings
Genuss und Lebensqualität im
Vordergrund. Der umfangreiche
Theorieteil zeigt den aktuellen
Stand der Forschung und im
Rezeptteil sind 100 gesunde und
genussvolle Alltagsrezepte, die
jedem schmecken. Ein verlässlicher
Begleiter auf dem Weg zu
mehr Genuss bei Diabetes!
Johann Lafer, Matthias Riedl:
Medical Cuisine –
Genussvoll leben mit Diabetes
Gräfe & Unzer, 264 S., € 32,90
100 Jahre Ernst Jandl
Sein Hausverlag Luchterhand feiert und
wir dürfen uns freuen!
Tulipan Verlag
Bilderbücher auf höchstem Niveau
Der Tulipan Verlag wurde 2006 in Berlin gegründet.
Das Programm umfasst ein breites Spektrum hochwertig
gestalteter Bilderbücher, Vorlesebücher, Erstlesebücher,
Pappbilderbücher, Sachbücher für Kinder und Kinderromane.
Und heuer feiert der Verlag zehn Jahre Karl-Heinz
und Bisy. Zehn Jahre, in der die Fliege Bisy und die grummelige
Spinne Karl-Heinz diverse Abenteuer erleben. Ein
Bilder- und Leseerlebnis für Leser*innen ab vier Jahren.
Am 1. August 2025 hätte Ernst Jandl seinen
100. Geburtstag gefeiert. In der Mitte des
vergangenen Jahrhunderts hat er die Lyrik
revolutioniert: Seine Laut- und Sprechgedichte
verbinden Poesie und Performance,
Avantgarde und Populärkultur, sie schwanken
zwischen der Liebe zur Sprache und ihrer
Zertrümmerung, zwischen anarchischem
Witz und existenziellem Ernst.
Das Interesse an Ernst Jandls Werk ist ungebrochen.
Immer neue Generationen von
Leser*innen finden Gefallen an „ottos mops“,
der unerschrocken durch einen Kosmos aus
lauter „Os“ hopst, oder an dem ungleich
ernsteren Gedicht „schtzngrmm“, bei
dem am Ende Tote in den lautlich nachgebildeten
Schützengräben zurückgelassen
werden. Diesem auch nach dem Tod Ernst
Jandls im Jahr 2000 lebhaft gebliebenen
Interesse an seinem Werk trägt der Luchterhand
Verlag Rechnung. Zum einen wird die
wunderbare sechsbändige Werkausgabe von
€ 102,80 auf € 89,00 reduziert angeboten.
Sie enthält alle Gedichte, die der Autor
zu seinen Lebzeiten veröffentlicht hat,
gleichgültig ob er sie in seine berühmt
gewordenen Gedichtbände wie Laut und
Luise aufgenommen oder an verstreuten
Stellen veröffentlicht hat. Enthalten sind in
dieser Ausgabe auch alle seine essayistischen
Arbeiten, seine Theaterstücke, Hörspiele, die
Prosa und die autobiografischen Schriften.
In den Nachworten werden Jandls Schreiben
und darüber hinaus die Entstehungszusammenhänge
einzelner exemplarisch
Wer die Wiederbegegnung mit dem Dichter
Ernst Jandl sucht oder zum ersten Mal sich
den Texten dieses Autors annähern möchte
oder sich endlich einmal mit diesem Werk
als Ganzem beschäftigen möchte, findet in
dieser Ausgabe alles, was er sucht.
Sämtliche Gedichte, dazu die Prosa, die
Theaterstücke und Hörspiele und das zu
Recht gerühmte essayistische Werk sowie
die zur Legende gewordenen Frankfurter
Poetik-Vorlesungen: Das Gesamtwerk von
Ernst Jandl wird mit dieser Ausgabe wieder
zugänglich. Es ist eine Leseausgabe, die
im Geschenkschuber oder in Einzelbänden
erhältlich ist.
ausgewählter Gedichte erläutert. In dieser
Vollständigkeit waren die Texte von Ernst
Jandl noch nie zugänglich; zusätzlich enthält
die Ausgabe große Konvolute bisher unveröffentlicht
gebliebener Texte.
Ernst Jandl wurde 1925 in Wien geboren. Nach
Schule, Militärdienst und Kriegsgefangenschaft
studierte er Germanistik und Anglistik. Von 1949
bis 1974 arbeitete er als Gymnasiallehrer. Seit 1952
schrieb und veröffentlichte er Gedichte, seit 1954
bis zu seinem Lebensende war er mit Friederike
Mayröcker befreundet. Sein Werk wurde mit vielen
renommierten Preisen ausgezeichnet, darunter 1968
dem Hörspielpreis der Kriegsblinden (gemeinsam
mit Friederike Mayröcker), 1982 dem Mülheimer
Dramatikerpreis, 1984 dem Großen Österreichischen
Staatspreis und dem Georg-Büchner-Preis. 1995
erhielt er den Friedrich-Hölderlin-Preis und ein Jahr
danach das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um
die Republik Österreich.
Sammlertipp:
Sämtliche Werke Ernst Jandls
in einer sechsbändigen Ausgabe.
Hrsg. von Klaus Siblewski.
Luchterhand 3.712 S., € 102,80,
nun für € 89,00
Eines schönen Dezembermorgens
geht der grummeligen
Spinne Karl-Heinz die Fliege
Bisy ins Netz: ein vorzüglicher
Festtagsbraten, der,
nach Spinnenart zum Paket
verschnürt, bis Heiligabend im
Netz baumeln soll. Bisy bleiben
24 Tage, um Karl-Heinz von
seinen Festtagsplänen abzubringen.
24 Tage, um der Spinne
so richtig auf die Nerven zu
gehen. Und auf einmal stellt
sich die Frage, wer hier eigentlich
Opfer und wer Täter ist.
Eines schönen Tages werden die
grummelige Spinne Karl-Heinz
und die Stubenfliege Bisy unsanft
aus ihrem Netz geschüttelt.
Schnell wird den beiden klar,
was los ist: „In vielen Wohnungen
wütet der sogenannte
Frühjahrsputz. Dabei werden
Insekten und Spinnen einfach
weggefegt.“ Auch Karl-Heinz
und Bisy verlassen fluchtartig
das Wohnzimmer, bei der das
ungleiche Duo auf verschiedene
Gartenbewohner trifft: nervige
Ameisensoldaten, hilfsbereite
Kellerasseln, wichtigtuerische
Blattwanzen und gefährliche
Libellen.
Endlich wieder zu Hause –
in der guten alten Buchenhecke!
Aber hier ist nichts mehr, wie
es sein sollte. Keine blühenden
Blumen im Garten und der
Rasen ist raspelkurz. Doch
damit nicht genug: Ein verwöhnter,
pummeliger Bienen-
Drohn hat sich in Karl-Heinz’
und Bisys Netz eingenistet.
Leider ist der nicht der Einzige,
der Stunk macht. Das ganze
Bienenvolk wirbelt die Hecke
mächtig auf. Aber bald wird
klar: Auch die Bienen sind
Opfer des blütenlosen Gartens.
Ein Plan muss her …
Karl-Heinz und Bisy führen
ein beschauliches Leben in ihrer
Buchenhecke. Da reißt sie
eine zweifelhafte Ein ladung
aus ihrem Alltagstrott. Tante
Kassandra lädt zum gemeinsamen
Essen ein. Natürlich
wissen die beiden Freunde, dass
das nicht ungefährlich ist, weil
man schnell mal selbst zum
Hauptgericht wird. Trotzdem
sagen sie zu. Doch als sie im
Netz der Tante ankommen, ist
diese verschwunden. Das Netz
ist vollkommen verwüstet, als
hätte ein Kampf stattgefunden.
Was ist bloß passiert?
Buchtipp:
Ernst Jandl zum 100.
Luchterhand,
176 S., € 19,50
© XXX
Was hat uns das Werk Jandls
heute noch zu sagen?
Der Luchterhand Literaturverlag, in dem
Jandls Werk seit über 50 Jahren beheimatet
ist, hat seine deutschsprachigen Autor*innen
gebeten, mit einem eigenen Text jeweils
auf ihr Lieblingsgedicht aus dem Werk von
Ernst Jandl zu reagieren – herausgekommen
sind sehr persönliche und höchst originelle
Annäherungen an einen der wichtigsten
Dichter deutscher Sprache. Für Jandl-
Einsteiger*innen und Profis. Im Geschenkbuchformat.
