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Hanna Nagel

ISBN 978-3-422-98949-8

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Hanna






Hanna Nagel

herausgegeben von | edited by

Inge Herold

Johan Holten



Johan Holten 6

Vorwort

Inge Herold 8

Hanna Nagel

Das vergessene Werk einer Pionierin feministischer Kunst

Katalog | Catalogue 39

Studienblätter | Study Drawings 40

Menschenbilder | Images of People 52

Gesellschaft | Society 78

Selbstbildnisse | Self-Portraits 94

Das Verhältnis der Geschlechter | The Relationship between the Sexes 110

Mutterschaft | Motherhood 152

Tod und Mythos | Death and Myth 166

Die Träumende | The Dreaming Woman 180

Johan Holten 192

Foreword

Inge Herold 193

Hanna Nagel

The Forgotten Work of a Pioneer of Feminist Art

Biografie | Biography 208

Liste der ausgestellten Werke | List of Exhibited Works 212

Ausstellungen (Auswahl) | Exhibitions (Selection) 215

Bibliografie (Auswahl) | Bibliography (Selection) 216

Impressum | Colophon 216


6

Vorwort

Mit der insgesamt rund 190 Werke umfassenden Ausstellung zu Hanna Nagel (1907–1975)

möchte die Kunsthalle Mannheim einen neuen Blick auf diese wichtige Künstlerin aus Heidelberg

richten. Den Schwerpunkt der von Inge Herold kuratierten Ausstellung bilden die grafischen

Arbeiten aus ihren frühen Jahren, in denen sich Hanna Nagel auffallend kritisch mit

sozialen Missständen sowie gesellschaftlicher und geschlechtsspezifischer Ungerechtigkeit

auseinandersetzt. Somit stand sie in ihren Studienjahren ab 1925 nicht nur stilistisch der

Bewegung der Neuen Sachlichkeit nahe, auch inhaltlich lassen sich bei aller Eigenständigkeit

Verbindungen finden. Dass die Kunsthalle Mannheim sich in besonderer Weise um eine

Revision und Würdigung einer solchen Künstlerin verdient machen will, erklärt sich fast von

selbst: Fühlen wir uns doch der kritischen Kunst der 1920er Jahre und der Neuen Sachlichkeit

seit der gleichnamigen Ausstellung 1925, die der damalige Direktor Gustav F. Hartlaub

in der Kunsthalle Mannheim mit ihren herausragenden Vertretern veranstaltete, besonders

verbunden.

Zur Auseinandersetzung mit dieser Epoche gehört jedoch auch festzustellen, dass sich unser

Blick fast 100 Jahre nach der ersten Ausstellung verändert und erweitert hat. Längst ist das

Phänomen etwa in seiner internationalen Bedeutung erkannt worden. Zudem hat sich unser

Blick nun auf die Künstlerinnen dieser Zeit gerichtet, und damit verbunden ist die Frage, warum

Gustav F. Hartlaub damals keine einzige weibliche Position in die Ausstellung aufnahm. Hanna

Nagel selbst war allerdings zu diesem Zeitpunkt noch zu jung. 1907 in Heidelberg geboren,

hatte sie 1925 erst ihr Studium an der Akademie in Karlsruhe aufgenommen. Erst 1931 wurde

Hartlaub auf die junge Künstlerin aufmerksam, widmete ihr umgehend eine Ausstellung und

tätigte erste Ankäufe. Anlässlich ihres 50. Geburtstages richtete ihr die Kunsthalle 1957 zudem

eine Einzel-Ausstellung aus.

Dennoch stellt sich die Frage, warum das Werk dieser Künstlerin wie das vieler anderer Geschlechtsgenossinnen

marginalisiert oder vergessen wurde. Bereits die Kunsthallen-Ausstellung

„Umbruch“ im Jahr 2020 hat diese Frage aufgeworfen und neben Hanna Nagel mit Anita Rée

(1885–1933) und Jeanne Mammen (1890–1976) zwei weitere lange vergessene Künstlerinnen vorgestellt.

Unsere Gegenwart stellt uns vor neue Fragen nach Diversität, Chancengleichheit, Teilhabe

und Geschlechterrollen. Gerade deshalb schauen wir mit einer anderen Wahrnehmung

in die jüngere Geschichte, um zu verstehen, wie gesellschaftliche Strukturen der Vergangenheit

uns geprägt haben und heute noch wirksam sind. So beschäftigt uns das Werk von Hanna

Nagel nicht nur deshalb, weil es von einer Künstlerin stammt, deren Frühwerk man der Neuen

Sachlichkeit zurechnen kann, sondern auch, weil es uns inhaltlich aufzeigt, wie Fragen nach

sozialer Gerechtigkeit, Ausgrenzung und politischer Relevanz schon in den 1920er und frühen

1930er Jahren mit Vehemenz durch die Kunst thematisiert wurden.


7

Mein großer Dank für das Zustandekommen dieser Ausstellung gilt nicht nur der Tochter der

Künstlerin, Irene Fischer-Nagel, für ihre großzügige Unterstützung, sondern auch Inge Herold

für die Idee, Hanna Nagel bereits bei der Ausstellung „Umbruch“ zu berücksichtigen und nun

hierauf folgend diese wichtige und überfällige Überblicksausstellung zu kuratieren. Mein

Dank gilt neben den Leihgebern der Ausstellung, unter anderem dem Kurpfälzischen Museum

Heidelberg, auch dem Förderkreis der Kunsthalle Mannheim für die Bereitschaft Mittel

zur Verfügung zu stellen, um zahlreiche Blätter aus der gegenwärtigen Ausstellung für die

Sammlung der Kunsthalle zu erwerben. Danken möchte ich zudem dem gesamten Team der

Kunsthalle, das an der Realisierung mitgearbeitet hat, vor allem Petra Neff für die konservatorische

Betreuung. Möge die Ausstellung zur weiteren vertieften Beschäftigung mit Hanna

Nagels Werk beitragen.

Johan Holten

Direktor Kunsthalle Mannheim


Inge Herold

Hanna Nagel

Das vergessene Werk einer Pionierin feministischer Kunst


9

Zur Rezeption von Hanna Nagels Werk

Die 24-jährige Hanna Nagel schreibt 1931 an den Direktor der Kunsthalle Mannheim und fragt

um eine Ausstellung an, er ist begeistert und fünf Monate später präsentiert sie ihre Arbeiten in

dem renommierten Museum. Was für ein Debüt! Heute ist Hanna Nagel (1907–1975) in der Kunstgeschichte

zwar keine unbekannte, jedoch eine zu Unrecht vergessene Künstlerin. Der Großteil

ihres Werkes und des schriftlichen Nachlasses befindet sich noch heute in Privatbesitz und ist in

der Tiefe noch nicht gänzlich erschlossen, nur zum Teil ausgestellt und publiziert worden. Die

Rezeption dieses Werkes wird dadurch erschwert, dass es sich um Papierarbeiten handelt, die

nicht dazu geeignet sind, dauerhaft dem Publikum im öffentlichen Raum präsentiert zu werden.

