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Der Isenburger 114 Juni 2025

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»Was kümmert’s mich? Mir doch egal ...«

Die Wegwerfgesellschaft und ihr Müll – ein Problem auch in Neu-Isenburg

Von Kerstin Diacont

Dieses beeindruckende Bild von Isabell Heusinger (siehe Infokasten) mit dem Titel

›Schweinerei‹ habe ich auf der Ausstellung MenschWerk in Babenhausen gesehen und

die Künstlerin gebeten, es mir für meinen Artikel zur Verfügung zu stellen.

Verantwortung in der Wegwerfgesellschaft

– hier einmal anhand von gängigen

Sprichwörtern und Statements

unter die Lupe genommen ...

Manchmal beginnt der Zerfall nicht mit

der großen Katastrophe, sondern mit

einem Satz: »Mir doch egal.« Es sind

diese beiläufig hingeworfenen Worte, die

oft viel mehr zerstören als achtlos weggeworfene

Plastikflaschen. Denn sie sind

Ausdruck einer Haltung, die Verantwortung

abstreift wie eine alte Jacke.

entfernt – aus dem Autofenster oder dem

Nachbarn in den Vorgarten wirft oder im

Wald ablädt. Müll verschwindet nicht

einfach. Er wechselt nur den Ort, nie die

Verantwortung. Er zersetzt sich nicht, er

verteilt sich und lagert sich ab. In Böden,

in Flüssen, in Tieren – und schließlich in

uns.

Besonders deutlich wird das in der Haltung:

›Nach mir die Sintflut‹. Sie klingt

wie eine Pointe, ist aber ein tragischer

Grundton unserer Zeit. Wer so denkt, ver-

erbt der Zukunft keine Werte, sondern

Altlasten. Und wenn niemand den Staudamm

repariert, kommt die Flut wirklich

– nicht in biblischer Größe, aber in Mikroplastik,

Artensterben, Hitzewellen und

Müllbergen.

Auch der Satz ›Wird schon einer machen‹

ist gefährlich. Er klingt nach Vertrauen in

das System, nach Delegation. Verantwortung

aber lässt sich nicht delegieren oder

outsourcen. Sie beginnt da, wo wir denken,

sie habe mit uns nichts zu tun.

»Dafür bezahlen wir doch die Müllabfuhr«

– das ist das Argument des Konsumenten,

der glaubt, mit seinem Beitrag

auch sein Gewissen abgeben zu können.

Doch das Steuersystem ist keine moralische

Waschmaschine. Es kann Leistungen

ermöglichen, aber kein Bewusstsein erzeugen.

Müllvermeidung beginnt nicht

am Bordstein, sondern im Kopf.

Müll hat ein besseres Gedächtnis als wir.

Er bleibt, lagert sich ein, reichert sich an

– sichtbar oder unsichtbar. Der Kaffeebecher,

den wir eben noch in der Hand hielten,

lebt vielleicht noch hundert Jahre

weiter – als Mikroplastikpartikel in der

Nahrungskette. Die weggeworfene Zigarettenkippe

vergiftet das Grundwasser

und auch der nicht aufgesammelte Hundekot

verschwindet nicht einfach und

sorgt zudem für Ärger bei denen, die hineintreten.

In Parks und auf Gehwegen

ist es inzwischen Pflicht, die Hinterlassenschaften

des eigenen Hundes zu entfernen

– auch, wenn sich viele nicht

daran halten. Ich kenne verantwortungsbewusste

Hundehalter:innen, die auch in

Wald und Feld den Hundekot in Plastikbeuteln

wieder mitnehmen, denn auch in

der Natur ist er bei der Menge der Hunde

dem Bodenklima nicht zuträglich.

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Die Wegwerfgesellschaft ist kein Phänomen

der Dinge allein. Sie ist ein Spiegel

unserer Beziehungen – zu Objekten, zur

Natur, zu anderen Menschen. Wer sagt

»Nicht mein Problem«, meint selten nur

Müll. Es ist ein stiller Pakt mit der Gleichgültigkeit,

ein Rückzug aus dem kollektiven

Denken. Und je mehr Menschen ihn

unterschreiben, desto mehr verkommt

das Gemeinsame zum Niemandsland.

›Weg damit‹ und ›Aus den Augen – aus

dem Sinn‹ – das klingt vordergründig

nach Ordnung, nach Pragmatismus. Doch

in Wahrheit steht es für das Gegenteil:

für die Illusion, dass Dinge verschwinden,

wenn man sie nur weit genug von sich

Das Thema Müll ist allgegenwärtig: hier ein schönes Müllmonster-Bild in Frankfurt ...

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