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Deutsche Gemälde im Städel Museum Bd. 1, 1-34

ISBN 978-3-422-98516-2

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Deutsche Gemälde im

Städel Museum 1550–1725

Teil 1 / 2


Kataloge der Gemälde im Städel Museum

Frankfurt am Main

XII

Herausgegeben von

Philipp Demandt und Jochen Sander

Städel Museum

Städelscher Museums-Verein

Städtische Galerie


ALMUT POLLMER-SCHMIDT

DEUTSCHE

GEMÄLDE

IM STÄDEL MUSEUM

1550 –1725

Mit gemäldetechnologischen Analysen von

Christiane Weber und Beiträgen von Fabian Wolf

Teil 1


Texte von

Almut Pollmer-Schmidt

Christiane Weber | CW

Fabian Wolf | FW

Mareike Gerken | MG

Redaktion

Almut Pollmer-Schmidt

Unterstützt von

Samuel Fickinger (Bildredaktion)

Corinna Gannon

Michael Preiß

Leslie Zimmermann

Die wissenschaftliche Bearbeitung wurde gefördert

durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft

sowie mit Unterstützung des Städelschen Museums- Vereins e. V.

mit der Christa Verhein Stiftung.

Lektorat

Michael Konze und Juliane Steinbrecher, Köln

 

Projektmanagement

Luzie Diekmann, Deutscher Kunstverlag GmbH

Herstellung

Jens Lindenhain, Deutscher Kunstverlag GmbH

Layout und Satz

essays on typography, Berlin

Reproduktionen

Eberl & Kœsel Studio GmbH, Altusried-Krugzell

Druck und Bindung

Gutenberg Beuys Feindruckerei GmbH, Langenhagen

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese

Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie;

detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über

http://dnb.dnb.de abrufbar.

© 2021 Deutscher Kunstverlag GmbH Berlin München,

Städel Museum, Frankfurt am Main und die Autorinnen und Autoren

Lützowstraße 33

10785 Berlin

Ein Unternehmen der Walter de Gruyter GmbH Berlin Boston

www.deutscherkunstverlag.de

www.degruyter.com

ISBN 978-3-422-98516-2

4


INHALT

Teil 1

Vorwort 8

Einleitung 9

JOHANN KÖNIG, Kopie nach

16 Landschaft mit dem Gang nach Emmaus . ........ 256

HANS BOCK D. Ä.

1 Venustanz ...................................... 16

LUCAS CRANACH D. J.

2 Bildnis Martin Luthers . ......................... 30

ADAM ELSHEIMER

3 Die Sintflut . .................................... 46

4 Jakobs Traum von der Himmelsleiter . ............ 66

5 Saulussturz . ................................... 78

6 Kreuzaltar . ................................... 100

JOHANN FRANCISCUS ERMELS

7 Felsige Landschaft im Abendlicht und

Landschaft bei aufziehendem Gewitter . .......... 158

GEORG FLEGEL

8 Stillleben mit Hechtkopf . ........................ 170

9 Stillleben mit Brot und Zuckerwerk . ............. 184

10 Stillleben mit Obst und Zuckerwerk . ............. 194

GELDORP GORTZIUS

11 Bildnis eines unbekannten Mannes und

Bildnis einer unbekannten Frau . ................ 206

JOHANN VALENTIN GRAMBS

12 Bildnis des Johann Kißner

in antikischer Rüstung . ........................ 214

SAMUEL HOFMANN

13 Bildnis einer Dame in Schwarz . ................. 224

PAULUS JU VENEL

14 Taufe Christi . ................................. 234

JOHANN KÖNIG

15 Hagar und der Engel in der Wüste . .............. 248

JOHANN ULRICH MAYR

17 Frau mit Früchtekorb . ..........................262

FELIX MEYER

18 Bildnis der Maria Barbara Mäder,

geb. Peyer mit den Wecken . ..................... 272

HANS MIELICH, Werkstatt

19 Kreuzigung Christi . ........................... 280

JOHANN HEINRICH ROOS

20 Bildnis eines 63-jährigen Mannes . .............. 290

21 Bildnis des Johann Philipp Fleischbein

zu Kleeberg . ................................... 296

22 Hirte mit Vieh an einer Furt . ................... 302

23 Lagernde vor einer römischen Ruine . ........... 310

24 Hirtenfamilie bei der Ruine des

Vespasianstempels . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 318

25 Pferdestall mit spielenden Kindern . ............. 328

26 Stillleben mit toten Vögeln . ..................... 336

27 Landschaft mit Hirtenfamilie vor einer Ruine . ... 348

28 Bildnis des Nicolaus Ruland . ................... 358

29 Bildnis eines Ehepaars, vermutlich Johann

Wilhelm Petersen und Johanna Eleonora von

Merlau, mit einer Allegorie des Glaubens . ....... 366

JOHANN MELCHIOR ROOS

30 Löwenrudel in felsiger Landschaft . .............. 384

31 Vier Bärenköpfe in Lebensgröße . ................ 392

PHILIPP PETER ROOS, gen. ROSA DA TIVOLI

32 Ziegenbock und Schaf in felsiger Landschaft . ..... 398

THEODOR ROOS

33 Bildnis einer 22-jährigen Straßburgerin . ........ 404

34 Hirtenpaar bei einem Brunnen . ................ 410

 

5


Teil 2

Inhalt

HANS ROTTENHAMMER

35 Geißelung Christi . ............................. 426

VALCKENBORCH-Werkstatt, Umkreis

36 Marktszene. ................................... 438

FREDERIK oder GILLIS VAN

VALCKENBORCH, Umkreis

37 Reiterschlacht mit einer Kreuzerscheinung . ...... 444

GOTTFRIED DE WEDIG zugeschrieben

38 Bildnis eines 46-jährigen Mannes und

Bildnis einer 37-jährigen Frau . ................. 454

Nachfolge

JOHANN WILHELM BAUR, Nachfolge

39 Villa mit Freitreppe am Meer . .................. 462

ADAM ELSHEIMER, Nachfolge

40 Merkur und Battus und Pan und Syrinx . ........ 468

Kopien nach Kupferstichen

Monogrammist SI nach MAERTEN DE VOS

41 Eva am Spinnrocken . .......................... 480

Flämische Werkstatt nach

HIERONYMUS WIERIX

42 Christus als Kind mit den Leidenswerkzeugen . ... 486

Anonyme

Deutscher Meister der ersten Hälfte

des 17. Jahrhunderts

43 Vanitas-Stillleben mit Totenschädel,

Wachsstock und Klappsonnenuhr ............... 494

Deutscher Meister des 17. oder 18. Jahrhunderts (?)

44 Christus am Kreuz . ............................504

Gemälde niederländischer Maler

WALLERANT VAILLANT

45 Selbstbildnis . .................................. 508

Monogrammist AVD oder ADV,

möglicherweise ARY DE VOIS?

