INDUSTRIELLE AUTOMATION 3/2025
INDUSTRIELLE AUTOMATION 3/2025
INDUSTRIELLE AUTOMATION 3/2025
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19239
SMARTE LÖSUNGEN FÜR DIE INDUSTRIE
03
Juni 2025
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TITEL
Moderne Messtechnik
08 in der Praxis
Cybersecurity: Pflicht für
22 sichere Industrie-Netzwerke
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Sonderteil IndustrialVISION –
Kameras, Software, Objektive & Co.
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SMARTE LÖSUNGEN FÜR DIE INDUSTRIE
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GEKONNT IN DIE ZUKUNFT
NAVIGIEREN – NUR WIE?
Sensoren und smarte Messsysteme sind längst nicht mehr nur stille Beobachter,
sondern liefern den Rohstoff der Zukunft: präzise Daten. Sie ermöglichen
intelligentes Condition Monitoring, erkennen Fehler, bevor sie teuer werden,
und sorgen für eine Effizienz, die klassische Methoden nicht bieten. Doch was
einfach klingt erweist sich in der Praxis als komplexe Herausforderung. Denn
Datenquellen sind oft dezentral und heterogen und gewachsene Insellösungen
erschweren die Kommunikation und Integration. Doch ohne nahtlose
Einbindung in Netzwerke bleibt die Digitalisierung der Produktion eine unerfüllte
Vision. Moderne Messtechnik muss also in der Lage sein, diese Barrieren
zu überwinden. Welche Technologien dies ermöglichen und wie eine durchgängige
Datenerfassung – vom Sensor bis zur Cloud – gestaltet werden kann,
beleuchtet unsere Titelstory.
INTEGRATION IST KEIN
PROJEKT, SONDERN EIN
FORTLAUFENDER PROZESS
Doch die industrielle Automatisierung
geht heute weit über
Messtechnik hinaus. Bildgebende
Systeme wie Industriekameras
liefern wertvolle Zusatzinformationen:
Sie erkennen Oberflächendefekte, prüfen Maße, lesen Codes
oder überwachen komplexe Abläufe in Echtzeit. Besonders in der Qualitätskontrolle,
Montageüberwachung oder bei der Roboterführung sind Machine-
Vision-Lösungen unverzichtbar geworden. Sie arbeiten schneller und präziser
als das menschliche Auge und ermöglichen eine lückenlose Dokumentation.
So erschließt die Bildverarbeitung nach und nach immer mehr Märkte und Anwendungsfelder
– wie aktuelle Trends unter anderem aus der Robotik zeigen
(ab Seite 35 in unserem Sonderteil IndustrialVISION). Seien wir also gespannt,
wie Sensorik und Messtechnik, Kommunikationssysteme, Künstliche Intelligenz,
Deep Learning und 3D-Bildverarbeitung die industrielle Automatisierung
weiter vorantreiben und uns in die Zukunft navigieren.
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22
EDITORIAL
03 Gekonnt in die Zukunft navigieren – nur wie?
SZENE
06 News, Trends und Personalien
SENSORIK UND MESSTECHNIK
08 TITELSTORY
Best-Practice für dezentrale Datenerfassung
und plattformunabhängige Visualisierung
12 Mit IO-Link punkten: Weg-Codier-System
sorgt für robuste Positionierung auf
langen Verfahrwegen
15 Update: Produkte, Technologien, Trends
16 Digitale Spanntechnik: Wie Sensorik das
automatisierte Drehen, Fräsen und Schleifen
verändert
STEUERN UND ANTREIBEN
20 Update: Produkte, Technologien, Trends
für die effiziente und ressourcenschonende
Automatisierung
TITEL
08
Thomas Rauch,
Chief Technology
Officer (CTO) bei
Hilscher
INDUSTRIELLE KOMMUNIKATION
22 Cyber-Resilienz in Industrienetzwerken
25 Update: Produkte, Technologien, Trends
26 Smarte Vernetzung ermöglicht mehr
Durchgängigkeit zwischen Safety und Automation
KOMPONENTEN UND SOFTWARE
30 Intelligente und zuverlässige Schutzsysteme als
Schlüssel zur Effizienz
33 Update: Produkte, Technologien, Trends
34 Erstellen, Validieren und Realisieren
kundenspezifischer Lösungen
12
Anzeige: Delphin Technology AG
Lesen Sie, wie eine plattformunabhängige
Visualisierung und Prozesskontrolle gelingt
4 INDUSTRIELLE AUTOMATION 2025/03 www.industrielle-automation.net
SONDERTEIL INDUSTRIAL VISION
36 IM FOKUS News & Trends aus der
industriellen Bildverarbeitung
38 Bildverarbeitung und Robotik – eine zukunftsweisende
Symbiose
41 Update: Produkte, Technologien, Trends
42 Wo kann das neue GigE Vision
Kamerakonzept punkten?
44 Warum die Wahl der Lichtquelle entscheidend
für die Bildqualität ist
46 Dezentrale Installationstechnik vereinfacht
Diagnose und Wartung von Vision-Systemen
50 Bildverarbeitung in der
Schleifscheibenkontrolle
20 Impressum
INNENTITEL
35
NEWS & TRENDS
Personalien
GERALD MÜLLER
Gerald Müller ist neuer Chief
Operating Officer bei KEB
Automation, Systemanbieter
von Automatisierungs- und
Antriebslösungen. Gerald
Müller verantwortet künftig
die Geschäftsführung insbesondere für die
Produktionsbereiche und Beschaffung. Er folgt
auf Ralf Lutter, der in eine Beraterrolle wechselt.
www.keb-automation.com
JUMO ÜBER BRANCHEN-NIVEAU
Die Jumo-Unternehmensgruppe mit Sitz in Fulda hat
sich im Geschäftsjahr 2024 trotz eines anspruchsvollen
konjunkturellen Umfelds robust gezeigt. Mit einem
konsolidierten Umsatz von 301 Millionen Euro verzeichnete
das Unternehmen einen Rückgang von 3,5 % im
Vergleich zum Vorjahr, schnitt damit jedoch deutlich
besser ab als die deutsche Elektroindustrie, die ein
Minus von 6,3 % hinnehmen musste. „2024 war ein Jahr
mit vielen Herausforderungen – von geopolitischen
Unsicherheiten bis hin zu einer insgesamt schwachen
Konjunktur. Dennoch ist es uns gelungen, zentrale
Zukunftsprojekte voranzutreiben und unsere Marktposition
zu
behaupten“, be
tont CEO Dimitrios
Charisiadis (r.).
Auch im Jahr 2024
wurde kontinuierlich
in Maschinen,
Anlagen und Werkzeuge
investiert.
„Mit diesen
Investitionen bekennen wir uns klar zu unseren
Standorten und zur Zukunftsfähigkeit unseres Unternehmens“,
erklärt COO Dr. Steffen Hoßfeld (l.).
www.jumo.net
HELUKABEL BÜNDELT KOMPETENZEN
Die Helukabel
Gruppe feiert einen
weiteren Meilenstein
in ihrer
strategischen
Entwicklung:
Der Spezialist für
elektrische Verbindungstechnik
hat
die Integration seiner beiden Tochtergesellschaften
EKD Systems und Sangel Systemtechnik erfolgreich
abgeschlossen. Beide Unternehmen firmieren künftig
unter dem Namen Helu Connectivity Solutions. Neben
Matthias Eick (l.), Geschäftsführer von Helu Connectivity
Solutions, freut sich auch Marc Luksch (r.), Geschäftsführer
der Helukabel Gruppe, über die Fusion: „Wir
stellen mit der Integration unserer Tochtergesellschaften
die Weichen für eine erfolgreiche Zukunft.“
www.helukabel.com
KI IM
ARBEITSALLTAG
Beim Arbeitswelt.Plus
Summit mit über 250
Teilnehmenden in
Bielefeld haben Unternehmen
und Forschungseinrichtungen aus der Region
gezeigt, wie Künstliche Intelligenz (KI) in der Praxis
funktioniert und warum viele Betriebe in der Region
Ostwestfalen-Lippe beim Einsatz von KI deutschlandweit
inzwischen vorn liegen. „Wir sehen KI nicht als Ersatz,
sondern als Unterstützung für den Menschen. Ziel ist es,
Arbeitsprozesse zu entlasten, nicht zu ersetzen. Mit dem
Kompetenzzentrum Arbeitswelt.Plus wollen wir bundes
weit Vorreiter und Wegbereiter für eine menschengerechte
Gestaltung von KI in der Arbeitswelt sein“,
sagt Prof. Dr. Roman Dumitrescu, Geschäftsführer
des Technologie-Netzwerks it’s OWL. Das Kompeten z
zentrum zählt mit acht Leuchtturmprojekten zu den
größten Initiativen dieser Art in Deutschland.
www.its-owl.de
ELEKTRO- UND DIGITALINDUSTRIE BLEIBT
AUF DISTANZ ZUR SVI
„Zu umständlich, zu teuer, zu stark reguliert.“ ZVEI-Präsident
Dr. Gunther Kegel hält die deutsche Sicherheits- und Verteidigungsindustrie
(SVI) in Deutschland für überreguliert. Die
Folgen sind weitreichend, wie eine aktuelle ZVEI-Mitgliederbefragung
zeigt: Zwar steht ein gutes Drittel der Unternehmen
der Elektro- und Digitalindustrie in Geschäftsbeziehungen mit
der SVI. Aber die überwiegende Mehrheit der Firmen (mehr als
60 %) bleibt bisher noch auf Distanz. Der Umsatz der Unternehmen
mit Geschäftsbeziehungen zur SVI beläuft sich im
Durchschnitt auf rund fünf Prozent ihres Gesamtumsatzes.
Die ZVEI-Mitgliederbefragung wurde im Mai 2025 erhoben.
www.zvei.org
6 INDUSTRIELLE AUTOMATION 2025/03 www.industrielle-automation.net
WEIDMÜLLER LEGT FUNDAMENT FÜR
ZUKÜNFTIGES WACHSTUM
Nach den äußerst wachstumsstarken Jahren 2021 und 2022
verzeichnet das Elektro- und Verbindungstechnikunternehmen
Weidmüller das zweite Jahr in Folge einen Umsatzrückgang.
Aufgrund der schwachen Konjunktur sank der
Umsatz gegenüber dem Vorjahr im Jahr 2024 um rund 11 %
auf 980 Millionen
Euro. Um
optimale
Voraussetzungen
für künftiges
Wachstum zu
schaffen,
investierte das
global agierende
Technologieunternehmen
wie in den vergangenen Jahren in langfristig angelegte
Projekte und den Ausbau seiner Standorte. Ein Teil der
Investitionssumme von 56 Millionen Euro floss im Jahr
2024 in den Bau des neuen Elektronikwerkes in Detmold,
das im Herbst dieses Jahres eröffnet wird. Mit dem Neubau
zeigt Weidmüller seine Verbundenheit zur Region und
unterstreicht das Engagement des Unternehmens für
Innovation und technologische Pionierleistungen.
www.weidmueller.de
GEMEINSAM ZU „DIGITALEN CHAMPIONS“
Mittelständische Unternehmen
beschleunigen ihren
Weg in die Digitalisierung,
wenn sie kooperieren. Die
neu gegründete Next Level
Mittelstand GmbH bietet
ein offenes Konzept mit
Digitalisierungsangeboten
und Kooperationsmöglichkeiten. Mit Schunk, ebm-papst,
Heitec und Blockbrain haben sich Anfang April vier Unternehmen
zusammengeschlossen, um das erfolgreich
aufgebaute Netzwerk in die Zukunft zu führen.
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geopolitischen und wirtschaftlichen Lage im Jahr
2024 die Anzahl der aktiven Kunden um 5 Prozent steigern
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BEST-PRACTICE FÜR DEZENTRALE DATENERFASSUNG
UND PLATTFORMUNABHÄNGIGE VISUALISIERUNG
MODERNE MESSTECHNIK
IN DER PRAXIS
So individuell Messaufgaben aussehen können, so spezifisch sind auch die dafür
passenden Lösungen. Gefordert sind also Konzepte, die eine flexible und
zuverlässige Messwerterfassung und -analyse, Visualisierung und
Prozess kontrolle ermöglichen. Wir stellen Ihnen einen Lösungsansatz vor,
der diesen Anforderungen gerecht wird und die Grundlage für datenbasierte
Optimierungsstrategien in der industriellen Automatisierung schafft.
Die Anforderungen an moderne Messtechnik in der Industrie
sind heute höher denn je: Produktionsprozesse
müssen effizienter, ausfallsicherer und flexibler werden
– und das unter stetigem Kosten- und Innovationsdruck.
Gleichzeitig sollen durch intelligentes Condition Monitoring ungeplante
Stillstände und hohe Wartungskosten vermieden werden.
Auch im Bereich Forschung und Entwicklung wächst der
Bedarf an präziser und umfassender Datenerfassung – Prüfstände
müssen heute oft Dutzende oder gar Hunderte Parameter in
Echtzeit überwachen.
Was auf dem Papier einfach klingt – Daten erfassen, speichern,
analysieren – erweist sich in der Praxis als komplexe Herausforderung.
Denn die Realität sieht häufig so aus: Messdaten entstehen
dezentral, an verschiedenen Stellen der Anlage oder sogar
weltweit verteilt. Sie stammen aus unterschiedlichsten Quellen
und müssen mühsam zusammengeführt, synchronisiert und
ausgewertet werden. Und nicht selten fehlen dabei die nötige
Systemintegration und die Flexibilität für einen orts- und plattformunabhängigen
Zugriff.
Ein zentrales Problem liegt darin, dass viele Messtechniksysteme
historisch gewachsen sind. Sie bestehen aus Insellösungen
ohne durchgängige Architektur, was die horizontale Kommunikation
auf Feldebene ebenso erschwert wie die vertikale Integration
in Unternehmenssysteme oder Cloud-Dienste. Das verhindert
nicht nur eine einheitliche Datenauswertung – es bremst
auch die Digitalisierung der Produktion insgesamt.
Doch wie kann eine moderne Messtechniklösung aussehen,
die all diese Hürden überwindet? Welche Technologien ermögli-
8 INDUSTRIELLE AUTOMATION 2025/03 www.industrielle-automation.net
SENSORIK UND MESSTECHNIK
chen eine durchgängige Datenerfassung und -verarbeitung – vom
Sensor bis in die Cloud? Diesen Fragen geht der folgende Beitrag
nach. Und zwar nicht klassisch von unten nach oben – sondern
von der Benutzeroberfläche aus gedacht. Denn dort, wo der
Mensch mit der Maschine interagiert, entscheidet sich letztlich,
wie leistungsfähig, transparent und zukunftssicher ein Messsystem
wirklich ist.
HMI ALS PLATTFORMUNABHÄNGIGE
MESSTECHNIK-SOFTWARE
In vielen Betrieben zeigt sich heute noch ein vertrautes Bild: An
der Produktionslinie oder am Prüfstand steht ein Leitstand-PC,
auf dem ein älteres SCADA-System läuft. Diese Systeme wurden
über Jahre hinweg angepasst und erweitert, sind aber inzwischen
oft schwer zu warten, wenig flexibel und nicht mehr auf
dem Stand aktueller Softwarearchitektur. Ein ortsunabhängiger
Zugriff auf Prozessdaten ist mit solchen Lösungen in der Regel
nicht möglich – der Bediener ist an seinen festen Arbeitsplatz gebunden.
Doch die Anforderungen haben sich verändert. Anwender erwarten
heute mehr Flexibilität: Sie möchten nicht nur individuelle
Dashboards für ihre Anwendungsfälle gestalten, sondern auch
von unterschiedlichen Geräten und Standorten aus auf Messdaten
zugreifen können – etwa vom Laptop im Büro, vom Tablet
in der Werkhalle oder sogar vom Smartphone unterwegs.
Datenerfassungsebene
Visualisierungsebene
Zentrales
Messdatenmanagement
01 ProfiSignal 20 ermöglicht plattformunabhängige Visualisierung
und Prozesskontrolle – per QR-Code direkter Zugriff auf Messdaten
und Anlagendiagramme auf mobilen Endgeräten
www.industrielle-automation.net INDUSTRIELLE AUTOMATION 2025/03 9
SENSORIK UND MESSTECHNIK
02 Die erfassten Messdaten werden auf PC, Tablet und Smartphone
visualisiert; die Integration in bestehende Automatisierungssysteme
gelingt über moderne Kommunikationsschnittstellen wie Profibus
Ein Beispiel für die Umsetzung dieser Anforderungen findet sich
in der Softwareplattform ProfiSignal 20 von Delphin Technology.
Sie verfolgt einen modularen und plattformunabhängigen Ansatz:
Während das Modul ProfiSignal 20 Go vielfältige Analysefunktionen
für unterschiedlichste Diagrammformen bietet, ermöglicht
ProfiSignal 20 Basic die Erstellung individuell gestalteter
Visualisierungs- und Bedien oberflächen – vergleichbar mit
modernen Scada-Systemen, aber deutlich flexibler im Einsatz.
Ein bemerkenswertes Merkmal ist die plattformunabhängige
Nutzbarkeit: Die Software läuft sowohl auf klassischen Windows-
Systemen als auch auf mobilen Endgeräten mit iOS oder Android.
Dadurch ist ein durchgängiger Datenzugriff – vom Leitstand bis
hin zum Smartphone – realisierbar. Prozessüberwachung wird so
nicht nur komfortabler, sondern auch deutlich effizienter.
Ein interessantes Detail ist die sogenannte SCACH-Funktion
(„Scan And Check“), die einen besonders niederschwelligen Zugang
zu Messprojekten ermöglicht. Über das Einscannen eines
QR-Codes, der direkt an der Maschine angebracht ist, wird das
zugehörige Projekt auf dem mobilen Endgerät geöffnet – ideal für
Routinerundgänge, Wartung oder kurzfristige Kontrolle.
Die Digitalisierung macht also auch vor der Messtechnik nicht
halt. Systeme wie ProfiSignal 20 zeigen, wie moderne Visualisierungslösungen
dazu beitragen können, Informationszugriff und
Prozesssteuerung deutlich flexibler zu gestalten – und damit besser
an die heutigen Anforderungen von Produktion und Entwicklung
angepasst zu sein.
DATENFLUT OHNE RICHTUNG?
Bevor Messdaten analysiert, visualisiert oder für Entscheidungen
genutzt werden können, müssen sie erst einmal zuverlässig erfasst,
zusammengeführt und bereitgestellt werden. Doch genau
an diesem Punkt hakt es in der Praxis häufig – mit spürbaren Folgen
für Zeit, Qualität und Kosten. Denn vielerorts ist das Bild
ähnlich: Daten entstehen in unterschiedlichen Maschinen, Anlagenteilen
oder gar geografisch getrennten Standorten. Sie werden
über inkompatible Schnittstellen ausgelesen, häufig manuell
übertragen, in Tabellen kopiert und anschließend mühselig zusammengeführt.
Was wie ein technisches Detail klingt, entpuppt
sich im Alltag als echter Produktivitätskiller – inklusive hoher
Fehleranfälligkeit und verzögerten Reaktionszeiten.
Hinzu kommt: Je verteilter die Infrastruktur, desto schwieriger
wird es, konsistente, aktuelle Daten zentral zur Verfügung zu stellen.
Und wenn zusätzlich Anforderungen an IT-Sicherheit, Zugriffsrechte
oder Alarmierung gestellt werden, stoßen herkömmliche
Lösungen schnell an ihre Grenzen.
AUF DEM WEG ZU EINEM GANZHEITLICHEN
DATENÖKOSYSTEM
Ein Ansatz, um diese Herausforderungen konsequent zu lösen,
ist der Aufbau eines durchgängigen, zentralen Datenmanagements.
Ein Beispiel hierfür ist das Delphin Data Center – eine
skalierbare Plattform, die Daten aus verschiedensten Quellen automatisiert
sammelt, synchronisiert und speichert. Die Software
lässt sich flexibel auf einem lokalen Server oder direkt in einer
Cloud-Umgebung betreiben.
Durch die Unterstützung gängiger Schnittstellen wie OPC UA,
Modbus TCP, und SQL können sowohl klassische DAQ-Systeme
als auch andere Feldgeräte, ERP-Systeme, MES-Datenbanken
oder cloudbasierte Anwendungen angebunden werden. Damit
wird aus einer heterogenen Datenlandschaft eine einheitliche Informationsbasis
– ohne manuelle Zwischenschritte.
Sämtliche Datenverbindungen sind standardmäßig verschlüsselt,
sodass auch in sicherheitskritischen Bereichen wie Energie,
Chemie oder Pharma ein zuverlässiger Betrieb gewährleistet ist.
Darüber hinaus bietet das Delphin Data Center Funktionen zur
zentralen Benutzer- und Rechteverwaltung sowie zum Alarmmanagement.
So entsteht ein ganzheitliches Datenökosystem, das
technisch überzeugt und auch organisatorische Anforderungen
erfüllt – und dabei Einzellösungen überflüssig macht.
10 INDUSTRIELLE AUTOMATION 2025/03 www.industrielle-automation.net
SENSORIK UND MESSTECHNIK
ES BESTEHT NACHHOLBEDARF
Jede datenbasierte Analyse beginnt mit einem entscheidenden
Schritt: der zuverlässigen Erfassung der Messdaten. Und genau
hier zeigt sich in vielen industriellen Anwendungen ein deutlicher
Nachholbedarf. Noch immer kommen häufig einfache Datenlogger
zum Einsatz, die Signale von Standardsensoren – etwa
mit 4–20 mA oder 0–10 V – lediglich aufzeichnen. Für viele moderne
Anwendungen reicht das nicht mehr aus. Was oft fehlt,
sind flexible Anschlussmöglichkeiten für unterschiedliche Sensortypen
wie Thermoelemente, RTDs oder IEPE-Sensoren. Auch
eine direkte Kommunikation mit anderen Feldgeräten oder intelligenten
Sensoren ist mit klassischen Loggern meist nicht vorgesehen.
Sollen darüber hinaus noch hochfrequente Signale wie
Schwingungen aufgezeichnet werden – etwa im Rahmen eines
Condition Monitoring – stoßen solche Systeme schnell an ihre
technischen Grenzen.
DIE DAQ-GERÄTE ERMÖGLICHEN
EINE PRÄZISE MESSDATENERFAS-
SUNG DIREKT AN DER QUELLE
Hinzu kommt: Viele dieser Geräte bieten keine Möglichkeit, auf
Messdaten zu reagieren. Selbst einfache Automatisierungsaufgaben,
wie das automatische Abschalten einer Maschine bei
Grenzwertüberschreitung, erfordern zusätzliche Steuerungshardware
oder manuelle Eingriffe.
WIE MODERNE DATENERFASSUNGSSYSTEME
PROZESSE VERBESSERN
Ein anderer Weg wird mit den modularen Datenerfassungssystemen
(DAQ) von Delphin Technology AG eingeschlagen. Diese
verbinden klassische Datenerfassung mit intelligenten Funktionen
direkt am Gerät. Sie bieten universelle, galvanisch getrennte
Eingänge, die flexibel für verschiedene Sensorarten konfiguriert
werden können – eine wichtige Voraussetzung für den Einsatz in
heterogenen Anlagenumgebungen.
Ein besonderer Vorteil liegt in der Möglichkeit, mehrere Geräte
PTP-synchronisiert miteinander zu vernetzen. Dadurch lassen
sich beispielsweise langsame Prozessdaten und schnelle Schwingungssignale
exakt aufeinander abgestimmt erfassen – etwa zur
Überwachung von Maschinenzuständen oder zur frühzeitigen
Erkennung von Unwuchten und Lagerverschleiß.
Die Integration in bestehende Automatisierungssysteme gelingt
über moderne Kommunikationsschnittstellen wie Profinet, Profibus,
Modbus RTU und OPC UA. Damit sind sowohl horizontale
Anbindungen an Feldkomponenten als auch vertikale Verbindungen
zu ERP-, MES- oder Cloud-Systemen problemlos umsetzbar.
Ein zentrales Element der Geräteintelligenz sind sogenannte
Softwarekanäle. Sie ermöglichen mathematische Verknüpfungen
von Messgrößen in Echtzeit – direkt im Gerät. Darüber hinaus
können Schwellenwerte, Logikverknüpfungen oder Ereignistrigger
definiert werden, um Prozesse direkt zu beeinflussen.
Selbst im Fall eines Netzwerkausfalls bleiben die Geräte voll
funktionsfähig und speichern Daten lokal weiter.
