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www.faktor-erfolgsgeschichten.de 21. Jahrgang Frühjahr 2025 8 Euro

› MEHR ALS EIN MAGAZIN

› DAS MAGAZIN FÜR ERFOLGSGESCHICHTEN

24

Erfolgsgeschichte

Ultra-Radfahrer Fritz Geers hat 5.000 Kilometer

Zeit, das ,Race across America‘ in Rekordzeit zu

gewinnen – und sich selbst zu besiegen. 28


Jetzt auch in Heiligenstadt!

„Wer die Pflicht hat, Steuern zu zahlen, hat auch

das Recht, Steuern zu sparen.“ – BGH-Urteil 1965

Um es gleich vorwegzunehmen: Auch wir können

Ihnen die Steuern nicht ersparen.

Mit unserem Team von weit mehr als 100 Steuerfachkräften

stehen wir Ihnen jedoch mit einem breiten

Spektrum an Expertise zur Seite, um Ihre Steuerlast

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Wir unterstützen Sie sowohl an unseren Standorten

in Göttingen und Heiligenstadt als auch bundesweit.

Wir freuen uns auf Ihre Kontaktaufnahme.

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Niederlassung Heiligenstadt

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editorial

Stellen Sie sich vor, wir leben in der Steinzeit. Es ist Nacht, die Dunkelheit kriecht aus

den Wäldern. Doch inmitten dieser Finsternis brennt ein Feuer. Menschen sitzen darum,

eng beieinander, ihre Gesichter vom Schein der Flammen erhellt. Und während das Holz

knistert, beginnt jemand zu erzählen. Die Funken des Feuers sind wie die Funken der

Geschichten – sie springen über, entzünden Gedanken, wecken Emotionen.

THEN.NOW.NEXT.

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Ihr 360-Grad-

Büroversorger

Der Künstler Kain Karawahn, den wir für diese Ausgabe trafen, kennt diese Kraft

des Feuers genau. Doch für ihn ist es nicht nur Mythos oder Metapher, sondern eine

ganz reale Fähigkeit, die es zu meistern gilt. Er bringt Kindern bei, mit Feuer umzugehen

– nicht in Angst, sondern in Kompetenz. Denn Feuer ist nicht nur Gefahr,

sondern auch Kultur, Fortschritt, Begegnung. Den Beitrag über Feuer & Flamme

finden Sie ab Seite 46.

Ist ein gut gemachtes Magazin nicht genau das? Ein modernes Lagerfeuer. Statt in

einer Höhle oder auf einer Lichtung versammeln wir uns heute an anderen Orten: in

den Tiefen von Social Media, vor dem Bildschirm einer Netflix-Serie oder – so wie Sie

gerade – mit einer Ausgabe von faktor in der Hand. Doch der Kern ist derselbe geblieben.

Es geht um Geschichten. Um Inspiration. Um Wissen, das weitergegeben wird.

So wie die Geschichte von Fritz Geers. Für diese Ausgabe hatten wir Gelegenheit, mit

ihm in Clausthal-Zellerfeld zu sprechen – einem der beeindruckendsten Ultracyclists

Deutschlands. Beim ,Race Across America‘ (RAAM) – einem der härtesten Ultracycling-Rennen

der Welt – fuhr er 2023 unglaubliche 5.000 Kilometer in 10 Tagen, 21

Stunden und 9 Minuten. Damit wurde er der jüngste deutsche Finisher in der Geschichte

dieses Rennens. Doch das reicht ihm nicht: In diesem Jahr will er das RAAM

gewinnen – in Rekordzeit! Ein beeindruckendes Beispiel für Fokus, Disziplin und

Leidenschaft. Davon wird er uns persönlich berichten – bei der 44. faktor-Business-Lounge

am 17. April 2025.

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... von frischem Obst, Snack-Boxen,

Erste-Hilfe und Hygiene-Artikel bis

hin zu cleveren Büro-Highlights

Mehr auf Seite 90

Ob Lagerfeuer, brennende Leidenschaft oder die lodernde Entschlossenheit eines Athleten

– diese Ausgabe von faktor möchte genau dieses Feuer entfachen. Mit Ideen, die

Funken schlagen. Mit Menschen, die für etwas brennen. Und mit Geschichten, die

nicht nur wärmen, sondern auch leuchten.

Einfach

anmelden

JAHRE

Willkommen am Lagerfeuer.

Willkommen bei faktor.

P

Direkt

Wir denken Büro neu.

an unserem Ausstellungszentrum stehen

ausreichend kostenlose Parkplätze zur Verfügung.

KARL-ARNOLD-STRASSE 4 · 37079 GÖTTINGEN

0551 50669-0

INFO@STRUCKMEIER.DE

WWW.STRUCKMEIER.DE

Ihr Marco Böhme

Herausgeber

boehme@faktor-magazin.de

1 |2025 3


inhalt

service

3 Editorial

8 Momentaufnahmen

Besondere Augenblicke

im Foto festgehalten

16 Nachbericht

Das war die 43. faktor-Business-

Lounge live beim GSO

64 Staat stranguliert sich selbst

Unternehmen und Bürger verzweifeln

an der Bürokratie. Doch ist der Staat

wirklich überreguliert? faktor begibt sich

auf Spurensuche in einem sich lähmenden

System. Denn es gibt auch Hoffnung.

24 Am Lagerfeuer

Neues vom faktor-Podcast

130 Impressum

mensch

28 Friede, Freude, Fahrradhölle

Fritz Geers will es noch einmal

wissen und startet in diesem Jahr

beim ,Race across America‘

42 Shortlist

faktor nennt die Namen, die Sie sich

jetzt merken müssen

58 Bock auf Händel

Die Händel-Festspiele gehören fest

in den Göttinger Event-Kalender.

Doch was macht die Reihe in

diesem Jahr so besonders?

unternehmen

76 Broistedt und Riethig im

Interview

Machen Verwaltungen Bürokratie

wirklich zu kompliziert?

80 Rechtstipp: Güterstandsschaukel

Mit ihr lässt sich Vermögen

zwischen Ehepartnern steuerfrei

übertragen – und das kann auch

bei der Erbschaftsplanung enorme

Vorteile bringen

wissen

110 Shortlist

Nachrichten aus Wissenschaft &

Forschung

126 Neue Option im Kampf gegen

Brustkrebs

Wie ein Sandwich blitzschnelle

und präzisere Diagnosen

ermöglicht

leben

124 Nicht alle Helden tragen Umhang

Die PFH Private Hochschule Göttingen

verleiht erneut das Chancenstipendium.

faktor gehört zu den Stiftern

128 Event-Tipps

Ausflugstipps von der faktor-

Redaktion und von Inken Kautter,

Fachbereichsleiterin Kultur bei der

Stadt Göttingen

4 1 |2025


46 Feuer und Flamme

118 Der Teufel im Kopf

Ein aggressiver Hirntumor, eine bahnbrechende Idee und zwei Wissenschaftler, die

Forschung in eine lebensrettende Therapie verwandeln wollen – Virginie Clement-Schatlo

und Sammy Mahdi kämpfen mit ihrem Startup Glitther für eine neue Behandlung des

Glioblastoms. Doch der Weg von der Entdeckung zur marktreifen Therapie ist steinig.

Kann ihre Innovation die Medizin revolutionieren?

Kain Karawahn hüllte einmal die Berliner

Mauer in Flammen und schenkte seiner

Freundin verbrannte Rosen. Der Künstler

hat sein inneres Feuer gefunden. Nun

gibt er sein Wissen an Kinder weiter,

damit diese lernen, verantwortungsund

kunstvoll mit dem vermeintlich

gefährlichen Licht umzugehen.

94 Überzeugend nachhaltig

82 Pedale für alle

Ein eigenes Profi-Rennrad? Für viele zu teuer. Doch genau dort setzen Fabian Helbing

und Franz Bayer mit ihrem Unternehmen ,Paceheads‘ an. Statt teurer Anschaffung einfach

mieten – mit diesem Konzept bringen sie mehr Menschen aufs Rad. In Göttingen und

Hamburg bauen sie eine Community auf, die den Radsport für alle zugänglich macht.

Nachhaltig wollen alle sein. Aber wie

setzen es Unternehmen in der Region

wirklich um? faktor hat sich umgehört

und nach inspirierenden Geschichten

gesucht – und gefunden. Dabei steht

außer Frage: Wer nachhaltig denkt, wird

erfolgreicher.

1 |2025 5


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Seite 1 von

Regional bekannter werden in Südniedersachsen.


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Göttingen

Business-Austausch mit...

„Ich empfehle den faktor-Club jeder Person, die neue Kontakte, Inspiration und frische Perspektiven sucht. Das Besondere:

Jede Veranstaltung ist anders – und man nimmt jedes Mal neue Impulse mit nach Hause.“

Anna Medecke, Personal und Marketing, HORST MEDECKE GMBH

„Wir sind Mitglied im faktor-Club, um unsere regionale Präsenz zu stärken. Der Club bietet uns wertvolle Möglichkeiten zur

Sichtbarkeit – sei es im faktor-Magazin, auf exklusiven Veranstaltungen oder digitalen Plattformen. Der branchenübergreifende

Dialog schafft kreative Synergien, die unser Unternehmen voranbringen.“

Olaf Feuerstein, Geschäftsführender Gesellschafter, Hotel Freizeit In GmbH

„Der faktor-Club bietet in wunderbarem Ambiente eine Möglichkeit, regional interessante Persönlichkeiten kennen zu lernen

und mit ihnen in einen Austausch zu treten. Gleichzeitig werden Erfahrungen geteilt und die kurzen, aber prägnanten Vorträge

zu Themen oder Innnovationen aus der Region bereichern diese Zeit in außergewöhnlichem Maße.“

Steve Wery, Geschäftsführender Gesellschafter, Autohaus Becker-Tiemann Leinetal

„Durch die regelmäßigen Veranstaltungen des faktor-Clubs konnte ich in den letzten Jahren einige Impulse mitnehmen, die

mich unternehmerisch vorangebracht haben. Für mich ist der faktor-Club eines der wichtigsten Business-Netzwerke – immer

auf Augenhöhe und wertschätzend.“

Sascha Riedeberger, Geschäftsführer, PMG Verpackung und Logistik GmbH

Werden Sie jetzt Mitglied


momentaufnahmen

Momentaufnahmen

faktor lässt besondere Ereignisse in der Region mit ausgewählten Impressionen

Revue passieren.

TEXT CHRISTIAN VOGELBEIN FOTOGRAFIE ALCIRO THEODORO DA SILVA

8 1 |2025


momentaufnahmen

Festhalten

Und, mit wie viel Disziplin sind Sie in das neue

Jahr gestartet? Inspiration boten auch diesmal

wieder die Künstler beim Feuerwerk der Turnkunst

in Göttingen. Training, Fleiß, Disziplin –

oder sie fallen herunter. Dass es am Ende dann

auch noch so wunderschön aussieht, erfreut

auch den Zuschauer.

1 |2025 9


momentaufnahmen

Andere Welten

Den Puppen erzählen Kinder ihre tiefsten Geheimnisse, Wünsche und Träume.

So werden sie irgendwann zu Fantasiegestalten. Und eine Kunst, die zu den 38.

Figurentheatertagen in Göttingen gefeiert werden. Diese Nachtkatze auf Stelzen

hat ihr Nest übrigens im Theater der Nacht in Northeim.

10 1 |2025


momentaufnahmen

1 |2025 11


momentaufnahmen

Göttingen jazzt wieder

Das 45. Göttinger Jazzfestival konnte im November endlich wieder ein Programm im

Vor-Corona-Umfang anbieten. Internationale Künstler boten feinste Improvisationskunst von den

Ursprüngen des Jazz bis zu Grenzgängen entlang von Folk, Minimal, World Musik, Neuer Musik

und Techno. Der US-amerikanische Trompeter Theo Croker (Foto) eröffnete mit seiner Band das

große Programmwochenende im Deutschen Theater mit Gospel, Blues, Jazz, Soul und Funk.

Neben vielen Einzelkonzerten wurde erstmals auch eine Art-Techno-Jazz-Party mit

DJ Leonhard Kuhn im DT-Keller gefeiert.

12 1 |2025


momentaufnahmen

Auf Biegen und Lächeln

Die Schönheit des menschlichen Körpers zeigt sich im Tanz.

So schön, dass in diesem Jahr der ASC zur 1. Bundesliga

Standard-Tanz vor heimischer Kulisse glänzt – und das nicht

nur mit einem schönen Lächeln. Bestleistung!

1 |2025 13


momentaufnahmen

Göttingen jazzt wieder

Das 45. Göttinger Jazzfestival konnte im November endlich wieder ein Programm im

Vor-Corona-Umfang anbieten. Internationale Künstler boten feinste Improvisationskunst von den

Ursprüngen des Jazz bis zu Grenzgängen entlang von Folk, Minimal, World Musik, Neuer Musik

und Techno. Der US-amerikanische Trompeter Theo Croker (Foto) eröffnete mit seiner Band das

große Programmwochenende im Deutschen Theater mit Gospel, Blues, Jazz, Soul und Funk.

Neben vielen Einzelkonzerten wurde erstmals auch eine Art-Techno-Jazz-Party mit

DJ Leonhard Kuhn im DT-Keller gefeiert.

14 1 |2025


momentaufnahmen

170

So viele Künstler waren in diesem Jahr bei der Kunstgala in Göttingen.

Und nach mehr als 60 Jahren ist auch ,Barbara‘ wieder auf der Bühne.

Zwar nicht in echt, aber in Form des gleichnamigen Stücks, hier ausschnittweise

vom Jungen Theater.

1 |2025 15


aktuelles

Die erste Geige und

der zweite Eindruck

Die 43. faktor-Business-Lounge bietet zum wiederholten Mal ein

außergewöhnliches Erlebnis mit dem Göttinger Symphonieorchester

TEXT CHRISTIAN VOGELBEIN FOTOGRAFIE ALCIRO THEODORO DA SILVA

14 16 1 | 2025


aktuelles

Die 43. faktor-Business-Lounge war eine Veranstaltung der besonderen Art.

In Zusammenarbeit mit dem Göttinger Symphonieorchester erhielten die

Teilnehmenden einen einzigartigen Einblick in die Verbindung von musikalischer

Leitung und moderner Unternehmensführung. Unter der inspirierenden Führung

von Chefdirigent Nicholas Milton wurde eindrucksvoll vermittelt, wie klare

Kommunikation, Empathie und Begeisterung eine Gruppe – sei es ein Orchester

oder ein Unternehmen – zu Höchstleistungen führen können.

Schon in den einleitenden Worten von Milton

und faktor-Herausgeber Marco Böhme wurde

deutlich, dass diese Business-Lounge keine gewöhnliche

Veranstaltung sein würde. Hier

ging es nicht nur um abstrakte Führungsprinzipien,

sondern darum, Führung im wahrsten Sinne des

Wortes zu erleben – mit allen Sinnen.

DAS ABSOLUTE HIGHLIGHT der Veranstaltung war die

offene Orchesterprobe, bei der die Gäste die seltene Gelegenheit

hatten, nicht nur zuzuhören, sondern sich mitten

ins Geschehen zu begeben. Wer wollte, konnte sich

direkt zwischen die Musiker setzen und das Orchester

aus einer Perspektive erleben, die sonst nur den Mitgliedern

des Ensembles selbst vorbehalten ist.

Diese unmittelbare Nähe war für viele ein bewegender

Moment. Man hörte nicht nur die Musik, sondern spürte

sie. Der feine Klang der Streicher vibrierte in der Luft,

die kraftvollen Bläser erzeugten eine fast greifbare Welle

aus Klang und die leichten Bewegungen der Schlaginstrumente

gaben den Rhythmus vor, den alle gemeinsam

aufnahmen.

Die Gäste konnten live beobachten, wie Nicholas Milton

das Ensemble mit minimalen, aber präzisen Gesten

führte. Mit einer kleinen Handbewegung veränderte er

Dynamik und Tempo, mit einem Blick schuf er Spannung

oder löste sie auf. Die Musiker reagierten sofort –

eine perfekte Demonstration für Teamarbeit und Vertrauen

in die Führung.

Ein besonderes Augenmerk lag darauf, wie eng die

Prinzipien aus der Musik mit erfolgreicher Führung in

anderen Bereichen verknüpft sind. „Ein Orchester ist ein

hervorragendes Beispiel für funktionierende Teamarbeit“,

erklärte Nicholas Milton. „Jeder Einzelne ist

hoch qualifiziert, aber nur im perfekten Zusammenspiel

entsteht wahre Magie.“

MILTON SPRACH ÜBER DIE HERAUSFORDERUNGEN,

ein Ensemble zu leiten, das aus so vielen individuellen

Persönlichkeiten aus unterschiedlichen Ländern besteht.

Ähnlich wie in einem Unternehmen bringt jeder Musiker

seine eigene Expertise und seinen eigenen Stil mit, doch

erst durch eine klare gemeinsame Vision entsteht eine

harmonische Gesamtleistung.

1 |2025 15 17


aktuelles

Charmant begeistern ließen sich die

Besucher von der besonderen Art des

Dirigenten. Im Anschluss durften sie

wortwörtlich mitten im Orchester Platz

nehmen, lauschen und erleben.

Während die Musiker proben, nehmen die

Gäste jeden Klang und jede Regung der

Künstler wahr. Ein eindrucksvolles Erlebnis

für alle.

14 18 1 | 2025


aktuelles

DIESE PRINZIPIEN LIESSEN SICH EINS ZU EINS AUF

FÜHRUNGSKRÄFTE IN DER WIRTSCHAFT ÜBERTRAGEN.

Die Teilnehmenden konnten wertvolle Erkenntnisse darüber

gewinnen, wie entscheidend Motivation, Kommunikation

und Inspiration für den Erfolg eines Teams sind.

NACH DER PROBE bot sich den Gästen die Gelegenheit, mit

den Musikern direkt ins Gespräch zu kommen. Die Stimmung

war gelöst, es wurde diskutiert, gelacht und reflektiert.

Viele waren fasziniert davon, wie sehr sich die Arbeit im

Orchester mit der Dynamik eines Unternehmens vergleichen

lässt. Besonders spannend war es, die persönlichen Perspektiven

der Musiker zu hören. Sie erzählten von den Herausforderungen,

täglich auf höchstem Niveau zu performen, und davon,

wie wichtig eine starke Führung für ihren Erfolg ist.

DIE TEILNEHMENDEN gingen nicht nur mit neuen Ideen

nach Hause, sondern auch mit einem tieferen Verständnis

für die Kraft der Inspiration. Denn ob auf der Bühne oder im

Büro – die besten Leistungen entstehen dann, wenn Menschen

mit Begeisterung, Klarheit und Vertrauen geführt werden.

Und so war diese Business-Lounge nicht nur ein intellektuelles

Erlebnis, sondern vor allem eine emotionale Reise,

die noch lange nachhallen wird.

"... auf der Bühne oder im Büro –

die besten Leistungen entstehen dann,

wenn Menschen mit Begeisterung,

Klarheit und Vertrauen

geführt werden."

Sie haben die Lounge verpasst?

Kein Problem. Weitere Impressionen der

43. faktor-Business-Lounge finden Sie unter:

faktor-magazin.de/bildergalerien-faktorbusiness-lounge

1 |2025 19 15


aktuelles

Neulich im

Headquarter

faktor-Club

Echte Treffen.

Echter Austausch.

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Der faktor-Club bietet hervorragende Gelegenheiten,

Genuss und Netzwerken miteinander zu verbinden.

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Beim ersten Frühstück des Jahres war

Johannes Loxen von SerNet zu Gast und inspirierte

mit einem Einblick in die Anforderungen und

Auswirkungen von NIS 2. Die EU-Richtlinie hat

das Ziel, kritische Infrastrukturen datensicher zu

machen.

Ebenfalls besonders groß war das Interesse, als

Sales-Expertin Katharina Stapel zu Gast war. Die

Inhaberin der Stapelfux GmbH in Bad Gandersheim

schaffte mit ihrem Impuls ,Warum digitales

Verkaufen gescheitert ist‘ spannende Einblicke in

die Herausforderungen und Chancen digitaler Verkaufsstrategie.

Einer ihrer Hauptpunkte: In größeren

Unternehmen sprechen Marketing und Vertrieb

oft nicht miteinander, um eine ordentliche Übergabe

im Sinne der Kunden zu gewährleisten.

Seit Jahresbeginn findet der faktor-Mittagsclub im StartRaum Göttingen statt. Bei

der Premiere im Januar begrüßte Gründer Jonas Brunnert die Gäste und berichtet,

wie die Mischung aus Coworking-Space und Café funktioniert und viele junge

Unternehmer zusammenbringt und inspiriert. Bei einer geführten Tour durch die

Räume durften sich die Teilnehmer davon überzeugen, wie gut das Angebot bereits

angenommen wird.

Für den Mittagsclub kehrte Christoph Köchy (Foto) in seine alte Heimat zurück.

Seine Geschichte begann 2005 mit der Gründung der Uni-Liga Göttingen,

die sich schnell als Erfolgsmodell etablierte. Mit dieser Erfahrung im Rücken ging

Köchy den nächsten Schritt: Er begleitete die Kleinfeld-Weltmeisterschaft und

brachte das Konzept auf ein neues Level. Heute arbeitet er unter anderem mit

Fußballgrößen wie Thomas Müller und Toni Kroos zusammen.

Sie möchten dabei sein?

Hier gelangen Sie zum faktor-Club – oder

schreiben Sie direkt an Marco Böhme:

herausgeber@faktor-magazin.de.

20 1 |2025


Mehr als ein Magazin

www.mehralseinmagazin.de 11. Jahrgang Heft 20 2025 3 Euro

DIE

ZUKUNFT

RUFT

aktuelles

faktorAZUBI

Inspirierende Einblicke und praktische

Tipps für Schüler und Ausbilder

t

48

AZUBI 1·2025

10 Test

Was sagt Mr. KI?

Wo soll meine

Reise hingehen?

10 Test

Ein Blick ins Jahr 2050

HAUSTIER-

INFLUENCER-COACH

Wo soll meine

Reise hingehen?

Im Jahr 2025 posten bereits viele Menschen die Abenteuer ihrer Haustiere auf Social Media.

2050 wird dies ein riesiger Markt sein. Der Haustier-Influencer-Coach trainiert Be lo und Miezi

für das perfekte Pfoten-Selfie oder die lustigste Hamsterrolle. Spezialkurse wie "Der perfekte

Katzenblick" oder "Virale Tricks für Hunde" machen den Erfolg planbar.

10 Test

Wo soll meine

Reise hingehen?

HOLOGRAMM-

INNENARCHITEKT

Hologramme sind 2025 noch ein Gimmick, aber in 25 Jahren können sie ganze Räume gestalten.

Hologramm-Innenarchitekten entwerfen virtuelle Umgebungen, die reale Wände und

Dekorationen ersetzen. Vom mediterranen Strand im Wohnzimmer bis zum mittelalterlichen

Schloss im Homeoffice – die Möglichkeiten sind grenzenlos.

10 Test

Wo soll meine

Reise hingehen?

10 Test

Wo soll meine

Reise hingehen?

IT oder in die Pflege?

Wir haben drei Betriebe besucht

AZUBI 1·2025

49

Die neue Ausgabe des faktorAZUBI bietet

spannende Geschichten, praxisnahe Ratschläge

und einen Blick in die Zukunft der

Ausbildung. Perfekt für Schüler, aber auch

für Unternehmen, die Auszubildende suchen

und neue Impulse für ihre Ausbildungsprogramme

gewinnen möchten.

Pflegeberuf hautnah erleben

Luca Burandt und Younes Nokrachi berichten

von ihrer Ausbildung zum Pflegefachmann

in der Helios Albert-Schweitzer-Klinik

in Northeim. Sie zeigen, wie erfüllend der

Pflegeberuf ist und warum ein unterstützendes

Arbeitsumfeld so wichtig ist.

IT-Karriere bei Arineo in Göttingen

Bei Arineo lernen IT-Systemelektroniker praxisnah

und teamorientiert. Ausbilder Tobias

Dauer-Girtzig erklärt, wie das Unternehmen

junge Talente fördert und sie optimal auf

ihre berufliche Zukunft vorbereitet.

Tipps für den Ausbildungsstart

,Käpt’n Chaos‘ gibt hilfreiche Ratschläge,

wie Azubis von Beginn an Struktur in ihren

Alltag bringen können.

Berufe der Zukunft: Ein Blick ins Jahr 2050

Von Drohnensupervisoren bis Virtual-Reality-Architekten

– welche Berufe könnten in 25

Jahren entstehen?

Nachhaltigkeit im Fokus

Zehn einfache Tipps, wie junge Menschen

im Alltag umweltbewusster handeln können.

Eine Anregung für Unternehmen,

Nachhaltigkeit auch im Ausbildungsalltag

zu thematisieren. Sprechen Sie uns gleich an,

wenn Sie in der nächsten Ausgabe im Herbst

dabei sein möchten!

Kontakt: sawada@faktor-magazin.de

Geburtstag

20 Jahre faktor: ,Magie der Begegnung‘

In diesem Jahr feiert faktor ein ganz besonderes Jubiläum: Seit 20 Jahren berichten wir über inspirierende

Erfolgsgeschichten aus Südniedersachsen. Zwei Jahrzehnte, in denen wir Menschen und Unternehmen

der Region in den Mittelpunkt gestellt haben.

Unser Jubiläumsjahr steht unter dem Motto

,Magie der Begegnung‘ – denn genau das

macht faktor aus.

Seit 2004 bringen wir die spannendsten

Persönlichkeiten zusammen, teilen ihre Geschichten

und schaffen so Verbindungen, die

inspirieren und begeistern. Ob innovative

Unternehmen, mutige Unternehmerpersönlichkeiten

oder kreative Vordenker – sie

alle prägen die Region und machen sie

lebendig.

Wir freuen uns darauf, dieses Jubiläum

gemeinsam mit unseren Lesern, Partnern

und Wegbegleitern zu feiern und weiterhin

Brücken zwischen den Menschen und Ideen

dieser Region zu bauen. Drei magische

Höhepunkte stehen bevor: Unsere Jubiläumsfeier

am 26. September 2025 in

Göttingen, die Jubiläumsausgabe im Herbst

mit den besten Netzwerk-Storys und unsere

neue und exklusive Online-Community.

1 |2025 21


faktor-Events

Ambition und Disziplin

mit Ultrasportler Fritz Geers

aktuelles

Bei der 44. faktor-Business-Lounge werden Grenzen überwunden.

Herausforderungen annehmen, Rückschläge

überwinden und über sich hinauswachsen

– genau darum geht es bei der 44.

faktor-Business-Lounge am 17. April im

Startraum Göttingen. Unser besonderer

Gast: Ultra-Fahrradfahrer Fritz Geers.

In seinem inspirierenden Vortrag

,Der Weg ist Ziel genug‘ gibt der

Extremsportler spannende Einblicke in seine

Welt des Ultracycling und zeigt, wie klare

Zielsetzung, strategische Planung und mentale

Stärke zum Erfolg führen. Anhand seiner

persönlichen Erfahrungen erfahren Sie,

wie man ambitionierte Herausforderungen

meistert, sich auf große Rennen vorbereitet

und gemeinsam mit einem starken Team

Spitzenleistungen erzielt. Über sein großes

Projekt – das ,Race across America‘ – lesen

Sie mehr ab Seite 28.

Lassen Sie sich von seinem außergewöhnlichen

Weg motivieren, und nehmen Sie wertvolle

Impulse für Ihren eigenen beruflichen

und persönlichen Erfolg mit. Tickets gibt es

online unter https://www.faktor-magazin.

de/faktor-business-lounge-start/ Melden Sie sich jetzt an! ▸

Echter Austausch

Erfolgreich vernetzen in

der faktor-Community

Social Media ist oft geprägt von Algorithmen, Reichweitenstrategien

und oberflächlichen Diskussionen. Doch in der faktor-Community

auf der Plattform ,Skool' geht es anders zu: Hier

stehen echter Austausch, wertvolle Verbindungen und gemeinsames

Wachstum im Mittelpunkt.

Die Community richtet sich an Unternehmer, Selbstständige und

Führungskräfte in Südniedersachsen, die ihre Bekanntheit nachhaltig

steigern und ihr Netzwerk gezielt ausbauen möchten – ohne

großes Marketingbudget. Neben Erfolgsstrategien für mehr Sichtbarkeit

und Business-Storytelling bietet die Plattform Raum für

regionale Themen: neue Restaurants, spannende Events und wirtschaftliche

Entwicklungen.

Hier zählt nicht die Anzahl der Likes, sondern der Mehrwert für

alle. Mitglieder teilen Erfahrungen, unterstützen sich gegenseitig

und gestalten gemeinsam die Zukunft der Region.

Jetzt kostenlos beitreten und Teil dieser

starken Community werden!

22 1 |2025


Empl Owned

Verantwortung statt Veräußerung

Ein Unternehmen ist mehr als ein Geschäftsmodell – es ist auch ein Versprechen

an die Menschen, die es tragen. Indem wir unser Unternehmen in das Verantwortungseigentum

der Belegschaft überführt haben, halten wir das Versprechen,

das wir uns bei der Gründung der Arineo GmbH vor sechs Jahren gegeben haben.

