ANDERMATTER Sommer 2025
Wir freuen uns, Ihnen die neueste Ausgabe des Andermatter zu präsentieren, dem Alpenmagazin, das Andermatt, Sedrun und Disentis mit der Welt verbindet. Unsere Sommerausgabe 2025 ist eine lebendige Hommage an die Saison – voller Farbe, Geschmack und Abenteuer. Zwei Jahrzehnte nach ihrem Beginn blickt unser Verwaltungsratspräsident Samih Sawiris in dieser Ausgabe auf Andermatts bemerkenswerte Entwicklung zurück. Wir schlagen mit einem lokalen Golfchampion ab, erobern die Gravelbike-Trails der Region und reisen an Bord einer der höchstgelegenen Dampfbahnen Europas in die Vergangenheit. Neben diesen Highlights entdecken Sie die neuesten kulturellen Ereignisse – von einem dynamischen Programm an Musikfestivals und Konzerten bis hin zu einer stetig wachsenden kulinarischen Szene, in der lokale Traditionen auf Michelin-Sterne-Kulinarik treffen.
Wir freuen uns, Ihnen die neueste Ausgabe des Andermatter zu präsentieren, dem Alpenmagazin, das Andermatt, Sedrun und Disentis mit der Welt verbindet.
Unsere Sommerausgabe 2025 ist eine lebendige Hommage an die Saison – voller Farbe, Geschmack und Abenteuer. Zwei Jahrzehnte nach ihrem Beginn blickt unser Verwaltungsratspräsident Samih Sawiris in dieser Ausgabe auf Andermatts bemerkenswerte Entwicklung zurück. Wir schlagen mit einem lokalen Golfchampion ab, erobern die Gravelbike-Trails der Region und reisen an Bord einer der höchstgelegenen Dampfbahnen Europas in die Vergangenheit. Neben diesen Highlights entdecken Sie die neuesten kulturellen Ereignisse – von einem dynamischen Programm an Musikfestivals und Konzerten bis hin zu einer stetig wachsenden kulinarischen Szene, in der lokale Traditionen auf Michelin-Sterne-Kulinarik treffen.
Verwandeln Sie Ihre PDFs in ePaper und steigern Sie Ihre Umsätze!
Nutzen Sie SEO-optimierte ePaper, starke Backlinks und multimediale Inhalte, um Ihre Produkte professionell zu präsentieren und Ihre Reichweite signifikant zu maximieren.
Andermatter
Alpine Journal
Andermatt, Sedrun, Disentis
UP HERE, THE WIND
DECIDES INTO
WHICH SEA EACH
RAINDROP WILL FLOW
WUSSTES DU, DASS HIER
OBEN DER WIND ENTSCHEIDET,
IN WELCHES MEER EIN
REGENTROPFEN FLIESST
Summer 2025
Stay cool with fresh flavors
and summer-inspired cuisine,
just around the corner
Nestled in Andermatt Reuss
on Piazza Gottardo – your go-to place
for summer flavors and good company.
Furkagasse 1 I 6490 Andermatt I info@biselli.ch I 058 200 69 05 I biselli.ch
Der Schweiz verpflichtet
Eine Bank wie die Schweiz
Book Your Table
Andermatter
Nun ist es endlich wieder wärmer draussen, grüne Wiesen
bahnen sich ihren Weg durch die Felsen, Frühlingsblumen
blühen, morgens riecht es nach frischem Tau und hie
und da nach Kräutern. Die Sonne scheint früh in diese raue
Bergwelt hinein, die Natur ist erwacht. Andermatt in der
Sommerzeit ist ein Paradies für alle, die gern draussen sind,
biken, wandern, golfen, Pässe fahren. Und natürlich lässt
es sich dann, wenn es heiss wird, auch herrlich baden in der
Region. Der Lag da Claus in Sedrun-Surrein, der Naturbadesee
Fontanivas oder der Lai Catrina bei Caischavedra
– Ausflugsziele in alle Richtungen, schnell ein Sprung ins
kühle Nass.
Direkt neben Andermatt entspringen im Gotthardmassiv
der Rhein, die Reuss, der Ticino und die Rhone,
und dort oben, auf einer Steinplatte beim Witenwasser enstock,
hängt es nur vom Wind ab, in welches Meer ein Regentropfen
schliesslich fliesst. Tropfen für Tropfen – rund
1’400 Millimeter Regen und Schnee fallen jährlich in der
Schweiz, ein guter Teil davon landet irgendwann im Meer.
Für diejenigen aber, die im Sommer hierherkommen,
wartet überall etwas zum Entdecken. Auch wir, die vor dem
IGNIV im Herzen der neu eröffneten Furkapass-Ladenstrasse
sitzen und unseren Apéro geniessen, sind glücklich
vom Wandern und Staunen und doch nicht müde genug,
um all die Kultur um uns herum, das hervorragende Essen,
die abwechslungsreichen Konzerte und Festivals zu
verpassen.
Tauchen Sie also bitte ein in dieses Magazin, nehmen
Sie sich die Zeit, lesen und hören und sehen Sie sich alles
ganz in Ruhe an. Gehen Sie dann aber noch viel besser
einfach raus, erleben Sie selbst, was es in Andermatt alles
gibt, lassen Sie sich treiben mit dem Wind – Sie werden
bestimmt gut ankommen.
Summer 2025
It’s getting warmer outside at last. Green pastures are cutting
a swathe through the rocks and spring flowers are blooming.
The mornings are laced with the scent of fresh dew and
the occasional fragrant herb and the sun rises early over
this rugged alpine landscape, bringing nature to life. Andermatt
in summer is a paradise for everyone who loves the
outdoors, whether that’s cycling, hiking, golfing or driving
up the stunning mountain passes. And when temperatures
rise, it’s also a perfect spot to cool off. Jump into the Lag
da Claus in Sedrun-Surrein, the bathing lake in Fontanivas
or the idyllic Lai Catrina near Caischavedra – there are so
many options for a refreshing dip lying in store.
Not far from Andermatt in the Gotthard Massif, you can
visit the sources of the Rhine, Reuss, Ticino and Rhone
up on a rocky ledge near the Witenwasserenstock peak. And,
depending on which way the wind is blowing, raindrops
that land here end up in three different seas. Each year,
around 1,400 millimetres of rain and snow fall in Switzerland,
most of which eventually reaches the sea.
For visitors to Andermatt in summer, there are endless
discoveries to be made. Today, as we sit outside IGNIV in
the heart of Furkagasse, the newly opened shopping street,
enjoying our summer drinks, we too are exhilarated by all
the hikes and stunning views. But we’re not too tired to fail
to appreciate all the culture that surrounds us - the outstanding
cuisine and eclectic mix of concerts and festivals.
Immerse yourselves in this magazine; read, listen and
browse everything at your leisure. Or simply step outdoors
and experience for yourselves what Andermatt has to offer.
Let the wind carry you...and you’ll be sure to arrive in the
right place.
© UBS 2025. Alle Rechte vorbehalten.
ubs.com/wie-die-schweiz
EXPLORE
6 – 7
Andermatt im
Wandel
Die Gotthardstrasse ist seit je ein beliebter
Treffpunkt für Einheimische und Gäste – erbaut
im Anschluss an die erste Fahrstrasse, die Nord
und Süd, Uri und Tessin, Andermatt und Airolo
verbindet.
Andermatt in
transition
Gotthardstrasse has always been a popular
place for locals and visitors to meet and mingle.
It was built shortly after the first transport
route that connects north and south, Uri and
Ticino, Andermatt and Airolo.
38 – 45
Wo das Meer beginnt
Andermatt, inmitten des Wasserschlosses
Europas: dort, wo Rhein, Reuss, Ticino
und Rhone entspringen – und wo anstelle einer
Tourismusdestination fast ein Stausee
entstanden wäre.
Where the sea begins
Andermatt, at the centre of Europe’s water
tower, where the Rhine, Reuss, Ticino and
Rhone have their sources – and where a
reservoir was almost built instead of a tourist
destination.
CONTENTS
64 – 71
Mit Volldampf
durch die Alpen
Eine kleine Märchenreise zwischen Realp und
Oberwald – und ein beeindruckendes Stück
Schweizer Geschichte, auf einer der höchsten
Dampfbahnstrecken Europas.
Full steam ahead
through the Alps
A fairytale trip between Realp and Oberwald –
and a remarkable piece of Swiss history –
on one of the highest steam railways in Europe.
OUTDOORS
12 – 17
Pure Alpine Golf –
eine Partie mit der
Urner Meisterin
Dominique Tresch
Frank Baumann lädt zu einer Partie Golf mit
Dominique Tresch auf dem Andermatt Golf
Course: auf 1’444 m ü. M., zwischen Bergen,
Bächen und Felsformationen.
Pure Alpine Golf –
a game with Uri champion
Dominique Tresch
Frank Baumann joins Dominique Tresch for a
round of golf on Andermatt Golf Course at
1,444 metres amidst mountains, streams and
rock formations.
30 – 37
Über dem längsten
Eisenbahntunnel der Welt
Statt mit dem Auto im Stau zu stehen oder aus
dem Zug hinaus alle Aussicht zu verpassen,
gehen wir zu Fuss über den längsten Eisenbahntunnel
der Welt.
Above the longest railway
tunnel in the world
Instead of being stuck in traffic, or missing the
view in the train tunnel, we hike along the
route of the longest railway tunnel in the world.
54 – 59
Flotter auf Schotter
mit Max Küng
Max Küng nimmt uns mit auf dem Gravel-Bike:
von Andermatt auf die Vermigelhütte und
zurück.
Crushing the gravel trails
with Max Küng
Max Küng takes us on his gravel bike from
Andermatt to the Vermigel Hut and back again.
60 – 63
Ein perfektes Zuhause,
wenn die Natur blüht –
Albert-Heim-Hütte
Chanel Kah Yin Liang hat die Albert-Heim-Hütte
am Fuss des Tiefengletschers beim Furkapass
besucht: atemberaubende Wanderungen,
lange Sonnenaufgänge und Gourmet-Menüs.
The perfect overnight stay
to see nature come alive –
Albert Heim Hut
Chanel Kah Yin Liang stayed at the Albert
Heim Hut at the foot of the Tiefen Glacier near
the Furka Pass: breathtaking hikes,
drawn-out sunrises and gourmet menus.
MEET
25 – 29
Samih Sawiris blickt
zurück auf seine 20 Jahre
in Andermatt
Unternehmer Samih Sawiris zieht exakt
20 Jahre nach seinem legendären ersten
Hubschrauberflug über Andermatt Bilanz –
exklusiv im Interview.
Samih Sawiris recalls his
20 years in Andermatt
Exactly twenty years after his legendary first
helicopter flight over Andermatt, entrepreneur
Samih Sawiris takes a look back, here in
our exclusive interview.
46 – 49
Mit der Lernenden Melissa
Gisler im Radisson Blu
Hotel Reussen
Die Urnerin Melissa Gisler (18) ist Restaurationsfachfrau
im zweiten Lehrjahr im Radisson Blu
Hotel Reussen – wir erhalten einen Einblick in
ihre vielfältigen Aufgaben.
A day with apprentice
Melissa Gisler at the Radisson
Blu Hotel Reussen
Uri-born Melissa Gisler (18) is in the second
year of her hospitality apprenticeship here
at the Radisson Blu Hotel Reussen – we were
given a glimpse of her wide range of duties.
72 – 73
Andermatt mit Patricia
Anwältin Patricia Savmaz ist seit 2020
begeisterte Andermatterin – oder schon mehr
als ein ganzes Leben. Sie führt uns durch ihre
persönlichen Andermatter Favoriten.
Andermatt with Patricia
Lawyer Patricia Savmaz has been an enthusiastic
resident of Andermatt since 2020 –
or for more than a lifetime. She takes us through
her personal Andermatt favourites.
TASTE
19 – 23
IGNIV – Andermatt
Das IGNIV ist ein Gourmetnest der Extraklasse –
und neben Bad Ragaz, Zürich und Bangkok
neu auch in Andermatt zu finden.
IGNIV – Andermatt
The IGNIV is an unparalleled culinary haven –
and besides Bad Ragaz, Zurich and Bangkok,
the latest member of the family has now
opened in Andermatt.
KNOW
8 – 9
Andermatt Events –
Highlights
Von Mai bis September ist wieder einiges los:
zehn Sommer-Must-Gos in Andermatt,
die Sie auf keinen Fall verpassen sollten.
Andermatt Events –
highlights
From May to September, our event calendar
is packed! Ten unmissable summer highlights
in Andermatt.
52 – 53
Andermatt Music –
Konzerte 2025
Sinfonieorchester, international renommierte
Solisten, lokale Musikgrössen: eine Übersicht zu
den Andermatt-Music-Höhepunkten diesen
Sommer.
Andermatt music –
concerts in 2025
Symphony orchestras, internationally
renowned soloists and local music greats:
an overview of Andermatt’s summer
music highlights.
Impressum
Published by:
Andermatt Swiss Alps AG
andermatt-swissalps.ch
Issued: 8,000 copies
Cover image by:
Lukas Wassmann
Concept, Editorial
and Design by:
Studio Voile LLC
Translation by:
Lucy Jones, Berlin/
SprachWeberei AG,
Luzern
Printing by:
Gisler 1843, Altdorf
Proofreading by:
SprachWeberei AG,
Luzern
ANDERMATT
CA. 1905 2025
6 Andermatter
PHOTOGRAPHY: STAATSARCHIV URI / MICHAEL ASCHWANDEN
ANDERMATT IM WANDEL
IN TRANSITION
PHOTOGRAPHY: CONSTANTIN MIRBACH
Andermatter 7
ANDERMATT EVENTS — HIGHLIGHTS
ANDERMATT EVENTS — HIGHLIGHTS
DO, 1. MAI –
FR, 31. OKTOBER 2025
Cycling:
Alpenbrevet
Extended
Stellen Sie sich der ultimativen
Cycling-Herausforderung: Bezwingen
Sie bis zu sieben legendäre
Alpenpässe rund um Andermatt –
allein oder mit Freundinnen und
Freunden. Registrieren Sie sich
online über die Fitness-Plattformen
Strava oder Garmin, erkunden Sie
atemberaubende Routen und
sammeln Sie ein digitales Abzeichen
für jeden eroberten Pass. Je mehr
Pässe Sie meistern, desto grösser die
Belohnung – inklusive der Chance,
eine Übernachtung im The Chedi
Andermatt zu gewinnen. Werden
Sie in dieser Saison zur Alpenbrevet-
Legende!
www.extended.alpenbrevet.ch
Take on the ultimate cycling challenge:
conquer up to seven legendary
alpine passes around
Andermatt – alone or with friends.
Register online via the Strava or
Garmin fitness platforms, explore
breathtaking routes and collect
a digital badge for every pass you
conquer. The more passes you have
under your belt, the bigger the
reward – including the chance to
win an overnight stay at The Chedi
Andermatt. Become an Alpenbrevet
legend this season!
www.extended.alpenbrevet.ch
SA/SO,
14./15. JUNI 2025
102. Urner
Kantonales
Schwingfest
Am Wochenende vom 14. und
15. Juni 2025 wird Andermatt zum
Zentrum des Schweizer Nationalsports
Schwingen. Am Samstag
stellen am Jungschwingertag die
Nachwuchshoffnungen ihr Können
unter Beweis, während ein abwechslungsreiches
Rahmenprogramm
beste Unterhaltung für die ganze
Familie bietet. Der Höhepunkt folgt
am Sonntag, wenn rund 200
Schwin ger aus der Innerschweiz
und vom Gast-Schwingklub Oberwallis
beim 102. Urner Kantonalen
Schwingfest um die begehrten
Kränze kämpfen – spannende Wettkämpfe,
Brauchtum und Schweizer
Kultur, ein unvergessliches
Wochenende für die ganze Familie!
www.uksf2025.ch
On 14–15 June 2025, Andermatt will
become the centre of Schwingen,
traditional Swiss-style wrestling. On
Saturday, 14 June, young wrestling
talents will showcase their skills
at the Junior Schwingen Day, while
a varied supporting programme
offers superb entertainment for the
whole family. The highlight of the
weekend follows on Sunday, 15 June,
when around 200 wrestlers from
central Switzerland and the guest
wrestling club from Upper Valais
compete for the coveted wreaths at
the 102nd Uri Cantonal Schwingfest
– exciting competitions, customs
and Swiss culture, an unforgettable
weekend for everyone in the family!
www.uksf2025.ch
SA, 28. JUNI 2025
Cycling:
Octopus Gravel
Im Juni lädt Andermatt zu einem
einzigartigen Gravel-Event. Eine
atemberaubende Strecke, ein
einmaliges Konzept und ausgelassene
Festivalstimmung erschaffen
den perfekten Treffpunkt für
Gravel -Freaks und Bergliebhaber.
Stellen Sie sich das Eventgelände
als Kopf und Körper eines Oktopus
vor, die Anstiege als die Arme.
Alle sieben Arme sind dabei Sackgassen-Gravel-Anstiege
und führen
wieder zurück zum Eventgelände,
wo Sie sich ausruhen, etwas essen
und trinken, gute Musik hören
und die Event-Expo besuchen können,
bevor Sie das nächste Segment
in Angriff nehmen.
www.epicos.cc/octopus-andermatt
In June, Andermatt invites you to a
unique gravel bike event. A breathtaking
route, a unique concept and a
lively festival atmosphere provide
the ideal meeting place for gravel
bike enthusiasts and mountain
lovers. As for the concept...imagine
the event area as the head and body
of an octopus, with the ascents as its
arms! Each of the seven arms is a
dead-end gravel ascent that leads
back to the event area where you
can rest, eat and drink, listen to good
music and visit the event expo
before tackling the next segment.
www.epicos.cc/octopus-andermatt
FR, 11. JULI 2025
Jubiläumskonzert:
50 Jahre Nationale
Jugend Brass Band
Vom 5. bis 13. Juli 2025 findet die
50. Ausgabe des Sommerkurses der
Nationalen Jugend Brass Band
(NJBB) der Schweiz statt. In der Welt
der Blasmusik geniesst die NJBB
das Standing als die inoffizielle
„Nationalmannschaft“ und wird auch
vom Bundesamt für Kultur (BAK)
im Rahmen der Jugendförderung
unterstützt. Auf europäischem
Niveau gilt die NJBB gar als Spitzenreiterin:
Die Brass Band vereint seit
fünf Jahrzehnten während einer
Kurswoche im Sommer die talentiertesten
Schweizer Jungblechbläserinnen
und -bläser sowie Jungperkussionistinnen
und -perkussionisten.
Am 11. Juli findet dann das grosse
Jubiläumskonzert in in der Andermatter
Konzerthalle statt statt.
www.njbb.ch
The 50th edition of the National
Youth Brass Band (NJBB) of Switzerland
will take place from 5–13 July
2025. In the realm of brass music,
the NJBB enjoys a reputation as
the unofficial Swiss national team
and is supported by the Swiss
Federal Office of Culture (BAK) as
part of its youth promotion activities.
At the European level, the NJBB is
even considered a leader in the field:
for five decades, the brass band
has brought together the most
talented young Swiss brass players
and percussionists for a week of
tuition in the summer. The big anniversary
concert will take place on
11 July at Andermatt Concert Hall.
www.njbb.ch
FR, 11. JULI –
SO, 13. JULI 2025
Andermatt
Freedom Ride
Andermatt wird für ein Wochenende
zum Treffpunkt für Harley- und
Motorradfans. Seien Sie dabei, wenn
das Abenteuer auf und abseits
der Strasse ruft – die besten Vibes,
guter Sound, atemberaubende
Routen durch majestätische Berglandschaften
und eine leidenschaftliche
Community versprechen
drei Tage voller Freiheit, PS-Power,
Spass und purem Biker-Spirit.
www.andermattfreedomride.ch
For an entire weekend, Andermatt
becomes a bikers haven for Harley
fans and motorcycling enthusiasts.
Be part of the action when adventure
calls, on and off the road – the
best vibes, great sound, breathtaking
routes through majestic mountain
landscapes and a passionate community
promise three days packed
with freedom, horsepower, fun
and true biker spirit.
www.andermattfreedomride.ch
SA, 2. AUGUST 2025
Quartierfest
Reuss
Das erste Quartierfest in Andermatt
Reuss erwartet Sie mit einem
bun ten Markt, bei dem Aussteller
aus der Nachbarschaft ihre Produkte
und kreativen Ideen präsentieren.
Geniessen Sie feines Essen und
lassen Sie sich von der Musik in
Feststimmung versetzen. Ein wunderbarer
Anlass, um das Quartier
und nachbarschaftliche Begegnungen
zu feiern.
www.andermatt-swissalps.ch
The first neighbourhood festival of
the summer in Andermatt-Reuss
awaits you with a colourful market
where local stallholders present their
products and creative ideas. Enjoy
delicious food and uplifting music.
A perfect opportunity to celebrate
the neighbourhood and meet the
community.
SA, 9. AUGUST 2025
Tavolata
Andermatt
Erleben Sie ein einzigartiges kulinarisches
Highlight in den Alpen:
Bei der Tavolata Andermatt verwandelt
sich das Bergdorf in eine Bühne
für Genuss, Gemeinschaft und
Gastfreundschaft. An einer langen
Tafel geniessen Besucherinnen
und Besucher raffinierte Kreationen
regionaler Spitzenköche, begleitet
von erlesenen Weinen und umrahmt
von der beeindruckenden Bergkulisse.
Ein Muss für Feinschmecker
und Geniesserinnen, die unvergessliche
Momente suchen.
www.andermatt-swissalps.ch
A unique experience to enjoy Alpine
cuisine! Tavolata Andermatt is an
event that transforms the mountain
village into a stage for culinary indulgence,
community and hospitality.
