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Deutsche Gemälde im

Städel Museum 1550–1725

Teil 21 / 2


Kataloge der Gemälde im Städel Museum

Frankfurt am Main

XII

Herausgegeben von

Philipp Demandt und Jochen Sander

Städel Museum

Städelscher Museums-Verein

Städtische Galerie


ALMUT POLLMER-SCHMIDT

DEUTSCHE

GEMÄLDE

IM STÄDEL MUSEUM

1550 –1725

Mit gemäldetechnologischen Analysen von

Christiane Weber und Beiträgen von Fabian Wolf

Teil 12


Texte von

Almut Pollmer-Schmidt

Christiane Weber | CW

Fabian Wolf | FW

Mareike Gerken | MG

Redaktion

Almut Pollmer-Schmidt

Unterstützt von

Samuel Fickinger (Bildredaktion)

Corinna Gannon

Michael Preiß

Leslie Zimmermann

Die wissenschaftliche Bearbeitung wurde gefördert

durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft

sowie mit Unterstützung des Städelschen Museums- Vereins e. V.

mit der Christa Verhein Stiftung.

Lektorat

Michael Konze und Juliane Steinbrecher, Köln

Projektmanagement

Luzie Diekmann, Deutscher Kunstverlag GmbH

Herstellung

Jens Lindenhain, Deutscher Kunstverlag GmbH

Layout und Satz

essays on typography, Berlin

Reproduktionen

Eberl & Kœsel Studio GmbH, Altusried-Krugzell

Druck und Bindung

Gutenberg Beuys Feindruckerei GmbH, Langenhagen

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese

Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie;

detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über

http://dnb.dnb.de abrufbar.

© 2021 Deutscher Kunstverlag GmbH Berlin München,

Städel Museum, Frankfurt am Main und die Autorinnen und Autoren

Lützowstraße 33

10785 Berlin

Ein Unternehmen der Walter de Gruyter GmbH Berlin Boston

www.deutscherkunstverlag.de

www.degruyter.com

ISBN 978-3-422-98516-2

420 4


INHALT

Teil 1

Vorwort 8

Einleitung 9

HANS BOCK D. Ä.

1 Venustanz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 16

LUCAS CRANACH D. J.

2 Bildnis Martin Luthers . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 30

ADAM ELSHEIMER

3 Die Sintflut . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 46

4 Jakobs Traum von der Himmelsleiter . . . . . . . . . . . . . 66

5 Saulussturz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 78

6 Kreuzaltar . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 100

JOHANN FRANCISCUS ERMELS

7 Felsige Landschaft im Abendlicht und

Landschaft bei aufziehendem Gewitter . . . . . . . . . . . 158

GEORG FLEGEL

8 Stillleben mit Hechtkopf . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 170

9 Stillleben mit Brot und Zuckerwerk . . . . . . . . . . . . . . 184

10 Stillleben mit Obst und Zuckerwerk . . . . . . . . . . . . . . 194

GELDORP GORTZIUS

11 Bildnis eines unbekannten Mannes und

Bildnis einer unbekannten Frau . . . . . . . . . . . . . . . . . 206

JOHANN VALENTIN GRAMBS

12 Bildnis des Johann Kißner

in antikischer Rüstung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 214

SAMUEL HOFMANN

13 Bildnis einer Dame in Schwarz . . . . . . . . . . . . . . . . . . 224

PAULUS JU VENEL

14 Taufe Christi . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 234

JOHANN KÖNIG

15 Hagar und der Engel in der Wüste . . . . . . . . . . . . . . . 248

JOHANN KÖNIG, Kopie nach

16 Landschaft mit dem Gang nach Emmaus . . . . . . . . . 256

JOHANN ULRICH MAYR

17 Frau mit Früchtekorb . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 262

FELIX MEYER

18 Bildnis der Maria Barbara Mäder ,

geb. Peyer mit den Wecken . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 272

HANS MIELICH, Werkstatt

19 Kreuzigung Christi . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 280

JOHANN HEINRICH ROOS

20 Bildnis eines 63-jährigen Mannes . . . . . . . . . . . . . . . 290

21 Bildnis des Johann Philipp Fleischbein

zu Kleeberg . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 296

22 Hirte mit Vieh an einer Furt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 302

23 Lagernde vor einer römischen Ruine . . . . . . . . . . . . 310

24 Hirtenfamilie bei der Ruine des

Vespasianstempels . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 318

25 Pferdestall mit spielenden Kindern . . . . . . . . . . . . . . 328

26 Stillleben mit toten Vögeln . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 336

27 Landschaft mit Hirtenfamilie vor einer Ruine . . . . 348

28 Bildnis des Nicolaus Ruland . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 358

29 Bildnis eines Ehepaars, vermutlich Johann

Wilhelm Petersen und Johanna Eleonora von

Merlau, mit einer Allegorie des Glaubens . . . . . . . . 366

JOHANN MELCHIOR ROO S

30 Löwenrudel in felsiger Landschaft . . . . . . . . . . . . . . . 384

31 Vier Bärenköpfe in Lebensgröße . . . . . . . . . . . . . . . . . 392

PHILIPP PETER ROOS , gen. ROSA DA TIVOLI

32 Ziegenbock und Schaf in felsiger Landschaft . . . . . . 398

THEODOR ROOS

33 Bildnis einer 22-jährigen Straßburgerin . . . . . . . . . 404

34 Hirtenpaar bei einem Brunnen . . . . . . . . . . . . . . . . . 410

421 5


Teil 2

Inhalt

HANS ROTTENHAMMER

35 Geißelung Christi . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 426

VALCKENBORCH-Werkstatt, Umkreis

36 Markt szene . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 438

FREDERIK oder GILLIS VAN

VALCKENBORCH, Umkreis

37 Reiterschlacht mit einer Kreuzerscheinung . . . . . . . 444

GOTTFRIED DE WEDIG zugeschrieben

38 Bildnis eines 46-jährigen Mannes und

Bildnis einer 37-jährigen Frau . . . . . . . . . . . . . . . . . . 454

Nachfolge

JOHANN WILHELM BAUR, Nachfolge

39 Villa mit Freitreppe am Meer . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 462

ADAM ELSHEIMER, Nachfolge

40 Merkur und Battus und Pan und Syrinx . . . . . . . . . 468

Kopien nach Kupferstichen

Monogrammist SI nach MAERTEN DE VOS

41 Eva am Spinnrocken . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 480

Flämische Werkstatt nach

HIERONYMUS WIERIX

42 Christus als Kind mit den Leidenswerkzeugen . . . . 486

Anonyme

Deutscher Meister der ersten Hälfte

des 17. Jahrhunderts

43 Vanitas-Stillleben mit Totenschädel,

Wachsstock und Klappsonnenuhr . . . . . . . . . . . . . . . 494

Deutscher Meister des 17. oder 18. Jahrhunderts (?)

44 Christus am Kreuz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 504

Gemälde niederländischer Maler

WALLERANT VAILLANT

45 Selbstbildnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 508

Monogrammist AVD oder AD V,

möglicherweise ARY DE VOIS?