Mit Beiträgen von: Martin Becker,
Kristine Bilkau, Marica Bodrožić,
Melitta Breznik, Marie Gamillscheg,
Christian Haller, Kerstin Hensel, Franz
Hohler, Norbert Hummelt, Judith Keller,
Terézia Mora, Christiane Neudecker,
Hanns-Josef Ortheil, Angelika Overath,
Christoph Peters, Benjamin Quaderer,
Jaroslav Rudiš, Saša Stanišić,
Michael Stavarič und Daniel Wisser.
56
Wagner’sche.
Ding-dong! Als der Paketbote
bei Karl-Heinz und Bisy
klingelt, stehen die Kreuzspinne
und die Stubenfliege vor einem
Rätsel. Denn das Paket enthält
ein rundes Irgendwas. Ein
Ei! Ob sie wollen oder nicht:
Der Familienzuwachs steht
an. Und die Adoptivtochter
bringt mächtig Schwung in das
Familiennetz – doch kann das
auf die Dauer gut gehen? Der
vierte Band nach dem Bestseller
Du spinnst wohl!
Puh, ist das heiß hier! Und mitten
im Dschungel den perfekten
Platz für ein neues Netz zu finden,
ist für Kreuzspinne Karl-
Heinz und Stubenfliege Bisy
auch keine einfache Aufgabe.
Ihre Adoptivtochter, die Vogelspinne
Mia, ist ihrer eigenen
Wege gegangen. Eines Tages
fliegt ein Flyer vom Ferienclub
Insektario auf sie herab. Doch
was ist das? Mia – gefesselt an
die Zielscheibe eines Messerwerfers!
Karl-Heinz und Bisy
befürchten das Schlimmste: Ihre
Tochter schwebt in Gefahr!
Karl-Heinz und Bisy haben die
Tropen verlassen und stechen
in See, um zu ihrer heimischen
Buchenhecke zurückzukehren.
Dabei finden sie eine
Flaschenpost und darin – eine
geheimnisvolle Schatzkarte!
Nun packt Karl-Heinz und
Bisy die Abenteuerlust und sie
machen sich auf den Weg, um
den Schatz zu heben. Dass sie
dabei in die Gefangenschaft
von Piraten geraten und den
schwarz-weißen Drachen überlisten
müssen, ahnen die beiden
da natürlich noch nicht …
Rette sich, wer kann! Die
einsame Insel von Bisy und
Karl-Heinz wird von einer
Horde Touristen gestürmt, die
alles verwüsten und sämtliches
Essen wegfuttern. Da bleibt den
beiden Freunden nur die Flucht
aufs offene Meer. Doch schon
bald geraten sie auf ihrem Floß
in Seenot. Zum Glück werden
sie von einem U-Boot aufgefischt
und der Wasserspinnen-
Kapitän erweist sich als überaus
freundlich und hilfsbereit –
scheinbar. Denn in Wirklichkeit
hat er ganz andere fiese Pläne …
Mit
literarischen
Empfehlungen:
Kein Satz zu viel, kein Satz
hohl, jeder Satz getragen von
einem hintersinnigen, existenziellen
Humor – Peter Handkes
Schnee von gestern, Schnee
von morgen mutet mit seinen
74 Seiten wie ein schmales
Prosabändchen an, ist aber ein
erstaunliches poetisches Kraftpaket.
Statt auf Story setzt
der Nobelpreisträger auf die
Verführungskraft der Sprache
und ihre Weisheit. Jemanden
beim Spazierengehen durch
die Landschaft des Lebens zu
begleiten, war niemals spannender,
erhellender, unterhaltsamer!
Friederike Gösweiner
Peter Handke:
Schnee von gestern, Schnee von morgen
Suhrkamp, 74 S., € 21,60
Sommer 1987, die junge Diamond
wächst ohne ihren Vater
auf, er ist vor sieben Jahren verschwunden.
Seitdem trampen
ihre Mutter und sie überall hin,
ein Zuhause gibt es nicht. Aber
auch mit Rassismus und Spott
wegen ihres Übergewichts hat
sie zu kämpfen. Ein Brief von
einer Unbekannten lässt sie auf
ein Wiedersehen hoffen. Dieser
kraftvolle Roman beinhaltet
alle Themen eines Teenagers,
schwierige Beziehungen Vater/
Tochter, Mutter/Tochter, der
Wunsch nach Zugehörigkeit.
Eine wundervolle Protagonistin.
Andrea Scheiber
Essie Chambers:
Swift River
Eichborn, 352 S., € 25,70
Ein niederländischer Gehirnchirurg
reist einmal im Jahr
nach Israel, um nach seiner
Tochter zu suchen, die dort vor
zehn Jahren spurlos in einem
Wüstenkrater verschwunden ist.
Ein fast unmöglicher medizinischer
Eingriff an der Tochter
eines arabischen Herrschers
verschafft ihm die – allerdings
hochriskante – Aussicht auf ein
Vermögen, das ihm bei dieser
Suche helfen soll. Ein fantastisches
modernes Märchen
aus Nahost und ein berührender
Roman über Verlust und
Elternliebe vom großen Leon
de Winter. Ina Cassik
Leon de Winter:
Stadt der Hunde
Diogenes, 272 S., € 27,80
Wolfgang Maria Bauers Debütroman
entführt die Leser*innen
in eine melancholische Bergwelt,
in der Stubber, ein wortkarger
Einzelgänger, um seinen
Platz ringt. Nach einer tragischen
Explosion wird ihm die
Schuld zugeschoben, während
er sich auf einer emotionalen
Reise mit der Sehnsucht nach
„Alaska“ konfrontiert sieht.
Bauers geschickte Erzählweise
verwebt eindrucksvoll Themen
wie Liebe und Fremdheit. Ein
fesselndes und atmosphärisches
Leseerlebnis, das lange nachhallt.
Sarah Loretz
Wolfgang Maria Bauer:
Kaltblut
C. Bertelsmann, 224 S., € 25,70
Versteckt im großen Massasauga-Sumpf
gibt es eine kleine
Insel, die kein Mann zu betreten
wagt. Dort lebt die Kräuterkundlerin
Hermine und heilt
alle Frauenleiden mit ihrem
Wissen. Sie selbst hat drei
Töchter, und ihre Enkeltochter
lebt bei ihr in der Wildnis. Diese
verbringt die Zeit damit, nach
Wahrheiten zu suchen. Wünsche
können auch gefährlich
werden. Großartig von Anfang
bis Ende, fasziniert haben mich
auch die unterschiedlichen Charaktere.
Für alle Leser*innen
von Gesang der Flusskrebse.
Andrea Scheiber
Bonnie Jo Campbell:
Moorlande
Harper Collins, 480 S., € 25,70
Für Polina ist eine Liebesgeschichte,
die – wie die
Melodie, die Hannes Prager
komponiert – noch lange nachklingt.
Hannes, Fritzis Sohn,
der aus einer kurzen Begegnung
im italienischen Lucca in den
Sommerferien vor ihrem Abitur
entstand, ist zeit seines Lebens
eng mit Polina und der Musik
verbunden. Ein Schicksalsschlag
kappt die Saiten, doch er findet
einen Weg zurück in sein Leben.
Eine berührende Geschichte
über Freundschaft, Mut und
Liebe. Angelika Moser
Takis Würger:
Für Polina
Diogenes, 291 S., € 26,80
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Wagner’sche.
Die Idylle des Dorflebens wird
jäh zerstört, als Ingo – erschöpft
vom Pendeln zwischen seinem
Start-up in Hamburg und dem
beschaulichen Fehrdorf – eines
Abends eine weiße Hirschkuh
anfährt. Denn das bringt Unglück,
um nicht zu sagen:
den Tod, und zwar den eigenen.
Wird die Stadtflucht zum Landfluch?
Martina Behm, Journalistin
und Strickdesignerin, zeichnet
in ihrem Debüt, das „allen,
die neu anfangen“ gewidmet
ist, ohne sentimentalen Kitsch
das Porträt einer Dorfgemeinschaft
aus dem Gleichgewicht.
