29.04.2025 Aufrufe

ANDERMATTER Sommer 2025

Wir freuen uns, Ihnen die neueste Ausgabe des Andermatter zu präsentieren, dem Alpenmagazin, das Andermatt, Sedrun und Disentis mit der Welt verbindet. Unsere Sommerausgabe 2025 ist eine lebendige Hommage an die Saison – voller Farbe, Geschmack und Abenteuer. Zwei Jahrzehnte nach ihrem Beginn blickt unser Verwaltungsratspräsident Samih Sawiris in dieser Ausgabe auf Andermatts bemerkenswerte Entwicklung zurück. Wir schlagen mit einem lokalen Golfchampion ab, erobern die Gravelbike-Trails der Region und reisen an Bord einer der höchstgelegenen Dampfbahnen Europas in die Vergangenheit. Neben diesen Highlights entdecken Sie die neuesten kulturellen Ereignisse – von einem dynamischen Programm an Musikfestivals und Konzerten bis hin zu einer stetig wachsenden kulinarischen Szene, in der lokale Traditionen auf Michelin-Sterne-Kulinarik treffen.

Wir freuen uns, Ihnen die neueste Ausgabe des Andermatter zu präsentieren, dem Alpenmagazin, das Andermatt, Sedrun und Disentis mit der Welt verbindet.

Unsere Sommerausgabe 2025 ist eine lebendige Hommage an die Saison – voller Farbe, Geschmack und Abenteuer. Zwei Jahrzehnte nach ihrem Beginn blickt unser Verwaltungsratspräsident Samih Sawiris in dieser Ausgabe auf Andermatts bemerkenswerte Entwicklung zurück. Wir schlagen mit einem lokalen Golfchampion ab, erobern die Gravelbike-Trails der Region und reisen an Bord einer der höchstgelegenen Dampfbahnen Europas in die Vergangenheit. Neben diesen Highlights entdecken Sie die neuesten kulturellen Ereignisse – von einem dynamischen Programm an Musikfestivals und Konzerten bis hin zu einer stetig wachsenden kulinarischen Szene, in der lokale Traditionen auf Michelin-Sterne-Kulinarik treffen.

MEHR ANZEIGEN
WENIGER ANZEIGEN

Verwandeln Sie Ihre PDFs in ePaper und steigern Sie Ihre Umsätze!

Nutzen Sie SEO-optimierte ePaper, starke Backlinks und multimediale Inhalte, um Ihre Produkte professionell zu präsentieren und Ihre Reichweite signifikant zu maximieren.

Andermatter

Alpine Journal

Andermatt, Sedrun, Disentis

UP HERE, THE WIND

DECIDES INTO

WHICH SEA EACH

RAINDROP WILL FLOW

WUSSTES DU, DASS HIER

OBEN DER WIND ENTSCHEIDET,

IN WELCHES MEER EIN

REGENTROPFEN FLIESST

Summer 2025


Stay cool with fresh flavors

and summer-inspired cuisine,

just around the corner

Nestled in Andermatt Reuss

on Piazza Gottardo – your go-to place

for summer flavors and good company.

Furkagasse 1 I 6490 Andermatt I info@biselli.ch I 058 200 69 05 I biselli.ch

Der Schweiz verpflichtet

Eine Bank wie die Schweiz

Book Your Table

Andermatter

Nun ist es endlich wieder wärmer draussen, grüne Wiesen

bahnen sich ihren Weg durch die Felsen, Frühlingsblumen

blühen, morgens riecht es nach frischem Tau und hie

und da nach Kräutern. Die Sonne scheint früh in diese raue

Bergwelt hinein, die Natur ist erwacht. Andermatt in der

Sommerzeit ist ein Paradies für alle, die gern draussen sind,

biken, wandern, golfen, Pässe fahren. Und natürlich lässt

es sich dann, wenn es heiss wird, auch herrlich baden in der

Region. Der Lag da Claus in Sedrun-Surrein, der Naturbadesee

Fontanivas oder der Lai Catrina bei Caischavedra

– Ausflugsziele in alle Richtungen, schnell ein Sprung ins

kühle Nass.

Direkt neben Andermatt entspringen im Gotthardmassiv

der Rhein, die Reuss, der Ticino und die Rhone,

und dort oben, auf einer Steinplatte beim Witenwasser enstock,

hängt es nur vom Wind ab, in welches Meer ein Regentropfen

schliesslich fliesst. Tropfen für Tropfen – rund

1’400 Millimeter Regen und Schnee fallen jährlich in der

Schweiz, ein guter Teil davon landet irgendwann im Meer.

Für diejenigen aber, die im Sommer hierherkommen,

wartet überall etwas zum Entdecken. Auch wir, die vor dem

IGNIV im Herzen der neu eröffneten Furkapass-Ladenstrasse

sitzen und unseren Apéro geniessen, sind glücklich

vom Wandern und Staunen und doch nicht müde genug,

um all die Kultur um uns herum, das hervorragende Essen,

die abwechslungsreichen Konzerte und Festivals zu

verpassen.

Tauchen Sie also bitte ein in dieses Magazin, nehmen

Sie sich die Zeit, lesen und hören und sehen Sie sich alles

ganz in Ruhe an. Gehen Sie dann aber noch viel besser

einfach raus, erleben Sie selbst, was es in Andermatt alles

gibt, lassen Sie sich treiben mit dem Wind – Sie werden

bestimmt gut ankommen.

Summer 2025

It’s getting warmer outside at last. Green pastures are cutting

a swathe through the rocks and spring flowers are blooming.

The mornings are laced with the scent of fresh dew and

the occasional fragrant herb and the sun rises early over

this rugged alpine landscape, bringing nature to life. Andermatt

in summer is a paradise for everyone who loves the

outdoors, whether that’s cycling, hiking, golfing or driving

up the stunning mountain passes. And when temperatures

rise, it’s also a perfect spot to cool off. Jump into the Lag

da Claus in Sedrun-Surrein, the bathing lake in Fontanivas

or the idyllic Lai Catrina near Caischavedra – there are so

many options for a refreshing dip lying in store.

Not far from Andermatt in the Gotthard Massif, you can

visit the sources of the Rhine, Reuss, Ticino and Rhone

up on a rocky ledge near the Witenwasserenstock peak. And,

depending on which way the wind is blowing, raindrops

that land here end up in three different seas. Each year,

around 1,400 millimetres of rain and snow fall in Switzerland,

most of which eventually reaches the sea.

For visitors to Andermatt in summer, there are endless

discoveries to be made. Today, as we sit outside IGNIV in

the heart of Furkagasse, the newly opened shopping street,

enjoying our summer drinks, we too are exhilarated by all

the hikes and stunning views. But we’re not too tired to fail

to appreciate all the culture that surrounds us - the outstanding

cuisine and eclectic mix of concerts and festivals.

Immerse yourselves in this magazine; read, listen and

browse everything at your leisure. Or simply step outdoors

and experience for yourselves what Andermatt has to offer.

Let the wind carry you...and you’ll be sure to arrive in the

right place.

© UBS 2025. Alle Rechte vorbehalten.

ubs.com/wie-die-schweiz



EXPLORE

6 – 7

Andermatt im

Wandel

Die Gotthardstrasse ist seit je ein beliebter

Treffpunkt für Einheimische und Gäste – erbaut

im Anschluss an die erste Fahrstrasse, die Nord

und Süd, Uri und Tessin, Andermatt und Airolo

verbindet.

Andermatt in

transition

Gotthardstrasse has always been a popular

place for locals and visitors to meet and mingle.

It was built shortly after the first transport

route that connects north and south, Uri and

Ticino, Andermatt and Airolo.

38 – 45

Wo das Meer beginnt

Andermatt, inmitten des Wasserschlosses

Europas: dort, wo Rhein, Reuss, Ticino

und Rhone entspringen – und wo anstelle einer

Tourismusdestination fast ein Stausee

entstanden wäre.

Where the sea begins

Andermatt, at the centre of Europe’s water

tower, where the Rhine, Reuss, Ticino and

Rhone have their sources – and where a

reservoir was almost built instead of a tourist

destination.

CONTENTS

64 – 71

Mit Volldampf

durch die Alpen

Eine kleine Märchenreise zwischen Realp und

Oberwald – und ein beeindruckendes Stück

Schweizer Geschichte, auf einer der höchsten

Dampfbahnstrecken Europas.

Full steam ahead

through the Alps

A fairytale trip between Realp and Oberwald –

and a remarkable piece of Swiss history –

on one of the highest steam railways in Europe.

OUTDOORS

12 – 17

Pure Alpine Golf –

eine Partie mit der

Urner Meisterin

Dominique Tresch

Frank Baumann lädt zu einer Partie Golf mit

Dominique Tresch auf dem Andermatt Golf

Course: auf 1’444 m ü. M., zwischen Bergen,

Bächen und Felsformationen.

Pure Alpine Golf –

a game with Uri champion

Dominique Tresch

Frank Baumann joins Dominique Tresch for a

round of golf on Andermatt Golf Course at

1,444 metres amidst mountains, streams and

rock formations.

30 – 37

Über dem längsten

Eisenbahntunnel der Welt

Statt mit dem Auto im Stau zu stehen oder aus

dem Zug hinaus alle Aussicht zu verpassen,

gehen wir zu Fuss über den längsten Eisenbahntunnel

der Welt.

Above the longest railway

tunnel in the world

Instead of being stuck in traffic, or missing the

view in the train tunnel, we hike along the

route of the longest railway tunnel in the world.

54 – 59

Flotter auf Schotter

mit Max Küng

Max Küng nimmt uns mit auf dem Gravel-Bike:

von Andermatt auf die Vermigelhütte und

zurück.

Crushing the gravel trails

with Max Küng

Max Küng takes us on his gravel bike from

Andermatt to the Vermigel Hut and back again.

60 – 63

Ein perfektes Zuhause,

wenn die Natur blüht –

Albert-Heim-Hütte

Chanel Kah Yin Liang hat die Albert-Heim-Hütte

am Fuss des Tiefengletschers beim Furkapass

besucht: atemberaubende Wanderungen,

lange Sonnenaufgänge und Gourmet-Menüs.

The perfect overnight stay

to see nature come alive –

Albert Heim Hut

Chanel Kah Yin Liang stayed at the Albert

Heim Hut at the foot of the Tiefen Glacier near

the Furka Pass: breathtaking hikes,

drawn-out sunrises and gourmet menus.

MEET

25 – 29

Samih Sawiris blickt

zurück auf seine 20 Jahre

in Andermatt

Unternehmer Samih Sawiris zieht exakt

20 Jahre nach seinem legendären ersten

Hubschrauberflug über Andermatt Bilanz –

exklusiv im Interview.

Samih Sawiris recalls his

20 years in Andermatt

Exactly twenty years after his legendary first

helicopter flight over Andermatt, entrepreneur

Samih Sawiris takes a look back, here in

our exclusive interview.

46 – 49

Mit der Lernenden Melissa

Gisler im Radisson Blu

Hotel Reussen

Die Urnerin Melissa Gisler (18) ist Restaurationsfachfrau

im zweiten Lehrjahr im Radisson Blu

Hotel Reussen – wir erhalten einen Einblick in

ihre vielfältigen Aufgaben.

A day with apprentice

Melissa Gisler at the Radisson

Blu Hotel Reussen

Uri-born Melissa Gisler (18) is in the second

year of her hospitality apprenticeship here

at the Radisson Blu Hotel Reussen – we were

given a glimpse of her wide range of duties.

72 – 73

Andermatt mit Patricia

Anwältin Patricia Savmaz ist seit 2020

begeisterte Andermatterin – oder schon mehr

als ein ganzes Leben. Sie führt uns durch ihre

persönlichen Andermatter Favoriten.

Andermatt with Patricia

Lawyer Patricia Savmaz has been an enthusiastic

resident of Andermatt since 2020 –

or for more than a lifetime. She takes us through

her personal Andermatt favourites.

TASTE

19 – 23

IGNIV – Andermatt

Das IGNIV ist ein Gourmetnest der Extraklasse –

und neben Bad Ragaz, Zürich und Bangkok

neu auch in Andermatt zu finden.

IGNIV – Andermatt

The IGNIV is an unparalleled culinary haven –

and besides Bad Ragaz, Zurich and Bangkok,

the latest member of the family has now

opened in Andermatt.

KNOW

8 – 9

Andermatt Events –

Highlights

Von Mai bis September ist wieder einiges los:

zehn Sommer-Must-Gos in Andermatt,

die Sie auf keinen Fall verpassen sollten.

Andermatt Events –

highlights

From May to September, our event calendar

is packed! Ten unmissable summer highlights

in Andermatt.

52 – 53

Andermatt Music –

Konzerte 2025

Sinfonieorchester, international renommierte

Solisten, lokale Musikgrössen: eine Übersicht zu

den Andermatt-Music-Höhepunkten diesen

Sommer.

Andermatt music –

concerts in 2025

Symphony orchestras, internationally

renowned soloists and local music greats:

an overview of Andermatt’s summer

music highlights.

Impressum

Published by:

Andermatt Swiss Alps AG

andermatt-swissalps.ch

Issued: 8,000 copies

Cover image by:

Lukas Wassmann

Concept, Editorial

and Design by:

Studio Voile LLC

Translation by:

Lucy Jones, Berlin/

SprachWeberei AG,

Luzern

Printing by:

Gisler 1843, Altdorf

Proofreading by:

SprachWeberei AG,

Luzern



ANDERMATT

CA. 1905 2025

6 Andermatter

PHOTOGRAPHY: STAATSARCHIV URI / MICHAEL ASCHWANDEN

ANDERMATT IM WANDEL

IN TRANSITION

PHOTOGRAPHY: CONSTANTIN MIRBACH

Andermatter 7



ANDERMATT EVENTS — HIGHLIGHTS

ANDERMATT EVENTS — HIGHLIGHTS

DO, 1. MAI –

FR, 31. OKTOBER 2025

Cycling:

Alpenbrevet

Extended

Stellen Sie sich der ultimativen

Cycling-Herausforderung: Bezwingen

Sie bis zu sieben legendäre

Alpenpässe rund um Andermatt –

allein oder mit Freundinnen und

Freunden. Registrieren Sie sich

online über die Fitness-Plattformen

Strava oder Garmin, erkunden Sie

atemberaubende Routen und

sammeln Sie ein digitales Abzeichen

für jeden eroberten Pass. Je mehr

Pässe Sie meistern, desto grösser die

Belohnung – inklusive der Chance,

eine Übernachtung im The Chedi

Andermatt zu gewinnen. Werden

Sie in dieser Saison zur Alpenbrevet-

Legende!

www.extended.alpenbrevet.ch

Take on the ultimate cycling challenge:

conquer up to seven legendary

alpine passes around

Andermatt – alone or with friends.

Register online via the Strava or

Garmin fitness platforms, explore

breathtaking routes and collect

a digital badge for every pass you

conquer. The more passes you have

under your belt, the bigger the

reward – including the chance to

win an overnight stay at The Chedi

Andermatt. Become an Alpenbrevet

legend this season!

www.extended.alpenbrevet.ch

SA/SO,

14./15. JUNI 2025

102. Urner

Kantonales

Schwingfest

Am Wochenende vom 14. und

15. Juni 2025 wird Andermatt zum

Zentrum des Schweizer Nationalsports

Schwingen. Am Samstag

stellen am Jungschwingertag die

Nachwuchshoffnungen ihr Können

unter Beweis, während ein abwechslungsreiches

Rahmenprogramm

beste Unterhaltung für die ganze

Familie bietet. Der Höhepunkt folgt

am Sonntag, wenn rund 200

Schwin ger aus der Innerschweiz

und vom Gast-Schwingklub Oberwallis

beim 102. Urner Kantonalen

Schwingfest um die begehrten

Kränze kämpfen – spannende Wettkämpfe,

Brauchtum und Schweizer

Kultur, ein unvergessliches

Wochenende für die ganze Familie!

www.uksf2025.ch

On 14–15 June 2025, Andermatt will

become the centre of Schwingen,

traditional Swiss-style wrestling. On

Saturday, 14 June, young wrestling

talents will showcase their skills

at the Junior Schwingen Day, while

a varied supporting programme

offers superb entertainment for the

whole family. The highlight of the

weekend follows on Sunday, 15 June,

when around 200 wrestlers from

central Switzerland and the guest

wrestling club from Upper Valais

compete for the coveted wreaths at

the 102nd Uri Cantonal Schwingfest

– exciting competitions, customs

and Swiss culture, an unforgettable

weekend for everyone in the family!

www.uksf2025.ch

SA, 28. JUNI 2025

Cycling:

Octopus Gravel

Im Juni lädt Andermatt zu einem

einzigartigen Gravel-Event. Eine

atemberaubende Strecke, ein

einmaliges Konzept und ausgelassene

Festivalstimmung erschaffen

den perfekten Treffpunkt für

Gravel -Freaks und Bergliebhaber.

Stellen Sie sich das Eventgelände

als Kopf und Körper eines Oktopus

vor, die Anstiege als die Arme.

Alle sieben Arme sind dabei Sackgassen-Gravel-Anstiege

und führen

wieder zurück zum Eventgelände,

wo Sie sich ausruhen, etwas essen

und trinken, gute Musik hören

und die Event-Expo besuchen können,

bevor Sie das nächste Segment

in Angriff nehmen.

www.epicos.cc/octopus-andermatt

In June, Andermatt invites you to a

unique gravel bike event. A breathtaking

route, a unique concept and a

lively festival atmosphere provide

the ideal meeting place for gravel

bike enthusiasts and mountain

lovers. As for the concept...imagine

the event area as the head and body

of an octopus, with the ascents as its

arms! Each of the seven arms is a

dead-end gravel ascent that leads

back to the event area where you

can rest, eat and drink, listen to good

music and visit the event expo

before tackling the next segment.

www.epicos.cc/octopus-andermatt

FR, 11. JULI 2025

Jubiläumskonzert:

50 Jahre Nationale

Jugend Brass Band

Vom 5. bis 13. Juli 2025 findet die

50. Ausgabe des Sommerkurses der

Nationalen Jugend Brass Band

(NJBB) der Schweiz statt. In der Welt

der Blasmusik geniesst die NJBB

das Standing als die inoffizielle

„Nationalmannschaft“ und wird auch

vom Bundesamt für Kultur (BAK)

im Rahmen der Jugendförderung

unterstützt. Auf europäischem

Niveau gilt die NJBB gar als Spitzenreiterin:

Die Brass Band vereint seit

fünf Jahrzehnten während einer

Kurswoche im Sommer die talentiertesten

Schweizer Jungblechbläserinnen

und -bläser sowie Jungperkussionistinnen

und -perkussionisten.

Am 11. Juli findet dann das grosse

Jubiläumskonzert in in der Andermatter

Konzerthalle statt statt.

www.njbb.ch

The 50th edition of the National

Youth Brass Band (NJBB) of Switzerland

will take place from 5–13 July

2025. In the realm of brass music,

the NJBB enjoys a reputation as

the unofficial Swiss national team

and is supported by the Swiss

Federal Office of Culture (BAK) as

part of its youth promotion activities.

At the European level, the NJBB is

even considered a leader in the field:

for five decades, the brass band

has brought together the most

talented young Swiss brass players

and percussionists for a week of

tuition in the summer. The big anniversary

concert will take place on

11 July at Andermatt Concert Hall.

www.njbb.ch

FR, 11. JULI –

SO, 13. JULI 2025

Andermatt

Freedom Ride

Andermatt wird für ein Wochenende

zum Treffpunkt für Harley- und

Motorradfans. Seien Sie dabei, wenn

das Abenteuer auf und abseits

der Strasse ruft – die besten Vibes,

guter Sound, atemberaubende

Routen durch majestätische Berglandschaften

und eine leidenschaftliche

Community versprechen

drei Tage voller Freiheit, PS-Power,

Spass und purem Biker-Spirit.

www.andermattfreedomride.ch

For an entire weekend, Andermatt

becomes a bikers haven for Harley

fans and motorcycling enthusiasts.

Be part of the action when adventure

calls, on and off the road – the

best vibes, great sound, breathtaking

routes through majestic mountain

landscapes and a passionate community

promise three days packed

with freedom, horsepower, fun

and true biker spirit.

www.andermattfreedomride.ch

SA, 2. AUGUST 2025

Quartierfest

Reuss

Das erste Quartierfest in Andermatt

Reuss erwartet Sie mit einem

bun ten Markt, bei dem Aussteller

aus der Nachbarschaft ihre Produkte

und kreativen Ideen präsentieren.

Geniessen Sie feines Essen und

lassen Sie sich von der Musik in

Feststimmung versetzen. Ein wunderbarer

Anlass, um das Quartier

und nachbarschaftliche Begegnungen

zu feiern.

www.andermatt-swissalps.ch

The first neighbourhood festival of

the summer in Andermatt-Reuss

awaits you with a colourful market

where local stallholders present their

products and creative ideas. Enjoy

delicious food and uplifting music.

A perfect opportunity to celebrate

the neighbourhood and meet the

community.

SA, 9. AUGUST 2025

Tavolata

Andermatt

Erleben Sie ein einzigartiges kulinarisches

Highlight in den Alpen:

Bei der Tavolata Andermatt verwandelt

sich das Bergdorf in eine Bühne

für Genuss, Gemeinschaft und

Gastfreundschaft. An einer langen

Tafel geniessen Besucherinnen

und Besucher raffinierte Kreationen

regionaler Spitzenköche, begleitet

von erlesenen Weinen und umrahmt

von der beeindruckenden Bergkulisse.

Ein Muss für Feinschmecker

und Geniesserinnen, die unvergessliche

Momente suchen.

www.andermatt-swissalps.ch

A unique experience to enjoy Alpine

cuisine! Tavolata Andermatt is an

event that transforms the mountain

village into a stage for culinary indulgence,

community and hospitality.