A long table against a stunning alpine
backdrop offers visitors sophisticated
creations by top regional chefs,
paired with exquisite wines. A must
for foodies and gourmets looking for
memorable moments.
www.andermatt-swissalps.ch
SA, 16. AUGUST 2025
Chasing
Cancellara
Zürich --
Andermatt
Chasing Cancellara ist eine Eventserie
für Radsportbegeisterte aller
Stärkeklassen. Auf ikonischen
Routen durch die Schweiz messen
Sie sich mit Gleichgesinnten und
schaffen Erinnerungen für die
Ewigkeit. Erleben Sie die Herausforderung
auf der spektakulären
Strecke von Zürich nach Andermatt,
auf 194 Kilometern und 4’200
Höhenmetern, durch die beeindruckendsten
Landschaften der
Schweiz, inklusive Klausenpass –
ein unvergessliches Erlebnis für
Radfahrerinnen und -fahrer jeder
Kategorie!
www.chasingcancellara.com/
zurich-andermatt
Chasing Cancellara is an event
series for cycling enthusiasts of all
levels. You’ll compete on iconic
routes through Switzerland with
like-minded people, creating
memories for a lifetime. Experience
the challenge on the spectacular
route from Zurich to Andermatt:
a distance of 194 kilometres with
4,200 meters altitude difference,
through the most impressive landscapes
in Switzerland, including
the Klausen Pass – an unforgettable
experience for cyclists of all abilities!
www.chasingcancellara.com/
zurich-andermatt
SA, 20. SEPTEMBER
2025
Gotthard
Cleanup Day
Am Samstag, 20. September 2025,
werden wieder viele Heinzelmännchen
und -frauchen die Quellen und
Alpenpässe im Gotthardgebiet
reinigen. Der Verein Gotthard-Connects
ruft freiwillige Helferinnen und
Helfer auf, bei der Aktion „Gotthard
Cleanup“ mitzuhelfen und die
Bergrouten rund um die Alpenpässe
und Seen im Gotthardgebiet zu
säubern.
www.quellwasser.ch
On Saturday, 20 September 2025 a
team of helpers will once again
clean up the springs and alpine
passes in the Gotthard region. The
Gotthard-Connects association calls
on volunteers to help with the
Gotthard Clean-up campaign on
mountain routes, alpine passes and
lakes on the Gotthard and Oberalp.
www.quellwasser.ch
SO, 12. OKTOBER 2025
Herbstmarkt
Entdecken Sie beeindruckendes
Handwerk, liebevoll gestaltete
Dekorationen und lokale Spezialitäten
auf dem Herbstmarkt auf der
Piazza Gottardo. Lassen Sie sich mit
warmen Speisen verwöhnen und
geniessen Sie die herbstliche
Atmosphäre, begleitet von stimmungsvoller
Musik.
www.andermatt-swissalps.ch
Discover exceptional crafts, lovingly
designed decorations and local
specialities at the autumn market on
the Piazza Gottardo. Enjoy hot dishes
and the autumn ambience,
accompanied by atmospheric
music.
www.andermatt-swissalps.ch
www.andermatt-swissalps.ch
8 Andermatter
Andermatter 9
THE SWISS ICON YOU CAN
TAKE WITH YOU
Our Huntsman Pocket Knife. 15 functions, legendary design.
This is the Swiss icon you will want to have with you everyday.
FROM THE MAKERS OF THE ORIGINAL SWISS ARMY KNIFE
ESTABLISHED 1884
Victorinox Store Andermatt, Piazza Gottardo, Gütschgasse 6, 6490 Andermatt | Victorinox Flagship Stores Zürich • Genf
www.victorinox.com
A GAME WITH
THE URI CHAMPION
DOMINIQUE TRESCH
PURE
ALPINE
GOLF –
12 Andermatter
PURE ALPINE GOLF – EINE PARTIE MIT
DER URNER MEISTERIN DOMINIQUE TRESCH
Wenn es frisch ist hier oben auf 1’444 Metern, ist es frisch. Ziemlich
frisch. Vor allem in den frühen Morgenstunden. Dann ist es sogar sehr
frisch. Und wenn der Wind erst aufkommt, dann gute Nacht, Frau
Seeholzer!
When it’s chilly up here at 1,444 metres, it’s chilly. Very chilly. Especially
in the early hours of the morning, when it’s seriously chilly. And if the
wind picks up, then any bets amongst players are quickly cancelled!
WORDS BY FRANK BAUMANN
IMAGES BY CONSTANTIN MIRBACH
Uns ist das egal. Und „uns“ – das sind wir:
Dominique Tresch und ich. Gemeinsam
werden wir heute über den Andermatter
Golfplatz wandern. Ein Hochgenuss, der
normalen Wandervögeln leider untersagt
und nur jenen Menschen vergönnt
ist, die Golf spielen können. Und Dominique
kann das. Richtig gut. Mit beeindruckend
eleganten Schwüngen drischt sie
die kleine weisse Kugel über die Fairways
(so heissen die 18 Spielbahnen eines Golfplatzes),
die den Enthusiasten aus aller
Welt die Welt bedeuten. Unaufgeregt,
prä zise wie eine Singer-Nähmaschine.
Und so elegant, wie das eben nur Frauen
können. Sie selber beklagt zwar, dass
ihre Abschläge im Vergleich mit anderen
Golferinnen eher kurz seien, was getrost
unter „Jammern auf hohem Niveau“ abgehakt
werden kann, denn immerhin
wurde sie bereits viermal Clubmeisterin
im benachbarten Realp und dreimal in
Oberkirch, wo sie auch in der ersten Damenmannschaft
spielt. Und 2024 wurde
sie hier oben, in ihrem Heimatort, gar
Urner Golfmeisterin.
Ihr Geheimnis liege im sogenannten
kurzen Spiel; dort also, wo es darum
geht, aus zwanzig, vierzig, sechzig oder
auch hundert Metern den Ball so nah wie
möglich an die Fahne zu zimmern, wo er
letztlich im Loch versenkt werden muss.
Etwas, was auch Profis nicht immer hinkriegen.
Dann gilt es, die Nerven zu bewahren,
nicht zu weinen und erst recht
nicht in den Schläger zu beissen, sondern
einfach emotionslos (und gut gelaunt)
weiterzumachen. „Hit it! Forget it! Walk!“
lautet das Mantra der Golfenden.
Ursprünglich kommt Dominique
vom Handball, spielte von klein auf beim
HC KTV Altdorf, mit dem sie es gar bis
in die Nationalliga B schaffte. Dann, mit
23 Jahren, also relativ spät, entdeckte sie
das Golfen. Und heute ist Golf nicht mehr
aus ihrem Leben wegzudenken. Wann
und wo immer sich die Gelegenheit ergibt,
zieht es sie und ihren Mann auf den
Golfplatz. Ganz egal, ob in Österreich
oder auf Gran Canaria oder eben hier
oben auf dem fantastischen Andermatt
Golf Course, der von Altdorf aus, wo sie
geboren ist, wohnt und arbeitet, in gerade
mal etwas mehr als dreissig Minuten zu
erreichen ist.
Noch liegen hauchdünne Nebelschlieren
über dem 1,3 Millionen Quadratmeter
grossen Gelände, von dem allerdings
lediglich 26 Prozent effektiv zum
Spielen genutzt werden. Fast drei Viertel
der Fläche gehören zur Landwirtschaft
oder entfallen auf ökologische Ausgleichsflächen
oder das kantonale Naturschutzgebiet
Bäz. Die Fairways wurden
vom Architekten denn auch mit grösster
Achtsamkeit und unter Berücksichtigung
aller nur denkbaren ökologischen Aspekte
sorgfältig in die Natur eingebettet, sodass
man sich in einem Naturpark wähnt.
Was auf dem Gelände alles kreucht und
fleucht, sieht man allerdings nur, wenn
man nicht so schön Golf spielt wie Dominique.
Nur wer bereit ist, die Bälle so
breit zu streuen wie ich, kommt auch
wirklich in den vollen Genuss der gesamten
Tier- und Pflanzenwelt. Und staunt
nicht schlecht ob der vielen Insekten und
Kleinreptilien, die sich hier tummeln.
Zum Golfplatz mit seiner beeindruckenden
Lage zwischen Bergen, Bächen
und Felsformationen gehören auch
prächtige, sehr artenreiche Trockenwiesen,
die nicht landwirtschaftlich genutzt
werden. Damit sich dort vor allem die Erlenbüsche
nicht unkontrolliert ausbreiten
können und das Gelände „verwaldet“,
lässt man hier Ziegen weiden, die
alles rübis und stübis abknabbern und so
dafür sorgen, dass die Artenvielfalt erhalten
und die Fairways und Greens weiterhin
von wilden Wiesen mit zahlreichen
seltenen Pflanzen, Schmetterlingen und
Heuschrecken gesäumt werden.
In diesen Wiesen möchte man seinen
Ball allerdings lieber nicht finden.
Wer erst einmal im tiefen Rough, so heisst
diese Zone, steckt, kommt kaum mehr
raus. Ich habs in den letzten Jahren bereits
mehrfach ausprobiert. Es kann dann übrigens
gut mal vorkommen, dass man ausgepfiffen
wird. Zum Beispiel von einem
Alpenmurmeltier. Hier, auf den alpinen
Wiesen rund um Andermatt, finden die
putzigen Vegetarier einen prächtigen Lebensraum
und ausreichend Futter.
Zu gern möchte man den Andermatter
Golfplatz als grossartig bezeichnen.
Und man könnte das auch, würde
man den Course ausschliesslich unmittelbar
nach dem Mähen der vielen, die
Spielbahnen säumenden Wiesen erleben.
Dieses Geschenk gibt es allerdings nur
einmal pro Saison (nämlich Mitte oder
Ende Juli), und so wird das Spiel schnell
einmal zur psychischen Grenzerfahrung.
Wer den Platz dennoch geniessen
will, darf auf gar keinen Fall eine persönliche
Beziehung zu seinen Golfbällen aufbauen.
Im Gegenteil, sie sind Verbrauchsmaterial.
Vor allem dann, wenn der Föhn
oder die Bise wie Anton über die Ebene
pfeifen. Ganz egal, ob von hinten, von
vorne oder von der Seite. Dann tut man
gut daran, ein, zwei Dutzend Bälle auf
Reserve mit dabei zu haben. Es sei denn,
man spielt so konstant und sicher wie
Dominique Tresch.
Not that we care. The “we” is Dominique
Tresch and myself. Today, we are going
to make our way around Andermatt
Golf Course. A pleasure that is possible
only for those who can play golf. And
that’s something Dominique can do...
rather well, actually. She sends the little
white ball flying across the fairways
with an enviable and impressive swing.
Tresch plays serenely, with the precision
of a Singer sewing machine and a
natural feminine elegance. She herself
admits that her tee shots are rather on
the short side compared to other golfers,
a complaint that reveals her perfectionist
side - she has, after all, already won
the title of Club Champion four times in
neighbouring Realp, and three times in
Oberkirch, where she also plays in the
women’s first team. And in 2024, here in
her home canton, she has been crowned
the Uri Women’s Golf Champion.
Her secret lies in what is known as
the short game; in other words, when
the ball is pitched as close to the flag as
14 Andermatter
Andermatter 15
DER GOLFPLATZ
Der ab Weiss 6’334 Meter lange Par 72
Andermatt Golf Course wurde von Kurt
Rossknecht designt und 2016 eröffnet. Der
Platzrekord mit 69 Schlägen wurde vom
Schweizer Golfprofi Julien Clement aufgestellt
und ist bis heute ungebrochen. Pro
Jahr besuchen rund 10’000 Golferinnen
und Golfer den alpinen, sehr anspruchsvollen
Championship-Course.
Measuring 6,334 metres from the white tee,
Andermatt’s par 72 golf course was
designed by Kurt Rossknecht and opened
in 2016. The course record of 69 strokes,
which remains unbroken to this very day,
was set by Swiss pro golfer Julien Clement.
The extremely challenging alpine championship
course is visited by around 10,000
golfers every year.
DIE GOLFERIN
possible – from twenty, forty, sixty, or
even a hundred metres – and then sunk
into the hole. What’s essential here is to
keep your nerve, not cry, and definitely
not take it out on your clubs. Oh no, you
simply soldier on without emotion (and
in an upbeat mood). “Hit it! Forget it!
Walk!” is the golfer’s mantra.
Dominique came to golf from handball;
she had played for KTV Altdorf since
childhood and reached the National
League B with them. Then, at the age
of 23 – relatively late, in other words –
she discovered golf. Nowadays, golf is
an integral part of her life. Whenever
and wherever the opportunity arises,
she and her husband are drawn to the
golf course. It doesn’t matter whether
they’re on Gran Canaria, in the Caribbean
or simply up here on the fabulous
Andermatt Golf Course, a mere good
half-hour from Altdorf, where she was
born and now lives and works.
A thin layer of gossamer mist still
swathes the grounds, which measure
1.3 million square metres in total, although
the course itself takes up just
26 percent of this. Nearly three-quarters
of the area is split between agricultural
use and the environmental offset area,
which includes the Bäz cantonal conservation
area. The fairways have been
embedded into nature with great care by
the architect, to the strictest of environmental
standards, so you truly have the
sense of being in a nature reserve. But
only those who don’t play golf as beautifully
as Dominique Tresch really get
to see what creeps, crawls and buzzes all
around them. Only those who are willing
to scatter the balls as widely as I do truly
have the opportunity to fully enjoy the
flora and fauna. The sheer multitude of
insects and small reptiles here is nothing
short of astonishing.
The course, with its stunning location
amidst mountains, streams and
rock formations, also has magnificent,
extremely biodiverse dry grasslands that
are not used for agricultural purposes. To
Dominique Tresch (*1981) spielte zunächst
Handball beim HC KTV Altdorf, mit dem
sie es damals bis in die Nationalliga B
schaffte. Vor zwanzig Jahren entdeckte sie
das Golfen und spielt heute ein Handicap
von 5,4. Ihre Andermatter Lieblingsspielbahn
ist die Nummer 14, ein kurzes Par 5.
Die Nummer 3 dagegen, ein sehr steil
ansteigendes, giftiges Par 4, könnte man
von ihr aus gut und gern weglassen.
Dominique Tresch (b. 1981) started playing
handball with KTV Altdorf, ultimately
reaching the National League B. She
discovered golf twenty years ago and now
plays with a handicap of 5.4. Her favourite
Andermatt hole is number 14, a short par 5.
Hole 3, on the other hand, a very steeply
rising par 4, is one she could live without...
prevent the alder shrubs from spreading
uncontrollably and encroaching on the
course, goats are allowed to graze here.
They nibble from shoot to root, thus ensuring
that biodiversity is preserved and
the fairways and greens remain bordered
by wild meadows resplendent with rare
plants, butterflies and grasshoppers.
It is better not to have to go looking
for your ball in these meadows. Once you
are stuck in the depths of the “rough” – as
the ungroomed area is called in golfing
terms – it is difficult to get back out. I’ve
attempted it on more than one occasion
in the past few years. It can happen, by
the way, that you get whistled at. By an
alpine marmot, for example. Here, on
the alpine meadows around Andermatt,
these cute herbivores enjoy a splendid
habitat and abundant food.
“Unforgettable” is a word that
comes to mind in describing Andermatt
Golf Course. And it is – if you experience
it immediately after the mowing of
the meadows lining the fairways. This
gift, however, is only offered once a season
(middle or end of July), and at other
times the game quickly becomes a challenging
psychological experience.
If you still want to relish the experience
of the course, you should under
no circumstances form a close personal
relationship with your golf balls. They are
expendable. Especially when the Foehn
or Bise winds whistle across the plain. It
doesn’t matter which direction the wind
is blowing, it’s a good idea to have a dozen
or two in reserve. Unless, of course, you
play as consistently and competently as
Dominique Tresch.
DER AUTOR
Frank Baumann schrieb diverse Bestseller,
unter anderem drei über die wichtigste
Nebensache der Welt. Nach zwei Rückenoperationen
liess er sein Handicap von 3,2
auf 8 hochsetzen.
Frank Baumann has written several bestsellers,
including three about the glorious
sport of golf. After two back operations,
he had his handicap raised from 3.2 to 8.
16 Andermatter
Andermatter 17
IGNIV
Andermatt
Preisgekrönter Par-72
Meisterschaftsplatz – einer der
schönsten der Schweiz
Sichern Sie sich Ihre Abschlagzeit
für diesen Sommer:
Ein ganz grosses Highlight
der neu eröffneten Furkagasse in
Andermatt Reuss ist das IGNIV.
Das erstklassige Fine-Dining-Sharing-
Restaurant des Starkochs Andreas
Caminada ist ein Gourmetnest
der Extraklasse – es lässt seine Gäste
überglücklich nach Hause gleiten.
A particular highlight of the
recently opened Furkagasse, the new
shopping street in Andermatt-Reuss,
is the IGNIV restaurant. With its
unparalleled fine-dining and sharing
concept, this exceptional restaurant
by Michelin-starred chef Andreas
Caminada leaves guests with a lasting
sense of delight.
WORDS BY STUDIO VOILE
IMAGES BY LUKAS LIENHARD
Andermatter 19
“At IGNIV, we consciously
stretch our arms out into the world.”
„Wir strecken im IGNIV
unsere Arme bewusst auch
weit in die Welt hinaus.“
→
Küchenchef und Caminada-Nachwuchs
Valentin Sträuli sowie Restaurantleiterin Hannah
van den Nieuwenhuizen heissen die Gäste in
der vierten Dependance der IGNIV-Restaurantfamilie
willkommen.
→
Head Chef and Caminada protégé Valentin
Sträuli, together with restaurant manager
Hannah van den Nieuwenhuizen, welcome
guests to the fourth branch of the IGNIV
restaurant family.
Vogelnester findet man vielerorts: auf Bäumen, in Büschen, auf
Klippen, in Höhlen, auf Dächern oder unter Brücken. IGNIV,
zu Deutsch „Nest“, heisst die renommierte Restaurantfamilie
des Schweizer Spitzenkochs Andreas Caminada und ist neben
Bad Ragaz, Zürich und Bangkok nun also auch in Andermatt
zu finden, etwas versteckt, am Ende der neuen Furkagasse. Das
Fine-Dining-Sharing-Konzept lebt von ambitionierten Gerichten
und hochwertigen Produkten in entspannter, unkomplizierter
Atmosphäre. Und so strahlt auch die äusserst stilvolle
Dependance hier in Andermatt eine Gemütlichkeit und eine
Wärme aus, die sich gleich nach Zuhause anfühlen – spätestens
als die sympathische Restaurantleiterin Hannah van den
Nieuwenhuizen uns herzlich willkommen heisst.
Vögel verwenden eine beeindruckende Bandbreite an
Materialien beim Nestbau: Zweige, Blätter, Moos, Federn,
Wolle, Spinnennetze, sogar Plastik und Schnüre. Von unserem
burgunderfarben lackierten Tisch aus staunen wir hier im
IGNIV über die stilvolle Einrichtung der in Mailand ansässigen
Stardesignerin Patricia Urquiola: Im Erdgeschoss des Apartmenthauses
Maya, dessen Wohnungen sie ebenfalls allesamt
gestaltet hat, betreten die Gäste zunächst einen separa ten Barund
Loungebereich im Siebzigerjahre-Stil, sattes Grün und
warmes Orange. Der Hauptbereich des Restaurants fängt
den Nestcharakter mit vielen gemütlichen Nischen ein, von
wo aus wir auf die schönen Natursteine an den Wänden
blicken, umgeben von ausgewählten Kunstwerken von
Gina Fischli, David Renggli und Philip Taaffe. Und so
abgedroschen es klingen mag: Die aufwendig an gerichteten
Plates hier haben das Prädikat „kunstvoll“ ebenfalls mehr
als verdient.
Vogelnester sind keine Vorratskammern: Vielmehr
bringen die Elternvögel die Nahrung täglich frisch zu
ihren Küken. Bis zu 20 Gerichte zum Teilen, vier bis sieben
Teller pro Gang, werden uns mit viel Feingefühl, Freundlichkeit
und Fachwissen von der Seite in unsere offenen
Nischen serviert. Der erst 28-jährige Küchenchef Valentin
Sträuli hat Gerichte kreiert, die denen seines Mentors und
lang jährigen Förderers Andreas Caminada ästhetisch und
geschmacklich kaum mehr nachstehen. Gelernt hat der
gebürtige Zürcher sein Handwerk im dortigen IGNIV bei
Daniel Zeindlhofer und auf dem Schloss Schauenstein bei
Marcel Skibba sowie Caminada selbst, seine Küche ist nicht
nur für sein junges Alter auf beeindruckendem Niveau.
Bereits der Einstieg, vier kleine Häppchen, darunter das
IGNIV-Signature-Dish Ei Royal, spielt die Stärke des Sharing-
Konzepts voll aus, jeder einzelne Gang ist ein Höhepunkt für
sich – abwechslungsreich, überraschend, kreativ, dennoch nicht
zu gesucht, schlicht: hervorragend. Besonders inspirierend
ist neben den Farbwelten und der geschmacklichen Vielfalt, die
sich aus den Zutaten ergeben, die Konsistenz ihrer Kombinationen:
Langustine mit Chili und Zitrone, Jakobsmuschel mit
Chorizo und Peperoni, durch Apfel und Baumnuss abgerundetes
Wintergemüse, flüssig gebeizter Zander mit Barbecue-
Crème, Rettich und Koriander-Samen, frischer Kopfsalat mit
Joghurt und Kapuzinerkresse, Enten-Ragout mit Topinambur.
Das Teilen macht Spass, gern probieren wir auch den einen
oder anderen Wein zusammen; einzig bei den fünf Desserts
tut sich der Autor dann doch schwer mit Abgeben, sei es das
süsse Ei Royal mit weisser Schokolade und Blutorange, die
Tarte Tatin mit Sauerrahmeis oder das Soufflé, man möchte am
liebsten gleich alles haben. In Nestern herrscht ja Futterwettbewerb,
die Küken reissen den Schnabel weit auf, betteln mit
Lauten um die Aufmerksamkeit der essensspendenden Elternvögel...
hier im IGNIV aber hat es zum Glück genug für alle,
auch bei den umkämpftesten Speisen.
Bird’s nests are found everywhere – in trees and shrubs, on cliffs
and in caves, on roofs and under bridges. The Rhaeto Romanic
word for nest is igniv, which is also the name adopted by the
celebrated family of restaurants created by award-winning Swiss
chef Andreas Caminada. In addition to locations in Bad Ragaz,
Zurich and Bangkok, the latest IGNIV culinary haven can be
found here in Andermatt, tucked away at the end of the new Furkagasse.
Its fine-dining and sharing concept is brought to life
with elaborate dishes and premium products served in a relaxed,
casual setting. The stylish restaurant here in Andermatt exudes
an intimate warmth that immediately feels like home – especially
when we are greeted by the personable restaurant manager,
Hannah van den Nieuwenhuizen.
Birds use an impressive range of materials to build their
nests: twigs, leaves, moss, feathers, wool, spider’s webs and
even plastic or string. From our table in varnished burgundy, we
admire the refined furnishings all around, created for IGNIV
by Milan-based star designer Patricia Urquiola. The restaurant
occupies the ground floor of the Maya apartment building, for
which Urquiola also designed the apartment interiors. Guests
enter via a separate seventies-style bar and lounge area in deep
green and warm orange. The central area of the restaurant
20 Andermatter
Andermatter 21
1. Herzliche Gratulation zur
Neueröffnung! Wir erlebten
den Abend im IGNIV
Andermatt als eine Reise
durch faszinierende
Geschmackswelten, die
Ästhetik der Gerichte und
des Lokals verliehen dieser
exklu siven Art der Nahrungsaufnahme
einen sehr
besonderen Rahmen. Einen
Betrieb auf diesem Niveau
mit erst 28 Jahren zu führen,
ist beein druckend: Hätten Sie
zu Beginn Ihrer Ausbildung
gedacht, dass es so schnell
gehen würde?
Valentin Sträuli: Nein, absolut
nicht. Als ich als Jugendlicher
mit 15 Jahren zum ersten Mal
in der Küche stand, war das
noch ein sehr fernes Ziel,
die Küchenchefs waren immer
alle so um die 40. Von
Andreas eine solche Chance
zu erhalten, macht mich sehr
glücklich und stolz, ich bin
mir jedoch auch der grossen
Verant wortung bewusst.