Auch die Künstlerin selbst trug dazu bei, indem sie ihr kritisches Frühwerk der späten

1920er und frühen 1930er Jahre, das durch die Auseinandersetzung mit dem Verhältnis der

Geschlechter geprägt ist und das sie seit 1925 als junge Studentin an der Kunstschule in Karlsruhe

entwickelte, der Öffentlichkeit entzog. Bis zu ihrem Tod 1975 ist dieses Frühwerk selbst der

eigenen Tochter nicht bekannt. Um 1932 setzt ein Stilwandel in ihrem Werk ein, das nun mehr

und mehr eine Traumwelt visualisiert und den Nationalsozialisten keinen Anlass zur Brandmarkung

als „entartete Kunst“ bietet. Nach dem Abschluss ihres Studiums an den Vereinigten

Staatsschulen für freie und angewandte Kunst in Berlin Anfang 1932 kann die Künstlerin mit diesen

Arbeiten Erfolge und Würdigungen erzielen. 1933 erhält sie den Rompreis der Villa Massimo

und lebt dort gemeinsam mit ihrem Mann, dem Künstler Hans Fischer (1906–1987), für zehn

Monate in der italienischen Hauptstadt. 1935/36 weilt das Paar noch einmal in der Villa Massimo,

als Hans Fischer ebenfalls mit dem Rompreis ausgezeichnet wird. 1935 wird Hanna Nagel zudem

der Dürer-Preis der Stadt Nürnberg verliehen, 1937 der Kassel-Preis und sie erhält eine Silbermedaille

für Grafik bei der Weltausstellung in Paris. Bis 1944 kann sie – oft gemeinsam mit ihrem

Mann – regelmäßig an Ausstellungen teilnehmen, 1937 auch an der Großen Deutschen Kunstausstellung

in München. 1 Diese Aktivitäten werfen die Frage auf, wie sie zu den politischen Machthabern

stand. Auch wenn sie in den ersten Jahren der Etablierung nationalsozialistischer Macht

teilweise fern von Deutschland lebt, wird sie erfahren haben, dass Künstlerkolleg*innen wie etwa

Hilde Isai verfolgt werden und emigrieren, bekannte Museumsdirektoren wie Gustav F. Hartlaub

in Mannheim und Lehrer an der Karlsruher Akademie wie Karl Hubbuch aus dem Dienst entlassen

werden. Wie sie sich dazu verhält, ist durch schriftliche Zeugnisse nicht belegt. Ein Eintrag

allerdings in ihrem Ausstellungsverzeichnis vom Anfang der 1930er Jahre vermerkt: „Die entsetzlichste,

vernichtendste Kritik, die mir passierte. Dem neuen Regime hab ich das zu verdanken.“ 2

Schon 1930 betitelt sie ein Blatt „Meine Kinder sehen so jüdisch aus“ und thematisiert damit nicht

nur den zunehmenden Rassismus, sondern auch eine kritische Haltung dazu. Auch andere ihrer

Werke sprechen von der Ablehnung von Gewalt, Diskriminierung und Machtstrukturen der

Unterdrückung. Der Wandel zu einer „stilistisch gefälligen, mit träumerischen Tier- und Menschenwesen

bestückten, surrealen, rein introspektiv wirkenden Welt“, so Christine Litz, „führte

dazu, dass ihre Kunst nicht nur (unter dem Radar) geduldet wurde, sondern sie entsprach als

Idealisierung eines verinnerlichten Menschenbilds ganz dem nationalsozialistischen Kunstgeschmack

und wurde daher ausgestellt und ausgezeichnet“. 3 Dieses Urteil suggeriert, dass Hanna

Nagel ihren Stil bewusst dem Kunstgeschmack der Nazis angepasst habe. Der Stilwechsel setzt

jedoch schon vor der Machtergreifung ein und ist im persönlichen Lebensumfeld der Künstlerin

zu verorten. Als Quelle führt Litz die Tochter Karl Hubbuchs, Miriam, an, die nach dem Krieg

über Hanna Nagel urteilt, sie habe durch die Nationalsozialisten viel Geld verdient und


10

Karriere gemacht. 4 Der Bezug auf eine sehr persönlich motivierte Aussage kann leicht zu vorschneller

oder falscher Beurtei lung führen. Wie so viele Künstlerschicksale im Dritten Reich ist

auch das von Hanna Nagel komplex, lässt sich im Rückblick in allen Facetten kaum in die Kategorien

Gegnerin, Verfolgte, Anhängerin, Mitläuferin oder Profiteurin des Regimes fassen. Fest

steht, dass sie frei arbeiten und ausstellen kann, ihr kritisches Frühwerk jedoch verbirgt. Sie

gehört weder zu den von den Nazis besonders geförderten Künstler*innen, noch zu den Verfolgten.

Die von ihr archivierten Ausstellungsrezensionen dieser Zeit urteilen zudem nicht durchweg

positiv über ihr Schaffen, so ist an einer Stelle von romantischer Spintisiererei die Rede. 5 Im

„Völkischen Beobachter“ vom 25. April 1938 konstatiert Robert Scholz, dass die Arbeiten Nagels

und Fischers oft jenseits der Grenze der noch gesunden Fantasie lägen. Die Kritik in „Volksgemeinschaft“

vom 28. August 1940 zur Ausstellung in der Kunsthalle Mannheim lobt ihre lebendigen,

fantasievollen und leidenschaftlich hingeworfenen Federzeichnungen als interessante

Zustandsschilderungen aus dem menschlichen Leben, während die Besprechung in „Badische

Neueste Nachrichten“ vom 11. September 1940 die Wärme und den stillen Zauber der Mütterlichkeit

hervorhebt. Auch eine Kritik in „Daheim“ vom August 1937 zur „Großen Kunstausstellung“ in

München spricht „von warm empfundener Mutterliebe“. Mit diesem Thema entspricht sie allerdings

dem von den Nazis propagierten Menschenbild. Was und wieviel Hanna Nagel in diesen

Ausstellungen verkauft hat, ist – mit Ausnahme von Mannheim – nicht bekannt. Die wirtschaftliche

Situation der Familie jedenfalls ist angespannt, zumal die Familie wächst: 1938 kommt die Tochter

Irene auf die Welt und Hanna Nagel zieht mit ihr zur Mutter nach Heidelberg. 1939 wird Hans

Fischer zum Kriegsdienst eingezogen, es folgen, so die Tochter mit Blick auf diese Zeit, harte, entbehrungsreiche

Jahre. Nach 1945 gelingt es Hanna Nagel nicht, ihre künstlerische Karriere fortzuführen.

1946 trennt sie sich von Hans Fischer und bestreitet als Alleinerziehende, die auch ihre

eigene Mutter mitversorgt, ihren Lebensunterhalt durch Buchillustrationen, Gebrauchsgrafik für

die Firma Brown, Boveri & Cie in Mannheim, Zeichenunterricht und journalistische Tätigkeiten. Wie

im Lebenslauf vieler anderer Künstlerinnen, etwa Jeanne Mammen (1890–1976) oder Hannah

Höch (1889–1978), wirkt sich das Kriegsende nicht als positive Zäsur im Hinblick auf die künstlerische

Laufbahn aus. Auch die Arbeit als Lehrerin in Form einer Professur in Karlsruhe bleibt Hanna

Nagel versagt. Nachteilig für sie wirkt sich auch die Entwicklung der modernen Kunst hin zur Abstraktion

als avantgardistischer Bildsprache nach 1945 aus. Künstler*innen, die sich einer realistischen

Darstellungsweise bedienen, erfahren wenig Beachtung. Hanna Nagels Wiederentdeckung

setzt erst nach ihrem Tod im Jahr 1975 ein. 6 Doch nun kommt es zu sich verfestigenden Fehlinterpretationen.

