Rudolf Levy. Magier der Farbe
ISBN 978-3-422-80166-0
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Gruppenbild der Mitglieder des Pariser Ateliers Henri Matisse (Académie Matisse), 1909.
Im Zentrum dieser berühmten Fotografie sitzt Meister Matisse auf einem Hocker.
Links daneben steht Rudolf Levy mit Nadelstreifenanzug und Krawatte. In der hintersten
Reihe (3. v. l.) sieht man Hans Purrmann.
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Rudolf Levy auf dem Höhepunkt seiner künstlerischen Laufbahn:
Gruppenfoto zu seinem 50. Geburtstag am 15. Juli 1925 in der Düsseldorfer
Galerie Flechtheim. Rudolf Levy (hintere Reihe, Mitte)
wurde mit einem Pfeil markiert, links neben ihm steht der
Galerist Alfred Flechtheim.
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Paris, das
Café
du Dôme
und die
Académie
Matisse
Der Kunsthändler Wilhelm Uhde und die Künstler Walter Bondy, Rudolf Levy und Jules Pascin (v. l. n. r.)
im Café du Dôme, Paris, um 1906, unbekannter Fotograf, München, Hans Purrmann Archiv
Werke der Jahre
1904 – 1914
KAT 6
DIE MAIRIE VON MEULAN, 1909
Öl auf Leinwand, 49,5 × 60,8 cm
PRIVATSAMMLUNG WVZ-NR. 15
KAT 7
BLICK AUF DIE KIRCHE ST. GERVAIS-ST. PROTAIS, 1909
Öl auf Leinwand, 50 × 61 cm
PRIVATSAMMLUNG WVZ-NR. 16
51
KAT 11
BLUMENSTRAUSS IN KERAMIKKRUG, 1910
Öl auf Karton, 54 × 36 cm
SALZBURG, MUSEUM KUNST DER VERLORENEN GENERATION, INV.-NR. 2016-0103 WVZ-NR. 297
59
KAT 12
LIEGENDER AKT VOR STILLLEBEN, 1910
Öl auf Leinwand, 97 × 130 cm
SALZBURG, MUSEUM KUNST DER VERLORENEN GENERATION, INV.-NR. 2016-0104 WVZ-NR. 301
KAT 13
WEIBLICHER AKT AUF EINEM TISCH, 1911
Mischtechnik auf Leinwand, 65 × 54 cm
MAINZ, GDKE, LANDESMUSEUM MAINZ, INV.-NR. 86/32 WVZ-NR. 272
61
KAT 17
LʼESTAQUE II, 1914
Öl auf Leinwand, 60 × 73 cm
STAATSGALERIE STUTTGART, INV.-NR. DKM 499 WVZ-NR. 37
KAT 18
HÄUSER AM FELSEN, 1914
Öl auf Leinwand, 60 × 72,5 cm
BERNRIED AM STARNBERGER SEE, BUCHHEIM MUSEUM DER PHANTASIE, INV.-NR. 0.00073 WVZ-NR. 33
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Berlin und
die Weimarer
Republik:
Rudolf Levy
im Netzwerk
der Moderne
Ein Künstlerfest im Berlin des Jahres 1928: Rudolf Levy (vorderste Reihe, mittig sitzend) zusammen mit Max Pechstein,
Karl Hofer, Renée Sintenis, Georg Grosz, Ottomar Starke, Fritz Heß und anderen verkleideten Künstlerinnen und
Künstlern, Ausschnitt, erstmals abgedruckt in Der Querschnitt, 1928, Jahrgang 8, Heft 2, o. S., Repro: Universitätsbibliothek
der Humboldt-Universität Berlin
Werke der Jahre
1918 – 1933
KAT 23
WEIBLICHER RÜCKENAKT AM FENSTER, 1921
Öl auf Leinwand, 90,5 × 71 cm
KÖLN, MUSEUM LUDWIG, INV.-NR. ML 76/3140 WVZ-NR. 58
KAT 24
STILLLEBEN MIT FRÜCHTEN, 1921
Mischtechnik auf Leinwand, 78 × 58 cm
MAINZ, GDKE, LANDESMUSEUM MAINZ, INV.-NR. 84/4 WVZ-NR. 277
115
KAT 31
STRASSE BEI SANARY, 1925
Öl auf Leinwand, 53,8 × 64,7 cm
REGENSBURG, KUNSTFORUM OSTDEUTSCHE GALERIE, INV.-NR. 898 WVZ-NR. 100
125
KAT 33
KNABE MIT MASKE, 1927
Öl auf Leinwand, 73 × 59,5 cm
MUSEUM PFALZGALERIE KAISERSLAUTERN, INV.-NR. PFG 63/6 WVZ-NR. 113
129
KAT 35
PARKWEG AM SEE, 1930
Öl auf Pappe, 72 × 92 cm
MUSEUM PFALZGALERIE KAISERSLAUTERN, INV.-NR. PFG 62/3 WVZ-NR. 143
133
KAT 41
BILDNIS EINES JUNGEN MANNES, 1932
Öl auf Leinwand, 89,4 × 67,7 cm