Umso mehr haben mich
natürlich die vielen positiven
Rückmeldungen der Gäste in
diesen ersten Monaten
gefreut, das spornt unser
noch junges Team umso
mehr an. Obwohl es auch mal
hektisch zu und her ging,
konnte ich mich immer auf
die Truppe ver lassen – unsere
Motivation ist enorm gross,
und wir haben schnell eine
gemeinsame Routine
gefunden.
2. Schweizer Küche in den
Bergen, das hiess lange
einfach Rösti und Bratwurst,
Spätzli oder Suppe. Sie
setzen hier andere Massstäbe:
Mit dem Sharing-Konzept
werden im IGNIV bis zu
20 Gänge serviert. Was
macht für Sie eine gute
Berg- und Winterküche
eigentlich aus und gibt es ein
Gericht, auf das Sie besonders
stolz sind?
Drei Fragen an
Küchenchef
Valentin Sträuli
Valentin Sträuli: Ja, Rösti oder
Bratwurst gibt es bei uns
nicht, das machen andere ja
schon gut. Dennoch gilt
auch im IGNIV: Für mich muss
eine gute Bergküche satt
machen, sie soll bestenfalls
mit dem Löffel genossen
werden, darf gern deftig sein
und dampfen. Dabei ist
die Winterküche ja allgemein
eine Herausforderung: Die
Natur gibt nun mal weniger
Frisches her, das erfordert
Kreativität. Typisches Wintergemüse
frisch und leicht
zu interpretieren, das scheint
mir gerade beim frischen
Kopfsalat mit Joghurt und
Kapuzinerkresse gelungen zu
sein. Es ist auch ein spannendes
Beispiel dafür, wie viel
man aus einer simplen Zutat
herausholen kann. Doch auch
die Resonanz auf die Langustine
mit Chili und Zitrone
hat mich sehr gefreut. Wir
strecken im IGNIV unsere
Arme ja bewusst auch weit in
die Welt hinaus.
3. Sie sind als gebürtiger
Zürcher nun also auch privat
in Andermatt zu Hause. Sind
Sie gut angekommen?
Valentin Sträuli: Ja, sehr gut,
meine Partnerin und ich
konnten uns schnell einleben.
Die wunderschöne Umgebung
und die Ruhe sind
einfach der Wahnsinn. Zürich
kann eine hektische Stadt
sein, in der es mehr hat,
als man braucht. Ich empfinde
meine Zeit hier deshalb fast
schon als entschlackend, fühle
mich sehr wohl. Und die
Nähe zu den Pisten ist für
mich als leidenschaftlichen
Snowboarder natürlich
genial.
1. Congratulations on the opening!
Our evening at IGNIV
Andermatt was like a journey
through fascinating worlds
of taste. The aesthetics of the
dishes and restaurant create
a very special setting for
this exclusive form of dining.
Running a business at this
level at just 28 years old is
impressive: when you started
as an apprentice, could you
have dreamt it would happen
so quickly?
Valentin Sträuli: No, absolutely
not. When I stood in the
kitchen for the first time as a
15-year-old, it was still a
very distant goal, as head
chefs were all around 40.
Being given such an
opportunity by Andreas
makes me very happy and
proud, but I am also aware
of the enormous responsibility
that comes with it.
From that point of view, all
the positive feedback from
guests in these first few
months has been all the more
pleasing, and spurs our
young team on even more.
Although things have been
hectic at times, I have always
been able to rely on the
team – our motivation
is sky-high and we quickly
found a common routine.
2. For a long time, Swiss cuisine
in the mountains simply
meant rösti and bratwurst,
spätzli or soup. You are
setting different standards
here: with the sharing concept,
up to 20 courses are
served at IGNIV. What do you
think makes good mountain
and winter cuisine and
is there a dish that you are
particularly proud of?
Valentin Sträuli: Yes, we don’t
have rösti or bratwurst:
others are already doing that
well. But the principle holds
true at IGNIV too: for me,
good mountain cuisine has to
fill you up; ideally it should
be enjoyed with a spoon; it
can be substantial and
steaming hot. Winter cuisine
is generally a challenge;
nature simply doesn’t provide
as much fresh produce,
so this calls for creativity. With
the fresh lettuce with yogurt
and nasturtiums, in think
we’ve managed to achieve a
fresh, light interpretation
of typical winter vegetables.
It’s also an exciting example of
the potential that lies within
a simple ingredient. But I was
also very pleased with the
response to the langoustine
with chili and lemon. At IGNIV,
we consciously reach out
to discover all that the world
has to offer.
3. As a native of Zurich, your
home is now in Andermatt.
Have you settled in well?
Valentin Sträuli: Yes, very well,
my partner and I settled in
quickly. The beautiful surroundings
and the peace and
quiet are simply amazing.
Zurich can be a hectic city
that has more than you need.
That’s why I find my time here
almost like a detox, and I feel
very much at home. Plus
having the slopes nearby is of
course perfect for me as I am
a passionate snowboarder.
Kochbücher, internationale TV-Formate, globale
Anerkennung – Andreas Caminada ist derzeit
der erfolgreichste Spitzenkoch der Schweiz: Sein
Schloss Schauenstein in Fürstenau ist mit drei
Michelin-Sternen und 19 GaultMillau-Punkten
dekoriert, es gehört zu den besten Restaurants der
Welt. Seit 2015 betreibt er die Restaurantfamilie
IGNIV, Andermatt ist der vierte Standort neben
Bad Ragaz, Zürich und Bangkok. Die Dependance
wird auch hier an der Furkagasse einem jungen
Koch aus seiner Talentschmiede anvertraut.
Reservation und weitere Infos auf:
www.igniv-andermatt.ch
Cookbooks, international TV formats, global
recognition – Andreas Caminada is currently
Switzerland’s most successful chef. His Schloss
Schauenstein in Fürstenau has been awarded three
Michelin stars and nineteen GaultMillau points and
is one of the best restaurants in the world. Since
2015, he has run the IGNIV restaurant family, of
which Andermatt is the fourth after Bad Ragaz,
Zurich and Bangkok. The branch in Furkagasse has
been entrusted to a young chef from his crucible of
talent. For reservations and further information, visit
www.igniv-andermatt.ch
captures the essence of a nest, with many cosy alcoves from
where we can admire the beautiful natural stone on the walls,
framed by selected artworks by Gina Fischli, David Renggli
and Philip Taaffe. As clichéd as it may sound, the sophisticated
dishes served are nothing short of exquisite, each one a work
of true culinary artistry.
Bird’s nests are not pantries: the parents bring their chicks
fresh food every day. IGNIV offers as many as twenty shared
dishes, with four to seven plates per course. In our open alcove,
we are served attentively, cordially and with expert knowledge.
Head Chef Valentin Sträuli, only 28 years old, has created
dishes whose aesthetics and flavours fear no comparison with
those of his mentor and long-standing patron, Andreas Caminada.
A Zurich native, Sträuli mastered his craft in the city’s
branch of IGNIV under Daniel Zeindlhofer, as well as under
Marcel Skibba at Schloss Schauenstein and Caminada himself.
His culinary skills have reached an outstanding level, not just
for someone so young.
We start with four appetisers, including the IGNIV signature
dish Egg Royal, demonstrating the strength of the sharing
concept to the fullest. Each course is a highlight in its own
right; the cuisine is eclectic, innovative and creative, yet
PHOTOGRAPHY: C. MIRBACH
ANDREAS CAMINADA – IGNIV
remains simple and authentic. In a word, outstanding. Particularly
inspiring is the variety of colours and flavours that result
from the ingredients, the consistency of their combinations:
langoustine with chilli and lemon, scallops with chorizo and bell
peppers, winter vegetables rounded off with apples and walnuts,
marinated pike perch with barbecue creme, radish and coriander
seeds, fresh butter lettuce with yoghurt and nasturtiums,
and duck ragout with Jerusalem artichokes. The sharing is fun.
We enjoy tasting a wine together here and there too, and it’s
only when choosing between the five desserts that I find it
difficult to choose between the sweet Egg Royal with white
chocolate and blood orange, the tarte tatin with sour-cream ice
cream, and the soufflé – I’d like to enjoy them all at once. In
birds’ nests, competition for food is fierce, with chicks opening
their beaks wide to get their share of what their parents bring.
At IGNIV, I am happy to say, there’s more than enough to
go around, even when it comes to the most coveted dishes.
22 Andermatter THREE QUESTIONS TO HEAD CHEF VALENTIN STRÄULI
Andermatter 23
www.igniv-andermatt.ch
Samih Sawiris
PHOTOGRAPHY: NZZ / KARIN HOFER
Experience the art of shared dining – begin
your day with a delightful brunch, unwind
with coffee & cake, savor exquisite fine dining,
and sip expertly crafted drinks, all in an
elegant atmosphere.
recalls his
20 years in
Andermatt
SAMIH SAWIRIS BLICKT ZURÜCK
AUF SEINE 20 JAHRE IN ANDERMATT
Andermatter 25
Genau 20 Jahre ist es her, dass Samih Sawiris
Andermatt zum ersten Mal von oben aus einem Hubschrauber
gesehen hat. Das Potenzial der Region
erkannte er auf den ersten Blick. Im Interview zieht
der Unternehmer Bilanz über sein Projekt: die
Vision, die Herausforderungen, die anhaltende Begeisterung
und die Zukunft.
Vor 20 Jahren, im Frühling 2005, haben Sie
den berühmten ersten Rundflug über Andermatt
gemacht. Erinnern Sie sich?
Aber natürlich, wie könnte ich den vergessen!
Um die Geschichte richtig zu
erzählen, muss ich allerdings kurz ausholen:
Bis in die 1990er-Jahre lebte Andermatt
vor allem von der Schweizer
Armee, die hier einen der wichtigsten
Standorte des Landes unterhielt. Dann
zog sie sich zurück, und Andermatt
drohte das Schicksal anderer Bergdörfer,
die ihre Bewohnerinnen und
Bewohner verlieren, weil es keine Jobs
mehr gibt.
Wie kamen Sie ins Spiel?
Ich wurde eingeladen, als Berater Ideen
für die wirtschaftliche Entwicklung
aufzuzeigen. Schon beim Helikopter-
ETH-BIBLIOTHEK ZÜRICH, BILDARCHIV / AIC_02-0Z-554010-008
flug war ich fasziniert, weil ich Andermatt
und die Umgebung wunderschön
fand. Erst recht begeisterte mich dann
die erste Autofahrt. Ab Zürich fährt
man in andere Schweizer Bergdestinationen
oft stundenlang über Landstrassen,
durch Dörfer und Städte.
Nach Andermatt führt fast durchwegs
die Autobahn. Dann reiste ich extra mit
dem Auto nach Mailand, um zu schauen,
ob man auch die Italienerinnen und
Italiener herlocken kann. Und da war
ich gleich noch mal fasziniert: wieder
nur Autobahn, also einfache Anreise.
Und da war Ihnen klar, dass man Andermatt in
eine Tourismusdestination verwandeln kann?
Ich erarbeitete dann einen Plan, der
war aber ziemlich gigantisch und setzte
hohe Investitionen voraus. Als ich
↑
So hat Andermatt im Jahr 2005 etwa ausgesehen, als Sawiris aus dem Hubschrauber blickte –
noch kein The Chedi Andermatt und auch kein Andermatt Reuss. Ein Dorf geprägt vom Schweizer Militär,
das seinen Standort hier langsam abbaute.
This is what Andermatt looked like in 2005 when Sawiris gazed down from the helicopter –
no The Chedi, no Andermatt-Reuss, just a village shaped by the Swiss military, which was scaling
down its presence.
ihn den Verantwortlichen von Bund
und Kanton vorstellte, hiess es, dass
sie nie jemanden finden würden, der
ihn umsetzt. Man sagte mir: „Andermatt
ist nicht attraktiv.“ Ich antwortete:
„Andermatt ist superattraktiv, ihr wisst
es nur noch nicht.“ Sechs Monate später
kamen sie wieder auf mich zu und
fragten, ob ich den Plan vielleicht selbst
realisieren möchte. Ich sagte zu.
Es gibt eine Fernsehdokumentation aus den
Anfängen, in der Sie Ihre Vision für Ander matt
schildern und sich wundern, warum nicht
schon früher jemand auf die Idee gekommen
ist. Jetzt, da Ihre Vision Realität ist – sind Sie
zufrieden?
Ich bin sehr zufrieden. Aber ich war es
auch schon vor zehn Jahren, als die Auslastung
der Hotels noch nicht so gut war
wie heute und der Verkauf der Wohnungen
harzig lief.
Warum?
Weil ich nie Zweifel hatte, dass es funktionieren
würde. Mich überraschte nur,
dass es so lange dauerte. 20 Jahre. Andererseits
kann man bei einem derart
grossen Projekt nicht erwarten, dass alles
immer nach Plan geht. Das ist, wie
wenn man um die ganze Welt fahren
möchte, ohne dass das Auto einen Kratzer
abbekommt.
Was war im Fall von Andermatt der Kratzer?
Die Finanzkrise 2008. Die ja eigentlich
vor allem eine Immobilienkrise war. Bis
sie überwunden war, dauerte es lange.
Ging man zu dieser Zeit mit einem Immobilienprojekt
zu den Banken, wurde
man nur belächelt.
Dass Sie trotzdem immer an Ihre Idee glaubten,
macht Sie zu einem Visionär. Einver standen?
Ich würde eher sagen, dass ich Geduld
habe. Und nach Möglichkeit Wettbewerb
vermeide.
Was meinen Sie damit?
Wenn man Wettbewerb nicht mag,
muss man innovativ sein, also Projekte
entwickeln, die sonst niemand macht.
Was ist schlecht an Wettbewerb?
Wettbewerb ist schon gut. Aber er kann
dazu verleiten, schlechte Kompro misse
einzugehen, die Mitarbeitenden ständig
unter Druck zu setzen, Lieferanten
auszupressen usw. Das sagt mir
nicht so zu. Ich bin lieber innovativ
und erschliesse neue Märkte. Wenn
ich irgend wo der Erste bin, gibt es noch
keine Konkurrenz.
It was exactly twenty years ago that Samih Sawiris
first set his eyes on Andermatt. He was high up
in a helicopter and recognised the region’s potential
right away. In this interview, the entrepreneur takes
stock of his project: his vision, the challenges
he faced, his ongoing enthusiasm and the future.
In spring 2005, you took your first air tour of
Andermatt. Do you remember it?
Absolutely! How could I forget it? But to
tell the story properly, I have to give you
some background. Andermatt’s main
source of income until the 1990s was
the Swiss Army. The village was home
to one of the most important military
centres in the country. Then the army
left, and Andermatt threatened to go
the way of other mountain villages – its
residents had to go elsewhere because
there were no jobs.
How did you enter the picture?
I was invited as a consultant to present
ideas for Andermatt’s economic development.
From the moment I saw it from
the helicopter, I was fascinated by the
place and its beautiful surroundings.
When I arrived by car for the first time,
I was even more impressed. To get to
other destinations in the Swiss mountains
from Zurich, you often have to
drive for hours on country roads,
through towns and villages. But there’s
a motorway practically all the way to
Andermatt. Then I drove to Milan to see
whether we could make it attractive
for Italians too. And again, I was astonished
– there was a motorway all the
way, putting it within easy reach.
Were you sure back then that Andermatt could
be turned into a tourist destination?
I drew up a plan, but it was very ambitious
and required a fair amount of investment.
When I presented it to those
responsible at the federal and cantonal
level, they said they would never find
anyone to implement it. “Andermatt
isn’t attractive,” I was told, to which I
replied: “Andermatt is extremely attractive,
you just don’t know it yet.” Six
months later, they came back to me and
asked whether I would like to implement
the plan myself. I agreed.
There’s a television documentary from the early
days in which you describe your vision for Andermatt
and wonder why no one came up with
the idea earlier. Now that your vision has been
turned into reality, are you satisfied?
I’m very satisfied. But I felt the same
way ten years ago when hotel bookings
weren’t as high as they are today, and
apartment sales were sluggish.
Why?
I never had any doubts that it would
work. I was just surprised that it took so
long. It’s been twenty years. On the other
hand, with such a big project, you
can’t expect everything to go to plan. It’s
like expecting to be able to drive around
the world and return without a scratch
on your car.
What was the scratch in Andermatt’s case?
The global financial crisis in 2008.
Which was first and foremost a real estate
crisis. It took a long time to recover
from. If you went to banks with a real
estate project at that time, they just
laughed at you.
The fact that you continued to believe in your
idea makes you a visionary. Would you agree?
I’d prefer just to say that I’m patient. And
whenever possible, I avoid competition.
What do you mean by that?
If you don’t like competition, you have
to be innovative; in other words, you
have to develop projects that are unlike
anyone else’s.
What’s negative about competition?
Competition is good. But it can tempt
people into making poor compromises,
putting constant pressure on their
staff, squeezing their suppliers and so
on. That doesn’t appeal to me. I’d rather
be innovative and develop new markets.
If I’m the first to enter a market, I don’t
have any competitors there.
Has that always been your maxim as an entrepreneur?
Yes. I was the first to build fibreglass
boats in Egypt. Then others saw that you
could make money in that field and soon
eight or nine factories were serving a
small market. At that point, it was no
longer attractive and I stopped. Then I
built a cement plant. There were already
a few, but I built the first really
efficient plant, because I had new machines
that used less energy. Ten years
later, others entered the market. And I
moved on again.
Going back to Andermatt: the locals here in Uri
love their freedom and put up resistance if they
don’t like something. Your plans for Andermatt
twenty years ago were huge, a project that could
also be described as “un-Swiss”. How did you
still manage to win people over to your idea?
I wouldn’t agree. I find the people in
Andermatt have a very open-minded
view of the world. Andermatt has always
been a transit point for those travelling
between the north and south. The
people here learned long ago how to
treat foreigners. That’s one reason.
And the other?
Research.
Can you explain what you mean?
People in Andermatt knew that the decision
whether or not to place themselves
in my hands would be crucial to the
future of their village. But they didn’t
just rely on an impression or my promises,
they wanted to know: who is this
guy from Egypt – can we trust him? So
some of them travelled – incognito – to
El Gouna, the city north of Hurghada
that we founded. They looked around,
asked people about me and formed their
own opinions.
The result was that 96 percent of Andermatt
residents approved the changes to the zone plan
so that you could implement your project.
I would never have started the project
without the full approval of the locals. I
want the people affected by my projects
to be happy with them. Do you know
why I built The Chedi in the old village
centre?
“Andermatt is cosmopolitan.”
26 Andermatter
INTERVIEW BY CHRISTOF GERTSCH AND STUDIO VOILE
Andermatter 27
War das als Unternehmer schon immer Ihre
Maxime?
Ja. Ich war der Erste, der in Ägypten
Boote aus Fiberglas baute. Dann erkannten
andere, dass das ein gutes Geschäft
ist. Bald gab es acht oder neun
Fabriken für einen begrenzten Markt.
Da wurde es für mich uninteressant,
und ich zog mich zurück. Dann baute
ich ein Zementwerk. Davon gab es
zwar schon einige, aber ich baute das
erste wirklich effiziente Werk, weil ich
neue Maschinen einsetzte, die weniger
Energie brauchten. Zehn Jahre später
stiegen andere ein. Und ich zog wieder
weiter.
Zurück nach Andermatt: Die Urnerinnen und
Urner sind ein freiheitsliebendes Volk, das Widerstand
leistet, wenn ihm etwas nicht passt.
Was Sie vor 20 Jahren für Andermatt skizzierten,
war ein gigantisches, eher „unschweizerisches“
Projekt. Wie haben Sie es geschafft,
die Menschen trotzdem von Ihrer Idee zu überzeugen?
Sie machen sich ein falsches Bild. Die
Menschen in Andermatt sind sehr weltoffen.
Andermatt war schon immer
ein Durchgangsort für Nord-Süd-Reisende.
Die Menschen hier haben früh
gelernt, mit Ausländerinnen und Ausländern
umzugehen. Das ist der eine
Grund.
Und der andere?
Recherche.
„Zweifel, dass es funktionieren
würde, hatte ich nie.“
Das müssen Sie erklären.
Den Leuten in Andermatt war bewusst,
dass die Frage, ob sie sich mir anvertrauen
wollen oder nicht, entscheidend
ist für die Zukunft ihres Dorfs. Sie verliessen
sich aber nicht nur auf einen
Eindruck oder auf Versprechungen, sie
wollten es genau wissen: Wer ist dieser
Typ aus Ägypten? Kann man dem
trauen? Also reisten einige von ihnen
– inkognito – nach El Gouna, der Stadt
nördlich von Hurghada, die ich aufgebaut
habe. Sie machten sich persönlich
ein Bild, sahen sich um und fragten die
Leute über mich aus.
Mit dem Ergebnis, dass 96 Prozent der Andermatterinnen
und Andermatter die Zonenplanänderung
guthiessen, damit Sie Ihre Plä ne realisieren
konnten.
Ohne die klare Zustimmung der Einheimischen
hätte ich das Projekt nie
gestartet. Ich will, dass die Menschen,
die davon betroffen sind, zufrieden
sind mit meinen Projekten. Wissen Sie,
warum ich The Chedi im alten Dorfkern
gebaut habe?
Weil dort vorher das Hotel Bellevue stand?
Nein. The Chedi ist ja eines der besten
Luxushotels im ganzen Alpenraum und
machte Andermatt weltweit bekannt.
Ich wusste, dass dieser Effekt eintreten
wird, sobald es in Betrieb geht. Ich
baute The Chedi bewusst im Dorfkern,
weil ich das schöne alte Dorf nicht zur
Seite schieben und vom neuen Dorfteil
trennen wollte. Ich wollte nicht auf der
einen Seite den neuen Dorfteil bauen
und auf der anderen Seite das alte Andermatt
quasi vergessen. Ich bin der
grösste Bauherr im Urserntal, ich trage
Verantwortung. Selbstverständlich
will ich Geld verdienen, aber wäre es
mir nur um das schnelle Geld gegangen,
hätte ich The Chedi in Andermatt
Reuss, dem neuen Dorfteil, gebaut. Hier
zeigt sich der Vorteil, wenn man langfristig
denkt: Man kann sich Zeit lassen,
bis man Geld verdient. Man muss keine
schlechten Kompromisse eingehen.
Man kann auch mal etwas bauen, was
sich vielleicht nicht sofort rechnet, von
dem man aber weiss, dass es auf lange
Sicht gut für den gesamten Ort sein
wird. Für mich ist wichtig: Alle sollen
von der Entwicklung Andermatts profitieren
können.
Lassen Sie uns noch über etwas ganz anderes
sprechen: Mode. Es ist die Welt Ihrer Töchter.
Interessieren Sie sich für Mode?
Es interessierte mich ab dem Moment,
in dem sich meine Töchter Taya und
Tary entschieden, in die Mode einzusteigen.
Sie wollten zuerst nach New
York gehen. Ich sagte ihnen, dass sie
dort auf eine riesige, gut organisierte
Konkurrenz treffen würden, die ihre
Beziehungen hat, Know-how, Geld
usw. Und dass ich es klüger fände, wenn
sie in die Schweiz kämen. Als junge
Frauen in der Mode würden sie hier
eine Nische besetzen, ausserdem hätte
ihr Vater schon einen gewissen Namen,
sie würden also keine Mühe haben, ein
Geschäft an guter Lage zu mieten. Sie
folgten meinem Rat, und heute sind sie
sehr erfolgreich, was mich natürlich
freut.
