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PARIS +
Exkursion 14. bis 20. Mai 2022
PARIS +
Exkursion in den Großraum Paris
Herausgeber
Technische Universität Wien
Institut für Architektur und Entwerfen
Forschungsbereich Hochbau - Konstruktion und Entwerfen
Prof. in Hemma Fasch
www.hb2.tuwien.ac.at
Michael Wildmann, Daniel Schürr
Copyright
Autoren / Autorinnen, Studierende
© 2022
Inhalt
Vorwort 5
Exkursionsprogramm 8
Tag 1 13
Tag 2 35
Tag 3 81
Tag 4 119
Tag 5 159
Tag 6 191
Tiers Lieux (Dritte Orte) 209
Weitere Projekte 233
Biografien / Architekturbüros 255
Impressionen / Fotos 303
Beteiligte / Danksagung 324
4
Vorwort
Daniel Schürr
Architektur in Paris – Neben einigen der weltweit wohl bekanntesten
Bauwerken wie der Notre Dame oder dem Eiffelturm kommen dem
Architekurinterssierten sogleich wichtige Meilensteine der zeitgenössischen
Architektur wie die Bauten Le Corbusiers oder das Centre G. Pompidou in den
Sinn. Architektur in Paris umspannt jedoch ein wesentlich weiter gefasstes Bild,
das in dieser Exkursion abgedeckt werden sollte. Dabei versucht die Exkursion
ein möglichst umfassendes Bild der Architektur zu vermitteln, möchte aber in
einem fassbaren Rahmen bleiben und kann daher nur selektive Einblicke in das
Architekturgeschehen geben.
In diesem Sinne führte die Exkursion im Sommersemester 2022 die Gruppe
in den Großraum Paris und besuchte sowohl ausgewählte Einzelbauten als
auch repräsentative städtebauliche Projekte, die den Zeitraum der letzten 100
Jahre von der Zwischenkriegszeit bis hin zum aktuellen Architekturgeschehen
abdecken.
Das Spektrum der besuchten Projekte beginnt bei Schlüsselprojekten von Le
Corbusier und seinen Zeitgenossen, geht über Projekte der Nachkriegsmoderne
wie Oscar Niemeyer zu einem der Kernprojekte der High-Tech Architektur, dem
Centre Pompidou. Weiter spannt sich der Bogen über die ‚Grands Projets‘ unter
Präsident François Mitterand, die zweifelsohne das Bild von Paris der letzten
Dekaden entscheidend mitgeprägt haben bis hin zu ausgesuchten aktuellen
Projekten von etablierten oder jungen Architekturbüros.
Städtebaulich wurde zum einen ein Einblick in verschiedene Wohnsiedlungen
gegeben, zum anderen auch klassische und aktuelle Bildungscampus besucht,
wie die Cité internationale Universitaire de Paris und das städtebaulich und
sozialpolitisch kontroversiell diskutierte Projekt einer Konzentration von
Eliteuniversitäten am neuen Campus in Saclay.
Insgesamt legt diese Exkursion besonderen Wert auf konstruktiv herausragende
Bauwerke, spannt aber den Bogen bis hin zu Städte- und Wohnbau sowie zu
5
den „Tiers Lieux“ (Dritte Orte) - Architektur entstanden aus Besetzungen,
Zwischennutzungen und sozialen Initiativen.
Die Vorliegende Broschüre ist die Summe der Arbeiten der teilnehmenden
Studierenden, dies inkludiert eine vorbereitende Recherche einerseits und eine
Beschäftigung mit der Architektur vor Ort andererseits. Aufgabe war es - nach
der Vorbereitungsrecherche in Internet und Büchern – vor Ort den Blick auf
Architektur vom großen Maßstab bis zum Detail zu verfeinern. Dabei mussten
die Studierenden aus ihrer Sicht repräsentative Fotos, die Architekturkonzept
und Raumwirkung sowie ein ausgewähltes Detail abbilden.
Nur aus der Kombination aus Wissenserwerb durch Recherche und einem
genauen Blick vor Ort kann so Architektur in ihrer Gesamtheit intensiv erfahren
werden. Das Betrachten von Bauwerken vor Ort, in ihrem unmittelbaren
räumlichen Umfeld und städtischem Kontext erlaubt erst ein vollständiges
Bild auf Architektur zu werfen. Erst die Intensität all dieser Wahrnehmungen
lässt einen bleibenden Eindruck gebauter Architektur und schafft so für die
Studierenden ein Repertoire an Referenzen, auf die sie im Laufe ihres Lebens
bewusst oder unbewusst zurückgreifen können.
6
7
Exkursionsprogramm
Tag 1 // So, 15. Mai // Zentrum
Vormittag
Anreise individuell
12:00 Uhr Treffen im Hostel
15:00 - 16:00 Uhr Institut du Monde Arabe - Jean Nouvel, 1987
Stadtspaziergang:
Notre Dame
Louvre
Zentrum
La Pyramide du Louvre - I.M.Pei, 1988 ?
La Samaritaine - SANAA Architects, 1870 ???
Canopée Forum les Halles - Patrick Berger et Jaques Anzitutti, 2016 ?
18:00 Uhr Centre G. Pompidou - Richard Rogers, Renzo Piano, 1977
Tag 2 // Mo, 16. Mai // Norden
09:00 Uhr Start Hostel
10:00 Uhr UNESCO Hauptgebäude - Marcel Breuer, Bernhard Zehrfuss mit
P.L.Nervi, 1958
Grand Palais Éphémère - Jean-Michel Wilmotte, 2021
ZAC Batignolles 1 und 2 (Parc Martin Luther King)
zahlreiche Arch., u.a.: Flower Tower – Eduard Francois, 2004 und
Immeuble émergence – M. Aires-Mateus
Tribunal de Grande Instance de Paris - Renzo Piano, 2017 und
Maison des Avocats, 2020
Tour Bois le Prêtre - Lacaton & Vassal, Umbau 2011
Maison du Peuple Clichy
L’AUC: ZAC La Chapelle internationale
Parc de la Villette - Bernard Tschumi, 1983
Cité des Sciences - Adrien Fainsilber, 1986
Philharmonie de Paris - Jean Nouvel, 2015
8
Tag 3 // Di, 18. Mai // Osten
09:00 Uhr Start Hostel
Soz. Wohnbau Eden Bio - Eduard François, 2008
Groupe le Monde - Snøhetta, 2020
Docks of Paris, City of Fashion and Design - Jakob + Macfarlane, 2012
Passerelle Simone de Beauvoir - Dietmar Feichtinger, 2006
Bibliothèque Nationale - Dominique Perrault, 1996
Bercy 2 Shopping Center - Renzo Piano 1987-1990
15:00 Uhr Espace Niemeyer (HQ Kommunistische Partei) -
Oscar Niemeyer, 1967
Halle Pajol - Jourda Architectes, 1926
Fondation Cartier - Jean Nouvel, 1994
Tag 4 // Mi 19. Mai // Saclay, Cité Universitaire
09:00 Uhr Start Hostel
Ecole Centrale Supelec - OMA Rem Koolhaas / Gigon & Guyer
École Normale Supérieure Paris-Saclay - Renzo Piano, 2020
Restaurant Universitaire et Lieu de Vie - Studio Muoto, 2016
Ensae Paristech - CAB Architectes, 2017
Cite Universitaire:
Pavillon Suisse - Le Corbusier, 1931
Maison du Brezil - Le Corbusier + Lucio Costa, 1959
Residence pour chercheurs - Bruther
Résidence Étudiante Chris Marker – Éric Lapierre, 2018
19:30 Uhr Bürobesuch - Dietmar Feichtinger Architectes
20:30 Uhr Gemeinsames Abendessen mit Dietmar Feichtinger
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Tag 5 // Do, 19. Mai // Le Corbusier, La Defense
08:30 Uhr Start Hostel
10:00 Villa Savoye - Le Corbusier, 1931
La Défense
CNIT (Centre des nouvelles industries et technologies) -
Robert Camelot, Jean De Mailly, Bernard Zerhfus mit Jean Prouvé,
1958 Umbau Büro Cuno Brullman, 2009
Grande Arche de La Defense - J. O. Spreckelsen, 1989
14:00 Maison Jaoul - Le Corbusier, 1956
15:30 Maison La Roche - Le Corbusier (Eintritt in 2 Teilgruppen)
17:00 Immeuble Molitor - Wohnung-Atelier Le Corbusier
Palais de Tokyo - André Aubert, Umbau: Lacaton & Vassal
Tag 6 // Fr, 20. Mai // Zentrum + individuell
09:45 Uhr Start Hostel
10:30 Uhr Musée du Quai Branly - Jean Nouvel, 2006
danach individuelle Besuche z.B.:
Maison de Verre - Pierre Charreau, Bernard Bijovet- 1932
Maréchal Fayolle Housing Complex - SANAA 2019
Esiee - Dominique Perrault, 1987
Batiment Home - Hamonic+Masson 2010
Coulée verte René-Dumont - P. Berger, P. Mathieux, J. Vergely
(wie HighLine NY)
La Défense - La Grande Arche (hinauffahren – Blick über die Stadt)
Conservatoire de danse Pantin - Jacques Kalisz, 1972
Centre d’hébergement d’Urgence - Atelier Rita, 2017
Conservatoire de Montreuil - Claude Le Goas
Tiers Lieux (Dritte Orte)
16:00 Uhr Ende Programm Exkursion
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Tag 1
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Institut du Monde Arabe
Jean Nouvel // 1987
Das Institut du Monde Arabe ist eine Organisation welche 1980 von Frankreich
und 19 Arabischen Ländern gegründet wurde, da zuvor zu wenig Repräsentation
der arabischen Kultur in Frankreich gesehen wurde. Das Gebäude unterteilt
sich in ein Museum, eine Bibliothek, ein Auditorium, ein Restaurant, Büros und
Konferenzräume. Es befindet sich in der 1 Rue des Fossés Saint-Bernard, in
Paris. 1
Jean Nouvel gewann gemeinsam mit dem Pariser Archtiecture-Studio Büro
den Wettbewerb, wobei dieses Projekt zu den Grand Projets gehört – die
unter Francois Mitterand vorgenommenen urbanistischen Änderungen und
Modernisierungen von Paris in den 1980er Jahren. 2
Das Gebäude wurde in den Jahren zwischen 1981 und 1987 konstruiert und
erstreckt sich auf 16,917 Quadratmeter Nutzfläche. Die Idee einer Überbrückung
der französisch-europäischen Welt und der Arabischen spiegelt sich auch in
der Planung der Architekten wieder. So ist das Gebäude nicht „nur“ Arabisch
und nicht „nur“ Europäisch, sondern vereint Europäische Baukunst mit
arabischen Elementen wie den Maschrabiyya – den dekorativen Holzgittern,
welche eine geometrische Ausprägung vorweisen – die bei der Fassade zum
Vorschein kommen. 3 Die Fassade, die von großer Bedeutung ist, besteht
vorwiegend aus Glaskörpern und einer Fassadentechnik aus Aluminium, den 240
Verschattungselementen die je 180 mal 180 Zentimeter groß sind. 4
Text: Moira Mandic
1
Parisinfo, URL: https://en.parisinfo.com/paris-museum-monument/71189/Institut-du-monde-arabe (Abruf
25.04.2022)
2
Simon Texier, RÉTROSPECTIVE: L’INSTITUT DU MONDE ARABE (1987), AMC 2019/11, in https://www.amcarchi.com/
(Abruf 25.04.2022)
3
AJN, Arab World Institute, URL: http://www.jeannouvel.com/en/projects/institut-du-monde-arabe-ima/ (Abruf
25.04.2022)
4
Jakob Schoof, Hightech für den Kulturaustausch – Institut du Monde Arabe in Paris (1987), Detail 2021/01, in
https://www.detail.de/ (Abruf 25.04.2022)
14
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Bild: Moira Mandic
Bild: Daniel Schürr
16
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Bild unten: Moira Mandic // Bild oben: Daniel Schürr
Pyramide du Louvre
I. M. Pei // 1989
Im Jahr 1981 sorgte der neugewählte französische Staatspräsident Francois
Mitterand für eine grundlegende Veränderung des Louvres. Einerseits sollte das
Finanzministerium, welches bis dato im Richelieu-Flügel untergebracht war einer
Erweiterung des Museums weichen, andererseits eine neue Eingangssituation
entworfen werden, welche den Stau der tausenden, täglichen Besuchern
verringert. 1
1983 wurde der chinesich-amerikanische Architekt Ieoh Ming Pei mit diesem
Vorhaben beauftragt und er entwarf die heute weltbekannte gläserne Pyramide
im Innenhof des Louvres, welche als neuer Haupteingang für den Verteilerraum
im Untergrund dient. Sie hat die gleichen Proportionen wie die Cheops-
Pyramide in Ägypten, die nicht zufällig dem goldenen Schnitt entsprechen. Die
Pyramide hat eine Höhe von 21,64 Meter und einen quadratischen Grundriss mit
einer Seitenlänge von 35,42 Meter. Bestehend aus 603 rautenförmigen und 70
dreieckigen Glaselementen und einer Stahl-/Aluminiumkonstruktion kommt sie
auf ein Gewicht von rund 180 Tonnen. 2
Obwohl oft nur von einer Pyramide geredet wird, gibt es eigentlich 5
Glaspyramiden im Louvre. Drei kleine Glaspyramiden fungieren als Lichtschächte
für die Eingänge der drei Flügel des Museums. Außerdem gibt es noch
eine große auf dem Kopf stehende Pyramide, die in den unterirdischen
Eingangsbereich ragt und sichtbar ist, wenn der Louvre vom Carrousel (eine
Einkaufspassage unter dem Louvre) aus betretten wird. 3
Der Louvre ist nach wie vor sehr gut besucht und eine der großen
Touristenattraktionen in Paris. Die Pyramiden befinden sich in einem guten
Zustand und ergänzen als moderne Architektur den historischen Louvre.
Text: Arno Poll
1
Paris City Vision: Erfolgsstory des Pyramiden-Projekts, in: https://www.pariscityvision.com/de/paris/museen/
louvre-museum/louvre-pyramide-geschichte-architektur-legenden, Abruf: 28.04.2022
2
Stadtpfade Paris: Louvre Pyramide: Angeberwissen für Fortgeschrittene, in: https://www.stadtpfade-paris.de/
spickzettel/louvre-pyramide/, Abruf: 28.04.2022
3
Roman: Louvre-Pyramide in Paris: 8 interessante Fakten, in: https://www.parismalanders.com/louvre-pyramideparis-fakten-hoehe-baujahr-und-co/,
Abruf: 28.04.2022
18
19
Bild unten: Michael Wildmann // Bild oben: Arno Poll
Bild: Arno Poll
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Skizze Fensterelement: Arno Poll
La Samaritaine
SANAA // Lagneau Architects // 2021
Das Luxuswarenhaus „La Samaritaine“, eröffnet im Jahr 1870, wurde von SANAA
und Lagneau Architects renoviert und um ein neues Gebäude erweitert.
Auch das Programm wurde ausgebaut. So gibt es nicht mehr nur
Verkaufsflächen sondern ebenfalls auch Büroflächen, ein Luxushotel, sozialer
Wohnungsbau und eine Kinderkrippe.
Der Bestand, bis auf die Fassade an der Rue Rivoli, welche nicht
denkmalgeschützt war, wurde denkmalgerecht saniert.
Im bestehendem Atrium wurde jedoch elektrochromes Glas eingesetzt. Dieses
verändert die Farbe bei starker Sonneneinstrahlung und verhindert eine
Erhitzung der Räume.
Die neue Glasfassade an der Rue Rivoli beschreiben die Architekten wie
folgt: „The soft waves of the glass echo the rhythm and scale of neighboring
fenestration, establishing continuity along this busy commercial street.“ 1 2
Das Glas reflektiert die Umgebung, gleichzeitig verzerrt sie diese durch
die Wellenform. Es entsteht eine Kombination des Historischen mit dem
Zeitgenössischem.
Die drei Gebäude bilden somit ein gemeinsames Ensemble, welches durch eine
Passage entlang sozialer und kommerzieller Aktivitäten verbunden wird.
Text: Eike Fiedler
1
Hana Abdel: La Samaritaine / SANAA + LAGNEAU Architectes + Francois Brugel Architectes Associes + SRA
Architectes, in: https://www.archdaily.com/963774/la-samaritaine-sanaa-plus-lagneau-architectes-plus-francoisbrugel-architectes-associes-plus-sra-architectes,
Abruf: 30.4.2022
2
Lizzie Crook: SANAA‘s overhaul of La Samaritaine department store opens in Paris, in: https://www.dezeen.
com/2021/06/22/la-samaritaine-department-store-sanaa-opens-paris, Abruf: 30.4.2022
22
23
Bild: Eike Fiedler
Skizze: Eike Fiedler (nach SANAA)
24
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Bild: Eike Fiedler
La Canopée des Halles
Patrick Berger // Jacques Anziutti // 2016
Das viel diskutierte Grundstück der Canopée des Halles befindet sich im
Herzen von Paris in der Achse zwischen Centre Pompidou und Alter Börse.
1851 enstanden an dieser Stelle durch Victor Baltard zwölf pavillonartigen
Markthallen, die 1969 einem großen Verkehrsknotenpunkt weichen mussten.
Die Gestaltung der Baugrube blieb lange offen, 1979 wurde mit dem »Forum
Les Halles« ein großes Einkaufs- und Freizeitzentrum eröffnet. Im Gegensatz
zum gleichzeitig entstandenen Centre Pompidou wurde das Forum Les Halles
nie richtig angenommen, 2004 und 2007 wurden Wettbewerbe ausgelobt
um Abhilfe zu schaffen: ein neues Gebäude für das Forum, die Erweiterung
des unterirdischen S-Bahnhofs und eine Verbindung zwischen allen Ebenen.
Durchsetzen konnte sich das Pariser Büro Berger und Anziutti, die ein „Dach im
Garten“, ein rießiges Glasdach (oder Blätterdach - Canopée), das sich über zwei
Flügelbauten und einen großen Freiraum dazwischen spannt, vorsahen. 1
In den dreigeschossigen Flügelbauten befinden sich im EG Einzelhandelsflächen,
darüber ein Konservatorium mit Sendestudios und Bibliothek, öffentliche
Übungsräume für Tanz und Musik, ein Kulturzentrum für Gehörlose, sowie ein
Hip-Hop-Zentrum. Das „Blätterdach“ bildet rundherum eine einheitliche Hülle
und wird über dem mittigen Freiraum in das »große Vordach« im Westen und
das »kleine Vordach« im Osten unterteilt. Beim »großen Vordach« spannen 15
Fischbauchträger mit Ober- und Untergurten aus Stahlrohren zwischen einem
Kastenträger, der im Grundriss ein U mit abgewinkelten Schenkeln darstellt. Das
»kleine Vordach« wird aus acht Kragarmen gebildet, die orthogonal an die kurze
mittige Seite des U-förmigen Kastenträgers angeschweißt sind. 2
Der sandfarbene Ton referenziert den Naturstein und Putz der Nachbarbauten,
die bogenförmigen Stahlträger die steinernen Strebepfeiler der gotischen Kirche
St. Eustache. Das »Canopée des Halles« soll die Blickachsen ordnen und die
Besucherströme intuitiv in die richtige Richtung lenken. 3 Es befindet sich in
einem guten Zustand, ist durch die vielen Menschen belebt, ob es die Funktion
eines Knotenpunktes hin zum Aufenthaltsort übersteigt bleibt fraglich.
Text: Heidi Kresbach
1
Frank Kaltenbach: Flügelschlag am Puls von Paris: Forum Les Halles, in: https://www.detail.de/de/de_de/fluegel
schlag-am-puls-von-paris-forum-les-halles-12070, Abruf 2022.04.12
2
Architekturführer Paris; Jean-Philippe Hugron; DOM Publishers, Berlin, 2018; s.6-7
3
Marco Rinaldi: Redevelopment of Les Halles Station by Patrick Berger and Jacques Anziutti architectes, in: https://
aasarchitecture.com/2016/03/redevelopment-of-les-halles-station-by-patrick-berger-and-jacques-anziuttiarchitectes/,
Abruf 2022.04.12
26
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Bild: Michael Wildmann
NORD
SÜD
STIEGE
ÜBERDACHUNG
Bild und Skizze: Heidi Kresbach
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Bilder: Heidi Kresbach
Centre Georges-Pompidou
Renzo Piano // Richard Rogers // Gianfranco Franchini // 1977
Das Centre Pompidou ist aus dem Gedanken entstanden in Paris ein
Kulturzentrum für die gesamte französische Nation zu errichten. 1969 realisierte
der französische Präsident Georges Pompidou diese Idee und vereinte die
Funktionen eines Museums für moderne Kunst, einer öffentlichen Bibliothek,
eines Designzentrums und eines Instituts für zeitgenössische Musik, in ein und
demselben Gebäude, um Menschen aller Gesellschaftsschichten freien Zugang
zu Wissen und zu zeitgenössischer Kultur zu ermöglichen. 1
Der Entwurf stammt von den Architekten Richard Rogers und Renzo Piano
und entstand im Zuge eines Architekturwettbewerbs.
Das aussagekräftige Alleinstellungsmerkmal des Entwurfs ist, dass nur
die Hälfte des bebaubaren Geländes beansprucht wird. Weiterhin beinhaltet
das Konzept, durch die Verlagerung der Erschließung und den Versorgungsund
Entsorgungseinrichtungen außerhalb der Fassade, großzügige und
anpassungsfähige Innenräume zu schaffen. Die außen spielerisch angeordneten
Infrastrukturen, verstärken den funktionalistischen Charakter des Gebäudes. 1
Die Anforderung des Tragwerks war es eine Stützenweiten von 48m
zu überspannen um vielseitig nutzbare Räumlichkeiten zu generieren.
Die Konstruktion besteht aus 14, sechsgeschossigen, in Stahl ausgeführten
Rahmen die sich aus je zwei Stützen an jeder Seite und einem Fachwerkträger
in jedem Geschoss zusammensetzten. 2 An den Stützen wird jeweils ein Hebel,
die sogenannte Gerberette, befestigt. Die an den Gerberetten angebrachten
Zugstangen reichen tief ins Fundament und stabilisieren die Konstruktion.
Das Tragwerk wird von einer Fassade aus Glas umhüllt, welche die Stadt
absorbiert und gleichzeitig reflektiert. 1
Das Centre Pompidou ist mehr als nur ein Gebäude für Kultureinrichtungen,
es gleicht einem Herz, durchzogen von monumentalen Adern in leuchtenden
Primärfarben, ein wahrhaft lebendiger Organismus. Es hat ein Eigenleben und
ist Wahrzeichen der Stadt geworden. 3
Text: Elena Meister
1
Richard Copans: Le Centre Georges Pompidou, [ARTE] Architecture Collection
2
Jochen Bub, Wim Messing: Das «DING» im Bauch von Paris, in: Bauwelt 1977
3
Our building, in: https://www.centrepompidou.fr/en/collections/our-building Abruf 2022.28.04
30
31
Bilder: Elena Meister
Die 14 identischen Stahl-Rahmen werden aus jeweils zwei Rundrohrstützen und
einem Fachwerkhängeträger gebildet. Dieser Einfeldträger gibt seine Kräfte
an zwei Hebel ab welche jeweils auf einem Querbolzen aufliegen. 2
Um die erforderliche Erdverankerung zu ermöglichen ohne die Freiflächen
Nutzung einzuschränken, liegen die Verbände an den vier Eckpunkten unterhalb
des Hebels. Sie bestehen jeweils aus zwei gekreuzten Diagonalen, wobei das
eine die Gerberette umgreift und das andere mit der Stütze verbunden ist. 2
Die französische Bezeichnung des Hebels die sogenannte «Gerberette»,
benannt nach dem Deutschen Gerber, der das System im 19. Jahrhundert
entwickelt hat. 2
Die Gerberette ermöglicht die Übertragung der Kräfte und des Moments des
Trägers in die Stütze, beseitigt die Lastausmittigkeit der Stütze und verhindert
so Torsion und knicken. 2
Text: Elena Meister
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Bilder: Elena Meister
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Tag 2
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UNESCO Hauptquatier
Marcel Breuer // Bernard Zehrfuss // Pier Luigi Nervi // 1952
Im November 1958 schien der jahrelange Konflikt nun endlich zu Gunsten der
UNESCO ausgegangen zu sein. Die Weltorganisation bekommt ihr eigenes
Gebäude.
Umgeben von makanten/ bekannten Monumenten der Stadt tritt das
entworfene Gebäudeensemble unübersehbar hervor. Trotz des Bruchs
mit älteren Traditionen, besonders die Formgebung und das Baumaterial
(Stahlbeton) betreffend, ordne sich das Gebäudeensemble, so die Befürworter,
gut in das Stadtbild ein. Besonders harmonisch funktioniert die Einfügung in das
Halbrund der von Jacques-Ange Gabriel entworfenen Place de Fontenoy, das
mit der geschwungenen Fassade des Sekretariatsgebäudes aufgegriffen worden
sei. Diese Halbrundung wurde auch in Stützenformen und in den Innenraum
wiedergespiegelt.
Der Gebäudekomplex der UNESCO stand allerdings nicht nur für eine
spezifische Ästhetik; er verkörperte ein politisches Programm und transportierte
eine Fülle von Botschaften. Als UN-Sonderorganisation für Erziehung,
Wissenschaft und Kultur wollte die UNESCO mit ihrem neuen Hauptquartier
nach eigenen Worten „ein Symbol des 20. Jahrhunderts“ schaffen. Deshalb
auch die Hinwendung zur Architektur der Moderne. Die Organisation sah in der
Architektur die Zukunft, der sie sich verpflichtet fühlten.
Mit den Gebäuden schuf sich die UNESCO eine Art räumlicher Grammatik.
Diese gibt Aufschluss über die Geschichte einer Organisation, die die Welt im
wörtlichen wie im übertragenen Sinn in vielerlei Hinsicht zu organisieren suchte.
Text: Greta Pirzl
vgl: https://zeithistorische-forschungen.de/1-2010/4693
36
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Bild unten: Daniel Schürr // Bild oben: Michael Wildmann
Bilder: Michael Wildmann
38
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Bild: Michael Wildmann
Grand Palais Éphémère
Jean Michel Wilmotte // 2021
Der Grand Palais Éphémère wurde 2021 in Paris eröffnet und von Jean Michel
Wilmotte entworfen. Dabei handelt es sich um einen temporären Bau zwischen
dem École Militaire und dem Eiffelturm. „éphémère“ bedeutet auf französisch
kurzlebig.
Der temporäre Bau gilt als Ersatz für den Grand Palais, welcher wegen
Renovierungsarbeiten geschlossen ist. Ebenfalls soll er als Austragungsort für
die Olympischen Sommerspiele 2024 in Paris genutzt werden. So sind dort
Wettbewerbe für Judo und Ringen geplant. Im Anschluss soll das Gebäude
wieder demontiert werden. Hierzu wurde insbesondere auf recyclebare
Materialien und modulare Bauweise geachtet. So können auch Bauteile
weiterverwendet werden.
Der Grand Palais Éphémère ist eine große Halle, welche 145 Meter lang, 140
Meter breit und bis zu 20 Meter hoch ist. Die Einbindung in den Kontext war
beim Entwurf ein wichtiges Thema und hat zu der Bogenform des Gebäudes
geführt. Die Bögen sind vorgefertigte Fachwerkträger aus Fichtenholz, welche
vor Ort leicht montiert werden konnten. Eine ETFE Membran umhüllt das
Gebäude.
Text: Eike Fiedler
https://www.grandpalais.fr/en/lieu/grand-palais-ephemere, Abruf: 30.4.2022
http://www.wilmotte.fr/en/project/533/grand-palais-ephemere, Abruf 30.4.2022
Birgit Gruber: Holzskelett am Fuße des Eiffelturms, in: https://www.holzbauaustria.at/architektur/2021/03/grandpalais-ephemere-fertiggestellt.html,
Abruf: 30.4.2022
40
41
Bilder: Michael Seidel
Bild: Eike Fiedler
42
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Bild unten: Eike Fiedler // Skizze oben: Eike Fiedler (nach Jean Michel Wilmotte)
ZAC Batignolles
Stadtentwicklungsgebiet// 2002+
Die Größe und Zielsetzung des Ökoviertels Clichy-Batignolles machen es
zu einem der wichtigsten laufenden städtischen Projekte im Raum Paris. Es
entfaltet sich auf 54 Hektar auf dem ehemaligen Rangierbahnhof der SNCF im
Norden des Viertels Batignolles (17. Arrondissement von Paris). Dieses gemischt
genutzte Gebiet konzentriert sich um den Martin Luther King Park, einen der
größten von Paris, und hat alle Zutaten einer Stadt für sich. Die Architektur
der Gebäude maximiert die Vorteile des Parks, der Eisenbahnlandschaft und
der Möglichkeiten, Wohngebäude mit einer Höhe von bis zu 50 m zu errichten.
Im nördlichen Sektor des Geländes wird die Barrierewirkung des Boulevard
périphérique (Ringstraße) abgemildert und Platz für ein neues Zentrum
geschaffen, dessen Mittelpunkt das symbolträchtige 160 m hohe Pariser
Gerichtsgebäude (Tribunal de Grande Instance) ist, das vom Architekten Renzo
Piano entworfen wurde. 1
1
https://www.parisetmetropole-amenagement.fr/en/clichy-batignolles-paris-17th
44
45
Bild: https://www.osty.fr/uploads/1-MOSAIQUE-5fd3a9f7911dd.jpeg
46
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Tower Flower
Edouard Francois // 2004
Eines der frühen Beispiele für begrünte Fassaden ist das Pariser Wohnhaus
„Tower Flower“. Die grüne Oase mitten in der Stadt wirkt als Symbiose von
Stadt und Natur. Das Gebäude besticht durch seine simple Bauweise welche
jedoch alles andere als langweilig auf den Betrachter wirkt. 1
Die Stockwerke sind durch Spannbetonplatten getrennt, die an drei Seiten um
den kubischen Baukörper auskragen und als Balkone fungieren. Besonders
herausragend ist dabei die Absturzsicherung gelöst: Der Architekt Edouard
Francois hat 380 ein Meter hohe Pflanzentöpfe in die Fassade intergriert,
welche keineswegs nur frei auf den Balkonen stehen, sondern fix in die
Gebäudestruktur eingebettet sind. Die Fassadenelemente sind Pariser
Blumenkästen nachempfunden, aus denen Bambus wächst. Es wirkt wie die
vertikale Verlängerung des angrenzenden Parks. Die Pflanzen sorgen dabei
nicht nur für natürlichen Schatten und Kühlung, sondern bieten gleichzeitig
auch Privatsphäre für die Bewohner und geben das Gefühl, man wohne in
einer Baumkrone. In einem Interview sagte Francois, dass er sich heute statt
Bambus für eine regionale Pflanzenart entscheiden würde um die Biodiversität
zu erhöhen. Das Gebäude erstreckt sich über 9 Geschosse und beinhaltet 30
Wohneinheiten. 2
Obwohl das Gebäude keine 20 Jahre alt ist, sieht es schon sehr
heruntergekommen aus und ist optisch in keinem wirklich gutem Zustand.
Außerdem scheint die integrierte Bewässerung der Blumentöpfe nicht überall
zu funktionieren, da einige der Bambuspflanzen sehr trocken wirken. Da es ein
privates Wohngebäude ist, ist es nicht öffentlich zugänglich, allerdings kann man
den sehr schönen Park vor dem Gebäude betreten und den Tower Flower von
allen Richtungen betrachten.
Text: Arno Poll
1
Paris Promeneurs: Der Blumenturm, in: https://paris-promeneurs.com/la-tower-flower/, Abruf: 27.04.2022
2
Grün statt Grau: The Tower Flower in Paris, in: https://gruenstattgrau.at/projekt/the-tower-flower-in-paris/, Abruf:
27.04.2022
48
49
Bild: Arno Poll
Bild: Lisa Blenk
50
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Skizze unten Detailschnitt durch Balkon: Arno Poll // Bild oben: Arno Poll
Tribunal de Grande Instance de Paris
Renzo Piano Building Workshop // 2017
Seit dem Mittelalter war die Pariser Justiz in dem berühmten Gebäude, das die
Sainte-Chapelle auf der Île de la Cité umgibt, untergebracht. Im Laufe der Jahre
führte zunehmender Platzmangel dazu, dass viele Büros an eine Vielzahl von
Standorten in der ganzen Stadt verlegt werden mussten. Die neuen Pariser
Gerichtshöfe, die neben der Porte de Clichy führten, die Gerichtssäle und Büros
der Justizinstitution in ein Gebäude zusammen. Der historische Sitz auf der
Île de la Cité wird weiterhin wichtige und symbolträchtige Einrichtungen wie
das Schwurgericht (Strafgericht), das Berufungsgericht und den Obersten
Gerichtshof beherbergen.
Als der Wettbewerb zum ersten Mal gestartet wurde, schlug die französische
Regierung vor, die Gerichtshöfe in zwei separate Gebäude zu unterteilen: das
erste für öffentliche Funktionen wie Gerichtssäle und das zweite für Büros. Die
Schlüsselidee hinter dem Projekt von Renzo Piano Building Workshop ist es,
all diese Räume wieder in einem großen Gebäude zu vereinen, das aufgrund
seiner Größe und seines Status ein Ausgangspunkt für die Sanierung und
Neuentwicklung des Viertels um die Porte de Clichy werden könnte,
Das Gebäude erhebt sich auf einem L-förmigen Grundstück zwischen
Stadtring und Martin-Luther-King-Park. Die Achse des Gebäudes orientiert
sich an der Nord-Süd-Diagonalen des angrenzenden Parks, der das
Stadtentwicklungsgebiet Clichy–Batignolles verankert. Daher ist die Südfassade
des Gebäudes nach Paris gerichtet, während die Nordfassade nach Clichy blickt.
Die diagonale Linie des Parks wird durch einen „visuellen Korridor“ verstärkt,
der sich nach Norden bis nach Clichy fortsetzt und zwischen der Ostfassade
des Gerichtsgebäudes und dem Maison des Avocats (Hauptsitz der Pariser
Anwaltskammer) verläuft. 1
1
http://www.rpbw.com/project/paris-courthouse, Abruf: 20.07.2022
52
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Bilder: Michael Wildmann
Bild: Michael Wildmann
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Bilder: Michael Wildmann
Maison de l‘Ordre des Avocats
Renzo Piano Building Workshop // 2013-2022
Das Maison de l’Ordre des Avocats (MOdA, Sitz der Pariser Anwaltskammer) ist
ein integraler Bestandteil der neuen Cité Judiciaire, einer Gruppe von Gebäuden
17. Arrondissement von Paris, die der Anwaltschaft gewidmet sind. Symbolisch
transparent ist das Leben des Gebäudes, seine Aktivität und sein Kommen und
Gehen durch seine Fassade deutlich sichtbar. Das MOdA ist so gelegen, dass
sein Gebäude zu dem viel größeren Pariser Gerichtsgebäude (Gerichtsgebäude)
passt und darauf Bezug nimmt, während es stolz unabhängig davon steht, eine
klare eigenständige Einheit. Strukturell anspruchsvoll, um mit einem Standort
über der Metro fertig zu werden, ist es auch ein wichtiger Teil der neuen
öffentlichen Stadträume, die hier entstehen und dieses Viertel beleben.
Die neue Cité Judiciaire befindet sich im Entwicklungsgebiet Clichy Batignolles
im Nordwesten von Paris. Das Gelände wird im Norden von der Avenue de
la Porte de Clichy, im Westen vom Stadtring Périphérique, im Süden von den
Bahnlinien in den Gare St. Lazare und im Osten vom Square de Batignolles und
der Rue Cardinet begrenzt. 1
1
http://www.rpbw.com/project/ maison-des-avocats, Abruf: 21.07.2022
56
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Bilder: Michael Wildmann
Bild: Daniel Schürr
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Bild: Michael Wildmann
Tour Bois-le-Prètre
Druot // Lacaton & Vassal // 2008-2011
Der „Tour Bois-le-Prètre“ steht im 17. Bezirk von Paris. Ursprünglich wurde er
in den frühen 60er Jahren als Vorzeigeprojekt der Moderne mit einem Double
im Berliner Hausviertel gebaut und dann 2011 von dem Pariser Büro „Lacaton &
Vassal“ umgebaut und somit vor dem Abriss gerettet.
