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PARIS +

Exkursion 14. bis 20. Mai 2022


PARIS +

Exkursion in den Großraum Paris

Herausgeber

Technische Universität Wien

Institut für Architektur und Entwerfen

Forschungsbereich Hochbau - Konstruktion und Entwerfen

Prof. in Hemma Fasch

www.hb2.tuwien.ac.at

Michael Wildmann, Daniel Schürr

Copyright

Autoren / Autorinnen, Studierende

© 2022


Inhalt

Vorwort 5

Exkursionsprogramm 8

Tag 1 13

Tag 2 35

Tag 3 81

Tag 4 119

Tag 5 159

Tag 6 191

Tiers Lieux (Dritte Orte) 209

Weitere Projekte 233

Biografien / Architekturbüros 255

Impressionen / Fotos 303

Beteiligte / Danksagung 324


4


Vorwort

Daniel Schürr

Architektur in Paris – Neben einigen der weltweit wohl bekanntesten

Bauwerken wie der Notre Dame oder dem Eiffelturm kommen dem

Architekurinterssierten sogleich wichtige Meilensteine der zeitgenössischen

Architektur wie die Bauten Le Corbusiers oder das Centre G. Pompidou in den

Sinn. Architektur in Paris umspannt jedoch ein wesentlich weiter gefasstes Bild,

das in dieser Exkursion abgedeckt werden sollte. Dabei versucht die Exkursion

ein möglichst umfassendes Bild der Architektur zu vermitteln, möchte aber in

einem fassbaren Rahmen bleiben und kann daher nur selektive Einblicke in das

Architekturgeschehen geben.

In diesem Sinne führte die Exkursion im Sommersemester 2022 die Gruppe

in den Großraum Paris und besuchte sowohl ausgewählte Einzelbauten als

auch repräsentative städtebauliche Projekte, die den Zeitraum der letzten 100

Jahre von der Zwischenkriegszeit bis hin zum aktuellen Architekturgeschehen

abdecken.

Das Spektrum der besuchten Projekte beginnt bei Schlüsselprojekten von Le

Corbusier und seinen Zeitgenossen, geht über Projekte der Nachkriegsmoderne

wie Oscar Niemeyer zu einem der Kernprojekte der High-Tech Architektur, dem

Centre Pompidou. Weiter spannt sich der Bogen über die ‚Grands Projets‘ unter

Präsident François Mitterand, die zweifelsohne das Bild von Paris der letzten

Dekaden entscheidend mitgeprägt haben bis hin zu ausgesuchten aktuellen

Projekten von etablierten oder jungen Architekturbüros.

Städtebaulich wurde zum einen ein Einblick in verschiedene Wohnsiedlungen

gegeben, zum anderen auch klassische und aktuelle Bildungscampus besucht,

wie die Cité internationale Universitaire de Paris und das städtebaulich und

sozialpolitisch kontroversiell diskutierte Projekt einer Konzentration von

Eliteuniversitäten am neuen Campus in Saclay.

Insgesamt legt diese Exkursion besonderen Wert auf konstruktiv herausragende

Bauwerke, spannt aber den Bogen bis hin zu Städte- und Wohnbau sowie zu

5


den „Tiers Lieux“ (Dritte Orte) - Architektur entstanden aus Besetzungen,

Zwischennutzungen und sozialen Initiativen.

Die Vorliegende Broschüre ist die Summe der Arbeiten der teilnehmenden

Studierenden, dies inkludiert eine vorbereitende Recherche einerseits und eine

Beschäftigung mit der Architektur vor Ort andererseits. Aufgabe war es - nach

der Vorbereitungsrecherche in Internet und Büchern – vor Ort den Blick auf

Architektur vom großen Maßstab bis zum Detail zu verfeinern. Dabei mussten

die Studierenden aus ihrer Sicht repräsentative Fotos, die Architekturkonzept

und Raumwirkung sowie ein ausgewähltes Detail abbilden.

Nur aus der Kombination aus Wissenserwerb durch Recherche und einem

genauen Blick vor Ort kann so Architektur in ihrer Gesamtheit intensiv erfahren

werden. Das Betrachten von Bauwerken vor Ort, in ihrem unmittelbaren

räumlichen Umfeld und städtischem Kontext erlaubt erst ein vollständiges

Bild auf Architektur zu werfen. Erst die Intensität all dieser Wahrnehmungen

lässt einen bleibenden Eindruck gebauter Architektur und schafft so für die

Studierenden ein Repertoire an Referenzen, auf die sie im Laufe ihres Lebens

bewusst oder unbewusst zurückgreifen können.

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Exkursionsprogramm

Tag 1 // So, 15. Mai // Zentrum

Vormittag

Anreise individuell

12:00 Uhr Treffen im Hostel

15:00 - 16:00 Uhr Institut du Monde Arabe - Jean Nouvel, 1987

Stadtspaziergang:

Notre Dame

Louvre

Zentrum

La Pyramide du Louvre - I.M.Pei, 1988 ?

La Samaritaine - SANAA Architects, 1870 ???

Canopée Forum les Halles - Patrick Berger et Jaques Anzitutti, 2016 ?

18:00 Uhr Centre G. Pompidou - Richard Rogers, Renzo Piano, 1977

Tag 2 // Mo, 16. Mai // Norden

09:00 Uhr Start Hostel

10:00 Uhr UNESCO Hauptgebäude - Marcel Breuer, Bernhard Zehrfuss mit

P.L.Nervi, 1958

Grand Palais Éphémère - Jean-Michel Wilmotte, 2021

ZAC Batignolles 1 und 2 (Parc Martin Luther King)

zahlreiche Arch., u.a.: Flower Tower – Eduard Francois, 2004 und

Immeuble émergence – M. Aires-Mateus

Tribunal de Grande Instance de Paris - Renzo Piano, 2017 und

Maison des Avocats, 2020

Tour Bois le Prêtre - Lacaton & Vassal, Umbau 2011

Maison du Peuple Clichy

L’AUC: ZAC La Chapelle internationale

Parc de la Villette - Bernard Tschumi, 1983

Cité des Sciences - Adrien Fainsilber, 1986

Philharmonie de Paris - Jean Nouvel, 2015

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Tag 3 // Di, 18. Mai // Osten

09:00 Uhr Start Hostel

Soz. Wohnbau Eden Bio - Eduard François, 2008

Groupe le Monde - Snøhetta, 2020

Docks of Paris, City of Fashion and Design - Jakob + Macfarlane, 2012

Passerelle Simone de Beauvoir - Dietmar Feichtinger, 2006

Bibliothèque Nationale - Dominique Perrault, 1996

Bercy 2 Shopping Center - Renzo Piano 1987-1990

15:00 Uhr Espace Niemeyer (HQ Kommunistische Partei) -

Oscar Niemeyer, 1967

Halle Pajol - Jourda Architectes, 1926

Fondation Cartier - Jean Nouvel, 1994

Tag 4 // Mi 19. Mai // Saclay, Cité Universitaire

09:00 Uhr Start Hostel

Ecole Centrale Supelec - OMA Rem Koolhaas / Gigon & Guyer

École Normale Supérieure Paris-Saclay - Renzo Piano, 2020

Restaurant Universitaire et Lieu de Vie - Studio Muoto, 2016

Ensae Paristech - CAB Architectes, 2017

Cite Universitaire:

Pavillon Suisse - Le Corbusier, 1931

Maison du Brezil - Le Corbusier + Lucio Costa, 1959

Residence pour chercheurs - Bruther

Résidence Étudiante Chris Marker – Éric Lapierre, 2018

19:30 Uhr Bürobesuch - Dietmar Feichtinger Architectes

20:30 Uhr Gemeinsames Abendessen mit Dietmar Feichtinger

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Tag 5 // Do, 19. Mai // Le Corbusier, La Defense

08:30 Uhr Start Hostel

10:00 Villa Savoye - Le Corbusier, 1931

La Défense

CNIT (Centre des nouvelles industries et technologies) -

Robert Camelot, Jean De Mailly, Bernard Zerhfus mit Jean Prouvé,

1958 Umbau Büro Cuno Brullman, 2009

Grande Arche de La Defense - J. O. Spreckelsen, 1989

14:00 Maison Jaoul - Le Corbusier, 1956

15:30 Maison La Roche - Le Corbusier (Eintritt in 2 Teilgruppen)

17:00 Immeuble Molitor - Wohnung-Atelier Le Corbusier

Palais de Tokyo - André Aubert, Umbau: Lacaton & Vassal

Tag 6 // Fr, 20. Mai // Zentrum + individuell

09:45 Uhr Start Hostel

10:30 Uhr Musée du Quai Branly - Jean Nouvel, 2006

danach individuelle Besuche z.B.:

Maison de Verre - Pierre Charreau, Bernard Bijovet- 1932

Maréchal Fayolle Housing Complex - SANAA 2019

Esiee - Dominique Perrault, 1987

Batiment Home - Hamonic+Masson 2010

Coulée verte René-Dumont - P. Berger, P. Mathieux, J. Vergely

(wie HighLine NY)

La Défense - La Grande Arche (hinauffahren – Blick über die Stadt)

Conservatoire de danse Pantin - Jacques Kalisz, 1972

Centre d’hébergement d’Urgence - Atelier Rita, 2017

Conservatoire de Montreuil - Claude Le Goas

Tiers Lieux (Dritte Orte)

16:00 Uhr Ende Programm Exkursion

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Tag 1

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Institut du Monde Arabe

Jean Nouvel // 1987

Das Institut du Monde Arabe ist eine Organisation welche 1980 von Frankreich

und 19 Arabischen Ländern gegründet wurde, da zuvor zu wenig Repräsentation

der arabischen Kultur in Frankreich gesehen wurde. Das Gebäude unterteilt

sich in ein Museum, eine Bibliothek, ein Auditorium, ein Restaurant, Büros und

Konferenzräume. Es befindet sich in der 1 Rue des Fossés Saint-Bernard, in

Paris. 1

Jean Nouvel gewann gemeinsam mit dem Pariser Archtiecture-Studio Büro

den Wettbewerb, wobei dieses Projekt zu den Grand Projets gehört – die

unter Francois Mitterand vorgenommenen urbanistischen Änderungen und

Modernisierungen von Paris in den 1980er Jahren. 2

Das Gebäude wurde in den Jahren zwischen 1981 und 1987 konstruiert und

erstreckt sich auf 16,917 Quadratmeter Nutzfläche. Die Idee einer Überbrückung

der französisch-europäischen Welt und der Arabischen spiegelt sich auch in

der Planung der Architekten wieder. So ist das Gebäude nicht „nur“ Arabisch

und nicht „nur“ Europäisch, sondern vereint Europäische Baukunst mit

arabischen Elementen wie den Maschrabiyya – den dekorativen Holzgittern,

welche eine geometrische Ausprägung vorweisen – die bei der Fassade zum

Vorschein kommen. 3 Die Fassade, die von großer Bedeutung ist, besteht

vorwiegend aus Glaskörpern und einer Fassadentechnik aus Aluminium, den 240

Verschattungselementen die je 180 mal 180 Zentimeter groß sind. 4

Text: Moira Mandic

1

Parisinfo, URL: https://en.parisinfo.com/paris-museum-monument/71189/Institut-du-monde-arabe (Abruf

25.04.2022)

2

Simon Texier, RÉTROSPECTIVE: L’INSTITUT DU MONDE ARABE (1987), AMC 2019/11, in https://www.amcarchi.com/

(Abruf 25.04.2022)

3

AJN, Arab World Institute, URL: http://www.jeannouvel.com/en/projects/institut-du-monde-arabe-ima/ (Abruf

25.04.2022)

4

Jakob Schoof, Hightech für den Kulturaustausch – Institut du Monde Arabe in Paris (1987), Detail 2021/01, in

https://www.detail.de/ (Abruf 25.04.2022)

14


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Bild: Moira Mandic


Bild: Daniel Schürr

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Bild unten: Moira Mandic // Bild oben: Daniel Schürr


Pyramide du Louvre

I. M. Pei // 1989

Im Jahr 1981 sorgte der neugewählte französische Staatspräsident Francois

Mitterand für eine grundlegende Veränderung des Louvres. Einerseits sollte das

Finanzministerium, welches bis dato im Richelieu-Flügel untergebracht war einer

Erweiterung des Museums weichen, andererseits eine neue Eingangssituation

entworfen werden, welche den Stau der tausenden, täglichen Besuchern

verringert. 1

1983 wurde der chinesich-amerikanische Architekt Ieoh Ming Pei mit diesem

Vorhaben beauftragt und er entwarf die heute weltbekannte gläserne Pyramide

im Innenhof des Louvres, welche als neuer Haupteingang für den Verteilerraum

im Untergrund dient. Sie hat die gleichen Proportionen wie die Cheops-

Pyramide in Ägypten, die nicht zufällig dem goldenen Schnitt entsprechen. Die

Pyramide hat eine Höhe von 21,64 Meter und einen quadratischen Grundriss mit

einer Seitenlänge von 35,42 Meter. Bestehend aus 603 rautenförmigen und 70

dreieckigen Glaselementen und einer Stahl-/Aluminiumkonstruktion kommt sie

auf ein Gewicht von rund 180 Tonnen. 2

Obwohl oft nur von einer Pyramide geredet wird, gibt es eigentlich 5

Glaspyramiden im Louvre. Drei kleine Glaspyramiden fungieren als Lichtschächte

für die Eingänge der drei Flügel des Museums. Außerdem gibt es noch

eine große auf dem Kopf stehende Pyramide, die in den unterirdischen

Eingangsbereich ragt und sichtbar ist, wenn der Louvre vom Carrousel (eine

Einkaufspassage unter dem Louvre) aus betretten wird. 3

Der Louvre ist nach wie vor sehr gut besucht und eine der großen

Touristenattraktionen in Paris. Die Pyramiden befinden sich in einem guten

Zustand und ergänzen als moderne Architektur den historischen Louvre.

Text: Arno Poll

1

Paris City Vision: Erfolgsstory des Pyramiden-Projekts, in: https://www.pariscityvision.com/de/paris/museen/

louvre-museum/louvre-pyramide-geschichte-architektur-legenden, Abruf: 28.04.2022

2

Stadtpfade Paris: Louvre Pyramide: Angeberwissen für Fortgeschrittene, in: https://www.stadtpfade-paris.de/

spickzettel/louvre-pyramide/, Abruf: 28.04.2022

3

Roman: Louvre-Pyramide in Paris: 8 interessante Fakten, in: https://www.parismalanders.com/louvre-pyramideparis-fakten-hoehe-baujahr-und-co/,

Abruf: 28.04.2022

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Bild unten: Michael Wildmann // Bild oben: Arno Poll


Bild: Arno Poll

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Skizze Fensterelement: Arno Poll


La Samaritaine

SANAA // Lagneau Architects // 2021

Das Luxuswarenhaus „La Samaritaine“, eröffnet im Jahr 1870, wurde von SANAA

und Lagneau Architects renoviert und um ein neues Gebäude erweitert.

Auch das Programm wurde ausgebaut. So gibt es nicht mehr nur

Verkaufsflächen sondern ebenfalls auch Büroflächen, ein Luxushotel, sozialer

Wohnungsbau und eine Kinderkrippe.

Der Bestand, bis auf die Fassade an der Rue Rivoli, welche nicht

denkmalgeschützt war, wurde denkmalgerecht saniert.

Im bestehendem Atrium wurde jedoch elektrochromes Glas eingesetzt. Dieses

verändert die Farbe bei starker Sonneneinstrahlung und verhindert eine

Erhitzung der Räume.

Die neue Glasfassade an der Rue Rivoli beschreiben die Architekten wie

folgt: „The soft waves of the glass echo the rhythm and scale of neighboring

fenestration, establishing continuity along this busy commercial street.“ 1 2

Das Glas reflektiert die Umgebung, gleichzeitig verzerrt sie diese durch

die Wellenform. Es entsteht eine Kombination des Historischen mit dem

Zeitgenössischem.

Die drei Gebäude bilden somit ein gemeinsames Ensemble, welches durch eine

Passage entlang sozialer und kommerzieller Aktivitäten verbunden wird.

Text: Eike Fiedler

1

Hana Abdel: La Samaritaine / SANAA + LAGNEAU Architectes + Francois Brugel Architectes Associes + SRA

Architectes, in: https://www.archdaily.com/963774/la-samaritaine-sanaa-plus-lagneau-architectes-plus-francoisbrugel-architectes-associes-plus-sra-architectes,

Abruf: 30.4.2022

2

Lizzie Crook: SANAA‘s overhaul of La Samaritaine department store opens in Paris, in: https://www.dezeen.

com/2021/06/22/la-samaritaine-department-store-sanaa-opens-paris, Abruf: 30.4.2022

22


23

Bild: Eike Fiedler


Skizze: Eike Fiedler (nach SANAA)

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Bild: Eike Fiedler


La Canopée des Halles

Patrick Berger // Jacques Anziutti // 2016

Das viel diskutierte Grundstück der Canopée des Halles befindet sich im

Herzen von Paris in der Achse zwischen Centre Pompidou und Alter Börse.

1851 enstanden an dieser Stelle durch Victor Baltard zwölf pavillonartigen

Markthallen, die 1969 einem großen Verkehrsknotenpunkt weichen mussten.

Die Gestaltung der Baugrube blieb lange offen, 1979 wurde mit dem »Forum

Les Halles« ein großes Einkaufs- und Freizeitzentrum eröffnet. Im Gegensatz

zum gleichzeitig entstandenen Centre Pompidou wurde das Forum Les Halles

nie richtig angenommen, 2004 und 2007 wurden Wettbewerbe ausgelobt

um Abhilfe zu schaffen: ein neues Gebäude für das Forum, die Erweiterung

des unterirdischen S-Bahnhofs und eine Verbindung zwischen allen Ebenen.

Durchsetzen konnte sich das Pariser Büro Berger und Anziutti, die ein „Dach im

Garten“, ein rießiges Glasdach (oder Blätterdach - Canopée), das sich über zwei

Flügelbauten und einen großen Freiraum dazwischen spannt, vorsahen. 1

In den dreigeschossigen Flügelbauten befinden sich im EG Einzelhandelsflächen,

darüber ein Konservatorium mit Sendestudios und Bibliothek, öffentliche

Übungsräume für Tanz und Musik, ein Kulturzentrum für Gehörlose, sowie ein

Hip-Hop-Zentrum. Das „Blätterdach“ bildet rundherum eine einheitliche Hülle

und wird über dem mittigen Freiraum in das »große Vordach« im Westen und

das »kleine Vordach« im Osten unterteilt. Beim »großen Vordach« spannen 15

Fischbauchträger mit Ober- und Untergurten aus Stahlrohren zwischen einem

Kastenträger, der im Grundriss ein U mit abgewinkelten Schenkeln darstellt. Das

»kleine Vordach« wird aus acht Kragarmen gebildet, die orthogonal an die kurze

mittige Seite des U-förmigen Kastenträgers angeschweißt sind. 2

Der sandfarbene Ton referenziert den Naturstein und Putz der Nachbarbauten,

die bogenförmigen Stahlträger die steinernen Strebepfeiler der gotischen Kirche

St. Eustache. Das »Canopée des Halles« soll die Blickachsen ordnen und die

Besucherströme intuitiv in die richtige Richtung lenken. 3 Es befindet sich in

einem guten Zustand, ist durch die vielen Menschen belebt, ob es die Funktion

eines Knotenpunktes hin zum Aufenthaltsort übersteigt bleibt fraglich.

Text: Heidi Kresbach

1

Frank Kaltenbach: Flügelschlag am Puls von Paris: Forum Les Halles, in: https://www.detail.de/de/de_de/fluegel

schlag-am-puls-von-paris-forum-les-halles-12070, Abruf 2022.04.12

2

Architekturführer Paris; Jean-Philippe Hugron; DOM Publishers, Berlin, 2018; s.6-7

3

Marco Rinaldi: Redevelopment of Les Halles Station by Patrick Berger and Jacques Anziutti architectes, in: https://

aasarchitecture.com/2016/03/redevelopment-of-les-halles-station-by-patrick-berger-and-jacques-anziuttiarchitectes/,

Abruf 2022.04.12

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Bild: Michael Wildmann


NORD

SÜD

STIEGE

ÜBERDACHUNG

Bild und Skizze: Heidi Kresbach

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Bilder: Heidi Kresbach


Centre Georges-Pompidou

Renzo Piano // Richard Rogers // Gianfranco Franchini // 1977

Das Centre Pompidou ist aus dem Gedanken entstanden in Paris ein

Kulturzentrum für die gesamte französische Nation zu errichten. 1969 realisierte

der französische Präsident Georges Pompidou diese Idee und vereinte die

Funktionen eines Museums für moderne Kunst, einer öffentlichen Bibliothek,

eines Designzentrums und eines Instituts für zeitgenössische Musik, in ein und

demselben Gebäude, um Menschen aller Gesellschaftsschichten freien Zugang

zu Wissen und zu zeitgenössischer Kultur zu ermöglichen. 1

Der Entwurf stammt von den Architekten Richard Rogers und Renzo Piano

und entstand im Zuge eines Architekturwettbewerbs.

Das aussagekräftige Alleinstellungsmerkmal des Entwurfs ist, dass nur

die Hälfte des bebaubaren Geländes beansprucht wird. Weiterhin beinhaltet

das Konzept, durch die Verlagerung der Erschließung und den Versorgungsund

Entsorgungseinrichtungen außerhalb der Fassade, großzügige und

anpassungsfähige Innenräume zu schaffen. Die außen spielerisch angeordneten

Infrastrukturen, verstärken den funktionalistischen Charakter des Gebäudes. 1

Die Anforderung des Tragwerks war es eine Stützenweiten von 48m

zu überspannen um vielseitig nutzbare Räumlichkeiten zu generieren.

Die Konstruktion besteht aus 14, sechsgeschossigen, in Stahl ausgeführten

Rahmen die sich aus je zwei Stützen an jeder Seite und einem Fachwerkträger

in jedem Geschoss zusammensetzten. 2 An den Stützen wird jeweils ein Hebel,

die sogenannte Gerberette, befestigt. Die an den Gerberetten angebrachten

Zugstangen reichen tief ins Fundament und stabilisieren die Konstruktion.

Das Tragwerk wird von einer Fassade aus Glas umhüllt, welche die Stadt

absorbiert und gleichzeitig reflektiert. 1

Das Centre Pompidou ist mehr als nur ein Gebäude für Kultureinrichtungen,

es gleicht einem Herz, durchzogen von monumentalen Adern in leuchtenden

Primärfarben, ein wahrhaft lebendiger Organismus. Es hat ein Eigenleben und

ist Wahrzeichen der Stadt geworden. 3

Text: Elena Meister

1

Richard Copans: Le Centre Georges Pompidou, [ARTE] Architecture Collection

2

Jochen Bub, Wim Messing: Das «DING» im Bauch von Paris, in: Bauwelt 1977

3

Our building, in: https://www.centrepompidou.fr/en/collections/our-building Abruf 2022.28.04

30


31

Bilder: Elena Meister


Die 14 identischen Stahl-Rahmen werden aus jeweils zwei Rundrohrstützen und

einem Fachwerkhängeträger gebildet. Dieser Einfeldträger gibt seine Kräfte

an zwei Hebel ab welche jeweils auf einem Querbolzen aufliegen. 2

Um die erforderliche Erdverankerung zu ermöglichen ohne die Freiflächen

Nutzung einzuschränken, liegen die Verbände an den vier Eckpunkten unterhalb

des Hebels. Sie bestehen jeweils aus zwei gekreuzten Diagonalen, wobei das

eine die Gerberette umgreift und das andere mit der Stütze verbunden ist. 2

Die französische Bezeichnung des Hebels die sogenannte «Gerberette»,

benannt nach dem Deutschen Gerber, der das System im 19. Jahrhundert

entwickelt hat. 2

Die Gerberette ermöglicht die Übertragung der Kräfte und des Moments des

Trägers in die Stütze, beseitigt die Lastausmittigkeit der Stütze und verhindert

so Torsion und knicken. 2

Text: Elena Meister

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Bilder: Elena Meister


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Tag 2

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UNESCO Hauptquatier

Marcel Breuer // Bernard Zehrfuss // Pier Luigi Nervi // 1952

Im November 1958 schien der jahrelange Konflikt nun endlich zu Gunsten der

UNESCO ausgegangen zu sein. Die Weltorganisation bekommt ihr eigenes

Gebäude.

Umgeben von makanten/ bekannten Monumenten der Stadt tritt das

entworfene Gebäudeensemble unübersehbar hervor. Trotz des Bruchs

mit älteren Traditionen, besonders die Formgebung und das Baumaterial

(Stahlbeton) betreffend, ordne sich das Gebäudeensemble, so die Befürworter,

gut in das Stadtbild ein. Besonders harmonisch funktioniert die Einfügung in das

Halbrund der von Jacques-Ange Gabriel entworfenen Place de Fontenoy, das

mit der geschwungenen Fassade des Sekretariatsgebäudes aufgegriffen worden

sei. Diese Halbrundung wurde auch in Stützenformen und in den Innenraum

wiedergespiegelt.

Der Gebäudekomplex der UNESCO stand allerdings nicht nur für eine

spezifische Ästhetik; er verkörperte ein politisches Programm und transportierte

eine Fülle von Botschaften. Als UN-Sonderorganisation für Erziehung,

Wissenschaft und Kultur wollte die UNESCO mit ihrem neuen Hauptquartier

nach eigenen Worten „ein Symbol des 20. Jahrhunderts“ schaffen. Deshalb

auch die Hinwendung zur Architektur der Moderne. Die Organisation sah in der

Architektur die Zukunft, der sie sich verpflichtet fühlten.

Mit den Gebäuden schuf sich die UNESCO eine Art räumlicher Grammatik.

Diese gibt Aufschluss über die Geschichte einer Organisation, die die Welt im

wörtlichen wie im übertragenen Sinn in vielerlei Hinsicht zu organisieren suchte.

Text: Greta Pirzl

vgl: https://zeithistorische-forschungen.de/1-2010/4693

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Bild unten: Daniel Schürr // Bild oben: Michael Wildmann


Bilder: Michael Wildmann

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Bild: Michael Wildmann


Grand Palais Éphémère

Jean Michel Wilmotte // 2021

Der Grand Palais Éphémère wurde 2021 in Paris eröffnet und von Jean Michel

Wilmotte entworfen. Dabei handelt es sich um einen temporären Bau zwischen

dem École Militaire und dem Eiffelturm. „éphémère“ bedeutet auf französisch

kurzlebig.

Der temporäre Bau gilt als Ersatz für den Grand Palais, welcher wegen

Renovierungsarbeiten geschlossen ist. Ebenfalls soll er als Austragungsort für

die Olympischen Sommerspiele 2024 in Paris genutzt werden. So sind dort

Wettbewerbe für Judo und Ringen geplant. Im Anschluss soll das Gebäude

wieder demontiert werden. Hierzu wurde insbesondere auf recyclebare

Materialien und modulare Bauweise geachtet. So können auch Bauteile

weiterverwendet werden.

Der Grand Palais Éphémère ist eine große Halle, welche 145 Meter lang, 140

Meter breit und bis zu 20 Meter hoch ist. Die Einbindung in den Kontext war

beim Entwurf ein wichtiges Thema und hat zu der Bogenform des Gebäudes

geführt. Die Bögen sind vorgefertigte Fachwerkträger aus Fichtenholz, welche

vor Ort leicht montiert werden konnten. Eine ETFE Membran umhüllt das

Gebäude.

Text: Eike Fiedler

https://www.grandpalais.fr/en/lieu/grand-palais-ephemere, Abruf: 30.4.2022

http://www.wilmotte.fr/en/project/533/grand-palais-ephemere, Abruf 30.4.2022

Birgit Gruber: Holzskelett am Fuße des Eiffelturms, in: https://www.holzbauaustria.at/architektur/2021/03/grandpalais-ephemere-fertiggestellt.html,

Abruf: 30.4.2022

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Bilder: Michael Seidel


Bild: Eike Fiedler

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Bild unten: Eike Fiedler // Skizze oben: Eike Fiedler (nach Jean Michel Wilmotte)


ZAC Batignolles

Stadtentwicklungsgebiet// 2002+

Die Größe und Zielsetzung des Ökoviertels Clichy-Batignolles machen es

zu einem der wichtigsten laufenden städtischen Projekte im Raum Paris. Es

entfaltet sich auf 54 Hektar auf dem ehemaligen Rangierbahnhof der SNCF im

Norden des Viertels Batignolles (17. Arrondissement von Paris). Dieses gemischt

genutzte Gebiet konzentriert sich um den Martin Luther King Park, einen der

größten von Paris, und hat alle Zutaten einer Stadt für sich. Die Architektur

der Gebäude maximiert die Vorteile des Parks, der Eisenbahnlandschaft und

der Möglichkeiten, Wohngebäude mit einer Höhe von bis zu 50 m zu errichten.

Im nördlichen Sektor des Geländes wird die Barrierewirkung des Boulevard

périphérique (Ringstraße) abgemildert und Platz für ein neues Zentrum

geschaffen, dessen Mittelpunkt das symbolträchtige 160 m hohe Pariser

Gerichtsgebäude (Tribunal de Grande Instance) ist, das vom Architekten Renzo

Piano entworfen wurde. 1

1

https://www.parisetmetropole-amenagement.fr/en/clichy-batignolles-paris-17th

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45

Bild: https://www.osty.fr/uploads/1-MOSAIQUE-5fd3a9f7911dd.jpeg


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Tower Flower

Edouard Francois // 2004

Eines der frühen Beispiele für begrünte Fassaden ist das Pariser Wohnhaus

„Tower Flower“. Die grüne Oase mitten in der Stadt wirkt als Symbiose von

Stadt und Natur. Das Gebäude besticht durch seine simple Bauweise welche

jedoch alles andere als langweilig auf den Betrachter wirkt. 1

Die Stockwerke sind durch Spannbetonplatten getrennt, die an drei Seiten um

den kubischen Baukörper auskragen und als Balkone fungieren. Besonders

herausragend ist dabei die Absturzsicherung gelöst: Der Architekt Edouard

Francois hat 380 ein Meter hohe Pflanzentöpfe in die Fassade intergriert,

welche keineswegs nur frei auf den Balkonen stehen, sondern fix in die

Gebäudestruktur eingebettet sind. Die Fassadenelemente sind Pariser

Blumenkästen nachempfunden, aus denen Bambus wächst. Es wirkt wie die

vertikale Verlängerung des angrenzenden Parks. Die Pflanzen sorgen dabei

nicht nur für natürlichen Schatten und Kühlung, sondern bieten gleichzeitig

auch Privatsphäre für die Bewohner und geben das Gefühl, man wohne in

einer Baumkrone. In einem Interview sagte Francois, dass er sich heute statt

Bambus für eine regionale Pflanzenart entscheiden würde um die Biodiversität

zu erhöhen. Das Gebäude erstreckt sich über 9 Geschosse und beinhaltet 30

Wohneinheiten. 2

Obwohl das Gebäude keine 20 Jahre alt ist, sieht es schon sehr

heruntergekommen aus und ist optisch in keinem wirklich gutem Zustand.

Außerdem scheint die integrierte Bewässerung der Blumentöpfe nicht überall

zu funktionieren, da einige der Bambuspflanzen sehr trocken wirken. Da es ein

privates Wohngebäude ist, ist es nicht öffentlich zugänglich, allerdings kann man

den sehr schönen Park vor dem Gebäude betreten und den Tower Flower von

allen Richtungen betrachten.

Text: Arno Poll

1

Paris Promeneurs: Der Blumenturm, in: https://paris-promeneurs.com/la-tower-flower/, Abruf: 27.04.2022

2

Grün statt Grau: The Tower Flower in Paris, in: https://gruenstattgrau.at/projekt/the-tower-flower-in-paris/, Abruf:

27.04.2022

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Bild: Arno Poll


Bild: Lisa Blenk

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Skizze unten Detailschnitt durch Balkon: Arno Poll // Bild oben: Arno Poll


Tribunal de Grande Instance de Paris

Renzo Piano Building Workshop // 2017

Seit dem Mittelalter war die Pariser Justiz in dem berühmten Gebäude, das die

Sainte-Chapelle auf der Île de la Cité umgibt, untergebracht. Im Laufe der Jahre

führte zunehmender Platzmangel dazu, dass viele Büros an eine Vielzahl von

Standorten in der ganzen Stadt verlegt werden mussten. Die neuen Pariser

Gerichtshöfe, die neben der Porte de Clichy führten, die Gerichtssäle und Büros

der Justizinstitution in ein Gebäude zusammen. Der historische Sitz auf der

Île de la Cité wird weiterhin wichtige und symbolträchtige Einrichtungen wie

das Schwurgericht (Strafgericht), das Berufungsgericht und den Obersten

Gerichtshof beherbergen.

Als der Wettbewerb zum ersten Mal gestartet wurde, schlug die französische

Regierung vor, die Gerichtshöfe in zwei separate Gebäude zu unterteilen: das

erste für öffentliche Funktionen wie Gerichtssäle und das zweite für Büros. Die

Schlüsselidee hinter dem Projekt von Renzo Piano Building Workshop ist es,

all diese Räume wieder in einem großen Gebäude zu vereinen, das aufgrund

seiner Größe und seines Status ein Ausgangspunkt für die Sanierung und

Neuentwicklung des Viertels um die Porte de Clichy werden könnte,

Das Gebäude erhebt sich auf einem L-förmigen Grundstück zwischen

Stadtring und Martin-Luther-King-Park. Die Achse des Gebäudes orientiert

sich an der Nord-Süd-Diagonalen des angrenzenden Parks, der das

Stadtentwicklungsgebiet Clichy–Batignolles verankert. Daher ist die Südfassade

des Gebäudes nach Paris gerichtet, während die Nordfassade nach Clichy blickt.

Die diagonale Linie des Parks wird durch einen „visuellen Korridor“ verstärkt,

der sich nach Norden bis nach Clichy fortsetzt und zwischen der Ostfassade

des Gerichtsgebäudes und dem Maison des Avocats (Hauptsitz der Pariser

Anwaltskammer) verläuft. 1

1

http://www.rpbw.com/project/paris-courthouse, Abruf: 20.07.2022

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Bilder: Michael Wildmann


Bild: Michael Wildmann

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Bilder: Michael Wildmann


Maison de l‘Ordre des Avocats

Renzo Piano Building Workshop // 2013-2022

Das Maison de l’Ordre des Avocats (MOdA, Sitz der Pariser Anwaltskammer) ist

ein integraler Bestandteil der neuen Cité Judiciaire, einer Gruppe von Gebäuden

17. Arrondissement von Paris, die der Anwaltschaft gewidmet sind. Symbolisch

transparent ist das Leben des Gebäudes, seine Aktivität und sein Kommen und

Gehen durch seine Fassade deutlich sichtbar. Das MOdA ist so gelegen, dass

sein Gebäude zu dem viel größeren Pariser Gerichtsgebäude (Gerichtsgebäude)

passt und darauf Bezug nimmt, während es stolz unabhängig davon steht, eine

klare eigenständige Einheit. Strukturell anspruchsvoll, um mit einem Standort

über der Metro fertig zu werden, ist es auch ein wichtiger Teil der neuen

öffentlichen Stadträume, die hier entstehen und dieses Viertel beleben.

Die neue Cité Judiciaire befindet sich im Entwicklungsgebiet Clichy Batignolles

im Nordwesten von Paris. Das Gelände wird im Norden von der Avenue de

la Porte de Clichy, im Westen vom Stadtring Périphérique, im Süden von den

Bahnlinien in den Gare St. Lazare und im Osten vom Square de Batignolles und

der Rue Cardinet begrenzt. 1

1

http://www.rpbw.com/project/ maison-des-avocats, Abruf: 21.07.2022

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Bilder: Michael Wildmann


Bild: Daniel Schürr

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Bild: Michael Wildmann


Tour Bois-le-Prètre

Druot // Lacaton & Vassal // 2008-2011

Der „Tour Bois-le-Prètre“ steht im 17. Bezirk von Paris. Ursprünglich wurde er

in den frühen 60er Jahren als Vorzeigeprojekt der Moderne mit einem Double

im Berliner Hausviertel gebaut und dann 2011 von dem Pariser Büro „Lacaton &

Vassal“ umgebaut und somit vor dem Abriss gerettet.

Bei dem Umbau ging es dem Büro darum mit möglichst wenig Geld und

Bauressourcen die kleinen Apartments zu erweitern, diese gleichzeitig jedoch

leistbar für die Mieter des Hauses zu bewahren.