Marlene Angermeyer-Deubner etwa wirft der Künstlerin vor, ihre Kunst ziele ganz und

gar auf ihre persönlichen Lebensverhältnisse ab, unterliege einer fast pathologischen Introversion.

Doch immerhin reiße sie damit ein bis heute bestehendes gesellschaftliches Problem an, räumt

die Autorin ein. 7 Allein Renate Berger würdigt bereits 1982 die frühen Federzeichnungen Hanna

Nagels als überindividuelle Erfassung weiblicher Identitätskrise und liefert 2000 eine grundlegende

Analyse ihres Frühwerks als „eine Negativutopie der Künstlerehe“. 8 Auch wenn einzelne

Werke der Künstlerin in Gesamtschauen aufgenommen werden, etwa 2017 in „Glanz und Elend in

der Weimarer Republik“ in der Frankfurter Schirn oder 2020 in „Umbruch“ in der Kunsthalle Mannheim,

bleibt der Blick auf Hanna Nagels Werk fragmentarisch. 9 Eine wichtige Grundlage für die

Beschäftigung legt Caroline Hess 2019 mit ihrer Dissertation, in der sie die Rezeption von Hanna

Nagels Frühwerk kritisch untersucht und der Frage nachgeht, warum die Künstlerin als Pionierin

feministischer und antidiskriminierender Kunst bis ins 21. Jahrhundert hinein unerkannt bleibt. 10


11

Diese Ausstellung will einen Beitrag zur weiteren, vertieften Auseinandersetzung mit der

Künstlerin liefern, mit zum Teil noch unpublizierten Arbeiten des Frühwerks, aber auch mit

einer Auswahl aus den „Dunklen Blättern“ der Jahre 1932 bis 1945. Möglich wurde sie durch den

Zugang zum Nachlass und die offene und freundliche Unterstützung der Tochter der Künstlerin.

11 Ausgangspunkt war dabei auch, dass Hanna Nagel durch Ausstellungen und Ankäufe

bereits in der Geschichte der Kunsthalle Mannheim verankert ist und so auch ein Stück Museums-

und Sammlungshistorie erzählt werden kann. Neben den frühen Studienblättern werden

Hanna Nagels kritischer Blick auf Menschen und Gesellschaft, ihre Selbstdarstellung,

ihre Sicht auf das Verhältnis der Geschlechter, ihre Auseinandersetzung mit Mutterschaft und

schließlich ihre Überführung dieser Grundthemen in eine symbolhaft-mythologische, traumhafte

Bildsprache beleuchtet. Dabei wird deutlich, wie singulär ihre Arbeiten, wie innovativ

ihr Motivschatz und ihre Bildsprache sind. Wie kaum eine andere Künstlerin ihrer Zeit hat sie

sich mit dem Thema Machtmissbrauch und Gewalt zwischen Mann und Frau auseinandergesetzt.

Dabei beleuchtet sie ein Phänomen meist aus zwei Perspektiven, nie sind die Opfer- und

Täterrolle nur einem Geschlecht zugeordnet. Doch daraus, dass sie für dieses Rollenspiel sich

und ihren Partner als Modell nimmt, resultiert ein zu Unrecht erhobener Vorwurf. Vom Werk

auf die Psyche einer Künstlerin zu schließen, erweist sich auch bei Hanna Nagel einmal mehr

als Missverständnis. In der Reduktion der Werkinterpretationen auf rein Autobiografisches

wird verkannt, worum es ihr tatsächlich geht: Erlebtes und Beobachtetes, aber zudem auch

Imaginiertes exemplarisch zu visualisieren und zu Allgemeingültigem zu verdichten, denn die

Beziehung zwischen Mann und Frau, die Familie ist Keimzelle sozialen Zusammenlebens und

daher von gesellschaftspolitischer Dimension.

Hanna Nagel und die Kunsthalle Mannheim

Als Gustav F. Hartlaub (1884–1963), der Direktor der Kunsthalle Mannheim, vom 14. Juni bis

18. September 1925 die legendäre Ausstellung „Die Neue Sachlichkeit“ zeigt, die den realistischen,

sachlichen Tendenzen der 1920er Jahre gewidmet ist, hat sich sein Augenmerk noch

nicht auf die junge, aus Heidelberg stammende Hanna Nagel gerichtet, beginnt sie doch erst

im Oktober 1925 ihr Studium an der Landeskunstschule in Karlsruhe. Ob umgekehrt Hanna

Nagel diese wegweisende Ausstellung besucht hat, ist ungewiss. Doch durch die Wahl des

Studienortes gerät sie schnell ins Zentrum der Avantgarde. Mit Lehrern wie Karl Hubbuch

(1891–1979), Wilhelm Schnarrenberger (1892–1966) und Ernst Würtenberger (1868–1934) war

die Akademie ein Zentrum der „Neuen Sachlichkeit“ mit Strahlkraft über den süddeutschen

Raum hinaus geworden. Im März 1926 besucht die Karlsruher Klasse die Mannheimer Kunsthalle

und Hanna Nagel lässt sich vor dem Eingang des von Hermann Billing 1907 errichteten Gebäudes

fotografieren (Abb. S. 208). Ihr Eintrag in ihrem Fotoalbum vom 16. März 1926 zu diesem

Foto stellt fest, dass Hubbuch es furchtbar geschmacklos gefunden habe, dass sie sich vor

der Kunsthalle fotografieren ließ – er fasst das offenbar als Anmaßung der angehenden jungen

Künstlerin auf. 12 Wenige Jahre später stellt sie hier jedoch aus: Gustav F. Hartlaub veranstaltet

vom 7. November bis 7. Dezember 1931 eine Ausstellung mit Zeichnungen von Hanna Nagel,

Heidelberg, zusammen mit Plastiken von Else Fraenkel (1892–1975), Hannover, sowie Gemälden

und Aquarellen von Franz Lenk (1898–1968), Berlin. Der Vermerk Heidelberg ist irreführend, lebt

doch Hanna Nagel zu diesem Zeitpunkt bereits seit zwei Jahren mit Hans Fischer in Berlin,

den sie im Übrigen wenige Tage nach Ausstellungsende am 15. Dezember heiraten wird.


12

1 | Hanna Nagel, Liebespaar, 1931

1932 kann sie einige ihrer Arbeiten in der

Kunsthallen-Schau „Der ‚Frauen-Spiegel‘–

Frauen leben unserer Zeit in Aquarellen,

Zeichnungen und graphischen Blättern“ zeigen.

13 1940, nun unter dem Direktorat von

Walter Passarge (1898–1958), ist Hanna Nagel

erneut in einer Ausstellung der Kunsthalle

mit dem Titel „Zeichnungen und Pastelle zeitgenössischer

deutscher Künstler“ vertreten. 14

1942 wird abermals die Zeichenkunst der Gegenwart

gewürdigt, wieder ist Hanna Nagel

dabei. 15 Nach Kriegsende widmet Passarge

1947 der „Fantasie in der Zeichnung“ eine

Ausstellung: Neben Alfred Kubin (1877–1959)

wird das Ehepaar Hanna Nagel und Hans

Fischer gezeigt. 16 Und schließlich findet vom 15.