Bei dem Umbau ging es dem Büro darum mit möglichst wenig Geld und
Bauressourcen die kleinen Apartments zu erweitern, diese gleichzeitig jedoch
leistbar für die Mieter des Hauses zu bewahren.
Zu den 8900 qm bestehenden Gebäude kamen 3560 qm neue Nutzfläche
hinzu. Im kleineren Maßstab, bedeutet das, dass jede der 96 Wohnungen
eine Erweiterung von 44 qm auf 70 qm Nutzfläche erhielt. Diese
Wohnraumerweiterungen wurden in Form von neuen selbsttragenden
Geschossteilen als Terrassen beziehungsweise Wintergärten an den
Fassaden des Tour angebracht.
Um nicht nur die Qualität der einzelnen Wohnungen, sondern auch die Qualität
der Anwohnergemeinschaft zu erhöhen, wurde der Haupteingang so weit wie
möglich von Haustechnik befreit und in einen neu angelegten Garten hinter dem
Haus geöffnet.
Zuletzt wurden die tristen Fassaden mit ihren kleinen Öffnungen durch
großzügig offene Fassaden ersetzt, wodurch der exklusive Blick über Paris
möglich wird. All diese Umbauten geschahen in Fertigteilbauweise, damit die
Anwohner des Gebäudes während der gesamten Bauzeit möglichst ungestört in
ihren Wohnungen wohnen bleiben konnten.
Text: Konrad Graunke
Laura Weißmüller: Genial räudig, in: https://www.sueddeutsche.de/kultur/architektur-genialraeudig-1.4027347,
Abruf 2022.29.04.
Lacaton & Vassal, https://www.lacatonvassal.com/index.php?idp=56#, Abruf 2022.29.4.
60
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Bild: Michael Wildmann
Bild: Markus Rupprecht
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Bild unten: Michael Wildmann // Bild oben: Markus Rupprecht
Maison du Peuple, Clichy
Eugène Beaudoin & Marcel Lods // Vladimir Bodiansky // Jean Prouvé //
1935
Das Maison du Peuple gilt als Gebäudemaschine in der Architektur. Diese sollte
funktional aber auch flexibel sein. Tagsüber eine Markthalle und Abends ein
Festsaal/ Veranstaltungsort und auch ein Kino. 1
Das Gebäude zeichnet sich durch die Transfomabilität, die sich durch die
Aufgabe auf verhältnissmäßig beschränktem Raum verschiedenen Zwecken zu
genügen entwickelte aus. Außerdem wurde hier das Montagebausystem mit
vorfabrizierten, ausschließlich aus Eisen bestehende Elementen mit seltener
technischer und architektonischer Meisterschaft angewendet. Zement oder
Mörtel wurden, abgesehen für das Fundament, nur für den die Konstruktion des
Erdgeschossbodens und den vorgeschriebenen Luftschutzkeller verwendet. 2
Die Markthalle kann von allen vier seiten betreten werden. Jedoch sind
nicht alle Eingänge gleichwertig. Der Haupteingang zeichnet sich durch
einen möglichen Vorraum ab, der durch zwei Treppenaufgänge in die
Galerie/ den Festsaal akzentuiert wird. Dieser Vorraum kann auch mit zwei
Schiebetüren von der Markthalle abtrennt werden. So entsteht ein Foyer
für die Abendveranstaltungen. 3 Durch diese Zweigeschoßigkeit würde dem
Markt einiges an Höhe fehlen, desshalb wurde der Boden über den mittleren
Holraum des Marktes mit beweiglichen Bodenelementen konzipiert. Diese
werden durch Motorantrieb zunächst horizontal verschoben, um dann mittels
einer Hebevorrichtung im Bühnenraum übereinander geschichtet zu werden. In
diesem Zustand kann sich der Markt auch auf die Galerie ausdehnen jedoch nur
mit bestimmten Produkten.
Das Dach über dem Mittelfeld des Baus ist verglast und kann gleichzeitig, in je
zwei Teile geteilt, zurückgeschoben werden, so daß sowohl Markt, Volksfeste
oder Kinovorführungen unter freiem Himmel stattfinden können. 4
Text: Greta Pirzl
1
vgl: Thomas Hasler, Hochbau Einführung, 2019; VO6
2
vgl: Das Werk : Architektur und Kunst = L‘oeuvre : architecture et art, A.R., 1947; PDF; s.2-4
3
vgl: Thomas Hasler, Hochbau Einführung, 2019; VO6
4
vgl: Das Werk : Architektur und Kunst = L‘oeuvre : architecture et art, A.R., 1947; PDF; s.2-4
64
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Bilder: Michael Wildmann
Bilder: Michael Wildmann
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Bild: Michael Wildmann
ZAC La Chapelle International
Masterplan von L‘ AUC // 2009+
Der Sockel und das SOHO Masterplan von l’AUC für La Chapelle Internationale.
Auf einem der letzten Baulandreserven in Paris wird Vieles anders gemacht.
Das erneute Prüfen eines Wettbewerbsbeitrages führte zu belebten
Sockelgeschossen, auf denen sich neun Hochhäuser befinden. Das französische
Architektur und Städtebaubüro l’AUC hat eine (buchstäblich) bodenständige
Untersuchung unternommen, wie Hochhäuser auf den Boden treffen: Ein
Sockelgeschoss leitet vom menschlichen Maßstab zu einem neu errichteten
Hochhaus über - Das sogenannte SOHO-Prinzip (Small Office Home Office).
Um ein animiertes Leben im Stadtviertel zu erzeugen, stehen die Türme auf
einem zweigeschossigen Sockel, aufgebrochen durch schmale Fußgänger
Alleen. Die Straßen sind rund um das verkehrsfreie Wohnquartier angelegt, in
Verbindung mit fußläufigen grünen Alleen – ein Landschaftskonzept von Bas
Smets. Im Sockel kann Arbeiten und Wohnen kombiniert werden.
Das gesamte Areal der Wohnbauten wurde in fünf Teilabschnitte zerlegt, die
jeweils in einem Wettbewerbsverfahren an zwei Architekturbüros vergeben
wurden. Ob diese vollständig zusammenarbeiten, sich vage miteinander
abstimmen oder vollkommen unabhängig voneinander entwerfen, blieb
Angelegenheit des Duos. Vorgegeben waren folgende Richtlinien:
Auf den SOHO stehen die Türme, gedreht in einem Winkel von 45 Grad, sodass
es keine Wohnungen mit Nord-Lage gibt. Entlang der östlichen Quartierstrasse
soll sich die Schräglage auf der Nordseite auch im Erdgeschoss abzeichnen,
um einladende Vorplätze zu schaffen. Auf der Südseite hingegen nicht, damit
räumlich Halt gewährt und Abwechslung im Stadtbild erzeugt wird.
Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie erhält einen typologischen Ausdruck,
der sich im Wesentlichen kaum unterscheidet vom Paris unter Haussmann.
Diese erfolgreiche Wiederbelebung, in Kombination mit neuen Höhen,
Formen und zeitgenössische Materialien, ermutigt uns, über die Stadt heute
nachzudenken.1
1
vgl. werk, bauen + wohnen, 12-2021, s.29ff, Susanne Stacher
68
wbw
12 — 2021
Bild: wek, bauen + wohnen (Susanne Stacher)
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Bild: Daniel Schürr
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Bilder: Daniel Schürr
Cité des Sciences et de l´Industrie
Adrien Fainsilber // 1986
Bis 1974 beschlossen wurde die Fläche neu zu nutzen, war auf dem 40.000 m 2
großem Porte de la Villette ein Schlachthof und ein Viehmarkt untergebracht. Es
kam die Idee auf, die Struktur des Auktionssaals, welcher sich im nördlichen Teil
des Parks befiindet, zu nutzen und in ein Wissenschafts- und Industriemuseum
umzubauen. 1
1980 wurde der Architekt Adrien Fainsilber damit beauftragt den in den 60er
Jahren begonnen und unvollendeten Bau des Auktionssaals in ein modernes,
futuristisches Technikmuseum aus Stahl und Glas umzubauen. Er entschied sich
drei grundlegende Elemente in seinem Entwurf hervorzuheben: Wasser, Licht
und Vegetation. Der ausgehobene Graben und die mit Wasser befüllten Becken
rund um das Gebäude betonen die Monumentalität des Gebäudes, während
natürliches Licht durch die zwei Glaskuppeln auf dem Dach und die komplett
verglaste Südfassade in das Innere dringt.
Die Cité erstreckt sich mit einer Länge von 270 Metern und Breite von 110
Metern über 7 Geschosse. Die 32 Meter breiten und 8 Meter tiefen Glaskuben
an der Südfassade dienen als Gewächshäuser. Die Wände bestehen aus 2
mal 2 Meter großen Glasplatten, die durch ein System von Kugelgelenken wie
eine Kette aufgehängt sind und durch eine Reihe von Edelstahlpfosten und
horizontalen Zugelementen die Stabilität gegen die Belastungen des Windes
gewährleistet. Die fünf rechteckigen, mit Granit verkleideten Betonpfeiler und
die blau gestrichenen Fachwerkträger aus Stahl wurden vom ursprünglichen
Gebäude beibehalten. 2
Adrien Fainsilber gelang es, ein unvollendets Auktionsgebäude in ein
atemberaubendes Museum zu verwandeln, welches durch außergewöhliche
Proportionen und technologische Innovation herausragt.
Text: Arno Poll
1
Wikipedia: Cité des sciences et de l´industrie, in: https://de.wikipedia.org/wiki/Cit%C3%A9_des_sciences_et_
de_l%E2%80%99industrie#Geschichte, Abruf: 28.04.2022
2
cite-sciences: Architektur und Geschichte der Wissenschafts- und Industriestadt, in: https://www.cite-sciences.fr/
apps/parcours-architecture-histoire/, Abruf: 28.04.2022
72
73
Bilder: Arno Poll
Bilder: Michael Wildmann
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Skizze unten Tragwerk: Arno Poll // Bild oben: Michael Wildmann
Philharmonie de Paris
Jean Nouvel // 2015
Die Philharmonie de Paris befindet sich im Parc de la Vilette im 19. Bezirk von
Paris. Das Herzstück bildet die Konzerthalle welche 2400 Sitzplätze bereitstellt.
Die Philharmonie de Paris wurde 2015 eröffnet. Jedoch distanzierte sich der
Architekt Jean Nouvel später von dem Projekt und bezeichnete dieses als
unvollendet. 1
Das 52 Meter hohe Gebäude der Philharmonie, welche von Jean Nouvel
entworfen wurde, wird als „Stein-“ beziehungsweise „Bergartig“ bezeichnet. Das
Gebäude scheint fast so als würde es sich aus dem Grund heraus hervorheben.
Die Fassade aus Aluminium ist detailreich gestaltet – Mit einem Mosaik aus
340.000 Teilen, welches Vögel darstellen soll und in Farben von hellem grau bis
schwarz variieren. 2
Die Philharmonie de Paris weist eine komplexe Geometrie in ihrer
Struktur auf und ist eine Stahlbetonkonstruktion kombiniert mit weiteren
Konstruktionselementen aus Stahl. 3
Die Konzerthalle wurde neuartig konzipiert – Die BesucherInnen sollen durch
die Architektur „in das Geschehen und in die Musik gezogen werden“, denn die
am weitesten entfernten Sitzplätze sind nur 32 Meter von der Bühne entfernt.
4
Die 2400 Sitzplätze verteilen sich auf das Parterre hinter der Bühne und
dem Galeriegeschoss. – den fast „schwebenden“ Balkonen. Die akustische
Wahrnehmung wird durch die beweglichen Panäle an der Decke und den
Wänden beeinflusst. Sie sollen den Sound in verschiedene Richtungen lenken. 1
Text: Moira Mandic
1
India Block, Jean Nouvel sues over „totally disproportionate“ Philharmonie de Paris late fee, in Deezen 2019/10,
URL: https://www.dezeen.com/2019/10/25/jean-nouvel-sues-philharmonie-de-paris-late/ (Abruf 25.04.2022)
2
Cite de la Musique - Philharmonie de Paris, La Philharmonie, URL: https://decouvrir.philharmoniedeparis.fr/en/
philharmonie (Abruf 25.04.2022)
3
Philharmonie de Paris, URL: https://en.wikiarquitectura.com/building/philharmonie-de-paris/ (Abruf 16.06.2022)
4
Luca Ameri, Gallery: Philharmonie de Paris Photographed by Danica O. Kus 2015/12, in archdaily, URL: https://
www.archdaily.com/778425/gallery-philharmonie-de-paris-photographed-by-danica-o-kus (Abruf 25.04.2022)
76
77
Bilder: Moira Mandic
Bild: Michael Wildmann
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Bilder: Michael Wildmann
80
Tag 3
81
Eden Bio. Villas des Vignoles
Edouard François // 2008
Vignoles hat die Größe eines ganzen pariser Wohnblocks. Aufgrund der
Größe steht das Projekt sowohl für Urbanismus als auch für Architektur. Im
Gegensatz zu, zur gleichen Zeit entworfene, Fouquet‘s Barrière befindet sich
der Häuserblock nicht im haussmannschen Paris mit schicken Boulevards,
sondern in einem malerischen und beliebten Viertel. Vignoles wird von schmalen,
nur wenige Meter breiten Gassen durchzogen. Die umgebende Architektur ist
niedrig und besteht aus Versatzstücken, kleinen Fragmenten, die viel Charme
haben. Das Areal umfasst hundert neue Sozialwohnungen und Ateliers für
Künstler:innen, einige neue Gemeinschaftsräume und ein kleines renoviertes
Restaurant. 1
Der städtebauliche Ansatz, die Straßenfronten in ihrer ursprünglichen
Kleinteiligkeit zu belassen und das Zentrum zu verdichten, ist neu in Paris. Er
steht im Gegensatz zur Haussmann‘schen Auffassung, wonach Ordnung und
Dichte zur Straße hin und die Wildnis dahinter liegen. 2
In den engen Gassen, die einem kleinen Labyrinth ähneln, gibt es keine
Eingangshalle und keine Aufzüge, vielmehr wird der Eindruck kleiner
Stadthäuser mit ihren kleinen Gärten vermittelt. 3
Jedes Haus hat seine eigene Fassade, seine eigene Verkleidung und
unterschiedliche Anordnung der Fenster und Türen und ist somit von den
anderen unterscheidbar. Eine Außentreppen aus unbehandeltem Holz, die an
eine Baustelle, bringen die Baukörper der Reihenhäuser näher an den zentralen
Baukörper heran. Die Gerüste, die von der holzverkleideten Fassade abzweigen,
sind von emporrankendem Flieder, der im Boden verankert ist, überwuchert. Die
bepflanzte Fassade, Demeter zertifiziertes Erdreich und begrünte Dächer sind
Teil des Nachhaltigkeitsgedanken des Projekts. 4
Text: Cosima Sima
1
https://www.area-arch.it/en/eden-bio/
2
https://www.archiweb.cz/en/b/obytny-soubor-eden-bio-villas-des-vignoles
3
https://www.dezeen.com/2009/02/17/eden-bio-by-edouard-francois-2/#
4
https://www.floornature.de/francois-wohnungen-und-ateliers-eden-bio-in-paris-8475/
82
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Bild unten: https://www.area-arch.it/en/eden-bio/ // Bild oben: https://www.archiweb.cz/en/b/obytny-soubor-eden-bio-villas-des-vignoles
Bild: Daniel Schürr
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Bilder: Cosima Sima
Le Monde Group
Snohetta // 2018-2020
Mit der Fertigstellung ihres neuen Hauptsitzes wurden die 1600 Mitarbeiter der
Gruppe Le Monde unter einem Dach in einem großzügig gewölbten Gebäude
mit einer Fläche von 22 933 m 2 in der Avenue Pierre-Mendès-France im 13.
Pariser Arrondissement untergebracht. Mit seinem markanten neuen Platz und
seiner opaken Hülle schafft das Gebäude Verbindungen zur Öffentlichkeit und
zum umliegenden Verkehr. 1
Das Projekt liegt direkt neben dem historischen Bahnhof Gare d‘Austerlitz und
in unmittelbarer Nachbarschaft zum historischen Quartier Latin und den üppig
bepflanzten Gärten des Jardin des Plantes. 1
Die lichtdurchlässige, dynamische Fassade und der weitläufige öffentliche
Platz bringen die Offenheit des Gebäudes gegenüber seiner Umgebung zum
Ausdruck. Das Projekt selbst entstand zu einem Zeitpunkt, als diese Prioritäten
in Frage gestellt wurden. Als die Gruppe Le Monde Anfang 2015, nur wenige
Tage nach den Anschlägen auf den Hauptsitz des Magazins Charlie Hebdo, über
architektonische Vorschläge für ihren künftigen Sitz nachdachte, entschied sie
sich schließlich für den Entwurf von Snøhetta und dem lokalen Partner SRA
Architectes und damit für ein Gebäude, das in einem offenen Dialog mit der
Stadt Paris und ihren Einwohnern steht. 2
Die Herausforderung bestand darin, dass das Gelände nur an den beiden
äußersten Enden des Bauplatzes Lasten aufnehmen kann. Die Antwort von
Snøhetta und SRA Architectes war die Idee, die beiden Einheiten durch eine
Brückenkonstruktion aus zwei Stahlträger zu verbinden, die von einer Seite
des Geländes auf die anderes spannen würde: eine äußerst anspruchsvolle
technische Aufgabe für ein Gebäude, das mehr wiegt als der Eiffelturm. Es
entsteht ein Platz der Passanten zum Verweilen und zur Interaktion einlädt und
gleichzeitig eine Verbindungen der beiden Seiten des Gebäudes schafft. 1
Text: Elena Meister
1
Le Monde Group Headquarters, in: https://snohetta.com/projects/526-le-monde-group-headquarters, Abruf
2022.30.04
2
Paula Pintos: Le Monde Group Headquarters / Snøhetta, in: https://www.archdaily.com/953509/le-mondegroup-headquarters-snohetta,
Abruf 2022.30.04
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Bild: Elena Meister
Bild: Daniel Schürr
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Bilder: Daniel Schürr
La Cité de la Mode et du Design
Jakob + MacFarlane // 2010
Die Stadt der Mode und des Designs ist ein Gebäude am Quai d‘Austerlitz in
Paris. Die Eröffnung, die ursprünglich für Anfang 2008 geplant war, fand im
Laufe des Jahres 2010 statt. Das IFM Paris (Institut Français de la Mode)
befindet sich seit 2008 in dem Gebäude. Art Ludique, ein Museum für
Ausstellungen zeitgenössischer Kunst in Comics, Manga, Kino, Live-Animation
und Videospielen, befindet sich ebenfalls im Gebäude.
Neben der Seine, zwischen dem Gare d‘Austerlitz und der Bibliothèque nationale
de France, wurde die Stadt der Mode und des Designs von den Architekten
Jakob + MacFarlane entworfen und ist mit seiner kühnen Architektur eines der
bemerkenswertesten zeitgenössischen Denkmäler von Paris. 1
Diesen Ort erkennt man an seiner äußeren Struktur - grasgrün und zeitgemäß.
Seine Räume widmet das Gebäude der Avantgarde von Mode und Design. Von
einer Ebene zur nächsten kommt man über Holzstege, welche, umhüllt von
einer Stahlstruktur, an dem bestehende Stahlbeton Skellett des alten Logistik
Warenumschlagplatzes angehängt ist. Heute sind viele Korrosionsschäden an
der alten Stahlbeton Struktur zu sehen.
Tex und Skizze: Lukas Notheis
1
https://en.wikipedia.org/wiki/Cit%C3%A9_de_la_mode_et_du_design 27.04.22 13:00
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Bild unten: Lukas Notheis // Bild oben: Daniel Schürr
Bild unten: Michael Wildmann // Bild oben: Daniel Schürr
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Bild: Daniel Schürr
Passerelle Simone de Beauvoir
Feichtinger Architects // 2006
Die Fußgängerbrücke mit einer durchschnittlichen Breite von 12 m verbindet die
neue französische Nationalbibliothek mit dem Park von Bercy. Die Gesamtlänge
beträgt 304 m und die freie Spannweite über der Seine 190 m.
Feichtinger erreichte nicht nur die brückenübliche Verbindung von zwei,
sondern gleich von sechs Punkten. Beide Ufer der Seine stufen sich in je drei
Ebenen ab: ganz unten liegt der Quai, darüber das Straßenniveau und ganz
oben der Park bzw. das Plateau der Nationalbibliothek.
Alle Ebenen können auch leicht mithilfe des Lifts aus Glas am Brückenkopf
erreicht werden. Dadurch wird körperlich eingeschränkten Personen Zugang
ermöglich. 1
Auf beiden Seiten des Flusses kreuzen sich zwei 35 m lange Seitenabschnitte
über stark befahrene Autobahnen am Flussufer, diese sind zugleich Struktur
und Wegführung. Die beiden gegenüberliegenden Kurven stabilisieren sich
gegenseitig und es entsteht eine freie Spannweite über das Wasser. Die
Brücke besteht aus drei Wegen. Zwischen den beiden Ufern hat die Seine
eine Art See geschaffen, der 700m lang und 150 m breit ist. Die Brücke bildet
einen einzigartigen öffentlichen Ort über dem Fluss, bei der die Besucher die
Veranstaltungen auf dem Wasser beobachten können. 2
Die Oberflächen sind mit Eiche und rutschfesten Einsätzen verkleidet. Die
Geländer bestehen aus Edelstahlnetzen, die vertikal zwischen dem Aluminium-
Handlauf und einer Führungsstange an der Unterseite gespannt sind. Die
Beleuchtung ist in die Handläufe integriert. Sie unterstreicht die herausragende
Silhouette der Brücke, die ganz ohne Pfeiler in der Seine auskommt. 3
Passerelle Simone de Beauvoir ist einzige Pariser Brücke, die nach einer Frau
benannt wurde. Die Brücke ist bei der Bevölkerung sehr beliebt. 4
1
www.feichtingerarchitectes.com/display_project.php/1/462
Text: Olha Karnaushenko
2
world-architects: Dietmar Feichtinger Architectes, in: www.world-architects.com/en/dietmar-feichtingerarchitectes-montreuil/project/footbridge-simone-de-beauvoir,
Abruf 30.04.2022
3
www.archello.com/project/passerelle-simone-de-beauvoir
4
www.faz.net/aktuell/technik-motor/technik/fussgaengerbruecke-mit-simone-de-beauvoir-ueber-dieseine-1575798.html
4
www.nextroom.at/building.php?id=600
94
95
Bild unten: Michael Seidel // Bild oben: www.archello.com/story/15393/attachments/photos-videos/44
Gemeinsam mit dem Büro RFR, das für die Tragwerksplanung verantwortlich
war, entwickelte der Architekt eine Kombination auch Bogen und Hängebrücke,
die sich im Viertelpunkt der Strecke kreuzen, es entsteht eine Art Linse.
Die Brücke besteht aus 1600 Tonnen Stahl, Dafür würde das Unternehmen Eifel
beauftragt. es wurde eine verschweißte Stahlkonstruktion gefertigt, weswegen
die auch weniger rostanfälliger ist. 4
Schema
Tragwerkssystem & Verankerung
Darstellungen; www.archimagazine.com/afeichtinger.htm
Text: Olha Karnaushenko
Die Struktur ermöglicht größtmögliche Stabilität bei gleichzeitiger maximaler
Leichtigkeit und Eleganz. Die Hauptstruktur ist an den Ufern im Bereich der
Auflager eingespannt. Bogen und Zugband kreuzen sich im Viertelpunkt der
Spannweite, Ein massives Gussteil stellt die durchgehende Verbindung von
Bogen und Zugband im Kreuzungspunkt her, wobei der unterspannte Zugband
gelenkig mit dem durchgehenden Bogen verbunden ist.
Das statische System ermöglicht eine Verringerung des Feldmoments. Das
Tragwerk in der Mitte besteht aus dem Druckgurt, der durch Zugbänder
unterspannt ist. Gehwege wird von einer Sekundärstruktur gebildet. Die
seitlichen Anbindungen sind vom Haupttragwerk unabhängig. 5
Der Transport der Brückenteile wurde mittels eines Schiffes ermöglich. 6
Der heutige Zustand der Brücke ist sicher, dennoch sind die Aufzüge außer
Betrieb, Die integrierte Beleuchtung in den Handläufen sitzt teilweise nicht mehr
fest, und wurde mittels Kabelbinder befestigt.
5
www.gat.st/en/node/186945
6
www.nextroom.at/building.php?id=600
96
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Bilder: Olha Karnaushenko
Bibliothèque Nationale de France
Dominique Perrault // 1995
Die von Dominique Perrault geplante und zwischen 1990 und 1996 erbaute
Bibliothèque nationale de France liegt im 13. Arrondissement, einem ehemaligen
Industriegebiet an der Seine. 1 In dem städtebaulich vernachlässigten Gebiet
sollte ein neues Zentrum in einem neuen Viertel entstehen. 2
Die Umrisse des Gebäudes werden durch vier 79 Meter hohe L-förmige Türme
markiert, welche an aufgeschlagene Bücher erinnern. Die Türme, welche in den
oberen zwölf Geschossen Buchmagazine und in den darunterliegenden Büros
beherbergen, bilden einen Rahmen für einen mittig gelegenen Garten. Dieser
zentral angeordnete Garten mit 250 Eichen, Kiefern und Birken ist um 23 Meter
vom Niveau abgesetzt³ und ist leider nicht für die Öffentlichkeit zugänglich.
Der Hauptteil des Gebäudes befindet sich in den sechs öffentlich zugänglichen
unterirdischen Geschossen, die die Rezeption, Lesesäle, Informationszentren,
Kongresssäle und Räume für Nebennutzungen beherbergen.
Die Lesesäle sind zum mittig gelegenen Garten orientiert. 4
Der über den Untergeschossen liegende, holzbeplankte Freibereich ist als
Aufenthaltsbereich im Freien organisiert und wird auch gerne von Menschen
aus der Umgebung genutzt.
Die Erschließung des Gebäudes erfolgt auf der flusszugewandten Seite
durch eine Fußgängerbrücke, auf den anderen drei Seiten durch hölzerne
Treppenanlagen. 5
Zusätzlich zur Glasfassade der aus Stahlbeton konstruierten Türme, haben diese
an der Schmalseite eine Schicht aus Aluminiumgewebe. Hinter der Glasebene
liegen vertikale holzfurnierte Lamellen, die für individuelle Belichtungen der
Büroräume sorgen.
In den Innenräumen dominiert das Konstruktionsmaterial Stahlbeton, das von
Perrault entworfene Mobiliar aus Holz sowie Matten aus Edelstahl, welche an
die Industriegeschichte des Standortes erinnern sollen. 6
Text: Jonathan Kaserer
1
Vgl. Michel Jacques: Bibliothèque Nationale de France 1989 - 1995, 1995, S. XI-XIII.
2
Vgl. Agnese Bifulco: Dominique Perrault - La Bibliothèque nationale de France portrait d’un projet 1988 -1998,
URL: <https://www.floornature.de/dominique-perrault-la-bibliotheque-nationale-de-france-portr-13681/> [Zugriff:
21.04.2022].
3,4,5
Vgl. o.A. Nationalbibliothek in Paris, in: DETAIL - Zeitschrift für Architektur + Baudetail 2 (1999), S. 237.
6
Vgl. Christian Schittich: Im Detail: Innenräume : Raum, Licht, Material, 2002, S. 128.
98
99
Bild: Jonathan Kaserer
Bilder: Jonathan Kaserer
100
101
Bild: Jonathan Kaserer
Centre Commercial Bercy 2
Renzo Piano Building Workshop // 1987-1990
Das „Bercy 2 Centre Commercial“ wurde zwischen 1987 und 1990 von dem
französischen Architekturbüro „Renzo Piano Building Workshop“ in Paris erbaut.
Wie der Name schon sagt dient das Gebäude als Shopping Center und wurde
von der Firma GRC in Auftrag gegeben.
Die Topografie und Umgebung in welcher das Bercy 2 errichtet wurde geben
dem Gebäude seine Form. Eine große, beinahe schon skulpturale, silber
glänzende Schale fügt sich in das Netz aus vielen Hauptstraßen rings herum
ein. Über 2000 qm umfasst die silberne Dachkonstruktion, bestehend aus
über 27000 Dachpaneelen, welche durch die geometrische Form der Schale
standardisiert produziert werden konnten. Überhaupt ist das Dach der
wichtigste Teil des Gebäudes, da durch seine Zweischaligkeit nicht nur eine
angenehme natürliche Belichtung im Inneren des Einkaufszentrums entsteht,
sondern außerdem zu einer guten Belüftung und einer Verlangsamung des
Wärmeaustauschs zwischen Innen und Außen beiträgt.
Der Innenraum des Bercy 2 bildet einen ziemlichen Kontrast zum Außenraum. Im
Gegensatz zu der skulpturalen Wirkung nach außen, überzeugt der Innenraum
durch seine angenehme, helle und offene Atmosphäre.
Schaut man sich den Längsschnitt des Gebäudes an, ist der Kontrast am besten
erkennbar: Innen die vielen, geraden Korridore und kleineren Geschäfte, schauen
aus wie gestapelt, während dann im nächsten Schritt die große, gewölbte Hülle
über den Bau gezogen wird.
Text: Konrad Graunke
http://www.rpbw.com/project/bercy-2-shopping-center, Abruf 29.04.2022
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103
Bild unten: Michael Wildmann // Bild oben: http://rpbw.test.metis.ice.spill.net/data/dixdigzbh/image/upload/c_limit,h_1440,q_80,w_2560/bjualg6myqtptnkhct7c
Bild: Michael Wildmann
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Bild: Michael Seidel
Siège du Parti Communiste Français
Oscar Niemeyer // Jean Prouvé // 1967-1980
Das Hauptquartier der kommunistischen Partei Frankreich war Oscar Niemeyers
erstes Projekt in Europa, nachdem er wegen seiner politischen Orientierung
Brasilien verlassen hatte, denn er war selbst Mitglied der Kommunistischen
Partei. 1 Das von 1967 bis 1980 errichtete Gebäude befindet sich in der
nordöstlichen Region von Paris und wird heute noch von der Kommunistischen
Partei genutzt.
Niemeyers Entwurfskonzept für das Projekt war ein sorgfältiges Abwägen
zwischen Freifläche und Volumen der Architektur. Sein Ziel war es, das Gelände
nur sehr reduziert zu bebauen und dafür den Grünraum für die Nutzer*innen
des Gebäudes und die Bewohner*innen der Umgebung zu maximieren. Das
erklärt auch, warum er einen großen Teil der Räume unterirdisch positionierte. 2
Leider ist das Areal heute durch einen Zaun begrenzt und für die Öffentlichkeit
geschlossen. Die von außen sichtbare Architektur umfasst einen vertikalen,
serpentinenförmigen Büroblock, den er vom Boden abhob, um weiteren
öffentlichen Raum zu schaffen und eine weiße Kuppel unter welcher sich der
große Sitzungssaal des Zentralkomitees befindet. Der Haupteingang liegt
verborgen unter dem Büroblock: nur angedeutet von einem kleinen Vordach
öffnet sich der Boden und gewährt dem Besucher Einlass in die unterirdischen
Bereiche mit ihren offenen Grundrissen.
Die Konstruktion des Gebäudes erfolgte in Stahlbetonbauweise, welche
allgemein sehr wichtig im Werk Niemeyers war. Die Materialwahl
ermöglichte ihm große Spannweiten, freie Entwürfe und Formen. Der
vom Boden abgehobene Büroblock steht auf 5 wandartigen Stützen, die
nicht nur das Gewicht der freitragenden Decken tragen, sondern auch
wichtige Versorgungskanäle enthalten. 3 Ein an der Rückseite positionierter
Erschließungskern bildet gemeinsam mit den Deckenplatten die Aussteifung.
Die Fassade aus getöntem Glas und der prägenden vertikalen Gliederung wurde
vom französischen Ingenieur und Architekten Jean Prouvé entworfen.
Text: Sarah Fuchs
1
Evan Pavka: AD Classics: French Communist Party Headquarters / Oscar Niemeyer, in: https://www.archdaily.
com/892597/ad-classics-french-communist-party-headquarters-oscar-niemeyer, Abruf 2022.05.01
2
ebd.
3
Vgl: Oscar Niemeyer: Curves of Irreverence; Styliane Philippou, Oscar Niemeyer; Yale University Press, 2008
106
107
Bilder: Sarah Fuchs
Bilder: Sarah Fuchs
108
109
Bilder: Sarah Fuchs
La Halle Pajol
JAP Architectes // Françoise-Hélène Jourda // 2008-2014
Die Halle Pajol ist ein 9600 m 2 großes Entwicklungsgebiet im 18. Arrondissement
von Paris. Es handelt sich um eine industrielle Stätte aus dem Jahr 1926, welche
verfiel und 2004 von der Stadt Paris gekauft wurde. 2007 Gewann Jourda
Architectes den Sanierungswettbewerb und im September 2014 wurde die
Halle Pajol eingeweiht, seit dem dient sie als Beispiel einer gelungenen
Aufbesserung eines problematischen Stadtgebiets. 1
Das Gebiet liegt direkt an der Gleisanlage des Gare de l’Est und umfasst
ausladende Freizeitbereiche, das Yves Robert youth hostel, welches auf
4,400 m 2 neben 330 Betten auch Veranstaltungsräume und ein Bar-Restaurant
bietet, eine Bibliothek, sowie Büros und Werkstätten. Im Norden liegen die
Jardins Rosa-Luxemburg (Gärten, Grünflächen, Spielplatz). Im Süden ist ein
Sportzentrum, im Osten die Gleisanlage des Gare de l‘Est. Im Westen der Halle
Pajol findet sich eine Fußgängerzone mit diversen Shops und Dienstleistern. 2
Holz und Stahl werden zu einem besonderen Raumgefüge kombiniert. Die
Atmosphäre wird von einem öffentlichen Garten mit Bäumen, Retentionsbecken
mit Seerosen, und wilden Blumen geprägt. [2] Die in Holzbauweise errichteten
Volumen stehen völlig eigenständig unter den bestehenden Metallrahmen
und Dächern. Die Halle erhält daher ihre historische Funktion als schützender
Schirm und wird erweitert um ein neues Gefüge im Inneren, sowie ein
modernes Solarkraftwerk. Neben den Solarpaneelen und Solarröhren sorgen
auch Kanadische Brunnen (Luft-Erdwärmetauscher) und doppelt gedämmte
Holzwände für einen insgesamt stark reduzierten CO2-Fußabdruck. 3
Der Partner der Architekten in diesem Projekt, SEMAEST ist eine, halb
städtisch, halb privatwirtschaftlich organisierte Gesellschaft, welche die
Belebung und Wiederbelebung prekärer Viertel in Paris vorantreibt. Trotz
dem hohen Preis von 32 Mio. Euro ist die Halle Pajol ein nachhaltiger
Entwicklungsansatz. 4
Text: Daniel Ornetzeder
1
Laurène Delion: La Halle Pajol, dame de bois et de fer, in: Architecture Bois & dépendance n°60, s. 90-91
2
jourda-architectes.com/projets/hall-pajol
3
architekturvideo.de/tragwerk-aus-holz-umbau-der-halle-pajol-in-paris-jourda-architectes
4
Wolfgang Kabisch: Öffentlich-private Quartierswiederbelebung, in: Bauwelt 288 vom 22.12.2020, s. 50-55
5
fr.wikipedia.org/wiki/ZAC_Pajol
110
111
Bilder: Daniel Ornetzeder
Bilder: Daniel Ornetzeder
112
113
Bild: Daniel Schürr
Fondation Cartier
Jean Nouvel // 1994
Das Gebäude der Fondation Cartier befindet sich im Pariser Stadtteil
Montparnasse und wurde im Jahr 1994 eröffnet. Der Zweck der Stiftung
Fondation Cartier ist die Förderung junger in- und ausländischer Künstler. Im von
Jean Nouvel geplanten Gebäude finden die Kunstschaffenden eine Möglichkeit
die Räumlichkeiten für Ausstellungen zu nutzen. 1
Die Gebäudekubatur ist zwölf Meter von der Straßenflucht zurückversetzt.
Dadurch wird einerseits eine Distanz zur Straße geschaffen, andererseits
entsteht ein Raum für einen Garten. Ein weiterer Aspekt für das Absetzten
zur Straßenflucht war die Rücksichtnahme auf einen Zedernbaum aus dem 19.
