Modelfotograf werden - *ISBN 978 ... - Addison-Wesley

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Modelfotograf werden - *ISBN 978 ... - Addison-Wesley

Kapitel DREi

TECHNIK & AUSRÜSTUNG:

Blitze, Barockkleider und

Bildbearbeitung

Was brauchen Sie alles? Hier geht es ums Rüstzeug, ums Foto-

equipment, Requisiten, Kostüme und die Arbeit am Computer.

Inhaltsverzeichnis

Technik ...............................................

Fotostudio ............................................

Fundus ................................................

Bildbearbeitung .......................................

Layout ................................................ 102

Datenverwaltung ......................................103

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Technik

Kamera

Auch wenn es hier nicht in erster Linie um die

Technik geht – dazu gibt es jede Menge spezieller

Literatur – sollen ein paar Aspekte der Vollständigkeit

halber kurz angesprochen werden. Am wichtigsten

ist natürlich Ihre Kamera. Dabei muss es

nicht immer eine teure Spiegelreflex sein – selbst

mit herkömmlichen Handykameras kann man

Fotos machen, die zumindest in Internetgröße

chic aussehen. Der Vorteil von kompakten Kameras

liegt vor allem darin, dass Sie einen so kleinen

Apparat leicht in die Jackentasche stecken können

und somit immer dabeihaben. Deutlich bessere

Bildqualität und mehr kreative Möglichkeiten bieten

die Spiegelreflexkameras. Optimal ist es, die

Taschenkamera stets „am Mann zu haben“, falls Sie

mal eine schöne Struktur für die Hintergrundmontage

sehen oder eine tolle Location entdeckt

haben, die Sie nicht vergessen wollen, für das eigentliche

Shooting aber eine Spiegelreflexkamera

zu wählen.

Gerade wenn Sie ohne Blitzanlage arbeiten, besteht

das Problem oft darin, wie Sie ausreichend

Helligkeit gewährleisten. Eigentlich nicht schwer,

denken Sie vielleicht, wenn Sie vom Automatikmodus

Ihrer Kamera überzeugt sind, der auch in

dunklen Räumen helle Bilder produziert. Wahrscheinlich

haben Sie aber schon längst gemerkt,

dass der Automatikmodus nicht immer gute Bilder

erzielt – manche sind verwackelt, manche verrauscht,

bei starken Kontrasten sind die einen Bereiche

zu hell, andere zu dunkel. Deswegen ist es

sinnvoll, die Technik selbst zu kennen und manuell

zu beeinflussen. Besonders wichtig ist das Zusammenspiel

aus drei Faktoren: Blende, Belichtungszeit

und Empfindlichkeit (ISO). Bei den meisten

Kameras haben Sie die Möglichkeit, diese Faktoren

manuell zu regeln – das gilt also nicht nur für Spiegelreflexkameras.

62 Modelfotograf werden

Belichtungszeit | Der Faktor Belichtungszeit ist

recht einleuchtend: Je länger Sie Licht auf den Film

bzw. auf den Chip einfallen lassen, desto heller

wird das Bild. Allerdings geht das nicht immer unbegrenzt,

denn zwei Komponenten beeinflussen,

ob es ein scharfes oder ein verwackeltes Bild wird.

Zunächst könnte das, was Sie fotografieren, sich

bewegen. Selbst nur eine Sekunde stillzuhalten ist

schon recht schwierig – je nach Pose sogar völlig

undenkbar. Sportaufnahmen benötigen oft Belichtungszeiten

von weniger als 1/250 Sekunde.

Bei bequemen, statischen Posen können Modelle

zwischen 1/30 und sogar 1/8 Sekunde stillhalten.

Andererseits könnten auch Sie selbst das Bild verwackeln,

weil Sie die Kamera nicht stillhalten oder

schon allein, weil das Herunterdrücken des Auslöseknopfes

eine leichte Erschütterung bedeutet.

Abhilfe schafft hier ein Stativ – das wackelt nicht

und Sie können ein Dreibeinstativ auch auf unebenem

Gelände sicher platzieren. Das Auslösewackeln

verhindern Sie entweder über einen Fernauslöser

oder über den Selbstauslöser. Beim

Fernauslöser bedienen Sie die Kamera über Funk

oder Kabel ohne sie zu berühren. Beim Selbstauslöser

drücken Sie den Auslöser und die Kamera

blinkt für einige Sekunden, bis sie auslöst. So lange

sollte das Model also an einer Stelle bleiben und

sich möglichst wenig bewegen. Kurz vor dem Auslösen

blinkt die Kamera meist etwas rascher, so

dass das Model weiß, dass es nun wirklich stillzuhalten

hat und z. B. Blinzeln vermeiden sollte.

Vielleicht möchten Sie auch aus künstlerischen

Gründen bewusst verwackelte Bilder erstellen – je

länger die Belichtungszeit, umso verschwommener

und undeutlicher wird die Bewegung.

Blende | Die Blendenzahl bestimmt den Lichtdurchlass

durch das Objektiv. Je mehr sich die

Blende öffnet, desto heller wird das Bild. Man kann

sich auch einfach merken, dass kleine Blendenwerte

wie 1:1.2, 1:1.4, 1:1.7 etc. hellere Bilder ergeben

als große Werte wie 1:16 oder 1:22. Allerdings


hat die Blendenöffnung noch einen weiteren Effekt:

Die kleinen Blenden führen zu weniger Tiefenschärfe.

Wenn also der Vordergrund oder vielleicht

nur das Auge einer Person scharf sein soll

und der Hintergrund in unscharfen Flecken bestehen

darf, ist eine kleine Blendenzahl sinnvoll.

Wenn aber das ganze Bild sehr scharf sein soll, darf

die Blendenzahl nicht zu klein sein. Dies impliziert

auch, dass mit kleinen Blendenwerten besonders

sorgfältig fokussiert werden muss.

Zoomobjektive haben übrigens oft keinen gleichbleibenden

kleinsten Blendenwert. Die kleinen

Blendenwerte, die viel Licht durchlassen, sind

dann nur im ausgezoomten Zustand möglich.

Wenn Sie also Ihre Blende z. B. im ausgezoomten

Zustand des Objektivs auf 3,5 eingestellt haben

und eine gute Belichtung erzielen, werden Sie vielleicht

frustriert sein, dass schon das nächste Bild zu

dunkel ist: Sie haben reingezoomt und das Objektiv

hat sich selbst auf Blende 5,6 eingestellt. Zoomobjektive,

die eine gleichbleibende Blende besitzen,

sind für Fans kleiner Blendenwerte natürlich

praktischer, aber leider auch teurer. Besonders

kleine Blendenwerte erlauben oft nur Festbrennweiten.

Tiefenunschärfe als Gestaltungselement: Scharf ist nur

das Auge.

Empfindlichkeit (ISO) | Mit „ISO“ bezeichnet man

die Lichtempfindlichkeit, die mit Höhe der ISO-

Werte zunimmt. Allerdings hat die Isoerhöhung

den Nachteil, dass kameramodellabhängig sehr

viel mehr Rauschen im Bild zu verzeichnen sein

wird als bei einer geringen Isozahl. Die meisten Kameramodelle

haben als Standard ISO 100 oder ISO

200. Testen Sie, bis zu welcher Empfindlichkeit Ihre

Kamera noch kein Rauschen zeigt. Ist ein gewisses

Rauschen akzeptabel oder sogar zum Thema passend,

z. B. bei Retrothemen, kann man die Sache

etwas großzügiger angehen – empfindliche analoge

Filme hatten schließlich auch ihre Körnigkeit.

Blende, Empfindlichkeit (ISO) und Belichtungszeit

müssen so zusammenspielen, dass das Bild genügend,

aber nicht zu viel Licht erhält. Ein gut belichtetes

Bild kann z. B. gelingen, wenn man bei Außenaufnahmen

im Tageslicht und bei einer

Objektivbrennweite von 50 mm Blende 1:8, Belichtungszeit

1/50 und ISO 100 wählt. Das Bild kann

aber auch mit Blende 1:2.8, Belichtungszeit 1/400

und ISO 100 aufgenommen werden. Die Auswahlkriterien

richten sich hier nach Fragen der Gestaltung,

des Geschmacks, der Bildaussage und -verwendung,

z. B.:

●● Wenn sich das Model bewegt, ist 1/50 zu lange

belichtet, sofern das Bild nicht bewusst unscharf

werden soll.

●● Blende 2,8 bedeutet Tiefenunschärfe, die das

Bild künstlerischer macht, aber auch unerwünscht

sein kann. Kritisch ist das vor allem,

wenn man nicht gut fokussieren kann oder der

Fokuspunkt in einer Bildecke liegt. Das Risiko

von unerwünschter Unschärfe ist bei Blende

2,8 erheblich größer als bei Blende 8.

●● Bei Blendenwerten über 11 beginnt sich die

Bildqualität meist zu reduzieren. Solche Werte

werden aber je nach natürlichen Lichtverhältnissen

oder auch je nach Abstand des Models

zu den Blitzen nötig.

Technik & Ausrüstung 63


Die kurze Belichtung friert die Bewegungen ein. Damit die Bilder der Serie zueinanderpassen, wurde das Portrait auch mit

diesen Kameraeinstellungen aufgenommen.

Es gibt auch einige Kamera-Sondermodelle, darunter:

Lomo-Kameras | Lomos propagieren den spaßigen

Schnappschuss und kokettieren mit dem

„Schuss aus der Hüfte“, der nicht minder als künstlerische

Ausdrucksform aufgefasst werden kann

als das ausgefeilt beleuchtete Studioportrait. Lomokameras

arbeiten analog und sind recht günstig

erhältlich. Oft haben sie besondere Eigenschaften.

So gibt es unter ihnen Kameras mit Vierfach- bis

Neunfachobjektiven, die mehrere, zum Teil zeitversetzt

aufgenommene Bilder nebeneinander

auf einem Foto liefern, Kameras für Unterwasserfotografie,

Kameras für Farbänderung u.a.

Polaroid-Kameras | Der Name eines Herstellers

wurde zum Synonym für Sofortbildkameras. Diese

ebenfalls analog arbeitenden Kameras liefern sofort

ausgedruckte, kleine, annähernd quadratische

Bilder. Professionellere Modelle zeigen oft Polaroids,

um zu demonstrieren, wie sie „in echt“, also

ohne Bearbeitung, aussehen. Das Polaroidformat

gilt dabei als Garant für Echtheit. In gestalterischen

Kontexten bedient man sich manchmal des für

Polaroids typischen weißen Rahmens, um einen

Retro-Touch ins Bild zu bringen.

64 Modelfotograf werden

3D-Kameras | Die Rolle der 3D-Technik für die

Modelfotografie ist noch nicht ganz abzusehen.

Sicher eröffnen sich hier aber spannende neue

Möglichkeiten.

Objektive

Unterschiedliche Objektive unterscheiden sich in

verschiedenen Hinsichten. Sie bieten:

Andere Bildausschnitte | Bei gleicher Entfernung

zum Model zeigt ein Objektiv die ganze Person,

ein anderes nur das Gesicht. Zoomobjektive haben

den Vorteil, dass Sie, ohne das Objektiv oder Ihren

Standpunkt wechseln zu müssen, unterschiedlich

nahe an Ihr Motiv gelangen. Ein „Allroundobjektiv“

von ganz nah bis ganz fern wäre optimal – allerdings

tendieren starke Zoomobjektive oft zu

geringerer Bildqualität und haben keine besonders

gute Lichtstärke oder ein höheres Gewicht.

Unterschiedliche Verzerrungen | Weitwinkelobjektive

z. B. bewirken je nach Neigungswinkel der

Kamera, dass parallele Linien im Motiv fliehend

bzw. zusammenlaufend abgebildet werden. Das

kann man sich zunutze machen, indem man Ganzkörperaufnahmen

von unten aufnimmt, so dass


das Model langbeinig und schlank wirkt. Portraitausschnitte

mit dem Weitwinkel bewirken, dass

der Teil, der der Kamera am nächsten ist, überproportional

groß wirkt wie beim schon beschriebenen

Beispiel der unnatürlich großen Nase.

Ungewollte Verzeichnungen | Hierbei geht es

um eine Schwäche von vielen, vor allem Zoomobjektiven,

genannt „Tonnen- oder Kisseneffekt“. Der

Rand des Bildes wird dabei nach außen oder innen

hin rundlich verzeichnet. Bestimmte Filter können

dies in der Bildbearbeitung wieder korrigieren.

Bessere Objektive neigen weniger zu diesen Tonnen-

oder Kisseneffekten.

Die Weitwinkeloptik unterstreicht die skurrile Optik dieser

Mischung aus Medusa und Gollum.

Unterschiedliche Lichtstärken | Die Lichtstärke

besagt, wie viel Licht das Objektiv durchlässt. Je

stärker sie ist, desto kleinere Blendenwerte (= größere

Blendenöffnung) sind möglich, desto dunkler

darf es folglich bei gleichbleibender Belichtungszeit

und ISO sein. Am lichtstärksten sind Festbrennweiten.

Unterschiedliche Tendenz zu Linsenreflexionen

| Solche Reflexionen, auch bekannt als „Blendenflecke“

oder „Lens Flares“, entstehen bei Gegenlicht.

Die Gegenlichtblenden, die auf fast alle

Objektive aufschraubbar sind, können das oft verhindern

– wobei es manchmal aber auch ganz

charmant aussehen kann. Zoomobjektive haben

die größte Tendenz zu Reflexen. Wer letztere mag,

aber die Unkontrollierbarkeit derselben wie z. B. zu

starke Überstrahlungen oder Fokussierungsprobleme

scheut, kann sie auch nachträglich in der

Bildbearbeitung einfügen.

Spezialobjektive | Das sind z. B. Fischaugenobjektive,

die mit einer sehr kurzen Brennweite zu

starken Verzeichnungen und annähernd einem

„Rundumbild“ führen oder Lensbabys, Objektive

mit flexiblem Tubus, der für einen an den Rändern

stark abnehmenden Schärfebereich sorgt und

damit einen künstlerischen Effekt erzielen kann.

Makroobjektive lassen es zu, sehr nah an das zu

Fotografierende heranzugehen. Sie werden vor

allem bei Nahaufnahmen von Insekten und Pflanzen

eingesetzt, eignen sich aber auch für Closeups.

Müssen Sie entscheiden, ob Sie in einen guten

Body oder in gute Objektive investieren, rate ich

Ihnen dazu, einen Hauch mehr für die Objektive

auszugeben – gute Objektive überdauern (sofern

Sie nicht den Kamerahersteller wechseln) mehrere

Bodys. Einzig der Wechsel von einer Crop-Sensor-

auf eine höher auflösende Vollformatsensor-Kamera

könnte Objektivwechsel sinnvoll machen, da

Crop-Sensor-Objektive zwar in der Regel auf Vollformatkameras

passen, aber zu einem dunkel vig-

Technik & Ausrüstung 65


nettierten Rand und zu Randunschärfen führen.

Vollformatobjektive auf Crop-Sensor-Kameras

sind unkritischer. Sie bedeuten lediglich in der Wirkung

eine Brennweitenverlängerung um 50 %

mehr als ausgewiesen – ein Vollformat-50 mm-

Objektiv ergäbe also die Wirkung eines 75 mm-

Objektivs an der Crop-Sensor-Kamera. Planen Sie

früher oder später einen Wechsel auf Vollformat,

sollten Sie gleich Vollformatobjektive kaufen.

Modeltipp: Brennweite beachten!

Achten Sie auf die Brennweitenpräferenzen Ihres Fotografen.

Wenn er viel weitwinklig fotografiert, hat

er Sie in einem größeren Ausschnitt im Bild, dabei

sind raumgreifende Posen mit den Beinen nah zur

Kamera vorteilhaft. Benutzt er vor allem langbrennweitige

Objektive mit Schwerpunkt im Telebereich

oder Zoomobjektive (meist sind das die besonders

langen, großen Objektive), können Sie davon ausgehen,

dass er eher Portraits machen möchte.

