fGOE_2025_02_Inhalt_Blaetterausgabe (2)
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20. Jahrgang Sommer 2025 8 Euro
› MEHR ALS EIN MAGAZIN
› DAS MAGAZIN FÜR ERFOLGSGESCHICHTEN
Erfolgsgeschichte
Aufgewachsen in der Groner Landstraße 9
in Göttingen, wurde Niddal Salah-Eldin
jüngste Vorständin bei Springer und engagiert
sich heute für den Frieden in ihrer Heimat
Sudan. ‣ 22
Jetzt auch in Heiligenstadt!
„Wer die Pflicht hat, Steuern zu zahlen, hat auch
das Recht, Steuern zu sparen.“ – BGH-Urteil 1965
Um es gleich vorwegzunehmen: Auch wir können
Ihnen die Steuern nicht ersparen.
Mit unserem Team von weit mehr als 100 Steuerfachkräften
stehen wir Ihnen jedoch mit einem breiten
Spektrum an Expertise zur Seite, um Ihre Steuerlast
zu optimieren – dabei verlieren wir Ihre individuellen
Ziele nie aus den Augen.
Wir unterstützen Sie sowohl an unseren Standorten
in Göttingen und Heiligenstadt als auch bundesweit.
Wir freuen uns auf Ihre Kontaktaufnahme.
Jürgen Hollstein Dipl.-Kfm.
Steuerberater / ausgeschieden am 31.12.23
Roland Haever Dipl.-Kfm.
Wirtschaftsprüfer · Steuerberater
Fritz Güntzler Dipl.-Kfm.
Wirtschaftsprüfer · Steuerberater
Johann-Karl Vietor Dipl.-Kfm.
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Thorsten Kumpe Dipl.-Kfm.
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Miriam Engel Dipl.-Kffr.
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Lutz Becker
Rechtsanwalt
Jan Förster Dipl.-Finw. (FH)
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Niederlassung Heiligenstadt
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editorial
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Im OMR-Podcast von Philipp Westermeyer vor anderthalb Jahren hörte ich, dass
Springer-Vorstand Niddal Salah-Eldin aus Göttingen stammt.
Dann habe ich auf der Business-Plattform LinkedIn-Kontakt zu ihr aufgenommen
und ihre Posts verfolgt. So habe ich u.a. erfahren, dass sie in der Groner Landstraße 9
groß wurde, einem der Problemviertel der Stadt. Neugierig geworden habe ich ein Interview
angefragt.
Kurz vor Druckschluss war es dann schließlich so weit: Autorin Anja Danisewitsch
und ich haben die 40-Jährige in ihrer Wahlheimat Berlin interviewt, und mit Salah-
Eldin in einem Café in Schöneberg über ihre Heimat, ihre steile Karriere bei Springer
und ihre derzeitige Aufgabe gesprochen, die Menschen im kriegsgebeutelten Sudan zu
unterstützen.
Jedes Mal, wenn Niddal Salah-Eldin Göttingen besucht, führt sie ihr Weg zur
Groner Landstraße 9. Diese Zeit habe sie sehr stark geprägt, vor allem der Wunsch
nach Anerkennung und Zugehörigkeit, erzählt sie uns im Gespräch „Ich wäre nicht
der Mensch, der ich heute bin, ohne Göttingen.“ Lesen Sie dazu unsere Titelgeschichte
,Die Brückenbauerin‘ ab Seite 22.
Wenn Sie neugierig auf Niddal Salah-Eldin geworden sind, haben Sie am 15.
November 2025 die Chance, sie zu treffen. Sie ist Keynotesprecherin auf der Frauenkonferenz
,Change by Women‘ an der Uni Göttingen.
Eine weitere erfolgreiche Frau in unserem Themenschwerpunkt Top-Frauen ist
Martina Städtler-Schumann. Sie kam aus Nürnberg nach Göttingen und gründete hier
gemeinsam mit ihrem Mann im Jahr 1997 die Prof. Schumann GmbH, spezialisiert auf
IT-Lösungen im Kreditrisikomanagement. Ihre Geschichte lesen Sie ab Seite 48.
Neben diesen beiden Frauen hat diese Ausgabe weitere Erfolgsgeschichten zu
bieten:
Tennis schaut man eher in Wimbledon oder hierzulande in Hamburg – dabei müssen
wir gar nicht weit reisen, um Weltranglisten-Tennis zu sehen. Bei den ,Bikeleasing
Open‘ in Uslar vom 14. bis 20. Juli treten vor allem talentierte Nachwuchsspieler
an. Der Eintritt ist übrigens komplett frei.
Die nächste Ausgabe erscheint am 26. September 2025 zum 20-jährigen faktor-
Bestehen mit den besten Storys und den schönsten Bildern seit 2005 und dem Ausblick,
was faktor in der Zukunft vorhat.
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JAHRE
An dieser Stelle bedanke ich mich bei Redaktionsleiter Christian Vogelbein für
seine Arbeit, der uns nach zwei Jahren verlassen wird. Dabei wünschen wir ihm
viel Erfolg!
Nun wünsche ich Ihnen viel Vergnügen beim Lesen
dieser Ausgabe!
P
Direkt
Wir denken Büro neu.
an unserem Ausstellungszentrum stehen
ausreichend kostenlose Parkplätze zur Verfügung.
COVER: KATJA HENTSCHEL
Ihr Marco Böhme
Herausgeber
boehme@faktor-magazin.de
KARL-ARNOLD-STRASSE 4 · 37079 GÖTTINGEN
0551 50669-0
INFO@STRUCKMEIER.DE
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2 |2025 3
inhalt
service
3 Editorial
8 Momentaufnahmen
Besondere Augenblicke
in Fotos festgehalten
16 Happy Birthday
faktor wird 20 Jahre alt.
Gefeiert wird im Herbst
20 Am Lagerfeuer
Neues vom faktor-Podcast
130 Impressum
mensch
22 Aufgewachsen
Niddal Salah-Eldin wuchs an
der Groner Landstraße 9 auf und
wurde jüngste Vorständin beim
Springer-Konzern. Nun kämpft sie
für Frieden im Sudan
52 Der Unternehmens-Codierer
Mit seiner klaren Code-Methode
hilft Gerdum Enders faktor und
anderen Unternehmen dabei, ihren
Kern (neu) zu entdecken
unternehmen
58 Business 4 School
Seit zehn Jahren vermitteln
Experten ehrenamtlich
Wirtschaftskompetenz an
Schüler
64 Arineo gehört Mitarbeitern
Das Göttinger IT-Unternehmen
Arineo hat es geschafft und ist
nun dank Verein und Stiftung in
Mittarbeiter-Hand
92 Die schönsten Hotels
faktor hat sich ausgezeichnete
Hotels und Restaurants in der
Region genauer angeschaut
118 Agenten im Dienste der KI
Alle sprechen über Künstliche
Intelligenz, aber wer nutzt
sie auch? faktor spricht mit
Experten und zeigt, wie KI schon
heute Unternehmen erfolgreich
macht
leben
102 Bikeleasing Open
Großes Tennis. Melbourne, Paris, London,
New York – die meisten Punkte für die
Tennis-Weltrangliste gibt es bei den
so genannten Grand-Slam-Turnieren.
Weltranglisten-Tennis gibt es allerdings
auch im Solling. Dort richtet der Uslarer
TC die ,Bikeleasing Open‘ aus.
126 Große und kleine Musik
Die Nacht der Kultur lebt von
Engagement und großer Musik auf
kleiner Bühne. faktor unterstützt
erstmals als Sponsor
128 Event-Tipps
Kunst und Musik machen den
Eventsommer rund um Göttingen in
diesem Jahr besonders – und anders
4 2 |2025
74 Das schnellste Mofa Northeims
36 Der Mann im Lichtspielhaus
Wolfgang Würker schenkte dem deutschen Fernsehen Dokumentarfilme über Dirk
Nowitzki und Albert Einstein. Dabei startete seine Karriere als Physikstudent in
Göttingen. Heute macht er Kino, erst in Witzenhausen und Hann. Münden, jetzt in
Northeim. Uns erzählt er eine Geschichte über die ewige Liebe zur Leinwand und warum
Kino vor allem etwas für das Herz ist, statt für das Konto.
Unter der Woche schraubt Matthias
Bettels an Autos, am Wochenende fährt
er sie mit hoher Geschwindigkeit. Seine
Manufaktur ,Bettels Performance‘ in
Northeim baut Replikas legendärer
Rallye-Rennwagen wie den Audi S1
Quattro. Ein Besuch in der Werkstatt
und auf der Rennstrecke.
84 Auch für Fleischfans
48 Sie macht einfach
Martina Städtler-Schumann führt das Unternehmen, das sie gemeinsam mit ihrem Mann
gegründet hat und das seinen Namen trägt: die Prof. Schumann GmbH. Über bald 30
Jahre hat sie das IT-Unternehmen zu einem internationalen Player mit 200 Mitarbeitern
entwickelt. Das Portrait einer Unternehmerin, die den Blick immer nach vorn richtet.
Sie haben die ganze Welt gesehen und
probieren jetzt noch einmal etwas ganz
Neues aus. Die beiden Unternehmer Anja
und Roy Walowsky sind leidenschaftliche
Fleischesser und schaffen es mit ihrer
veganen Alternative aus Wachenhausen in
die Göttinger Uni-Mensa.
2 |2025 5
-Club
print > events > digital
Magazin
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Marco Böhme
Geschäftsführender Gesellschafter
Tel. 0551 30 98 39-0
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Regional bekannter werden in Südniedersachsen.
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momentaufnahmen
Ganz nah dran
Besonders bildgewaltig wurde bei den internationalen
Händel-Festspielen in diesem Jahr das Stück ,Tamerlano‘
inszeniert.
8 2 |2025
momentaufnahmen
Momentaufnahmen
faktor lässt besondere Ereignisse in der Region
mit ausgewählten Impressionen Revue passieren.
TEXT CHRISTIAN VOGELBEIN FOTOGRAFIE ALCIRO THEODORO DA SILVA
2 |2025 9
momentaufnahmen
10 2 |2025
momentaufnahmen
Die Tour d'Energie
Es ist kein gewöhnliches Radrennen. Sondern ein Fest für die Region und ein Radrennen
für Jedermann. Fast 5.000 Radfahrer fuhren in diesem Jahr durch Göttingen,
Rosdorf und das Umland, begleitet von Applaus und angetrieben von Sportsgeist.
Dabei zählt nicht nur die Zeit, sondern das Dabeisein. Möglich machen das
Hunderte Ehrenamtliche, engagierte Kommunen und eine Organisation mit Herz.
Die Tour d’Energie verbindet Menschen, Orte und Emotionen – wie diese.
2 |2025 11
momentaufnahmen
Kein Rost, Bremsen neu
TÜV-Prüfer in Einbeck müsste man sein. Denn hin und wieder bekommt man einen echten
Schatz der Automobilgeschichte zu sehen. Die Benz Victoria Nr. 99 von 1894 ist das
älteste in Deutschland zugelassene Auto. Für den Liebling von PS-Speicher-Gründer
Karl-Heinz Rehkopf bedeutet das aber auch, dass es regelmäßig zur TÜV-Prüfung muss.
So wie in diesem Jahr. Hat es bestanden? Ja. Natürlich.
Göttingen jazzt wieder
Das 45. Göttinger Jazzfestival konnte im November endlich wieder ein Programm im
Vor-Corona-Umfang anbieten. Internationale Künstler boten feinste Improvisationskunst von den
Ursprüngen des Jazz bis zu Grenzgängen entlang von Folk, Minimal, World Musik, Neuer Musik
und Techno. Der US-amerikanische Trompeter Theo Croker (Foto) eröffnete mit seiner Band das
große Programmwochenende im Deutschen Theater mit Gospel, Blues, Jazz, Soul und Funk.
Neben vielen Einzelkonzerten wurde erstmals auch eine Art-Techno-Jazz-Party mit
DJ Leonhard Kuhn im DT-Keller gefeiert.
12 2 |2025
momentaufnahmen
2 |2025 13
seit 2005
aktuelles
faktor-Club
Echte Treffen.
Echter Austausch.
Echter Genuss.
Der faktor-Mittagsclub und das faktor-Frühstück
bieten hervorragende Gelegenheiten, Genuss
und Netzwerken miteinander zu verbinden.
So war es auch, als die beiden Schauspieler Gabriel von Berlepsch
und Rebecca Klingenberg (Foto) zu Gast waren. Im Mittelpunkt des
Treffens stand das Thema Auftritt und Präsenz.
Etwas, das im Business-Alltag oft unterschätzt wird, aber entscheidend
sein kann. Wie trete ich sicher auf? Wie wirke ich authentisch?
Und vor allem: Wie bleibt meine Stimme auch nach vielen
Gesprächen kräftig? Recht schnell wurde aus dem ,Aha‘ ein ,Haha‘,
denn in kurzen Mitmachaktionen entdeckten die Clubmitglieder
Talente und Fähigkeiten, die in ihnen stecken.
Sie möchten dabei sein?
Hier gelangen Sie zum faktor-Club – oder
schreiben Sie direkt an Marco Böhme:
herausgeber@faktor-magazin.de.
Drei Dinge braucht ein Projekt: Menschen, Ressourcen und Zeit.
Was sonst eher nach Flipchart und Lehrbuch klingt, wurde beim
faktor-Frühstück zum ersten Mal im StartRaum Göttingen zu einem
lebendigen Impuls für die Praxis. Volker Pauling setzte den
inhaltlichen Akzent des Morgens. Mit einem leidenschaftlichen
Kurzvortrag entführte er die Gäste in die Welt des Projektmanagements,
fernab von Buzzwords und starren Methoden. Stattdessen
zeigte er, wie das klassische Dreieck aus Menschen, Ressourcen
und Zeit in der Realität zum entscheidenden Erfolgsfaktor wird,
oder eben zur Stolperfalle. „Projekte entfalten ihren Zauber, wenn
dieses Dreieck im Gleichgewicht ist und wenn Menschen mit Leidenschaft
daran arbeiten“, sagt Pauling.
Fakultät Wirtschaft
Der faktor-Mittagsclub lebt vom Austausch, von neuen Perspektiven
und manchmal auch von überraschenden Aha-Momenten.
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PROFESSIONALS!
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und Ingenieure
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14 2 |2025
aktuelles
seit 2005
In der vergangenen Ausgabe haben wir uns dem Thema Bürokratie gewidmet. Das Interview mit dem
Göttinger Landrat Marcel Riethig wurde aufgrund technischer Probleme nicht korrekt abgedruckt.
faktor-Nachtrag
„Eine Blockadehaltung
ist nicht vorhanden“
faktor: Verwaltungen verzeichnen einen deutlichen
Personalaufwuchs. Wo liegen die Ursachen?
Riethig: Die Zunahme an Aufgaben für die
Kommunen, steigende Fallzahlen durch die
Ausweitung von Leistungen und immer komplexer
werdende Vorschriften führen bundesweit
zu einem Personalaufwuchs bei den
Kommunen. Hätten die Landkreise Osterode
am Harz und Göttingen nicht 2016 fusioniert
und Stellen eingespart, hätten wir heute
noch mehr Stellen.
Wie ausgeprägt ist der Fachkräftemangel bei
Ihnen?
Riethig: Der Städte- und Gemeindebund hat
Ende 2024 zu Recht Alarm geschlagen und
vor einem ,schleichenden Blackout‘ gewarnt.
In den kommenden zehn Jahren werden
knapp 28 Prozent der Beschäftigten der
Kreisverwaltung in den Ruhestand eintreten.
Der Landkreis Göttingen setzt deshalb
beispielsweise schon seit vielen Jahren auf
Quereinsteigerund hat damit gute Erfahrungen
gemacht. Außerdem heben wir mit unserem
Arbeitgeber-Marketing unsere Stärken
hervor, wie einen sicheren Arbeitsplatz, Familienfreundlichkeit
und Gemeinwohlorientierung.
Auch unser Teamgeist zeichnet uns
gegenüber anderen Arbeitgebern aus. Mit
unserem Wir in der Kreisverwaltung machen
wir den Unterschied.
Allgemein scheint die Gesetzeslage immer
komplexer zu werden und damit auch der
Kompetenzbedarf auf Seiten der Kommunen
zu wachsen.
Riethig: Die zunehmende Komplexität von
Gesetzen und Rechtsverordnungen führt zu
mehr Bürokratie, bedeutet mehr Personalbedarf
und längere Bearbeitungsdauer. Durch
Verordnungen vom Land oder der EU müssen
zum Beispiel im Veterinärwesen umfangreiche
Dokumentationen erfasst und Datenbanken
erstellt werden. Das kostet wertvolle
Arbeitszeit. Und unsere Sozialgesetzgebung
ist ein richtiges Bürokratiemonster: Welche
Leistungen vorrangig sind, ist oft unklar. Die
Anträge für das Bürgergeld, Elterngeld oder
Wohngeld sind extrem kompliziert und bürgerunfreundlich
– mit Nachweispflichten, bei
denen man doppelt und dreifach etwas liefern
muss.
Welche Ursachen sehen Sie dafür, dass die
Dauer von Genehmigungsverfahren sich teils
sehr lange hinzieht?
Riethig: Darüber hinaus können fehlendes
Planungsrecht, das erst noch zu schaffen ist,
oder spezielle Grundstücks- oder Flurstücksituationen
wie Baulasten die Bearbeitung
erheblich verzögern. Die Vorschriften denken
sich die Kommunen nicht aus, sie sind
aber an diese gebunden. Gerade deshalb arbeitet
die Kreisverwaltung daran, die Beratungsqualität
zu verbessern und reflektiert
sich kritisch selbst in Bezug auf Anforderungen,
die im Sinne eines pragmatischen Vorgehens
verzichtbar wären.
Uns wurde oft widergespiegelt, dass die Dauer
eines Genehmigungsverfahrens teils in
drastischer Art und Weise davon abhängt,
welcher Sachbearbeiter zuständig ist.
Riethig: Die Spielregeln für die Genehmigungsverfahren
gelten für alle gleichermaßen.
Bei der Dauer von Genehmigungen spielt
Glück keine Rolle. Die Kreisverwaltung geht
selbstverständlich Kritik nach, die im Einzelfall
geäußert wird. Die Entscheidungen auf
Ebene der Sachbearbeitung werden von Führungskräften
kontinuierlich überprüft, auch
auf die gleichmäßige Einhaltung von Spielregeln.
Trotz steigender Komplexität haben wir
uns beispielsweise bei den Baugenehmigungen
deutlich verbessert.
Wie stärken Sie einen Mindset, der auf eine
Servicementalität ausgelegt ist?
Riethig: Eine Mentalität, die auf Ergebnisund
Servicequalität ausgelegt ist, entsteht
nicht über Nacht. Sie ist das Ergebnis kontinuierlichen
Vorlebens, Fortbildungen, persönlicher
Reflexion, klarer Vorgaben und einer
unterstützenden Arbeitsumgebung. Der
Landkreis Göttingen hat dafür Ziele auf individueller
sowie auf Teamebene festgelegt.
Eine ,Blockadehaltung‘ ist in der Göttinger
Kreisverwaltung nicht erkennbar, dafür umso
mehr Gestaltungswille. Verwaltung nach
,alter Art‘ könnten wir uns auch aus vielerlei
Hinsicht nicht leisten. Das würde unter anderem
der Akzeptanz unseres demokratischen
Systems schaden. Das wissen unsere Mitarbeiterinnen
und Mitarbeiter. Unserer Leitlinien
für Führung und Zusammenarbeit fordern
Werte wie Ergebnis- und Serviceorientierung,
Klartext und Mitgestaltung, fördern die Bereitschaft
zur Verantwortung und sensibilisieren
für bürgerorientiertes Handeln.
Marcel Riethig, SPD, ist Jahrgang 1982 und
Sozialwirt. Seit 2011 arbeitet er im Landkreis
Göttingen, zunächst als Pressesprecher und
Leitung der Stabsstelle Zentrale Steuerung.
2014 wurde er zum Kreisrat gewählt und leitete
als Dezernent die Bereiche Jugend, Bildung,
Arbeit, Soziales und Kultur. 2021 wurde
er zum Landrat gewählt.
2 |2025 15
seit 2005
aktuelles
ƒaktor-Events
Große Geschichte(n)
faktor wird im Herbst 20 und
sammelt für den guten Zweck.
GUTES TUN!
Im September feiert ƒaktor 20. Geburtstag.
Zeitgleich zum Jubiläum erscheint auch am
26. September 2025 die große Jubiläumsausgabe.
Die Vorbereitungen dafür laufen bereits
seit Monaten auf Hochtouren. Die Redakteure,
Grafiker und Fotografen wühlen in
den Archiven, um Verborgenes wieder sichtbar
zu machen. Gemeinsam erinnern wir uns
an große Momente, inspirierende Geschichten
und führende Persönlichkeiten aus 20
Jahren ƒaktor Dabei wollen wir auch einen
mutigen Blick in die Zukunft wagen, uns weiterentwickeln
und von führenden Experten
erfahren, welche Herausforderungen auf die
Region zukommen – und wie sie mit Mut
und Geschick gemeistert werden können.
ƒaktor steht seit 20 Jahren für Inspiration
und Vernetzung. Das wird auch in der Zukunft
so bleiben – so wollen wir fünf Prozent
aus dem Anzeigenverkauf der Jubiläumsausgabe
sowie aus den Erlösen der Veranstaltung
karitative Organisationen aus
der Region mit einer Spende unterstützen.
Unser Ziel: mindestens 10.000 Euro. Seien
Sie dabei, wenn ƒaktor erneut Geschichte
schreibt.
Vereinbaren Sie jetzt
einen Gesprächstermin:
Thorsten Sawada
Tel. 0551 30 98 39-28
sawada@faktor-magazin.de
ƒaktor-Feier
,Magie der Begegnung‘
zum 20. Geburtstag
Am 26. September 2025 wird faktor seinen
20. Geburtstag in Göttingen mit Kunden,
Lesern und Wegbegleitern aus Wirtschaft,
Kultur, Sport und Wissenschaft feiern. Der
passende Raum für diese Begegnungen ist
die Gesellschaft für wissenschaftliche Datenverarbeitung
mbH Göttingen (GWDG),
einem Ort an der Norduni, der für seine
moderne und offene Atmosphäre bekannt
ist. Ein Höhepunkt des Abends wird der
Auftritt des Magiers Thimon von Berlepsch
sein, der seine Wurzeln in der Region hat.
Zur ƒaktor-DNA gehört es seit Anfang
an, Menschen miteinander zu verbinden.
Das wird auch an dem Abend spürbar
werden. Regionale Produktpartner zeigen,
was Südniedersachsen zu bieten hat:
das Einbecker Brauhaus, die Katlenburger
Kellerei, Creydt Fruchtsäfte, Schierker
Feuerstein, Viani und weitere Produzenten.
„Auch an unserem Jubiläum wollen wir
an andere denken, denen es nicht so gut
geht“, sagt Herausgeber Marco Böhme.
Für karitative Einrichtungen in Südniedersachsen
werden an dem Abend auf spielerische
Weise Spenden gesammelt, um das
ehrenamtliche Engagement zu unterstützen
und zu stärken.
Anschließend ist die Feier noch lange
nicht zu Ende: Die Party beginnt ab 22 Uhr
mit DJ, Drinks und lockerem Austausch.
Vielleicht entstehen dabei spannende neue
Ideen für die nächsten 20 Jahre bei ƒaktor.
16 2 |2025
Ist mein Unternehmen
reif für ein digitales
Update?
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wir die Antworten
für morgen.
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für die digitale Transformation.
Weil’s um mehr als Geld geht.
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aktuelles
Austausch
Bikeleasing-Gründer gab
spannende Einblicke
9. zE-speed-Talk an der PFH Göttingen zusammen mit TAB
The Alternative Board und faktor.
Beim 9. zE-speed-talk an der Privaten Hochschule
Göttingen (PFH) Ende April 2025
war Bikeleasing-Gründer Bastian Krause zu
Gast. Mit dabei war faktor-Herausgeber
Marco Böhme zusammen mit seinen Unternehmerkollegen
vom TAB-Board mit Matthias
Walter (Foto) und konnte einen inspirierenden
Mittag voller praxisnaher Impulse
und spannender Gründer-Insights erleben.
Besonders beeindruckt waren die regionalen
Unternehmer von der offenen und
ehrlichen Art, mit der Bastian Krause über
Herausforderungen, Wendepunkte und Erfolgsfaktoren
seiner unternehmerischen Reise
sprach. Seit 2015 gehört der Bikeleasing-Service
in Deutschland und Österreich
zu den führenden Anbietern im Bereich
Dienstrad-Leasing und begeistert mittlerweile
über 70.000 Unternehmen mit rund 3,6
Millionen Mitarbeitern von dem nachhaltigen
Mitarbeiter-Benefit. Nach dem Interview
durften die TAB-Board-Teilnehmer die Gastfreundschaft
der PFH und vom ZE Zentrum
für Entrepreneurship weiterhin nutzen und
sich in den Räumlichkeiten der Hochschule
austauschen. Marco Böhme ist der PFH seit
vielen Jahren freundschaftlich verbunden,
u.a. als Entrepreneur
in Residence, um junge
Menschen für
Unternehmertum zu
begeistern.
Bikeleasing-Gründer
Bastian Krause inspirierte
die Zuhörer.
Planung und
Objektüberwachung der
elektrotechnischen
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Mitten in der Natur
Willkommen
im Südharz
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Fußball, Feuer und der Tod
Im ƒaktor-Podcast erzählen spannende Persönlichkeiten
ihre besonderen Geschichten
Der ƒaktor-Podcast Onfire gibt spannende Einblicke in das Leben und die beruflichen
Herausforderungen von Persönlichkeiten aus Südniedersachsen.
Der Künstler KAIN KARAWAHN,
hüllte die Berliner Mauer in
Flammen und schenkte seiner
Freundin in Göttingen verbrannte
Rosen. Heute bringt er Kindern
und Erwachsenen den verantwortungsvollen
Umgang mit
Feuer bei. Doch wofür brennt er
selbst eigentlich?
Verpassen Sie keine neue Folge.
Besuchen Sie die ƒaktor-Website unter
www.faktor-magazin.de/onfire-podcast
DANIEL DE VASCONCELOS erzählt, was ist, wenn
nichts für immer ist. Er ist Geschäftsführer des Hospizes
an der Lutter in Göttingen. Wir sprechen über
den Tod. Doch es geht nicht nur ums Sterben – sondern
ums Leben. Daniel de Vasconcelos zeigt, wie
die Auseinandersetzung mit der eigenen Endlichkeit
zu klareren Entscheidungen, echter Führung und
mehr Menschlichkeit führen kann. Warum Unternehmer
von Trauerprozessen lernen können, was
,Letzte Hilfe‘ bedeutet und warum es manchmal
Mut braucht, loszulassen.
NEU IM SORTIMENT
KÜCHEN-NEUHEITEN 2025
1 | EINBAUKÜCHE
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EEK E, 112l mit Gefrierfach
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Göttingen-Weende | Lutteranger 10 | Tel.: 0551 38360-0
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Di. – Fr.: 10:00 – 19:00 Uhr | Sa.: 09:30 – 18:00 Uhr
www.moebel-jaeger.de
CJ Möbel Jaeger ist ein Unternehmen der
CJ Möbel GmbH & Co. KG, Mündener Str. 19e, 37213 Witzenhausen
20 2 |2025
Audi Business
Welcome our all-new Audi A6 Avant 1 .
Unverkennbares, aerodynamisches Avant-Design
kombiniert mit sportlicher Eleganz.
Der Audi A6 Avant 1 setzt neue Maßstäbe in Design, Komfort und Qualität der Premium-Oberklasse.Mit seinem variablen Karosseriekonzept,
dynamischem Design und hoher Aerodynamik bietet er viel Platz und eignet sich sowohl für den Alltag als auch
lange Strecken. Die Mild-Hybrid-Technologie (MHEV plus) 2 verbessert Effizienz und Performance. Die „Digital Stage“ mit Audi
MMI Displays und fortschrittliche Lichttechnologie sorgen für ein modernes Fahrerlebnis und erhöhte Sicherheit. Jetzt bei uns
erleben.
1
Kraftstoffverbrauch (kombiniert): 8,0 – 5,0 l/100 km; CO 2 -Emissionen (kombiniert): 181 – 130 g/km; CO 2 -Klasse: G – D
2
Nicht verfügbar im Audi A6 Avant TFSI (150 kW): Kraftstoffverbrauch (kombiniert): 8,0 – 7,1 l/100 km; CO 2 -Emissionen
(kombiniert): 181 – 161 g/km; CO 2 -Klasse: G – F
Alle Angaben basieren auf den Merkmalen des deutschen Marktes.
Audi Zentrum Göttingen
Audi Zentrum Göttingen GmbH
Kasseler Landstr. 71+73, 37081 Göttingen
Tel.: 0551 903-300
info@audi-zentrum-goettingen.de, www.audi-zentrum-goettingen.audi
wissen
22 2 |2025
wissen
AUFGE-
WACHSEN
Ihr Leben in Deutschland begann an der Groner Landstraße 9.
Niddal Salah-Eldin kommt im Alter von vier Jahren mit ihren
Eltern aus dem Sudan nach Göttingen. 32 Jahre später wird
sie das jüngste Mitglied im Vorstand der Axel Springer SE sein.
Mit faktor spricht die Wahlberlinerin über das Anderssein,
ihren Ansporn es allen zu zeigen und warum sie Göttingen
immer noch in ihrem Herzen trägt.
2 |2025 23
wissen
» Ich hatte eine tiefe Sehnsucht nach
irgendeiner Art von Normalität, nach
Zugehörigkeit und Anerkennung. «
TEXT ANJA DANISEWITSCH FOTOGRAFIE KATJA HENTSCHEL
Wenn Niddal Salah-Eldin Göttingen besucht,
führt sie ihr Weg an die Groner Landstraße
9. Dann macht sie ein Foto mit ihrem iPhone,
Erinnerungen steigen hoch. An das Jahr
1989 und eine junge Frau aus dem Sudan, die mit einem
Promotionsstipendium in Deutschland ankommt. Ihre
vierjährige Tochter, der dreijährige Sohn und ihr Mann
sind noch in ihrem Heimatland und sollen bald nachkommen.
Das kleine Mädchen ist die heute 40-Jährige
Niddal. Ihre Mutter steht zunächst allein mit wenigen
Taschen und ein paar Brocken Deutsch im Gepäck vor
ihrem neuen Zuhause. Die Groner Landstraße Nummer
neun. Ein Ort, der heute berühmt-berüchtigt ist und
Sinnbild für die Ärmsten der Ärmsten in unserer Gesellschaft.
Damals, so sollte man wohl dazu bemerken, lebten
dort ein paar Studierende, zumindest zur Überbrückung.
„Dieses Haus ist für mich ein Erinnerungsturm“,
sagt Niddal Salah-Eldin, „an die damals Vierjährige, und
daran, wie wir angefangen haben, wo ich hergekommen
bin und was möglich ist.“
ZWISCHEN DAMALS UND HEUTE liegt ein beeindruckender
Karriereweg in der Medienbranche: Nach einem
ausgezeichneten Abschluss am Hainberg-Gymnasium
studiert Salah-Eldin Publizistik, Politikwissenschaft und
Journalismus in Mainz und Washington D.C. Begleitend
absolviert sie Praktika bei den Vereinten Nationen, beim
ZDF, RTL New York, Phönix Digital, beim ‚Spiegel‘ und
arbeitet bei CNN in Berlin und in Washington D.C. als
News Assistent, wo sie in den digitalen Medien die Amtseinführung
von Barack Obama begleitet hat. 2014 geht
sie zu Axel Springer und gehört als Online-Redakteurin
zum Social-Media-Gründungsteam der ‚Welt‘. Bereits ein
Jahr später, mit 30 Jahren, übernimmt sie dort die Ressortleitung
und ist damit die erste Frau, die von Stefan
Aust (damaliger Chefredakteur der ‚Welt‘) in eine solche
Position befördert wird. 2017 steigt sie zum ,Director ‣
24 2 |2025
wissen
Niddal Salah-Eldin war die jüngste Vorständin in der Geschichte des Axel-Springer-Konzerns. Dort modernisierte sie die Bereiche
People & Culture und richtete das Unternehmen für eine erfolgreiche Zukunft mit künstlicher Intelligenz aus.
2 |2025 25
wissen
Zwei Hochhäuser, zwei Welten. Links die Groner Landstraße 9 in Göttingen. Dort war Niddal Salah-Eldin als Kind aufgewachsen.
Rechts die Firmenzentrale des Axel-Springer-Verlags, dessen Vorstand sie angehörte.
Digital Innovation‘ der ‚Welt‘-Chefredaktion auf. 2018
wechselt sie als Vize-Chefredakteurin zur dpa. Mit 33 Jahren
ist sie nicht nur jüngstes Mitglied der Chefredaktion,
sondern außerdem die erste Frau mit Migrationshintergrund
in dieser Position bei der Deutschen Presseagentur.
Zweieinhalb Jahre später kehrt sie zu Springer zurück
und übernimmt die Leitung der neuen Academy of Journalism
and Technology. 2022 wird Niddal Salah-Eldin
mit nur 36 Jahren als bislang jüngstes Mitglied in den
Vorstand der Axel Springer SE berufen. Als Vorständin
verantwortet sie auf Konzernebene das neu geschaffene
globale Ressort ‚Talent and Culture‘ und ist damit unter
anderem für die globalen Personalthemen und die
Aus- und Weiterbildung zuständig. Ende 2024 verlässt
sie Axel Springer.
WIR TREFFEN NIDDAL SALAH-ELDIN in einem kleinen
Café in Berlin-Schöneberg. Für sie ist es eine kurze Mittagspause
und Interviewtermin in einem. Sie ist eine
Frau, die auffällt. Nicht nur wegen ihrer Hautfarbe. Sie
ist groß, 1,80 Meter, mit einer einnehmenden Freundlichkeit
und Offenheit. Sie selbst scheint wenig beeindruckt
von ihrem Lebenslauf, obwohl sie weiß, wie viel
Arbeit sie investiert hat. Dennoch definiert sie sich nicht
ausschließlich über ihre Karriere. „In der Medienbranche
hat niemand auf eine große, schwarze Frau gewartet,
deren Muttersprache nicht Deutsch ist“, sagt sie mit einem
Lachen. Schon in frühester Kindheit haben ihr ihre
Mutter und ihr Vater mitgegeben: „Warte nicht darauf,
dass dir irgendjemand etwas kredenzt.“ Preußische Tugenden
nennt Salah-Eldin augenzwinkernd das, was sie
so weit gebracht habe: Leistung, Engagement, Einsatz,
Fleiß und keine Angst vor unglamorösen Aufgaben.
SALAH-ELDIN IST EIN FAMILIENMENSCH. Und das bedeutet,
Verantwortung zu übernehmen sowohl für die
anderen als auch für das eigene Handeln. Auch deshalb
war es für sie keine Option, durch die Schulzeit zu dümpeln
oder ein bisschen Work-and-Travel zu machen.
„Meine Leistung ist gewissermaßen auch ein Zeugnis
über das Lebenswerk meiner Eltern“, sagt sie. Diese verließen
den Sudan zum einen aus politischen Gründen,
aber auch, weil sie ihren Kindern eine bessere Zukunft
ermöglichen wollten. Schon ihre Mutter war eine Pionierin,
wenn man ins Auge fasst, dass beide Elternteile
der Mutter Analphabeten waren, sie das erste Mädchen
im Dorf ist, das eine weiterführende Schule besuchte und
sogar eine promovierte Naturwissenschaftlerin wird. Bei
ihrem Vater sind die Voraussetzungen ähnlich – und
auch er schafft den Sprung. Er studiert in Kairo und promoviert
in Moskau. In Deutschland angekommen, waren
sie beide jedoch die Fremden, die sich beweisen müssen.
