CLICK_ART_JUL_AUG25
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CLICKART
Das E-Magazin für Kunst, Fotografie, Design und Architektur
JUL-AUG25
GRÜEZI
HINWEIS:
Die Bildlegenden zu
den verwendeten
Fotos finden Sie -
falls nicht anders
vermerkt -auf
unserer Website.
«In dieser Sommerausgabe
nehmen wir Sie mit an
inspirierende Orte – Häuser,
die nicht nur erfrischende
Zuflucht vor der Hitze bieten,
sondern vor allem durch
lebendige Kunst zu wahren
Erlebnisräumen werden.»
– Felix Schenker
Cover: Roman Signer. Filme | Kunsthalle Appenzell | bis 14. September 2025 | Foto: Roman Signer: Haus mit
Rakete (Gonten), 1981, Fotografie, Courtesy the artist, © Emil Grubenmann
Liebe CLICK-ART-Leser:innen
Wir wünschen allen einen herrlich sonnigen und erholsamen Sommer! Doch so
sehr wir die Wärme auch geniessen – der vergangene Juni war der heisseste seit
Messbeginn in der Schweiz. Und weitere Rekorde werden wohl folgen. Brütende
Hitze kann insbesondere in den versiegelten Innenstädten nicht nur
unangenehm, sondern besonders für vulnerable Menschen auch bedrohlich
werden.
Umso willkommener sind Orte, an denen man durchatmen – und dabei noch
etwas erleben kann. Eine wunderbare Gelegenheit, der Hitze zu entkommen,
bietet zum Beispiel das Aargauer Kunsthaus. An einem besonders heissen
Samstag suchte ich dort Zuflucht – und es war herrlich! Angenehm kühle
Temperaturen, ein überaus freundliches Team und Kunst, die mich begeistert hat
(wie fast immer im Aargauer Kunsthaus). Die beiden Sommerausstellungen
greifen Themen auf, die Künstler:innen heute bewegen: Ishita Chakraborty,
Preisträgerin des Manor Kunstpreises 2024, verknüpft in ihren neuen Arbeiten
ökologische mit gesellschaftspolitischen Fragen. Die Gruppenausstellung
«Dishcomfort» des NOF4 collective untersucht in einem partizipativen Projekt das
Thema Essen als individuellen Erinnerungsraum.
In dieser Sommerausgabe von CLICK ART nehmen wir Sie mit an inspirierende
Orte – Häuser, die nicht nur erfrischende Zuflucht vor der Hitze bieten, sondern
vor allem durch lebendige Kunst zu wahren Erlebnisräumen werden. Zum Beispiel
zeigt die neue Direktorin im Haus für Kunst Uri, Gioia Dal Molin, ihre erste
Ausstellung mit dem Künstlerinnen-Duo Dorota Gawęda & Eglė Kulbokaitė. Auch
ein Besuch im Museum Reinhart am Stadtgarten in Winterthur lohnt sich – nach
der Renovation präsentiert sich das Haus modern und einladend. Dass Kunst kein
Elfenbeinturm ist, beweist eindrücklich die Ausstellung «Auf der Strasse» im
Kunstmuseum Liechtenstein. Das wären dann Kunst-Ferien im Ausland – Smile.
Mit freundlichen Grüssen
Felix Schenker, Chefredaktor arttv.ch
Tony Oursler
und die
Geschichte
des Cardiff
Giants
Tony Oursler Filmstill, 2025
Die multimediale Installation
des renommierten
Videokünstlers im Kunst
Museum Winterthur
beschäftigt sich mit Fake
News und Fälschungen.
In seiner aktuellen Ausstellung «Hoisted from
the Pit» setzt sich Tony Oursler mit Fake News
und Verschwörungstheorien auseinander,
basierend auf einem wissenschaftlichen
Skandal aus den 1960er-Jahren. Der 1957 in
New York geborene Künstler ist ein Pionier der
Videokunst und entwickelt seit den 1980er-
Jahren immersive Installationen, die Video von
der Fläche befreien und neue Räume schaffen.
Seine Werke verbinden Popkultur,
Massenmedien und Psychologie.
Tony Oursler Filmstill, 2025
Der Fake-Riese von Cardiff
Die Ausstellung thematisiert Fake News,
Verschwörungstheorien und Manipulation anhand der
historischen Figur des Cardiff Giant, einer der bekanntesten
wissenschaftlichen Fälschungen Nordamerikas. 1868 liess der
Betrüger George Hull eine über drei Meter grosse Steinfigur
anfertigen und auf einer Farm in Cardiff, New York, vergraben,
um sie später als «versteinerten Riesen» zu präsentieren. Sein
Ziel war es, den Glauben an biblische Riesen auszunutzen und
mit dem vermeintlichen Sensationsfund finanziellen Gewinn zu
machen. Obwohl die Figur bald als Fälschung entlarvt wurde,
löste sie eine breite mediale Debatte aus und regte selbst
Wissenschaftler zu Spekulationen an. Oursler greift diese
unglaubliche (Erfolgs-)Geschichte auf, um Parallelen zur
heutigen Flut an Fake News, manipulativer Kommunikation und
damit verbundenen Geschäftspraktiken zu ziehen.
Tony Oursler im Kunstmuseum
Winterthur | © arttv.ch
Was ist noch wahr?
In sechs Räumen inszeniert Tony Oursler eine multimediale
Installation. Die Filme, die Elemente der sozialen Medien
aufgreifen und zum Teil mit künstlicher Intelligenz produziert
wurden, nehmen die Form von Re-Enactments und
Dokumentarfilmen an und erzählen in Kombination mit
Objekten eine Geschichte über Authentizität,
Realitätswahrnehmung und Medienskepsis. Die Vermischung
von wissenschaftlichen Fakten, gezieltem Schwindel und
Verführung der Massen ist uns inzwischen nur allzu vertraut:
Fake News und Verschwörungstheorien sind allgegenwärtig
und die Rolle der (sozialen) Medien ist ein wichtiger Faktor für
den Erfolg zwielichtiger Narrative. Die Ausstellung thematisiert
die zunehmende Komplexität, mit der heute Informationen
produziert, verbreitet und wahrgenommen werden.
