my life_Ausgabe 01.07.2025_Vorableseprobe für WAVE Kunden
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Ein Geschenk Ihrer Apotheke
13 | 1. Juli 2025 A
MEDIZIN
12 SEITEN DOSSIER
Gesunde Ernährung:
Die neuesten
Erkenntnisse
Machen Fertigprodukte
wirklich dick und krank?
Das sagen aktuelle Studien
Welche Vitamine
und Nährstoffe unser
Körper braucht, zeigt
der My Life-Food-Guide
Daran erkennen Sie
hochwertiges Fleisch
GENUSS
Löffelweise Glück
Unsere köstlichen
Desserts im Glas sind
die Stars auf Ihrer
Sommerparty
Venen
in Bestform
REISE
Herrliche
Bretagne
Entdecken
Sie mit uns die
raue Schönheit
am Atlantik
Das macht die Gefäße stark: Die besten Tipps von Phlebologen zur Vorbeugung
Diese modernen Methoden setzen Ärzte bei Besenreisern, Krampfadern & Co. ein
Plus: So unterstützt die Pflanzenkraft die Venengesundheit
INHALT
12
Venen in Bestform
58
Die Macht der Träume
48
Löffelweise Glück
Krampfadern sind alles andere als
ein Schönheitsproblem. Nur die
richtigen Therapien verhindern, dass
sie schwerwiegende Folgen haben
Nächtliche Fantasien können so einiges
über unsere Beziehungen aussagen.
Aber machen uns auch kreativer – und
können sogar vor Krankheiten warnen
Hier isst das Auge mit: Die farbenfrohen
Cremes von Erdbeer-Charlotte (o.) oder
Matcha-Tiramisu kommen im Glas
wunderbar zur Geltung
GESUNDHEIT
6 Magazin
Aktuelles aus Medizin,
Wellness und Ernährung
12 Venen in Bestform
18 Neue Hoffnung bei Hautkrebs
Bei frühzeitiger Diagnose ist die
Krankheit gut behandelbar
20 Taubheit erkennen, Herz schützen
Ein nachlassendes Gehör kann auf
Gefäßerkrankungen hinweisen
22 DOSSIER
Gesunde Ernährung
Die My Life-Experten werfen einen
differenzierten Blick auf hoch
verarbeitete Lebensmittel, geben
Tipps für eine gesunde Zufuhr an
Mikronährstoffen – und Fleisch
34 Tellerweise Abkühlung
Diese Obst- und Gemüsesorten
wirken bei Sommerhitze besonders
erfrischend
36 Leben nach der Hirnblutung
Auch zehn Jahre später macht
Anke Wenk noch Fortschritte in
ihrer Genesung
38 Moderne Therapie bei Alzheimer
Nina Ruge berichtet von einem
revolutionären Behandlungsansatz
46 Die Parodontitis-„Diät“
Diese Ernährungsformen beugen
Zahnfleischentzündungen vor
54 Unerwünschte Oberweite
Etwa bei jedem dritten Mann
über 50 Jahre wachsen die Brüste.
Woran das liegt und was hilft
66 Tschüss, Zigarette!
Strategien, die nachweislich
dabei helfen können, mit dem
Rauchen aufzuhören
LIFESTYLE
40 Kennen Sie den Quietsche-Käse?
Halloumi ist die Zutat der Wahl,
wenn Burger, Salat oder Eintopf
auf dem Speiseplan stehen
48 Löffelweise Glück
52 Heute kochen wir draußen!
Leckere Gerichte zaubern und
gleichzeitig den Sommer genießen
– in der Freiluftküche geht das
62 Bezaubernde Bretagne
Im äußersten Westen Frankreichs
trifft maritimer Charme auf viel
Geschichte und feinsten Genuss
WOHLFÜHLEN
58 Die Macht der Träume
RUBRIKEN
3 Editorial, Stiftungsbeirat
68 My Life-Sprechstunde
70 Glücks-Kalender
72 Kreuzworträtsel, Sudoku
74 Vorschau, Impressum
FOTOS TITEL: ADOBE STOCK/STEFANIE BAUM INHALT: ADOBE STOCK; STOCKFOOD/MAJA SMEND ILLUSTRATION: JULE K.
4 my life 13/2025
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2 my life 13/2025
GESUNDHEIT
12 my life 13/2025
Poolspaß Ob Schwimmen
oder Aquajogging:
Wasser wirkt wie ein
Kompressionsverband und
fördert den Bluttransport
→
Sie haben einen Vollzeitjob. Pro Minute
führen unsere Venen sechs Liter Blut
zum Herzen zurück – oft gegen die Schwerkraft.
Dabei bekommen sie Unterstützung: Vor allem
in Armen und Beinen verhindern Klappen ein
Zurückfließen. Und auch die Muskulatur rund
um die Venen hilft mit.
Mit 75 Prozent stellen unsere Venen den
Großteil der Blutgefäße. Im Lauf des Lebens
können ihre Wände jedoch an Elastizität verlieren,
sie halten Verformungen weniger gut stand,
die Venenklappen schließen nicht mehr ausreichend.
Jeder sechste Mann und jede fünfte
Frau hat eine Venenschwäche, das erfasste die
wegweisende Bonner Venenstudie zwischen
2000 und 2002. Neun von zehn Erwachsenen
weisen laut Robert Koch-Institut leichte Veränderungen
der Beinvenen auf, meist sog. Besenreiser.
Krampfadern, Venenentzündung
oder Thrombose betreffen Hunderttausende.
Solche Befunde werden häufig verharmlost:
„Viele halten Krampfadern für ein ästhetisches
Problem, da sie in den meisten Fällen erst spät
Symptome machen“, erklärt Dr. Jens Hecker,
Venenexperte in der ATOS Klinik Heidelberg.
Der Chirurg ist spezialisiert auf Krampfaderleiden
und weiß: „Aufgrund der gestörten Durchblutung
kann es zu Folgekrankheiten kommen,
und diese können gefährlich sein.“ Wie man
sich davor schützen kann, erklärt er hier.
? Wie merkt man, ob etwas nicht in Ordnung
ist mit dem eigenen Venensystem?
Geschwollene Venen und ein schwaches Bindegewebe
sind oft Symptome einer eingeschränk
Venen
ALLES IM FLUSS
in Bestform
Selbst bei manchen Ärzten gelten Krampfadern noch als rein optisches Problem.
Dabei können sie Vorboten für gefährliche Folgeerkrankungen sein.
Wie Sie vorbeugen, wann Sie zum Arzt sollten – und welche Therapien helfen
ten Venenklappen-Funktion. Bei gesunden Venen
helfen die Klappen, das sauerstoffarme
Blut in den Beinen entgegen der Schwerkraft
zum Herzen zurückzutransportieren. Sind sie
geschädigt, fließt automatisch immer ein wenig
Blut zurück zu den Füßen. Auf lange Sicht
sorgt das für überdehnte Venenwände, was
sich als Krampfadern sichtbar äußert. Die
Durchblutung ist eingeschränkt, verbrauchtes
Blut wird nicht ordentlich abtransportiert und
Blutfarbstoffe lagern sich als braune Verfärbungen
unter der Haut ab.
Ein weiteres Signal für Venenprobleme
kann ein Gefühl von Schwere oder Müdigkeit
in den Beinen sein, vor allem nach langem Stehen
oder Sitzen. Auch Schwellungen in den
Beinen oder Knöcheln, trockene oder juckende
Haut treten auf. Vor allem Männer bleiben
jedoch oft lange beschwerdefrei und unterschätzen
das Problem. Das liegt an der stärker
ausgeprägten Muskelpumpe, welche die defekten
Venenklappen teils kompensieren kann.
Eventuell haben Männer aber auch nicht den
gleichen ästhetischen Anspruch wie Frauen.
? Krampfadern und Besenreiser sind vor allem
für Frauen oft ein Problem. Ist denn aus rein
medizinischer Sicht eine Behandlung nötig?
Es ist eine weitverbreitete Fehlannahme –
übrigens auch unter manchen Ärzten –, dass
Krampfadern ausschließlich ein optisches
Problem sind. Die lila-blauen Schlangenlinien
oder gar Wülste sehen aber nicht nur unschön
aus, sie können auch ernsthafte Folgeerkrankungen
nach sich ziehen.
➡
Wer eine hohe
genetische
Prädisposition
hat, sollte
unbedingt auf
Normalgewicht
achten
Dr. med. Jens M. Hecker,
leitender Arzt und
Inhaber der Praxis
Hecker & Thome in der
ATOS Klinik Heidelberg;
hecker-thome.de
13/2025 my life
13
Innenansicht Damit das
Blut zurück zum Herzen
gelangt, müssen die Venen
Schwerstarbeit leisten.
Schließlich haben sie die
Schwerkraft gegen sich
➡ Krampfadern
werden meist nicht
mehr gezogen,
sondern bevorzugt
geklebt, verödet
oder geschäumt
Was leisten die Venen?
? Zu welchen Komplikationen kann
es denn kommen?
Während Besenreiser in der Regel tatsächlich
nur eine Frage der Ästhetik sind, kann es ohne
medizinische Versorgung echter Krampfadern
zu einer Venenentzündung, einer schwerwiegenden
Thrombose mit nachfolgender
Lungenembolie oder gar einem offenen Bein
(med. Ulcus) kommen. Das konnten Studien
zeigen. Aus diesem Grund ist die Kostenübernahme
einer Behandlung auch durch die Krankenkasse
gedeckt.
Die unterschiedlich großen Blutgefäße erstrecken sich wie ein
Netzwerk von der Kopfhaut bis in die Zehenspitzen. Unablässig
transportieren sie sauerstoffarmes Blut zurück zum Herzen
Normalerweise
verhindern
Venenklappen
das Zurückfließen
des Blutes
Krampfadern:
Schließen die
Ventile nicht mehr
richtig, kommt es
zur Überdehnung
? Wann sollte man zum Arzt?
Und sind die Untersuchungen zur Diagnose
mit Schmerzen verbunden?
Aus meiner Sicht sollte man einen Spezialisten
aufsuchen, wenn man sicht- und tastbare
Krampfadern bemerkt, meist von der Unterschenkelinnenseite
aufsteigend. Und natürlich
bei den genannten Beschwerden. Die Diagnose
ist mittels eines schmerzlosen Ultraschalls und
verschiedener, ebenfalls schmerzfreier Venenfunktionstests
einfach zu stellen.
? Wenn der Arzt nun kritische Krampfadern
identifiziert hat, wie geht es dann weiter?