Zu den 8900 qm bestehenden Gebäude kamen 3560 qm neue Nutzfläche

hinzu. Im kleineren Maßstab, bedeutet das, dass jede der 96 Wohnungen

eine Erweiterung von 44 qm auf 70 qm Nutzfläche erhielt. Diese

Wohnraumerweiterungen wurden in Form von neuen selbsttragenden

Geschossteilen als Terrassen beziehungsweise Wintergärten an den

Fassaden des Tour angebracht.

Um nicht nur die Qualität der einzelnen Wohnungen, sondern auch die Qualität

der Anwohnergemeinschaft zu erhöhen, wurde der Haupteingang so weit wie

möglich von Haustechnik befreit und in einen neu angelegten Garten hinter dem

Haus geöffnet.

Zuletzt wurden die tristen Fassaden mit ihren kleinen Öffnungen durch

großzügig offene Fassaden ersetzt, wodurch der exklusive Blick über Paris

möglich wird. All diese Umbauten geschahen in Fertigteilbauweise, damit die

Anwohner des Gebäudes während der gesamten Bauzeit möglichst ungestört in

ihren Wohnungen wohnen bleiben konnten.

Text: Konrad Graunke

Laura Weißmüller: Genial räudig, in: https://www.sueddeutsche.de/kultur/architektur-genialraeudig-1.4027347,

Abruf 2022.29.04.

Lacaton & Vassal, https://www.lacatonvassal.com/index.php?idp=56#, Abruf 2022.29.4.

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Bild: Michael Wildmann


Bild: Markus Rupprecht

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Bild unten: Michael Wildmann // Bild oben: Markus Rupprecht


Maison du Peuple, Clichy

Eugène Beaudoin & Marcel Lods // Vladimir Bodiansky // Jean Prouvé //

1935

Das Maison du Peuple gilt als Gebäudemaschine in der Architektur. Diese sollte

funktional aber auch flexibel sein. Tagsüber eine Markthalle und Abends ein

Festsaal/ Veranstaltungsort und auch ein Kino. 1

Das Gebäude zeichnet sich durch die Transfomabilität, die sich durch die

Aufgabe auf verhältnissmäßig beschränktem Raum verschiedenen Zwecken zu

genügen entwickelte aus. Außerdem wurde hier das Montagebausystem mit

vorfabrizierten, ausschließlich aus Eisen bestehende Elementen mit seltener

technischer und architektonischer Meisterschaft angewendet. Zement oder

Mörtel wurden, abgesehen für das Fundament, nur für den die Konstruktion des

Erdgeschossbodens und den vorgeschriebenen Luftschutzkeller verwendet. 2

Die Markthalle kann von allen vier seiten betreten werden. Jedoch sind

nicht alle Eingänge gleichwertig. Der Haupteingang zeichnet sich durch

einen möglichen Vorraum ab, der durch zwei Treppenaufgänge in die

Galerie/ den Festsaal akzentuiert wird. Dieser Vorraum kann auch mit zwei

Schiebetüren von der Markthalle abtrennt werden. So entsteht ein Foyer

für die Abendveranstaltungen. 3 Durch diese Zweigeschoßigkeit würde dem

Markt einiges an Höhe fehlen, desshalb wurde der Boden über den mittleren

Holraum des Marktes mit beweiglichen Bodenelementen konzipiert. Diese

werden durch Motorantrieb zunächst horizontal verschoben, um dann mittels

einer Hebevorrichtung im Bühnenraum übereinander geschichtet zu werden. In

diesem Zustand kann sich der Markt auch auf die Galerie ausdehnen jedoch nur

mit bestimmten Produkten.

Das Dach über dem Mittelfeld des Baus ist verglast und kann gleichzeitig, in je

zwei Teile geteilt, zurückgeschoben werden, so daß sowohl Markt, Volksfeste

oder Kinovorführungen unter freiem Himmel stattfinden können. 4

Text: Greta Pirzl

1

vgl: Thomas Hasler, Hochbau Einführung, 2019; VO6

2

vgl: Das Werk : Architektur und Kunst = L‘oeuvre : architecture et art, A.R., 1947; PDF; s.2-4

3

vgl: Thomas Hasler, Hochbau Einführung, 2019; VO6

4

vgl: Das Werk : Architektur und Kunst = L‘oeuvre : architecture et art, A.R., 1947; PDF; s.2-4

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Bilder: Michael Wildmann


Bilder: Michael Wildmann

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Bild: Michael Wildmann


ZAC La Chapelle International

Masterplan von L‘ AUC // 2009+

Der Sockel und das SOHO Masterplan von l’AUC für La Chapelle Internationale.

Auf einem der letzten Baulandreserven in Paris wird Vieles anders gemacht.

Das erneute Prüfen eines Wettbewerbsbeitrages führte zu belebten

Sockelgeschossen, auf denen sich neun Hochhäuser befinden. Das französische

Architektur und Städtebaubüro l’AUC hat eine (buchstäblich) bodenständige

Untersuchung unternommen, wie Hochhäuser auf den Boden treffen: Ein

Sockelgeschoss leitet vom menschlichen Maßstab zu einem neu errichteten

Hochhaus über - Das sogenannte SOHO-Prinzip (Small Office Home Office).

Um ein animiertes Leben im Stadtviertel zu erzeugen, stehen die Türme auf

einem zweigeschossigen Sockel, aufgebrochen durch schmale Fußgänger

Alleen. Die Straßen sind rund um das verkehrsfreie Wohnquartier angelegt, in

Verbindung mit fußläufigen grünen Alleen – ein Landschaftskonzept von Bas

Smets. Im Sockel kann Arbeiten und Wohnen kombiniert werden.

Das gesamte Areal der Wohnbauten wurde in fünf Teilabschnitte zerlegt, die

jeweils in einem Wettbewerbsverfahren an zwei Architekturbüros vergeben

wurden. Ob diese vollständig zusammenarbeiten, sich vage miteinander

abstimmen oder vollkommen unabhängig voneinander entwerfen, blieb

Angelegenheit des Duos. Vorgegeben waren folgende Richtlinien:

Auf den SOHO stehen die Türme, gedreht in einem Winkel von 45 Grad, sodass

es keine Wohnungen mit Nord-Lage gibt. Entlang der östlichen Quartierstrasse

soll sich die Schräglage auf der Nordseite auch im Erdgeschoss abzeichnen,

um einladende Vorplätze zu schaffen. Auf der Südseite hingegen nicht, damit

räumlich Halt gewährt und Abwechslung im Stadtbild erzeugt wird.

Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie erhält einen typologischen Ausdruck,

der sich im Wesentlichen kaum unterscheidet vom Paris unter Haussmann.

Diese erfolgreiche Wiederbelebung, in Kombination mit neuen Höhen,

Formen und zeitgenössische Materialien, ermutigt uns, über die Stadt heute

nachzudenken.1

1

vgl. werk, bauen + wohnen, 12-2021, s.29ff, Susanne Stacher

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wbw

12 — 2021

Bild: wek, bauen + wohnen (Susanne Stacher)

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Bild: Daniel Schürr

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Bilder: Daniel Schürr


Cité des Sciences et de l´Industrie

Adrien Fainsilber // 1986

Bis 1974 beschlossen wurde die Fläche neu zu nutzen, war auf dem 40.000 m 2

großem Porte de la Villette ein Schlachthof und ein Viehmarkt untergebracht. Es

kam die Idee auf, die Struktur des Auktionssaals, welcher sich im nördlichen Teil

des Parks befiindet, zu nutzen und in ein Wissenschafts- und Industriemuseum

umzubauen. 1

1980 wurde der Architekt Adrien Fainsilber damit beauftragt den in den 60er

Jahren begonnen und unvollendeten Bau des Auktionssaals in ein modernes,

futuristisches Technikmuseum aus Stahl und Glas umzubauen. Er entschied sich

drei grundlegende Elemente in seinem Entwurf hervorzuheben: Wasser, Licht

und Vegetation. Der ausgehobene Graben und die mit Wasser befüllten Becken

rund um das Gebäude betonen die Monumentalität des Gebäudes, während

natürliches Licht durch die zwei Glaskuppeln auf dem Dach und die komplett

verglaste Südfassade in das Innere dringt.

Die Cité erstreckt sich mit einer Länge von 270 Metern und Breite von 110

Metern über 7 Geschosse. Die 32 Meter breiten und 8 Meter tiefen Glaskuben

an der Südfassade dienen als Gewächshäuser. Die Wände bestehen aus 2

mal 2 Meter großen Glasplatten, die durch ein System von Kugelgelenken wie

eine Kette aufgehängt sind und durch eine Reihe von Edelstahlpfosten und

horizontalen Zugelementen die Stabilität gegen die Belastungen des Windes

gewährleistet. Die fünf rechteckigen, mit Granit verkleideten Betonpfeiler und

die blau gestrichenen Fachwerkträger aus Stahl wurden vom ursprünglichen

Gebäude beibehalten. 2

Adrien Fainsilber gelang es, ein unvollendets Auktionsgebäude in ein

atemberaubendes Museum zu verwandeln, welches durch außergewöhliche

Proportionen und technologische Innovation herausragt.

Text: Arno Poll

1

Wikipedia: Cité des sciences et de l´industrie, in: https://de.wikipedia.org/wiki/Cit%C3%A9_des_sciences_et_

de_l%E2%80%99industrie#Geschichte, Abruf: 28.04.2022

2

cite-sciences: Architektur und Geschichte der Wissenschafts- und Industriestadt, in: https://www.cite-sciences.fr/

apps/parcours-architecture-histoire/, Abruf: 28.04.2022

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Bilder: Arno Poll


Bilder: Michael Wildmann

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Skizze unten Tragwerk: Arno Poll // Bild oben: Michael Wildmann


Philharmonie de Paris

Jean Nouvel // 2015

Die Philharmonie de Paris befindet sich im Parc de la Vilette im 19. Bezirk von

Paris. Das Herzstück bildet die Konzerthalle welche 2400 Sitzplätze bereitstellt.

Die Philharmonie de Paris wurde 2015 eröffnet. Jedoch distanzierte sich der

Architekt Jean Nouvel später von dem Projekt und bezeichnete dieses als

unvollendet. 1

Das 52 Meter hohe Gebäude der Philharmonie, welche von Jean Nouvel

entworfen wurde, wird als „Stein-“ beziehungsweise „Bergartig“ bezeichnet. Das

Gebäude scheint fast so als würde es sich aus dem Grund heraus hervorheben.

Die Fassade aus Aluminium ist detailreich gestaltet – Mit einem Mosaik aus

340.000 Teilen, welches Vögel darstellen soll und in Farben von hellem grau bis

schwarz variieren. 2

Die Philharmonie de Paris weist eine komplexe Geometrie in ihrer

Struktur auf und ist eine Stahlbetonkonstruktion kombiniert mit weiteren

Konstruktionselementen aus Stahl. 3

Die Konzerthalle wurde neuartig konzipiert – Die BesucherInnen sollen durch

die Architektur „in das Geschehen und in die Musik gezogen werden“, denn die

am weitesten entfernten Sitzplätze sind nur 32 Meter von der Bühne entfernt.

4

Die 2400 Sitzplätze verteilen sich auf das Parterre hinter der Bühne und

dem Galeriegeschoss. – den fast „schwebenden“ Balkonen. Die akustische

Wahrnehmung wird durch die beweglichen Panäle an der Decke und den

Wänden beeinflusst. Sie sollen den Sound in verschiedene Richtungen lenken. 1

Text: Moira Mandic

1

India Block, Jean Nouvel sues over „totally disproportionate“ Philharmonie de Paris late fee, in Deezen 2019/10,

URL: https://www.dezeen.com/2019/10/25/jean-nouvel-sues-philharmonie-de-paris-late/ (Abruf 25.04.2022)

2

Cite de la Musique - Philharmonie de Paris, La Philharmonie, URL: https://decouvrir.philharmoniedeparis.fr/en/

philharmonie (Abruf 25.04.2022)

3

Philharmonie de Paris, URL: https://en.wikiarquitectura.com/building/philharmonie-de-paris/ (Abruf 16.06.2022)

4

Luca Ameri, Gallery: Philharmonie de Paris Photographed by Danica O. Kus 2015/12, in archdaily, URL: https://

www.archdaily.com/778425/gallery-philharmonie-de-paris-photographed-by-danica-o-kus (Abruf 25.04.2022)

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Bilder: Moira Mandic


Bild: Michael Wildmann

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Bilder: Michael Wildmann


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Tag 3

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Eden Bio. Villas des Vignoles

Edouard François // 2008

Vignoles hat die Größe eines ganzen pariser Wohnblocks. Aufgrund der

Größe steht das Projekt sowohl für Urbanismus als auch für Architektur. Im

Gegensatz zu, zur gleichen Zeit entworfene, Fouquet‘s Barrière befindet sich

der Häuserblock nicht im haussmannschen Paris mit schicken Boulevards,

sondern in einem malerischen und beliebten Viertel. Vignoles wird von schmalen,

nur wenige Meter breiten Gassen durchzogen. Die umgebende Architektur ist

niedrig und besteht aus Versatzstücken, kleinen Fragmenten, die viel Charme

haben. Das Areal umfasst hundert neue Sozialwohnungen und Ateliers für

Künstler:innen, einige neue Gemeinschaftsräume und ein kleines renoviertes

Restaurant. 1

Der städtebauliche Ansatz, die Straßenfronten in ihrer ursprünglichen

Kleinteiligkeit zu belassen und das Zentrum zu verdichten, ist neu in Paris. Er

steht im Gegensatz zur Haussmann‘schen Auffassung, wonach Ordnung und

Dichte zur Straße hin und die Wildnis dahinter liegen. 2

In den engen Gassen, die einem kleinen Labyrinth ähneln, gibt es keine

Eingangshalle und keine Aufzüge, vielmehr wird der Eindruck kleiner

Stadthäuser mit ihren kleinen Gärten vermittelt. 3

Jedes Haus hat seine eigene Fassade, seine eigene Verkleidung und

unterschiedliche Anordnung der Fenster und Türen und ist somit von den

anderen unterscheidbar. Eine Außentreppen aus unbehandeltem Holz, die an

eine Baustelle, bringen die Baukörper der Reihenhäuser näher an den zentralen

Baukörper heran. Die Gerüste, die von der holzverkleideten Fassade abzweigen,

sind von emporrankendem Flieder, der im Boden verankert ist, überwuchert. Die

bepflanzte Fassade, Demeter zertifiziertes Erdreich und begrünte Dächer sind

Teil des Nachhaltigkeitsgedanken des Projekts. 4

Text: Cosima Sima

1

https://www.area-arch.it/en/eden-bio/

2

https://www.archiweb.cz/en/b/obytny-soubor-eden-bio-villas-des-vignoles

3

https://www.dezeen.com/2009/02/17/eden-bio-by-edouard-francois-2/#

4

https://www.floornature.de/francois-wohnungen-und-ateliers-eden-bio-in-paris-8475/

82


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Bild unten: https://www.area-arch.it/en/eden-bio/ // Bild oben: https://www.archiweb.cz/en/b/obytny-soubor-eden-bio-villas-des-vignoles


Bild: Daniel Schürr

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Bilder: Cosima Sima


Le Monde Group

Snohetta // 2018-2020

Mit der Fertigstellung ihres neuen Hauptsitzes wurden die 1600 Mitarbeiter der

Gruppe Le Monde unter einem Dach in einem großzügig gewölbten Gebäude

mit einer Fläche von 22 933 m 2 in der Avenue Pierre-Mendès-France im 13.

Pariser Arrondissement untergebracht. Mit seinem markanten neuen Platz und

seiner opaken Hülle schafft das Gebäude Verbindungen zur Öffentlichkeit und

zum umliegenden Verkehr. 1

Das Projekt liegt direkt neben dem historischen Bahnhof Gare d‘Austerlitz und

in unmittelbarer Nachbarschaft zum historischen Quartier Latin und den üppig

bepflanzten Gärten des Jardin des Plantes. 1

Die lichtdurchlässige, dynamische Fassade und der weitläufige öffentliche

Platz bringen die Offenheit des Gebäudes gegenüber seiner Umgebung zum

Ausdruck. Das Projekt selbst entstand zu einem Zeitpunkt, als diese Prioritäten

in Frage gestellt wurden. Als die Gruppe Le Monde Anfang 2015, nur wenige

Tage nach den Anschlägen auf den Hauptsitz des Magazins Charlie Hebdo, über

architektonische Vorschläge für ihren künftigen Sitz nachdachte, entschied sie

sich schließlich für den Entwurf von Snøhetta und dem lokalen Partner SRA

Architectes und damit für ein Gebäude, das in einem offenen Dialog mit der

Stadt Paris und ihren Einwohnern steht. 2

Die Herausforderung bestand darin, dass das Gelände nur an den beiden

äußersten Enden des Bauplatzes Lasten aufnehmen kann. Die Antwort von

Snøhetta und SRA Architectes war die Idee, die beiden Einheiten durch eine

Brückenkonstruktion aus zwei Stahlträger zu verbinden, die von einer Seite

des Geländes auf die anderes spannen würde: eine äußerst anspruchsvolle

technische Aufgabe für ein Gebäude, das mehr wiegt als der Eiffelturm. Es

entsteht ein Platz der Passanten zum Verweilen und zur Interaktion einlädt und

gleichzeitig eine Verbindungen der beiden Seiten des Gebäudes schafft. 1

Text: Elena Meister

1

Le Monde Group Headquarters, in: https://snohetta.com/projects/526-le-monde-group-headquarters, Abruf

2022.30.04

2

Paula Pintos: Le Monde Group Headquarters / Snøhetta, in: https://www.archdaily.com/953509/le-mondegroup-headquarters-snohetta,

Abruf 2022.30.04

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Bild: Elena Meister


Bild: Daniel Schürr

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Bilder: Daniel Schürr


La Cité de la Mode et du Design

Jakob + MacFarlane // 2010

Die Stadt der Mode und des Designs ist ein Gebäude am Quai d‘Austerlitz in

Paris. Die Eröffnung, die ursprünglich für Anfang 2008 geplant war, fand im

Laufe des Jahres 2010 statt. Das IFM Paris (Institut Français de la Mode)

befindet sich seit 2008 in dem Gebäude. Art Ludique, ein Museum für

Ausstellungen zeitgenössischer Kunst in Comics, Manga, Kino, Live-Animation

und Videospielen, befindet sich ebenfalls im Gebäude.

Neben der Seine, zwischen dem Gare d‘Austerlitz und der Bibliothèque nationale

de France, wurde die Stadt der Mode und des Designs von den Architekten

Jakob + MacFarlane entworfen und ist mit seiner kühnen Architektur eines der

bemerkenswertesten zeitgenössischen Denkmäler von Paris. 1

Diesen Ort erkennt man an seiner äußeren Struktur - grasgrün und zeitgemäß.

Seine Räume widmet das Gebäude der Avantgarde von Mode und Design. Von

einer Ebene zur nächsten kommt man über Holzstege, welche, umhüllt von

einer Stahlstruktur, an dem bestehende Stahlbeton Skellett des alten Logistik

Warenumschlagplatzes angehängt ist. Heute sind viele Korrosionsschäden an

der alten Stahlbeton Struktur zu sehen.

Tex und Skizze: Lukas Notheis

1

https://en.wikipedia.org/wiki/Cit%C3%A9_de_la_mode_et_du_design 27.04.22 13:00

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Bild unten: Lukas Notheis // Bild oben: Daniel Schürr


Bild unten: Michael Wildmann // Bild oben: Daniel Schürr

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Bild: Daniel Schürr


Passerelle Simone de Beauvoir

Feichtinger Architects // 2006

Die Fußgängerbrücke mit einer durchschnittlichen Breite von 12 m verbindet die

neue französische Nationalbibliothek mit dem Park von Bercy. Die Gesamtlänge

beträgt 304 m und die freie Spannweite über der Seine 190 m.

Feichtinger erreichte nicht nur die brückenübliche Verbindung von zwei,

sondern gleich von sechs Punkten. Beide Ufer der Seine stufen sich in je drei

Ebenen ab: ganz unten liegt der Quai, darüber das Straßenniveau und ganz

oben der Park bzw. das Plateau der Nationalbibliothek.

Alle Ebenen können auch leicht mithilfe des Lifts aus Glas am Brückenkopf

erreicht werden. Dadurch wird körperlich eingeschränkten Personen Zugang

ermöglich. 1

Auf beiden Seiten des Flusses kreuzen sich zwei 35 m lange Seitenabschnitte

über stark befahrene Autobahnen am Flussufer, diese sind zugleich Struktur

und Wegführung. Die beiden gegenüberliegenden Kurven stabilisieren sich

gegenseitig und es entsteht eine freie Spannweite über das Wasser. Die

Brücke besteht aus drei Wegen. Zwischen den beiden Ufern hat die Seine

eine Art See geschaffen, der 700m lang und 150 m breit ist. Die Brücke bildet

einen einzigartigen öffentlichen Ort über dem Fluss, bei der die Besucher die

Veranstaltungen auf dem Wasser beobachten können. 2

Die Oberflächen sind mit Eiche und rutschfesten Einsätzen verkleidet. Die

Geländer bestehen aus Edelstahlnetzen, die vertikal zwischen dem Aluminium-

Handlauf und einer Führungsstange an der Unterseite gespannt sind. Die

Beleuchtung ist in die Handläufe integriert. Sie unterstreicht die herausragende

Silhouette der Brücke, die ganz ohne Pfeiler in der Seine auskommt. 3

Passerelle Simone de Beauvoir ist einzige Pariser Brücke, die nach einer Frau

benannt wurde. Die Brücke ist bei der Bevölkerung sehr beliebt. 4

1

www.feichtingerarchitectes.com/display_project.php/1/462

Text: Olha Karnaushenko

2

world-architects: Dietmar Feichtinger Architectes, in: www.world-architects.com/en/dietmar-feichtingerarchitectes-montreuil/project/footbridge-simone-de-beauvoir,

Abruf 30.04.2022

3

www.archello.com/project/passerelle-simone-de-beauvoir

4

www.faz.net/aktuell/technik-motor/technik/fussgaengerbruecke-mit-simone-de-beauvoir-ueber-dieseine-1575798.html

4

www.nextroom.at/building.php?id=600

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Bild unten: Michael Seidel // Bild oben: www.archello.com/story/15393/attachments/photos-videos/44


Gemeinsam mit dem Büro RFR, das für die Tragwerksplanung verantwortlich

war, entwickelte der Architekt eine Kombination auch Bogen und Hängebrücke,

die sich im Viertelpunkt der Strecke kreuzen, es entsteht eine Art Linse.

Die Brücke besteht aus 1600 Tonnen Stahl, Dafür würde das Unternehmen Eifel

beauftragt. es wurde eine verschweißte Stahlkonstruktion gefertigt, weswegen

die auch weniger rostanfälliger ist. 4

Schema

Tragwerkssystem & Verankerung

Darstellungen; www.archimagazine.com/afeichtinger.htm

Text: Olha Karnaushenko

Die Struktur ermöglicht größtmögliche Stabilität bei gleichzeitiger maximaler

Leichtigkeit und Eleganz. Die Hauptstruktur ist an den Ufern im Bereich der

Auflager eingespannt. Bogen und Zugband kreuzen sich im Viertelpunkt der

Spannweite, Ein massives Gussteil stellt die durchgehende Verbindung von

Bogen und Zugband im Kreuzungspunkt her, wobei der unterspannte Zugband

gelenkig mit dem durchgehenden Bogen verbunden ist.

Das statische System ermöglicht eine Verringerung des Feldmoments. Das

Tragwerk in der Mitte besteht aus dem Druckgurt, der durch Zugbänder

unterspannt ist. Gehwege wird von einer Sekundärstruktur gebildet. Die

seitlichen Anbindungen sind vom Haupttragwerk unabhängig. 5

Der Transport der Brückenteile wurde mittels eines Schiffes ermöglich. 6

Der heutige Zustand der Brücke ist sicher, dennoch sind die Aufzüge außer

Betrieb, Die integrierte Beleuchtung in den Handläufen sitzt teilweise nicht mehr

fest, und wurde mittels Kabelbinder befestigt.

5

www.gat.st/en/node/186945

6

www.nextroom.at/building.php?id=600

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Bilder: Olha Karnaushenko


Bibliothèque Nationale de France

Dominique Perrault // 1995

Die von Dominique Perrault geplante und zwischen 1990 und 1996 erbaute

Bibliothèque nationale de France liegt im 13. Arrondissement, einem ehemaligen

Industriegebiet an der Seine. 1 In dem städtebaulich vernachlässigten Gebiet

sollte ein neues Zentrum in einem neuen Viertel entstehen. 2

Die Umrisse des Gebäudes werden durch vier 79 Meter hohe L-förmige Türme

markiert, welche an aufgeschlagene Bücher erinnern. Die Türme, welche in den

oberen zwölf Geschossen Buchmagazine und in den darunterliegenden Büros

beherbergen, bilden einen Rahmen für einen mittig gelegenen Garten. Dieser

zentral angeordnete Garten mit 250 Eichen, Kiefern und Birken ist um 23 Meter

vom Niveau abgesetzt³ und ist leider nicht für die Öffentlichkeit zugänglich.

Der Hauptteil des Gebäudes befindet sich in den sechs öffentlich zugänglichen

unterirdischen Geschossen, die die Rezeption, Lesesäle, Informationszentren,

Kongresssäle und Räume für Nebennutzungen beherbergen.

Die Lesesäle sind zum mittig gelegenen Garten orientiert. 4

Der über den Untergeschossen liegende, holzbeplankte Freibereich ist als

Aufenthaltsbereich im Freien organisiert und wird auch gerne von Menschen

aus der Umgebung genutzt.

Die Erschließung des Gebäudes erfolgt auf der flusszugewandten Seite

durch eine Fußgängerbrücke, auf den anderen drei Seiten durch hölzerne

Treppenanlagen. 5

Zusätzlich zur Glasfassade der aus Stahlbeton konstruierten Türme, haben diese

an der Schmalseite eine Schicht aus Aluminiumgewebe. Hinter der Glasebene

liegen vertikale holzfurnierte Lamellen, die für individuelle Belichtungen der

Büroräume sorgen.

In den Innenräumen dominiert das Konstruktionsmaterial Stahlbeton, das von

Perrault entworfene Mobiliar aus Holz sowie Matten aus Edelstahl, welche an

die Industriegeschichte des Standortes erinnern sollen. 6

Text: Jonathan Kaserer

1

Vgl. Michel Jacques: Bibliothèque Nationale de France 1989 - 1995, 1995, S. XI-XIII.

2

Vgl. Agnese Bifulco: Dominique Perrault - La Bibliothèque nationale de France portrait d’un projet 1988 -1998,

URL: <https://www.floornature.de/dominique-perrault-la-bibliotheque-nationale-de-france-portr-13681/> [Zugriff:

21.04.2022].

3,4,5

Vgl. o.A. Nationalbibliothek in Paris, in: DETAIL - Zeitschrift für Architektur + Baudetail 2 (1999), S. 237.

6

Vgl. Christian Schittich: Im Detail: Innenräume : Raum, Licht, Material, 2002, S. 128.

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Bild: Jonathan Kaserer


Bilder: Jonathan Kaserer

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Bild: Jonathan Kaserer


Centre Commercial Bercy 2

Renzo Piano Building Workshop // 1987-1990

Das „Bercy 2 Centre Commercial“ wurde zwischen 1987 und 1990 von dem

französischen Architekturbüro „Renzo Piano Building Workshop“ in Paris erbaut.

Wie der Name schon sagt dient das Gebäude als Shopping Center und wurde

von der Firma GRC in Auftrag gegeben.

Die Topografie und Umgebung in welcher das Bercy 2 errichtet wurde geben

dem Gebäude seine Form. Eine große, beinahe schon skulpturale, silber

glänzende Schale fügt sich in das Netz aus vielen Hauptstraßen rings herum

ein. Über 2000 qm umfasst die silberne Dachkonstruktion, bestehend aus

über 27000 Dachpaneelen, welche durch die geometrische Form der Schale

standardisiert produziert werden konnten. Überhaupt ist das Dach der

wichtigste Teil des Gebäudes, da durch seine Zweischaligkeit nicht nur eine

angenehme natürliche Belichtung im Inneren des Einkaufszentrums entsteht,

sondern außerdem zu einer guten Belüftung und einer Verlangsamung des

Wärmeaustauschs zwischen Innen und Außen beiträgt.

Der Innenraum des Bercy 2 bildet einen ziemlichen Kontrast zum Außenraum. Im

Gegensatz zu der skulpturalen Wirkung nach außen, überzeugt der Innenraum

durch seine angenehme, helle und offene Atmosphäre.

Schaut man sich den Längsschnitt des Gebäudes an, ist der Kontrast am besten

erkennbar: Innen die vielen, geraden Korridore und kleineren Geschäfte, schauen

aus wie gestapelt, während dann im nächsten Schritt die große, gewölbte Hülle

über den Bau gezogen wird.

Text: Konrad Graunke

http://www.rpbw.com/project/bercy-2-shopping-center, Abruf 29.04.2022

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Bild unten: Michael Wildmann // Bild oben: http://rpbw.test.metis.ice.spill.net/data/dixdigzbh/image/upload/c_limit,h_1440,q_80,w_2560/bjualg6myqtptnkhct7c


Bild: Michael Wildmann

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Bild: Michael Seidel


Siège du Parti Communiste Français

Oscar Niemeyer // Jean Prouvé // 1967-1980

Das Hauptquartier der kommunistischen Partei Frankreich war Oscar Niemeyers

erstes Projekt in Europa, nachdem er wegen seiner politischen Orientierung

Brasilien verlassen hatte, denn er war selbst Mitglied der Kommunistischen

Partei. 1 Das von 1967 bis 1980 errichtete Gebäude befindet sich in der

nordöstlichen Region von Paris und wird heute noch von der Kommunistischen

Partei genutzt.

Niemeyers Entwurfskonzept für das Projekt war ein sorgfältiges Abwägen

zwischen Freifläche und Volumen der Architektur. Sein Ziel war es, das Gelände

nur sehr reduziert zu bebauen und dafür den Grünraum für die Nutzer*innen

des Gebäudes und die Bewohner*innen der Umgebung zu maximieren. Das

erklärt auch, warum er einen großen Teil der Räume unterirdisch positionierte. 2

Leider ist das Areal heute durch einen Zaun begrenzt und für die Öffentlichkeit

geschlossen. Die von außen sichtbare Architektur umfasst einen vertikalen,

serpentinenförmigen Büroblock, den er vom Boden abhob, um weiteren

öffentlichen Raum zu schaffen und eine weiße Kuppel unter welcher sich der

große Sitzungssaal des Zentralkomitees befindet. Der Haupteingang liegt

verborgen unter dem Büroblock: nur angedeutet von einem kleinen Vordach

öffnet sich der Boden und gewährt dem Besucher Einlass in die unterirdischen

Bereiche mit ihren offenen Grundrissen.

Die Konstruktion des Gebäudes erfolgte in Stahlbetonbauweise, welche

allgemein sehr wichtig im Werk Niemeyers war. Die Materialwahl

ermöglichte ihm große Spannweiten, freie Entwürfe und Formen. Der

vom Boden abgehobene Büroblock steht auf 5 wandartigen Stützen, die

nicht nur das Gewicht der freitragenden Decken tragen, sondern auch

wichtige Versorgungskanäle enthalten. 3 Ein an der Rückseite positionierter

Erschließungskern bildet gemeinsam mit den Deckenplatten die Aussteifung.

Die Fassade aus getöntem Glas und der prägenden vertikalen Gliederung wurde

vom französischen Ingenieur und Architekten Jean Prouvé entworfen.

Text: Sarah Fuchs

1

Evan Pavka: AD Classics: French Communist Party Headquarters / Oscar Niemeyer, in: https://www.archdaily.

com/892597/ad-classics-french-communist-party-headquarters-oscar-niemeyer, Abruf 2022.05.01

2

ebd.

3

Vgl: Oscar Niemeyer: Curves of Irreverence; Styliane Philippou, Oscar Niemeyer; Yale University Press, 2008

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Bilder: Sarah Fuchs


Bilder: Sarah Fuchs

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Bilder: Sarah Fuchs


La Halle Pajol

JAP Architectes // Françoise-Hélène Jourda // 2008-2014

Die Halle Pajol ist ein 9600 m 2 großes Entwicklungsgebiet im 18. Arrondissement

von Paris. Es handelt sich um eine industrielle Stätte aus dem Jahr 1926, welche

verfiel und 2004 von der Stadt Paris gekauft wurde. 2007 Gewann Jourda

Architectes den Sanierungswettbewerb und im September 2014 wurde die

Halle Pajol eingeweiht, seit dem dient sie als Beispiel einer gelungenen

Aufbesserung eines problematischen Stadtgebiets. 1

Das Gebiet liegt direkt an der Gleisanlage des Gare de l’Est und umfasst

ausladende Freizeitbereiche, das Yves Robert youth hostel, welches auf

4,400 m 2 neben 330 Betten auch Veranstaltungsräume und ein Bar-Restaurant

bietet, eine Bibliothek, sowie Büros und Werkstätten. Im Norden liegen die

Jardins Rosa-Luxemburg (Gärten, Grünflächen, Spielplatz). Im Süden ist ein

Sportzentrum, im Osten die Gleisanlage des Gare de l‘Est. Im Westen der Halle

Pajol findet sich eine Fußgängerzone mit diversen Shops und Dienstleistern. 2

Holz und Stahl werden zu einem besonderen Raumgefüge kombiniert. Die

Atmosphäre wird von einem öffentlichen Garten mit Bäumen, Retentionsbecken

mit Seerosen, und wilden Blumen geprägt. [2] Die in Holzbauweise errichteten

Volumen stehen völlig eigenständig unter den bestehenden Metallrahmen

und Dächern. Die Halle erhält daher ihre historische Funktion als schützender

Schirm und wird erweitert um ein neues Gefüge im Inneren, sowie ein

modernes Solarkraftwerk. Neben den Solarpaneelen und Solarröhren sorgen

auch Kanadische Brunnen (Luft-Erdwärmetauscher) und doppelt gedämmte

Holzwände für einen insgesamt stark reduzierten CO2-Fußabdruck. 3

Der Partner der Architekten in diesem Projekt, SEMAEST ist eine, halb

städtisch, halb privatwirtschaftlich organisierte Gesellschaft, welche die

Belebung und Wiederbelebung prekärer Viertel in Paris vorantreibt. Trotz

dem hohen Preis von 32 Mio. Euro ist die Halle Pajol ein nachhaltiger

Entwicklungsansatz. 4

Text: Daniel Ornetzeder

1

Laurène Delion: La Halle Pajol, dame de bois et de fer, in: Architecture Bois & dépendance n°60, s. 90-91

2

jourda-architectes.com/projets/hall-pajol

3

architekturvideo.de/tragwerk-aus-holz-umbau-der-halle-pajol-in-paris-jourda-architectes

4

Wolfgang Kabisch: Öffentlich-private Quartierswiederbelebung, in: Bauwelt 288 vom 22.12.2020, s. 50-55

5

fr.wikipedia.org/wiki/ZAC_Pajol

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Bilder: Daniel Ornetzeder


Bilder: Daniel Ornetzeder

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Bild: Daniel Schürr


Fondation Cartier

Jean Nouvel // 1994

Das Gebäude der Fondation Cartier befindet sich im Pariser Stadtteil

Montparnasse und wurde im Jahr 1994 eröffnet. Der Zweck der Stiftung

Fondation Cartier ist die Förderung junger in- und ausländischer Künstler. Im von

Jean Nouvel geplanten Gebäude finden die Kunstschaffenden eine Möglichkeit

die Räumlichkeiten für Ausstellungen zu nutzen. 1

Die Gebäudekubatur ist zwölf Meter von der Straßenflucht zurückversetzt.

Dadurch wird einerseits eine Distanz zur Straße geschaffen, andererseits

entsteht ein Raum für einen Garten. Ein weiterer Aspekt für das Absetzten

zur Straßenflucht war die Rücksichtnahme auf einen Zedernbaum aus dem 19.

Jahrhundert, der jedoch beim Besuch 2022 nicht mehr vorhanden war.