Angelika Moser
Martina Behm:
Hier draußen
dtv, 490 S., € 24,70
Endlich kommt Schotti mit
seiner beliebten Reihe auch
nach Tirol. Goethezitate dürfen
beim belesenen Reisenden
nicht fehlen. „Nur wo du zu
Fuß warst, bist du gewesen“,
hat dieser gewusst. Die Schönheit
der Landschaft – meint
Schottenberg heute – macht
noch immer süchtig. Kostbares
wie Kurioses entdeckt er. In
Tirol pfeifen Tiere von den Bergen,
fliegen Menschen durch die
Luft, spazieren Elefanten über
Gipfel, versinken Kirchtürme
im Wasser und thronen Götter
in Steintempeln – und das alles
auf Tausenden Metern Höhe.
Robert Renk
Michael Schottenberg:
Tirol für Entdecker
Amalthea, 158 S., € 27,00
Liebe, Geld, Machenschaften.
Greg und Karine sind eben
in das Nobelviertel Cologny
gezogen. Dort freunden sie
sich mit Traumpaar Arpad
und Sophie an. Der Wunsch
dazuzugehören und Konflikte
im Beziehungsleben führen zu
Heimlichkeiten zwischen den
Eheleuten. Doch bald stellt
sich heraus, dass auch Arpad
ein schwerwiegendes Geheimnis
aus seiner Vergangenheit
mit sich herumträgt. Dann
bringt ein Raubüberfall beim
Juwelier alles durcheinander.
Ein spannungsreicher Roman,
in dem der Schein häufig trügt.
Katharina J. Ferner
Joel Dicker:
Ein ungezähmtes Tier
Piper, 432 S., € 26,80
Paolo Rumiz lesen ist immer ein
Erlebnis. Quer durch Italien, bis
an die Ränder Europas und darüber
hinaus erkundet Italiens
bekanntester Reiseschriftsteller
die Wunder der Erde, mal zu
Fuß oder mit dem Rad, gern
auf historischen Routen, stets
unterfüttert mit Wissen über
die Mythen der Region. Dem
unterirdischen Italien widmet er
sich in seinem neuesten Buch,
das voller interessanter und
kurioser Geschichten steckt,
und wie immer erzählt Rumiz
spannend, sprachmächtig und
höchst anschaulich. Joe Rabl
Paolo Rumiz:
Eine Stimme aus der Tiefe.
Reise durch das unterirdische Italien
Folio, 320 S., € 29,00
In einer Madrider Werbeagentur
arbeitet Marisa, und
damit die Arbeit erträglicher
ist, stillt sie ihre Unruhen
und Angststörungen mit Beruhigungsmitteln
und You-
Tube-Videos. Was macht einen
Job aus? Ist es erfüllend, nur
Mitläufer zu sein, ohne dass
es einem was gibt? Vielleicht
kann sich der eine oder andere
in diesem Buch identifizieren.
An einigen Stellen ist es zum
Lachen, wenn der Hintergrund
nicht so realistisch wäre. Ein beeindruckender,
melancholischer,
berührender Roman. Regt zum
Denken an. Andrea Scheiber
Bearitz Serrano:
Geht so
Eichborn, 240 S., € 22,70
Sie ist alles andere als eine
Feministin, hat eine Schwäche
für mächtige Männer. Trotzdem
gibt man nun ihr die Schuld
am Suizid eines erfolgreichen
Theaterintendanten. In einem
Artikel berichtete sie über seine
tyrannischen und frauenfeindlichen
Methoden. Jetzt liegt er
tot hinter der Oper in Sidney.
Der neue Roman der Deutschen
Buchpreisträgerin erzählt die
Geschichte einer Eskalation,
analytisch, vielschichtig und
ohne einseitige Schuldzuweisungen.
Veronika Schuchter
Antje Rávik Strubel:
Der Einfluss der Fasane
S. Fischer, 240 S., € 25,70
Von den schottischen Orkney
Inseln aus zu einer in die
gleißenden, verspiegelten
Landschaften der Literatur.
Kracht schickt einen Schweizer
Innenarchitekt auf eine Reise,
die ihn an die Grenzen seiner
Welt und weit darüber hinaus
führt. Erzählt aus dem Geiste
einer radikalen Romantik
schreibt Kracht eine faszinierende
Geschichte vom Hier und
vom Dort und katapultiert uns
aus unserer spätmodernen, leerlaufenden
Zivilisation mitten in
das, was Literatur zu erschaffen
vermag. Robert Renk
Christian Kracht:
Air
Kiepenheuer & Witsch, 224 S., € 26,70
Jane Austen war eine Meisterin
der Literatur, die mit
ihren Werken nicht nur ihre
eigene Zeit, sondern auch die
nachfolgenden Generationen
geprägt hat. Ihre scharfsinnige
Beobachtungsgabe, Gesellschaftskritik
und ihre zeitlosen
Themen machen ihre Romane
zu einem wichtigen Bestandteil
der Weltliteratur. Diese
limitierte Geschenkbuchausgabe
mit Lesebändchen, Dünndruckpapier
und Farbschnitt
umfasst alle sechs Romane in
ungekürzter Fassung. Eine
wunderbare Gelegenheit, in
diese Welt einzutauchen.
Andrea Scheiber
Jane Austen:
Die Romane
Reclam, 2.008 S., € 83,30
Ausgerechnet in River Valley,
einem Internat für Gehörlose,
wird die von Geburt an gehörlose
Charlie zur Außenseiterin,
weil sie die Gebärdensprache
nicht versteht. Als sie und zwei
weitere Schüler verschwinden,
gerät die Schulleiterin February
Waters noch mehr unter
Druck, soll doch ihre Schule
geschlossen werden. Sara Nović
gibt Einblicke in eine Welt,
für die hörenden Menschen
meist das Bewusstsein fehlt.
Sie mischt einen spannenden
Roman mit Fakten über die Gebärdensprachen
und das Leben
von Gehörlosen. Veronika Schuchter
Sara Nović:
Klartext
btb, 480 S., € 25,70
Wie ist das, wenn ein neuer
Staat gegründet wird, revolutionär
und utopisch? Christoph
Heins Erzähler berichtet von
der DDR, ihren Anfangsjahren,
in denen sich „Kadavergehorsam“
unter parteikonformen
Stümpern breitmacht, bis
zum Ende, als alles ordentlich
heruntergewirtschaftet ist und
der „antifaschistische Schutzwall“
fällt. Es ist die nüchterne
Chronik jener schönen neuen
Welt, die zwischen der Strahlkraft
ihrer Idee und dem realen
Alltag ihres exemplarischen
Erzählpersonals zerrissen ist.
Ein starkes Stück!
Bernhard Sandbichler
Christoph Hein:
Das Narrenschiff
Suhrkamp, 750 S., € 28,80
Santa Tereza erzählt von einem
Friedhofswächter, der damit
ganz zufrieden ist, nachts in
Ruhe seine Runden zu drehen.
Er ist als Sonderling bekannt
und lebt in seiner eigenen Welt.
Als er auf die 13-jährige Teresa
trifft und ihr nichtsahnend
Feuer für einen Joint gibt, hat
das schwere Folgen für ihn. Er
wird verdächtigt, das Hasch
verkauft zu haben, und verliert
dadurch seinen Job. Was aber
das Positive daran ist: Es entwickelt
sich daraus eine Freundschaft,
die ihn an seine Träume
erinnert. Andrea Scheiber
Flurin Jecker:
Santa Tereza
Nagel & Kimche, 144 S., € 23,70
2002 feierte Bernadette Schiefer
mit beeindruckender Prosa ihr
Debüt im Innsbrucker Skarabäus
Verlag. Auch in Nach dir
erzählt sie in einer eindringlich
verdichteten Sprache von
Trauer und Schmerz und den
unterschiedlichen Wegen, mit
dem Verlust eines Kindes fertig
zu werden, erzählt von der
Zerbrechlichkeit einer Liebe,
die dadurch an ihre Grenzen
stößt. Zwischen Verlust und der
verzweifelten Suche nach Halt
ringen Marie und Paul mit der
Frage, ob und wie sie als Paar
weiterleben können. Beeindruckend!
Robert Renk
Bernadette Schiefer:
Nach dir
Braumüller, 232 S., € 21,00
Mögen sich andere Autor*innen
in ihren Poetikvorlesungen
oft zu akademisch überhöhten
Selbstkommentaren hinreißen
lassen, die schon im Hörsaal,
aber erst recht zwischen
Buchdeckeln gähnen lassen.