46 Bildnis eines Mädchens als Schäferin,

vermutlich Katharina Elisabeth von Schönborn

und Bildnis eines Jungen im Husarenkostüm,

vermutlich Johann Erwein oder Lothar Franz

von Schönborn. ................................. 518

Gemälde der Familie von Holzhausen

Die Gemäldesammlung der Frankfurter

Familie von Holzhausen 534

PHILIPP UFFENBACH

47 Marienklage . .................................. 540

JOHANN LORENZ MÜLLER zugeschrieben

48 Ahnenbaum von Maria Justina und

Johann Maximilian zum Jungen . ................ 550

Frankfurter (?) Meister um 1722–26

49 Die Oed, Sommerresidenz der

Familie von Holzhausen . ........................566

Niederländischer Meister von 1565

50 Bildnis eines zwölfjährigen Mädchens,

vielleicht Margretha von Holzhausen . . . . . . . . . . . . 574

Frankfurter (?) Meister von 1567

51 Bildnis der Anna Rauscher . .................... 582

Frankfurter (?) Meister von 1566–70

52 Bildnis des Johann von Fichard und

Bildnis der Elisabeth Grünberger . .............. 588

53 Bildnis eines 38-jährigen Mannes . ............... 600

Frankfurter (?) Meister von 1587/88

54 Bildnis der Justina von Holzhausen . ............. 606

55 Bildnis des Johann Philipp Völcker und

Bildnis der Margretha von Holzhausen . .......... 614

6


56 Bildnis der Maria Jacobe Völcker und

Bildnis der Susanna Völcker . ................... 626

Frankfurter (?) Meister von 1589

57 Bildnis des Johann von Martorff . ................ 634

JACOB VAN DOORDT

58 Bildnis des Johann Adolph von Holzhausen . ...... 642

Deutscher Meister von 1640

59 Bildnis des Daniel Stalburger . .................. 650

JOHANN FRIEDRICH TRESCHER

60 Bildnis des Johann Adolph Kellner und

Bildnis der Anna Kunigunde Stralenberger . ..... 656

61 Bildnis des Johann Hector von Holzhausen . ...... 668

Biografien 720

Anhang

Gemäldetechnologische Untersuchungen

Daten der verwendeten Instrumente 750

Glossar 750

Bibliografie

Inventare und Kataloge des Städel Museums 752

Archive und Datenbanken 753

Literatur 755

Indizes

Inventarnummern und Aktualisierungen 788

Personenregister 792

Bildnachweis 807

JOHANN HEINRICH ROOS zugeschrieben

62 Bildnis eines unbekannten Mannes . ............. 676

DAVID LE CLERC

63 Bildnis des Johann Hieronymus von

Holzhausen und Bildnis der Sophia

Magdalena von Günderrode . ................... 682

Inhalt

Deutscher Meister aus dem ersten

Viertel des 18. Jahrhunderts

64 Bildnis des Johann Hieronymus

von und zum Jungen . .......................... 692

Frankfurter Maler, möglicherweise

JOHANN PHILIPP FURICH

65 Bildnis des Johann Georg von Holzhausen ....... 700

FRANZ LIPPOLD und Werkstatt

66 Bildnis des Johann Hieronymus von

Holzhausen und Bildnis der Sophia

Magdalena von Günderrode . ................... 710

7


VORWORT

Der vorliegende Doppelband zu den zwischen 1550 und 1725 entstandenen deutschen

Gemälden im Städel Museum erweitert die stattliche, im Jahre 1993 begonnene Reihe

der wissenschaftlichen Bestandskataloge der Altmeister-Gemäldegalerie um einen wichtigen

Baustein. Teils bereits von Johann Friedrich Städel, dem Stifter des Museums, selbst

zusammengetragen, teils als Schenkungen und Legate Frankfurter Sammler des 19. und

20. Jahrhunderts ans Haus gekommen, teils aber auch erst in jüngster Vergangenheit aus

kunst- und sammlungsgeschichtlichen Erwägungen gezielt erworben, umfasst der Bestand

Hauptwerke der deutschen Barockmalerei. Zu ihnen zählen neben der wichtigen

Gruppe der Werke Adam Elsheimers rund um den Kreuzaltar bedeutende Gemälde von

Hans Rottenhammer, Georg Flegel oder Johann Heinrich Roos, aber auch die umfangreiche

Porträtsammlung der einst führenden Frankfurter Patrizierfamilie von Holzhausen,

die als Ganzes von herausragender kultur- und stadtgeschichtlicher Bedeutung ist. Zugleich

kartiert der vorliegende Bestandskatalog mit den zahlreichen Werken des 17. Jahrhunderts

auch kunsthistorisches Neuland, ist die deutsche Malerei dieser Zeit doch

nicht zuletzt wegen der verheerenden Nachwirkungen des Dreißigjährigen Krieges eine

bis heute weitgehend nur wenig beachtete Terra incognita. Insofern nicht überraschend,

enthält der Katalog auch einen Nachtrag zu den zwischen 1550 und 1725 entstandenen

niederländischen Gemälden im Städel, in dem bislang fälschlich deutschen Künstlern

zugeschriebene Werke aufgenommen sind.

Wie bei allen vorangegangenen wissenschaftlichen Bestandskatalogen des Städel Museums

behandelt auch diese Publikation alle Gemäl de systematisch in kunsthistorischer, provenienz-

und sammlungsgeschichtlicher Hinsicht und bezieht daneben vor allem die

Erkenntnismöglichkeiten moderner Gemäldetechnologie mit ein, um sowohl die maltechnischen

Charakteristika als auch die künstlerische Genese der Einzelwerke näher

erfassen zu können. Ganz besonderer Dank gilt der kunsthistorischen Bearbeiterin des

Bestandskatalogs Almut Pollmer-Schmidt, die auch die Projektleitung innehatte, zeitweilig

unterstützt durch Fabian Wolf als Autor einzelner Katalogeinträge. Für die Texte zu den

maltechnischen und gemäldetechnolo gischen Untersuchungen zeichnet Christiane Weber

verantwortlich, unterstützt von Stephan Knobloch sowie Fabian Wolf, Jannik Konle und

Samuel Fickinger bei der Anferti gung der Röntgen-Aufnahmen beziehungsweise der Infrarotreflektografien.

In der Endphase des Projekts konnten, dank der Förderung durch

die Dr. Rolf M. Schwiete Stiftung und durchgeführt von Mareike Gerken, zudem Röntgenfluoreszenz-Analysen

(MA-XRF) einer Reihe wichtiger Gemälde erstellt werden. Die

dendrochronologischen Bestimmungen nahm Peter Klein, Hildesheim/Hamburg, vor.

Zahlreiche weitere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Städel Museums haben sich um

die Entstehung dieses Bestandskatalogs verdient gemacht, seien sie im wissenschaftlichen

Dienst, der Graphischen Sammlung, in der Restaurierung, den Werkstätten, der Bibliothek

oder der Verwaltung tätig. Auch zahlreiche auswärtige Fachkolleginnen und -kollegen

in Museen, Bibliotheken und Forschungseinrichtungen teilten dankenswerterweise großzügig

ihr Wissen. Der Deutsche Kunstverlag und das Berliner Studio für visuelle Kommuni

kation und Ausstellungsdesign e o t gaben dem Werk schließlich seine ansprechende

äußere Gestalt.