Der Garten wird durch eine acht Meter hohe Glasfront vom Stadtraum und

Lärm abgetrennt, aber durch das durchblickbare Glas wieder damit verbunden. 2

Eine konzeptionelle Überlegung Jean Nouvels war es das Gebäude zu

dematerialisieren. Die Hülle aus einer Stahl-Glas Fassade ermöglicht dieses

Konzept. Durch die vorgesetzte Glaswand sowie durch auskragende

Fassadenelemente ist das tatsächliche Gebäudevolumen anfangs nur schwer

zu erfassen. Verschwommene Grenzen, Lichtreflexe, Spiegelungen und

(gespiegelte) Bäume sorgen für Verwirrung bei der Betrachtung. 3 Jean Nouvel

schafft es in der Fondation Cartier das Gebäude mit dem umgebenden Garten

zu verbinden und eine Einheit daraus zu machen.

Den Künstlern wird, durch das nahezu vollständig offen gehaltene Erdgeschoss,

eine freie Platzierung der Ausstellungstücke ermöglicht. Eine Interaktion mit der

umgebenden Gebäudehülle ist dabei ebenso möglich, wie die Bespielung des

rückwärtigen Garten durch öffenbare Glastore. In den beiden Untergeschoss

sind weitere Ausstellungsräume. Die oberen acht der neun oberirdischen

Geschosse sind Büroflächen. 4

Text: Jonathan Kaserer

1

Vgl. Sebastian Redecke: Jean Nouvel - Fondation Cartier, in: Museen für ein neues Jahrtausend - Ideen Projekte

Bauten, 1999, S. 146-152.

2 ,3 ,4

Vgl. Megan Sveiven, AD Classics: Fondation Cartier / Jean Nouvel, URL:< https://www.archdaily.com/84666/

ad-classics-fondation-cartier-jean-nouvel> [Zugriff: 21.04.2022].

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Bild: Michael Seidel


Bild: Jonathan Kaserer

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Bild: Jonathan Kaserer


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Tag 4

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Paris-Saclay Cluster

Michel Desvigne Paysagiste // 2009 - 2021

Die Pariser Metropolregion wurde lange Zeit stetig mit der Stadt Paris als

einziges Zentrum erweitert, der Cluster Paris-Saclay bricht daraus aus. Mit

dem Ziel ein polyzentrisches Gebiet zu schaffen, werden Zentren geschaffen

und miteinander verbunden, die nicht mehr dem klassischen Muster der Pariser

Vorstädte entsprechen. Die Verkehrsknotenpunkte der einzelnen Zentren in den

Außenbezirken werden miteinander und den Flughäfen verbunden.

Die Einrichtungen am Plateau von Saclay waren vor Umsetzung des Masterplans

zersiedelt, es sollte jedoch zu einem internationalen Forschungs- und

Innovationszentrum werden. Um das zerschnittene Areal zu organisieren, wurde

eine verbindende Landschaft zwischen den einzelnen Abschnitten am Plateau

geschaffen. Da es sich um eine der wichtigsten Freiflächen in der Metropolregion

Paris handelt, wurden die Brachflächen der Landwirtschaft, am Rande des

Gebiets, beibehalten, die natürlichen Grenzen durch Bewaldung respektiert und

verstärkt, und die städtischen Viertel verdichtet.

Bestehende Hänge und Täler wurden erweitert, ebenso wie die Topographie, um

neue Straßen, Infrastrukturelemente und das Wasserwirtschaftssystem einbetten

zu können. Die verschiedenen wissenschaftlichen Cluster sind in die Landschaft

eingebettet und stehen in direktem Austausch mit dem Freiraum. 1

Text: Lisa Blenk

1

vgl. Michel Desvignes Paysagiste: Paris Saclay, Cluster, in: micheldesvignepaysagiste.com/en/paris-saclay-cluster,

Abruf: 2022.04.27

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Bilder: Lisa Blenk


École Centrale Supélec - Gustave Eiffel

OMA // Clement Blanchet // 2013 - 2017

Der neue Campus der CentraleSupélec setzt sich unter anderem aus einem

40.000m2 Gebäudekomplex namens „Gustave-Eiffe – LAB-City“ von OMA

und einem 25.000m2 großen namens „Francis-Bouygues“ von Gigon/Guyer

zusammen, die gemeinsam Bildungs-, Forschungs- und Gemeinschaftsräumen,

sowie Sporthallen, Mensa oder Theater unterbringen und zusammen mit dem

Gebäude „Breguet“ aus dem Jahr 1974 ein Trio bilden.

„LAB-City“ von OMA bricht mit konventionellen, linearen und introvertierten

Laborbauten. Die Büros, Labore oder Klassenzimmer sind als Parzellen in einem

offenen Raster angeordnet, können bei Bedarf neu konfiguriert werden und

sind als separate Gebäude gedacht. 1 Der diagonale Weg durch das strenge

Raster verbindet die Ubahn mit dem Zentrum des Viertels. Innerhalb des

Gebäudes entstehen entlang der Querachse informelle Räume mit rund 2000m2

„Außenfläche“ unter einem ETFE Dach mit Sonnenschutzmuster, die das gesamte

Jahr genutzt werden können. Begegnungen zwischen den einzelnen Nutzer:innen

werden durch die offene Gestaltung gefördert, Gemeinschaftsräume können

durch externe Nuter:innen angemietet werden. Die entstandenen offenen Plätze

können ganztags genutzt werden, sowohl zum Arbeiten als auch als Freizeitraum. 2

1

vgl. Yudina, A.: OMA imagines a city within a city for a vast engineering school in Paris-Saclay, in: wallpaper.com/

architecture/lab-city-centralesuplec-oma-paris-saclay, Abruf 2022.04.27

2

vgl. OMA: Lab City CentraleSupélec, in: oma.com/projects/lab-city, Abruf 2022.04.273 Autor: Titel des Artikels, in:

www.superseite.com/projekt, Abruf 2022.04.27

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Bild unten: Daniel Schürr // Bild oben: Lisa Blenk


Bild: Daniel Schürr

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Bilder: Daniel Schürr


École Centrale Supélec - Francis-Bouygues

Gigon/Guyer // 2019

Das Gebäude „Francis-Bouygues“ von Anette Gigon und Mike Guyer ist mit

drei Volumen rund um eine große, zentrale Halle organisiert, die das Gebäude

als öffentlicher Raum über drei Geschosse verbindet und, neben dem Gebäude

„Gustave- Eiffel – LAB-City“ von OMA, ebenfalls Teil der École CentraleSupélec

ist. Durch drei Rücksprünge werden die Zugänge zum Gebäude definiert, es

befindet sich zwischen dem bestehenden Campus „Louis C. Breguet“, dem

neuen „Gustave-Eiffel“ Gebäude und der Natur. Emaillierte Keramikelemente

mit unterschiedlichen Strukturen und Farben als Fassade reagieren auf die

unterschiedlichen Lichtsituationen der verschiedenen Umgebungen und spiegeln

gleichzeitig die Nutzung im Inneren wider. Ähnlich wie LAB-City setzt sich das

Gebäude aus Strassen, Gassen und Plätzen zusammen, eine Topografie zieht

sich durch das Gebäude und ermöglicht Arbeit und Aufenthalt auf verschiedenen

Höhen in unterschiedlichen Raumatmosphären. 1

Durch die verglasten Dachelemente, den zentralen begrünten Innenhof und den

spürbaren Bezug zur umliegenden Natur wird ein heller, ruhiger Arbeits- und

Freizeitort für die Mitarbeiter:innen und Studierenden der Fakultäten Mathematik,

Informatik und Industrietechnik geschaffen. Zusätzlich zu Räumen für Forschung

und Verwaltung, den Lehrräumen, Laboren und den Aulen auf den entstehenden

Plätzen, befinden sich im Gebäude ebenfalls eine Sporthalle, Kantinen, ein Hotel

für die Gäste der Universität, Studios zum Musizieren oder auch Räume, die

beispielsweise eine Theateraufführung ermöglichen. 2

Bilder: Lisa Blenk

1

Gigon/Guyer Architekten: Francis Bouygues Gebäude, Ecole CentraleSupélec, in: gigon-guyer.ch/de/werk/bauten/

lehre_forschung/#francis-bouygues-gebaeude, Abruf 2022.04.27

2

Baunetz: Gigon/Guyer neben OMA., in: baunetz.de/meldungen/Meldungen-Zweiter_CentraleSupelec-Neubau_in_

Gif-sur-Yvette_5157727.html, Abruf 2022.07.13

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Bild: Lisa Blenk


Bild: Daniel Schürr

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Bild unten: Lisa Blenk // Bild oben: Daniel Schürr


Lieu de Vie

Muoto // 2011 - 2016

Ebenso wie die drei Gebäude der École CentraleSupélec ist auch das „Lieu

de Vie“ (Ort des Lebens) oder auch „Public Condenser“ genannt, am neuen

Campus Paris-Saclay situiert. Das Gebäude bietet Raum für Studierende und

Mitarbeiter:innen der umliegenden Hochschulen. Der Public Condenser ist das

erste realisierte Projekt des Architekturbüros Muoto und hatte ein Budget von

6,5 Millionen Euro. Mitunter das verhältnismäßig geringe Budget führte dazu,

dass in weiten Teilen des Gebäudes das Stahlbetonskelett zur Gänze sichtbar

bleibt und nur, in Teilen in denen die Nutzung es erfordert, das Skelett durch

wärmegedämmte Metallverkleidungen, Sichtbeton, Schiebefenster und

Fixverglasungen geschlossen wurde. Sämtliche verwendete Materialen haben

geringe Instandhaltungskosten.

Die Stützen des Stahlbetonskeletts wurden vorgegossen, die Unterzüge und die

Deckenplatten in standardisierten Industrieschalungen vorgefertigt. Sämtliche

Sichtbetonflächen wurden unbehandelt belassen. Das Gebäude entspricht den

heutigen französischen Energievorschriften nicht, da das Gebäude vor 2011

genehmigt wurde - vor Inkrafttresten der aktuellen Vorschriften, und zu viele

Wärmebrücken aufweist und Großteils ungedämmt ist.

Sämtliche Geschosse werden über eine offene Treppe erschlossen, im Erdgeschoss

befinden sich vor allem Nebenräume, im darüber liegenden Geschoss eine offene

Halle. Im 2. Stock befindet sich ein Restaurant für Studierende, Mitarbeiter:innen

und Besucher:innen und im Geschoss darüber flexibel nutzbare Räume für Tanz

oder Fitness. Auf der Dachterrasse befinden sich Sportplätze. 1

Text: Lisa Blenk

1

vgl. Hildner, C.: Public Condenser in Paris-Saclay, in: baunetzwissen.de/beton/objekte/sonderbauten/publiccondenser-in-paris-saclay-5588849,

Abruf 2022.04.27

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Bild: Markus Rupprecht // bild oben: Daniel Schürr


Bilder: Markus Rupprecht

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Bilder: Lisa Blenk


ENS Paris-Saclay

Renzo Piano Building Workshop // 2014 - 2020

Der rund 63.000m2 große Campus für rund 3000 Studierende von Renzo Piano

Building Workshop setzt sich aus etwa zwanzig Gebäuden zusammen, die rund um

einen zentralen Garten platziert sind. Das Gebäude verfolgt einen ganzheitlichen

Ansatz mit einem modularen System, das sich in den verschiedenen Gebäudeteilen

wiederholt. Die Gestaltung ist der Funktionalität untergeordnet, durch 16m breite

Rahmen ergeben sich stützenfreie, flexible Bereiche für die einzelnen Büros,

Labore und Unterrichtsräume. Das Gebäude ist in der Lage Regenwasser zu

speichern, verfügt über Sonnenkollektoren und eine natürliche Belüftung.

Das Gebäude versucht die Bedingungen zu schaffen um Interaktion und Austausch

zwischen den Laboren und den Lehrräumen zu schaffen, unter anderem durch

transparente Wände, Zwischengeschosse und die räumliche Nähe. Die Fassade

gliedert sich in zwei Teile und besteht im Erdgeschossbereich aus extra klarem

Glas. In den oberen Geschossen besteht die Fassade in jedem Gebäude aus sich

wiederholenden modularen Elementen.

Im südlichen Teil befinden sich Cafétaria, Restaurant für rund 1000 Personen,

Empfang und ein Konferenzraum, die sich durch die transparente Fassade zur

Straße öffnen. Im nördlichen Teil befinden sich entlang eines 200m langen und

15m hohen Gangs die Bereiche für Forschung und Lehre. 1

Text: Lisa Blenk

1

vgl. Kolnaar, T.: Renzo Piano Building Workshop completes Ecole Normale Supérieure Paris Saclay, in: archello.com/

news/renzo-piano-building-workshop-completes-ecole-normale-superieure-paris-saclay, Abruf: 2022.04.27

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Bild: Daniel Schürr


Bild: Lisa Blenk

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Bild unten: Daniel Schürr // Bild oben: Michael Wildmann


ENSAE Paristech Campus

CAB Architectes // 2017

Als Teil des Universitätscampus in Paris-Saclay konzipiert, entstand der Plan der

Architekten, die vorhandene Landschaft mit nähe zum Waldrand durch „eine

einfache Form und eine abstrakte Archtektursprache einzufangen“ eine gewisse

Leichtigkeit in der Struktur des Gebäudes zu bringen. Trotz ihrer Unerfahrenheit

im Umgang und Bau mit Stahl, folgte ihren Prinzipien zufolge der Entwurf eines

Exoskeletts aus Stahl, in das die Räume eingeschrieben werden sollten. 1

Ein Platz mit den Außenmaßen 80m x 80m und einem eingeschriebenen

Raster von 3,05m x 2,10m bildetete die Grundlage für das spätere Gebäude.

Die Tragstrutktur besteht aus HEB-Trägern in der Größe 24cm x 24cm, die

insgesamt Spannweiten von bis zu 15m überwinden müssen. Verbunden werden

diese Hauptträger über Stahlverbinder mit den Abmessungen 15cm x 15cm

mit der Außenstruktur. Diese Stahlkonstruktionen sollte gemeinsam wie ein

überdimensionales Meccano-Set (ein bekannter Metallbaukasten ursprünglich

für Kinder gedacht) montiert werden. Am Ende war es den Architekten auch

wichtig, das die Tragstruktur nicht komplett verkleidet wurde, sondern im

Innenraum sichtbar bleiben sollte. 2

In eben diesem Innenraum dieses Exoskeletts befinden sich neben

Klassenzimmern für die unterschiedlichen Studienrichtungen der Universität

auch Platz für Verwaltung und Forschung, eine Bibliothek und ein gemeinsames

Amphitheater, das als Mittelpunkt des Gebäudes fungiert. Eine weitere

Besonderheit sind die großzügigen Freiflächen, von denen besonders jene im

Erdgeschoss auch privat außerhalb der Öffnungszeiten der Universität genutzt

werden können und werden. So entsteht ein funkitonales und angenehmes

Zusammenspiel von kleinen, privaten Flächen mit großen, öffentlichen Plätzen,

die verbindend wirken und auch den universitären Kontext zugänglich machen

für öffentliche Besucher*innen. 3

Text: Johanna Czerny

1

vgl: María Francisca González, in: www.archdaily.com/886641/ensae-paristech-campus-paris-saclay-cabarchitectes,

Abruf 2022.04.29

2

vgl: www.urbannext.net/ensae-paristech, Abruf 2022.04.29

3

vgl. www.cabarchitectes.com/projets/saclay, Abruf 2022.04.29

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Bilder: Johanna Czerny


Bilder: Johanna Czerny

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Bilder: Johanna Czerny


ALJT Studentenwohnanlage

Bruther // Baukunst // 2020

Am Rand von Paris situiert, in der Nähe des Paris-Saclay Universitätscampus,

liegt dieses große, hybride Gebäude, entworfen vom Pariser Architekturbüro

Bruther gemeinsam mit dem belgischen Studio Baukunst, das als Teil des

Palaiseau-Sektor des französischen Technologieclusters fungiert und zwei

ungewöhnliche Funktionen miteinander vereint. Die Anforderungen an den

Entwurf für eben jene Kombination, Studentenwohnanlage und Autoparkhaus,

ergeben aber durchaus Sinn, besonders hinsichtlich der Lage des Projektes. 1

Eine weitere Bedingung war, dass 50% des Parkhauses reversibel gestaltet sein

sollten, um sie, sobald die Metro bis zu dem Campus verbunden sein wird, in

Zukunft umnutzen zu können und in das Studentenwohnheim zu integrieren.

Basierend auf der Grundstücksform bildet das Gebäude sich in einer U-Form

aus, schließt straßenseitig mit seiner Grundstücksgrenze ab und umschließt

so im Inneren einen hochqualitativen Garten, das Herz des Projektes. Von den

Studentenwohnungen, die als Einzimmer- und Maisonette-Wohnungen und

als Wohngemeinschaften angeboten werden und sich aktuell in den oberen

vier Stockwerken befinden, hat man einen großzügigen Ausblick auf die ruhige

Gartenlandschaft. Die ungewöhnlichen Tonnendächer, die den oberen Stock der

Duplexwohnungen bilden, rechtfertigt der Architekt Theriot mit dem Wunsch

nach etwas Besonderem in jedem der Räume. Generell stand vorallem das

Thema Licht sehr im Vordergrund, die Flure sind natürlich belichtet und diverse

Elemente aus Glas gehalten, um angenehme Lichtverhältnisse zu schaffen. 2

„Bei ihrem Studentenwohnheim mit Parkhaus in Paris-Saclay haben Bruther

und Baukunst mit viel Aufwand ein Musterbeispiel an Prägnanz und Schlichtheit

geschaffen.“ 3

Text: Johanna Czerny

1

vgl. Leonardo Lella: Convertible student housing, in: www.arbitare.it/bruther-baukunst-student-housing-parissaclay,

Abruf: 2022.04.27

2

vgl: Andrew Ayers: Licht, Luft, Öffnung, in: Detail Magazin 2021/07-08, s.4-6

3

Andrew Ayers: Licht, Luft, Öffnung, in: Detail Magazin 2021/07-08, s.4

142


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Bild: https://www.abitare.it/en/gallery/architecture/projects/bruther-baukunst-studentato-paris-saclay/?ref=461149#gallery


Foundation Suisse

Pierre Jeanneret // Le Corbusier // 1930-1933

Das, im Rahmen der nach Kriegsende 1925 ins Leben gerufenen „Cité

internationale“, resultierende Bauwerk läuft sowohl unter dem Begriff

„Foundation“ als auch unter „Pavillion“.

Ziel war folglich das Schaffen einer representativen Unterkunft für Schweizer

Studenten in Paris.

Verwirklicht wurde die Fundation Suisse von Le Corbusier, in Form eines

Behördenauftrags.

Förmlich lässt sich eindeutig die Handschrift der renommierten Schweizer

Architekten ablesen.

Aufgrund des schwierigen Baugrunds (ehemals eine Mine), entschieden sie sich

für ein stark reduziertes Fundament, welches sie als Zeichen des Ausdrucks und

zur Schaffung der Erdgeschosszone oberirdisch zeigten und so den Baukörper

emporhoben.

Bei dem die Form ermöglichenden Materialaufbau handelt es sich um eine

Stahlbetonkonstruktion mit Steinverkleidung.

Die 42 Studentenräume überzeugen, trotz ihrer limitierten Dimension (2.8 x

5m), dank hochfunktioneller Grundrisse, welche in Zusammenarbeit mit der

gebürtigen Pariserin Charlotte Perriand entstanden.

Auch die Orientierung Richtung Sonne in Kombination mit den großflächigen

Verglasungen wirkt als wertvoller Stimmungsträger.

Le Corbiseur gibt hiermit nicht nur den Startschuss für den „Neuen Brutalismus“

der 1950er, sondern verweist zusätzlich auf sein mit Pierre Jeanneret

entwickeltes Manifest: „Cinq points de l’architecture moderne“. 1 2

Interressierte haben die Möglichkeit zur Besichtung auserwählter Räume.

Text: Daniel Junger

1

The Swiss Pavilion History, in: http://www.fondationsuisse.fr/en/architecture-space/the-swiss-pavilion-history/,

Abruf 2022.04.29

2

Matthieu Gillabert: Die Anfänge des Schweizer Pavillons an der Cité internationale universitaire, in: http://www.

spiegelderwelt.ch/article/die-anfange-des-schweizer-pavillons-an-der-cite-internationale-universitaire.html,

Abruf 2022.04.29

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Bilder: https://www.archdaily.com/358312/ad-classics-swiss-pavilion-le-corbusier


Maison Julie-Victoire Daubié

Bruther Architectes // 2013-2017

Text: Daniel Ornetzeder

Die Unterkunft für Gastwissenschaftler:innen befindet sich im 14. Außenbezirk

von Paris und steht an einem speziellen Bauplatz, direkt am Boulevard

Périphérique. Der Stadtteil ist weniger dicht besiedelt als die Innenstadt,

dafür aber viel frequentiert. In der Umgebung finden sich Sportstätten, Parks,

Cafés, Restaurants und Kultureinrichtungen, aber auch viele Verkehrsflächen.

Ganz in der Nähe befindet sich auch die Cité Internationale universitaire de

Paris. Die Lage direkt an der Autobahn macht mehrere Schutzvorrichtungen

erforderlich, darunter Mezzanin-Kellerzugangsebenen, die noch Blicke und Licht

durchdringen lassen, und leistungsstarke Schallschutzwände. Darüber hinaus

erfordert die geringe Größe des Grundstücks (nur 1.000 m2 für einen Auftrag

mit insgesamt 4.629 m2) echte volumetrische Kompaktheit.

Das Gebäude ist ein Solitär, welcher durch Erhabenheit bewusst Distanz zu

seiner Umgebung sucht aber diese, über die voll-verglaste Fassade auf den

langen Seiten, auch ins Innere lässt. Die 106 Apartments (mit einem bis vier

Zimmern) sind auf sieben Ebenen verteilt, welche über einen Aufzug und

Treppenhäuser erschlossen werden. Die Gesamthöhe des Gebäudes beträgt 25

Meter.

Die typologische Gliederung basiert auf drei parallel verlaufenden Bändern:

Zwei davon sind Wohneinheiten gewidmet, dazwischen nimmt ein Hohlband/

Laubengang alle Erschließungen auf. Der Verglaste Laubengang lässt nicht

nur Licht in die Erschließungsgänge sondern dank opaken Fenstern auch

in die Wohnungen. Im achten und letzten Obergeschoss erweitert sich die

Erschließungszone zu einer großen Gemeinschaftsterrasse und einem

Fitnessraum mit Blick auf die Stadt. 1 2 3

Die, von Landschaftsarchitekten umgesetzte Sockelzone ist sehr wirkungsvoll.

Sie erscheint offen und geschützt zugleich. Ganz besonders ist bei diesem

Projekt, dass aus dem kleinen Detail heraus bis ins große Ganze geplant wurde.

Eine harmonische Vereinigung von Funktionalismus und moderner Urbanität.

1

Karine Dana: Wohnheim für Gastwissenschaftler in Paris, in: Bauwelt vom 12.2019, s. 50-55

2

degruyter.com/database/BDT/entry/BDT_23_159/html?lang=en

3

eumiesaward.com/work/4435

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Bild: Daniel Ornetzeder


Bild: Daniel Ornetzeder

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Bild: Daniel Ornetzeder


Pavillon du Bresil

LeCorbusier // 1959

Das Studentenwohnheim wurde 1957 im Auftrag der brasilianischen Regierung,

eine Residenz für brasilianische Kultur in Frankreich in Cité Universitaire gebaut.

Der Pavillon du Brésil basiert auf den Plänen von Lucio Costa. Nach dem Le

Corbusier das Design von Lucio Costa durch Änderungen verfremdet hatte,

beschloss der Architekt, seinen Namen aus dem Design zu entfernen. Das

strukturelle sowie statische Prinzip beruht auf dem Schweizer Pavillon und steht

für einen weniger komplexen Nachbild der Unite d‘Habitation. Pavillon du Brésil

gehört somit zu dem Wohntypus, dessen Konzept der Wohnmaschine zugehört. 1

Die Hauptkonstruktion besteht aus breiten tragenden Stahlbeton Stützen/

Pilotis, die das 56m lange Studentenwohnheim vom Boden abheben und fünf

Stockwerken in die Höhe geht. Die Pilotis gehen teilweise durch das kollektiven

Erdgeschoss und erzeugen einen freien Grundriss, welcher Le Corbusier als ein

sozialer Aufenthaltsort plante. Im Inneren der Stützen befinden sich sämtliche

Ver- und Entsorgungsleitungen. 2 Pavillon hat zwei sehr unterschiedliche Fassaden.

Die westliche Frontfassade zur Straße gerichtet, zeigt sich im eher transparenten,

modularen und orthogonalen Charakter Die Ostfassade richtet sich auf das

Programm im Inneren und stellt einen Kontrast zu der seriellen Struktur des

Modulors. Das Grundelement der Wohneinheit in der Westfassade ist das Quadrat

nach dem Modulor, der als Sonnenschutz und Balkon funktioniert. 3 Der zentrale

Sektor in der EG Zone wirkt autonom in der Struktur des Studentenwohnheims,

bildet aber eine horizontale Erschließung die beide Flügel und verbindetden den

darüber liegenden residentalen Teil. In der Ostseite befindet sich Cafeteria, Theater

und soziale Räume in der Westseite Bibliothek und die Administration.

Die Polychromie, mit der Le Corbusier bewusst die enge Beziehung zwischen

Individuellem und kollektivem Wohnen definierte, schafft eine durchgängige,

Identität und kombiniert Eigenschaften des „Beton brut“ mit dem klaren Rhythmus

der Farben. 4

Text: Emma Kantorkova

1

Lorenzo Zandri, Le Corbusier Maison du Bresil, https://divisare.com/projects/367080-le-corbusier-lorenzozandri-maison-du-

bresil, Abruf 2022.29.04

2

vgl: Le Corbusier Promenades ; J o s e Baltanas ;Deutsche Verlagsanstalt München 2005; s.113-115

3

Jonathan C. Molloy. „AD Classics: Maison du Bresil/ Le Corbusier“ https://www.archdaily.com/328057/adclassics-maison-du-bresil-le-corbusier>

ISSN 0719-8884; Abruf 29 Apr 2022,

4

Marcelo Puppi. https://www.ufrgs.br/propar/publicacoes/ARQtextos/ PDFs_revista_12/07_MP_

espaços_300409C.pdf

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Bild unten: kevinrodriguez.myportfolio.com/la-maison-du-bresil-releve/Buch:Mein Werk Le Corbusier // Bild oben: divisare.com/projects/367080-le-corbusier-lorenzo-zandri-maison-du-bresil


Maison de l`Iran (Fondation Avicenne)

Claude Parent // André Bloc // Mohsen Foroughi // Hedar Cghiai // 1995

Die „Fondation Avicenne“ oder auch „Maison de l’Iran“ genannt wurde 1969

von den Architekten Claude Parent, André Bloc, Mohsen Foroughi und Hedar

Cghiain in Paris gebaut.

Das Gebäude ist das letzte gebaute Studentenwohnheim im Park der

„Cité Internationale Universitaire“ im 14. Bezirk von Paris. Es gliedert sich

in ein Ensemble aus mehreren Wohnheimen, darunter der Schweizer und

Brasilianische Pavillon von Le Corbusier oder der Niederländische Pavillon von

Dudok.

Nach anfänglichem Ablehnen des ursprünglichen Entwurfs von Mohsen

Foroughi und Hedar - Cghiai reichte Claude Parent seinen Entwurf ein, welcher

1968 genehmigt wurde wegen des angekündigten Besuchs des iranischen Shah.

Das 38 Meter hohe Gebäude gliedert sich in zwei vierstöckige, gefaltete

Stahlrahmenboxen auf, welche von den drei markanten, schwarzen Trägern

abgehängt sind. Charakteristisch ist außerdem die doppelte Wendeltreppe an

der Außenseite des Gebäudes, welche als Fluchttreppe dient.

Die einzelnen Zimmer in der „Fondation Avicienne“ sind über einen Laubengang

an der Fassade und einen Erschließungskern erreichbar. Im rechteckigen

Grundriss der Zimmer spiegelt sich die äußere Form des Gebäudes wider.

Charakteristisch ist der Laubengang, welcher nicht nur als Erschließung sondern

auch als Treffpunkt verstanden werden kann, sowie die Belichtung von zwei

Seiten der Zimmer.

Text: Konrad Graunke

Jurjen Zeinstra: https://dash-journal.com/maison-de-liran/, Abruf 2022.29.04.

Audrey Jeanroy: https://hiddenarchitecture.net/maison-de-liran/, Abruf 2022.29.4.

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Bild unten: https://hiddenarchitecture.net/wp-content/uploads/2019/12/claude-parent_iran_22-682x1024.jpg //

Bild oben: https://hiddenarchitecture.net/wp-content/uploads/2019/12/claude-parent_iran_01.jpg


Chris Marker student housing

Éric Lapierre// 2017

Das größte Studentenwohnheim von Paris das Chris Marker Student Housing

befindet sich in der Nähe der Cite Universitaire und wurde auf einer städtischen

Busgarage errichter. In der Erdgeschosszone war nur wenig Platz für einen

Eingangsbereich. 1

Die Anlehnung ist die Erzählung aus Chris Markers Film La jetée von 1962. Der

poetische Ansatz und Idee, die Architektur, als eine Filmsequenz zu sehen, wird

durch genaue Funktionalität und Statik ausgeglichen.

Das Ortbeton Bauwerk ist von der Struktur geprägt und zeigt in der

Straßenfassade die Verteilung der Räume im Komplex. Die Diagonale stellt einen

kontinuierlichen Kaskaden - Korridor, der wie ein Weg aber auch ein sozialer

Raum funktioniert. Gleichzeitig steht er in unmittelbarer Verbindung zu den

Loggien auf der Innenseite und dem diagonalen Aufzug auf der Straßenseite.

Alle drei Elemente sind auf jeder Etage erreichbar und gehen bis zu dem

Dachgeschoß. Auf jedem Stockwerk ist der sozialer Raum von den privaten

Zimmern aus frei begehbar. 2

Auf der Fassade sind rhythmische Faltungen, die eine Wiederholung erzeugen

und so das Gebäude kleiner erscheinen lassen. Die „Parti“ dieses Bauwerkes

ist es, den Studenten ein Gefühl von Zu Hause zu vermitteln. Neben der

Programmierung sozialer Räume, die in doppelter Höhe als die 2,5m hohe

Studentenzimmer geplant sind wurden ausdrucksstarke tektonische und

formale Systeme verwendet. Die in der Frontfassade sichtbaren trapezförmigen

Betonstützen entlang der Diagonalen sind nach dem statischen Prinzip geformt

und sind in ihrem Verhältnis immer gleich, nur in der Größe unterschiedlich.

Die Faltfassade reagiert auf die lokalen Brandschutz Vorschriften, indem sie im

Brandfall eine Barriere zwischen den einzelnen Stockwerken bildet.

Bunte Keramik oder Polychromie ist von Le Corbusier inspiriert. Das Streben

nach einem neuen Standard des Studentenwohnens ist in dem Projekt sichtbar,

das das soziale Leben als eine seiner Hauptprioritäten hat.

Text: Emma Kantorkova

1

ArchitectureFoundation,100DayStudio,EricLapierrein:https://www.youtube.com/watch?v=r3acwSYrYk;Abruf2022.28.04

2

Fundació Mies van der Rohe;https://www.miesarch.com/work/4267;

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Bild: Emma Kantorkova


Bild: Moira Mandic

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Bilder unten: Emma Kantorkova // Bild oben: Daniel Schürr


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Tag 5

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Villa Savoye

Le Corbusier // 1931

Die Villa Savoye wurde auf einem riesigen, wenig bewachsenen Grundstück

ohne einschränkende Bauvorschriften errichtet. Sie zeigt sich als einfacher

Quader mit vier gleichwertigen Seiten, der auf umlaufenden Säulen ruht. Das

darunter liegende Erdgeschoss beinhaltet die Vorhalle, Dienstbotenräume und

die Garage. 1 Das Erdgeschoss ist um ein volles Stützenraster zurückgesetzt

und dunkelgrün gehalten, sodass es im Schatten verschwindet. Dies vermittelt

den Eindruck, dass sich der Baukörper vom Boden abhebt. Die Rundung des

Erdgeschosses ist nach dem Wendekreis eines Automobils berechnet. Damit

wird die Vorfahrt zu einem ganz eigenständigen Element des Entwurfs. 2 Die

gesammte Villa wird durch eine Rampe erschlossen (Erdgeschoss bis hin zum

Solarium). Eine Treppe dient als Nebenerschließung.

Der Entwurf liegt den von Le Corbusier entwickelten „fünf Punkten zu einer

neuen Architektur“ zu grunde. 1. die Pilotis (Pfeiler), 2. der Dachgarten, 3. der

freie Grundriss, 4. das Fensterband (Längsfenster) und 5. die freie Fassade.

Der Freie Grundriss wird durch die Konzstruktionsweise die das „Maison

Domino“ zeigt ermöglicht. Die Stützen, Erschließung und die Geschossplatte

sind tragende Elemente. 1

Auch hier funktioniert die Treppe/ Rampe als psychologische Hinführung zum

Weitblick. 3

Text: Greta Pirzl

1

vgl: Fondation Le Corbusier: Villa Savoye und Gärtnerhaus,1928; https://lecorbusier-worldheritage.org/de/villasavoye-und-gaertnerhaus/

(Aufruf: 2022.04.29)

2

Fondation Le Corbusier: Villa Savoye und Gärtnerhaus,1928; https://lecorbusier-worldheritage.org/de/villa-savoyeund-gaertnerhaus/

(Aufruf: 2022.04.29)

3

Baugeschichte II, TU Wien, VO4, 2022.04.27

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Bilder: Greta Pirzl


Foto: Daniel Schürr

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Foto unten: Daniel Schürr // Foto oben: Michael Wildmann


La Defense

La Defense ist ein modernes Geschäftsviertel im Westen von Paris in Puteaux

und charakterisiert sich durch einen erhöhten Stadtplatz umringt von einem

Ensemble an Hochhäusern und Architektur-Ikonen. Es ist Europas größte

Bürostadt.

Das Areal entstand aufgrund des wirtschaftlichen Wachstums der sogenannten

Glorious Thirty von 1947-1973 und der Nachfrage eines modernen „Central

Business District „ nach dem 2. Weltkrieg mit der Bedingung der Erhaltung des

historischen Stadtbildes und geht bis auf Le Corbusiers Plan Voison aus den

1930er Jahren zurück. Die Standortwahl für das Vorhaben fiel auf das westlich

des Pariser Zentrums liegende Puteaux und Courbevoie, dessen Bestand in

den 1950er Jahren sich vornehmlich aus frei stehenden Häusern, kleineren

Fabriken und Höfen, natürlichen Freiflächen und Barackensiedlungen mit bis zu

7000 Bewohner zusammensetzte. Für die Umsetzung des Projektes wurden

ein Viertel der damaligen Vorstädte abgerissen. Die Wahl hängt vor allem

mit der Bedeutung der historischen Achse von Paris zusammen, an welcher

sich Sehenswürdigkeiten wie der Palais de Congres,Arc de Triomphe, dem

Theathre de Champs-Elysees, dem Luxor Obelisk und dem Louvre aufreihen. Die

Verbindung steht als moderne Erweiterung Paris im Gegenüber zum historische

Stadtzentrum und war der erste Übergang der historischen Ache über die Seine

außerhalb von Paris. 1

1958 kaufte das neu gegründete Staatsunternehmen EPAD das Areal und

startete die Projektentwicklung für das neue Geschäftsviertel. Mit den

Architektur-Ikonen La Grande Arche und CNIT entstanden mehr als 30

Hochhäuser und eine 1,2 Kilometer und 250 Meter breite Fußgängerzone in

einer Überlagerung von urbaner Funktionen. 2

Text: Tevo Silbersiepe

1

Vgl. Horn, Christian:LA DÉFENSE, A UNIQUE BUSINESS DISTRICT – FRANCE.

< http://urbanplanet.info/urbanism/la-defense-a-unique-business-district-france/> [Zugriff. 26.04.2022 20:46]

2

Vgl. < https://parisladefense.com/en/territory-strategy/ > [Zugriff. 26.04.2022 21:18]

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Bild unten: Michael Wildmann // Bild oben: CHARLES PLATIAU/REUTERS


CNIT

Robert Camelot // Jean de Mailly // Bernhard Zehrfuss // Jean Prouve //

Cuno Burllmann // Nicolas Esquillan // 1958/2009

Text: Tevo Silbersiepe

Das CNIT ist bis heute die größte Schalenkonstruktion aus Stahlbeton mit 218

Meter Spannweite und einer Höhe von 46 Meter. Das Gebäude wurde auf dem

ehemaligen Gelände der Zodiac-Fabrik in Puteaux erbaut als Ausstellungshalle

des Verbandes der französischen Maschinenbauunternehmen und ist eines

der ersten Gebäude des Geschäftsviertel La Defense im Westen von Paris. Der

Bauplatz, mit dreieckigem Zuschnitt, gab dabei die Grundrissform vor.