Tony Oursler, Kunstmuseum Winterthur Ausstellungsansicht, © arttv.ch
VIDEO
Tony Oursler | Hoisted
from the Pit | Kunst
Museum Winterthur | bis
10. August 2025 | Beim
Stadthaus | Kuratiert von
Lynn Kost
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05.07. 02.11. 2025
KANDINSKY,
PICASSO,
MIRÓ ET AL.
ZURÜCK IN LUZERN
Joan Miró, Peinture, 1925, Öl auf Leinwand, 116 × 89 cm (Detail), Bayerische Staatsgemäldesammlungen, München – Pinakothek der Moderne, Foto: Sibylle Forster, Bayerische Staatsgemäldesammlungen
© Successió Miró / 2025, ProLitteris, Zurich
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Heimspiel
für Roman
Signer
Links: Videostill aus
Videobeitrag zur
Ausstellung Roman
Signer. Filme |
Kunsthalle Appenzell
© arttv.ch
Die Ausstellung in
der Kunsthalle
Appenzell stellt
Roman Signers
filmischen Output in
den Fokus.
Den Ausgangspunkt bilden die Super-8-Filme,
die in Roman Signers Heimatort Appenzell
und Umgebung entstanden sind. Aufnahmen,
mit denen der international bekannte Künstler
seine Aktionen dokumentiert hat und die
selbst zu Videokunst geworden sind. «Roman
Signer. Filme» ist die erste Einzelausstellung
von Roman Signer in Appenzell, die sich über
drei Stockwerke der Kunsthalle und die
gesamte Ziegelhütte erstreckt.
Signers Filme
Das Werk von Roman Signer (*1938) beschäftigt sich von
Anfang an mit flüchtigen Ereignissen und der Freisetzung von
provozierten und vorhandenen Energien. Seine Werkmaterialien
sind Naturkräfte wie Wasser, Wind, Feuer oder Gravitation, die
er mit Alltagsgegenständen wie Stühlen, Eimern, roten Kajaks,
bunten Fässern, ferngesteuerten Flugobjekten oder
Regenschirmen in Beziehung setzt und die als Leitmotive im
Werk des Künstlers immer wieder auftauchen. Er formt groteskkomische
Situationen zu Bildern und entfaltet eine subtile
Poesie des Humors. Die präzise geplanten Aktionen, die sich
aus dem Potential der Situation, der Transformation von Energie
und der Spur des Prozesses zusammensetzen, dokumentiert er
in Fotoserien, auf Film oder später auf Video. Eine besondere
Rolle spielen dabei die Super-8-Filme, die Roman Signer ab
Mitte der 1970er Jahre dreht. Sie gehen weit über eine
filmische Dokumentation seiner Aktionen hinaus und werden
zum eigenständigen Medium in seinem Schaffen.
Links: Roman Signer: Blauer Rauch, 2016,
Videoprint, Courtesy the artist,
@ Tomasz Rogowiec Oben: Roman Signer:
Bürostuhl, 2006, Fotografie, Courtesy the
artist, © Tomasz Rogowiec
VIDEO
Roman Signer. Filme |
Kunsthalle Appenzell | bis
14. September 2025
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www.ernaschillig.ch
EIN PROJEKT VON
Ambitionierte und
engagierte Arbeiten
von jungen
Kunstschaffenden
Links: Ishita Chakraborty,
O bastante! © Felix
Schenker
Die beiden
Sommerausstellungen
im Aargauer Kunsthaus
legen die Themen zu
Tage, die Künstler:innen
heute bewegen.
Ishita Chakraborty ist die Preisträgerin des
Manor Kunstpreis 2024, in ihren neuen
Werken verknüpft sie ökologische und
gesellschaftspolitische Fragen.
Charakteristisch für Chakrabortys Kunst ist
die Verbindung verschiedener Medien:
Installationen, Wandmalerei und
Soundarbeiten treten miteinander in einen
Dialog. Zeitgleich eröffnet die
Gruppenausstellung «Dishcomfort» von
NOF4 collective, ihr partizipatives Projekt
untersucht Essen als individuellen
Erinnerungsraum.
Ishita Chakraborty ist die
Preisträgerin des Manor
Kunstpreis 2024
Ishita Chakraborty
Ein Lied in einem seltenen persischen Dialekt, fragile
Strassensperren aus Glas und eine raumfüllende Zeichnung
zu den Tropen fügen sich zu einem ganzheitlichen Blick auf
die aktuelle (Um)Weltlage. Die Werke der Künstlerin und
Dichterin Ishita Chakraborty (*1989) thematisieren die
Auswirkungen globaler Krisen wie staatliche Repression und
die Ausbeutung natürlicher Ressourcen. Dabei wählt die
Künstlerin ungewöhnliche Materialien für ihre Objekte. Sie
unterläuft Erwartungen und eröffnet durch poetische
Elemente neue Perspektiven auf Widerstand und
Veränderung. Ishita Chakraborty ist Trägerin des Manor
Kunstpreises Aarau 2024, der alle zwei Jahre zur Förderung
junger Schweizer Kunst vergeben wird. Die Auszeichnung ist
der Anlass für diese Einzelausstellung mit Publikation..