„In meiner Jugend habe ich oft mit meinem Anderssein
gehadert. Ich hatte eine tiefe Sehnsucht nach
irgendeiner Art von Normalität, nach Zugehörigkeit
und Anerkennung“, sagt Niddal Salah-Eldin heute. Als
junges Mädchen stand sie trotz vieler Freundschaften
doch oft ein wenig am Rand. Die Samstagvormittage
waren ihr die liebsten. Dann konnte sie in die Stadtbibliothek
fahren: „Ich war kein Party-Teenager. Jungs ‣
26 2 |2025
wissen
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2 |2025 27
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ZUR PERSON
Niddal Salah-Eldin wurde 1985 in Khartum,
Sudan, geboren. Im Alter von vier Jahren
kam sie mit ihren Eltern nach Göttingen und
verbrachte hier ihre Kindheit und Jugend bis
zum Abitur am Hainberg-Gymnasium. Ihre
journalistische Karriere in Rekordzeit fand
ihren bisherigen Höhepunkt als Vorständin
des globalen Ressorts ‚Talent and Culture‘
im Axel-Springer-Konzern. Darüber hinaus
arbeitet sie eng mit Unicef zusammen und
ist Beirätin und Kuratoriumsmitglied bei ‚Reporter
ohne Grenzen‘ und bei der digitalen
Bildungsplattform ‚Startup Teens‘. Derzeit
engagiert sich Salah-Eldin ehrenamtlich für
ihr vom Bürgerkrieg erschüttertes Heimatland
Sudan.
haben mich auch nicht interessiert. Ich war in meiner eigenen
Welt mit Büchern, Computern und Popkultur – ich
lebte ein bisschen in meiner eigenen Welt“, erinnert sie sich.
Für die junge Niddal war früh klar, dass ihr Weg in Richtung
Journalismus gehen soll. Kriegsreporterin dachte
sie zunächst. Doch als während ihres Studiums nach und
nach die ersten Online-Plattformen entstanden, war sie
fasziniert, welche Möglichkeiten sich plötzlich für eine
neue Form des Journalismus offenbarten. „Ich twitterte
damals so vor mich hin und kommentierte auf witzige
Art das tagesaktuelle Geschehen, und plötzlich gingen
meine Tweets viral“, erzählt sie. Was für eine neue Welt:
Der Papst postet etwas auf Twitter, und irgendeine Frau
aus einem New Yorker Vorort geht mit ihrem Tweet darauf
viral, nur weil die richtigen Leute ihn teilen. Sogar
heute noch ist die Begeisterung von damals spürbar,
wenn Salah-Eldin von den Anfangszeiten der sozialen
Medien erzählt. Nach einer Ausbildung zur Social-
Media-Redakteurin und einem Trainee zur Kommunikationsberaterin
bei der Agentur Ketchum Pleon wusste
sie: „Den Job, den ich machen will, den gibt’s noch gar
nicht.“ Erfolg hänge für sie ganz stark mit Empowerment
zusammen. Das bedeutet für sie, nicht nur im Blick
zu haben, was sie selbst erreicht hat, sondern welches
Erbe sie am Ende hinterlässt. Eine Freundin habe sie einmal
einen ‚Menschenmagneten‘ genannt. ‚Wie viele Menschen
habe ich auf meinem Weg unterstützt, befähigt, inspiriert
oder vorangebracht?‘ – Das ist der Grat, an dem sie
auch ihren Erfolg misst. Ob es ihr Traum war, einmal bei
Axel Springer zu arbeiten? „Für mich war nie eine Marke
ein Ziel. Es ging mir vielmehr darum, was ich machen
wollte: nämlich digital neue Zielgruppen erreichen und
Innovationen im Journalismus vorantreiben“, sagt Salah-Eldin.
Und: „Ich möchte Dinge gestalten und verändern.“
Aus diesem Grund treibt sie bei Springer vor allem
die Frage an: Was kommt nach der Tageszeitung? ‣
28 2 |2025
wissen
SEIT SOCIAL MEDIA und Online-Plattformen sich in der
Gesellschaft etabliert haben, geht es nicht mehr voranging
darum, wer die beste Story schreibt. Ob der Journalismus
seiner Aufgabe gerecht werden kann, hängt ab
von Distribution, Monetarisierung und der Ausspielung
von Journalismus an den richtigen Stellen. Nachdem sie
2015 die Ressortleitung der Online-Redaktion der ‚Welt‘
übernommen hatte, wirkt ihre neue Position als ‚Director
Digital Innovation‘ im Jahr 2017 mehr wie ein organisches
Wachstum als ein nächster Karriereschritt. „Das
hätte in keinem anderen Haus so funktioniert, da bin ich
mir sicher“, resümiert sie. Und dennoch verlässt sie 2018
für gut zweieinhalb Jahre den Axel-Springer-Konzern
und wechselt wortwörtlich auf die andere Straßenseite
und wird stellvertretende Chefredakteurin bei der dpa.
Verantwortlich für Innovation und Produkt ist das genau
ihr Ding. Dann geht sie in Elternzeit.
ALS SIE BEI DER DPA die digitale Transformation und
unter anderem das Podcast-Geschäft erfolgreich vorangetrieben
hat, kam ein Angebot aus dem Vorstand von
Axel Springer, die Geschäftsführung der neuen Axel
Springer Academy of Journalism & Technology zu übernehmen.
Man bietet ihr eine Position an, die, so könnte
man mutmaßen, allein für sie entworfen wurde. Als Geschäftsführerin
ist es ihre Aufgabe, die klassische Journalistenausbildung
zu transformieren, technologisch
aufzuladen und Partnerschaften mit Tech-Unternehmen
Niddal Salah-Eldin bei Planspiel Wirtschaft zu ihrer Zeit in der
Oberstufe am Gymnasium in Göttingen.
» Wie viele Menschen
habe ich auf meinem Weg
unterstützt, befähigt,
inspiriert oder vorangebracht?«
wie Snap und Meta (Facebook) zu lancieren. „Ich bin
wenig beeindruckt von Hierarchien und wer den tollsten
Titel hat“ sagt sie, „das macht es mir leicht, unabhängig
Entscheidungen zu treffen.“ Integrität und Unabhängigkeit,
das sind die Werte, die für sie wichtig sind.
Ein Gedanke, der immer wieder während des Interviews
aufkommt: Wie schafft sie das alles? Ehefrau, Mutter
und eine Karriere in Rekordzeit. „Ich habe immer viel
und hart gearbeitet“, sagt sie. Ihr Energielevel scheint mit
jeder zusätzlichen Aufgabe zu steigen. Als wäre ein Vorstandsposten
nicht tagesfüllend genug, verantwortete sie
die internationale KI-Offensive des Unternehmens und
wie nebenbei noch im Jahr 2023 die große Partnerschaft
zwischen Springer und OpenAi. Genau in dem Jahr, als im
Sudan ein bis heute andauernder Bürgerkrieg ausbricht.
Laut den Vereinten Nationen handelt es sich dabei um
eine der größten humanitären Krisen überhaupt. Mehr als
16 Millionen Kinder leiden dort unter den Folgen des
Krieges. Niddal Salah-Eldin hat Hunderte nahe und entfernte
Verwandte in ihrem Geburtsland, die zum Teil in
benachbarte Länder geflüchtet sind. Sie spürt eine große
Verantwortung für ihre Verwandten und stellt sich die
Frage: Wer will ich mal gewesen sein? Im September
2024 wird bekannt gegeben, dass sie den Konzern auf
eigenen Wunsch verlässt, um sich um ihre Familie zu
kümmern und sich für den Sudan zu engagieren. Zum
Ende des Jahres legt sie ihr Vorstandsmandat nieder.
„Ich habe keine Regrets – ich bereue nichts“, sagt sie,
„es war richtig, zu Springer zurückzukehren, und es war
richtig, zu diesem Zeitpunkt zu gehen.“ ‣
2 |2025 29
wissen
SEIT NOVEMBER 2024 engagiert sich Salah-Eldin ehrenamtlich
für ihr Heimatland Sudan. Ihre Kompetenzen
und Kontakte aus ihrer Managementzeit in der Medienbranche
nutzt sie nun, um Brücken zu bauen zwischen
unterschiedlichen Stakeholdern, Kontinenten und Kulturräumen,
zwischen Politik, Gesellschaft und Industrie. Sie
unterstützt aus ganz persönlicher Motivation ihre erweiterte
Familie im Sudan finanziell, aber auch bei Dingen -
wie Visum in den afrikanischen Nachbarländern, Wohnsituation
oder Ausbildung in der Schule und Universität.
Dieser Gemeinschaftsgedanke sei tief in der sudanesischen
Kultur verankert. „So bin ich aufgewachsen“, sagt
sie und unterstützt zusätzlich Freiwilligendienste und
Grassroots-Initiativen, bei denen Betroffene anderen Betroffenen
helfen. „Wirksamkeit habe ich dabei für mich
so definiert, dass sie nicht von meinem Gesicht abhängt“,
erklärt die gebürtige Sudanesin. Und so arbeitet sie hinter
den Kulissen mit mehr als zwei Dutzend nationalen
und internationalen Nichtregierungsorganisationen und
Stiftungen zusammen, sitzt an Roundtables und macht
das, was sie besonders gut kann: Lösungen finden für
Probleme, für die es noch keine Blaupause gibt und unübliche
Partnerschaften oder Bündnisse imitieren, die oft
nicht in Betracht gezogen werden, weil sie nicht naheliegend
sind. Brücken bauen und Akteure mit einbeziehen,
die vielleicht bis dahin unscheinbar am Rand standen.
„ICH HABE EIN HERZ FÜR DIE UNDERDOGS, weil ich
mich mit denen identifizieren kann, denen nicht alles geschenkt
wurde“, sagt die ehemalige Vorständin des Springer-Konzerns,
„weil ich ja auch mal diese Person war, die
zum Beispiel die Sprache nicht konnte.“ Und passend
dazu ergänzt sie: „Mich inspirieren Menschen, die nicht
nur schlau und erfolgreich sind, sondern Mensch geblieben
sind.“ So wie sie. Unbeirrt ist sie ihren Weg gegangen
und hat dabei nach und nach ihren jugendlichen Wunsch
nach Anerkennung und Zugehörigkeit zurückgelassen.
„Mein Geschenk, das ich mir zum 40. Geburtstag gemacht
habe: Ich will niemanden mehr etwas beweisen, nur noch
mir selbst. Ich bin bei mir. Das fühlt sich fantastisch an.“
Die Interviewzeit nähert sich dem Ende. Wir sitzen in
einem Berliner Innenhof und sind in Gedanken in Göttingen:
Bei früheren Lieblingsplätzen. Den Schillerwiesen.
Im griechischen Restaurant ,Potis‘. Am Ententeich
beim Klinikum und bei den Kindertagen im Studierendenwohnheim
im Albrecht-Thaer-Weg. Dort, wo sie das
erste Mal in ihrem Leben im Sandkasten auf ein ebenfalls
schwarzes Kind aus Tansania traf. Es wurde eine
Freundschaft fürs Leben. Wie so viele Freundschaften
aus Göttinger Zeiten bis heute gehalten haben. Auch ihren
Mann hat sie in Göttingen kennengelernt. Dankbarkeit
empfindet sie für ihre ‚alten‘ Erzieherinnen. „Göttingen
hat uns eine Chance gegeben und dafür bin ich
unglaublich dankbar. Wir haben diese Chance genutzt
und hart gearbeitet“, erzählt sie und hält für einen Moment
inne. Und dann sagt sie einen Satz, der tief aus ihrem
Herzen kommt: „Ohne Göttingen wäre ich nicht
der Mensch, der ich heute bin. ƒ
GROSSE FRAUENKONFERENZ VON,
MIT UND FÜR FRAUEN, DIE ETWAS BEWEGEN
am 15. November 2025 in Göttingen
,Change by Women‘ lautet der Titel der großen Frauenkonferenz, die am 15. November 2025 in der Alten Mensa der Universität Göttingen stattfindet.
Im Zentrum stehen Frauen, die in Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Gesellschaft erfolgreich Wandel gestalten. Mit Impulsvorträgen,
Podiumsdiskussionen, Workshops und zahlreichen Möglichkeiten zum Networking bietet ,Change by Women‘ einen Veranstaltungstag voller
Austausch, Inspiration und Empowerment. Organisiert wird das Event von Alumni Göttingen in Kooperation mit der Universität Göttingen und
zahlreichen regionalen Frauennetzwerken.
Keynotesprecherin der Konferenz ist Niddal Salah-Eldin, Beirätin und ehemalige Vorständin von Axel Springer, mit Stationen bei CNN, dem ZDF
und der dpa. Heute engagiert sie sich für ihr vom Krieg zerstörtes Heimatland Sudan. Zu den weiteren Panelistinnen zählen die Physikerin Viola
Priesemann sowie Sogol Kordi, Gründerin des Startups ,MyProtectify‘ – eine digitale Hilfe für Betroffene von häuslicher Gewalt. Ergänzt wird
das Programm durch Gespräche mit Frauen aus Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft – darunter Göttingens Bürgermeisterin
Onyeka Oshionwu.
Am Nachmittag stehen praxisorientierte Workshops auf dem Programm, die von Expertinnen aus verschiedenen Fachrichtungen
geleitet werden. Themen sind unter anderem Female Leadership, Karriereplanung, Mentoring, Sichtbarkeit auf Social Media und
der Umgang mit Herausforderungen im Berufsleben.
30 2 |2025
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2 |2025 29
mensch
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Johannes Loxen zieht sich aus der Geschäftsleitung zurück.
Führungswechsel bei SerNet
Michael Grosse übernimmt zum 1. Juli den Posten des Vorstandsvorsitzenden
der Sartorius AG. Alexandra Gatzemeyer hat
als Vorstandsmitglied um fünf Jahre verlängert.
Neues aus dem Vorstand
Die Sartorius AG stellt sich für
eine erfolgreiche Zukunft auf
MICHAEL GROSSE wird zum 1. Juli 2025 neuer Vorstandsvorsitzender
der Sartorius AG. Er übernimmt die
Leitung des Life-Science-Konzerns von Joachim Kreuzburg,
der das Unternehmen seit 2003 geführt hat und
seinen Vertrag planmäßig im November 2025 auslaufen
lässt. Der Aufsichtsrat traf die Entscheidung im Rahmen
eines Auswahlverfahrens, das im Sommer 2024 gestartet
wurde. Aufsichtsratschef Lothar Kappich würdigte
Kreuzburgs Verdienste: Unter seiner Führung sei Sartorius
in die weltweite Spitzengruppe der Biopharmazulieferer
aufgestiegen.
Der designierte CEO Michael Grosse, promovierter
Maschinenbauingenieur, war zuvor in leitenden Positionen
bei Tetra Pak, BMW und zuletzt bei Syntegon Technology
tätig. Dort leitete er von 2020 bis 2023 als CEO
den international agierenden Verpackungsspezialisten.
Grosse zeigte sich erfreut: „Sartorius ist herausragend
aufgestellt und hat eine kraftvolle Mission, und ich freue
mich darauf, mit diesem Erfolgsteam zu Fortschritten in
der Biopharma industrie beitragen zu können.“
Der Aufsichtsrat der Sartorius AG hat zudem beschlossen,
die Bestellung von Alexandra Gatzemeyer als
Mitglied des Vorstands um fünf Jahre bis zum 30. April
2031 zu verlängern. Die promovierte Chemikerin und
Pharmakologin ist seit 2004 bei Sartorius tätig und wurde
im März 2023 in den Vorstand berufen. Als Vorstandsmitglied
ist sie für die Sparte Lab Products & Services
verantwortlich.
NACH FAST 30 JAHREN an der Spitze
der SerNet GmbH gibt Mitgründer
Johannes Loxen zum 1. Juli 2025 die
operative Geschäftsführung ab. Die
kaufmännische Leitung hatte er bereits
seit 2019 schrittweise an Reinhild
Jung übergeben. Mit dem Eintritt
von Oliver Seufer als technischem
Geschäftsführer ist der Führungswechsel
nun komplett.
Loxen bleibt SerNet weiterhin eng
verbunden und wird das Unternehmen
künftig beratend begleiten –
bewusst außerhalb operativer Verantwortung.
International bleibt er aktiv: Als
CEO der US-Tochter SerNet Inc. in
Kalifornien wird er das weltweite
Geschäft mit Fokus auf Open Source
und digitale Souveränität weiterentwickeln.
Zudem startet er ein neues Projekt:
Unter dem Label „one.lx“
möchte er als Business Angel und
Open-Source- Botschafter innovative
Start-ups fördern. Der Start ist ebenfalls
für den 1. Juli 2025 geplant.
Die Patriotische Gesellschaft gründet eine Stiftung.
Katja Thiele-Hann übernimmt den Vorsitz
ZUM 260-JÄHRIGEN BESTEHEN geht die Patriotische Gesellschaft von
1765 einen wichtigen Schritt in Richtung Zukunft: Mit der Gründung einer
eigenen Stiftung schafft der traditionsreiche Verein eine langfristige
Grundlage für sein gemeinwohlorientiertes Engagement in Hamburg.
Das Stiftungskuratorium leitet die Göttingerin Katja Thiele-Hann als
erste Vorsitzende (Mitte). „Die Stiftung
ermöglicht es Menschen, durch
Stiftungskapital die Ziele und Werte
einer bewährten demokratischen Institution
zu fördern“, sagt Thiele-Hann.
„Ich bringe mich als Gründungsspenderin
und Vorsitzende des
Kuratoriums gerne persönlich ein,
um die Patriotische Gesellschaft gemeinsam
mit vielen anderen in eine
gute Zukunft zu führen.“
Die Stiftung soll künftig aus ihren
Erträgen ausgewählte Projekte des
Vereins und den Erhalt des denkmalgeschützten
Hauses unterstützen.
32 2 |2025
-shortlist
mensch
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PROFIL
20 Jahre im kontinuierlichen Wandel
Die beclever Werbeagentur feiert dieses Jahr ihr 20-jähriges Jubiläum. Die Branche ist schon immer von
starken technischen Veränderungen geprägt gewesen und Inhaberin Kirsten Winkelbach hat dadurch laufend
neue Akzente gesetzt. Neuerdings ist die Agentur auch gelistetes BAFA – Beratungsunternehmen.
Neben Inhaberin Kirsten Winkelbach gehören noch sechs weitere kreative Köpfe zum beclever-Team.
TEXT SVEN GRÜNEWALD FOTOGRAFIE ALCIRO THEODORO DA SILVA
Kirsten Winkelbach hat es geschafft
– sich als Frau an der
Spitze einer Werbeagentur
auf dem Markt zu etablieren,
zu behaupten und sich angesichts
des rapiden technischen Wandels, der
die Branche wie kaum eine andere prägt,
immer wieder ein Stück weit neu zu erfinden.
So feiert sie mit ihrem siebenköpfigen
Team in diesem Jahr ihr 20-jähriges Jubiläum.
„GERADE DURCH DIE DIGITALISIERUNG ist
so enorm viel passiert“, sagt sie im Rückblick.
Gestartet ist sie noch als klassische
Werbeagentur für Printmedien. Damals eine
Webseite zu haben, „war ein nice-to-have
und etwas ganz Besonderes, an Social Media
war noch gar nicht zu denken“. Doch
innerhalb von guten fünf Jahren haben sich
der Markt und damit auch das Geschäftsfeld
komplett gedreht. „Wir haben den ganzen
Digitalisierungsprozess im Grunde ganz
vorne in der Entwicklung mitgemacht und
uns dadurch auch ständig mit verändert.“
beclever ist als Full-Service-Agentur neben
der Marketingberatung und Konzepterstellung,
auf die Realisierung von modernen
Websites, Online-Shops und Online-Werbung
zum Beispiel auf Social Media spezialisiert.
Den weiteren Bereich bildet die klassische
Werbung wie Corporate-Design-Entwicklung,
Flyer, Broschüren und mehr. Betreut
wird eine ganze Bandbreite an Kunden aus
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unterschiedlichsten Branchen, vor allem in
Südniedersachsen und Nordhessen, aber
auch in Bayern. Ein Schwerpunkt der Agentur
liegt im Automotivebereich.
JETZT SIND ES KI und die unendlich vielen
digitalen Tools, die die Branche verändern
und alles wieder ein Stück weit herausfordernder
machen. Und: die Kunden theoretisch
selbst einsetzen können, um ihr Marketing
zu gestalten „Es wird nicht einfacher
werden! Agenturen mit konzeptionellem
Denken, die ganze Kampagnen und Markenauftritte
entwerfen, haben weiterhin ihre
Daseinsberechtigung, aber man muss die
Kunden stärker vom Nutzen überzeugen“,
betont Kirsten Winkelbach. Umso wichtiger
ist für sie und ihr Team die kontinuierliche
Weiterbildung, um nie den Anschluss
an die technisch relevanten Entwicklungen
zu verpassen. Durch KI zeichnet sich bereits
eine neue Veränderung des Arbeitsalltags
ab: „Ich denke, das wird den Bedarf an
Beratungsleistungen erhöhen. Die KI-Tools
sind Hilfsmittel, mit denen sich spannende
neue Projekte realisieren lassen und die auch
vieles im Arbeitsalltag erleichtern. Aber
auch das muss man sinnvoll planen und einsetzen.“
WÄHREND DER RECHERCHE zu Weiterbildungsmaßnahmen
für ihr Team ist sie auf
ein Förderprogramm des Bundesamts für
»Wir denken mit
und noch viel weiter.«
Kirsten Winkelbach
Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA)
für digitale Marketingprozesse aufmerksam
geworden. Und weil sich beclever ohnehin
„jeden Tag mit Beratung zum Thema
Kommunikation & Marketing beschäftigt“,
wie Kirsten Winkelbach erzählt, „habe ich
unsere Agentur als Beratungsunternehmen
bei der BAFA listen lassen, wodurch wir
nun in der Lage sind, unseren Kunden eine
geförderte Beratungsleistung anzubieten“.
DIE BAFA HAT in ihrem Portfolio der Förderung
unter anderem ein Programm für
digitale Beratungsleistungen für kleine und
mittelständische Unternehmen. In den neuen
Bundesländern können bis zu 80 Prozent
der Kosten, in den alten bis zu 50 Prozent
für eine solche Marketingberatung übernommen
werden. Das können Projekte wie
die Beratung für eine digitale Markterschließung,
SEO-Optimierung, Webseitengestaltung,
Onlineshops etc. sein. „Als gelistetes
Unternehmen können wir diese inhaltliche
Beratung durchführen; wir kümmern uns
außerdem um die ganzen Formalia der
Beantragung für unsere Kunden. Und natürlich
übernehmen wir später, wenn gewünscht,
gern auch die konkrete Umsetzung
der jeweiligen Marketingmaßnahmen“, so
Winkelbach. „Für die Kunden ist es super,
wenn sie sich etwas so Wichtiges bezuschussen
lassen können. Bei der Vielzahl an Förderprogrammen
wissen Unternehmer oft gar
nicht, welche Möglichkeiten es gibt.“
DIE 20 JAHRE Unternehmensgeschichte
waren auch für Kirsten Winkelbach eine
lange, abwechslungsreiche Reise mit großen
Entwicklungssprüngen, auf fachlicher
wie persönlicher Ebene. „Als ich im Jahr
der Agenturgründung ins kalte Wasser gesprungen
bin, war ich erst 24“, erinnert sich
Kirsten Winkelbach. „Damals war es auch
noch nicht so selbstverständlich, Frauen in
Führungspositionen zu haben.“ Das hat sich
deutlich geändert, Kirsten Winkelbach und
beclever sind fest etabliert und haben sich
behauptet. „Der Weg war nicht immer einfach,
aber es hat einen stärker gemacht. Ich
liebe was ich tue und habe für mich meine
Berufung schon lange gefunden.“
PROFIL
beclever werbeagentur AG
Bahnhofsallee 1b
37081 Göttingen
Tel.: 0551 384 210 10
www.beclever-werbeagentur.de
Kirsten Winkelbach mit ihrem Bruder Jan-Eric Winkelbach, der als Webentwickler in der Agentur tätig ist.
mensch
36 2 |2025
mensch
Der MANN im
Lichtspielhaus
Wolfgang Würker schenkte dem deutschen
Fernsehen Dokumentarfilme über Albert Einstein
und Dirk Nowitzki. Nach dem Studium der Physik
in Göttingen entschied er sich für eine Karriere als
Filmer und Regisseur. Heute macht er Kino, erst in
Witzenhausen, nun in Northeim. Die Geschichte
über jemanden, der es liebt, Licht erst einzufangen,
um es dann wieder von sich zu werfen.
2 |2025 37
mensch
TEXT CHRISTIAN VOGELBEIN FOTOGRAFIE ALCIRO THEODORO DA SILVA
Es duftet nach Popcorn und Karamell, der Aufschrei
echter Gefühle hallt nach. Das Foyer der
Neuen Schauburg ist in einer Zeit stehen geblieben,
als Humphrey Bogart, Marlene Dietrich
und Heinz Rühmann größer waren als ein Mensch. Heute
sind es bunte Figuren und muskulöse Schauspieler, die
vom Filmplakat herunterschauen. Immer noch groß, aber
lange nicht mehr so hell. Die Leinwand: riesig. Der Projektor:
digital. Hinter der nostalgischen Fassade der
Schauburg steht der Wettkampf zwischen romantischer
Nostalgie und einem überschaubaren Budget. Und doch
ist es eben dieser Charme, der Kino – die Schauburg – so
besonders macht. Liebenswürdig macht. Einer, der sich
verliebt hat, ist Wolfgang Würker. Zusammen mit dem
Inhaber der Immobilie, Marius Becker, hat er das kleine
Kino Anfang 2025 übernommen. Zuvor sammelte er Erfahrung
als Kinobetreiber in Witzenhausen, als Dokumentarfilmer
und Physiklehrer.
Wenn Wolfgang Würker über ,sein‘ Kino spricht, lässt
sich seine Begeisterung an der Größe seiner Augen ablesen.
Seine schlanken Hände zeichnen Linien in die Luft,
streichen sanft über Papiere und Notizen. Als Naturwissenschaftler,
Journalist und Filmemacher ist er immer
gut vorbereitet. Was ihm das Leben nicht an Erfahrung
abgespeichert hat, trägt er auf einem Zettel bei sich. Besucherzahlen
aus dem vergangenen Jahr zum Beispiel.
„Das ist schon ziemlich deutlich“, sagt er mit Wehmut in
der Stimme. Wer heutzutage ein kleines Kino betreiben
möchte, um Geld zu verdienen, mache sich etwas vor.
Für Wolfgang Würker ist das Arbeiten in Northeim
kein Rückzug ins Provinzielle – sondern der nächste
Akt in einem ungewöhnlich konsequenten Lebenslauf.
Einer, der zwischen Wissenschaft und Kunst, zwischen
Fakten und Gefühl, zwischen öffentlich-rechtlicher Prime
Time und stillen Landkinos pendelt. Einer, der aus
der Welt des Sehens nie ausgestiegen ist – und es jedem
zeigen möchte.
WIE DIE WELT FUNKTIONIERT
„Ich wollte verstehen, wie die Welt funktioniert. Wie Dinge
voneinander abhängen und funktionieren“, sagt er
über seine erste Leidenschaft: die Physik. Er erinnert sich
an einen Lehrer mit schrägem Gang, der ihn für das Fach
begeisterte. „Er wippte mit dem Oberkörper hoch und
runter, weil das angeblich die energetisch günstigste Form
der Fortbewegung sei“, erzählt Würker. „Er hatte Sinn für
das Schrullige und Abgelegene. In seinem Unterricht
sprang der Funke auf mich über.“
Nach dem Abitur studierte Wolfgang Würker Physik
und Mathematik in Frankfurt, zur Promotion wechselte
er an die Universität nach Göttingen. Als es sich abzeichnete,
dass er eine Doktorarbeit im Bereich der
Halbleiter- und Kristallphysik in Göttingen machen
könnte, griff er zu. Zum ersten Mal verließ Würker damit
seine hessische Heimat. „Ich bin in Hanau geboren
und zur Schule gegangen und freundete mich mit dem
südlichen Niedersachsen an“, sagt Würker. „Damals
konnte ich nicht ahnen, dass ich Zeit meines Lebens
entweder im erweiterten Rhein-Main-Gebiet oder in
Göttingen zu Hause sein werde.“
Parallel zum Studium gründete er mit anderen die
Kino thek Göttingen – aus der später das Göttinger Filmfest
hervorging. „Es gab also schon sehr früh das Interesse
für zwei so unterschiedlichen Gebiete, für die Physik
sowie für Film und Kino.“
Die Naturwissenschaft bleibt für Wolfgang Würker
bis heute ein Denkgerüst, das ihm hilft, Komplexität zu
ordnen. In der Mathematik fand er Struktur, in der Physik
das offene Fenster zum Verständnis des Universums.
Doch bald drängten sich andere Bilder in sein Leben.
Noch bevor seine wissenschaftliche Karriere richtig
Fahrt aufnehmen konnte, hatte sich die Tür zur Kultur
längst geöffnet – „sie stand nicht nur offen, sie war nicht
mehr zu schließen“. Würker war ein Grenzgänger, und er
ist es bis heute.
38 2 |2025
mensch
An der Fassade des Northeimer Kinos treffen Epochen aufeinander. Wenn zur Dämmerung die Leuchtschrift aufscheint, steht ein schöner Kinoabend bevor.
» Ich wollte verstehen,
wie die Welt funktioniert.
Wie Dinge voneinander abhängen
und funktionieren.«
DIE FAZ, DIE FILMSETS UND EIN BASKETBALLER
Es folgten Jahre als Redakteur im Feuilleton der Frankfurter
Allgemeinen Zeitung, ein Sprungbrett, das ihn in
die Welt der bewegten Bilder führte. „Monika Zimmermann,
damals für den Kulturteil im Göttinger Tageblatt
zuständig, war nach Frankfurt ins Feuilleton der FAZ
gewechselt und empfahl mich als Filmkritiker.“ Als Physiker
wie auch als Redakteur einer großen Tageszeitung
war es ihm wichtig, Themen solide zu recherchieren.
Neugierde war sein Antreiber und das Vergnügen, Neues
kennenzulernen, dabei aber nie den Boden einer guten
Recherche zu verlassen.
„Nach einigen Jahren wollte ich dann nicht länger über
die Arbeit anderer schreiben, sondern selbst Filme machen“,
sagt er. Sein erster Dokumentarfilm? Gemeinsam
mit Joachim Kreck drehte er ein Porträt des Göttinger
Basketballtrainers Terence Schofield.
Wenig später gründete er mit Kollegin und Filme macherin
Sylvia Strasser die Produktionsfirma PAOLO- Film. ▸
2 |2025 39
mensch
» Nach einigen Jahren wollte
ich dann nicht länger über
die Arbeit anderer schreiben,
sondern selbst Filme machen.«
Wolfgang Würker (links auf dem Sofa), gehört zu den Mitbegründern
der Göttinger Kinothek, aus der später das Göttinger
Filmfest hervorging.
Seine Dokumentarfilme führten Wolfgang Würker um die ganze
Welt. Hier Ende der 1990er Jahre auf der Insel Teneriffa vor dem
Sonnenobservatorium unterhalb des Vulkans Teide. An seiner
Seite: Kameraassistent Norbert Hübner.
„Als Physiklehrer bewegst du dich im schulischen Rahmen,
folgst Lehrplänen, und irgendwie ist das Leben für
dich organisiert und strukturiert“, sagt Wolfgang Würker.
„Als Filmemacher betrittst du den freien Markt.
Plötzlich bist du für vieles verantwortlich.“ Mit der
neuen Firma hatten sie Glück: Große Reportagen und
Dokumentationen führten sie sofort nach Hollywood
oder an das Set von Bernd Eichingers ,Name der Rose‘
mit Schauspieler Sean Connery. „Wir hatten als Filmemacher
schnell Fuß gefasst und haben im Lauf mehrerer
Jahrzehnte viele Dutzend große Dokumentationen gemacht,
meist für ZDF und ARTE, aber auch viele kleinere
Filme für Museen und private Auftraggeber.“
Die sogenannte Einschaltquote begreift er schnell als
die neue bedeutende Währung. Seine Filme erzählen von
Expeditionen mit der Concorde über den Atlantik,
von Drehs in Moskau und Hollywood, über Schnee und
Eis, über Feuerwerke oder die faszinierenden Nordlichter.
Und ganz persönlich über den Basketballer Dirk
Nowitzki und Physiker wie Albert Einstein. „Als Physiker
wie auch als Redakteur war es mir immer wichtig,
Themen solide zu recherchieren“, sagt er. Den Darsteller
für Einstein entdeckten sie in der Frankfurter Kneipe
,Casablanca‘. „Er sah ihm zum Verwechseln ähnlich.“
Die Neugier ist geblieben, die Methode hat sich verfeinert.
Wolfgang Würker ist keiner, der sich vom Spektakel
blenden lässt. Aber einer, der das Staunen erhalten hat. ▸
40 2 |2025
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Wir gehen neue Wege: Mit Arina, unserer Wissens-KI, vernetzen wir unser internes
Wissen und reichern es mit öffentlichen Daten an. Auf diesen Wissensschatz können
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macht uns nicht nur effizienter, sondern vor allem zu einem noch besseren Partner
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2 |2025 41
mensch
Die Schauburg ist berühmt für ihr leckeres Popcorn. Vor allem aber für den Charme aus einer Zeit, als Kino für die Menschen noch etwas Besonderes war.
42 2 |2025
mensch
DANN KAM DAS KINO
Zum Kino kam Würker schließlich über einen Freund:
Ralf Schuhmacher, Kinobetreiber in Witzenhausen, der
2019 überraschend verstarb. „Ein neuer Auftrag fürs
Fernsehen wollte gerade nicht zustande kommen, das
Capitol in Witzenhausen suchte jemanden für Programm
und Organisation – da habe ich einfach zugesagt.“
Was dann folgte, war typisch Würker: Kino in der
Kirche, Open-Air im Klosterhof, ein Wiedereröffnungsfilmhaus
in Hann. Münden. Das Filmemachen hat ihn
zwar nicht losgelassen. Aber es war anders. „Anfangs
waren die Macher im und für das öffentlich-rechtliche
Fernsehen noch eine verschworene Gemeinschaft.“
„Wie es weiterging, ist bekannt: Inzwischen haben die
kommerziellen Aspekte die Oberhand gewonnen, bei vielen
Sendern steht die Unterhaltung im Zentrum, und die muss
nicht mal mehr besonders anspruchsvoll sein“, sagt er
kritisch. Es laste ein hoher Druck auf den öffentlichrechtlichen
Sendern. „So wandern beispielsweise anspruchsvolle
Sendungen über Literatur oder Kino heute
ins Nachtprogramm, sofern es sie überhaupt noch gibt.“
Sylvia Strasser hat das noch nicht losgelassen. Während
sie im Sommer 2025 einen Doku-Film fürs Kino in Italien
dreht, plant Wolfgang Würker die Zukunft der Neuen
Schauburg. „Ich hätte es allein nicht gemacht“, sagt er
offen. Zu groß sei das finanzielle Risiko. Über Jahrzehnte
war Torben Scheller Betreiber des Kinos. Sein Abschied
und die Anfrage zur Übernahme kam „zur richtigen Zeit“,
sagt Würker. „Warum nicht meine Ideen von Kino und
Programmkultur nochmal an einem anderen Ort in die
Realität umsetzen?“
Mit Marius Becker, dem Eigentümer des Gebäudes, fand
sich ein Mitstreiter. Gemeinsam setzen sie auf Entstaubung
und Erneuerung, auf Beharrlichkeit und Leidenschaft. Und
entwickeln Ideen, um Kino wieder zu einem Ort der Gemeinsamkeit,
des Treffens und Erlebens zu machen.
KAFKA, KEKSE UND KULTURARBEIT
„Im Kino gewesen. Geweint.“ Kafka schrieb das in sein
Tagebuch. Würker zitiert es gern. Nicht aus Schwärmerei,
sondern weil es einen Punkt trifft, den er ernst meint:
Kino als Ort der Begegnung, nicht nur mit Geschichten,
sondern auch mit sich selbst.
„Liebe und Tod, Lachen und Weinen, Freude und Enttäuschung.
In der Dunkelheit und Anonymität des Kinosaals
begegnet man im besten Fall auch sich selbst.“ Er will,
dass das Kino mehr ist als ein Filmabspielort. Es soll ein
Treffpunkt werden. Ein Ort für Musik, Lesungen, Kooperationen
mit Theater, Gleichstellungsstelle, Stadthallenverein.