Jean de Mailly lieferte die entscheidende Skizze für die gigantische

Gewölbestruktur. 1

Für die Tragwerksplanung wurden unter anderem die damaligen Pioniere

für Stahlbeton-Konstruktionen Pier Luigi Nervi und Eugene Freyssinet

konsultiert, welche allerdings keine überzeugende Konzepte lieferten. Den

letztlich entscheiden Vorschlag für die Konstruktion gab Nicolas Esquillan, der

Technische Leiter einer der am Bau beteiligten Unternehmen. Er schlug eine

2-schalige, aus sechs gleichförmigen Segmenten bestehende Dachkonstruktion

vor. Im Inneren jedes Segments verlaufen je zehn Stahlbetonrippen radial

von den Auflagern zum Gewölbescheitel. Die Schalen sind an den dünnsten

Stellen nur 65 mm dick, die vorgefertigten Rippen haben eine Breite von 60

mm und eine Höhe zwischen 1,9 und 2,7 m. Um den seitlichen Gewölbeschub

aufzufangen, sind die drei Auflager durch insgesamt 44 unterirdische Zugseile

aus Stahl verbunden. Der Bau der Betonschale wurde in drei Abschnitten von

innen nach außen erbaut.

Die filigrane Stahlfassade erstand aus den Entwürfen von Jean Prouve.

Lange war das CNIT prägend im Stadtbild, erlitt aber im Jahr 1978 mit dem Bau

einer Fußgänger-Plattform eine optische Tieferlegung und wird heute von 42

Hochhäusern mit mehr als 90 m Höhe umringt.

1988 wurde Umbauten vor allem im Inneren vorgenommen. Dabei wurde die

innere Nutzfläche auf 200 000 m 2 verdoppelt und zusätzliche Büro- und

Ladenflächen eingebaut, wodurch die Großzügigkeit und Licht im Innenraum

stark eingeschränkt wurden. 2009 wurde mit der Umstrukturierung unter

Leitung von Cuno Brullmann der Bestand der Büro-und Ladenflächen wieder

verkleinert und die Fußgänger-Plattform teilweise zurückgebaut, sodass

die Erlebbarkeit der Höhe teils wiederhergestellt werden konnte. Das CNIT

beinhaltet heute eine Mischnutzung als Einkaufszentrum, Hotel und Mietbüros. 2

1

Vgl. CNIT – Center of New Industries and Technologies <https://en.wikiarquitectura.com/building/CNIT-Center-of-

New-Industries-and-Technologies/> [Zugriff 29.04.2022 12:53}

2

Vgl. Schopf, Jakob: Ingenieurbaukunst: Das CNIT in Paris. DETAIL structure 4/2019 S.4-5

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Bild unten: Cro&Co // Bild oben: Tevo Silbersiepe


Bild unten: Jakob Schopf DETAIL structure 4/2019 // Bild oben: Cro&Co

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Skizzen: Tevo Silbersiepe


La Grande Arche de la Defense

Johann Otto von Spreckelsen // Paul Andreu // 1984-1989

La Grande Arche wurde als Monument für das zweihundertjähriges Jubiläum der

französischen Revolution errichtet und gehört zu den bedeutenden Werken der

Architektur des 20. Jahrhundert.

Der dänische Architekt Johann Otto von Spreckelsen gewann mit seinem

Konzept, den Wettbewerb für ein modernisierten Arc de Triomphe unter

anderem aufgrund der „Reinheit und Stärke“, wie der damalige Präsident

François Mitterand erklärte. 1

Der 110 Meter hohe, tiefe und breite Baukörper vervollständigt die große

städtebauliche Sichtachse „Axe historique“ vom Zentrum bis in den Westen von

Paris im Geschäftsviertel La Defense und steht repräsentativ für das Gefälle der

Geschichte und Zukunft der Stadtentwicklung der Metropole.

Das Gebäude besteht aus einem Rahmen aus vorgespanntem Beton und zwölf

Stützen aus Stahlbeton, zwischen denen Platten zur Absorption der Vibration

eingebaut sind. Der Rahmen wurde ursprünglich mit 2.800 opaken Glaspaneelen

und 350.00 Platten aus italienischem Cararra Marmor verkleidet, der sich aber

auf Grund seiner Wetterempfindlichkeit als sehr problematisch erwies. Deshalb

wurde 2011 der Cararra Marmor durch Granit-Scheiben ersetzt. 2

Nach von Spreckelsen Tod 1987 übernahm der französische Architekt und

Ingenieur Paul Andreu die Fertigstellung des Bau.

Er fügte den als wolkenartig wahrgenommene Teflon-Membran-Sonnenschutz

im Atrium zum Entwurf hinzu. Die Membran wird mit gespannten Seilen an

der Fassade befestigt und bietet Schutz vor Wind, Witterung und Licht bei

gleichzeitigen Durchlass dieser Elemente.

Des Weiteren befindet sich in Atrium der freistehende und verglaste Aufzug,

der einen einzigartigen Blick auf die historische Achse und den ca. 6 Kilometer

entfernten Arc de Triomphe

Der Grande Arche beinhaltet vornehmlich Büroräumen, aber auch eine

Ausstellungshalle im obersten Geschoss und in unteren Geschossen ein

Einkaufszentrum sowie ein Kino. 3

Text: Tevo Silbersiepe

1

Vgl. Reading Office: Johann Otto von Spreckelsen. https://readingoffice.com/johann-otto-von-spreckelsen/

[Zugriff 25.04.2022 21:37]

2

Vgl. Discovery UK: Why The Marble Panels Of The Grand Arch in Paris Started To Fall Out? | Massive

Engineering Mistakes

3

Vgl. Edwards, Sarah: „AD Classics: Grande Arche / Johann Otto von Spreckelsen“ 11 Aug 2011. ArchDaily.

https://www.archdaily.com/153650/grande-arche-johann-otto-von-spreckelsen [Zugriff: 25.04.2022 21:58]

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Bilder: Tevo Silbersiepe


Skizzen: EUmiesaward

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Bild: highrise.axxio.net


Maisons Jaoul

Le Corbusier // 1955

Die konkrete Aufgabe war, die Familie des Auftraggebers und die seines Sohnes

auf einem Grundstück unterzubringen. Die ersten Pläne und Entwürfe stammen

aus dem Jahr 1937. Gebaut wurden die Häuser erst nach dem Krieg, ab 1953.

Das Grundstück ist rund 1000 m 2 groß, die beiden Häuser “A” und “B” jeweils in

etwa 300 m 2 . Sie Teilen einen Garten, Keller und die betonierte Terrasse. 1

Die Backstein- und Betonhäuser halten jenen Moment fest, in dem Le Corbusier

sich dem «neuen Brutalismus» zuwendet. Sie leiten eine neue Phase seines

Lebenswerkes ein, was auch mit der Repression und Zerstörung der Kriegszeit

einhergeht, nach welcher es neue Anforderungen an die Architektur gab.

Grob gefügte Backsteinmauern tragen, glatte, massive Betonelemente, welche

als katalanische Gewölbe die Räume im Inneren überspannen. Die Materialien

werden zur Schau gestellt, unverputzte Ziegel, roher Beton und Naturholz. Es

wurde auf schlanke Stützen und Leichtigkeit verzichtet, die Baukörper ruhen

am Boden. Anstatt von Dachterrassen sind die Flachdächer üppig begrünt. An

Stelle von Bandfenstern wurden Lichtöffnungen, je nach Bedarf im Innenraum,

asymmetrisch angeordnet. Die Häuser sind durchzogen von spielerischen

Ideen, alles bis ins kleinste Detail durchdacht. Die Kraftableitung ist von Außen

ersichtlich, es entsteht eine Harmonie der Proportionen. Angeblich kam bei

diesem Projekt auch erstmals der Modulor, Le Corbusiers Maßsystem mit

menschlichen Maßen, zum Einsatz. 2

Michel Jaoul, der Sohn des Auftraggebers André Jaoul, war als Architekt bei

Le Corbusier angestellt, und später auch mit der Renovierung beauftragt. Die

Familie Jaoul lebte viele Jahre dort bis es 1987 zu Verkauf und Restaurierung

kam. Die Häuser sind Privateigentum und generell nicht für Besucher offen.

Seit 1966 sind die Gebäude als historische Monumente geschützt.

Text: Daniel Ornetzeder

1

en.wikipedia.org/wiki/Maisons_Jaoul

2

Christian Simene: Les maisons Jaoul, chefs-d’œuvre signés Le Corbusier à Neuilly-sur-Seine, in AD, 2021

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Bild: Daniel Ornetzeder


Bild: Daniel Ornetzeder

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Bild: Daniel Ornetzeder


Maison La Roche

Le Corbusier // Pierre Jeanneret // 1923-1925

In einer ruhigen Wohngegend im Westen von Paris befindet sich hinter einer

versteckten Zufahrt das 1925 fertiggestellte, durch Le Corbusier und seinen

Cousin Pierre Jeanneret geplante Doppelhaus, die Villen La Roche-Jeanneret,

eine für den Banker und Kunstsammler La Roche, die andere für Le Corbusiers

Bruder und dessen Familie. Bei dem Entwurf lassen sich bereits die wenige

Jahre später publizierten 5 Punkte zu einer neuen Architektur ablesen. Von

außen zeigt sich eine mediterran-weiße Fassade mit großen, querformatigen

Fenstern die eine gute Belichtung zulassen. Senkrecht zum Hauptflügel

schwebt La Roche‘s Gemäldegalerie von Pilotis getragen in der Luft und am

Dach befindet sich ein Garten. Dahinter steht das bei Le Corbusier bekannte

statische Prinzip von Pfeilern und Stahlbetonboden- und Deckenplatten mit

einer oder mehrerern stabilisiernden Treppenanlagen. Die Fassade löst sich

somit vom Tragwerk ab und kann frei gestaltet werden. 1

Das Gebäude folgt einer strengen, L-förmigen Geometrie, die durch den zweigeschoßigen

Galerie-Anbau mit gekrümmter Fassade aufgebrochen wird. An

dem Kreuzungspunkt des L‘s befindet sich ein hohes, großzügiges Vorzimmer,

von dem aus die Erschließung stattfindet. Eines der ersten Male findet

sich das Raumerlebnis des promenade architecturale in diesem Haus - eine

Reihe an Gestaltungsmethoden wie Farbe, Licht, Schatten, verjüngende und

breiter werdende Räume, Treppen und Rampen leiten den Besucher bei stets

wechselnden Blickbeziehungen zirkulär durch das Gebäude. Die Farbgebung,

zu der Zeit noch ungewöhlich, gleicht das weitgehende Fehlen von sichtbaren

Materialien aus und beeinflusst die räumliche Dimension - je nach Offen- und

Geschlossenheit variiert der Farbton. 2

Maison La Roche war ein Haus, das den Weg für innovative räumliche Konzepte

bereitete und in dem Le Corbusier die ersten vorläufigen Konzepte seines

Purismus in die Architektur übersetzte. 3 Das Gebäude ist heute als Museum zu

besichtigen und in einem sehr guten Zustand.

Text: Heidi Kresbach

1

Guide d‘Architecture Paris 1900-2008; Éric Lapierre; Editions du Pavillon de l‘Arsenal, Paris, 2008; s.1924

2

Le Corbusier. Les Villas La Roche-Jeanneret / The Villas La Roche-Jeanneret; Sbriglio, Jacques; Birkhäuser, Berlin,

München, Boston, 2015; s.XX-XX

3

Gayla Jett Shannon: Le Corbusier and the Daughter of Light: Color and Architecture of Maison La Roche, in:

Journal of Interior Design 45, 2020/4, s.33-50

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Bilder: Michael Wildmann


Bilder: Heidi Kresbach

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Bild unten: Heidi Kresbach // Bild oben: Daniel Schürr


Appartement - Atelier de Le Corbusier

Le Corbusier // Pierre Jeanneret // 1931-34

Das Wohnatelier von Le Corbusier liegt in den zwei oberen Etagen des

Molitor-Gebäudes und wurde zwischen 1931 und 1934 von Le Corbusier und

Pierre Jeanneret entworfen und erbaut. Seine Ost-West-Ausrichtung und

das außergewöhnliche Umfeld schaffen die Voraussetzungen für eine „Ville

Radieuse“. Dieses Wohngebäude-Projekt bietet für Le Corbusier die Gelegenheit,

die Gültigkeitsdauer seiner Vorschläge in Bezug auf den Urbanismus zu prüfen.

Die Abwesenheit des Gegenüber erlaubte den Architekten, vollkommen

verglaste Wände hochzuziehen und so das erste Glasgebäude in der Geschichte

der Architektur zu erschaffen. Das durchgehende Apartment von Le Corbusier

ist lichtdurchflutet und beherbergt auch das Malatelier des Architekten. Le

Corbusier wohnte in diesem Terrassen-Apartment von 1934 bis zu seinem Tode

im Jahre 1965. Der Ort zählt seit Juli 2016 zum Unesco-Weltkulturerbe. 1

1

https://de.parisinfo.com/museen-sehenswurdigkeiten-paris/71441/Appartement-atelier-de-Le-Corbusier,

abgerufen am 21.07.2022

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Bild: Michael Wildmann


Bild: Michael Wildmann

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Bilder: Michael Wildmann


Palais de Tokyo

Lacaton Vassal // 2002 & 2012

Das 1937 im Zuge der Weltausstellung errichtete Gebäude beherbergte in seiner

frühen Bestehensphase zwei Museen moderner Kunst. Nachdem das nationale

Museum moderner Kunst („musée national d‘art moderne“) in den 70er Jahren

ins Centre Pompidou übersiedelte, wurde der Westflügel, in dem heute das

„Palais de Tokyo“ untergebracht ist, viele Jahre lang vernachlässigt und nur

unregelmäßig genutzt. Nach einer Sanierung im Jahr 2002 und einer späteren

Erweiterung im Jahr 2012 durch die Architekt*innen Anne Lacaton und Jean-

Philippe Vassal wurde der Westflügel wieder für die Öffentlichkeit geöffnet und

dient nun als Zentrum zeitgenössischer Kunst. 1 Zugänglich ist das Gebäude zu

den Öffnungszeiten des Museums.

Bei der Restaurierung wurden die Materialien und die ursprüngliche Struktur -

eine massive Tragkonstruktion aus Stahlbeton - des Gebäudes bewahrt. Statt

umfassende Änderungen vorzunehmen, entschieden sich die Architekt*innen

den „nackten“ Rohbau zu inszenieren. Das Ergebnis ist ein industriell

anmutender Raum, mit offenen Grundrissen und in dem Konstruktion und

Gebäudetechnik nicht versteckt, sondern bewusst gezeigt werden. Das Palais

de Tokyo unterscheidet sich damit durch seine Rohheit und Patina von der

typischen „Reinraumatmosphäre“ anderer Museen. 2

Sehr pragmatisch wurde der Entwurf weiters bestimmt durch technische

Anforderungen an die Stabilität der Struktur, durch Sicherheitsvorschriften

und Vorgaben der Barrierefreiheit sowie durch den technischen Ausbau. 3 In

dieser bewahrenden und pragmatischen Haltung spiegelt sich die Handschrift

der Architekt*innen wider: bei ihren Projekten geht es nicht primär um

große Entwürfe und ausgefallene Konzepte. Stattdessen reduzieren sie bei

Restaurierungen aufwändige und kostspielige Eingriffe sowie den materiellen

und finanziellen Ressourcenaufwand auf ein Minimum. 3

1

Vgl. oV.: Le lieu & son histoire, in: https://palaisdetokyo.com/lieu-et-son-histoire/, Abruf 2022.04.27

Text: Sarah Fuchs

2

Vgl. Lacaton & Vassal: Palais de Tokyo Expansion / Lacaton & Vassal, in: https://www.archdaily.com/248026/

palais-de-tokyo-expansion-lacaton-vassal, Abruf 2022.04.24

3

Vgl. oV.: Palais de Tokyo, Paris, in: https://arquitecturaviva.com/works/palais-de-tokyo-10, Abruf 2022.04.27

4

Vgl. Iñaki Ábalos: Bartleby, the Architect, in: https://www.platjournal.com/articles/bartleby-the-architect, Abruf

2022.04.27

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Bild: Sarah Fuchs


Bild: Sarah Fuchs

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Bilder: Sarah Fuchs


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Tag 6

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Musee du Quai Branly

Jean Nouvel // 2006

Das Museum für außereuropäische Kunst und Kultur in Paris ist ein

schwebendes Brückengebäude aus Stahl, das im Innern einen einzigen großen

Ausstellungsraum formt. Den zentralen Weg umgeben die vier geografischen

Abteilungen: Afrika, Amerika, Asien und Ozeanien.

Der Kunsthändler und damalige Staatspräsident Jacques Chirac entschieden

sich die außereuropäische Kunst unter einem Dach zu bringen. Anfangs haben

die Mitarbeiter des Musée l‘homme darüber gestreikt, da sie eine Zerschlagung

der Sammlung befürchtet haben und kritisierten das inhaltliche Konzept. Da

dieses nicht wie üblich die Ausstellungsstücke unter völkerkundlichen, sondern

ausschließlich unter künstlerischen und ästhetischen Gesichtspunkten in Szene

setzt. Trotz der Kritik wurde das größte Museum verwirklicht und liegt zwischen

Quai Branly und Rue de l’Université. Zu der viel befahrenen Straße Quai Branly

wird das Grundstück durch eine riesige Glaswand abgeschirmt, die sich dem

Verwaltungsgebäude anschließt.

Die 4750 Quadratmeter große Galerie verzichtet völlig auf Wände, ist aber

wegen der Dichte der Ausstellungsvitrinen nie ganz zu überblicken. 1

Der 220 Meter lange Baukörper besteht aus zwei unabhängigen Teilen,

die durch eine Dilatationsfuge voneinander getrennt sind. Die beiden

Geschossdecken werden aus einem geschweißten Gitterwerk aus Stahlbalken

gebildet und ruhen auf Rundrohrstützen aus Stahl, die oben und unten gelenkig

gelagert sind. Die Aussteifung in Querrichtung wird durch drei Stahlbetonkerne

im westlichen Teil sowie durch einen Stahlbetonkern und einem Stahlrahmen

im östlichen Teil erreicht. Acht horizontale Verstrebungen, die einerseits an den

Betonkernen, andererseits am Stahltragwerk der beiden Geschossebenen fixiert

sind, gewährleisten die Abtragung der Horizontalkräfte. 2 3

Text: Olha Karnaushenko

1

www.nextroom.at/building.php?id=28618&inc=artikel&sid=26714

2

https://www.szs.ch/wp-content/uploads/2017/08/2007-01_4_d_Museum-Quai-Branly-Paris.pdf

3

www.france.fr/de/paris/artikel/das-musee-quai-branly-paris

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193

Bilder: Roland Halbe: /www.archdaily.com/914842/musee-du-quai-branly-ateliers-jean-nouvel/5cae5c36284dd1e5fc0001df-musee-du-quai-branly-ateliers-jean-nouvel-photo


Grafiken: Jean Nouvel

4

www.de.parisinfo.com/museen-sehenswurdigkeiten-paris/199208/Musee-du-quai-Branly-Jacques-Chirac

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Bilder: Karnaushenko Olha


Maison de Verre

Pierre Chareau // Bernard Bijovet // 1932

Das Maison de Verre, französisch für Glashaus, wurde zwischen den Jahren

1928 und 1932 erbaut. Es entstand in der Zusammenarbeit der Architekten

Pierre Chareau und Bernard Bijvoet sowie dem Schlosser Louis Dalbet.

Auftraggeber für das Wohnhaus war das Ehepaar Dalsace. Im Erdgeschoss des

Wohnhauses wurde zudem eine Praxis für den Arzt untergebracht. 1

Das im Hinterhof eines Hotels liegende Gebäude ist Teil eines

Bestandsgebäudes, bei dem das obere Geschoss und somit auch das

Konstruktionsskelett nicht abgebrochen werden konnten. Dadurch musste die

bestehende Konstruktion in den Entwurf aufgenommen werden. 2

Durch die Freilegung der Stützen-Träger Konstruktion aus Stahl und die

Materialwahl ist ein Bekennen zur Materialehrlichkeit ersichtlich. Neben Stahl,

Glas und Glasbausteinen wurden Materialen und Interior vorwiegend aus der

Industrie, wie gummierte Fußbodenbeläge, Metallgewebe Industrielampen und

mechanische Vorrichtungen verwendet. 3

Durch das Konstruktionsprinzip und verschiebbare Wände und Paneele

sind transformative Räume sowie mehrgeschossige offene Räume möglich.

Raumbezüge und räumliche Verbindungen sind dadurch ebenfalls möglich.

Die unterschiedlich eingesetzten Glasmaterialien in Verbindung mit

Metallgeweben lassen unterschiedliche Lichtsituationen im Inneren und Bezüge

nach Außen entstehen. 4

Text: Jonathan Kaserer

1

Vgl. Marshall Bronwyn: Maison de Verre by Pierre Chareau + Bernard Bijvoet. 2016, URL: < https://www.

yellowtrace.com.au/maison-de-verre-paris-pierre-chareau-bernard-bijvoet/> [Zugriff: 21.04.2022].

2

Vgl. Emma Cheatle: Part-Architecture: The Maison de Verre, duchamp, Domesticity and Desire in 1930s Paris, 2017,

S. 17-18.

3

Vgl. o.A.: Bernard Bijvoet & Pierre Chareau Maison de Verre 1928–1932, URL: <https://atlasofplaces.com/

architecture/maison-de-verre/> [Zugriff: 21.04.2022].

4

Vgl. Bronwyn, 2016.

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Bild: Jonathan Kaserer


Bild: Jonathan Kaserer

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Bild: Jonathan Kaserer


Aparements Ave. Maréchal Fayolle

SANAA // Extra Muros SAS d‘Architecture // 2019

Dieser soziale Wohnbau von SANAA wurde 2019 fertiggestellt und befindet sich

im Westen von Paris, auf der einen Seite umgeben von klassischen Gebäuden

die der Stadtplanung Haussmanns zuzuschreiben sind, auf der anderen Seite

angrenzend an den Bois de Boulogne. Der Wohnkomplex setzt sich aus vier

unterschiedlichen, organisch geschwungenen Gebäudevolumen zusammen,

die aufeinander reagieren und ineneinander zu fließen scheinen, dennoch

eigenständig funktionieren und im Zwischenraum mehrere Freiflächen

aufspannen. Die Verteilung der Gebäude ist von einer inhärenten Dynamik

geprägt: die Höfe scheinen sich zu öffnen und zu schließen, stellen einen

Übergang zwischen der Stadt und dem privaten Wohnraum her und erweitern

den Grünraum quasi in den Gebäudekomplex hinein. 1

Die Wohnhäuser selbst sind als Pfahlbauten mit vier Geschoßen aus Stahlbetondeckenplatten

und aussteifenden Kernen ausgeführt. Durch die Aufständerung

wird ein transparentes, freies Erdgeschoss ermöglicht, das nur an manchen

Stellen durch fixe Kerne aus Sichtbeton und Streckmetall für die Eingänge und

Fahrradräume unterbrochen wird, ansonsten aber die umgebende Landschaft

in die Gebäude hinein ziehen lässt. Die gekrümmten Fassaden ermöglichen

insgesamt 100 Wohnungen mit mehreren Ausrichtungen und viel natürlichem

Licht und guter Durchlüftung. Die Wohnungsgrundrisse sind im Kontrast zum

äußeren Erscheinungsbild streng orthogonal, lassen jedoch unterschiedlichste

Wohnsituationen zu. Die Vielfalt der Fassadenkurven erzeugt eine wechselnde

Wahrnehmung des Projekts von der Straße aus. Manchmal erscheint es als eine

fortlaufende Reihe welliger Oberflächen, manchmal nimmt man nur schlanke

Baukörper mit Lücken dazwischen wahr, durch die benachbarte Gebäude zu

sehen sind. Der weiße Stucco-Putz nimmt Bezug auf Pariser Steinfassaden und

reflektiert die Farben des Himmels und des Parks, wodurch die Gebäude in ein

weiches Farbspekrum getaucht werden, je nach Jahres- und Tageszeit . 2 3 Das

Areal ist eingezäunt und der Zugang stark reguliert - nur Anwohner können sich

zwischen den Gebäuden bewegen.

Text: Heidi Kresbach

1

Hana Abdel: Apartments on Ave. Maréchal Fayolle / SANAA, in https://www.archdaily.com/936122/apartmentson-ave-marechal-fayolle-sanaa,

Abruf 2022.04.12

2

Elizabeth Stamp: SANAA Completes an Elegantly Designed Social Housing Complex in Paris, in: https://www.

architecturaldigest.com/story/sanaa-completes-elegantly-designed-social-housing-complex-in-paris, Abruf 2022.04.12

3

WA Contents: SANAA‘s Social Housing Complex Composed Of Organic Forms, in https://worldarchitecture.org/article- links/

eemff/sanaa-s-social-housing-complex-composed-of-organic-forms-in-paris-photographed-by-vincent-hecht.html, Abruf 2022.04.19

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Bild links oben: https://worldarchitecture.org/article-links/eemff/sanaa-s-social-housing-complex-composed-of-organic-forms-in-paris-photographed-by-vincent-hecht.html //

Bild rechts oben und unten: Heidi Kresbach


Bild oben: https://www.archdaily.com/936122/apartments-on-ave-marechal-fayolle-sanaa?ad_medium=gallery. // Bild unten: Heidi Kresbach

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Bilder: Heidi Kresbach


Batiment Home

Hamonic+Masson & Associés // 2010

Die Mitglieder des Pariser Rates haben auf der Stadtratssitzung am 16.

November 2011, die städtischen Vorschriften für den Sektor Masséna-

Bruneseau im südöstlichen 13. Arrondissement von Paris überarbeitet. Diese

Änderung ermöglicht den Bau von Wohntürmen mit einer Höhe von 50 Metern

und von Bürogebäuden mit einer Höhe von bis zu 180 Metern. 1

“Home“ ist das erste Wohnhochhaus, das seit den 1970er Jahren in Paris gebaut

wurde. Es liegt daher eine große Verantwortung, der Vorreiter des neuen

Ansatzes für vertikales Wohnen im städtischen Umfeld zu sein. Die Debatte um

die Höhe in Paris steckt fest zwischen einer Vision der Vergangenheit und dem

Wunsch, voranzukommen, etwas Neues zu beginnen, die Stadt als Chance für

neue Horizonte neu zu betrachten.

Es geht also weder darum, die Vergangenheit zu ignorieren, noch auf Fehler

zu schauen, die zuvor begangen wurden, sondern das ursprüngliche Erbe

zu überdenken, um das heutige Image in Frage zu stellen. Wir müssen in die

Vergangenheit blicken, um voranzukommen und die Zukunft mit Ehrgeiz

zu ergreifen. Paris bleibt ein Ort der Erfindung und verkörpert die Werte

der Moderne. Die Geschichte der Stadt ist ein Beweis für ihre ständige

Neuerfindung im Laufe der Jahrhunderte. 2

Das Gebäude ist ein Aussichtsturm. 3

Die Wohungen stapeln sich in einer Stahlbetonstruktur nach oben, wobei je eine

Wohnung ein Stockwerk einnimmt. Jedes Apartment ist individuell zur Sonne

ausgerichtet sowie auch der Baukörper.

Text: Lukas Notheis

1

https://archipendium.com/en/architecture/batiment-home-zac-massena/ 28.4.22 17:45

2

https://www.architonic.com/de/project/hamonic-masson-associes-batiment-home-zac-massena-parisxiii/5103555

28.4.22 17:15

3

http://www.hamonic-masson.com/Batiment-Home-ZAC-Massena-Paris-XIII?lang=en 15.6.22 18:00

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Bild: https://images.skyscrapercenter.com/building/batiment-home-zac-massena_takuji-shimmura4.jpg


La Coulée Verte

Patrick Berger // Philippe Mathieux // Jacques Vergely // 2014

La Coulée Verte oder auch Promenade Palntée genannt, ist ein Park welcher

sich auf einer ehemaligen Bahntrasse das den Osten von Paris zieht. Das grüne

Band erstreckt sich über eine Länge von 4,5 Kilometer begonnen an der Opéra

Bastille, verläuft es über die Avenue Daumesnil bis zum Jardin de Reuilly und

erreicht die Porte Dorée und den Bois de Vincennes. 1

Der Coulée Verte René-Dumont wurde auf der alten Strecke der Eisenbahnlinie

Vincennes Bahnlinine gebaut, welche seit 1859 die Station Bastille mit Verneuill‘Étang

verbunden hat. Der Betrieb wurde eingestellt und nach dem Bau der

Opéra Bastille, für die der Bastille Bahnhof abgerissen wurde, gab es erste

Ideen, die alte Bahnlinie in einen Park zu transformieren. 2

Die Idee der Promenade wurde von dem Architekten Philippe Mathieux

gemeinsam mit dem Landschaftsarchitekten Jacques Vergely entwickelt und

war Teil der Aufwertung und Umgestaltung postindustrieller Strukturen des

Pariser Ostens. Den Planern ist es gelungen, die wilde Vegetation, die einst

die Umgebung der Eisenbahnlinie überwuchert hatte, mit einer moderneren

Landschaftsgestaltung zu verbinden. Die Interventionen bieten einen Grünraum

welcher sich als abenteuerreicher, einzigartiger Spaziergang in teilweise zehn

Metern Höhe über Viadukte und Brücken erstreckt und einen sogar unter die

Erde durch verschiedene Tunnel führt. 3

Das Viadukt wurde vom Architekten Patrick Berger simultan mit dem erhöhten

linearen Park saniert, der als Promenade die das 12. Arrondissement durchquert,

angelegt wurde. Die Räumlichkeiten, die sich in den Bögen des Viadukts

befinden, werden von Pariser Kunsthandwerker benutzt. Die teilweise am

Schaufenster angeordnet Werkstätten lassen es zu die Entstehung zahlreicher

Kreationen hautnah mitzuerleben. 2

Text: Elena Meister

1

Coulée verte René-Dumont, in: https://paris.sehenswuerdigkeiten-online.de/sights/coulee-verte.html Abruf

2022.28.04

2

De Bastille à Vincennes par la coulée verte, in: https://www.paris.fr/pages/de-bastille-a-vincennes-par-la-couleeverte-4932

Abruf 2022.28.04

3

Djamil Benghida, Sonia Benghida: La créativité dans la réhabilitation urbaine: Le Viaduc des Arts à Paris, 2017

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Bilder unten: Elena Meister // Bild oben: Michael Wildmann


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Tiers Lieux

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La Ferme du Rail

Grand Huit // 2014-2019

Die Ferme du Rail ging als Gewinner des Projektaufrufs Réinventer Paris hervor,

im Zuge dessen innovative Vorschläge für 23 Grundstücke in städtischem

Besitz gesucht wurden. Das Hybridprojekt aus der Feder des Büros Grand Huit

verbindet urbane Landwirtschaft und soziale Wiedereingliederung.

Zwei Gebäude rahmen den asymmetrischen Bauplatz an den Schienen

der aufgelassenen Pariser Ringbahn (Petite Ceinture): Das eine ein

Wohngebäude mit einer Übergangsunterkunft mit 15 Plätzen für Obdachlose

oder Personen in prekären sozialen Verhältnissen und Wohnungen für 5

Lehrlinge der Gartenbauschule École du Breuil; das andere ein Restaurant

bzw. Versammlungsraum mit darüberliegendem Gewächshaus. Im Anbau wird

mit Techniken der Permakultur und Aquaponik gearbeitet; nicht nur der Hof,

sondern auch die Dächer sind bepflanzt. Im öffentlich zugänglichen Restaurant

wird der Ertrag des städtischen Bauernhofs verkocht. 1

Die zwei Baukörper der Ferme sind als Low-Tech-Holzbauten ausgeführt.

Das Projekt sollte zusätzlich zu seinen späteren Funktionen auch während

seiner Errichtung als Lern- und Lehrgelegenheit für ökologische Baukultur

dienen: Es wurde mit unterschiedlichen nachhaltigen bzw. wiederverwerteten

Materialien experimentiert, unter anderem mit textilen Dämmstoffen oder

Trockenmauerwerk aus Pariser Bordsteinen. Gedämmt wurde schlussendlich

mit regional bezogenen Strohballen, Brandschutz gewährleisten recycelte

Gipsfaserplatten und die Fassadenverkleidung besteht aus unbehandelten

Kastanienholzlatten. 2 Auch der soziale Aspekt des Vorhabens wurde bereits

während der Errichtung miteinbezogen, so arbeiteten auf der Baustelle primär

Teilnehmer von beruflichen Wiedereingliederungsprogrammen. 3

Das Projekt gehört zu den Finalisten des Mies van der Rohe Awards 2022.

Text: Flora Chiba

1

La Ferme du Rail invite l‘agriculture en ville, in: www.paris.fr, Abruf 2022.04.24

2

The Railway Farm, in: www.miesarch.com/work/4434, Abruf 2022.04.24

3

Christophe Ponceau, La Fer me du Rail: un lieu de bi en vi v re et de mieux pro du i re, in: www.espazium.ch, Abruf

2022.04.24

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Bild unten: Michael Wildmann // Bild oben: Myr Mutatet, https://www.miesarch.com/uploads/images/works/713a7dd52e152a726d2d22c613ca1435a47c30dc.jpeg


Bilder: Michael Wildmann

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Bilder: Michael Wildmann


La REcyclerie

Office Parisien d‘Architecture // Sinny&Ooko // 2012-2014

Im ehemaligen Bahngebäude des Gare Ornano an der 1934 aufgelassenen, Paris

umrundenden Strecke der Petite Ceinture, der Kleinen Ringbahn, entstand ab

2012 mit der REcyclerie ein Kulturzentrum mit Schwerpunkt auf die Vermittlung

von ökologischem Verantwortungsbewusstsein: Es sollte ein Rahmen zur

Sensibilisierung für Themen wie nachhaltigem Konsum und Kreislaufwirtschaft

geschaffen werden. 1

Die REcyclerie beherbergt eine gut besuchte Kantine mit Fokus auf regionale

Zutaten, eine Reparaturwerkstatt, eine ferme urbaine mit Gemüsegarten,

Hühnerstall und Insektenhotel sowie verschiedene Bereiche für Vorträge,

Workshops und Diskussion. 2 So empfängt die REcyclerie beispielsweise

mehrmals im Monat Gäste aus einer nahegelegenen Tagesklinik zum

gemeinsamen Handwerken oder veranstaltet Konversationsgruppen für

Geflüchtete. 3

Durchgeführt wurde die Revitalisierung des Bahnhofs vom Office Parisien

d‘Architecture in Zusammenarbeit mit der Agentur Sinny&Ooko, die in

den darauffolgenden Jahren für mehrere derartige Nachnutzungsprojekte

verantwortlich zeichnen sollten (s. Cité Fertile). OPA hatte sich zuvor im

Zuge eines Wettbewerbs für die Renovierung des ehemaligen Gare de Rouen,

ebenfalls an der Kleinen Ringbahn und unweit der REcyclerie gelegen, bereits

mit einem ähnlichen Objekt auseinandergesetzt. 4

Während der Umwandlung zur REcyclerie erhielt die alte Kassenhalle in

Ziegelbauweise mit Stahlaussteifung und -dachtragwerk eine großflächige

Verglasung in Richtung der Gleise. Hierfür wurden gebrauchte Fensterrahmen

in ein neues Stahltragwerk eingearbeitet. Im Sinne der Nachhaltigkeit ist das

Kulturzentrum zur Gänze mit gebrauchten Möbeln ausgestattet.

