my life_Ausgabe 01.07.2025_Vorableseprobe für WAVE Kunden
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Ein Geschenk Ihrer Apotheke
12 | 16. Juni 2025 B
12 SEITEN
DOSSIER
Pflegefall – was nun?
Die ersten Anlaufstellen
für schnelle Unterstützung
Welche Leistungen Patienten
und Angehörigen zustehen
Wie die Apotheke
Menschen im Alter hilft
Die perfekte Therapie & Pflege
Gut zum Fuß
MEDIZIN
Ordnung
im Kopf
So denken Sie
konzentriert und
zielgerichtet
REISE
Traumreise auf
dem Hausboot
Ganz entspannt durch
die wunderschöne
Uckermark schippern
GENUSS
Vital & gesund
mit Fitness-Bowls
Von Müsli bis Salat –
leckere Gerichte
voller Nährstoffe
Woran man Fehlstellungen erkennt und wie
eine minimalinvasive OP den Hallux valgus heilt
Schöne Füße an heißen Tagen: Was bei Hornhaut,
Hühneraugen, Nagelpilz hilft. Plus: die besten Produkte
INHALT
18
Kopf frei, Herz leicht
Konzentriertes, zielgerichtetes
Denken will gelernt sein. Gewisse Tricks
machen hier den Unterschied, sagen
Neurowissenschaftler
16
Gut zum Fuß
Was Ballen, Ferse und Sohle jetzt
besonders guttut, was man besser
vermeidet – und wie Haut- und Nagelpflege
für ein frisches Gefühl sorgen
GESUNDHEIT
6 Magazin
Aktuelles aus Medizin,
Wellness und Ernährung
12 Starke Füße
Was Fehlstellungen entlarvt, wie
eine individuelle Therapie aussieht
18 Kopf frei, Herz leicht
24 DOSSIER
Pflege & Betreuung
Die wichtigsten Anlaufstellen
für den Ernstfall, die Rechte
pflegender Angehöriger und die
Ansprüche Betroffener. Plus:
Smarte Helfer für den Alltag
36 Abnehmen ohne Kalorienzählen
Trotz der Diabetes-Typ-2-Diagnose
hat Daniela Dannenmeier den
Spaß am Essen nie verloren
46 Genießen und durchatmen
Wie frisches Obst, reichlich
Gemüse und Omega-3-Fettsäuren
die Lungenfunktion stärken
54 Das schöne Leben ist kein Traum
Wegen ihres Morbus Crohn lebt
Nicole heute mit einem Stoma und
unterstützt andere Betroffene
66 Urlaub auf vier Pfoten
68 Im Wandel der Zeit
Von der Antike bis heute –
die spannende Entstehungsgeschichte
der Apotheken
BEAUTY
16 Gut zum Fuß im Sommer
LIFESTYLE
40 In Bestform mit Fitness-Bowls
Von deftig bis süß: Unsere Salatund
Joghurtkreationen stecken
voller gesunder Nährstoffe
48 Fruchtig-frische Käsekuchen
Beeren der Saison verschmelzen
mit cremigem Frischkäse
52 Traumreise auf dem Hausboot
Zwischen Seerosen und Schilf den
Zauber der Uckermark entdecken
66
Urlaub auf vier Pfoten
Hundefreundliche Ziele, Unterkünfte
und Transportmittel zu finden, muss
nicht kompliziert sein. So wird
die Reise mit Tier sicher zum Erfolg
62 Mein kleines Aroma-Paradies
Sie sind nicht nur duftende Deko,
sondern auch Geschmackshelden:
Rosmarin, Minze & Co.
WOHLFÜHLEN
58 Sanftes Klopfen weckt die Kräfte
Schon allein die Atemübungen des
Yoga helfen zu entspannen
60 Die Natur als Arzt
Prof. Kathy Willis erklärt, warum
Bäume und Blumen dem Körper
Kraft spenden
RUBRIKEN
3 Editorial, Stiftungsbeirat
38 Kommentar
56 Buchtipps
70 Glücks-Kalender
72 Kreuzworträtsel, Sudoku
74 Vorschau, Impressum
FOTOS TITEL: JUMP FOTOAGENTUR INHALT: LAURENCE MOUTON/PHOTOALTO/LAIF; ADOBE STOCK ILLUSTRATION: ADOBE STOCK
4 my life 12/2025
my life
GESUNDHEIT
12 my life 12/2025
Bewegung & Stabilität
Starke Füße,
starkes Fundament
→
Sie schmerzen, sind platt, gespreizt, die Zehen verschieben sich –
Probleme mit den Füßen kennt fast jeder. Experten erläutern, wie man
Fehlstellungen erkennen und Flexibilität zurückgewinnen kann
Jemand steht mit beiden Beinen im Leben,
heißt es. Oder kommt Schritt für
Schritt voran. Wer gesunde Füße hat, ist jedoch
nicht nur standfest und ein guter Geher
oder Läufer. Er hat eine beweglichere Hüfte,
eine bessere Haltung und ist auch weniger
verspannt. Die Füße bilden das Fundament,
das den gesamten Körper trägt. 20 Muskeln,
33 Gelenke, 114 Bänder und 26 Knochen schaffen
ein stabiles Gewölbe. Über die Sprunggelenke
beeinflussen die Füße die Stellung des
Knie- und des Hüftgelenks sowie der Wirbelsäule.
Unsere Füße zeichnen sich durch ein
fein abgestimmtes Zusammenspiel aus, das
unsere körperliche Mobilität ermöglicht – genau
diese Kombination aus Belastbarkeit und
Elastizität macht sie so besonders. Bei einem
Sprung können sie sogar ein Vielfaches des
eigenen Körpergewichts abfedern.
Beschwerden. Wenn uns Schmerzen an
dem sensiblen Körperteil plagen, ist die Not jedoch
groß. Denn in unserem komplexen Laufwerk
sitzen Tausende Nervenenden – und die
machen Probleme, wenn Zehen schief stehen
oder Fersen stark belastet werden. Schätzungsweise
75 Prozent der Erwachsenen in Deutschland
sind von Fußproblemen betroffen. Dabei
werden nach Expertenschätzungen 98 Prozent
aller Babys mit gesunden Füßen geboren.
Krümmungen, Entzündungen, Schwellungen
entwickeln wir erst im Lauf unseres Lebens.
Schiefstand entgegenwirken
„Wir zwängen unsere Füße in zu enge oder zu
hohe Schuhe. Sie bekommen keine Luft mehr
und müssen fast immer auf harten Böden gehen“,
klagt der Allgemeinarzt Dr. Christian
Larsen von der Klinik Bethanien in Zürich und
Mitbegründer der Spiraldynamik. Dabei han
delt es sich um eine Therapieform für anatomisches
Bewegen. Der Spezialist geht davon
aus, dass wir unseren Füßen mit speziellen
Übungen wieder ihre natürliche Flexibilität
zurückgeben können. Weitere Fehlstellungen
und damit verbundene körperliche Einschränkungen
lassen sich so lindern. Denn die Fußprobleme
sind Dr. Larsens Meinung nach evolutionär
bedingt: „Unsere Füße wurden über
Jahrmillionen entwickelt, wir waren barfuß
auf Wanderschaft. Doch der Mensch wurde
leider vom Dauerläufer zum Dauersitzer. In
unserer modernen Welt bewegen wir die Füße
zu wenig und zu einseitig. Irgendwann sind sie
dann flach getreten. Sie werden breiter, die Fersen
schmerzen, die Zehen werden zu Krallen
und die Großzehe geht auf Abwege.“
Häufigstes Leiden: Hallux valgus
Verlagert sich der große Zeh weit nach außen
oder verschwindet sogar ganz unter dem Nachbarzeh,
spricht man von einem Hallux valgus.
Der Mittelfußknochen verschiebt sich dabei
nach innen und das Fußgewölbe sinkt ab. Der
Ballen wird sichtbar, ist häufig gerötet und ➡
ANATOMIE DER FÜSSE
Wunderwerk der Evolution
1. Wadenbein
2. Schienbein
3. Sprungbein
➊
➋
➌
➍ ➎ ➏ ➐
Jede OP sollte von
Operateuren
durchgeführt
werden, die über
große Erfahrung
verfügen
Prof. Dr. med.
Norbert Harrasser,
Facharzt für Orthopädie
und Unfallchirurgie,
ECOM – Privatpraxis
für Orthopädie;
ecom-muenchen.de
4. Fersenbein
5. Kahnbein
6. Mittelfuß 7. Zehen
Ein Viertel aller Knochen unseres Körpers
befindet sich in beiden Füßen. Das
komplexe Gebilde sorgt dafür,
dass wir uns fortbewegen können:
gehen, laufen, tanzen, springen, klettern oder
Rad fahren. Leider belasten wir die Füße viel zu
einseitig. Nicht selten schenken wir ihnen erst
Aufmerksamkeit, wenn sie uns Probleme bereiten.
12/2025 my life
13
BEAUTY
Frischluft Herrlich, wenn man bei gutem Wetter barfuß durchs Gras laufen kann. Der Gang ohne Schuhe kräftigt zudem Bänder und Muskeln
Gut zum Fuß
im Sommer
Jetzt rücken unsere Füße wieder in den Mittelpunkt: Gepflegte Nägel, zarte Haut und
ein frisches Gefühl machen den Auftritt perfekt. Die My Life-Expertin weiß, was
Ballen, Ferse und Sohle nun besonders guttut und was man besser vermeiden sollte
Fersen-Pflege Mit einem
Bimsstein oder einer speziellen
Hornhautfeile rücken wir
verdickten Partien zu Leibe
Die Sommerzeit ist der perfekte Zeitpunkt,
um unsere Füße in Bestform zu
→
bringen – und rundum zu verwöhnen. Maja
Henke, Fachärztin für Chirurgie aus München,
erklärt in My Life, welche spezielle Pflege ihnen
jetzt zuteilwerden sollte.
Feuchtigkeit. „Im Sommer sind unsere Füße
besonderen Belastungen ausgesetzt: Hitze, Barfußlaufen
und enge Sandalen können die Haut
austrocknen und die Entstehung von Hornhaut
fördern. Daher ist regelmäßige Pflege besonders
wichtig. Eine intensive Feuchtigkeitspflege
mit Cremes unterstützt die Hautbarriere
und beugt rissigen Fersen vor. Fußpuder und
Deosprays können zwar kurzfristig gegen
Schweiß und Geruch helfen, trocknen die Haut
aber oft zusätzlich aus.“ Wichtig ist zudem, auf
atmungsaktive Schuhe und Socken zu achten
und die Füße nach dem Duschen gründlich abzutrocknen,
besonders zwischen den Zehen.
Verhornung. Gegen Hornhaut empfiehlt
die Medizinerin vor allem Cremes mit Harnstoff
(Urea), Milchsäure oder Salicylsäure.
„Diese lösen die abgestorbenen Hautzellen
und machen die Hornhaut geschmeidiger. „Ich
empfehle, die Füße regelmäßig zu peelen und
danach mit einer reichhaltigen Pflege zu versorgen,
um die Haut zu schützen. Vermeiden
sollte man aggressive Feilen oder Rasierklingen,
da diese die Haut verletzen und die Horn-
16 my life 12/2025
hautbildung sogar fördern können. Je weniger
Hornhaut vorhanden ist, desto besser kann die
Feuchtigkeitspflege in die Haut eindringen und
die Füße geschmeidig und weich machen.“
Empfindliche, zu Rissen neigende Haut braucht
besondere Pflege. „Produkte wie Atoderm
Crème Ultra von Bioderma oder Weleda Fußbalsam
aus der Apotheke versorgen die Haut
intensiv mit Feuchtigkeit und stärken die
natürliche Barriere. Auch pflanzliche Inhaltsstoffe
wie Sheabutter oder Panthenol können
die Haut beruhigen“, so die Münchner Expertin.
Wichtig ist es, die Füße täglich zu pflegen.
Pilzinfektion. Einrisse und juckende Stellen
zwischen den Zehen deuten auf einen Fußpilz
hin. Pilztötende Salben können hier vor allem
im Frühstadium gut helfen. Auch bei Nagelpilz
sollte so früh wie möglich gegengesteuert werden.
Der Wirkstoff Ciclopirox kann Pilzsporen
erwiesenermaßen abtöten und das Nachwachsen
eines gesunden Nagels unterstützen. Die
Behandlung erfordert allerdings Geduld.
Hierzu erklärt Fachärztin Maja Henke: „Fußund
Nagelpilz entstehen meist in warmen,
feuchten Umgebungen – also genau da, wo wir
im Sommer oft barfuß unterwegs sind: in
Schwimmbädern, Umkleiden oder Hotelzimmern.