Es geht ihm um nichts Geringeres als das kulturelle
Zentrum einer kleinen Stadt. „Ein früherer Slogan lautete:
Die Mitte der Welt ist da, wo man sich trifft: Im Kino.“
Und vielleicht ist es genau das, was er meint, wenn er
vom Kino als „therapeutischem Raum“ spricht. Ein Ort
der Resonanz in einer immer lauteren Welt. Vor allem
geht es aber um den Film. „Natürlich gibt es Kriterien,
was Qualität bedeutet und was nicht. Das gilt für Programme
im Fernsehen wie die Filme im Kino.“ Dabei
fragt er sich: Wie interessant und relevant ist ein Thema?
Wie wird es umgesetzt? Mit wie viel Fantasie und Fortune
gehen die Macher ans Werk? Ist ihr Konzept am Ende
aufgegangen? „Am Ende sieht jeder Zuschauer einen anderen,
seinen eigenen Film.“
REALITÄTSSINN TRIFFT VISION
Wolfgang Würker ist kein Träumer. Er kennt die Zahlen.
Und die sehen nicht gut aus. Der Besucherrückgang in
Kinos sei dramatisch, sagt er. 20 Prozent weniger Zuschauer
im Vergleich zu 2023. Das steht so auf seinem
Zettel. „Mit der Schauburg ist es ein Experiment. Das
heißt, es kann auch schief gehen“, sagt Würker. „Aber wir
hoffen, dass es der Beginn von Etwas ist. Eine Grundlage
für eine neue Zukunft.
Die Pandemie hat ihre Spuren hinterlassen – und das
Streaming hat längst auch das ältere Publikum erreicht.
„Selbst die, die bis dahin nie einen Kinofilm im Netz sehen
wollten“, sagt Würker, „haben inzwischen gelernt,
mit Netflix, Amazon oder Apple umzugehen.“
Hinzu kommt: Viele Filme sind nicht mehr für die
Leinwand gedacht. Und selbst Klassiker wie Indiana
Jones bekommt man nicht mehr zu sehen – aus lizenzrechtlichen
Gründen. „Das ist heute im Kino nicht
mehr möglich.“ Und dennoch: Er macht weiter. In den
ersten Monaten hat sich viel getan. Wände wurden gestrichen,
neue Heizkörper montiert, eine PV-Anlagen
installiert und der Ton und das Licht verbessert. „Wir
haben, so banal es klingt, aufgeräumt und sauber gemacht.“
Kino als Form des Widerstands. Gegen das
Vergessen. Gegen die Gleichgültigkeit. Gegen die eigene
Resignation. ▸
2 |2025 43
mensch
KIRCHE, KINO, KOPETZKY
Die Pläne für die zweite Jahreshälfte sind konkret: Eine
monatliche Reihe ,Kirche und Kino‘, ein ,Dienstags um
Drei‘-Seniorenkino, Lesungen mit Herfried Münkler und
Steffen Kopetzky. Und vielleicht doch noch ,Die
Blechtrommel‘ mit Volker Schlöndorff persönlich. „Keep
up the good work!“, schrieb ihm der 86-Jährige. Würker
hebt die Augenbraue. Das ist zwar eine Absage des
Oscar-Preisträgers, ein neues Filmprojekt sei schuld. Aber
er schrieb ihm auch: „Bis zu einem anderen Mal!“
Würker denkt in Programmen, in Formaten, in Begegnungen.
Nicht im schnellen Effekt. Sondern im langen
Atem. In Verbindung. Für ihn ist Kino nicht nur ein Ort
– es ist eine Haltung. Eine Möglichkeit, im Gespräch zu
bleiben „Wir wollen mit dem Theater der Nacht zusammenarbeiten,
mit der Gleichstellungsbeauftragten des
Landkreises, mit dem Förderverein der Stadthalle und
vielen anderen mehr.“ Zusammen mit der Northeimer
Initiative Kunst und Kultur ist beispielsweise die Sonntagsmatinee
schon zu einem sehr erfolgreichen Format
geworden.
DIE MAGISCHEN MOMENTE
Vielleicht ist es kein Zufall, dass einer wie Wolfgang Würker
am Ende wieder dort angekommen ist, wo er begonnen
hat: im Kinosaal. Ein dunkler Raum, in dem Menschen
still werden. In dem Aufmerksamkeit wächst, und
manchmal auch Erkenntnis. In dem Gemeinschaft entsteht,
wo sonst Vereinzelung droht.
Er sagt, er sei noch immer Physiker. Und dann wieder
nicht. Die rätselhaften Momente, die „nicht so leicht zu
erklären oder gar zu beweisen“ seien, die faszinieren ihn
heute mehr. Er findet sie auf der Leinwand. Und schafft
ihnen einen Raum. Nicht als Forscher, nicht als Kritiker,
nicht als nostalgischer Träumer – sondern als jemand,
der weiß, wie viel Arbeit hinter dem Licht steckt. Und
wie viel Hoffnung im nächsten Abspann liegt.
„Die rätselhaften und magischen Momente von Kinofilmen,
gerade die, die wir nicht mehr so genau beschreiben
und nachvollziehen können, wovon wir aber eine
Ahnung bekommen, die uns anregen oder träumen lassen
– dies alles macht uns im Kino reicher.“ ƒ
WOLFGANG WÜRKER
studierte Physik in Frankfurt und promovierte in Göttingen. Er
schrieb Filmkritiken für das Göttinger Tageblatt und war Initiator
des Göttinger Filmfests. Später wurde er Feuilleton-
Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und gründete
Mitte der 1980er-Jahre zusammen mit Sylvia Strasser die
Produktionsfirma PAOLO-Film. Über mehr als drei Jahrzehnte
hinweg entstanden zahlreiche Dokumentationen für das
öffentlich-rechtliche Fernsehen, meist für ZDF und ARTE, daneben
auch Filme für Museen und private Auftraggeber. Seit
2019 Engagements in der Kinobranche (Witzenhausen, Hann.
Münden), seit Januar 2025 Geschäftsführer der Neuen
Schauburg Northeim.
DIE SCHAUBURG
Am 27. Januar 1923 eröffnete der Kapellmeister Fritz Krüger im
Saal seiner Gaststätte ,Zur Altdeutschen‘ die ,Northeimer
Lichtspiele‘. Das Kino hatte zunächst 165 Plätze und zeigte
Stummfilme, die am Klavier live begleitet wurden. Anfang der
1950er-Jahre wurde die Schauburg renoviert und auf den modernsten
Stand der damaligen Technik gebracht. Das Foyer
erhielt das bis heute bestehende ,Trumpf‘-Kassenhaus. Als in
den 1980er-Jahren die beiden anderen Lichtspieltheater Northeims,
das CAPITOL-Theater und ,Die Kurbel‘, den Spielbetrieb
einstellten, blieb die Schauburg als einziges Kino den Northeimern
erhalten. 1997 hat Torben Scheller nach sorgsamer Renovierung
und Restaurierung das Kino unter dem heutigen
Namen ,Neue Schauburg‘ wieder eröffnet. Am 1. Januar 2025
ein neuerlicher Betreiberwechsel. Marius Becker und Wolfgang
Würker wollen die Neue Schauburg im Sinne Torben Schellers
fortführen, als unverzichtbaren kulturellen Treffpunkt im
Herzen der Stadt.
44 2 |2025
wissen
1 |2025 35
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Ein Bier, das nach
Heimat schmeckt!
Jetzt hat das Einbecker Brauhaus Bier mit 100
Prozent regionaler Braugerste herausgebracht.
unsere Biere – das soll gesehen und geschätzt
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woher unsere Rohstoffe kommen. Es ist
eine Win-Win-Situation.
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TRINKEN?
Ja, und das freut uns natürlich ganz besonders:
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in ebenfalls limitierter Menge auch im
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Regional, nachhaltig, partnerschaftlich:
Mit seinem Anbauprogramm
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Brauhaus seit einigen Jahren
die heimische Landwirtschaft – und gleichzeitig
seine eigene Versorgungssicherheit. Sieben
Landwirte aus Südniedersachsen bauen
auf ihren Feldern Sommerbraugerste an, die
in der Einbecker Brauerei zu Bier gebraut wird.
Seit Juni wird das Bier mit regionaler Braugerste
in limitierter Menge an die Gastronomie
verkauft und auch der Endkunde kann
eine begrenzte Zahl Flaschen erwerben. Im
Interview erklärt Vorstand Marc Kerger, warum
das Projekt ein echtes Herzensanliegen
ist – und wie daraus jetzt ein ganz besonderes
Bier entstanden ist.
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EINBECKER BRAUHAUS DAS PROJEKT
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GERUFEN?
Als traditionsreiche Brauerei mit regionalen
Wurzeln wollen wir auch beim Thema Rohstoffe
Verantwortung übernehmen. Die Idee
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direkt hier anbauen lassen? Das stärkt die
regionale Wertschöpfung, verkürzt Lieferwege
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porträtieren wir die Betriebe und stellen
die einzelnen Landwirte vor – mit Fotos, Interviews
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sie. Die Landwirte unterstützen sich gegenseitig
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An ihrem ersten Tag bei Refratechnik kann
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eine beeindruckende Karriere hingelegt
und ist seit 2018 als Leiterin Finanzen
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48 2 |2025
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Ich ärgere mich ungern –
ich mache einfach!
Martina Städtler-Schumann führt das Unternehmen, das sie gemeinsam mit ihrem
Mann gegründet hat und das seinen Namen trägt: die Prof. Schumann GmbH.
Über bald 30 Jahre hat sie das IT-Unternehmen zu einem internationalen Player mit
über 200 Mitarbeitern entwickelt. Das Porträt einer Unternehmerin, die den Blick
immer nach vorn richtet.
TEXT MARGARETA VOGEL
FOTOGRAFIE ALCIRO THEODORO DA SILVA
Das Thema IT wurde Martina Städtler-
Schumann gewissermaßen in die
Wiege gelegt: Ihr Vater gründete 1961
in Nürnberg ein Beratungs- und Softwareunternehmen
für die Logistikbranche
– zu einer Zeit, in der Informations technologie
noch in den Kinderschuhen steckte. Diese frühe Nähe
zur technischen Pionierarbeit prägte ihren Weg nachhaltig.
Sie machte eine Ausbildung zur Diplom-Kauffrau
mit technischer Ausrichtung und promovierte
anschließend in Wirtschaftsinformatik an der Universität
Nürnberg. Dort lernte sie auch ihren späteren
Ehemann, Matthias Schumann, kennen. Nach
ihrer Promotion im Jahr 1985 stieg Martina Städtler-Schumann
ins elterliche Unternehmen ein. Sie
übernahm rasch Verantwortung – zunächst in Vertrieb
und Marketing, später in der Projektleitung und
als Bereichsleiterin. „Ich bin mit starken Frauen aufgewachsen“,
erzählt sie. „Meine Mutter und beide
Großmütter waren berufstätig und standen fest im
Leben. Für mich war es immer selbstverständlich,
dass Frauen gestalten, führen und ihren eigenen Weg
gehen.“
NACH ZWEI JAHREN ELTERNZEIT war der Weg zurück
ins Familienunternehmen jedoch versperrt: In
der Zwischenzeit hatte ihr Bruder die Firma übernommen.
Zudem war sie mit ihrer jungen Familie ▸
2 |2025 49
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ZUM UNTERNEHMEN
Die Prof. Schumann GmbH mit Hauptsitz
in Göttingen sowie Standorten in
Leipzig und London ist ein inhabergeführtes
Softwareunternehmen, das seit
1997 auf Lösungen für das Kreditrisikomanagement
spezialisiert ist. Die Software
wird in Unternehmen aus Industrie,
Großhandel, Leasing, Factoring sowie bei
Kredit- und Kautionsversicherungen eingesetzt.
Rund 230 Mitarbeitende arbeiten
an IT-Lösungen, die die Digitalisierung
und Automatisierung von Prozessen
ermöglichen.
von Nürnberg nach Göttingen gezogen, wo ihr Mann seinen
Lehrstuhl für Anwendungssysteme und E-Business
angetreten hatte. „Da stand ich nun – glücklich verheiratet,
mit kleinem Sohn, aber ohne Job in einer neuen
Stadt“, erinnert sich Martina Städtler-Schumann.
EINE NEUE PERSPEKTIVE eröffnete sich schließlich
durch die Forschung ihres Mannes. An der Universität
Göttingen leitete er ein Praxisprojekt zu KI-Expertensystemen
in der Kreditversicherung – mit beachtlichem
Erfolg. „Die Lösung funktionierte hervorragend“, erzählt
Martina Städtler-Schumann. „Aber über die Universität
durften weder Schnittstellen programmiert noch Weiterentwicklungen
oder Wartung angeboten werden.“ Für sie
war klar: Genau hier liegt unternehmerisches Potenzial. Sie
ergriff die Chance – und gründete gemeinsam mit ihrem
Mann im Jahr 1997 in Göttingen die Prof. Schumann
GmbH, spezialisiert auf IT-Lösungen im Kreditrisikomanagement.
„Ich wollte gestalten, nicht stillstehen.“
Die Weichen wurden mutig gestellt: Ein Büro wurde
mit Dreijahresvertrag angemietet, moderne Büromöbel
angeschafft und erste Mitarbeiter eingestellt. „Das war
ein ordentliches Risiko“, sagt sie rückblickend. „Ich
habe die Verträge aufgesetzt, die AGBs formuliert, Prospekte
geschrieben, das Marketing aufgebaut.“ Während
ihr Mann die ersten Kundengespräche führte, kümmerte
sie sich um die gesamte Außendarstellung. „Ich wusste
aus meiner Berufserfahrung: Wir brauchen mehrere
Standbeine, wenn wir nachhaltig wachsen wollen.“ Dieser
unternehmerische Weitblick sollte sich bald auszahlen.
Das junge Unternehmen entwickelte sich stabil,
wuchs kontinuierlich und zählte nach wenigen Jahren
rund 20 Mitarbeiter.
DOCH DANN KAM, fünf Jahre nach der Gründung, ein
harter Einschnitt: Die Versicherung, mit der alles begonnen
hatte, stellte ihre Sparte für Kreditversicherung ein.
„Über Nacht verloren wir ein Drittel unseres Umsatzes“,
erinnert sich Städtler-Schumann. „Wären wir nicht
finanziell solide aufgestellt gewesen und hätten nicht alle
im Team zusammengehalten, hätte das das Aus bedeuten
können.“ Es war ein Moment, der die Widerstandsfähigkeit
des Unternehmens auf die Probe stellte – und in dem
sich letztlich bestätigte, dass Vertrauen, Weitsicht und
der Zusammenhalt der Mitarbeiter tragende Säulen des
Erfolgs sind. Es sind Werte und Überzeugungen, die
50 2 |2025
unternehmen
Martina Städtler-Schumann vor allem durch ihren Vater
mit auf den Weg bekommen hat – und die bis heute ihr
unternehmerisches Handeln prägen. „Wenn wir über
Werte sprechen, dann denke ich zuerst an ihn“, sagt sie.
„Er hat mir Zuversicht und Gottvertrauen vermittelt – besonders
in schwierigen Zeiten – sowie den festen Glauben
an Fleiß, Verlässlichkeit und Verantwortung. Er war ein
Chef, der kompetent und empathisch agiert hat, der Vertrauen
in die Mitarbeiter hatte – unglaublich modern.“
HEUTE IST MARTINA STÄDTLER-SCHUMANN besonders
stolz auf etwas, das sich nicht in Zahlen messen lässt:
das außergewöhnliche Engagement ihrer Mitarbeiter.
Loyalität, Identifikation und Eigenverantwortung sind im
Unternehmen keine Floskeln, sondern gelebter Alltag.
„Als Chefin muss man vorangehen – mit einer Vision,
einer klaren Zielsetzung und einem positiven Beispiel.
Und ohne Vertrauen geht gar nichts.“ Für sie gehört beides
untrennbar zusammen: „Verantwortung beginnt mit
Vertrauen.“ Wer mitdenkt und mitträgt, braucht auch die
Freiheit, selbst Entscheidungen zu treffen. „Unsere Mitarbeitenden
sind hoch kompetent und wissen genau, was
unsere Kunden brauchen. Darauf vertrauen wir – und
darauf bauen wir unsere Entscheidungen auf.“
DOCH VERTRAUEN ZU GEBEN, bedeutet auch, loslassen
zu können. Delegieren sei ein zentrales Führungsinstrument
– und zugleich eine persönliche Herausforderung
gewesen. „Was glauben Sie, wie oft ich ungeduldig war,
wenn ich Aufgaben abgegeben habe“, sagt sie. „Warum
macht er das nicht so? Warum macht sie das nicht jetzt?
Warum fragt er mich? Warum fragt sie mich nicht? All das
musste ich lernen auszuhalten.“ Heute ist sie überzeugt:
Die stärksten Beziehungen entstehen nicht durch Harmonie,
sondern durch echtes Miteinander – auch, wenn es
mal kracht. „Gerade in den Situationen, in denen intensiv
über den richtigen Weg gestritten wurde, ist tiefes gegenseitiges
Vertrauen gewachsen. Und das trägt – bis heute.“
Insbesondere in herausfordernden Zeiten wie der Finanzkrise
2008 und der Corona-Pandemie zeigte sich,
wie belastbar dieses Führungsverständnis und der Zusammenhalt
im Team wirklich waren. „Beide Krisen haben
uns eher gestärkt als geschwächt“, sagt Martina
Städtler-Schumann. „Wir haben uns nie verzettelt, sondern
konsequent auf unsere Kunden und unser Kerngeschäft
fokussiert.“
HEUTE AGIERT DAS UNTERNEHMEN im Zentrum der
Kreditrisikobranche und bedient drei Marktsegmente:
Kredit- und Kautionsversicherer, Finanzdienstleister sowie
Industrie- und Handelsunternehmen. „Alle drei Bereiche
verbindet die Risikobewertung von Kunden –
wenn auch auf unterschiedliche Weise“, erklärt Martina
Städtler-Schumann. Diese konsequente Ausrichtung auf
die Bedürfnisse der Kunden hat das Unternehmen auf
Wachstumskurs gebracht. Als es 1997 losging, startete
Martina Städtler-Schumann mit drei Mitarbeitern. Heute
zählt das Unternehmen gut 200 Beschäftigte – darunter
für die IT-Branche überdurchschnittlich viele Frauen. Außer
dem Hauptsitz in Göttingen unterhält das Unternehmen
Niederlassungen in Leipzig und London – letztere als
Treffpunkt für internationale Kunden und Partner.
Das Unternehmen soll auch in Zukunft ein Familienunternehmen
bleiben. Drei Geschäftsführer bilden
bereits das stabile Führungsfundament unter der Frau
an der Spitze. Ein Verkauf stand dabei nie zur Diskussion
– trotz zahlreicher Angebote. „Es gab unzählige
Übernahme- oder Beteiligungsangebote“, sagt Martina
Städtler- Schumann. Noch immer treffen wöchentlich
drei bis vier neue Anfragen ein. „Aber inzwischen lösche
ich sie einfach ungelesen. Ich antworte nicht einmal
mehr. Unsere Mitarbeiter liegen mir zu sehr am Herzen.
Wir wissen selbst am besten, wo wir investieren wollen.“
Und an Ideen mangelt es nicht: Im spezialisierten Marktsegment
des Kreditrisikomanagements sowie im Bereich
der Kredit- und Kautionsversicherungen ist das Unternehmen
heute Marktführer. Auch zukunftsweisende
Technologien wie Künstliche Intelligenz hat das Unternehmen
fest im Blick. „Unser Geschäft ist extrem dynamisch
– entscheidend ist, die KI sinnvoll und praxisnah
in die Prozesse unserer Kunden zu integrieren“, betont
Städtler- Schumann.
WIE SIE SELBST SAGT: Kaum etwas bringt sie aus der
Ruhe – hart zu arbeiten liegt ihr. Und genau das hat
sie getan, unbeirrt und mit klarem Fokus, ungeachtet
etwaiger Hindernisse, auch wenn ihr klar ist, dass Erfolg
niemals eine Einzelleistung ist. Hindernissen begegnet
sie mit Pragmatismus und Tatkraft: „Wenn ein Problem
auftaucht, schaue ich nach vorn. Dann muss ich eben
drübersteigen. Ich verschwende keine Energie auf Dinge,
die ich nicht ändern kann. Ich ärgere mich ungern – ich
mache einfach.“ ƒ
2 |2025 51
unternehmen
52 2 |2025
unternehmen
Der Unternehmensneucodierer
Gerdum Enders ist Unternehmensberater aus Kassel, der sich auf
Change Prozesse in Unternehmen spezialisiert hat. Statt fertiger Strategiepapiere
liefert er etwas viel Wertvolleres – Klarheit über das, was ein Unternehmen im
Innersten ausmacht. Mit seiner CODE-Methode hilft er dabei, die eigene DNA
zu entschlüsseln und daraus eine lebendige Vision zu entwickeln.
TEXT SVEN GRÜNEWALD
In einer Welt voller Buzzwords und Strategiepapiere
sticht Prof. Gerdum Enders als jemand
hervor, der Klarheit schaffet. Seit über 30 Jahren
beschäftigt sich der Kasseler Zukunftsstratege
mit Semiotik – der Wissenschaft der Zeichen –
und hat daraus eine Methode entwickelt, die Unternehmen
hilft, ihren eigenen ,Code‘ zu entschlüsseln und
sich so zu erneuern. „Die meisten Unternehmen kennen
ihre DNA nicht – und das ist ihr größter Fehler“, sagt
Enders. „Damit fehlt die Erdung, die Klarheit, auf der
jede Veränderung abläuft.“ Dieses Bewusstsein ist für
jede strategische Veränderung unumgänglich, ist Enders
überzeugt.
Mit seiner CODE-Methode bietet Enders Unternehmen
einen strukturierten Prozess, um ihre Identität zu
schärfen. Dabei geht es nicht (nur) um Logos oder Slogans,
sondern um die tief verwurzelten Werte und
Überzeugungen, die ein Unternehmen einzigartig machen.
Diese ,Unternehmens-DNA‘ dient als Prüfregel
für Entscheidungen und strategische Ausrichtungen.
„Neben der Klarheit über die eigene DNA (CODE)
braucht es noch den Nordstern, die Vision, wo die Reise
hingehen soll“, sagt Enders. Wobei eine Strategie nicht
mehr ein fester Plan ist, dem man folgt. „Heute ist man
mit einer Strategie nie fertig – wir leben in einer Art
Gaming-Welt, in der man andauernd justieren kann,
wenn etwas nicht funktioniert.“ Bei Enders geht es zwar
auch um die Inhalte, konkrete neue strategische Ziele,
aber ebenso um die Art, wie die Umsetzung gelebt wird:
nämlich mit vollem Bewusstsein für die eigenen Werte.
„Wir wissen, wo wir hinwollen, und alles, was wir machen,
muss uns in diese Richtung führen. Wenn man sich
dahingehend permanent selbst reflektiert, wird das
Tagesgeschäft dadurch von ganz alleine kalibriert.“
2 |2025 53
unternehmen
» Man sollte sich immer klarmachen: Was ist am Ende der
Woche anders? Die Zwischenschritte zur Vision beschleunigen
und fokussieren den Prozess.«
EINES DER UNTERNEHMEN, die sich mit der Methode
Enders auf den Weg gemacht haben, ist der faktor selbst.
Dessen DNA: ein Dreiklang aus wertig, persönlich, inspirierend.
Die strategische Vision: sich vom faktor-
Magazin zum faktor-Club zu entwickeln, der noch stärker
ein Katalysator für direkte Business-Begegnungen
werden soll. „Mit diesen Werten und Zielen gleichen
wir im Alltag unsere Aktivitäten ab“, so Herausgeber
Marco Böhme. „Das können auch schon ganz kleine
Sachen sein: die Ideen zum Jubiläumsfeier-Programm,
sind die wertig, persönlich, inspirierend?“ Oder die
Einladungskarten zu dem Event. Während früher das
Design durch eher unbestimmten Perfektionismus sehr
lange gedauert hat, „sind wir jetzt deutlich zielgerichteter,
agiler und damit schneller in der Umsetzung geworden“.
FÜR VIELE IST STRATEGIE eher eine Theorie, erlebt
Enders. Eine Powerpoint-Präsentation, 50 Seiten Bericht,
aber die Marke bleibt verstaubt. „Wir haben heute weniger
ein Erkenntnisproblem, sondern ein Umsetzungsproblem,
das heißt, die Strategie bleibt abstrakt und
kommt nicht bei Mitarbeitern im Alltag an. Zur Strategie
gehört aber, dass im Team alle sehen, dass sich etwas
verändert.“ Und das kann und muss auch in kleinen
Schritten gedacht und getan werden. „Man sollte sich
immer klarmachen: Was ist am Ende der Woche anders?
Die Zwischenschritte zur Vision beschleunigen und fokussieren
den Prozess.“
ES IST EINES DER KENNZEICHEN der Arbeit mit
Gerdum Enders, dass er am Ball bleibt. Eine Strategie
wird gemeinsam entwickelt und dann die Umsetzung begleitet.
Als „brutal nachhaltig“ empfindet Julian Dräger,
Geschäftsführer beim Büro-Dienstleister bueroboss.de
in Northeim, diesen Prozess. Ohne diesen Blick von außen
und ohne den speziellen Ansatz von Enders „wären
wir deutlich langsamer und mit anderem Ergebnis unterwegs
gewesen“. Nach Markenumbau und dem Aufbau
neuer Dienstleistungen befindet sich bueroboss.de in der
schwierigsten Phase des Veränderungsprozesses: dem
Kulturwandel.
„Da haben wir noch einen echten Weg vor uns“, sagt
Dräger. „Die Marke umzubauen, ging relativ einfach;
neue Produkte und Dienstleistungen zu entwickeln, war
schon schwieriger, ging aber auch. Jetzt sind wir dabei,
unsere interne Unternehmenskultur zu verändern und
das ist das Schwierigste.“ Egal ob Vertrieb, Einkauf,
Marketing – Drägers Beobachtung ist, dass die Mitarbeiter
schnell in alte Verhaltensmuster zurückfallen, denn
jeder Mensch ist erstmal ein Gewohnheitstier. „An diesem
Kulturwandel scheitern häufig Strategien. Wenn ich
nur ein Blatt Papier habe, das ich gerne angucke, aber
keinen wirklichen Veränderungswillen, passiert nichts.“
Deswegen begleitet Gerdum Enders diese Projektphase
besonders intensiv. Über interne Teamarbeit wird
versucht, kontinuierlich die Vision und die Unternehmens-DNA
ins Bewusstsein der Mitarbeiter zu holen.
„Enders setzt sich immer wieder dafür ein, Dinge mal
54 2 |2025
unternehmen
anders zu machen. So haben wir uns beispielsweise im
Vertrieb gegenseitig mit Impro-Theater trainiert“, erzählt
Julian Dräger.
„Man muss den Erneuerungsprozess immer wieder
justieren, immer dranbleiben, bis das verinnerlicht ist.
Das dauert seine Zeit“, so Enders. Da hilft es, vom Ende
her zu denken, sich klarzumachen, wie die Vision aussehen
soll, wo man in einem Jahr oder auch am Ende der
Woche stehen will. „Denn das bringt einen weiter. Meiner
Erfahrung nach ist das ein ganz großer Hebel für die
Bewegung im Unternehmensalltag, wenn ich nicht von
A nach B denke, sondern von B ausgehe und mich dann
frage, was ich tun muss, um das zu erreichen. Das macht
das Ziel viel greifbarer.“ Und genau darum geht es: Strategie
ist eine fokussierte Reise. ƒ
ZUR PERSON
Gerdum Enders ist Marken- und
Zukunftsstratege, Zeichenforscher und
Experte für innovative Unternehmensentwicklung.
Als Gründer von CODE
LAB berät er Unternehmen dabei, ihre
individuelle ,Unternehmens-DNA‘ zu
identifizieren und als strategischen
Kompass zu nutzen. Seine CODE-
Methode basiert auf der Annahme,
dass Märkte als dynamische Zeichensysteme
funktionieren. Er arbeitete unter
anderem mit Marken wie Leonardo,
EAM und Swatch zusammen.
CODE LAB GLOBAL
MIND NETWORK GMBH
Garde-du-Corps-Straße 5
34117 Kassel
Tel. 0561 810480
office@codelab.de
www.codelab.de
Gerdum Enders im Gespräch mit faktor-Herausgeber Marco Böhme
2 |2025 55
unternehmen
-shortlist
Der seit Jahrzehnten etablierte Hattorfer Wohnexperte
bietet Stilvolles mit Konzept für alle Wohnbereiche
Küchen am Harz nun auch in Osterode
KÜCHEN VOM PROFI: Seit mehr als
35 Jahren steht das Unternehmen
von Geschäftsführer Stefan Henkel
(Foto) für individuelle Küchengestaltung.
Nun präsentiert es sich am zusätzlichen
Standort Osterode: hell,
stilvoll und mit einem erweiterten
Sortiment, das weit über die klassische
Küche hinausgeht. Denn neben
maßgeschneiderten Küchenlösungen
findet man hier nun auch hochwertige
Möbel für andere Wohnbereiche
– von eleganten Wohnwänden
bis zu funktionalen Hauswirtschaftsräumen.
Zur Eröffnung wartete das Studio
mit einem bunten Rahmenprogramm,
exklusiven Eröffnungsangeboten
und einer herzlichen Atmosphäre
auf. Viele Besucher nutzten
die Gelegenheit, sich inspirieren zu
lassen, neue Wohnideen zu entdecken
– und mit dem Team ins Gespräch zu
kommen. Sind erstmal die Wünsche
und Ansprüche fürs eigene Zuhause
konkretisiert, dauert es nicht mehr
lange, bis die Experten von Küchen
am Harz ein stimmiges Wohnkonzept
für die individuellen Wohnfühlbedürfnisse
erstellt haben.
Göttinger Start-up gewinnt mit Pitch in New York
Digity gewinnt German Accelerator Award
DIGITY heißt der Gewinner: Ein
großer Erfolg für das Göttinger
HealthTech-Start-up. Das junge Unternehmen
hat den renommierten
German Accelerator Award in New
York gewonnen – und dabei sowohl
die Fachjury als auch das Publikum
überzeugt.
„Wir haben nicht nur viele neue
Kontakte geknüpft, sondern auch
gelernt, wie wir unser Produkt für
den US-Markt weiterentwickeln können“,
sagt Geschäftsführer Claudio
Garcia (Foto). Digity entwickelt digitale
Assistenzsysteme, die körperlich
belastende Arbeit mit smarten
Exo skeletten gesünder und effizienter
machen. Das patentierte Design
des Exoskeletts gewann den deutschen
Ergonomiepreis. Ziel ist es,
gesundheitliche Schäden zu vermeiden.
Das Förderprogramm unterstützt
deutsche Start-ups beim internationalen
Wachstum. Für Digity begann
es im Januar im Silicon Valley mit
Kongressteilnahmen, Workshops und
dem Pitch-Finale in New York. Mit
dem Sieg rückt nun auch der Markteintritt
in Nordamerika näher.
Begeisterung auf beiden Seiten: Viele Menschen interessieren
sich für das Backhandwerk.
Offene Backstube in Rosdorf
Erfolgreiche Nacht des Backens
bei der Feinbäckerei Ruch
OFFENE TÜR BEI RUCH: In der Handwerksbäckerei
am Rosdorfer Flüthedamm nutzten rund 1.200 Besucher
aus Südniedersachsen vor Kurzem die bisher einmalige
Gelegenheit, einen Blick hinter die Kulissen des
traditionellen Familienbetriebs der Feinbäckerei Ruch
zu werfen.
Zum Besuchertag füllten sich die sonst der Öffentlichkeit
verschlossenen Räume der Backstube, und die Gäste
konnten dank vorgezogenem Nachtschicht beginn hautnah
beobachten, wie Brot, Brötchen und Kuchen entstehen.
Groß und Klein zeigten sich von den modernen Maschinen,
den vielfältigen Arbeitsschritten – und nicht zuletzt
vom handwerklichen Können der Bäcker und Konditoren
– beeindruckt: vom Teigkneten über die Zubereitung von
Croissants oder Blätterteig, das gekonnte Schlingen von
Brezeln bis hin zum kunstvollen Verzieren von Torten und
Feingebäck. An mehreren Stationen standen langjährige
Ruch-Mitarbeiter bereit und lieferten dem Publikum erklärende
Informationen und beantworteten Fragen zu Prozessen,
Produkten und Maschinen.
Der große Besucherandrang machte die Nacht des
Backens zu einem vollen Erfolg. Die Familie Ruch freute
sich sehr über das starke Interesse am regionalen
Handwerk und die positive Resonanz bei dieser außergewöhnlichen
Premiere. Eine Wiederholung dieser Veranstaltung
ist daher nicht ausgeschlossen.
56 2|2025
FIRMEN
WAGEN
LENKER MIT
STEUERVORTEIL
Mehr als Dienstrad. Günstig leasen bei
unternehmen
WIRTSCHAFT
FÜRS LEBEN
Junge Menschen stärken und ihnen Perspektiven eröffnen.
Seit zehn Jahren steht ,business4school‘ für eine mündige Generation
von morgen. Von Anfang an führt der Göttinger Rechtsanwalt
Ulrich Herfurth das Projekt aus Ehrenamtlichen.
TEXT STEFAN LIEBIG FOTOGRAFIE JAMES SMITH
In einer Welt, in der wirtschaftliche Zusammenhänge
Alltag und Zukunft maßgeblich prägen, ist
ökonomische Bildung keine Kür, sondern eine
Notwendigkeit. Dennoch kommt sie im schulischen
Alltag häufig zu kurz. Genau dort setzt das
2014 erdachte Programm ,business4school‘
an. Ulrich Herfurth amtierte damals als Präsident des
Lions Club Göttingen. Er wollte in seiner Amtszeit ein
Projekt erschaffen, das über seine Legislatur hinaus Wirkung
entfaltet.
„Immer wieder hörte man von den Defiziten der jungen
Generation. Ich wollte nicht daran glauben“, sagt
der Wirtschaftsanwalt rückblickend. Ihm schwebte ein
Bildungsprojekt vor, das Jugendlichen fundiertes Wirtschaftsverständnis
als Allgemeinbildung vermittelt – auf
Augenhöhe, praxisnah und unabhängig. Was 2014 als
Idee einiger engagierter Ehrenamtlicher in Göttingen
begann, hat sich in zehn Jahren zu einem Leuchtturmprojekt
entwickelt: mehr als 2.500 Teilnehmer, fünf
Städte und eine Region, vier thematische Module und
ein durchdachtes Konzept, das Schule, Wissenschaft
und Wirtschaft miteinander verknüpft. Und noch heute
wird dies alles ehrenamtlich getragen.
EIN PROJEKT MIT VISION
Innerhalb weniger Monate trommelte der Namensgeber
der im Jahr 1990 gegründeten Kanzlei Herfurth
& Partner in Hannover Gleichgesinnte aus seinem
breiten Netzwerk zusammen und entwickelte in einer
gemeinsamen Arbeitsgruppe mit Fachlehrern das Programm.
Kurze Zeit später riefen sie ,business4school‘
mit dem Ziel ins Leben, junge Menschen frühzeitig für
wirtschaft liche Themen zu sensibilisieren. „Dafür fehlt
es in der Schule oft an Zeit und Fachausbildung – das
bestä tigten mir die Schulleiter und Fachlehrer“, sagt
Herfurth.
58 2 |2025
unternehmen
Die Lehre vom Geld: Seit zehn Jahren erklärt Ulrich Herfurth jungen Menschen wichtige Zusammenhänge von Recht und Finanzen.
» Dass die Jugendlichen abends
von 18 bis 20 Uhr zu den Veranstaltungen
kommen, beweist,
dass sie sich interessieren und bereit
sind, etwas in ihre Zukunft zu
investieren.«
UlrichHerfurth
Das Programm ist modular aufgebaut und gliedert sich
in vier große Bereiche: ,Wirtschaft als Verbraucher‘,
,Wirtschaft im Unternehmen‘, „Wirtschaft in Staat und
Gesellschaft“ sowie „Wirtschaft global“. Die Inhalte
reichen vom Verständnis zu Datenschutz, Steuern und
Versicherungen über Unternehmensführung und Konsumentenverhalten
bis hin zu globalen Handelsbeziehungen,
Digitalisierung und ökologischen Fragen. Referenten
sind dabei nicht nur Wissenschaftler, sondern
auch erfahrene Praktiker – darunter Geschäftsführer,
Steuer experten, Personalverantwortliche und Gründer.
