Steinzeithöhle - Nationalpark Bayerischer Wald

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Steinzeithöhle - Nationalpark Bayerischer Wald

BESUCHEREINRICHTUNGEN

Steinzeithöhle

Eine Reise ins Eiszeitalter des Bayerischen Waldes

Naturnahe, dünn besiedelte Waldlandschaften - Heimat der

Rothirsche. Die stolzen Pflanzenfresser sind letzte Zeugen

einer einst reichen Vielfalt von Großtieren in Mitteleuropa. Ihre

Lebensräume und ihre heute nur noch inselartige Verbreitung

prägt inzwischen der Mensch. Doch das war nicht immer so!

Über Jahrmillionen bestimmte das Klima - und nicht der

Mensch - das Geschehen auf der Erde. Warmphasen brachten

üppige Pflanzen- und Baumbestände und eine reichhaltige

Tierwelt hervor, tropisch warmeTemperaturen ließen Gesteine

rasch verwittern und Böden erodieren.

Florenwechsel - Faunenwechsel

Unter den arktischen Bedingungen können nur die widerstandsfähigsten Pflanzen

und Tiere überleben. Die bisher hier vorherrschenden Wälder verlagern sich in den

wärmeren Süden. Genügsame und kälteverträgliche Gräser, Zwergsträucher und

Flechten wandern in die eisfreien Gebiete ein. Eine artenreiche Tundra überzieht

weiteTeile der Landschaft.

Mit der Kältesteppe kommen auch andere Tierarten in unseren Raum: Wildpferd,

Rentier, Moschusochse, Wollnashorn und Mammut durchstreifen die meist baumlosen

Gebiete. Ihre saisonalen Wanderungen führen sie auch ins Innere des heutigen

Bayerischen Waldes. Ein dichtes Fell und mächtige Speckschichten lassen sie die

Kälteperioden und Nahrungsengpässe derWintermonate gut überstehen.

Menschen des Eiszeitalters

Globetrotter und Überlebenskünstler

Die Frühmenschen, die seit mehreren Jahrhunderttausenden

Europa durchwanderten, verstanden es ebenfalls, in diesem

kaltzeitlichen Klima zu überleben. Als Wohnstätten und Orte

für spirituelle Handlungen dienen ihnen oftmals Höhlen.

Durch die bewusste Nutzung des Feuers sind die Menschen

dem lebensfeindlichen Klima besser gewachsen. Rentiere und

Auerochsen, Wildpferde und Mammuts sind begehrte Jagdbeute

und liefern ihnen energiereiche Nahrung. Aus ihren

Fellen und Knochen fertigen sie Kleidung und Werkzeuge.

Neue Jagdtechniken und wirkungsvollere Waffen erhöhen

ihren Jagderfolg.

Die Nachbildung eines Ausschnitts der berühmten Bilderhöhle Grotte Chauvet im

Ardèchtal in Südfrankreich öffnet ein Fenster in die Vergangenheit. Mit den draußen

im Gehege weidenden Wildpferden und Urrindern schlagen wir eine lebendige

Brücke zwischen dem Eiszeitalter und der Gegenwart.

Schautafeln und 3D-Animationen veranschaulichen den Wandel von Klima, Landschaft

und Tierwelt der letzten Eiszeit und beginnenden Nacheiszeit und zeigen, wie

der Mensch durch Neuerungen in der Jagdtechnik auf diese Umwelt- und Klimaänderungen

reagierte.

Vor etwa zwei Millionen Jahren verändert sich das Klima einschneidend:

In den kommenden Jahrtausenden wechseln

mehrere lange Kälteperioden mit kurzen Warmphasen ab.

Während der Kaltzeiten nehmen die Temperaturen ab. Niederschläge

fallen immer häufiger als Schnee. An den Polkappen

beginnen die Eisschilde zu wachsen und im Hochgebirge

stoßen die Gletscher vor. Während des letzten Kältemaximums

(vor etwa 20.000 Jahren) tragen auch im Bayerischen

Wald die höchsten Berge Eiskappen. Kleine Gletscher fließen

von ihnen talwärts.