46 Bildnis eines Mädchens als Schäferin,

vermutlich Katharina Elisabeth von Schönborn

und Bildnis eines Jungen im Husarenkostüm,

vermutlich Johann Erwein oder Lothar Franz

von Schönbo rn . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 518

Gemälde der Familie von Holzhausen

Die Gemäldesammlung der Frankfurter

Familie von Holzhausen 534

PHILIPP UFFENBACH

47 Marienklage . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 540

JOHANN LORENZ MÜLLER zugeschrieben

48 Ahnenbaum von Maria Justina und

Johann Maximilian zum Jungen . . . . . . . . . . . . . . . . . 550

Frankfurter (?) Meister um 1722–26

49 Die Oed, Sommerresidenz der

Familie von Holzhausen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 566

Niederländischer Meister von 1565

50 Bildnis eines zwölfjährigen Mädchens,

vielleicht Margretha von Holzhausen . . . . . . . . . . . . 574

Frankfurter (?) Meister von 1567

51 Bildnis der Anna Rauscher . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 582

Frankfurter (?) Meister von 1566–70

52 Bildnis des Johann von Fichard und

Bildnis der Elisabeth Grünberger . . . . . . . . . . . . . . . 588

53 Bildnis eines 38-jährigen Mannes . . . . . . . . . . . . . . . . 600

Frankfurter (?) Meister von 1587/88

54 Bildnis der Justina von Holzhausen . . . . . . . . . . . . . . 606

55 Bildnis des Johann Philipp Völcker und

Bildnis der Margretha von Holzhausen . . . . . . . . . . 614

422 6


56 Bildnis der Maria Jacobe Völcker und

Bildnis der Susanna Völcker . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 626

Frankfurter (?) Meister von 1589

57 Bildnis des Johann von Martorff . . . . . . . . . . . . . . . . . 634

JACOB VAN DOORDT

58 Bildnis des Johann Adolph von Holzhausen . . . . . . . 642

Deutscher Meister von 1640

59 Bildnis des Daniel Stalburger . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 650

JOHANN FRIEDRICH TRESCHER

60 Bildnis des Johann Adolph Kellner und

Bildnis der Anna Kunigunde Stralenberger . . . . . . 656

61 Bildnis des Johann Hector von Holzhausen . . . . . . . 668

Biografien 720

Anhang

Gemäldetechnologische Untersuchun gen

Daten der verwendeten Instrumente 750

Glossar 750

Bibliografie

Inventare und Kataloge des Städel Museums 752

Archive und Datenbanken 753

Literatur 755

Indizes

Inventarnummern und Aktualisierungen 788

Persone nregister 792

Bildnachweis 807

JOHANN HEINRICH ROOS zugeschrieben

62 Bildnis eines unbekannten Mannes . . . . . . . . . . . . . . 676

DAVID LE CLERC

63 Bildnis des Johann Hieronymus von

Holzhausen und Bildnis der Sophia

Magdalena von Günderrode . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 682

Inhalt

Deutsch er Meister aus dem ersten

Viertel des 18. Jahrhunderts

64 Bildnis des Johann Hieronymus

von und zum Jungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 692

Frankfurter Maler, möglicherweise

JOHANN PHILIPP FURICH

65 Bildnis des Johann Georg von Holzhausen . . . . . . . 700

FRANZ LIPPOLD und Werkstatt

66 Bildnis des Johann Hieronymus von

Holzhausen und Bildnis der Sophia

Magdalena von Günderrode . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 710

423 7



KATALOG

Nr. 35 – 66


426


HANS ROTTENHAMMER

Geißelung Christi

Venedig, 1599

35

Kupfer, 28,6 × 21,3 × 0,1 cm

Signiert und datiert mittig am unteren Bildrand „15 99 / Ha[n]s Rot[ten]hame[r] / […]et[…]“

Inv. Nr. 2108

BESCHREIBUNG

Der bis auf sein Lendentuch entkleidete Jesus steht

demütig mit gesenktem Haupt im Zentrum. Während

sich ein Scherge hinter ihm zu schaffen macht – vielleicht,

um die Fesselung an die halbhohe Säule zu verstärken? –

holen zwei andere gerade aus, um mit einem Rutenbündel,

einer Geißel oder mit Stricken auf den nackten Körper

einzuschlagen. Der Leib des im nächsten Moment Getroffenen

wirkt noch unversehrt, obwohl am Boden neben

seinen Füßen bereits Blutspuren zu erkennen sind. Im

rechten Vordergrund liegen weitere Stricke, Ruten, ein

weißes Stück Stoff und ein mit einer Rosette geschmückter

blauer Hut; links blickt ein sitzender Junge auf das Geschehen,

dessen geöffneter Mund Schmerz und Mitleid

ausdrückt. Jesus steht vor einer Mauer, die nach rechts

nischenartig zurücktritt. Dort, direkt zwischen dem rechten

Schergen und dem nach links gebeugten Jesus, befindet

sich Pontius Pilatus, dessen weißer Turban und

Vollbart sich vom Dunkel abheben; neben ihm stehen zwei

weitere Männer. Vom Statthalter vor die Wahl zwischen

den Gefangenen Barrabas und Jesus gestellt, hatten sich

die Zuschauer für den Tod Jesu ausgesprochen, woraufhin

Pilatus diesen geißeln ließ, bevor er ihn den Soldaten

überantwortete, die ihn verspotten und kreuzigen sollten

(Mk 15, 15; Mt 27, 26; Joh 19, 1). Der hinter Jesus sitzende

Mann mit abgerissenem Beinkleid und gesenktem Kopf

mag nicht zu den Schergen gehören, sondern vielleicht

der soeben freigelassene Barrabas sein.

Dass sich die Szene auf einem erhöhten Podium abspielt,

auf dem die beiden Gefangenen zuvor vorgestellt worden

waren, wird durch den Ausblick in den linken Hintergrund

deutlich. In nächster Nähe zur Geißelung stehen drei Personen,

die erschrocken schauen und erregt gestikulieren.

Während jene zu Jesu verbliebenen Anhängern gerechnet

werden können, könnten der bärtige Mann mit Turban und

sein Begleiter, die in größerer Entfernung stehen und zwischen

dem linken Peiniger und Jesus sichtbar sind, zu den

Hohepriestern und Ältesten der Juden gehören, die den

biblischen Berichten zufolge die Entscheidung des Volkes

beeinflusst hatten. Am Fuße einer überwachsenen Ruine

wird Maria, die an ihrer roten und blauen Gewandung zu

erkennen ist, von zwei sie begleitenden Figuren gestützt

(Abb. 35.2). Ihre Haltung und blasse Gesichtsfarbe drücken

den Schmerz aus, den sie aufgrund des Todesurteils und

der ihrem Sohn zugefügten Qualen empfindet.

35 Hans Rottenhammer

MATERIELLER BESTAND

Bildträger

Der kupferne Bildträger zeigt rückseitig wenige kleine

offene Gussblasen und runde Hammerspuren, die aus

dem Herstellungsprozess der Tafel stammen. Sehr ungleichmäßige

Tafelkanten und Schneidgrate verweisen darauf,

dass die Tafel aus einem größeren Kupferblech

ausgeschnitten wurde. 1 Vermutlich wurde die gesamte

Kupferoberfläche, auf die man wegen der geschlossenen

oder weitestgehend retuschierten Malschicht kaum Einblicke

hat, vor dem Malprozess mechanisch aufgeraut,

um eine bessere Haftung der Grundier- und Malschichten

zu erreichen. Ein silbermetallener Überzug konnte

nicht festgestellt werden. | CW

Rückseitenbeschriftungen

Auf der Rückseite der Kupfertafel mittig ein Klebezettel

mit Aufdruck „Städelsches Kunstinstitut“ und handschriftlicher

Ergänzung der Inventarnummer „Inv Nr. 2108 / Rottenhammer“.

Wachsreste von der Befestigung der alten

Alarmsicherung.

427


Rahmen

Die entstehungszeitliche Rahmung hat sich nicht erhalten.

Das Gemälde besitzt einen modernen, schwarz gefassten

Zierrahmen aus dem 20. Jahrhundert mit breiter Rahmenplatte

zwischen zwei schmalen Halbrundstäben (innen)

und einer steilen Schräge am äußeren Rand.