Das öffne viele Fenster in die regionale Wirtschaftspraxis
und helfe bei der Berufsorientierung, ergänzt
Herfurth. ‣
2 |2025 59
unternehmen
DER SCHLÜSSEL ZUM ERFOLG liegt in der Kombination
aus inhaltlicher Tiefe und methodischer Vielfalt.
In den sogenannten College-Abenden erleben die Jugendlichen
komplexe Inhalte in verständlicher und
kurzweiliger interaktiver Form. Workshops, Rollenspiele,
Planspiele und Diskussionsrunden ergänzen das Konzept.
Das Projekt bietet nicht nur reine Wissensvermittlung,
sondern auch Orientierung und Raum zur Persönlichkeitsentwicklung.
EIN STARKES NETZWERK
Hinter dem Erfolg steht ein breites regionales Netzwerk
aus engagierten Lehrkräften, Wissenschaftlern, Unternehmen,
Ehrenamtlichen und Förderern. Hochschulen
stellen Räume und Referenten, Unternehmen öffnen Türen
für Einblicke in die Praxis. Institutionelle Partner
wie die SüdniedersachsenStiftung, Industrie- und Handelskammern,
die Familienunternehmer, Wirtschaftsförderer
sowie Geschäftsbanken und die Bundesbank unterstützen
inhaltlich, organisatorisch oder finanziell.
Als Plattform dient die business4school UG, die das
Projekt koordiniert und weiterentwickelt. Die Göttinger
Veranstaltungen finden meist in den Räumen der PFH
statt. Mit regionalen Ablegern in Hannover, Braunschweig,
Hildesheim, Darmstadt und im Weserbergland
ist das Format stetig gewachsen. Der modulare Aufbau
erlaubt Anpassungen an lokale Gegebenheiten und gewährleistet
zugleich die Einheitlichkeit des Zertifikats –
ein Qualitätssiegel, das bei Bewerbungen und Studienbewerbungen
immer häufiger Anerkennung findet.
„Dieses Zertifikat ist eine weitere Motivation, an allen
fünf bis sechs Veranstaltungen eines Semesters teilzunehmen“,
erklärt Herfurth und führt an, dass bei insgesamt
etwa 400 bis 500 Teilnehmern pro Semester bisher
bereits über 2.400 Zertifikate ausgestellt wurden.
»Wirtschaft ist sehr wichtig –
und genau deshalb ist es auch
wichtig, viel darüber zu wissen.«
Teilnehmer aus Hannover
» Wirtschaft beeinflusst unseren Alltag
und unser Leben stark. Wenn man solche
Zusammenhänge versteht, kann man
bewusst Entscheidungen treffen.«
Teilnehmer aus Hannover
BRÜCKE IN DIE ZUKUNFT
Dass business4school etwas bewegt, zeigen nicht zuletzt die
Rückmeldungen der Jugendlichen selbst. In einer groß angelegten
Evaluation in Göttingen und Hannover wurde deutlich:
Die Teilnehmer fühlen sich ernst genommen, gefordert
und bereichert.
Für einige war business4school sogar wegweisend: Die
Erfahrungen führten zur Wahl eines wirtschaftsnahen
Studien gangs oder halfen beim Start in die Ausbildung. Dass
die Teilnahme für alle kostenlos ist – unabhängig von Herkunft
oder Schulform – unterstreicht den sozialen Anspruch
des Projekts: Bildung soll kein Privileg sein, sondern eine
Brücke in die Zukunft.
ZEHN JAHRE – EIN GRUND ZUM FEIERN
In diesem Jahr feierte business4school sein zehnjähriges Bestehen
– und das an einem Ort mit besonderer Symbolkraft:
in der Alten Mensa der Georg-August-Universität Göttingen.
Dort, wo einst Generationen von Studierenden ihren
Studien alltag gestalteten, kamen junge Menschen, Lehrer,
Eltern, Vertreter aus Wirtschaft und Politik sowie Unterstützer
des Projekts zusammen, um gemeinsam zurückzublicken
– und nach vorn.
Im Zentrum der Feier standen die Jugendlichen selbst. Sie
berichteten von ihren Erfahrungen, stellten Projekte vor und
diskutieren Zukunftsfragen. Ergänzt wurde die Veranstaltung
durch ein digitales Grußwort des niedersächsischen Ministerpräsidenten
Stefan Weil sowie die Auszeichnung besonders
engagierter Schulen als Partnerschulen des Programms.
60 2 |2025
unternehmen
Die Veranstaltung macht sichtbar, was in zehn Jahren
gewachsen ist: ein Ort der Begegnung, des Lernens, der
Ermutigung. Was als lokal begrenztes Modell begann, ist
heute ein vielfach ausgezeichnetes Beispiel dafür, wie
zivilgesellschaftliches Engagement und Bildungsauftrag
ineinandergreifen können – für eine mündige, aufgeklärte,
wirtschaftlich denkende junge Generation.
EIN PROJEKT MIT ZUKUNFT
Das Jubiläum ist nicht nur Rückblick, sondern auch
Startpunkt. Die nächsten Jahre sollen genutzt werden,
um neue Regionen zu erschließen, digitale Formate auszubauen
und verstärkt auch Eltern und Schulen als Multiplikatoren
einzubinden. Der gesellschaftliche Bedarf
bleibt hoch – und die Vision klar: ökonomische Bildung
als Schlüsselkompetenz, getragen von Begeisterung, Verantwortung
und Neugier. Genau diese Mischung ist es
auch, die den Initiator Ulrich Herfurth nach wie vor zu
seinem viele Stunden umfassenden Job neben seiner Anwaltstätigkeit
motiviert: „Es werden so viele tolle Fragen
gestellt und von unseren den jungen Menschen gegenüber
offenen Dozenten beantwortet – es macht mir einfach
Spaß zu sehen, dass sich business4school so entwickelt.“
DAS PROJEKT ZEIGT: Junge Menschen wollen verstehen.
Sie wollen gestalten. Und sie brauchen Angebote, die sie
ernst nehmen und befähigen. Dieses Projekt hat
ihnen in den letzten zehn Jahren eine starke Stimme
gegeben – und wird dies laut aller Beteiligter auch in
Zukunft tun. ƒ
» Das Programm geht über den normalen Politikunterricht
hinaus. Ich kann dadurch mein Wissen
erweitern, kann vieles besser verstehen und lerne viel
über zukünftige Themen, beispielsweise Steuern,
Rente und Unternehmensgründung.« Teilnehmer aus Göttingen
Echtes Wissen basiert auf Erfahrung, das schätzen die jungen Menschen, die an den Vorträgen teilnehmen.
2 |2025 61
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PROFIL
Gesundheit zahlt
sich aus – für
Unternehmen und
Mitarbeitende
Wie die WWS-InterCom GmbH mit betrieblicher
Krankenversicherung einen echten Mehrwert schafft.
Mitarbeiterbindung ist heute wichtiger denn
je – und immer mehr Unternehmen erkennen,
dass Benefits nicht nur ,nice to have‘ sind,
sondern echten Impact haben müssen. Die
WWS-InterCom GmbH aus Göttingen ist eines
dieser Unternehmen.
Frank Malchow, Geschäftsführer von WWS-InterCom
GmbH , suchte nach einer Lösung,
die seinen Mitarbeitenden spürbar hilft – und
dem Unternehmen gleichzeitig Vorteile bringt:
„Wir wollten etwas, das wirklich ankommt.
Nicht nur ein Obstkorb, sondern ein echter
Mehrwert.“
Gemeinsam mit Timo Kleinken, Experte für
betriebliche Gesundheitslösungen, wurde
eine betriebliche Krankenversicherung (bKV)
eingeführt – mit einem jährlichen Gesundheitsbudget
von 500 Euro pro Mitarbeitenden
plus einer Zahnabsicherung mit 90 Prozent
Kostenübernahme.
DAS BESONDERE: Ohne Gesundheitsprüfung
– und mit echten Vorteilen für alle.
„Unsere Mitarbeitenden können die Leistungen
flexibel nutzen – ob für Brillen, Zahnersatz
oder Massagen. Die Resonanz war von
Anfang an positiv“, berichtet Malchow. Lange
Wartezeiten auf Facharzttermine, verzögerte
Behandlungen – das war Realität, auch für
die Mitarbeitenden bei der WWS-InterCom
GmbH. „Wenn jemand wochenlang Schmerzen
hat und keine Hilfe bekommt, wirkt sich
das auf alles aus – auf die Gesundheit, die
Stimmung, die Leistung“, so Malchow.
HEUTE SIEHT DAS ANDERS AUS: Dank der
bKV erhalten die Mitarbeitenden nicht nur
schnellere Facharzttermine – die integrierte
Arztsuche hilft auch aktiv bei der Auswahl
Links: Frank Malchow,
Geschäftsführer der
WWS-InterCom GmbH
Rechts: Timo Kleinken,
BarmeniaGothaer
passender Ärztinnen und Ärzte. Dieser Service
wird häufig genutzt und kommt im Team
besonders gut an, wie Malchow berichtet.
TIMO KLEINKEN WEISS: Entscheidend ist
nicht nur die Einführung der bKV, sondern
auch die Kommunikation. Deshalb begleitet
er die Unternehmen mit Informationsveranstaltungen,
Videos und einer App, die monatlich
an das Budget erinnert.
DAS ERGEBNIS: Hohe Nutzung. Starke
Bindung. Und ein echter Wettbewerbsvorteil.
„Die bKV ist für uns kein Kostenfaktor, sondern
eine Investition in Gesundheit, Zufriedenheit
und langfristige Zusammenarbeit“, so Malchow.
Doch bei der bKV blieb es nicht. „Uns
war wichtig, das Sicherheitsgefühl insgesamt
zu stärken", erklärt Malchow. Deshalb wurde
ergänzend eine Gruppenunfallversicherung
abgeschlossen – die nicht nur im beruflichen
Umfeld greift, sondern auch in der Freizeit
schützt. „So wissen unsere Mitarbeitenden:
Egal ob bei der Arbeit oder beim Skifahren –
ich bin abgesichert.“
MEHR ALS EIN BENEFIT –
EIN STRATEGISCHER VORTEIL
Timo Kleinken, der die WWS-InterCom GmbH
begleitet hat, betont: „Es geht nicht um Feelgood-Angebote.
Es geht darum, Ausfälle zu
reduzieren, die Leistungsfähigkeit zu sichern
und echte Wertschätzung zu zeigen.“ Und genau
das kommt an – bei den Mitarbeitenden,
aber auch im Bewerbungsprozess.
Denn für Fachkräfte zählt heute nicht
mehr nur das Gehalt, sondern wie ein Unternehmen
mit seiner Verantwortung umgeht.
„Die bKV ist für uns kein Gimmick – sie
ist Teil unserer Unternehmenskultur geworden“,
so Frank Malchow, Geschäftsführer der
WWS-InterCom GmbH.
Gothaer Hauptgeschäftsstelle
Timo Kleinken in Göttingen
Dransfelder Str. 7 c
37079 Göttingen
Tel.: 0551 5487915
kleinken-partner.de
timo.kleinken@gothaer.de
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GOLDBECK baut neue Dekra Niederlassung
Maßgeschneiderte Infrastruktur für moderne Prüfverfahren
PROFIL
Nach nur zehn Monaten Bauzeit wurde die
neue Dekra Niederlassung im Langen Feld in
Kassel erfolgreich fertiggestellt. Die Übergabe
an den zufriedenen Kunden markierte bereits
vor einigen Wochen einen bedeutenden Meilenstein,
doch nun folgt der finale Schritt: die
Einrichtung der Hallen und Büros sowie die
Planung des Umzugs. Damit wird der neue
Standort vollständig einsatzbereit sein und die
bewährte Servicequalität der Dekra fortsetzen.
PRÄZISES PLANEN, EFFIZIENTES BAUEN
Das Projekt überzeugt durch durchdachte
Architektur und innovative Bauweise. Im Mittelpunkt
stehen dabei die fünf Fahrzeughallen,
die speziell für die Anforderungen der Prüfungen
konzipiert wurden. Neben einer Prüfhalle
für Lkw und einer weiteren für Nutzfahrzeuge
wie Sprinter sorgt die moderne Infrastruktur
für effiziente Abläufe.
Mit einer Prüfkapazität von 16 Fahrzeugen
pro Stunde wird der neue Standort einen reibungslosen
Betrieb gewährleisten. Eine 25
Meter lange Prüfgrube, die als vormontierte
Einheit von GOLDBECK geliefert wurde, steigert
die Genauigkeit und verkürzt die Bauzeit
erheblich. „Das spart Zeit und die Fertigung
ist genauer“, erklärt Kai Oliver Becker, Niederlassungsleiter
GOLDBECK.
MODULBAUWEISE FÜR MAXIMALE
EFFIZIENZ
Die für die Niederlassung verwendeten 310
Betonfertigteile sind ein Paradebeispiel für
GOLDBECKs modulare Bauweise. „Unsere
Bauweise ermöglicht diese kurze Bauzeit“,
betont Kai Oliver Becker. Die Module werden
in firmeneigenen Werken in Deutschland
vorproduziert und direkt zur Baustelle
transportiert, sodass der Innenausbau rasch
beginnen kann.
Auf einer Gesamtfläche von 1.840 Quadratmetern
bietet das neue Gebäude optimale
Arbeitsbedingungen. Neben den rund 640
Quadratmeter großen Fahrzeughallen beherbergen
das erste und zweite Obergeschoss
moderne Büroräume, die speziell für die Verwaltungsmitarbeiter
konzipiert wurden.
Mit diesem Projekt unterstreicht GOLDBECK
einmal mehr seine Expertise im Bereich industrieller
Infrastruktur und zeigt, wie intelligentes
Bauen den Grundstein für effiziente
Betriebsabläufe legt. Die neue Dekra Niederlassung
steht nun bereit, ihre Dienstleistungen
in gewohnt hoher Qualität fortzusetzen –
an einem Standort, der auf Zukunft gebaut ist.
GOLDBECK Nord GmbH
Leuschnerstraße 79b,
34134 Kassel
Torsten Schwedhelm
Torsten.schwedhelm@goldbeck.de
Tel. 0173 5220444
unternehmen
64 2 |2025
unternehmen
EIGENTUM
verpflichtet
Das Göttinger IT-Unternehmen Arineo ist nun im Verantwortungseigentum
seiner Mitarbeiter. Über eine neu gegründete Stiftung und einen Verein können
diese auf die Zukunft ihres Unternehmens Einfluss nehmen. Die jahrelange Pionierarbeit
könnte nun auch Inspiration für andere Firmen sein. Für Arineo selbst ist es ein
Bekenntnis zur eigenen Identität.
TEXT CHRISTIAN VOGELBEIN
FOTOGRAFIE ALCIRO THEODORO DA SILVA
An einem Nachmittag im Januar steht im
Göttinger Arineo-Büro alles bereit: Kameras,
Mikrofone, gespannte Gesichter. Der
Norddeutsche Rundfunk hat sich angekündigt,
ein Kamerateam steht bereit für den Moment,
der in der Unternehmensgeschichte einen symbolischen
Wendepunkt markieren soll. Noch weiß
niemand, ob es tatsächlich heute so weit ist. Doch als
wenige Minuten später die Mitteilung aus der Rechtsabteilung
kommt, dass die Stiftung offiziell eingetragen
ist, wird schnell klar: Dieser Tag wird in Erinnerung
bleiben. Ein Korken knallt, es wird gelacht und
gratuliert.
Dabei geht es nicht um einen Börsengang oder einen
spektakulären Firmenverkauf. Es ist vielmehr
das Ende einer jahrelangen internen Transformation
und gleichzeitig der Beginn eines neuen Kapitels:
Arineo gehört nun den Mitarbeitenden, vermittelt
über eine Stiftung und einen Mitarbeitendenverein,
der Mitbestimmung und Verantwortung strukturell
verankert.
DIE URSPRÜNGE
Die Idee, Arineo in eine sogenannte Employee Owned
Company (EOC) umzuwandeln, reicht mehrere Jahre
zurück. Schon 2018 begannen erste Gespräche
über die Zukunft des Unternehmens. Marko Weinrich,
einer von fünf Geschäftsführern bei Arineo, erinnert
sich: „Uns wurde klar, dass wir langfristig ein
anderes Modell brauchen, wenn wir verhindern wollen,
dass das Unternehmen den Besitzer wechselt und
womöglich seine Kultur verliert.“
Ursprünglich sollte ein klassischer Mitarbeitendenverein
die Eigentümerrolle übernehmen. Das Modell
war einfach gedacht: Die Gesellschaftsanteile sollten
dem Verein gehören, der wiederum durch demokratisch
gewählte Organe gesteuert würde. Doch bald
zeigte sich, dass dieses Konstrukt an steuerliche
Grenzen stieß. „Das hätte uns finanziell in erhebliche
Schwierigkeiten bringen können“, sagt Weinrich.
Aus dieser Herausforderung heraus entwickelte
sich eine neue Idee. Die Gründung einer Stiftung, die
das Unternehmen hält und langfristig absichert. ▸
2 |2025 65
unternehmen
HEUTE IST ARINEO im vollständigen Eigentum einer
Stiftung, die ausschließlich dem Wohl des Unternehmens
verpflichtet ist, sagt Weinrich. Die operative Steuerung
erfolgt über einen Verein, den Mitarbeitern freiwillig
beitreten können. Der Verein zählt aktuell etwa 220
Mitglieder, also mehr als die Hälfte der insgesamt rund
400 Beschäftigten. Diese Mitglieder wählen ein elfköpfiges
Präsidium, das gleichzeitig das Präsidium der Stiftung
bildet.
Im Präsidium engagieren sich Mitarbeiter aus
verschiedenen Standorten, etwa die Hälfte kommt aus
Göttingen. Die erste Mitgliederversammlung fand im
März statt und wurde zu einem deutlichen Zeichen interner
Beteiligung: 120 Angestellte kamen persönlich,
über 30 Personen kandidierten für das Präsidium.
Zusätzlich kontrolliert ein sechsköpfiger Aufsichtsrat
die Geschäftsführung. Zwei Mitglieder werden direkt
von und aus der Belegschaft gewählt, aus dem Verein
wird immer der Vorstandsvorsitzende in den Aufsichtsrat
entsandt. Dazu kommen drei externe Fachleute ins
Gremium, von denen eine Person den Vorsitz des Aufsichtsrats
übernimmt und mit doppeltem Stimmrecht für
Kontinuität und Ausgleich sorgt. Dieser soll von einer
Person übernommen werden, die Führungserfahrung bei
Arineo mitbringt. Damit ist gewährleistet, dass strategische
Entscheidungen nicht allein von aktuellen Interessen
beeinflusst werden, sondern langfristige Unternehmensziele
gewahrt bleiben.
FÜR GESCHÄFTSFÜHRER MARKO WEINRICH hat sich
durch den Eigentümerwechsel auf den ersten Blick wenig
verändert – und doch ist vieles anders. „Meine Aufgaben
sind im Wesentlichen gleichgeblieben, aber ich bin
heute befreit von der Rolle des Gesellschafters.“ Die Geschäftsführung
wird nicht mehr von der Eigentümergesellschaft,
sondern vom Aufsichtsrat berufen. Strategische
Entscheidungen werden dort in einer sorgfältig
austarierten Machtbalance getroffen. Damit ist sichergestellt,
dass kein Interessenkonflikt zwischen Führung
und Kontrolle entsteht.
Ein zentrales Ziel war es, wirtschaftliche Stabilität
und unternehmerische Handlungsfähigkeit mit einer
neuen Form der Teilhabe zu verbinden. „Wir wollen
langfristig unabhängig bleiben“, sagt Weinrich. Gerade
in der IT-Branche, wo Eigentümerwechsel häufig zu dis-
Marko Weinrich ist einer von fünf Geschäftsführern und begleitet das
EOC-Projekt von Anfang an.
»Wir wollen langfristig
unabhängig bleiben ...«
66 2 |2025
unternehmen
ruptiven Entwicklungen führen, sei diese Struktur ein
strategischer Vorteil. Die Mitarbeitenden spüren das.
Viele haben sich bewusst für Arineo entschieden, gerade
wegen dieses Modells.
KEINE MITBESTIMMUNG OHNE VERANTWORTUNG
Das Prinzip der Mitbestimmung bedeutet jedoch nicht,
dass alle Mitarbeitenden in allen Fragen mitentscheiden.
„Es gibt klare Verantwortungsbereiche“, erklärt Wibke
Jellinghaus, Projektmanagerin, Vorsitzende des Mitarbeitendenvereins
und Präsidiumsvorsitzende. Die Geschäftsführung
trifft operative Entscheidungen, der Verein
wählt das Präsidium, und dieses wiederum bestimmt
Wibke Jellinghaus ist unter anderem Vorsitzende des im Jahr 2023
gegründeten Mitarbeitenden-Vereins.
die strategischen Leitlinien der Stiftung. Gleichzeitig sei
die Unternehmenskultur offen, dialogorientiert und
durch ein ausgeprägtes Netzwerkdenken gekennzeichnet.
Kritik ist nicht nur erlaubt, sondern erwünscht, sofern
sie konstruktiv ist. „Das war aber immer schon so,
auch vor EOC“, sagt Jellinghaus. Neue Kolleginnen und
Kollegen werden früh eingebunden, erhalten ein strukturiertes
Onboarding und lernen schnell, wie sie sich einbringen
können. Auch Auszubildende können Mitglied
im Verein werden. Ihre Stimme zählt genauso viel wie
jede andere. „Das ist eines der vielen Themen, die ich in
Vorstellungsgesprächen ausführlich erkläre“, sagt Jellinghaus.
Arineo begleitet inzwischen andere Unternehmen bei
ähnlichen Transformationsprozessen. „Wir haben eine
konkrete Anfrage aus der Region Göttingen“, berichten
Weinrich und Jellinghaus. Es sei Aufgabe der Stiftung,
Wissen weiterzugeben, zu beraten und neue Formen von
Eigentum in Unternehmen zu ermöglichen. Es gehe nicht
darum, ein starres Modell zu exportieren, sondern vielmehr
darum, Impulse zu geben.
Denn das Arineo-Modell ist kein Standardverfahren.
Es ist gewachsen, über Jahre hinweg, mit unzähligen Abstimmungen
zwischen Rechtsanwälten, Steuerberatern
und Wirtschaftsprüfern. Allein der Kodex – ein internes
Regelwerk, das die Leitlinien der Unternehmensführung
beschreibt – hat ein Jahr Entwicklungszeit in Anspruch
genommen. Weinrich erklärt, dass mehrere hunderttausend
Euro in externe Beratung und interne Arbeit investiert
wurden. „Für kleinere Betriebe wäre das nicht umsetzbar“,
erklärt er. Aber durch die gemachten Erfahrungen
kann Arineo heute als Vorbild dienen und Wege aufzeigen.
AUCH IN DER KRISE HANDLUNGSFÄHIG
Dass das Modell funktioniert, zeigt sich nicht zuletzt in
wirtschaftlich schwierigen Zeiten. Seit 2023 befindet
sich die IT-Branche im Umbruch. Einzelne Marktsegmente
brechen weg, Kunden agieren vorsichtiger, Budgets
werden gekürzt. Arineo reagiert frühzeitig. Gehaltsrunden
werden verschoben, Kurzarbeit geprüft, Ausgaben
priorisiert. „Unser Frühwarnsystem basiert auf
offenen Gesprächen“, sagt Jellinghaus. Vertrieb und Projektmanagement
stehen in engem Austausch, um Entwicklungen
frühzeitig zu erkennen. Die oberste Maxime
lautet: keine betriebsbedingten Kündigungen infolge ‣
2 |2025 67
unternehmen
wirtschaftlicher Krisen. Stattdessen setzt Arineo auf
Transparenz und gemeinsame Lösungen. „Unsere Stärke
ist nicht, dass wir keine Probleme haben“, erklärt
Weinrich und wird deutlich: „Unsere Stärke ist, dass wir
sie früher sehen.“
Trotz des partizipativen Anspruchs bleibt das Unternehmen
wirtschaftlich ausgerichtet. Die kollegiale Organisation
ist kein Selbstzweck, sondern dient der Effizienz.
Entscheidungen sollen dort getroffen werden, wo das
Wissen ist. Möglichst nah an den Kunden und an der
Praxis. Der Begriff der ,Lernkultur‘ beschreibe diesen
Ansatz treffend: Fehler werden nicht stigmatisiert, sondern
analysiert und als Ausgangspunkt für Verbesserungen
genutzt. Dabei unterscheidet Arineo bewusst zwischen
Fehlern im klassischen Sinne und Irrtümern, die
im Innovationsprozess entstehen.
In Bewerbungsgesprächen wird deutlich kommuniziert,
dass Eigenverantwortung kein Schlagwort ist, sondern
gelebte Realität. Wer sich auf das Arineo-Modell einlässt,
muss mitdenken, mitgestalten und mittragen. Das führt
dazu, dass sich das Unternehmen kontinuierlich weiterentwickelt.
„Wir haben keinen Stillstand“, meint Jellinghaus.
„Wir verändern uns mit unseren Aufgaben.“
WIRKUNG NACH INNEN UND AUSSEN
Auch Kunden merken den Unterschied. Langfristige Beziehungen,
stabile Projektteams und ein hohes Maß an
Verlässlichkeit sind Kennzeichen der Zusammenarbeit.
Nicht selten wechseln Mitarbeiter von Kundenseite zu
Arineo. Gleichzeitig sorgt die ungewöhnliche Eigentumsstruktur
auch für Aufmerksamkeit und Diskussionen
in der Öffentlichkeit. Medienberichte, Vorträge und
Anfragen anderer Unternehmen zeigen, dass das Interesse
wächst. Manche Kritik kommt aus konservativeren
Unternehmerkreisen, nicht selten mit Vorurteilen: Zu
kompliziert, zu idealistisch, zu wenig Kontrolle. „Solche
Einwände nehmen wir ernst, aber wir entkräften sie mit
Fakten“, sagt Weinrich.
Die Stiftung ist auf Dauer angelegt. Sie soll das Unternehmen
auch in Jahrzehnten noch sichern, unabhängig
von einzelnen Personen oder kurzfristigen Interessen.
Die Struktur ist komplex, aber bewusst so gestaltet, dass
sie resilient ist. Für den Fall, dass der Verein eines Tages
nicht mehr bestehen sollte, ist geregelt, wie die Stiftung
dennoch handlungsfähig bleibt. Auch die Nachfolge in
der Geschäftsführung ist durch ein internes Nachwuchsprogramm
strukturiert geregelt.
DIE GRÖSSTE HERAUSFORDERUNG bleibt dabei, die
Unternehmenskultur lebendig zu halten. Regeln und
Strukturen sind wichtig, doch entscheidend ist das Verhalten
der Menschen. Deshalb wird bei Arineo nicht nur auf
die ,richtigen‘ Mechanismen geachtet, sondern auch auf
gelebte Werte: Vertrauen, Offenheit, gegenseitiger Respekt.
Der Moment, in dem der Sektkorken knallte, war
nicht das Ziel, sondern eine nette Anekdote auf dem langen
Weg. Ein Weg, der heute zu mehr Stabilität, mehr
Teilhabe und mehr Selbstwirksamkeit geführt hat für ein
Unternehmen, das inmitten von Krisen nicht nur überlebt,
sondern wächst und Verantwortung an die eigenen
Mitarbeitenden überträgt. Diese verpflichtet nun. „Und
das spüren wir“, sagt Weinrich. ƒ
68 2 |2025
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PROFIL
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Sie leiten das Unternehmen im Jubiläumsjahr. Dr. Christian Meyre (links) und Dr. Stefan Puntke führen Refratechnik Cement GmbH in die Zukunft.
Refratechnik – der verlässliche
und innovative Marktführer der
Feuerfestindustrie
Die Refratechnik-Gruppe mit Hauptsitz in München blickt auf 75 Jahre Marktpräsenz
und Erfolge zurück, doch der historische Kern des Unternehmens befindet sich noch
immer in Göttingen. Refratechnik stellt feuerfeste Produkte her und versorgt die
Hochtemperatur-Industrie weltweit mit innovativen Lösungen und Dienstleistungen.
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TEXT CARMEN BEHRENS
PROFIL
eder Stein ist ein Storyteller“, sagt Dr. Stefan
Puntke, einer der beiden Geschäftsführer
der Refratechnik Cement GmbH
in Göttingen. Bei Refratechnik dreht sich
alles um die Herstellung von feuerfesten Materialien,
den sogenannten Steinen, die die
Grundlage für die Produktion von Stahl, Aluminium,
Kupfer, Glas, Kalk, Zement, Keramik und
Plastik sind. „Die Feuerfestindustrie ist eine
wichtige Schlüsselindustrie“, fügt Dr. Christian
Meyre hinzu, „ohne die beispielsweise die
Bauindustrie keine Häuser und die Automobilbranche
keine Autos bauen könnte“. Auch
andere Industrien wie Chemie, Umwelttechnik,
Energieerzeuger oder Müllverbrennungsanlagen
benötigen feuerfeste Materialien.
ALS DER FIRMENGRÜNDER und Ingenieur
Karl Albert in Vogelbeck bei Northeim die ersten
feuerfesten Steine aus Schlacke fertigte,
ahnte er wohl nicht, dass sein Unternehmen
einer der führenden Anbieter in der Feuerfestbranche
werden würde. In den 1950er Jahren
befanden sich die Steinwerke, begleitet vom
Wiederaufbau Deutschlands auf Expansionskurs
und der wachsende Platzbedarf forderte
einen neuen Standort, der auf dem ehemaligen
Flugplatzgelände in Göttingen gefunden wurde.
Doch schon Ende der 1950er Jahre gerieten die
Steinwerke in gefährliches Fahrwasser, denn
das Wirtschaftswunder und der aufstrebende
Wirtschaftspartner Deutschland brachten nicht
nur Chancen, sondern auch Veränderungen bei
Arbeitsprozessen, Betriebsorganisation und
Unternehmensführung mit sich. Karl Albert
fehlte krankheitsbedingt die Kraft für innovative
Reformen und bevor seine Firma in noch
gefährlichere Untiefen geriet, holte er seinen
Schwiegersohn Alexander Tutsek an Bord. Der
führte von 1960 bis 2011 als ,Spiritus Rektor‘
das Nachkriegsunternehmen zum Weltkonzern
und machte es zum größten familiengeführten
Unternehmen in der Feuerfestindustrie.
Nach dem zweiten Weltkrieg standen Kohle-
und Stahlindustrie im Mittelpunkt der
Wirtschaft, da sie traditionell die Stützen der
einzelstaatlichen Rüstung waren und sich die
Siegermächte durch die wirtschaftliche und
politische Zusammenarbeit einen dauerhaften
Frieden erhofften. Doch entgegen dem damaligen
Trend die Produktpalette einzig auf die
Stahlhersteller zu richten, setzte der Visionär
Alexander Tutsek ebenso auf die Zementindustrie.
Er trieb die Entwicklung neuer Produkte
voran, erwarb weitere Produktionsstätten, Rohstoffvorkommen
und modernisierte die Firma
in allen Bereichen.
HEUTE VERFÜGT DAS Unternehmen über
mehr als 600 Mitarbeiter allein in Deutschland
und weltweit sind es rund 2.000 Beschäftigte
an mehr als 30 Standorten. Sie arbeiten täglich
daran individuellen Kundenwünschen und -ansprüchen
gerecht zu werden.
Auch wenn die Hauptabnehmer der feuerfesten
Produkte weiterhin die Zementhersteller
sind, so ist Refratechnik weitaus mehr als
nur Partner dieser Branche. Stahl-, Keramik-,
Kalk-, Glas-, Zucker- und Zellstoffindustrie
können sich ebenfalls auf Refratechnik verlassen.
„Einen isolierenden Stein zu entwickeln,
kann beinahe jeder“, sagt Puntke. „Aber einen
zu entwickeln, der den Beanspruchungen im
Ofen lange standhält, verlangt viel Kenntnis
und ist nicht so einfach“. Bemerkenswert ist
mit 20 Mitarbeitern der hohe Anteil an Forschung
und Entwicklung in Göttingen. Hier
wird das Know-how geschaffen, das dann in
die verschiedenen Geschäftsfelder weltweit
gespeist wird und damit wesentlich zum Unternehmenswachstum
beiträgt. Insgesamt
sind in Göttingen über 400 Mitarbeiter beschäftigt.
Der Standort hat eine komplette
Struktur mit eigener Verwaltung, Vertrieb,
Versand, Qualitätssicherung, Controlling,
Einkauf, Engineering und Informationstechnologie.
Auch in die Ausbildung investiert
das Unternehmen vielfach, denn allein in
der eigenen Ausbildungswerkstatt trifft man
augenblicklich elf gewerbliche Auszubildende
an. Weitere sieben absolvieren Lehren oder
duale Studiengänge in der Verwaltung. Rund
ein Drittel der Mitarbeiter ist jedoch in der
Produktion beschäftigt, also in der Fertigung
und auch in der Werkstatt.
NICHT WENIGER ALS die Produkte sind auch
die Serviceleistungen und vor allem die Schulungsangebote
international gefragt. Das größte
Schulungszentrum der Gruppe, die REFRA
Academy befindet sich in Göttingen. Hier werden
in- und ausländische Beschäftigte sowie
Kunden im Umgang und Verarbeitung mit Refratechnik-Produkten
geschult. „Je besser der
Kunde versteht, was wir machen, desto mehr
Gründe hat er, bei uns zu kaufen“, sagt Meyre.
„Es geht darum, Fachwissen zu vermitteln
sowie Verständnis zu generieren, warum eine
extrem hohe Qualität der Produkte so wichtig
für den gesamten Produktionsprozess beim
Kunden ist“, erklärt er weiter. „Und sollte der
Kunde nicht nach Göttingen kommen können
oder wollen, fahren wir mit einem Container zu
ihm und schulen vor Ort – ganz gleich, wo auf
der Welt“, ergänzt Puntke. Während der letzten
Jahre, in denen sich die Märkte anders als
üblich entwickelten, war Refratechnik fähig ‣
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PROFIL
umgehend zu reagieren und gestaltete neben
digitalen Schulungsprogrammen auch virtuelle
Tools, um Kunden und Mitarbeiter weltweit zu
unterstützen.
Refratechnik ist ein besonderer Kosmos an
Erfindern, Kaufleuten und Technikern. „Wir
verändern uns nicht nur mit der Arbeitswelt
und der aktuellen Situation, sondern möchten
auch die Zukunft besser gestalten“ berichtet
Meyre. Im Rahmen des weltweiten Klimaabkommens
und der notwendigen Verringerung
des CO2-Footprints hat Refratechnik die Vision,
ein klimapositives Unternehmen zu werden
und wesentliche Fortschritte im Bereich
der Wertschöpfungsketten zu intensivieren.
Das Engagement für die Umwelt hatte Refratechnik
schon lange vor der großen Klimadebatte
in ihr Handeln integriert.
DAS UNTERNEHMEN INVESTIERTE im siebenstelligen
Euro-Bereich in zwei regenerative
Nachverbrennungsanlagen, in denen Abgase
durch thermische Oxidation gereinigt werden
und dadurch weniger Kohlenstoffemissionen
freigesetzt werden. Mit der zweiten Anlage ist
Refratechnik 365 Tage im Jahr geruchsfrei.
Als erstes und bisher einziges Unternehmen
in der Region speist Refratechnik Abwärme
in das Fernwärmenetz Göttingens ein.
Damit werden nicht nur knapp 1.000 Haushalte
versorgt, sondern auch ca. 2.400 Tonnen
Kohlendioxid eingespart. Aber nicht nur innerhalb
des Unternehmens werden Themen
wie Klima, Umweltschutz und Energie sehr
ernst genommen. Die Entwicklung klimaschonender
Produkte hat bei Refratechnik eine
lange Tradition, „schon aus Verantwortung
gegenüber nachfolgenden Generationen“,
fügt Puntke an. Deshalb ermöglicht Refratechnik
ihren Kunden mit ständig verbesserten
Produkten ihrerseits etwas für den Erhalt des
Planeten tun zu können. In Göttingen wurde
eine Produktserie (ES Series Concept) entwickelt,
die im Vergleich zu herkömmlich verwendeten
feuerfesten basischen Materialien,
einen deutlich geringeren Wärmedurchgangskoeffizienten
aufweist und dadurch einen positiven
Einfluss auf den Energiebedarf bei der
Zementherstellung haben kann. Jahr für Jahr
bringt das Unternehmen zukunftsweisende
Innovationen hervor und steigert den Absatz
dieser Produkte, da weltweit die Anforderungen
hinsichtlich CO2-Verminderung und
Energieeffizienz immer stärker anwachsen.