A long table against a stunning alpine

backdrop offers visitors sophisticated

creations by top regional chefs,

paired with exquisite wines. A must

for foodies and gourmets looking for

memorable moments.

www.andermatt-swissalps.ch

SA, 16. AUGUST 2025

Chasing

Cancellara

Zürich --

Andermatt

Chasing Cancellara ist eine Eventserie

für Radsportbegeisterte aller

Stärkeklassen. Auf ikonischen

Routen durch die Schweiz messen

Sie sich mit Gleichgesinnten und

schaffen Erinnerungen für die

Ewigkeit. Erleben Sie die Herausforderung

auf der spektakulären

Strecke von Zürich nach Andermatt,

auf 194 Kilometern und 4’200

Höhenmetern, durch die beeindruckendsten

Landschaften der

Schweiz, inklusive Klausenpass –

ein unvergessliches Erlebnis für

Radfahrerinnen und -fahrer jeder

Kategorie!

www.chasingcancellara.com/

zurich-andermatt

Chasing Cancellara is an event

series for cycling enthusiasts of all

levels. You’ll compete on iconic

routes through Switzerland with

like-minded people, creating

memories for a lifetime. Experience

the challenge on the spectacular

route from Zurich to Andermatt:

a distance of 194 kilometres with

4,200 meters altitude difference,

through the most impressive landscapes

in Switzerland, including

the Klausen Pass – an unforgettable

experience for cyclists of all abilities!

www.chasingcancellara.com/

zurich-andermatt

SA, 20. SEPTEMBER

2025

Gotthard

Cleanup Day

Am Samstag, 20. September 2025,

werden wieder viele Heinzelmännchen

und -frauchen die Quellen und

Alpenpässe im Gotthardgebiet

reinigen. Der Verein Gotthard-Connects

ruft freiwillige Helferinnen und

Helfer auf, bei der Aktion „Gotthard

Cleanup“ mitzuhelfen und die

Bergrouten rund um die Alpenpässe

und Seen im Gotthardgebiet zu

säubern.

www.quellwasser.ch

On Saturday, 20 September 2025 a

team of helpers will once again

clean up the springs and alpine

passes in the Gotthard region. The

Gotthard-Connects association calls

on volunteers to help with the

Gotthard Clean-up campaign on

mountain routes, alpine passes and

lakes on the Gotthard and Oberalp.

www.quellwasser.ch

SO, 12. OKTOBER 2025

Herbstmarkt

Entdecken Sie beeindruckendes

Handwerk, liebevoll gestaltete

Dekorationen und lokale Spezialitäten

auf dem Herbstmarkt auf der

Piazza Gottardo. Lassen Sie sich mit

warmen Speisen verwöhnen und

geniessen Sie die herbstliche

Atmosphäre, begleitet von stimmungsvoller

Musik.

www.andermatt-swissalps.ch

Discover exceptional crafts, lovingly

designed decorations and local

specialities at the autumn market on

the Piazza Gottardo. Enjoy hot dishes

and the autumn ambience,

accompanied by atmospheric

music.

www.andermatt-swissalps.ch

www.andermatt-swissalps.ch

8 Andermatter

Andermatter 9



THE SWISS ICON YOU CAN

TAKE WITH YOU

Our Huntsman Pocket Knife. 15 functions, legendary design.

This is the Swiss icon you will want to have with you everyday.

FROM THE MAKERS OF THE ORIGINAL SWISS ARMY KNIFE

ESTABLISHED 1884

Victorinox Store Andermatt, Piazza Gottardo, Gütschgasse 6, 6490 Andermatt | Victorinox Flagship Stores Zürich • Genf

www.victorinox.com



A GAME WITH

THE URI CHAMPION

DOMINIQUE TRESCH

PURE

ALPINE

GOLF –

12 Andermatter

PURE ALPINE GOLF – EINE PARTIE MIT

DER URNER MEISTERIN DOMINIQUE TRESCH



Wenn es frisch ist hier oben auf 1’444 Metern, ist es frisch. Ziemlich

frisch. Vor allem in den frühen Morgenstunden. Dann ist es sogar sehr

frisch. Und wenn der Wind erst aufkommt, dann gute Nacht, Frau

Seeholzer!

When it’s chilly up here at 1,444 metres, it’s chilly. Very chilly. Especially

in the early hours of the morning, when it’s seriously chilly. And if the

wind picks up, then any bets amongst players are quickly cancelled!

WORDS BY FRANK BAUMANN

IMAGES BY CONSTANTIN MIRBACH

Uns ist das egal. Und „uns“ – das sind wir:

Dominique Tresch und ich. Gemeinsam

werden wir heute über den Andermatter

Golfplatz wandern. Ein Hochgenuss, der

normalen Wandervögeln leider untersagt

und nur jenen Menschen vergönnt

ist, die Golf spielen können. Und Dominique

kann das. Richtig gut. Mit beeindruckend

eleganten Schwüngen drischt sie

die kleine weisse Kugel über die Fairways

(so heissen die 18 Spielbahnen eines Golfplatzes),

die den Enthusiasten aus aller

Welt die Welt bedeuten. Unaufgeregt,

prä zise wie eine Singer-Nähmaschine.

Und so elegant, wie das eben nur Frauen

können. Sie selber beklagt zwar, dass

ihre Abschläge im Vergleich mit anderen

Golferinnen eher kurz seien, was getrost

unter „Jammern auf hohem Niveau“ abgehakt

werden kann, denn immerhin

wurde sie bereits viermal Clubmeisterin

im benachbarten Realp und dreimal in

Oberkirch, wo sie auch in der ersten Damenmannschaft

spielt. Und 2024 wurde

sie hier oben, in ihrem Heimatort, gar

Urner Golfmeisterin.

Ihr Geheimnis liege im sogenannten

kurzen Spiel; dort also, wo es darum

geht, aus zwanzig, vierzig, sechzig oder

auch hundert Metern den Ball so nah wie

möglich an die Fahne zu zimmern, wo er

letztlich im Loch versenkt werden muss.

Etwas, was auch Profis nicht immer hinkriegen.

Dann gilt es, die Nerven zu bewahren,

nicht zu weinen und erst recht

nicht in den Schläger zu beissen, sondern

einfach emotionslos (und gut gelaunt)

weiterzumachen. „Hit it! Forget it! Walk!“

lautet das Mantra der Golfenden.

Ursprünglich kommt Dominique

vom Handball, spielte von klein auf beim

HC KTV Altdorf, mit dem sie es gar bis

in die Nationalliga B schaffte. Dann, mit

23 Jahren, also relativ spät, entdeckte sie

das Golfen. Und heute ist Golf nicht mehr

aus ihrem Leben wegzudenken. Wann

und wo immer sich die Gelegenheit ergibt,

zieht es sie und ihren Mann auf den

Golfplatz. Ganz egal, ob in Österreich

oder auf Gran Canaria oder eben hier

oben auf dem fantastischen Andermatt

Golf Course, der von Altdorf aus, wo sie

geboren ist, wohnt und arbeitet, in gerade

mal etwas mehr als dreissig Minuten zu

erreichen ist.

Noch liegen hauchdünne Nebelschlieren

über dem 1,3 Millionen Quadratmeter

grossen Gelände, von dem allerdings

lediglich 26 Prozent effektiv zum

Spielen genutzt werden. Fast drei Viertel

der Fläche gehören zur Landwirtschaft

oder entfallen auf ökologische Ausgleichsflächen

oder das kantonale Naturschutzgebiet

Bäz. Die Fairways wurden

vom Architekten denn auch mit grösster

Achtsamkeit und unter Berücksichtigung

aller nur denkbaren ökologischen Aspekte

sorgfältig in die Natur eingebettet, sodass

man sich in einem Naturpark wähnt.

Was auf dem Gelände alles kreucht und

fleucht, sieht man allerdings nur, wenn

man nicht so schön Golf spielt wie Dominique.

Nur wer bereit ist, die Bälle so

breit zu streuen wie ich, kommt auch

wirklich in den vollen Genuss der gesamten

Tier- und Pflanzenwelt. Und staunt

nicht schlecht ob der vielen Insekten und

Kleinreptilien, die sich hier tummeln.

Zum Golfplatz mit seiner beeindruckenden

Lage zwischen Bergen, Bächen

und Felsformationen gehören auch

prächtige, sehr artenreiche Trockenwiesen,

die nicht landwirtschaftlich genutzt

werden. Damit sich dort vor allem die Erlenbüsche

nicht unkontrolliert ausbreiten

können und das Gelände „verwaldet“,

lässt man hier Ziegen weiden, die

alles rübis und stübis abknabbern und so

dafür sorgen, dass die Artenvielfalt erhalten

und die Fairways und Greens weiterhin

von wilden Wiesen mit zahlreichen

seltenen Pflanzen, Schmetterlingen und

Heuschrecken gesäumt werden.

In diesen Wiesen möchte man seinen

Ball allerdings lieber nicht finden.

Wer erst einmal im tiefen Rough, so heisst

diese Zone, steckt, kommt kaum mehr

raus. Ich habs in den letzten Jahren bereits

mehrfach ausprobiert. Es kann dann übrigens

gut mal vorkommen, dass man ausgepfiffen

wird. Zum Beispiel von einem

Alpenmurmeltier. Hier, auf den alpinen

Wiesen rund um Andermatt, finden die

putzigen Vegetarier einen prächtigen Lebensraum

und ausreichend Futter.

Zu gern möchte man den Andermatter

Golfplatz als grossartig bezeichnen.

Und man könnte das auch, würde

man den Course ausschliesslich unmittelbar

nach dem Mähen der vielen, die

Spielbahnen säumenden Wiesen erleben.

Dieses Geschenk gibt es allerdings nur

einmal pro Saison (nämlich Mitte oder

Ende Juli), und so wird das Spiel schnell

einmal zur psychischen Grenzerfahrung.

Wer den Platz dennoch geniessen

will, darf auf gar keinen Fall eine persönliche

Beziehung zu seinen Golfbällen aufbauen.

Im Gegenteil, sie sind Verbrauchsmaterial.

Vor allem dann, wenn der Föhn

oder die Bise wie Anton über die Ebene

pfeifen. Ganz egal, ob von hinten, von

vorne oder von der Seite. Dann tut man

gut daran, ein, zwei Dutzend Bälle auf

Reserve mit dabei zu haben. Es sei denn,

man spielt so konstant und sicher wie

Dominique Tresch.

Not that we care. The “we” is Dominique

Tresch and myself. Today, we are going

to make our way around Andermatt

Golf Course. A pleasure that is possible

only for those who can play golf. And

that’s something Dominique can do...

rather well, actually. She sends the little

white ball flying across the fairways

with an enviable and impressive swing.

Tresch plays serenely, with the precision

of a Singer sewing machine and a

natural feminine elegance. She herself

admits that her tee shots are rather on

the short side compared to other golfers,

a complaint that reveals her perfectionist

side - she has, after all, already won

the title of Club Champion four times in

neighbouring Realp, and three times in

Oberkirch, where she also plays in the

women’s first team. And in 2024, here in

her home canton, she has been crowned

the Uri Women’s Golf Champion.

Her secret lies in what is known as

the short game; in other words, when

the ball is pitched as close to the flag as

14 Andermatter

Andermatter 15



DER GOLFPLATZ

Der ab Weiss 6’334 Meter lange Par 72

Andermatt Golf Course wurde von Kurt

Rossknecht designt und 2016 eröffnet. Der

Platzrekord mit 69 Schlägen wurde vom

Schweizer Golfprofi Julien Clement aufgestellt

und ist bis heute ungebrochen. Pro

Jahr besuchen rund 10’000 Golferinnen

und Golfer den alpinen, sehr anspruchsvollen

Championship-Course.

Measuring 6,334 metres from the white tee,

Andermatt’s par 72 golf course was

designed by Kurt Rossknecht and opened

in 2016. The course record of 69 strokes,

which remains unbroken to this very day,

was set by Swiss pro golfer Julien Clement.

The extremely challenging alpine championship

course is visited by around 10,000

golfers every year.

DIE GOLFERIN

possible – from twenty, forty, sixty, or

even a hundred metres – and then sunk

into the hole. What’s essential here is to

keep your nerve, not cry, and definitely

not take it out on your clubs. Oh no, you

simply soldier on without emotion (and

in an upbeat mood). “Hit it! Forget it!

Walk!” is the golfer’s mantra.

Dominique came to golf from handball;

she had played for KTV Altdorf since

childhood and reached the National

League B with them. Then, at the age

of 23 – relatively late, in other words –

she discovered golf. Nowadays, golf is

an integral part of her life. Whenever

and wherever the opportunity arises,

she and her husband are drawn to the

golf course. It doesn’t matter whether

they’re on Gran Canaria, in the Caribbean

or simply up here on the fabulous

Andermatt Golf Course, a mere good

half-hour from Altdorf, where she was

born and now lives and works.

A thin layer of gossamer mist still

swathes the grounds, which measure

1.3 million square metres in total, although

the course itself takes up just

26 percent of this. Nearly three-quarters

of the area is split between agricultural

use and the environmental offset area,

which includes the Bäz cantonal conservation

area. The fairways have been

embedded into nature with great care by

the architect, to the strictest of environmental

standards, so you truly have the

sense of being in a nature reserve. But

only those who don’t play golf as beautifully

as Dominique Tresch really get

to see what creeps, crawls and buzzes all

around them. Only those who are willing

to scatter the balls as widely as I do truly

have the opportunity to fully enjoy the

flora and fauna. The sheer multitude of

insects and small reptiles here is nothing

short of astonishing.

The course, with its stunning location

amidst mountains, streams and

rock formations, also has magnificent,

extremely biodiverse dry grasslands that

are not used for agricultural purposes. To

Dominique Tresch (*1981) spielte zunächst

Handball beim HC KTV Altdorf, mit dem

sie es damals bis in die Nationalliga B

schaffte. Vor zwanzig Jahren entdeckte sie

das Golfen und spielt heute ein Handicap

von 5,4. Ihre Andermatter Lieblingsspielbahn

ist die Nummer 14, ein kurzes Par 5.

Die Nummer 3 dagegen, ein sehr steil

ansteigendes, giftiges Par 4, könnte man

von ihr aus gut und gern weglassen.

Dominique Tresch (b. 1981) started playing

handball with KTV Altdorf, ultimately

reaching the National League B. She

discovered golf twenty years ago and now

plays with a handicap of 5.4. Her favourite

Andermatt hole is number 14, a short par 5.

Hole 3, on the other hand, a very steeply

rising par 4, is one she could live without...

prevent the alder shrubs from spreading

uncontrollably and encroaching on the

course, goats are allowed to graze here.

They nibble from shoot to root, thus ensuring

that biodiversity is preserved and

the fairways and greens remain bordered

by wild meadows resplendent with rare

plants, butterflies and grasshoppers.

It is better not to have to go looking

for your ball in these meadows. Once you

are stuck in the depths of the “rough” – as

the ungroomed area is called in golfing

terms – it is difficult to get back out. I’ve

attempted it on more than one occasion

in the past few years. It can happen, by

the way, that you get whistled at. By an

alpine marmot, for example. Here, on

the alpine meadows around Andermatt,

these cute herbivores enjoy a splendid

habitat and abundant food.

“Unforgettable” is a word that

comes to mind in describing Andermatt

Golf Course. And it is – if you experience

it immediately after the mowing of

the meadows lining the fairways. This

gift, however, is only offered once a season

(middle or end of July), and at other

times the game quickly becomes a challenging

psychological experience.

If you still want to relish the experience

of the course, you should under

no circumstances form a close personal

relationship with your golf balls. They are

expendable. Especially when the Foehn

or Bise winds whistle across the plain. It

doesn’t matter which direction the wind

is blowing, it’s a good idea to have a dozen

or two in reserve. Unless, of course, you

play as consistently and competently as

Dominique Tresch.

DER AUTOR

Frank Baumann schrieb diverse Bestseller,

unter anderem drei über die wichtigste

Nebensache der Welt. Nach zwei Rückenoperationen

liess er sein Handicap von 3,2

auf 8 hochsetzen.

Frank Baumann has written several bestsellers,

including three about the glorious

sport of golf. After two back operations,

he had his handicap raised from 3.2 to 8.

16 Andermatter

Andermatter 17



IGNIV

Andermatt

Preisgekrönter Par-72

Meisterschaftsplatz – einer der

schönsten der Schweiz

Sichern Sie sich Ihre Abschlagzeit

für diesen Sommer:

Ein ganz grosses Highlight

der neu eröffneten Furkagasse in

Andermatt Reuss ist das IGNIV.

Das erstklassige Fine-Dining-Sharing-

Restaurant des Starkochs Andreas

Caminada ist ein Gourmetnest

der Extraklasse – es lässt seine Gäste

überglücklich nach Hause gleiten.

A particular highlight of the

recently opened Furkagasse, the new

shopping street in Andermatt-Reuss,

is the IGNIV restaurant. With its

unparalleled fine-dining and sharing

concept, this exceptional restaurant

by Michelin-starred chef Andreas

Caminada leaves guests with a lasting

sense of delight.

WORDS BY STUDIO VOILE

IMAGES BY LUKAS LIENHARD

Andermatter 19



“At IGNIV, we consciously

stretch our arms out into the world.”

„Wir strecken im IGNIV

unsere Arme bewusst auch

weit in die Welt hinaus.“

Küchenchef und Caminada-Nachwuchs

Valentin Sträuli sowie Restaurantleiterin Hannah

van den Nieuwenhuizen heissen die Gäste in

der vierten Dependance der IGNIV-Restaurantfamilie

willkommen.

Head Chef and Caminada protégé Valentin

Sträuli, together with restaurant manager

Hannah van den Nieuwenhuizen, welcome

guests to the fourth branch of the IGNIV

restaurant family.

Vogelnester findet man vielerorts: auf Bäumen, in Büschen, auf

Klippen, in Höhlen, auf Dächern oder unter Brücken. IGNIV,

zu Deutsch „Nest“, heisst die renommierte Restaurantfamilie

des Schweizer Spitzenkochs Andreas Caminada und ist neben

Bad Ragaz, Zürich und Bangkok nun also auch in Andermatt

zu finden, etwas versteckt, am Ende der neuen Furkagasse. Das

Fine-Dining-Sharing-Konzept lebt von ambitionierten Gerichten

und hochwertigen Produkten in entspannter, unkomplizierter

Atmosphäre. Und so strahlt auch die äusserst stilvolle

Dependance hier in Andermatt eine Gemütlichkeit und eine

Wärme aus, die sich gleich nach Zuhause anfühlen – spätestens

als die sympathische Restaurantleiterin Hannah van den

Nieuwenhuizen uns herzlich willkommen heisst.

Vögel verwenden eine beeindruckende Bandbreite an

Materialien beim Nestbau: Zweige, Blätter, Moos, Federn,

Wolle, Spinnennetze, sogar Plastik und Schnüre. Von unserem

burgunderfarben lackierten Tisch aus staunen wir hier im

IGNIV über die stilvolle Einrichtung der in Mailand ansässigen

Stardesignerin Patricia Urquiola: Im Erdgeschoss des Apartmenthauses

Maya, dessen Wohnungen sie ebenfalls allesamt

gestaltet hat, betreten die Gäste zunächst einen separa ten Barund

Loungebereich im Siebzigerjahre-Stil, sattes Grün und

warmes Orange. Der Hauptbereich des Restaurants fängt

den Nestcharakter mit vielen gemütlichen Nischen ein, von

wo aus wir auf die schönen Natursteine an den Wänden

blicken, umgeben von ausgewählten Kunstwerken von

Gina Fischli, David Renggli und Philip Taaffe. Und so

abgedroschen es klingen mag: Die aufwendig an gerichteten

Plates hier haben das Prädikat „kunstvoll“ ebenfalls mehr

als verdient.

Vogelnester sind keine Vorratskammern: Vielmehr

bringen die Elternvögel die Nahrung täglich frisch zu

ihren Küken. Bis zu 20 Gerichte zum Teilen, vier bis sieben

Teller pro Gang, werden uns mit viel Feingefühl, Freundlichkeit

und Fachwissen von der Seite in unsere offenen

Nischen serviert. Der erst 28-jährige Küchenchef Valentin

Sträuli hat Gerichte kreiert, die denen seines Mentors und

lang jährigen Förderers Andreas Caminada ästhetisch und

geschmacklich kaum mehr nachstehen. Gelernt hat der

gebürtige Zürcher sein Handwerk im dortigen IGNIV bei

Daniel Zeindlhofer und auf dem Schloss Schauenstein bei

Marcel Skibba sowie Caminada selbst, seine Küche ist nicht

nur für sein junges Alter auf beeindruckendem Niveau.

Bereits der Einstieg, vier kleine Häppchen, darunter das

IGNIV-Signature-Dish Ei Royal, spielt die Stärke des Sharing-

Konzepts voll aus, jeder einzelne Gang ist ein Höhepunkt für

sich – abwechslungsreich, überraschend, kreativ, dennoch nicht

zu gesucht, schlicht: hervorragend. Besonders inspirierend

ist neben den Farbwelten und der geschmacklichen Vielfalt, die

sich aus den Zutaten ergeben, die Konsistenz ihrer Kombinationen:

Langustine mit Chili und Zitrone, Jakobsmuschel mit

Chorizo und Peperoni, durch Apfel und Baumnuss abgerundetes

Wintergemüse, flüssig gebeizter Zander mit Barbecue-

Crème, Rettich und Koriander-Samen, frischer Kopfsalat mit

Joghurt und Kapuzinerkresse, Enten-Ragout mit Topinambur.

Das Teilen macht Spass, gern probieren wir auch den einen

oder anderen Wein zusammen; einzig bei den fünf Desserts

tut sich der Autor dann doch schwer mit Abgeben, sei es das

süsse Ei Royal mit weisser Schokolade und Blutorange, die

Tarte Tatin mit Sauerrahmeis oder das Soufflé, man möchte am

liebsten gleich alles haben. In Nestern herrscht ja Futterwettbewerb,

die Küken reissen den Schnabel weit auf, betteln mit

Lauten um die Aufmerksamkeit der essensspendenden Elternvögel...

hier im IGNIV aber hat es zum Glück genug für alle,

auch bei den umkämpftesten Speisen.

Bird’s nests are found everywhere – in trees and shrubs, on cliffs

and in caves, on roofs and under bridges. The Rhaeto Romanic

word for nest is igniv, which is also the name adopted by the

celebrated family of restaurants created by award-winning Swiss

chef Andreas Caminada. In addition to locations in Bad Ragaz,

Zurich and Bangkok, the latest IGNIV culinary haven can be

found here in Andermatt, tucked away at the end of the new Furkagasse.

Its fine-dining and sharing concept is brought to life

with elaborate dishes and premium products served in a relaxed,

casual setting. The stylish restaurant here in Andermatt exudes

an intimate warmth that immediately feels like home – especially

when we are greeted by the personable restaurant manager,

Hannah van den Nieuwenhuizen.

Birds use an impressive range of materials to build their

nests: twigs, leaves, moss, feathers, wool, spider’s webs and

even plastic or string. From our table in varnished burgundy, we

admire the refined furnishings all around, created for IGNIV

by Milan-based star designer Patricia Urquiola. The restaurant

occupies the ground floor of the Maya apartment building, for

which Urquiola also designed the apartment interiors. Guests

enter via a separate seventies-style bar and lounge area in deep

green and warm orange. The central area of the restaurant

20 Andermatter

Andermatter 21



1. Herzliche Gratulation zur

Neueröffnung! Wir erlebten

den Abend im IGNIV

Andermatt als eine Reise

durch faszinierende

Geschmackswelten, die

Ästhetik der Gerichte und

des Lokals verliehen dieser

exklu siven Art der Nahrungsaufnahme

einen sehr

besonderen Rahmen. Einen

Betrieb auf diesem Niveau

mit erst 28 Jahren zu führen,

ist beein druckend: Hätten Sie

zu Beginn Ihrer Ausbildung

gedacht, dass es so schnell

gehen würde?

Valentin Sträuli: Nein, absolut

nicht. Als ich als Jugendlicher

mit 15 Jahren zum ersten Mal

in der Küche stand, war das

noch ein sehr fernes Ziel,

die Küchenchefs waren immer

alle so um die 40. Von

Andreas eine solche Chance

zu erhalten, macht mich sehr

glücklich und stolz, ich bin

mir jedoch auch der grossen

Verant wortung bewusst.