Markovićs Text dagegen wird
zum Stand-up-Act, der wie
nebenbei Auskunft über die
Bedingungen und Grundlagen
ihres Schreibens gibt. Sie behauptet,
man könne bei einer
Poetikvorlesung sowieso nicht
gewinnen, und widerlegt es
zugleich: indem sie immer das
Gleiche macht, ohne jemals
das Gleiche zu machen.
Irene Zanol
Barbi Marković::
Stehlen, Schimpfen, Spielen
Rowohlt, 128 S., € 21,60
Wie erleben die Menschen –
Sieger/Besiegte, Opfer/Täter,
Prominente/Unbekannte – den
Sommer 1945, der alles veränderte
und in dem die alte
Welt in sich zusammenbrach? In
vielen Geschichten mit unterschiedlichen
Protagonist*innen
führt der Autor von Berlin
nach Tokio, von München nach
Paris oder von Bayreuth nach
Moskau und fängt die einzigartige
Atmosphäre dieser Zeit
der Extreme ein: Szenen, die
das große Glück und die Hoffnung
der Befreiten, das Elend
und die Trauer, die Ängste der
Besiegten und die neue Freiheit
beschreiben. Angelika Moser
Oliver Hilmes:
Ein Ende und ein Anfang
Siedler, 288 S., € 25,70
Nila ist die rebellische Tochter
afghanischer Ärzte, die nach
Berlin flohen. Nach dem Tod
ihrer Mutter kennt sie nur noch
Exzesse, Rausch und Drogen
und hofft, die Erinnerungen zu
vergessen. Sie treibt sich in alten
Hallen mit Hakenkreuz-Graffiti,
Skinheads und Nachtclubs
herum. Als sie einen amerikanischen
Schriftsteller trifft, ist es
die erste Liebe. Er fördert auch
ihre künstlerischen Fähigkeiten
und fordert auch einiges zurück.
Und trotz allem begeistert Nila
einen mit Wildheit und Schönheit.
Andrea Scheiber
Aria Aber:
Good Girl
Claassen Verlag, 400 S., € 26,70
Ganze 10 Jahre übersetzte
Mannoni Hitlers Mein Kampf
für eine kritisch-wissenschaftliche
Edition ins Französische.
In über 700 Seiten hatte sich Hitler
in einer kaum zugänglichen
Prosa ergossen und dieses Werk
dennoch „salonfähig“ gemacht.
Bis 1945 waren 12 Millionen Exemplare
im Umlauf. Angesichts
einer politischen Realität, in der
nationalsozialistisches Vokabular
in unseren Alltag zurückkehrt,
warnt uns Mannoni vor der
Wirkmacht dieser Sprache und
dem damit einhergehenden suggestiven
Kalkül und schildert,
was der hasserfüllte Text mit ihm
machte. Angelika Moser
Olivier Mannoni:
Hitler übersetzen
HarperCollins, 144 S., € 22,70
Era ist ein 15-jähriges Mädchen
und lebt am Waldesrand
mit ihrer Mutter. Nichts ist
naheliegender, als die vom
Aussterben bedrohten Vogelarten
zu dokumentieren und
dem entgegenzuwirken. Die
Mitschülerin Maja hat die
gleichen Interessen, und eine
Liebesgeschichte beginnt. Der
gelungene Debütroman spielt in
der nahen Zukunft, die klimatischen
Veränderungen sind weit
vorangeschritten, Waldbrände
häufen sich, das Atmen fällt
schwer. Durch humorvolle Momente
wird der Roman nicht
schwermütig. Andrea Scheiber
Fiona Sironic:
Am Samstag gehen die Mädchen in den
Wald und jagen Sachen in die Luft
Ecco Verlag, 208 S., € 23,70
Mitreißend, dringlich und
klug spannt Chimamanda
Ngozi Adichie über Kontinente
hinweg die Geschichten
von vier Frauen, die einander
immer wieder die Hand reichen.
Wie keine andere erzählt sie
von existentieller weiblicher
Erfahrung, die oft in den ganz
kleinen Augenblicken zutage
tritt: im Schwangerschaftstest
auf dem Badewannenrand, in
Tagträumen nach einem Augenkontakt
im Flugzeug oder im
Warten auf einen Anruf. Zehn
Jahre nach dem Weltbestseller
Americanah endlich der neue
große Roman. Robert Renk
Chimamanda Ngozi Adichie:
Dream Count
S. Fischer, 528 S., € 29,80
Ein reicher Fabriksbesitzer
wird 1980 von seinen Anwesen
in Long Island entführt, und
nachdem eine große Geldsumme
gezahlt wurde, kehrt
er wieder heim. Das Ereignis
prägt die jüdisch-amerikanische
Familie über Jahrzehnte, und
nichts ist mehr, wie es vorher
war. Die Frau kümmert sich
nur noch um ihren Mann, der
älteste Sohn hat psychische
Probleme, der zweite schreibt
Drehbücher mit Entführungsthemen,
die Tochter weiß noch
nicht recht. Ein sehr gelungener,
lesenswerter Familienroman mit
viel Humor. Andrea Scheiber
Taffy Brodesser-Akner:
Die Fletchers von Long Island
Eichborn, 576 S., € 26,70
Familie Hormann: Mutter
Marlene, Vater Siegfried und
die vier Kinder. Grundstückseigentümer,
Architekt, Vertreter
für Wasserfilter und ein eigener
Wollladen – das Geld reicht trotzdem
nicht. Familie Hormann
kann Geld ausgeben, aber es
nicht gut beisammenhalten.
Die Briefe der Bank und vom
Finanzamt stapeln sich, der Gerichtsvollzieher
kündigt sich an.
Doch wenn Marlene und Siegfried
eines können, dann ist es, in
diesem Schlamassel den Schein
zu bewahren. Ein Streifzug durch
die Zeit, Chaos und Charaktere
mit ganz viel Charme. Eigentlich
eine ganz normale Familie.
Lena Kripahle-Wiek
Christian Schünemann:
Bis die Sonne scheint
Diogenes, 251 S., € 26,70
Paris: Nachdem Anna, eine
Psychoanalytikerin, eine Fehlgeburt
hatte, nimmt ihr Mann
einen Job in England an.
Um sich abzulenken, renoviert
sie wie getrieben die Küche.
Sie macht Bekanntschaft mit
der radikal-feministischen
Clementine, einer sehr unruhigen
Frau. Der Roman
spielt in drei Teilen, und jede
Geschichte spielt in derselben
Wohnung, nur zeitversetzt.
Ein intelligenter, anspruchsvoller
Roman über Liebe,
Feminismus, Mutterschaft und
Romantik. Mit philosophischen
Details. Andrea Scheiber
Lauren Elkin:
Fassaden
Nagel & Kimche, 480 S., € 25,70
Der sensationelle Romanerfolg
aus Frankreich, ausgezeichnet
mit dem Prix Goncourt, endlich
auf Deutsch und sehr gut
übersetzt von Thomas Brovot.
Im großen Spiel des Schicksals
hat Mimo die falschen Karten
gezogen. In Armut geboren,
wird er als Junge zu seinem
Onkel nach Italien gegeben, um
Bildhauer zu werden. Dort trifft
er auf Viola, Tochter aus gutem
Hause. Auf ewig verbunden
durchleben sie die erste Hälfte
des 20. Jahrhunderts. Aber
nicht immer auf derselben Seite.
Sensationell! Robert Renk
Andrea Jean-Baptiste:
Was ich von ihr weiß
Luchterhand, 512 S., € 25,70
Die wunderbare Musikerin
legt ihren ersten Roman vor.
Sie schreibt von zwei Außenseiter*innen,
die die Kraft der
Musik gemeinsam überleben
lässt. Die Ich-Erzählerin und
ihr Freund Niemand wachsen
zuerst in London, dann in Bern
auf. Doch dann bekommt die
Freundschaft Risse. Während
Niemand eine Obsession für
die Volkskunde der Walserinnen
entwickelt, von denen
die Erzählerin abstammt, und
während sie selbst erste eigene
Lieder schreibt, bahnt sich
eine Katastrophe an. Ein vielschichtiger
und bewegender
Roman! Robert Renk
Sophie Hunger:
Walzer für Niemand
Kiepenheuer & Witsch, 192 S., € 23,70
„The Walking Date“ ist eine
Dating-Plattform für Menschen,
die nicht mehr lange zu
leben haben. Raphael meldet
sich an und tatsächlich funkt
es zwischen ihm und Nala. Am
Tag ihres ersten Dates geht es
ihm nicht gut, und er überredet
seinen besten Freund
Julius, an seiner Stelle zu gehen.