Installationsansicht Dishcomfort | Andrea Sommer (*1994), the ties of my apron are tightly bound, 2024 | © Andrea Sommer
Dishcomfort – Eine Ausstellung von NOF4 collective
Essen weckt Erinnerungen, verbindet Menschen und zeigt
gesellschaftliche Unterschiede auf. Mit «Dishcomfort» will die
Künstler:innengruppe NOF4 collective einen neuen Blick auf dieses
Thema werfen. Ihre Ausstellung entstand aus einem offenen Experiment:
Eingeladen vom Aargauer Kunsthaus, haben sie – eine Gruppe junger
Menschen – gemeinsam eine Ausstellung entwickelt. «Dishcomfort» zeigt
Essen als verbindendes Element, als biografischen Bezugspunkt und als
gesellschaftliches Statement. Ihre Ausstellung greift Themen der
Geschlechtsidentität, der sozialen Ungerechtigkeit und Zugehörigkeit
anhand der sozialen Praktiken des Essens auf. Der Comfort Room bietet
Platz zum Entspannen, Lesen, Reden und Sein. Ein Rückzugsort mitten im
Museum, den die Besucher:innen mitgestalten.
Mit Binia Bill (*1904 – 1988), Teresa Hubbard (*1965) / Alexander Birchler
(*1962), Oz Oderbolz (*1988), He Shen (*1992), Francisco Sierra (*1977),
Andrea Sommer (*1994), Doris Stauffer (*1934 – 2017) und Annelies Štrba
(*1947).
Dishcomfort – Eine Ausstellung von
NOF4 collective | © ullmann.photography
Ishita Chakraborty, Resistance II, 2025, Porzellan, unglasiert, Grösse variabel, Mit Genehmigung der Künstlerin, © Ishita
Chakraborty, © Nathanael Gautschi, Schönenwerd
VIDEO
Ishita Chakraborty |
Dishcomfort, NOF4
collective | Aargauer
Kunsthaus | bis 24. August
2025
Kunst ist alles andere
als ein Elfenbeinturm!
Titelbild: Anna Jermolaewa Volga etc., 2008
Serie von 10 C-Prints , Courtesy the artist | Oben
Ausstellungsansich | Werke von (v.l.n.r.) Rivane
Neuenschwander, Salon Liz, Anna Jermolaewa
Foto: Sandra Maier
Das zeigt
eindrücklich die
Ausstellung «Auf
der Strasse» im
Kunstmuseum
Liechtenstein.
Strassen sind mehr als blosse
Transitorte. Sie sind Schauplätze des
öffentlichen Lebens, an denen
Menschen flanieren, spielen, Kontakte
knüpfen, arbeiten, Waren anbieten oder
protestieren. Dennoch nehmen wir sie
oft nur beiläufig wahr. «Auf der Strasse»
lädt ein, diese Räume neu zu entdecken.
Wie beeinflusst der öffentliche Raum
unser Denken, Handeln und Sein – und
wie gestalten wir ihn aktiv durch unsere
Präsenz?
v
Kunst und öffentlicher Raum neu definiert
Die Geschichte der Moderne ist eng mit dem «neutralen»
Raum für Kunst – dem «White Cube» – verbunden. Doch
gerade seit den 1960er-Jahren brechen Künstler:innen
bewusst mit diesem Konzept. Sie verlassen den
geschützten institutionellen Rahmen und suchen die Strasse
– sei es als Ort für radikale und poetische Aktionen oder
auch als Inspirationsquelle für ihre Werke. Diese Haltung
hat nicht nur die Grenzen von Kunst, sondern auch das
Verhältnis von
privatem und
öffentlichem
Raum neu
definiert. «Auf
der Strasse»
verfolgt diese
vielschichtigen
Beziehungen –
zwischen Kunst,
öffentlichem
Raum,
musealer Praxis
und dem
Leben selbst. In
vier
Themenräumen entfaltet die Ausstellung im Kunstmuseum
Liechtenstein ein breites Spektrum künstlerischer
Perspektiven. Kunstwerke von Pionier:innen der 1960er-
Jahre setzen jeweils den Ausgangspunkt. Die Ausstellung
wird von einem Reader begleitet, der für jede:n
vertretene:n Künstler:in ein DIN-A2-Plakat mit ganzseitigem
Bildmotiv und Text in deutscher und englischer Sprache
enthält.
Oben Francis Alÿs, Paradox of Praxis 1 (Sometimes Making Something Leads to Nothing), 1997, Dokumentation einer
Aktion, Mexico City, Video, Farbe, Ton, 5’, Courtesy the artist and Galerie Peter Kilchmann, Zurich/Paris, © Francis Alÿs
Studio | Rechts: Ausstellungsansicht Kunstmuseum Liechtenstein, Werke von Lottie Child (im Vordergrund), Majd Abdel
Hamid | Foto: Sandra Maier, © Kunstmuseum Liechtenstein / the artists
Künstler:innen der
Ausstellung
Majd Abdel Hamid, Francis Alÿs
Ovidiu Anton, Joseph Beuys
Stanley Brouwn, André Cadere
Lottie Child, Damiano
Curschellas und Wim De Pauw
Guy Debord, Sari Dienes, Tomislav Gotovac, Liesbet
Hermans, Anna Jermolaewa, Corita Kent, Jiří Kovanda
Mierle Laderman Ukeles, Klara Lidén, Małgorzata Mirga-Tas
Martina Morger, Rivane Neuenschwander
Adrian Piper, William Pope.L, Lotty RosenfeldSalon Liz (Anna
Hilti/Stefanie Thöny/Anita Zumbühl), Agnès Varda
Steina und Woody Vasulka
Auf der Strasse | Kunstmuseum
Liechtenstein | bis 31. August
2025 | Eine Produktion des
Kunstmuseums Liechtenstein,
kuratiert von Christiane Meyer-
Stoll | PERFORMANCE, So, 31.
August 2025, 11 Uhr und 15 Uhr |
ÖFFENTLICHE FÜHRUNG, Do, 21.
