Christian Schwarz: Und als die sieben Tage um, war in der Arche ein Gebrumm (Leseprobe)
Der badische Pfarrer Christian Schwarz erzählt in seinen klug und feinsinnig gereimten Bibelgeschichten von den »Grufti-Eltern« Abraham und Sara, vom Leben mit der Mafia (David und Abigail), der »Beziehungskiste« zwischen Paulus und den Korinthern oder vom Burnout des Propheten Elia in der Wüste. Die dreizehn Geschichten sind überwiegend dem Alten Testament entnommen, darunter die »männermordenden Emanzen« Debora und Jael sowie der »haarsträubende« Simson. Augenzwinkernd und mit viel sprachlichem Geschick erweckt Schwarz die biblischen Personen in ihren Licht- und Schattenseiten zum Leben. Höhepunkt ist die wechselvolle Geschichte des vorlauten Jüngers Petrus »Peter the Rock«, der als zerbrochener »Fels« in einer berührenden Szene von Jesus wieder zusammengefügt wird. Geeignet sind die Reimgeschichten neben der Verwendung im Gottesdienst für das Vorlesen in Gemeindegruppen, in der Schule oder einfach für die private Lektüre.
Der badische Pfarrer Christian Schwarz erzählt in seinen klug und feinsinnig gereimten Bibelgeschichten von den »Grufti-Eltern« Abraham und Sara, vom Leben mit der Mafia (David und Abigail), der »Beziehungskiste« zwischen Paulus und den Korinthern oder vom Burnout des Propheten Elia in der Wüste. Die dreizehn Geschichten sind überwiegend dem Alten Testament entnommen, darunter die »männermordenden Emanzen« Debora und Jael sowie der »haarsträubende« Simson.
Augenzwinkernd und mit viel sprachlichem Geschick erweckt Schwarz die biblischen Personen in ihren Licht- und Schattenseiten zum Leben. Höhepunkt ist die wechselvolle Geschichte des vorlauten Jüngers Petrus »Peter the Rock«, der als zerbrochener »Fels« in einer berührenden Szene von Jesus wieder zusammengefügt wird. Geeignet sind die Reimgeschichten neben der Verwendung im Gottesdienst für das Vorlesen in Gemeindegruppen, in der Schule oder einfach für die private Lektüre.
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Christian Schwarz
Und als die
sieben Tage um,
war in der Arche
ein Gebrumm
Gereimte Bibelgeschichten
Vorwort
Der Mönch Otfrid von Weißenburg im
9. Jahrhundert war der erste, der Bibeltexte
in deutscher Sprache in Reime setzte. Als
kluger Pädagoge hatte er erkannt: Reime
machen Zuhören und Lesen kurzweilig und
bescheren darüber hinaus ein ästhetisches
Erlebnis.
Die biblischen Reimgeschichten in diesem
Büchlein stehen in dieser Tradition.
Ursprünglich sind sie allesamt im Gottesdienst
gepredigt worden. Selten wurde so
intensiv zugehört! Was nun nicht allein
am Reimschema liegt, sondern auch an den
biblischen Personen, bei denen Menschliches
und allzu Menschliches eng beieinander
liegen. Da sind die »Grufti-Eltern«
Abraham und Sara, die »männermordenden
Emanzen« Debora und Jael sowie der
»haarsträubende« Simson. Vom Leben mit
der Mafia und der ›Beziehungskiste‹
zwischen Paulus und den Korinthern wird
erzählt, vom Burnout in der Wüste des
Propheten Elia und einer Alternativmedizin,
die dem Syrer Naaman Heilung bringt.
Augenzwinkernd werden die biblischen
Personen in ihren Licht- und Schattenseiten
zum Leben erweckt. Höhepunkt ist die
wechselvolle Geschichte des vorlauten
Jüngers Petrus »Peter the Rock«, der als
zerbrochener »Fels« in einer berührenden
Szene von Jesus, dem Seelsorger wieder
zusammengefügt wird.
Geeignet sind die Reimgeschichten neben
der Verwendung im Gottesdienst für
das Vorlesen in Gemeindegruppen, in der
Schule oder für die private Lektüre.