September bis 6. Oktober 1957 eine Ausstellung von Hanna Nagels Zeichnungen anlässlich ihres

50. Geburtstages in der Kunsthalle statt, die zuvor im Heidelberger Kunstverein zu sehen war,

dort verantwortet von Hartlaub. Nach seiner Entlassung durch die Nazis 1933 lebt der Kunsthistoriker,

den man als den musealen Entdecker

Hanna Nagels bezeichnen kann, bis

zu seinem Tod 1963 in Heidelberg. Dort ist er

seit 1946 Vorsitzender des Kunstvereins und

zudem als Honorarprofessor tätig. Hanna

Nagel pflegt eine lockere Bekanntschaft

mit ihm, so ist er bei diversen Veranstaltungen

Interpret ihres 1945/46 entstandenen

Chopin-Zyklus. Der Sammlungsbestand der

Kunsthalle Mannheim umfasst heute 13 Arbeiten

der Künstlerin, die überwiegend im

Kontext der genannten Ausstellungen ins

Haus kamen: 1931 die drei Federzeichnungen

„Liebespaar“ (Abb. 1), „Sitzende Frau mit

Kindern“ (Kat. 83) und „Traum“ (Kat. 131); 1940

die vier Federzeichnungen „Liebe“ (Abb. 44),

„Angelucia“ (Abb. 2), „Abwehr“ (Kat. 62) und

„Die Lesende“ (Abb. 3); 1942 dann die Federzeichnung

„Melancholie“ (Abb. 4) sowie

noch 1944 die Lithografie „Frau mit Tuch“

(Abb. 5) und die Federzeichnung „Die Maske“

(Abb. 6). Der Bestand wird 1989 mit zwei Arbeiten

aus dem Vermächtnis Mathilde Weiss

mit „Selbstbildnis“ (Abb. 7) und „Mädchen in

2 | Hanna Nagel, Angelucia, o. J.

3 | Hanna Nagel, Die Lesende, o. J.

4 | Hanna Nagel, Melancholie, o. J.

5 | Hanna Nagel, Frau mit Tuch, o. J.


6 | Hanna Nagel, Die Maske, o. J.

7 | Hanna Nagel, Selbstbildnis, o. J.

8 | Hanna Nagel, Mädchen in Blau, o. J.

9 | Hanna Nagel, Tröstung, o. J.

Blau“ (Abb. 8) ergänzt, beide Blätter stammen aus den 1950/60er Jahren. Das ebenfalls späte

Blatt „Tröstung“ (Abb. 9) kommt zu einem unbekannten Zeitpunkt in die Sammlung. Auch von

Hans Fischer erwirbt die Kunsthalle mehrere grafische Arbeiten. 17

Die Mannheimer Ausstellung 1931

Zur Ausstellung des Jahres 1931 hat sich Korrespondenz im Altaktenbestand der Kunsthalle

erhalten, die ein interessantes Licht darauf wirft, wie schnell Hartlaub von der jungen Künstlerin

überzeugt ist und die Schau zustande kommt. 18 Die Initiative zur Ausstellung und zu den

Ankäufen geht, wie erwähnt, von Hanna Nagel selbst aus und Hartlaub reagiert, von der

Qualität überzeugt, sehr schnell. Am 14. Juni 1931 schreibt sie aus Heidelberg an Hartlaub:

„Durch eine Zeitungsnotiz bin ich darauf aufmerksam geworden, dass sie Ausstellungen junger

Künstler veranstalten. Ich frage an, ob es möglich ist, dass sie einen Zyklus ‚Selbstbiographie‘

ausstellen? Er war im Mai in der Juryfreien in Berlin ausgestellt mit guter Kritik, die

ich beilege, u. die Sie mir bitte mit ihrer Antwort zurückschicken. Ich bin Hubbuch- und Orlikschüler,

24 Jahre alt. Eine Litho ist im letzten Heft der ‚Neuen Revue‘ veröffentlicht. Der Zyklus

umfasst 92 Federzeichnungen, wovon 50 in der Juryfreien und einige in Potsdam ausgestellt

waren. Mit vorzüglicher Hochachtung Hanna Nagel.“ Schon einen Tag später bittet Hartlaub

um Zusendung der Zeichnungen, nach deren Sichtung er über eine Ausstellung entscheiden

will. Am 21. Juli 1931 schickt ihm Hanna Nagel 99 Blätter, am 10. August 1931 wiederum antwortet

Hartlaub, dass ihn die Zeichnungen sehr interessierten und er sie recht gern im Rahmen

der Herbstausstellungen zeigen wolle. Am 2. September 1931 erfolgt die Nachricht, dass

man 37 Blätter ausgesucht hat, der Rest geht wieder an sie zurück. Leider hat sich keine Liste

sowohl des Gesamtzyklus als auch der ausgestellten Werke erhalten. Es ist jedoch zu vermuten,

dass es sich um in Berlin entstandene Blätter der Jahre 1930/31 handelt, in denen sich

Nagels Technik und Themen zu einer eigenständigen Bildsprache entwickelt haben. Hartlaub,

der sich schon in den 1920er Jahren für die von ihm so genannten Künstlerphantasten Alfred

Kubin und Paul Klee (1879–1940) sowie den Belgier James Ensor (1860–1949) interessiert und

ihnen Ausstellungen widmet 19 , wird Hanna Nagels Nähe zu diesen Künstlern mit ihrer reichen,

zum Teil skurrilen Fantasie beeindruckt haben. Nach Eröffnung der Ausstellung am 7. November

1931 bittet Berta Nagel, die in Heidelberg lebende Mutter der Künstlerin, Hartlaub darum, die

lokale Presse zur Ausstellung einzuladen, da es für ihre Tochter sehr wichtig sei, in Heidelberg

bekannt zu werden. Am 15. November 1931 dankt Hanna Nagel Hartlaub für die sorgfältige

Hängung ihrer Arbeiten und bietet sie zum Kauf an: „Sollte irgendjemand (erstaunlicherweise)


14

eine Zeichnung erwerben wollen: eine Zeichnung 20, wenn es sein muss 15, aber nicht sehr

gern.“ Am 23. November 1931 fragt Hartlaub bei Hanna Nagels Mutter an, ob ein Ankauf

von drei Blättern für 45 Reichsmark möglich sei. Dies bestätigt die Künstlerin schon am

25. November 1931 aus Berlin und zeigt sich zudem erfreut, dass Hartlaub einen Aufsatz über

den Zyklus veröffentlichen will. Der Preis von 45 Reichsmark gelte übrigens nur für die ausgestellten

Werke, wie die geschäftstüchtige junge Künstlerin anmerkt, die anderen seien teurer,

da erst kürzlich entstanden, „schöner und reifer“. Am 30. November 1931 bittet Hartlaub

dann um erneute Zusendung des Gesamtzyklus, da er seine Erwerbung aus dem ganzen Konvolut

auswählen wolle. Gleichzeitig informiert er, dass ein Blatt „Tod und das Mädchen“ für

20 Reichsmark verkauft worden sei. Für die drei von ihm ausgewählten Werke bietet er am

23. Dezember 1931 den Betrag von 55 Reichsmark an. Er schließt den Brief mit der Bemerkung,

dass die Ausstellung viel Beachtung gefunden habe, auch die Presse habe „vernünftig referiert“.