Mit zunehmendem Alter, etwa ab 45,
wird unser Immunsystem schwächer und Pilzinfektionen
treten häufiger auf. Um sich davor
zu schützen, sollte man in feuchten Bereichen
wie Schwimmbädern und Gemeinschaftsduschen
unbedingt Flipflops tragen – sie verhindern
den direkten Kontakt mit Pilzsporen. Das
ist die beste Prävention für Fußpilz.“
Druckstellen. Und was tun, wenn wir unter
Hühneraugen leiden? Chirurgin Maja Henke:
„Hühneraugen entstehen durch anhaltenden
Druck oder Reibung – in der Regel durch zu
enge Schuhe. Sie sind verdickte, verhärtete
Hautstellen, die bis in tiefere Hautschichten
reichen können und dort schmerzhaften Druck
auf Nerven ausüben. Zur Behandlung eignen
sich Salicylsäurepflaster oder spezielle Gels, die
die Hornhaut aufweichen. Regelmäßiges Eincremen
und die Vermeidung von Druckstellen
durch gut sitzende Schuhe sind entscheidend,
um Hühneraugen langfristig zu vermeiden.“
Ein warmes Fußbad (15 bis 20 Minuten bei
maximal 37 Grad) bereitet unsere Füße zudem
optimal auf die folgende Pflege vor, macht es
doch Nägel und Hornhaut gleich etwas weicher,
sodass sie sich später besser bearbeiten lassen.
Ganz abgesehen vom Wohlfühlfaktor! ❰
Ich empfehle,
die Füße
regelmäßig
mit einer
reichhaltigen
Pflege zu
versorgen
Maja Henke,
Fachärztin für Chirurgie,
Praxis für Ästhetische
Medizin & Longevity
in München;
aesthetik-henke.de
Von Fußbad bis Schaumcreme
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Die besten Produkte für gepflegte Füße
FOTOS: LAURENCE MOUTON/PHOTOALTO/LAIF; MAURITIUS IMAGES/BLACKDAY/ALAMY; PR (7)
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1 3
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bringt das Mikrobiom der Füße ins Gleichgewicht.
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Hornhaut, reduziert übermäßige Neubildung; schützt
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12/2025 my life
17
GESUNDHEIT
18 my life 12/2025
Erleben Wer sich von
der Welt immer wieder
in Staunen versetzen
lässt, durchbricht das
Karussell der Langeweile
Mehr mentale Klarheit
Kopf frei,
Herz leicht
→
Es gibt Wege aus der Ablenkungsspirale: Neurowissenschaftler,
Psychotherapeuten und Mentaltrainer erklären, wie wir neu lernen können, konzentriert
und zielgerichtet zu denken. Und das kann eine Menge Spaß machen
Gutes beginnt bisweilen
mit Streit, Vorwürfen –
und einer finalen E-Mail. „Ich
will nicht mehr mit dir zusammenarbeiten“,
stand in der
Nachricht, die Shane Parrish
an jenem Sonntag lesen musste,
der sein Leben auf den
Kopf stellte – und ihn zum Berater
und Autor werden ließ.
In Verzug. Damals schob er
60-Stunden-Wochen, hatte seit
Jahren keinen Urlaub nehmen
können. Er war am Wochenende
ins Büro gekommen, um
eine Software fertig zu schreiben,
die für eine bestimmte
Operation des kanadischen Geheimdiensts
unerlässlich war.
In der kommenden Nacht sollte
sie stattfinden. Sein Teamkollege
war schon da.
Er kam an Parrishs Schreibtisch.
Der Code, sagte er, hätte
schon vor zwei Tagen fertig
sein müssen. „Du hast die Sache
in Gefahr gebracht. Leute
verlassen sich auf dich.“ Parrish verteidigte
sich. Er habe all diese Meetings besuchen
müssen. Der Chef habe ihn mit Aufgaben eingedeckt.
Außerdem habe er am Freitag die
Software ja schreiben wollen, aber der Bus sei
im Schnee stecken geblieben. „Ich gebe mein
Bestes. Aber es scheint nie genug zu sein.“ Der
Kollege blaffte. „Bullshit. Es ist deine Schuld.
Hör auf mit den Ausreden.“
30
Minuten
mindestens sollten
sich erwachsene
Menschen
vollkommen
auf eine Sache
konzentrieren
können
Sind wir selbst schuld?
Dieser Dialog, urteilt Parrish
heute, habe sich weder nett
noch fair angefühlt. Aber er
sei, weil man es im Grunde gut
mit ihm meinte, freundlich gewesen.
Der Kollege habe ihn
begreifen lassen, dass es falsch
sei, eigenes Versagen mit irgendwelchen
äußeren Umständen
erklären zu wollen.
Derartige Ausreden seien zwar
üblich, aber sinnlos. Wer etwas
erreichen wolle, müsse
auch bereit sein, für Fehler
einzustehen. Ohne diese Fähigkeit
der Selbstzuschreibung
sei ein besseres, ein klares
Denken nicht möglich.
Shane Parrish ist inzwischen
der digitale Prediger
des „Clear Thinking“. Per Website,
Newsletter und Podcast
erklärt er, wie man Klarheit
im Kopf erlangt, wie man besser
urteilt, besser entscheidet;
wie man besser denkt.
Und der Bedarf an Bedienungsanleitungen für
den Kopf scheint zu steigen. „Wir haben keine
normalen Gehirne mehr“, überschrieb die
„Neue Zürcher Zeitung“ einen Essay des britischen
Journalisten Johann Hari. An zahlreichen
Beispielen beschreibt Buchautor Hari das
„kollektive Aufmerksamkeitsdefizit“, das die
ständigen Ablenkungen des digitalen Zeitalters
hervorrufen.
➡
Das Gehirn
braucht Zeit, sich
zu fokussieren
Prof. Dr. rer. nat.
Martin Korte
lehrt Zelluläre
Neurobiologie an der
Technischen Universität
Braunschweig und ist
Direktor des
Zoologischen Instituts
12/2025 my life
19
Etwa 50 Prozent
an Resilienz
kann sich der
Mensch
antrainieren
Dr. phil. Dipl.-Psych.
Isabella Helmreich,
Psychotherapeutin
am Leibniz-Institut für
Resilienzforschung
in Mainz
➡ Im Zentrum steht die Dauerpräsenz des
Smartphones. Gut 82 Prozent der Deutschen
besitzen eines, von den unter 50-jährigen Erwachsenen
fast jeder und jede. Einen der vorläufig
deutlichsten Beweise für die Ablenkung
durch den Alltagsbegleiter erbrachte ein Test
mit 42 Probanden an der Universität Paderborn.
Er erschien 2023 in einer „Nature“-Publikation.
Im Ergebnis zeigten sich bei der Bewältigung
verschiedener Aufgaben Unterschiede,
je nachdem, ob die Testteilnehmer ein Smartphone
neben sich hatten oder das Gerät in den
Nebenraum verbannt war. „Die Tatsache, dass
das Handy in Sichtweite ist – selbst wenn es
ausgeschaltet ist –, beeinflusst die kognitive
Leistung“, so der Psychologe und Studienleiter
Prof. Sven Lindberg.
Stete Unruhe. Aus neurowissenschaftlicher
Sicht konkurrieren in derartigen Situationen
zwei Netzwerke im menschlichen Gehirn. Das
eine ziehe Aufmerksamkeit auf sich und sei
unter anderem für den viel zitierten FOMO-
Effekt verantwortlich – „Fear of missing out“,
die Angst, etwas zu versäumen. Das sagt Prof.
Martin Korte, Leiter der Abteilung Zelluläre
Neurobiologie an der Technischen Universität
Braunschweig. Das andere Netzwerk, so Prof.
Korte, koordiniere Aktionen – die Jagd auf
einen Bären, das Verfassen eines Gedichts, das
Programmschreiben. „So geraten wir von
einer hektischen Situation in die nächste“,
sagt der Experte. Weil das neuronale Hin-undher-Hetzen
Energie koste, ermüdeten wir geistig
schneller. „Das Gehirn braucht außerdem
Zeit, sich zu fokussieren.“ Als eine Gegenmaßnahme
empfiehlt Prof. Korte, immer wieder
die drei wichtigsten Dinge aufzulisten, die in
nächster Zeit erledigt sein sollten.
Dem Stress widerstehen
Das Smartphone dauerhaft oder auch nur
dann wegzulegen, wenn wir uns konzentrieren
wollen, ist freilich kaum eine Erfolg versprechende
Bewältigungsstrategie. Das Ding
leistet einfach bei zu vielen Aufgaben gute
Dienste. Außerdem ist sein permanentes Aufleuchten,
Piepsen und Brummen nicht die einzige
Herausforderung, die dem arbeitenden
3,2
Millionen
Menschen in
Deutschland
praktizieren häufig
Yoga. Weitere
8,2 Millionen
geben an, es ab
und an zu tun
Entspannen Meditation,
Yoga & Co. machen das Gehirn
widerstandsfähiger
20 my life 12/2025
Menschen begegnet. Am Leibniz-Institut für
Resilienzforschung in Mainz beschäftigt sich
die Psychotherapeutin Dr. Isabella Helmreich
mit Möglichkeiten, den Stress von sich abprallen
zu lassen. Bei der Smartphone-Nutzung
rät sie zum intelligenten Dosieren: nicht
gleich nach dem Läuten des Weckers danach
greifen, sondern frühestens nach dem ersten
Kaffee oder Tee; nicht bei jeder auftauchenden
Frage losgoogeln, sondern auch mal im
Familienkreis oder bei Kollegen nachfragen;
und immer wieder Pausen einlegen.
Das persönliche Ausmaß an Resilienz, also
der Fähigkeit, sich an Veränderungen anzupassen,
liegt teilweise in den Genen. „Aber etwa
50 Prozent kann sich der Mensch antrainieren“,
sagt Dr. Helmreich. Vier Säulen seien entscheidend:
eine körperliche – wenig Alkohol,
ausreichend Schlaf, regelmäßiger Sport und
ausgewogene Ernährung; die zweite Säule ist
laut Dr. Helmreich die mentale. Es sei wichtig,
sich geistig zu erholen, abzuschalten. „Das leistet
schon ein kurzer Spaziergang ins Grüne“, so
Dr. Helmreich. Dann gebe es eine soziale Komponente
der Resilienz. Gemeint ist, dass man
Menschen brauche, auf deren Unterstützung
man zurückgreifen könne. Auch Spiritualität
unterstütze die Widerstandsfähigkeit. Das
könne der Glaube an einen Gott ebenso bewirken
wie Naturerfahrung, Meditation oder verschiedene
Yogatechniken, so die Expertin.
Die Selbstoptimierungsstrategien des kanadischen
Unternehmers und Buchautors Shane
Parrish bauen auf ähnlichen Erkenntnissen
auf, richten sich aber primär an Manager und
solche, die es werden wollen, an Menschen, die
Effizienz mögen. Die Elite von Wall Street und
Silicon Valley schwöre auf Parrish, notierte die
„New York Times“. Allerdings habe er die Kunst
des besseren Denkens keineswegs neu erfunden,
merkt der frühere Agent an. Im Gegenteil:
Sein Trick ist, sich immer wieder auf die Tricks
anderer zu berufen. Es sind die Lebensregeln
erfolgreicher Menschen, die Parrish ernst
nimmt und zu einem Programm für mentales
Training ausbaut. Dabei lässt er sich von Denkern
genauso inspirieren wie von Sportlern,
Bossen oder Investoren. Wer erfolgreich ist,
taugt zum Vorbild. Das klingt einfach und ist es
wohl auch. Gegen Parrishs Gedankengymnastik
spricht es aber nicht. Das Einfache kann
auch einfach richtig und ziemlich hilfreich sein.
Wir sind oft viel zu verzagt
Beinahe banal wirkt denn die Grundeinsicht,
die laut Parrish dem klaren Denken vorauszugehen
hat. Man müsse die Welt akzeptieren,
wie sie sei. Darüber zu lamentieren, dass man
Entwirren Sich selbst etwas zutrauen: der erste Schritt zum klaren Denken
sie anders wolle, sei falsch und gefährlich. Niemand
sehne sich nach Schwierigkeiten und
Unglück. Aber das spiele keine Rolle. Eine Klage
ändere nichts an dem Problem, das es mit
guten Urteilen und Entscheidungen zu lösen
gelte. Nur der nächste Schritt zähle – und die
Frage, ob dieser Schritt zur Lösung beitrage
oder sie erschwere.