Die DAQ-Hardware von Delphin Technology agiert damit nicht
nur als reine Datensammelstelle, sondern übernimmt eigenständig
Aufgaben der Vorverarbeitung, Überwachung und sogar Steuerung
– ein echter Schritt in Richtung dezentrale Intelligenz an
der Feldebene.
EIN INTEGRIERTER ANSATZ FÜR DIE
MESSTECHNIK DER ZUKUNFT
Die steigenden Anforderungen an Transparenz, Flexibilität und
Datenverfügbarkeit in der industriellen Messtechnik lassen sich
nur mit durchgängig vernetzten und intelligenten Systemen erfüllen.
Der hier vorgestellte Lösungsansatz zeigt, wie sich diese
Ziele technisch wie organisatorisch realisieren lassen – von der
Datenerfassung bis zur nutzerfreundlichen Visualisierung.
Die dezentral einsetzbaren DAQ-Geräte von Delphin ermöglichen
eine präzise und zuverlässige Messdatenerfassung direkt an
der Quelle. Dank ihrer universellen Schnittstellen und integrierten
Intelligenz lassen sich nicht nur unterschiedlichste Sensoren
einbinden, sondern auch einfache Automatisierungsfunktionen
lokal umsetzen – selbst bei Netzwerkausfall.
Mit dem zentralen Messdatenmanagement, dem Delphin Data
Center, steht eine zentrale Plattform zur Verfügung, die alle erfassten
Daten synchronisiert, speichert und sicher bereitstellt –
über Standort- und Systemgrenzen hinweg. Neben der technischen
Integration übernimmt die Software auch organisatorische
Aufgaben wie Benutzerverwaltung und Alarmmanagement.
Die Visualisierungs- und Analyseumgebung ProfiSignal 20 rundet
das Gesamtsystem ab. Sie erlaubt die standortunabhängige
Auswertung und Prozessüberwachung über flexibel gestaltbare
Dashboards – vom Leitstand bis zum mobilen Endgerät.
Zusammengenommen entsteht so ein modulares, zukunftssicheres
Systemkonzept, das nicht nur technische Komplexität
reduziert, sondern auch die Grundlage für datenbasierte Optimierungsstrategien
in der industriellen Automatisierung schafft.
Bilder: Delphin
DATENTRANSPARENZ VOM SENSOR
BIS ZUR CLOUD
Der Beitrag zeigt, wie moderne Messtechnik durch
dezentrale Datenerfassung, zentrale Datenverwaltung
und plattformunabhängige Visualisierung effizienter,
flexibler und zukunftssicher wird. Am Beispiel der
Lösungen von Delphin Technology (DAQ-Systeme, Data
Center, ProfiSignal 20) wird erläutert, wie durchgängige
Integration vom Sensor bis zur Cloud gelingt – inklusive
intelligenter Datenverarbeitung, mobiler Dashboards
und sicherem Datenzugriff. Ziel ist ein modulares System,
das technische Komplexität reduziert und Industrieprozesse
optimiert.
www.delphin.de
UNTERNEHMEN
Delphin Technology AG
Lustheide 81, 51427 Bergisch Gladbach
Tel. 02204 97685-0
E-Mail: info@delphin.de
AUTOR
Dr. Sven Jodlauk ist Produktmanager
bei der Delphin Technology AG
www.industrielle-automation.net INDUSTRIELLE AUTOMATION 2025/03 11
SENSORIK UND MESSTECHNIK
WEG-CODIER-SYSTEM BIETET PRÄZISION UND DATENFLUSS:
ROBUSTE POSITIONIERUNG AUF LANGEN VERFAHRWEGEN
MIT IO-LINK PUNKTEN
Zuverlässige Daten zur Absolutposition spielen eine entscheidende Rolle,
wenn sich Maschinen und Anlagenteile automatisiert bewegen sollen.
Die Sensorik, die sie liefert, muss im Außenbereich oder beim Umgang mit
aggressiven Stoffen besonderen Herausforderungen trotzen und Robustheit
mit Präzision verbinden. Der Beitrag stellt ein Weg-Codier-System vor,
das für raue Bedingungen ausgelegt und mit einer
IO-Link-Schnittstelle verfügbar ist.
Das Weg-Codier-System WCS war 1989 das erste optische
Absolut-Positioniersystem für den industriellen Einsatz.
Es beruht auf zwei hochrobusten Grundelementen, die
selbst unter rauen Bedingungen in Echtzeit zuverlässige
Daten liefern. Der U-förmige Lesekopf umschließt eine stabile
Codeschiene (Aufmacher) und erkennt den Positionswert anhand
von Aussparungen auf 0,8 mm genau, bei Fahrgeschwindigkeiten
bis 12,5 m/sec und einer maximalen Weglänge von
314,5 m. Das Systemdesign sorgt dafür, dass Rauch, Nebel oder
Staub die Messung nicht beeinträchtigen können.
IO-LINK BIETET ZAHLREICHE MEHRWERTE
Neben zahlreichen Feldbus-Optionen ist das System jetzt auch
mit IO-Link verfügbar. Diese Schnittstelle verleiht dem Gerät zusätzliche
Fähigkeiten und eröffnet die Möglichkeit, neue Funktionen
zu implementieren. Im COM3-Modus beträgt seine Zykluszeit
nur rund drei Millisekunden, in denen es den Positionswert,
12 INDUSTRIELLE AUTOMATION 2025/03 www.industrielle-automation.net
SENSORIK UND MESSTECHNIK
01 IO-Link liefert
differenzierte Datensätze
und viele Zusatzinformationen,
beispielsweise für
eine bedarfsgerechte
vorausschauende
Wartung
Geschwindigkeitswert und ein Richtungsbit übermittelt. Darüber
hinaus erfasst es mit zusätzlichen integrierten Sensoren weitere
Werte zur Eigentemperatur, Vibration und Beschleunigung in
drei Achsen. Aus diesen Zusatzinformationen kann man weitreichende
Schlüsse auf den Zustand des Geräts und der gesamten
Anlage ziehen. Sie liefern damit eine solide Basis für eine bedarfsgerechte
vorausschauende Wartung.
Für die Inbetriebnahme sind keine Einstellungen am Lesekopf
erforderlich; er liefert sofort und ohne Referenzfahrt einen exakten
absoluten Positionswert. Mit IO-Link lassen sich bei der Inbetriebnahme
Zusatzfunktionen komfortabel aktivieren, ein Einlernen
entfällt. Der IO-Link-Master speichert die Sensorparameter;
bei einem Gerätetausch werden sie automatisch abgerufen.
UNIVERSELLE INTEGRATION IN
FELDBUSSYSTEME
Für die Feinsteuerung der mobilen Anlagenkomponente, an welcher
der Lesekopf montiert ist, können bis zu fünf Positionsbereiche
definiert werden, die u. a. ein Endlagensignal generieren können.
Ein voreingestellter Wert lässt sich mit der Preset-Funktion
Ob Werkstücke in der Galvanik
über Tauchbäder positioniert
werden oder Container automatisiert
auf Schiffen ihren Platz finden
müssen – Positionieraufgaben
werden immer anspruchsvoller. Mit
optoelektronischen Weg-Codier -
Systemen funktionieren derartige
Aufgaben millimetergenau.
NICOLE STEINICKE,
Chefredakteurin Industrielle Automation
automatisch als Ersatzwert für die aktuelle Position setzen. Danach
wird die absolute Position in Bezug auf diesen voreingestellten
Wert ausgegeben, um etwa eine Parallelfahrt von zwei
mobilen Einheiten ohne zusätzlichen Aufwand exakt zu steuern.
Die Installationskosten werden reduziert und eine potenzielle
Fehlerquelle wird beseitigt, weil für die Datenübertragung im IO-
Link-Protokoll auf einer Strecke bis 20 m nichtgeschirmte Kabel
genügen. Bei längeren Strecken oder einer Feldbusanbindung
per Profinet, EthernetIP oder CC-Link kommt ein IO-Link-Master
zum Einsatz. Mit diesem lässt sich das WCS universell in Feldbussysteme
integrieren.
ROBUSTES GERÄTEKONZEPT
Der Lesekopf umfasst die Schiene wird von drei Seiten und
schirmt so die meisten Störeinflüsse bereits ab. Die integrierte IR-
LED-Leiste leuchtet auf einen etwa 10 cm langen Bereich der
Schiene, der Code wird nach dem Lichtschrankenprinzip ausgelesen.
Transparente, austauschbare Kunststoffschalen schützen
den Lesebereich auf der Innenseite des Sensors vor Verschmutzung
und Beschädigung. Der großzügige Abstand zum Detektor
sorgt für große Toleranz bei seitlichen Bewegungen entlang der
y-Achse. Das System erkennt Positionen sowohl bei vertikaler
(± 10°) als auch bei horizontaler (± 5°) Schrägstellung sowie bei
Kurvenradien ab 500 mm.
Der Sensor besitzt ein widerstandsfähiges Kunststoffgehäuse;
für besonders anspruchsvolle Umgebungen ist die Variante WCS
Outdoor, zusätzlich mit einem transluzenten Gehäuse der
Schutzklasse IP69 ausgestattet. Es ist vollständig resistent gegen
Salzwasser, aggressive Substanzen und Hochdruckreinigung. Darüber
hinaus ist es äußerst schlagfest und trotzt den typischen
mechanischen Belastungen im Außeneinsatz. Die große 7-Segment-Anzeige
des Lesekopfes dreht je nach Lage automatisch um
180 Grad. Das Display zeigt nicht nur den Positionswert an, sondern
bietet darüber hinaus umfangreiche Diagnosefunktionen
für eine detaillierte Analyse am Einsatzort, etwa um verschmutzte
oder beschädigte Codeschienen-Segmente zu identifizieren.
www.industrielle-automation.net INDUSTRIELLE AUTOMATION 2025/03 13
SENSORIK UND MESSTECHNIK
02 Das Weg-Codier-System liefert präzise Positionsbestimmung
für jedes Laufwerk der Hängebahn
03 Selbst starke Verschmutzung wie in der Reifenproduktion
beeinträchtigt die Präzision der Messung nicht
04 Das Weg-Codier-System WCS ist ideal für die Absolutpositionierung
in rauen Umgebungen und erlaubt dank zahlreicher
integrierter Schnittstellen wie IO-Link die Anbindung an Steuerungen
verschiedenster Hersteller
02
03
04
CODESCHIENEN: FÜR JEDEN FALL GERÜSTET
Für den Einsatz im Außenbereich mit extremen Wetterbedingungen
und großen Temperaturschwankungen steht die Codeschiene
in einer korrosionsbeständigen Edelstahl-Ausführung zur Verfügung.
Sie widersteht selbst starker Verschmutzung und Funkenflug.
Die Kunststoff-Ausführung aus robustem Polyesterlaminat
ist im Kontakt mit Ölen, Fetten und Lösungsmitteln neutral sowie
gegen Säuren, Laugen und aggressive Gase chemisch resistent.
Die Montage der Schienen ist neben geraden Strecken auch auf
Kurvenbahnen sowie bei Steigung und Gefälle möglich. Es werden
keine Referenzpunkte benötigt. Das modulare Montagesystem
erlaubt die leichte Integration von Unterbrechungen und
Weichen. Ein zusätzliches Aluminiumprofil zur Aufnahme der
Schiene kann gleichzeitig als stabilisierende Führung dienen.
Zur Identifikation mobiler Komponenten können kurze Stücke
der Codeschiene als ID-Pads aus Edelstahl genutzt werden, die
am – in diesem Fall – fest montierten Lesekopf vorbeifahren. Bis
zu 1.260 Fahrzeuge lassen sich so unterscheiden. Die Pads kön-
nen auch zur Feinpositionierung des Verfahrwagens dienen,
selbst unter extremen Umgebungsbedingungen und in einem
Temperaturbereich von - 40 bis + 450 °C.
Für Anwendungen mit größeren Positionsschwankungen der
mobilen Einheit kann der Sensor in einem Führungswagen montiert
werden, der Lesekopf und Fahrwerk entkoppelt. Der freilaufende
Mitnehmer gleicht Schwankungen bis ± 45 mm aus. Eine
weitere Geräteversion besitzt eine integrierte Heizung und erlaubt
den Einsatz des Geräts bis - 40 °C. Auch eine Beeinträchtigung
durch Taubildung wird mit der Heizung ausgeschlossen.
BEISPIELE AUS DER PRAXIS
OB KURVE, STEIGUNG ODER
GEFÄLLE – JEDE WEGFÜHRUNG
IST MÖGLICH
Die zahlreichen Ausstattungsoptionen machen den Einsatz in
unterschiedlichsten Anwendungen möglich. Das WCS wir häufig
als Positionssensor an Laufkatzen und Portalkränen verwendet.
Dank seiner hohen chemischen Resistenz wird es zur Steuerung
von Hängebahnen in Galvanikanlagen genutzt. Der weite Temperaturbereich
und die Verschmutzungsresistenz sind entscheidende
Kriterien bei der Verwendung in der Reifenproduktion, etwa
beim Transport von Rohlingen in der Vulkanisation.
Daneben wird das System aber auch unter weniger extremen
Bedingungen, zum Beispiel in der Studio- und Theatertechnik
verwendet. Dort kommt es bei der Positionierung von Drehbühnen
oder Beleuchtungseinheiten auf einen geräuscharmen Betrieb
an. An Beschleunigungs- und Bremsrampen von Fahrstühlen,
in Hebe- und Absenkstationen sowie in Regalbediensystemen
stehen die kontinuierliche absolute Positionsüberwachung
und der verschleißfreie Messvorgang im Vordergrund.
Bilder: Pepperl+Fuchs
www.pepperl-fuchs.de
UNTERNEHMEN
Pepperl+Fuchs SE
Lilienthalstraße 200, 68307 Mannheim
Tel. 0621 776-0
AUTOR
Markus Karch ist Global Product Manager
bei Pepperl+Fuchs SE
14 INDUSTRIELLE AUTOMATION 2025/03 www.industrielle-automation.net
SENSORIK UND MESSTECHNIK
ENERGIEEFFIZIENZ UND
VERSORGUNGSSICHERHEIT
Janitza hat Messtechnikinnovationen im Portfolio, die
sowohl die Industrie als auch Energieversorger und
Rechenzentren bei der Optimierung ihrer Energieverbräuche
unterstützen. Mit den neuen Lösungen setzt
das Unternehmen Maßstäbe in Sachen Energieeffizienz
und Versorgungssicherheit. Detaillierte Messungen
sorgen für transparente Energieflüsse, damit Unternehmen
fundierte Entscheidungen zur Verbesserung
ihrer Energieeffizienz treffen können. Vor Ort informieren
die Janitza-Experten, wie Unternehmen ihren
Verbrauch reduzieren und gleichzeitig eine zuverlässige
Versorgung sicherstellen können. Der neue modulare
Energieanalysator UMG 800 bietet maximale
Flexibilität. Er ist platzsparend, kosteneffizient und
lässt sich nahezu unbegrenzt skalieren. Nutzer können
sich somit einfach und ohne hohe Kosten an neue
Anforderungen und Vorschriften anpassen.
www.janitza.de
GABELLICHTSCHRANKEN: EINFACH
INTEGRIERBAR
Mit einer neuen Generation an
Gabellichtschranken profitieren
Anwender aus Maschinenbau,
Logistik und Lebensmittelindustrie
von vielfältigen Einsatzmöglichkeiten
und einer
einfachen Integration. Sie bieten dem Anwender Vielseitigkeit
und Flexibilität. Vier neue Produkte markieren den Start der
dritten Generation der BGL-Serie von Balluff, die langfristig
die bisherigen Modelle ersetzen wird. Zudem bietet die neue
BGL Entry-Serie eine optimierte Basis-Variante. Als kompakte
Sensoren sind die Komponenten bereits justiert und vereinen
Sender und Empfänger in einem Gehäuse. Dank Plug-and-Play
lassen sie sich einfach und direkt in bestehende Systeme und
Maschinen integrieren. Sie überwachen und steuern beispielsweise
Förderbänder oder ermöglichen eine reibungslose
Durchgangs- und Staukontrolle. In Montagelinien erkennen
sie, ob alle notwendigen Teile für die Endmontage vorhanden
sind. Ist dies nicht der Fall, kommt es zu einem automatischen
Stopp der Linie. In CNC-Bearbeitungszentren stellen die
BGL-Sensoren sicher, dass die Werkstücke vor der Bearbeitung
korrekt positioniert sind. Und in der Qualitätssicherung garantieren
sie unter anderem, dass sämtliche Teile ordnungsgemäß
zusammengefügt wurden.
www.balluff.com
Messverfahren
Festelektrolyt-Potentiometrie
NDIR-Sensoren
Wärmeleitfähigkeit
Elektrochemische Sensoren
Keidel-Zellen
Gasanalytik für die Prozessmesstechnik
www.zirox.de
ZIROX Sensoren und Elektronik GmbH | Am Koppelberg 21 | 17489 Greifswald | Tel.: +49(0)3834-83 09 00 | Fax: +49(0)3834-83 09 29 | E-Mail: info@zirox.de
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DIGITALE SPANNTECHNIK
ALLE HEBEL UNTER KONTROLLE
Wie verändert Sensorik das automatisierte Drehen, Fräsen und Schleifen? Und
welche Rolle können hierbei Lünetten spielen? Der Fachbeitrag stellt ein integriertes
Ultraschall-Wegmesssystem vor, welches den Spannweg der Lünettenhebel
kontaktlos überwacht. Dadurch eröffnen sich völlig neue Möglichkeiten für die
Steuerung, (Robotik-)Automation und Prozesssicherheit. Ein führender Hersteller
von Lünetten geht mit seinen Automatisierungslösungen voran und zeigt, welche
digitalen Potenziale in einem vermeintlichen Nischenprodukt stecken, wenn man es
mit präzisen Sensoren und induktiven Kopplungssystemen zur kontaktlosen Energieversorgung
erweitert und weiterdenkt.
Sie gelten bisweilen als Nischenprodukt: Lünetten (Setzstöcke)
bieten jedoch in der Dreh- wie in der Dreh-Fräsbearbeitung
großes Potenzial für die effiziente Gestaltung
des Fertigungsprozesses. Die Firma SMW-Autoblok aus
Meckenbeuren ist spezialisiert auf die Entwicklung und Fertigung
von Spannsystemen für die stationäre und rotierende Werkstückbearbeitung.
Lünetten für das Drehen, Fräsen und Schleifen
sind fester Bestandteil des Produktprogramms.
Lünetten stützen lange, schlanke und auch wellenförmige
Werkstücke und vermeiden so, dass diese bei der Bearbeitung
durchbiegen oder ins Schwingen geraten. „Sie ermöglichen eine
höhere Genauigkeit, eine größere Geschwindigkeit und unter
dem Strich mehr Leistung“, sagt Tobias Schneider vom Business
Development bei SMW-Autoblok. „Lünetten sorgen damit für das,
was in der Werkstückbearbeitung immer stärker gefordert ist.“
ALLES AUF GENAUIGKEIT AUSGERICHTET
Dreh- und Angelpunkt ist die Wiederholgenauigkeit beim Spannen
des Werkstücks. Sie muss auch bei zunehmenden Prozessgeschwindigkeiten
sicher gewährleistet werden. SMW erzielt
dies über eine hohe Maßhaltigkeit seiner Komponenten, die an
mehreren Stellen sichergestellt wird. Alle funktionsrelevanten
Teile sind gehärtet und präzisionsbearbeitet, um eine sehr hohe
Langlebigkeit zu gewährleisten. Durch die Abdichtung und die
optionale Sperrluftzufuhr bleibt das Innere der Lünette vor Verschmutzung
geschützt.
Die Laufrollen entsprechen höchsten Anforderungen an die
Genauigkeit und wurden speziell für SMW-Lünetten entwickelt.
Ihre Abdichtungen gewährleisten eine hohe Genauigkeit über eine
lange Lebensdauer. Sie sind in verschiedenen Formen (zylind
16 INDUSTRIELLE AUTOMATION 2025/03 www.industrielle-automation.net
SENSORIK UND MESSTECHNIK
risch, ballig, schmal) und in unterschiedlichen Materialien
(Kunststoff, Stahl, Hartmetall) verfügbar. Damit lassen sich die
Lünetten genau auf die zu bearbeitenden Materialien oder die
Einbauvariante (nachlaufende oder feste Lünetten) anpassen.
Als Kontaktfläche zwischen Werkstück und Lünette sind die
Laufrollen ein neuralgischer Punkt. Kleinste Verschmutzungen
können das Bearbeitungsergebnis stören. Der Hersteller hat hierfür
ein eigenes Spülsystem entwickelt. Direkt bei den Rollen integriert,
spült ein Abstreifer mit Doppelspüldüsen den Raum vor
und hinter dem Abstreifer frei. Damit wird verhindert, dass Späne
zwischen Laufrollen und Werkstück gelangen. Die Zentriergenauigkeit
der Lünette bleibt damit konstant erhalten. Werkstück und
Rollen werden nicht durch Schmutzpartikel beschädigt.
VARIABILITÄT MEISTERN: MEHR SPANNWEITE
TROTZ KLEINEREM BAURAUM
Neben den reinen Prozessbedingungen bestimmen auch die Entwicklungen
in der Werkstückbearbeitung die Anforderungen an
die Präzision der Lünetten. „Wir beobachten einen Trend hin zur
Dreh-Fräsbearbeitung, also zur kombinierten Bearbeitung von
Werkstücken“, sagt Schneider. „Damit bildet die einzelne Werkzeugmaschine
ein größeres Teilespektrum ab, was erhöhte Variabilität
erfordert. Gleichzeitig werden die Einbausituationen immer
enger.“ Das ist ein scheinbar unlösbarer Widerspruch. Denn
während die erhöhte Variabilität einen größeren Spannbereich
der Lünetten erfordert, müssten diese in der Folge größer werden.
Ein entscheidender Punkt ist der hydraulische Betätigungszylinder,
über den die Lünette an die Maschine angeschlossen
wird. Als eine Variante bietet das Unternehmen Lünetten mit
seitlich platziertem Zylinder an. Eine weitere Variante ist die RX-
Lünette: Hier ist der Zylinder integriert. Das Modell ist damit etwa
30 Prozent kürzer als Standard-Lünetten.
Gleichzeitig bietet die RX-Lünette einen um mehr als 20 Prozent
größeren Spannbereich. Möglich wird das durch ein patentiertes
Doppelkurvensystem. Das Kurvenstück im Lünetten-Inneren
öffnet und schließt die Hebel über eine Rollenverbindung.
Das Doppelkurvensystem beinhaltet zwei zueinander unterschiedliche
Steuerbahnen, welche eine größere Bewegung der
Hebel trotz kürzerer Strecke ausführen.
Ermöglicht automatisierten
Schnellwechsel: Lünette
mit Wegmesssystem,
Nullpunktspannsystem und
induktivem Koppelsystem
zur kontaktlosen Übertragung
von Energie und
Signalen
ULTRASCHALL-WEGMESSUNG
Die Lünetten werden auf Wunsch mit einem linearen
Wegmesssystem ausgestattet. Während
bei einer konventionellen Endlagenmessung
mittels Näherungsschalter nur die Endposition
der Lünettenhebel abgefragt wird, erfassen die
Sensoren den gesamten Spannbereich. Damit
lässt sich für die Hebel jede Position kontrolliert
anfahren.
Die jüngste Sensorik-Entwicklung stammt hierbei von
SMW-Electronics. Das Unternehmen bündelte seit dem Jahr 2021
die Themen Digitalisierung und Automation von SMW-Autoblok
und führt seither diesen Bereich mit eigenen Entwicklungen fort.
Das USP 4.0 für Lünetten ist eine davon. Das lineare Wegmesssystem
erfasst den Spannweg der Hebel kontaktlos per Ultraschall.
Dieser wird vom Geberelement über das Kurventeil absorbiert.
Aus der erfassten Entfernung bemisst das System die
genaue Position des Hebels.
Bei einer entsprechenden hydraulischen Steuerung ist auf diese
Weise auch ein teilweises Öffnen oder Schließen zum Be- und
Entladen der Lünette möglich. Dadurch werden Taktzeiten und
Energieverbrauch reduziert. Zudem kann das System über die
Auswertung des Signals einen Kollisionsschutz realisieren. So erhöht
das USP 4.0 zusätzlich die Prozesssicherheit. Dritter Vorteil:
Das Ultraschall-Wegmesssystem ermöglicht eine Automation der
Lünette.
