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› MEHR ALS EIN MAGAZIN
› DAS MAGAZIN FÜR ERFOLGSGESCHICHTEN
24
Erfolgsgeschichte
Ultra-Radfahrer Fritz Geers hat 5.000 Kilometer
Zeit, das ,Race across America‘ in Rekordzeit zu
gewinnen – und sich selbst zu besiegen. 28
Jetzt auch in Heiligenstadt!
„Wer die Pflicht hat, Steuern zu zahlen, hat auch
das Recht, Steuern zu sparen.“ – BGH-Urteil 1965
Um es gleich vorwegzunehmen: Auch wir können
Ihnen die Steuern nicht ersparen.
Mit unserem Team von weit mehr als 100 Steuerfachkräften
stehen wir Ihnen jedoch mit einem breiten
Spektrum an Expertise zur Seite, um Ihre Steuerlast
zu optimieren – dabei verlieren wir Ihre individuellen
Ziele nie aus den Augen.
Wir unterstützen Sie sowohl an unseren Standorten
in Göttingen und Heiligenstadt als auch bundesweit.
Wir freuen uns auf Ihre Kontaktaufnahme.
Jürgen Hollstein Dipl.-Kfm.
Steuerberater / ausgeschieden am 31.12.23
Roland Haever Dipl.-Kfm.
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Fritz Güntzler Dipl.-Kfm.
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Lutz Becker
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Jan Förster Dipl.-Finw. (FH)
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Stellen Sie sich vor, wir leben in der Steinzeit. Es ist Nacht, die Dunkelheit kriecht aus
den Wäldern. Doch inmitten dieser Finsternis brennt ein Feuer. Menschen sitzen darum,
eng beieinander, ihre Gesichter vom Schein der Flammen erhellt. Und während das Holz
knistert, beginnt jemand zu erzählen. Die Funken des Feuers sind wie die Funken der
Geschichten – sie springen über, entzünden Gedanken, wecken Emotionen.
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Büroversorger
Der Künstler Kain Karawahn, den wir für diese Ausgabe trafen, kennt diese Kraft
des Feuers genau. Doch für ihn ist es nicht nur Mythos oder Metapher, sondern eine
ganz reale Fähigkeit, die es zu meistern gilt. Er bringt Kindern bei, mit Feuer umzugehen
– nicht in Angst, sondern in Kompetenz. Denn Feuer ist nicht nur Gefahr,
sondern auch Kultur, Fortschritt, Begegnung. Den Beitrag über Feuer & Flamme
finden Sie ab Seite 46.
Ist ein gut gemachtes Magazin nicht genau das? Ein modernes Lagerfeuer. Statt in
einer Höhle oder auf einer Lichtung versammeln wir uns heute an anderen Orten: in
den Tiefen von Social Media, vor dem Bildschirm einer Netflix-Serie oder – so wie Sie
gerade – mit einer Ausgabe von faktor in der Hand. Doch der Kern ist derselbe geblieben.
Es geht um Geschichten. Um Inspiration. Um Wissen, das weitergegeben wird.
So wie die Geschichte von Fritz Geers. Für diese Ausgabe hatten wir Gelegenheit, mit
ihm in Clausthal-Zellerfeld zu sprechen – einem der beeindruckendsten Ultracyclists
Deutschlands. Beim ,Race Across America‘ (RAAM) – einem der härtesten Ultracycling-Rennen
der Welt – fuhr er 2023 unglaubliche 5.000 Kilometer in 10 Tagen, 21
Stunden und 9 Minuten. Damit wurde er der jüngste deutsche Finisher in der Geschichte
dieses Rennens. Doch das reicht ihm nicht: In diesem Jahr will er das RAAM
gewinnen – in Rekordzeit! Ein beeindruckendes Beispiel für Fokus, Disziplin und
Leidenschaft. Davon wird er uns persönlich berichten – bei der 44. faktor-Business-Lounge
am 17. April 2025.
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Erste-Hilfe und Hygiene-Artikel bis
hin zu cleveren Büro-Highlights
Mehr auf Seite 90
Ob Lagerfeuer, brennende Leidenschaft oder die lodernde Entschlossenheit eines Athleten
– diese Ausgabe von faktor möchte genau dieses Feuer entfachen. Mit Ideen, die
Funken schlagen. Mit Menschen, die für etwas brennen. Und mit Geschichten, die
nicht nur wärmen, sondern auch leuchten.
Einfach
anmelden
JAHRE
Willkommen am Lagerfeuer.
Willkommen bei faktor.
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Direkt
Wir denken Büro neu.
an unserem Ausstellungszentrum stehen
ausreichend kostenlose Parkplätze zur Verfügung.
KARL-ARNOLD-STRASSE 4 · 37079 GÖTTINGEN
0551 50669-0
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Ihr Marco Böhme
Herausgeber
boehme@faktor-magazin.de
1 |2025 3
inhalt
service
3 Editorial
8 Momentaufnahmen
Besondere Augenblicke
im Foto festgehalten
16 Nachbericht
Das war die 43. faktor-Business-
Lounge live beim GSO
64 Staat stranguliert sich selbst
Unternehmen und Bürger verzweifeln
an der Bürokratie. Doch ist der Staat
wirklich überreguliert? faktor begibt sich
auf Spurensuche in einem sich lähmenden
System. Denn es gibt auch Hoffnung.
24 Am Lagerfeuer
Neues vom faktor-Podcast
130 Impressum
mensch
28 Friede, Freude, Fahrradhölle
Fritz Geers will es noch einmal
wissen und startet in diesem Jahr
beim ,Race across America‘
42 Shortlist
faktor nennt die Namen, die Sie sich
jetzt merken müssen
58 Bock auf Händel
Die Händel-Festspiele gehören fest
in den Göttinger Event-Kalender.
Doch was macht die Reihe in
diesem Jahr so besonders?
unternehmen
76 Broistedt und Riethig im
Interview
Machen Verwaltungen Bürokratie
wirklich zu kompliziert?
80 Rechtstipp: Güterstandsschaukel
Mit ihr lässt sich Vermögen
zwischen Ehepartnern steuerfrei
übertragen – und das kann auch
bei der Erbschaftsplanung enorme
Vorteile bringen
wissen
110 Shortlist
Nachrichten aus Wissenschaft &
Forschung
126 Neue Option im Kampf gegen
Brustkrebs
Wie ein Sandwich blitzschnelle
und präzisere Diagnosen
ermöglicht
leben
124 Nicht alle Helden tragen Umhang
Die PFH Private Hochschule Göttingen
verleiht erneut das Chancenstipendium.
faktor gehört zu den Stiftern
128 Event-Tipps
Ausflugstipps von der faktor-
Redaktion und von Inken Kautter,
Fachbereichsleiterin Kultur bei der
Stadt Göttingen
4 1 |2025
46 Feuer und Flamme
118 Der Teufel im Kopf
Ein aggressiver Hirntumor, eine bahnbrechende Idee und zwei Wissenschaftler, die
Forschung in eine lebensrettende Therapie verwandeln wollen – Virginie Clement-Schatlo
und Sammy Mahdi kämpfen mit ihrem Startup Glitther für eine neue Behandlung des
Glioblastoms. Doch der Weg von der Entdeckung zur marktreifen Therapie ist steinig.
Kann ihre Innovation die Medizin revolutionieren?
Kain Karawahn hüllte einmal die Berliner
Mauer in Flammen und schenkte seiner
Freundin verbrannte Rosen. Der Künstler
hat sein inneres Feuer gefunden. Nun
gibt er sein Wissen an Kinder weiter,
damit diese lernen, verantwortungsund
kunstvoll mit dem vermeintlich
gefährlichen Licht umzugehen.
94 Überzeugend nachhaltig
82 Pedale für alle
Ein eigenes Profi-Rennrad? Für viele zu teuer. Doch genau dort setzen Fabian Helbing
und Franz Bayer mit ihrem Unternehmen ,Paceheads‘ an. Statt teurer Anschaffung einfach
mieten – mit diesem Konzept bringen sie mehr Menschen aufs Rad. In Göttingen und
Hamburg bauen sie eine Community auf, die den Radsport für alle zugänglich macht.
Nachhaltig wollen alle sein. Aber wie
setzen es Unternehmen in der Region
wirklich um? faktor hat sich umgehört
und nach inspirierenden Geschichten
gesucht – und gefunden. Dabei steht
außer Frage: Wer nachhaltig denkt, wird
erfolgreicher.
1 |2025 5
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Seite 1 von
Regional bekannter werden in Südniedersachsen.
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Göttingen
Business-Austausch mit...
„Ich empfehle den faktor-Club jeder Person, die neue Kontakte, Inspiration und frische Perspektiven sucht. Das Besondere:
Jede Veranstaltung ist anders – und man nimmt jedes Mal neue Impulse mit nach Hause.“
Anna Medecke, Personal und Marketing, HORST MEDECKE GMBH
„Wir sind Mitglied im faktor-Club, um unsere regionale Präsenz zu stärken. Der Club bietet uns wertvolle Möglichkeiten zur
Sichtbarkeit – sei es im faktor-Magazin, auf exklusiven Veranstaltungen oder digitalen Plattformen. Der branchenübergreifende
Dialog schafft kreative Synergien, die unser Unternehmen voranbringen.“
Olaf Feuerstein, Geschäftsführender Gesellschafter, Hotel Freizeit In GmbH
„Der faktor-Club bietet in wunderbarem Ambiente eine Möglichkeit, regional interessante Persönlichkeiten kennen zu lernen
und mit ihnen in einen Austausch zu treten. Gleichzeitig werden Erfahrungen geteilt und die kurzen, aber prägnanten Vorträge
zu Themen oder Innnovationen aus der Region bereichern diese Zeit in außergewöhnlichem Maße.“
Steve Wery, Geschäftsführender Gesellschafter, Autohaus Becker-Tiemann Leinetal
„Durch die regelmäßigen Veranstaltungen des faktor-Clubs konnte ich in den letzten Jahren einige Impulse mitnehmen, die
mich unternehmerisch vorangebracht haben. Für mich ist der faktor-Club eines der wichtigsten Business-Netzwerke – immer
auf Augenhöhe und wertschätzend.“
Sascha Riedeberger, Geschäftsführer, PMG Verpackung und Logistik GmbH
Werden Sie jetzt Mitglied
momentaufnahmen
Momentaufnahmen
faktor lässt besondere Ereignisse in der Region mit ausgewählten Impressionen
Revue passieren.
TEXT CHRISTIAN VOGELBEIN FOTOGRAFIE ALCIRO THEODORO DA SILVA
8 1 |2025
momentaufnahmen
Festhalten
Und, mit wie viel Disziplin sind Sie in das neue
Jahr gestartet? Inspiration boten auch diesmal
wieder die Künstler beim Feuerwerk der Turnkunst
in Göttingen. Training, Fleiß, Disziplin –
oder sie fallen herunter. Dass es am Ende dann
auch noch so wunderschön aussieht, erfreut
auch den Zuschauer.
1 |2025 9
momentaufnahmen
Andere Welten
Den Puppen erzählen Kinder ihre tiefsten Geheimnisse, Wünsche und Träume.
So werden sie irgendwann zu Fantasiegestalten. Und eine Kunst, die zu den 38.
Figurentheatertagen in Göttingen gefeiert werden. Diese Nachtkatze auf Stelzen
hat ihr Nest übrigens im Theater der Nacht in Northeim.
10 1 |2025
momentaufnahmen
1 |2025 11
momentaufnahmen
Göttingen jazzt wieder
Das 45. Göttinger Jazzfestival konnte im November endlich wieder ein Programm im
Vor-Corona-Umfang anbieten. Internationale Künstler boten feinste Improvisationskunst von den
Ursprüngen des Jazz bis zu Grenzgängen entlang von Folk, Minimal, World Musik, Neuer Musik
und Techno. Der US-amerikanische Trompeter Theo Croker (Foto) eröffnete mit seiner Band das
große Programmwochenende im Deutschen Theater mit Gospel, Blues, Jazz, Soul und Funk.
Neben vielen Einzelkonzerten wurde erstmals auch eine Art-Techno-Jazz-Party mit
DJ Leonhard Kuhn im DT-Keller gefeiert.
12 1 |2025
momentaufnahmen
Auf Biegen und Lächeln
Die Schönheit des menschlichen Körpers zeigt sich im Tanz.
So schön, dass in diesem Jahr der ASC zur 1. Bundesliga
Standard-Tanz vor heimischer Kulisse glänzt – und das nicht
nur mit einem schönen Lächeln. Bestleistung!
1 |2025 13
momentaufnahmen
Göttingen jazzt wieder
Das 45. Göttinger Jazzfestival konnte im November endlich wieder ein Programm im
Vor-Corona-Umfang anbieten. Internationale Künstler boten feinste Improvisationskunst von den
Ursprüngen des Jazz bis zu Grenzgängen entlang von Folk, Minimal, World Musik, Neuer Musik
und Techno. Der US-amerikanische Trompeter Theo Croker (Foto) eröffnete mit seiner Band das
große Programmwochenende im Deutschen Theater mit Gospel, Blues, Jazz, Soul und Funk.
Neben vielen Einzelkonzerten wurde erstmals auch eine Art-Techno-Jazz-Party mit
DJ Leonhard Kuhn im DT-Keller gefeiert.
14 1 |2025
momentaufnahmen
170
So viele Künstler waren in diesem Jahr bei der Kunstgala in Göttingen.
Und nach mehr als 60 Jahren ist auch ,Barbara‘ wieder auf der Bühne.
Zwar nicht in echt, aber in Form des gleichnamigen Stücks, hier ausschnittweise
vom Jungen Theater.
1 |2025 15
aktuelles
Die erste Geige und
der zweite Eindruck
Die 43. faktor-Business-Lounge bietet zum wiederholten Mal ein
außergewöhnliches Erlebnis mit dem Göttinger Symphonieorchester
TEXT CHRISTIAN VOGELBEIN FOTOGRAFIE ALCIRO THEODORO DA SILVA
14 16 1 | 2025
aktuelles
Die 43. faktor-Business-Lounge war eine Veranstaltung der besonderen Art.
In Zusammenarbeit mit dem Göttinger Symphonieorchester erhielten die
Teilnehmenden einen einzigartigen Einblick in die Verbindung von musikalischer
Leitung und moderner Unternehmensführung. Unter der inspirierenden Führung
von Chefdirigent Nicholas Milton wurde eindrucksvoll vermittelt, wie klare
Kommunikation, Empathie und Begeisterung eine Gruppe – sei es ein Orchester
oder ein Unternehmen – zu Höchstleistungen führen können.
Schon in den einleitenden Worten von Milton
und faktor-Herausgeber Marco Böhme wurde
deutlich, dass diese Business-Lounge keine gewöhnliche
Veranstaltung sein würde. Hier
ging es nicht nur um abstrakte Führungsprinzipien,
sondern darum, Führung im wahrsten Sinne des
Wortes zu erleben – mit allen Sinnen.
DAS ABSOLUTE HIGHLIGHT der Veranstaltung war die
offene Orchesterprobe, bei der die Gäste die seltene Gelegenheit
hatten, nicht nur zuzuhören, sondern sich mitten
ins Geschehen zu begeben. Wer wollte, konnte sich
direkt zwischen die Musiker setzen und das Orchester
aus einer Perspektive erleben, die sonst nur den Mitgliedern
des Ensembles selbst vorbehalten ist.
Diese unmittelbare Nähe war für viele ein bewegender
Moment. Man hörte nicht nur die Musik, sondern spürte
sie. Der feine Klang der Streicher vibrierte in der Luft,
die kraftvollen Bläser erzeugten eine fast greifbare Welle
aus Klang und die leichten Bewegungen der Schlaginstrumente
gaben den Rhythmus vor, den alle gemeinsam
aufnahmen.
Die Gäste konnten live beobachten, wie Nicholas Milton
das Ensemble mit minimalen, aber präzisen Gesten
führte. Mit einer kleinen Handbewegung veränderte er
Dynamik und Tempo, mit einem Blick schuf er Spannung
oder löste sie auf. Die Musiker reagierten sofort –
eine perfekte Demonstration für Teamarbeit und Vertrauen
in die Führung.
Ein besonderes Augenmerk lag darauf, wie eng die
Prinzipien aus der Musik mit erfolgreicher Führung in
anderen Bereichen verknüpft sind. „Ein Orchester ist ein
hervorragendes Beispiel für funktionierende Teamarbeit“,
erklärte Nicholas Milton. „Jeder Einzelne ist
hoch qualifiziert, aber nur im perfekten Zusammenspiel
entsteht wahre Magie.“
MILTON SPRACH ÜBER DIE HERAUSFORDERUNGEN,
ein Ensemble zu leiten, das aus so vielen individuellen
Persönlichkeiten aus unterschiedlichen Ländern besteht.
Ähnlich wie in einem Unternehmen bringt jeder Musiker
seine eigene Expertise und seinen eigenen Stil mit, doch
erst durch eine klare gemeinsame Vision entsteht eine
harmonische Gesamtleistung.
1 |2025 15 17
aktuelles
Charmant begeistern ließen sich die
Besucher von der besonderen Art des
Dirigenten. Im Anschluss durften sie
wortwörtlich mitten im Orchester Platz
nehmen, lauschen und erleben.
Während die Musiker proben, nehmen die
Gäste jeden Klang und jede Regung der
Künstler wahr. Ein eindrucksvolles Erlebnis
für alle.
14 18 1 | 2025
aktuelles
DIESE PRINZIPIEN LIESSEN SICH EINS ZU EINS AUF
FÜHRUNGSKRÄFTE IN DER WIRTSCHAFT ÜBERTRAGEN.
Die Teilnehmenden konnten wertvolle Erkenntnisse darüber
gewinnen, wie entscheidend Motivation, Kommunikation
und Inspiration für den Erfolg eines Teams sind.
NACH DER PROBE bot sich den Gästen die Gelegenheit, mit
den Musikern direkt ins Gespräch zu kommen. Die Stimmung
war gelöst, es wurde diskutiert, gelacht und reflektiert.
Viele waren fasziniert davon, wie sehr sich die Arbeit im
Orchester mit der Dynamik eines Unternehmens vergleichen
lässt. Besonders spannend war es, die persönlichen Perspektiven
der Musiker zu hören. Sie erzählten von den Herausforderungen,
täglich auf höchstem Niveau zu performen, und davon,
wie wichtig eine starke Führung für ihren Erfolg ist.
DIE TEILNEHMENDEN gingen nicht nur mit neuen Ideen
nach Hause, sondern auch mit einem tieferen Verständnis
für die Kraft der Inspiration. Denn ob auf der Bühne oder im
Büro – die besten Leistungen entstehen dann, wenn Menschen
mit Begeisterung, Klarheit und Vertrauen geführt werden.
Und so war diese Business-Lounge nicht nur ein intellektuelles
Erlebnis, sondern vor allem eine emotionale Reise,
die noch lange nachhallen wird.
"... auf der Bühne oder im Büro –
die besten Leistungen entstehen dann,
wenn Menschen mit Begeisterung,
Klarheit und Vertrauen
geführt werden."
Sie haben die Lounge verpasst?
Kein Problem. Weitere Impressionen der
43. faktor-Business-Lounge finden Sie unter:
faktor-magazin.de/bildergalerien-faktorbusiness-lounge
1 |2025 19 15
aktuelles
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Beim ersten Frühstück des Jahres war
Johannes Loxen von SerNet zu Gast und inspirierte
mit einem Einblick in die Anforderungen und
Auswirkungen von NIS 2. Die EU-Richtlinie hat
das Ziel, kritische Infrastrukturen datensicher zu
machen.
Ebenfalls besonders groß war das Interesse, als
Sales-Expertin Katharina Stapel zu Gast war. Die
Inhaberin der Stapelfux GmbH in Bad Gandersheim
schaffte mit ihrem Impuls ,Warum digitales
Verkaufen gescheitert ist‘ spannende Einblicke in
die Herausforderungen und Chancen digitaler Verkaufsstrategie.
Einer ihrer Hauptpunkte: In größeren
Unternehmen sprechen Marketing und Vertrieb
oft nicht miteinander, um eine ordentliche Übergabe
im Sinne der Kunden zu gewährleisten.
Seit Jahresbeginn findet der faktor-Mittagsclub im StartRaum Göttingen statt. Bei
der Premiere im Januar begrüßte Gründer Jonas Brunnert die Gäste und berichtet,
wie die Mischung aus Coworking-Space und Café funktioniert und viele junge
Unternehmer zusammenbringt und inspiriert. Bei einer geführten Tour durch die
Räume durften sich die Teilnehmer davon überzeugen, wie gut das Angebot bereits
angenommen wird.
Für den Mittagsclub kehrte Christoph Köchy (Foto) in seine alte Heimat zurück.
Seine Geschichte begann 2005 mit der Gründung der Uni-Liga Göttingen,
die sich schnell als Erfolgsmodell etablierte. Mit dieser Erfahrung im Rücken ging
Köchy den nächsten Schritt: Er begleitete die Kleinfeld-Weltmeisterschaft und
brachte das Konzept auf ein neues Level. Heute arbeitet er unter anderem mit
Fußballgrößen wie Thomas Müller und Toni Kroos zusammen.
Sie möchten dabei sein?
Hier gelangen Sie zum faktor-Club – oder
schreiben Sie direkt an Marco Böhme:
herausgeber@faktor-magazin.de.
20 1 |2025
Mehr als ein Magazin
www.mehralseinmagazin.de 11. Jahrgang Heft 20 2025 3 Euro
DIE
ZUKUNFT
RUFT
aktuelles
faktorAZUBI
Inspirierende Einblicke und praktische
Tipps für Schüler und Ausbilder
t
48
AZUBI 1·2025
10 Test
Was sagt Mr. KI?
Wo soll meine
Reise hingehen?
10 Test
Ein Blick ins Jahr 2050
HAUSTIER-
INFLUENCER-COACH
Wo soll meine
Reise hingehen?
Im Jahr 2025 posten bereits viele Menschen die Abenteuer ihrer Haustiere auf Social Media.
2050 wird dies ein riesiger Markt sein. Der Haustier-Influencer-Coach trainiert Be lo und Miezi
für das perfekte Pfoten-Selfie oder die lustigste Hamsterrolle. Spezialkurse wie "Der perfekte
Katzenblick" oder "Virale Tricks für Hunde" machen den Erfolg planbar.
10 Test
Wo soll meine
Reise hingehen?
HOLOGRAMM-
INNENARCHITEKT
Hologramme sind 2025 noch ein Gimmick, aber in 25 Jahren können sie ganze Räume gestalten.
Hologramm-Innenarchitekten entwerfen virtuelle Umgebungen, die reale Wände und
Dekorationen ersetzen. Vom mediterranen Strand im Wohnzimmer bis zum mittelalterlichen
Schloss im Homeoffice – die Möglichkeiten sind grenzenlos.
10 Test
Wo soll meine
Reise hingehen?
10 Test
Wo soll meine
Reise hingehen?
IT oder in die Pflege?
Wir haben drei Betriebe besucht
AZUBI 1·2025
49
Die neue Ausgabe des faktorAZUBI bietet
spannende Geschichten, praxisnahe Ratschläge
und einen Blick in die Zukunft der
Ausbildung. Perfekt für Schüler, aber auch
für Unternehmen, die Auszubildende suchen
und neue Impulse für ihre Ausbildungsprogramme
gewinnen möchten.
Pflegeberuf hautnah erleben
Luca Burandt und Younes Nokrachi berichten
von ihrer Ausbildung zum Pflegefachmann
in der Helios Albert-Schweitzer-Klinik
in Northeim. Sie zeigen, wie erfüllend der
Pflegeberuf ist und warum ein unterstützendes
Arbeitsumfeld so wichtig ist.
IT-Karriere bei Arineo in Göttingen
Bei Arineo lernen IT-Systemelektroniker praxisnah
und teamorientiert. Ausbilder Tobias
Dauer-Girtzig erklärt, wie das Unternehmen
junge Talente fördert und sie optimal auf
ihre berufliche Zukunft vorbereitet.
Tipps für den Ausbildungsstart
,Käpt’n Chaos‘ gibt hilfreiche Ratschläge,
wie Azubis von Beginn an Struktur in ihren
Alltag bringen können.
Berufe der Zukunft: Ein Blick ins Jahr 2050
Von Drohnensupervisoren bis Virtual-Reality-Architekten
– welche Berufe könnten in 25
Jahren entstehen?
Nachhaltigkeit im Fokus
Zehn einfache Tipps, wie junge Menschen
im Alltag umweltbewusster handeln können.
Eine Anregung für Unternehmen,
Nachhaltigkeit auch im Ausbildungsalltag
zu thematisieren. Sprechen Sie uns gleich an,
wenn Sie in der nächsten Ausgabe im Herbst
dabei sein möchten!
Kontakt: sawada@faktor-magazin.de
Geburtstag
20 Jahre faktor: ,Magie der Begegnung‘
In diesem Jahr feiert faktor ein ganz besonderes Jubiläum: Seit 20 Jahren berichten wir über inspirierende
Erfolgsgeschichten aus Südniedersachsen. Zwei Jahrzehnte, in denen wir Menschen und Unternehmen
der Region in den Mittelpunkt gestellt haben.
Unser Jubiläumsjahr steht unter dem Motto
,Magie der Begegnung‘ – denn genau das
macht faktor aus.
Seit 2004 bringen wir die spannendsten
Persönlichkeiten zusammen, teilen ihre Geschichten
und schaffen so Verbindungen, die
inspirieren und begeistern. Ob innovative
Unternehmen, mutige Unternehmerpersönlichkeiten
oder kreative Vordenker – sie
alle prägen die Region und machen sie
lebendig.
Wir freuen uns darauf, dieses Jubiläum
gemeinsam mit unseren Lesern, Partnern
und Wegbegleitern zu feiern und weiterhin
Brücken zwischen den Menschen und Ideen
dieser Region zu bauen. Drei magische
Höhepunkte stehen bevor: Unsere Jubiläumsfeier
am 26. September 2025 in
Göttingen, die Jubiläumsausgabe im Herbst
mit den besten Netzwerk-Storys und unsere
neue und exklusive Online-Community.
1 |2025 21
faktor-Events
Ambition und Disziplin
mit Ultrasportler Fritz Geers
aktuelles
Bei der 44. faktor-Business-Lounge werden Grenzen überwunden.
Herausforderungen annehmen, Rückschläge
überwinden und über sich hinauswachsen
– genau darum geht es bei der 44.
faktor-Business-Lounge am 17. April im
Startraum Göttingen. Unser besonderer
Gast: Ultra-Fahrradfahrer Fritz Geers.
In seinem inspirierenden Vortrag
,Der Weg ist Ziel genug‘ gibt der
Extremsportler spannende Einblicke in seine
Welt des Ultracycling und zeigt, wie klare
Zielsetzung, strategische Planung und mentale
Stärke zum Erfolg führen. Anhand seiner
persönlichen Erfahrungen erfahren Sie,
wie man ambitionierte Herausforderungen
meistert, sich auf große Rennen vorbereitet
und gemeinsam mit einem starken Team
Spitzenleistungen erzielt. Über sein großes
Projekt – das ,Race across America‘ – lesen
Sie mehr ab Seite 28.
Lassen Sie sich von seinem außergewöhnlichen
Weg motivieren, und nehmen Sie wertvolle
Impulse für Ihren eigenen beruflichen
und persönlichen Erfolg mit. Tickets gibt es
online unter https://www.faktor-magazin.
de/faktor-business-lounge-start/ Melden Sie sich jetzt an! ▸
Echter Austausch
Erfolgreich vernetzen in
der faktor-Community
Social Media ist oft geprägt von Algorithmen, Reichweitenstrategien
und oberflächlichen Diskussionen. Doch in der faktor-Community
auf der Plattform ,Skool' geht es anders zu: Hier
stehen echter Austausch, wertvolle Verbindungen und gemeinsames
Wachstum im Mittelpunkt.
Die Community richtet sich an Unternehmer, Selbstständige und
Führungskräfte in Südniedersachsen, die ihre Bekanntheit nachhaltig
steigern und ihr Netzwerk gezielt ausbauen möchten – ohne
großes Marketingbudget. Neben Erfolgsstrategien für mehr Sichtbarkeit
und Business-Storytelling bietet die Plattform Raum für
regionale Themen: neue Restaurants, spannende Events und wirtschaftliche
Entwicklungen.
Hier zählt nicht die Anzahl der Likes, sondern der Mehrwert für
alle. Mitglieder teilen Erfahrungen, unterstützen sich gegenseitig
und gestalten gemeinsam die Zukunft der Region.
Jetzt kostenlos beitreten und Teil dieser
starken Community werden!
22 1 |2025
Empl Owned
Verantwortung statt Veräußerung
Ein Unternehmen ist mehr als ein Geschäftsmodell – es ist auch ein Versprechen
an die Menschen, die es tragen. Indem wir unser Unternehmen in das Verantwortungseigentum
der Belegschaft überführt haben, halten wir das Versprechen,
das wir uns bei der Gründung der Arineo GmbH vor sechs Jahren gegeben haben.
Wir bleiben unabhängig, beständig und gemeinsam stark – weil unser Unternehmen
uns allen gemeinsam gehört. Erfahren Sie mehr über unsere innovative
Unternehmensform der Employee Owned Company:
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Wir sind Gründungsmitglied der Initiative
Finde hier heraus, welcher Berufseinstieg zu dir passt!