Umgangssprachlich ist hier oft die Rede vom
„Venenziehen“.
Heutzutage können wir meist auf das Ziehen
verzichten. Stattdessen wird bevorzugt geschäumt,
verödet oder geklebt. Diese modernen
Therapien sind deutlich weniger belastend,
weil der erkrankte Venenabschnitt quasi
nur verschlossen wird und dadurch im Bein
verbleiben kann. Diese Verfahren können ambulant
durchgeführt werden, meistens ist
auch nur eine örtliche Betäubung nötig. Die
Schnitte sind nur minimal und werden lediglich
geklebt. Häufig kombiniere ich verschiedene
Methoden während eines Eingriffs. Nach
der Operation muss man nur wenige Tage
einen Kompressionsstrumpf tragen. Wurde
lediglich ein Venenkleber verwendet, kann der
Patient oder die Patientin sogar ganz auf die
Strümpfe verzichten.
? Nach welchen Kriterien entscheiden Sie,
welche Methode am besten geeignet ist?
Das ist vor allem abhängig von der Lage, der
Konfiguration und dem Durchmesser der
Krampfader.
➡
14 my life 13/2025
Dieser Text
zeigt evtl. Probleme
beim
Text an
STARKE VENEN
9 Tipps für jeden Tag
Venenleiden sind zu einem großen Teil Veranlagung. Vor allem
wenn man familiär vorbelastet ist, lohnt es sich, im Alltag
ein paar Dinge zu beherzigen. Sorgen Sie gut für Ihre Gefäße!
Bewegung integrieren
1 Ein Spaziergang im Park,
Schwimmen oder Radfahren – jede
Form von Bewegung im Alltag
unterstützt die Muskelpumpe in
den Beinen und fördert den Rückfluss
des Blutes zum Herzen.
2
Beine hoch
Die Beine über Herzniveau zu
legen, ist entspannend, unterstützt
die Venenarbeit, kann Schwellungen
reduzieren und erleichtert den
Rückfluss des Blutes zum Herzen.
3
Auf das Gewicht achten
Ein gesundes Körpergewicht
entlastet die Beine
und verringert den Druck
auf das venöse System.
4
Bunt und gesund
Eine Ernährung, die
reich an frischem Obst und
Gemüse ist, unterstützt die
Venengesundheit durch
eine Fülle von Antioxidantien
und entzündungshemmenden
Stoffen.
Ein geringer Salzkonsum
kann den Blutdruck
stabilisieren.
5
Pausen einlegen
Um die Venen zu
entlasten, sind regelmäßige
Bewegungspausen bei längerer
Tätigkeit im Sitzen oder Stehen
empfehlenswert, um den Blutfluss
anzuregen. Einfache Übungen,
die man auch sitzend
ausführen kann,
wie Fußkreisen
oder -wippen,
unterstützen
ebenfalls die
Blutzirkulation.
6 Kompressionsstrümpfe
nutzen
Wer vom Arzt welche verschrieben
bekommt, sollte sie nutzen und
nicht in der Schublade verstauben
lassen. Sie unterstützen den Blutfluss
in den Beinen und können
helfen, Beschwerden zu lindern.
7
Ausreichend Flüssigkeit
zu sich nehmen
Wasser ist das Lebenselixier für
die Venen. Viel Wasser trinken!
Das hält das Blut flüssig und fördert
eine gesunde Zirkulation.
8
Achtsam verreisen
Bei Reisen über drei
Stunden im Bus, Zug oder
Flieger so viel wie möglich
bewegen, etwa Füße
kreisen, wippen oder
„Fahrrad fahren“. Keine
enge Kleidung tragen,
auf Alkohol verzichten und
bei Vorbelastung Kompressionsstrümpfe
anziehen.
9
Informiert sein
Tipps, Infos und eine
Arztsuche liefert die
Deutsche Gesellschaft für
Phlebologie und Lymphologie
e. V. auf phlebology.de
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im grünen Bereich
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leiten sich von den homöopathischen Arzneimittelbildern
ab. Dazu gehören: Blutdruckstörungen. Besondere
Vorsicht ist erforderlich: Bei anhaltenden oder unklaren oder
neu auftretenden Beschwerden, insbesondere bei Schwindelgefühlen,
Kopfschmerzen, Unruhezuständen, Kurzatmigkeit,
Herzklopfen oder Schmerzen in der Herzgegend sollte ein Arzt
aufgesucht werden, da es sich um Erkrankungen handeln kann,
die einer ärztlichen Abklärung bedürfen. Warnhinweis: Dieses
Arzneimittel enthält 12 mg Alkohol (Ethanol) pro 1 Tropfen. Die
Menge in 5 Tropfen dieses Arzneimittels entspricht weniger als
2 ml Bier oder 1 ml Wein. Die geringe Alkoholmenge in diesem
Arzneimittel hat keine wahrnehmbaren Auswirkungen. Zu Risiken
und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage und
fragen Sie Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder in Ihrer Apotheke. Pharmazeutischer
Unternehmer: Homviora Arzneimittel Dr. Hagedorn
GmbH & Co. KG, Arabellastr. 5, 81925 München.
13/2025 homviotensin.de
my life 15
GESUNDHEIT
Überwacht Neben dem Selbstcheck (s. rechts unten) sollte einmal pro Jahr die Früherkennung beim Haus- oder Hautarzt erfolgen
Neue Hoffnung
bei Hautkrebs
Ein gebräunter Teint gehört für viele zum Sommer. Der begünstigt aber
auch Tumoren. Früh erkannt, sind sie zum Glück gut behandelbar
→
Die Sonne tut Körper und Seele gut,
doch ihre UV-Strahlen erhöhen auch
das Hautkrebsrisiko. Das wird jedoch immer
noch oft unterschätzt, obwohl laut dem Barmer
Arztreport 2025 rund 1,8 Mio. Deutsche
2023 wegen eines weißen Hautkrebses in Behandlung
sind. Prof. Carola Berking erläutert,
wie Sie sich schützen und welche neuen Diagnose-
und Therapiemethoden es gibt.
? Wieso sind UV-Strahlen so gefährlich
für die Haut?
Sie begünstigen Hautschäden, aktinische Keratosen,
Vorstufen des weißen Hautkrebses.
Die UV-Strahlung schädigt die Erbinformation
im Zellkern. Wenn das Immunsystem die
Folgeschäden nicht mehr reparieren kann,
vermehren sich die Zellen unkontrolliert. Bei
den Vorstufen ist das nicht so stark der Fall.
Allerdings kann sich daraus weißer Hautkrebs
entwickeln.
? Wie erkennt man die Vorstufen
des Hautkrebses?
Das sind kleine, raue, meist rötliche oder hautfarbene
Veränderungen, die schuppen oder verhornt
sind. Ihre Oberfläche fühlt sich oft wie
Sandpapier an. Sie treten vor allem an Stellen
auf, die der Sonne ausgesetzt sind, etwa an den
Handrücken, im Gesicht und an den Ohren.
Solche Veränderungen immer abklären lassen!
? Wie werden diese Veränderungen
denn therapiert?
Man kann lokal mit Laser oder Vereisung behandeln.
Bei flächiger Ausbreitung ist eine
photodynamische Therapie (PDT) geeignet.
Dafür benutzt man eine lichtsensibilisierende
Creme, die einmalig aufgetragen wird. Sie zieht
über mindestens 30 Minuten bis mehrere Stunden
unter einem speziellen Verband in die Haut
ein. Danach belichtet der Arzt das vorbereitete
Areal. Die Hautstelle ist zwar für etwa zwei
18 my life 13/2025
Wochen entzündet, heilt aber nach spätestens
zwei weiteren Wochen ohne Narben ab.
? Gibt es neue Medikamente?
Seit 2021 ist der neue Wirkstoff Tirbanibulin
zugelassen, der gegen aktinische Keratosen im
Gesicht oder auf der Kopfhaut wirkt. Er lässt
veränderte Zellen absterben und soll Krebs
verhindern. Dazu wird er als Salbe fünf Tage
lang aufgetragen.
? Wann setzt man die neuen
Immuntherapien ein?
Vor allem beim Melanom, dem schwarzen
Hautkrebs, wenn er fortgeschritten oder einige
Millimeter tief in die Haut eingedrungen ist.
Dank der Medikamente kann die Körperabwehr
die Tumorzellen erkennen und zerstören.
Man gibt die Immuntherapie ein Jahr
lang als Infusion, um das Risiko eines erneuten
Tumors zu reduzieren.
? Ist die Therapie
schon vor einer OP sinnvoll?
Ja, zwei bis drei Gaben der Immuntherapie im
Abstand von jeweils drei Wochen vor der Operation
von Lymphknotenmetastasen können
sinnvoll sein. Der Ansatz ist noch nicht zugelassen,
wird aber schon von vielen Behandlern
wegen der guten Studiendaten gemacht.
? Muss ein Melanom
immer operiert werden?
Ja, Chirurgie ist bei schwarzem Hautkrebs die
erste Wahl. Ein Muttermal, das auffällig und
verdächtig ist, ein Melanom zu sein, sollte immer
herausgeschnitten werden. Und solange
man operativ entfernen kann, ist der Patient
in der Mehrheit der Fälle damit auch geheilt.
? Kommt auch bald die Spritze
gegen Hautkrebs?
Studien zeigen: Die Kombination aus einer
personalisierten mRNA-Impfung – nach Vorbild
des Corona-Vakzins – und einer Immuntherapie
senkt das Rückfallrisiko nach der Melanom-OP.
Daher könnte eine Impfung zum
Schutz vor dem Wiederauftreten von Hautkrebs
tatsächlich kommen. Weitere Studien
dazu laufen. Die Firma Moderna will noch in
diesem Jahr einen solchen Impfstoff auf den
US-Markt bringen.
? Kann auch künstliche Intelligenz
bei der Diagnose helfen?
Digitale Auflichtmikroskop-Systeme mit KI
unterstützen den Dermatologen dabei, die
richtigen Hautschäden als verdächtig zu identifizieren.
Neue 3D-Ganzkörperscanner ermöglichen
es, Pigmentmale und Flecken wie
bei einer Sternenkarte zu beurteilen. Eine
Auswertung mittels KI ist hier in Planung.
? Sind auch Handy-Aufnahmen
aussagekräftig genug?
Nein, sie sind meist zu ungenau und unsicher,
etwa bei unscharfen Bildern von falschen Stellen.