AUTOMATION WEITERDENKEN
„In Zukunft sind die Werkzeugmaschinen wettbewerbsfähig, die
wirtschaftlich produzieren können“, sagt Schneider. Die Automatisierung
der Bearbeitungsprozesse ist dafür elementar. „Für die
Werkstückbearbeitung von morgen arbeiten wir dafür an digitalisierten
Lösungen, die ein mannloses Bearbeiten möglich machen.“
Eine solche lässt sich bereits heutzutage mit dem aktuellen
Produktprogramm zusammenstellen. So kann ein elektromechanisches
Nullpunktspannsystem wie das Zeroact E-Motion als
Aufnahme für eine Lünette mit USP 4.0 dienen. Über ein induktives
Koppelsystem wird die integrierte Sensorik kontaktlos mit
Energie versorgt und kann die Signale des Wegmesssystems
übertragen. Die Lünette wird so in die Automation integriert, ein
Schnellwechsel per Roboter wird möglich; auch eine Selbstoptimierung
des Systems mittels KI-Algorithmen wird denkbar.
Bilder: Aufmacherbild: SMW-Autoblok, Einklinker: SMW-Autoblok /
SMW-Electronics
www.smwautoblok.com
UNTERNEHMEN
SMW-Autoblok Spannsysteme GmbH
Wiesentalstrasse 28, 88074 Meckenbeuren
Telefon: +49 7542 405 0
E-Mail: info@smw-autoblok.de
AUTORIN
Petra Müller, Marketing, SMW-Autoblok
Spannsysteme GmbH, Meckenbeuren
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SENSORIK UND MESSTECHNIK
QUALITÄTSSICHERUNG IN DER
KUNSTSTOFFBRANCHE
Argus Additive Plastics
nutzt eine 10 kN ProLine
von ZwickRoell, Anbieter
von statischen Material-
Prüfmaschinen für die
Werkstoffprüfung, für
normbasierte Standardprüfungen
an Masterbatches
und profitiert
dabei besonders von der breiten Messbereichsabdeckung, um
unterschiedliche Materialien effizient und präzise zu testen.
Das Unternehmen entwickelt und produziert Masterbatches
auf Basis von PE, PP und verschiedenen technischen (Bi-)
Polymeren. Mit der 10 kN ProLine führt Argus unter anderem
Zugversuche zur Bestimmung der UV-Beständigkeit durch und
prüft verschiedene Probekörper wie Folien, Fasern, Filamente
und Zugstäbe. Ausgestattet mit zwei unterschiedlichen
Kraftmessdosen (200 N und 10 kN) deckt die Prüfmaschine
mehrere Messbereiche ab und ermöglicht so die präzise
Untersuchung unterschiedlicher Materialien. Ein optionales
Extensometer sorgt zudem für präzise Dehnungswerte und
Kennzahlen wie den E-Modul. Die Lösung ermöglicht eine
hohe Reproduzierbarkeit und Zeitersparnis im Prüfprozess.
www.zwickroell.com
INDUKTIVE GANZMETALLSENSOREN FÜR
SAFETY-ANWENDUNGEN
Induktive Näherungssensoren haben zahlreiche Anwendungsbereiche
auch im Safety-Bereich. Wenn dort gleichzeitig
schwierige Umgebungsbedingungen herrschen, beispielsweise
in der Lebensmittelindustrie oder bei mobilen Arbeitsmaschinen,
stoßen Sensoren mit Kunststoffgehäuse an ihre Grenzen.
Deswegen bringt Ifm jetzt induktive Ganzmetallsensoren
für Safety-Anwendungen
auf den Markt. Es
gibt sie in drei Größen:
M12, M18 und M30 mit
einer Gehäuselänge von
60 mm. Für den Einsatz
in mobilen Arbeitsmaschinen
sind sie für
einen Temperaturbereich
von -40 bis 85 °C
ausgelegt; für Lebensmittel-Anwendungen geht der Temperaturbereich
von -25 bis 100 °C. Insgesamt gibt es also zunächst
sechs verschiedene Typen der neuen Sensoren, die sich für
Anwendungen bis SIL-2 nach IEC 61508 und PL d gemäß
EN ISO 13849 eignen. Die Anschlusstechnik basiert auf
bewährten M12-Steckverbindern. Das robuste Ganzmetallgehäuse
schützt den Sensor wirkungsvoll gegenüber rauen
Umgebungseinflüssen. Selbst Schläge und Vibrationen stellen
kein Problem dar. Im Gegensatz zu Modellen, bei denen die
Front aus Kunststoff besteht, kann es nicht zu Problemen
aufgrund von Permeation durch das Material kommen. Die
Sensoren sind dadurch sehr langlebig und Fehler werden
weitgehend ausgeschlossen.
www.ifm.com
MESSTECHNIK FÜR PRÄZISE ENERGIE-
STEUERUNG UND NETZSTABILITÄT
Um Stromnetze trotz wachsender Einspeisung aus dezentralen
Quellen stabil zu betreiben, braucht es präzise Mess- und
Steuerungstechnik. Beckhoff bietet hierfür modulare Komponenten
zur Energieüberwachung und Netzsynchronisation.
Die Messklemme EL3475 erfasst über zwölf Eingänge Strom
und Spannung mit 24-Bit-Auflösung sowie einer Eingangsspannung
von 333 mV, passend für Standard-Messwandler.
RJ45-Anschlüsse ermöglichen
die schnelle Verbindung
mit Strom- und
Spannungswandlern. Die
Erfassung erfolgt direkt an
den Abgängen, was
Verteilnetzbetreibern ein
detailliertes Lastmanagement
erlaubt. Zur globalen
Synchronisation verteilt
arbeitender Systeme dient
die Klemme EL6689. Sie verbindet sich per SMA-Antennenanschluss
mit GNSS wie GPS, Galileo oder Beidou. Damit lassen
sich Systeme weltweit bis auf 100 ns genau synchronisieren.
Zusammen mit der TwinCAT-Software können Anwender
Energiemessungen analysieren, Netzregelungen programmieren
und internationale Protokolle wie IEC 61850 oder MQTT
einbinden. Eine Phasor-Measurement-Unit (PMU) für zeitsynchrone
Spannungs- und Strommessung nach IEC 60255-118-1
ist ebenfalls realisierbar.
www.beckhoff.com
TEMPERATUR UND FEUCHTE ZUVERLÄSSIG
MESSEN
Die Sensoren von E+E
ermöglichen eine
zuverlässige Temperatur-
und Feuchteregelung
bei reduzierten
Wartungskosten. Zudem
sind die Geräte nach den
höchsten Qualitätsstandards
kalibriert. Durch den modularen Komponentenaufbau
lassen sie sich individuell an die Anwendung anpassen und
garantieren eine Genauigkeit von bis zu 1 Prozent. Der Sensor
HTS801 meistert hohe Luftfeuchtigkeit und chemische
Verschmutzung bei - 80 bis 180 °C und 300 bar. Mit Temperaturen
von - 40 bis 120 °C kommt der digitale Edelstahlfühler
HTP501 zurecht. Der EE212 Feuchte- und Temperatursensor
mit austauschbarem Sensormodul ist für anspruchsvolle
Klimatisierungsanwendungen optimiert, sehr stabil und
einfach zu handhaben. Nicht nur die CO2-Konzentration,
sondern auch die Temperatur sowie den Umgebungsdruck
misst das EE895-Modul präzise. Das digitale Feuchte- und
Temperatursensorelement HTE501 erfasst Messwerte
zuverlässig – auch in rauer, verschmutzter und kondensierender
Umgebung. Das digitale Temperatursensorelement
TEE501 überzeugt mit einer Messgenauigkeit von bis zu
± 0,2 °C und einem breiten Temperatureinsatzbereich.
www.epluse.com
18 INDUSTRIELLE AUTOMATION 2025/03 www.industrielle-automation.net
SENSORIK UND MESSTECHNIK
INFRAROT-TEMPERATURMESSGERÄTE MIT DIGITALER SCHNITTSTELLE
Optris stellt neue digitale Schnittstellen für die Prozessautomatisierung vor. Die aktuellen
Pyrometer und die Ethernet-basierten Infrarotkameras sind nun mit modernen Netzwerkprotokollen
ausgestattet. Mit den neuen digitalen Schnittstellen unterstützt der Hersteller gängige
Industrieprotokolle wie Profinet, Ether-Net/IP, Ethernet TCP/IP und Modbus TCP. Dies gewährleistet
eine zuverlässige Echtzeitübertragung von Temperaturmesswerten und verbessert die
Steuerung und Überwachung von Fertigungsprozessen. Die neuen Industrial Ethernet Interfacemodule
werden einfach in die CT-Elektronik integriert. Über eine 4-Pin D-kodierte Buchse mit
IP67-Schutzgrad und standardisierte Industrie-Netzwerkkabel erfolgt die einfache Installation.
Für CSvision und die Ethernet-basierte Xi-Serie (ETH) werden die neuen Interfaces als separate
Box bereitgestellt. Eine große Auswahl an Kabellängen ermöglicht die Anpassung an unterschiedliche Installationsbedingungen.
Für eine schnelle und unkomplizierte Inbetriebnahme stehen vorkonfigurierte EDS- und GSD-Dateien zur Verfügung. Diese
ermöglichen eine einfache Geräteimplementierung in bestehende Steuerungssysteme und reduzieren den Integrationsaufwand.
www.optris.com
FÜLLSTAND IN EX-BEREICHEN ÜBERWACHEN
Die eigensicheren kapazitiven Füllstandswächter der Produktserie
KGFTa von EGE sind für gasexplosionsgefährdete
Bereiche geeignet. Sie weisen eine hohe Temperaturstabilität
von - 20 bis 180 °C auf. Die kompakten Sensoren haben eine
Atex- und IECEx-Zulassung für die Montage in Zone 0 sowie
für die Montage in einer Trennwand zwischen Zone 0 und 1.
Der ebenfalls dafür zugelassene Ex-Zwischenverstärker
KKa 030 Ex erlaubt die Ferneinstellung außerhalb des
Hochtemperaturbereichs. Das System aus KGFTa und KKa 030
wird an ein Auswertegerät der Produktserie IKMb 123
angeschlossen und von diesem eigensicher versorgt. In der
Baureihe sind Sensoren mit G1/4- und G1/2-Gewinde
verfügbar. Die aus Edelstahl 1.4571 gefertigten Sensoren
erfüllen die Schutzart IP68 und haben eine PEEK-Messspitze
sowie PTFE-Kabel. Damit können sie auch in aggressiven
Medien eingesetzt werden. Typische Anwendungen sind zum
Beispiel die Überwachung des Füllstands von Prozessflüssigkeiten
in der Chemie- und Pharmaproduktion.
www.ege-elektronik.com
STABILE KLIMAKAMMER
Mit der Kalibrier-Klimakammer
Kambic C3-50 von Cik Solutions
können Anwender Feuchtesensoren
und Datenlogger kalibrieren. Sie
besitzt ein Volumen von 57 l, deckt
einen Temperaturbereich von 10 bis
55 °C ab sowie eine relative Feuchte
von 5 bis 95 Prozent. Für präzise
Ergebnisse der Klimakammer sorgen
das Zweiweg-Mischsystem zur Feuchteregelung und ein
Peltier-Kühl- und Heizsystem. Der Nutzer erreicht dadurch
eine Feuchtestabilität von weniger als 1 Prozent und eine
Feuchteverteilung von unter 2 Prozent über den gesamten
Bereich. Zudem arbeitet die Kalibrier-Klimakammer leise und
vibrationsfrei. Ein maßgeschneidertes Zubehörprogramm für
die Kalibrierung gewährleistet eine einfache Handhabung.
Sonderanfertigungen sind auf Nachfrage beim Anbieter
erhältlich.
www.cik-solutions.com
iC-HSB
Ultra Short Pulse Laser Drivers
• Pulsbreite von 100ps bis 5ns
• Unterstützung für grüne, blaue und UV-Laserdioden
• Max. 600 mA Pulsstrom
• SPI/I²C programmierbar
Tel.: 061359292-30 00
www.ichaus.de/product/ic-hs-series
Laser World of Photonics 24.–27. Juni 25|B2, Stand 316 Mehr
automatica München 24.–27. Juni 25|B5, Stand 408 Mehr
STEUERN UND ANTREIBEN
STOPPER FÜR PRÄZISE PROZESSE
Wörner hat die neuen Stopper der PND-Serie für eine
einfache Handhabung entwickelt. Durch ihre patentierte
Technik ist eine zuverlässige und präzise Prozesssteuerung
möglich. Die robusten Bauteile gewährleisten
eine gleichbleibend hohe Leistung über die
gesamte Betriebsdauer hinweg. Zudem sind die
Stopper kompatibel
und montagefreundlich,
was für
eine schnelle und
einfache Installation
an die gängigsten
Transfersysteme
ermöglicht. Darüber
hinaus erlaubt das
System eine unkomplizierte und präzise Einstellung
der Dämpfung, sodass es optimal an unterschiedliche
Anforderungen angepasst werden kann.
www.woerner-gmbh.com
NEUES ASI-5 MOTORMODUL
Bihl+Wiedemann verfügt
über ein umfangreiches
Sortiment an Motormodulen
für vielfältige Antriebslösungen
mit ASi-5 und ASi-3. Das
gilt sowohl für die Ansteuerung
von Motorrollen wie für Gleichstrommotoren und
Frequenzumrichter. Das Portfolio wächst weiter mit dem
ASi-5 Motormodul BWU4974 für die Ansteuerung eines Lenze
Frequenzumrichters i550 Motec. Der über das gelbe Profilkabel
aus ASi versorgte aktive Verteiler im 35 mm hohen, für die
Montage im Kabelkanal geeigneten IP67-Gehäuse, wird über
einen vierpoligen, D-kodierten M12-Kabelstecker mit dem
Antrieb verbunden. Die Ansteuerung des Frequenzumrichters
erfolgt über Modbus TCP. Wie bei allen ASi-5- und ASi-3-Antriebslösungen
für Lenze ist auch BWU4974 eine Plug-and-
Play-Lösung, deren Pin-Belegung an den Lenze i550 Motec
angepasst wurde.
www.bihl-wiedemann.de
IMPRESSUM
erscheint 2025 im 37. Jahrgang,
ISSN: 2194-1157 / ISSN E-Paper: 2747-8017
REDAKTION
Chefredakteurin: Dipl.-Ing. (FH) Nicole Steinicke (ni),
Tel.: 06131/992-350, E-Mail: n.steinicke@vfmz.de
(verantwortlich i.S.d. $ 18 Abs. 2 MStV / i.S.d. Presserechts)
Redakteurin: Dipl.-Ing. (FH) Inga Ronsdorf (iro),
Tel.: 06131/992-259, E-Mail: i.ronsdorf@vfmz.de
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STEUERN UND ANTREIBEN
LÖSUNGEN FÜR VERPACKUNGSANLAGEN
Antriebslösungen von Nord steigern an mehreren Punkten der
Packaging-Prozesskette die Effizienz. Mit zwei Konzepten
nimmt das Unternehmen vor allem End-of-Line- und Primary
Packaging in den Fokus. Mit einer Lösung aus dezentraler
Antriebselektronik und Asynchronmotoren bietet Nord für das
End-of-Line-Packaging
eine effiziente Alternative
zu zentral gesteuerten
Konzepten. Die aufgebauten
Frequenzumrichter
befreien das Antriebssystem
von aufwendiger
Verkabelung. Das
verringert den Installations-
und Wartungsaufwand. Anlagen werden darüber hinaus
einfacher skalierbar, sodass sie schnell und leicht an neue
Anforderungen ausgerichtet werden können. Die nötige
Dynamik, die Anwendungen in der Endverpackung erfordern,
erzielen die Antriebslösungen mit einer hohen Überlastfähigkeit
sowie einer geberlosen Regelung: Das integrierte Posicon-
Modul ermöglicht eine präzise Positionierung. Für das Primary
Packaging erschließt Nord mit seinem Oberflächenschutz NXD
tupH die Prozessvorteile von Komponenten mit Aluminiumgehäuse.
Hier werden Aluminiumoberflächen elektrolytisch
veredelt und mit einer leistungsstarken Versiegelung, einem
Sealer versehen. Das macht sie widerstandsfähig gegenüber
extremen Umgebungsbedingungen.
www.nord.com
AUTONOMES LOGISTIK-FAHRZEUG
Der Igus Rebel Move, ein
mobiler Roboter, bewegt
sich autonom durch
Fabrikhallen und
transportiert Produkte
von A nach B – und kann
dafür auch mit dem
Rebel Cobot kombiniert
werden. Das autonome Transportfahrzeug (FTS) kann Kleinladungsträger
(KLT) mit den Maßen 60×40 und 30×40 cm sowie
einer Zuladung von bis zu 35 kg transportieren. Es fährt mit
einer Geschwindigkeit von bis zu 1,5 m/s, bietet eine Batterielaufzeit
von mehr als 8 h und eine Ladezeit von weniger als
2 h. An Bord ist optional der Rebel, ein Cobot, den Igus fast
vollständig aus robustem und kostengünstigem Hochleistungskunststoff
fertigt. Der wirtschaftliche Gelenkarmroboter
ist fünfmal günstiger als vergleichbare Modelle aus Metall. Er
hat ein Eigengewicht von 8,2 kg, eine Traglast von 2 kg und
eine Reichweite von 664 mm. Das neue FTS-System ist einfach
in Betrieb zu nehmen. In weniger digitalisierten Unternehmen
funktioniert das FTS als eigenständiges System, das lediglich
eine WLAN-Verbindung benötigt. Für die Konfiguration
bewegt der Betreiber das Fahrzeug mit einem Handcontroller
entlang der zukünftigen Arbeitsbereiche. Der Rebel Move
verfügt über eine 360-Grad-Kamera und erstellt mithilfe der
sogenannten Slam-Technologie während der Rundfahrt
automatisch eine Digitalkarte.
www.igus.de
SCHNELL ZUM FERTIGEN GANTRY-ROBOTER
SEW-Eurodrive hat seine
Automatisierungslösungen
Starterset End-of-Line und
End-of-Line Robotics mit
den vorkonfektionierten
Dreiachsportal-Mechanikpaketen
der Rollon GmbH
kombiniert, um den Bau
von Gantry-Robotern zu
vereinfachen. Diese
Kombination aus zwei Grundpaketen zu einem Komplettpaket
bietet Maschinenbauern eine effiziente Lösung, die Zeit und
Kosten bei der Projektierung, dem Engineering, der Montage
und der Inbetriebnahme reduziert. Das Starterset von
SEW-Eurodrive umfasst von der Software bis zum Präzisionsplanetengetriebe
alles für die effiziente und ressourcenschonende
Automatisierung. Diese Maschinenautomatisierungssets
wurden auf die Anforderungen und den Einsatz in
Portallösungen zugeschnitten und harmonieren optimal mit
den mechanischen Lösungen von Rollon. Die Dreiachsportallösung
von Rollon umfasst Linearachsen, Energieketten und
das notwendige Zubehör wie Gelenkwellen, Sensorhalter und
Schaltwinkel. Das Komplettpaket erleichtert Anwendern die
Arbeit und ermöglicht eine schnelle und ressourcenschonende
Umsetzung von Automatisierungsprojekten.
www.sew-eurodrive.de
HUTSCHIENEN-SPS MIT TOUCHDISPLAY
Mit seiner neuen PLC-Serie erleichtert Display Visions das
Steuern und Regeln im Schaltschrank. Die kompakte SPS-
Kleinsteuerung ist mit einem farbigen Touchdisplay ausgestattet,
das nicht nur Mess- und Prozessdaten anzeigt,
sondern auch zur schnellen Eingabe von Betriebsparametern
und Steuerbefehlen dient. Zudem lassen sich via WiFi, LAN
oder RS-485 bis zu 50 weitere Satelliten-Displays drahtlos
damit verbinden. Alle Prozessparameter werden automatisch
mit den Satelliten geteilt. Die Parameter können dort selektiv
angezeigt und verändert werden. Unterschiedliche Empfänger
erhalten so individuell
auf ihre Belange zugeschnittene
Informationen
und Eingriffsmöglichkeiten.
Die Satelliten-
Displays sind in Größen
von 1,5 bis 10,1"
erhältlich. Die Anzeige
am PLC selbst ist 2,8"
groß und dank IPS-Technik
auch in greller Umgebung und nahezu jeder Blickrichtung
ablesbar. Die Programmierung erfolgt mit dem kostenlosen
Windows-Tool „PLC-Designer“ per USB. Damit sind auch
aufwendige und optisch ansprechende Bildschirmlayouts
einfach umsetzbar. Für die Datenerfassung sowie Befehlsausgabe
stehen 8 digitale und 4 analoge Eingänge, 4 Relaiskontakte
und eine RS-232 zur Verfügung. Die Versorgungsspannung
beträgt 12 bis 24 V. Die PLC-Zentraleinheit ist nur 5 TE
breit und sitzt auf Hutschiene.
www.lcd-module.de
www.industrielle-automation.net INDUSTRIELLE AUTOMATION 2025/03 21
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CYBER-RESILIENZ
INDUSTRIENETZWERKE: KÜNFTIG NUR NOCH
MIT TIEF INTEGRIERTER CYBERSECURITY
Security-Richtlinien wie der
Cyber Resilience Act (CRA)
haben für den industriellen
Maschinen- und Anlagenbau
sowie für Gerätehersteller
eine enorme Tragweite. Aber
warum ist das so und mit
welchen Herausforderungen
werden Anwender aus diesen
Bereichen konfrontiert? Eine
Einordnung des industriellen
Kommunikationsspezialisten
Hilscher dazu.
Neue Sicherheitsanforderungen wie der CRA, die europäische
NIS2-Richtlinie und das deutsche Gesetz zu deren
Umsetzung (NIS2UmsuCG) sind für die Automatisierungsbranche
von großer Bedeutung. Sie umfassen
striktere Sicherheitsvorgaben, Haftungsfragen und die Pflicht zu
regelmäßigen Sicherheitsupdates. „Es findet ein Paradigmenwechsel
statt: Cybersecurity ist nicht länger optional, sie ist ab
sofort eine kritische Voraussetzung für industrielle Kommunikationssysteme“,
sagt Thomas Rauch, Chief Technology Officer
(CTO) bei der Hilscher Gesellschaft für Systemautomation mbH.
„Das bedeutet, dass es zukünftig kein sicheres industrielles Netzwerk
ohne tief integrierte Cybersecurity geben wird. Je früher ein
systematischer Plan zur Umsetzung vorhanden ist und umgesetzt
wird, desto besser“, fügt er hinzu.
„Die Einfachheit und Benutzerfreundlichkeit von Sicherheitsmechanismen
ist dabei entscheidend für deren Einführung“, ergänzt
Uwe Schnepf, Leiter Produktmanagement Industrial IoT
bei Hilscher. „Sie müssen sowohl effizient als auch einfach zu
nutzen sein, da selbst die beste Sicherheit wirkungslos ist, wenn
sie im Arbeitsalltag nicht richtig angewendet oder sogar umgangen
wird. Systeme mit zentralem Life-Cycle-Management bieten
einen klaren Vorteil, da sie Sicherheitsupdates automatisieren
und den Verwaltungsaufwand minimieren.
CHANCEN NUTZEN
Hilscher ist in der industriellen Kommunikation bereits seit Jahrzehnten
ein bekannter Name. Das Unternehmen ist seit dem Jahr
1986 in der Branche aktiv und bietet mit seiner netX-Technologie
eine multiprotokollfähige Kommunikationslösung für zahlreiche
Protokolle und Anwendungsfälle – vom integrierten Netzwerkcontroller
bis hin zur fertigen PC-Karte.
Im Bereich Industrial IoT wird diese Erfahrung von Hilscher für
den Aufbau und Betrieb eines eigenen, offenen Eco-Systems für
die sichere Verwaltung von Edge- und Shopfloor-Komponenten
sowie darauf ablaufenden Kundenapplikationen durch eine zentralisierte
Lösung genutzt: das netFIELD Device Management.