Ihr Tourismusunternehmen Orascom haben
Sie schon an Ihren Sohn Naguib abgetreten,
irgendwann wird er auch bei Andermatt Swiss
Alps die Verantwortung übernehmen. Welche
unternehmerischen Werte geben Sie Ihren Kindern
weiter?
Rücksicht auf die Angestellten. Das ist
das A und O. Man darf nie vergessen,
wie wichtig die Menschen sind, die für
einen arbeiten. Damit einher geht ein
zweiter Wert, der mir wichtig ist: Nie
die Prinzipien, die einem wichtig sind,
für Geld opfern. Es gibt immer die Verlockung,
hier was einzusparen, dort auf
eine letztlich sinnvolle Investition zu
verzichten, aber das rächt sich auf lange
Sicht.
Sie haben einmal gesagt, dass Sie in Ihrem
Leben nie mehr als fünf oder sechs Stunden pro
Tag im Büro verbracht hätten. Letzte Frage:
Wo in Andermatt gehen Sie hin, wenn die Arbeit
erledigt ist?
Ich habe ein bisschen Angst vor dem
Skifahren, seit ich bei einem Sturz verunfallt
bin. Angst ist ein schlechter Ratgeber,
also lasse ich das. Ich gehe gern
in den Bergrestaurants essen und natürlich
in das tolle Spa in The Chedi. Am
liebsten mache ich aber Après-Ski, und
ich gehe gern in die Bars im Dorf.
PHOTOGRAPHY: NZZ/KARIN HOFER
Because it was where Hotel Bellevue had stood?
No. The Chedi is one of the best luxury
hotels in the entire Alpine region and
made Andermatt known throughout
the world. I knew that this effect would
come into play as soon as The Chedi
opened. I deliberately built The Chedi
in the village centre because I didn’t
want to push the beautiful old village
aside and separate it from the new part.
I didn’t want to build the new part of the
village on one side and practically forget
the old Andermatt on the other. I am the
biggest project owner in the Ursern Valley.
I take my responsibility seriously.
Of course, I want to earn money too, but
if I’d just wanted to make a quick buck,
I would have built The Chedi in Andermatt-Reuss,
the new part of the village.
This is the advantage of thinking longterm:
you can wait until you get a return
on your investment. You don’t have to
make poor compromises. You can build
something that might not immediately
pay off, but that you know will be good
for the entire town in the long run.
That is what’s important to me: everyone
should be able to benefit from Andermatt’s
development.
Let’s change the subject entirely and talk about
fashion. Are you interested in fashion?
It started to interest me when my daughters
Taya und Tary decided to go into the
fashion business. First, they wanted to go
to New York. I told them that they would
face enormous, well-organised competition
there, based on connections, knowhow,
money and so on. And I told them
they would be wiser to start in Switzerland.
As young women in fashion, they
would occupy a niche here, and because
their father had already built up a certain
reputation, they would have no trouble
renting shop premises in a good location.
They followed my advice and have been
very successful; and that, of course, makes
me happy.
You have already transferred your destination
development company Orascom to your son
Naguib, and at some point, he will also take
over at Andermatt Swiss Alps. What entrepreneurial
values have you passed on to your
children?
Respect for the employees. That’s the
be-all and end-all. You must never forget
how important the people are who
work for you. This goes hand-in-hand
with a second value that’s important to
me: never sacrifice the principles you
hold dear for money. There is always the
temptation to save money here, to forego
a worthwhile investment there, but
in the long term, you end up paying a
price.
You once said that you had never spent more
than five or six hours a day in the office. Last
question: where do you go in Andermatt when
your work is done?
I’ve been a bit afraid of skiing since I fell
and injured myself. Fear makes for a
bad adviser, so I’ve given it up. I love
eating out at the restaurants here in the
mountains and, of course, going to the
fantastic spa at The Chedi. But my favourite
thing is the après-ski scene and
going to the bars in the village.
“I never had any doubts that
it would work.”
28 Andermatter
Andermatter 29
RAILWAY
TUNNEL
IN THE
WORLD
57 Kilometer, rund
20 Fahrminuten, liegen
zwischen dem Süden
und dem Norden Europas
– für alle Reisenden,
die mit dem Zug durch
den Gotthard-Basistunnel
fahren. Aufregender
ist es, die Strecke
über den längsten Eisenbahntunnel
der Welt
zu wandern.
Only fifty-seven kilometres
divide the south
and north of Europe,
a journey of about twenty
minutes for train passengers
through the
Gotthard Tunnel.
A more exciting alternative
is to walk the trail
that follows the route of
world’s longest rail tunnel.
ABOVE
WORDS BY STUDIO VOILE
IMAGES BY CONSTANTIN MIRBACH
THE
LONGEST
ÜBER DEM LÄNGSTEN
EISENBAHNTUNNEL DER WELT
Andermatter 31
Und dann auf einmal diese Aussicht: Wir waren schon etwas
aufgeregt, als wir unten in Silenen eingestiegen sind, in diese
„Bähnlikiste“, die Seilbahn unter freiem Himmel, hinten
und vorn direkt mit dem Zugseil verbunden, die je nach
Seilneigung nach unten oder nach oben kippt. Ein kurzes
Angewöhnen, ja, immerhin 73 % Steigung bis zu den Chilcherbergen,
doch schon haben wir eine gewisse Höhe erreicht und
sehen weit ins Tal hinein, über die Berge, die Sonne scheint,
es ist traumhaft. Eine von uns wagt es, das Handy aus der
Tasche zu ziehen, das
muss doch festgehalten
werden, irgendwie.
Statt mit dem Auto
stundenlang im Stau zu
stehen oder aus dem Zug
hinaus alle Aussicht zu
verpassen, gehen wir
heute also zu Fuss über
den weltbekannten
Tunnel, der den Süden
und den Norden der
Schweiz trennt, der
Europa durch die Alpen
verbindet. Begleitet
werden wir von Marja
Nieuwveld, der Initiantin
des Gotthard Tunnel
Trail, und noch liegen
insgesamt über 2’448
Höhenmeter und rund
100 Kilometer Distanz vor
uns, auf dem Weg durch
diese vielfältige Natur
zwischen dem Urnerland,
Graubünden und dem
Tessin.
Wir haben unseren
Trail gleich mit einer
Abkürzung begonnen,
mit der Fahrt in der
spek takulären Bähnlikiste.
Eigentlich beginnt
die erste Etappe nämlich
in Erstfeld, ebenfalls in
einer roten Vierergondel,
von da an hoch zur
Alp Schwandi auf über
1’100 m ü. M., dann mit
bester Aussicht auf einem
Panoramaweg Richtung
Süden, über eine Hängebrücke,
durch eine
schöne Waldpartie und dann zum spektakulären Aussichtspunkt
kurz vor Waldiberg, unmittelbar über dem Tunnel.
Ein gemütlicher Einstieg, der für uns nicht in Bristen selbst
endet, sondern am malerischen Golzernsee, im Anschluss
an einen teilweise ausgesetzten Bergwanderweg, traumhaft.
Am nächsten Morgen beginnen wir die zweite Etappe
mit einer Gondelfahrt runter ins Etzlital und wandern von
da aus hinauf zur Etzlihütte. Nach einem feinen Mittagessen
samt Hüttenkaffee mit Rundblick auf die umliegenden
Granitberge geht es weiter hoch auf den Chrüzlipass, auf 2’347
m ü. M., wo wir den Tunnelverlauf kreuzen. Mit Blick auf
den Oberalpstock nehmen wir auch Abschied von der Urner
Alpenwelt: Wir betreten die bündnerische Surselva. Bei
der Talstufe Bauns ist der direkte Weg nach Sedrun wegen
eines Felssturzes gesperrt, wir empfehlen die Alternative über
die Mittelplatten ins Val Milà nach Sedrun. Dort ab ins kalte
Nass im Bogn Sedrun, wo es auch ein tolles Wellness-Angebot
gäbe, und früh ins Bett, in einem der vielen tollen Hotels.
Der dritte Tag des Gotthard Tunnel Trail fängt entlang
des Badesees Lag da Claus an, angelegt aus einer frei gelassenen
Mulde der ehemaligen NEAT-Baustelle. Wir ziehen
ostwärts bis zum Val Medel auf die Lukmanierpassstrasse. Auch
dieser Wandertag ist gespickt mit Höhepunkten: das Picknick
auf der Hügelkuppe von Stagias bei schönster Aussicht Richtung
Disentis, das
malerische Bergdörflein
Mutschnengia mit
seiner Hängebrücke,
die Kapelle von Sogn
Gagl und schliesslich
die Übernachtung
im historischen Hospiz
Santa Maria, wo einst
Pilger und Händler
einkehrten sowie Kranke
gepflegt wurden.
Am vierten
Wandertag begrüssen
wir die sanfte Hochalpenwelt
des Tessins –
und überqueren insgesamt
viermal den
Gotthard-Basistunnel.
Wir sehen vom Passo
del Sole auf das vergletscherte
Rheinwaldhorn,
bevor wir zum
Höhepunkt des ganzen
Trails gelangen, dem
Passo Predèlp: Wir
stehen direkt über dem
Tunnel und überblicken
die halbe Bergwelt,
die derselbe
unterquert. Nach einem
lockeren Abstieg
kehren wir im sympathischen
Agriturismo
Alla Meta ein und
übernachten schliesslich
in Carì – im Winter
beliebtes Skigebiet, im
Sommer bekannt für
seine malerische
Natur.
Nun steht bereits
die letzte Etappe unseres
Trails an: Sie folgt der Strada Alta Leventina, einem der
ältesten Höhenwege der Schweiz. Tessiner Bergdörfer, schöne
Wälder und Aussichtshügel, elegante Kirchlein und schliesslich
das Südportal des Gotthard-Basistunnels, wo die Züge
aus der Tunnelröhre rasen, bald in Bodio, Endstation unseres
Trails. Klar ist jetzt schon: Immer wenn wir in Zukunft im
Gotthardtunnel sitzen, aus dem verdunkelten Zugfenster
blicken oder im Stau stehen, werden wir uns erinnern, wie viel
schöner es war an der Oberfläche und zu Fuss.
STAGE 1:
FROM ERSTFELD TO BRISTEN
5:30 H* / 15 KM / ↑ 1,162 M / ↓ 840 M / PEAK 1,324 M
Die erste Etappe des Gotthard
Tunnel Trail führt von Erstfeld
nach Bristen und bietet
eine abwechslungsreiche
Wanderung, die durch eine
Gondelbahnfahrt um 650
Höhenmeter verkürzt werden
kann. Eine beeindruckende
Hängebrücke und eine
weitere Seilbahnfahrt machen
die Strecke spannend und
familienfreundlich, mit herrlichem
Blick auf die Urner Alpen.
TRANSPORT:
→ Seilbahn Erstfeld–Schwandi:
www.schwandibahn.ch
(nur am Wochenende oder
nach Absprache)
→ Seilbahn Silenen–
Chilcherberge:
www.chilcherberge.ch
→ Seilbahn Waldiberg–Bristen:
www.seilbahn-waldiberg.ch
(nur mit Münzgeld!)
→ Seilbahn Golzern:
www.lsb-golzern.ch
KOST UND LOGIS:
→ Gasthaus Alpenblick (Bristen):
+41 (0)41 883 12 40
→ Gasthaus Edelweiss (Golzern):
www.edelweiss-golzern.ch
→ Gasthaus Golzernsee
(Golzern):
www.golzernsee.ch
→ Uri Tourismus:
www.uri.swiss
STAGE 2:
FROM BRISTEN TO SEDRUN
7:15 H* / 18.8 KM / ↑ 1,807 M / ↓ 1,180 M / PEAK 2,347 M
Der zweite Tag in den Urner
Alpen gestaltet sich ebenfalls
gemütlich und familienfreundlich,
bevor die Etappen
etwas strenger werden: Kaffee
und Kuchen, Aussicht auf die
herrlichen Granitalpen. In der
Etzlihütte kann auch übernachtet
und der Sternenhimmel
vom Hot Pot aus genossen
werden, danach geht es via
Chrüzlipass oder via Mittelplatten
und Val Milà nach
Sedrun. Dort wartet eine Vielfalt
an Übernachtungsmöglichkeiten,
Bade- und Wellnessangeboten.
KOST UND LOGIS:
→ Etzlihütte (SAC):
www.etzlihuette.ch
→ Sedrun Disentis Tourismus:
www.disentis-sedrun.ch
* Reine Wanderzeit.
The first leg of the Gotthard
Tunnel Trail runs from Erstfeld to
Bristen. It’s a varied hike, ideal
for families, with two cable car
rides, a suspension bridge, and
magnificent views across the
Uri Alps, including from the
vantage point in Waldiberg.
Hikers can spend the night
either in Bristen or Golzernsee.
TRANSPORT:
→ Cable car Erstfeld-Schwandi:
www.schwandibahn.ch
(only at weekends or by
arrangement)
→ Cable car
Silenen- Chilcherberge:
www.chilcherberge.ch
→ Cable car Waldiberg-Bristen:
www.seilbahn-waldiberg.ch
(coins only!)
→ Cable car Golzern:
www.lsb-golzern.ch
BOARD AND LODGING:
→ Gasthaus Alpenblick (Bristen):
+41 (0)41 883 12 40
→ Gasthaus Edelweiss (Golzern):
www.edelweiss.ch
→ Gasthaus Golzernsee
(Golzern): www.golzernsee.ch
→ Uri Tourismus: www.uri.swiss
The second day through the Uri
Alps is equally relaxed and
family-friendly: enjoy coffee and
cake plus a magnificent view
across the granite-coloured
Alps. Thereafter the trail
becomes slightly more
challenging. The Etzlihütte has
beds for the night, and the
starry night sky can be admired
from the outdoor hot tub. Then
the route continues via the
Chrüzli Pass or Mittelplatten
and Val Mila to Sedrun. A variety
of accommodation options as
well as bathing and wellness
offers await you here.
BOARD AND LODGING:
→ Etzlihütte (SAC):
www.etzlihuette.ch
→ Sedrun Disentis Tourismus:
www.disentis-sedrun.ch
*Net hiking time.
32 Andermatter
Andermatter 33
STAGE 3:
FROM SEDRUN TO LUKMANIERPASS
7:15 H* / 23.5 KM / ↑ 1,107 M / ↓ 589 M / PEAK 1,917 M
Die dritte Wanderetappe bringt
uns in die Bündner Alpen: Die
Lukmanierpassstrasse führt
ins Val Medel auf die Hügelkuppe
von Stagias mit schönster
Rundsicht, ins Bergdörflein
Mutschnengia mit einer
spektakulären Hängebrücke
und zum Hospiz Santa Maria,
auf den Pfaden der Säumer und
Pilger.
KOST UND LOGIS:
→ Hotel Cuntera
(Mutschnengia):
www.hotel-cuntera.ch
→ Hotel Vallatscha (Curaglia):
www.vallatscha.com
→ Hospezi St. Maria
(Lukmanierpass):
www.lukmanierpass.com
→ Pro Natura Unterkunft:
www.pronatura-lucomagno.ch
→ Leventina Tourismus:
www.bellinzonaevalli.ch
STAGE 4:
FROM LUKMANIERPASS TO CARÌ
5:45 H* / 16.1 KM / ↑ 872 M / ↓ 1,168 M / PEAK 2,448 M
Am vierten Tag der Etappenwanderung
begrüsst uns die
Sonnenstube der Schweiz,
das Tessin. Vom Passo del Sole
aus sehen wir das Rheinwaldhorn
und der Passo Predèlp
darf mit seiner atemberaubenden
Aussicht durchaus als
Höhepunkt des ganzen Trails
bezeichnet werden.
TRANSPORT:
→ Sesselbahn Carì–Brusada:
www.cari.swiss
KOST UND LOGIS:
→ Capanna Prodör:
www.utoepizzomolare.ch
→ Rifugio Agriturismo Alla Meta
(Predèlp): www.allameta.ch
→ Ristorante–Pensione Carì:
www.ristorantecari.ch
→ Leventina Tourismus:
www.bellinzonaevalli.ch
The third leg of the hike takes
you into the Graubünden Alps:
the Lukmanier Pass leads into
Val Medel and the Stagias, a hill
with a gorgeous panoramic
view, then descends into the
alpine village of Mutschnengia
with its spectacular suspension
bridge, and on to the hospice,
following in the footsteps of
packhorse drivers and pilgrims.
BOARD AND LODGING:
→ Hotel Cuntera
(Mutschnengia):
www.hotel-cuntera.ch
→ Hotel Vallatscha (Curaglia):
www.vallatscha.com
→ Hospezi St. Maria
(Lukmanierpass):
www.lukmanierpass.ch
→ Pro Natura lodging:
www.pronatura-lucomagno.ch
→ Leventina Tourismus:
www.bellinzonaevalli.ch
On the fourth day of the trail,
you enter Ticino, fondly known
as Switzerland’s “sun deck”.
From Passo del Sole you can
see the Rheinwaldhorn, and the
breathtaking vista from Passo
Predelp can justifiably be
described as the pinnacle of the
entire tour.
TRANSPORT:
→ Chairlift Carì - Brusada:
www.cari.swiss
BOARD AND LODGING:
→ Capanna Prodör:
www.utoepizzomolare.ch
→ Rifugio Agriturismo Alla Meta
(Predelp): www.allameta.ch
→ Ristorante-Pensione Carì:
www.ristorantecari.ch
→ Leventina Tourismus:
www.bellinzonaevalli.ch
All of a sudden, an amazing view opens up! Below, in Silenen, we
were already somewhat nervous as we clambered aboard our
open-air cable car, its sides open to our left and right and the
traction cable directly above us, tilting forward or backward
depending on the angle of the cable. It certainly took us a
moment to get used to, since the ascent to Chilcherberg has a
73 percent gradient. But now we’re high up and enjoying the
breathtaking views of the valley and mountains in the sunshine.
One of us dares to take out their phone: the moment has to be
captured somehow.
Instead of coming to a standstill for hours in a traffic jam
or missing these views in the rail tunnel, today we are hiking
along a trail above the world-famous tunnel that separates the
south and north of Switzerland, and which connects Europe
through the Alps. We are accompanied by Marja Nieuwveld, the
initiator of the Gotthard Tunnel Trail. With over 2,448 metres
in altitude difference and around 100 kilometres ahead of
us, the trail takes us through the diverse scenery of the Uri Alps,
Graubünden and Ticino.
We began the trail with a shortcut, by taking the spectacular
open-air cable car. The first leg of the route actually starts
in Erstfeld, with a ride in a red four-seater cable car up to Alp
Schwandi at over 1,100 metres above sea level. From there, the
route heads south on a panoramic trail with superb views, over a
suspension bridge, through a beautiful section of forest, and
on to the spectacular lookout point shortly before Waldiberg,
directly above the tunnel. This was something of a gentle start,
and we chose not to end this first leg in Bristen, but instead
by the scenic Lake Golzernsee, after a partly exposed mountain
trail that was simply divine.
Next morning, we begin the second leg of the route
by taking the gondola lift into the Etzlital valley and then hiking
from there up to the Etzlihütte mountain hut. After a delicious
lunch, including coffee, with a panoramic view of the surrounding
granite-hued mountains, we continue up to the Chrüzli
Pass at 2,347 metres, where we cross the tunnel route. We bid
farewell to the Uri Alps, taking in a view of the Oberalpstock –
and then enter the Surselva region in the Canton of Graubünden.
As the direct route to Sedrun along the Bauns Valley
Ridge is closed due to a rockslide, we recommend the alternative
route via Mittelplatten into Val Mila to Sedrun. From there,
we took a refreshing dip at Bogn Sedrun, a swimming pool
with a plethora of wellness options, before getting an early night
in one of the town’s many first-rate hotels.
* Reine Wanderzeit.
*Net hiking time.
34 Andermatter
Andermatter 35
The third day of the Gotthard Tunnel Trail starts on the
shores of the bathing lake, Lag da Claus in Sedrun-Surrein,
a basin that was created during the construction of the Gotthard
Alptransit rail tunnel. We carry on east to Val Medel over the
Lukmanier Pass. This day of hiking is also studded with highlights:
our picnic on top of the Stagias, a hill with a beautiful
view towards Disentis; Mutschnengia, an idyllic alpine village
with a suspension bridge; the Chapel of Sogn Gagl (the dialect
name for St. Gall); and, finally, a night in the historic hospice,
where pilgrims and merchants once stopped for refreshments
and the sick were tended to.
On the fourth day of our hike, we are greeted by the gentle
alpine landscape of Ticino and cross the Gotthard Base Tunnel
no fewer than four times. We gaze from Passo del Sole on to
the glacial Rheinwaldhorn before arriving at the absolute pinnacle
of our tour, Passo Predelp. Now we are standing directly
above the tunnel, surveying half of the mountain scenery that
the tunnel runs through far below. After a relaxed descent,
we eat at the welcoming holiday farm Alla Meta and spend the
night in Carì, a ski resort in winter that is also known for its
attractive scenery in summer.
By now we have already reached the last leg of our trail. It
takes us along the Strada Alta Leventina, one of the oldest
alpine routes in Switzerland. We hike through Ticino’s mountain
villages, beautiful forests and hilly lookout points, where we
spot elegant chapels and, finally, the southern portal of the
Gotthard Base Tunnel, out of which trains speed, until we reach
Bodio, our final destination. Of one thing we are already sure:
in the future, when we’re sitting in the Gotthard Tunnel,
whether gazing out of darkened train carriage windows or in a
traffic jam in the road tunnel, we will remember how much
more beautiful it was to travel the length of the longest railway
tunnel in the world by foot.
WEITERE INFOS
ZUM GOTTHARD TUNNEL TRAIL
Wanderbüchlein in drei Sprachen
(Deutsch, Englisch und Italienisch) bestellen:
www.gotthard-tunnel-trail.ch
Mail: marja.nieuwveld@gotthard-connects.ch
Infos zu den einzelnen Etappen:
rheinquelle.disentis-sedrun.ch
FURTHER INFORMATION
about the Gotthard Tunnel Trail
A trilingual hiking booklet
(German, English and Italian) can be ordered here:
www.gotthard-tunnel-trail.ch
Email: marja.nieuwveld@gotthard-connects.ch
Information about the stages of the trail:
rheinquelle.disentis-sedrun.ch
STAGE 5:
FROM CARÌ TO BODIO
6:30 H* / 23.2 KM / ↑ 681 M / ↓ 2,005 M / PEAK 1,622 M
Die letzte Etappe führt durch
das malerische Tessin auf einem
der ältesten Höhenwege der
Schweiz, der Strada Alta
Leventina. Klassische Rustici und
typische Tessiner Bergdörfer,
abwechslungsreiche Natur,
fantastische Aussicht: ein mehr
als würdiger Abschluss.
KOST UND LOGIS:
→ Osteria Anzonico:
www.osteriaanzonico.ch
→ Agriturismo B&B Bertazzi
(Cavagnago): www.bertazzi.ch
→ B&B Norma Gasser (Sobrio):
www.norma-sobrio.ch
→ Albergo Stazione (Bodio):
www.albergostazionebodio.ch
* Reine Wanderzeit.