August 2025, 18 Uhr
Es riecht nach Heu -
Gioia Dal Molin
präsentiert ihre erste
Ausstellung
Links:Dorota Gawęda & Eglė
Kulbokaitė, Hexanol (IV), 2020,
Death by Landscape,
Ausstellungansicht, Haus für
Kunst Uri, 2025, © Franz-Xaver
Brun
Die neue
Direktorin des
Haus für Kunst Uri
zeigt das
Künstlerinnen-Duo
Dorota Gawęda &
Eglė Kulbokaitė
Mit von Partie ist auch die IG MAISANDER,
das sind die Biobäuerin Andrea Gisler, die
Imkerin Petra Gisler, die Musikerin Hildegard
Kleeb, die Performerin/ Yogalehrerin Anna
Dahinden und der Künstler Florian Maritz. Als
transdisziplinäre, Generationen
überspannende Gruppe arbeiten sie im und
für den Kulturraum Gitschenen, im
Urnerischen Isenthal. Sie zeigen mit ihrer
Präsentation im Foyer des Hauses wie eine
alpine Landschaft temporär oder ganzzeitig
bewohnt und gestaltet werden kann.
v
Mythen, Sagen, Düfte
Dorota Gawęda und Eglė Kulbokaitė arbeiten seit 2013 als
Künstlerinnenduo zusammen. Mit intellektueller Neugierde
und mit verschiedenen Medien – Videos, Skulpturen,
Performances oder auch Düfte – beschäftigen sie sich
immer wieder mit unserer Beziehung zur Natur, mit der
Tradition der Landschaftsmalerei oder mit den Mythen und
Sagen, die sich in Landschaften verbergen. In ihrer
Einzelausstellung im Haus für Kunst Uri zeigen sie zum
ersten Mal alle drei Teile ihrer Videoarbeit Mouthless, an
der sie seit 2020 arbeiten sowie Skulpturen und installative
Arbeiten. Im Foyer des Hauses ist die IG MAISANDER zu
Gast und bringt den Besucher:innen Eindrücke und Ideen
von der hoch über dem Vierwaldstättersee gelegenen Alp
Gitschenen mit. Es riecht nach Heu und das Haus füllt sich
mit fremden und vertrauten Klängen.
Links: Dorota Gawęda & Eglė Kulbokaitė, Mouthless Part II, 2021, Death by Landscape, Ausstellungansicht, Haus
für Kunst Uri, 2025, © Franz-Xaver Brun | Oben: Dorota Gawęda & Eglė Kulbokaitė - “Mouthless Part I”, 2020.
Filmstill | Unten: Dorota Gawęda & Eglė Kulbokaitė - “Mouthless Part I”, 2020. Filmstill, © courtesy of the artists
IG Maisander, Haus, Ausstellungansicht, Haus für Kunst Uri, 2025, © Franz-Xaver Brun
Die Künstlerinnen
Dorota Gawęda (*1986 in Lublin, Polen) und Eglė Kulbokaitė
(*1987, in Kaunas, Litauen) sind ein Künstlerinnenduo, das in
Basel lebt und arbeitet. Ihre multimediale Praxis umfasst
Performances, Videos, Skulpturen und Installationen und
speist sich aus umfangreichen historischen und
theoretischen Forschungsprozessen sowie einer hohen
Sensibilität für Materialien. Dorota Gawęda und Eglė
Kulbokaitė sind beide Absolventinnen des Royal College of
Art in London (2012) und Gründerinnen der Young Girl
Reading Group (2013–21). Das Duo hat international
ausgestellt, unter anderem in der Kunsthalle Mainz (2023);
dem Centre Pompidou, Paris (2023); bei ar/ge Kunst, Bozen
(2022); in der Shedhalle, Zürich (2022); im Kunstraum
Niederösterreich, Wien (2022); im Centre culturel suisse,
Paris (2022); im Kunstverein Hamburg (2021); im Istituto
Svizzero, Palermo und Mailand (2021); im Kunstverein
Leipzig (2021); im Swiss Institute, New York (2020); in der
Julia Stoschek Collection, Düsseldorf (2020); im Fri Art –
Kunsthalle Fribourg (2020); in der Lafayette Anticipations,
Paris (2019) oder im Palais de Tokyo, Paris (2018).
VIDEO
DEATH BY
LANDSCAPE – HAUS |
Haus für Kunst Uri |
bis 24. August 2025
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Vom Algorithmus zur
Kunst: Aramis Navarro
v
Mit seiner ersten
Einzelausstellung
nimmt Aramis
Navarro die Macht
der Algorithmen
künstlerisch unter
die Lupe.
Sie stecken in allen digitalen Vorgängen, die
unseren Alltag ausmachen: Algorithmen
ermöglichen unsere Google-Suchen,
strukturieren die Startseiten unserer sozialen
Medien und garantieren unsere Navigation.
Besonders KI-Technologien können wir dabei
immer weniger durchschauen, dennoch
glauben wir ihnen (fast) alles. An dieser Stelle
setzt das künstlerische Werk von Aramis
Navarro an.
v
Grenzenlose Neugierde
Aramis Navarros (*1991 in Zürich) Arbeiten fordern uns dazu
heraus, die Rolle, die Algorithmen in unserer Realität
spielen, künstlerisch zu hinterfragen. Ist künstliche Intelligenz
allwissend? Erfüllen uns Systeme wie ChatGPT mit
Ehrfurcht? Glauben wir an Technologie? Der in St. Gallen
lebende Künstler spielt mit Sprache. Bilder, Worte, Texte,
aber auch die immer alltäglicher werdenden sprachbasierten
Technologien gehören zu seinen zentralen Referenzen. Sein
kaleidoskopisches Schaffen lässt sich nur schwer in
Kategorien fassen und ist durch eine spielerische Energie
gekennzeichnet, die sich in der formellen Heterogenität
seiner Werke widerspiegelt. Von Soundskulpturen über
Malerei bis hin zu Rauminstallationen und der Nutzung
künstlicher Intelligenz – Navarros künstlerische Welt ist
faszinierend und kennt keine Grenzen.