Es fehlt auch eine Standardisierung der
Geräte und der Aufnahmetechnik. Aber es
gibt viele Projekte und Anbieter dazu.
? Wie schütze ich mich
im Sommer am besten?
Ab in den Schatten! Und einen hohen Lichtschutzfaktor
flächig und großzügig auf der
Haut auftragen. Bei fettiger Gesichtshaut zu
einem Gel oder einer Lotion greifen. Allergiker
besorgen sich ihren Sonnenschutz besser in der
Apotheke, die dazu auch berät.
❰
Veränderungen
treten vor allem
an Stellen auf,
die der Sonne
ausgesetzt sind,
wie Handrücken
oder Gesicht
Prof. Dr. med.
Carola Berking,
Direktorin der Hautklinik
des Universitätsklinikums
Erlangen und Mitautorin
eines Infoportals
für Patienten:
infoportal-hautkrebs.de
MUTTERMAL-SELBSTCHECK
Veränderungen im Blick
FOTOS: ADOBE STOCK; PR ALLE GRAFIKEN: FOTOLIA
ABCDE-Regel Vor allem die dunklen, über fünf Millimeter großen
und unregelmäßig geformten Muttermale können sich zu schwarzem
Hautkrebs (Melanom) entwickeln. Dann sollte man einen
Dermatologen aufsuchen, der das Muttermal herausschneidet
A
Asymmetrie
Der Fleck ist nicht
rund oder oval,
sondern hat eine
asymmetrische Form
B
Begrenzung
Die Begrenzung wirkt
unregelmäßig,
gezackt, uneben
oder rau
C
Colorierung
Die Colorierung ist
ungleichmäßig, es zeigen
sich Punkte, etwa
in Schwarz
oder -stanzt. Bei der Beurteilung hilft die ABCDE-Regel.
Regelmäßig und systematisch sollte der Check stattfinden.
Empfohlen sind alle drei Monate, von oben nach unten, auch
an Stellen wie den Fußsohlen und im Schambereich
D
Durchmesser
Der Durchmesser
hat sich vergrößert,
das Pigmentmal
wächst
E
Erhabenheit
Ein bisher flacher Fleck
hat sich erhoben, ragt
mehr als 1 Millimeter
über die Haut hinaus
13/2025 my life
19
DOSSIER
GESUNDE ERNÄHRUNG
22 Gut & böse Der Effekt von
verarbeiteter Nahrung ist unklar
26 Gehaltvoll Der große
Vitamin- und Mineralstoff-Guide
32 Schon gewusst? So bleiben
Fleisch und Wurst ein Genuss
22 my life 13/2025
Hoch verarbeitet – höchst
ungesund?
Angeblich machen prozessierte Lebensmittel dick und krank. Neue Studien zeichnen
ein differenzierteres Bild – und geben zumindest etwas Orientierung
→
„Feinste Sahne Stracciatella-Kirsch-
Torte“ steht auf der Verpackung. Das
glänzende Foto zeigt einen süßen Traum –
fluffig-cremig, die Schokostückchen perfekt
verstreut, das Kirschmousse-Topping appetitlich
leuchtend. Auftauen, anschneiden, fertig,
verspricht die Anleitung. Und schon steht die
wundervolle Kreation ganz ohne Mühe auf
dem Kaffeetisch.
Die Lebensmittelindustrie trifft den Nerv
und den Geschmack der Zeit: Ihre fertigen
Produkte sehen zum Anbeißen lecker aus und
versprechen den schnellen, sorglosen Genuss.
Chips, Kekse, Schokoriegel, tiefgekühlte Pizza
Salami – die Arbeit hat nicht der Verbraucher.
Maschinen übernehmen den Job. Sie heißen
Extruder, Homogenisatoren, Trockner oder
Hydrokolloid-Mischer.
Die Industrie versorgt uns reichlich
Da viele Produktionsschritte in all den Limonaden,
Würstchen oder Brotaufstrichen stecken,
zählen Ernährungsmediziner sie zu den
hoch verarbeiteten Lebensmitteln. Abgeleitet
vom englischen Begriff „ultra-processed food“,
nutzen sie häufig auch die Abkürzung UPF.
Wir verzehren diese Waren täglich. Schätzungen
zufolge stammen etwa 50 Prozent der in
Deutschland verspeisten Kalorien aus industriell
hergestellten Lebensmitteln. In den USA
sind es noch viel mehr.
Manche Ärzte und viele gesundheitsbewusste
Konsumenten betrachten UPF als Inbegriff
schlechter Ernährung. Der britische
Mediziner Dr. Chris van Tulleken
etwa, Autor von „Gefährlich lecker“
(Heyne, 416 S., 16 €) verhöhnt industrielles
Essen als „Zeugs“. Die Lebensmittel
seien so stark bearbeitet, dass sie kaum
wiederzuerkennen sind. Sie enthielten
viel zu viel Zucker, Salz, ungesunde Fette, Konservierungsstoffe,
Farbstoffe, Aromen und
Emulgatoren – und würden daher dick, krank
und depressiv machen.
Doch stimmen solche pauschalen Vorwürfe?
Was genau soll an den Produkten ungesund
sein? Und wie aussagekräftig sind Studien, die
Zusammenhänge zwischen Ernährung und
Krankheiten untersuchen?
Uneinheitlich. „Das Problem beginnt damit,
dass es keine eindeutige Definition gibt, was
hoch verarbeitete Lebensmittel überhaupt
sind“, sagt Daniel Wefers, Professor für Lebensmittelchemie
an der Universität Halle-
Wittenberg. Zahlreiche Kategorien sind im
Umlauf: In Frankreich ist es das SIGA-System,
in den USA das IFIC- und UNC-System. Und in
Deutschland richten sich viele Wissenschaftler
nach den NOVA-Stufen. Diese Klassifikation
wurde von der Arbeitsgruppe des Brasilianers
Prof. Carlos Augusto Monteiro entwickelt,
der 2009 den Begriff des HPF prägte.
Zu Stufe 1 zählen etwa Obst, Gemüse, Fleisch,
Eier oder Milch, zu Stufe 2 Zutaten wie Öl oder
Zucker, zu Stufe 3 eingelegte Nahrungsmittel,
zu Stufe 4 schließlich die hoch verarbeiteten
Lebensmittel. „Die einzelnen Kategorien sind
nicht klar gegeneinander abgegrenzt, und die
Anteile an Nährstoffen spielen keine Rolle“,
kritisiert Prof. Wefers. Stufe 4 umfasst sowohl
Softdrinks, Süßigkeiten und Hotdogs wie auch
Vollkornbrot, Frühstücksflocken und Fruchtjoghurts.
„Ein ganzes Potpourri an Lebensmitteln“,
spottet Prof. Wefers. „Die ungenaue
Klassifikation führt dazu, dass eine breite
Palette von Nahrung als schädlich abgestempelt
wird.“
Verarbeitung an sich macht Nahrung
nicht zum Risiko. Die meisten Lebensmittel,
die wir im Supermarkt in unsere ➡
Am Ende zählt,
was in einem
Lebensmittel drin
steckt, und nicht,
wie es hergestellt
wurde
Prof. Dr. rer. nat.
Daniel Wefers
lehrt Lebensmittelchemie
an der
Universität Halle-
Wittenberg
13/2025 my life
23
DOSSIER GESUNDE ERNÄHRUNG
Hoch
verarbeitete
Lebensmittel
können das
Belohnungszentrum
triggern
Dr. med.
Elisabeth Rauh,
Ernährungsmedizinerin
und Chefärztin des
Fachzentrums für
Psychosomatik an der
Schön Klinik
Bad Staffelstein
Süße Versuchung
Vielen Menschen fällt es
schwer, Süßwaren zu
widerstehen. „Hoch
verarbeitet“ sind
aber auch selbst
gebackene Cookies
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oder -therapeuten?
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einer FOCUS-Empfehlungsliste
(FOCUS erscheint wie My Life
im BurdaVerlag) mit Experten
aus ganz Deutschland
➡ Wagen legen, sind auf Förderbändern
durch Fabriken gewandert, wurden geformt
und sortiert. Oft geht es darum, sie vor Pilzen
oder Bakterien zu schützen. Äpfel werden begast,
um sie haltbar zu machen, Mandarinen
mit einer essbaren Beschichtung aus Wachs
oder Polysacchariden vor dem Vertrocknen bewahrt.
Kuhmilch wird zu Babynahrung pulverisiert,
um sie auch ohne Kühlung zu transportieren.
Ein „Pulsed Electric Field“ zerstört
Mikroorganismen in Fruchtsäften und Milch.
Entscheidend ist der Blick aufs Detail
Ein Stück Klarheit darüber, welche Art von
Lebensmitteln tatsächlich gesundheitlich bedenklich
sein könnte, brachte eine Studie, die
im September 2024 im Wissenschaftsmagazin
„The Lancet“ erschien. Sie ist die bisher umfassendste
und am längsten laufende Untersuchung
zu den Auswirkungen von UPF auf die
Herzgesundheit. Das Team von Josiemer Mattei,
außerordentliche Professorin für Ernährung
an der Harvard T. H. Chan School of Public
Health, analysierte die Gesundheitsdaten
von mehr als 200 000 Amerikanern, die seit
den 1980er- und 1990er-Jahren regelmäßig
Ernährungsfragebögen ausfüllen, und kombinierte
die Auswertung mit 19 weiteren Studien,
um auf diese Weise ein möglichst umfassendes
Bild zu zeichnen.
Das Gesamtergebnis lautet: Die Gruppe
der Menschen, die am meisten hoch
verarbeitete Lebensmittel konsumierten,
wies ein um 17 Prozent höheres Risiko
für Herz-Kreislauf-Erkrankungen
auf, ein 23 Prozent höheres Risiko für
koronare Herzkrankheiten und ein neun
Prozent höheres Risiko für Schlaganfälle.
Überraschend. Interessant war der differenzierte
Blick auf die verschiedenen Typen
von hoch verarbeiteten Lebensmitteln. Salzige
Snacks, Frühstücksflocken, Fertiggerichte
oder süßer Joghurt haben das Risiko offenbar
nicht beeinflusst oder sogar leicht gesenkt. Die
erhöhte Gefahr schien allein im Zusammenhang
mit verarbeitetem Fleisch und gezuckerten
Getränken zu stehen (siehe auch Grafik
rechts). Ältere Studien stützen diese Erkenntnis.
Womöglich spielen bei Wurstwaren Pökelsalze
und zugesetzte Phosphate eine Rolle.