MALTECHNIK

35 Hans Rottenhammer

Vorbereitung

Die Tafel besitzt eine mittelgraue Grundierung mit vermutlich

ölhaltigem Bindemittel. Unter dem Mikroskop sind neben

weißen und kleinen schwarzen auch wenige hellrote

Pigmente sichtbar. Die Grundierung wurde mit breitem

Pinsel streifig und eher ungerichtet, zumeist horizontal

aufgetragen. Im schmalen Himmelsausschnitt links sind

am Horizont auch vertikale, in der Bodenfläche zwischen

den Beinen des linken Schergen diagonal gekreuzte Pinselspuren

vom Auftrag der Grundierung erkennbar.

Weder mit bloßem Auge noch auf der IRR-Aufnahme

(Abb. 35.8) ist eine Unterzeichnung sichtbar.

Ausführung

Eine erste, blaugraue Anlage der Himmelszone, ausgeführt

in einer mageren, pastosen Farbe, wurde mit breitem Pinsel

streifig und relativ ungerichtet aufgetragen. Die weitere

Gestaltung des Himmels geschah mit helleren Weißausmischungen

eines leuchtenden Blautons (vielleicht Ultramarin)

sowie weißen und grauen Tönen für die Wolken.

Diese oberen Farbschichten sind stupfend aufgetragen

und decken die streifige Pinselstruktur der unteren Lage

weitgehend ab (Abb. 35.5). Letztere scheint vor allem durch

Verputzungen mancherorts freizuliegen.

Die Ruinenarchitektur wurde über einem warmen, grauen

Grundton mit helleren Grautönen dünn lasierend gestaltet.

Auf die Struktur des Blattwerks, die zunächst mit pastosem,

halbtransparentem Kupfergrün strichelnd ins Bild

gesetzt wurde, folgte die Kennzeichnung der braunen Äste

lasierend mit offenen, schnellen Pinselstrichen (Abb. 35.4).

Der Boden erhielt eine graubraune Anlage, die mit weiß

ausgemischtem, fahlem Ocker großflächig hell übergangen

und mit braunen und grauen Lasuren weiter ausdifferenziert

wurde.

Die Gewänder sind zumeist von dunklen zu helleren Tönen

hin aufgebaut. In der Regel beginnt der mehrschichtige

Aufbau mit einer großflächigen Anlage in einem dunklen,

stark gebrochenen Ton, der in den Faltentiefen meist von

der weiteren Gestaltung ausgespart und als Schattenton

stehen blieb. Halbschatten und beleuchtete Partien wurden

mit deutlich helleren, meist farbkräftigen Lichttönen

modelliert und helle Akzente auf den Faltenstegen abschließend

sehr wirkungsvoll eingesetzt (Abb. 35.6).

Eine Ausnahme bildet das dunkelrote Gewand des Schergen

links, dessen Faltenwurf ganz traditionell in Rosatönen

angelegt und ganzflächig mit dunkelroter Lasur übergangen

wurde, bevor man die Faltentäler mit mehreren Lagen

der roten Lasur verdeutlichte (Abb. 35.7). Die Außenkontur

und tiefe Schatten erhielten eine dunkle, blaugraue

Verstärkung, einzelne Faltenstege sind mit hellem Violettrosa

lasierend gehöht. Das grünblaue Gewand des Schergen,

der Christus die Hände bindet, ist gelb angelegt und

mit blauen Tönen weiter ausgearbeitet, sodass der Eindruck

eines changierenden Stoffes entsteht (Abb. 35.1).

Eine ebenfalls changierende Wirkung entfaltet das Gewand

der Klagenden rechts neben Maria, halb verdeckt

vom ausholenden Arm des Geißelnden. Die hellrote Anlage

ihres Kleides wurde mit hellblauen Tönen weiter ausgestaltet.

Die Figuren scheinen in der Regel eine dünne modellierende

Unterlegung in lasierendem Braun zu besitzen, in der

die Schattenpartien bereits vorgebildet sind. Dies ist

etwa am Haaransatz Christi zu sehen (Abb. 35.3). Es folgte

die flächige Anlage der beleuchteten Inkarnatpartien in

einem mittleren, graubraun ausgemischten Halbschattenton

und deren weitere Ausmodellierung mit deutlich

helleren Inkarnattönen. Letztere scheinen von flüssiger

Konsistenz und wurden nass in nass sorgfältig ineinander

vertrieben, ohne Pinselspuren zu hinterlassen. Schattenbereiche,

in denen die braune Unterlegung oder der

graubraune Halbschattenton stehen blieben, sparte man

aus. Tiefe Schatten erhielten eine lasierende, rotbraune

Verstärkung, Lichtreflexe hingegen keine Zuspitzung

durch abschließende Weißhöhungen.

Umfang und Schichtdicke der hellen Modellierung des Inkarnats,

aber auch der gezielte Einsatz farbkräftiger heller

Lokaltöne für die Gewänder scheinen von der Bedeutung

der Person für die dargestellte Geschichte und von ihrer

Platzierung im Bildraum abzuhängen. So wurde zwar die

Gottesmutter, am linken Bildrand schmerzvoll zusammengebrochen,

einerseits nach hinten in den Mittelgrund gerückt

und dementsprechend verkleinert dargestellt, andererseits

aber durch ein helles Inkarnat und Kleidung in

leuchtenden Farben in stärkerem Maße als ihre Umgebung

betont (Abb. 35.2).

428


1 cm

35.1

35.2

1 cm

35.3

1 cm

35 Hans Rottenhammer

1 cm 1 cm 1 cm

35.4 35.5

35.6

35.7

1 cm

35.1 Kopf des Schergen hinter

Christus (Mikroskopaufnahme)

35.2 Die ohnmächtige Maria

(Mikroskopaufnahme)

35.3 Christuskopf (Mikroskopaufnahme)

35.4 Büsche auf der Ruine

(Mikroskopaufnahme)

35.5 Himmel mit streifiger

Unterlegung und stupfend

aufgetragenen Farbschichten

(Mikroskopaufnahme)

35.6 Hosenbein des rechten

Schergen (Mikroskopaufnahme)

35.7 Ärmel des linken Schergen

(Mikroskopaufnahme)

429


Veränderungen während des Malprozesses

Nachdem sie bereits ausgeführt waren, wurden das Hosenbein

und die Wade des linken Schergen auf der linken

Seite verschmälert und korrigierend mit den Farben der

umgebenden Flächen übermalt.

Charakteristika

Der Maler arbeitete aus dem Dunkel ins Helle, seine Formen

scheinen sich aus dem dunklen Grund „herauszuschälen“.

Besondere Aufmerksamkeit verwendete er auf die

hell hervorgehobene Gestalt Christi in der ansonsten nur

spärlich beleuchteten Szene und modellierte deren Inkarnat

in besonders feinen, sorgfältig vertriebenen Farbnuancen.

Der sparsame, aber gezielte Einsatz heller, farbkräftiger

Lichter über den Faltenstegen der Stoffe unterstützt

auffällig die heftige Bewegung der Peiniger, die in den Gewändern

noch gesteigert zu sein scheint.

Das maltechnische Vorgehen ähnelt in mancher Hinsicht

dem Adam Elsheimers, der ebenfalls streifige Unterlegungen

eingesetzt oder die Bewegung seiner Figuren mancherorts

durch linear aufleuchtende Faltenstege der Gewänder

betont hat (Kat. Nr. 3–6). Die Malerei ist jedoch

von einem deutlich eleganteren Figurenideal, raffinierteren

Bewegungen und einem exquisiteren Kolorit geprägt.

| CW

RESTAURIERUNGSGESCHICHTE UND ERHALTUNGSZUSTAND

35 Hans Rottenhammer

Auf der gesamten Tafelfläche zeigen sich einzelne kleine

Farbausbrüche, die in der Regel retuschiert sind. In den gelben

Hosenbeinen des rechten Schergen haben sich vermehrt

Schwundrisse gebildet (Abb. 35.6). Sein blauer Mantel

ist in weiten Teilen mit dunkelblauer Ölfarbe übermalt.