Umso mehr haben mich

natürlich die vielen positiven

Rückmeldungen der Gäste in

diesen ersten Monaten

gefreut, das spornt unser

noch junges Team umso

mehr an. Obwohl es auch mal

hektisch zu und her ging,

konnte ich mich immer auf

die Truppe ver lassen – unsere

Motivation ist enorm gross,

und wir haben schnell eine

gemeinsame Routine

gefunden.

2. Schweizer Küche in den

Bergen, das hiess lange

einfach Rösti und Bratwurst,

Spätzli oder Suppe. Sie

setzen hier andere Massstäbe:

Mit dem Sharing-Konzept

werden im IGNIV bis zu

20 Gänge serviert. Was

macht für Sie eine gute

Berg- und Winterküche

eigentlich aus und gibt es ein

Gericht, auf das Sie besonders

stolz sind?

Drei Fragen an

Küchenchef

Valentin Sträuli

Valentin Sträuli: Ja, Rösti oder

Bratwurst gibt es bei uns

nicht, das machen andere ja

schon gut. Dennoch gilt

auch im IGNIV: Für mich muss

eine gute Bergküche satt

machen, sie soll bestenfalls

mit dem Löffel genossen

werden, darf gern deftig sein

und dampfen. Dabei ist

die Winterküche ja allgemein

eine Herausforderung: Die

Natur gibt nun mal weniger

Frisches her, das erfordert

Kreativität. Typisches Wintergemüse

frisch und leicht

zu interpretieren, das scheint

mir gerade beim frischen

Kopfsalat mit Joghurt und

Kapuzinerkresse gelungen zu

sein. Es ist auch ein spannendes

Beispiel dafür, wie viel

man aus einer simplen Zutat

herausholen kann. Doch auch

die Resonanz auf die Langustine

mit Chili und Zitrone

hat mich sehr gefreut. Wir

strecken im IGNIV unsere

Arme ja bewusst auch weit in

die Welt hinaus.

3. Sie sind als gebürtiger

Zürcher nun also auch privat

in Andermatt zu Hause. Sind

Sie gut angekommen?

Valentin Sträuli: Ja, sehr gut,

meine Partnerin und ich

konnten uns schnell einleben.

Die wunderschöne Umgebung

und die Ruhe sind

einfach der Wahnsinn. Zürich

kann eine hektische Stadt

sein, in der es mehr hat,

als man braucht. Ich empfinde

meine Zeit hier deshalb fast

schon als entschlackend, fühle

mich sehr wohl. Und die

Nähe zu den Pisten ist für

mich als leidenschaftlichen

Snowboarder natürlich

genial.

1. Congratulations on the opening!

Our evening at IGNIV

Andermatt was like a journey

through fascinating worlds

of taste. The aesthetics of the

dishes and restaurant create

a very special setting for

this exclusive form of dining.

Running a business at this

level at just 28 years old is

impressive: when you started

as an apprentice, could you

have dreamt it would happen

so quickly?

Valentin Sträuli: No, absolutely

not. When I stood in the

kitchen for the first time as a

15-year-old, it was still a

very distant goal, as head

chefs were all around 40.

Being given such an

opportunity by Andreas

makes me very happy and

proud, but I am also aware

of the enormous responsibility

that comes with it.

From that point of view, all

the positive feedback from

guests in these first few

months has been all the more

pleasing, and spurs our

young team on even more.

Although things have been

hectic at times, I have always

been able to rely on the

team – our motivation

is sky-high and we quickly

found a common routine.

2. For a long time, Swiss cuisine

in the mountains simply

meant rösti and bratwurst,

spätzli or soup. You are

setting different standards

here: with the sharing concept,

up to 20 courses are

served at IGNIV. What do you

think makes good mountain

and winter cuisine and

is there a dish that you are

particularly proud of?

Valentin Sträuli: Yes, we don’t

have rösti or bratwurst:

others are already doing that

well. But the principle holds

true at IGNIV too: for me,

good mountain cuisine has to

fill you up; ideally it should

be enjoyed with a spoon; it

can be substantial and

steaming hot. Winter cuisine

is generally a challenge;

nature simply doesn’t provide

as much fresh produce,

so this calls for creativity. With

the fresh lettuce with yogurt

and nasturtiums, in think

we’ve managed to achieve a

fresh, light interpretation

of typical winter vegetables.

It’s also an exciting example of

the potential that lies within

a simple ingredient. But I was

also very pleased with the

response to the langoustine

with chili and lemon. At IGNIV,

we consciously reach out

to discover all that the world

has to offer.

3. As a native of Zurich, your

home is now in Andermatt.

Have you settled in well?

Valentin Sträuli: Yes, very well,

my partner and I settled in

quickly. The beautiful surroundings

and the peace and

quiet are simply amazing.

Zurich can be a hectic city

that has more than you need.

That’s why I find my time here

almost like a detox, and I feel

very much at home. Plus

having the slopes nearby is of

course perfect for me as I am

a passionate snowboarder.

Kochbücher, internationale TV-Formate, globale

Anerkennung – Andreas Caminada ist derzeit

der erfolgreichste Spitzenkoch der Schweiz: Sein

Schloss Schauenstein in Fürstenau ist mit drei

Michelin-Sternen und 19 GaultMillau-Punkten

dekoriert, es gehört zu den besten Restaurants der

Welt. Seit 2015 betreibt er die Restaurantfamilie

IGNIV, Andermatt ist der vierte Standort neben

Bad Ragaz, Zürich und Bangkok. Die Dependance

wird auch hier an der Furkagasse einem jungen

Koch aus seiner Talentschmiede anvertraut.

Reservation und weitere Infos auf:

www.igniv-andermatt.ch

Cookbooks, international TV formats, global

recognition – Andreas Caminada is currently

Switzerland’s most successful chef. His Schloss

Schauenstein in Fürstenau has been awarded three

Michelin stars and nineteen GaultMillau points and

is one of the best restaurants in the world. Since

2015, he has run the IGNIV restaurant family, of

which Andermatt is the fourth after Bad Ragaz,

Zurich and Bangkok. The branch in Furkagasse has

been entrusted to a young chef from his crucible of

talent. For reservations and further information, visit

www.igniv-andermatt.ch

captures the essence of a nest, with many cosy alcoves from

where we can admire the beautiful natural stone on the walls,

framed by selected artworks by Gina Fischli, David Renggli

and Philip Taaffe. As clichéd as it may sound, the sophisticated

dishes served are nothing short of exquisite, each one a work

of true culinary artistry.

Bird’s nests are not pantries: the parents bring their chicks

fresh food every day. IGNIV offers as many as twenty shared

dishes, with four to seven plates per course. In our open alcove,

we are served attentively, cordially and with expert knowledge.

Head Chef Valentin Sträuli, only 28 years old, has created

dishes whose aesthetics and flavours fear no comparison with

those of his mentor and long-standing patron, Andreas Caminada.

A Zurich native, Sträuli mastered his craft in the city’s

branch of IGNIV under Daniel Zeindlhofer, as well as under

Marcel Skibba at Schloss Schauenstein and Caminada himself.

His culinary skills have reached an outstanding level, not just

for someone so young.

We start with four appetisers, including the IGNIV signature

dish Egg Royal, demonstrating the strength of the sharing

concept to the fullest. Each course is a highlight in its own

right; the cuisine is eclectic, innovative and creative, yet

PHOTOGRAPHY: C. MIRBACH

ANDREAS CAMINADA – IGNIV

remains simple and authentic. In a word, outstanding. Particularly

inspiring is the variety of colours and flavours that result

from the ingredients, the consistency of their combinations:

langoustine with chilli and lemon, scallops with chorizo and bell

peppers, winter vegetables rounded off with apples and walnuts,

marinated pike perch with barbecue creme, radish and coriander

seeds, fresh butter lettuce with yoghurt and nasturtiums,

and duck ragout with Jerusalem artichokes. The sharing is fun.

We enjoy tasting a wine together here and there too, and it’s

only when choosing between the five desserts that I find it

difficult to choose between the sweet Egg Royal with white

chocolate and blood orange, the tarte tatin with sour-cream ice

cream, and the soufflé – I’d like to enjoy them all at once. In

birds’ nests, competition for food is fierce, with chicks opening

their beaks wide to get their share of what their parents bring.

At IGNIV, I am happy to say, there’s more than enough to

go around, even when it comes to the most coveted dishes.

22 Andermatter THREE QUESTIONS TO HEAD CHEF VALENTIN STRÄULI

Andermatter 23



www.igniv-andermatt.ch

Samih Sawiris

PHOTOGRAPHY: NZZ / KARIN HOFER

Experience the art of shared dining – begin

your day with a delightful brunch, unwind

with coffee & cake, savor exquisite fine dining,

and sip expertly crafted drinks, all in an

elegant atmosphere.

recalls his

20 years in

Andermatt

SAMIH SAWIRIS BLICKT ZURÜCK

AUF SEINE 20 JAHRE IN ANDERMATT

Andermatter 25



Genau 20 Jahre ist es her, dass Samih Sawiris

Andermatt zum ersten Mal von oben aus einem Hubschrauber

gesehen hat. Das Potenzial der Region

erkannte er auf den ersten Blick. Im Interview zieht

der Unternehmer Bilanz über sein Projekt: die

Vision, die Herausforderungen, die anhaltende Begeisterung

und die Zukunft.

Vor 20 Jahren, im Frühling 2005, haben Sie

den berühmten ersten Rundflug über Andermatt

gemacht. Erinnern Sie sich?

Aber natürlich, wie könnte ich den vergessen!

Um die Geschichte richtig zu

erzählen, muss ich allerdings kurz ausholen:

Bis in die 1990er-Jahre lebte Andermatt

vor allem von der Schweizer

Armee, die hier einen der wichtigsten

Standorte des Landes unterhielt. Dann

zog sie sich zurück, und Andermatt

drohte das Schicksal anderer Bergdörfer,

die ihre Bewohnerinnen und

Bewohner verlieren, weil es keine Jobs

mehr gibt.

Wie kamen Sie ins Spiel?

Ich wurde eingeladen, als Berater Ideen

für die wirtschaftliche Entwicklung

aufzuzeigen. Schon beim Helikopter-

ETH-BIBLIOTHEK ZÜRICH, BILDARCHIV / AIC_02-0Z-554010-008

flug war ich fasziniert, weil ich Andermatt

und die Umgebung wunderschön

fand. Erst recht begeisterte mich dann

die erste Autofahrt. Ab Zürich fährt

man in andere Schweizer Bergdestinationen

oft stundenlang über Landstrassen,

durch Dörfer und Städte.

Nach Andermatt führt fast durchwegs

die Autobahn. Dann reiste ich extra mit

dem Auto nach Mailand, um zu schauen,

ob man auch die Italienerinnen und

Italiener herlocken kann. Und da war

ich gleich noch mal fasziniert: wieder

nur Autobahn, also einfache Anreise.

Und da war Ihnen klar, dass man Andermatt in

eine Tourismusdestination verwandeln kann?

Ich erarbeitete dann einen Plan, der

war aber ziemlich gigantisch und setzte

hohe Investitionen voraus. Als ich

So hat Andermatt im Jahr 2005 etwa ausgesehen, als Sawiris aus dem Hubschrauber blickte –

noch kein The Chedi Andermatt und auch kein Andermatt Reuss. Ein Dorf geprägt vom Schweizer Militär,

das seinen Standort hier langsam abbaute.

This is what Andermatt looked like in 2005 when Sawiris gazed down from the helicopter –

no The Chedi, no Andermatt-Reuss, just a village shaped by the Swiss military, which was scaling

down its presence.

ihn den Verantwortlichen von Bund

und Kanton vorstellte, hiess es, dass

sie nie jemanden finden würden, der

ihn umsetzt. Man sagte mir: „Andermatt

ist nicht attraktiv.“ Ich antwortete:

„Andermatt ist superattraktiv, ihr wisst

es nur noch nicht.“ Sechs Monate später

kamen sie wieder auf mich zu und

fragten, ob ich den Plan vielleicht selbst

realisieren möchte. Ich sagte zu.

Es gibt eine Fernsehdokumentation aus den

Anfängen, in der Sie Ihre Vision für Ander matt

schildern und sich wundern, warum nicht

schon früher jemand auf die Idee gekommen

ist. Jetzt, da Ihre Vision Realität ist – sind Sie

zufrieden?

Ich bin sehr zufrieden. Aber ich war es

auch schon vor zehn Jahren, als die Auslastung

der Hotels noch nicht so gut war

wie heute und der Verkauf der Wohnungen

harzig lief.

Warum?

Weil ich nie Zweifel hatte, dass es funktionieren

würde. Mich überraschte nur,

dass es so lange dauerte. 20 Jahre. Andererseits

kann man bei einem derart

grossen Projekt nicht erwarten, dass alles

immer nach Plan geht. Das ist, wie

wenn man um die ganze Welt fahren

möchte, ohne dass das Auto einen Kratzer

abbekommt.

Was war im Fall von Andermatt der Kratzer?

Die Finanzkrise 2008. Die ja eigentlich

vor allem eine Immobilienkrise war. Bis

sie überwunden war, dauerte es lange.

Ging man zu dieser Zeit mit einem Immobilienprojekt

zu den Banken, wurde

man nur belächelt.

Dass Sie trotzdem immer an Ihre Idee glaubten,

macht Sie zu einem Visionär. Einver standen?

Ich würde eher sagen, dass ich Geduld

habe. Und nach Möglichkeit Wettbewerb

vermeide.

Was meinen Sie damit?

Wenn man Wettbewerb nicht mag,

muss man innovativ sein, also Projekte

entwickeln, die sonst niemand macht.

Was ist schlecht an Wettbewerb?

Wettbewerb ist schon gut. Aber er kann

dazu verleiten, schlechte Kompro misse

einzugehen, die Mitarbeitenden ständig

unter Druck zu setzen, Lieferanten

auszupressen usw. Das sagt mir

nicht so zu. Ich bin lieber innovativ

und erschliesse neue Märkte. Wenn

ich irgend wo der Erste bin, gibt es noch

keine Konkurrenz.

It was exactly twenty years ago that Samih Sawiris

first set his eyes on Andermatt. He was high up

in a helicopter and recognised the region’s potential

right away. In this interview, the entrepreneur takes

stock of his project: his vision, the challenges

he faced, his ongoing enthusiasm and the future.

In spring 2005, you took your first air tour of

Andermatt. Do you remember it?

Absolutely! How could I forget it? But to

tell the story properly, I have to give you

some background. Andermatt’s main

source of income until the 1990s was

the Swiss Army. The village was home

to one of the most important military

centres in the country. Then the army

left, and Andermatt threatened to go

the way of other mountain villages – its

residents had to go elsewhere because

there were no jobs.

How did you enter the picture?

I was invited as a consultant to present

ideas for Andermatt’s economic development.

From the moment I saw it from

the helicopter, I was fascinated by the

place and its beautiful surroundings.

When I arrived by car for the first time,

I was even more impressed. To get to

other destinations in the Swiss mountains

from Zurich, you often have to

drive for hours on country roads,

through towns and villages. But there’s

a motorway practically all the way to

Andermatt. Then I drove to Milan to see

whether we could make it attractive

for Italians too. And again, I was astonished

– there was a motorway all the

way, putting it within easy reach.

Were you sure back then that Andermatt could

be turned into a tourist destination?

I drew up a plan, but it was very ambitious

and required a fair amount of investment.

When I presented it to those

responsible at the federal and cantonal

level, they said they would never find

anyone to implement it. “Andermatt

isn’t attractive,” I was told, to which I

replied: “Andermatt is extremely attractive,

you just don’t know it yet.” Six

months later, they came back to me and

asked whether I would like to implement

the plan myself. I agreed.

There’s a television documentary from the early

days in which you describe your vision for Andermatt

and wonder why no one came up with

the idea earlier. Now that your vision has been

turned into reality, are you satisfied?

I’m very satisfied. But I felt the same

way ten years ago when hotel bookings

weren’t as high as they are today, and

apartment sales were sluggish.

Why?

I never had any doubts that it would

work. I was just surprised that it took so

long. It’s been twenty years. On the other

hand, with such a big project, you

can’t expect everything to go to plan. It’s

like expecting to be able to drive around

the world and return without a scratch

on your car.

What was the scratch in Andermatt’s case?

The global financial crisis in 2008.

Which was first and foremost a real estate

crisis. It took a long time to recover

from. If you went to banks with a real

estate project at that time, they just

laughed at you.

The fact that you continued to believe in your

idea makes you a visionary. Would you agree?

I’d prefer just to say that I’m patient. And

whenever possible, I avoid competition.

What do you mean by that?

If you don’t like competition, you have

to be innovative; in other words, you

have to develop projects that are unlike

anyone else’s.

What’s negative about competition?

Competition is good. But it can tempt

people into making poor compromises,

putting constant pressure on their

staff, squeezing their suppliers and so

on. That doesn’t appeal to me. I’d rather

be innovative and develop new markets.

If I’m the first to enter a market, I don’t

have any competitors there.

Has that always been your maxim as an entrepreneur?

Yes. I was the first to build fibreglass

boats in Egypt. Then others saw that you

could make money in that field and soon

eight or nine factories were serving a

small market. At that point, it was no

longer attractive and I stopped. Then I

built a cement plant. There were already

a few, but I built the first really

efficient plant, because I had new machines

that used less energy. Ten years

later, others entered the market. And I

moved on again.

Going back to Andermatt: the locals here in Uri

love their freedom and put up resistance if they

don’t like something. Your plans for Andermatt

twenty years ago were huge, a project that could

also be described as “un-Swiss”. How did you

still manage to win people over to your idea?

I wouldn’t agree. I find the people in

Andermatt have a very open-minded

view of the world. Andermatt has always

been a transit point for those travelling

between the north and south. The

people here learned long ago how to

treat foreigners. That’s one reason.

And the other?

Research.

Can you explain what you mean?

People in Andermatt knew that the decision

whether or not to place themselves

in my hands would be crucial to the

future of their village. But they didn’t

just rely on an impression or my promises,

they wanted to know: who is this

guy from Egypt – can we trust him? So

some of them travelled – incognito – to

El Gouna, the city north of Hurghada

that we founded. They looked around,

asked people about me and formed their

own opinions.

The result was that 96 percent of Andermatt

residents approved the changes to the zone plan

so that you could implement your project.

I would never have started the project

without the full approval of the locals. I

want the people affected by my projects

to be happy with them. Do you know

why I built The Chedi in the old village

centre?

“Andermatt is cosmopolitan.”

26 Andermatter

INTERVIEW BY CHRISTOF GERTSCH AND STUDIO VOILE

Andermatter 27



War das als Unternehmer schon immer Ihre

Maxime?

Ja. Ich war der Erste, der in Ägypten

Boote aus Fiberglas baute. Dann erkannten

andere, dass das ein gutes Geschäft

ist. Bald gab es acht oder neun

Fabriken für einen begrenzten Markt.

Da wurde es für mich uninteressant,

und ich zog mich zurück. Dann baute

ich ein Zementwerk. Davon gab es

zwar schon einige, aber ich baute das

erste wirklich effiziente Werk, weil ich

neue Maschinen einsetzte, die weniger

Energie brauchten. Zehn Jahre später

stiegen andere ein. Und ich zog wieder

weiter.

Zurück nach Andermatt: Die Urnerinnen und

Urner sind ein freiheitsliebendes Volk, das Widerstand

leistet, wenn ihm etwas nicht passt.

Was Sie vor 20 Jahren für Andermatt skizzierten,

war ein gigantisches, eher „unschweizerisches“

Projekt. Wie haben Sie es geschafft,

die Menschen trotzdem von Ihrer Idee zu überzeugen?

Sie machen sich ein falsches Bild. Die

Menschen in Andermatt sind sehr weltoffen.

Andermatt war schon immer

ein Durchgangsort für Nord-Süd-Reisende.

Die Menschen hier haben früh

gelernt, mit Ausländerinnen und Ausländern

umzugehen. Das ist der eine

Grund.

Und der andere?

Recherche.

„Zweifel, dass es funktionieren

würde, hatte ich nie.“

Das müssen Sie erklären.

Den Leuten in Andermatt war bewusst,

dass die Frage, ob sie sich mir anvertrauen

wollen oder nicht, entscheidend

ist für die Zukunft ihres Dorfs. Sie verliessen

sich aber nicht nur auf einen

Eindruck oder auf Versprechungen, sie

wollten es genau wissen: Wer ist dieser

Typ aus Ägypten? Kann man dem

trauen? Also reisten einige von ihnen

– inkognito – nach El Gouna, der Stadt

nördlich von Hurghada, die ich aufgebaut

habe. Sie machten sich persönlich

ein Bild, sahen sich um und fragten die

Leute über mich aus.

Mit dem Ergebnis, dass 96 Prozent der Andermatterinnen

und Andermatter die Zonenplanänderung

guthiessen, damit Sie Ihre Plä ne realisieren

konnten.

Ohne die klare Zustimmung der Einheimischen

hätte ich das Projekt nie

gestartet. Ich will, dass die Menschen,

die davon betroffen sind, zufrieden

sind mit meinen Projekten. Wissen Sie,

warum ich The Chedi im alten Dorfkern

gebaut habe?

Weil dort vorher das Hotel Bellevue stand?

Nein. The Chedi ist ja eines der besten

Luxushotels im ganzen Alpenraum und

machte Andermatt weltweit bekannt.

Ich wusste, dass dieser Effekt eintreten

wird, sobald es in Betrieb geht. Ich

baute The Chedi bewusst im Dorfkern,

weil ich das schöne alte Dorf nicht zur

Seite schieben und vom neuen Dorfteil

trennen wollte. Ich wollte nicht auf der

einen Seite den neuen Dorfteil bauen

und auf der anderen Seite das alte Andermatt

quasi vergessen. Ich bin der

grösste Bauherr im Urserntal, ich trage

Verantwortung. Selbstverständlich

will ich Geld verdienen, aber wäre es

mir nur um das schnelle Geld gegangen,

hätte ich The Chedi in Andermatt

Reuss, dem neuen Dorfteil, gebaut. Hier

zeigt sich der Vorteil, wenn man langfristig

denkt: Man kann sich Zeit lassen,

bis man Geld verdient. Man muss keine

schlechten Kompromisse eingehen.

Man kann auch mal etwas bauen, was

sich vielleicht nicht sofort rechnet, von

dem man aber weiss, dass es auf lange

Sicht gut für den gesamten Ort sein

wird. Für mich ist wichtig: Alle sollen

von der Entwicklung Andermatts profitieren

können.

Lassen Sie uns noch über etwas ganz anderes

sprechen: Mode. Es ist die Welt Ihrer Töchter.

Interessieren Sie sich für Mode?

Es interessierte mich ab dem Moment,

in dem sich meine Töchter Taya und

Tary entschieden, in die Mode einzusteigen.

Sie wollten zuerst nach New

York gehen. Ich sagte ihnen, dass sie

dort auf eine riesige, gut organisierte

Konkurrenz treffen würden, die ihre

Beziehungen hat, Know-how, Geld

usw. Und dass ich es klüger fände, wenn

sie in die Schweiz kämen. Als junge

Frauen in der Mode würden sie hier

eine Nische besetzen, ausserdem hätte

ihr Vater schon einen gewissen Namen,

sie würden also keine Mühe haben, ein

Geschäft an guter Lage zu mieten. Sie

folgten meinem Rat, und heute sind sie

sehr erfolgreich, was mich natürlich

freut.