Tiefe Furcht. Neben der Fähigkeit der
Selbstzuschreibung gilt es, drei weitere Ich-
Stärken für ein besseres Denken zu trainieren
– das Selbstvertrauen, die Selbstkontrolle und
die Selbsterkenntnis, die schon auf dem Apollontempel
in Delphi dem Geschlecht der Menschen
aufgetragen ist: Gnothi seauton – erkenne
dich selbst. Wer sich verantwortlich fühle,
wer sich etwas zutraue, wer seine Ängste und
Gefühle kontrollieren könne und um seine
Fähigkeiten und Schwächen wisse, erfüllt für
Parrish die Voraussetzungen für ein klares, ein
„unabhängiges“ Denken.
Angst, Verzagtheit und Selbstzweifel sind
nach den Erkenntnissen der Hirnforschung
freilich tief im Menschen verankert. „Wir
unterliegen einem Negativ-Bias“, sagt der Psychotherapeut
Dr. Christian Firus von der Rehaklinik
Glotterbad im südbadischen Glottertal.
Unser Gehirn sei so beschaffen, dass es auf
erwartete Verluste viel stärker reagiere als auf
erhoffte Gewinne. Mit anderen Worten: Der
Mensch fürchtet sich zu oft und zu sehr. ➡
4
Schlafphasen
hat die Nacht:
Einschlafen,
Leichtschlaf,
Tiefschlaf, REM-
Schlaf. Jede ist
wichtig für
das Gehirn
12/2025 my life
21
DOSSIER
PFLEGE & BETREUUNG
24 Plötzlich Pflegefall Das
Netz der Leistungen ist dicht
28 Ihr gutes Recht Wichtige
Infos für alle Pflegepersonen
30 Medikamente Die Vor-Ort-
Apotheke berät umfassend
32 Clevere Helfer Produkte, die
den Alltag leichter machen
34 Hausnotruf Was er kostet,
wie er funktioniert
35 Proteine Starke Muskeln
beugen Stürzen vor
Fürsorge
Auch Unfälle
können zu einer
Pflegebedürftigkeit
führen. Ist sie nicht
nur vorübergehend,
unterstützt die
Pflegekasse
24 my life 12/2025
Es kann wirklich jeden treffen
Plötzlich
Pflegefall
Wer im Alter oder in jungen Jahren pflegebedürftig wird, erhält seit diesem Jahr
mehr finanzielle Unterstützung. Wichtig ist aber vor allem, möglichst schnell Hilfe
zu organisieren. Welche Anlaufstellen es gibt, wie Sie vorgehen sollten
→
In diesem Jahr gibt es zwar keine neue
Pflegereform, aber einige finanzielle
Verbesserungen (siehe dazu auch S. 29). Viele
Betroffene wissen jedoch nicht, welche Hilfen
sie in Anspruch nehmen können. Hier finden
Sie einen Überblick der wichtigsten Anlaufstellen
und Unterstützungsleistungen.
Ein unerwarteter Pflegefall wirkt erst einmal
beängstigend. Die Pflegebedürftigen haben
gesundheitliche Probleme, die Angehörigen
oft Sorge, etwas zu übersehen oder zu
vergessen. Eine Prioritätenliste kann helfen,
die wichtigsten Dinge im Blick zu behalten.
Dabei unterstützen etwa Pflegeberatungen,
die über Hilfen informieren. Zertifizierte Berater
schätzen die Situation individuell ein, benennen
entsprechende Leistungen und fertigen
individuelle Pflegepläne an.
Erste Schritte. Die Beratungen sind kostenlos:
Seit dem Pflege-Weiterentwicklungsgesetz
von 2008 gibt es im Sozialgesetzbuch
SGB XI einen Rechtsanspruch auf kostenlose,
professionelle Beratung. Auch Pflegekurse
und Beratungsbesuche zählen dazu.
Anlaufstellen sind in fast allen Bundesländern
sogenannte Pflegestützpunkte, in Sachsen-Anhalt
sind es die Beratungsstellen der
vernetzten Pflegeberatung. Alternativ kann
man sich auch an ambulante Pflegedienste,
Wohlfahrtspflegeeinrichtungen wie die Caritas,
Krankenkassen oder kommunale Stellen wenden.
In der Datenbank des Zentrums für Qualität
in der Pflege lässt sich nach Beratungsstellen
in der Nähe suchen: zqp.de/beratung-pflege.
Ausnahme: Privat Versicherte wenden sich an
die Compass private Pflegeberatung – Anlaufstellen
und Infos: compass-pflegeberatung.de.
Anspruch auf individuelle Pflegeberatung haben
zunächst nur Menschen mit anerkanntem
Pflegegrad. Doch auch wenn ein Pflegefall
droht, kann man diese nutzen. Angehörige
brauchen dazu allerdings das Einverständnis
des Pflegebedürftigen.
Eine Beratung gibt Orientierung
im Dschungel der Unterstützung
Der Ablauf der Pflegeberatung folgt einem
festen Schema. Dieses gibt der Spitzenverband
Bund der Krankenkassen (GKV-Spitzenverband)
vor. Es soll sicherstellen, dass die Informationen
umfassend, verständlich und
gleichbleibend professionell sind.
Zu Beginn wird im Gespräch der individuelle
Hilfe- und Unterstützungsbedarf ermittelt.
Dazu klären Berater die Ursache für die Pflegebedürftigkeit
und fragen z. B. nach Mobilität,
Barrierefreiheit in der Wohnung, Pflegemöglichkeiten
im privaten Umfeld und mehr.
Individuell. Darauf aufbauend, wird zu den
verschiedenen Unterstützungsmöglichkeiten
beraten, die den Pflegebedürftigen und ihren
Angehörigen zustehen. Das können Pflegesachleistungen
oder Möglichkeiten der Kurzzeitpflege
sein. Außerdem kann, bei Bedarf,
die Wohnung durch einen Umbau barrierefrei
gestaltet oder Pflegehilfsmittel wie Rollstühle
beantragt werden. Auch auf Pflegekurse besteht
Anspruch, ebenso wie auf medizinische
Rehabilitation, welche die Mobilität erhalten
oder wiederherstellen kann.
Im Anschluss werden die Ergebnisse in
einem persönlichen Versorgungsplan notiert.
Mit diesem haben Pflegebedürftige und ihre
Angehörigen eine Liste an eventuellen ➡
12/2025 my life
25
DOSSIER PFLEGE & BETREUUNG
4,5
Um diesen
Prozentsatz stieg
das Pflegegeld im
Jahr 2025
Pflegesachleistung
Werden Pflegebedürftige
zu Hause vom ambulanten
Pflegedienst versorgt,
zahlt die Pflegekasse
monatlich bei
Pflegegrad 1:
keine Unterstützung
Pflegegrad 2: 796 €
Pflegegrad 3: 1497 €
Pflegegrad 4: 1859 €
Pflegegrad 5: 2 299 €
Quelle: Bundesgesundheitsministerium,
aktuelle Sätze 2025
➡ Hilfsmöglichkeiten parat. Damit die in der
stressigen Übergangssituation auch greifen,
helfen die Pflegeberater bei der Umsetzung:
Sie stellen Kontakt zu Leistungsträgern her
und übermitteln Anträge, wie den auf einen
Pflegegrad, zeitnah an zuständige Pflege- oder
Krankenkassen. In einem zweiten Termin, der
auch telefonisch erfolgen kann, wird die Umsetzung
der Maßnahmen durch die Pflegebedürftigen
und ihre Angehörigen erfragt.
Nicht allein. Hilfe benötigt aber nicht nur
die pflegebedürftige Person. Da viele Menschen
zu Hause im familiären Umfeld bleiben,
ist ihre Versorgung für Angehörige oft kräftezehrend.
Daher spielt auch deren mögliche
Entlastung eine Rolle in der Beratung. Das
können Pflegekurse und die Bestellung von
Hilfsmitteln sein, aber auch finanzielle Hilfen
wie Pflegeunterstützungsgeld, Angebote zur
Verhinderungs- und Kurzzeit- oder Tages- und
Nachtpflege. Auch die Freistellung von der
Arbeit ist möglich (siehe dazu S. 28).
Von Anfang an sind Qualifikation
und Qualität das A und O
Die Pflegeberatung ist keine dauerhafte Begleitung.
Sie endet, wenn die Beratungsziele
erreicht und die Anträge auf dem Weg sind.
Tauchen neue Probleme auf, kann man eine
Wiederholungsberatung beantragen. Da verschiedene
Stellen die Pflegeberatung übernehmen
können, sollte man auf seriöse Anbieter
achten. Gute Pflegeberater erstellen den Versorgungsplan
mit den Ratsuchenden – und
nicht über ihren Kopf hinweg. Die Pflegebedürftigen
werden ermutigt, selbstbestimmte
Entscheidungen zu treffen. Außerdem gibt es
Erklärungen für unverständliche Begriffe, zu
Rechten und Ansprüchen gegenüber Leistungsträgern
und -erbringern. Wichtig ist dabei,
dass die Wünsche der Pflegebedürftigen
und ihrer Angehörigen ernst genommen und
keine Leistungen aufgeschwatzt werden, die
nicht gewünscht oder nicht nötig sind.
Digital. Gute Pflegeberater haben zudem
eine Zertifizierung durchlaufen. Der Versorgungsplan
wird elektronisch erstellt, damit er
schnell und unkompliziert an Beratungsstellen,
Ärzte, Pflegekassen und -einrichtungen
weitergeleitet werden kann. In Notfällen sollten
auch kurzfristige Termine möglich sein,
im Zweifel telefonisch.
Sobald man einen groben Überblick über die
Situation bekommen hat und weiß, wo im Alltag
Hilfe nötig ist, kann ein Pflegegrad beantragt
werden. Das sollte zügig geschehen, denn
Leistungszahlungen beginnen erst ab dem Monat
der Antragstellung. Nach einem formlosen
Antrag bei der Pflegeversicherung fragt diese
im nächsten Schritt auf hausinternen Bögen
Details zur Person und zur Pflegebedürftigkeit
ab. Das Formular muss von der antragstellenden
Person unterschrieben werden.
Eine wichtige Voraussetzung für die Genehmigung
ist allerdings, dass die antragstellende
Person mindestens zwei Jahre innerhalb der
letzten zehn Jahre in die soziale Pflegeversicherung
eingezahlt hat. Für Kinder gilt diese
Bedingung als erfüllt, wenn mindestens ein
Elternteil entsprechend gezahlt hat.
Die Einstufung in einen Pflegegrad
entscheidet über weitere Leistungen
Die Pflegekassen müssen auf den Antrag zügig
reagieren und innerhalb von 20 Tagen einen
Termin vereinbaren. Der Gutachter kommt
dann zu den Betroffenen nach Hause und
prüft anhand fest vorgegebener Parameter, wie
selbstständig die pflegebedürftige Person ist.
Zu gesetzlich Versicherten kommt in der Regel
ein Gutachter des Medizinischen Dienstes
(MD), zu Privatversicherten einer der Firma
Medicproof. Kann innerhalb von 20 Arbeitstagen
niemand kommen, muss die Pflegekasse
drei unabhängige Gutachter benennen, von
denen sich der Antragsteller einen aussuchen
kann. Spätestens 25 Arbeitstage nach Antragseingang
muss die Pflegekasse über den Pflegegrad
entscheiden.
Kürzere Fristen sind vorgeschrieben, wenn
schnelle Entscheidungen nötig sind. Das gilt
etwa, wenn Patienten in der Reha oder im
Krankenhaus sind und für die Weiterbehandlung
ein Pflegegrad wichtig ist. In derartigen
26 my life 12/2025
Pflege zu Hause Für Angehörige allein ist sie oft
schwierig zu stemmen. Ein Pflegedienst kann
dabei helfen, den Gang in eine stationäre
Einrichtung möglichst lange hinauszuzögern
Fällen muss die Begutachtung spätestens am
fünften Arbeitstag nach Antragseingang erfolgen.
Dann muss die Empfehlung der Gutachter
nur enthalten, ob mindestens die Voraussetzung
für Pflegegrad 2 – und damit eine
Pflegebedürftigkeit – vorliegt. Eine volle Begutachtung
ist von den Kassen trotzdem
schnellstmöglich nachzuholen.
Mit anerkanntem Pflegegrad stehen Betroffenen
bestimmte Leistungen zu, die beantragt
werden müssen. Das können Beratungen oder
Pflegekurse für Angehörige sein. Meist sind es
aber Finanzhilfen, da Pflege teuer ist und Zeit
kostet. Zudem hat laut Gesetz die Pflege in
den eigenen vier Wänden Vorrang vor einer
Versorgung in stationären Einrichtungen.