Dementsprechend kann das Unternehmen auf zahlreiche Erfahrungen
und Daten zurückblicken, um die Tragweite von Regularien
wie dem CRA einzuordnen. Dabei sieht das Unternehmen
neben der grundlegenden Sicherheit von Produkten auch die
Chance einer einheitlichen Regulierung und mehr Vertrauen in
sichere Produkte. Unternehmen, welche frühzeitig Security-by-
Design und Standards wie IEC 62443 implementieren, können
sich als vertrauenswürdige Marktpartner etablieren. Außerdem
wird die Standardisierung den europaweiten Vertrieb von Produkten
erleichtern.
PRAXISNAH UMSETZEN
Doch es deuten sich auch sehr komplexe Herausforderungen an,
mit denen Automatisierungsunternehmen konfrontiert werden
können: „Die größte Herausforderung ist die praxisnahe Umsetzung
der neuen Anforderungen“, so Hilscher-CTO Rauch. Viele
Unternehmen stünden noch am Anfang dieser Entwicklung und
unterschätzten die Tragweite der bevorstehenden Veränderungen.
Aber worum geht es bei Cybersecurity, inbesondere in Bezug
auf die Produktion, eigentlich?
n Cybersecurity bezieht sich auf den Schutz von Computersystemen,
Netzwerken und Daten vor digitalen Angriffen, Schäden
oder unbefugtem Zugriff.
n Diese Sicherheitsmaßnahmen sind entscheidend, um die Vertraulichkeit,
Integrität und Verfügbarkeit von Informationen zu
gewährleisten.
n Im industriellen Kontext umfasst Cybersecurity die Implementierung
von Schutzmaßnahmen gegen Bedrohungen, die von
Malware und Ransomware bis hin zu Cyber-Spionage und
-Sabotage reichen können.
n Ziel ist es, den Betrieb der Systeme sicher und effizient zu halten
und potenzielle Sicherheitslücken proaktiv zu adressieren.
22 INDUSTRIELLE AUTOMATION 2025/03 www.industrielle-automation.net
INDUSTRIELLE KOMMUNIKATION
Und warum ist dies nun für den Maschinenbau
und das produzierende Gewerbe
von Belang? Industrielle Automatisierungsprodukte
sind häufig Teil kritischer
Infrastrukturen, wie Energieversorgung,
Wasserversorgung, Transport und Fertigung.
Ein erfolgreicher Cyberangriff auf
diese Systeme kann zu erheblichen Unterbrechungen
und Gefahren für die öffentliche
Sicherheit führen. Sicherheitsvorfälle
können zu finanziellen Ausfällen, Produktionsstillständen
oder sogar zu Personenschäden
führen. Darüber hinaus sammeln
und verarbeiten Automatisierungsprodukte
oft sensible Daten, wie zum Beispiel
Produktionsdaten und Betriebsgeheimnisse,
die geschützt werden müssen.
Cybersecurity sorgt dafür, dass diese Informationen
geschützt und unbefugter
Zugriff verhindert wird. Dies wird mit der
Einführung von Technologien wie dem
Internet der Dinge (IoT) und Industrie 4.0
noch relevanter, da hier neue Angriffsvektoren
entstehen. Ein effektiver Schutz vor
Cyberbedrohungen fördert das Vertrauen von Kunden in das
jeweilige Unternehmen und ist zunehmend überlebenswichtig –
und wird dadurch zu einem zentralen Wettbewerbsvorteil.
CYBER RESILIENCE VON GESTERN
UND FÜR MORGEN
Autorisierung
Nur autorisierte
Nutzer erhalten
Zugang zu Geräten
und Daten
Schutz vor
Datenmanipulation
Device
Integrität
10011001
Device
Authentizität
Vertraulichkeit
10011001
Sicherstellen, dass die
Kommunikation nur
mit vertrauenswürdigen
Geräten erfolgt
Unbefugtes Lesen
von Daten
verhindern/
Daten geheim
halten
Device
01 Mögliche Angriffspunkte von Cyberattacken in einer Produktionsanlage
In der Vergangenheit wurde Sicherheit der eingesetzten Automatisierungssysteme
bei aufgetretenen Sicherheitslücken meist nur
manuell oder überhaupt nicht durchgeführt. Manuell insofern,
dass ein Software-Update auf zum Beispiel eine Steuerung über
einen USB-Stick durchgeführt wurde. Abgesehen von der Gefahr,
dass ein Virus oder Trojaners eingeschleust wird, ist diese Vorgehensweise
bei zunehmender Anzahl zu pflegender Systeme nicht
mehr handhabbar. Fehlende Fachkräfte und hohe Auslastung der
Mitarbeitenden mit bestehenden Aufgaben machen daher einen
automatisierten Ansatz erforderlich.
Dem hat Hilscher Rechnung getragen und das netFIELD Device
Management entwickelt, das genau dies ermöglicht:
n Zentralisierte Verwaltung der Geräte auf Shopfloor-Ebene über
Edge Gateways
n Verwaltung von Geräten in Gerätegruppen und Unterorganisationen
n Flottenmanagement zum Ausrollen und Aktualisieren von
Container-Applikationen
n Zustandsüberwachung hinsichtlich Auslastung und bekannter
Sicherheitslücken (sogenannte Common Vulnerabilities and
Exposures (Schwachstellen und Risiken), kurz CVE)
n Sicherer Remote Access über die Plattform auf Geräte
Durch den Cyber Resillience Act der EU werden die Anforderungen
an vernetzte Industrieanlagen zudem nochmals verschärft.
Dies geschieht vor allem angesichts der erhöhten Bedrohungslage
durch andere Staaten und Akteure außerhalb der EU.
Zukünftig müssen Geräte, die vernetzt sind, eine entsprechende
Zertifizierung vorweisen, um überhaupt eine CE-Zulassung zu
erhalten und in der EU verkauft werden zu dürfen.
PLC
Verfügbarkeit
Sicherstellen,
dass das System
die definierte
Funktion erfüllt
Es findet ein Paradigmenwechsel statt:
Cybersecurity ist nicht länger optional, sie ist
ab sofort eine kritische Voraussetzung für
industrielle Kommunikationssysteme.
Thomas Rauch, Chief Technology Officer (CTO)
bei Hilscher
WAS IST DER CRA?
n Stärkung der Cybersicherheit: Der CRA zielt darauf ab, die
Cybersicherheit von Produkten und Dienstleistungen, die mit
dem Internet verbunden sind, zu verbessern und sicherzustellen,
dass diese Produkte widerstandsfähig gegenüber Cyberangriffen
sind.
n Verbesserung der Produktsicherheit: Der CRA soll sicherstellen,
dass neue und bestehende Produkte in der EU sicher gestaltet
und entwickelt werden.
n Betrifft vernetzte Produkte: Diese EU-Verordnung gilt für alle
Arten von vernetzten Geräten und Software, die im europäischen
Binnenmarkt verkauft werden, einschließlich, aber
nicht beschränkt auf IoT-Geräte, industrielle Systeme und Softwareanwendungen.
n Lebenszyklusmanagement: Der CRA betont die Notwendigkeit
eines effektiven Sicherheitsmanagements über den gesamten
Lebenszyklus eines Produkts hinweg, einschließlich Entwicklung,
Betrieb, Wartung und End-of-Life.
www.industrielle-automation.net INDUSTRIELLE AUTOMATION 2025/03 23
INDUSTRIELLE KOMMUNIKATION
02 Beispielarchitektur eines
Device Management Systems
mit netFIELD
n Meldepflicht: Der CRA enthält auch Anforderungen an die
Hersteller, um Sicherheitsvorfälle zu melden und darauf zu
reagieren, was die Sicherheit in der gesamten Lieferkette gewährleisten
soll.
VERNETZTE GERÄTE PROFESSIONELL
MANAGEN
Ein Werkzeug zur Umsetzung des CRA ist das netFIELD Device
Management. Hilscher als Anbieter von vernetzten Automatisierungslösungen
hat sich bereits vor einigen Jahren entsprechend
aufgestellt und das netFIELD Device Management genau in diese
Richtung entwickelt. Es bietet, angefangen bei den eingesetzten
Edge Gateways über ein speziell gesichertes Linux-Betriebssystem
bis hin zu zentralen Geräteverwaltungslösung folgende
Merkmale:
n Gehärtetes Linux auf Edge Gateways
n Edge Gateways mit Trusted Platform Module (TPM 2.0)
n Sicheres Onboarding mit Plattform-Zertifikaten
n Single-Sign-On und Two-Factor-Authentification bei Zugriff
auf Plattform und Geräte
n Firewall-Konfiguration auf Edge-Geräten
n Verschlüsselte Kommunikation bei der Übertragung von Daten
n VPN-Verbindung zwischen Plattform und Geräten bei Remote-
Zugriff
n CVE-Monitoring auf Shopfloor-Ebene
n Zeitnahes Berichtswesen an Betroffene
n Product Lifecycle Management gemäß IEC 62443-4-1
„All dies ist von den Firmen des produzierenden Gewerbes aufgrund
des bestehenden Fachkräftemangels bei der Absicherung
ihrer Produktion oder der von Ihnen hergestellten Maschinen
nicht selbst leistbar“, konstatiert Hilscher-Experte Schnepf. Das
habe zur Folge, dass selbstentwickelte Lösungen den strengen
CRA-Anforderungen nicht mehr gerecht würden.
AUS VORGABEN WERDEN VORTEILE
Mit den richtigen Lösungen und Partnern können aus Vorgaben
Wettbewerbsvorteil werden. Auch kleine und mittlere Unternehmen
des produzierenden Gewerbes wie Maschinenbauer sowie
Anlagenbetreiber sind kurzfristig durch neue Cybersecurity-
Gesetzgebungen wie die der EU gezwungen, ihre vernetzten Anlagen
nach neuesten Cybersecurity-Maßstäben aufzubauen und
zu betreiben. Hier steht die Verpflichtung zur Implementierung
von angemessenen technischen und organisatorischen Sicherheitsmaßnahmen
im Vordergrund, um die allgemeine Resilienz
gegen Cyber-Attacken zu fördern.
In Verbindung mit einer entsprechenden Unternehmensstrategie
kann sich dieser Zwang in einen Wettbewerbsvorteil verwandeln.
Allerdings nur dann, wenn Folgendes erreicht werden kann:
n Aufbau oder Nutzung von Kompetenz im Bereich OT- und IT-
Integration
n Erweiterung der eigenen Kompetenzen durch entsprechend
spezialisierte und zertifizierte Partner und Dienstleister
n Aufbruch der Systemgrenzen im Unternehmen zwischen ITund
Produktionsverantwortung
FRÜHZEITIG DABEI SEIN
Lösungen wie das zentralisierte Device Management netFIELD
von Hilscher können dabei helfen, diese notwendigen Veränderungen
kostengünstig und zeitnah umzusetzen. Dadurch werden
sich solche Systeme in den nächsten Jahren zu einem zentralen
Pfeiler der IT/OT-Security in der Produktion entwickeln. Für Anwender
gilt es, frühzeitig dabei zu sein, um die nunmehr wenige
verbleibende Zeit zur Umsetzung der rechtlichen Maßnahmen in
den nächsten ein bis zwei Jahren zu nutzen. „Und Hilscher als
Experte für industrielle Kommunikation seit mittlerweile fast 40
Jahren steht dabei als Ansprechpartner für jegliche Fragen natürlich
zur Verfügung“, ergänzt Hilscher-CTO Rauch abschließend.
Bilder: Hilscher
www.hilscher.com
UNTERNEHMEN
Hilscher Gesellschaft für
Systemautomation mbH
Rheinstraße 15
65795 Hattersheim
Telefon: 06190 9907-90
E-Mail: de.sales@hilscher.com
AUTOR
Julius Abraham, Marketing Manager
Hilscher Gesellschaft für
Systemautomation mbH
Hattersheim
24 INDUSTRIELLE AUTOMATION 2025/03 www.industrielle-automation.net
INDUSTRIELLE KOMMUNIKATION
SICHERHEIT IN DER KOMMUNIKATION
Security ist in den vergangenen Jahren für Profibus &
Profinet International (PI) zu einem zentralen Thema
geworden. Nicht nur aufgrund der fortschreitenden
Regulatorik, sondern auch
wegen des steigenden Bewusstseins
und der wachsenden
Bedeutung für die Anwender.
Die Integration einer umfassenden
Security-Lösung kann nicht
in einem großen Schritt erfolgen,
da die notwendigen Maßnahmen
in den Protokollelementen
und an der Schnittstelle zum
Anwender zu umfangreich sind. Technologie- und
Gerätehersteller sowie Anwender müssen sich dem
Thema stufenweise nähern. Zudem sind die Rahmenbedingungen
noch nicht in einer wünschenswerten
Klarheit. Trotzdem sollten alle Beteiligten beginnen
oder konsequent die nächsten Schritte gehen. PI ist
hierbei schon seit Jahren in Abstimmung mit Anwendern
aktiv und hat unterstützende Maßnahmen für
den Einsatz ihrer Technologien definiert, zum Beispiel
in Form von Guidelines. In den vergangenen Jahren
wurde Security durch die enge Zusammenarbeit von
erfahrenen Profinet- und Security-Experten in die
Profinet-Spezifikation integriert. Jetzt stehen die
nächsten Schritte an, wie beispielsweise die Zertifizierung.
Für Security Class 1 ist diese bereits seit dem
letzten Update abgeschlossen.
www.profibus.com
HOCHKONNEKTIVE PLATTFORM
Die Prime Box Connect von Schubert System Elektronik
ist eine kompakte, hochkonnektive Plattform für das
industrielle Umfeld. In der Industrie sind zuverlässige
Schnittstellen unerlässlich – genau hier setzt die Box
an. Als industrietaugliche Kommunikationsplattform
verbindet sie IT-Systeme mit der operativen Technik
und macht Datenströme sicher und effizient nutzbar.
Der Anwender kann die Box auch als Datensammler,
Firewall und zur Netzseparierung einsetzen. Der
energieeffiziente Intel Celeron 4305UE Prozessor und
die vier Ethernet-Ports bilden die Grundlage für gute
Performance und hohe
Konnektivität. Zusätzliche
Ethernet-Ports oder weitere
Schnittstellen wie WLAN,
CAN oder LTE können
einfach konfiguriert
werden. Das Aluminium-Stranggussgehäuse ermöglicht
passive Kühlung bei Betriebstemperaturen von
- 10 bis 45 °C – ganz ohne Lüfter. In Verbindung mit
industrietauglicher EMV-Störfestigkeit und langlebigen
A-Grade-Komponenten ist ein stabiler 24/7-Betrieb
möglich. Die kompakte 1HE-Bauform mit vollständigem
Front-Access vereinfacht Einbau und Wartung,
egal ob im 19"-Rack, an der Wand oder im Tischbetrieb.
www.schubert-system-elektronik.de
REPORTING FÜR DIE DATENBASIERTE
SOFTWARE-MONETARISIERUNG
Wibu-Systems präsentiert sein neues cloudbasiertes CodeMeter
License Reporting. Diese moderne Plattform bietet
Softwareherstellern einen detaillierten, datenbasierten
Überblick zur Lizenznutzung, optimiert Geschäftsmodelle und
ermöglicht kundenorientierte Lizenzierungen. CodeMeter ist
die bewährte Softwareschutz- und Lizenzierungstechnologie
von Wibu-Systems, die Software vor Piraterie, Reverse
Engineering und Codemanipulation schützt und gleichzeitig
flexible Lizenzmodelle bietet. Sie bildet die Basis von CodeMeter
License Reporting und sorgt für ein sicheres und effizientes
Lizenzmanagement über verschiedene Plattformen hinweg.
Das Reporting bietet umfangreiche Analysen und erlaubt
Unternehmen über interaktive Dashboards Nutzungsmuster
zu verfolgen, Potenziale bei der Lizenzierung zu identifizieren
und Monetarisierungsstrategien zu optimieren.
www.wibu.com
INTEGRATION DER CO2-BILANZIERUNG IN
IT-INFRASTRUKTUR
Ecospeed ergänzt seine Software
zur Berechnung des CO2-Fußabdrucks
von Produkten, Gebäuden
und Unternehmen um eine
neue API-Schnittstelle. Diese
optimiert die Durchgängigkeit
zu übergreifenden Nachhaltigkeits-Plattformen.
Nutzer
können Gebäude oder Produkte
in dieser ESG-Plattform (ESG
steht für Environmental, Social und Governance) anlegen oder
bearbeiten. Die Änderungen werden über die API-Schnittstelle
in die Ecospeed-Plattform übernommen. Damit lässt sich die
Organisationsstruktur des Kunden automatisch zwischen den
beiden Plattformen synchronisieren. Viele Unternehmen
nutzen solche Software-Suites, die Datenermittlung und
-dokumentation erleichtern. Legt der Anwender in der
übergeordneten ESG-Software einen neuen Firmenstandort
an, wird dieser über die API-Schnittstelle automatisch mit
allen notwendigen Daten in die Ecospeed-Plattform kopiert.
Das gilt auch für das Bearbeiten oder Verschieben von
Standorten innerhalb der Unternehmensstruktur. Die
Datenerfassung in der Ecospeed-Software wiederum wird
automatisch in die übergeordnete ESG-Software des Systempartners
übertragen und angezeigt. Dem Ecospeed-Anwender
stehen weitere API-Schnittstellen zur Verfügung, die Rohdaten
aus Energiemanagementsystemen importieren.
www.ecospeed.ch
www.industrielle-automation.net INDUSTRIELLE AUTOMATION 2025/03 25
INDUSTRIELLE KOMMUNIKATION
SMARTE VERNETZUNG
MEHR DURCHGÄNGIGKEIT ZWISCHEN
SAFETY UND AUTOMATION
Der Industrie-PC
IndustrialPI kann flexibel
als IIoT-Gateway oder
Soft-PLC für vielfältige
Automatisierungsaufgaben
eingesetzt
werden
Für den Erfolg der digitalen Transformation braucht es eine klare Strategie und
moderne Technologien. An Cloud Computing, Künstlicher Intelligenz, Digitalem
Zwilling und Industrial IoT führt kein Weg vorbei. Auch durchgängige Automatisierungs-
und Sicherheitslösungen sind in vielen Anwendungsszenarien gefragt. Fail
Safe over EtherCAT bringt hier die industrielle Transformation voran. Das Protokoll
erlaubt die Integration von sicherheitskritischen Systemen in die Industrieautomation.
Und IO-Link Safety ermöglicht die sichere Punkt-zu-Punkt-Kommunikation für
funktional sichere Komponenten. Was dieser Paradigmenwechsel bedeutet,
erläutert ein führender Anbieter für die sichere Automation.
Mit Industrie-PCs wie dem IndustrialPI von Pilz lassen
sich Industrie-4.0-Konzepte einfach umsetzen. Der
offene und modular konzipierte Industrie-PC verwendet
Linux als frei verfügbares Open-Source -
Betriebssystem. Einsetzen lässt er sich als Gateway in
Industrial-IoT-Umgebungen (IIoT) oder als Soft-PLC in ganz unterschiedlichen
Anwendungen.
Was können wandelbare Industrie-PCs leisten? Als IIoT-Gateway
genutzt stellen sie intelligente Diagnoseszenarien zur Verfügung.
Denn Anwender sollten ihre Maschinen und Anlagen stets
im Blick haben, damit die Produktionsprozesse dezentraler Anlagen
möglichst ohne weitreichende Störung ablaufen können.
Auch die Inbetriebnahme können sie beschleunigen.
Der Industrie-PC von Pilz lässt sich einfach in bestehende Systemarchitekturen
einbinden. Im direkten Umfeld von Maschinen
und Anlagen sammelt er etwa Prozess- oder Betriebs daten und
überträgt diese zum Beispiel in eine Unternehmens-Cloud. Und
was leisten Industrie-PCs als Soft-PLC? Als Soft-PLC eingesetzt,
übernimmt der IndustrialPI auch bloße Automatisierungsaufgaben.
Ein Anwendungsfall: Er steuert Maschinen und Anlagen wie
beispielsweise Portalmaschinen zum Sortieren von Batteriezellen
oder Kartonaufrichter in der Verpackungsindus trie. Dort
26 INDUSTRIELLE AUTOMATION 2025/03 www.industrielle-automation.net
INDUSTRIELLE KOMMUNIKATION
01 Ein- und Ausgangsmodule für den IndustrialPI, der einen
Datenaustausch zwischen IIoT und Cloud ermöglicht
02 Die konfigurierbare sichere Kleinsteuerung PNOZmulti 2
unterstützt EtherCAT in Kombination mit Safety-over-EtherCAT
übernimmt der Industrie-PC etwa Antriebsaufgaben – gleich ob
reine Steuerungsapplikationen oder synchrone Achsbewegungen
im Antriebsstrang von Maschinen. Wandelbare Industrie-
PCs unterstützen Anwender bei der Umsetzung von Industrie-4.0-Konzepten
individuell, das heißt, sie passen sich dem
jeweiligen Einsatzzweck an.
FLEXIBLE KONNEKTIVITÄT
Ein weiterer Erfolgsfaktor für die Industrietransformation ist die
Konnektivität für eine nahtlose Kommunikation ins Feld. Die
Grundlage hierfür sind offene und flexible IIoT-Architekturen.
Nur dynamische Lösungsansätze ermöglichen eine Zusammenarbeit
über zahlreiche Geräte, Installationen und Anwendungen
hinweg. Hier überzeugen Industrie-PCs, die wie der IndustrialPI
als Gateway, Datensammler und Diagnoseeinheit einsetzbar
sind. Beim Pilz-Industrie-PC ist dies in Verbindung mit der sicheren
Kleinsteuerung PNOZmulti 2 und dem Automatisierungssystem
PSS 4000 möglich. Diese Lösung sorgt für den Datenaustausch
zwischen dem IoT und Cloud-Services.
In der Umsetzung sind ganzheitliche Automatisierungslösungen
einschließlich Safety und Security gefragt. Sie machen modulare
und dezentrale Produktionsanlagen schnell startbereit und
erlauben eine flexible Erweiterung. Hierzu gehört auch eine flexible
und verlässlich Datenkommunikation, was die sicherheitsgerichtete
Kommunikation und die Standardkommunikation
umfasst.
SICHERE KOMMUNIKATION
Das Kommunikationssystem IO-Link Safety und der Standard
FSoE (Fail Safe over Ethercat) haben in einer vernetzten Welt
heute schon eine tragende Bedeutung: Die IO-Link-Safety-Technologie
ist ein Schlüssel zur Umsetzung wichtiger Anforderungen
von Anwenderseite. Sie macht eine durchgängige sichere
Kommunikation zu jedem Sensor und Aktor im Feld möglich.
Pilz-IO-Link-Safety-Sicherheitssensoren etwa liefern unter anderem
wichtige Statusinformationen. Dazu bieten diese eine größere
Auswahl an Features für eine intelligente Diagnose: Die Geräte
01
02
können sich selbst identifizieren und parametrieren. Das hilft,
Prozesse zu optimieren. Dann lassen sich Komponenten leichter
austauschen und reparaturbedingte Stillstandszeiten verkürzen.
Daneben kann diese Technologie Anwendungen smart überwachen.
Beispielsweise wertet IO-Link Safety Daten von Sicherheitslichtgittern
aus: Informationen wie die Signalqualität können
für eine vorausschauende Wartung genutzt werden. Damit
erfüllt IO-Link Safety den Wunsch nach einer flexiblen Automatisierung
durch eine sichere und standardisierte Punkt-zu-Punkt-
Kommunikation. Dass auch die höchste Sicherheit bis PL e nach
EN ISO 13849-1 (SIL 3 nach IEC 61508/62061) erreicht wird und
IO-Link Safety feldbusunabhängig ist, sind weitere Vorteile für
den Anwender. Eine höhere Verfügbarkeit von Maschinen ist das
Ergebnis.