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passion to empower people
aktuelles
Das schnelle und das ewige Eis
Im faktor-Podcast erzählen spannende
Persönlichkeiten ihre besonderen Geschichten
Der faktor-Podcast ,Onfire‘ gibt spannende Einblicke in das Leben und die
beruflichen Herausforderungen von Persönlichkeiten aus Südniedersachsen.
Gastgeber Marco Böhme und Christian Vogelbein führen in jeder Episode
inspirierende Gespräche, die Zuhörerer zum Nachdenken anregen und die
Erfolgsgeschichten der Region erlebbar machen.
Mit Cartoonist MAXIM SEEHAGEN aus Northeim
haben wir darüber gesprochen, was KI mit Kunst und
Künstler macht. Wir sprechen darüber, dass es oft
reicht, einfach nur zuzuhören, um inspiriert zu werden.
Seehagen ist als Autor und Zeichner erfolgreich
und plant ein eigenes Bühnenprogramm.
PAUL SINIZIN ist Geschäftsführer des Millionen-Unternehmens
Bikeleasing in Vellmar und Uslar.
Sein Herz gehört dem Eishockey. Als er in jungen
Jahren aus Sibirien nach Deutschland kam, verliebte
er sich in die Eisarena in Kassel. Heute ist er dort
Geschäftsführer und investiert sein Vermögen in die
Weiterentwicklung des Standorts. Welche besonderen
Fähigkeiten er in Mitarbeitern sucht und warum
er selbst nie Eishockey-Profi geworden ist, erzählt er
uns im großen Interview im faktor-Magazin und im
Podcast.
Fotografin MARGITTA HILD aus Scheden
lebt ihre Leidenschaft für die Naturfotografie
in den faszinierendsten Winkeln des
Nordens aus. Ihre Bilder, die in renommierten
Magazinen und Kalendern erschienen
sind, zeigen die Natur in ihrer atemberaubenden
Vielfalt und Schönheit. Ein Blick
hinter die Kulissen verrät: Jeder ihrer
Schnappschüsse ist das Ergebnis harter Arbeit,
Liebe zur Natur und einem besonderen
Gespür für den perfekten Moment. Im
Podcast nimmt sie uns mit auf eine Reise in
den Norden dieser Welt.
Verpassen Sie keine neue
Folge. Besuchen Sie die
faktor-Website unter
www.faktor-magazin.de/
onfire-podcast
PETER MÜLLER-KRONBERG ist geschäftsführender Gesellschafter der
ZUFALL Logistig Group. Warum sich das Familienunternehmen mit dem
ZufallLab ein Millionen-Haus für die Zukunfsforschung leistet, warum es eine
gute Idee war, Elektro-Lastwagen zu kaufen und in welchen Augenblicken
Müller-Kronberg ins Hadern kommt, hat er faktor-Herausgeber Marco Böhme
und Redaktionsleiter Christian Vogelbein erzählt.
24 1 |2025
aktuelles
Starke Frauen in
der Sommerausgabe
Am 27. Juni erscheint der Sommer-faktor.
Erneut setzen wir auf starke Frauen, die
etwas bewegen!
Wir suchen inspirierende Unternehmerinnen,
die ihre Erfolgsgeschichte mit uns teilen
möchten. Wir suchen innovative Ideen, neue
Gedanken und mutige Frauen. So wie
Alexandra Demuth, die wir 2024 vorgestellt
haben. Sie übernahm als erste Frau in vierter
Generation die Geschäftsführung der
traditionsreichen Katlenburger Kellerei –
eine beeindruckende Story mit dem Titel
,Head of Fruchtwein‘.
Welche inspirierende Unternehmerinnen
und Entscheiderinnen kennen Sie? Welche
innovative Idee lässt Sie aktuell nicht los?
Erzählen Sie uns davon und finden Sie im
Sommer-faktor die Reichweite, die Ihre Geschichte
verdient.
Schreiben Sie jetzt unserem
Redaktionsleiter, Christian Vogelbein
vogelbein@faktor-magazin.de
Kredo-Ostermenü in 4 Gängen
Vorspeisen: Spargelsuppe, Rahm, feine Spargelspitzen I
Ziegenkäse „Landolfshausen“ geflämmt, Erbsensalsa, Radieschen
vom Kredo Hof
Hauptgänge: Gratinierter Stangenspargel mit Salsa Créole I
ganze Forelle Müllerin-Art mit Nussbutter I gegrilltes Simmentaler
Roastbeef mit Burgunder-Jus I Landgockel mit Bärlauch- Velouté
oder geschmorte Osterlammkeule mit Tymian-Jus I Beilagen nach Wahl
Desserts: Himbeer Sorbet, marinierte Erdbeeren,
Double-Choc-Tartelett und vieles mehr
Termin/Reservierung: 20. & 21. April mittags –
Telefon 0551 77075066 info@restaurant-kredo.de
Kredo-Backwaren zum Abholen
Butter-Brioche, Sauerteig oder glutenfreies Brot, Maiskranz mit
Cranberries, von traditioneller Eierlikörtorte mit Heidelbeeren,
Passionsfrucht-Mandarinentorte, Rhabarber-Baiser-Torte bis zum
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Cyberangriffe größte
Bedrohung für Mittelständler
Gothaer Waterkamp bietet maßgeschneiderte Absicherung
In den vergangenen fünf Jahren ist das Bewusstsein
für das Risiko, Opfer voncCyberkriminalität
zu werden, kontinuierlich gestiegen.
Hackerangriff, Datenklau, Viren oder Trojaner:
Kein anderes Szenario fürchten kleine und
mittlere Unternehmen (KMU) so sehr wie das
einer Cyber-Attacke. So sehen 48 Prozent der
KMU in Deutschland Cyber-Angriffe als bedrohlichste
Gefahr für ihren Betrieb an, doch
nur 21 Prozent haben eine Cyberversicherung.
Und tatsächlich hat fast jedes dritte Unternehmen
bereits einen Cyberangriff erlebt.
Von Schadensersatzforderungen über Datenbeschädigungen
DSGVO Verstößen bis zur
Betriebsunterbrechung können diese für die
Unternehmen existenzbedrohend werden. Zudem
steht die Geschäftsführung in der Verantwortung,
sofern keine Maßnahmen und Absicherungen
getroffen wurden.
„Es ist nicht die Frage, ob
ein Unternehmen gehackt wird,
sondern wann.“
Arne Schönbohm, (ehem. Präsident BSI)
Vor diesem Hintergrund sollten die eigenen
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28 1 |2025
wissen
Friede, Freude,
FAHRRADHÖLLE
Zehn Tage, 5.000 Kilometer, zwei Stunden Schlaf pro Nacht:
Fritz Geers aus Clausthal-Zellerfeld bereitet sich auf das ,Race across
America‘ vor. 2023 war er ,nur dabei‘, diesmal will er über sich hinaus
wachsen und ganz vorne dabei sein. Warum er jetzt schon Angst vor dem
Zieleinlauf hat – sich aber trotzdem nichts anderes vorstellen kann.
1 |2025 29
wissen
» Es fühlt sich an, als würden
wir eine Maschine bauen mit vielen
kleinen Stellschrauben. «
TEXT RUPERT FABIG FOTOGRAFIE JULIAN BARTH, CHRISTIAN VOGELBEIN
30 1 |2025
Ein wenig Angst hat Fritz Geers schon vor
diesem Moment irgendwann Mitte Juni in
Atlantic City. „Es ist das Schlimmste, was du
erleben kannst. Dann ist es vorbei“, sagt der
29-Jährige. Er wird erstmal in ein Loch
fallen. Einziger Ausweg: Der Gedanke an eine neue Herausforderung.
Nun aber bloß nicht zu negativ sein,
noch liegt alles vor dem Extremsportler aus
Clausthal-Zellerfeld. 5.000 Kilometer auf dem Fahrrad
quer durch die USA, das ,Race across America‘ von Oceanside
in Kalifornien bis Atlantic City in New Jersey. Es
lässt Geers seit zwei Jahren mit der nie wankenden Motivation
aufstehen, Entbehrungen in Kauf nehmen, alles
unterzuordnen.
WAS ERSTMAL GANZ GROSS ERSCHEINT, wirkt vor
Ort ziemlich klein und banal. Geers bewohnt eine Einliegerwohnung
eines typischen Harzer Mehrfamilienhauses,
eine ausgesprochen schmale Treppe führt hinauf
zum Dachboden. Der Platz ist beschränkt. 70 Kisten mit
Utensilien für das RAAM lagern dort, alle akkurat geordnet.
Die unsauber gefalteten Kampftragetaschen britischer
Spezialeinheiten fallen ein wenig aus dem Bild.
Sie sind für Geers‘ Team gedacht, das ihn vom Westend
ans Ostend der USA begleitet. „Sieht aus, als würden wir
eine Expedition zum Nordpol vorhaben“, sagt Geers
scherzend. Herzstück des Dachgeschosses ist wie vor
sechs Jahren, als faktor den Ausdauerathleten zum ersten
Mal besuchte, ein stationäres Rennrad. Seit Dezember
vergangenen Jahres verbringt Geers morgens und
abends dort mehrere Stunden täglich. Die genauen Umfänge
will er nicht verraten, Betriebsgeheimnis. „Das
würde mich mental belasten, weil man ja schon schnell
anfängt, sich zu vergleichen. Aber ich möchte nur für
mich selbst das Beste herausholen“, sagt Geers. Immerhin:
Im Vergleich zu früher stülpt er sich nicht mehr regelmäßig
ein Handtuch über den Kopf, um alles um ihn
herum auszuschalten. In Trance fährt er sich
wissen
1 |2025 31
wissen
Bei dem Rennen quer durch Amerika ist Organisation alles. Pro
Tag nimmt Fritz Geers fast 10.000 Kalorien zu sich,.
32 1 |2025
wissen
» Zweieinhalb Minuten
Fahrrad fahren,
das kann doch jeder. «
mittlerweile auch so. Und Geers kann ziemlich schnell in
den Tunnel kommen. Wie schnell, zeigt eine Episode aus
dem Interviewtermin. Als guter Gastgeber möchte der
Harzer ,Spezi‘ servieren, hat den Sechserträger bereits
auf den Tisch gestellt. Dann verliert er sich aber so tief in
seine Erzählungen, dass ihm erst eine Viertelstunde später
sein ursprünglicher Plan, in die Rolle des Mundschenks
zu schlüpfen, auffällt.
Er selbst trinkt nichts, verzichtet auf Koffein, damit
die Wirkung umso stärker ist, falls er es im Rennen benötigt.
Als sei das tägliche Programm auf dem Dachboden
nicht Training genug gegen einschläfernde Widerstände.
Dieses ins Nichts radeln – Geers starrt stoisch
auf seinen Leistungsmesser. Er prüft, wann die nächste
Trinkpause ansteht, er einen Snack nehmen darf, das
T-Shirt wechselt. Die kleinen Dinge im Leben. In Zweieinhalb-Minuten-Abschnitte
teilt sich Geers das stundenlange
Programm auf. „Zweieinhalb Minuten Fahrrad
fahren kann jeder, also schaffe ich das auch, wieder
und wieder“, sagt er.
WAS ER KANN, nämlich 5.000 Kilometer Fahrrad in
knapp zehn Tagen fahren, kann dafür so gut wie niemand.
Wer verstehen möchte, weswegen dieser freundliche,
aufgrund seines unscheinbaren Äußeren schnell zu
unterschätzende Mann solche Strapazen auf sich nimmt,
und ihm bange vor dem Zieleinlauf ist, muss einen Blick
in sein Leben werfen. Oder besser: in sein Bett.
Das bleibt nämlich leer. Den kompletten Februar hat
Geers im Trainingslager in Italien verbracht. Kaum zurück,
zieht er in seine neueste Errungenschaft um. Ein Höhenzelt,
in dem sich durch Stickstoffzufuhr der Sauerstoffgehalt
verringern lässt. Der Körper produziert so vermehrt
rote Blutkörperchen, die den Sauerstoff transportieren.
Die Anschaffung hat er sich einen vierstelligen Betrag kosten
lassen.
ES STÖRT GEERS KAUM. Sein Leben ist komplett auf das
,Race across America‘ ausgerichtet. Um seinen Schlafrhythmus
zu optimieren, hat sein Team eine App entwickelt.
Mit Informationen aus Datenbanken entwarf er
einen Shake mit Schoko-Bananen-Geschmack, von denen
er im Rennen 24 pro Tag trinkt – ausschließlich
beim Fahren. Etwas anderes gibt es zehn Tage lang nicht,
um den täglichen Bedarf von 9.150 Kalorien zu decken.
„Indem wir das Essen aufs Rad verlagern, können wir
insgesamt bis zu acht Stunden Standzeit einsparen. Das
ist effizienter.“ Effizienz ist Geers‘ Lieblingswort. Sein
täglicher Rhythmus ist darauf ausgelegt, möglichst keine
Zeit und Energie zu verschwenden.
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wissen
ZUR PERSON
Fritz Geers wurde 1995 in Clausthal-Zellerfeld geboren
und absolvierte bereits mit elf Jahren seinen ersten
Marathon. Mit 17 Jahren fuhr er 500 Kilometer am
Stück mit dem Rad. Danach wurde es nur länger und
extremer: Erst 1.000 Kilometer, dann ein Wettkampf
von Nord nach Süd quer durch Deutschland, schließlich
das Rennen seines Lebens: das ,Race across
America‘. 4.716 Kilometern von der US-amerikanischen
West- an die Ostküste. Der ausgebildete technische
Produktdesigner benötigte dafür zehn Tage, 21 Stunden
und neun Minuten. Kein deutscher Fahrer war je jünger,
als er dort ins Ziel kam. In diesem Jahr möchte der Europameister
im Ultracycling und Deutschen Meister im
24-Stunden-Mountainbiking seine Zeit um mindestens
einen Tag toppen. Ist Geers ausnahmsweise mal nicht
auf Achse, werkelt er an ,Mueslay‘ herum, seiner eigenen
Müslimarke für Ausdauersportler. In seiner Heimat
bietet er zudem Mountainbike-Touren an, organisiert
Events und Vorträge in einer restaurierten Scheune.
Geers erzählt seine Erlebnisse auch in Filmen und Büchern
– immer mit dem gleichen Antrieb, der ihn auch
auf dem Rad antreibt: an Grenzen gehen, sie verschieben
und weiterfahren. Nur privat mag es Geers nicht
extrem. Er lebt im ruhigen Clausthal-Zellerfeld im Harz.
Für das Team und Sponsoren hat Fritz Geers Infomappen und Karten zusammengestellt. Die
Route durch Amerika ist auf den Meter und die Minute genau geplant.
34 1 |2025
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Neun Tage, drei Stunden und 20 Minuten soll die
Amerika-Durchquerung nach seinen Berechnungen
im Optimalfall dauern. Beim ersten Mal
2023 hatte Geers zehn Tage, 21 Stunden und
neun Minuten benötigt, war Gesamtsiebter geworden.
Ob nun der Sieg drin ist, interessiert den
schmächtigen Profisportler laut eigener Aussage
kaum. „Es geht mir darum, schneller zu werden.
Noch bin ich jung, da ist das möglich“, sagt er.
DIE FRAGE NACH DEM WARUM ist die, die der
ausgebildete technische Produktdesigner vermutlich
am häufigsten hört. Egal, was er antwortet,
richtig verstehen kann man das wohl
nur, wenn man ein bestimmter Typ Mensch ist.
Geers ist einer, den man ihm auf den ersten Blick
nicht zutraut: eine Führungspersönlichkeit.
Ohne sein Team im Hintergrund wäre die
Mammutleistung nicht zu bewältigen. Neun
mehr oder weniger ehrenamtliche Helfer begleiten
Geers in die USA. Das Begleitfahrzeug
haftet in jedem Moment am Hinterrad. Jedes
Teammitglied hat klar definierte Aufgaben.
„Es fühlt sich an, als würden wir eine Maschine
bauen mit vielen kleinen Stellschrauben. Wenn
alle gedreht werden, dann läuft das, dann
macht das richtig Spaß“, sagt Geers, der in den
vergangenen Jahren spürbar gereift ist. Für ihn
sei es ein Privileg, das Erlebnis in den Vereinigten
Staaten teilen zu können: „Das ist nicht
jedem vergönnt, aber für alle eine großartige
Sache. Menschen zusammenzubringen und gemeinsam
mit ihnen auf ein Ziel hinzuarbeiten,
macht mir große Freude.“
1 |2025 35
wissen
Im Ziel kommt die Leere. 2023 kam Fritz Geers erstmals nach
dem ,Race across America‘ und fast 5.000 Kilometern ins Ziel.
Spätestens der zweite Gedanke galt bereits dem nächsten
Projekt.
36 1 |2025
wissen
DIE SCHIER UNVORSTELLBARE QUÄLEREI wird dadurch
aber allenfalls minimal einfacher. Die Fahrer verausgaben
sich komplett, schlafen pro Tag im Schnitt zwei Stunden, zumeist
in kurzen Intervallen. Die Pausen legt Geers‘ Team strategisch
günstig, basierend auf dem Schlafrythmus des Athleten.
Mehr als ein Powernap ist dabei oft nicht drin – reicht
aber. Im Vergleich zu 2023 fährt nun ein Begleitfahrzeug mit
eigener Toilette mit. Während Fritz Geers ruht, kann er
massiert werden. Jeder Schritt ist minutiös geplant, seinem
Team hat Geers ein 69-seitiges Handbuch geschrieben, in dem
unter anderem detailliert erklärt wird, wie eine Tasche gepackt
werden muss. Alles mit dem Ziel, so viel Zeit wie möglich
auf dem Rad zu verbringen.
Ob das prestigeträchtigste Ultrarennen der Welt aufgrund
der körperlichen und mentalen Beanspruchung langfristige
Schäden hervorruft, ist nicht bekannt. Geers hatte bereits
Extremerfahrungen. Bei einem Rennen machte er eine Erfahrung,
die einer Nahtoderfahrung ähnelte. Eine der Teilnahmen
beim ,Race Around Germany‘ musste er abbrechen,
weil er mit Doppelbildern zu kämpfen hatte. Fotos während
der Wettbewerbe deuten darauf hin, dass sich der Athlet
mehr oder minder in einer Parallelwelt befindet. Dennoch
fühlt sich Geers topfit, er merke, dass er leistungsfähiger
werde, die Wattzahlen untermauern dies.
Daher sei sein Leben derzeit auch „Friede, Freude, Eierkuchen:
essen, schlafen, Fahrrad fahren“, sagt er. Aber das ist
nicht immer so. Im vergangenen Sommer war Geers sehr viel
damit beschäftigt, seine Teilnahme am ,Race across America‘
zu finanzieren. Auf rund 82.000 Euro hat er das Gesamtbudget
veranschlagt. Das Projekt wird auf viele Sponsoren
verteilt. Geers ist als Mountainbike-Guide für Firmenevents
zu buchen. Nach dem Rennen wird er Vorträge halten, einerseits
von seinen Erlebnissen, andererseits darüber, was
Unternehmen vom Leistungssport lernen können.
Aber: „In finanzieller Hinsicht ist es eine große Herausforderung,
was ich mache. Es gab auch harte Phasen, und ich
hätte schon zehnmal aufhören können. Meistens gehe ich
mit einem dicken Minus aus den großen Ultracycling-Projekten
heraus, aber ich kann meine Existenz sichern, weil
meine Leistungen sehr positiv angenommen werden.“ Angst
kennt Geers aber eben nur vor dem Zieleinlauf. Das Ul-
1 |2025 37
wissen
tracycling mache ihm viel Spaß, und er möchte sich nicht
aus finanziellen Gründen diktieren lassen, wo die Reise
hingeht. Seine berufliche Zukunft ist noch undefiniert.
Erste Priorität hat der aktive Radsport. Zweite Priorität
der passive Radsport. Künftig wird Geers in die
Renndirektion des ,Race across Germany‘ von Flensburg
bis Garmisch-Partenkirchen aufrücken.
DAS GEFÜHL VON LUSTLOSIGKEIT ist ihm fremd.
Mentaltraining benötigt er nicht. „Wenn alles mit Fakten
und Daten unterfüttert ist, gibt es keinen Grund zur
Panik. Eigentlich liegt die Lösung meistens auf der
Hand“, sagt Geers. Aufzugeben kommt, intakte Gesundheit
vorausgesetzt, sowieso nie infrage. „Wie dumm
wäre das, wenn ich mich zwei Jahre darauf vorbereite?“
Sein Leben sei weit davon entfernt, monoton zu sein,
versichert Geers. Klar, er sei verbissen, seine Ziele zu erreichen.
Vergangenes Jahr hat er gerade mal drei Tage
Urlaub gemacht. Aber Geers versichert glaubhaft, dass
sich alles richtig für ihn anfühle.
Gekünstelt wirkt nichts an diesem ,irren‘ Kerl. Geers
redet sich geradezu in Euphorie, wenn er seine umfangreichen
Datenbanken zu erklären versucht. Dort ist
nicht nur vermerkt, wann, wo und wie lange er welche
» Ein Höhenzelt, in dem sich durch
Stickstoffzufuhr der Sauerstoffgehalt
verringern lässt. Der Körper produziert so
vermehrt rote Blutkörperchen,... .«
Form der Pause beim ,Race across America‘ einlegt,
auch jegliche Lebensmittel, die er konsumiert, sind mit
detailreicher Nährstoffangabe hinterlegt. Geers kocht
sogar nach Datenbank. „Das ist schon etwas speziell“,
gibt er zumindest zu.
Wenn ein Wort auf Fritz Geers passt, dann speziell. Sich
selbst hat er etwas ganz Spezielles, wenn das RAAM
absolviert ist: sieben Tage Urlaub in Frankreich. Dann sei
mal nicht alles durchstrukturiert, es darf Fast Food gegessen
werden. Klingt so, als müsste Geers selbst nach dem
Zieleinlauf in Atlantic City keine große Angst haben.
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Auf seinem Dachboden legt Fritz Geers über Stunden hunderte Kilometer zurück. Dort hat er sich ein Fahrrad ,auf der Rolle‘ aufgebaut, daneben lagert die
Ausrüstung. Schon 2019 durften wir ihn dort besuchen – beeindruckt sind wir auch diesmal.
AUTOR RUPERT FABIG ÜBER FRITZ GEERS
Als ich Fritz Geers 2019 zum ersten Mal getroffen habe,
war ich im Anschluss bedrückt und verwirrt zugleich.
Zugegeben, schlechter Zeitpunkt. Das Interview fand
während der dunklen Jahreszeit statt, in Clausthal-Zellerfeld
war es grau, die Bürgersteige hochgeklappt.
Fritz empfing mich in seinem schlicht eingerichteten
Zimmer, alles akkurat, aufs Wesentliche fokussiert. Natürlich
zeigte er mir den berühmten Dachboden, wo er
täglich für Stunden in aller Einsamkeit radelte. Oftmals
ohne Musik, Videos oder sonstige Ablenkung, manchmal
sogar mit einem Handtuch über dem Kopf.
Dann erzählte er mir noch, dass er, um Kosten zu sparen,
zeitweise monatelang nur von Nudeln mit Ketchup
für zwei Euro lebt. Seine gemächliche Mundart und
sein Äußeres ließen ihn deutlich älter wirken als 24.
Und welcher 24-Jährige kommt schon die Idee, sein
komplettes Leben auf weitgehend einsames Radfahren
auszurichten? Ich fuhr dann zurück nach Hamburg
und habe viel über Fritz nachgedacht. Er war aufrichtig
freundlich, eine ehrliche Haut. Er schien mit sich extrem
im Reinen, und ich, der deutlich extrovertierter ist und
möglichst viel Programm und Trubel schätzt, habe verstanden,
dass es auch Menschen gibt, die selbst solche
extremen Lebensweisen bevorzugen, ohne unter diversen
Störungen zu leiden. Sechs Jahre später komme ich
wieder aus Hamburg. Auch ich weiß die Individualität
zu schätzen, liebe beispielsweise Reisen nur für mich,
kann mühelos stundenlang allein im Restaurant sitzen.
Aber in diesen Extremem wäre das undenkbar. Ich bin
sehr gespannt auf Fritz. Ich freue mich, diesen Termin
wahrzunehmen, weil das zugleich bedeutet, dass er
immer noch beim Ultracycling geblieben ist. Mein erster
Eindruck: Er wirkt immer noch älter als die nun 29 Jahre,
hat aber an Ausstrahlung gewonnen. Sympathisch ist er
ebenfalls nach wie vor. Was aber recht schnell auffällt:
Fritz ist erwachsener, reifer geworden. Wenn er über sein
Team, die Planungen, fürs Race across America spricht,
wirkt er wie der Chef im Ring. Ist ihm vielleicht gar nicht
bewusst. Auf die Frage, ob er eine Führungspersönlichkeit
sei, antwortet er erst nach langem Nachdenken mit
einem „glaube schon“. Glaube ich auch. Der Termin
fand diesmal im März statt, mittags. Die Sonne scheint,
der Schnee schmilzt, der Brocken glänzt über den
Baumwipfeln. Ich fahre erheitert nach Hamburg zurück.
40 1 |2025
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-shortlist
Lothar Meyer-Mertel verlässt den PS.Speicher
in Fahrtrichtung Ruhestand
Geschäftsführer-Posten beim Einbecker
Oldtimer-Museum wird nicht neu besetzt
Neuer CEO bei der
amedes-Gruppe
Burmeister folgt auf
Kupatt
Prägte den PS.Speicher: Lothar Meyer-Mertel
LOTHAR MEYER-MERTEL, langjähriger
Geschäftsführer des PS.Speicher,
verabschiedet sich Ende April 2025
in den Ruhestand. Seit 2015 prägte er
maßgeblich die Entwicklung des kurz
zuvor eröffneten Einbecker Oldtimermuseums
und machte es zu einer
der führenden Institutionen für historische
Mobilität in Deutschland.
Während seiner zehnjährigen
Amtszeit wurden zentrale Ausstellungsbereiche
neugestaltet, zwölf
Sonderausstellungen realisiert und
die PS.Halle als Veranstaltungsort
errichtet. Zudem initiierte er erfolgreiche
Formate wie die Einbecker
Oldtimertage und die PS.Speicher-Rallye.
Sein letztes großes Projekt,
eine Ausstellung für Modellfahrzeuge
im Siloturm, wird noch
2025 eröffnet.
Meyer-Mertel spielte eine entscheidende
Rolle bei der Öffnung
der Sammlungen für die Öffentlichkeit.
Unter seiner Führung
wurde die Sammlung historischer
Fahrzeuge stetig erweitert,
sodass der PS.Speicher
heute die größte Ausstellung
dieser Art in Europa beherbergt.
Der 65-Jährige blickt
mit gemischten Gefühlen auf
seinen Abschied: „Ich gehe
mit einem lachenden und einem
weinenden Auge. Es war
eine großartige Zeit mit tollen
Menschen, aber ich freue
mich auf neue Inhalte und weniger
Fahrerei.“ Trotz seines Ausscheidens
bleibt er dem Museum als Mitglied
der Förderfreunde eng verbunden.
Eine direkte Nachfolge ist nicht
vorgesehen. Bereits vor zwei Jahren
wurde mit Jan B. Kalbfleisch ein neuer
Vorstand eingesetzt, der sich verstärkt
in den operativen Betrieb einbringt.
Viele Aufgaben von
Meyer-Mertel wurden auf die bestehenden
Teams verteilt, um eine reibungslose
Fortführung der Arbeit zu
gewährleisten.
Der PS.Speicher bleibt ein bedeutender
Ort für Fahrzeuggeschichte.
Mit über 2.500 Exponaten – von
Motorrädern über Kleinwagen bis
hin zu Lastwagen – zieht er jedes Jahr
zahlreiche Besucher an. Dank innovativer
Präsentationsformen und
kontinuierlicher Weiterentwicklung
bleibt er ein Leuchtturm ein zentraler
Bestandteil der deutschen Museumslandschaft.
Von B.Braun zur amedes-Gruppe:
Marc Alexander Burmeister.
DIE AMEDES-GRUPPE hat zu April
2025 mit Marc Alexander Burmeister
einen neuen CEO. Er folgt auf
Wolf F. Kupatt, der nach fast neun
Jahren mit Erreichen des 65. Lebensjahres
aus der operativen Führung
ausscheidet. Unter Kupatts Leitung
verdoppelte sich der Umsatz von
amedes nahezu und der Bereich Spezial-Diagnostik
gewann erheblich an
Marktanteilen.
„Wir danken Herrn Kupatt für seine
strategische und operative Führungsleistung
und freuen uns, dass
Dr. Burmeister den Erfolgskurs fortsetzen
wird“, sagte der Aufsichtsratsvorsitzende
Franz Walt. Burmeister
bringt umfassende Erfahrung aus leitenden
Positionen bei B. Braun und
Clariane mit. „Ich freue mich auf die
Zusammenarbeit mit dem amedes-Team,
um weiterhin höchste medizinische
Qualität und Innovation
zu gewährleisten“, so Burmeister.
42 1|2025
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Feuer
&
Flamme
Der Künstler Kain Karawahn hat einmal seiner
Freundin verbrannte Rosen geschenkt und die Berliner
Mauer in Flammen gesetzt. Seine Inszenierungen mit
brennenden Benzinkanistern machten ihn berühmt.