Licht

Eine Lichtquelle steht allen zur Verfügung: Die

Sonne. Leider können Sie die Sonne aber nicht in

Helligkeit, Lichthärte, Lichtrichtung, Farbtemperatur

etc. beeinflussen – und gerade diese Faktoren

machen es oft schwierig. Die strahlende Sonne vor

dem Model führt z. B. zu harten Schatten im Gesicht

und zu häufigem Blinzeln. Viele Kameras tun

sich auch schwer damit, bei dem hohen Kontrast,

den Sonnenschein mit sich bringt, noch Bilder aufzuzeichnen,

bei denen nicht ganze Flächen „ausgefressen“,

also nur noch weiß oder nur noch

schwarz sind. Soll das Model aber doch mit strahlender

Sonne ausgeleuchtet werden, empfiehlt

sich ein Ganzkörperausschnitt, um unvorteilhafte

Schatten im Gesicht nicht zu betonen. Da das Licht

praller Sonne eher einen Fashion- als einen Romantiktouch

suggeriert, könnte das Model auch

mit einer Sonnenbrille ausgestattet werden. Ein

66 Modelfotograf werden

Hut oder eine Schirmmütze führen zu Schatten auf

dem Gesicht, die je nach Thema auch effektvoll

wirken können. Glamourös sieht es aus, wenn die

Sonne im Hintergrund steht und das Model mit

einem starken Blitz aufgehellt wird. Tolle Aufnahmen

bei Gegenlicht können aber auch ohne Blitz

gelingen. Das wirkt entweder sehr zart oder kann,

wenn die Sonne schon tiefer steht, einen Schattenriss

ergeben. Eine gute Uhrzeit für Sonnenschein

ist, wenn die Sonne nicht im Zenit steht –

nicht umsonst heißt es: „Zwischen zwölf und drei

hat der Knipser frei“. Besonders schön sind an sonnigen

Tagen die goldene Stunde, die Stunde vor

Sonnenuntergang, und die blaue Stunde, die erste

Morgenstunde – sie erhalten, resultierend aus

einer Filterwirkung der Atmosphäre, besonders

weiches Licht.

Flaues Licht, also bedeckter Himmel, macht das

Fotografieren einfacher. Vor allem bei romantischen,

verträumten, sanften Themen eignet es

sich besser als Sonnenschein. Ein Nachteil besteht

allerdings darin, dass das Licht an bedeckten

Tagen zu langweilig wirkt. Abhilfe können Lichtformer

schaffen, die das vorhandene Licht bündeln

und lenken.

Dann gibt es schließlich noch Situationen, in

denen das bestehende Licht zu gering ist. Der

Abend bietet oft sehr schönes Licht, aber das hält

nicht lange an, und vor allem im Winter ist es nach

kurzer Zeit schon zu dunkel. Auch in südlicheren

Ländern dauert die Dämmerung nur sehr kurz.

Schon die Lichtrichtung kann zum Problem werden.

Vielleicht haben Sie eine tolle Outdoorszenerie

gefunden. Das Model ist traumhaft geschminkt,

im Hintergrund ein schönes Schloss, im Vordergrund

ein Eisentor mit Rosenranken ... und dahinter

die Sonne. Ohne portable Blitzausrüstung wird

es trotz starker Location kaum zu einem guten

Beautybild kommen können, vor allem wenn Sie

kein Bildbearbeiter sind. Ein paar Stunden früher

oder später könnte die Sonne besser stehen – aber


wer möchte jetzt schon so lange warten, womöglich

bis zum nächsten Morgen? Mit der Lichtquelle

„Sonne“ zu arbeiten erfordert Geduld, einen Blick

in den Wetterbericht und nach Möglichkeit auch

einen Assistenten mit stromlosen Lichtformern,

um das Sonnenlicht zu verändern.

Auch sonstiges „available Light“, also vorhandenes

Licht anderer Lichtquellen wie Neonreklamen, Autoscheinwerfer,

Straßenlaternen, Kerzen und vieles

andere kann als Lichtquelle eingesetzt werden.

Vor allem Glühlampen und Kerzen erzeugen oft

ein sehr gelbes bzw. rötliches Licht, so dass Sie den

Weißabgleich der Kamera daraufhin anpassen

müssen. Häufig genügt das Licht von Glühlampen

und Kerzen jedoch nicht zur Ausleuchtung. Selbst

wenn das Auge es als ausreichend empfindet,

müssten die Kameraeinstellungen dann sehr

grenzwertig werden – lange Belichtungszeit, hohe

ISO-Werte, und die Wahrscheinlichkeit ungewollter

Verwacklung und störenden Rauschens ist

stark gesteigert.

Aufgrund dieser Einschränkungen des vorhandenen

Lichts wird Licht oft für die Fotografie manipuliert.

Meistens kommen Blitze zum Einsatz, aber

auch dauerhaft strahlende Lichter, wie sie bei Theater-

oder Fernsehproduktionen verwendet werden,

einfache Baustrahler oder Lichtformer, die

ganz ohne Strom auskommen, werden benutzt.

Stromlos arbeiten Lichtformer, die vorhandenes

Licht manipulieren, darunter:

Aufheller | Aufheller reflektieren vorhandenes

Licht. Sie können einen Aufheller sehr günstig

selbst herstellen, schon Styroporplatten eignen

sich hierfür. Sie ergeben sehr weiches und farbneutrales

Licht. Rettungsdecken, auf einer Seite

silberfarben, auf der anderen golden, können

diese Farbnuancen einbringen. Im Handling sind

sie aber etwas komplizierter – daher zieht man sie

am besten auf eine Styroporplatte. Der Transport

der großen Platten ist jedoch etwas umständlich.

Auch handelsübliche Reflektoren – zusammenfalt-

bare, runde oder ovale Flächen, um die ein Federstahlring

führt – sind nicht teuer. Meist ist eine

Seite golden, die andere silberfarben, ggf. gibt es

noch einen Reflektorbezug in Weiß und Schwarz

dazu. Der Nachteil all dieser Konstruktionen: Sie

brauchen einen Assistenten, der die Reflektoren

ausrichtet. Sind Sie lieber alleine unterwegs oder

verlassen Sie sich nicht so gerne auf andere, gibt es

auch Stative mit Reflektorhaltern. Gerade outdoor,

wo es auch mal windig sein kann, halten die Reflektoren

aber nicht wirklich gut ihre Stellung. Stabile,

große Aufheller, die man auf einen Rahmen

zieht und die sehr stark reflektieren können, sind

deutlich teurer.

Die sanfte Ausleuchtung entstand durch Tageslicht, das

durch ein bodentiefes Fenster fiel.

Lichtschlucker | Das Gegenteil vom Reflektor ist

ein Lichtschlucker. Oft ist das eine schwarze Wand,

z. B. die Rückseite einer weißen, als Aufheller genutzten

Styroporwand, die einfach schwarz gestrichen

wurde. Auch Molton – aufgezogen auf Styropor

oder über zwei Stative gehängt, schluckt das

Licht. Die runden oder ovalen Reflektoren besitzen

bisweilen auch einen schwarzen Bezug, der

ebenfalls als Lichtschlucker eingesetzt werden

kann.

Technik & Ausrüstung 67


Diffusoren | Diffusoren sind helle, lichtdurchlässige

Stoffe. Man findet sie z. B. als Teile von Blitz-

oder Dauerlichtsoftboxen, die das Licht auf eine

größere Fläche als nur die Blitzröhre streuen. Sonnensegel

sind große Diffusoren. Man spannt sie z.

B. so auf, dass das Model bei starkem Sonnenlicht

ein weicheres Licht erhält.

Weitere Lichtformer arbeiten mit Strom, entweder

als Blitz oder als Dauerlicht. Dauerlichter erlauben

gerade denjenigen, die noch nicht so viel Erfahrung

mit Fotolicht haben, ihren Lichteinsatz genauer

zu kontrollieren: Man sieht exakt, wie das

Licht fällt. Dauerlichter können jegliche Art von

Lampen sein, von der Nachttisch- über die Steh-

bis zur Taschenlampe. Ein gern gewähltes und

sehr kostengünstiges Dauerlicht ist ein Baustrahler.

Er liefert deutlich mehr Licht als die typische

Glühbirne. Vergessen Sie nicht, ein Stativ dazuzukaufen.

Denn wenn Sie den Baustrahler auf den

Boden platzieren, ergibt das „Unterlicht“, was aufgrund

der umgekehrten Schatten zwar eine künstlerische

Wirkung erzielen kann, aber unnatürlich

und wegen der Betonung der Augenringe unvorteilhaft

wirkt.

Baustrahler und Stativ erhalten Sie für ca. 80 Euro.

Wenn Sie das harte Licht des Strahlers „soften“,

also weicher machen möchten, können Sie in ausreichendem

Abstand weißes Backpapier oder hellen

Stoff davor platzieren. Es gibt auch Dauerlichter,

die speziell für die Fotografie konzipiert

wurden und für die man Lichtformer kaufen kann.

Ein Problem beim Dauerlicht kann die Farbtemperatur

darstellen. Wenn sie nicht individuell regelbar

ist, könnte es sein, dass das Dauerlicht gemischt

mit dem Tageslicht zu Schwierigkeiten

führt. Das Dauerlicht könnte sehr warm sein, was

einen Weißabgleich von z. B. 3200 K nahelegt, in

dem das einfallende Tageslicht aber Blau wirkt. Ein

weiteres Problem besteht darin, dass Dauerlichter

meist relativ schwach sind – also auch das Tageslicht

als Ergänzung benötigen. Starke Dauerlichter

sind oft ziemlich teuer. Zudem entwickeln Dauer-

68 Modelfotograf werden

lichter Wärme – je nach Shootingthema und Jahreszeit

kann das unerwünscht sein.

Unter einem „Blitz“ verstehen die meisten Menschen

den kamerainternen Blitz. Fotografen schätzen

diesen allerdings selten. Der kamerainterne

Blitz ist zu frontal und liefert ein langweiliges Licht

mit kleinen, aber hässlichen Schlagschatten. Besser

funktioniert es mit einem Aufsteckblitz, der

sich in seiner Stärke und Richtung variieren lässt.

Mit ihm kann man auch indirekt blitzen, indem

man ihn z. B. auf eine von einem Assistenten gehaltene

weiße Styroporplatte ausrichtet oder indoor

einfach an eine helle Decke blitzt, was für

eine Grundhelligkeit sorgt. Wenn Sie das Licht des

Wenngleich der Raum keine Fenster hatte, konnte mit

vorhandenem Licht gearbeitet werden. In diesem Fall

kamen Halogenstrahler an der Decke zum Einsatz.


Aufsteckblitzes weicher haben möchten, gibt es

kleine, ballonartige Softboxen dafür. Allerdings

können Sie mit Aufsteckblitzen weder den Hintergrund

ausleuchten, noch wirklich seitliches oder

hohes Licht geben, es sei denn, sie nutzen die

Blitze „entfesselt“: Mit einem Sender geben Sie ein

Signal an den Aufsteckblitz, welcher mit einem

Funkempfänger verbunden oder mit integriertem

Empfänger auf einem Stativ steht bzw. von einem

Assistenten festgehalten wird. Dies stellt eine

praktische, sehr platzsparende und vom Gewicht

her sehr leichte Möglichkeit für die Ausleuchtung

outdoor dar und ist ein Mittelding zwischen Aufsteck-

und Studioblitz. Eine Sondervariante des

Blitzens „von der Kamera aus“ stellt der Ringblitz

dar, ein ringförmiger Blitz rund um das Objektiv. Er

ermöglicht eine schattenfreie Ausleuchtung und

erzeugt in den Augen des Models, wenn es genau

in die Kamera schaut, kreisförmige Reflektionen.

Studioblitze, die herkömmliche Ausstattung von

Fotostudios, sind eigenständige Geräte, die auf

Stativen stehen oder an einer verschiebbaren Deckenkonstruktion

angebracht sind.

Studioblitze können meist so eingestellt werden,

dass eine eingebaute Lampe die Lichtrichtung und

-verteilung zeigt. Dieses Einstelllicht kann bei Bedarf,

z. B. wenn der Blitz mit einer portablen Stromquelle

verwendet wird, die möglichst lange halten

soll, auch ausgeschaltet werden. Bessere Blitze regeln

dieses Einstelllicht oft parallel zur Einstellung

des Blitzes. Ausgelöst werden Studioblitze entweder

über ein mit der Kamera verbundenes Synchronkabel,

ein an Kamera und Blitz angeschlossenes

Funksystem, einen Infrarotsender auf der

Kamera oder durch einen kamerainternen oder

Aufsteckblitz, dessen Signal von der Fotozelle des

Studioblitzes empfangen wird. Wie Sie auslösen,

ist Geschmackssache. Manche mögen die Stolperfalle

„Kabel“ nicht, wer bei Sonnenschein arbeitet,

kann mit der Fotozelle Probleme bekommen. Am

praktischsten ist der Funk, da er auch über weite

Entfernungen seinen Dienst erfüllen kann. Bei

mehreren Blitzen wird ein günstig stehender Blitz

über Funk oder Kabel ausgelöst, die anderen Blitze

reagieren auf das Lichtsignal. On Location kann es

passieren, dass die anderen Blitze das Lichtsignal

nicht erhalten – in diesem Fall benötigen Sie mehrere

Funkempfänger für die übrigen Blitze.

Studioblitze gibt es in unterschiedlichen Preiskategorien.

Wie bei vielem Kamerazubehör sind die

asiatischen No-Name-Produkte deutlich billiger,

haben aber den Nachteil, dass sie einige Features

nicht bieten, z. B. ein Ausschalten des Piepstons,

wenn der Blitz wieder geladen ist, unabhängige

Regelung von Einstell- und Blitzlicht u.a. Außerdem

sind die billigeren Blitze oft sperriger, verbeulen

schneller und gelten als weniger stabil in der

Farbtemperatur. Ob günstige Blitze für Sie ausreichen,

hängt von Ihnen ab. Wenn Sie gerne Dauerfeuer

geben, also sehr rasch hintereinander blitzen,

spricht das für einen besseren Blitz, der

schneller aufladen kann. Auch wenn Sie nicht

gerne viel Zeit mit der Bearbeitung verbringen

oder häufig für Kunden eine große Menge an Bildern

bearbeiten müssen, sollte der Blitz farbtreu

und stets in der exakt gleichen Stärke blitzen – das

wären dann auch eher die qualitativ hochwertigen

Blitze. Gleiches gilt, wenn Sie Workshops geben

oder Ihr Studio vermieten. Das halten die teureren

Produkte besser aus (und sie stärken abgesehen

davon Ihr Image). Arbeiten Sie hingegen künstlerischer,

fotografieren langsamer und bearbeiten pro

Shooting ohnehin nur wenige Bilder, hat ein günstiger

Blitz kaum Nachteile. Die Entscheidung, welche

Blitzmarke man kauft, beeinflusst auch die

Markenwahl der Lichtformer und Stative. Wer sich

auf etwas Hochqualitatives eingeschossen hat,

muss auch mit mehr Kosten für das Zubehör rechnen.

Für die Lichtformer der bekanntesten Marken

gibt es mittlerweile auch Adapterringe. Bevor Sie

sich Blitze kaufen, sollten Sie sich in Mietstudios

oder bei Kollegen mit verschiedenen Blitzanlagen

vertraut machen. Vielleicht können Sie nach einigen

Shootings auch schon entscheiden, welche

Technik & Ausrüstung 69


Lichtformer Ihnen zusagen und dann ggf. ein Gesamtpaket

mit mehreren Blitzen und Lichtformern

erwerben. Von gebrauchten Blitzen würde ich abraten.

Eine Blitzröhre hat nur eine begrenzte Lebensdauer,

ist aber verhältnismäßig teuer – es wird

Sie ärgern, wenn Sie die Röhre schon nach kurzer

Zeit austauschen müssen.