KONNEKTIVITÄT IM BLICK
Über die letzten Jahre hat das Thema Konnektivität bei Pilz einen hohen Stellenwert eingenommen. Die Produkte und
Lösungen zielen darauf ab, die Sicherheit in Netzwerken zu steigern, die Verfügbarkeit zu verbessern oder Infrastrukturen
langfristig zukunftsfähig zu machen. Mit SafetyNET p hat der Automatisierer zum Beispiel einen eigenen Feldbus entwickelt:
Ziel war es, die Feldbus-Kommunikation über Ethernet in Echtzeit zu ermöglichen und gleichzeitig für die Kommunikation
Daten für die Maschinensicherheit bereitzustellen. SafetyNET p ist das einzige sichere, auf Ethernet basierende Feldbussystem,
das von Beginn an die Publisher/Subscriber-Technologie (Pub/Sub) unterstützt hat. Dieses Know-how über Pub/Sub in
Verbindung mit den Anforderungen von funktional sicheren Feldbusprotokollen ist aktuell Wegbereiter für Safety over
OPC UA. Bereits seit dem Jahr 2018 hat Pilz im Rahmen des IO-Link Safety-Konsortiums die Entwicklung dieser Technologie
maßgeblich mit vorangetrieben. Pilz bietet seinen globalen Kunden die passende Konnektivität für unterschiedliche Branchen:
Für Kunden der europäischen Automobilindustrie das Protokoll Profinet / Profisafe. In weiteren Sektoren in Europa und
auch in Asien sind es EtherCAT und FSoE, in den USA wiederum Ethernet/IP. Da die Konnektivität zwischen Controllern und
dezentralen Datensammlern im Feld überdies sehr relevant ist, ist OPC UA (FX) ein weiteres wichtiges Thema für das Unternehmen.
Neben der Konnektivität über das Kommunikationsprotokoll IO-Link Safety steht bei Pilz aktuell auch die Konnektivität
zu Feldbussen über Pilz-Safety-Steuerungen im Fokus.
www.industrielle-automation.net INDUSTRIELLE AUTOMATION 2025/03 27
INDUSTRIELLE KOMMUNIKATION
03 Auch reine Automatisierungsaufgaben, wie hier zum Beispiel für
Kartonaufrichter in der Verpackungsindustrie, können mit dem
IndustrialPI als Soft-PC umgesetzt werden
durch die Standardisierung nach IEC 61784-3 und die Zertifizierung
nach Safety Integrity Level (SIL) 3 erreicht wird. Sichere
Konnektivität hilft dabei, Fertigungsprozesse zu optimieren.
03
BIS ZUM LETZTEN SENSOR SICHER
ÜBERTRAGEN
Spricht man aktuell von industrieller Kommunikation, sollte also
eine sichere Datenübertragung bis zum „letzten“ Sensor im Fokus
stehen, vor allem bei den Geräten im Feld. Auch FSoE ist
hierfür ein weiterer Standard für die Kommunikation.
Bei FSoE liegen die Hauptvorteile für industrielle Anwendungen
in der Nutzung des sogenannten Black-Channel-Prinzips.
Sicherheitskritische Daten können so über verschiedene Netzwerke
übertragen werden, einschließlich Ethernet und drahtlose
Verbindungen. Das unterstützt die Industrie 4.0-Anforderungen
an vertikal in die Automatisierungspyramide integrierte, echtzeitfähige
Kommunikation in intelligenten Fabriken. Wobei die
hohe Zuverlässigkeit und Sicherheit in kritischen Anwendungen
KLEINSTEUERUNG UNTERSTÜTZT FSOE
Die Kleinsteuerungen PNOZmulti 2 für das sicherheitsgerichtete
Abschalten von Maschinen und Anlagen können
Anwender nun als FSoE-MainInstance, als FSoE-SubInstance
aber auch als EtherCAT-SubDevice nutzen. Voraussetzung
dafür ist die Software PNOZmulti Configurator ab
der Version 11.3. In Verbindung mit dem Basisgerät PNOZ
m B1 oder mit dem EtherCAT FSoE Kommunikationsmodul
sind insgesamt bis zu vier MainInstance-zu-MainInstance
und bis zu 60 Main-Instance-SubInstance-Verbindungen
möglich – de facto also eine Einkabellösung auf
Feldbusebene.
VEREINFACHTE SYSTEMARCHITEKTUR
FSoE kann aber noch mehr: Das Kommunikationsprotokoll bietet
Anwendern mehr Flexibilität, weil mit ihm gleichzeitig sicherheitsrelevante
und nicht sicherheitsrelevante Prozessdaten über
ein einziges EtherCAT-Netzwerk übertragen werden können, das
heißt, auch über eine Einkabellösung. Das hilft einerseits Sicherheitskonzepte
nahtlos in Maschinenkonzepte zu integrieren und
andererseits sicherheitsrelevante Anlagenstrukturen sicher einzubinden.
Nutzen konfigurierbare Kleinsteuerungen das sichere FSoE-
Protokoll für die Kommunikation, lassen sich Effizienz und Sicherheit
von Produktionsanlagen steigern: Durch die Integration
von Sicherheitsfunktionen in ein bestehendes EtherCAT-Netzwerk
werden separate oder redundante Sicherheitsverkabelungen
überflüssig. Dies vereinfacht die Systemarchitektur und reduziert
die Komplexität für den Anwender. Darüber hinaus verringern
diese Vereinfachungen die Kosten für Installation und
Wartung.
Die sichere Kleinsteuerung PNOZmulti 2 zum Beispiel spricht
EtherCAT in Kombination mit dem sicheren Protokoll Safetyover-EtherCAT
FSoE (auch Fail Safe over EtherCAT). Anwender
können mit ihr steuerungs- aber auch sicherheitsrelevante Informationen
übertragen. Eine solche Lösung macht Anwendungen
flexibel und ist wirtschaftlich, weil sich sicherheitsrelevante
Anlagenstrukturen einfacher anbinden lassen. Die Einkabellösung
PNOZmulti 2 ermöglicht es auch, Infrastrukturen sicherheitsrelevant
miteinander zu vernetzen – etwa mit sicheren Radarsensoren
wie PSENradar und sicherer Antriebstechnik PMC,
beide von Pilz. Fungiert PNOZmulti 2 als FSoE-Main Instance, ist
zum Beispiel eine umfassend sichere Antriebslösung möglich.
FSoE-fähige Aktoren und Sensoren können dann einfach ins
Netzwerk einbezogen werden.
ERFOLGSFAKTOR SICHERE AUTOMATION
Automatisierungslösungen für die digitalisierte Industrie müssen
flexibel erweiterbar und schnell in Betrieb zu nehmen sein. Dies
schließt Safety ebenso ein wie eine zuverlässige und flexible
Kommunikation ins Feld. So können modulare und dezentrale
Produktionsanlagen optimal automatisiert werden. Technologien
von Pilz für die sichere Industrieautomation leisten einen
wichtigen Beitrag für das Gelingen der digitalen Transformation
in intelligent vernetzten industriellen Anwendungen und erhöhen
ihre Verfügbarkeit.
Bilder: Pilz
www.pilz.com
AUTOR
Dr.-Ing. Manuel Schön
Produktmanager Software und Technologie
Pilz GmbH & Co. KG, Ostfildern
28 INDUSTRIELLE AUTOMATION 2025/03 www.industrielle-automation.net
MOBILER NOT-HALT
Mit dem mobilen Not-Halt-System mit Sicherheitsstufe
PL e und SIL3-Zertifizierung präsentiert ACD
Antriebstechnik eine zuverlässige und normgerechte
Lösung für den Einsatz in Maschinen- und
Anlagenhallen. Ein fehlerhaftes Leuchten des
Not-Halt-Schalters kann das gesamte Sicherheitssystem
beeinflussen und Mensch und Maschine
gefährden. Die Sicherheitselektronik der ACD Antriebstechnik übernimmt die
kontinuierliche Überwachung des Anzeigeelements. Dabei wird das Leuchtmittel
des Not-Halt-Schalters mittels Sicherheitselektronik angesteuert und ausgewertet.
Diese übernimmt auch die Kontaktüberwachung. Das gewährleistet, dass das
Leuchtmittel stets ordnungsgemäß funktioniert – egal, ob es leuchtet oder nicht.
Die daraus gewonnenen Informationen werden per Kabel oder Funk an die
zentrale Empfangsstelle übertragen, wodurch eine lückenlose Überwachung
möglich wird. Die integrierte Lösung erreicht den höchsten zertifizierten Sicherheitsstandard
von PL e und SIL3. Die Umsetzung der Sicherheitsfunktionen
gewährleistet die Zuverlässigkeit des gesamten Systems.
www.acd-gruppe.de
High Performance
Kommunikation für
SINUMERIK und S7
ACCON AGLink
Die umfangreiche Kommunikationsbibliothek
zur Erstellung eigener
Programme.
INTERNATIONALE VERBINDUNGSSTANDARDS
Leitungsgebundene Kommunikation im industriellen
Umfeld funktioniert nur mit verlässlichen
Lösungen. Die Systeme müssen robust, konfektionierbar
und schnell anzuschließen sein. Rundsteckverbinder
im M8-Design bieten dafür sehr
gute Bedingungen. Mit ihrem komfortablen
Verriegelungsgewinde sowie dem Snap-in-Verschluss
erfüllen die Bauteile alle Anforderungen und minimieren dank der
Schnellanschlusstechnik Fehlerquellen. M12-Rundsteckverbinder dienen zur
Übertragung von Signalen, Daten oder Leistung. In vielen Bereichen gehören sie
schon zum Standard und gewinnen aufgrund ihrer stetigen Weiterentwicklung
immer mehr an Bedeutung. Sie bieten dem Anwender Zuverlässigkeit, Widerstandsfähigkeit
sowie schnelle und fehlerfreie Anschlussmöglichkeiten.
www.pk-components.de
MIT WENIGEN KLICKS ZUR PRODUKTEMPFEHLUNG
Die Suche nach einer passenden Leiterplatten-Anschlusstechnik für verschiedene
Geräteapplikationen ist oft eine zeitraubende und mühsame Aufgabe. Mit dem
ConnectorGuide hat Weidmüller ein Produkt im Portfolio, das den Geräteentwicklern
zwei einfache Funktionen bietet, um passgenaue Lösungen zu finden und
diese direkt als kostenloses Muster zu
bestellen. Der ConnectorGuide ermöglicht
in der ersten Funktion die Suche
anhand des Gerätes (www.weidmueller.
com/appguide). Das Ziel ist, diesen
Vorgang für die Geräteentwickler zu
erleichtern – mit nur wenigen Klicks
erhalten sie eine Auswahl passender
Produkte für ihre spezifischen Geräte
und Funktionseinheiten. Die App führt
die Nutzer durch ein Auswahlverfahren, das auf den spezifischen Anforderungen
basiert. Dabei werden die Informationen zu den verschiedenen Geräten wie
industrielle Steuerungen, Frequenzumrichter oder PV-Wechselrichter bereitgestellt.
Neu hinzugefügte Geräte wie Robotik, Rechenzentren, Wärmepumpen und
Elektrolyseure erweitern die Anwendungsmöglichkeiten.
www.weidmueller.com
Mit Unterstützung für:
S7-1500, 1200, 400, 300
SINUMERIK ONE,
Create MyVirtual Machine,
840D sl, 840D pl, 810D pl
Secure Communication
TIA Portal V20
Gleich die kostenlose Demo testen!
Mehr Infos unter
www.deltalogic.de/accon-aglink
www.deltalogic.de
INTELLIGENTE UND ZUVERLÄSSIGE SCHUTZSYSTEME ALS SCHLÜSSEL ZUR EFFIZIENZ
MEHR SICHERHEIT,
WENIGER WARTUNG
In der modernen Automatisierungstechnik ist ein zuverlässiger Überstromschutz
essenziell, um Anlagen, Steuerungen und empfindliche Elektronik vor Schäden
und Ausfällen zu bewahren. Zwei etablierte Schutzkonzepte sind der Schutzschalter
und die Schmelzsicherung. Doch welche Lösung ist die passende?
Dieser Artikel beleuchtet die Gründe, warum Schutzschalter in der Automation
die überlegene Wahl sind.
Elektrische Anlagen sind ständig der Gefahr ausgesetzt, dass
im Fehlerfall übermäßige Ströme fließen. Ohne einen adäquaten
Schutz können Komponenten überhitzen, irreparable
Schäden oder sogar Brände entstehen. Schmelzsicherungen
arbeiten nach dem Prinzip, dass ein dünner Leiter (der
Sicherungsdraht) bei Überschreitung eines definierten Stromwertes
schmilzt und den Stromkreis unterbricht. Diese Methode
ist prinzipiell einfach und zuverlässig, jedoch handelt es sich um
eine reine Einweglösung. Im Gegensatz dazu sind Schutzschalter
mit einem elektromechanischen oder elektronischen Auslösemechanismus
ausgestattet, der den Stromkreis gezielt trennt – die
Komponente muss nicht ersetzt werden. Bei kleineren
Nennstromstärken bis 10 A sind Schutzschalter mit thermischem
Auslösemechanismus üblich. Bei größeren Werten kommen thermisch-magnetische
oder hydraulisch-magnetische Schutzschalter
zum Einsatz. Moderne Schutzschalter bieten zudem vielfältige
Funktionen, wie Fernüberwachung und Rücksetzbarkeit, was in
komplexen industriellen Umgebungen von großem Vorteil ist.
30 INDUSTRIELLE AUTOMATION 2025/03 www.industrielle-automation.net
KOMPONENTEN UND SOFTWARE
01 Die kompakte Auslegung des thermischen
Schutzschalters 1180 macht ihn ideal als
Schmelzsicherungsersatz
SCHUTZSCHALTER VERSUS
SCHMELZSICHERUNG IN DER AUTOMATION
Sicherheit und Zuverlässigkeit: Ein wesentlicher Vorteil von
Schutzschaltern liegt in ihrer Fähigkeit zur selektiven Abschaltung.
Während eine Schmelzsicherung bei Überstrom einfach
durchbrennt – was oftmals zu einem unkontrollierten und vollständigen
Ausfall eines Stromkreises führt – schaltet ein Schutzschalter
gezielt nur den betroffenen Zweig ab. Dies minimiert das
Risiko von Kaskadenschäden in einem komplexen Netz. Zudem
INSBESONDERE IN KOMPLEXEN
ANWENDUNGEN ÜBERWIEGEN
DIE VORTEILE DER SELEKTIVEN
ABSCHALTUNG
ist der Auslösemechanismus eines Schutzschalters weniger anfällig
für Materialermüdung und Alterung, was die Betriebssicherheit
langfristig erhöht. Der Vorteil eines elektromechanischen
Schutzschalters ist zusätzlich die sichere galvanische Trennung
des Stromkreises. Auch auf den ersten Blick sehr einfache
Vorgänge wie der Austausch können zu Problemen führen, wenn
die Schmelzsicherung beim Tausch verloren geht. Auch der Einsatz
einer Schmelzsicherung mit nicht passender Nennstromstärke
ist fatal, mag es versehentlich oder bewusst, beispielsweise
aus Zeitdruck, passieren. Bei einem Schutzschalter ist diese Fehlerquelle
ausgeschlossen.
WARTUNG UND VERFÜGBARKEIT
Schmelzsicherungen müssen nach jeder Auslösung zwingend ausgetauscht
werden, was in Produktionsanlagen zu erheblichen Stillstandszeiten
führen kann. Schutzschalter hingegen lassen sich
nach einer Auslösung einfach zurücksetzen, wodurch der Betrieb
schnell wieder aufgenommen werden kann. Insbesondere in
hochautomatisierten Prozessen, bei denen jeder Produktionsstopp
kostenintensiv ist, stellt dies einen enormen Vorteil dar. Je
nach Ausführung lassen sich Schutzschaltertypen auch per Knopfdruck
schnell gezielt ausschalten, insbesondere zu Wartungszwecken
im abgeschalteten Stromkreis oder für die Fehleranalyse.
KOSTENEFFIZIENZ
Obwohl Schmelzsicherungen in der Anschaffung häufig günstiger
sind, summieren sich die Kosten für Ersatzteile und den Wartungsaufwand
bei wiederholten Auslösungen. Schutzschalter
bieten aufgrund ihrer Rücksetzbarkeit und längeren Lebensdauer
langfristig eine wirtschaftlichere Lösung.
DIAGNOSE UND FEHLERANALYSE
Ein weiterer Pluspunkt ist, dass die Schutzschalter den Schaltzustand
klar und deutlich über den Betätiger anzeigen. Sogar bei
schlechten Lichtverhältnissen in einem Schaltschrank lassen
sich ein hervorstehender Druckknopf oder ein umgelegter Hebel
noch zuverlässig erkennen. Dies erleichtert die Fehlerdiagnose
erheblich. Bei Schmelzsicherungen hingegen ist oft erst der Austausch
nötig, um zu überprüfen, welcher Stromkreis betroffen
war. Das verlängert den „Troubleshooting“-Prozess unnötig.
www.industrielle-automation.net INDUSTRIELLE AUTOMATION 2025/03 31
KOMPONENTEN UND SOFTWARE
02
03
02 E-T-A bietet eine große Auswahl an elektromechanischen
Schutzschaltern für die Automatisierung – thermisch und thermischmagnetisch
auslösend
03 Der steckbare thermisch-magnetische Schutzschalter 2216
verbindet das clevere Verdrahtungssystem mit der Schienenverbindung
für Einspeisung, Signalisierung und Nullleiter
etwa bei der Steuerung von Klimaanlagen und anderen kritischen
Systemen, kommen oft Schutzschalter zum Einsatz, um
den kontinuierlichen Betrieb zu sichern.
FLEXIBILITÄT UND INTEGRATION
Moderne Schutzschalter lassen sich in bestehende Automatisierungs-
und Steuerungssysteme integrieren. Sie bieten Schnittstellen
für die Fernüberwachung und ermöglichen eine präzise
Einstellung der Auslösecharakteristika, um spezifische Anwendungsanforderungen
zu erfüllen. Schmelzsicherungen bieten in
dieser Hinsicht kaum Anpassungsmöglichkeiten, sie sind reine
Katalogware.
Ein Beispiel dafür ist der thermische Schutzschalter 1180 von
E-T-A Elektrotechnische Apparate GmbH. Ein integriertes Bimetall
öffnet bei einem definierten Überstrom das Schaltschloss.
Durch Justierung des Bimetalls ist die Kennlinie an die zu sichernde
Last anpassbar, sodass die Auslösung nicht zu früh, aber
auch nicht zu spät erfolgt. E-T-A unterstützt hier bei der Bestimmung
der optimalen Lösung. Die kompakte Auslegung des 1180,
bei einer Breite von nur 8,2 mm montiert im Sockel, macht ihn
ideal als Schmelzsicherungsersatz. Ein weiteres Beispiel ist der
steckbare thermisch-magnetische Schutzschalter Typ 2216-S.
Die Kombination aus Typ 2216-S und Sockelsystem 80plus/81plus
verbindet das clevere Verdrahtungssystem mit der Schienenverbindung
für Einspeisung, Signalisierung und Nullleiter. Ein Codiersystem
in Sockel und Gerät verhindert das Vertauschen von
Stromstärken.
ANWENDUNGSBEISPIELE IN DER AUTOMATION
In der industriellen Fertigung, in automatisierten Produktionsstraßen
und bei der Steuerung von Robotersystemen ist eine
schnelle Wiederherstellung des Betriebs essenziell. Beispielsweise
lässt sich ein unerwarteter Kurzschluss in einem Fertigungsbereich
durch einen Schutzschalter isolieren, während der Rest der
Anlage weiterläuft. Dies verhindert teure Ausfallzeiten und beschleunigt
die Fehleranalyse. Auch in der Gebäudeautomation,
AUSBLICK UND FAZIT
Die zunehmende Vernetzung und Digitalisierung in der Industrie
(Industrie 4.0) fordert intelligente und zuverlässige Schutzsysteme.
Schutzschalter bieten hier klare Vorteile: Sie erhöhen die Betriebssicherheit,
minimieren den Wartungsaufwand und senken
langfristig die Betriebskosten. Insbesondere in komplexen und
kritischen Anwendungen überwiegen die Vorteile der selektiven
Abschaltung und der einfachen Rücksetzbarkeit. Unternehmen,
die auf diese Technologie setzen, profitieren von einer erhöhten
Flexibilität und einer besseren Integration in moderne Automatisierungskonzepte.
Schutzschalter sind in der Automatisierungstechnik die bessere
Wahl gegenüber Schmelzsicherungen. Sie sorgen nicht nur für
mehr Sicherheit und Zuverlässigkeit, sondern optimieren auch
den Betrieb und sparen langfristig Kosten.
Die Schutzschalter von E-T-A unterstützen diese Vorteile in besonderem
Maße. Dank ihrer robusten Bauweise und hochwertigen
Materialien halten sie selbst extremen Industriebedingungen
stand und gewährleisten eine lange Lebensdauer.
Bilder: Aufmacher Gorodenkoff – stock.adobe.com, sonstige E-T-A
www.e-t-a.de
UNTERNEHMEN
E-T-A Elektrotechnische Apparate GmbH
Industriestr. 2-8
90518 Altdorf/Nürnberg
AUTOR
Sebastian Greck, Produktmanager bei E-T-A
Elektrotechnische Apparate GmbH
32 INDUSTRIELLE AUTOMATION 2025/03 www.industrielle-automation.net
KOMPONENTEN UND SOFTWARE
VERBINDUNGSLÖSUNGEN FÜR MEHR
GESCHWINDIGKEIT UND LEISTUNG
Phoenix Contact
stellt die Gamechanger
für
robuste, flexible
und leistungsstarke
Geräteanschlüsse
vor.
Steckverbinder
wie die doppeladrigen Komponenten für das Single
Pair Ethernet überzeugen nicht nur bei der Übertragungsrate,
sondern bieten auch mehr Schnelligkeit bei
Design-in, Einbau und Inbetriebnahme. Für einen
einfachen Geräteanschluss sorgen innovative Anschlusstechnologien,
zum Beispiel bei den hebelbedienbaren
Leiterplattenanschlüssen oder den M12-
Steckverbindern mit Push-Pull-Schnellverriegelung.
www.phoenixcontact.de
UNGEPLANTE BEDARFE IN DER PRODUKTION
Trotz präventiver und prädiktiver
Maßnahmen erleben 67 Prozent
aller Industriebetriebe mindestens
einen ungeplanten Maschinenausfall
pro Monat. Deshalb
steht dieses Thema auf der
Conrad Sourcing Platform im
Fokus. Wer Prozesse dauerhaft
stabilisieren will, muss die Ursachen erkennen und strategisch
vorbeugen. Die neuen Infoseiten zum Thema „Ungeplante
Bedarfe in der Produktion“ bieten dabei Unterstützung:
Interessierte erfahren dort, wie sie mit gezielter Lagerhaltung,
strategischem Einkauf und kluger Planung überraschenden
Bedarf nicht nur beheben, sondern systematisch vermeiden
können. Verfügbar sind außerdem eine Check liste für
Betriebsabläufe und ein Whitepaper zur vorausschauenden
Wartung für eine reibungslosere Produktion (bit.ly/Bedarfe).
www.conrad.de
MSR-TECHNIK SCHÜTZEN
Rose Systemtechnik hat Gehäuse für den Schutz von
Mess- und Regeltechnik entwickelt. Anwender können
zwischen individuell konstruierten Sensorgehäusen
sowie Standardmodellen aus verschiedenen Materialien
wählen, etwa Aluminium, Kunststoff und Edelstahl.
Die Alugehäuse sind in verschiedenen Schutzartklassen
wie IP66, IP67 oder IP69 verfügbar,
beständig gegen Temperaturen
zwischen -20 und 120 °C. Dichtungen
mit metallischen Partikeln sorgen für
einen sehr guten EMV-Schutz.
Kunststoffgehäuse sind innen mit
einer EMV-Beschichtung bedampft.
www.rose-systemtechnik.com
BIO-STECKVERBINDUNGEN
Lapp erweitert sein Angebot mit zwei
Epic-Steckverbindungsgehäusen aus
teilweise biobasierten Rohstoffen. Die
nachhaltigeren Varianten bestehen aus
einem Bio-Kunststoff auf Basis von
Maisstärke und verfügen dadurch über
35 Prozent gebundenen Kohlenstoff weniger als ihre herkömmlichen
Schwestern. Der Epic H-A 3 bio based ist eine
Standard-Steckverbindung für eine große Bandbreite an
Industrien. Der Epic H-Q TG bio-based ist eine kompakte
Steckverbindung für die Strom- und Signalübertragung von
Elektromotoren und Servoantrieben. Beide Steckverbindergehäuse
sind frei von rotem Phosphor und Halogen.
www.lapp.com
Sicherheitsauswertung SCR P
Die smarte Lösung für Maschinensicherheit
Und wie sieht das SCR P in Ihrem
Schaltschrank aus?
BERNSTEIN Produkte sorgen am Frachtterminal
eines großen deutschen Flughafens für
Arbeitssicherheit und erleichtern die Fehlersuche
bei einer Störung enorm.
Hier erfahren Sie alle Details zum Foto.
