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my life_Ausgabe 01.07.2025_Vorableseprobe für WAVE Kunden

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Ein Geschenk Ihrer Apotheke

12 | 16. Juni 2025 B

12 SEITEN

DOSSIER

Pflegefall – was nun?

Die ersten Anlaufstellen

für schnelle Unterstützung

Welche Leistungen Patienten

und Angehörigen zustehen

Wie die Apotheke

Menschen im Alter hilft

Die perfekte Therapie & Pflege

Gut zum Fuß

MEDIZIN

Ordnung

im Kopf

So denken Sie

konzentriert und

zielgerichtet

REISE

Traumreise auf

dem Hausboot

Ganz entspannt durch

die wunderschöne

Uckermark schippern

GENUSS

Vital & gesund

mit Fitness-Bowls

Von Müsli bis Salat –

leckere Gerichte

voller Nährstoffe

Woran man Fehlstellungen erkennt und wie

eine minimalinvasive OP den Hallux valgus heilt

Schöne Füße an heißen Tagen: Was bei Hornhaut,

Hühneraugen, Nagelpilz hilft. Plus: die besten Produkte


INHALT

18

Kopf frei, Herz leicht

Konzentriertes, zielgerichtetes

Denken will gelernt sein. Gewisse Tricks

machen hier den Unterschied, sagen

Neurowissenschaftler

16

Gut zum Fuß

Was Ballen, Ferse und Sohle jetzt

besonders guttut, was man besser

vermeidet – und wie Haut- und Nagelpflege

für ein frisches Gefühl sorgen

GESUNDHEIT

6 Magazin

Aktuelles aus Medizin,

Wellness und Ernährung

12 Starke Füße

Was Fehlstellungen entlarvt, wie

eine individuelle Therapie aussieht

18 Kopf frei, Herz leicht

24 DOSSIER

Pflege & Betreuung

Die wichtigsten Anlaufstellen

für den Ernstfall, die Rechte

pflegender Angehöriger und die

Ansprüche Betroffener. Plus:

Smarte Helfer für den Alltag

36 Abnehmen ohne Kalorienzählen

Trotz der Diabetes-Typ-2-Diagnose

hat Daniela Dannenmeier den

Spaß am Essen nie verloren

46 Genießen und durchatmen

Wie frisches Obst, reichlich

Gemüse und Omega-3-Fettsäuren

die Lungenfunktion stärken

54 Das schöne Leben ist kein Traum

Wegen ihres Morbus Crohn lebt

Nicole heute mit einem Stoma und

unterstützt andere Betroffene

66 Urlaub auf vier Pfoten

68 Im Wandel der Zeit

Von der Antike bis heute –

die spannende Entstehungsgeschichte

der Apotheken

BEAUTY

16 Gut zum Fuß im Sommer

LIFESTYLE

40 In Bestform mit Fitness-Bowls

Von deftig bis süß: Unsere Salatund

Joghurtkreationen stecken

voller gesunder Nährstoffe

48 Fruchtig-frische Käsekuchen

Beeren der Saison verschmelzen

mit cremigem Frischkäse

52 Traumreise auf dem Hausboot

Zwischen Seerosen und Schilf den

Zauber der Uckermark entdecken

66

Urlaub auf vier Pfoten

Hundefreundliche Ziele, Unterkünfte

und Transportmittel zu finden, muss

nicht kompliziert sein. So wird

die Reise mit Tier sicher zum Erfolg

62 Mein kleines Aroma-Paradies

Sie sind nicht nur duftende Deko,

sondern auch Geschmackshelden:

Rosmarin, Minze & Co.

WOHLFÜHLEN

58 Sanftes Klopfen weckt die Kräfte

Schon allein die Atemübungen des

Yoga helfen zu entspannen

60 Die Natur als Arzt

Prof. Kathy Willis erklärt, warum

Bäume und Blumen dem Körper

Kraft spenden

RUBRIKEN

3 Editorial, Stiftungsbeirat

38 Kommentar

56 Buchtipps

70 Glücks-Kalender

72 Kreuzworträtsel, Sudoku

74 Vorschau, Impressum

FOTOS TITEL: JUMP FOTOAGENTUR INHALT: LAURENCE MOUTON/PHOTOALTO/LAIF; ADOBE STOCK ILLUSTRATION: ADOBE STOCK

4 my life 12/2025


my life


GESUNDHEIT

12 my life 12/2025


Bewegung & Stabilität

Starke Füße,

starkes Fundament

Sie schmerzen, sind platt, gespreizt, die Zehen verschieben sich –

Probleme mit den Füßen kennt fast jeder. Experten erläutern, wie man

Fehlstellungen erkennen und Flexibilität zurückgewinnen kann

Jemand steht mit beiden Beinen im Leben,

heißt es. Oder kommt Schritt für

Schritt voran. Wer gesunde Füße hat, ist jedoch

nicht nur standfest und ein guter Geher

oder Läufer. Er hat eine beweglichere Hüfte,

eine bessere Haltung und ist auch weniger

verspannt. Die Füße bilden das Fundament,

das den gesamten Körper trägt. 20 Muskeln,

33 Gelenke, 114 Bänder und 26 Knochen schaffen

ein stabiles Gewölbe. Über die Sprunggelenke

beeinflussen die Füße die Stellung des

Knie- und des Hüftgelenks sowie der Wirbelsäule.

Unsere Füße zeichnen sich durch ein

fein abgestimmtes Zusammenspiel aus, das

unsere körperliche Mobilität ermöglicht – genau

diese Kombination aus Belastbarkeit und

Elastizität macht sie so besonders. Bei einem

Sprung können sie sogar ein Vielfaches des

eigenen Körpergewichts abfedern.

Beschwerden. Wenn uns Schmerzen an

dem sensiblen Körperteil plagen, ist die Not jedoch

groß. Denn in unserem komplexen Laufwerk

sitzen Tausende Nervenenden – und die

machen Probleme, wenn Zehen schief stehen

oder Fersen stark belastet werden. Schätzungsweise

75 Prozent der Erwachsenen in Deutschland

sind von Fußproblemen betroffen. Dabei

werden nach Expertenschätzungen 98 Prozent

aller Babys mit gesunden Füßen geboren.

Krümmungen, Entzündungen, Schwellungen

entwickeln wir erst im Lauf unseres Lebens.

Schiefstand entgegenwirken

„Wir zwängen unsere Füße in zu enge oder zu

hohe Schuhe. Sie bekommen keine Luft mehr

und müssen fast immer auf harten Böden gehen“,

klagt der Allgemeinarzt Dr. Christian

Larsen von der Klinik Bethanien in Zürich und

Mitbegründer der Spiraldynamik. Dabei han­

delt es sich um eine Therapieform für anatomisches

Bewegen. Der Spezialist geht davon

aus, dass wir unseren Füßen mit speziellen

Übungen wieder ihre natürliche Flexibilität

zurückgeben können. Weitere Fehlstellungen

und damit verbundene körperliche Einschränkungen

lassen sich so lindern. Denn die Fußprobleme

sind Dr. Larsens Meinung nach evolutionär

bedingt: „Unsere Füße wurden über

Jahrmillionen entwickelt, wir waren barfuß

auf Wanderschaft. Doch der Mensch wurde

leider vom Dauerläufer zum Dauersitzer. In

unserer modernen Welt bewegen wir die Füße

zu wenig und zu einseitig. Irgendwann sind sie

dann flach getreten. Sie werden breiter, die Fersen

schmerzen, die Zehen werden zu Krallen

und die Großzehe geht auf Abwege.“

Häufigstes Leiden: Hallux valgus

Verlagert sich der große Zeh weit nach außen

oder verschwindet sogar ganz unter dem Nachbarzeh,

spricht man von einem Hallux valgus.

Der Mittelfußknochen verschiebt sich dabei

nach innen und das Fußgewölbe sinkt ab. Der

Ballen wird sichtbar, ist häufig gerötet und ➡

ANATOMIE DER FÜSSE

Wunderwerk der Evolution

1. Wadenbein

2. Schienbein

3. Sprungbein

➍ ➎ ➏ ➐

Jede OP sollte von

Operateuren

durchgeführt

werden, die über

große Erfahrung

verfügen

Prof. Dr. med.

Norbert Harrasser,

Facharzt für Orthopädie

und Unfallchirurgie,

ECOM – Privatpraxis

für Orthopädie;

ecom-muenchen.de

4. Fersenbein

5. Kahnbein

6. Mittelfuß 7. Zehen

Ein Viertel aller Knochen unseres Körpers

befindet sich in beiden Füßen. Das

komplexe Gebilde sorgt dafür,

dass wir uns fortbewegen können:

gehen, laufen, tanzen, springen, klettern oder

Rad fahren. Leider belasten wir die Füße viel zu

einseitig. Nicht selten schenken wir ihnen erst

Aufmerksamkeit, wenn sie uns Probleme bereiten.

12/2025 my life

13


BEAUTY

Frischluft Herrlich, wenn man bei gutem Wetter barfuß durchs Gras laufen kann. Der Gang ohne Schuhe kräftigt zudem Bänder und Muskeln

Gut zum Fuß

im Sommer

Jetzt rücken unsere Füße wieder in den Mittelpunkt: Gepflegte Nägel, zarte Haut und

ein frisches Gefühl machen den Auftritt perfekt. Die My Life-Expertin weiß, was

Ballen, Ferse und Sohle nun besonders guttut und was man besser vermeiden sollte

Fersen-Pflege Mit einem

Bimsstein oder einer speziellen

Hornhautfeile rücken wir

verdickten Partien zu Leibe

Die Sommerzeit ist der perfekte Zeitpunkt,

um unsere Füße in Bestform zu

bringen – und rundum zu verwöhnen. Maja

Henke, Fachärztin für Chirurgie aus München,

erklärt in My Life, welche spezielle Pflege ihnen

jetzt zuteilwerden sollte.

Feuchtigkeit. „Im Sommer sind unsere Füße

besonderen Belastungen ausgesetzt: Hitze, Barfußlaufen

und enge Sandalen können die Haut

austrocknen und die Entstehung von Hornhaut

fördern. Daher ist regelmäßige Pflege besonders

wichtig. Eine intensive Feuchtigkeitspflege

mit Cremes unterstützt die Hautbarriere

und beugt rissigen Fersen vor. Fußpuder und

Deosprays können zwar kurzfristig gegen

Schweiß und Geruch helfen, trocknen die Haut

aber oft zusätzlich aus.“ Wichtig ist zudem, auf

atmungsaktive Schuhe und Socken zu achten

und die Füße nach dem Duschen gründlich abzutrocknen,

besonders zwischen den Zehen.

Verhornung. Gegen Hornhaut empfiehlt

die Medizinerin vor allem Cremes mit Harnstoff

(Urea), Milchsäure oder Salicylsäure.

„Diese lösen die abgestorbenen Hautzellen

und machen die Hornhaut geschmeidiger. „Ich

empfehle, die Füße regelmäßig zu peelen und

danach mit einer reichhaltigen Pflege zu versorgen,

um die Haut zu schützen. Vermeiden

sollte man aggressive Feilen oder Rasierklingen,

da diese die Haut verletzen und die Horn-

16 my life 12/2025


hautbildung sogar fördern können. Je weniger

Hornhaut vorhanden ist, desto besser kann die

Feuchtigkeitspflege in die Haut eindringen und

die Füße geschmeidig und weich machen.“

Empfindliche, zu Rissen neigende Haut braucht

besondere Pflege. „Produkte wie Atoderm

Crème Ultra von Bioderma oder Weleda Fußbalsam

aus der Apotheke versorgen die Haut

intensiv mit Feuchtigkeit und stärken die

natürliche Barriere. Auch pflanzliche Inhaltsstoffe

wie Sheabutter oder Panthenol können

die Haut beruhigen“, so die Münchner Expertin.

Wichtig ist es, die Füße täglich zu pflegen.

Pilzinfektion. Einrisse und juckende Stellen

zwischen den Zehen deuten auf einen Fußpilz

hin. Pilztötende Salben können hier vor allem

im Frühstadium gut helfen. Auch bei Nagelpilz

sollte so früh wie möglich gegengesteuert werden.

Der Wirkstoff Ciclopirox kann Pilzsporen

erwiesenermaßen abtöten und das Nachwachsen

eines gesunden Nagels unterstützen. Die

Behandlung erfordert allerdings Geduld.

Hierzu erklärt Fachärztin Maja Henke: „Fußund

Nagelpilz entstehen meist in warmen,

feuchten Umgebungen – also genau da, wo wir

im Sommer oft barfuß unterwegs sind: in

Schwimmbädern, Umkleiden oder Hotelzimmern.