Nun lodert in ihm ein neues Feuer: Kinder sollen Feuer
selbst begreifen und erleben. Eine Ausstellung bringt
ihn nun in seine alte Heimat Göttingen zurück.
46 1 |2025
mensch
1 |2025 47
mensch
» Wenn ein Kind lernt, dass es für das, was es entfacht, auch die
Verantwortung trägt, dann ist das eine der wertvollsten Lektionen fürs
Leben – weit über das Thema Feuer hinaus. «
TEXT CHRISTIAN VOGELBEIN
FOTOGRAFIE ALCIRO THEODORO DA SILVA
E
Ein knisterndes Lagerfeuer, das warme Flackern
einer Kerze, die behutsame Berührung
einer Flamme auf der Haut – für viele Menschen
sind dies Bilder der Geborgenheit, für
andere Sinnbilder der Gefahr. Doch was passiert,
wenn man Kindern die anerzogene Angst vor dem
Feuer nimmt, sie spielerisch an den kontrollierten Umgang
mit Flammen heranführt und aus dem vermeintlich
gefährlichen Element einen Lehrmeister macht? Genau
das ist die Mission des Künstlers Kain Karawahn.
LANGE ZEIT WAR KARAWAHN als Fotograf-, Performance-
und Videokünstler bekannt, dessen Werke sich
stets mit menschlichem Bezug zum Feuer beschäftigten.
Seine brennenden Skulpturen, Flammeninszenierungen
und das künstlerische Spiel mit kontrollierten Brandherden
brachten ihn auf internationale Bühnen. Doch irgendwann
stellte sich für ihn die Frage: Wie kann diese
künstlerische Auseinandersetzung einen nachhaltigen
Wert für die Gesellschaft schaffen? Die Antwort fand er
darin, Feuerkompetenz vor allem an junge Menschen zu
vermitteln. Seit mehr als 20 Jahren arbeitet der Künstler
mit Kindern und Jugendlichen, um ihnen auf spielerische
Weise den richtigen Umgang mit Feuer beizubringen.
PROBIEREN STATT PANIK
„Kinder lernen durch Erfahrung. Wenn sie keinen Zugang
zum Feuer haben, dann suchen sie sich heimliche
Wege, es auszuprobieren – und genau dort passieren Unfälle",
sagt Karawahn. Er entwickelte ein kunstbasiertes
Lernmodell, das sich von klassischen Feuererziehungskonzepten
unterscheidet. Statt Abschreckung will er altersgerecht
Kompetenzen vermitteln. „Ein Kind muss
Feuer nicht fürchten, sondern verstehen.“
Sein Konzept umfasst fünf Tage, in denen Kinder mit
Streichhölzern, Kerzen und kleinen Lagerfeuern arbeiten
– und am Ende bereitet jedes Kind am eigenen Feuer ein
Essen zu. Sie lernen nicht nur, wie man Feuer entfacht,
sondern auch, wie man es wieder löscht. Die Kinder
überlassen ihr Feuer nicht einem unkontrollierten Prozess,
laufen nicht weg, wenn es brennt, sondern bleiben
an ihm dran und übernehmen Verantwortung von Anfang
bis Ende. Sie experimentieren, beobachten die Naturgesetze
der Flamme und entwickeln dabei ein tiefes
Verantwortungsgefühl. Besonders bemerkenswert:
Schon Fünfjährige seien in der Lage, dieses Wissen an
Jüngere weiterzugeben, wodurch eine ,familiäre Feuerkompetenz‘
entsteht.
„Wenn ein Kind lernt, dass es für das, was es entfacht,
auch die Verantwortung trägt, dann ist das eine der
wertvollsten Lektionen fürs Leben – weit über das Thema
Feuer hinaus", sagt Karawahn. Das von ihm
geschaffene Lernmodell bezeichnet er heute als sein
wichtigstes Kunstwerk. Es wird von ihm in zahlreichen
Bildungseinrichtungen, Behörden, Versicherungen, Feuerwehren
und über Weiterbildungsseminare für Pädagogen
multipliziert.
48 1 |2025
mensch
Mit der Performance ,Brennende Schauspiele‘ nutzt Kain Karawahn sein künstlerisches Können und inszeniert Feuer und Alltag gemeinsam
mit den Kindern in der Göttinger Innenstadt. Fotos: lichtenbergleuchten I 8454 & 8480 © Kain Karawahn & Herman-Nohl-Schule
1|2025 49
mensch
50 1 |2025
mensch
Feuer anfassen. Die Kinder
lernen zuerst anhand der Kerzenflamme,
wie sie sich jedem
Feuerereignis so nähern können,
dass es begreifbar wird, aber
nicht verletzt.
1 |2025 51
mensch
Feuer verbindet. Das war vor Millionen Jahren so, das ist auch heute so. Deshalb nutzt Kain Karawahn die Gemeinschaft an der Flamme, um in
seinen Seminaren auch Pädagogen eine Lehrkompetenz zum Thema Feuer für Kita und Schule zu vermitteln.
AUSSTELLUNG IM RATHAUS
In der Ausstellung ,brennWerte – Feuer
und Kinder Schüler Studenten Senioren
und Kunst – Werke von Autoren
zwischen 0 und 100‘ im Alten Rathaus
Göttingen zeigt Kain Karawahn eine
retrospektive Auswahl künstlerischer
Arbeiten, welche in 20-jähriger Umsetzung
in Kitas und Schulen entstanden
sind. Die Hälfte der Ausstellung bestreiten
78 Schüler aus der Lohbergschule
und der Herman-Nohl-Schule
Göttingen. Sie haben mit Feuer inszeniert,
fotografiert, gemalt, gestaltet,
performt, gekocht, gebraten und Videos
erstellt. Sie haben eine unangekündigte
Performance in der Fußgängerzone
durchgeführt und lasen in
Kitas und Senioreneinrichtungen bei
Kerzenlicht selbst geschriebene Feuergeschichten
vor. Interessierte können
die Ausstellung bis zum 25. Mai dienstags
bis sonntags von 11 bis 17 Uhr besuchen.
WIRTSCHAFTLICHER EFFEKT EINER
UNGEWÖHNLICHEN IDEE
Was zunächst als Nischenprojekt begann, hat sich zu einer
ernstzunehmenden Bildungsbewegung entwickelt.
Versicherungen, Bildungseinrichtungen, Feuerwehren
und Unternehmen interessieren sich für Karawahns Methode.
„Es gibt heute ein Defizit an Risikokompetenz“,
erklärt er. „Viele Menschen wissen gar nicht mehr, wie
sie mit elementaren Dingen umgehen sollen. Das betrifft
nicht nur Feuer, sondern auch Themen wie Verantwortung,
Gruppenorganisation oder Selbstdisziplin. “ Große
Firmen wie Siemens haben seine Methoden bereits in
Team-Building-Workshops integriert. In einer Welt, in
der Innovation und Kreativität gefragt sind, gewinnen
Konzepte an Bedeutung, die praktisches Lernen mit
emotionaler Erfahrung verknüpfen. „Feuer ist ein wunderbares
Medium dafür. Es zwingt zur Achtsamkeit, verlangt
vorausschauendes Handeln und schafft eine intensive
Gruppendynamik.
52 1 |2025
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anders (er)leben
1899 2024
125 JAHRE
Kai Stolze,
ein hochgeschätzter Kollege der Kassebeer-Family
mensch
» Innovation entsteht nur dort, wo Menschen
bereit sind, Dinge auszuprobieren und mit
Risiken umzugehen. «
64 54 1 |2025
ZWISCHEN SKEPSIS UND ERFOLG: DIE GESELL-
SCHAFTLICHE DIMENSION
Trotz aller Erfolge stößt Karawahns Arbeit auch auf Widerstände.
„Die Reflexe sind oft: ‚Feuer und Kinder?
Das geht nicht!‘ Aber wenn man genau hinschaut, sind
es nicht die Kinder, die unsicher sind – es sind die Erwachsenen
“, so Karawahn. Er sieht es als seine Aufgabe,
diese Blockaden zu lösen und den natürlichen Lernprozess
wieder zuzulassen. „Unsere Vorfahren konnten vor
vier Millionen Jahren Feuer kontrollieren, ohne Bücher.
Warum sollten unsere Kinder das nicht lernen können?“
Alles was es zum eigenen Feuermachen brauche, sei ein
Vorbild, welches die Anfänge kindlicher Feuerbildung
professionell begleitet.
In Zeiten, in denen immer mehr gesellschaftliche Bereiche
durch Sicherheitsdenken eingeengt werden, zeigt
Karawahns Modell, dass verantwortungsvoller Umgang
mit Risiko ein Schlüssel zu mehr Autonomie und Mündigkeit
ist. Dies hat nicht nur lernende Relevanz. „Innovation
entsteht nur da, wo Menschen bereit sind, Dinge
auszuprobieren und mit Risiken umzugehen“, sagt er.
Seine Methode wurde inzwischen mehrfach ausgezeichnet,
unter anderem von der Kulturstiftung der Länder
und dem Brandenburger Bildungsministerium. Doch
für Karawahn zählt vor allem die langfristige Wirkung.
„Ich sehe Kinder, die nach fünf Tagen selbstbewusst mit
Feuer umgehen, ihre Eltern instruieren und dabei eine
Selbstsicherheit entwickeln, die ihnen in vielen anderen
Lebensbereichen helfen wird.“
FEUER ALS METAPHER
Mit seinen 65 Jahren denkt Karawahn bereits über die
Zukunft seines Modells nach. „Ich kann das nicht ewig
machen, aber das Wissen darf nicht mit mir verschwinden.“
Daher arbeitet er aktuell an der Ausbildung von
Multiplikatoren, die sein Konzept weitertragen sollen.
Zudem plant er die Publikation eines umfassenden Lehrbuchs,
das seine Methode dokumentiert und für Pädagogen
zugänglich macht.
In einer Welt, die zunehmend durch digitale Erlebnisse
geprägt ist, erinnert sich Künstler Karawahn daran,
mensch
1 |2025 55
mensch
ZUR PERSON
Kain Karawahn, Künstler und Dozent,
Jahrgang 1959, arbeitet seit den
1980er Jahren in Theorie und Praxis
über die Beziehung Mensch und
Feuer in bildender und darstellender
Kunst, Pädagogik und Philosophie.
Karawahn vermittelt Kindern, Schülern
und Erwachsenen den verantwortungsbewussten
Umgang mit
Feuer und schafft damit ein tiefes
Verständnis für dessen geistiges und
gemeinschaftsstiftendes Potenzial.
In zahlreichen Workshops, Seminaren
und weiteren Kunstprojekten bindet
er Menschen aktiv ein und ermöglicht
ihnen, eigene Erfahrungen
mit selbst gestalteten Feuerereignissen
zu machen. Karawahns Arbeiten
wurden international ausgestellt und
mehrfach ausgezeichnet.
» Feuer war immer Teil unserer Entwicklung,
es wird auch Teil unserer Zukunft sein. «
dass elementare Erfahrungen nach wie vor unverzichtbar
sind. „Feuer war das erste Medium des Menschen.
Es hat uns geformt, unsere Gesellschaft entwickelt. Wenn
wir diese Verbindung verlieren, verlieren wir ein Stück
unserer Identität.“
Und so bleibt das Feuer für Kain Karawahn nicht nur
ein künstlerisches, sondern auch ein gesellschaftliches
Werkzeug – ein Symbol für Verantwortung, Gemeinschaft
und den Mut, Neues zu wagen.
DIE NÄCHSTE GENERATION DES FEUERLERNENS
Erste Studien deuten darauf hin, dass Kinder, die im frühen
Alter den Umgang mit Feuer lernen, später eine ausgeprägtere
Risikokompetenz besitzen und insgesamt
selbstständiger agieren. Darüber hinaus zeigt sich, dass
Feuerlernen einen positiven Einfluss auf die motorischen
Fähigkeiten und die Konzentrationsfähigkeit hat. Feuer
war das geistige Zentrum, bestimmte und beeinflusste
die Atmosphäre menschlicher Begegnung und Entscheidungsfindung.
„Feuer ist eine der besten Metaphern für
Verantwortung und Entscheidungsfindung“, sagt Karawahn.
Er selbst sieht das als logischen nächsten Schritt:
„Feuer war immer Teil unserer Entwicklung, es wird
auch Teil unserer Zukunft sein.“ ƒ
56 1 |2025
Regional bekannter werden in Südniedersachsen.
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PROFIL
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Macht, Pracht und
musikalische Höhepunkte
Internationale Händel-Festspiele verwandeln Göttingen zur Weltbühne
Vom 16. bis 25. Mai 2025 wird Göttingen erneut zur Weltbühne der Barockmusik:
Die Internationalen Händel-Festspiele laden ein zu einem opulenten Programm,
das sich um Ruhm, Ehre und die dunklen Seiten der Macht dreht. Unter dem
Motto ,Lorbeeren‘ präsentiert das Festival eine breite Palette an Konzerten, Opern,
Vorträgen und Kinderprogrammen.
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Festspieloper ,Tamerlano‘
und Oratorium ,Solomon‘
PROFIL
Eines der absoluten Highlights ist die
Festspieloper ,Tamerlano‘ (Premiere
am 17. Mai). Unter der Regie von Rosetta
Cucchi wird das Drama um den grausamen
Eroberer Tamerlan und den besiegten Sultan
Bajazet eindrucksvoll auf die Bühne gebracht.
Countertenor Lawrence Zazzo übernimmt die
Titelrolle, während der spanische Tenor Juan
Sancho als Bajazet brilliert. Die musikalische
Leitung liegt in den Händen von George Petrou,
der seit 2022 als Künstlerischer Leiter das
Festival prägt und seinen Vertrag nun bis 2031
verlängert hat.
DEN AUFTAKT DER FESTSPIELE bildet
Händels Oratorium ,Solomon‘ (16. Mai). Mit
dem NDR Vokalensemble und Solisten wie
Lena Sutor-Wernich und James Way erleben
Besucher die musikalische Darstellung eines
weisen Herrschers, dessen Gerechtigkeit
und Weisheit legendär sind. Auch hier
dirigiert George Petrou das renommierte
FestspielOrchester Göttingen.
Ein weiterer Höhepunkt ist das Galakonzert
am 22. Mai mit der gefeierten Mezzosopranistin
Ann Hallenberg. Bekannt für ihre herausragenden
Händel-Interpretationen, wird sie in
Arien unter anderem aus Julius Cäsar und Ariodante
zu hören sein. Das Konzert verspricht
ein Feuerwerk barocker Emotionen – von herzzerreißender
Klage bis zu virtuosen Koloraturen.
Ebenfalls begleitet vom FestspielOrchester
Göttingen unter der Leitung von George Petrou
wird das Konzert nicht nur die Vielseitigkeit
von Hallenbergs Stimme demonstrieren,
sondern auch einen tiefen Einblick in die dramatische
Ausdruckskraft Händelscher Musik
gewähren. Die atemberaubende Atmosphäre
dieses Abends wird durch ein fein abgestimmtes
Programm ergänzt, das neben den berühmten
Händel-Arien auch weniger bekannte
Werke umfasst. So wird Hallenberg in einer
beeindruckenden Darbietung die emotionalen
Facetten der barocken Musik aufzeigen. Das
Publikum darf sich auf einen Abend voller Leidenschaft,
Virtuosität und musikalischer Perfektion
freuen. ▸
PROFIL
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DIE AULAKONZERTE: INTIME MEISTER-
WERKE IN EINZIGARTIGEM AMBIENTE
Die Aulakonzerte bieten ein besonderes Erlebnis
für Liebhaber kammermusikalischer
Klänge. In der historischen Aula der Universität
Göttingen entfaltet sich die barocke Musik
in ihrer ganzen Nuanciertheit. Die exzellente
Akustik dieses besonderen Raumes verleiht
den Werken zusätzliche Tiefe und lässt die feinen
Klangfarben der historischen Instrumente
eindrucksvoll zur Geltung kommen.
EINES DER HERAUSRAGENDEN Aulakonzerte
ist die Darbietung von Mayumi Hirasaki,
Christoph Dangel und Kristian Bezuidenhout
(25.Mai). Die Musiker nehmen das Publikum
mit auf eine faszinierende Reise in das Italien
des Barocks. Werke von Händel, Corelli und
Vivaldi verschmelzen zu einem harmonischen
Ganzen und zeigen die stilistische Vielfalt dieser
Epoche.
EIN WEITERES AULAKONZERT wird von
Nicholas McGegan geleitet, der anlässlich
seines 75. Geburtstags nach Göttingen zurückkehrt.
McGegan, eine der prägenden Persönlichkeiten
der historischen Aufführungspraxis
und 20 Jahre lang Künstlerischer Leiter
der Händel-Festspiele, wird mit einem handverlesenen
Ensemble Meisterwerke von Händel
und seinen Zeitgenossen interpretieren.
Die intime Atmosphäre der Aula ermöglicht
es dem Publikum, die Feinheiten der Musik
aus nächster Nähe zu erleben.
CHAMBER MUSIC, WETTBEWERBE UND
BESONDERE KONZERTFORMATE
Neben den großen Bühnenereignissen bietet
das Festival zahlreiche Regional-Konzerte. Ein
weiteres Highlight ist das Konzert Byrd and
Birds (18. Mai), bei dem das Calmus Ensemble
Vogelgesänge in Chormusik verwandelt.
Die ,göttingen händel competition‘ lockt
erneut junge Ensembles aus ganz Europa in
die Universitätsstadt. Die Gewinner dürfen
sich über Auftritte beim Festival und attraktive
Preisgelder freuen. Besonders spannend:
der Sonderpreis „Musik und Raum“, der das
Verhältnis von Klang und Architektur auslotet.
EIN FESTIVAL FÜR ALLE GENERATIONEN
Auch junge Besucher kommen auf ihre Kosten:
Beim Kinderkonzert der Capella de la
Torre (24. Mai) steht William Shakespeare
im Mittelpunkt. Zudem gibt es mit ,Händel
4 Kids!‘ ein vielfältiges Kinderprogramm, inklusive
einer Familienversion von der Oper
,Tamerlano‘ (25. Mai).
Die Händel-Festspiele 2025 bieten eine außergewöhnliche
Mischung aus barockem Glanz,
tiefgründiger Reflexion über Macht und
Ruhm sowie innovativen Konzertformaten.
Ob Opernliebhaber, Kammermusik-Fan oder
neugieriger Entdecker – dieses Festival hält
für jeden etwas bereit. Karten sind seit dem
14. Februar erhältlich. Weitere Infos gibt es im
Web unter www.haendel-festspiele.de
.
Internationale Händel-Festspiele
Göttingen gGmbH
Hainholzweg 3, 37085 Göttingen
Tel. 0551 3848130
Fax 0551 38481310
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-shortlist
Harzer Getränkeproduzent bereitet sich auf Start vor
The Harz Distillery: Bauarbeiten in Bad
Lauterberg stehen kurz vor dem Abschluss
Gute Geschäftszahlen
Arineo-Erfolgskurs
setzt sich fort
THE HARZ DISTILLERY steht in den
Startblöcken: Die Bauarbeiten in der
Nähe des alten Bahnhofs von Bad
Lauterberg schreiten voran. Mit dem
Abschluss des Rohbaus nimmt das
Projekt nun sichtbar Gestalt an. „Wir
danken allen, die uns auf diesem Weg
begleiten und unterstützen“, so Walter
Möller, Geschäftsführer von The
Harz Distillery.
Dies sagte der Verantwortliche am
6. Februar 2025. An diesem Tag
wurde in kleinem Kreis feierlich das
Richtfest begangen. Es kamen Vertreter
der ausführenden Gewerke,
Mitarbeitende der Unternehmensgruppe
Schierker Feuerstein, von
The Harz Distillery, der leitende Architekt
Daniel Richter (Richter Architekten),
Vertreter der Volksbank
Braunlage und der Firma Haba
Deutschland zusammen, um diesen
wichtigen Meilenstein des Leuchtturmprojekts
für die Region zu wür-
digen. Das architektonische Konzept
der Destillerie orientiert sich an der
„sanften Silhouette des Harzes“: Die
unterschiedlich geneigten Dachflächen
greifen die natürliche Landschaft
auf und schaffen so eine harmonische
Verbindung mit der Umgebung.
„Schon jetzt wird die besondere
Form wunderbar sichtbar“, erklärt
Architekt Daniel Richter.
Mit der Fertigstellung wird The
Harz Distillery zu einem richtungweisenden
Anlauf- und Treffpunkt
für hochwertige Spirituosen und
handwerkliche Brennkunst. Die Eröffnung
der Erlebnisdestillerie ist
für den Sommer 2025 anvisiert. Die
Besucher können dann durch Tastings
und Touren die Kunst der
Destillation erleben. So soll ein besonderer
Ort im Harz geschaffen
werden, an dem Menschen zusammenkommen
können und der Menschen
verbindet.
Beim ersten Spatenstich (von links nach rechts): Thomas Janßen (Volksbank Braunlage),
Florian Schaller (Habau), Florian, Britta und Walter Möller (The Harz Distillery), Daniel
Richter (Richter Architekten), Kay Rogge (Volksbank Braunlage).
Zufriedene Gesichter bei Arineo.
DIE ARINEO-GRUPPE setzt ihr
Wachstum im Jahr 2024 fort: Der
IT-Dienstleister erzielt im abgelaufenen
Geschäftsjahr mit 53,2 Millionen
Euro den höchsten Umsatz seiner
jungen Unternehmensgeschichte.
Marko Weinrich, Sprecher der Geschäftsführung,
zieht eine positive
Bilanz: „Die stärksten Segmente sind
Dienstleistungen rund um ERP-Lösungen
von Microsoft sowie E-Commerce-Lösungen
der großen Softwarehersteller,
SAP und Microsoft.“
Die Mitarbeiterzahl stieg um acht
Prozent. Weltweit beschäftigt Arineo
rund 400 Mitarbeiter in Deutschland,
Österreich, Dänemark, Bulgarien und
China. Ebenfalls hat die Arineo
GmbH mit der Errichtung der Arineo
Stiftung ihr Konzept der Employee
Owned Company final umgesetzt.
Gut sechs Jahre nach der Gründung
und vier Jahre früher als ursprünglich
geplant, ist der Wandel
vollzogen: Die Arineo GmbH gehört
der Arineo Stiftung, deren Organe
ausschließlich durch Mitarbeiter besetzt
sind.
62 1 |2025
unternehmen
Der Strom in Heilbad Heiligenstadt wird inzwischen zu
50 Prozent aus regenerativen Quellen gewonnen
Solarpark Kalteneber geht ans Netz
IT-Experte wurde vor 25
Jahren gegründet
Emlix feiert mit
Blick in die Zukunft
DER SOLARPARK KALTENEBER nahm
am 22. Januar den Betrieb auf. Auf
dem ehemaligen Viehweide- und Stallareal
am südwestlichen Ortsrand von
Kalteneber entstand auf vier Hektar
Fläche eine moderne Photovoltaik‐Freiflächenanlage,
die bislang
größte Einzelinvestition der Stadtwerke
Heilbad Heiligenstadt (SWH). In
rund zwei Jahren intensiver Arbeiten
wurden mehr als 10.000 Solarmodule
installiert. Sie liefern genug Energie,
um etwa 1.600 Haushalte mit grünem
Strom zu versorgen. Mit einer Gesamtleistung
von 4,5 Megawatt werden
jährlich rund 2.300 Tonnen Kohlendioxid
eingespart. Die SWH investierte
rund 3,2 Millionen Euro während
die Stadt Heilbad Heiligenstadt
1,45 Millionen Euro beisteuerte. Fördermittel
in Höhe von 516.000 Euro
kamen vom Land Thüringen im Rahmen
des ELER‐Programms. Nach
dem Erwerb des Grundstücks entwickelte
die EW Projekt GmbH, eine
Tochter der Eichsfeldwerke, ein Konzept
zur Revitalisierung des Geländes.
Geschäftsführer Nehrkorn betonte:
„Mit dem Solarpark Kalteneber haben
die Stadtwerke Heilbad Heiligenstadt
ihre Kapazitäten zur Erzeugung
regenerativer Energien erheblich erweitert.
Wir decken 50 Prozent des
Strombedarfs unserer Haushalts- und
Gewerbekunden aus erneuerbaren
Quellen und leisten somit einen bedeutenden
Beitrag zur Dekarbonisierung
und zum Umweltschutz.“
Bei der Eröffnungsfeier begrüßten Geschäftsführer Dirk Nehrkorn, Bürgermeister
Thomas Spielmann und Ortsteilbürgermeister Franz König zahlreiche Ehrengäste,
darunter Landrätin Dr. Marion Frant, Bundestagsabgeordneter Manfred Grund,
Geschäftsführer der Eichsfeldwerke Ulrich Gabel und Stefan Reindl, Vorstandsvorsitzender
der Thüringer Energie AG.
EMLIX wurde vor 25 Jahren, genauer
gesagt am 8. Januar 2000, in Göttingen
gegründet und entwickelte
als eines der ersten Unternehmen in
Europa Linux-basierte Industriegeräte.
Emlix sieht sich als die Schnittstelle
zwischen der weltweiten Open
Source Community und seinen Kunden
und Partnern.
Das Ergebnis ist eine über Jahre
gewachsene Open Source Unternehmenskultur
und ein erfolgreiches
Open-Source-Geschäftsmodell. Beides
basiere auf länderübergreifender
Kompetenz, 25 Jahren Erfahrung
und vor allem dem Engagement und
Teamgeist, so die Geschäftsführung,
die aus Heike Jordan und Uwe Kracke
besteht. Linux in industriellen
Geräten sei ein wichtiger Enabler
für innovative Features und ein Garant
für technologische Souveränität.
Seit der Jahrtausendwende sind
die Anforderungen an den Einsatz
von Linux im industriellen Umfeld
stetig gewachsen. Neben technischen
Verbesserungen prägen professionelle
Entwicklungs- und Qualifizierungsprozesse
den professionellen
Einsatz von Embedded Linux
und Open Source Software. Bei
Emlix blickt man stolz darauf, dieses
Stück Technologiegeschichte von
Anfang an mitgestaltet zu haben
und möchte dies auch weiterhin tun:
„Die nächsten Jahre werden spannend
und herausfordernd.“
1|2025 63
unternehmen
Staat
stranguliert
sich selbst
TEXT SVEN GRÜNEWALD
ILLUSTRATION MAXIM SEEHAGEN
Knapp drei Jahre Warten auf eine
Baugenehmigung? Neun Monate Warten
auf eine Arbeitsgenehmigung?
Existenzielle Bedrohung durch Datenschutz?
„Wir wollten ein Carport für
einen Kran bauen, um Witterungsschäden
zu vermeiden“, erzählt Silke Grewe von der Dachdeckerei
Frank Grewe in Groß Schneen. Der Bauantrag
beim Landkreis wurde im Februar 2022 gestellt. Zuletzt
musste ein Brandschutzgutachten und dann ein neuer
Lageplan nachgereicht werden, weil der Nachbar ein
Grundstück zugekauft hatte; baulich hatte sich aber
nichts verändert. Kosten: 250 Euro. Jetzt, drei Jahre später,
darf immer noch nicht gebaut werden, weil die eingereichte
Statik übersehen und entsprechend noch nicht
geprüft wurde. „Unterlagen nachzureichen ist nicht das
eigentliche Problem“, sagt Grewe, „sondern, dass die
Anforderung weiterer Unterlagen immer nur auf unser
Drängen hin passiert. Wir schicken etwas hin, wochenlang
passiert nichts, dann fragen wir nach, und dann
kommen neue Auflagen.“
BEISPIEL ARBEITSGENEHMIGUNGEN. Benjamin Schulze
hat bei der Südniedersachsenstiftung die Bereichsleitung
Fachkräfte und Willkommenskultur inne. Das
64 1 |2025
unternehmen
Seit Jahrzehnten kein Wirtschaftstreffen, ohne dass nicht das Thema
Bürokratiebelastung aufkommt. Ist das nur das Jammern von Unternehmern?
Ist etwas grundsätzlich kaputt im Verwaltungsstaat? Oder liegt die Wahrheit
irgendwo dazwischen? Die Spurensuche nach den Ursachen und Folgen von
überbordender Bürokratie zeichnet jedenfalls ein fatales Bild.
Welcome Center der Stiftung organisiert für Unternehmen
den Zuzug von ausländischen Fachkräften. Die
meisten Verfahren laufen unkompliziert, Probleme existieren,
wenn, dann vor allem bei Nicht-EU-Bürgern.
„Meine Kritik richtet sich weniger an die Auflagen an
sich, sondern deren Auslegung und die Haltung eines
Sachbearbeiters“, sagt Schulze. Wichtig sei ein gemeinsames
Interesse, dass Fachkräfte in die Region kommen.
„Wenn ich es mit einem positiv eingestellten Sachbearbeiter
zu tun habe, muss ich weniger Unterlagen einreichen,
und es geht schneller. Hat man es aber mit einem – ich
überspitze – Regulatoren zu tun, dann fordert er noch
dieses oder jenes Dokument an, man bekommt keinen
Termin, keine Informationen, was an Unterlagen noch
fehlt.“ Ein solches Verfahren kann daher in drei Monaten
durch sein, es kann aber auch bis zu neun Monate
dauern. „Doch erschließt sich mir im Grundsatz nicht,
warum es überhaupt einen Prüfauftrag der Behörden
gibt und man das nicht dem Markt überlässt“, so Schulze.