Jahrhundert, der jedoch beim Besuch 2022 nicht mehr vorhanden war.
Der Garten wird durch eine acht Meter hohe Glasfront vom Stadtraum und
Lärm abgetrennt, aber durch das durchblickbare Glas wieder damit verbunden. 2
Eine konzeptionelle Überlegung Jean Nouvels war es das Gebäude zu
dematerialisieren. Die Hülle aus einer Stahl-Glas Fassade ermöglicht dieses
Konzept. Durch die vorgesetzte Glaswand sowie durch auskragende
Fassadenelemente ist das tatsächliche Gebäudevolumen anfangs nur schwer
zu erfassen. Verschwommene Grenzen, Lichtreflexe, Spiegelungen und
(gespiegelte) Bäume sorgen für Verwirrung bei der Betrachtung. 3 Jean Nouvel
schafft es in der Fondation Cartier das Gebäude mit dem umgebenden Garten
zu verbinden und eine Einheit daraus zu machen.
Den Künstlern wird, durch das nahezu vollständig offen gehaltene Erdgeschoss,
eine freie Platzierung der Ausstellungstücke ermöglicht. Eine Interaktion mit der
umgebenden Gebäudehülle ist dabei ebenso möglich, wie die Bespielung des
rückwärtigen Garten durch öffenbare Glastore. In den beiden Untergeschoss
sind weitere Ausstellungsräume. Die oberen acht der neun oberirdischen
Geschosse sind Büroflächen. 4
Text: Jonathan Kaserer
1
Vgl. Sebastian Redecke: Jean Nouvel - Fondation Cartier, in: Museen für ein neues Jahrtausend - Ideen Projekte
Bauten, 1999, S. 146-152.
2 ,3 ,4
Vgl. Megan Sveiven, AD Classics: Fondation Cartier / Jean Nouvel, URL:< https://www.archdaily.com/84666/
ad-classics-fondation-cartier-jean-nouvel> [Zugriff: 21.04.2022].
114
115
Bild: Michael Seidel
Bild: Jonathan Kaserer
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Bild: Jonathan Kaserer
118
Tag 4
119
Paris-Saclay Cluster
Michel Desvigne Paysagiste // 2009 - 2021
Die Pariser Metropolregion wurde lange Zeit stetig mit der Stadt Paris als
einziges Zentrum erweitert, der Cluster Paris-Saclay bricht daraus aus. Mit
dem Ziel ein polyzentrisches Gebiet zu schaffen, werden Zentren geschaffen
und miteinander verbunden, die nicht mehr dem klassischen Muster der Pariser
Vorstädte entsprechen. Die Verkehrsknotenpunkte der einzelnen Zentren in den
Außenbezirken werden miteinander und den Flughäfen verbunden.
Die Einrichtungen am Plateau von Saclay waren vor Umsetzung des Masterplans
zersiedelt, es sollte jedoch zu einem internationalen Forschungs- und
Innovationszentrum werden. Um das zerschnittene Areal zu organisieren, wurde
eine verbindende Landschaft zwischen den einzelnen Abschnitten am Plateau
geschaffen. Da es sich um eine der wichtigsten Freiflächen in der Metropolregion
Paris handelt, wurden die Brachflächen der Landwirtschaft, am Rande des
Gebiets, beibehalten, die natürlichen Grenzen durch Bewaldung respektiert und
verstärkt, und die städtischen Viertel verdichtet.
Bestehende Hänge und Täler wurden erweitert, ebenso wie die Topographie, um
neue Straßen, Infrastrukturelemente und das Wasserwirtschaftssystem einbetten
zu können. Die verschiedenen wissenschaftlichen Cluster sind in die Landschaft
eingebettet und stehen in direktem Austausch mit dem Freiraum. 1
Text: Lisa Blenk
1
vgl. Michel Desvignes Paysagiste: Paris Saclay, Cluster, in: micheldesvignepaysagiste.com/en/paris-saclay-cluster,
Abruf: 2022.04.27
120
121
Bilder: Lisa Blenk
École Centrale Supélec - Gustave Eiffel
OMA // Clement Blanchet // 2013 - 2017
Der neue Campus der CentraleSupélec setzt sich unter anderem aus einem
40.000m2 Gebäudekomplex namens „Gustave-Eiffe – LAB-City“ von OMA
und einem 25.000m2 großen namens „Francis-Bouygues“ von Gigon/Guyer
zusammen, die gemeinsam Bildungs-, Forschungs- und Gemeinschaftsräumen,
sowie Sporthallen, Mensa oder Theater unterbringen und zusammen mit dem
Gebäude „Breguet“ aus dem Jahr 1974 ein Trio bilden.
„LAB-City“ von OMA bricht mit konventionellen, linearen und introvertierten
Laborbauten. Die Büros, Labore oder Klassenzimmer sind als Parzellen in einem
offenen Raster angeordnet, können bei Bedarf neu konfiguriert werden und
sind als separate Gebäude gedacht. 1 Der diagonale Weg durch das strenge
Raster verbindet die Ubahn mit dem Zentrum des Viertels. Innerhalb des
Gebäudes entstehen entlang der Querachse informelle Räume mit rund 2000m2
„Außenfläche“ unter einem ETFE Dach mit Sonnenschutzmuster, die das gesamte
Jahr genutzt werden können. Begegnungen zwischen den einzelnen Nutzer:innen
werden durch die offene Gestaltung gefördert, Gemeinschaftsräume können
durch externe Nuter:innen angemietet werden. Die entstandenen offenen Plätze
können ganztags genutzt werden, sowohl zum Arbeiten als auch als Freizeitraum. 2
1
vgl. Yudina, A.: OMA imagines a city within a city for a vast engineering school in Paris-Saclay, in: wallpaper.com/
architecture/lab-city-centralesuplec-oma-paris-saclay, Abruf 2022.04.27
2
vgl. OMA: Lab City CentraleSupélec, in: oma.com/projects/lab-city, Abruf 2022.04.273 Autor: Titel des Artikels, in:
www.superseite.com/projekt, Abruf 2022.04.27
122
123
Bild unten: Daniel Schürr // Bild oben: Lisa Blenk
Bild: Daniel Schürr
124
125
Bilder: Daniel Schürr
École Centrale Supélec - Francis-Bouygues
Gigon/Guyer // 2019
Das Gebäude „Francis-Bouygues“ von Anette Gigon und Mike Guyer ist mit
drei Volumen rund um eine große, zentrale Halle organisiert, die das Gebäude
als öffentlicher Raum über drei Geschosse verbindet und, neben dem Gebäude
„Gustave- Eiffel – LAB-City“ von OMA, ebenfalls Teil der École CentraleSupélec
ist. Durch drei Rücksprünge werden die Zugänge zum Gebäude definiert, es
befindet sich zwischen dem bestehenden Campus „Louis C. Breguet“, dem
neuen „Gustave-Eiffel“ Gebäude und der Natur. Emaillierte Keramikelemente
mit unterschiedlichen Strukturen und Farben als Fassade reagieren auf die
unterschiedlichen Lichtsituationen der verschiedenen Umgebungen und spiegeln
gleichzeitig die Nutzung im Inneren wider. Ähnlich wie LAB-City setzt sich das
Gebäude aus Strassen, Gassen und Plätzen zusammen, eine Topografie zieht
sich durch das Gebäude und ermöglicht Arbeit und Aufenthalt auf verschiedenen
Höhen in unterschiedlichen Raumatmosphären. 1
Durch die verglasten Dachelemente, den zentralen begrünten Innenhof und den
spürbaren Bezug zur umliegenden Natur wird ein heller, ruhiger Arbeits- und
Freizeitort für die Mitarbeiter:innen und Studierenden der Fakultäten Mathematik,
Informatik und Industrietechnik geschaffen. Zusätzlich zu Räumen für Forschung
und Verwaltung, den Lehrräumen, Laboren und den Aulen auf den entstehenden
Plätzen, befinden sich im Gebäude ebenfalls eine Sporthalle, Kantinen, ein Hotel
für die Gäste der Universität, Studios zum Musizieren oder auch Räume, die
beispielsweise eine Theateraufführung ermöglichen. 2
Bilder: Lisa Blenk
1
Gigon/Guyer Architekten: Francis Bouygues Gebäude, Ecole CentraleSupélec, in: gigon-guyer.ch/de/werk/bauten/
lehre_forschung/#francis-bouygues-gebaeude, Abruf 2022.04.27
2
Baunetz: Gigon/Guyer neben OMA., in: baunetz.de/meldungen/Meldungen-Zweiter_CentraleSupelec-Neubau_in_
Gif-sur-Yvette_5157727.html, Abruf 2022.07.13
126
127
Bild: Lisa Blenk
Bild: Daniel Schürr
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Bild unten: Lisa Blenk // Bild oben: Daniel Schürr
Lieu de Vie
Muoto // 2011 - 2016
Ebenso wie die drei Gebäude der École CentraleSupélec ist auch das „Lieu
de Vie“ (Ort des Lebens) oder auch „Public Condenser“ genannt, am neuen
Campus Paris-Saclay situiert. Das Gebäude bietet Raum für Studierende und
Mitarbeiter:innen der umliegenden Hochschulen. Der Public Condenser ist das
erste realisierte Projekt des Architekturbüros Muoto und hatte ein Budget von
6,5 Millionen Euro. Mitunter das verhältnismäßig geringe Budget führte dazu,
dass in weiten Teilen des Gebäudes das Stahlbetonskelett zur Gänze sichtbar
bleibt und nur, in Teilen in denen die Nutzung es erfordert, das Skelett durch
wärmegedämmte Metallverkleidungen, Sichtbeton, Schiebefenster und
Fixverglasungen geschlossen wurde. Sämtliche verwendete Materialen haben
geringe Instandhaltungskosten.
Die Stützen des Stahlbetonskeletts wurden vorgegossen, die Unterzüge und die
Deckenplatten in standardisierten Industrieschalungen vorgefertigt. Sämtliche
Sichtbetonflächen wurden unbehandelt belassen. Das Gebäude entspricht den
heutigen französischen Energievorschriften nicht, da das Gebäude vor 2011
genehmigt wurde - vor Inkrafttresten der aktuellen Vorschriften, und zu viele
Wärmebrücken aufweist und Großteils ungedämmt ist.
Sämtliche Geschosse werden über eine offene Treppe erschlossen, im Erdgeschoss
befinden sich vor allem Nebenräume, im darüber liegenden Geschoss eine offene
Halle. Im 2. Stock befindet sich ein Restaurant für Studierende, Mitarbeiter:innen
und Besucher:innen und im Geschoss darüber flexibel nutzbare Räume für Tanz
oder Fitness. Auf der Dachterrasse befinden sich Sportplätze. 1
Text: Lisa Blenk
1
vgl. Hildner, C.: Public Condenser in Paris-Saclay, in: baunetzwissen.de/beton/objekte/sonderbauten/publiccondenser-in-paris-saclay-5588849,
Abruf 2022.04.27
130
131
Bild: Markus Rupprecht // bild oben: Daniel Schürr
Bilder: Markus Rupprecht
132
133
Bilder: Lisa Blenk
ENS Paris-Saclay
Renzo Piano Building Workshop // 2014 - 2020
Der rund 63.000m2 große Campus für rund 3000 Studierende von Renzo Piano
Building Workshop setzt sich aus etwa zwanzig Gebäuden zusammen, die rund um
einen zentralen Garten platziert sind. Das Gebäude verfolgt einen ganzheitlichen
Ansatz mit einem modularen System, das sich in den verschiedenen Gebäudeteilen
wiederholt. Die Gestaltung ist der Funktionalität untergeordnet, durch 16m breite
Rahmen ergeben sich stützenfreie, flexible Bereiche für die einzelnen Büros,
Labore und Unterrichtsräume. Das Gebäude ist in der Lage Regenwasser zu
speichern, verfügt über Sonnenkollektoren und eine natürliche Belüftung.
Das Gebäude versucht die Bedingungen zu schaffen um Interaktion und Austausch
zwischen den Laboren und den Lehrräumen zu schaffen, unter anderem durch
transparente Wände, Zwischengeschosse und die räumliche Nähe. Die Fassade
gliedert sich in zwei Teile und besteht im Erdgeschossbereich aus extra klarem
Glas. In den oberen Geschossen besteht die Fassade in jedem Gebäude aus sich
wiederholenden modularen Elementen.
Im südlichen Teil befinden sich Cafétaria, Restaurant für rund 1000 Personen,
Empfang und ein Konferenzraum, die sich durch die transparente Fassade zur
Straße öffnen. Im nördlichen Teil befinden sich entlang eines 200m langen und
15m hohen Gangs die Bereiche für Forschung und Lehre. 1
Text: Lisa Blenk
1
vgl. Kolnaar, T.: Renzo Piano Building Workshop completes Ecole Normale Supérieure Paris Saclay, in: archello.com/
news/renzo-piano-building-workshop-completes-ecole-normale-superieure-paris-saclay, Abruf: 2022.04.27
134
135
Bild: Daniel Schürr
Bild: Lisa Blenk
136
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Bild unten: Daniel Schürr // Bild oben: Michael Wildmann
ENSAE Paristech Campus
CAB Architectes // 2017
Als Teil des Universitätscampus in Paris-Saclay konzipiert, entstand der Plan der
Architekten, die vorhandene Landschaft mit nähe zum Waldrand durch „eine
einfache Form und eine abstrakte Archtektursprache einzufangen“ eine gewisse
Leichtigkeit in der Struktur des Gebäudes zu bringen. Trotz ihrer Unerfahrenheit
im Umgang und Bau mit Stahl, folgte ihren Prinzipien zufolge der Entwurf eines
Exoskeletts aus Stahl, in das die Räume eingeschrieben werden sollten. 1
Ein Platz mit den Außenmaßen 80m x 80m und einem eingeschriebenen
Raster von 3,05m x 2,10m bildetete die Grundlage für das spätere Gebäude.
Die Tragstrutktur besteht aus HEB-Trägern in der Größe 24cm x 24cm, die
insgesamt Spannweiten von bis zu 15m überwinden müssen. Verbunden werden
diese Hauptträger über Stahlverbinder mit den Abmessungen 15cm x 15cm
mit der Außenstruktur. Diese Stahlkonstruktionen sollte gemeinsam wie ein
überdimensionales Meccano-Set (ein bekannter Metallbaukasten ursprünglich
für Kinder gedacht) montiert werden. Am Ende war es den Architekten auch
wichtig, das die Tragstruktur nicht komplett verkleidet wurde, sondern im
Innenraum sichtbar bleiben sollte. 2
In eben diesem Innenraum dieses Exoskeletts befinden sich neben
Klassenzimmern für die unterschiedlichen Studienrichtungen der Universität
auch Platz für Verwaltung und Forschung, eine Bibliothek und ein gemeinsames
Amphitheater, das als Mittelpunkt des Gebäudes fungiert. Eine weitere
Besonderheit sind die großzügigen Freiflächen, von denen besonders jene im
Erdgeschoss auch privat außerhalb der Öffnungszeiten der Universität genutzt
werden können und werden. So entsteht ein funkitonales und angenehmes
Zusammenspiel von kleinen, privaten Flächen mit großen, öffentlichen Plätzen,
die verbindend wirken und auch den universitären Kontext zugänglich machen
für öffentliche Besucher*innen. 3
Text: Johanna Czerny
1
vgl: María Francisca González, in: www.archdaily.com/886641/ensae-paristech-campus-paris-saclay-cabarchitectes,
Abruf 2022.04.29
2
vgl: www.urbannext.net/ensae-paristech, Abruf 2022.04.29
3
vgl. www.cabarchitectes.com/projets/saclay, Abruf 2022.04.29
138
139
Bilder: Johanna Czerny
Bilder: Johanna Czerny
140
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Bilder: Johanna Czerny
ALJT Studentenwohnanlage
Bruther // Baukunst // 2020
Am Rand von Paris situiert, in der Nähe des Paris-Saclay Universitätscampus,
liegt dieses große, hybride Gebäude, entworfen vom Pariser Architekturbüro
Bruther gemeinsam mit dem belgischen Studio Baukunst, das als Teil des
Palaiseau-Sektor des französischen Technologieclusters fungiert und zwei
ungewöhnliche Funktionen miteinander vereint. Die Anforderungen an den
Entwurf für eben jene Kombination, Studentenwohnanlage und Autoparkhaus,
ergeben aber durchaus Sinn, besonders hinsichtlich der Lage des Projektes. 1
Eine weitere Bedingung war, dass 50% des Parkhauses reversibel gestaltet sein
sollten, um sie, sobald die Metro bis zu dem Campus verbunden sein wird, in
Zukunft umnutzen zu können und in das Studentenwohnheim zu integrieren.
Basierend auf der Grundstücksform bildet das Gebäude sich in einer U-Form
aus, schließt straßenseitig mit seiner Grundstücksgrenze ab und umschließt
so im Inneren einen hochqualitativen Garten, das Herz des Projektes. Von den
Studentenwohnungen, die als Einzimmer- und Maisonette-Wohnungen und
als Wohngemeinschaften angeboten werden und sich aktuell in den oberen
vier Stockwerken befinden, hat man einen großzügigen Ausblick auf die ruhige
Gartenlandschaft. Die ungewöhnlichen Tonnendächer, die den oberen Stock der
Duplexwohnungen bilden, rechtfertigt der Architekt Theriot mit dem Wunsch
nach etwas Besonderem in jedem der Räume. Generell stand vorallem das
Thema Licht sehr im Vordergrund, die Flure sind natürlich belichtet und diverse
Elemente aus Glas gehalten, um angenehme Lichtverhältnisse zu schaffen. 2
„Bei ihrem Studentenwohnheim mit Parkhaus in Paris-Saclay haben Bruther
und Baukunst mit viel Aufwand ein Musterbeispiel an Prägnanz und Schlichtheit
geschaffen.“ 3
Text: Johanna Czerny
1
vgl. Leonardo Lella: Convertible student housing, in: www.arbitare.it/bruther-baukunst-student-housing-parissaclay,
Abruf: 2022.04.27
2
vgl: Andrew Ayers: Licht, Luft, Öffnung, in: Detail Magazin 2021/07-08, s.4-6
3
Andrew Ayers: Licht, Luft, Öffnung, in: Detail Magazin 2021/07-08, s.4
142
143
Bild: https://www.abitare.it/en/gallery/architecture/projects/bruther-baukunst-studentato-paris-saclay/?ref=461149#gallery
Foundation Suisse
Pierre Jeanneret // Le Corbusier // 1930-1933
Das, im Rahmen der nach Kriegsende 1925 ins Leben gerufenen „Cité
internationale“, resultierende Bauwerk läuft sowohl unter dem Begriff
„Foundation“ als auch unter „Pavillion“.
Ziel war folglich das Schaffen einer representativen Unterkunft für Schweizer
Studenten in Paris.
Verwirklicht wurde die Fundation Suisse von Le Corbusier, in Form eines
Behördenauftrags.
Förmlich lässt sich eindeutig die Handschrift der renommierten Schweizer
Architekten ablesen.
Aufgrund des schwierigen Baugrunds (ehemals eine Mine), entschieden sie sich
für ein stark reduziertes Fundament, welches sie als Zeichen des Ausdrucks und
zur Schaffung der Erdgeschosszone oberirdisch zeigten und so den Baukörper
emporhoben.
Bei dem die Form ermöglichenden Materialaufbau handelt es sich um eine
Stahlbetonkonstruktion mit Steinverkleidung.
Die 42 Studentenräume überzeugen, trotz ihrer limitierten Dimension (2.8 x
5m), dank hochfunktioneller Grundrisse, welche in Zusammenarbeit mit der
gebürtigen Pariserin Charlotte Perriand entstanden.
Auch die Orientierung Richtung Sonne in Kombination mit den großflächigen
Verglasungen wirkt als wertvoller Stimmungsträger.
Le Corbiseur gibt hiermit nicht nur den Startschuss für den „Neuen Brutalismus“
der 1950er, sondern verweist zusätzlich auf sein mit Pierre Jeanneret
entwickeltes Manifest: „Cinq points de l’architecture moderne“. 1 2
Interressierte haben die Möglichkeit zur Besichtung auserwählter Räume.
Text: Daniel Junger
1
The Swiss Pavilion History, in: http://www.fondationsuisse.fr/en/architecture-space/the-swiss-pavilion-history/,
Abruf 2022.04.29
2
Matthieu Gillabert: Die Anfänge des Schweizer Pavillons an der Cité internationale universitaire, in: http://www.
spiegelderwelt.ch/article/die-anfange-des-schweizer-pavillons-an-der-cite-internationale-universitaire.html,
Abruf 2022.04.29
144
145
Bilder: https://www.archdaily.com/358312/ad-classics-swiss-pavilion-le-corbusier
Maison Julie-Victoire Daubié
Bruther Architectes // 2013-2017
Text: Daniel Ornetzeder
Die Unterkunft für Gastwissenschaftler:innen befindet sich im 14. Außenbezirk
von Paris und steht an einem speziellen Bauplatz, direkt am Boulevard
Périphérique. Der Stadtteil ist weniger dicht besiedelt als die Innenstadt,
dafür aber viel frequentiert. In der Umgebung finden sich Sportstätten, Parks,
Cafés, Restaurants und Kultureinrichtungen, aber auch viele Verkehrsflächen.
Ganz in der Nähe befindet sich auch die Cité Internationale universitaire de
Paris. Die Lage direkt an der Autobahn macht mehrere Schutzvorrichtungen
erforderlich, darunter Mezzanin-Kellerzugangsebenen, die noch Blicke und Licht
durchdringen lassen, und leistungsstarke Schallschutzwände. Darüber hinaus
erfordert die geringe Größe des Grundstücks (nur 1.000 m2 für einen Auftrag
mit insgesamt 4.629 m2) echte volumetrische Kompaktheit.
Das Gebäude ist ein Solitär, welcher durch Erhabenheit bewusst Distanz zu
seiner Umgebung sucht aber diese, über die voll-verglaste Fassade auf den
langen Seiten, auch ins Innere lässt. Die 106 Apartments (mit einem bis vier
Zimmern) sind auf sieben Ebenen verteilt, welche über einen Aufzug und
Treppenhäuser erschlossen werden. Die Gesamthöhe des Gebäudes beträgt 25
Meter.
Die typologische Gliederung basiert auf drei parallel verlaufenden Bändern:
Zwei davon sind Wohneinheiten gewidmet, dazwischen nimmt ein Hohlband/
Laubengang alle Erschließungen auf. Der Verglaste Laubengang lässt nicht
nur Licht in die Erschließungsgänge sondern dank opaken Fenstern auch
in die Wohnungen. Im achten und letzten Obergeschoss erweitert sich die
Erschließungszone zu einer großen Gemeinschaftsterrasse und einem
Fitnessraum mit Blick auf die Stadt. 1 2 3
Die, von Landschaftsarchitekten umgesetzte Sockelzone ist sehr wirkungsvoll.
Sie erscheint offen und geschützt zugleich. Ganz besonders ist bei diesem
Projekt, dass aus dem kleinen Detail heraus bis ins große Ganze geplant wurde.
Eine harmonische Vereinigung von Funktionalismus und moderner Urbanität.
1
Karine Dana: Wohnheim für Gastwissenschaftler in Paris, in: Bauwelt vom 12.2019, s. 50-55
2
degruyter.com/database/BDT/entry/BDT_23_159/html?lang=en
3
eumiesaward.com/work/4435
146
147
Bild: Daniel Ornetzeder
Bild: Daniel Ornetzeder
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Bild: Daniel Ornetzeder
Pavillon du Bresil
LeCorbusier // 1959
Das Studentenwohnheim wurde 1957 im Auftrag der brasilianischen Regierung,
eine Residenz für brasilianische Kultur in Frankreich in Cité Universitaire gebaut.
Der Pavillon du Brésil basiert auf den Plänen von Lucio Costa. Nach dem Le
Corbusier das Design von Lucio Costa durch Änderungen verfremdet hatte,
beschloss der Architekt, seinen Namen aus dem Design zu entfernen. Das
strukturelle sowie statische Prinzip beruht auf dem Schweizer Pavillon und steht
für einen weniger komplexen Nachbild der Unite d‘Habitation. Pavillon du Brésil
gehört somit zu dem Wohntypus, dessen Konzept der Wohnmaschine zugehört. 1
Die Hauptkonstruktion besteht aus breiten tragenden Stahlbeton Stützen/
Pilotis, die das 56m lange Studentenwohnheim vom Boden abheben und fünf
Stockwerken in die Höhe geht. Die Pilotis gehen teilweise durch das kollektiven
Erdgeschoss und erzeugen einen freien Grundriss, welcher Le Corbusier als ein
sozialer Aufenthaltsort plante. Im Inneren der Stützen befinden sich sämtliche
Ver- und Entsorgungsleitungen. 2 Pavillon hat zwei sehr unterschiedliche Fassaden.
Die westliche Frontfassade zur Straße gerichtet, zeigt sich im eher transparenten,
modularen und orthogonalen Charakter Die Ostfassade richtet sich auf das
Programm im Inneren und stellt einen Kontrast zu der seriellen Struktur des
Modulors. Das Grundelement der Wohneinheit in der Westfassade ist das Quadrat
nach dem Modulor, der als Sonnenschutz und Balkon funktioniert. 3 Der zentrale
Sektor in der EG Zone wirkt autonom in der Struktur des Studentenwohnheims,
bildet aber eine horizontale Erschließung die beide Flügel und verbindetden den
darüber liegenden residentalen Teil. In der Ostseite befindet sich Cafeteria, Theater
und soziale Räume in der Westseite Bibliothek und die Administration.
Die Polychromie, mit der Le Corbusier bewusst die enge Beziehung zwischen
Individuellem und kollektivem Wohnen definierte, schafft eine durchgängige,
Identität und kombiniert Eigenschaften des „Beton brut“ mit dem klaren Rhythmus
der Farben. 4
Text: Emma Kantorkova
1
Lorenzo Zandri, Le Corbusier Maison du Bresil, https://divisare.com/projects/367080-le-corbusier-lorenzozandri-maison-du-
bresil, Abruf 2022.29.04
2
vgl: Le Corbusier Promenades ; J o s e Baltanas ;Deutsche Verlagsanstalt München 2005; s.113-115
3
Jonathan C. Molloy. „AD Classics: Maison du Bresil/ Le Corbusier“ https://www.archdaily.com/328057/adclassics-maison-du-bresil-le-corbusier>
ISSN 0719-8884; Abruf 29 Apr 2022,
4
Marcelo Puppi. https://www.ufrgs.br/propar/publicacoes/ARQtextos/ PDFs_revista_12/07_MP_
espaços_300409C.pdf
150
151
Bild unten: kevinrodriguez.myportfolio.com/la-maison-du-bresil-releve/Buch:Mein Werk Le Corbusier // Bild oben: divisare.com/projects/367080-le-corbusier-lorenzo-zandri-maison-du-bresil
Maison de l`Iran (Fondation Avicenne)
Claude Parent // André Bloc // Mohsen Foroughi // Hedar Cghiai // 1995
Die „Fondation Avicenne“ oder auch „Maison de l’Iran“ genannt wurde 1969
von den Architekten Claude Parent, André Bloc, Mohsen Foroughi und Hedar
Cghiain in Paris gebaut.
Das Gebäude ist das letzte gebaute Studentenwohnheim im Park der
„Cité Internationale Universitaire“ im 14. Bezirk von Paris. Es gliedert sich
in ein Ensemble aus mehreren Wohnheimen, darunter der Schweizer und
Brasilianische Pavillon von Le Corbusier oder der Niederländische Pavillon von
Dudok.
Nach anfänglichem Ablehnen des ursprünglichen Entwurfs von Mohsen
Foroughi und Hedar - Cghiai reichte Claude Parent seinen Entwurf ein, welcher
1968 genehmigt wurde wegen des angekündigten Besuchs des iranischen Shah.
Das 38 Meter hohe Gebäude gliedert sich in zwei vierstöckige, gefaltete
Stahlrahmenboxen auf, welche von den drei markanten, schwarzen Trägern
abgehängt sind. Charakteristisch ist außerdem die doppelte Wendeltreppe an
der Außenseite des Gebäudes, welche als Fluchttreppe dient.
Die einzelnen Zimmer in der „Fondation Avicienne“ sind über einen Laubengang
an der Fassade und einen Erschließungskern erreichbar. Im rechteckigen
Grundriss der Zimmer spiegelt sich die äußere Form des Gebäudes wider.
Charakteristisch ist der Laubengang, welcher nicht nur als Erschließung sondern
auch als Treffpunkt verstanden werden kann, sowie die Belichtung von zwei
Seiten der Zimmer.
Text: Konrad Graunke
Jurjen Zeinstra: https://dash-journal.com/maison-de-liran/, Abruf 2022.29.04.
Audrey Jeanroy: https://hiddenarchitecture.net/maison-de-liran/, Abruf 2022.29.4.
152
153
Bild unten: https://hiddenarchitecture.net/wp-content/uploads/2019/12/claude-parent_iran_22-682x1024.jpg //
Bild oben: https://hiddenarchitecture.net/wp-content/uploads/2019/12/claude-parent_iran_01.jpg
Chris Marker student housing
Éric Lapierre// 2017
Das größte Studentenwohnheim von Paris das Chris Marker Student Housing
befindet sich in der Nähe der Cite Universitaire und wurde auf einer städtischen
Busgarage errichter. In der Erdgeschosszone war nur wenig Platz für einen
Eingangsbereich. 1
Die Anlehnung ist die Erzählung aus Chris Markers Film La jetée von 1962. Der
poetische Ansatz und Idee, die Architektur, als eine Filmsequenz zu sehen, wird
durch genaue Funktionalität und Statik ausgeglichen.
Das Ortbeton Bauwerk ist von der Struktur geprägt und zeigt in der
Straßenfassade die Verteilung der Räume im Komplex. Die Diagonale stellt einen
kontinuierlichen Kaskaden - Korridor, der wie ein Weg aber auch ein sozialer
Raum funktioniert. Gleichzeitig steht er in unmittelbarer Verbindung zu den
Loggien auf der Innenseite und dem diagonalen Aufzug auf der Straßenseite.
Alle drei Elemente sind auf jeder Etage erreichbar und gehen bis zu dem
Dachgeschoß. Auf jedem Stockwerk ist der sozialer Raum von den privaten
Zimmern aus frei begehbar. 2
Auf der Fassade sind rhythmische Faltungen, die eine Wiederholung erzeugen
und so das Gebäude kleiner erscheinen lassen. Die „Parti“ dieses Bauwerkes
ist es, den Studenten ein Gefühl von Zu Hause zu vermitteln. Neben der
Programmierung sozialer Räume, die in doppelter Höhe als die 2,5m hohe
Studentenzimmer geplant sind wurden ausdrucksstarke tektonische und
formale Systeme verwendet. Die in der Frontfassade sichtbaren trapezförmigen
Betonstützen entlang der Diagonalen sind nach dem statischen Prinzip geformt
und sind in ihrem Verhältnis immer gleich, nur in der Größe unterschiedlich.
Die Faltfassade reagiert auf die lokalen Brandschutz Vorschriften, indem sie im
Brandfall eine Barriere zwischen den einzelnen Stockwerken bildet.
Bunte Keramik oder Polychromie ist von Le Corbusier inspiriert. Das Streben
nach einem neuen Standard des Studentenwohnens ist in dem Projekt sichtbar,
das das soziale Leben als eine seiner Hauptprioritäten hat.
Text: Emma Kantorkova
1
ArchitectureFoundation,100DayStudio,EricLapierrein:https://www.youtube.com/watch?v=r3acwSYrYk;Abruf2022.28.04
2
Fundació Mies van der Rohe;https://www.miesarch.com/work/4267;
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Bild: Emma Kantorkova
Bild: Moira Mandic
156
157
Bilder unten: Emma Kantorkova // Bild oben: Daniel Schürr
158
Tag 5
159
Villa Savoye
Le Corbusier // 1931
Die Villa Savoye wurde auf einem riesigen, wenig bewachsenen Grundstück
ohne einschränkende Bauvorschriften errichtet. Sie zeigt sich als einfacher
Quader mit vier gleichwertigen Seiten, der auf umlaufenden Säulen ruht. Das
darunter liegende Erdgeschoss beinhaltet die Vorhalle, Dienstbotenräume und
die Garage. 1 Das Erdgeschoss ist um ein volles Stützenraster zurückgesetzt
und dunkelgrün gehalten, sodass es im Schatten verschwindet. Dies vermittelt
den Eindruck, dass sich der Baukörper vom Boden abhebt. Die Rundung des
Erdgeschosses ist nach dem Wendekreis eines Automobils berechnet. Damit
wird die Vorfahrt zu einem ganz eigenständigen Element des Entwurfs. 2 Die
gesammte Villa wird durch eine Rampe erschlossen (Erdgeschoss bis hin zum
Solarium). Eine Treppe dient als Nebenerschließung.
Der Entwurf liegt den von Le Corbusier entwickelten „fünf Punkten zu einer
neuen Architektur“ zu grunde. 1. die Pilotis (Pfeiler), 2. der Dachgarten, 3. der
freie Grundriss, 4. das Fensterband (Längsfenster) und 5. die freie Fassade.
Der Freie Grundriss wird durch die Konzstruktionsweise die das „Maison
Domino“ zeigt ermöglicht. Die Stützen, Erschließung und die Geschossplatte
sind tragende Elemente. 1
Auch hier funktioniert die Treppe/ Rampe als psychologische Hinführung zum
Weitblick. 3
Text: Greta Pirzl
1
vgl: Fondation Le Corbusier: Villa Savoye und Gärtnerhaus,1928; https://lecorbusier-worldheritage.org/de/villasavoye-und-gaertnerhaus/
(Aufruf: 2022.04.29)
2
Fondation Le Corbusier: Villa Savoye und Gärtnerhaus,1928; https://lecorbusier-worldheritage.org/de/villa-savoyeund-gaertnerhaus/
(Aufruf: 2022.04.29)
3
Baugeschichte II, TU Wien, VO4, 2022.04.27
160
161
Bilder: Greta Pirzl
Foto: Daniel Schürr
162
163
Foto unten: Daniel Schürr // Foto oben: Michael Wildmann
La Defense
La Defense ist ein modernes Geschäftsviertel im Westen von Paris in Puteaux
und charakterisiert sich durch einen erhöhten Stadtplatz umringt von einem
Ensemble an Hochhäusern und Architektur-Ikonen. Es ist Europas größte
Bürostadt.
Das Areal entstand aufgrund des wirtschaftlichen Wachstums der sogenannten
Glorious Thirty von 1947-1973 und der Nachfrage eines modernen „Central
Business District „ nach dem 2. Weltkrieg mit der Bedingung der Erhaltung des
historischen Stadtbildes und geht bis auf Le Corbusiers Plan Voison aus den
1930er Jahren zurück. Die Standortwahl für das Vorhaben fiel auf das westlich
des Pariser Zentrums liegende Puteaux und Courbevoie, dessen Bestand in
den 1950er Jahren sich vornehmlich aus frei stehenden Häusern, kleineren
Fabriken und Höfen, natürlichen Freiflächen und Barackensiedlungen mit bis zu
7000 Bewohner zusammensetzte. Für die Umsetzung des Projektes wurden
ein Viertel der damaligen Vorstädte abgerissen. Die Wahl hängt vor allem
mit der Bedeutung der historischen Achse von Paris zusammen, an welcher
sich Sehenswürdigkeiten wie der Palais de Congres,Arc de Triomphe, dem
Theathre de Champs-Elysees, dem Luxor Obelisk und dem Louvre aufreihen. Die
Verbindung steht als moderne Erweiterung Paris im Gegenüber zum historische
Stadtzentrum und war der erste Übergang der historischen Ache über die Seine
außerhalb von Paris. 1
1958 kaufte das neu gegründete Staatsunternehmen EPAD das Areal und
startete die Projektentwicklung für das neue Geschäftsviertel. Mit den
Architektur-Ikonen La Grande Arche und CNIT entstanden mehr als 30
Hochhäuser und eine 1,2 Kilometer und 250 Meter breite Fußgängerzone in
einer Überlagerung von urbaner Funktionen. 2
Text: Tevo Silbersiepe
1
Vgl. Horn, Christian:LA DÉFENSE, A UNIQUE BUSINESS DISTRICT – FRANCE.