Inhalt
6 Männermordende Emanzen – Debora und Jael
14 Tödliche Leidenschaft – David und Batseba
22 Haarsträubend – Simson und die Philister
34 Mit allen Wassern gewaschen – Noah und die Arche
42 Heilwasser aus dem Jordan – Elisa und Naaman
50 Beziehungskiste – Paulus und die Korinther
58 Mit der Mafia leben – David und Abigail
64 Mit Burnout in die Wüste – Elia
74 Durch Dornen zur Freiheit – Mose
84 Grufti–Eltern – Abraham und Sara
92 Dickschädel – Saul und Samuel
104 Auf krummen Wegen gerade – Jakob
118 Der große Crash von Peter »the Rock« – Petrus
Männermordende
Emanzen
(Richter 4)
Debora
und Jael
Männermordende Emanzen – Debora und Jael
Es war vor ziemlich langer Zeit
im Lande Israel so weit,
dass Gott sein Volk mit Not beschwerte,
weil dieses sich um ihn nicht scherte.
Mit Feinden wurde es bestraft
und war im Handumdreh’n versklavt.
Verkauft an einen fremden König,
da jammerte das Volk nicht wenig
und rief zu Gott mit lauter Stimm’:
»Ach, hilf, Herr, unser Schrei’n vernimm!
Wir folgten Göttern, die man sieht,
die man mit Goldstaub überzieht,
mit Schnitzereien kunstvoll ziert
und also dann dem Volk vorführt,
wir trauten ihnen mehr als dir,
du scheinst uns oft so fern von hier.
Doch dass du lebst, zeigt deine Strafe;
so komm nun, Hirte deiner Schafe!
Willst du nicht unsre Not beenden
und nach dem Zorn dich zu uns wenden,
nach dem Gericht an Gnade denken
und einen neuen Anfang schenken?«
So schrie das Volk nun unaufhörlich,
denn seine Lage war beschwerlich.
Doch musste erst viel Zeit verstreichen,
dann endlich ließ sich Gott erweichen,
worauf er sprach zu einer Frau –
jawohl, du Leser, hör’s genau,
zu einer Frau kam Gottes Wort:
Debora hieß sie und war dort
in Israel die Richterin.
Wer Unrecht litt, ging zu ihr hin.
Die macht sich Gott zu seinem Mund,
tut seinen Willen durch sie kund.
Was sie dann sagt, das ist nicht viel,
doch dadurch kommt ein Mann ins Spiel:
»Holt Barak«, schickt sie Boten hin,
»ich hab ein Wort des Herrn für ihn.«
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Als Barak kommt, ist er sehr still,
er ahnt schon, was Debora will,
und hätte wohl sehr gern gesehn
den Kelch an sich vorübergehn.
»Sag, hat denn Gott dir nicht befohlen,
dir Männer für den Kampf zu holen,
vom Acker weg und von der Herde,
dass Gottes Heerschar daraus werde,
aus Naftali und Sebulon?
Zehntausend Kämpfer warten schon!
Versammle sie am Tabor-Berg,
dort tut der Herr sein Siegeswerk
an Sisera und seinem Heer,
dass keiner bleibet übrig mehr.«
So kommt, was ich hier sagen will,
nunmehr der zweite Mann ins Spiel:
Denn Sisera war dazumal
vom Feindesheer der General.
Da schüttelt Barak nur das Haupt
und sagt: »Ein Narr muss sein, wer glaubt,
wir könnten unsre Feinde schlagen,
der Sisera hat tausend Wagen!
Mit Holz und Knüppeln gegen Eisen,
sie werden uns in Stücke reißen!
Du sagst, Gott selbst wird für uns streiten,
das mag schon sein, doch sag’s den Leuten,
die ihren Hals hinhalten müssen,
sich schlagen lassen und erschießen,
derweil du fern vom Kampfgetümmel
sitzt unter deinem Palmenhimmel
und ahndest Bagatellverbrechen,
statt Mut uns Kämpfern zuzusprechen.
Nur eine Lösung kann ich sehen:
Du musst zum Kampfe mit uns gehen.
Gott ist so fern, doch du bist nah:
Bist du bei uns, dann ist er da!«
Debora überlegt nicht lange
und sagt: »So sei’s. Mir ist nicht bange.
Wie du es willst, so soll’s geschehn,
ich will zum Kampfe mit euch gehn.
Doch eines sollst du wissen, Freund,
was Gott, der Höchste, dazu meint:
Du selbst wirst zwar den Sieg erringen,
doch eine Frau wird man besingen
für ihre Tat und ihren Mut,
woran bei dir es mangeln tut.«
Spricht’s und steht auf und dreht sich um
und Barak bleibt zurück ganz stumm.