Julius spielt widerwillig den
Schwerkranken, doch Nala ist
enttäuscht von seinem oberflächlichen
Auftreten. Um zu
beeindrucken, lügt er über seine
letzten Tage und muss bald alles
verschenken, um nicht alles zu
verlieren. Lena Kriphale-Wieck
Sebastian Fitzek:
Horror-Date / Kein Thriller
Droemer HC, 336 S., € 18,50
Endlich wieder ein satter und
spannender Roman des großen
Iren in N. Y.! Verbindungen
und ihre Störungen stehen im
Mittelpunkt. Ob es die Tiefseekabel,
die die globalen Datenflüsse
leiten, sind, oder zwei
Männer, die sich – vielleicht
– für dieselbe Frau interessieren.
Die zwei sind Fennell und
Conway. Der eine Journalist,
der eine Reportage über das
Reparaturschiff für Kabelbrüche
in der Tiefsee schreiben
soll. Der andere der Missionschef
am Schiff. Ein grandioser
Roman, der auch Hemingway
oder Conrad gefallen würde!
Robert Renk
Colum McCann:
Twist
Rowohlt, 416 S., € 29,80
Ein eindringliches Porträt dreier
Generationen von Frauen, das
die Themen Schweigen, Verlust
und Identität beleuchtet. Mit
poetischer Sprache erweckt
Edel das Unausgesprochene
zum Leben. Die Protagonistin
Raisa kämpft gegen die
Schatten ihrer Vergangenheit
und die emotionalen Barrieren
ihrer Mutter Martha. Das Zusammenspiel
von Vergangenheit
und Gegenwart schafft ein
vielschichtiges und berührendes
Leseerlebnis. Ein herausragendes
Werk über die Kraft
von Erinnerungen und die
Fähigkeit, sich neu zu erfinden.
Sarah Loretz
Rabea Edel:
Portrait meiner Mutter mit Geistern
C.H. Beck, 590 S., € 26,80
Die Großmutter flieht im
Zweiten Weltkrieg aus Polen
in den Libanon. Die Mutter
verlässt den Libanon für ein
Leben in Deutschland. Die
Tochter muss für eine Zukunft
zurück nach Polen. Über eine
Zeitspanne von siebzig Jahren
hinweg erzählt Paola Lopez die
mitreißende Familiengeschichte
dreier Frauen, die sich ein freies
Leben erkämpfen und eine
Verbindung zueinander suchen.
Ein berührender Roman über
das Erbe unserer Mütter, das
wir alle mit uns tragen. Ein
wunderbares Debüt der österreichischen
Autorin!
Robert Renk
Paola Lopez:
Die Summe unserer Teile
Tropen, 256 S., € 25,70
Annett Gröschners Roman
über Hanna Krause erzählt
eindrucksvoll das 20. Jahrhundert
durch das Leben einer
bemerkenswerten Frau. Von
der Blumenbinderin zur Kranführerin
meistert sie Kriege,
Diktaturen und persönliche
Tragödien. Ihr Lebensweg
spiegelt die Stärken der Frauen
dieser Zeit wider. Mit einer
eindringlichen Mischung aus
Poesie und Realismus gelingt
Gröschner eine berührende Erzählung
über Verlust, Liebe und
Lebenswillen, die nachhaltig
beeindruckt und zum Nachdenken
anregt. Ein großer Wurf
der Literatur! Sarah Loretz
Annett Gröschner:
Schwebende Lasten
C. H. Beck, 282 S., € 25,80
Johann Strauss (Sohn) verbrachte
elf Sommer als Kapellmeister
in Pawlowsk bei St.
Petersburg. Dort verliebte er
sich in die Komponistin Olga
Smirnitzkaja, doch ihre Eltern
und seine Mutter verhinderten
die Heirat. Eine Flucht
scheiterte an seinem Zögern.
Fast 30 Jahre später blickt der
60-Jährige in St. Petersburg auf
sein Leben zurück. Seine Erkrankungen
erscheinen nun in
neuem Licht. „Nur einen Sommer
habe ich wirklich gelebt“,
resümiert er in einer schonungslosen
Selbstanklage.
Angelika Moser
Michael Dangl:
Der Walzermacher
Braumüller Verlag, 160 S., € 23,00
Im Schatten der vermögenden
Familie Van Laar entfaltet
sich das Drama um das
Verschwinden der Tochter
Barbara in einer Atmosphäre
voller Geheimnisse und Machtkämpfe.
Die Parallelität zu dem
seit Jahren vermissten Bruder
erzeugt ein beklemmendes Gefühl,
das die Leser*innen fesselt.
Moore beleuchtet eindringlich
soziale Ungleichheit und den
Kampf um Selbstbestimmung,
während sie die Verstrickungen
der Charaktere meisterhaft
entfaltet. Roman oder Thriller?
Egal, spannend und lesenswert!
Sarah Loretz
Liz Moore:
Der Gott des Waldes
C.H. Beck, 590 S., € 26,80
Es scheint alles gut geregelt:
Klara hat eine Rundumbetreuung
für ihre Mutter
gefunden, Paulína aus der
Slowakei eine gut bezahlte
Arbeit. Aber das Arrangement
ist nur auf den ersten Blick eine
Win-win-Situation, und dann
geschieht auch noch ein Unglück.
In klarer, präziser Sprache
beschreibt Susanne Gregor
die Bedingungen moderner
Care-Arbeit mit all den Konsequenzen
für die unmittelbar
Betroffenen sowie deren soziales
Umfeld. Gesellschaftlich relevant,
ästhetisch überzeugend:
große Literatur. Joe Rabl
Susanne Gregor:
Halbe Leben
Zsolnay, 189 S., € 24,70
Zum ersten Mal wagt sich der
Shootingstar der französischen
Literatur vom Land in die
Stadt. In die Hauptstadt! Édouard
Louis kehrt zur Geschichte
seiner Mutter zurück. Zu einer
Frau, die sich schon einmal befreit
hat. Von Alkohol, Gewalt
und Scham, vom Schweigen.
Und deren Geschichte sich
zu wiederholen droht. Schritt
für Schritt plant der Sohn mit
ihr den Ausbruch, ein neuer
Anfang gelingt, aber wie geht
das Leben weiter, wenn man
Freiheit nie gelernt hat? Ein
einfühlsames und zartes Porträt
einer Mutter! Robert Renk
Edouard Louis:
Monique bricht aus
S. Fischer, 160 S., € 23,70
Nach über 60 Jahren trifft
Luisa zufällig ihre Jugendliebe
Heinrich wieder. Sie hatten sich
einst aus den Augen verloren,
doch nun verabreden sie ein
Wiedersehen – dem viele weitere
folgen. In Gesprächen blicken
sie auf ihre kurze Liebe und
die Jahrzehnte ihrer Trennung
zurück. Die alte Nähe kehrt
zurück, und sie reisen durch die
Höhen und Tiefen ihres Lebens.
Entsteht spät, aber doch eine
neue Liebe? Denn: Ab einem
gewissen Alter sollte man nichts
mehr verschieben.
Angelika Moser
Erika Pluhar:
Später aber doch
Residenz, 156 S., € 23,00
Immer wenn Büchnerpreisträger
Clemens Setz zum Übersetzer
wird, kann man sich auf
etwas skurril Besonderes freuen!
So auch hier, wie der Titel
schon verrät! Unsere Heldin
befindet sich im Jenseits. Sie
lebt im Hotel der Untoten, hat
kaum Erinnerungen, einen Arm
zu wenig, dafür aber eine Krähe
zu viel. „Schlichtweg glorreich.
Eine eigene Zombiepoesie.
Es währt für immer und dann ist
es vorbei fesselt uns und zieht
uns ins Zombie Hotel.“
The Times Literary. Robert Renk
Anne de Marcken:
Es währt für immer und dann ist es vorbei
Suhrkamp, 151 S., € 24,70
An einem Juni-Tag steht
die Zeit still: Niemand stirbt,
niemand wird geboren. Die
Menschen reagieren unterschiedlich
auf die neue Ewigkeit.