< http://urbanplanet.info/urbanism/la-defense-a-unique-business-district-france/> [Zugriff. 26.04.2022 20:46]
2
Vgl. < https://parisladefense.com/en/territory-strategy/ > [Zugriff. 26.04.2022 21:18]
164
165
Bild unten: Michael Wildmann // Bild oben: CHARLES PLATIAU/REUTERS
CNIT
Robert Camelot // Jean de Mailly // Bernhard Zehrfuss // Jean Prouve //
Cuno Burllmann // Nicolas Esquillan // 1958/2009
Text: Tevo Silbersiepe
Das CNIT ist bis heute die größte Schalenkonstruktion aus Stahlbeton mit 218
Meter Spannweite und einer Höhe von 46 Meter. Das Gebäude wurde auf dem
ehemaligen Gelände der Zodiac-Fabrik in Puteaux erbaut als Ausstellungshalle
des Verbandes der französischen Maschinenbauunternehmen und ist eines
der ersten Gebäude des Geschäftsviertel La Defense im Westen von Paris. Der
Bauplatz, mit dreieckigem Zuschnitt, gab dabei die Grundrissform vor.
Jean de Mailly lieferte die entscheidende Skizze für die gigantische
Gewölbestruktur. 1
Für die Tragwerksplanung wurden unter anderem die damaligen Pioniere
für Stahlbeton-Konstruktionen Pier Luigi Nervi und Eugene Freyssinet
konsultiert, welche allerdings keine überzeugende Konzepte lieferten. Den
letztlich entscheiden Vorschlag für die Konstruktion gab Nicolas Esquillan, der
Technische Leiter einer der am Bau beteiligten Unternehmen. Er schlug eine
2-schalige, aus sechs gleichförmigen Segmenten bestehende Dachkonstruktion
vor. Im Inneren jedes Segments verlaufen je zehn Stahlbetonrippen radial
von den Auflagern zum Gewölbescheitel. Die Schalen sind an den dünnsten
Stellen nur 65 mm dick, die vorgefertigten Rippen haben eine Breite von 60
mm und eine Höhe zwischen 1,9 und 2,7 m. Um den seitlichen Gewölbeschub
aufzufangen, sind die drei Auflager durch insgesamt 44 unterirdische Zugseile
aus Stahl verbunden. Der Bau der Betonschale wurde in drei Abschnitten von
innen nach außen erbaut.
Die filigrane Stahlfassade erstand aus den Entwürfen von Jean Prouve.
Lange war das CNIT prägend im Stadtbild, erlitt aber im Jahr 1978 mit dem Bau
einer Fußgänger-Plattform eine optische Tieferlegung und wird heute von 42
Hochhäusern mit mehr als 90 m Höhe umringt.
1988 wurde Umbauten vor allem im Inneren vorgenommen. Dabei wurde die
innere Nutzfläche auf 200 000 m 2 verdoppelt und zusätzliche Büro- und
Ladenflächen eingebaut, wodurch die Großzügigkeit und Licht im Innenraum
stark eingeschränkt wurden. 2009 wurde mit der Umstrukturierung unter
Leitung von Cuno Brullmann der Bestand der Büro-und Ladenflächen wieder
verkleinert und die Fußgänger-Plattform teilweise zurückgebaut, sodass
die Erlebbarkeit der Höhe teils wiederhergestellt werden konnte. Das CNIT
beinhaltet heute eine Mischnutzung als Einkaufszentrum, Hotel und Mietbüros. 2
1
Vgl. CNIT – Center of New Industries and Technologies <https://en.wikiarquitectura.com/building/CNIT-Center-of-
New-Industries-and-Technologies/> [Zugriff 29.04.2022 12:53}
2
Vgl. Schopf, Jakob: Ingenieurbaukunst: Das CNIT in Paris. DETAIL structure 4/2019 S.4-5
166
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Bild unten: Cro&Co // Bild oben: Tevo Silbersiepe
Bild unten: Jakob Schopf DETAIL structure 4/2019 // Bild oben: Cro&Co
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Skizzen: Tevo Silbersiepe
La Grande Arche de la Defense
Johann Otto von Spreckelsen // Paul Andreu // 1984-1989
La Grande Arche wurde als Monument für das zweihundertjähriges Jubiläum der
französischen Revolution errichtet und gehört zu den bedeutenden Werken der
Architektur des 20. Jahrhundert.
Der dänische Architekt Johann Otto von Spreckelsen gewann mit seinem
Konzept, den Wettbewerb für ein modernisierten Arc de Triomphe unter
anderem aufgrund der „Reinheit und Stärke“, wie der damalige Präsident
François Mitterand erklärte. 1
Der 110 Meter hohe, tiefe und breite Baukörper vervollständigt die große
städtebauliche Sichtachse „Axe historique“ vom Zentrum bis in den Westen von
Paris im Geschäftsviertel La Defense und steht repräsentativ für das Gefälle der
Geschichte und Zukunft der Stadtentwicklung der Metropole.
Das Gebäude besteht aus einem Rahmen aus vorgespanntem Beton und zwölf
Stützen aus Stahlbeton, zwischen denen Platten zur Absorption der Vibration
eingebaut sind. Der Rahmen wurde ursprünglich mit 2.800 opaken Glaspaneelen
und 350.00 Platten aus italienischem Cararra Marmor verkleidet, der sich aber
auf Grund seiner Wetterempfindlichkeit als sehr problematisch erwies. Deshalb
wurde 2011 der Cararra Marmor durch Granit-Scheiben ersetzt. 2
Nach von Spreckelsen Tod 1987 übernahm der französische Architekt und
Ingenieur Paul Andreu die Fertigstellung des Bau.
Er fügte den als wolkenartig wahrgenommene Teflon-Membran-Sonnenschutz
im Atrium zum Entwurf hinzu. Die Membran wird mit gespannten Seilen an
der Fassade befestigt und bietet Schutz vor Wind, Witterung und Licht bei
gleichzeitigen Durchlass dieser Elemente.
Des Weiteren befindet sich in Atrium der freistehende und verglaste Aufzug,
der einen einzigartigen Blick auf die historische Achse und den ca. 6 Kilometer
entfernten Arc de Triomphe
Der Grande Arche beinhaltet vornehmlich Büroräumen, aber auch eine
Ausstellungshalle im obersten Geschoss und in unteren Geschossen ein
Einkaufszentrum sowie ein Kino. 3
Text: Tevo Silbersiepe
1
Vgl. Reading Office: Johann Otto von Spreckelsen. https://readingoffice.com/johann-otto-von-spreckelsen/
[Zugriff 25.04.2022 21:37]
2
Vgl. Discovery UK: Why The Marble Panels Of The Grand Arch in Paris Started To Fall Out? | Massive
Engineering Mistakes
3
Vgl. Edwards, Sarah: „AD Classics: Grande Arche / Johann Otto von Spreckelsen“ 11 Aug 2011. ArchDaily.
https://www.archdaily.com/153650/grande-arche-johann-otto-von-spreckelsen [Zugriff: 25.04.2022 21:58]
170
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Bilder: Tevo Silbersiepe
Skizzen: EUmiesaward
172
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Bild: highrise.axxio.net
Maisons Jaoul
Le Corbusier // 1955
Die konkrete Aufgabe war, die Familie des Auftraggebers und die seines Sohnes
auf einem Grundstück unterzubringen. Die ersten Pläne und Entwürfe stammen
aus dem Jahr 1937. Gebaut wurden die Häuser erst nach dem Krieg, ab 1953.
Das Grundstück ist rund 1000 m 2 groß, die beiden Häuser “A” und “B” jeweils in
etwa 300 m 2 . Sie Teilen einen Garten, Keller und die betonierte Terrasse. 1
Die Backstein- und Betonhäuser halten jenen Moment fest, in dem Le Corbusier
sich dem «neuen Brutalismus» zuwendet. Sie leiten eine neue Phase seines
Lebenswerkes ein, was auch mit der Repression und Zerstörung der Kriegszeit
einhergeht, nach welcher es neue Anforderungen an die Architektur gab.
Grob gefügte Backsteinmauern tragen, glatte, massive Betonelemente, welche
als katalanische Gewölbe die Räume im Inneren überspannen. Die Materialien
werden zur Schau gestellt, unverputzte Ziegel, roher Beton und Naturholz. Es
wurde auf schlanke Stützen und Leichtigkeit verzichtet, die Baukörper ruhen
am Boden. Anstatt von Dachterrassen sind die Flachdächer üppig begrünt. An
Stelle von Bandfenstern wurden Lichtöffnungen, je nach Bedarf im Innenraum,
asymmetrisch angeordnet. Die Häuser sind durchzogen von spielerischen
Ideen, alles bis ins kleinste Detail durchdacht. Die Kraftableitung ist von Außen
ersichtlich, es entsteht eine Harmonie der Proportionen. Angeblich kam bei
diesem Projekt auch erstmals der Modulor, Le Corbusiers Maßsystem mit
menschlichen Maßen, zum Einsatz. 2
Michel Jaoul, der Sohn des Auftraggebers André Jaoul, war als Architekt bei
Le Corbusier angestellt, und später auch mit der Renovierung beauftragt. Die
Familie Jaoul lebte viele Jahre dort bis es 1987 zu Verkauf und Restaurierung
kam. Die Häuser sind Privateigentum und generell nicht für Besucher offen.
Seit 1966 sind die Gebäude als historische Monumente geschützt.
Text: Daniel Ornetzeder
1
en.wikipedia.org/wiki/Maisons_Jaoul
2
Christian Simene: Les maisons Jaoul, chefs-d’œuvre signés Le Corbusier à Neuilly-sur-Seine, in AD, 2021
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175
Bild: Daniel Ornetzeder
Bild: Daniel Ornetzeder
176
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Bild: Daniel Ornetzeder
Maison La Roche
Le Corbusier // Pierre Jeanneret // 1923-1925
In einer ruhigen Wohngegend im Westen von Paris befindet sich hinter einer
versteckten Zufahrt das 1925 fertiggestellte, durch Le Corbusier und seinen
Cousin Pierre Jeanneret geplante Doppelhaus, die Villen La Roche-Jeanneret,
eine für den Banker und Kunstsammler La Roche, die andere für Le Corbusiers
Bruder und dessen Familie. Bei dem Entwurf lassen sich bereits die wenige
Jahre später publizierten 5 Punkte zu einer neuen Architektur ablesen. Von
außen zeigt sich eine mediterran-weiße Fassade mit großen, querformatigen
Fenstern die eine gute Belichtung zulassen. Senkrecht zum Hauptflügel
schwebt La Roche‘s Gemäldegalerie von Pilotis getragen in der Luft und am
Dach befindet sich ein Garten. Dahinter steht das bei Le Corbusier bekannte
statische Prinzip von Pfeilern und Stahlbetonboden- und Deckenplatten mit
einer oder mehrerern stabilisiernden Treppenanlagen. Die Fassade löst sich
somit vom Tragwerk ab und kann frei gestaltet werden. 1
Das Gebäude folgt einer strengen, L-förmigen Geometrie, die durch den zweigeschoßigen
Galerie-Anbau mit gekrümmter Fassade aufgebrochen wird. An
dem Kreuzungspunkt des L‘s befindet sich ein hohes, großzügiges Vorzimmer,
von dem aus die Erschließung stattfindet. Eines der ersten Male findet
sich das Raumerlebnis des promenade architecturale in diesem Haus - eine
Reihe an Gestaltungsmethoden wie Farbe, Licht, Schatten, verjüngende und
breiter werdende Räume, Treppen und Rampen leiten den Besucher bei stets
wechselnden Blickbeziehungen zirkulär durch das Gebäude. Die Farbgebung,
zu der Zeit noch ungewöhlich, gleicht das weitgehende Fehlen von sichtbaren
Materialien aus und beeinflusst die räumliche Dimension - je nach Offen- und
Geschlossenheit variiert der Farbton. 2
Maison La Roche war ein Haus, das den Weg für innovative räumliche Konzepte
bereitete und in dem Le Corbusier die ersten vorläufigen Konzepte seines
Purismus in die Architektur übersetzte. 3 Das Gebäude ist heute als Museum zu
besichtigen und in einem sehr guten Zustand.
Text: Heidi Kresbach
1
Guide d‘Architecture Paris 1900-2008; Éric Lapierre; Editions du Pavillon de l‘Arsenal, Paris, 2008; s.1924
2
Le Corbusier. Les Villas La Roche-Jeanneret / The Villas La Roche-Jeanneret; Sbriglio, Jacques; Birkhäuser, Berlin,
München, Boston, 2015; s.XX-XX
3
Gayla Jett Shannon: Le Corbusier and the Daughter of Light: Color and Architecture of Maison La Roche, in:
Journal of Interior Design 45, 2020/4, s.33-50
178
179
Bilder: Michael Wildmann
Bilder: Heidi Kresbach
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Bild unten: Heidi Kresbach // Bild oben: Daniel Schürr
Appartement - Atelier de Le Corbusier
Le Corbusier // Pierre Jeanneret // 1931-34
Das Wohnatelier von Le Corbusier liegt in den zwei oberen Etagen des
Molitor-Gebäudes und wurde zwischen 1931 und 1934 von Le Corbusier und
Pierre Jeanneret entworfen und erbaut. Seine Ost-West-Ausrichtung und
das außergewöhnliche Umfeld schaffen die Voraussetzungen für eine „Ville
Radieuse“. Dieses Wohngebäude-Projekt bietet für Le Corbusier die Gelegenheit,
die Gültigkeitsdauer seiner Vorschläge in Bezug auf den Urbanismus zu prüfen.
Die Abwesenheit des Gegenüber erlaubte den Architekten, vollkommen
verglaste Wände hochzuziehen und so das erste Glasgebäude in der Geschichte
der Architektur zu erschaffen. Das durchgehende Apartment von Le Corbusier
ist lichtdurchflutet und beherbergt auch das Malatelier des Architekten. Le
Corbusier wohnte in diesem Terrassen-Apartment von 1934 bis zu seinem Tode
im Jahre 1965. Der Ort zählt seit Juli 2016 zum Unesco-Weltkulturerbe. 1
1
https://de.parisinfo.com/museen-sehenswurdigkeiten-paris/71441/Appartement-atelier-de-Le-Corbusier,
abgerufen am 21.07.2022
182
183
Bild: Michael Wildmann
Bild: Michael Wildmann
184
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Bilder: Michael Wildmann
Palais de Tokyo
Lacaton Vassal // 2002 & 2012
Das 1937 im Zuge der Weltausstellung errichtete Gebäude beherbergte in seiner
frühen Bestehensphase zwei Museen moderner Kunst. Nachdem das nationale
Museum moderner Kunst („musée national d‘art moderne“) in den 70er Jahren
ins Centre Pompidou übersiedelte, wurde der Westflügel, in dem heute das
„Palais de Tokyo“ untergebracht ist, viele Jahre lang vernachlässigt und nur
unregelmäßig genutzt. Nach einer Sanierung im Jahr 2002 und einer späteren
Erweiterung im Jahr 2012 durch die Architekt*innen Anne Lacaton und Jean-
Philippe Vassal wurde der Westflügel wieder für die Öffentlichkeit geöffnet und
dient nun als Zentrum zeitgenössischer Kunst. 1 Zugänglich ist das Gebäude zu
den Öffnungszeiten des Museums.
Bei der Restaurierung wurden die Materialien und die ursprüngliche Struktur -
eine massive Tragkonstruktion aus Stahlbeton - des Gebäudes bewahrt. Statt
umfassende Änderungen vorzunehmen, entschieden sich die Architekt*innen
den „nackten“ Rohbau zu inszenieren. Das Ergebnis ist ein industriell
anmutender Raum, mit offenen Grundrissen und in dem Konstruktion und
Gebäudetechnik nicht versteckt, sondern bewusst gezeigt werden. Das Palais
de Tokyo unterscheidet sich damit durch seine Rohheit und Patina von der
typischen „Reinraumatmosphäre“ anderer Museen. 2
Sehr pragmatisch wurde der Entwurf weiters bestimmt durch technische
Anforderungen an die Stabilität der Struktur, durch Sicherheitsvorschriften
und Vorgaben der Barrierefreiheit sowie durch den technischen Ausbau. 3 In
dieser bewahrenden und pragmatischen Haltung spiegelt sich die Handschrift
der Architekt*innen wider: bei ihren Projekten geht es nicht primär um
große Entwürfe und ausgefallene Konzepte. Stattdessen reduzieren sie bei
Restaurierungen aufwändige und kostspielige Eingriffe sowie den materiellen
und finanziellen Ressourcenaufwand auf ein Minimum. 3
1
Vgl. oV.: Le lieu & son histoire, in: https://palaisdetokyo.com/lieu-et-son-histoire/, Abruf 2022.04.27
Text: Sarah Fuchs
2
Vgl. Lacaton & Vassal: Palais de Tokyo Expansion / Lacaton & Vassal, in: https://www.archdaily.com/248026/
palais-de-tokyo-expansion-lacaton-vassal, Abruf 2022.04.24
3
Vgl. oV.: Palais de Tokyo, Paris, in: https://arquitecturaviva.com/works/palais-de-tokyo-10, Abruf 2022.04.27
4
Vgl. Iñaki Ábalos: Bartleby, the Architect, in: https://www.platjournal.com/articles/bartleby-the-architect, Abruf
2022.04.27
186
187
Bild: Sarah Fuchs
Bild: Sarah Fuchs
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Bilder: Sarah Fuchs
190
Tag 6
191
Musee du Quai Branly
Jean Nouvel // 2006
Das Museum für außereuropäische Kunst und Kultur in Paris ist ein
schwebendes Brückengebäude aus Stahl, das im Innern einen einzigen großen
Ausstellungsraum formt. Den zentralen Weg umgeben die vier geografischen
Abteilungen: Afrika, Amerika, Asien und Ozeanien.
Der Kunsthändler und damalige Staatspräsident Jacques Chirac entschieden
sich die außereuropäische Kunst unter einem Dach zu bringen. Anfangs haben
die Mitarbeiter des Musée l‘homme darüber gestreikt, da sie eine Zerschlagung
der Sammlung befürchtet haben und kritisierten das inhaltliche Konzept. Da
dieses nicht wie üblich die Ausstellungsstücke unter völkerkundlichen, sondern
ausschließlich unter künstlerischen und ästhetischen Gesichtspunkten in Szene
setzt. Trotz der Kritik wurde das größte Museum verwirklicht und liegt zwischen
Quai Branly und Rue de l’Université. Zu der viel befahrenen Straße Quai Branly
wird das Grundstück durch eine riesige Glaswand abgeschirmt, die sich dem
Verwaltungsgebäude anschließt.
Die 4750 Quadratmeter große Galerie verzichtet völlig auf Wände, ist aber
wegen der Dichte der Ausstellungsvitrinen nie ganz zu überblicken. 1
Der 220 Meter lange Baukörper besteht aus zwei unabhängigen Teilen,
die durch eine Dilatationsfuge voneinander getrennt sind. Die beiden
Geschossdecken werden aus einem geschweißten Gitterwerk aus Stahlbalken
gebildet und ruhen auf Rundrohrstützen aus Stahl, die oben und unten gelenkig
gelagert sind. Die Aussteifung in Querrichtung wird durch drei Stahlbetonkerne
im westlichen Teil sowie durch einen Stahlbetonkern und einem Stahlrahmen
im östlichen Teil erreicht. Acht horizontale Verstrebungen, die einerseits an den
Betonkernen, andererseits am Stahltragwerk der beiden Geschossebenen fixiert
sind, gewährleisten die Abtragung der Horizontalkräfte. 2 3
Text: Olha Karnaushenko
1
www.nextroom.at/building.php?id=28618&inc=artikel&sid=26714
2
https://www.szs.ch/wp-content/uploads/2017/08/2007-01_4_d_Museum-Quai-Branly-Paris.pdf
3
www.france.fr/de/paris/artikel/das-musee-quai-branly-paris
192
193
Bilder: Roland Halbe: /www.archdaily.com/914842/musee-du-quai-branly-ateliers-jean-nouvel/5cae5c36284dd1e5fc0001df-musee-du-quai-branly-ateliers-jean-nouvel-photo
Grafiken: Jean Nouvel
4
www.de.parisinfo.com/museen-sehenswurdigkeiten-paris/199208/Musee-du-quai-Branly-Jacques-Chirac
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195
Bilder: Karnaushenko Olha
Maison de Verre
Pierre Chareau // Bernard Bijovet // 1932
Das Maison de Verre, französisch für Glashaus, wurde zwischen den Jahren
1928 und 1932 erbaut. Es entstand in der Zusammenarbeit der Architekten
Pierre Chareau und Bernard Bijvoet sowie dem Schlosser Louis Dalbet.
Auftraggeber für das Wohnhaus war das Ehepaar Dalsace. Im Erdgeschoss des
Wohnhauses wurde zudem eine Praxis für den Arzt untergebracht. 1
Das im Hinterhof eines Hotels liegende Gebäude ist Teil eines
Bestandsgebäudes, bei dem das obere Geschoss und somit auch das
Konstruktionsskelett nicht abgebrochen werden konnten. Dadurch musste die
bestehende Konstruktion in den Entwurf aufgenommen werden. 2
Durch die Freilegung der Stützen-Träger Konstruktion aus Stahl und die
Materialwahl ist ein Bekennen zur Materialehrlichkeit ersichtlich. Neben Stahl,
Glas und Glasbausteinen wurden Materialen und Interior vorwiegend aus der
Industrie, wie gummierte Fußbodenbeläge, Metallgewebe Industrielampen und
mechanische Vorrichtungen verwendet. 3
Durch das Konstruktionsprinzip und verschiebbare Wände und Paneele
sind transformative Räume sowie mehrgeschossige offene Räume möglich.
Raumbezüge und räumliche Verbindungen sind dadurch ebenfalls möglich.
Die unterschiedlich eingesetzten Glasmaterialien in Verbindung mit
Metallgeweben lassen unterschiedliche Lichtsituationen im Inneren und Bezüge
nach Außen entstehen. 4
Text: Jonathan Kaserer
1
Vgl. Marshall Bronwyn: Maison de Verre by Pierre Chareau + Bernard Bijvoet. 2016, URL: < https://www.
yellowtrace.com.au/maison-de-verre-paris-pierre-chareau-bernard-bijvoet/> [Zugriff: 21.04.2022].
2
Vgl. Emma Cheatle: Part-Architecture: The Maison de Verre, duchamp, Domesticity and Desire in 1930s Paris, 2017,
S. 17-18.
3
Vgl. o.A.: Bernard Bijvoet & Pierre Chareau Maison de Verre 1928–1932, URL: <https://atlasofplaces.com/
architecture/maison-de-verre/> [Zugriff: 21.04.2022].
4
Vgl. Bronwyn, 2016.
196
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Bild: Jonathan Kaserer
Bild: Jonathan Kaserer
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Bild: Jonathan Kaserer
Aparements Ave. Maréchal Fayolle
SANAA // Extra Muros SAS d‘Architecture // 2019
Dieser soziale Wohnbau von SANAA wurde 2019 fertiggestellt und befindet sich
im Westen von Paris, auf der einen Seite umgeben von klassischen Gebäuden
die der Stadtplanung Haussmanns zuzuschreiben sind, auf der anderen Seite
angrenzend an den Bois de Boulogne. Der Wohnkomplex setzt sich aus vier
unterschiedlichen, organisch geschwungenen Gebäudevolumen zusammen,
die aufeinander reagieren und ineneinander zu fließen scheinen, dennoch
eigenständig funktionieren und im Zwischenraum mehrere Freiflächen
aufspannen. Die Verteilung der Gebäude ist von einer inhärenten Dynamik
geprägt: die Höfe scheinen sich zu öffnen und zu schließen, stellen einen
Übergang zwischen der Stadt und dem privaten Wohnraum her und erweitern
den Grünraum quasi in den Gebäudekomplex hinein. 1
Die Wohnhäuser selbst sind als Pfahlbauten mit vier Geschoßen aus Stahlbetondeckenplatten
und aussteifenden Kernen ausgeführt. Durch die Aufständerung
wird ein transparentes, freies Erdgeschoss ermöglicht, das nur an manchen
Stellen durch fixe Kerne aus Sichtbeton und Streckmetall für die Eingänge und
Fahrradräume unterbrochen wird, ansonsten aber die umgebende Landschaft
in die Gebäude hinein ziehen lässt. Die gekrümmten Fassaden ermöglichen
insgesamt 100 Wohnungen mit mehreren Ausrichtungen und viel natürlichem
Licht und guter Durchlüftung. Die Wohnungsgrundrisse sind im Kontrast zum
äußeren Erscheinungsbild streng orthogonal, lassen jedoch unterschiedlichste
Wohnsituationen zu. Die Vielfalt der Fassadenkurven erzeugt eine wechselnde
Wahrnehmung des Projekts von der Straße aus. Manchmal erscheint es als eine
fortlaufende Reihe welliger Oberflächen, manchmal nimmt man nur schlanke
Baukörper mit Lücken dazwischen wahr, durch die benachbarte Gebäude zu
sehen sind. Der weiße Stucco-Putz nimmt Bezug auf Pariser Steinfassaden und
reflektiert die Farben des Himmels und des Parks, wodurch die Gebäude in ein
weiches Farbspekrum getaucht werden, je nach Jahres- und Tageszeit . 2 3 Das
Areal ist eingezäunt und der Zugang stark reguliert - nur Anwohner können sich
zwischen den Gebäuden bewegen.
Text: Heidi Kresbach
1
Hana Abdel: Apartments on Ave. Maréchal Fayolle / SANAA, in https://www.archdaily.com/936122/apartmentson-ave-marechal-fayolle-sanaa,
Abruf 2022.04.12
2
Elizabeth Stamp: SANAA Completes an Elegantly Designed Social Housing Complex in Paris, in: https://www.
architecturaldigest.com/story/sanaa-completes-elegantly-designed-social-housing-complex-in-paris, Abruf 2022.04.12
3
WA Contents: SANAA‘s Social Housing Complex Composed Of Organic Forms, in https://worldarchitecture.org/article- links/
eemff/sanaa-s-social-housing-complex-composed-of-organic-forms-in-paris-photographed-by-vincent-hecht.html, Abruf 2022.04.19
200
201
Bild links oben: https://worldarchitecture.org/article-links/eemff/sanaa-s-social-housing-complex-composed-of-organic-forms-in-paris-photographed-by-vincent-hecht.html //
Bild rechts oben und unten: Heidi Kresbach
Bild oben: https://www.archdaily.com/936122/apartments-on-ave-marechal-fayolle-sanaa?ad_medium=gallery. // Bild unten: Heidi Kresbach
202
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Bilder: Heidi Kresbach
Batiment Home
Hamonic+Masson & Associés // 2010
Die Mitglieder des Pariser Rates haben auf der Stadtratssitzung am 16.
November 2011, die städtischen Vorschriften für den Sektor Masséna-
Bruneseau im südöstlichen 13. Arrondissement von Paris überarbeitet. Diese
Änderung ermöglicht den Bau von Wohntürmen mit einer Höhe von 50 Metern
und von Bürogebäuden mit einer Höhe von bis zu 180 Metern. 1
“Home“ ist das erste Wohnhochhaus, das seit den 1970er Jahren in Paris gebaut
wurde. Es liegt daher eine große Verantwortung, der Vorreiter des neuen
Ansatzes für vertikales Wohnen im städtischen Umfeld zu sein. Die Debatte um
die Höhe in Paris steckt fest zwischen einer Vision der Vergangenheit und dem
Wunsch, voranzukommen, etwas Neues zu beginnen, die Stadt als Chance für
neue Horizonte neu zu betrachten.
Es geht also weder darum, die Vergangenheit zu ignorieren, noch auf Fehler
zu schauen, die zuvor begangen wurden, sondern das ursprüngliche Erbe
zu überdenken, um das heutige Image in Frage zu stellen. Wir müssen in die
Vergangenheit blicken, um voranzukommen und die Zukunft mit Ehrgeiz
zu ergreifen. Paris bleibt ein Ort der Erfindung und verkörpert die Werte
der Moderne. Die Geschichte der Stadt ist ein Beweis für ihre ständige
Neuerfindung im Laufe der Jahrhunderte. 2
Das Gebäude ist ein Aussichtsturm. 3
Die Wohungen stapeln sich in einer Stahlbetonstruktur nach oben, wobei je eine
Wohnung ein Stockwerk einnimmt. Jedes Apartment ist individuell zur Sonne
ausgerichtet sowie auch der Baukörper.
Text: Lukas Notheis
1
https://archipendium.com/en/architecture/batiment-home-zac-massena/ 28.4.22 17:45
2
https://www.architonic.com/de/project/hamonic-masson-associes-batiment-home-zac-massena-parisxiii/5103555
28.4.22 17:15
3
http://www.hamonic-masson.com/Batiment-Home-ZAC-Massena-Paris-XIII?lang=en 15.6.22 18:00
204
205
Bild: https://images.skyscrapercenter.com/building/batiment-home-zac-massena_takuji-shimmura4.jpg
La Coulée Verte
Patrick Berger // Philippe Mathieux // Jacques Vergely // 2014
La Coulée Verte oder auch Promenade Palntée genannt, ist ein Park welcher
sich auf einer ehemaligen Bahntrasse das den Osten von Paris zieht. Das grüne
Band erstreckt sich über eine Länge von 4,5 Kilometer begonnen an der Opéra
Bastille, verläuft es über die Avenue Daumesnil bis zum Jardin de Reuilly und
erreicht die Porte Dorée und den Bois de Vincennes. 1
Der Coulée Verte René-Dumont wurde auf der alten Strecke der Eisenbahnlinie
Vincennes Bahnlinine gebaut, welche seit 1859 die Station Bastille mit Verneuill‘Étang
verbunden hat. Der Betrieb wurde eingestellt und nach dem Bau der
Opéra Bastille, für die der Bastille Bahnhof abgerissen wurde, gab es erste
Ideen, die alte Bahnlinie in einen Park zu transformieren. 2
Die Idee der Promenade wurde von dem Architekten Philippe Mathieux
gemeinsam mit dem Landschaftsarchitekten Jacques Vergely entwickelt und
war Teil der Aufwertung und Umgestaltung postindustrieller Strukturen des
Pariser Ostens. Den Planern ist es gelungen, die wilde Vegetation, die einst
die Umgebung der Eisenbahnlinie überwuchert hatte, mit einer moderneren
Landschaftsgestaltung zu verbinden. Die Interventionen bieten einen Grünraum
welcher sich als abenteuerreicher, einzigartiger Spaziergang in teilweise zehn
Metern Höhe über Viadukte und Brücken erstreckt und einen sogar unter die
Erde durch verschiedene Tunnel führt. 3
Das Viadukt wurde vom Architekten Patrick Berger simultan mit dem erhöhten
linearen Park saniert, der als Promenade die das 12. Arrondissement durchquert,
angelegt wurde. Die Räumlichkeiten, die sich in den Bögen des Viadukts
befinden, werden von Pariser Kunsthandwerker benutzt. Die teilweise am
Schaufenster angeordnet Werkstätten lassen es zu die Entstehung zahlreicher
Kreationen hautnah mitzuerleben. 2
Text: Elena Meister
1
Coulée verte René-Dumont, in: https://paris.sehenswuerdigkeiten-online.de/sights/coulee-verte.html Abruf
2022.28.04
2
De Bastille à Vincennes par la coulée verte, in: https://www.paris.fr/pages/de-bastille-a-vincennes-par-la-couleeverte-4932
Abruf 2022.28.04
3
Djamil Benghida, Sonia Benghida: La créativité dans la réhabilitation urbaine: Le Viaduc des Arts à Paris, 2017
206
207
Bilder unten: Elena Meister // Bild oben: Michael Wildmann
208
Tiers Lieux
209
La Ferme du Rail
Grand Huit // 2014-2019
Die Ferme du Rail ging als Gewinner des Projektaufrufs Réinventer Paris hervor,
im Zuge dessen innovative Vorschläge für 23 Grundstücke in städtischem
Besitz gesucht wurden. Das Hybridprojekt aus der Feder des Büros Grand Huit
verbindet urbane Landwirtschaft und soziale Wiedereingliederung.
Zwei Gebäude rahmen den asymmetrischen Bauplatz an den Schienen
der aufgelassenen Pariser Ringbahn (Petite Ceinture): Das eine ein
Wohngebäude mit einer Übergangsunterkunft mit 15 Plätzen für Obdachlose
oder Personen in prekären sozialen Verhältnissen und Wohnungen für 5
Lehrlinge der Gartenbauschule École du Breuil; das andere ein Restaurant
bzw. Versammlungsraum mit darüberliegendem Gewächshaus. Im Anbau wird
mit Techniken der Permakultur und Aquaponik gearbeitet; nicht nur der Hof,
sondern auch die Dächer sind bepflanzt. Im öffentlich zugänglichen Restaurant
wird der Ertrag des städtischen Bauernhofs verkocht. 1
Die zwei Baukörper der Ferme sind als Low-Tech-Holzbauten ausgeführt.
Das Projekt sollte zusätzlich zu seinen späteren Funktionen auch während
seiner Errichtung als Lern- und Lehrgelegenheit für ökologische Baukultur
dienen: Es wurde mit unterschiedlichen nachhaltigen bzw. wiederverwerteten
Materialien experimentiert, unter anderem mit textilen Dämmstoffen oder
Trockenmauerwerk aus Pariser Bordsteinen. Gedämmt wurde schlussendlich
mit regional bezogenen Strohballen, Brandschutz gewährleisten recycelte
Gipsfaserplatten und die Fassadenverkleidung besteht aus unbehandelten
Kastanienholzlatten. 2 Auch der soziale Aspekt des Vorhabens wurde bereits
während der Errichtung miteinbezogen, so arbeiteten auf der Baustelle primär
Teilnehmer von beruflichen Wiedereingliederungsprogrammen. 3
Das Projekt gehört zu den Finalisten des Mies van der Rohe Awards 2022.
Text: Flora Chiba
1
La Ferme du Rail invite l‘agriculture en ville, in: www.paris.fr, Abruf 2022.04.24
2
The Railway Farm, in: www.miesarch.com/work/4434, Abruf 2022.04.24
3
Christophe Ponceau, La Fer me du Rail: un lieu de bi en vi v re et de mieux pro du i re, in: www.espazium.ch, Abruf
2022.04.24
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211
Bild unten: Michael Wildmann // Bild oben: Myr Mutatet, https://www.miesarch.com/uploads/images/works/713a7dd52e152a726d2d22c613ca1435a47c30dc.jpeg
Bilder: Michael Wildmann
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Bilder: Michael Wildmann
La REcyclerie
Office Parisien d‘Architecture // Sinny&Ooko // 2012-2014
Im ehemaligen Bahngebäude des Gare Ornano an der 1934 aufgelassenen, Paris
umrundenden Strecke der Petite Ceinture, der Kleinen Ringbahn, entstand ab
2012 mit der REcyclerie ein Kulturzentrum mit Schwerpunkt auf die Vermittlung
von ökologischem Verantwortungsbewusstsein: Es sollte ein Rahmen zur
Sensibilisierung für Themen wie nachhaltigem Konsum und Kreislaufwirtschaft
geschaffen werden. 1
Die REcyclerie beherbergt eine gut besuchte Kantine mit Fokus auf regionale
Zutaten, eine Reparaturwerkstatt, eine ferme urbaine mit Gemüsegarten,
Hühnerstall und Insektenhotel sowie verschiedene Bereiche für Vorträge,
Workshops und Diskussion. 2 So empfängt die REcyclerie beispielsweise
mehrmals im Monat Gäste aus einer nahegelegenen Tagesklinik zum
gemeinsamen Handwerken oder veranstaltet Konversationsgruppen für
Geflüchtete. 3
Durchgeführt wurde die Revitalisierung des Bahnhofs vom Office Parisien
d‘Architecture in Zusammenarbeit mit der Agentur Sinny&Ooko, die in
den darauffolgenden Jahren für mehrere derartige Nachnutzungsprojekte
verantwortlich zeichnen sollten (s. Cité Fertile). OPA hatte sich zuvor im
Zuge eines Wettbewerbs für die Renovierung des ehemaligen Gare de Rouen,
ebenfalls an der Kleinen Ringbahn und unweit der REcyclerie gelegen, bereits
mit einem ähnlichen Objekt auseinandergesetzt. 4
Während der Umwandlung zur REcyclerie erhielt die alte Kassenhalle in
Ziegelbauweise mit Stahlaussteifung und -dachtragwerk eine großflächige
Verglasung in Richtung der Gleise. Hierfür wurden gebrauchte Fensterrahmen
in ein neues Stahltragwerk eingearbeitet. Im Sinne der Nachhaltigkeit ist das
Kulturzentrum zur Gänze mit gebrauchten Möbeln ausgestattet.