Die vage durchscheinende Oberflächenstruktur der originalen

Malschicht weist auf deformierte Farbschollen und

zahlreiche Ausbrüche hin, die sich in der IRR-Aufnahme

wiederfinden lassen (Abb. 35.8). Anlass für die Übermalungen

boten offenbar auch vermehrte Lufteinschlüsse zwischen

Firnis und Gemäldeoberfläche, die besonders in den

blauen Gewändern zu Trübungen und Vergrauungen führten.

Des Weiteren können großflächige braune Übermalungen

in der Architektur, rechts oben deckend, ansonsten

fast ganzflächig lasierend, festgestellt werden, die wahrscheinlich

ebenfalls Krepierungen, aber auch Verputzungen

abdecken sollten. Auch der Himmelsausblick links

zeigt flächige Übermalungen (Abb. 35.5). Ölrunzeln an der

Oberfläche der Übermalungen weisen auf Öl als Bindemittel

der Retuschierfarben hin. Die Lesbarkeit der Darstellung

ist zusätzlich durch extrem dicke, vergilbte und

trüb gewordene, teils krepierte Firnisschichten und durch

großflächige Verputzungen stark gestört. | CW

Provenienz

OBJEKTGESCHICHTE

…; Max (von) Ferstel (1859–1936), Wien; 2 …; Kunsthandel

Franz Hardy, Bendorf am Rhein; verkauft an das

Städelsche Kunstinstitut, Dezember 1967. 3

35.8 Infrarotreflektografie (aufgehellt)

Varianten und Kopien

1. Hans Rottenhammer, Geißelung Christi, um 1596 – 98,

Kupfer, 32 × 25 cm, Wien, Kunsthistorisches Museum,

Gemäldegalerie, Inv. Nr. GG 1085 4

2. Hans Rottenhammer (Werkstatt), Geißelung Christi,

o. J., Öl auf Pergament auf Holzplatte montiert,

29,5 × 22 cm 5

Provenienz: …; Verst. München (Neumeister),

17.–18. März 1982, Nr. 1016, Taf. 150 (als Rottenhammer

zugeschrieben); …; München, Privatbesitz, 1988; …

3. Hans Rottenhammer (Werkstatt), Geißelung Christi,

o. J., Kupfer, 30 × 21,3 cm 6

Provenienz: …; Privatbesitz, Wien, 1967; …; Verst. Wien

(Dorotheum), 15. Oktober 2013, Nr. 770; Verst. Wien

430


(Dorotheum), 24. Juni 2014, Nr. 74; Verst. Wien

(Dorotheum), 10. Dezember 2014, Nr. 231; …

4. Hans Rottenhammer (Werkstatt), Geißelung Christi,

o. J., Kupfer, 45 × 29,5 cm, Verst. Monaco (Sotheby’s),

17. Juni 1989, Nr. 464 (als Umkreis Rottenhammers;

Abb. 35.9) 7

5. Geißelung Christi, o. J., Holz (oben abgerundet),

94 × 79 cm, Privatbesitz 8

6. Geißelung Christi, o. J., Kupfer, 29 × 22 cm, Verst.

Wien (Dorotheum), 10. Dezember 2015, Nr. 4

(als Umkreis Rottenhammers)

Ausstellungen

Lemgo, Weserrenaissance-Museum Schloss Brake, „Hans

Rottenhammer. Begehrt – vergessen – neu entdeckt“,

17. August – 16. November 2008

Frankfurt am Main, Städel Museum, „Die Chronologie

der Bilder. Städelwerke vom 14. bis 21. Jahrhundert“,

28. Oktober 2010 – 24. Juli 2011

PRÄSENTATIONS- UND

FORSCHUNGSGESCHICHTE

Margret Stuffmann publizierte das Gemälde als „Originalfassung“

von Rottenhammers bereits in zwei Versionen

bekannter Komposition. Wie schon Rudolf Peltzer schlug

sie den Bogen zu Palma il Giovane und benannte dessen

Geißelung Christi im Oratorio dei Crociferi in Venedig

(1591/92) und die Darstellung von dessen Schüler Antonio

Vassilacchi gen. L’Aliense (1594, Venedig, SS. Giovanni e

Paolo) als Anregungen. 9 Während sie Palmas Vorbildwirkung

für die Gestaltung des rechten Schergen erwähnte

und, über „die äußerlichen Ähnlichkeiten hinaus“, die

verwandte „Formulierung der Figuren, die nie fest auftreten,

fast schwebend scheinen“ sowie „die sehr milde

schattige Modellierung der Körper und die Neigung zu weichen

geschwungenen Linien, die nie die Gespanntheit und

geistige Intensität Tintorettos besitzen“, herausstellte, betonte

sie bei Aliense „das Sehen im Detail“. Wie bei Rottenhammer

breite auch dieser Ruten und Stoffe am Boden

„stillebenartig“ aus. Daneben unterstrich Stuffmann den

„venezianischen Charakter“ der Farbigkeit auf Rottenhammers

Bild, verwies aber zugleich auf ein römisches Modell:

Federico Zuccaris Fresko im Oratorio del Gonfalone

(Abb. 35.10) verwende denselben – von den venezianischen

Vorbildern unterschiedenen – Typus der niedrigen Geißelsäule;

zudem könnte Rottenhammer die Stirnbinde des

linken Schergen und „den Gedanken der links am Boden

hockenden Assistenzfigur“ von Zuccari übernommen

haben. 10 Der landschaftliche Hintergrund sei schließlich

35.9 Hans Rottenhammer (Werkstatt), Geißelung Christi, o. J., Kupfer,

45 × 29,5 cm, Verbleib unbekannt

„nicht ohne das Vorbild Paul Brils zu denken“, weshalb sie

– da sie die letzte Ziffer der Datierung als 6 oder 8 las –

als Entstehungsjahr 1596 präferierte und die Geißelung

Christi somit kurz nach Rottenhammers Rückkehr aus

Rom nach Venedig ansetzte.