Unter den üblichen Lichtformern für die Blitzanlage

stehen zur Auswahl:

Reflektoraufsatz | Die „Normalvariante“, so wird

der Blitz in der Regel geliefert. Der Reflektoraufsatz

ist eine kleine, innen meist silberne Schüssel.

Er bewirkt relativ hartes Licht. Der Reflektoraufsatz

wird auch kurz nur „Reflektor“ genannt, was zu

Verwechslungen mit dem Lichtreflektor führen

kann.

Blitz mit Reflektoraufsatz.

Reflektoraufsatz mit Schirm | Beim Einsatz von

Reflektorschirmen wird der Blitz quasi um 180

Grad gedreht und zeigt damit nicht mehr auf das

Model nach leicht unten, sondern nach oben in die

Luft bzw. an die Decke. In ein in die Reflektorschüssel

eingelassenes Loch wird ein Schirm gesteckt,

der das aus dem Blitz kommende Licht auf das

Model reflektiert. Dies erzeugt ein weicheres Licht,

und auch die Farbtemperatur kann über einen silbernen

oder goldenen Schirm beeinflusst werden.

70 Modelfotograf werden

Der größte Vorteil dieser Variante: Sie benötigt

wenig Equipment, das auch unterwegs gut mitgenommen

werden kann.

Reflektoraufsatz mit Scheunentor | Ein Scheunentor

ist ein Vorsatz, der auf den Reflektoraufsatz

angebracht wird und aus vier beweglichen Klappen

besteht. Damit kann der Lichteinfall reguliert

werden und z. B. streifenförmiger gestaltet werden.

Reflektoraufsatz mit Scheunentor.

Softboxen | Diese in der Regel großen, aus Stoff

bestehenden Lichtformer, die weiches Licht bewirken,

gibt es in unterschiedlichen Varianten. Ein

Rechteck ist die gebräuchlichste. Hinzu kommt das

Octagon, das oft in sehr großer Größe verwendet

wird. Striplights sind sehr schmale Rechtecke. Arbeitet

man mit einem Striplight von oben/vorne,

wird das Gesicht seitlich oder zum Hals hin abgedunkelt.

Von der Seite bewirkt es ein spannendes

Licht.

Striplight | Ein „echtes“ Striplight ist ein Blitz, der

sich nicht von einer Stelle ausgehend auf eine

längliche Softbox verteilt, sondern von vorneherein

länglich angelegt ist. Dies ist in der Regel wesentlich

teurer als ein Softbox-Striplight, also eine

Softbox, die besonders länglich ist. Der Vorteil des


echten Striplights besteht darin, dass es das Licht

gleichmäßig über die längliche Fläche gibt.

Beautydish | Hierbei handelt es sich um eine

große Schüssel mit einer runden Platte in der

Mitte. Das Licht ist eine Mischung aus einem eher

harten Spotlicht, das zur Seite hin aber weich wird

und sich somit besonders für Beautyaufnahmen

und Portraits eignet.

Beautydish von der Seite.

Spot | Dieser röhrenförmige Aufsatz wird auch

Tubus genannt und erzeugt ein hartes Licht mit

engem Lichtkegel.

Diffusorkugel | Dieser runde Aufsatz besteht in

einer großen Kugel und macht ganz besonders

weiches Licht. Damit eignet sie sich zur Ausleuchtung

von Räumen, wenn es möglichst natürlich

aussehen soll und keine harten Schatten erwünscht

sind.

Waben | Waben werden in Blitzvorsätze wie den

Reflektor oder den Spot gesteckt oder vor einer

Softbox befestigt. Sie bestehen aus Metall oder

Stoff, je nachdem, für welchen Aufsatz sie gedacht

sind. Waben bewirken, dass das Licht gebündelt

wird und dadurch gerichteter wirkt.

Fresnel | Ein Fresnel-Spot zeichnet sich durch eine

besondere Linsenart aus, die einen fokussierbaren

Lichtstrahl erzeugt.

Tiefdunkle Schatten und doch eine beautytaugliche Ausleuchtung:

der Fresnel.

Profilspot | Dieser oft im Theater verwendete

Spot erzeugt exakte Schatten.

Zahlreiche Bildthemen erfordern mehr als einen

Blitz. Eine nicht untypische Einstellung sieht z. B.

folgendermaßen aus: Ein Blitz, meist mit Spotauf-

Technik & Ausrüstung 71


satz, erzeugt einen Lichtverlauf auf dem Hintergrund.

Ein Striplight von seitlich hinten, auf das

Model gerichtet, gibt ihm eine Lichtkante und von

schräg vorne oben steht ein Blitz als Führungslicht,

z. B. mit einem Beautydish ausgestattet. Im Folgenden

gebe ich ein paar Tipps für beliebte Lichteinstellungen,

die mit wenigen Blitzen umsetzbar

sind:

Ein Striplight von der Seite | Diese Einstellung

passt gut zu Aktthemen, aber auch zu Kostüminszenierungen.

Das Licht wirkt dramatisch, oft hat

man nur eine Kante und der Rest versinkt im Dunkeln.

Striplight für Aktthemen.

72 Modelfotograf werden

Ein Striplight von rechts, ein Striplight von

links | Dieses Licht wird als Zangenlicht bezeichnet.

Die Mitte des Models bleibt dunkel, nur die

Seitenkanten sind beleuchtet. Vor allem für symmetrische

Posen ist das eine spannende Lichteinstellung.

Kleidungs- und Make-up-Details gehen

allerdings unter.

Ein Beautydish von vorne oben | Eine schöne

Einstellung für viele Fashion- und Beautythemen.

Allerdings nimmt die Lichtmenge auf dem Körper

nach unten hin stark ab, so dass die Beine wenig

Licht bekommen. Der geneigte Dish bewirkt jedoch,

dass der Boden wiederum recht hell wird.

Wem das zu viel Kontrast bedeutet, schneidet am

besten im Knie-, Taillen- oder Schulterbereich. Mit

einem Spot wirkt diese Einstellung noch dramatischer,

Schatten werden härter.

Ein Beautydish von vorne, ein Reflektoraufsatz

von hinten | Versuchen Sie, den Reflektor im Bildausschnitt

anzuschneiden. Das bewirkt, dass es in

Teilen des Bildes zu krasser Helligkeit und ggf.

Überbelichtung kommt – ist aber im Fashionbereich

oft ein spannender Effekt. Versuchen Sie den

Blitz so zu platzieren, dass der Blitzkopf vom Licht

überdeckt wird. Das Stativ müssen Sie ggf. herausretuschieren.

Wenn Sie Ihre Blitzanlage auch mobil, dort, wo es

keine Steckdosen gibt, einsetzen wollen, brauchen

Sie mobilen Strom. Manche Hersteller bieten mobile

Blitzsets an, mit möglichst kleinen, für die im

Set vorhandenen Blitze ausgelegten Akkus und

einem Gewicht ab etwa 3 kg. Billiger sind schwerere

und größere Akkus, an die man normale Studioblitze

anschließen kann. Etwas Gewicht kann

jedoch nicht schaden, wenn Sie den Akku als Beschwerer

der Stative verwenden. Beim Fotografieren

in windreicher Gegend stellt dieser Wind ein

großes Risiko für Ihre Blitze dar, die schnell umgeweht

werden, vor allem wenn Sie aufgrund von

Softboxen große Angriffsflächen bieten. Um zur

Beschwerung nicht unnötige Kilos mit sich zu


Blitzeinstellungen merken

Experimentieren Sie mit den Lichteinstellungen und notieren Sie sich, wie Sie das Licht gestellt haben. Dadurch gewinnen

Sie ein Gefühl für Licht, das Ihnen gefällt und können es später einfacher reproduzieren, etwa, wenn Sie eine Serie

aus mehreren Shootings gestalten wollen oder wenn ein Kunde um ein bestimmtes Motiv bittet.

schleppen, können Sie gerade bei Shootings in der

Natur allerdings auch leere Säcke mitnehmen, die

Sie dann vor Ort mit Sand oder Erde füllen. Wichtig

ist es auch, die Auslöseart on Location einzuplanen.

In städtischen Gebieten ist Funk oft keine Option,

weil zu viele fremde Funkwellen den Blitz unkontrolliert

auslösen, wenn Sie nicht gerade ein

Das Schema für

Zangenlicht mit

Gegenlicht.

Das Bild zum

Schema.

besonders gutes Funkset mit verschiedenen Frequenzmöglichkeiten

besitzen. Das Kabel kann

mehr denn je zur Stolperfalle werden und Infrarot

funktioniert vor allem bei strahlendem Sonnenschein

schlecht. Am sichersten ist es, wenn Sie verschiedene

Optionen in petto haben.

Technik & Ausrüstung 73


Hintergrundsystem und -rollen

Neben der Lichtanlage gehört zu einem typischen

Studio noch die Hohlkehle. Am häufigsten werden

hierfür Papierhintergründe genutzt. Es gibt sie in

zahlreichen Farben. Als Aufhängung kommt ein

System mit zwei Stativen und einer verbindenden

Stange infrage. Der Vorteil: Sie können das System

leicht komplett abbauen. Ein Nachteil besteht allerdings

darin, dass das Wechseln der Rollen, z. B.

um unterschiedliche Farben zum Einsatz zu bringen,

sehr mühsam ist. Das Auf- und Abwickeln ist

ohne technische Hilfe zu bewerkstelligen. Angenehmer,

aber weniger mobil ist ein System, das

mehrere Rollen direkt aufgehängt hat. An Bändern

neben den Rollen ziehend können Sie die Rollen

auf- oder abwickeln. Solche Systeme werden meist

an der Decke oder der Wand angebracht.

74 Modelfotograf werden

Das gleiche Motiv – bei Sonnenschein ohne Blitz wirkt die

Szenerie heller, das Dramatische entsteht durch den mit

Reflektor aufsatz ausgestatteten Blitz, der bei voller Leistung

das natürliche Licht übertrifft.

Hintergrundrollen kosten um die 50 Euro. Das am

Boden liegende Stück verdreckt rasch oder reißt

ein. Um hier vorzubeugen, legen Sie, sofern sie

einen Teppichboden im Studio haben, harte Platten

unter das Bodenstück und bitten Sie Ihre Modelle,

die Schuhsohle vor Betreten zu reinigen. Ein

von Ihnen bereitgelegtes Tuch oder eine Matte

erleichtern das. Irgendwann dennoch unbrauchbare

Endstücke können Sie entweder ab und zu

von der Rolle abschneiden, bis sie nicht mehr als

Hintergrund reicht, oder Sie nutzen die Rolle erst

einmal noch von der anderen Seite, indem Sie sie

umdrehen und wieder aufrollen. Welche Farben

Sie kaufen, ist natürlich geschmacksabhängig. Ich

empfehle für Einsteiger ein helles Grau. Sie können

mit Hellgrau einigermaßen montieren und andere

Farben überlagern, Sie erhalten dunkleres Grau,


Für dieses Bild brauchten keine bunten Rollen angeschafft

zu werden. Lediglich kleinere Pappstücke kamen zum

Einsatz und wurden in der Bildbearbeitung verlängert.

wenn Sie den Hintergrund nicht ausleuchten und

das Model weiter davor steht, und Sie erhalten

Weiß, wenn Sie den Hintergrund stark ausleuchten.

Bei farbiger Anstrahlung, z. B. mit roten oder

blauen Folien vor den Blitzen, bekommen Sie

einen bunten Hintergrund. Haben Sie ausreichend

Platz, passende Blitze und einen Fotohintergrund

samt Aufhängung, können Sie das schon als Fotostudio

bezeichnen.

Ein schöner Zusatz für Ihr Studio sind dickere,

große Plexiglasplatten, die Sie auf den Hintergrund

legen können, um eine Spiegelung zu er-

zeugen. Harte, spitze Schuhabsätze vertragen sich

nicht gut mit den oft recht kostspieligen Plexiglasplatten,

daher sollten Modelle die Glasplatten lieber

nur mit weicheren Absätzen betreten. Vorsicht

ist auch bei „bewegten Bildern“ geboten. Die Platten

sind rutschiger als Papierhintergrund und können,

wenn sie nicht extra beschwert sind, auch inklusive

Model schnell verrutschen.

Spiegelung via Plexiglas.

Technik & Ausrüstung 75


Fotostudio

Auch wenn Sie kein Studiofan sind: Das Studio bietet

Ihnen die Möglichkeit, unabhängig von zahlreichen

Eventualitäten wie Licht, Wetter, Locationinhabern

und Terminplänen, immer dann zu

shooten, wenn Sie Zeit, Lust oder Kunden haben.

Falls Sie die Studioatmosphäre, die einfarbigen

Hintergründe etc. nicht mögen, können Sie das

Studio anders dekorieren oder Bilder für spätere

umfangreiche Bildbearbeitungen wie Montagen

produzieren.

Die erste Anlaufstelle für Studios sind Mietstudios.

Für einen Stunden- oder Halbtagssatz dürfen Sie in

der Regel auch die dort befindliche Blitzanlage verwenden.

Vielleicht hilft Ihnen der Studiobetreiber

hier und da oder gibt Ihnen Tipps zum Umgang mit

dem Licht. Manche Studios bieten besondere Requisiten

und Setaufbauten. An den beliebtesten

Tagen, das sind meist die Wochenenden, werden

Sie in größeren Mietstudios viele (Hobby-)Fotografen

und Modelle antreffen und vielleicht gemeinsam

Shootings planen und fachsimpeln. Allerdings

kann es zu dem Problem kommen, dass das nächste

Mietstudio an dem Tag, an dem geshootet werden

soll, bereits belegt ist oder dass Sie aus Kostengründen

nur drei Stunden von 12 – 15 Uhr gebucht

haben, Ihr Model aber eine Stunde zu spät kommt

und die Visagistin auch eher langsam arbeitet. Vielleicht

mögen Sie es auch nicht, wenn Ihnen andere

über die Schultern schauen.

Ein Studio in den eigenen Räumlichkeiten schafft

mehr Flexibilität. Die Grundvoraussetzung hierfür

ist eine mindestens 3 m breite Wand, denn die Hintergrundrollen

sind meist 2,72 m breit und die Stative

oder die Wandbefestigung benötigen auch

noch ein wenig Platz. Angenehmer ist es, wenn

rechts und links jeweils noch mindestens 1 m Platz

bleibt, damit die Blitze, falls mal von der Seite oder

von hinten ausgeleuchtet werden soll oder der

Hintergrund selbst ein Licht bekommt, nicht auf

der Pappe stehen müssen.

76 Modelfotograf werden

Natürlich kann das Heimstudio auch schnell nerven.

Vielleicht findet Ihre Familie halbnackte, rauchende

Modelle in der Wohnung eher unangenehm,

vielleicht möchten Sie selbst nicht immer

unter dem Druck stehen, Ihre Wohnung halbwegs

ordentlich halten und Wertsachen wegräumen zu

müssen. Der Keller eignet sich selbst bei großen

Räumen leider nur bedingt als Studio. Meistens ist

die Deckenhöhe zu gering und es ist je nach Bildstil

schade, wenn man auf Naturlicht völlig verzichten

muss. Der Speicher hat meist auch ein Deckenhöhenproblem.

Ein geeignetes Heimstudio sieht z.

B. so aus, dass Sie in der unteren Etage eine Gästetoilette

haben, einen Studioraum mit großem

Fenster und eine Küche. Im Keller könnte sich ein

weiterer Setraum oder eine Kostümkammer befinden

und oben wird gewohnt. Bei Miethäusern

oder Wohnungen müssen Sie eventuell vorab mit

anderen Bewohnern bzw. mit dem Eigentümer abklären,

ob Sie ein Hinweisschild auf das Fotobusiness

an Ihrer Klingel anbringen dürfen. Falls Sie

auch kommerzielle Shootings anbieten möchten,

würde das für die Kunden ein seriöseres Image

vermitteln und auch Modelle würden sich ggf. sicherer

fühlen, wenn Sie statt bei „Peter Schmitz“

bei „Schmitz-Fotografie“ klingeln. Selbst wenn

Vermieter oder andere Bewohner das Schild an der

Tür kritisch sehen, dürfen Sie grundsätzlich nichtkommerzielle

Shootings in Ihrer Wohnung abhalten

– solange sich der Besucherverkehr in einem

moderaten Rahmen hält.

