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Frühling / Sommer
2025
Contura
Unterwegs in Graubünden
Bitte
einsteigen
Geschätzte Fahrgäste, liebe Pendlerinnen und Pendler
Ob Sie täglich zur Arbeit oder Schule unterwegs
sind oder spontan einen Ausflug in die atemberaubende
Bündner Bergwelt planen – der öffentliche
Verkehr in Graubünden bringt Sie zuverlässig
ans Ziel. Doch so vielfältig wie unsere
Täler und Berge ist auch das Tarifsystem – früher
noch komplexer und voller Sonderregelungen.
Seit Dezember 2021 sorgen wir mit invia für klare
Verhältnisse. Gemeinsam mit fünf Tarifverbünden
und über zehn Transportunternehmen
machen wir Mobilität einfacher, übersichtlicher
und attraktiver – für alle.
Ein Beispiel? Gemeinsam mit allen Partnern setzen
wir uns für nachhaltige Pendler-Mobilität
ein. Mit der neuen digitalen Plattform FABOO
können Bündner Firmen ihren Mitarbeitenden
attraktive öV-Angebote als Fringe-Benefit anbieten.
Die Plattform vereinfacht den Kauf von
Abonnementen, reduziert den Verwaltungsaufwand
und fördert gleichzeitig nachhaltige Mobilität,
indem Mitarbeitende kostengünstig den
öffentlichen Verkehr nutzen können.
Prossima fermata –
invia.ch
Alle wichtigen Informationen
rund um invia gibt es hier:
Mit dem neuen Markenauftritt haben wir seit
Dezember 2021 nun die Möglichkeit, in Graubünden
in gebündelter Kraft als öV Graubünden
aufzutreten. Mit verschiedenen Image-Kampagnen
und Rabatt-Aktionen sprechen wir die Bündner
Bevölkerung an und versuchen sie zum Pendeln
mit dem öV zu bewegen. So haben wir im
Sommer 2022 das Pendler-Duell zwischen den
imaginären Zwillingsschwestern Tina und Gina
lanciert. Aktuelle Informationen zu Angeboten
findet man auch auf dem Insta-Kanal von invia.
Und dank unserem optimierten Webshop auf
invia.ch können Sie Tickets und Abos schon seit
letztem Jahr endlich bequem an einem Ort kaufen.
Natürlich ist ein solcher Wandel nicht von heute
auf morgen abgeschlossen. Unterschiedliche Bedürfnisse,
Strukturen und Partner fordern uns heraus
– und treiben uns gleichzeitig an. Und so sind
wir überzeugt: Der öffentliche Verkehr in Graubünden
hat eine spannende Zukunft vor sich.
Mit invia stellen wir schon heute die Weichen,
damit Sie morgen noch schneller, einfacher und
komfortabler ans Ziel kommen. Egal, ob Sie jeden
Tag pendeln oder die Bündner Alpen entdecken
möchten – wir sind für Sie unterwegs.
Schön, dass Sie Teil dieser Reise sind.
Herzlich
Sabrina Meister und René Fuchs
Co-Geschäftsführung invia
www.invia.ch
Die rhetorischen
Gleise
«Gleis null» – eine Kolumne von Milena Moser
Als ich meinen Mann kennenlernte, hatten wir auf
den ersten Blick nichts gemeinsam, der mexikanische
Indigene und die Schweizerin. Es war während
eines Abendessens in San Francisco mit Künstlern
aus aller Welt, die alle durcheinander redeten. Und
deshalb verstand ich nicht gleich, worauf er mich
ansprach, als er hörte, wo ich herkam.
«Die rhetorischen Gleise?» War das eine philosophische
Schule, eine neue künstlerische Richtung?
Ein Buchtitel, den ich nicht kannte? Normalerweise
wird meine Heimat mit Käse und Schokolade in Verbindung
gebracht – oder gleich mit Schweden verwechselt.
Ich war also ganz und gar nicht darauf gefasst,
dass dieser faszinierende und in jeder Hinsicht
fremde Mann von der Rhätischen Bahn sprach. Beziehungsweise
von ihrer Spurweite. Woher wusste
er davon? Er war noch nie in der Schweiz gewesen.
Aber er schien mehr über das helvetische Schienennetz
zu wissen als ich.
An diesem ersten Essen konnten wir uns nicht länger
miteinander unterhalten. Doch als sich unsere Beziehung
entwickelte, stellte sich heraus, dass Victor
ein absoluter Eisenbahn-Nerd ist. Eines unserer ersten
Dates fand an einer Modelleisenbahn-Messe
statt. Ehrlich gesagt, war ich davon nur wenig begeistert,
doch da gab es schon kein Zurück mehr.
Und neulich zu seinem Geburtstag führte ich ihn
ins hiesige Restaurant Matterhorn aus. Nicht wegen
der eher fettigen Küche, sondern wegen der
Modelleisenbahn, die man durch das Fenster beobachten
kann. Victor war wie ein Kind, nicht von der
Scheibe wegzubringen. Er las mir die Informationsschilder
vor und ergänzte sie durch obskure Details,
die mir nichts sagten. «Dieser Massstab ist hier ganz
selten ...»
Er träumt davon, einmal mit mir zusammen in die
Schweiz zu reisen, vor allem die ganze Albulastrecke
entlangzufahren. «Über 144 Brücken, Milenita!»
Vielleicht wird das eines Tages möglich sein, vielleicht
nicht. In der Zwischenzeit hält uns niemand
davon ab, zu träumen. In unseren Gedanken und in
unseren Gesprächen die rhetorischen Gleise entlang
zu reisen.
Milena Moser
Schriftstellerin, wohnhaft in
Santa Fe, New Mexico.
www.milenamoser.com
Editorial
Zwischenstopp
N
Basel
Bern
SCHWEIZ
Zürich
Chur
Graubünden
Genève
Zermatt
Lugano
ürich
t.Gallen
Rhein
Landquart Ried
Igis
Zizers
Untervaz-Trimmis
Haldenstein
Chur Wiesental
Calanda
2806 m
Domat/Ems
Ems Werk
Chur West
Felsberg
Landquart
Chur
Malans
Plessur
Seewis-Pardisla
Grüsch
Schiers
P r
ä t t
Chur Altstadt
Lüen-Castiel
St. Peter-Molinis
Peist
Furna
Jenaz
Fideris
Küblis
Landquart
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Langwies
irüti
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Saas
Klosters Dorf
Cavadürli
Davos Laret
Davos
Klosters Platz
Vereinatu
Piz Linard
3411 m
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g
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Samnaun
Inn
n
d i
Landeck
Halt auf
Verlangen
Haltestellen entlang unserer Route
4 – 7
Fernwandern
Scena
8 – 11
Philipp Marx: für die
Menschen unterwegs
Passion
12 – 17
Olivenöl
aus der Valposchiavo
Leuchttürme
18 / 19
Einer wie keiner:
der Kanton Graubünden
Zahlen und Fakten
20 – 23
Erlebnis pur:
Landwasserwelt
Aus dem Kanton
24
Mitmachen und gewinnen
Verlosung
Passion, 8 – 11 Aus dem Kanton, 20 – 23
Contura online
Hier können Sie das
neue Contura online
durchblättern:
www.invia.ch/contura
2 www.invia.ch/contura
invia Newsletter
Jetzt abonnieren
und immer auf dem
Laufenden sein:
www.invia.ch/newsletter
Natürliches, 38 – 43 Aus dem Süden, 48 – 51
25
Erfrischende Routen
zu Bergseen
Auf dem Radar 1
26 – 33
Bergseen
am Fusse der Gipfel
Panorama
34 – 37
Das Bündner
Golfparadies
Innovation
38 – 43
Emanuel Wieland:
fliegen und fliegen lassen
Natürliches
44 / 45
Auf die Rätsel, fertig, los!
Menschenskinder
46 / 47
Livigno:
mehr als Shopping
Auf dem Radar 2
48 – 51
Starkes Wasser
Aus dem Osten
52 – 55
Bouldern ist ihr Leben
Aus dem Westen
56
Interview mit
öV-Reisenden
Fensterplatz
Inhaltsverzeichnis
3
Fernwandern:
dem Horizont entgegen
Dischma-Hochtal bei Davos
Jakobsweg
Uralte Pfade und die Stille der Berge –
der Pilgerweg durch Graubünden ist eine Reise für die Sinne.
Laax
Chur
Davos
Scuol
Disentis
Müstair
4 www.invia.ch/contura
Blumenpracht am Dischmabach
St. Remigius-Kirche in Falera
Scena
5
Klosters
Via Valtellina
Auf einer alten Säumerroute des Veltliner Weins
durch drei Länder und drei Sprach- und Kulturregionen.
