01.01.2013 Aufrufe

Stress per Mausklick - DRF Luftrettung

Stress per Mausklick - DRF Luftrettung

Stress per Mausklick - DRF Luftrettung

MEHR ANZEIGEN
WENIGER ANZEIGEN

Sie wollen auch ein ePaper? Erhöhen Sie die Reichweite Ihrer Titel.

YUMPU macht aus Druck-PDFs automatisch weboptimierte ePaper, die Google liebt.

12

Stress per Mausklick

Meterlange Kabel, Sensoren, Mikrofone und Kameras

verbinden den Patienten-Simulator und das Innere des

Rettungshubschraubers mit einem Computer und dem

Bildübertragungssystem. Jeder Handgriff und jeder Laut

wird aus dem Hubschrauber nach draußen übertragen.

Im Hangar verfolgen DRF-Notärzte und Rettungsassistenten

auf einer Leinwand gebannt die Maßnahmen

des Rettungsteams. „Frau Meier, wie geht es Ihnen?

Können Sie mich verstehen?“ Bis hin zur Patientenansprache

simulieren die Trainingsteilnehmer den echten

Einsatz. Die Puppe kann sprechen, atmen und weitgehend

alle Symptome zeigen, die auch bei einem echten

Patienten auftreten können: Atemstillstand, plötzlicher

Ein Hubschrauberhangar wird zur Bühne für

ein ungewöhnliches Notfall-Szenario. Die

Bewohnerin eines Seniorenheims ist ohne

Bewusstsein. Sie ist schwer zuckerkrank,

die DRF wurde alarmiert. Das Besondere

an diesem Einsatz: Die Patientin ist

eine Puppe, der Notfall wird per

Computer simuliert.

Blutdruck-Abfall, erhöhte Blutzuckerwerte. „Per Maus-

klick erzeugen wir unerwartet auftretende, aber realistische

Komplikationen“, erklärt Trainer Dr. Markus Rall

vom Tübinger Simulatorzentrum T ü PASS (Tübinger

Patientensicherheits- und Simulationszentrum). „Der

dadurch erzeugte Stress beim Rettungsteam ist ein

gewollter Effekt. Das Training hilft, damit in einer ech-

ten Notfall-Situation richtig umzugehen.“ Plötzlich kann

die Patientin nicht mehr richtig atmen. Das Team der

DRF reagiert überlegt und professionell. Sehr schnell

e r kennen die Rettungskräfte eine lebensbedrohliche

Lungenembolie – ein Krankheitsbild, das extrem schwierig

zu diagnostizieren ist, da es keine eindeutigen


Technik

Symptome gibt. Sie stabilisieren den Zustand der

Patientin. Im Ernstfall würde die schwer kranke Frau

jetzt mit dem DRF-Rettungshubschrauber in eine

Spezialklinik geflogen werden.

Das Besondere an dieser Fo rm des Trainings: Notärzte

und Rettungsassistenten trainieren zusammen und diskutieren

anschließend den Einsatzverlauf anhand des aufge-

zeichneten Videomaterials. „Für die Vi d e o a n a lyse ist eine

gemeinsame, positive A u farbeitung der Tr a i n i n g ssituation

sehr wichtig, das stärkt die Zusammenarbeit im

Team“, so Dr. Gerson Conrad, ärztlicher A u s b i l d u n g sleiter

bei der DRF. „Die Kosten der Tr a i n i n g s m a ß n a h m e

sind für die DRF nicht unerheblich. Doch im Sinne unse-

rer Patienten halten wir es für unbedingt erforderlich, den

neuesten Stand der Technik für eine optimale Ve r s o rg u n g

zu nutzen.“

Denn nicht nur das ärztliche Können ist für den

Patienten im Notfall überlebenswichtig. Ko m m u n ikation,

Ruhe und Entschlusskraft sind weitere wichtige

Faktoren, die für eine erfolgreiche medizinische

Erstversorgung entscheidend sind. Menschliche Fehler-

quellen lassen sich mit Hilfe von Zwischenfa l l -

Management-Trainings minimieren. Deshalb führt die

DRF seit 2004 in Kooperation mit T ü PASS die

S i m u l a t o r- Fo rtbildungen an ihren Luftrettungszentren

durch. Sehr gewinnbringend, wie sich alle Teilnehmer im

Anschluss einig sind. „Ich halte das Training für eine

sehr gute Sache. Die Videoaufzeichnung hat es mir

ermöglicht, mein eigenes Verhalten im Anschluss an die

Übung zu reflektieren. Das war für mich eine echte

B e r e i c h e rung“, so DRF-Notarzt Uli Ke l l e r. A u c h

Rettungsassistent Dirk Gockeler ist begeistert „Toll ist,

dass das Training in dem Team stattfindet, das auch sonst

gemeinsam im Einsatz ist. So ist die Situation sehr realistisch

und man vergisst, dass es sich um keinen echten

Patienten handelt.“ Für 2005 sind weitere Fortbildungs-

Te rmine an den DRF-Luftrettungszentren mit dem

„simulierten“ Patienten geplant. M I CH A ELA B O SCH

Die Simulationspuppe zeigt „echte“ Symptome und muss beatmet werden.

Effektiv und lehrreich: Die anschließende Videoanalyse des Simulationstrainings.

Der Patienten-Simulator SimMan

D ie beim DRF-Tra i n i ng einge s e t z t e, lebens g roße Simu l a t io nspuppe verfügt

über He r z f u n k t io nen mit mehr als 2.500 EKG - R y t h mu s v a r ia nten. Mit de m

E KG verbunde ne He r z t ö ne lassen die Simu l a t ion täusche nd echt ersche i-

nen. Auch können die verschie de nsten Luftwegko m p l i ka t io nen in Ko m -

b i na t ion mit lebens e c hten Lunge nge r ä u s c hen erzeugt werden. Ein ange-

s c h l o s s e ner Pa t ie nt e n monitor zeigt At e m f requenz, He r z f requenz und

Te m p e ratur an. Abhäng ig von der Blutdr uc ke i ns t e l l u ng kann an der Puppe

ein Puls gefühlt werden. Ve r s c h ie de ne Punktio nsstellen an Unt e ra r m ,

E l l e n b e u ge und Ha ndr ü c ken erlauben eine präzise Me d i ka me nt e n v e ra b-

re ic hu ng. Die einzelnen No t fa l l - S z e na r ien können von den Tra i n i ng s l e i t e r n

f rei erstellt und via PC-Maus und Computertastatur ferngesteuert werden.

einsatz 1 | | 2005 13

Hurra! Ihre Datei wurde hochgeladen und ist bereit für die Veröffentlichung.

Erfolgreich gespeichert!

Leider ist etwas schief gelaufen!