Wir bleiben unabhängig, beständig und gemeinsam stark – weil unser Unternehmen

uns allen gemeinsam gehört. Erfahren Sie mehr über unsere innovative

Unternehmensform der Employee Owned Company:

www.arineo.com/eoc

Wir sind Gründungsmitglied der Initiative

Finde hier heraus, welcher Berufseinstieg zu dir passt!

www.arineo.com/berufseinstieg

passion to empower people


aktuelles

Das schnelle und das ewige Eis

Im faktor-Podcast erzählen spannende

Persönlichkeiten ihre besonderen Geschichten

Der faktor-Podcast ,Onfire‘ gibt spannende Einblicke in das Leben und die

beruflichen Herausforderungen von Persönlichkeiten aus Südniedersachsen.

Gastgeber Marco Böhme und Christian Vogelbein führen in jeder Episode

inspirierende Gespräche, die Zuhörerer zum Nachdenken anregen und die

Erfolgsgeschichten der Region erlebbar machen.

Mit Cartoonist MAXIM SEEHAGEN aus Northeim

haben wir darüber gesprochen, was KI mit Kunst und

Künstler macht. Wir sprechen darüber, dass es oft

reicht, einfach nur zuzuhören, um inspiriert zu werden.

Seehagen ist als Autor und Zeichner erfolgreich

und plant ein eigenes Bühnenprogramm.

PAUL SINIZIN ist Geschäftsführer des Millionen-Unternehmens

Bikeleasing in Vellmar und Uslar.

Sein Herz gehört dem Eishockey. Als er in jungen

Jahren aus Sibirien nach Deutschland kam, verliebte

er sich in die Eisarena in Kassel. Heute ist er dort

Geschäftsführer und investiert sein Vermögen in die

Weiterentwicklung des Standorts. Welche besonderen

Fähigkeiten er in Mitarbeitern sucht und warum

er selbst nie Eishockey-Profi geworden ist, erzählt er

uns im großen Interview im faktor-Magazin und im

Podcast.

Fotografin MARGITTA HILD aus Scheden

lebt ihre Leidenschaft für die Naturfotografie

in den faszinierendsten Winkeln des

Nordens aus. Ihre Bilder, die in renommierten

Magazinen und Kalendern erschienen

sind, zeigen die Natur in ihrer atemberaubenden

Vielfalt und Schönheit. Ein Blick

hinter die Kulissen verrät: Jeder ihrer

Schnappschüsse ist das Ergebnis harter Arbeit,

Liebe zur Natur und einem besonderen

Gespür für den perfekten Moment. Im

Podcast nimmt sie uns mit auf eine Reise in

den Norden dieser Welt.

Verpassen Sie keine neue

Folge. Besuchen Sie die

faktor-Website unter

www.faktor-magazin.de/

onfire-podcast

PETER MÜLLER-KRONBERG ist geschäftsführender Gesellschafter der

ZUFALL Logistig Group. Warum sich das Familienunternehmen mit dem

ZufallLab ein Millionen-Haus für die Zukunfsforschung leistet, warum es eine

gute Idee war, Elektro-Lastwagen zu kaufen und in welchen Augenblicken

Müller-Kronberg ins Hadern kommt, hat er faktor-Herausgeber Marco Böhme

und Redaktionsleiter Christian Vogelbein erzählt.

24 1 |2025


aktuelles

Starke Frauen in

der Sommerausgabe

Am 27. Juni erscheint der Sommer-faktor.

Erneut setzen wir auf starke Frauen, die

etwas bewegen!

Wir suchen inspirierende Unternehmerinnen,

die ihre Erfolgsgeschichte mit uns teilen

möchten. Wir suchen innovative Ideen, neue

Gedanken und mutige Frauen. So wie

Alexandra Demuth, die wir 2024 vorgestellt

haben. Sie übernahm als erste Frau in vierter

Generation die Geschäftsführung der

traditionsreichen Katlenburger Kellerei –

eine beeindruckende Story mit dem Titel

,Head of Fruchtwein‘.

Welche inspirierende Unternehmerinnen

und Entscheiderinnen kennen Sie? Welche

innovative Idee lässt Sie aktuell nicht los?

Erzählen Sie uns davon und finden Sie im

Sommer-faktor die Reichweite, die Ihre Geschichte

verdient.

Schreiben Sie jetzt unserem

Redaktionsleiter, Christian Vogelbein

vogelbein@faktor-magazin.de

Kredo-Ostermenü in 4 Gängen

Vorspeisen: Spargelsuppe, Rahm, feine Spargelspitzen I

Ziegenkäse „Landolfshausen“ geflämmt, Erbsensalsa, Radieschen

vom Kredo Hof

Hauptgänge: Gratinierter Stangenspargel mit Salsa Créole I

ganze Forelle Müllerin-Art mit Nussbutter I gegrilltes Simmentaler

Roastbeef mit Burgunder-Jus I Landgockel mit Bärlauch- Velouté

oder geschmorte Osterlammkeule mit Tymian-Jus I Beilagen nach Wahl

Desserts: Himbeer Sorbet, marinierte Erdbeeren,

Double-Choc-Tartelett und vieles mehr

Termin/Reservierung: 20. & 21. April mittags –

Telefon 0551 77075066 info@restaurant-kredo.de

Kredo-Backwaren zum Abholen

Butter-Brioche, Sauerteig oder glutenfreies Brot, Maiskranz mit

Cranberries, von traditioneller Eierlikörtorte mit Heidelbeeren,

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KMU in Deutschland Cyber-Angriffe als bedrohlichste

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wissen

28 1 |2025


wissen

Friede, Freude,

FAHRRADHÖLLE

Zehn Tage, 5.000 Kilometer, zwei Stunden Schlaf pro Nacht:

Fritz Geers aus Clausthal-Zellerfeld bereitet sich auf das ,Race across

America‘ vor. 2023 war er ,nur dabei‘, diesmal will er über sich hinaus

wachsen und ganz vorne dabei sein. Warum er jetzt schon Angst vor dem

Zieleinlauf hat – sich aber trotzdem nichts anderes vorstellen kann.

1 |2025 29


wissen

» Es fühlt sich an, als würden

wir eine Maschine bauen mit vielen

kleinen Stellschrauben. «

TEXT RUPERT FABIG FOTOGRAFIE JULIAN BARTH, CHRISTIAN VOGELBEIN

30 1 |2025

Ein wenig Angst hat Fritz Geers schon vor

diesem Moment irgendwann Mitte Juni in

Atlantic City. „Es ist das Schlimmste, was du

erleben kannst. Dann ist es vorbei“, sagt der

29-Jährige. Er wird erstmal in ein Loch

fallen. Einziger Ausweg: Der Gedanke an eine neue Herausforderung.

Nun aber bloß nicht zu negativ sein,

noch liegt alles vor dem Extremsportler aus

Clausthal-Zellerfeld. 5.000 Kilometer auf dem Fahrrad

quer durch die USA, das ,Race across America‘ von Oceanside

in Kalifornien bis Atlantic City in New Jersey. Es

lässt Geers seit zwei Jahren mit der nie wankenden Motivation

aufstehen, Entbehrungen in Kauf nehmen, alles

unterzuordnen.

WAS ERSTMAL GANZ GROSS ERSCHEINT, wirkt vor

Ort ziemlich klein und banal. Geers bewohnt eine Einliegerwohnung

eines typischen Harzer Mehrfamilienhauses,

eine ausgesprochen schmale Treppe führt hinauf

zum Dachboden. Der Platz ist beschränkt. 70 Kisten mit

Utensilien für das RAAM lagern dort, alle akkurat geordnet.

Die unsauber gefalteten Kampftragetaschen britischer

Spezialeinheiten fallen ein wenig aus dem Bild.

Sie sind für Geers‘ Team gedacht, das ihn vom Westend

ans Ostend der USA begleitet. „Sieht aus, als würden wir

eine Expedition zum Nordpol vorhaben“, sagt Geers

scherzend. Herzstück des Dachgeschosses ist wie vor

sechs Jahren, als faktor den Ausdauerathleten zum ersten

Mal besuchte, ein stationäres Rennrad. Seit Dezember

vergangenen Jahres verbringt Geers morgens und

abends dort mehrere Stunden täglich. Die genauen Umfänge

will er nicht verraten, Betriebsgeheimnis. „Das

würde mich mental belasten, weil man ja schon schnell

anfängt, sich zu vergleichen. Aber ich möchte nur für

mich selbst das Beste herausholen“, sagt Geers. Immerhin:

Im Vergleich zu früher stülpt er sich nicht mehr regelmäßig

ein Handtuch über den Kopf, um alles um ihn

herum auszuschalten. In Trance fährt er sich


wissen

1 |2025 31


wissen

Bei dem Rennen quer durch Amerika ist Organisation alles. Pro

Tag nimmt Fritz Geers fast 10.000 Kalorien zu sich,.

32 1 |2025


wissen

» Zweieinhalb Minuten

Fahrrad fahren,

das kann doch jeder. «

mittlerweile auch so. Und Geers kann ziemlich schnell in

den Tunnel kommen. Wie schnell, zeigt eine Episode aus

dem Interviewtermin. Als guter Gastgeber möchte der

Harzer ,Spezi‘ servieren, hat den Sechserträger bereits

auf den Tisch gestellt. Dann verliert er sich aber so tief in

seine Erzählungen, dass ihm erst eine Viertelstunde später

sein ursprünglicher Plan, in die Rolle des Mundschenks

zu schlüpfen, auffällt.

Er selbst trinkt nichts, verzichtet auf Koffein, damit

die Wirkung umso stärker ist, falls er es im Rennen benötigt.

Als sei das tägliche Programm auf dem Dachboden

nicht Training genug gegen einschläfernde Widerstände.

Dieses ins Nichts radeln – Geers starrt stoisch

auf seinen Leistungsmesser. Er prüft, wann die nächste

Trinkpause ansteht, er einen Snack nehmen darf, das

T-Shirt wechselt. Die kleinen Dinge im Leben. In Zweieinhalb-Minuten-Abschnitte

teilt sich Geers das stundenlange

Programm auf. „Zweieinhalb Minuten Fahrrad

fahren kann jeder, also schaffe ich das auch, wieder

und wieder“, sagt er.

WAS ER KANN, nämlich 5.000 Kilometer Fahrrad in

knapp zehn Tagen fahren, kann dafür so gut wie niemand.

Wer verstehen möchte, weswegen dieser freundliche,

aufgrund seines unscheinbaren Äußeren schnell zu

unterschätzende Mann solche Strapazen auf sich nimmt,

und ihm bange vor dem Zieleinlauf ist, muss einen Blick

in sein Leben werfen. Oder besser: in sein Bett.

Das bleibt nämlich leer. Den kompletten Februar hat

Geers im Trainingslager in Italien verbracht. Kaum zurück,

zieht er in seine neueste Errungenschaft um. Ein Höhenzelt,

in dem sich durch Stickstoffzufuhr der Sauerstoffgehalt

verringern lässt. Der Körper produziert so vermehrt

rote Blutkörperchen, die den Sauerstoff transportieren.

Die Anschaffung hat er sich einen vierstelligen Betrag kosten

lassen.

ES STÖRT GEERS KAUM. Sein Leben ist komplett auf das

,Race across America‘ ausgerichtet. Um seinen Schlafrhythmus

zu optimieren, hat sein Team eine App entwickelt.

Mit Informationen aus Datenbanken entwarf er

einen Shake mit Schoko-Bananen-Geschmack, von denen

er im Rennen 24 pro Tag trinkt – ausschließlich

beim Fahren. Etwas anderes gibt es zehn Tage lang nicht,

um den täglichen Bedarf von 9.150 Kalorien zu decken.

„Indem wir das Essen aufs Rad verlagern, können wir

insgesamt bis zu acht Stunden Standzeit einsparen. Das

ist effizienter.“ Effizienz ist Geers‘ Lieblingswort. Sein

täglicher Rhythmus ist darauf ausgelegt, möglichst keine

Zeit und Energie zu verschwenden.

1 |2025 33


wissen

ZUR PERSON

Fritz Geers wurde 1995 in Clausthal-Zellerfeld geboren

und absolvierte bereits mit elf Jahren seinen ersten

Marathon. Mit 17 Jahren fuhr er 500 Kilometer am

Stück mit dem Rad. Danach wurde es nur länger und

extremer: Erst 1.000 Kilometer, dann ein Wettkampf

von Nord nach Süd quer durch Deutschland, schließlich

das Rennen seines Lebens: das ,Race across

America‘. 4.716 Kilometern von der US-amerikanischen

West- an die Ostküste. Der ausgebildete technische

Produktdesigner benötigte dafür zehn Tage, 21 Stunden

und neun Minuten. Kein deutscher Fahrer war je jünger,

als er dort ins Ziel kam. In diesem Jahr möchte der Europameister

im Ultracycling und Deutschen Meister im

24-Stunden-Mountainbiking seine Zeit um mindestens

einen Tag toppen. Ist Geers ausnahmsweise mal nicht

auf Achse, werkelt er an ,Mueslay‘ herum, seiner eigenen

Müslimarke für Ausdauersportler. In seiner Heimat

bietet er zudem Mountainbike-Touren an, organisiert

Events und Vorträge in einer restaurierten Scheune.

Geers erzählt seine Erlebnisse auch in Filmen und Büchern

– immer mit dem gleichen Antrieb, der ihn auch

auf dem Rad antreibt: an Grenzen gehen, sie verschieben

und weiterfahren. Nur privat mag es Geers nicht

extrem. Er lebt im ruhigen Clausthal-Zellerfeld im Harz.

Für das Team und Sponsoren hat Fritz Geers Infomappen und Karten zusammengestellt. Die

Route durch Amerika ist auf den Meter und die Minute genau geplant.

34 1 |2025


wissen

Neun Tage, drei Stunden und 20 Minuten soll die

Amerika-Durchquerung nach seinen Berechnungen

im Optimalfall dauern. Beim ersten Mal

2023 hatte Geers zehn Tage, 21 Stunden und

neun Minuten benötigt, war Gesamtsiebter geworden.

Ob nun der Sieg drin ist, interessiert den

schmächtigen Profisportler laut eigener Aussage

kaum. „Es geht mir darum, schneller zu werden.

Noch bin ich jung, da ist das möglich“, sagt er.

DIE FRAGE NACH DEM WARUM ist die, die der

ausgebildete technische Produktdesigner vermutlich

am häufigsten hört. Egal, was er antwortet,

richtig verstehen kann man das wohl

nur, wenn man ein bestimmter Typ Mensch ist.

Geers ist einer, den man ihm auf den ersten Blick

nicht zutraut: eine Führungspersönlichkeit.

Ohne sein Team im Hintergrund wäre die

Mammutleistung nicht zu bewältigen. Neun

mehr oder weniger ehrenamtliche Helfer begleiten

Geers in die USA. Das Begleitfahrzeug

haftet in jedem Moment am Hinterrad. Jedes

Teammitglied hat klar definierte Aufgaben.

„Es fühlt sich an, als würden wir eine Maschine

bauen mit vielen kleinen Stellschrauben. Wenn

alle gedreht werden, dann läuft das, dann

macht das richtig Spaß“, sagt Geers, der in den

vergangenen Jahren spürbar gereift ist. Für ihn

sei es ein Privileg, das Erlebnis in den Vereinigten

Staaten teilen zu können: „Das ist nicht

jedem vergönnt, aber für alle eine großartige

Sache. Menschen zusammenzubringen und gemeinsam

mit ihnen auf ein Ziel hinzuarbeiten,

macht mir große Freude.“

1 |2025 35


wissen

Im Ziel kommt die Leere. 2023 kam Fritz Geers erstmals nach

dem ,Race across America‘ und fast 5.000 Kilometern ins Ziel.

Spätestens der zweite Gedanke galt bereits dem nächsten

Projekt.

36 1 |2025


wissen

DIE SCHIER UNVORSTELLBARE QUÄLEREI wird dadurch

aber allenfalls minimal einfacher. Die Fahrer verausgaben

sich komplett, schlafen pro Tag im Schnitt zwei Stunden, zumeist

in kurzen Intervallen. Die Pausen legt Geers‘ Team strategisch

günstig, basierend auf dem Schlafrythmus des Athleten.

Mehr als ein Powernap ist dabei oft nicht drin – reicht

aber. Im Vergleich zu 2023 fährt nun ein Begleitfahrzeug mit

eigener Toilette mit. Während Fritz Geers ruht, kann er

massiert werden. Jeder Schritt ist minutiös geplant, seinem

Team hat Geers ein 69-seitiges Handbuch geschrieben, in dem

unter anderem detailliert erklärt wird, wie eine Tasche gepackt

werden muss. Alles mit dem Ziel, so viel Zeit wie möglich

auf dem Rad zu verbringen.

Ob das prestigeträchtigste Ultrarennen der Welt aufgrund

der körperlichen und mentalen Beanspruchung langfristige

Schäden hervorruft, ist nicht bekannt. Geers hatte bereits

Extremerfahrungen. Bei einem Rennen machte er eine Erfahrung,

die einer Nahtoderfahrung ähnelte. Eine der Teilnahmen

beim ,Race Around Germany‘ musste er abbrechen,

weil er mit Doppelbildern zu kämpfen hatte. Fotos während

der Wettbewerbe deuten darauf hin, dass sich der Athlet

mehr oder minder in einer Parallelwelt befindet. Dennoch

fühlt sich Geers topfit, er merke, dass er leistungsfähiger

werde, die Wattzahlen untermauern dies.

Daher sei sein Leben derzeit auch „Friede, Freude, Eierkuchen:

essen, schlafen, Fahrrad fahren“, sagt er. Aber das ist

nicht immer so. Im vergangenen Sommer war Geers sehr viel

damit beschäftigt, seine Teilnahme am ,Race across America‘

zu finanzieren. Auf rund 82.000 Euro hat er das Gesamtbudget

veranschlagt. Das Projekt wird auf viele Sponsoren

verteilt. Geers ist als Mountainbike-Guide für Firmenevents

zu buchen. Nach dem Rennen wird er Vorträge halten, einerseits

von seinen Erlebnissen, andererseits darüber, was

Unternehmen vom Leistungssport lernen können.

Aber: „In finanzieller Hinsicht ist es eine große Herausforderung,

was ich mache. Es gab auch harte Phasen, und ich

hätte schon zehnmal aufhören können. Meistens gehe ich

mit einem dicken Minus aus den großen Ultracycling-Projekten

heraus, aber ich kann meine Existenz sichern, weil

meine Leistungen sehr positiv angenommen werden.“ Angst

kennt Geers aber eben nur vor dem Zieleinlauf. Das Ul-

1 |2025 37


wissen

tracycling mache ihm viel Spaß, und er möchte sich nicht

aus finanziellen Gründen diktieren lassen, wo die Reise

hingeht. Seine berufliche Zukunft ist noch undefiniert.

Erste Priorität hat der aktive Radsport. Zweite Priorität

der passive Radsport. Künftig wird Geers in die

Renndirektion des ,Race across Germany‘ von Flensburg

bis Garmisch-Partenkirchen aufrücken.

DAS GEFÜHL VON LUSTLOSIGKEIT ist ihm fremd.

Mentaltraining benötigt er nicht. „Wenn alles mit Fakten

und Daten unterfüttert ist, gibt es keinen Grund zur

Panik. Eigentlich liegt die Lösung meistens auf der

Hand“, sagt Geers. Aufzugeben kommt, intakte Gesundheit

vorausgesetzt, sowieso nie infrage. „Wie dumm

wäre das, wenn ich mich zwei Jahre darauf vorbereite?“

Sein Leben sei weit davon entfernt, monoton zu sein,

versichert Geers. Klar, er sei verbissen, seine Ziele zu erreichen.

Vergangenes Jahr hat er gerade mal drei Tage

Urlaub gemacht. Aber Geers versichert glaubhaft, dass

sich alles richtig für ihn anfühle.

Gekünstelt wirkt nichts an diesem ,irren‘ Kerl. Geers

redet sich geradezu in Euphorie, wenn er seine umfangreichen

Datenbanken zu erklären versucht. Dort ist

nicht nur vermerkt, wann, wo und wie lange er welche

» Ein Höhenzelt, in dem sich durch

Stickstoffzufuhr der Sauerstoffgehalt

verringern lässt. Der Körper produziert so

vermehrt rote Blutkörperchen,... .«

Form der Pause beim ,Race across America‘ einlegt,

auch jegliche Lebensmittel, die er konsumiert, sind mit

detailreicher Nährstoffangabe hinterlegt. Geers kocht

sogar nach Datenbank. „Das ist schon etwas speziell“,

gibt er zumindest zu.

Wenn ein Wort auf Fritz Geers passt, dann speziell. Sich

selbst hat er etwas ganz Spezielles, wenn das RAAM

absolviert ist: sieben Tage Urlaub in Frankreich. Dann sei

mal nicht alles durchstrukturiert, es darf Fast Food gegessen

werden. Klingt so, als müsste Geers selbst nach dem

Zieleinlauf in Atlantic City keine große Angst haben.

38 1 |2025


16.5.

Oratorium

Solomon HWV 67

17.5., 18.5., 20.5., 24.5., 25.5.

Festspieloper

Tamerlano HWV 18

22.5.

Galakonzert

Ann Hallenberg

18.5.

Aulakonzert

Reisen eines Gambisten

19.5.

Aulakonzert

Congrats, Nic McGegan!

25.5.

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1 |2025 37


wissen

Auf seinem Dachboden legt Fritz Geers über Stunden hunderte Kilometer zurück. Dort hat er sich ein Fahrrad ,auf der Rolle‘ aufgebaut, daneben lagert die

Ausrüstung. Schon 2019 durften wir ihn dort besuchen – beeindruckt sind wir auch diesmal.

AUTOR RUPERT FABIG ÜBER FRITZ GEERS

Als ich Fritz Geers 2019 zum ersten Mal getroffen habe,

war ich im Anschluss bedrückt und verwirrt zugleich.

Zugegeben, schlechter Zeitpunkt. Das Interview fand

während der dunklen Jahreszeit statt, in Clausthal-Zellerfeld

war es grau, die Bürgersteige hochgeklappt.

Fritz empfing mich in seinem schlicht eingerichteten

Zimmer, alles akkurat, aufs Wesentliche fokussiert. Natürlich

zeigte er mir den berühmten Dachboden, wo er

täglich für Stunden in aller Einsamkeit radelte. Oftmals

ohne Musik, Videos oder sonstige Ablenkung, manchmal

sogar mit einem Handtuch über dem Kopf.

Dann erzählte er mir noch, dass er, um Kosten zu sparen,

zeitweise monatelang nur von Nudeln mit Ketchup

für zwei Euro lebt. Seine gemächliche Mundart und

sein Äußeres ließen ihn deutlich älter wirken als 24.

Und welcher 24-Jährige kommt schon die Idee, sein

komplettes Leben auf weitgehend einsames Radfahren

auszurichten? Ich fuhr dann zurück nach Hamburg

und habe viel über Fritz nachgedacht. Er war aufrichtig

freundlich, eine ehrliche Haut. Er schien mit sich extrem

im Reinen, und ich, der deutlich extrovertierter ist und

möglichst viel Programm und Trubel schätzt, habe verstanden,

dass es auch Menschen gibt, die selbst solche

extremen Lebensweisen bevorzugen, ohne unter diversen

Störungen zu leiden. Sechs Jahre später komme ich

wieder aus Hamburg. Auch ich weiß die Individualität

zu schätzen, liebe beispielsweise Reisen nur für mich,

kann mühelos stundenlang allein im Restaurant sitzen.

Aber in diesen Extremem wäre das undenkbar. Ich bin

sehr gespannt auf Fritz. Ich freue mich, diesen Termin

wahrzunehmen, weil das zugleich bedeutet, dass er

immer noch beim Ultracycling geblieben ist. Mein erster

Eindruck: Er wirkt immer noch älter als die nun 29 Jahre,

hat aber an Ausstrahlung gewonnen. Sympathisch ist er

ebenfalls nach wie vor. Was aber recht schnell auffällt:

Fritz ist erwachsener, reifer geworden. Wenn er über sein

Team, die Planungen, fürs Race across America spricht,

wirkt er wie der Chef im Ring. Ist ihm vielleicht gar nicht

bewusst. Auf die Frage, ob er eine Führungspersönlichkeit

sei, antwortet er erst nach langem Nachdenken mit

einem „glaube schon“. Glaube ich auch. Der Termin

fand diesmal im März statt, mittags. Die Sonne scheint,

der Schnee schmilzt, der Brocken glänzt über den

Baumwipfeln. Ich fahre erheitert nach Hamburg zurück.

40 1 |2025


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mensch

-shortlist

Lothar Meyer-Mertel verlässt den PS.Speicher

in Fahrtrichtung Ruhestand

Geschäftsführer-Posten beim Einbecker

Oldtimer-Museum wird nicht neu besetzt

Neuer CEO bei der

amedes-Gruppe

Burmeister folgt auf

Kupatt

Prägte den PS.Speicher: Lothar Meyer-Mertel

LOTHAR MEYER-MERTEL, langjähriger

Geschäftsführer des PS.Speicher,

verabschiedet sich Ende April 2025

in den Ruhestand. Seit 2015 prägte er

maßgeblich die Entwicklung des kurz

zuvor eröffneten Einbecker Oldtimermuseums

und machte es zu einer

der führenden Institutionen für historische

Mobilität in Deutschland.

Während seiner zehnjährigen

Amtszeit wurden zentrale Ausstellungsbereiche

neugestaltet, zwölf

Sonderausstellungen realisiert und

die PS.Halle als Veranstaltungsort

errichtet. Zudem initiierte er erfolgreiche

Formate wie die Einbecker

Oldtimertage und die PS.Speicher-Rallye.

Sein letztes großes Projekt,

eine Ausstellung für Modellfahrzeuge

im Siloturm, wird noch

2025 eröffnet.

Meyer-Mertel spielte eine entscheidende

Rolle bei der Öffnung

der Sammlungen für die Öffentlichkeit.

Unter seiner Führung

wurde die Sammlung historischer

Fahrzeuge stetig erweitert,

sodass der PS.Speicher

heute die größte Ausstellung

dieser Art in Europa beherbergt.

Der 65-Jährige blickt

mit gemischten Gefühlen auf

seinen Abschied: „Ich gehe

mit einem lachenden und einem

weinenden Auge. Es war

eine großartige Zeit mit tollen

Menschen, aber ich freue

mich auf neue Inhalte und weniger

Fahrerei.“ Trotz seines Ausscheidens

bleibt er dem Museum als Mitglied

der Förderfreunde eng verbunden.

Eine direkte Nachfolge ist nicht

vorgesehen. Bereits vor zwei Jahren

wurde mit Jan B. Kalbfleisch ein neuer

Vorstand eingesetzt, der sich verstärkt

in den operativen Betrieb einbringt.

Viele Aufgaben von

Meyer-Mertel wurden auf die bestehenden

Teams verteilt, um eine reibungslose

Fortführung der Arbeit zu

gewährleisten.

Der PS.Speicher bleibt ein bedeutender

Ort für Fahrzeuggeschichte.

Mit über 2.500 Exponaten – von

Motorrädern über Kleinwagen bis

hin zu Lastwagen – zieht er jedes Jahr

zahlreiche Besucher an. Dank innovativer

Präsentationsformen und

kontinuierlicher Weiterentwicklung

bleibt er ein Leuchtturm ein zentraler

Bestandteil der deutschen Museumslandschaft.

Von B.Braun zur amedes-Gruppe:

Marc Alexander Burmeister.

DIE AMEDES-GRUPPE hat zu April

2025 mit Marc Alexander Burmeister

einen neuen CEO. Er folgt auf

Wolf F. Kupatt, der nach fast neun

Jahren mit Erreichen des 65. Lebensjahres

aus der operativen Führung

ausscheidet. Unter Kupatts Leitung

verdoppelte sich der Umsatz von

amedes nahezu und der Bereich Spezial-Diagnostik

gewann erheblich an

Marktanteilen.

„Wir danken Herrn Kupatt für seine

strategische und operative Führungsleistung

und freuen uns, dass

Dr. Burmeister den Erfolgskurs fortsetzen

wird“, sagte der Aufsichtsratsvorsitzende

Franz Walt. Burmeister

bringt umfassende Erfahrung aus leitenden

Positionen bei B. Braun und

Clariane mit. „Ich freue mich auf die

Zusammenarbeit mit dem amedes-Team,

um weiterhin höchste medizinische

Qualität und Innovation

zu gewährleisten“, so Burmeister.

42 1|2025


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mensch

Feuer

&

Flamme

Der Künstler Kain Karawahn hat einmal seiner

Freundin verbrannte Rosen geschenkt und die Berliner

Mauer in Flammen gesetzt. Seine Inszenierungen mit

brennenden Benzinkanistern machten ihn berühmt.

Nun lodert in ihm ein neues Feuer: Kinder sollen Feuer

selbst begreifen und erleben. Eine Ausstellung bringt

ihn nun in seine alte Heimat Göttingen zurück.

46 1 |2025


mensch

1 |2025 47


mensch

» Wenn ein Kind lernt, dass es für das, was es entfacht, auch die

Verantwortung trägt, dann ist das eine der wertvollsten Lektionen fürs

Leben – weit über das Thema Feuer hinaus. «

TEXT CHRISTIAN VOGELBEIN

FOTOGRAFIE ALCIRO THEODORO DA SILVA

E

Ein knisterndes Lagerfeuer, das warme Flackern

einer Kerze, die behutsame Berührung

einer Flamme auf der Haut – für viele Menschen

sind dies Bilder der Geborgenheit, für

andere Sinnbilder der Gefahr. Doch was passiert,

wenn man Kindern die anerzogene Angst vor dem

Feuer nimmt, sie spielerisch an den kontrollierten Umgang

mit Flammen heranführt und aus dem vermeintlich

gefährlichen Element einen Lehrmeister macht? Genau

das ist die Mission des Künstlers Kain Karawahn.