Davos
Zuoz
Samedan
Pontresina
Poschiavo
Tirano
6
Walserdorf am malerischen Schlappinsee
San Romerio
Dürrboden
Schlappin
Ospiz Chapella
La Punt
Scena
7
8
www.invia.ch/contura
Für die Menschen
unterwegs
Engadin Bus-Mitarbeiter Philipp Marx
hat für alle ein Lächeln parat
Er kennt das Oberengadin zu jeder Tages-, Nachtund
Jahreszeit. Seit 15 Jahren lenkt Philipp Marx
seinen Bus durch die Dörfer und kann nicht genug
bekommen. Nicht wegen der Strassen, wegen der
Passagiere.
Mit etwas gutem Willen kann man im Osten schon
die ersten Sonnenstrahlen am Horizont erspähen.
Langsam legt das Engadin seinen Nachtmantel
ab und enthüllt seine ganze Pracht. «Das ist die
schönste Zeit des Tages», sagt Philipp Marx, steigt
in St. Moritz in seinen Bus, wirft die 200-PS-Maschine
an und fährt Richtung Maloja. «Wenn sich
dann die ersten Sonnenstrahlen über die Seen tasten
und die Felsen rechts und links für einen kurzen
Moment rot aufleuchten lassen … Ich erlebe das
schon seit 15 Jahren. Und jedes Mal berührt es mich
wieder aufs Neue.»
Am Schluss lachen alle
In Maloja warten dann schon die Menschen, die
das Engadin am Laufen halten: Hotel- und Ladenpersonal,
Angestellte, aber auch Schülerinnen und
Schüler. Die einen verstecken sich noch hinter geschlossenen
Augen, die anderen hinter dem offenen
Laptop. Eine ältere Dame steht etwas hilflos
an der Haltestation, hantiert mit dem Handy,
konsultiert den Fahrplan und wird von Sekunde
zu Sekunde nervöser. Philipp Marx sieht es, öffnet
das Busfenster, lächelt und fragt, ob er helfen
kann. Zunächst auf Deutsch, dann auf Italienisch,
Französisch und schliesslich auf Englisch.
Passion 9
Unterwegs zwischen Maloja und St. Moritz
10
www.invia.ch/contura
Irgendwie schaffen es die beiden, alle Sprachbarrieren
zu überwinden: St. Moritz-Bahnhof ist ihr Ziel.
Am Schluss lacht die Frau aus Erleichterung, Philipp
Marx aus Freude: «Es sind solche Dinge, die
die Arbeit als Busfahrer lebenswert machen», sagt
er und fügt hinzu: «Die Routen kennt man irgendwann,
aufregend sind sie nur noch bedingt. Aber
die Menschen, die sind immer wieder anders –
manchmal lustig, manchmal spannend, manchmal
traurig, manchmal fröhlich. Und das mag ich an
meinem Beruf. Ich mag Menschen.» Offenbar sogar
jene, die ihren Frust, ihre Enttäuschung oder was
auch immer am Nächstbesten auslassen – in diesem
Fall am Busfahrer: «Du weisst nie, warum sie so
sind. Vielleicht haben sie gerade einen Schicksalsschlag
erlebt, häuslichen Streit oder was auch immer»,
sagt Marx. «Wir lernen ja in internen Kursen
auch, wie man solche Situationen meistert. Manchmal
hilft schon ein Lächeln, ein freundliches ‹Allegra›
meinerseits – das kann Wunder wirken.» Und
wenn nicht, dann hält er sich an die Maxime, die er
im Militär gelernt hat: freundlich bleiben, höflich
und professionell.
Die Einstellung zum Leben
Philipp Marx hat andere Zeiten mit anderen Menschen
an anderen Orten erlebt. Er stammt aus Düsseldorf,
ist gelernter Sanitärinstallateur, war vier
Jahre bei der Bundeswehr und sass mit 24 Jahren
zum ersten Mal am Steuer eines Linienbusses.
«Dann habe ich Freunde im Engadin besucht, und
es war um mich geschehen. Schöner als hier kann
es nirgends sein.» Dabei ist sich der Deutsche sehr
bewusst, dass er im Engadin in einer Bubble lebt –
nicht nur wegen der grandiosen Landschaften. «Natürlich
muss man auch hier arbeiten, natürlich haben
die Menschen auch im Engadin ihre Sorgen,
natürlich gibt es auch hier dunkle Seiten. Manchmal
setzt sich eine vereinsamte Seele vorne rechts so
nahe wie möglich bei mir hin und fährt einfach ein
oder zwei Stunden mit, um ein paar Worte zu wechseln.
Aber verglichen mit der Grossstadt ist das hier
das Paradies.» In diesem Paradies kennen anschei-
Es sind solche Dinge,
die die Arbeit als Busfahrer
lebenswert machen.
nend (fast) alle den 47-jährigen Buschauffeur. Beim
Gang durch St. Moritz tönt es immer wieder auf Romanisch:
«Ueila, cu stest?» (Wie geht es dir?). Er
antwortet auf Romanisch und grinst: «Viel mehr als
ein paar Brocken kann ich aber nicht.» Doch das
Echo aus dem Umfeld zeigt, dass Marx, der in einer
WG lebt, im Engadin kein Fremder mehr ist. Er
tut auch einiges dafür, betreibt vom Reiten über das
Mountainbiken bis zum Snowboarden jeden Sport,
den man sich denken kann. Manchmal gerät er
fast ins Philosophieren: «Von den älteren Kollegen
weiss ich, dass ein Buschauffeur früher fast eine Respektsperson
war. Diese Zeiten sind zwar vorbei.
Doch Busfahren ist auch heute noch ein toller Beruf.
Auf jeden Fall bei Engadin Bus. Aber klar, es kommt
sehr auf die eigene Einstellung an.» Und wohl auch
auf die positive Einstellung zum Leben als solches.
Ein Tag geht zu Ende
Langsam macht sich die Sonne auf den Weg Richtung
Westen. Das Licht ist magisch, und ein friedlicher
Vorabend legt sich über das Hochtal. Auf die
blaue Stunde folgt die Nacht, doch das Engadin
zieht sich noch lange, sehr lange nicht das Pyjama
an. An vielen Orten hat man das Gefühl, dass das
Licht nie gelöscht wird, und die Busse sind noch immer
unterwegs. Marx hat schon lange Feierabend,
jetzt sind seine Kollegen am Steuer. «Je nach Jahreszeit
und Wochentag werden bestimmte Strecken
fast bis in den Morgen hinein mit dem Nachtbus bedient»,
sagt er. Also fast so lange, bis am Horizont
wieder die ersten Sonnenstrahlen hinter den Bergen
auftauchen. (fb)
Passion
11
Das grüne Gold
aus der Valposchiavo
Der Traum vom eigenen Olivenöl
12 www.invia.ch/contura
Leuchttürme
13
Extra Vergine Olivenöl aus Graubünden? Das gibt es
wirklich. In Campascio, im Puschlav, pflanzte Tiziano
Iseppi vor einigen Jahren Olivenbäume. Seither kommen
laufend neue dazu. Die innovative Idee passt
gut in dieses Tal, das sich im Aufbruch befindet.
Der Wind kommt von Norden, riecht nach Winter
und fällt von den Gletschern des Berninamassivs
über die Valposchiavo und seine Menschen her. Er
krallt sich am braun gewordenen Gras fest, rüttelt
an den Fensterläden der Steinhäuser und lässt erst
im Weiler Campascio nahe der Grenze zu Italien
an Stärke nach. Dort, zwischen jungen Olivenbäumen,
steht Tiziano Iseppi auf uraltem Kulturland,
das seine Vorfahren der steilen Bergflanke abgerungen
und mit kunstvoll geschichteten Steinmauern
terrassiert und gesichert haben. «Fruchtbares
Land war und ist in unserem engen Tal kostbar. Hinter
diesen Trockenmauern wurden früher Trauben,
Getreide oder Grano Saraceno, also Buchweizen –
die Grundzutat für die berühmten Puschlaver Pizzocheri
– angebaut», erzählt der Einheimische.
Gute und schlechte alte Zeiten
Die alten Zeiten, in denen Arbeitsmangel und Hunger
viele aus dem Tal bis nach Russland oder Amerika
trieben, endeten Mitte des 20. Jahrhunderts.
Die Menschen emigrierten nicht mehr nach Übersee,
sondern in die Nordschweiz. Grano Saraceno
wurde importiert, die Natur eroberte die steilen
Hänge zurück, viele der alten Steinmauern verfielen.