Text: Flora Chiba
1
vgl. Johannes Freybler: Wächst hier die Zukunft von Paris?, in: Merian 2019/5
2
www.larecyclerie.com, Abruf 2022.04.24
3
vgl. Christiane Kaess: Grüne Oase mitten in Paris, in: Deutschlandfunk Kultur, 2021.10.11
4
Portfolio, in: www.officeparisiendarchitecture.com, Abruf 2022.04.24
214
215
Bilder: Flora Chiba
216
217
Bild unten: www.liliinwonderland.fr/la-recyclerie/ // Bild oben: Flora Chiba
Le104
Atelier Novembre // 2008
1872 - 74 wurden, auf Anordnung der Diözese, zwei Bestattungshallen von
den Architekten Édouard Delebarre de Bay und Godon, unter der Leitung
von Victor Baltard, gebaut. Den im Industriearchitektur Stil errichteten
Hallen liegt ein Ziegelmauerwerk zugrunde, darüber wurde eine gusseiserne
Rahmenkonstruktion errichtet. Dadurch ist auch eine Teilverglasung des Daches
möglich. Unter den Hallen befanden sich die Stallungen. 1905 (Trennung
von Kirche und Staat) zog dann das städtische Bestattungswesen dort
ein. Damit wurde ermöglicht, dass jeder Mensch nun unabhängig von den
Wertvorstellungen der Kirche ordentlich bestattet werden konnte. Bis 1993
waren Bestattungsdienste verstaatlicht, 1998 wurde das Bestattungsinstitut
dann geschlossen. Seit 1997 stehen die Hallen bereits unter Denkmalschutz. 1
2003 vergab die Stadt den Auftrag für die Neugestaltung des Geländes
an Atelier Novembre. Das Centquatre wurde daraufhin umgebaut und
am 11. Oktober 2008 eingeweiht. Das 39,000 m² große Areal liegt im 19.
Arrondissement, der multikulturelle Ort bietet neben Veranstaltungen jeglicher
Art auch Ateliers und andere Räumlichkeiten. „Die Rue d‘Aubervilliers 104 wird
ein großartiger Bienenstock für Künstler aus der ganzen Welt sein“, verkündete
Bertrand Delanoë während der kommunalen Kampagne. 2
Der ursprüngliche Charakter der Hallen wurde durch eine sehr bedachte
Sanierung bewahrt und verstärkt. Die bereits vorhandenen Rahmen wurden
durch Abspannungen ergänzt, sodass diese auch gleich zur Beleuchtung
dienen. Zusätzlich wurde in der ersten Halle ein zweiter Boden in einer Stahl-
Holzkonstruktion eingezogen um mehr Fläche zu generieren. Im Centquatre
befinden sich Platz für sich zwei Säle mit 200 bzw. 400 Plätzen, es ist ein Markt
und Cafés untergebracht. In den ehemaligen Stallungen wurden Veranstaltungsund
Ausstellungsräume integriert. Im 104 haben bis zu 5000 Besucher Platz und
bis zu 200 Künstler:innen können dort einen Platz finden, ihre Kunst
auszuüben. 3
Text: Maja Munck
1
Noemie Schwaller: 104, in: https://www.architonic.com/en/story/noemie-schwaller-104/7000170, Abruf
2022.04.24
2
Matthieu Écoiffier et Sibylle Vincendon : Le Centquatre, passage des arts, in: www.liberation.fr/
culture/2008/10/11/le-centquatre-passage-des-arts_114419/, Abruf 2022.04.24
3
in: https://www.104.fr/ Abruf 2022.04.24
218
219
Bilder: Maja Munck
Bilder: Maja Munck
220
221
Bilder: Maja Munck
Cité maraîchère de Romainville
Ilimelgo // 2021
Mit der Cité maraîchère de Romainville zu Deutsch „Gartenstadt Romainville“
wurde die erste innerstädtische vertikale Landwirtschaft in Frankreich
geschaffen. Die Stadt Romainville, welche auch der Auftraggeber des Projektes
war, liegt ca. 8 km östlich von Paris im Arrondissement Bobigny.
Das Projekt soll nicht nur den nachhaltigen Anbau von Lebensmitteln fördern
und die Umwelt durch die kurzen Lieferwege schützen, sondern auch
Arbeitsplätze für die lokale Bevölkerung schaffen. 1
Das bis zu 6. Stockwerken hohe Gewächshaus besteht aus zwei
Gebäudekomplexen, wobei der länglichere nur 3. Stockwerke hoch ist, der
zweite aber kompakter ist und dafür die volle Höhe misst. Es wurde eine
Fläche von 2,060 m² geschaffen. Die Kuben sind durch über Keller, EG und 1.
OG miteinander verbunden. Das EG ist für die Öffentlichkeit zugänglich und
beinhaltet verschiedene (oft pädagogische) Nutzungen.
Im 1. OG beginnt die Anbaufläche, diese erstreckt sich dann bis in den 6. Stock.
Neben den Anbauflächen sind in jedem Stockwerk Büro und Nebenräume
angesiedelt. Im Keller ist die Infrastruktur für das vertical Gardening, sowie eine
Pilzfarm untergebracht. 2
Ilimelgo sind in ihrem Entwurf auf die lokalen Gegebenheiten eingegangen, so
haben sie sich an den umstehenden Gebäuden orientiert, der längere, niedrigere
Gebäudetrakt steht vor dem höheren, sodass keine gegenseitige Verschattung
passiert. Das Regenwasser wird über Regenrinnen nach unten geleitet
und dort in Wassertanks gespeichert, um es später wieder als Gießwasser
wiederzuverwenden.
Eine optimale Durchlüftung wird durch die (Dach-) Flügelfenster gewährleistet,
durch die die warme Luft wieder austreten kann. Das Dach kann bei zu hoher
Sonneneinstrahlung auch verschattet werden um die Pflanzen zu schützen und
die Temperatur zu regulieren. 3 4
Text: Maja Munck
1
Paula Pintos: La Cité Maraîchère in Romainville / Ilimelgo , in: https://www.archdaily.com/972872/la-citemaraichere-in-romainville-ilimelgo,
Abruf 2022.04.24
2
A Romainville, Cité Maraîchère signée ilimelgo et secousses , in: https://chroniques-architecture.com/romainvillecite-maraichere-ilimelgo-secousses/,
Abruf 2022.04.24
3
in: https://www.lacitemaraichere.com/, Abruf 2022.04.24
4
Vertical Urban Farm, in: https://ilimelgo.com/en/projets/cultiver/cite-maraichere, Abruf 2022.04.24
222
223
Bild unten:https://www.metalocus.es/en/news/vertical-urban-agriculture-la-cite-maraichere-ilimelgo
Bild oben: https://www.archdaily.com/972872/la-cite-maraichere-in-romainville-ilimelgo/61a926dae4df610169c86f66-la-cite-maraichere-in-romainville-ilimelgo-photo
La Cité Fertile
Studio Combo // Sinny&Ooko // 2019
Auf einem ehemaligen Güterbahnhof im nordöstlichen Pariser Vorort Pantin
gelegen, ist die Cité Fertile - die „fruchtbare Stadt“ - Experimentierfeld für
gemeinschaftliches, umweltbewusstes städtisches Miteinander und Inkubator
für Nachhaltigkeits- und soziale Projekte.
Es handelt sich hierbei um einen sogenannten tiers-lieu, zu Deutsch: einen
„dritten Ort“, der - wie in den 1980ern vom Soziologen Ray Oldenburg
festgehalten - als Ort der Begegnung einen Ausgleich zu den „ersten“ Orten des
Wohnens und „zweiten“ des Arbeitens schafft und einen essentiellen Baustein
für eine funktionierende Gesellschaft darstellt. 1
Die Cité Fertile bietet auf etwa einem Hektar niederschwellig Flächen für lokale
Initiativen, Veranstaltungen, Bildung, Innovationsbüros, Tausch- und Kleinhandel
sowie urbanen Lebensmittelanbau. Etwa siebzig Nutzer*innen wirken hier im
Rahmen von rund zwanzig permanenten Projekten; darunter eine Brauerei, eine
Ausbildungsküche (restaurant d‘application), eine kooperative Greisslerei, ein
Upcyclingnetzwerk und eine Buchhandlung - allesamt mit dem Gedanken eines
sozialökonomischen und ökologischen Wandels. 2
Die Nachnutzung des Areals wurde von der Agentur Sinny&Ooko organisiert,
die sich der Gestaltung derartiger tiers-lieux culturels verschrieben hat. Die
bestehenden Bahninfrastrukturgebäude wurden von Studio Combo renoviert
und durch architektonische Eingriffe mit semi-permanentem Charakter ergänzt,
zB Streetfood-Ständen, überdachten Gastronomiebereichen oder einer
cabane à mediter, einem kleinen Holz-Nurdachhaus zur Meditation. Bei der
Innenausstattung kamen vorwiegend Second-Hand-Stücke zum Einsatz. Auch
die landschaftliche Gestaltung des Hofes übernahm Studio Combo, und belebte
das Gelände mit Wasserflächen und reicher Begrünung. 3
Text: Flora Chiba
1
vgl: The Great Good Place; Ray Oldenburg; Paragon House, 1989
2
Dossier de Présentation, in: www.citefertile.com/le-projet-2, Abruf 2022.04.24
3
Réalisations, in: www.studio-combo.fr, Abruf 2022.04.24
224
225
Bild unten: www.citefertile.com/les-ecuries-privatisation // Bild oben: www.citefertile.com/le-projet-2
Ground Control
2017
Ground Control ist ein Kreativprojekt, das 2014 ins Leben gerufen wurde und
nach mehrmaligem Standortwechsel seit 2017 in Zwischennutzung ein früheres
Briefverteilzentrum der staatlichen Eisenbahngesellschaft SNCF bespielt.
Die Eigenbezeichnung lieu-média culturel fasst die unterschiedlichen Aspekte
dessen zusammen, wofür Ground Control dort auf rund 6500 m 2 Platz schafft:
Einen Ort der Zusammenkunft, der Kultur, des kritischen Austauschs und
der Vernetzung. So finden hier, unweit des Gare de Lyon, Veranstaltungen
aus den verschiedensten Sparten der Kunst, Diskussionsrunden, Vorträge,
Workshops, Designmärkte und Feste statt - nahezu ausnahmslos bei freiem
Eintritt. Im Hinblick auf die mediale Produktion wartet Ground Control mit einem
Podcaststudio auf.
Auch abseits dezidierter Veranstaltungen will das Projekt die urbane Geselligkeit
fördern - das Gelände ist daher ab Mitte der Woche täglich frei zugänglich und
es gibt ein reiches, zeitgemäß auf Nachhaltigkeit gepoltes gastronomisches
Angebot. Außerdem bietet die La Ground Boutique Geschäftsflächen für
handgefertigte Mode, Keramik, Papierwaren uvm., während in der Libraire
Charybde Bücher verkauft oder nebenan beim Friseur Cut Control Haare
geschnitten werden. 1
Die Architektur des ehemaligen Briefverteilzentrums - des tri postale de
Charolais - stammt aus den späten 1920er Jahren 2 und bildet ein Ensemble
mit dem etwas früher erbauten Telegrafenamt. Zwischen den beiden spannt
sich ein von Ground Control ebenfalls intensiv genutzter Durchgang auf. In
ihrem äußeren Erscheinungsbild werden die Gebäude durch eine ähnliche
Fassadengestaltung mit Ziegelornamentik verbunden. Bemerkenswert ist die
straßenseitige Verblendung bzw. zurückversetzter Abschluss der Tonnendächer.
Text: Flora Chiba
1
Le projet, in: www.groundcontrolparis.com, Abruf 2022.04.24
2
Ground Control version intérieure, in: www.sncf.com, Abruf 2022.04.24
226
227
Bild unten: www.instagram.com/groundcontrolparis // Bild oben: Nicolas Hoffmann
Maison du projet Morland
Encore Heureux // 2018
Im Zuge des Projektes Réinventer Paris wird die ehemalige Präfektur Morland
von David Chipperfield saniert und umstrukturiert.
Für diese Zeit wurde Encore Heureux beauftragt einen temporären Pavillon vor
dem Gebäude zu errichten.
Dort sind schon erste kleine „Teaser“ beinhaltet, sodass man schon ein Gefühl
hat, was später im Morland mixitè capitale zu entdecken gibt. So gibt es zum
Beispiel eine kleine Kunstgalerie.
Encore Heureux nutzt diese Gelegenheit, um ihre Forschung für eine gelungene
Kreislaufwirtschaft in der Architektur umzusetzen, damit nachhaltiges Bauen zu
fördern und ihre Forschung in diesem Gebiet auszuweiten. 1
So setzt sich das Büro folgende Maßstäbe bei Maison du projet Morland
zur Erfüllung: Die Wiederverwendung vor Ort für in das Projekt integrierte
Einrichtungen, Wiederverwendung der Materialien die anderen Akteuren an
anderen Orten zur Verfügung gestellt wird, und schließlich Wiederverwendung
in der Nähe, zum Beispiel direkt bei angrenzenden Baustellen.
In dem Projekt sind 1.500 Fenster, 11.000 Metallplatten für abgehängte Decken,
2.200 Heizkörper, Steinplatten, Trennwände, Leuchten usw. verbaut. Die
Vorhangfassade ist mit wiederverwendbaren Fensterflügeln mit Holzrahmen
ausgestattet und die ebenso wiederverwendeten Heizkörper werden durch
ein Warmwassersystem mit einem Holzofen betrieben. Die von dem Künstler
Bonnefrite mit Zeichen bemalte Fassade bedeutet, dass die Abfälle der einen die
Ressourcen der anderen sein können. 2
Maison du projet Morland wurde im Februar 2022 wieder abgebaut, die
verwendeten Ressourcen wurden aber wieder aufbereitet.
Text: Maja Munck
1
Réinventer Paris, in: https://www.paris.fr/pages/reinventer-paris-4632/, Abruf 2022.04.26
2
Maison du projet Morland, in: http://encoreheureux.org/projets/maison-du-projet-morland/, Abruf 2022.04.26
228
229
Bilder: http://encoreheureux.org/projets/maison-du-projet-morland/
Passage 56
Atelier d‘Architecture Autogérée // 2006
Ursprünglich wurde die Passage 56 an der Rue Saint Blaise für Fußgänger in
den 80 Jahren geschlossen. Das Areal zwischen den bestehenden Gebäuden
wurde nicht bebaut und lag demzufolge brach. Die Passage 56 ist seit 2006 ein
selbst-organisiertes Projekt im 20. Arrondissement (im Osten Paris), dieses ist
für seine kulturelle Diversität und hohe Dichte bekannt. Ungenutzter Raum ist
also sehr wertvoll für die Gemeinschaft. 1
Die ehemalige Durchgangspassage wurde in enger Zusammenarbeit mit lokalen
Politiker:innen, Organisationen und den Anwohner:innen, sowie Experten im
Bereich ökologisches Bauen zu einem Areal umgewandelt, welches einen
sozialen und kulturellen sowie ökologischen Mehrwert für St. Blaise bringen soll. 2
Dabei ist der Transformationsprozess, also das Gestalten und Bauen des
Ortes schon Teil des sozialen und kulturellen Miteinanders. So werden
Kontakte geknüpft und Beziehungen zwischen Nutzern und Mitwirkenden
gestärkt. Durch den ökologischen Zugang soll die Aufmerksamkeit aller auf die
Notwendigkeit der Nachhaltigkeit gelenkt werden. Das Projekt ist deswegen
energieautark und legt großen Wert auf Recycling, Kompostierung und
möglichst wenig negative Auswirkungen auf die Umwelt.
Auf der 200 m² großen Fläche wurde neben einer Urban Gardening Fläche
mit den Anwohner:innen, unter Anleitung und Training von Experten aus dem
Bereich ökologisch nachhaltiges Bauen auch ein Holzkonstrukt mit begrüntem
Dach sowie Solarpaneelen errichtet. Die Kosten für das Projekt wurden auf
90.000 Euro für die ersten drei Jahre angesetzt. Die Passage wird derzeit
fürs Gärtnern, Festivals, Ausstellungen, Debatten, Workshops, Konzerte,
Filmvorführungen oder Seminare genutzt. 3
Text: Maja Munck
1
juneyou: Passage 56 Community Garden, https://urbanacupunctureblog.wordpress.com/2013/02/08/passage-
56-community-garden/, Abruf 2022.04.23
2
PASSAGE 56 , http://www.urbantactics.org/projets/passage56/
3
AAA – PASSAGE 56 / Espace culturel ecologique, https://gatsiouvasiliki.wordpress.com/2013/05/16/aaapassage-56-espace-culturel-ecologique/,
Abruf 2022.04.23
230
231
Bild unten: https://www.urbantactics.org/projets/passage56/ // Bild oben: https://urbanacupunctureblog.wordpress.com/2013/02/08/passage-56-community-garden/
weitere Projekte
232
233
Centre National de la Danse
Jacques Kalisz // Antoinette Robain // Claire Gueysse // 1972 / 2004
Das Centre national de la Danse (CND) ist eine Institution des französischen
Ministeriums für Kultur und Kommunikation, welche sich dem Tanz in all
seinen Aspekten widmet: einer Förderung von Shows und Choreografen, der
Verbreitung der choreografischen Kultur, dem künstlerischen Schaffen und der
Pädagogik für fortgeschrittene Studenten.
1972 wurde der Bau vom Architekten Jacques Kalisz als Verwaltungszentrum
der Stadt Pantin fertiggestellt und gilt bis heute als Beispiel für brutalistische
Architektur. 1
Antoinette Robain und Claire Gueysse wurden beauftragt, die Arbeit von
Jacques Kalisz wieder aufzunehmen und in das Centre National de la Danse
umzuwandeln (2004 mit dem Prix de l‘Équerre d‘Argent eröffnet und diesen
gewann). Sie konzentrierten sich auf die Behandlung von Materialien und
Farben innerhalb des Gebäudes, um eine horizontale Konsistenz zu schaffen und
gleichzeitig das äußere Erscheinungsbild zu respektieren. 2
Die Herangehensweise der Architekten basierte auf einer Verdopplung der
Architektur. Um die ursprüngliche Betonstruktur den verschiedenen Nutzungen
anzupassen ohne sie zu verfremden, konzentrierten sie sich hauptsächlich auf
den Innenausbau. Wobei sie versuchten möglichst viele der geometrischen
Zeichnungen, welche Kalisz selbst in die Schalung eingearbeitet hat, zu
erhalten und hervor zu heben. Die Tragstruktur, die Erschließung sowie der
Deckenaufbau sind aus bewehrtem Beton.Kassettendecke (Skizze)
Text und Skizze: Lukas Notheis
1
https://www.wikiwand.com/en/Centre_National_de_la_Danse 27.04.22 12:00
2
https://fr.wikipedia.org/wiki/Centre_national_de_la_danse 27.04.22 12:08
234
235
Bild unten: http://urbanplanet.info/wp-content/uploads/2004/09/CND-09-e1456235114191.jpg // Bild oben: https://urlcc.cc/xkceh
Industrial Hotel Berlier
Dominique Perrault // 1986-1990
1985 veranstaltete die Pariser Stadtverwaltung einen Wettbewerb für die
Gestaltung eines Gebiets inmitten Verkehrsbauten, Gleisen und Straßen.
Ziel war das Schaffen einer Hülle mit adaptierbarem Inneren, um den sich
rasch wandelnden Anforderungen zu entsprechen. Dominique Perrault, Pariser
Architekt, war zu dieser Zeit 31 und gewann den Auftrag.
Anders als die meisten erkannte Perrault das Potential der Mobilitätsströme.
Sein Entwurf einer Glasbox soll sowohl mimetisch als auch abstrahlend auf die
Umwelt wirken. Perrault bündelt sämtliche elektrische Systeme und Nasszellen
um die beiden zentralgelegenen Vertikalerschließungen.
So ermöglicht sich ein offener Grundriss, welcher sich für jegliche zukünftige
„Bewohner“ unterteilen lässt.
Die Curtainwall bildet eine dichte Membran: sie filtert Licht, ventiliert und
gewährt Einblicke, in die im Inneren voranschreitenden Prozesse.
Gleichzeitig reagieren die einzelnen Panele auf die geladene Umwelt (Wetter,
Verkehr, Sonnenstand) und werfen diese fluktuierend zurück.
Perrault beschreibt es in eigenen Worten: „its a building that changes its skin“.
Wie ein Chameleon, nur eben auch innerlich. Es pulsiert schwingend in seinem
Umfeld. Anstatt den Ort als verdorben zu deklarieren, absorbiert Perrault
Energie direkt an der Quelle des fantastischen Spektakels: der Urbanität.
Perrault schreibt hierzu im Mai 1990: „To live happily, let‘s not live in hiding“.
Das Gebäude beherbergt 40 Industrieunternehmen, auch Perraults Büro bis
2007. 1 2 3
Text: Daniel Junger
1
Industrial Hotel Jean-Baptiste Berlier, Paris, in: https://arquitecturaviva.com/works/hotel-industrial-jean-baptisteberlier-3,
Abruf 2022.04.29
2
INDUSTRIAL HOTEL BERLIER, in: https://www.perraultarchitecture.com/en/projects/2536-industrial_hotel_
berlier.html, Abruf 2022.04.29
3
Hôtel Industriel 26 rue Brunesseau 75013 Paris France, in:http://www.galinsky.com/buildings/industriel/index.htm,
Abruf 2022.04.29
236
237
Bild unten: https://arquitecturaviva.com/works/hotel-industrial-jean-baptiste-berlier-3 // Bild oben: https://en.wikipedia.org/wiki/File:2013-10_Hotel-Berlier-12B_web.jpg
ESIEE
Dominique Perrault // 1987
Das ESIEE (École supérieure d’ingénieurs en électronique et électrotechnique)
ist eine französische Hochschule für Ingenieurwesen und war eines der ersten
Bauwerke der Cité Descartes. 1984 gewann, ein 35-jähriger, unbekannter
Architekt, Dominique Perrault, den ausgeschriebenen Architekturwettbewerb
für die neue Schule. 1 Der Baubeginn erfolgte 1985 und das Gebäude wurde 1987
übergeben.
Die Grundidee war es, ein Gebäude zu schaffen, dass wie ein Computer ohne
Monitor aussieht. Der Tasterurbau ist eine 300 Meter lange schiefe Ebene
ohne Dach oder Fassade. 2 Diese Ebene wird in der Mitte von einem Zylinder
durchbrochen, der den Haupteingang des Gebäudes bildet. Die Schule ist rund
um eine 100 Meter hohe Galerie organisiert, die die Funktionsräume miteinander
verbindet und sowohl den Personen- als auch den Lichtfluss ermöglicht. Diese
„innere Straße“ ist mit einer einzigartigen Vorrichtung ausgestattet: Um die
thermischen Probleme des oberen Glasdachs zu lösen und den Abfluss von
Wasser zu ermöglichen wird eine Linse eingesetzt, darüber befindet sich eine
doppelte Acrylhaut, die die ultraviolette Strahlung nach außen reflektiert.
Das Streben nach maximaler Transparenz spiegelt sich in der Verwendung
natürlicher und synthetischer Materialien sowie neuer Techniken wie geklebtem
Glas, Lexan, Alucobond und PVC-Gewebe wider. 3
In einem weiteren Bau, der an eine Maus erinnert (weiße Kuppel oben auf dem
Foto aus der Vogelperspektive), ist die Sporthalle der Schule untergebracht.
In den zusätzliche sechs Gebäuden, welche Lochkarten darstellen sollen, sind
die Reinräume (Labore) untergebracht. Diese besonders gewagte Architektur
war ein großer Erfolg bei der Presse und leitete die uns bekannte Karriere des
Architekten ein, der unter anderem die BNF in Paris entworfen hat. 4
Text: Cosima Sima
1
https://inventaire.iledefrance.fr/dossier/esiee/9b882b79-72a8-4d87-849e-bf90ac05085a
2
https://www.tourisme93.com/le-plus-grand-ordinateur-du-monde-n-est-pas-un-conte.html
3
http://www.bfgarchitecture.com/project/ESIEE%2C_France
4
https://inventaire.iledefrance.fr/dossier/esiee/9b882b79-72a8-4d87-849e-bf90ac05085a
238
239
Bild unten: https://www.miesarch.com/work/1023 // Bild oben: Ibid
Tours EDF
Atelier de Montrouge // Paul Chemetov Renovierung // 1967
EDF beauftrage 1963 das Atelier de Montrouge mit dem Bau von zwölf Häusern,
um einige Führungskräfte und Ingenieure:innen des Kraftwerks in Ivry-sur-Seine
unterzubringen zu können. Da sich das Gelände dafür allerdings nicht eignete,
schlugen die Architekten vor, die Türme übereinander zu stapeln. In der Mitte
befindet sich ein zentraler Kern, um den sich die Türme stapeln und sich jeweils
um eine Vierteldrehung drehen, um dadurch Terrassen ohne Gegen zu schaffen.
Das Konstruktionssystem besteht auf vier tragende Wände und vier tragende
Stützen mit Fassadenplatten aus Rohbeton, wodurch eine hohe Flexibilität
der Innenaufteilung geschaffen wird. 1 1967 wurden die zwei Türme mit elf
Wohnungen fertiggestellt. 2
Die Gebäude befinden sich in der ZAC von Ivry-Confluence und zählen zu den
Meisterwerken der Wohnarchitektur der 1960er Jahre in Frankreich. In den
1990er Jahren standen die Türme kurz vor dem Abriss, nachdem sie über einen
langen Zeitraum vernachlässigt wurden. Trotz Aufnahme in das Zusatzinventar
der Historischen Denkmäler im Jahr 2003 und der Anerkennung als Kulturerbe
blieben sie weiterhin mehrere Jahre lang verwahrlost, bevor die SADEV sie
2010 im Rahmen des Entwicklungsprojekts „Ivry Confluence“ aufkaufte. 2024
wurde AUA - Paul Chemetov mit der Sanierung der Türme beauftragt. Die
Baugenehmigung wurde 2014 eingereicht und das Projekt 2016 eingeweiht. 3
In einem der Türme sind Sozialwohnungen und in dem Anderen
Eigentumswohnungen untergebracht. Im sozialen Teil sind die Größe der
Wohnungen wahrscheinlich aufgeteilt, um Wohnun-gen mit 60-70 m2 zu
erreichen. Insgesamt gibt es 17 Wohnungen auf dem Gelände. 4
Text: Cosima Sima
1
https://bybeton.fr/grand_format/a-ivry-tours-edf-reprennent-vie
2
https://www.leparisien.fr/val-de-marne-94/la-renaissance-des-tours-classees-d-edf-23-09-2013-3160547.php
3
https://www.caue77.fr/page_observatoire/rehabilitation-des-tours-de-l-atelier-de-montrouge
4
https://www.leparisien.fr/val-de-marne-94/la-renaissance-des-tours-classees-d-edf-23-09-2013-3160547.php
240
241
Bild unten: https://www.infociments.fr/logement-collectif/rehabilitation-des-maisons-tours // Bild oben: Ibid
Conservatoire de Montreuil
Claude Le Goas // Robert Bezou // 1976
Das Conservatoire de Montreuil wurde von Claude Le Goas und Robert
Bezou entworfen und 1976 eröffnet. Dabei handelt es sich um eine kulturelle
Einrichtung.
Das Gebäude besteht aus einem Auditorium mit 300 Sitzplätzen, einem Tanzsaal
und 14 Klassenzimmern. Im Rahmen der städtebaulichen Erneuerung von
Montreuil ab den 1960er Jahren, wurde das Konservatorium für Musik und Tanz
geplant. Der Vorplatz des Konservatoriums ist somit auch als Teil der Stadt
mitgedacht.
Ein wichtiger Anspruch an den Entwurf war die Isolierung der Klassenzimmer
sowohl voneinander als auch von der Umgebung. Es entstanden Zimmer in
Röhrenform, welche in ein Stahlregal eingehangen wurden. Die einzelnen
Zimmer sind eine Leichtmetallkonstruktion, die mit Stein- und Glaswolle
gedämmt ist. Die Äußere Hülle besteht aus Blech. Die Klassenzimmer sind
damit ein Gegensatz zu dem großen Auditorium und haben eher einen privaten
Charakter.
Die Pfosten und Balken des Regals sind aus Brandschutztechnischen Gründen
bewässert. Diese Technologie war in der damaligen Zeit noch nicht häufig
angewendet worden.
Text: Eike Fiedler
Vincent Bertaud du Chazaud: École Nationale de Musique et de Danse, in Patrimoine, Nr. 21
Bocard Hélène: Conservatoire de Musique, in https://www.pop.culture.gouv.fr/notice/merimee/IA93000241, Abruf
30.4.2022
242
243
Bild unten: http://leblogdenestor.com/wp-content/uploads/2016/10/IMG_7807.jpg, Abruf: 30.4.2022 // Skizze: Eike Fiedler (nach Claude Le Goas)
Les Choux de Créteil
Gérard Grandval // 1968-1973
Im Südosten von Paris, auf ehemaligem Kohlplantagengebiet strecken sich
Grandvals 10 zylindrische 14 Stockwerk-Wohntürme in die Höhe. Zeichnungen
der Künstlerin Sonia Delaunay inspirierten den Architekten und scheinen in den
Grundrissen wider. Aus kostengründen wurde nur ein Bruchteil des Geplanten
umgesetzt.
Grandval baute zwei Gebäudetypen: die Maiskolben und den Kohlkopf.
Der Kohlkopf ist sechs Stockwerke hoch und hat (statt den geplanten 50m)
44m Durchmesser. Im Zentrum befindet sich eine Rampe, welche es den
Bewohnern ermöglicht das oberirdisch, versteckte Parkhaus zu nutzen. Über
diesem befindet sich der begrünte Innenhof. Heute fungiert Gebäude als
Studentenheim.
Die Aufenthaltsräume der Wohntürme liegen an der Fassade.
Vorgehängte, fünf tonnen schwere und 7,8qm Balkonschalen aus Sichtbeton
sorgen für die nötige Privatssphäre, sowohl in den dahinterliegenden Räumen,
als auch auf den Balkonen selbst.
Weiters wäre eine Begrünung der Fassade angedacht gewesen, wodurch die
Türme eine saisonbedingt zyklisch wandelnde Charakteristik erhalten hätten
sollen. Leider konnte sich der Architekt in diesem Aspekt nicht durchsetzen;
die Bauherren zweifelten an der nötigen Bereitwilligkeit seitens der Bewohner
die grüne Fassade am Leben zu erhalten und hatten Sorge es käme zu
Insektenbefall.
Grandval bedauert diesen Verzicht und reiht sich in die Brutalistik ein.Dank der
außergewöhnlichen Form, verweisen die Bauten noch heute auf die ehemalige
Funktion des Baugrunds als Pariser Gemüseproduktionsstädte und zeichnen die
interessante Komposition von Privatssphäre und Außenraum lesbar ab. 1 2 3 4
Text: Daniel Junger
1
Federico Novaro: Le Choux de Créteil, in: https://architectuul.com/architecture/les-choux-de-creteil, Abruf
2022.04.30
2
Le Choux de Créteil, in: https://www.wikiwand.com/en/Choux_de_Créteil, Abruf 2022.05.06
3
Greyscape: Le Choux de Créteil, in: https://www.greyscape.com/campaigns/les-choux-de-creteil/, Abruf
2022.05.06
4
Le Choux de Créteil, in: https://www.youtube.com/watch?v=p7Lr8WqHyMM, Abruf 2022.06.17
244
245
Bild unten: https://thierry-allard.blog.ac-lyon.fr/la-cite-des-choux-fleurs-a-creteil-par-gerard-grandval-architecte/ //
Bild oben: https://www.davidcourteau.com/les-choux-de-crteil/whgaqw88uv2t27wj8sg14nxzyeb8ra
Centre d’hébergement d’Urgence
Atelier Rita // 2017
Nach der Aufnahme werden die Familien, alleinstehenden Frauen und
Flüchtlingspaare, die die Hauptstadt erreichen, in die Notunterkunft in ‚Ivry-sur-
Seine geleitet. Dort können sie zwischen drei und sechs Monaten bleiben, um
einen Asylantrag zu stellen.
In den Filterbecken der ehemaligen Pariser Eaux-Fabrik, die die Stadt fünf Jahre
lang zur Verfügung stellte, hat die Architektin Valentine Guichardaz-Versini in
weniger als fünf Monaten Bauzeit ein Dorf mit 400 Einwohnern angelegt. Die
Metallplattform auf Pfählen erzeugt eine erstaunliche Landschaft, eine kleine
Stadt, die in sechs Stadtteile unterteilt ist. 1
Zusammen mit der Firma Brézillon hat sie eine Plattform von fast 5000 m2
geplant. Über den alten Filterbecken sind 210 vorgefertigte Holzmodule auf
Betonpfeilern montiert. Die Wohnungen lassen sich leicht abmontieren und sind
komplett wiederverwendbar.
Die Kammform, die sich aus allgemeiner Organisation ergibt, eröffnet lange
Perspektiven durch das Unterkunftszentrum, das mehr als ein Dorf ist,
sondern eine lebendige Stadt darstellt. Wie im städtischen Umfeld, sind auch
hier die Außenbereiche geschickt hierarchisch gegliedert, vom öffentlichsten
an der zentralen Verkehrsachse bis zum intimsten an der Schwelle zu den
Wohnhäusern. Der Weg verbindet sich mit dem Zentrum, der durch das Gelände
läuft, mit Jurten in denen kollektive Speisesäle und Mehrzweckräume ihre
Einzigartigkeit ausstrahlen. Das ermöglicht Leben in der Gemeinschaft. 2
Ein medizinisches Zentrum, vier Klassenräume und Mehrzweckräume runden
das Programm ab. 1
Die Landschaft des Zentrums bietet erstaunlich viele Quellen des malerischen
Charakters: wechselnde Variationen von Volumen, Höhen und Farben, und in der
Mitte die freundlichen Jurten, die so viel über die Genialität der Nomaden und
ihre Lager sagen, über die Menschlichkeit der ersten Zuflucht. 3
Text: Olha Karnaushenko
1
www.citedelarchitecture.fr/fr/article/atelier-rita
2
www.amc-archi.com/photos/atelier-rita-centre-d-hebergement-d-urgence-a-ivry-sur-seine-laureat-du-prix-de-lapremiere-uvre-2017,7618/laureat-du-prix-de-la-premie.1
3
www.construction21.org/france/case-studies/h/centre-d-hebergement-d-urgence-a-ivry-sur-seine.html
246
247
Bilder: www.images.archi/articles/lueur-d-espoir-0
Centre R&D pour EDF
Francis Soler // 2015
Unweit der ALJT Studentenwohnanlage befindet sich im selben auftrebeneden
Teil am Rand von Paris das Centre R&D pour EDF (Zentrum für Forschung und
Entwicklung von Électricité de France). Das Riesenprojekt ist mit aktuell 1200
Mitarbeitern das größte Forschungszentrum der Welt 1 und steht auf einem
Gebiet, das in Zukunft 20% der französischen Forschung beherbergen soll.