Die Erarbeitung auch dieses Bestandskatalogs wurde durch die großzügige Unterstützung

der Deutschen Forschungsgemeinschaft ermöglicht, der sich das Städel Museum für

ihre langjährige Förderung seiner wissenschaftlichen Arbeit zu großem Dank verpflichtet

weiß. Die Endphase der Arbeiten unterstützte zusätzlich der Städelsche Museums-Verein

dank einer Zuwendung der Christa Verhein Stiftung. Allen Unterstützerinnen und Unterstützern

gilt unser herzlicher Dank.

Philipp Demandt

Jochen Sander

8


EINLEITUNG

Was ist deutsche Malerei? Die Frage nach den Charakteristiken frühneuzeitlicher Kunst

fordert eine Definition. Ist „deutsch“ das, was im deutschsprachigen Raum oder innerhalb

der Grenzen des Heiligen Römischen Reichs entstanden ist? Bestimmt die Herkunft

der Maler – Malerinnen kommen im Folgenden leider nur am Rande vor –, was dazu gehört?

Oder ist ein Versuch, „Schulen“ nach nationalen Kategorien zu ordnen, ohnehin

obsolet?

Letzterem zuzustimmen wäre, fürchte ich, zu einfach. Denn obwohl ein Bestandskatalog

nicht der Ort für eine abschließende Antwort ist, hat sich die museale Perspektive doch

mit ererbten Entscheidungen auseinanderzusetzen, seien sie nun mit einer bewussten

Agenda oder aus pragmatischen Gründen getroffen worden. Gleichzeitig schärft der historische

Blick auf eine Sammlung das Bewusstsein für die zeitliche Bedingtheit eines jeden

ordnenden Versuchs: Der Frankfurter Kaufmann und Bankier Johann Friedrich Städel

(1728–1816) hatte noch italienische und niederländische, französische und deutsche,

älte re und jüngere Gemälde miteinander kombiniert (siehe Abb. 46.5), während die kaiserliche

Gemäldegalerie in Wien bereits nach geografischen und chronologischen Gesichtspunkten

umgestaltet worden war. Denselben Schritt vollzogen die Verantwortlichen des

Städelschen Kunstinstituts bald nach Städels Tod; die Galerie des 1833 eingeweihten

neuen Domizils an der Neuen Mainzer Straße verdeutlichte schließlich die kunstpolitische

Absicht des Malers und damaligen Inspektors Philipp Veit (1793–1877). Der erste,

mit holländischen und flämischen Gemälden des 17. Jahrhunderts bestückte Oberlichtsaal

bildete das Präludium, den krönenden Abschluss hingegen der Italienersaal mit der

Büste des Stifters (siehe Abb. 46.6). Dazwischen befand sich der doppelt so große „altdeutsche“

Raum, in dem vor allem Altarretabel überwiegend Frankfurter Provenienz

präsentiert wurden – darunter die Tafeln des Heller-Altars mit der Kopie von Albrecht

Dürers berühmter Himmelfahrt Mariens. Auf einer Längsseite gab es zwei Türen: Die

eine führte direkt zu Veits programmatischem Fresko Die Einführung der Künste in

Deutschland durch das Christentum mit den flankierenden Personifikationen von Italia

und Germania, die andere in einen Seitentrakt. Dort hing, was zahlreich vorhanden war,

nämlich niederländische und deutsche Gemälde des 17. und 18. Jahrhunderts, die nicht

nur von Johann Friedrich Städel, sondern auch von Johann Georg Grambs (1756–1817)

und Sophia Franziska de Neufville-Gontard (1767–1833) übernommen worden waren.

Im letzten Kabinett wurden deutsche Gemälde gezeigt, zu denen Werke von Johann

Franciscus Ermels (Kat. Nr. 7), Samuel Hofmann (Kat. Nr. 13) und Johann Heinrich Roos

(Kat. Nr. 22, 24, 29) zählten, sowie solche, die man als Roos ansah (Kat. Nr. 45) oder mit

Adam Elsheimer in Verbindung brachte (Kat. Nr. 16). Ihre Präsenz im musealen Kanon war

durch den Lokalbezug legitimiert, Teil der kunsthistorischen „Meistererzählung“ aber

waren sie kaum. Sie wurden vielmehr überstrahlt vom Gegenwartsversprechen einer Erneuerung

der deutschen Kunst aus nazarenischem Geist, verkörpert durch die Kartons

römischer Fresken, die im benachbarten Raum zu bewundern waren.

Die räumliche Konstellation im Städel Museum von 1833 lässt damit bereits drei Faktoren

erahnen, die für die Marginalisierung der deutschen Malerei des späten 16., des 17. und

18. Jahrhunderts verantwortlich zu machen sind: die grundsätzliche Höherbewertung

der italienischen Renaissance als Norm, der Fokus auf Dürer, Holbein und später auch

Cranach als Inbegriff „wahrhaft“ deutscher Kunst (die von den Nazarenern für ihre Innigkeit

und Frömmigkeit geschätzt worden war) sowie die systematische Nähe zur niederländischen

Malerei. Die Gemälde holländischer und flämischer Maler aber überwogen

diejenigen zeitgenössischer deutscher hier wie in vielen vergleichbaren Sammlungen

nicht nur zahlenmäßig, sondern – so schwierig diese Bewertung im Einzelfall auch sein

mag – häufig auch in qualitativer Hinsicht. So wandelbar die „Qualität“ als Kategorie auch

ist, sie war und ist durchaus ein kuratorisches Kriterium, das die Sichtbarkeit oder Unsichtbarkeit

von Kunstwerken mitbestimmte.

9


Also weder richtig „deutsch“ noch „gut“? Für Adam Elsheimer, dessen Gedächtnis man

in seiner Geburtsstadt Frankfurt besonders kultivierte, galt letzteres sicher nicht. Durch

die Kunstliteratur war man über seine Wirkung auf Zeitgenossen gut informiert; durch

druckgrafische Reproduktionen kannte man wichtige Gemälde. Veits Nachfolger als Städel-

Inspektor, Johann David Passavant (1787–1861), legte nach seiner Raffael-Monografie

auch ein erstes Werkverzeichnis Elsheimers vor, in dem er die Bedeutung der römischen

Erfahrung für den Maler hervorhob. Bereits 1823 hatte das Städelsche Kunstinstitut Die

Geburt des Adonis (Myrrha) und 1839 Paulus und Barnabas werden in Lystra als Götter

verehrt erworben. Zu diesen beiden, lange als Hauptwerke Elsheimers geltenden Gemälden

kam 1868 ein großes Zeichnungskonvolut hinzu, das Heinrich Weizsäcker (1862–1945)

ausführlich publizieren sollte. Weizsäcker, von 1891 bis 1904 Städel-Direktor, war der

große Elsheimer-Kenner der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. In seinen Arbeiten

schrieb er ältere Annahmen fort, reflektierte aber zugleich die Wandlung des Bildes, das

man bis dato vom Künstler hatte: Ausschlaggebend waren dafür zwei Frankfurter Erwerbungen,

die Sintflut (Kat. Nr. 3) und die Verherrlichung des Kreuzes. Die Mitteltafel des