The last leg continues through
picturesque Ticino along the
Strada Alta Leventina, one of the
oldest alpine routes in Switzerland.
Classic Rustici and typical
Ticino mountain villages, varied
scenery and fantastic views
make for a more than fitting
finale.
BOARD AND LODGING:
→ Osteria Anzonico:
www.osteriaanzonico.ch
→ Agriturismo B&B Bertazzi
(Cavagnago): www.bertazzi.ch
→ B&B Norma Gasser (Sobrio):
www.norma-sobrio.ch
→ Albergo Stazione (Bodio):
www.albergostazionebodio.ch
*Net hiking time.
↑
Um die grossartige Aussicht aus den Seilbahnen
geniessen zu können, ist zum Teil eine
Reservation nötig – beachten Sie
die Infos in den gelben Kästen in diesem Artikel.
↑
To enjoy the magnificent views
from the cable cars, reservations are
sometimes required – see the
information in the yellow boxes in this article.
36 Andermatter
Andermatter 37
Wo das
Meer
beginnt
WORDS BY CHRISTOF GERTSCH
ILLUSTRATIONS BY PATRICK BONATO
Beim Witenwasser en stock ob
Andermatt liegt die höchstgelegene
dreifache Wasserscheide Europas.
Es ist ein besonderer Ort – den man
dank eines hartnäckigen Unterländers
sogar zu Fuss erreichen kann.
The Witenwasserenstock is close
to Andermatt and home to Europe’s
highest triple watershed – a remarkable
place. Thanks to the persistence of
a resident of the lowlands, this unique
spot can now also be reached
on foot.
38 Andermatter THE SOURCE OF THE SEAS
Andermatter 39
Hoch oben im Gotthardmassiv, zwischen
dem Witenwasserenstock und
dem Passo dei Sabbioni, befindet sich
auf 3’025 m ü. M. eine tischgrosse Felsplatte.
Wäre vor ein paar Jahren nicht
eine anderthalb Meter grosse Skulptur
auf ihr installiert worden, könnte man
sie leicht übersehen, denn von ihrer Umgebung
unterscheidet sie sich eigentlich
überhaupt nicht. Und doch ist es eine
besondere Felsplatte. Von hier kann der
Regen in drei verschiedene Richtungen
fliessen. Ein Windhauch genügt, und
der Wasserlauf ändert sich. Kommt der
Wind von Süden, wird ein Tropfen, der
auf die Felsplatte fällt, nach Norden geleitet
und gelangt via Reuss, Aare und
Rhein bei Rotterdam in die Nordsee.
Kommt er von Norden, fliesst das Wasser
ins Tessiner Bedrettotal und von dort
via Ticino und Po ins Adriatische Meer.
Kommt der Wind von Osten, treibt es
unseren Regentropfen via das Walliser
Gerental in die Rhone und durch Frankreich
ins Mittelmeer.
Die Felsplatte beim Witenwasserenstock
ist die höchstgelegene dreifache
kontinentale Wasserscheide Europas.
Aber so nennen sie nur Fachleute.
In Wahrheit ist sie der Ort, an dem das
Meer beginnt. Genauer: der Ort, an
dem drei Meere beginnen. Auch wenn
der Weg noch weit ist. Und lang. Bäche
und Flüsse durchströmt ein Wassermolekül
oft in wenigen Stunden,
höchstens Tagen. Seen aber können
für mehrere Hundert Jahre zu seiner
Heimat werden, ehe es weiterzieht.
Lange wussten nur Eingeweihte
von der Felsplatte, inzwischen
aber gibt es ja eben die Skulptur,
und es führen auch Wanderrouten
zu dem Ort – glücklicherweise
solche, für die man
nicht zwanzig Jahre Klettererfahrung
haben muss, um sie
zu bewältigen. Sie heissen
Realperweg (über die Rotondohütte
und den Hüenerstock),
Lucendroweg (über
Gotthard- und Lucendropass),
Bedrettoweg (über
den Cavannapass) und
Furkaweg (vom Furkapass
ebenfalls über die
Rotondohütte und den
Hüenerstock). Allesamt
sind sie Teil des Vier-
Quellen-Wegs, dessen
Name daher rührt,
dass im Gotthardmassiv
vier Flüsse entspringen: Rhein,
Reuss, Rhone und Ticino.
Sowohl die Ursprünge dieser vier
Flüsse als auch die Wasserscheide beim
Witenwasserenstock für die Allgemeinheit
mit Wanderwegen erschlossen hat
Paul Dubacher, bald achtzig Jahre alt,
ein Wander-Tausendsassa, wie er sich
selbst nennt, topfit, eine Urner Legende
eigentlich. Er wuchs als eines von sieben
Geschwistern auf, sein Vater arbeitete
in der Munitionsfabrik Altdorf. Er lernte
erst Maurer, machte die Handelsschule,
liess sich zum Bauführer ausbilden und
führte dann fast vierzig Jahre lang ein
Architekturbüro. Er war Gemeindepräsident
und war noch in vielen anderen
Funktionen tätig.
Drei Millionen Franken trug Dubacher
für den Bau des Vier-Quellen-Wegs
zwischen 2008 und 2012 zusammen, und
noch einmal 1,6 Millionen Franken waren
ab 2014 nötig, um die Wasserscheide
zu erschliessen. So teuer war die Arbeit,
so beschwerlich vor allem: Über mehrere
Sommer hinweg schleppten Dubacher,
seine Brüder und weitere Arbeiter Steine,
tonnenschwere Felsbrocken zogen
sie mit Stockwinden und Seilzügen über
den Boden, bis sich vor ihnen Wege und
Treppen auftaten, die man sicher passieren
kann. Dubachers Schwestern halfen
beim Signalisieren, zeitweise war es fast
ein Familienprojekt. Nicht wenige Helikopterflüge
waren nötig, um die Helferinnen
und Helfer in die teils entlege-
Ihn kennt man im Kanton Uri: Paul Dubacher,
einst Bauführer, Architekt, Gemeindepräsident.
Heute geht er fürs Leben gern
zu Fuss. Und erschliesst mit seinen
Wanderwegen immer neue Orte, die es
sich zu entdecken lohnt.
↓
↑
He is well known in the canton of Uri: Paul
Dubacher – former construction manager,
architect and mayor. Today, he loves
exploring on foot, continuously creating
new hiking trails that open up places well
worth discovering.
nen Gebiete zu bringen, aber wenn man
sieht, was die Wanderwege heute für ein
Erfolg sind, muss man sagen: Es hat sich
gelohnt.
Dubacher hat Ausdauer, bei einem
Kaffee im Andermatter Bahnhofbuffet
erzählt er von seiner nächsten Idee, für
die er seit Jahren bis zum Bundesrat hinauf
weibelt: ein Rundweg für Menschen
mit Beeinträchtigung. Er sagt, es komme
gut, die Bewilligung liege vor, aber
es gebe auch noch viel zu tun. Wenn es
einer schafft, dann er: Im Militär war er
Gebirgsgrenadier. Seit zwei Jahrzehnten
bestreitet er jährlich den natürlich von
ihm selbst erfundenen Gotthardmarsch
von Seelisberg über 70 Kilometer und
2’000 Höhenmeter bis zum Gotthardpass.
Noch immer beginnt er jeden Tag
mit Yoga. Paul Dubacher ist einer, der
streng sein kann mit sich selbst – aber
mit den Menschen, die mit ihm zu tun
haben, geht er locker um. Er ist voller
Energie und Schalk, er vermag die Leute
mitzureissen und zu begeistern. Wie
gemacht für das Urserntal, könnte man
sagen.
Dabei stammt er gar nicht von da,
er kommt aus dem Urner Unterland, wo
er bis heute lebt. Oben im Urserntal ist er
zu Gast. Sein Durchhaltewille aber passt
zu den Menschen hier, sie sind bekannt
– und mancherorts wohl berüchtigt –
dafür, dass sie für sich und ihre Sache
einstehen. Historische Beispiele dafür
gibt es viele, keines aber hallt so lange
nach wie jenes Ereignis in der Nacht vom
19. Februar 1946, das als „Krawall von
Andermatt“ in die Geschichte einging.
Eine Gruppe von 250 Menschen aus Andermatt,
Realp und Hospental stürmte
das Hotel Sonne in Andermatt, in dem
ein gewisser Karl J. Fetz logierte, ein
Gesandter der Centralschweizerischen
Kraftwerke (CKW), der den Leuten im
Urserntal den Verkauf ihres Bodens nahelegen
sollte.
Es war Höhe- und Endpunkt einer
Geschichte, die dem Tal den Untergang
beschert hätte, im wahrsten Sinn. Seit
den 1920er-Jahren bestand der Plan, das
Urserntal zu fluten und den mit Abstand
grössten Stausee der Schweiz zu errichten.
Es war ein gigantisches Projekt, das
weitum Begeisterung auslöste: Schon im
Ersten Weltkrieg hatte die Schweiz mit
knapper werdenden Kohlevorräten zu
kämpfen, nun sollte die Elektrizität aus
heimischer Wasserkraft das Land auch in
Krisenzeiten und im Winter versorgen.
Doch offensichtlich hatten die
Verantwortlichen nicht mit dem Widerstand
der sturen und stolzen Menschen
im Urserntal gerechnet, anders ist die
Überheblichkeit, mit der sie gegenüber
den Einheimischen auftraten, nicht zu
erklären. So berichtet es Geri Danioth
40 Andermatter
Andermatter 41
bei einem Kaffee im Biselli. Danioth,
75-jährig, ist pensionierter Maschinenbauingenieur
und Dorfführer in Andermatt.
Die Geschichte vom Krawall vor
dem Hotel Sonne gehört auf seinen
Rundgängen zu den beliebtesten. Danioth
kommt von hier, hat die Krawalle
aber nicht selbst erlebt. Sein Vater, der
im Dorf einen Coiffeursalon führte, hat
ihm alles erzählt.
Drei Dörfer – Andermatt, Hospental
und Realp – wären dem Stauseeprojekt
zum Opfer gefallen und hätten an
den Hängen über dem See neu errichtet
werden müssen. Ein Riegel beim oberen
Eingang der Schöllenenschlucht
hätte das Tal verschliessen sollen, die
ganze Talebene wäre geflutet worden,
man hätte eine 200 Meter hohe Mauer
errichtet. Neben 2’000 Einwohnerinnen
und Einwohnern hätten auch 1’300
Stück Rindvieh sowie 2’000 Ziegen und
Schafe umgesiedelt werden müssen.
Niemand sah darin ein Problem,
niemand ausser den Menschen, die es
betraf. Sie liessen sich auch nicht von kolorierten
Prospekten umstimmen, die ihnen
in den schönsten Farben eine goldene
Zukunft an den Gestaden des neuen
Sees versprachen, ein „Ascona der Berge“.
In der Nacht vom 19. Feb ruar 1946
setzten die Einheimischen dem Projekt
ein Ende, indem sie den CKW-Gesandten
Fetz mit Gewalt aus dem Hotel und
auf dem Bahntrassee hinunter nach Göschenen
trieben.
Es wurde dann ein anderes Staudammprojekt
umgesetzt, oben auf der
Göscheneralp. Es war die kleinere, aber
auch einfacher zu realisierende Alternative,
der Anfang einer Erfolgsgeschichte,
die weit über das Urserntal hinausstrahlt.
Heute bringt die Wasserkraft
dem kleinen Kanton Uri jährlich 25 Millionen
Franken an Steuereinnahmen ein,
grösster Abnehmer des mit Wasserkraft
produzierten Urner Stroms ist die SBB,
die damit 40 Prozent ihres Jahresverbrauchs
deckt.
Das ist, was Paul Dubachers Wanderwege
und die Andermatter Krawallnacht
gemeinsam haben: Sie sind Symbole
des Wasserschlosses Gotthard. Als
Wasserschloss bezeichnet man Gegenden,
die im Vergleich zu ihrer Fläche
überproportional viel Abfluss erzeugen.
Bergregionen sind aus zwei Gründen
Wasserschlösser, erklärt in einem Telefongespräch
Daniel Viviroli, Geograf
und Gebirgshydrologe an der Universität
Zürich. Erstens regnet es mehr, weil
die Luftmassen über dem Gebirge in die
Höhe steigen und sich abkühlen. Weil
kalte Luft weniger Wasserdampf speichern
kann, entsteht dann überschüssiger
Wasserdampf, der kondensiert und
als Regen oder Schnee niederfällt. Zweitens
sind in den Bergen die Temperaturen
geringer, wodurch die Verdunstung
reduziert ist. Zudem sind die Vegetationsperioden
kürzer, was den Pflanzen
zum Verdunsten dann auch noch weniger
Zeit lässt.
Wie prägend das Wasser für das
Urserntal ist, erkennt man schon, wenn
man sich ihm von Göschenen kommend
nähert. Man muss die Reuss, die sich
ihren Weg durch die Schöllenenschlucht
bahnt, nicht einmal sehen. Es reicht,
über der Teufelsbrücke das Autofenster
runterzukurbeln. Schon hört man den
strömenden Fluss und wird nie wieder
unterschätzen, welche Wassermassen
sich hier oben zu jeder Sekunde des
Tages sammeln.
42 Andermatter
←
Zum Teufel mit ihm! In der Nacht vom 19. Februar 1946 setzten die
Einheimischen dem Stauseeprojekt ein Ende, indem sie
den CKW-Gesandten Karl J. Fetz mit Gewalt nach Göschenen
hinuntertrieben.
←
To hell with him! On the night of 19 February 1946, the locals put an
end to the reservoir project by forcefully driving the CKW envoy,
Karl J. Fetz, down to Göschenen.
Andermatter 43
High up in the Gotthard Massif, at 3,025
metres, between the Witenwasserenstock
and Passo dei Sabbioni peaks,
there is a rocky ledge the size of a table.
Without the 1.5-metre sculpture that
was placed there a few years ago it would
be easy to miss, because nothing else
makes it stand out from its surroundings.
Yet this rocky ledge is special. Rainwater
flows off it in three different directions,
and a breeze is sufficient to change the
direction of the flow. If the wind blows
from the south, a raindrop that falls on
the rocky ledge is directed northwards
and will travel via the rivers Reuss, Aare
and Rhine into the North Sea. If the wind
blows from the north, however, the raindrop
flows into the Bedretto Valley and
from there, via the Ticino and Po into
the Adriatic. If the wind blows from the
east, on the other hand, it directs the
raindrop via Gere Valley in Valais into
the Rhone and then through France to
the Mediterranean.
The rocky ledge at Witenwasserenstock
is Europe’s highest triple continental
water divide. But that’s only what the
experts call it. It is the place where the sea
begins – or, to be more accurate, where
three seas begin. Even if they still have a
long way to go. And it takes a long time - a
water molecule can often flow through
streams and rivers in a few hours, days,
at most. But it can also stay in a lake for
several hundred years before being carried
on its way.
For a long time, only insider circles
knew about the rocky ledge. Now
it is marked with a sculpture and hiking
trails lead there – luckily not the kind that
require twenty years of mountain-climbing
experience to tackle! In all, there are
four possible routes: the Realp Trail via
the Rotondo Hut and Hüenerstock; the
Lucendro Trail via the Gotthard and Lucendro
Passes; the Bedretto Trail via the
Cavanna Pass; and the Furka Trail from
the Furka Pass, also via the Rotondo Hut
and Hüenerstock. All of these trails are a
part of the Four Springs Trail, so named
because the sources of four rivers are
found in the Gotthard Massif: the Rhein,
Reuss, Rhone and Ticino.
The sources of these four rivers and
the water divide at Witenwasserenstock
have been made accessible to the general
public via hill-walking paths created
by Paul Dubacher, nearly eighty years
old, a jack-of-all-hikes, as he likes to call
himself, fit as a fiddle – and in the Uri
region, he’s a veritable legend. One of
seven children, his father worked in the
munitions factory in Altdorf. He first did
an apprenticeship as a bricklayer, then
attended vocational college, where he
trained as a construction foreman, before
managing an architect’s office for
almost forty years. He has also served as
mayor and held many other positions.
Between 2008 and 2012, Dubacher
raised three million francs for the
construction of the Four Springs Trail;
from 2014, a further 1.6 million francs
were necessary to provide access to the
watershed. The work was as arduous as
it was expensive: for several summers,
Dubacher, his brothers and other workmen
hauled stones, using steel winches
and wire ropes to drag boulders weighing
tons across the ground, until paths and
steps emerged that were safe to pass.
Dubacher’s sisters helped with the signposts;
at times, it was something of a family
project. Quite a few helicopter flights
were necessary to transport the helpers
to more remote areas; but on seeing what
a success the hiking trails are today, noone
would deny that it was worth it.
Dubacher has staying power. Over
coffee in Andermatt’s station restaurant,
he talks about his next idea, one that he’s
lobbied for all the way to the Swiss Federal
Council: a circular trail for people
with physical impairments. He says the
project is moving forward and has been
approved, but that there is still a great
deal of work to be done. But if anyone can
do it, he can. During his military service
he was a mountain grenadier, and for
the past two decades he has organised
the annual Gotthard March – another of
his pet projects. The 70-kilometre route
with an altitude difference of 2,000 metres
runs from Seelisberg to the Gotthard
Pass. Even now, he begins every day with
yoga. Paul Dubacher is a man who can be
hard on himself, but he’s easy-going on
those who work with him. He’s a bundle
of energy and humour and enjoys firing
up others with his enthusiasm. Indeed,
you could say he was made for life in the
Ursern Valley.
But that’s not where he’s from; he
was born in the Uri lowlands, where he
still lives today. Up in the Ursern Valley,
he’s a visitor. Nonetheless, his staying
power is typical of the people in this area;
they are famous – infamous in some parts
– for sticking up for themselves and their
causes. Historic examples are plentiful,
but none has resonated for as long as
the incident on the night of 19 February
1946, when the Andermatt Riot went
down in history. A group of 250 people
from Andermatt, Realp and Hospental
stormed Hotel Sonne in Andermatt,
where a certain Karl J. Fetz was staying,
an envoy from the Central Swiss Power
Plants (CKW) who was on a mission to
encourage the Ursern Valley residents to
sell their land.
It was both the climax and the conclusion
of a story that would have meant
the ruin of the valley in the truest sense.
Since the 1920s, a plan had been circulating
to flood the Ursern Valley and create
the largest reservoir in Switzerland by
far. This mammoth project had met with
enthusiasm for miles around. During the
First World War, Switzerland had struggled
with ever-dwindling coal supplies,
and it was anticipated that electricity
from domestic hydropower could power
the country, also in winter and during
times of crisis.
But those responsible had evidently
not reckoned with opposition from the
stubborn, proud Ursern Valley people;
the arrogance they displayed towards the
locals cannot be explained in any other
way. This is how Geri Danioth tells the
story over coffee in the Biselli restaurant.
Danioth is a seventy-five-year-old
retired mechanical engineer and village
guide in Andermatt. On his tour, the story
of the riot in Hotel Sonne is one of
the most popular. Despite being a local,
Danioth didn’t experience the riot firsthand;
his father, who ran a hairdressing
salon in Andermatt, told him the whole
saga.
Three villages – Andermatt, Hospental
and Realp – would have fallen victim
to the reservoir project; the planners
proposed rebuilding them on the slopes
above the new lake. The plan was to seal
off the valley with a rock wall at the upper
entrance to the Schöllenen Gorge, build
a 200-metre-high dam further down
and flood the entire valley plain. Besides
2,000 locals, it would have meant the
forcible relocation of 1,300 head of cattle
and 2,000 goats and sheep.
This did not seem to be a problem
for anyone – except the people affected.
They weren’t about to let their opinions
be swayed by colour brochures
promising a golden age on
the shores of the new lake,
an “alpine Ascona”. On the
night of 19 February 1946, the
locals put an end to the plans
by violently driving the envoy
out of his lodgings and along the
railway line down to Göschenen.
Later, a different reservoir project
was put into action, high up on the
Göschenen Alp. It was smaller in scale
and easier to implement, the start of a
success story that reaches far beyond
the Ursern Valley. Today, hydropower
provides an annual income of 25 million
francs for the small Canton of Uri; the
biggest purchaser of hydroelectricity
produced in Uri is the Swiss Federal Railways
(SBB), which uses it to cover forty
percent of its yearly energy needs.
Paul Dubacher’s hiking trails and
the night of the Andermatt riot have one
thing in common: they are symbols of the
Gotthard water tower. A water tower is a
term applied to areas that have an overproportionate
runoff compared to their
surface area. Mountainous regions are
water towers for two reasons, explains
Daniel Viviroli, a geographer and mountain
hydrologist at the University of Zurich,
over the phone. Firstly, it rains more
in these areas, as air masses rise above
the peaks and cool down. Because cold
air is able to hold less water vapour, excess
water vapour condenses and falls
as rain or snow. Secondly, temperatures
are lower in mountainous regions; this
leads to reduced water evaporation. Vegetation
periods are also shorter, which
means that plants have shorter times to
release vapour.
The remarkable effect this has on
water for the Ursern Valley can be seen
when you approach it from Göschenen.
You don’t even need to see the Reuss
winding its way through the Schöllenen
Gorge. It’s sufficient just to wind down
the window as you drive over Devil’s
Bridge. The sound of the rushing river
water is deafening and from then on,
you’ll never underestimate the mass of
water that accumulates up here, every
second of every day.
44 Andermatter
Andermatter 45
Ein guter Betrieb steht auf festem Fundament,
beginnend mit dem Nachwuchs, den Lernenden.
Die Urnerin Melissa Gisler (18) ist
Restaurationsfachfrau im zweiten Lehrjahr
hier im Radisson Blu Hotel Reussen. Sie
beweist: Qualität lernt sich früh – und zeigt
sich oft am stärksten in den vielen kleinen
Dingen, die ihren Beruf ausmachen.
A good company needs solid foundations, and
these start with those in training - the next
generation of staff. Here at the Radisson Blu
Hotel Reussen, Uri-born Melissa Gisler (18) is
in the second year of her hospitality apprenticeship.
She is proof that the importance of
quality is learned early on, as can be seen in
the attention to small details that come with
her work.
MIT DER
LERNENDEN
MELISSA GISLER
IM RADISSON BLU
HOTEL REUSSEN
A DAY WITH APPRENTICE MELISSA GISLER
AT THE RADISSON BLU HOTEL REUSSEN
Das Radisson Blu Hotel Reussen an der
Piazza Gottardo, dem neuen Dorfplatz von
Andermatt Reuss, leistet vieles auf einmal
– es ist Schwimmbad, Spa- und Wellness-Center,
Restaurant und Café, Bar
(die gerade nach stimmungsvollen Abenden
in der Andermatt Concert Hall zum
beliebten Treffpunkt wird), Tagungs- und
Konferenzort und natürlich Vier- Sterne-
Gasthaus, mit 244 eleganten Hotelzimmern
und Suiten.