Abgesehen davon wird auch eine Zusammenarbeit mit der nahegelegegenen
Universität Paris-Saclay und anderen akademischen Einrichtungen angestrebt. 2
Vier kreisförmige Gebäude mit den Durchmessern 43, 64, 80 und 160m sollen
entgegen des ursprünglichen Wunsches von EDF nach einem Monoblock
metaphorisch für Zahnräder stehen, die von jedem Standpunkt aus in dem
Komplex ersichtlich sind. Die Fassaden der einzelnen Gebäude kombinieren
große Schiebefenster, die sich öffnen und als Durchgang nutzen und sich
abdunkeln lassen, mit abwechselnd hohen Fixverglasungen, denn Licht
spielte im Entwurf eine zentrale Rolle. Während die einzelnen Funktionen
voneinander getrennt sind, führen über das acht Hektar große Gebiet viele
Verbindungswege, die die energieeffizienten Gebäude zugänglich machen, aber
nicht den jeweiligen Besucher zwingen, bestimmte Bauten durchqueren zu
müssen. 3
Das Energiemanagement des Gebäudes stellt sich aus dem Grund sehr effizient
dar, weil bei der Erzeugung der nötigen Energie nicht nur Strom aus dem Netz
bezogen wird, sondern auch eigener durch den Einsatz einer Erdwärmepumpe
und durch Aufstellung von Photovoltaik-Solarzellen erzeugt werden kann. 4
Text: Johanna Czerny
1
vgl: www.management.aialifedesigners.fr/projet/centre-rd-edf, Abruf 2022.04.29
2
vgl: www.edf.fr/groupe-edf/inventer-l-avenir-de-l-energie/r-d-un-savoir-faire-mondial/5-ans-edf-labsaclay/histoire-du-site-edf-lab-paris-saclay,
Abruf 2022.04.29
3
vgl: www.soler.fr/projet/centre-rd-pour-edf-2, Abruf 2022.04.29
4
vgl: www.management.aialifedesigners.fr/projet/centre-rd-edf, Abruf 2022.04.29
248
249
Bild: https://www.ingerop.fr/es/centre-rd-edf-saclay
Station F
Wilmotte & Associés // (Renovierung) 2017
Der ehemalige Güterbahnhof wurde ursprünglich in den 1920er Jahren
vom französischen Bauingenieur Eugéne Freyssinet erbaut und von dem
Architekturbüro Wilmotte & Associés renoviert. Die Station F ist heutzutage
der weltweit größte „Startup-Campus“. Die ehemalige La Halle Freyssinet,
jetzt Station F stand seit 2012 unter Denkmalschutz und befindet sich im 13.
Arrondissement von Paris. 1
Lange blieb die Halle leer. Bis 2006 wurde sie von Frankreichs „SNCF“, der
nationalen Eisenbahn, genutzt danach hat es lange gedauert bis das „richtige“
Umbauprojekt gefunden wurde. 2017 wurde dann die Station F eröffnet, die sich
auf 34.000 Quadratmeter erstreckt. 2
La Halle Freyssinet war eines der ersten Gebäude bei dem vorgespannter
Beton verwendet wurde. Im Rahmen der Renovierung „bekam“ die Station F
eine Aufdachdämmung, da die Spannbetonbögen sichtbar bleiben sollten. Die
davor schweren Seitenwände wurden aufgebrochen und eine Isolierverglasung
angebracht. Weiters tauschte man jegliche Verglasung gegen Isolierglas ein. Man
hat in der Halle ein neues Galeriegeschoss und weiße „Boxen“ bzw. Container –
welche Arbeitsplatz schaffen – eingefügt. Diese Boxen dienen zudem auch der
Gewährleistung einer geringeren Schallausbreitung (Die Stahlhülle ist perforiert
und mit Mineralwolle isoliert). 2
Die Station F wurde von Wilmotte & Associés unter dem Konzept: „Chill, Share,
Create” entwickelt. 1 Sie ist voll und ganz „für die Arbeitswelt“ ausgestattet und
verfügt über tausende Arbeitsplätze, Besprechungsräume, Restaurants und ein
Auditorium. 2 Die Station F steht unter der Leitung von Roxanne Varza. 3
Text: Moira Mandic
1
WILMOTTE & ASSOCIÉS, STATION F (HALLE FREYSSINET) - WORLD‘S BIGGEST STARTUP CAMPUS, Paris
France 2017, URL: http://www.wilmotte.com/en/project/411/station-f-halle-freyssinet-worlds-biggest-startupcampus
(Abruf 25.04.20222)
2
Station F in Paris, URL: https://www.baunetzwissen.de/bauphysik/objekte/buero-gewerbe/station-f-inparis-5488499
(Abruf 25.04.2022)
3
Station F, URL: https://stationf.co/team (Abruf 25.04.2022)
250
251
Skizzen: Moira Mandic
Fondation Galeries Lafayette
O.M.A // Rem Koolhaas // 2012-2018
Das Gebäude wurde während der industriellen Revolution erbaut und diente
ursprünglich als Lagerhaus für Kaufleute und später der Mädchenschule. 2012
entwickelte O.M.A einen Plan für die Fondation Galeries Lafayette, die in die
bestehende Struktur des historischen Marais-Viertels in Paris eingreifen sollte.
Aufgrund des kulturellen Erbes, das die Identität von Außen der Rue du Prage
prägt, konnten keine Änderungen an der bestehenden Struktur vorgenommen
werden und das Gebäude musste in einen guten Zustand zurückversetzt
werden. Ausgehend von dieser Komplikation begann O.M.A sich einem
„nicht-invasiven“ Konzept zu widmen, der flexibel, als kuratorische Maschine
programmiert werden kann und die den Raum optimal nutzt. Unter der Leitung
der Fondation Galeries Lafayette würde Produktion, Experiment und Ausstellung
unter einem Dach vereint.
Im Innenhof des Gebäudes befindet sich eine Stahlrahmenkonstruktion, die mit
vier mobilen Decken ausgestattet ist. Mithilfe vertikaler Zahnstangen können
sich die Decken unabhängig voneinander bewegen und mit bestehenden
umgehenden, unteren und oberen Gebäudevolumen, in denen unterschiedliche
Situationen und Nutzungen stattfinden, zurechtkommen. 6,70 m hohe und
2,40 m breite Glasscheiben sollen den Raum, der durch zwei schmale Eingänge
durchdrängt ist, möglichst weit offnen. Die entwickelten Geländermodule
aus Gitterrosten können in Deckenkanten eingesteckt werden und mittels
Verriegelungsmagneten eine stabile Lage aller Geländer gewährleisten Die neuen
Ausstellungsräume des mobilen Turms, die von den ursprünglichen Öffnungen
zum Innenhof zugänglich sind, ergänzen die traditionelle Nutzung der erhaltenen
Struktur.
Rem Koolhaas hat 1998 das Projekt Maison und Bordeaux für die Familie
entworfen, das nicht versklaven, sondern befreien solle. Der Architekt entwarf
einen Haus (drei Häuser übereinander) Der Mann hatte sein eigenes „Zimmer“
oder „Station“ als Aufzugsplatte. Die Bewegung des Aufzugs verändert ständig
die Architektur des Hauses. Herz des Hauses ist eine Maschine.
Text: Emma Kantorkova
AMY SHERLOCK: Lafayette Anticipations, https://www.frieze.com/article/slow- dance-lafayette-anticipationsopens-paris,
Abruf2022.27.04
Frank Kaltenbach; Altbau in Bewegung; https://www.detail.de/de/ de_de/artikel/altbau-in-bewegung-fondationgaleries-lafayette-in-
paris-32954/?shop=yes, Abruf 2022.27.04
The Maison à Bordeaux; https://www.oma.com/projects/maison-a- bordeaux; Abruf 2022.27.04
252
253
Bilder: https://www.lafayetteanticipations.com/en/building//
https://www.oma.com/projects/f
254
Biografien
Architektur
büros
255
Atelier d‘Architecture Autogérée
Constantin Petcou // Doina Petrescu
Atelier d‘Architecture Autogérée ist ein selbstorganisiertes Netzwerk, welches
sich seit 2001 durch seine Vielfältigkeit in seiner Zusammensetzung auszeichnet.
Gegründet wurde es von Constantin Petcou und Doina Petrescu. 1
Nicht nur Architekt:innen, sondern auch Künstler:innen sowie Student:innen,
Aktivist:innen, Politiker:innen, Anwohner:innen und Personen aus vielen
anderen Bereichen sind Teil der Projekte. Je nach Verfügbarkeit und
Themengebiet arbeiten so Expert:innen aus verschiedenen Bereichen mit
unterschiedlichen Hintergründen und Fachwissen zusammen. So will das
Netzwerk die bestmögliche Themenbehandlung und Expertise erreichen, um
das bestmögliche Outcome zu erreichen.
Die verschiedenen Projekte, Eingriffe und Workshops sollen besonders in ihrem
lokalen Kontext einen Mehrwert bringen, das tägliche Leben vor Ort wieder
reaktivieren und fördern. Dadurch sollen die Menschen auch angetrieben
werden, weiter Projekte und Aktionen zu autonom zu organisieren und somit
wiederum einen Beitrag zur gesellschaftlichen Weiterentwicklung zu leisten.
Daneben werden vom Atelier d‘Architecture Autogérée überregionale
Plattformen geschaffen, welche die Kultur und den Austausch fördern sollen.
Dies wird durch dauerhafte Projekte und Prozesse sichergestellt. Dadurch
soll die Inanspruchnahme und „Zurückeroberung“ des öffentlichen Raums für
kulturelle, kollektive, soziale oder demokratisch organisierte Projekte unterstützt
und gefördert werden. 2
AAA arbeitet mittlerweile weltweit an den verschiedensten Projekten mit
unterschiedlichsten Kooperationspartnern zusammen. 3
Text: Maja Munck
1
Atelier d‘architecture autogérée , in: https://spatialagency.net/database/aaa, Abruf 2022.04.28
2
www.urbantactics.org/index.html, Abruf 2022.04.23
3
www.currystonefoundation.org/practice/atelier-darchitecture-autogeree/, Abruf 2022.04.28
256
Baukunst
Adrien Verschuere
„Durch die Kombination von Kunst und Technologie, den Dialog und die
Wechselwirkung verschiedener Wissensformen widmet sich BAUKUNST der
Erforschung der Architektur als Medium, mit dem sowohl über das Bauen (BAU)
als auch über das Bauen von Denkweisen (KUNST) nachgedacht werden
kann.“ 1
2008 in Brüssel von Adrien Verschuere gegründet und 2017 um eine weitere
Niederlassung in Lausanne (SUI) erweitert, entwickelt Baukunst nicht nur
architektonische Antworten auf öffentliche Fragestellungen, sondern agiert
auch im privaten Sektor. Dank der Kombination von Kunst und Bau enstanden
im Büro von Adrien Verschuere verschiedenste qualitativ ansprechende Bauten,
die unter anderem auch für zB den Mies van der Rohe Award ausgezeichnet
wurden. 2
Das Büro entwarf neben zahlreichen anderen Projekten auch eine Wellnessoase
in Belgien, gemeinsam mit anderen Büros öffentliche Bauten und eben mit
Bruther gemeinsam die Studentenwohnanlage in Paris. 3
1
www.bau-kunst.eu, Abruf 2022.04.27
2
vgl: www.wbarchitectures.be/en/architects/baukunst/42/, Abruf 2022.04.27
3
vgl. www.divisare.com/authors/2144737993-baukunst/projects/built, Abruf 2022.04.27
Text: Johanna Czerny
257
Berger Anziutti Architectes
Patrick Berger // Jacques Anziutti
Patrick Berger wurde 1947 in Paris geboren und ist seit 1975 als Architekt tätig
und an der Erneuerung der französischen Architektur beteiligt. Dies, so schreibt
Berger, insbesondere durch seinen Ansatz, Architektur, Stadt, Geschichte und
Natur zu verbinden. Nach dem Architekturstudium an der Ècole Nationale
Supérieure des Beaux-Arts in Paris absolvierte Berger ein Praktikum bei dem
deutschen Architekten und Ingenieur Otto Frei und ging für eine wissenschaftliche
Arbeit für die UNESCO nach Nepal, um dort Ethno-Architektur im
Himalaya Gebiet zu studieren. Was er dort untersuchte war die Art des
menschlichen Wohnens und wie diese durch die Architektur vorgegeben und
vertreten wird, Bauprozesse und deren Ausdruck, die Geschichte der natürlichen
und gebauten Umgebungen des Menschen und Fragen die durch die heutige
Evolution hervorgerufen werden. Das Spezifische an Bergers Arbeit ist eine
Fragestellung, die das Dilemma zwischen architektonischem Nutzungsausdruck
und Ortscharakter auflöst. Seine Architektur vereinheitlicht einen symbolischen
Ausdruck der Nutzung und bietet eine Orientierung für die Zukunft eines Ortes:
seine Wahrnehmung, Organisation und seinen öffentlichen Raum. 1
Bergers Architektur erscheint unter folgenden Gesichtspunkten: Nüchternheit
der Fassaden, Verweigerung des Pittoresken, Respekt vor der Ausrichtung und
vor des Ortscharakters, Verewigung der Landschaft durch das Zurücktreten der
Architektur und Kontinuität. Ein bekanntes Projekt, ebenfalls in Paris, das Berger
1992 zusammen mit den Landschaftsgärtnern Gilles Clément und Alain Provost
entworfen hat, ist der Parc André-Citroën. 2004 gewann Patrick Berger den
Grand Prix national de l‘Architecture und seit 2014 ist er als Professor an der
Ecole Polytechnique Fédérale de Lausanne tätig. 2
Zu Jacques Anziutti lässt sich keine Information finden, außer dass er - wie auch
Patrick Berger - den Abschluss Architecte DPLG (diplômé par le gouvernement)
hat. La Canopée des Halles scheint ihr erstes gemeinsames Projekt gewesen zu
sein. 3
Text: Heidi Kresbach
1 https://patrickberger.fr/-A-propos-, Abruf 2022.04.12
2 Simon Texier: Berger Patrick (1947- ), in: https://www.universalis.fr/encyclopedie/patrick-berger/, Abruf
2022.04.12
3
http://www.berger-anziutti.fr, Abruf 2022.04.12
258
Marcel Breuer // Bernard Zehrfuss // Pier
Luigi Nervi
Marcel Lajos Breuer (1902_1981) studierte und unterrichtete am Bauhaus, wobei
er die Verbindung von Kunst und Technik in den Vordergrund stellte, und wurde
schließlich Leiter der Tischlerei der Schule. Später praktizierte er in Berlin und
entwarf Häuser und Geschäftsräume sowie eine Reihe von Metallrohrmöbeln,
von denen heute noch Repliken hergestellt werden. Der Auftrag für das
UNESCO_Hauptquartier in Paris im Jahr 1953 war ein Wendepunkt für Breuer:
eine Rückkehr zu größeren Projekten, nachdem er jahrelang nur Aufträge für
Wohnhäuser erhalten hatte. Breuer adaptierte Beton als seinem wichtigsten
Medium. Er wurde als einer der führenden Vertreter des Brutalismus bekannt. 1
Bernard Louis Zehrfuss (1911_1996) war ein französischer Architekt. Er
besuchte die École des Beaux-Arts in Paris und erhielt 1939 deren wichtigste
Auszeichnung, den Prix de Rome. Im selben Jahr entstand auch sein erster
großer Entwurf für das Sébastien_Charléty_Stadion in Paris. Nach einem kurzen
Aufenthalt in Nizza wurde er Assistent im Atelier von Eugene Beaudouin in
Marseille und gründete dann eine kurzlebige Künstlerkommune. Zehrfuss erhält
ein Visum für Spanien und schließt sich den Freien Französischen Streitkräften
an. Zehrfuss war leitender Architekt im Projekt des UNESCO_Hauptquatiers. 2
Pier Luigi Nervi (1891_1979) war ein italienischer Ingenieur und Architekt.
Er studierte an der Universität von Bologna. Nervi lehrte als Professor für
Ingenieurwesen an der Universität Rom. Er ist bekannt für seine brillanten
Leistungen als Bauingenieur und seine neuartige Verwendung von Stahlbeton. 3
1
vgl: Architectuul: Marcel Breuer, 2022; https://architectuul.com/architect/marcel-breuer (2022.05.01)
2
vgl: Architectuul: Bernhard Zehrfuss, 2022; https://architectuul.com/architect/bernard-zehrfuss (2022.05.01)
3
vgl: Architectuul: Pier Luigi Nervi, 2022; https://architectuul.com/architect/pier-luigi-nervi (2022.05.01)
Text: Greta Pirzl
259
Cuno Brullmann
Cuno Brullmann ist ein schweizer Architekt, wirkend vornehmlich in Frankreich
und Österreich.
Er studierte an der Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH), wo er
1969 graduierte.
In seinen ersten Jahren sammelte und lieferte Brullman in den Niederlanden,
Japan und London erste Erfahrungen und Beiträge. Von 1972 bis 1974 war er
bei dem renommierten Büro Renzo Piano Building Workshop als Architekt in
Mailand und Genua, worauf er ab 1974 bis 1976 bei dem gemeinsamen Büro von
Richard Rogers und Renzo Piano in Paris als „Senior Member“ unter anderem an
der Fertigstellung des Architektur-Klassiker Centre Pompidou beteiligt war.
1977 ging Brullmann mit seinem eigenen Büro in Paris in die Selbstständigkeit.
1983 gründete er erneut mit Arnaud Fougeras Lavergnolle das Unternehmen
B+FL S.A , welches 1998 zu Cuno Brullmann & associés sarl. company. in Paris
wird. 2003 wurde das Büro zu Cuno Brullmann, Jean-Luc Crochon & associates
und ist seit 2018 als Cro&Co Architects bekannt.
Von 1980 bis 1985 war er Professor am Pariser “Ecole Spéciale d‘Architecture”
und lehrte des weiteren 1995 an der Technischen Universität Wien als
ordentlicher Professor und unter anderem auch im Ausland in Japan und Dubai.
Brullman erhielt zahlreicher Auszeichnungen und Ernennungen und ist Mitglied
von Vereinigungen in der Schweiz und Frankreich, sowie Beirat der IBA Wien. 1
Text: Tevo Silbersiepe
1
Vgl. Cuno Brullmann Biographie
< http://www.cunobrullmann.com/biography2010web.htm> [Zugriff 29.04.2022 18:38}
260
Bruther
Stéphanie Bru // Alexandre Theriot
Das Pariser Architekturbüro Bruther wurde 2007 von Bru und Theriot gegründet
und betätigt sich neben der Architektur auch in Bereichen wie Forschung,
Bildung und Urbanistik. 1
Die Architektur von Bruther ist sehr reduziert: „We don‘t subscribe to the
religion of minimalism, but we look for a certain nudity, Architecture is what
remains when you get rid of the superfluous.“, so Stéphanie Bru. Sehr geprägt
hat die Architekt*innen eine 6 Monate lange Reise nach Japan, auf der sie auch
ihren Stil und ihre individuelle Herangehensweise entwickelten. Sie beschreiben
diese selbst, als eine Kultur des offenen Grundrisses mit einer aufgelösten
Struktur. Gleichzeitig wollen sie zeigen, dass man thermisch effizient bauen
kann, während man dennoch Transparenz beibehält. 2 Eine besondere Rolle
spielt daher die Materialität: in ihren bisherigen Gebäuden arbeiteten sie viel mit
Beton, Stahl und Glas. Diese werden klar und sehr durchdacht eingesetzt.
Bruthers Architektur wird weiters als „Austerity Architecture“ beschrieben, ein
Ansatz der in Frankreich auch vom Architekturbüro Lacaton & Vassal vertreten
wird. Es geht dabei darum, die Moderne mit Minimalismus zu verbinden und ihr
ihren ursprünglichen sozialen Zweck zurückzugeben. 3 Bru und Theriot legen
geringen Wert auf große Gesten und Form, sondern stellen den Menschen
als Nutzer in den Vordergrund. Eine reduzierte Formensprache charakterisiert
ihre Entwürfe, wie etwa die „Résidence pour chercheurs“ oder das Kultur- und
Sportzentrum Saint-Blaise in Paris. Sie sind davon überzeugt, dass sich die
Anforderungen an Räume stetig verändern und Nutzungen weiterentwickeln. In
ihren Projekten versuchen sie daher entsprechend flexible Raumstrukturen zu
planen. 4
1
Devanshi Shah: Swiss Architectural Award 2020: Exploring the works of Parisian practice Bruther, in: https://www.
stirworld.com/see-news-swiss-architectural-award-2020-exploring-the-works-of-parisian-practice-bruther, Abruf
2022.05.01
2
Andrew Ayers: Bruther, in: Architectural Record 2017/12
3
ebd.
4
o.V.: Stéphanie Bru, Alexandre Theriot (Bruther): The norm and the unsettled, in: https://aut.cc/veranstaltungen/
vortrag-bruther-1, Abruf 2022.05.01
Text: Sarah Fuchs
261
CAB Architectes
Jean-Patrice Calori // Bita Azimi // Marc Botineau
2002 ins Leben gerufen, lernten sich die Gründungsmitglieder Jean-Patrice
Calori, Bita Azimi und Marc Botineau einige Zeit davor bei der Umgestaltung des
Lycée Jules Ferry in Cannes kennen. 1 Seit dieser gemeinsamen Arbeit ist ein
Großteil der Projekte in den Alpes-Maritimes, eine Gegend im Süden des Landes
in der Region um die Côte d‘Azur, verortet.
Wichtig ist und war den Architekten ein gemeinsamer Weg, der sie von Projekt
zu Projekt führen sollte. Grundsätzliche Themen in ihrer Arbeit waren immer die
in dieser Gegend sehr spannende Landschaft und die eigene Recherche dazu,
essentiell die Suche nach dem „Duft des Südens“. 2
Abgesehen von ihrer Arbeit im Süden des Landes, entwirft das Büro mit Sitz
in Nizza und Paris auch Bauprojekte in der Hauptstadt, wie zB bei der ENSAE
PARISTECH. 3 Abgesehen von solchen Arbeiten im öffentlichen Bereich, wie
Schulen und Universitäten, engagieren sich die Architekten auch im Bereich des
sozial nachhaltigen Wohnungsbau, unter anderem bauten sie das ZAC social
housing Projekt in einem alten Lagerhaus am Hafen. 4
„Vom Schulkomplex in Beausoleil bis hin zu den Wohnhäusern am Hang in Eze
neigt CAB ARCHITECTES dazu, Gebäude zu produzieren, die ihr Ziel nicht
anzeigen, sondern ihr eigenes Rätsel in sich tragen, ein Vorbote einer möglichen
Veränderung.“ 5
Text: Johanna Czerny
1
vgl: www.cabarchitectes.com/agence, Abruf 2022.04.29
2
vgl: www.architizer.com/firms/cab-architectes, Abruf 2022.04.29
3
vgl: www.cabarchitectes.com/contact, Abruf 2022.04.29
4
vgl: www.afasiaarchzine.com/2020/05/cab-architectes-2, Abruf 2022.04.29
5
www.cabarchitectes.com/agence, Abruf 2022.04.29
262
Pierre Charreau // Bernard Bjivoet
Der französische Architekt Pierre Chareau lebte zwischen den Jahren 1883
und 1950. Der vorwiegend als Möbeldesigner und Innraumgestalter tätige
Architekt, wandte sich im Projekt Maison de Verre einem neuen Maßstab zu. 1
Chareau war Mitbegründer des Congrès International d‘Architecture Moderne
(CIAM) sowie Union des Artistes Modernes (UAM). Teil dieser französischen
Avantgardegruppen waren unter anderem auch Le Corbusier und Charlotte
Periand. 2
Der zweite am Maison de Verre tätige Architekt war der Niederländer Bernard
Bijvoet. Er lebte zwischen den Jahren 1889 und 1979 und war im Wohnungsund
Theaterbau tätig. Bijvoet kollaborierte in den Niederlanden gemeinsam mit
dem Architekten Jan Duiker. In Frankreich arbeitete er unter anderem mit den
Architekten Chareau, Beaudouin und Lods. 3
1
Vgl. Emma Cheatle: Part-Architecture: The Maison de Verre, duchamp, Domesticity and Desire in 1930s Paris, 2017,
S. 17.
2
Vgl. o.A.: Pierre Chareau (18831950), URL: < https://www.markanto.de/designer/chareau-pierre/> [Zugriff:
21.04.2022].
3
Vgl. Ronald Zoetbrod: The architectural career of Bernard Bijvoet, 2000, URL: < https://www.erzed.nl/enintro.
html> [Zugriff:21.04.2022].
Text: Jonathan Kaserer
263
Studio Combo
Julien Labrousse // Jérôme Friand
Studio Combo, Büro mit Sitz in Paris und Lissabon, positionieren sich als
multidisziplinäre Agentur mit Expertise an der Schnittstelle von Architektur,
Landschaftsplanung und Städtebau. 1
Bisher haben Studio Combo primär Innenarchitekturprojekte im Bestand mit
einem Fokus auf Hotel- und Gastgewerbe realisiert, darunter mehrere Bars und
Restaurants, Hotelzimmer und Gästehäuser in Frankreich, Portugal und Spanien.
Auch zahlreiche Umbauten privater Wohnungen oder Büros hat das Büro bereits
durchgeführt, mehrere davon in historischem Kontext.
Labrousse und Friand haben auch bereits in größerem Maßstab mehrmals mit
historischen und denkmalgeschützten Gebäuden gearbeitet, beispielsweise bei
der Instandsetzung des Palacio do Grilo in Lissabon aus dem 18. Jahrhundert.
Studio Combo wurde auch mit der Rekonstruktion des Konzertsaals Élysée
Montmartre aus dem frühen 19. Jahrhundert beauftragt. Auf dessen Dach
brachten Studio Combo zusätzlich ein luftiges Büro mit freiliegendem
Tragwerk untergebracht unter. Für das Theater Le Trianon aus dem späten 19.
Jahrhundert übernahm das Büro ebenfalls Umbau und Restaurierung. Beide
Gebäude sind im Pariser Vergnügungsviertel Pigalle gelegen.
Für die vom namhaften Naturfotografen Yann-Arthus Bertrand gegründete
Fondation GoodPlanet gestaltete das Team im Château de Longchamp und der
umliegenden Parklandschaft im Bois de Boulogne ein Headquarter mit Museum,
Auditorium und Freiluftausstellung. 2
Erneut zum Einsatz kamen die Erfahrungen von Studio Combo in der Arbeit mit
historischer Bausubstanz bei der Transformation des Güterbahnhofs Pantin in
die Cité Fertile.
Text: Flora Chiba
1
Une agence d'architecture multidisciplinaire, in: www.studiocombo.fr, Abruf: 2022.04.24
2
Réalisations, in: www.studiocombo.fr, Abruf: 2022.04.24
264
Michel Desvigne Paysagiste
Annette Gigon // Mike Guyer
Michel Desvigne studierte Botanik und Geologie in Lyon und Landschaftsarchitektur
in Versaille, wo er 1984 diplomierte. Er arbeitete zusammen mit Christine Dalnoky
als Landschaftsarchitekt:innen in der Villa Medici in Rom zwischen 1986 und
1988 und daran anschließend bis 1996 weiterhin gemeinsam in Frankreich. 1989
wurden sie von Renzo Piano zur Gestaltung eines Gartens in Paris beauftragt,
wodurch sie Bekanntheit erlangten.
In seiner Arbeit hebt Michel Desvigne die Landschaften und deren Mechanismen
hervor, sie sind streng, zeitgenössisch und entschlüsseln die Umgebung. Er
überträgt die Idee der amerikanischen Parksysteme insbesondere in europäische
Stadtrandgebiete um in ihnen Organisation zu schaffen und die Zersiedelung
aufzulösen.
Seit 1998 lehrt Michel Desvigne unter anderem an der Harvard Graduate School
of Design in Cambridge, der ENSP in Versailles, der EPFL in Lausanne und der
Architectural Association in London.
Die Projekte sind in verschiedensten Maßstäben von Gärten, öffentlichen
Plätzen bis hin zu Masterplänen in Städten und Regionen. Zu den bekanntesten
Projekten zählen die Restaurierung des alten Hafens in Marseille, für die MDP
den europäischen Preis für öffentlichen Stadtraum erhalten hat, die Rive Droite in
Bordeaux, der Otemachi Park in Tokio oder die Innenstadt von Toulouse. 1
1
vgl: MDP: Michel Desvigne, in: micheldesvignepaysagiste.com/en/michel-desvigne-0, Abruf: 2022.04.29
Text: Lisa Blenk
265
Encore Heureux
Julien Choppin // Nicola Delon // Sébastien Eymard // Sonia Vu
Encore Heureux, zu Deutsch „immer noch glücklich“, wurde 2001 von Julien
Choppin und Nicola Delon gegründet. Das Büro widmet sich neben klassischen
Bauaufträgen, der Entwicklung und der Forschung an dem architektonischen
und städtebaulichen Umgang mit den sozialen und ökologischen Problemen
und Aspekten in unserer Gesellschaft. Als Teilantwort auf diese Fragen wurden
bereits Spielplätze, Möbel, Ausstellungen und Installationen entworfen.
Später steigen noch Sébastien Eymard und Sonia Vu als Partner ein.
Das Kollektiv hat den Anspruch, aus verschiedenen Blickwinkeln ihre Ideen
und Entwürfe zu beleuchten, sie wollen also mehr sein als ein“einfaches“
Architekturbüro.
Das Kollektiv gilt als Vorreiter für die theoretische und praktische
Auseinandersetzung mit wiederverwendeten Materialien in der Architektur.
In Ihrer Arbeit schauen sie auf die Probleme in unserer heutigen Gesellschaft
(Abfall, Umweltkrise, (Über-)Konsum, Obdachlosigkeit usw.) und reagieren mit
ihren Entwürfen und Ideen darauf. 1 2
Diese vielfältigen Initiativen sind sowohl in der Welt der Stadtplanung
(öffentliche Aufträge, Bestellungen) als auch in der Welt der Kultur
(Kunstveranstaltungen, Residenzen) angesiedelt, lockern die Grenzen auf und
ermöglichen es, neue Interventionsrahmen für Praktiker im öffentlichen Raum
zu erfinden.
2018 wurde Encore Heureux international bekannter, sie durften das Konzept
für den französischen Pavillon auf der Biennale gestalten. Unter dem Titel
„Infinite Places“ wurde der Fokus auf zehn Orte in Frankreich gelegt, die sich
auf unterschiedlichste Weisen mit der Bewältigung von akuten (Gesellschafts-)
Problemen auseinandersetzten. 3
Text: Maja Munck
1
Pourquoi on en parle, in: https://arteplan.org/initiative/encore-heureux/, Abruf 2022.04.28
2
Jakob Schoof: Der Charme des Alten: Ausstellung „Matière Grise“ in Paris, in: www.detail.de/de/de_de/dercharme-des-alten-ausstellung-matiere-grise-in-paris-12714,
Abruf 2022.04.21
3
Being in a Bi en na le – In ter view #4: Ju li en Chop pin, in: https://www.espazium.ch/de/aktuelles/being-biennaleinterview-4-julien-choppin,
Abruf 2022.04.28
266
Adrien Fainsilber
Adrien Fainsilber wurde 1932 in Le Nouvion en Thiérache in Frankreich geboren
und ist französischer Architekt und Stadtplaner. Er studierte Architektur an der
Königlich Dänischen Kunstakademie in Kopenhagen und legte sein Diplom an der
École nationale supérieure des beaux-arts in Paris 1960 ab. Mit seiner Kollegin
Högna Sigurðardóttir gewann er 1967 den 1. Platz für den Ideenwettbewerb für
die Universität Paris Nord in Villetaneuse.
In Cambridge arbeitete er für den Landschaftsarchitekten Hideo Sasaki und
studierte am Institut d´aménagement et d´urbanisme de la région parisienne
(IAURP). 1970 gründete er sein eigenes Architekturbüro und ist Mitglied des
Ordre des Architectes von Frankreich und der französischen Vereinigung der
Stadtplaner. 1
1
Wikipedia: Adrien Fainsilber, in: https://de.wikipedia.org/wiki/Adrien_Fainsilber, Abruf: 28.04.2022
Text: Arno Poll
267
Dietmar Feichtinger Architectes
Der Österreicher Dietmar Feichtinger (1961) studierte bis 1988 an der TU Graz
Architektur und schloss mit Auszeichnung ab. Nach ersten Erfahrungen bei
Prof. Huth, Prof. Giencke und Prof. Klaus Kada wechselte er 1989 nach Paris,
wo er 1994 das Büro Dietmar Feichtinger Architectes gründete. 2002 Gründung
der Filiale in Wien. Seit 1994 lehrt Feichtinger an verschiedenen Universitäten,
so der Universität Paris VI - La Villette, der RWTH Aachen, der Universität
Innsbruck und der Universität Wien. Er wurde für seine Arbeiten vielfach
ausgezeichnet und ist international erfolgreich. 1
Ein bewusst struktureller Zugang mit innovativen technischen Lösungen und
nachhaltigen und energieoptimierten Konzepten prägen die Entwürfe des Büros.
Die Architektur bezieht sich sensibel auf ihre Umgebung.
Beschäftigungsbereiche sind: Brücken, ökologisches Bauen, Visualisierung,
Projektentwicklung, Wettbewerbe, Modellbau, Generalplanung. 2
Jeder Standort fordert sein eigenes Projekt. Jedes Projekt als ein neues Projekt
zu behandeln, das sich an einen bestimmten Standort anpasst, ist eine gute
Möglichkeit, Routine zu vermeiden. Dabei geht es darum, jedes Mal eine neue
Lösung zu finden, hochmodern, hochaktuell zu sein und vor allem stilistische
Vorgaben zu vermeiden. Jeder Ort, jede Naturlandschaft, jede urbane
Umgebung erfordert eine eigene Antwort.
Dietmar Feichtinger ist bekannt für Arbeiten wie die Fußgängerbrücke Simone
de Beauvoir in Paris, die Donauuniversität Krems oder das Kunsthaus Weiz. 3
Sein jüngstes Projekt in der Steiermark drückt jene Werte aus, die für ihn durch
Architektur unterstütz werden sollen: Drei miteinander verbundene Schulen
bieten die Möglichkeit zur Entfaltung und dem miteinander und voneinander
lernen. 4
Text: Olha Karnaushenko
1
www.feichtingerarchitectes.com/upload/df_portrait_de.pdf
2
www.arcguide.de/firmenverzeichnis/DFA--Dietmar-Feichtinger-Architectes/
3
www.architonic.com/de/microsite/dietmar-feichtinger-architectes/5203263
4
www.creativeaustria.at/2020/11/30/unterrichtsmaterialien-fuer-den-unterricht-deutsch-als-fremdsprache-zumfilm-ueber-den-architekten-dietmar-feichtinger/
268
Edouard François
Édouard François wurde am 02.04.1957 in Boulogne-Billancourt geboren und ist
ein französischer Architekt. 1
Er studierte an der Ecole Nationale des Beaux-Arts de Paris und der Ecole
Nationale des Ponts et Chaussées. 1998 gründete er sein eigenes Büro für
Architektur, Stadtplanung und Design und erlagte schnell internationale
Bekanntheit. Zu seine Arbeit zählen Projekte wie The Building that Grows
(Montpellier, 2000), Flower Tower (Paris, 2004) und Fouquet‘s Barrière Hotel
(Paris, 2006) bekannt. Seine Arbeiten werden regelmäßig auf internationaler
Ebene ausgestellt, insbesondere im Canadian Centre for Architecture in
Montreal, im Guggenheim Museum in New York, im Victoria & Albert Museum
in London und auf der Architekturbiennale in Venedig, neben anderen
renommierten Ausstellungsorten und Veranstaltungen, dem Centre Pompidou
und dem FRAC Centre. Pflanzen sind ein wichtiger Bestandteil seiner Bauten.
Meistens gewährt er ihnen Platz, entlang der Fassaden zu wachsen. 2
2011 wurde er zum Designer des Jahres ernannt und darüberhinaus nahm das
Royal Institut of British Architects ihn für seine Verdienste in der Architektur
als internationales Ehrenmitglied auf. 2012 verlieh das französische Ministerium
für Kultur und Kommunikation François den Rang eines Chevalier des Arts et
Lettres. 3
Ebenfalls im Jahr 2012 gab Edouard François seiner Agentur neue Impulse,
die in Maison Edouard François umgewandelt wurde. Maison Edouard
François besteht aus einem internationalen Team von Architekten, an die er
seine Philosophie und sein Fachwissen weitergegeben hat, und entwickelt
nachhaltige, einzigartige und innovative Projekte, die alle spezifisch in Bezug auf
ihren geografischen, wirtschaftlichen, sozialen, historischen und ökologischen
Kontext entwickelt werden. 4
1
https://en.wikipedia.org/wiki/%C3%89douard_Fran%C3%A7ois
2
https://www.mchmaster.com/es/de/professoren/edouard-francois/
3
https://www.institutfrancais.de/stuttgart/event/edouard-francois-15444
4
https://www.mchmaster.com/es/de/professoren/edouard-francois/
Text: Sima Cosima
269
Gigon/Guyer
Annette Gigon // Mike Guyer
Annette Gigon und Mike Guyer studierten beide Architektur an der ETH Zürich.