„Man kann davon ausgehen, dass der Unternehmer
für sich überprüft hat, ob der Mitarbeiter auch die nötigen
Qualifikationen hat.“
SOLCHE NEGATIVERFAHRUNGEN hat ein Technologie-Unternehmer
gemacht, der anonym bleiben möchte.
Auf dem regionalen Arbeitsmarkt waren keine
IT-Azubis zu bekommen, aber es gab sehr gute
1 |2025 65
unternehmen
» Dreiviertel Jahr für die Baugenehmigung eines Standard-Carport-Bausatzes
aus Aluminium. Da der aus der EU (PL) und nicht aus DE kam, mussten die
statischen Berechnungen erneut aufwendig lokal durchgeführt werdent. «
Zitat aus faktor-Umfrage
Bewerbungen aus nordafrikanischen Staaten. Doch die
Ausländerbehörde stellte sich quer, weil Auszubildende
aus Drittstaaten nur dann genehmigt werden, wenn in
Deutschland kein ausreichendes Azubi-Potenzial da ist.
„Es hieß, es gäbe hier in der Region genügend Interessierte.“
Also wurde in Erwägung gezogen, in Stuttgart eine
Briefkastenfirma aufzumachen und die Azubis darüber
herzuholen, weil die dortigen Behörden deutlich flexibler
waren. Bei der Festanstellung von Drittstaatlern dasselbe
Problem: Eine Arbeitsgenehmigung werde nur erteilt,
wenn diesen IT-Fachkräften mindestens 6.000 Euro
bezahlt würden, so die Behörde. „Diese Gehälter sind
absolut utopisch“, so der Unternehmer. „Aber das ist
eine typische Erfahrung: Es gibt keine Flexibilität, bundesweite
Vorgaben regionsspezifisch anzupassen.“
Sebastian Stahl, Geschäftsführer dreier Unternehmen,
darunter ein Malerbetrieb und ein europaweiter Onlinehandel
für Luxusfarben und -tapeten, erlebt den
,Bürokratiewahnsinn‘ regelmäßig. Eines der großen Probleme
ist die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO).
„Etwa einmal im Monat muss ich meine ganzen Datenschutzhinweise
umschreiben, weil neue Richtlinien kommen.
Auch, wenn ich ein neues Tool einbinde, muss ich
das machen.“ Oder der extern eingekaufte Datenschutzbeauftragte
meldet sich mit einem Schreiben zum Bikeleasing,
weil sich der Datenschutz mal wieder geändert
hat. „Mit dem Ergebnis, dass ich dann die 20
Mitarbeiter zusammentrommeln muss, die das nutzen,
um deren Überlassungsverträge zu ändern.“
DSGVO KLINGT ERSTMAL GUT, mehr Rechte und Sicherheit
für den Kunden. Aber die Risiken einer DSG-
VO-Verletzung sind inzwischen auch ein echtes Innovationshemmnis.
„Viele meiner IT-Lösungen bieten tolle
KI-Tools an“, beschreibt Stahl. „Vor 15 Jahren hätte ich
die einfach mal ausprobiert, aber inzwischen ist mir das
Risiko zu groß, etwas falsch zu machen.“ Da zeigen sich
dann auch Widersprüche, denn einerseits werden große
KI-Offensiven in der Politik angekündigt, in der Praxis
werden Unternehmen aber abgeschreckt und müssen
auch noch KI-Schulungen und -Dokumentationen vorweisen.
Sebastian Stahl hat viele solcher Geschichten auf
Lager. Vom Hinweisgeberschutzportal, das einen hohen
Aufwand verlangt, bis hin zum Landesamt für Statistik,
das ihm permanent im Nacken sitzt. „Alle drei Monate
darf ich auf mehreren Seiten darlegen, wie viel zum Beispiel
das Tapezieren eines Quadratmeters Raufasertapete
kostet und wenn ich die Preise erhöht habe, muss ich
begründen, wieso. Wenn ich das nicht mache, läuft
schnell ein Bußgeldverfahren an.“ Manche Regelungen
seien durchaus sinnig, aber viele echte Wachstumsverhinderer.
„Ich höre nur noch Frust ringsum. Das ist eine
Form von staatlicher Übergriffigkeit. Menschen machen
sich selbständig, gerade weil sie unabhängig sein wollen
und nicht ein Untertan der Behörden. Es ist einfach unmöglich,
alles 100 Prozent richtig zu machen.“
DASS DIESE ERFAHRUNGEN UND DER ÄRGER nicht
die Ausnahme, sondern die Regel sind, kann Christian
Frölich, Obermeister der Kreishandwerkerschaft Göttingen
und CDU-Landtagsabgeordneter, bestätigen. „Dokumentationspflichten
treiben uns alle um. Das Landesamt
für Statistik sagt dazu: Das sei alles schon mehrfach
überprüft worden und der Ist-Zustand sei das Mindestmaß.“
Im unternehmerischen Alltag führt die Flut an
Vorschriften dazu, dass „bestimmte Auflagen ausgeblendet
werden und das Risiko in Kauf genommen wird, mal
ein Problem mit der Aufsichtsbehörde zu bekommen,
weil sonst der Betriebsablauf nicht mehr sinnvoll zu gestalten
ist“. Die IHK Hannover hat deswegen einen Bürokratieguide
und einen Bürokratiemelder online gestellt.
66 1 |2025
unternehmen
Das erlebt auch Gemeinde-Bürgermeister Andreas
Friedrichs aus Friedland. „Dass ein Bauantrag wie bei
Grewe länger als zwei Jahre dauert, ist schon öfter vorgekommen.
Die Konsequenz davon? Manche sagen sich,
dass sie dann einfach ohne Genehmigung bauen und
eine eventuelle Strafe in Kauf nehmen.“ Denn am Ende
hängt an solchen Investitionsentscheidungen mitunter
eine Menge Geld.
DIE GRUNDLEGENDEN URSACHEN für diese an sich
paradoxe Situation, dass Unternehmer durch Regeln zunehmend
in die Regelverletzung getrieben werden und
Aufwände immer weiter steigen, sind vielfältig.
Da ist die reine Zahl der Gesetze. Die Kommunen
müssen sie meist umsetzen, doch die Urheber sitzen auf
Landesebene und deutlich mehr noch auf Bundes- oder
europäischer Ebene. Dort entsteht ein kontinuierlicher
Strom der Vorgaben, der nach unten durchgereicht wird.
Weiters werden bestehende Regeln zunehmend komplexer
– Paradebeispiel ist das Baurecht. Das zieht Verfahren
in die Länge und schafft ein Kompetenzproblem in
den Verwaltungen.
Das wiederum verlangt nach mehr Fortbildung.
„Aber“, sagt Michael Koop, Präsident des Niedersächsischen
Studieninstituts für kommunale Verwaltung (NSI)
in Hannover, „das passiert nach Kassenlage und Zeitbudget.“
Das NSI wird hauptsächlich von den niedersächsischen
Kommunen getragen und bietet
» Telefonische Erreichbarkeit von
Sachbearbeitern zu den ,Öffnungszeiten‘,
die sowieso schon rar sind,
praktisch nicht gegeben. «
Zitat aus faktor-Umfrage
1|2025 67
unternehmen
» Ein Mitarbeiter bot nach meiner Fallbehandlung an, meine Unterlagen
für eine andere Behörde gleich in die eigene Hauspost zu geben.
Es hat alles gut und schnell geklappt. «
Zitat aus faktor-Umfrage
Verwaltungsstudiengänge sowie Fortbildungen für den
öffentlichen Dienst an. „Bis Mitte 2024 waren beispielsweise
unsere Digitalisierungsseminare voll.“ Doch dann
hat der Bund die Terminvorgaben gestrichen, bis wann
die Kommunen welche Schritte umgesetzt haben sollen.
„Daraufhin sind diese Fortbildungsseminare fast kollabiert.
Ich verstehe das auch. Die Verwaltungen haben
noch tausend andere Aufgaben. Wenn dann aus der Digitalisierung
ein optionales Programm wird, machen sie
erstmal das, was absolut nötig ist.“ Dabei betrachtet Michael
Koop Digitalisierung als einen der wesentlichsten
Bausteine, um dem Fachkräftemangel im öffentlichen
Dienst zu begegnen.
UND DER FACHKRÄFTEMANGEL WÄCHST. „Seit 2021
beobachten wir, dass das Angebot an Stellen und die
Zahl der Besetzungen deutlich auseinandergehen“, so
Koop. Insbesondere in spezialisierten Bereichen wie Medizin,
Bauamt oder Kitas gelingt es kaum noch, überhaupt
Stellen zu besetzen und das, obwohl es in Summe
in den Jahren zwischen 2012 und 2022 schon einen
deutlichen Personalaufwuchs von zwölf Prozent im öffentlichen
Dienst gab. Verschiedene Studien weisen
deutschlandweit ein Personaldefizit von rund 500.000
Stellen aus – und die großen Pensionierungswellen kommen
erst noch. Die wesentliche Ursache für das Defizit
sieht Michael Koop darin, dass Kommunen eben immer
mehr und immer komplexere Aufgaben bekommen.
„Eine Erklärung dafür ist, dass es auf Landes- und
Bundesebene zu viel Ministerialbürokratie gibt“, so
Koop. „Die haben viel zu viel Zeit, komplexe Regeln zu
erlassen.“ Laut Institut der deutschen Wirtschaft ist dies
auch einer der Verwaltungsbereiche, in dem es einen
überproportionalen Personalzuwachs gibt (Bund +32
Prozent, Länder +21 Prozent, Kommunen +27 Prozent);
Mitte 2024 gab es 4.663 Bundesgesetze und -verordnungen
mit etwa 97.000 zu befolgenden Einzelnormen –
eine Zunahme um 21 Prozent im Vergleich zu 2010. Ein
Beispiel ist die Wohngeldreform von 2023. „Diese hat
massiv die Berechtigtenzahl und gleichzeitig die Komplexität
des Vergabeverfahrens erhöht. Die Stadt Hannover
hat berichtet, dass sie allein dafür von einen Tag
auf den nächsten 30 zusätzliche Sachbearbeiter braucht“,
so Koop. Und das ist nur ein Beispiel von sehr vielen.
EIN GRUNDSATZPROBLEM IST, dass die Verursacher
der Komplexität bei EU, Bund und Land die Folgen ihres
Handelns nicht zu spüren bekommen, aber immer
68 1 |2025
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unternehmen
» Mitarbeiter beim LK Gö waren nicht zu erreichen und
haben sich nicht zurückgemeldet. Mitarbeiter bei
der Stadt Gö verweigern Beratungstermine.
Bauantragsverfahren und Bauvoranfragen werden
nicht beantwortet und verzögert bearbeitet. «
Zitat aus faktor-Umfrage
mehr Regelungsbedarf sehen, auch, um politisch schön
klingende Ziele zu verwirklichen. Die realistische Machbarkeit
scheint dafür kein Kriterium zu sein, ganz zu
schweigen von einer Notwendigkeitsbetrachtung. Auch
eine selbst auferlegte Grenze, wie stark eigentlich in den
privaten oder unternehmerischen Bereich des Bürgers
hineinregiert werden darf, scheint es nicht zu geben –
sondern stattdessen eine Art Allregelungsanspruch.
Dann kommt erschwerend noch ein deutsches Juristenphänomen
hinzu: der Hang zur Einzelfallgerechtigkeit
und das Bedürfnis nach rechtlicher Absicherung.
Gesetze und Verwaltungsvorschriften werden auch deswegen
so komplex, um möglichst jede Eventualität abzudecken
und ja niemanden zu benachteiligen. Dieses
Bedürfnis nach Einzelfallgerechtigkeit und Absicherung
ist tief in der Mentalität der Bürokratie verankert, wird
aber mittlerweile als das große Hindernis schlechthin
betrachtet.
DIESES SICHERHEITSDENKEN SETZT SICH auf kommunaler
Ebene im Handeln der Sachbearbeiter fort.
„Weil sie Klagen fürchten, sind unsere Verwaltungsbeamten
nicht mehr in der Lage, eigene Entscheidungen zu
treffen, jeder will sich vorher fünfmal absichern und verschiebt
im Zweifel einen Vorgang lieber in die nächste
Abteilung, statt etwas zu genehmigen“, sagt Birgitt
Witter-Wirsam, Unternehmerin aus Rosdorf und acht
Jahre Vizepräsidentin der IHK Hannover. Und sie ist damit
bei weitem nicht allein. In anderen Ländern, Beispiel
USA, seien Verwaltungen deutlich lockerer, und trotzdem
funktioniere es. „Ich verstehe und kenne das Klagerisiko
aus eigener Erfahrung“, sagt Bürgermeister
Andreas Friedrichs, „aber man braucht ein dickeres
Fell“. Man mpsse nicht immer alle Eventualitäten abklopfen
und mit einem Restrisiko leben. „Davor darf
man keine Angst haben.“ Doch dieses Sicherheitsdenken
kommt nicht von ungefähr. Eine Studie hat sich die Unterschiede
zwischen Studenten in den Verwaltungswissenschaften
sowie jenen in der BWL und Rechtswissenschaft
angeschaut. „Eines der Ergebnisse war, dass die
Menschen in den Verwaltungswissenschaften deutlich
sicherheitsorientierter und risikoaverser sind“, so Michael
Koop. Der öffentliche Dienst zieht entsprechend
gerade Leute an, die mit der Unsicherheit der Regelungslücke
nicht gut umgehen können.
DAZU PASST DANN AUCH DIE ERFAHRUNG, dass es
oftmals Glückssache ist, ob man an einen ‚guten‘ Sachbearbeiter
gerät oder eben nicht. Eine faktor-Umfrage
unter Unternehmern zeigt das sehr deutlich: In einer
70 1 |2025
unternehmen
» Langwierige Diskussionen, weil der Abstand des 4er-Carports zum denkmalgeschützten
Bau im Bereich der geringfügig überstehenden PV-Module um sagenhafte
13 cm unterschritten wurde. Das Gesamtprojekt zum Ausbau der erneuerbaren
betrieblichen Energieversorgung ist daran fast gescheitert und wurde
letztlich 35 Prozent teurer. Vollkatastrophe.
Ursache: unflexible Korinthenkackerei. «
Zitat aus faktor-Umfrage
Frage geben rund 70 Prozent an, langsame Sachbearbeiter
oder eine fehlende Serviceorientierung erlebt zu haben,
während in einer anderen Frage 75 Prozent schon
positive Erfahrungen mit serviceorientierten Mitarbeitern
gemacht haben. Offenkundig nutzen Verwaltungsmitarbeiter
ihren Ermessensspielraum sehr unterschiedlich
– mit den entsprechenden Auswirkungen für den
Bürger. Ist für Bauanträge im Landkreis einer Gemeinde
ein Verzögerer zugeordnet, hat die Gemeinde halt Pech
gehabt.
Unternehmer erleben im direkten Gespräch oft eine
große Offenheit der politischen Verwaltungsspitzen für
ihre Anliegen und das Haken im System, ändern tut sich
dennoch wenig. „Es gibt ja nicht die Beziehung Bürgermeister
– Sachbearbeiter, sondern je nach Größe der Verwaltung
mehrere Hierarchiestufen dazwischen“, so Michael
Koop. „Da reicht einer, der sagt: Das haben wir
noch nie gemacht.“ Und weiter: „Sie haben als Führungskraft
in der öffentlichen Verwaltung praktisch kein
Zuckerbrot und überhaupt keine Peitsche. Deswegen
haben selbst Leute, die sehen, was schiefläuft, kaum eine
Chance, etwas zu ändern, wenn sich ein Mitarbeiter
querstellt.“
AUCH TARIFRECHTLICH MÖGLICHE ANREIZSYSTEME
wie eine leistungsorientierte Bezahlung funktionieren in
der Praxis kaum. „Wir haben das selbst einmal ausprobiert
und dann wieder aufgegeben“, sagt Torsten Wehrmann,
Personalleiter und Arbeitsrechtler am NSI. „Kein
Vorgesetzter hat die eigenen Mitarbeiter in die schlechteste
Kategorie eingestuft, und eigentlich waren fast alle
die Überguten. Leistungsbasierte Ungleichbehandlung
hat viel Potenzial, Unfrieden zu stiften ohne einen sichtbaren
positiven Effekt.“ Allerdings: In der freien Wirtschaft
geht es so.
1|2025 71
unternehmen
» Hoher Krankenstand. Telefonisch nicht erreichbar. «
Zitat aus faktor-Umfrage
Was also tun?
Seit etwa Mitte der 1970er Jahre steht das Thema Bürokratieabbau
auf der politischen Agenda. Es gibt einzelne
gute Ansätze – so hat der Landkreis Göttingen beispielsweise
mit einer Task Force ,Bauen im Dialog‘ mit Bauherren,
Architekten und Verwaltung eine gefühlt deutliche
Verbesserung der Abläufe und Verfahren erreicht.
Aber es gibt auch immer wieder widersinnige Entscheidungen
– in Niedersachsen wurde die digitale Bauakte
eingeführt, die kiloschweren Bauanträge können inzwischen
digital eingereicht werden; die Umsetzung der dahinterliegenden
IT wurde aber in die Verantwortung der
Kommunen gegeben, statt landesweit ein einheitliches
System für alle aufzusetzen.
Aber am Grundproblem hat sich nichts geändert, und
so verschlimmert sich die Situation Jahr für Jahr weiter:
Gesetze und Auflagen werden mehr und mehr; sie kommen
von Gruppen, die mit den Auswirkungen nicht konfrontiert
sind; die Komplexität ist so stark gestiegen,
dass sie inzwischen die Kompetenz und Fähigkeit in der
Umsetzung übersteigt, sie also nicht mehr praxistauglich
sind. Dies, weil das Fachpersonal fehlt, und es perspektivisch
auch nicht mehr wird. Den Kommunen fehlen viele
Mittel, doch auch mit Geld lässt sich diese Entwicklung
nur bedingt bekämpfen. Digitalisierung kann Prozesse
erleichtern, aber sie verhindert auch nicht die Über-Regelung.
Weiterhin wächst der Ressourcenaufwand auch
auf der Seite der Unternehmen immer weiter. Diese Ent-
wicklung stranguliert nach und nach die wesentlichen
Grundlagen des Staates: sein Wirtschaftssystem und seine
Verwaltung. Der Aufwand für die Bewältigung von
Vorschriften wächst, die Spielräume für Eigenverantwortung
und damit Innovationen werden immer kleiner, die
Rechtsrisiken steigen. Der dahinterliegende deutsche
Mindset, alles regeln zu müssen und Einzelfallgerechtigkeit
herzustellen, ist wie ein Schwarzes Loch: Er hat einen
zügellosen Appetit und kennt kein Ende.
ES IST INZWISCHEN SO WEIT GEKOMMEN, dass auch
Fachverbände, die in den politischen Diskussionsprozess
zu Gesetzen eingebunden werden, deren Komplexität
nicht mehr durchschauen und so der Bezug zur Realität
derjenigen, die die Gesetze im Alltag spüren, fehlt.
Lokal herrscht auch ein Klima der Kritikunwilligkeit.
Hinter vorgehaltener Hand gibt es Unmengen Ärger und
echte Probleme, aber öffentlich äußern oder sich politisch
engagieren wollen sich nur wenige Unternehmer.
Zu groß sei die Sorge, sich Schwierigkeiten für das eigene
Unternehmen einzuhandeln. Die vergangenen Jahre
haben dabei auch gezeigt, dass, wer grundsätzlich politische
Ziele kritisiert, wie Migration, Klimapolitik, Außenpolitik,
schnell in die rechte Ecke gestellt wird. Umfragen
zur Meinungsfreiheit in Deutschland bestätigen
diesen besorgniserregenden Trend der abnehmenden
Diskursfreiheit.
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Zitat aus faktor-Umfrage
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Maxim Seehagen wurde 1999 in Bad
Gandersheim mit einem Bleistift
(2HB) in der Hand geboren. Seitdem
zeichnet er alles, was ihm so einfällt.
Seine Cartoons werden in Zeitschriften,
Büchern und online veröffentlicht.
Seit 2024 steht er auf Bühnen
mit einer Mischung aus Stand-up-Comedy,
Cartoon-Lesung und einer nicht
ganz ernstgemeinten Kettensägen-Jonglage
(wetterabhängig). Er arbeitet
als freier Autor für TV, Buchprojekte
und verschiedene Cartoon-Serien.
faktor hat ihn in der Winterausgabe
2024 besucht:
www.faktor-magazin.de/
einfach-nie-aufgehoert/
„MEINE ERWARTUNGEN UND HOFFNUNGEN sind
nicht positiv“, sagt Michael Koop. „Die einzige Chance,
da herauszukommen, ist eine fundamentale Umgestaltung
von Kommunalverwaltung und sehr viel mehr organisierte
Zusammenarbeit.“ Muss es aber nicht weit
über Organisationsfragen hinausgehen? Muss man nicht
grundsätzlich über die Grenzen des Staates und mehr Eigenverantwortung
reden? Platt gefragt: Was geht es eigentlich
den Staat an, wie ich auf meinem eigenen
Grundstück baue?
Die vergangenen 50 Jahre ,Reformbemühungen‘ haben
nicht gewirkt, sondern höchstens das Schlimmste
verhindert, und es ist nicht ersichtlich, wieso sich daran
etwas ändern sollte, denn die strukturellen Ursachen,
vor allem auch der Mindset in den Verwaltungen und
Ministerialbürokratien, sind unverändert und schwer
änderbar. Die Feststellung scheint zulässig zu sein, dass
das System aus sich selbst heraus nicht reformfähig ist –
man kann die Reform schlicht nicht Beamten überlassen.
Die tun sich schwer damit, out-of-the-box zu denken.
Ein Wegweiser zur Problemlösung ist das, was Elon
Musk mit dem Department of Government Efficiency
(DOGE) in den USA derzeit tut: ein grundsätzliches, radikales
Ausmisten des Systems und gnadenlose Überprüfung
von Effizienz, Notwendigkeit und ideologischer
Überflüssigkeit. Das kann und muss auch mal wehtun. ƒ
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IT oder in die Pflege?
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interview
„Blockadehaltung ist nicht
vorhanden“
Göttingens Oberbürgermeisterin Petra Broistedt und Landrat Marcel Riehtig über den Fachkräftemangel in der
Verwaltung, die Dauer von Genehmigungsverfahren und wie sich eine stärkere Servicementalität schaffen lässt.
faktor: Verwaltungen verzeichnen einen deutlichen Personalaufwuchs.
Wo liegen die Ursachen?
Marcel Riethig: Dies ist auf die Zunahme der Aufgaben
zurückzuführen, die zum Beispiel durch neue gesetzliche
Verpflichtungen, steigende Fallzahlen und Übertragung
von Aufgaben durch Bund und Land entstehen. Ein höherer
Bedarf an Beratung und Information der Bürger sowie
Dienstleistungen, wie Sozialleistungen, Pflege oder Rentenangelegenheiten,
erfordert mehr Personal. Neue Vorgaben
zur Mülltrennung, zum Umweltschutz oder zu Förderprogrammen
könnten mehr Verwaltungspersonal erfordern.
Petra Broistedt: Es gibt zudem unabweisbare Zusatzaufgaben,
Stichwort Bombensondierung, und auch der Rat
legt uns mit seinen Anträgen zusätzliche Aufgaben auf.
Das Resultat ist: Arbeitsverdichtung. Ausdruck dieser
Entwicklung ist, dass Verwaltungsmitarbeiter in den
letzten zweieinhalb Jahren über 80 Überlastungsanzeigen
gestellt haben. Zum Stichtag 31. Dezember 2023
standen knapp 22.000 Rest-Urlaubstage und knapp
58.000 Überstunden im Kontor. Die Krankheitsquote
liegt mit rund elf Prozent deutlich über dem Schnitt gleicher
Branchen in Bund und Land. Deshalb sind wir dringend
auf weitere Fachkräfte angewiesen.
Wie ausgeprägt ist der Fachkräftemangel bei Ihnen?
Broistedt: Er hat insbesondere in den spezialisierten Bereichen
der Verwaltung zugenommen. Beispielhaft seien
hier der Fachbereich Jugend, vor allem im Bereich der
Erzieher, oder das Dezernat für Planen, Bauen und Umwelt,
hier vorwiegend im Bereich der Ingenieure, Architekten,
Stadt- und Verkehrsplaner genannt. Dem Gesundheitsamt
und in der Psychiatrie fehlen Ärzte. In
76 1 |2025
interview
diesen Bereichen ist der Fachkräftemangel sowohl auf
Sachbearbeiter- als auch auf Führungsebene zunehmend
bemerkbar. Zum Teil wurden Stellen bis zu fünfmal erfolglos
ausgeschrieben. Aber auch die Bewerberzahlen
für Ausbildungsplätze sind stark rückläufig – 2020 lagen
in einem Bewerbungsdurchlauf knapp 600 Bewerbungen
vor, 2024 nur noch 400. Im Schnitt dauert eine Stellenbesetzung
sechs Monate. Zurzeit sind rund 120 Stellen
unbesetzt.
Riethig: Der Städte- und Gemeindebund hat Ende 2024
Alarm geschlagen und vor einem ,schleichenden
Blackout‘ gewarnt. In den kommenden zehn Jahren werden
knapp 28 Prozent der Beschäftigten der Kreisverwaltung
in den Ruhestand eintreten.
Allgemein scheint die Gesetzeslage immer komplexer zu
werden und damit auch der Kompetenzbedarf auf Seiten
der Kommunen zu wachsen.
Riethig: Die zunehmende Komplexität von Gesetzen und
Rechtsverordnungen führt zu mehr Bürokratie, bedeutet
mehr Personalbedarf und längere Bearbeitungsdauer. Es
gibt allerdings auch einige Vereinfachungen entgegen diesem
Trend, zum Beispiel im Baurecht. Im Sommer 2023
wurden neue Regelungen für die einfachere Genehmigung
von Versammlungsräumen, zum Beispiel Scheunenfeste,
geschaffen. So etwas spart auch Personal in den Verwaltungen.
Welche Ursachen sehen Sie dafür, dass die Dauer von
Genehmigungsverfahren sich teils sehr lange hinzieht?
Broistedt: Natürlich ist die Regelungsdichte ein entscheidender
Faktor. Noch entscheidender ist jedoch, dass die
eingereichten Anträge vollständig sind und eine gute
Qualität haben. Hier hapert es oft und dies führt zu
deutlich längeren Bearbeitungszeiten.
Riethig: Darüber hinaus können fehlende planungsrechtliche
Voraussetzungen, etwa ein notwendiges Planungserfordernis
oder spezifische Grundstücks- oder Flurstücksituationen
wie Baulasten, die Bearbeitung erheblich
verzögern. Ein weiterer wesentlicher Aspekt ist das
komplexe Zusammenspiel von Vorschriften und Gesetzestexten,
bei denen die Komplexität mehr zu- als abnimmt.
Uns wurde oft widergespiegelt, dass die Dauer eines Genehmigungsverfahrens
teils in drastischer Art und Weise
davon abhängt, welcher Sachbearbeiter zuständig ist.
Riethig: Auch wenn es Unterschiede in der individuellen
Herangehensweise geben kann, sind die Schritte, die zu
einer Entscheidung führen, definiert und werden durch
klare Verfahren, Vorschriften und Kontrollmechanismen
geregelt, um gleiche Maßstäbe für alle Antragstellenden
zu gewährleisten. Es handelt sich nicht um eine willkürliche
,Glückssache‘. Zudem wird das Beschwerdemanagement
gezielt genutzt, Komplikationen zu identifizieren
und Verbesserungen zu erreichen. Darüber hinaus
plant derzeit ein Team aus Mitarbeitern die Einführung
von regelmäßigen Kundenbefragungen..
Wie stärken Sie einen Mindset, der auf eine Servicementalität
ausgelegt ist?
Broistedt: Die Mitarbeitenden beteiligen sich aktiv an
Maßnahmen und Umfragen zur Verbesserung der Prozesse
und des Arbeitsumfeldes, um Effektivität und Effizienz
der Dienstleitungen stetig zu verbessern. Fortbildungen
runden das Programm ab. Eine Blockadehaltung
ist nicht vorhanden.
Riethig: Eine Geisteshaltung, die auf Zielorientierung
und Servicementalität ausgelegt ist, entsteht nicht über
Nacht, sondern ist das Ergebnis kontinuierlicher Schulung,
persönlicher Reflexion und einer unterstützenden
Arbeitsumgebung. Der Landkreis Göttingen hat dafür
Ziele sowohl auf individueller als auch auf Teamebene
festgelegt. Eine ,Blockadehaltung‘ ist in der Göttinger
Kreisverwaltung nicht erkennbar, dafür umso mehr Gestaltungswille.
Der politische Wille scheitert häufig an
rechtlichen Rahmenbedingungen, die durch die EU-,
Bundes- und Landespolitik vorgegebenen werden, wenn
diese keine Ermessensspielräume zulassen.
Vielen Dank für das Gespräch.
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durch notariellen Vertrag wieder zur Zugewinngemeinschaft
zurück, sodass – entweder
bei erneuter ungleicher Verteilung des Vermögens
oder aber bei Ehescheidung beziehungsweise
beim Tod eines Ehegatten – erneut ein
steuerfreier Zugewinnausgleich stattfinden
könnte.