Und womöglich steigert ein übermäßiger Konsum
von Softdrinks den Blutdruck und belastet
damit das Herz.
Anfang 2024 kam eine große Übersichtsarbeit
australischer Epidemiologen heraus, die
potenzielle Auswirkungen von UPF auch auf
viele andere Krankheitsbilder untersuchte.
Ihre Datenbasis umfasste 45 Studien an insgesamt
fast zehn Millionen Menschen. Glaubwürdige
Zusammenhänge konstatierten die
Forscher bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen, bei
Typ-2-Diabetes, bei Übergewicht sowie bei
Schlafstörungen, Ängsten und Depressionen.
Vergleichsweise dürftig erschienen ihnen die
Hinweise auf vermehrten Darmkrebs. Die
Stärke der Effekte werteten die Autoren der
Studie stets nur als moderat oder gering.
Sie hatten es mit einem grundsätzlichen
Problem der Ernährungswissenschaft zu tun.
Forscher können aus ethischen Gründen mit
Menschen keine Versuche anstellen, und sie
können schlecht strenge Doppelblindstudien
durchführen, bei denen weder Proband noch
Arzt weiß, welche Nahrung verzehrt wird. Sie
sind auf Beobachtungen und Selbstauskünfte
angewiesen. Daher lässt sich meist auch Ursache
und Wirkung kaum auseinanderhalten.
Ein Mensch, der depressiv verstimmt ist, mag
sich mit Süßem zu trösten versuchen oder zu
kraftlos sein, gesunde Gerichte zuzubereiten.
Sein Konsum von UPF wäre eine Folge, nicht
der Grund seines Zustands.
Individuell. Viele Studien sehen negative
Gesundheitsfolgen auch erst, wenn sich der
Proband fast ausschließlich von hoch verarbeiteten
Lebensmitteln ernährt – also morgens
Donut, mittags Hamburger, nachmittags
die Kirschtorte und abends Wurstplatte. Und
auch dann ist nicht sicher, ob ihm schadet,
was er isst, oder ob ihm fehlt, was er nicht isst
– Obst, Gemüse, Nüsse und Getreide mitsamt
Ballaststoffen und Vitaminen.
Das Sättigungsempfinden ausgetrickst
Einen gewissen Suchteffekt bei einigen hoch
verarbeiteten Lebensmitteln beschreibt Dr.
Elisabeth Rauh, Chefärztin für Psychosomatik
und Ernährungsmedizinerin an der Schön Klinik
in Bad Staffelstein. Bereits die Kombination
aus Zucker, Fett und Salz spricht unsere
Gelüste fast unwiderstehlich an. Geschmacksverstärker
und raffinierte Texturen können
den Heißhunger erhöhen. „Die Produkte können
unser Belohnungszentrum im Gehirn triggern.
Wir essen automatisch mehr davon“, sagt
Dr. Rauh. Eine US-Chips-Marke warb einst mit
dem Slogan „I bet you can’t eat just one“ – wetten,
dass du nicht nur einen essen kannst.
Die hochkalorische Nahrung trickst unser
natürliches Sättigungsgefühl aus. Viele, für die
ein halber Teller Brokkoli mehr als genug ist,
verdrücken problemlos eine ganze Tüte Chips.
Es leuchtet ein, dass UPF so das Risiko für
Übergewicht und Adipositas erhöhen kann.
Unklar sind oftmals die Auswirkungen und
Wechselwirkungen von Zusatzstoffen. EU-weit
24 my life 13/2025
FOTOS: ADOBE STOCK (19); PR (2) GRAFIKEN: MYLIFE
sind rund 320 verschiedene Substanzen zugelassen.
Bei unserer Stracciatella-Kirsch-Torte
stehen mehr als 40 Stoffe auf der Zutatenliste.
Emulgatoren wie Mono- und Diglyceride machen
die Torte haltbar. Die Kirschen werden in
einer Zuckerlösung mit Sorbinsäure und Säuerungsmitteln
makellos. Stabilisatoren wie z. B.
Carrageen oder Xanthan lassen die Cremehäubchen
auch bei extremen Temperaturen im
Gefrierschrank nicht zusammenfallen. Jede
Torte soll gleich schmecken und gleich aussehen
– auch nach Monaten im Eisfach.
Dr. Rauh moniert: „Durch Farbstoffe und Geschmacksverstärker
werden billige Nahrungsbestandteile
maskiert.“ Lebensmittelchemiker
Prof. Wefers möchte auch hier die Angst nehmen:
„Die Zusatzstoffe sind streng reguliert,
umfassend getestet und dürfen nur in unbedenklichen
Mengen verwendet werden.“
Das Bauchgefühl taugt als Richtschnur
Tierversuche legen jedoch nahe: Emulgatoren,
Konservierungsstoffe und Verdickungsmittel
könnten das Mikrobiom des Darms negativ
beeinflussen und Entzündungen fördern, was
das Risiko für chronische Erkrankungen erhöht.
Die Chemikalien Butylhydroxyanisol
und Butylhydroxytoluol, die verhindern sollen,
dass Fette in Müsliriegeln ranzig werden,
könnten Krebs erregen. Und Süßstoffe könnten
die Übertragung von Signalmolekülen im
Gehirn verändern – und damit mitverantwortlich
für psychische Probleme sein.
Einige Länder versuchen, den Konsum von
UPF einzuschränken. In Großbritannien wird
die Werbung für Lebensmittel mit hohem
Fett-, Salz- oder Zuckergehalt in TV-Sendungen
und Onlinemedien verboten, wenn sie auf
Kinder abzielt. Eine ähnliche Beschränkung
gibt es in Portugal. Spanien und Schweden
verstärken die Aufklärung. Ungarn führte
schon 2011 die Chips-Steuer für Produkte mit
hohem Zucker-, Salz- oder Fettgehalt ein. Sie
wirkte. Der Umsatz mit Snacks, Süßigkeiten
und Softdrinks sank, und die Lebensmittelhersteller
änderten ihre Rezepturen.
Intuitiv. In Deutschland bietet bisher nur
der Nutri-Score einen Anhaltspunkt, wie naturbelassen
ein Nahrungsmittel ist. Verbraucher
müssen weiterhin das Kleingedruckte
studieren, wollen sie sich über Nährwerte informieren.
Vielleicht können sie sich aber auch
auf ihr Bauchgefühl und ihren gesunden Menschenverstand
verlassen. Ein Produkt kann in
die Kategorie hoch verarbeitet fallen und trotzdem
wertvolle Inhaltsstoffe enthalten – Gemüsepfannen
aus der Tiefkühltruhe etwa. Andererseits
kann frisch gepresster und somit
Rohkost gegen Riegel
Schadet uns, was wir essen, oder fehlt uns, was wir nicht essen?
Industrienahrung ersetzt oft Obst und Gemüse
Gewichtsveränderung durch hoch verarbeitete Lebensmittel
Hohe Kaloriendichte
oder viele Ballaststoffe:
Bei einer Testdiät
nahmen Probanden
innerhalb von 2 Wochen
etwa 1 Kilo zu oder ab
1 kg
-1 kg
0
unverarbeiteter Saft hohe Mengen an Fruchtzucker
enthalten. Im Übermaß belastet er die
Leber und lässt das Bauchfett anschwellen. Die
Einteilung in „gut“ oder „böse“, in „gesund“
oder „ungesund“ ist bei unserer Ernährung
nicht immer sinnvoll. Darauf erst
mal ein Stück Stracciatella-Kirsch-
Torte. (Aber wirklich nur eines.) ❰
0
2 4 6 8 10 12 14
Dauer der Diät (in Wochen)
Relatives Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen
bei einzelnen Nahrungsmittelgruppen
Brot und Cerealien
Soßen, Aufstriche,
Gewürze
süße Snacks und
Nachspeisen
salzige Snacks
zuckerhaltige
Getränke
rotes Fleisch, Geflügel,
Fisch (verarbeitet)
Fertiggerichte
Joghurt und süße
Milchprodukte
Süßstoffhaltige
Getränke
0,87
1,00 1,10 1,27
Eine Studie aus
Harvard zeigt:
Lediglich der Konsum
großer Mengen
an Softdrinks und
verarbeitetem Fleisch
erhöht das Risiko
von Herz-Kreislauf-
Erkrankungen. Bei
anderen industriell
hergestellten Nahrungsmitteln
ergaben sich
nur geringe oder sogar
leicht positive Effekte
Verbrauch an Lebensmitteln in Deutschland
pro Kopf in kg
21,9 Fertiggerichte
20,1
Süßwaren
36,1
33,0
& Snacks
160,5
145,7
Gemüse
2024 2029
hoch prozessiert
Gemessen am Gewicht der Waren, kaufen die Deutschen
mehr Gemüse als Fertiggerichte oder Süßwaren. Die Branche
rechnet allerdings bei allem mit steigendem Konsum
unprozessiert
Alles über Vitamine und Mineralstoffe ab Seite 26 ➡
13/2025 my life
25
DOSSIER GESUNDE ERNÄHRUNG
Die bunte Welt der
Mikronährstoffe
Lesen Sie in unserem großen Vitamin- und Mineralstoff-Guide, in welchen Lebensmitteln
Selen, Jod, Zink & Co. stecken – und woran Sie einen Mangel erkennen können
→
„Ein Großteil der Deutschen ist über-, aber
gleichzeitig auch mangelernährt“ – das sagt
Dr. Matthias Riedl. Und die Studienlage gibt dem Ernährungsmediziner
recht. So ergab der Ernährungsreport
2023, dass zwar 91 Prozent der Deutschen
eine gesunde Ernährung wichtig ist, gleichzeitig aber
29 Prozent nicht täglich Gemüse und Obst essen.
Fisch kommt laut dem Umfrage-Institut Statista nur
bei 2,6 Prozent der Befragten mehr als einmal wöchentlich
auf den Tisch (zwei Mal wären nötig, um
den Bedarf an den wichtigen Omega-3-Fettsäuren zu
decken). Der Wunsch nach gesunder Ernährung ist
also da, doch an der Umsetzung scheint es noch zu
hapern. Schuld daran, glaubt Dr. Riedl, ist nicht nur
das Fast Food, das überall lockt, sondern vor allem,
dass es oft an Wissen darüber fehlt, was unser Körper
wirklich braucht. Seine Empfehlung: „Mit mindestens
500 Gramm Gemüse, ausreichend Prote inen aus
Pflanzen und weißem Fleisch, gesunden Fetten wie
Oliven-, Raps- oder Fischölen und nur mäßig vielen
Kohlenhydraten am Tag ist man gut dabei.“
Wer es genauer wissen möchte: Die Grafiken und
Checklisten auf den folgenden Seiten erklären anschaulich,
welche Lebensmittel den jeweiligen Nährstoff
reichlich enthalten und woran man einen Mangel
erkennt. Dr. Riedls Extratipp: Hausärzte und
Ernährungsmediziner können die aktuelle Nährstoffversorgung
anhand der Blutwerte bestimmen.