Text: Flora Chiba

1

vgl. Johannes Freybler: Wächst hier die Zukunft von Paris?, in: Merian 2019/5

2

www.larecyclerie.com, Abruf 2022.04.24

3

vgl. Christiane Kaess: Grüne Oase mitten in Paris, in: Deutschlandfunk Kultur, 2021.10.11

4

Portfolio, in: www.officeparisiendarchitecture.com, Abruf 2022.04.24

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Bilder: Flora Chiba


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Bild unten: www.liliinwonderland.fr/la-recyclerie/ // Bild oben: Flora Chiba


Le104

Atelier Novembre // 2008

1872 - 74 wurden, auf Anordnung der Diözese, zwei Bestattungshallen von

den Architekten Édouard Delebarre de Bay und Godon, unter der Leitung

von Victor Baltard, gebaut. Den im Industriearchitektur Stil errichteten

Hallen liegt ein Ziegelmauerwerk zugrunde, darüber wurde eine gusseiserne

Rahmenkonstruktion errichtet. Dadurch ist auch eine Teilverglasung des Daches

möglich. Unter den Hallen befanden sich die Stallungen. 1905 (Trennung

von Kirche und Staat) zog dann das städtische Bestattungswesen dort

ein. Damit wurde ermöglicht, dass jeder Mensch nun unabhängig von den

Wertvorstellungen der Kirche ordentlich bestattet werden konnte. Bis 1993

waren Bestattungsdienste verstaatlicht, 1998 wurde das Bestattungsinstitut

dann geschlossen. Seit 1997 stehen die Hallen bereits unter Denkmalschutz. 1

2003 vergab die Stadt den Auftrag für die Neugestaltung des Geländes

an Atelier Novembre. Das Centquatre wurde daraufhin umgebaut und

am 11. Oktober 2008 eingeweiht. Das 39,000 m² große Areal liegt im 19.

Arrondissement, der multikulturelle Ort bietet neben Veranstaltungen jeglicher

Art auch Ateliers und andere Räumlichkeiten. „Die Rue d‘Aubervilliers 104 wird

ein großartiger Bienenstock für Künstler aus der ganzen Welt sein“, verkündete

Bertrand Delanoë während der kommunalen Kampagne. 2

Der ursprüngliche Charakter der Hallen wurde durch eine sehr bedachte

Sanierung bewahrt und verstärkt. Die bereits vorhandenen Rahmen wurden

durch Abspannungen ergänzt, sodass diese auch gleich zur Beleuchtung

dienen. Zusätzlich wurde in der ersten Halle ein zweiter Boden in einer Stahl-

Holzkonstruktion eingezogen um mehr Fläche zu generieren. Im Centquatre

befinden sich Platz für sich zwei Säle mit 200 bzw. 400 Plätzen, es ist ein Markt

und Cafés untergebracht. In den ehemaligen Stallungen wurden Veranstaltungsund

Ausstellungsräume integriert. Im 104 haben bis zu 5000 Besucher Platz und

bis zu 200 Künstler:innen können dort einen Platz finden, ihre Kunst

auszuüben. 3

Text: Maja Munck

1

Noemie Schwaller: 104, in: https://www.architonic.com/en/story/noemie-schwaller-104/7000170, Abruf

2022.04.24

2

Matthieu Écoiffier et Sibylle Vincendon : Le Centquatre, passage des arts, in: www.liberation.fr/

culture/2008/10/11/le-centquatre-passage-des-arts_114419/, Abruf 2022.04.24

3

in: https://www.104.fr/ Abruf 2022.04.24

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Bilder: Maja Munck


Bilder: Maja Munck

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Bilder: Maja Munck


Cité maraîchère de Romainville

Ilimelgo // 2021

Mit der Cité maraîchère de Romainville zu Deutsch „Gartenstadt Romainville“

wurde die erste innerstädtische vertikale Landwirtschaft in Frankreich

geschaffen. Die Stadt Romainville, welche auch der Auftraggeber des Projektes

war, liegt ca. 8 km östlich von Paris im Arrondissement Bobigny.

Das Projekt soll nicht nur den nachhaltigen Anbau von Lebensmitteln fördern

und die Umwelt durch die kurzen Lieferwege schützen, sondern auch

Arbeitsplätze für die lokale Bevölkerung schaffen. 1

Das bis zu 6. Stockwerken hohe Gewächshaus besteht aus zwei

Gebäudekomplexen, wobei der länglichere nur 3. Stockwerke hoch ist, der

zweite aber kompakter ist und dafür die volle Höhe misst. Es wurde eine

Fläche von 2,060 m² geschaffen. Die Kuben sind durch über Keller, EG und 1.

OG miteinander verbunden. Das EG ist für die Öffentlichkeit zugänglich und

beinhaltet verschiedene (oft pädagogische) Nutzungen.

Im 1. OG beginnt die Anbaufläche, diese erstreckt sich dann bis in den 6. Stock.

Neben den Anbauflächen sind in jedem Stockwerk Büro und Nebenräume

angesiedelt. Im Keller ist die Infrastruktur für das vertical Gardening, sowie eine

Pilzfarm untergebracht. 2

Ilimelgo sind in ihrem Entwurf auf die lokalen Gegebenheiten eingegangen, so

haben sie sich an den umstehenden Gebäuden orientiert, der längere, niedrigere

Gebäudetrakt steht vor dem höheren, sodass keine gegenseitige Verschattung

passiert. Das Regenwasser wird über Regenrinnen nach unten geleitet

und dort in Wassertanks gespeichert, um es später wieder als Gießwasser

wiederzuverwenden.

Eine optimale Durchlüftung wird durch die (Dach-) Flügelfenster gewährleistet,

durch die die warme Luft wieder austreten kann. Das Dach kann bei zu hoher

Sonneneinstrahlung auch verschattet werden um die Pflanzen zu schützen und

die Temperatur zu regulieren. 3 4

Text: Maja Munck

1

Paula Pintos: La Cité Maraîchère in Romainville / Ilimelgo , in: https://www.archdaily.com/972872/la-citemaraichere-in-romainville-ilimelgo,

Abruf 2022.04.24

2

A Romainville, Cité Maraîchère signée ilimelgo et secousses , in: https://chroniques-architecture.com/romainvillecite-maraichere-ilimelgo-secousses/,

Abruf 2022.04.24

3

in: https://www.lacitemaraichere.com/, Abruf 2022.04.24

4

Vertical Urban Farm, in: https://ilimelgo.com/en/projets/cultiver/cite-maraichere, Abruf 2022.04.24

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223

Bild unten:https://www.metalocus.es/en/news/vertical-urban-agriculture-la-cite-maraichere-ilimelgo

Bild oben: https://www.archdaily.com/972872/la-cite-maraichere-in-romainville-ilimelgo/61a926dae4df610169c86f66-la-cite-maraichere-in-romainville-ilimelgo-photo


La Cité Fertile

Studio Combo // Sinny&Ooko // 2019

Auf einem ehemaligen Güterbahnhof im nordöstlichen Pariser Vorort Pantin

gelegen, ist die Cité Fertile - die „fruchtbare Stadt“ - Experimentierfeld für

gemeinschaftliches, umweltbewusstes städtisches Miteinander und Inkubator

für Nachhaltigkeits- und soziale Projekte.

Es handelt sich hierbei um einen sogenannten tiers-lieu, zu Deutsch: einen

„dritten Ort“, der - wie in den 1980ern vom Soziologen Ray Oldenburg

festgehalten - als Ort der Begegnung einen Ausgleich zu den „ersten“ Orten des

Wohnens und „zweiten“ des Arbeitens schafft und einen essentiellen Baustein

für eine funktionierende Gesellschaft darstellt. 1

Die Cité Fertile bietet auf etwa einem Hektar niederschwellig Flächen für lokale

Initiativen, Veranstaltungen, Bildung, Innovationsbüros, Tausch- und Kleinhandel

sowie urbanen Lebensmittelanbau. Etwa siebzig Nutzer*innen wirken hier im

Rahmen von rund zwanzig permanenten Projekten; darunter eine Brauerei, eine

Ausbildungsküche (restaurant d‘application), eine kooperative Greisslerei, ein

Upcyclingnetzwerk und eine Buchhandlung - allesamt mit dem Gedanken eines

sozialökonomischen und ökologischen Wandels. 2

Die Nachnutzung des Areals wurde von der Agentur Sinny&Ooko organisiert,

die sich der Gestaltung derartiger tiers-lieux culturels verschrieben hat. Die

bestehenden Bahninfrastrukturgebäude wurden von Studio Combo renoviert

und durch architektonische Eingriffe mit semi-permanentem Charakter ergänzt,

zB Streetfood-Ständen, überdachten Gastronomiebereichen oder einer

cabane à mediter, einem kleinen Holz-Nurdachhaus zur Meditation. Bei der

Innenausstattung kamen vorwiegend Second-Hand-Stücke zum Einsatz. Auch

die landschaftliche Gestaltung des Hofes übernahm Studio Combo, und belebte

das Gelände mit Wasserflächen und reicher Begrünung. 3

Text: Flora Chiba

1

vgl: The Great Good Place; Ray Oldenburg; Paragon House, 1989

2

Dossier de Présentation, in: www.citefertile.com/le-projet-2, Abruf 2022.04.24

3

Réalisations, in: www.studio-combo.fr, Abruf 2022.04.24

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Bild unten: www.citefertile.com/les-ecuries-privatisation // Bild oben: www.citefertile.com/le-projet-2


Ground Control

2017

Ground Control ist ein Kreativprojekt, das 2014 ins Leben gerufen wurde und

nach mehrmaligem Standortwechsel seit 2017 in Zwischennutzung ein früheres

Briefverteilzentrum der staatlichen Eisenbahngesellschaft SNCF bespielt.

Die Eigenbezeichnung lieu-média culturel fasst die unterschiedlichen Aspekte

dessen zusammen, wofür Ground Control dort auf rund 6500 m 2 Platz schafft:

Einen Ort der Zusammenkunft, der Kultur, des kritischen Austauschs und

der Vernetzung. So finden hier, unweit des Gare de Lyon, Veranstaltungen

aus den verschiedensten Sparten der Kunst, Diskussionsrunden, Vorträge,

Workshops, Designmärkte und Feste statt - nahezu ausnahmslos bei freiem

Eintritt. Im Hinblick auf die mediale Produktion wartet Ground Control mit einem

Podcaststudio auf.

Auch abseits dezidierter Veranstaltungen will das Projekt die urbane Geselligkeit

fördern - das Gelände ist daher ab Mitte der Woche täglich frei zugänglich und

es gibt ein reiches, zeitgemäß auf Nachhaltigkeit gepoltes gastronomisches

Angebot. Außerdem bietet die La Ground Boutique Geschäftsflächen für

handgefertigte Mode, Keramik, Papierwaren uvm., während in der Libraire

Charybde Bücher verkauft oder nebenan beim Friseur Cut Control Haare

geschnitten werden. 1

Die Architektur des ehemaligen Briefverteilzentrums - des tri postale de

Charolais - stammt aus den späten 1920er Jahren 2 und bildet ein Ensemble

mit dem etwas früher erbauten Telegrafenamt. Zwischen den beiden spannt

sich ein von Ground Control ebenfalls intensiv genutzter Durchgang auf. In

ihrem äußeren Erscheinungsbild werden die Gebäude durch eine ähnliche

Fassadengestaltung mit Ziegelornamentik verbunden. Bemerkenswert ist die

straßenseitige Verblendung bzw. zurückversetzter Abschluss der Tonnendächer.

Text: Flora Chiba

1

Le projet, in: www.groundcontrolparis.com, Abruf 2022.04.24

2

Ground Control version intérieure, in: www.sncf.com, Abruf 2022.04.24

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227

Bild unten: www.instagram.com/groundcontrolparis // Bild oben: Nicolas Hoffmann


Maison du projet Morland

Encore Heureux // 2018

Im Zuge des Projektes Réinventer Paris wird die ehemalige Präfektur Morland

von David Chipperfield saniert und umstrukturiert.

Für diese Zeit wurde Encore Heureux beauftragt einen temporären Pavillon vor

dem Gebäude zu errichten.

Dort sind schon erste kleine „Teaser“ beinhaltet, sodass man schon ein Gefühl

hat, was später im Morland mixitè capitale zu entdecken gibt. So gibt es zum

Beispiel eine kleine Kunstgalerie.

Encore Heureux nutzt diese Gelegenheit, um ihre Forschung für eine gelungene

Kreislaufwirtschaft in der Architektur umzusetzen, damit nachhaltiges Bauen zu

fördern und ihre Forschung in diesem Gebiet auszuweiten. 1

So setzt sich das Büro folgende Maßstäbe bei Maison du projet Morland

zur Erfüllung: Die Wiederverwendung vor Ort für in das Projekt integrierte

Einrichtungen, Wiederverwendung der Materialien die anderen Akteuren an

anderen Orten zur Verfügung gestellt wird, und schließlich Wiederverwendung

in der Nähe, zum Beispiel direkt bei angrenzenden Baustellen.

In dem Projekt sind 1.500 Fenster, 11.000 Metallplatten für abgehängte Decken,

2.200 Heizkörper, Steinplatten, Trennwände, Leuchten usw. verbaut. Die

Vorhangfassade ist mit wiederverwendbaren Fensterflügeln mit Holzrahmen

ausgestattet und die ebenso wiederverwendeten Heizkörper werden durch

ein Warmwassersystem mit einem Holzofen betrieben. Die von dem Künstler

Bonnefrite mit Zeichen bemalte Fassade bedeutet, dass die Abfälle der einen die

Ressourcen der anderen sein können. 2

Maison du projet Morland wurde im Februar 2022 wieder abgebaut, die

verwendeten Ressourcen wurden aber wieder aufbereitet.

Text: Maja Munck

1

Réinventer Paris, in: https://www.paris.fr/pages/reinventer-paris-4632/, Abruf 2022.04.26

2

Maison du projet Morland, in: http://encoreheureux.org/projets/maison-du-projet-morland/, Abruf 2022.04.26

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Bilder: http://encoreheureux.org/projets/maison-du-projet-morland/


Passage 56

Atelier d‘Architecture Autogérée // 2006

Ursprünglich wurde die Passage 56 an der Rue Saint Blaise für Fußgänger in

den 80 Jahren geschlossen. Das Areal zwischen den bestehenden Gebäuden

wurde nicht bebaut und lag demzufolge brach. Die Passage 56 ist seit 2006 ein

selbst-organisiertes Projekt im 20. Arrondissement (im Osten Paris), dieses ist

für seine kulturelle Diversität und hohe Dichte bekannt. Ungenutzter Raum ist

also sehr wertvoll für die Gemeinschaft. 1

Die ehemalige Durchgangspassage wurde in enger Zusammenarbeit mit lokalen

Politiker:innen, Organisationen und den Anwohner:innen, sowie Experten im

Bereich ökologisches Bauen zu einem Areal umgewandelt, welches einen

sozialen und kulturellen sowie ökologischen Mehrwert für St. Blaise bringen soll. 2

Dabei ist der Transformationsprozess, also das Gestalten und Bauen des

Ortes schon Teil des sozialen und kulturellen Miteinanders. So werden

Kontakte geknüpft und Beziehungen zwischen Nutzern und Mitwirkenden

gestärkt. Durch den ökologischen Zugang soll die Aufmerksamkeit aller auf die

Notwendigkeit der Nachhaltigkeit gelenkt werden. Das Projekt ist deswegen

energieautark und legt großen Wert auf Recycling, Kompostierung und

möglichst wenig negative Auswirkungen auf die Umwelt.

Auf der 200 m² großen Fläche wurde neben einer Urban Gardening Fläche

mit den Anwohner:innen, unter Anleitung und Training von Experten aus dem

Bereich ökologisch nachhaltiges Bauen auch ein Holzkonstrukt mit begrüntem

Dach sowie Solarpaneelen errichtet. Die Kosten für das Projekt wurden auf

90.000 Euro für die ersten drei Jahre angesetzt. Die Passage wird derzeit

fürs Gärtnern, Festivals, Ausstellungen, Debatten, Workshops, Konzerte,

Filmvorführungen oder Seminare genutzt. 3

Text: Maja Munck

1

juneyou: Passage 56 Community Garden, https://urbanacupunctureblog.wordpress.com/2013/02/08/passage-

56-community-garden/, Abruf 2022.04.23

2

PASSAGE 56 , http://www.urbantactics.org/projets/passage56/

3

AAA – PASSAGE 56 / Espace culturel ecologique, https://gatsiouvasiliki.wordpress.com/2013/05/16/aaapassage-56-espace-culturel-ecologique/,

Abruf 2022.04.23

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Bild unten: https://www.urbantactics.org/projets/passage56/ // Bild oben: https://urbanacupunctureblog.wordpress.com/2013/02/08/passage-56-community-garden/


weitere Projekte

232


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Centre National de la Danse

Jacques Kalisz // Antoinette Robain // Claire Gueysse // 1972 / 2004

Das Centre national de la Danse (CND) ist eine Institution des französischen

Ministeriums für Kultur und Kommunikation, welche sich dem Tanz in all

seinen Aspekten widmet: einer Förderung von Shows und Choreografen, der

Verbreitung der choreografischen Kultur, dem künstlerischen Schaffen und der

Pädagogik für fortgeschrittene Studenten.

1972 wurde der Bau vom Architekten Jacques Kalisz als Verwaltungszentrum

der Stadt Pantin fertiggestellt und gilt bis heute als Beispiel für brutalistische

Architektur. 1

Antoinette Robain und Claire Gueysse wurden beauftragt, die Arbeit von

Jacques Kalisz wieder aufzunehmen und in das Centre National de la Danse

umzuwandeln (2004 mit dem Prix de l‘Équerre d‘Argent eröffnet und diesen

gewann). Sie konzentrierten sich auf die Behandlung von Materialien und

Farben innerhalb des Gebäudes, um eine horizontale Konsistenz zu schaffen und

gleichzeitig das äußere Erscheinungsbild zu respektieren. 2

Die Herangehensweise der Architekten basierte auf einer Verdopplung der

Architektur. Um die ursprüngliche Betonstruktur den verschiedenen Nutzungen

anzupassen ohne sie zu verfremden, konzentrierten sie sich hauptsächlich auf

den Innenausbau. Wobei sie versuchten möglichst viele der geometrischen

Zeichnungen, welche Kalisz selbst in die Schalung eingearbeitet hat, zu

erhalten und hervor zu heben. Die Tragstruktur, die Erschließung sowie der

Deckenaufbau sind aus bewehrtem Beton.Kassettendecke (Skizze)

Text und Skizze: Lukas Notheis

1

https://www.wikiwand.com/en/Centre_National_de_la_Danse 27.04.22 12:00

2

https://fr.wikipedia.org/wiki/Centre_national_de_la_danse 27.04.22 12:08

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Bild unten: http://urbanplanet.info/wp-content/uploads/2004/09/CND-09-e1456235114191.jpg // Bild oben: https://urlcc.cc/xkceh


Industrial Hotel Berlier

Dominique Perrault // 1986-1990

1985 veranstaltete die Pariser Stadtverwaltung einen Wettbewerb für die

Gestaltung eines Gebiets inmitten Verkehrsbauten, Gleisen und Straßen.

Ziel war das Schaffen einer Hülle mit adaptierbarem Inneren, um den sich

rasch wandelnden Anforderungen zu entsprechen. Dominique Perrault, Pariser

Architekt, war zu dieser Zeit 31 und gewann den Auftrag.

Anders als die meisten erkannte Perrault das Potential der Mobilitätsströme.

Sein Entwurf einer Glasbox soll sowohl mimetisch als auch abstrahlend auf die

Umwelt wirken. Perrault bündelt sämtliche elektrische Systeme und Nasszellen

um die beiden zentralgelegenen Vertikalerschließungen.

So ermöglicht sich ein offener Grundriss, welcher sich für jegliche zukünftige

„Bewohner“ unterteilen lässt.

Die Curtainwall bildet eine dichte Membran: sie filtert Licht, ventiliert und

gewährt Einblicke, in die im Inneren voranschreitenden Prozesse.

Gleichzeitig reagieren die einzelnen Panele auf die geladene Umwelt (Wetter,

Verkehr, Sonnenstand) und werfen diese fluktuierend zurück.

Perrault beschreibt es in eigenen Worten: „its a building that changes its skin“.

Wie ein Chameleon, nur eben auch innerlich. Es pulsiert schwingend in seinem

Umfeld. Anstatt den Ort als verdorben zu deklarieren, absorbiert Perrault

Energie direkt an der Quelle des fantastischen Spektakels: der Urbanität.

Perrault schreibt hierzu im Mai 1990: „To live happily, let‘s not live in hiding“.

Das Gebäude beherbergt 40 Industrieunternehmen, auch Perraults Büro bis

2007. 1 2 3

Text: Daniel Junger

1

Industrial Hotel Jean-Baptiste Berlier, Paris, in: https://arquitecturaviva.com/works/hotel-industrial-jean-baptisteberlier-3,

Abruf 2022.04.29

2

INDUSTRIAL HOTEL BERLIER, in: https://www.perraultarchitecture.com/en/projects/2536-industrial_hotel_

berlier.html, Abruf 2022.04.29

3

Hôtel Industriel 26 rue Brunesseau 75013 Paris France, in:http://www.galinsky.com/buildings/industriel/index.htm,

Abruf 2022.04.29

236


237

Bild unten: https://arquitecturaviva.com/works/hotel-industrial-jean-baptiste-berlier-3 // Bild oben: https://en.wikipedia.org/wiki/File:2013-10_Hotel-Berlier-12B_web.jpg


ESIEE

Dominique Perrault // 1987

Das ESIEE (École supérieure d’ingénieurs en électronique et électrotechnique)

ist eine französische Hochschule für Ingenieurwesen und war eines der ersten

Bauwerke der Cité Descartes. 1984 gewann, ein 35-jähriger, unbekannter

Architekt, Dominique Perrault, den ausgeschriebenen Architekturwettbewerb

für die neue Schule. 1 Der Baubeginn erfolgte 1985 und das Gebäude wurde 1987

übergeben.

Die Grundidee war es, ein Gebäude zu schaffen, dass wie ein Computer ohne

Monitor aussieht. Der Tasterurbau ist eine 300 Meter lange schiefe Ebene

ohne Dach oder Fassade. 2 Diese Ebene wird in der Mitte von einem Zylinder

durchbrochen, der den Haupteingang des Gebäudes bildet. Die Schule ist rund

um eine 100 Meter hohe Galerie organisiert, die die Funktionsräume miteinander

verbindet und sowohl den Personen- als auch den Lichtfluss ermöglicht. Diese

„innere Straße“ ist mit einer einzigartigen Vorrichtung ausgestattet: Um die

thermischen Probleme des oberen Glasdachs zu lösen und den Abfluss von

Wasser zu ermöglichen wird eine Linse eingesetzt, darüber befindet sich eine

doppelte Acrylhaut, die die ultraviolette Strahlung nach außen reflektiert.

Das Streben nach maximaler Transparenz spiegelt sich in der Verwendung

natürlicher und synthetischer Materialien sowie neuer Techniken wie geklebtem

Glas, Lexan, Alucobond und PVC-Gewebe wider. 3

In einem weiteren Bau, der an eine Maus erinnert (weiße Kuppel oben auf dem

Foto aus der Vogelperspektive), ist die Sporthalle der Schule untergebracht.

In den zusätzliche sechs Gebäuden, welche Lochkarten darstellen sollen, sind

die Reinräume (Labore) untergebracht. Diese besonders gewagte Architektur

war ein großer Erfolg bei der Presse und leitete die uns bekannte Karriere des

Architekten ein, der unter anderem die BNF in Paris entworfen hat. 4

Text: Cosima Sima

1

https://inventaire.iledefrance.fr/dossier/esiee/9b882b79-72a8-4d87-849e-bf90ac05085a

2

https://www.tourisme93.com/le-plus-grand-ordinateur-du-monde-n-est-pas-un-conte.html

3

http://www.bfgarchitecture.com/project/ESIEE%2C_France

4

https://inventaire.iledefrance.fr/dossier/esiee/9b882b79-72a8-4d87-849e-bf90ac05085a

238


239

Bild unten: https://www.miesarch.com/work/1023 // Bild oben: Ibid


Tours EDF

Atelier de Montrouge // Paul Chemetov Renovierung // 1967

EDF beauftrage 1963 das Atelier de Montrouge mit dem Bau von zwölf Häusern,

um einige Führungskräfte und Ingenieure:innen des Kraftwerks in Ivry-sur-Seine

unterzubringen zu können. Da sich das Gelände dafür allerdings nicht eignete,

schlugen die Architekten vor, die Türme übereinander zu stapeln. In der Mitte

befindet sich ein zentraler Kern, um den sich die Türme stapeln und sich jeweils

um eine Vierteldrehung drehen, um dadurch Terrassen ohne Gegen zu schaffen.

Das Konstruktionssystem besteht auf vier tragende Wände und vier tragende

Stützen mit Fassadenplatten aus Rohbeton, wodurch eine hohe Flexibilität

der Innenaufteilung geschaffen wird. 1 1967 wurden die zwei Türme mit elf

Wohnungen fertiggestellt. 2

Die Gebäude befinden sich in der ZAC von Ivry-Confluence und zählen zu den

Meisterwerken der Wohnarchitektur der 1960er Jahre in Frankreich. In den

1990er Jahren standen die Türme kurz vor dem Abriss, nachdem sie über einen

langen Zeitraum vernachlässigt wurden. Trotz Aufnahme in das Zusatzinventar

der Historischen Denkmäler im Jahr 2003 und der Anerkennung als Kulturerbe

blieben sie weiterhin mehrere Jahre lang verwahrlost, bevor die SADEV sie

2010 im Rahmen des Entwicklungsprojekts „Ivry Confluence“ aufkaufte. 2024

wurde AUA - Paul Chemetov mit der Sanierung der Türme beauftragt. Die

Baugenehmigung wurde 2014 eingereicht und das Projekt 2016 eingeweiht. 3

In einem der Türme sind Sozialwohnungen und in dem Anderen

Eigentumswohnungen untergebracht. Im sozialen Teil sind die Größe der

Wohnungen wahrscheinlich aufgeteilt, um Wohnun-gen mit 60-70 m2 zu

erreichen. Insgesamt gibt es 17 Wohnungen auf dem Gelände. 4

Text: Cosima Sima

1

https://bybeton.fr/grand_format/a-ivry-tours-edf-reprennent-vie

2

https://www.leparisien.fr/val-de-marne-94/la-renaissance-des-tours-classees-d-edf-23-09-2013-3160547.php

3

https://www.caue77.fr/page_observatoire/rehabilitation-des-tours-de-l-atelier-de-montrouge

4

https://www.leparisien.fr/val-de-marne-94/la-renaissance-des-tours-classees-d-edf-23-09-2013-3160547.php

240


241

Bild unten: https://www.infociments.fr/logement-collectif/rehabilitation-des-maisons-tours // Bild oben: Ibid


Conservatoire de Montreuil

Claude Le Goas // Robert Bezou // 1976

Das Conservatoire de Montreuil wurde von Claude Le Goas und Robert

Bezou entworfen und 1976 eröffnet. Dabei handelt es sich um eine kulturelle

Einrichtung.

Das Gebäude besteht aus einem Auditorium mit 300 Sitzplätzen, einem Tanzsaal

und 14 Klassenzimmern. Im Rahmen der städtebaulichen Erneuerung von

Montreuil ab den 1960er Jahren, wurde das Konservatorium für Musik und Tanz

geplant. Der Vorplatz des Konservatoriums ist somit auch als Teil der Stadt

mitgedacht.

Ein wichtiger Anspruch an den Entwurf war die Isolierung der Klassenzimmer

sowohl voneinander als auch von der Umgebung. Es entstanden Zimmer in

Röhrenform, welche in ein Stahlregal eingehangen wurden. Die einzelnen

Zimmer sind eine Leichtmetallkonstruktion, die mit Stein- und Glaswolle

gedämmt ist. Die Äußere Hülle besteht aus Blech. Die Klassenzimmer sind

damit ein Gegensatz zu dem großen Auditorium und haben eher einen privaten

Charakter.

Die Pfosten und Balken des Regals sind aus Brandschutztechnischen Gründen

bewässert. Diese Technologie war in der damaligen Zeit noch nicht häufig

angewendet worden.

Text: Eike Fiedler

Vincent Bertaud du Chazaud: École Nationale de Musique et de Danse, in Patrimoine, Nr. 21

Bocard Hélène: Conservatoire de Musique, in https://www.pop.culture.gouv.fr/notice/merimee/IA93000241, Abruf

30.4.2022

242


243

Bild unten: http://leblogdenestor.com/wp-content/uploads/2016/10/IMG_7807.jpg, Abruf: 30.4.2022 // Skizze: Eike Fiedler (nach Claude Le Goas)


Les Choux de Créteil

Gérard Grandval // 1968-1973

Im Südosten von Paris, auf ehemaligem Kohlplantagengebiet strecken sich

Grandvals 10 zylindrische 14 Stockwerk-Wohntürme in die Höhe. Zeichnungen

der Künstlerin Sonia Delaunay inspirierten den Architekten und scheinen in den

Grundrissen wider. Aus kostengründen wurde nur ein Bruchteil des Geplanten

umgesetzt.

Grandval baute zwei Gebäudetypen: die Maiskolben und den Kohlkopf.

Der Kohlkopf ist sechs Stockwerke hoch und hat (statt den geplanten 50m)

44m Durchmesser. Im Zentrum befindet sich eine Rampe, welche es den

Bewohnern ermöglicht das oberirdisch, versteckte Parkhaus zu nutzen. Über

diesem befindet sich der begrünte Innenhof. Heute fungiert Gebäude als

Studentenheim.

Die Aufenthaltsräume der Wohntürme liegen an der Fassade.

Vorgehängte, fünf tonnen schwere und 7,8qm Balkonschalen aus Sichtbeton

sorgen für die nötige Privatssphäre, sowohl in den dahinterliegenden Räumen,

als auch auf den Balkonen selbst.

Weiters wäre eine Begrünung der Fassade angedacht gewesen, wodurch die

Türme eine saisonbedingt zyklisch wandelnde Charakteristik erhalten hätten

sollen. Leider konnte sich der Architekt in diesem Aspekt nicht durchsetzen;

die Bauherren zweifelten an der nötigen Bereitwilligkeit seitens der Bewohner

die grüne Fassade am Leben zu erhalten und hatten Sorge es käme zu

Insektenbefall.

Grandval bedauert diesen Verzicht und reiht sich in die Brutalistik ein.Dank der

außergewöhnlichen Form, verweisen die Bauten noch heute auf die ehemalige

Funktion des Baugrunds als Pariser Gemüseproduktionsstädte und zeichnen die

interessante Komposition von Privatssphäre und Außenraum lesbar ab. 1 2 3 4

Text: Daniel Junger

1

Federico Novaro: Le Choux de Créteil, in: https://architectuul.com/architecture/les-choux-de-creteil, Abruf

2022.04.30

2

Le Choux de Créteil, in: https://www.wikiwand.com/en/Choux_de_Créteil, Abruf 2022.05.06

3

Greyscape: Le Choux de Créteil, in: https://www.greyscape.com/campaigns/les-choux-de-creteil/, Abruf

2022.05.06

4

Le Choux de Créteil, in: https://www.youtube.com/watch?v=p7Lr8WqHyMM, Abruf 2022.06.17

244


245

Bild unten: https://thierry-allard.blog.ac-lyon.fr/la-cite-des-choux-fleurs-a-creteil-par-gerard-grandval-architecte/ //

Bild oben: https://www.davidcourteau.com/les-choux-de-crteil/whgaqw88uv2t27wj8sg14nxzyeb8ra


Centre d’hébergement d’Urgence

Atelier Rita // 2017

Nach der Aufnahme werden die Familien, alleinstehenden Frauen und

Flüchtlingspaare, die die Hauptstadt erreichen, in die Notunterkunft in ‚Ivry-sur-

Seine geleitet. Dort können sie zwischen drei und sechs Monaten bleiben, um

einen Asylantrag zu stellen.

In den Filterbecken der ehemaligen Pariser Eaux-Fabrik, die die Stadt fünf Jahre

lang zur Verfügung stellte, hat die Architektin Valentine Guichardaz-Versini in

weniger als fünf Monaten Bauzeit ein Dorf mit 400 Einwohnern angelegt. Die

Metallplattform auf Pfählen erzeugt eine erstaunliche Landschaft, eine kleine

Stadt, die in sechs Stadtteile unterteilt ist. 1

Zusammen mit der Firma Brézillon hat sie eine Plattform von fast 5000 m2

geplant. Über den alten Filterbecken sind 210 vorgefertigte Holzmodule auf

Betonpfeilern montiert. Die Wohnungen lassen sich leicht abmontieren und sind

komplett wiederverwendbar.

Die Kammform, die sich aus allgemeiner Organisation ergibt, eröffnet lange

Perspektiven durch das Unterkunftszentrum, das mehr als ein Dorf ist,

sondern eine lebendige Stadt darstellt. Wie im städtischen Umfeld, sind auch

hier die Außenbereiche geschickt hierarchisch gegliedert, vom öffentlichsten

an der zentralen Verkehrsachse bis zum intimsten an der Schwelle zu den

Wohnhäusern. Der Weg verbindet sich mit dem Zentrum, der durch das Gelände

läuft, mit Jurten in denen kollektive Speisesäle und Mehrzweckräume ihre

Einzigartigkeit ausstrahlen. Das ermöglicht Leben in der Gemeinschaft. 2

Ein medizinisches Zentrum, vier Klassenräume und Mehrzweckräume runden

das Programm ab. 1

Die Landschaft des Zentrums bietet erstaunlich viele Quellen des malerischen

Charakters: wechselnde Variationen von Volumen, Höhen und Farben, und in der

Mitte die freundlichen Jurten, die so viel über die Genialität der Nomaden und

ihre Lager sagen, über die Menschlichkeit der ersten Zuflucht. 3

Text: Olha Karnaushenko

1

www.citedelarchitecture.fr/fr/article/atelier-rita

2

www.amc-archi.com/photos/atelier-rita-centre-d-hebergement-d-urgence-a-ivry-sur-seine-laureat-du-prix-de-lapremiere-uvre-2017,7618/laureat-du-prix-de-la-premie.1

3

www.construction21.org/france/case-studies/h/centre-d-hebergement-d-urgence-a-ivry-sur-seine.html

246


247

Bilder: www.images.archi/articles/lueur-d-espoir-0


Centre R&D pour EDF

Francis Soler // 2015

Unweit der ALJT Studentenwohnanlage befindet sich im selben auftrebeneden

Teil am Rand von Paris das Centre R&D pour EDF (Zentrum für Forschung und

Entwicklung von Électricité de France). Das Riesenprojekt ist mit aktuell 1200

Mitarbeitern das größte Forschungszentrum der Welt 1 und steht auf einem

Gebiet, das in Zukunft 20% der französischen Forschung beherbergen soll.

Abgesehen davon wird auch eine Zusammenarbeit mit der nahegelegegenen

Universität Paris-Saclay und anderen akademischen Einrichtungen angestrebt. 2

Vier kreisförmige Gebäude mit den Durchmessern 43, 64, 80 und 160m sollen

entgegen des ursprünglichen Wunsches von EDF nach einem Monoblock

metaphorisch für Zahnräder stehen, die von jedem Standpunkt aus in dem

Komplex ersichtlich sind. Die Fassaden der einzelnen Gebäude kombinieren

große Schiebefenster, die sich öffnen und als Durchgang nutzen und sich

abdunkeln lassen, mit abwechselnd hohen Fixverglasungen, denn Licht

spielte im Entwurf eine zentrale Rolle. Während die einzelnen Funktionen

voneinander getrennt sind, führen über das acht Hektar große Gebiet viele

Verbindungswege, die die energieeffizienten Gebäude zugänglich machen, aber

nicht den jeweiligen Besucher zwingen, bestimmte Bauten durchqueren zu

müssen. 3

Das Energiemanagement des Gebäudes stellt sich aus dem Grund sehr effizient

dar, weil bei der Erzeugung der nötigen Energie nicht nur Strom aus dem Netz

bezogen wird, sondern auch eigener durch den Einsatz einer Erdwärmepumpe

und durch Aufstellung von Photovoltaik-Solarzellen erzeugt werden kann. 4

Text: Johanna Czerny

1

vgl: www.management.aialifedesigners.fr/projet/centre-rd-edf, Abruf 2022.04.29

2

vgl: www.edf.fr/groupe-edf/inventer-l-avenir-de-l-energie/r-d-un-savoir-faire-mondial/5-ans-edf-labsaclay/histoire-du-site-edf-lab-paris-saclay,

Abruf 2022.04.29

3

vgl: www.soler.fr/projet/centre-rd-pour-edf-2, Abruf 2022.04.29

4

vgl: www.management.aialifedesigners.fr/projet/centre-rd-edf, Abruf 2022.04.29

248


249

Bild: https://www.ingerop.fr/es/centre-rd-edf-saclay


Station F

Wilmotte & Associés // (Renovierung) 2017

Der ehemalige Güterbahnhof wurde ursprünglich in den 1920er Jahren

vom französischen Bauingenieur Eugéne Freyssinet erbaut und von dem

Architekturbüro Wilmotte & Associés renoviert. Die Station F ist heutzutage

der weltweit größte „Startup-Campus“. Die ehemalige La Halle Freyssinet,

jetzt Station F stand seit 2012 unter Denkmalschutz und befindet sich im 13.