Mit zunehmendem Alter, etwa ab 45,

wird unser Immunsystem schwächer und Pilzinfektionen

treten häufiger auf. Um sich davor

zu schützen, sollte man in feuchten Bereichen

wie Schwimmbädern und Gemeinschaftsduschen

unbedingt Flipflops tragen – sie verhindern

den direkten Kontakt mit Pilzsporen. Das

ist die beste Prävention für Fußpilz.“

Druckstellen. Und was tun, wenn wir unter

Hühneraugen leiden? Chirurgin Maja Henke:

„Hühneraugen entstehen durch anhaltenden

Druck oder Reibung – in der Regel durch zu

enge Schuhe. Sie sind verdickte, verhärtete

Hautstellen, die bis in tiefere Hautschichten

reichen können und dort schmerzhaften Druck

auf Nerven ausüben. Zur Behandlung eignen

sich Salicylsäurepflaster oder spezielle Gels, die

die Hornhaut aufweichen. Regelmäßiges Eincremen

und die Vermeidung von Druckstellen

durch gut sitzende Schuhe sind entscheidend,

um Hühneraugen langfristig zu vermeiden.“

Ein warmes Fußbad (15 bis 20 Minuten bei

maximal 37 Grad) bereitet unsere Füße zudem

optimal auf die folgende Pflege vor, macht es

doch Nägel und Hornhaut gleich etwas weicher,

sodass sie sich später besser bearbeiten lassen.

Ganz abgesehen vom Wohlfühlfaktor! ❰

Ich empfehle,

die Füße

regelmäßig

mit einer

reichhaltigen

Pflege zu

versorgen

Maja Henke,

Fachärztin für Chirurgie,

Praxis für Ästhetische

Medizin & Longevity

in München;

aesthetik-henke.de

Von Fußbad bis Schaumcreme

Geschmeidig und weich

Die besten Produkte für gepflegte Füße

FOTOS: LAURENCE MOUTON/PHOTOALTO/LAIF; MAURITIUS IMAGES/BLACKDAY/ALAMY; PR (7)

2 4

6

1 3

5

1 Intensiv Fußbad von Omni Biotic Skin, 110 g, ca. 25,95 €:

pflegt und schützt, mit aktiven probiotischen Bakterien;

bringt das Mikrobiom der Füße ins Gleichgewicht.

2 Lipidro Creme von Gehwol, 125 ml, ca. 11,35 €: erweicht

Hornhaut, reduziert übermäßige Neubildung; schützt

vor Fußgeruch, Fußpilz und wirkt entzündungshemmend.

3 Schaumcreme Fuß Spezial Nr. 3 von Allpresan, 200 ml,

ca. 16,95 €: intensive Feuchtigkeit für sehr trockene

Fußhaut; mit 10 % Urea gegen Risse und Verhornungen.

4 Hydrolack von Sililevo, 6,6 ml, ca. 32,95 €: stärkt,

repariert, mineralisiert brüchige, weiche Nägel, mit

Chitosan und Kieselsäure; fördert das Nagelwachstum.

5 Fußcreme Urea Akut 10 % von Sebamed, 100 ml,

ca. 4,95 €: lindert Juckreiz, Spannungsgefühl, Rauheit

bei sehr trockener Fußhaut; mit Urea und Vitamin E.

6 Sole Fußbad von Allgäuer Latschenkiefer, 350 g,

8,59 €: mit Latschenkiefernöl und Solesalz,

Frische für beanspruchte, strapazierte Füße.

❱ Produktauswahl und Preise können je nach Apotheke abweichen. Alle Produkte können Sie über

IhreApotheken.de/mylife-beauty bestellen und in Ihrer Apotheke abholen oder sich liefern lassen.

12/2025 my life

17


GESUNDHEIT

18 my life 12/2025

Erleben Wer sich von

der Welt immer wieder

in Staunen versetzen

lässt, durchbricht das

Karussell der Langeweile


Mehr mentale Klarheit

Kopf frei,

Herz leicht

Es gibt Wege aus der Ablenkungsspirale: Neurowissenschaftler,

Psychotherapeuten und Mentaltrainer erklären, wie wir neu lernen können, konzentriert

und zielgerichtet zu denken. Und das kann eine Menge Spaß machen

Gutes beginnt bisweilen

mit Streit, Vorwürfen –

und einer finalen E-Mail. „Ich

will nicht mehr mit dir zusammenarbeiten“,

stand in der

Nachricht, die Shane Parrish

an jenem Sonntag lesen musste,

der sein Leben auf den

Kopf stellte – und ihn zum Berater

und Autor werden ließ.

In Verzug. Damals schob er

60-Stunden-Wochen, hatte seit

Jahren keinen Urlaub nehmen

können. Er war am Wochenende

ins Büro gekommen, um

eine Software fertig zu schreiben,

die für eine bestimmte

Operation des kanadischen Geheimdiensts

unerlässlich war.

In der kommenden Nacht sollte

sie stattfinden. Sein Teamkollege

war schon da.

Er kam an Parrishs Schreibtisch.

Der Code, sagte er, hätte

schon vor zwei Tagen fertig

sein müssen. „Du hast die Sache

in Gefahr gebracht. Leute

verlassen sich auf dich.“ Parrish verteidigte

sich. Er habe all diese Meetings besuchen

müssen. Der Chef habe ihn mit Aufgaben eingedeckt.

Außerdem habe er am Freitag die

Software ja schreiben wollen, aber der Bus sei

im Schnee stecken geblieben. „Ich gebe mein

Bestes. Aber es scheint nie genug zu sein.“ Der

Kollege blaffte. „Bullshit. Es ist deine Schuld.

Hör auf mit den Ausreden.“

30

Minuten

mindestens sollten

sich erwachsene

Menschen

vollkommen

auf eine Sache

konzentrieren

können

Sind wir selbst schuld?

Dieser Dialog, urteilt Parrish

heute, habe sich weder nett

noch fair angefühlt. Aber er

sei, weil man es im Grunde gut

mit ihm meinte, freundlich gewesen.

Der Kollege habe ihn

begreifen lassen, dass es falsch

sei, eigenes Versagen mit irgendwelchen

äußeren Umständen

erklären zu wollen.

Derartige Ausreden seien zwar

üblich, aber sinnlos. Wer etwas

erreichen wolle, müsse

auch bereit sein, für Fehler

einzustehen. Ohne diese Fähigkeit

der Selbstzuschreibung

sei ein besseres, ein klares

Denken nicht möglich.

Shane Parrish ist inzwischen

der digitale Prediger

des „Clear Thinking“. Per Website,

Newsletter und Podcast

erklärt er, wie man Klarheit

im Kopf erlangt, wie man besser

urteilt, besser entscheidet;

wie man besser denkt.

Und der Bedarf an Bedienungsanleitungen für

den Kopf scheint zu steigen. „Wir haben keine

normalen Gehirne mehr“, überschrieb die

„Neue Zürcher Zeitung“ einen Essay des britischen

Journalisten Johann Hari. An zahlreichen

Beispielen beschreibt Buchautor Hari das

„kollektive Aufmerksamkeitsdefizit“, das die

ständigen Ablenkungen des digitalen Zeitalters

hervorrufen.

Das Gehirn

braucht Zeit, sich

zu fokussieren

Prof. Dr. rer. nat.

Martin Korte

lehrt Zelluläre

Neurobiologie an der

Technischen Universität

Braunschweig und ist

Direktor des

Zoologischen Instituts

12/2025 my life

19


Etwa 50 Prozent

an Resilienz

kann sich der

Mensch

antrainieren

Dr. phil. Dipl.-Psych.

Isabella Helmreich,

Psychotherapeutin

am Leibniz-Institut für

Resilienzforschung

in Mainz

➡ Im Zentrum steht die Dauerpräsenz des

Smartphones. Gut 82 Prozent der Deutschen

besitzen eines, von den unter 50-jährigen Erwachsenen

fast jeder und jede. Einen der vorläufig

deutlichsten Beweise für die Ablenkung

durch den Alltagsbegleiter erbrachte ein Test

mit 42 Probanden an der Universität Paderborn.

Er erschien 2023 in einer „Nature“-Publikation.

Im Ergebnis zeigten sich bei der Bewältigung

verschiedener Aufgaben Unterschiede,

je nachdem, ob die Testteilnehmer ein Smartphone

neben sich hatten oder das Gerät in den

Nebenraum verbannt war. „Die Tatsache, dass

das Handy in Sichtweite ist – selbst wenn es

ausgeschaltet ist –, beeinflusst die kognitive

Leistung“, so der Psychologe und Studienleiter

Prof. Sven Lindberg.

Stete Unruhe. Aus neurowissenschaftlicher

Sicht konkurrieren in derartigen Situationen

zwei Netzwerke im menschlichen Gehirn. Das

eine ziehe Aufmerksamkeit auf sich und sei

unter anderem für den viel zitierten FOMO-

Effekt verantwortlich – „Fear of missing out“,

die Angst, etwas zu versäumen. Das sagt Prof.

Martin Korte, Leiter der Abteilung Zelluläre

Neurobiologie an der Technischen Universität

Braunschweig. Das andere Netzwerk, so Prof.

Korte, koordiniere Aktionen – die Jagd auf

einen Bären, das Verfassen eines Gedichts, das

Programmschreiben. „So geraten wir von

einer hektischen Situation in die nächste“,

sagt der Experte. Weil das neuronale Hin-undher-Hetzen

Energie koste, ermüdeten wir geistig

schneller. „Das Gehirn braucht außerdem

Zeit, sich zu fokussieren.“ Als eine Gegenmaßnahme

empfiehlt Prof. Korte, immer wieder

die drei wichtigsten Dinge aufzulisten, die in

nächster Zeit erledigt sein sollten.

Dem Stress widerstehen

Das Smartphone dauerhaft oder auch nur

dann wegzulegen, wenn wir uns konzentrieren

wollen, ist freilich kaum eine Erfolg versprechende

Bewältigungsstrategie. Das Ding

leistet einfach bei zu vielen Aufgaben gute

Dienste. Außerdem ist sein permanentes Aufleuchten,

Piepsen und Brummen nicht die einzige

Herausforderung, die dem arbeitenden

3,2

Millionen

Menschen in

Deutschland

praktizieren häufig

Yoga. Weitere

8,2 Millionen

geben an, es ab

und an zu tun

Entspannen Meditation,

Yoga & Co. machen das Gehirn

widerstandsfähiger

20 my life 12/2025


Menschen begegnet. Am Leibniz-Institut für

Resilienzforschung in Mainz beschäftigt sich

die Psychotherapeutin Dr. Isabella Helmreich

mit Möglichkeiten, den Stress von sich abprallen

zu lassen. Bei der Smartphone-Nutzung

rät sie zum intelligenten Dosieren: nicht

gleich nach dem Läuten des Weckers danach

greifen, sondern frühestens nach dem ersten

Kaffee oder Tee; nicht bei jeder auftauchenden

Frage losgoogeln, sondern auch mal im

Familienkreis oder bei Kollegen nachfragen;

und immer wieder Pausen einlegen.

Das persönliche Ausmaß an Resilienz, also

der Fähigkeit, sich an Veränderungen anzupassen,

liegt teilweise in den Genen. „Aber etwa

50 Prozent kann sich der Mensch antrainieren“,

sagt Dr. Helmreich. Vier Säulen seien entscheidend:

eine körperliche – wenig Alkohol,

ausreichend Schlaf, regelmäßiger Sport und

ausgewogene Ernährung; die zweite Säule ist

laut Dr. Helmreich die mentale. Es sei wichtig,

sich geistig zu erholen, abzuschalten. „Das leistet

schon ein kurzer Spaziergang ins Grüne“, so

Dr. Helmreich. Dann gebe es eine soziale Komponente

der Resilienz. Gemeint ist, dass man

Menschen brauche, auf deren Unterstützung

man zurückgreifen könne. Auch Spiritualität

unterstütze die Widerstandsfähigkeit. Das

könne der Glaube an einen Gott ebenso bewirken

wie Naturerfahrung, Meditation oder verschiedene

Yogatechniken, so die Expertin.

Die Selbstoptimierungsstrategien des kanadischen

Unternehmers und Buchautors Shane

Parrish bauen auf ähnlichen Erkenntnissen

auf, richten sich aber primär an Manager und

solche, die es werden wollen, an Menschen, die

Effizienz mögen. Die Elite von Wall Street und

Silicon Valley schwöre auf Parrish, notierte die

„New York Times“. Allerdings habe er die Kunst

des besseren Denkens keineswegs neu erfunden,

merkt der frühere Agent an. Im Gegenteil:

Sein Trick ist, sich immer wieder auf die Tricks

anderer zu berufen. Es sind die Lebensregeln

erfolgreicher Menschen, die Parrish ernst

nimmt und zu einem Programm für mentales

Training ausbaut. Dabei lässt er sich von Denkern

genauso inspirieren wie von Sportlern,

Bossen oder Investoren. Wer erfolgreich ist,

taugt zum Vorbild. Das klingt einfach und ist es

wohl auch. Gegen Parrishs Gedankengymnastik

spricht es aber nicht. Das Einfache kann

auch einfach richtig und ziemlich hilfreich sein.