Für die drei zusätzlich ausgewählten Blätter, die er für sich und die Kollegin Kronberger-Frentzen

privat ankaufen will, bietet er 45 Reichsmark an, da er wegen der „ungeheuren

Gehaltskürzungen“ nicht mehr zahlen könne. Am 2. Januar 1932 bestätigt Hanna Nagel dies

und bittet um Zahlung. Hartlaubs Plan, einen Artikel über ihren Zyklus veröffentlichen zu wollen,

scheitert schließlich, da, wie er am 30. Januar 1932 schreibt, die dafür ausersehene Zeitschrift

„Kunst und Künstler“ eingehe. Interessant ist im Kontext der beginnenden Künstlerkarriere

Hanna Nagels, dass sich auch ihr Lehrer Emil Orlik (1870–1932) aus Berlin zu Wort meldet: Am

20. November 1931 schreibt dieser an Hartlaub, er freue sich sehr, dass er die Arbeiten dieses

so „begabten, merkwürdigen Mädchens“, seiner Schülerin, ausstelle: „Sie arbeitet immer

noch unter meiner Leitung, es ist nicht leicht sie zu führen – denn sie ist ein eigenbrödlerischer

Mensch! Aber sie ist jetzt auf dem Wege noch fortzuschreiten“, urteilt der Lehrer. „Sie haben

recht: eine große und merkwürdige Begabung – doch wird sie sich davor hüten müssen, daß

man sie immer wieder nur als Objekt der Psychoanalyse nicht als Künstlerin an sich sieht“,

schreibt Hartlaub am 23. November 1931 weitsichtig und die Presse-Rezensionen vor Augen an

Emil Orlik zurück. In der Tat bestätigt der Tenor der Kritiken 20 diese Einschätzung: In „Badische

Neueste Nachrichten“ vom 28. November 1931 heißt es, dass die persönlichen Motive wie Symbole

nach einer tiefenpsychologischen Analyse geradezu schrien, werden jedoch auch als

Zeitdokument erkannt. Eine andere Kritik würdigt Nagels merkwürdige zeichnerische Begabung

und betrachtet die Arbeiten als zwanghafte Entladung von persönlichen Erlebnissen. 21

Alle Rezensionen stellen die starke Ichbezogenheit fest, „illustrative Beiträge zur Lehre Freuds“,

würdigen aber durchweg die hohe technische Meisterschaft in der „Griffeltechnik“. Sie selbst

notiert, offenbar zufrieden und ohne sich von den tendenziösen psychologisierenden Bewertungen

beeindrucken zu lassen, in ihr Fotoalbum: „Ausstellung in Mannheim, Kunsthalle, gute

Kritiken. Danke.“

Hanna Nagels Anfänge in Karlsruhe

Zum Zeitpunkt der Ausstellung Ende 1931 hat Hanna Nagel bereits eine fundierte Ausbildung

erfahren, ihre Themen gefunden und ihre Technik perfektioniert. Wie war ihr Weg bis dahin

verlaufen? Ihr Lebensplan, Künstlerin zu werden, findet früh ihre Unterstützung in der Familie.

Der kunstsinnige Vater, der sich im Heidelberger Kunstverein engagiert, ist ein wohlhabender

Kaufmann im Ruhestand, 27 Jahre älter als seine zweite Frau Berta, die bis zur Heirat als Lehrerin

arbeitet. Die Tochter erhält privaten Zeichenunterricht und sechs Jahre Klavierstunden


10 | Hanna Nagel, Fotoalbum, 1928

(Bei den Aktmodellen handelt es sich nicht um Hanna Nagel)

am Konservatorium in Heidelberg. Ihr Vater

ist erst wenige Monate tot, als Hanna Nagel

im Frühjahr 1924 die Schule abschließt. Vor

dem Beginn des Studiums absolviert sie eine

für die Zulassung notwendige Handwerkslehre

im Fach Buchbinderei. Im Oktober 1925

geht sie an die Badische Landeskunstschule

in Karlsruhe und studiert dort vier Jahre lang

bis September 1929. Ein Jahr vor der üblichen

Studienzeit, die sich in eine einjährige Vorbereitung,

eine zweijährige Ausbildung in Fachklassen

und eine zweijährige Meisterklasse

gliedert, wird sie 1927 Meisterschülerin. Sehr

persönliche Quelle der Studienjahre ist das

schon zitierte Fotoalbum, das sie mit Kommentaren

versieht (Abb. 10). Offen und schonungslos

berichtet sie über Erlebnisse, die

Fortschritte ihrer Studien, über die Menschen,

die sie schätzt oder ablehnt. So schreibt sie

im Oktober 1925: „Ein neuer Lebensabschnitt,

Kunstschule und Stift… Ich schmeiß mich

auf die Kunscht! Von Montag bis Mittwoch:

Schnarrenberger, Gebrauchsgrafik. Von Donnerstag

bis Samstag Hubbuch, die 36jährige

Bestie Mann. Abends von 16–9 Abendakt,

ich verlerne Prüderie, hoffentlich lern ich die Gemeinheit nicht dazu. Ich sehe, daß ich Talent

hab.“ Die Notizen auf ihren Studienblättern zeigen, dass sie außerdem bei Hermann Gehri

(1879–1944) als Lehrer in figürlichem Zeichnen Unterricht hat und schließlich 1927 Meisterschülerin

von Walter Conz (1872–1947) wird, der die Grafikklasse leitet. „Meine vier Lehrer:

Schnarrenberger hat mich kalt gelassen. Conz ist mir zu hochmütig, er verachtet mich und

ich bin stolz. Gehri ist entzückend zu mir. Ihn hab ich gern, manchmal auch sehr gern.“ Nach einer

Schwärzung folgt: „Er hat mir für vieles das Verständnis beigebracht, u. der bedeutendste

von den vieren ist er. Ich verdanke ihm so ziemlich alles. Er hat Wurstfinger und wundervolle

Augen und zeichnet so sehr gut“, notiert sie im September 1928. Anders als von Caroline Hess

angenommen ist der Bezug des Teils nach der Schwärzung zu korrigieren, sie spricht hier von

Hubbuch und nicht mehr von Gehri. 22 Am 18. Dezember 1925 schreibt sie unter ein Foto der

Hubbuch-Klasse: „Er will mich absolut zur neuen Sachlichkeit verführen, aber dazu mach ichs

zu sehr mit dem ‚Gefühl‘, Hubbuch ärgert sich und ich mach weiter...“ Dennoch übernimmt sie

letztlich seinen zeichnerischen klaren Stil, die Betonung der Kontur, den schonungslosen Blick

auf das Modell. „Bei Hubbuch wurde ich gehalten, das Einmalige, die ans Groteske grenzende

Besonderheit einer Erscheinung in fast karikaturistischer Zuspitzung zu packen“, schreibt sie

später. 23 Dass das Verhältnis zu Hubbuch emotional aufgeladen und konfliktbeladen ist, erschließt

sich schon aus diesen wenigen Zeilen. Hubbuch war erst seit 1924 als Lehrer an der

Akademie tätig und seit Oktober 1925 Leiter der Zeichenklasse. Hanna Nagels Vorbehalte


11 | Hanna Nagel, Ohne Titel (Eifersucht), 1929 (Detail von Kat. 9)

bzw. der wachsende Widerstand gegen ihn gelten, so Caroline Hess, die das

Verhältnis beleuchtet und Hubbuchs Rolle als Lehrer darstellt, vor allem dessen

Frauenbild und seinem Umgang mit den weiblichen Modellen. 24 Im April

1927 kommt es zu einem Vorfall, der schließlich im Rausschmiss Hanna

Nagels aus Hubbuchs Klasse mündet, so ihre Darstellung vom 29. April im

Fotoalbum: „Die Affäre Hubbuch ist also gründlich aus… ‚Sie haben über

mich geschimpft, deshalb rate ich Ihnen aus meiner Klasse zu gehen. Sie

sind unehrlich, weil ich sie gelobt habe, hat Sie der Größenwahn gepackt.