IM LAUFE DER 75-JÄHRIGEN Firmengeschichte
sind zahlreiche Produktionsstätten
außerhalb Deutschlands aufgebaut sowie an
30 Orten weltweit Vertriebsbüros etabliert worden.
Vertriebsstrukturen mussten aufgrund
steigender Nachfrage und des sogenannten
,Vertretergeschäfts‘ dezentralisiert werden. Der
schnelle und direkte Kundenkontakt sowie
umfassende Beratungsdienstleistungen und
Produktlieferungen gehören zum Erfolg des
Unternehmens. Refratechnik hat sich auf
dem wichtigen Betätigungsfeld der Feuerfestindustrie
behauptet. Heute liefert das
Unternehmen Feuerfestmaterialien in über
120 Länder und ist mehr denn je ein globales
Unternehmen. Vor zwei Jahren wurden die
Refratechniker aus Göttingen dafür mit dem
Außenwirtschaftspreis des Landes Niedersachsen
belohnt.
Seit über sieben Jahrzehnten wuchs weltweit
eine große Familie zusammen, die sich
einen exzellenten Ruf aufgebaut hat. „Man
kann sich auf uns verlassen, auf die hochwertigen
Produkte, Termintreue, Flexibilität, aber
auch darauf, dass wir immer bei Problemen
ansprechbar sind“, sagt Puntke.
Hier geht es heiß her. Prüfung der Temperaturbeständigkeit
von feuerfesten Produkten.
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Maleachi Bühringer, Gesellschafter der Refratechnik Gruppe (Refratechnik Holding GmbH,
München) im Interview.
faktor: Wo steht Refratechnik auf dem Weg der digitalen Transformation?
Maleachi Bühringer: Wir haben bereits viele unserer Verwaltungsprozesse digitalisiert und
arbeiten daran, die letzten Schritte zu vollenden. Zum Beispiel nutzen wir ausschließlich digitale
Systeme für Themen wie Personalakten, Zeiterfassung und Urlaubsanträge. In Zukunft
möchten wir noch stärker mit unseren Kunden vernetzt sein, um innovative Geschäftsmodelle
zu entwickeln und ihr Kundenerlebnis zu verbessern.
PROFIL
Welche Rolle spielt Künstliche Intelligenz?
Wir sind uns der Tragweite bewusst, stehen aber wie viele Unternehmen noch am Anfang.
Kleinere Anwendungsfelder bestehen bereits. In nächster Zeit planen wir die Einführung einer
eigenen KI-Abteilung, wobei der Nukleus bereits gesetzt ist. Unsere KI-Lösungen sollen in
allen Bereichen genutzt werden, auch in Bezug auf den Kunden.
Wie gelingt es Refratechnik, qualifizierte Mitarbeitende zu gewinnen und zu halten?
Wir haben in der Branche einen guten Ruf. Trotzdem ist es nicht immer einfach, sich gegen
große bekannte Namen zu behaupten. Glücklicherweise haben wir insgesamt eine sehr geringe
Fluktuation, da sich die Mitarbeitenden wohl fühlen, weil wir eben auch einiges dafür
tun. Manches geht auch über ,Mund-zu-Mund-Propaganda‘, aber wir investieren sehr stark
in Themen wie Employer Branding und Kulturmanagement.
Was tun Sie, um Refratechnik langfristig zukunftsfähig und nachhaltig aufzustellen?
Wir wollen in allen wichtigen Industrieregionen global vertreten und erfolgreich sein. Eine
konservative Finanzierung sowie das Eingehen von Risiken mit Maß helfen uns, Schwankungen
bestmöglich auszugleichen. Aber die heutige Zeit erfordert sicherlich mehr Agilität und
Anpassungsfähigkeit – Themen, die auch wir uns auf die Fahne geschrieben haben. Zudem
haben wir eine Roadmap zur CO2-Reduktion unserer Standorte entwickelt.
In welchen Märkten oder Industrien sehen Sie aktuell das größte Wachstumspotenzial
für Refratechnik?
Wir sehen Potenzial für Wachstum in Branchen, die mit dem Wachstum der Weltbevölkerung
und der Industrialisierung zusammenhängen, denn hierfür werden die Materialien, die
unsere Kunden herstellen benötigt, wovon auch wir profitieren. Zusätzlich gibt es Trends wie
Elektromobilität, Wasseraufbereitung und Nachhaltigkeit, die in einigen Bereichen überproportionales
Wachstum erwarten lassen. Hierfür möchten wir uns optimal positionieren.
Maleachi Bühringer ist Gesellschafter der
Refratechnik Gruppe (Refratechnik Holding
GmbH, München).
NOCH HEUTE ERINNERN sich viele Mitarbeiter
der Refratechnik Cement in Göttingen
an die obligatorischen Rundgänge durch das
Werk des langjährigen Chefs Alexander Tutsek,
bei denen er sich über Arbeitsabläufe
und -bedingungen informierte und stets das
Gespräch mit den Mitarbeitern suchte. Der
direkte Kontakt zu den Beschäftigten wird bis
heute vom Gesellschafter Maleachi Bühringer
(Refratechnik Holding, München) und den
Geschäftsführern aufrechterhalten. Denn nur
ein spürbares Wir-Gefühl macht es möglich,
Beschäftigte für eine engagierte Mitarbeit zu
motivieren. Angefüllt wird das Gemeinschafts-
gefühl bei Refratechnik mit vielen Benefits wie
Sommerfesten, Grill-Events, Weihnachtsfeiern,
Gesundheits- und Sportangeboten und einer
guten Work-Life-Balance, denn anders als die
,Verwaltungsburgen‘ der Großkonzerne, kann
das familiengeführte Unternehmen Refratechnik
spontaner, schneller und flexibler agieren.
Refratechnik ist ein gelungenes Beispiel dafür,
wie ein kooperativer Führungsstil, eine gute
Arbeitsatmosphäre, zukunftsorientiertes Handeln
und Engagement auch in Krisenzeiten zu
positiven Ergebnissen führen können. Beachtlich
ist, dass der Charakter des Familienbetriebs
bisher nie verloren ging.
Refratechnik Cement GmbH
Rudolf-Winkel-Str. 1
37079 Göttingen
Tel. 0551-6941-0
refra@refra.com
www.refra.com
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Das schnellste
MOFA
Northeims
Breites Kreuz, Hände wie Schraubstöcke, Bart, tiefe Stimme:
Matthias Bettels könnte ohne Weiteres in einer TV-Serie
den Chef einer Schrauber-Werkstatt spielen. Kein Wunder.
Er ist auch im richtigen Leben Inhaber einer besonderen
Werkstatt. Mit seiner Firma Bettels Performance
in Northeim baut der 41-Jährige Rallye-Fahrzeuge nach
historischem Vorbild komplett neu. Autos, wie sie zum Beispiel
der legendäre Weltmeister Walter Röhrl gefahren hat.
TEXT MATTHIAS BRUNNERT FOTOGRAFIE ALCIRO THEODORO DA SILVA
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2 |2025 75
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» Es fühlt sich an, als würden
wir eine Maschine mit vielen
kleinen Stellschrauben bauen. «
Seine Liebe zu Motorfahrzeugen hat Matthias
Bettels schon in jungen Jahren entdeckt.
„Ich habe als 14-Jähriger angefangen
an Motoren herumzuschrauben.“ Erst an
Mofas, dann an Mopeds und später an Autos.
„Die Schrauberei hat mir super viel
Spaß gemacht.“ Noch heute tritt ein Leuchten in Bettels
Augen, wenn er davon erzählt. „Ich habe mal eines der
schnellsten Mofas in Northeim gebaut.“
ANGESICHTS SEINER VORLIEBE für motorisierte Fahrzeuge
lag es auf der Hand, nach der Schule eine Ausbildung
zum Kfz-Mechaniker zu absolvieren. Ihm sei damals
aber schnell bewusst geworden, „dass ich nicht bis
zu meinem Lebensende Ölwechsel und Inspektionen
machen möchte“, sagt Bettels. Er habe deshalb nach einem
Weg gesucht, „in der Kfz-Branche etwas zu machen,
was wirklich Spaß macht“.
Die Folge: Bettels arbeitete jahrelang nebenberuf
lich als Mechaniker an den unterschiedlichsten Rennstrecken
deutschlandweit. „Ich habe auch bei diversen
Unternehmen am Bau von Rennfahrzeugen mitwirken
dürfen – teilweise bereits eigenverantwortlich.“
Vor rund fünf Jahren fasste er den Entschluss, sich mit
dem Nachbau historischer Rallye-Fahrzeuge selbstständig
zu machen, erinnert sich Bettels. Dabei ist es bis heute
geblieben – mit Erfolg. In der im März dieses Jahres
neu bezogenen Produktionshalle an der Berliner Allee
in Northeim bauen Bettels und sein Team momentan
unter anderem einen Audi S1 Rallye Quattro, wie ihn
einst der legendäre Rallye-Welt- und -Europameister
Walter Röhrl in den 1970er- und 1980er-Jahren gefahren
hat. „Das Auto ist das wohl bekannteste und beliebteste
der historischen Rallye-Szene“, erzählt Bettels.
Für sein Unternehmen sei dieser Audi ein wichtiges
Produkt. „Davon verkaufen wir inzwischen jedes Jahr
mindestens ein Exemplar.“ Das klinge zunächst nach
wenig. Aber bei einem Preis von mehreren Hunderttausend
Euro sei dieser Audi für ihn wirtschaftlich bedeutend.
„Denn es ist ein Auto, das wir von Anfang bis
Ende komplett selbst bauen.“
BASIS FÜR EIN SOLCHES INDIVIDUELLES AUTO sind
ältere Audis, die er „überall in Europa“ aufkauft und
fachgerecht ausschlachtet. Einzelne Komponenten werden
dann – soweit möglich – beim Neubau der Rallye
Fahrzeuge wiederverwendet. Alle übrigen Teile produzieren
die Northeimer Spezialisten selbst. Das reicht von
der Sicherheitszelle bis hin zu den mehr als 700 PS starken
Motoren. „Eine echte Eigenentwicklung“, sagt
Bettels. Dabei schwingt in der Stimme des sonst so ruhigen
Mechanikers Stolz mit.
„Wir geben nur ab, was wir an den Fahrzeugen aus
Bequemlichkeit nicht selbst machen wollen, wie Schleifen,
Lackieren oder Polieren“, so Bettels. Auch unabhängig
davon sei der individuelle Bau eines Ralley-Fahrzeugs
zeitintensiv: „Pro Auto brauchen wir bis zu 4.000
Arbeitsstunden.“
In Auftrag gegeben werden die Nachbauten der historischen
Rallye-Autos zumeist von Männern „im reiferen
Alter“, berichtet Bettels. Viele von ihnen hätten vor Jahrzehnten
als Kinder oder Jugendliche mit großen Augen
an Rallye-Strecken gestanden und diese Fahrzeuge in
Aktion gesehen. Jetzt – im höheren Alter – wollten sie
sich „einen Lebenstraum erfüllen und selbst ein solches
Fahrzeug besitzen und fahren“.
OHNE GUT GEFÜLLTES BANKKONTO kann ein derartiger
Traum allerdings nicht wahr werden. „Schon gar
nicht, wenn jemand ein Original-Fahrzeug haben möchte“,
sagt Bettels. „Die wenigen Wagen, die gelegentlich
auf den Markt kommen, kosten zumeist mehr als eine Million
Euro.“ Im Vergleich dazu seien die Northeimer
Nachbauten fast günstig. Die individuell konstruierten
und gebauten Fahrzeuge kosteten allerdings zum Teil
ebenfalls mehr als 500.000 Euro.
SEIN UNTERNEHMEN habe laut Bettels bisher ein halbes
Dutzend verschiedene Audi-Typen gebaut. Viel
Werbung habe er dafür im Übrigen nicht machen müssen.
Denn die Kunden kämen zumeist aufgrund von
Empfehlungen und seinem guten Ruf in der Branche
auf ihn zu. ▸
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In seiner Werkstatt baut Matthias Bettels zusammen mit seinem Team Nachbauten des legendären Audi S1 Quattro und komplette Eigenkreationen für
Rennen auf der Strecke. Dank moderner Technik und dem klassischen Look können Enthusiasten diese Fahrzeuge bei echten Rennen über die Pisten jagen.
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Bettels ist leidenschaftlicher Motorsportler. Manchmal – wie hier in Eisenach – bietet sich die Gelegenheit, auch selbst als Fahrer am Rennen teilzunehmen.
78 2 |2025
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»Denn Replika werden
gebaut, um sie tatsächlich in
Rennen einzusetzen.«
Anders als die Originalfahrzeuge aus dem vergangenen
Jahrhundert statten Bettels und sein Team die Nachbauten
mit ,High-End-Technik‘ aus. „Denn Replika werden
gebaut, um sie tatsächlich in Rennen einzusetzen.“ Die
Kunden des Autobauers haben in den vergangenen Jahren
nicht nur mit Nachbauten des Audi S1 Rallye, sondern
auch mit Replika des BMW M1 Procar vordere
Plätze bei Oldtimer-Grand-Prix-Rennen auf dem Nürburgring,
in Zandvort oder in Spa belegt. Bettels selbst,
der sich als Hobby-Rennfahrer sieht, landete beim Event
,Quattro Legende‘ im österreichischen St. Gilgen mit einem
Audi ganz vorn. Rennen für historische Rallye
Fahrzeuge gebe es mittlerweile in vielen Ländern Europas,
sagt Bettels. Er und sein Team betreuen dort eine
Reihe von Kunden und deren Fahrzeuge.
DIESER TEIL DES JOBS, vor allem aber die Konstruktion
und der individuelle Bau der Fahrzeuge, machen „sehr
viel Spaß“, sagt auch Moritz Burkhard. Der studierte
Maschinenbauer fungiert bei Bettels als ,Design and
CAD Engineer‘. Die weitestgehend selbstständige Arbeit
in einem kleinen und hoch qualifizierten Team sei für
ihn deutlich reizvoller als bei einem großen Autobauer.
„Dort ist man nur ein kleines Rädchen im Getriebe,“ sagt
der 29-Jährige Burckhard. Neben ihm arbeiten bei
Bettels inzwischen drei Kfz-Technikermeister mit viel
Berufs erfahrung sowie drei Gesellen.
Als zweites wirtschaftliches Standbein hat Bettels vor
einiger Zeit unweit seiner ,Fahrzeug-Schmiede‘ eine
Kundenwerkstatt eröffnet. „Dort machen wir kleinere
Reparaturen und den ganz normalen Kfz-Service für diverse
Fabrikate, und zwar nicht nur für Oldtimer, sondern
auch für moderne Autos.“
GRUNDSÄTZLICH MÖCHTE BETTELS weiter wachsen.
Auch dazu dient die Kundendienstwerkstatt. „Da kann
ich neue Gesellen und deren Arbeitsweise mit Blick auf
ihre mögliche Eignung für den individuellen Fahrzeugbau
kennenlernen.“ Denn: „Ich kann nicht einfach irgendeinen
Kfz-Mechaniker nehmen, wenn er später mal ein
Rennauto bauen soll.“ Wer allerdings lernen wolle und
Talent und Ehrgeiz habe, sei bei ihm richtig, sagt ▸
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unternehmen
80 2 |2025
unternehmen
Vor Ort bei Rennen kümmern sich Bettels und sein Team darum, dass die Fahrzeuge
seiner Kunden reibungslos funktionieren und am Rennen teilnehmen können. Dazu wird
auch mal improvisiert.
Bettels, der sich das Autobauen als Selfmade-Mann
selbst beigebracht hat. Der Reiz seiner Arbeit sei es im
Übrigen nicht, ein teures Auto zu bauen, „sondern ein
technisch geiles“.
Auch deshalb ist Bettels sich sicher, immer genügend
Fachkräfte zu finden. Denn: „Was wir hier machen, ist
auch für Leute, die das Handwerk gelernt haben, etwas
Besonderes.“ Und Bettels weiß aus Erfahrung: „Viele,
die Kfz-Mechaniker lernen, wollen nicht ewig nur warten
und reparieren, sondern am liebsten einmal selbst ein
Auto bauen.“ Und damit dürfte er nicht ganz falsch liegen.
„Wir haben zum 1. März drei Mechaniker und einen
Werkstattleiter dazu bekommen. Das muss man in
der Branche heutzutage erst einmal schaffen.“
Ihm sei es wichtig, „den Laden weiter zu vergrößern
und gute Leute zu beschäftigen“, sagt Bettels. „Das
entlastet mich und schafft Raum für mehr Kreativität.“
Er suche nämlich ständig nach neuen Lösungen und
Möglichkeiten zur Weiterentwicklung. „Stillstand führt
früher oder später zum Ende.“
Er sehe sich und seine Firma allerdings auf einem guten
Weg, meint Bettels. „Wir entwickeln uns derzeit
schnell und massiv weiter.“ So habe er inzwischen auch
Kunden-Anfragen zum Bau historischer Fahrzeuge von
anderen Herstellern als Audi. „Wir bekommen Anfragen
zum Nachbau von Fahrzeugen, die es auf dem Markt
sonst nicht mehr gibt.“
Unabhängig vom Oldtimer-Nachbau habe er ein weiteres
großes Ziel, sagt der Northeimer Unternehmer:
„Eines Tages möchte ich ein ganz eigenes Auto bauen:
Ein technisch hochwertiges Supersport-Hypercar.“ Es
sei zwar „schon an sich ein richtiges Brett, in einer kleinen
Firma allein mit Eigenkapital historische Fahrzeuge
zu bauen“, sagt Bettels. Aber dennoch: „Wenn wir in
den kommenden Jahren noch etwas mehr Geld verdient
haben, gehen wir aus der Kopiergeschichte in die richtige
Konstruktionsphase rein.“
BETTELS SIEHT SICH AUF DEM RICHTIGEN WEG:
„Der Umsatz wächst kontinuierlich und liegt inzwischen
im siebenstelligen Bereich. Und wir sind ausgebucht
für länger als ein Jahr.“
Trotz aller Auftragsarbeit und großen Zukunftspläne
nimmt der verheiratete Familienvater sich – wann immer
es geht – Zeit für seine Kinder im Alter von sieben
und knapp zwei Jahren. Für den Größeren habe er erst
jüngst ein kleines Elektroauto gebaut, erzählt Bettels.
Ganz so schnell wie seine Rallye-Fahrzeuge sei das
allerdings nicht. „Ich habe es gedrosselt auf 20 Stundenkilometer.“
ƒ
ZUM UNTERNEHMEN
Das Unternehmen, das von Matthias
Bettels vor gut fünf Jahren gegründet wurde,
entwickelt, konstruiert, produziert und
vertreibt Automobile für den Renn- und
Rallye-Sport. Dabei handelt es sich um
Fahrzeuge, die nach historischen Vorbildern
konstruiert und gebaut werden. Die Firma
Bettels betreibt in Northeim zudem eine
Werkstatt zur Instandsetzung und Reparatur
von Autos sämtlicher Fabrikate.
Bettels Performance GmbH
Berliner Allee 1
37154 Northeim
0171 8080 9917
info@bettels-performance.de
www.bettels-performance.de
2 |2025 81
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PROFIL
Kaffee & Co für’s Büro
Verbessern Sie Ihren Bordservice!
Als Sparringspartner für Büroerfolg beschäftigt sich das Northeimer Unternehmen Kassebeer nicht nur mit
moderner Ausstattung und Prozessen, sondern auch mit gesunder Büro- und Teamkultur. Geschäftsführerin
Ines Berke: „Nur ein zufriedenes Team ist ein gutes Team. Und daran muss man arbeiten.“ Wie lassen sich
Stimmung und Motivation in der Belegschaft nachhaltig verbessern? Der berühmte Obstkorb … ausreichend?
Nicht als Einzelmaßnahme, urteilt Berke. „Doch es ist ein guter Anfang …“
Vor drei Jahren begann Kassebeer neben den
zwei Hauptgeschäftsbereichen Bürobedarf
und Druck & Workflow ein weiteres Segment
zu etablieren: Die systematische Teamverpflegung.
Kunden lagern dabei die bedarfsgerechte
Versorgung ihrer Mitarbeiter und
Mitarbeiterinnen mit Kaffeespezialitäten,
gekühltem/ gesprudeltem Wasser, Obst und
gesunden Snacks an den Dienstleister Kassebeer
aus.
ZEICHEN SETZEN:
„IHR SEID UNS WICHTIG!“
Und der neue Bereich boomt. Die Anzahl an
Kunden hat sich hier allein im letzten Jahr
verdreifacht. Immer mehr Unternehmen,
sagt Ines Berke, würden erkennen, welch
wichtiges Signal solche Verpflegungsextras
für den internen Spirit und die moderne Unternehmenskultur
sei. „Es zeigt das Interesse
am Wohlbefinden der Mitarbeitenden. Dass
man den Menschen mit seinen Bedürfnissen
sieht. Dass man auf Leistung vertraut und
dem Team daher angenehme Pausen – gern
auch mit sozialem Nährwert – gönnt.“ Ein
Mindset, das für nachhaltig positive Stimmung
im Unternehmen natürlich in allen Bereichen
gespiegelt und gelebt werden müsse.
EMPLOYER BRANDING
Um von Bewerbern als Top-Arbeitgeber
wahrgenommen zu werden, bedarf es sicherlich
mehr als „Kaffee, Wasser, Obstkorb
& Co. inklusive“. Nichtsdestotrotz: Die
Teamverpflegung ist im harten Wettbewerb
um Fachkräfte ein wirksamer „weicher Faktor“.
Die angenehm gestaltete Arbeitsumgebung
wird gerade bei jungen Arbeitnehmern
und Arbeitnehmerinnen immer wichtiger. In
Kombination mit weiteren Benefits können
weiche Faktoren bei der finalen Entscheidung
das Zünglein an der Waage sein.
Wertschätzung, die motiviert: frisches Obst im ABO – ein- oder zweimal wöchentlich. Auch Menge und
Liefertage sind frei wählbar.
GESUNDHEIT FIRST
Die Bereitstellung von Wasser, Obst und vollwertigen
Snacks ist zudem für viele größere
Unternehmenskunden von Kassebeer ein
wichtiger Baustein in deren betrieblichem
Gesundheitsmanagement: Im stressigen Arbeitsalltag
ist eine gesunde Ernährung nicht
immer einfach. Die Bereitstellung von Wasser,
Obst und Müsliriegeln erleichtert Mitarbeitenden
die richtige Entscheidung: Der
knackige Apfel liegt jederzeit griffbereit – die
Hürde, im Vorbeigehen darauf zuzugreifen,
ist bewusst niederschwellig. Außerdem sorgt
die kalorienarme und gesunde Zwischenmalzeit
für einen echten Energieschub und mehr
Produktivität.
Im Rahmen von BGM-Maßnahmen kann die
gesunde Teamverpflegung unter bestimmten
Voraussetzungen sogar gefördert werden –
bei einigen Kassebeer-Kunden liegt das Thema
daher nicht mehr beim Einkauf, sondern
bei Human Ressources.
STEUERLICHE VORTEILE
In jedem Fall gut zu wissen: Die Verpflegung
durch den Arbeitgeber in oben genanntem
Rahmen muss von Arbeitnehmer und Arbeitnehmerin
weder versteuert noch besonders
dokumentiert werden. Wasser, Kaffee, Obstkorb
& Co. gelten als betrieblich veranlasst
und sind für den Arbeitgeber als Betriebsausgabe
voll abziehbar (§ 4 Abs. 4 EStG).
FOTOS: NIKOLAUS FRANK
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PROFIL
Guter Kaffee? Macht glücklich! Auch bei Kassebeer selbst freuen sich die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen auf ‚Pause mit Bohne‘.
Dazu muss nur sichergestellt sein, dass das
Angebot allen Angestellten offensteht und
der Verzehr am Arbeitsplatz bzw. im Betrieb
erfolgt (nicht für die Mitnahme nach Hause
gedacht). Auch kleine Unternehmen können
also mit effizienten, steuerlich begünstigten
Maßnahmen eine Teamverpflegung auf
die Beine stellen – und sich so als attraktive
Arbeitgeber positionieren.
AUTOMATISIERTER SERVICE
Die Leistung von Kassebeer ist, dass die vereinbarten
Verpflegungs-Goodies jederzeit ausreichend
vorhanden sind, ohne dass sich das
Unternehmen selbst darum kümmern müsste.
Die flexible, bedarfsgerechte Lieferung ist
für einen Fachhändler mit einer ausgezeichneten
logistischen Infrastruktur wie Kassebeer
ein Kinderspiel. Die Aufstellung und regelmäßige
Wartung der Kaffeevollautomaten
und Wasserspender übernimmt das ohnehin
regelmäßig ausrückende Service-Team. Um
die ausgezeichnete Qualität der Geräte, der
Kaffeebohnen und des Obstes gleichbleibend
zu garantieren, kooperiert Kassebeer mit sorgfältig
ausgewählten Partnern.
EFFIZIENTER BESCHAFFUNGSPROZESS
Den Kaffee- und Wasserservice über sehr
hochwertige Maschinen und Spender bietet
Kassebeer ausschließlich im Vertragsverhältnis
an – wobei der Kundenbedarf regelmäßig
gecheckt und angepasst wird. Obst und
Snacks in Bio-Qualität von nachhaltigen Marken
wie z.B. KoRo sind über den Webshop frei
wählbar – auch was Abonnement-Größe und
Turnus der Lieferung anbelangt. Für den Einkauf
bedeutet dies: Verbrauchsgüter und Zubehör
für die Teamverpflegung können einmal
zentral geordert und dann über nur eine Rechnung
zusammen mit dem Bürobedarf monatlich
kostentransparent abgerechnet werden.
Text: Ulrike Markus
BÜRO
SYMPATISCH
EINFACH
Wilh. F. Kassebeer GmbH & Co. KG
Matthias-Grünewald-Straße 42
37154 Northeim
Tel. 05551-963-0
hallo@kassebeer.de
www.kassebeer.de
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Auch für
Fleischfans
Auf einem alten Hof in Wachenhausen entwickeln Anja und Roy
Walowsky vegane Brat- und Currywürste mit handwerklicher
Präzision, internationaler Erfahrung und persönlichem Einsatz.
Mit GöVegan schaffen sie es in große Supermärkte und die
Göttinger Uni-Mensa. Nun wollen sie regionale Erzeuger dazu
inspirieren, mitzumachen.
TEXT CHRISTIAN VOGELBEIN FOTOGRAFIE FLORIAN SPIEKER
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2 |2025 85
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Der restaurierte Hof in Wachenhausen wirkt
wie ein Ort, an dem die Zeit stehen geblieben
ist. Wer durch das hölzerne Tor tritt, sieht
Kopfsteinpflaster, eine wettergegerbte Scheune
und ein Wohnhaus im restaurierten Fachwerk. Im
Garten picken Hühner, in der Ferne grasen Rinder auf
einer weitläufigen Weide, eingerahmt von sanften Hügeln,
wie man sie nur in Südniedersachsen findet. Es ist ruhig
hier, fast idyllisch. Und dennoch ist dieser Hof – der
Thiehof – Ausgangspunkt einer Geschichte, die alles andere
als ländlich-beschaulich ist. Dort entsteht ein Produkt,
das seinen Ursprung weder in industrieller Planung
noch in strategischer Marktanalyse hat, sondern in einem
Gefühl: dem Wunsch, etwas zu bewegen.
ANJA UND ROY WALOWSKY leben und arbeiten in
Wachenhausen, einem kleinen Dorf im Rhumetal. Sie sind
ein Paar, das viel erlebt hat. Beruflich, privat, geographisch.
Roy kam in Südafrika zur Welt, war in Australien,
in Südafrika, in Europa unterwegs, und hat als Inhaber
und Geschäfstführer eines internationalen Handels für
Fleischereimaschinen eine Welt kennengelernt, die weit
über die Grenzen Niedersachsens hinausreicht. Anja hat
im Hotelfach und zwanzig Jahre am Max-Planck-Institut
für Sonnensystemforschung gearbeitet, war ebenfalls international
unterwegs und hat dabei nie den Blick für das
verloren, was wirklich zählt: Menschen, Begegnungen,
Erfahrungen. Gemeinsam betreiben sie heute in ihrem
Hof einen kleinen Laden für Wein und Spezialitäten. Und
genau dort beginnt die Geschichte von GoeVegan, ihrer
eigenen veganen Produktlinie, die sich mittlerweile einen
festen Platz in regionalen Supermärkten erobert hat.
DIE IDEE ENTSTAND NICHT aus dem Wunsch heraus,
sich dem Zeitgeist zu beugen oder einer Marktchance
hinterherzujagen. Vielmehr war es eine Mischung aus
Beobachtung, Gesprächen und einer gewissen Offenheit
gegenüber dem, was sich verändert. Anja erzählt, wie
Freundinnen immer häufiger sagten, dass sie gern einmal
etwas Veganes essen würden, obwohl sie Fleisch nicht
grundsätzlich ablehnen. Und auch bei den eigenen Kin-
» Wer sollte vegane Alternativen
besser entwickeln können
als ein traditioneller Fleischer?«
dern sei das Bewusstsein gewachsen, dass nicht jeden Tag
Fleisch auf den Tisch muss. Als dann das Studierendenwerk
in Göttingen verkündete, dass in wenigen Wochen
komplett auf vegane Küche umgestellt werden soll, war
für die beiden klar: Wir probieren das. Sie begeisterten
Freund und Fleischermeister Karl-Heinz Koithahn aus
Hattorf am Harz, der die Produktion unterstützt. „Wer
sollte vegane Alternativen besser entwickeln können als
ein traditioneller Fleischer?“ sagt Roy Walowsky. Sein
Freund sei sofort Feuer und Flamme gewesen.
ES BEGANN IN DER KÜCHE.
Nicht in einer Versuchsküche eines großen Konzerns, sondern
in ihrer eigenen, mit einem Thermomix, ein paar Eisformen
und viel Experimentierfreude. Roy, der genau
weiß, welche Konsistenz eine gute Wurst haben muss,
kombinierte Erbsenprotein mit roter Bete, testete unterschiedliche
Öle, überlegte, wie die Haptik stimmen könnte.
Es war ein Prozess, der eher einem kreativen Handwerk
als einem wissenschaftlichen Versuch glich. Und es
war ein Prozess voller Rückschläge. Mal schmeckte es
fade, mal war die Farbe zu blass, mal blieb der Darm an
der Maschine hängen. Oft standen sie zu zweit vor Kisten
voller misslungener Würste, fragten sich, ob das wirklich
eine gute Idee war, und machten trotzdem weiter.
„Wenn ich etwas zusage, dann ziehe ich das durch“, sagt
Roy. Diese Haltung zieht sich durch sein Leben. Ob als
Unternehmer, als Familienmensch oder als Kommunalpolitiker.
Aufgeben ist keine Option. Auch dann nicht,
wenn es einfacher wäre. Die beiden haben schon viel erlebt,
auch Schmerzhaftes. Sie wissen, was es bedeutet, für etwas
zu kämpfen, das nicht sicher ist. Vielleicht kommt daher
diese Mischung aus Bodenhaftung und Mut, mit der sie
sich immer wieder neuen Herausforderungen stellen. ‣
86 2 |2025
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optimal präsentieren können.
2 |2025 87
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Die Zusammenarbeit mit dem Studierendenwerk war der
erste echte Test. Dort sollte die vegane Currywurst nicht
nur schmecken, sondern auch strenge Kriterien erfüllen.
Die Inhaltsstoffe mussten bestimmten Vorgaben entsprechen,
das Gewicht pro Wurst exakt sein, die Farbe möglichst
natürlich. Rote Bete sorgte für eine schöne Tönung,
doch sie machte die Verarbeitung schwieriger. Irgendwann
aber passte alles. Konsistenz, Geschmack, Optik.
Die ersten Lieferungen gingen raus. Das Feedback war
positiv. Die Studierenden mochten das Produkt, die Mensen
bestellten nach. Was als Versuch begonnen hatte, wurde
zur Erfolgsgeschichte.
Doch Erfolg ist kein Selbstläufer. Die Suche nach passenden
Zutaten gestaltete sich mühsam. Günstige Öle gab
es viele, aber Roy und Anja wollten regionale, hochwertige.
Auf einer Gartenmesse traf Roy einen alten Schulfreund,
der mittlerweile eine kleine Ölmühle betreibt. Sein
Rapsöl war naturbelassen, kalt gepresst, unfiltriert. Es
passte perfekt. Auch wenn die Kalkulation damit schwieriger
wurde, entschieden sie sich dafür. Weil sie wissen,
dass gutes Produkt immer mit guten Zutaten beginnt.
„Wir wollen ein gutes Gewissen haben, wenn wir unsere
Produkte verkaufen“, sagt Roy Walowsky. Diese Haltung
zeigt sich auch in der Zusammenarbeit mit regionalen
Landwirten. „Wo immer es geht, setzen wir auf Rohstoffe
aus der Region, vor allem heimische Erbsen und Ackerbohnen.
Auf Soja wird komplett verzichtet.“ Die beiden
suchten Partner, die bereit waren, Erbsen für die Wurstproduktion
anzubauen. Nicht alle waren begeistert, doch
einige erkannten die Chance. Gemeinsam diskutierten sie
über Anbaumethoden, Bodenverträglichkeit und die Frage,
ob ein regionales Eiweißprodukt auch wirtschaftlich
tragbar sei. Es war eine neue Form der Landwirtschaftskooperation,
getragen von Vertrauen und der Idee, gemeinsam
etwas zu erreichen. In Zusammenarbeit mit einem
großen Saatguthersteller in der Region wurde erstmals
ein rein niedersächsisches Erbsenisolat entwickelt.
„Für uns ist Regionalität keine Option, sondern Verpflichtung“,
sagt Anja. Es gehe ihnen darum, sowohl Umwelt
und Klima zu schonen als auch Wertschöpfung vor Ort zu
schaffen.
Das Netzwerk, das die Walowskys über Jahrzehnte aufgebaut
haben, erwies sich als tragfähig. Viele ihrer Geschäftspartner
wurden zu Freunden, viele Freunde zu
Mitstreitern. Ob in Hamburg, wo sie erste Verkostungen
durchführten, oder bei Rewe, wo ein Manager die Wurst
bei einem Golfturnier probierte und spontan als eine der
besten bezeichnete, die er je gegessen habe. Es sind diese
kleinen Momente, die den beiden zeigen, dass ihr Weg der
richtige ist.
»Für uns ist Regionalität
keine Option,
sondern Verpflichtung.«
Bei dem Rennen quer durch Amerika ist Organisation alles. Pro
Tag nimmt Fritz Geers fast 10.000 Kalorien zu sich,.
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unternehmen
UND DOCH GIBT ES AUCH die anderen Momente. Die, in
denen der Darm in der Maschine stecken bleibt. Die, in denen
400 Becher Fleischsalat unverkauft im Kühllager stehen.
Die, in denen ein Auftrag bei einer großen Handelskette am
Preis scheitert. Roy erinnert sich an eine Ausschreibung, bei
der sie mit ihrem Produkt in die letzte Runde kamen, am
Ende aber doch absagten, weil sie ihre Zutaten nicht billiger
einkaufen wollten. „Dann lieber mit gutem Gewissen kleiner
bleiben“, sagt er.
Denn was die beiden antreibt, ist nicht der Wunsch nach
Marktanteil, sondern das Bedürfnis, etwas zu schaffen, das
sie vertreten können. Etwas, das schmeckt und zugleich ein
Zeichen setzt. Ihre Kinder unterstützen sie, wo sie können.
Die Familie ist eng verbunden, auch durch die gemeinsame
Geschichte, durch die Verluste, aber auch durch die vielen
kleinen Erfolge, die sie teilen.