Pflegesachleistungen sind daher oft die erste
Unterstützung, die Pflegebedürftige in Anspruch
nehmen. Sie werden vom Pflegedienst
direkt mit der Pflegekasse abgerechnet,
sind aber erst ab Pflegegrad 2 möglich.
Wenn die Versorgung privat organisiert
wird, etwa durch Angehörige oder Nachbarn,
erhalten Betroffene Pflegegeld. Dieses wird
auf das Konto überwiesen (siehe Seite 29).
Erleichterung für den neuen Alltag
Bei Pflegegrad 1 besteht wie bei den Pflegesachleistungen
noch kein Anspruch. Ist die
Wohnung nicht barrierefrei, kann es auch für
den Umbau Hilfen geben. Sie betragen maximal
4180 Euro pro Umbau. Leben mehrere
Pflegebedürftige in einer Wohnung, können
sie bis zu 16720 Euro Finanzzuschuss pro
Umbau erhalten. Wichtig: Der Antrag muss
unbedingt vor dem Start der Baumaßnahmen
gestellt werden. Der Entlastungsbetrag
von monatlich 131 Euro wird aus Unwissenheit
oft nicht abgerufen. Pflegebedürftige, die
zu Hause wohnen, haben darauf schon ab
Pflegegrad 1 einen Anspruch.
Die Kassen zahlen das Geld im Zuge der
Kostenerstattung für anerkannte Dienste
aus, die etwa beim Einkaufen, Putzen oder
für eine Begleitung zum Arzt helfen. Rat:
Abrechnung und Listen anerkannter Dienste
sollte man im Vorfeld mit der jeweiligen
Kasse klären. Zudem besteht ab Pflegegrad 1
Anspruch auf bestimmte Pflegehilfsmittel
für den Einmalverbrauch: Bis zu 42 Euro gibt
es dafür monatlich seit 2025 – allerdings nur
auf Antrag bei der Kasse im Zuge der Kostenerstattung.
❰
10
Tage pro Jahr
können sich
Angehörige bei
einem Pflegefall
in der Familie für
die Kurzzeitpflege
freinehmen
Buchtipp
Handbuch Pflege
Zum 1. Juli 2025 steht
eine Vereinfachung
bei der Kurzzeit- und
Verhinderungspflege
ins Haus. Alle Infos
dazu sind in diesem
kompetenten Ratgeber
für die individuelle
Pflegesituation
enthalten.
Verbraucherzentrale,
198 S., 18 €
GUT ZU WISSEN
Was ist eine Pflegesachleistung?
FOTOS: GETTY IMAGES/ISTOCK; ADOBE STOCK; PR
Hilfen: Pflegebedürftige
sollen so lange wie möglich
selbstbestimmt im eigenen
Zuhause leben können. Die
Leistungen sind daher hier
besonders umfangreich.
Sie können auf formlosen
Antrag hin – meist aber
erst ab Pflegegrad 2 – genehmigt
werden.
Pflegesachleistung:
Kommt ein Pflegedienst
nach Hause und hilft etwa
bei der Körperpflege oder
im Haushalt beim Essen,
Einkaufen oder Putzen,
haben Menschen ab Pflegegrad
2 Anspruch auf finanzielle
Hilfe. Dies fällt unter
den oft missverstandenen
Begriff der Pflegesachleistung.
Die Pflegekassen
übernehmen entstehende
Kosten für ambulante Hilfen
bis zur Höchstsumme
des jeweiligen Pflegegrads
(s. Kasten links). Pflegesachleistungen
dürfen aber nur
von Pflegediensten erbracht
werden, die Versorgungsverträge
mit der Pflegekasse
der zu versorgenden
Person haben. Ausnahme:
Einzelpersonen, die von
der Kasse anerkannt und
mit der pflegebedürftigen
Person verwandt sind.
Keine Sachleistung: Die
Verabreichung von Medikamenten,
beispielsweise auch
Injektionen oder Verbandswechsel,
werden vom Arzt
verordnet. Sie gehören zur
häuslichen Krankenpflege.
Hier sind nicht die Pflege-,
sondern die Krankenkassen
zuständig. Prinzipiell dürfen
die Aufgaben auch von der
Pflegekraft übernommen,
müssen dann aber mit der
Krankenkasse abgerechnet
werden.
Sonderurlaub und weitere Unterstützung für Angehörige: Seite 28 und 29 ➡
DOSSIER PFLEGE & BETREUUNG
Kompetente Unterstützung Persönliche Betreuung in Ihrer Apotheke – für mehr Wohlbefinden
Wie nimmt man
Medikamente sicher ein?
Von der individuellen Beratung über Medikations-Checks bis zur Aufklärung über
Wechselwirkungen – Ihre Vor-Ort-Apotheke hilft Ihnen dabei, Ihre Lebensqualität zu erhalten
→
Viele ältere Menschen nehmen täglich
mehrere Medikamente ein – doch genau
das birgt Risiken. Denn wer an Vergesslichkeit
leidet oder schlecht sieht, hat es schwer, den
Überblick zu behalten. Große Tabletten, schwer
lesbare Beipackzettel, komplexe Einnahmezeiten:
Die Herausforderungen sind vielfältig.
Hinzu kommen mögliche Neben- und Wechselwirkungen,
gerade im höheren Alter. Auch
chronische Erkrankungen wie Bluthochdruck
oder Diabetes erfordern eine regelmäßige Kontrolle.
Umso wichtiger: eine gute Beratung – in
der Arztpraxis oder in der Apotheke. Arlett
Düker weiß, worauf Senioren achten sollten.
? Welche Herausforderungen gibt es
bei der Medikamenteneinnahme?
Senioren können an Vergesslichkeit oder Verwirrung
leiden, was die korrekte Einnahme
erschwert. Hinzu kommen oft Schluckbeschwerden,
insbesondere bei großen Tabletten.
Sehschwäche kann das Lesen der kleinen
Schrift auf Verpackungen und Beipackzetteln
schwierig machen. Außerdem treten Nebenund
Wechselwirkungen im Alter häufiger auf,
da die Nieren- und Leberfunktion eingeschränkt
sein können, was die Wirkung und
Dosierung der Medikamente beeinflusst.
? Welche Wechselwirkungen zwischen
typischen Medikamenten gibt es?
Es gibt zahlreiche Wechselwirkungen zwischen
typischen Medikamenten, die besonders beachtet
werden müssen. Zum Beispiel können
Blutverdünner in Kombination mit nichtsteroidalen
Antirheumatika das Risiko für Magen-
Darm-Blutungen erhöhen. ACE-Hemmer in
Verbindung mit Diuretika können zu einem
30 my life 12/2025
FOTOS: GETTY IMAGES/ISTOCK; ADOBE STOCK; MATTHIAS KUNZE
starken Blutdruckabfall führen. Statine in
Kombination mit bestimmten Antibiotika bergen
das Risiko von Muskelschäden, und die
gleichzeitige Einnahme von Antidepressiva
und Schmerzmitteln kann ein Serotonin-Syndrom
auslösen. Ein regelmäßiger Medikationscheck
durch den Arzt oder Apotheker ist daher
essenziell, um Risiken zu minimieren.
? Wie wichtig ist die regelmäßige
Blutdruck- oder Blutzuckerkontrolle
bei chronischen Krankheiten?
Sie spielen eine entscheidende Rolle, um das
Risiko schwerwiegender Komplikationen wie
Herzinfarkt, Schlaganfall oder Organschäden
zu verringern. Die Blutdruckkontrolle ist besonders
wichtig für Menschen mit Bluthochdruck,
Herzkrankheiten und Nierenerkrankungen.
Blutzuckermessungen sind unerlässlich
für Diabetiker, um starke Schwankungen zu
vermeiden. Viele Apotheken bieten Blutdruckund
Blutzuckermessungen an und geben Anleitungen
zur richtigen Messung zu Hause. Die
Blutdruckmessung kann oft als pharmazeutische
Dienstleistung abgerechnet werden.
? Wie kann man das Risiko
von Polypharmazie (zu viele Medikamente
gleichzeitig) reduzieren?
Hier sind regelmäßige Medikationschecks
durch Hausärzte oder Apotheker hilfreich.
Senioren sollten eine aktuelle Medikamentenliste
führen und diese bei jedem Arztbesuch
mitnehmen. Es ist wichtig, regelmäßig zu prüfen,
ob alle verschriebenen Medikamente
wirklich notwendig sind. Manche lassen sich
reduzieren oder sogar absetzen. Der Hausarzt
sollte als zentrale Anlaufstelle genutzt werden,
um die Behandlung zu koordinieren und
mögliche Wechselwirkungen zu vermeiden.
Insbesondere die patientenindividuelle Verblisterung
bringt hier einen enormen Vorteil,
da man so aktuell den Überblick über seine
Medikamente hat.
? Wie können Senioren sicherstellen,
dass sie ihre Medikamente regelmäßig
und korrekt einnehmen?
Medikamentendosierer, auch Wochenboxen
genannt, helfen dabei, Medikamente strukturiert
vorzubereiten. Erinnerungen können
durch Notizzettel, Wecker oder die Unterstützung
durch Angehörige erfolgen. Alternativ
bieten Pflegedienste oder Hausbesuchsdienste
Hilfe bei der korrekten Gabe, insbesondere bei
komplexen Medikationsplänen. In den teilnehmenden
Apotheken könnte man sich zudem
einen eigenen Blister erstellen lassen. Zudem
gibt es innovative, automatische Tablettenspender
oder die hilfreiche App „Pill Monitor“
– speziell für Senioren – sowie Smartwatches,
welche die Gesundheitsdaten überwachen.
? Gibt es spezielle Dienstleistungen
oder Beratungen für Senioren?
Ja, es gibt zahlreiche Dienstleistungen und Beratungsangebote
für Senioren mit mehreren
chronischen Erkrankungen. Die hausärztliche
Betreuung sorgt für eine regelmäßige Kontrolle
und ein sorgfältiges Medikamentenmanagement.
Apotheken bieten umfangreiche individuelle
Beratungen an, um Wechselwirkungen
zu erkennen und die Einnahme zu optimieren.
Pflegedienste können bei der korrekten Gabe
der Medikamente helfen, während Gesundheitsprogramme
spezielle Ernährungsberatungen,
Bewegungstherapien und regelmäßige
Blutzucker- sowie Blutdruckkontrollen
anbieten. Zusätzlich stehen Selbsthilfegruppen
und Beratungsstellen zur Verfügung, die
emotionale Unterstützung und praktische
Tipps geben.
❰
Wertvoller Service Viele Apotheken bieten
kostenlose Blutzucker- und Blutdruckmessungen
an. Fragen Sie nach!
Apotheken
bieten umfangreiche
Beratungen
an, um Wechselwirkungen
zu
erkennen und die
Einnahme von
Medikamenten zu
optimieren
Apothekerin Arlett Düker
führt seit 2005 die
Arminius- und die Südstadt-Apotheke
in Peine
und moderiert den Podcast
„Gesund Gehört“,
concept-apotheken.de
Smarte Helfer für den Alltag: S. 32/33 ➡
12/2025 my life
31
DOSSIER PFLEGE & BETREUUNG
Unbeschwert Mehr Sicherheit im Alltag heißt auch mehr Lebensfreude
Rettung
auf Knopfdruck
Der Alarmsender wird
wie eine Uhr am
Hand gelenk oder
als Kette um den Hals
getragen. So kann
man ihn in jeder
Lage auslösen
25,50
Euro beträgt
der monatliche
Basistarif für die
Rund-um-die-Uhr
Bereitschaft
→
„Schutzengel“ für Senioren: Der Hausnotruf ist ein Segen
für Menschen, die allein leben
Ein Sturz, ein Schwächeanfall – für Senioren,
die in ihrem Zuhause viel allein
sind, aber auch für ihre Angehörigen ist das
eine beängstigende Vorstellung. Hausnotrufsysteme
sorgen dafür, dass man sich bei einem
plötzlich auftretenden gesundheitlichen Problem
umgehend bemerkbar machen kann. Dafür
reicht ein Druck auf den Alarmknopf, der
am Handgelenk oder am Hals getragen wird.
Ein eingebauter Funksender löst dann den
Notruf aus, während eine Basisstation eine
Sprech-Verbindung zu der rund um die Uhr
besetzten Notfall-Zentrale des Anbieters herstellt.
Je nach Situation wird dann ein Angehöriger
oder ein Rettungsdienst verständigt.
Für Pflegebedürftige oft kostenlos
Dank des hinterlegten Profils hat der Mitarbeiter
auch Vorerkrankungen, Medikamente
und weitere Kontaktpersonen direkt im Blick.