Homo sapiens

erscheint in Mitteleuropa

Vor ca. 40.000 Jahren betritt Homo sapiens sapiens, der

„anatomisch moderne Mensch“, die Bühne in Mitteleuropa.

Unsere direkten Vorfahren waren nicht nur hoch spezialisierte

Überlebenskünstler, sondern auch die ersten Vertreter der

Gattung Homo sapiens, die in Europa die ältesten Kunstwerke

schufen: Kleinplastiken, Höhlenmalereien und Felsgravuren.

Im Bayerischen Wald fehlen geologisch bedingt Höhlen und

Spuren menschlicher Besiedlung aus der Altsteinzeit. Das

saure Urgestein im Untergrund konserviert die Knochen von

Menschen undTieren nicht.

Steinzeithöhle mit Dauerausstellung

Wie es wohl war, als unsere Ahnen noch einer urigen Großtierfauna im Bayerischen

Wald begegnen konnten? Mit dem Tier-Freigelände bei Ludwigsthal greifen wir

dieses spannende Thema auf. Auerochsen, Wisente, Wildpferde - imposante Huftiere,

die während der Eiszeiten hier heimisch waren, können vom Besucherweg aus

beobachtet werden. Er führt in eine dunkle Felshöhle, wo eindrucksvolle Höhlenmalereien

von lebensnah skizzierten Wildtieren rekonstruiert wurden: Bildnisse von

dahin stiebenden Rinderherden und flüchtigen Wildpferden auf den spärlich beleuchteten

Felswänden erzählen von der außergewöhnlichen Beobachtungsgabe

der „alten Meister“ und der besonderen Beziehung der Steinzeitmenschen zur

damaligenTierwelt.

Impressum

Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald

Freyunger Straße 2

94481 Grafenau

Telefon 0 85 52 / 96 000

Telefax 0 85 52 / 96 00 100

poststelle@npv-bw.bayern.de

www.nationalpark-bayerischer-wald.de

Illustrationen © Burkard Pfeifroth, Reutlingen

Gefördert im Rahmen der

EU-Gemeinschaftsinitative

INTERREG III A


STEINZEITHÖHLE

Das Panneau der Pferde

aus der Grotte Chauvet/Südfrankreich

Am 18. Dezember 1994 im Tal der Ardèche im Süden

Frankreichs: drei Höhlenforscher trauen ihren Augen

nicht: Sie haben soeben eine sensationelle Entdeckung

gemacht - die Grotte Chauvet mit den bis dato ältesten,

bekannten Wandmalereien. Das Alter und das hohe

künstlerische Niveau dieser Abbildungen stellen bisherigeVermutungen

über die Anfänge der Kunst in Frage.

Kämpfende Nashörner, Wildpferde, Bisons, Löwen und

eine Herde wilder Auerochsen: Die sechs Meter lange

"Tafel der Pferde" in der Grotte Chauvet gilt als Meisterwerk

prähistorischer Kunst. Rechts davon: Ein Höhlenlöwe

schnuppert am Hinterteil eines sich duckenden Artgenossen.

Die beiden Tiere gehören zu einer ausgestorbenen,

mähnenlosen Spezies. Möglicherweise wollen sie sich

gerade paaren. Sie sind zwei von zahlreichenWandgemälden

dieser Bilderhöhle im Ardèchetal, geschaffen vor

wahrscheinlich 32.000 Jahren. Ein phantastisches Zeugnis

der Schöpferkraft des Menschen der Altsteinzeit.

Die Schätze der Grotte Chauvet zu bewundern, ist wegen

ihres immensen Wertes für die Erforschung der Menschheitsgeschichte

der Öffentlichkeit verwehrt. Deshalb laden

wir Sie ein, die rekonstruierte "Steinzeithöhle" am

Eingang zum Tier-Freigelände bei Ludwigsthal zu besuchen.

Hier können Sie einen kleinen Ausschnitt dieses

prähistorischen Kunstschatzes aus direkter Nähe bewundern

und die spannenden Beziehungen zwischen

Mensch undTierwelt im Eiszeitalter ergründen.

Weitere Informationen zur Originalhöhle im Internet:

www. culture.fr/culture/arcnat/chauvet

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