LANGE ZEIT WAR KARAWAHN als Fotograf-, Performance-

und Videokünstler bekannt, dessen Werke sich

stets mit menschlichem Bezug zum Feuer beschäftigten.

Seine brennenden Skulpturen, Flammeninszenierungen

und das künstlerische Spiel mit kontrollierten Brandherden

brachten ihn auf internationale Bühnen. Doch irgendwann

stellte sich für ihn die Frage: Wie kann diese

künstlerische Auseinandersetzung einen nachhaltigen

Wert für die Gesellschaft schaffen? Die Antwort fand er

darin, Feuerkompetenz vor allem an junge Menschen zu

vermitteln. Seit mehr als 20 Jahren arbeitet der Künstler

mit Kindern und Jugendlichen, um ihnen auf spielerische

Weise den richtigen Umgang mit Feuer beizubringen.

PROBIEREN STATT PANIK

„Kinder lernen durch Erfahrung. Wenn sie keinen Zugang

zum Feuer haben, dann suchen sie sich heimliche

Wege, es auszuprobieren – und genau dort passieren Unfälle",

sagt Karawahn. Er entwickelte ein kunstbasiertes

Lernmodell, das sich von klassischen Feuererziehungskonzepten

unterscheidet. Statt Abschreckung will er altersgerecht

Kompetenzen vermitteln. „Ein Kind muss

Feuer nicht fürchten, sondern verstehen.“

Sein Konzept umfasst fünf Tage, in denen Kinder mit

Streichhölzern, Kerzen und kleinen Lagerfeuern arbeiten

– und am Ende bereitet jedes Kind am eigenen Feuer ein

Essen zu. Sie lernen nicht nur, wie man Feuer entfacht,

sondern auch, wie man es wieder löscht. Die Kinder

überlassen ihr Feuer nicht einem unkontrollierten Prozess,

laufen nicht weg, wenn es brennt, sondern bleiben

an ihm dran und übernehmen Verantwortung von Anfang

bis Ende. Sie experimentieren, beobachten die Naturgesetze

der Flamme und entwickeln dabei ein tiefes

Verantwortungsgefühl. Besonders bemerkenswert:

Schon Fünfjährige seien in der Lage, dieses Wissen an

Jüngere weiterzugeben, wodurch eine ,familiäre Feuerkompetenz‘

entsteht.

„Wenn ein Kind lernt, dass es für das, was es entfacht,

auch die Verantwortung trägt, dann ist das eine der

wertvollsten Lektionen fürs Leben – weit über das Thema

Feuer hinaus", sagt Karawahn. Das von ihm

geschaffene Lernmodell bezeichnet er heute als sein

wichtigstes Kunstwerk. Es wird von ihm in zahlreichen

Bildungseinrichtungen, Behörden, Versicherungen, Feuerwehren

und über Weiterbildungsseminare für Pädagogen

multipliziert.

48 1 |2025


mensch

Mit der Performance ,Brennende Schauspiele‘ nutzt Kain Karawahn sein künstlerisches Können und inszeniert Feuer und Alltag gemeinsam

mit den Kindern in der Göttinger Innenstadt. Fotos: lichtenbergleuchten I 8454 & 8480 © Kain Karawahn & Herman-Nohl-Schule

1|2025 49


mensch

50 1 |2025


mensch

Feuer anfassen. Die Kinder

lernen zuerst anhand der Kerzenflamme,

wie sie sich jedem

Feuerereignis so nähern können,

dass es begreifbar wird, aber

nicht verletzt.

1 |2025 51


mensch

Feuer verbindet. Das war vor Millionen Jahren so, das ist auch heute so. Deshalb nutzt Kain Karawahn die Gemeinschaft an der Flamme, um in

seinen Seminaren auch Pädagogen eine Lehrkompetenz zum Thema Feuer für Kita und Schule zu vermitteln.

AUSSTELLUNG IM RATHAUS

In der Ausstellung ,brennWerte – Feuer

und Kinder Schüler Studenten Senioren

und Kunst – Werke von Autoren

zwischen 0 und 100‘ im Alten Rathaus

Göttingen zeigt Kain Karawahn eine

retrospektive Auswahl künstlerischer

Arbeiten, welche in 20-jähriger Umsetzung

in Kitas und Schulen entstanden

sind. Die Hälfte der Ausstellung bestreiten

78 Schüler aus der Lohbergschule

und der Herman-Nohl-Schule

Göttingen. Sie haben mit Feuer inszeniert,

fotografiert, gemalt, gestaltet,

performt, gekocht, gebraten und Videos

erstellt. Sie haben eine unangekündigte

Performance in der Fußgängerzone

durchgeführt und lasen in

Kitas und Senioreneinrichtungen bei

Kerzenlicht selbst geschriebene Feuergeschichten

vor. Interessierte können

die Ausstellung bis zum 25. Mai dienstags

bis sonntags von 11 bis 17 Uhr besuchen.

WIRTSCHAFTLICHER EFFEKT EINER

UNGEWÖHNLICHEN IDEE

Was zunächst als Nischenprojekt begann, hat sich zu einer

ernstzunehmenden Bildungsbewegung entwickelt.

Versicherungen, Bildungseinrichtungen, Feuerwehren

und Unternehmen interessieren sich für Karawahns Methode.

„Es gibt heute ein Defizit an Risikokompetenz“,

erklärt er. „Viele Menschen wissen gar nicht mehr, wie

sie mit elementaren Dingen umgehen sollen. Das betrifft

nicht nur Feuer, sondern auch Themen wie Verantwortung,

Gruppenorganisation oder Selbstdisziplin. “ Große

Firmen wie Siemens haben seine Methoden bereits in

Team-Building-Workshops integriert. In einer Welt, in

der Innovation und Kreativität gefragt sind, gewinnen

Konzepte an Bedeutung, die praktisches Lernen mit

emotionaler Erfahrung verknüpfen. „Feuer ist ein wunderbares

Medium dafür. Es zwingt zur Achtsamkeit, verlangt

vorausschauendes Handeln und schafft eine intensive

Gruppendynamik.

52 1 |2025


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mensch

» Innovation entsteht nur dort, wo Menschen

bereit sind, Dinge auszuprobieren und mit

Risiken umzugehen. «

64 54 1 |2025

ZWISCHEN SKEPSIS UND ERFOLG: DIE GESELL-

SCHAFTLICHE DIMENSION

Trotz aller Erfolge stößt Karawahns Arbeit auch auf Widerstände.

„Die Reflexe sind oft: ‚Feuer und Kinder?

Das geht nicht!‘ Aber wenn man genau hinschaut, sind

es nicht die Kinder, die unsicher sind – es sind die Erwachsenen

“, so Karawahn. Er sieht es als seine Aufgabe,

diese Blockaden zu lösen und den natürlichen Lernprozess

wieder zuzulassen. „Unsere Vorfahren konnten vor

vier Millionen Jahren Feuer kontrollieren, ohne Bücher.

Warum sollten unsere Kinder das nicht lernen können?“

Alles was es zum eigenen Feuermachen brauche, sei ein

Vorbild, welches die Anfänge kindlicher Feuerbildung

professionell begleitet.

In Zeiten, in denen immer mehr gesellschaftliche Bereiche

durch Sicherheitsdenken eingeengt werden, zeigt

Karawahns Modell, dass verantwortungsvoller Umgang

mit Risiko ein Schlüssel zu mehr Autonomie und Mündigkeit

ist. Dies hat nicht nur lernende Relevanz. „Innovation

entsteht nur da, wo Menschen bereit sind, Dinge

auszuprobieren und mit Risiken umzugehen“, sagt er.

Seine Methode wurde inzwischen mehrfach ausgezeichnet,

unter anderem von der Kulturstiftung der Länder

und dem Brandenburger Bildungsministerium. Doch

für Karawahn zählt vor allem die langfristige Wirkung.

„Ich sehe Kinder, die nach fünf Tagen selbstbewusst mit

Feuer umgehen, ihre Eltern instruieren und dabei eine

Selbstsicherheit entwickeln, die ihnen in vielen anderen

Lebensbereichen helfen wird.“

FEUER ALS METAPHER

Mit seinen 65 Jahren denkt Karawahn bereits über die

Zukunft seines Modells nach. „Ich kann das nicht ewig

machen, aber das Wissen darf nicht mit mir verschwinden.“

Daher arbeitet er aktuell an der Ausbildung von

Multiplikatoren, die sein Konzept weitertragen sollen.

Zudem plant er die Publikation eines umfassenden Lehrbuchs,

das seine Methode dokumentiert und für Pädagogen

zugänglich macht.

In einer Welt, die zunehmend durch digitale Erlebnisse

geprägt ist, erinnert sich Künstler Karawahn daran,


mensch

1 |2025 55


mensch

ZUR PERSON

Kain Karawahn, Künstler und Dozent,

Jahrgang 1959, arbeitet seit den

1980er Jahren in Theorie und Praxis

über die Beziehung Mensch und

Feuer in bildender und darstellender

Kunst, Pädagogik und Philosophie.

Karawahn vermittelt Kindern, Schülern

und Erwachsenen den verantwortungsbewussten

Umgang mit

Feuer und schafft damit ein tiefes

Verständnis für dessen geistiges und

gemeinschaftsstiftendes Potenzial.

In zahlreichen Workshops, Seminaren

und weiteren Kunstprojekten bindet

er Menschen aktiv ein und ermöglicht

ihnen, eigene Erfahrungen

mit selbst gestalteten Feuerereignissen

zu machen. Karawahns Arbeiten

wurden international ausgestellt und

mehrfach ausgezeichnet.

» Feuer war immer Teil unserer Entwicklung,

es wird auch Teil unserer Zukunft sein. «

dass elementare Erfahrungen nach wie vor unverzichtbar

sind. „Feuer war das erste Medium des Menschen.

Es hat uns geformt, unsere Gesellschaft entwickelt. Wenn

wir diese Verbindung verlieren, verlieren wir ein Stück

unserer Identität.“

Und so bleibt das Feuer für Kain Karawahn nicht nur

ein künstlerisches, sondern auch ein gesellschaftliches

Werkzeug – ein Symbol für Verantwortung, Gemeinschaft

und den Mut, Neues zu wagen.

DIE NÄCHSTE GENERATION DES FEUERLERNENS

Erste Studien deuten darauf hin, dass Kinder, die im frühen

Alter den Umgang mit Feuer lernen, später eine ausgeprägtere

Risikokompetenz besitzen und insgesamt

selbstständiger agieren. Darüber hinaus zeigt sich, dass

Feuerlernen einen positiven Einfluss auf die motorischen

Fähigkeiten und die Konzentrationsfähigkeit hat. Feuer

war das geistige Zentrum, bestimmte und beeinflusste

die Atmosphäre menschlicher Begegnung und Entscheidungsfindung.

„Feuer ist eine der besten Metaphern für

Verantwortung und Entscheidungsfindung“, sagt Karawahn.

Er selbst sieht das als logischen nächsten Schritt:

„Feuer war immer Teil unserer Entwicklung, es wird

auch Teil unserer Zukunft sein.“ ƒ

56 1 |2025


Regional bekannter werden in Südniedersachsen.

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PROFIL

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Macht, Pracht und

musikalische Höhepunkte

Internationale Händel-Festspiele verwandeln Göttingen zur Weltbühne

Vom 16. bis 25. Mai 2025 wird Göttingen erneut zur Weltbühne der Barockmusik:

Die Internationalen Händel-Festspiele laden ein zu einem opulenten Programm,

das sich um Ruhm, Ehre und die dunklen Seiten der Macht dreht. Unter dem

Motto ,Lorbeeren‘ präsentiert das Festival eine breite Palette an Konzerten, Opern,

Vorträgen und Kinderprogrammen.


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Festspieloper ,Tamerlano‘

und Oratorium ,Solomon‘

PROFIL

Eines der absoluten Highlights ist die

Festspieloper ,Tamerlano‘ (Premiere

am 17. Mai). Unter der Regie von Rosetta

Cucchi wird das Drama um den grausamen

Eroberer Tamerlan und den besiegten Sultan

Bajazet eindrucksvoll auf die Bühne gebracht.

Countertenor Lawrence Zazzo übernimmt die

Titelrolle, während der spanische Tenor Juan

Sancho als Bajazet brilliert. Die musikalische

Leitung liegt in den Händen von George Petrou,

der seit 2022 als Künstlerischer Leiter das

Festival prägt und seinen Vertrag nun bis 2031

verlängert hat.

DEN AUFTAKT DER FESTSPIELE bildet

Händels Oratorium ,Solomon‘ (16. Mai). Mit

dem NDR Vokalensemble und Solisten wie

Lena Sutor-Wernich und James Way erleben

Besucher die musikalische Darstellung eines

weisen Herrschers, dessen Gerechtigkeit

und Weisheit legendär sind. Auch hier

dirigiert George Petrou das renommierte

FestspielOrchester Göttingen.

Ein weiterer Höhepunkt ist das Galakonzert

am 22. Mai mit der gefeierten Mezzosopranistin

Ann Hallenberg. Bekannt für ihre herausragenden

Händel-Interpretationen, wird sie in

Arien unter anderem aus Julius Cäsar und Ariodante

zu hören sein. Das Konzert verspricht

ein Feuerwerk barocker Emotionen – von herzzerreißender

Klage bis zu virtuosen Koloraturen.

Ebenfalls begleitet vom FestspielOrchester

Göttingen unter der Leitung von George Petrou

wird das Konzert nicht nur die Vielseitigkeit

von Hallenbergs Stimme demonstrieren,

sondern auch einen tiefen Einblick in die dramatische

Ausdruckskraft Händelscher Musik

gewähren. Die atemberaubende Atmosphäre

dieses Abends wird durch ein fein abgestimmtes

Programm ergänzt, das neben den berühmten

Händel-Arien auch weniger bekannte

Werke umfasst. So wird Hallenberg in einer

beeindruckenden Darbietung die emotionalen

Facetten der barocken Musik aufzeigen. Das

Publikum darf sich auf einen Abend voller Leidenschaft,

Virtuosität und musikalischer Perfektion

freuen. ▸


PROFIL

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DIE AULAKONZERTE: INTIME MEISTER-

WERKE IN EINZIGARTIGEM AMBIENTE

Die Aulakonzerte bieten ein besonderes Erlebnis

für Liebhaber kammermusikalischer

Klänge. In der historischen Aula der Universität

Göttingen entfaltet sich die barocke Musik

in ihrer ganzen Nuanciertheit. Die exzellente

Akustik dieses besonderen Raumes verleiht

den Werken zusätzliche Tiefe und lässt die feinen

Klangfarben der historischen Instrumente

eindrucksvoll zur Geltung kommen.

EINES DER HERAUSRAGENDEN Aulakonzerte

ist die Darbietung von Mayumi Hirasaki,

Christoph Dangel und Kristian Bezuidenhout

(25.Mai). Die Musiker nehmen das Publikum

mit auf eine faszinierende Reise in das Italien

des Barocks. Werke von Händel, Corelli und

Vivaldi verschmelzen zu einem harmonischen

Ganzen und zeigen die stilistische Vielfalt dieser

Epoche.

EIN WEITERES AULAKONZERT wird von

Nicholas McGegan geleitet, der anlässlich

seines 75. Geburtstags nach Göttingen zurückkehrt.

McGegan, eine der prägenden Persönlichkeiten

der historischen Aufführungspraxis

und 20 Jahre lang Künstlerischer Leiter

der Händel-Festspiele, wird mit einem handverlesenen

Ensemble Meisterwerke von Händel

und seinen Zeitgenossen interpretieren.

Die intime Atmosphäre der Aula ermöglicht

es dem Publikum, die Feinheiten der Musik

aus nächster Nähe zu erleben.

CHAMBER MUSIC, WETTBEWERBE UND

BESONDERE KONZERTFORMATE

Neben den großen Bühnenereignissen bietet

das Festival zahlreiche Regional-Konzerte. Ein

weiteres Highlight ist das Konzert Byrd and

Birds (18. Mai), bei dem das Calmus Ensemble

Vogelgesänge in Chormusik verwandelt.

Die ,göttingen händel competition‘ lockt

erneut junge Ensembles aus ganz Europa in

die Universitätsstadt. Die Gewinner dürfen

sich über Auftritte beim Festival und attraktive

Preisgelder freuen. Besonders spannend:

der Sonderpreis „Musik und Raum“, der das

Verhältnis von Klang und Architektur auslotet.

EIN FESTIVAL FÜR ALLE GENERATIONEN

Auch junge Besucher kommen auf ihre Kosten:

Beim Kinderkonzert der Capella de la

Torre (24. Mai) steht William Shakespeare

im Mittelpunkt. Zudem gibt es mit ,Händel

4 Kids!‘ ein vielfältiges Kinderprogramm, inklusive

einer Familienversion von der Oper

,Tamerlano‘ (25. Mai).

Die Händel-Festspiele 2025 bieten eine außergewöhnliche

Mischung aus barockem Glanz,

tiefgründiger Reflexion über Macht und

Ruhm sowie innovativen Konzertformaten.

Ob Opernliebhaber, Kammermusik-Fan oder

neugieriger Entdecker – dieses Festival hält

für jeden etwas bereit. Karten sind seit dem

14. Februar erhältlich. Weitere Infos gibt es im

Web unter www.haendel-festspiele.de

.

Internationale Händel-Festspiele

Göttingen gGmbH

Hainholzweg 3, 37085 Göttingen

Tel. 0551 3848130

Fax 0551 38481310

info@haendel-festspiele.de

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-shortlist

Harzer Getränkeproduzent bereitet sich auf Start vor

The Harz Distillery: Bauarbeiten in Bad

Lauterberg stehen kurz vor dem Abschluss

Gute Geschäftszahlen

Arineo-Erfolgskurs

setzt sich fort

THE HARZ DISTILLERY steht in den

Startblöcken: Die Bauarbeiten in der

Nähe des alten Bahnhofs von Bad

Lauterberg schreiten voran. Mit dem

Abschluss des Rohbaus nimmt das

Projekt nun sichtbar Gestalt an. „Wir

danken allen, die uns auf diesem Weg

begleiten und unterstützen“, so Walter

Möller, Geschäftsführer von The

Harz Distillery.

Dies sagte der Verantwortliche am

6. Februar 2025. An diesem Tag

wurde in kleinem Kreis feierlich das

Richtfest begangen. Es kamen Vertreter

der ausführenden Gewerke,

Mitarbeitende der Unternehmensgruppe

Schierker Feuerstein, von

The Harz Distillery, der leitende Architekt

Daniel Richter (Richter Architekten),

Vertreter der Volksbank

Braunlage und der Firma Haba

Deutschland zusammen, um diesen

wichtigen Meilenstein des Leuchtturmprojekts

für die Region zu wür-

digen. Das architektonische Konzept

der Destillerie orientiert sich an der

„sanften Silhouette des Harzes“: Die

unterschiedlich geneigten Dachflächen

greifen die natürliche Landschaft

auf und schaffen so eine harmonische

Verbindung mit der Umgebung.

„Schon jetzt wird die besondere

Form wunderbar sichtbar“, erklärt

Architekt Daniel Richter.

Mit der Fertigstellung wird The

Harz Distillery zu einem richtungweisenden

Anlauf- und Treffpunkt

für hochwertige Spirituosen und

handwerkliche Brennkunst. Die Eröffnung

der Erlebnisdestillerie ist

für den Sommer 2025 anvisiert. Die

Besucher können dann durch Tastings

und Touren die Kunst der

Destillation erleben. So soll ein besonderer

Ort im Harz geschaffen

werden, an dem Menschen zusammenkommen

können und der Menschen

verbindet.

Beim ersten Spatenstich (von links nach rechts): Thomas Janßen (Volksbank Braunlage),

Florian Schaller (Habau), Florian, Britta und Walter Möller (The Harz Distillery), Daniel

Richter (Richter Architekten), Kay Rogge (Volksbank Braunlage).

Zufriedene Gesichter bei Arineo.

DIE ARINEO-GRUPPE setzt ihr

Wachstum im Jahr 2024 fort: Der

IT-Dienstleister erzielt im abgelaufenen

Geschäftsjahr mit 53,2 Millionen

Euro den höchsten Umsatz seiner

jungen Unternehmensgeschichte.

Marko Weinrich, Sprecher der Geschäftsführung,

zieht eine positive

Bilanz: „Die stärksten Segmente sind

Dienstleistungen rund um ERP-Lösungen

von Microsoft sowie E-Commerce-Lösungen

der großen Softwarehersteller,

SAP und Microsoft.“

Die Mitarbeiterzahl stieg um acht

Prozent. Weltweit beschäftigt Arineo

rund 400 Mitarbeiter in Deutschland,

Österreich, Dänemark, Bulgarien und

China. Ebenfalls hat die Arineo

GmbH mit der Errichtung der Arineo

Stiftung ihr Konzept der Employee

Owned Company final umgesetzt.

Gut sechs Jahre nach der Gründung

und vier Jahre früher als ursprünglich

geplant, ist der Wandel

vollzogen: Die Arineo GmbH gehört

der Arineo Stiftung, deren Organe

ausschließlich durch Mitarbeiter besetzt

sind.

62 1 |2025


unternehmen

Der Strom in Heilbad Heiligenstadt wird inzwischen zu

50 Prozent aus regenerativen Quellen gewonnen

Solarpark Kalteneber geht ans Netz

IT-Experte wurde vor 25

Jahren gegründet

Emlix feiert mit

Blick in die Zukunft

DER SOLARPARK KALTENEBER nahm

am 22. Januar den Betrieb auf. Auf

dem ehemaligen Viehweide- und Stallareal

am südwestlichen Ortsrand von

Kalteneber entstand auf vier Hektar

Fläche eine moderne Photovoltaik‐Freiflächenanlage,

die bislang

größte Einzelinvestition der Stadtwerke

Heilbad Heiligenstadt (SWH). In

rund zwei Jahren intensiver Arbeiten

wurden mehr als 10.000 Solarmodule

installiert. Sie liefern genug Energie,

um etwa 1.600 Haushalte mit grünem

Strom zu versorgen. Mit einer Gesamtleistung

von 4,5 Megawatt werden

jährlich rund 2.300 Tonnen Kohlendioxid

eingespart. Die SWH investierte

rund 3,2 Millionen Euro während

die Stadt Heilbad Heiligenstadt

1,45 Millionen Euro beisteuerte. Fördermittel

in Höhe von 516.000 Euro

kamen vom Land Thüringen im Rahmen

des ELER‐Programms. Nach

dem Erwerb des Grundstücks entwickelte

die EW Projekt GmbH, eine

Tochter der Eichsfeldwerke, ein Konzept

zur Revitalisierung des Geländes.

Geschäftsführer Nehrkorn betonte:

„Mit dem Solarpark Kalteneber haben

die Stadtwerke Heilbad Heiligenstadt

ihre Kapazitäten zur Erzeugung

regenerativer Energien erheblich erweitert.

Wir decken 50 Prozent des

Strombedarfs unserer Haushalts- und

Gewerbekunden aus erneuerbaren

Quellen und leisten somit einen bedeutenden

Beitrag zur Dekarbonisierung

und zum Umweltschutz.“

Bei der Eröffnungsfeier begrüßten Geschäftsführer Dirk Nehrkorn, Bürgermeister

Thomas Spielmann und Ortsteilbürgermeister Franz König zahlreiche Ehrengäste,

darunter Landrätin Dr. Marion Frant, Bundestagsabgeordneter Manfred Grund,

Geschäftsführer der Eichsfeldwerke Ulrich Gabel und Stefan Reindl, Vorstandsvorsitzender

der Thüringer Energie AG.

EMLIX wurde vor 25 Jahren, genauer

gesagt am 8. Januar 2000, in Göttingen

gegründet und entwickelte

als eines der ersten Unternehmen in

Europa Linux-basierte Industriegeräte.

Emlix sieht sich als die Schnittstelle

zwischen der weltweiten Open

Source Community und seinen Kunden

und Partnern.

Das Ergebnis ist eine über Jahre

gewachsene Open Source Unternehmenskultur

und ein erfolgreiches

Open-Source-Geschäftsmodell. Beides

basiere auf länderübergreifender

Kompetenz, 25 Jahren Erfahrung

und vor allem dem Engagement und

Teamgeist, so die Geschäftsführung,

die aus Heike Jordan und Uwe Kracke

besteht. Linux in industriellen

Geräten sei ein wichtiger Enabler

für innovative Features und ein Garant

für technologische Souveränität.

Seit der Jahrtausendwende sind

die Anforderungen an den Einsatz

von Linux im industriellen Umfeld

stetig gewachsen. Neben technischen

Verbesserungen prägen professionelle

Entwicklungs- und Qualifizierungsprozesse

den professionellen

Einsatz von Embedded Linux

und Open Source Software. Bei

Emlix blickt man stolz darauf, dieses

Stück Technologiegeschichte von

Anfang an mitgestaltet zu haben

und möchte dies auch weiterhin tun:

„Die nächsten Jahre werden spannend

und herausfordernd.“

1|2025 63


unternehmen

Staat

stranguliert

sich selbst

TEXT SVEN GRÜNEWALD

ILLUSTRATION MAXIM SEEHAGEN

Knapp drei Jahre Warten auf eine

Baugenehmigung? Neun Monate Warten

auf eine Arbeitsgenehmigung?

Existenzielle Bedrohung durch Datenschutz?

„Wir wollten ein Carport für

einen Kran bauen, um Witterungsschäden

zu vermeiden“, erzählt Silke Grewe von der Dachdeckerei

Frank Grewe in Groß Schneen. Der Bauantrag

beim Landkreis wurde im Februar 2022 gestellt. Zuletzt

musste ein Brandschutzgutachten und dann ein neuer

Lageplan nachgereicht werden, weil der Nachbar ein

Grundstück zugekauft hatte; baulich hatte sich aber

nichts verändert. Kosten: 250 Euro. Jetzt, drei Jahre später,

darf immer noch nicht gebaut werden, weil die eingereichte

Statik übersehen und entsprechend noch nicht

geprüft wurde. „Unterlagen nachzureichen ist nicht das

eigentliche Problem“, sagt Grewe, „sondern, dass die

Anforderung weiterer Unterlagen immer nur auf unser

Drängen hin passiert. Wir schicken etwas hin, wochenlang

passiert nichts, dann fragen wir nach, und dann

kommen neue Auflagen.“

BEISPIEL ARBEITSGENEHMIGUNGEN. Benjamin Schulze

hat bei der Südniedersachsenstiftung die Bereichsleitung

Fachkräfte und Willkommenskultur inne. Das

64 1 |2025


unternehmen

Seit Jahrzehnten kein Wirtschaftstreffen, ohne dass nicht das Thema

Bürokratiebelastung aufkommt. Ist das nur das Jammern von Unternehmern?

Ist etwas grundsätzlich kaputt im Verwaltungsstaat? Oder liegt die Wahrheit

irgendwo dazwischen? Die Spurensuche nach den Ursachen und Folgen von

überbordender Bürokratie zeichnet jedenfalls ein fatales Bild.

Welcome Center der Stiftung organisiert für Unternehmen

den Zuzug von ausländischen Fachkräften. Die

meisten Verfahren laufen unkompliziert, Probleme existieren,

wenn, dann vor allem bei Nicht-EU-Bürgern.

„Meine Kritik richtet sich weniger an die Auflagen an

sich, sondern deren Auslegung und die Haltung eines

Sachbearbeiters“, sagt Schulze. Wichtig sei ein gemeinsames

Interesse, dass Fachkräfte in die Region kommen.

„Wenn ich es mit einem positiv eingestellten Sachbearbeiter

zu tun habe, muss ich weniger Unterlagen einreichen,

und es geht schneller. Hat man es aber mit einem – ich

überspitze – Regulatoren zu tun, dann fordert er noch

dieses oder jenes Dokument an, man bekommt keinen

Termin, keine Informationen, was an Unterlagen noch

fehlt.“ Ein solches Verfahren kann daher in drei Monaten

durch sein, es kann aber auch bis zu neun Monate

dauern. „Doch erschließt sich mir im Grundsatz nicht,

warum es überhaupt einen Prüfauftrag der Behörden

gibt und man das nicht dem Markt überlässt“, so Schulze.

„Man kann davon ausgehen, dass der Unternehmer

für sich überprüft hat, ob der Mitarbeiter auch die nötigen

Qualifikationen hat.“

SOLCHE NEGATIVERFAHRUNGEN hat ein Technologie-Unternehmer

gemacht, der anonym bleiben möchte.

Auf dem regionalen Arbeitsmarkt waren keine

IT-Azubis zu bekommen, aber es gab sehr gute

1 |2025 65


unternehmen

» Dreiviertel Jahr für die Baugenehmigung eines Standard-Carport-Bausatzes

aus Aluminium. Da der aus der EU (PL) und nicht aus DE kam, mussten die

statischen Berechnungen erneut aufwendig lokal durchgeführt werdent. «

Zitat aus faktor-Umfrage

Bewerbungen aus nordafrikanischen Staaten. Doch die

Ausländerbehörde stellte sich quer, weil Auszubildende

aus Drittstaaten nur dann genehmigt werden, wenn in

Deutschland kein ausreichendes Azubi-Potenzial da ist.