Harry Schlichtenmaier, Verfasser des bis heute gültigen

Katalogs zu Rottenhammers Werk, pflichtete Stuffmanns

Auffassung, das Städel-Werk sei „wohl die ursprüngliche

Fassung“, bei. Für motivische Verwandtschaften fügte er

neben einem Hinweis auf Tintoretto die Darstellungen von

Girolamo Muziano (1532–1592) und Agostino Ciampelli

(1566–1630; Abb. 35.12) hinzu, 11 sah ebenfalls die Wichtigkeit

der Landschaftsmalerei und betonte die Palma il Giovane

nahestehende „weiche Modellierung und statische

Ausgewogenheit der Körperhaltung Christi“ sowie die „venezianische

Tonigkeit“. Alles in allem würdigte er Rottenhammers

Geißelung Christi „als eigenständige Leistung

und als wirkungsvoll zusammengestellte Komposition“. 12

In seinem Eintrag im Katalog der monografischen Ausstellung

in Lemgo und Prag, der den Forschungsstand

weitgehend widerspiegelt, verwies Thomas Fusenig auf

das reale Vorbild der Martersäule, die in S. Prassede in

Rom verehrte Reliquie. 13

35 Hans Rottenhammer

431


DISKUSSION

35 Hans Rottenhammer

Die verschiedenen Versionen und Kopien der Geißelung

Christi zeugen vom Erfolg der Bilderfindung, die Hans Rottenhammer

1599 entwickelt hat. 14 Dass es sich bei dem

Gemälde im Städel tatsächlich um die gültige Erstfassung

handelt, bestätigen nicht nur Signatur und Datierung (die

auf den anderen Varianten fehlen), 15 sondern auch das

Pentiment am rechten Bein des links von Jesus stehenden

Schergen (siehe „Maltechnik“). Indem er die Konturen

von Wade und Hosenbein korrigierte, verdeutlichte Rottenhammer

zugleich die Beziehung zwischen der Hauptszene

und den im Hintergrund Anwesenden. Mithilfe des

nicht näher bestimmten Zuschauers, der zwischen dem

Oberschenkel und rechtem Arm dieses Peinigers sichtbar

ist, wird die räumliche Anordnung der Geißelung auf einem

Podium unmittelbar verständlich. Dessen Blick und

der Zeigegestus seines Nachbarn verstärken die Aufmerksamkeit

für das Geschehen. Darüber, jenseits der ausholenden

Armbewegung des rotgekleideten Schergen, wird

man der Reaktion der wohl ohnmächtig gewordenen Gottesmutter

gewahr. Ihr Mitleiden führt die Funktion des Gemäldes

als Andachtsbild vor Augen, bei dem das Studium

der künstlerischen Darstellung im Detail zugleich meditative

Versenkung ermöglicht. So können der Ort oder die

Rolle der verschiedenen Personen in der Leidensgeschichte

– Pontius Pilatus, die vielleicht im Hintergrund oder neben

dem Statthalter befindlichen Hohepriester, Barrabas und

35.10 Federico Zuccari, Geißelung Christi, um 1569, Fresko, Rom,

Oratorio del Gonfalone

die Soldaten – einzeln bedacht werden, daneben die einzelnen

Marterwerkzeuge als Arma Christi sowie die Reaktion

von Umstehenden, insbesondere von Maria. 16 Der

Hauptfokus liegt freilich auf der Demut des Verurteilten.

Sie ist dem gesenkten Haupt und der gebeugten Haltung

des feingliedrig gestalteten Körpers eingeschrieben, der

sich aufgrund der Beleuchtung von der ihm umgebenden

Dunkelheit abhebt. Der Schmerz, den Jesus empfindet,

spiegelt sich (noch) nicht durch sichtbare Verletzungen,

wohl aber im Blick des erschrocken wirkenden Jungen im

linken Vordergrund wider.

Die Geißelung Christi gehört in die Reihe von kleinformatigen

Gemälden auf Kupfer mit überwiegend religiöser

Thematik, die Rottenhammer schuf, nachdem er sich 1595

in Venedig mit einer eigenen Werkstatt niedergelassen

hatte. 17 Zu ihnen zählen eine Verkündigung, Darstellungen

der Heiligen Familie in einer Landschaft, oft auch kombiniert

mit weiteren Heiligen- und Engelsfiguren, die Taufe

Christi (siehe Abb. 14.11), aber auch hoch ambitionierte vielfigurige

Bildwerke wie ein Jüngstes Gericht oder die für

den späteren Papst Paul V. geschaffene Marienkrönung

(siehe Abb. 6.68). In marianische Sujets wie der Ruhe auf

der Flucht oder einem am Typus der „Sacra Conversazione“

orientierten Andachtsbild eignete sich Rottenhammer

Raffaels Madonnen oder zeitgenössische Altarbilder von

Federico Zuccari (1540/41 –1609) oder Francesco del Castello

(Frans Casteel, um 1540 –1621) an, 18 andere wie die

Ausgießung des Heiligen Geistes und nicht zuletzt die verstärkt

ab etwa 1597 gefertigten Gemälde mit mythologischem

Inhalt zeugen von der Auseinandersetzung mit

Tizian, Veronese, Tintoretto und dem in Venedig tätigen

Niederländer Paolo Fiammingo (Pauwels Franck, 1540 oder

1546–1596).

Dass sich Hans Rottenhammer primär auf Kabinettstücke

verlegt hat, mag verschiedene Gründe gehabt haben. Mit

dem Bildträger Kupfer an sich war bereits Wertigkeit und

Dauerhaftigkeit assoziiert, die Gemälde ließen sich gut

transportieren und damit über große Entfernungen verkaufen;

für die Entscheidung mag nicht zuletzt, wie jüngst

Sophia Quach McCabe argumentiert hat, Rottenhammers

Einbindung in die Handelsnetzwerke süddeutscher Kaufleute

eine wichtige Rolle gespielt haben. 19 Als seine Agenten

fungierten die Brüder Christoph (gest. 1605) und Hieronymus

Ott (gest. 1606), selbstständige Kommissionäre der

Fugger in Venedig, deren väterliche Firma bereits Kunstgüter

für den Münchner Hof geliefert hatte. 20 Sie waren

nota bene auch für den Vertrieb des Kupfers zuständig,

das von den Tiroler Hüttenwerken der Fugger stammte. 21

Möglicherweise hatten sie Rottenhammer nach seiner

ersten Ankunft in Venedig 1591 bei Pauwels Franck eingeführt,

mit dem die Familie Ott bereits geschäftliche

Beziehungen unterhielten. 22 Dem Maler nutzten die Kon-

432


takte, da sie seine Tafeln zu den Messen nach Frankfurt

und Leipzig senden oder an potente internationale Kunden

vermitteln konnten. 23 Bekannt ist, dass Rottenhammers

Kabinettstücke auch über seine Beziehungen zu Künstlerkollegen

wie Hans von Aachen in ausgesuchte Kunstkammern

von Fürsten, Kardinälen oder reichen Kaufleuten

in Italien, den Niederlanden, Frankreich, Prag, Wien oder

anderen Orten des Heiligen Römischen Reichs gelangten.

24 So ist etwa die heute im Kunsthistorischen Museum

Wien befindliche Version der Geißelung Christi bereits

1659 im Inventar von Erzherzog Leopold Wilhelm nachgewiesen.

25

Karel van Mander zufolge wurde die Malerei auf Kupfer in

der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts von Niederländern

in Italien eingeführt, wo sie zunächst mit Serienproduktion

und populären religiösen Sujets verbunden war. Rottenhammers

Entscheidung, „der Art der Niederländer“ zu folgen,

besaß für van Mander hingegen einen höheren Status,

da sie mit eigenen Inventionen verknüpft war – auch wenn

Serialität nach wie vor eine Rolle spielte. 26 Rottenhammers

künstlerische Gewährsleute in Rom, wo er sich die Technik

van Mander zufolge angeeignet haben soll, waren dabei

Paul Bril und Jan Brueghel d. Ä., deren Werke sich aufgrund

ihrer präzise wirkenden Naturnachahmung größter

Reputation unter italienischen Sammlern erfreuten. Insbesondere

Darstellungen der Heiligen Familie etwa in der

Ruhe auf der Flucht ließen sich in Landschaften einbetten;

Rottenhammer wählte zudem ein mit der Landschaft verbundenes

Thema wie die Taufe Christi (siehe Abb. 14.11)

oder verwendete das flämisch konnotierte Bildelement

ohne ikonografische Notwendigkeit für ein Bild des Erzengels

Michael. 27 Der Ausblick im Hintergrund der Geißelung

Christi ist, wie bereits Stuffmann feststellte, ohne

Brils Œuvre nicht denkbar. Es geht sicher nicht zu weit, ihn

als bewusste Reverenz zu verstehen, die Rottenhammers

Erzeugnis in diesen künstlerischen Kontext rücken sollte.

Anders als im Falle von Rottenhammers Kooperationen

mit Jan Brueghel, in denen der Anteil der Landschaft dominiert

oder zumindest stilistisch als eigenständiger Bestandteil

erkennbar ist, 28 mögen Sammler es aber nicht als

„niederländisches Bild“ wahrgenommen haben. Die Geißelung

Christi stellt sich vielmehr als Symbiose von römischer,

venezianischer und nordalpiner Tradition dar, nach der

Rottenhammer ganz bewusst gestrebt haben dürfte.