Wir sind oft viel zu verzagt

Beinahe banal wirkt denn die Grundeinsicht,

die laut Parrish dem klaren Denken vorauszugehen

hat. Man müsse die Welt akzeptieren,

wie sie sei. Darüber zu lamentieren, dass man

Entwirren Sich selbst etwas zutrauen: der erste Schritt zum klaren Denken

sie anders wolle, sei falsch und gefährlich. Niemand

sehne sich nach Schwierigkeiten und

Unglück. Aber das spiele keine Rolle. Eine Klage

ändere nichts an dem Problem, das es mit

guten Urteilen und Entscheidungen zu lösen

gelte. Nur der nächste Schritt zähle – und die

Frage, ob dieser Schritt zur Lösung beitrage

oder sie erschwere.

Tiefe Furcht. Neben der Fähigkeit der

Selbstzuschreibung gilt es, drei weitere Ich-

Stärken für ein besseres Denken zu trainieren

– das Selbstvertrauen, die Selbstkontrolle und

die Selbsterkenntnis, die schon auf dem Apollontempel

in Delphi dem Geschlecht der Menschen

aufgetragen ist: Gnothi seauton – erkenne

dich selbst. Wer sich verantwortlich fühle,

wer sich etwas zutraue, wer seine Ängste und

Gefühle kontrollieren könne und um seine

Fähigkeiten und Schwächen wisse, erfüllt für

Parrish die Voraussetzungen für ein klares, ein

„unabhängiges“ Denken.

Angst, Verzagtheit und Selbstzweifel sind

nach den Erkenntnissen der Hirnforschung

freilich tief im Menschen verankert. „Wir

unterliegen einem Negativ-Bias“, sagt der Psychotherapeut

Dr. Christian Firus von der Rehaklinik

Glotterbad im südbadischen Glottertal.

Unser Gehirn sei so beschaffen, dass es auf

erwartete Verluste viel stärker reagiere als auf

erhoffte Gewinne. Mit anderen Worten: Der

Mensch fürchtet sich zu oft und zu sehr. ➡

4

Schlafphasen

hat die Nacht:

Einschlafen,

Leichtschlaf,

Tiefschlaf, REM-

Schlaf. Jede ist

wichtig für

das Gehirn

12/2025 my life

21


DOSSIER

PFLEGE & BETREUUNG

24 Plötzlich Pflegefall Das

Netz der Leistungen ist dicht

28 Ihr gutes Recht Wichtige

Infos für alle Pflegepersonen

30 Medikamente Die Vor-Ort-

Apotheke berät umfassend

32 Clevere Helfer Produkte, die

den Alltag leichter machen

34 Hausnotruf Was er kostet,

wie er funktioniert

35 Proteine Starke Muskeln

beugen Stürzen vor

Fürsorge

Auch Unfälle

können zu einer

Pflegebedürftigkeit

führen. Ist sie nicht

nur vorübergehend,

unterstützt die

Pflegekasse

24 my life 12/2025


Es kann wirklich jeden treffen

Plötzlich

Pflegefall

Wer im Alter oder in jungen Jahren pflegebedürftig wird, erhält seit diesem Jahr

mehr finanzielle Unterstützung. Wichtig ist aber vor allem, möglichst schnell Hilfe

zu organisieren. Welche Anlaufstellen es gibt, wie Sie vorgehen sollten

In diesem Jahr gibt es zwar keine neue

Pflegereform, aber einige finanzielle

Verbesserungen (siehe dazu auch S. 29). Viele

Betroffene wissen jedoch nicht, welche Hilfen

sie in Anspruch nehmen können. Hier finden

Sie einen Überblick der wichtigsten Anlaufstellen

und Unterstützungsleistungen.

Ein unerwarteter Pflegefall wirkt erst einmal

beängstigend. Die Pflegebedürftigen haben

gesundheitliche Probleme, die Angehörigen

oft Sorge, etwas zu übersehen oder zu

vergessen. Eine Prioritätenliste kann helfen,

die wichtigsten Dinge im Blick zu behalten.

Dabei unterstützen etwa Pflegeberatungen,

die über Hilfen informieren. Zertifizierte Berater

schätzen die Situation individuell ein, benennen

entsprechende Leistungen und fertigen

individuelle Pflegepläne an.

Erste Schritte. Die Beratungen sind kostenlos:

Seit dem Pflege-Weiterentwicklungsgesetz

von 2008 gibt es im Sozialgesetzbuch

SGB XI einen Rechtsanspruch auf kostenlose,

professionelle Beratung. Auch Pflegekurse

und Beratungsbesuche zählen dazu.

Anlaufstellen sind in fast allen Bundesländern

sogenannte Pflegestützpunkte, in Sachsen-Anhalt

sind es die Beratungsstellen der

vernetzten Pflegeberatung. Alternativ kann

man sich auch an ambulante Pflegedienste,

Wohlfahrtspflegeeinrichtungen wie die Caritas,

Krankenkassen oder kommunale Stellen wenden.

In der Datenbank des Zentrums für Qualität

in der Pflege lässt sich nach Beratungsstellen

in der Nähe suchen: zqp.de/beratung-pflege.

Ausnahme: Privat Versicherte wenden sich an

die Compass private Pflegeberatung – Anlaufstellen

und Infos: compass-pflegeberatung.de.

Anspruch auf individuelle Pflegeberatung haben

zunächst nur Menschen mit anerkanntem

Pflegegrad. Doch auch wenn ein Pflegefall

droht, kann man diese nutzen. Angehörige

brauchen dazu allerdings das Einverständnis

des Pflegebedürftigen.

Eine Beratung gibt Orientierung

im Dschungel der Unterstützung

Der Ablauf der Pflegeberatung folgt einem

festen Schema. Dieses gibt der Spitzenverband

Bund der Krankenkassen (GKV-Spitzenverband)

vor. Es soll sicherstellen, dass die Informationen

umfassend, verständlich und

gleichbleibend professionell sind.

Zu Beginn wird im Gespräch der individuelle

Hilfe- und Unterstützungsbedarf ermittelt.

Dazu klären Berater die Ursache für die Pflegebedürftigkeit

und fragen z. B. nach Mobilität,

Barrierefreiheit in der Wohnung, Pflegemöglichkeiten

im privaten Umfeld und mehr.

Individuell. Darauf aufbauend, wird zu den

verschiedenen Unterstützungsmöglichkeiten

beraten, die den Pflegebedürftigen und ihren

Angehörigen zustehen. Das können Pflegesachleistungen

oder Möglichkeiten der Kurzzeitpflege

sein. Außerdem kann, bei Bedarf,

die Wohnung durch einen Umbau barrierefrei

gestaltet oder Pflegehilfsmittel wie Rollstühle

beantragt werden. Auch auf Pflegekurse besteht

Anspruch, ebenso wie auf medizinische

Rehabilitation, welche die Mobilität erhalten

oder wiederherstellen kann.

Im Anschluss werden die Ergebnisse in

einem persönlichen Versorgungsplan notiert.

Mit diesem haben Pflegebedürftige und ihre

Angehörigen eine Liste an eventuellen ➡

12/2025 my life

25


DOSSIER PFLEGE & BETREUUNG

4,5

Um diesen

Prozentsatz stieg

das Pflegegeld im

Jahr 2025

Pflegesachleistung

Werden Pflegebedürftige

zu Hause vom ambulanten

Pflegedienst versorgt,

zahlt die Pflegekasse

monatlich bei

Pflegegrad 1:

keine Unterstützung

Pflegegrad 2: 796 €

Pflegegrad 3: 1497 €

Pflegegrad 4: 1859 €

Pflegegrad 5: 2 299 €

Quelle: Bundesgesundheitsministerium,

aktuelle Sätze 2025

➡ Hilfsmöglichkeiten parat. Damit die in der

stressigen Übergangssituation auch greifen,

helfen die Pflegeberater bei der Umsetzung:

Sie stellen Kontakt zu Leistungsträgern her

und übermitteln Anträge, wie den auf einen

Pflegegrad, zeitnah an zuständige Pflege- oder

Krankenkassen. In einem zweiten Termin, der

auch telefonisch erfolgen kann, wird die Umsetzung

der Maßnahmen durch die Pflegebedürftigen

und ihre Angehörigen erfragt.

Nicht allein. Hilfe benötigt aber nicht nur

die pflegebedürftige Person. Da viele Menschen

zu Hause im familiären Umfeld bleiben,

ist ihre Versorgung für Angehörige oft kräftezehrend.

Daher spielt auch deren mögliche

Entlastung eine Rolle in der Beratung. Das

können Pflegekurse und die Bestellung von

Hilfsmitteln sein, aber auch finanzielle Hilfen

wie Pflegeunterstützungsgeld, Angebote zur

Verhinderungs- und Kurzzeit- oder Tages- und

Nachtpflege. Auch die Freistellung von der

Arbeit ist möglich (siehe dazu S. 28).

Von Anfang an sind Qualifikation

und Qualität das A und O

Die Pflegeberatung ist keine dauerhafte Begleitung.

Sie endet, wenn die Beratungsziele

erreicht und die Anträge auf dem Weg sind.

Tauchen neue Probleme auf, kann man eine

Wiederholungsberatung beantragen. Da verschiedene

Stellen die Pflegeberatung übernehmen

können, sollte man auf seriöse Anbieter

achten. Gute Pflegeberater erstellen den Versorgungsplan

mit den Ratsuchenden – und

nicht über ihren Kopf hinweg. Die Pflegebedürftigen

werden ermutigt, selbstbestimmte

Entscheidungen zu treffen. Außerdem gibt es

Erklärungen für unverständliche Begriffe, zu

Rechten und Ansprüchen gegenüber Leistungsträgern

und -erbringern. Wichtig ist dabei,

dass die Wünsche der Pflegebedürftigen

und ihrer Angehörigen ernst genommen und

keine Leistungen aufgeschwatzt werden, die

nicht gewünscht oder nicht nötig sind.

Digital. Gute Pflegeberater haben zudem

eine Zertifizierung durchlaufen. Der Versorgungsplan

wird elektronisch erstellt, damit er

schnell und unkompliziert an Beratungsstellen,

Ärzte, Pflegekassen und -einrichtungen

weitergeleitet werden kann. In Notfällen sollten

auch kurzfristige Termine möglich sein,

im Zweifel telefonisch.

Sobald man einen groben Überblick über die

Situation bekommen hat und weiß, wo im Alltag

Hilfe nötig ist, kann ein Pflegegrad beantragt

werden. Das sollte zügig geschehen, denn

Leistungszahlungen beginnen erst ab dem Monat

der Antragstellung. Nach einem formlosen

Antrag bei der Pflegeversicherung fragt diese

im nächsten Schritt auf hausinternen Bögen

Details zur Person und zur Pflegebedürftigkeit

ab. Das Formular muss von der antragstellenden

Person unterschrieben werden.

Eine wichtige Voraussetzung für die Genehmigung

ist allerdings, dass die antragstellende

Person mindestens zwei Jahre innerhalb der

letzten zehn Jahre in die soziale Pflegeversicherung

eingezahlt hat. Für Kinder gilt diese

Bedingung als erfüllt, wenn mindestens ein

Elternteil entsprechend gezahlt hat.

Die Einstufung in einen Pflegegrad

entscheidet über weitere Leistungen

Die Pflegekassen müssen auf den Antrag zügig

reagieren und innerhalb von 20 Tagen einen

Termin vereinbaren. Der Gutachter kommt

dann zu den Betroffenen nach Hause und

prüft anhand fest vorgegebener Parameter, wie

selbstständig die pflegebedürftige Person ist.

Zu gesetzlich Versicherten kommt in der Regel

ein Gutachter des Medizinischen Dienstes

(MD), zu Privatversicherten einer der Firma

Medicproof. Kann innerhalb von 20 Arbeitstagen

niemand kommen, muss die Pflegekasse

drei unabhängige Gutachter benennen, von

denen sich der Antragsteller einen aussuchen

kann. Spätestens 25 Arbeitstage nach Antragseingang

muss die Pflegekasse über den Pflegegrad

entscheiden.

Kürzere Fristen sind vorgeschrieben, wenn

schnelle Entscheidungen nötig sind. Das gilt

etwa, wenn Patienten in der Reha oder im

Krankenhaus sind und für die Weiterbehandlung

ein Pflegegrad wichtig ist. In derartigen

26 my life 12/2025


Pflege zu Hause Für Angehörige allein ist sie oft

schwierig zu stemmen. Ein Pflegedienst kann

dabei helfen, den Gang in eine stationäre

Einrichtung möglichst lange hinauszuzögern

Fällen muss die Begutachtung spätestens am

fünften Arbeitstag nach Antragseingang erfolgen.

Dann muss die Empfehlung der Gutachter

nur enthalten, ob mindestens die Voraussetzung

für Pflegegrad 2 – und damit eine

Pflegebedürftigkeit – vorliegt. Eine volle Begutachtung

ist von den Kassen trotzdem

schnellstmöglich nachzuholen.