Iseppi, der als Banker im Engadin arbeitete
und heute die Buchhaltung der Gemeinde Brusio
betreut, hat diesen Verfall immer bedauert. Dann
stand er wieder einmal vor den beiden Olivenbäumen,
die sein Vater vor Jahrzehnten als Zierpflanzen
gesetzt hatte – und siehe da: Sie trugen
Früchte. «Nur ein paar, und sie waren klein», erinnert
sich der Puschlaver. Doch der Anblick hat
ihn elektrisiert. Warum nicht mehr Olivenbäume
pflanzen? Das war vor acht Jahren. Damals hatte
von Olivenanbau oder gar Ölgewinnung im Tal
niemand eine Ahnung. Wie auch! Olivenöl kam
bisher primär aus dem nahen Italien. Also suchte
Iseppi dort Rat, absolvierte Kurse, besuchte Olivenbauern
in verschiedenen Regionen und brachte
Setzlinge und den Willen mit, dem Tal eine neue
Perspektive zu eröffnen – den Olivenanbau. Inzwischen
wachsen am linken, sonnigen Hang oberhalb
von Campascio drei Olivensorten: Frantoio,
Maurino und Leccio del Corno. Und wie sie wachsen:
«Die allererste Ernte ergab 13 Liter, heute sind
es 100, und wenn alles klappt, werde ich in ein paar
Jahren 1 000 Liter einheimisches Olivenöl pressen»,
sagt Iseppi.
Tiziano Iseppi
Stolzer Besitzer von
60 Olivenbäumen.
Steinige Wege
Doch der Weg dahin war und ist kein einfacher.
Mit der Hilfe von Freunden und Familienangehörigen
hat er Trockenmauern instandgesetzt, überwucherte
Kleinparzellen gerodet, Bäume gefällt
und das Land wieder urbar gemacht. Dabei wuchs
sein Respekt vor den Vorfahren: «Ganz ohne Hilfsmittel
haben sie im steilen Gelände riesige Felsbrocken
bewegt oder Bäume von Hand gefällt», sagt
er bewundernd. Viel hat sich seither nicht verändert:
Iseppi und seine Freunde haben Fusswege an-
14
Olivenernte Ende Oktober
Leuchttürme
15
Blick auf die RhB
Frisch gepflückt
Letzte Vorbereitungen
Maische wird getrennt
Extra Vergine Olivenöl
16
www.invia.ch/contura
Freunde und Verwandte
sind gekommen, um zu helfen;
ohne sie geht es nicht.
gelegt, aber kaum eine der kleinen Parzellen ist für
Maschinen zugänglich. Das bremste den Enthusiasmus
des Neo-Olivenbauern keineswegs. Nur einmal,
als vor ein paar Jahren hungrige Hirsche die
kleinen Bäumchen im Winter bodeneben abfrassen,
dachte er ans Aufhören. «Ich erinnere mich gut an
diesen Tag. Der Frust war riesig, die Tränen nah, der
Mut verschwunden. Aber dann tauchte mein Bruder
auf, bot mir seine Hilfe an – und ich machte weiter.»
Zwischen Tradition und Moderne
Heute tragen rund 60 Bäume Oliven. Am heutigen
Oktobertag ist Erntezeit. Von Terrasse zu Terrasse
tönt Lachen, fliegen Wortfetzen in Pus’ciavin, dem
italienischen Dialekt der Einheimischen. «Freunde
und Verwandte sind gekommen, um zu helfen; ohne
sie geht es nicht», beschreibt Iseppi die Situation.
Von Hand und mit kleinen Rechen streifen die Helferinnen
und Helfer die Früchte von den Ästen. Die
meisten Oliven sind noch grün, aber das ist gewollt.
«Ich könnte die Früchte noch länger hängen lassen,
aber sie würden dadurch an Qualität und Geschmack
verlieren.» Die Oliven werden zum nächsten
Fahrweg getragen und dann mit einem Traktor
ins Tal gefahren.
Art Zentrifuge – trennt das Wasser vom Öl und der
Maische, schliesslich fliesst das Extra Vergine Öl mit
goldenem Schimmer in die Flaschen. Und plötzlich
riecht es intensiv nach frisch geschnittenen Kräutern,
grünen Äpfeln, Mandeln – nach richtig gutem
Olivenöl eben.
Die Valposchiavo ist ein Tal im Aufbruch und besinnt
sich zugleich seiner Wurzeln. Fast alle Bauern,
die Gemüse, Kräuter, Milch, Käse, Fleisch oder
Getreide produzieren, arbeiten wieder wie früher –
biologisch. Viele Restaurants bieten Menüs mit
dem Label «100 Prozent Valposchiavo» an, und sogar
Grano Saraceno wird wieder angebaut. Nur das
Olivenöl stammt zum grössten Teil noch aus Italien.
Noch. (fb)
Prossima fermata –
Öl bestellen
Iseppis natives Extra Vergine
Olivenöl aus der Valposchiavo
direkt nach Hause bestellen:
In einem kleinen Keller in Campascio beginnt ein
neues Kapitel der Puschlaver Geschichte. Denn hier
steht eine moderne Anlage, mit der aus Oliven das
begehrte Öl gewonnen wird. Die Früchte werden
gewaschen, mit einer Mühle zerkleinert und dann
auf maximal 24 Grad erwärmt. Ein Dekanter – eine
tizianoiseppi@gmail.com
Leuchttürme 17
im Speisesaal des Kulm Hotels in St. Moritz.
Das erste elektrische Licht der Schweiz erstrahlte 1878
Einer wie keiner:
der Kanton Graubünden
Schon gewusst?
Geliebte Höhenluft
Ch
Mit 7105 km2 ist Graubünden der grösste Kanton der Schweiz
und mit etwa 28 Einwohnern pro km2 der am dünnsten besiedelte.
Über 200 000 Menschen leben in Graubünden
90 % der Kantonsfläche liegen auf über 1 200 m ü. M.
4 von 10 Personen in Graubünden leben auf über 1 000 m ü. M.
18
Nächster Halt –
Berge voller Erlebnisse
Mehr über Graubünden
online entdecken:
www.graubuenden.ch
Etwa 40 % des Kantonsgebiets sind unproduktive Vegetation,
25 % sind Weiden, ca. 26,7 % Wälder und nur 1,8 % können
landwirtschaftlich genutzt werden.
Einzigartige
Sprachenvielfalt
73%
Deutsch
14%
Rumantsch
ur
ist die Hauptstadt
mit 41 179 Einwohner:innen.
Stand 31.12.2024
13%
Italiano
Heimat des einzigen Nationalparks
der Schweiz – 170 Quadratkilometer
Natur pur mit 100 Kilometern Wanderwegen
und Naturlehrpfaden.
Dreiwasserscheide
Julia
Maira
via Rhein zur Nordsee
über den Po ins
Adriatische Meer
Inn
Oberhalb Maloja fliessen
die Gewässer in drei Meere:
via Donau ins Schwarze Meer
Hochs und Tiefs
937 615 150
Berggipfel
Seen
Täler
Der höchste davon ist der Piz Bernina
mit 4 049 m ü. M.
Zahlen und Fakten
19
Bahnkultur, Abenteuer
und Naturerlebnisse
in der Landwasserwelt
Auf den Spuren des vergangenen Jahrhunderts in die Zukunft: Fünf Erlebniswelten –
Bahn, Kultur, Landwirtschaft, Wald und Wasser – sind miteinander verknüpft und
laden ein, die Vielfalt des Alpenraums aus unterschiedlichen Perspektiven zu entdecken.