„Es hieß, es gäbe hier in der Region genügend Interessierte.“

Also wurde in Erwägung gezogen, in Stuttgart eine

Briefkastenfirma aufzumachen und die Azubis darüber

herzuholen, weil die dortigen Behörden deutlich flexibler

waren. Bei der Festanstellung von Drittstaatlern dasselbe

Problem: Eine Arbeitsgenehmigung werde nur erteilt,

wenn diesen IT-Fachkräften mindestens 6.000 Euro

bezahlt würden, so die Behörde. „Diese Gehälter sind

absolut utopisch“, so der Unternehmer. „Aber das ist

eine typische Erfahrung: Es gibt keine Flexibilität, bundesweite

Vorgaben regionsspezifisch anzupassen.“

Sebastian Stahl, Geschäftsführer dreier Unternehmen,

darunter ein Malerbetrieb und ein europaweiter Onlinehandel

für Luxusfarben und -tapeten, erlebt den

,Bürokratiewahnsinn‘ regelmäßig. Eines der großen Probleme

ist die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO).

„Etwa einmal im Monat muss ich meine ganzen Datenschutzhinweise

umschreiben, weil neue Richtlinien kommen.

Auch, wenn ich ein neues Tool einbinde, muss ich

das machen.“ Oder der extern eingekaufte Datenschutzbeauftragte

meldet sich mit einem Schreiben zum Bikeleasing,

weil sich der Datenschutz mal wieder geändert

hat. „Mit dem Ergebnis, dass ich dann die 20

Mitarbeiter zusammentrommeln muss, die das nutzen,

um deren Überlassungsverträge zu ändern.“

DSGVO KLINGT ERSTMAL GUT, mehr Rechte und Sicherheit

für den Kunden. Aber die Risiken einer DSG-

VO-Verletzung sind inzwischen auch ein echtes Innovationshemmnis.

„Viele meiner IT-Lösungen bieten tolle

KI-Tools an“, beschreibt Stahl. „Vor 15 Jahren hätte ich

die einfach mal ausprobiert, aber inzwischen ist mir das

Risiko zu groß, etwas falsch zu machen.“ Da zeigen sich

dann auch Widersprüche, denn einerseits werden große

KI-Offensiven in der Politik angekündigt, in der Praxis

werden Unternehmen aber abgeschreckt und müssen

auch noch KI-Schulungen und -Dokumentationen vorweisen.

Sebastian Stahl hat viele solcher Geschichten auf

Lager. Vom Hinweisgeberschutzportal, das einen hohen

Aufwand verlangt, bis hin zum Landesamt für Statistik,

das ihm permanent im Nacken sitzt. „Alle drei Monate

darf ich auf mehreren Seiten darlegen, wie viel zum Beispiel

das Tapezieren eines Quadratmeters Raufasertapete

kostet und wenn ich die Preise erhöht habe, muss ich

begründen, wieso. Wenn ich das nicht mache, läuft

schnell ein Bußgeldverfahren an.“ Manche Regelungen

seien durchaus sinnig, aber viele echte Wachstumsverhinderer.

„Ich höre nur noch Frust ringsum. Das ist eine

Form von staatlicher Übergriffigkeit. Menschen machen

sich selbständig, gerade weil sie unabhängig sein wollen

und nicht ein Untertan der Behörden. Es ist einfach unmöglich,

alles 100 Prozent richtig zu machen.“

DASS DIESE ERFAHRUNGEN UND DER ÄRGER nicht

die Ausnahme, sondern die Regel sind, kann Christian

Frölich, Obermeister der Kreishandwerkerschaft Göttingen

und CDU-Landtagsabgeordneter, bestätigen. „Dokumentationspflichten

treiben uns alle um. Das Landesamt

für Statistik sagt dazu: Das sei alles schon mehrfach

überprüft worden und der Ist-Zustand sei das Mindestmaß.“

Im unternehmerischen Alltag führt die Flut an

Vorschriften dazu, dass „bestimmte Auflagen ausgeblendet

werden und das Risiko in Kauf genommen wird, mal

ein Problem mit der Aufsichtsbehörde zu bekommen,

weil sonst der Betriebsablauf nicht mehr sinnvoll zu gestalten

ist“. Die IHK Hannover hat deswegen einen Bürokratieguide

und einen Bürokratiemelder online gestellt.

66 1 |2025


unternehmen

Das erlebt auch Gemeinde-Bürgermeister Andreas

Friedrichs aus Friedland. „Dass ein Bauantrag wie bei

Grewe länger als zwei Jahre dauert, ist schon öfter vorgekommen.

Die Konsequenz davon? Manche sagen sich,

dass sie dann einfach ohne Genehmigung bauen und

eine eventuelle Strafe in Kauf nehmen.“ Denn am Ende

hängt an solchen Investitionsentscheidungen mitunter

eine Menge Geld.

DIE GRUNDLEGENDEN URSACHEN für diese an sich

paradoxe Situation, dass Unternehmer durch Regeln zunehmend

in die Regelverletzung getrieben werden und

Aufwände immer weiter steigen, sind vielfältig.

Da ist die reine Zahl der Gesetze. Die Kommunen

müssen sie meist umsetzen, doch die Urheber sitzen auf

Landesebene und deutlich mehr noch auf Bundes- oder

europäischer Ebene. Dort entsteht ein kontinuierlicher

Strom der Vorgaben, der nach unten durchgereicht wird.

Weiters werden bestehende Regeln zunehmend komplexer

– Paradebeispiel ist das Baurecht. Das zieht Verfahren

in die Länge und schafft ein Kompetenzproblem in

den Verwaltungen.

Das wiederum verlangt nach mehr Fortbildung.

„Aber“, sagt Michael Koop, Präsident des Niedersächsischen

Studieninstituts für kommunale Verwaltung (NSI)

in Hannover, „das passiert nach Kassenlage und Zeitbudget.“

Das NSI wird hauptsächlich von den niedersächsischen

Kommunen getragen und bietet

» Telefonische Erreichbarkeit von

Sachbearbeitern zu den ,Öffnungszeiten‘,

die sowieso schon rar sind,

praktisch nicht gegeben. «

Zitat aus faktor-Umfrage

1|2025 67


unternehmen

» Ein Mitarbeiter bot nach meiner Fallbehandlung an, meine Unterlagen

für eine andere Behörde gleich in die eigene Hauspost zu geben.

Es hat alles gut und schnell geklappt. «

Zitat aus faktor-Umfrage

Verwaltungsstudiengänge sowie Fortbildungen für den

öffentlichen Dienst an. „Bis Mitte 2024 waren beispielsweise

unsere Digitalisierungsseminare voll.“ Doch dann

hat der Bund die Terminvorgaben gestrichen, bis wann

die Kommunen welche Schritte umgesetzt haben sollen.

„Daraufhin sind diese Fortbildungsseminare fast kollabiert.

Ich verstehe das auch. Die Verwaltungen haben

noch tausend andere Aufgaben. Wenn dann aus der Digitalisierung

ein optionales Programm wird, machen sie

erstmal das, was absolut nötig ist.“ Dabei betrachtet Michael

Koop Digitalisierung als einen der wesentlichsten

Bausteine, um dem Fachkräftemangel im öffentlichen

Dienst zu begegnen.

UND DER FACHKRÄFTEMANGEL WÄCHST. „Seit 2021

beobachten wir, dass das Angebot an Stellen und die

Zahl der Besetzungen deutlich auseinandergehen“, so

Koop. Insbesondere in spezialisierten Bereichen wie Medizin,

Bauamt oder Kitas gelingt es kaum noch, überhaupt

Stellen zu besetzen und das, obwohl es in Summe

in den Jahren zwischen 2012 und 2022 schon einen

deutlichen Personalaufwuchs von zwölf Prozent im öffentlichen

Dienst gab. Verschiedene Studien weisen

deutschlandweit ein Personaldefizit von rund 500.000

Stellen aus – und die großen Pensionierungswellen kommen

erst noch. Die wesentliche Ursache für das Defizit

sieht Michael Koop darin, dass Kommunen eben immer

mehr und immer komplexere Aufgaben bekommen.

„Eine Erklärung dafür ist, dass es auf Landes- und

Bundesebene zu viel Ministerialbürokratie gibt“, so

Koop. „Die haben viel zu viel Zeit, komplexe Regeln zu

erlassen.“ Laut Institut der deutschen Wirtschaft ist dies

auch einer der Verwaltungsbereiche, in dem es einen

überproportionalen Personalzuwachs gibt (Bund +32

Prozent, Länder +21 Prozent, Kommunen +27 Prozent);

Mitte 2024 gab es 4.663 Bundesgesetze und -verordnungen

mit etwa 97.000 zu befolgenden Einzelnormen –

eine Zunahme um 21 Prozent im Vergleich zu 2010. Ein

Beispiel ist die Wohngeldreform von 2023. „Diese hat

massiv die Berechtigtenzahl und gleichzeitig die Komplexität

des Vergabeverfahrens erhöht. Die Stadt Hannover

hat berichtet, dass sie allein dafür von einen Tag

auf den nächsten 30 zusätzliche Sachbearbeiter braucht“,

so Koop. Und das ist nur ein Beispiel von sehr vielen.

EIN GRUNDSATZPROBLEM IST, dass die Verursacher

der Komplexität bei EU, Bund und Land die Folgen ihres

Handelns nicht zu spüren bekommen, aber immer

68 1 |2025


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unternehmen

» Mitarbeiter beim LK Gö waren nicht zu erreichen und

haben sich nicht zurückgemeldet. Mitarbeiter bei

der Stadt Gö verweigern Beratungstermine.

Bauantragsverfahren und Bauvoranfragen werden

nicht beantwortet und verzögert bearbeitet. «

Zitat aus faktor-Umfrage

mehr Regelungsbedarf sehen, auch, um politisch schön

klingende Ziele zu verwirklichen. Die realistische Machbarkeit

scheint dafür kein Kriterium zu sein, ganz zu

schweigen von einer Notwendigkeitsbetrachtung. Auch

eine selbst auferlegte Grenze, wie stark eigentlich in den

privaten oder unternehmerischen Bereich des Bürgers

hineinregiert werden darf, scheint es nicht zu geben –

sondern stattdessen eine Art Allregelungsanspruch.

Dann kommt erschwerend noch ein deutsches Juristenphänomen

hinzu: der Hang zur Einzelfallgerechtigkeit

und das Bedürfnis nach rechtlicher Absicherung.

Gesetze und Verwaltungsvorschriften werden auch deswegen

so komplex, um möglichst jede Eventualität abzudecken

und ja niemanden zu benachteiligen. Dieses

Bedürfnis nach Einzelfallgerechtigkeit und Absicherung

ist tief in der Mentalität der Bürokratie verankert, wird

aber mittlerweile als das große Hindernis schlechthin

betrachtet.

DIESES SICHERHEITSDENKEN SETZT SICH auf kommunaler

Ebene im Handeln der Sachbearbeiter fort.

„Weil sie Klagen fürchten, sind unsere Verwaltungsbeamten

nicht mehr in der Lage, eigene Entscheidungen zu

treffen, jeder will sich vorher fünfmal absichern und verschiebt

im Zweifel einen Vorgang lieber in die nächste

Abteilung, statt etwas zu genehmigen“, sagt Birgitt

Witter-Wirsam, Unternehmerin aus Rosdorf und acht

Jahre Vizepräsidentin der IHK Hannover. Und sie ist damit

bei weitem nicht allein. In anderen Ländern, Beispiel

USA, seien Verwaltungen deutlich lockerer, und trotzdem

funktioniere es. „Ich verstehe und kenne das Klagerisiko

aus eigener Erfahrung“, sagt Bürgermeister

Andreas Friedrichs, „aber man braucht ein dickeres

Fell“. Man mpsse nicht immer alle Eventualitäten abklopfen

und mit einem Restrisiko leben. „Davor darf

man keine Angst haben.“ Doch dieses Sicherheitsdenken

kommt nicht von ungefähr. Eine Studie hat sich die Unterschiede

zwischen Studenten in den Verwaltungswissenschaften

sowie jenen in der BWL und Rechtswissenschaft

angeschaut. „Eines der Ergebnisse war, dass die

Menschen in den Verwaltungswissenschaften deutlich

sicherheitsorientierter und risikoaverser sind“, so Michael

Koop. Der öffentliche Dienst zieht entsprechend

gerade Leute an, die mit der Unsicherheit der Regelungslücke

nicht gut umgehen können.

DAZU PASST DANN AUCH DIE ERFAHRUNG, dass es

oftmals Glückssache ist, ob man an einen ‚guten‘ Sachbearbeiter

gerät oder eben nicht. Eine faktor-Umfrage

unter Unternehmern zeigt das sehr deutlich: In einer

70 1 |2025


unternehmen

» Langwierige Diskussionen, weil der Abstand des 4er-Carports zum denkmalgeschützten

Bau im Bereich der geringfügig überstehenden PV-Module um sagenhafte

13 cm unterschritten wurde. Das Gesamtprojekt zum Ausbau der erneuerbaren

betrieblichen Energieversorgung ist daran fast gescheitert und wurde

letztlich 35 Prozent teurer. Vollkatastrophe.

Ursache: unflexible Korinthenkackerei. «

Zitat aus faktor-Umfrage

Frage geben rund 70 Prozent an, langsame Sachbearbeiter

oder eine fehlende Serviceorientierung erlebt zu haben,

während in einer anderen Frage 75 Prozent schon

positive Erfahrungen mit serviceorientierten Mitarbeitern

gemacht haben. Offenkundig nutzen Verwaltungsmitarbeiter

ihren Ermessensspielraum sehr unterschiedlich

– mit den entsprechenden Auswirkungen für den

Bürger. Ist für Bauanträge im Landkreis einer Gemeinde

ein Verzögerer zugeordnet, hat die Gemeinde halt Pech

gehabt.

Unternehmer erleben im direkten Gespräch oft eine

große Offenheit der politischen Verwaltungsspitzen für

ihre Anliegen und das Haken im System, ändern tut sich

dennoch wenig. „Es gibt ja nicht die Beziehung Bürgermeister

– Sachbearbeiter, sondern je nach Größe der Verwaltung

mehrere Hierarchiestufen dazwischen“, so Michael

Koop. „Da reicht einer, der sagt: Das haben wir

noch nie gemacht.“ Und weiter: „Sie haben als Führungskraft

in der öffentlichen Verwaltung praktisch kein

Zuckerbrot und überhaupt keine Peitsche. Deswegen

haben selbst Leute, die sehen, was schiefläuft, kaum eine

Chance, etwas zu ändern, wenn sich ein Mitarbeiter

querstellt.“

AUCH TARIFRECHTLICH MÖGLICHE ANREIZSYSTEME

wie eine leistungsorientierte Bezahlung funktionieren in

der Praxis kaum. „Wir haben das selbst einmal ausprobiert

und dann wieder aufgegeben“, sagt Torsten Wehrmann,

Personalleiter und Arbeitsrechtler am NSI. „Kein

Vorgesetzter hat die eigenen Mitarbeiter in die schlechteste

Kategorie eingestuft, und eigentlich waren fast alle

die Überguten. Leistungsbasierte Ungleichbehandlung

hat viel Potenzial, Unfrieden zu stiften ohne einen sichtbaren

positiven Effekt.“ Allerdings: In der freien Wirtschaft

geht es so.

1|2025 71


unternehmen

» Hoher Krankenstand. Telefonisch nicht erreichbar. «

Zitat aus faktor-Umfrage

Was also tun?

Seit etwa Mitte der 1970er Jahre steht das Thema Bürokratieabbau

auf der politischen Agenda. Es gibt einzelne

gute Ansätze – so hat der Landkreis Göttingen beispielsweise

mit einer Task Force ,Bauen im Dialog‘ mit Bauherren,

Architekten und Verwaltung eine gefühlt deutliche

Verbesserung der Abläufe und Verfahren erreicht.

Aber es gibt auch immer wieder widersinnige Entscheidungen

– in Niedersachsen wurde die digitale Bauakte

eingeführt, die kiloschweren Bauanträge können inzwischen

digital eingereicht werden; die Umsetzung der dahinterliegenden

IT wurde aber in die Verantwortung der

Kommunen gegeben, statt landesweit ein einheitliches

System für alle aufzusetzen.

Aber am Grundproblem hat sich nichts geändert, und

so verschlimmert sich die Situation Jahr für Jahr weiter:

Gesetze und Auflagen werden mehr und mehr; sie kommen

von Gruppen, die mit den Auswirkungen nicht konfrontiert

sind; die Komplexität ist so stark gestiegen,

dass sie inzwischen die Kompetenz und Fähigkeit in der

Umsetzung übersteigt, sie also nicht mehr praxistauglich

sind. Dies, weil das Fachpersonal fehlt, und es perspektivisch

auch nicht mehr wird. Den Kommunen fehlen viele

Mittel, doch auch mit Geld lässt sich diese Entwicklung

nur bedingt bekämpfen. Digitalisierung kann Prozesse

erleichtern, aber sie verhindert auch nicht die Über-Regelung.

Weiterhin wächst der Ressourcenaufwand auch

auf der Seite der Unternehmen immer weiter. Diese Ent-

wicklung stranguliert nach und nach die wesentlichen

Grundlagen des Staates: sein Wirtschaftssystem und seine

Verwaltung. Der Aufwand für die Bewältigung von

Vorschriften wächst, die Spielräume für Eigenverantwortung

und damit Innovationen werden immer kleiner, die

Rechtsrisiken steigen. Der dahinterliegende deutsche

Mindset, alles regeln zu müssen und Einzelfallgerechtigkeit

herzustellen, ist wie ein Schwarzes Loch: Er hat einen

zügellosen Appetit und kennt kein Ende.

ES IST INZWISCHEN SO WEIT GEKOMMEN, dass auch

Fachverbände, die in den politischen Diskussionsprozess

zu Gesetzen eingebunden werden, deren Komplexität

nicht mehr durchschauen und so der Bezug zur Realität

derjenigen, die die Gesetze im Alltag spüren, fehlt.

Lokal herrscht auch ein Klima der Kritikunwilligkeit.

Hinter vorgehaltener Hand gibt es Unmengen Ärger und

echte Probleme, aber öffentlich äußern oder sich politisch

engagieren wollen sich nur wenige Unternehmer.

Zu groß sei die Sorge, sich Schwierigkeiten für das eigene

Unternehmen einzuhandeln. Die vergangenen Jahre

haben dabei auch gezeigt, dass, wer grundsätzlich politische

Ziele kritisiert, wie Migration, Klimapolitik, Außenpolitik,

schnell in die rechte Ecke gestellt wird. Umfragen

zur Meinungsfreiheit in Deutschland bestätigen

diesen besorgniserregenden Trend der abnehmenden

Diskursfreiheit.

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unternehmen

» Ausländerbehörde entweder

komplett unterbesetzt, nicht

strukturiert oder weiteres. Eine

Stunde Telefonsprechzeit in der

Woche insgesamt ist viel zu wenig!

Dafür einzelne Sachbearbeiter

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schnell in der Hilfe! Klasse! «

Zitat aus faktor-Umfrage

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Maxim Seehagen wurde 1999 in Bad

Gandersheim mit einem Bleistift

(2HB) in der Hand geboren. Seitdem

zeichnet er alles, was ihm so einfällt.

Seine Cartoons werden in Zeitschriften,

Büchern und online veröffentlicht.

Seit 2024 steht er auf Bühnen

mit einer Mischung aus Stand-up-Comedy,

Cartoon-Lesung und einer nicht

ganz ernstgemeinten Kettensägen-Jonglage

(wetterabhängig). Er arbeitet

als freier Autor für TV, Buchprojekte

und verschiedene Cartoon-Serien.

faktor hat ihn in der Winterausgabe

2024 besucht:

www.faktor-magazin.de/

einfach-nie-aufgehoert/

„MEINE ERWARTUNGEN UND HOFFNUNGEN sind

nicht positiv“, sagt Michael Koop. „Die einzige Chance,

da herauszukommen, ist eine fundamentale Umgestaltung

von Kommunalverwaltung und sehr viel mehr organisierte

Zusammenarbeit.“ Muss es aber nicht weit

über Organisationsfragen hinausgehen? Muss man nicht

grundsätzlich über die Grenzen des Staates und mehr Eigenverantwortung

reden? Platt gefragt: Was geht es eigentlich

den Staat an, wie ich auf meinem eigenen

Grundstück baue?

Die vergangenen 50 Jahre ,Reformbemühungen‘ haben

nicht gewirkt, sondern höchstens das Schlimmste

verhindert, und es ist nicht ersichtlich, wieso sich daran

etwas ändern sollte, denn die strukturellen Ursachen,

vor allem auch der Mindset in den Verwaltungen und

Ministerialbürokratien, sind unverändert und schwer

änderbar. Die Feststellung scheint zulässig zu sein, dass

das System aus sich selbst heraus nicht reformfähig ist –

man kann die Reform schlicht nicht Beamten überlassen.

Die tun sich schwer damit, out-of-the-box zu denken.

Ein Wegweiser zur Problemlösung ist das, was Elon

Musk mit dem Department of Government Efficiency

(DOGE) in den USA derzeit tut: ein grundsätzliches, radikales

Ausmisten des Systems und gnadenlose Überprüfung

von Effizienz, Notwendigkeit und ideologischer

Überflüssigkeit. Das kann und muss auch mal wehtun. ƒ

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interview

„Blockadehaltung ist nicht

vorhanden“

Göttingens Oberbürgermeisterin Petra Broistedt und Landrat Marcel Riehtig über den Fachkräftemangel in der

Verwaltung, die Dauer von Genehmigungsverfahren und wie sich eine stärkere Servicementalität schaffen lässt.

faktor: Verwaltungen verzeichnen einen deutlichen Personalaufwuchs.

Wo liegen die Ursachen?

Marcel Riethig: Dies ist auf die Zunahme der Aufgaben

zurückzuführen, die zum Beispiel durch neue gesetzliche

Verpflichtungen, steigende Fallzahlen und Übertragung

von Aufgaben durch Bund und Land entstehen. Ein höherer

Bedarf an Beratung und Information der Bürger sowie

Dienstleistungen, wie Sozialleistungen, Pflege oder Rentenangelegenheiten,

erfordert mehr Personal. Neue Vorgaben

zur Mülltrennung, zum Umweltschutz oder zu Förderprogrammen

könnten mehr Verwaltungspersonal erfordern.

Petra Broistedt: Es gibt zudem unabweisbare Zusatzaufgaben,

Stichwort Bombensondierung, und auch der Rat

legt uns mit seinen Anträgen zusätzliche Aufgaben auf.

Das Resultat ist: Arbeitsverdichtung. Ausdruck dieser

Entwicklung ist, dass Verwaltungsmitarbeiter in den

letzten zweieinhalb Jahren über 80 Überlastungsanzeigen

gestellt haben. Zum Stichtag 31. Dezember 2023

standen knapp 22.000 Rest-Urlaubstage und knapp

58.000 Überstunden im Kontor. Die Krankheitsquote

liegt mit rund elf Prozent deutlich über dem Schnitt gleicher

Branchen in Bund und Land. Deshalb sind wir dringend

auf weitere Fachkräfte angewiesen.

Wie ausgeprägt ist der Fachkräftemangel bei Ihnen?

Broistedt: Er hat insbesondere in den spezialisierten Bereichen

der Verwaltung zugenommen. Beispielhaft seien

hier der Fachbereich Jugend, vor allem im Bereich der

Erzieher, oder das Dezernat für Planen, Bauen und Umwelt,

hier vorwiegend im Bereich der Ingenieure, Architekten,

Stadt- und Verkehrsplaner genannt. Dem Gesundheitsamt

und in der Psychiatrie fehlen Ärzte. In

76 1 |2025


interview

diesen Bereichen ist der Fachkräftemangel sowohl auf

Sachbearbeiter- als auch auf Führungsebene zunehmend

bemerkbar. Zum Teil wurden Stellen bis zu fünfmal erfolglos

ausgeschrieben. Aber auch die Bewerberzahlen

für Ausbildungsplätze sind stark rückläufig – 2020 lagen

in einem Bewerbungsdurchlauf knapp 600 Bewerbungen

vor, 2024 nur noch 400. Im Schnitt dauert eine Stellenbesetzung

sechs Monate. Zurzeit sind rund 120 Stellen

unbesetzt.

Riethig: Der Städte- und Gemeindebund hat Ende 2024

Alarm geschlagen und vor einem ,schleichenden

Blackout‘ gewarnt. In den kommenden zehn Jahren werden

knapp 28 Prozent der Beschäftigten der Kreisverwaltung

in den Ruhestand eintreten.

Allgemein scheint die Gesetzeslage immer komplexer zu

werden und damit auch der Kompetenzbedarf auf Seiten

der Kommunen zu wachsen.

Riethig: Die zunehmende Komplexität von Gesetzen und

Rechtsverordnungen führt zu mehr Bürokratie, bedeutet

mehr Personalbedarf und längere Bearbeitungsdauer. Es

gibt allerdings auch einige Vereinfachungen entgegen diesem

Trend, zum Beispiel im Baurecht. Im Sommer 2023

wurden neue Regelungen für die einfachere Genehmigung

von Versammlungsräumen, zum Beispiel Scheunenfeste,

geschaffen. So etwas spart auch Personal in den Verwaltungen.

Welche Ursachen sehen Sie dafür, dass die Dauer von

Genehmigungsverfahren sich teils sehr lange hinzieht?

Broistedt: Natürlich ist die Regelungsdichte ein entscheidender

Faktor. Noch entscheidender ist jedoch, dass die

eingereichten Anträge vollständig sind und eine gute

Qualität haben. Hier hapert es oft und dies führt zu

deutlich längeren Bearbeitungszeiten.

Riethig: Darüber hinaus können fehlende planungsrechtliche

Voraussetzungen, etwa ein notwendiges Planungserfordernis

oder spezifische Grundstücks- oder Flurstücksituationen

wie Baulasten, die Bearbeitung erheblich

verzögern. Ein weiterer wesentlicher Aspekt ist das

komplexe Zusammenspiel von Vorschriften und Gesetzestexten,

bei denen die Komplexität mehr zu- als abnimmt.

Uns wurde oft widergespiegelt, dass die Dauer eines Genehmigungsverfahrens

teils in drastischer Art und Weise

davon abhängt, welcher Sachbearbeiter zuständig ist.

Riethig: Auch wenn es Unterschiede in der individuellen

Herangehensweise geben kann, sind die Schritte, die zu

einer Entscheidung führen, definiert und werden durch

klare Verfahren, Vorschriften und Kontrollmechanismen

geregelt, um gleiche Maßstäbe für alle Antragstellenden

zu gewährleisten. Es handelt sich nicht um eine willkürliche

,Glückssache‘. Zudem wird das Beschwerdemanagement

gezielt genutzt, Komplikationen zu identifizieren

und Verbesserungen zu erreichen. Darüber hinaus

plant derzeit ein Team aus Mitarbeitern die Einführung

von regelmäßigen Kundenbefragungen..

Wie stärken Sie einen Mindset, der auf eine Servicementalität

ausgelegt ist?

Broistedt: Die Mitarbeitenden beteiligen sich aktiv an

Maßnahmen und Umfragen zur Verbesserung der Prozesse

und des Arbeitsumfeldes, um Effektivität und Effizienz

der Dienstleitungen stetig zu verbessern. Fortbildungen

runden das Programm ab. Eine Blockadehaltung

ist nicht vorhanden.

Riethig: Eine Geisteshaltung, die auf Zielorientierung

und Servicementalität ausgelegt ist, entsteht nicht über

Nacht, sondern ist das Ergebnis kontinuierlicher Schulung,

persönlicher Reflexion und einer unterstützenden

Arbeitsumgebung. Der Landkreis Göttingen hat dafür

Ziele sowohl auf individueller als auch auf Teamebene

festgelegt. Eine ,Blockadehaltung‘ ist in der Göttinger

Kreisverwaltung nicht erkennbar, dafür umso mehr Gestaltungswille.

Der politische Wille scheitert häufig an

rechtlichen Rahmenbedingungen, die durch die EU-,

Bundes- und Landespolitik vorgegebenen werden, wenn

diese keine Ermessensspielräume zulassen.

Vielen Dank für das Gespräch.

1|2025 77


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Pedale

für alle

Wie zwei junge Unternehmer aus

Göttingen mit ,Paceheads‘ die

Menschen leichter aufs Fahrrad

bringen.

Wer mit Ambitionen aufs Rad steigt, muss tief in die

Tasche greifen. Die Gründer von ,Paceheads‘, Fabian

Helbing (l.) und Franz Bayer, wollen mit ihrer Freude

am Radsport so viele Menschen wie möglich anstecken.

Das Unternehmen verleiht Fahrräder und

diverses Zubehör. Mit Filialen in Göttingen und

Hamburg setzen sie auf Events und Gemeinschaft.

Dabei wollten beide ursprünglich etwas ganz

anderes.

1 |2025 83


unternehmen

TEXT MATTHIAS BRUNNERT

FOTOGRAFIE ALCIRO THEODORO DA SILVA

Den Grundstein für die Paceheads GmbH

hat wohl der Vater von Franz Bayer gelegt

– indirekt, vor vielen Jahren und ganz

sicher ohne Absicht. Und das kam so:

Der aus dem nordhessischen Lohfelden

bei Kassel stammende Franz (heute 31) war in seiner

Jugend ursprünglich Hobbyläufer. Er hatte zwar keinen

Trainer, aber viel Ehrgeiz. Schon bald traute er sich einen

Marathon zu. Und sein Vater spornte ihn an, indem er

Franz ein Rennrad für den Fall versprach, dass der damals

17-Jährige die 42,195 Kilometer lange Marathon-

Strecke in weniger als vier Stunden zurücklegt. „Das war

kein Problem“, erinnert sich Bayer. Und als das Rennrad

dann da und ausgiebig getestet war, tauchte schnell der

Gedanke auf, als dritte Disziplin das Schwimmen hinzuzunehmen.

Das Ziel: Triathlon. Schon bald nahm Franz

an Wettbewerben teil, unter anderem am legendären Triathlon

in Roth bei Nürnberg. Nicht nur dort war seine

Lieblingsdisziplin das Radfahren.