Margo will reisen, doch
ihr Mann bleibt bei seinen
Pflanzen. Jenny genießt die
Zeit mit ihrer Familie, fürchtet
aber, etwas zu verpassen. Eva
sorgt sich um Schwangere ohne
Geburtstermin. Während das
Rätsel bleibt, warum nur Menschen
aus der Zeit gefallen sind,
erzählt Maja Lunde einfühlsam
von Vergänglichkeit, Natur und
dem Leben im Jetzt.
Angelika Moser
Maja Lunde:
Für immer
btb, 313 S., € 24,70
Auf der Longlist des International
Booker Prize 2025 steht
der aktuelle Roman der wichtigsten
surinamischen Autorin!
Wir gratulieren dem Residenz
Verlag! Paramaribo um 1950:
Die junge Lehrerin Nunka wird
von ihrer Familie mit Louis aus
Curaçao verheiratet. Bald schon
wagt sie Unglaubliches: Nach
nur neun Tagen flieht sie vor
ihrem gewalttätigen Ehemann.
Die Geschichte einer unerhörten
Liebe im Surinam der Fünfzigerjahre:
dicht, sinnlich und
poetisch erzählt von einer großen
Stimme der postkolonialen
Literatur. Robert Renk
Astrid H. Roemer:
Vom Wahnsinn einer Frau
Residenz, S. 356, € 29,00
In Die Dauer der Liebe wird
das Leben der Übersetzerin
Renata jäh erschüttert, als sie
vom Tod ihres langjährigen
Partners erfährt. Ihre Trauer
wird durch das Missachten
seiner Herkunftsfamilie verstärkt,
die ihre Beziehung nicht
anerkennt. Gruber meistert es,
Renatas schmerzhafte Suche
nach Identität und Respekt in
poetischer Sprache darzustellen.
Das Buch berührt mit seiner
Tiefe und zeigt, wie Renata
lernt, ohne Konrad weiterzuleben.
Ergreifend und kraftvoll,
jetzt auch als Taschenbuch!
Sarah Loretz
Sabine Gruber:
Die Dauer der Liebe
C.H. Beck, 251 S., € 16,50
Seit sie nach ihrem Tod an der
Blackwood Academy gelandet
ist, muss Wren verlorene Seelen
auf die andere Seite begleiten.
Nur ein magischer, aber
gnadenloser Wettkampf kann
sie von dieser Aufgabe erlösen,
doch dieser findet nur alle 10
Jahre statt. Kann sie sich gegen
die Konkurrenz durchsetzen
und wird es ihr gelingen, aus
dem Zwischenreich zu entfliehen?
Düstere Fantasy voller
Geheimnisse und Romantik.
Angelika Moser
I. V. Marie:
Immortal Consequences.
Die Blackwood Academy Trials
cbj, 528 S., € 25,70
Mit
kriminalistischen
Empfehlungen:
64
Wagner’sche.
Nach Yoko erzählt John die
Geschichte eines gnadenlosen
Mörders. Yoko, eine gesuchte
Mörderin, lebt unter der Identität
John auf einer griechischen
Insel, arbeitet in einer Taverne
und pflegt das Anwesen
einer wohlhabenden Frau.
Yoko ist Vergangenheit. John
ist die Zukunft. John genießt
die Ruhe, doch in Deutschland
wird der Fall Yoko wieder
aufgerollt. Neue Beweismittel
kommen ans Licht, ihre Akte
wird geöffnet – und John wird
enttarnt. Die Jagd beginnt.
Der ersehnte Nachfolger von
Bernhard Aichner.
Bernhard Aichner:
John
Rowohlt Wunderlich, 352 S., € 25,70
Während die Wahl des norwegischen
Parlaments immer näher
rückt, herrscht bei der Terrorabwehr
höchste Alarmbereitschaft:
Es gibt Hinweise auf
einen bevorstehenden Anschlag.
Im Verdacht steht eine Gruppe
rechtsnationaler Extremisten,
mit einer großen Menge Rizin.
Die Anti-Terror-Ermittler Liselott
Benjamin und Martin Tong
versuchen fieberhaft, den Anschlag
zu vereiteln. Währenddessen
geht der Wahlkampf in
die heiße Phase. Und irgendjemand
will das Land ins Chaos
stürzen. Und die Uhr tickt!
Ingar Johnsrud:
Echokammer
Droemer TB, 448 S., € 18,50
Journalistin Gianna Pitti soll
auf Bitten ihres Vaters einen
Informanten treffen. Dort entdeckt
sie eine Frauenleiche und
sieht einen Wagen davonfahren.
Bei der Leiche findet sie eine
CD-ROM-Hülle mit der Aufschrift:
Churchills Geheimnis.
Gemeinsam mit ihrem Vater,
Onkel Francesco und Chefredakteurin
Elvira Sondrini
versucht Gianna, das Rätsel
zu lösen. In der Bibliothek
finden sie Aufzeichnungen von
Giannas Urgroßvater, der mit
Winston Churchill an der Baia
delle Sirene war. Historisch gut!
Lenz Koppelstätter:
Was am Ufer lauert
Kiepenheuer & Witsch, 288 S., € 18,50
Simon Dorn beendet nach
persönlichen Schicksalsschlägen
seinen Polizeidienst und zieht
sich ins Hotel Dornwald zurück.
Dort verwandelt er das
Hotel in einen Schaukasten ungelöster
Mordfälle. Seine einzige
Verbindung zur Außenwelt ist
Karla Hofbauer vom Cold-Case-Management.
Als Hofbauer
in Hamburg ermordet wird,
deutet alles auf einen Serientäter
hin. Die Kriminalpolizistin
Lea Wagner folgt Hofbauers
Spuren nach Bad Gastein,
und bald ermitteln Dorn und
Wagner gemeinsam gegen einen
grenzenlosen Mörder.
Jan Beck:
Dorn
Penguin Verlag, 384 S., € 17,50
Svetlana liebt russische Literatur
und Detektivgeschichten.
Ihre Lebensweisheiten sind
legendär wie ihre Grammatik.
Tommi, Chaot Anfang 30,
arbeitet an seinem Durchbruch
als Autor. Aus Geldmangel
haust er im alten Wohnmobil
seines Vaters; dieses hat er
zusammen mit der Putzfrau
Svetlana bekommen. Als
die beiden eines Abends ein
kleines Mädchen am Waldrand
auflesen, ahnen sie nicht,
dass ihre unkonventionelle und
bisweilen tollkühne Suche nach
der Mutter sie auf die Spur
eines schrecklichen Verbrechens
bringt.
Volker Klüpfel:
Wenn Ende gut dann alles
Penguin Verlag, 416 S., € 25,70
Die 15-jährige Ámbar lebt
zwischen einsamen Landstraßen
und heruntergekommenen
Motels. An der Seite ihres Vaters
Víctor Mondragón ist sie Gewalt
und Kriminalität gewöhnt. Statt
Freunde zu treffen, verarztet sie
Víctors Schussverletzungen. Was
ihr zum Leben genügt, sind ein
abgesägtes Gewehr, gefälschte
Pässe und das wenige Geld, das
sie heimlich für ein Tattoo spart.
Doch je tiefer sie in die Welt ihres
Vaters eintaucht, desto mehr
Zweifel kommen ihr. Kann sie
ihm wirklich vertrauen? Und
wird sie lange genug überleben,
um seinen Geheimnissen auf die
Spur zu kommen?
Nicolás Ferraro:
Ámbar
Pendragon, 280 S., € 23,70
Amy ist Besitzerin eines Londoner
Blumenladens, Darling Blossom.
Der erfolgreiche Architekt
J. Elliot beauftragt Amy, die
Blumen für die Überraschungsparty
für seine Schwägerin Isabel
zu arrangieren. Diese ist alles,
was sich Amy immer erträumt
hat: schön, selbstbewusst und
beliebt. Immer mehr wird Amy
Teil von Isabels Leben, doch
dann kommt jemand zu Tode,
und alle Augen sind auf Amy
gerichtet. Sie muss alles tun,
um den Verdacht von sich zu
lenken, denn in ihrer Vergangenheit
lauert eine Tat, die niemals
entdeckt werden darf, und auch
die Elliotts scheinen nicht unschuldig
zu sein.