Als angehende Restaurationsfachfrau
ist Melissa Gisler also eine Allrounderin
in einem Allroundbetrieb: Sie begrüsst
und berät die Gäste bei der Wahl von Speisen
und Getränken, bedient, serviert und
kassiert, arbeitet im Etagen service der
Hotellerie, unterstützt bei der Planung
und Durchführung von Veranstaltungen,
Konzerten und Banketts, ist für die Dekoration
der Tische und die Kontrolle und
Lagerung von Waren zuständig, spezialisiert
sich zudem als Barista und lernt auch
noch das Barkeeper-Handwerk – langweilig
wird ihr also bestimmt nie.
Die Schweiz, das Land der Berufsbildung:
Rund zwei Drittel aller Jugendlichen
erlernen nach der obligatorischen Schule
hierzulande einen Beruf, zwischen rund
230 offiziellen Berufslehren konnte Melissa
wählen. Sie entschied sich mit Restaurationsfachfrau
für eine eher neuere
Berufs ausbildung, die aufgrund des sich
verändernden Anforderungsprofils in der
Hotellerie und Gastronomie entstanden
ist und gerade im Kanton Uri lange eher
eine Seltenheit war. Melissas Ausbildung
steht damit exemplarisch für die zahlreichen
neuen Arbeitsplätze und Lehrstellen,
die durch das Tourismusprojekt Andermatt
hier entstanden sind, für den Wandel
dieser Region.
Bereut hat Melissa ihre Wahl keine
Sekunde, obwohl ihr eigentlich eher eine
Lehre als Praxisassistentin in der Dentalhygiene
vorschwebte. Als sie von ihrem
Wohnort Altdorf aus spontan an einen
Berufsinfotag ins The Chedi Andermatt
fuhr, spürte sie sofort: Das könnte etwas
sein für sie. Spätestens nach drei-, viermal
„schnuppern“, also Kurzpraktika in diversen
Betrieben, war ihr klar, das ist ihr Job.
Melissa schätzt besonders den Kontakt
mit den Gästen und daher den Abendservice
im hoteleigenen Restaurant Spun.
Auch der gute Umgang im Team liegt ihr
sehr, was man sich bei der sympathischen
und sprachgewandten Urnerin gut vorstellen
kann. Aber auch die Arbeit mit
Lebensmitteln und natürlich die Zubereitung
von warmen und kalten Getränken
haben es ihr angetan: Von allen Cocktails
mixt sie am liebsten Espresso Martinis,
da kommen auch die beiden Getränkesorten
zusammen, auf die sich Melissa in
der Ausbildung spezialisiert hat, als Barkeeperin
und Barista. An der Latte Art, der
WORDS BY STUDIO VOILE
PHOTOGRAPHY BY CONSTANTIN MIRBACH
höchsten Kunst der Kaffeezubereitung,
übe sie derzeit noch, wobei die vor unserem
Gespräch servierten Heissgetränke
keine Wünsche offenliessen.
Zur Berufslehre gehört auch der
über betriebliche Kurs, die „Berufsschule“,
die Melissa in Interlaken absolviert,
zweimal pro Jahr ist sie für fünf Wochen
dort. Ihren Wohnort Altdorf scheint sie
nur noch selten zu vermissen. Sie hat
längst ein Studio in Andermatt, und ihre
Freundinnen und Freunde aus Altdorf
besuchen sie umso lieber, gerade an den
Wochenenden. Nach dem Lehrabschluss
möchte sie gern noch eine Saison in Andermatt
bleiben, dann bestimmt noch
ein bisschen Zeit im Ausland verbringen,
am liebsten in Frankreich, um ihr Französisch
aufzubessern, denn die erste
Fremdsprache Englisch spricht Melissa
schon fliessend.
Das Ziel ist, irgendwann das Abendmanagement
zu übernehmen, vielleicht
sogar hier in Andermatt? Ihren Lehrmeister
Andi Meier, General Manager des
Radisson Blu Reussen, würde es bestimmt
freuen – er ist mehr als zufrieden mit einer
der jüngsten seiner rund 100 Mitarbeitenden,
die allesamt dafür sorgen, dass dieser
Grossbetrieb auf allen Ebenen tagtäglich
auf höchstem Niveau funktioniert.
Andermatter 47
RADISSON BLU HOTEL
REUSSEN – NACHHALTIGKEIT
PAR EXCELLENCE
Das Radisson Blu Hotel Reussen legt grossen
Wert auf ökologische Nachhaltigkeit: Geheizt
wird das Vier-Sterne-Haus zu 100 Prozent
mit CO 2-neutraler Fernwärme, die Holzschnitzel
stammen aus dem Kanton Uri sowie aus
einer Sägerei in Airolo und haben einen Weg
von weniger als 50 Kilometer hinter sich.
Der Strom stammt ausschliesslich aus Wasserund
Windkraft aus der Gotthardregion. Im
Niedrigenergiestandard gebaut, nutzt das
Hotel z. B. ein Frischluftsystem für alle Zimmer
und regelt die Zimmertemperatur über die
Fuss bodenheizung, ohne Klimaanlage. Direkt
vor dem Hotel gibt es eine Ladestation für
Elektrovelos, in der Tiefgarage Andermatt Reuss
Parking stehen für Elektroautos sechs Ladestationen
mit 22 kW und weitere sechs Ladestationen
mit 11 kW zur Verfügung.
The Radisson Blu Hotel Reussen places great
value on ecological sustainability. This four-star
hotel is heated entirely with carbon-neutral
district heating using wood chips sourced from
the Canton of Uri and a sawmill in Airolo with
a transport distance of less than fifty kilometres.
Electric power is obtained exclusively from
hydroelectric plants and wind power in the
Gotthard region. Built to comply with low-energy
standards, the hotel uses a fresh-air system
for all rooms, for example, and regulates room
temperature by radiant flooring – without air
conditioning. A charging station for electric
bikes is located directly in front of the hotel, and
the underground car park, Andermatt Reuss
Parking, offers six charging stations with 22 KW
and six charging stations with 11 KW.
The Radisson Blu on Piazza Gottardo,
the new village square in Andermatt
Reuss, serves multiple purposes. It is a
swimming pool, spa and wellness centre,
a restaurant and a café; its bar is a popular
meeting place, especially after enjoyable
evening shows at the Andermatt
Concert Hall; and it is a symposium and
conference centre, not to mention a fourstar
hotel with 244 rooms and suites.
As a professional catering apprentice,
Melissa is an all-rounder in an allround
enterprise. She welcomes restaurant
guests and helps them choose their
food and beverages ; she serves, waits
tables and takes care of payment; she
provides hotel room service, supports
the smooth running of events, concerts
and banquets; she decorates tables, inspects
and stores goods deliveries, has
specialist barista training and is learning
the art of barkeeping. In other words, her
work is never dull!
Switzerland is a country with a
strong tradition of vocational training:
about two-thirds of young people do
an apprenticeship after finishing compulsory
schooling. Melissa could have
chosen any one of around 230 official
apprenticeships. She decided on one of
the newer vocational courses, created in
response to changing work requirements
in the hotel and gastronomy sector, and
one that is less common, especially in
the Canton of Uri. Melissa’s training is
a good example of numerous new jobs
and apprenticeships that have arisen
from the Andermatt tourism project and
illustrates the changes taking place in
this region.
And she doesn’t regret her choice,
despite originally seeing herself train to
be an assistant at a dental hygiene practice.
At the job information day at The
Chedi in Andermatt, which she attended
on the spur of the moment from her
home in Altdorf, she immediately felt
that this could be just the line of work she
was looking for. After three or four trial
runs – short internships with various departments
– she was convinced that this
was the apprenticeship for her.
Melissa especially enjoys contact
with hotel guests, which is why she likes
working in the evening at the hotel’s own
restaurant, the Spun; she also likes the
close-knit team spirit among the staff,
which is easy to imagine thanks to her
pleasant, eloquent manner. What’s more,
she has taken a liking to food preparation
and, of course, preparing warm and cold
drinks: her favourite cocktail to mix is
an Espresso Martini, as it combines two
types of drinks that she specialised in
preparing during her training as a barkeeper
and barista. And whilst she might
still be perfecting the art of making lattes,
the hot drinks served before we sit down
for our chat are flawless.
Included in the apprenticeship is
an external course at a vocational college,
which Melissa attends in Interlaken
for five weeks twice a year. She doesn’t
seem to miss her hometown of Altdorf
much; after all, she has long since moved
into a studio apartment in Andermatt,
and her friends from home love to visit,
especially at the weekends. Once her
training is finished, she would like to stay
in Andermatt for a season and then definitely
spend a period abroad, preferably
in France to improve her French; she is
already fluent in English, her first foreign
language.
Melissa’s goal is to manage the dinner
service one day, perhaps even here in
Andermatt. Her instructor, Andi Meier,
the General Manager of the Radisson Blu
Reussen, would certainly be happy if she
did. He is more than satisfied with the
youngest of his approximately 100 colleagues,
a team that ensures this largescale
operation works at the highest level
in all areas.
RESTAURANT SPUN
Das hoteleigene Restaurant Spun ist ein kulinarischer
Spiegel der Region: Die verwendeten
Alpenkräuter stammen im Sommer aus dem Tal,
der Honig aus dem Urner Unterland, das Fleisch
aus der Dorfmetzgerei Spahni, der Kaffee von
Hochstrasser aus Luzern, und wer mag, probiert
ein Bier aus Uri oder Wein aus den angrenzenden
Kantonen. Regionalität steht im Zentrum:
„Spun“ ist ein Flurname aus dem Unteralptal und
dem englischen Begriff für Löffel ähnlich. Und
so findet sich auf den Tellern eine Swiss Local
Cuisine mit internationalen Einflüssen, eine moderne
Interpretation der traditionellen Schweizer
Küche, innovativ, aber bodenständig.
Chefkoch Alberto Galimberti zeigt die kulinarische
Vielfalt der Region, verarbeitet Nose to
Tail, bietet auch feine vegetarische und vegane
Gerichte an. Vom Jus bis zu den Getränken ist
hier alles selbst gemacht und frisch, so auch die
Cocktails an der Bärbar in der Eingangshalle
des Radisson Blu Reussen.
Wer bereits am Morgen kommen mag oder im
Hotel übernachtet, kann sich besonders auch
auf das herrliche Frühstücksbuffet freuen, das
keine Wünsche offenlässt.
The hotel’s Restaurant Spun reflects the region’s
culinary tastes: the alpine herbs used in the
kitchen in the summer come from the valley, the
honey is from Uri’s lowlands, the meat is bought
from village butcher Spahni, the coffee is from
the Lucerne-based company Hochstrasser, and
beer or wine from the neighbouring cantons
can be served if desired. Regional products are
the focus: “Spun” is a place name originating
from the Unteralp Valley and is similar to the
English word “spoon”. Local Swiss cuisine is
served here with international influences, a
modern spin on Swiss culinary heritage, innovative
but rooted in tradition.
Head Chef Alberto Galimberti presents the culinary
diversity of the region, practises nose-totail
food preparation, serves delicious vegetarian
and vegan dishes, and everything, from the
jus to the drinks, is freshly prepared, including
the cocktails at the Bär Bar in the foyer of the
Radisson Blu Reussen.
Morning visitors and hotel guests particularly
look forward to the superb breakfast buffet that
caters to every taste.
Reservations: +41 41 888 11 59 or
restaurants.andermatt@radissonblu.com
Dinner:
Breakfast:
Bar “Bärbar”:
6:00 pm – 10:00 pm
Weekdays 7:00 am – 11:00 am
Weekends: 7:00 am – 12:00 pm
Mon – Sun: 12:00 pm – 1:00 am
48 Andermatter
Andermatter 49
GIPFELSTÜRMER DER KLASSIK
TREFFEN SICH
BEI UNS IN ANDERMATT
—
PROGRAMM &
TICKETS
50 Andermatter
ANDERMATTMUSIC.CH
Andermatt Music –
Concerts 2025
SA, 5. JULI 2025,
19.30
Rising stars –
Klavier-Rezital
SO, 6. JULI 2025,
17.00
La Scala –
Sinfoniekonzert
PHOTOGRAPHY: ANDERMATT MUSIC, VALENTIN LUTHIGER
Zwei grosse Talente der Lang
Lang International Music
Foundation zeigen ihr
beeindruckendes Können und
spielen beliebte Werke von
Bach, Beethoven, Brahms,
Chopin u. a. Das Konzert findet
in Kooperation von Andermatt
Music und Swiss Alps Classics
statt.
Two great talents from the
Lang Lang International Music
Foundation reveal their
remarkable skill in popular
works by Bach, Beethoven,
Brahms, Chopin and others.
This concert is a collaboration
between Andermatt Music
and Swiss Alps Classics.
.
Zum Saisonfinale ist die
Filarmonica della Scala zu
Gast in Andermatt. Ganz ohne
Gesang brilliert das Orchester
mit Werken von Mendelssohn
und Beethoven. Das Konzert
findet in Kooperation von
Andermatt Music und Swiss
Alps Classics statt.
Our season finale in Andermatt
features the Filarmonica
della Scala. Their dazzling
programme comprises works
by Mendelssohn and
Beethoven. This concert is a
collaboration between
Andermatt Music and Swiss
Alps Classics.
SA, 7. JUNI 2025,
19.30
Schatzkammer Schweizer
Sinfonik – Sinfoniekonzert
SO, 8. JUNI 2025,
19.30
Fazıl Say in concert –
Sinfoniekonzert
DO, 25. SEPTEMBER 2025,
19.30
Budapest Festival Orchestra –
Sinfoniekonzert
SO, 30. NOVEMBER 2025,
17.00
Tell, Swiss Legend! –
Sinfoniekonzert
Gemeinsam mit dem Swiss
Orchestra präsentiert die
Mezzosopranistin Marie-Claude
Chappuis Orchesterlieder
des Lachener Komponisten
Joachim Raff. Ausserdem auf
dem Programm stehen Werke
von Mendelssohn, Wagner
und Walter.
Accompanied by the Swiss
Orchestra, mezzo-soprano
Marie-Claude Chappuis
presents orchestral songs by
Joachim Raff, a native of
Lachen in Canton Schwyz. This
programme also features
works by Mendelssohn,
Wagner and Walter.
Mit seinem aussergewöhnlichen
pianistischen Vermögen
berührt Fazıl Say sein Publikum
seit Jahrzehnten. Die Konzerte:
mitreissend, aufregend,
inspirierend. In Andermatt
spielt der Ausnahmemusiker
Klavierkonzerte von Mozart
und Schostakowitsch.
For decades now, audiences
have been moved by the
extraordinary pianistic ability of
Fazıl Say, whose concerts are
captivating, exciting and
inspiring. In Andermatt, this
exceptional musician will play
piano concertos by Mozart and
Shostakovich.
Zur Eröffnung der Saison
2025/26 gibt das Budapest
Festival Orchestra unter der
Leitung von Iván Fischer sein
Debüt in der Andermatt
Konzerthalle. Neben Klassikern
erklingt als besonderes
Highlight Fischers „Dance
Suite“ mit Guy Braunstein an
der Sologeige.
To open the 25/26 season,
Budapest Festival Orchestra
under the direction of Ivan
Fischer will make its debut in
Andermatt Concert Hall.
Besides various classics, a
special highlight will be
Fischer’s Dance Suite with Guy
Braunstein on solo violin.
Wilhelm Tell, die wohl
sagenhafteste Figur der
Schweizer Geschichte, steht
im Zentrum des Swiss-
Orchestra-Konzerts mit der
bezaubernden Pianistin Olga
Scheps. Neben Rossinis
Tell-Ouvertüre und Hubers
Tell-Sinfonie erklingt Tschaikowskis
1. Klavierkonzert.
Wilhelm Tell, arguably the
most legendary figure in Swiss
history, takes centre stage in
the Swiss Orchestra concert
featuring the enchanting pianist
Olga Scheps. The programme
includes Rossini’s
William Tell Overture, Huber’s
Tell Symphony, and Tchaikovsky’s
Piano Concerto No. 1.
52 Andermatter
Andermatter 53
FLOTTER AUF
SCHOTTER
MIT
MAX KÜNG
CRUSHING THE GRAVEL TRAILS
WITH MAX KÜNG
WORDS BY MAX KÜNG
PHOTOGRAPHY BY CONSTANTIN MIRBACH
Kult-Autor Max Küng liebt Fahrradtouren,
vor allem auf seinem Gravel- Bike.
Seine Tour von Andermatt zur Vermigelhütte
und zurück lässt ihn
nachdenken, abschalten, manchmal
staunend absteigen, Bilder schiessen –
und überglücklich heimreisen.
Cult author Max Küng is a keen cyclist,
par ticularly on his gravel bike. His
journey from Andermatt to the
Ve r migel Hut and back gave him the
opportunity to contemplate, unwind
and dismount in wonder, stopping
to take some snaps before returning
home duly delighted.
MAX KÜNG
Max Küng ist Reporter, Kolumnist, Autor und leidenschaftlicher
„Gümmeler“, also Hobby-Rennradfahrer. Er ist auf
einem Bauernhof in Baselland aufgewachsen, heute
lebt der gelernte Bankkaufmann, Computerprogrammierer
und Journalist in Zürich, wo er auch als Grafiker,
DJ und Theaterkomponist bekannt ist. Schweizweit
geliebt wird Max Küng für seine Texte, vor allem seine
Kolumne in „Das Magazin“, sowie natürlich auch für
seine Bücher, zuletzt „Fremde Freunde“ (Kein&Aber).
Max Küng is a reporter, columnist, author and passionate
bike-racing buff. Raised on a farm in the Canton of
Baselland, the qualified banker, computer programmer
and journalist currently lives in Zurich, where he is also
well-known as a graphic designer, DJ and theatre
composer. Max Küng is popular throughout Switzerland
for his texts (especially for his column in Das Magazin)
and, of course, as a novelist. His most recent book is
Fremde Freunde, published by Kein&Aber.
Irgendwann musste ich anhalten und vom Rad absteigen.
Ich hielt nicht, weil ich nicht mehr konnte oder
wollte, die körperliche Anstrengung zu gross gewesen
wäre, nein. Zwar ging das Herz ganz schön schnell,
ich spürte es im Schädel oben pochen, und auch
die Lunge pumpte so richtig. Alles ganz normal, ich
war ja in den Bergen unterwegs; da gehört eine
gewisse Steilheit hin und wieder dazu. Ist auch gut
so, denn jeder einzelne Herzschlag sagt einem, dass
man lebendig ist – ein durchaus gutes Gefühl. Der
Stopp hatte also einen ganz anderen Grund: Es war
die Landschaft, die mich umgab, die gerade jetzt
so unfassbar schön anzuschauen war – viel zu schön,
um einfach an ihr vorbeizuradeln. Also hielt ich an,
kramte mein Handy aus der Trikottasche, machte
ein Foto von der Szenerie, dem kleinen Wasserfall
rechterhand, den Bergen dahinter, Gemsstock
und Pizzo Centrale, und noch ein Foto … und noch
eins. Ich wusste natürlich, dass ein Handyfoto niemals
einen Moment wie diesen einfangen kann. Aber
schon nur als Erinnerung an die Erinnerung lohnte
es sich bestimmt. Ich stieg dann bald wieder auf
mein Gravel-Bike und fuhr weiter auf der Schotterstrasse,
die mal gerade, mal kurvig verlief und
schliesslich hinter einem Felsen verschwand. Sie war
steil, sie war flach – und vor allem: niemals gleich
wie davor.
So folgte ich weiter der Unteralpreuss, dem
schmalen Gewässer, das Richtung Andermatt und
Reuss fliesst, während ich in die andere Richtung
fuhr, bergwärts zur Vermigelhütte, meinem Ziel auf
2’042 m ü. M., ich kam gut voran.
Ein Gravel-Bike – kurz für alle, die mit dem Begriff
(noch) nicht vertraut sind – ist nichts anderes
als ein Rennrad der robusteren Sorte, mit dickeren
Reifen und angenehmer Geometrie. Man kann
dorthin fahren, wo man auf dem normalen Rennrad
kapitulieren müsste. Ein Gravel-Rad ist zwar
Andermatter 55
→
Ein Gravel-Bike ist nichts anderes
als ein Rennrad der robusteren Sorte:
Man kann dorthin fahren, wo
man auf dem normalen Rennrad
kapitulieren müsste.
→
A gravel bike is nothing more than a
somewhat more-robust road bike.
You can ride it to places that a normal
road bike could never take you.
ungefedert, aber dennoch leichter als ein Mountainbike,
man ist damit folglich auch flotter unterwegs – und
doch langsam genug, um alles zu sehen und einzusaugen,
die Welt um sich herum wahrzunehmen.
Die Betriebsamkeit von Andermatt war längst vergessen,
ich hatte alles hinter mir gelassen, auch den
Verkehr. Eine der grössten Vorteile des Gravel-Bikes
gegenüber dem Rennvelo und den geteerten Strassen:
Man muss seinen Weg selten mit anderen teilen – und
wird auf den Schotterwegen nicht von Motorradgruppen
im Affentempo überholt. Was ebenso grossartig ist beim
ungestörten Velofahren abseits vielbefahrener Strassen
und auf technisch nicht zu anspruchsvoller Strecke:
Man kann gut über dieses und jenes nachdenken. Während
man kurbelt und kurbelt, versinkt man in der
Landschaft und seinen Gedanken – bis man den Punkt
erreicht, an dem das Denken ganz aufhört, man in einen
Flow kommt, das Gehirn im Endorphinsud niedergart.
Die letzten Meter bis zur Hütte waren dann
nochmals steil, und zwar so richtig jäh und giftig. Aber
eben: Es waren nur noch ein paar Meter – und oben
angekommen hörte ich nichts als meinen Atem, der sich
langsam beruhigte, sowie das Plätschern des Brunnens
mit dem geschnitzten Biber, auf der Terrasse vor
der geschlossenen Hütte, wo ich meine Trinkflasche
auffüllte.
Das ist ja immer wieder das Erstaunliche bei allen
Fahrradtouren, seien sie noch so weit oder kurz: Man
fährt über Hügel, Berge und durch Täler, kommt an
Orte, die man noch nie zuvor gesehen hat. Diese wirken
oft surreal, wie aus der Zeit gefallen, im wahrsten Sinne
des Wortes traumhaft. Als sei man in einer Parallelwelt
gelandet. Bei der Vermigelhütte legte ich mich neben
meinem Velo ins weiche Gras und schloss die Augen. Es
war ein Moment, der nur mir gehörte. Und um ein Haar
wäre ich eingeschlafen – bis der Ruf eines Raubvogels
am Himmel mich zurück auf den Berg brachte.
Die Fahrt ins Tal erfolgte auf demselben Weg, auf
dem ich gekommen war. Das mag langweilig klingen,
war es aber nicht. Ganz im Gegenteil. Ich liebe Sackgassen!
Man sieht, was man zuvor schon gesehen hat,
aber von der anderen Seite – und in einem ganz anderen
Tempo. Man erfährt in anstrengungsloser Schussfahrt,
was man geleistet und wofür man geschwitzt hat.
Jedenfalls kam ich mit einem Grinsen zurück nach
Andermatt, zurück ins Dorf, zurück zu den Menschen
und den Häusern und den Autos und der ganzen
Betriebsamkeit.