„ICH HATTE MIT RADFAHREN dagegen als Jugendlicher

nichts am Hut“, erinnert sich Bayers Freund und Geschäftspartner

Fabian Helbing. „Ich hatte eigentlich nur

Fußball im Kopf“, sagt der 33-Jährige, der aus Bockelnhagen

im nordthüringischen Eichsfeldkreis stammt.

Noch heute sehe er sich – als Fan des Hamburger SV –

sehr gerne Fußballspiele an. Sein Herz hänge allerdings

längst auch am Radsport. „Und das liegt an Franz.“

Denn bei einem Urlaub mit weiteren Kumpels auf

Mallorca habe er von Bayer gelernt, welchen Spaß das

Radfahren bringen kann. „Das war im Jahr 2016“, erinnert

sich Helbing. Seither lasse auch ihn das Fahrradfahren

nicht mehr los.

GEMEINSAM ÜBERLEGTEN DIE BEIDEN FREUNDE

dann immer wieder, ob und wie sie ihre sportliche Leidenschaft

mit Beruflichem verbinden könnten. Im Jahr

2019 war es schließlich so weit: Bayer und Helbing

gründeten Paceheads. Das Ziel: Radsport-Equipment

vermarkten – und zwar anders als andere. „Weil gute

Fahrräder und Trainingsgeräte teuer sind, hatten wir uns

überlegt, dass es eine gute Möglichkeit wäre, das Equipment

an die Kunden zeitlich begrenzt zu vermieten“, erinnert

sich Helbing.

URSPRUNG DES START-UPS WAR DER KELLER im Haus

der Oma eines Freundes in Göttingen. Dieser Freund

wurde dann auch zum ersten Mitarbeiter von Paceheads.

Zu dritt begann das junge Team zunächst mit dem Vermieten

sogenannter Indoor-Smarttrainer. „Das war zu

Anfang erst einmal eine kleine geschäftliche Nische“, erinnert

sich Bayer.

Als dann Fahrräder und weitere Angebote hinzukamen,

wurde es wegen des rasch zunehmenden Geschäftserfolgs

im Göttinger Keller bald zu eng. In Hamburg –

wo Helbing wohnt – hat Paceheads zwar weiterhin seinen

offiziellen Geschäftssitz und eine Niederlassung, die

Musik spielt inzwischen aber vor allem in Göttingen.

Dort sieht das junge Unternehmen einen guten Markt

für sein Angebot. Vor allem aber: In der südniedersächsischen

Universitätsstadt fand Paceheads eine rund

1.000 Quadratmeter große Halle.

DORT BEFINDEN SICH HEUTE DAS LAGER und der

Versand, wo die Räder für Kunden in ganz Deutschland

und Österreich verpackt und verschickt werden: „Über

90 Prozent des Geschäfts laufen inzwischen über das

Internet“, erzählt Bayer.

Und weil Paceheads das Equipment nach der Ausleihe

wieder instand setzt und weitervermietet, „haben wir

auch eine eigene Werkstatt aufgebaut“, sagt Helbing.

Was beiden Paceheads-Chefs wichtig ist: Weil alle Produkte

auf diese Weise immer weiter genutzt werden, sei

bei ihrem Geschäftsmodell „die Nachhaltigkeit gegeben“.

KUNDEN VON PACEHEADS sind zu einem Teil Studierende

und andere junge Menschen. „Viele haben noch

ein kleines Budget, wollen Radsport aber doch sehr gerne

mit professionellen Geräten betreiben“, sagt Bayer.

84 1 |2025


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ZUM UNTERNEHMEN

Franz Bayer und Fabian Helbing haben

die Firma Paceheads GmbH im

Jahr 2019 gegründet. Ziel des Unternehmens

ist die Vermietung von Fahrrädern

und entsprechendem hochwertigen

Equipment im Abonnement.

Paceheads, das Standorte in Hamburg

und Göttingen hat, beschäftigt derzeit

rund zwei Dutzend Mitarbeiter. Die

Kunden kommen nach Angaben der

Geschäftsleitung vorwiegend aus

Deutschland und Österreich, zum Teil

aber auch aus anderen europäischen

Ländern. Der Firmenumsatz betrug im

Jahr 2024 rund 3,5 Millionen Euro.

Zum Angebot gehören neben Rennrädern

und Indoor-Trainingsgeräten

auch sogenannte Gravel Bikes, also

geländegängige Allround-Räder, zudem

gibt es und diverses Zubehör,

etwa Fahrradcomputer oder

Sportuhren.

» Weil gute Fahrräder und Trainingsgeräte teuer sind, hatten wir

uns überlegt, dass es eine gute Möglichkeit wäre, das Equipment

an die Kunden zeitlich begrenzt zu vermieten. «

Fabian Helbing

1|2025 85


unternehmen

» Bei uns sind alle selbst begeisterte Fahrradfahrer. Alle kennen sich bestens

aus und wissen, wie viel Freude es macht, auf dem Rad unterwegs zu sein. «

Franz Bayer

Nicht nur die Fahrräder, auch andere Ausstattung und

Trainingsgeräte, die von den Sportlern genutzt werden,

kosteten „schnell mal einen vierstelligen Eurobetrag“,

sagt Helbing. „Das kann sich nicht jeder leisten.“ Die

Möglichkeit, die Ausrüstung leihweise zu bekommen,

habe die Hürde zur Nutzung hochwertigen Equipments

für viele Kunden niedriger gemacht.

Neben jungen Menschen und „Berufstätigen aus der

mittleren Altersgruppe“ gebe es unter den Kunden zunehmend

auch jung gebliebene Senioren. „Viele wollen

sportlich noch einmal angreifen“, sagt Helbing. „Bei uns

sind alle selbst begeisterte Fahrradfahrer“, ergänzt Bayer.

„Alle kennen sich bestens aus und wissen, wie viel Freude

es macht, auf dem Rad unterwegs zu sein.“

DER BISHERIGE ERFOLG IHRES Geschäftsmodells hat

die beiden Gründer selbst ein wenig überrascht. „Aber

wir haben festgestellt, dass die meisten Kunden, die einmal

auf das Rad gestiegen sind und das Gefühl erleben,

wie schön das ist, gerne weiterfahren möchten“, sagt

Helbing. Und wer einmal Feuer gefangen habe, möchte

dann auch gerne mit hochwertigem Material unterwegs

sein. „Denn damit kann man noch mehr Spaß haben.“

Das Ausleih-Modell von Paceheads trage dazu bei, dass

alle Radsportfans genau das Material bekommen können,

das sie am liebsten haben möchten.

Die Kosten für Einsteiger seien dabei „überschaubar“,

sagt Bayer. Wer ein Rad für ein Jahr miete, zahle dafür

monatlich 60 bis 70 Euro. „Das ist nicht mehr als für ein

Fitness-Studio.“

Für auswärtige Kunden sei es im Übrigen kein Problem,

den Paceheads-Service zu nutzen, erläutert Helbing.

„Wir verschicken die Fahrräder weitestgehend vormontiert.“

Den Rest könnten die Kunden problemlos selbst

erledigen. Denn es gebe exakte Aufbaupläne, wahlweise

auch eine Video-Unterstützung. „Ein paar Handgriffe

und das Rad ist aufgebaut“, verspricht Franz Bayer.

Wenn es doch einmal Probleme gebe sollte: „Wir haben

einen persönlichen Support am Telefon“, sagt Helbing.

„Bei uns gibt es keine Band-Ansagen. Es geht immer

jemand ans Telefon, der sich auskennt.“ So ließen sich in

aller Regel eventuelle Probleme lösen.

DIE FIRMENGRÜNDER SELBST HABEN ZWAR NICHT

mehr so viel Zeit für das sportliche Hobby wie früher,

aber beide sind weiterhin leidenschaftliche Radfahrer.

Dasselbe gelte auch für alle Mitarbeiter, sagt Helbing:

„Wir wissen, welche Kraft der Sport nicht nur dem Einzelnen,

sondern auch der Gemeinschaft gibt. Des wegen

legen wir großen Wert darauf, dass alle genügend Zeit

dafür haben, selbst Fahrrad zu fahren.“

Nicht zuletzt deshalb bietet Paceheads regelmäßig sogenannte

Community-Ausfahrten an. „In Göttingen gibt

es die im Sommer an jedem Mittwochabend“, sagt Bayer.

„Dabei fahren wir dann gemeinsam mit allen Interessierten

unter Anleitung zwei Stunden Rennrad.“ Daneben

veranstaltet Paceheads auch Workshops für Menschen,

die lernen wollen, ihre Fahrräder selbst zu warten und

zu reparieren. „Das wird gut angenommen“, sagt Bayer.

„Die Kurse sind fast immer ausgebucht.“

Für die Zukunft haben sich die beiden Gründer weiteres

Wachstum ihrer Firma und eine Ausweitung des

Angebots vorgenommen. So wollen sie in Göttingen

künftig auch Einzelpersonen und Gruppen die Möglichkeit

geben, sich Fahrräder spontan für Tagesausflüge zu

mieten. Nicht nur die Umgebung der Stadt, auch Göttingen

selbst sei dabei für Radler wegen der vielen Radwege

ein gutes Pflaster. Gleichwohl können Göttingen

nach Auffassung von Bayer und Helbing ein paar weitere

Fahrradstraßen nicht schaden. Den beiden Firmengründern

jedenfalls käme das auf dem Weg zu ihrem

großen Ziel, „möglichst viele Menschen aufs Fahrrad zu

bringen“, gelegen. ƒ

KONTAKT

Paceheads GmbH

Fachhandel für Sport- und Fitnessgeräte

Papendiek 27

37073 Göttingen

Barmbeker Straße 2–6

22303 Hamburg

Tel. 0156 78716345

support@paceheads.de

paceheads.com

86 1 |2025


unternehmen

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PROFIL

Der ,Wow‘-Effekt

‚Porsche Destination‘ heißt das neue Konzept, das Porsche für seine Autohäuser weltweit

umsetzt. In Göttingen hat nun am Lutteranger das neue Porsche Zentrum eröffnet, das

Kundenerlebnis und digitale Integration in den Mittelpunkt stellt.

TEXT SVEN GRÜNEWALD FOTOGRAFIE FLORIAN SPIEKER

Das Porsche Zentrum Göttingen

ist wieder zurück an seinem alten

Standort an der Großen Breite im

Gewerbegebiet Lutteranger. Vor

zwei Jahren wurde dort die alte Immobilie

komplett abgerissen, um Platz für ein neues

Autohaus-Erlebnis zu schaffen.

Die Porsche AG nennt das Konzept ‚Porsche

Destination‘ – ein einheitlicher Auftritt

im Außen und Innen, der in vielerlei Hinsicht

neue Akzente setzt und der weltweit

umgesetzt wird. Das Kundenerlebnis wird

hier ganz in den Mittelpunkt gerückt. „Ein

Element ist, dass Beratungsgespräche mit

Kunden nicht mehr in den Büros der Mit-

arbeiter an einem Schreibtisch stattfinden,

sondern in gemütlichen Lounges“, erzählt

Katharina Stein, Geschäftsführerin des Porsche

Zentrums. Diese Sitzgruppen verteilen

sich im hohen, hellen Showroom, für vertrauliche

Gespräche stehen aber auch diskrete

Besprechungsräume zur Verfügung.

„Das wird von unseren Kunden sehr positiv

aufgenommen“, sagt Verkaufsberaterin

Jennifer Kramer. „Es ist deutlich exklusiver

geworden, und wir können jetzt mit Hilfe modernster

Medientechnik die Fahrzeuge für die

Kunden konfigurieren. Insgesamt ist eine viel

persönlichere Atmosphäre entstanden. Man

fühlt sich hier ein Stück weit wie zuhause.“


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FAST ALLES IST DIGITAL: Der Verkaufsberater

schließt sein Tablet an, die Bildschirminhalte

werden auf großen Monitoren gezeigt.

Der Digitalisierungsansatz wird ganz besonders

in der Fitting Lounge ersichtlich. Hinter

schwarz getönten Scheiben liegt die Halle,

die nach außen zudem eine große Flügeltür

aufweist. Hier kann der Kunde gemeinsam

mit dem Berater sein Traumauto konfigurieren.

Auf der einen Seite der Halle gibt es eine

große Videowand, auf der die Konfiguration

des Wagens gut sichtbar gezeigt wird. An der

Wand gegenüber hängen die verschiedenen

Lackvariationen zum Anfassen und in den

Schubladen darunter finden sich alle Muster

der Lederausstattungen, so dass eine unmittelbare

Passung vor Ort möglich wird – während

Farbdarstellungen auf dem Monitor immer

so eine Sache sind. Und wenn der Kunde

schließlich sein Auto abholt, dann wird es in

die Fitting Lounge gefahren, verhüllt und so

dem Kunden präsentiert und übergeben.

Herzstück des Porsche Zentrums ist der

Showroom. Dieser ist in Module unterteilt –

thematische Bereiche, die die Produktpalette

veranschaulichen, so etwa gleich beim Eingang

das Highlight-Modul mit wechselnden

besonderen Modellen. Oder die E-Performance,

die sich dem Thema Elektromobilität

widmet. Dieses Thema ist ganz besonders

wichtig, weshalb auf dem Außengelände auch

eine umfangreiche Ladesäuleninfrastruktur

aufgebaut wird, inklusive zweier Supercharger

– eine Investition in die Zukunft.

Ein weiteres Highlight des Porsche

Destination-Konzepts ist die ,gläserne Werkstatt‘:

Eine große Glasfront erlaubt den Blick

in die Werkstatt aus dem Showroom. Man

kann zusehen, wie hier gewartet und repariert

wird. „Der Blick ist mega für den Kunden“,

gibt Katharina Stein die Begeisterung

der Kunden wieder. Der offene Blick motiviert

auch die Mitarbeiter, die Werkstatt clean und

aufgeräumt zu präsentieren.

Der Weg in die Werkstatt wiederum führt

über die Dialogannahme, in die der Kunde

seinen Wagen fährt. Auch sie ist mittels einer

Glasfront an den Showroom angedockt, es ist

freundlich hell. Hier findet die gemeinsame

Begutachtung des Wagens mit dem Serviceberater

statt und auch hier ist die Beratung

digitalisiert, wenn nötig kann ein Tablet an

einen großen Bildschirm angeschlossen werden.

Auch, wenn das Zentrum erst Ende Februar

eröffnet hat, die Kunden hat es trotzdem

schon sehr positiv beeindruckt. „,Wow‘, höre

ich ganz oft, wenn Kunden das erste Mal in

unseren Neubau kommen“, sagt Katharina

Stein. „Porsche Kunden haben eine sehr enge

Bindung an ihren Sportwagen und auch zum

Autohaus und den Beratern. Nicht umsonst

spricht man von der Porsche Family.“ Die

Folge sind langjährige, stabile Kundenbeziehungen.

„Wenn dann der exklusive Porsche

in der Werkstatt abgegeben wird, ist das ein

ganz vertrautes Gefühl für die Kunden – sie

wissen, dass sie sich auf ihr Porsche Zentrum

verlassen können.“

Und weil die Kundenbindung so wichtig

ist, will Katharina Stein das Porsche

Zentrum auch für Kundenevents und Begegnung

stärker nutzen – seien es beispielsweise

Produktvorstellungen oder Fahrveranstaltungen.

„Unser Haus wird aber auch Gastgeber

für Veranstaltungen für die Göttinger Wirtschaft

und Gesellschaft sein. Wenn wir uns

erst einmal hier richtig eingelebt haben.“

PROFIL

In der Fittinglounge wählen Kunden gemeinsam

mit der Verkaufsberatung ihr individuelles

Fahrzeug aus. In der Dialogannahme können

sich Kunden darauf verlassen: Ihr Porsche ist in

guten Händen!

Geschäftsführerin Katharina Stein ist stolz auf das

neue Porsche Zentrum Göttingen.

Porsche Zentrum Göttingen

PZ Sportwagenzentrum Göttingen GmbH

Große Breite 2

37077 Göttingen

Tel. 0551 3858-22

info@porsche-zentrum-goettingen.de


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Herzlich willkommen

im brandneuen Online-Shop bei Struckmeier

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Kunden und Partner, und setzen nun mit unserem neuen Online-Shop die Weichen

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1934 gegründet, hat sich System-Büro Struckmeier

zu einem führenden Anbieter für das

gesamte Büroleben entwickelt. Unsere Geschichte

ist geprägt von Innovation, Zuverlässigkeit

und einem tiefen Verständnis für die

Bedürfnisse unserer Kunden und Partner.

UNSER NEUER ONLINE-SHOP:

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Arbeitsalltag nicht nur erleichtern, sondern

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Team steht Ihnen mit Rat und Tat zur Seite,

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bieten wir individuelle Beratung und maßgeschneiderte

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Ihre Bedürfnisse abgestimmt sind – auch

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154 Wohneinheiten auf fünf Etagen

Erstes Wohnprojekt der Max-Planck-Förderstiftung – GOLDBECK realisiert mit hoher Qualität und Effizienz

Die Max-Planck-Förderstiftung, eine gemeinnützige

Stiftung zur Förderung

von Grundlagenforschung bei der

Max-Planck-Gesellschaft, realisiert ihr erstes

Wohnprojekt. Innovativ und nachhaltig wird es

sein und neue Maßstäbe im Bereich des Wohnungsbaus

setzen. Das Konzept umfasst 154

Wohneinheiten auf fünf Etagen, die für Lehrende,

Forschungsmitarbeitende, Auszubildende

und Studierende der Institute vorgesehen sind.

Für die Umsetzung der Wohnanlage sowie einer

Kindertagesstätte wurde die GOLDBECK Niederlassung

Kassel beauftragt.

Das Vorhaben setzt auf durchdachte Grundrisse,

einen modernen technischen sowie

höchsten energetischen Standard. „Die besondere

Bauweise ermöglicht es uns, in kürzester

Zeit effizient hochqualitativen Wohnraum zu

schaffen, der gleichzeitig flexibel und an die

individuellen Bedürfnisse der Bewohnerinnen

und Bewohner angepasst ist“, erklärt Roman

Franz, technischer Leiter der Immobilienverwaltung

bei der Max-Planck-Förderstiftung. Die

ersten Arbeiten begannen bereits Ende 2024,

die Fertigstellung der Projekte soll Anfang 2026

erfolgen. „Wir sind sehr stolz darauf, das erste

GOLDBECK Wohnprojekt in dieser Region zu

realisieren. Mit diesem Projekt leisten wir einen

wertvollen Beitrag zur Stärkung der Region und

KINDERGARTEN

bieten gleichzeitig hochwertige und bezahlbare

Lebensräume für Dozenten, Forschende, Auszubildende

und Studierende“, sagt Kai-Oliver

Becker, Niederlassungsleiter der GOLDBECK

Niederlassung Kassel. Das Projekt in Göttingen

wird nicht nur den steigenden Bedarf an

geeignetem Wohnraum für die akademische

und wissenschaftliche Gemeinschaft decken,

sondern auch einen wichtigen Beitrag zur regionalen

Entwicklung leisten.

ÜBER DIE MAX-PLANCK-FÖRDERSTIFTUNG

Die Max-Planck-Förderstiftung in München

ist eine der größten wissenschaftsfördernden

Stiftungen Deutschlands, privat, unabhängig

und gemeinnützig. Sie fördert Grundlagenforschung

an den über 80 Instituten der

Max-Planck-Gesellschaft. Diese bekommt als

eine der führenden deutschen Forschungseinrichtungen

mit öffentlicher Grundfinanzierung

mehr Flexibilität durch die privaten

Mittel von Förderinnen und Förderern. Die

Stiftung spielt eine wichtige Rolle bei der Unterstützung

von wissenschaftlichen Projekten,

beim Ausbau von Forschungsinfrastrukturen

sowie bei der Gewinnung oder Bindung

von Talenten bei Max Planck. Dadurch trägt

sie zur Sicherung der Max-Planck-Gesellschaft

an der Weltspitze der Forschungsorganisationen

bei und liefert einen entscheidenden

Beitrag zur Zukunftssicherung unserer

Gesellschaft.

GOLDBECK Nord GmbH

Leuschnerstraße 79b,

34134 Kassel

Torsten Schwedhelm

Torsten.schwedhelm@goldbeck.de

Tel. 0173 5220444

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Blackbit


leben

94 1 |2025


leben

NACHHALTIG

aus Überzeugung

Ob Göttinger Basketballer, Niedersächsische Landesforsten,

Maschinenbauer, Händler oder Logistiker:

,Nachhaltigkeit‘ spielt für Unternehmen in der Region

eine wichtige Rolle. Doch wie sieht es mit der

Umsetzung aus?

TEXT STEFAN LIEBIG FOTOGRAFIE ADOBE STOCK

1 |2025 95


leben

Eine Krise folgt der nächsten – und plötzlich spricht kaum noch jemand über

Nachhaltigkeit. Einst ein Dauerthema, spielte es im letzten Bundestagswahlkampf kaum

eine Rolle. Doch was heißt das für die Unternehmen in Südniedersachsen? Ist Nachhaltigkeit

dort ebenfalls ins Hintertreffen geraten? Oder passiert mehr, als man denkt?

Wie setzen die Entscheider der Region das Konzept heute wirklich um?

Woher der inzwischen inflationär benutzte

Begriff eigentlich kommt, weiß Michael

Rudolph. Der Pressesprecher der Niedersächsischen

Landesforsten verweist auf

Hans Carl von Carlowitz, der schon im Jahr 1713 die

,Nachhaltigkeit‘ pionierhaft wie folgt beschrieb:

„Daß es eine continuirliche, beständige und nachhaltende

Nutzung gebe, weil es eine unentbehrliche Sache ist,

ohne welche das Land in seinem Esse [im Sinne von Wesen,

Dasein (Red.)] nicht bleiben mag.“

» Kein anderer Wirtschaftszweig ist so

sehr auf die Zukunft ausgelegt.«

Rudolph beklagt, dass sich dieser Begriff von seiner ursprünglichen

Bedeutung inzwischen relativ weit entfernt

hat und mittlerweile „inflationär gebraucht wird“. Er

schildert, wie tief die Forstwirtschaft von der Nachhaltigkeit

geprägt ist: „Es dauert 200 bis 250 Jahre, bis

eine Eiche als Nutzholz geerntet werden kann. Kein

anderer Wirtschaftszweig ist so sehr auf die Zukunft

ausgelegt.“ Diese Planung über Generationen

ist es, die seiner Ansicht nach den Unterschied zu

anderen Produkten ausmacht. Es bereitet ihm zum

Beispiel Unbehagen, wenn Verpackungen ,nachhaltig‘

genannt würden, die, wie auch immer sie produziert

seien, eben doch einfach auf dem Müll landeten. Rudolph,

leidenschaftlicher Förster, sieht die Menschheit

an einem Wendepunkt: „Der Wald – wie hier im Harz –

wurde hart getroffen. Wir hatten in unseren Breiten so

schwerwiegende Klimaschäden nicht erwartet. Jetzt müssen

wir handeln und die Wälder resistenter wieder aufforsten.“

96 1 |2025


leben

Wenngleich Rudolph das Thema gerne mehr in der öffentlichen

Diskussion wahrnehmen würde, so ist er doch

froh zu sehen, dass die Länder viel Geld zur Aufforstung

bereitstellen und auch Privatleute und Unternehmen tatund

finanzkräftig helfen. So sind aus seiner Sicht die

Landesforsten in der Lage, dem Wald beim Start in eine

neue Ära zu helfen und ihn gleichzeitig auch nachhaltig

für den Tourismus und als Erholungsort zugänglich zu

machen. Damit dies gelingt, müssen natürlich zusätzlich

die Babyboomer, zu denen auch Rudolph gehört, durch

neue und innovative Forstwirte ersetzt werden.

EINEN EBENSO ZENTRALEN WERT nimmt die Nachhaltigkeit

in der Firmenphilosophie des Göttinger

Fairtrade-Unternehmens Contigo ein. Seit 1994

werden dort ,nachhaltige und faire‘ Produkte

aus Übersee importiert. Geschäfts führer Ralph

Wüstefeld erläutert die Dimensionen des Begriffs

für sein Geschäft: „Lieferketten gibt es bei

uns nicht, da wir direkt vom Hersteller kaufen.

Gute Arbeits- und Produktionsbedingungen sind

für uns das Hauptkriterium bei der Aufnahme in unser

Portfolio. Dass wir alles aus Übersee hierher transportieren

müssen, ist der einzige Kritikpunkt, mit dem

wir leben müssen – im Gegenzug verbessern wir die Lebensbedingungen

der Hersteller in ärmeren Ländern.“

Wüstefeld ist zusammen mit Greta Herbst, der Tochter

des Unternehmensgründers Ingo Herbst, in der Geschäftsführung

aktiv. Diese frühzeitige Regelung der Zukunft

von Contigo stellt für Wüstefeld auch einen wichtigen

Aspekt von Nachhaltigkeit dar. Dieser wird durch

die langjährige Zusammenarbeit mit den Verwaltungsangestellten

und dem Ladenpersonal in deutschlandweit

23 Geschäften sowie dem erfolgreich absolvierten

Einstieg ins Onlinegeschäft abgerundet. So aufgestellt,

konnten auch die herausfordernden Pandemiejahre

überstanden werden.

» Die BG möchte der Gesellschaft

mehr als nur Sport bieten. «

» Lieferketten gibt es bei

uns nicht, da wir direkt

vom Hersteller kaufen. «

WÄHREND ES BEI DEM KONZEPT wohl wenig überrascht,

dass Contigo das Gemeinwohl-Ökonomie-(GWÖ)-

Zertifikat (siehe auch der zweite Beitrag über Nachhaltigkeit

im Anschluss an diesen) erhalten hat, rechnet bei

der BG Göttingen vielleicht nicht jeder damit. Der

Geschäftsführer der Bundesliga-Basketballer, Frank

Meinertshagen, erklärt, welche Motivation dahintersteckt:

„Wir unterstreichen damit unsere Philosophie:

Die BG möchte der Gesellschaft mehr als nur Sport bieten.“

Neben vielen Aktionen für die Nachwuchsförderung

und sozialen Projekten investiert der einzige Proficlub

der Leinestadt daher auch in Nachhaltigkeit: Der

aktiven Teilnahme am Energieeffizienznetzwerk der

Energieagentur Göttingen vor fünf Jahren folgte die

GWÖ-Zertifizierung. Zwar setzen alle Bundesligavereine

auf Maßnahmen zum Klimaschutz, doch

eine konkrete Verpflichtung dazu gibt es nicht.

Die BG nimmt es aber ernst: Alle Angestellten

– auch die Spieler – müssen einmal jährlich an

einer Nachhaltigkeitsschulung teilnehmen,

und seit dieser Saison haben die Göttinger mit

Katja Brunner sogar eine Nachhaltigkeitsmanagerin

im Team. Sie kümmert sich um Themen wie

die GWÖ, die Überprüfung von Lieferketten für zum

Beispiel Merchandisingartikel, die Umstellung auf einen

E-Mobil-Fuhrpark und die damit verbundene Ladeinfrastruktur

sowie den dazugehörigen grünen Strom. ▸

1 |2025 97


leben

Eine verantwortliche Person, die sich mit der Nachhaltigkeitsthematik

identifiziert, ist auch für

Christoph Böhnisch von Piller Blowers & Compressors

in Moringen elementar: „Es wird uns

nicht leicht gemacht: Wenn die Bürokratie uns

vorschreibt, Excel-Tabellen mit 50 oder 80

Reitern zu bearbeiten, dann stimmt da etwas

nicht. Wir sollten nachhaltige Ziele nicht wegen

der Gesetze, sondern aus Überzeugung verfolgen!“

Mit 400 Mitarbeitern in Deutschland und

550 weltweit ordnet der Geschäftsführer sein Unternehmen

als gerade groß genug ein, um sich trotz aller

Anforderungen des Tagesgeschäfts systematisch um Fragen

der Nachhaltigkeit kümmern zu können. Während

intensiver interner und ergebnisoffener Diskussionen

leben die Piller-Beschäftigten genau diese Philosophie.

Denn gerade in der produzierenden und stahlverarbeitenden

Branche ist es gar nicht so leicht, Nachhaltigkeitsziele

zu formulieren, in Richtung Lieferanten und

Kunden zu kommunizieren und umzusetzen. „Für mich

ist der CO 2 -Fußabdruck nicht das Maß aller Dinge, dennoch

arbeiten wir daran, ihn an sinnvollen Stellen zu

verringern. Auch der Begriff Work-Life-Balance ist

schwierig für mich. Work ist ein Teil von Life und daher

sollte die Arbeit Spaß machen und das Umfeld stimmen,

in dem wir miteinander arbeiten“, sagt Böhnisch. Er

zeigt auf, in welche Bereiche Piller investiert: in Arbeitssicherheit,

eine neue Halle mit moderner Fußbodenheizung

mit Wärmepumpentechnik, Elektrifizierung des

Fuhrparks und die teilweise Versorgung mit eigenem

Solarstrom. Doch bei allen Kosten und Mühen, die Piller

nicht scheut, mahnt Böhnisch: „Europa muss auch an

exportorientierte Unternehmen wie das unsere denken:

An den Außengrenzen endet unsere Deutungshoheit. Wir

müssen uns international behaupten können, da sehen

wir das Lieferkettengesetz eher als Bremse.“ Natürlich

setzt Piller auch auf gut geprüfte Lieferketten, doch Böhnisch

verweist darauf, dass es schwer zu realisieren sei,

international weitverzweigte Lieferketten bis in die

sechste oder siebte Zuliefererebene verlässlich zu überprüfen.