Das Orakel der Gegenwart
Für seine bislang grösste Einzelausstellung wird der Künstler
neue Arbeiten realisieren, die gezielt auf den architektonischen
Kontext der Kunst Halle Sankt Gallen eingehen. Sie nehmen
Algorithmen als zeitgenössische Orakel und magische Formeln
in den Blick. Netzbasierte Technologien werden immer mehr
mit Konzepten von Magie und Ritualen verknüpft, und das
Digitale als Schauplatz einer neuen Sakralität inszeniert. Erleben
wir aktuell die Schaffung einer Cyber-Divinität? Die Ausstellung
beobachtet das Verwischen der Grenze zwischen Wissenschaft
und Mythos und karikiert den Bogen vom menschlichen
Schöpferstatus hin zur algorithmischen Allmacht. So
kommentiert die Einzelschau ein zeithistorisch brandaktuelles
Thema mit künstlerischen Mitteln und eröffnet möglicherweise
neue (erlösende?).
VIDEO
Aramis Navarro | Algorithmic-
Mega-Death-Superspell.Exe |
Kunst Halle Sankt Gallen |
bis 24. August 2025
Das Reinhart am
Stadtgarten
präsentiert sich
modern und
einladend
Über 300 Werke von
Rembrandt bis Hodler laden
zum Rundgang durch fünf
Jahrhunderte ein – jetzt in
neuem Licht und
barrierefrei zugänglich.
Nach umfassender architektonischer
Erneuerung hat das Kunst Museum
Winterthur | Reinhart am Stadtgarten
im Frühjahr 2025 wieder eröffnet. Das
historische Gebäude wurde durch
Ayşe Erkmen und Heike Hanada mit
skulpturalen Elementen neu gestaltet
und ist nun erstmals sowohl von der
Stadt- als auch von der Parkseite
zugänglich – ein offenes,
lichtdurchflutetes Haus, das zu einem
sommerlichen Besuch einlädt.
v
Neue Architektur für alte Meisterwerke
Anstelle eines klassischen Architekturwettbewerbs wurden
Teams von Kunstschaffenden und Architekt:innen
eingeladen, den Eingangsbereich des Museums neu zu
denken. Den Wettbewerb gewannen die in Berlin lebende
Künstlerin Ayşe Erkmen und die Berliner Architektin Heike
Hanada. Ihr Siegerprojekt verbindet Innen- und
Aussenräume auf beeindruckende Weise: Ein skulpturaler
Akzent prägt die Stadtseite, während im Inneren plastische
und architektonische Elemente zu einer minimalistischen
begehbaren Skulptur verschmelzen. Der Übergang zwischen
Museum und Stadtgarten wird dabei als fliessende
Bewegung erlebbar.
v
Meisterwerke im neuen Licht
Dank erneuerter Lichtanlage erstrahlen die Werke der Stiftung Oskar
Reinhart und der Stiftung Jakob Briner in neuem Glanz. Über 300 Werke
aus fünf Jahrhunderten, von der niederländischen Malerei des 17.
Jahrhunderts bis zur Schweizer Moderne, laden die Besucher:innen zu
einem inspirierenden Rundgang ein. Den historischen Auftakt bildet die
niederländische Malerei des 17. Jahrhunderts, vertreten durch Meister wie
Rembrandt und Ruisdael.
Weiter geht die Reise ins
Zeitalter der Aufklärung,
das durch gewichtige
Arbeiten von Jean-Étienne
Liotard, Anton Graff,
Angelika Kauffmann und
Heinrich Füssli erstklassig
vertreten ist. Den
Schwerpunkt der
Sammlung liegt im 19.
Jahrhundert, deren
Herzstück die deutsche
Frühromantik um Caspar
David Friedrich bildet mit seiner Ikone Kreidefelsen auf Rügen. Der
Rundgang führt weiter über den Biedermeier um Carl Spitzweg, den
Realismus von Wilhelm Leibl und Adolph Menzel zu den Fantasiewelten
Arnold Böcklins bis hin zur umfassenden Werkgruppe Ferdinand Hodlers.
Den Abschluss bildet die Schweizer Moderne mit Cuno Amiet und Giovanni
Giacometti, die dem Expressionismus hierzulande den Weg ebneten. Neu
bereichern ausgewählte Leihgaben der Stiftung für Kunst, Kultur und
Geschichte, Winterthur die Sammlung und verstärken zentrale
Sammlungsschwerpunkte. Zu den neuen Gästen gehören Meisterwerke von
Carl Spitzweg, Giovanni Segantini, Albert Anker und Ferdinand Hodler.
v
Miniaturenausstellung: Pierre-Louis Bouvier et ses amis
Die wichtige Miniaturensammlung mit rund 1’000 Werken erhält mehr
Platz. Die erste Miniaturenausstellung 2025 wird in einem eigenen Raum
präsentiert und ist dem Genfer Maler Pierre-Louis Bouvier (1765–1836)
gewidmet. Seine meisterhaften Bildnisse – Miniaturen in Aquarell und
Gouache auf Elfenbein, Ölgemälde und Druckgraphiken – entstanden im
Spannungsfeld der revolutionären Ereignisse im ausklingenden 18. und
beginnenden 19. Jahrhundert. Die erste Einzelausstellung dieses Künstlers
zeigt sowohl gross- als auch kleinformatige Werke aus allen
Schaffensphasen. Das Miniaturenkonvolut aus der Sammlung wird ergänzt
durch Leihgaben aus Westschweizer Musemsbeständen und Schweizer
Privatsammlungen. Dabei wird das Werk Bouviers in die hiesigen Bestände
seiner Freunde François Ferrière, Firmin Massot, Wolfgang-Adam Töpffer
und Jacques-Laurent Agasse eingebettet. Diese Kontextualisierung
ermöglicht es, einen direkten Vergleich anzustellen sowie
Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Bildsprache zu erkennen.
Koenraad Dedobbeleer:
Interventionen im Dialog
Ein besonderes Highlight der
Wiedereröffnung sind die
Interventionen des belgischen
Künstlers Koenraad
Dedobbeleer. Seine Werke,
die bereits 2019 in einer
grossen Ausstellung im Kunst
Museum Winterthur gezeigt
wurden, ermöglichen durch
subtile Andeutungen und
ironische Kommentare einen
spannenden Dialog mit der
Sammlung. Dedobbeleer setzt
mit seinen Leuchtkörpern im
Eingangsbereich spielerische
Kontraste zur klaren
Architektur und thematisiert das Licht als zentrale
Grundlage der Wahrnehmung von Kunst.