Mit anerkanntem Pflegegrad stehen Betroffenen

bestimmte Leistungen zu, die beantragt

werden müssen. Das können Beratungen oder

Pflegekurse für Angehörige sein. Meist sind es

aber Finanzhilfen, da Pflege teuer ist und Zeit

kostet. Zudem hat laut Gesetz die Pflege in

den eigenen vier Wänden Vorrang vor einer

Versorgung in stationären Einrichtungen.

Pflegesachleistungen sind daher oft die erste

Unterstützung, die Pflegebedürftige in Anspruch

nehmen. Sie werden vom Pflegedienst

direkt mit der Pflegekasse abgerechnet,

sind aber erst ab Pflegegrad 2 möglich.

Wenn die Versorgung privat organisiert

wird, etwa durch Angehörige oder Nachbarn,

erhalten Betroffene Pflegegeld. Dieses wird

auf das Konto überwiesen (siehe Seite 29).

Erleichterung für den neuen Alltag

Bei Pflegegrad 1 besteht wie bei den Pflegesachleistungen

noch kein Anspruch. Ist die

Wohnung nicht barrierefrei, kann es auch für

den Umbau Hilfen geben. Sie betragen maximal

4180 Euro pro Umbau. Leben mehrere

Pflegebedürftige in einer Wohnung, können

sie bis zu 16720 Euro Finanzzuschuss pro

Umbau erhalten. Wichtig: Der Antrag muss

unbedingt vor dem Start der Baumaßnahmen

gestellt werden. Der Entlastungsbetrag

von monatlich 131 Euro wird aus Unwissenheit

oft nicht abgerufen. Pflegebedürftige, die

zu Hause wohnen, haben darauf schon ab

Pflegegrad 1 einen Anspruch.

Die Kassen zahlen das Geld im Zuge der

Kostenerstattung für anerkannte Dienste

aus, die etwa beim Einkaufen, Putzen oder

für eine Begleitung zum Arzt helfen. Rat:

Abrechnung und Listen anerkannter Dienste

sollte man im Vorfeld mit der jeweiligen

Kasse klären. Zudem besteht ab Pflegegrad 1

Anspruch auf bestimmte Pflegehilfsmittel

für den Einmalverbrauch: Bis zu 42 Euro gibt

es dafür monatlich seit 2025 – allerdings nur

auf Antrag bei der Kasse im Zuge der Kostenerstattung.

10

Tage pro Jahr

können sich

Angehörige bei

einem Pflegefall

in der Familie für

die Kurzzeitpflege

freinehmen

Buchtipp

Handbuch Pflege

Zum 1. Juli 2025 steht

eine Vereinfachung

bei der Kurzzeit- und

Verhinderungspflege

ins Haus. Alle Infos

dazu sind in diesem

kompetenten Ratgeber

für die individuelle

Pflegesituation

enthalten.

Verbraucherzentrale,

198 S., 18 €

GUT ZU WISSEN

Was ist eine Pflegesachleistung?

FOTOS: GETTY IMAGES/ISTOCK; ADOBE STOCK; PR

Hilfen: Pflegebedürftige

sollen so lange wie möglich

selbstbestimmt im eigenen

Zuhause leben können. Die

Leistungen sind daher hier

besonders umfangreich.

Sie können auf formlosen

Antrag hin – meist aber

erst ab Pflegegrad 2 – genehmigt

werden.

Pflegesachleistung:

Kommt ein Pflegedienst

nach Hause und hilft etwa

bei der Körperpflege oder

im Haushalt beim Essen,

Einkaufen oder Putzen,

haben Menschen ab Pflegegrad

2 Anspruch auf finanzielle

Hilfe. Dies fällt unter

den oft missverstandenen

Begriff der Pflegesachleistung.

Die Pflegekassen

übernehmen entstehende

Kosten für ambulante Hilfen

bis zur Höchstsumme

des jeweiligen Pflegegrads

(s. Kasten links). Pflegesachleistungen

dürfen aber nur

von Pflegediensten erbracht

werden, die Versorgungsverträge

mit der Pflegekasse

der zu versorgenden

Person haben. Ausnahme:

Einzelpersonen, die von

der Kasse anerkannt und

mit der pflegebedürftigen

Person verwandt sind.

Keine Sachleistung: Die

Verabreichung von Medikamenten,

beispielsweise auch

Injektionen oder Verbandswechsel,

werden vom Arzt

verordnet. Sie gehören zur

häuslichen Krankenpflege.

Hier sind nicht die Pflege-,

sondern die Krankenkassen

zuständig. Prinzipiell dürfen

die Aufgaben auch von der

Pflegekraft übernommen,

müssen dann aber mit der

Krankenkasse abgerechnet

werden.

Sonderurlaub und weitere Unterstützung für Angehörige: Seite 28 und 29 ➡


DOSSIER PFLEGE & BETREUUNG

Kompetente Unterstützung Persönliche Betreuung in Ihrer Apotheke – für mehr Wohlbefinden

Wie nimmt man

Medikamente sicher ein?

Von der individuellen Beratung über Medikations-Checks bis zur Aufklärung über

Wechselwirkungen – Ihre Vor-Ort-Apotheke hilft Ihnen dabei, Ihre Lebensqualität zu erhalten

Viele ältere Menschen nehmen täglich

mehrere Medikamente ein – doch genau

das birgt Risiken. Denn wer an Vergesslichkeit

leidet oder schlecht sieht, hat es schwer, den

Überblick zu behalten. Große Tabletten, schwer

lesbare Beipackzettel, komplexe Einnahmezeiten:

Die Herausforderungen sind vielfältig.

Hinzu kommen mögliche Neben- und Wechselwirkungen,

gerade im höheren Alter. Auch

chronische Erkrankungen wie Bluthochdruck

oder Diabetes erfordern eine regelmäßige Kontrolle.

Umso wichtiger: eine gute Beratung – in

der Arztpraxis oder in der Apotheke. Arlett

Düker weiß, worauf Senioren achten sollten.

? Welche Herausforderungen gibt es

bei der Medikamenteneinnahme?

Senioren können an Vergesslichkeit oder Verwirrung

leiden, was die korrekte Einnahme

erschwert. Hinzu kommen oft Schluckbeschwerden,

insbesondere bei großen Tabletten.

Sehschwäche kann das Lesen der kleinen

Schrift auf Verpackungen und Beipackzetteln

schwierig machen. Außerdem treten Nebenund

Wechselwirkungen im Alter häufiger auf,

da die Nieren- und Leberfunktion eingeschränkt

sein können, was die Wirkung und

Dosierung der Medikamente beeinflusst.

? Welche Wechselwirkungen zwischen

typischen Medikamenten gibt es?

Es gibt zahlreiche Wechselwirkungen zwischen

typischen Medikamenten, die besonders beachtet

werden müssen. Zum Beispiel können

Blutverdünner in Kombination mit nichtsteroidalen

Antirheumatika das Risiko für Magen-

Darm-Blutungen erhöhen. ACE-Hemmer in

Verbindung mit Diuretika können zu einem

30 my life 12/2025


FOTOS: GETTY IMAGES/ISTOCK; ADOBE STOCK; MATTHIAS KUNZE

starken Blutdruckabfall führen. Statine in

Kombination mit bestimmten Antibiotika bergen

das Risiko von Muskelschäden, und die

gleichzeitige Einnahme von Antidepressiva

und Schmerzmitteln kann ein Serotonin-Syndrom

auslösen. Ein regelmäßiger Medikationscheck

durch den Arzt oder Apotheker ist daher

essenziell, um Risiken zu minimieren.

? Wie wichtig ist die regelmäßige

Blutdruck- oder Blutzuckerkontrolle

bei chronischen Krankheiten?

Sie spielen eine entscheidende Rolle, um das

Risiko schwerwiegender Komplikationen wie

Herzinfarkt, Schlaganfall oder Organschäden

zu verringern. Die Blutdruckkontrolle ist besonders

wichtig für Menschen mit Bluthochdruck,

Herzkrankheiten und Nierenerkrankungen.

Blutzuckermessungen sind unerlässlich

für Diabetiker, um starke Schwankungen zu

vermeiden. Viele Apotheken bieten Blutdruckund

Blutzuckermessungen an und geben Anleitungen

zur richtigen Messung zu Hause. Die

Blutdruckmessung kann oft als pharmazeutische

Dienstleistung abgerechnet werden.

? Wie kann man das Risiko

von Polypharmazie (zu viele Medikamente

gleichzeitig) reduzieren?

Hier sind regelmäßige Medikationschecks

durch Hausärzte oder Apotheker hilfreich.

Senioren sollten eine aktuelle Medikamentenliste

führen und diese bei jedem Arztbesuch

mitnehmen. Es ist wichtig, regelmäßig zu prüfen,

ob alle verschriebenen Medikamente

wirklich notwendig sind. Manche lassen sich

reduzieren oder sogar absetzen. Der Hausarzt

sollte als zentrale Anlaufstelle genutzt werden,

um die Behandlung zu koordinieren und

mögliche Wechselwirkungen zu vermeiden.

Insbesondere die patientenindividuelle Verblisterung

bringt hier einen enormen Vorteil,

da man so aktuell den Überblick über seine

Medikamente hat.

? Wie können Senioren sicherstellen,

dass sie ihre Medikamente regelmäßig

und korrekt einnehmen?

Medikamentendosierer, auch Wochenboxen

genannt, helfen dabei, Medikamente strukturiert

vorzubereiten. Erinnerungen können

durch Notizzettel, Wecker oder die Unterstützung

durch Angehörige erfolgen. Alternativ

bieten Pflegedienste oder Hausbesuchsdienste

Hilfe bei der korrekten Gabe, insbesondere bei

komplexen Medikationsplänen. In den teilnehmenden

Apotheken könnte man sich zudem

einen eigenen Blister erstellen lassen. Zudem

gibt es innovative, automatische Tablettenspender

oder die hilfreiche App „Pill Monitor“

– speziell für Senioren – sowie Smartwatches,

welche die Gesundheitsdaten überwachen.

? Gibt es spezielle Dienstleistungen

oder Beratungen für Senioren?

Ja, es gibt zahlreiche Dienstleistungen und Beratungsangebote

für Senioren mit mehreren

chronischen Erkrankungen. Die hausärztliche

Betreuung sorgt für eine regelmäßige Kontrolle

und ein sorgfältiges Medikamentenmanagement.

Apotheken bieten umfangreiche individuelle

Beratungen an, um Wechselwirkungen

zu erkennen und die Einnahme zu optimieren.

Pflegedienste können bei der korrekten Gabe

der Medikamente helfen, während Gesundheitsprogramme

spezielle Ernährungsberatungen,

Bewegungstherapien und regelmäßige

Blutzucker- sowie Blutdruckkontrollen

anbieten. Zusätzlich stehen Selbsthilfegruppen

und Beratungsstellen zur Verfügung, die

emotionale Unterstützung und praktische

Tipps geben.

Wertvoller Service Viele Apotheken bieten

kostenlose Blutzucker- und Blutdruckmessungen

an. Fragen Sie nach!

Apotheken

bieten umfangreiche

Beratungen

an, um Wechselwirkungen

zu

erkennen und die

Einnahme von

Medikamenten zu

optimieren

Apothekerin Arlett Düker

führt seit 2005 die

Arminius- und die Südstadt-Apotheke

in Peine

und moderiert den Podcast

„Gesund Gehört“,

concept-apotheken.de

Smarte Helfer für den Alltag: S. 32/33 ➡

12/2025 my life

31


DOSSIER PFLEGE & BETREUUNG

Unbeschwert Mehr Sicherheit im Alltag heißt auch mehr Lebensfreude

Rettung

auf Knopfdruck

Der Alarmsender wird

wie eine Uhr am

Hand gelenk oder

als Kette um den Hals

getragen. So kann

man ihn in jeder

Lage auslösen

25,50

Euro beträgt

der monatliche

Basistarif für die

Rund-um-die-Uhr

Bereitschaft

„Schutzengel“ für Senioren: Der Hausnotruf ist ein Segen

für Menschen, die allein leben

Ein Sturz, ein Schwächeanfall – für Senioren,

die in ihrem Zuhause viel allein

sind, aber auch für ihre Angehörigen ist das

eine beängstigende Vorstellung. Hausnotrufsysteme

sorgen dafür, dass man sich bei einem

plötzlich auftretenden gesundheitlichen Problem

umgehend bemerkbar machen kann. Dafür

reicht ein Druck auf den Alarmknopf, der

am Handgelenk oder am Hals getragen wird.

Ein eingebauter Funksender löst dann den

Notruf aus, während eine Basisstation eine

Sprech-Verbindung zu der rund um die Uhr

besetzten Notfall-Zentrale des Anbieters herstellt.

Je nach Situation wird dann ein Angehöriger

oder ein Rettungsdienst verständigt.