Dieses Modell ist vom Bundesfinanzhof
ausdrücklich anerkannt, wird allerdings natürlich
von den Finanzbehörden argwöhnisch beobachtet
(§ 42 AO ,Missbrauchsgestaltung‘).
Ihr Notar/Ihre Notarin kennen aber die Risiken
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82 1 |2025
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Pedale
für alle
Wie zwei junge Unternehmer aus
Göttingen mit ,Paceheads‘ die
Menschen leichter aufs Fahrrad
bringen.
Wer mit Ambitionen aufs Rad steigt, muss tief in die
Tasche greifen. Die Gründer von ,Paceheads‘, Fabian
Helbing (l.) und Franz Bayer, wollen mit ihrer Freude
am Radsport so viele Menschen wie möglich anstecken.
Das Unternehmen verleiht Fahrräder und
diverses Zubehör. Mit Filialen in Göttingen und
Hamburg setzen sie auf Events und Gemeinschaft.
Dabei wollten beide ursprünglich etwas ganz
anderes.
1 |2025 83
unternehmen
TEXT MATTHIAS BRUNNERT
FOTOGRAFIE ALCIRO THEODORO DA SILVA
Den Grundstein für die Paceheads GmbH
hat wohl der Vater von Franz Bayer gelegt
– indirekt, vor vielen Jahren und ganz
sicher ohne Absicht. Und das kam so:
Der aus dem nordhessischen Lohfelden
bei Kassel stammende Franz (heute 31) war in seiner
Jugend ursprünglich Hobbyläufer. Er hatte zwar keinen
Trainer, aber viel Ehrgeiz. Schon bald traute er sich einen
Marathon zu. Und sein Vater spornte ihn an, indem er
Franz ein Rennrad für den Fall versprach, dass der damals
17-Jährige die 42,195 Kilometer lange Marathon-
Strecke in weniger als vier Stunden zurücklegt. „Das war
kein Problem“, erinnert sich Bayer. Und als das Rennrad
dann da und ausgiebig getestet war, tauchte schnell der
Gedanke auf, als dritte Disziplin das Schwimmen hinzuzunehmen.
Das Ziel: Triathlon. Schon bald nahm Franz
an Wettbewerben teil, unter anderem am legendären Triathlon
in Roth bei Nürnberg. Nicht nur dort war seine
Lieblingsdisziplin das Radfahren.
„ICH HATTE MIT RADFAHREN dagegen als Jugendlicher
nichts am Hut“, erinnert sich Bayers Freund und Geschäftspartner
Fabian Helbing. „Ich hatte eigentlich nur
Fußball im Kopf“, sagt der 33-Jährige, der aus Bockelnhagen
im nordthüringischen Eichsfeldkreis stammt.
Noch heute sehe er sich – als Fan des Hamburger SV –
sehr gerne Fußballspiele an. Sein Herz hänge allerdings
längst auch am Radsport. „Und das liegt an Franz.“
Denn bei einem Urlaub mit weiteren Kumpels auf
Mallorca habe er von Bayer gelernt, welchen Spaß das
Radfahren bringen kann. „Das war im Jahr 2016“, erinnert
sich Helbing. Seither lasse auch ihn das Fahrradfahren
nicht mehr los.
GEMEINSAM ÜBERLEGTEN DIE BEIDEN FREUNDE
dann immer wieder, ob und wie sie ihre sportliche Leidenschaft
mit Beruflichem verbinden könnten. Im Jahr
2019 war es schließlich so weit: Bayer und Helbing
gründeten Paceheads. Das Ziel: Radsport-Equipment
vermarkten – und zwar anders als andere. „Weil gute
Fahrräder und Trainingsgeräte teuer sind, hatten wir uns
überlegt, dass es eine gute Möglichkeit wäre, das Equipment
an die Kunden zeitlich begrenzt zu vermieten“, erinnert
sich Helbing.
URSPRUNG DES START-UPS WAR DER KELLER im Haus
der Oma eines Freundes in Göttingen. Dieser Freund
wurde dann auch zum ersten Mitarbeiter von Paceheads.
Zu dritt begann das junge Team zunächst mit dem Vermieten
sogenannter Indoor-Smarttrainer. „Das war zu
Anfang erst einmal eine kleine geschäftliche Nische“, erinnert
sich Bayer.
Als dann Fahrräder und weitere Angebote hinzukamen,
wurde es wegen des rasch zunehmenden Geschäftserfolgs
im Göttinger Keller bald zu eng. In Hamburg –
wo Helbing wohnt – hat Paceheads zwar weiterhin seinen
offiziellen Geschäftssitz und eine Niederlassung, die
Musik spielt inzwischen aber vor allem in Göttingen.
Dort sieht das junge Unternehmen einen guten Markt
für sein Angebot. Vor allem aber: In der südniedersächsischen
Universitätsstadt fand Paceheads eine rund
1.000 Quadratmeter große Halle.
DORT BEFINDEN SICH HEUTE DAS LAGER und der
Versand, wo die Räder für Kunden in ganz Deutschland
und Österreich verpackt und verschickt werden: „Über
90 Prozent des Geschäfts laufen inzwischen über das
Internet“, erzählt Bayer.
Und weil Paceheads das Equipment nach der Ausleihe
wieder instand setzt und weitervermietet, „haben wir
auch eine eigene Werkstatt aufgebaut“, sagt Helbing.
Was beiden Paceheads-Chefs wichtig ist: Weil alle Produkte
auf diese Weise immer weiter genutzt werden, sei
bei ihrem Geschäftsmodell „die Nachhaltigkeit gegeben“.
KUNDEN VON PACEHEADS sind zu einem Teil Studierende
und andere junge Menschen. „Viele haben noch
ein kleines Budget, wollen Radsport aber doch sehr gerne
mit professionellen Geräten betreiben“, sagt Bayer.
84 1 |2025
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ZUM UNTERNEHMEN
Franz Bayer und Fabian Helbing haben
die Firma Paceheads GmbH im
Jahr 2019 gegründet. Ziel des Unternehmens
ist die Vermietung von Fahrrädern
und entsprechendem hochwertigen
Equipment im Abonnement.
Paceheads, das Standorte in Hamburg
und Göttingen hat, beschäftigt derzeit
rund zwei Dutzend Mitarbeiter. Die
Kunden kommen nach Angaben der
Geschäftsleitung vorwiegend aus
Deutschland und Österreich, zum Teil
aber auch aus anderen europäischen
Ländern. Der Firmenumsatz betrug im
Jahr 2024 rund 3,5 Millionen Euro.
Zum Angebot gehören neben Rennrädern
und Indoor-Trainingsgeräten
auch sogenannte Gravel Bikes, also
geländegängige Allround-Räder, zudem
gibt es und diverses Zubehör,
etwa Fahrradcomputer oder
Sportuhren.
» Weil gute Fahrräder und Trainingsgeräte teuer sind, hatten wir
uns überlegt, dass es eine gute Möglichkeit wäre, das Equipment
an die Kunden zeitlich begrenzt zu vermieten. «
Fabian Helbing
1|2025 85
unternehmen
» Bei uns sind alle selbst begeisterte Fahrradfahrer. Alle kennen sich bestens
aus und wissen, wie viel Freude es macht, auf dem Rad unterwegs zu sein. «
Franz Bayer
Nicht nur die Fahrräder, auch andere Ausstattung und
Trainingsgeräte, die von den Sportlern genutzt werden,
kosteten „schnell mal einen vierstelligen Eurobetrag“,
sagt Helbing. „Das kann sich nicht jeder leisten.“ Die
Möglichkeit, die Ausrüstung leihweise zu bekommen,
habe die Hürde zur Nutzung hochwertigen Equipments
für viele Kunden niedriger gemacht.
Neben jungen Menschen und „Berufstätigen aus der
mittleren Altersgruppe“ gebe es unter den Kunden zunehmend
auch jung gebliebene Senioren. „Viele wollen
sportlich noch einmal angreifen“, sagt Helbing. „Bei uns
sind alle selbst begeisterte Fahrradfahrer“, ergänzt Bayer.
„Alle kennen sich bestens aus und wissen, wie viel Freude
es macht, auf dem Rad unterwegs zu sein.“
DER BISHERIGE ERFOLG IHRES Geschäftsmodells hat
die beiden Gründer selbst ein wenig überrascht. „Aber
wir haben festgestellt, dass die meisten Kunden, die einmal
auf das Rad gestiegen sind und das Gefühl erleben,
wie schön das ist, gerne weiterfahren möchten“, sagt
Helbing. Und wer einmal Feuer gefangen habe, möchte
dann auch gerne mit hochwertigem Material unterwegs
sein. „Denn damit kann man noch mehr Spaß haben.“
Das Ausleih-Modell von Paceheads trage dazu bei, dass
alle Radsportfans genau das Material bekommen können,
das sie am liebsten haben möchten.
Die Kosten für Einsteiger seien dabei „überschaubar“,
sagt Bayer. Wer ein Rad für ein Jahr miete, zahle dafür
monatlich 60 bis 70 Euro. „Das ist nicht mehr als für ein
Fitness-Studio.“
Für auswärtige Kunden sei es im Übrigen kein Problem,
den Paceheads-Service zu nutzen, erläutert Helbing.
„Wir verschicken die Fahrräder weitestgehend vormontiert.“
Den Rest könnten die Kunden problemlos selbst
erledigen. Denn es gebe exakte Aufbaupläne, wahlweise
auch eine Video-Unterstützung. „Ein paar Handgriffe
und das Rad ist aufgebaut“, verspricht Franz Bayer.
Wenn es doch einmal Probleme gebe sollte: „Wir haben
einen persönlichen Support am Telefon“, sagt Helbing.
„Bei uns gibt es keine Band-Ansagen. Es geht immer
jemand ans Telefon, der sich auskennt.“ So ließen sich in
aller Regel eventuelle Probleme lösen.
DIE FIRMENGRÜNDER SELBST HABEN ZWAR NICHT
mehr so viel Zeit für das sportliche Hobby wie früher,
aber beide sind weiterhin leidenschaftliche Radfahrer.
Dasselbe gelte auch für alle Mitarbeiter, sagt Helbing:
„Wir wissen, welche Kraft der Sport nicht nur dem Einzelnen,
sondern auch der Gemeinschaft gibt. Des wegen
legen wir großen Wert darauf, dass alle genügend Zeit
dafür haben, selbst Fahrrad zu fahren.“
Nicht zuletzt deshalb bietet Paceheads regelmäßig sogenannte
Community-Ausfahrten an. „In Göttingen gibt
es die im Sommer an jedem Mittwochabend“, sagt Bayer.
„Dabei fahren wir dann gemeinsam mit allen Interessierten
unter Anleitung zwei Stunden Rennrad.“ Daneben
veranstaltet Paceheads auch Workshops für Menschen,
die lernen wollen, ihre Fahrräder selbst zu warten und
zu reparieren. „Das wird gut angenommen“, sagt Bayer.
„Die Kurse sind fast immer ausgebucht.“
Für die Zukunft haben sich die beiden Gründer weiteres
Wachstum ihrer Firma und eine Ausweitung des
Angebots vorgenommen. So wollen sie in Göttingen
künftig auch Einzelpersonen und Gruppen die Möglichkeit
geben, sich Fahrräder spontan für Tagesausflüge zu
mieten. Nicht nur die Umgebung der Stadt, auch Göttingen
selbst sei dabei für Radler wegen der vielen Radwege
ein gutes Pflaster. Gleichwohl können Göttingen
nach Auffassung von Bayer und Helbing ein paar weitere
Fahrradstraßen nicht schaden. Den beiden Firmengründern
jedenfalls käme das auf dem Weg zu ihrem
großen Ziel, „möglichst viele Menschen aufs Fahrrad zu
bringen“, gelegen. ƒ
KONTAKT
Paceheads GmbH
Fachhandel für Sport- und Fitnessgeräte
Papendiek 27
37073 Göttingen
Barmbeker Straße 2–6
22303 Hamburg
Tel. 0156 78716345
support@paceheads.de
paceheads.com
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PROFIL
Der ,Wow‘-Effekt
‚Porsche Destination‘ heißt das neue Konzept, das Porsche für seine Autohäuser weltweit
umsetzt. In Göttingen hat nun am Lutteranger das neue Porsche Zentrum eröffnet, das
Kundenerlebnis und digitale Integration in den Mittelpunkt stellt.
TEXT SVEN GRÜNEWALD FOTOGRAFIE FLORIAN SPIEKER
Das Porsche Zentrum Göttingen
ist wieder zurück an seinem alten
Standort an der Großen Breite im
Gewerbegebiet Lutteranger. Vor
zwei Jahren wurde dort die alte Immobilie
komplett abgerissen, um Platz für ein neues
Autohaus-Erlebnis zu schaffen.
Die Porsche AG nennt das Konzept ‚Porsche
Destination‘ – ein einheitlicher Auftritt
im Außen und Innen, der in vielerlei Hinsicht
neue Akzente setzt und der weltweit
umgesetzt wird. Das Kundenerlebnis wird
hier ganz in den Mittelpunkt gerückt. „Ein
Element ist, dass Beratungsgespräche mit
Kunden nicht mehr in den Büros der Mit-
arbeiter an einem Schreibtisch stattfinden,
sondern in gemütlichen Lounges“, erzählt
Katharina Stein, Geschäftsführerin des Porsche
Zentrums. Diese Sitzgruppen verteilen
sich im hohen, hellen Showroom, für vertrauliche
Gespräche stehen aber auch diskrete
Besprechungsräume zur Verfügung.
„Das wird von unseren Kunden sehr positiv
aufgenommen“, sagt Verkaufsberaterin
Jennifer Kramer. „Es ist deutlich exklusiver
geworden, und wir können jetzt mit Hilfe modernster
Medientechnik die Fahrzeuge für die
Kunden konfigurieren. Insgesamt ist eine viel
persönlichere Atmosphäre entstanden. Man
fühlt sich hier ein Stück weit wie zuhause.“
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FAST ALLES IST DIGITAL: Der Verkaufsberater
schließt sein Tablet an, die Bildschirminhalte
werden auf großen Monitoren gezeigt.
Der Digitalisierungsansatz wird ganz besonders
in der Fitting Lounge ersichtlich. Hinter
schwarz getönten Scheiben liegt die Halle,
die nach außen zudem eine große Flügeltür
aufweist. Hier kann der Kunde gemeinsam
mit dem Berater sein Traumauto konfigurieren.
Auf der einen Seite der Halle gibt es eine
große Videowand, auf der die Konfiguration
des Wagens gut sichtbar gezeigt wird. An der
Wand gegenüber hängen die verschiedenen
Lackvariationen zum Anfassen und in den
Schubladen darunter finden sich alle Muster
der Lederausstattungen, so dass eine unmittelbare
Passung vor Ort möglich wird – während
Farbdarstellungen auf dem Monitor immer
so eine Sache sind. Und wenn der Kunde
schließlich sein Auto abholt, dann wird es in
die Fitting Lounge gefahren, verhüllt und so
dem Kunden präsentiert und übergeben.
Herzstück des Porsche Zentrums ist der
Showroom. Dieser ist in Module unterteilt –
thematische Bereiche, die die Produktpalette
veranschaulichen, so etwa gleich beim Eingang
das Highlight-Modul mit wechselnden
besonderen Modellen. Oder die E-Performance,
die sich dem Thema Elektromobilität
widmet. Dieses Thema ist ganz besonders
wichtig, weshalb auf dem Außengelände auch
eine umfangreiche Ladesäuleninfrastruktur
aufgebaut wird, inklusive zweier Supercharger
– eine Investition in die Zukunft.
Ein weiteres Highlight des Porsche
Destination-Konzepts ist die ,gläserne Werkstatt‘:
Eine große Glasfront erlaubt den Blick
in die Werkstatt aus dem Showroom. Man
kann zusehen, wie hier gewartet und repariert
wird. „Der Blick ist mega für den Kunden“,
gibt Katharina Stein die Begeisterung
der Kunden wieder. Der offene Blick motiviert
auch die Mitarbeiter, die Werkstatt clean und
aufgeräumt zu präsentieren.
Der Weg in die Werkstatt wiederum führt
über die Dialogannahme, in die der Kunde
seinen Wagen fährt. Auch sie ist mittels einer
Glasfront an den Showroom angedockt, es ist
freundlich hell. Hier findet die gemeinsame
Begutachtung des Wagens mit dem Serviceberater
statt und auch hier ist die Beratung
digitalisiert, wenn nötig kann ein Tablet an
einen großen Bildschirm angeschlossen werden.
Auch, wenn das Zentrum erst Ende Februar
eröffnet hat, die Kunden hat es trotzdem
schon sehr positiv beeindruckt. „,Wow‘, höre
ich ganz oft, wenn Kunden das erste Mal in
unseren Neubau kommen“, sagt Katharina
Stein. „Porsche Kunden haben eine sehr enge
Bindung an ihren Sportwagen und auch zum
Autohaus und den Beratern. Nicht umsonst
spricht man von der Porsche Family.“ Die
Folge sind langjährige, stabile Kundenbeziehungen.
„Wenn dann der exklusive Porsche
in der Werkstatt abgegeben wird, ist das ein
ganz vertrautes Gefühl für die Kunden – sie
wissen, dass sie sich auf ihr Porsche Zentrum
verlassen können.“
Und weil die Kundenbindung so wichtig
ist, will Katharina Stein das Porsche
Zentrum auch für Kundenevents und Begegnung
stärker nutzen – seien es beispielsweise
Produktvorstellungen oder Fahrveranstaltungen.
„Unser Haus wird aber auch Gastgeber
für Veranstaltungen für die Göttinger Wirtschaft
und Gesellschaft sein. Wenn wir uns
erst einmal hier richtig eingelebt haben.“
PROFIL
In der Fittinglounge wählen Kunden gemeinsam
mit der Verkaufsberatung ihr individuelles
Fahrzeug aus. In der Dialogannahme können
sich Kunden darauf verlassen: Ihr Porsche ist in
guten Händen!
Geschäftsführerin Katharina Stein ist stolz auf das
neue Porsche Zentrum Göttingen.
Porsche Zentrum Göttingen
PZ Sportwagenzentrum Göttingen GmbH
Große Breite 2
37077 Göttingen
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PROFIL
154 Wohneinheiten auf fünf Etagen
Erstes Wohnprojekt der Max-Planck-Förderstiftung – GOLDBECK realisiert mit hoher Qualität und Effizienz
Die Max-Planck-Förderstiftung, eine gemeinnützige
Stiftung zur Förderung
von Grundlagenforschung bei der
Max-Planck-Gesellschaft, realisiert ihr erstes
Wohnprojekt. Innovativ und nachhaltig wird es
sein und neue Maßstäbe im Bereich des Wohnungsbaus
setzen. Das Konzept umfasst 154
Wohneinheiten auf fünf Etagen, die für Lehrende,
Forschungsmitarbeitende, Auszubildende
und Studierende der Institute vorgesehen sind.
Für die Umsetzung der Wohnanlage sowie einer
Kindertagesstätte wurde die GOLDBECK Niederlassung
Kassel beauftragt.
Das Vorhaben setzt auf durchdachte Grundrisse,
einen modernen technischen sowie
höchsten energetischen Standard. „Die besondere
Bauweise ermöglicht es uns, in kürzester
Zeit effizient hochqualitativen Wohnraum zu
schaffen, der gleichzeitig flexibel und an die
individuellen Bedürfnisse der Bewohnerinnen
und Bewohner angepasst ist“, erklärt Roman
Franz, technischer Leiter der Immobilienverwaltung
bei der Max-Planck-Förderstiftung. Die
ersten Arbeiten begannen bereits Ende 2024,
die Fertigstellung der Projekte soll Anfang 2026
erfolgen. „Wir sind sehr stolz darauf, das erste
GOLDBECK Wohnprojekt in dieser Region zu
realisieren. Mit diesem Projekt leisten wir einen
wertvollen Beitrag zur Stärkung der Region und
KINDERGARTEN
bieten gleichzeitig hochwertige und bezahlbare
Lebensräume für Dozenten, Forschende, Auszubildende
und Studierende“, sagt Kai-Oliver
Becker, Niederlassungsleiter der GOLDBECK
Niederlassung Kassel. Das Projekt in Göttingen
wird nicht nur den steigenden Bedarf an
geeignetem Wohnraum für die akademische
und wissenschaftliche Gemeinschaft decken,
sondern auch einen wichtigen Beitrag zur regionalen
Entwicklung leisten.
ÜBER DIE MAX-PLANCK-FÖRDERSTIFTUNG
Die Max-Planck-Förderstiftung in München
ist eine der größten wissenschaftsfördernden
Stiftungen Deutschlands, privat, unabhängig
und gemeinnützig. Sie fördert Grundlagenforschung
an den über 80 Instituten der
Max-Planck-Gesellschaft. Diese bekommt als
eine der führenden deutschen Forschungseinrichtungen
mit öffentlicher Grundfinanzierung
mehr Flexibilität durch die privaten
Mittel von Förderinnen und Förderern. Die
Stiftung spielt eine wichtige Rolle bei der Unterstützung
von wissenschaftlichen Projekten,
beim Ausbau von Forschungsinfrastrukturen
sowie bei der Gewinnung oder Bindung
von Talenten bei Max Planck. Dadurch trägt
sie zur Sicherung der Max-Planck-Gesellschaft
an der Weltspitze der Forschungsorganisationen
bei und liefert einen entscheidenden
Beitrag zur Zukunftssicherung unserer
Gesellschaft.
GOLDBECK Nord GmbH
Leuschnerstraße 79b,
34134 Kassel
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Tel. 0173 5220444
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leben
94 1 |2025
leben
NACHHALTIG
aus Überzeugung
Ob Göttinger Basketballer, Niedersächsische Landesforsten,
Maschinenbauer, Händler oder Logistiker:
,Nachhaltigkeit‘ spielt für Unternehmen in der Region
eine wichtige Rolle. Doch wie sieht es mit der
Umsetzung aus?
TEXT STEFAN LIEBIG FOTOGRAFIE ADOBE STOCK
1 |2025 95
leben
Eine Krise folgt der nächsten – und plötzlich spricht kaum noch jemand über
Nachhaltigkeit. Einst ein Dauerthema, spielte es im letzten Bundestagswahlkampf kaum
eine Rolle. Doch was heißt das für die Unternehmen in Südniedersachsen? Ist Nachhaltigkeit
dort ebenfalls ins Hintertreffen geraten? Oder passiert mehr, als man denkt?
Wie setzen die Entscheider der Region das Konzept heute wirklich um?
Woher der inzwischen inflationär benutzte
Begriff eigentlich kommt, weiß Michael
Rudolph. Der Pressesprecher der Niedersächsischen
Landesforsten verweist auf
Hans Carl von Carlowitz, der schon im Jahr 1713 die
,Nachhaltigkeit‘ pionierhaft wie folgt beschrieb:
„Daß es eine continuirliche, beständige und nachhaltende
Nutzung gebe, weil es eine unentbehrliche Sache ist,
ohne welche das Land in seinem Esse [im Sinne von Wesen,
Dasein (Red.)] nicht bleiben mag.“
» Kein anderer Wirtschaftszweig ist so
sehr auf die Zukunft ausgelegt.«
Rudolph beklagt, dass sich dieser Begriff von seiner ursprünglichen
Bedeutung inzwischen relativ weit entfernt
hat und mittlerweile „inflationär gebraucht wird“. Er
schildert, wie tief die Forstwirtschaft von der Nachhaltigkeit
geprägt ist: „Es dauert 200 bis 250 Jahre, bis
eine Eiche als Nutzholz geerntet werden kann. Kein
anderer Wirtschaftszweig ist so sehr auf die Zukunft
ausgelegt.“ Diese Planung über Generationen
ist es, die seiner Ansicht nach den Unterschied zu
anderen Produkten ausmacht. Es bereitet ihm zum
Beispiel Unbehagen, wenn Verpackungen ,nachhaltig‘
genannt würden, die, wie auch immer sie produziert
seien, eben doch einfach auf dem Müll landeten. Rudolph,
leidenschaftlicher Förster, sieht die Menschheit
an einem Wendepunkt: „Der Wald – wie hier im Harz –
wurde hart getroffen. Wir hatten in unseren Breiten so
schwerwiegende Klimaschäden nicht erwartet. Jetzt müssen
wir handeln und die Wälder resistenter wieder aufforsten.“
▸
96 1 |2025
leben
Wenngleich Rudolph das Thema gerne mehr in der öffentlichen
Diskussion wahrnehmen würde, so ist er doch
froh zu sehen, dass die Länder viel Geld zur Aufforstung
bereitstellen und auch Privatleute und Unternehmen tatund
finanzkräftig helfen. So sind aus seiner Sicht die
Landesforsten in der Lage, dem Wald beim Start in eine
neue Ära zu helfen und ihn gleichzeitig auch nachhaltig
für den Tourismus und als Erholungsort zugänglich zu
machen. Damit dies gelingt, müssen natürlich zusätzlich
die Babyboomer, zu denen auch Rudolph gehört, durch
neue und innovative Forstwirte ersetzt werden.
EINEN EBENSO ZENTRALEN WERT nimmt die Nachhaltigkeit
in der Firmenphilosophie des Göttinger
Fairtrade-Unternehmens Contigo ein. Seit 1994
werden dort ,nachhaltige und faire‘ Produkte
aus Übersee importiert. Geschäfts führer Ralph
Wüstefeld erläutert die Dimensionen des Begriffs
für sein Geschäft: „Lieferketten gibt es bei
uns nicht, da wir direkt vom Hersteller kaufen.
Gute Arbeits- und Produktionsbedingungen sind
für uns das Hauptkriterium bei der Aufnahme in unser
Portfolio. Dass wir alles aus Übersee hierher transportieren
müssen, ist der einzige Kritikpunkt, mit dem
wir leben müssen – im Gegenzug verbessern wir die Lebensbedingungen
der Hersteller in ärmeren Ländern.“
Wüstefeld ist zusammen mit Greta Herbst, der Tochter
des Unternehmensgründers Ingo Herbst, in der Geschäftsführung
aktiv. Diese frühzeitige Regelung der Zukunft
von Contigo stellt für Wüstefeld auch einen wichtigen
Aspekt von Nachhaltigkeit dar. Dieser wird durch
die langjährige Zusammenarbeit mit den Verwaltungsangestellten
und dem Ladenpersonal in deutschlandweit
23 Geschäften sowie dem erfolgreich absolvierten
Einstieg ins Onlinegeschäft abgerundet. So aufgestellt,
konnten auch die herausfordernden Pandemiejahre
überstanden werden.
» Die BG möchte der Gesellschaft
mehr als nur Sport bieten. «
» Lieferketten gibt es bei
uns nicht, da wir direkt
vom Hersteller kaufen. «
WÄHREND ES BEI DEM KONZEPT wohl wenig überrascht,
dass Contigo das Gemeinwohl-Ökonomie-(GWÖ)-
Zertifikat (siehe auch der zweite Beitrag über Nachhaltigkeit
im Anschluss an diesen) erhalten hat, rechnet bei
der BG Göttingen vielleicht nicht jeder damit. Der
Geschäftsführer der Bundesliga-Basketballer, Frank
Meinertshagen, erklärt, welche Motivation dahintersteckt:
„Wir unterstreichen damit unsere Philosophie:
Die BG möchte der Gesellschaft mehr als nur Sport bieten.“
Neben vielen Aktionen für die Nachwuchsförderung
und sozialen Projekten investiert der einzige Proficlub
der Leinestadt daher auch in Nachhaltigkeit: Der
aktiven Teilnahme am Energieeffizienznetzwerk der
Energieagentur Göttingen vor fünf Jahren folgte die
GWÖ-Zertifizierung. Zwar setzen alle Bundesligavereine
auf Maßnahmen zum Klimaschutz, doch
eine konkrete Verpflichtung dazu gibt es nicht.
Die BG nimmt es aber ernst: Alle Angestellten
– auch die Spieler – müssen einmal jährlich an
einer Nachhaltigkeitsschulung teilnehmen,
und seit dieser Saison haben die Göttinger mit
Katja Brunner sogar eine Nachhaltigkeitsmanagerin
im Team. Sie kümmert sich um Themen wie
die GWÖ, die Überprüfung von Lieferketten für zum
Beispiel Merchandisingartikel, die Umstellung auf einen
E-Mobil-Fuhrpark und die damit verbundene Ladeinfrastruktur
sowie den dazugehörigen grünen Strom. ▸
1 |2025 97
leben
Eine verantwortliche Person, die sich mit der Nachhaltigkeitsthematik
identifiziert, ist auch für
Christoph Böhnisch von Piller Blowers & Compressors
in Moringen elementar: „Es wird uns
nicht leicht gemacht: Wenn die Bürokratie uns
vorschreibt, Excel-Tabellen mit 50 oder 80
Reitern zu bearbeiten, dann stimmt da etwas
nicht. Wir sollten nachhaltige Ziele nicht wegen
der Gesetze, sondern aus Überzeugung verfolgen!“
Mit 400 Mitarbeitern in Deutschland und
550 weltweit ordnet der Geschäftsführer sein Unternehmen
als gerade groß genug ein, um sich trotz aller
Anforderungen des Tagesgeschäfts systematisch um Fragen
der Nachhaltigkeit kümmern zu können. Während
intensiver interner und ergebnisoffener Diskussionen
leben die Piller-Beschäftigten genau diese Philosophie.