Kreuzaltars (Kat. Nr. 6) konnte Weizsäcker während des Zweiten Weltkriegs noch persönlich

in Frankfurt in Augenschein nehmen, wie ein hier erstmals zitiertes Manuskript von

seiner Hand beweist. Ebenfalls dokumentiert werden die schwierigen Erwerbungsverhandlungen,

die erst 1950 abgeschlossen wurden. Ein entscheidender Katalysator für

die Neubewertung Elsheimers stellte schließlich die monografische Ausstellung 1966/67

dar, die Direktor Ernst Holzinger (1901–1972) gemeinsam mit Jutta Held (1933–2007)

verantwortete. Sie zeigte zwei Tafeln des Kreuzaltars (Kat. Nr. 6a, g) zusammen mit neu

diskutierten Gemälden wie der Steinigung des Stephanus (siehe Abb. 5.16) und dem

Saulus sturz (Kat. Nr. 5) sowie damals etablierten Werken, die indes wenig später aus dem

Œuvre ausgeschieden werden sollten. Nicht nur der Saulussturz, sondern auch Jakobs

Traum von der Himmelsleiter (Kat. Nr. 4) sowie alle weiteren Tafeln des Kreuz altars

konnten zwischen 1971 und 1981 – also innerhalb nur eines Jahrzehnts und mit vielfältiger

bürgerschaftlicher Unterstützung – angekauft werden, sodass das Städel

Museum seitdem über die bedeutendste Elsheimer-Sammlung weltweit verfügt.

Holzinger hatte sich bereits vor Kriegsausbruch um die Erwerbung der Verherrlichung

des Kreuzes von der Londoner Kunsthandlung Colnaghi bemüht – im besetzten Frankreich

kaufte er 1941 eine Kupfertafel „Elsheimers“, die aufgrund ihrer unrechtmäßigen

Erwerbung 1946 an Frankreich restituiert worden ist und deren Authentizität er noch

Jahre später (zu Unrecht) verteidigte. Zur gleichen Zeit kamen Gemälde von Johann

Ulrich Mayr (Kat. Nr. 17) und Johann Valentin Grambs (Kat. Nr. 12) in den Besitz des Städelschen

Kunstinstituts und der Städtischen Galerie; letzterer wurden darüber hinaus Bildnisse

aus dem durch das NS-Regime aufgelösten Museum des jüdischen Stifters Julius

Heyman (1983–1925) überwiesen, das bis dahin seinem Vermächtnis an die Stadt folgend

in seiner Villa beherbergt war (Kat. Nr. 18, 38, siehe Abb. 38.1). Bereits seit 2001 erforscht

das Städel Museum systematisch die Herkunft aller Objekte, die in der Zeit des Nationalsozialismus

erworben wurden oder den Besitzer wechselten oder gewechselt haben

könnten. Trotz vertiefender Recherchen für diesen Bestandskatalog weisen die Provenien

zen der Gemälde von Grambs und Mayr noch immer Lücken auf, die transparent

ausgewiesen werden – ebenso wie einige Nachkriegserwerbungen (Kat. Nr. 1, 9, 11, 43).

Durch Werke von Rottenhammer oder Johann König vervollständigte Holzinger etwa

den Bestand an Kabinettstücken rund um Elsheimer (Kat. Nr. 15, 35, 41, 42).

Ihre ideologische Indienstnahme dürfte ein weiterer Grund dafür sein, dass man sich

lange nicht unvoreingenommen mit der Frage nach den Spezifika „deutscher“ Kunst der

Frühen Neuzeit beschäftigt hat. Elsheimer betraf dies allerdings weniger. Soweit zu sehen,

hatte einzig Horst Möhle 1940 versucht, das vorherrschende Bild im deutschnationalen

Sinne zu modifizieren, indem er den von Wilhelm Bode als „römischen Maler deutscher

Nation“ Bezeichneten zum „deutschen Malerpoeten in Rom“ machte, der als Protoromantiker

nicht vom „artfremden, südlichen Pathos“ vereinnahmt worden sei. Insgesamt

aber war Elsheimer als „Maler von Frankfurt“ (Weizsäcker), vor allem aber aufgrund

10


des unbestritten für seine künstlerische Entwicklung so wichtigen internationalen Netzwerks

in Rom über jede ungute Deutschtümelei erhaben. Bemerkenswert ist jedoch, dass

die Frage nach der Beziehung zu der von Albrecht Dürer verkörperten älteren deutschen

Kunst ein wichtiges Kontinuum in der Interpretation seines Werks ist; diese betonte insbesondere

Keith Andrews, der als Kurt Aufrichtig geborene und als Kind zur Emigration

gezwungene Verfasser der maßgeblichen Elsheimer-Monografie.

Was ist deutsch – und was war deutsche Kunst im 17. Jahrhundert? Elsheimers Malerei

gewann in Rom an Gestalt, angeregt von Italienern, Niederländern und dem jahrelang in

Venedig ansässigen Hans Rottenhammer. Zu dessen Netzwerk zählten wiederum zahlreiche

nordalpine Künstler, etwa Kupferstecher aus der ursprünglich aus Antwerpen

stammenden Familie Sadeler, die zeitweise in Köln, Frankfurt, München, Prag und Venedig

ansässig waren. Der niederländische Aufstand hatte die ohnehin vorhandene Mobilität

von Kunstunternehmern verstärkt: In Frankfurt bauten sich Mitglieder der Familie

Valckenborch eine neue Existenz auf, in Köln Geldorp Gortzius. Aber während zwei Gemälde

Geldorps im Städel auf ihre Untersuchung im Rahmen dieses Buchs warteten

(Kat. Nr. 11), wurde eines von Frederik van Valckenborch bereits im Bestandskatalog der

flämischen Gemälde gewürdigt (und in Valckenborchs späte Nürnberger Zeit datiert).

Dort besprach Agnes Tieze auch Bildnisse von der Hand des Jeremias van Winghe

(1578–1645), der bereits als Sechsjähriger nach Frankfurt gekommen war. Zwei bislang

nicht inventarisierte Gemälde aus dem weiteren Umfeld der Familie Valckenborch sind

indes hier aufgenommen worden (Kat. Nr. 36, 37) – auch, weil insbesondere die Marktszene

einen wichtigen Kontext für die Stillleben Georg Flegels repräsentiert. Am Werdegang

des neben Elsheimer sicher namhaftesten deutschen Malers des frühen 17. Jahrhunderts

kann man nicht nur die überragende Bedeutung flämischer Netzwerke ablesen; sein

Werk eröffnet auch die Frage nach der Interdependenz der Handels- und Kunstmetropolen

Antwerpen und Frankfurt (Kat. Nr. 8–10).

Der nationale Fokus verstellt oftmals den Blick auf die vielschichtige historische Realität,

die von Mobilität und Austausch geprägt war. Zu der mit der Künstlerausbildung verknüpften

Wanderschaft traten reisende Porträtisten, die für verschiedene adlige und

bürgerliche Auftraggeber tätig waren, teilweise mit ortsansässigen Meistern konkurrierten

und nicht immer namentlich zu fassen sind (siehe Kat. Nr. 13, 46, 50, 58, 63, 66). Andere anonyme

Gemälde gehen auf Kupferstiche zurück und werfen so ein Schlaglicht auf einen

Kunstmarkt, an dem sich Bildermanufakturen etablieren konnten – nach niederländischem

Vorbild gab es diese vermutlich auch in Süddeutschland (Kat. Nr. 41, 42). Das Heilige

Römische Reich besaß kein Zentrum, sondern durch Messen, Reichstage, Königswahlen

und -krönungen höchstens temporäre Begegnungsorte (siehe Kat. Nr. 45). Der Katalog

versammelt denn auch Gemälde, die sich auf unterschiedliche Traditionen beziehen: Der

Wittenberger Lucas Cranach d. J. und der Münchner Hans Mielich arbeiteten in Städten,

die sowohl von Fürstenhöfen als auch von bürgerlichem Publikum geprägt waren

(Kat. Nr. 2, 19). Von den wichtigen Reichsstädten sind Augsburg (Kat. Nr. 17), Nürnberg

(Kat. Nr. 7, 14), Straßburg (Kat. Nr. 33, 34) – und am Oberrhein daneben auch das eidgenössische

Basel (Kat. Nr. 1) –, Köln (Kat. Nr. 11, 38) und naturgemäß auch Frankfurt vertreten.