Ihr Tourismusunternehmen Orascom haben

Sie schon an Ihren Sohn Naguib abgetreten,

irgendwann wird er auch bei Andermatt Swiss

Alps die Verantwortung übernehmen. Welche

unternehmerischen Werte geben Sie Ihren Kindern

weiter?

Rücksicht auf die Angestellten. Das ist

das A und O. Man darf nie vergessen,

wie wichtig die Menschen sind, die für

einen arbeiten. Damit einher geht ein

zweiter Wert, der mir wichtig ist: Nie

die Prinzipien, die einem wichtig sind,

für Geld opfern. Es gibt immer die Verlockung,

hier was einzusparen, dort auf

eine letztlich sinnvolle Investition zu

verzichten, aber das rächt sich auf lange

Sicht.

Sie haben einmal gesagt, dass Sie in Ihrem

Leben nie mehr als fünf oder sechs Stunden pro

Tag im Büro verbracht hätten. Letzte Frage:

Wo in Andermatt gehen Sie hin, wenn die Arbeit

erledigt ist?

Ich habe ein bisschen Angst vor dem

Skifahren, seit ich bei einem Sturz verunfallt

bin. Angst ist ein schlechter Ratgeber,

also lasse ich das. Ich gehe gern

in den Bergrestaurants essen und natürlich

in das tolle Spa in The Chedi. Am

liebsten mache ich aber Après-Ski, und

ich gehe gern in die Bars im Dorf.

PHOTOGRAPHY: NZZ/KARIN HOFER

Because it was where Hotel Bellevue had stood?

No. The Chedi is one of the best luxury

hotels in the entire Alpine region and

made Andermatt known throughout

the world. I knew that this effect would

come into play as soon as The Chedi

opened. I deliberately built The Chedi

in the village centre because I didn’t

want to push the beautiful old village

aside and separate it from the new part.

I didn’t want to build the new part of the

village on one side and practically forget

the old Andermatt on the other. I am the

biggest project owner in the Ursern Valley.

I take my responsibility seriously.

Of course, I want to earn money too, but

if I’d just wanted to make a quick buck,

I would have built The Chedi in Andermatt-Reuss,

the new part of the village.

This is the advantage of thinking longterm:

you can wait until you get a return

on your investment. You don’t have to

make poor compromises. You can build

something that might not immediately

pay off, but that you know will be good

for the entire town in the long run.

That is what’s important to me: everyone

should be able to benefit from Andermatt’s

development.

Let’s change the subject entirely and talk about

fashion. Are you interested in fashion?

It started to interest me when my daughters

Taya und Tary decided to go into the

fashion business. First, they wanted to go

to New York. I told them that they would

face enormous, well-organised competition

there, based on connections, knowhow,

money and so on. And I told them

they would be wiser to start in Switzerland.

As young women in fashion, they

would occupy a niche here, and because

their father had already built up a certain

reputation, they would have no trouble

renting shop premises in a good location.

They followed my advice and have been

very successful; and that, of course, makes

me happy.

You have already transferred your destination

development company Orascom to your son

Naguib, and at some point, he will also take

over at Andermatt Swiss Alps. What entrepreneurial

values have you passed on to your

children?

Respect for the employees. That’s the

be-all and end-all. You must never forget

how important the people are who

work for you. This goes hand-in-hand

with a second value that’s important to

me: never sacrifice the principles you

hold dear for money. There is always the

temptation to save money here, to forego

a worthwhile investment there, but

in the long term, you end up paying a

price.

You once said that you had never spent more

than five or six hours a day in the office. Last

question: where do you go in Andermatt when

your work is done?

I’ve been a bit afraid of skiing since I fell

and injured myself. Fear makes for a

bad adviser, so I’ve given it up. I love

eating out at the restaurants here in the

mountains and, of course, going to the

fantastic spa at The Chedi. But my favourite

thing is the après-ski scene and

going to the bars in the village.

“I never had any doubts that

it would work.”

28 Andermatter

Andermatter 29



RAILWAY

TUNNEL

IN THE

WORLD

57 Kilometer, rund

20 Fahrminuten, liegen

zwischen dem Süden

und dem Norden Europas

– für alle Reisenden,

die mit dem Zug durch

den Gotthard-Basistunnel

fahren. Aufregender

ist es, die Strecke

über den längsten Eisenbahntunnel

der Welt

zu wandern.

Only fifty-seven kilometres

divide the south

and north of Europe,

a journey of about twenty

minutes for train passengers

through the

Gotthard Tunnel.

A more exciting alternative

is to walk the trail

that follows the route of

world’s longest rail tunnel.

ABOVE

WORDS BY STUDIO VOILE

IMAGES BY CONSTANTIN MIRBACH

THE

LONGEST

ÜBER DEM LÄNGSTEN

EISENBAHNTUNNEL DER WELT

Andermatter 31



Und dann auf einmal diese Aussicht: Wir waren schon etwas

aufgeregt, als wir unten in Silenen eingestiegen sind, in diese

„Bähnlikiste“, die Seilbahn unter freiem Himmel, hinten

und vorn direkt mit dem Zugseil verbunden, die je nach

Seilneigung nach unten oder nach oben kippt. Ein kurzes

Angewöhnen, ja, immerhin 73 % Steigung bis zu den Chilcherbergen,

doch schon haben wir eine gewisse Höhe erreicht und

sehen weit ins Tal hinein, über die Berge, die Sonne scheint,

es ist traumhaft. Eine von uns wagt es, das Handy aus der

Tasche zu ziehen, das

muss doch festgehalten

werden, irgendwie.

Statt mit dem Auto

stundenlang im Stau zu

stehen oder aus dem Zug

hinaus alle Aussicht zu

verpassen, gehen wir

heute also zu Fuss über

den weltbekannten

Tunnel, der den Süden

und den Norden der

Schweiz trennt, der

Europa durch die Alpen

verbindet. Begleitet

werden wir von Marja

Nieuwveld, der Initiantin

des Gotthard Tunnel

Trail, und noch liegen

insgesamt über 2’448

Höhenmeter und rund

100 Kilometer Distanz vor

uns, auf dem Weg durch

diese vielfältige Natur

zwischen dem Urnerland,

Graubünden und dem

Tessin.

Wir haben unseren

Trail gleich mit einer

Abkürzung begonnen,

mit der Fahrt in der

spek takulären Bähnlikiste.

Eigentlich beginnt

die erste Etappe nämlich

in Erstfeld, ebenfalls in

einer roten Vierergondel,

von da an hoch zur

Alp Schwandi auf über

1’100 m ü. M., dann mit

bester Aussicht auf einem

Panoramaweg Richtung

Süden, über eine Hängebrücke,

durch eine

schöne Waldpartie und dann zum spektakulären Aussichtspunkt

kurz vor Waldiberg, unmittelbar über dem Tunnel.

Ein gemütlicher Einstieg, der für uns nicht in Bristen selbst

endet, sondern am malerischen Golzernsee, im Anschluss

an einen teilweise ausgesetzten Bergwanderweg, traumhaft.

Am nächsten Morgen beginnen wir die zweite Etappe

mit einer Gondelfahrt runter ins Etzlital und wandern von

da aus hinauf zur Etzlihütte. Nach einem feinen Mittagessen

samt Hüttenkaffee mit Rundblick auf die umliegenden

Granitberge geht es weiter hoch auf den Chrüzlipass, auf 2’347

m ü. M., wo wir den Tunnelverlauf kreuzen. Mit Blick auf

den Oberalpstock nehmen wir auch Abschied von der Urner

Alpenwelt: Wir betreten die bündnerische Surselva. Bei

der Talstufe Bauns ist der direkte Weg nach Sedrun wegen

eines Felssturzes gesperrt, wir empfehlen die Alternative über

die Mittelplatten ins Val Milà nach Sedrun. Dort ab ins kalte

Nass im Bogn Sedrun, wo es auch ein tolles Wellness-Angebot

gäbe, und früh ins Bett, in einem der vielen tollen Hotels.

Der dritte Tag des Gotthard Tunnel Trail fängt entlang

des Badesees Lag da Claus an, angelegt aus einer frei gelassenen

Mulde der ehemaligen NEAT-Baustelle. Wir ziehen

ostwärts bis zum Val Medel auf die Lukmanierpassstrasse. Auch

dieser Wandertag ist gespickt mit Höhepunkten: das Picknick

auf der Hügelkuppe von Stagias bei schönster Aussicht Richtung

Disentis, das

malerische Bergdörflein

Mutschnengia mit

seiner Hängebrücke,

die Kapelle von Sogn

Gagl und schliesslich

die Übernachtung

im historischen Hospiz

Santa Maria, wo einst

Pilger und Händler

einkehrten sowie Kranke

gepflegt wurden.

Am vierten

Wandertag begrüssen

wir die sanfte Hochalpenwelt

des Tessins –

und überqueren insgesamt

viermal den

Gotthard-Basistunnel.

Wir sehen vom Passo

del Sole auf das vergletscherte

Rheinwaldhorn,

bevor wir zum

Höhepunkt des ganzen

Trails gelangen, dem

Passo Predèlp: Wir

stehen direkt über dem

Tunnel und überblicken

die halbe Bergwelt,

die derselbe

unterquert. Nach einem

lockeren Abstieg

kehren wir im sympathischen

Agriturismo

Alla Meta ein und

übernachten schliesslich

in Carì – im Winter

beliebtes Skigebiet, im

Sommer bekannt für

seine malerische

Natur.

Nun steht bereits

die letzte Etappe unseres

Trails an: Sie folgt der Strada Alta Leventina, einem der

ältesten Höhenwege der Schweiz. Tessiner Bergdörfer, schöne

Wälder und Aussichtshügel, elegante Kirchlein und schliesslich

das Südportal des Gotthard-Basistunnels, wo die Züge

aus der Tunnelröhre rasen, bald in Bodio, Endstation unseres

Trails. Klar ist jetzt schon: Immer wenn wir in Zukunft im

Gotthardtunnel sitzen, aus dem verdunkelten Zugfenster

blicken oder im Stau stehen, werden wir uns erinnern, wie viel

schöner es war an der Oberfläche und zu Fuss.

STAGE 1:

FROM ERSTFELD TO BRISTEN

5:30 H* / 15 KM / ↑ 1,162 M / ↓ 840 M / PEAK 1,324 M

Die erste Etappe des Gotthard

Tunnel Trail führt von Erstfeld

nach Bristen und bietet

eine abwechslungsreiche

Wanderung, die durch eine

Gondelbahnfahrt um 650

Höhenmeter verkürzt werden

kann. Eine beeindruckende

Hängebrücke und eine

weitere Seilbahnfahrt machen

die Strecke spannend und

familienfreundlich, mit herrlichem

Blick auf die Urner Alpen.

TRANSPORT:

→ Seilbahn Erstfeld–Schwandi:

www.schwandibahn.ch

(nur am Wochenende oder

nach Absprache)

→ Seilbahn Silenen–

Chilcherberge:

www.chilcherberge.ch

→ Seilbahn Waldiberg–Bristen:

www.seilbahn-waldiberg.ch

(nur mit Münzgeld!)

→ Seilbahn Golzern:

www.lsb-golzern.ch

KOST UND LOGIS:

→ Gasthaus Alpenblick (Bristen):

+41 (0)41 883 12 40

→ Gasthaus Edelweiss (Golzern):

www.edelweiss-golzern.ch

→ Gasthaus Golzernsee

(Golzern):

www.golzernsee.ch

→ Uri Tourismus:

www.uri.swiss

STAGE 2:

FROM BRISTEN TO SEDRUN

7:15 H* / 18.8 KM / ↑ 1,807 M / ↓ 1,180 M / PEAK 2,347 M

Der zweite Tag in den Urner

Alpen gestaltet sich ebenfalls

gemütlich und familienfreundlich,

bevor die Etappen

etwas strenger werden: Kaffee

und Kuchen, Aussicht auf die

herrlichen Granitalpen. In der

Etzlihütte kann auch übernachtet

und der Sternenhimmel

vom Hot Pot aus genossen

werden, danach geht es via

Chrüzlipass oder via Mittelplatten

und Val Milà nach

Sedrun. Dort wartet eine Vielfalt

an Übernachtungsmöglichkeiten,

Bade- und Wellnessangeboten.

KOST UND LOGIS:

→ Etzlihütte (SAC):

www.etzlihuette.ch

→ Sedrun Disentis Tourismus:

www.disentis-sedrun.ch

* Reine Wanderzeit.

The first leg of the Gotthard

Tunnel Trail runs from Erstfeld to

Bristen. It’s a varied hike, ideal

for families, with two cable car

rides, a suspension bridge, and

magnificent views across the

Uri Alps, including from the

vantage point in Waldiberg.

Hikers can spend the night

either in Bristen or Golzernsee.

TRANSPORT:

→ Cable car Erstfeld-Schwandi:

www.schwandibahn.ch

(only at weekends or by

arrangement)

→ Cable car

Silenen- Chilcherberge:

www.chilcherberge.ch

→ Cable car Waldiberg-Bristen:

www.seilbahn-waldiberg.ch

(coins only!)

→ Cable car Golzern:

www.lsb-golzern.ch

BOARD AND LODGING:

→ Gasthaus Alpenblick (Bristen):

+41 (0)41 883 12 40

→ Gasthaus Edelweiss (Golzern):

www.edelweiss.ch

→ Gasthaus Golzernsee

(Golzern): www.golzernsee.ch

→ Uri Tourismus: www.uri.swiss

The second day through the Uri

Alps is equally relaxed and

family-friendly: enjoy coffee and

cake plus a magnificent view

across the granite-coloured

Alps. Thereafter the trail

becomes slightly more

challenging. The Etzlihütte has

beds for the night, and the

starry night sky can be admired

from the outdoor hot tub. Then

the route continues via the

Chrüzli Pass or Mittelplatten

and Val Mila to Sedrun. A variety

of accommodation options as

well as bathing and wellness

offers await you here.

BOARD AND LODGING:

→ Etzlihütte (SAC):

www.etzlihuette.ch

→ Sedrun Disentis Tourismus:

www.disentis-sedrun.ch

*Net hiking time.

32 Andermatter

Andermatter 33



STAGE 3:

FROM SEDRUN TO LUKMANIERPASS

7:15 H* / 23.5 KM / ↑ 1,107 M / ↓ 589 M / PEAK 1,917 M

Die dritte Wanderetappe bringt

uns in die Bündner Alpen: Die

Lukmanierpassstrasse führt

ins Val Medel auf die Hügelkuppe

von Stagias mit schönster

Rundsicht, ins Bergdörflein

Mutschnengia mit einer

spektakulären Hängebrücke

und zum Hospiz Santa Maria,

auf den Pfaden der Säumer und

Pilger.

KOST UND LOGIS:

→ Hotel Cuntera

(Mutschnengia):

www.hotel-cuntera.ch

→ Hotel Vallatscha (Curaglia):

www.vallatscha.com

→ Hospezi St. Maria

(Lukmanierpass):

www.lukmanierpass.com

→ Pro Natura Unterkunft:

www.pronatura-lucomagno.ch

→ Leventina Tourismus:

www.bellinzonaevalli.ch

STAGE 4:

FROM LUKMANIERPASS TO CARÌ

5:45 H* / 16.1 KM / ↑ 872 M / ↓ 1,168 M / PEAK 2,448 M

Am vierten Tag der Etappenwanderung

begrüsst uns die

Sonnenstube der Schweiz,

das Tessin. Vom Passo del Sole

aus sehen wir das Rheinwaldhorn

und der Passo Predèlp

darf mit seiner atemberaubenden

Aussicht durchaus als

Höhepunkt des ganzen Trails

bezeichnet werden.

TRANSPORT:

→ Sesselbahn Carì–Brusada:

www.cari.swiss

KOST UND LOGIS:

→ Capanna Prodör:

www.utoepizzomolare.ch

→ Rifugio Agriturismo Alla Meta

(Predèlp): www.allameta.ch

→ Ristorante–Pensione Carì:

www.ristorantecari.ch

→ Leventina Tourismus:

www.bellinzonaevalli.ch

The third leg of the hike takes

you into the Graubünden Alps:

the Lukmanier Pass leads into

Val Medel and the Stagias, a hill

with a gorgeous panoramic

view, then descends into the

alpine village of Mutschnengia

with its spectacular suspension

bridge, and on to the hospice,

following in the footsteps of

packhorse drivers and pilgrims.

BOARD AND LODGING:

→ Hotel Cuntera

(Mutschnengia):

www.hotel-cuntera.ch

→ Hotel Vallatscha (Curaglia):

www.vallatscha.com

→ Hospezi St. Maria

(Lukmanierpass):

www.lukmanierpass.ch

→ Pro Natura lodging:

www.pronatura-lucomagno.ch

→ Leventina Tourismus:

www.bellinzonaevalli.ch

On the fourth day of the trail,

you enter Ticino, fondly known

as Switzerland’s “sun deck”.

From Passo del Sole you can

see the Rheinwaldhorn, and the

breathtaking vista from Passo

Predelp can justifiably be

described as the pinnacle of the

entire tour.

TRANSPORT:

→ Chairlift Carì - Brusada:

www.cari.swiss

BOARD AND LODGING:

→ Capanna Prodör:

www.utoepizzomolare.ch

→ Rifugio Agriturismo Alla Meta

(Predelp): www.allameta.ch

→ Ristorante-Pensione Carì:

www.ristorantecari.ch

→ Leventina Tourismus:

www.bellinzonaevalli.ch

All of a sudden, an amazing view opens up! Below, in Silenen, we

were already somewhat nervous as we clambered aboard our

open-air cable car, its sides open to our left and right and the

traction cable directly above us, tilting forward or backward

depending on the angle of the cable. It certainly took us a

moment to get used to, since the ascent to Chilcherberg has a

73 percent gradient. But now we’re high up and enjoying the

breathtaking views of the valley and mountains in the sunshine.

One of us dares to take out their phone: the moment has to be

captured somehow.

Instead of coming to a standstill for hours in a traffic jam

or missing these views in the rail tunnel, today we are hiking

along a trail above the world-famous tunnel that separates the

south and north of Switzerland, and which connects Europe

through the Alps. We are accompanied by Marja Nieuwveld, the

initiator of the Gotthard Tunnel Trail. With over 2,448 metres

in altitude difference and around 100 kilometres ahead of

us, the trail takes us through the diverse scenery of the Uri Alps,

Graubünden and Ticino.

We began the trail with a shortcut, by taking the spectacular

open-air cable car. The first leg of the route actually starts

in Erstfeld, with a ride in a red four-seater cable car up to Alp

Schwandi at over 1,100 metres above sea level. From there, the

route heads south on a panoramic trail with superb views, over a

suspension bridge, through a beautiful section of forest, and

on to the spectacular lookout point shortly before Waldiberg,

directly above the tunnel. This was something of a gentle start,

and we chose not to end this first leg in Bristen, but instead

by the scenic Lake Golzernsee, after a partly exposed mountain

trail that was simply divine.

Next morning, we begin the second leg of the route

by taking the gondola lift into the Etzlital valley and then hiking

from there up to the Etzlihütte mountain hut. After a delicious

lunch, including coffee, with a panoramic view of the surrounding

granite-hued mountains, we continue up to the Chrüzli

Pass at 2,347 metres, where we cross the tunnel route. We bid

farewell to the Uri Alps, taking in a view of the Oberalpstock –

and then enter the Surselva region in the Canton of Graubünden.

As the direct route to Sedrun along the Bauns Valley

Ridge is closed due to a rockslide, we recommend the alternative

route via Mittelplatten into Val Mila to Sedrun. From there,

we took a refreshing dip at Bogn Sedrun, a swimming pool

with a plethora of wellness options, before getting an early night

in one of the town’s many first-rate hotels.

* Reine Wanderzeit.

*Net hiking time.

34 Andermatter

Andermatter 35



The third day of the Gotthard Tunnel Trail starts on the

shores of the bathing lake, Lag da Claus in Sedrun-Surrein,

a basin that was created during the construction of the Gotthard

Alptransit rail tunnel. We carry on east to Val Medel over the

Lukmanier Pass. This day of hiking is also studded with highlights:

our picnic on top of the Stagias, a hill with a beautiful

view towards Disentis; Mutschnengia, an idyllic alpine village

with a suspension bridge; the Chapel of Sogn Gagl (the dialect

name for St. Gall); and, finally, a night in the historic hospice,

where pilgrims and merchants once stopped for refreshments

and the sick were tended to.

On the fourth day of our hike, we are greeted by the gentle

alpine landscape of Ticino and cross the Gotthard Base Tunnel

no fewer than four times. We gaze from Passo del Sole on to

the glacial Rheinwaldhorn before arriving at the absolute pinnacle

of our tour, Passo Predelp. Now we are standing directly

above the tunnel, surveying half of the mountain scenery that

the tunnel runs through far below. After a relaxed descent,

we eat at the welcoming holiday farm Alla Meta and spend the

night in Carì, a ski resort in winter that is also known for its

attractive scenery in summer.

By now we have already reached the last leg of our trail. It

takes us along the Strada Alta Leventina, one of the oldest

alpine routes in Switzerland. We hike through Ticino’s mountain

villages, beautiful forests and hilly lookout points, where we

spot elegant chapels and, finally, the southern portal of the

Gotthard Base Tunnel, out of which trains speed, until we reach

Bodio, our final destination. Of one thing we are already sure:

in the future, when we’re sitting in the Gotthard Tunnel,

whether gazing out of darkened train carriage windows or in a

traffic jam in the road tunnel, we will remember how much

more beautiful it was to travel the length of the longest railway

tunnel in the world by foot.

WEITERE INFOS

ZUM GOTTHARD TUNNEL TRAIL

Wanderbüchlein in drei Sprachen

(Deutsch, Englisch und Italienisch) bestellen:

www.gotthard-tunnel-trail.ch

Mail: marja.nieuwveld@gotthard-connects.ch

Infos zu den einzelnen Etappen:

rheinquelle.disentis-sedrun.ch

FURTHER INFORMATION

about the Gotthard Tunnel Trail

A trilingual hiking booklet

(German, English and Italian) can be ordered here:

www.gotthard-tunnel-trail.ch

Email: marja.nieuwveld@gotthard-connects.ch

Information about the stages of the trail:

rheinquelle.disentis-sedrun.ch

STAGE 5:

FROM CARÌ TO BODIO

6:30 H* / 23.2 KM / ↑ 681 M / ↓ 2,005 M / PEAK 1,622 M

Die letzte Etappe führt durch

das malerische Tessin auf einem

der ältesten Höhenwege der

Schweiz, der Strada Alta

Leventina. Klassische Rustici und

typische Tessiner Bergdörfer,

abwechslungsreiche Natur,

fantastische Aussicht: ein mehr

als würdiger Abschluss.

KOST UND LOGIS:

→ Osteria Anzonico:

www.osteriaanzonico.ch

→ Agriturismo B&B Bertazzi

(Cavagnago): www.bertazzi.ch

→ B&B Norma Gasser (Sobrio):

www.norma-sobrio.ch

→ Albergo Stazione (Bodio):

www.albergostazionebodio.ch

* Reine Wanderzeit.