Einleuchten | Kunst
Museum Winterthur |
bis 7. September 2025
Förderpreis
Helvetia Group
Ausgezeichnet
wurde dieses Jahr
Virginie Sistek. Der
Künstlerin gelingt es
gesellschaftliche
Themen mit Humor
und Empathie zu
vermitteln.
Der Kunstpreis des Schweizer
Versicherers Helvetia, der bereits zum
einundzwanzigsten Mal verliehen wird,
versteht sich als Förderpreis für junge
Kunstschaffende und ist mit einem
Preisgeld von 15 000 Franken sowie
der Möglichkeit einer Soloausstellung
jeweils an der LISTE Art Fair Basel
dotiert.
Thematik der Domestikation
Virginie Sistek (*1999) ist Absolventin des Masterstudiengangs Art
Nature Gender an der Fachhochschule Nordwestschweiz in Basel. In
ihrer künstlerischen Praxis untersucht die Künstlerin soziale Phänomene
und die daraus resultierenden Machtverhältnisse. Einen besonderen
Fokus legt sie auf die Thematik der Domestikation. Ausgehend von
konkreten Situationen
beschäftigt sie sich in ihren
Installationen, Performances
und Videos mit der Frage, was
Konsens oder Uneinigkeit
zwischen Individuen schafft.
Sie interessiert sich für Formen
der Unterwerfung und deren
Selbstlegitimierung im Laufe
der Zeit und untersucht
Möglichkeiten des
Widerstands gegen diese
Automatismen. Virginie Sistek
gelingt es, dem Publikum drängende gesellschaftliche Themen mit
Humor und Empathie zu vermitteln. Sie versteht es, Geschichten zu
erzählen, die einerseits durch ihre gesellschaftliche Relevanz und
andererseits durch ihre Subversion überzeugen.
VIDEO
Virginie Sistek | Helvetia
Kunstpreis
arttv MITGLIEDER-EINLADUNG
KUNST
Kunstmuseum Luzern
Kandinsky, Picasso,
Miró et al.
Einen
ausführlichen
Beitrag findest
du auf unserer
Website
90 Jahre nach der legendären Schau von 1935 bringt das Kunstmuseum
Luzern die Moderne in all ihrer Radikalität und Vielfalt erneut zur
Geltung.
Mit «Kandinsky, Picasso, Miró et al.» zurück in Luzern rekonstruiert das
Kunstmuseum Luzern eine der bedeutendsten Ausstellungen seiner
Geschichte. Werke von Giacometti, Taeuber-Arp, Calder und vielen anderen
erzählen vom Aufbruch der Moderne – und von Ausgrenzung. Die Schau lädt
zur kritischen Reflexion historischer Narrative und bietet ein sinnlich
beeindruckendes Kunsterlebnis.
Als arttv Mitglied bekommst du ein Ticket an einem Tag deiner Wahl
(Anmeldung siehe separates Mail)
Noch nicht
Mitglied?
HIER GEHT ES ZUR ANMELDUNG
Ein Kunstpfad
zum Staunen
Inmitten von Wald
und Alpenkulisse
entstand ein leises
Zusammenspiel
von Kunst und
Natur.
Der Landart Pfad Gerschnialp im
obwaldnerischen Engelberg lädt zu
einem besonderen Kunsterlebnis im
Einklang mit der Natur ein. 13
Kunstschaffende aus der Schweiz,
Deutschland und Italien gestalten den
Wald und das Alpgebiet mit sinnlichen,
überraschenden Werken. Auf einem drei
Kilometer langen Rundgang treffen
Landschaft und Kunst in stiller Harmonie
aufeinander.
Die Künstler:innen
Brigitta Backhaus, Yvonne Christen Vágner, Chantale
Heimo, Andreas Hofer, Leander Locher, Matthias
Maeder und Claudia Vogel, Marco Nones, Gedeon
Regli und Fabienne Baumann, Susanne Ruoff, Marion
Strunk, Elias Zürcher
VIDEO
Einblick – Ausblick | Landart
Pfad Gerschnialp | bis 25.
Oktober 2025
Gemeinsam
unter dem
Sternenhimmel
Links: Ignacio Carles-Tolrà, ohne
Titel (Portrait eines modernen
Menschen, 3 Haare), 1995, Aquarell
auf Papier, 42 x 30 cm,
Kunstmuseum Thurgau.
Ein Erkundungsflug
zu den Rändern des
Kunstuniversums
Die Ausstellung Vom selben Stern. Was
heisst hier «Aussenseiterkunst?»
verbindet arrivierte Kunstschaffende wie
Ferdinand Hodler, Helen Dahm, Adolf
Dietrich und Roman Signer mit Art Brut
und sogenannter «Aussenseiterkunst».
Inwiefern unterscheiden sich
Bildfindungen und beeinflusst nicht auch
das «Label» den Blick? Die Ausstellung
legt den thematischen Fokus auf das
Motiv des Nachthimmels – denn der
Blick in die Sterne verbindet nicht nur
alle Menschen, sondern auch alle
Menschheitsgenerationen.