Am Morgen brechen sie dann auf,
sie vorneweg, er folgt darauf.
Und überall derselbe Schrei:
»Ihr Männer, auf und kommt herbei!
Männermordende Emanzen – Debora und Jael
Denn unser Gott hat uns versprochen:
›Die Macht des Feindes ist gebrochen.
Ihr müsst euch nur auf mich verlassen,
dann werdet ihr ihn richtig fassen,
ein End’ hat’s mit der Sklaverei,
und Israel wird wieder frei!‹«
Was sich auf Füßen halten kann,
schleppt sich zum Heeresbann heran.
Die Jungen, Alten, Groß und Klein,
sie reihen sich geschlossen ein,
ob reich, ob arm, ob dick, ob dünn,
sie alle zieht’s zu Barak hin.
Und nun marschiert ein großes Heer,
von Waffen, Kleidern buntes Meer.
Da hat es Stecken, Schleudern, Sensen,
daneben sieht man Spieße glänzen,
viel grobe Prügel, kaum ein Schwert,
geschweige denn ein Kampfgefährt.
Zehntausend Mann, des Herren Krieger,
die lassen sich am Tabor nieder.
Und als der dritte Morgen tagt,
erhebt Debora sich und sagt:
»Heut’, Barak, ist der Tag des Herrn,
heut’ wird er seinen Ruhm vermehr’n.
Auf, geh und sammle deine Leute,
denn Gott gibt euch den Feind zur Beute.«
So stellt das Heer am Berg sich auf.
Doch unten, bei des Flusses Lauf,
da, wo das Land noch flach und eben,
lässt Sisera die Erde beben:
Erst steigt der Staub, dann Donnergrollen,
dann hört man’s knirschen, knarzen, rollen,
dann Peitschenknallen und auch Schellen,
dazwischen Kriegskommandos gellen.
Als sich der Staub verzogen hat,
steht Siseras Armee parat:
Wagen reiht an Wagen sich,
bemannt, bewaffnet fürchterlich,
mit durchschlagsstarken Bogenschützen,
wo nicht mal Eisenpanzer nützen,
mit Sichelmessern an den Naben,
die grauenvolle Wirkung haben,
die Ernte groß und blutig machen,
ein Feind hat da nichts mehr zu lachen.
Es wird ganz still, nur Pferde schnauben.
O Israel, jetzt brauchst du Glauben!
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Da! Barak reckt den Arm nach oben:
»Der Herr tat uns den Sieg geloben.
Auf in den Kampf! Er geht voran!«
So fängt die Schlacht am Tabor an.
Rasch drängt nun talwärts Baraks Heer.
Mit Kriegsgeschrei, gestrecktem Speer,
so flutet es den Berg herunter,
ein riesengroßer Haufen bunter
Gestalten, ach, ein Heer von Bauern,
und unten stehn die Wagenmauern.
Da geht ein Ruck durch deren Reihen,
zuerst bei einem, dann bei zweien.
Halt, was ist das?! Ein Wagen dreht
und rückwärts in der Phalanx steht.
Da, noch ein zweiter kehrt jetzt um,
schon fährt das ganze Heer herum,
und jeder sucht zu drehn und wenden,
Tumult entsteht an allen Enden,
und kopflos flieht das Wagenheer,
von Ordnung keine Rede mehr!
War es ein Blitz aus blauem Himmel,
der dreinfuhr in das Feindgetümmel?
War’s vielleicht ein nervöses Pferd,
das durchging mit dem Kampfgefährt?
War es Erstaunen ob der Schar,
die Heer ja kaum zu nennen war?
Was es auch war, die Feinde fliehn,
nach Kämpfen steht nicht mehr ihr Sinn.
Und Israel, flugs hinterdrein,
schlägt alle Feinde kurz und klein.
Halt! Alle? Nein, ein Mann entkam,
der nun zu Fuß die Flucht aufnahm:
Der Chef des Heeres, Sisera,
steht plötzlich ganz alleine da.
»Nur fort von hier«, denkt er, »recht weit,
ich bringe mich in Sicherheit.
Ich fliehe in die Berge dort,
bis Barak kommt, bin ich schon fort.
Dort gibt es Täler, Höhlen, Ecken,
kurz, Platz genug zum Sich-Verstecken.«
Wirft von sich flugs sein großes Schwert
samt allem, was beim Laufen stört,
und flieht nun bergwärts ungehindert,
dieweil der Sieger erst mal plündert.