Für Pflegebedürftige oft kostenlos

Dank des hinterlegten Profils hat der Mitarbeiter

auch Vorerkrankungen, Medikamente

und weitere Kontaktpersonen direkt im Blick.

Anbieter solcher Systeme sind zum einen gemeinnützige

Vereine, wie die Johanniter oder

das DRK, zum anderen private Firmen wie

Vitakt oder Libify. Die monatlichen Gebühren

liegen zwischen 20 und 50 Euro, hinzu kommt

eine einmalige Anschlussgebühr von zehn bis

50 Euro. Liegt eine Pflegebedürftigkeit vor,

übernimmt die Pflegekasse unter bestimmten

Voraussetzungen monatliche Kosten in Höhe

von 25,50 Euro – das ist oft der Preis für die

Basis-Version. Interessierte holen am besten

mehrere Angebote ein.

Eine Basisstation mit Freisprechanlage stellt

die Verbindung zur Notfall-Zentrale her

34 my life 12/2025


★ SER

IE ★

Grüne

Gesundheit

Starke Muskeln

dank Protein

FOTOS: GETTY IMAGES/ISTOCK; ADOBE STOCK (3); JOHANNITER-UNFALL-HILFE/MONIKA HOEFLER; SHUTTERSTOCK

Kraft ist nicht nur eine Frage von Lebensjahren. Training und die richtige Ernährung helfen dabei,

neue Muskelmasse aufzubauen – und damit Unfällen wie Stürzen vorzubeugen

Eiweiß zählt neben Fett und Kohlenhydraten

zu den Hauptnährstoffen. Denn

es liefert lebensnotwendige Bausteine, die für

den Zellstoffwechsel sowie den Aufbau und

Erhalt der Muskeln notwendig sind. Je älter

wir werden, desto wichtiger wird es. Denn wer

zu wenig stabilisierende Muskulatur hat, erhöht

sein Sturz- und Unfallrisiko. Idealerweise

sollte der Anteil der Muskelmasse bei Männern

40 bis 50 Prozent des Körpergewichts

ausmachen, bei Frauen 25 bis 35 Prozent.

Doch schon ab dem 30. Lebensjahr schwinden

die Muskeln langsam, aber sicher.

Die Ernährung ist einer von zwei Faktoren,

um gegenzusteuern. Laut Weltgesundheitsorganisation

(WHO) benötigen Erwachsene bis

65 Jahre 0,8 Gramm Eiweiß pro Kilogramm

Körpergewicht – eine Mindestempfehlung. Aktuelle

Studien legen nahe, dass der tatsächliche

Bedarf für Erwachsene bei 1,2 bis 1,5 Gramm

pro Kilogramm Körpergewicht liegt. Bei erhöhter

körperlicher Aktivität, Stress oder chronischen

Erkrankungen auch mehr.

Menschen mit einem Körpergewicht von ca.

60 Kilogramm benötigen demnach mindestens

72 Gramm und bei einem Gewicht von

75 Kilogramm mindestens 90 Gramm Eiweiß

pro Tag. Kinder haben aufgrund ihres Wachstums

einen leicht erhöhten Bedarf, und auch

ältere Menschen benötigen in der Regel etwas

Pflanzliche Proteinquellen

❱ Hülsenfrüchte Kichererbsen,

Bohnen, Erbsen und

Linsen sind vielseitig in der

Küche einsetzbar und liefern

viel Eiweiß. Vorgekochte

Hülsenfrüchte aus dem Glas

eignen sich hervorragend,

um Salate schnell aufzuwerten,

während Linsennudeln

eine gute Alternative für

Pasta-Fans sind.

❱ Soja Sojabohnen sind eine

ausgezeichnete vegane Eiweißquelle

mit hoher biologischer

Wertigkeit und enthalten

36 g Eiweiß pro 100 g.

Perfekt als Vorrat: Tofu im

Kühlschrank oder Edamame

(unreif geerntete Bohnen) im

Tiefkühler.

❱ Getreide Vollkornprodukte

wie Brot, Nudeln und Reis

mehr Eiweiß, da sie Proteine aus der Nahrung

schlechter aufnehmen und verwerten können.

Tierische, proteinreiche Lebensmittel wie

Fleisch, Fisch, Eier und Milchprodukte zeichnen

sich durch eine hohe biologische Wertigkeit

aus: Unser Körper kann ihr Eiweiß besonders

effizient verwerten. Die Aufnahme von

Eiweiß aus pflanzlichen Quellen wie Hülsenfrüchten,

Pseudogetreide, Nüssen, Kernen und

Samen ist zwar in der Regel geringer, kombiniert

man jedoch bestimmte Lebensmittel geschickt,

kann man die biologische Wertigkeit

erhöhen. Gute Paare sind etwa Linsen mit

Tofu, Kichererbsen mit Brokkoli und Pfifferlinge

mit Quinoa. Vorteil der Pflanzenproteine:

Sie sind cholesterinfrei, ballaststoffreich und

liefern gesunde, ungesättigte Fette sowie sekundäre

Pflanzenstoffe, Vitamine und Mineralstoffe

– das sorgt für bessere Blutfettwerte

und ein geringes Herzinfarktrisiko.

Wichtig für Frauen: Krafttraining

Der zweite entscheidende Faktor für den Muskelaufbau

ist Bewegung. Neben Ausdauersport

empfiehlt die WHO Krafttraining: Mindestens

an zwei Tagen die Wochen sollte man Bein-,

Arm-, Brust-, Bauch-, Schulter- und Rückenmuskulatur

gezielt fordern. Gerade für Frauen

ist eine starke Muskulatur wegen des Einflusses

auf den Hormonhaushalt wichtig. ❰

sättigen lange und decken

einen Großteil des Proteinbedarfs.

Haferflocken und

-kleie sind ebenfalls empfehlenswert.

Bei einer Glutenunverträglichkeit

sind Hirse

und Pseudogetreide wie

Quinoa oder Amaranth gute

Alternativen.

❱ Nüsse & Saaten

Mandeln, Erdnüsse, Kürbiskerne

und Co. eignen sich

super als Snack, da sie neben

40

Prozent

der Muskelmasse

büßen wir ohne

Sport bis zum

Alter von

80 Jahren ein

Eiweiß auch viele Mineralien

und gesunde Fette enthalten.

❱ Gemüse Generell viel mit

grünem (Blatt-)Gemüse wie

Grünkohl, Spinat und Mangold

kochen. Brokkoli liefert

sogar 11 g Protein pro 300 g.

Tipp: Kräuter wie Petersilie

oder Brennnesseln können

Sie über das Essen streuen

oder in Smoothies mixen, um

den Eiweißgehalt noch ein

bisschen zu erhöhen.

12/2025 my life

35


GESUNDHEIT

Überlastet Langfristig kann es bei Typ-2-Diabetes zu Betazell-Dysfunktion und -Erschöpfung kommen

LEBEN MIT DER STOFFWECHSELKRANKHEIT

Gesund abnehmen ohne

Kalorienzählen

Daniela Dannenmaier bezeichnet sich selbst als Genussmensch –

nach der Diagnose Typ-2-Diabetes lernte sie, ihr Leben dauerhaft umzustellen.

Wie sie sich den Spaß am Essen erhalten hat, erzählt sie hier

Daniela Dannenmaier ist

56 Jahre alt und lebt in

Murr. Die gelernte Bürokauffrau

erkrankte 2009 an

Typ-2-Diabetes. Ihr neu

entdecktes Lieblingsessen:

Gemüse in allen Variationen

Positiver Blick Daniela

helfen vor allem feste Mahlzeiten

dabei, den Blutzucker

in Balance zu halten

❱ Entdeckt wurde mein Diabetes …

… bei einer Untersuchung, die ergab, dass

mein Langzeitblutzuckerwert erhöht ist. Mein

Arzt hatte Diabetes schon auf dem Schirm, da

ich übergewichtig und familiär vorbelastet

bin: Meine Großeltern hatten Typ-2, ebenso

mein Vater. Ihm musste letztlich sogar ein

Fuß amputiert werden.

❱ Mein erster Gedanke

nach der Diagnose war:

Nun also auch ich. Ich hatte das Schreckensszenario

meines Vaters vor Augen und wollte

36 my life 12/2025


natürlich nicht, dass es bei mir so weit kommt.

Ich bin ein Genussmensch, esse und trinke

gerne, im Sommer auch mal Sekt und Aperol,

im Winter einen Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt.

Ich weiß, woher mein Gewicht

kommt. Über die Jahre habe ich vieles probiert

und eine Menge Geld für Diäten ausgegeben.

Bis zu 30 Kilo habe ich abgenommen,

dann jedoch auch wieder zugenommen.

❱ Das hat sich durch den Diabetes

in meinem Leben verändert:

Ich brauchte zunächst noch keine Medikamente,

bekam aber eine Ernährungsberatung

und sollte abnehmen. Sechs Kilo purzelten –

und waren ein Jahr später wieder drauf. Ich

bin Sportmuffel, aber seit 2010 mache ich einmal

die Woche Aqua-Gymnastik. Das tut mir

gut. In Sachen Ernährung habe ich irgendwann

den Mittelweg gewählt und versucht,

mein Gewicht immerhin zu halten. Zufrieden

war ich damit aber nicht.

❱ Der Diabetes hat mir

klargemacht, dass …

… es zwar sehr schwierig ist, Gewicht zu reduzieren,

wenn man gerne isst – aber möglich!

Bei mir brachte die App „glucura“ die mir mein

Arzt im Rahmen einer Studie verschrieb, die

Wende. Ich bekam für zwei Wochen einen

Glucosesensor, der mir kontinuierlich meine

Werte anzeigte. Das machte mir bewusst, wie

viel ich nebenher esse – und was das mit meinem

Blutzucker macht. Über zehn Kilo habe

ich durch weniger Snacken nun schon dauerhaft

abgenommen – ohne Kalorien zu zählen

und ohne das Gefühl zu haben, zu verzichten.

Nach meinen vielen gescheiterten Diäten ein

tolles Erfolgserlebnis!

❱ Besondere Momente

mit dem Diabetes sind …

… wenn ich spüre, dass ich Genussmensch

bleiben darf und den Diabetes trotzdem positiv

beeinflussen kann. Ich habe es geschafft,

dass mein Langzeitwert nun bei 6,1 Prozent

liegt, ich nur noch eine Metformin-Tablette

brauche, meine T-Shirts weniger straff sitzen

und ich beim Treppensteigen nicht mehr so

schnaufe. Mein Ziel: Bis zur Hochzeit meines

Sohnes in diesem Jahr sollen noch ein paar

Kilo runter.

Nach vielen

gescheiterten Diäten

habe ich endlich

Erfolgserlebnisse

FOTOS: SCIENCE PHOTO LIBRARY; PRIVAT (2)

❱ Meine größte Stütze im Alltag

mit Diabetes ist …

… mich an feste Mahlzeiten zu halten. Früher

habe ich oft mittags nichts gegessen, das hat

mich dann am Nachmittag in Form von unkontrolliertem

Essen eingeholt. Heute setze

ich mich, auch wenn ich allein bin, weil meine

beiden Söhne aus dem Haus sind und mein

Mann in der Arbeit isst, zu jeder Mahlzeit

ganz bewusst an den Tisch und esse.

Stolz auf das Erreichte Die Mutter zweier erwachsener Söhne freut sich

über die neue Leichtigkeit mit zehn Kilo weniger

12/2025 my life

37


GESUNDHEIT

★ MY L

EIWEISS, KOHLENHYDRATE & GEMÜSE

Genießen

und durchatmen

Von einer gesunden Ernährung können auch unsere Lungen profitieren.

Die My Life-Expertin erklärt, welche Lebensmittel das Organ stärken

Sie wiegen gerade einmal 800 Gramm,

haben aber eine beeindruckende innere

Oberfläche von 100 Quadratmetern: In

unseren Lungen sorgen 300 Millionen

winzige Lungenbläschen am Ende fein

verästelter Atemwege dafür, dass unser

Körper neuen Sauerstoff tanken und

Kohlendioxid abgeben kann. Die offensichtlichste

Maßnahme, die Lungen gesund

zu halten, ist natürlich,

IFE-SER

besser

essen

gesund

FO L G E

bleiben

IE ★

auf saubere Luft zu achten

und nicht zu rauchen.

Auch regelmäßige Bewegung,

etwa in Form von

Walken, Schwimmen oder

Radfahren, stärkt das Atemorgan.

„Was sich aber kaum

jemand bewusst macht, ist die

große Rolle, die unsere Ernährung

für die Lungengesundheit spielt“, sagt

Prof. Julia Seiderer-Nack. Und das gilt sowohl

für Asthmatiker und COPD-Patienten, als

auch für gesunde Menschen.

3 1 : LUNGE

Der Leistungsschwund

lässt sich bremsen

„Etwa ab dem Alter von 30 Jahren lässt

die Lungenfunktion bei jedem Menschen

langsam nach“, weiß die Internistin aus München.