Sie sind von großer Taktlosigkeit, hintenrum schimpfen Sie, und vorne profitieren

Sie von mir. … Gehen Sie!‘“, zitiert sie den Lehrer und schließt: „Wie

bin ich auf einen solchen Bauern hereingefallen. Es tut sehr weh.“ Offenbar

schätzt die junge Studentin den Lehrer nicht nur als Künstler. Auch nach diesem Ereignis gibt

es immer wieder Hinweise in ihrem Foto album, die das vermuten lassen. Unabhängig davon,

wie das emotionale Verhältnis zwischen den beiden war, bleibt zu konstatieren, dass Hanna

Nagel sich bildnerisch intensiv mit der Situation an der Akademie beschäftigt hat. Neben

den reinen Studien, die sie von weiblichen wie männlichen Modellen macht, gibt es eine Reihe

von bemerkenswerten Blättern, die die Geschlechter- und Rollenverhältnisse an der Schule

beleuchten. Wie Caroline Hess zeigt, geht es hier auch immer wieder um Fragen der Diskriminierung,

um sexuelle Übergriffe, um männlich dominierte Machtstrukturen. Vergegenwärtigen

muss man sich in diesem Kontext, dass es nicht lange vor Hanna Nagels Studienbeginn,

nämlich 1919, Frauen überhaupt erst erlaubt ist, zu wählen und an einer Akademie zu studieren.

Auch das Aktzeichnen männlicher Modelle außerhalb privater Akademien ist ein

Fortschritt im Hinblick auf die Gleichberechtigung. Dennoch bleiben die etablierten Machtverhältnisse

erhalten. 25 Die Zahl der Studentinnen ist hoch, das lässt sich schon an Hanna

Nagels Fotos der Studienklassen ablesen,

doch sind die Lehrer durchweg männlich.

Und sexuelles Nutzungsrecht an weiblichen

Modellen war, so der Künstler Rudolf

Schlichter (1890–1955), Teil des Lehrplans. 26

Gerade die Beziehung zwischen Hubbuch

und seiner Schülerin Hilde Isai (1905–1971)

wird von Hanna Nagel häufig thematisiert.

Hilde Isai ist von 1926 bis 1929 Studentin an

der Landeskunstschule und heiratet 1928

Hubbuch. Kurz danach zeigt Hanna Nagel

im Februar 1928 die beiden in einer die Abhängigkeit

thematisierenden Radierung

(Kat. 35). Hubbuch schreitet, durch eine Zeichenmappe

als Künstler gekennzeichnet,

forsch voran und zieht Isai an einer um ihre

Hände gebundenen Leine hinter sich her.

In einer kleinen 1929 entstandenen Skizze

ist die vor Eifersucht rasende Isai wiederum

im Begriff, den untreuen Hubbuch, der eine

12 | Hanna Nagel, Hundertmal Isai, 1929 (Kat. 10)


13 | Karl Hubbuch, Viermal Hilde, um 1929

Lithokreide, Aquarell, 73, 5 × 100 cm, Staatliche Kunsthalle Karlsruhe

17

andere Frau auf dem Schoß hat, mit dem

Messer zu attackieren (Abb. 11). Auf einem

anderen Blatt vom Januar 1929 steht Hilde

Isai halbnackt hinter dem Künstler und lenkt

seinen Arm, der damit beschäftigt ist, an einer

vierfachen Akt-Darstellung ihrer selbst

auf einer großen Leinwand zu malen (Abb.

12). Thema ist die sexualisierte Besessenheit

des Künstlers von seinem Modell. Isai

ist nicht nur ganz real das Objekt seiner Begierde,

sie beherrscht und beflügelt auch

seine Kunst. Doch, so Renate Berger, die Intimität

scheint sich verbraucht zu haben, die

erlebte Wirklichkeit ist längst zum Motor für

die Vervielfältigung des Immergleichen in

der Kunst geworden. 27 Einerseits kritisiert Nagel hier die Kunst Hubbuchs, andererseits zeigt

sie, dass Isai zwar Hubbuchs Schaffen beherrscht, dies jedoch auch seine Kehrseite hat, denn

ihre Funktion bleibt letztlich eine dienende. Durch sie findet Hubbuch seine Inspiration, während

sie selbst als Künstlerin kaum Wirkung entfalten kann. Hanna Nagel wird Hubbuchs im

April 1929 fertiggestelltes Gemälde „Viermal Hilde“, zu dem eine Vorzeichnung existiert, gekannt

haben, scheint ihr Blatt doch wie ein Kommentar darauf (Abb. 13). Ein weiteres Akt-Bild

des Künstlers scheint einen Bezugspunkt darzustellen, es ist hinter ihm auf einem Atelierfoto

zu sehen (Abb. 14). Hanna Nagel beweist in diesen Darstellungen neben dem scharfen Blick

auf Abhängigkeitsverhältnisse ihr besonderes Interesse an dramatischen Rollenspielen, das

sie ab Mitte 1929 in der Besetzung mit Hans Fischer als Partner künstlerisch ausleben wird.

Frühe Rollenspiele und Lebensmodelle: Vom Scheitern und Ausgeschlossensein

Eine andere Thematik, die Hanna Nagel im Kontext des Studiums beschäftigt, ist die des Ausgeliefertseins

und der Versagensängste im Rahmen einer Prüfung. Eine 1926 oder 1927 entstandene

Radierung 28 zeigt eine elegante junge Frau, die in schüchterner Haltung vor der an

einem Tisch sitzenden Prüfungskommission steht (Kat. 2). Nur einer der drei Männer schaut

auf das zu prüfende künstlerische Material, die anderen beiden mustern die attraktive Kandidatin.

Als Hanna Nagel im Oktober 1929 an die Akademie nach Berlin

wechselt, setzt sie sich in mehreren Federzeichnungen erneut mit

dem Motiv der Prüfung und des Scheiterns auseinander, ohne die Erfahrung

selbst gemacht zu haben. „Durchgefallen“ lautet das vernichtende

Urteil, mit dem sie ein Blatt betitelt, auf dem die Studentin mit

demütig geneigtem Kopf vor dem Prüfer steht (Kat. 4). Zwei weitere

Blätter spielen die Folgen der Ablehnung durch, „In der Prüfung durchgefallen.

Verschiedene Arten des Selbst mords“: Strick, Tablette, Dolch

stehen hier als Methoden zur Wahl, während das andere Blatt die Option

„Vom Funkturm springen?“ vorschlägt (Kat. 3, 5). Das Thema Suizid

taucht schon 1927 in ihrem Fotoalbum auf: „Im Mai spielt man wohl immer

mit Selbstmordgedanken. Der Gedanke an den Hubbuch sticht.