Als Barak endlich merkt, wer fehlt,
sind flugs ein paar Mann ausgewählt,
man nimmt sofort in vollem Lauf
nach Sisera die Suche auf.
Der, längst schon in den Höhenlagen,
muss sich inzwischen ziemlich plagen.
Die Füße schmerzen von den Schuhen,
Männermordende Emanzen – Debora und Jael
erschöpft ist er, muss dringend ruhen,
am Gaumen klebt ihm fest die Zunge,
es pfeift und rasselt auf der Lunge.
Schon hat er Halluzinationen,
sieht braune Zelte mit Personen,
die könnten Beduinen sein –
doch halt, das stimmt! Es ist kein Schein!
Die letzten Meter eine Qual,
gebückter Gang, Gesicht aschfahl.
Er klammert sich ans Zeltgestänge,
von drinnen hört er Menschenklänge.
»Wer da?« – es öffnet sich das Tuch.
»Oh«, sagt die Stimme, »kommt Besuch?«
Heraus tritt eine junge Frau,
die mustert Sisera genau.
Sie weiß, wen sie da vor sich hat,
auch wenn er jetzt in schlechtem Staat
erscheint in ihres Zeltes Tür.
»Komm, sei mein Gast und folge mir!«
So ist, ich sage nicht zu viel,
nun auch die zweite Frau im Spiel.
Als Jael, die Keniterin,
so steht sie in der Bibel drin.
Sie weist dem müden Gast beflissen
den Platz zu auf dem Ehrenkissen,
und alsbald sinkt er darauf nieder,
es sinken auch die Augenlider.
Sie deckt ihn zu, dann bleibt er warm,
da greift sie Sisera am Arm:
»Sag: Hast du mir nicht etwas Wasser?
Die Kehle schlief gern etwas nasser.«
Gehorsam bringt sie ihm den Schlauch,
worinnen Milch – die trinkt er auch.
Nur eines noch, das macht ihm Kummer,
drum sagt er zu ihr vor dem Schlummer:
»Stell dich doch bitte in die Tür:
Wenn jemand kommt und fragt nach mir,
sag: ›Niemand ist bei mir im Zelt.‹«
Worauf in tiefen Schlaf er fällt.
Doch kaum dass schnarcht der müde Mann,
setzt Jael schon zum Angriff an.
O Freud, o Sieg, o welch ein Jammer,
sie nimmt ’nen Zeltpflock und den Hammer,
schlägt ihm denselben durch die Schläfe,
dass er ihn so zu Tode träfe.
Der Zeltpflock, der tritt hintenraus,
und mit dem Leben ist es aus.
O Sisera, der Schlaf wird lang!
Vor einer Frau war dir nicht bang!
Doch sie, mit lässiger Gebärde,
hat dich genagelt an die Erde.
So befreite Gott sein Land
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damals nur durch Frauenhand.
Und im Lande rauf und runter
war man nun vergnügt und munter,
und von Dorf zu Dorfe scholl
schnell ein Lied, des Lobes voll,
welches sang vom Frauensieg,
doch von Barak ziemlich schwieg.
Als ein Narr stand der nun da,
doch viel mehr noch Sisera.
Was bleibt am Ende der Geschichte?
Wie legt der Hörer die Gewichte?
Ist das A und O daran,
dass zum Narren wurd’ der Mann,
und die altbekannte Bibel
werde zur Emanzenfibel?
Sollen morden nun die Frauen,
Pflöck’ in Männerköpfe hauen?
Nein, was uns hier vorgestellt,
ist Vertrauen, welches zählt.
Darin sind sie groß, die Frauen,
einzig auf Gott selbst zu bauen,
Alles von ihm zu erhoffen,
denn der Himmel steht schon offen.
Glauben, dass Gott wendet Not,
dass aus Steinen werde Brot,
dass die Wüste blüht zum Garten,
dass im Dunkel Feuer warten,
dass das Meer sich teilt zum Weg,
dass durch Sümpfe führt ein Steg,
dass Gott alles möglich ist,
was der Mensch sehr leicht vergisst.
Drum, Gemeinde, sieh bei dir:
Solche Frauen gibt’s auch hier.
Ich verrate nicht die Namen –
sagt sie selbst euch. Ich sag: Amen.
Männermordende Emanzen – Debora und Jael
»So befreite Gott sein Land
damals nur durch Frauenhand.«
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IMPRESSUM
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