Ein Studio inmitten einer Stadt lohnt sich von der

Miete her wohl nur, wenn Sie auch Laufkundschaft

haben. Soll Ihr Hauptberuf darin bestehen, ein Fotostudio

für „Normalmenschen“ zu betreiben – Bewerbungsfotos,

Hochzeitsbilder, Kommunionsfotos,

Fotokalender etc. – benötigen Sie ein

Fotostudio in einer günstigen Lage, wenngleich

viele solcher Studios vom Platzangebot nicht so

opulent sind. Falls Sie aber nichts mit Laufkundschaft

zu tun haben möchten, werden Sie vermutlich

auf ein Industriegebiet ausweichen. Auf dem


Land haben Sie vielleicht die Chance, eine ehemalige

Scheune anmieten zu können. Räumlichkeiten

wie Industriehallen, Scheunen, ausrangierte Turnhallen

oder Ballettstudios bieten Ihnen nicht nur

günstigere Mieten, sondern auch große Räume

mit hohen Decken. Mit etwas Glück haben sie auch

große Fenster, die Shootings bei Naturlicht möglich

machen. Allerdings brauchen Sie mehr als nur

einen schönen Raum. Er muss heizbar sein, was in

einem kalten Winter schon recht teuer werden

kann. Er benötigt eine Toilette und am besten

noch eine Dusche, falls einmal Öl von der Haut

oder gar ein ganzes Bodypainting abzuwaschen

ist. Auch abschließbar sollte er sein, schließlich ist

Ihre Ausrüstung, vor allem die Blitze, schlecht

transportabel und Sie möchten sie vermutlich

nicht immer durch die Gegend karren. Optimal ist

ein Studio, das noch einen Vorraum bietet oder

eine Abtrennung für einen Vorraum, wo sich Begleitpersonen

aufhalten können oder wo man mal

in einer Shootingpause Kaffee trinken kann. Falls

Sie gerne kostüm- und requisitenintensiv shooten,

wäre eine Raum oder eine Ecke für all das Zubehör

noch schön. Optimal ist ein abgetrennter, separat

abschließbarer Raum, um kein Verschwinden von

Kleidung und Requisiten zu provozieren – wenngleich

die meisten Modelle vertrauenswürdig sind,

vor allem in Communities, denn da würde es sich

doch allzu rasch herumsprechen, wenn dem Fotografen

nach einem Shooting der halbe Requisitenschrank

fehlt. Auch eine Visaecke sollten Sie einplanen.

Viele Visas wollen zum Schminken

Naturlicht. Falls das aufgrund des Raumschnitts

nicht möglich ist, können Sie auch naturlichtgleiche

Lampen installieren.

Wie Sie schon ahnen, kommen einige Investitionen

auf Sie zu: eine Kaffeemaschine, eine Mikrowelle,

ein Wasserkocher, ein Kühlschrank für die

Süßigkeiten – all das wäre schön, wenn Sie es im

Studio hätten. Falls Ihr Studio mit den öffentlichen

Verkehrsmitteln nicht gut erreichbar ist – und das

Auch Boden kann einen passenden Hintergrund ergeben.

Posing im Liegen ist recht einfach für Modelle, es erfordert

aber manchmal mehr Überwindung, sich vor fremden

Personen hinzulegen.

ist bei Studios in Gewerbegebieten häufig so –

werden Sie Ihre Modelle auch ab und zu von der

Bushaltestelle oder vom Bahnhof abholen müssen.

Manche haben kein Auto oder noch nicht einmal

einen Führerschein, dafür aber einen (hoffentlich)

großen Koffer.

Technik & Ausrüstung 77


Ein Nachteil an einem Studio in einem Industriegebiet

oder einer abgelegenen Scheune besteht in

der Sicherheit. Vor allem wenn Sie eine Frau sind,

finden Sie es vielleicht nicht so prickelnd, abends

nach Shootings noch alleine durch die Gegend

oder auch nur zum Auto zu laufen. Auch ist es

schade, wenn Sie sich mit diesem Studio eine sehr

lange Fahrzeit von Ihrer Wohnung aus einhandeln,

vor allem, da manch ein Model doch deutlich später

kommt als angekündigt oder extrem kurzfristig

absagt.

Fundus

Must-Haves

Das Model als Kleiderständer – das Kostüm besteht aus

den Seitenelementen einer Kleiderstange.

78 Modelfotograf werden

Es gibt ein paar Must-Haves und Would-be-Niceto-Haves

an Accessoires und Kleidungsstücken,

also Stücke, die man im Modelschrank oder im Studio

haben sollte. Hinsichtlich der Kleidungsstücke

betrifft dies eigentlich in erster Linie die Modelle,

aber – man kennt das bald als Fotograf – da Modelle

manchmal kaum ihren Kopf dabei haben,

sollte sich auch der Fotograf das ein oder andere

zulegen. Vielleicht ärgert Sie das – nun bekommt

das Model schon Gage und/oder schöne Fotos

und investiert dafür nicht einmal in Outfits! Bedenken

Sie nur, dass, wenn Sie nicht vorsichtshalber

interessante Outfits besorgt haben, bisweilen gar

keine brauchbaren Bilder entstehen werden. Dann

haben Sie auch Zeit, Equipment und eventuell Studiomiete

umsonst investiert.

Folgende Teile sind sinnvoll:

Stoff und Tücher | Das sind die Klassiker, die in

fast jedem Studio zu finden sind. Sie stellen nichts

Besonderes dar, sind aber immer wieder multifunktionell

einsetzbar. Man kann sie als Stolas verwenden,

Kleider daraus basteln, Turbane wickeln

oder mit ihnen den Hintergrund dekorieren. Am

besten sind leichte Stoffe, die schön locker fallen,

z. B. Satin, Chiffon oder andere transparente Stoffe.

Dunkler Samt säuft zu rasch ab, Molton ist noch

schlimmer. Baumwolle und Seide knittern sehr

rasch. Nessel, ungefärbter, grober Baumwollstoff,

darf ruhig auch knittern und eignet sich super für

die trashigen Themen.

Tücher ergeben nicht nur schöne Stylingaccessoires

für das Model, sondern auch die Location

kann mit Tüchern und Kissen gestaltet werden,

ungünstige Elemente können abgehängt, Flair

kann geschaffen werden.


Korsetts | Für diese Kleidungsstücke könnte ich

ein größeres Plädoyer halten. Korsetts machen aus

langweiligen Tüchern und Stoffen ausgefallene

Kleider, bringen unförmige Outfits und Modelle in

Form und fügen immer ein bisschen Glamour-,

Retro- oder Fetishfaktor hinzu, der das Bild interessanter

macht. Korsetts gibt es in den unterschiedlichsten

Farben, Mustern und Varianten, als langes

Korsett von der Hüfte bis über die Brust, als Halbbrustkorsett,

als Unterbrust- und als Taillenkorsett.

Achten Sie darauf, dass Sie ein echtes Schnürkorsett

mit eingearbeiteten Stäbchen erwischen und

keine Corsage. Corsagen sehen Korsetts oft zum

Verwechseln ähnlich, sind aber wesentlich leichter

und schnüren nicht wirklich. Auch die Begriffe

werden häufig synonym verwendet. Da Sie, falls

Sie nicht gerade in einer Großstadt wohnen oder

Insider sind, vielleicht nur über das Internet nach

Korsetts suchen können, ist das besonders ärgerlich.

Ein oft schon auf der Abbildung erkennbares

Indiz, dass es sich um eine Corsage handelt, besteht

in der Schnürung. Echte Korsetts werden

nicht mit Satinbändchen, sondern mit festeren

Bequemes Posing

inmitten von

Tüchern und Kissen.

Bändern geschnürt. Die Schnürung befindet sich

nicht unten oder oben, sondern in der Mitte.

Kaufen Sie z. B. zunächst ein helles und ein dunkles

Korsett. Die schmale Variante, genannt „Taillenkorsett“,

die oft auch am günstigsten ist, hat den Vorteil,

dass sie mit vielen Outfits kombiniert werden

kann. Sie vermag z. B. ein Carmen-Top aufzupeppen

oder kann zu einer hochgeschlossenen Retrobluse

getragen werden. Auch für Teilakt kann sich

ein Korsett anbieten (Achtung bei den Fleischröllchen,

die dann über und unter dem Korsett entstehen

– am besten nicht zu stark schnüren und die

Taille stattdessen in Photoshop verstärken). Anders

als bei anderen Kleidungsstücken würde ich

mich bei Korsetts an der Kleidergröße der dünneren,

kleineren Modelle orientieren. Die Korsetts

schnüren dann auch bei schmalen Modellen, und

bei den breiteren kann man sie hinten recht weit

öffnen. Schnüren Sie bei Korsettneulingen nicht zu

ehrgeizig – wie schon damals zur Blütezeit des

Kleidungsstücks kippen auch heute noch die

Damen leicht um, wenn es zu eng wird.

Technik & Ausrüstung 79


Kleider | Ein langes helles und ein langes dunkles

Kleid werden immer wieder mal gefragt. Wenn Sie

überwiegend zahlende Kundinnen bedienen

möchten oder sich einfach nur bei Ihren Modellen

beliebt machen wollen, darf eine Kleiderstange im

Studio nicht fehlen, bestückt mit Abend- oder

Hochzeitskleidern. Am besten eignen sich lange

Kleider. Lang kann durchaus Überlänge bedeuten.

Wenn man die Füße nicht mehr sieht, hat das mehrere

Vorteile. Sie können Modelle auf extrem hohen

Schuhen oder sogar auf einem Podest stehend

noch problemlos fotografieren, unpassende

Schuhe werden verdeckt und viele Fußposen, die

eher ungünstig sind, fallen nicht ins Gewicht. Auch

falls eine Ganzkörpermontage angestrebt wird, erleichtert

ein sehr langes Kleid das Ausschneiden

und den Schattenwurf. Als Kleidergröße ist 38 bzw.

S/M meistens eine gute Wahl. Die Kleidungsstücke

lassen sich mit Sicherheitsnadeln für schmälere Modelle

leicht verkleinern. Wer auch Privatkunden einkleiden

möchte, sollte, um Frust zu vermeiden, auch

Outfits in Größe 40 parat haben.

Als Gegenstück zum Kleid besitzen die meisten

männlichen Modelle einen Anzug, so dass diese Anschaffung

für Sie nicht nötig ist. Historische Kostüme

für Männer sind, verglichen mit den oft aufwändiger

wirkenden Gegenstücken für die Damen, recht

teuer, da ihr Schneidern sehr arbeitsintensiv ist.

Tutus, Petticoats und Reifröcke | Wer Ballett

mag, weiß, dass man mit „Tutu“ nicht die Feuerwehr

meint, sondern den Tüllrock einer Ballerina.

Tutus gibt es in unterschiedlichen Größen und Varianten,

und im Zuge des Lolita-Trends nennen

auch Modeketten manches „Tutu“, das eher „Rock“

heißen sollte. Tutus verleihen der Trägerin oft

etwas Mädchenhaftes, Graziöses.

Petticoats sind meist knielange Tüllunterröcke, die

unter 50er-Jahre-Kleider gezogen werden, damit

diese abstehen. Oft sind Petticoats mit einem farbigen

Satinband abgesetzt, im Internet kann man

sie in verschiedenen Längen und Farbkombinatio-

80 Modelfotograf werden

nen bestellen. Für 50er-Jahre-Shootings sind Petticoats

ebenso ein Muss wie Strumpfhalter.

Ein Tutu, kombiniert mit einer Corsage und Schleifen, für

die Boudoir-Atmosphäre.

Reifröcke, manchmal auch mit Tüll bestückt, dienen

eigentlich als Unterröcke für Kleider, die unten

weit fallen sollen, etwa klassische Hochzeits- oder

Barockkleider. Manchmal sind sie aber auch ohne

Überrock interessante Kleidungsstücke.

Bodys oder Trikots | Bodys – eng anliegende

Oberteile, die meist im Schritt mit Druckknöpfen

zu schließen sind und häufig als Unterwäsche dienen

– oder Trikots – Einteiler, die bei Gymnastik

oder Tanz getragen werden – sind nicht nur im Fashionbereich

beliebte Kleidungsstücke. Sie bieten

auch eine gute Grundlage zur Dekoration für andere

Themen.


Dreimal derselbe rote Body.

Kleider und die Kundschaft

Umfassendes Reinigen – das ist bei manchen Outfits gar nicht möglich oder sehr teuer, etwa bei Bauchtanz- oder

Showkostümen oder bei Kleidern, die in Handarbeit mit aufgenähten Ketten oder Pailletten umgestaltet wurden. Bei

anderen Stücken versagt zumindest die Waschmaschine, – ein Reifrock ist zu sperrig, beim Petticoat aus Asien ist nicht

sicher, ob die Farbe die Wäsche überlebt, der Flohmarktkauf, der schon Löcher aufweist, könnte nach der Waschmaschine

noch zerfetzter aussehen. Außerdem bedeutet es einen großen zeitlichen und finanziellen Aufwand, nach

jedem Shooting erst einmal Großwäsche zu machen und eventuell zum Waschsalon oder zur Reinigung zu fahren. Das

versteht auf Anhieb aber nicht jedes Model und nicht jeder Kunde. Erklären Sie am besten direkt, warum manche Kleidungsstücke

nicht wie frisch aus der Reinigung aussehen. Eine Erläuterung, was schon mit dem Kleidungsstück unternommen

wurde, macht Sie und Ihre Arbeit vielleicht sogar noch interessanter: „Hiermit haben wir zuletzt im

Schneegestöber geshootet, es hat vielleicht noch Schneeränder“ oder „Das kam als Fee in einem Bergwerk zum Einsatz“.

Technik & Ausrüstung 81


Ketten, Armreifen, Ohrringe | Kleinteile runden

die Stylings optisch ab. Das ist nicht zu unterschätzen,

denn ohne passende Kleinteile entwickeln

Kostümbilder oft nicht ihr Flair und wirken ungeplant

und zufällig.

●● Perlenkette. Eine oder mehrere längere (Plastik-)Perlenketten

werden gerne verwendet

und passen zu vielen Themen – zur Barockdame,

zur Saloonlady und zu „Audrey

Hepburn“-Inszenierungen. Der Nachteil, vor

allem von langen Perlenketten, besteht darin,

dass sie eine Technik zur Figurbearbeitung, das

„Verflüssigen“, an den Stellen, wo sie sich befinden,

erschweren bis unmöglich machen. Wenn

nämlich die Taille in der Bearbeitung zusammengeschoben

wird, passiert Gleiches mit

einer darüberliegenden Kette. Während die

Verformung dem Kleiderstoff meist nicht schadet,

wirken krumme Perlen doch sehr seltsam.

●● Sonstige Ketten. Vor allem eng am Hals anliegendes

Geschmeide ist recht brauchbar. Es

stört nicht beim Verflüssigen, liegt nicht seltsam

auf der Brust und füllt tiefe, wie auch mitteltiefe

Kleidungsausschnitte. Ist ein sogenannter

„Choker“ zu weit, hilft ein Haargummi,

um beide Enden zu verkürzen. Ketten, die hingegen

länger herunterhängen sollen, kann

man für Bilderzwecke gut mit einem Stück Kordel

oder Sicherheitsnadeln verlängern.

●● Armreifen. Armreifen haben den Nachteil, dass

sie eines der wenigen größenabhängigen

Schmuckstücke darstellen. Auch schlanke

Mädchen haben oft einen so breiten Handspann,

dass sie Schwierigkeiten haben, Armreifen

anzuziehen, die dann später an ihrem Arm

viel zu weit herumschlackern. Viele, gerade die

aufwändigeren, Armreifen werden in asiatischen

Ländern produziert und es hat sich dort

auch noch nicht überall herumgesprochen,

dass Europäerinnen im Durchschnitt einen

deutlich breiteren Handspann haben. Besser

82 Modelfotograf werden

sind Armbänder mit elastischem Gummiband,

Armspangen, die geöffnet werden oder Armreifen

aus Metall mit einer Öffnung, die gebogen

werden können.