14 | Karl Hubbuch vor seinem Aquarell „Drei Modelle“, nach 1926

Fotografie von Hilde Hubbuch, Münchner Stadtmuseum


15 | Hanna Nagel, Ohne Titel (Gruppensuizid), 1928 (Kat. 67)

Warum kann ich nie glücklich sein?“, schreibt sie am 1. Mai

1927. In einer 1928 entstandenen Radierung inszeniert sie

einen Gruppen suizid, dessen Auslöser im Ungewissen

bleibt (Abb. 15). Wie eine Balletttruppe folgen hier sieben

Personen einer befremdlichen Choreografie, darunter

erkennbar unten links Hilde Isai, in der Mitte rechts Karl

Hubbuch, links Hans Fischer, oben rechts Hanna Nagel

selbst. Alle halten einen Revolver in der rechten Hand, den

sie auf sich selbst richten. Über der Szene schwebt mit segnenden

Händen Christus. So kann die Darstellung einerseits

als Kritik daran gelesen werden, dass die katholische

Kirche im Codex Iuris Canonici von 1917 die Selbsttötung

als einen Ausschlussgrund für eine kirchliche Begräbnisfeier

ansah, andererseits aber auch als Bild der emotionalen

Verflechtungen innerhalb der Akademie. „Ich erhoffe alles

von Berlin“, notiert Hanna Nagel, dem Studienortwechsel

im Herbst 1929 hoffnungsvoll entgegenblickend, doch

kaum dort angekommen, klebt sie ein Foto des drei Jahre

zuvor errichteten, 138 Meter hohen Funkturms in ihr Fotoalbum

und schreibt dazu: „Das ist der Turm, von dem ich

springe, wenn ich nicht mehr mag. Finis.“ Ob dieser Kommentar

von ernsthafter Verzweiflung spricht, muss offenbleiben.

Jedenfalls setzt sie in einer auf den Oktober 1930

datierten Federzeichnung mit dem Titel „Selbstmordkandidaten“ diese Option in Szene und

zeigt auf sarkastische Weise, wie die Selbstmorde vom Berliner Funkturm zu einem gut organisierten

Massenphänomen werden (Abb. 16). „Samstag Mittag ist der Funkturm für Selbstmordkandidaten

freigegeben. Die Beerdigung kostet 100,- und kann sofort erfolgen.

Vorheriger kirchlicher Zuspruch 20,- extra. Zuschauerkarten 3,50. – Absprung nur alle 10 Minuten.

Publikum wird gebeten, Hurra rufe zu unterlassen. Der Magistrat Berlin“ steht auf einem

großen Schild. Das Thema Suizid hat in Literatur und Kunst um die Jahrhundertwende

bis in die 1920er Jahre geradezu Konjunktur,

man denke an Arbeiten von Max Klinger

(1857–1920), Heinrich Zille (1858–1929), Käthe

Kollwitz (1867–1945), George Grosz (1893–1959)

oder Oskar Nerlinger (1893–1969). 29 1927 erscheint

gar eine Publikation, die sich mit dem

Thema beschäftigt, möglicherweise war sie

Hanna Nagel bekannt: Der Augsburger Journalist

Hans Rost (1877–1970) veröffentlicht

1927 eine „Bibliographie des Selbstmordes“,

die Literatur zu verschiedenen Techniken der

Selbsttötung, aber auch zu Phänomenen wie

Doppel-, Familien- und Massensuizid, zum

sogenannten Werther-Effekt oder zum Suizid

16 | Hanna Nagel, Selbstmordkandidaten, 1930 (Kat. 68)

17 | Oskar Nerlinger, Der letzte Ausweg, um 1930/31

Deckfarben, Spritztechnik, 73 × 51,1 cm, Kupferstichkabinett, Staatliche Museen zu Berlin


19

bei Soldaten verzeichnet. 30 Vergleicht man Hanna Nagels Darstellungen mit Oskar Nerlingers

1930/31 entstandener Papierarbeit „Der letzte Ausweg“, fällt ihr zynischer, ironischer Charakter

auf, der der dramatischen Inszenierung Nerlingers konträr entgegensteht (Abb. 17). Die in

diesen Blättern angesprochenen Aspekte des Ausgeliefertseins, der Ablehnung, Ausweglosigkeit,

des Scheiterns von Träumen und Nichterreichens von Zielen werden von Hanna Nagel

auch in späteren Jahren immer wieder behandelt. Besonders eindringlich in einer 1930/31

entstandenen Folge von vier Blättern, in denen sie ausgehend von einer formalen Grundkonstellation

verschiedene Szenen durchspielt. Sie erzählen erneut davon, dass die junge Künstlerin

die Rollenmuster innerhalb der männlich dominierten Institution Akademie durchschaut

und kritisch kommentiert. In „Die, die schlafen“ (1930) zeigt sie vor einer dicht gedrängten

Menge von offenbar demonstrierenden Frauengestalten eine Gruppe von sechs dunkel gekleideten,

honorigen Männern – darunter vom Bildrand angeschnitten der Kopf Hans Fischers –,

die mit geschlossenen Augen nach rechts blicken, ohne Notiz von den, vermutlich, Studentinnen

zu nehmen (Kat. 73). Obwohl diese Männer von ihnen als Modelle, Inspiratorinnen und

Mitarbeiterinnen profitieren, scheinen sie ihre Forderungen und Wünsche zu ignorieren. In einer

anderen, unbetitelten Version verändert Hanna Nagel den Hintergrund, hier sitzt ihr Alter

Ego allein auf den Stufen eines Hörsaals, vorne ist nun deutlich, oberhalb von Hans Fischer,

Karl Hubbuch zu erkennen (Kat. 72). Ob es sich um eine Prüfungssituation handelt, bleibt offen,

jedoch ist deutlich, dass sich Hanna Nagel nun selbstbewusster in das Umfeld der Professoren

einfügt. Doch sie ist allein, gehört nicht dazu, bleibt Beobachterin, als fürchte sie, die an

sie gestellten Erwartungen in einer von Männern beherrschten Welt nicht erfüllen zu können.

In der 1931 entstandenen Variante „Die Regierenden und die Künstlerin“ zeigt sich die Künstlerin

hinter Gittern, davor sieht man die schon bekannten Protagonisten, die wieder – ohne von

ihr Kenntnis zu nehmen – starr nach rechts schauen oder die Augen geschlossen haben (Kat.

74). Obwohl isoliert, lacht sie und scheint im Bewusstsein der Überlegenheit den Vertretern

der Macht und des anderen Geschlechts die Stirn zu bieten. Doch auch eine andere Lesart ist

möglich: Wenn es keinen Grund zum Lachen gibt,

lacht nur derjenige, der aufgegeben oder verloren

hat. Eine letzte Variante fokussiert schließlich auf

das Motiv des Gefangenseins in einer Interpretation

der Ausweglosigkeit: Ohne den Konkurrenz- oder Abhängigkeitsaspekt

anzusprechen, steht die weibliche

Gestalt allein hinter Gittern, Personifizierung des

Ausgeschlossenseins (Kat. 75). Eine ganz andere Darstellung

des Scheiterns von Ambitionen gibt sie in einem

im Januar 1929 gezeichneten Blatt mit dem Titel

„Meine Zukunft, wie sie sein wird“ (Abb. 18, links). Hier

imaginiert sie ihren in Auftragsarbeit mündenden

Werdegang – die künstlerischen Ambitionen enden im

Dekorieren von Puppen. Wie in späteren Blättern verleiht

sie ihrem Erscheinungsbild mit dem kurzen Haar

einen sehr maskulinen Charakter, der durch die auffällige

runde Hornbrille noch verstärkt wird. Bekanntlich

spiegelte sich der erweiterte Handlungsraum für

18 | Hanna Nagel, Meine Zukunft, wie sie sein wird, 1929; Träume!, 1928 (Details von Kat. 8)


20

Frauen in den 1920er Jahren rein äußerlich in der Mode der Zeit wider, mit den kürzeren

Kleidern sowie den sportlichen Kurzhaarfrisuren. Doch kann das medial weitverbreitete

Bild der „neuen Frau“ nicht darüber hinwegtäuschen, dass die große Mehrheit der Frauen

ihre Individualität nur in den Grenzen der sozialen und geschlechtsspezifischen Möglichkeiten

ausleben konnte. In Ausbildung, Beruf, Familie und auch in der Freizeit waren viele

Frauen weiterhin nur „grundsätzlich“ gleichberechtigt, hofften aber, dass ihnen Selbstverwirklichung

und Verantwortung für das eigene Leben ermöglicht würde. Hanna Nagel

scheint dieser Hoffnung durch die Androgynisierung ihres Äußeren Ausdruck zu verleihen.