Schmitten
Aussichtsplattform
Hennings
Landwasserviadukt
Haltestelle Schmitten GR
Landwasserviadukt
Infokiosk / Rastplatz
Landwasserviadukt
Historischer Zug
Viaduktshuttle
Landwasser
Express
Aussichtsplattform
Acatos
Alvaneu (Bad)
Ranch
Farsox
Illusionswagen
Filusio
Filisur
Bahnhof
Tiefencastel
Wasserweg ansaina
Biohof
Las Sorts
Landwasser
Express
Bahnhöfli
Filisur
Dorfrundgang
FiliTour
20
Davos Monstein
Zügenschlucht
Davos Wiesen
Bahnhof
Davos Platz
Züga Beizli
Sky Walk
Wiesnerviadukt
Aussichtsplattform
Coray
Erlebniswelt
Landwirtschaft
Erlebniswelt
Bahn
Erlebniswelt
Wald
Erlebniswelt
Kultur
Erlebniswelt
Wasser
Bahnmuseum Albula
Büfèt
Bergün
Bergün/Bravuogn
Ortsmuseum und
Modelleisenbahn
Sesselbahn
Darlux
Bahnhof
Preda
21
Erlebniswelt
Bahn
Die Pioniere auf Schienen
Ende des 19. Jahrhunderts war die Region Albula abgelegen,
die Reise beschwerlich. Dann kam die Rhätische
Bahn und mit ihr eine Ingenieursleistung, die
noch heute beeindruckt. Der Landwasserviadukt,
1903 fertiggestellt, wurde zum Wahrzeichen Graubündens
und strahlt weltweit die Faszination dieser
Region aus. Roman Cathomas: «Gäste erleben
hier das bahnkulturelle Erbe der Rhätischen Bahn
mit dem Prädikat ‹UNESCO Welterbe RhB› inmitten
einer atemberaubenden Kulturlandschaft mit dem
Qualitätslabel ‹Naturparc Ela›. Das ist einzigartig.»
Die Landwasserwelt
Wer in der Landwasserwelt unterwegs ist,
begibt sich auf eine Zeitreise inmitten einer
eindrücklichen Naturlandschaft – und entdeckt,
wie eng Vergangenheit und Zukunft miteinander
Erlebniswelt
Kultur
verwoben sind.
www.landwasserwelt.ch
Ein besonderes Erlebnis ist eine Fahrt in den nostalgischen
Bahnwagen der RhB. Von Davos geht’s
durch die wildromantische Zügenschlucht über den
berühmten Wiesnerviadukt bis nach Filisur und zurück.
Die faszinierende Geschichte der Bahn ist im
Bahnmuseum Albula zu entdecken. Nur wenige
Schritte vom Bahnhof Wiesen wartet ein weiterer
Höhepunkt: der Sky Walk, ein Fussgängersteg entlang
der Schienen des Wiesnerviadukts, des höchsten
Viadukts der RhB. Hier ist die Meisterleistung,
die einst den Grundstein für den Tourismus legte,
im wahrsten Sinne spürbar. Fototipp: Die spektakulärsten
Bilder vom Viadukt lassen sich von der Aussichtsplattform
Coray aus machen.
Vergangenheit bewahren, Zukunft gestalten
Die Landwasserwelt ist eine Einladung, die Geschichte
Graubündens mit allen Sinnen zu erleben.
Zwischen alten Wäldern, traditionsreichen Bauernhöfen
und technischer Ingenieurskunst zeigt sie,
dass Fortschritt und Tradition kein Widerspruch
sind. «Auf der FiliTour kann Filisur mit seinem authentisch
erhaltenen Dorfkern mit den prächtigen
Wohnhäusern in der für das obere Albulatal und
das Engadin typischen Bauart mit den Erkern und
Sgraffit-Fassaden interaktiv entdeckt werden», sagt
Roman Cathomas, Projektleiter der Landwasserwelt.
22
www.invia.ch/contura
Von harter Erde zu fruchtbarem Land
Lange bevor Schienen das Tal durchzogen, war
Landwirtschaft das Herzstück der Region. Auf kargem
Boden wuchsen widerstandsfähige Sorten,
Höfe versorgten die Menschen mit dem, was die
Natur hergab. Heute wird auf dem Biohof Las Sorts
in Filisur die Tradition des Kartoffelanbaus fortgeführt
– über 50 Sorten trotzen hier den Höhenlagen.
Auf der Ranch Farsox lebt nachhaltige Landwirtschaft:
Hier gibt es nicht nur hofeigene Produkte,
sondern auch frische Forellen.
Erlebniswelt
Landwirtschaft
Erlebniswelt
Wald
Was alles verbindet
Es war das Wasser, das die Täler formte, die Felsen
schliff, das Leben brachte. Und es ist das Wasser,
das die Region mit der Welt verbindet – als Trinkwasser,
als Naturgewalt, als Wegweiser. Der Wasserweg
Ansaina führt entlang der Albula und der
Landwasser, vorbei an sprudelnden Schwefel-
Eisen-Quellen, rauschenden Bächen und stillen
Flussabschnitten bis unter den Landwasserviadukt.
Hier lässt sich erleben, welche Kraft dieses Element
auf die Landschaft und ihre Geschichte hatte – und
immer noch hat. (rea)
Zeuge der Zeit
Hoch hinaus geht es mit der Sesselbahn Darlux. Sie
gibt den Blick frei über die RhB-Strecke hinweg –
eine eindrückliche Fahrt durch die Geschichte der
Landschaft. Unter ihr breiten sich Wälder aus, die
seit Jahrhunderten bestehen. Sie haben Lawinen
gebremst, Holz für den Bahnbau geliefert, Stürme
überstanden. Der Wald mit seiner reichen Fauna
und Flora bleibt, während sich die Welt um ihn herum
verändert. Oben angekommen, bietet der Pano-
ramaweg bei der Alp la Muetta Ruhe und eine andere
Perspektive auf das Tal.
Erlebniswelt
Wasser
Aus dem Kanton
23
Haben Sie
gut aufgepasst?
Mitmachen und gewinnen
Wer das Contura genau gelesen hat,
wird die folgenden Fragen mit
Leichtigkeit beantworten können.
Zu gewinnen:
Ein Monats-BÜGA
Unter allen richtigen Einsendungen
verlosen wir ein Monats-BÜGA für die
2. Klasse im Wert von CHF 230.
Flexibel, zuverlässig und entspannt
durch Graubünden reisen: Ob RhB,
PostAuto, Chur Bus, der Verkehrsbetrieb
Davos, die Luftseilbahn
Rhäzüns-Feldis, Engadin Bus oder
weitere regionale Transportunternehmen:
Das BÜGA schliesst alle mit ein.
Mit welcher innovativen Idee macht die Valposchiavo von sich reden?
1
Wo hat Milena Moser ihren Mann kennengelernt?
Was produzieren Emanuel Wielands fleissige Freunde?
3
Wo ist Profigolferin Caroline Kündig-Rominger aufgewachsen?
4
Welche Flüssigkeit kann Aromen verstärken oder blockieren?
2
5
Wie heisst das Pulver, das den Händen beim Klettern besseren Halt verleiht?
6
Lösungswort bitte einreichen via
www.invia.ch/contura-wettbewerb
Einsendeschluss ist der
30. September 2025
Die Teilnahme ist gratis und unverbindlich.
Die Gewinnerin oder der Gewinner wird
schriftlich benachrichtigt. Eine Barauszahlung
der Preise ist nicht möglich. Über die
Auslosung wird keine Korrespondenz geführt
und der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
Die persönlichen Daten werden vertraulich
behandelt und nicht an Dritte
weitergegeben.
Mit welchem Transportmittel fährt Lara Steinlin nach dem Ausgang heim?
7
Von wo aus fährt Philipp Marx Richtung Maloja?
8
.
Wie heisst der höchste Viadukt der RhB?
9
Wo steht der Biohof, der 50 Sorten Kartoffeln anbaut?
10
24
www.invia.ch/contura
Bergseen, Gipfelglück
und Panorama
Wandern mit Wow-Effekt: vier Touren für Geniesser und Abenteurerinnen
Zu den vier Seen
geht es hier entlang –
bitte blättern.
Farbenspiel in karger
Landschaft
Die Jöriseen bieten ein Naturschauspiel der Sonder-
klasse: hellgrüne Tupfen mitten in der kargen Berglandschaft
der Silvretta. In der Wandersaison ist
man hier selten allein. Die fünfstündige Rundtour ab
der Postauto-Haltestelle Wägerhus erfordert Erfahrung.
Wer es kürzer mag, erreicht in 90 Minuten die
Jöriflüelafurgga – mit der schönsten Aussicht auf
die Seen.
www.graubuenden.ch/joeriseen
Bergpanorama
der Sonderklasse
Passübergänge verbinden das Dorf Juf mit dem
Oberhalbstein, dem Bergell und dem Engadin. Auf
der aussichtsreichen Wanderung über den Stallerberg
Richtung Bivio geht es die steilen Matten
hoch zu den Flüeseen. Ein perfekter Ort für eine
erfrischende Mittagspause. Jedoch nicht für einen
Powernap. Die Aussicht auf die Bernina und das
Bergell ist einfach zu spektakulär.
www.graubuenden.ch/flueeseen
Die Qual der Wahl
Ganze 23 Seen reihen sich auf der Seenplatte Macun
wie Perlen aneinander. Die Ausstrahlungskraft dieses
Ortes mitten im Nationalpark ist magisch. Wer
Glück hat, kann hier Steinböcke und Gämsen beobachten.