Anbieter solcher Systeme sind zum einen gemeinnützige
Vereine, wie die Johanniter oder
das DRK, zum anderen private Firmen wie
Vitakt oder Libify. Die monatlichen Gebühren
liegen zwischen 20 und 50 Euro, hinzu kommt
eine einmalige Anschlussgebühr von zehn bis
50 Euro. Liegt eine Pflegebedürftigkeit vor,
übernimmt die Pflegekasse unter bestimmten
Voraussetzungen monatliche Kosten in Höhe
von 25,50 Euro – das ist oft der Preis für die
Basis-Version. Interessierte holen am besten
mehrere Angebote ein.
❰
Eine Basisstation mit Freisprechanlage stellt
die Verbindung zur Notfall-Zentrale her
34 my life 12/2025
★ SER
IE ★
Grüne
Gesundheit
Starke Muskeln
dank Protein
FOTOS: GETTY IMAGES/ISTOCK; ADOBE STOCK (3); JOHANNITER-UNFALL-HILFE/MONIKA HOEFLER; SHUTTERSTOCK
Kraft ist nicht nur eine Frage von Lebensjahren. Training und die richtige Ernährung helfen dabei,
neue Muskelmasse aufzubauen – und damit Unfällen wie Stürzen vorzubeugen
→
Eiweiß zählt neben Fett und Kohlenhydraten
zu den Hauptnährstoffen. Denn
es liefert lebensnotwendige Bausteine, die für
den Zellstoffwechsel sowie den Aufbau und
Erhalt der Muskeln notwendig sind. Je älter
wir werden, desto wichtiger wird es. Denn wer
zu wenig stabilisierende Muskulatur hat, erhöht
sein Sturz- und Unfallrisiko. Idealerweise
sollte der Anteil der Muskelmasse bei Männern
40 bis 50 Prozent des Körpergewichts
ausmachen, bei Frauen 25 bis 35 Prozent.
Doch schon ab dem 30. Lebensjahr schwinden
die Muskeln langsam, aber sicher.
Die Ernährung ist einer von zwei Faktoren,
um gegenzusteuern. Laut Weltgesundheitsorganisation
(WHO) benötigen Erwachsene bis
65 Jahre 0,8 Gramm Eiweiß pro Kilogramm
Körpergewicht – eine Mindestempfehlung. Aktuelle
Studien legen nahe, dass der tatsächliche
Bedarf für Erwachsene bei 1,2 bis 1,5 Gramm
pro Kilogramm Körpergewicht liegt. Bei erhöhter
körperlicher Aktivität, Stress oder chronischen
Erkrankungen auch mehr.
Menschen mit einem Körpergewicht von ca.
60 Kilogramm benötigen demnach mindestens
72 Gramm und bei einem Gewicht von
75 Kilogramm mindestens 90 Gramm Eiweiß
pro Tag. Kinder haben aufgrund ihres Wachstums
einen leicht erhöhten Bedarf, und auch
ältere Menschen benötigen in der Regel etwas
Pflanzliche Proteinquellen
❱ Hülsenfrüchte Kichererbsen,
Bohnen, Erbsen und
Linsen sind vielseitig in der
Küche einsetzbar und liefern
viel Eiweiß. Vorgekochte
Hülsenfrüchte aus dem Glas
eignen sich hervorragend,
um Salate schnell aufzuwerten,
während Linsennudeln
eine gute Alternative für
Pasta-Fans sind.
❱ Soja Sojabohnen sind eine
ausgezeichnete vegane Eiweißquelle
mit hoher biologischer
Wertigkeit und enthalten
36 g Eiweiß pro 100 g.
Perfekt als Vorrat: Tofu im
Kühlschrank oder Edamame
(unreif geerntete Bohnen) im
Tiefkühler.
❱ Getreide Vollkornprodukte
wie Brot, Nudeln und Reis
mehr Eiweiß, da sie Proteine aus der Nahrung
schlechter aufnehmen und verwerten können.
Tierische, proteinreiche Lebensmittel wie
Fleisch, Fisch, Eier und Milchprodukte zeichnen
sich durch eine hohe biologische Wertigkeit
aus: Unser Körper kann ihr Eiweiß besonders
effizient verwerten. Die Aufnahme von
Eiweiß aus pflanzlichen Quellen wie Hülsenfrüchten,
Pseudogetreide, Nüssen, Kernen und
Samen ist zwar in der Regel geringer, kombiniert
man jedoch bestimmte Lebensmittel geschickt,
kann man die biologische Wertigkeit
erhöhen. Gute Paare sind etwa Linsen mit
Tofu, Kichererbsen mit Brokkoli und Pfifferlinge
mit Quinoa. Vorteil der Pflanzenproteine:
Sie sind cholesterinfrei, ballaststoffreich und
liefern gesunde, ungesättigte Fette sowie sekundäre
Pflanzenstoffe, Vitamine und Mineralstoffe
– das sorgt für bessere Blutfettwerte
und ein geringes Herzinfarktrisiko.
Wichtig für Frauen: Krafttraining
Der zweite entscheidende Faktor für den Muskelaufbau
ist Bewegung. Neben Ausdauersport
empfiehlt die WHO Krafttraining: Mindestens
an zwei Tagen die Wochen sollte man Bein-,
Arm-, Brust-, Bauch-, Schulter- und Rückenmuskulatur
gezielt fordern. Gerade für Frauen
ist eine starke Muskulatur wegen des Einflusses
auf den Hormonhaushalt wichtig. ❰
sättigen lange und decken
einen Großteil des Proteinbedarfs.
Haferflocken und
-kleie sind ebenfalls empfehlenswert.
Bei einer Glutenunverträglichkeit
sind Hirse
und Pseudogetreide wie
Quinoa oder Amaranth gute
Alternativen.
❱ Nüsse & Saaten
Mandeln, Erdnüsse, Kürbiskerne
und Co. eignen sich
super als Snack, da sie neben
40
Prozent
der Muskelmasse
büßen wir ohne
Sport bis zum
Alter von
80 Jahren ein
Eiweiß auch viele Mineralien
und gesunde Fette enthalten.
❱ Gemüse Generell viel mit
grünem (Blatt-)Gemüse wie
Grünkohl, Spinat und Mangold
kochen. Brokkoli liefert
sogar 11 g Protein pro 300 g.
Tipp: Kräuter wie Petersilie
oder Brennnesseln können
Sie über das Essen streuen
oder in Smoothies mixen, um
den Eiweißgehalt noch ein
bisschen zu erhöhen.
12/2025 my life
35
GESUNDHEIT
Überlastet Langfristig kann es bei Typ-2-Diabetes zu Betazell-Dysfunktion und -Erschöpfung kommen
LEBEN MIT DER STOFFWECHSELKRANKHEIT
Gesund abnehmen ohne
Kalorienzählen
Daniela Dannenmaier bezeichnet sich selbst als Genussmensch –
nach der Diagnose Typ-2-Diabetes lernte sie, ihr Leben dauerhaft umzustellen.
Wie sie sich den Spaß am Essen erhalten hat, erzählt sie hier
Daniela Dannenmaier ist
56 Jahre alt und lebt in
Murr. Die gelernte Bürokauffrau
erkrankte 2009 an
Typ-2-Diabetes. Ihr neu
entdecktes Lieblingsessen:
Gemüse in allen Variationen
Positiver Blick Daniela
helfen vor allem feste Mahlzeiten
dabei, den Blutzucker
in Balance zu halten
❱ Entdeckt wurde mein Diabetes …
… bei einer Untersuchung, die ergab, dass
mein Langzeitblutzuckerwert erhöht ist. Mein
Arzt hatte Diabetes schon auf dem Schirm, da
ich übergewichtig und familiär vorbelastet
bin: Meine Großeltern hatten Typ-2, ebenso
mein Vater. Ihm musste letztlich sogar ein
Fuß amputiert werden.
❱ Mein erster Gedanke
nach der Diagnose war:
Nun also auch ich. Ich hatte das Schreckensszenario
meines Vaters vor Augen und wollte
36 my life 12/2025
natürlich nicht, dass es bei mir so weit kommt.
Ich bin ein Genussmensch, esse und trinke
gerne, im Sommer auch mal Sekt und Aperol,
im Winter einen Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt.
Ich weiß, woher mein Gewicht
kommt. Über die Jahre habe ich vieles probiert
und eine Menge Geld für Diäten ausgegeben.
Bis zu 30 Kilo habe ich abgenommen,
dann jedoch auch wieder zugenommen.
❱ Das hat sich durch den Diabetes
in meinem Leben verändert:
Ich brauchte zunächst noch keine Medikamente,
bekam aber eine Ernährungsberatung
und sollte abnehmen. Sechs Kilo purzelten –
und waren ein Jahr später wieder drauf. Ich
bin Sportmuffel, aber seit 2010 mache ich einmal
die Woche Aqua-Gymnastik. Das tut mir
gut. In Sachen Ernährung habe ich irgendwann
den Mittelweg gewählt und versucht,
mein Gewicht immerhin zu halten. Zufrieden
war ich damit aber nicht.
❱ Der Diabetes hat mir
klargemacht, dass …
… es zwar sehr schwierig ist, Gewicht zu reduzieren,
wenn man gerne isst – aber möglich!
Bei mir brachte die App „glucura“ die mir mein
Arzt im Rahmen einer Studie verschrieb, die
Wende. Ich bekam für zwei Wochen einen
Glucosesensor, der mir kontinuierlich meine
Werte anzeigte. Das machte mir bewusst, wie
viel ich nebenher esse – und was das mit meinem
Blutzucker macht. Über zehn Kilo habe
ich durch weniger Snacken nun schon dauerhaft
abgenommen – ohne Kalorien zu zählen
und ohne das Gefühl zu haben, zu verzichten.
Nach meinen vielen gescheiterten Diäten ein
tolles Erfolgserlebnis!
❱ Besondere Momente
mit dem Diabetes sind …
… wenn ich spüre, dass ich Genussmensch
bleiben darf und den Diabetes trotzdem positiv
beeinflussen kann. Ich habe es geschafft,
dass mein Langzeitwert nun bei 6,1 Prozent
liegt, ich nur noch eine Metformin-Tablette
brauche, meine T-Shirts weniger straff sitzen
und ich beim Treppensteigen nicht mehr so
schnaufe. Mein Ziel: Bis zur Hochzeit meines
Sohnes in diesem Jahr sollen noch ein paar
Kilo runter.
❰
Nach vielen
gescheiterten Diäten
habe ich endlich
Erfolgserlebnisse
FOTOS: SCIENCE PHOTO LIBRARY; PRIVAT (2)
❱ Meine größte Stütze im Alltag
mit Diabetes ist …
… mich an feste Mahlzeiten zu halten. Früher
habe ich oft mittags nichts gegessen, das hat
mich dann am Nachmittag in Form von unkontrolliertem
Essen eingeholt. Heute setze
ich mich, auch wenn ich allein bin, weil meine
beiden Söhne aus dem Haus sind und mein
Mann in der Arbeit isst, zu jeder Mahlzeit
ganz bewusst an den Tisch und esse.
Stolz auf das Erreichte Die Mutter zweier erwachsener Söhne freut sich
über die neue Leichtigkeit mit zehn Kilo weniger
12/2025 my life
37
GESUNDHEIT
★ MY L
EIWEISS, KOHLENHYDRATE & GEMÜSE
Genießen
und durchatmen
Von einer gesunden Ernährung können auch unsere Lungen profitieren.
Die My Life-Expertin erklärt, welche Lebensmittel das Organ stärken
→
Sie wiegen gerade einmal 800 Gramm,
haben aber eine beeindruckende innere
Oberfläche von 100 Quadratmetern: In
unseren Lungen sorgen 300 Millionen
winzige Lungenbläschen am Ende fein
verästelter Atemwege dafür, dass unser
Körper neuen Sauerstoff tanken und
Kohlendioxid abgeben kann. Die offensichtlichste
Maßnahme, die Lungen gesund
zu halten, ist natürlich,
IFE-SER
besser
essen
gesund
FO L G E
bleiben
IE ★
auf saubere Luft zu achten
und nicht zu rauchen.
Auch regelmäßige Bewegung,
etwa in Form von
Walken, Schwimmen oder
Radfahren, stärkt das Atemorgan.
„Was sich aber kaum
jemand bewusst macht, ist die
große Rolle, die unsere Ernährung
für die Lungengesundheit spielt“, sagt
Prof. Julia Seiderer-Nack. Und das gilt sowohl
für Asthmatiker und COPD-Patienten, als
auch für gesunde Menschen.
3 1 : LUNGE
Der Leistungsschwund
lässt sich bremsen
„Etwa ab dem Alter von 30 Jahren lässt
die Lungenfunktion bei jedem Menschen
langsam nach“, weiß die Internistin aus München.