Die demütige Haltung des nach links gebeugten Oberkörpers

des Geschlagenen nimmt die seit Sebastiano del

Piombo (um 1485 –1547) in Rom etablierte und etwa von

Denis Calvaert (um 1540 –1619) oder Federico Zuccari

aufgenommene Gestaltung auf. 29 Während er sich im

Kontext der von Zuccari geprägten Accademia di San

Luca weiterbildete, 30 konnte der junge Deutsche auch

dessen Fresko im römischen Oratorio del Gonfalone

studieren (Abb. 35.10). Anders aber als die älteren Darstellungen

ist Rottenhammers Christus weit weniger muskulös;

seine Körperformen werden durch ein sanftes Licht

modelliert und vor dem dunklen Hintergrund hervorgehoben,

sodass die Nachfolge Tintorettos und von dessen

Sohn Domenico Robusti unverkennbar ist. Tatsächlich gibt

die Haltung Jesu – bis auf den eher nach vorn gesenkten

Kopf – einen Entwurf aus der Tintoretto-Werkstatt gespiegelt

wieder, der als Zeichnung erhalten ist und von

Domenico malerisch umgesetzt wurde. 31 Stuffmann hat

zudem zu Recht auf Palma il Giovanes Darstellung im

Oratorio dei Crociferi hingewiesen, von dem auch das

Motiv des jungen Zuschauers in der unteren Ecke abgeleitet

sein kann. 32 Gleichfalls dürfte Rottenhammer die

1594 für die Scuola di S. Croce in Belluno fertiggestellte

Version von Veroneses Schüler Antonio Vassilacchi

(1556 –1629) bekannt gewesen sein, die sich nicht nur

35.11 Venezianisch, Geißelung Christi, um 1530–40, Leinwand,

218 × 255 cm, Rovigo, La Pinacoteca dell’Accademia dei Concordi e del

Seminario Vescovile

35.12 Agostino Ciampelli oder Paris Nogari (?), Geißelung Christi,

1594–96, Fresko, 320 × 320 cm, Rom, S. Prassede

35 Hans Rottenhammer

433


35.13 Dirck Volckertsz. Coornhert

nach Maarten van Heemskerck,

Geißelung Christi, 1548,

Radierung, 195 × 248 mm (Blatt),

Amsterdam, Rijksmuseum

35 Hans Rottenhammer

durch stilllebenhaft verteilte Motive am Boden auszeichnet,

sondern auch durch eine ähnlich mittels der Beleuchtung

hervorgehobene Christusfigur; zudem ist der

linke Peiniger wie bei Rottenhammer in Rot, der Rechte

in Blau gewandet (heute Venedig, SS. Giovanni e Paolo). 33

Der räumliche Bildaufbau von Rottenhammers Geißelung

Christi folgt allerdings unmittelbar einem älteren venezianischen

Modell, das vermutlich eine Kapelle in der Kirche

San Stae geschmückt hatte und um 1600 hochgeschätzt

war (Abb. 35.11). 34 Hier ist der bühnenhafte Schauplatz mit

dem Landschaftsausblick links, der Jesus hinterfangenden

Mauer rechts sowie die anschließende, sich in einen Innenraum

öffnende Architektur vorgebildet. Rottenhammer

verdichtete die Szenerie ins Hochformat und verstärkte

das Spiel von Blickbeziehungen und Durchsichten. Seine

Entscheidung, nach dem Vorbild Zuccaris die konische,

sich nach oben verjüngende halbhohe Martersäule zu

verwenden, deren Vorbild der in der römischen Kirche

S. Prassede verehrte Säulenstumpf ist, 35 eröffnete den

Raum für die Spannung zwischen Pontius Pilatus und

dem Leidenden, eine Beziehung, die der Maler mithilfe

der zwischen beiden vermittelnden Figur des nach vorn

gebeugten dritten Schergen hinter Christus noch zusätzlich

betonte. 36 Eine weitere, zweifellos willkommene Folge

dieser Abänderung war, dass Rottenhammer das plane

Mauerstück hinter Jesus nun eher ungestaltet und dunkel

halten konnte, was die Konzentration auf die silhouettenhaft

hervortretende Christusfigur verstärkte; gemeinsam

mit der „venezianischen“, an Tintoretto und Aliense orientierten

Beleuchtung erzeugte der Maler einen Eindruck,

der eher einem Innenraum entspricht.

Den Landschaftsausblick auf der linken Seite nutzte der

Maler nicht nur zum gefälligen Kontrast, sondern auch,

um die Narration weiterzuführen: Die Durchblicke, die sich

434


am Rücken und an den Armen des rotgekleideten Schergen

vorbei ergeben, dienen Rottenhammer der inhaltlichen

Akzentuierung. Neben den nicht näher definierten

Personen, die zur Interpretation – und damit zur individuellen

Versenkung in die Details der Geschichte – einladen,

ist hier vor allem auf die Ohnmacht der Gottesmutter zu

verweisen. Diese spiegelt nicht nur den momentanen

Schmerz ihres Sohnes, sondern auch dessen baldige Passion.

Marias Mit-Leiden wird zum Vorbild für eine andächtige

Betrachtungshaltung, mit der man jenseits der

Ebene künstlerischer Wertschätzung für derart religiöse

Kabinettbilder selbstverständlich auch zu rechnen hat.

Die kompositorische Idee, die ausladenden Arme des Peinigers

derart zu nutzen, mag Rottenhammer im Langhaus

der römischen Kirche S. Prassede gesehen haben

(Abb. 35.12). Die Darstellung ist Teil eines Passionszyklus,

der im Auftrag des 1594 zum Titularkardinal dieser Kirche

ernannten Alessandro Ottaviano de’ Medici (des späteren

Papstes Leo XI., 1535 –1605) entstand, als Rottenhammer

in Rom weilte. Die Autorschaft ist umstritten – genannt

werden Agostino Ciampelli oder Paul Brils Schwager Paris

Nogari (um 1536 –1601) –, für unseren Zusammenhang entscheidend

ist, dass die bildräumliche Anlage jener Rottenhammers

ähnelt und darüber hinaus zwei Assistenzfiguren

im linken Vordergrund und zwischen dem Schergen und

Christus angeordnet sind. 37

Die Peiniger auf Rottenhammers Geißelung Christi besitzen

selbst allerdings kein unmittelbares Vorbild in der italienischen

Kunst. Wie bei Zuccari oder auf dem Fresko

von S. Prassede hält der linke häufig seinen linken Arm vor

dem Körper und den rechten zum Schlag erhoben – bei

Rottenhammer ist es andersherum –, während der andere

in einer gänzlich anderen Pose, häufig mit dem Rücken

zum Betrachter, zu sehen ist. Auf Palma il Giovanes Gemälde

im Oratorio dei Crociferi holt der rechte Scherge

zwar mit dem rechten Arm aus und spreizt die linke Hand

fast geziert zur Seite, was Rottenhammer durchaus übernommen

haben kann, die Beinhaltung ist aber anders.