Anja beschreibt es so: „Wir sind Menschen, die Verantwortung
übernehmen wollen. Für unsere Heimat, für das,
was wir essen, für das, was wir hinterlassen.“ Diese
Haltung zieht sich durch alle Entscheidungen. Von der
Wahl der Verpackung bis zur Gestaltung der Etiketten. Alles
soll rund sein, alles soll ehrlich bleiben. Wenn Etiketten
einmal gedruckt sind und einen kleinen Fehler beinhalten,,
werden sie trotzdem aufgebraucht. Nicht, weil
man keine bessere Lösung kennt, sondern weil Nachhaltigkeit
auch bedeutet, nicht zu verschwenden.
NEBEN DER CURRYWURST gibt es mittlerweile weitere
Produkte. Eine Bratwurst, ein Fleischsalat, neue Ideen
für die kommende Grillsaison. Die Nachfrage wächst,
auch wenn die Produktion nach wie vor aufwendig ist.
Vieles geschieht in Handarbeit, manches mit Maschinen.
Die Manufaktur ist noch nicht gebaut, aber sie ist
denkbar. Der Ort dafür ist vorhanden. Die Ideen sowieso.
Und das Netzwerk, auf das sie zurückgreifen können,
ist größer als das vieler Start-ups. Gut zwei Jahre
nach den ersten Versuchen sind die Gründer stolz auf
das Erreichte.
WAS GÖVEGAN BESONDERS MACHT, ist nicht das
Produkt allein. Es ist die Geschichte dahinter. Die Verbindung
von Handwerk und Haltung. Von Erfahrung
und Experiment. Von Weltgewandtheit und Regionalität.
Von Menschen. ƒ
So liegt sie im Laden: Die veganen Chiligrilla liegen inzwischen in Supermärkten in der Region aus.
2 |2025 89
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PROFIL
Maßarbeit mit System
Ein Blick in die Produktion bei Lichtblick Sonnenschutzsysteme
Herr Fromm, Lichtblick Sonnenschutzsysteme
steht für hochwertige Sonnenschutzlösungen
nach Maß. Was genau fertigen Sie
alles bei Lichtblick?
Patrick Fromm: Wir stellen an unserem
Standort in Heilbad Heiligenstadt Plissees,
Rollos und Insektenschutzlösungen selbst
her – und das in hoher Stückzahl und dennoch
individuell auf Maß. Besonders im Bereich
Insektenschutz bieten wir ein breites
Spektrum: von klassischen Spannrahmen
für Fenster, Schiebeanlagen, Pendeltüren bis
hin zu Plisseetüren. Alles wird bei uns zugeschnitten,
konfektioniert und geprüft – made
in Germany.
Warum hat Lichtblick sich für die Eigenproduktion
in Heiligenstadt entschieden?
Fromm: Ganz einfach: Weil wir so Kontrolle
über Qualität, Verfügbarkeit und Individualisierung
behalten. Unsere Kunden wünschen
keine Massenware von der Stange, sondern
passgenaue Lösungen. Mit eigener Fertigung
können wir auf besondere Fensterformen,
Farbwünsche und Einbausituationen
flexibel reagieren. Außerdem verkürzen wir
so Lieferzeiten und bleiben unabhängig von
Zulieferern.
Können Sie uns einen kleinen Einblick in die
Produktionsschritte geben?
Fromm: Nachdem das Serviceteam die korrekten
Maße an die Produktion übermittelt
hat, starten wir die Fertigung mit dem exakten
Zuschnitt der Stoffe und der Aluminiumprofile.
Danach erfolgt die Konfektion. Über
automatisierte Anlagen erfolgt die Bohrung,
Stanzung und Fädelung der einzelnen Produkte.
Beim Insektenschutz ist das Vorgehen ähnlich:
Wir schneiden die Profile millimetergenau
zu, setzen Eckverbinder, montieren
Gewebe und Beschläge. Gerade bei komplexeren
Systemen wie Schiebetüren oder
Pendeltüren achten wir auf Ausrichtung und
Leichtgängigkeit. Zum Schluss wird jedes
Produkt einer ausführlichen Qualitätskontrolle
unterzogen.
Unser Film zum Tag der
offenen Tür:
Unsere Plissee Produktion:
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WAS MACHT IHRE PRODUKTE IM
VERGLEICH ZU INDUSTRIELLER
MASSENFERTIGUNG BESONDERS?
Fromm: Die Liebe zum Detail. Wir arbeiten
mit qualifizierten Fachkräften, die jedes
Produkt individuell konfektionieren. Zudem
setzen wir auf hochwertige Materialien: Aluminiumprofile,
langlebige Mechaniken und
ausgesuchte Stoffe. Unsere Sonnenschutzsysteme
sind nicht nur funktional, sondern
auch ästhetisch durchdacht – das ist uns
sehr wichtig.
satz und möglichst wenig Verpackungsmüll.
Für uns bedeutet Nachhaltigkeit: Qualität,
die bleibt – statt Wegwerfware.
WAS BEDEUTET IHNEN DIE ARBEIT BEI
LICHTBLICK GANZ PERSÖNLICH?
Fromm: Ich beschäftige mich seit 20 Jahren
mit dem Thema Sonnenschutz und bin Heute
stolz, Teil eines Teams zu sein, das mit
Leidenschaft Maßarbeit liefert. Die Kunden
sehen am Ende nur das fertige Produkt am
Fenster – wir wissen aber, wie viel Sorgfalt,
PROFIL
WIE VIEL INDIVIDUALISIERUNG
IST DENN MÖGLICH?
Fromm: Sehr viel! Bei den Plissees etwa bieten
wir verschiedene Stoffqualitäten, Farben,
Transparenzstufen und Technikvarianten –
alles exakt zugeschnitten auf die Wünsche
des Kunden. Im Insektenschutzbereich können
Kunden aus verschiedenen Profil- und
Gewebearten wählen, z. B. feinmaschiges
Pollenschutz- oder strapazierfähiges, haustiergeeignetes
Edelstahlgewebe. Auch Sonderformen
wie schräge Fenster, Balkontüren
oder Doppeltüren können wir problemlos
realisieren.
WIE WICHTIG IST IHNEN NACHHALTIG-
KEIT IN DER PRODUKTION?
Fromm: Ein großes Thema. Wir produzieren
bewusst auftragsbezogen, also nur das, was
wirklich bestellt wird – ohne Überproduktion.
Unsere Materialien sind langlebig, reparierbar
und recyclebar. Außerdem achten wir auf
kurze Lieferketten, optimierten Energieein-
Know-how und Technik in jedem einzelnen
steckt. Wenn ein Kunde dann sagt: „Passt
perfekt, sieht super aus!“ – dann wissen wir,
dass wir alles richtig gemacht haben.
WIE SORGEN SIE DAFÜR, DASS LICHT-
BLICK AUCH IN ZUKUNFT EIN SICHERER
PARTNER IM BEREICH SONNEN- UND
INSEKTENSCHUTZ BLEIBT?
Fromm: Wir sind stets daran interessiert unsere
Produktionsprozesse und Mitarbeiter
weiterzuentwickeln um den Anforderungen
des Marktes einen Schritt voraus zu sein.
Nur so können wir unsere Kunden auch zukünftig
mit hochwertigen und langlebigen
Produkten begeistern.
Herzlichen Dank für das Gespräch!
Lichtblick Sonnenschutzsysteme GmbH
Dr.-Gerhard-Müller-Str. 2
37308 Heilbad Heiligenstadt
Tel. 03606 50 233 31
Info@lichtblick-objekt.de
www.lichtblick-objekt.de
wissen
SCHLOSSHOTEL MÜNCHHAUSEN:
Kultur, Küche und Komfort vereint.
TOP-HOTELS
in und um Südniedersachsen
TEXT CHRISTIAN VOGELBEIN
HOTEL DIE SONNE FRANKENBERG
verbindet Geschichte mit Genuss
124 92 21 |2025
wissen
HOTEL GÖRTLER:
Design begeistert mit kulinarischer Kreativität.
HOTEL RATHAUS WILDEMANN:
Familiengeführte Küche mit Herzblut
HARDENBERG BURGHOTEL
Luxus trifft Natur und Gastlichkeit
RoLigio RESORT ROMANTISCHER WINKEL:
Ganzheitliches Wohlfühlen auf Spitzenniveau
revita – NATURRESORT & SPA:
Wellness, Komfort und Genuss vereint
ZUM LÖWEN – DESIGN HOTEL RESORT & SPA:
Design und Genuss in Duderstadt
HOTEL FREIWERK:
Stilvoller Rückzugsort
mit Panoramablick
NATURRESORT
SCHINDELBRUCH:
Nachhaltigkeit prägt
Erholung und Küche
12 |2025 125 93
wissen
Wer durch Südniedersachsen, das Eichsfeld, den Harz oder das Weserbergland reist, trifft
auf eine Region voller Geschichten, Genussmomente und Gastfreundschaft. Zwischen
mittelalterlichen Fachwerkstädten, sanften Hügeln und dichten Wäldern haben sich
besondere Häuser etabliert – Hotels und Restaurants mit Sternen und Würdigung durch
den Guide Michelin, die weit mehr sind als nur ein Ort zum Essen und Übernachten.
Sie sind Refugien, in denen sich Tradition, Design und Persönlichkeit zu einem Lebensgefühl
verbinden. Ein Streifzug durch zehn außergewöhnliche Adressen.
Eine Suite im Hotel ,Die Sonne‘
94 2 |2025
wissen
Der klassiche Rittersaal
im Hotel Münchhausen
Inmitten der historischen
Altstadt von
Frankenberg verbindet
das Hotel ,Die Sonne‘
auf charmante Weise
Geschichte und Moderne.
Das Ensemble aus
sieben denkmalgeschützten
Gebäuden
wurde mit viel Liebe restauriert
und beherbergt
heute ein stilvolles
Hotel mit vielfältigem
kulinarischen Angebot. Im Gourmetrestaurant Philipp
Soldan sorgt Sternekoch Erik Arnecke mit klaren Aromen,
regionalen Zutaten und feiner Handwerkskunst
für höchste Genussmomente. Wer es etwas bodenständiger
mag, ist in den Sonne Stuben genau richtig – hier
servieren Timo Schröder und Markus Willich modern
interpretierte Klassiker, verteilt auf stimmungsvolle Stuben
wie die Jagd- oder Trachtenstube. Ein Spa und ein
umfangreiches Weinangebot runden das Erlebnis ab.
Die Auszeichnung mit dem ,Michelin Key 2024‘ ist verdienter
Lohn für das Gesamtkonzept.
EINIGE KILOMETER ENTFERNT liegt das Hardenberg
BurgHotel, eingebettet in die malerische Landschaft
rund um die Ruine Hardenberg. Dieses Relais & Châteaux-Haus
versteht sich als Ort des ,perfekt unperfekten
Luxus‘. Persönlich, herzlich und doch auf höchstem
Niveau werden Gäste hier empfangen. Das Restaurant
Novalis bietet feine, regionale Küche mit modernem
Twist, während die Hardenberg Distillery edle
Tropfen zum Verkosten bereithält. Im BurgSpa entspannt
man mit Blick auf historische Mauern – eine
seltene Mischung aus Kultur, Natur und Komfort. Ob
romantisches Wochenende, Business-Retreat oder kulinarische
Reise: Das
Burghotel schafft einen
Rahmen für besondere
Momente.
EIN HAUS MIT ganz
anderer Handschrift findet
sich in Seesen: das
Hotel Görtler. Nach über
50 Jahren als klassischer
Familienbetrieb wurde es
2024 als stilvolles Designhotel
neu eröffnet,
ohne die Wurzeln zu vergessen. Individuell gestaltete
Zimmer, moderne Suiten und ein durchdachtes Lichtund
Farbkonzept schaffen ein elegantes, aber warmes
Ambiente. Herzstück ist das Restaurant Harzfenster, in
dem Küchenchef Johannes Steingrüber ein saisonales
9-Gänge-Menü entwickelt – mit offener Showküche, bei
der Gäste die Entstehung ihrer Speisen live verfolgen
können. Design trifft auf Handwerk, Regionalität auf
hohe Schule der Kulinarik. Ein Ort für alle, die das Besondere
suchen.
EIN KLASSIKER MIT ZUKUNFT ist das revita –
naturresort & spa in Bad Lauterberg. Das Fünf-Sterne-Hotel
wurde bereits 1972 eröffnet und stetig weiterentwickelt.
Heute bietet es 261 stilvolle Zimmer
und Suiten, einen 3.000 Quadratmeter großen Spa-Bereich
mit Saunen, Pools und Anwendungen sowie ein
kulinarisches Angebot, das sich über mehrere Restaurants
erstreckt. Die Küche vereint Qualität und Vielfalt,
die Atmosphäre ist geprägt von einer gelebten Gastfreundschaft,
die seit Jahrzehnten Gäste begeistert. Die
Kombination aus Größe, Service und Qualität macht
das revita zu einer Institution im Harz und zu einem
echten Wohlfühlort. ▸
2 |2025 95
wissen
EIN WEITERES HIGHLIGHT im Südharz ist das Hotel
FreiWerk oberhalb von Stolberg. Die Kombination aus
historischer Villa, modernem Anbau und dem ehemaligen
Kutscherhaus verleiht dem Hotel eine besondere
Architektur mit Seele. Das Restaurant ,20zwanzig‘ verwöhnt
mit gehobener Küche und einem Panoramablick,
der jedes Gericht veredelt. In der angrenzenden Piano-Bar
klingt der Tag bei einem Glas Wein oder einem
Signature Cocktail stimmungsvoll
aus. Das Hotel ist nicht
nur Rückzugsort, sondern
auch Eventlocation – ideal für
Hochzeiten, Workshops oder
Barbecue-Abende unter freiem
Himmel. Wer Natur, Ruhe und
Stil schätzt, wird sich hier sofort
wohlfühlen.
NACHHALTIGKEIT ist das zentrale
Thema im Naturresort
Schindelbruch. Als erstes
CO 2 -kompensiertes Wellnesshotel
Deutschlands – schon
seit 2009 – hat das Haus Maßstäbe
gesetzt. Mit dem ,Green-
Sign Level 5‘ zertifiziert, steht
das Vier-Sterne-Superior-Hotel für konsequent umgesetztes
Umweltbewusstsein. Dabei kommt der Genuss
nicht zu kurz: Das Gourmetrestaurant Silberstreif wurde
mehrfach ausgezeichnet, der großzügige Spa-Bereich
mit Saunadorf, Poollandschaft und Wellnessbehandlungen
lädt zum Verweilen ein. 93 Zimmer und Suiten bieten
Komfort in stilvoller Umgebung, die Architektur
vereint Alt und Neu. Kunst, Natur und Kulinarik verschmelzen
hier zu einem harmonischen Ganzen.
GANZHEITLICHES WOHLBEFINDEN verspricht das
RoLigio Resort Romantischer Winkel in Bad Sachsa.
Als erstes Hotel mit dem eigens entwickelten RoLigio-Konzept
steht es für ein neues Verständnis von Wellness:
individuell, sinnstiftend und nachhaltig wirksam.
Der 3.800 Quadratmeter große Spa mit Pools, Saunawelt
und Ruheräumen ist ein Herzstück des Hauses, genauso
wie das Fine-Dining-Restaurant Joseph’s, in dem
Küchenchef Ralph Hollokoi
seine Sterneküche mit persönlicher
Note auf den Teller
bringt. Natur, Kulinarik
und Achtsamkeit gehen hier
Hand in Hand. Auch
Aktivurlauber finden im angrenzenden
Nationalpark
Harz ideale Bedingungen.
EIN WAHRER SCHATZ für
Kulturliebhaber ist das
Schlosshotel Münchhausen
im Weserbergland. Das
Renaissanceschloss aus dem
Jahr 1570 wurde aufwendig
restauriert und in ein luxuriöses
Hotel verwandelt. 67
Zimmer und Suiten vereinen historischen Charme mit
modernem Komfort. Kulinarisch begeistert das Haus
mit dem Gourmetrestaurant HILMAR, das klassische
französische Küche auf höchstem Niveau bietet, sowie
dem Schlosskeller mit kreativen regionalen Gerichten.
In den Sommermonaten wird der Innenhof zur Bühne
für Open-Air-Konzerte, was dem Aufenthalt eine besondere
Note verleiht. Zwei 18-Loch-Golfplätze direkt am
Hotel runden das Angebot ab.
Der Spa- und Wellnessbereich im Hotel ,Die Sonne‘
96 2 |2025
wissen
Ein Blick in die Lounge des revita.
EINE KLEINE, PERSÖNLICHE Erfolgsgeschichte ist das
Hotel Rathaus Wildemann im gleichnamigen Harzstädtchen.
Maria und Mathias Geinitz haben das Haus 2015
übernommen und gemeinsam mit ihrer Familie zu einem
liebevoll geführten Kleinod entwickelt. Die Küche
von Mathias Geinitz steht unter dem Motto ,Der wahre
Geschmack liegt in der Natur‘ – kreativ, regional, ehrlich.
Dafür gab es bereits Auszeichnungen von ,Gault
Millau‘, ,Bib Gourmand‘ und ,Falstaff‘. Der Lindensaal,
das Restaurant und die Zimmer wurden behutsam modernisiert.
Hier verbindet sich familiäre Atmosphäre mit
Qualität. Ein Geheimtipp für alle, die das Echte suchen.
IN DER FACHWERKSTADT DUDERSTADT schließlich
setzt das ,Zum Löwen – Design Hotel Resort & Spa‘
Maßstäbe in Stil und Gastlichkeit. Das über 300 Jahre
alte Gebäude wurde mit viel Gespür für Ästhetik und
Komfort zu einem urbanen Hideaway umgestaltet. Die
59 Zimmer und Suiten sind individuell designt, mit ikonischen
Möbeln und hochwertigen Materialien. Kulinarisch
warten gleich zwei Restaurants: das elegante
LEONE und das urige ,Alt Duderstadt‘, beide mit Fokus
auf regionale Spitzenprodukte. Berlin Bar, Kaminzimmer
und die angesagte Stones Bar sorgen für den passenden
Ausklang. Der Spa-Bereich mit Pool, Salzgrotte und
Eisbrunnen rundet das Gesamterlebnis ab.
DIESE ZEHN HÄUSER ZEIGEN eindrucksvoll, wie viel
Charakter, Vielfalt und Qualität in unserer Region
stecken. Sie stehen für Gastfreundschaft mit Haltung,
für Genuss ohne Kompromisse – und für Orte, an die
man gerne zurückkehrt. ƒ
2 |2025 97
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PROFIL
Alles aus einer Meisterhand
Betonstein- und Terrazzoherstellermeister Nick Huntgeburth steuert die
Huntgeburth Sanierungs GmbH in Obernjesa mit Herz und Verstand.
Wenn Wasser im Gebäude steht oder ein Brand gewütet
hat, herrscht Verzweiflung und Resignation. In Katastrophenfällen
sind Krisenmanager gefragt. Nick Huntgeburth
ist jemand, der an solchen Tiefpunkten des Lebens die
Übersicht behält: „Wir helfen unseren Kunden in allen
Belangen.“ Dieses Versprechen ist quasi das Motto der
Huntgeburth Sanierungs GmbH in Obernjesa.
Das 2021 gegründete Unternehmen setzt
auf das eigene Rundumsorglos-Paket: Es
basiert auf der umfangreichen Expertise,
die sich der 33-jährige Unternehmer erarbeitet
hat. Als Sohn von Peter Huntgeburth, dem
Inhaber von Goldmann & Huntgeburth GmbH, verbrachte
Nick bereits als Schulkind seine Samstage
im väterlichen Naturstein-Unternehmen und später
verdiente er sich als Ferienjobber sein erstes eigenes
Geld. „Ich hatte schon immer Spaß daran, etwas mit
meinen Händen zu erschaffen“, sagt er rückblickend.
Er lebte diese Begeisterung so sehr, dass er sich für
eine Ausbildung zum Betonstein- und Terrazzohersteller
erschloss. Ein Ausbildungsgang, den es heute gar
nicht mehr gibt – inzwischen lautet die Bezeichnung
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»Ich hatte schon immer Spaß daran,
etwas mit meinen Händen zu erschaffen...«
PROFIL
Werksteinhersteller – und für den er bis nach
Freiburg im Breisgau gehen musste. Dort gibt
es eine der wenigen darauf spezialisierten Betriebe
für einen Auslbidungsplatz. Seine Passion
für den Werkstoff Stein festigte sich und
er blieb weitere Jahre in Ulm und Bamberg. Er
nutzte die Zeit, um sich in dieser Nische zum
Meister fortzubilden und ergänzte sein Spekt-
So kommt er inzwischen auf 22 Mitarbeiter
und kann – häufig in Zusammenarbeit mit
Subunternehmern – ein außergewöhnliches
Gesamtportfolio anbieten: „Im Extremfall
übernehmen wir beispielsweise alles, was
mit einem Wasserschaden zusammenhängt:
Von der Leckortung, über die Reparatur und
Trockenlegung bis zur Schadensabwicklung
mit der Versicherung.“
Nick Huntgeburth bietet mit seinem Team das
Rundumpaket vom Notfall bis zur geplanten
Sanierung.
rum noch um den Meister der Betonindsutrie.
„Ich arbeitete unter anderem für das Natursteinwerk
in Bamberg und war für Aufträge in
Frankfurt, München und Stuttgart unterwegs –
eine sehr spannende Zeit, in der ich viel gelernt
habe“, so Huntgeburth. Doch es zog ihn zurück
in den Norden. Er gründete zunächst eine
Immobiliengesellschaft. Kauf, Sanierung und
Wiederverkauf bildeten dabei die Kernbereiche.
VON DER URSACHE BIS ZUR
VERSICHERUNGSABWICKLUNG
Schließlich gründete der vielseitige Geschäftsmann
die heutige Huntgeburth Sanierungs
GmbH, in ihr gingen auch die
seinem Vater gehörenden Geschäftsanteile
des oben erwähnten väterlichen Betriebs
auf. Anfang 2024 kam durch eine Übernahme
noch die Firma Wolter & Sohn hinzu.
VIELFÄLTIGE DIENSTLEISTUNGEN
AUS EINER HAND
Die Huntgeburth Sanierungs GmbH setzt auf
ein breites Spektrum von Leistungen:
- Fliesenverlegung: Besonders erfahren im
Umgang mit großformatigen Fliesen.
- Badsanierung und barrierefreier Umbau
- Mauerwerksinstandsetzung, Putz- und
Malerarbeiten: Fachgerechte Sanierung von
Wänden und Fassaden
- Brandschadensanierung
- Wasserschadensanierung
- Kernsanierungen
Darüber hinaus begleitet das Unternehmen
auch als Experte beim Immobilienkauf und
übernimmt dabei die Beratung und Kosteneinschätzung
bei sanierungsbedürftigen
Objekten. „Wir erledigen auch gerne die
architektonische Planung – ohne Architektenhonorare!“,
stellt Huntgeburth eine weitere
Stärke heraus.
KUNDENSERVICE
Selbstverständlich bei allen Aufträgen ist für
Nick Huntgeburth, dass sich seine Kunden
um nichts kümmern müssen: „Von der Planung
bis zur Umsetzung, inklusive der Koordination
aller Gewerke, erhalten die Kunden
von uns ein Komplettpaket.“
Ein besonderes Augenmerk legt das Unternehmen
auf die individuelle Beratung und
Betreuung seiner Kundschaft. Ob in Südniedersachsen,
Hessen oder Thüringen – die Projekte
werden mit Sorgfalt und Engagement
umgesetzt. ▸
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PROFIL
Nick Huntgeburth gründete 2021 sein Unternehmen
und vergrößerte sich 2024.
MITARBEITERFREUNDLICHKEIT
Fachkräftemangel kennt Nick Huntgeburth
nicht. Er erklärt dies mit seinen Erfahrungen,
die er in Süddeutschland gemacht und in
Obernjesa adaptiert hat. Außerdem befragte
er, in der Zeit als die Firma Wolter & Sohn
übernommen wurde, seine Mitarbeiter und
setzte deren Wunsch nach einer Viertagewoche
um. Alle profitieren laut Huntgeburth
davon: Die Mitarbeiter sind motivierter, die
Kunden erhalten denselben Service an weniger
Tagen und das Unternehmen spart die
„unproduktiven Fahrtkosten für den kurzen
Freitag“ ein. Eine zufriedene Belegschaft, zu
der im Übrigen auch vier Auszubildende (in
welchen Ausbildungsberufen?als Maler- und
Lackierer) gehören, sind ebenso das Resultat,
wie ausreichend eingehende Bewerbungen.
Lediglich Maler und Trockenbauer seien
schwierig zu finden und können sich gerne
bei ihm bewerben.
MODERNE METHODEN
„Nicht viele wissen, dass Sie ihre Hausfassaden
mit Trockeneis reinigen können“, sagt
Huntgeburth. Der Unternehmer hört sich
stets auf Branchenmessen nach neuen Methoden
um – Ergebnis: Sein Betrieb gehört zu
den wenigen in der Region, der die schonende
Fassadenreinigung per Trockeneisstrahler
einsetzt. Verunreinigungen werden damit im
wahrsten Sinne des Wortes zu Staub und
fallen einfach zu Boden. Eine effektive Vorgehensweise,
mit der er beispielsweise auf
öffentliche Auftraggeber setzt, die Graffiti entfernen
lassen möchten.
DIE GUTE ADRESSE FÜR SANIERUNGEN
UND RESTAURIERUNGEN
Wenn es um die Sanierung von Immobilien
geht – sei es nach einem Wasserschaden, bei
der Modernisierung eines Badezimmers oder
der Restaurierung historischer Böden – ist die
Huntgeburth Sanierungs GmbH in Obernjesa
eine verlässliche Adresse. Inhaber Nick
Huntgeburth steht für fundiertes Fachwissen,
handwerkliche Präzision und einem tiefes
Verständnis für die Bedürfnisse seiner überwiegend
aus dem Bereich der Privathaushalte
und Hausverwaltungen stammenden Kunden
aus dem Umkreis von meist 200 Kilometern.
Die Bedürfnisse der Auftraggeber rückt Huntgeburth
als kompetenter Ansprechpartner
stets in den Fokus. Er fasst die Begeisterung
für seine Beruf kurz und bündig zusammen:
„Ich liebe es, dass jeden Tag etwas Neues passiert
und wir Menschen in Notlagen wieder
ein Lächeln ins Gesicht zaubern können.“
Nick Huntgeburth
Auf dem Rode 2
37124 Obernjesa
Tel. 0151 561 99 075
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Weltranglisten-Tennis im Solling
Tennisclub Uslar lockt Jung-Stars zu den ,Bikeleasing Open‘.
Melbourne, Paris, London, New York – die meisten Punkte für die Tennis-Weltrangliste gibt es bei den so genannten
Grand-Slam-Turnieren, bei denen internationale Stars wie Alexander Zverev, Jannik Sinner oder Novak Djokovic
antreten. In Deutschland können die Asse viel Geld und reichlich Ranglisten-Punkte in Hamburg, Halle (Westfalen)
oder München gewinnen. Weltranglisten-Tennis gibt es allerdings auch im Solling. Dort richtet der Uslarer TC die
,Bikeleasing Open‘ aus.
102 2 |2025
unternehmen
TEXT MATTHIAS BRUNNERT FOTOGRAFIE PETER HELLER, GLENN-TANKO RÖBER
Wilhelm Holz feierte kürzlich seinen
75. Geburtstag. Man merkt dem ehemaligen
Lehrer aus Uslar sein Alter allerdings
nicht an. Der Mann sprüht vor
Energie, vor allem, wenn er über Tennis spricht. Und das
muss Holz in diesen Wochen häufig. Denn er ist Organisationsleiter
einer Veranstaltung, die man in einem
Städtchen, das einschließlich sämtlicher Ortsteile nur
rund 14.000 Einwohner zählt, kaum vermuten würde:
In Uslar findet ein offizielles Turnier der ITF World
Tennis-Tour statt. „Dass wir hier in Uslar Weltranglistentennis
haben, kann ich selbst manchmal noch nicht
so richtig glauben“, sagt Holz. Doch es ist wahr. In diesem
Jahr findet das Turnier bereits zum dritten Mal statt.
,Geistiger Urheber‘ des einzigen Weltranglisten turniers
im südlichen Niedersachsen ist allerdings nicht Holz,
sondern Bastian Krause. Der Unternehmer ist Gründer,
Mitinhaber und Geschäftsführer der in Uslar beheimateten
Firma ,Bikeleasing-Service.de‘. Das Unternehmen
gehört nach eigenen Angaben zu den Marktführern einer
vergleichsweise jungen Branche. Es verleiht im großen
Stil Dienstfahrräder. Kunden sind derzeit mehr als
75.000 Unternehmen.
Krause war im Jahr 2022 mit der Idee an ihn herangetreten,
in Uslar – mit seinem Unternehmen als Hauptsponsor
und Namensgeber – ein größeres Tennis-Event
zu organisieren, erinnert sich Holz. Krause selbst kennt
die Tennisanlage in Uslar so gut wie seinen eigenen Vorgarten.
„Ich habe die Hälfte meiner Jugend hier verbracht“,
sagt der Geschäftsführer von Bikeleasing. Zwar
zwang ihn der Beruf später zu einer längeren Pause vom
aktiven Spiel, doch der Kontakt zum Verein riss nie ab.
Heute sind es seine Kinder, die auf dem Platz stehen, und
so ist Krause wieder regelmäßig vor Ort. Mit seinem
Unternehmen unterstützt er gezielt die Jugendarbeit und
war von Anfang an dabei, als die Idee eines ITF-Turniers
in Uslar aufkam. „Das war erst eine Schnapsidee“,
erinnert er sich. „Aber eine gute.“ Und die Kosten? „Gar
nicht so schlimm – kann man mal machen.“ Natürlich
musste ein bisschen umgebaut werden, aber mit Geld
und Manpower half das Unternehmen an allen Ecken
und Enden. In den ersten beiden Jahren bürgte Bikeleasing
auch für unerwartete Kosten. Inzwischen hat der
Verein Erfahrung gesammelt und kann die Organisation
selbst stemmen, Bikeleasing bleibt dennoch Hauptsponsor.
FÜR KRAUSE STEHT FEST: Ein Turnier wie dieses ruht
auf drei Säulen: einem engagierten Initiator, „der allen
im positiven Sinne auf die Nerven geht“, einer Mannschaft
aus ehrenamtlichen Helfern, die mit unermüdlichem
Einsatz Kuchen backen, Hecken schneiden und
Gäste betreuen, sowie auf der Unterstützung durch
Sponsoren. Dass das alles in Uslar zusammenkommt,
ist für ihn auch einem Mann zu verdanken, an dem
hier niemand vorbeikommt: Wilhelm Holz. „Wer in den
letzten 50 Jahren in Uslar etwas mit Sport zu tun hatte,
kennt ihn.“ Mit dem Turnier ist nicht nur ein sportliches
Highlight entstanden, sondern auch ein Impuls für die
Jugendarbeit. „Die Kinder und Jugendlichen sind mit ▸
2 |2025 103
unternehmen
noch mehr Begeisterung dabei. Das Turnier hat etwas
angestoßen.“ Und wer weiß, vielleicht wächst hier
schon der nächste ITF-Spieler heran.
Bei Holz und den anderen Verantwortlichen des
Tennis clubs stieß die Initiative des Unternehmers auf offene
Ohren, zumal Bastian Krause mit seiner Idee auch
sonst Begeisterung hervorgerufen hat. „Das Interesse in
der Region ist sehr groß“, sagt Wilhelm Holz. Dies könne
man auch daran erkennen, dass eine Vielzahl größerer
und kleinerer Sponsoren dazu beitragen, das Budget von
rund 80.000 Euro zu decken.
UM DIE VERANSTALTUNG BEWÄLTIGEN zu können, seien
auch in diesem Jahr wieder Dutzende Vereinsmitglieder
am Start, sagt Holz. An der Spitze steht der UTC-Vorsitzende
Markus Müller als Turnierdirektor. Andere
UTC-Mitglieder organisieren das Catering, betreuen
Spieler, Schiedsrichter und Funktionäre. Jugendliche und
Kinder ziehen die Plätze ab oder fungieren als Ballkinder.
„Die Hilfsbereitschaft ist riesengroß“, freut sich Holz.
Der Mann, der in den vergangenen Jahrzehnten an der
Organisation zahlreicher Tennisturniere in der Region
Südniedersachsen/Nordhessen beteiligt war, hat allerdings
auch festgestellt: „Das Turnier hier in Uslar ist mit
Abstand meine bisher anspruchsvollste Aufgabe. Ich bin
wochenlang rund um die Uhr im Einsatz. So richtig schlafen
kann ich bestimmt erst wieder nach dem Finale.“
Bei den Sportlern kommt das Engagement der Uslarer
Ehrenamtlichen gut an. Die Zahl der Meldungen liegt
auch in diesem Jahr wieder um ein Vielfaches über der
Höchstzahl der möglichen Teilnehmer. „Ob wir wieder
mehr als 800 Meldungen bekommen, so wie 2024, wissen
wir aber erst kurz vor Turnierbeginn,“ sagt Holz.
Auch international steht Uslar inzwischen auf dem
Plan. Die gemeldeten Akteure kommen aus zahlreichen
Ländern. „Die besten davon gehören – so war es jedenfalls
in den beiden vergangenen Jahren – zu den Top 300
der aktuellen Weltrangliste“, sagt der Organisationsleiter. ▸
Wilhelm Holz ist der Motor hinter dem Event und Inspiration für den
Tennis-Nachwuchs in Uslar.
»Die Zahl der Meldungen liegt auch in diesem Jahr
wieder um ein Vielfaches über der Höchstzahl der
möglichen Teilnehmer.«
104 2 |2025
unternehmen
2 |2025 105
unternehmen
Neben 24 Akteuren, die aufgrund ihrer Weltranglisten-
Platzierung in Uslar an den Start gehen können, werden
auch wieder hoffnungsvolle junge heimische Talente dabei
sein. „Sie erhalten sogenannte Wildcards“, sagt Holz.
Er hoffe, dass das Turnier wieder eine gute Bühne für
kommende Stars wird.
2024 GEWANN VÖLLIG ÜBERRASCHEND der damals
erst 16 Jahre alte Justin Engel aus Nürnberg, der als
Qualifikant nach Uslar gekommen war. Durch seinen
Sieg im Solling und weitere Erfolge bei anderen Turnieren
kletterte Engel inzwischen in der Weltrangliste um
rund 800 Weltranglistenplätze bis auf Rang 345.
Der Vizepräsident des Deutschen Tennisbundes, Jan
Hanelt, würdigte das Uslarer Event als eine Veranstaltung,
bei der „aufstrebende Talente die Möglichkeit haben,
sich auf heimischem Boden mit nationalen und internationalen
Spielern zu messen und Punkte für die
Weltrangliste zu sammeln“.
Mit seiner Veranstaltung liegt der Uslarer TC dabei
voll im Trend. Denn Tennis boomt, wie die aktuelle
Statistik des Tennisverbands Niedersachsen–Bremen
ausweist. Die Zahl der gemeldeten Herren- und Damenteams
im Verband ist im Vergleich zum Vorjahr jedenfalls
um mehr als 100 auf gut 4.000 gestiegen. Und
bei den Jugendteams sieht es ähnlich aus. Dort nehmen
inzwischen landesweit mehr als 3.000 Mannschaften am
Spielbetrieb teil. Die zahllosen nicht organisierten
Tennisspielerinnen und Tennisspieler sind dabei nicht
mitgerechnet. „Der Tennissport ist wieder im Kommen“,
freut sich Wilhelm Holz.
Ein Besuch des Weltranglistenturniers in Uslar, so
hofft der Organisations-Chef, könnte den auch in der
Region Südniedersachsen zu bemerkenden Tennisboom
weiter anheizen. Holz rechnet im Übrigen damit, dass
die Zahl der Zuschauer beim Uslarer Turnier – im vergangenen
Jahr waren es in der Turnierwoche rund 2.000
– weiter steigt.