PRIVATSAMMLUNG WVZ-NR. 168
KAT 42
KNABENBILDNIS, 1932
Öl auf Leinwand, 70 × 49 cm
MUSEUM PFALZGALERIE KAISERSLAUTERN, INV.-NR. PFG. 61/2 WVZ-NR. 169
143
Flucht,
Florenz
und die
Zeit
des Exils
Florenz im Jahr 1942: Blick auf die Domkuppel nach Südwesten, Ausschnitt,
Foto: Harald Busch, Bildarchiv Foto Marburg
Werke der Jahre
1933 – 1943
KAT 44
BLICK AUF DIE BUCHT VON RAPALLO, 1933
Öl auf Leinwand, 73,5 × 92 cm
PRIVATSAMMLUNG WVZ-NR. 171
203
KAT 77
STILLLEBEN MIT GELBER TASSE, 1943
Öl auf Leinwand, 65,3 × 81 cm
PRIVATSAMMLUNG WVZ-NR. 259
257
Genia Levy und
Heinz Battke
Strategien der
Re-Kanonisierung von
Rudolf Levy nach
1945 in Westdeutschland
Sören Fischer
ABB. 1: Raumaufnahme der Wanderausstellung für Rudolf Levy, Städtische Galerie Lenbachhaus, München, 1954 Archiv der Städtischen Galerie
Links neben der Tür hängt Levys letztes Selbstbildnis von 1943, das 1954 vom Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern erworben wurde.
I. Erste Schritte zur Gedächtnisausstellung
Durch die Machtübernahme der Nationalsozialisten im Jahr 1933
endete für Rudolf Levy eine mehr als 30-jährige Karriere. 1
Vielfach waren seine Werke bis dahin auf Ausstellungen in Paris
und in Deutschland ausgestellt worden, renommierte Museen
besaßen seine Gemälde. In den ersten drei Jahrzehnten des
20. Jahrhunderts war Levy fest im Kanon der zeitgenössischen
Kunst etabliert, auch wenn seine Bilder, wie sein Künstlerfreund
Friedrich Ahlers-Hestermann 1955 rückblickend schrieb, „in ihrer
noblen künstlerischen Haltung niemals irgendwie ‚sensationell‘
gewesen“ 2 sind.
Levy emigrierte 1933 und ließ alles zurück — auch seine
Frau Eugenie (Genia) Levy (1894–1953), die, weil sie keine Jüdin
war, nicht im Fadenkreuz der Rassenideologie stand. 1936 ließ
sich das Paar einvernehmlich scheiden — vermutlich auch, um
Genia im Deutschen Reich vor beruflichen Benachteiligungen
und Diffamierungen zu schützen; ein Schicksal, das infolge der
antisemitischen Nürnberger Rassengesetze viele der sogenannten
Mischehen traf. 3 Genia, die seit den 1920er-Jahren neben der
Schauspielerei hauptsächlich als Fotografin tätig war, vermählte
sich am 25. August 1937 in zweiter Ehe mit Heinrich Koppold
(1896–1961), einem früheren Bekannten Rudolf Levys. 4
Eine der fundamentalsten Erschütterungen musste Levy
mit der Entfernung seiner Werke aus den öffentlichen Sammlungen
ertragen. 5 Sie wurden Opfer der nationalsozialistischen
Aktion „Entartete Kunst“, die zu einem Verlust von vielen
Tausenden Kunstwerken in deutschen Museen führte. Für die
Wiedereinführung von Levy in den Kunstbetrieb nach 1945
stellte sich dieser Verlust als größtes Hindernis dar.
Ausgehend von Genia Levy begannen daher nach 1945
intensive Bemühungen, die darauf abzielten, das Werk von
Rudolf Levy nach seiner Ermordung durch die Nationalsozialisten
wieder in den Kanon der Gegenwartskunst einzuführen. Auf
Basis umfangreicher Archivrecherchen kann der vorliegende
Aufsatz erstmals skizzieren, wie die Bilder von Rudolf Levy nach
dem Krieg erneut ihr Publikum fanden. Wie aber gelang es, einen
ehemals als „entartet“ verfemten und im Holocaust getöteten
jüdischen Künstler wieder in der öffentlichen Wahrnehmung
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