C. L. Pattison:
The Florist
dtv, 352 S., € 17,50
DI Ryan Wilkins, aufgewachsen
in einem Trailerpark, kennt
die Universität Oxford nur
aus der Ferne. Der Mord an
einer jungen Frau führt ihn
genau dorthin. Zusammen
mit seinem Namensvetter DI
Ray Wilkins, Absolvent der
Universität Oxford, muss das
ungleiche Team herausfinden,
wer die Unbekannte ermordet
hat. Die Ermittlungen erfordern
Takt und Fingerspitzengefühl,
beides nicht Ryans Stärken.
Gemeinsam mit Ray stößt er
auf Verbindungen zwischen der
Toten und einer alten Schuld,
die bald weitere Opfer fordert.
Simon Mason:
Ein Mord im November
Goldmann Verlag, 400 S., € 17,50
Irgendwo in der Nordsee: Eine
Gruppe von Tauchern muss
vor ihrem Einsatz bei einer
Ölpipeline zum Druckausgleich
mehrere Tage in einer eisernen
Kammer verbringen. Für
die Profis eine vermeintliche
Routine – bis es in der Kammer
plötzlich einen ersten Todesfall
gibt, dem weitere folgen. Die
verbleibenden Tage werden für
die weiter schwindende Zahl
an Überlebenden zu einem
nervenzerfetzenden Albtraum,
aus dem es kein Entkommen
gibt. Denn das Öffnen der Tür
würde für alle Insassen den Tod
bedeuten.
Will Dean:
Die Kammer
Hoffmann und Campe, 400 S., € 18,50
Ein Mord am Straßenstrich
zwingt den geheimnisvollen
„Kuckuck“, sein wahres Gesicht
zu zeigen. Nahe der letzten
Straßenstriche Wiens wird ein
80-Jähriger ermordet. Der Täter,
ein Zuhälter, ist schnell gefasst,
doch das Sterben geht weiter.
Fina ermittelt in weiteren Mordfällen
an 80-jährigen Männern,
die mehr verbindet als ihr Alter.
Der Zeuge schweigt aus Angst
um sein Leben. Fina ahnt, dass
der „Kuckuck“ seine Taten in
anderen Mordserien versteckt
hat und nun nicht länger warten
will, um sein Werk zu vollenden.
Ursula Poznanski:
Teufels Tanz
Knaur HC, 368 S., € 19,50
London 1901: Der Temple-Bezirk
mit seinen alten Gebäuden,
Zentrum der englischen Rechtswelt,
und bisher gab es hier nie
einen offiziellen Mord. Doch
dann findet der Anwalt Gabriel
Ward an einem Mai-Morgen
die Leiche des obersten Richters
und wird mit der Aufklärung
betraut. Ohne polizeiliche
Unterstützung stürzt er sich mit
Logik und Akribie auf die Ermittlungen.
Doch bald merkt er,
dass der Mord eigenen Gesetzen
folgt und im Temple-Bezirk
dunkle Geheimnisse lauern,
die er sich nie hätte vorstellen
können.
Sally Smith:
Der Tote in der Crown Row
Goldmann Verlag, 400 S., € 23,70
Emma führt ein ruhiges Leben
an der bretonischen Küste.
Nach einem tragischen Ereignis
in ihrer Vergangenheit widmet
sie all ihre Kraft ihrer Arbeit in
einem namhaften Zentrum für
Meerestherapie. Bis sie die Chance
erhält, im Oman das Team
eines neuen Wellness- Resorts
zu schulen. An der Spitze der
luxuriösen Einrichtung steht
Tariq, der Sohn eines mächtigen
Ministers. Die beiden fühlen sich
zueinander hingezogen. Inmitten
eines weitreichenden Machtspiels
voller Intrigen kann sie bald niemandem
mehr trauen und gerät
in tödliche Gefahr. Doch Emma
weiß, wie man überlebt.
Jean Reno:
Emma
Lübbe, 320 S., € 25,70
40
Orte
Täglich außer
sonntags — 15 Uhr
In der Fastenzeit — Aschermittwoch
bis Karsamstag —
wird täglich (außer sonntags)
ein anderer Ort zwischen
Wattens, Hall und Innsbruck
besucht, um gemeinsam
30 Minuten lang jeweils
Inseln des Innehaltens zu
erleben. Im Zentrum der
kurzen Aktionen stehen vor
allem Musik und Text, die
sich dem Thema sein_schein
widmen.
Veranstaltung:
BACH, TELEMANN, GIRTAIN
Anna Gratl – Violine und
Erika Wimmer Mazohl – Text
Sa., 19.04., 15:00 Uhr
Wagner’sche Buchhandlung,
Innsbruck
Aktuelle Informationen:
osterfestival.at/orte
© Thommy Mardo
listening
closely 2025
21.–29. Mai 2025
Wattens, Innsbruck
listening closely 2025 – 8 Konzerte,
3 Masterclasses, 10 Uraufführungen
Assoziativ und spielerisch frei bewegt sich
das Programm der dritten Ausgabe des
Kammermusikfestivals listening closely
über sogenannte Genregrenzen hinweg.
Folk Songs und Kunstlieder treten in Dialog
miteinander, sehr Altes und Brandneues
offenbaren ihre Verwandtschaft, Uraufführungen
auf fast vergessenen Instrumenten
bringen neue musikalische Farben ans
Licht …
Natürlich wird auch wieder ein heimischer
Künstler als Featured Artist ins Zentrum
des Programms gerückt, diesmal der
Jochberger Saxophonist Andreas Mader
(*1993). Auch Masterclasses finden wieder
statt, bei denen Publikum herzlich willkommen
ist.
Featured Artist
Andreas Mader
in concert:
Bach+
Andreas Mader, Saxophon und
Live-Elektronik
Werke von J. S. Bach, Steve Reich,
Theo Loevendie {UA} u. a.
Sa., 24. Mai, 18:00 Uhr
Innsbruck, ORF Tirol, Studio 3
Walking the Dog
Andreas Mader, Saxophon und
Joseph Moog, Klavier
Werke von Claude Debussy,
Darius Milhaud, Sergei Prokofiev,
Lera Auerbach {ÖEA} u. a.
Sa., 24. Mai, 18:00 Uhr
Innsbruck, ORF Tirol, Studio 3
Infos und Tickets über
www.listeningclosely.eu
Bücher seit 1639
Autor*innen
dieser Ausgabe
Ina Cassik ist Buchhändlerin bei Stöger-Leporello in Wien.
Aus dem einstigen Studentenjob in einer Buchhandlung
wurde der Traumberuf! Leidenschaftliche Vielleserin mit
Schwerpunkt auf Gegenwartsliteratur. Liebt ihren Beruf,
weil er so vielseitig ist wie kein anderer. Lebt mit ihrer
Familie am Stadtrand von Wien.
Katharina J. Ferner, geb. 1991, lebt als Poetin und
Performerin in Salzburg und Wien. Redaktionsmitglied der
Literaturzeitschrift „mosaik“. Jüngste Veröffentlichung
salamanderin (Limbus, 2025).
Wolfgang Finger, Reisen hat schon immer einen großen
Stellenwert in seinem Leben gespielt. Einerseits durch seine
berufliche Tätigkeit, von der Lehre in der Reisebuchhandlung
freytag & berndt in Wien bis zur selbstständigen Übernahme
der Filiale in Innsbruck. Anderseits durch viele private
Reisen. Seit 2019 ist er der Reiseliteraturfachmann in der
Wagner’schen (jeden Dienstag!).
Martin Fritz, geboren 1982, studierte Vergleichende
Literaturwissenschaft und Deutsche Philologie in Innsbruck,
hört sich in seiner Freizeit gerne DJ Patex’ Coverversion des
Songs I Wish I Was Him an. War Teil der 1. Innsbrucker
Lesebühne Text ohne Reiter, ist Teil der Innsbrucker Lesebühne
FHK5K.