So sei es nur begrenzt möglich, den CO 2 -Fußabdruck

der gebauten Maschinen genau zu bestimmen.

»...im laufenden Geschäft die Prozesse

an die nachhaltigen Anforderungen

anzupassen.«

» Wir sollten nachhaltige Ziele nicht

wegen der Gesetze, sondern aus

Überzeugung verfolgen!«

„Wie Zahnräder greifen im Bereich der Nachhaltigkeit

alle Elemente ineinander“, sagt Peter Müller-Kronberg.

Der CEO der Göttinger Zufall Logistics Group sieht

sein Familienunternehmen als Vorreiter in der

Logistikbranche. Trotz enormen Preisdrucks

setzt Zufall seit vielen Jahren auf Energieeinsparung

und Produktion eigenen Solarstroms.

25 Prozent des Fuhrparks sind

inzwischen elektrifiziert – eine solche

umfassende Umrüstung stellt bei Lastwagen

natürlich einen enormen Kostenfaktor

dar. Bestärkt sieht sich Müller-Kronberg

durch wichtige Kunden wie Sartorius. Mit

dem börsennotierten Göttinger Pharma- und Laborzulieferer

beispielsweise betreibt Zufall das wegweisende

und klimapositive Logistikzentrum Distribo als

Leuchtturmprojekt. „Bei allen Maßnahmen kommt es

darauf an, im laufenden Geschäft die Prozesse an die

nachhaltigen Anforderungen anzupassen. Da lässt sich

nicht einfach ein Schalter umswitchen“, so

Müller-Kronberg. Bestärkung erhält er aus der Belegschaft,

was für sich gesehen ebenfalls nachhaltig, weil

mitarbeiterbindend, ist. Selbst einstmals skeptische Fahrer

schwören nun auf die E-Lastwagen, die sich beispielsweise

im heißen Sommer während der wichtigen Ruhezeiten

dank des Elektromotors viel weniger aufheizen.“

Wie die Beispiele zeigen, ist das Thema Nachhaltigkeit

in der hiesigen Unternehmenslandschaft branchenübergreifend

allgegenwärtig. Es ist bei Weitem nicht auf den

ursprünglichen Begriff begrenzt, den der Forstwirt von

Carlowitz eingeführt hat. Die Zeit ist vorangeschritten,

und wir sprechen nun auch von Arbeitssicherheit, Firmennachfolge

und Fachkräftesicherung, wenn es um

Nachhaltigkeit geht – letztlich aber laufen die Gespräche

doch meist auf den Umweltaspekt hinaus. Es macht

Mut, dass diesbezüglich in der Region so viel Engagement

erkennbar ist – trotz aller Wirren der Zeit, die es

nicht eben einfach machen, sich darum zu kümmern.

98 1 |2025


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Erweiterung im Rahmen der aktuell laufenden Konzeptphase:

1 |2025 xx


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AUGENMASS

und zum Wohle aller

Viele Institutionen unserer Region

engagieren sich für eine zukunftsfähige

Wirtschaft und Gesellschaft. Sie stehen dabei

in engem Austausch mit den Unternehmern.

100 1 |2025


leben

„DAS AUGENMASS FEHLT!“, beklagt sich Lars

Obermann. Er meint damit die Politik, die aus seiner

Sicht trotz aller Krisen zu weiteren Verteuerungen

für die Wirtschaft beiträgt. Der Vorsitzende des

Mekom- Verbandes, der sich um das Regionalmanagement

in der Harzregion kümmert,

sieht zum Beispiel den für 2027 von der EU

beschlossenen CO 2 -Handel „noch nicht gedanklich

bei den Unternehmen angekommen“.

INTERESSENVERBÄNDE wie Mekom sehen sich

gegenüber der Politik und ihren Mitgliedern als

Kommunikator im Sinne vieler Bedürfnisse mittelständischen

Unternehmen. Nachhaltigkeit gehöre definitiv mit

zum Aufgabenfeld dazu. Denn nicht nur Obermann

sieht eine vielschichtige Überlastung. Wie das dort letztgenannte

Beispiel agiert auch seine Obermann Unternehmensgruppe

in der Logistikbranche. Die kostenintensive

Elektrifizierung seines Fuhrparks hätte er wohl

deutlich schneller in die Wege geleitet, wenn nicht

gleichzeitige Verteuerungen der Spritpreise das Investitionskapital

geschmälert hätten und Unklarheiten bei

der eigenständigen Stromproduktion stets neue

Planungsprobleme mit sich brächten. Daher fordert

er umgehend eine Entbürokratisierung

und trifft damit auf große Unterstützung bei

den Mekom-Mitgliedern. „Die Akzeptanz für

mehr Nachhaltigkeit erzielen wir nur, wenn

die Sinnhaftigkeit von Vorschriften für alle

Beteiligten erkennbar ist. Das ist leider nicht

gegeben, wenn wir in Formularen versinken“,

sagt Obermann und gewährt damit einen Blick in

den aus seiner Sicht schon zu weitverbreiteten Frust.

Von mehr Klarheit in der Politik erhofft er sich zudem,

dass die Gesellschaft nicht noch weiter in Richtung Radikalität

kippt. Mekom veranstaltet daher regelmäßige

zukunftsorientierte Formate wie ,Wirtschaft trifft Verwaltung‘,

Personaler stammtische, Berufsinformationstage

sowie Austauschplattformen für Auszubildende und

junge Fachkräfte, um die Attraktivität der Region zu

vermitteln.

» Die Akzeptanz für mehr Nachhaltigkeit erzielen

wir nur, wenn die Sinnhaftigkeit von Vorschriften

für alle Beteiligten erkennbar ist.

Das ist leider nicht gegeben, wenn wir in

Formularen versinken.«

1 |2025 101


leben

„INTERESSANTERWEISE IST DAS THEMA NACHWUCHS

und Nachfolge im Bereich der Landwirtschaft gar kein

so großes Problem, wie viele Menschen vielleicht erwarten

würden“, sagt Frank Kohlenberg und hält

die Schließung von jährlich zwei bis drei Prozent

der landwirtschaftlichen Betriebe für eine Entwicklung,

„die dem Lauf der Zeit entspricht“.

Er selbst hat einen landwirtschaftlichen Familienbetrieb

mit drei Minijobbern in der Nähe von

Hameln und ist einer der drei Vizepräsidenten des

Landesbauernverbandes Niedersachsen. Der Milchviehhalter

weist mit Blick auf die wohl noch allen in

Erinnerung haftenden Bauernproteste um den Jahreswechsel

2023/24 darauf hin, dass es bei den Demonstrationen

vor allem um nicht nachvollziehbare Vorschriften aus Brüssel

und Berlin ging: „Wenn von heute auf morgen die Änderung

der Treibstoffbesteuerung immense Mehrkosten verursacht,

dann ist das für viele nicht mehr zu stemmen!“

AUCH DIE BÜROKRATIEFLUT setzt den Landwirten oft derart

zu, dass Höfe ihren Betrieb einstellen. In vielen Bereichen

kämpft man mit Handwerkskammern zusammen dafür, das

Ansteigen der Formularflut einzudämmen. Bislang scheint

die Botschaft jedoch bei zu wenigen Politikern anzukommen.

Zudem befinde man sich im Absatzbereich im Spagat zwischen

dem wachsenden Wunsch nach Bioprodukten und dem

zunehmenden Kauf importierter Lebensmittel. „Deswegen ist

ein Nebeneinander von konventioneller und biologischer

Landwirtschaft nach wie vor sinnvoll. Für uns ist zudem eine

positive Entwicklung bezüglich der Akzeptanz der Bevölkerung

unserer Arbeit für die zuverlässige Ernährung bei gleichzeitiger

Bewahrung der Natur erkennbar. Das ist ein sehr

wichtiger Faktor für uns Landwirte“, so Kohlenberg.

EINE GEMENGELAGE, die auch bei Christian Grascha

allgegenwärtig ist. Der Göttinger Geschäftsstellenleiter

der Industrie- und Handelskammer (IHK) Hannover

fordert von der EU ebenfalls ein „Abspecken der Dokumentationspflicht“.

Er sieht zwar keinen Bedeutungsverlust

der Nachhaltigkeit in den Unternehmen,

doch durchaus eine Überlastung

durch Energiekosten, Steuerbelastung

und Bürokratie: „Die Politik sollte

ganzheitlich denken und die Unternehmen

entlasten – zum Beispiel, indem sie

das Investitionsklima verbessert.“ Auf

dem Gebiet des Fachkräftemangels sorgt

die IHK selbst für Entlastung: Im Projekt

,Adelante Colombia‘ werden junge Kolumbianer

angeworben, um sich in Deutschland eine

neue Heimat und eine berufliche Zukunft aufzubauen.

Ein Projekt mit vielen Gewinnern. Denn die jungen

und motivierten Menschen entkommen so den politischen

Wirren und der hohen Jugendarbeitslosigkeit in

ihrer südamerikanischen Heimat. Noch in Kolumbien

erhalten sie zunächst die nötige Sprachausbildung. Dann

kommen sie nach Deutschland und spüren schnell, dass

sie gebraucht werden. Erfahrungsgemäß bleiben viele in

ihrem neuen Umfeld. Gehen doch einige zurück, profitieren

sie selbst und ihr Heimatland von der wertvollen

Auslandserfahrung. Natürlich hat die IHK auch für die

einheimischen Schulabgänger interessante Kooperationsprojekte

im Angebot, um bei der Entscheidung zwischen

Ausbildung und Studium oder einer Verbindung von

beidem beratend zur Seite zu stehen. „In unserem Netzwerk

gibt es junge Ausbildungsbotschafter, die ihre eigenen

Erfahrungen an die nahezu gleichaltrige Zielgruppe

der baldigen Schulabgänger weitergeben“, so Grascha. ▸

102 1 |2025


leben

AUF NETZWERKEN setzt auch die GWG Gesellschaft

für Wirtschaftsförderung und Stadtentwicklung Göttingen

mbH. Naturgemäß geht es dabei lokaler zu als

bei der IHK. „Aktuell bauen wir im Gewerbegebiet

Grone ein Netzwerk auf, indem

sich die ansässigen Unternehmen kennenlernen

und über ihre Erfahrungen

im Bereich Nachhaltigkeit austauschen

sollen“, skizziert GWG-

Geschäftsführer Jens Düwel das

kürzlich gestartete Modell und fährt

fort: „Die ersten Erfahrungen sind

positiv. Die Idee zu erfahren, was die

Nachbarn machen und mit welchen Ansätzen

sie auf Herausforderungen reagieren, kommt gut an.“

Ein interessanter Ansatz, die lokale Wirtschaft nachhaltig

mit einander zu verknüpfen und auf Synergien

aufmerksam zu machen. Die GWG denkt aber weit darüber

hinaus, Düwel bringt das auf den Punkt: „Wir

wirtschaften seit der Industrialisierung auf Kosten der

Natur. Dringend müssen wir den Umwelt- und Klimaproblemen

nachhaltiger gegenübertreten. Das ist eine

riesige Transforma tionsaufgabe insbesondere für Unternehmen.“

Seine Gesellschaft geht dabei in die Offensive

und stellt die eigenen Immobilien wie die Lokhalle zunehmend

auf nachhaltige Energieversorgung um. Durch

den jährlich stattfindenden Wirtschaftsförderungskongress

befinden sich die Akteure zudem in einem ständigen

bundesweiten Dialog. Eine konkrete Bitte äußert

Düwel in Richtung Wirtschaft: „Ich würde mir wünschen,

dass die Unternehmen noch viel aktiver auf uns

zukommen – die GWG hat vielfältige Service angebote.“

Die Gemeinwohl-Ökonomie (GWÖ) spielt – wie auch im

vorstehenden Beitrag erwähnt – inzwischen eine wichtige

Rolle in der Region, wenn es um Nachhaltigkeitsthemen

geht. Inzwischen sind 14 Unternehmen aus Südniedersachsen

dort zertifiziert. Sie durchlaufen dafür ein

genormtes Verfahren, indem sie ihre Prozesse, Geschäftsverbindungen

und Mitarbeiterführung durchleuchten.

„Agile Unternehmen wollen vorn dabei sein und einen

Vorsprung in ökologisch-sozialer Nachhaltigkeit erreichen.

Sie fragen nicht nur, wie kann ich weniger Schaden

an der Natur verursachen, sie fragen, wie stärke ich die

Natur und unser Gemeinwohl“, sagt Annabel Konerman

von der ehrenamtlichen GWÖ-Regionalgruppe Göttingen

zusammen. Die in diesem Bereich aktiven Unternehmen

achten somit auf stabile Beziehungen, kurze Lieferketten,

langfristige Bindung, echten Nutzen sowie

gesellschaft liche Stärkung. Sie behandeln ihre Geschäftspartner

auf Augenhöhe. Eine Vorgehensweise, die Christian

Schmelcher überzeugt. Er absolvierte den GWÖ-Zertifizierungsprozess

erfolgreich mit der Beschäftigungsförderung

Göttingen: „Wir haben mit

vier öffentlichen Gesellschaften der Stadt

an der Zertifi zierung teilgenommen.

Das war sehr interessant, wir alle haben

von den gegenseitigen Einblicken

profitiert.“ Inzwischen wechselte er

als Geschäftsführer zur Städtischen

Wohnungsbau GmbH. Er kann sich

vorstellen, auch dort einen solchen Weg

anzustoßen: „Wichtig ist es, die Mitarbeiter

aktiv einzubinden. Mit diesem Zusammenhalt

lässt sich das auch sehr gut gegenüber der Bevölkerung

kommunizieren. Denn letztlich geht es um das Gemeinwohl.“

» Wir wirtschaften seit der Industrialisierung

auf Kosten der Natur. Dringend müssen wir den Umweltund

Klimaproblemen nachhaltiger gegenübertreten.«

1 |2025 103


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PROFIL

Effizienzsteigerung –

trotz weniger Stunden

Führungskräftekrise statt Fachkräftemangel: Rocco Funke

von ELBS nutzt die 4-Tage-Woche als erfolgreiches Werkzeug

selbstständiger arbeiten. Für ihre tägliche

Arbeit brauchen sie mich gar nicht mehr. So

bleibt mir mehr Zeit, am Unternehmen zu

arbeiten.

MUT ZUR VERÄNDERUNG:

DIE 4-TAGE-WOCHE ALS

WERKZEUG BEGREIFEN

Die 4-Tage-Woche ist ein WERKZEUG. Schafft

nachhaltig und andauernd Vertrauen und die

Basis, gemeinsam ALLE analogen Prozesse

zu hinterfragen, konsequent zu optimieren

und DANN gemeinsam zu DIGITALISIEREN.

Schafft AKZEPTANZ.

Rocco Funke (links) macht sein Team mit der 4-Tage-Woche glücklich und sein

Unternehmen damit erfolgreich.

Den Schritt zu gehen und eine 4-Tage-Woche

im Handwerk beziehungsweise

Dienstleistung einzuführen,

erforderte viel Mut. Nicht selten haben wir

am Anfang deshalb Zuschriften mit Beleidigungen

bekommen. Unsere Mitarbeiter

wurden auf Baustellen teils mit Beschimpfungen

empfangen, weil die Reduzierung der

wöchentlichen Arbeitsstunden oft mit Faulheit

gleichgesetzt wird. Das dem nicht so ist,

wird spätestens nach dreieinhalb erfolgreichen

Jahren mit der 4-Tage-Woche deutlich.

Ich brauche jetzt mehr Arbeit – meine Leute

schaffen in 32 Stunden mehr!

DAS GANZE UNTERNEHMEN ist umstrukturiert

und vor allem: optimiert. Sei es die

Lagerung von Material, die interne und externe

Kommunikation oder meine Rolle als

Führungskraft – all das läuft nun weitaus effizienter

und ermöglicht dem Unternehmen

eine große Umsatzsteigerung.

Stell gute Leute ein, bilde sie aus, geh zur Seite!

Aber das ist nur die halbe Wahrheit.

Oft ist das Vertrauen beiderseits durch

schlechte Erfahrungen verschwunden. Ich

wollte ANDERS arbeiten, besonders nach

Corona. Meinem Sohn habe ich im Kreißsaal

im April 2021 versprochen, SEINE Welt etwas

besser zu machen, für ihn da zu sein. Dafür

MUSSTE ich bestehende Lebens-und Arbeitsweise

ändern. Dafür brauchte ich eine neue

Unternehmenskultur. Neue Führung und

VERTRAUEN. Nachhaltige Personalführung

als Mittel gegen den Fachkräftemangel.

Meine Mitarbeiter haben nun neue Chancen

und Pflichten und können ihre Arbeitswelt

selbst gestalten. Das ist für sie eine neue

Form der Wertschätzung.

Die Mitarbeiter haben nun größere Aufgabenbereiche

und können – wollen – dürfen viel

Durch die neue Arbeitsaufteilung tragen die

Mitarbeiter von ELBS nun auch mehr Verantwortung

für ihre Arbeit – und für ihre Arbeitszeit.

Die Zeit hat einen anderen Stellenwert

bekommen, sie wird selbst organisiert und

durchweg sinnvoll genutzt.

Meine Mitarbeiter sind Unternehmer geworden.

Ich habe jetzt Problem-Löser, Mitdenker,

Mitgestalter. Allein deshalb hat sich

der Aufwand der Umstrukturierung für das

Unternehmen gelohnt.

ELBS - Eichsfelder Leckortungund

BautrocknungsService

ELBS Dipl.-Ing. (FH) Rocco Funke e.K.

Königstal 55a

37339 Hundeshagen

Tel. 036071 90 733

Fax 036071 90 734

Mobil: 0173 57 19 409

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PROFIL

Wo Dialog beginnt, entstehen Brücken

Müller + Partner verbindet Menschen, Teams und Organisationen – seit 30 Jahren

Seit Anfang 2025 verstärkt Fabian Büser die Geschäftsführung von

Müller + Partner neben Sonja Trieschmann und Eveline Siehler

Brückenbau und Dialog werden in einem gemeinsamen Workshop

erlebbar

Wer sich einmal mit dem Bau von

Brücken beschäftigt hat, weiß,

dass es sich dabei um eine wahre

Königsdisziplin der Ingenieurskunst handelt

– ebenso anspruchsvoll wie ein guter Dialog.

Man muss nicht lange suchen, um Parallelen

zwischen dieser Wissenschaft und der Kunst

des Dialogs als wesentliches Werkzeug für die

Entwicklung von Persönlichkeiten, Teams und

Organisationen zu entdecken – ob tragende

Säulen, die uns etwas über Vertrauen und

eine stabile Verbindung lehren, oder der Mut,

den es braucht, um über Brücken Zugang zu

neuen Synergien zu gewinnen.

Wir bei Müller + Partner waren mutig und

haben mit Fabian Büser eine Brücke in die

Geschäftsführung gebaut. Seit Anfang des

Jahres verstärkt er die Geschäftsführung

und bringt neben seinen rheinischen Wurzeln

auch frischen Wind aus seiner Wahlheimat

Hann. Münden mit.

MÜLLER + PARTNER: BRÜCKENBAUER

FÜR NACHHALTIGE ENTWICKLUNG

In den vergangenen Jahren haben wir gemeinsam

mit unseren Kunden viele Brücken in der

ganzen Republik gebaut – Brücken für Menschen,

Teams und Organisationen, zwischen

Visionen und erfolgreicher Umsetzung.

Als externer Partner in Prozessbegleitungen,

Workshops, Coachings, Ausbildungsreihen

und Vorträgen, stärken wir Persönlichkeiten

und statten Fach- und Führungskräfte, Teams

und Organisationen mit Handwerkszeug für

ihre individuellen Brückenbauprojekte aus.

Unsere Themenvielfalt wächst dabei kontinuierlich

mit den Heraus-forderungen unserer

Kunden. Wir leben, was wir lehren! – Das gilt

auch für unsere Workshops. Unser Ansatz

verbindet systemisches und multiperspektivisches

Denken mit pragmatischen Lösungen,

die schon direkt im Workshop erlebbar

werden. Wahre Entwicklung entsteht dort, wo

Dialog bleibt und Verbindungen wachsen. Wir

setzen daher auf die Begleitung im Entwicklungsprozess.

Wo Dialog beginnt, entstehen nicht nur Brücken,

sondern jeder Dialog ist eine Brücke!

Wir freuen uns auf neue Brücken in der

Region und darüber hinaus. Kontaktieren Sie

uns gerne!

Kassel I Neu-Ulm

Büro Kassel: Kohlenstraße 116

34121 Kassel

Tel. 0561 93874 – 0

info@muellerundpartner.de

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PROFIL

Zufriedene Kunden

dank nachhaltiger Seminare

FOTO: ALCIRO THEODORO DA SILVA

Volker Pauling vor dem gerade sanierten Firmensitz:

Nachhaltigkeit nimmt hier eine genauso wichtige

Rolle ein, wie in seinen Management-, Schulungsund

Qualifizierungsprojekten.

Mit zielorientierten Projektmanagement-Seminaren optimiert Volker Pauling Projekte, um sie in den Arbeitsalltag

der Unternehmen zu integrieren.

Wer macht was und bis wann? – So

fasst Volker Pauling kurz und bündig

zusammen, was bis zum Ende eines

Projektes immer wieder festgelegt werden

muss. Was sich so einfach anhört, stellt sich

in den Unternehmen mit ihren Routineabläufen

aber mitunter als problem- und konfliktreicher

Prozess dar. „Laut Studien fließt etwa ein

Drittel der Arbeitszeit in Projekte. Das zeigt,

wie wichtig es ist, dass die Verantwortlichen

optimal vorbereitet und die Mitarbeitenden

motiviert sind“, so Pauling. Hierzu qualifiziert

er Projektleitende in seinen Projektmanagement-Seminaren.

DIE EIGENTLICHE NACHHALTIGKEIT wird

in den Unternehmen erreicht, weiß der Projektmanager,

Dozent und Trainer dank seiner

15-jährigen Erfahrung als Inhaber des in Göttingen

ansässigen Unternehmens PMT. „Der

Schlüssel für ein gelungenes Projektmanagement

ist die effektive Kommunikation.“ Dazu

setzt er auf Transparenz, optimal eingesetzte

Projektmanagement-Werkzeuge – wie Risikomanagement,

Projetmanagement-Software,

etc. – und das „Einlassen auf die Menschen“

im Unternehmen, das sogenannte Stakeholdermanagement.

UM DIE INDIVIDUELLEN Vorbedingungen

miteinander in Einklang zu bringen, führt

der Diplom-Physiker zunächst eine detaillierte

Analyse des Ist-Zustandes durch und

erarbeitet gemeinsam mit dem Kunden den

zu erreichenden Zielzustand. Danach müssen

‚nur‘ noch die notwendigen Schritte

vom Ist-Zustand zum Ziel umgesetzt werden“,

sagt Pauling mit Augenzwinkern und

vielsagender Betonung auf dem Wörtchen

,nur‘. Mit seinem umfangreichen Erfahrungsschatz

aus deutschlandweiten und branchenübergreifenden

Aufträgen in IT-Unternehmen

und Verlagen, bei Bundesbehörden und in Seminarhäusern

versetzt er sich mit Leichtigkeit

in die bestehenden Organisationsstrukturen

und stößt die notwendigen Changes an.

DA GERADE IN VERÄNDERUNGEN Widerstände

und Konfliktpotenzial stecken, bietet

Pauling zusammen mit Irene Timmers von

der Firma Balanceakt ein erweitertes Format

– Projekte in Balance – an. Unter Einbeziehung

der Projektmanagement-Standards in

professionelles Konfliktmanagement werden

Konfliktpotenziale frühzeitig erkannt und deren

Eintrittsrisiko minimiert. Dabei ergänzt

Timmers die umfangreichen projektorientierten

Kompetenzen Paulings durch ihre

Einblicke in ,konfliktminimierendes Eingreifen‘.

Pauling spricht aus Erfahrung: „Dieser

ganzheitliche und durch permanente Erfolgskontrollen

überwachte Prozess überzeugt die

Kunden. Denn aus kontinuierlicher Qualitätsverbesserung

resultieren der Mehrwert in den

Projekten und die Kundenzufriedenheit.“

Volker Pauling

Emil-Nolde-Weg 17

37085 Göttingen

Tel. 0551 7079442

www.pmtraining.de

www.projekte-in-balance.de

info@pmtraining.de


Nachhaltig.

Erfolgreich.

Qualifiziert.

Zukunftssichere

Steuerberatung

Als moderne und innovative

Steuerberatungskanzlei aus

Göttingen ist es unser Anliegen,

stets technologisch auf der

Höhe der Zeit zu sein, um Ihren

Unternehmenserfolg zu unterstützen

und zu fördern.

Nutzen auch Sie die Vorteile

einer zukunftsorientierten und

kompetenten Steuerberatung

und setzen Sie sich einfach mit

uns in Verbindung.

Wir freuen uns auf Sie!

Unserer Anspruch – Ihre Vorteile

Wir sind vielseitig: HSP STEUER Göttingen bietet vielseitige

Beratung für Unternehmen und Privatpersonen – ganzheitlich,

zuverlässig und vorausschauend, damit Sie die Herausforderungen

sicher meistern.

Wir sind volldigital: Mit modernster Technik gehören wir zu

den fortschrittlichsten Kanzleien des Landes.

Wir sind klimaneutral: Wir minimieren unseren Ressourcenverbrauch

und kompensieren unvermeidbare CO 2

-Emissionen

durch Klimaschutzprojekte.

Wir sind ausgezeichnet: Als Top-Kanzlei mit besten Arbeitsbedingungen

erhalten wir regelmäßig Auszeichnungen.

Wir sind nicht allein: Eingebettet in den Kooperationsverbund

der

sind wir Teil eines bundesweiten Netzwerks

von Steuerberatern, Wirtschaftsprüfern und Rechtsanwälten.

hsp-steuer.de/goettingen


wissen

-shortlist

Gesundheitsminister Philippi überreicht St.Martini den

nächsten Förderbescheid über zehn Millionen Euro

Zweiter Bauabschnitt beginnt in Duderstadt

HAWK-Entwicklung

deutschlandweit beliebt

KI in der Lehre

DAS ST. MARTINI KRANKEN-

HAUS in Duderstadt erhält vom

Land Niedersachsen eine Förderung

von 10 Millionen Euro für den zweiten

Bauabschnitt. Mit diesen Mitteln

wird der Ausbau der medizinischen

Infrastruktur weiter vorangetrieben.

Geplant sind der Neubau des zentralen

Operationsbereichs mit Sterilisation,

Aufwachraum und kardiologischer

Funktionsdiagnostik sowie die

Erweiterung der Geriatriepflege und

der Umbau der Intensivstation. Ziel

ist es, die Versorgungskapazitäten des

Krankenhauses zu verbessern und

eine moderne, bedarfsgerechte Behandlung

sicherzustellen.

Die Förderung ist Teil des niedersächsischen

Krankenhaus-Investitionsprogramms

2024, mit dem das

Land Kliniken bei notwendigen

baulichen und strukturellen Maßnahmen

unterstützt. Insgesamt wurden

für das gesamte Modernisierungsprojekt

des St. Martini Krankenhauses

bereits 55,5 Millionen

Euro zugesagt. Mit diesen Investitionen

sollen insbesondere die interdisziplinäre

Zusammenarbeit verschiedener

Fachrichtungen und die stationäre

Versorgung im ländlichen

Raum gestärkt werden.

Gesundheitsminister Dr. Andreas

Philippi überreichte den Förderbescheid

persönlich und betonte die

zentrale Rolle des Krankenhauses für

die Region. Vor dem Hintergrund einer

älter werdenden Bevölkerung seien

gezielte Investitionen in die medizinische

Infrastruktur essenziell, um

eine qualitativ hochwertige Versorgung

langfristig sicherzustellen.

Gesundheitsminister Andreas Philippi und St. Martini-Geschäftsführer Markus Kohlstedde

blicken in die Zukunft.

KÜNSTLICHE INTELLIGENZ hat schon

lange Einzug in den Alltag vieler Studierender

und Lehrender gehalten. Mit der

datenschutzkonformen KI-Plattform

HAWKI hat die HAWK Hochschule für

angewandte Wissenschaft und Kunst

Hildesheim/Holzminden/Göttingen bereits

2023 ein didaktisches Interface geschaffen,

mit dem Hochschulangehörige

ChatGPT und weitere KI-Modelle im

akademischen Kontext einfach und datenschutzkonform

nutzen können.

Mittlerweile hat die Plattform ihren

Weg von der kleinen niedersächsischen

Hochschule an mindestens 60 weiteren

Hochschulen in ganz Deutschland gefunden,

denn die HAWK hat den Quellcode

veröffentlicht und als Open Source-Projekt

frei zugänglich gemacht.

Auch Bundesländer setzen HAWKI ein

und stellen den regionalen Hochschulen

das Interface zur Verfügung – bislang ist

das in Baden-Württemberg, Brandenburg,

Rheinland-Pfalz und Thüringen

der Fall.

In einem nächsten Schritt soll das

Interface zu einem umfassenden

KI-Ökosystem für Hochschulen

ausgebaut werden. Dafür sollen

Nutzer, dank einer Kooperation mit

der Gesellschaft für wissenschaftliche

Datenverarbeitung Göttingen

(GWDG), auch auf weitere KI-Modelle

zugreifen können. Diese

Open-Source-Modelle stellen kostengünstige

und inhaltliche Alternativen

zu ChatGPT dar.