Finanzielle Hindernisse legen die Veranstalter den Interessierten
dabei nicht in den Weg: Der Eintritt an allen
sieben Turniertagen ist frei. ƒ
BIKELEASING OPEN:
Das Tennis-Weltranglisten-Turnier findet vom
14. bis 20. Juli auf der Anlage des Uslarer TC
statt. Am Montag, den 14. Juli, sind Qualifikationsspiele
angesetzt. Dienstag und Mittwoch
werden die Spiele der ersten Runde
ausgetragen. Am Donnerstag folgen die
Achtelfinal- Partien im Einzel und die Viertelfinalspiele
im Doppel. Am Freitag stehen die
Halb finals und das Finale im Doppel sowie
das Viertel- und Halbfinale im Einzel auf dem
Plan. Höhepunkt des Turniers ist das Finale
im Einzel am Samstag um 14 Uhr. Es geht
um Preisgelder in Höhe von insgesamt rund
15 000 US-Dollar.
Bikeleasing Open
Organisationsleitung: Wilhelm Holz
Tel. 0175 458 9948
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Die Nachwuchs-Elite im Tennissport kämpft in Uslar um jeden Punkt. So wie hier
Justin Engel, der Aufsteiger des Jahres.
106 2 |2025
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PROFIL
Charakter, Code und Kompetenz: Weibliche Vielfalt
als Treiber für Innovation bei eddyson
Wussten Sie, dass die ersten Programmiererinnen tatsächlich Frauen waren? Pionierinnen wie Margaret Hamilton, deren
Beiträge zur NASA den Weg für die Mondlandung ebneten, und Joan Clarke, die entscheidend zur Entschlüsselung der
Enigma beitrug, sind nur einige der Role Models, die in der Geschichte der IT glänzen. Statistisch gesehen dominieren
Männer weiterhin die Tech-Welt, doch die Situation bei eddyson ist anders: Rund ein Viertel des Teams besteht aus talentierten
Frauen, die nicht nur Platzhalterinnen sind, sondern aktiv als Vordenkerinnen und Mitgestalterinnen in allen
Bereichen – vom Support über die Entwicklung bis zur Implementierung.
CODING STATT FARBPALETTE:
LANA AUS DER ENTWICKLUNG
Lana Herdt ist ein beeindruckendes Beispiel
für eine Quereinsteigerin. Als gelernte Mediengestalterin
hat sie sich zur Frontend-Entwicklerin
weitergebildet und und bringt kreative
Lösungen in die digitale Welt. Heute
sorgt sie dafür, dass unsere Anwendungen
nicht nur funktionieren, sondern auch intuitiv
und nutzerfreundlich sind. „Ich liebe die
Mischung aus Kreativität und Technik“, sagt
Lana. „Und ich bin froh, dass ich bei eddyson
so viel Vertrauen bekommen habe. In nur einem
Jahr habe ich enorm viel gelernt – das
motiviert mich jeden Tag aufs Neue.“
Mit dem größten Hemmnis von Frauen in
der IT musste sie sich selbst auseinandersetzten:
„Es mangelt nicht an Interesse, sondern
oft nur an Ermutigung, diesen Weg zu
gehen.“
EXZELLENZ IM BERUF UND FAMILIE:
SANDRINA IST TEAMLEAD IN DER
IMPLEMENTIERUNG
Sandrina Hartleib ist seit über zehn Jahren
im Team und leitet heute das Team, dass
Neukunden anbindet und aufschaltet – ein
entscheidender Bereich bei eddyson. „Jeder
neue Kunde ist wie ein Puzzle mit speziellen
Anforderungen. Die Vielfalt an Herausforderungen
und das Vertrauen, das ich hier spüre,
machen meine Arbeit so besonders.“
Besonders stolz ist sie auf ein Projekt,
bei dem der Kunde zu Beginn sehr skeptisch
war. Sandrina erinnert sich noch sehr
gut, „Es ging um eine komplexe Systemlandschaft
mit mehreren Schnittstellen und sehr
individuellen Anforderungen. Aber durch
strukturierte Planung, die hervorragende
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PROFIL
»Mir gefällt vor allem, dass hier auch
Quereinsteiger eine echte Chance bekommen
und ihre Stärken einbringen können.«
Zusammenarbeit im Team konnten wir nicht
nur die Timeline einhalten werden, sondern
dem Kunden zu einem echten Mehrwert verhelfen.“
Sandrina ist nicht nur stolz auf ihre
beruflichen Erfolge, sondern zeigt auch: Leadership
und Elternschaft schließen sich nicht
aus – sie bereichern sich gegenseitig. Sie betont
dabei „Ich bin als Mutter präsent und
erfülle meine Führungsrolle und habe die
Möglichkeit sinnstiftend zu arbeiten. Das ist
unglaublich erfüllend!“
VERANTWORTUNG VON ANFANG AN:
KATHRIN IM CUSTOMER SUCCESS
Kathrin Weber kam über ein Duales Studium
zu eddyson und ist heute eine zentrale
Ansprechpartnerin für strategisch wichtige
Kunden. Als Customer Success Managerin
schätzt sie vor allem die Vielfalt in ihrem Arbeitsalltag:
„Kein Tag ist wie der andere – ich
wechsle zwischen strategischer Kundenentwicklung
und operativer Umsetzungsarbeit.
Bei eddyson habe ich die Möglichkeit in einer
tollen Arbeitsumgebung doppelten Erfolg zu
erzielen: Für uns und mit unseren Kunden.“
Ein besonderes Highlight für Kathrin: „Als
mir nach gerade mal einem Jahr der drittgrößte
Kunde anvertraut wurde und ich seither die
langjährige Zusammenarbeit erfolgreich ausbauen
und gestalten konnte. Das war ein echter
Erfolg für mich." Sie merkt an: „Junge Frauen
werden in der Tech-Welt oft unterschätzt,
dabei sollten Geschlecht und Alter generell
kein Maßstab für Kompetenz darstellen.“
SUPPORT MIT STRUKTUR UND
EMPATHIE: NINA AUS DEM IT-SUPPORT
Nina Polzer ist Anfang 2024 vom Einzelhandel
in den IT-Support gewechselt und hat
sich in dieser völlig neuen Welt schnell etabliert.
Sie betreut Kunden, überwacht digitale
Prozesse und sorgt für reibungslose Abläufe.
Ihr Ziel ist es, möglichst viele Anfragen von
Kunden bereits im Erstkontakt schnell und lösungsorientiert
zu bearbeiten.
„Meine erste selbständig eingerichtete Verbindung
war ein entscheidender Moment für
mich. Es hat mir gezeigt, dass ich das Zeug
dazu habe, in der IT zu bestehen,“ erinnert
sich Nina
Nina schätzt bei eddyson die Mischung aus
Technik, Kommunikation und Kollegialität.
„Mir gefällt vor allem, dass hier auch Quereinsteiger
eine echte Chance bekommen und
ihre Stärken einbringen können. Das zeigt,
dass nicht nur Lebensläufe zählen, sondern
vor allem Motivation, Lernbereitschaft und
Teamgeist.“
Ihr Plädoyer für mehr Diversität in der IT:
„Frauen bringen oft nicht nur Fachwissen mit,
sondern auch die sozialen Kompetenzen, die
gerade in stressigen Projektsituationen für
Stabilität sorgen können.“
STRUKTUR MIT JURISTISCHEM
WEITBLICK: JAQUELINE IM DEAL DESK
Jaqueline Reuter ist Diplom-Juristin und bei
eddyson als Deal Desk Coordinator tätig –
sie sorgt dafür, dass komplexe Angebote und
Vertragsverhandlungen sauber, schnell und
sicher abgewickelt werden.
„Ich schätze die Vielseitigkeit meiner Arbeit:
rechtlich denken, wirtschaftlich handeln,
abteilungsübergreifend arbeiten – das macht
jeden Tag spannend.“
Für sie liegt der größte Irrtum über Frauen
in der Tech-Welt in alten Rollenbildern: „Es
geht um Neugier, Kompetenz und die Bereitschaft,
sich in Themen einzuarbeiten – das
ist keine Frage des Geschlechts.“ ▸
PROFIL
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Frauen in der IT gelten oftmals noch als Underdog oder Einhorn. Dabei sind es ihre Stärken, Teamgeist und Ehrgeiz, mit denen sie Unternehmen wie eddyson
erfolgreich machen.
Ihr Antrieb? „Wenn ich durch meinen beruflichen
Hintergrund die richtigen Fragen stelle
und damit Stolpersteine frühzeitig erkennen
und Prozesse besser machen kann, dann
weiß ich, dass sich mein Einsatz lohnt.“
FINANZEXPERTISE MIT ÜBERBLICK UND
HALTUNG: PAULA AUS FINANCE UND
ACCOUNTING
Paula Struthmann hat als Werkstudentin
begonnen und ist heute ein fester und wichtiger
Bestandteil des Teams. Sie verantwortet
zentrale Themen im Rechnungswesen und
Controlling. Sie schätzt die Eigenverantwortung
und das Vertrauen, dass sie im Team
erlebt – und weiß: „Kompetenz ist keine Frage
des Geschlechts. Was zählt sind Haltung,
Engagement und der Wille, Verantwortung
zu übernehmen.“ Ihr Ziel ist es, jederzeit die
Zahlen transparent und zuverlässig zu halten
und unterstützt damit die Geschäftsführung
bei einem sehr wichtigen Thema. Auf was sie
besonders stolz sein kann? Paula kann keinen
besonderen oder einzelnen Moment nennen,
aber betont „Es macht mich stolz, wie
ich kontinuierlich zum Erfolg von eddyson
beitrage und dabei als zuverlässige und unterstützende
Kraft im Finanzbereich von der
Geschäftsführung, aber auch vom gesamten
Team, wahrgenommen werde. Die gute Zusammenarbeit
im Team sind für mich echte
Erfolgsmomente.“
TEAMGEIST STEHT BEI EDDYSON IM
MITTELPUNKT
Die Geschichten von den Kolleginnen spiegeln
nicht nur die Vielfalt der Frauen in der IT wider,
sondern auch die Überzeugung von eddyson,
dass Kompetenz, Teamfähigkeit und Neugierde
entscheidend sind – unabhängig vom Geschlecht.
eddyson wächst seit 2012 jährlich
um gut 20 Prozent und sucht Menschen, die
mehr bewegen wollen als Daten. Menschen,
die in einem Umfeld arbeiten wollen, wo jeder
die Möglichkeit hat, Verantwortung zu übernehmen
und Innovationen voranzutreiben.
Ob Vollzeit oder Teilzeit, Quereinstieg oder
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PROFIL
Alpha ante portas:
Wie die jüngste Generation
den Arbeitsmarkt revolutioniert
TOPAS-Projektleiterin Tara Brune von der SüdniedersachsenStiftung
erläutert, warum Unternehmen sich jetzt auf die digitalste Generation
aller Zeiten einstellen müssen – und was das für Recruiting, Zusammenarbeit
und Führung bedeutet.
5 IMPULSE
FÜR UNTERNEHMEN
1. Digitalisieren Sie Ihre Ausbildung –
von Bewerbungsprozess bis
Onboarding.
2. Investieren Sie in neue Lernformate –
individuell, interaktiv, jederzeit.
3. Schaffen Sie Räume für echte
Mitgestaltung – auch auf Azubi-Ebene.
4. Ermöglichen Sie generationenübergreifendes
Lernen – und machen Sie
es sichtbar.
5. Hinterfragen Sie Ihre Wertekommunikation
– ,Generation Alpha‘ erkennt
Greenwashing im Sekundenbruchteil.
Tara Brune ist Projektleiterin der Arbeitgeber-Initiative TOPAS und beschreibt den offenen Zugang auf
verschiedene Gererationen als einen der wichtigsten Schritte auf dem Arbeitgebermarkt.
Die ,Generation Alpha‘ (geboren nach 2010)
wächst als erste vollständig in einer digital
geprägten Welt heran. Ihre Kindheit ist durchweg
von der Nutzung smarter Technologien
geprägt. Bald betreten die Ersten Schritt für
Schritt den Arbeitsmarkt – mit frischen Erwartungen
und einem Innovationsdrang, der
traditionelle Spielregeln radikal infrage stellt.
Während viele Unternehmen noch mit den
Bedürfnissen der ,Generation Z‘ (Jahrgänge
1995 bis 2010) ringen, rollt längst die nächste
Welle an jungen Talenten heran – mit völlig
neuen Ansprüchen, Denkweisen und Gewohnheiten.
Für Unternehmen bedeutet das:
Wer diese Generation als Auszubildende oder
Mitarbeitende gewinnen will, muss sich auf
ein beispielloses Maß an digitaler Selbstverständlichkeit
einstellen und bereit sein, tradierte
Strukturen zu hinterfragen.
AUFGEWACHSEN MIT KI,
AUFGEWACHT MIT PURPOSE
Vertreter:innen der ,Generation Alpha‘ sind
mit künstlicher Intelligenz auf Du und Du.
Sprachassistenten wie Alexa waren für sie
Spielkameraden, Tablets Lehrkräfte und You-
Tube ein Tor zur Welt.
Diese technologische Prägung beeinflusst
nicht nur, wie die Generation kommuniziert,
sondern auch, was sie von ihrer Zukunft erwartet:
Instant-Zugriff auf Informationen, individuelle
Gestaltungsmöglichkeiten und
Arbeitsplätze, die Sinn und digitale Selbstverständlichkeit
kombinieren.
VON BEWERBUNGSGESPRÄCHEN
ZU ERLEBNISREISEN
Die ersten Ausbildungsjahrgänge der ,Alphas‘
stehen demnächst vor der Tür. Wer glaubt, ein
Social-Media-Post genüge, um sie zu erreichen,
unterschätzt ihre Erwartungen an digitale
Erlebnisse. Klassische Karriere-Websites
wirken auf sie wie Faxgeräte auf ,Millennials‘.
WAS UNTERNEHMEN TUN KÖNNEN:
• Gamification-Elemente im Recruiting
schaffen – z. B. Mini-Quests oder
Simulationen
• Berufe immersiv erlebbar machen,
etwa durch Augmented Reality oder kurze,
authentische Videostorys
• KI-gestützte Chats statt PDF-
Bewerbungsunterlagen
• Feedback in Echtzeit – denn drei Wochen
auf eine Antwort warten ist für ,Alphas‘
ein No-Go
Recruiting wird zum Experience Design. Und
das beginnt schon vor dem ersten Klick mit
der Frage: Wie fühlt sich unser Unternehmen
für eine:n 16-Jährige:n an?
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MITDENKEN STATT MITLAUFEN
In der Arbeitswelt suchen Alpha-Mitarbeitende
keine Routinen, sondern einen Spielraum.
Sie wollen eigene Ideen einbringen, sinnvolle
Beiträge leisten – und dabei Technologie
intuitiv nutzen. An starre Arbeitszeiten oder
lineare Karrierewege glaubt in dieser Generation
kaum jemand.
PROFIL
IHRE ZENTRALEN ERWARTUNGEN:
• Hybride Arbeitsmodelle als Standard,
nicht als Ausnahme
• Permanente Weiterbildung durch
Microlearning, VR-Trainings und On-
Demand-Wissensmodule
• Partizipation statt Befehl – Führung
muss coachen, nicht kontrollieren
• Werteorientierung: Klimaschutz, Diversität,
Ethik – alles kein Bonus, sondern Basis
Diese Anforderungen mögen herausfordernd
erscheinen, doch sie sind auch ein Innovationsmotor
für das ganze Unternehmen, wenn
man sich traut.
VON CLASH ZU CO-CREATION: GENERA-
TIONEN VERBINDEN
Noch nie arbeiteten so viele Generationen
gleichzeitig zusammen wie heute: Babyboomer,
Generation X, Millennials, Gen Z – und
bald Alphas. Die Unterschiede sind real, aber
nicht unüberwindbar. Im Gegenteil: Richtig
gestaltet, kann generationenübergreifende
Zusammenarbeit zu einem echten Wettbewerbsvorteil
werden.
FAZIT: DIE ZUKUNFT FRAGT NICHT,
OB WIR BEREIT SIND
Die Generation Alpha ist nicht die Fortsetzung
der Generation Z – sie ist ein Neustart.
Ihr Eintritt in den Arbeitsmarkt wird Vieles
umkrempeln: Bewerbungsprozesse, Arbeitsmodelle,
Führungskultur. Wer das als Bedrohung
sieht, wird langfristig den Anschluss
verlieren. Wer es als Chance erkennt, gewinnt
Talente, Innovationskraft – und die Relevanz
von morgen.
WAS HELFEN KANN:
• Reverse Mentoring-Programme, bei
denen junge Mitarbeitende Älteren
digitale Tools näherbringen – und dabei
selbst Führungskompetenz lernen
• Intergenerationale Teams, die gezielt Vielfalt
in Denkweisen und Erfahrungen nutzen
• Offene Lernformate, in denen Alt und
Jung sich gegenseitig schulen, coachen
und inspirieren
Unternehmen, die eine dialogische, fehlerfreundliche
Kultur schaffen, ermöglichen
eine neue Qualität von Zusammenarbeit:
kreativ, respektvoll, zukunftsgewandt.
Unternehmen und Organisationen, die sich
zukunftsorientiert für die neue Generation
rüsten möchten, sind herzlich willkommen,
sich über TOPAS – TOP Arbeitgeber Südniedersachsen
zu vernetzen, weiterzubilden
und auszeichnen zu lassen. Nehmen Sie
Kontakt auf!
Tara Brune, TOPAS-Projektleitung
Maschmühlenweg 105
37081 Göttingen
Tel. 0151 590 639 24
tara.brune@suedniedersachsenstiftung.de
www.suedniedersachsenstiftung.de
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PROFIL
Überall KI,
aber im Arztzimmer
surrt das Fax
Das Göttinger Digital Health Startup DOCMAiTE
macht niedergelassene Ärzte bereit fürs KI-Zeitalter.
Das Kernproblem ist nicht das Fax – sondern
der Austausch medizinischer Infos per Arztbrief.
Selbst in Zeiten der ePA landen Befunde
als unstrukturierter Fließtext in der Arztpraxis.
Die Daten müssen manuell extrahiert, sortiert,
korrekt benannt, zugeordnet und datiert werden
– ein fehleranfälliger Zeitfresser in ohnehin
überlasteten Praxen.
SCHLUSS MIT DEMOTIVIERENDER Digitalisierung:
DOCMAiTE hat den intelligenten
Dokumenteneingang DOC.CELERATE für niedergelassene
Ärzte entwickelt. Er bündelt alle
eingehenden Dokumente aus Post, Fax und
Telematik, analysiert sie per KI und übernimmt
sie nach ärztlicher Freigabe mit allen relevanten
Informationen direkt in die Patientenakte.
BESONDERS IM FOKUS: Datenschutz und
Praxisnähe. In enger Zusammenarbeit mit
fünf Referenzpraxen wurde DOC.CELERATE
so entwickelt, dass sensible Patientendaten
sicher verarbeitet und die Anforderungen im
Praxisalltag erfüllt werden. Die KI kann vor
allem im Verwaltungsbereich entlasten und
schafft dort Freiraum, wo menschliche Eigenschaften
unersetzlich bleiben: in der empathischen
Patientenbetreuung.
Antonia Heußner, Sebastian Kampen und
Dr. Christoph Prinz stellen den intelligenten
Befundeingang vor
DOCMAiTE GmbH
Daimlerstr. 2
37075 Göttingen
Tel. 0551/27077890
www.docmaite.de
kontakt@docmaite.de
Stark. Sichtbar. Berufstätig.
Die Koordinierungsstelle ,Frauen & Wirtschaft‘ Göttingen begleitet Frauen seit
mehr als 30 Jahren beim beruflichen (Wieder-)Einstieg individuell, vernetzt und
mit viel Engagement für echte Gleichstellung
Die Koordinierungsstelle arbeitet in der
Trägerschaft der Stadt Göttingen und ist für
Frauen aus der Stadt und dem Landkreis zuständig.
Sie bietet individuelle, kostenfreie
und biografieorientierte Beratung für Frauen
rund um den beruflichen Wiedereinstieg und
die Neuorientierung.
Denn: Frauen und Männer sind in Deutschland
nicht in gleichem Umfang berufstätig.
Von 100 Erwerbstätigen gehen 46,9 Frauen
einer Beschäftigung nach. Etwa die Hälfte aller
angestellten Frauen arbeitet in Teilzeit, bei
Männern sind es nur zwölf Prozent. Zusätzlich
leisten Frauen täglich 44,3 Prozent mehr
unbezahlte Sorgearbeit als Männer, das sind
79 Minuten Unterschied pro Tag.
Mehrmals im Jahr führt die KoStelle
Veranstaltungen durch – etwa Frauenberufsmessen
in Göttingen und Osterode,
Job-Frühstücke, Berufetage oder Gründerinnenmessen.
Dazu gehören Inputs zu arbeitsmarktrelevanten
Themen, Erfahrungsaustausch
und regionale Qualifizierungs- und
Jobangebote. Seit fünf Jahren ergänzt die Online-Reihe
,Wie funktioniert das Berufsleben
4.0?‘ das Angebot.
Die KoStelle ist in zehn Netzwerken aktiv
und zugleich Geschäftsstelle des Unternehmensverbundes
,Frau & Betrieb‘ Göttingen.
Dort engagieren sich 40 Mitglieder für die
Vereinbarkeit von Beruf und Familie und fördern
Frauen auf dem Weg in Führungspositionen.
Etabliert haben sich Formate wie ,Verbundsfrühstücke‘
und Talkrunden unter dem
Titel ,Erfolgsfaktor Frau‘. Ein vierteljährlicher
Newsletter berichtet darüber.
Mit breiter Öffentlichkeitsarbeit macht
die KoStelle weibliche Erwerbsbiografien
sichtbar. Zum Beispiel in der Broschüre und
Ausstellung ,Frauen im Handwerk von hier!‘,
in der 19 Handwerkerinnen und Unternehmerinnen
porträtiert werden. Die Ausstellung
in Ebergötzen läuft noch bis Jahresende
im Europäischen Brotmuseum.
Dr. Natalia Hefele (l., Projektleitung)und Evelin Kolle
(Projektassistenz).
Koordinierungsstelle ,Frauen &
Wirtschaft‘/Verbund ,Frau & Betrieb‘
Göttingen e.V.
Stadt Göttingen
Hiroshimaplatz 1-4, 37083 Göttingen
Tel: 0551 400 2860
Kostelle@goettingen.de
www.frauen-wirtschaft.de
Die Uni hat eine neue Mensa
Neustart gegen den Hunger: CGiN auf dem Nordcampus eröffnet
wissen
Mit einem modernen Konzept, viel
Licht und noch mehr Platz hat
das Studierendenwerk Göttingen
nun die neue Mensa auf dem Nordcampus
eröffnet – oder wie sie nun offiziell heißt:
CampusGastronomie im Norden (CGiN).
Der dreigeschossige, barrierefreie Neubau
bietet mit 5.500 Quadratmetern Nutzfläche
und 1.050 Sitzplätzen nicht nur Raum für
gutes Essen, sondern auch für Begegnung,
Entspannung und Austausch.
„WIR WISSEN NUR ZU GUT, dass Studierende,
Lehrende und Forschende auf
dem Nordcampus sehnlichst auf eine gastronomisch
angemessene Lösung gewartet
haben“, sagte Jörg Magull, Geschäftsführendes
Vorstandsmitglied des Studierendenwerks
Göttingen. „Unsere Freude ist
daher heute riesengroß, dass wir endlich
in diese moderne Mensa einladen können.
Unser hoch motiviertes Team freut sich, die
Gäste begrüßen und bewirten zu können.
Überzeugen Sie sich selbst von unserem
vielfältigen Angebot und der modernen Atmosphäre.“
DAS NEUE CGIN BIETET im ersten Stock
unterschiedliche Sitzbereiche sowie drei
Themenpavillons mit Speisen von Salat über
Hauptgerichte bis hin zum Dessert. Gezahlt
wird direkt am jeweiligen Pavillon, bargeldlos
und unterstützt durch KI-gestützte
Selbstscan-Kassen. Im Erdgeschoss ergänzt
das Café ,Daily‘ das Angebot mit kalten und
warmen Snacks, frisch belegten Pizzen und
einer Teppanyaki-Station. „Anstatt nüchterner
Speisesaal-Atmosphäre bieten wir nun
individuelle Lösungen für ein entspanntes
Beisammensitzen, gemeinsames Lernen,
zwangloses Treffen an“, sagt Guido Forthmann,
Leiter CampusGastronomie.
AUCH ÖKOLOGISCH ist das CGiN ein
Meilenstein. Der klimafreundliche Neubau
erfüllt den KfW-40-Standard, nutzt ein
hocheffizientes Wärmerückgewinnungssystem
und versorgt zusätzlich umliegende
Wohnanlagen mit Energie. „Gerade wegen
der so intensiven letzten Monate bin ich
sehr stolz auf das Ergebnis“, sagt Carmen
Heine, Abteilungsleiterin Gebäudemanagement.
„Eine echte Teamleistung, die nun in
einem hochmodernen, zukunftsfähigen Gebäude
erlebbar wird.“
FÜR DIE PLANUNG und Umsetzung des
CGIN war das Büro ,bmp Architekten‘ verantwortlich.
In enger Abstimmung mit dem
Studierendenwerk entwickelten sie ein Konzept,
das weit über klassische Mensa-Architektur
hinausgeht. Von der Strukturplanung
über die Materialwahl bis zur Lichtgestaltung
wurde laut Geschäftsführer Rudolf
Kaltenböck ein Ort geschaffen, der gleichermaßen
funktional und atmosphärisch
überzeugt. „Das Besondere an diesem Projekt
war, dass wir ungewöhnlich umfassend
arbeiten durften – von der Architektur über
die Innenausstattung bis zur Lichtgestaltung.
So etwas gelingt nur, wenn gegenseitiges
Vertrauen und eine gute Kommunikation
gegeben sind.“ Dadurch sei ein moderner,
nachhaltiger Treffpunkt auf dem Campus
entstanden.
EBENFALLS AM PROJEKT beteiligt waren
die Ingenieure vom Büro ,keydel bock‘ aus
Göttingen.
2 |2025 115
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PROFIL
Osteoporose
ist in erster Linie
ein Frauenthema
FOTO: CHARAKTER
Östrogenen kommt eine entscheidende Rolle bei der Ausbildung der Osteoporose zu.
In der Praxis für Hormon- und Gewichtsberatung nimmt sich eine Spezialistin dieser
Thematik schwerpunktmäßig an.
Osteoporose ist eine Skeletterkrankung, die
durch eine erniedrigte Knochenmasse und
eine geschwächte Knochen-Mikroarchitektur
charakterisiert ist. Dies führt zu einer erhöhten
Brüchigkeit der Knochen, die typischerweise
schon bei geringeren Anlässen frakturieren.
Eine manifeste Osteoporose liegt
vor, wenn bereits Frakturen aufgrund einer
Osteoporose aufgetreten sind.
AUF DEM BODEN DER OSTEOPOROSE treten
Wirbelkörperfrakturen in der Altersgruppe
von 50-79 Jahren bei Frauen in Deutschland
doppelt so häufig auf im Vergleich zu
Männern. Mit zunehmendem Alter steigt das
Frakturrisiko bei beiden Geschlechtern. Die
zweithäufigste Fraktur, die auf dem Boden
der Osteoporose entsteht, sind Knochenbrüche
des Schenkelhalses. Auch hier liegt die
Quote bei Frauen bis in die höchsten Altersgruppen
deutlich höher als bei den Männern.
Bereits auf der Basis dieser Häufungen kann
gesagt werden, dass Osteoporose in erster
Linie ein Frauenthema ist.
Zu den Ursachen der Osteoporose bei Frauen
befragt, äußert sich Frau Privatdozentin
Dr. Dana Seidlová-Wuttke, die in der UMG
im Fach Klinische und Experimentelle Endokrinologie
habilitierte und seit 2012 im
Medizinischen Experten Centrum MEC am
Göttinger Bahnhof eine Praxis für Hormonund
Gewichtsberatung führt, sehr konkret:
„Wir (Gynäkologen) begleiten unsere Patientinnen
in verschiedenen Phasen des Lebens:
im jugendlichen Alter bei Zyklusregulationen
und zu Optionen der Verhütung, wir
legen Spiralen, beraten und helfen bei Kinderwunsch
und betreuen Frauen nach der
Geburt. In dieser Phase ist die Hormonbilanz,
also die ausgewogene Produktion von Geschlechtshormonen,
ausreichend. Ungefähr
ab dem 40. Lebensjahr ändert sich die Zykluscharakteristik,
die Frauen haben ihre Periode
jetzt mehr oder weniger regelmäßig. Das
ändert sich erneut um das 50. Lebensjahr, in
dem die Produktion von Östrogenen in den
Eierstöcken noch weniger wird und versiegt.
80 Prozent aller Frauen entwickeln in dieser
Phase klimakterische Beschwerden, die eben
durch diesen Abfall der zirkulierenden Östrogene
verursacht ist.“
Innerhalb der Knochensubstanz kommt es
durch das Fehlen der Östrogene zum Verlust
der Balance zwischen Aufbau und Abbau der
Zellen. In der Folge werden zum Beispiel die
Knochenbälkchen in den Wirbelkörpern langsam,
aber kontinuierlich abgebaut. Dieser Effekt
ist in den ersten Jahren rund um die Menopause
am stärksten.
GEGENWÄRTIG KOMMEN zwei unterschiedliche
Messverfahren zur Bestimmung
des Kalksalzgehaltes im Knochen zur Anwendung:
Zum einen DEXA, bei dem mit
zwei unterschiedlichen Röhrenspannungen
Röntgenstrahlen durch Lendenwirbelsäule
und Schenkelhals ausgesandt werden. Dieses
Verfahren wird in erster Linie von Orthopäden
eingesetzt. Radiologen nutzen hingegen
die sog. QCT, bei der ein quantitatives Computertomogramm
in Höhe der oberen drei
Lendenwirbelkörper angefertigt wird. Uwe
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Fischer, einer der beiden Leiter der Praxis für
Moderne Schnittbilddiagnostik, ebenfalls in
der Bahnhofsallee, erläutert hier: „Wir favorisieren
QCT, da diese Verfahren eine getrennte
Messung von äußerer Wirbelkontur und Knochenbälkchen
erlaubt. Und die zunehmende
Verschlankung der Knochenbälkchen ist letztendlich
der Grund dafür, dass Wirbelkörper
auf dem Boden der Osteoporose zusammensintern.
Wir messen also genau das Richtige.“
Dabei muss immer angemerkt werden, dass
beide Messverfahren die zurzeit beste Annäherung
zur Einschätzung einer Bruchgefährdung
darstellen. „Die Knochendichte stellt zu dieser
Thematik nicht das einzige Kriterium dar. Von
Bedeutung ist in diesem Zusammenhang auch
das Ausmaß an Muskulatur, das natürlich in
die Knochendichtemessung nicht mit eingeht“,
ergänzt Dr. Friedemann Baum, ebenfalls Leiter
in dieser Praxis.
MESSVERFAHREN ZUR KNOCHENDICHTE
(Osteodensitometrie)
DEXA – Dual Energy X-ray Absorptiometry
QCT – Quantitative Computer Tomography
Beide Verfahren sind röntgenbasiert und gelten
als strahlenarm. Für beide Verfahren muss im
Vorfeld ärztlicherseits die rechtfertigende Indikation
gestellt werden.
Warum ist es überhaupt sinnvoll, die Knochendichte
frühzeitig zu checken, bevor es
eventuell später zu einer Osteopose kommt?
„Wir reden hier über eine sinnvolle Prophylaxe“,
so PD Dr. Seidlová-Wuttke. „Unsere Aufgabe
ist es, die Frauen adäquat zu beraten,
über mögliche Folgen, die mit Menopause
und gesamtem Klimakterium verbunden
sind, zu informieren und ggf. Empfehlungen
für eine individuelle Hormonersatztherapie
(HRT) zu geben. Die HRT hilft nicht nur, die
klimakterischen vegetativen Beschwerden
zu lindern, sondern normalisiert auch das
Gleichgewicht zwischen Ab- und Aufbau der
Knochenzellen. Sie hemmt für die Zeit der
Einnahme und nach dem Absetzen weitere
zwei bis fünf Jahre den schnellen Knochenabbau.
Wir nutzen damit ein physiologisches
„Fenster“ zwischen dem 50. und 60. Lebensjahr.
Und ermöglichen unseren Patientinnen
mindestens zehn Jahre ohne Osteoporose.“
Selbstverständlich können auch andere
Erkrankungen und Lebensumstände einen
möglichen Einfluss auf die Knochenqualität
haben, z.B. eine langfristige Kortikoid-Therapie,
Alkohol, Rauchen, Aromataseinhibitoren
bei der Brustkrebstherapie, genetische Faktoren,
chronisches Untergewicht, Übergewicht
vom maskulinen Typ, Bewegungsmangel, Parathormon
Pathologie, Hyperkortisolismus,
Überfunktion der Schilddrüse, Nebenwirkungen
von verschiedenen Medikamenten.
BEGRIFFE IM RAHMEN DER KNOCHEN-
DICHTEMESSUNG
T-SCORE: Abweichung des gemessenen Knochendichtewertes
von dem Durchschnittswert
einer jungen erwachsenen Frau. T-Score < -2,5
definiert Osteoporose.
Z-SCORE: Abweichung des gemessenen
Knochendichtewertes von einer alters- und
geschlechtsspezifischen durchschnittlichen
Knochendichte. Z-Score bis -1,0 gilt als altersnormal.
KALKSALZGEHALT: Ein Mineralsalzgehalt
unter 80mg/cm3 definiert eine Osteoporose.
Werte zwischen 80mg und 120mg pro cm3
werden als Osteopenie, einer Vorstufe der
Osteoporose, kategorisiert.
PROFIL
Hormon- und
Gewichtssprechstunde
am Bahnhof
Messregion innerhalb des
Wirbelkörpers.
PD Dr. Dana Seidlová-Wuttke
Bahnhofsallee 1d
37081 Göttingen
Tel. 0551 82074210
info@hormon-gewicht.de
Zeichnung: Anne Fischer
CT-Schichten durch den 1., 2.
und 3. Lendenwirbelkörper.
Von oben nach unten: normaler
Wirbelkörper, Osteopenie,
Osteoporose mit Deck- und
Grundplattenimpression.
Bahnhofsallee 1d
37081 Göttingen
Tel. 055182 074 22
www.diagnostik-goettingen.de
unternehmen
wissen
AGENTEN
im Dienst
118 2 |2025
wissen
Mit Künstlicher Intelligenz hält die nächste Innovation Einzug und verspricht
sagenhafte Effizienzgewinne. Seit ChatGPT hat auch der Normalverbraucher eine
Idee davon, was die Technologie leisten kann. Doch die eigentliche Revolution,
von der Unternehmen und Institutionen profitieren können, liegt im Unscheinbaren
– in der Nutzung von Agenten, die eigenständig einfache Arbeitsschritte
automatisieren.
TEXT SVEN GRÜNEWALD
Für die Allermeisten ist Künstliche Intelligenz so
etwas wie eine dunkle Schachtel. Irgendwas
passiert, aber wie das funktioniert, ist oft nicht
klar. KI ist ein Sammelbegriff geworden, unter
dem sich – wie einst unter dem Schlagwort Digitalisierung
oder Industrie 4.0 – Verschiedenes verbirgt.
Die theoretischen Grundlagen für Maschinelles Lernen
als zentraler Bestandteil von KI sind bereits in den
1940er Jahren gelegt worden. Im Grunde geht es bei KI
um die Bearbeitung hinreichend komplexer Aufgabenstellungen,
wie sie menschlichem Handeln und Denken
ähneln. Der gefühlte Quantensprung in den vergangenen
Jahren geht auf technische Innovationen und Rechenpower
zurück sowie die Möglichkeit, über das Internet
eine immense Datenmenge zum Training der
KI-Modelle zu nutzen.
„DAS GEHIRN IST ALGORITHMEN aber bei manchen
Aufgaben immer noch überlegen“, sagt Fabian Sinz, der
an der Universität Göttingen im Bereich Neuro-AI
forscht. „Man kann KI-Algorithmen auf bestimmte
Aufgaben trainieren und da sind sie dann besser als der
Mensch. Aber wenn es um Generalität, um Robustheit
geht, darum, in sehr vielen verschiedenen Situationen
Problemlösungen zu finden und sich anzupassen, darin
ist das Gehirn ziemlich gut und jedem Algorithmus
überlegen.“ Doch bis zum Menschen in der Maschine
ist es noch ein weiter Weg, denn um das Gehirn zu
imitieren, müsste man es verstehen. „Wir kennen zwar
viele molekulare und physiologische Details, aber wie
Wahrnehmung passiert, was das Gehirn macht, wenn es
sieht, hört, denkt, darüber wissen wir so gut wie nichts“,
sagt Fabian Sinz. Da liegt aber letztlich die Magie. Denn
die Frage ist: „Wo bekommen eigentlich KI-Algorithmen
ihre Inspiration, wenn das ganze Internet genutzt wurde
und die Trainingsdaten alle sind?“ Deswegen will Sinz‘
Arbeitsgruppe diese Brücke zwischen menschlicher
Intelligenz und der nächsten Generation von KI-Systemen
bauen.