Auf denselben Bogen hat sie auch die Skizze eines anderen Lebensmodells geklebt: Unter

dem Titel „Träume“ stellt sie Ehe und Mutterschaft zur Disposition (Abb. 18, rechts). Das Kind

hält hier allerdings der zukünftige Ehemann Hans Fischer auf dem Arm. In ihrem Äußeren

wirken die beiden beinahe wie Zwillinge, lediglich durch die geschlechterspezifische Kleidung

unterschieden: Gleichberechtigung oder Rollentausch scheint möglich. Der Gedanke

an Gleichstellung im Hinblick auf die künstlerische Arbeit wird schließlich in einer im Dezember

1930 entstandenen Federzeichnung formuliert, in der Schüler*in und Lehrer einander auf

Augenhöhe begegnen (Kat. 120). Während Hubbuch am Tisch eine Arbeit erläutert, stehen

Hanna Nagel und Hans Fischer in Arbeitskleidung mit verschränkten Armen daneben: Haltung

und Blicke sprechen von distanzierter Skepsis, letztlich von Eigenständig- und Unabhängigkeit.

Der Werktitel „Die falsche Dreizahl“ weist noch auf einen weiteren Aspekt hin:

die Paarbeziehung im konfliktreichen Spannungsfeld zwischen drei Personen.

Menschenstudien

Hanna Nagel hat immer wieder auf großen Papierbögen mehrere Skizzen zu einem kaleidoskopartigen

Arrangement zusammengefügt (Kat. 1, 6–9, 11-14). Neben beobachteten oder

fantasierten Szenen gibt es Studien aus dem Unterricht, in denen sie nicht nur die Modelle

zeichnet, sondern auch ihre Kommiliton*innen bei der Arbeit. Zum Teil sind sie beschriftet,

nennen den Lehrer oder bieten tagebuchartige Einblicke in ihr Privatleben: „Ich soll mehr erleben,

nicht mehr samstags nach Hause fahren, weil ich da zu sehr ins bürgerliche abrutsche,

allein nach Berlin, Weltgetriebe, aus Karlsruhe raus […] Sagt Hubbuch, der ekelhafte Unfehlbare.“

Das auf März 1927 datierte Blatt mit dieser Aufschrift zeigt den „lieben“ Hans Fischer

beim Zeichnen (Kat. 7). In der Kombination von Skizzen aus verschiedenen Zeitphasen lässt

sich Hanna Nagels künstlerische Entwicklung ablesen, von einer scharf konturierenden hin

zu einer malerischeren Darstellung, die mit

dem Wechsel nach Berlin zusammenfällt,

den sie schließlich 1929 vollzieht. Allen gemeinsam

ist das sichere Erfassen von Personen,

Haltungen, Situationen, wobei in den

frühen Arbeiten die Hubbuch zu verdankende

Tendenz zum Grotesk-Karikaturartigen,

zu schonungsloser wie typisierender Überzeichnung

auffällt. Hanna Nagel nimmt die

hervorstechenden, oft unschönen Merkmale

ihrer Modelle ins Visier, seien es eine besonders

ausgeprägte Hakennase oder schwer

19 | Hanna Nagel, Großmutter, 1926

20 | Hanna Nagel, Bei Conz (Modell an der Radierpresse),

1929



216

Bibliografie (Auswahl) |

Bibliography (Selection)

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Ellen Schäfer, Hanna Nagel. Fantasien

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Kunstverein: zwischen Avantgarde und

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Barbara König, 50 Werke von Meisterinnen.

Ein Museumsführer für Baden-Württemberg,

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Caroline Hess, Hanna Nagels

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Diskriminierung, Norderstedt 2019,

zugleich Dissertation | also PhD diss.

Universität der Künste Berlin

Inge Herold, Drei Künstlerinnen der

Moderne: Anita Rée, Hanna Nagel,

Jeanne Mammen, in: Umbruch, Ausst.-

Kat. | exh. cat. Kunsthalle Mannheim,

Berlin 2020

Joanna Wendel, Cocottes, Garçonnes and

Cowboys: Gender and Figuration in the

Work of George Grosz, Karl Hubbuch and

Hanna Nagel, 1915–1935, Dissertation | PhD

diss. Graduate School of Arts and

Sciences, Harvard University 2020

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Curator and project management

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2022 / alle Fotos | all photos Rainer Diehl,

mit Ausnahme von | except Kat. | cat. 69

(Kurpfälzisches Museum Heidelberg,

K. Gattner) und Abb. | and figs. 1–7, 9

und | and Kat. | cat. nos 62, 83, 131 (Cem

Yücetas)

Annette Sohn, Rekonstruktion der Ausstellungs

tätigkeit der Graphikerin

Hanna Nagel für den Zeitraum 1931–1949

anhand der von ihr selbst gesammelten

Kritiken, Magistra-Arbeit | master’s thesis

Osnabrück 1994

Frauen im Aufbruch? Künstlerinnen

im deutschen Südwesten 1800–1945,

Ausst.-Kat. | exh. cat. Städtische Galerie

Karlsruhe, Karlsruhe 1995

Simone Christiane Ziegler, Wer bin ich – Wer

seid ihr? Der weibliche Blick im graphischen

Frühwerk Hanna Nagels, Magistra-Arbeit |

master’s thesis Marburg 1996

Kai Artinger, Hanna Nagel (1907–1975), in:

Britta Jürgs (Hg. | ed.), Leider hab ich’s

Fliegen ganz verlernt. Portraits von Künstlerinnen

und Schriftstellerinnen der Neuen

Sachlichkeit, Berlin 2000, S. | pp. 46–67

Renate Berger, „Es bleibt nur dies: die eine

Hand, dies eine Herz“. Zu Hanna Nagels

frühen Zeichnungen (1929–1931), in: Renate

Berger (Hg. | ed.), Liebe Macht Kunst.

Künstlerpaare im 20. Jahrhundert, Köln |

Cologne 2000, S. | pp. 327–356

Impressum | Colophon

Diese Publikation erscheint anlässlich

der Ausstellung „Hanna Nagel“ in der

Kunsthalle Mannheim vom 8. April bis

3. Juli 2022 | This catalogue is published

on the occasion of the exhibition “Hanna

Nagel” at the Kunsthalle Mannheim from

April 8 to July 3, 2022.

Herausgegeben von | Edited by

Inge Herold und | and Johan Holten

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