Ich war nach dieser kurzen Ausfahrt hoch zur Vermigelhütte
nicht gescheiter, als ich es zuvor gewesen
war, aber definitiv glücklicher. Und auch abends noch,
nach der Rückkehr von Andermatt zurück in die Stadt, in
der ich lebe, als ich also wieder unter die Nebeldecke
gekrochen war, dachte ich an das, was ich zuvor erlebt
hatte, dort oben und fernab der Welt, und was noch
in meinem Körper nachhallte: ein kleines, feines
Abenteuer.
56 Andermatter
There came a point when I just had to stop my bike and
dismount. Not because I couldn’t or didn’t want to
go further, or because I was physically exhausted – anything
but. Yes, my heart was pounding; I could feel it
thumping all the way to the top of my head and my lungs
were also working hard. Nothing unusual about that,
after all I was cycling in the mountains and from time
to time the route was steep. My body was working
normally; after all, every beat is your heart’s way of
letting you know that you’re alive – and it’s a really great
feeling.
No, I stopped for a completely different reason:
the scenery all around me was so extraordinarily
breath taking that I had to stop and take it in. It was too
amazing to simply cycle past. So I came to a stop,
dug my mobile out of the pocket of my cycling jersey
and began snapping photos of the landscape: the small
waterfall on the right, the mountains behind it, the
Gemsstock and Pizzo Centrale… And then another
photo, and another – well aware that a phone snapshot
could never truly capture a moment like this. But as a
memento of the moment, they would surely be worth it.
I eventually got back on my gravel bike and continued
down the gravel road, which was sometimes straight,
sometimes winding, and at length disappeared behind a
rock. The road was steep, then flattened out, but above
all, it never stayed the same.
And so I continued alongside the Unteralpreuss, the
narrow river flowing downwards towards Andermatt
and Reuss, cycling in the opposite direction towards my
destination at 2,042 metres above sea level, the Vermigel
Hut. I made good progress.
A gravel bike, for those unfamiliar with the term, is
nothing more than a somewhat more robust road bike,
with thicker tires and a more relaxed geometry. You can
ride it to places that a normal road bike could never take
you. A gravel bike may not have suspension but it is
lighter than a mountain bike, so you’re moving faster
– and yet still slow enough to see and absorb everything,
to take in the world around you.
The hustle and bustle of Andermatt was now
behind me, along with the traffic. One of the biggest advantages
of a gravel bike compared with racing bikes
and asphalt roads is that you rarely have to share your
route with others – and on gravel paths, you’re never
going to be overtaken by a hoard of careening motorcyclists.
Cycling undisturbed, far from busy roads and
on routes that are not too technically demanding, means
you really have the freedom to let your mind wander.
As you pedal on, you immerse yourself in the scenery and
your thoughts until you reach the point where thinking
stops completely. You become one with the flow as your
brain simmers in endorphins.
The last couple of metres to the hut became steep
again and it was a real challenge to reach the top. But,
hey! Those were the last few metres – and once I arrived,
all I could hear was the sound of my own breathing,
which slowly calmed, and the bubbling fountain with
the carved wooden beaver where, on the terrace in front
of the closed hut, I filled up my drinking bottle.
That’s always the amazing thing about bicycle outings,
no matter how long or short: you travel over hills
and mountains and into valleys and come across places
you’ve never seen before – places that often seem almost
surreal, and that look as if they come from another era,
literally dreamlike. As if you have landed in a parallel
world. At the Vermigel Hut, I lay down next to my bike in
the soft grass and closed my eyes. It was a moment that
belonged to me alone. I almost fell asleep, until the call
of a bird of prey in the sky brought me back to the
mountain.
The way back down into the valley was the same
route as the one I came by. That might sound boring, but
it wasn’t. On the contrary, I love linear routes! You get to
see everything you saw before, but in reverse and at a
completely different pace. As you shoot effortlessly
downhill, you discover what you accomplished and built
up a sweat for. In any event, there was a grin on my face
when I reached Andermatt and returned to the village,
the people, the houses, the cars, and the hustle and
bustle.
I can’t say I was any saner after my short ride up to
the Vermigel Hut, but I was definitely happier. This
feeling continued into the evening after I had returned
from Andermatt to the city that is my home. As I crawled
once again under its blanket of fog, my thoughts
travelled to what I had just experienced far above and
away from the world, and what still resonated in me
physically: a short, exquisite adventure.
MAX KÜNGS ANDERMATTER
LIEBLINGS-GRAVEL-ROUTE
Zur Vermigelhütte sind es ab Andermatt neun Kilometer und
620 Höhenmeter. Man fährt aus dem Dorf auf der Strasse
Richtung Oberalppass. Bei der dritten Kurve, kurz nach der
Kapelle St. Wendelin, biegt man rechts ab ins Unteralptal
und folgt der für einen Kilometer noch geteerten Strasse,
dann beginnt die schöne Schotterstrecke. Sich zu verfahren,
ist unmöglich.
Technisch Versierte können auch die etwas anspruchsvollere
Anfangsvariante mit Singletrail-Passagen ab
Talstation Gems stockbahn wählen: Man folgt der Alpine-
Bike-Route 1 auf der rechten Seite des Unteralptals, bevor
man beim Spielplatz unterhalb Hohbiel auf der Brücke
den Fluss überquert und auf die Unteralpstrasse einschwenkt.
So kommen noch ein paar Höhenmeter hinzu.
Die Route zur Vermigelhütte ist übrigens eine der sieben
Strecken von „Octopus Andermatt“, dem alljährlichen
Sommer-Gravel-Event (www.epicos.cc) – wer dort alle
sieben Arme des Schotterpisten-Tintenfischs schafft, hat
am Ende des Tages nicht weniger als 4’450 Höhenmeter
und 155 Kilometer in den Beinen.
MAX KÜNG’S FAVOURITE
GRAVEL ROUTE IN ANDERMATTE
The Vermigel Hut (Vermigelhütte) is located 620 metres
above and nine kilometres away from Andermatt. You leave
the village via the road to the Oberalp Pass. At the third
curve, shortly after St. Wendelin Chapel, turn right onto the
road into the Unteralptal valley. The road remains paved
for one kilometre before turning into a beautiful gravel road.
It is impossible to get lost.
Experienced cyclists can choose the somewhat more
challenging alternative, which starts with a narrow single trail
leaving from the base station of the Gemsstock cable car.
From there, follow Alpine Bike Route 1 along the right-hand
side of the Unteralptal valley until crossing the river on the
bridge at the playground below Hohbiel and turning onto
Unteralpstrasse. This route adds a few metres of elevation. By
the way, the gravel road to the Vermigel Hut is one of the
seven routes of “Octopus Andermatt”, the area’s annual
summer gravel event (www.epicos.cc). If you manage to do
all seven arms of the “gravel octopus”, by the end of the
day, your legs will have conquered no less than 4,450 metres
of altitude difference and 155 kilometres.
58 Andermatter
EIN PERFEKTES
ZUHAUSE, WENN DIE
NATUR BLÜHT:
WORDS AND PHOTOGRAPHY
BY CHANEL KAH YIN LIANG
Am Fusse des Tiefengletschers beim
Furkapass, auf 2’542 m ü. M., liegt
die Albert-Heim-Hütte. Sie ist der
ide ale Ausgangspunkt für atem beraubende
Wanderungen mit langen
Sonnenauf- und -untergängen –
sowie für Gourmet-Menüs, während
draussen die Natur erwacht.
At the foot of the Tiefen Glacier near
the Furka Pass, the Albert Heim Hut
lies at 2,542 metres above sea level.
It is the ideal starting point for breathtaking
hikes, drawn-out sunrises
and sunsets and gourmet menus,
a place where you can watch nature
come alive.
Es ist sonnig und wieder etwas wärmer am Morgen; Zeit,
um die Ruhe und Schönheit der Natur zu geniessen. Wir
haben unser Auto beim Hotel Tiefenbach parkiert und
gehen auf grünen Pfaden über moosbedeckte Hügel und
raue Felsen in einer weichen, bunten Vegetation. Nach
etwa der Hälfte des Wegs erreichen wir ein Plateau mit
weitem Blick auf die umliegenden Berge und Täler. Die
Wolken hängen tief und verhüllen die Gipfel – eine mystische
Szenerie, die sich mit dem einfallenden Sonnenlicht
ständig verändert. Wir halten kurz inne und halten
fest, was die Kamera nicht abbilden kann.
Am Mittag erreichen wir die Berghütte: ein wahres
Kleinod, frisch renoviert mit gemütlichen, modern ausgestatteten
Räumen. Wir werden herzlich begrüsst, ruhen
uns kurz aus in unserem Sechserzimmer, das wir ganz
für uns allein haben.
Die Nachmittagswanderung führt uns auf dem „Nepali
Highway“, wie er auf der Karte eingezeichnet ist, zu
einem kleinen abgelegenen Gletschersee. Die silbernen
und grauen Töne des Gesteins, kombiniert mit dem satten
Blau des Eises, das in kristallklaren Nuancen schimmert,
dazu die tiefblauen, fast kristallinen Farben des
ALBERT-
Gletschers: atemberaubend. Man kann förmlich spüren,
wie der Gletscher hier einst das gesamte Tal bildete.
Zurück zur Hütte, dann direkt weiter zum nahegelegenen
Gipfel, dem Schafberg. Der Aufstieg dauert etwa
20 Minuten, die Belohnung ist die Aussicht. Obwohl die
Wolken den Blick auf den Sonnenuntergang verdecken,
können wir uns gut vorstellen, wie magisch dieser Ort an
einem klaren Abend sein muss.
Wieder zu Hause Alphüttenstimmung, wie sie sein
soll. Einige Gäste spielen Karten oder Brettspiele, während
andere entspannt bei einem Glas beisammensitzen
und die Erlebnisse des Tages Revue passieren lassen. Wir
nehmen an einem Holztisch Platz und werden mit einem
köstlichen Apéro begrüsst, bevor ein deliziöser Fünfgänger
serviert wird – was wollen wir mehr?
Am nächsten Morgen stehen wir früh auf, machen
uns in der noch kalten Morgenluft auf den Weg Richtung
Blaubergstock, wo ein farbenprächtiger Sonnenaufgang
auf uns wartet: Die Berge erstrahlen in sanftem Licht,
während die Wolken sich langsam aus den Tälern verziehen
– die Natur erwacht.
Gut vier Stunden später sind wir wieder in der Hütte,
stärken uns mit einer der besten Rösti, die ich je gegessen
habe, und geniessen ein Stück Kuchen. Schon ist
es Zeit für den Rückweg – wir sind immer noch ganz
verzaubert von all den Farben, die wir während dieser
zwei Tage gesehen haben. Von der Ruhe der Berge und
der gemütlichen Atmosphäre der Berghütte sind wir nun
also zurück auf dem Parkplatz, überall blüht noch die
Natur in und neben uns, der Sommer kann kommen.
60 Andermatter
THE PERFECT OVERNIGHT STAY TO SEE
NATURE COME ALIVE – ALBERT HEIM HUT
HEIM-HÜTTE
Andermatter 61
FREITAGSSCHMAUS:
FÜNF-GANG-GOURMET-MENÜ
IN DER ALBERT-HEIM-HÜTTE
CHANEL KAH YIN LIANG
Selbst gemachte Focaccia mit Fenchel und Birne, ein
Glas Johan nisberger-Weisswein. Der Duft des frisch gebackenen
Brots liegt noch in der Luft, als uns ein bunter Gersten-
Gemüse- Salat mit geräucherter Forellenmousse auf knusprigen
Blätter teigkissen serviert wird. Auf eine aromatische Suppe
mit selbst gebackenen Brötchen folgen gleich zwei Hauptgänge
in kleinen Portionen: eine herzhafte Spätzli-Pilz-Pfanne
mit Bohnen und zarten Pouletspiessen im Speckmantel sowie
eine zarte Schweins-Saltimbocca auf cremigem Weissweinrisotto,
mit Cherrytomaten und Zucchiniwürfeln. Abgerundet
wird das Menü von einem saftigen Apfelstrudel mit Vanillesauce
und Schokoladekuchen.
Die mehrmals im Sommer angebotenen Fünfgangmenüs in der
Albert-Heim-Hütte runden den Aufenthalt in der heimeligen
Berghütten-Atmosphäre perfekt ab. Sie werden an ausgewählten
Freitagen serviert und können online gebucht werden
auf: www.albertheimhuette.ch
Homemade focaccia with fennel and pear, a glass of Johannisberg
white wine. The aroma of freshly baked bread still fills
the air as we are served a colourful barley and vegetable salad
with smoked salmon mousse on crispy puffed-pastry parcels.
An aromatic soup with home-baked rolls is followed by two
petite main courses: a hearty spätzli (traditional Swiss egg pasta)
and mushroom dish with beans and tender skewered chicken
wrapped in bacon, as well as pork saltimbocca on creamy white
wine risotto with cherry tomatoes and cubed courgettes. For
dessert, a moist apple strudel is served with custard and chocolate
cake.
The five-course menus offered several times during the summer
at the Albert Heim Hut perfectly complement the snug alpine
atmosphere of the hut. They are served on selected Fridays and
can be booked online at www.albertheimhuette.ch.
It is sunny and the mornings are slightly warmer – time
to once again relish the serenity and beauty of nature.
After parking our car at Hotel Tiefenbach, we walk up
green paths, over mossy hillocks and rugged rocks, into
gentle, colourful vegetation. At the halfway point, we
arrive at a plateau with an alluringly expansive vista of
the surrounding mountains and valleys. Low-hanging
clouds swathe the peaks, conjuring a mystical, constantly
changing scene in the slanting sunlight. We stay there
for a few moments, taking in what the camera cannot
capture.
At midday, we reach the mountain hut. It is a real
gem that has been recently renovated, its cosy rooms now
with modern fittings. We are warmly welcomed before
taking a short rest in our six-berth room, which we have
all to ourselves.
Our afternoon hike takes us via the “Nepali Highway”,
as the map calls it, to a small, remote glacial lake.
The silver and grey tones of the rock, in combination with
the intense blue of the shimmering, lucent ice and crystalline
glow of the glacier, are simply breathtaking. We
can truly feel how the glacier once shaped this entire
valley.
Chanel Kah Yin Liang ist Creative Lead und Digital Art
Director, spezialisiert auf Lifestyle, Mode, Kultur und
zeitgenössische Kunst. Sie ist die Gründerin des Mountain
Rookie Clubs, einem Outdoor-Club, der Anfängern
hilft, die Natur zu erkunden und zu erleben.
Chanel lebt in Zürich und liebt neben Kunst und Design
Outdoor-Aktivitäten, gerade auch in den Bergen.
www.chakahlia.com
Chanel Kah Yin Liang is a creative head and digital art
director who specialises in lifestyle, fashion, culture and
contemporary art. She is the founder of the Mountain
Rookie Club, an outdoor club that helps beginners
explore and experience nature. Chanel lives in Zurich
and, as well as being an art and design enthusiast,
enjoys outdoor activities, especially in the mountains.
www.chakahlia.com
Later, we return to the hut and continue to Schafberg,
a nearby peak. It takes us twenty minutes to climb
and our reward is the view from the top. Although clouds
mask the sunset, we can well imagine how enchanting
this place must be on a clear evening.
Back home, the mood in our alpine hut is just as it
should be. Some guests are playing cards and board games,
while others are relaxing with a drink and going over the
day’s events. We sit down at a wooden table and are welcomed
with a perfect aperitif before a delicious fivecourse
meal is served. What more could we wish for?
The next day, we rise early and set off in the crisp
morning air towards Blaubergstock, where a vibrantly
hued sunrise awaits us. The mountains are bathed in soft
light as the clouds slowly thin out. Nature comes to life.
A good four hours later, we return to the hut and
fortify ourselves with a portion of the best rösti I have ever
tasted. To finish, we enjoy a slice of cake. Then it is already
time for us to make our way back, still captivated by the
range of colours we have seen over these past two days.
We leave the tranquillity of the mountains and the cosy
mood of the alpine hut behind as we return to the car park.
Nature has come to life all around us and in our minds.
Now summer can start.
62 Andermatter
Andermatter 63
Mit Volldampf
durch
die Alpen
Zwischen Realp und Oberwald
liegt eine der höchsten
Dampfbahnstrecken Europas.
Die spektakuläre Fahrt
über den Furkapass bis
auf 2’160 m ü. M ist eine
kleine Märchenreise – und
ein be eindruckendes Stück
Schweizer Geschichte.
One of the highest steam railways
in Europe lies between
Realp and Oberwald. This
awe-inspiring trip through the
Furka Pass climbs to 2,160
metres and feels like a fairy
tale. It’s also an impressive
piece of Swiss history.
64 Andermatter
FULL STEAM AHEAD THROUGH THE ALPS
WORDS BY STUDIO VOILE
PHOTOGRAPHY BY CONSTANTIN MIRBACH
Andermatter 65
↑
Reisen wie vor 100 Jahren: 5’000 Liter
Wasser verbraucht die Lok HG 3/4 pro Fahrt,
verdampft durch das Verbrennen
von 600 Kilo Kohle.
↑
Traveling like 100 years ago: the HG 3/4
locomotive consumes 5,000 litres of water per
trip, evaporated through the combustion
of 600 kilograms of coal.
Wie bei jedem Zug, den man unbedingt
erwischen will, liegt auch hier kein
Zuspätkommen drin. Nicht aber wegen
eines eng getakteten Fahrplans oder
irgendwelcher Anschlusszüge. Sondern
weil unsere Lokomotive schon seit gut
zwei Stunden Heissdampf produziert
– wenn der Zug nicht pünktlich losfährt,
reicht das Wasser schlicht nicht aus bis
nach oben, auf die Furka.
Wir sitzen direkt neben der Premium,
der besten aller Klassen, die gemietet
werden können, den glücklichen Gästen
wird Prosecco und O-Saft serviert. Auf
der rechten Seite der Golfplatz von
Realp, links oben ein Haufen Kühe auf
einer Anhöhe, als würden sie dem
Spektakel zuschauen wollen, wir fahren
los. Es ruckelt ein bisschen, der Dampf
pfeift, einige Passagiere stehen bei
den Kupplungen zwischen den Waggons
draussen, alle sehen ganz zufrieden
aus und staunen.
Es ist eine Zeitreise, die wir hier
unternehmen. Über 100 Jahre alt ist
diese Dampflokomotive, die uns durch
die Berge zieht, auf der 1982 durch
den Furka-Basistunnel überflüssig gewordenen
und deshalb stillgelegten
Strecke. Entsprechend gemütlich geht
diese wohl schönste Bahnfahrt der
Alpen vonstatten: 350 PS, maximal
30 km/h – mehr Zeit für das, was
es aus dem Fenster hinaus zu sehen
gibt. Die imposante raue Natur dürfte
mehr oder weniger gleich ausgesehen
haben, als unter uns die ersten
Schienen gelegt worden sind. Schon
damals als Touris tenattraktion geplant,
ist die histo rische Alpenbahn auch
heute beliebt: Bis auf den letzten Platz
ist der Zug ausge bucht, rund 25’000
Besuchende kommen jährlich.
Bereits nach knapp einem Kilometer
beginnt nun die Steilstrecke, der
Zug hängt sich ans Zahnrad, über
600 Meter Höhendifferenz liegen noch
vor uns, man spürt, wie die Dampfzylinder
arbeiten, es geht nach oben.
Wir blicken auf die Reuss, die wir mehrmals
überqueren, eine ganz schön
eindrückliche Bergwelt, durch die wir
tuckern: über Brücken, durch kurze
Tunnels und auf hohen Stützmauern,
die bei Hochwasser jeweils besonders
von Nutzen sind, Richtung Steffenbachbrücke,
direkt am berüchtigten
Lawinenzug.
Ursprünglich aus Steinbögen
gebaut, wurde diese legendäre Brücke
schon drei Jahre, bevor der erste Zug
überhaupt drüberfahren konnte, 1916,
von Lawinen zerstört, es musste eine
nachhaltigere Lösung her: die 1925
konstruierte, dreiteilige Klappbrücke
aus Stahl, ein Monument Schweizer
Ingenieurskunst. Jeden Herbst wird der
Mittelteil der Brücke mit Seilwinden
und Flaschenzügen nach unten geklappt
und in Deckung gebracht, das obere
und das untere Drittelsteil auf den
Schienen zurückgezogen, um vor den
Schneemassen geschützt zu sein.
Die Strecke zieht weiter an, verläuft
nun am Hang entlang über kleine
Steinbrücken, man sieht den Sidelenbach
zwischen all den malerischen
Felsen und rundherum diese farbige
Blumenwelt, die in Juni und Juli
am allerschönsten sei.
Ganz schön romantisch ist das
alles hier – und zwar draussen wie
drinnen. Die alten Sitze, das hölzerne
Abteil, dieser heimelige Duft, der
sich leicht mit dem Geruch von Dampf
und heissem Öl vermischt, und vorn
die pfeifende Lokomotive, wie wir sie
aus alten Western, von Jim Knopf oder
der Reise nach Hogwarts kennen. Dazu
diese Zugbegleiterinnen und Zugbegleiter,
die selbst etwas Märchenhaftes
an sich haben – allesamt Cha raktere,
wie sie kein Film besser zeichnen
könnte. Der Charme, die vielen Geschichten,
allein dieses breite Grinsen,
während der eine, Alfredo Degen, mit
schicker Fliege und leicht gerundeter
Hornbrille, uns voller Stolz erzählt,
wie all das überhaupt möglich ist hier.
Mehrere Hundert Freiwillige, allei
n 400 Leute für die Instandhaltung,
dann natürlich die Zugbegleiter selbst,
die Lokführer, ja: Eine ganze Organisation
steckt hinter dieser Zugfahrt.
Viele seien Bähnlerinnen und Bähnler,
ehemalige oder aktive Mitarbeitende
von europäischen Bahnbetrieben,
weitere seien Bahn- und Modelleisenbahn-Fans,
mindestens gleich viele
rekrutierten sich aus einem wilden Mix
quer durch die Bevölkerung, vom
Bankdirektor über die Gartenarchitektin
bis zum Schreiner. 6'000 Mitglieder
in elf schweizerischen und zehn
ausländischen Sektionen umfasst der
Dach verband des Vereins Furka-Bergstrecke
(VFB) insgesamt. Die Schweiz
als lebendes Klischee: Der Miliz-, also
der Freiwilligkeitsgedanke, überregionale
Solidarität, ein Zug mitten durch
die Alpen – hier kommt vieles zusammen,
was den Mythos Gotthard
ausmacht.
Alfredo Degen und Jörg Drittenbass,
die uns seit dem ersten Willkommen
herzhaft begleiten, sind ehemalige
Maîtres de Cabine und sichtlich auf
alles vorbereitet, was auf Reisen so
anstehen kann – die Passagiere seien
meistens noch so toll wie zu ihren allerbesten
Zeiten damals bei der Swissair,
den goldenen Jahren der Luftfahrt.
Was uns nicht nur hoch oben in der
Luft ein Lächeln aufs Gesicht zeichnet:
feucht-warme Frotteetücher, die
66 Andermatter
Andermatter 67
uns in die Hände gelegt werden, bevor
wir aussteigen.