The last leg continues through

picturesque Ticino along the

Strada Alta Leventina, one of the

oldest alpine routes in Switzerland.

Classic Rustici and typical

Ticino mountain villages, varied

scenery and fantastic views

make for a more than fitting

finale.

BOARD AND LODGING:

→ Osteria Anzonico:

www.osteriaanzonico.ch

→ Agriturismo B&B Bertazzi

(Cavagnago): www.bertazzi.ch

→ B&B Norma Gasser (Sobrio):

www.norma-sobrio.ch

→ Albergo Stazione (Bodio):

www.albergostazionebodio.ch

*Net hiking time.

Um die grossartige Aussicht aus den Seilbahnen

geniessen zu können, ist zum Teil eine

Reservation nötig – beachten Sie

die Infos in den gelben Kästen in diesem Artikel.

To enjoy the magnificent views

from the cable cars, reservations are

sometimes required – see the

information in the yellow boxes in this article.

36 Andermatter

Andermatter 37



Wo das

Meer

beginnt

WORDS BY CHRISTOF GERTSCH

ILLUSTRATIONS BY PATRICK BONATO

Beim Witenwasser en stock ob

Andermatt liegt die höchstgelegene

dreifache Wasserscheide Europas.

Es ist ein besonderer Ort – den man

dank eines hartnäckigen Unterländers

sogar zu Fuss erreichen kann.

The Witenwasserenstock is close

to Andermatt and home to Europe’s

highest triple watershed – a remarkable

place. Thanks to the persistence of

a resident of the lowlands, this unique

spot can now also be reached

on foot.

38 Andermatter THE SOURCE OF THE SEAS

Andermatter 39



Hoch oben im Gotthardmassiv, zwischen

dem Witenwasserenstock und

dem Passo dei Sabbioni, befindet sich

auf 3’025 m ü. M. eine tischgrosse Felsplatte.

Wäre vor ein paar Jahren nicht

eine anderthalb Meter grosse Skulptur

auf ihr installiert worden, könnte man

sie leicht übersehen, denn von ihrer Umgebung

unterscheidet sie sich eigentlich

überhaupt nicht. Und doch ist es eine

besondere Felsplatte. Von hier kann der

Regen in drei verschiedene Richtungen

fliessen. Ein Windhauch genügt, und

der Wasserlauf ändert sich. Kommt der

Wind von Süden, wird ein Tropfen, der

auf die Felsplatte fällt, nach Norden geleitet

und gelangt via Reuss, Aare und

Rhein bei Rotterdam in die Nordsee.

Kommt er von Norden, fliesst das Wasser

ins Tessiner Bedrettotal und von dort

via Ticino und Po ins Adriatische Meer.

Kommt der Wind von Osten, treibt es

unseren Regentropfen via das Walliser

Gerental in die Rhone und durch Frankreich

ins Mittelmeer.

Die Felsplatte beim Witenwasserenstock

ist die höchstgelegene dreifache

kontinentale Wasserscheide Europas.

Aber so nennen sie nur Fachleute.

In Wahrheit ist sie der Ort, an dem das

Meer beginnt. Genauer: der Ort, an

dem drei Meere beginnen. Auch wenn

der Weg noch weit ist. Und lang. Bäche

und Flüsse durchströmt ein Wassermolekül

oft in wenigen Stunden,

höchstens Tagen. Seen aber können

für mehrere Hundert Jahre zu seiner

Heimat werden, ehe es weiterzieht.

Lange wussten nur Eingeweihte

von der Felsplatte, inzwischen

aber gibt es ja eben die Skulptur,

und es führen auch Wanderrouten

zu dem Ort – glücklicherweise

solche, für die man

nicht zwanzig Jahre Klettererfahrung

haben muss, um sie

zu bewältigen. Sie heissen

Realperweg (über die Rotondohütte

und den Hüenerstock),

Lucendroweg (über

Gotthard- und Lucendropass),

Bedrettoweg (über

den Cavannapass) und

Furkaweg (vom Furkapass

ebenfalls über die

Rotondohütte und den

Hüenerstock). Allesamt

sind sie Teil des Vier-

Quellen-Wegs, dessen

Name daher rührt,

dass im Gotthardmassiv

vier Flüsse entspringen: Rhein,

Reuss, Rhone und Ticino.

Sowohl die Ursprünge dieser vier

Flüsse als auch die Wasserscheide beim

Witenwasserenstock für die Allgemeinheit

mit Wanderwegen erschlossen hat

Paul Dubacher, bald achtzig Jahre alt,

ein Wander-Tausendsassa, wie er sich

selbst nennt, topfit, eine Urner Legende

eigentlich. Er wuchs als eines von sieben

Geschwistern auf, sein Vater arbeitete

in der Munitionsfabrik Altdorf. Er lernte

erst Maurer, machte die Handelsschule,

liess sich zum Bauführer ausbilden und

führte dann fast vierzig Jahre lang ein

Architekturbüro. Er war Gemeindepräsident

und war noch in vielen anderen

Funktionen tätig.

Drei Millionen Franken trug Dubacher

für den Bau des Vier-Quellen-Wegs

zwischen 2008 und 2012 zusammen, und

noch einmal 1,6 Millionen Franken waren

ab 2014 nötig, um die Wasserscheide

zu erschliessen. So teuer war die Arbeit,

so beschwerlich vor allem: Über mehrere

Sommer hinweg schleppten Dubacher,

seine Brüder und weitere Arbeiter Steine,

tonnenschwere Felsbrocken zogen

sie mit Stockwinden und Seilzügen über

den Boden, bis sich vor ihnen Wege und

Treppen auftaten, die man sicher passieren

kann. Dubachers Schwestern halfen

beim Signalisieren, zeitweise war es fast

ein Familienprojekt. Nicht wenige Helikopterflüge

waren nötig, um die Helferinnen

und Helfer in die teils entlege-

Ihn kennt man im Kanton Uri: Paul Dubacher,

einst Bauführer, Architekt, Gemeindepräsident.

Heute geht er fürs Leben gern

zu Fuss. Und erschliesst mit seinen

Wanderwegen immer neue Orte, die es

sich zu entdecken lohnt.

He is well known in the canton of Uri: Paul

Dubacher – former construction manager,

architect and mayor. Today, he loves

exploring on foot, continuously creating

new hiking trails that open up places well

worth discovering.

nen Gebiete zu bringen, aber wenn man

sieht, was die Wanderwege heute für ein

Erfolg sind, muss man sagen: Es hat sich

gelohnt.

Dubacher hat Ausdauer, bei einem

Kaffee im Andermatter Bahnhofbuffet

erzählt er von seiner nächsten Idee, für

die er seit Jahren bis zum Bundesrat hinauf

weibelt: ein Rundweg für Menschen

mit Beeinträchtigung. Er sagt, es komme

gut, die Bewilligung liege vor, aber

es gebe auch noch viel zu tun. Wenn es

einer schafft, dann er: Im Militär war er

Gebirgsgrenadier. Seit zwei Jahrzehnten

bestreitet er jährlich den natürlich von

ihm selbst erfundenen Gotthardmarsch

von Seelisberg über 70 Kilometer und

2’000 Höhenmeter bis zum Gotthardpass.

Noch immer beginnt er jeden Tag

mit Yoga. Paul Dubacher ist einer, der

streng sein kann mit sich selbst – aber

mit den Menschen, die mit ihm zu tun

haben, geht er locker um. Er ist voller

Energie und Schalk, er vermag die Leute

mitzureissen und zu begeistern. Wie

gemacht für das Urserntal, könnte man

sagen.

Dabei stammt er gar nicht von da,

er kommt aus dem Urner Unterland, wo

er bis heute lebt. Oben im Urserntal ist er

zu Gast. Sein Durchhaltewille aber passt

zu den Menschen hier, sie sind bekannt

– und mancherorts wohl berüchtigt –

dafür, dass sie für sich und ihre Sache

einstehen. Historische Beispiele dafür

gibt es viele, keines aber hallt so lange

nach wie jenes Ereignis in der Nacht vom

19. Februar 1946, das als „Krawall von

Andermatt“ in die Geschichte einging.

Eine Gruppe von 250 Menschen aus Andermatt,

Realp und Hospental stürmte

das Hotel Sonne in Andermatt, in dem

ein gewisser Karl J. Fetz logierte, ein

Gesandter der Centralschweizerischen

Kraftwerke (CKW), der den Leuten im

Urserntal den Verkauf ihres Bodens nahelegen

sollte.

Es war Höhe- und Endpunkt einer

Geschichte, die dem Tal den Untergang

beschert hätte, im wahrsten Sinn. Seit

den 1920er-Jahren bestand der Plan, das

Urserntal zu fluten und den mit Abstand

grössten Stausee der Schweiz zu errichten.

Es war ein gigantisches Projekt, das

weitum Begeisterung auslöste: Schon im

Ersten Weltkrieg hatte die Schweiz mit

knapper werdenden Kohlevorräten zu

kämpfen, nun sollte die Elektrizität aus

heimischer Wasserkraft das Land auch in

Krisenzeiten und im Winter versorgen.

Doch offensichtlich hatten die

Verantwortlichen nicht mit dem Widerstand

der sturen und stolzen Menschen

im Urserntal gerechnet, anders ist die

Überheblichkeit, mit der sie gegenüber

den Einheimischen auftraten, nicht zu

erklären. So berichtet es Geri Danioth

40 Andermatter

Andermatter 41



bei einem Kaffee im Biselli. Danioth,

75-jährig, ist pensionierter Maschinenbauingenieur

und Dorfführer in Andermatt.

Die Geschichte vom Krawall vor

dem Hotel Sonne gehört auf seinen

Rundgängen zu den beliebtesten. Danioth

kommt von hier, hat die Krawalle

aber nicht selbst erlebt. Sein Vater, der

im Dorf einen Coiffeursalon führte, hat

ihm alles erzählt.

Drei Dörfer – Andermatt, Hospental

und Realp – wären dem Stauseeprojekt

zum Opfer gefallen und hätten an

den Hängen über dem See neu errichtet

werden müssen. Ein Riegel beim oberen

Eingang der Schöllenenschlucht

hätte das Tal verschliessen sollen, die

ganze Talebene wäre geflutet worden,

man hätte eine 200 Meter hohe Mauer

errichtet. Neben 2’000 Einwohnerinnen

und Einwohnern hätten auch 1’300

Stück Rindvieh sowie 2’000 Ziegen und

Schafe umgesiedelt werden müssen.

Niemand sah darin ein Problem,

niemand ausser den Menschen, die es

betraf. Sie liessen sich auch nicht von kolorierten

Prospekten umstimmen, die ihnen

in den schönsten Farben eine goldene

Zukunft an den Gestaden des neuen

Sees versprachen, ein „Ascona der Berge“.

In der Nacht vom 19. Feb ruar 1946

setzten die Einheimischen dem Projekt

ein Ende, indem sie den CKW-Gesandten

Fetz mit Gewalt aus dem Hotel und

auf dem Bahntrassee hinunter nach Göschenen

trieben.

Es wurde dann ein anderes Staudammprojekt

umgesetzt, oben auf der

Göscheneralp. Es war die kleinere, aber

auch einfacher zu realisierende Alternative,

der Anfang einer Erfolgsgeschichte,

die weit über das Urserntal hinausstrahlt.

Heute bringt die Wasserkraft

dem kleinen Kanton Uri jährlich 25 Millionen

Franken an Steuereinnahmen ein,

grösster Abnehmer des mit Wasserkraft

produzierten Urner Stroms ist die SBB,

die damit 40 Prozent ihres Jahresverbrauchs

deckt.

Das ist, was Paul Dubachers Wanderwege

und die Andermatter Krawallnacht

gemeinsam haben: Sie sind Symbole

des Wasserschlosses Gotthard. Als

Wasserschloss bezeichnet man Gegenden,

die im Vergleich zu ihrer Fläche

überproportional viel Abfluss erzeugen.

Bergregionen sind aus zwei Gründen

Wasserschlösser, erklärt in einem Telefongespräch

Daniel Viviroli, Geograf

und Gebirgshydrologe an der Universität

Zürich. Erstens regnet es mehr, weil

die Luftmassen über dem Gebirge in die

Höhe steigen und sich abkühlen. Weil

kalte Luft weniger Wasserdampf speichern

kann, entsteht dann überschüssiger

Wasserdampf, der kondensiert und

als Regen oder Schnee niederfällt. Zweitens

sind in den Bergen die Temperaturen

geringer, wodurch die Verdunstung

reduziert ist. Zudem sind die Vegetationsperioden

kürzer, was den Pflanzen

zum Verdunsten dann auch noch weniger

Zeit lässt.

Wie prägend das Wasser für das

Urserntal ist, erkennt man schon, wenn

man sich ihm von Göschenen kommend

nähert. Man muss die Reuss, die sich

ihren Weg durch die Schöllenenschlucht

bahnt, nicht einmal sehen. Es reicht,

über der Teufelsbrücke das Autofenster

runterzukurbeln. Schon hört man den

strömenden Fluss und wird nie wieder

unterschätzen, welche Wassermassen

sich hier oben zu jeder Sekunde des

Tages sammeln.

42 Andermatter

Zum Teufel mit ihm! In der Nacht vom 19. Februar 1946 setzten die

Einheimischen dem Stauseeprojekt ein Ende, indem sie

den CKW-Gesandten Karl J. Fetz mit Gewalt nach Göschenen

hinuntertrieben.

To hell with him! On the night of 19 February 1946, the locals put an

end to the reservoir project by forcefully driving the CKW envoy,

Karl J. Fetz, down to Göschenen.

Andermatter 43



High up in the Gotthard Massif, at 3,025

metres, between the Witenwasserenstock

and Passo dei Sabbioni peaks,

there is a rocky ledge the size of a table.

Without the 1.5-metre sculpture that

was placed there a few years ago it would

be easy to miss, because nothing else

makes it stand out from its surroundings.

Yet this rocky ledge is special. Rainwater

flows off it in three different directions,

and a breeze is sufficient to change the

direction of the flow. If the wind blows

from the south, a raindrop that falls on

the rocky ledge is directed northwards

and will travel via the rivers Reuss, Aare

and Rhine into the North Sea. If the wind

blows from the north, however, the raindrop

flows into the Bedretto Valley and

from there, via the Ticino and Po into

the Adriatic. If the wind blows from the

east, on the other hand, it directs the

raindrop via Gere Valley in Valais into

the Rhone and then through France to

the Mediterranean.

The rocky ledge at Witenwasserenstock

is Europe’s highest triple continental

water divide. But that’s only what the

experts call it. It is the place where the sea

begins – or, to be more accurate, where

three seas begin. Even if they still have a

long way to go. And it takes a long time - a

water molecule can often flow through

streams and rivers in a few hours, days,

at most. But it can also stay in a lake for

several hundred years before being carried

on its way.

For a long time, only insider circles

knew about the rocky ledge. Now

it is marked with a sculpture and hiking

trails lead there – luckily not the kind that

require twenty years of mountain-climbing

experience to tackle! In all, there are

four possible routes: the Realp Trail via

the Rotondo Hut and Hüenerstock; the

Lucendro Trail via the Gotthard and Lucendro

Passes; the Bedretto Trail via the

Cavanna Pass; and the Furka Trail from

the Furka Pass, also via the Rotondo Hut

and Hüenerstock. All of these trails are a

part of the Four Springs Trail, so named

because the sources of four rivers are

found in the Gotthard Massif: the Rhein,

Reuss, Rhone and Ticino.

The sources of these four rivers and

the water divide at Witenwasserenstock

have been made accessible to the general

public via hill-walking paths created

by Paul Dubacher, nearly eighty years

old, a jack-of-all-hikes, as he likes to call

himself, fit as a fiddle – and in the Uri

region, he’s a veritable legend. One of

seven children, his father worked in the

munitions factory in Altdorf. He first did

an apprenticeship as a bricklayer, then

attended vocational college, where he

trained as a construction foreman, before

managing an architect’s office for

almost forty years. He has also served as

mayor and held many other positions.

Between 2008 and 2012, Dubacher

raised three million francs for the

construction of the Four Springs Trail;

from 2014, a further 1.6 million francs

were necessary to provide access to the

watershed. The work was as arduous as

it was expensive: for several summers,

Dubacher, his brothers and other workmen

hauled stones, using steel winches

and wire ropes to drag boulders weighing

tons across the ground, until paths and

steps emerged that were safe to pass.

Dubacher’s sisters helped with the signposts;

at times, it was something of a family

project. Quite a few helicopter flights

were necessary to transport the helpers

to more remote areas; but on seeing what

a success the hiking trails are today, noone

would deny that it was worth it.

Dubacher has staying power. Over

coffee in Andermatt’s station restaurant,

he talks about his next idea, one that he’s

lobbied for all the way to the Swiss Federal

Council: a circular trail for people

with physical impairments. He says the

project is moving forward and has been

approved, but that there is still a great

deal of work to be done. But if anyone can

do it, he can. During his military service

he was a mountain grenadier, and for

the past two decades he has organised

the annual Gotthard March – another of

his pet projects. The 70-kilometre route

with an altitude difference of 2,000 metres

runs from Seelisberg to the Gotthard

Pass. Even now, he begins every day with

yoga. Paul Dubacher is a man who can be

hard on himself, but he’s easy-going on

those who work with him. He’s a bundle

of energy and humour and enjoys firing

up others with his enthusiasm. Indeed,

you could say he was made for life in the

Ursern Valley.

But that’s not where he’s from; he

was born in the Uri lowlands, where he

still lives today. Up in the Ursern Valley,

he’s a visitor. Nonetheless, his staying

power is typical of the people in this area;

they are famous – infamous in some parts

– for sticking up for themselves and their

causes. Historic examples are plentiful,

but none has resonated for as long as

the incident on the night of 19 February

1946, when the Andermatt Riot went

down in history. A group of 250 people

from Andermatt, Realp and Hospental

stormed Hotel Sonne in Andermatt,

where a certain Karl J. Fetz was staying,

an envoy from the Central Swiss Power

Plants (CKW) who was on a mission to

encourage the Ursern Valley residents to

sell their land.

It was both the climax and the conclusion

of a story that would have meant

the ruin of the valley in the truest sense.

Since the 1920s, a plan had been circulating

to flood the Ursern Valley and create

the largest reservoir in Switzerland by

far. This mammoth project had met with

enthusiasm for miles around. During the

First World War, Switzerland had struggled

with ever-dwindling coal supplies,

and it was anticipated that electricity

from domestic hydropower could power

the country, also in winter and during

times of crisis.

But those responsible had evidently

not reckoned with opposition from the

stubborn, proud Ursern Valley people;

the arrogance they displayed towards the

locals cannot be explained in any other

way. This is how Geri Danioth tells the

story over coffee in the Biselli restaurant.

Danioth is a seventy-five-year-old

retired mechanical engineer and village

guide in Andermatt. On his tour, the story

of the riot in Hotel Sonne is one of

the most popular. Despite being a local,

Danioth didn’t experience the riot firsthand;

his father, who ran a hairdressing

salon in Andermatt, told him the whole

saga.

Three villages – Andermatt, Hospental

and Realp – would have fallen victim

to the reservoir project; the planners

proposed rebuilding them on the slopes

above the new lake. The plan was to seal

off the valley with a rock wall at the upper

entrance to the Schöllenen Gorge, build

a 200-metre-high dam further down

and flood the entire valley plain. Besides

2,000 locals, it would have meant the

forcible relocation of 1,300 head of cattle

and 2,000 goats and sheep.

This did not seem to be a problem

for anyone – except the people affected.

They weren’t about to let their opinions

be swayed by colour brochures

promising a golden age on

the shores of the new lake,

an “alpine Ascona”. On the

night of 19 February 1946, the

locals put an end to the plans

by violently driving the envoy

out of his lodgings and along the

railway line down to Göschenen.

Later, a different reservoir project

was put into action, high up on the

Göschenen Alp. It was smaller in scale

and easier to implement, the start of a

success story that reaches far beyond

the Ursern Valley. Today, hydropower

provides an annual income of 25 million

francs for the small Canton of Uri; the

biggest purchaser of hydroelectricity

produced in Uri is the Swiss Federal Railways

(SBB), which uses it to cover forty

percent of its yearly energy needs.

Paul Dubacher’s hiking trails and

the night of the Andermatt riot have one

thing in common: they are symbols of the

Gotthard water tower. A water tower is a

term applied to areas that have an overproportionate

runoff compared to their

surface area. Mountainous regions are

water towers for two reasons, explains

Daniel Viviroli, a geographer and mountain

hydrologist at the University of Zurich,

over the phone. Firstly, it rains more

in these areas, as air masses rise above

the peaks and cool down. Because cold

air is able to hold less water vapour, excess

water vapour condenses and falls

as rain or snow. Secondly, temperatures

are lower in mountainous regions; this

leads to reduced water evaporation. Vegetation

periods are also shorter, which

means that plants have shorter times to

release vapour.

The remarkable effect this has on

water for the Ursern Valley can be seen

when you approach it from Göschenen.

You don’t even need to see the Reuss

winding its way through the Schöllenen

Gorge. It’s sufficient just to wind down

the window as you drive over Devil’s

Bridge. The sound of the rushing river

water is deafening and from then on,

you’ll never underestimate the mass of

water that accumulates up here, every

second of every day.

44 Andermatter

Andermatter 45



Ein guter Betrieb steht auf festem Fundament,

beginnend mit dem Nachwuchs, den Lernenden.

Die Urnerin Melissa Gisler (18) ist

Restaurationsfachfrau im zweiten Lehrjahr

hier im Radisson Blu Hotel Reussen. Sie

beweist: Qualität lernt sich früh – und zeigt

sich oft am stärksten in den vielen kleinen

Dingen, die ihren Beruf ausmachen.

A good company needs solid foundations, and

these start with those in training - the next

generation of staff. Here at the Radisson Blu

Hotel Reussen, Uri-born Melissa Gisler (18) is

in the second year of her hospitality apprenticeship.

She is proof that the importance of

quality is learned early on, as can be seen in

the attention to small details that come with

her work.

MIT DER

LERNENDEN

MELISSA GISLER

IM RADISSON BLU

HOTEL REUSSEN

A DAY WITH APPRENTICE MELISSA GISLER

AT THE RADISSON BLU HOTEL REUSSEN

Das Radisson Blu Hotel Reussen an der

Piazza Gottardo, dem neuen Dorfplatz von

Andermatt Reuss, leistet vieles auf einmal

– es ist Schwimmbad, Spa- und Wellness-Center,

Restaurant und Café, Bar

(die gerade nach stimmungsvollen Abenden

in der Andermatt Concert Hall zum

beliebten Treffpunkt wird), Tagungs- und

Konferenzort und natürlich Vier- Sterne-

Gasthaus, mit 244 eleganten Hotelzimmern

und Suiten.