Arrondissement von Paris. 1

Lange blieb die Halle leer. Bis 2006 wurde sie von Frankreichs „SNCF“, der

nationalen Eisenbahn, genutzt danach hat es lange gedauert bis das „richtige“

Umbauprojekt gefunden wurde. 2017 wurde dann die Station F eröffnet, die sich

auf 34.000 Quadratmeter erstreckt. 2

La Halle Freyssinet war eines der ersten Gebäude bei dem vorgespannter

Beton verwendet wurde. Im Rahmen der Renovierung „bekam“ die Station F

eine Aufdachdämmung, da die Spannbetonbögen sichtbar bleiben sollten. Die

davor schweren Seitenwände wurden aufgebrochen und eine Isolierverglasung

angebracht. Weiters tauschte man jegliche Verglasung gegen Isolierglas ein. Man

hat in der Halle ein neues Galeriegeschoss und weiße „Boxen“ bzw. Container –

welche Arbeitsplatz schaffen – eingefügt. Diese Boxen dienen zudem auch der

Gewährleistung einer geringeren Schallausbreitung (Die Stahlhülle ist perforiert

und mit Mineralwolle isoliert). 2

Die Station F wurde von Wilmotte & Associés unter dem Konzept: „Chill, Share,

Create” entwickelt. 1 Sie ist voll und ganz „für die Arbeitswelt“ ausgestattet und

verfügt über tausende Arbeitsplätze, Besprechungsräume, Restaurants und ein

Auditorium. 2 Die Station F steht unter der Leitung von Roxanne Varza. 3

Text: Moira Mandic

1

WILMOTTE & ASSOCIÉS, STATION F (HALLE FREYSSINET) - WORLD‘S BIGGEST STARTUP CAMPUS, Paris

France 2017, URL: http://www.wilmotte.com/en/project/411/station-f-halle-freyssinet-worlds-biggest-startupcampus

(Abruf 25.04.20222)

2

Station F in Paris, URL: https://www.baunetzwissen.de/bauphysik/objekte/buero-gewerbe/station-f-inparis-5488499

(Abruf 25.04.2022)

3

Station F, URL: https://stationf.co/team (Abruf 25.04.2022)

250


251

Skizzen: Moira Mandic


Fondation Galeries Lafayette

O.M.A // Rem Koolhaas // 2012-2018

Das Gebäude wurde während der industriellen Revolution erbaut und diente

ursprünglich als Lagerhaus für Kaufleute und später der Mädchenschule. 2012

entwickelte O.M.A einen Plan für die Fondation Galeries Lafayette, die in die

bestehende Struktur des historischen Marais-Viertels in Paris eingreifen sollte.

Aufgrund des kulturellen Erbes, das die Identität von Außen der Rue du Prage

prägt, konnten keine Änderungen an der bestehenden Struktur vorgenommen

werden und das Gebäude musste in einen guten Zustand zurückversetzt

werden. Ausgehend von dieser Komplikation begann O.M.A sich einem

„nicht-invasiven“ Konzept zu widmen, der flexibel, als kuratorische Maschine

programmiert werden kann und die den Raum optimal nutzt. Unter der Leitung

der Fondation Galeries Lafayette würde Produktion, Experiment und Ausstellung

unter einem Dach vereint.

Im Innenhof des Gebäudes befindet sich eine Stahlrahmenkonstruktion, die mit

vier mobilen Decken ausgestattet ist. Mithilfe vertikaler Zahnstangen können

sich die Decken unabhängig voneinander bewegen und mit bestehenden

umgehenden, unteren und oberen Gebäudevolumen, in denen unterschiedliche

Situationen und Nutzungen stattfinden, zurechtkommen. 6,70 m hohe und

2,40 m breite Glasscheiben sollen den Raum, der durch zwei schmale Eingänge

durchdrängt ist, möglichst weit offnen. Die entwickelten Geländermodule

aus Gitterrosten können in Deckenkanten eingesteckt werden und mittels

Verriegelungsmagneten eine stabile Lage aller Geländer gewährleisten Die neuen

Ausstellungsräume des mobilen Turms, die von den ursprünglichen Öffnungen

zum Innenhof zugänglich sind, ergänzen die traditionelle Nutzung der erhaltenen

Struktur.

Rem Koolhaas hat 1998 das Projekt Maison und Bordeaux für die Familie

entworfen, das nicht versklaven, sondern befreien solle. Der Architekt entwarf

einen Haus (drei Häuser übereinander) Der Mann hatte sein eigenes „Zimmer“

oder „Station“ als Aufzugsplatte. Die Bewegung des Aufzugs verändert ständig

die Architektur des Hauses. Herz des Hauses ist eine Maschine.

Text: Emma Kantorkova

AMY SHERLOCK: Lafayette Anticipations, https://www.frieze.com/article/slow- dance-lafayette-anticipationsopens-paris,

Abruf2022.27.04

Frank Kaltenbach; Altbau in Bewegung; https://www.detail.de/de/ de_de/artikel/altbau-in-bewegung-fondationgaleries-lafayette-in-

paris-32954/?shop=yes, Abruf 2022.27.04

The Maison à Bordeaux; https://www.oma.com/projects/maison-a- bordeaux; Abruf 2022.27.04

252


253

Bilder: https://www.lafayetteanticipations.com/en/building//

https://www.oma.com/projects/f


254


Biografien

Architektur

büros

255


Atelier d‘Architecture Autogérée

Constantin Petcou // Doina Petrescu

Atelier d‘Architecture Autogérée ist ein selbstorganisiertes Netzwerk, welches

sich seit 2001 durch seine Vielfältigkeit in seiner Zusammensetzung auszeichnet.

Gegründet wurde es von Constantin Petcou und Doina Petrescu. 1

Nicht nur Architekt:innen, sondern auch Künstler:innen sowie Student:innen,

Aktivist:innen, Politiker:innen, Anwohner:innen und Personen aus vielen

anderen Bereichen sind Teil der Projekte. Je nach Verfügbarkeit und

Themengebiet arbeiten so Expert:innen aus verschiedenen Bereichen mit

unterschiedlichen Hintergründen und Fachwissen zusammen. So will das

Netzwerk die bestmögliche Themenbehandlung und Expertise erreichen, um

das bestmögliche Outcome zu erreichen.

Die verschiedenen Projekte, Eingriffe und Workshops sollen besonders in ihrem

lokalen Kontext einen Mehrwert bringen, das tägliche Leben vor Ort wieder

reaktivieren und fördern. Dadurch sollen die Menschen auch angetrieben

werden, weiter Projekte und Aktionen zu autonom zu organisieren und somit

wiederum einen Beitrag zur gesellschaftlichen Weiterentwicklung zu leisten.

Daneben werden vom Atelier d‘Architecture Autogérée überregionale

Plattformen geschaffen, welche die Kultur und den Austausch fördern sollen.

Dies wird durch dauerhafte Projekte und Prozesse sichergestellt. Dadurch

soll die Inanspruchnahme und „Zurückeroberung“ des öffentlichen Raums für

kulturelle, kollektive, soziale oder demokratisch organisierte Projekte unterstützt

und gefördert werden. 2

AAA arbeitet mittlerweile weltweit an den verschiedensten Projekten mit

unterschiedlichsten Kooperationspartnern zusammen. 3

Text: Maja Munck

1

Atelier d‘architecture autogérée , in: https://spatialagency.net/database/aaa, Abruf 2022.04.28

2

www.urbantactics.org/index.html, Abruf 2022.04.23

3

www.currystonefoundation.org/practice/atelier-darchitecture-autogeree/, Abruf 2022.04.28

256


Baukunst

Adrien Verschuere

„Durch die Kombination von Kunst und Technologie, den Dialog und die

Wechselwirkung verschiedener Wissensformen widmet sich BAUKUNST der

Erforschung der Architektur als Medium, mit dem sowohl über das Bauen (BAU)

als auch über das Bauen von Denkweisen (KUNST) nachgedacht werden

kann.“ 1

2008 in Brüssel von Adrien Verschuere gegründet und 2017 um eine weitere

Niederlassung in Lausanne (SUI) erweitert, entwickelt Baukunst nicht nur

architektonische Antworten auf öffentliche Fragestellungen, sondern agiert

auch im privaten Sektor. Dank der Kombination von Kunst und Bau enstanden

im Büro von Adrien Verschuere verschiedenste qualitativ ansprechende Bauten,

die unter anderem auch für zB den Mies van der Rohe Award ausgezeichnet

wurden. 2

Das Büro entwarf neben zahlreichen anderen Projekten auch eine Wellnessoase

in Belgien, gemeinsam mit anderen Büros öffentliche Bauten und eben mit

Bruther gemeinsam die Studentenwohnanlage in Paris. 3

1

www.bau-kunst.eu, Abruf 2022.04.27

2

vgl: www.wbarchitectures.be/en/architects/baukunst/42/, Abruf 2022.04.27

3

vgl. www.divisare.com/authors/2144737993-baukunst/projects/built, Abruf 2022.04.27

Text: Johanna Czerny

257


Berger Anziutti Architectes

Patrick Berger // Jacques Anziutti

Patrick Berger wurde 1947 in Paris geboren und ist seit 1975 als Architekt tätig

und an der Erneuerung der französischen Architektur beteiligt. Dies, so schreibt

Berger, insbesondere durch seinen Ansatz, Architektur, Stadt, Geschichte und

Natur zu verbinden. Nach dem Architekturstudium an der Ècole Nationale

Supérieure des Beaux-Arts in Paris absolvierte Berger ein Praktikum bei dem

deutschen Architekten und Ingenieur Otto Frei und ging für eine wissenschaftliche

Arbeit für die UNESCO nach Nepal, um dort Ethno-Architektur im

Himalaya Gebiet zu studieren. Was er dort untersuchte war die Art des

menschlichen Wohnens und wie diese durch die Architektur vorgegeben und

vertreten wird, Bauprozesse und deren Ausdruck, die Geschichte der natürlichen

und gebauten Umgebungen des Menschen und Fragen die durch die heutige

Evolution hervorgerufen werden. Das Spezifische an Bergers Arbeit ist eine

Fragestellung, die das Dilemma zwischen architektonischem Nutzungsausdruck

und Ortscharakter auflöst. Seine Architektur vereinheitlicht einen symbolischen

Ausdruck der Nutzung und bietet eine Orientierung für die Zukunft eines Ortes:

seine Wahrnehmung, Organisation und seinen öffentlichen Raum. 1

Bergers Architektur erscheint unter folgenden Gesichtspunkten: Nüchternheit

der Fassaden, Verweigerung des Pittoresken, Respekt vor der Ausrichtung und

vor des Ortscharakters, Verewigung der Landschaft durch das Zurücktreten der

Architektur und Kontinuität. Ein bekanntes Projekt, ebenfalls in Paris, das Berger

1992 zusammen mit den Landschaftsgärtnern Gilles Clément und Alain Provost

entworfen hat, ist der Parc André-Citroën. 2004 gewann Patrick Berger den

Grand Prix national de l‘Architecture und seit 2014 ist er als Professor an der

Ecole Polytechnique Fédérale de Lausanne tätig. 2

Zu Jacques Anziutti lässt sich keine Information finden, außer dass er - wie auch

Patrick Berger - den Abschluss Architecte DPLG (diplômé par le gouvernement)

hat. La Canopée des Halles scheint ihr erstes gemeinsames Projekt gewesen zu

sein. 3

Text: Heidi Kresbach

1 https://patrickberger.fr/-A-propos-, Abruf 2022.04.12

2 Simon Texier: Berger Patrick (1947- ), in: https://www.universalis.fr/encyclopedie/patrick-berger/, Abruf

2022.04.12

3

http://www.berger-anziutti.fr, Abruf 2022.04.12

258


Marcel Breuer // Bernard Zehrfuss // Pier

Luigi Nervi

Marcel Lajos Breuer (1902_1981) studierte und unterrichtete am Bauhaus, wobei

er die Verbindung von Kunst und Technik in den Vordergrund stellte, und wurde

schließlich Leiter der Tischlerei der Schule. Später praktizierte er in Berlin und

entwarf Häuser und Geschäftsräume sowie eine Reihe von Metallrohrmöbeln,

von denen heute noch Repliken hergestellt werden. Der Auftrag für das

UNESCO_Hauptquartier in Paris im Jahr 1953 war ein Wendepunkt für Breuer:

eine Rückkehr zu größeren Projekten, nachdem er jahrelang nur Aufträge für

Wohnhäuser erhalten hatte. Breuer adaptierte Beton als seinem wichtigsten

Medium. Er wurde als einer der führenden Vertreter des Brutalismus bekannt. 1

Bernard Louis Zehrfuss (1911_1996) war ein französischer Architekt. Er

besuchte die École des Beaux-Arts in Paris und erhielt 1939 deren wichtigste

Auszeichnung, den Prix de Rome. Im selben Jahr entstand auch sein erster

großer Entwurf für das Sébastien_Charléty_Stadion in Paris. Nach einem kurzen

Aufenthalt in Nizza wurde er Assistent im Atelier von Eugene Beaudouin in

Marseille und gründete dann eine kurzlebige Künstlerkommune. Zehrfuss erhält

ein Visum für Spanien und schließt sich den Freien Französischen Streitkräften

an. Zehrfuss war leitender Architekt im Projekt des UNESCO_Hauptquatiers. 2

Pier Luigi Nervi (1891_1979) war ein italienischer Ingenieur und Architekt.

Er studierte an der Universität von Bologna. Nervi lehrte als Professor für

Ingenieurwesen an der Universität Rom. Er ist bekannt für seine brillanten

Leistungen als Bauingenieur und seine neuartige Verwendung von Stahlbeton. 3

1

vgl: Architectuul: Marcel Breuer, 2022; https://architectuul.com/architect/marcel-breuer (2022.05.01)

2

vgl: Architectuul: Bernhard Zehrfuss, 2022; https://architectuul.com/architect/bernard-zehrfuss (2022.05.01)

3

vgl: Architectuul: Pier Luigi Nervi, 2022; https://architectuul.com/architect/pier-luigi-nervi (2022.05.01)

Text: Greta Pirzl

259


Cuno Brullmann

Cuno Brullmann ist ein schweizer Architekt, wirkend vornehmlich in Frankreich

und Österreich.

Er studierte an der Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH), wo er

1969 graduierte.

In seinen ersten Jahren sammelte und lieferte Brullman in den Niederlanden,

Japan und London erste Erfahrungen und Beiträge. Von 1972 bis 1974 war er

bei dem renommierten Büro Renzo Piano Building Workshop als Architekt in

Mailand und Genua, worauf er ab 1974 bis 1976 bei dem gemeinsamen Büro von

Richard Rogers und Renzo Piano in Paris als „Senior Member“ unter anderem an

der Fertigstellung des Architektur-Klassiker Centre Pompidou beteiligt war.

1977 ging Brullmann mit seinem eigenen Büro in Paris in die Selbstständigkeit.

1983 gründete er erneut mit Arnaud Fougeras Lavergnolle das Unternehmen

B+FL S.A , welches 1998 zu Cuno Brullmann & associés sarl. company. in Paris

wird. 2003 wurde das Büro zu Cuno Brullmann, Jean-Luc Crochon & associates

und ist seit 2018 als Cro&Co Architects bekannt.

Von 1980 bis 1985 war er Professor am Pariser “Ecole Spéciale d‘Architecture”

und lehrte des weiteren 1995 an der Technischen Universität Wien als

ordentlicher Professor und unter anderem auch im Ausland in Japan und Dubai.

Brullman erhielt zahlreicher Auszeichnungen und Ernennungen und ist Mitglied

von Vereinigungen in der Schweiz und Frankreich, sowie Beirat der IBA Wien. 1

Text: Tevo Silbersiepe

1

Vgl. Cuno Brullmann Biographie

< http://www.cunobrullmann.com/biography2010web.htm> [Zugriff 29.04.2022 18:38}

260


Bruther

Stéphanie Bru // Alexandre Theriot

Das Pariser Architekturbüro Bruther wurde 2007 von Bru und Theriot gegründet

und betätigt sich neben der Architektur auch in Bereichen wie Forschung,

Bildung und Urbanistik. 1

Die Architektur von Bruther ist sehr reduziert: „We don‘t subscribe to the

religion of minimalism, but we look for a certain nudity, Architecture is what

remains when you get rid of the superfluous.“, so Stéphanie Bru. Sehr geprägt

hat die Architekt*innen eine 6 Monate lange Reise nach Japan, auf der sie auch

ihren Stil und ihre individuelle Herangehensweise entwickelten. Sie beschreiben

diese selbst, als eine Kultur des offenen Grundrisses mit einer aufgelösten

Struktur. Gleichzeitig wollen sie zeigen, dass man thermisch effizient bauen

kann, während man dennoch Transparenz beibehält. 2 Eine besondere Rolle

spielt daher die Materialität: in ihren bisherigen Gebäuden arbeiteten sie viel mit

Beton, Stahl und Glas. Diese werden klar und sehr durchdacht eingesetzt.

Bruthers Architektur wird weiters als „Austerity Architecture“ beschrieben, ein

Ansatz der in Frankreich auch vom Architekturbüro Lacaton & Vassal vertreten

wird. Es geht dabei darum, die Moderne mit Minimalismus zu verbinden und ihr

ihren ursprünglichen sozialen Zweck zurückzugeben. 3 Bru und Theriot legen

geringen Wert auf große Gesten und Form, sondern stellen den Menschen

als Nutzer in den Vordergrund. Eine reduzierte Formensprache charakterisiert

ihre Entwürfe, wie etwa die „Résidence pour chercheurs“ oder das Kultur- und

Sportzentrum Saint-Blaise in Paris. Sie sind davon überzeugt, dass sich die

Anforderungen an Räume stetig verändern und Nutzungen weiterentwickeln. In

ihren Projekten versuchen sie daher entsprechend flexible Raumstrukturen zu

planen. 4

1

Devanshi Shah: Swiss Architectural Award 2020: Exploring the works of Parisian practice Bruther, in: https://www.

stirworld.com/see-news-swiss-architectural-award-2020-exploring-the-works-of-parisian-practice-bruther, Abruf

2022.05.01

2

Andrew Ayers: Bruther, in: Architectural Record 2017/12

3

ebd.

4

o.V.: Stéphanie Bru, Alexandre Theriot (Bruther): The norm and the unsettled, in: https://aut.cc/veranstaltungen/

vortrag-bruther-1, Abruf 2022.05.01

Text: Sarah Fuchs

261


CAB Architectes

Jean-Patrice Calori // Bita Azimi // Marc Botineau

2002 ins Leben gerufen, lernten sich die Gründungsmitglieder Jean-Patrice

Calori, Bita Azimi und Marc Botineau einige Zeit davor bei der Umgestaltung des

Lycée Jules Ferry in Cannes kennen. 1 Seit dieser gemeinsamen Arbeit ist ein

Großteil der Projekte in den Alpes-Maritimes, eine Gegend im Süden des Landes

in der Region um die Côte d‘Azur, verortet.

Wichtig ist und war den Architekten ein gemeinsamer Weg, der sie von Projekt

zu Projekt führen sollte. Grundsätzliche Themen in ihrer Arbeit waren immer die

in dieser Gegend sehr spannende Landschaft und die eigene Recherche dazu,

essentiell die Suche nach dem „Duft des Südens“. 2

Abgesehen von ihrer Arbeit im Süden des Landes, entwirft das Büro mit Sitz

in Nizza und Paris auch Bauprojekte in der Hauptstadt, wie zB bei der ENSAE

PARISTECH. 3 Abgesehen von solchen Arbeiten im öffentlichen Bereich, wie

Schulen und Universitäten, engagieren sich die Architekten auch im Bereich des

sozial nachhaltigen Wohnungsbau, unter anderem bauten sie das ZAC social

housing Projekt in einem alten Lagerhaus am Hafen. 4

„Vom Schulkomplex in Beausoleil bis hin zu den Wohnhäusern am Hang in Eze

neigt CAB ARCHITECTES dazu, Gebäude zu produzieren, die ihr Ziel nicht

anzeigen, sondern ihr eigenes Rätsel in sich tragen, ein Vorbote einer möglichen

Veränderung.“ 5

Text: Johanna Czerny

1

vgl: www.cabarchitectes.com/agence, Abruf 2022.04.29

2

vgl: www.architizer.com/firms/cab-architectes, Abruf 2022.04.29

3

vgl: www.cabarchitectes.com/contact, Abruf 2022.04.29

4

vgl: www.afasiaarchzine.com/2020/05/cab-architectes-2, Abruf 2022.04.29

5

www.cabarchitectes.com/agence, Abruf 2022.04.29

262


Pierre Charreau // Bernard Bjivoet

Der französische Architekt Pierre Chareau lebte zwischen den Jahren 1883

und 1950. Der vorwiegend als Möbeldesigner und Innraumgestalter tätige

Architekt, wandte sich im Projekt Maison de Verre einem neuen Maßstab zu. 1

Chareau war Mitbegründer des Congrès International d‘Architecture Moderne

(CIAM) sowie Union des Artistes Modernes (UAM). Teil dieser französischen

Avantgardegruppen waren unter anderem auch Le Corbusier und Charlotte

Periand. 2

Der zweite am Maison de Verre tätige Architekt war der Niederländer Bernard

Bijvoet. Er lebte zwischen den Jahren 1889 und 1979 und war im Wohnungsund

Theaterbau tätig. Bijvoet kollaborierte in den Niederlanden gemeinsam mit

dem Architekten Jan Duiker. In Frankreich arbeitete er unter anderem mit den

Architekten Chareau, Beaudouin und Lods. 3

1

Vgl. Emma Cheatle: Part-Architecture: The Maison de Verre, duchamp, Domesticity and Desire in 1930s Paris, 2017,

S. 17.

2

Vgl. o.A.: Pierre Chareau (18831950), URL: < https://www.markanto.de/designer/chareau-pierre/> [Zugriff:

21.04.2022].

3

Vgl. Ronald Zoetbrod: The architectural career of Bernard Bijvoet, 2000, URL: < https://www.erzed.nl/enintro.

html> [Zugriff:21.04.2022].

Text: Jonathan Kaserer

263


Studio Combo

Julien Labrousse // Jérôme Friand

Studio Combo, Büro mit Sitz in Paris und Lissabon, positionieren sich als

multidisziplinäre Agentur mit Expertise an der Schnittstelle von Architektur,

Landschaftsplanung und Städtebau. 1

Bisher haben Studio Combo primär Innenarchitekturprojekte im Bestand mit

einem Fokus auf Hotel- und Gastgewerbe realisiert, darunter mehrere Bars und

Restaurants, Hotelzimmer und Gästehäuser in Frankreich, Portugal und Spanien.

Auch zahlreiche Umbauten privater Wohnungen oder Büros hat das Büro bereits

durchgeführt, mehrere davon in historischem Kontext.

Labrousse und Friand haben auch bereits in größerem Maßstab mehrmals mit

historischen und denkmalgeschützten Gebäuden gearbeitet, beispielsweise bei

der Instandsetzung des Palacio do Grilo in Lissabon aus dem 18. Jahrhundert.

Studio Combo wurde auch mit der Rekonstruktion des Konzertsaals Élysée

Montmartre aus dem frühen 19. Jahrhundert beauftragt. Auf dessen Dach

brachten Studio Combo zusätzlich ein luftiges Büro mit freiliegendem

Tragwerk untergebracht unter. Für das Theater Le Trianon aus dem späten 19.

Jahrhundert übernahm das Büro ebenfalls Umbau und Restaurierung. Beide

Gebäude sind im Pariser Vergnügungsviertel Pigalle gelegen.

Für die vom namhaften Naturfotografen Yann-Arthus Bertrand gegründete

Fondation GoodPlanet gestaltete das Team im Château de Longchamp und der

umliegenden Parklandschaft im Bois de Boulogne ein Headquarter mit Museum,

Auditorium und Freiluftausstellung. 2

Erneut zum Einsatz kamen die Erfahrungen von Studio Combo in der Arbeit mit

historischer Bausubstanz bei der Transformation des Güterbahnhofs Pantin in

die Cité Fertile.

Text: Flora Chiba

1

Une agence d'architecture multidisciplinaire, in: www.studiocombo.fr, Abruf: 2022.04.24

2

Réalisations, in: www.studiocombo.fr, Abruf: 2022.04.24

264


Michel Desvigne Paysagiste

Annette Gigon // Mike Guyer

Michel Desvigne studierte Botanik und Geologie in Lyon und Landschaftsarchitektur

in Versaille, wo er 1984 diplomierte. Er arbeitete zusammen mit Christine Dalnoky

als Landschaftsarchitekt:innen in der Villa Medici in Rom zwischen 1986 und

1988 und daran anschließend bis 1996 weiterhin gemeinsam in Frankreich. 1989

wurden sie von Renzo Piano zur Gestaltung eines Gartens in Paris beauftragt,

wodurch sie Bekanntheit erlangten.

In seiner Arbeit hebt Michel Desvigne die Landschaften und deren Mechanismen

hervor, sie sind streng, zeitgenössisch und entschlüsseln die Umgebung. Er

überträgt die Idee der amerikanischen Parksysteme insbesondere in europäische

Stadtrandgebiete um in ihnen Organisation zu schaffen und die Zersiedelung

aufzulösen.

Seit 1998 lehrt Michel Desvigne unter anderem an der Harvard Graduate School

of Design in Cambridge, der ENSP in Versailles, der EPFL in Lausanne und der

Architectural Association in London.

Die Projekte sind in verschiedensten Maßstäben von Gärten, öffentlichen

Plätzen bis hin zu Masterplänen in Städten und Regionen. Zu den bekanntesten

Projekten zählen die Restaurierung des alten Hafens in Marseille, für die MDP

den europäischen Preis für öffentlichen Stadtraum erhalten hat, die Rive Droite in

Bordeaux, der Otemachi Park in Tokio oder die Innenstadt von Toulouse. 1

1

vgl: MDP: Michel Desvigne, in: micheldesvignepaysagiste.com/en/michel-desvigne-0, Abruf: 2022.04.29

Text: Lisa Blenk

265


Encore Heureux

Julien Choppin // Nicola Delon // Sébastien Eymard // Sonia Vu

Encore Heureux, zu Deutsch „immer noch glücklich“, wurde 2001 von Julien

Choppin und Nicola Delon gegründet. Das Büro widmet sich neben klassischen

Bauaufträgen, der Entwicklung und der Forschung an dem architektonischen

und städtebaulichen Umgang mit den sozialen und ökologischen Problemen

und Aspekten in unserer Gesellschaft. Als Teilantwort auf diese Fragen wurden

bereits Spielplätze, Möbel, Ausstellungen und Installationen entworfen.

Später steigen noch Sébastien Eymard und Sonia Vu als Partner ein.

Das Kollektiv hat den Anspruch, aus verschiedenen Blickwinkeln ihre Ideen

und Entwürfe zu beleuchten, sie wollen also mehr sein als ein“einfaches“

Architekturbüro.

Das Kollektiv gilt als Vorreiter für die theoretische und praktische

Auseinandersetzung mit wiederverwendeten Materialien in der Architektur.

In Ihrer Arbeit schauen sie auf die Probleme in unserer heutigen Gesellschaft

(Abfall, Umweltkrise, (Über-)Konsum, Obdachlosigkeit usw.) und reagieren mit

ihren Entwürfen und Ideen darauf. 1 2

Diese vielfältigen Initiativen sind sowohl in der Welt der Stadtplanung

(öffentliche Aufträge, Bestellungen) als auch in der Welt der Kultur

(Kunstveranstaltungen, Residenzen) angesiedelt, lockern die Grenzen auf und

ermöglichen es, neue Interventionsrahmen für Praktiker im öffentlichen Raum

zu erfinden.

2018 wurde Encore Heureux international bekannter, sie durften das Konzept

für den französischen Pavillon auf der Biennale gestalten. Unter dem Titel

„Infinite Places“ wurde der Fokus auf zehn Orte in Frankreich gelegt, die sich

auf unterschiedlichste Weisen mit der Bewältigung von akuten (Gesellschafts-)

Problemen auseinandersetzten. 3

Text: Maja Munck

1

Pourquoi on en parle, in: https://arteplan.org/initiative/encore-heureux/, Abruf 2022.04.28

2

Jakob Schoof: Der Charme des Alten: Ausstellung „Matière Grise“ in Paris, in: www.detail.de/de/de_de/dercharme-des-alten-ausstellung-matiere-grise-in-paris-12714,

Abruf 2022.04.21

3

Being in a Bi en na le – In ter view #4: Ju li en Chop pin, in: https://www.espazium.ch/de/aktuelles/being-biennaleinterview-4-julien-choppin,

Abruf 2022.04.28

266


Adrien Fainsilber

Adrien Fainsilber wurde 1932 in Le Nouvion en Thiérache in Frankreich geboren

und ist französischer Architekt und Stadtplaner. Er studierte Architektur an der

Königlich Dänischen Kunstakademie in Kopenhagen und legte sein Diplom an der

École nationale supérieure des beaux-arts in Paris 1960 ab. Mit seiner Kollegin

Högna Sigurðardóttir gewann er 1967 den 1. Platz für den Ideenwettbewerb für

die Universität Paris Nord in Villetaneuse.

In Cambridge arbeitete er für den Landschaftsarchitekten Hideo Sasaki und

studierte am Institut d´aménagement et d´urbanisme de la région parisienne

(IAURP). 1970 gründete er sein eigenes Architekturbüro und ist Mitglied des

Ordre des Architectes von Frankreich und der französischen Vereinigung der

Stadtplaner. 1

1

Wikipedia: Adrien Fainsilber, in: https://de.wikipedia.org/wiki/Adrien_Fainsilber, Abruf: 28.04.2022

Text: Arno Poll

267


Dietmar Feichtinger Architectes

Der Österreicher Dietmar Feichtinger (1961) studierte bis 1988 an der TU Graz

Architektur und schloss mit Auszeichnung ab. Nach ersten Erfahrungen bei

Prof. Huth, Prof. Giencke und Prof. Klaus Kada wechselte er 1989 nach Paris,

wo er 1994 das Büro Dietmar Feichtinger Architectes gründete. 2002 Gründung

der Filiale in Wien. Seit 1994 lehrt Feichtinger an verschiedenen Universitäten,

so der Universität Paris VI - La Villette, der RWTH Aachen, der Universität

Innsbruck und der Universität Wien. Er wurde für seine Arbeiten vielfach

ausgezeichnet und ist international erfolgreich. 1

Ein bewusst struktureller Zugang mit innovativen technischen Lösungen und

nachhaltigen und energieoptimierten Konzepten prägen die Entwürfe des Büros.

Die Architektur bezieht sich sensibel auf ihre Umgebung.

Beschäftigungsbereiche sind: Brücken, ökologisches Bauen, Visualisierung,

Projektentwicklung, Wettbewerbe, Modellbau, Generalplanung. 2

Jeder Standort fordert sein eigenes Projekt. Jedes Projekt als ein neues Projekt

zu behandeln, das sich an einen bestimmten Standort anpasst, ist eine gute

Möglichkeit, Routine zu vermeiden. Dabei geht es darum, jedes Mal eine neue

Lösung zu finden, hochmodern, hochaktuell zu sein und vor allem stilistische

Vorgaben zu vermeiden. Jeder Ort, jede Naturlandschaft, jede urbane

Umgebung erfordert eine eigene Antwort.

Dietmar Feichtinger ist bekannt für Arbeiten wie die Fußgängerbrücke Simone

de Beauvoir in Paris, die Donauuniversität Krems oder das Kunsthaus Weiz. 3

Sein jüngstes Projekt in der Steiermark drückt jene Werte aus, die für ihn durch

Architektur unterstütz werden sollen: Drei miteinander verbundene Schulen

bieten die Möglichkeit zur Entfaltung und dem miteinander und voneinander

lernen. 4

Text: Olha Karnaushenko

1

www.feichtingerarchitectes.com/upload/df_portrait_de.pdf

2

www.arcguide.de/firmenverzeichnis/DFA--Dietmar-Feichtinger-Architectes/

3

www.architonic.com/de/microsite/dietmar-feichtinger-architectes/5203263

4

www.creativeaustria.at/2020/11/30/unterrichtsmaterialien-fuer-den-unterricht-deutsch-als-fremdsprache-zumfilm-ueber-den-architekten-dietmar-feichtinger/

268


Edouard François

Édouard François wurde am 02.04.1957 in Boulogne-Billancourt geboren und ist

ein französischer Architekt. 1

Er studierte an der Ecole Nationale des Beaux-Arts de Paris und der Ecole

Nationale des Ponts et Chaussées. 1998 gründete er sein eigenes Büro für

Architektur, Stadtplanung und Design und erlagte schnell internationale

Bekanntheit. Zu seine Arbeit zählen Projekte wie The Building that Grows

(Montpellier, 2000), Flower Tower (Paris, 2004) und Fouquet‘s Barrière Hotel

(Paris, 2006) bekannt. Seine Arbeiten werden regelmäßig auf internationaler

Ebene ausgestellt, insbesondere im Canadian Centre for Architecture in

Montreal, im Guggenheim Museum in New York, im Victoria & Albert Museum

in London und auf der Architekturbiennale in Venedig, neben anderen

renommierten Ausstellungsorten und Veranstaltungen, dem Centre Pompidou

und dem FRAC Centre. Pflanzen sind ein wichtiger Bestandteil seiner Bauten.

Meistens gewährt er ihnen Platz, entlang der Fassaden zu wachsen. 2

2011 wurde er zum Designer des Jahres ernannt und darüberhinaus nahm das

Royal Institut of British Architects ihn für seine Verdienste in der Architektur

als internationales Ehrenmitglied auf. 2012 verlieh das französische Ministerium

für Kultur und Kommunikation François den Rang eines Chevalier des Arts et

Lettres. 3

Ebenfalls im Jahr 2012 gab Edouard François seiner Agentur neue Impulse,

die in Maison Edouard François umgewandelt wurde. Maison Edouard

François besteht aus einem internationalen Team von Architekten, an die er

seine Philosophie und sein Fachwissen weitergegeben hat, und entwickelt

nachhaltige, einzigartige und innovative Projekte, die alle spezifisch in Bezug auf

ihren geografischen, wirtschaftlichen, sozialen, historischen und ökologischen

Kontext entwickelt werden. 4

1

https://en.wikipedia.org/wiki/%C3%89douard_Fran%C3%A7ois

2

https://www.mchmaster.com/es/de/professoren/edouard-francois/

3

https://www.institutfrancais.de/stuttgart/event/edouard-francois-15444

4

https://www.mchmaster.com/es/de/professoren/edouard-francois/

Text: Sima Cosima

269


Gigon/Guyer

Annette Gigon // Mike Guyer

Annette Gigon und Mike Guyer studierten beide Architektur an der ETH Zürich.

Annette Gigon arbeitete nach ihrem Studium ab 1984 bei ARCOOP und Herzog de

Meuron und ab 1987 selbstständig. Mike Guyer arbeitete ebenfalls nach seinem

Diplom ab 1984 bei Rem Koolhaas in Rotterdam und ab 1987 eigenständig. 1989

gründeten sie zu zweit das Büro Gigon/Guyer in Zürich, mit mittlerweile mehr als

40 Mitarbeiter:innen.

Das erste Projekt war das Kirchner Museum in Davos im Jahr 1992, darauf

folgten zahlreiche weitere Museumsprojekte in Frankreich, Deutschland oder der

Schweiz. Seit einigen Jahren arbeitet Gigon/Guyer ebenfalls intensiv im Wohnbau

und im Bürobau. Seit 2012 haben Annette Gigon und Mike Guyer die Professur

für Architektur und Konstruktion an der ETH Zürich, nachdem beide davor als

Gastdozent bzw. als Gastdozentin in der Schweiz gearbeitet haben.