„Doch offenbar können drei Portionen
Obst wie Äpfel und Bananen oder zwei Tomaten
täglich diesen Rückgang bremsen.“ Diesen
Effekt entdeckten Forscher bereits vor einigen
Jahren bei der Auswertung der European
Community Respiratory Health Survey,
einer langjährigen Beobachtungsstudie.
Sie führten
die Schutzwirkung auf die im
Obst enthaltenen antioxidativen
Flavonoide zurück sowie
auf das Carotinoid Lycopin aus
den Tomaten. Besonders Ex-Raucher profitieren
demnach von dem positiven Einfluss
dieser sekundären Pflanzenstoffe auf Reparaturprozesse
in der Lunge.
Sehr wahrscheinlich kann die Art unserer
Ernährung die Lungen sogar vor Erkrankungen
schützen: Die Deutsche Lungenstiftung
e. V. rät zu mediterraner Kost, um einer
chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung
(COPD) vorzubeugen. „Eine Ernährung, die
reichlich Gemüse, Vollkornprodukte, mehrfach
ungesättigte Fettsäuren – etwa aus
Seefisch – sowie Nüsse enthält, versorgt
uns mit Vitaminen, Mineralstoffen und
Antioxidantien. Diese Kombination mildert
nicht nur Entzündungsprozesse in
den Gefäßen, sondern auch in den Lungen
ab“, erklärt Prof. Seiderer-Nack. Ein angenehmer
Nebeneffekt: Die Mittelmeerküche
hilft auch dabei, keine überschüssigen Pfunde
aufzubauen. „Und das senkt wiederum das
Risiko für Schnarchen oder Atemaussetzer im
Schlaf, denn eine sogenannte
Schlafapnoe wird durch Übergewicht
deutlich verschlimmert“,
warnt die Ernährungsexpertin.
Gerade Asthmatiker sollten
die Zutaten im Blick haben
Von den gesunden Omega-3-Fettsäuren
und einer mediterranen, antientzündlichen
Ernährung profitieren auch Asthmapatienten.
Insbesondere bei Fertiggerichten
sollten Asthmatiker aber ein wachsames Auge
auf die Zutatenliste haben: „Oft enthalten diese
Glutamat und Konservierungsstoffe. Beides
kann einen Anfall auslösen“, so Prof. Seiderer-
Nack. Sie rät generell von hochverarbeiteten
Lebensmitteln ab, da sie Übergewicht ebenso
begünstigen wie Entzündungen und allergische
Reaktionen.
Reichlich trinken dagegen ist Balsam
für geplagte Lungen. „Wasser und ungesüßte
Tees machen den Schleim
im Organ dünnflüssiger. So kann
er leichter abgehustet werden“,
sagt die Internistin.
❰
Prof. Dr. med. Julia Seiderer-Nack,
Fachärztin für Innere Medizin mit den
Schwerpunkten Ernährungsmedizin
und ganzheitliche Therapie in München;
praxis-seiderer.de
5
für die
Lunge
➊ Der Rauchstopp lässt die
Lunge jubeln – wer auf Zigaretten
und Zigarren verzichtet,
schenkt seiner Lunge
viele Lebensjahre. Wichtig:
Auch E-Zigaretten und deren
Inhaltsstoffe können der
Lungenschleimhaut schaden
➋ Regelmäßige
Bewegung trainiert das
Herz-Kreislauf-System und
erhöht das Lungenvolumen
– gute Voraussetzungen für
eine gute Lungenfunktion
auch im Alter
➌ An Schutzimpfung
denken: Für Menschen ab
60 ist eine Immunisierung
gegen Influenza und
Pneumokokken wichtig
– beide Infektionen können
die Lunge schwächen
➍ Antientzündliche
Ernährung als Basis:
Reichlich Gemüse, Vollkornprodukte,
mehrfach ungesättigte
Fettsäuren aus Seefisch,
Leinöl sowie Nüssen
schützen vor Entzündungen
auch in der Lunge
➎ Finger weg von
hochindustriell gefertigter
Nahrung mit viel Zucker
und Zusatzstoffen
FOTOS: ADOBE STOCK (2); FOTOLIA (2); PR; SHUTTERSTOCK (3)
46 my life 12/2025
Wildbienen
nisten direkt
unter unseren
Füßen.
Noch kein
Sandarium zu Hause?
HIER SCANNEN
und Anleitung ansehen
Drei Viertel unserer rund 580 heimischen
Wildbienenarten sind sogenannte Bodennister.
Das heißt, sie nisten im Erdreich, in Steilwänden
oder auch Abbruchkanten. Von den Wildbienen
selbstgegrabene Hohlräume dienen als Brutkammern
für ihren Nachwuchs. Bewuchsfreie, sandige
Bodenstellen sind daher ein Muss im eigenen
Bienengarten.“
#beebetter-Experten-Team
#beebetter ist die Insektenschutzinitiative des BurdaVerlag mit der auch Sie zum Insektenschützer werden können.
Alles Infos unter www.beebetter.de
2 my life 12/2025
GESUNDHEIT
Kämpferin Nicole lässt sich nicht ausbremsen: Sogar ihr Abi schaffte die heute 47-Jährige damals, trotz 40 Grad Fieber
Das schöne Leben
ist endlich Wirklichkeit
Ihre qualvollen Schmerzen und den krankhaften Gewichtsverlust hat Nicole heute
überwunden. Doch zuvor hatte Morbus Crohn ihr jahrelang den Alltag
zur Hölle gemacht – bis sie sich für eine alles verändernde Operation entschied
54 my life 12/2025
→
„Der Schmerz brannte wie ein Feuer in
mir. Jede Berührung hat wehgetan.
Wenn nur jemand ans Bett gestoßen ist, habe
ich gebrüllt“, erinnert sich Nicole an ihren
Alltag vor über 20 Jahren. Dabei wirkt sie heute
so quirlig und lebensfroh. Im Interview mit
My Life spricht die 47-Jährige schnell, denn
sie hat viel zu erzählen. Von ihrer unbeschwerten
Kindheit im Osten, den liebevollen Eltern.
Leidensweg. „Mit 13 bekam ich plötzlich
Bauchprobleme.“ Nicole schob es auf Schulstress,
ignorierte die Schmerzen – bis es nicht
mehr ging. Die Ärzte fanden eine Fistel, eine
Entzündung am Po, die entfernt werden musste.
„Das war meine erste Horror-OP.“ Da niemand
wusste, woher die Fistel kam, wurde
Nicole immer wieder untersucht. Mit 17 erhielt
sie dann die Diagnose: Morbus Crohn, eine
Darmerkrankung, die Entzündungen im Verdauungstrakt
auslöst und schwerste Durchfälle,
Erbrechen und Schmerzen verursacht.
Spezifische Arzneien gab es damals keine.
„Ich habe vor mich hin vegetiert, mit der
Wärmflasche auf dem Bauch“, sagt Nicole. Ihr
Leben spielte sich nur noch im Bett oder auf
der Toilette ab. Silvester 1996 kam sie mit
einem akuten Krankheitsschub ins Krankenhaus,
die Ärzte gaben ihr hoch dosiertes
Morphium – der Tiefpunkt für Nicole: „Ich
habe mich gefragt: Wofür soll ich noch leben?“
Ihr Schutzengel sollte schließlich ein Arzt
im badischen Kehl sein, am anderen Ende
Deutschlands. „Er hat mich von der Schippe
gekratzt“, sagt sie. Damals wog sie nur noch
knapp 50 Kilo, bei einer Größe von 1,78 Meter.
Der Arzt gab ihr ein neuartiges Immunsuppressivum
– es schlug an. „Es ging weiterhin
auf und ab, aber nicht mehr so extrem.“ Nicole
erholte sich, baute sich ein Leben in Süddeutschland
auf: Sie wurde technische Zeichnerin,
kam wieder mit ihrer Jugendliebe
zusammen und bekam 2009 einen Sohn.
Dann wurde ihr ein künstlicher Darmausgang,
ein Stoma, am Bauch gelegt. Ihr
Stuhlgang fließt seitdem in einen Beutel,
der am Bauch klebt und den sie mehrmals
täglich leeren muss.
„Das Erste, was mir nach der Operation
bewusst wurde: Ich kann endlich durchund
ausschlafen!“, sagt sie und lacht. „Das
war so schön, absolut irre!“ Der Beutel war
eine derart große Erleichterung, dass Nicole
die Umgewöhnung nicht schwerfiel. „Mein
Mann sagte: Ich hab dich lieber mit Beutel am
Bauch, als mit Zettel am Zeh!“ In dem Chaos
aus Erkrankung, Schmerzen und Kleinkind
war den beiden lange kaum Zeit für die Liebe
geblieben. Das holten sie nach der OP auf:
Noch während Nicole wieder auf die Beine
kam, machte er ihr einen Heiratsantrag. „Der
größte Liebes beweis überhaupt!“
Zeit, um Gutes zu tun
Während sie sich an ihr neues Leben gewöhnte,
wurde Nicole frühverrentet. „Plötzlich hatte
ich viel Zeit – da habe ich angefangen, mich in
Betroffenen-Facebook-Gruppen zu engagieren.“
Und sie gründete eine eigene, die bis heute auf
über 8000 Mitglieder anwuchs.
Gemeinschaft. Nicole organisierte Treffen
und Infoveranstaltungen. Um auch Spenden
sammeln zu können, entschloss sie sich 2015,
einen Verein zu gründen. Das „Beuteltiernetzwerk“
gibt ihr und vielen anderen Betroffenen
seitdem Halt. „Dieser Austausch untereinander
ist so genial“, freut sie sich.
Bald steht schon das zehnjährige Jubiläum
des Vereins an, ein Grund zum Feiern: Am
13. September laden die Mitglieder zu Vorträgen,
Gesprächsrunden und Workshops ins
thüringische Leinefelde ein. Der Zusammenhalt
in der Gruppe bedeutet Nicole viel. „Dass
mein Leben einmal so schön wird, hätte ich
mir nie träumen lassen!“
❰
Zerstörtes Gewebe
Durch Morbus Crohn
entstehen chronische
Entzündungen im Darm.
Nicole wurden deshalb
drei Meter des Organs
entfernt
Ganz normales Leben
Das Stoma, welches
Nicole liebevoll „Charly“
nennt, schränkt sie
im Alltag kaum ein:
Auch Schwimmen ist
damit möglich
FOTOS: PRIVAT (3); SCIENCE PHOTO LIBRARY/SEBASTIAN KAULITZKI
Neustart mit Rückschlägen
„Nach der Schwangerschaft ging es von vorne
los“, erinnert sie sich. Bis zu 40 Mal am Tag
musste die frischgebackene Mama auf die
Toilette – und nebenher Söhnchen Max betreuen.
Mehr als eine Stunde Schlaf am Stück
bekam sie fast nie. „Mein Mann arbeitete im
Schichtdienst. Ich musste funktionieren.“ Sie
wusste sich nicht anders zu helfen, richtete
ihrem Baby eine Spielecke auf dem Klo ein.
Irgendwann merkte sie: „So geht es nicht
weiter.“ In allerletzter Sekunde entschied sie
sich für die lebensrettende OP: Ende 2010 entfernten
die Ärzte Nicoles Dickdarm und mit
ihm drei Meter schwerst entzündetes Gewebe.
Ein Stoma – was ist das?
Diskret Für den Beutel gibt es
Bezüge, um den Inhalt zu verbergen
Etwa 160 000 Menschen in
Deutschland leben mit einem Stoma.
Rettender Beutel. Ist der Darm unheilbar
krank, bleibt als letzte Option
die Entfernung der entzündeten oder
vernarbten Darmabschnitte. Der verbleibende
gesunde Teil wird dann an
eine Bauchöffnung genäht, durch die
später der Stuhl abfließt – bei Erkrankten
wie Nicole ein Leben lang. Mehr
Infos, Hilfe sowie direkten Kontakt zu
Nicole unter beuteltiernetzwerk.com
12/2025 my life
55
WOHLFÜHLEN
Positive Gefühle fördern
Sanftes Klopfen
weckt innere Kräfte
Trendsport, Philosophie, Therapie – Yoga ist beliebt und effektiv. Aber stark
verbiegen muss sich niemand. Schon Übungen für ruhigen, tiefen Atem wirken entspannend.
My Life-Expertin Gaby Kammler erklärt, wie Körper und Seele davon profitieren
➡ Yoga lenkt
den Blick nach
innen, man spürt:
Was tut mir gut,
wie kann ich für
mich sorgen?