Die Gemälde der Familie von Holzhausen, in die gesondert eingeführt wird, zeigen die

ästhetischen Präferenzen des lokalen Patriziats auf (Kat. Nr. 47–66), während die Werke

von Johann Heinrich Roos an internationale Standards anschließen (Kat. Nr. 20–29). Der Blick

auf ihn verdeutlicht die biografischen Verwerfungen und Chancen, die mit dem Dreißigjährigen

Krieg einhergingen: Mit seinen Eltern, die ihrerseits einen niederländischen

Migrationshintergrund besaßen, wanderte er aus der schwer von Zerstörung betroffenen

Pfalz nach Amsterdam aus. Nach 1648 zurückgekehrt, arbeitete er sowohl für den

reformierten Hof in Heidelberg als auch für katholische Fürsten, bevor er sich im lutherisch

dominierten Frankfurt nieder ließ, wo er sich mit Bildnissen und pastoralen Idyllen

auf überkonfessionell Beliebtes spezialisierte. Sucht man das spezifisch „Deutsche“ in

der frühneuzeitlichen Malerei zu definieren, so muss man just die Brüche, die Heterogenität,

die verschiedenen lokalen Traditionen gemeinsam mit den auf Reisen oder über

11


Druckgrafiken gewonnenen oder über Immigranten vermittelten Impulsen betrachten.

Die Horizonte von Künstlern und von Auftraggebern waren stets unterschiedlich. Vor

dem Hintergrund jeweils eigener Bezugsrahmen gewürdigt, entsteht in der Zusammenschau

ein Einblick in eine höchst spannende Epoche.

Dank

Dieser Bestandskatalog schließt im Aufbau dankbar an die Vorgängerbände im Städel

Museum an, bei denen kunsthistorische und gemäldetechnologische Perspektiven bereits

eng verknüpft waren. Für die fruchtbare Zusammenarbeit bin ich an allererster

Stelle Christiane Weber zu großem Dank verpflichtet, die schon an den Katalogen zur

holländischen und flämischen Malerei beteiligt war und ihre breite Erfahrung eingebracht

hat. Von Beginn an war geplant, die jeweiligen Abschnitte diesmal eigenständig zu verfassen.

Das hat mir und Fabian Wolf, der während meiner Elternzeit sieben Katalognummern

übernommen hat, die Freiheit gegeben, kunst- und kulturhistorischen Fragestellungen

nachzugehen, während Christiane Weber sich auf die gemäldetechnologischen

Analysen konzentrieren konnte. Steter Austausch während der Untersuchung, beim Gegenlesen

und in der Redaktionsphase gewährleistete gleichzeitig eine enge Abstimmung;

in den Texten ist dies daran ersichtlich, dass die „Beschreibung“ und die „Objektgeschichte“

jetzt die maltechnischen Befunde rahmen. Zudem wurden die unmittelbar mit der Provenienz

verbundenen Abschnitte zu den rückseitigen Beschriftungen und den Rahmen

in der Regel von uns beiden gemeinsam erstellt.

Es war uns eine große Ehre, den im Städel etablierten und zuletzt von Rüdiger Klessmann

(mit der Ausstellung „Im Detail die Welt entdecken“, 2006) und Joachim Jacoby (mit

dem gewichtigen kritischen Gesamtkatalog aller Zeichnungen, 2008) fortgeführten Fokus

auf die Kunst Adam Elsheimers zu ergänzen (Kat. Nr. 3–6). Durch die erstmals systematisch

vorgenommenen gemäldetechnologischen Untersuchungen haben wir ein umfassendes

Bild von Elsheimers malerischem Vorgehen gewinnen können. Christiane

Webers Befunde wurden dabei durch die Analyse makroskopischer Röntgenfluoreszenz-

Scans ergänzt, die Mareike Gerken parallel zur letzten Projektphase durchführen konnte;

beide zeichnen schließlich gemeinsam für die entsprechenden Katalogabschnitte zum

Kreuzaltar verantwortlich (Kat. Nr. 6). Mareike Gerken, aber auch den Kolleginnen und

Kollegen der TU Darmstadt, Marco Colombo und Brunhilde Thybusch, die an der Auswertung

der MA-XRF-Scans von Flegel-Gemälden beteiligt waren, möchten wir herzlich

für die interdisziplinäre Zusammenarbeit danken, die noch lange nicht beendet ist. In der

Restaurierungswerkstatt erstellte Stephan Knobloch nicht nur die Röntgenaufnahmen,

sondern unterstützte die Untersuchungen zusammen mit Eva Bader und Lilly Becker

stets großzügig und mit geduldiger Rücksichtnahme. Für die dendrochrono logischen

Untersuchungen sei Peter Klein herzlich gedankt. Praktische Hilfe am Städel Museum

haben des Weiteren Dominik Auvermann und Beatrice Drengwitz vom Ausstellungsdienst,

Gabi Schulte-Lünzum und die Kollegen der Haustechnik um Thomas Pietrzak geboten,

Martin Kaufmann und Sandra Adler-Krause brachten schließlich ihren kreativen

Blick engagiert in den grafischen Abstimmungsprozess ein. Für kollegialen Austausch sei

zudem Martin Sonnabend, Joachim Jacoby (†) und Jan Bielau-To aus der Graphischen

Sammlung, Stefan Roller, Bastian Eclercy und Eva Mongi-Vollmer sowie Michael Mohr,

Laura Vollmers und Iris Schmeisser für alle Fragen, die das Archiv und die Provenienzforschung

betreffen, gedankt; letztere unterstützte mich immer wieder auch moralisch.