Annette Gigon arbeitete nach ihrem Studium ab 1984 bei ARCOOP und Herzog de
Meuron und ab 1987 selbstständig. Mike Guyer arbeitete ebenfalls nach seinem
Diplom ab 1984 bei Rem Koolhaas in Rotterdam und ab 1987 eigenständig. 1989
gründeten sie zu zweit das Büro Gigon/Guyer in Zürich, mit mittlerweile mehr als
40 Mitarbeiter:innen.
Das erste Projekt war das Kirchner Museum in Davos im Jahr 1992, darauf
folgten zahlreiche weitere Museumsprojekte in Frankreich, Deutschland oder der
Schweiz. Seit einigen Jahren arbeitet Gigon/Guyer ebenfalls intensiv im Wohnbau
und im Bürobau. Seit 2012 haben Annette Gigon und Mike Guyer die Professur
für Architektur und Konstruktion an der ETH Zürich, nachdem beide davor als
Gastdozent bzw. als Gastdozentin in der Schweiz gearbeitet haben.
Neben dem Campus der École CentraleSupélec zählt auch der Umbau des
Hörsaals der Universität Zürich zu den von ihnen realisierten Bildungsbauten.
Zu den bekanntesten Gebäuden zählen unter anderem das Kirchner Museum in
Davos, das Archäologische Museum und das Kunstmuseum Appenzell. 1
Text: Lisa Blenk
1
vgl: Gigon/Guyer: Dokumentation, in: gigon-guyer.ch/wp-content/uploads/P_05_Gigon_Guyer_Dok_D_2102_
www.pdf, Abruf: 2022.04.29
270
Grand Huit
Julia Turpin // Marine Kerboua // Clara Simay
Grand Huit ist eine Pariser Kooperative aus Architekt*innen,
Landschaftsarchitekt*innen und Stadtplaner*innen, die es sich zum Ziel gesetzt
haben, neue Formen des Wohnens und Zusammenlebens zu erforschen und in
ihrer Arbeit voranzutreiben.
hr Schaffen ist von Bestrebungen nach Nachhaltigkeit, Resilienz und
Kreislaufwirtschaft geprägt, kurzum: von ökologischem Engagement. Weiters
achten Grand Huit stark auf die Verankerung des jeweiligen Projekts in seinem
Umfeld: Neben der Verwendung lokaler Ressourcen werden mit der Einbindung
ortsansässiger Akteure (zB im Rahmen partizipativer Bauarbeiten) auch die
soziale Nachhaltigkeit nicht außen vor gelassen, und durch persönlichere
Bezüge Akzeptanz für das Projekt geschaffen. 1
Das Team um Turpin, Kerboua und Simay sehen als ihre Aufgabe nicht die bloße
Produktion von Architektur, sondern verfolgen einen ganzheitlicheren Ansatz:
So steigen sie bereits früher in den Planungsprozess ein als üblich und begleiten
Kunden schon bei der Findung bzw Schärfung ihres Projektprogramms bevor
noch die architektonische Ausformulierung im Raum steht.
Grand Huit haben bisher mehrere Nachnutzungs- und Renovierungsprojekte
in Paris und Umland durchgeführt, zB die Umwandlung des letzten erhaltenen
Pariser Kuhstalls der Ferme de Montsouris in Proben- und Veranstaltungsräume
oder der Umbau der Kaserne von Senlis in ein Seniorenheim. Für die École
d‘Architecture Paris La Villette haben Grand Huit im Zuge einer Sanierung die
Umgestaltung der Arbeitsräume übernommen. Die Ferme du Rail an der Pariser
Ringbahn ist das erste komplett neu errichtete Projekt des Büros in größerem
Maßstab. 2
1
qui sommes-nous?, in: www.grandhuit.eu, Abruf 2022.04.29
2
www. grandhuit.eu, Abruf 2022.04.29
Text: Flora Chiba
271
Gérard Grandval
Der am 7. Oktober 1930 geborene Pariser, zeigt bereits als Gymnasiast Interesse
an Architektur. 1948 zeichnet er in der Agentur von Architekt Jacques Carlu
interimistische UNO Einrichtungen. Ab 1950 studiert er bildende Kunst in Paris.
Während seiner Arbeit als Innenausstatter für das Modehaus Cacharel findet er
Gefallen an farbigen Plastik- und Metallinterieurs in Kombination mit Rundungen.
Neben der Teilnahme an Wettbewerben, studiert Grandval auch Flughäfen,
erarbeitet ein Projekt für 1000 Kindergärten beziehungsweise Schulen im
Vorfertigungssystem, entwickelt Verbesserungsvorschläge eigenständiger
Produktionsabläufe von Plastikmöbeln.
Sein Hauptwerk ist das 1968 begonnene und 1973 realisierte Quartier du Palais,
in der damals neu entstehenden Stadt Créteil.
Die Wohntürme mit insgesamt 600 Appartments bestimmen das Stadtbild und
sind Symbol für Einklang von Form und Funktion.
Seine Turmbauten mit ihren charakteristisch hochgezogenen Balkonen aus
Sichtbeton und dem breitgelagerten Gebäude im Zentrum resemblieren Pariser
Landwirtschaft und machen Stadt und Architekten weltbekannt.
Aufgrund der ausbleibenden Nachfrage seitens Mieter, wurde beschlossen einen
Teil der Anlage in Sozialwohnungen umzuwandeln. Dies führte, zum Leidwesen
des Architekten, auf das Unterbleiben der Fassadenbegrünung.
Grandval zeichnet sich, trotz Kritik, in den darauffolgenden Jahren durch
innovative Konzeptideen aus. 1
Text: Daniel Junger
1
Jörn Garleff: Gérard Grandval, in: https://deu.archinform.net/arch/72970.htm, Abruf 2022.04.30
272
Hamonic + Masson & Associés
Gaëlle Hamonic// Jean-Christophe Masson// Marie-Agnès de Bailliencour
1997 wurde das Büro gegründet, 2001 für den Mies van der Rohe-Preis
nominiert und 2002 mit dem Nouveaux Albums de la Jeune Architecture
(NAJA) ausgezeichnet, einem Preis des Kulturministers. Sie wurden 2003 von
der breiten Öffentlichkeit anerkannt, indem sie das Maison Métal für den Parc
de la Villette entwarfen. Es war eine Veranstaltung, die Hamonic+Masson an
die Schnittstelle von Kunst und Architektur brachte. Es eröffnete eine Reihe
von Ausstellungen und inszenierte Veranstaltungen wie die Co-Kuratierung des
französischen Pavillons auf der Biennale von Venedig 2008 und in der Stadt der
Architektur und des Kulturerbes usw.
Im Jahr 2012 erhielt das Büro den „prix spécial AMO Saint-Gobain“ für den Bau
von 62 Sozialwohnungen in der Rue Villiot im 12. Arrondissement von Paris.
Das Unternehmen relisierte bereits 15 Projekte und entwickelt weiter in ganz
Frankreich. Es arbeitet mit öffentlichen und privaten Auftragnehmern zusammen
und ist bestrebt, in allen Arten von Kontexten und Bereichen zu handeln (z. B.
Wohnungswesen, öffentliche Einrichtungen, Unternehmen, Büros, Infrastruktur
usw.).
Sie beteiligt sich derzeit an der Debatte über die Höhe, welche in ganz
Frankreich für große Diskussionen sorgt. Im Jahr 2015 schloss das Büro das
erste 50 Millionen große Wohnprojekt von Paris seit den 1970er Jahren im
Stadtteil Masséna ab.
Hamonic+Masson entwickelt sich international und nimmt an verschiedenen
Konsultationen, Ausstellungen und Konferenzen auf der ganzen Welt teil. 1
1
https://archinect.com/hamonicmasson 28.4.22 17:00
Text: Lukas Notheis
273
Ilimelgo
Valérian Amalric // Catherine Gascon
Das Architekturbüro Ilimelgo versucht in seinen Entwürfen und Projekten stets
auf den Umweltaspekt einzugehen. So stellt sich dem Team die Frage, wie
wollen wir in Zukunft leben? Wie gestalten wir Städte für unsere Kinder.
In Ihren Projekten spielt deshalb oft der Umgang mit intensiver Begrünung oder
Urban Gardening, neben anderen sozialen Aspekten, eine wichtige Rolle.
Das Büro hat zwei Standorte, neben Paris hat es einen Ableger in der
Hauptstadt der Bretagne in Rennes. Derzeit arbeiten insgesamt 11 Personen für
Ilimelgo. 1
Das Architekturbüro hat neben dem oft Publizierten Cité maraîchère de
Romainville auch weitere Urban Gardening Projekte in Planung. Sehr interessant
ist auch das derzeitige Bauprojekt „hautes serres“, im Zac Magellan. Dort wird
ein urbanes Gewächshaus als Lärmschutz zwischen Autobahn und Wohngebiet
eingesetzt. 2
Ilimelgo konzentriert sich stark auf die Entwicklung städtischer Farmen, einen
regionalen Lebensmittelmarkt und pädagogische Gewächshäuser. Durch die
urbane Landwirtschaft will Ilimelgo aber auch ein Bewusstsein in der lokalen
Bevölkerung für die Notwendigkeit nachhaltiger und innovativer Systeme
und Ideen für unsere Zukunft zu entwickeln. In Ihren Projekten wird nicht
nur der Fokus auf eine nachhaltige (Land-) Wirtschaft gelegt, sondern auch
die Nachbarschaft langfristig mit sozialen Angeboten und Interventionen
einzubinden. 3 4
1
Agence, in: https://ilimelgo.com/fr/agence, Abruf 2022.04.24
Text: Maja Munck
2
Hautes Serres, in: https://ilimelgo.com/fr/projets/cultiver/hautes-serres, Abruf 2022.04.24
3
Portfolio Ilimelgo, in: https://issuu.com/ilimelgo8/docs/ili_portfolio_interieur__jan_2019_8d0aaa303c9f79/73,
Abruf 2022.04.24
4
Illmelgo architectes, in: www.https://www.metalocus.es/en/author/ilimelgo-architectes, Abruf 2022.04.24
274
Jakob + MacFarlane
Dominique Jakob// Brendan MacFarlane
Jakob + MacFarlane ist ein französisches Architekturbüro, das 1998 von
Dominique Jakob und Brendan MacFarlane gegründet wurde. Der Hauptsitz
befindet sich in Paris.
Dominique Jakob wurde am 26. August 1966 in Paris geboren. Sie studierte an
der École d‘architecture de Paris-Villemin (heute École nationale supérieure
d‘architecture de Paris-Val de Seine) und schloss ihr Studium 1991 ab.
Brendan MacFarlane wurde am 13. September 1961 in Christchurch, Neuseeland,
geboren. Er graduierte 1984 am Southern California Institute of Architecture und
1990 an der Graduate School of Design der Harvard University.
Die beiden lernten sich kennen, als sie für die in Los Angeles ansässige Firma
Morphosis Architects arbeiteten, die später 2005 den Pritzker-Preis gewann.
1998 gründeten sie Jakob + MacFarlane in Paris.
Im Januar 2001 waren sie eines von 25 Architekturbüros, die für die Teilnahme
an der ersten Ausstellung von Architektur ausgewählt wurden, die durch
computergestütztes Design ermöglicht wurde.
Im Jahr 2002, nach der Zerstörung des World Trade Centers bei den Anschlägen
vom 11. September im Vorjahr, schlug das Unternehmen vor, das Gelände „in
ein neues World Peace Center zu verwandeln, das von gewundenen roten und
grünen Türmen dominiert wird, die sich wie verdrehte Grashalme in den Himmel
krümmen“. Im Jahr 2007 gewann das Büro den Globe de Cristal Award für
den besten Architekten. 2019 gewann Jakob selbst den „Architektinnenpreis“.
Die beiden haben auch als Gastprofessoren in verschiedenen europäischen
Architekturprogrammen gelehrt. 1
1
https://en.wikipedia.org/wiki/Jakob_%2B_MacFarlane am 27.04.2022 15:00
Text: Notheis Lukas
275
Jourda Architectes Paris
Raphaëlle-Laure Perraudin // Noémie Roux // Valeria Cataldi
Seit der Gründung 2003, durch die Architektin Françoise-Hélène-Jourda, steht
das Büro für eine verantwortungsbewusste Positionierung, die ausdrücklich
im Dienst der Menschen und Lebewesen steht. Das, ausschließlich aus Frauen
bestehende Team hebt die Stichworte; sanfte Innovation, Sensibilität und die
Gesundheit der Endnutzer oder Bewohner besonders hervor. Sie zelebrieren das
Experimentieren und sehen die Notwendigkeit Problemen mit Engagement zu
begegnen, um zukunftstaugliche Lösungen zu entwickeln.
“Unsere Arbeit, ob es um den urbanen Maßstab, das Quartier, das Gebäude
oder das Objekt geht, will Teil dieser tiefen Überzeugung sein, dass unser Knowhow
wirklich denen zugute kommen muss, die in diesen Räumen leben und die
Objekte nutzen werden.” 1
Raphaëlle-Laure Perraudin übernimmt 2015, nach dem Ableben der Gründerin
die Leitung des Büros. Sie ist seit 2007 angestellt und bildet nun das essenzielle
Bindeglied zu vergangenen Projekten und Überzeugungen. Neben Ihr sind drei
weitere Architektinnen und eine Wirtschaftsprüferin mit im Team. Darüber
hinaus gibt es eine Vielzahl an Architekt:Innen und Partnern, mit welchen schon
gemeinsame Projekte entstanden.
Text: Daniel Ornetzeder
1
jourda-architectes.com/ agence
276
Jacques Kalisz
Jacques Kalisz (* 6. September 1926 in Paris; † 6. März 2002 ebenda) war ein
französischer Architekt. 1
In den 1930er Jahren emigrierte er mit seiner Familie nach Frankreich.
Nach dem Zweiten Weltkrieg, in dem sein Vater bei der Deportation nach
Deutschland starb, studierte er Architektur an der École des Beaux-Arts in Paris,
wo er bei André Wogenscky und Édouard Albert studierte. 1
Von 1963 bis 1973 war Jacques Kalisz Mitglied des AUA (Atelier d‘urbanisme et
d‘architecture), einer wahren „Kinderkrippe“ von Architekten, die hauptsächlich
Projekte in den Vororten durchführten.
Gleichzeitig unterrichtet er an der Unité pédagogique d‘architecture n°1 in
Paris. Eine seiner größten Errungenschaften ist das 1972 erbaute Pantin
Administrative Centre, heute Centre national de la Danse, das durch die
respektvolle Adaption der Architekten Antoinette Robain und Claire Gueysse
wieder aufgewertet wurde. Wir können dieses Gebäude mit seiner spektakulären
Umsetzung von Beton als eines der Beispiele für „brutalistische“ Architektur
betrachten.
Besorgt über die soziale Rolle der Architektur, vergisst er auch nicht die
didaktische Dimension „Ich möchte, dass wir in der Schule lernen, „unsere
Straße zu lesen“, dass die Menschen lernen, ihre Straße zu entschlüsseln,
während sie ein Buch lesen, und dass sie eine Vorstellungskraft, einen
Geschmack, einen Willen, Anforderungen an die Straße haben!“ 2
1
https://fr.wikipedia.org/wiki/Jacques_Kalisz 27.04.22 12:35
2
vgl: https://patrimoine.seinesaintdenis.fr/Jacques-Kalisz 27.04.22 12:50
Text: Lukas Notheis
277
Lacaton & Vassal
Anne Lacaton // Jean Philippe Vassal
Das Büro „Lacaton & Vassal“ wurde 1987 von Anne Lacaton und Jean Philippe
Vassal in Paris gegründet. Bis jetzt haben sie nur insgesamt fünf Mitarbeiter
und widersprechen damit der Marktlogik und profitorientierten Architektur von
anderen anerkannten Büros.
Zu den bekanntesten Projekten des Büros zählen das „Palais de Tokyo“ in Paris
und die Architekturfakultät in Nantes.
In den Gebäuden und Entwürfen von „Lacaton & Vassal“ geht es immer um die
Wirtschaftlichkeit mit Blick auf den Menschen beziehungsweise Nutzer.
Passend dazu führten die Architekten zusammen mit ihrem Kollegen Druot eine
Studie namens „Plus“ zum Pariser Wohnbau durch. Es ging darum, dass in Paris
60er und 70er Jahrebauten mit über 200000 Wohnungen abgerissen werden
sollten. Die Studie belegte, dass eine Sanierung beziehungsweise Restaurierung
nicht nur günstiger sondern auch wirtschaftlicher wäre.
Ein Extrembeispiel für die wirtschaftliche Orientierung des Büros ist ein
Einfamilienhausprojekt aus den 1990ern in Bordeaux. Der Auftraggeber wollte
ein möglichst großes Haus für möglichst wenig Geld. „Lacaton & Vassal“
lieferten einen einfachen Holzbau mit darübergestülptem Gewächshaus aus
Fertigteilen, die Ebene zwischen den beiden Baukörpern blieb unbeheizt. Somit
erhielten die Auftraggeber ein 185 qm großes Haus für nur 55000 €.
Anhand dieses Beispiels lässt sich sehr gut die Zweckmäßigkeit der Bauten
des Büros erkennen, man könnte sogar sagen der Mut zur Hässlichkeit ist
erkennbar.
Ein weiteres bekanntes, jedoch nicht realisiertes Projekt ist ein
Sozialwohnungsbau in Hamburg. „Lacaton & Vassal“ reichten einen
Entwurfsvorschlag mit Balkonen in den Wettbewerb ein, was den Vorgaben
widersprach. Obwohl sie im vorgegebenen Budget
blieben flogen sie aus dem Wettbewerb. Für sie war das das Ende des sozialen
Wohnbaus des Büros, da dieser laut Jean Philippe Vassal eben nicht mehr am
Menschen sondern nur noch an der Wirtschaftlichkeit orientiert ist.
Text: Konrad Graunke
Laura Weißmüller: Genial räudig, in: https://www.sueddeutsche.de/kultur/architektur-genialraeudig-1.4027347,
Abruf 2022.29.04.
https://www.deutschlandfunk.de/pritzker-preis-fuer-architektur-geringes-budgetmaximale100.html, Abruf
2022.29.4.
278
Éric Lapierre Experience
Éric Lapierre// Laurent Esmilaire // Tristan Chadney
Eric Lapierre gründete das Studio im Jahr 2000 und 2020 erweiterte er das
Büro mit zwei Partner Tristan Chadney und Laurent Esmilaire. „Surprise based
architecture „ ist ein wichtiger Teil seiner Arbeit. Wie kann Überraschung als
ein nicht lang anhaltendes Akt ihre Kurzfristigkeit überwinden und somit zur
Architektur der Erfahrung werden? Wie können Rationalität und Konvention
im Sinne von „Common Culture“ diesen Phenomen beeinflussen? und wie lässt
sich Architektur als zeitgenössisches Medium in dem Gewöhnlichen bewahren?
Eric Lapierre arbeitet mit dem unerwartenen Widerspruch, durch die leichte
Abweichung von der Konvention die zur Poesie und Metapher wird.
Seine bedeutendsten Gebäude sind das Kunstzentrum Le Point du Jour
in Cherbourg, das Studentenwohnheim/ Chris Marker in Paris und die
Logistikplattform für Toulouse Logistique Urbaine. Eric Lapierre ist ein Architekt,
Lehrer, Theoretiker, Schriftsteller und Kurator. 2019 kuratierte er Lisbon
Architecture Trianale auf Thema „The poetics of reason“. Seine Werke zeichnen
sich in der Tektonik der Bauwerke und der Tiefe der theoretischen Dimension in
seinen Projekten aus.
ArchitectureFoundation,100DayStudio,EricLapierrein:https://www.youtube.com/watch?v=r3acwSYrY
k;Abruf2022.28.04
Harvard University; Eric Lapierre;https://www.gsd.harvard.edu/person/eric-lapierre/;Abruf 2022.28.04
Text: Emma Kantorkova
279
Le Corbusier
Charles-Édouard Jeanneret-Gris
Text: Daniel Ornetzeder
Charles Jeanneret war ein schweizerisch-französischer Architekt,
Architekturtheoretiker, Stadtplaner, Maler, Zeichner, Bildhauer und Möbel-
Designer. Er gilt als einer der einflussreichsten Architekten des 20. Jahrhunderts,
dessen neue Ideen natürlich auch Kontroversen auslösten. Corbusier
veröffentlichte über 50 Bücher und initiierte mit der CIAM eine moderne
Architekturbewegung. Seine Betongebäude begründeten den Architekturstil des
Brutalismus.
Schon während der Lehre zum Graveur von Uhren riet ihm sein Lehrer zu
Malerei und Architektur. Zusammen mit Mitschülern begann er ab 1905
Architekturprojekte umzusetzen. Er begann zu reisen und zu lernen, die
Praktiken von Adolf Loos in Wien, bis zu Auguste Perret in Paris. Im Auftrag
seiner Schule, der École d’Art in La Chaux-de-Fonds, reiste er 1910 nach
Deutschland, um die dortige Kunstgewerbebewegung, den Deutschen
Werkbund zu studieren.
Er erhielt ein Patent auf das zusammen mit dem Ingenieur Max du Bois
entwickelte Bausystem „Dom-ino“ zur industriellen Serienfertigung von Häusern
in Stahlbeton-Skelettbauweise aus vorgefertigten Teilen, die nach dem Prinzip
des Freien Grundrisses ganz auf tragende Wände in den einzelnen Geschossen
verzichteten.
Ab 1918 verlegte er seinen Lebensmittelpunkt nach Paris und widmete sich
dort gemeinsam mit Amédée Ozenfant vermehrt der Malerei, insbesondere
dem Kubismus und dem Purismus. 1920 gründete er mit Kollegen die Zeitschrift
L’Esprit Nouveau. Danach folgen unzählige Projekte und Ausstellungen zur
Verbreitung von Ideen und Weltanschauung. 1922 gründete Le Corbusier mit
seinem Vetter Pierre Jeanneret ein Architekturbüro, in welchem bis Kriegsbeginn
stetig Projekte entwickelt wurden. Der Krieg brachte eine neue Normalität
und Stillstand in der Bauindustrie, woraufhin er gemeinsam mit seiner Frau
floh. In der Zwischenkriegszeit sympathisierte er mit faschistischen Ideen und
Rechtspopulismus, was ihn bis 1945 weitgehend schützte. Danach half er beim
Wiederaufbau und bereiste er erneut die Welt. 1
Mit 77 Jahren starb Le Corbusier 1965 in Cap-Martin, als er beim Baden im
Meer einen Herzinfarkt erlitt und ertrank. Er wurde auf dem Friedhof von
Roquebrune-Cap-Martin bestattet.
280
Atelier Le Goas
Claude Le Goas // Francois Borel
Claude Le Goas wurde am 27. Mai 1928 in Blois, Frankreich geboren und starb
am 20. Dezember 2007 in Paris.
Bereits 1952, mit 23 Jahren, erhielt er seinen Abschluss in Architektur.
Im Anschluss arbeitete er in der Forschung am Institut d‘urbanisme de Paris
unter der Leitung von Jean Royer.
1965 wurde das Büro „l‘atelier ATURBA“ von Marius Depont, Serge Launa und
Claude Le Goas zusammen gegründet. Der Fokus des Büros lag dabei auf den
Städtebau und Architektur („Architecture et Urbanisme“). Insbesondere die
Renovierung von Stadtzentren war ein großes Thema. So gründete das Atelier
in mehreren Vororten von Paris sogenannte Planungsbüros.
Von 1982 bis 1993 arbeitete Le Goas mit Francois Borel im „l‘atelier Le Goas“.
Von 1958 bis 1990 war er Planer für Montreuil unter der Leitung der
französischen kommunistischen Partei, in welcher er selber auch aktiv war. Bis
zu seinem Tod blieb er wichtiger Berater für die Stadt. Somit prägte er auch
damit das heutige Erscheinungsbild der Stadt.
Seine wohl wichtigsten Bauten sind Mozimor und das Conservatoire, welche
beide ebenfalls in Montreuil gebaut wurden.
https://archiwebture.citedelarchitecture.fr/fonds/FRAPN02_LEGCL, Abruf 30.4.2022
https://patrimoine.seinesaintdenis.fr/Claude-Le-Goas, Abruf 30.4.2022
Text: Eike Fiedler
281
Atelier de Montrouge
Jean Renaudie // Jean-Louis Véret // Pierre Riboulet // Gérard Thurnauer
Das Atelier de Montrouge versteht sich als eine kollektive Agentur, die 1958 von
vier Architekten gegründet wurde. Jean Renaudie (1925-1981), Jean-Louis Véret
(geb. 1927), Pierre Riboulet (1928-2003) und Gérard Thurnauer (geb. 1926). 1
In den Jahren 1945 bis 1952 studierten Pierre Riboulet, Gérard Thurnauer und
Jean-Louis Véret an der National School of Fine Arts in Paris im Atelier von
Georges Gromort und Louis Arretche und lernten sich dort kennen. In dieser
Zeit konnten sie viele Erfahrungen, durch verschiedenen Zusammenarbeiten und
Teilnahmen, sammeln, welche sie auch prägten: 1949, 1951 und 1952 arbeiteten
sie an der marokkanischen Stadtplanungsamt Michel Écochard zusammen,
1948 – 1951 besuchten sie kunsthistorischen Kurse von Pierre Francastel und
1952 (Treffen in Sigtuna) und 1953 (CIAM 9 in Aix-en-Provence) nahmen sie an
den Internationalen Kongressen für moderne Architektur teil. Im 1952 machten
sie Ihren Abschluss und arbeiteten anschließend eine Zeit lang mit großen
Persönlichkeiten der damaligen Zeit zusammen: 1952 ging Véret zu Le Corbusier
und ging anschließend als Leiter der Ahmedabad -Werften (1953-1955) nach
Indien. Riboulet und Thurnauer entwarfen in Zusammenarbeit mit Écochard die
Bundesuniversität von Karachi in Pakistan (1954-1959). 1956 beteiligte sich Jean
Renaudie an der Entwicklung dieses Projekts und bald darauf kam Véret hinzu.
Aus dieser Zusammenarbeit entstand der Wunsch nach einer gemeinsamen
Werkstatt, die 1958 mit ihrer Installation in Montrouge in einem kleinen Pavillon
umgesetzt wurde. 2
Die vier Architekten setzen sich mit Stadt, Wohnen und Vorfertigung
auseinander, allerdings wurden zahlreiche ihrer Projekte nie realisiert. Ausgelöst
durch die Studien für die neue Stadt Vaudreuil in der Nähe von Rouen, in den
1960er, offenbarten sich Unstimmigkeiten in der Gruppe. 1968 verlässt Jean
Renaudie das Büro und es wird 1978 aufgelöst. Daraufhin verfolgen die einzelnen
Architekten ihre eigene Architektenkarriere. 3
Text: Cosima Sima
1
https://architectuul.com/architect/atelier-de-montrouge
2
https://fr.wikipedia.org/wiki/Atelier_de_Montrouge
3
https://architectuul.com/architect/atelier-de-montrouge
282
Muoto
Gilles Delalex // Yves Moreau
Gilles Delalex hat in Grenoble und Montreal studiert, seinen Master in Stadtplanung
gemacht und einen Doktor der Kunst von der Alvar-Aalto-Universität in Helsinki.
Seit 1998 forscht er am Laboratoire Liat, zwischen 2004 und 2008 unterrichtete
er an der ENPC in Paris. Heute ist er Professor an der Ecole d’Architecture Paris-
Malaquais.
Yves Moreau hat in Brüssel studiert und in Göteburg abgeschlossen. Nach seinem
Abschluss arbeitete er mit Blå Arkitektur Landskap und Dominique Perrault
zusammen. 1
2003 gewannen Gilles Delalex und Yves Moreau den Europan in Villeurbanne
bei Lyon und gründeten das gemeinsame Büro Muoto, was aus dem Finnischen
übersetzt Form bedeutet. Das Büro deckt sowohl Architektur als auch Urbanismus,
Landschaftsarchitektur und Forschung ab. 2 Die Architektur wird minimal gehalten
und gibt Raum, um sich mit der Zeit weiterzuentwickeln. In den Gebäuden werden
verschiedenste Aktivitäten vereint, es wird versucht auf die wirtschaftlichen und
ästhetischen Herausforderungen zu reagieren. 2017 erhielten sie den Bauwelt
Preis, 2019 wurde ihr erstes Buch veröffentlicht und sie erhielten den Domus
Preis für die 100 besten Architekturbüros. 3
Zu den bekanntesten Gebäuden zählen neben dem Public Condenser in Paris-
Saclay die 23 Dwellings Appartments in Paris oder der Digital School Cluster in
Boulogne-Billancourt. 4
1
vgl: MUOTO: Studio, in: studiomuoto.com/studio/, Abruf: 2022.04.29
2
vgl: Architonic: Studio Muoto, in architonic.com/de/microsite/studio-muoto/5210032, Abruf: 2022.04.29
3
vgl: MUOTO: Studio, in: studiomuoto.com/studio/, Abruf: 2022.04.29
4
vgl. Archdaily: Muoto, in: archdaily.com/office/muoto, Abruf: 2022.04.29
Text: Lisa Blenk
283
Oscar Niemeyer
Oscar Niemeyer (1907-2012) gilt als einer der bedeutendsten Architekten der
Moderne. Der Architekt studierte an der Nationalen Kunstschule
Rio de Janeiro u.a. bei Lúcio Costa, in dessen Büro Niemeyer bis Ende der
1930er Jahre arbeitet und der ihn mit Le Corbusier bekannt machte. Zunächst
wirkte Niemeyer vor allem in Rio de Janeiro und Brasilia, bis er aufgrund
der Untersagung der Berufsausübung durch die Militärregierung Brasiliens
1967 (Niemeyer war politisch sehr weit links orientiert und auch Mitglied der
kommunistischen Partei) nach Paris übersiedelte. 1 Nach seiner Zeit im Exil
kehrte er nach Brasilien zurück.
Geprägt wurde Niemeyer u.a. durch seine Mitarbeit bei Le Corbusier in den
Jahren 1947-1953, jedoch ging er in der skulpturalen Gestaltung seiner Bauten
einen anderen Weg als dieser. Reiner Funktionalismus und das Verharren auf
den rechten Winkel waren für ihn zweifelhaft - stattdessen war Architektur für
ihn vor allem eine plastische und expressive Kunst. Sein Credo: „Architektur
besteht aus Traum, Phantasie, Kurven und leerem Raum“. Wichtig im
Werk Niemeyers sind die Kurve, die runde Form und der Kreis, die seiner
Wahrnehmung nach der Natur entsprechen und in vielen seiner Entwürfe eine
präsente Rolle einnehmen. 2 Diese gewagten Kurven kombiniert Niemeyer mit
der Nüchternheit und Schlichtheit der Moderne und deren Anspruch die Welt zu
verbessern. 3
Weltbekannt wurde er in den 1960er Jahren mit seinen Entwürfen für die
Repräsentativbauten in Brasília, eine künstliche Planstadt und die damals neue
Hauptstadt Brasiliens. 4 Als weitere bekannte Werke zählen das Headquarter der
Kommunistischen Partei Frankreichs in Paris (1967-1980), das Museu de Arte
Contemporânea de Niterói (1996) oder das Kunstmuseum in Curitiba, Brasilien
(2002).
1
Vgl: Oscar Niemeyer - Eine Legende der Moderne; Paul Andreas, Ingeborg Flagge et al.; Deutsches
Architekturmuseum, Birkhäuser; 2013; S.133
2
Vgl. ebd. S.7
Text: Sarah Fuchs
3
Merten Worthmann: Kurven in Zeit und Raum, in: https://web.archive.org/web/20161031223949/http://www.
art-magazin.de/szene/12481-rtkl-oscar-niemeyer-portraet-kurven-zeit-und-raum, Abruf 2022.05.01
4
Nicolai Ouroussoff: Oscar Niemeyer, Architect Who Gave Brasília Its Flair, Dies at 104, in: https://www.nytimes.
com/2012/12/06/world/americas/oscar-niemeyer-modernist-architect-of-brasilia-dies-at-104.html?smid=url-share,
Abruf 2022.05.01
284
Jean Nouvel
Jean Nouvel wurde 1945 in Fumel geboren. Er studierte Architektur an der École
des beaux-arts in Bordeaux sowie an der École nationale supérieure des beauxarts
in Paris. Er war Mitbegründer der Architekturbewegung Mars und kuratierte
u. a. die Ausstellung „Les Années 50“ im Centre Pompidou (1988). 2008 wurde
er mit dem renommierten Pritzker-Preis ausgezeichnet. 1
Seine engagierten Positionen zur Integration von Architektur in den urbanen
Kontext und die immer wieder erneuerte Originalität seiner Projekte in aller Welt
haben zu seinem internationalen Image beigetragen. Seine Herangehensweise,
die sich stilistischen Erwägungen widersetzt, orientiert sich allein am Moment,
am Ort, seiner Geschichte und seiner Umgebung. Zu seinen wichtigsten
Errungenschaften zählen das Institut der Arabischen Welt, die Cartier-Stiftung
für zeitgenössische Kunst und das Musée du Quai Branly – Jacques Chirac
in Paris, die Opéra de Lyon, das Centre Culture et Congrès Lucerne – KKL
(Schweiz), der Agbar-Turm in Barcelona (Spanien), das Reina Sofía National
Museum of Art in Madrid (Spanien), das Wohnhaus 40 Mercer in New York
(USA), One Central Park in Sydney (Australien), The White Walls in Nikosia
(Zypern). 2
Seinen spektakulären Projekten unterliegen eher einfache Anfangsvorstellungen.
Zu seinem Architekturkonzept passt der Begriff Transparenz, der dabei eine
tragende Rolle spielt. Nouvel gilt in Fachkreisen als der phantasievollste
und einfallsreichste Architekt der Gegenwart. Sein Baustil wird geprägt von
einer Sprache der kühnen Formen und von einer ausgesuchten Wahl von
Baumaterialien. Nouvels Stil besteht wohl gerade darin, sich nicht auf einen
Stil festzulegen. Er beherrscht nicht nur die Klaviatur architektonischer
Stilkonzepte, sondern gehört selbst zu ihren Gestaltern. Seine Stillösungen
berücksichtigen unter anderem die Besonderheiten des Standortes oder die
Wirkungen des Materials. Dabei bezieht er beispielsweise natürliche Elemente
wie das Tageslicht mit ein.
1
www.derstandard.at/story/2000056274368/jean-nouvelman-muss-einen-ort-lieben-um-dort-bauen-zu
2
www.jeannouvel.com/jean-nouvel/
3
www.whoswho.de/bio/jean-nouvel.html
Text: Olha Karnaushenko
285
Atelier Novembre
Marc Iseppi // Jacques Pajot
Das 1989 in Paris gegründete Architektur- und Stadtplanungsbüro fokussiert
sich in seinen Projekten maßgeblich auf sozial und kulturell für die Bevölkerung
wichtige Bauten.
Die beiden Gründer lernten sich 1983 auf der Ensad (École nationale supérieure
des Arts Décoratifs) kennen. 6 Jahre später gründeten sie zusammen das
Atelier Novembre. 1
In ihren Arbeiten konzentrieren sich die Architekten auf Projekte mit Mehrwert
für die Gesellschaft. So sind die meisten Gebäude für die Öffentlichkeit
bestimmt. Das Büro hat sich bereits in ganz Frankreich als Partner für den (Ausund
Um-) Bau von Museen, Bildungs- und Veranstaltungsstätten und anderen
öffentlichen Einrichtungen hervorgetan.
Bei Ihren Entwürfen wird eine gute Eingliederung in die Umgebung, sei es
die urbane Architektur oder die ländliche Natur, angestrebt. Oft werden
auch Bestandsgebäude saniert und neu strukturiert, um Ihnen so neue
Nutzungsmöglichkeiten zu generieren und den (historisch relevanten) Bestand
zu schützen. Dabei wird sehr behutsam vorgegangen und versucht, ein
ausgewogenes und harmonisches Zusammenspiel zwischen alten Strukturen
und neuen Ideen und Design zu generieren. 2
Text: Maja Munck
1
Über Atelier Novembre, in: www.architonic.com/de/microsite/atelier-novembre/5210520, Abruf 2022.04.28
2
Atelier Novembre, in: https://https://novembre-architecture.com/page-agence/, Abruf 2022.04.28
286
Office Parisien d‘Architecture
Marie-José Zerbi Barthélémy // Angèle Artaud
Das 2008 gegründete Office Parisien d‘Architecture unter der Leitung von
Marie-José Zerbi Barthélémy und Angèle Artaud befasst sich mit Architektur
und Stadtplanung in unterschiedlichsten Maßstäben.