Denn gerade in der produzierenden und stahlverarbeitenden
Branche ist es gar nicht so leicht, Nachhaltigkeitsziele
zu formulieren, in Richtung Lieferanten und
Kunden zu kommunizieren und umzusetzen. „Für mich
ist der CO 2 -Fußabdruck nicht das Maß aller Dinge, dennoch
arbeiten wir daran, ihn an sinnvollen Stellen zu
verringern. Auch der Begriff Work-Life-Balance ist
schwierig für mich. Work ist ein Teil von Life und daher
sollte die Arbeit Spaß machen und das Umfeld stimmen,
in dem wir miteinander arbeiten“, sagt Böhnisch. Er
zeigt auf, in welche Bereiche Piller investiert: in Arbeitssicherheit,
eine neue Halle mit moderner Fußbodenheizung
mit Wärmepumpentechnik, Elektrifizierung des
Fuhrparks und die teilweise Versorgung mit eigenem
Solarstrom. Doch bei allen Kosten und Mühen, die Piller
nicht scheut, mahnt Böhnisch: „Europa muss auch an
exportorientierte Unternehmen wie das unsere denken:
An den Außengrenzen endet unsere Deutungshoheit. Wir
müssen uns international behaupten können, da sehen
wir das Lieferkettengesetz eher als Bremse.“ Natürlich
setzt Piller auch auf gut geprüfte Lieferketten, doch Böhnisch
verweist darauf, dass es schwer zu realisieren sei,
international weitverzweigte Lieferketten bis in die
sechste oder siebte Zuliefererebene verlässlich zu überprüfen.
So sei es nur begrenzt möglich, den CO 2 -Fußabdruck
der gebauten Maschinen genau zu bestimmen.
»...im laufenden Geschäft die Prozesse
an die nachhaltigen Anforderungen
anzupassen.«
» Wir sollten nachhaltige Ziele nicht
wegen der Gesetze, sondern aus
Überzeugung verfolgen!«
„Wie Zahnräder greifen im Bereich der Nachhaltigkeit
alle Elemente ineinander“, sagt Peter Müller-Kronberg.
Der CEO der Göttinger Zufall Logistics Group sieht
sein Familienunternehmen als Vorreiter in der
Logistikbranche. Trotz enormen Preisdrucks
setzt Zufall seit vielen Jahren auf Energieeinsparung
und Produktion eigenen Solarstroms.
25 Prozent des Fuhrparks sind
inzwischen elektrifiziert – eine solche
umfassende Umrüstung stellt bei Lastwagen
natürlich einen enormen Kostenfaktor
dar. Bestärkt sieht sich Müller-Kronberg
durch wichtige Kunden wie Sartorius. Mit
dem börsennotierten Göttinger Pharma- und Laborzulieferer
beispielsweise betreibt Zufall das wegweisende
und klimapositive Logistikzentrum Distribo als
Leuchtturmprojekt. „Bei allen Maßnahmen kommt es
darauf an, im laufenden Geschäft die Prozesse an die
nachhaltigen Anforderungen anzupassen. Da lässt sich
nicht einfach ein Schalter umswitchen“, so
Müller-Kronberg. Bestärkung erhält er aus der Belegschaft,
was für sich gesehen ebenfalls nachhaltig, weil
mitarbeiterbindend, ist. Selbst einstmals skeptische Fahrer
schwören nun auf die E-Lastwagen, die sich beispielsweise
im heißen Sommer während der wichtigen Ruhezeiten
dank des Elektromotors viel weniger aufheizen.“
Wie die Beispiele zeigen, ist das Thema Nachhaltigkeit
in der hiesigen Unternehmenslandschaft branchenübergreifend
allgegenwärtig. Es ist bei Weitem nicht auf den
ursprünglichen Begriff begrenzt, den der Forstwirt von
Carlowitz eingeführt hat. Die Zeit ist vorangeschritten,
und wir sprechen nun auch von Arbeitssicherheit, Firmennachfolge
und Fachkräftesicherung, wenn es um
Nachhaltigkeit geht – letztlich aber laufen die Gespräche
doch meist auf den Umweltaspekt hinaus. Es macht
Mut, dass diesbezüglich in der Region so viel Engagement
erkennbar ist – trotz aller Wirren der Zeit, die es
nicht eben einfach machen, sich darum zu kümmern.
98 1 |2025
www.goe-future.de
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Erweiterung im Rahmen der aktuell laufenden Konzeptphase:
1 |2025 xx
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AUGENMASS
und zum Wohle aller
Viele Institutionen unserer Region
engagieren sich für eine zukunftsfähige
Wirtschaft und Gesellschaft. Sie stehen dabei
in engem Austausch mit den Unternehmern.
100 1 |2025
leben
„DAS AUGENMASS FEHLT!“, beklagt sich Lars
Obermann. Er meint damit die Politik, die aus seiner
Sicht trotz aller Krisen zu weiteren Verteuerungen
für die Wirtschaft beiträgt. Der Vorsitzende des
Mekom- Verbandes, der sich um das Regionalmanagement
in der Harzregion kümmert,
sieht zum Beispiel den für 2027 von der EU
beschlossenen CO 2 -Handel „noch nicht gedanklich
bei den Unternehmen angekommen“.
INTERESSENVERBÄNDE wie Mekom sehen sich
gegenüber der Politik und ihren Mitgliedern als
Kommunikator im Sinne vieler Bedürfnisse mittelständischen
Unternehmen. Nachhaltigkeit gehöre definitiv mit
zum Aufgabenfeld dazu. Denn nicht nur Obermann
sieht eine vielschichtige Überlastung. Wie das dort letztgenannte
Beispiel agiert auch seine Obermann Unternehmensgruppe
in der Logistikbranche. Die kostenintensive
Elektrifizierung seines Fuhrparks hätte er wohl
deutlich schneller in die Wege geleitet, wenn nicht
gleichzeitige Verteuerungen der Spritpreise das Investitionskapital
geschmälert hätten und Unklarheiten bei
der eigenständigen Stromproduktion stets neue
Planungsprobleme mit sich brächten. Daher fordert
er umgehend eine Entbürokratisierung
und trifft damit auf große Unterstützung bei
den Mekom-Mitgliedern. „Die Akzeptanz für
mehr Nachhaltigkeit erzielen wir nur, wenn
die Sinnhaftigkeit von Vorschriften für alle
Beteiligten erkennbar ist. Das ist leider nicht
gegeben, wenn wir in Formularen versinken“,
sagt Obermann und gewährt damit einen Blick in
den aus seiner Sicht schon zu weitverbreiteten Frust.
Von mehr Klarheit in der Politik erhofft er sich zudem,
dass die Gesellschaft nicht noch weiter in Richtung Radikalität
kippt. Mekom veranstaltet daher regelmäßige
zukunftsorientierte Formate wie ,Wirtschaft trifft Verwaltung‘,
Personaler stammtische, Berufsinformationstage
sowie Austauschplattformen für Auszubildende und
junge Fachkräfte, um die Attraktivität der Region zu
vermitteln.
» Die Akzeptanz für mehr Nachhaltigkeit erzielen
wir nur, wenn die Sinnhaftigkeit von Vorschriften
für alle Beteiligten erkennbar ist.
Das ist leider nicht gegeben, wenn wir in
Formularen versinken.«
1 |2025 101
leben
„INTERESSANTERWEISE IST DAS THEMA NACHWUCHS
und Nachfolge im Bereich der Landwirtschaft gar kein
so großes Problem, wie viele Menschen vielleicht erwarten
würden“, sagt Frank Kohlenberg und hält
die Schließung von jährlich zwei bis drei Prozent
der landwirtschaftlichen Betriebe für eine Entwicklung,
„die dem Lauf der Zeit entspricht“.
Er selbst hat einen landwirtschaftlichen Familienbetrieb
mit drei Minijobbern in der Nähe von
Hameln und ist einer der drei Vizepräsidenten des
Landesbauernverbandes Niedersachsen. Der Milchviehhalter
weist mit Blick auf die wohl noch allen in
Erinnerung haftenden Bauernproteste um den Jahreswechsel
2023/24 darauf hin, dass es bei den Demonstrationen
vor allem um nicht nachvollziehbare Vorschriften aus Brüssel
und Berlin ging: „Wenn von heute auf morgen die Änderung
der Treibstoffbesteuerung immense Mehrkosten verursacht,
dann ist das für viele nicht mehr zu stemmen!“
AUCH DIE BÜROKRATIEFLUT setzt den Landwirten oft derart
zu, dass Höfe ihren Betrieb einstellen. In vielen Bereichen
kämpft man mit Handwerkskammern zusammen dafür, das
Ansteigen der Formularflut einzudämmen. Bislang scheint
die Botschaft jedoch bei zu wenigen Politikern anzukommen.
Zudem befinde man sich im Absatzbereich im Spagat zwischen
dem wachsenden Wunsch nach Bioprodukten und dem
zunehmenden Kauf importierter Lebensmittel. „Deswegen ist
ein Nebeneinander von konventioneller und biologischer
Landwirtschaft nach wie vor sinnvoll. Für uns ist zudem eine
positive Entwicklung bezüglich der Akzeptanz der Bevölkerung
unserer Arbeit für die zuverlässige Ernährung bei gleichzeitiger
Bewahrung der Natur erkennbar. Das ist ein sehr
wichtiger Faktor für uns Landwirte“, so Kohlenberg.
EINE GEMENGELAGE, die auch bei Christian Grascha
allgegenwärtig ist. Der Göttinger Geschäftsstellenleiter
der Industrie- und Handelskammer (IHK) Hannover
fordert von der EU ebenfalls ein „Abspecken der Dokumentationspflicht“.
Er sieht zwar keinen Bedeutungsverlust
der Nachhaltigkeit in den Unternehmen,
doch durchaus eine Überlastung
durch Energiekosten, Steuerbelastung
und Bürokratie: „Die Politik sollte
ganzheitlich denken und die Unternehmen
entlasten – zum Beispiel, indem sie
das Investitionsklima verbessert.“ Auf
dem Gebiet des Fachkräftemangels sorgt
die IHK selbst für Entlastung: Im Projekt
,Adelante Colombia‘ werden junge Kolumbianer
angeworben, um sich in Deutschland eine
neue Heimat und eine berufliche Zukunft aufzubauen.
Ein Projekt mit vielen Gewinnern. Denn die jungen
und motivierten Menschen entkommen so den politischen
Wirren und der hohen Jugendarbeitslosigkeit in
ihrer südamerikanischen Heimat. Noch in Kolumbien
erhalten sie zunächst die nötige Sprachausbildung. Dann
kommen sie nach Deutschland und spüren schnell, dass
sie gebraucht werden. Erfahrungsgemäß bleiben viele in
ihrem neuen Umfeld. Gehen doch einige zurück, profitieren
sie selbst und ihr Heimatland von der wertvollen
Auslandserfahrung. Natürlich hat die IHK auch für die
einheimischen Schulabgänger interessante Kooperationsprojekte
im Angebot, um bei der Entscheidung zwischen
Ausbildung und Studium oder einer Verbindung von
beidem beratend zur Seite zu stehen. „In unserem Netzwerk
gibt es junge Ausbildungsbotschafter, die ihre eigenen
Erfahrungen an die nahezu gleichaltrige Zielgruppe
der baldigen Schulabgänger weitergeben“, so Grascha. ▸
102 1 |2025
leben
AUF NETZWERKEN setzt auch die GWG Gesellschaft
für Wirtschaftsförderung und Stadtentwicklung Göttingen
mbH. Naturgemäß geht es dabei lokaler zu als
bei der IHK. „Aktuell bauen wir im Gewerbegebiet
Grone ein Netzwerk auf, indem
sich die ansässigen Unternehmen kennenlernen
und über ihre Erfahrungen
im Bereich Nachhaltigkeit austauschen
sollen“, skizziert GWG-
Geschäftsführer Jens Düwel das
kürzlich gestartete Modell und fährt
fort: „Die ersten Erfahrungen sind
positiv. Die Idee zu erfahren, was die
Nachbarn machen und mit welchen Ansätzen
sie auf Herausforderungen reagieren, kommt gut an.“
Ein interessanter Ansatz, die lokale Wirtschaft nachhaltig
mit einander zu verknüpfen und auf Synergien
aufmerksam zu machen. Die GWG denkt aber weit darüber
hinaus, Düwel bringt das auf den Punkt: „Wir
wirtschaften seit der Industrialisierung auf Kosten der
Natur. Dringend müssen wir den Umwelt- und Klimaproblemen
nachhaltiger gegenübertreten. Das ist eine
riesige Transforma tionsaufgabe insbesondere für Unternehmen.“
Seine Gesellschaft geht dabei in die Offensive
und stellt die eigenen Immobilien wie die Lokhalle zunehmend
auf nachhaltige Energieversorgung um. Durch
den jährlich stattfindenden Wirtschaftsförderungskongress
befinden sich die Akteure zudem in einem ständigen
bundesweiten Dialog. Eine konkrete Bitte äußert
Düwel in Richtung Wirtschaft: „Ich würde mir wünschen,
dass die Unternehmen noch viel aktiver auf uns
zukommen – die GWG hat vielfältige Service angebote.“
Die Gemeinwohl-Ökonomie (GWÖ) spielt – wie auch im
vorstehenden Beitrag erwähnt – inzwischen eine wichtige
Rolle in der Region, wenn es um Nachhaltigkeitsthemen
geht. Inzwischen sind 14 Unternehmen aus Südniedersachsen
dort zertifiziert. Sie durchlaufen dafür ein
genormtes Verfahren, indem sie ihre Prozesse, Geschäftsverbindungen
und Mitarbeiterführung durchleuchten.
„Agile Unternehmen wollen vorn dabei sein und einen
Vorsprung in ökologisch-sozialer Nachhaltigkeit erreichen.
Sie fragen nicht nur, wie kann ich weniger Schaden
an der Natur verursachen, sie fragen, wie stärke ich die
Natur und unser Gemeinwohl“, sagt Annabel Konerman
von der ehrenamtlichen GWÖ-Regionalgruppe Göttingen
zusammen. Die in diesem Bereich aktiven Unternehmen
achten somit auf stabile Beziehungen, kurze Lieferketten,
langfristige Bindung, echten Nutzen sowie
gesellschaft liche Stärkung. Sie behandeln ihre Geschäftspartner
auf Augenhöhe. Eine Vorgehensweise, die Christian
Schmelcher überzeugt. Er absolvierte den GWÖ-Zertifizierungsprozess
erfolgreich mit der Beschäftigungsförderung
Göttingen: „Wir haben mit
vier öffentlichen Gesellschaften der Stadt
an der Zertifi zierung teilgenommen.
Das war sehr interessant, wir alle haben
von den gegenseitigen Einblicken
profitiert.“ Inzwischen wechselte er
als Geschäftsführer zur Städtischen
Wohnungsbau GmbH. Er kann sich
vorstellen, auch dort einen solchen Weg
anzustoßen: „Wichtig ist es, die Mitarbeiter
aktiv einzubinden. Mit diesem Zusammenhalt
lässt sich das auch sehr gut gegenüber der Bevölkerung
kommunizieren. Denn letztlich geht es um das Gemeinwohl.“
» Wir wirtschaften seit der Industrialisierung
auf Kosten der Natur. Dringend müssen wir den Umweltund
Klimaproblemen nachhaltiger gegenübertreten.«
1 |2025 103
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PROFIL
Effizienzsteigerung –
trotz weniger Stunden
Führungskräftekrise statt Fachkräftemangel: Rocco Funke
von ELBS nutzt die 4-Tage-Woche als erfolgreiches Werkzeug
selbstständiger arbeiten. Für ihre tägliche
Arbeit brauchen sie mich gar nicht mehr. So
bleibt mir mehr Zeit, am Unternehmen zu
arbeiten.
MUT ZUR VERÄNDERUNG:
DIE 4-TAGE-WOCHE ALS
WERKZEUG BEGREIFEN
Die 4-Tage-Woche ist ein WERKZEUG. Schafft
nachhaltig und andauernd Vertrauen und die
Basis, gemeinsam ALLE analogen Prozesse
zu hinterfragen, konsequent zu optimieren
und DANN gemeinsam zu DIGITALISIEREN.
Schafft AKZEPTANZ.
Rocco Funke (links) macht sein Team mit der 4-Tage-Woche glücklich und sein
Unternehmen damit erfolgreich.
Den Schritt zu gehen und eine 4-Tage-Woche
im Handwerk beziehungsweise
Dienstleistung einzuführen,
erforderte viel Mut. Nicht selten haben wir
am Anfang deshalb Zuschriften mit Beleidigungen
bekommen. Unsere Mitarbeiter
wurden auf Baustellen teils mit Beschimpfungen
empfangen, weil die Reduzierung der
wöchentlichen Arbeitsstunden oft mit Faulheit
gleichgesetzt wird. Das dem nicht so ist,
wird spätestens nach dreieinhalb erfolgreichen
Jahren mit der 4-Tage-Woche deutlich.
Ich brauche jetzt mehr Arbeit – meine Leute
schaffen in 32 Stunden mehr!
DAS GANZE UNTERNEHMEN ist umstrukturiert
und vor allem: optimiert. Sei es die
Lagerung von Material, die interne und externe
Kommunikation oder meine Rolle als
Führungskraft – all das läuft nun weitaus effizienter
und ermöglicht dem Unternehmen
eine große Umsatzsteigerung.
Stell gute Leute ein, bilde sie aus, geh zur Seite!
Aber das ist nur die halbe Wahrheit.
Oft ist das Vertrauen beiderseits durch
schlechte Erfahrungen verschwunden. Ich
wollte ANDERS arbeiten, besonders nach
Corona. Meinem Sohn habe ich im Kreißsaal
im April 2021 versprochen, SEINE Welt etwas
besser zu machen, für ihn da zu sein. Dafür
MUSSTE ich bestehende Lebens-und Arbeitsweise
ändern. Dafür brauchte ich eine neue
Unternehmenskultur. Neue Führung und
VERTRAUEN. Nachhaltige Personalführung
als Mittel gegen den Fachkräftemangel.
Meine Mitarbeiter haben nun neue Chancen
und Pflichten und können ihre Arbeitswelt
selbst gestalten. Das ist für sie eine neue
Form der Wertschätzung.
Die Mitarbeiter haben nun größere Aufgabenbereiche
und können – wollen – dürfen viel
Durch die neue Arbeitsaufteilung tragen die
Mitarbeiter von ELBS nun auch mehr Verantwortung
für ihre Arbeit – und für ihre Arbeitszeit.
Die Zeit hat einen anderen Stellenwert
bekommen, sie wird selbst organisiert und
durchweg sinnvoll genutzt.
Meine Mitarbeiter sind Unternehmer geworden.
Ich habe jetzt Problem-Löser, Mitdenker,
Mitgestalter. Allein deshalb hat sich
der Aufwand der Umstrukturierung für das
Unternehmen gelohnt.
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PROFIL
Wo Dialog beginnt, entstehen Brücken
Müller + Partner verbindet Menschen, Teams und Organisationen – seit 30 Jahren
Seit Anfang 2025 verstärkt Fabian Büser die Geschäftsführung von
Müller + Partner neben Sonja Trieschmann und Eveline Siehler
Brückenbau und Dialog werden in einem gemeinsamen Workshop
erlebbar
Wer sich einmal mit dem Bau von
Brücken beschäftigt hat, weiß,
dass es sich dabei um eine wahre
Königsdisziplin der Ingenieurskunst handelt
– ebenso anspruchsvoll wie ein guter Dialog.
Man muss nicht lange suchen, um Parallelen
zwischen dieser Wissenschaft und der Kunst
des Dialogs als wesentliches Werkzeug für die
Entwicklung von Persönlichkeiten, Teams und
Organisationen zu entdecken – ob tragende
Säulen, die uns etwas über Vertrauen und
eine stabile Verbindung lehren, oder der Mut,
den es braucht, um über Brücken Zugang zu
neuen Synergien zu gewinnen.
Wir bei Müller + Partner waren mutig und
haben mit Fabian Büser eine Brücke in die
Geschäftsführung gebaut. Seit Anfang des
Jahres verstärkt er die Geschäftsführung
und bringt neben seinen rheinischen Wurzeln
auch frischen Wind aus seiner Wahlheimat
Hann. Münden mit.
MÜLLER + PARTNER: BRÜCKENBAUER
FÜR NACHHALTIGE ENTWICKLUNG
In den vergangenen Jahren haben wir gemeinsam
mit unseren Kunden viele Brücken in der
ganzen Republik gebaut – Brücken für Menschen,
Teams und Organisationen, zwischen
Visionen und erfolgreicher Umsetzung.
Als externer Partner in Prozessbegleitungen,
Workshops, Coachings, Ausbildungsreihen
und Vorträgen, stärken wir Persönlichkeiten
und statten Fach- und Führungskräfte, Teams
und Organisationen mit Handwerkszeug für
ihre individuellen Brückenbauprojekte aus.
Unsere Themenvielfalt wächst dabei kontinuierlich
mit den Heraus-forderungen unserer
Kunden. Wir leben, was wir lehren! – Das gilt
auch für unsere Workshops. Unser Ansatz
verbindet systemisches und multiperspektivisches
Denken mit pragmatischen Lösungen,
die schon direkt im Workshop erlebbar
werden. Wahre Entwicklung entsteht dort, wo
Dialog bleibt und Verbindungen wachsen. Wir
setzen daher auf die Begleitung im Entwicklungsprozess.
Wo Dialog beginnt, entstehen nicht nur Brücken,
sondern jeder Dialog ist eine Brücke!
Wir freuen uns auf neue Brücken in der
Region und darüber hinaus. Kontaktieren Sie
uns gerne!
Kassel I Neu-Ulm
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PROFIL
Zufriedene Kunden
dank nachhaltiger Seminare
FOTO: ALCIRO THEODORO DA SILVA
Volker Pauling vor dem gerade sanierten Firmensitz:
Nachhaltigkeit nimmt hier eine genauso wichtige
Rolle ein, wie in seinen Management-, Schulungsund
Qualifizierungsprojekten.
Mit zielorientierten Projektmanagement-Seminaren optimiert Volker Pauling Projekte, um sie in den Arbeitsalltag
der Unternehmen zu integrieren.
Wer macht was und bis wann? – So
fasst Volker Pauling kurz und bündig
zusammen, was bis zum Ende eines
Projektes immer wieder festgelegt werden
muss. Was sich so einfach anhört, stellt sich
in den Unternehmen mit ihren Routineabläufen
aber mitunter als problem- und konfliktreicher
Prozess dar. „Laut Studien fließt etwa ein
Drittel der Arbeitszeit in Projekte. Das zeigt,
wie wichtig es ist, dass die Verantwortlichen
optimal vorbereitet und die Mitarbeitenden
motiviert sind“, so Pauling. Hierzu qualifiziert
er Projektleitende in seinen Projektmanagement-Seminaren.
DIE EIGENTLICHE NACHHALTIGKEIT wird
in den Unternehmen erreicht, weiß der Projektmanager,
Dozent und Trainer dank seiner
15-jährigen Erfahrung als Inhaber des in Göttingen
ansässigen Unternehmens PMT. „Der
Schlüssel für ein gelungenes Projektmanagement
ist die effektive Kommunikation.“ Dazu
setzt er auf Transparenz, optimal eingesetzte
Projektmanagement-Werkzeuge – wie Risikomanagement,
Projetmanagement-Software,
etc. – und das „Einlassen auf die Menschen“
im Unternehmen, das sogenannte Stakeholdermanagement.
UM DIE INDIVIDUELLEN Vorbedingungen
miteinander in Einklang zu bringen, führt
der Diplom-Physiker zunächst eine detaillierte
Analyse des Ist-Zustandes durch und
erarbeitet gemeinsam mit dem Kunden den
zu erreichenden Zielzustand. Danach müssen
‚nur‘ noch die notwendigen Schritte
vom Ist-Zustand zum Ziel umgesetzt werden“,
sagt Pauling mit Augenzwinkern und
vielsagender Betonung auf dem Wörtchen
,nur‘. Mit seinem umfangreichen Erfahrungsschatz
aus deutschlandweiten und branchenübergreifenden
Aufträgen in IT-Unternehmen
und Verlagen, bei Bundesbehörden und in Seminarhäusern
versetzt er sich mit Leichtigkeit
in die bestehenden Organisationsstrukturen
und stößt die notwendigen Changes an.
DA GERADE IN VERÄNDERUNGEN Widerstände
und Konfliktpotenzial stecken, bietet
Pauling zusammen mit Irene Timmers von
der Firma Balanceakt ein erweitertes Format
– Projekte in Balance – an. Unter Einbeziehung
der Projektmanagement-Standards in
professionelles Konfliktmanagement werden
Konfliktpotenziale frühzeitig erkannt und deren
Eintrittsrisiko minimiert. Dabei ergänzt
Timmers die umfangreichen projektorientierten
Kompetenzen Paulings durch ihre
Einblicke in ,konfliktminimierendes Eingreifen‘.
Pauling spricht aus Erfahrung: „Dieser
ganzheitliche und durch permanente Erfolgskontrollen
überwachte Prozess überzeugt die
Kunden. Denn aus kontinuierlicher Qualitätsverbesserung
resultieren der Mehrwert in den
Projekten und die Kundenzufriedenheit.“
Volker Pauling
Emil-Nolde-Weg 17
37085 Göttingen
Tel. 0551 7079442
www.pmtraining.de
www.projekte-in-balance.de
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der
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von Steuerberatern, Wirtschaftsprüfern und Rechtsanwälten.
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wissen
-shortlist
Gesundheitsminister Philippi überreicht St.Martini den
nächsten Förderbescheid über zehn Millionen Euro
Zweiter Bauabschnitt beginnt in Duderstadt
HAWK-Entwicklung
deutschlandweit beliebt
KI in der Lehre
DAS ST. MARTINI KRANKEN-
HAUS in Duderstadt erhält vom
Land Niedersachsen eine Förderung
von 10 Millionen Euro für den zweiten
Bauabschnitt. Mit diesen Mitteln
wird der Ausbau der medizinischen
Infrastruktur weiter vorangetrieben.
Geplant sind der Neubau des zentralen
Operationsbereichs mit Sterilisation,
Aufwachraum und kardiologischer
Funktionsdiagnostik sowie die
Erweiterung der Geriatriepflege und
der Umbau der Intensivstation. Ziel
ist es, die Versorgungskapazitäten des
Krankenhauses zu verbessern und
eine moderne, bedarfsgerechte Behandlung
sicherzustellen.
Die Förderung ist Teil des niedersächsischen
Krankenhaus-Investitionsprogramms
2024, mit dem das
Land Kliniken bei notwendigen
baulichen und strukturellen Maßnahmen
unterstützt. Insgesamt wurden
für das gesamte Modernisierungsprojekt
des St. Martini Krankenhauses
bereits 55,5 Millionen
Euro zugesagt. Mit diesen Investitionen
sollen insbesondere die interdisziplinäre
Zusammenarbeit verschiedener
Fachrichtungen und die stationäre
Versorgung im ländlichen
Raum gestärkt werden.
Gesundheitsminister Dr. Andreas
Philippi überreichte den Förderbescheid
persönlich und betonte die
zentrale Rolle des Krankenhauses für
die Region. Vor dem Hintergrund einer
älter werdenden Bevölkerung seien
gezielte Investitionen in die medizinische
Infrastruktur essenziell, um
eine qualitativ hochwertige Versorgung
langfristig sicherzustellen.
Gesundheitsminister Andreas Philippi und St. Martini-Geschäftsführer Markus Kohlstedde
blicken in die Zukunft.
KÜNSTLICHE INTELLIGENZ hat schon
lange Einzug in den Alltag vieler Studierender
und Lehrender gehalten. Mit der
datenschutzkonformen KI-Plattform
HAWKI hat die HAWK Hochschule für
angewandte Wissenschaft und Kunst
Hildesheim/Holzminden/Göttingen bereits
2023 ein didaktisches Interface geschaffen,
mit dem Hochschulangehörige
ChatGPT und weitere KI-Modelle im
akademischen Kontext einfach und datenschutzkonform
nutzen können.
Mittlerweile hat die Plattform ihren
Weg von der kleinen niedersächsischen
Hochschule an mindestens 60 weiteren
Hochschulen in ganz Deutschland gefunden,
denn die HAWK hat den Quellcode
veröffentlicht und als Open Source-Projekt
frei zugänglich gemacht.
Auch Bundesländer setzen HAWKI ein
und stellen den regionalen Hochschulen
das Interface zur Verfügung – bislang ist
das in Baden-Württemberg, Brandenburg,
Rheinland-Pfalz und Thüringen
der Fall.
In einem nächsten Schritt soll das
Interface zu einem umfassenden
KI-Ökosystem für Hochschulen
ausgebaut werden. Dafür sollen
Nutzer, dank einer Kooperation mit
der Gesellschaft für wissenschaftliche
Datenverarbeitung Göttingen
(GWDG), auch auf weitere KI-Modelle
zugreifen können. Diese
Open-Source-Modelle stellen kostengünstige
und inhaltliche Alternativen
zu ChatGPT dar.
110 1 |2025
wissen
Innovationspreis 2025 gestartet
Die Region Göttingen Northeim sucht
das ,nächste große Ding‘
Ein Urologe mit Erfahrung
Hossein Tezval ab
sofort in Göttingen
INNOVATIONSPREIS 2025: Bis zum
15. Juni können sich Unternehmen,
Selbständige oder Gründer unter
dem Motto ,Lass Ideen leuchten‘ für
den Innovationspreis der Region
Göttingen Northeim bewerben.