BERNSTEIN AG | Hans-Bernstein-Straße 1 | 32457 Porta Westfalica
www.bernstein.eu/smart-safety-system
KOMPONENTEN UND SOFTWARE
ERSTELLEN, VALIDIEREN UND REALISIEREN
KUNDENSPEZIFISCHER LÖSUNGEN
SOFTWARE
NACH MASS
Die Elektrifizierung industrieller Prozesse schreitet voran, und damit wächst auch
der Anteil elektrischer Antriebe. Um industrielle Prozesse dabei noch effizienter
zu gestalten, Energie zu sparen oder die Verfügbarkeit mithilfe von Analysen
zu erhöhen, lassen sich neue Lösungen oder Ideen mit der Softwareplattform
ABB Crealizer entwickeln und in das Drives-Ökosystem integrieren.
Die neue, offene Softwareplattform ABB Crealizer ermöglicht
Kunden, maßgeschneiderte Lösungen für die Anforderungen
ihres Geschäftes zu erstellen, zu validieren
und zu realisieren. Der in das ABB Drives-Betriebssystem
integrierte ABB Crealizer interagiert in Echtzeit und kann auf
hochauflösende Echtzeitmessungen zugreifen. Dies ermöglicht
den Anwendern eigene oder in Co-Creation erstellte, maßgeschneiderte
Steuerungs- und Analyseanwendungen in den von
ihnen bevorzugten Programmierumgebungen wie Matlab/Simulink
oder C++ zu entwickeln. Verschiedene Simulationsmöglichkeiten
ermöglichen schnelles Prototyping und kurze Iterationen.
ABB Crealizer ergänzt die bereits bestehenden Lösungen für Kundenanpassungen,
adaptive Programmierung und IEC-Programmierung
um eine noch leistungsfähigere Variante.
VORTEILE IN ZAHLREICHEN ANWENDUNGEN
„Der ABB Crealizer ist in der Lage, die Digitalisierungsprozesse in
den Unternehmen zu beschleunigen“, sagt Daniel Wyss, Digital
Lead, ABB System Drives. „Die Softwareplattform bietet Kunden
aus unterschiedlichen Branchen die Möglichkeit der flexiblen
Programmierung, des einfachen Testens, des Prototyping und
der schnellen und einfachen Integration.“ Insbesondere profitieren
die Benutzer der Softwareplattform davon, gemeinsam mit
anderen Fachleuten an der Lösung anspruchsvoller Probleme
auf Systemebene zu arbeiten oder auch von vorgefertigten Anwendungen
von ABB und Partnern aus dem Ökosystem.
Der ABB Crealizer bietet den Anwendern in einer Reihe von industriellen
Anwendungen zahlreiche Vorteile. Dazu gehört beispielsweise
die aktive Schwingungsregelung, die in Echtzeit die
Vibrationen im Antriebsstrang – wie etwa bei der Geräuschunterdrückung
von Kopfhörern – aktiv dämpft. Somit kann der Antrieb
im gesamten Drehzahlbereich genutzt werden. Dank geringerer
Vibrationen wird außerdem die Lebensdauer erhöht.
Es lassen sich aber auch neue Funktionen bezüglich Erkennung
von Anomalien und vorausschauender Wartung realisieren.
So könnte man beispielsweise den Alterungsprozess eines Kranseils
basierend auf hoch aufgelöstem Drehmoment und anderen
Stressoren abbilden und den Seilwechsel erst dann durchführen,
wenn er wirklich nötig ist. Das wiederum kann helfen, die Unterhaltskosten
zu reduzieren.
FAZIT
„Unternehmen müssen heute in der Lage sein, sich schnell an veränderte
Bedingungen anzupassen“, erklärt Daniel Wyss. „Der in
unsere Antriebe integrierte ABB Crealizer ist eine Softwareplattform,
die dabei unterstützt, indem sie das Risiko reduziert, die
Systemkosten senkt und die Zeit bis zur Markteinführung verkürzt.
Und das alles bei gleichzeitigem Schutz der Anlagen und
Abläufe durch hohe Cybersicherheit.“ Mehr zum Thema create,
validate und realize sowie interessante use cases finden Interessierte
über www.campaign-mo.abb.com/crealizer.
Bilder: Aufmacher ABB/stock.adobe.com
www.abb.de
UNTERNEHMEN
ABB AG
Kallstadter Straße 1
68309 Mannheim
AUTOR
Daniel Wyss, Digital Lead,
ABB System Drives
34 INDUSTRIELLE AUTOMATION 2025/03 www.industrielle-automation.net
BILDVERARBEITUNG, OPTISCHE MESSTECHNIK UND INSPEKTION
TITEL
Smarte Robotik: Kameras
38 in wichtiger Mission
Talentsuche: Neues
42 GigE-Vision-Kamerakonzept
46 Installationstechnik:
Warum dezentral besser ist
Mit Schattenbildern
50 zum Zahlencode
industrielle-automation.net
IM FOKUS
BILDVERARBEITUNG
ALS ENABLER
Die industrielle Bildverarbeitung wird durch
moderne Methoden, die auf Künstlicher Intelligenz
basieren, mittlerweile tiefgreifend geprägt. Dank
deutlicher Fortschritte in Bereichen wie Deep
Learning und neuronalen Netzen können Maschinen
heute komplexe Muster erkennen und selbstständig
lernen, sich an neue Aufgaben anzupassen.
Diese Entwicklungen eröffnen vielfältige
Anwendungen, von der Qualitätsprüfung
bis zur Robotik, und treiben
die Automatisierung in zahlreichen
Industrien voran. In unserem Sonderteil
stellen wir Ihnen Trends, neue
Märkte und Anwendungsfelder
vor, in denen die Kombination
von Robotik und Machine
Vision eine wesentliche
Rolle spielt.
Ihre Nicole Steinicke
Chefredakteurin
INDUSTRIELLE AUTOMATION
MESSE AUTOMATICA PRÄSENTIERT DIE
GANZE WELT DER AUTOMATION
Künstliche Intelligenz, Industrial Metaverse, Humanoide oder
eine Flugebene tiefer Mobile Robotik, Digitale Zwillinge, No
Code Programmierung – da stellt sich die Frage: Wie kann
jemand, der zukunftsweisende Produktionsentscheidungen
fällen soll, bei dieser Entwicklungsdynamik über den zwingend
notwendigen, aktuellen Wissensstand verfügen? Die
Antwort auf diese Frage kennt Anja Schneider, Projektleiterin
der Automatica: „Unser facettenreiches Rahmenprogramm
wirft einen Rundumblick auf Automation und Robotik und
bietet für das Themenspektrum an Trends, Entwicklungen und
Technologien ein lückenloses Informationsangebot. Daneben
erwarten die Besucher auch spannende Formate wie der
Machine Vision Pavilion, die Start-up Arena mit Odense
Investor Summit sowie die Leistungsshow AI.Society.
www.automatica-munich.com
IMA E-COMMERCE SCHLIESST
PARTNERSCHAFT MIT COGNEX
Cognex Corporation, der führende Anbieter industrieller
Bildverarbeitung, gibt bekannt, dass IMA E-Commerce, Teil
der IMA-Gruppe, die fortschrittlichen Bildverarbeitungssysteme
In-Sight und die Barcode-Lesegeräte DataMan in der
Auftragsabwicklung einsetzt, um Nachhaltigkeit und
Effizienz zu verbessern. „Unsere Kunden wollen eine Lösung,
die ihnen hilft, ihre Nachhaltigkeitsziele zu erreichen und die
Umweltbelastungen zu reduzieren. Aber sie sind nicht bereit,
Kompromisse bei der
Qualität von Produkt
oder Verpackung
einzugehen“, sagt
Simone Capponcelli,
Vertriebsleiter und
Bereichskoordinator
bei IMA E-Commerce.
Die Partnerschaft mit
Cognex bietet
hochwertige, zuverlässige Bildverarbeitungssysteme, um die
von E-Commerce-Unternehmen geforderte Genauigkeit
sowie die Reduzierung von Ausschuss zu erreichen. Weitere
Einzelheiten und ein Video, das die Partnerschaft hervorhebt,
sind auf cognex.com/de-de/ima verfügbar.
www.cognex.com
VIDEO-SEMINAR-REIHE: PRAXISPLATTFORM
BILDVERARBEITUNG
Auf der „Praxisplattform Bildverarbeitung“ bei Fraunhofer
Ilias (bit.ly/43lSDdm) bietet der Fraunhofer-Geschäftsbereich
Vision zusammen mit ausgewählten Fraunhofer-Instituten On
Demand Video-Seminare zu Bildverarbeitungstechnologien
wie Oberflächeninspektion, industrieller Röntgentechnik und
Wärmefluss-Thermographie
zum
zeit- und ortsunabhängigen
Selbststudium
an. Die
Seminare sollen
Interessenten eine
Entscheidungshilfe
bei der Auswahl der
optimalen Prüf methode zur Qualitätssicherung von Werkstücken
bieten. Das heißt, den Teilnehmern die Fähigkeit
vermitteln, aus einer Vielzahl von Messmethoden diejenige
auszuwählen, die für die spezifischen messtechnischen
Anforderungen wie Materialeigenschaften, Messgenauigkeit
oder zulässige Prüfzeit am besten geeignet ist. Jedes Seminar
dauert circa 4 bis 6 Stunden und setzt sich aus aufeinander
aufbauenden Lerneinheiten, bestehend aus Lernvideos mit
Seminar-Vorträgen und Praxisbeispielen, Info texten, Grafiken
und Animationen, zusammen, die On Demand abgerufen
werden können.
Bild: Gorodenkoff – stock.adobe.com
www.vision.fraunhofer.de
36 INDUSTRIELLE AUTOMATION 2025/03 www.industrielle-automation.net
AUTOVIMATION STÄRKT
VERTRIEB
Michael Alteg hat bei Auto-
Vimation den Vertrieb smarter
Gehäuse- und Montagelösungen
für die industrielle Bildverarbeitung
übernommen. Als Account-
& Marketingmanager unterstützt
er Kunden gezielt dabei, Vision-
Komponenten effizient und
passgenau in vielfältige Anwendungen zu integrieren, ob in
rauen Industrieumgebungen, bei gehobenen Schutzanforderungen
oder als individuelle Systemlösung. Alteg hat langjährige
Vertriebserfahrung und ein tiefgehendes Verständnis für
Automatisierung, Robotik und industrielle Bildverarbeitung.
AutoVimation entwickelt und fertigt Installationstechnik für
Vision-Anwendungen: Schutzgehäuse für Kameras und Laser,
modulare, skalierbare Befestigungssysteme und umfangreiches
Zubehör.
www.autovimation.com
PRODUKTIVITÄTSVORSPRUNG DURCH
SAFETY, BILDVERARBEITUNG UND ROBOTIK
Mit dem Leitgedanken „KI-gestützte
Visionlösungen für präzise und
effiziente Roboterführung“ präsentiert
sich Sick auf der Automatica in
München als sensor- und automatisierungstechnischer
Komplettanbieter
für die industrielle Robotik.
Im Vordergrund stehen dabei zum
einen das breite Lösungsspektrum
der funktionalen Sicherheit und der
industriellen Bildverar beitung
sowie zum anderen zukunftsweisende
digitale Ansätze wie Augmented Reality und KI.
Ebenfalls fokussiert wird das Themenfeld der Roboter-Integration.
Dabei geht es um durchgängige Automatisierungs- und
Sicherheitskonzepte von einzelnen Roboterapplikationen bis
hin zu ganzen Roboterzellen.
www.sick.com
EMVA YOUNG PROFESSIONAL AWARD 2025 VERLIEHEN
Der EMVA Young Professional Award 2025 geht an Dr. Rolandos
Alexandros Potamias für seine Arbeit „High-fidelity 3D Hand
Modelling, Detection and Reconstruction in world-coordinates“.
Der Preisträger wurde am 23. Mai im Rahmen der 23. EMVA
Business Conference in Rom bekanntgegeben und bekam dort die
Gelegenheit, den Konferenzteilnehmern seine Arbeit vorzustellen.
Das entwickelte Modell ist in der Lage, die Formen und Posen von
Händen aus Bildern mit mehreren Händen effizient zu erkennen
und zu schätzen. Um die Bewegungsmodellierung der Hände im
Raum zu ermöglichen, insbesondere bei egozentrischen tragbaren
Kameras, bei denen Hände und Kamera ständig in Bewegung sind,
entwickelte Potamias HaWoR, ein SLAM-basiertes Modell zur
Rekonstruktion von Handbewegungen. Die aus der Forschung von
Potamias entwickelten Technologien haben kommerzielle Aufmerksamkeit
erregt und können verschiedene industrielle Anwendungen von erweiterter und virtueller Realität (AR/VR) und virtuellem
Anprobieren bis hin zu verkörperter KI und Roboterlernen weiter voranbringen. Der EMVA Young Professional Award ist ein jährlich
ausgelobter Preis, der die außergewöhnliche und innovative Arbeit Studierender oder Berufseinsteiger in der Bildverarbeitung
honoriert. Ziel: Innovation in der Bildverarbeitung weiter zu fördern sowie eine Brücke zwischen Forschung und Industrie zu bilden.
www.emva.org
AKTIONSPLAN ROBOTIK FÜR EUROPA
Der VDMA Robotik + Automation mit der Fachabteilung
Machine Vision, die größte Netzwerkorganisation der Robotik-
Industrie in Europa, ruft mit einem Aktionsplan die Politik zum
Handeln auf, um den Verlust der globalen Wettbewerbsfähigkeit
der europäischen Volkswirtschaften zu stoppen. Aus
diesem Grund hat der VDMA ein Strategiepapier mit Kernzielen
definiert, das sich an politische Entscheidungsträger in
ganz Europa richtet, einschließlich nationaler Regierungen und
EU-Institutionen. Die wichtigsten Empfehlungen des Papiers
sind: Robotik-Offensive für Europa, mehr Risikokapital für
Europas Start-ups, eine Roadmap für Wett bewerbsfähigkeit
sowie die Fokussierung auf Skalierbarkeit. Den Aktionsplan im
Überblick finden Sie hier: bit.ly/4dGb3Ja
www.vdma.org
Lösungen für die QS
Prüfen
Messen
Beleuchten
BILDVERARBEITUNG UND ROBOTIK – EINE ZUKUNFTSWEISENDE SYMBIOSE
KAMERAS IN WICHTIGER MISSION
Die Robotik zählt zu den wichtigsten Bausteinen industrieller
Automatisierungsprozesse. Um Roboter effektiv in industrielle
Fertigungsprozesse zu integrieren, hat sich die Kombination mit
industrieller Bildverarbeitung als sehr sinnvoll erwiesen. Doch
welche Voraussetzungen müssen dafür gegeben sein?
38 INDUSTRIELLE AUTOMATION 2025/03 www.industrielle-automation.net
Die angespannte Wirtschaftslage in Deutschland betrifft
nahezu alle Branchen. Hinzu kommt eine zurückhaltende
Investitionsbereitschaft, die dazu führt, dass das Potenzial
der Automatisierung hierzulande längst noch
nicht ausgeschöpft ist. Lange Zeit galt Deutschland als das Land
mit der höchsten Roboterdichte in der EU und der drittgrößten
weltweit. Im November 2024 vermeldete die International Federation
of Robotics (IFR), dass China im globalen Ranking an
Deutschland vorbeigezogen ist.
Dabei spielen Robotik und Machine Vision eine entscheidende
Rolle bei der Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit und können
Lösungen bieten, um dem demographischen Wandel und dem
daraus resultierenden Fachkräftemangel hierzulande zu begegnen.
Einmalige Investitionen in Technologien können sich langfristig
auszahlen.
TRENDS DER ROBOTIK
Einfache, repetitive oder gefährliche Tätigkeiten lassen sich zunehmend
von Robotern ausführen. Als Enabler-Technologie eröffnet
die Bildverarbeitung neue Möglichkeiten und fungiert als
das sehende Auge von Robotern. So erschließen sich nach und
nach immer mehr Märkte und Anwendungsfelder – wie aktuelle
Robotik-Trends zeigen. Dazu zählen:
n Cobots: Sie unterstützen beim Heben von schweren Lasten
oder repetitiven Arbeitsschritten, um Mitarbeitende punktuell
zu entlasten. Beispiele sind das Be- und Entladen von Lkw, die
(De)Palettierung oder das in der Intralogistik gängige halbautomatisierte
Goods-to-Person-Picking. Wichtig bei Cobots
und deren Zusammenarbeit mit Menschen ist, dass sie ihre
Umgebung zuverlässig und präzise wahrnehmen und auf jede
Situation reagieren können. Nur so ist gewährleistet, dass sie
keine Gefahr für menschliche Kollegen darstellen, aber gleichzeitig
variabel und flexibel einsetzbar sind. Neben Sensoren
sind es vor allem fortschrittliche Industriekameras, die dies
möglich machen.
n Künstliche Intelligenz: KI, Robotik und Bildverarbeitung miteinander
zu verzahnen, verändert die Einsatzbereiche von Robotern
grundlegend: Sie können nicht nur sehen, sondern werden
lernfähig. So können sie Situation „bewerten“. Ein Beispiel
ist die Qualitätskontrolle, in der KI-basierte Roboter kontinuierlich
trainiert werden, Fehler und Mängel von Teilen mittels
Kameras zu identifizieren. Besonders effizient ist der KI-Einsatz
bei unstrukturierten Objekten, wie organischen Materialien,
die keine immergleiche Größe, Form oder Struktur aufweisen.
n Autonome mobile Roboter (AMR): Der steigende E-Commerce-Absatz
verlangt nach Logistiklösungen, die den hohen Warenverkehr
bewältigen können. AMR werden damit zunehmend
zu einem entscheidenden Werkzeug in der Intralogistik.
Klassische Einsatzbereiche sind das Bin Picking, Pick & Placeoder
Sortieraufgaben sowie der Material-Transport.
BILDVERARBEITUNG IN DER ROBOTIK
Ein wichtiges Element all dieser Robotik-Anwendungen ist die
Bildverarbeitung. Fortschrittliche Vision-Systeme, bestehend aus
Industriekameras mit modernen Sensoren und Bildverarbeitungssoftware,
ermöglichen Robotern eine präzise Wahrnehmung
und Analyse ihrer Umgebung. Dies verbessert ihre Fähigkeit,
mit jeglicher Art von Objekten umzugehen, kontrolliert oder
systematische Bewegungen auszuführen oder beispielsweise
komplexe Aufgaben für die Qualitätskontrolle durchzuführen.
Die Innovationskraft der Branche sorgte in den vergangenen
Jahren nicht nur für eine Optimierung des maschinellen Sehens
dank neuartiger Kameras, sondern auch für eine Verbesserung in
der Erkennung und Identifizierung. So können mittlerweile aus
den generierten Daten deutlich effizienter relevante Informationen
extrahiert werden. In der letzten Dekade wuchs die Machine-
Vision-Branche daher kontinuierlich und verzeichnete starke
Umsatzrekorde. Zwar dämpft die derzeitige wirtschaftliche Lage
das Wachstum erheblich, doch sorgt die zunehmende Automatisierung
weltweit dafür, dass sich Bildverarbeitung zu einer
Schlüsselindustrie entwickelt.
AUF DEN TECHNOLOGIEMIX KOMMT ES AN
Anwendern stehen dabei verschiedene Arten der Bildaufnahme
und deren Verarbeitung in relevante Informationen zur Verfügung.
Ob 2D- oder 3D-Daten auf einem Host PC analysiert werden
oder ob neuronale Netze direkt auf intelligenten Kameras
arbeiten – welche Technologie die beste und wann eine Kombination
sinnvoll ist, kommt auf die Aufgabe an, die gelöst werden soll.
n 2D-basierte Bildgebungsverfahren basieren meist auf vorab
definierten Regeln, um Kanten, Muster und Farben zu identifizieren.
Sie profitieren daher von deutlichen Kontrasten und
vor allem minimaler Varianz der Bildmerkmale. Die Regelbasis
macht sie zwar gut vorhersagbar, führt aber auch zu gewissen
Limitierungen.
n Industriekameras mit 3D liefern bereits deutlich mehr Tiefeninformationen,
wie beispielsweise Daten zur Form, Oberfläche
oder Position eines Objekts. Sie sind komplexer, aber dadurch
auch teurer, was insbesondere bei größeren Stückzahlen ein
entscheidender Faktor sein kann.
01 Besonders effizient ist der KI-Einsatz bei unstrukturierten
Objekten, wie organischen Materialien, die keine immergleiche Größe,
Form oder Struktur aufweisen
01
www.industrielle-automation.net INDUSTRIELLE AUTOMATION 2025/03 39
02 Die 3D-Kamera Ensenso C ist mit 5 MP Sensoren ausgestattet
und adressiert aktuelle Herausforderungen in der Automatisierungsund
Robotikbranche
02
n Bildverarbeitung mit KI hat sich aus verschiedenen Gründen,
wie der Skepsis gegenüber dem Datenschutz oder dem Wissensdefizit
über die Kontrolle der neuen Technologie, noch
nicht im Markt etabliert. Sofern diese Vorbehalte ausgeräumt
werden, kann die KI ihr Potential für die Bildverarbeitung
(endlich) voll einbringen.
Ein Technologiemix kann immer dann sinnvoll sein, wenn mehrere
oder verschiedene Merkmalsdaten erzeugt oder vielseitige
Aufgaben gelöst werden sollen. Ebenso kann die Qualität von
Ergebnissen verbessert oder die Performanz erhöht werden.
Wichtig ist dabei nicht nur in der Datenerfassung (Hardware) auf
einen Technologiemix zu setzen, sondern auch bei der Datenverarbeitung
(Software).
MIT 2D UND 3D ZUR
NULL-FEHLER-PRODUKTION
Um sich im Wettbewerb zu behaupten, ist für produzierende Unternehmen
ein hoher Qualitätsstandard von immenser Bedeutung.
Das Ziel lautet: Null-Fehler-Produktion. Entscheidende
Vorteile für die Qualitätssicherung in Produktionsprozessen bietet
das Zusammenspiel aus 2D- und 3D-Bildverarbeitungstechnologie.
2D-Technologie ist geeignet für Aufgaben wie das
Erkennen von Farben, Texturen und 2D-Konturen, während 3D-
Technologie auf die Erfassung von Höhenprofilen, Volumen und
dreidimensionalen Formen spezialisiert ist. Eine Herausforderung
bei 3D-Technologie ist, dass fertig berechnete 3D-Daten
schon auf das Wesentliche reduziert und damit nicht mehr ausreichend
performant für die Gewinnung weiterer Informationen
verwendet werden können. Die Kombination beider Ansätze
ermöglicht eine umfassendere und präzisere Analyse, die besonders
bei der Inspektion komplexer Geometrien und der Erkennung
feiner Oberflächenfehler von Vorteil ist. Dies führt zu einer
deutlich verbesserten Fehlererkennung.
NEUE MÖGLICHKEITEN DURCH KI
Völlig neue Anwendungsfelder von Machine Vision, die von klassischer,
regelbasierter Bildverarbeitung nicht abgedeckt werden
können, eröffnet der Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Für die
Robotik bedeutet das: Während viele Roboter ihre Umgebung
nicht verstehen und lediglich befehlsbasiert arbeiten können, ermöglicht
Machine Learning das Übertragen menschlicher Qualitätsanforderungen
auf KI-basierte Systeme, die dieses Wissen
dann auf neue Situationen anwenden und adaptiv reagieren können.
KI-basierte Bildverarbeitungsmethoden ermöglichen die
Nutzung historischer Daten oder Erfahrungen zur Identifizierung
von Merkmalen. Dabei ist es zunächst unerheblich, ob es sich um
2D- oder 3D-Daten handelt. Je nach Anwendung kann die Kombination
aus beiden Verfahren, gepaart mit KI in der Verarbeitung,
weitere Vorteile mit sich bringen.
Notwendig wird die Fähigkeit zu adaptiven Reaktionen bei der
Erkennung und Verarbeitung von Objekten mit natürlicher Varianz,
wie Lebensmittel, Pflanzen oder andere organische Objekte.
Diese weisen eine größere Vielfalt in Bezug auf Merkmale wie
Farbe, Oberfläche, Größe, Gewicht oder Form auf. Diese lässt
sich regelbasiert kaum vollständig beschreiben. KI kann mit den
entsprechenden Trainingsdaten jedoch so trainiert werden, dass
ein breites Spektrum zuverlässig erkannt, kategorisiert und damit
auch verarbeitet werden kann.