„Doch offenbar können drei Portionen

Obst wie Äpfel und Bananen oder zwei Tomaten

täglich diesen Rückgang bremsen.“ Diesen

Effekt entdeckten Forscher bereits vor einigen

Jahren bei der Auswertung der European

Community Respiratory Health Survey,

einer langjährigen Beobachtungsstudie.

Sie führten

die Schutzwirkung auf die im

Obst enthaltenen antioxidativen

Flavonoide zurück sowie

auf das Carotinoid Lycopin aus

den Tomaten. Besonders Ex-Raucher profitieren

demnach von dem positiven Einfluss

dieser sekundären Pflanzenstoffe auf Reparaturprozesse

in der Lunge.

Sehr wahrscheinlich kann die Art unserer

Ernährung die Lungen sogar vor Erkrankungen

schützen: Die Deutsche Lungenstiftung

e. V. rät zu mediterraner Kost, um einer

chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung

(COPD) vorzubeugen. „Eine Ernährung, die

reichlich Gemüse, Vollkornprodukte, mehrfach

ungesättigte Fettsäuren – etwa aus

Seefisch – sowie Nüsse enthält, versorgt

uns mit Vitaminen, Mineralstoffen und

Antioxidantien. Diese Kombination mildert

nicht nur Entzündungsprozesse in

den Gefäßen, sondern auch in den Lungen

ab“, erklärt Prof. Seiderer-Nack. Ein angenehmer

Nebeneffekt: Die Mittelmeerküche

hilft auch dabei, keine überschüssigen Pfunde

aufzubauen. „Und das senkt wiederum das

Risiko für Schnarchen oder Atemaussetzer im

Schlaf, denn eine sogenannte

Schlafapnoe wird durch Übergewicht

deutlich verschlimmert“,

warnt die Ernährungsexpertin.

Gerade Asthmatiker sollten

die Zutaten im Blick haben

Von den gesunden Omega-3-Fettsäuren

und einer mediterranen, antientzündlichen

Ernährung profitieren auch Asthmapatienten.

Insbesondere bei Fertiggerichten

sollten Asthmatiker aber ein wachsames Auge

auf die Zutatenliste haben: „Oft enthalten diese

Glutamat und Konservierungsstoffe. Beides

kann einen Anfall auslösen“, so Prof. Seiderer-

Nack. Sie rät generell von hochverarbeiteten

Lebensmitteln ab, da sie Übergewicht ebenso

begünstigen wie Entzündungen und allergische

Reaktionen.

Reichlich trinken dagegen ist Balsam

für geplagte Lungen. „Wasser und ungesüßte

Tees machen den Schleim

im Organ dünnflüssiger. So kann

er leichter abgehustet werden“,

sagt die Internistin.

Prof. Dr. med. Julia Seiderer-Nack,

Fachärztin für Innere Medizin mit den

Schwerpunkten Ernährungsmedizin

und ganzheitliche Therapie in München;

praxis-seiderer.de

5

für die

Lunge

➊ Der Rauchstopp lässt die

Lunge jubeln – wer auf Zigaretten

und Zigarren verzichtet,

schenkt seiner Lunge

viele Lebensjahre. Wichtig:

Auch E-Zigaretten und deren

Inhaltsstoffe können der

Lungenschleimhaut schaden

➋ Regelmäßige

Bewegung trainiert das

Herz-Kreislauf-System und

erhöht das Lungenvolumen

– gute Voraussetzungen für

eine gute Lungenfunktion

auch im Alter

➌ An Schutzimpfung

denken: Für Menschen ab

60 ist eine Immunisierung

gegen Influenza und

Pneumokokken wichtig

– beide Infektionen können

die Lunge schwächen

➍ Antientzündliche

Ernährung als Basis:

Reichlich Gemüse, Vollkornprodukte,

mehrfach ungesättigte

Fettsäuren aus Seefisch,

Leinöl sowie Nüssen

schützen vor Entzündungen

auch in der Lunge

➎ Finger weg von

hochindustriell gefertigter

Nahrung mit viel Zucker

und Zusatzstoffen

FOTOS: ADOBE STOCK (2); FOTOLIA (2); PR; SHUTTERSTOCK (3)

46 my life 12/2025


Wildbienen

nisten direkt

unter unseren

Füßen.

Noch kein

Sandarium zu Hause?

HIER SCANNEN

und Anleitung ansehen

Drei Viertel unserer rund 580 heimischen

Wildbienenarten sind sogenannte Bodennister.

Das heißt, sie nisten im Erdreich, in Steilwänden

oder auch Abbruchkanten. Von den Wildbienen

selbstgegrabene Hohlräume dienen als Brutkammern

für ihren Nachwuchs. Bewuchsfreie, sandige

Bodenstellen sind daher ein Muss im eigenen

Bienengarten.“

#beebetter-Experten-Team

#beebetter ist die Insektenschutzinitiative des BurdaVerlag mit der auch Sie zum Insektenschützer werden können.

Alles Infos unter www.beebetter.de

2 my life 12/2025


GESUNDHEIT

Kämpferin Nicole lässt sich nicht ausbremsen: Sogar ihr Abi schaffte die heute 47-Jährige damals, trotz 40 Grad Fieber

Das schöne Leben

ist endlich Wirklichkeit

Ihre qualvollen Schmerzen und den krankhaften Gewichtsverlust hat Nicole heute

überwunden. Doch zuvor hatte Morbus Crohn ihr jahrelang den Alltag

zur Hölle gemacht – bis sie sich für eine alles verändernde Operation entschied

54 my life 12/2025


„Der Schmerz brannte wie ein Feuer in

mir. Jede Berührung hat wehgetan.

Wenn nur jemand ans Bett gestoßen ist, habe

ich gebrüllt“, erinnert sich Nicole an ihren

Alltag vor über 20 Jahren. Dabei wirkt sie heute

so quirlig und lebensfroh. Im Interview mit

My Life spricht die 47-Jährige schnell, denn

sie hat viel zu erzählen. Von ihrer unbeschwerten

Kindheit im Osten, den liebevollen Eltern.

Leidensweg. „Mit 13 bekam ich plötzlich

Bauchprobleme.“ Nicole schob es auf Schulstress,

ignorierte die Schmerzen – bis es nicht

mehr ging. Die Ärzte fanden eine Fistel, eine

Entzündung am Po, die entfernt werden musste.

„Das war meine erste Horror-OP.“ Da niemand

wusste, woher die Fistel kam, wurde

Nicole immer wieder untersucht. Mit 17 erhielt

sie dann die Diagnose: Morbus Crohn, eine

Darmerkrankung, die Entzündungen im Verdauungstrakt

auslöst und schwerste Durchfälle,

Erbrechen und Schmerzen verursacht.

Spezifische Arzneien gab es damals keine.

„Ich habe vor mich hin vegetiert, mit der

Wärmflasche auf dem Bauch“, sagt Nicole. Ihr

Leben spielte sich nur noch im Bett oder auf

der Toilette ab. Silvester 1996 kam sie mit

einem akuten Krankheitsschub ins Krankenhaus,

die Ärzte gaben ihr hoch dosiertes

Morphium – der Tiefpunkt für Nicole: „Ich

habe mich gefragt: Wofür soll ich noch leben?“

Ihr Schutzengel sollte schließlich ein Arzt

im badischen Kehl sein, am anderen Ende

Deutschlands. „Er hat mich von der Schippe

gekratzt“, sagt sie. Damals wog sie nur noch

knapp 50 Kilo, bei einer Größe von 1,78 Meter.

Der Arzt gab ihr ein neuartiges Immunsuppressivum

– es schlug an. „Es ging weiterhin

auf und ab, aber nicht mehr so extrem.“ Nicole

erholte sich, baute sich ein Leben in Süddeutschland

auf: Sie wurde technische Zeichnerin,

kam wieder mit ihrer Jugendliebe

zusammen und bekam 2009 einen Sohn.

Dann wurde ihr ein künstlicher Darmausgang,

ein Stoma, am Bauch gelegt. Ihr

Stuhlgang fließt seitdem in einen Beutel,

der am Bauch klebt und den sie mehrmals

täglich leeren muss.

„Das Erste, was mir nach der Operation

bewusst wurde: Ich kann endlich durchund

ausschlafen!“, sagt sie und lacht. „Das

war so schön, absolut irre!“ Der Beutel war

eine derart große Erleichterung, dass Nicole

die Umgewöhnung nicht schwerfiel. „Mein

Mann sagte: Ich hab dich lieber mit Beutel am

Bauch, als mit Zettel am Zeh!“ In dem Chaos

aus Erkrankung, Schmerzen und Kleinkind

war den beiden lange kaum Zeit für die Liebe

geblieben. Das holten sie nach der OP auf:

Noch während Nicole wieder auf die Beine

kam, machte er ihr einen Heiratsantrag. „Der

größte Liebes beweis überhaupt!“

Zeit, um Gutes zu tun

Während sie sich an ihr neues Leben gewöhnte,

wurde Nicole frühverrentet. „Plötzlich hatte

ich viel Zeit – da habe ich angefangen, mich in

Betroffenen-Facebook-Gruppen zu engagieren.“

Und sie gründete eine eigene, die bis heute auf

über 8000 Mitglieder anwuchs.

Gemeinschaft. Nicole organisierte Treffen

und Infoveranstaltungen. Um auch Spenden

sammeln zu können, entschloss sie sich 2015,

einen Verein zu gründen. Das „Beuteltiernetzwerk“

gibt ihr und vielen anderen Betroffenen

seitdem Halt. „Dieser Austausch untereinander

ist so genial“, freut sie sich.

Bald steht schon das zehnjährige Jubiläum

des Vereins an, ein Grund zum Feiern: Am

13. September laden die Mitglieder zu Vorträgen,

Gesprächsrunden und Workshops ins

thüringische Leinefelde ein. Der Zusammenhalt

in der Gruppe bedeutet Nicole viel. „Dass

mein Leben einmal so schön wird, hätte ich

mir nie träumen lassen!“

Zerstörtes Gewebe

Durch Morbus Crohn

entstehen chronische

Entzündungen im Darm.

Nicole wurden deshalb

drei Meter des Organs

entfernt

Ganz normales Leben

Das Stoma, welches

Nicole liebevoll „Charly“

nennt, schränkt sie

im Alltag kaum ein:

Auch Schwimmen ist

damit möglich

FOTOS: PRIVAT (3); SCIENCE PHOTO LIBRARY/SEBASTIAN KAULITZKI

Neustart mit Rückschlägen

„Nach der Schwangerschaft ging es von vorne

los“, erinnert sie sich. Bis zu 40 Mal am Tag

musste die frischgebackene Mama auf die

Toilette – und nebenher Söhnchen Max betreuen.

Mehr als eine Stunde Schlaf am Stück

bekam sie fast nie. „Mein Mann arbeitete im

Schichtdienst. Ich musste funktionieren.“ Sie

wusste sich nicht anders zu helfen, richtete

ihrem Baby eine Spielecke auf dem Klo ein.

Irgendwann merkte sie: „So geht es nicht

weiter.“ In allerletzter Sekunde entschied sie

sich für die lebensrettende OP: Ende 2010 entfernten

die Ärzte Nicoles Dickdarm und mit

ihm drei Meter schwerst entzündetes Gewebe.

Ein Stoma – was ist das?

Diskret Für den Beutel gibt es

Bezüge, um den Inhalt zu verbergen

Etwa 160 000 Menschen in

Deutschland leben mit einem Stoma.

Rettender Beutel. Ist der Darm unheilbar

krank, bleibt als letzte Option

die Entfernung der entzündeten oder

vernarbten Darmabschnitte. Der verbleibende

gesunde Teil wird dann an

eine Bauchöffnung genäht, durch die

später der Stuhl abfließt – bei Erkrankten

wie Nicole ein Leben lang. Mehr

Infos, Hilfe sowie direkten Kontakt zu

Nicole unter beuteltiernetzwerk.com

12/2025 my life

55


WOHLFÜHLEN

Positive Gefühle fördern

Sanftes Klopfen

weckt innere Kräfte

Trendsport, Philosophie, Therapie – Yoga ist beliebt und effektiv. Aber stark

verbiegen muss sich niemand. Schon Übungen für ruhigen, tiefen Atem wirken entspannend.

My Life-Expertin Gaby Kammler erklärt, wie Körper und Seele davon profitieren

➡ Yoga lenkt

den Blick nach

innen, man spürt:

Was tut mir gut,

wie kann ich für

mich sorgen?

Eine lebensbedrohliche Krankheit, egal

ob neu diagnostiziert oder schon Jahre

überstanden, eine bevorstehende CT-Untersuchung

in der engen „Röhre“ oder eine Operation:

Solche Situationen machen Angst. Es

gibt jedoch ein einfaches Mittel – Yoga. Das

sanfte Training beruhigt die Nerven. „Schon

einfache Übungen wirken oft Wunder“, sagt

Yogalehrerin Gaby Kammler, die seit 13 Jahren

Kurse für Menschen mit einer Krebserkrankung

anbietet. Mit Erfolg.