●● Ohrringe. Ist Schmuck ein Thema im Bild, dürfen

Ohrringe oft nicht fehlen. Der Blick des Betrachters

wird schnell auf die Kette gelenkt,

also auf den Hals oder das Dekolleté – und Ohrringe

sorgen dafür, dass auch das Gesicht,

quasi umrahmt von Schmuck, wieder mehr

Aufmerksamkeit erhält. Schwierig stellt es sich

allerdings mit gewöhnlichen Ohrsteckern dar,

denn nicht jedes Model hat Ohrlöcher und

nicht jede möchte die Ohrringe ihrer Vorgängerin

tragen. Deshalb bieten sich Clips besonders

an. Ohrringe können Sie ähnlich wie Broschen

auch an anderen Stellen, z. B. an der

Bluse oder am Kopfputz anbringen.

Hüte | Schon die Hutabteilung größerer Kaufhäuser

bietet ein gutes Sortiment an schicken Kopfbedeckungen

vom Opernhütchen bis zum Strohhut.

Große Krempen können toll aussehen, machen die

Lichtsetzung aber oft schwierig. Kein Problem bei

der Lichtsetzung bereiten die eng am Kopf anliegenden

20er-Jahre-Hüte. Auch Minizylinder und

verzierte Haarreifen sind in Sachen Lichtsetzung

kein Hindernis und bei Modellen sehr beliebt, weil

sie weniger „omamäßig“ aussehen, sondern stattdessen

einen Burlesque-Touch verleihen. Minihütchen

findet man im Internet oft unter dem Stichwort

„Fascinator“.

Haarspangen, Haarreifen und Haarbänder |

Auch dies sind nützliche Accessoires. Sie pimpen

die Frisur, selbst wenn gerade keine Visagistin zur

Hand ist. Wichtig ist, eine Auswahl verschiedener

Farben zu besitzen, damit sie zum jeweiligen Kleid

passen.


Auch Wohnungsblumendekoration und Wandgemälde

können zur Requisite werden.

Masken | Masken haben vielfältige Einsatzmöglichkeiten.

Sie eignen sich nicht nur dafür, eine geheimnisvolle

Atmosphäre für Gothic-, Barock- oder

auch Fashionthemen zu kreieren, sondern auch,

die Identität des Models tatsächlich zu verschleiern,

etwa bei Aktshootings, bei denen das Model

nicht erkannt werden möchte. Oder sie dienen

dazu, verunglücktes Make-up zu überdecken.

Perücken | Ein kleiner Fundus an Perücken unterschiedlicher

Haarfarben ist sinnvoll. Echt sehen

insbesondere Perücken mit Pony oder wildem Lockenkopf

aus, so dass der bei Perücken kritische

Haaransatz überdeckt ist. Auch das Frisieren von

Perücken lässt sie häufig realistischer wirken. Haarteile

wie ansteckbare Zöpfe oder Pony machen

sich ebenfalls gut. Hier ist die Hemmschwelle bei

Modelneulingen auch nicht so hoch wie bei einer

richtigen Perücke.

Eine blonde Afro-Perücke für 8 Euro aus dem

Karnevalsshop.

Handschuhe | Darunter sind in diesem Kontext

nicht Ski- oder Winterhandschuhe zu verstehen,

sondern edle Damenhandschuhe. Sie bieten den

Vorteil, dass man mit ihnen ungünstige Fingernageldesigns

oder -farben, wie auch abgekaute Nägel

leicht verdecken kann. Da Damenhandschuhe

ziemlich ungebräuchlich geworden sind, zeigen

Fotos, auf denen Damenhandschuhe zu sehen

sind, dass es sich um etwas besonders Edles handelt,

oft mit der Aura vergangener Zeit oder pompöser

Pferderennen. Verschiedene Farben und Varianten

sind sinnvoll, damit sie zu unterschiedlichen

Outfits passen. Edle Handschuhe müssen nicht

teuer sein. Auf Flohmärkten findet man oft sehr

günstig antike Handschuhe. Der Nachteil besteht

allerdings darin, dass die Damen früher offensichtlich

schmälere und kleinere Hände hatten als das

heutige Durchschnittsmodel.

Handtaschen | Handtaschen in verschiedenen

Farben, so dass sie stets zum Outfit des Models

passen, peppen nicht nur auf, sondern helfen dem

Model beim Posing. Die Hände baumeln nicht

sinnlos in der Luft herum, zumindest eine von beiden

hat etwas zu tun. Am sinnvollsten sind Handtaschen,

die nicht zu kleinteilig sind. Ein schlichtes,

Technik & Ausrüstung 83


otes Täschchen in einer hübschen Form, ist ein

tolles Basisteil. Die Farbe lässt sich mit Photoshop

problemlos in viele andere Farben wie Blau, Grün

oder Grau umfärben, so dass das Täschchen in verschiedenen

Kontexten Verwendung finden kann.

Damenstrümpfe | Eigentlich sollte das Model

Strümpfe mitbringen – aber sie sind meist nicht so

teuer und es tut nicht weh, vorsichtshalber selbst

welche organisiert zu haben. Zum Drunterziehen

sind Strumpfhosen optimal, dünne Strumpfhosen

in Hautfarben und in Weiß. Perlmuttschimmer

kann, je nach Thema, einen schönen Glanz zaubern.

Halterstrümpfe sind zum Strapsgürtel passend.

Die Halterlosen passen aufgrund ihrer Gummierung

oft nicht in die Haken eines Strapsgürtels

und sind daher ungeeignet. Sind keine Halterstrümpfe

vorhanden, nimmt man im Notfall für

Strapsgürtel eine normale Strumpfhose und

schneidet das Höschenteil einfach ab. Bei Retrothemen

trägt man alte Nylons mit Naht. Sie sind relativ

teuer, aber es gibt auch günstige Imitate, bei denen

die Naht oft nur aufgemalt ist. Kaufen Sie diese am

besten sehr groß, so dass sie angezogen Falten

werfen, dann entsprechen sie eher der echten Nylon-Optik.

Auch zerrissene Strümpfe brauchen Sie

nicht sofort wegzuschmeißen. Vor allem farbige

und schwarze Strümpfe sollte man dann richtig

zerlöchern – für Gothic, Punk, aber auch Fashionthemen

kann das spannend aussehen.

Blumen | Blumen sorgen für Romantik oder Kitsch

– pastellige Blumen für das Gefühl von Frische,

dunkle, bunte Blumen für ein schweres, süßliches

Flair. Blumen können in den Hintergrund dekoriert

werden, in die Haare oder ans Kostüm. Meistens

reichen Stoffblumen, wenn Sie aber Close-ups planen,

z. B. nur das Auge mit Blütenblättern drum

herum im Visier haben, sollten Sie echte Blumen

wählen. Das klassische Bett in (Kunst-)Rosenblättern

ist allerdings teurer, als es aussieht, denn in

der notwendigen Menge kosten diese um die 150

Euro und lassen sich nur bedingt für andere Bildideen

wiederverwenden.

84 Modelfotograf werden

Modeltipp: Outfitjammern – total out!

„Ich bin noch Schülerin und kann mir so tolle Outfits

nicht leisten. Daher kann ich nur normale Kleidung

mitbringen“. Meist ist das die Einstellung von Modellen,

die gerne bezahlt werden möchten oder ein TFP-

Shooting erwarten, aber niemals selbst zahlen

würden. Bei Modellen mit sehr attraktivem Äußeren

und fashiongeeigneter Figur kann man in diesem

Fall noch die Bereiche Beauty, Lifestyle oder Fashion

mit einfacher Kleidung anvisieren. Aber wenn ein

auf Kostümen basierender Stil gewünscht ist, kommen

solche Stellungnahmen gar nicht gut an.

Schließlich schwimmt auch nicht jeder Fotograf in

Geld, aber jedes seiner Shootings kostet schon alleine

hinsichtlich der Fotoausrüstung. Dafür kann

man von Seiten des Models Engagement in Sachen

Kostümierung erwarten, sei es, dass es bastelt, leiht

oder kauft.

Das Model muss eine ganze Weile stillliegen,

bis alle Blumen dekoriert sind.


Kunstschnee, Kunstspinnennetz etc | Solche Requisiten

erhalten Sie am einfachsten im Herbst

oder Winter in den Dekoläden, pünktlich zu Halloween

und Weihnachten. Da es aber bei Auftragsshootings

sinnvoll sein kann, schon lange vor dem

Herbst solche Bilder zu machen, müssen Sie ggf.

weitsichtig planen. Im Notfall helfen Schaufensterausstatter,

die jedoch selten sehr günstige Angebote

haben. Kunstschnee ist generell recht teuer,

wohingegen eingesammeltes Herbstlaub kostenlos

auf der Straße liegt.

Essbares | Äpfel, Weintrauben, Kuchen, Lakritze –

auch Essbares kann atmosphärische Requisiten

ergeben. Der Vorteil: Man kann es nach dem Shooting

rasch beseitigen. Wenn es um Portraits geht,

kann man Gummibärchen, Obst o. Ä. um den Kopf

dekorieren und so einen Mehrwert für die Stunden

nach dem Shooting schaffen. Bei Anfängermodellen

sind solche Motive sehr beliebt, viele Fortgeschrittene

finden sie allerdings ausgereizt.

Setzen Sie bestimmtes Obst häufiger ein, rentieren

sich Kunstfrüchte aus dem Dekoladen. Torten,

Muffins und Eiscreme finden Sie manchmal als Kerzen.

Größere Food-Dummies gibt es beim Schaufensterausstatter.

Alkohol und Zigarren | Vielleicht sollten Sie nicht

gleich alle konsumierbaren Requisiten auch während

oder nach dem Shooting vernichten. Alkoholika

in schönen Flaschen und Zigarren gehören zu

den Requisiten, die man häufiger einsetzen kann.

Bei beschrifteten Flaschen achten Sie darauf, dass

Sie das Bild dann nicht mehr spiegeln können,

ohne dass auch die Schrift in Spiegelschrift erscheint.

Auch Karaffen machen sich gut im Set –

fehlt passender Inhalt, können Sie Leitungswasser

mit einem Hauch Wasserfarbe verwenden.

Bücher | Gerade alte, vergilbte Bücher ergeben atmosphärische

Setelemente und eignen sich vor

allem für Bilder, die Geschichten erzählen sollen.

Auf dem Flohmarkt können Sie günstig solche Bü-

cher erwerben, allerdings müssen Sie, vor allem

wenn die Bücher prominenter auf das Bild sollen,

ein wenig auf die Titel achten – manches hat doch

einen faden Beigeschmack.

Alkohol, Kerzen und Bücher.

Kerzen | Kerzen auf schönen Leuchtern oder dicke,

einzelne Kerzen sind beliebte Requisiten. Allerdings

bringen sie zwei kritische Aspekte mit sich.

Wenn Sie blitzen oder bei Tageslicht shooten, werden

Sie den Schein angezündeter Kerzen kaum

wahrnehmen und sie wirken auf dem Bild wie ausgepustet.

Besser funktioniert es bei weniger Licht

– was jedoch technische Probleme wie lange Belichtungszeiten

oder starkes Rauschen durch die

hohe ISO bewirkt. Zudem passiert es im Eifer des

Shooting-Gefechts leichter, dass nicht nur Model

und Fotograf Feuer und Flamme sind. Tatsächlich

ist mir bei einem Shooting einmal die Barockperücke

auf meinem Kopf angebrannt, bemerkt habe

ich das nur am seltsamen Geruch – gerade im richtigen

Moment, um mich noch rechtzeitig zu befreien.

Musikinstrumente | Der Betrachter hört schon

fast den Klang der Violine, die Melodie des Klaviers.

Musikinstrumente schaffen Stimmung und

eignen sich daher gut als Requisite. Achten Sie darauf,

dass das Model mit den Instrumenten ange-

Technik & Ausrüstung 85


messen post. Gerade bei Streichinstrumenten bedarf

das einer Anleitung – im Zweifelsfall ist es

sicherer, das Instrument unberührt ins Set zu dekorieren.

Luftballons | Ballons haben mehrere Eigenschaften,

die sie als Requisite interessant machen. Sie

sind leicht erhältlich, billig, gut transportabel und

eröffnen ein großes Bedeutungsspektrum. Oft stehen

sie für (verlorene) Kindheit, Nostalgie und den

Wunsch, davonzufliegen, aber auch für Lebensfreude

und Party. Wenn Ballons nach oben streben

sollen, müssen sie gasgefüllt sein.

Waffen | Schwerter können dazu verhelfen, eine

spannende Szenerie aufzubauen und sind sowohl

bei weiblichen, wie auch bei männlichen Modellen

angesagt. Man kann sie im Piratenkontext nutzen,

in Kombination mit Kimono und Asia-Style, zusammen

mit orientalischen Kostümen und vielem

anderen. Sie sollten keine Plastik- oder Schaumstoffschwerter

wählen – die wirken doch sehr unrealistisch.

Echte Schwerter sind recht teuer und

oft zu scharf. Empfehlenswert sind z. B. Tanzschwerter,

die es im Bauchtanzbedarf gibt. Sie sind

in der Regel nicht scharf geschliffen (wenngleich

oftmals recht spitz) und besitzen zum Teil schön

verzierte Klingen. Auch Asiaschwerter sehen dekorativ

aus. Gewehre und Pistolen können von Wild

West- bis zu James Bond-Themen eingesetzt werden.

Karnevalswaren helfen hier ebenfalls nicht

viel – nicht nur, weil sie unrealistisch aussehen,

sondern auch, weil sie oft für Kinder produziert

und deswegen zu klein sind.

Elektro- und Baumarktbedarf | Kreative Gemüter

finden hier unzählige Materialien, aus denen

sich etwas basteln lässt – Rohre für einen Sci-Fi-

Touch, Metallketten für SM-Szenarios, Seile für

klassischen Akt, Metallplättchen, aus denen man

ein glänzendes Kostüm basteln kann. Ein Vorteil an

diesen Teilen ist, dass man sie auch nach ein paar

Shootings noch einsetzen kann – vielleicht als das,

wofür sie ursprünglich bestimmt waren.

86 Modelfotograf werden

Ein Lampen- und ein Asiaschirm als Kostüm.

Es versteht sich von selbst: Wenn Sie basteln wollen,

sollten Sie unbedingt auch Schere, verschiedene

Klebersorten, Kabelbinder, Bänder und Draht

parat haben.

Farbe | Farbe dient nicht nur dazu, ggf. einmal

eine Wand oder ein Möbelstück im Studio umzustreichen,

sondern kann auch den Körper des Models

mehr oder weniger bedecken. Schmink- oder

Bodypaintfarben sind hierfür besonders geeignet,

da sie die Haut weniger austrocknen und speziell

dafür entwickelt wurden, auf der Haut ihre Farbig-


keit zu entfalten. Jedoch sind sie nicht so günstig.

Fingerfarbe hingegen kostet nur wenige Euro, erschwert

allerdings sauberes Auftragen. Flüssiglatex

hat den Vorteil, dass man die Farbe nach dem

Trocknen leicht wieder abziehen kann. Mit jeglicher

Farbe sollten Sie allerdings vorsichtig sein

und am besten ein paar Tage vor dem Shooting

testen, ob das Model die Farbe verträgt.

Möbel | Überflüssig zu sagen, dass man mit spannenden

Möbeln tolle Sets bauen kann. Vermutlich

können Sie nicht für jedes Shooting neue Möbel

besorgen. Es gibt Möbel, die als Einzelstücke für

eine Inszenierung wirken und solche, die sich in

verschiedenen Kombinationen dekorieren lassen.

Die Steh(sch)lampe.