Im 23. Jahr des Wettbewerbs sind
fünf Partner verantwortlich für dessen
Durchführung: WRGN, Landkreis
Göttingen, GWG, Stadt Göttingen
und Landkreis Northeim. Es
werden zwölf Preise in drei Kategorien
sowie drei Sonderpreise vergeben.
Diese sind mit bis zu 4.000 Euro dotiert.
Der vom niedersächsischen
Landesumweltministerium in diesem
Rahmen verliehene Klima-Innovationspreis
Niedersachsen ist mit
10.000 Euro ausgelobt. Am Abend
der Preisverleihung am 20. November
2025 in der Göttinger Stadthalle
entscheiden die Gäste live über die
Vergabe des Publikumspreises.
Zum Auftakt der Bewerbungsphase
zeigte sich der Göttinger
Landrat Marcel Riethig überzeugt,
Göttingens Landrat
Marcel Riethig, Northeims
Landrätin Astrid Klinkert-
Kittel und Göttingens
Oberbürgermeisterin Petra
Broistedt
dass das breitere Fundament an Kooperationspartnern,
Sponsoren und
Veranstaltern den Wettbewerb stützt
und in die Region trägt: „Der Innovationspreis
der Region Göttingen
Northeim macht die Innovationskraft
und den Ideenreichtum unserer
Region sichtbar. Dazu passt das
Motto ‚Lass Ideen leuchten‘, mit
dem wir dieses Jahr an den Start gehen.“
Petra Broistedt, Göttingens Oberbürgermeisterin,
sieht die Leinestadt
als einen Ort, an dem Zukunft gestaltet
wird: „Göttingen ist eine
Stadt der Wissenschaft, der Innovation
und der kreativen Köpfe.“
„Südniedersachsen ist geprägt
von engagierten Menschen, die mit
kreativen Lösungen und mutigen
Ideen die Zukunft gestalten. Ich
freue mich darauf, diese Innovationskraft
sichtbar zu machen und die
besten Konzepte auszuzeichnen“,
sagt Astrid Klinkert-Kittel, Landrätin
des Landkreises Northeim.
ALS TEIL DES MEDIZINISCHEN EX-
PERT CENTER GÖTTINGEN und mit
einer neuen urologischen Privatpraxis
ist Prof. Dr. med. Hossein Tezval
nun in Göttingen tätig. Sein Schwerpunkt
liegt auf der umfassenden
urologischen Krebsdiagnostik und
-therapie. Erstmals in Göttingen bietet
er eine flexible Blasenspiegelung
mit Einmalgeräten an – eine Methode
mit höchster Präzision zur Früherkennung
von Blasentumoren. In
Kürze wird er zudem als erster Urologe
in Südniedersachsen eine ambulante
Laser-Operation von Blasentumoren
ohne Narkose für geeignete
Patienten anbieten. Ein weiterer
Schwerpunkt seiner Arbeit liegt
auf Vorsorgeuntersuchungen, der
Behandlung von Blasenentleerungsstörungen
sowie der Anfertigung
von Spermiogrammen. Tezval kombiniert
seine Erfahrung als stellvertretender
Klinikdirektor an der Medizinischen
Hochschule Hannover
mit modernen Verfahren. Mehr unter
mec-goettingen.de/detail-tezval
1|2025 111
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PROFIL
Das LinkedIn des
Geschäftsdatenaustausches
Die eddyson GmbH digitalisiert den Austausch von Daten
zwischen Unternehmen und ihren Geschäftspartnern.
Die Göttinger Softwareschmiede hat sich still und heimlich zu
einem international nachgefragten Software as a Service
(SaaS) Unternehmen entwickelt.
Während das Softwareunternehmen
SAP SE den allermeisten ein Begriff
ist, ist eddyson bislang weitestgehend
unter dem Radar geflogen. Dabei ist die
Geschichte des Unternehmens aus Göttingen
eine spannende IT-Erfolgsstory.
Alle Gründer der eddyson GmbH haben ursprünglich
bei der Göttinger B&N Software
AG gearbeitet, bevor diese zunächst von der
Crossgate AG 2006 übernommen wurde, welche
wiederum 2011 von SAP gekauft wurde.
Nach einer strategischen Neuausrichtung
waren viele Kunden von Veränderungen betroffen.
“Crossgate hatte einen klaren Fokus,
dieser wurde aber durch die Eingliederung
in ein sehr viel größeres Unternehmen überlagert.
Wir wollten unsere Vision nicht aufgeben,
sondern konsequenter denn je verfolgen
und haben deshalb einen anderen Weg eingeschlagen“,
sagt CEO Corin Schmidt.
CLOUD-BASIERTER DATENAUSTAUSCH
MIT EDDYSON: EIN BEISPIEL AUS DER
PRAXIS
Schmidt und fünf Kollegen entschieden sich
für den Schritt in die Selbständigkeit und fokussierten
sich auf eine damalige Support-Lücke.
Corin Schmidt erläutert: „Wir haben
gesehen, dass die Digitalisierung von Ge-
schäftsprozessen einer Optimierung bedurfte.
Mit unserer Expertise haben wir dem Markt
eine Lösung geboten, die essenzielle Verbesserungen
mit sich gebracht hat.“ Zuallererst
wurden betriebliche Prozesse analysiert, um
das Kunden-Set-Up vollends zu verstehen.
„Mit Bauhaus konnten wir gleich zu Beginn einen
Großkunden gewinnen, der nach ersten
gemeinsamen Erfolgen als Multiplikator für
uns fungierte“, sagt Schmidt. „Ohne diesen
Kunden wären wir vermutlich nicht da, wo wir
heute sind.“
Aus den sechs Gründern sind heute knapp
70 Mitarbeitende mit über 900 Kunden weltweit
geworden. Seit der Gründung konnte
eddyson fast durchweg ein kontinuierliches
Umsatzwachstum von 20 Prozent erzielen.
„Diese Wachstumskontinuität macht uns stolz,
fordert uns aber auch immer wieder heraus.
Das hält die Spannung und unseren Innovationsgeist
hoch“, sagt Schmidt.
Mehr als 30 Geschäftsprozesse sind bei
eddyson inzwischen digital abgebildet – aber
was genau kann man sich eigentlich darunter
vorstellen? „Niemand von uns konnte anfangs
seiner Großmutter erklären, was er den
ganzen Tag tut“, sagt Schmidt. „Vereinfacht
gesagt: Wir digitalisieren Geschäftsprozes-
se, indem wir den Datenfluss zwischen Unternehmen
automatisieren. Stellen Sie sich
vor, die Rewe Group bestellt Waren bei einem
Schokoladen-Hersteller.
Es gibt bundesweit mehr als 3.800 Rewe-Märkte,
von denen jeder selbst über seinen Bedarf
entscheidet. Der Bestellprozess startet im Warenwirtschaftssystem
und durchläuft automatisiert
die nachfolgenden Schritte: von der Bestellung
über die Avisierung der Lieferung bis
zur Rechnungsabwicklung.“ Am Beispiel der
Rechnung beschreibt Schmidt den Prozess:
„Rewe erhält die Rechnung nicht als PDF per
E-Mail, sondern in Form von strukturierten
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PROFIL
» Wir haben gesehen, dass die Digitalisierung von Geschäftsprozessen einer
Optimierung bedurfte. Mit unserer Expertise haben wir dem Markt eine Lösung
geboten, die essenzielle Verbesserungen mit sich gebracht hat. «
Corin Schmidt, CEO bei eddyson
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MEILENSTEINE VON eddyson
PROFIL
2012 Corin Schmidt, Jörg Oestreich, Uwe
Neben, Dirk Killius, Lars Nordmeyer und
ein weiterer Kollege gründeten die
eddyson GmbH mit dem Fokus auf
EDI-Dienstleistungen
2013 Strategiewechsel vom IT-Dienstleister
zum Software-Unternehmen und Entwicklung
sowie Startschuss für den Aufbau
der wiederverwendbaren Anbindungen
im innovativen Netzwerk-Ansatz
Unterstützt durch den High-Tech
Gründerfond
» Wir leben den Netzwerkgedanken. Anstelle von
individuellen Verbindungen, auch Mappings genannt,
haben wir uns auf die inhaltliche Ebene fokussiert. «
Corin Schmidt, CEO bei eddyson
2014 Erstes Software-Release und strategische
Erweiterung durch die Beteiligung
der Oetker IT-Tochtergesellschaft OEDIV
2015 Produktivgang der ersten Version
der Cloud-Plattform und Wechsel der
Strategie hin zum SaaS-Unternehmen
2017 Erweiterung des Produktportfolios
mit einem WebEDI-Portal
2022 Expansion in die USA mit Gründung
der Tochtergesellschaft eddyson US Inc.
2023 Erweiterung des Produktportfolios
mit einem Self-Service-Portal
2024 Neustrukturierung des Managements,
um für die Herausforderungen
des internationalen Wachstums gewappnet
zu sein
Daten, die direkt in ihrem System dargestellt
werden. Dies ist mittlerweile nicht nur rechtlich
relevant, sondern sorgt auch dafür, dass
manuelle Arbeitsaufwände, wie das Schreiben,
Verschicken und Eintragen von Rechnungsinformationen,
unnötig werden.“ Die Echtzeitverarbeitung
der Daten wird mittlerweile nicht
nur im B2C erwartet, sondern ist auch Trend
im B2B. Entsprechend groß ist der Bedarf an
branchenspezifischen Lösungen für Unternehmen.
eddyson zählt zu den führenden deutschen
Anbietern für Cloud-basierten elektronischen
Datenaustausch – aber was macht eddyson
eigentlich einzigartig? „Wir leben den Netzwerkgedanken.
Anstelle von individuellen
Verbindungen von Geschäftsprozessen, auch
Mappings genannt, haben wir uns auf die inhaltliche
Ebene fokussiert“, beschreibt Corin
Schmidt. „Eine Bestellnummer oder ein dazugehöriges
Datum sind eindeutige Werte.
Aber der Aufbau von Kundensystemen und
-logiken ist meist individuell.“ Schmidt erläutert
weiter: „Das bedeutet, dass jedes Kundensystem
einem individuellen Aufbau folgt,
welcher zum Beispiel eine Bestellnummer in
unterschiedlichen Feldtypen verlangt oder ein
Datum individuell formatiert. Wir sorgen dafür,
dass jedes System die Daten in der Darstellung
und Logik bekommt, die gefordert
ist und das ohne den klassischen Programmieraufwand.
Einmal aufgenommen, greifen
alle Prozesse automatisiert ineinander. Das
zeichnet die Intelligenz unserer
Lösungen aus.“ Durch den
Netzwerk-Ansatz wächst eddyson
an und mit seinen Kunden.
Im Jahr 2020 konnte eddyson mit TDK, einem
Hersteller von elektronischen Bauelementen
und Systemen, einen wichtigen
Großkunden für den US-Markt gewinnen. Im
Zuge der Zusammenarbeit erfolgte 2022 die
Gründung der Tochtergesellschaft eddyson
US Inc. Seitdem wachsen der amerikanische
Kundenstamm sowie das Team in Atlanta, Georgia,
stetig. Für das Jahr 2025 sind auch für
Nordamerika große Ziele gesetzt – eddyson
strebt eine Verdoppelung der Kundenbasis an.
NACHHALTIGE ENTWICKLUNG BEI UND
MIT EDDYSON: LÖSUNGEN FÜR DIE
HERAUSFORDERUNGEN DER ZUKUNFT
Der Zukunft seines Unternehmens sieht Corin
Schmidt positiv entgegen: „Digitalisierung
und Automatisierung sind in den aktuellen
Zeiten gefragter denn je.“ Unternehmen
müssten sich auf stürmische Zeiten einstellen,
ob man auf die Prognosen der Wirtschaftsweisen
oder die allgegenwärtige Herausforderung
des Fachkräftemangels schaut. Es sei
Zeit für kreative Ideen und Weiterentwicklung.
Corin Schmidt ergänzt: „Unsere Lösungen
unterstützen essenzielle Unternehmensprozesse
und greifen vor allem in Richtung Ressourcenmanagement
und Fachkräftemangel
unterstützend ein.“
PROFIL
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Der Bedarf an eigenen
Fachkräften ist auch bei
eddyson ein Thema, das mit einer
klaren Vision verfolgt wird. „Um
talentierte Mitarbeitende für eddyson zu gewinnen
und zu begeistern, setzen wir auf ein
gutes Arbeitsklima, Flexibilität und die gezielte
Aus- und Weiterbildung unserer Mitarbeitenden“,
sagt Schmidt. „Neben der Suche
nach erfahrenen IT-Experten bieten wir auch
Quereinsteigern mit Motivation und Neugier
die Möglichkeit, eine neue Herausforderung
anzunehmen.“ Zudem bietet eddyson den
klassischen Ausbildungsweg zum Fachinformatiker
sowie die Möglichkeit des Dualen
Studiums. „Obwohl wir uns in Hinsicht Ausbildung
noch in einem frühen Stadium befinden,
sind wir uns sicher, dass dies der richtige
Weg ist. Durch die Entwicklung individueller
Karrierepfade konnten wir bereits junge Talente
gewinnen und freuen uns darauf, dieses
Konzept weiter auszubauen“, so Schmidt.
An Plänen und Visionen für die Entwicklung
des eigenen Unternehmens mangelt es nicht.
„Meine Vision ist eine Plattform, auf der sich
unsere Kunden bedarfsgerechte Lösungen zusammenstellen
können, ohne Dienstleistungen
in Anspruch nehmen zu müssen“, sagt
Schmidt. „Eine intuitive Plattform auf Basis
eines Netzwerks, die individuelle Lösungen
für den elektronischen Datenaustausch bereitstellt,
ist einzigartig. So wie LinkedIn Menschen
im beruflichen Kontext zusammenbringt,
werden wir das zentrale Netzwerk des
Datenaustausches zwischen Unternehmen
sein.“
eddyson GmbH
Groner Landstraße 23/25
37081 Goettingen
0551 7707 760 0
contact@eddyson.com
www.eddyson.com
PROFIL
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Christina Wüstefeld, VR-Bank Mitte eG
Wir nehmen Nachhaltigkeit ernst
Die VR-Bank Mitte eG sieht Nachhaltigkeit als wichtigen Schlüssel zum langfristigen Erfolg an.
VERANTWORTUNG FÜR DIE REGION
ist ein zentraler Bestandteil des nachhaltigen
Engagements der VR-Bank
Mitte eG. Als bedeutender Finanzpartner der
Region agiert die Bank als aktiver Zukunftsgestalter
und starker Transformationspartner.
DER WEG ZUR NACHHALTIGKEIT begann
mit einem zweijährigen Projekt: In
Übereinstimmung mit den Werten der Mitmachbank
wurden von Anfang an etwa 30
Teammitglieder sowie zahlreiche Mitglieder,
Kundinnen und Kunden durch Umfragen und
Schulungen eingebunden, um Akzeptanz und
Verständnis für die Nachhaltigkeitsinitiativen
frühzeitig zu fördern.
EIN VERÄNDERUNGSPROZESS wie der
nachhaltige Wandel einer Bank kann nach Ansicht
von Florian Hartleib, Bereichsleiter für
Unternehmenskommunikation, nur gelingen,
wenn „alle mit an Bord sind und an einem
Strang ziehen“. Vorstandsmitglied Björn Henkel
ergänzt: „Durch regelmäßige Schulungen
und E-Learnings gelingt uns das ganz gut.“
UM DIE NACHHALTIGE Weiterentwicklung
stets fortzusetzen, Bereiche zu entlasten und
die Bank auf die kommende Pflicht zur Nachhaltigkeitsberichterstattung
nach strengen
Kriterien vorzubereiten, wurde im Jahr 2023
die Stelle einer Nachhaltigkeitsmanagerin geschaffen.
„Sie informiert uns in regelmäßigen
Meetings über die Fortschritte und hilft dabei,
die nächsten Themen zu priorisieren und zu
koordinieren“, so Jan Michalek, Vorstandsmitglied.
DIE GESAMTBILANZ FÄLLT NACH INS-
GESAMT VIER JAHREN NACHHALTIGKEIT
trotz gelegentlicher Hürden, die zum normalen
Alltag gehören, durchaus positiv aus, versichert
Christina Wüstefeld, Nachhaltigkeitsmanagerin.
Nachhaltigkeitsziele sind fester
Bestandteil des quantitativen Steuerungssystems.
Zudem wurde ein Nachhaltigkeitsleitbild
entwickelt. Auch auf die Unterstützung
nationaler sowie globaler Nachhaltigkeitsziele
(SDGs) wurde sich verständigt. Und das bankeigene
Vermögen wird anhand eines internen
Leitfadens nachhaltig investiert.
„IM SOZIALEN WERDEN durch Vorsorgeleistungen,
ein Benefit-System, Entwicklungsmöglichkeiten
und mobiles Arbeiten wertvolle
Vorteile für die Arbeitgeberattraktivität geschaffen“,
fasst Bettina Fuhlrott, Vorstandsmitglied,
zusammen. Auch ein nachhaltiges
Spendenprogramm, das sich stark an den
SDGs orientiert, und Nachhaltigkeitsdialoge
mit Firmenkunden sowie ein externes Expertennetzwerk
gehören dazu.
BEIM UMWELTSCHUTZ stehen aktuell Maßnahmen
zur Reduzierung des betrieblichen
CO2-Fußabdrucks im Fokus. Hier wird schrittweise
die Energieeffizienz der zahlreichen Filialen
verbessert. Aber auch die Dienstwagenflotte
wird zunehmend elektrifiziert.
DIE MITMACHBANK befindet sich weiterhin
im Veränderungsprozess und arbeitet an
ihrer erfolgreichen Zukunft. Dabei informiert
sie umfassend und transparent unter:
vrbankmitte.de/zukunft
VR-Bank Mitte eG
Westerstieg 5
37115 Duderstadt
Tel. 05527 845-0
Fax 05527 845-17800
info@vrbankmitte.de
www.vrbankmitte.de
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Der Innovationsmotor
für Niedersachsen
GOe FUTURE fördert Innovation und
Technologietransfer im Forschungsdreieck
GOe FUTURE ist eine Initiative zur Stärkung
des Innovations- und Gründungsökosystems
in Niedersachsen. Forschung und Unternehmertum
sollen enger verknüpft werden, um
technologische Durchbrüche aus dem Bereich
der Life Sciences schneller in die Praxis
zu bringen. Ziel ist es, die Region als ein
weltweites Zentrum für Innovationen, Hightech-Startups
und Technologietransfer zu etablieren,
um die Gesundheit und das Wohlbefinden
der Bevölkerung zu verbessern.
BEREITS JETZT ist das Forschungsdreieck
Göttingen-Hannover-Braunschweig
ein fruchtbarer Boden für erfolgreiche Startups.
Hier werden Wissenschaftler*innen
maßgeblich unterstützt, um ihre wegweisenden
Forschungsergebnisse marktfähig zu machen.
Beispiele dafür sind Unternehmen wie
Repairon oder Digity, die beide ihren Ursprung
in den Laboren der Universitätsmedizin Göttingen
haben. Repairon möchte die Behandlung
mit dem Herzpflaster in die Zulassung
bringen und damit die Behandlung von Herzschwäche
revolutionieren. Digity setzt mit
seinen individuell angepassten Fingerorthesen
aus dem 3D-Drucker neue Maßstäbe in
der Medizintechnik. Die ONE-Mikroskopie,
ebenfalls entwickelt an der Universitätsmedizin
Göttingen, bietet eine innovative Methode,
um 3D-Proteinstrukturen mit herkömmlichen
Lichtmikroskopen sichtbar zu machen. Das
Prof. Dr. Elisabeth Zeisberg,
Dekanin für Transfer der
Universitätsmedizin Göttingen
(UMG): „Durch eine
lückenlose Betreuung von
Innovationen von der Idee zum Produkt und
weiter zum Scaleup wird die Gründungsgüte
und Qualität der Startups und Teams
gehoben und so der Wirtschaftsstandort
Niedersachsen und Deutschland systematisch
gestärkt.“
Dr. Florian Pahlke, Leitung
Innovation & Transfer der
Universität Göttingen
UGOE: „Es gibt bei uns
und den Partnern bereits
eine Vielzahl an Unterstützungsangeboten,
von Scoutingaktivitäten, Gründungswettbewerben
und Venturebuilding bis hin zur
Bereitstellung von Infrastruktur und Kapital.“
Verfahren könnte die medizinische Diagnostik
nachhaltig verändern und befindet sich derzeit
in der Patentierung. Denn Patente und Schutzrechte
spielen eine entscheidende Rolle, um
die wirtschaftliche Verwertung wissenschaftlicher
Entdeckungen zu sichern.
Göttingen, Braunschweig und Hannover
bringen ihre Innovationskraft gleichermaßen
in das Ökosystem ein. Die SORMAS Foundation
aus Braunschweig, eine Ausgründung des
Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung,
entwickelt Open-Source-Digitalsysteme zur
Bekämpfung von Epidemien. Das Startup Cardior
aus der MHH, ein Unicorn aus Niedersachsen,
entwickelt Therapien, die auf RNA
abzielen, um Herzkrankheiten vorzubeugen,
zu reparieren und rückgängig zu machen. Der
therapeutische Ansatz von Cardior zielt auf
charakteristische nicht-kodierende RNAs als
Plattform für die Bekämpfung der Ursachen
von Herzfunktionsstörungen mit dem Ziel,
eine nachhaltige Wirkung bei Patienten zu
erzielen. Mittlerweile ist Cardior für bis zu 1,025
Milliarden Euro an den dänische Pharmakonzern
Novo Nordisk verkauft worden.
Ein weiteres Startup Allogenetics denkt
Transplantation neu: Tarnkappen für Organe
statt lebenslange Immunsuppression. Anstatt
durch Immunsuppressiva eine immunologische
Blindheit beim Organempfänger hervorzurufen
wird eine immunologische Unsichtbarkeit
des Spenderorgans erzeugt: für ein
Transplantatüberleben ohne Abstoßung und
ohne Immunsuppression.
Christiane Bock von Wülfingen,
Leitung Stabsstelle Forschung -
Wissen - Translation - Transfer
(FWT2) der Medizinischen
Hochschule Hannover (MHH):
„Komplementäre Kompetenzen in der Region
sind ein großer Mehrwert für ALLE. Neue
Ideen und Innovationen aus der MHH stärken
die Wirtschaft vor Ort und tragen zu medizinischen
globalen Gesamtlösungen bei.“
GOe FUTURE setzt auf eine enge Zusammenarbeit
zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und
Industrie, um innovative Ideen schneller in die
Anwendung zu bringen. Das Projekt ist Teil
des Leuchtturmwettbewerbs ,Startup Factories‘
des Bundesministeriums für Wirtschaft und
Klimaschutz. Derzeit befindet sich die Initiative
in der konkreten Ausarbeitung eines Konzepts
für eine mehrjährige Projektphase und die Beteiligten
sind überzeugt: Niedersachsen hat
das Potenzial, ein führender Innovationsmotor
im Bereich Lebenswissenschaften für den Wirtschaftsstandort
Deutschland zu werden.
Dr. Stefan Scherer, Leitung
Stabsstelle Innovationsmanagement
Helmholtz-Zentrum
für Infektionsforschung
GmbH (HZI): „Lokale
Innovationen sind entscheidend für die Bewältigung
globaler Herausforderungen in der
Infektionsforschung. Wir am HZI entwickeln
nachhaltige, effektive Ansätze, die skalierbar
sind, um Infektionsgeschehen zu bekämpfen.“
Universitätsmedizin Göttingen
Prof. Dr. Elisabeth Zeisberg
Dekanin für Transfer
goefuture@med.uni-goettingen.de
www.goe-future.de
PROFIL
wissen
118 1 |2025
wissen
Der Teufel
IM KOPF
Die Entstehung von ,Glitther‘ ist eine Geschichte wissenschaftlicher
Neugier und unternehmerischer Initiative. Virginie Clément-Schatlo und
Sammy Mahdi haben sich das Ziel gesetzt, eine neue Therapie gegen das
Glioblastom, eine aggressive Form von Hirntumoren, zu entwickeln.
Mit ihrem Unternehmen verfolgen sie diesen Ansatz, indem sie
Erkenntnisse aus der Forschung in ein marktfähiges Produkt überführen.
Kurz vor der Gründung sprechen sie über ihre Ziele und die Balance
zwischen Forschung, Wirtschaft und Familie in Göttingen.
TEXT CHRISTIAN VOGELBEIN, TOBIAS KOSLOWSKI FOTOGRAFIE ALCIRO THEODORO DA SILVA ILLUSTRATION GLITTHER
1 |2025 119
wissen
Für Virginie Clément-Schatlo ist Glitther das Ergebnis jahrelanger Forschung und eines
frischen Ansatzes. Nun geht es darum, auch Investoren zu begeistern.
In den großen Fenstern im roten Backstein der
Life Science Factory an der Annastraße in Göttingen
spiegeln sich Baufahrzeuge, Lastwagen
und Baustellenschilder. Rund um das Co-Working-
Space für wissenschaftliches Unternehmertum
wird weiter kräftig an der Zukunft der Universitätsstadt
gearbeitet. Im Inneren nutzen bereits kluge
Köpfe Schreibtische und Labore, um aus den Ergebnissen
von Forschung und Entwicklung nun Umsatz und
Erfolg werden zu lassen. Im hellen Foyer treffen wir
Virginie Clément-Schatlo und Sammy Mahdi. Zur
Begrüßung wird geflüstert, denn in den Büros nebenan
rauchen bereits die Schornsteine der Denkfabriken.
GLIOBLASTOME STELLEN DIE MEDIZIN VOR GROSSE
HERAUSFORDERUNGEN. Sie sind besonders schwer zu
behandeln, da sie schnell wachsen und sich im Gehirn
stark ausbreiten. Die bisher verfügbaren Therapie -
optionen sind begrenzt und die Prognosen für Betroffene
düster. „Die Patienten überleben meist nicht länger als
15 Monate nach der Diagnose“, erklärt Clément- Schatlo.
Mit aktuellen Methoden wächst der Tumor zwar langsamer,
„aber er geht nicht weg. Leider nicht“, ergänzt
Mitgründer Sammy Mahdi. Das liege vor allem daran,
dass die derzeitigen Therapien nur die Symptome lindern,
aber die Ursache nicht bekämpfen. Das wollen die
beiden ändern, so ihre Hoffnung. Erste Tests sind mindestens
vielversprechend.
Clément-Schatlo begann ihre Karriere in der Schweiz,
wo sie promovierte und als Postdoktorandin arbeitete.
Schon früh fiel ihr auf, dass es in der Glioblastom-Forschung
wenig Fortschritte gab. „Ich habe festgestellt, dass
die Ansätze in der Therapie dieser Erkrankung seit Jahren
unverändert sind“, sagt sie. Nach einem Jahr intensiver
Forschung fand sie dann einen neuen Ansatz. Während
viele Forschende auf konventionelle Methoden zur Identifikation
und Bekämpfung des Tumors setzten, erkannte
sie das Potenzial alternativer Herangehensweisen. „Viele
haben mir daraufhin gesagt: ‚Das ist der richtige Weg. Bitte
geh ihn weiter. Guck, was du hast.‘ “
»
Das ist der richtige
Weg. Bitte geh ihn weiter.
Guck, was du hast.
»
SIE ENTWICKELTE EINE NEUE METHODE zur Identifikation
von Tumorzellen, die ohne Biomarker auskommt
und sich auf morphologische Eigenschaften der Zellen
konzentriert. Diese Erkenntnis eröffnete neue Wege für
die Forschung und wird zur Grundlage für die geplante
Unternehmensgründung. „Anstatt uns nur auf genetische
Marker zu verlassen, analysieren wir die Zellen auf
ihre strukturellen Merkmale“, erklärt sie. „Das erlaubt
eine schnellere und präzisere Diagnose.“
Der Übergang von der akademischen Forschung zur
unternehmerischen Tätigkeit ist herausfordernd. Clément-
Schatlo entschied sich, diesen Schritt zu gehen, als sie mit
ihrer Familie nach Deutschland zog. Dort lernte sie
Sammy Mahdi kennen, einen Ingenieur mit Erfahrung
im Bereich Start-ups und Innovationsförderung. Die beiden
ergänzten sich fachlich ideal: Während Clément-
Schatlo die medizinische und biotechnologische Expertise
mitbrachte, brachte Mahdi seine Erfahrung aus der
Unternehmensgründung und der technologischen Entwicklung
ein.
Gemeinsam bringen sie die Gründung ihres Unternehmens
auf den Weg, um ihre Forschung in eine konkrete
Therapie weiterzuentwickeln. Das Ziel von Glitther –
oder Glioma-Targeted-Therapy – ist es, in den kommenden
Jahren ein Medikament zu entwickeln, das den bisherigen
Prozess ergänzt und im besten Fall den Tumor
sogar ganz besiegen kann. „Wir können aber noch keine
Versprechen machen“, sagt Clément-Schatlo.