Erster Halt, Bahnhof Tiefenbach,
Wassertanken. 5’000 Liter verbraucht
die Lok pro Fahrt, verdampft durch
das Verbrennen von 600 Kilo Kohle. Es
ist dann spürbar kühler bei unserem
zweiten Halt, Furka Station, auf knapp
2’200 m ü. M. Unser Aufenthalt dauert
25 Minuten, Bratwürste und Tee und
was man sich alles wünscht, bevor
wir mit vollem Tank ins Wallis weiterfahren
– und zwar seitenverkehrt. Denn
für die 797 Höhenmeter nach unten,
Richtung Oberwald, wird die Lok
auf einer Drehscheibe um 180 Grad
gedreht, also rückwärts wieder vorn
angehängt.
Für eine Talfahrt, wie sie vor uns
liegt, ist dieser Zug nämlich nicht mehr
konzipiert: Am anderen Ende der Welt,
im heutigen Vietnam, war unsere Lok
jahrzehntelang auf einer Stichlinie unterwegs,
in terrassiertem Terrain ohne
Abstiege, vor ihrer filmreifen Heimkehr
in die Schweiz (siehe Kasten). Würde
sie nicht gedreht, würde das Wasser bei
der Talfahrt mit nach unten fliessen,
also weg von der Feuerbüchse – die Lok
würde explodieren. Eine lebenswichtige
Operation also, für die wir halten.
Was für eine schöne Vorstellung,
diese Dampflok im tropischen Klima
von Südostasien, aber irgendwie auch
extrem weit weg – die sichtbare Realität
ist doch grad aufregend genug. Im
1,8 Kilometer langen Scheiteltunnel
gibt es keine Zahnstange, ab Station
Muttbach geht es steil bergab. Wir sehen
auf die nackten Felsen des ehemaligen
Rhonegletschers und erreichen
bald schon Gletsch. Eine Welt für sich,
mit einem einmaligen Ensemble von
touristischen Denkmälern aus der
Gründerzeit. Wir sehen tief in die
Rottenschlucht hinein, fahren durch
den beeindruckenden Lärchen- und
Föhrenwald, der unter Naturschutz
steht, bis wir schliesslich in Oberwald
ankommen, Endstation. Nicht nur
wegen unserer Zugbegleiter ist die
Zeit wie im Flug vergangen – der Lokführer
dürfte gern noch eine
Schippe drauflegen.
DIE DAMPFLOK HG 3/4 – VON DER FURKA
NACH VIETNAM UND WIEDER ZURÜCK
THE HG 3/4 STEAM LOCOMOTIVE –
FROM FURKA TO VIETNAM AND BACK AGAIN
Nachdem der Bau der Strecke
Brig–Disentis – hauptsächlich mit
französischem Kapital – begonnen
hatte, wurden 1913 und 1914
insgesamt zehn Dampflokomotiven
des Typs HG 3/4 für den Betrieb
von der Schweizerischen Lok- und
Maschinenfabrik (SLM) in Winterthur
gefertigt. Bis zum vollen Einsatz
dauerte es aber: Der Streckenbau
ab Brig erreichte 1914 Gletsch,
musste dann aber Anfang des
Ersten Weltkriegs eingestellt werden.
Erst als sich 1925 auch die
Eidgenossenschaft am Projekt
beteiligte, konnte der erste Probezug
durchgehend fahren. Und
kurz darauf war die Technologie
bereits veraltet – die im Zweiten
Weltkrieg strategisch bedeutsame
Strecke wurde 1942 vollständig
elektrifiziert, die Loks überflüssig.
Von den zehn Maschinen kamen
sechs nicht weit: Drei wurden nach
Einsätzen in Frankreich, im Berner
Oberland und am Genfersee
verschrottet. Eine landete bei der
Rhätischen Bahn und wurde zu
einem Denkmal in Brig (VS). Eine
kam ins Museum, und eine wurde
bei Gletsch von einer Lawine
zerstört, wobei der Heizer und zwei
Amateurfotografen starben.
Vier Lokomotiven aber kaufte die
französische Kolonialverwaltung:
Sie gelangten ins damalige Indochina,
um auf der Zahnradbahn von
Song Pha nach Đà Lạt im heutigen
Vietnam zu verkehren. Zwei davon,
die Nr. 1 und Nr. 9, sind heute
wieder an der Furka in Betrieb,
nachdem 1990 alle vier Loks
zusammen mit zwei Vietnamloks –
beziehungsweise was von ihnen
übrig geblieben war – in Vietnam
aufgespürt und zurück in die
Schweiz verschifft wurden,
nachzusehen im Dokfilm „Back to
Switzerland“. Im Dampflokwerk
Meiningen erhielten sie neue
Kessel, Zahnräder, Fahrerhäuser
und Wasserkästen sowie ein neues
Bremssystem.
Gleichzeitig wurde auch die
Strecke selbst, die mit der Eröffnung
des Furka-Basistunnels 1982
überflüssig geworden war,
etappenweise durch Freiwillige
restauriert, der Bundesrat verkaufte
sie für einen Franken an die neue,
nicht gewinnorientierte Betreiberin
Dampfbahn-Furka-Bergstrecke AG
(DFB). Freiwilligenarbeit von inund
ausländischen Vereinen
ermöglichte die Wiederinbetriebnahme,
seit 2010 auf der vollständigen
Furka-Bergstrecke.
When construction of the Brig–Disentis
line began, chiefly financed
by French investors, ten HG 3/4
steam engines were manufactured
by the Swiss Locomotive and
Machine Works (SLM) in Winterthur.
However, it took some time until
they were fully operational. The line
from Brig reached Gletsch in 1914,
but development was halted owing
to the First World War. It took until
1925, when the Swiss Confederation
became involved in the operation,
for the first trains to be tested
on the full route. Not long afterwards,
the technology was out of
date. The track, which was strategically
important in the Second World
War, was fully electrified in 1942,
rendering steam engines obsolete.
Six of the initial ten engines did not
travel far: three were scrapped
following stints in France, the Bernese
Oberland, and at Lake Geneva.
One ended up with the Rhaetian
Railway and was converted into
a memorial at Brig (VS). One was
preserved in a museum, while
another was destroyed in an avalanche
at Gletsch that killed a stoker
and two amateur photographers.
The French colonial authority
purchased four steam engines for
use on the cogwheel route from
Song Pha to Đà Lạt in Indochina
(modern-day Vietnam). Two of these,
numbers 1 and 9, are presently in
service in Furka after being tracked
down in Vietnam and shipped
back to Switzerland; their voyage is
depicted in the documentary film
Back to Switzerland. New boilers,
cogwheels, driver’s cabins and
water tanks, as well as a completely
new braking system, were fitted
at the Meiningen Steam Locomotive
Works.
Meanwhile, the line, which was
rendered obsolete by the building
of the Furka Base Tunnel in 1982,
was restored in stages by volunteers,
and the Swiss Federal
Council sold it for one Swiss franc
to a new, non-profit operator, the
Furka Mountain Steam Railway
Association (DFB). Foreign and local
volunteers made it possible to
reopen the line, which has been in
operation along the entire Furka
mountain line since 2010.
Reservations and further information
can be found at www.dfb.ch
→
Mehrere Hundert Freiwillige
ermöglichen diese Zugfahrt:
darunter viele ehemalige
Bähn lerinnen, Bähnler und
Swissair-Mitarbeitende.
←
Several hundred volunteers make
this train ride possible: among
them are many former railway
employees and also former
Swissair staff.
Reservationen und weitere
Informationen unter: www.dfb.ch
68 Andermatter
As with every train you have to catch,
there’s no leeway to be late. But in
our case, it’s not due to a tight schedule
or a connecting train. It’s simply because
our locomotive has been building
up steam for a good two hours and if
we don’t leave on time, the engine will
run out of water before we reach the top
of the Furka Pass.
Our seats are located right next to
Premium Class – which is the best class
available. The lucky guests there are
served Prosecco and orange juice. To our
right lies Realp Golf Course, while to
our left, a herd of cows peer down from
the raised ground, seemingly watching
the spectacle – and we’re off. There is
a gentle jolt and the sound of whistling
steam; some of the passengers stand
above the couplings between the cars,
and everyone looks very content and
fascinated.
We’re travelling back in time. The
steam train we are riding through the
Alps is a magnificent relic of over
a hundred years of history, while the
track itself was no longer needed
when the Furka Base Tunnel was built
in 1982 and so was decommissioned.
Our speed, on what must be the most
spectacular railway journey through the
Alps, is fittingly slow: the 350 HP
engine propels us at a maximum of
30 kilometres per hour, allowing us to
take in the scenery through the window
at a more leisurely pace. The raw,
rugged landscape all around us must
have looked similar when the tracks
beneath us were laid. The alpine train,
which was originally planned as a
tourist attraction and is still popular
today, is fully booked. It attracts 25,000
visitors a year.
After only one kilometre, the steep
incline begins. The locomotive locks
onto the rack rail, and we face a climb of
more than 600 metres elevation. We
can feel the steam cylinders working
hard as we begin to ascend. Then a
breath taking view unfolds before us, of
River Reuss, which we will cross several
times while chugging through an aweinspiring
mountain landscape – across
bridges, through short tunnels, and
along high buttress walls that are especially
useful during floods – travelling
directly along the notorious avalanche
path to Steffenbach Bridge.
Originally constructed using stone
arches, this iconic bridge was destroyed
by an avalanche three years before the
first train rode over it in 1916. A more
durable solution was called for. The
present three-part steel structure, built
in 1925 and a testament to Swiss
engineering, is retractable. Every
autumn, the central piece of the bridge
is folded and securely stored, while
the top and lower sections are retracted
onto the rails to protect them from
the masses of snow.
Our journey continues alongside
a slope and across a small stone viaduct.
In between picturesque crags we
glimpse the winding Sidelenbach River
and, all around, bright flora that is at
its finest in June and July.
Everything is incredibly romantic,
both inside and out: the antique seats,
the wooden carriage, this nostalgic fragrance,
subtly blending with the smell
of steam and hot oil, and the whistling
engine up front, are reminiscent of
old Westerns, Jim Knopf stories, or
the Hogwarts Express. Then there are
the conductors, who have a timeless
quality about them, characters that
no movie could better depict. What
charm and storytelling! Alfredo Degen,
a crew worker dressed in a chic bowtie
and horn-rimmed spectacles, beams as
he proudly explains how all of this was
made possible in the first place.
Several hundred volunteers, 400
for maintenance alone, plus conductors
and engine drivers – an entire organisation
has gone into this train journey.
Many of them are former or current
employees of European railway companies,
while others are train or model
railway enthusiasts. The recruits are a
diverse group that includes a bank
director, a landscape architect and
a cabinetmaker. The Furka Mountain
Line Association (VFB) has eleven
Swiss and foreign divisions, totalling
6,000 members. Here, you can find the
live embodiment of Switzerland’s
renown: its militia or voluntary principle,
interregional solidarity, and a
railway that passes through the heart of
the Alps. Here, many things come
together that contribute to the legend
that is the Gotthard.
Alfredo Degen and Jörg Drittenbass,
who have kindly taken care of
us since their initial welcome, are
clearly prepared for whatever may occur
during the voyage. According to the
crew, the passengers are mostly just as
wonderful as in their heyday working
for Swissair during the golden age
of aviation. Bringing a smile to our
faces not just high up in the air: warm,
moist terry towels handed to us before
we disembark.
Our first stop is Tiefenbach Station,
where we fill up on water. The
steam engine consumes 5,000 litres per
trip, which are vaporised with 600 kilos
of coal. The air is noticeably cooler at
our second stop, Furka Station, which is
located roughly 2,200 metres above
sea level. We spend 25 minutes there and
are served bratwurst, tea and indeed
anything else we might desire, before
we continue with a full boiler into the
Canton of Valais – this time, in reverse.
Before we make our descent to Oberwald,
797 metres of altitude difference,
the engine is rotated 180 degrees
on a turntable, allowing it to travel
backwards.
This is because our train was not
designed for a valley descent like the
one we are about to experience. For
decades, on the other side of the world
in Vietnam, our steam engine ran on
even, terraced terrain before its movielike
return to Switzerland (see insert).
If the engine isn’t rotated before the
descent, the water will flow down and
away from the firebox and the engine
will explode. So, turning the train
around is a critical component of the
operation.
It’s wonderful to envisage this
steam engine in the tropical environment
of Southeast Asia. However, that’s
a long way off, and the reality in front
of us is exciting enough. There is no rack
rail in the 1.8-kilometre Furka Summit
Tunnel and from Muttbach Station, and
the gradient is steep. We have a view
of the rugged mountains of the former
Rhone Glacier, and soon we arrive
in Gletsch. This village is a world unto
itself, with an ensemble of tourist
memorials from the Founders’ Era.
We can see deep into the Rottenschlucht
gorge and continue through the impressive
larch and pine forest, a protected
nature reserve, until we eventually
arrive at Oberwald, the end of our journey.
The time flew by, not just because
of our wonderful attendants – but we
still wouldn’t have minded if the driver
had cranked it up a bit.
70 Andermatter
Andermatter 71
ANDERMATT
MIT
PATRICIA
1
2
3 4
1 Ich liebe die Leute hier oben, die Hauptsache, frische Luft. Sogar 1 I love the people up here, locals head up the Ursern Valley:
Einheimischen wie auch die
mein Hund, der mich überallhin
as well as newcomers. It’s such it exudes a power that restores
Zugezogenen, so ein toller Mix
begleitet, hat manchmal mehr a great mix of people, a colourful my strength and energy.
aus wild zusammengewürfelten Mühe, draussen zu sein, als ich. bunch from all over the world, 5 The old village centre is, of course,
Menschen von überall, eine
Wir gehen dann das Urserntal and such a wonderful community.
the jewel of Andermatt. It is so
wahnsinnig schöne Community. hoch: Die Kraft, die in diesem Tal
It’s growing bigger by the day. charming, beautiful and, at the
Sie wächst von Tag zu Tag. Wir herrscht, gibt mir viel, stärkt mich We spend a lot of time on the
same time, authentic. The people
verbringen hier viel Zeit, sei es auf und schenkt mir Energie.
ski slopes. Whether we’re having there are simply wonderful. It
der Piste, sei es bei einem Apéro, 5 Das „alte“ Dorfzentrum ist natürlich
drinks or a coffee, there’s always reminds me very much of the
einem Kaffee; es gibt immer etwas
das Juwel von Andermatt.
something going on. In this photo, place I grew up in – Allenwinden
zu unter nehmen. Auf dem Bild Es ist so lieblich, schön, auch
for example, I’m with Yusi and my in the Canton of Zug. The two
feiere ich mit meinen Töchtern irgendwie rau, und die Leute von daughters at the Valborg, the
places are reflections of one
und Yusi zum Beispiel am „Valborg“,
hier sind einfach wunderbare
Swedish Midsummer Festival – other: they’re about the same
das schwedische Walpur-
Menschen. Der Ort erinnert mich we celebrate all kinds of
size, both have a St. Wendelin
gisfest – wir feiern eben, was es stark an das Dorf, wo ich aufgewachsen
traditions from around the world. Chapel or church, and Andermatt
auf der Welt so alles zu feiern gibt.
bin, Allenwinden im 2 I’ve long been a “Reuss girl”. This is is quite a common last name in
2 Ich bin längst ein „Reusser
Kanton Zug. Alles ist wie gespiegelt:
where our home is – we fell in
Allenwinden. So it feels as if I have
6
Mädchen“, hier haben wir unser
Beide Dörfer sind
love with the village straight away. been connected to Andermatt
Zuhause, wir haben uns sofort etwa gleich gross, haben eine We’re here every weekend and forever, and my heart lies somewhere
in das Dorf verliebt. Jedes
St.-Wendelin-Kapelle bzw. -Kirche, as often as we can make it during
in the middle. My mother
Wochenende sind wir hier, in den und ein ziemlich häufiger
the holidays. Andermatt-Reuss grew up on a farm in Allenwinden
5
Ferien so oft wie möglich. Andermatt
Familienname in Allenwinden
might seem artificial at first
(ZG) and my father’s origins are
Reuss mag auf den ersten ist – Andermatt. Es fühlt sich
glance, but it has a beautiful,
part French-speaking Switzer-
Blick vielleicht etwas künstlich
deshalb an, als verbinde mich
open feeling and is a car-free parland,
part Ticino.
wirken, aber es hat etwas
schon seit je etwas mit Anderadise
for the children. They can 6 One of my great passions is
WORDS AND PHOTOGRAPHY
7
wahnsinnig Schönes und Freies. matt; mein Herz ist ja auch
run around everywhere and
organising events and bringing
BY PATRICIA SAVMAZ
Für die Kinder ist es ein autofreies irgendwie in der Mitte: Meine
go in and out of almost every
people together, in both small
Paradies – sie rennen überall
Mama ist auf einem Bauernhof building; it’s like we’re one big
and large settings. Last year,
rum und können in fast jedem in Allenwinden aufgewachsen, family. That’s why they feel
for example, we launched a youth
Seit Jahren wächst die alpine Community in Andermatt – klar, wer will schon nicht so oft wie möglich dort sein,
Gebäude ein- und ausgehen, es mein Vater ist zur Hälfte aus der so happy every time we drive up golf course that was very
wohin alle am liebsten in die Ferien fahren? Die Innerschweizer Anwältin Patricia Savmaz liebäugelte schon 2008
ist wie eine grosse Familie.
französischsprachigen Schweiz, here.
successful. The smallest of events
mit einem Wohnungskauf, 2020 sind sie und ihre Familie endlich angekommen. In ihrer Heimat seit der
Deshalb freuen sie sich auch
zur anderen Hälfte Tessiner.
3 Andermatt is like a gateway to can sometimes the most special,
Steinzeit, sozusagen: Als sie und Ehemann Yusi sich 2006 kennenlernten, empfanden nämlich beide dieses
jedes Mal riesig, wenn wir endlich 6 Eine grosse Leidenschaft von mir nature for us. We love skiing in the like our family breakfast in the
wieder hochfahren.
ist, Events zu organisieren, Leute winter, and the children go to ski gondola, for example.
Gefühl, sich schon seit Ewigkeiten zu kennen. Er habe damals zu ihr gesagt, sie hätten schon miteinander
3 Für uns ist Andermatt ein Tor zur zusammenzubringen, im kleinen, school four weeks a year, so
7 I am very proud that my enthusiasm
and love for Andermatt
Mammuts gejagt. Als sie dann 2020 die erste gemeinsame Woche hier verbrachten, die Energie, diese Mystik des
Natur. Wir lieben es, im Winter aber auch im grösseren Kreis.
they’ve made wonderful friendships.
In the summer, they’re
are contagious. I’ve managed to
Urserntals gemeinsam spürten, meinte Yusi: Genau hier sei sie gewesen, die Mammutjagd. Es sei mehr als
Ski zu fahren, die Kinder
Letztes Jahr haben wir zum
ein Zweitwohnsitz, heute sei Andermatt auch ihr Zuhause – der Ort, mit dem sie gefühlt seit immer verbunden
besuchen die Skischule vier
Beispiel einen Jugendgolfkurs
always jumping on the trampoline,
persuade several friends to come
or climbing either up on
to Andermatt; some of them
gewesen seien.
Wochen im Jahr, haben da tolle gestartet, sehr erfolgreich. Ein
Bekanntschaften. Im Sommer
Event kann aber auch im engsten the Nätschen or in the sports
have bought a property here and
springen sie dauernd auf
Kreis das Grösste sein, hier zum centre. It’s a fantastic experience others visit regularly. We enjoy
The alpine community in Andermatt has been growing for years. And why wouldn’t it? After all, who
dem Trampolin herum, gehen im Beispiel unser Familien-Morgenessen
in der Gondel.
and Climate Association, as you and many come just to go hiking.
to plant trees with the Forest
the time we spend here together,
wouldn’t want to spend as much time as possible in a place where most people love to holiday. Lawyer Patricia
Nätschen oder im Sportstudio
Savmaz, originally from central Switzerland, had been toying with the idea of buying an apartment here
klettern. Ein wunderbares
7 Ich bin sehr stolz, dass meine
can see in this picture or, at the
since 2008. In 2020, she and her family finally found their spot. In their home “since the Stone Age”, as she puts it:
Erlebnis ist es, mit dem Verein
Euphorie und meine Liebe für
end of the winter season, to join in
Wald und Klima Bäume zu
Andermatt ansteckend sind. Ich the activities on Clean-up Day.
because when she met her husband Yusi in 2006, they both felt like they had known each other forever.
pflanzen, wie hier auf dem Bild, habe einige Freunde dazu bewegen
können, nach Andermatt
outdoors. I’ve always loved nature,
4 I’m at my happiest when I’m
He joked that they had probably hunted mammoths together. Then, when they spent their first weekend here
oder im Herbst beim Clean-up
together in 2020, steeped in the energy and mysticism of the Ursern Valley, Yusi claimed: “Right here,
Day mit zumachen und aufzuräumen.
zu kommen, die einen haben
even as a child. If I’m not skiing
this is where our mammoth hunt took place.” Patricia feels that Andermatt is more than a second home; today,
etwas gekauft, die anderen kom-
or playing golf, I’m relaxing on the
it is a place she calls home, and to which she has felt connected for what seems like forever.
4 Am liebsten bin ich draussen, ein men einfach regelmässig zu
veranda or going for a stroll –
Naturmensch, schon als Kind.
Besuch. Wir geniessen die
whatever the weather, as long as
Wenn ich nicht am Skifahren
Zeit, die wir zusammen hier
I’m out in the fresh air. Even my
oder Golfen bin, sitze ich bei uns ver bringen, zum Beispiel
dog, who goes with me everywhere,
auf der Terrasse oder spaziere kommen viele gern vorbei, um
sometimes finds it harder
72 Andermatter in der Gegend, bei jedem Wetter, zu wandern.
to be outside than me. Then we
Andermatter 73
ANDERMATT WITH PATRICIA
Den Bademantel gibt es
an der Rezeption.
Die Einrichtung bei uns.
PAN
ASIAN
SUMMER
ENTDECKE FRISCHE, SOMMERLICHE
KREATIONEN – INSPIRIERT
VON THAILAND, JAPAN UND INDIEN.
Perfekt für warme Tage und
entspannte Abende auf unserer
sonnigen Terrasse. Auch als
Take-away für dein Sommer-Picknick.
BOOK YOUR
TABLE HERE:
Nooba Andermatt
Furkagasse 10, 6490 Andermatt
nooba.ch, nooba_panasian
www.dieeinrichter.ch
Einrichtungspartner Andermatt Swiss Alps
74 Andermatter
www.leadinggolf.ch
Unsere Nähe
ist Ihr Gewinn.
Finanzierung mit Weitsicht –
Ihr regionaler Partner
Ihre Partner
für Ihre Finanzierung
in Andermatt
Christian Arnold
Leiter Geschäftsstelle
+41 41 875 69 81
christian.arnold@ukb.ch
Martin Amrein
Senior Berater Firmenkunden
+41 41 875 62 81
martin.amrein@ukb.ch
76 Andermatter