Beliebt sind Sitzgelegenheiten, die recht groß sein

sollten – also Sessel oder Sofa. Da Stuhllehnen

oder Sitzflächen verdeckt sind, sobald sich das

Model darauf in Pose setzt, würde von kleineren

Sitzgelegenheiten auf dem Bild dann nicht viel

übrig bleiben. Empfehlenswert sind auch Tische,

dekoriert mit Büchern, Kerzen o. Ä., sowie Paravents

für den Hintergrund und Teppiche für den

Boden. Spiegel erschweren das Fotografieren oft,

da sie neben dem Fotografen auch andere Elemente

im Raum – Assistenten, Blitze, Stative, unpassende

Möbel etc. abbilden. Andererseits geben

sie dem Bild aber auch Tiefe und eröffnen ein weites

Spektrum für Themen, die die Auseinandersetzung

des Menschen mit sich selbst beinhalten.

Model und Spiegelbild.

Tiere | Tiere sind natürlich keine Accessoires oder

Requisiten, aber doch sind Shootings mit Tieren

recht beliebt. Möchten Sie sich an dieses Thema

heranwagen, müssen Sie einkalkulieren, dass es

schiefgehen kann – dass auch das bravste Pony

nicht stillstehen wird oder dass der sonst mutige

Hund Angst vor den Blitzen hat.

Wenn Sie ein Tier-Shooting planen, sollten Sie zunächst

Erkundigungen einholen, ob die Blitze den

Augen des Tieres schaden könnten. Je nach Tierart

empfiehlt es sich, für Futter, Wasser und einen

Ruheplatz zu sorgen. Bei Reptilien müssen Sie auf

die richtige Raumtemperatur achten. Ist es zu

Technik & Ausrüstung 87


warm, werden die Tiere zu munter, ist es zu kalt,

schadet ihnen das auf Dauer. Die genaue Wohlfühltemperatur

variiert – informieren Sie sich am

besten beim Besitzer der Tiere. Auch sollte das

Model wissen, worauf es sich einlässt – viele Mädchen

haben Angst vor Spinnen, Schlangen oder

größerem Getier.

Es gibt auch einige für den Fundus weniger empfehlenswerte

Stücke:

Latexkleidung | Eigentlich ist Latex ein tolles Material,

das nicht nur im Fetish-, sondern auch im

Fashionbereich gute Dienste leistet. Allerdings hat

es auch Nachteile. Hier fällt ins Gewicht, dass Latexkleidung

teuer und sehr pflegeintensiv ist. Um

Latexkleidung beim Anziehen nicht zu beschädigen,

benötigt das Model entweder einen Puder

oder ein glitschiges Gel als Anziehhilfe. Wenn das

Anziehen dann geschafft ist, braucht es ein Glanzgel

oder Spray – ansonsten sieht es stumpf aus wie

Schuhe – hier größenunabhängig eingesetzt.

88 Modelfotograf werden

Autoreifen. Dieser Glanz verflüchtigt sich allerdings

auch rasch und man muss immer wieder ordentlich

nachlegen. Nach dem Entkleiden muss

das Latexkleidungsstück vorsichtig gewaschen

und mit Pflegesubstanzen behandelt werden. Ein

weiterer Nachteil besteht darin, dass vor allem die

größeren Latexkleidungsstücke wie ganze Kleider

oder Corsagen ihren Trägern gut passen müssen,

in der Regel sogar maßgeschneidert sind – sich

also nicht als Allrounder für jedes Model eignen.

Wer wirklich Latex shooten möchte, sollte sich

dafür einen separaten Kleiderschrank zulegen und

mit den Modellen die ehrliche Kleidergröße vor

dem Shooting besprechen.

Schuhe | Schuhe sind aus zwei Gründen weniger

sinnvoll. Die Schuhgröße variiert bekanntlich und

sowohl zu große, wie auch zu kleine Schuhe können

sehr unbequem für das Model sein und, besonders

im Falle offener Schuhe, auch die Optik des Bildes


eeinträchtigen. Zudem findet es manches Model

unerquicklich, seine Füße in fremde Schuhe zu stecken.

Trotzdem schadet es nicht, ein paar Schuhe zu

besitzen, denn unpassende Schuhe können die Wirkung

von Ganzkörperbildern stark beeinträchtigen.

Nicht nötig sind schwarze und braune Pumps – die

besitzt eigentlich jedes Model. Lieber besorgen Sie

ausgefallenere Farben, die nicht in jedem Schuhschrank

vorhanden sind. Ich empfehle ein paar farbige

Allrounder in einer möglichst allgemeintauglichen

Größe, das ist wohl 38/39, und am besten

geschlossene Schuhe oder Stiefel, bei denen man

falsches Passen nicht so rasch bemerkt.

Modeltipp: Watch your valuables!

Vielleicht tragen Sie im Alltag Schmuck, der Ihnen

wichtig ist – Ketten, Ohrringe, Verlobungsring, teure

Armbanduhren o. Ä. Bei einem Shooting müssen Sie

diese Teile wahrscheinlich ablegen. Da Shootings

manchmal recht chaotisch ablaufen und eine unübersichtliche

Zahl an Personen involviert sein kann,

ist es besser, diesen Schmuck gleich daheim zu lassen.

Bei On-Location-Shootings und in größeren

Mietstudios empfiehlt es sich auch nachzufragen,

wo man die Tasche mit Portemonnaie, Handy und

Laptop lassen kann. In privaten Studios ist dies weniger

kritisch.

Dessous | Hier ist es genauso wie mit den Schuhen:

Besonders die hauchzarten Dessous müssen

ihrer Trägerin auch anständig passen. 75B schaut

bei einer 70A-Dame bereits ungefüllt aus und bei

einer 85C-Dame gequetscht. Außerdem stellt sich

das Hygieneproblem hier in verschärfter Version.

Bei Dessousshootings ist es daher besonders wichtig,

dem Model vorher klarzumachen, was es im

Koffer haben soll. Wenn Sie doch ein paar Teile

kaufen möchten, macht es Sinn, Strumpfhalter zu

erwerben, die das Höschen ein wenig abdecken –

so kann das Model ein eigenes, gleichfarbiges,

aber aus einem anderen Set stammendes Höschen

damit kombinieren. Sie können die Dessous auch

als Gage für das Shooting einplanen: Das Model

darf die frisch für das Shooting gekauften Teile im

Anschluss daran behalten.

Echter Schmuck | Da besonders bei On-Location-

Shootings die Gefahr besteht, dass etwas kaputt-

oder verlorengeht, würde ich empfehlen, nicht die

tollsten und wertvollsten Erbstücke in den Modelschrank

zu legen.

Woher nehmen ...?

Für die Körperbedeckung und -gestaltung sind

also qualitativ gute Outfits, Kopfbedeckungen

und Schuhe gefragt. Qualität meint nicht, dass die

Outfits von Lagerfeld sein müssen, „Lagerhalle“

kann völlig in Ordnung sein. Ein defekter Reißverschluss

am Rücken, eine getrennte Naht, sogar Flecken

und Löcher sind oft keine K.o.-Kriterien, solange

der Fotograf so etwas bearbeiten kann.

Manchmal können zerrissene Kleidungsstücke

sogar Atmosphäre erzielen – wenn der Hintergrund

etwa eine alte Wand ist, deren Putz schon

blättert. Mit Qualität ist gemeint, dass die Optik

qualitativ hochwertig wirkt, dass sich Mühe beim

Design gegeben wurde. Vor allem bei thematischen

Kostümen wird leider oft gespart. Da sieht

man billige Glitzermaterialien, das Barockkostüm

hat keine wirkliche Schnürung, sondern nur aufgemalte

Bänder und die Meerjungfrau hat dicke Plastikmuscheln

auf der Brust. Selbst gute Kostümverleihe

und -läden bieten hier oft keine brauchbare

Auswahl. Ungünstig sind meist auch Karnevalskostüme,

die es in zu hoher Stückzahl gibt; das sind

meist die billigen, und jeder Rheinländer weiß,

dass es das Kleid für 29,99 Euro an der nächsten

Ecke gibt – und so sieht es auch meist aus. Doch

wie bekommt man ausgefallene Kleidung von

guter Qualität, am besten auch noch günstig? Hier

gibt es verschiedene Möglichkeiten:

Technik & Ausrüstung 89


Kaufen | Wie bereits angeklungen, ist dies leider

nicht so einfach, wie es klingt, denn gerade ausgefallene

Outfits liegen meist nicht im Regal der

nächsten Modeboutique. Über das Internet haben

Sie größere Chancen fündig zu werden. Allerdings

gibt es ein paar Haken. Nicht alles sieht so aus wie

auf dem Foto. In Asien werden häufig Outfits teurerer

Marken nachgeschneidert, geworben wird

aber mit den Bildern der Markenkleidung. Auch in

Sachen Farbe und Größe müssen Sie tolerant sein.

Manche Outfits und Accessoires bekommen Sie am besten

im Ausland.

90 Modelfotograf werden

Bestellen Sie alles lieber etwas größer, beim Verkleinern

können Sicherheitsnadeln helfen. Bedenken

Sie, dass das Porto oft ziemlich hoch ist und

bei Auslandsbestellungen eventuell noch Zollgebühren

auf Sie zukommen. Umtauschen ist meist

mit viel Aufwand verbunden und auch Absicherungen

wie PayPal helfen nicht weiter, wenn die

Lieferung erst nach mehreren Wochen eintrifft.

Gute Alternativen zum Internet sind thematische

Läden, z. B. Gothicläden, LARP-Läden, Bauchtanz-,

Ballett- oder Flamencoshops. Leider sind solche

Läden selten günstig. Mehr fürs Geld gibt es oft

auf dem Flohmarkt. Gerade für Retrothemen können

Sie sich hier eindecken. Kaufen bedeutet zwar

zunächst eine Investition zu tätigen, aber Sie können

die Outfits ggf. nach einiger Zeit wieder verkaufen

und haben dann schöne Bilder, um ihren

Marktpreis zu erhöhen.

Ausleihen bei Designern | Manche, überwiegend

kleinere Labels sind dazu bereit, für gute

Fotos Kleidungsstücke zu verleihen. Jungdesigner

freuen sich häufig über so eine Chance, gutes Bildmaterial

zu erhalten. Allerdings sollten Sie vorher

mit dem Model abklären, ob es einverstanden ist,

dass die Fotos ggf. für Werbezwecke eingesetzt

werden. Vielleicht lässt sich eine Win-Win-Situation

schaffen: Der Designer erhält Werbematerial,

auf dem der Name des Fotografen und der des

Models vermerkt sind, welche beide durch Kunden

des Designers vielleicht neue Interessenten

ansprechen. Läden, die bereits erfahren in der Kooperation

mit Fotografen sind, haben vielleicht

einen Leihvertrag zur Hand – eine gute Sache,

damit es nachher nicht zu Konflikten bzgl. Anzahl

und Beschaffenheit der verliehenen Teile sowie

dem Rückgabedatum kommt. Auch kann man

darin Vereinbarungen über die Namensnennung

treffen, gleich ob es eine Veröffentlichung von Seiten

des Designers oder des Fotografen ist. Generell

würde ich hier dazu raten, die Namensnennung

mit dem Zusatz „sofern das Design es

erlaubt“ festzusetzen. Denn es gibt auch Publika-


Suchbegriffe für ausgefallene Outfits

Das Internet bietet Ihnen die Möglichkeit, international zu suchen. Dafür brauchen Sie viel Ausdauer und ein paar

englische Vokabeln:

Kleid | Wenn es ein Abendkleid sein soll, suchen Sie nicht nur nach „dress“, sondern auch nach „gown“. „Ballroom“,

„evening“ und „prom“ sind sinnvolle Zusätze.

Historische Gewandung | Während man auf deutschen Seiten eher das Wort „Barock“ als Sammelbezeichnung

liest für alle nachmittelalterlichen Kleidungsstile, finden auf englischsprachigen Kostümseiten oft die Worte „tudor“,

„renaissance“ und „rococo“ Verwendung.

Karneval | Auch im Englischen gibt es das Wort „carnival“. Der Begriff „Mardi gras“ wird vor allem in Zusammenhang

mit dem New Orleans-Karneval verwendet. Unter diesem Stichwort findet man Glitter und Masken. Ansonsten kennt

man noch die Verkleidungsfeste „halloween“ mit gruseligen Kostümen und „hen night“ (Junggesellinnenabschied).

Cosplay | Cosplayer kleiden sich ähnlich ihrer Comic-Helden.

Lolita | Typische Kleider der Lolita-Subkultur sind sehr aufwändig, mit viktorianischem Touch, niedlich und eher geschlossen

als offenherzig. Man findet vor allem Pastellfarben, bei „gothic lolita“ auch Schwarz und dunkle Farben.

Travestie | Auch wenn Sie keine Transvestiten fotografieren wollen, unter dem Begriff „travesty“ sammeln sich viele

ausgefallene Kopfputze und Kleider. Achten Sie auf die Größe, vieles fällt sehr groß aus.

Tanz | Unter dem Stichwort „bellydance“ finden Sie glitzernde Bauchtanzkostüme. Die Tanzrichtung „tribal bellydance“

verwendet an alte Kulturen angelehnte Silberornamente, dunkle Stoffe und bunte Bommeln. „Samba“, „flamenco“,

„ice/figure skating“ (Eiskunstlauf), „ballet“ (Ballett), „competition dance“ (Turniertanz) und „latin/salsa“ sind

weitere Tanzstile, in denen fototaugliche Kostüme Verwendung finden. Für Turner gibt es schöne „leotards“ (Trikots).

tionsmöglichkeiten, die vom Layout keinen Platz

für Namensnennungen einräumen und es wäre für

beide Seiten schade, hier nicht veröffentlichen zu

dürfen. Vereinbarungen über die Menge und Qualität

der vom Fotografen abzuliefernden Bilder

können ebenfalls getroffen werden, allerdings

sollte man als Fotograf hier vorsichtig sein und

nicht zu viel schriftlich zusichern – schließlich

könnte es ja auch sein, dass das Model kurzfristig

absagt oder sich als untauglich erweist, dass die

Location nicht funktioniert o. Ä.

Kostümverleihe | Erkundigen Sie sich nach den

Konditionen, manchmal sind die Öffnungszeiten

so ungünstig, dass Sie in jedem Fall mehrere Tage

lang mieten müssen. Je nach Saison kann es auch

Preisunterschiede geben, allerdings sind in der Nebensaison

die Öffnungszeiten auch oft schlechter.

Hochsaison sind bei Kostümverleihen neben Kar-

neval, der ja schon am 11.11. in die närrische Jahreszeit

startet und Halloween sowie Weihnachten,

welche sich beide mit der Karnevalssaison überschneiden,

auch die Zeit der Schützenfeste und

des Oktoberfests sowie die lokale Kirmes etc. Zu

diesen Terminen könnte es teurer werden und

eventuell ist Ihr Wunschkostüm dann schon verliehen

oder vorgemerkt. Im Theaterfundus finden

Sie, sofern es sich um ein Theater mit klassischen

Aufführungen handelt, aufwändigere Kostüme als

bei Verleihen, die eher Karnevalsjecken und Oktoberfestbesucher

bestücken. Manchmal schafft

man es aber nur über Beziehungen, dort etwas

auszuleihen. Interessant können auch professionelle

Filmausstatter sein.

Bei geliehenen Sachen gilt immer besondere Vorsicht.

Manche Teile wie Korsetts oder Besticktes

lassen sich sehr schwer reinigen, also versuchen

Technik & Ausrüstung 91


Sie nicht nur, groben Schmutz zu vermeiden, sondern

bitten Sie auch das Model und die Visagistin,

mit dem Make-up vorsichtig zu sein.

Tauschen | Der Tausch mit anderen Modellen und

Fotografen bietet einige Vorteile. An Outfits, die

Sie schon auf genügend Bildern zeigen, haben Sie

sich wahrscheinlich sattgesehen, andere würden

sich hingegen sehr freuen, sie nutzen zu können.