Überraschenderweise entsprechen die Körperhaltungen

der Schergen aber Dirck Volckertsz. Coornherts ein halbes

Jahrhundert zuvor veröffentlichter Radierung nach einem

Entwurf von Maarten van Heemskerck (Abb. 35.13). Obwohl

der ästhetische Eindruck ein vollkommen anderer ist, erstaunt

das Zitat insofern nicht, als ältere niederländische

Grafik im Allgemeinen und Heemskerck im Besonderen

auch für Adam Elsheimer wichtig waren, der Rottenhammer

im Jahr der Entstehung der Geißelung Christi in Venedig

begegnet sein oder gar in seiner Werkstatt mitgearbeitet

haben dürfte (siehe Kat. Nr. 3 und 5). 38

Die Lagunenstadt war bekanntlich nicht nur ein allgemeiner

wirtschaftlicher Knotenpunkt, hier hatten sich zeitweise

auch Jan(1550–1600), Raphael (1561–1632) und Justus

Sadeler (1572–1620) niedergelassen. Die Kupferstecher

und Grafikunternehmer, die Rottenhammer bereits über

Münchner Kontakte bekannt gewesen sein können, waren

in der niederländischen Künstlerschaft exzellent vernetzt

und beispielsweise Maerten de Vos (dem Lehrer des später

in Treviso ansässigen Lodewijk Toeput) oder Hendrick

Goltzius (1558–1617) verbunden – letzterer hatte in Haarlem

bei Coornhert gelernt und nach seiner Italienreise Jan

Sadeler aufgesucht, als dieser noch am Münchner Hof arbeitete.

39 Goltzius’ Kupferstich der Geißelung Christi aus

der Federico Borromeo zugeeigneten Passionsserie thematisiert

ausdrücklich die räumliche Beziehung zwischen

dem bärtigen Pontius Pilatus und der Gewaltszene, die

Rottenhammer mittels Verdichtung umgesetzt hat. 40

Blickt man auf diesen und die Reproduktionsstiche aus

Sadeler’scher Produktion nach Maerten de Vos, Christoph

Schwarz, Palma il Giovane oder Giuseppe Cesari

(Cavaliere d’Arpino), so ist die große Bandbreite in Bezug

auf die Haltungen der Hauptfiguren und die Gesamtanlage

bemerkenswert. 41 Darin fügte sich Rottenhammers

Kupfertafel als neue Position ein, deren künstlerische Verpflichtungen

für Kenner gleichwohl erkennbar blieben:

Ihre Qualität bestand nicht zuletzt darin, die verschiedenen

italienischen und niederländischen Anregungen in

eine eigenständige neue Form zu überführen. Jenseits des

künstlerischen Wetteiferns besaß Rottenhammers Verzicht

auf einen rückansichtigen Schergen eine inhaltliche,

auf die individuelle Andacht zielende Konsequenz. Mit der

Entscheidung, in der er nicht nur Heemskerck, sondern

auch Tintoretto und Palma il Vecchio nachfolgte, stellte er

den Leib Christi für den Betrachter bloß. Ohne Rückenfigur,

die eine Distanzierung zum Geschehen ermöglicht

oder als fremder Büttel das Schlagen übernimmt, sah man

sich dem Leidenden direkt gegenüber.

35 Hans Rottenhammer

Literatur

Verz. 1986, S. 18; Verz. 1987, S. 89; Brinkmann/Sander

1999, S. 49, Taf. 95.

Stuffmann 1969, S. 169 –172; Schlichtenmaier 1988,

S. 108 –109, 217– 218, Nr. G I 18; AK Lemgo/Prag 2008,

S. 123 –124, Nr. 28 (Thomas Fusenig); Chronologie 2010;

Nr. 82; Sander/Hollein 2011, S. 149 (Almut Pollmer-

Schmidt).

435


Anmerkungen

35 Hans Rottenhammer

1 Detaillierte Maße: 28,5–28,6 × 21,2–21,3 cm.

2 Die Information über die Herkunft „aus

der Sammlung des Architekten Ferstel, Wien“

stammt vom Verkäufer Hardy, Inventar nach

1880, Nr. 2108. Zu Ferstel vgl. Ute Georgeacopol-Winischhofer,

Art. „Ferstel, Max (Maximilian)

Freiherr von“, in: AKL, Bd. 39 (2003),

S. 177–179. Eine ältere Hamburger Provenienz

kann aufgrund der Maßangaben

(21,5 × 16,7 cm) ausgeschlossen werden:

Verst. Dominicus Gottfried Waerdigh,

Hamburg (Johann Hinrich Schoen),

20.–21. Mai 1790, Nr. 224 („Die Geisselung,

zum Compagnon die Auferstehung Christi“,

Kupfer, 9 × 7 Zoll), mit Gegenstück an Ego;

GPI, D-A201, für die Umrechnung des Hamburger

Fußes vgl. Gerhardt 1788, S. 223;

Doursther 1840, S. 410.

3 Erstes telefonisches Angebot am 4. Februar

1967; Aktennotiz von Elisabeth Heinemann,

Städel-Archiv, Sign. 1236. Neben einem Geldbetrag

wurde das kurz zuvor als Elsheimer-

Umkreis erworbene, dann aber Frans Francken

d. J. zugeschriebene Gemälde Salome mit

dem Haupt Johannes des Täufers (Kupfer,

21,6 × 16,5 cm; ehemalige Inv. Nr. 2106) als

Tauschobjekt abgegeben; Administrationsprotokoll

vom 26. Januar 1968, Städel-Archiv,

Sign. 983; mit Dank an Laura Vollmers. Vgl.

AK Frankfurt 1966, S. 43, Nr. 56; das Gemälde

zuletzt Verst. Köln (Lempertz), 14. Mai 2011,

Nr. 1028.

4 Schlichtenmaier 1988, S. 218, Nr. G I 19;

Ferino-Pagden/Prohaska/Schütz 1991, S. 102,

Taf. 617.

5 Schlichtenmaier 1988, S. 411–412, Nr. K 29

(„gute Kopie“, als Rottenhammer-Werkstatt).

6 Stuffmann 1969, S. 169–170, Abb. 3 (als

Rottenhammer); Schlichtenmaier 1988, S. 412,

Nr. K 30 (als anonym, „Die Kupfertafel zeigt

in der grobschlächtigen Behandlung der Gewandfalten

und in der leicht entstellten Wiedergabe

der Gesichtszüge Schwächen, die man

bei Rottenhammer in dieser Schaffensphase

nicht gewöhnt ist.“). Borggrefe beurteilte

es für das Dorotheum als Produkt der Werkstatt.

Links hinter Pilatus ist eine weitere

Figur eingefügt.

7 Soweit zu sehen, entsprechen die Gesichtstypen

Jesu, der beiden Schergen und des Zuschauers

hinter dem rotgekleideten Peiniger

weit eher denjenigen im Städel-Gemälde

als jenen in der zuvor genannten Werkstattvariante,

wo sie wesentlich weicher ausgeführt

worden sind. Die stilllebenhaften Elemente

im rechten Vordergrund wirken indes schematischer.

Beachtenswert sind zudem die ikonografischen

Änderungen, die gegen eine bloße

Kopie und für die Wiedergabe einer alternativen

Fassung sprechen: Zum einen hält der linke

Scherge mit seiner rechten Hand einen um

den Hals Christi gespannten Strick fest, was die

Beugung von dessen Oberkörper sinnfällig

begründet. Zum anderen sitzt statt des Kindes

im linken Vordergrund ein Mann, der mit

dem Binden einer Rute beschäftigt ist. Eine

solche Figur ist seit der Mitte des 16. Jahrhunderts

Teil der Ikonografie; Frenzel 1996, S. 88.

Sie kommt bei Vassilacchi oder, besonders

prominent, bei Hendrick Goltzius vor (siehe

Anm. 40). Soweit auf der Abbildung zu

erkennen, ist der Typus recht überzeugend

dargestellt.

8 Schlichtenmaier 1988, S. 412– 413, Nr. K 31

(„Die Kopie lehnt sich sehr genau an das

Frankfurter Original an, jedoch wirken die

schlankeren Figurentypen mit den von

Rottenhammers Stil leicht abweichenden

Gesichtszügen fremd.“) Eine Abbildung

vermutlich bei akg-images, Nr. AKG238516.