Neben dem Campus der École CentraleSupélec zählt auch der Umbau des

Hörsaals der Universität Zürich zu den von ihnen realisierten Bildungsbauten.

Zu den bekanntesten Gebäuden zählen unter anderem das Kirchner Museum in

Davos, das Archäologische Museum und das Kunstmuseum Appenzell. 1

Text: Lisa Blenk

1

vgl: Gigon/Guyer: Dokumentation, in: gigon-guyer.ch/wp-content/uploads/P_05_Gigon_Guyer_Dok_D_2102_

www.pdf, Abruf: 2022.04.29

270


Grand Huit

Julia Turpin // Marine Kerboua // Clara Simay

Grand Huit ist eine Pariser Kooperative aus Architekt*innen,

Landschaftsarchitekt*innen und Stadtplaner*innen, die es sich zum Ziel gesetzt

haben, neue Formen des Wohnens und Zusammenlebens zu erforschen und in

ihrer Arbeit voranzutreiben.

hr Schaffen ist von Bestrebungen nach Nachhaltigkeit, Resilienz und

Kreislaufwirtschaft geprägt, kurzum: von ökologischem Engagement. Weiters

achten Grand Huit stark auf die Verankerung des jeweiligen Projekts in seinem

Umfeld: Neben der Verwendung lokaler Ressourcen werden mit der Einbindung

ortsansässiger Akteure (zB im Rahmen partizipativer Bauarbeiten) auch die

soziale Nachhaltigkeit nicht außen vor gelassen, und durch persönlichere

Bezüge Akzeptanz für das Projekt geschaffen. 1

Das Team um Turpin, Kerboua und Simay sehen als ihre Aufgabe nicht die bloße

Produktion von Architektur, sondern verfolgen einen ganzheitlicheren Ansatz:

So steigen sie bereits früher in den Planungsprozess ein als üblich und begleiten

Kunden schon bei der Findung bzw Schärfung ihres Projektprogramms bevor

noch die architektonische Ausformulierung im Raum steht.

Grand Huit haben bisher mehrere Nachnutzungs- und Renovierungsprojekte

in Paris und Umland durchgeführt, zB die Umwandlung des letzten erhaltenen

Pariser Kuhstalls der Ferme de Montsouris in Proben- und Veranstaltungsräume

oder der Umbau der Kaserne von Senlis in ein Seniorenheim. Für die École

d‘Architecture Paris La Villette haben Grand Huit im Zuge einer Sanierung die

Umgestaltung der Arbeitsräume übernommen. Die Ferme du Rail an der Pariser

Ringbahn ist das erste komplett neu errichtete Projekt des Büros in größerem

Maßstab. 2

1

qui sommes-nous?, in: www.grandhuit.eu, Abruf 2022.04.29

2

www. grandhuit.eu, Abruf 2022.04.29

Text: Flora Chiba

271


Gérard Grandval

Der am 7. Oktober 1930 geborene Pariser, zeigt bereits als Gymnasiast Interesse

an Architektur. 1948 zeichnet er in der Agentur von Architekt Jacques Carlu

interimistische UNO Einrichtungen. Ab 1950 studiert er bildende Kunst in Paris.

Während seiner Arbeit als Innenausstatter für das Modehaus Cacharel findet er

Gefallen an farbigen Plastik- und Metallinterieurs in Kombination mit Rundungen.

Neben der Teilnahme an Wettbewerben, studiert Grandval auch Flughäfen,

erarbeitet ein Projekt für 1000 Kindergärten beziehungsweise Schulen im

Vorfertigungssystem, entwickelt Verbesserungsvorschläge eigenständiger

Produktionsabläufe von Plastikmöbeln.

Sein Hauptwerk ist das 1968 begonnene und 1973 realisierte Quartier du Palais,

in der damals neu entstehenden Stadt Créteil.

Die Wohntürme mit insgesamt 600 Appartments bestimmen das Stadtbild und

sind Symbol für Einklang von Form und Funktion.

Seine Turmbauten mit ihren charakteristisch hochgezogenen Balkonen aus

Sichtbeton und dem breitgelagerten Gebäude im Zentrum resemblieren Pariser

Landwirtschaft und machen Stadt und Architekten weltbekannt.

Aufgrund der ausbleibenden Nachfrage seitens Mieter, wurde beschlossen einen

Teil der Anlage in Sozialwohnungen umzuwandeln. Dies führte, zum Leidwesen

des Architekten, auf das Unterbleiben der Fassadenbegrünung.

Grandval zeichnet sich, trotz Kritik, in den darauffolgenden Jahren durch

innovative Konzeptideen aus. 1

Text: Daniel Junger

1

Jörn Garleff: Gérard Grandval, in: https://deu.archinform.net/arch/72970.htm, Abruf 2022.04.30

272


Hamonic + Masson & Associés

Gaëlle Hamonic// Jean-Christophe Masson// Marie-Agnès de Bailliencour

1997 wurde das Büro gegründet, 2001 für den Mies van der Rohe-Preis

nominiert und 2002 mit dem Nouveaux Albums de la Jeune Architecture

(NAJA) ausgezeichnet, einem Preis des Kulturministers. Sie wurden 2003 von

der breiten Öffentlichkeit anerkannt, indem sie das Maison Métal für den Parc

de la Villette entwarfen. Es war eine Veranstaltung, die Hamonic+Masson an

die Schnittstelle von Kunst und Architektur brachte. Es eröffnete eine Reihe

von Ausstellungen und inszenierte Veranstaltungen wie die Co-Kuratierung des

französischen Pavillons auf der Biennale von Venedig 2008 und in der Stadt der

Architektur und des Kulturerbes usw.

Im Jahr 2012 erhielt das Büro den „prix spécial AMO Saint-Gobain“ für den Bau

von 62 Sozialwohnungen in der Rue Villiot im 12. Arrondissement von Paris.

Das Unternehmen relisierte bereits 15 Projekte und entwickelt weiter in ganz

Frankreich. Es arbeitet mit öffentlichen und privaten Auftragnehmern zusammen

und ist bestrebt, in allen Arten von Kontexten und Bereichen zu handeln (z. B.

Wohnungswesen, öffentliche Einrichtungen, Unternehmen, Büros, Infrastruktur

usw.).

Sie beteiligt sich derzeit an der Debatte über die Höhe, welche in ganz

Frankreich für große Diskussionen sorgt. Im Jahr 2015 schloss das Büro das

erste 50 Millionen große Wohnprojekt von Paris seit den 1970er Jahren im

Stadtteil Masséna ab.

Hamonic+Masson entwickelt sich international und nimmt an verschiedenen

Konsultationen, Ausstellungen und Konferenzen auf der ganzen Welt teil. 1

1

https://archinect.com/hamonicmasson 28.4.22 17:00

Text: Lukas Notheis

273


Ilimelgo

Valérian Amalric // Catherine Gascon

Das Architekturbüro Ilimelgo versucht in seinen Entwürfen und Projekten stets

auf den Umweltaspekt einzugehen. So stellt sich dem Team die Frage, wie

wollen wir in Zukunft leben? Wie gestalten wir Städte für unsere Kinder.

In Ihren Projekten spielt deshalb oft der Umgang mit intensiver Begrünung oder

Urban Gardening, neben anderen sozialen Aspekten, eine wichtige Rolle.

Das Büro hat zwei Standorte, neben Paris hat es einen Ableger in der

Hauptstadt der Bretagne in Rennes. Derzeit arbeiten insgesamt 11 Personen für

Ilimelgo. 1

Das Architekturbüro hat neben dem oft Publizierten Cité maraîchère de

Romainville auch weitere Urban Gardening Projekte in Planung. Sehr interessant

ist auch das derzeitige Bauprojekt „hautes serres“, im Zac Magellan. Dort wird

ein urbanes Gewächshaus als Lärmschutz zwischen Autobahn und Wohngebiet

eingesetzt. 2

Ilimelgo konzentriert sich stark auf die Entwicklung städtischer Farmen, einen

regionalen Lebensmittelmarkt und pädagogische Gewächshäuser. Durch die

urbane Landwirtschaft will Ilimelgo aber auch ein Bewusstsein in der lokalen

Bevölkerung für die Notwendigkeit nachhaltiger und innovativer Systeme

und Ideen für unsere Zukunft zu entwickeln. In Ihren Projekten wird nicht

nur der Fokus auf eine nachhaltige (Land-) Wirtschaft gelegt, sondern auch

die Nachbarschaft langfristig mit sozialen Angeboten und Interventionen

einzubinden. 3 4

1

Agence, in: https://ilimelgo.com/fr/agence, Abruf 2022.04.24

Text: Maja Munck

2

Hautes Serres, in: https://ilimelgo.com/fr/projets/cultiver/hautes-serres, Abruf 2022.04.24

3

Portfolio Ilimelgo, in: https://issuu.com/ilimelgo8/docs/ili_portfolio_interieur__jan_2019_8d0aaa303c9f79/73,

Abruf 2022.04.24

4

Illmelgo architectes, in: www.https://www.metalocus.es/en/author/ilimelgo-architectes, Abruf 2022.04.24

274


Jakob + MacFarlane

Dominique Jakob// Brendan MacFarlane

Jakob + MacFarlane ist ein französisches Architekturbüro, das 1998 von

Dominique Jakob und Brendan MacFarlane gegründet wurde. Der Hauptsitz

befindet sich in Paris.

Dominique Jakob wurde am 26. August 1966 in Paris geboren. Sie studierte an

der École d‘architecture de Paris-Villemin (heute École nationale supérieure

d‘architecture de Paris-Val de Seine) und schloss ihr Studium 1991 ab.

Brendan MacFarlane wurde am 13. September 1961 in Christchurch, Neuseeland,

geboren. Er graduierte 1984 am Southern California Institute of Architecture und

1990 an der Graduate School of Design der Harvard University.

Die beiden lernten sich kennen, als sie für die in Los Angeles ansässige Firma

Morphosis Architects arbeiteten, die später 2005 den Pritzker-Preis gewann.

1998 gründeten sie Jakob + MacFarlane in Paris.

Im Januar 2001 waren sie eines von 25 Architekturbüros, die für die Teilnahme

an der ersten Ausstellung von Architektur ausgewählt wurden, die durch

computergestütztes Design ermöglicht wurde.

Im Jahr 2002, nach der Zerstörung des World Trade Centers bei den Anschlägen

vom 11. September im Vorjahr, schlug das Unternehmen vor, das Gelände „in

ein neues World Peace Center zu verwandeln, das von gewundenen roten und

grünen Türmen dominiert wird, die sich wie verdrehte Grashalme in den Himmel

krümmen“. Im Jahr 2007 gewann das Büro den Globe de Cristal Award für

den besten Architekten. 2019 gewann Jakob selbst den „Architektinnenpreis“.

Die beiden haben auch als Gastprofessoren in verschiedenen europäischen

Architekturprogrammen gelehrt. 1

1

https://en.wikipedia.org/wiki/Jakob_%2B_MacFarlane am 27.04.2022 15:00

Text: Notheis Lukas

275


Jourda Architectes Paris

Raphaëlle-Laure Perraudin // Noémie Roux // Valeria Cataldi

Seit der Gründung 2003, durch die Architektin Françoise-Hélène-Jourda, steht

das Büro für eine verantwortungsbewusste Positionierung, die ausdrücklich

im Dienst der Menschen und Lebewesen steht. Das, ausschließlich aus Frauen

bestehende Team hebt die Stichworte; sanfte Innovation, Sensibilität und die

Gesundheit der Endnutzer oder Bewohner besonders hervor. Sie zelebrieren das

Experimentieren und sehen die Notwendigkeit Problemen mit Engagement zu

begegnen, um zukunftstaugliche Lösungen zu entwickeln.

“Unsere Arbeit, ob es um den urbanen Maßstab, das Quartier, das Gebäude

oder das Objekt geht, will Teil dieser tiefen Überzeugung sein, dass unser Knowhow

wirklich denen zugute kommen muss, die in diesen Räumen leben und die

Objekte nutzen werden.” 1

Raphaëlle-Laure Perraudin übernimmt 2015, nach dem Ableben der Gründerin

die Leitung des Büros. Sie ist seit 2007 angestellt und bildet nun das essenzielle

Bindeglied zu vergangenen Projekten und Überzeugungen. Neben Ihr sind drei

weitere Architektinnen und eine Wirtschaftsprüferin mit im Team. Darüber

hinaus gibt es eine Vielzahl an Architekt:Innen und Partnern, mit welchen schon

gemeinsame Projekte entstanden.

Text: Daniel Ornetzeder

1

jourda-architectes.com/ agence

276


Jacques Kalisz

Jacques Kalisz (* 6. September 1926 in Paris; † 6. März 2002 ebenda) war ein

französischer Architekt. 1

In den 1930er Jahren emigrierte er mit seiner Familie nach Frankreich.

Nach dem Zweiten Weltkrieg, in dem sein Vater bei der Deportation nach

Deutschland starb, studierte er Architektur an der École des Beaux-Arts in Paris,

wo er bei André Wogenscky und Édouard Albert studierte. 1

Von 1963 bis 1973 war Jacques Kalisz Mitglied des AUA (Atelier d‘urbanisme et

d‘architecture), einer wahren „Kinderkrippe“ von Architekten, die hauptsächlich

Projekte in den Vororten durchführten.

Gleichzeitig unterrichtet er an der Unité pédagogique d‘architecture n°1 in

Paris. Eine seiner größten Errungenschaften ist das 1972 erbaute Pantin

Administrative Centre, heute Centre national de la Danse, das durch die

respektvolle Adaption der Architekten Antoinette Robain und Claire Gueysse

wieder aufgewertet wurde. Wir können dieses Gebäude mit seiner spektakulären

Umsetzung von Beton als eines der Beispiele für „brutalistische“ Architektur

betrachten.

Besorgt über die soziale Rolle der Architektur, vergisst er auch nicht die

didaktische Dimension „Ich möchte, dass wir in der Schule lernen, „unsere

Straße zu lesen“, dass die Menschen lernen, ihre Straße zu entschlüsseln,

während sie ein Buch lesen, und dass sie eine Vorstellungskraft, einen

Geschmack, einen Willen, Anforderungen an die Straße haben!“ 2

1

https://fr.wikipedia.org/wiki/Jacques_Kalisz 27.04.22 12:35

2

vgl: https://patrimoine.seinesaintdenis.fr/Jacques-Kalisz 27.04.22 12:50

Text: Lukas Notheis

277


Lacaton & Vassal

Anne Lacaton // Jean Philippe Vassal

Das Büro „Lacaton & Vassal“ wurde 1987 von Anne Lacaton und Jean Philippe

Vassal in Paris gegründet. Bis jetzt haben sie nur insgesamt fünf Mitarbeiter

und widersprechen damit der Marktlogik und profitorientierten Architektur von

anderen anerkannten Büros.

Zu den bekanntesten Projekten des Büros zählen das „Palais de Tokyo“ in Paris

und die Architekturfakultät in Nantes.

In den Gebäuden und Entwürfen von „Lacaton & Vassal“ geht es immer um die

Wirtschaftlichkeit mit Blick auf den Menschen beziehungsweise Nutzer.

Passend dazu führten die Architekten zusammen mit ihrem Kollegen Druot eine

Studie namens „Plus“ zum Pariser Wohnbau durch. Es ging darum, dass in Paris

60er und 70er Jahrebauten mit über 200000 Wohnungen abgerissen werden

sollten. Die Studie belegte, dass eine Sanierung beziehungsweise Restaurierung

nicht nur günstiger sondern auch wirtschaftlicher wäre.

Ein Extrembeispiel für die wirtschaftliche Orientierung des Büros ist ein

Einfamilienhausprojekt aus den 1990ern in Bordeaux. Der Auftraggeber wollte

ein möglichst großes Haus für möglichst wenig Geld. „Lacaton & Vassal“

lieferten einen einfachen Holzbau mit darübergestülptem Gewächshaus aus

Fertigteilen, die Ebene zwischen den beiden Baukörpern blieb unbeheizt. Somit

erhielten die Auftraggeber ein 185 qm großes Haus für nur 55000 €.

Anhand dieses Beispiels lässt sich sehr gut die Zweckmäßigkeit der Bauten

des Büros erkennen, man könnte sogar sagen der Mut zur Hässlichkeit ist

erkennbar.

Ein weiteres bekanntes, jedoch nicht realisiertes Projekt ist ein

Sozialwohnungsbau in Hamburg. „Lacaton & Vassal“ reichten einen

Entwurfsvorschlag mit Balkonen in den Wettbewerb ein, was den Vorgaben

widersprach. Obwohl sie im vorgegebenen Budget

blieben flogen sie aus dem Wettbewerb. Für sie war das das Ende des sozialen

Wohnbaus des Büros, da dieser laut Jean Philippe Vassal eben nicht mehr am

Menschen sondern nur noch an der Wirtschaftlichkeit orientiert ist.

Text: Konrad Graunke

Laura Weißmüller: Genial räudig, in: https://www.sueddeutsche.de/kultur/architektur-genialraeudig-1.4027347,

Abruf 2022.29.04.

https://www.deutschlandfunk.de/pritzker-preis-fuer-architektur-geringes-budgetmaximale100.html, Abruf

2022.29.4.

278


Éric Lapierre Experience

Éric Lapierre// Laurent Esmilaire // Tristan Chadney

Eric Lapierre gründete das Studio im Jahr 2000 und 2020 erweiterte er das

Büro mit zwei Partner Tristan Chadney und Laurent Esmilaire. „Surprise based

architecture „ ist ein wichtiger Teil seiner Arbeit. Wie kann Überraschung als

ein nicht lang anhaltendes Akt ihre Kurzfristigkeit überwinden und somit zur

Architektur der Erfahrung werden? Wie können Rationalität und Konvention

im Sinne von „Common Culture“ diesen Phenomen beeinflussen? und wie lässt

sich Architektur als zeitgenössisches Medium in dem Gewöhnlichen bewahren?

Eric Lapierre arbeitet mit dem unerwartenen Widerspruch, durch die leichte

Abweichung von der Konvention die zur Poesie und Metapher wird.

Seine bedeutendsten Gebäude sind das Kunstzentrum Le Point du Jour

in Cherbourg, das Studentenwohnheim/ Chris Marker in Paris und die

Logistikplattform für Toulouse Logistique Urbaine. Eric Lapierre ist ein Architekt,

Lehrer, Theoretiker, Schriftsteller und Kurator. 2019 kuratierte er Lisbon

Architecture Trianale auf Thema „The poetics of reason“. Seine Werke zeichnen

sich in der Tektonik der Bauwerke und der Tiefe der theoretischen Dimension in

seinen Projekten aus.

ArchitectureFoundation,100DayStudio,EricLapierrein:https://www.youtube.com/watch?v=r3acwSYrY

k;Abruf2022.28.04

Harvard University; Eric Lapierre;https://www.gsd.harvard.edu/person/eric-lapierre/;Abruf 2022.28.04

Text: Emma Kantorkova

279


Le Corbusier

Charles-Édouard Jeanneret-Gris

Text: Daniel Ornetzeder

Charles Jeanneret war ein schweizerisch-französischer Architekt,

Architekturtheoretiker, Stadtplaner, Maler, Zeichner, Bildhauer und Möbel-

Designer. Er gilt als einer der einflussreichsten Architekten des 20. Jahrhunderts,

dessen neue Ideen natürlich auch Kontroversen auslösten. Corbusier

veröffentlichte über 50 Bücher und initiierte mit der CIAM eine moderne

Architekturbewegung. Seine Betongebäude begründeten den Architekturstil des

Brutalismus.

Schon während der Lehre zum Graveur von Uhren riet ihm sein Lehrer zu

Malerei und Architektur. Zusammen mit Mitschülern begann er ab 1905

Architekturprojekte umzusetzen. Er begann zu reisen und zu lernen, die

Praktiken von Adolf Loos in Wien, bis zu Auguste Perret in Paris. Im Auftrag

seiner Schule, der École d’Art in La Chaux-de-Fonds, reiste er 1910 nach

Deutschland, um die dortige Kunstgewerbebewegung, den Deutschen

Werkbund zu studieren.

Er erhielt ein Patent auf das zusammen mit dem Ingenieur Max du Bois

entwickelte Bausystem „Dom-ino“ zur industriellen Serienfertigung von Häusern

in Stahlbeton-Skelettbauweise aus vorgefertigten Teilen, die nach dem Prinzip

des Freien Grundrisses ganz auf tragende Wände in den einzelnen Geschossen

verzichteten.

Ab 1918 verlegte er seinen Lebensmittelpunkt nach Paris und widmete sich

dort gemeinsam mit Amédée Ozenfant vermehrt der Malerei, insbesondere

dem Kubismus und dem Purismus. 1920 gründete er mit Kollegen die Zeitschrift

L’Esprit Nouveau. Danach folgen unzählige Projekte und Ausstellungen zur

Verbreitung von Ideen und Weltanschauung. 1922 gründete Le Corbusier mit

seinem Vetter Pierre Jeanneret ein Architekturbüro, in welchem bis Kriegsbeginn

stetig Projekte entwickelt wurden. Der Krieg brachte eine neue Normalität

und Stillstand in der Bauindustrie, woraufhin er gemeinsam mit seiner Frau

floh. In der Zwischenkriegszeit sympathisierte er mit faschistischen Ideen und

Rechtspopulismus, was ihn bis 1945 weitgehend schützte. Danach half er beim

Wiederaufbau und bereiste er erneut die Welt. 1

Mit 77 Jahren starb Le Corbusier 1965 in Cap-Martin, als er beim Baden im

Meer einen Herzinfarkt erlitt und ertrank. Er wurde auf dem Friedhof von

Roquebrune-Cap-Martin bestattet.

280


Atelier Le Goas

Claude Le Goas // Francois Borel

Claude Le Goas wurde am 27. Mai 1928 in Blois, Frankreich geboren und starb

am 20. Dezember 2007 in Paris.

Bereits 1952, mit 23 Jahren, erhielt er seinen Abschluss in Architektur.

Im Anschluss arbeitete er in der Forschung am Institut d‘urbanisme de Paris

unter der Leitung von Jean Royer.

1965 wurde das Büro „l‘atelier ATURBA“ von Marius Depont, Serge Launa und

Claude Le Goas zusammen gegründet. Der Fokus des Büros lag dabei auf den

Städtebau und Architektur („Architecture et Urbanisme“). Insbesondere die

Renovierung von Stadtzentren war ein großes Thema. So gründete das Atelier

in mehreren Vororten von Paris sogenannte Planungsbüros.

Von 1982 bis 1993 arbeitete Le Goas mit Francois Borel im „l‘atelier Le Goas“.

Von 1958 bis 1990 war er Planer für Montreuil unter der Leitung der

französischen kommunistischen Partei, in welcher er selber auch aktiv war. Bis

zu seinem Tod blieb er wichtiger Berater für die Stadt. Somit prägte er auch

damit das heutige Erscheinungsbild der Stadt.

Seine wohl wichtigsten Bauten sind Mozimor und das Conservatoire, welche

beide ebenfalls in Montreuil gebaut wurden.

https://archiwebture.citedelarchitecture.fr/fonds/FRAPN02_LEGCL, Abruf 30.4.2022

https://patrimoine.seinesaintdenis.fr/Claude-Le-Goas, Abruf 30.4.2022

Text: Eike Fiedler

281


Atelier de Montrouge

Jean Renaudie // Jean-Louis Véret // Pierre Riboulet // Gérard Thurnauer

Das Atelier de Montrouge versteht sich als eine kollektive Agentur, die 1958 von

vier Architekten gegründet wurde. Jean Renaudie (1925-1981), Jean-Louis Véret

(geb. 1927), Pierre Riboulet (1928-2003) und Gérard Thurnauer (geb. 1926). 1

In den Jahren 1945 bis 1952 studierten Pierre Riboulet, Gérard Thurnauer und

Jean-Louis Véret an der National School of Fine Arts in Paris im Atelier von

Georges Gromort und Louis Arretche und lernten sich dort kennen. In dieser

Zeit konnten sie viele Erfahrungen, durch verschiedenen Zusammenarbeiten und

Teilnahmen, sammeln, welche sie auch prägten: 1949, 1951 und 1952 arbeiteten

sie an der marokkanischen Stadtplanungsamt Michel Écochard zusammen,

1948 – 1951 besuchten sie kunsthistorischen Kurse von Pierre Francastel und

1952 (Treffen in Sigtuna) und 1953 (CIAM 9 in Aix-en-Provence) nahmen sie an

den Internationalen Kongressen für moderne Architektur teil. Im 1952 machten

sie Ihren Abschluss und arbeiteten anschließend eine Zeit lang mit großen

Persönlichkeiten der damaligen Zeit zusammen: 1952 ging Véret zu Le Corbusier

und ging anschließend als Leiter der Ahmedabad -Werften (1953-1955) nach

Indien. Riboulet und Thurnauer entwarfen in Zusammenarbeit mit Écochard die

Bundesuniversität von Karachi in Pakistan (1954-1959). 1956 beteiligte sich Jean

Renaudie an der Entwicklung dieses Projekts und bald darauf kam Véret hinzu.

Aus dieser Zusammenarbeit entstand der Wunsch nach einer gemeinsamen

Werkstatt, die 1958 mit ihrer Installation in Montrouge in einem kleinen Pavillon

umgesetzt wurde. 2

Die vier Architekten setzen sich mit Stadt, Wohnen und Vorfertigung

auseinander, allerdings wurden zahlreiche ihrer Projekte nie realisiert. Ausgelöst

durch die Studien für die neue Stadt Vaudreuil in der Nähe von Rouen, in den

1960er, offenbarten sich Unstimmigkeiten in der Gruppe. 1968 verlässt Jean

Renaudie das Büro und es wird 1978 aufgelöst. Daraufhin verfolgen die einzelnen

Architekten ihre eigene Architektenkarriere. 3

Text: Cosima Sima

1

https://architectuul.com/architect/atelier-de-montrouge

2

https://fr.wikipedia.org/wiki/Atelier_de_Montrouge

3

https://architectuul.com/architect/atelier-de-montrouge

282


Muoto

Gilles Delalex // Yves Moreau

Gilles Delalex hat in Grenoble und Montreal studiert, seinen Master in Stadtplanung

gemacht und einen Doktor der Kunst von der Alvar-Aalto-Universität in Helsinki.

Seit 1998 forscht er am Laboratoire Liat, zwischen 2004 und 2008 unterrichtete

er an der ENPC in Paris. Heute ist er Professor an der Ecole d’Architecture Paris-

Malaquais.

Yves Moreau hat in Brüssel studiert und in Göteburg abgeschlossen. Nach seinem

Abschluss arbeitete er mit Blå Arkitektur Landskap und Dominique Perrault

zusammen. 1

2003 gewannen Gilles Delalex und Yves Moreau den Europan in Villeurbanne

bei Lyon und gründeten das gemeinsame Büro Muoto, was aus dem Finnischen

übersetzt Form bedeutet. Das Büro deckt sowohl Architektur als auch Urbanismus,

Landschaftsarchitektur und Forschung ab. 2 Die Architektur wird minimal gehalten

und gibt Raum, um sich mit der Zeit weiterzuentwickeln. In den Gebäuden werden

verschiedenste Aktivitäten vereint, es wird versucht auf die wirtschaftlichen und

ästhetischen Herausforderungen zu reagieren. 2017 erhielten sie den Bauwelt

Preis, 2019 wurde ihr erstes Buch veröffentlicht und sie erhielten den Domus

Preis für die 100 besten Architekturbüros. 3

Zu den bekanntesten Gebäuden zählen neben dem Public Condenser in Paris-

Saclay die 23 Dwellings Appartments in Paris oder der Digital School Cluster in

Boulogne-Billancourt. 4

1

vgl: MUOTO: Studio, in: studiomuoto.com/studio/, Abruf: 2022.04.29

2

vgl: Architonic: Studio Muoto, in architonic.com/de/microsite/studio-muoto/5210032, Abruf: 2022.04.29

3

vgl: MUOTO: Studio, in: studiomuoto.com/studio/, Abruf: 2022.04.29

4

vgl. Archdaily: Muoto, in: archdaily.com/office/muoto, Abruf: 2022.04.29

Text: Lisa Blenk

283


Oscar Niemeyer

Oscar Niemeyer (1907-2012) gilt als einer der bedeutendsten Architekten der

Moderne. Der Architekt studierte an der Nationalen Kunstschule

Rio de Janeiro u.a. bei Lúcio Costa, in dessen Büro Niemeyer bis Ende der

1930er Jahre arbeitet und der ihn mit Le Corbusier bekannt machte. Zunächst

wirkte Niemeyer vor allem in Rio de Janeiro und Brasilia, bis er aufgrund

der Untersagung der Berufsausübung durch die Militärregierung Brasiliens

1967 (Niemeyer war politisch sehr weit links orientiert und auch Mitglied der

kommunistischen Partei) nach Paris übersiedelte. 1 Nach seiner Zeit im Exil

kehrte er nach Brasilien zurück.

Geprägt wurde Niemeyer u.a. durch seine Mitarbeit bei Le Corbusier in den

Jahren 1947-1953, jedoch ging er in der skulpturalen Gestaltung seiner Bauten

einen anderen Weg als dieser. Reiner Funktionalismus und das Verharren auf

den rechten Winkel waren für ihn zweifelhaft - stattdessen war Architektur für

ihn vor allem eine plastische und expressive Kunst. Sein Credo: „Architektur

besteht aus Traum, Phantasie, Kurven und leerem Raum“. Wichtig im

Werk Niemeyers sind die Kurve, die runde Form und der Kreis, die seiner

Wahrnehmung nach der Natur entsprechen und in vielen seiner Entwürfe eine

präsente Rolle einnehmen. 2 Diese gewagten Kurven kombiniert Niemeyer mit

der Nüchternheit und Schlichtheit der Moderne und deren Anspruch die Welt zu

verbessern. 3

Weltbekannt wurde er in den 1960er Jahren mit seinen Entwürfen für die

Repräsentativbauten in Brasília, eine künstliche Planstadt und die damals neue

Hauptstadt Brasiliens. 4 Als weitere bekannte Werke zählen das Headquarter der

Kommunistischen Partei Frankreichs in Paris (1967-1980), das Museu de Arte

Contemporânea de Niterói (1996) oder das Kunstmuseum in Curitiba, Brasilien

(2002).

1

Vgl: Oscar Niemeyer - Eine Legende der Moderne; Paul Andreas, Ingeborg Flagge et al.; Deutsches

Architekturmuseum, Birkhäuser; 2013; S.133

2

Vgl. ebd. S.7

Text: Sarah Fuchs

3

Merten Worthmann: Kurven in Zeit und Raum, in: https://web.archive.org/web/20161031223949/http://www.

art-magazin.de/szene/12481-rtkl-oscar-niemeyer-portraet-kurven-zeit-und-raum, Abruf 2022.05.01

4

Nicolai Ouroussoff: Oscar Niemeyer, Architect Who Gave Brasília Its Flair, Dies at 104, in: https://www.nytimes.

com/2012/12/06/world/americas/oscar-niemeyer-modernist-architect-of-brasilia-dies-at-104.html?smid=url-share,

Abruf 2022.05.01

284


Jean Nouvel

Jean Nouvel wurde 1945 in Fumel geboren. Er studierte Architektur an der École

des beaux-arts in Bordeaux sowie an der École nationale supérieure des beauxarts

in Paris. Er war Mitbegründer der Architekturbewegung Mars und kuratierte

u. a. die Ausstellung „Les Années 50“ im Centre Pompidou (1988). 2008 wurde

er mit dem renommierten Pritzker-Preis ausgezeichnet. 1

Seine engagierten Positionen zur Integration von Architektur in den urbanen

Kontext und die immer wieder erneuerte Originalität seiner Projekte in aller Welt

haben zu seinem internationalen Image beigetragen. Seine Herangehensweise,

die sich stilistischen Erwägungen widersetzt, orientiert sich allein am Moment,

am Ort, seiner Geschichte und seiner Umgebung. Zu seinen wichtigsten

Errungenschaften zählen das Institut der Arabischen Welt, die Cartier-Stiftung

für zeitgenössische Kunst und das Musée du Quai Branly – Jacques Chirac

in Paris, die Opéra de Lyon, das Centre Culture et Congrès Lucerne – KKL

(Schweiz), der Agbar-Turm in Barcelona (Spanien), das Reina Sofía National

Museum of Art in Madrid (Spanien), das Wohnhaus 40 Mercer in New York

(USA), One Central Park in Sydney (Australien), The White Walls in Nikosia

(Zypern). 2

Seinen spektakulären Projekten unterliegen eher einfache Anfangsvorstellungen.

Zu seinem Architekturkonzept passt der Begriff Transparenz, der dabei eine

tragende Rolle spielt. Nouvel gilt in Fachkreisen als der phantasievollste

und einfallsreichste Architekt der Gegenwart. Sein Baustil wird geprägt von

einer Sprache der kühnen Formen und von einer ausgesuchten Wahl von

Baumaterialien. Nouvels Stil besteht wohl gerade darin, sich nicht auf einen

Stil festzulegen. Er beherrscht nicht nur die Klaviatur architektonischer

Stilkonzepte, sondern gehört selbst zu ihren Gestaltern. Seine Stillösungen

berücksichtigen unter anderem die Besonderheiten des Standortes oder die

Wirkungen des Materials. Dabei bezieht er beispielsweise natürliche Elemente

wie das Tageslicht mit ein.

1

www.derstandard.at/story/2000056274368/jean-nouvelman-muss-einen-ort-lieben-um-dort-bauen-zu

2

www.jeannouvel.com/jean-nouvel/

3

www.whoswho.de/bio/jean-nouvel.html

Text: Olha Karnaushenko

285


Atelier Novembre

Marc Iseppi // Jacques Pajot

Das 1989 in Paris gegründete Architektur- und Stadtplanungsbüro fokussiert

sich in seinen Projekten maßgeblich auf sozial und kulturell für die Bevölkerung

wichtige Bauten.

Die beiden Gründer lernten sich 1983 auf der Ensad (École nationale supérieure

des Arts Décoratifs) kennen. 6 Jahre später gründeten sie zusammen das

Atelier Novembre. 1

In ihren Arbeiten konzentrieren sich die Architekten auf Projekte mit Mehrwert

für die Gesellschaft. So sind die meisten Gebäude für die Öffentlichkeit

bestimmt. Das Büro hat sich bereits in ganz Frankreich als Partner für den (Ausund

Um-) Bau von Museen, Bildungs- und Veranstaltungsstätten und anderen

öffentlichen Einrichtungen hervorgetan.

Bei Ihren Entwürfen wird eine gute Eingliederung in die Umgebung, sei es

die urbane Architektur oder die ländliche Natur, angestrebt. Oft werden

auch Bestandsgebäude saniert und neu strukturiert, um Ihnen so neue

Nutzungsmöglichkeiten zu generieren und den (historisch relevanten) Bestand

zu schützen. Dabei wird sehr behutsam vorgegangen und versucht, ein

ausgewogenes und harmonisches Zusammenspiel zwischen alten Strukturen

und neuen Ideen und Design zu generieren. 2

Text: Maja Munck

1

Über Atelier Novembre, in: www.architonic.com/de/microsite/atelier-novembre/5210520, Abruf 2022.04.28

2

Atelier Novembre, in: https://https://novembre-architecture.com/page-agence/, Abruf 2022.04.28

286


Office Parisien d‘Architecture

Marie-José Zerbi Barthélémy // Angèle Artaud

Das 2008 gegründete Office Parisien d‘Architecture unter der Leitung von

Marie-José Zerbi Barthélémy und Angèle Artaud befasst sich mit Architektur

und Stadtplanung in unterschiedlichsten Maßstäben.

Das Portfolio von OPA reicht somit von „Mikro-Architektur“ in Form von Tiny

Houses oder urbanen Möbeln bis hin zur Revitalisierung von Stadtvierteln, wie

im Falle der Wohnsiedlung La Grande Borne in Grigny aus den späten 1960er

Jahren, oder der Freiraumgestaltung, wie dem 8 ha großen Park Ling-Lun in Xilai

in der Provinz Szechuan.