Unkompliziert. Patienten, die ihre Kurse

besuchen, geht es psychisch besser, sie leiden

weniger unter Nebenwirkungen der Therapie –

etwa Schlafstörungen oder Fatigue –, haben

geringere Schmerzen. Gaby Kammler bietet in

ihrer eigenen Akademie daher „Yoga und

Krebs“ als Fortbildung für Yogalehrerinnen und

medizinisches Fachpersonal an. Das Schöne:

Komplizierte Posen wie das Hochbiegen des

Rückens in eine „Brücke“ sind für einen Heilerfolg

nicht nötig. „Jeder ist in der Lage, Yoga

zu machen. Man muss dafür nicht beweglich

oder schlank sein oder ein Talent dafür haben.

Sogar Bettlägerige können Übungen machen“,

betont Gaby Kammler. Denn es geht dabei

nicht nur um körperliche Fitness. „Yoga ist ein

Body-Mind-Verfahren. Dabei soll der Blick

nach innen gehen, man soll spüren: Was tut

mir gut, wie kann ich gut für mich sorgen?“

Einfache Atemübungen

aktivieren den Ruhenerv

Bei Stress und Ängsten hilft schon die Atmung.

„Sie ist unmittelbar mit unserem Nervensystem

verbunden“, erläutert die My Life-

Expertin. Einfache Übungen beeinflussen

innerhalb kurzer Zeit das Nervensystem, aktivieren

den sogenannten Parasympathikus.

Der Nerv im Gehirn und Rückenmark wird

auch „Ruhenerv“ genannt, weil er dabei unterstützt,

aus einer Stresssituation in die Entspannung

zu finden, zur Ruhe zu kommen.

Ein Beispiel für eine Übung: Das rechte Nasenloch

mit einem Finger verschließen. Durch

das linke Nasenloch einatmen. Dann dieses

EINFACH UND EFFEKTIV

Auf „entspannt“ schalten

➊ Länger ausatmen

Diese Technik aktiviert

den Parasympathikus

des Nervensystems und

beruhigt den Körper:

Beim Einatmen innerlich

auf drei, beim Ausatmen

auf sechs zählen. Möglichst

tief Luft holen,

sodass sich die Bauchdecke

sanft mitbewegt.

Es kann hilfreich sein,

eine Hand auf das

Brustbein und die andere

auf den Bauch zu

legen – das verbessert

das Gefühl für einen

tiefen Atem

58 my life 12/2025

1


FOTOS: ADOBE STOCK (2); PRIVAT ILLUSTRATION: ADOBE STOCK

mit dem Finger verschließen und durch das

rechte Nasenloch ausatmen. Das entspannt

und macht gelassener. Tipp der Yogalehrerin:

„Wenn man links beginnt, macht es ruhiger,

wenn man rechts beginnt, verleiht es mehr

Energie und macht wach.“

Aufladen. Bei der EFT (Emotional Freedom

Technique, auch als „Tapping“ bekannt) werden

Akupressurpunkte geklopft. „Damit sollen

energetische Blockaden im Körper gelöst

werden, die negative Emotionen verursachen.“

Eine Übung für mehr Energie ist folgende: Die

Hand zur Faust formen und mittig auf das

Brustbein klopfen. „Der beste Punkt liegt auf

Höhe der Thymusdrüse, die sich über dem

Herzen befindet. Damit wird das energetische

Potenzial des Körpers erhöht. Im Yoga sprechen

wir dabei von ‚Prana‘, von Lebenskraft,

die gesteigert wird“, erklärt Gaby Kammler.

Etwa eine Minute lang sanft klopfen, dabei

innerlich folgende Sätze wiederholen: „Ich bin

ruhig. Ich bin stark. Ich bin voller Energie.“

Mehr Platz für Akzeptanz,

Selbstliebe und Selbstfürsorge

Gegen Ängste empfiehlt die Yoga-Expertin

eine weitere Übung. Dabei mit einem Finger

Punkte im Gesicht stimulieren (s. Grafik r.)

und ebenfalls auf dem Brustbein in Höhe der

Thymusdrüse. „Hier zu klopfen, ist besonders

hilfreich, wenn man die Angst konkret spürt“,

2

➋ Meditation Die

Übung im Lotussitz

hilft, Stress abzubauen,

richtet Körper

und Seele auf. Dazu

die Handflächen vor

der Brust in Gebetshaltung

zusammenlegen.

Beim Einatmen

die Arme wie gezeigt

über den Kopf bringen.

Für sechs bis

acht Atemzüge lang

dort lassen, dabei

z. B. spüren, wie Energie

aus der Erde zum

Scheitel fließt. Haltung

wieder lösen

Akupressurpunkte gegen Ängste

Stirnmitte

sagt Gaby Kammler. Außerdem rät sie, sich

dabei diese Sätze zu sagen: „Auch wenn ich gerade

nicht weiß, wie es weitergeht, ob ich das

schaffen werde oder woher ich die Kraft nehmen

soll, liebe und akzeptiere ich mich so, wie

ich bin.“ So schwinden Unsicherheiten und

machen Platz für positive Gefühle wie Akzeptanz,

Selbstliebe und Selbstfürsorge.

Das reine Wiederholen solcher „Affirmationen“

allein hat schon eine starke Wirkung auf

Seele und Körper. Genauso wie Singen in der

Yogagruppe, das sogenannte Chanten von

Mantras. „Es gibt richtige Heilmantras, die

den Körper in eine bestimmte Schwingung

bringen. Diese können Heilungsprozesse

unterstützen“, sagt Gaby Kammler.

Glücksgefühle und Wohlbefinden

beim Singen in der Gruppe

Glückshormone wirken dabei wie ein Antidepressivum:

„Beim gemeinsamen Chanten wird

Serotonin ausgeschüttet, also ein wichtiger

Neurotransmitter, den wir brauchen, damit

wir uns gut fühlen.“ Für zusätzliches Wohlgefühl

sorgt das „Kuschel-Hormon“ Oxytocin.

„Das ist unser Bindungshormon, und dadurch

entsteht ein Gefühl der Verbundenheit.“

Selbstwirksam. Doch nicht nur der Besuch

einer Yoga-Gruppe ist effektiv. „Ich wünsche

mir, dass jeder Übungen in den Alltag integriert

und praktisch anwendet“, sagt Gaby

Kammler. Etwa vor einem schwierigen Arztgespräch,

aber auch bei Gefühlen von Hilflosigkeit

oder depressiven Verstimmungen. „Dann

sollte man sich sagen: Da habe ich doch etwas

gelernt, das mir hilft.“ Etwa: Den Blick nach

innen richten, sich positiv bestärken. Bewusst

tief atmen. Negative Emotionen wegklopfen.

Und spüren, wie gut das wirken kann. ❰

Gelassener werden Nacheinander folgende Punkte

zu stimulieren, sorgt für mehr innere Ruhe. Dazu

mit dem Zeige- oder Mittelfinger jede Stelle

etwa eine Minute lang klopfen

mittig zwischen Nase und Oberlippe

mittig auf dem Kinn

Brustbein Höhe Thymusdrüse

Yoga lässt sich

einfach in den

Alltag integrieren

Gaby Nele Kammler,

Yogalehrerin und Leiterin

der Kammler-Akademie;

yoga-und-krebs.de

BXX – MENTAL HEALTH

Wege zu mehr

mentaler Stärke

Die seelische Gesundheit

fördern, das steht derzeit

im Fokus von „BXX – be

women, be healthy“, der

Frauengesundheitsinitiative

von IhreApotheken.de

und dem BurdaVerlag.

Gaby Kammler sprach

kürzlich beim BXX-Event

zu Mental Health in München

über die Wirkung

von Yoga: Wenige Minuten

am Morgen geben

Kraft für den Tag. Mehr

auf bewomen-behealthy.de

12/2025 my life

59


GESUNDHEIT

Entspannt Im Auto oder Wohnwagen sind die Vierbeiner oft am liebsten unterwegs. Wichtig: regelmäßige Trink- und Pipipausen

So wird der Urlaub auch für Bello zur Erholung

Auf vier Pfoten

durch die Welt

Längere Zeit ohne ihren Vierbeiner unterwegs zu sein, ist für viele Halter unvorstellbar.

Ziel, Unterkunft und Zeitpunkt wollen beim Verreisen mit Hund aber klug gewählt sein

Beengt Im Flugzeug

mitzureisen, stresst die

Tiere sehr und wird

deshalb nicht empfohlen

Für Melanie Knies, Buchautorin und

Eventveranstalterin für Menschen mit

Hund, ist die Sache klar: Ihr Mischling Matteo

gehört im Urlaub genauso an ihre Seite wie im

täglichen Leben. Matteo und seine Vorgänger

haben sie schon nach Schweden, Dänemark,

Italien und an viele Orte in ganz Deutschland

begleitet. „Durch die besonderen gemeinsamen

Erlebnisse lernt man seinen Hund noch einmal

ganz neu kennen“, sagt sie. Statt eine Sehenswürdigkeit

nach der anderen abzuklappern

oder sich von Konsumzwang leiten zu lassen,

lerne man, sich mit den Augen des Hundes

durch den Urlaub zu lavieren. „So entdeckt

man immer wieder spannende Ecken, in die

man sonst nie gekommen wäre.“

Eine der größten Herausforderungen für Hundebesitzer:

ein Urlaubsdomizil zu finden, in

dem Haustiere erlaubt sind, man keinen Aufpreis

für Bello zahlen muss und sich vielleicht

sogar über ein liebevolles Willkommens paket

mit Leckerlis, Hundehandtuch und Decke

freuen kann.

Nur geduldet oder gern gesehen?

Melanie Knies verreist am liebsten im Camper

oder wohnt in Ferienwohnungen und -häusern:

„Da kann ich mich besser entspannen als

im Hotel, weil ich keinen anderen Gästen

Rechnung tragen muss.“ Bei großen Vermittlern

für Ferienwohnungen wie Airbnb, FeWodirekt,

Home to Go oder Booking.com kann

66 my life 12/2025


man gleich in der Suche die Option „Ich reise

mit Haustieren an“ aktivieren bzw. die Suchergebnisse

nach „Haustier erlaubt“ filtern.

Achtung: Gerade wer mit mehreren oder

großen Hunden anzurücken plant, sollte vor

der Buchung dringend noch einmal beim

Vermieter nachfragen, ob das tatsächlich in

seinem Sinne ist. Generell tut man oft besser

daran, sich mit anderen Hundebesitzern auszutauschen

und auf deren Geheimtipps zu

setzen, um zu erfahren, ob Bello in der Unterkunft

lediglich geduldet oder ein wirklich gern

gesehener Gast ist.

Orientierung beim Buchen

Unbesorgt buchen kann jedoch auch, wer sich

auf die „Pfoten-Klassifizierung“ verlässt. Das

ist die erste bundesweite Auszeichnung für

hundefreundliche Unterkünfte, in der sich

Ferienhäuser, -wohnungen und -zimmer mit

einer bis fünf Pfoten auszeichnen lassen

können – Basis hierfür ist die Sterneklassifizierung

des Deutschen Tourismusverbands,

der an diesem Projekt auch mitgewirkt hat.

Kriterien sind etwa eine hundefreundliche

Einrichtung, Freizeitmöglichkeiten in der Umgebung,

eingezäunte Auslaufflächen oder

Kooperationen mit Hundeexperten in der

Nähe. Auf pfoten-klassifizierung.de kann man

unmittelbar nach Unterkünften suchen.

Spezialangebot. Eine weitere Option wäre

ein Häusertausch mit einer anderen „Hundefamilie“

am gewünschten Urlaubsort. Passende

Domizile vermittelt beispielsweise die Plattform

homelink.de. Oder man entscheidet sich

gleich für eine komplett auf die Vierbeiner

ausgerichtete Reise, etwa eine Hundewanderung.

Diese bietet sich allerdings nur für gut

verträgliche Tiere an.

Grundsätzlich sei bemerkt, dass man mit

sehr alten Hunden bzw. epilepsie-, diabetesoder

arthrosekranken Tieren besser nicht verreisen

sollte. Und auch für gesunde (aber vielleicht

etwas ängstliche) Exemplare gilt, die

Reise deren Bedürfnissen entsprechend zu

planen. Entspannter als mit den öffentlichen

Verkehrsmitteln gelangt man mit dem eigenen

Pkw oder Wohnwagen ans Ziel. Voraussetzung

ist natürlich, dass der Hund während

der Fahrt vorschriftsmäßig angeschnallt oder

in einer geeigneten Transportbox untergebracht

ist.