Das Portfolio von OPA reicht somit von „Mikro-Architektur“ in Form von Tiny
Houses oder urbanen Möbeln bis hin zur Revitalisierung von Stadtvierteln, wie
im Falle der Wohnsiedlung La Grande Borne in Grigny aus den späten 1960er
Jahren, oder der Freiraumgestaltung, wie dem 8 ha großen Park Ling-Lun in Xilai
in der Provinz Szechuan.
Eine Vielzahl der Projekte des Office Parisien d‘Architecture sind im Sektor
von Kunst, Kultur und Freizeit angesiedelt, so auch ihr wohl bekanntestes:
Das Kulturzentrum REcyclerie im stillgelegten Gare Ornano. Ähnlich wie
die REcyclerie sind auch zahlreiche andere Entwürfe Nachnutzungen und
Umbauten von historischen Bestandsgebäuden. In Zusammenarbeit mit der
Agentur Sinny&Ooko schufen OPA so noch zwei weitere tiers-lieux:
Im Pariser Club La Machine du Moulin Rouge, dem einstigen Heizungsraum
des weltbekannten Varietés, hat das Büro die Bar à Bulles gestaltet, wo neben
der Ausschank von biodynamischem Wein auch Kulturfestivals, Workshops
und Freiluftkino stattfinden. Ein früheres Zöllnerhaus auf dem Canal d‘Ourcq
dient nun als Pavillon des Canaux den Pariser*innen als eine Art erweitertes
städtisches Wohnzimmer.
Auch im Bereich der Innenarchitektur haben Zerbi Barthélémy, Artaud
und ihr Team einige Projekte im Großraum Paris realisiert, vor allem mit
Gastronomiefokus (Café, Bar, Bistro, Bäckerei, Delikatessenhandlung).
L‘agence, in: officeparisiendarchitecture.com, Abruf: 2022.04.24
Portfolio, in: officeparisiendarchitecture.com, Abruf: 2022.04.24
Text: Flora Chiba
287
OMA
Rem Koolhaas // Reinier de Graaf // Ellen van Loon // Iyad Alsaka //
Shohei Shigematsu // Chris van Duijn // Jason Long // David Gianotten
1975 gründete Rem Koolhaas gemeinsam mit Elia und Zoe Zenghelis und Madelon
Vriesendorp das Architekturbüro „Office für Metropolitan Architecture“, nachdem
er an der Architectural Association abschloss. Er publizierte unter anderem
„Delirious New York: A Retroactive Manifesto for Manhatten“ und leitet sowohl
OMA, als auch AMO, ein Recherchezweig abseits der gebauten Architektur. 1996
stieg Reinier de Graaf in das Büro ein, 1998 Ellen van Loon, Shohei Shigematsu, Iyad
Alsaka, Chris van Duijn, Jason Long und David Gianotten in den darauffolgenden
Jahren. Im Jahr 2022 hat OMA sieben Partner und eine Partnerin und Büros in
Rotterdam, New York, Hongkong, Doha und Australien. 1
Clement Blanchet, der maßgeblich an LAB-City beteiligt war, hat seit 2014 ein
eigenständiges Architekturbüro in Paris und war davor seit 2004 bei OMA beteiligt
und leitete in den letzten Jahren den Zweig in Frankreich. 2
Zu den bekanntesten Bauten OMA’s zählen unter anderem die Casa da Musica
in Porto, die CCTV Headquarters in Peking, die Fondazione Prada in Mailand
oder De Rotterdam. AMO arbeitet ebenfalls direkt mit den Kund:innen von OMA
zusammen oder macht eigenständige Arbeiten für das Guggenheim Museum
oder die Architekturbiennale in Venedig. 3
Text: Lisa Blenk
1
vgl: OMA: Rem Koolhaas, in: oma.com/partners/rem-koolhaas, Abruf: 2022.04.28
2
vgl: Clement Blanchet: Bio, in: clementblanchet.com/bio-cb, Abruf: 2022.04.28
3
vgl: OMA: Office, in: oma.com/office, Abruf: 2022.04.28
288
Claude Parent
Claude Parent
Nachdem der Entwurf für die „Fondation Avicienne“ von den Pariser Behörden
abgelehnt wurde, wurde Claude Parent der leitende Architekt für den
Gebäudeentwurf.
Claude Parent ist 1942 in die Architektur eingestiegen. Er gründete sein eigenes
Büro in Neuilly, Paris, in dem er jedoch immer ohne Partner blieb.
Bekannt ist Claude Parent mit seiner Theorie der „Fonction Oblique“ geworden,
welche er zusammen mit Paul Virilio ausgearbeitet hat.
In der „Fonction Oblique“ geht es um die Funktion von Rampen und allen
anderen abgeschrägten Bauteilen und deren Nutzen und Wirkung auf den
Menschen. Laut Parent werden Gebäude lebendig und flexibel durch die
Schräge. Die Schräge dient nicht nur zum Auf- bzw. Abstieg sondern auch zum
Sitzen, Lernen, Spielen, Schlafen etc.
Außerdem sollen geneigte Bauteile eine belebende Wirkung auf den Menschen
haben, so Parent.
Daran erkennt man den Fokus in der Architektur von Claude Parent: der
Mensch. In seinem Französischen Pavillon für die Biennale 1970 in Venedig ist
seine Philosophie stark zu erkennen. Der Pavillon besteht aus vielen Rampen
und Schrägen mit bis zu 28 % Neigung.
Ein weiteres bekanntes Projekt von ihm ist das „Centre Commercial“ in Sens,
welches innen lauter Rampen mit einer acht Grad Neigung enthält.
Nis zu seinem Tod zeichnete Claude Parent Satirezeichnungen mit
futuristischen bzw. utopischen Gebäuden ganz nach seiner Philosophie der
„Fonction Oblique“.
Mohsen Foroughi, welcher die „Fondation Avicienne“ ursprünglich entwerfen
sollte, studierte von 1926-37 in Paris Architektur, kehrte danach aber zunächst
nach Teheran zurück um dort zu unterrichten. Der Entwurf der „Fondation
Avicienne“ brachte ihn und seinen Partner Hedar Cghiai erneut nach Paris.
Um sich in der Pariser Bürokratie zurechtzufinden, wandten sie sich an André
Bloc. Letztendlich bauten sie dann zusammen mit Claude Parent das heute
bestehende Studentenwohnheim.
Ein weiteres bekanntes Projekt von Mohsen Foroughi ist das Französische
Ministerium.
https://www.wallpaper.com/architecture/architecture-icon-claude-parent-france, Abruf 2022.29.04.
http://caoi.ir/en/component/k2/item/587-mohsen-foroughi.html, Abruf 2022.29.4.
Text: Konrad Graunke
289
Ieoh Ming Pei
1917 wurde Ieoh Ming Pei im südchinesischen Guangzhou geboren und zog
mit 17 Jahren in die USA. Dort studierte er Architektur an der University of
Pennsylvania und legte seine Abschlüsse in Cambridge und Haravard ab.
In Harvard wurde er unter anderem von Walter Gropius und Marcel Breuer
unterrichtet. „Von Breuer habe ich gelernt, dass man das Leben verstehen muss,
wenn man Architektur verstehen will.“ sagte Pei später bei einem Interview mit
dem SPIEGEL. 1
1948 wurde Pei als Direktor der Entwurfsabteilung bei „Webb & Knapp“
eingestellt und schuff städtische Projekte wie zum Beispiel den neu gestalteten
Hyde Park in Chicago und das Mile High Center in Denver. 1955 gründete er
sein eigenes Büro mit Henry N. Cobb und Eason H. Leonard.
Mit seinem Büro plante er bedeutende Gebäude des 20. Jahrhunderts wie
die National Gallery of Art in Washington oder den Bank of China Tower in
Hongkong. „Ieoh Ming Pei hat diesem Jahrhundert einige seiner schönsten
Innenräume und äußeren Formen gegeben. Seine Vielseitigkeit und sein Können
beim Materialgebrauch nähern sich dem Niveau von Poesie.“ sagte die Jury bei
seiner Preisverleihung des Pritzker Preises 1983.
I.M. Pei starb im Alter von 102 Jahren im Mai 2019 in New York. 2
Text: Arno Poll
1
Der Spiegel: I.M. Pei ist tot, in: https://www.spiegel.de/kultur/gese llschaft/i-m-pei-star-architekt-der-louvrepyramide-ieoh-ming-pei-ist-tot-a-1267869.html,
Abruf: 28.04.2022
2
Pei Cobb Freed & Partners: I.M. Pei, in :https://www.pcf-p.com/about/i-m-pei/, Abruf:28.04.2022
290
Dominique Perrault
Seinen Geburtsort, die 150.000-Einwohner Stadt Clermont-Ferrand im Zentrum
Frankreichs verlässt Perrault recht früh, sodass er im Alter von 25 an der
berühmten École des Beaux-Arts in Paris als Architekt diplomiert.
Zusätzlich schließt er an der École nationale des Ponts et Chaussées 1979 in
Urbanismus und den Master in Geschichte an der EHESS 1980 ab.
Seine Firma „Dominique Perrault Architecture“ gründet er im darauffolgenden
Jahr.
Den ersten richtigen Karriereaufschwung erfährt er 1989 durch die Planung der
Französischen Nationalbibliothek in Paris.
Vier 79 Meter hohe, gläserne Türme, dazwischen ein versunken zentraler Hof.
Perrault selbst nimmt Le Corbusiers Wunsch, Gebäude vom Erdboden
abzuheben, als eigenartig war. Für ihn war die Verbindung beziehungsweise das
Verschwimmen von Boden und Gebäude, Natur und Bauwerk ein Kernaspekt
seiner Arbeit. Interessant hierbei ist, dass es für Bibliotheksbesucher keinen
Zugang zum umliegenden Garten gibt, wodurch seine Qualität eigen in
Erscheinung tritt.
Perrault befasste sich weiterhin mit Niveauunterschieden und Manipulation
des Erdreichs und entwickelte landschaftsarchitektonische Projekte wie das
„Velodrome and Olympic Swimming Pool“ in Berlin und die EWHA in Südkorea.
Bei seiner internationalen Tätigkeit überzeugt Perrault mit überraschenden
Oberflächen und Materialität. Er ist Theoretiker und vollbringt ästhetisch
innovative Realitäten. 1 2
1
Archdaily: AD Classics: National Library of France / Dominique Perrault Architecture, Abruf 2022.04.30
2
Philip Jodidio: DOMINIQUE PERRAULT: ARCHITECT Biography, in: https://www.perraultarchitecture.com/en/
dpa/dominique_perrault/biography/
Text: Daniel Junger
291
Renzo Piano
Renzo Piano ist einer der berühmtesten und renommiertesten Architekten
der Gegenwart. Er wurde am 14. September 1937 in Genua geboren und wuchs
in einer Familie von Bauingenieuren auf. Seine Gebäude sind fantastische
technische Meisterleistungen, und seine Herangehensweise wurde durch
Erlebnisse seiner Kindheit geprägt. 1
«Nach dem Krieg wuchs ich mit dem unvergesslichen Gefühl auf,
dass das Errichten von Gebäuden pure Magie ist, denn seit meinem siebten
Lebensjahr ging ich auf Baustellen meines Vaters und setzte mich in den Sand,
um ihnen bei der Arbeit zuzusehen“, erzählt er. „Man lernt zu verstehen,
dass Bauen eine schöne Geste ist. Es ist das Gegenteil von Zerstörung.
Es ist ein Erschaffen und in vielerlei Hinsicht eine Geste des Friedens.» 2
Geboren in eine Familie von Ingenieuren entwickelte Renzo Piano eine
Leidenschaft für das Bauen. Für ihn bedeutet es den Prozess der Erfindung und
Schöpfung, womit das Wort auch aus dem Altgriechischen übersetzt wird. 2
Renzo Piano, der als Meister der Bautechnik gilt, begann seine Karriere mit
dem Gewinn eines Wettbewerbs für den Bau des Centre Georges Pompidou,
zusammen mit Richard Rogers und Gianfranco Franchini. Das Projekt wurde
aus Hunderten von Vorschlägen aus der ganzen Welt ausgewählt und ist ein
revolutionäres Beispiel eines High-Tech-Gebäudes. Später arbeitete Piano mit
vielen anderen berühmten Architekten und Ingenieuren zusammen. 1981 gründet
er den Atelier Renzo Piano Building Workshop mit Büros in Genua und in Paris. 2
Das Leben am Meer hat Pianos Sicht auf die Welt tiefgreifend geprägt. Es prägt
das meisterhafte Spiel mit dem Licht, das so grundlegend für seine Arbeit ist.
Für ihn ist Licht etwas magisches und eines der wichtigsten Materialien eines
Architekten. 2
Text: Elena Meister
1
Renzo Piano, in: https://www.floornature.de/renzo-piano-15/7, Abruf 2022.29.04
2
Jackie Daly: Renzo Piano: «Buildings are like children – you want them to have a happy life»,
in: https://www.ft.com/content/7f70d4f4-d136-45fb-8dac-0376d2715517, Abruf 2022.01.05
292
Jean Prouvé
Jean Prouvé absolvierte eine Lehre als Kunstschmied bei Adalbert Szabo. Durch
Szabo, der für einige Architekturbüros tätig war, kam Prouvé erstmals in engere
Berührung mit der Baukunst.
Mit dem erwerb einer Werkstattfläche in Nancy begann für Prouvé die
Selbstständigkeit zunächst mit der Fertigung von gusseisernen Lampen,
Treppengeländer und Toren. In ihrer Ornamentalität zeugt ihre Formensprache
noch stark vom Einfluss des Jugendstils. Doch schon bald gelangte er unter
dem Einfluss der Moderne zu eigenwilligeren Formen und er begann sich für
neue Materialien zu interessieren.
In den Folgejahren entstanden zahlreiche Möbelentwürfe von Stühlen und
Tischen; hinzu kamen Fenster, verschiebbare Wandelemente aus Stahlplatten,
Aufzugkabinen und Türen. Jean Prouvé forsierte in seinem eigenen
Unternehmen eine auf Augenhöhe funktionierende Arbeitsmoral. Durch seinen
Erfolg und seiner Einstellung zur Unternehmensführung entglitt ihm sein eigener
Betrieb. Dies bedeutete eine brägende Zäsur in seinem Leben. „Ich starb 1952.“
In den folgenden Jahrzehnten wirkte er in Paris als Ingenieur bei zahlreichen
wichtigen Bauprojekten mit. Er hat auf intelligente Weise die Leistungsfähigkeit
des Materials mit einer sich aus der Logik der Konstruktion ergebenden Ästhetik
zu verbinden gewusst und damit ein Manifest früher High_Tech_Architektur
geschaffen. 1
1
vgl: Prouvé; Nils Peters; TASCHEN, 2006; S.7-17
Text: Greta Pirzl
293
Atelier Rita
Valentine Guichardaz-Versini
Alentine Guichardaz-Versini leitet RITA.
Sie schloss 2008 ihr Studium an der ENSA-Marseille ab und qualifizierte sich
2009 als Projektmanagerin unter ihrem eigenen Namen. Valentine Guichardaz-
Versini ist seit 2012 selbstständig. Sie hat ihre Erfahrung in verschiedenen
Agenturen in Marseille und dann in Paris gemacht, bevor sie 2016 das Atelier
RITA gründete.
Im Atelier wird ein bewusster und sensibler Umgang mit Architektur entwickelt.
Die Architekten unterstützen die Entwicklung einer nachhaltigeren, geselligeren
und gastfreundlicheren Stadt. Nutzen steht für dabei über allem – denn er ist
das primäre Ziel jeder konstruktiven Begierde – und dabei wird entschieden
sensibel vorgegangen. Sie überlassen der Intuition den Vorrang, um eine sich
ausbreitende wohlwollende Architektur zu schaffen. 1
Die Agentur gewann 2017 den ersten Arbeitspreis für die Notunterkunft Centre
d in Ivry-sur-Seine.
Valentine hat sich sehr schnell dafür entschieden, ihre Verantwortung
wahrzunehmen und in direkten Kontakt mit den Bauherren und den Nutzern der
Projekte zu arbeiten. Man kann sagen, dass sie die soziale Rolle des Architekten,
des Akteurs der Gemeinschaft, des Vermittlers zwischen dem Raum und seinen
Bewohnern überträgt.
Mit ihrer Weitsicht und ihrem Wissen, das die zwischenmenschlichen
Beziehungen erleichtert, hat sie ihre Fähigkeiten des Zuhörens und des
Dialogs zu ihren wichtigsten Werkzeugen gemacht. Sie geht empathisch vor:
Sie befragt die Beteiligten eines Projekts (Bauherren und Nutzer, aber auch
Unternehmen), um deren Handlungsspielraum einzuschätzen, unformulierte
Forderungen und Lücken aufzudecken, die der Verbesserung des Alltags
förderlich sind. 2
Text: Olha Karnaushenko
1
vgl: www.atelierrita.org/about
2
www.citedelarchitecture.fr/fr/article/atelier-rita
294
Richard Rogers
Richard George Rogers wurde 1933 in Florenz geboren. Im Jahr 1939, während
der Anfänge des Zweiten Weltkriegs, kehrte Rogers mit seiner Familie nach
London zurück. Beeinflusst von seinem Verwandten, dem italienischen
Architekten Ernesto Nathan Rogers, studierte er zunächst an der Architectural
Association School of Architecture in London und führte sein Studium mit
einem Master-Abschluss in Architektur an der Yale University in New Haven,
Connecticut, fort. 1&2
Nach seinem Abschluss gründete er, gemeinsam mit Norman Foster,
das Architekturbüro Team 4. Von 1971 bis 1978 arbeitete Rogers mit dem
italienischen Architekten Renzo Piano zusammen. Gemeinsam mit Gianfranco
Francini gewannen die beiden 1971 den Wettbewerb für das Centre Pompidou in
Paris, ein ikonisches Werk, das ihnen internationale Anerkennung einbrachte. 1
Rogers Auffassung von Architektur ging über die Gestaltung von Gebäuden
hinaus und betrachtete ihre sozialen und politischen Auswirkungen als ebenso
wichtig. Städte bestehen aus Menschen und nicht aus Gebäuden. Für den
Architekten war daher auch das Leben wichtig, das sich zwischen den
Gebäuden entwickelt, und nicht nur ihre Konstruktion. 1
Die multidisziplinäre und kollektive Herangehensweise an die architektonische
Gestaltung unter Einbeziehung des Bauherrn ist ein weiterer grundlegender
Aspekt seines Verständnisses von Architektur. Rogers sagte: «Architektur ist zu
komplex, um von einer einzigen Person gelöst zu werden. Die Zusammenarbeit
steht im Mittelpunkt meiner Arbeit. Ich mag die Dynamik, die entsteht, wenn
verschiedene Disziplinen zusammentreffen, um Lösungen zu finden.» 1
Die ikonischen High-Tech-Entwürfe, des britisch-italienischen Architeken,
prägen die Skyline vieler Städte noch bis heute. 1
1
Agnese Bifulcor: Nachruf auf Richard Rogers, in: https://www.floornature.de/nachruf-auf-richard-rogers-16773/,
Abruf 2022.01.05
2
Richard Rogers, in: https://www.munzinger.de/search/portrait/Richard+Rogers/0/22138.html, Abruf 2022.01.05
Text: Elena Meister
295
SANAA
Kazuyo Sejima // Ryue Nishizawa
SANAA (Sejima And Nishizawa And Associates) ist ein japanisches
Architekturbüro mit Sitz im Bezirk Shinagawa, Tokio. Es wurde 1995 von der
Architektin Kazuyo Sejima (*1956) und ihrem Kollegen Ryue Nishizawa (*1966)
gegründet. 2010 erhielt SANAA den Pritzker-Preis. In der Begründung des
Pritzker-Preises hieß es dazu: „Wie nur wenige andere Architekten erforschen
Sejima und Nishizawa die Phänomene Raumfluss, Licht, Transparenz und
Materialität, um daraus eine ganz eigene, subtile Synthese zu erschaffen.“ […]
„Ihre Bauten stehen im Kontrast zum Bombastischen und Rhetorischen, die
wahre Qualität liegt tiefer verborgen.“ 1 2
Die Architektur von SANAA kann dem Minimalismus zugeordnet werden, auch
wenn die Architekten selbst sich nicht in eine klare Richtung einordnen lassen
würden. Sejima und Nishizawa beschreiben Architektur als jenes Medium, das
das Natürliche - Wind, Licht, Witterung - und das Künstliche - die gebaute
Umgebung - zusammen bringt. Dabei achten sie darauf, dass ihre Grundrisse
keinerlei Hierarchien haben, keinen Anfang und kein Ende. Ihre Pläne zeigen
freie Bewegungsabläufe, so Sejima. Ein weiteres Erkennungsmerkmal ist
die Leichtigkeit und Transparenz der Architektur SANAAs. Diese erschaffen
sie durch das Verwenden zarter Materialien wie Stahl, Aluminium, Glas,
mitunter auch Sichtbeton un das Zeigen der Einzelteile der Konstruktion. Die
Materielien bleiben meist unbehandelt, Anstriche gibt es nur in weiß. „White is
very important. It diffuses the light, which is also related to freedom and free
relation.“ (Sejima, 2008, s.19) 3
Während die Architektur SANAAs in den 90ern stark programmatisch war,
behandeln sie mit ihren Entwürfen heute mehr das Innere der Architektur und
die Beziehung zwischen Architektur und der Stadt, mit einem großen Fokus auf
die Verbindung zwischen Innen- und Außenraum im generellen. 4
1
Wojciech Czaja: Auszeichnung für fast unsichtbares Bauen. In: Der Standard vom 30. März 2010.
Text: Heidi Kresbach
2
https://deu.archinform.net/arch/20224.htm, Abruf 2022.04.12
3
SANAA - Kazuyo Sejima, Ryue Nishizawa : 2004-2008 ; topologia arquitectónica ; architectural topology; Kazuyo
Sejima, Ryue Nishizawa and Fernando Márquez Cecilia; El Croquis ed, Madrid, 2008; s.4-27
4
SANAA - Kazuyo Sejima, Ryue Nishizawa : 2011-2015 ; sistemas de continuidad ; continuity systems; Kazuyo
Sejima,
Ryue Nishizawa and Fernando Márquez Cecilia; El Croquis ed, Madrid, 2015; s.4-25
296
Snøhetta
Kjetil Trædal Thorsen // Christoph Kapeller // Craig Edward Dykers
Snøhetta ist ein internationales Büro für Architektur, Landschaftsarchitektur,
Innenarchitektur und Corporate Design mit Hauptsitz in Oslo. 1
Snøhetta begann als kollaborativer Atelierbetrieb für Architektur und Landschaft
und ist seiner transdisziplinären Denkweise seit seiner Gründung treu geblieben.
Unsere Arbeit zielt darauf ab, unser Gefühl für die Umgebung, unsere Identität
und unsere Beziehung zu anderen Menschen und den physischen Räumen, die
wir bewohnen, zu verbessern. 2
Heute ist Snøhetta zu einem international renommierten Büro für Architektur,
Landschaftsarchitektur, Innenarchitektur, Produkt-, Grafik- und Digitaldesign
sowie Kunst herangewachsen und beschäftigt 280 Mitarbeiter mit mehr als
dreißig verschiedenen Nationalitäten. 2
Seit seiner Gründung hat das Büro seinen ursprünglichen transdisziplinären
Ansatz beibehalten und integriert in seinen Projekten Architektur,
Landschaftsplanung und viele weitere Disziplinen, dessen ausgeprägte
Beziehung eine treibende Kraft in allen Arbeiten ist. Dies zeigt sich in der langen
Geschichte des Unternehmens, in der Landschaft und Architektur von Anfang
an ineinandergreifen. 2
Im Mittelpunkt seiner Arbeit steht die Verpflichtung, die gebaute Umwelt im
Dienste der Menschen und der Langlebigkeit unseres Planeten zu gestalten.
Der interdisziplinärer Entwurfsprozess stellt sicher, dass die Projekte sowohl
poetisch als auch pragmatisch sind, wobei hochwertiges Design mit einer
nachhaltigen Gebäudeleistung einhergeht. 2
1
Snøhetta, in: https://de.wikipedia.org/wiki/Snøhetta_(Architekturbüro) Abruf 2022.30.04
2
About, in: https://snohetta.com/about Abruf 2022.30.04
Text: Elena Meister
297
Francis Soler
Nach einiger Arbeit an zahlreichen Architekturwettbewerben gründete Francis
Soler 1985 sein Büro mit Sitz in Paris unter seinem eigenen Namen. Trotz seiner
ehrgeizigen Arbeitsweise schaffte er seinen Durchbruch erst mit dem Entwurf
für das Centre de Conférences Internationales in Paris, das ihm schließlich
auch international die Türen öffnete. Auch Francis Soler entwirft, ähnlich wie
Baukunst, nach eigenen Angaben an der Grenze zwischen Architektur und
Kunst. 1
Der Architekt, der zwei mal für her vor ra gende öffent li che Ent würfe
aus ge zeich net wurde, entwarf unter anderem auch die Prä si den ten t ri büne an
der Place de la Con corde, zwei Schu len, eine in Cergy-Pontoise und eine in
Paris und ein Pro jekt für die Ar chi tek tur fa kul tät in Paris-Villemin. Abgesehen von
diesen Arbeiten ent warf er eine Viel zahl wei te rer Pro jekte, dar un ter die Tech nische
Hoch schule in Gua da lupe und die so ge nann ten »Spie gel von Oss aka«, ein
Denk mal für die französisch-japanische Kom mu ni ka tion. 2
Für seine vielfältige und beeindruckende Arbeit erhielt er 1990 den
französischen Architekturpreis und in der Folge auch weitere französische
Ehrungen und Auszeichnungen. 3
Text: Johanna Czerny
1
vgl: www.soler.fr/francis-soler, Abruf 2022.04.30
2
vgl: www.deu.archinform.net/arch/804.htm, Abruf 2022.04.30
3
vgl: www.e-architect.com/architects/francis-soler, Abruf 2022.04.30
298
Johann Otto von Spreckelsen
Johann Otto von Spreckelsen (* 4. Mai 1929 - † 16. März 1987 ) war ein
dänischer Architekt. Er ist bekannt für den La Grande Arche in Paris und einigen
modernen Kirchen in Dänemark.
Von Spreckelsen studierte an der Viborg Katedralskole und der Royal Danish
Academy of Fine Arts in Kopenhagen, wo er auch später Assistenz-Professor
und 1978 Professor der Architekten schule wurde. Bis zu seinem Tod fungierte
er als Direktor an der Akademie. 1
In seinen Entwürfen, unter anderem stark inspiriert von Louis Kahn, verwendete
er vor allem geometrische Grundformen und (dänische) traditionelle
Baumaterialien. Des weiteren lag er Wert auf die Erzeugung von Lichteffekten,
die die Gebäude und Raum in Ruhe und Balance erscheinen lassen sollen. 2
Seine bekanntesten Kirchenbauten sind die Vangede Kirke (1974), in der Nähe
von Kopenhagen. Die Stavnsholt Kirke (1981) in Farum und die zwei römischkatholischen
Kirchen in Esbjerg (1969) und Hvidovre (1960).
Die Kirchenräume haben alle das Quadrat als Grundform mit mehr oder weniger
großen Einschnitten in den Baukörper, was sowohl die straffe Form aufbricht
als auch das Tageslicht den Räumen eine sakrale Wirkung verleihen lässt. Die
Altäre befinden sich traditionell in einer der Ecken des Platzes, aber nicht in der
Vangede-Kirche, die eine Kirche mit zentralem Grundriss ist. 3
Von Spreckelsen nahm an mehreren Wettbewerben in Dänemark,Schweden
und International teil und gewann sie, aber nur wenige Projekte wurden realisiert.
1983 gewann er den Internationalen Wettbewerb für den Bau des Grande Arche
in La Defense bei Paris, was bis heute als Meisterwerk der Architektur des 20.
Jahrhunderts bekannt ist. 4
1
vgl. Reading Office: Johann Otto von Spreckelsen.
<https://readingoffice.com/johann-otto-von-spreckelsen/ >[Zugriff 25.04.2022 21:37]
2
vgl. Lehmann, Lilli: Johan Otto von Spreckelsen.
< https://www.kulturarv.dk/kid/VisWeilbach.do?kunstnerId=10639&wsektion=alle> [Zugriff 29.04.2022 13:22]
3
vgl. Ebda
4
vgl. Reading Office: Johann Otto von Spreckelsen.
Text: Tevo Silbersiepe
299
Wilmotte & Associés
Jean-Michel Wilmotte
Der Architekt, Stadtplaner und Designer Jean-Michel Wilmotte wurde 1948 in
Soissons, Frankreich geboren. Er schloss sein Studium an der „École Nissim
de Camondo“ mit einem Diplom zum Innenarchitekten ab und erhielt 1993
die Registrierung zum Architekten. 1 Als seinen Karrieresprung bezeichnet er
selbst das Apartment von François Mitterand – dem damaligen französischen
Präsidenten – im Palais de l‘Élysée. 2
Im Jahr 1975 gründete er seine eigene Architekturfirma, nur zwei Jahre
nachdem er sein Studium abschloss. Aktuell beschäftigt Wilmotte 250
ArchitektInnen, DesignerInnen etc. in seinen zwei Büros – dem design studio
Wilmotte & Industries SAS und der Architekturfirma Wilmotte & Associés. 1
Zu den Projekten seiner Firma gehören unter anderem das Daejeon Cultural
Center in Korea und das Islamic Civilization Center in Ouzbekistan.
Die Arbeit der Firma erstreckt sich auf öffentliche Gebäude und private Projekte
in Architektur, Stadtplanung und Design. Auch Museen, Büros, Restaurants und
Hotels gehören zum Repertoire der Firma, die Projekte zeichnen sich so vor
allem durch Vielfältigkeit aus. 3 Außerdem hat die Firma in über 20 Ländern der
Welt Projekte realisiert – und hat Büros in 4 Städten: Paris, Sophia-Antipolis,
London sowie in Seoul. 1
Text: Moira Mandic
1
WILMOTTE & ASSOCIÉS, About: J-M Wilmotte, URL: http://www.wilmotte.com/en/agency/jean-michelwilmotte
(Stand. 25.04.2022)
2
Jury-GRANDS PRIX DU DESIGN, Edition Special People, Jean-Michel Wilmotte, in INTÉRIEURS 81 2020/23
3
WILMOTTE & ASSOCIÉS, Projects:Programs, URL: http://www.wilmotte.com/en/projects/programs (Stand
25.04.2022)
300
Bernhard Zehrfuss
Bernahrd Zehrfuss (*20.Oktober 1911 - † 3.Juli 1996) ist ein französischer
Architekt, welcher besonders durch sein Werk in der französischen
Nachkriegsarchitektur bekannt wurde.
Der aus dem Elsass stammende Zehrfuss wurde an der Ecole des Beaux-Arts
in Paris ausgebildet und arbeite in seinen früheren Jahren, in eher traditionellen
Architekturstil, in Frankreich in mehreren Städten. Vor allem in Paris, mit seinem
ersten großen Entwurf 1939 des Sebastien Charlety Stadion, wofür er den
renommierten Prix de Rome erhielt, sowie Nizza und Marseille bei Eugene
Beaudoin. 1
Des Weiteren schloss er sich einer Künstlerkommune in Oppede im Süden
Frankreichs an, wo er seine Frau Consuela de Saint-Exupery kennenlernte und
arbeite in Spanien für die „Free French Forces“. 2
Von 1943 bis 1947 war Zehrfuss in Algerien und Tunesien als Direktor
für öffentliche Bauten und realisierte einige Wohnbauten, Schulen und
Krankenhäuser.
1947 kehrte er nach Frankreich zurück und wurde Oberster Direktor für
öffentliche Gebäude, eine Zeit in der er sich der Moderne öffnete.
Mit dem 1953 enstandenden europäischen Hauptquartier der UNESCO, erbaute
er in Zusammenarbeit mit Marcel Breuer und Pier Luigi Nervi ein Markstein
der Nachkriegsarchitektur. Als wichtiger Mitgestalter des in den 1950er Jahren
entstehen Areal La Defense errichte Zehrfuss 1958 mit Robert Camelot, Jean
de Mailly,Nicolas Esquillan und dem Metallkonstrukteur Jean Prouve das CNIT,
ein ebenso wichtiges Bauwerk der französischen Nachkriegsarchitektur und
Ingenieurskunst.
In seinem Spätwerk 1975 baute er, neben weiteren Wohnbauten, das
gallisch-römische Museum in Lyon, welches in einen Hang gebaut wurde
und oft als „unsichtbares Museum“ bezeichnet wird. Im Erdreich entstanden
Ausstellungsräume aus Sichtbeton mit inszeniertem Lichteffekten und großen
Öffnungen über die ehemalige römische Stadt Lugundum. 3
1
vgl. krazin: Bernard Zehrfuss
<https://architectuul.com/architect/bernard-zehrfuss> [Zugriff 29.04.2022 14:56]
2
vgl. Heidegger, Gerald: Utopien in Beton und Stahl.
< https://orf.at/v2/stories/2237281/2237174/ > [Zugriff 29.04.2022 15:12]
3
vgl. The hidden architecture of the Lugdunum museum in Lyon, France < https://blog.thal.art/the-hiddenarchitecture-of-the-lugdunum-museum-in-lyon-france/>
[Zugriff 29.04.2022 15:38]
Text: Tevo Silbersiepe
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Impressionen
Fotos
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Foto unten: Daniel Schürr // Foto oben: Lisa Blenk
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Foto: Lisa Blenk
Foto: Lisa Blenk
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Fotos: Lisa Blenk
Fotos: Michael Wildmann
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Foto: Lisa Blenk
Foto: Lisa Blenk
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Foto unten: Michael Seidel // Foto oben: Lisa Blenk
Fotos: Michael Wildmann
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Foto: Michael Wildmann
Foto: Michael Seidel
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Foto unten: Michael Wildmann // Foto oben: Daniel Schürr
Fotos: Michael Wildmann
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Foto: Daniel Schürr
Fotos: Michael Seidel
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Foto: Lisa Blenk
Foto: Michael Wildmann
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Fotos: Michael Wildmann
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Fotos: Daniel Schürr
Beteiligte & Danksagung
Konzeption, Koordination & Betreuung
Daniel Schürr, Michael Wildmann
Fachliche Exkursionsvorbereitung und Begleitung
Susanne Stacher
Studentische Mitarbeit
Mire Neumann - Mitarbeit Exkursionsreader
Markus Rupprecht, Laurenz Steixner - Exkursionsvideo
Teilnehmende Forschungsbereich
Hemma Fasch, San-Hwan Lu, Daniel Schürr, Michael Seidel, Michael
Wildmann, Markus Rupprecht, Laurenz Steixner
Teilnehmende Studierende
Lisa Blenk, Flora Chiba, Johanna Czerny, Eike Fiedler, Sarah Fuchs,
Konrad Graunke, Daniel Junger, Emma Kantorkova, Olha Karnaushenko,
Jonathan Kaserer, Heidi Kresbach, Moira Mandic, Elena Meister, Maja
Munck, Lukas Notheis, Daniel Ornetzeder, Greta Pirzl, Arno Poll, Tevo
Silbersiepe, Cosima Sima
Dank an
Dietmar Feichtinger und Barbara Feichtinger-Felber
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paris +
exkursion
Architektur im Großraum Paris.
Reisedaten: 14. bis 20. Mai. 2022
LVA exkursion hochbau 2 SS 22 2.0 ECTS
Anmeldung im Sekretariat (20 plätze)
Michael Wildmann, Daniel Schürr
TU WIEN INSTITUT FÜR ARCHITEKTUR UND ENTWERFEN
FORSCHUNGSBEREICH HOCHBAU – KONSTRUKTION UND ENTWERFEN E 253/5
UNIV.PROF. IN ARCH. IN HEMMA FASCH
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Impressum
paris +
Exkursion in den Großraum Paris
Herausgeberin
Technische Universität Wien
Institut für Architektur und Entwerfen
FB Hochbau - Konstruktion und Entwerfen
t +43 1 58801 253501
www.hb2.tuwien.ac.at
Diese Broschüre ist ausschließlich zu didaktischen Zwecken und nicht zur
kommerziellen Verwendung bestimmt.
Das Material stammt aus den verschiedensten Medien. Bei Fragen zu einzelnen
Quellen wenden Sie sich bitte an uns.
Fotos, wenn nicht anders vermerkt: Daniel Schürr
Kartendaten für die Schwarzpläne: open street map contributors
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jedermann benutzt werden dürften.
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