Zahlreiche Kolleginnen und Kollegen anderer Museen und Forschungsinstitutionen haben

auf die eine oder andere Weise zum Gelingen des Projekts beigetragen. Hervorzuheben

sind die inspirierenden Begegnungen in Edinburgh, Köln und Warschau zum Thema

Elsheimer, Besuche in Darmstadt, München und immer wieder im Historischen Museum

Frankfurt, wofür wir Piotr Borusowski, Wolfgang Cilleßen, Anja Damaschke, Bernd

Ebert, Justyna Guze, Heidrun Ludwig, Iris Schaefer, Christian Tico Seifert und Anja

Sevčik zu herzlichem Dank verpflichtet sind. Mit Hinweisen und Auskünften unterstützt

haben uns außerdem Walter R. C. Abegglen, Christoph und Max Andreas, Maria Aresin,

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Hanna Bahr, Matthias von der Bank, Bettina Baumgärtel, Ellinoor Bergvelt, Marten Jan

Bok, David Burmeister, Quentin Buvelot, Beate Dannhorn, Sebastian Dohe, Eric Domela

Nieuwenhuis, Wolf Eiermann, Julia Ellinghaus, Dorothee Feldmann, Monique Fuchs,

Melanie Gifford, Peggy Große, Thomas Hardy, Ursula Härting, Jyri Hasecker, Kilian Heck,

Helen Hillyard, Janine Jakob, Ronald Janssen, Koenraad Jonckheere, Rieke van Leeuwen,

Hermine Lotz-Winter, Gabriele Marcussen-Gwiazda (†), Esther Meier, Fred G. Meijer,

Norbert Middelkoop, Maria Ostritz, Hans Konrad Peyer, Johannes Pietsch, Luuk Pijl,

Christian Printzen, Andreas Rüfenacht, Polly Saltmarsh, Martin Schawe, Robert Schindler,

Anne Schmid, Gero Seelig, Nicolette Sluijter-Seijffert, Oliver Tostmann, Elke Valentin,

Sonja Vilsmeier, Jørgen Wadum, Elizabeth Walmsley, Henrietta Ward, Gregor J. M. Weber,

Lisanne Wepler und Alexander Wied. Andrea C. Hansert, deren unter ihrem früheren

Namen Andreas Hansert erschienene Arbeiten unverzichtbar sind, wenn man sich mit

der Geschichte Frankfurts beschäftigt, war immer wieder zu Gesprächen bereit und hat

auch die Einleitung zur Gemäldesammlung der Familie von Holzhausen vorab gelesen.

Alle Katalogeinträge hat schließlich auch Jochen Sander ebenso sorgfältig wie kritisch

durchgesehen: Nicht nur dafür bin ich ihm zu tiefem Dank verpflichtet, sondern auch für

seine stets wohlwollende Förderung. Nach meiner vorsichtigen Frage, ob die Reihe der

Bestandskataloge nicht fortgesetzt werden müsse, hat er bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft

eine entsprechende Antragstellung und damit das Projekt überhaupt erst

ermöglicht. Um es schließlich in Zeiten der Pandemie auch tatsächlich abschließen zu

können, hat er gleichfalls die ergänzende Förderung durch die Christa Verhein Stiftung

und den Städelschen Museums-Verein e. V. vermittelt, Prioritäten gesetzt und die Drucklegung

unterstützt. Herzlichen Dank für alles!

Mein abschließender Dank gilt jenen, ohne die dieses Buch kaum seine heutige Gestalt

gewonnen hätte: Neben Christiane Weber und Fabian Wolf kann auch Corinna Gannon

nicht genug gedankt werden, die im ersten Jahr geholfen hat, das Projekt durch Literaturrecherche

und den Aufbau der Datenbank voranzutreiben. Im letzten Jahr hat Michael

Preiß sehr viel Literatur beschafft – was in Anbetracht zeitweilig geschlossener oder zugangsbeschränkter

Bibliotheken mit ungekanntem Aufwand verbunden war, mich aber

vor so mancher Verzweiflung bewahrt hat. Als studentische Mitarbeiter in der Abteilung

Alte Meister-Nord waren daneben Jannik Konle, Leslie Zimmermann und Samuel Fickinger

in vielfältiger Hinsicht eingebunden, letzterer hat mit großem Engagement die Bildredaktion

übernommen. Zeitweise unterstützt haben auch die Praktikantinnen und

Praktikanten Kiran Hussain, Rebekka Hoummady und Maximilian Sautot, zuletzt bereitete

Olivia Wingerter das Personenregister vor. Friederike Schütt, wissenschaftliche Mitarbeiterin

in der Abteilung, sind nicht nur Vorarbeiten für das von Mareike Gerken und

Christiane Weber verfasste gemäldetechnologische Glossar zu verdanken, sondern

immer auch aufmunternde Worte, interessierte Fragen und gute Ideen. Für die vertrauensvolle

Zusammenarbeit möchte ich schließlich Luzie Diekmann und Jens Lindenhain vom

Deutschen Kunstverlag, Lilla Hinrichs und Anna Sartorius vom Gestaltungsbüro e o t sowie

Michael Konze und Juliane Steinbrecher danken; das Lektorat der letzteren war ebenso

gewissenhaft wie gründlich! Insbesondere im letzten, von der Pandemie geprägten Jahr

gewährte mir meine Familie stets den nötigen Freiraum. Mein Mann – nebenbei wichtiger

Gesprächspartner zu allen Fragen zwischen Luther, katholischer Reform und pietistischer

Frömmigkeit – übernahm den Großteil des notwendig gewordenen häus lichen Unterrichts

und begleitete die Fertigstellung mit Kräften und großer Geduld. Von Herzen gilt

ihm mein Dank.

Almut Pollmer-Schmidt

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KATALOG

Nr. 1– 34


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HANS BOCK D. Ä.

Venustanz

Basel, um 1580–90

1

Leinwand, 60,1 × 80,1 cm

Inschrift auf dem Sockel der Statue „ X VENVS X “

Inv. Nr. 2233

BESCHREIBUNG

Im Inneren eines polygonalen Raumes befindet sich ein

zweistufiges Podium, in dessen Mitte eine bräunliche Säule

aufragt. Auf dem Kapitell mit skulpturiertem Widderkopf

steht die unbekleidete Figur der Venus, deren Identität die

goldene Inschrift unterhalb unmissverständlich betont.

Um sie herum tanzen ungeordnet 17 meist ebenfalls nackte

Frauen unterschiedlichen Alters: Manche fassen sich an

den Händen, eine Frau hält die Arme wie in Anbetung erhoben,

eine andere rechts hinter der Säule scheint in die

Hände zu klatschen, während eine links vor der Säule Tanzende

„himmelnd“ nach oben blickt. Sie, deren Haltung

den Kontrapost der Venus spiegelt, scheint sich in einem

Dialog mit der Liebesgöttin zu befinden, die nach unten

schaut und direkt über dem Kopf der jungen Frau eine Geldbörse

hält (eine zweite hält sie mit der linken Hand hinter

ihrem Rücken). Die zwei flankierenden rückansichtigen

Tänzerinnen, die sich im Reigen an den Händen halten, verkörpern

zwei unterschiedliche Frauentypen: links eine junge,

elegante Schlanke und rechts eine Gedrungene, sich

unelegant Beugende, deren zum Betrachter gestrecktes

Gesäß der Lichtfall hervorhebt. Jene hält sich mit ihrem

rechten Arm an einem dunkelbraunen Stock fest, der auf

der Bildfläche bis in den Brustbereich einer in dritter Reihe

Tanzenden reicht, die aus den Augenwinkeln zum Betrachter

blickt. Einen Stock benutzt auch eine hagere Alte, die

sich auf der rechten Seite in die Gruppe der Tanzenden

eingereiht hat. Diese markante Figur wirkt mit ihrem mageren

Körper, der die Muskeln hervortreten lässt, und ihrem

knochigen Gesicht fast männlich, ein Eindruck, dem

nur die hängende Brust und die langen, offenen Haare

entgegenstehen. Der Blätterkranz als Kopfschmuck stellt

ebenfalls eine Ausnahme dar, da die übrigen Frauen zumeist

kunstvoll geflochtene, mit Blüten, Bändern oder

Haarnetzen verzierte Frisuren tragen – von denen manche

dem Kopfschmuck der Venusfigur nicht unähnlich sind.