9 Peltzer 1916, S. 321 (allgemein und zur

Wiener Version); Stuffmann 1969, S. 170 –171.

10 Stuffmann 1969, S. 171–172, auch das folgende.

11 Siehe Anm. 36 und 37.

12 Schlichtenmaier 1988, S. 108.

13 AK Lemgo/Prag 2008, S. 123, Nr. 28.

14 Er muss auch eine Zeichnung des Themas

angefertigt haben. Erhalten hat sich eine

Kopie von unbekannter Hand, die nicht mehr

in die Argumentation einbezogen werden

konnte: Feder, laviert, mit grauem Stift quadriert,

235 × 165 mm, Staatliche Museen zu

Berlin, Kupferstichkabinett, Inv. Nr. KdZ 23

317; Schlichtenmaier 1988, S. 413, Nr. K 32.

15 Obwohl nicht mehr gut erkennbar, ähnelt

die letzte Ziffer der vorhergehenden „9“ sehr

stark, sodass die Datierung auf 1599 als

gesichert gelten darf (früher als 6 oder 8 bzw.

0 oder 9 gelesen; Verz. 1987, S. 89; Sander/

Brinkmann 1999, S. 49). Die dritte Zeile der

Signatur ist durch Beschädigungen der Malschicht

mit Ausnahme einzelner Striche nicht

mehr lesbar. Sie ist in der Vergangenheit

als „Venet[ia]“ interpretiert worden; Schlichtenmaier

1988, S. 217. Der Hinweis auf den

Entstehungsort Venedig, den Rottenhammer

auf zahlreichen seiner frühen Gemälde einfügte

(AK Lemgo/Prag 2008, S. 116 –123, 136,

Nr. 23, 24, 26, 27, 40), besitzt Plausibilität

und wird durch eine geschwungene Linie am

Anfang gestützt, die zum „V“ gehören könnte;

auch die Lesart der letzten beiden Buchstaben

als „et“ kann vertreten werden.

16 Vgl. die entsprechenden Annotationen der

Darstellung aus Jeronimo Nadals Evangelicae

Historiae Imagines, Taf. 121: Hieronymus

Wierix nach Bernardino Passeri, Geißelung

Christi, 1593, Kupferstich, 233 × 146 mm

(Platte); Hollstein Dutch & Flemish, Bd. 71

(2007), S. 52, 96, Nr. 56.101, Abb. 310.

17 Für eine Übersicht vgl. den Katalog von Schlichtenmaier

1988, bes. S. 202 – 234 sowie AK

Lemgo/Prag 2008, bes. S. 112 –142.

18 AK Lemgo/Prag 2008, S. 104 –105, Nr. 11,

128 –129, Nr. 33 (Heiner Borggrefe).

19 McCabe 2019, S. 12.

20 Backmann 1997.

21 Häberlein 2006, S. 104 –105, 110.

22 McCabe 2019, S. 12; vgl. Martin 1999,

bes. S. 618 – 621; Martin 2007, bes. S. 197–199,

205, 206.

23 McCabe 2019, S. 16.

24 Ebd., S. 12–13.

25 Peltzer 1916, S. 348, Nr. 75; Schlichtenmaier

1988, S. 218.

26 Hochmann 2013, S. 91–92, 101 in Bezug auf

van Mander 1604, fol. 252v (zu Michel

Joncquoy [gest. 1606] in der Vita des Pieter

Vlerick [1539–1581]), fol. 296r. Vereinzelt

hatten bereits zuvor insbesondere Florentiner

Künstler mit dem Bildträger experimentiert;

Bowron 1999, S. 11.

27 Siehe Kat. Nr. 3, Anm. 13; AK Lemgo/Prag

2008, S. 106, Nr. 13 (Heiner Borggrefe).

28 Vgl. z. B. Jan Brueghel d. Ä. und Hans Rottenhammer,

Ruhe auf der Flucht, um 1595,

Kupfer, 22 × 29,1 cm, Den Haag, Mauritshuis,

Inv. Nr. 283, und weitere Versionen; vgl.

Schlichtenmaier 1988, S. 207–212, Nr. G I 6–

I 10; B. L. Brown 2008, S. 26–27; AK Lemgo/

Prag 2008, S. 107–109, Nr. 14 (Heiner Borggrefe).

Hans Rottenhammer und Jan Brueghel

d. Ä., Diana und Aktäon, um 1597,

Kupfer, 22 × 28,4 cm, Staatsgalerie Stuttgart,

Inv. Nr. 3457; AK Lemgo/Prag 2008,

S. 130–133, Nr. 36 (Michael Bischoff).

29 Sebastiano del Piombo, Fresko in S. Pietro

in Montorio in Rom (Oberkörper nach rechts

gebeugt) bzw. ders., Geißelung Christi, um

1535–40, Leinwand, 150 × 67 cm, Rom, Galleria

Borghese, Inv. Nr. 410. Denis Calvaert, Geißelung

Christi, um 1580, Leinwand, 255,5 × 178 cm,

Pinacoteca Nazionale di Bologna, Inv. Nr. 488;

Twiehaus 2002, S. 208–209, Nr. A 15 (nach

Calvaerts Rom-Aufenthalt entstanden, wohl

aus der Chiesa di S. Leonardo delle Carceri

in Bologna).

30 DaCosta Kaufmann/Borggrefe 2008, S. 52–54.

31 Jacopo Tintoretto, Studie einer männlichen

Figur mit hinter dem Rücken gebundenen

Händen und gesenktem Kopf, schwarze Kreide

auf grauem Papier, weiß gehöht, 321 × 187 mm,

London, Victoria & Albert Museum,

Inv. Nr. DYCE.244. Domenico Tintoretto,

Geißelung Christi, Leinwand, 147,3 × 124,5 cm,

zuletzt Verst. New York (Sotheby’s),

22. Mai 2018, Nr. 116; vgl. auch Jacopo

Tintoretto, Geißelung Christi, um 1585–90,

Leinwand, 118 × 105 cm, Wien, Kunsthistorisches

Museum, Gemäldegalerie, Inv. Nr. 6451.

Zu beiden Gemälden Pallucchini/Rossi 1990,

Bd. 1, S. 230, 252, Nr. 456 bzw. A100.

32 Siehe Anm. 10. Palma il Giovane, Geißelung

Christi, 1591–92, Leinwand, 320 × 345 cm,

Venedig, Oratorio dei Crociferi; Mason Rinaldi

1984, S. 138–139, Nr. 527, Abb. 132.

33 Vgl. Ulrich Schneider, Art. „Vassilacchi, Antonio

(Vasilakis, Antonios), gen. L’Aliense“, in:

AKL online, ID _00169156.

34 Rylands 1992, S. 297, Nr. A57 (der Werkstatt

Palma il Vecchio zugeschrieben, um 1520–30,

mit Lit.); Maria Aresin und Bastian Eclercy,

denen ich herzlich danke, bezweifeln die Zuschreibung

und setzen das Gemälde etwas

später an.

35 Sie war vom Trienter Konzil als authentisch

anerkannt worden; vgl. Frenzel 1998, S. 87;

Swantje Volkmann, Art. „Geißelsäule“, in:

RDK Labor (2015), http://www.rdklabor.de/

w/?oldid=92973.

36 Eine solche Konstellation, kombiniert allerdings

mit einem Landschaftsausblick, kommt bei

Girolamo Muziano vor; auf sie hat Schlichtenmaier

1988, S. 108, hingewiesen: Girolamo

Muziano, Geißelung Christi, 1575, Leinwand,

399 × 230 cm, Museo dell’Opera del Duomo di

Orvieto.

37 Für einen Eindruck des Passionszyklus auf

Rottenhammer spricht zudem, dass sich unter

den Zuschauern der Ecco Homo-Szene eine

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