v
«Aussenseiterkunst»
Das Kunstmuseum Thurgau sammelt seit den 1970er Jahren
Kunst von Menschen am Rande der Gesellschaft und
ausserhalb des Kunstsystems und stellt dabei immer wieder
neu die Frage nach den Sehgewohnheiten, Erwartungen
und Zuschreibungen des Publikums. Die reichhaltige
Sammlung ermöglicht historische wie zeitgenössische
Einblicke in die Thematik. Zugleich sind in die
atmosphärisch dichte Inszenierung dieser Ausstellung
Aussagen von Expert:innen auf dem Gebiet der Outsider
Art eingewoben. Sie erweitern auf leichtfüssige Art den
Horizont der Betrachtung. Diese Ausstellung verbindet
«Evergreens» wie Adolf Dietrich und Hans Krüsi mit
zeitgenössischen Positionen wie Ghislaine Ayer oder
Boscovic-Scarth sowie einem Gastbeitrag von Nik Garbini
vom Living Museum Kreuzlingen. Er ist seit über 10 Jahren
dort tätig – einem offenen Atelier, das zugleich ein Ort des
Austauschs ist, an dem Menschen mit und ohne
Beeinträchtigung künstlerisch tätig sind und somit ein
lebendiges Beispiel für heutiges Arbeiten auf diesem
Gebiet
Die Kunstschaffenden
Die Ausstellung legt den thematischen Fokus auf das Motiv
des Nachthimmels – denn der Blick in die Sterne verbindet
nicht nur alle Menschen, sondern auch alle
Menschheitsgenerationen. Mit Werken aus der Sammlung
von Ghislaine Ayer, Laila Bachtiar, Frieda Blaser, Ulrich
Bleiker, Boskovic-Scarth, Anny Boxler, François Burland,
Ignacio Carles-Tolrà, Helen Dahm, Adolf Dietrich, Willi
Hartung, Ferdinand Hodler, Sarah Hugentobler, Franz
Kamlander, Hans Krüsi, Moshe Maurer, Margrit Schlumpf-
Portmann, Elisabeth Schroer, Roman Signer und Helmut
Wenczel. Gastbeitrag:
Niklaus Garbini (Living
Museum Kreuzlingen)
VIDEO
Vom selben Stern. Was heisst
hier «Aussenseiterkunst»? |
Kunstmuseum Thurgau | bis 7.
September 2025
Kunst trifft Natur im
Nidwaldner Museum
Winkelriedhaus
Links: Felix Stöckle, Gnom Nº 5 – Gnom Nº 19, Duck Nº 1,
2025, Keramik, glasiert, Courtesy of the artist
Zwischen
Fürsorge und
Ausbeutung,
Ordnung und
Wildwuchs
In der Gruppenausstellung «EIN
GARTEN IST EIN GARTEN IST EIN
GARTEN» im Nidwaldner Museum
Winkelriedhaus setzen sich die
beteiligten Kunstschaffenden mit dem
Garten als kultiviertem Stück Erde
auseinander und hinterfragen ihn als
gesellschaftliches und kulturelles
Konstrukt. Ihre Arbeiten eröffnen
vielschichtige Perspektiven auf unser
ambivalentes Verhältnis zur Natur.
v
Einblicke in die Ausstellung
Felix Stöckle beispielsweise beschäftigt sich mit kulturellen
Überlieferungen, Ritualen und den Dynamiken sozialer und
politischer Identität. Seine Arbeiten verbinden
kunsthandwerkliche Techniken mit unterschiedlichsten
Materialien. Seit der Verlagerung seines Ateliers in eine
ländliche Region Frankreichs richtet sich Stöckles
Aufmerksamkeit verstärkt auf Vorgärten – Orte, an denen
Kitsch und Kultur ineinandergreifen. Persönliche
Gegenstände und klassische Dekorationen wie
Gartenzwerge verschmelzen hier zu Assemblagen, die
Alltägliches aufladen und zugleich dekonstruieren. In der
Ausstellung wird der Gartenzwerg als Sinnbild
kleinbürgerlicher Dekoration mit langer Geschichte zum
zentralen Motiv. Im Zuge seiner Recherche stiess Stöckle in
den dunklen Ecken des Internets – wo
Verschwörungstheorien und Weltuntergangsszenarien
zirkulieren – auf eine verstörende Interpretation der
vertrauten Zierfigur: Mit Altmetall gefüllt und mit
Zündmechanismen versehen, mutieren die Gartenzwerge
dort zu Symbolen psychologischer Kriegsführung. Was
bleibt, ist ein Gefühl von Unbehagen gegenüber dem
Vertrauten, dem Schutzbedürftigen und dem
Abgrenzenden.
v
Raumfüllend erstreckt sich Elvira Bättigs ortsspezifische Intervention im
Foyer des Pavillons. Im Zentrum steht ein vieldeutiges Motiv: die Erdbeere.
Als Symbol für Sinnlichkeit und Fruchtbarkeit wechselt deren Grösse und
Form von überdimensional bis handlich klein. Bättig nutzt diese
Verschiebung der Massstäbe, um das Spannungsfeld zwischen Verführung
und Bedrohung auszuloten. Bestimmt erinnert diese Auseinandersetzung
mit Grössenverhältnissen an die Geschichte von «Alice im Wunderland».
Visuelle Anregung fand Bättig unter anderem in den ikonischen
Tapetendesigns von William Morris, einem zentralen Vertreter der Artsand-Crafts-Bewegung
im 19. Jahrhundert. Dessen florale, sich
wiederholende Muster zeichnen sich durch detailreiche und naturinspirierte
Darstellungen aus. Morris verstand Kunst dabei als ein Mittel, um eine
tiefere Beziehung zur Natur herzustellen. Auch Bättigs künstlerische Praxis
kreist um diese Verbindung von Ästhetik und Inhalt. Sie sammelt
Fundstücke zwischen Kultur und Konsum. Diese Elemente kombiniert sie
zu dichten Bildräumen, in denen dekorative Strategien auf
widersprüchliche Stimmungen treffen: Struktur und Mühelosigkeit, Natur
und Konsumwelt.