❱ So lesen Sie die Grafiken richtig
Die Grafiken stellen exemplarisch dar, wie viel man
von einem einzigen Lebensmittel essen müsste,
um den Tagesbedarf zu decken. Der Tagesbedarf
entspricht dabei den Empfehlungen der DGE, der
Deutschen Gesellschaft für Ernährung (auch wenn
viele Experten oft höhere Werte ansetzen oder zum
Beispiel bei einer Schwangerschaft der Bedarf höher
ist). Alle Angaben sind Richtwerte, da der Nährstoffgehalt
und die Größe der Produkte variieren können.
32
kleine
Shrimps
80 g
Rindfleisch
Vitamin B12
Tagesbedarf ca. 4 µg
Unser Körper braucht es für die Bildung von Blutzellen und
um unsere Nerven zu umhüllen – ohne ausreichend Vitamin
B12 liegen sie regelmäßig blank. Das Vitamin ist nur in tierischen
Lebensmitteln wie Fisch, Fleisch, Milchprodukten und
Eiern verfügbar. Vor allem für Vegetarier und Veganer ist
eine Ergänzung daher wichtig.
Ihnen könnte Vitamin B12 fehlen, wenn …
* Sie oft müde und erschöpft sind
* Sie schwanger sind oder stillen
* Sie sich vegetarisch oder vegan ernähren
Sie regelmäßig (> 2 x pro Woche) Alkohol trinken
*
ca. 3 Eier
400 g
Quark
133 g Lachs
oder…
10,5 Scheiben
Emmentaler
26 my life 13/2025
150 g Erdbeeren
5
Äpfel
oder…
Vitamin C
Tagesbedarf ca. 100 mg
Für starke Abwehrkräfte und eine gute Wundheilung ist
Vitamin C unerlässlich. So kann dessen gezielte Einnahme laut
einer Studie der Universität Helsinki Erkältungen lindern und
die Dauer verkürzen. Zudem schützt der Stoff als Antioxidans
unsere Zellen vor Entzündungen und Schäden.
Ihnen könnte Vitamin C fehlen, wenn …
* Sie häufig krank werden
* Sie sehr reizbar sind
* Sie sich müde und schwach fühlen
* Ihr Zahnfleisch entzündet ist
Ihre Wunden langsam heilen
*
60 g
1 Bund Petersilie
4 Zitronen
3/4
rote Paprika
1/4
Brokkolikopf
7,5 g
Chiasamen
52 g
Hering
1 TL
Leinöl
Omega-3-Fettsäuren
Tagesbedarf ca. 1,3 g
Omega-3-Fettsäuren verhindern stille Entzündungen,
die das Risiko u. a. für Diabetes,
Herzprobleme und Depressionen erhöhen.
Wichtig ist es aber nicht nur, Omega-3 zu
sich zu nehmen, sondern auch im richtigen
Verhältnis zu Omega-6. Bei den gezeigten
Lebensmitteln stimmt die Balance.
Ihnen könnten Omega-3-Fettsäuren
fehlen, wenn …
* Ihre Haut sich leicht entzündet
* Ihre Stimmung stark schwankt
* Ihre Schleimhäute trocken sind
* Sie weniger als 2 x pro Woche Fisch essen
64,5 g
Lachs
oder…
400 g Thunfisch
53
Rosenkohlröschen
13/2025 my life
27
NATUR-APOTHEKE
Fruchtige Freude Saftig, süß und erfrischend: Wassermelonen liefern Wasser und unterstützen den Sonnenschutz
★ SER
IE ★
Grüne
Gesundheit
→
Super für Sommertage
Tellerweise Abkühlung
Es ist nicht nur ein gesunder Nährstofflieferant – das
richtige Obst und Gemüse kann auch verhindern, dass der Körper überhitzt
Wenn das Thermometer über
30 Grad klettert und selbst im
Schatten wüstenartige Temperaturen
herrschen, möchte man nur eines –
Abkühlung! Viel Wasser trinken hilft,
damit das körpereigene Kühlungssystem,
das Schwitzen, gut funktioniert.
Aber auch diverse Lebensmittel
tragen zur Hitzeregulierung bei.
Kultur. Die Einteilung in „kühlende“
und „wärmende“ Nahrungsmittel hat
eine lange Tradition, vor allem in Asien:
Sowohl im Ayurveda als auch in der
Traditionellen Chinesischen Medizin
(TCM) werden verschiedenen Lebensmitteln
thermische Eigenschaften zugesprochen.
Erfrischende Ballaststoffe
Eine Vergleichsstudie der Western Sidney
University (Australien) hat untersucht,
ob an der Theorie von „heißen“
und „kalten“ Lebensmitteln etwas dran
ist. Studienleiterin Dr. Simone Maree
Ormsby kam zu dem Ergebnis: Hohe
Anteile an Wasser und Ballaststoffen
wirken offenbar tatsächlich kühlend.
Auch hoch basische Lebensmittel hatten
diesen Effekt. Dagegen sorgten
proteinreiche und scharfe Lebensmittel
eher für Wärme.
In der warmen Jahreszeit zum „falschen“
Obst und Gemüse zu greifen,
kann also tatsächlich einen Unterschied
machen. Welche Sorten uns eine
wohltuende Erfrischung bereiten und
zugleich wichtige Nährstoffe liefern,
die unser Organismus im Sommer vermehrt
braucht, lesen Sie hier: ❰
34 my life 13/2025
Wassermelone
Nicht umsonst zählt sie zu den beliebtesten
Snacks im Sommer. Obwohl die Wassermelone
eher süß ist, kann von einer Kalorienbombe
keine Rede sein. Das leichte Fruchtfleisch liefert
stattdessen wichtige Flüssigkeit und
Radikalfänger wie Vitamin A und Lycopin,
die zusätzlich zur Sonnencreme vor Zellschäden
schützen.
Ananas
Wie auch Spinat ist die Tropenfrucht ein guter Lieferant
für Vitamin C. Daneben kann Ananas dabei helfen,
Wassereinlagerungen zu verringern, was einen kühlenden
Effekt haben soll. Grund dafür ist der Stoff Bromelain,
der auch die Verdauung positiv beeinflusst. Die
entwässernde Wirkung wird
zusätzlich durch das
im Fruchtfleisch vorhandene
Kalium
gefördert.
Spinat
Mit seinem hohen Vitamin-C-Gehalt kann das Blattgemüse jetzt
punkten. Laut einer Studie der britischen Universität Leicester
und des Instituts für Molekular- und Zellbiologie im portugiesischen
Porto kann der Vitalstoff die DNA-Reparatur vorantreiben.
Das hilft besonders, wenn die Haut durch die
höhere UV-Strahlung im Sommer sensibler ist.
WENN
HÄMORRHOIDEN
THEATER MACHEN
DIE
NR. 1
AUS DER
APOTHEKE *
FOTOS: SHUTTERSTOCK (4); ADOBE STOCK (2); MEV-VERLAGE
Gurke
In 100 Gramm
Gurke stecken
94 bis 97 Gramm
Wasser. Allein
dadurch ist sie ein
wertvolles Sommergemüse.
Gleichzeitig
liefert sie Kalium, das
wir vermehrt verlieren,
wenn wir schwitzen.
Die meisten
Nähr stoffe liegen an
oder in der Schale.
Frische Gurken also
am besten ungeschält
essen.
t
Pfefferminze
Als Zusatz zu Mineralwasser,
in erfrischenden
Joghurt-Dips oder Tabouleh-Salaten
macht Minze sich gut. Das enthaltene
Menthol, ein ätherisches Öl,
aktiviert die Kälterezeptoren in Mund
und Haut und kühlt so von innen.
Das funktioniert übrigens auch bei
Minztee, der etwa in Marokko als
kühlendes Getränk beliebt ist.
Hilft schnell und zuverlässig bei starkem Juckreiz
und Schmerzen am Po.
t
Wirkt studienbelegt innerhalb von 30 Min.
ab dem ersten Behandlungstag **
*
nach verkauften Salben-Packungen (IH-Galaxy Apo-Fusion 12/2024)
**
Rothhaar A et al.: Akt Dermatol 2014; 40: 412-417.
Tomate
Für manche mag die Konsistenz der roten Früchte gewöhnungsbedürftig
sein. Dabei sind Tomaten, genauso wie Gurken, vor
allem wegen ihres hohen Wassergehalts wahre Sommerhelden.
Da sie basisch sind, zählen sie zu den kühlendsten Lebensmitteln,
die es laut TCM gibt. Mit ihren Antioxidantien
helfen sie außerdem,
den Körper vor Zellschäden zu
schützen. Für die beste Wirkung
sollten sie roh verzehrt werden.
Posterisan ® akut 50 mg/g Rektalsalbe Wirkstoff: Lidocain
Anwendungsgebiete: Anwendung bei Erwachsenen; Linderung
von Schmerzen im Analbereich vor proktologischer
Untersuchung; Symptomatische Behandlung von
Juckreiz und Schmerzen im Analbereich (z. B.
aufgrund von Hämorrhoiden). Enthält Cetylalkohol.
Zu Risiken und Nebenwirkungen
lesen Sie die Packungsbeilage
und fragen Sie Ihre Ärztin, Ihren
Arzt oder in Ihrer Apotheke.
Stand: 04/2024
DR. KADE Pharmazeutische
Fabrik
GmbH, Berlin
13/2025 my life
35
GESUNDHEIT
LEBEN NACH DER HIRNBLUTUNG
„Ich mache auch zehn Jahre
später noch Fortschritte“
Schlechte Heilungschancen? Von wegen! Um ihre Selbstständigkeit wiederzuerlangen,
arbeitet Anke Wenk (65) hart an Sprache, Gang und Fahrsicherheit
→
Anke Wenk lenkt ihren Wagen in eine
freie Parklücke. Motor aus, fertig. Was
nach Alltag klingt, war für sie lange nicht
selbstverständlich. „Fünf Mal hat man mir bescheinigt,
dass ich nie wieder Auto fahren
kann“, lacht sie. „Die würden staunen!“ Beim
Aussteigen stützt sie sich ab, dann ist sie im
Freien. Die Tür fällt zu, das umgebaute Lenkrad
ist noch durch die Scheibe zu sehen. Ein
spezieller Knauf auf der rechten Seite ist für
Blinker, Scheibenwischer und Hupe zuständig.