DERWEIL SIND CHATGPT und Co. populär geworden.
Inzwischen sind erste Modelle auf dem Markt, mit denen
sich Videos mit echt wirkenden Menschen erstellen
lassen. KI-erstellte Bilder zeigten schon vor einiger Zeit,
wie real die komplett fiktiven Ergebnisse erscheinen
können.
Doch an diesen generativen KI-Modellen zeigen sich
auch schnell die Probleme der Technologie. Es ist bekannt,
dass KIs ‚halluzinieren‘, also auf eine Anfrage falsche
Informationen ausgeben können oder neue hinzudichten.
Was den Nutzer in ein Dilemma bringt: Wenn
ich mich nicht auf das Ergebnis verlassen kann, wie gehe
ich damit um? Das Potenzial, aber auch die Verführung
der Technik ist enorm: Ein Klick, eine gut formulierte ‣
2 |2025 119
wissen
» Sascha Riedeberger, CEO der PMG Verpackung und Logistik GmbH,
setzt täglich auf ChatGPT für verschiedenste Themen und nutzt Copilot in
Office-Anwendungen. Auch Adobe Illustrator und Photoshop kommen mit KI-Unterstützung
zum Einsatz, etwa für einfache Illustrationen. «
Arbeitsaufgabe, ein paar Nachfragen – und schon steht
ein Text, ein Konzept, eine studentische Hausarbeit
inklusive Forschungsfrage. Dabei wirkt eine KI wieder zutiefst
menschlich – denn sie macht Fehler.
Noch etwas kommt hinzu: KI muss auf Grundlage großer
Datenmengen trainiert werden, damit die Ergeb-nisse
möglichst gut sind. Wenn eine Million Fotos mit glücklichen
Gesichtszügen der Abgebildeten zur Verfügung
stehen, kann der Prompt ‚glücklich‘ in einem KI-Bild
authentisch reproduziert werden. Wenn wie in der Medikamentenentwicklung
aber nicht genügend Daten zur
Verfügung stehen, versagt KI in der schnellen Suche nach
dem neuen wirksamen Präparat.
SCHWIERIG WIRD ES AUCH BEI BEWERTUNGEN durch KI.
Denn das Training passiert durch Menschen, die ihre
eigenen Vorurteile mitbringen. Beispiele sind kontroverse
Themen wie Klimawandel. Wenn Informationsmedien, die
Kritikern am Narrativ des menschengemachten Klimawandels
Raum geben, allein deswegen pauschal als unglaubwürdig
gekennzeichnet werden, wird das KI-Modell diese Informationen
auch entsprechend negativ gewichten. Der Nutzer
erhält dann die Information, dass etwa die Kritik unglaubwürdig
ist oder bestimmte Personen ‚kontrovers‘ sind – weil
es eben so definiert wurde; nicht, weil die Kritiker keine
wissenschaftlich validen Argumente haben.
Das heißt, außer faktischen Fehlern können sich auch
Zensur und politische Sichtweisen einschleichen. Fragt man
ChatGPT in den USA danach, ob es ein Problem ist, wenn
eine deutliche Mehrheit an CEOs weiß ist, legt das Programm
begründet dar: ja. Denn Repräsentation und Diversität
seien wichtig. Fragt man, ob es ein Problem ist, dass in
der Basketballliga fast ausschließlich Schwarze spielen,
antwortet das Programm, dass es um Kompetenz ginge.
EIN AKTUELLES PAPER mit dem Titel ‚The assisted Technology
dilemma‘ weist darauf hin, dass das „Potenzial der KI, Voreingenommenheit
zu erzeugen, neuartige Beiträge zu übersehen
und Uniformität im Feedback zu fördern“, die nuancierten
Einsichten und das kritische Denken bedrohe, zu denen
menschliche Experten fähig sind. Entsprechend breit ist auch
der philosophische Diskurs, der überall rund um das Thema KI
geführt wird: ethische Fragen, rechtliche Verantwortung bei
Fehlern, KI und Bewusstsein, faire und transparente Entscheidungen,
die Auswirkungen auf Gesellschaft, die Gefahr von
Manipulation mit künstlichen Bildern und Videos, automatisierte
Waffensysteme bis hin zum Sinn des Lebens. In
der Praxis zeigt sich indes, wohin die begonnene
Reise führt. Christoph Burkhardt aus Osterode am
Harz ist eigentlich Kognitionswissenschaftler, hat
seine Masterarbeit vor 15 Jahren bei Google geschrieben
und ist im Silicon Valley am Ende in der
KI-Entwicklung gelandet. Er hat sein eigenes Startup
geführt, war Mentor in über 300 anderen und
ist inzwischen wieder häufiger in Deutschland, wo
er Dax-Konzerne und den Mittelstand in KI-Fragen
berät. Denn vor etwa zwei Jahren sei das Interesse
daran richtig losgegangen, so seine Beobachtung.
Und da das Silicon Valley etwa zwei bis drei
Jahre in der technischen Entwicklung voraus ist,
kann er wie kaum jemand die Entwicklungen und
ihre Potenziale einschätzen. „Wir stehen bei praktischen
KI-Anwendungen immer noch am Anfang“,
sagt er.
Die aktuelle Revolution stecke eher im Kleinen,
in den dahinterliegenden Prozessen. „Da es sich
bei KI um lernende Systeme handelt, die wir trainieren
müssen, braucht das Zeit. Aber es gibt Aufgaben,
für die KI heute schon gut genug ist und da
liegt ein riesiges Potenzial“, sagt Burkhardt. „Vor
allem im Businessbereich habe ich noch kaum Prozesse
und Workflows gesehen, die bereits automatisiert
sind.“ Da erwartet er in den kommenden ein bis
zwei Jahren förmlich eine Explosion der Automatisierung.
Der Schlüssel sind sogenannte Agenten, kleine
Hilfsprogramme, die eigenständig und routiniert
eine überschaubare, spezielle Aufgabe abarbeiten
und mit anderen Agenten kommunizieren. So lassen
sich viele Prozesse in kleinen Einzelportionen zu einem
komplexen großen Ganzen automatisiert verschalten.
Diese Agenten sind auch relativ einfach
selbst zu programmieren. Dadurch entstehe eine
enorme Flexibilität.
Die große Herausforderung für Unternehmen und
Organisationen momentan ist daher weniger die
Technologie, sondern, „dass die Leute ihre eigenen
Prozesse und Abläufe nicht genau kennen. Wenn ich
aber genau weiß, wie eine Information auf meinem
Schreibtisch landet bis hinunter zu welchen Klicks,
kann man super einfach KI-Lösungen ins Spiel bringen“,
erklärt Burkhardt. Deswegen geht es auch erst
einmal darum, sich klarzuwerden, was die eigene
120 2 |2025
wissen
» Arne Peperkorn geht den systematischen Weg: Bei ihm
steht die Automatisierung im Vordergrund. Mit Airtable, Makeoder
Zapier organisiert er datenbasierte Prozesse – alles KI-gestützt.
Einzelne Tools einzusetzen sei „nett“, aber der große Hebel liegt für
ihn in der Prozessautomatisierung. Nur so wird die KI „vom
Spielzeug zum Game Changer.«
Strategie ist, wo man hin will und welche Tools dafür
Sinn ergeben. „Sonst ist die Gefahr groß, dass wir jedes
neue Tool ausprobieren, obwohl vieles nicht wirklich
zum Unternehmen passt.“ Im Ergebnis wird das zu Veränderungen
führen, beispielsweise wie Unternehmen geführt
werden, da KI-abgesicherte Information eher
intuitive Entscheidungen ablösen. Human Ressources
und die IT werden neue Rollen bekommen und viel
strategischer in das Thema eingebunden. Tätigkeiten
werden sich verändern: KI-Agenten können die
einfachen, manchmal sehr zeitraubenden, manchmal
stupiden Aufgaben übernehmen; Mitarbeiter treffen
mehr und mehr die Entscheidungen.
WIE DIESE ZUKUNFT Aussehen kann, zeigt sich beim
Landkreis Göttingen. Die Kreisverwaltung hat Anfang
2025 ein Pilotprojekt gestartet. Ein Programm namens
EMMA übernimmt einfache Verwaltungsabläufe.
„EMMA ist im Grunde so etwas wie ein unterstützender
Assistent, der bestimmte Daten auswertet, in
Programmen liest, liest, was auf Bildschirmen steht, der
bestimmte Dinge versteht und Handlungen ausführt, jedoch
dabei keine eigenen Entscheidungen trifft“, sagt
Kreisrätin Marlies Dornieden. „Besonders geeignet ist
der Einsatz bei massenhaft wiederkehrenden, regelbasierten
Prozessen, um Mitarbeiter von zeitaufwendigen
Routinearbeiten zu entlasten“, erklärt Dornieden weiter.
Zum Einsatz komme das Programm derzeit zunächst als
Pilotprojekt bei Einbürgerungsanträgen in der Ausländerbehörde
sowie in der Vollstreckungsstelle.
Dort funktionierte das Programm schon sehr gut, es
fallen jede Woche mehrere hundert Vorgänge an. Das
Programm schaut sich die Sachlage an, ordnet ein Vorgehen
einem Mitarbeiter im Außendienst zu oder erstellt
Mahnschreiben. Der Mitarbeiter startet nur das Programm
und holt anschließend das Schreiben aus dem
Drucker. Die Zeitersparnis beträgt pro Woche etwa zwei
Stunden. Entscheidungen und Abwägungen treffen Mitarbeiter;
wenn die KI etwas nicht lesen kann, weil etwa
ein Tippfehler enthalten ist, wird der Mitarbeiter benachrichtigt,
um den Prozess zu kontrollieren. Der auf
den ersten Blick noch überschaubaren Zeitersparnis steht
der Aufwand für die Programmierung gegenüber. Landkreis-Mitarbeiter
Jan Wagener aus der Vollstreckung hat
das für seine Abteilung gemacht. Etwa 20 Stunden habe er
gebraucht, bis es fehlerfrei lief. ‣
2 |2025 121
wissen
» Lorenz Körbelin von der Eiskalt Marketing GmbH nutzt unter anderem Freepik.com als vielseitigen
Baukasten für Foto- und Videotools. Besonders spannend findet er Reve.art, ein Tool, mit dem KI-generierte
Bildmotive aus verschiedenen Blickwinkeln erzeugt werden können. Daraus erstellt er zum Teil komplette
Werbevideos. «
IM GRUNDE ARBEITET EMMA nach klaren
Wenn-Dann-Vorgaben, der Mitarbeiter muss aber jeden
einzelnen Arbeitsschritt darin abbilden; er muss auch
Systemupdates berücksichtigen. Da aber jeder Fachbereich
andere Schritte, Programme und Dokumente hat,
muss für jeden Bereich die KI neu programmiert werden.
Ein Einsatz von EMMA sei grundsätzlich in fast allen
Fachbereichen denkbar und praktisch für Aufgaben mit
vielen Daten und einem hohen Aufkommen. „Für den
Bürger ist aber wichtig zu wissen, dass bei entscheidenden
Maßnahmen immer ein Mensch eingebunden ist, der entscheidet“,
sagt Wagener.
„DESWEGEN IST ES WICHTIG, dass Mitarbeiter auch
die Grenzen von KI verstehen, ihre eigenen Vorurteile
und kein Übervertrauen in die Leistungsfähigkeit haben“,
sagt Björn Niehaves, Informatiker an der Uni Bremen,
der die Göttinger Kreisverwaltung wissenschaftlich
begleitet. Erhebungen seines Lehrstuhls zeigen, wie offen
Verwaltungen für die Einführung von KI sind. Denn
dort liegen große Chancen, angesichts von demografischen
Veränderungen und Fachkräftemangel Produktivität
zu generieren. „Es werden auch schon viele technische
Lösungen eingesetzt und dennoch stehen wir erst
am Anfang. Wertschöpfung entsteht durch veränderte
Prozessabläufe. Das geschieht im Moment noch viel zu
wenig.“ Aber auch darüber können Verwaltungen – und
Unternehmen – hinausgehen. „Denn im letzten Schritt
stehen eigene proprietäre KI-Anwendungen, die auf Basis
der eigenen Dateniert sind. Das dafür nötige Datenmanagement
ist aber noch für viele Zukunftsmusik.“
WEIL IN UNTERNEHMEN UND ORGANISATIONEN oft
die Fantasie fehle, sei eine gezielte, aktive Heranführung
so wichtig, beobachtet der Göttinger Unternehmer Rainer
Guse. In der Leadership Academy begleitet er Führungskräfte
unter anderem zu KI-Fragen. Er sieht ebenfalls
die enormen Produktivitätspotenziale von KI-
Applikationen, doch in einem Punkt wird er grundsätzlich:
„Wenn wir diese Effizienzsteigerungen durch KI
bekommen, dürfen wir nicht wieder einen Fehler machen,
wie bei den letzten großen Technologiesprüngen:
dass wir die freiwerdende Zeit einsparen. Ich appelliere
daran, die Freiräume durch KI dazu zu nutzen, uns weiterzubilden,
wieder mehr Zeit für die Kommunikation
und Kunden zu haben.“
CHRISTOPH BURKHARDZ ZIEHT indes ein Fazit: „In
meinen Augen ist die KI-Technologie noch disruptiver
als das Internet.“ Sie verändere nicht nur Prozesse in Unternehmen,
sie lasse auch wieder neue Dienstleistungen
entstehen. Prognosen sind notorisch schwierig, gerade in
so einem dynamischen Feld. Doch im Silicon Valley
zeichnen sich schon neue Entwicklungen ab. „Wir sehen
dort die ersten Marktplätze für Agenten entstehen“, erklärt
Burkhardt. „Die kann man sich, wie einen Uber,
einfach für eine Stunde ausleihen, wenn man eine ganz
konkrete Aufgabe hat, die nicht ständig anfällt.“ Er
denkt, dass es bald Plattformen geben wird, bei denen
sich jeder seine eigenen Agenten je nach Aufgabe zusammenstellen
könnte. Die KI-Revolution beginnt unscheinbar
mit den kleinen Agenten, die vielleicht nicht sexy
sind, aber die wesentliche Arbeit machen. ƒ
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Mit Forschung, Feingefühl und
Fortschritt für die Gesundheit
Spitzenmedizin mit Herz und Weitblick: Wie der Göttinger Urologe
Hossein Tezval Wissenschaft, Technik und Menschlichkeit verbindet.
Wer Prof. Dr. Hossein Tezval begegnet, spürt schnell: Hier spricht jemand, der
nicht nur Medizin versteht, sondern auch Menschen. Seine Worte sind klar,
durchdacht und von einem echten Anliegen getragen. „Urologie ist mehr als
Prostata“, sagt er mit ruhiger Stimme. In seiner hochmodernen Privatpraxis in
Göttingen setzt er deshalb auf Aufklärung, Präzision und Vertrauen. Seine
Mission: „Moderne Urologie denkt voraus – nicht hinterher.“
Urologie gehört sicher zu den Fachgebieten,
bei denen sich viele
Menschen fragen, warum sich
Mediziner dafür entscheiden. Tezval
berichtet lächelnd, wie er dazu kam: „Zu
Beginn meines Studiums lernte ich meine
heutige Frau kennen, mit der ich inzwischen
seit über 30 Jahren verheiratet bin. Ihr Vater,
ein Urologe, weckte mein Interesse an diesem
spannenden Fachgebiet und ermutigte mich,
eine Spezialisierung in Erwägung zu ziehen.
Gegen Ende meines Studiums absolvierte ich
eine freiwillige Rotation in der Urologie – danach
war mir klar, dass ich Urologe werden
möchte.“ Bis heute faszinieren ihn sowohl
endoskopische Verfahren als auch große chirurgische
Eingriffe – stets mit dem Ziel, Menschen
bestmöglich zu helfen
ZWISCHEN KLINIK, FORSCHUNG UND
EIGENER PRAXIS
Hossein Tezval wurde 1970 in Teheran geboren
und studierte dort Humanmedizin.
Im Rahmen eines Forschungsstipendiums
fertigte er zwischen 1999 und 2004 seine
Promotion an der Universitätsmedizin Göttingen
(UMG) sowie am Max-Planck-Institut
für Experimentelle Medizin an – diese wurde
mit Auszeichnung bewertet. Im selben
Jahr erhielt er die Approbation als Arzt. Seine
Facharztausbildung absolvierte er an der
Medizinischen Hochschule Hannover, wo er
2010 habilitiert wurde. Als Professor für Urologie
mit Schwerpunkt Onkologie an der Medizinischen
Hochschule Hannover (MHH)
und aktives Mitglied des Comprehensive
Cancer Center Niedersachsen (CCC-N) zählt
er zu den renommiertesten Experten auf seinem
Gebiet. Seine Praxis in Göttingen, die
er im Januar 2025 eröffnete, gründete er mit
dem Anspruch, „eine Verbindung zwischen
universitärer Spitzenmedizin und individueller
Betreuung“ zu schaffen. Hier fügt er seine
Erfahrungen aus Klinik, Forschung und
Patientenarbeit in einem außergewöhnlichen
Konzept zusammen: Hightech-Medizin auf
dem neuesten Stand der Wissenschaft – aber
ohne Klinikflure, Wartezeiten oder bürokratische
Hürden.
SOFORTDIAGNOSTIK STATT WARTEN AUF
ERGEBNISSE
Das Herzstück seiner Praxis ist das Point-of-
Care-Labor: Eine innovative Einrichtung, die
schnell Blut-, Urin-, PSA- und sogar Spermienanalysen
liefert. Auch Blasenspiegelungen
können durch flexible Einmal-Zystoskope schonend
durchgeführt werden. Das erlaubt unmittelbare
Einschätzungen – zum Beispiel bei
unklaren Beschwerden, beim Thema Kinderwunsch
oder zur Krebsvorsorge. „Prävention
ist, wenn Blut, Urin, Spermien und urologische
Organe in Minuten beurteilt werden können –
bevor ein Problem entsteht“, sagt Tezval.
Früherkennung ist für ihn kein bloßes
Schlagwort, sondern ein zentrales Anliegen:
„Das Tückische ist, dass Tumore in der Frühphase
meist keine Beschwerden verursachen –
sie werde n daher häufig erst spät entdeckt.“
Um dem entgegenzuwirken, nimmt er sich
bewusst 30 Minuten Zeit pro Vorsorgetermin –
ein zeitlicher Rahmen, der im vertragsärztlichen
Alltag aufgrund struktureller Bedingungen
in der Regel nicht realisierbar ist. „Ab etwa
45 Jahren sollten Männer idealerweise jährlich
zur Vorsorge kommen“, sagt er. „Frauen sind
da oft viel früher dran – das sollten Männer
sich abschauen.“
Das Besondere im Ablauf: Die Patienten
bleiben während der gesamten Untersuchung
im vertrauten Praxisumfeld – ohne Überweisungen,
Zusatztermine oder Verzögerungen.
Ein Konzept, das durch die komplett digitale
und papierlose Arbeitsweise der Praxis abgerundet
wird. Die Koordination weiterführender
Termine – sei es zur fachübergreifenden
Diagnostik oder zur Konsultation mit ärztlichen
Kolleginnen und Kollegen – erfolgt durch
das Praxispersonal als umfassender Service
aus einer Hand.
VERNETZT DENKEN, INDIVIDUELL
BEHANDELN
Neben seiner eigenen Praxis ist der Urologie-Experte
tief in der onkologischen Forschung
verankert. Er arbeitet eng mit dem
CCC-N und dem Medizinischen Excellence
Center (MEC) Göttingen zusammen. „Das
CCC-N ist eines der forschungsstärksten
Netzwerke in Deutschland. Wir entwickeln
dort neue Präventionsstrategien und Therapien,
die ich dann direkt in meine Praxis überführen
kann“, erklärt er.
Er ist fasziniert von den Entwicklungen
auf seinem Fachgebiet. Dennoch ist es ihm
wichtig, seinen Patienten auch komplementäre
Empfehlungen zu geben – etwa zu Ernährung,
Vitaminstatus oder Bewegung. „Ich bin
Anhänger der ganzheitlichen Versorgung und
habe eine zweijährige Ausbildung in der psychosomatischen
Grundversorgung absolviert.
Ende des Jahres werde ich eine Fortbildung in
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PROFIL
Die Praxis Prof. Tezval ist ein Ort, an dem medizinischer Fortschritt nicht nur gemessen, sondern erlebt werden kann. Und an dem das Vertrauen zwischen Arzt
und Patient nicht als Nebensache gilt – sondern als Ausgangspunkt jeder wirksamen Behandlung.
»Ich wollte einen Ort schaffen, der medizinisch führend ist –
und gleichzeitig menschlich bleibt.«
Komplementärmedizin in der Onkologie abschließen.“
Eine rein alternative Behandlung
lehnt er jedoch ab: „Dafür fehlen ausreichende
evidente Erkenntnisse aus Studien.“
Tezval ist Autor zahlreicher wissenschaftlicher
Publikationen und hat einen patentierten
Marker zur Urinuntersuchung entwickelt. Für
seine Arbeit wurde er mehrfach ausgezeichnet,
so folgten dem Preis für seine Dissertation
unter anderem noch der erste Deutsche
Innovations- und Forschungspreis in der
Uro-Onkologie im Jahr 2009.
„VERTRAUEN IST DER BEGINN JEDER
THERAPIE“
Trotz aller Technik steht für Tezval der Mensch
klar im Zentrum. Patienten spüren, dass hier
nicht nur Symptome abgefragt werden: Er
hört zu, stellt Fragen, erklärt Abläufe transparent
und verständlich. „Viele Patientinnen und
Patienten haben Berührungsängste. Die Urologie
betrifft intime Bereiche – das verlangt
besondere Sensibilität.“
Sein Anliegen ist es, Urologie für alle sichtbar,
greifbar und enttabuisiert zu machen.
Denn urologische Erkrankungen betreffen
auch Frauen – etwa bei Harnblasen- oder Nierentumoren
– und auch junge Menschen. Gerade
in der Prävention und Aufklärung sieht er
großen Nachholbedarf: „Für mich gehört zur
modernen Urologie: Hinhören und Diagnostik
auf Augenhöhe. Denn Diagnostik ist nicht
nur Technik, sondern auch Beziehung.“
Prof. Dr. Hossein Tezval steht für eine neue
Generation von Ärzten: wissenschaftlich fundiert,
technisch führend – und zugleich empathisch,
nahbar, menschlich. In einer Zeit, in
der Medizin oft entpersonalisiert erscheint,
gelingt ihm das Kunststück, sie wieder zurück
zum Individuum zu führen.
Praxis Prof. Tezval
Urologie & Urologische Onkologie
Hennebergstraße 18 a
37077 Göttingen
Tel. 0551 49966477
www.urologie-onkologie-goettingen.de
service@urologie-onkologie-goettingen.de
PROFIL
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Zukunftsmusik bei der ,Nacht der Kultur‘
Nachwuchstalente im Rampenlicht – warum diese Bühne Unterstützung verdient
Hinter der Nachwuchsbühne auf dem Wochenmarkt
zur ,Nacht der Kultur‘ in Göttingen steht
kein städtisches Kulturförderprogramm, sondern
ein Unternehmen, das bereit ist, Verantwortung
zu übernehmen – selbst auf eigenes
Risiko. Media Complete, ein regional verankerter
Dienstleister für professionelle Eventtechnik,
hat sich entschlossen, jungen Künstlern
eine Plattform zu bieten, obwohl es dafür keinerlei
öffentliche Mittel gibt. Die Bühne wird
vollständig durch Sponsoren, daruner faktor,
und Eigenmittel finanziert, und dennoch reicht
das Budget oft nicht aus. Den fehlenden Betrag
tragen die Geschäftsführer Daniela und Steffen
Mühl persönlich und aus Überzeugung.
„Wir wollen nicht warten, bis irgendwann finanzielle
Mittel für dieses Herzensprojekt freigegeben
werden. Wir haben es einfach selbst
in die Hand genommen“, beschreibt Steffen
Mühl die Motivation hinter dem Projekt. Während
die Finanzierungslücken oft das Ende solcher
Ideen bedeuten, wurde hier etwas auf die
Beine gestellt, das Mut macht und zeigt, wie
Unternehmertum und Kulturförderung sich
nicht ausschließen müssen. Dass das Programm
am Abend bei Besuchern auf Begeisterung
stieß, ist schön, aber nicht das Entscheidende.
Viel wichtiger ist: Hier wurde sichtbar,
was möglich ist, wenn Menschen nicht nur reden,
sondern handeln. Die Nachwuchsbühne
war auch 2025 wieder ein starkes Zeichen für
Initiative, Engagement und kulturelle Verantwortung
in Göttingen.
Dazu verwandelte sich die Innenstadt einmal
mehr in ein lebendiges Festivalgelände:
Bei der traditionsreichen ,Nacht der Kultur‘ zog
es wieder tausende Besucher in die City – mit
Musik, Kunst und Darbietungen an allen Ecken.
Ein besonderes Highlight war dabei erneut die
Nachwuchsbühne auf dem Wochenmarkt. Die
Bühne, die bereits seit mehreren Jahren ein
fester Bestandteil des Kulturabends ist, stand
auch 2025 ganz im Zeichen neuer Musiktalente.
Ziel des Projekts ist es, jungen Künstlern
eine professionelle Auftrittsmöglichkeit zu geben
mit hochwertiger Technik, durchdachter
Organisation und echtem Festivalcharakter.
Alle Künstler erhielten für ihren Auftritt eine
faire Gage als ein klares Zeichen dafür, dass Talent
und Einsatz auch auf kleinen Bühnen anerkannt
und gewürdigt werden müssen.
EIN AUFRUF AN ENGAGIERTE
UNTERNEHMEN
Es lohnt sich, in Kultur zu investieren – besonders
dann, wenn sie junge Talente fördert und
auf eine professionelle Bühne stellt. Media
Complete plant, die Nachwuchsbühne auch
in Zukunft fortzuführen – dafür werden jedoch
weiterhin zuverlässige Förderer und Partner
benötigt. Sie möchten dabei sein? Dann werden
Sie Teil eines Projekts, das nicht nur gute
Musik liefert, sondern aktiv in die kulturelle Zukunft
der Stadt Göttingen investiert. Denn was
auf dem Wochenmarkt zu hören war, war weit
mehr als Unterhaltung. Es war ein hörbares
Versprechen für die nächste Generation.
media complete GmbH
Rudolf-Wissell-Straße 26
37079 Göttingen
Tel.: 0551 30707263
info@media-complete.de
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PROFIL
wissen
-kalender
Göttingen feiert die Vielfalt, Kultursommer statt KWP
Wenn Göttingen Kultur feiert, dann mit ganzem Herzen. Der 37. Göttinger Kultur sommer bietet 2025 ein ebenso facettenreiches wie
hochkarätiges Programm, das weit über die Stadtgrenzen hinausstrahlen dürfte.
WORT TRIFFT MUSIK:
Brandt & Thomas sowie Becker & Loeffler im Deutschen Theater
Den Auftakt im Deutschen Theater macht am Samstag, den
5. Juli, um 20 Uhr die gefeierte Wort-Musik-Collage ,Dämon‘
mit Schauspieler Matthias Brandt und Musiker Jens Thomas. Am
Sonntag, den 6. Juli, um 19 Uhr folgen Meret Becker und Dietmar
Loeffler mit einer Hommage an die große französische
Chansonnière Barbara. In ,Nachtblau – Chanson für eine Abwesende‘
interpretieren sie mit musikalischer Begleitung von Cello
und Akkordeon die berührenden Lieder der Sängerin mit ihrer
besonderen Verbindung zu Göttingen.
NEU: ,OPEN SOUND 2025‘
BRINGT MUSIK AUF DEN WOCHENMARKT
Ein Höhepunkt des diesjährigen Kultursommers ist die neue Open-
Air-Reihe ,Open Sound 2025‘, die den Wochenmarkt mitten in der
Innenstadt zur Bühne verwandelt. An drei Veranstaltungswochenenden
– Ende Juni, Mitte Juli und Anfang August – verwandelt sich
der Platz in einen pulsierenden Kulturraum. Geplant sind sechs
Konzerte mit einem vielseitigen Mix: von Kinderkonzerten über
DJ-Sets bis zu abendlichen Live-Gigs. Kulinarische Angebote runden
das Programm ab. Bereits bestätigt sind Acts wie ok.danke.tschüss,
Kytes, Engin und die Göttinger Lokalhelden Kyles Tolone. Weitere
Namen folgen im April.
DIE TERMINE: 11. Juli 2025, 8. August 2025
Ein Sommer ohne KWP – aber mit Perspektive
Das neue Format ersetzt in diesem Jahr das beliebte KWP-Festival,
das 2025 aus Kostengründen pausiert. Im kommenden Jahr
soll das KWP am 14. und 15. August 2026 wieder stattfinden.
Alle Informationen zum Programm und zum Vorverkauf finden
Interessierte unter kultursommer.goettingen.de.
Klettermatsch
Neuer Standort, neue Hindernisse:
Der Obstacle City Run kommt ins
Jahnstadion
Der beliebte Hindernislauf feiert in diesem
Sommer Premiere an einer neuen Loca tion:
Am 23. August 2025 wird der Obstacle
City Run erstmals rund um das Göttinger
Jahnstadion ausgetragen. Der Umzug des
ehemaligen Great-Barrier-Run vom bisherigen
Gelände am Uni-Sportzentrum ist
nötig geworden, da dort umfangreiche Bauarbeiten
für den Neubau der Universitätsmedizin
stattfinden.
Für das Orgateam ist das Jahnstadion ein
echter Glücksgriff: zentrale Lage, professionelle
Infrastruktur – und der nahe Kiessee
als ideale Kulisse für neue, spektakuläre
(Wasser-)Hindernisse. „Mit über 5.000 angemeldeten
Teilnehmenden steuern wir auf
ein ausverkauftes Event zu“, sagt Veranstalter
Nicolas Karasch. Zuschauer freuen
sich auf ein sommerliches Sportfestival.
Weitere Infos und Anmeldung unter:
www.obstacle-city-run.de
WAS SIND EIGENTLICH QUANTEN?
Sie wissen darauf keine Antwort? Damit
sind Sie nicht alleine – und das, obwohl
die Physik der Quantenmechanik quasi
allgegenwärtig ist: Sie steckt in Lasern,
Solarzellen und in jeder Supermarktkasse,
Sci-Fi-Filmen und Visionen zukünftiger
Technologien wie Quantencomputern.
Die Sonderausstellung im Wissensmuseum
der Universität Göttingen zeichnet
den Weg der Entstehung der Quantenmechanik
vor 100 Jahren nach und
blickt dabei bis in die Gegenwart.
10. August, 14:00 Uhr
Rundgang durch die Sonderausstellung
mit Kuratorin Ramona Dölling
5. September, 16:30 Uhr
Chalk Talk mit Prof. Dr. Tim Salditt:
Röntgenlicht – die echten Photonen
14. September, 14:00 Uhr
Rundgang durch die Sonderausstellung
mit Kuratorin Ramona Dölling
17. September, 18:30 Uhr
Salon-Debatte Quanten-Computer
(Quantencomputer – rechnet sich‘s?)
28. September, 14:00 Uhr
Rundgang durch die Sonderausstellung
mit Kuratorin Ramona Dölling
wissen
Kulturtipps für
die Region
1. GÖTTINGER ALTSTADT UND
BOTANISCHER GARTEN:
Die lebendige Kultur- und Kneipenszene in der
Stadt mit seinen historischen Fachwerkhäusern
und dem Gänseliesel-Brunnen gefällt mir sehr.
Erholung finde ich im Alten Botanischen Garten
der Universität.
2. DOM UND STIFTSKIRCHE
BAD GANDERSHEIM: Die romanische Kirche mit
über 1.000 Jahren Geschichte ist das Highlight
der Region und der Spielort des größten professionellen
Theaters in Niedersachsen, der Gandersheimer
Domfestspiele.
3. KLOSTERHOF BRUNSHAUSEN: Der Klosterhügel
ist ein magischer Ort voll Geschichte und
immer eine Reise wert.
4. DER HOLZPFAD DURCHS MOOR
BEI SILBERBORN: der perfekte Ort, um seine
Gedanken kreisen zu lassen. Auch mit Kinderwagen
möglich!
5. RUNDWANDERWEG EINBECKER TEICHE
UND GREENER BURG: Abwechslungsreiche Landschaften
und eine im Jahr 1309 errichtete Burg,
wo die ersten „Domfestspiele“ aufgeführt wurden.
Joachim Lenz (47) ist seit 2017 Intendant der Gandersheimer
Domfestspiele, Niedersachsens größtem
professionellen Freilichttheater mit jährlich
rund 60.000 Zuschauern. In diesem Sommer inszeniert
der Schweizer das Musical ,Cabaret‘ (Premiere
am 4. Juli).
Weltklasse-Tennis im Solling:
Die Bikeleasing Open 2025 in Uslar
Wenn der Sommer den Solling in sattes Grün taucht, wird Uslar zur
Bühne für internationales Spitzentennis: Vom 14. bis 20. Juli 2025 verwandelt
sich die Anlage des Uslarer Tennisclubs in ein Zentrum der
ITF World Tennis Tour. Bei den Bikeleasing Open 2025 messen sich
aufstrebende nationale und internationale Top-Talente – und setzen die
Region für eine Woche auf die internationale Tennis-Landkarte.
Das Turnier ist Teil der renommierten ITF World Tennis Tour, der
Sprungbrett-Serie für Profis auf dem Weg in die Weltspitze. Was in
Wimbledon oder Roland Garros seine Strahlkraft entfaltet, beginnt
oft genau hier: in leidenschaftlich geführten Matches, auf Court
Nummer eins in Uslar.
Der Eintritt ist frei, und genau das macht die Atmosphäre so besonders:
Familien, Tennisfans und Neugierige erleben hautnah, was professionellen
Tennissport ausmacht – Präzision, Ausdauer und jede
Menge Emotion. Veranstalter, Stadt Uslar und die Partner rund um
Hauptsponsor bikeleasing.de setzen alles daran, das Event erneut zu
einem Highlight im regionalen Sportkalender zu machen.
Weitere Infos gibt’s unter: www.bikeleasing-open.de
Start der 66. Domfestspiele
Unter dem Motto ,Alles wird gut‘ zeigen die Gandersheimer Domfestspiele
in ihrer 66. Spielzeit bis zum 17. August vor dem Portal der Stiftskirche vier
Produktionen: die turbulente Shakespeare-Komödie ,Ein Sommernachtstraum‘
in einer packenden Neuinterpretation, in der Nachfolge des über
zwei Jahre ausverkauften ABBA-Konzertes ,Walk the line – die große Johnny-
Cash-Show‘, den hochaktuellen Musical-Klassiker ,Cabaret‘ und als Kinderund
Familienstück ,Der kleine König Artus‘. Hinzu kommen zwei Stücke
im Probenzentrum: die Wiederaufnahme von George Orwells ,1984‘ sowie
das Psychical ,Sie rufen außerhalb der Sprechzeiten an‘.
Eintrittskarten gibt es über die Kartenzentrale der Gandersheimer Domfestspiele,
Stiftsfreiheit 12, telefonisch 05382 955 3311 oder per E-Mail
kartenzentrale@gandersheimer-domfestspiele.de und online unter
www.gandersheimer-domfestspiele.de.
Öffnungszeiten der Kartenzentrale: Montag bis Freitag, 10 bis 17 Uhr
2 |2025 129
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Herausgeber
faktor – das Entscheider- Magazin für die Region Göttingen
Entscheider Medien GmbH
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37073 Göttingen
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Vertrieb
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Marketing
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Geschäftsführender Gesellschafter
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Auflage
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Druckerei
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Redaktions- und Anzeigenschluss der nächsten Ausgabe
ist der 29. August 2025.
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