Generalprobe. Bevor es losgeht, sollte man

unbedingt ausprobiert haben, ob das Tier

auch nach mehreren Stunden Fahrzeit cool

bleibt, nicht reisekrank wird und eine Weile

allein im Camper bleiben kann. Bei Fahrtantritt

sollte der Hund dann satt und zufrieden

sein; unterwegs sind regelmäßige Trinkund

Pipipausen ein Muss.

Ein ganz anderes Thema sind Flüge. Zwar

können kleine Hunde bei einigen Airlines

auch im Passagierraum mitfliegen, dennoch

sind Flugreisen für die Tiere meist mit so viel

Stress verbunden, dass davon rund heraus

abgeraten wird.

Vor- und Nebensaison wählen

Melanie Knies fährt mit ihren Hunden am

liebsten dorthin, wo sie möglichst wenige

Menschen trifft – das gelingt etwa in den

weiten Landschaften Skandinaviens. Ihr

persönlicher Tipp: „Außerdem ist es immer

besser, in der Vor- oder Nachsaison mit Hund

zu verreisen, wenn Strände, Wanderwege und

Unterkünfte weniger überlaufen sind.“ Dank

milder Temperaturen lässt es sich dann, vor

allem im Süden Europas, auch besser wandern

als im Sommer.

Zu guter Letzt appelliert sie: „Hunde leute

sollten sich im Urlaub besonders gut benehmen.“

Das bedeutet etwa, den geliebten Vierbeiner

im Restaurant nicht vom Tisch zu

füttern und in der Unterkunft nicht im Bett

schlafen zu lassen, natürlich die Leinenpflicht

zu respektieren und Kothäufchen wegzuräumen.

So macht man es sich und anderen

Reisenden mit Hund leichter. ❰

REISEAPOTHEKE

Im Notfall

alles dabei

❱ Zur Behandlung

Bequemer Maulkorb,

Telefonnummer Ihres

Tierarztes sowie der

nächstgelegenen

Praxis am Urlaubsort

❱ Desinfektion

Sterile Kochsalzlösung

für Wunden/Augen,

Wundspray

❱ Erstversorgung

Wundsalbe, Aktivkohle-

und Elektrolyttabletten,

Mittel

gegen Schwellungen,

Stiche, Übelkeit,

Schmerzen, Allergien

❱ Verbandszeug

Sterile Wundauflagen,

Tupfer, Polsterwatte,

selbsthaftende

Binden, Pflaster,

Klebeband

❱ Weiteres

Einwegrasierer, Pinzette,

Fieberthermometer,

ggf. Medikamente,

die der

Hund regelmäßig

bekommt

TO-DO- UND PACKLISTE

Optimal vorbereitet für die Auszeit

FOTOS: ADOBE STOCK (2)

❱ Impfstatus Impfungen (etwa gegen

Tollwut) rechtzeitig checken, ggf. auffrischen

und je nach Reiseziel ergänzen

❱ Pass EU-Heimtierausweis; Ihr Hund

sollte unbedingt gechipt sein

❱ Versicherung Ggf. Hundekrankenund

Haftpflichtversicherung abschließen,

die auch im Ausland gilt

❱ Dokumente Einreisebestimmungen

checken: Je nach Land kann etwa ein

aktuelles Gesundheitszeugnis nötig sein

❱ Grundausrüstung Leine, Geschirr,

Kotbeutel, evtl. Hundemantel, Tracker

❱ Für unterwegs Napf mit Überlaufschutz,

Wasser, Futter, Lieblingsdecke

und -spielzeug, evtl. Transportbox

❱ Futter Bekommt der Hund spezielles

Futter: Vorräte auffüllen, bei BARF an

durchgehende Kühlung denken

❱ Quälgeister ade Rechtzeitige Zeckenprophylaxe

und Wurmkur; Parasitenabwehr

und Zeckenkarte mitnehmen

❱ Zum Wandern Pfotensalbe, evtl.

Hundeschuhe, Notfall-Tragesystem

12/2025 my life

67


GESUNDHEIT

Historie Lange war der Beruf des Apothekers Männern vorbehalten – erst 1899 wurden Frauen zum Pharmaziestudium zugelassen

Seit Jahrhunderten im

Dienste der Menschen

Was einst mit Kräutern und alten Rezeptrollen begann, ist heute ein unverzichtbarer

Pfeiler moderner Gesundheitsversorgung. Apotheken geben Orientierung – und stehen

für Vertrauen, Wissenschaft und Menschlichkeit im Wandel der Zeit

M Y

L

I F E -S E R

Wir

I E ★

lieben

Apotheken

FO L G E 5 : GESCH

ICHTE

In unserer Serie

„Wir lieben Apotheken“

stellen wir Ihnen jeden

Monat eine besondere

Apotheke, eine besondere

Dienstleistung

oder einen besonderen

Menschen vor.

Denn ohne unsere

Vor-Ort-Apotheken

geht es nicht!

Die Geschichte der Apotheke beginnt

lange vor der modernen Medizin – in

einer Zeit, in der Heilung heilig war und Wissen

kostbar. Schon vor über 4000 Jahren nutzten

Gelehrte Pflanzen, Harze und Mineralien, um

Krankheiten zu lindern. Die ersten „Apotheker“

waren ägyptische Priester, chinesische

Kräuterärzte und babylonische Weise – sie

mischten und dokumentierten Arzneien mit

großer Sorgfalt. Berühmt ist der „Papyrus

Ebers“, eine altägyptische Schriftrolle mit Hunderten

Rezepten – quasi ein früher Vorläufer

des heutigen Arzneibuchs (der Sammlung pharmazeutischer

Regeln über Qualität, Prüfung,

Lagerung, Abgabe und Bezeichnung von Arzneimitteln).

Heute ist die fast 19 Meter lange

Papyrusrolle in der Leipziger Universitätsbibliothek

zu bewundern.

Beginn. Die erste echte Blütezeit erlebte

die Pharmazie im islamischen Kulturraum: Im

8. Jahrhundert entstanden in Städten wie Bagdad

Apotheken unter staatlicher Aufsicht. Die

erste eröffnete Kalif Al Mansur. Das Wort

Apotheke kommt allerdings aus dem Griechischen

und bedeutet „Aufbewahrungsort“.

In Europa entwickelten sich in den Klöstern

die Heilpflanzensammlungen zu einer einzigartigen

Natur-Apotheke. Nonnen und Mönche

griffen dabei auf das Wissen aus der Antike zurück

und entwickelten es weiter. Sie verbanden

die Lehre von Heilkräutern, Arzneipflanzen

und der Ernährung zu einer ganzheitlichen Medizin,

die auch heute noch Beachtung findet.

Trennung. Ein bis heute gültiges Gesetz

stammt aus dem Jahr 1241, als der Stauferkaiser

Friedrich II. im „Edikt von Salerno“ die

Trennung von Arzt und Apotheker verfügte.

Von da an durfte ein Arzt nicht mehr selbst

Arzneien verkaufen – und ein Apotheker durfte

keine Diagnosen stellen. Die Idee dahinter war,

dass diejenigen, die Medikamente verschreiben,

nicht von deren Verkauf profitieren sollten.

Das war die Geburtsstunde des eigenständigen

Apothekerberufs in Europa. Im selben

Jahr wurde am Hauptmarkt in Trier die „Löwen-Apotheke“

gegründet. Auch heute ist sie

noch geöffnet und gilt als älteste des Landes.

Bedeutung. Apotheken galten damals wie

heute als Orte des Vertrauens – aber auch des

Wissens: Hier wurden nicht nur Mittel ver­

FOTOS: DDP (2); WIKIPEDIA; ALAMY STOCK PHOTO; PR (2)

68 my life 12/2025


kauft, sondern auch entwickelt und dokumentiert.

In der Renaissance und Aufklärung professionalisierte

sich die Pharmazie weiter.

Apotheken dürfen heute nur von einem staatlich

geprüften Apotheker/Apothekerin mit Abitur,

Pharmaziestudium und praktischem Jahr

geführt werden. Übrigens: Galt der Apothekerberuf

lange als Männerdomäne, beträgt der

Frauenanteil heutzutage fast 72 Prozent.

Konstante. Im 19. Jahrhundert führte die

Chemie zur Entdeckung neuer Wirkstoffe –

wie Morphin oder Acetylsalicylsäure, besser bekannt

als Aspirin. Apotheken wandelten sich:

Statt alles selbst herzustellen, bezogen sie viele

Arzneimittel nun industriell. Nach wie vor sind

Vor-Ort-Apotheken fester Bestandteil des Gesundheitswesens

und oft die erste Anlaufstelle

bei kleinen und großen Fragen rund ums Wohlbefinden.

Sie sind unverzichtbar, helfen, den

sozialen Frieden zu wahren, sind mit ihren Notdiensten

rund um die Uhr für ihre Kunden da.

Fürsorge. Das E-Rezept ist heute die moderne

Form der ärztlichen Verordnung. Es ist ein

wichtiger Schritt zur digitalen Gesundheitsversorgung

– mit mehr Komfort für Patienten

und Patientinnen und effizienteren Abläufen

in Arztpraxen und Apotheken. All das, wie seit

jeher: im Dienste der Menschen. ❰

Im Lauf der Geschichte

8. Jahrhundert

Die erste Apotheke

wurde in Bagdad von

Kalif Al Mansur eröffnet

1241

Friedrich II. verfügte die

Trennung von Arzt und

Apotheker

Seit 1241

Die älteste Apotheke in

Deutschland: die Löwen-

Apotheke in Trier

Mittelalter

Nonnen pflanzen gezielt

Heilkräuter in den

Gärten der Klöster an

Moderne Zeiten

Das E-Rezept –

schnell, papierlos

und fälschungssicher

ieser Text

eigt evtl. Proleme

beim

ext an

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12/2025 my life

69


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Х Forschung: Machen hoch verarbeitete

Lebensmittel wirklich dick und krank? Zwei

Studien zeichnen ein differenziertes Bild

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und in welchen Lebensmitteln sie stecken,

zeigt unser Vitamin- & Mineralstoff-Guide

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Geschäftsführung:

Leonie Bücher, Elisabeth Varn

Brand Director: Dorothe Kiefer

My Life-Redaktion: Postfach 15 20,

77605 Offenburg (Tel.: 07 81/84 01) und

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Datenschutzanfrage:

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Telefon: 0201/8 02 40 00

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Chefredaktion:

Silvia von Maydell, Dr. Margit Pratschko (V.i.S.d.P.)

Stellvertretende Chefredakteurin: Sabine Schipke

Textchefs: Mike Dütschke, Annette Postel

Art Director: Jürgen Thies

Redaktion: Miriam Dietz, Ana Goldscheider

Bildredaktion: Petra Meerjanssen (Ltg.)

Grafik: Juliane Kruschke (Grafik Lead My Life)

Eva-Maria D’Auria,

Genuss: Gaby Höger (Ltg.)

Rätsel: Andrea Kind (Ltg.)

Redaktionsassistenz: Daniela Gibson,

Nathalie Grunewald, Constanze Röhr

Mitarbeiter dieser Ausgabe: Marlen Bruckner,

Kerstin Buttenhoff, Susanne Fett, Isa Fuhrmann, Shinya

Halbritter, Wiebke Hugen, Markus Krischer (FOCUS),

Dr. Kurt-Martin Mayer (FOCUS), Matthias Ohnsmann,

Janice Rimmelin, Kirsten Schmidhuber, Simone Ullmann,

Sandra Wickert, Britta Zimmermann

Experten dieser Ausgabe: Arlett Düker; Dr. med.

Christian Firus; Prof. Dr. med. Norbert Harrasser; Dr. phil.

Dipl.-Psych. Isabella Helmreich; Maja Henke; Prof. Bruce

Hood, M.A., M. Phil., Ph.D.; Gaby Nele Kammler; Melanie

Knies; Prof. Dr. rer. nat. Martin Korte; Dr. med. Christian

Larsen; Shane Parrish; Verena Querling; Dagmar

Rockel-Kuhnle; Dr. med. Thomas Schneider; Prof. Dr.

med. Julia Seiderer-Nack; Prof. Kathy Willis, Ph.D.

Stiftungs-Beirat: Felix Burda Stiftung, Dr. Christa

Maar †; Dt. Alzheimer Stiftung, Heike von Lützau-

Hohlbein; Dt. Diabetes Stiftung, Prof. Dr. med. Rüdiger

Landgraf, Adrian Polok; Dt. Herzstiftung, Prof. Dr. med.

Thomas Voigtländer, Martin Vestweber; Prof. Dr. med.

Heinrich Hess Stiftung, Prof. Dr. med. Heinrich Hess,

Jürgen Vogelgesang; Dt. Krebshilfe, Gerd Nettekoven;

MyHandicap gGmbH/EnableMe, Kaija Landsberg;

viamedica-Stiftung, Prof. Dr. med. Franz Daschner

Production Manager: Diana Wenzel

Faktencheck: LEKTORNET GmbH, Hamburg

Repro: BurdaVerlag GmbH

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74 my life 12/2025

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