Seit sie vor zehn Jahren eine Hirnblutung hatte,
kann die 65-Jährige ihre linke Hand nicht
mehr verwenden, um die Technik zu bedienen.
Selbstbestimmt Heute hat Anke Wenk viele Einschränkungen überwunden
Scheinbar ohne Vorbelastung
Es ist ein lauer Frühlingsabend, als es passiert.
Anke Wenk sitzt mit ihrem Mann beim
Abendessen, alles ist wie immer. Doch während
das Paar plaudert, schießt ihr plötzlich
ein scharfer Schmerz in die Stirn. Ihre Sprache
wird lallend, und als sie kurz darauf versucht
aufzustehen, sacken ihr die Beine weg. Alarmiert
hilft ihr Mann ihr aufs Sofa und wählt
den Notruf. Mit Verdacht auf Schlaganfall
kommt die damals 55-Jährige ins Krankenhaus.
Dort dann die Diagnose: Eine Hirnblutung
hat die Symptome ausgelöst. Eine Operation
ist zum Glück nicht nötig, die Blutung hat
noch während der Fahrt von selbst aufgehört.
Auslöser. Die Experten der Stroke Unit, in
der Anke Wenk behandelt wird, gehen auf die
Suche nach der Ursache. Vorbelastet ist die
Patientin auf den ersten Blick nicht. „Mein
Blutdruck war normal, ich war ein aktiver
Mensch. In meiner Freizeit bin ich viel geschwommen
und habe für Marathons trainiert.“
Ausdauersport ist die Leidenschaft der
Frau aus Neustadt an der Weinstraße. „Ich bin
sogar innerhalb von fünf Jahren den Jakobsweg
in Etappen gelaufen. Das war mein Ding!“
Die Ursache stellen die Ärzte schließlich anhand
der Stelle im Gehirn fest, an der es zur
Blutung kam: „Ich hatte eine Stammganglienblutung
im Zentralhirn. Typischer Auslöser ist
wohl nächtlicher Bluthochdruck. Der war
36 my life 13/2025
natürlich besonders tückisch, weil ihn tagsüber
beim Messen niemand entdeckt hat.“
Zwar löste die Blutung keine Epilepsie aus ,
wie es bei vielen anderen Patienten der Fall ist.
Die unmittelbaren Folgen, die Anke Wenk zu
spüren bekommt, sind dennoch schwerwiegend:
Das Lallen bleibt bestehen, sie hat Lähmungserscheinungen
auf der linken Seite, ist
auf einen Rollstuhl angewiesen. Ihr Sichtfeld
ist linksseitig eingeschränkt. In diesen ersten
Tagen schläft sie viel, ihr Körper ist erschöpft.
FOTOS: PRIVAT; ADOBE STOCK; PR (2)
Bestmögliche Versorgung?
Währenddessen spricht ihr Mann bereits mit
den Ärzten über ihre Heilungschancen. „Sie
sagten ihm, dass man außer etwas Sprachtherapie
nicht viel machen könne“, berichtet
die heute 65-Jährige. Diese Prognose will ihr
Partner nicht hinnehmen. Eigeninitiativ kümmert
er sich darum, dass seine Frau in eine
andere Einrichtung kommt, um ihre Genesung
schnell anzukurbeln. So zieht Anke Wenk
schon eine Woche nach der Hirnblutung auf
die Überwachungsstation einer Reha-Klinik.
„Eigentlich war ich noch viel zu krank dafür.
Aber im Nachhinein bin ich froh, dass ich dort
so schnell gelandet bin.“
Harte Arbeit. Nach dem Ortswechsel geht
es bergauf. Langsam, aber stetig. Neben dem
Logopäden, der sie in der Stroke Unit begleitete,
stehen jetzt auch neurologisch-psychologische
Ansätze sowie Physio- und Ergotherapie
auf dem Programm. Die Mitarbeitenden sind
motiviert – Anke Wenks Physiotherapeut
setzt alles daran, um ihr aus dem Rollstuhl zu
helfen. „Das war zwar gut, aber auch irrsinnig
viel“, erinnert sie sich. Letztendlich haben sich
die Mühen jedoch gelohnt: Drei Monate später
verlässt sie die Klinik auf eignen Beinen,
nur auf einen Gehstock gestützt. „Ich war so
stolz, das war ein absolutes Highlight! Und
das, nachdem die Ärzte in der Stroke Unit
meinten, ich würde nie wieder gehen können.“
Nachdem sie zurück zu Hause ist, übt sie
weiter. Das Laufen fällt ihr langsam leichter,
das Sprechen ist laut einer Freundin auch
nach über einem Jahr noch verlangsamt, aber
es wird. „Der Schlüssel ist, nie aufzugeben“,
sagt die Neustädterin. „Man muss immer weitermachen,
auch wenn es schwerfällt.“ Daran
glaubt sie fest und setzt sich immer wieder
neue Ziele. Nach drei Jahren ist ihr Gang wieder
stabil genug, um mit ihrem Hund spazieren
gehen zu können. Sogar eine ihrer größten
Herausforderungen geht sie an: die Fahrtüchtigkeit.
An der Universität Tübingen macht sie
einen Sehtest, um ihr Reaktionsvermögen zu
überprüfen. Sie besteht ihn, obwohl sie weiterhin
einen linksseitigen Gesichtsfeldsausfall
hat. Dem Autofahren steht damit nichts mehr
im Wege. „Ich habe seitdem ein Stück selbstbestimmtes
Leben zurückerlangt.“
Die Meilensteine, die Anke Wenk erreicht,
sind groß. Trotzdem belasten die Folgen der
Hirnblutung sie – auch psychisch. Sie bemüht
sich deshalb um Unterstützung. „Aber als ich
meine Ärztin um eine Überweisung zum Psychologen
bat, meinte sie, ich bräuchte das
nicht.“ Ans Aufgeben denkt die Frührentnerin
deshalb nicht. Sie sucht nach anderen Wegen,
um mit dem Erlebten besser umgehen zu können
– und beginnt schließlich zu schreiben.
Mit der Zeit entsteht ein Buch, in dem sie
ihre Erfahrungen und Ängste, ihre Erfolge und
ihre Wege zum Glück teilt. „Ich wollte anderen
Betroffenen damit Mut machen. Es stimmt
zwar, was viele Ärzte sagen: Im ersten Jahr der
Genesung tut sich am meisten. Aber ich mache
sogar jetzt, nach zehn Jahren, immer noch
Fortschritte. Das können andere Patienten
auch!“ sagt sie voller Überzeugung.
Sich selbst und anderen helfen
Heute, drei Jahre nach Veröffentlichung ihres
Buchs, nutzt sie das Schreiben immer noch,
um ihre Seele zu entlasten. „Manchmal, wenn
ich mit meinem Hund spazieren gehe, lasse
ich die Gedanken schweifen. Sobald ich wieder
zu Hause bin, schreibe ich sie auf. Das hilft.“
Daneben sammelt sie Kraft durch ihre ehrenamtliche
Tätigkeit. Schon im Jahr der
Hirnblutung hat sie wieder angefangen, einen
Adventskalender für ein wohltätiges Projekt
zu erstellen. Neben den organisatorischen und
kreativen Aspekten dieser Arbeit genießt sie
auch den Kontakt zu den Menschen – und das
Ausliefern der Kalender. Im eigenen Auto. ❰
Seltenheit Blutungen
im Gehirn führen zu
einem hämorrhagischen
Schlaganfall. Diese
machen nur 15 Prozent
aller Hirnschläge aus
❱ BUCHTIPPS
Vorbeugung
Maßnahmen, um
Bluthochdruck
und seine Folgen
zu verhindern,
beschreibt Prof.
Thomas Mengden
in „Bluthochdruck“,
Trias, 176 S., 24 €
Erfahrungsbericht
Wie es „Mutig
ins Glück“ geht,
zeigt Anke Wenk
Betroffenen und
Angehörigen durch
ihre Geschichte.
Lipplerbookz, 200 S.,
19,99 €
13/2025 my life
37
GESUNDHEIT
BAKTERIEN IM MUNDRAUM BEKÄMPFEN
Die optimale „Diät“ bei
Parodontitis
Von Okinawa- bis Paleo-Ernährung:
Wie entzündungshemmende Lebensmittel Zahnfleischprobleme lindern
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besser
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essen
gesund
bleiben
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IT
3 2 : PARODONT
Nitrit steigert
die Durchblutung
im Zahnfleisch
Prof. Dr. med.
Julia Seiderer-Nack,
Fachärztin für Innere
Medizin mit den
Schwerpunkten
Ernährungsmedizin und
ganzheitliche Therapie;
praxis-seiderer.de
→
Die Symptome scheinen banal zu
sein – etwas Blut im Zahnpastaschaum,
ein Druckschmerz am Zahnfleisch,
temperaturempfindliche Zahnhälse.
Solche Symptome sollten aber
genau beobachtet werden, denn sie
weisen oft auf eine Entzündung des
Zahnfleischs (Gingivitis) hin. Unbehandelt
breitet sie sich leicht auf den
gesamten Zahnhalteapparat aus – eine sogenannte
Parodontitis entsteht, die sogar zum
Zahnverlust führen und auch im Rest des Körpers
Entzündungsvorgänge verstärken kann.
Umstellung. Der erste Schritt ist hier,
die Zahnhygiene doppelt ernst zu nehmen
– zweimal täglich putzen, Zahnseide
benutzen und nach der Reinigung
zum Zungenschaber greifen,
um schädliche Bakterien zu entfernen.
„Im nächsten Schritt heißt es dann,
entzündungshemmend zu essen“, empfiehlt
Prof. Julia Seiderer-Nack. „Raffinierter
Zucker, Weißmehl und Alkohol sollten ersetzt
werden, z. B. durch Vollkornmehl und ungesüßte,
alkoholfreie Getränke.“
Japanische Ernährung als Vorbild
Vorbeugend und zur Unterstützung der
Parodontitis-Behandlung hat sich eine ganz
bestimmte Ernährungsweise bewährt: die Okinawa-Diät.