Schliesslich bedeutet das rätoromanische
Macun Steinbock. Die Hochgebirgswanderung ist
anspruchsvoll. Wer ein paar der Höhenmeter einsparen
will, nimmt in Zernez den Macun-Shuttle hinauf
nach Plan Sech.
www.graubuenden.ch/macunseen
Erfrischendes Bad mit Boot
Entweder man nimmt die Surettaseen von Splügen
aus über einen steilen Aufstieg durch den Wald in
Angriff. Oder – wer's gemütlicher mag – wählt den
einfacheren Pfad von der Splügenpass-Strasse aus.
Klar ist, beide Wege führen zum Glück. Und zur
Überraschung: Wer lieber auf als im Wasser ist, nutzt
das Boot, das am nördlichen Ufer des oberen Sees
kostenlos zur Verfügung steht.
www.graubuenden.ch/surettaseen
Auf dem Radar 1
25
Jöriseen
Wer den schweisstreibenden Aufstieg zu den Jöriseen geschafft hat,
wird mit einem fantastischen Bergpanorama belohnt.
26 www.invia.ch/contura
Eisblau inmitten von Schiefergrau
Panorama
27
Erfrischung gefällig?
28
www.invia.ch/contura
Flüeseen
Die Bergseen liegen in einer beeindruckenden Hochgebirgslandschaft
auf über 2 600 Metern Höhe.
Panorama 29
Macunseen
23 Seen an einem Tag – das gibt es nur auf Macun.
Die Seenplatte liegt hoch oben zwischen Zernez und Lavin.
Seenplatte von Macun
Panorama
31
Surettaseen
Sie liegen auf einem Hochplateau inmitten der steinigen Bergwelt.
Der obere See befindet sich auf 2 265 Metern über Meer,
der untere 70 Meter tiefer.
Glasklar und eiskalt
32 www.invia.ch/contura
Golfanlage Zuoz-Madulain
34
www.invia.ch/contura
Das Golfparadies
der Alpen
Wie Graubünden zur Golfdestination wurde
Innovation
35
Nächster Halt –
Golf in Graubünden
Infos zu den verschiedenen Golfplätzen
gibt es beim Bündner Golfverband:
www.buendner-golfverband.ch
«Ich kann nicht genau sagen, was mich am Golf so
fasziniert. Immer wenn man das Gefühl hat, jetzt hat
man’s raus, macht das Spiel einem klar, dass dem
nicht so ist. Ich bin wohl einfach verrückt genug,
trotzdem zu spielen», soll Hollywood-Veteran und
Golfliebhaber Clint Eastwood einmal gesagt haben.
Wie ihm geht es offenbar vielen: Über 10000
Mitglieder sind im Verband Swiss Golf lizenziert –
und die Zahl steigt stetig an. Werden die Tage wieder
länger, beginnt für Golferinnen und Golfer die
schönste Zeit des Jahres.
Golftradition: Die Bündner machen es vor
Ob Clint Eastwood je seinen Abschlag in Graubünden
trainiert hat, ist nicht bekannt. Belegt ist aber,
dass Golf im Kanton eine lange Tradition hat: Bereits
vor mehr als 130 Jahren, im Sommer 1889, schlugen
hier golfbegeisterte Briten ein paar Bälle. Und zwar
mit dem ortsansässigen Hotelier Caspar Badrutt –
dem Sohn des berühmten St. Moritzer Hotelpioniers
Johannes Badrutt. Der visionäre Badrutt erkannte,
dass der Golfsport wohlhabende Gäste aus England
anzieht: 1893 wurde in Samedan, unweit von
St. Moritz, ein 18-Loch-Golfplatz eröffnet, und im
selben Jahr wurde mit dem Engadine Golf Club der
erste Golfclub der Schweiz gegründet. Inzwischen
gehört auch der im benachbarten Zuoz-Madulain
gelegene 18-Loch-Platz zum Engadine Golf Club.
Graubünden weist heute die grösste Golfplatzdichte
der Schweiz aus. Die 13 unterschiedlichen Plätze,
darunter fünf 9-Loch-Plätze, sieben 18-Loch-Anlagen
und eine 27-Loch-Anlage, trumpfen mit ihrem
Bergpanorama auf.
Eingebettet in schönster Natur
Die Bündner Golfplätze sind – abgesehen von den
umgebenden Berggipfeln – meist geprägt von plätschernden
Gebirgsbächen und altem Baumbestand.
Der tiefstgelegene Platz befindet sich in Domat/
Ems auf rund 500 Meter, der höchste reicht bis auf
1 900 Meter: Die Anlage in Arosa bietet den höchsten
Abschlag Europas. Beeindruckend ist auch das
neunte Loch auf dem Golfplatz Sedrun, wo der Ball
über den Rhein geschlagen werden muss.
Es überrascht wenig, dass auch viele prominente
Spielerinnen und Spieler ihre Bälle gerne über die
gepflegten Fairways in Graubünden fliegen lassen.
In der Golfanlage Samedan wurden beispielsweise
schon König Charles III., die Lords von Windsor, Mitglieder
des italienischen Adels oder James-Bond-
Darsteller Sean Connery gesichtet. Der Engadine
Golf Club ist für seine internationalen Turniere bekannt,
bei denen professionelle Golferinnen und
Amateure abschlagen. Diese Veranstaltungen ziehen
ausserdem regelmässig prominente Teilnehmende
an, die sowohl die alpine Kulisse als auch die
herausfordernden Plätze schätzen.
Caroline
Kündig-Rominger
Achtfache Schweizermeisterin
im Golf.
36 www.invia.ch/contura
Golfplatz bei Zuoz
Übrigens: Eine der erfahrensten Schweizer Profigolferinnen
ist im Engadine Golf Club gross geworden.
Die 41-jährige Caroline Kündig-Rominger ist in Samedan
aufgewachsen und spielt seit ihrem zwölften
Lebensjahr Golf. Die achtfache Schweizermeisterin
sagt: «Der Engadine Golf ist und bleibt für immer
meine Heimat. Ich habe hier mit meinem Pro Marcos
Moreno gelernt, Golf zu spielen. Ich liebe das Tal,
ich liebe jedes Loch und geniesse es heute immer
noch, in Samedan eine Runde zu spielen.» (sue)
Innovation
37
Fliegen
und fliegen lassen
Von Bienen und anderen Freuden
Ohne die harte Arbeit von Rangierarbeitern wie
Emanuel Wieland geht auf den RhB-Schienen
nichts. Der Bündner Oberländer hat aber auch eine
sanfte Seite: Er ist Bienenfreund.
«Hoi Maitla», sagt Emanuel Wieland und öffnet behutsam
die Tür zu seinem Bienenhaus in Luven, in
der Surselva. Wer durch diese Tür geht, betritt eine
faszinierende Welt. Wieland erkundet sie jeden Tag
ein bisschen mehr. Er hebt die Deckel der Kästen,
schaut nach den Königinnen seiner 15 Völker und
sagt Dinge wie: «Wenn ich Honig ernten kann, ist
das eine Bestätigung, dass ich das Jahr über einen
guten Job gemacht und auf die Völker geachtet
habe. Aber was mich wirklich interessiert, ist nicht
der Honig, sondern das Wesen dieser Tiere.»
Emanuel Wieland
Rangierarbeiter
und Bienenfreund
aus Luven.
Proxima fermada – Honig aus der Surselva
Emanuel Wielands Bienen produzieren vom
Frühling bis in den Herbst hinein verschiedene
Honigsorten. Infos unter 079 432 68 04 und
bit.ly/honigladen
Während immer wieder Bienen über seine Hände
oder sein Gesicht krabbeln, erzählt er begeistert,
wie sich seine Schützlinge an Düften orientieren.
Oder genau wissen, wann der 21. Juni ist. «Dann
ist Sommersonnenwende, und just ab diesem Zeitpunkt
verlangsamt die Königin ihre Eierproduktion.»
Faszinierend sei auch die Kommunikation untereinander:
«Die erfolgt tatsächlich durch Bewegungen,
die man als Mensch mit Tanzschritten umschreiben
würde», erklärt Wieland. Bienen haben im Winter
zudem ein eigenes Heizungssystem. Der Imker,
der sich lieber als Bienenfreund oder Bienenvater
bezeichnet, erzählt von den «Tankwartinnen»: «Sie
versorgen die ‹Heizbienen› mit Futter, das diese
wiederum in Wärme umwandeln. Diese Wärme ist
im Sommer überlebenswichtig für die Brut, im Winter
für das ganze Volk. Bienen handeln und denken
nicht als Individuen, sondern als Gemeinschaft.»