110 1 |2025


wissen

Innovationspreis 2025 gestartet

Die Region Göttingen Northeim sucht

das ,nächste große Ding‘

Ein Urologe mit Erfahrung

Hossein Tezval ab

sofort in Göttingen

INNOVATIONSPREIS 2025: Bis zum

15. Juni können sich Unternehmen,

Selbständige oder Gründer unter

dem Motto ,Lass Ideen leuchten‘ für

den Innovationspreis der Region

Göttingen Northeim bewerben.

Im 23. Jahr des Wettbewerbs sind

fünf Partner verantwortlich für dessen

Durchführung: WRGN, Landkreis

Göttingen, GWG, Stadt Göttingen

und Landkreis Northeim. Es

werden zwölf Preise in drei Kategorien

sowie drei Sonderpreise vergeben.

Diese sind mit bis zu 4.000 Euro dotiert.

Der vom niedersächsischen

Landesumweltministerium in diesem

Rahmen verliehene Klima-Innovationspreis

Niedersachsen ist mit

10.000 Euro ausgelobt. Am Abend

der Preisverleihung am 20. November

2025 in der Göttinger Stadthalle

entscheiden die Gäste live über die

Vergabe des Publikumspreises.

Zum Auftakt der Bewerbungsphase

zeigte sich der Göttinger

Landrat Marcel Riethig überzeugt,

Göttingens Landrat

Marcel Riethig, Northeims

Landrätin Astrid Klinkert-

Kittel und Göttingens

Oberbürgermeisterin Petra

Broistedt

dass das breitere Fundament an Kooperationspartnern,

Sponsoren und

Veranstaltern den Wettbewerb stützt

und in die Region trägt: „Der Innovationspreis

der Region Göttingen

Northeim macht die Innovationskraft

und den Ideenreichtum unserer

Region sichtbar. Dazu passt das

Motto ‚Lass Ideen leuchten‘, mit

dem wir dieses Jahr an den Start gehen.“

Petra Broistedt, Göttingens Oberbürgermeisterin,

sieht die Leinestadt

als einen Ort, an dem Zukunft gestaltet

wird: „Göttingen ist eine

Stadt der Wissenschaft, der Innovation

und der kreativen Köpfe.“

„Südniedersachsen ist geprägt

von engagierten Menschen, die mit

kreativen Lösungen und mutigen

Ideen die Zukunft gestalten. Ich

freue mich darauf, diese Innovationskraft

sichtbar zu machen und die

besten Konzepte auszuzeichnen“,

sagt Astrid Klinkert-Kittel, Landrätin

des Landkreises Northeim.

ALS TEIL DES MEDIZINISCHEN EX-

PERT CENTER GÖTTINGEN und mit

einer neuen urologischen Privatpraxis

ist Prof. Dr. med. Hossein Tezval

nun in Göttingen tätig. Sein Schwerpunkt

liegt auf der umfassenden

urologischen Krebsdiagnostik und

-therapie. Erstmals in Göttingen bietet

er eine flexible Blasenspiegelung

mit Einmalgeräten an – eine Methode

mit höchster Präzision zur Früherkennung

von Blasentumoren. In

Kürze wird er zudem als erster Urologe

in Südniedersachsen eine ambulante

Laser-Operation von Blasentumoren

ohne Narkose für geeignete

Patienten anbieten. Ein weiterer

Schwerpunkt seiner Arbeit liegt

auf Vorsorgeuntersuchungen, der

Behandlung von Blasenentleerungsstörungen

sowie der Anfertigung

von Spermiogrammen. Tezval kombiniert

seine Erfahrung als stellvertretender

Klinikdirektor an der Medizinischen

Hochschule Hannover

mit modernen Verfahren. Mehr unter

mec-goettingen.de/detail-tezval

1|2025 111


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PROFIL

Das LinkedIn des

Geschäftsdatenaustausches

Die eddyson GmbH digitalisiert den Austausch von Daten

zwischen Unternehmen und ihren Geschäftspartnern.

Die Göttinger Softwareschmiede hat sich still und heimlich zu

einem international nachgefragten Software as a Service

(SaaS) Unternehmen entwickelt.

Während das Softwareunternehmen

SAP SE den allermeisten ein Begriff

ist, ist eddyson bislang weitestgehend

unter dem Radar geflogen. Dabei ist die

Geschichte des Unternehmens aus Göttingen

eine spannende IT-Erfolgsstory.

Alle Gründer der eddyson GmbH haben ursprünglich

bei der Göttinger B&N Software

AG gearbeitet, bevor diese zunächst von der

Crossgate AG 2006 übernommen wurde, welche

wiederum 2011 von SAP gekauft wurde.

Nach einer strategischen Neuausrichtung

waren viele Kunden von Veränderungen betroffen.

“Crossgate hatte einen klaren Fokus,

dieser wurde aber durch die Eingliederung

in ein sehr viel größeres Unternehmen überlagert.

Wir wollten unsere Vision nicht aufgeben,

sondern konsequenter denn je verfolgen

und haben deshalb einen anderen Weg eingeschlagen“,

sagt CEO Corin Schmidt.

CLOUD-BASIERTER DATENAUSTAUSCH

MIT EDDYSON: EIN BEISPIEL AUS DER

PRAXIS

Schmidt und fünf Kollegen entschieden sich

für den Schritt in die Selbständigkeit und fokussierten

sich auf eine damalige Support-Lücke.

Corin Schmidt erläutert: „Wir haben

gesehen, dass die Digitalisierung von Ge-

schäftsprozessen einer Optimierung bedurfte.

Mit unserer Expertise haben wir dem Markt

eine Lösung geboten, die essenzielle Verbesserungen

mit sich gebracht hat.“ Zuallererst

wurden betriebliche Prozesse analysiert, um

das Kunden-Set-Up vollends zu verstehen.

„Mit Bauhaus konnten wir gleich zu Beginn einen

Großkunden gewinnen, der nach ersten

gemeinsamen Erfolgen als Multiplikator für

uns fungierte“, sagt Schmidt. „Ohne diesen

Kunden wären wir vermutlich nicht da, wo wir

heute sind.“

Aus den sechs Gründern sind heute knapp

70 Mitarbeitende mit über 900 Kunden weltweit

geworden. Seit der Gründung konnte

eddyson fast durchweg ein kontinuierliches

Umsatzwachstum von 20 Prozent erzielen.

„Diese Wachstumskontinuität macht uns stolz,

fordert uns aber auch immer wieder heraus.

Das hält die Spannung und unseren Innovationsgeist

hoch“, sagt Schmidt.

Mehr als 30 Geschäftsprozesse sind bei

eddyson inzwischen digital abgebildet – aber

was genau kann man sich eigentlich darunter

vorstellen? „Niemand von uns konnte anfangs

seiner Großmutter erklären, was er den

ganzen Tag tut“, sagt Schmidt. „Vereinfacht

gesagt: Wir digitalisieren Geschäftsprozes-

se, indem wir den Datenfluss zwischen Unternehmen

automatisieren. Stellen Sie sich

vor, die Rewe Group bestellt Waren bei einem

Schokoladen-Hersteller.

Es gibt bundesweit mehr als 3.800 Rewe-Märkte,

von denen jeder selbst über seinen Bedarf

entscheidet. Der Bestellprozess startet im Warenwirtschaftssystem

und durchläuft automatisiert

die nachfolgenden Schritte: von der Bestellung

über die Avisierung der Lieferung bis

zur Rechnungsabwicklung.“ Am Beispiel der

Rechnung beschreibt Schmidt den Prozess:

„Rewe erhält die Rechnung nicht als PDF per

E-Mail, sondern in Form von strukturierten


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PROFIL

» Wir haben gesehen, dass die Digitalisierung von Geschäftsprozessen einer

Optimierung bedurfte. Mit unserer Expertise haben wir dem Markt eine Lösung

geboten, die essenzielle Verbesserungen mit sich gebracht hat. «

Corin Schmidt, CEO bei eddyson


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MEILENSTEINE VON eddyson

PROFIL

2012 Corin Schmidt, Jörg Oestreich, Uwe

Neben, Dirk Killius, Lars Nordmeyer und

ein weiterer Kollege gründeten die

eddyson GmbH mit dem Fokus auf

EDI-Dienstleistungen

2013 Strategiewechsel vom IT-Dienstleister

zum Software-Unternehmen und Entwicklung

sowie Startschuss für den Aufbau

der wiederverwendbaren Anbindungen

im innovativen Netzwerk-Ansatz

Unterstützt durch den High-Tech

Gründerfond

» Wir leben den Netzwerkgedanken. Anstelle von

individuellen Verbindungen, auch Mappings genannt,

haben wir uns auf die inhaltliche Ebene fokussiert. «

Corin Schmidt, CEO bei eddyson

2014 Erstes Software-Release und strategische

Erweiterung durch die Beteiligung

der Oetker IT-Tochtergesellschaft OEDIV

2015 Produktivgang der ersten Version

der Cloud-Plattform und Wechsel der

Strategie hin zum SaaS-Unternehmen

2017 Erweiterung des Produktportfolios

mit einem WebEDI-Portal

2022 Expansion in die USA mit Gründung

der Tochtergesellschaft eddyson US Inc.

2023 Erweiterung des Produktportfolios

mit einem Self-Service-Portal

2024 Neustrukturierung des Managements,

um für die Herausforderungen

des internationalen Wachstums gewappnet

zu sein

Daten, die direkt in ihrem System dargestellt

werden. Dies ist mittlerweile nicht nur rechtlich

relevant, sondern sorgt auch dafür, dass

manuelle Arbeitsaufwände, wie das Schreiben,

Verschicken und Eintragen von Rechnungsinformationen,

unnötig werden.“ Die Echtzeitverarbeitung

der Daten wird mittlerweile nicht

nur im B2C erwartet, sondern ist auch Trend

im B2B. Entsprechend groß ist der Bedarf an

branchenspezifischen Lösungen für Unternehmen.

eddyson zählt zu den führenden deutschen

Anbietern für Cloud-basierten elektronischen

Datenaustausch – aber was macht eddyson

eigentlich einzigartig? „Wir leben den Netzwerkgedanken.

Anstelle von individuellen

Verbindungen von Geschäftsprozessen, auch

Mappings genannt, haben wir uns auf die inhaltliche

Ebene fokussiert“, beschreibt Corin

Schmidt. „Eine Bestellnummer oder ein dazugehöriges

Datum sind eindeutige Werte.

Aber der Aufbau von Kundensystemen und

-logiken ist meist individuell.“ Schmidt erläutert

weiter: „Das bedeutet, dass jedes Kundensystem

einem individuellen Aufbau folgt,

welcher zum Beispiel eine Bestellnummer in

unterschiedlichen Feldtypen verlangt oder ein

Datum individuell formatiert. Wir sorgen dafür,

dass jedes System die Daten in der Darstellung

und Logik bekommt, die gefordert

ist und das ohne den klassischen Programmieraufwand.

Einmal aufgenommen, greifen

alle Prozesse automatisiert ineinander. Das

zeichnet die Intelligenz unserer

Lösungen aus.“ Durch den

Netzwerk-Ansatz wächst eddyson

an und mit seinen Kunden.

Im Jahr 2020 konnte eddyson mit TDK, einem

Hersteller von elektronischen Bauelementen

und Systemen, einen wichtigen

Großkunden für den US-Markt gewinnen. Im

Zuge der Zusammenarbeit erfolgte 2022 die

Gründung der Tochtergesellschaft eddyson

US Inc. Seitdem wachsen der amerikanische

Kundenstamm sowie das Team in Atlanta, Georgia,

stetig. Für das Jahr 2025 sind auch für

Nordamerika große Ziele gesetzt – eddyson

strebt eine Verdoppelung der Kundenbasis an.

NACHHALTIGE ENTWICKLUNG BEI UND

MIT EDDYSON: LÖSUNGEN FÜR DIE

HERAUSFORDERUNGEN DER ZUKUNFT

Der Zukunft seines Unternehmens sieht Corin

Schmidt positiv entgegen: „Digitalisierung

und Automatisierung sind in den aktuellen

Zeiten gefragter denn je.“ Unternehmen

müssten sich auf stürmische Zeiten einstellen,

ob man auf die Prognosen der Wirtschaftsweisen

oder die allgegenwärtige Herausforderung

des Fachkräftemangels schaut. Es sei

Zeit für kreative Ideen und Weiterentwicklung.

Corin Schmidt ergänzt: „Unsere Lösungen

unterstützen essenzielle Unternehmensprozesse

und greifen vor allem in Richtung Ressourcenmanagement

und Fachkräftemangel

unterstützend ein.“


PROFIL

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Der Bedarf an eigenen

Fachkräften ist auch bei

eddyson ein Thema, das mit einer

klaren Vision verfolgt wird. „Um

talentierte Mitarbeitende für eddyson zu gewinnen

und zu begeistern, setzen wir auf ein

gutes Arbeitsklima, Flexibilität und die gezielte

Aus- und Weiterbildung unserer Mitarbeitenden“,

sagt Schmidt. „Neben der Suche

nach erfahrenen IT-Experten bieten wir auch

Quereinsteigern mit Motivation und Neugier

die Möglichkeit, eine neue Herausforderung

anzunehmen.“ Zudem bietet eddyson den

klassischen Ausbildungsweg zum Fachinformatiker

sowie die Möglichkeit des Dualen

Studiums. „Obwohl wir uns in Hinsicht Ausbildung

noch in einem frühen Stadium befinden,

sind wir uns sicher, dass dies der richtige

Weg ist. Durch die Entwicklung individueller

Karrierepfade konnten wir bereits junge Talente

gewinnen und freuen uns darauf, dieses

Konzept weiter auszubauen“, so Schmidt.

An Plänen und Visionen für die Entwicklung

des eigenen Unternehmens mangelt es nicht.

„Meine Vision ist eine Plattform, auf der sich

unsere Kunden bedarfsgerechte Lösungen zusammenstellen

können, ohne Dienstleistungen

in Anspruch nehmen zu müssen“, sagt

Schmidt. „Eine intuitive Plattform auf Basis

eines Netzwerks, die individuelle Lösungen

für den elektronischen Datenaustausch bereitstellt,

ist einzigartig. So wie LinkedIn Menschen

im beruflichen Kontext zusammenbringt,

werden wir das zentrale Netzwerk des

Datenaustausches zwischen Unternehmen

sein.“

eddyson GmbH

Groner Landstraße 23/25

37081 Goettingen

0551 7707 760 0

contact@eddyson.com

www.eddyson.com


PROFIL

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Christina Wüstefeld, VR-Bank Mitte eG

Wir nehmen Nachhaltigkeit ernst

Die VR-Bank Mitte eG sieht Nachhaltigkeit als wichtigen Schlüssel zum langfristigen Erfolg an.

VERANTWORTUNG FÜR DIE REGION

ist ein zentraler Bestandteil des nachhaltigen

Engagements der VR-Bank

Mitte eG. Als bedeutender Finanzpartner der

Region agiert die Bank als aktiver Zukunftsgestalter

und starker Transformationspartner.

DER WEG ZUR NACHHALTIGKEIT begann

mit einem zweijährigen Projekt: In

Übereinstimmung mit den Werten der Mitmachbank

wurden von Anfang an etwa 30

Teammitglieder sowie zahlreiche Mitglieder,

Kundinnen und Kunden durch Umfragen und

Schulungen eingebunden, um Akzeptanz und

Verständnis für die Nachhaltigkeitsinitiativen

frühzeitig zu fördern.

EIN VERÄNDERUNGSPROZESS wie der

nachhaltige Wandel einer Bank kann nach Ansicht

von Florian Hartleib, Bereichsleiter für

Unternehmenskommunikation, nur gelingen,

wenn „alle mit an Bord sind und an einem

Strang ziehen“. Vorstandsmitglied Björn Henkel

ergänzt: „Durch regelmäßige Schulungen

und E-Learnings gelingt uns das ganz gut.“

UM DIE NACHHALTIGE Weiterentwicklung

stets fortzusetzen, Bereiche zu entlasten und

die Bank auf die kommende Pflicht zur Nachhaltigkeitsberichterstattung

nach strengen

Kriterien vorzubereiten, wurde im Jahr 2023

die Stelle einer Nachhaltigkeitsmanagerin geschaffen.

„Sie informiert uns in regelmäßigen

Meetings über die Fortschritte und hilft dabei,

die nächsten Themen zu priorisieren und zu

koordinieren“, so Jan Michalek, Vorstandsmitglied.

DIE GESAMTBILANZ FÄLLT NACH INS-

GESAMT VIER JAHREN NACHHALTIGKEIT

trotz gelegentlicher Hürden, die zum normalen

Alltag gehören, durchaus positiv aus, versichert

Christina Wüstefeld, Nachhaltigkeitsmanagerin.

Nachhaltigkeitsziele sind fester

Bestandteil des quantitativen Steuerungssystems.

Zudem wurde ein Nachhaltigkeitsleitbild

entwickelt. Auch auf die Unterstützung

nationaler sowie globaler Nachhaltigkeitsziele

(SDGs) wurde sich verständigt. Und das bankeigene

Vermögen wird anhand eines internen

Leitfadens nachhaltig investiert.

„IM SOZIALEN WERDEN durch Vorsorgeleistungen,

ein Benefit-System, Entwicklungsmöglichkeiten

und mobiles Arbeiten wertvolle

Vorteile für die Arbeitgeberattraktivität geschaffen“,

fasst Bettina Fuhlrott, Vorstandsmitglied,

zusammen. Auch ein nachhaltiges

Spendenprogramm, das sich stark an den

SDGs orientiert, und Nachhaltigkeitsdialoge

mit Firmenkunden sowie ein externes Expertennetzwerk

gehören dazu.

BEIM UMWELTSCHUTZ stehen aktuell Maßnahmen

zur Reduzierung des betrieblichen

CO2-Fußabdrucks im Fokus. Hier wird schrittweise

die Energieeffizienz der zahlreichen Filialen

verbessert. Aber auch die Dienstwagenflotte

wird zunehmend elektrifiziert.

DIE MITMACHBANK befindet sich weiterhin

im Veränderungsprozess und arbeitet an

ihrer erfolgreichen Zukunft. Dabei informiert

sie umfassend und transparent unter:

vrbankmitte.de/zukunft

VR-Bank Mitte eG

Westerstieg 5

37115 Duderstadt

Tel. 05527 845-0

Fax 05527 845-17800

info@vrbankmitte.de

www.vrbankmitte.de


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Der Innovationsmotor

für Niedersachsen

GOe FUTURE fördert Innovation und

Technologietransfer im Forschungsdreieck

GOe FUTURE ist eine Initiative zur Stärkung

des Innovations- und Gründungsökosystems

in Niedersachsen. Forschung und Unternehmertum

sollen enger verknüpft werden, um

technologische Durchbrüche aus dem Bereich

der Life Sciences schneller in die Praxis

zu bringen. Ziel ist es, die Region als ein

weltweites Zentrum für Innovationen, Hightech-Startups

und Technologietransfer zu etablieren,

um die Gesundheit und das Wohlbefinden

der Bevölkerung zu verbessern.

BEREITS JETZT ist das Forschungsdreieck

Göttingen-Hannover-Braunschweig

ein fruchtbarer Boden für erfolgreiche Startups.

Hier werden Wissenschaftler*innen

maßgeblich unterstützt, um ihre wegweisenden

Forschungsergebnisse marktfähig zu machen.

Beispiele dafür sind Unternehmen wie

Repairon oder Digity, die beide ihren Ursprung

in den Laboren der Universitätsmedizin Göttingen

haben. Repairon möchte die Behandlung

mit dem Herzpflaster in die Zulassung

bringen und damit die Behandlung von Herzschwäche

revolutionieren. Digity setzt mit

seinen individuell angepassten Fingerorthesen

aus dem 3D-Drucker neue Maßstäbe in

der Medizintechnik. Die ONE-Mikroskopie,

ebenfalls entwickelt an der Universitätsmedizin

Göttingen, bietet eine innovative Methode,

um 3D-Proteinstrukturen mit herkömmlichen

Lichtmikroskopen sichtbar zu machen. Das

Prof. Dr. Elisabeth Zeisberg,

Dekanin für Transfer der

Universitätsmedizin Göttingen

(UMG): „Durch eine

lückenlose Betreuung von

Innovationen von der Idee zum Produkt und

weiter zum Scaleup wird die Gründungsgüte

und Qualität der Startups und Teams

gehoben und so der Wirtschaftsstandort

Niedersachsen und Deutschland systematisch

gestärkt.“

Dr. Florian Pahlke, Leitung

Innovation & Transfer der

Universität Göttingen

UGOE: „Es gibt bei uns

und den Partnern bereits

eine Vielzahl an Unterstützungsangeboten,

von Scoutingaktivitäten, Gründungswettbewerben

und Venturebuilding bis hin zur

Bereitstellung von Infrastruktur und Kapital.“

Verfahren könnte die medizinische Diagnostik

nachhaltig verändern und befindet sich derzeit

in der Patentierung. Denn Patente und Schutzrechte

spielen eine entscheidende Rolle, um

die wirtschaftliche Verwertung wissenschaftlicher

Entdeckungen zu sichern.

Göttingen, Braunschweig und Hannover

bringen ihre Innovationskraft gleichermaßen

in das Ökosystem ein. Die SORMAS Foundation

aus Braunschweig, eine Ausgründung des

Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung,

entwickelt Open-Source-Digitalsysteme zur

Bekämpfung von Epidemien. Das Startup Cardior

aus der MHH, ein Unicorn aus Niedersachsen,

entwickelt Therapien, die auf RNA

abzielen, um Herzkrankheiten vorzubeugen,

zu reparieren und rückgängig zu machen. Der

therapeutische Ansatz von Cardior zielt auf

charakteristische nicht-kodierende RNAs als

Plattform für die Bekämpfung der Ursachen

von Herzfunktionsstörungen mit dem Ziel,

eine nachhaltige Wirkung bei Patienten zu

erzielen. Mittlerweile ist Cardior für bis zu 1,025

Milliarden Euro an den dänische Pharmakonzern

Novo Nordisk verkauft worden.

Ein weiteres Startup Allogenetics denkt

Transplantation neu: Tarnkappen für Organe

statt lebenslange Immunsuppression. Anstatt

durch Immunsuppressiva eine immunologische

Blindheit beim Organempfänger hervorzurufen

wird eine immunologische Unsichtbarkeit

des Spenderorgans erzeugt: für ein

Transplantatüberleben ohne Abstoßung und

ohne Immunsuppression.

Christiane Bock von Wülfingen,

Leitung Stabsstelle Forschung -

Wissen - Translation - Transfer

(FWT2) der Medizinischen

Hochschule Hannover (MHH):

„Komplementäre Kompetenzen in der Region

sind ein großer Mehrwert für ALLE. Neue

Ideen und Innovationen aus der MHH stärken

die Wirtschaft vor Ort und tragen zu medizinischen

globalen Gesamtlösungen bei.“

GOe FUTURE setzt auf eine enge Zusammenarbeit

zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und

Industrie, um innovative Ideen schneller in die

Anwendung zu bringen. Das Projekt ist Teil

des Leuchtturmwettbewerbs ,Startup Factories‘

des Bundesministeriums für Wirtschaft und

Klimaschutz. Derzeit befindet sich die Initiative

in der konkreten Ausarbeitung eines Konzepts

für eine mehrjährige Projektphase und die Beteiligten

sind überzeugt: Niedersachsen hat

das Potenzial, ein führender Innovationsmotor

im Bereich Lebenswissenschaften für den Wirtschaftsstandort

Deutschland zu werden.

Dr. Stefan Scherer, Leitung

Stabsstelle Innovationsmanagement

Helmholtz-Zentrum

für Infektionsforschung

GmbH (HZI): „Lokale

Innovationen sind entscheidend für die Bewältigung

globaler Herausforderungen in der

Infektionsforschung. Wir am HZI entwickeln

nachhaltige, effektive Ansätze, die skalierbar

sind, um Infektionsgeschehen zu bekämpfen.“

Universitätsmedizin Göttingen

Prof. Dr. Elisabeth Zeisberg

Dekanin für Transfer

goefuture@med.uni-goettingen.de

www.goe-future.de

PROFIL


wissen

118 1 |2025


wissen

Der Teufel

IM KOPF

Die Entstehung von ,Glitther‘ ist eine Geschichte wissenschaftlicher

Neugier und unternehmerischer Initiative. Virginie Clément-Schatlo und

Sammy Mahdi haben sich das Ziel gesetzt, eine neue Therapie gegen das

Glioblastom, eine aggressive Form von Hirntumoren, zu entwickeln.

Mit ihrem Unternehmen verfolgen sie diesen Ansatz, indem sie

Erkenntnisse aus der Forschung in ein marktfähiges Produkt überführen.

Kurz vor der Gründung sprechen sie über ihre Ziele und die Balance

zwischen Forschung, Wirtschaft und Familie in Göttingen.

TEXT CHRISTIAN VOGELBEIN, TOBIAS KOSLOWSKI FOTOGRAFIE ALCIRO THEODORO DA SILVA ILLUSTRATION GLITTHER

1 |2025 119


wissen

Für Virginie Clément-Schatlo ist Glitther das Ergebnis jahrelanger Forschung und eines

frischen Ansatzes. Nun geht es darum, auch Investoren zu begeistern.

In den großen Fenstern im roten Backstein der

Life Science Factory an der Annastraße in Göttingen

spiegeln sich Baufahrzeuge, Lastwagen

und Baustellenschilder. Rund um das Co-Working-

Space für wissenschaftliches Unternehmertum

wird weiter kräftig an der Zukunft der Universitätsstadt

gearbeitet. Im Inneren nutzen bereits kluge

Köpfe Schreibtische und Labore, um aus den Ergebnissen

von Forschung und Entwicklung nun Umsatz und

Erfolg werden zu lassen. Im hellen Foyer treffen wir

Virginie Clément-Schatlo und Sammy Mahdi. Zur

Begrüßung wird geflüstert, denn in den Büros nebenan

rauchen bereits die Schornsteine der Denkfabriken.

GLIOBLASTOME STELLEN DIE MEDIZIN VOR GROSSE

HERAUSFORDERUNGEN. Sie sind besonders schwer zu

behandeln, da sie schnell wachsen und sich im Gehirn

stark ausbreiten. Die bisher verfügbaren Therapie -

optionen sind begrenzt und die Prognosen für Betroffene

düster. „Die Patienten überleben meist nicht länger als

15 Monate nach der Diagnose“, erklärt Clément- Schatlo.

Mit aktuellen Methoden wächst der Tumor zwar langsamer,

„aber er geht nicht weg. Leider nicht“, ergänzt

Mitgründer Sammy Mahdi. Das liege vor allem daran,

dass die derzeitigen Therapien nur die Symptome lindern,

aber die Ursache nicht bekämpfen. Das wollen die

beiden ändern, so ihre Hoffnung. Erste Tests sind mindestens

vielversprechend.

Clément-Schatlo begann ihre Karriere in der Schweiz,

wo sie promovierte und als Postdoktorandin arbeitete.

Schon früh fiel ihr auf, dass es in der Glioblastom-Forschung

wenig Fortschritte gab. „Ich habe festgestellt, dass

die Ansätze in der Therapie dieser Erkrankung seit Jahren

unverändert sind“, sagt sie. Nach einem Jahr intensiver

Forschung fand sie dann einen neuen Ansatz. Während

viele Forschende auf konventionelle Methoden zur Identifikation

und Bekämpfung des Tumors setzten, erkannte

sie das Potenzial alternativer Herangehensweisen. „Viele

haben mir daraufhin gesagt: ‚Das ist der richtige Weg. Bitte

geh ihn weiter. Guck, was du hast.‘ “

»

Das ist der richtige

Weg. Bitte geh ihn weiter.

Guck, was du hast.

»

SIE ENTWICKELTE EINE NEUE METHODE zur Identifikation

von Tumorzellen, die ohne Biomarker auskommt

und sich auf morphologische Eigenschaften der Zellen

konzentriert. Diese Erkenntnis eröffnete neue Wege für

die Forschung und wird zur Grundlage für die geplante

Unternehmensgründung. „Anstatt uns nur auf genetische

Marker zu verlassen, analysieren wir die Zellen auf

ihre strukturellen Merkmale“, erklärt sie. „Das erlaubt

eine schnellere und präzisere Diagnose.“

Der Übergang von der akademischen Forschung zur

unternehmerischen Tätigkeit ist herausfordernd. Clément-

Schatlo entschied sich, diesen Schritt zu gehen, als sie mit

ihrer Familie nach Deutschland zog. Dort lernte sie

Sammy Mahdi kennen, einen Ingenieur mit Erfahrung

im Bereich Start-ups und Innovationsförderung. Die beiden

ergänzten sich fachlich ideal: Während Clément-

Schatlo die medizinische und biotechnologische Expertise

mitbrachte, brachte Mahdi seine Erfahrung aus der

Unternehmensgründung und der technologischen Entwicklung

ein.

Gemeinsam bringen sie die Gründung ihres Unternehmens

auf den Weg, um ihre Forschung in eine konkrete

Therapie weiterzuentwickeln. Das Ziel von Glitther –

oder Glioma-Targeted-Therapy – ist es, in den kommenden

Jahren ein Medikament zu entwickeln, das den bisherigen

Prozess ergänzt und im besten Fall den Tumor

sogar ganz besiegen kann. „Wir können aber noch keine

Versprechen machen“, sagt Clément-Schatlo.

Neben der Finanzierung ist es notwendig, Laborflächen

zu sichern, Talente zu rekrutieren und regulatorische

Hürden zu meistern. „Ein Medikament auf den

Markt zu bringen, dauert im Durchschnitt 15 Jahre“,

erklärt Mahdi. „Das bedeutet, dass wir strategisch und

langfristig denken müssen.“ Kurzfristig stehen sie aber

vor der Gründung, die noch in der ersten Jahreshälfte

abgeschlossen werden könnte. Das ist aber von drei Faktoren

abhängig: Zeit, Geld – und Bürokratie.