Okinawa ist eine japanische Inselgruppe,
auf der prozentual gesehen weltweit
die meisten gesunden Hundertjährigen leben.
Sie ernähren sich hauptsächlich von Blatt- und
Wurzelgemüse sowie Pilzen und Nudeln aus
Buchweizen. Auch Meeresfrüchte
und Fisch stehen regelmäßig
auf dem Speiseplan.
„Die Mischung aus
Omega-3-Fettsäuren
im Fisch, den Ballaststoffen
aus Karotten
oder Pastinaken
sowie der Reduzierung
von einfachen Kohlenhydraten entlastet
den ganzen Organismus. Entzündungen
im Mundraum haben dadurch eine
Chance, auszuheilen“, so die Expertin.
„Grünes Blattgemüse, etwa Spinat,
Kopfsalat oder Rucola, ist zudem reich
an Nitrat, das im Körper zu Nitrit umgewandelt
wird. Der Stoff steigert die
Durchblutung im Zahnfleisch. Auch das
Vitamin C in dem Gemüse trägt dazu bei, Bakterien
zu bekämpfen.“
Gepökeltes Fleisch oder Wurst sind ebenfalls
nitratreich, hiervon rät die Ernährungsexpertin
aber ab: „Es enthält zusätzlich Nitrosamine,
die potenziell krebserregend sein
können. In nitratreichem Gemüse gibt es die
nicht, denn ihr Vitamin C verhindert die
Entstehung der gefährlichen Stoffe“, erläutert
Prof. Seiderer-Nack.
Essen wie unsere Vorfahren
Ähnlich wie die Okinawa-Ernährung wirkt die
Paleo-Diät, auch Steinzeit-Diät genannt. Hierbei
werden möglichst naturbelassene Nahrungsmittel
verwendet. Laut einer Studie der
Universitätszahnmedizin Freiburg hat das
positive Auswirkungen auf den Zahnhalteapparat:
„Nach vier Wochen sind die Entzündungen
im Zahnfleisch um 50 Prozent zurückgegangen“,
berichtet Prof. Seiderer-Nack.
Hochwertige Fette aus Nüssen und Samen,
Fisch und wenig Fleisch ergänzen hier eine Ernährung,
die hauptsächlich aus frischem Obst
und Gemüse besteht. Je farbintensiver die
pflanzlichen Lebensmittel sind, desto besser.
Erd- oder Blaubeeren sowie Paprika sind optimal.
„Flavonoide sorgen für die Farbe – und
zählen zugleich zu den besten
Entzündungshemmern der
Natur“, erklärt die Internistin
aus München.
Die gesamte Ernährung
umzukrempeln, kann mühsam
sein. Leichter ist es, be
FOTOS: GETTY IMAGES/ISTOCK (2); ADOBE STOCK (2); FOTOLIA; SHUTTERSTOCK; FOODSTOCKBOX BSV; PR
46 my life 13/2025
stimmte Gewürze in den Speiseplan
zu integrieren, die den
Verlauf von Parodontitis ausbremsen
können. „Der gelbe Farbstoff
Curcumin, der in Kurkumawurzeln
enthalten ist, macht z. B.
ein en Unterschied“, verrät Prof. Seiderer-Nack.
„Er fördert die Wundheilung
und hat eine antibakterielle Wirkung.“ Ingwer
glänzt ebenfalls mit entzündungshemmenden
Eigenschaften, während Nelkenöl
Schmerzen lindern soll.
ZUTATEN FÜR 1 PORTION:
1 Hähnchenbrustfilet (120 g)
Salz 1 TL Thymianblättchen
½ EL Kokosöl
1 Handvoll Babyspinat
1 kleine Cantaloupe- Melone
Fruchtfleisch von ½ Avocado
1 kleine Handvoll Blaubeeren
Saft von 1 Limette
1 EL Olivenöl ½ TL Dijon-Senf
1. Das Hähnchenbrustfilet trocken
tupfen, mit Salz und Thymian
einreiben. In einer Pfanne
Paleo-Sommersalat
Kokosöl erhitzen, Hühnchen
rundherum 10–12 Min. braten.
2. Den Babyspinat waschen,
putzen und abtropfen lassen.
Die Melone halbieren, entkernen,
das Fruchtfleisch in Spalten
schneiden und auf einem Teller
Grüne Helfer. Unter den Kräutern
haben sich Salbei, Kamille
und Rosmarin bewährt. „Alle
drei haben entzündungslindernde
Eigenschaften. Das Thujon im
Salbei soll zusätzlich die Schmerzwahrnehmung
verringern“, sagt die
Expertin. Einen Sud aus den Pflanzen
kann man zusätzlich zur täglichen Zahnpflege
als Mundspülung verwenden. Einfach
als Tee aufgießen und vor der Anwendung
etwas abkühlen lassen.
❰
auslegen. Spinat daraufgeben.
Das Avocado-Fruchtfleisch
in Scheiben schneiden. Die
Blaubeeren verlesen, abbrausen
und trocken tupfen.
3. Das Hähnchenbrustfilet in
Scheiben schneiden und im
Wechsel mit den Avocadoscheiben
auf dem Teller anrichten. Die
Blaubeeren darüberstreuen. Aus
Limettensaft, Olivenöl und Senf
ein Dressing rühren. Mit Salz und
Pfeffer abschmecken. Vor dem
Servieren über den Salat träufeln.
5
gegen
Parodontitis
➊ Die beste Basis gegen
Bakterienherde sind
viele Omega-3-Fettsäuren
sowie Blatt- und Wurzelgemüse
statt Zucker
und Weißmehl
➋ Vitamin C in
frischem Obst stärkt
das Immunsystem
➌ Antientzündlich
wirksame Gewürze
wie Curcumin, Ingwer
oder Nelken können
unterstützend wirken
➍ Zahnhygiene immer
ernst nehmen und keinen
Pflegeschritt auslassen
➎ Entzündungshemmende
Tees, Tinkturen
oder Mundspülungen
aus Salbei, Kamille und
Rosmarin wirken lokal
im Mundraum gegen die
Infektion
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13/2025 my life
47
GESUNDHEIT
Schnittmuster
Patient Andreas
Baumgarten wird von
Chirurg Dr. Edouard
Manassa auf die
OP vorbereitet
Männergesundheit
Unerwünschte
Oberweite
Etwa jeder dritte Mann über 50 entwickelt einen weiblichen Busen –
Ursachen können Hormone in der Nahrung sein, Medikamente, zu viel Bier oder
Übergewicht. Manchmal hilft Vereisung, oft nur eine Operation
54 my life 13/2025
→
Als Andreas Baumgarten 50 wurde,
wuchsen ihm plötzlich Brüste. „Ich habe
Sport gemacht wie irre, war Joggen, habe kaum
noch Süßigkeiten gegessen – es nützte alles
nichts“, sagt er, „die Dinger wurden immer
größer.“ Seine Kumpels beim Beachvolleyball
frotzelten ihn schon, obwohl er das T-Shirt gar
nicht mehr auszog. Sein Hausarzt riet zum Abspecken.
Der heute 67-Jährige stellte seine Ernährung
um. Ohne Erfolg. Die Lage entwickelte
sich in Richtung Körbchengröße B.
Schließlich hatte Andreas Baumgarten nicht
nur die Brüste, sondern auch die Faxen dicke
und entschied sich zu einer radikalen Lösung
des Problems: Operation.
Rückblick. Es ist Dezember 2024, der damals
66-Jährige sitzt mit nacktem Oberkörper
im Vorbereitungsraum der Klinik am Rhein in
Düsseldorf und Dr. Edouard Manassa malt ihm
mit grünem Edding Linien auf die Brust. „Grün
hält am besten“, sagt der Mediziner. Die Linien
zeigen, wo er später schneiden, pumpen, saugen
und verkokeln will.
Ein Sturm der Hormone in der Pubertät
Etwa jeder Dritte der rund 15 Millionen über
50-jährigen Männer in Deutschland leidet an
einer Brustvergrößerung. Der medizinische
Fachbegriff ist Gynäkomastie (von griech.
gyne = Frau; mastos = Brust). Bei Neugeborenen
ist der Anteil noch höher. 60 bis 90 Prozent
der Knaben kommen mit geschwollenen
Brustwarzen zur Welt. Das liegt an den weiblichen
Hormonen, denen sie während der
Schwangerschaft im Mutterleib ausgesetzt
waren. Nach der Geburt normalisiert sich das
in der Regel von selbst wieder.
Leidensdruck. Bis zur Pubertät. Dann geht
im Sturm der Hormone für 40 bis 70 Prozent
der Jungen der Stress mit den Brustwarzen erneut
los: angeschwollen, empfindlich und
manchmal sogar schmerzhaft. Vermutlich
liegt das an größeren Mengen des weiblichen
Hormons Östrogen und des insulinähnlichen
Wachstumsfaktors IGF-1 im Blut der jungen
Männer. Und obwohl so viele betroffen sind,
gibt es im Umkleideraum der Turnhalle hämische
Kommentare. „Wenn das so weitergeht,
lass ich mich mit 18 operieren“, sagt einer, der
ständig gehänselt wird. Aber vermutlich ist das
dann nicht mehr nötig: Außer bei Adipositas
(Fettleibigkeit) verschwindet der Pubertätsbusen
kurz vor der Volljährigkeit oft von allein.
Danach ist erst einmal Ruhe, bis die „Altersgynäkomastie“
ab etwa 50 Jahren zuschlägt.
Die Hoden produzieren nicht mehr so viel
männliches Testosteron, der Östrogenanteil
im Blut der alternden Männer steigt – und
dann kommt es bei gut fünf Millionen Deutschen
zum „Baumgarten-Effekt“: Plötzlich ist
nicht nur der Bauch, sondern auch ein Busen
im Weg, wenn man an sich herunterschaut. Bei
vielen bricht Panik aus: Was ist schuld an dem
neuen Vorbau? Warum habe ich das und die
anderen nicht?
Auslöser. Vielleicht trinken die anderen weniger
Bier. Die Hopfenblüten enthalten ziemlich
große Mengen an Phytoöstrogenen. Vielleicht
trinken sie weniger harten Alkohol.
Leberzirrhose ist nämlich einer der Trigger für
eine Brustdrüsenvergrößerung. Vielleicht rauchen
sie weniger Marihuana und spritzen sich
weniger Heroin. Beides führt zu mehr Gynäkomastie.