Ohne Fleiss kein Honig
Eine von Wielands
«Maitla»: Honigbiene
Natürliches 39
www.invia.ch/contura
Nummer 86 ist die Bienenkönigin
Natürliches 41
www.invia.ch/contura
Die Augen des Lokführers
Für andere mitdenken und handeln, das tut auch
Emanuel Wieland. Er ist ja nicht hauptberuflich «Bienenvater»,
sondern Rangierarbeiter bei der Rhätischen
Bahn und arbeitet mal in Ilanz, mal in Disentis.
«Die Arbeit ist vielfältig. Manchmal verlade ich mit
einem Kran tonnenschwere Container, dann bin
ich wieder so etwas wie das zweite Augenpaar des
Lokführers», erzählt er. Letzteres ist der Fall, wenn
RhB-Fahrzeuge im Bahnhof verschoben werden.
Dann dirigiert Wieland das Manöver per Funk. «Dabei
ist es wichtig, dass wir uns zu 100 Prozent aufeinander
verlassen können. Sonst können die Folgen
verheerend sein.» Er umschreibt diese Aufgabe
mit einem schönen Gleichnis: «Rangieren ist wie
Schachspielen. Man muss die verschiedenen Züge
und Gleise vorausdenken, damit sie sich nicht in die
Quere kommen.»
Nicht jedermanns Sache
Menschen wie Wieland bekommen die RhB-Fahrgäste
meist nur am Rande mit. Doch ohne sie würden
die Züge den Bahnhof nicht verlassen: Bremsen
lösen, Kupplungen trennen, Wagen rangieren,
Güterzüge zur Abfahrt vorbereiten und technische
Kontrollen gehören zu den unzähligen Aufgaben.
«Ich prüfe und beurteile auch die Wagen auf
ihre Einsatztauglichkeit. Wenn etwas nicht stimmt,
versuche ich dem auf den Grund zu gehen und informiere
den Lokführer oder die Lokführerin», beschreibt
Wieland seine Arbeit weiter.
Er würde es zwar nicht sagen, aber er hat nicht nur
einen verantwortungsvollen, sondern auch einen
körperlich anstrengenden Job. Die Frühschicht beginnt
um 4.45 Uhr, die Spätschicht endet oft gerade
dann, wenn im Schweizer Fernsehen die Infosendung
«10vor10» läuft. Es ist sicher auch nicht
jedermanns Sache, mitten im Winter bei Minusgraden
mit schweren Kupplungen zu hantieren. «Klar,
du frierst manchmal und hast nasse Hände, weil die
mechanischen Teile voller Schnee sind. Aber hey –
ich bin immer draussen und bekomme das Wetter,
die Jahreszeiten und die Natur hautnah mit. Und
das liebe ich an meinem Job.»
Rangieren ist wie Schachspielen.
Man muss die verschiedenen Züge
und Gleise vorausdenken, damit sie
sich nicht in die Quere kommen.
Immer dazulernen
Früher flog der gelernte Mechatroniker und Netzelektriker
noch mit einem Gleitschirm hoch über der
Surselva. Doch dann kam ein Absturz. «Heute lasse
ich fliegen», scherzt er und zeigt auf seine Bienen.
In seinem Kopf und wohl auch in seiner Seele
summen diese Insekten schon lange. Doch erst vor
fünf Jahren fasste er sich ein Herz und fragte seine
Nachbarin, ob er das alte, kurz vor dem Zusammenfallen
stehende Bienenhäuschen haben könne. In
unzähligen Stunden restaurierte er den Holzschopf
und begann mit einem einzigen Volk. Heute gibt es
kaum etwas im Leben der Bienen, das ihm fremd ist.
Mit Emanuel Wieland könnte man tagelang über
seine Leidenschaft reden, und Bieneninteressierte
sind bei ihm immer willkommen. Und gerne gibt
er ihnen einen wichtigen Hinweis mit auf den Weg:
«Bienen sind grundsätzlich nicht aggressiv. Aber sie
verteidigen ihr Daheim. Erst wenn man sie gröber
stört, stechen sie – vielleicht. Doch erst dann, wenn
man die Warnungen – lästiges Herumschwirren und
verstärktes Summen – ignoriert. Bei diesen Anzeichen
bitte nicht herumfuchteln, sondern sich ohne
Hektik zurückziehen.» (fb)
Natürliches
43
Auf die Rätsel,
fertig, los!
Rätselspass für die Kleinen
Labyrinth
Suche den Weg ins Innere
des Labyrinths.
Lösung:
Rebus-Rätsel
Finde den gesuchten Satz, indem du die gezeigten
Buchstaben der dargestellten Bilder passend ersetzt.
Lösung:
Zugfahren macht Spass
d=hr n=m g=sp, n=s
44
www.invia.ch/contura
Buchstabensalat
Im folgenden Buchstabensalat verstecken sich
zehn Wörter zum Thema Sommeraktivitäten.
Die Wörter können von links nach rechts und
von oben nach unten geschrieben sein.
L
E
S
A
C
G
O
W
Y
B
L
A
T
K
I
T
Z
I
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L
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B
S
U
N
X
I
Lösung:
BADEN, GOLFEN, FAULENZEN, VELOFAHREN,
LESEN, WANDERN, GLACE ESSEN, KLETTERN,
SPIELEN, FREUNDE TREFFEN
Menschenskinder
45
46 www.invia.ch/contura
Livigno:
mehr als Shopping
Livigno ist nicht nur zum Einkaufen eine Reise wert
Einsteigen und zurücklehnen: Wer mit dem öV nach
Livigno reisen möchte und in Zernez das PostAuto
besteigt, geniesst während der Fahrt beste Aussichten
auf die alpine Landschaft. Im Nu gelangt man so
ins bekannte Einkaufsparadies.
Bequeme Anreise mit dem öV
Die rund 40-minütige PostAuto-Route führt ab Zernez
entlang des Flusses Spöl durch die beeindruckende
Alpenlandschaft des Ofenpasses. Es gibt schneebedeckte
Gipfel und malerische Täler zu entdecken.
Doch mehrere Kilometer vor der Passhöhe nimmt
das PostAuto einen Abzweiger und folgt dem Munt-
La-Schera-Tunnel, der eine wichtige Verbindung
zwischen der Schweiz und Italien darstellt. Nach
der Tunneldurchfahrt eröffnet sich der Blick auf die
weite Hochebene von Livigno. Die Fahrt geht weiter
über die Staumauer Punt dal Gall und entlang des
Lago di Livigno bis ins Zentrum der Ortschaft. Übrigens:
Livigno ist Teil von invia, der gemeinsamen
Marke des öffentlichen Verkehrs in Graubünden.
Die Initiative erleichtert die Mobilität in der Region
und sorgt für eine bessere Vernetzung der verschiedenen
Verkehrsmittel. Reisende profitieren somit
von abgestimmten Fahrplänen und attraktiven Verbindungen
nach Livigno.
Einkaufen, was das Herz begehrt
Livigno ist als zollfreies Einkaufsparadies bekannt.
Der Ortskern gilt grundsätzlich als Fussgängerzone,
die An- und Abreise mit dem Auto zu dort gelegenen
Hotels ist aber erlaubt. Das Zentrum des
Shoppingvergnügens ist die Hauptstrasse Via Plan,
wo zahlreiche Boutiquen und Läden zum Stöbern
einladen. Es gibt eine Vielzahl an Geschäften, darunter
renommierte Markenboutiquen, Sport- und
Outdoorläden, Parfümerien, Elektronikgeschäfte sowie
Uhren- und Schmuckboutiquen. Die Gemeinde
Livigno erhebt geringfügige eigene Abgaben auf die
ansonsten zollfreien Produkte, eine Mehrwertsteuer
wird allerdings nicht erhoben.
Mehr als Shopping: Kultur und Sport
Sind die Einkaufstaschen erst einmal gefüllt, hat
Livigno aber auch kulturell etwas zu bieten. Die Kirche
San Rocco aus dem 16. Jahrhundert ist ein historisches
Highlight, das mit seiner traditionellen
Architektur beeindruckt. Auch die Chiesa di Santa
Maria, die sich im Zentrum befindet, ist einen Besuch
wert. Wer sich für die Geschichte des Ortes interessiert,
sollte einen Abstecher ins MUS! Museo
di Livigno e Trepalle unternehmen: Im alten Wohnhaus
aus dem 18. Jahrhundert erzählt ethnografisches
Material von der bäuerlichen Vergangenheit,
den Sitten und Gebräuchen dieser Gegend. Im Winter
ist Livigno ein beliebter Wintersportort: 33 Liftanlagen,
die 115 Kilometer Piste erschliessen, sowie
40 Kilometer Langlaufloipen stehen zur Verfügung.
Im Sommer bietet Livigno attraktive Mountainbikeund
Wandermöglichkeiten. (sue)
Auf dem Radar 2
47
Starkes
Wasser
Auf den Spuren der Mineralquellen des Unterengadins
Mutter Erde hat vor Jahrmillionen das Unterengadiner
Fenster geschaffen. Aus diesem Fenster fliesst
heute Wasser mit vielen Geschmäckern und Mineralisierungsgraden.