Friederike Gösweiner, geb. 1980 in Rum, Autorin, Kritikerin
(Die Presse) und Lektorin. Ihr Debütroman Traurige
Freiheit (Droschl 2016) wurde mit dem Österreichischen
Buchpreis (Debüt) ausgezeichnet, ihr zweiter Roman
Regenbogenweiß (Droschl) erschien 2022. Mehrere Stipendien
und Preise, zuletzt Elias-Canetti-Stipendium der
Stadt Wien. www.friederikegoesweiner.com
Dagmar Harbich, ist seit 30 Jahren Buchhändlerin und ihr
Herz schlägt besonders für das Kinder- und Jugendbuch.
Wenn sie nicht die Filiale Leporello im 1. Wiener Gemeindebezirk
leitet, reist sie leidenschaftlich gerne in Begleitung des
Kinderbuchmaskottchens Frau Erna.
Georg Hasibeder, geb. 1977, langjähriger Lektor
und Programmverantwortlicher des Haymon Verlags,
lebt in Innsbruck.
Birgit Holzner, 1974 in Innsbruck geboren, Studium der
Romanistik und Germanistik an der Universität Innsbruck,
1995–1996 EU-Fremdsprachenassistentin am Lycée francofinlandais
d’Helsinki, 2000–2003 Lektorin des Helbling
Verlages, 2003–2006 ÖK-Lektorin an der Université de Caen
und an der Sciences Po Paris, seit 2008 Verlagsleiterin der
innsbruck university press und der edition laurin an der
Universität Innsbruck.
67
Markus Köhle schreibt, um gehört zu werden. Er ist Sprachinstallateur,
Literaturzeitschriftenaktivist und Papa Slam
Österreichs. Seit 23 Jahren organisiert er (gem. mit Robert
Renk) das Innsbrucker Prosafestival. Zuletzt erschienen
Dass Dort ist wie das Internet, es vergißt nichts (2023) und
Land der Zäune (2025 – beide Sonderzahl).
Lena Kriphale-Wiek, Buchhändlerin in der Wagner’schen seit
2015, neben der Begeisterung für Bücher – egal ob Krimi,
Roman oder Reiseliteratur – ist sie mittlerweile Mutter von
zwei Kindern. Dadurch hat sich ihr Lesespektrum auch auf
alle Bilderbücher und Geschichten für Kinder erweitert.
Sarah Loretz, geboren 1998. Aufgewachsen in einem kleinen
Bergdorf in Vorarlberg. Hat schon als Kind ihre Liebe zu
Büchern (vor allem Fantasyromane, die auch gerne von
Markus Heitz sein dürfen) entdeckt. In der Wagner’schen
hat sie ihr Hobby zum Beruf gemacht, zieht allerdings
inzwischen weiter in andere Berufsgefilde.
Angelika Moser, 1968 in Innsbruck geboren, hat Übersetzungswissenschaften,
Jus und Vergleichende Literaturwissenschaften
studiert. Sie ist als selbstständige Lektorin
und Texterin tätig (www.korrekterweise.at). Korrekt und
weise nimmt sie auch das Wagner’sche Buchmagazin unter
ihre Fittiche. Sie schreibt Kurzgeschichten (Das kleine
Grauen, Allein im Café) oder auch mal etwas Längeres
(Beinahe ein Roman).
Fritz Ostermayer, seines Zeichens Mitbegründer von FM4
und dort noch als Obersumpfist tätig. Bis vor kurzem
auch künstlerischer Leiter der Schule für Dichtung, dieses
Zepter reichte er vor kurzem an Nicolas Mahler weiter.
Fritz Ostermayer gilt als Förderer von Unterground- und
Alternativkultur und gab Musikern und Künstlern wie
Christoph & Lollo, Soap&Skin, Beirut oder monochrom
schon früh eine Bühne. Außerdem ist der gebürtige Schattendorfer
Burgenländischer Meister im Chilipartyschmeißen
und Spezialist für Trauermärsche!
Joe Rabl, 1963 in Kufstein geboren; Studium der Komparatistik
und Germanistik in Innsbruck; war in diversen
Verlagen beschäftigt; lebt nach Jahren in Wien und Salzburg
wieder in Innsbruck; arbeitet als freier Lektor.
Markus Renk, seit 38 Jahren in der Buchbranche.
Vom Lehrling, über den Vorstand bis zum selbstständigen
Unternehmer. Buchhändler aus Leidenschaft, der sich
mit den Übernahmen der Wagner’schen, Stierle, Kelten-
Buchhandlung, Stöger und Leporello gleich mehrere
Träume verwirklichen konnte.
Robert Renk, Buchhändler und Kulturvermittler,
u. a.Innsbrucker Prosafestival, Lyrikfestival W:ORTE
und stv. Festivalleiter vom Hausacher Leselenz.
Seit 2025 Sortimentsleiter in der Wagner’schen.
Gibt das Magazin #unabhängig heraus.
Anna Rottensteiner, geboren 1962 in Bozen, lebt als
Literaturwissenschaftlerin und Autorin in Innsbruck.
Bernhard Sandbichler, Germanist und Romanist, Innsbruck.
Andrea Scheiber, seit 1992 in der Wagner’schen Buchhandlung.
Betreut Koch- und Kinderbuch und steckt hinter
den Blind Dates. Wenn sie nicht gerade liest, ist sie in der
Natur oder beim Handarbeiten zu finden.
Siljarosa Schletterer, Autorin und Lyrikaktivistin.
Wurde von Flüssen und Hunden erzogen und gebe es die
Lyrik nicht, würde sie wohl mehr bellen. Sie erhielt mehrere
Stipendien und Auszeichnungen, u. a. das Große Literaturstipendium
des Landes Tirol. Ist fixes Organisationsmitglied
beim Lyrikfestival W:ORTE. Zuletzt erschien azur ton nähe –
flussdiktate (Limbus 2022) und entschämungen. körperkantate
(Limbus 2025). siljarosaschletterer.com
Veronika Schuchter ist Literaturwissenschaftlerin am
Institut für Germanistik an der Universität Innsbruck
und freie Literaturkritikerin.
Helena Töchterle, geb. 1995, hat Philosophie studiert.
Leitet seit November 2023 die Wagner’sche Buchhandlung.
Begeisterte Leseratte quer durch alle Genres.
Mikael Vogel, Lyriker, lebt in Berlin und Innsbruck.
Sein siebter Gedichtband nach u. a. Dodos auf der Flucht.
Requiem für ein verlorenes Bestiarium (Verlagshaus Berlin,
2018) wird voraussichtlich im Herbst 2025 erscheinen.
Gabriele Wild, studierte Literaturwissenschaft und Slawistik
und ist seit vielen Jahren Leserin und Literaturvermittlerin.
Sie arbeitet als Programmgestalterin im Literaturhaus am
Inn und im Team des Lyrikfestivals W:ORTE (dem größten
Lyrikfestival Österreichs).
Anita Winkler hat Deutsche Philologie an der
Universität Innsbruck studiert, sie war viele Jahre
Programmleiterin eines Sachbuchverlages,
seit 2022 beim Verlag der Wagner’schen.
Irene Zanol, geboren in Südtirol, ist Literaturwissenschaftlerin
am Brenner-Archiv der Universität Innsbruck
und betreibt seit 2020 den Literaturpodcast „Auf Buchfühlung“.
Klaus Zeyringer lehrte Germanistik in Frankreich und
ist heute als Autor und Moderator tätig. Im S. Fischer Verlag
sind zuletzt erschienen Fans. Von den Höhen und Tiefen
sportlicher Leidenschaft (gem. mit Ilija Trojanow),
Die Würze der Kürze. Eine kleine Geschichte der Presse
anhand der Vermischten Meldungen sowie mehrere Bände
zur Kulturgeschichte des Sports.
Wagner’sche.
Bücher seit 1639
Museumstraße 4
6020 Innsbruck
T. +43 512 59505 0
office@wagnersche.at
www.wagnersche.at
Bücher Stierle Salzburg
Kaigasse 1 / Mozartplatz, 5020 Salzburg, +43 662 840114
office@buecher-stierle.at, www.buecher-stierle.at
Stierle Kelten-Buchhandlung
Sigmund-Thun-Straße 9, 5400 Hallein +43 6245 82761
office@keltenbuchhandlung.at, www.keltenbuchhandlung.at
Leporello die Buchhandlung
Singerstraße 7, 1010 Wien, +43 1 9611500
service@leporello.at
Stöger – Leporello
die Buchhandlung
Obkirchergasse 43, 1190 Wien, +43 1 3203449
office@stoegerbuch.at