→
Eine lebensbedrohliche Krankheit, egal
ob neu diagnostiziert oder schon Jahre
überstanden, eine bevorstehende CT-Untersuchung
in der engen „Röhre“ oder eine Operation:
Solche Situationen machen Angst. Es
gibt jedoch ein einfaches Mittel – Yoga. Das
sanfte Training beruhigt die Nerven. „Schon
einfache Übungen wirken oft Wunder“, sagt
Yogalehrerin Gaby Kammler, die seit 13 Jahren
Kurse für Menschen mit einer Krebserkrankung
anbietet. Mit Erfolg.
Unkompliziert. Patienten, die ihre Kurse
besuchen, geht es psychisch besser, sie leiden
weniger unter Nebenwirkungen der Therapie –
etwa Schlafstörungen oder Fatigue –, haben
geringere Schmerzen. Gaby Kammler bietet in
ihrer eigenen Akademie daher „Yoga und
Krebs“ als Fortbildung für Yogalehrerinnen und
medizinisches Fachpersonal an. Das Schöne:
Komplizierte Posen wie das Hochbiegen des
Rückens in eine „Brücke“ sind für einen Heilerfolg
nicht nötig. „Jeder ist in der Lage, Yoga
zu machen. Man muss dafür nicht beweglich
oder schlank sein oder ein Talent dafür haben.
Sogar Bettlägerige können Übungen machen“,
betont Gaby Kammler. Denn es geht dabei
nicht nur um körperliche Fitness. „Yoga ist ein
Body-Mind-Verfahren. Dabei soll der Blick
nach innen gehen, man soll spüren: Was tut
mir gut, wie kann ich gut für mich sorgen?“
Einfache Atemübungen
aktivieren den Ruhenerv
Bei Stress und Ängsten hilft schon die Atmung.
„Sie ist unmittelbar mit unserem Nervensystem
verbunden“, erläutert die My Life-
Expertin. Einfache Übungen beeinflussen
innerhalb kurzer Zeit das Nervensystem, aktivieren
den sogenannten Parasympathikus.
Der Nerv im Gehirn und Rückenmark wird
auch „Ruhenerv“ genannt, weil er dabei unterstützt,
aus einer Stresssituation in die Entspannung
zu finden, zur Ruhe zu kommen.
Ein Beispiel für eine Übung: Das rechte Nasenloch
mit einem Finger verschließen. Durch
das linke Nasenloch einatmen. Dann dieses
EINFACH UND EFFEKTIV
Auf „entspannt“ schalten
➊ Länger ausatmen
Diese Technik aktiviert
den Parasympathikus
des Nervensystems und
beruhigt den Körper:
Beim Einatmen innerlich
auf drei, beim Ausatmen
auf sechs zählen. Möglichst
tief Luft holen,
sodass sich die Bauchdecke
sanft mitbewegt.
Es kann hilfreich sein,
eine Hand auf das
Brustbein und die andere
auf den Bauch zu
legen – das verbessert
das Gefühl für einen
tiefen Atem
58 my life 12/2025
1
FOTOS: ADOBE STOCK (2); PRIVAT ILLUSTRATION: ADOBE STOCK
mit dem Finger verschließen und durch das
rechte Nasenloch ausatmen. Das entspannt
und macht gelassener. Tipp der Yogalehrerin:
„Wenn man links beginnt, macht es ruhiger,
wenn man rechts beginnt, verleiht es mehr
Energie und macht wach.“
Aufladen. Bei der EFT (Emotional Freedom
Technique, auch als „Tapping“ bekannt) werden
Akupressurpunkte geklopft. „Damit sollen
energetische Blockaden im Körper gelöst
werden, die negative Emotionen verursachen.“
Eine Übung für mehr Energie ist folgende: Die
Hand zur Faust formen und mittig auf das
Brustbein klopfen. „Der beste Punkt liegt auf
Höhe der Thymusdrüse, die sich über dem
Herzen befindet. Damit wird das energetische
Potenzial des Körpers erhöht. Im Yoga sprechen
wir dabei von ‚Prana‘, von Lebenskraft,
die gesteigert wird“, erklärt Gaby Kammler.
Etwa eine Minute lang sanft klopfen, dabei
innerlich folgende Sätze wiederholen: „Ich bin
ruhig. Ich bin stark. Ich bin voller Energie.“
Mehr Platz für Akzeptanz,
Selbstliebe und Selbstfürsorge
Gegen Ängste empfiehlt die Yoga-Expertin
eine weitere Übung. Dabei mit einem Finger
Punkte im Gesicht stimulieren (s. Grafik r.)
und ebenfalls auf dem Brustbein in Höhe der
Thymusdrüse. „Hier zu klopfen, ist besonders
hilfreich, wenn man die Angst konkret spürt“,
2
➋ Meditation Die
Übung im Lotussitz
hilft, Stress abzubauen,
richtet Körper
und Seele auf. Dazu
die Handflächen vor
der Brust in Gebetshaltung
zusammenlegen.
Beim Einatmen
die Arme wie gezeigt
über den Kopf bringen.
Für sechs bis
acht Atemzüge lang
dort lassen, dabei
z. B. spüren, wie Energie
aus der Erde zum
Scheitel fließt. Haltung
wieder lösen
Akupressurpunkte gegen Ängste
Stirnmitte
sagt Gaby Kammler. Außerdem rät sie, sich
dabei diese Sätze zu sagen: „Auch wenn ich gerade
nicht weiß, wie es weitergeht, ob ich das
schaffen werde oder woher ich die Kraft nehmen
soll, liebe und akzeptiere ich mich so, wie
ich bin.“ So schwinden Unsicherheiten und
machen Platz für positive Gefühle wie Akzeptanz,
Selbstliebe und Selbstfürsorge.
Das reine Wiederholen solcher „Affirmationen“
allein hat schon eine starke Wirkung auf
Seele und Körper. Genauso wie Singen in der
Yogagruppe, das sogenannte Chanten von
Mantras. „Es gibt richtige Heilmantras, die
den Körper in eine bestimmte Schwingung
bringen. Diese können Heilungsprozesse
unterstützen“, sagt Gaby Kammler.
Glücksgefühle und Wohlbefinden
beim Singen in der Gruppe
Glückshormone wirken dabei wie ein Antidepressivum:
„Beim gemeinsamen Chanten wird
Serotonin ausgeschüttet, also ein wichtiger
Neurotransmitter, den wir brauchen, damit
wir uns gut fühlen.“ Für zusätzliches Wohlgefühl
sorgt das „Kuschel-Hormon“ Oxytocin.
„Das ist unser Bindungshormon, und dadurch
entsteht ein Gefühl der Verbundenheit.“
Selbstwirksam. Doch nicht nur der Besuch
einer Yoga-Gruppe ist effektiv. „Ich wünsche
mir, dass jeder Übungen in den Alltag integriert
und praktisch anwendet“, sagt Gaby
Kammler. Etwa vor einem schwierigen Arztgespräch,
aber auch bei Gefühlen von Hilflosigkeit
oder depressiven Verstimmungen. „Dann
sollte man sich sagen: Da habe ich doch etwas
gelernt, das mir hilft.“ Etwa: Den Blick nach
innen richten, sich positiv bestärken. Bewusst
tief atmen. Negative Emotionen wegklopfen.
Und spüren, wie gut das wirken kann. ❰
Gelassener werden Nacheinander folgende Punkte
zu stimulieren, sorgt für mehr innere Ruhe. Dazu
mit dem Zeige- oder Mittelfinger jede Stelle
etwa eine Minute lang klopfen
mittig zwischen Nase und Oberlippe
mittig auf dem Kinn
Brustbein Höhe Thymusdrüse
Yoga lässt sich
einfach in den
Alltag integrieren
Gaby Nele Kammler,
Yogalehrerin und Leiterin
der Kammler-Akademie;
yoga-und-krebs.de
BXX – MENTAL HEALTH
Wege zu mehr
mentaler Stärke
Die seelische Gesundheit
fördern, das steht derzeit
im Fokus von „BXX – be
women, be healthy“, der
Frauengesundheitsinitiative
von IhreApotheken.de
und dem BurdaVerlag.
Gaby Kammler sprach
kürzlich beim BXX-Event
zu Mental Health in München
über die Wirkung
von Yoga: Wenige Minuten
am Morgen geben
Kraft für den Tag. Mehr
auf bewomen-behealthy.de
12/2025 my life
59
GESUNDHEIT
Entspannt Im Auto oder Wohnwagen sind die Vierbeiner oft am liebsten unterwegs. Wichtig: regelmäßige Trink- und Pipipausen
→
So wird der Urlaub auch für Bello zur Erholung
Auf vier Pfoten
durch die Welt
Längere Zeit ohne ihren Vierbeiner unterwegs zu sein, ist für viele Halter unvorstellbar.
Ziel, Unterkunft und Zeitpunkt wollen beim Verreisen mit Hund aber klug gewählt sein
Beengt Im Flugzeug
mitzureisen, stresst die
Tiere sehr und wird
deshalb nicht empfohlen
Für Melanie Knies, Buchautorin und
Eventveranstalterin für Menschen mit
Hund, ist die Sache klar: Ihr Mischling Matteo
gehört im Urlaub genauso an ihre Seite wie im
täglichen Leben. Matteo und seine Vorgänger
haben sie schon nach Schweden, Dänemark,
Italien und an viele Orte in ganz Deutschland
begleitet. „Durch die besonderen gemeinsamen
Erlebnisse lernt man seinen Hund noch einmal
ganz neu kennen“, sagt sie. Statt eine Sehenswürdigkeit
nach der anderen abzuklappern
oder sich von Konsumzwang leiten zu lassen,
lerne man, sich mit den Augen des Hundes
durch den Urlaub zu lavieren. „So entdeckt
man immer wieder spannende Ecken, in die
man sonst nie gekommen wäre.“
Eine der größten Herausforderungen für Hundebesitzer:
ein Urlaubsdomizil zu finden, in
dem Haustiere erlaubt sind, man keinen Aufpreis
für Bello zahlen muss und sich vielleicht
sogar über ein liebevolles Willkommens paket
mit Leckerlis, Hundehandtuch und Decke
freuen kann.
Nur geduldet oder gern gesehen?
Melanie Knies verreist am liebsten im Camper
oder wohnt in Ferienwohnungen und -häusern:
„Da kann ich mich besser entspannen als
im Hotel, weil ich keinen anderen Gästen
Rechnung tragen muss.“ Bei großen Vermittlern
für Ferienwohnungen wie Airbnb, FeWodirekt,
Home to Go oder Booking.com kann
66 my life 12/2025
man gleich in der Suche die Option „Ich reise
mit Haustieren an“ aktivieren bzw. die Suchergebnisse
nach „Haustier erlaubt“ filtern.
Achtung: Gerade wer mit mehreren oder
großen Hunden anzurücken plant, sollte vor
der Buchung dringend noch einmal beim
Vermieter nachfragen, ob das tatsächlich in
seinem Sinne ist. Generell tut man oft besser
daran, sich mit anderen Hundebesitzern auszutauschen
und auf deren Geheimtipps zu
setzen, um zu erfahren, ob Bello in der Unterkunft
lediglich geduldet oder ein wirklich gern
gesehener Gast ist.
Orientierung beim Buchen
Unbesorgt buchen kann jedoch auch, wer sich
auf die „Pfoten-Klassifizierung“ verlässt. Das
ist die erste bundesweite Auszeichnung für
hundefreundliche Unterkünfte, in der sich
Ferienhäuser, -wohnungen und -zimmer mit
einer bis fünf Pfoten auszeichnen lassen
können – Basis hierfür ist die Sterneklassifizierung
des Deutschen Tourismusverbands,
der an diesem Projekt auch mitgewirkt hat.
Kriterien sind etwa eine hundefreundliche
Einrichtung, Freizeitmöglichkeiten in der Umgebung,
eingezäunte Auslaufflächen oder
Kooperationen mit Hundeexperten in der
Nähe. Auf pfoten-klassifizierung.de kann man
unmittelbar nach Unterkünften suchen.
Spezialangebot. Eine weitere Option wäre
ein Häusertausch mit einer anderen „Hundefamilie“
am gewünschten Urlaubsort. Passende
Domizile vermittelt beispielsweise die Plattform
homelink.de. Oder man entscheidet sich
gleich für eine komplett auf die Vierbeiner
ausgerichtete Reise, etwa eine Hundewanderung.
Diese bietet sich allerdings nur für gut
verträgliche Tiere an.