Eine Vielzahl der Projekte des Office Parisien d‘Architecture sind im Sektor

von Kunst, Kultur und Freizeit angesiedelt, so auch ihr wohl bekanntestes:

Das Kulturzentrum REcyclerie im stillgelegten Gare Ornano. Ähnlich wie

die REcyclerie sind auch zahlreiche andere Entwürfe Nachnutzungen und

Umbauten von historischen Bestandsgebäuden. In Zusammenarbeit mit der

Agentur Sinny&Ooko schufen OPA so noch zwei weitere tiers-lieux:

Im Pariser Club La Machine du Moulin Rouge, dem einstigen Heizungsraum

des weltbekannten Varietés, hat das Büro die Bar à Bulles gestaltet, wo neben

der Ausschank von biodynamischem Wein auch Kulturfestivals, Workshops

und Freiluftkino stattfinden. Ein früheres Zöllnerhaus auf dem Canal d‘Ourcq

dient nun als Pavillon des Canaux den Pariser*innen als eine Art erweitertes

städtisches Wohnzimmer.

Auch im Bereich der Innenarchitektur haben Zerbi Barthélémy, Artaud

und ihr Team einige Projekte im Großraum Paris realisiert, vor allem mit

Gastronomiefokus (Café, Bar, Bistro, Bäckerei, Delikatessenhandlung).

L‘agence, in: officeparisiendarchitecture.com, Abruf: 2022.04.24

Portfolio, in: officeparisiendarchitecture.com, Abruf: 2022.04.24

Text: Flora Chiba

287


OMA

Rem Koolhaas // Reinier de Graaf // Ellen van Loon // Iyad Alsaka //

Shohei Shigematsu // Chris van Duijn // Jason Long // David Gianotten

1975 gründete Rem Koolhaas gemeinsam mit Elia und Zoe Zenghelis und Madelon

Vriesendorp das Architekturbüro „Office für Metropolitan Architecture“, nachdem

er an der Architectural Association abschloss. Er publizierte unter anderem

„Delirious New York: A Retroactive Manifesto for Manhatten“ und leitet sowohl

OMA, als auch AMO, ein Recherchezweig abseits der gebauten Architektur. 1996

stieg Reinier de Graaf in das Büro ein, 1998 Ellen van Loon, Shohei Shigematsu, Iyad

Alsaka, Chris van Duijn, Jason Long und David Gianotten in den darauffolgenden

Jahren. Im Jahr 2022 hat OMA sieben Partner und eine Partnerin und Büros in

Rotterdam, New York, Hongkong, Doha und Australien. 1

Clement Blanchet, der maßgeblich an LAB-City beteiligt war, hat seit 2014 ein

eigenständiges Architekturbüro in Paris und war davor seit 2004 bei OMA beteiligt

und leitete in den letzten Jahren den Zweig in Frankreich. 2

Zu den bekanntesten Bauten OMA’s zählen unter anderem die Casa da Musica

in Porto, die CCTV Headquarters in Peking, die Fondazione Prada in Mailand

oder De Rotterdam. AMO arbeitet ebenfalls direkt mit den Kund:innen von OMA

zusammen oder macht eigenständige Arbeiten für das Guggenheim Museum

oder die Architekturbiennale in Venedig. 3

Text: Lisa Blenk

1

vgl: OMA: Rem Koolhaas, in: oma.com/partners/rem-koolhaas, Abruf: 2022.04.28

2

vgl: Clement Blanchet: Bio, in: clementblanchet.com/bio-cb, Abruf: 2022.04.28

3

vgl: OMA: Office, in: oma.com/office, Abruf: 2022.04.28

288


Claude Parent

Claude Parent

Nachdem der Entwurf für die „Fondation Avicienne“ von den Pariser Behörden

abgelehnt wurde, wurde Claude Parent der leitende Architekt für den

Gebäudeentwurf.

Claude Parent ist 1942 in die Architektur eingestiegen. Er gründete sein eigenes

Büro in Neuilly, Paris, in dem er jedoch immer ohne Partner blieb.

Bekannt ist Claude Parent mit seiner Theorie der „Fonction Oblique“ geworden,

welche er zusammen mit Paul Virilio ausgearbeitet hat.

In der „Fonction Oblique“ geht es um die Funktion von Rampen und allen

anderen abgeschrägten Bauteilen und deren Nutzen und Wirkung auf den

Menschen. Laut Parent werden Gebäude lebendig und flexibel durch die

Schräge. Die Schräge dient nicht nur zum Auf- bzw. Abstieg sondern auch zum

Sitzen, Lernen, Spielen, Schlafen etc.

Außerdem sollen geneigte Bauteile eine belebende Wirkung auf den Menschen

haben, so Parent.

Daran erkennt man den Fokus in der Architektur von Claude Parent: der

Mensch. In seinem Französischen Pavillon für die Biennale 1970 in Venedig ist

seine Philosophie stark zu erkennen. Der Pavillon besteht aus vielen Rampen

und Schrägen mit bis zu 28 % Neigung.

Ein weiteres bekanntes Projekt von ihm ist das „Centre Commercial“ in Sens,

welches innen lauter Rampen mit einer acht Grad Neigung enthält.

Nis zu seinem Tod zeichnete Claude Parent Satirezeichnungen mit

futuristischen bzw. utopischen Gebäuden ganz nach seiner Philosophie der

„Fonction Oblique“.

Mohsen Foroughi, welcher die „Fondation Avicienne“ ursprünglich entwerfen

sollte, studierte von 1926-37 in Paris Architektur, kehrte danach aber zunächst

nach Teheran zurück um dort zu unterrichten. Der Entwurf der „Fondation

Avicienne“ brachte ihn und seinen Partner Hedar Cghiai erneut nach Paris.

Um sich in der Pariser Bürokratie zurechtzufinden, wandten sie sich an André

Bloc. Letztendlich bauten sie dann zusammen mit Claude Parent das heute

bestehende Studentenwohnheim.

Ein weiteres bekanntes Projekt von Mohsen Foroughi ist das Französische

Ministerium.

https://www.wallpaper.com/architecture/architecture-icon-claude-parent-france, Abruf 2022.29.04.

http://caoi.ir/en/component/k2/item/587-mohsen-foroughi.html, Abruf 2022.29.4.

Text: Konrad Graunke

289


Ieoh Ming Pei

1917 wurde Ieoh Ming Pei im südchinesischen Guangzhou geboren und zog

mit 17 Jahren in die USA. Dort studierte er Architektur an der University of

Pennsylvania und legte seine Abschlüsse in Cambridge und Haravard ab.

In Harvard wurde er unter anderem von Walter Gropius und Marcel Breuer

unterrichtet. „Von Breuer habe ich gelernt, dass man das Leben verstehen muss,

wenn man Architektur verstehen will.“ sagte Pei später bei einem Interview mit

dem SPIEGEL. 1

1948 wurde Pei als Direktor der Entwurfsabteilung bei „Webb & Knapp“

eingestellt und schuff städtische Projekte wie zum Beispiel den neu gestalteten

Hyde Park in Chicago und das Mile High Center in Denver. 1955 gründete er

sein eigenes Büro mit Henry N. Cobb und Eason H. Leonard.

Mit seinem Büro plante er bedeutende Gebäude des 20. Jahrhunderts wie

die National Gallery of Art in Washington oder den Bank of China Tower in

Hongkong. „Ieoh Ming Pei hat diesem Jahrhundert einige seiner schönsten

Innenräume und äußeren Formen gegeben. Seine Vielseitigkeit und sein Können

beim Materialgebrauch nähern sich dem Niveau von Poesie.“ sagte die Jury bei

seiner Preisverleihung des Pritzker Preises 1983.

I.M. Pei starb im Alter von 102 Jahren im Mai 2019 in New York. 2

Text: Arno Poll

1

Der Spiegel: I.M. Pei ist tot, in: https://www.spiegel.de/kultur/gese llschaft/i-m-pei-star-architekt-der-louvrepyramide-ieoh-ming-pei-ist-tot-a-1267869.html,

Abruf: 28.04.2022

2

Pei Cobb Freed & Partners: I.M. Pei, in :https://www.pcf-p.com/about/i-m-pei/, Abruf:28.04.2022

290


Dominique Perrault

Seinen Geburtsort, die 150.000-Einwohner Stadt Clermont-Ferrand im Zentrum

Frankreichs verlässt Perrault recht früh, sodass er im Alter von 25 an der

berühmten École des Beaux-Arts in Paris als Architekt diplomiert.

Zusätzlich schließt er an der École nationale des Ponts et Chaussées 1979 in

Urbanismus und den Master in Geschichte an der EHESS 1980 ab.

Seine Firma „Dominique Perrault Architecture“ gründet er im darauffolgenden

Jahr.

Den ersten richtigen Karriereaufschwung erfährt er 1989 durch die Planung der

Französischen Nationalbibliothek in Paris.

Vier 79 Meter hohe, gläserne Türme, dazwischen ein versunken zentraler Hof.

Perrault selbst nimmt Le Corbusiers Wunsch, Gebäude vom Erdboden

abzuheben, als eigenartig war. Für ihn war die Verbindung beziehungsweise das

Verschwimmen von Boden und Gebäude, Natur und Bauwerk ein Kernaspekt

seiner Arbeit. Interessant hierbei ist, dass es für Bibliotheksbesucher keinen

Zugang zum umliegenden Garten gibt, wodurch seine Qualität eigen in

Erscheinung tritt.

Perrault befasste sich weiterhin mit Niveauunterschieden und Manipulation

des Erdreichs und entwickelte landschaftsarchitektonische Projekte wie das

„Velodrome and Olympic Swimming Pool“ in Berlin und die EWHA in Südkorea.

Bei seiner internationalen Tätigkeit überzeugt Perrault mit überraschenden

Oberflächen und Materialität. Er ist Theoretiker und vollbringt ästhetisch

innovative Realitäten. 1 2

1

Archdaily: AD Classics: National Library of France / Dominique Perrault Architecture, Abruf 2022.04.30

2

Philip Jodidio: DOMINIQUE PERRAULT: ARCHITECT Biography, in: https://www.perraultarchitecture.com/en/

dpa/dominique_perrault/biography/

Text: Daniel Junger

291


Renzo Piano

Renzo Piano ist einer der berühmtesten und renommiertesten Architekten

der Gegenwart. Er wurde am 14. September 1937 in Genua geboren und wuchs

in einer Familie von Bauingenieuren auf. Seine Gebäude sind fantastische

technische Meisterleistungen, und seine Herangehensweise wurde durch

Erlebnisse seiner Kindheit geprägt. 1

«Nach dem Krieg wuchs ich mit dem unvergesslichen Gefühl auf,

dass das Errichten von Gebäuden pure Magie ist, denn seit meinem siebten

Lebensjahr ging ich auf Baustellen meines Vaters und setzte mich in den Sand,

um ihnen bei der Arbeit zuzusehen“, erzählt er. „Man lernt zu verstehen,

dass Bauen eine schöne Geste ist. Es ist das Gegenteil von Zerstörung.

Es ist ein Erschaffen und in vielerlei Hinsicht eine Geste des Friedens.» 2

Geboren in eine Familie von Ingenieuren entwickelte Renzo Piano eine

Leidenschaft für das Bauen. Für ihn bedeutet es den Prozess der Erfindung und

Schöpfung, womit das Wort auch aus dem Altgriechischen übersetzt wird. 2

Renzo Piano, der als Meister der Bautechnik gilt, begann seine Karriere mit

dem Gewinn eines Wettbewerbs für den Bau des Centre Georges Pompidou,

zusammen mit Richard Rogers und Gianfranco Franchini. Das Projekt wurde

aus Hunderten von Vorschlägen aus der ganzen Welt ausgewählt und ist ein

revolutionäres Beispiel eines High-Tech-Gebäudes. Später arbeitete Piano mit

vielen anderen berühmten Architekten und Ingenieuren zusammen. 1981 gründet

er den Atelier Renzo Piano Building Workshop mit Büros in Genua und in Paris. 2

Das Leben am Meer hat Pianos Sicht auf die Welt tiefgreifend geprägt. Es prägt

das meisterhafte Spiel mit dem Licht, das so grundlegend für seine Arbeit ist.

Für ihn ist Licht etwas magisches und eines der wichtigsten Materialien eines

Architekten. 2

Text: Elena Meister

1

Renzo Piano, in: https://www.floornature.de/renzo-piano-15/7, Abruf 2022.29.04

2

Jackie Daly: Renzo Piano: «Buildings are like children – you want them to have a happy life»,

in: https://www.ft.com/content/7f70d4f4-d136-45fb-8dac-0376d2715517, Abruf 2022.01.05

292


Jean Prouvé

Jean Prouvé absolvierte eine Lehre als Kunstschmied bei Adalbert Szabo. Durch

Szabo, der für einige Architekturbüros tätig war, kam Prouvé erstmals in engere

Berührung mit der Baukunst.

Mit dem erwerb einer Werkstattfläche in Nancy begann für Prouvé die

Selbstständigkeit zunächst mit der Fertigung von gusseisernen Lampen,

Treppengeländer und Toren. In ihrer Ornamentalität zeugt ihre Formensprache

noch stark vom Einfluss des Jugendstils. Doch schon bald gelangte er unter

dem Einfluss der Moderne zu eigenwilligeren Formen und er begann sich für

neue Materialien zu interessieren.

In den Folgejahren entstanden zahlreiche Möbelentwürfe von Stühlen und

Tischen; hinzu kamen Fenster, verschiebbare Wandelemente aus Stahlplatten,

Aufzugkabinen und Türen. Jean Prouvé forsierte in seinem eigenen

Unternehmen eine auf Augenhöhe funktionierende Arbeitsmoral. Durch seinen

Erfolg und seiner Einstellung zur Unternehmensführung entglitt ihm sein eigener

Betrieb. Dies bedeutete eine brägende Zäsur in seinem Leben. „Ich starb 1952.“

In den folgenden Jahrzehnten wirkte er in Paris als Ingenieur bei zahlreichen

wichtigen Bauprojekten mit. Er hat auf intelligente Weise die Leistungsfähigkeit

des Materials mit einer sich aus der Logik der Konstruktion ergebenden Ästhetik

zu verbinden gewusst und damit ein Manifest früher High_Tech_Architektur

geschaffen. 1

1

vgl: Prouvé; Nils Peters; TASCHEN, 2006; S.7-17

Text: Greta Pirzl

293


Atelier Rita

Valentine Guichardaz-Versini

Alentine Guichardaz-Versini leitet RITA.

Sie schloss 2008 ihr Studium an der ENSA-Marseille ab und qualifizierte sich

2009 als Projektmanagerin unter ihrem eigenen Namen. Valentine Guichardaz-

Versini ist seit 2012 selbstständig. Sie hat ihre Erfahrung in verschiedenen

Agenturen in Marseille und dann in Paris gemacht, bevor sie 2016 das Atelier

RITA gründete.

Im Atelier wird ein bewusster und sensibler Umgang mit Architektur entwickelt.

Die Architekten unterstützen die Entwicklung einer nachhaltigeren, geselligeren

und gastfreundlicheren Stadt. Nutzen steht für dabei über allem – denn er ist

das primäre Ziel jeder konstruktiven Begierde – und dabei wird entschieden

sensibel vorgegangen. Sie überlassen der Intuition den Vorrang, um eine sich

ausbreitende wohlwollende Architektur zu schaffen. 1

Die Agentur gewann 2017 den ersten Arbeitspreis für die Notunterkunft Centre

d in Ivry-sur-Seine.

Valentine hat sich sehr schnell dafür entschieden, ihre Verantwortung

wahrzunehmen und in direkten Kontakt mit den Bauherren und den Nutzern der

Projekte zu arbeiten. Man kann sagen, dass sie die soziale Rolle des Architekten,

des Akteurs der Gemeinschaft, des Vermittlers zwischen dem Raum und seinen

Bewohnern überträgt.

Mit ihrer Weitsicht und ihrem Wissen, das die zwischenmenschlichen

Beziehungen erleichtert, hat sie ihre Fähigkeiten des Zuhörens und des

Dialogs zu ihren wichtigsten Werkzeugen gemacht. Sie geht empathisch vor:

Sie befragt die Beteiligten eines Projekts (Bauherren und Nutzer, aber auch

Unternehmen), um deren Handlungsspielraum einzuschätzen, unformulierte

Forderungen und Lücken aufzudecken, die der Verbesserung des Alltags

förderlich sind. 2

Text: Olha Karnaushenko

1

vgl: www.atelierrita.org/about

2

www.citedelarchitecture.fr/fr/article/atelier-rita

294


Richard Rogers

Richard George Rogers wurde 1933 in Florenz geboren. Im Jahr 1939, während

der Anfänge des Zweiten Weltkriegs, kehrte Rogers mit seiner Familie nach

London zurück. Beeinflusst von seinem Verwandten, dem italienischen

Architekten Ernesto Nathan Rogers, studierte er zunächst an der Architectural

Association School of Architecture in London und führte sein Studium mit

einem Master-Abschluss in Architektur an der Yale University in New Haven,

Connecticut, fort. 1&2

Nach seinem Abschluss gründete er, gemeinsam mit Norman Foster,

das Architekturbüro Team 4. Von 1971 bis 1978 arbeitete Rogers mit dem

italienischen Architekten Renzo Piano zusammen. Gemeinsam mit Gianfranco

Francini gewannen die beiden 1971 den Wettbewerb für das Centre Pompidou in

Paris, ein ikonisches Werk, das ihnen internationale Anerkennung einbrachte. 1

Rogers Auffassung von Architektur ging über die Gestaltung von Gebäuden

hinaus und betrachtete ihre sozialen und politischen Auswirkungen als ebenso

wichtig. Städte bestehen aus Menschen und nicht aus Gebäuden. Für den

Architekten war daher auch das Leben wichtig, das sich zwischen den

Gebäuden entwickelt, und nicht nur ihre Konstruktion. 1

Die multidisziplinäre und kollektive Herangehensweise an die architektonische

Gestaltung unter Einbeziehung des Bauherrn ist ein weiterer grundlegender

Aspekt seines Verständnisses von Architektur. Rogers sagte: «Architektur ist zu

komplex, um von einer einzigen Person gelöst zu werden. Die Zusammenarbeit

steht im Mittelpunkt meiner Arbeit. Ich mag die Dynamik, die entsteht, wenn

verschiedene Disziplinen zusammentreffen, um Lösungen zu finden.» 1

Die ikonischen High-Tech-Entwürfe, des britisch-italienischen Architeken,

prägen die Skyline vieler Städte noch bis heute. 1

1

Agnese Bifulcor: Nachruf auf Richard Rogers, in: https://www.floornature.de/nachruf-auf-richard-rogers-16773/,

Abruf 2022.01.05

2

Richard Rogers, in: https://www.munzinger.de/search/portrait/Richard+Rogers/0/22138.html, Abruf 2022.01.05

Text: Elena Meister

295


SANAA

Kazuyo Sejima // Ryue Nishizawa

SANAA (Sejima And Nishizawa And Associates) ist ein japanisches

Architekturbüro mit Sitz im Bezirk Shinagawa, Tokio. Es wurde 1995 von der

Architektin Kazuyo Sejima (*1956) und ihrem Kollegen Ryue Nishizawa (*1966)

gegründet. 2010 erhielt SANAA den Pritzker-Preis. In der Begründung des

Pritzker-Preises hieß es dazu: „Wie nur wenige andere Architekten erforschen

Sejima und Nishizawa die Phänomene Raumfluss, Licht, Transparenz und

Materialität, um daraus eine ganz eigene, subtile Synthese zu erschaffen.“ […]

„Ihre Bauten stehen im Kontrast zum Bombastischen und Rhetorischen, die

wahre Qualität liegt tiefer verborgen.“ 1 2

Die Architektur von SANAA kann dem Minimalismus zugeordnet werden, auch

wenn die Architekten selbst sich nicht in eine klare Richtung einordnen lassen

würden. Sejima und Nishizawa beschreiben Architektur als jenes Medium, das

das Natürliche - Wind, Licht, Witterung - und das Künstliche - die gebaute

Umgebung - zusammen bringt. Dabei achten sie darauf, dass ihre Grundrisse

keinerlei Hierarchien haben, keinen Anfang und kein Ende. Ihre Pläne zeigen

freie Bewegungsabläufe, so Sejima. Ein weiteres Erkennungsmerkmal ist

die Leichtigkeit und Transparenz der Architektur SANAAs. Diese erschaffen

sie durch das Verwenden zarter Materialien wie Stahl, Aluminium, Glas,

mitunter auch Sichtbeton un das Zeigen der Einzelteile der Konstruktion. Die

Materielien bleiben meist unbehandelt, Anstriche gibt es nur in weiß. „White is

very important. It diffuses the light, which is also related to freedom and free

relation.“ (Sejima, 2008, s.19) 3

Während die Architektur SANAAs in den 90ern stark programmatisch war,

behandeln sie mit ihren Entwürfen heute mehr das Innere der Architektur und

die Beziehung zwischen Architektur und der Stadt, mit einem großen Fokus auf

die Verbindung zwischen Innen- und Außenraum im generellen. 4

1

Wojciech Czaja: Auszeichnung für fast unsichtbares Bauen. In: Der Standard vom 30. März 2010.

Text: Heidi Kresbach

2

https://deu.archinform.net/arch/20224.htm, Abruf 2022.04.12

3

SANAA - Kazuyo Sejima, Ryue Nishizawa : 2004-2008 ; topologia arquitectónica ; architectural topology; Kazuyo

Sejima, Ryue Nishizawa and Fernando Márquez Cecilia; El Croquis ed, Madrid, 2008; s.4-27

4

SANAA - Kazuyo Sejima, Ryue Nishizawa : 2011-2015 ; sistemas de continuidad ; continuity systems; Kazuyo

Sejima,

Ryue Nishizawa and Fernando Márquez Cecilia; El Croquis ed, Madrid, 2015; s.4-25

296


Snøhetta

Kjetil Trædal Thorsen // Christoph Kapeller // Craig Edward Dykers

Snøhetta ist ein internationales Büro für Architektur, Landschaftsarchitektur,

Innenarchitektur und Corporate Design mit Hauptsitz in Oslo. 1

Snøhetta begann als kollaborativer Atelierbetrieb für Architektur und Landschaft

und ist seiner transdisziplinären Denkweise seit seiner Gründung treu geblieben.

Unsere Arbeit zielt darauf ab, unser Gefühl für die Umgebung, unsere Identität

und unsere Beziehung zu anderen Menschen und den physischen Räumen, die

wir bewohnen, zu verbessern. 2

Heute ist Snøhetta zu einem international renommierten Büro für Architektur,

Landschaftsarchitektur, Innenarchitektur, Produkt-, Grafik- und Digitaldesign

sowie Kunst herangewachsen und beschäftigt 280 Mitarbeiter mit mehr als

dreißig verschiedenen Nationalitäten. 2

Seit seiner Gründung hat das Büro seinen ursprünglichen transdisziplinären

Ansatz beibehalten und integriert in seinen Projekten Architektur,

Landschaftsplanung und viele weitere Disziplinen, dessen ausgeprägte

Beziehung eine treibende Kraft in allen Arbeiten ist. Dies zeigt sich in der langen

Geschichte des Unternehmens, in der Landschaft und Architektur von Anfang

an ineinandergreifen. 2

Im Mittelpunkt seiner Arbeit steht die Verpflichtung, die gebaute Umwelt im

Dienste der Menschen und der Langlebigkeit unseres Planeten zu gestalten.

Der interdisziplinärer Entwurfsprozess stellt sicher, dass die Projekte sowohl

poetisch als auch pragmatisch sind, wobei hochwertiges Design mit einer

nachhaltigen Gebäudeleistung einhergeht. 2

1

Snøhetta, in: https://de.wikipedia.org/wiki/Snøhetta_(Architekturbüro) Abruf 2022.30.04

2

About, in: https://snohetta.com/about Abruf 2022.30.04

Text: Elena Meister

297


Francis Soler

Nach einiger Arbeit an zahlreichen Architekturwettbewerben gründete Francis

Soler 1985 sein Büro mit Sitz in Paris unter seinem eigenen Namen. Trotz seiner

ehrgeizigen Arbeitsweise schaffte er seinen Durchbruch erst mit dem Entwurf

für das Centre de Conférences Internationales in Paris, das ihm schließlich

auch international die Türen öffnete. Auch Francis Soler entwirft, ähnlich wie

Baukunst, nach eigenen Angaben an der Grenze zwischen Architektur und

Kunst. 1

Der Architekt, der zwei mal für her vor ra gende öffent li che Ent würfe

aus ge zeich net wurde, entwarf unter anderem auch die Prä si den ten t ri büne an

der Place de la Con corde, zwei Schu len, eine in Cergy-Pontoise und eine in

Paris und ein Pro jekt für die Ar chi tek tur fa kul tät in Paris-Villemin. Abgesehen von

diesen Arbeiten ent warf er eine Viel zahl wei te rer Pro jekte, dar un ter die Tech nische

Hoch schule in Gua da lupe und die so ge nann ten »Spie gel von Oss aka«, ein

Denk mal für die französisch-japanische Kom mu ni ka tion. 2

Für seine vielfältige und beeindruckende Arbeit erhielt er 1990 den

französischen Architekturpreis und in der Folge auch weitere französische

Ehrungen und Auszeichnungen. 3

Text: Johanna Czerny

1

vgl: www.soler.fr/francis-soler, Abruf 2022.04.30

2

vgl: www.deu.archinform.net/arch/804.htm, Abruf 2022.04.30

3

vgl: www.e-architect.com/architects/francis-soler, Abruf 2022.04.30

298


Johann Otto von Spreckelsen

Johann Otto von Spreckelsen (* 4. Mai 1929 - † 16. März 1987 ) war ein

dänischer Architekt. Er ist bekannt für den La Grande Arche in Paris und einigen

modernen Kirchen in Dänemark.

Von Spreckelsen studierte an der Viborg Katedralskole und der Royal Danish

Academy of Fine Arts in Kopenhagen, wo er auch später Assistenz-Professor

und 1978 Professor der Architekten schule wurde. Bis zu seinem Tod fungierte

er als Direktor an der Akademie. 1

In seinen Entwürfen, unter anderem stark inspiriert von Louis Kahn, verwendete

er vor allem geometrische Grundformen und (dänische) traditionelle

Baumaterialien. Des weiteren lag er Wert auf die Erzeugung von Lichteffekten,

die die Gebäude und Raum in Ruhe und Balance erscheinen lassen sollen. 2

Seine bekanntesten Kirchenbauten sind die Vangede Kirke (1974), in der Nähe

von Kopenhagen. Die Stavnsholt Kirke (1981) in Farum und die zwei römischkatholischen

Kirchen in Esbjerg (1969) und Hvidovre (1960).

Die Kirchenräume haben alle das Quadrat als Grundform mit mehr oder weniger

großen Einschnitten in den Baukörper, was sowohl die straffe Form aufbricht

als auch das Tageslicht den Räumen eine sakrale Wirkung verleihen lässt. Die

Altäre befinden sich traditionell in einer der Ecken des Platzes, aber nicht in der

Vangede-Kirche, die eine Kirche mit zentralem Grundriss ist. 3

Von Spreckelsen nahm an mehreren Wettbewerben in Dänemark,Schweden

und International teil und gewann sie, aber nur wenige Projekte wurden realisiert.

1983 gewann er den Internationalen Wettbewerb für den Bau des Grande Arche

in La Defense bei Paris, was bis heute als Meisterwerk der Architektur des 20.

Jahrhunderts bekannt ist. 4

1

vgl. Reading Office: Johann Otto von Spreckelsen.

<https://readingoffice.com/johann-otto-von-spreckelsen/ >[Zugriff 25.04.2022 21:37]

2

vgl. Lehmann, Lilli: Johan Otto von Spreckelsen.

< https://www.kulturarv.dk/kid/VisWeilbach.do?kunstnerId=10639&wsektion=alle> [Zugriff 29.04.2022 13:22]

3

vgl. Ebda

4

vgl. Reading Office: Johann Otto von Spreckelsen.

Text: Tevo Silbersiepe

299


Wilmotte & Associés

Jean-Michel Wilmotte

Der Architekt, Stadtplaner und Designer Jean-Michel Wilmotte wurde 1948 in

Soissons, Frankreich geboren. Er schloss sein Studium an der „École Nissim

de Camondo“ mit einem Diplom zum Innenarchitekten ab und erhielt 1993

die Registrierung zum Architekten. 1 Als seinen Karrieresprung bezeichnet er

selbst das Apartment von François Mitterand – dem damaligen französischen

Präsidenten – im Palais de l‘Élysée. 2

Im Jahr 1975 gründete er seine eigene Architekturfirma, nur zwei Jahre

nachdem er sein Studium abschloss. Aktuell beschäftigt Wilmotte 250

ArchitektInnen, DesignerInnen etc. in seinen zwei Büros – dem design studio

Wilmotte & Industries SAS und der Architekturfirma Wilmotte & Associés. 1

Zu den Projekten seiner Firma gehören unter anderem das Daejeon Cultural

Center in Korea und das Islamic Civilization Center in Ouzbekistan.

Die Arbeit der Firma erstreckt sich auf öffentliche Gebäude und private Projekte

in Architektur, Stadtplanung und Design. Auch Museen, Büros, Restaurants und

Hotels gehören zum Repertoire der Firma, die Projekte zeichnen sich so vor

allem durch Vielfältigkeit aus. 3 Außerdem hat die Firma in über 20 Ländern der

Welt Projekte realisiert – und hat Büros in 4 Städten: Paris, Sophia-Antipolis,

London sowie in Seoul. 1

Text: Moira Mandic

1

WILMOTTE & ASSOCIÉS, About: J-M Wilmotte, URL: http://www.wilmotte.com/en/agency/jean-michelwilmotte

(Stand. 25.04.2022)

2

Jury-GRANDS PRIX DU DESIGN, Edition Special People, Jean-Michel Wilmotte, in INTÉRIEURS 81 2020/23

3

WILMOTTE & ASSOCIÉS, Projects:Programs, URL: http://www.wilmotte.com/en/projects/programs (Stand

25.04.2022)

300


Bernhard Zehrfuss

Bernahrd Zehrfuss (*20.Oktober 1911 - † 3.Juli 1996) ist ein französischer

Architekt, welcher besonders durch sein Werk in der französischen

Nachkriegsarchitektur bekannt wurde.

Der aus dem Elsass stammende Zehrfuss wurde an der Ecole des Beaux-Arts

in Paris ausgebildet und arbeite in seinen früheren Jahren, in eher traditionellen

Architekturstil, in Frankreich in mehreren Städten. Vor allem in Paris, mit seinem

ersten großen Entwurf 1939 des Sebastien Charlety Stadion, wofür er den

renommierten Prix de Rome erhielt, sowie Nizza und Marseille bei Eugene

Beaudoin. 1

Des Weiteren schloss er sich einer Künstlerkommune in Oppede im Süden

Frankreichs an, wo er seine Frau Consuela de Saint-Exupery kennenlernte und

arbeite in Spanien für die „Free French Forces“. 2

Von 1943 bis 1947 war Zehrfuss in Algerien und Tunesien als Direktor

für öffentliche Bauten und realisierte einige Wohnbauten, Schulen und

Krankenhäuser.

1947 kehrte er nach Frankreich zurück und wurde Oberster Direktor für

öffentliche Gebäude, eine Zeit in der er sich der Moderne öffnete.

Mit dem 1953 enstandenden europäischen Hauptquartier der UNESCO, erbaute

er in Zusammenarbeit mit Marcel Breuer und Pier Luigi Nervi ein Markstein

der Nachkriegsarchitektur. Als wichtiger Mitgestalter des in den 1950er Jahren

entstehen Areal La Defense errichte Zehrfuss 1958 mit Robert Camelot, Jean

de Mailly,Nicolas Esquillan und dem Metallkonstrukteur Jean Prouve das CNIT,

ein ebenso wichtiges Bauwerk der französischen Nachkriegsarchitektur und

Ingenieurskunst.

In seinem Spätwerk 1975 baute er, neben weiteren Wohnbauten, das

gallisch-römische Museum in Lyon, welches in einen Hang gebaut wurde

und oft als „unsichtbares Museum“ bezeichnet wird. Im Erdreich entstanden

Ausstellungsräume aus Sichtbeton mit inszeniertem Lichteffekten und großen

Öffnungen über die ehemalige römische Stadt Lugundum. 3

1

vgl. krazin: Bernard Zehrfuss

<https://architectuul.com/architect/bernard-zehrfuss> [Zugriff 29.04.2022 14:56]

2

vgl. Heidegger, Gerald: Utopien in Beton und Stahl.

< https://orf.at/v2/stories/2237281/2237174/ > [Zugriff 29.04.2022 15:12]

3

vgl. The hidden architecture of the Lugdunum museum in Lyon, France < https://blog.thal.art/the-hiddenarchitecture-of-the-lugdunum-museum-in-lyon-france/>

[Zugriff 29.04.2022 15:38]

Text: Tevo Silbersiepe

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Impressionen

Fotos

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Foto unten: Daniel Schürr // Foto oben: Lisa Blenk

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Foto: Lisa Blenk


Foto: Lisa Blenk

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Fotos: Lisa Blenk


Fotos: Michael Wildmann

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Foto: Lisa Blenk


Foto: Lisa Blenk

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Foto unten: Michael Seidel // Foto oben: Lisa Blenk


Fotos: Michael Wildmann

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Foto: Michael Wildmann


Foto: Michael Seidel

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Foto unten: Michael Wildmann // Foto oben: Daniel Schürr


Fotos: Michael Wildmann

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Foto: Daniel Schürr


Fotos: Michael Seidel

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Foto: Lisa Blenk


Foto: Michael Wildmann

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Fotos: Michael Wildmann


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Fotos: Daniel Schürr


Beteiligte & Danksagung

Konzeption, Koordination & Betreuung

Daniel Schürr, Michael Wildmann

Fachliche Exkursionsvorbereitung und Begleitung

Susanne Stacher

Studentische Mitarbeit

Mire Neumann - Mitarbeit Exkursionsreader

Markus Rupprecht, Laurenz Steixner - Exkursionsvideo

Teilnehmende Forschungsbereich

Hemma Fasch, San-Hwan Lu, Daniel Schürr, Michael Seidel, Michael

Wildmann, Markus Rupprecht, Laurenz Steixner

Teilnehmende Studierende

Lisa Blenk, Flora Chiba, Johanna Czerny, Eike Fiedler, Sarah Fuchs,

Konrad Graunke, Daniel Junger, Emma Kantorkova, Olha Karnaushenko,

Jonathan Kaserer, Heidi Kresbach, Moira Mandic, Elena Meister, Maja

Munck, Lukas Notheis, Daniel Ornetzeder, Greta Pirzl, Arno Poll, Tevo

Silbersiepe, Cosima Sima

Dank an

Dietmar Feichtinger und Barbara Feichtinger-Felber

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paris +

exkursion

Architektur im Großraum Paris.

Reisedaten: 14. bis 20. Mai. 2022

LVA exkursion hochbau 2 SS 22 2.0 ECTS

Anmeldung im Sekretariat (20 plätze)

Michael Wildmann, Daniel Schürr

TU WIEN INSTITUT FÜR ARCHITEKTUR UND ENTWERFEN

FORSCHUNGSBEREICH HOCHBAU – KONSTRUKTION UND ENTWERFEN E 253/5

UNIV.PROF. IN ARCH. IN HEMMA FASCH

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Impressum

paris +

Exkursion in den Großraum Paris

Herausgeberin

Technische Universität Wien

Institut für Architektur und Entwerfen

FB Hochbau - Konstruktion und Entwerfen

t +43 1 58801 253501

www.hb2.tuwien.ac.at

Diese Broschüre ist ausschließlich zu didaktischen Zwecken und nicht zur

kommerziellen Verwendung bestimmt.

Das Material stammt aus den verschiedensten Medien. Bei Fragen zu einzelnen

Quellen wenden Sie sich bitte an uns.

Fotos, wenn nicht anders vermerkt: Daniel Schürr

Kartendaten für die Schwarzpläne: open street map contributors

Das Werk ist urheberrechtlich geschützt. Die dadurch begründeten Rechte,

insbesondere die der Übersetzung, des Nachdruckes, der Entnahme von

Abbildungen, der Funksendung, der Wiedergabe auf fotomechanischem oder

ähnlichem Wege und der Speicherung in Datenverarbeitungsanlagen, bleiben,

auch bei nur auszugsweiser Verwertung, vorbehalten.

Die Wiedergabe von Gebrauchsnamen, Handelsnamen, Warenbezeichnungen

usw. in diesem Buch berechtigt auch ohne besondere Kennzeichnung nicht

zu der Annahme, dass solche Namen im Sinne der Warenzeichen- und

Markenschutz- Gesetzgebung als frei zu betrachten wären und daher von

jedermann benutzt werden dürften.

326

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