Als angehende Restaurationsfachfrau

ist Melissa Gisler also eine Allrounderin

in einem Allroundbetrieb: Sie begrüsst

und berät die Gäste bei der Wahl von Speisen

und Getränken, bedient, serviert und

kassiert, arbeitet im Etagen service der

Hotellerie, unterstützt bei der Planung

und Durchführung von Veranstaltungen,

Konzerten und Banketts, ist für die Dekoration

der Tische und die Kontrolle und

Lagerung von Waren zuständig, spezialisiert

sich zudem als Barista und lernt auch

noch das Barkeeper-Handwerk – langweilig

wird ihr also bestimmt nie.

Die Schweiz, das Land der Berufsbildung:

Rund zwei Drittel aller Jugendlichen

erlernen nach der obligatorischen Schule

hierzulande einen Beruf, zwischen rund

230 offiziellen Berufslehren konnte Melissa

wählen. Sie entschied sich mit Restaurationsfachfrau

für eine eher neuere

Berufs ausbildung, die aufgrund des sich

verändernden Anforderungsprofils in der

Hotellerie und Gastronomie entstanden

ist und gerade im Kanton Uri lange eher

eine Seltenheit war. Melissas Ausbildung

steht damit exemplarisch für die zahlreichen

neuen Arbeitsplätze und Lehrstellen,

die durch das Tourismusprojekt Andermatt

hier entstanden sind, für den Wandel

dieser Region.

Bereut hat Melissa ihre Wahl keine

Sekunde, obwohl ihr eigentlich eher eine

Lehre als Praxisassistentin in der Dentalhygiene

vorschwebte. Als sie von ihrem

Wohnort Altdorf aus spontan an einen

Berufsinfotag ins The Chedi Andermatt

fuhr, spürte sie sofort: Das könnte etwas

sein für sie. Spätestens nach drei-, viermal

„schnuppern“, also Kurzpraktika in diversen

Betrieben, war ihr klar, das ist ihr Job.

Melissa schätzt besonders den Kontakt

mit den Gästen und daher den Abendservice

im hoteleigenen Restaurant Spun.

Auch der gute Umgang im Team liegt ihr

sehr, was man sich bei der sympathischen

und sprachgewandten Urnerin gut vorstellen

kann. Aber auch die Arbeit mit

Lebensmitteln und natürlich die Zubereitung

von warmen und kalten Getränken

haben es ihr angetan: Von allen Cocktails

mixt sie am liebsten Espresso Martinis,

da kommen auch die beiden Getränkesorten

zusammen, auf die sich Melissa in

der Ausbildung spezialisiert hat, als Barkeeperin

und Barista. An der Latte Art, der

WORDS BY STUDIO VOILE

PHOTOGRAPHY BY CONSTANTIN MIRBACH

höchsten Kunst der Kaffeezubereitung,

übe sie derzeit noch, wobei die vor unserem

Gespräch servierten Heissgetränke

keine Wünsche offenliessen.

Zur Berufslehre gehört auch der

über betriebliche Kurs, die „Berufsschule“,

die Melissa in Interlaken absolviert,

zweimal pro Jahr ist sie für fünf Wochen

dort. Ihren Wohnort Altdorf scheint sie

nur noch selten zu vermissen. Sie hat

längst ein Studio in Andermatt, und ihre

Freundinnen und Freunde aus Altdorf

besuchen sie umso lieber, gerade an den

Wochenenden. Nach dem Lehrabschluss

möchte sie gern noch eine Saison in Andermatt

bleiben, dann bestimmt noch

ein bisschen Zeit im Ausland verbringen,

am liebsten in Frankreich, um ihr Französisch

aufzubessern, denn die erste

Fremdsprache Englisch spricht Melissa

schon fliessend.

Das Ziel ist, irgendwann das Abendmanagement

zu übernehmen, vielleicht

sogar hier in Andermatt? Ihren Lehrmeister

Andi Meier, General Manager des

Radisson Blu Reussen, würde es bestimmt

freuen – er ist mehr als zufrieden mit einer

der jüngsten seiner rund 100 Mitarbeitenden,

die allesamt dafür sorgen, dass dieser

Grossbetrieb auf allen Ebenen tagtäglich

auf höchstem Niveau funktioniert.

Andermatter 47



RADISSON BLU HOTEL

REUSSEN – NACHHALTIGKEIT

PAR EXCELLENCE

Das Radisson Blu Hotel Reussen legt grossen

Wert auf ökologische Nachhaltigkeit: Geheizt

wird das Vier-Sterne-Haus zu 100 Prozent

mit CO 2-neutraler Fernwärme, die Holzschnitzel

stammen aus dem Kanton Uri sowie aus

einer Sägerei in Airolo und haben einen Weg

von weniger als 50 Kilometer hinter sich.

Der Strom stammt ausschliesslich aus Wasserund

Windkraft aus der Gotthardregion. Im

Niedrigenergiestandard gebaut, nutzt das

Hotel z. B. ein Frischluftsystem für alle Zimmer

und regelt die Zimmertemperatur über die

Fuss bodenheizung, ohne Klimaanlage. Direkt

vor dem Hotel gibt es eine Ladestation für

Elektrovelos, in der Tiefgarage Andermatt Reuss

Parking stehen für Elektroautos sechs Ladestationen

mit 22 kW und weitere sechs Ladestationen

mit 11 kW zur Verfügung.

The Radisson Blu Hotel Reussen places great

value on ecological sustainability. This four-star

hotel is heated entirely with carbon-neutral

district heating using wood chips sourced from

the Canton of Uri and a sawmill in Airolo with

a transport distance of less than fifty kilometres.

Electric power is obtained exclusively from

hydroelectric plants and wind power in the

Gotthard region. Built to comply with low-energy

standards, the hotel uses a fresh-air system

for all rooms, for example, and regulates room

temperature by radiant flooring – without air

conditioning. A charging station for electric

bikes is located directly in front of the hotel, and

the underground car park, Andermatt Reuss

Parking, offers six charging stations with 22 KW

and six charging stations with 11 KW.

The Radisson Blu on Piazza Gottardo,

the new village square in Andermatt

Reuss, serves multiple purposes. It is a

swimming pool, spa and wellness centre,

a restaurant and a café; its bar is a popular

meeting place, especially after enjoyable

evening shows at the Andermatt

Concert Hall; and it is a symposium and

conference centre, not to mention a fourstar

hotel with 244 rooms and suites.

As a professional catering apprentice,

Melissa is an all-rounder in an allround

enterprise. She welcomes restaurant

guests and helps them choose their

food and beverages ; she serves, waits

tables and takes care of payment; she

provides hotel room service, supports

the smooth running of events, concerts

and banquets; she decorates tables, inspects

and stores goods deliveries, has

specialist barista training and is learning

the art of barkeeping. In other words, her

work is never dull!

Switzerland is a country with a

strong tradition of vocational training:

about two-thirds of young people do

an apprenticeship after finishing compulsory

schooling. Melissa could have

chosen any one of around 230 official

apprenticeships. She decided on one of

the newer vocational courses, created in

response to changing work requirements

in the hotel and gastronomy sector, and

one that is less common, especially in

the Canton of Uri. Melissa’s training is

a good example of numerous new jobs

and apprenticeships that have arisen

from the Andermatt tourism project and

illustrates the changes taking place in

this region.

And she doesn’t regret her choice,

despite originally seeing herself train to

be an assistant at a dental hygiene practice.

At the job information day at The

Chedi in Andermatt, which she attended

on the spur of the moment from her

home in Altdorf, she immediately felt

that this could be just the line of work she

was looking for. After three or four trial

runs – short internships with various departments

– she was convinced that this

was the apprenticeship for her.

Melissa especially enjoys contact

with hotel guests, which is why she likes

working in the evening at the hotel’s own

restaurant, the Spun; she also likes the

close-knit team spirit among the staff,

which is easy to imagine thanks to her

pleasant, eloquent manner. What’s more,

she has taken a liking to food preparation

and, of course, preparing warm and cold

drinks: her favourite cocktail to mix is

an Espresso Martini, as it combines two

types of drinks that she specialised in

preparing during her training as a barkeeper

and barista. And whilst she might

still be perfecting the art of making lattes,

the hot drinks served before we sit down

for our chat are flawless.

Included in the apprenticeship is

an external course at a vocational college,

which Melissa attends in Interlaken

for five weeks twice a year. She doesn’t

seem to miss her hometown of Altdorf

much; after all, she has long since moved

into a studio apartment in Andermatt,

and her friends from home love to visit,

especially at the weekends. Once her

training is finished, she would like to stay

in Andermatt for a season and then definitely

spend a period abroad, preferably

in France to improve her French; she is

already fluent in English, her first foreign

language.

Melissa’s goal is to manage the dinner

service one day, perhaps even here in

Andermatt. Her instructor, Andi Meier,

the General Manager of the Radisson Blu

Reussen, would certainly be happy if she

did. He is more than satisfied with the

youngest of his approximately 100 colleagues,

a team that ensures this largescale

operation works at the highest level

in all areas.

RESTAURANT SPUN

Das hoteleigene Restaurant Spun ist ein kulinarischer

Spiegel der Region: Die verwendeten

Alpenkräuter stammen im Sommer aus dem Tal,

der Honig aus dem Urner Unterland, das Fleisch

aus der Dorfmetzgerei Spahni, der Kaffee von

Hochstrasser aus Luzern, und wer mag, probiert

ein Bier aus Uri oder Wein aus den angrenzenden

Kantonen. Regionalität steht im Zentrum:

„Spun“ ist ein Flurname aus dem Unteralptal und

dem englischen Begriff für Löffel ähnlich. Und

so findet sich auf den Tellern eine Swiss Local

Cuisine mit internationalen Einflüssen, eine moderne

Interpretation der traditionellen Schweizer

Küche, innovativ, aber bodenständig.

Chefkoch Alberto Galimberti zeigt die kulinarische

Vielfalt der Region, verarbeitet Nose to

Tail, bietet auch feine vegetarische und vegane

Gerichte an. Vom Jus bis zu den Getränken ist

hier alles selbst gemacht und frisch, so auch die

Cocktails an der Bärbar in der Eingangshalle

des Radisson Blu Reussen.

Wer bereits am Morgen kommen mag oder im

Hotel übernachtet, kann sich besonders auch

auf das herrliche Frühstücksbuffet freuen, das

keine Wünsche offenlässt.

The hotel’s Restaurant Spun reflects the region’s

culinary tastes: the alpine herbs used in the

kitchen in the summer come from the valley, the

honey is from Uri’s lowlands, the meat is bought

from village butcher Spahni, the coffee is from

the Lucerne-based company Hochstrasser, and

beer or wine from the neighbouring cantons

can be served if desired. Regional products are

the focus: “Spun” is a place name originating

from the Unteralp Valley and is similar to the

English word “spoon”. Local Swiss cuisine is

served here with international influences, a

modern spin on Swiss culinary heritage, innovative

but rooted in tradition.

Head Chef Alberto Galimberti presents the culinary

diversity of the region, practises nose-totail

food preparation, serves delicious vegetarian

and vegan dishes, and everything, from the

jus to the drinks, is freshly prepared, including

the cocktails at the Bär Bar in the foyer of the

Radisson Blu Reussen.

Morning visitors and hotel guests particularly

look forward to the superb breakfast buffet that

caters to every taste.

Reservations: +41 41 888 11 59 or

restaurants.andermatt@radissonblu.com

Dinner:

Breakfast:

Bar “Bärbar”:

6:00 pm – 10:00 pm

Weekdays 7:00 am – 11:00 am

Weekends: 7:00 am – 12:00 pm

Mon – Sun: 12:00 pm – 1:00 am

48 Andermatter

Andermatter 49



GIPFELSTÜRMER DER KLASSIK

TREFFEN SICH

BEI UNS IN ANDERMATT

PROGRAMM &

TICKETS

50 Andermatter

ANDERMATTMUSIC.CH



Andermatt Music –

Concerts 2025

SA, 5. JULI 2025,

19.30

Rising stars –

Klavier-Rezital

SO, 6. JULI 2025,

17.00

La Scala –

Sinfoniekonzert

PHOTOGRAPHY: ANDERMATT MUSIC, VALENTIN LUTHIGER

Zwei grosse Talente der Lang

Lang International Music

Foundation zeigen ihr

beeindruckendes Können und

spielen beliebte Werke von

Bach, Beethoven, Brahms,

Chopin u. a. Das Konzert findet

in Kooperation von Andermatt

Music und Swiss Alps Classics

statt.

Two great talents from the

Lang Lang International Music

Foundation reveal their

remarkable skill in popular

works by Bach, Beethoven,

Brahms, Chopin and others.

This concert is a collaboration

between Andermatt Music

and Swiss Alps Classics.

.

Zum Saisonfinale ist die

Filarmonica della Scala zu

Gast in Andermatt. Ganz ohne

Gesang brilliert das Orchester

mit Werken von Mendelssohn

und Beethoven. Das Konzert

findet in Kooperation von

Andermatt Music und Swiss

Alps Classics statt.

Our season finale in Andermatt

features the Filarmonica

della Scala. Their dazzling

programme comprises works

by Mendelssohn and

Beethoven. This concert is a

collaboration between

Andermatt Music and Swiss

Alps Classics.

SA, 7. JUNI 2025,

19.30

Schatzkammer Schweizer

Sinfonik – Sinfoniekonzert

SO, 8. JUNI 2025,

19.30

Fazıl Say in concert –

Sinfoniekonzert

DO, 25. SEPTEMBER 2025,

19.30

Budapest Festival Orchestra –

Sinfoniekonzert

SO, 30. NOVEMBER 2025,

17.00

Tell, Swiss Legend! –

Sinfoniekonzert

Gemeinsam mit dem Swiss

Orchestra präsentiert die

Mezzosopranistin Marie-Claude

Chappuis Orchesterlieder

des Lachener Komponisten

Joachim Raff. Ausserdem auf

dem Programm stehen Werke

von Mendelssohn, Wagner

und Walter.

Accompanied by the Swiss

Orchestra, mezzo-soprano

Marie-Claude Chappuis

presents orchestral songs by

Joachim Raff, a native of

Lachen in Canton Schwyz. This

programme also features

works by Mendelssohn,

Wagner and Walter.

Mit seinem aussergewöhnlichen

pianistischen Vermögen

berührt Fazıl Say sein Publikum

seit Jahrzehnten. Die Konzerte:

mitreissend, aufregend,

inspirierend. In Andermatt

spielt der Ausnahmemusiker

Klavierkonzerte von Mozart

und Schostakowitsch.

For decades now, audiences

have been moved by the

extraordinary pianistic ability of

Fazıl Say, whose concerts are

captivating, exciting and

inspiring. In Andermatt, this

exceptional musician will play

piano concertos by Mozart and

Shostakovich.

Zur Eröffnung der Saison

2025/26 gibt das Budapest

Festival Orchestra unter der

Leitung von Iván Fischer sein

Debüt in der Andermatt

Konzerthalle. Neben Klassikern

erklingt als besonderes

Highlight Fischers „Dance

Suite“ mit Guy Braunstein an

der Sologeige.

To open the 25/26 season,

Budapest Festival Orchestra

under the direction of Ivan

Fischer will make its debut in

Andermatt Concert Hall.

Besides various classics, a

special highlight will be

Fischer’s Dance Suite with Guy

Braunstein on solo violin.

Wilhelm Tell, die wohl

sagenhafteste Figur der

Schweizer Geschichte, steht

im Zentrum des Swiss-

Orchestra-Konzerts mit der

bezaubernden Pianistin Olga

Scheps. Neben Rossinis

Tell-Ouvertüre und Hubers

Tell-Sinfonie erklingt Tschaikowskis

1. Klavierkonzert.

Wilhelm Tell, arguably the

most legendary figure in Swiss

history, takes centre stage in

the Swiss Orchestra concert

featuring the enchanting pianist

Olga Scheps. The programme

includes Rossini’s

William Tell Overture, Huber’s

Tell Symphony, and Tchaikovsky’s

Piano Concerto No. 1.

52 Andermatter

Andermatter 53



FLOTTER AUF

SCHOTTER

MIT

MAX KÜNG

CRUSHING THE GRAVEL TRAILS

WITH MAX KÜNG

WORDS BY MAX KÜNG

PHOTOGRAPHY BY CONSTANTIN MIRBACH

Kult-Autor Max Küng liebt Fahrradtouren,

vor allem auf seinem Gravel- Bike.

Seine Tour von Andermatt zur Vermigelhütte

und zurück lässt ihn

nachdenken, abschalten, manchmal

staunend absteigen, Bilder schiessen –

und überglücklich heimreisen.

Cult author Max Küng is a keen cyclist,

par ticularly on his gravel bike. His

journey from Andermatt to the

Ve r migel Hut and back gave him the

opportunity to contemplate, unwind

and dismount in wonder, stopping

to take some snaps before returning

home duly delighted.

MAX KÜNG

Max Küng ist Reporter, Kolumnist, Autor und leidenschaftlicher

„Gümmeler“, also Hobby-Rennradfahrer. Er ist auf

einem Bauernhof in Baselland aufgewachsen, heute

lebt der gelernte Bankkaufmann, Computerprogrammierer

und Journalist in Zürich, wo er auch als Grafiker,

DJ und Theaterkomponist bekannt ist. Schweizweit

geliebt wird Max Küng für seine Texte, vor allem seine

Kolumne in „Das Magazin“, sowie natürlich auch für

seine Bücher, zuletzt „Fremde Freunde“ (Kein&Aber).

Max Küng is a reporter, columnist, author and passionate

bike-racing buff. Raised on a farm in the Canton of

Baselland, the qualified banker, computer programmer

and journalist currently lives in Zurich, where he is also

well-known as a graphic designer, DJ and theatre

composer. Max Küng is popular throughout Switzerland

for his texts (especially for his column in Das Magazin)

and, of course, as a novelist. His most recent book is

Fremde Freunde, published by Kein&Aber.

Irgendwann musste ich anhalten und vom Rad absteigen.

Ich hielt nicht, weil ich nicht mehr konnte oder

wollte, die körperliche Anstrengung zu gross gewesen

wäre, nein. Zwar ging das Herz ganz schön schnell,

ich spürte es im Schädel oben pochen, und auch

die Lunge pumpte so richtig. Alles ganz normal, ich

war ja in den Bergen unterwegs; da gehört eine

gewisse Steilheit hin und wieder dazu. Ist auch gut

so, denn jeder einzelne Herzschlag sagt einem, dass

man lebendig ist – ein durchaus gutes Gefühl. Der

Stopp hatte also einen ganz anderen Grund: Es war

die Landschaft, die mich umgab, die gerade jetzt

so unfassbar schön anzuschauen war – viel zu schön,

um einfach an ihr vorbeizuradeln. Also hielt ich an,

kramte mein Handy aus der Trikottasche, machte

ein Foto von der Szenerie, dem kleinen Wasserfall

rechterhand, den Bergen dahinter, Gemsstock

und Pizzo Centrale, und noch ein Foto … und noch

eins. Ich wusste natürlich, dass ein Handyfoto niemals

einen Moment wie diesen einfangen kann. Aber

schon nur als Erinnerung an die Erinnerung lohnte

es sich bestimmt. Ich stieg dann bald wieder auf

mein Gravel-Bike und fuhr weiter auf der Schotterstrasse,

die mal gerade, mal kurvig verlief und

schliesslich hinter einem Felsen verschwand. Sie war

steil, sie war flach – und vor allem: niemals gleich

wie davor.

So folgte ich weiter der Unteralpreuss, dem

schmalen Gewässer, das Richtung Andermatt und

Reuss fliesst, während ich in die andere Richtung

fuhr, bergwärts zur Vermigelhütte, meinem Ziel auf

2’042 m ü. M., ich kam gut voran.

Ein Gravel-Bike – kurz für alle, die mit dem Begriff

(noch) nicht vertraut sind – ist nichts anderes

als ein Rennrad der robusteren Sorte, mit dickeren

Reifen und angenehmer Geometrie. Man kann

dorthin fahren, wo man auf dem normalen Rennrad

kapitulieren müsste. Ein Gravel-Rad ist zwar

Andermatter 55



Ein Gravel-Bike ist nichts anderes

als ein Rennrad der robusteren Sorte:

Man kann dorthin fahren, wo

man auf dem normalen Rennrad

kapitulieren müsste.

A gravel bike is nothing more than a

somewhat more-robust road bike.

You can ride it to places that a normal

road bike could never take you.

ungefedert, aber dennoch leichter als ein Mountainbike,

man ist damit folglich auch flotter unterwegs – und

doch langsam genug, um alles zu sehen und einzusaugen,

die Welt um sich herum wahrzunehmen.

Die Betriebsamkeit von Andermatt war längst vergessen,

ich hatte alles hinter mir gelassen, auch den

Verkehr. Eine der grössten Vorteile des Gravel-Bikes

gegenüber dem Rennvelo und den geteerten Strassen:

Man muss seinen Weg selten mit anderen teilen – und

wird auf den Schotterwegen nicht von Motorradgruppen

im Affentempo überholt. Was ebenso grossartig ist beim

ungestörten Velofahren abseits vielbefahrener Strassen

und auf technisch nicht zu anspruchsvoller Strecke:

Man kann gut über dieses und jenes nachdenken. Während

man kurbelt und kurbelt, versinkt man in der

Landschaft und seinen Gedanken – bis man den Punkt

erreicht, an dem das Denken ganz aufhört, man in einen

Flow kommt, das Gehirn im Endorphinsud niedergart.

Die letzten Meter bis zur Hütte waren dann

nochmals steil, und zwar so richtig jäh und giftig. Aber

eben: Es waren nur noch ein paar Meter – und oben

angekommen hörte ich nichts als meinen Atem, der sich

langsam beruhigte, sowie das Plätschern des Brunnens

mit dem geschnitzten Biber, auf der Terrasse vor

der geschlossenen Hütte, wo ich meine Trinkflasche

auffüllte.

Das ist ja immer wieder das Erstaunliche bei allen

Fahrradtouren, seien sie noch so weit oder kurz: Man

fährt über Hügel, Berge und durch Täler, kommt an

Orte, die man noch nie zuvor gesehen hat. Diese wirken

oft surreal, wie aus der Zeit gefallen, im wahrsten Sinne

des Wortes traumhaft. Als sei man in einer Parallelwelt

gelandet. Bei der Vermigelhütte legte ich mich neben

meinem Velo ins weiche Gras und schloss die Augen. Es

war ein Moment, der nur mir gehörte. Und um ein Haar

wäre ich eingeschlafen – bis der Ruf eines Raubvogels

am Himmel mich zurück auf den Berg brachte.

Die Fahrt ins Tal erfolgte auf demselben Weg, auf

dem ich gekommen war. Das mag langweilig klingen,

war es aber nicht. Ganz im Gegenteil. Ich liebe Sackgassen!

Man sieht, was man zuvor schon gesehen hat,

aber von der anderen Seite – und in einem ganz anderen

Tempo. Man erfährt in anstrengungsloser Schussfahrt,

was man geleistet und wofür man geschwitzt hat.

Jedenfalls kam ich mit einem Grinsen zurück nach

Andermatt, zurück ins Dorf, zurück zu den Menschen

und den Häusern und den Autos und der ganzen

Betriebsamkeit.