Auf Spurensuche mit der Wasser-Sommelière
Sabina Streiter.
Wasser in der Schweiz? Klar, sauber, farblos und geschmacklich
kaum zu unterscheiden. Doch im Unterengadin,
vor allem in den Dörfern rund um Scuol,
ist alles ein bisschen anders. Natürlich fliesst auch
hier klares, sauberes Wasser aus dem Hahn. Doch
vor rund 65 Millionen Jahren müssen es die Wassergöttinnen
– ja, die gab es damals bestimmt noch –
mit dem Unterengadin besonders gut gemeint haben.
Sie beschenkten das Hochtal mit schier unzähligen
Quellen, aus denen das kostbare Nass fliesst,
quillt, sprudelt oder tropft. Und obendrein versetzten
sie das Wasser je nach Quelle mit kleinen und
grossen Mengen unterschiedlichster Mineralien.
Das Unterengadiner Fenster
Das ist die märchenhafte Version, wie die Gegend
ein paar Millionen Jahre später zur Kur-, Bäder- und
schliesslich zur Wellness-Destination wurde. Die
wissenschaftliche Erklärung beginnt ebenfalls in der
Urzeit und lautet – sehr vereinfacht – so: Während
der Alpenfaltung wurden rund um das Unterengadin
extrem mineralhaltige Gesteinsschichten aus dem
Erdinneren an die Oberfläche gedrückt. Dabei entstand
das sogenannte Unterengadiner Fenster mit
all seinen Quellen.
Wenn jemand diese Quellen kennt, dann ist es
Sabina Streiter. Sie ist Kinesiologin, Komplementärtherapeutin,
Dozentin für Qi Gong, Wasser-Sommelière
und ein wandelndes Lexikon zum Thema Mineralwasserquellen.
«Seit 2018 gibt sie ihr Wissen
über Mineralwasser im Unterengadin auf Führungen
und Veranstaltungen weiter. Dabei geht es – klar –
ums Mineralwasser, um die Quellen und Brunnen,
aber auch um die Geschichte und die Geschichten
des Unterengadins, die Anfänge des Bädertourismus
und die Menschen, die sich von den Mineralquellen
Heilung oder Linderung versprachen.
Entwicklungsschritt
«Erst als Mitte des 19. Jahrhunderts die Mineralquellen
erschlossen wurden und der Bädertourismus
in Schwung kam, kamen auch Strom, fliessendes
Wasser und Licht ins Tal», weiss Streiter. «Eine
Ziegelei lieferte Baumaterial für das erste Hotel, das
Kurhaus Tarasp, Verkehrsverbindungen nach Italien,
Österreich und den Rest der Schweiz wurden ausgebaut,
um den Gästen die Anreise zu erleichtern.»
Unter diesen Gästen befanden sich illustre Zeitgenossinnen
wie Königin Wilhelmine von Holland, der
Schriftsteller Friedrich Dürrenmatt, der hier seinen
Roman Durcheinandertal mit Bezug zu den Mineralquellen
schrieb, und sogar ein indischer Maharadscha,
der das Hochtal besuchte.
48 www.invia.ch/contura
Mineralwasser – frisch gezapft
Aus dem Osten
49
Degustationen
In ihren Wassersprechstunden gehe sie besonders
auf die gesundheitlichen Aspekte ein, so Streiter.
«Die wenigsten Menschen kennen den Unterschied
zwischen Trinkwasser, das aus ihren Wasserhähnen
fliesst, und natürlichem Mineralwasser.
Ich sehe oft staunende Gesichter, wenn ich erkläre,
dass unser Körper ohne Mineralien gar nicht
funktionieren könnte.»
Ich sehe oft staunende Gesichter,
wenn ich erkläre,
dass unser Körper ohne Mineralien
gar nicht funktionieren könnte.
Die von Gastrosuisse zertifizierte Wasser-Sommelière
bietet auch Degustationen mit verschiedenen
Wässern an. Dabei geht es ums Schmecken, Riechen,
Fühlen, Kosten und um Food-Pairing. Mineralien
prägen den Geschmack eines Wassers, seine
Textur und seinen Ausklang. Nicht jedes Wasser
passt zu jeder Speise. Je nach Wasser schmeckt
beispielsweise Käse mehr oder weniger intensiv. Mineralwasser
kann Aromen heben oder blockieren.
Mineralwasser nach Südafrika
Die Orte Scuol, Tarasp und Vulpera waren um 1900
weltbekannte Badekurorte. In der jüngeren Vergangenheit
gerieten die Mineralquellen und das Wissen
darüberetwas in Vergessenheit. Doch das ändert
sich offenbar, so Streiter. «Als ich mit den Führungen
begann, hatte ich gerade mal 20 Teilnehmende.
Doch mittlerweile ist der Wasser- und Wissensdurst
gewachsen.» Immer mehr Menschen möchten
wissen, was es mit dem Mineralwasser auf sich hat.
Manche machen sogar einen Umweg auf ihrer Fahrt
in den Süden, um die Mineralquellen zu besuchen.
Ein Gästepaar aus Südafrika ist Streiter bis heute in
Erinnerung geblieben: «Sie füllten sich zahlreiche
Flaschen ab und nahmen das Mineralwasser mit
nach Hause.» (fb)
Sabina Streiter
Kinesiologin, Komplementärtherapeutin,
Dozentin für Qi Gong, Wasser-Sommelière.
→ www.xinli-training.ch
Proxima fermada –
Eintauchen in die Wasserwelten
Es gibt ganz unterschiedliche
Angebote zu den Unterengadiner
Wasserwelten. Sie können alleine
oder mit Führungen erlebt werden.
Infos und Angaben:
→ www.engadin.com/de/
mineralwassererlebnisse
Gesund und geschmackvoll: Mineralwasser
Aus dem Osten
51
52 www.invia.ch/contura
Bouldern
ist ihr Leben
Marilu Sommer klettert ohne Seil die Wände hoch
Marilu Sommer hat schon als Kleinkind magnesiumgeschwängerte
Luft geschnuppert. Heute gehört
die Churerin zur Boulder-Elite der Schweiz. Ein Leben
ohne Klettern am Felsen und in der Halle ist für
sie unvorstellbar.
Aus der Distanz sieht es aus wie Ballett, wie Tanzen
am Felsen. Scheinbar schwerelos bewegt sich
eine feingliedrige Frau mit fliessenden Bewegungen
an einem Boulder, einem Felsbrocken, in die Höhe.
Ihre Finger tasten sich vorwärts, suchen die nächste
Vertiefung, die nächste Ritze, während die Zehen
Halt auf einem kaum sichtbaren Vorsprung finden.
Für einen Moment verschmilzt ihr Körper mit der
Felsplatte, dann geht es mit einer geschmeidigen
Bewegung weiter nach oben.
«Das muss Marilu sein», sagt jemand im Magic
Wood, einem der angesagtesten Bouldergebiete
der Welt im bündnerischen Val Ferrera. Und so ist
es. Marilu Sommer ist 19 Jahre alt und nach eigenem
Bekunden mit Magnesium an den Händen
zur Welt gekommen. Magnesium? Das ist das Pulver,
das den Händen beim Klettern mehr Halt verleiht.
«Mein Vater hat mich schon als Baby mit in die
Boulderhalle genommen. Seither ist das Klettern
ohne Seil an bis zu etwa zehn Meter hohen Steinwänden
oder in der Boulderhalle mein Leben», sagt
die blonde Frau, die wie ihre vier Geschwister zur
europäischen Elite zählt. Im Moment hat sie von der
Nationalmannschaft ein Time-out genommen, weil
sie sich auf die Matura vorbereitet. «Die intensiven
Trainings und das Lernen hatten nebeneinander keinen
Platz. Wettkämpfe bestreite ich aber weiterhin.»
Marilu Sommer
Die 19-Jährige
gehört zur Boulder-Elite
der Schweiz.