Vielleicht verwenden sie weniger ätherische
Öle mit anti-androgener Wirkung. Teebaumöl
und Lavendelöl stehen unter Verdacht,
das Brustwachstum anzustoßen. Vielleicht essen
sie aber auch weniger Tofu oder hormonbehandeltes
Fleisch. Vielleicht sind in ihrem
Leitungswasser weniger Hormonrückstände
von empfängnisverhütenden Mitteln aus Antibaby-Pillen
oder dem Urin von schwangeren
Frauen. Hormone sind so winzig, dass sie es
durch jede Kläranlage bis ins Grundwasser
schaffen.
Das unterdrückte Grundprinzip
Es gibt so viele mögliche Auslöser für eine Gynäkomastie,
dass es eher überraschend ist,
dass die Mehrheit der Männer trotzdem ohne
Busen durchs Leben kommt. Denn eigentlich
ist die Brust dazu bestimmt zu wachsen. Beim
Mann schaffen es nur die männlichen Hormone,
dieses Grundprinzip zu unterdrücken. Sobald
allerdings die weiblichen Östrogene die
Oberhand gewinnen, übernehmen sie wieder
das Kommando. Dann schrumpfen Hoden und
Penis, während die Brüste triumphieren. ➡
Das Thema
Männerbrüste ist
so tabuisiert,
dass viele sich nicht
einmal trauen
zu recherchieren,
was man dagegen
tun kann. Sie leiden
still vor sich hin
Dr. med. Edouard
Manassa ist Facharzt
für Plastische und
Ästhetische Chirurgie an
der „Klinik am Rhein“
in Düsseldorf-Oberkassel
Leidensdruck
Andreas Baumgarten:
„Mit 50 begannen meine
Brüste plötzlich zu wachsen.
Ich konnte nichts dagegen
tun. Deshalb ließ ich mich
im Winter 2024 operieren.“
13/2025 my life
55
GESUNDHEIT
Befreiend Schon nach zwei bis drei Wochen ohne Glimmstängel bessert sich die Lungenfunktion
Tschüss, Zigarette!
Der Abschied vom Rauchen ist ein steiniger Weg, für den Betroffene buchstäblich einen langen
Atem benötigen. Diese Strategien helfen nachweislich, die Hürden zu überwinden
→
Eigentlich spricht die Faktenlage eine
eindeutige Sprache: Rauchen schadet
der Gesundheit, der Qualm stinkt, und das
Loskommen von den Zigaretten ist mehr als
sinnvoll. Trotzdem greifen immer noch knapp
20 Millionen Deutsche zur Zigarette. Die hier
beschriebenen Wege bringen Rauchern den
langersehnten Ausstieg näher.
Geliebtes Ritual. Das Tückische am Rauchen
ist nicht nur das Suchtpotenzial von Nikotin.
Die Zigarette ist auch stark in den Alltag
eingebunden. „Ein Aufhören würde bedeuten,
die Gestaltung des Lebensalltags neu zu definieren
– und das fällt vielen Rauchern schwer“,
erklärt Prof. Heino Stöver vom Institut für
Suchtforschung Frankfurt. „Die Zigarette zum
Kaffee, die Raucherpause am Arbeitsplatz, das
Gefühl der Geselligkeit – plötzlich müssen für
diese Rituale neue Belohnungsformen her“,
sagt der Experte.
Herausforderung Gewichtszunahme
Bei vielen Menschen gibt es noch ein weiteres
Hindernis: Ihre größte Angst mit Blick auf
66 my life 13/2025
FOTOS: GETTY IMAGES/ISTOCK; PR
den Rauchstopp ist, an Gewicht zuzulegen.
Eine keineswegs abwegige Sorge: Laut dem
Deutschen Krebsforschungszentrum nehmen
80 Prozent der Abstinenzler in den ersten Wochen
etwas zu – im Schnitt sind es 4,5 Kilo.
„Nikotin hat eine appetithemmende Wirkung,
und in vielen Fällen wird die entfallende Belohnung
während des Rauchstopps kompensiert,
etwa mit Süßigkeiten oder fetthaltigen
Speisen“, erläutert Prof. Stöver.
Wie also wird man dauerhafter Nichtraucher?
Da wäre zum einen die „Schlusspunkt-
Methode“: Ein bestimmtes Datum wird als
Stopp definiert – oder man hört radikal an
einem Tag auf. Dafür brauchen Betroffene
aber viel Geduld, denn der Erfolg stellt sich oft
erst nach mehreren Anläufen ein. „Ziel ist es,
nach den erfolglosen Versuchen die Intervalle
dazwischen immer mehr zu verkürzen, bis
man es geschafft hat“, so der Experte.
Falsche Annahme. Die besten Studienergebnisse
liefert jedoch eine Kombi-Methode:
ein Nikotin-Ersatzprodukt plus eine kognitive
Verhaltenstherapie. Dabei verwendet man z. B.
ein Spray oder Pflaster mit geringeren Mengen
Nikotin oder einen Tabakerhitzer und belegt
einen Rauchentwöhnungskurs oder sucht
sich eine Selbsthilfegruppe. „Vor allem geht es
darum, den Ausstieg aus der normalen Verbrennungszigarette
zu schaffen,“ sagt Prof.
Stöver. Denn was viele nicht wissen: Nikotin
ist nach aktuellem Stand der Wissenschaft
nicht krebserregend. „Vielmehr entsteht die
Gefahr für einen Tumor durch das Verbrennen
von Tabak.“ Nach dem Anzünden wird Tabak
Was passiert nach der letzten Zigarette?
❱ Nach 20 Minuten:
Puls und Blutdruck sinken auf normale Werte
❱ Nach 12 Stunden:
Die Sauerstoffversorgung im Körper
verbessert sich
❱ Nach 1 Tag:
Das Herzinfarktrisiko sinkt
❱ Nach 2 bis 3 Tagen:
Geruchs- und Geschmackssinn
verbessern sich, ebenso die Atmung
❱ Nach 2 bis 3 Wochen:
Der Kreislauf stabilisiert sich und die
Lungenfunktion verbessert sich
in einer gewöhnlichen Zigarette bei Temperaturen
zwischen 500 und 950 Grad verbrannt.
Dabei enthält der Rauch neben Nikotin noch
rund 4 800 weitere Stoffe, von denen mehr als
70 krebserregend sind oder im Verdacht stehen,
es zu sein (siehe lungenaerzte-im-netz.de).
Inzwischen gibt es Geräte, die den Tabak nicht
verbrennen, sondern auf weniger als 350 Grad
erhitzen (siehe auch Infokasten rechts).
Neben Wissen bekommen Betroffene in der
Therapie Strategien an die Hand, wie sie ihr
Verhalten ändern können und dies im Alltag
konsequent durchhalten. Die Kosten für die
Rauchentwöhnungskurse – meist sind es drei
bis fünf Sitzungen – werden in der Regel von
den Krankenkassen übernommen.
Ausrutscher sind kein Drama
Aber was ist, wenn es doch wieder passiert?
Wie geht man mit Momenten der Schwäche
um? Ganz wichtig: nicht in Panik und in alte
Muster zurückfallen. „Es gibt nicht nur den
Zustand ‚abhängig‘ oder ‚rauchfrei‘ “, warnt
Prof. Stöver. „Dieses Denken in 1 und 0 wie bei
Computern ist hier nicht zielführend.“ Zudem
führe eine kurzzeitige Nikotinaufnahme nicht
gleich wieder zur Sucht, das Problem sei eher
das Kopfkino: „Viele verfallen bei einem Rückfall
in eine Art Selbstmitleid und sagen sich:
Jetzt ist das Kind sowieso in den Brunnen gefallen,
dann kann ich alles beim Alten belassen
und wieder rauchen.“ Viel weniger Druck entstehe,
wenn man den Griff zur Zigarette lediglich
als das bewerte, was er sei: ein „undramatischer
Ausrutscher ohne Folgen“. ❰
❱ Nach 1 bis 9 Monaten:
Hustenanfälle werden seltener,
Kurzatmigkeit nimmt ab
❱ Nach 1 Jahr:
Das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen
wie zum Beispiel Schlaganfälle oder Infarkte
hat sich halbiert (im Vergleich zum Raucher)
❱ Nach 10 Jahren:
Das Risiko für Lungenkrebs ist nur noch
halb so groß
❱ Nach 15 Jahren:
Jetzt besteht das gleiche Risiko für Herzoder
Gefäßkrankheiten wie bei Menschen,
die nie geraucht haben
Nicht das Nikotin
ist der böse Stoff.
Vielmehr werden
beim Verbrennen
von Tabak viele
schädliche Stoffe
freigesetzt
Prof. Dr. Heino Stöver,
Geschäftsführender
Direktor des Instituts für
Suchtforschung Frankfurt
(ISFF), Professor an der
Frankfurt University of
Applied Sciences
Alternativen
zur Zigarette
Was sollen Menschen,
machen, die (noch)
nicht mit dem Rauchen
aufhören können oder
wollen? Für sie könnte
ein Tabakerhitzer eine
Option sein: Eine Studie
des Bundesinstituts
für Risikobewertung
attestiert den Geräten,
dass bis zu 95 Prozent
weniger Schadstoffe
entstehen als bei herkömmlichen
Zigaretten.
Auch Apps können den
Absprung erleichtern:
„Nichtraucherhelden“
oder auch die „Start-
Stop-Rauchfrei-App“
helfen beispielsweise,
die eigenen Verhaltensmuster
zu erkennen,
und geben Ratschläge
bei akutem Verlangen
nach Rauchen.
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Berking; Dr. med. Jan Freisenich; Univ.-Prof. Dr. med.
Riccardo Giunta, FACS; Dr. med. Jens M. Hecker, MBA;
Rahul Jandial, M.D., Ph.D.; Dr. med. Bernhard Junge-
Hülsing; Prof. Dr. med. Christoph Maack; Dr. med.
Edouard H. Manassa; Dr. med. Elisabeth Rauh; Dr.
med. Matthias Riedl; Dr. med. dent. Jochen H. Schmidt,
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pol. Heino Stöver; Prof. Dr. rer. nat. Daniel Wefers
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Maar †; Dt. Alzheimer Stiftung, Heike von Lützau-
Hohlbein; Dt. Diabetes Stiftung, Prof. Dr. med. Rüdiger
Landgraf, Adrian Polok; Dt. Herzstiftung, Prof. Dr. med.
Thomas Voigtländer, Martin Vestweber; Prof. Dr. med.
Heinrich Hess Stiftung, Prof. Dr. med. Heinrich Hess,
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