Ich war nach dieser kurzen Ausfahrt hoch zur Vermigelhütte

nicht gescheiter, als ich es zuvor gewesen

war, aber definitiv glücklicher. Und auch abends noch,

nach der Rückkehr von Andermatt zurück in die Stadt, in

der ich lebe, als ich also wieder unter die Nebeldecke

gekrochen war, dachte ich an das, was ich zuvor erlebt

hatte, dort oben und fernab der Welt, und was noch

in meinem Körper nachhallte: ein kleines, feines

Abenteuer.

56 Andermatter



There came a point when I just had to stop my bike and

dismount. Not because I couldn’t or didn’t want to

go further, or because I was physically exhausted – anything

but. Yes, my heart was pounding; I could feel it

thumping all the way to the top of my head and my lungs

were also working hard. Nothing unusual about that,

after all I was cycling in the mountains and from time

to time the route was steep. My body was working

normally; after all, every beat is your heart’s way of

letting you know that you’re alive – and it’s a really great

feeling.

No, I stopped for a completely different reason:

the scenery all around me was so extraordinarily

breath taking that I had to stop and take it in. It was too

amazing to simply cycle past. So I came to a stop,

dug my mobile out of the pocket of my cycling jersey

and began snapping photos of the landscape: the small

waterfall on the right, the mountains behind it, the

Gemsstock and Pizzo Centrale… And then another

photo, and another – well aware that a phone snapshot

could never truly capture a moment like this. But as a

memento of the moment, they would surely be worth it.

I eventually got back on my gravel bike and continued

down the gravel road, which was sometimes straight,

sometimes winding, and at length disappeared behind a

rock. The road was steep, then flattened out, but above

all, it never stayed the same.

And so I continued alongside the Unteralpreuss, the

narrow river flowing downwards towards Andermatt

and Reuss, cycling in the opposite direction towards my

destination at 2,042 metres above sea level, the Vermigel

Hut. I made good progress.

A gravel bike, for those unfamiliar with the term, is

nothing more than a somewhat more robust road bike,

with thicker tires and a more relaxed geometry. You can

ride it to places that a normal road bike could never take

you. A gravel bike may not have suspension but it is

lighter than a mountain bike, so you’re moving faster

– and yet still slow enough to see and absorb everything,

to take in the world around you.

The hustle and bustle of Andermatt was now

behind me, along with the traffic. One of the biggest advantages

of a gravel bike compared with racing bikes

and asphalt roads is that you rarely have to share your

route with others – and on gravel paths, you’re never

going to be overtaken by a hoard of careening motorcyclists.

Cycling undisturbed, far from busy roads and

on routes that are not too technically demanding, means

you really have the freedom to let your mind wander.

As you pedal on, you immerse yourself in the scenery and

your thoughts until you reach the point where thinking

stops completely. You become one with the flow as your

brain simmers in endorphins.

The last couple of metres to the hut became steep

again and it was a real challenge to reach the top. But,

hey! Those were the last few metres – and once I arrived,

all I could hear was the sound of my own breathing,

which slowly calmed, and the bubbling fountain with

the carved wooden beaver where, on the terrace in front

of the closed hut, I filled up my drinking bottle.

That’s always the amazing thing about bicycle outings,

no matter how long or short: you travel over hills

and mountains and into valleys and come across places

you’ve never seen before – places that often seem almost

surreal, and that look as if they come from another era,

literally dreamlike. As if you have landed in a parallel

world. At the Vermigel Hut, I lay down next to my bike in

the soft grass and closed my eyes. It was a moment that

belonged to me alone. I almost fell asleep, until the call

of a bird of prey in the sky brought me back to the

mountain.

The way back down into the valley was the same

route as the one I came by. That might sound boring, but

it wasn’t. On the contrary, I love linear routes! You get to

see everything you saw before, but in reverse and at a

completely different pace. As you shoot effortlessly

downhill, you discover what you accomplished and built

up a sweat for. In any event, there was a grin on my face

when I reached Andermatt and returned to the village,

the people, the houses, the cars, and the hustle and

bustle.

I can’t say I was any saner after my short ride up to

the Vermigel Hut, but I was definitely happier. This

feeling continued into the evening after I had returned

from Andermatt to the city that is my home. As I crawled

once again under its blanket of fog, my thoughts

travelled to what I had just experienced far above and

away from the world, and what still resonated in me

physically: a short, exquisite adventure.

MAX KÜNGS ANDERMATTER

LIEBLINGS-GRAVEL-ROUTE

Zur Vermigelhütte sind es ab Andermatt neun Kilometer und

620 Höhenmeter. Man fährt aus dem Dorf auf der Strasse

Richtung Oberalppass. Bei der dritten Kurve, kurz nach der

Kapelle St. Wendelin, biegt man rechts ab ins Unteralptal

und folgt der für einen Kilometer noch geteerten Strasse,

dann beginnt die schöne Schotterstrecke. Sich zu verfahren,

ist unmöglich.

Technisch Versierte können auch die etwas anspruchsvollere

Anfangsvariante mit Singletrail-Passagen ab

Talstation Gems stockbahn wählen: Man folgt der Alpine-

Bike-Route 1 auf der rechten Seite des Unteralptals, bevor

man beim Spielplatz unterhalb Hohbiel auf der Brücke

den Fluss überquert und auf die Unteralpstrasse einschwenkt.

So kommen noch ein paar Höhenmeter hinzu.

Die Route zur Vermigelhütte ist übrigens eine der sieben

Strecken von „Octopus Andermatt“, dem alljährlichen

Sommer-Gravel-Event (www.epicos.cc) – wer dort alle

sieben Arme des Schotterpisten-Tintenfischs schafft, hat

am Ende des Tages nicht weniger als 4’450 Höhenmeter

und 155 Kilometer in den Beinen.

MAX KÜNG’S FAVOURITE

GRAVEL ROUTE IN ANDERMATTE

The Vermigel Hut (Vermigelhütte) is located 620 metres

above and nine kilometres away from Andermatt. You leave

the village via the road to the Oberalp Pass. At the third

curve, shortly after St. Wendelin Chapel, turn right onto the

road into the Unteralptal valley. The road remains paved

for one kilometre before turning into a beautiful gravel road.

It is impossible to get lost.

Experienced cyclists can choose the somewhat more

challenging alternative, which starts with a narrow single trail

leaving from the base station of the Gemsstock cable car.

From there, follow Alpine Bike Route 1 along the right-hand

side of the Unteralptal valley until crossing the river on the

bridge at the playground below Hohbiel and turning onto

Unteralpstrasse. This route adds a few metres of elevation. By

the way, the gravel road to the Vermigel Hut is one of the

seven routes of “Octopus Andermatt”, the area’s annual

summer gravel event (www.epicos.cc). If you manage to do

all seven arms of the “gravel octopus”, by the end of the

day, your legs will have conquered no less than 4,450 metres

of altitude difference and 155 kilometres.

58 Andermatter



EIN PERFEKTES

ZUHAUSE, WENN DIE

NATUR BLÜHT:

WORDS AND PHOTOGRAPHY

BY CHANEL KAH YIN LIANG

Am Fusse des Tiefengletschers beim

Furkapass, auf 2’542 m ü. M., liegt

die Albert-Heim-Hütte. Sie ist der

ide ale Ausgangspunkt für atem beraubende

Wanderungen mit langen

Sonnenauf- und -untergängen –

sowie für Gourmet-Menüs, während

draussen die Natur erwacht.

At the foot of the Tiefen Glacier near

the Furka Pass, the Albert Heim Hut

lies at 2,542 metres above sea level.

It is the ideal starting point for breathtaking

hikes, drawn-out sunrises

and sunsets and gourmet menus,

a place where you can watch nature

come alive.

Es ist sonnig und wieder etwas wärmer am Morgen; Zeit,

um die Ruhe und Schönheit der Natur zu geniessen. Wir

haben unser Auto beim Hotel Tiefenbach parkiert und

gehen auf grünen Pfaden über moosbedeckte Hügel und

raue Felsen in einer weichen, bunten Vegetation. Nach

etwa der Hälfte des Wegs erreichen wir ein Plateau mit

weitem Blick auf die umliegenden Berge und Täler. Die

Wolken hängen tief und verhüllen die Gipfel – eine mystische

Szenerie, die sich mit dem einfallenden Sonnenlicht

ständig verändert. Wir halten kurz inne und halten

fest, was die Kamera nicht abbilden kann.

Am Mittag erreichen wir die Berghütte: ein wahres

Kleinod, frisch renoviert mit gemütlichen, modern ausgestatteten

Räumen. Wir werden herzlich begrüsst, ruhen

uns kurz aus in unserem Sechserzimmer, das wir ganz

für uns allein haben.

Die Nachmittagswanderung führt uns auf dem „Nepali

Highway“, wie er auf der Karte eingezeichnet ist, zu

einem kleinen abgelegenen Gletschersee. Die silbernen

und grauen Töne des Gesteins, kombiniert mit dem satten

Blau des Eises, das in kristallklaren Nuancen schimmert,

dazu die tiefblauen, fast kristallinen Farben des

ALBERT-

Gletschers: atemberaubend. Man kann förmlich spüren,

wie der Gletscher hier einst das gesamte Tal bildete.

Zurück zur Hütte, dann direkt weiter zum nahegelegenen

Gipfel, dem Schafberg. Der Aufstieg dauert etwa

20 Minuten, die Belohnung ist die Aussicht. Obwohl die

Wolken den Blick auf den Sonnenuntergang verdecken,

können wir uns gut vorstellen, wie magisch dieser Ort an

einem klaren Abend sein muss.

Wieder zu Hause Alphüttenstimmung, wie sie sein

soll. Einige Gäste spielen Karten oder Brettspiele, während

andere entspannt bei einem Glas beisammensitzen

und die Erlebnisse des Tages Revue passieren lassen. Wir

nehmen an einem Holztisch Platz und werden mit einem

köstlichen Apéro begrüsst, bevor ein deliziöser Fünfgänger

serviert wird – was wollen wir mehr?

Am nächsten Morgen stehen wir früh auf, machen

uns in der noch kalten Morgenluft auf den Weg Richtung

Blaubergstock, wo ein farbenprächtiger Sonnenaufgang

auf uns wartet: Die Berge erstrahlen in sanftem Licht,

während die Wolken sich langsam aus den Tälern verziehen

– die Natur erwacht.

Gut vier Stunden später sind wir wieder in der Hütte,

stärken uns mit einer der besten Rösti, die ich je gegessen

habe, und geniessen ein Stück Kuchen. Schon ist

es Zeit für den Rückweg – wir sind immer noch ganz

verzaubert von all den Farben, die wir während dieser

zwei Tage gesehen haben. Von der Ruhe der Berge und

der gemütlichen Atmosphäre der Berghütte sind wir nun

also zurück auf dem Parkplatz, überall blüht noch die

Natur in und neben uns, der Sommer kann kommen.

60 Andermatter

THE PERFECT OVERNIGHT STAY TO SEE

NATURE COME ALIVE – ALBERT HEIM HUT

HEIM-HÜTTE

Andermatter 61



FREITAGSSCHMAUS:

FÜNF-GANG-GOURMET-MENÜ

IN DER ALBERT-HEIM-HÜTTE

CHANEL KAH YIN LIANG

Selbst gemachte Focaccia mit Fenchel und Birne, ein

Glas Johan nisberger-Weisswein. Der Duft des frisch gebackenen

Brots liegt noch in der Luft, als uns ein bunter Gersten-

Gemüse- Salat mit geräucherter Forellenmousse auf knusprigen

Blätter teigkissen serviert wird. Auf eine aromatische Suppe

mit selbst gebackenen Brötchen folgen gleich zwei Hauptgänge

in kleinen Portionen: eine herzhafte Spätzli-Pilz-Pfanne

mit Bohnen und zarten Pouletspiessen im Speckmantel sowie

eine zarte Schweins-Saltimbocca auf cremigem Weissweinrisotto,

mit Cherrytomaten und Zucchiniwürfeln. Abgerundet

wird das Menü von einem saftigen Apfelstrudel mit Vanillesauce

und Schokoladekuchen.

Die mehrmals im Sommer angebotenen Fünfgangmenüs in der

Albert-Heim-Hütte runden den Aufenthalt in der heimeligen

Berghütten-Atmosphäre perfekt ab. Sie werden an ausgewählten

Freitagen serviert und können online gebucht werden

auf: www.albertheimhuette.ch

Homemade focaccia with fennel and pear, a glass of Johannisberg

white wine. The aroma of freshly baked bread still fills

the air as we are served a colourful barley and vegetable salad

with smoked salmon mousse on crispy puffed-pastry parcels.

An aromatic soup with home-baked rolls is followed by two

petite main courses: a hearty spätzli (traditional Swiss egg pasta)

and mushroom dish with beans and tender skewered chicken

wrapped in bacon, as well as pork saltimbocca on creamy white

wine risotto with cherry tomatoes and cubed courgettes. For

dessert, a moist apple strudel is served with custard and chocolate

cake.

The five-course menus offered several times during the summer

at the Albert Heim Hut perfectly complement the snug alpine

atmosphere of the hut. They are served on selected Fridays and

can be booked online at www.albertheimhuette.ch.

It is sunny and the mornings are slightly warmer – time

to once again relish the serenity and beauty of nature.

After parking our car at Hotel Tiefenbach, we walk up

green paths, over mossy hillocks and rugged rocks, into

gentle, colourful vegetation. At the halfway point, we

arrive at a plateau with an alluringly expansive vista of

the surrounding mountains and valleys. Low-hanging

clouds swathe the peaks, conjuring a mystical, constantly

changing scene in the slanting sunlight. We stay there

for a few moments, taking in what the camera cannot

capture.

At midday, we reach the mountain hut. It is a real

gem that has been recently renovated, its cosy rooms now

with modern fittings. We are warmly welcomed before

taking a short rest in our six-berth room, which we have

all to ourselves.

Our afternoon hike takes us via the “Nepali Highway”,

as the map calls it, to a small, remote glacial lake.

The silver and grey tones of the rock, in combination with

the intense blue of the shimmering, lucent ice and crystalline

glow of the glacier, are simply breathtaking. We

can truly feel how the glacier once shaped this entire

valley.

Chanel Kah Yin Liang ist Creative Lead und Digital Art

Director, spezialisiert auf Lifestyle, Mode, Kultur und

zeitgenössische Kunst. Sie ist die Gründerin des Mountain

Rookie Clubs, einem Outdoor-Club, der Anfängern

hilft, die Natur zu erkunden und zu erleben.

Chanel lebt in Zürich und liebt neben Kunst und Design

Outdoor-Aktivitäten, gerade auch in den Bergen.

www.chakahlia.com

Chanel Kah Yin Liang is a creative head and digital art

director who specialises in lifestyle, fashion, culture and

contemporary art. She is the founder of the Mountain

Rookie Club, an outdoor club that helps beginners

explore and experience nature. Chanel lives in Zurich

and, as well as being an art and design enthusiast,

enjoys outdoor activities, especially in the mountains.

www.chakahlia.com

Later, we return to the hut and continue to Schafberg,

a nearby peak. It takes us twenty minutes to climb

and our reward is the view from the top. Although clouds

mask the sunset, we can well imagine how enchanting

this place must be on a clear evening.

Back home, the mood in our alpine hut is just as it

should be. Some guests are playing cards and board games,

while others are relaxing with a drink and going over the

day’s events. We sit down at a wooden table and are welcomed

with a perfect aperitif before a delicious fivecourse

meal is served. What more could we wish for?

The next day, we rise early and set off in the crisp

morning air towards Blaubergstock, where a vibrantly

hued sunrise awaits us. The mountains are bathed in soft

light as the clouds slowly thin out. Nature comes to life.

A good four hours later, we return to the hut and

fortify ourselves with a portion of the best rösti I have ever

tasted. To finish, we enjoy a slice of cake. Then it is already

time for us to make our way back, still captivated by the

range of colours we have seen over these past two days.

We leave the tranquillity of the mountains and the cosy

mood of the alpine hut behind as we return to the car park.

Nature has come to life all around us and in our minds.

Now summer can start.

62 Andermatter

Andermatter 63



Mit Volldampf

durch

die Alpen

Zwischen Realp und Oberwald

liegt eine der höchsten

Dampfbahnstrecken Europas.

Die spektakuläre Fahrt

über den Furkapass bis

auf 2’160 m ü. M ist eine

kleine Märchenreise – und

ein be eindruckendes Stück

Schweizer Geschichte.

One of the highest steam railways

in Europe lies between

Realp and Oberwald. This

awe-inspiring trip through the

Furka Pass climbs to 2,160

metres and feels like a fairy

tale. It’s also an impressive

piece of Swiss history.

64 Andermatter

FULL STEAM AHEAD THROUGH THE ALPS

WORDS BY STUDIO VOILE

PHOTOGRAPHY BY CONSTANTIN MIRBACH

Andermatter 65



Reisen wie vor 100 Jahren: 5’000 Liter

Wasser verbraucht die Lok HG 3/4 pro Fahrt,

verdampft durch das Verbrennen

von 600 Kilo Kohle.

Traveling like 100 years ago: the HG 3/4

locomotive consumes 5,000 litres of water per

trip, evaporated through the combustion

of 600 kilograms of coal.

Wie bei jedem Zug, den man unbedingt

erwischen will, liegt auch hier kein

Zuspätkommen drin. Nicht aber wegen

eines eng getakteten Fahrplans oder

irgendwelcher Anschlusszüge. Sondern

weil unsere Lokomotive schon seit gut

zwei Stunden Heissdampf produziert

– wenn der Zug nicht pünktlich losfährt,

reicht das Wasser schlicht nicht aus bis

nach oben, auf die Furka.

Wir sitzen direkt neben der Premium,

der besten aller Klassen, die gemietet

werden können, den glücklichen Gästen

wird Prosecco und O-Saft serviert. Auf

der rechten Seite der Golfplatz von

Realp, links oben ein Haufen Kühe auf

einer Anhöhe, als würden sie dem

Spektakel zuschauen wollen, wir fahren

los. Es ruckelt ein bisschen, der Dampf

pfeift, einige Passagiere stehen bei

den Kupplungen zwischen den Waggons

draussen, alle sehen ganz zufrieden

aus und staunen.

Es ist eine Zeitreise, die wir hier

unternehmen. Über 100 Jahre alt ist

diese Dampflokomotive, die uns durch

die Berge zieht, auf der 1982 durch

den Furka-Basistunnel überflüssig gewordenen

und deshalb stillgelegten

Strecke. Entsprechend gemütlich geht

diese wohl schönste Bahnfahrt der

Alpen vonstatten: 350 PS, maximal

30 km/h – mehr Zeit für das, was

es aus dem Fenster hinaus zu sehen

gibt. Die imposante raue Natur dürfte

mehr oder weniger gleich ausgesehen

haben, als unter uns die ersten

Schienen gelegt worden sind. Schon

damals als Touris tenattraktion geplant,

ist die histo rische Alpenbahn auch

heute beliebt: Bis auf den letzten Platz

ist der Zug ausge bucht, rund 25’000

Besuchende kommen jährlich.

Bereits nach knapp einem Kilometer

beginnt nun die Steilstrecke, der

Zug hängt sich ans Zahnrad, über

600 Meter Höhendifferenz liegen noch

vor uns, man spürt, wie die Dampfzylinder

arbeiten, es geht nach oben.

Wir blicken auf die Reuss, die wir mehrmals

überqueren, eine ganz schön

eindrückliche Bergwelt, durch die wir

tuckern: über Brücken, durch kurze

Tunnels und auf hohen Stützmauern,

die bei Hochwasser jeweils besonders

von Nutzen sind, Richtung Steffenbachbrücke,

direkt am berüchtigten

Lawinenzug.

Ursprünglich aus Steinbögen

gebaut, wurde diese legendäre Brücke

schon drei Jahre, bevor der erste Zug

überhaupt drüberfahren konnte, 1916,

von Lawinen zerstört, es musste eine

nachhaltigere Lösung her: die 1925

konstruierte, dreiteilige Klappbrücke

aus Stahl, ein Monument Schweizer

Ingenieurskunst. Jeden Herbst wird der

Mittelteil der Brücke mit Seilwinden

und Flaschenzügen nach unten geklappt

und in Deckung gebracht, das obere

und das untere Drittelsteil auf den

Schienen zurückgezogen, um vor den

Schneemassen geschützt zu sein.

Die Strecke zieht weiter an, verläuft

nun am Hang entlang über kleine

Steinbrücken, man sieht den Sidelenbach

zwischen all den malerischen

Felsen und rundherum diese farbige

Blumenwelt, die in Juni und Juli

am allerschönsten sei.

Ganz schön romantisch ist das

alles hier – und zwar draussen wie

drinnen. Die alten Sitze, das hölzerne

Abteil, dieser heimelige Duft, der

sich leicht mit dem Geruch von Dampf

und heissem Öl vermischt, und vorn

die pfeifende Lokomotive, wie wir sie

aus alten Western, von Jim Knopf oder

der Reise nach Hogwarts kennen. Dazu

diese Zugbegleiterinnen und Zugbegleiter,

die selbst etwas Märchenhaftes

an sich haben – allesamt Cha raktere,

wie sie kein Film besser zeichnen

könnte. Der Charme, die vielen Geschichten,

allein dieses breite Grinsen,

während der eine, Alfredo Degen, mit

schicker Fliege und leicht gerundeter

Hornbrille, uns voller Stolz erzählt,

wie all das überhaupt möglich ist hier.

Mehrere Hundert Freiwillige, allei

n 400 Leute für die Instandhaltung,

dann natürlich die Zugbegleiter selbst,

die Lokführer, ja: Eine ganze Organisation

steckt hinter dieser Zugfahrt.

Viele seien Bähnlerinnen und Bähnler,

ehemalige oder aktive Mitarbeitende

von europäischen Bahnbetrieben,

weitere seien Bahn- und Modelleisenbahn-Fans,

mindestens gleich viele

rekrutierten sich aus einem wilden Mix

quer durch die Bevölkerung, vom

Bankdirektor über die Gartenarchitektin

bis zum Schreiner. 6'000 Mitglieder

in elf schweizerischen und zehn

ausländischen Sektionen umfasst der

Dach verband des Vereins Furka-Bergstrecke

(VFB) insgesamt. Die Schweiz

als lebendes Klischee: Der Miliz-, also

der Freiwilligkeitsgedanke, überregionale

Solidarität, ein Zug mitten durch

die Alpen – hier kommt vieles zusammen,

was den Mythos Gotthard

ausmacht.

Alfredo Degen und Jörg Drittenbass,

die uns seit dem ersten Willkommen

herzhaft begleiten, sind ehemalige

Maîtres de Cabine und sichtlich auf

alles vorbereitet, was auf Reisen so

anstehen kann – die Passagiere seien

meistens noch so toll wie zu ihren allerbesten

Zeiten damals bei der Swissair,

den goldenen Jahren der Luftfahrt.

Was uns nicht nur hoch oben in der

Luft ein Lächeln aufs Gesicht zeichnet:

feucht-warme Frotteetücher, die

66 Andermatter

Andermatter 67



uns in die Hände gelegt werden, bevor

wir aussteigen.