Sie haben vielleicht auf anderen Sedcards schon

Kleidungsstücke entdeckt, die Ihnen sehr gefallen.

Und darüber hinaus haben Sie diese Outfits schon

auf Fotos gesehen, die einen höheren Anspruch

verfolgen als reine Produktpräsentation – Sie

haben also vielleicht schon erkannt, wie sich die

Outfits besonders gut inszenieren lassen, wem sie

stehen könnten etc. Der Tausch birgt allerdings

auch Nachteile. Ist es ein Tausch auf Zeit, also ein

gegenseitiges Verleihen, könnte es sein, dass Sie

92 Modelfotograf werden

Ihre Outfits nicht im gewünschten Zustand zurückbekommen.

Generell abraten würde ich

davon, sehr Empfindliches oder Pflegebedürftiges

wie Paillettenkleider, Latex o. Ä. zu verleihen. Gleiches

gilt für Schuhe, auch sie sieht man, wenn

nicht klar ausgemacht wird, dass sie nur im Studio

verwendet werden, ggf. nicht mehr in Bestform

wieder. Vielleicht ärgern Sie sich auch darüber,

dass ein anderer Fotograf Ihre Outfits noch ein

wenig besser in Szene setzt als Sie es getan haben.

Umfunktionieren | Wie bereits beschrieben, lässt

sich manch funktionales Outfit auch in stylischen

Kontexten verwenden. Schweißerbrillen sind z. B.

recht beliebt als Haarreifen und auch Rugbyhelme

oder Motorradkombis lassen sich einsetzen. Materialthemen

setzen der Phantasie kaum Grenzen,

selbst Müll wie alte Schachteln oder Tapetenreste

lässt sich noch zum Kostüm machen.

Carrera-Bahn und Lederkombi


Hier diente Packpapier

als

Kostümierung.

Weitere Zutaten:

Schere, Kleber

und ein lange

still stehendes

Model.

Technik & Ausrüstung 93


Speicherfunde | Suchen Sie bei sich zu Hause und

fragen Sie in Ihrem Bekannten- und Verwandtenkreis,

gerade bei den älteren Menschen. Manch

einer hat vielleicht noch alte Kleidung, die sowieso

nicht mehr passt, aber die man auch nicht wegschmeißen

möchte. Ein Shooting könnte dem alten

Ballkleid, dem schönen Petticoat oder dem rosa

Spitzennachthemd zu neuem Glanz verhelfen.

Selbst Designen und Schneidern | Wer ein Händchen

für Design hat, kann sich tolle Unikate schaffen.

Man muss nicht immer von Null anfangen,

viele Kleidungsstücke kann man relativ einfach

umschneidern, viele Accessoires sich selbst zusammenstellen.

Minizylinder z. B. können recht

teuer werden, lassen sich aber mit ein paar hübschen

Dekoelementen aus dem Ein-Euro-Shop

leicht selbst herstellen.

Bildbearbeitung

Bei der Bildbearbeitung scheiden sich die Geister.

Es gibt ein paar Puristen, die gar nicht bearbeiten.

Für andere ist Bildbearbeitung eher eine Bildrettung,

Störendes wird korrigiert, ansonsten bleiben

die Bilder „out of box“. Die meisten gehen jedoch

davon aus, dass Bildbearbeitung klar zum Entstehungsprozess

eines Fotos dazugehört.

Entwicklung

Noch vor der eigentlichen Bearbeitung steht, falls

Sie im RAW-Format fotografieren, die Entwicklung

der RAWs ins JPEG- oder TIFF-Format. JPEGs oder

JPGs sind so komprimiert, dass sie möglichst wenig

Datenmenge benötigen und dadurch einfacher zu

handeln sind. Je öfter man JPEGs aber speichert,

desto schlechter wird ihre Qualität. TIFFs sind verlustfrei,

jedoch größer und damit zeitaufwändiger

zu öffnen und platzaufwändiger zu speichern.

In den Entwicklungsprogrammen können Sie z. B.

die Belichtung noch etwas korrigieren, den Kont-

94 Modelfotograf werden

rast stärken oder mildern und den Weißabgleich

ändern. Ich finde es daher sehr empfehlenswert,

im RAW-Modus zu fotografieren, gerade wenn Sie

on Location shooten und vielleicht nicht die Zeit

haben, für jedes Bild das Licht ganz präzise einzustellen,

wenn Sie grenzwertige Kameraeinstellungen

verwenden – z. B. aufgrund von zu wenig Licht

bewusst ein wenig unterbelichten – oder wenn Sie

sehr kontrastreiche Lichteinstellungen wählen. Zu

schnell ärgert man sich, mit dem Verzicht auf RAWs

auch auf Bildqualität verzichtet zu haben. Wenn es

später am PC schneller gehen soll und Sie das Entwickeln

am liebsten überspringen möchten, können

Sie bei manchen Kameras im Format RAW +

JPEG fotografieren und dann nur da auf die RAWs

zurückgreifen, wo die Qualität bei den JPEGs nicht

ausreicht.

Bildtuning

Hierunter zähle ich ein paar Schritte, die das Bild

als Gesamtes betreffen und lediglich Optimierungen

darstellen. Dazu gehört zunächst oft das Festlegen

des Bildausschnitts. Vermutlich haben Sie

schon während des Fotografierens einen ungefähren

Bildausschnitt im Kopf gehabt, möglicherweise

jedoch entstanden die Bilder aber unter

Zeitdruck und Sie konnten diesem Aspekt nicht

genügend Aufmerksamkeit schenken oder Sie

hatten noch keine genaue Vorstellung zum Bildausschnitt.

Dies können Sie während der Entwicklung

nachholen. Wenn Sie im üblichen Format 2:3

bleiben wollen und das Bild zugleich ein wenig

drehen möchten, wird es deutlich kleiner. Bei manchen

Bildern können Sie vielleicht schwer entscheiden,

was der richtige Ausschnitt ist, so dass

Sie die Wahl erst nach der Bearbeitung treffen.


Ein konservativer

Bildaus -

schnitt im Stil

eines klassischen

Gemäldes

oder ein unkonventioneller

engerer Ausschnitt.

Der weitere

Bildschnitt

stärkt die Bildaussage

der

übergroßen

Technik um die

Cyberelfe.

Technik & Ausrüstung 95


Auch das Ausgleichen gröberer Fehler im Bild zählt

zum Bildtuning. Dazu gehört z. B. das Entfernen

von Sensorflecken. Mit wenigen Klicks können Sie

einzelne Partien des Bildes aufhellen oder abdunkeln.

Damit werden Bilder oft plastischer gestaltet.

Die Änderung bestimmter Farben ist nicht bei

jedem Bild nötig, aber oft genug gibt es hier und

da ungünstige Farben – irgendein aufmerksamkeitsabziehendes

Knallrot muss aus dem Hintergrund

weichen, ein Kleid in Gelb statt in Orange

erstrahlen o. Ä.

Beautyretusche

Zur Beautyretusche zählen Schritte wie:

Verbesserung der Figur | Diesen Schritt nennt

man oft „Verflüssigen“, nach dem Filter in Photoshop,

der es möglich macht, bestimmte Partien zu

verschieben, zusammenzuziehen oder aufzublasen.

Es ist sinnvoll, diesen Schritt zuerst vorzunehmen

und dann einmal abzuspeichern – einerseits,

um zu schauen, ob er befriedigend funktioniert,

andererseits, da man nach weiteren Bearbeitungsschritten

eventuell noch einmal auf ein liniengleiches

Original zurückgreifen muss. Gibt es aber kein

Original mit korrigierten Linien, ist das nicht mehr

möglich.

Entfernen von Augenringen, Pickeln und

Hautunreinheiten | Dafür kann man das Ausbessern-

oder das Reparaturpinsel-Werkzeug verwenden

(in Photoshop das Flickensymbol oder das

Pflaster).

Weitere „Entfernungsarbeiten“ | Sie betreffen z.

B. störende Härchen, kleine Tattoos und Piercings.

Bei auffälligen Muttermalen sollten Sie das Model

entscheiden lassen, welche als Schönheitsflecken

bleiben sollen und welche sie gerne wegretuschiert

hätte.

Weichzeichnen der Haut | Dies geschieht oft

über eine Kombination verschiedener Schritte. Die

Funktion „Helligkeit interpolieren“ bewirkt ein

96 Modelfotograf werden

Weichzeichnen, das Kanten erhält, aber auch gewissermaßen

verstärkt. Schatten im Gesicht werden

damit flächiger und kantiger, es wirkt, als sei

das Bild in größere Farbflecken unterteilt. Der

Gaußsche Weichzeichner hingegen löst jegliche

Kanten. Diese beiden Schritte eignen sich dafür,

die Haut einerseits weichzuzeichnen, andererseits

dafür zu sorgen, das Farbübergänge nicht verschwommen-schlierig

aussehen. Mit einer Ebenenmaske

„radiert“ man die weichgezeichnete

Haut aus einem Bild. Die Transparenz regelt die

Stärke der Weichzeichnung.

Änderung von Lidschatten und Wangenrouge |

Die kann über eine weichgezeichnete und mit

hoher Transparenz versehene Ebene geschehen.

Sie benötigen hierfür jedoch ein wenig Wissen

über Make-up – wo es hingehört, welche Farben

gut passen etc.

Spiegeln | Dieser meist nur bei Portraits anzuwendende

Schritt erzeugt symmetrische Gesichter. Er

eignet sich aber nur in ganz besonderen Fällen,

wenn Sie das Model nämlich exakt frontal und mit

frontalem Licht fotografieren. Das Model muss

exakt geradeaus oder nach tief unten schauen,

damit es nach dem Spiegeln keinen Silberblick hat.

Kopieren Sie die schönere Hälfte des Gesichts,

spiegeln Sie in Photoshop mit „Bearbeiten – Transformieren

– Horizontal Spiegeln“ und ziehen Sie

die gespiegelte Hälfte an die richtige Position.

Wenn Sie das Spiegeln künstlich, statuenhaft aussehen

lassen möchten, reicht es, entlang der Mittellinie

der gespiegelten Hälfte ein wenig zu radieren.

Soll es natürlicher wirken, können Sie gewisse

Partien mit einem weichen Radiergummi entfernen,

z. B. am Kragen und vor allem an den Haaren,

die natürlich niemals rechts und links exakt gleichmäßig

fallen würden. So sieht man im fertigen Bild

auch auf der gespiegelten Hälfte Teile des Originalbilds.

Bei asymmetrischen Frisuren empfiehlt es

sich, den Haarbereich gar nicht zu spiegeln.

Manchmal kann es auch sinnvoll sein, nur einzelne

Partien, z. B. nur den Mund, zu spiegeln.


Ausgangsbild, exakt gespiegelt, teilweise gespiegelt, fertig bearbeitet.

Technik & Ausrüstung 97


Wie man schon herauslesen kann, ist es sehr sinnvoll,

die Beautyretusche zu kennen und zu wissen,

was in der Bildbearbeitung möglich ist. Wer z. B. Augenringe

entfernen kann, wird sich nicht daran stören,

wenn die Visagistin die Augenringe nicht völlig

überdecken kann. Wer weiß, wie man Lippenstift

umfärben kann, spart Visakosten und Zeitverlust

während des Shootings. Wenngleich dieses Buch

kein Bildbearbeitungsband ist, möchte ich doch

kurz ein paar Tipps geben, die das Zusammenspiel

von Fotografie und Beautybildbearbeitung erleichtern

und Ihnen auch von Nutzen sein können, wenn

Sie die Bilder nicht selber bearbeiten, sondern anderweitig

bearbeiten lassen:

Kleinteiligkeit | Vermeiden Sie kleinteiliges Makeup,

wenn das Model unter Akne leidet – es wird

schwer, in Photoshop zugleich die Hautstruktur zu

verbessern und das Make-up nicht zu „vermatschen“.

Eine weiche Lichtsetzung erleichtert die

spätere Bearbeitung zusätzlich. Wenn Sommersprossen

in Szene gesetzt werden sollen, ist reine,

glatte Haut wichtig.

Änderung der Lippenfarbe | Lippen können in

Photoshop leicht umgeschminkt werden. Das ist

sinnvoll, nicht nur, weil es Zeit spart, sondern auch,

weil nach einigen Umschminkaktionen die Lippen

meist nicht mehr ordentlich werden. Allerdings gibt

es bei der Bildbearbeitung Grenzen. An Helligkeit,

Glanz und Konturiertheit lässt sich wenig ändern,

wohl aber an der Farbe. Pink kann also zu Rot werden

oder zu Blau, aber Nude kann nicht so leicht in

dunkles, glänzendes Aubergine geändert werden.

Auftragen von Wangenrouge | Wangenrouge

lässt sich leicht am Computer setzen. Umfärben

von einmal bestehendem Wangenrouge ist komplizierter.

Digitale Diät. Wenn der Körper noch verschmälert

werden soll, beachten Sie, dass die zu verschmälernden

Partien möglichst frei bleiben. Ist

die Problemzone Taille/Hüfte, sollten die Arme sie

98 Modelfotograf werden

am besten nicht berühren. Besonders gut lassen

sich Körperformungen vor Studiohintergrund vornehmen

und besonders schlecht vor Locations

oder Wänden, die senkrechte, gleichmäßige Linienstrukturen

aufweisen.

Modeltipp: Pimp yourself!

Beautyretusche zu können ist ein Muss für Modelle.

Viele vormals für Sie unbrauchbare Bilder können

Sie selbst mit wenigen Klicks retten. Falls Ihr Fotograf

weniger Wert auf Beautyretusche legt, können Sie

ihm vielleicht sogar anbieten, die nötigen Beautyschritte

selbst vorzunehmen und haben damit mehr

Kontrolle über die Veröffentlichungen.

Falls es Ihnen sehr wichtig ist, bestimmte Aspekte

immer geändert zu haben – z. B. Narben, Muttermale

oder Tattoos zu entfernen – können Sie das

vertraglich festsetzen. Sprechen Sie dies vor dem

Shooting mit dem Fotografen ab.

Farbigkeit

Quietschbunt, Schwarz-Weiß, Sepia oder Colorkey?

Diese Frage stellen Sie sich vielleicht schon

vor dem Shooting, vielleicht aber auch erst im letzten

Schritt der Bearbeitung. Durch die digitale

Technik können Sie sich bis zum Schluss alle Optionen

offenhalten. Die wichtigsten Farbmöglichkeiten

sind:

Korrektur einzelner Farben | Das Bild ist eigentlich

schon farblich geglückt, doch die Haut des

Models sticht in leuchtendem Pink heraus. In diesem

Fall können Sie einzelne Farben selektiv korrigieren,

indem Sie z. B. nur die Rot- und Magentatöne

Richtung Gelb einstellen oder nur bei diesen

Farben die Sättigung, also die Farbintensität, herunterregeln.

Betrifft diese Farbänderung allerdings

ungewollt auch andere Bereiche im Bild,

müssen Sie mit zwei Ebenen arbeiten – eine für die

Haut, die andere für den Rest.


Weißabgleich | Der Weißabgleich betrifft die

Stimmung im gesamten Bild. Er lässt sich bereits

an fast allen Kompakt-, Bridge- und Spiegelreflexkameras

einstellen – oft an einer Taste mit den

Buchstaben „WB“ für „White Balance“. Sie können

ihn, falls Sie RAWs fotografiert haben, aber auch

später in der Entwicklung noch verändern.

Sättigung | Sie können entscheiden, ob die Farben

leuchtender oder weniger intensiv sein sollen.

Der Photoshop-Regler „Farbton/Sättigung“ ist, vor

allem wenn Sie die Sättigung stark erhöhen wollen,

nicht unbedingt die beste Möglichkeit, da dies

oft zu strukturlosen Farbflächen führt. Versuchen

Sie lieber in der Bildentwicklung die Lebendigkeit

zu erhöhen.

Colorkey | Hier werden nur einzelne Partien des

Bildes in Farbe belassen, der Rest wird schwarzweiß.