Neben der Finanzierung ist es notwendig, Laborflächen
zu sichern, Talente zu rekrutieren und regulatorische
Hürden zu meistern. „Ein Medikament auf den
Markt zu bringen, dauert im Durchschnitt 15 Jahre“,
erklärt Mahdi. „Das bedeutet, dass wir strategisch und
langfristig denken müssen.“ Kurzfristig stehen sie aber
vor der Gründung, die noch in der ersten Jahreshälfte
abgeschlossen werden könnte. Das ist aber von drei Faktoren
abhängig: Zeit, Geld – und Bürokratie.
120 1 |2025
wissen
1 |2025 121
Glioblastoma (GB)
wissen
“Glioblastoma is one
and treatment-resista
Standar
•
Novel tr
•
•
11.02.2025
Sammy Mahdi gehört zum Gründungsteam und übernimmt die Aufgabe des CEO. Erste Erfahrungen als Forscher und
Unternehmer sammelte er zuvor unter anderem in Großbritannien.
Eine zentrale Herausforderung auf dem Weg zur praktischen
Umsetzung ihrer Forschung sind die bürokratischen
Hürden. „Wir verbringen viel mehr Zeit mit Anträgen,
Genehmigungen und regulatorischen Prüfungen
als mit Forschung und Entwicklung“, sagt Clément-
Schatlo. „Es ist frustrierend, wenn man die Zeit und das
Wissen hat, aber nicht loslegen darf, weil man auf Dokumente
und Erlaubnisse warten muss.“ Mahdi ergänzt:
„Ein Problem ist, dass es keine zentrale Anlaufstelle für
Start-ups wie unseres gibt. Wir müssen uns durch zahlreiche
Behörden und Instanzen kämpfen, von Ethikkommissionen
bis hin zu Förderinstitutionen. Jeder Schritt
braucht Monate, in denen wir nicht wirklich vorankommen.“
Gleichwohl erfahren sie viel Unterstützung,
beispielsweise durch Mentoren, Universitäten und nicht
zuletzt die Life Science Factory selbst.
EIN KONKRETES BEISPIEL: Die Suche nach geeigneten
Laborräumen für ihre Forschung zog sich über Monate
hin. „In Europa gibt es strenge Vorgaben, welche Standards
ein Labor erfüllen muss, bevor es für biomedizinische
Forschung genutzt werden kann. Selbst wenn man
eine Fläche gefunden hat, dauert es oft Monate, bis alle
Genehmigungen vorliegen“, erklärt Clément-Schatlo.
Mit der Life Science Factory fanden sie nun einen geeigneten
Partner. Dieser stellt nicht nur Räume und Labors
zur Verfügung, sondern unterstützt auch mit Wissen,
Kontakten – und bei der Bürokratie. „Entrepreneurship
war für mich wie das weite Meer. Man muss sehr viel
lernen“, erzählt Mahdi, „aber in den vergangenen drei
Jahren hat sich mit der Life-Science Factory, neuen Startups
und diversen Förderprogrammen in Göttingen langsam
ein Ökosystem entwickelt.“ Das helfe dabei, den
122 1 |2025
wissen
eigentlichen Gründergeist und den Elan zu erhalten. Ein
Berater habe Virginie Clément-Schatlo vor einigen Monaten
einen Satz mit auf den Weg gegeben, der sie bis
heute inspiriert. „Die deutsche Bürokratie ist kompliziert,
aber wenn das Projekt Potenzial hat und die Leute
es wollen, dann werden die Entscheidungsträger es für
dein Team einfach machen und euch unterstützen.“
Nach eben diesem Mantra arbeiten sie und ihr Team.
Denn: „Ich glaube aufrichtig, dass genau das aktuell
passiert.” Mit diesem und mit der Unterstützung verschiedener
Stellen im Rücken wollen die Gründer nun
möglichst viele Multiplikatoren von ihrer Idee überzeugen.
Denn die Entwicklung eines Medikaments ist nicht
nur ein langwieriger, sondern auch ein kostspieliger Prozess.
Gleichwohl tickt die Uhr „Wir entwickeln eine
Therapie für eine aggressive Krebserkrankung mit einer
sehr kurzen Überlebenszeit. Jeder Monat, den wir verlieren,
bedeutet, dass Patienten, die von unserer Forschung
profitieren könnten, keine Chance mehr haben“, sagt
Clément-Schatlo.
Auch deshalb gehören zu den bisherigen Geldgebern
auch Betroffene. Doch ohne große Investoren habe ihre
Arbeit keine Zukunft. „Und das sind natürlich nicht alles
Philanthropen, die wollen ein Return on Investment
haben“, sagt Clément-Schatlo. Die Gründer sind sich sicher,
dass ihr Wissen in einem weitgehend unerforschten
Feld wertvoll ist – möglicherweise auch für größere
Pharmaunternehmen, „aber das kommt später“. Jetzt
gerade sehen sie großes Potenzial für die Industrie und
stellen auch eigene Ansprüche an Investoren. Flexibilität
sei ihnen bei Geschäftspartnern besonders wichtig. „Ich
habe auch schon mal Nein gesagt, wenn es nicht passt“,
erzählt Clément-Schatlo. Am Ende entscheidet aber das
Führungsteam mehrheitlich.
„19.30 Uhr bis Mitternacht. Das ist die Zeit, in der ich
am produktivsten bin.“ Ganz besonders wichtig sei es
für die Gründer, dass nichts zu kurz kommt, denn „es
gibt zwar viel ,Work‘, das gehört dazu, aber wir brauchen
auch ,Life‘“.
GLITTHER VERSTEHT SICH als familienfreundliches
Unternehmen, das flexible Arbeitsmodelle bietet. „Viele
denken, dass ein Start-up rund um die Uhr arbeiten
muss. Doch wir glauben, dass nachhaltiges Arbeiten
effektiver ist“, sagt Mahdi.
Die kommenden ‘ Monate sind für Glitther entscheidend.
„Wenn wir bis Jahresende die Finanzierung gesichert
haben, können wir den nächsten Schritt gehen“, erklärt
Clément-Schatlo. Sollte dies nicht gelingen, müsse die
2 Situation Year neu bewertet Research werden. Und auch realistisch: Plan
„Dann macht es keinen Sinn, es nur noch zu versuchen.“
Doch das Team bleibt optimistisch: „Wir haben eine klare
Strategie und setzen unsere Arbeit konsequent fort.“
Die bisherigen Rückmeldungen aus der Wissenschaftsund
Investoren-Community seien vielversprechend.
Neben der Finanzierung liegt der Fokus auf der Weiterentwicklung
der Technologie und der Vorbereitung auf
präklinische Studien. Dabei arbeitet Glitther mit Forschungseinrichtungen
in Deutschland, der Schweiz und
Frankreich zusammen. „Wir bauen ein starkes Netzwerk
auf, das uns dabei unterstützt, unser Ziel zu erreichen“,
sagt Mahdi. Bis spätestens Ende 2025 geben sie
sich Zeit. Dieses Ziel haben sie sich selbst gesetzt. Sobald
genug Geld da ist, geht es weiter. Endlich. „Wir
haben jetzt genug Excel-Tabellen, das reicht. Wir wollen
jetzt endlich wieder ins Labor.“
Q4/25 Q2/26
GLEICHZEITIG VERSUCHEN DIE GRÜNDER, diszipliniert
zu sein. Auf der einen Seite möchten sie viel und intensiv
arbeiten, aber es sei ihnen auch wichtig, Pausen zu
machen. Die zwei Unternehmer stehen mitten im Leben,
haben Kinder und einen vollen Terminkalender. „Um
fünf Uhr klingelt der Wecker, spätesten 5.15 Uhr stehe
ich auf“, erzählt Clément-Schatlo. Während ihre fünf
Kinder vormittags in der Schule sind, habe die Unternehmerin
Zeit zu arbeiten, um nachmittags mit der Familie
etwas zu unternehmen. „Meine Kinder geben mir Motivation
und Energie.“ Auch Mahdi verbringt nachmittags
Zeit mit seinem Kind und arbeite am liebsten abends:
»
Wir bauen ein starkes Netzwerk
auf, das uns dabei unter-
Setting Up Sample
In vitro Drug
Collection Protocol
stützt, unser Ziel zu erreichen.
Discovery Platform
»
Virginie Clément-Schatlo, PhD
37085 Göttingen
Tel. 0157 313 54 551
virginie@glitther.de
de
1 |2025 123
11.02.2025
wissen
Nicht alle Helden
tragen einen Umhang
Die PFH Private Hochschule Göttingen wird erneut vier Vollstipendien
zum Wintersemester 2025 für die Studiengänge Business Administration/General
Management, Psychologie und Wirtschaftspsychologie vergeben, auf die
sich jeder Interessierte bewerben kann. Mit dem Chancenstipendium belohnt
werden soll ehrenamtliches Engagement. faktor gehört zum Kreis der Stifter.
TEXT SVEN GRÜNEWALD FOTOGRAFIE ALCIRO THEODORO DA SILVA
Ein Studium an einer Privatuni ist keine günstige
Angelegenheit. Für ein reguläres sechssemestriges
Bachelorstudium an der PFH Private
Hochschule Göttingen summieren sich
die Studiengebühren auf rund 28.000 Euro.
Damit aber das Studium nicht nur eine Frage der Investitionsbereitschaft
und -fähigkeit ist, hat die PFH 2022
das Chancenstipendium Südniedersachsen für den Campus
in Göttingen ins Leben gerufen. Nun hat die neue
Bewerbungsrunde begonnen.
DAS BESONDERE AM CHANCENSTIPENDIUM ist, dass
es hier nicht auf die Note oder auf die Zugehörigkeit
zu bestimmten Institutionen ankommt – anders als bei
den meisten anderen Stipendienprogrammen in Deutschland.
„Wir wollen damit junge Menschen unterstützen,
die mit ihrem freiwilligen Engagement etwas für den
Zusammenhalt der Gesellschaft tun“, sagt Gudrun Röhling,
Unternehmenssprecherin der PFH. Dabei sind die
Engagements vielfältig: Bisherige Stipendiaten und Stipendiatinnen
waren zum Beispiel Jugendtrainer im Basketball,
haben in Tagespflegeeinrichtungen autistische
Jugendliche betreut, mit Senioren und Geflüchteten gearbeitet
oder beim NABU und BUND mitgemacht. So klar
die Idee, so einfach die Umsetzung: Bewerber brauchen
,nur‘ ein einminütiges Video einzureichen, in dem sie der
Jury vermitteln, warum sie das Stipendium bekommen
sollten. Die bisherigen Bewerbungen waren genauso vielfältig
wie die ehrenamtlichen Tätigkeiten: von abgelesen
und vor einer weißen Wand stehend bis hin zu einer professionellen
Performance mit Drehbuch. „Es gab dabei
eine sehr große Spannbreite“, sagt PFH-Präsident Frank
Albe. „Uns geht es bei der Auswahl der Stipendiaten und
Stipendiatinnen aber vor allem um die Inhalte und wie
überzeugend die Präsentation ist.“ Bewerbungen aus allen
Bundesländern sind willkommen, doch zeigt die bisherige
Erfahrung, dass sie vor allem aus dem regionalen
Umfeld kommen, von Südniedersachsen bis Hannover,
Westthüringen und Nordhessen.
WIE WICHTIG DER HOCHSCHULE das Chancenstipendium
ist, zeigt der Aufwand, den sie bei der Bewerbung
treibt. Auf der Homepage der PFH finden sich die Teilnahmebedingungen
und Informationen zum Anmeldeprozess.
Die Bewerbung der Aktion an sich läuft grundsätzlich
über alle Social-Media-Kanäle der PFH. „Wir
sind dort sehr erfolgreich unterwegs und haben wachsende
Followerzahlen“, so Röhling. Aber auch offline arbeitet
man eng mit Multiplikatoren zusammen, wie etwa
Göttingens größtem Sportverein ASC oder E-Sportlern
im Innovation Hub Hannover. Auch werden Berufsmessen
wie z.B. die Goebit, Partnerschulen, Elternvorträge
124 1 |2025
wissen
und die eigenen Studieninfotage genutzt, um einen möglichst
großen Teilnehmerkreis anzusprechen. Als Teaser
für das Stipendium gibt es bereits ein kurzes Video, das
die emotionale Kernbotschaft des Stipendiums einfängt:
„Nicht alle Helden tragen einen Umhang.“
Im Juli wird dann eine Jury bestehend aus Vertretern
der PFH und den Stipendienstiftern die Entscheidung
treffen. Die diesjährigen Stifter sind das faktor-Magazin,
Heyne & Penke Verpackungen aus Dassel, Helbig
Technik aus Nörten-Hardenberg und der ADAC Niedersachsen
Sachsen-Anhalt. „Wir haben ein sehr aktives
Alumni-Netzwerk, auf das wir bei der Stipendienakquise
zugegangen sind“, sagt Frank Albe. So sind beispielsweise
die beiden Geschäftsführer von Heyne & Penke, Peter
und Christoph Penke-Wevelhoff, sowie der Geschäftsführer
von Helbig Technik, Nils Helbig, jeweils Absolventen
der PFH. Und so verhielt es sich auch bei den Stiftern
der vergangenen Jahre. „Ich habe eine sehr große
Begeisterung erlebt, als ich unsere Alumni für das Stipendium
gewinnen wollte, weil sie gerne etwas zurückgeben
möchten“, so Albe.
„Ich finde den Ansatz super, grundsätzlich jedem die
Chance zu ermöglichen, an der PFH zu studieren“, sagt
Nils Helbig. „Das Campusstudium hier macht einen
deutlichen Unterschied zu einem klassischen Studium an
einer staatlichen Hochschule. Was an der PFH geboten
wird, ist nicht alltäglich, sondern außergewöhnlich.“
Und Peter Penke-Wevelhoff ergänzt: „Es ist gut, dass
auch Menschen mit weniger guten Startvoraussetzungen
die Möglichkeit haben, von dieser Chance zu profitieren.
Die PFH stellt einen wichtigen Schritt dar, um im späteren
Leben erfolgreich zu sein. Sie vermittelt nicht nur
wertvolles Wissen, sondern enthält auch ein Netzwerk,
von dem ich heute noch persönlich profitiere."
Michael Weber, beim ADAC Vorstand für Niedersachsen
und Sachsen-Anhalt, hatte zwar keine persönliche Bindung
zur PFH, „aber schon allein die erste Folie im Gespräch
mit Herrn Albe hat mich überzeugt. Umwelt, soziales
Engagement und Ehrenamt sind für uns ganz wichtige
Themen“. Denn der ADAC lebt selbst von einer breiten ehrenamtlichen
Vereinsstruktur.
UND NUN SIND DIE POTENZIELLEN STIPENDIATEN
gefragt. Einzige Voraussetzung für die Teilnahme ist,
dass sie eine Hochschulzugangsberechtigung zum Studienstart
2025 haben und „sich authentisch präsentieren“,
sagt Gudrun Röhling. „Das haben die Bewerber bisher
überzeugend geschafft, mit persönlichen Geschichten,
die manchmal emotional auch berührt und Mut gemacht
haben.“
(v.l.n.r) Frank Albe, Marco Böhme, Markus Bauer, Nils Helbig, Markus Steinhoff, Peter Penke-Wevelhoff, Christoph Penke-Wevelhoff
und Michael Weber
1 |2025 125
PROFIL
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Lagerung im MRT für die Brust-MRT in Bauchlage. Auf dem Rücken angebrachte Mess-Einheit für das Sandwich-Protokoll.
Ein weiterer Baustein in der Optimierung
der Früherkennung von Brustkrebs
Mit dem neuen Sandwich-Protokoll stellt das Team aus dem Brustzentrum am
Göttinger Bahnhof eine weitere Verbesserung der Brust-MRT vor.
Die MRT der weiblichen Brust spielt in
der Früherkennung und auch in der
Abklärung von Brustkrebs inzwischen
eine sehr wichtige Rolle. Für Frauen mit sehr
dichten Drüsenstrukturen hat sie inzwischen
die Mammographie abgelöst. So empfehlt die
Europäische Fachgesellschaft für Brustdiagnostik
EUSOBI (European Society of Breast
Imaging) den primären Einsatz der Brust
MRT noch vor der Röntgenmammographie,
wenn Frauen eine hohe Drüsendichte haben.
Zeigt die so genannte Mamma MRT bei hoher
Qualität keinen auffälligen Befund, so kann
sogar auf den Einsatz einer ergänzenden
Mammographie verzichtet werden. Der alleinige
Ultraschall spielt im Rahmen der Früherkennung
ohnehin seit langem keine entscheidende
Rolle.
Das Team aus dem Brustzentrum am Göttinger
Bahnhof setzt die MRT schon seit seiner
Eröffnung vor über 20 Jahren routinemäßig
bei Frauen mit hoher Gewebedichte ein.
Dies nutzen nicht nur Frauen aus Göttingen
und Umfeld. Vielmehr kommen viele Frauen
und Patientinnen aus ganz Deutschland ins
Brustzentrum, um mit der Brust MRT ein
hochwertiges und zuverlässiges Untersuchungsverfahren
zu nutzen.
Ärzt:innen und MTR des Brustzentrums
am Göttinger Bahnhof waren in der Vergangenheit
immer engagiert, wenn es um die Optimierung
der Mamma MRT ging. So wurden
die wesentlichen Bausteine der Brust-MRT
in Göttingen entwickelt. Dies begann schon
sehr früh um die Jahrtausendwende, als für
die Auswertung der kontrastmittel-gestützten
Brust MRT ein Punkte-System, bekannt unter
dem sog Göttingen-Score, ins Leben gerufen
wurde. Dieses Score-System hat sich bei vielen
Auswertern etabliert. Sogar aus dem Ausland
liegen Studien vor, die ihre Auswertung
auf den Göttingen-Score stützten.
EIN WEITERER BAUSTEIN zur Optimierung
der Mamma-MRT ist die Reduzierung
der gesamten Untersuchung auf unter zehn
BRUSTKREBS IN DEUTSCHLAND
∙ Neuerkrankungen pro Jahr ca. 75.000
∙ Verstorbene an Brustkrebs pro Jahr ca. 18.000
∙ Erkrankungsalter im Schnitt
(Normalrisiko) 60-65 Jahre
∙ Erkrankungsalter im Schnitt
(Hochrisiko) 40-45 Jahre
∙ Brustkrebserkrankung auf Lebenszeit
1 von 8 Frauen
∙ Anteil an Mutationsträgerinnen
1 von 20 Brustkrebserkrankten
MIO-MAMMA-MRT mit Sandwichprotokoll
∙ Indikation für MIO-Brust MRT
hohe Drüsendichte Typ 3 oder 4
∙ Dauer der Untersuchung < 10 Minuten
∙ Größe der nachweisbaren Brusttumoren
ab 3mm
∙ Kosten der MIO-MRT (gesetzlich versichert)
ca. 600 Euro
∙ Kosten der MIO-MRT (privat versichert)
ca. 850 Euro
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INFOKASTEN
Dichte DICHTE der DER weiblichen WEIBLICHEN Brust BRUST
Die Die Dichte Dichte der der Brust Brust bezieht bezieht sich auf sich den Anteil auf den an Drüsengewebe Anteil an Drüsengewebe in der
in der
Röntgenmammographie:
Dichtetyp 1 Dichtetyp 2 Dichtetyp 3 Dichtetyp 4
Fast kein
Drüsengewebe
Wenig
Drüsengewebe
Minuten. Bereits 2012 veröffentlichten die
Göttinger Ärzt:innen ein entsprechendes
First-pass-Protokoll, das zwei Jahre später
von der Arbeitsgruppe der Aachener Universität
aufgegriffen wurde und heuzutage bundesweit
zum Standard gehört. Die meisten
Anwender der Mamma MRT verabreichen das
für die Untersuchung notwendige Kontrastmittel
in einer Menge, die sich am Körpergewicht
der untersuchten Person orientiert. Dies
konnten bei einer schweren Frau durchaus
20ml Kontrastmittel und mehr sein, im Einzelfall
mehr als doppelt soviel im Vergleich zu
einer leichteren Frau. Auch dies hat das Team
aus dem Brustzentrum schon seit mehreren
Jahren geändert: Mit Blick auf die First-Pass
Diagnostik bekommen alle Frauen einheitlich
die minimal notwendige Kontrastmitteldosis
von fünf Milliliter. Mit dieser pauschalen Minimaldosierung
werden am Bahnhof seit Jahren
hervorragende MRT Bilder gewonnen.
Der bis dahin letzte Optimierungsschritt
war die Erhöhung der Pixelzahl, aus der ein
jedes einzelne Bild der Mamma MRT zusammengesetzt
ist, auf über eine Million. Waren
es in der Vergangenheit 512 x 512, später 674 x
674 Bildpunkte, so führte das Göttinger Team
im Jahr 2023 die sog. MIO-Mamma MRT mit
1.024 x 1.024 Pixeln ein. Hierfür mussten konsequenterweise
allerdings auch neue Computer
mit höherer Rechenkapazität angeschafft
werden, um diese drastisch gestiegene Zahl
an Bildinformation innerhalb weniger Minuten
bewältigen zu können. „Mit der Einführung
der MIO-Mamma-MRT spielen wird jetzt
in der Millimeter-Liga. Bei regelmäßiger MRT
alle 2 Jahre finden wir Brustkrebs in der Früherkennung
in einer Größe von durchschnittlich
8mm. Daraus resultiert eine hervorragende
Überlebensprognose“, sagt Uwe Fischer,
einer der beiden leitenden Ärzte des Brustzentrums,
diese Entwicklung. „Rein rechnerisch
bedeutet dies eine Verringerung der Sterblichkeit
an Brustkrebs auf deutlich unter fünf Prozent.
Derzeit liegt diese Quote in Deutschland
um 20 Prozent, also einem Vielfachen hiervon“,
ergänzt Friedemann Baum, der andere
der leitenden Ärzte des Brustzentrums.
Relativ viel
Drüsengewebe
Extrem viel
Drüsengewebe
Umsetzung beteiligt war, meint dazu: „In der
Vergangenheit haben wir die Lymphknoten
bei entsprechender Fragestellung in drei bis
vier Minuten abbilden können und mussten
zudem die Patientin anschließend neu lagern.
Mit dem Sandwich-Protokoll geht dies
in wenigen Sekunden und ohne Umlagerung.
Wir können diese Technik daher inzwischen
allen Frauen obligat anbieten. Damit haben
wir endlich ein komplettes Untersuchungsprotokoll:
MRT von Brust und dazugehörigen
Lymphknoten in unter 10 Minuten“.
DER ABSCHLIESSENDE KOMMENTAR von
Baum und Fischer zu dieser Thematik: Gegenwärtig
fallen uns keine weiteren Schritte zur
Optimierung der Mamma MRT ein. Wir haben
mit der MIO-Mamma MRT inzwischen ein Untersuchungsverfahren
auf höchstem Niveau.
PROFIL
Einzelbild aus dem Sandwich-Protokoll mit
Darstellung sämtlicher Lymphknoten im Bereich
der Achselhöhlen bis hinauf zum Hals (Pfeile).
MIO-Mamma MRT mit einem 4mm kleinen
Brustkrebs (Kreis).
UND DANN IST ES DAS MTR-TEAM des
Göttinger Brustzentrums, das dem Spektrum
an Bausteinen aktuell den vorerst letzten Optimierungsschritt
im wahrsten Sinne des Wortes
,oben auf‘ setzt: das sogenannte Sandwich-Protokoll.
Hierfür wird zusätzlich zur
Mammaspule, in der die Brust positioniert
ist und die Bilder der Brust erzeugt werden,
eine zweite Mess-Spule auf dem Rücken der
Frau angebracht. Beide Spulen zusammen
erlauben es, nach der Brustuntersuchung
zusätzlich Bilder sämtlicher Lymphknoten,
die für die Brust zuständig sind, abzubilden.
Und dies innerhalb einer Atemanhaltephase
von nur 17 Sekunden. Die leitende MTR Anja
El Hajab, die maßgeblich an dieser Idee und
Diagnostisches Brustzentrum Göttingen
Bahnhofsallee 1d
37081 Göttingen
Tel. 0551 820740
info@brustzentrum-goettingen.de
www.brustzentrum-goettingen.de
leben
-kalender
PREMIERE IN GÖTTINGEN
10. Mai
NDR 2
Springside Festival
LOKHALLE
Empfehlung
der Redaktion
Fünf großartige Pop-Acts an einem Abend!
NDR 2 Springside Festival
2025 mit BOSSE, JEREMIAS,
TIM BENDZKO und MINE
Am 10. Mai 2025 feiert das NDR 2 Springside Festival in der
Lokhalle Göttingen Premiere. Fünf Pop-Acts an einem Abend.
BOSSE (Foto) ist seit über 20 Jahren eine feste Größe im
deutschsprachigen Musikgeschäft. Mit Hits wie ,Schönste Zeit‘
und ,Der letzte Tanz‘ sowie Alben wie ,Engtanz‘ und ,Alles Ist
Jetzt‘ erreichte er Goldstatus und Platz 1 der Charts.
JEREMIAS treten noch vor ihrer ausverkauften Hallentour
2025 auf. Nach ihrem Erfolg mit ,golden hour‘ und ,Von Wind
und Anonymität‘ landete die Single ,Meer‘ auf Platz vier der
Deutschen Singlecharts.
TIM BENDZKO prägte die deutsche Singer-Songwriter-Szene
mit Hits wie ,Nur noch kurz die Welt retten‘ und ,Keine Maschine‘.
Er verkaufte über eine Million Tonträger und gewann
Auszeichnungen wie den World Music Award.
Die Künstlerin MINE begeistert mit tiefgründigen Texten und
innovativen Klängen. Ihr Album ,Baum‘ erreichte Platz 7 der
Charts. Sie wurde mehrfach für ihre außergewöhnliche Musik
ausgezeichnet.
Moderiert wird das Festival vom NDR 2 Morgen-Team Elke
Wiswedel und Jens Mahrhold. Tickets kosten 59 Euro inklusive
Gebühren, erhältlich an allen Vorverkaufsstellen. Das Festivalticket
gilt als kostenfreier Fahrschein für die Göttinger Verkehrsbetriebe
(GöVB). Einlass ist ab 18:30 Uhr, Beginn um
20 Uhr. Weitere Infos unter springside-festival.de.
GSO-PROMENADENKONZERT
23. MAI 2025, 19:45 Uhr
Stadthalle Göttingen
„Brilliant! Excellent!”, würden die Londoner sagen.
„Ein richtiges Promenadenkonzert!“ Chefdirigent
Nicholas Milton lässt den großen Ohren-Spaß standesgemäß
ins Finale mit Elgars erstem Pomp-and-
Circumstance-Marsch münden.
128 1 |2025
leben
Kulturtipps für
Göttingen
Juergen Teller
Auschwitz Birkenau
Bis 01. Juni
Kunsthaus Göttingen
Das Kunsthaus Göttingen öffnet im März 2025
endlich wieder seine Tore. Wer es bisher noch nicht
geschafft hat, sollte nun seine Möglichkeit für
einen Besuch im jüngsten Kulturhaus Göttingens
nutzen. Zum 80-jährigen Jubiläum der Befreiungen
der Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau
präsentiert Juergen Teller eine Fotodokumentation
der KZ-Gedenkstätte.
Inken Kautter
Leiterin des Fachbereichs Kultur,
Göttingen
Inken Kautter wurde 1978 in Lübeck
geboren. Nach dem Studium der Philosophie
und Theaterwissenschaft in München und Berlin leitete sie
Freie Bühnen in Berlin, Halle (Saale) und Köln, arbeitete als
Dramaturgin, Autorin und Regisseurin und nahm in Bad Oldesloe
ein Kultur- und Bildungszentrum in Betrieb. Seit 2022
leitet sie den Fachbereich Kultur der Stadt Göttingen dem das
Städtische Museum, das Stadtarchiv, die Bibliotheken und
der Kulturbereich zugeordnet sind. Ihre Freizeit verbringt sie
am liebsten mit ihrer Familie und Freunden bei ausgedehnten
Kulturbesuchen.
Pastorale Elektro
Donnerstag 08. Mai / 20 Uhr / musa
Eine ungewöhnliche Paarung trifft mit den virtuosen
Musikerinnen und Musikern des GSO und Leon
Weber aufeinander. Weber tourt unter dem Pseudonym
LCAW mit seinen Deep-House-Kompositionen
auf der ganzen Welt, seine DJ-Mixes werden
millionenfach gestreamt. Eine musikalische Begegnung
über Grenzen zwischen Musik und Publikum
zwischen Klassik und Club, Kammermusik und
Elektronik.
Open Sound
26./27. Juni 10./11. Juli , 07./08. August
auf dem Wochenmarktplatz
Live-Musik umsonst und draußen, Nachbarn und Freunde
treffen, den Abend in der Innenstadt genießen. Das kann in
diesem Sommer erstmalig bei den sechs Open-Sound-Konzerten
auf dem Wochenmarktplatz erlebt werden. Eröffnet
wird die Reihe am 26. Juni von DOTA und Band die in
Göttingen bereits eine treue Fangemeinde durch Auftritte
im Deutschen Theater und in der musa aufgebaut haben.
NACHT DES WISSENS
21. JUNI 2025, 17:00 BIS 0:00 Uhr
Die Uni Göttingen, UMG, HAWK, Sartorius
und andere stellen ihren ,Wissensmarathon‘
vor: Verschiedene Locations mit Themen wie
Soziales, Medizin, Technik, Mathe – alles ist dabei,
und an jeden wird gedacht.
1 |2025 129
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