Erster Halt, Bahnhof Tiefenbach,

Wassertanken. 5’000 Liter verbraucht

die Lok pro Fahrt, verdampft durch

das Verbrennen von 600 Kilo Kohle. Es

ist dann spürbar kühler bei unserem

zweiten Halt, Furka Station, auf knapp

2’200 m ü. M. Unser Aufenthalt dauert

25 Minuten, Bratwürste und Tee und

was man sich alles wünscht, bevor

wir mit vollem Tank ins Wallis weiterfahren

– und zwar seitenverkehrt. Denn

für die 797 Höhenmeter nach unten,

Richtung Oberwald, wird die Lok

auf einer Drehscheibe um 180 Grad

gedreht, also rückwärts wieder vorn

angehängt.

Für eine Talfahrt, wie sie vor uns

liegt, ist dieser Zug nämlich nicht mehr

konzipiert: Am anderen Ende der Welt,

im heutigen Vietnam, war unsere Lok

jahrzehntelang auf einer Stichlinie unterwegs,

in terrassiertem Terrain ohne

Abstiege, vor ihrer filmreifen Heimkehr

in die Schweiz (siehe Kasten). Würde

sie nicht gedreht, würde das Wasser bei

der Talfahrt mit nach unten fliessen,

also weg von der Feuerbüchse – die Lok

würde explodieren. Eine lebenswichtige

Operation also, für die wir halten.

Was für eine schöne Vorstellung,

diese Dampflok im tropischen Klima

von Südostasien, aber irgendwie auch

extrem weit weg – die sichtbare Realität

ist doch grad aufregend genug. Im

1,8 Kilometer langen Scheiteltunnel

gibt es keine Zahnstange, ab Station

Muttbach geht es steil bergab. Wir sehen

auf die nackten Felsen des ehemaligen

Rhonegletschers und erreichen

bald schon Gletsch. Eine Welt für sich,

mit einem einmaligen Ensemble von

touristischen Denkmälern aus der

Gründerzeit. Wir sehen tief in die

Rottenschlucht hinein, fahren durch

den beeindruckenden Lärchen- und

Föhrenwald, der unter Naturschutz

steht, bis wir schliesslich in Oberwald

ankommen, Endstation. Nicht nur

wegen unserer Zugbegleiter ist die

Zeit wie im Flug vergangen – der Lokführer

dürfte gern noch eine

Schippe drauflegen.

DIE DAMPFLOK HG 3/4 – VON DER FURKA

NACH VIETNAM UND WIEDER ZURÜCK

THE HG 3/4 STEAM LOCOMOTIVE –

FROM FURKA TO VIETNAM AND BACK AGAIN

Nachdem der Bau der Strecke

Brig–Disentis – hauptsächlich mit

französischem Kapital – begonnen

hatte, wurden 1913 und 1914

insgesamt zehn Dampflokomotiven

des Typs HG 3/4 für den Betrieb

von der Schweizerischen Lok- und

Maschinenfabrik (SLM) in Winterthur

gefertigt. Bis zum vollen Einsatz

dauerte es aber: Der Streckenbau

ab Brig erreichte 1914 Gletsch,

musste dann aber Anfang des

Ersten Weltkriegs eingestellt werden.

Erst als sich 1925 auch die

Eidgenossenschaft am Projekt

beteiligte, konnte der erste Probezug

durchgehend fahren. Und

kurz darauf war die Technologie

bereits veraltet – die im Zweiten

Weltkrieg strategisch bedeutsame

Strecke wurde 1942 vollständig

elektrifiziert, die Loks überflüssig.

Von den zehn Maschinen kamen

sechs nicht weit: Drei wurden nach

Einsätzen in Frankreich, im Berner

Oberland und am Genfersee

verschrottet. Eine landete bei der

Rhätischen Bahn und wurde zu

einem Denkmal in Brig (VS). Eine

kam ins Museum, und eine wurde

bei Gletsch von einer Lawine

zerstört, wobei der Heizer und zwei

Amateurfotografen starben.

Vier Lokomotiven aber kaufte die

französische Kolonialverwaltung:

Sie gelangten ins damalige Indochina,

um auf der Zahnradbahn von

Song Pha nach Đà Lạt im heutigen

Vietnam zu verkehren. Zwei davon,

die Nr. 1 und Nr. 9, sind heute

wieder an der Furka in Betrieb,

nachdem 1990 alle vier Loks

zusammen mit zwei Vietnamloks –

beziehungsweise was von ihnen

übrig geblieben war – in Vietnam

aufgespürt und zurück in die

Schweiz verschifft wurden,

nachzusehen im Dokfilm „Back to

Switzerland“. Im Dampflokwerk

Meiningen erhielten sie neue

Kessel, Zahnräder, Fahrerhäuser

und Wasserkästen sowie ein neues

Bremssystem.

Gleichzeitig wurde auch die

Strecke selbst, die mit der Eröffnung

des Furka-Basistunnels 1982

überflüssig geworden war,

etappenweise durch Freiwillige

restauriert, der Bundesrat verkaufte

sie für einen Franken an die neue,

nicht gewinnorientierte Betreiberin

Dampfbahn-Furka-Bergstrecke AG

(DFB). Freiwilligenarbeit von inund

ausländischen Vereinen

ermöglichte die Wiederinbetriebnahme,

seit 2010 auf der vollständigen

Furka-Bergstrecke.

When construction of the Brig–Disentis

line began, chiefly financed

by French investors, ten HG 3/4

steam engines were manufactured

by the Swiss Locomotive and

Machine Works (SLM) in Winterthur.

However, it took some time until

they were fully operational. The line

from Brig reached Gletsch in 1914,

but development was halted owing

to the First World War. It took until

1925, when the Swiss Confederation

became involved in the operation,

for the first trains to be tested

on the full route. Not long afterwards,

the technology was out of

date. The track, which was strategically

important in the Second World

War, was fully electrified in 1942,

rendering steam engines obsolete.

Six of the initial ten engines did not

travel far: three were scrapped

following stints in France, the Bernese

Oberland, and at Lake Geneva.

One ended up with the Rhaetian

Railway and was converted into

a memorial at Brig (VS). One was

preserved in a museum, while

another was destroyed in an avalanche

at Gletsch that killed a stoker

and two amateur photographers.

The French colonial authority

purchased four steam engines for

use on the cogwheel route from

Song Pha to Đà Lạt in Indochina

(modern-day Vietnam). Two of these,

numbers 1 and 9, are presently in

service in Furka after being tracked

down in Vietnam and shipped

back to Switzerland; their voyage is

depicted in the documentary film

Back to Switzerland. New boilers,

cogwheels, driver’s cabins and

water tanks, as well as a completely

new braking system, were fitted

at the Meiningen Steam Locomotive

Works.

Meanwhile, the line, which was

rendered obsolete by the building

of the Furka Base Tunnel in 1982,

was restored in stages by volunteers,

and the Swiss Federal

Council sold it for one Swiss franc

to a new, non-profit operator, the

Furka Mountain Steam Railway

Association (DFB). Foreign and local

volunteers made it possible to

reopen the line, which has been in

operation along the entire Furka

mountain line since 2010.

Reservations and further information

can be found at www.dfb.ch

Mehrere Hundert Freiwillige

ermöglichen diese Zugfahrt:

darunter viele ehemalige

Bähn lerinnen, Bähnler und

Swissair-Mitarbeitende.

Several hundred volunteers make

this train ride possible: among

them are many former railway

employees and also former

Swissair staff.

Reservationen und weitere

Informationen unter: www.dfb.ch

68 Andermatter



As with every train you have to catch,

there’s no leeway to be late. But in

our case, it’s not due to a tight schedule

or a connecting train. It’s simply because

our locomotive has been building

up steam for a good two hours and if

we don’t leave on time, the engine will

run out of water before we reach the top

of the Furka Pass.

Our seats are located right next to

Premium Class – which is the best class

available. The lucky guests there are

served Prosecco and orange juice. To our

right lies Realp Golf Course, while to

our left, a herd of cows peer down from

the raised ground, seemingly watching

the spectacle – and we’re off. There is

a gentle jolt and the sound of whistling

steam; some of the passengers stand

above the couplings between the cars,

and everyone looks very content and

fascinated.

We’re travelling back in time. The

steam train we are riding through the

Alps is a magnificent relic of over

a hundred years of history, while the

track itself was no longer needed

when the Furka Base Tunnel was built

in 1982 and so was decommissioned.

Our speed, on what must be the most

spectacular railway journey through the

Alps, is fittingly slow: the 350 HP

engine propels us at a maximum of

30 kilometres per hour, allowing us to

take in the scenery through the window

at a more leisurely pace. The raw,

rugged landscape all around us must

have looked similar when the tracks

beneath us were laid. The alpine train,

which was originally planned as a

tourist attraction and is still popular

today, is fully booked. It attracts 25,000

visitors a year.

After only one kilometre, the steep

incline begins. The locomotive locks

onto the rack rail, and we face a climb of

more than 600 metres elevation. We

can feel the steam cylinders working

hard as we begin to ascend. Then a

breath taking view unfolds before us, of

River Reuss, which we will cross several

times while chugging through an aweinspiring

mountain landscape – across

bridges, through short tunnels, and

along high buttress walls that are especially

useful during floods – travelling

directly along the notorious avalanche

path to Steffenbach Bridge.

Originally constructed using stone

arches, this iconic bridge was destroyed

by an avalanche three years before the

first train rode over it in 1916. A more

durable solution was called for. The

present three-part steel structure, built

in 1925 and a testament to Swiss

engineering, is retractable. Every

autumn, the central piece of the bridge

is folded and securely stored, while

the top and lower sections are retracted

onto the rails to protect them from

the masses of snow.

Our journey continues alongside

a slope and across a small stone viaduct.

In between picturesque crags we

glimpse the winding Sidelenbach River

and, all around, bright flora that is at

its finest in June and July.

Everything is incredibly romantic,

both inside and out: the antique seats,

the wooden carriage, this nostalgic fragrance,

subtly blending with the smell

of steam and hot oil, and the whistling

engine up front, are reminiscent of

old Westerns, Jim Knopf stories, or

the Hogwarts Express. Then there are

the conductors, who have a timeless

quality about them, characters that

no movie could better depict. What

charm and storytelling! Alfredo Degen,

a crew worker dressed in a chic bowtie

and horn-rimmed spectacles, beams as

he proudly explains how all of this was

made possible in the first place.

Several hundred volunteers, 400

for maintenance alone, plus conductors

and engine drivers – an entire organisation

has gone into this train journey.

Many of them are former or current

employees of European railway companies,

while others are train or model

railway enthusiasts. The recruits are a

diverse group that includes a bank

director, a landscape architect and

a cabinetmaker. The Furka Mountain

Line Association (VFB) has eleven

Swiss and foreign divisions, totalling

6,000 members. Here, you can find the

live embodiment of Switzerland’s

renown: its militia or voluntary principle,

interregional solidarity, and a

railway that passes through the heart of

the Alps. Here, many things come

together that contribute to the legend

that is the Gotthard.

Alfredo Degen and Jörg Drittenbass,

who have kindly taken care of

us since their initial welcome, are

clearly prepared for whatever may occur

during the voyage. According to the

crew, the passengers are mostly just as

wonderful as in their heyday working

for Swissair during the golden age

of aviation. Bringing a smile to our

faces not just high up in the air: warm,

moist terry towels handed to us before

we disembark.

Our first stop is Tiefenbach Station,

where we fill up on water. The

steam engine consumes 5,000 litres per

trip, which are vaporised with 600 kilos

of coal. The air is noticeably cooler at

our second stop, Furka Station, which is

located roughly 2,200 metres above

sea level. We spend 25 minutes there and

are served bratwurst, tea and indeed

anything else we might desire, before

we continue with a full boiler into the

Canton of Valais – this time, in reverse.

Before we make our descent to Oberwald,

797 metres of altitude difference,

the engine is rotated 180 degrees

on a turntable, allowing it to travel

backwards.

This is because our train was not

designed for a valley descent like the

one we are about to experience. For

decades, on the other side of the world

in Vietnam, our steam engine ran on

even, terraced terrain before its movielike

return to Switzerland (see insert).

If the engine isn’t rotated before the

descent, the water will flow down and

away from the firebox and the engine

will explode. So, turning the train

around is a critical component of the

operation.

It’s wonderful to envisage this

steam engine in the tropical environment

of Southeast Asia. However, that’s

a long way off, and the reality in front

of us is exciting enough. There is no rack

rail in the 1.8-kilometre Furka Summit

Tunnel and from Muttbach Station, and

the gradient is steep. We have a view

of the rugged mountains of the former

Rhone Glacier, and soon we arrive

in Gletsch. This village is a world unto

itself, with an ensemble of tourist

memorials from the Founders’ Era.

We can see deep into the Rottenschlucht

gorge and continue through the impressive

larch and pine forest, a protected

nature reserve, until we eventually

arrive at Oberwald, the end of our journey.

The time flew by, not just because

of our wonderful attendants – but we

still wouldn’t have minded if the driver

had cranked it up a bit.

70 Andermatter

Andermatter 71



ANDERMATT

MIT

PATRICIA

1

2

3 4

1 Ich liebe die Leute hier oben, die Hauptsache, frische Luft. Sogar 1 I love the people up here, locals head up the Ursern Valley:

Einheimischen wie auch die

mein Hund, der mich überallhin

as well as newcomers. It’s such it exudes a power that restores

Zugezogenen, so ein toller Mix

begleitet, hat manchmal mehr a great mix of people, a colourful my strength and energy.

aus wild zusammengewürfelten Mühe, draussen zu sein, als ich. bunch from all over the world, 5 The old village centre is, of course,

Menschen von überall, eine

Wir gehen dann das Urserntal and such a wonderful community.

the jewel of Andermatt. It is so

wahnsinnig schöne Community. hoch: Die Kraft, die in diesem Tal

It’s growing bigger by the day. charming, beautiful and, at the

Sie wächst von Tag zu Tag. Wir herrscht, gibt mir viel, stärkt mich We spend a lot of time on the

same time, authentic. The people

verbringen hier viel Zeit, sei es auf und schenkt mir Energie.

ski slopes. Whether we’re having there are simply wonderful. It

der Piste, sei es bei einem Apéro, 5 Das „alte“ Dorfzentrum ist natürlich

drinks or a coffee, there’s always reminds me very much of the

einem Kaffee; es gibt immer etwas

das Juwel von Andermatt.

something going on. In this photo, place I grew up in – Allenwinden

zu unter nehmen. Auf dem Bild Es ist so lieblich, schön, auch

for example, I’m with Yusi and my in the Canton of Zug. The two

feiere ich mit meinen Töchtern irgendwie rau, und die Leute von daughters at the Valborg, the

places are reflections of one

und Yusi zum Beispiel am „Valborg“,

hier sind einfach wunderbare

Swedish Midsummer Festival – other: they’re about the same

das schwedische Walpur-

Menschen. Der Ort erinnert mich we celebrate all kinds of

size, both have a St. Wendelin

gisfest – wir feiern eben, was es stark an das Dorf, wo ich aufgewachsen

traditions from around the world. Chapel or church, and Andermatt

auf der Welt so alles zu feiern gibt.

bin, Allenwinden im 2 I’ve long been a “Reuss girl”. This is is quite a common last name in

2 Ich bin längst ein „Reusser

Kanton Zug. Alles ist wie gespiegelt:

where our home is – we fell in

Allenwinden. So it feels as if I have

6

Mädchen“, hier haben wir unser

Beide Dörfer sind

love with the village straight away. been connected to Andermatt

Zuhause, wir haben uns sofort etwa gleich gross, haben eine We’re here every weekend and forever, and my heart lies somewhere

in das Dorf verliebt. Jedes

St.-Wendelin-Kapelle bzw. -Kirche, as often as we can make it during

in the middle. My mother

Wochenende sind wir hier, in den und ein ziemlich häufiger

the holidays. Andermatt-Reuss grew up on a farm in Allenwinden

5

Ferien so oft wie möglich. Andermatt

Familienname in Allenwinden

might seem artificial at first

(ZG) and my father’s origins are

Reuss mag auf den ersten ist – Andermatt. Es fühlt sich

glance, but it has a beautiful,

part French-speaking Switzer-

Blick vielleicht etwas künstlich

deshalb an, als verbinde mich

open feeling and is a car-free parland,

part Ticino.

wirken, aber es hat etwas

schon seit je etwas mit Anderadise

for the children. They can 6 One of my great passions is

WORDS AND PHOTOGRAPHY

7

wahnsinnig Schönes und Freies. matt; mein Herz ist ja auch

run around everywhere and

organising events and bringing

BY PATRICIA SAVMAZ

Für die Kinder ist es ein autofreies irgendwie in der Mitte: Meine

go in and out of almost every

people together, in both small

Paradies – sie rennen überall

Mama ist auf einem Bauernhof building; it’s like we’re one big

and large settings. Last year,

rum und können in fast jedem in Allenwinden aufgewachsen, family. That’s why they feel

for example, we launched a youth

Seit Jahren wächst die alpine Community in Andermatt – klar, wer will schon nicht so oft wie möglich dort sein,

Gebäude ein- und ausgehen, es mein Vater ist zur Hälfte aus der so happy every time we drive up golf course that was very

wohin alle am liebsten in die Ferien fahren? Die Innerschweizer Anwältin Patricia Savmaz liebäugelte schon 2008

ist wie eine grosse Familie.

französischsprachigen Schweiz, here.

successful. The smallest of events

mit einem Wohnungskauf, 2020 sind sie und ihre Familie endlich angekommen. In ihrer Heimat seit der

Deshalb freuen sie sich auch

zur anderen Hälfte Tessiner.

3 Andermatt is like a gateway to can sometimes the most special,

Steinzeit, sozusagen: Als sie und Ehemann Yusi sich 2006 kennenlernten, empfanden nämlich beide dieses

jedes Mal riesig, wenn wir endlich 6 Eine grosse Leidenschaft von mir nature for us. We love skiing in the like our family breakfast in the

wieder hochfahren.

ist, Events zu organisieren, Leute winter, and the children go to ski gondola, for example.

Gefühl, sich schon seit Ewigkeiten zu kennen. Er habe damals zu ihr gesagt, sie hätten schon miteinander

3 Für uns ist Andermatt ein Tor zur zusammenzubringen, im kleinen, school four weeks a year, so

7 I am very proud that my enthusiasm

and love for Andermatt

Mammuts gejagt. Als sie dann 2020 die erste gemeinsame Woche hier verbrachten, die Energie, diese Mystik des

Natur. Wir lieben es, im Winter aber auch im grösseren Kreis.

they’ve made wonderful friendships.

In the summer, they’re

are contagious. I’ve managed to

Urserntals gemeinsam spürten, meinte Yusi: Genau hier sei sie gewesen, die Mammutjagd. Es sei mehr als

Ski zu fahren, die Kinder

Letztes Jahr haben wir zum

ein Zweitwohnsitz, heute sei Andermatt auch ihr Zuhause – der Ort, mit dem sie gefühlt seit immer verbunden

besuchen die Skischule vier

Beispiel einen Jugendgolfkurs

always jumping on the trampoline,

persuade several friends to come

or climbing either up on

to Andermatt; some of them

gewesen seien.

Wochen im Jahr, haben da tolle gestartet, sehr erfolgreich. Ein

Bekanntschaften. Im Sommer

Event kann aber auch im engsten the Nätschen or in the sports

have bought a property here and

springen sie dauernd auf

Kreis das Grösste sein, hier zum centre. It’s a fantastic experience others visit regularly. We enjoy

The alpine community in Andermatt has been growing for years. And why wouldn’t it? After all, who

dem Trampolin herum, gehen im Beispiel unser Familien-Morgenessen

in der Gondel.

and Climate Association, as you and many come just to go hiking.

to plant trees with the Forest

the time we spend here together,

wouldn’t want to spend as much time as possible in a place where most people love to holiday. Lawyer Patricia

Nätschen oder im Sportstudio

Savmaz, originally from central Switzerland, had been toying with the idea of buying an apartment here

klettern. Ein wunderbares

7 Ich bin sehr stolz, dass meine

can see in this picture or, at the

since 2008. In 2020, she and her family finally found their spot. In their home “since the Stone Age”, as she puts it:

Erlebnis ist es, mit dem Verein

Euphorie und meine Liebe für

end of the winter season, to join in

Wald und Klima Bäume zu

Andermatt ansteckend sind. Ich the activities on Clean-up Day.

because when she met her husband Yusi in 2006, they both felt like they had known each other forever.

pflanzen, wie hier auf dem Bild, habe einige Freunde dazu bewegen

können, nach Andermatt

outdoors. I’ve always loved nature,

4 I’m at my happiest when I’m

He joked that they had probably hunted mammoths together. Then, when they spent their first weekend here

oder im Herbst beim Clean-up

together in 2020, steeped in the energy and mysticism of the Ursern Valley, Yusi claimed: “Right here,

Day mit zumachen und aufzuräumen.

zu kommen, die einen haben

even as a child. If I’m not skiing

this is where our mammoth hunt took place.” Patricia feels that Andermatt is more than a second home; today,

etwas gekauft, die anderen kom-

or playing golf, I’m relaxing on the

it is a place she calls home, and to which she has felt connected for what seems like forever.

4 Am liebsten bin ich draussen, ein men einfach regelmässig zu

veranda or going for a stroll –

Naturmensch, schon als Kind.

Besuch. Wir geniessen die

whatever the weather, as long as

Wenn ich nicht am Skifahren

Zeit, die wir zusammen hier

I’m out in the fresh air. Even my

oder Golfen bin, sitze ich bei uns ver bringen, zum Beispiel

dog, who goes with me everywhere,

auf der Terrasse oder spaziere kommen viele gern vorbei, um

sometimes finds it harder

72 Andermatter in der Gegend, bei jedem Wetter, zu wandern.

to be outside than me. Then we

Andermatter 73

ANDERMATT WITH PATRICIA



Den Bademantel gibt es

an der Rezeption.

Die Einrichtung bei uns.

PAN

ASIAN

SUMMER

ENTDECKE FRISCHE, SOMMERLICHE

KREATIONEN – INSPIRIERT

VON THAILAND, JAPAN UND INDIEN.

Perfekt für warme Tage und

entspannte Abende auf unserer

sonnigen Terrasse. Auch als

Take-away für dein Sommer-Picknick.

BOOK YOUR

TABLE HERE:

Nooba Andermatt

Furkagasse 10, 6490 Andermatt

nooba.ch, nooba_panasian

www.dieeinrichter.ch

Einrichtungspartner Andermatt Swiss Alps

74 Andermatter

www.leadinggolf.ch



Unsere Nähe

ist Ihr Gewinn.

Finanzierung mit Weitsicht –

Ihr regionaler Partner

Ihre Partner

für Ihre Finanzierung

in Andermatt

Christian Arnold

Leiter Geschäftsstelle

+41 41 875 69 81

christian.arnold@ukb.ch

Martin Amrein

Senior Berater Firmenkunden

+41 41 875 62 81

martin.amrein@ukb.ch

76 Andermatter

Hurra! Ihre Datei wurde hochgeladen und ist bereit für die Veröffentlichung.

Erfolgreich gespeichert!

Leider ist etwas schief gelaufen!