Beliebt ist das Verfahren vor allem mit der

Farbe Rot – den Klassiker „Frau in Dessous als

Schwarz-Weiß-Bild, dazu eine rote Rose in der

Hand“ haben Sie sicher schon in den Schaufenstern

vieler Innenstadtfotostudios gesehen.

Schwarz-Weiß | Dies meint mehr als eine komplette

Entsättigung des Bildes. Je nach Schwarz-

Weiß-Konvertierung werden auch die Kontraste

verändert – mal z. B. die vorherigen Rottöne heller,

mal die Gelbtöne. Um unterschiedliche Analogfilmtypen

nachzuahmen, kann man unterschiedlich

viel Korn hinzugeben. Schwarz-Weiß erfreut

sich gerade wieder größerer Beliebtheit. Fashion-

Aus einem Wald wird eine Lichtung.

Bilder, die in ihrem Stil auch „Knipsbilder“, also

Fotos ohne professionellen Anspruch hätten sein

können, kommunizieren durch die Schwarz-Weiß-

Umwandlung, dass es sich eben doch um anspruchsvolle

Fotografie handelt. Manche Themen,

wie 20er-Jahre-Stil, legen die Schwarz-Weiß-Umwandlung

auch nahe.

Sepia | Ein Bild in Sepia vermittelt oft den Eindruck

von Romantik, die Aura vergangener Zeiten.

Cross-Processing | So genannte Crossfilter ergeben

oft grünlich-bläuliche Farbstiche und beeinflussen

auch die Kontraste im Bild.

Montage und Collage

Weitere Bearbeitungsschritte können z. B. in der

Montage und Collage bestehen. Beiden Techniken

ist das Zusammenstellen von Teilen unterschiedlicher

Bilder gemein.

Montage | Dieser beliebte Schritt muss nicht

immer einen kompletten Austausch der Location

bedeuten. Oft sind es nur kleinere Bereiche, die ersetzt

werden. Die Beibehaltung einzelner Elemente

des Originalbilds ist vor allem dann sinnvoll,

wenn das Model körperlichen Bezug auf bestimmte

Elemente nimmt – wenn es z. B. in einem

Sessel sitzt, kann es sinnvoll sein, diesen von vorneherein

so auszuwählen, dass man ihn in der späteren

Bildkomposition behalten kann.

Technik & Ausrüstung 99


Bei der Montage wird eine Person in einen anderen

Hintergrund integriert. Man unterscheidet

Struktur- oder Texturmontage, bei der die Wand

hinter dem Model ein anderes Muster erhält, und

Locationmontage, bei der es keine Wand mehr,

sondern stattdessen eine Location mit Tiefe gibt.

Für die meisten Montagetechniken ist es vorteilhaft,

wenn das Model dunkle Kleidung trägt und

sich gut vom Hintergrund abhebt. Hüte und Dutts

geben im Gegensatz zu fl iegenden Haaren bessere

Kanten, was besonders bei einer blonden Lockenmähne

zu empfehlen ist, welche in der Montagebearbeitung

zu ziemlichen Anstrengungen

führen kann. Das Montieren wird auch durch relativ

kompakte Posen erleichtert. Je weniger Kanten

es gibt, desto weniger Arbeit. Stoff e, die Transparenz

aufweisen, stellen kein K.o.-Kriterium dar,

sondern einen Pluspunkt: Da das Herausarbeiten

der Transparenz gar nicht so schwierig ist, lassen

sie die Montage besonders realistisch wirken. Bei

Strukturmontagen können Schatten übernommen

werden. Wenn sich das Model z. B. an einen

100 Modelfotograf werden

Hintergrundkarton lehnt und einen Schatten wirft,

kann sich dieser nach der Bearbeitung auf einer

Tapetenstruktur befi nden.

Nicht immer soll Montage realistisch wirken, oft

wird sie eingesetzt, um völlig unrealistische Szenarien

darzustellen.

Collage | Während die Montage zumindest in der

Hinsicht „real“ wirkende Bilder produzieren

möchte, dass Lichtsetzungen harmonieren und

die Szenerie, wenn nicht in der tatsächlichen so

doch in einer Traumwelt hätte stattfi nden können,

spielt das bei der Collage keine Rolle. Hier werden

oft deutlich unpassende Stücke visuellen Materials

miteinander kombiniert, aus denen ein neues

Ganzes geschaff en wird. Ursprünglich bezeichnet

„Collage“ das Aufkleben verschiedener Elemente.

Ein ähnlicher Eff ekt kann aber auch mit der Bildbearbeitung

am Computer erzielt werden.

Montage – vorher und nachher.


Der richtige Hintergrund

Eine der häufigsten und zugegebenermaßen nervigsten

Fragen, die man mir stellt, lautet: „Wo nehmen

Sie die Hintergründe für Montagen her?“.

Nervig ist diese Frage vor allem, weil sie sich mir

selbst genauso stellt wie allen anderen. Das Beste ist

natürlich, Hintergründe selbst zu fotografieren.

Wenn Sie an einer spannenden Location sind oder

eine schöne Struktur sehen, sollten Sie immer eine

Kamera – ein handliches Model ist ausreichend –

parat haben und dann, ganz wichtig für die späteren

Einsatzmöglichkeiten, aus verschiedenen

Perspektiven mit verschiedenen Brennweiten und

unterschiedlichen Bildausschnitten fotografieren.

Natürlich bietet auch das Internet zahlreiche Hintergründe

in den Stockbörsen (es versteht sich wohl von

selbst, dass man keine Bilder anderer Websites einfach

herunterladen und verwenden darf). Wenn Sie

bezahlen, ist das Einsatzfeld meist Ihnen überlassen,

ganz billig ist es allerdings selten. Je nach Auflösung

und Qualität müssen Sie mit 30 bis 100 Euro pro Hintergrund

rechnen. Die kostenlosen Bildbörsen haben

oft einen Haken: Da sie eigentlich nur Plattformen

für unterschiedliche Urheber darstellen, können

diese Urheber oft bestimmen, wo und in welchen

Kontexten die Hintergründe verwendet werden dürfen

(z. B. „Nutzung nur innerhalb der Community“,

„nicht für Akt“, „bitte keine Pferdebilder“) und ob sie

bei Veröffentlichungen benachrichtigt oder genannt

werden müssen. Letzteres bestimmt manchmal die

Plattform selbst, z. B. dass man einen bestimmten

Link angeben muss. All diese Einschränkungen können

sehr unangenehm werden, z. B. wenn ein Layout

es nicht ermöglicht, Namensnennungen oder gar

einen Link unterzubringen.

Aging und Grunge

Diese beiden Techniken beruhen auf der Überlagerung

durch eine Struktur.

Aging | Aging bedeutet, dass das Bild „auf Alt getrimmt“

wird und in etwa so ausschaut, als wäre es

Anfang des 20. Jahrhunderts fotografiert. Ein typischer

Schritt ist die Farbbearbeitung Richtung

Sepia, aber auch das Bild mit Texturen und Kratzern

zu versehen, gehört dazu. Aging eignet sich

in der authentischen Form natürlich nur für Fotos,

die auch vom Setting und Kostüm her in vergangene

Zeiten passen könnten. Das beschränkt sich

nicht auf die ersten Tage der Fotografie, auch Bilder

mit Barock- oder Mittelalterstimmung werden

gerne „ge-age-t“ präsentiert.

Grunge | Dieser Bearbeitungsstil nimmt die Epoche

noch weniger genau. Auch Bilder, die z. B. in

modernen Industrieanlagen gemacht wurden,

können „ge-grunge-t“ werden. Sie werden so

nachbearbeitet, dass sie verschmutzt, verkratzt

oder verknittert wirken. Typische Bildmotive zum

Grungen sind Trash-Motive – skurrile Posen und

Gesichtsausdrücke, die nicht klassisch-schön sind,

Requisiten wie Mullbinden und Fetish-Anspielungen,

Aufnahmen mit weitwinkliger Perspektive

etc. In der Bearbeitung sieht man neben Strukturüberlagerungen

ähnlich dem Aging auch stark gesättigte

Farben, Über- und Unterbelichtungen

sowie grobes Korn. Beliebt ist auch das Cross Processing,

das im Analogzeitalter Umkehrentwicklungen

bezeichnete, die zu stark gesättigten, je

nach Crossvorgang auch gelblicheren oder bläulicheren

Farben und Kontrastreichtum führen. Mit

Cross-Filtern kann man die Umkehrentwicklung

auch mit digitalen Fotos imitieren.

Grunge – starke Sättigung,

Unter- und

Überbelichtungen, Strukturüberlagerungen.

Technik & Ausrüstung 101


Layout

Layout beginnt, wenn Sie mehrere visuelle und/

oder textliche Elemente zusammenstellen, etwa

wenn Sie ein Textelement integrieren, das gestalterische

Funktion übernimmt – also mehr darstellt als

Ihr Logo oder ein Wasserzeichen rein zum Schutz

des Bildes. Sie können z. B. schreiben, wer Model,

Visagistin, Designer und Fotograf war, Sie können

aber auch ein Wort, das inhaltlich zum Bild passt, in

großer Schrift ins Bild rücken. Es muss nicht besonders

geistreich sein: „Pink“ bei einem Bild in Rosa-

Pink-Tönen zum Beispiel oder „Nature’s Calling“ bei

einem Outdoor-Bild mit Wald und Wiese. Versuchen

Sie, die Textzeilen nicht identisch aus Magazinen

oder Songtexten zu übernehmen, denn das kann

zu Ärger führen. Anregungen holen ist natürlich erlaubt.

Falls Sie in Ihrem Bekanntenkreis eine Band

oder einen Poeten haben, dürfen Sie sich vielleicht

bei deren Texten bedienen. Sie können auch Ihr

Model fragen, vielleicht hat es Ideen oder Wünsche.

Ein leider viel zu häufig auftauchendes No-go ist

der Titel von Zeitschriften: „Vogue“ oder „Elle“ geht

leider nicht, zumindest nicht, wenn es in ähnlicher

Schriftart und an ähnlicher Position wie im Cover

gesetzt wird. Fast genauso wichtig wie der Inhalt ist

die Optik der Schrift. So kann es passieren, dass man

sich für eine andere Textzeile entscheidet, nur weil

ein „C“ in einer bestimmten Schriftart gerade besser

im Bild wirkt als ein „V“. Die Schriftart wählen Sie am

besten so aus, dass sie zum Bild passt, Linien im Bild

noch weiter betont oder einen romantischen oder

klaren Ausdruck im Bild wiederaufgreift. Sie können

auch mit Gegensätzen spielen, z. B. zu einem sehr

verspielten Bild eine sehr schlichte Schriftart wählen

oder, wohl noch beliebter, zu einem linienbetonten,

modernen Fashionbild eine schnörkelige

Schrift nehmen. Man unterscheidet die Druckschriftarten

in Serifenschriftarten, welche in kleinen

Linien abschließen, und serifenlose ohne jene Linien.

Serifenschriftarten sind besonders für Fließtexte

beliebt, da sie als leichter lesbar gelten, jedoch

auch als weniger modern als die serifenlosen. Eine

102 Modelfotograf werden

weitere Unterscheidung betrifft die Breite einzelner

Zeichen. Für gewöhnlich ist sie unterschiedlich und

wird dann „proportional“ genannt: Ein „m“ benötigt

mehr Platz als ein „l“. Im Kontext von Schreibmaschinen

und frühen Computern gibt es aber auch so

genannte dicktengleiche Schriftarten, bei denen

alle Zeichen die gleiche Breite einnehmen – somit

lösen dicktengleiche Schriftarten die Assoziation

von Schreibmaschinen aus. Schreibschriftarten gibt

es in modernen und altmodischen Versionen. Bei

längeren Texten fällt aufgrund der Gleichmäßigkeit

rasch auf, dass der Text wohl nicht geschrieben,

sondern gedruckt wurde.

Layout – schlichte und schnörkelige Schriftarten ergänzen

sich. Der Fließtext rechts dient eher der Dekoration als der

Information.

Typische Möglichkeiten der Zusammenstellung

von Bild und Schrift sind folgende:

Stilgleich | Ein klares Bild erhält eine schlichte

Schriftart, ein verspieltes Bild eine schnörkelige,

ein futuristisches eine futuristische Schriftart.

Formgleich | Formen im Bild werden durch Formen

der Schrift wiederaufgegriffen. Runde Bildformen

erhalten eine runde Schriftart, eckige Formen

eine kantige Schriftart. Dies funktioniert vor

allem, wenn die Schrift sehr groß eingesetzt wird.


Gegensatz | Bild und Schriftart gegensätzlich zu

wählen, funktioniert nicht in jedem Fall. Wenn ein

Bild original-antik wirken soll, wird eine moderne

Schriftart diese Atmosphäre stören. Bei modern

gestalteten Bildern wirken alte Schriftarten hingegen

oft recht interessant und können dem Bild

eine elitäre Aura verleihen.

Fließtext | Wenn Fließtext in Bilder eingesetzt

werden soll, eignen sich gewöhnliche Schriftarten,

wie man sie im Fließtext von Zeitungen oder Magazinen

findet. Je nach Bild kann das eine serifen-,

serifenlose oder Schreibschriftart sein.

Zusammenstellung mehrerer Schriftarten |

Häufig wird bei mehreren Textelementen pro Bild

dieselbe Schriftart, einmal in groß, einmal in klein,

verwendet. Es ist aber auch möglich, verschiedene

Schriftarten zu wählen. Dabei wird für das größere

Textelement – oft nur ein Wort – meist eine außergewöhnlichere

Schriftart verwendet als für das oft

längere, kleinere Textelement. Eine darüber hinausgehende,

bunte Mischung von Schriftarten

wirkt nur selten professionell.

Weitere Layoutmöglichkeiten bestehen in der Zusammenstellung

mehrerer Bilder. Dies kann auch

aus der Not der Situation entstehen, z. B. wenn Sie

ein schönes Portrait gemacht haben, auf dem aber

Zeittrends und Layout

Traditionelle Kunstfreunde werden Text in Bildern verachten.

Oft schon scheiterten Fotos in der „Fotocommunity-Galerie“

genau aus diesem Grund. In der

Modelwelt hingegen gilt Text im Bild oft schon fast als

Qualitätssiegel, denn die Bilder wirken damit ähnlicher

denen aus Modemagazinen und kommunizieren

damit das derzeit so beliebte „Ich bin (High)Fashion“.

Damit Sie sich nicht ärgern, falls der Trend einmal aufhört,

oder wenn Sie später merken, dass der Schriftzug

nicht so günstig gewählt ist, sollten Sie das Bild unbedingt

auch einmal ganz ohne Text abspeichern.

leider das tolle Outfit oder die Location nicht wirklich

zur Geltung gekommen sind, Sie aber zu dem

Thema nur ein Foto präsentieren möchten. Layouts

haben auch den Vorteil, dass sie oft einen

Magazin-Touch vermitteln und dadurch besonders

professionell wirken.

Datenverwaltung

Es ist fast überflüssig zu sagen, dass Sie Ihre Daten

sichern sollten. Externe Festplatten sind dafür

meist der bevorzugte Ort. Je knapper der Speicherplatz

wird – und man kommt mit dem Festplatten

kaufen und Datensichern oft kaum hinterher

– desto mehr stellt sich die Frage, in welchem

Format man speichern sollte. Optimal ist natürlich,

alle RAWs zu behalten, zur Schnelldurchsicht auch

die JPEGs und unter den bearbeiteten Bildern auch

die PSDs. Das wird allerdings schnell eng, da bei

einem normalen Shooting so schon einmal über

10 GB Daten zusammenkommen können. Als Alternative

zu den RAWs können Sie sorgfältig entwickelte

JPEGs behalten, wo es wegen der Kontrastverhältnisse

nötig ist, auch in zwei Versionen.

Statt riesiger PSDs können Sie die wichtigsten

Schritte als JPEGs speichern und in einer Textdatei,

die Sie im gleichen Ordner abspeichern, Bearbeitungsschritte

und Einstellungen notieren.

Technik & Ausrüstung 103

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