120 1 |2025


wissen

1 |2025 121


Glioblastoma (GB)

wissen

“Glioblastoma is one

and treatment-resista

Standar

Novel tr

11.02.2025

Sammy Mahdi gehört zum Gründungsteam und übernimmt die Aufgabe des CEO. Erste Erfahrungen als Forscher und

Unternehmer sammelte er zuvor unter anderem in Großbritannien.

Eine zentrale Herausforderung auf dem Weg zur praktischen

Umsetzung ihrer Forschung sind die bürokratischen

Hürden. „Wir verbringen viel mehr Zeit mit Anträgen,

Genehmigungen und regulatorischen Prüfungen

als mit Forschung und Entwicklung“, sagt Clément-

Schatlo. „Es ist frustrierend, wenn man die Zeit und das

Wissen hat, aber nicht loslegen darf, weil man auf Dokumente

und Erlaubnisse warten muss.“ Mahdi ergänzt:

„Ein Problem ist, dass es keine zentrale Anlaufstelle für

Start-ups wie unseres gibt. Wir müssen uns durch zahlreiche

Behörden und Instanzen kämpfen, von Ethikkommissionen

bis hin zu Förderinstitutionen. Jeder Schritt

braucht Monate, in denen wir nicht wirklich vorankommen.“

Gleichwohl erfahren sie viel Unterstützung,

beispielsweise durch Mentoren, Universitäten und nicht

zuletzt die Life Science Factory selbst.

EIN KONKRETES BEISPIEL: Die Suche nach geeigneten

Laborräumen für ihre Forschung zog sich über Monate

hin. „In Europa gibt es strenge Vorgaben, welche Standards

ein Labor erfüllen muss, bevor es für biomedizinische

Forschung genutzt werden kann. Selbst wenn man

eine Fläche gefunden hat, dauert es oft Monate, bis alle

Genehmigungen vorliegen“, erklärt Clément-Schatlo.

Mit der Life Science Factory fanden sie nun einen geeigneten

Partner. Dieser stellt nicht nur Räume und Labors

zur Verfügung, sondern unterstützt auch mit Wissen,

Kontakten – und bei der Bürokratie. „Entrepreneurship

war für mich wie das weite Meer. Man muss sehr viel

lernen“, erzählt Mahdi, „aber in den vergangenen drei

Jahren hat sich mit der Life-Science Factory, neuen Startups

und diversen Förderprogrammen in Göttingen langsam

ein Ökosystem entwickelt.“ Das helfe dabei, den

122 1 |2025


wissen

eigentlichen Gründergeist und den Elan zu erhalten. Ein

Berater habe Virginie Clément-Schatlo vor einigen Monaten

einen Satz mit auf den Weg gegeben, der sie bis

heute inspiriert. „Die deutsche Bürokratie ist kompliziert,

aber wenn das Projekt Potenzial hat und die Leute

es wollen, dann werden die Entscheidungsträger es für

dein Team einfach machen und euch unterstützen.“

Nach eben diesem Mantra arbeiten sie und ihr Team.

Denn: „Ich glaube aufrichtig, dass genau das aktuell

passiert.” Mit diesem und mit der Unterstützung verschiedener

Stellen im Rücken wollen die Gründer nun

möglichst viele Multiplikatoren von ihrer Idee überzeugen.

Denn die Entwicklung eines Medikaments ist nicht

nur ein langwieriger, sondern auch ein kostspieliger Prozess.

Gleichwohl tickt die Uhr „Wir entwickeln eine

Therapie für eine aggressive Krebserkrankung mit einer

sehr kurzen Überlebenszeit. Jeder Monat, den wir verlieren,

bedeutet, dass Patienten, die von unserer Forschung

profitieren könnten, keine Chance mehr haben“, sagt

Clément-Schatlo.

Auch deshalb gehören zu den bisherigen Geldgebern

auch Betroffene. Doch ohne große Investoren habe ihre

Arbeit keine Zukunft. „Und das sind natürlich nicht alles

Philanthropen, die wollen ein Return on Investment

haben“, sagt Clément-Schatlo. Die Gründer sind sich sicher,

dass ihr Wissen in einem weitgehend unerforschten

Feld wertvoll ist – möglicherweise auch für größere

Pharmaunternehmen, „aber das kommt später“. Jetzt

gerade sehen sie großes Potenzial für die Industrie und

stellen auch eigene Ansprüche an Investoren. Flexibilität

sei ihnen bei Geschäftspartnern besonders wichtig. „Ich

habe auch schon mal Nein gesagt, wenn es nicht passt“,

erzählt Clément-Schatlo. Am Ende entscheidet aber das

Führungsteam mehrheitlich.

„19.30 Uhr bis Mitternacht. Das ist die Zeit, in der ich

am produktivsten bin.“ Ganz besonders wichtig sei es

für die Gründer, dass nichts zu kurz kommt, denn „es

gibt zwar viel ,Work‘, das gehört dazu, aber wir brauchen

auch ,Life‘“.

GLITTHER VERSTEHT SICH als familienfreundliches

Unternehmen, das flexible Arbeitsmodelle bietet. „Viele

denken, dass ein Start-up rund um die Uhr arbeiten

muss. Doch wir glauben, dass nachhaltiges Arbeiten

effektiver ist“, sagt Mahdi.

Die kommenden ‘ Monate sind für Glitther entscheidend.

„Wenn wir bis Jahresende die Finanzierung gesichert

haben, können wir den nächsten Schritt gehen“, erklärt

Clément-Schatlo. Sollte dies nicht gelingen, müsse die

2 Situation Year neu bewertet Research werden. Und auch realistisch: Plan

„Dann macht es keinen Sinn, es nur noch zu versuchen.“

Doch das Team bleibt optimistisch: „Wir haben eine klare

Strategie und setzen unsere Arbeit konsequent fort.“

Die bisherigen Rückmeldungen aus der Wissenschaftsund

Investoren-Community seien vielversprechend.

Neben der Finanzierung liegt der Fokus auf der Weiterentwicklung

der Technologie und der Vorbereitung auf

präklinische Studien. Dabei arbeitet Glitther mit Forschungseinrichtungen

in Deutschland, der Schweiz und

Frankreich zusammen. „Wir bauen ein starkes Netzwerk

auf, das uns dabei unterstützt, unser Ziel zu erreichen“,

sagt Mahdi. Bis spätestens Ende 2025 geben sie

sich Zeit. Dieses Ziel haben sie sich selbst gesetzt. Sobald

genug Geld da ist, geht es weiter. Endlich. „Wir

haben jetzt genug Excel-Tabellen, das reicht. Wir wollen

jetzt endlich wieder ins Labor.“

Q4/25 Q2/26

GLEICHZEITIG VERSUCHEN DIE GRÜNDER, diszipliniert

zu sein. Auf der einen Seite möchten sie viel und intensiv

arbeiten, aber es sei ihnen auch wichtig, Pausen zu

machen. Die zwei Unternehmer stehen mitten im Leben,

haben Kinder und einen vollen Terminkalender. „Um

fünf Uhr klingelt der Wecker, spätesten 5.15 Uhr stehe

ich auf“, erzählt Clément-Schatlo. Während ihre fünf

Kinder vormittags in der Schule sind, habe die Unternehmerin

Zeit zu arbeiten, um nachmittags mit der Familie

etwas zu unternehmen. „Meine Kinder geben mir Motivation

und Energie.“ Auch Mahdi verbringt nachmittags

Zeit mit seinem Kind und arbeite am liebsten abends:

»

Wir bauen ein starkes Netzwerk

auf, das uns dabei unter-

Setting Up Sample

In vitro Drug

Collection Protocol

stützt, unser Ziel zu erreichen.

Discovery Platform

»

Virginie Clément-Schatlo, PhD

37085 Göttingen

Tel. 0157 313 54 551

virginie@glitther.de

de

1 |2025 123

11.02.2025


wissen

Nicht alle Helden

tragen einen Umhang

Die PFH Private Hochschule Göttingen wird erneut vier Vollstipendien

zum Wintersemester 2025 für die Studiengänge Business Administration/General

Management, Psychologie und Wirtschaftspsychologie vergeben, auf die

sich jeder Interessierte bewerben kann. Mit dem Chancenstipendium belohnt

werden soll ehrenamtliches Engagement. faktor gehört zum Kreis der Stifter.

TEXT SVEN GRÜNEWALD FOTOGRAFIE ALCIRO THEODORO DA SILVA

Ein Studium an einer Privatuni ist keine günstige

Angelegenheit. Für ein reguläres sechssemestriges

Bachelorstudium an der PFH Private

Hochschule Göttingen summieren sich

die Studiengebühren auf rund 28.000 Euro.

Damit aber das Studium nicht nur eine Frage der Investitionsbereitschaft

und -fähigkeit ist, hat die PFH 2022

das Chancenstipendium Südniedersachsen für den Campus

in Göttingen ins Leben gerufen. Nun hat die neue

Bewerbungsrunde begonnen.

DAS BESONDERE AM CHANCENSTIPENDIUM ist, dass

es hier nicht auf die Note oder auf die Zugehörigkeit

zu bestimmten Institutionen ankommt – anders als bei

den meisten anderen Stipendienprogrammen in Deutschland.

„Wir wollen damit junge Menschen unterstützen,

die mit ihrem freiwilligen Engagement etwas für den

Zusammenhalt der Gesellschaft tun“, sagt Gudrun Röhling,

Unternehmenssprecherin der PFH. Dabei sind die

Engagements vielfältig: Bisherige Stipendiaten und Stipendiatinnen

waren zum Beispiel Jugendtrainer im Basketball,

haben in Tagespflegeeinrichtungen autistische

Jugendliche betreut, mit Senioren und Geflüchteten gearbeitet

oder beim NABU und BUND mitgemacht. So klar

die Idee, so einfach die Umsetzung: Bewerber brauchen

,nur‘ ein einminütiges Video einzureichen, in dem sie der

Jury vermitteln, warum sie das Stipendium bekommen

sollten. Die bisherigen Bewerbungen waren genauso vielfältig

wie die ehrenamtlichen Tätigkeiten: von abgelesen

und vor einer weißen Wand stehend bis hin zu einer professionellen

Performance mit Drehbuch. „Es gab dabei

eine sehr große Spannbreite“, sagt PFH-Präsident Frank

Albe. „Uns geht es bei der Auswahl der Stipendiaten und

Stipendiatinnen aber vor allem um die Inhalte und wie

überzeugend die Präsentation ist.“ Bewerbungen aus allen

Bundesländern sind willkommen, doch zeigt die bisherige

Erfahrung, dass sie vor allem aus dem regionalen

Umfeld kommen, von Südniedersachsen bis Hannover,

Westthüringen und Nordhessen.

WIE WICHTIG DER HOCHSCHULE das Chancenstipendium

ist, zeigt der Aufwand, den sie bei der Bewerbung

treibt. Auf der Homepage der PFH finden sich die Teilnahmebedingungen

und Informationen zum Anmeldeprozess.

Die Bewerbung der Aktion an sich läuft grundsätzlich

über alle Social-Media-Kanäle der PFH. „Wir

sind dort sehr erfolgreich unterwegs und haben wachsende

Followerzahlen“, so Röhling. Aber auch offline arbeitet

man eng mit Multiplikatoren zusammen, wie etwa

Göttingens größtem Sportverein ASC oder E-Sportlern

im Innovation Hub Hannover. Auch werden Berufsmessen

wie z.B. die Goebit, Partnerschulen, Elternvorträge

124 1 |2025


wissen

und die eigenen Studieninfotage genutzt, um einen möglichst

großen Teilnehmerkreis anzusprechen. Als Teaser

für das Stipendium gibt es bereits ein kurzes Video, das

die emotionale Kernbotschaft des Stipendiums einfängt:

„Nicht alle Helden tragen einen Umhang.“

Im Juli wird dann eine Jury bestehend aus Vertretern

der PFH und den Stipendienstiftern die Entscheidung

treffen. Die diesjährigen Stifter sind das faktor-Magazin,

Heyne & Penke Verpackungen aus Dassel, Helbig

Technik aus Nörten-Hardenberg und der ADAC Niedersachsen

Sachsen-Anhalt. „Wir haben ein sehr aktives

Alumni-Netzwerk, auf das wir bei der Stipendienakquise

zugegangen sind“, sagt Frank Albe. So sind beispielsweise

die beiden Geschäftsführer von Heyne & Penke, Peter

und Christoph Penke-Wevelhoff, sowie der Geschäftsführer

von Helbig Technik, Nils Helbig, jeweils Absolventen

der PFH. Und so verhielt es sich auch bei den Stiftern

der vergangenen Jahre. „Ich habe eine sehr große

Begeisterung erlebt, als ich unsere Alumni für das Stipendium

gewinnen wollte, weil sie gerne etwas zurückgeben

möchten“, so Albe.

„Ich finde den Ansatz super, grundsätzlich jedem die

Chance zu ermöglichen, an der PFH zu studieren“, sagt

Nils Helbig. „Das Campusstudium hier macht einen

deutlichen Unterschied zu einem klassischen Studium an

einer staatlichen Hochschule. Was an der PFH geboten

wird, ist nicht alltäglich, sondern außergewöhnlich.“

Und Peter Penke-Wevelhoff ergänzt: „Es ist gut, dass

auch Menschen mit weniger guten Startvoraussetzungen

die Möglichkeit haben, von dieser Chance zu profitieren.

Die PFH stellt einen wichtigen Schritt dar, um im späteren

Leben erfolgreich zu sein. Sie vermittelt nicht nur

wertvolles Wissen, sondern enthält auch ein Netzwerk,

von dem ich heute noch persönlich profitiere."

Michael Weber, beim ADAC Vorstand für Niedersachsen

und Sachsen-Anhalt, hatte zwar keine persönliche Bindung

zur PFH, „aber schon allein die erste Folie im Gespräch

mit Herrn Albe hat mich überzeugt. Umwelt, soziales

Engagement und Ehrenamt sind für uns ganz wichtige

Themen“. Denn der ADAC lebt selbst von einer breiten ehrenamtlichen

Vereinsstruktur.

UND NUN SIND DIE POTENZIELLEN STIPENDIATEN

gefragt. Einzige Voraussetzung für die Teilnahme ist,

dass sie eine Hochschulzugangsberechtigung zum Studienstart

2025 haben und „sich authentisch präsentieren“,

sagt Gudrun Röhling. „Das haben die Bewerber bisher

überzeugend geschafft, mit persönlichen Geschichten,

die manchmal emotional auch berührt und Mut gemacht

haben.“

(v.l.n.r) Frank Albe, Marco Böhme, Markus Bauer, Nils Helbig, Markus Steinhoff, Peter Penke-Wevelhoff, Christoph Penke-Wevelhoff

und Michael Weber

1 |2025 125


PROFIL

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Lagerung im MRT für die Brust-MRT in Bauchlage. Auf dem Rücken angebrachte Mess-Einheit für das Sandwich-Protokoll.

Ein weiterer Baustein in der Optimierung

der Früherkennung von Brustkrebs

Mit dem neuen Sandwich-Protokoll stellt das Team aus dem Brustzentrum am

Göttinger Bahnhof eine weitere Verbesserung der Brust-MRT vor.

Die MRT der weiblichen Brust spielt in

der Früherkennung und auch in der

Abklärung von Brustkrebs inzwischen

eine sehr wichtige Rolle. Für Frauen mit sehr

dichten Drüsenstrukturen hat sie inzwischen

die Mammographie abgelöst. So empfehlt die

Europäische Fachgesellschaft für Brustdiagnostik

EUSOBI (European Society of Breast

Imaging) den primären Einsatz der Brust

MRT noch vor der Röntgenmammographie,

wenn Frauen eine hohe Drüsendichte haben.

Zeigt die so genannte Mamma MRT bei hoher

Qualität keinen auffälligen Befund, so kann

sogar auf den Einsatz einer ergänzenden

Mammographie verzichtet werden. Der alleinige

Ultraschall spielt im Rahmen der Früherkennung

ohnehin seit langem keine entscheidende

Rolle.

Das Team aus dem Brustzentrum am Göttinger

Bahnhof setzt die MRT schon seit seiner

Eröffnung vor über 20 Jahren routinemäßig

bei Frauen mit hoher Gewebedichte ein.

Dies nutzen nicht nur Frauen aus Göttingen

und Umfeld. Vielmehr kommen viele Frauen

und Patientinnen aus ganz Deutschland ins

Brustzentrum, um mit der Brust MRT ein

hochwertiges und zuverlässiges Untersuchungsverfahren

zu nutzen.

Ärzt:innen und MTR des Brustzentrums

am Göttinger Bahnhof waren in der Vergangenheit

immer engagiert, wenn es um die Optimierung

der Mamma MRT ging. So wurden

die wesentlichen Bausteine der Brust-MRT

in Göttingen entwickelt. Dies begann schon

sehr früh um die Jahrtausendwende, als für

die Auswertung der kontrastmittel-gestützten

Brust MRT ein Punkte-System, bekannt unter

dem sog Göttingen-Score, ins Leben gerufen

wurde. Dieses Score-System hat sich bei vielen

Auswertern etabliert. Sogar aus dem Ausland

liegen Studien vor, die ihre Auswertung

auf den Göttingen-Score stützten.

EIN WEITERER BAUSTEIN zur Optimierung

der Mamma-MRT ist die Reduzierung

der gesamten Untersuchung auf unter zehn

BRUSTKREBS IN DEUTSCHLAND

∙ Neuerkrankungen pro Jahr ca. 75.000

∙ Verstorbene an Brustkrebs pro Jahr ca. 18.000

∙ Erkrankungsalter im Schnitt

(Normalrisiko) 60-65 Jahre

∙ Erkrankungsalter im Schnitt

(Hochrisiko) 40-45 Jahre

∙ Brustkrebserkrankung auf Lebenszeit

1 von 8 Frauen

∙ Anteil an Mutationsträgerinnen

1 von 20 Brustkrebserkrankten

MIO-MAMMA-MRT mit Sandwichprotokoll

∙ Indikation für MIO-Brust MRT

hohe Drüsendichte Typ 3 oder 4

∙ Dauer der Untersuchung < 10 Minuten

∙ Größe der nachweisbaren Brusttumoren

ab 3mm

∙ Kosten der MIO-MRT (gesetzlich versichert)

ca. 600 Euro

∙ Kosten der MIO-MRT (privat versichert)

ca. 850 Euro


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INFOKASTEN

Dichte DICHTE der DER weiblichen WEIBLICHEN Brust BRUST

Die Die Dichte Dichte der der Brust Brust bezieht bezieht sich auf sich den Anteil auf den an Drüsengewebe Anteil an Drüsengewebe in der

in der

Röntgenmammographie:

Dichtetyp 1 Dichtetyp 2 Dichtetyp 3 Dichtetyp 4

Fast kein

Drüsengewebe

Wenig

Drüsengewebe

Minuten. Bereits 2012 veröffentlichten die

Göttinger Ärzt:innen ein entsprechendes

First-pass-Protokoll, das zwei Jahre später

von der Arbeitsgruppe der Aachener Universität

aufgegriffen wurde und heuzutage bundesweit

zum Standard gehört. Die meisten

Anwender der Mamma MRT verabreichen das

für die Untersuchung notwendige Kontrastmittel

in einer Menge, die sich am Körpergewicht

der untersuchten Person orientiert. Dies

konnten bei einer schweren Frau durchaus

20ml Kontrastmittel und mehr sein, im Einzelfall

mehr als doppelt soviel im Vergleich zu

einer leichteren Frau. Auch dies hat das Team

aus dem Brustzentrum schon seit mehreren

Jahren geändert: Mit Blick auf die First-Pass

Diagnostik bekommen alle Frauen einheitlich

die minimal notwendige Kontrastmitteldosis

von fünf Milliliter. Mit dieser pauschalen Minimaldosierung

werden am Bahnhof seit Jahren

hervorragende MRT Bilder gewonnen.

Der bis dahin letzte Optimierungsschritt

war die Erhöhung der Pixelzahl, aus der ein

jedes einzelne Bild der Mamma MRT zusammengesetzt

ist, auf über eine Million. Waren

es in der Vergangenheit 512 x 512, später 674 x

674 Bildpunkte, so führte das Göttinger Team

im Jahr 2023 die sog. MIO-Mamma MRT mit

1.024 x 1.024 Pixeln ein. Hierfür mussten konsequenterweise

allerdings auch neue Computer

mit höherer Rechenkapazität angeschafft

werden, um diese drastisch gestiegene Zahl

an Bildinformation innerhalb weniger Minuten

bewältigen zu können. „Mit der Einführung

der MIO-Mamma-MRT spielen wird jetzt

in der Millimeter-Liga. Bei regelmäßiger MRT

alle 2 Jahre finden wir Brustkrebs in der Früherkennung

in einer Größe von durchschnittlich

8mm. Daraus resultiert eine hervorragende

Überlebensprognose“, sagt Uwe Fischer,

einer der beiden leitenden Ärzte des Brustzentrums,

diese Entwicklung. „Rein rechnerisch

bedeutet dies eine Verringerung der Sterblichkeit

an Brustkrebs auf deutlich unter fünf Prozent.

Derzeit liegt diese Quote in Deutschland

um 20 Prozent, also einem Vielfachen hiervon“,

ergänzt Friedemann Baum, der andere

der leitenden Ärzte des Brustzentrums.

Relativ viel

Drüsengewebe

Extrem viel

Drüsengewebe

Umsetzung beteiligt war, meint dazu: „In der

Vergangenheit haben wir die Lymphknoten

bei entsprechender Fragestellung in drei bis

vier Minuten abbilden können und mussten

zudem die Patientin anschließend neu lagern.

Mit dem Sandwich-Protokoll geht dies

in wenigen Sekunden und ohne Umlagerung.

Wir können diese Technik daher inzwischen

allen Frauen obligat anbieten. Damit haben

wir endlich ein komplettes Untersuchungsprotokoll:

MRT von Brust und dazugehörigen

Lymphknoten in unter 10 Minuten“.

DER ABSCHLIESSENDE KOMMENTAR von

Baum und Fischer zu dieser Thematik: Gegenwärtig

fallen uns keine weiteren Schritte zur

Optimierung der Mamma MRT ein. Wir haben

mit der MIO-Mamma MRT inzwischen ein Untersuchungsverfahren

auf höchstem Niveau.

PROFIL

Einzelbild aus dem Sandwich-Protokoll mit

Darstellung sämtlicher Lymphknoten im Bereich

der Achselhöhlen bis hinauf zum Hals (Pfeile).

MIO-Mamma MRT mit einem 4mm kleinen

Brustkrebs (Kreis).

UND DANN IST ES DAS MTR-TEAM des

Göttinger Brustzentrums, das dem Spektrum

an Bausteinen aktuell den vorerst letzten Optimierungsschritt

im wahrsten Sinne des Wortes

,oben auf‘ setzt: das sogenannte Sandwich-Protokoll.

Hierfür wird zusätzlich zur

Mammaspule, in der die Brust positioniert

ist und die Bilder der Brust erzeugt werden,

eine zweite Mess-Spule auf dem Rücken der

Frau angebracht. Beide Spulen zusammen

erlauben es, nach der Brustuntersuchung

zusätzlich Bilder sämtlicher Lymphknoten,

die für die Brust zuständig sind, abzubilden.

Und dies innerhalb einer Atemanhaltephase

von nur 17 Sekunden. Die leitende MTR Anja

El Hajab, die maßgeblich an dieser Idee und

Diagnostisches Brustzentrum Göttingen

Bahnhofsallee 1d

37081 Göttingen

Tel. 0551 820740

info@brustzentrum-goettingen.de

www.brustzentrum-goettingen.de


leben

-kalender

PREMIERE IN GÖTTINGEN

10. Mai

NDR 2

Springside Festival

LOKHALLE

Empfehlung

der Redaktion

Fünf großartige Pop-Acts an einem Abend!

NDR 2 Springside Festival

2025 mit BOSSE, JEREMIAS,

TIM BENDZKO und MINE

Am 10. Mai 2025 feiert das NDR 2 Springside Festival in der

Lokhalle Göttingen Premiere. Fünf Pop-Acts an einem Abend.

BOSSE (Foto) ist seit über 20 Jahren eine feste Größe im

deutschsprachigen Musikgeschäft. Mit Hits wie ,Schönste Zeit‘

und ,Der letzte Tanz‘ sowie Alben wie ,Engtanz‘ und ,Alles Ist

Jetzt‘ erreichte er Goldstatus und Platz 1 der Charts.

JEREMIAS treten noch vor ihrer ausverkauften Hallentour

2025 auf. Nach ihrem Erfolg mit ,golden hour‘ und ,Von Wind

und Anonymität‘ landete die Single ,Meer‘ auf Platz vier der

Deutschen Singlecharts.

TIM BENDZKO prägte die deutsche Singer-Songwriter-Szene

mit Hits wie ,Nur noch kurz die Welt retten‘ und ,Keine Maschine‘.

Er verkaufte über eine Million Tonträger und gewann

Auszeichnungen wie den World Music Award.

Die Künstlerin MINE begeistert mit tiefgründigen Texten und

innovativen Klängen. Ihr Album ,Baum‘ erreichte Platz 7 der

Charts. Sie wurde mehrfach für ihre außergewöhnliche Musik

ausgezeichnet.

Moderiert wird das Festival vom NDR 2 Morgen-Team Elke

Wiswedel und Jens Mahrhold. Tickets kosten 59 Euro inklusive

Gebühren, erhältlich an allen Vorverkaufsstellen. Das Festivalticket

gilt als kostenfreier Fahrschein für die Göttinger Verkehrsbetriebe

(GöVB). Einlass ist ab 18:30 Uhr, Beginn um

20 Uhr. Weitere Infos unter springside-festival.de.

GSO-PROMENADENKONZERT

23. MAI 2025, 19:45 Uhr

Stadthalle Göttingen

„Brilliant! Excellent!”, würden die Londoner sagen.

„Ein richtiges Promenadenkonzert!“ Chefdirigent

Nicholas Milton lässt den großen Ohren-Spaß standesgemäß

ins Finale mit Elgars erstem Pomp-and-

Circumstance-Marsch münden.

128 1 |2025


leben

Kulturtipps für

Göttingen

Juergen Teller

Auschwitz Birkenau

Bis 01. Juni

Kunsthaus Göttingen

Das Kunsthaus Göttingen öffnet im März 2025

endlich wieder seine Tore. Wer es bisher noch nicht

geschafft hat, sollte nun seine Möglichkeit für

einen Besuch im jüngsten Kulturhaus Göttingens

nutzen. Zum 80-jährigen Jubiläum der Befreiungen

der Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau

präsentiert Juergen Teller eine Fotodokumentation

der KZ-Gedenkstätte.

Inken Kautter

Leiterin des Fachbereichs Kultur,

Göttingen

Inken Kautter wurde 1978 in Lübeck

geboren. Nach dem Studium der Philosophie

und Theaterwissenschaft in München und Berlin leitete sie

Freie Bühnen in Berlin, Halle (Saale) und Köln, arbeitete als

Dramaturgin, Autorin und Regisseurin und nahm in Bad Oldesloe

ein Kultur- und Bildungszentrum in Betrieb. Seit 2022

leitet sie den Fachbereich Kultur der Stadt Göttingen dem das

Städtische Museum, das Stadtarchiv, die Bibliotheken und

der Kulturbereich zugeordnet sind. Ihre Freizeit verbringt sie

am liebsten mit ihrer Familie und Freunden bei ausgedehnten

Kulturbesuchen.

Pastorale Elektro

Donnerstag 08. Mai / 20 Uhr / musa

Eine ungewöhnliche Paarung trifft mit den virtuosen

Musikerinnen und Musikern des GSO und Leon

Weber aufeinander. Weber tourt unter dem Pseudonym

LCAW mit seinen Deep-House-Kompositionen

auf der ganzen Welt, seine DJ-Mixes werden

millionenfach gestreamt. Eine musikalische Begegnung

über Grenzen zwischen Musik und Publikum

zwischen Klassik und Club, Kammermusik und

Elektronik.

Open Sound

26./27. Juni 10./11. Juli , 07./08. August

auf dem Wochenmarktplatz

Live-Musik umsonst und draußen, Nachbarn und Freunde

treffen, den Abend in der Innenstadt genießen. Das kann in

diesem Sommer erstmalig bei den sechs Open-Sound-Konzerten

auf dem Wochenmarktplatz erlebt werden. Eröffnet

wird die Reihe am 26. Juni von DOTA und Band die in

Göttingen bereits eine treue Fangemeinde durch Auftritte

im Deutschen Theater und in der musa aufgebaut haben.

NACHT DES WISSENS

21. JUNI 2025, 17:00 BIS 0:00 Uhr

Die Uni Göttingen, UMG, HAWK, Sartorius

und andere stellen ihren ,Wissensmarathon‘

vor: Verschiedene Locations mit Themen wie

Soziales, Medizin, Technik, Mathe – alles ist dabei,

und an jeden wird gedacht.

1 |2025 129


impressum

Herausgeber

faktor – das Entscheider- Magazin für die Region Göttingen

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ist der 23. Mai 2025.

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Ines Dietze, Prof. Dr. Uwe Fischer, Jan Förster, Rainer Giese, Fritz

Güntzler, Jürgen Jenauer, JUDr. Hans-Hermann Lampe, Markus

Liese, Carsten Lohrengel, Lars Obermann, Thomas Richter,

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