Links hinter der Alten hebt eine Tänzerin ihr linkes Knie,

sodass es auf der Bildebene scheint, als öffne sich ihr Schritt

direkt über dem Kopf einer Sitzenden. Diese hat sich vermutlich

gerade ihres roten Gewandes entledigt und ist dabei,

ihre linke Sandale auszuziehen. Ihre Gestalt wird nicht

nur durch die Farbe des Stoffs betont, sondern auch durch

die wie zu einer Brücke hoch erhobenen Arme der Alten

und ihrer Mittänzerin zur Linken. Zwei Frauen am rechten

Rand des Podiums beteiligen sich ebenfalls nicht am Reigen:

Die hintere hebt gerade ihren Unterrock an, um ihren

Blick – und vielleicht auch ihre Hand – zu ihrem Genitalbereich

gleiten zu lassen. Die vordere, eine auffällig rote

Kette um den Hals, kniet breitbeinig; ihre Beine werden

von ihrem geöffneten dunklen Gewand bedeckt, während

ihre rechte Hand nach unten greift und ihre linke eine

Brust umfasst (eine Geste, die auch eine andere junge

Frau im linken Teil des Podiums vollführt). Provozierend

schaut die Knieende aus dem Bild (Abb. 1.11).

Außerhalb des Rondells befinden sich weitere Personen.

Ihre Positionierung vermittelt zugleich ein Gefühl für die

verschiedenen Raumkompartimente der umgebenden Architektur,

die mit ihren hohen Spitzbögen und den darüber

angeordneten Öffnungen mit jeweils drei von Rundbögen

überfangenen Säulchen an den Chorraum einer Kirche erinnert.

Anders als man es erwarten würde, öffnet sich hinter

der Arkatur kein Kapellenkranz, sondern, gerahmt durch

zwei breite, flach verlaufende Rundbögen, ein Ausblick zu

einem nächtlichen, von Wolken durchzogenen Himmel.

Hinter den Triforien, deren von unten erhellte Bögen ebenso

wie die erleuchteten Gewölbe im Umgang für dort verteilte

Lichtquellen sprechen, gibt es zwei kreisförmige

Fenster. Vor dem rechten steht eine vermutlich männliche

Figur, die das Treiben unter sich beobachtet. Sie ist mit

einem dunkelgelben Gewand und einer bis über die Ohren

hängenden Kappe bekleidet und hält ein rotes Band in der

linken Hand. Unter ihr, direkt zwischen den Pfeilern des

Arkadenbogens, steht eine weitere Figur in einem grünlichen

Gewand, die nicht näher zu bestimmen ist. Im Umgang

rechts von ihr steht eine Frau, deren Körper und

Haupt mit einem blauen Tuch umhüllt ist. Die goldene Verzierung

am Saum des Stoffs kommt sowohl bei ihr als

1 Hans Bock d. Ä.

17


auch bei der in direkter Linie vor ihr Knieenden vor und

konturiert auch den Umhang einer von links eintretenden

jungen Frau. Bei jener kommt darunter blanke Haut zum

Vorschein, doch bald, so scheint es, wird auch diese Hülle

von ihren Schultern rutschen und fallen (Abb. 1.6). Sie

blickt zur Seite und dürfte andere, die ihr folgen, zum

erotischen Rundtanz um Venus einladen, auf den sie mit

ihrem Finger weist. Einen zweiten Zeigegestus wird man

in nächster Nähe gewahr: Zwischen den ersten Tänzerinnen

erblickt man im Hintergrund zwei bärtige alte Männer.

Ihre farbige Kleidung sowie der Kontrast zur Silhouette

von Bauch und Brust einer nackten Tänzerin verschaffen

ihnen besondere Aufmerksamkeit. Die Verdichtung lässt

aber auch eine Pointe erkennen: Der ausgestreckte Zeigefinger

des vorderen Mannes zeigt – natürlich nur auf der

Bildfläche – direkt auf die sich entblößende Brust der einzigen

noch angezogenen Tänzerin in Rot.

MATERIELLER BESTAND

1 Hans Bock d. Ä.

Bildträger

Als Bildträger dient augenscheinlich eine dünne, locker gewebte

Leinwand, deren Struktur aufgrund der von einer

mittelfeinen Doublierleinwand verdeckten Rückseite und

der durchgehenden Randabklebung nicht weiter bestimmt

werden konnte. | CW

Rückseitenbeschriftungen

Auf der oberen Querleiste des Zierrahmens mit gelber

Kreide (absichtlich verwischt, aber im UV-Licht sichtbar)

„20[6 oder 8?]594 0[4?]/2[.]“, rechts daneben in gleicher

Schrift „[6, spiegelverkehrt?]11P“. Daneben ein Klebezettel

des Kunstmuseums Basel mit Aufdruck „Hans Bock d. Ä.

zugeschrieben / Hexentanz c. 1585 / Leinwand, 60 × 80 cm /

Privatbesitz / Das Werk ist zur Ansicht im Haus. / Zuständig:

Prof. Lindemann / 7.11.2001/Gu“, darauf mit Bleistift die

Städel-Inventarnummer „Inv. Nr. 2233“.

Rahmen

Die entstehungszeitliche Rahmung hat sich nicht erhalten.

Das Gemälde besitzt einen modernen Profilrahmen aus

dem 20. Jahrhundert, der nach altem Vorbild gestaltetet

ist. Das Profil beginnt innen mit einer schmalen, vergoldeten

Hohlkehle und schmaler Schräge, gefolgt von einer

vertieft liegenden breiten Rahmenplatte mit ansteigender

Schräge, die beide schwarzbraun gefasst sind. Gemalte Mittel-

und Eckornamente (Ölvergoldung) verzieren die Rahmenplatte.

Außen schließt das Profil mit einer schmalen,

vergoldeten Hohlkehle ab.

MALTECHNIK

Vorbereitung und Unterzeichnung

Unter der Malerei wird eine hellrot ausgemischte, fleischfarbene

Grundierschicht sichtbar, die vermutlich ölgebunden

ist.

Die IRR-Aufnahme zeigt zahlreiche Linien einer Stift-Unterzeichnung,

die insbesondere die Außenkonturen der Figuren

und der Architektur festlegt (Abb. 1.1). Die senkrechten

Kanten der Pfeiler und die horizontalen beziehungsweise

diagonalen Konturen der Eisenanker sind häufig mit dem

Lineal ausgeführt. Ohne Rücksicht auf die Tanzenden durchschneiden

sie vielfach deren Körper; die Figuren wirken,

als ob sie nach der Architektur in die Komposition eingesetzt

worden sind.

Die malerische Ausführung der Figuren folgt weitgehend

der Unterzeichnung – mit Ausnahme der links stehenden

Frau mit blauem Mantel. Diese war ursprünglich größer

geplant, da die Infrarotreflektografie über ihrer Figur einen

mit mehreren Stiftlinien skizzierten Kopf zu erkennen gibt.