VIER „AUGEN“ SEHEN MEHR ALS ZWEI
MACHINE LEARNING
ERMÖGLICHT DAS ÜBERTRAGEN
MENSCHLICHER QUALITÄTS-
ANFORDERUNGEN AUF ROBOTER
VMT Vision Machine Technic hat mit FrameSense ein fortschrittliches
3D-Messsystem entwickelt, das speziell für die Anforderungen
in der Automobilindustrie konzipiert ist. Dieses System
ermöglicht die präzise Erfassung von Pressteilen in Containern,
um sie automatisch und millimetergenau zu be- und entladen.
Dabei spielen die vier eingesetzten Ensenso 3D-Kameras von IDS
eine zentrale Rolle. Sie erfassen die Form und Position der Bauteile
in Echtzeit und liefern hochpräzise Tiefendaten, die es den
Robotern ermöglichen, eine kollisionsfreie Bahnführung durchzuführen.
Die Kombination aus Robotik und intelligenter Bildverarbeitung
optimiert den gesamten Produktionsprozess, indem
sie die Taktzeiten verkürzt und manuelle Arbeitsschritte
überflüssig macht. Besonders in der Automobilindustrie, wo
Präzision und Effizienz entscheidend sind, bietet dieses System
erhebliche Vorteile. Die hohe Genauigkeit der Kameras trägt dazu
bei, Fehler zu minimieren und die Qualität der produzierten
Bauteile zu steigern. Die Anwendung setzt damit neue Maßstäbe
in der industriellen Automatisierung und zeigt, wie moderne
Bildverarbeitungstechnologien den Weg für vollautomatisierte
Produktionsprozesse ebnen können.
Die Automatisierung wird in den kommenden Jahren in etlichen
Branchen signifikant voranschreiten. Es hat sich gezeigt, ihr
volles Potenzial entfaltet Machine Vision dann, wenn verschiedene
Verfahren miteinander kombiniert werden.
Bilder: Aufmacher xiaoliangge – stock.adobe.com, sonstige IDS Imaging
de.ids-imaging.com
UNTERNEHMEN
IDS Imaging Development Systems GmbH
Dimbacher Str. 10, 74182 Obersulm
AUTOR
Heiko Seitz, Technischer Redakteur bei
IDS Imaging Development Systems GmbH
40 INDUSTRIELLE AUTOMATION 2025/03 www.industrielle-automation.net
UPDATE
HOCHAUFLÖSENDE UND SCHNELLE
3D-KAMERA
Sick stellt eine neue 3D-Kamera vor. Diese zeichnet sich durch
eine hochauflösende RGB- und Graustufen-Zeilenscan-Funktionalität
zur Detektion ultrafeiner Farbdetails sowie signifikant
erhöhte Inspektionsgeschwindigkeiten aus.
Dadurch lässt sich die Streaming-Kamera zum Beispiel in der
Elektronik-, Holz-, Kunststoff-, Gummi- oder Nahrungsmittelindustrie
sowie in der Robotik einsetzen. Die optionale
2,5-Gbit/s-Netzwerkschnittstelle sowie die Konformität mit
den Standards GigE Vision und GenICam gewährleisten eine
bestmögliche Konnektivität und eine kostengünstige Integration.
Das optional bis
Schutzart IP65/67
verfügbare kompakte
Metallgehäuse, die
Industrie-Steckverbindungen
sowie weiteres
Zubehör stellen eine
einfache Systeminstallation
sicher. Entwickelt für
Produktionsumgebungen mit hohem Durchsatz, zeichnet sich
die 3D-Streaming-Kamera Ranger3 durch die Kombination von
hoher Geschwindigkeit – verarbeitet werden können bis zu
15,4 Gigapixeln pro Sekunde – und hoher Sensorauflösung
von 2.560 × 832 Pixel aus. Hinzu kommt die mit 5.120 Pixeln
fein auflösende RGB- und Graustufen-Zeilenscan-Funktionalität.
Sie ermöglicht es, auch filigrane Farbdetails zuverlässig zu
erfassen. Mögliche Inline-Inspektionsaufgaben für die Kamera
sind die Untersuchung von elektronischen Bauelementen und
Leiterplatten, die Verpackungskontrolle und Inline-Qualitätsprüfung
von Lebensmitteln oder die Teilesortierung in
Montage- und Fertigungsprozessen.
www.sick.com
AUTOMATISIERUNG BESCHLEUNIGT
IMPFSTOFFPRODUKTION
Ein Impfstoffhersteller
wollte seine Produktion
schnell hochfahren. Zur
Be- und Entladung der
Rollwagen mit den Vials,
die den Impfstoff enthalten,
wurde eine roboterbasierte
Lösung entwickelt.
Der Prozess ist durchgängig automatisiert, da die Roboter
über eine industrielle Bildverarbeitungs-Software autonom
arbeiten können. Das Gesamtkonzept besteht aus mehreren
Rollwagen mit Schubladen, Roboterzellen und Bandanlagen.
Jeder Wagen fasst etwa 10.000 Stechampullen und dient als
Puffer- und Transfersystem zwischen Abfüllung, Qualitätskontrolle
und Verpackung. Die Roboter legen die mit Impfstoff
gefüllten Vials – die Stechampullen – vom Förderband in
Schubladen ab und entnehmen diese später wieder. Dank
eines optischen 3D-Systems kann der Roboter die Vials
eigenständig und beschädigungsfrei greifen. Dafür kommt die
industrielle Bildverarbeitungssoftware MVTec Halcon zum
Einsatz. Die Software verfügt über eine umfangreiche
Bibliothek mit vielen äußerst leistungsstarken Methoden. Bei
der neuen Roboterzelle werden verschiedene Machine-Vision-
Technologien angewendet. Die technologische Voraussetzung
in der Anlage ist die sogenannte Hand-Auge-Kalibrierung.
Diese liefert eine äußerst hohe Genauigkeit bei der Bestimmung
der relativen Pose zwischen Kamera und Roboter. So ist
es möglich, die Positionen und Orientierungen der Vials im
Bezug zum Roboter exakt zu bestimmen. Diese Kalibrierung
ist die Grundlage für alle weiteren Bildverarbeitungsanwendungen.
www.mvtec.com
HYGIENEGEHÄUSE FÜR RECHTWINKLIGE
KAMERAS
Autovimation stellt ein Schutzgehäuse für rechtwinklige
Kameras und Vision-Sensoren in hygienisch anspruchsvollen
Anwendungen vor. Das Chamäleon M ist im Hygienedesign
konstruiert und erfüllt die Schutzart IP69k. Alle Seitenwände
sind um 5° geneigt, damit Reinigungswasser leicht ablaufen
kann. Das zugehörige Schlauchsystem erlaubt die geschützte
und hygienische Durchführung mehrerer Kabel bis in den
Schaltschrank. Zur Wandmontage bietet der Hersteller
hygienegerechte Abstandhalter an. Das Hygienegehäuse ist in
80 und 110 mm Höhe erhältlich, sodass der Nutzer auch
Kameras mit eingebauter Optik und Beleuchtung direkt hinter
der Sichtscheibe platzieren kann. Den doppelt abgedichteten
Fensterdeckel hat Autovimation
dafür extraflach ausgeführt. In
Kombination mit 30-mm-Fenstertubussen
vergrößert sich der verfügbare
Platz für C-Mount-Objektive.
Eine gute Wärmeableitung des
Kameraschutzgehäuses macht
zusätzliche Klimatisierungstechnik
in vielen Anwendungen überflüssig.
www.autovimation.com
PHYSIOLOGISCHE UND NEURONALE
PROZESSE IN 3D
Lightfield 4D ist eine
auf dem Lichtfeld-
Prinzip basierende
Mikroskopie. Sie
ermöglicht instantanes
volumetrisches
High-Speed-Fluoreszenz-Imaging,
das
physiologische und neuronale Prozesse in 3D erfasst. Lightfield
4D ist als Bildgebungsmodus in die konfokalen Mikroskopsysteme
Zeiss LSM 910 und LSM 990 integriert. Die Technologie
deckt einen wichtigen Bedarf im Bereich der 4D-Bildgebung
ab – die Kombination von Volumen und Zeit, um
biologische Prozesse wirklich zu verstehen. Herkömmliche
optische Schnitttechniken, die auf einer sequenziellen
Bildaufnahme zur Erzeugung von Z-Stapelbildern basieren,
haben Zeitverzögerungen und eine Beeinträchtigung der
räumlich-zeitlichen Genauigkeit der Daten zur Folge. Lightfield
4D überwindet diese Einschränkungen, indem es ganze
3D-Datensätze zu einem genauen Zeitpunkt aufnimmt und so
Zeitverzögerungen eliminiert.
www.zeiss.de
www.industrielle-automation.net INDUSTRIELLE AUTOMATION 2025/03 41
WO KANN DAS NEUE GIGE VISION
KAMERAKONZEPT PUNKTEN?
TALENTSUCHE
Industriekameras sind nur eine Komponente auf dem Weg zur Lösung
einer Bildverarbeitungsanwendung. Doch wie lassen sich sinnvolle
Systemkonzepte am besten aufeinander abstimmen? Viele einzelne oder
alles in einem? Welcher Ansatz ist der beste? Hier ist ein Beispiel: eine
Komponente statt vieler – optimal aufeinander abgestimmt, hoch
integriert und mit IP67. Der folgende Beitrag zeigt die Vor- und Nachteile.
Da ist alles drin:
Kompaktes Gehäuse mit
integrierter Beleuchtung
und Autofokus der IXG
All-In-One GigE Vision
Kameras
Die Realisierung einer Bilderfassung ist nicht nur technisch
komplex. Es gibt auch die Herausforderungen der
Beschaffung, Integration, Installation, Systemkosten
und langfristigen Verfügbarkeit. Vielversprechend ist daher
die Möglichkeit, die Bilderfassung so einfach wie bei Smart
Vision mit nur einer einzigen Hardware zu lösen. Die Bildverarbeitung
erfolgt wie gewohnt auf einem Hochleistungs-PC mit
allen Freiheitsgraden – inklusive optimal ausgewählter oder sogar
unternehmensspezifischer Software.
Smart Vision-Anwendungen zeigen, dass „All-In-One“ oft ein
guter Kompromiss ist. Diesen Ansatz verfolgt Baumer nun auch
bei PC-basierten Kameras, um die Vorteile beider Welten zu vereinen:
Einfachheit, Leistung und Flexibilität. Der Hauptvorteil
des Konzepts liegt darin, dass Montage und Bilderfassung an die
Einfachheit von Vision Sensoren erinnern, während die leistungsfähige
Auswertung von PC-Systemen übernommen wird.
NEUE PRODUKTKLASSE ERLAUBT EINFACHE
INSTALLATION OHNE SPEZIELLES KNOW-HOW
Die Baumer IXG ist eine All-In-One-Kamera, bei der zusätzlich
zum Bildsensor auch Objektiv (6 mm, 8 mm oder 16 mm), Autofokus
und eine weiße LED-Beleuchtung in einem kleinen IP67-
Gehäuse mit 5 cm Kantenlänge integriert sind. Display und LEDs
sorgen für nutzerfreundliche Einrichtung und Betrieb. Die Ausführung
in Schutzart IP 67 ist kompatibel zu oft eingebauten Sensoren
wie Lichtschranken, komplexe Gehäuse sind nicht mehr
erforderlich.
42 INDUSTRIELLE AUTOMATION 2025/03 www.industrielle-automation.net
Der große Vorteil eines geschlossenen Systems ist die einfache
und damit meist fehlerfreie Installation einer einzigen, bereits
geprüften Komponente – sogar ohne spezielles Know-how. Die
vollständige Steuerung über GigE Vision Kommandos schützt vor
unbefugter Objektivverstellung, erlaubt einen versteckten Einbau
und bietet auch die Basis für das Tracking aller Änderungen
und somit eine hohe Prozesssicherheit.
GIGE VISION FÜR DIE VIELSEITIGE NUTZUNG
Als Schnittstelle wird mit GigE Vision ein Standard unterstützt,
der das Tor zur Welt der Kamerasysteme, Bildverarbeitungs-PCs
und Software öffnet. Damit ist es nicht nur möglich, leistungsstarke
und flexible PCs für die Bildverarbeitung zu nutzen. Auch
Mehrkamerasysteme oder nachträglich ergänzte Zusatzkameras
sind so schnell und einfach realisierbar.
BELEUCHTUNG UND ELEKTROMECHANISCHER
AUTOFOKUS KOMPAKT INTEGRIERT
Die Beleuchtung ist für eine optimale Ausleuchtung segmentierbar
und unterstützt Applikationen bis 1000 mm Arbeitsabstand.
Auch können externe Spezialbeleuchtungen gesteuert werden,
DIE ALL-IN-ONE-KAMERALÖSUNG
MACHT BILDVERARBEITUNG
DEUTLICH KOMFORTABLER
um applikativ flexibel zu sein. Der Autofokus ist elektromechanisch
und damit für eine langzeitstabile Fokussierung thermisch
unempfindlich ausgelegt. Er vereinfacht die Ersteinrichtung und
unterstützt den Abstandswechsel bei einem anderen Fertigungslos.
Er ist nicht für Anwendungen gedacht, bei denen jedes
Objekt für kurze Zeit fokussiert wird – und die normalerweise
Flüssiglinsen vorbehalten sind.
Mit dem optionalen Polarisationsfilter lassen sich bei glänzenden
Objekten aus Metall oder Folie Reflektionen unterdrücken,
um die Auswertesicherheit zu erhöhen. Die IXG lässt sich branchenübergreifend
in zahllosen Applikationen einsetzen, wie zur
Qualitätskontrolle, Anwesenheits- und Vollständigkeitskontrolle
oder zur Identifizierung. Die rein elektrische Einstellung ermöglicht
auch die Protokollierung der eingestellten Werte bei entsprechender
Software, wie sie in einigen Branchen, zum Beispiel
in der Pharmazie, gefordert wird. Die kleine Bauform ermöglicht
ein platzsparendes Design für einen geringen Anlagen-Footprint
– wichtig für Maschinen in Reinräumen. Neben der Erstausrüstung
ist die Kamera auch für Upgrades, wie die Nachrüstung
von Track & Trace in der Pharma- und Lebensmittelindustrie
oder Positionieraufgaben interessant.
WIRTSCHAFTLICH IN MEHRFACHER HINSICHT
Für die Bildverarbeitung ist ein PC mit PC-Software eines Drittanbieters
erforderlich. Dies ermöglicht eine breite Skalierbarkeit in
Bezug auf Flexibilität und Auswertungsgeschwindigkeit, einschließlich
KI-Rechenleistung. Die freie Wahl der Software eröffnet
viele Möglichkeiten, anwendungsspezifische Benutzeroberflächen,
Backup-Lösungen, Zugriffskontrolle, Protokollierung von
Änderungen und nicht zuletzt eine tiefe Einbindung in die eigene
Steuerung. Die IXG-Hardware unterstützt dies, da alle Einstellungsänderungen
über Kommandos vorgenommen werden.
Noch interessanter wird dieses Konzept, wenn eine bestehende
Anwendung bereits mit einem PC realisiert wurde und nun erweitert
werden soll. Typischer Anwendungsfall: Als neue zusätzliche
„Track & Trace“ Aufgabe soll ein Objekt an einer bestimmten
Position mithilfe eines DataMatrix-Codes identifiziert werden.
In diesem Fall ergänzt die IXG die Anwendung wie ein „Satellit“
und wird über GigE Vision Teil davon. Der vorhandene
Vision PC wird mitbenutzt. Die bestehende Benutzeroberfläche
bzw. Software übernimmt auch die Identifizierung. Möglicherweise
können vorhandene Softwarelizenzen genutzt werden.
LIMITIERENDE FAKTOREN
Die geringe Größe und die Auswahl der Komponenten bringen
Vor- und Nachteile mit sich. Dank der kompakten Abmessungen
passt die IXG in Bauräume, die bisher für GigE Vision Kameras
plus Beleuchtung zu eng waren. Die Beleuchtung ist durch die
Frontfläche begrenzt. Grenzen werden erreicht, wenn ein Polfilter,
der 75 % des Lichts absorbiert, zusammen mit der kürzesten
Belichtungszeit verwendet werden muss. Hier sollten Abhilfemaßnahmen
wie das Schrägstellen der Kamera ohne Filter oder
eine zusätzliche Beleuchtung in Betracht gezogen werden. Die
von anderen Baumer Kameras abweichende Technologie kann
mit deren Werten bezüglich Triggerverzögerung und Jitter nicht
ganz mithalten, was für einen großen Teil an Anwendungen unkritisch
ist, aber dennoch mit bedacht werden sollte.
Generell ergänzt die IXG das Baumer Portfolio als Kameralösung
für Mainstream-Anwendungen – wenn es passt, können
die oben beschriebenen Vorteile genutzt werden. Wenn es nicht
passt, bietet das umfangreiche Baumer Portfolio alternative
Lösungen – ein einzigartiger Ansatz.
BENEFIT AUF DEN PUNKT GEBRACHT
Die Kameras der neuartigen Baumer IX-Serie eignen sich für eine
Vielzahl von Mainstream-Anwendungen. Sie schlagen eine Brücke
zwischen der hohen Leistung von PC-Systemen und der Einfachheit
von Smart Vision. Der Benutzer profitiert von einem
„Plug & Play“ Produkt von geringer Größe, das auch mit begrenztem
Know-how integriert werden kann. Statt mehrerer Komponenten
genügt eine einzige. Das vereinfacht die Beschaffung und
reduziert Platzbedarf sowie Kosten. Kurzum: Die Markteinführung
ist kürzer und interne Entwicklungsressourcen werden für
Kernaufgaben freigesetzt. Der Einsatz eines PCs ermöglicht neben
einer hohen Leistungsfähigkeit auch eine gewisse Freiheit
bei der Wahl der Software. Wo die Kamera eingesetzt werden
kann, ist der Aufwand für die Bilderfassung deutlich geringer.
Bilder: Baumer
www.baumer.com
UNTERNEHMEN
Baumer Optronic GmbH
Badstraße 30f, 01454 Radeberg
AUTOR
Michael Steinicke, Product Manager,
Baumer
www.industrielle-automation.net INDUSTRIELLE AUTOMATION 2025/03 43
WARUM DIE WAHL DER LICHTQUELLE ENTSCHEIDEND FÜR DIE BILDQUALITÄT IST
RICHTIG BELEUCHTET
IST HALB GEWONNEN
Beleuchtungen stehen bei der Auswahl der optimalen Komponenten für ein
Bildverarbeitungssystem am Anfang der Technologiekette. Ihre Bedeutung für
die Qualität der aufgenommenen Bilder und die spätere Bildauswertung wird
häufig unterschätzt. Wie vielfältig die Optionen und Technologien für die
Realisierung perfekter Beleuchtungssysteme sind, erläutert der Artikel.
Vielfältige Parameter beeinflussen die Qualität eines Bildverarbeitungssystems.
Der Auswahl der eingesetzten
Kamera wird dabei fälschlicherweise oft die alleinige,
ausschlaggebende Bedeutung beigemessen. Eigenschaften
wie Kameraauflösung oder -geschwindigkeit sind wichtig, um
die gewünschte Bildqualität und den benötigten Datendurchsatz
zu ermöglichen. Doch dieses Ziel ist nur mit einer durchgängig
aufeinander abgestimmten Technologiekette aus Beleuchtung,
Optik, Kamera und Bildauswertung inklusive Bilderfassungs-
Hardware, Software und Rechnerleistung erreichbar. Ist die
Beleuchtung dabei nicht optimal auf die Randbedingungen abgestimmt,
steigt der Aufwand, der in Kameratechnik und/oder die
Auswertungssoftware zu stecken ist, um ein Vielfaches.
Grundlage für die Auswahl von Beleuchtungen ist zunächst
eine Einordnung des Wellenlängenspektrums. Der für das
menschliche Auge sichtbare Wellenlängenbereich von etwa 400
bis 700 nm ist nur ein kleiner Ausschnitt des gesamten Spektrums,
das von der Röntgenstrahlung mit rund 10-8 µm bis hin zu
Radiowellen mit rund 103 m reicht. Die Sensoren üblicher Industriekameras
sind vereinfacht gesagt auf eine Empfindlichkeit etwa
im Bereich des menschlichen Sehens ausgelegt, um Bildverarbeitungssysteme
im sichtbaren Spektrum zu ermöglichen. In den
vergangenen Jahren haben sich zudem Kameras mit UV- und IRempfindlichen
Sensoren etabliert, mit denen die Grenzen von Vision-Systemen
erweitert wurden. Essenziell für entsprechende
Systeme ist dabei der Einsatz von Beleuchtungen, die Licht mit
passenden Wellenlängen aussenden, denn die Sensoren der eingesetzten
Kameras nehmen die Reflektionen vom Objekt nur innerhalb
der Grenzen ihrer Wellenlängenempfindlichkeit auf.
BELEUCHTUNGSART RICHTIG WÄHLEN
Ein zweiter, ebenso wichtiger Aspekt eines Beleuchtungssystems
ist seine Beleuchtungsart. Eine der einfachsten und am häufigsten
verwendeten Methoden ist dabei die Auflichtbeleuchtung,
bei der das Licht direkt auf das Objekt gerichtet wird, wodurch
klare Schatten und starke Kontraste entstehen. Diese Methode
eignet sich besonders gut für die Erkennung von Oberflächenmerkmalen.
Diffuse Beleuchtungen verteilen das Licht gleichmäßig
über das Prüfobjekt und minimieren dadurch Reflexionen
44 INDUSTRIELLE AUTOMATION 2025/03 www.industrielle-automation.net
01 SWIR-Bildverarbeitungssysteme
ermöglichen die Erfassung von
Merkmalen unterhalb von Objektoberflächen,
z. B. faulige Stellen an Obst
02 Je nach Anwendung erfordern
Bildverarbeitungssysteme unterschiedliche
Beleuchtungsformen und -farben
und Schatten. Diese Technik eignet sich unter
anderem für die Ausleuchtung komplexer Oberflächen
mit unregelmäßigen Strukturen oder für glänzende Materialien.
Sollen mithilfe eines Bildverarbeitungssystems Löcher
oder Strukturfehler erkannt werden, so sind häufig Durchlichtbeleuchtungen
eine adäquate Methode. Bei Dunkelfeldbeleuchtungen
trifft das Licht in einem flachen Winkel auf das Objekt.
An fehlerfreien Stellen und bei glatten Oberflächen wird das
einfallende Licht hier so reflektiert, dass es von einer oberhalb
angebrachten Kamera nicht aufgenommen wird. Gestreutes
Licht von Kanten oder Oberflächenfehlern gelangt hingegen in
die Kamera und erlaubt somit eine gute Erkennung kleiner Kratzer,
Risse oder anderer Oberflächendefekte auf glatten Materialien.
Ein Spezialfall sind koaxiale Beleuchtungen. Sie ermöglichen
eine gleichmäßige Ausleuchtung von flachen Oberflächen und
sind besonders nützlich, wenn Details auf spiegelnden oder reflektierenden
Oberflächen zu erfassen sind.
DIE KORREKTE FARBE ENTSCHEIDET
Neben der Beleuchtungsart hat auch die Wahl der Beleuchtungsfarbe
entscheidenden Einfluss auf die Güte der erzielbaren Bilder
und deren Optimierung auf die Erkennbarkeit von Fehlern.
Grund dafür ist das unterschiedliche Verhalten von Materialien:
Sie reflektieren und/oder absorbieren verschiedene Wellenlängen
des Lichts in unterschiedlicher Weise. Der Mensch nimmt
ein Objekt als Rot wahr, da es bevorzugt die Wellenlängen reflektiert,
die unser Verstand als Rot interpretiert. Die anderen Farben
im weißen Licht werden mehr oder weniger stark absorbiert. Für
andere Farben gilt dies entsprechend. Durch die geschickte Wahl
01 02
der Beleuchtungsfarbe ist es daher möglich, bestimmte Fehler
oder Merkmale einfacher zu erkennen. Möchte man z. B. auf einer
mit verschiedenen Farben bedruckten Fläche rote Elemente
überprüfen, so kann der Einsatz einer grünen Beleuchtung hilfreich
sein: Grünes Licht lässt die roten Elemente im Kamerabild
dunkel erscheinen, wodurch sie einfacher zu inspizieren sind.