Aus dem Dornröschenschlaf erwacht
Im Magic Wood erwacht gerade ein neuer Tag. Die
Sonne stemmt sich über die Berge und schickt die
ersten Strahlen an diesen Ort, den bis vor rund 30
Jahren höchstens ein paar verirrte Wanderer oder
Jägerinnen kannten. Früher hiess die Stelle an der
schmalen Strasse zwischen Andeer und Juf «Paré
da miezgi» – das heisst in etwa Mittagswand. Und
hätten sich nicht vor ungefähr 30 Jahren ein paar
Boulderer eher zufällig in dieses ehemalige Bergsturzgebiet
verirrt, wäre der Ort wohl auch für die
nächsten Jahrtausende im Dornröschenschlaf verblieben.
Nun aber sind selbst mitten im Winter oft
ein paar Unerschrockene daran, die Felsen zu bezwingen.
Wobei – bezwingen tut man einen Feind. Die
Aus dem Westen
53
Gefragt ist Taktik, Kraft
und Ausdauer
54
www.invia.ch/contura
Boulder, also die Felsbrocken, die hier am Ufer des
Rheins liegen, werden hier friedlich eingenommen.
Training in der Halle
Der Weg in einen der Boulderparks in freier Natur
führt in aller Regel über eine Boulderhalle. Für Marilu
Sommer, die schon mit 15 Schweizermeisterin
in der Disziplin Speed und mehrmals Vize-Meisterin
war, heisst diese Halle Quadrel und steht in
Domat/Ems. Anfänger starten hier ihre ersten Versuche
an den etwa vier Meter hohen Kletterwänden.
«Das kann jetzt ja nicht so schwierig sein, sich da
hochzuhangeln», denken sich wohl so manche insgeheim.
Schliesslich hangeln sich schon Kinder neben
einem die Wand hoch. Doch neben den ersten Kletterkenntnissen
eignet man sich als Erwachsener fast
zwangsläufig noch etwas anderes an: Demut. Denn
am folgenden Tag tun einem Muskeln weh, von deren
Vorhandensein man nicht die geringste Ahnung
hatte. Eine weitere Erkenntnis: Routenplanung und
Technik siegen über Kraft. Marilu Sommer ist der
beste Beweis dafür. «Es ist schon so. Wer wie ich fast
schneller klettern als laufen lernte, hat es einfacher.»
«Du gehörst dazu»
Im Quadrel bewegen, klettern, lachen, diskutieren
und trainieren Menschen vom Kleinkind bis zum
Senior. «Für mich gehört Bouldern zum Leben wie
das Atmen», sagt die junge Churerin. Das habe
nicht nur mit dem Klettern zu tun, es gehe weit über
den Sport hinaus. Wie alt man auch sei, man gehöre
zur Community. «Wir helfen uns gegenseitig,
zeigen den anderen unsere Moves oder den besten
Einstieg in eine Route. Wer scheitert, auf dem
wird nicht mental herumgetrampelt. Die Hilfsbereitschaft
ist sprichwörtlich.» Für Marilu und wohl die
allermeisten Boulderer ist dieses Zusammengehörigkeitsgefühl
genauso wichtig wie der Sport selbst.
Man ist ganz selbstverständlich per Du. An manchen
Tagen geht es in der Quadrel zu und her wie
bei einem Familientreffen. Die Sommerabend-Trainings
enden oft spontan beim gemeinsamen Essen
und einem Bier, auf das Marilu als Spitzensportlerin
jeweils verzichtet. Gewöhnungsbedürftig für Anfänger
ist vielleicht die Boulder-Sprache, ein Gemisch
aus Englisch und Französisch. Das rührt daher, dass
Bouldern in den Sandsteinfelsen von Fontainebleau
in Zentralfrankreich von britischen Kletterern «erfunden»
wurde.
Vor allem aber sollte man
niemandem etwas beweisen wollen,
sondern auf den eigenen
Körper hören.
Eine Sportart für alle
Für wen eignet sich Bouldern? «Für alle, wirklich
alle», sagt Marilu. «In den meisten Boulderhallen
gibt es auf engstem Raum Kletterprobleme in
den unterschiedlichsten Schwierigkeitsgraden und
meistens noch einen abgetrennten Teil für kleinere
Kinder. Wer sich nicht traut, bucht vielleicht einen
Einführungskurs. Oder holt sich Rat in der Community.»
Und Bouldern hat viele positive Effekte. Es
fordert und fördert nicht nur körperliche und geistige
Fähigkeiten. Es tut offenbar auch der Seele gut:
Es stärkt Selbstwert und Selbstvertrauen sowie den
Umgang mit Ängsten und Misserfolgen.
Einen Rat gibt die erfolgreiche Sportlerin, die Medizinerin
werden möchte, Anfängerinnen und Anfängern
mit auf den Weg: «Etwas vom Wichtigsten
ist das Warm-up. Und wer zwischen einzelnen
Routen ausruht, seinen Bändern und Muskeln eine
Pause gönnt, macht sicher nichts falsch. Vor allem
aber sollte man niemandem etwas beweisen wollen,
sondern auf den eigenen Körper hören.» Dann klettert
– nein, tanzt – sie davon. Ganz bei sich selbst,
ganz im Flow. Wahrscheinlich könnte jetzt die Welt
untergehen, sie würde es nicht merken. (fb)
Aus dem Westen
55
Florida ist nicht
Graubünden
Fensterplatz
Sie sitzen gerade im Zug der RhB von Thusis
nach Landquart. Wohin geht die Fahrt?
Nicht weit, nur nach Untervaz, ich will dort
jemanden besuchen.
Das ist tatsächlich nur ein Katzensprung.
Wohin ging denn Ihre weiteste Reise?
Die habe ich nicht mit dem öffentlichen Verkehr
(öV) gemacht. Sie führte von meinem früheren
Wohnort in Florida USA nach Chur.
Wie würden Sie den öV im Sunshine-State
mit Graubünden vergleichen?
Das geht fast nicht. In Florida sind öffentliche Verkehrsangebote
quasi nicht existent. Es gibt zwar
schon die Greyhounds, diese Überlandbusse.
Aber die sind in punkto Sauberkeit oder Fahrplanangebot
in keiner Weise vergleichbar mit dem
hiesigen Postauto- oder Busangebot.
Das heisst, Sie benutzen nicht nur
die RhB, sondern benutzen auch den Bus
oder das PostAuto?
Ja, ich fahre damit mehrmals pro Woche zur Arbeit
bei der Bündner Kantonalbank (GKB) in Chur.
Und immer, wenn ich mal in der Stadt im Ausgang
war. Dann sind Busse perfekt.
Wie meinen Sie das?
Ganz einfach: Wenn ich nachts unterwegs bin,
fühle ich mich im Bus und überhaupt im öV sicher.
Mir ist noch nie irgendwas passiert. Und wenn,
würde mir garantiert der Chauffeur oder die Zugbegleitung
zu Hilfe kommen. (fb)
Lara Steinlin
wohnt seit 2019 im Churer Rheintal.
Sie macht eine Ausbildung zur
Mediamatikerin.
56
Aussteigen,
bitte
Ihre nächsten Anschlüsse
Impressum
© Copyright / Herausgeberin
graubünden invia
Bahnhofstrasse 25, CH-7001 Chur
Technische Daten graubünden invia
Konzept / Organisation / Koordination
Rhätische Bahn AG
Konzept / Text Panta Rhei PR AG
(Anina Rether rea, Erika Suter sue, Franz Bamert fb)
Grafik Süsskind SGD
Fotos
Yanik Bürkli : Umschlag
Barak Shrama: S. 1
Nicola Pitaro: S. 2 / 3, 8 – 10, 38 – 42, 52 – 54, 56
Graubünden Ferien, Marco Hartmann: S. 4 – 7
Meinrad Schade: S. 12 – 16
Christian Engelmair: S. 26 / 27
Demateo AG: S. 28 / 29, 32 / 33
Graubünden Ferien, Thalia Wünsche: S. 30
AdobeStock: S. 31
Golf Engadin St. Moritz AG: S. 34 – 37
Georg Aliesch: S. 46
Dominik Täuber: S. 51
Falls nicht speziell erwähnt, von invia
und Partnern zur Verfügung gestellt
Ausgabe Nr. 18 Frühling / Sommer 2025
Gedruckt in der Schweiz
graubünden invia
Bahnhofstrasse 25
CH-7001 Chur
Tel +41 81 288 43 44
info@gr-invia.ch
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Carschinahütte
Foto: Graubünden Ferien, Marco Hartmann
Partnunsee
Foto: Graubünden Ferien, Marco Hartmann