Oft mehrfach gesetzte, leicht verschobene Konturlinien

erscheinen insbesondere an den Arkadenbögen suchend.

Ihre Position wurde während der Ausführung häufig korrigiert.

Die perspektivisch korrekte Darstellung des Polygons

hat unter anderem an der rechten Ecke Schwierigkeiten

bereitet. Dort wurde die fluchtende Linie des Architravs

verschoben und auch der untere Pfeiler-Abschluss scheint

nicht ganz bewältigt zu sein: Vielleicht waren auch im

unteren Geschoss zunächst Kapitelle geplant – wenige

geschwungene Linien an den Pfeilern könnten darauf hinweisen.

Im oberen Geschoss, über dem auf die Venus herabblickenden

Mann, blieben zwei dicke Eisenanker unausgeführt.

Ausführung

Von dunklen Farbanlagen ausgehend, wurde die Malerei

zumeist in wesentlich helleren Malfarben weiter ausgestaltet.

Auf der Grundierung liegt eine erste, mittelgraue Anlage

der Architektur, deren verschattete Flächen dunkelgrau,

beleuchtete Bereiche hingegen hellgrau bis weißlich

abgesetzt sind. Während die erste, dünnschichtige Anlage

einen pinselstreifigen Farbauftrag aufweist, erscheinen

die nachfolgenden Farblagen stark verlaufen und glatt.

18


1.1 Infrarotreflektografie

Ähnliches gilt für die Himmelszone, die in dunkelgrünlichem

Blau angelegt und mit helleren Weißausmischungen

eines abweichenden, rötlichen Blautons übergangen

wurde, bevor der Maler die weißlichen Schleierwolken ausarbeitete.

Aussparungen für größere Motive lassen sich nicht erkennen.

Vielmehr wurden die Figuren auf die dunkle Unterlegung

von Architektur und Himmel gesetzt und ihre

Außenkonturen mit den helleren Ausarbeitungen des Hintergrunds

beschnitten und präzisiert.

Die Inkarnate besitzen ganzflächig eine dunkle Farbanlage

in gelblich rotem Ocker, der als Halbschattenton dient und

partiell dunkelbraun vertieft wurde. Beleuchtete Körperpartien

modellierte der Maler in einem grau ausgemischten

Halbschattenton und zumeist hellgelblichen Inkarnattönen,

die unter dem Mikroskop neben weißen, schwarzen und

roten auch dicke orangefarbene Pigmente erkennen lassen.

Abschließend trug er großflächig dünn vertriebene Weißhöhungen

auf.

Denselben Schichtenaufbau mit abweichender Pigmentzusammensetzung

zeigt die auf einer Säule stehende Venus.

Diese erhielt eine farbkräftige, weniger stark gebrochene

Farbanlage, über der die lichten Partien mit fast weißen

Tönen und kühlgrauer Verschattung ausgearbeitet sind.

Dadurch entsteht die Anmutung einer verlebendigten Marmorstatue,

während die starken Helligkeitskontraste zwischen

den Licht- und Schattenpartien, die den Herabschauenden

hinter der Venus, die Körper vieler Tänzerinnen und

die Architekturdarstellung prägen, den Eindruck einer grellen,

schlaglichtartigen Beleuchtung erwecken.

Haarbänder und Haarnetze, Saumverzierungen und Agraffen

sowie die Inschrift auf der Säule sind über einem Anlegeöl

mit Blattgold dargestellt. | CW

1 Hans Bock d. Ä.

RESTAURIERUNGSGESCHICHTE UND ERHALTUNGSZUSTAND

Das Gemälde wurde mit einer weißlichen Doubliermasse

auf eine mittelfeine, dicht gewebte Leinwand doubliert

und erhielt einen neuen Keilrahmen, wobei man die originalen

Spannränder abschnitt. Das Bildformat indes erscheint

unbeschnitten. Zu den beschriebenen Maßnahmen haben

sich keine schriftlichen Aufzeichnungen erhalten.

19


1.2 Hans Bock d. Ä., Das Bad

zu Leuk (?), 1597, Leinwand,

78,4 × 109,6 cm, Kunstmuseum

Basel

1 Hans Bock d. Ä.

Offenbar wiesen die Malschollen schüsselartige Verformungen

auf, die durch die Doublierung rückgeformt wurden,

denn ihre Schollenränder sind in manchen Bereichen stark

verputzt.

Retuschierte Ausbrüche und Beschädigungen sind in der

Architektur, über den Köpfen der Tanzenden und im Pfeiler

unter der Venus zu konstatieren. Vermehrt treten sie

auf in einem breiten, senkrechten Streifen zu Füßen des

herabblickenden Mannes. Am stärksten betroffen ist die

Figur der Sitzenden auf dem rotem Mantel rechts. Zwei

dicke Kratzer befinden sich am Kopf des Herabschauenden

und im hellroten Umhang der Tänzerin links.

Großflächige Verputzungen haben die oberen Malschichten

in der Himmelszone, den dunklen und weißen Architekturflächen

und den Weißhöhungen und Schattenlasuren

der Figuren reduziert. Um die Schäden zu kaschieren, wurden

manche Bereiche großflächig übermalt, etwa die Stufen

des Podestes, die dunklen Flächen unter den oberen

Arkadenbögen, die dortigen Kapitelle und der ockerbraune

Boden am rechten Bildrand. Kleinere Retuschen finden

sich über die Bildfläche verteilt. | CW

OBJEKTGESCHICHTE

Provenienz

…; Verst. New York (Sotheby’s), 25. Januar 2001, Nr. 88

als Deutsche Schule des zweiten Viertels des 16. Jahrhunderts;

…; Privatbesitz, Zürich, als Leihgabe im Kunstmuseum

Basel, 2003; verkauft an das Städelsche Kunstinstitut

(erworben mit Mitteln des Nachlasses Wirthle),

2006.

PRÄSENTATIONS- UND FORSCHUNGSGESCHICHTE

Nachdem das Gemälde auf dem Kunstmarkt bekannt geworden

ist, unterbreiteten Kenner recht bald den Vorschlag,

es dem Basler Maler Hans Bock d. Ä. (um 1550 –

1624) zuzuschreiben. In einem Gutachten unterstützte

Lucas Wüthrich die offenbar erstmals von Wolfgang Prohaska

geäußerte Vermutung und datierte das Bild um 1585,

vor allem gestützt durch den Bezug zu den Tageszeitenallegorien,

die Bock 1586 geschaffen hat (Abb. 1.3, 1.4). 1 Er

wies zudem auf Ähnlichkeiten oder gar Übereinstimmungen

der dargestellten Figuren mit Hans Bocks Wandmalereien

am Rathaus von Basel hin und benannte dessen Bad

zu Leuk (Abb. 1.2) als weiteren Vergleich. Insbesondere die

unterschiedlichen, „teilweise exaltierten Körperhaltungen“

sowie die fehlende Binnenzeichnung der Gliedmaßen waren

für Wüthrich wichtige Argumente.

Im Zuge der von ihm betriebenen Erwerbung für das Städel

Museum ordnete Bodo Brinkmann das Gemälde als

Werk des Hans Bock d. Ä. um 1570–80 ein. Seine Werkstatt

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