EINSATZ VON IR- ODER UV-BELEUCHTUNGEN
Beim Einsatz von IR- oder UV-Beleuchtungen ergeben sich noch
vielfältige weitere Optionen, um die Fehleridentifikation zu optimieren.
So ermöglichen beispielsweise Bildverarbeitungssysteme
mit Kameras und Beleuchtungen im SWIR-Wellenlängenbereich
(Short Wave Infra-Red) eine Erfassung von Merkmalen
unterhalb von Objektoberflächen, um z. B. faulige Stellen an Obst
zu erkennen oder Füllstände von Flüssigkeiten durch Behälter
hindurch zu messen. UV-Kameras finden hauptsächlich Verwendung
in Recycling- und Sortieranlagen für Kunststoffe, in der
Umweltüberwachung und in wissenschaftlichen Experimenten.
LANGJÄHRIGE ERFAHRUNGEN NUTZEN
Beleuchtungsart und -farbe sind nur zwei von vielen weiteren Parametern,
die bei der Auswahl der optimalen Beleuchtung für
eine spezifische Anwendung berücksichtigt werden müssen. Die
Materialeigenschaften, das daraus resultierende Reflektionsverhalten
und die Oberflächenstruktur der Prüfobjekte, Umgebungsbedingungen
wie wechselnde Tageslichtverhältnisse müssen
ebenfalls beachtet werden. Zur Beurteilung aller entscheidenden
Faktoren sind Erfahrungen erforderlich. Die Rauscher GmbH ist
seit über fünf Jahrzehnten in der Bildverarbeitung tätig und hat in
dieser Zeit zahlreichen Kunden dabei geholfen, die optimalen
Komponenten für ihre Bildverarbeitungssysteme auszuwählen.
Das Portfolio deckt durch die enge Partnerschaft mit etablierten
Lieferanten alle erforder lichen Bereiche ab: Objektive, Kameras,
intelligente Kameras, Framegrabber, PC- und Embedded-Systeme,
Kabel, Software sowie Beleuchtungsprodukte.
Bilder: Aufmacher iCore/iStock SweetBunFactory, 01 MBJ/iStock, 02 Advanced
Illumination, Porträt Rauscher
www.rauscher.de
Zahlreiche Aufgabenstellungen in unterschiedlichsten
Einsatzfeldern lassen sich nur durch
die optimale Auswahl der Beleuchtung lösen.
Andreas Huber, Sales Manager, Rauscher
AUTOR
Peter Stiefenhöfer,
PS Marcom Services, Olching
Den vollständigen Artikel finden Sie online
unter bit.ly/beleuchtungen. Entdecken Sie
dort zusätzliche Details, Praxisbeispiele
und weiterführende Informationen.
www.industrielle-automation.net INDUSTRIELLE AUTOMATION 2025/03 45
DEZENTRALE INSTALLATIONSTECHNIK VEREINFACHT DIAGNOSE
UND WARTUNG VON VISION-SYSTEMEN
OHNE KOMPROMISSE
Nicht nur die Kameratechnik spielt in Machine-Vision-Anwendungen eine
wesentliche Rolle. Auch die Installationstechnik muss passen. Sie sollte
kompakt konzipiert sein und zuverlässige Diagnosemöglichkeiten bieten.
Ein Beispiel zeigt den Weg zur komplett schaltschranklosen Installation. Die
Idee dahinter: ein dezentrales, steckbares Konzept.
In modernen, automatisierten Logistikzentren spielen Vision
Systeme eine zentrale Rolle. Aus diesem Grund ist Cognex in
den letzten Jahren erheblich gewachsen. Das Unternehmen
zählt weltweit zu einem der führenden Anbieter von Vision
Systemen, Vision Software, Vision Sensoren und industriellen
Barcode-Lesegeräten für die Automatisierung von Produktionsund
Logistikprozessen.
Eine der bewährten Lösungen von Cognex sind die modularen
Bildverarbeitungstunnel (MVT), die für ein- bis sechsseitiges
Barcodelesen zum Einsatz kommen und für verschiedene Geschwindigkeiten
und Paketabstände skalierbar sind – ohne Kompromisse
bei der Genauigkeit. Typische Anwendungen: die Eingangskontrolle
im Wareneingang, die Hochgeschwindigkeitssortierung
von Lieferungen oder das Scannen des Warenausgangs.
Bevor die MVT aber zum Beispiel in großen Logistikzentren die
Geschwindigkeit und Effizienz beim Sortieren erhöhen können,
müssen die Techniker vor Ort alle Kameras und Sensoren und die
übergeordnete Steuerung miteinander verbinden.
46 INDUSTRIELLE AUTOMATION 2025/03 www.industrielle-automation.net
DEZENTRAL KONZIPIERTE
INSTALLATIONSTECHNIK SENKT
DIE KOSTEN VOM DESIGN BIS
ZUR WARTUNG
Einbaufertig
konfektionierte
Leitungen und Plug &
Play-Logik erlauben
die Installation der
Machine-Vision-
Lösung in wenigen
Schritten direkt
im Feld
VON DER IDEE DER DEZENTRALISIERUNG
Bei traditionellen Installationskonzepten mit Schaltschränken
und Klemmkästen waren bei der Installation vor Ort zwei Elektriker
stundenlang damit beschäftigt, die zahlreichen Kabel im
XXL-Schaltschrank zu verdrahten. Das ist nicht nur zeitaufwendig
und damit teuer, sondern auch fehleranfällig. Bei Cognex
sorgte vor allen Dingen der letzte Punkt mehr und mehr für Verdruss.
Immer wieder mussten Techniker zu Kunden reisen, um
vermeintlich defekte Kameras oder Sensoren zu reparieren – und
stellten dann vor Ort fest, dass der Fehler stattdessen irgendwo in
der komplizierten Einzeladerverdrahtung im Schaltschrank zu
suchen war. Das Aufspüren der Fehlerquelle gestaltete sich oft
zur Suche nach der sprichwörtlichen Stecknadel im Heuhaufen.
Die Suche nach einer einfacheren und schnellen Installationstechnik
mit deutlich geringerem Fehlerpotenzial führte Cognex
zur Idee der Dezentralisierung – und zu Murrelektronik.
technik erfolgreich realisiert. Der entscheidende Vorteil: Murrelektronik
bringt Signale, Daten und Power in direkte Prozessnähe,
statt alle Anschluss- und Verbindungsleitungen mühselig,
zeitraubend und fehleranfällig von Punkt-zu-Punkt im Schaltschrank
zu verdrahten.
Hinzu kommt: Durch den Einsatz von hybriden Switchen und
zentimetergenau für das jeweilige Projekt konfektionierten Anschluss-
und Verbindungsleitungen reduziert sich der Installationsaufwand
enorm. Denn diese Switche verfügen über vier Daten-
und vier Stromanschlüsse, sodass sich bis zu vier Kameras
mit nur einem Switch betreiben lassen. Die Stromanschlüsse
sind mit bis zu 4 A nach NEC-Klasse 2 erhältlich und separat
abgesichert. Dadurch sind die angeschlossenen Komponenten
sicher vor Schäden durch Überlast oder Kurzschlussströme
geschützt, ganz ohne separate Sicherungen im Schaltschrank.
Auch das reduziert den Installationsaufwand erheblich.
KONSEQUENTE UMSETZUNG REDUZIERT
KOMPLEXITÄT UND KOSTEN
Das Ergebnis: Dieser konsequent dezentrale Ansatz in der Installationstechnik
verringert sowohl die Komplexität als auch das
Fehlerpotenzial deutlich – und senkt die Kosten über die gesamte
Prozesskette hinweg, vom Design über die Installation bis zur
Wartung.
Aber er stellt auch besondere Anforderungen an die Widerstandsfähigkeit.
Deshalb sind die hybriden Switche von Murrelektronik
bis ins Detail für die Montage in direkter Prozessnähe
ausgelegt: Sie haben ein robustes, vollvergossenes Gehäuse, sind
schock- und vibrationsfest, erfüllen die Schutzklasse IP67 und
SIGNALE, DATEN UND POWER NAH
AM PROZESS
Murrelektronik ist der Vorreiter und das führende Unternehmen
auf diesem Gebiet und hat in den letzten rund 30 Jahren weltweit
eine Vielzahl an Applikationen mit seiner dezentralen, hoch belastbaren
und komplett steckbaren elektrischen Installations-
01 Die LEDs an jedem Port geben dem Techniker direkte
Rückmeldung, ob ein Anschluss korrekt ausgeführt ist
www.industrielle-automation.net INDUSTRIELLE AUTOMATION 2025/03 47
02 Bisher war die
Installation der modularen
Bildverarbeitungstunnel (MVT)
von Cognex relativ aufwändig,
um die zahlreichen Kabel im
XXL-Schaltschrank zu
verdrahten
halten Betriebstemperaturen von bis zu -40 bis +55 °C stand. Diese
besonderen Eigenschaften machen sie für eine Vielzahl von
Applikationen einsetzbar – und ermöglichen die Entwicklung einer
standardisierten Verbindungsschnittstelle mit maximaler
Skalierbarkeit und Flexibilität.
EINE AUSFÜHRLICHE ANALYSE ZEIGT
DAS GROSSE OPTIMIERUNGSPOTENZIAL
DIE DEZENTRALE ELEKTRISCHE
INSTALLATIONSTECHNIK
REDUZIERT DIE GRÖSSE DER
SCHALTSCHRÄNKE UM 80 %
DEUTLICH VERBESSERTE
DIAGNOSEMÖGLICHKEITEN
Ein weiterer wichtiger Vorteil: Dank der verbesserten Diagnosemöglichkeiten
geht die Fehlersuche schnell und einfach – und
lässt sich oft von den Teams vor Ort selbst beheben, ohne dass
ein Techniker von Cognex zum Kunden reisen muss.
„Die IO-Module von Murrelektronik bieten unseren Kunden erhebliche
Vorteile. Die Einrichtung ist schnell und einfach – es ist
kein Elektriker erforderlich – und die integrierten Status-LEDs an
jedem Port helfen den Benutzern, Probleme schnell und effizient
zu beheben,“ lobt Bart Stroo, Senior Manager Product Management
bei Cognex. Der Umstieg auf die dezentrale elektrische Installationstechnik
macht sich also nicht nur für Cognex, sondern
auch für alle Anwender der MVT bezahlt.
Wichtig zu wissen: Die dezentralen Installationslösungen von
Murrelektronik sind hoch standardisiert und basieren auf industrietauglichen
M12-Steckverbindern. Das bietet volle Kompatibilität
mit allen Komponenten, unabhängig von der Marke. Deshalb
lässt sich das große Einsparpotenzial durch den Umstieg auf
diese vorteilhafte Installationstechnik flexibel und herstellerunabhängig
realisieren.
Bilder: Aufmacher + 01 Murrelektronik, 02 Cognex Corporation
www.murrelektronik.com
www.cognex.com
Um seinen Kunden das individuelle Einsparpotenzial durch den
Umstieg auf die dezentrale elektrische Installationstechnik zu
verdeutlichen, bietet Murrelektronik kostenlose Applikationsberatungen
an. Die Erfahrung von Murrelektronik zeigt, dass dieses
Potenzial erheblich ist – und das war auch bei Cognex der Fall.
„Die durch diese ausführliche Analyse im Vorfeld ermittelten Zahlen
konnten die Verantwortlichen bei Cognex zunächst kaum
glauben. Aber unsere Berechnungen haben sich in der Praxis bestätigt,“
freut sich Simon Knapp, Vision Solutions Manager bei
Murrelektronik.
Durch das gemeinsam mit Murrelektronik entwickelte, dezentrale
und komplett steckbare Installationskonzept für die MVT ist
Cognex seiner Vision einer komplett schaltschranklosen Installation
einen großen Schritt näher gekommen. Durch diesen Schritt
ist die Größe der Schaltschränke um 80 Prozent geschrumpft. Die
Installationskosten haben sich ebenfalls deutlich reduziert – um
30 Prozent. Denn dank einbaufertig konfektionierter Leitungen
und Plug & Play-Logik erledigt das jetzt ein Techniker buchstäblich
im Handumdrehen direkt im Feld. Die LEDs an jedem Port
geben ihm dabei direkte Rückmeldung, ob ein Anschluss korrekt
ausgeführt ist. Und es ist sehr einfach, eine Kamera auszutauschen
oder einen Blitz vor Ort hinzuzufügen, ohne die Anschlüsse
in einem entfernten Schaltschrank herausfinden zu müssen.
Denn hier sind alle Komponenten lokal miteinander verbunden.
UNTERNEHMEN
Murrelektronik GmbH
Grabenstraße 29, 71570 Oppenweiler
AUTOR
Mark Böttger
Leiter Unternehmenskommunikation
Murrelektronik
48 INDUSTRIELLE AUTOMATION 2025/03 www.industrielle-automation.net
UPDATE
RINGBELEUCHTUNG UND
DUNKELFELD-AUFSATZ
Die Wenglor-Ringbeleuchtung
LRL ist mit kreisförmig
angeordneten LEDs
ausgerüstet, die für eine
gleichmäßige Beleuchtungsintensität
über das
gesamte Prüfobjekt
sorgen. Mit zwei Größen
und drei Lichtfarben ist sie
für verschiedenste Anwendungen und Kameraanforderungen
der industriellen Bilderverarbeitung geeignet. Erhältlich in
zwei verschiedenen Größen mit einem Innendurchmesser von
37 und 76 mm schafft die LRL passende Beleuchtungssituationen
in begrenzten Räumen und kompakten Anwendungen
sowie für größere Objektive und anspruchsvolle Applikationen.
Die Kompatibilität mit Angle-Changern ermöglicht eine
helle, gleichmäßige und diffuse Beleuchtungslösung mit
unterschiedlichen Abstrahlwinkeln ohne Schattenbildung. Der
Konvergenzlichtaufsatz minimiert Ringeffekte. Sechs M4-Befestigungsgewinde,
umfangreiches Montagezubehör und der
Anschluss über einen 5-poligen M12-Stecker sorgen für
flexible Montagemöglichkeiten. Die LRL bietet mit Weiß-,
Rot- und Infrarotlicht drei unterschiedliche Lichtarten und ist
stufenlos dimmbar. Die Nutzung ist flexibel im Dauer- oder
Blitzbetrieb Overdrive möglich. Das robuste, eloxierte
Aluminiumgehäuse mit Schutzart IP67 sorgt für eine effiziente
Wärmeableitung, wodurch auch im Dauerbetrieb eine
konstante und zuverlässige Lichtleistung gesichert ist.
www.wenglor.com
BILDVERARBEITUNG UM WEITERE
FUNKTIONEN ERGÄNZT
Das Portfolio der Beckhoff Software TwinCAT 3 Vision bietet
jetzt ergänzende Bildverarbeitungsfunktionen. Mit dem
TwinCAT 3 Vision Beckhoff Camera Connector kann der
Anwender zudem Beckhoff Kameras direkt in die TwinCAT-Architektur
einbinden.
Er liefert die
Grundlage für die
Kommunikation
und ermöglicht bis
zu 64 Kameraverbindungen.
TwinCAT 3 Vision
Code Quality
ergänzt das
Basis-Paket um Funktionen zur Qualitätsbewertung unterschiedlicher
1D- und 2D-Codes. Damit lassen sich deren
Qualität sicherstellen und Probleme bei der Code-Erstellung
frühzeitig erkennen. Mit TwinCAT 3 Vision OCR hat der
Anwender die Möglichkeit zur optischen Zeichenerkennung.
Die Funktionen identifizieren Zeichen, beispielsweise Mindesthaltbarkeitsdaten
und Chargennummern, in einem Bild
und geben die erkannte Zeichenkette zurück. TwinCAT 3 Vision
Neural Network vervollständigt das Basis-Paket um die
Möglichkeit, neuronale Netze für Vision-spezifische Einsatzfälle
zu verwenden. Mithilfe dieser Modelle können komplexe
Datenanalysen automatisch gelernt werden. Anwendungsbeispiele
sind Objektdetektion, Klassifikation und Anomalieerkennung
zur Qualitätskontrolle oder Prozessüberwachung.
www.beckhoff.com
FARBZEILENKAMERA MIT
HOCHGESCHWINDIGKEITS-SCHNITTSTELLE
JAI hat seine Serie
Sweep+ um zwei prismenbasierte
RGB-
Zeilenkameras mit
Hochgeschwindigkeits-Schnittstelle
CoaXPress 2.0
erweitert. Die Modelle SW-4000T-CXPA und SW-8000T-CXPA
bieten Farbbildgebungsfähigkeiten mit Auflösungen von 4096
(4K) und 8192 (8K) Pixeln pro RGB-Zeile. Beide Modelle nutzen
die Plug-and-Play-Schnittstelle CoaXPress CXP-12, die
Datenraten von bis zu 12,5 Gbit/s über ein einzelnes Micro-
BNC-Kabel unterstützt. Die SW-4000T-CXPA liefert unkomprimierte
RGB-Zeilen mit bis zu 97 kHz, während die SW-8000T-
CXPA eine Geschwindigkeit von bis zu 49 kHz erreicht. Die
Schnittstelle unterstützt auch CXP-6- und CXP-3-Konfigurationen.
Die über die CoaXPress-Schnittstelle bereitgestellten
Triggersignale erlauben die nahtlose Integration der Kameras
in Multi-Kamera-Konfigurationen oder den direkten Anschluss
an Drehgeber zur Synchronisation mit Positionierungssystemen.
Das Modell SW-4000T-CXPA bietet zwei Pixelgrößenoptionen:
Typ A mit 7,5 µm × 7,5 µm großen Pixeln und Typ B mit
7,5 µm × 10,5 µm großen Pixeln. Das Modell SW-8000T-CXPA
verfügt über rechteckige Pixel der Größe 3,75 µm × 5,78 µm.
www.jai.com
DEPALETTIEREN MIT NEUEM SYSTEM
Das Depalettierungssystem DeStack von VMT erkennt
verschiedene Kistentypen ohne vorherige Typvorgabe und
arbeitet mit einer hohen Positionsgenauigkeit von ± 1 mm.
Die Kisten werden in einer definierbaren Reihenfolge abgestapelt.
Das System
ist darauf ausgelegt,
in einer
schnellen Taktzeit
von unter zehn
Sekunden zu
arbeiten und
mögliche Fehler,
wie verkippte
Kisten oder Hindernisse,
die den
Greifer beschädigen könnten, automatisch zu erkennen. Bei
Bedarf kann auch der Füllstand der Kisten erfasst werden,
ohne die Abläufe zu verlangsamen. Der DeepScan 3D Stereosensor
erstellt eine detaillierte Punktewolke der Palette und
der darauf gestapelten Kisten. Diese Rohdaten werden durch
ein mehrstufiges Bildverarbeitungsverfahren analysiert, um
relevante Informationen wie die genaue Position der Kisten zu
extrahieren. Das System schneidet die Punktewolke zunächst
auf die oberste Ebene zu, bevor es die nächste Kiste zur
Entnahme auswählt und prüft, ob Hindernisse vorliegen.
www.vmt-vision-technology.com
www.industrielle-automation.net INDUSTRIELLE AUTOMATION 2025/03 49
BILDVERARBEITUNG IN DER SCHLEIFSCHEIBENKONTROLLE
MIT SCHATTENBILDERN ZUM ZAHLENCODE
Bei der Prüfung von Schleifscheiben für die Zahnradbearbeitung vertraut
die Reishauer AG auf Automatisierungstechnik der Kaiser Engineering GmbH.
Die Bildverarbeitung als grundlegendes Element dieser Anlage stammt
von der Fabrimex Systems AG.
Das Bildverarbeitungssystem
zur Auswertung
der Nummern auf den
Schleifscheiben ist über
der Anlage montiert
In den Wälzschleifmaschinen der Reishauer AG sorgen hochgenaue
Schleifscheiben für die benötigte Oberflächenqualität
von Zahnrädern. Dabei muss die richtige und fehlerfreie
Schleifscheibe für den jeweiligen Arbeitsschritt genutzt werden,
da die Zahnräder ansonsten unbrauchbar werden oder während
der Bearbeitung zerspringen und die Anlage beschädigen können.
Um den Einsatz der korrekten Schleifscheiben für die Zahnradbearbeitung
sicherzustellen, prüft Reishauer diese zuvor in einer
Prüfanlage mit höherer Drehzahl als im späteren Einsatz. Schleifscheiben
mit Rissen oder Schwachstellen zerspringen während
dieser Prozedur. Zur Dokumentation werden die Artikelnummern
der Schleifscheiben zuvor eingelesen, in einer Datenbank
hinterlegt und anschließend um die Prüfergebnisse ergänzt.
AUTOMATISIERTER PRÜFPROZESS
Eine Unterscheidung verschiedener Schleifscheibentypen ist allein
anhand ihres Aussehens nahezu unmöglich, daher sind die
Varianten mit gravierten oder gelaserten Texten gekennzeichnet.
Doch auch das Lesen dieser Beschriftungen mit bloßem Auge ist
aufgrund des fehlenden Kontrasts zur Scheibe schwierig. Die bis
zu 30 kg schweren Schleifscheiben mussten bislang händisch von
einer Palette entnommen und ihre Artikelnummern manuell ins
System eingegeben werden. Die Übergabe an die Prüfzelle
sowie das Entnehmen und Palettieren nach dem Test
erfolgte auch von Hand. Deshalb suchte Reishauer
nach einer zuverlässigen Lösung, um die Mitarbeiter
beim Scheiben-Handling zu entlasten.
Das Unternehmen wandte sich dazu an Kaiser Engineering,
einem Spezialisten für Dienstleistungen
im Sondermaschinenbau. „Reishauer war für uns
ein Neukunde mit einer interessanten Aufgabenstellung“,
erinnert sich Michael Karth von Kaiser Engineering,
der die Anlage in enger Zusammenarbeit mit Reishauer-Projektleiter
Sandro Bigler konzipiert und realisiert
hat. „Um den Prüfprozess komplett zu automatisieren,
mussten wir geeignete Lösungen für alle Teilbereiche finden,
sprich das Depalettieren, die Identifikation der Schleifscheiben,
das Einlegen in und die Entnahme aus der Prüfanlage sowie das
Palettieren der geprüften Schleifscheiben. Dazu gehörte auch die
Integration der Schnittstellen aller beteiligten Systeme.“
Wesentliches Element der Anlage ist das integrierte Bildverarbeitungssystem
zum Lesen der Scheibenkennzeichnungen. Bei
dieser Aufgabe vertraute Michael Karth Fabrimex Systems, mit
der Kaiser Engineering schon seit über einem Jahrzehnt erfolgreich
zusammenarbeitet. „Die kompetente Beratung sowie der
schnelle, zuverlässige Support haben uns bei diversen Projekten
in der Vergangenheit schon oft beeindruckt und gezeigt, dass wir
mit Fabrimex Systems den richtigen Bildverarbeitungspartner
gefunden haben“, betont Michael Karth.
SHAPE FROM SHADING
Nach der Analyse der Anforderungen stand die Empfehlung für
die optimale Bildverarbeitungstechnologie schnell fest: Shape
from Shading nennt sich die Methode, bei der Bilder der Prüfobjekte
unter Einsatz mehrerer Beleuchtungsrichtungen aufgenommen
werden. So ergeben sich je nach den vom Objekt zurückgeworfenen
Lichtreflexionen unterschiedliche Bilder, die
danach kombiniert werden und eine sichere Erkennung selbst
schwierig auszuwertender Merkmale zulassen. Als geeignete
Bildverarbeitungskomponenten wählte Fabrimex Systems eine
LED-Beleuchtung von Effilux und eine Industriekamera von SVS-
Vistek mit 5 Megapixel-Auflösung. Die Bildauswertung übernimmt
die Bildverarbeitungs-Software Design Assistant von
Matrox. Zur Identifikation von Schleifscheiben bei Reishauer lag
Fabrimex Systems mit der Komponentenauswahl richtig: „Schon
nach wenigen Monaten Planungsvorlauf war die Anlage betriebsbereit.
Wir sind mit den Ergebnissen sehr zufrieden“, freut sich
Sandro Bigler. „Die Zahlencodes auf den Schleifscheiben werden
zuverlässig gelesen, was einen fehlerfreien Anlagenbetrieb ermöglicht.“
Bilder: Reishauer AG
www.fabrimex-systems.ch
50 INDUSTRIELLE AUTOMATION 2025/03 www.industrielle-automation.net
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