Grundsätzlich sei bemerkt, dass man mit
sehr alten Hunden bzw. epilepsie-, diabetesoder
arthrosekranken Tieren besser nicht verreisen
sollte. Und auch für gesunde (aber vielleicht
etwas ängstliche) Exemplare gilt, die
Reise deren Bedürfnissen entsprechend zu
planen. Entspannter als mit den öffentlichen
Verkehrsmitteln gelangt man mit dem eigenen
Pkw oder Wohnwagen ans Ziel. Voraussetzung
ist natürlich, dass der Hund während
der Fahrt vorschriftsmäßig angeschnallt oder
in einer geeigneten Transportbox untergebracht
ist.
Generalprobe. Bevor es losgeht, sollte man
unbedingt ausprobiert haben, ob das Tier
auch nach mehreren Stunden Fahrzeit cool
bleibt, nicht reisekrank wird und eine Weile
allein im Camper bleiben kann. Bei Fahrtantritt
sollte der Hund dann satt und zufrieden
sein; unterwegs sind regelmäßige Trinkund
Pipipausen ein Muss.
Ein ganz anderes Thema sind Flüge. Zwar
können kleine Hunde bei einigen Airlines
auch im Passagierraum mitfliegen, dennoch
sind Flugreisen für die Tiere meist mit so viel
Stress verbunden, dass davon rund heraus
abgeraten wird.
Vor- und Nebensaison wählen
Melanie Knies fährt mit ihren Hunden am
liebsten dorthin, wo sie möglichst wenige
Menschen trifft – das gelingt etwa in den
weiten Landschaften Skandinaviens. Ihr
persönlicher Tipp: „Außerdem ist es immer
besser, in der Vor- oder Nachsaison mit Hund
zu verreisen, wenn Strände, Wanderwege und
Unterkünfte weniger überlaufen sind.“ Dank
milder Temperaturen lässt es sich dann, vor
allem im Süden Europas, auch besser wandern
als im Sommer.
Zu guter Letzt appelliert sie: „Hunde leute
sollten sich im Urlaub besonders gut benehmen.“
Das bedeutet etwa, den geliebten Vierbeiner
im Restaurant nicht vom Tisch zu
füttern und in der Unterkunft nicht im Bett
schlafen zu lassen, natürlich die Leinenpflicht
zu respektieren und Kothäufchen wegzuräumen.
So macht man es sich und anderen
Reisenden mit Hund leichter. ❰
REISEAPOTHEKE
Im Notfall
alles dabei
❱ Zur Behandlung
Bequemer Maulkorb,
Telefonnummer Ihres
Tierarztes sowie der
nächstgelegenen
Praxis am Urlaubsort
❱ Desinfektion
Sterile Kochsalzlösung
für Wunden/Augen,
Wundspray
❱ Erstversorgung
Wundsalbe, Aktivkohle-
und Elektrolyttabletten,
Mittel
gegen Schwellungen,
Stiche, Übelkeit,
Schmerzen, Allergien
❱ Verbandszeug
Sterile Wundauflagen,
Tupfer, Polsterwatte,
selbsthaftende
Binden, Pflaster,
Klebeband
❱ Weiteres
Einwegrasierer, Pinzette,
Fieberthermometer,
ggf. Medikamente,
die der
Hund regelmäßig
bekommt
TO-DO- UND PACKLISTE
Optimal vorbereitet für die Auszeit
FOTOS: ADOBE STOCK (2)
❱ Impfstatus Impfungen (etwa gegen
Tollwut) rechtzeitig checken, ggf. auffrischen
und je nach Reiseziel ergänzen
❱ Pass EU-Heimtierausweis; Ihr Hund
sollte unbedingt gechipt sein
❱ Versicherung Ggf. Hundekrankenund
Haftpflichtversicherung abschließen,
die auch im Ausland gilt
❱ Dokumente Einreisebestimmungen
checken: Je nach Land kann etwa ein
aktuelles Gesundheitszeugnis nötig sein
❱ Grundausrüstung Leine, Geschirr,
Kotbeutel, evtl. Hundemantel, Tracker
❱ Für unterwegs Napf mit Überlaufschutz,
Wasser, Futter, Lieblingsdecke
und -spielzeug, evtl. Transportbox
❱ Futter Bekommt der Hund spezielles
Futter: Vorräte auffüllen, bei BARF an
durchgehende Kühlung denken
❱ Quälgeister ade Rechtzeitige Zeckenprophylaxe
und Wurmkur; Parasitenabwehr
und Zeckenkarte mitnehmen
❱ Zum Wandern Pfotensalbe, evtl.
Hundeschuhe, Notfall-Tragesystem
12/2025 my life
67
GESUNDHEIT
Historie Lange war der Beruf des Apothekers Männern vorbehalten – erst 1899 wurden Frauen zum Pharmaziestudium zugelassen
Seit Jahrhunderten im
Dienste der Menschen
Was einst mit Kräutern und alten Rezeptrollen begann, ist heute ein unverzichtbarer
Pfeiler moderner Gesundheitsversorgung. Apotheken geben Orientierung – und stehen
für Vertrauen, Wissenschaft und Menschlichkeit im Wandel der Zeit
★
M Y
L
I F E -S E R
Wir
I E ★
lieben
Apotheken
FO L G E 5 : GESCH
ICHTE
In unserer Serie
„Wir lieben Apotheken“
stellen wir Ihnen jeden
Monat eine besondere
Apotheke, eine besondere
Dienstleistung
oder einen besonderen
Menschen vor.
Denn ohne unsere
Vor-Ort-Apotheken
geht es nicht!
→
Die Geschichte der Apotheke beginnt
lange vor der modernen Medizin – in
einer Zeit, in der Heilung heilig war und Wissen
kostbar. Schon vor über 4000 Jahren nutzten
Gelehrte Pflanzen, Harze und Mineralien, um
Krankheiten zu lindern. Die ersten „Apotheker“
waren ägyptische Priester, chinesische
Kräuterärzte und babylonische Weise – sie
mischten und dokumentierten Arzneien mit
großer Sorgfalt. Berühmt ist der „Papyrus
Ebers“, eine altägyptische Schriftrolle mit Hunderten
Rezepten – quasi ein früher Vorläufer
des heutigen Arzneibuchs (der Sammlung pharmazeutischer
Regeln über Qualität, Prüfung,
Lagerung, Abgabe und Bezeichnung von Arzneimitteln).
Heute ist die fast 19 Meter lange
Papyrusrolle in der Leipziger Universitätsbibliothek
zu bewundern.
Beginn. Die erste echte Blütezeit erlebte
die Pharmazie im islamischen Kulturraum: Im
8. Jahrhundert entstanden in Städten wie Bagdad
Apotheken unter staatlicher Aufsicht. Die
erste eröffnete Kalif Al Mansur. Das Wort
Apotheke kommt allerdings aus dem Griechischen
und bedeutet „Aufbewahrungsort“.
In Europa entwickelten sich in den Klöstern
die Heilpflanzensammlungen zu einer einzigartigen
Natur-Apotheke. Nonnen und Mönche
griffen dabei auf das Wissen aus der Antike zurück
und entwickelten es weiter. Sie verbanden
die Lehre von Heilkräutern, Arzneipflanzen
und der Ernährung zu einer ganzheitlichen Medizin,
die auch heute noch Beachtung findet.
Trennung. Ein bis heute gültiges Gesetz
stammt aus dem Jahr 1241, als der Stauferkaiser
Friedrich II. im „Edikt von Salerno“ die
Trennung von Arzt und Apotheker verfügte.
Von da an durfte ein Arzt nicht mehr selbst
Arzneien verkaufen – und ein Apotheker durfte
keine Diagnosen stellen. Die Idee dahinter war,
dass diejenigen, die Medikamente verschreiben,
nicht von deren Verkauf profitieren sollten.
Das war die Geburtsstunde des eigenständigen
Apothekerberufs in Europa. Im selben
Jahr wurde am Hauptmarkt in Trier die „Löwen-Apotheke“
gegründet. Auch heute ist sie
noch geöffnet und gilt als älteste des Landes.
Bedeutung. Apotheken galten damals wie
heute als Orte des Vertrauens – aber auch des
Wissens: Hier wurden nicht nur Mittel ver
FOTOS: DDP (2); WIKIPEDIA; ALAMY STOCK PHOTO; PR (2)
68 my life 12/2025
kauft, sondern auch entwickelt und dokumentiert.
In der Renaissance und Aufklärung professionalisierte
sich die Pharmazie weiter.
Apotheken dürfen heute nur von einem staatlich
geprüften Apotheker/Apothekerin mit Abitur,
Pharmaziestudium und praktischem Jahr
geführt werden. Übrigens: Galt der Apothekerberuf
lange als Männerdomäne, beträgt der
Frauenanteil heutzutage fast 72 Prozent.
Konstante. Im 19. Jahrhundert führte die
Chemie zur Entdeckung neuer Wirkstoffe –
wie Morphin oder Acetylsalicylsäure, besser bekannt
als Aspirin. Apotheken wandelten sich:
Statt alles selbst herzustellen, bezogen sie viele
Arzneimittel nun industriell. Nach wie vor sind
Vor-Ort-Apotheken fester Bestandteil des Gesundheitswesens
und oft die erste Anlaufstelle
bei kleinen und großen Fragen rund ums Wohlbefinden.
Sie sind unverzichtbar, helfen, den
sozialen Frieden zu wahren, sind mit ihren Notdiensten
rund um die Uhr für ihre Kunden da.
Fürsorge. Das E-Rezept ist heute die moderne
Form der ärztlichen Verordnung. Es ist ein
wichtiger Schritt zur digitalen Gesundheitsversorgung
– mit mehr Komfort für Patienten
und Patientinnen und effizienteren Abläufen
in Arztpraxen und Apotheken. All das, wie seit
jeher: im Dienste der Menschen. ❰
Im Lauf der Geschichte
8. Jahrhundert
Die erste Apotheke
wurde in Bagdad von
Kalif Al Mansur eröffnet
1241
Friedrich II. verfügte die
Trennung von Arzt und
Apotheker
Seit 1241
Die älteste Apotheke in
Deutschland: die Löwen-
Apotheke in Trier
Mittelalter
Nonnen pflanzen gezielt
Heilkräuter in den
Gärten der Klöster an
Moderne Zeiten
Das E-Rezept –
schnell, papierlos
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12/2025 my life
69
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Х Forschung: Machen hoch verarbeitete
Lebensmittel wirklich dick und krank? Zwei
Studien zeichnen ein differenziertes Bild
Х Wissen: Welche Nährstoffe man braucht
und in welchen Lebensmitteln sie stecken,
zeigt unser Vitamin- & Mineralstoff-Guide
Х Überblick: Woran Sie Qualitätsfleisch
erkennen, was in Wurst so alles drinsteckt
und worauf Sie beim Kauf achten sollten
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zurück. Wie wir sie dabei unterstützen
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Redaktion: Miriam Dietz, Ana Goldscheider
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Grafik: Juliane Kruschke (Grafik Lead My Life)
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Genuss: Gaby Höger (Ltg.)
Rätsel: Andrea Kind (Ltg.)
Redaktionsassistenz: Daniela Gibson,
Nathalie Grunewald, Constanze Röhr
Mitarbeiter dieser Ausgabe: Marlen Bruckner,
Kerstin Buttenhoff, Susanne Fett, Isa Fuhrmann, Shinya
Halbritter, Wiebke Hugen, Markus Krischer (FOCUS),
Dr. Kurt-Martin Mayer (FOCUS), Matthias Ohnsmann,
Janice Rimmelin, Kirsten Schmidhuber, Simone Ullmann,
Sandra Wickert, Britta Zimmermann
Experten dieser Ausgabe: Arlett Düker; Dr. med.
Christian Firus; Prof. Dr. med. Norbert Harrasser; Dr. phil.
Dipl.-Psych. Isabella Helmreich; Maja Henke; Prof. Bruce
Hood, M.A., M. Phil., Ph.D.; Gaby Nele Kammler; Melanie
Knies; Prof. Dr. rer. nat. Martin Korte; Dr. med. Christian
Larsen; Shane Parrish; Verena Querling; Dagmar
Rockel-Kuhnle; Dr. med. Thomas Schneider; Prof. Dr.
med. Julia Seiderer-Nack; Prof. Kathy Willis, Ph.D.
Stiftungs-Beirat: Felix Burda Stiftung, Dr. Christa
Maar †; Dt. Alzheimer Stiftung, Heike von Lützau-
Hohlbein; Dt. Diabetes Stiftung, Prof. Dr. med. Rüdiger
Landgraf, Adrian Polok; Dt. Herzstiftung, Prof. Dr. med.
Thomas Voigtländer, Martin Vestweber; Prof. Dr. med.
Heinrich Hess Stiftung, Prof. Dr. med. Heinrich Hess,
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