Elvira Bättig, Strawberry Thief (after William Morris), 2025, Siebdruck auf Geschenkpapier, Tacker, Courtesy of the artist
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Im Wechselspiel zwischen Aussen- und Innenräumen
entfaltet sich Poem Garden als ein visuelles Gedicht. Quynh
Dongs Videoarbeit ist eine poetisch-visuelle Reflexion über
Gemeinschaft, Erinnerung und die Natur als Ort des
Austauschs. So präsentiert sich eine Reihe von «Video-
Poesien» als stille Sequenzen aus dem Studio des Nhà Sàn
Collective – einem unabhängigen Zusammenschluss von
Kunstschaffenden mit Sitz in Hanoi, die sich für den
Austausch zwischen lokalen und internationalen
Kunstschaffenden einsetzen. Sie zeigen Objekte,
Textfragmente und Bildausschnitte, die auf deren
künstlerisches wie eigenes Umfeld verweisen. Der Titel
«Poem Garden» steht sinnbildlich für die Zusammensetzung
aus Erinnerungen, Beziehungen und sprachlichen
Fragmenten, die wie Pflanzen in einem Garten
nebeneinander bestehen. Damit wird der Garten zur
Metapher eines künstlerischen Kollektivs. Mit der
Fokussierung auf Räume, Gegenstände und Klänge referiert
Dong weiter auf Andy Warhols Faszination für Alltagsdinge,
worin in einer hyperrealen Welt persönliche, politische und
poetische Ebenen verschmelzen.
Die in diesem Magazin vorgestellten drei Positionen stehen
exemplarisch für eine Gruppenausstellung, die das
berühmte Zitat von Gertrude Stein «A rose is a rose is a
rose», welches auf die Essenz der Dinge hindeutet – etwas
ist, was es ist, in seiner Einfachheit und Tiefe, erlebbar
machen.
Credits: Quynh Dong, My Paradise, 2012, Videostill
Die Künstler:innen
Elvira Bättig, Brigham Baker,
Sabian Baumann, Alexandra
Baumgartner, Quynh Dong,
Klodin Erb, Roberta Faust, Nils
Amadeus Lange & Mario Petrucci
Espinoza, Felix Stöckle, José
Miguel del Pozo
VIDEO
EIN GARTEN IST EIN GARTEN
IST EIN GARTEN | Nidwaldner
Museum Winkelriedhaus | bis
5. Oktober 2025
Zwischen Tradition
und Innovation:
Der Quilt als
künstlerische
Ausdrucksform
Die 9. Europäische Quilt-
Triennale bringt junge
Talente und etablierte
Künstler zusammen, die
den Quilt als
eigenständige
Kunstform feiern.
Politische und gesellschaftliche Themen
werden in der aktuellen Ausstellung des
Textilmuseums St.Gallen auf kreative Weise
in Textilkunst übersetzt. Werke wie das
Bodenobjekt «Eisbär, ich möchte kein
Eisbär sein, im warmen Polar» oder die
emotionalen Auseinandersetzungen mit
Demenz in «Versinken im Vergessen»
zeigen, wie der Quilt von einer
funktionalen Handarbeit zu einer
eigenständigen künstlerischen
Ausdrucksform avanciert ist.
Vielfalt der Exponate und internationale Auswahl
45 zeitgenössische Quilt- und Textilkunstwerke aus elf Nationen
präsentieren in dieser Ausstellung, dass kreative und zeitkritische
Aussagen längst nicht nur in Malerei, Bildhauerei, Grafik und
Fotografie zu finden sind. Die hochkarätigen Exponate wurden von
einer fünfköpfigen internationalen Jury aus über 130 Einsendungen
ausgewählt. So zeigt die Schau eine breite Palette an künstlerischen
Perspektiven und Techniken.
Die Entwicklung der Quiltkunst
In den letzten 50 Jahren hat sich die Kunstform Quilt von einer
funktionalen Decke zu einem autonomen Kunstwerk entwickelt.
Besonders beeindruckend ist, wie politische und gesellschaftliche
Themen zunehmend in den Fokus rücken. Ein herausragendes
Beispiel dafür ist das Bodenobjekt «Eisbär, ich möchte kein Eisbär
sein, im warmen Polar», das eindrucksvoll den Klimawandel
thematisiert und die Besucher zum Nachdenken anregt.
Auszeichnungen
Die Ausstellung zeichnet nicht nur etablierte
Künstler:innen aus, sondern auch talentierte
Nachwuchskünstler:innen. Sieben junge
Künstlerinnen haben es in die Schau
geschafft, darunter eine aus der Slowakei,
die für eine dreidimensionale Arbeit
ausgezeichnet wurde, die
den Zusammenhalt der
Generationen thematisiert.
Der Doris Winter-
Gedächtnispreis 2024
wurde dieses Jahr geteilt:
Christa Eberts «Demenz –
Versinken im Vergessen»
und Monika Seberts
«Kopflast» beschäftigen
sich beide mit den Auswirkungen von
Gehirnerkrankungen und berühren die
Besuchenden auf tiefgründige Weise.
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9. Europäische Quilt-Triennale
| Textilmuseum St. Gallen | bis
14. September 2025
Wer steckt
hinter den
Dingen?
Eine Ausstellung
im Museum der
Kulturen Basel
rückt die
Schöpfer:innen
von Produkten in
den Fokus.
Wer sind die Personen, die dank ihrer
Kreativität, ihrem Wissen und ihrem
handwerklichen Können all die Dinge im
Museum der Kulturen Basel (MKB)
geschaffen haben? Von
Alltagsgegenständen bis zu rituellen
Objekten zeigt die Ausstellung rund 250
Exponate – und erzählt, wer sie geschaffen
hat, warum und wie. Audiovisuelle
Beiträge, interaktive Stationen und ein
vielfältiges Rahmenprogramm inklusive.
Alltagsgegenstand oder Dinge mir ritueller Bedeutung
Die Ausstellung stellt die Macherinnen der ausgestellten Objekte in
Texten, auf Fotos und in Filmen vor. Sie zeigt aber auch andere Konzepte
von Autorenschaft auf, wie etwa das Kollektiv. Gleichzeitig taucht
«Schöpfer*innen – Menschen und ihre Werke» in die Kreativität und das
Können der involvierten Personen ein. Vom kleinen Pinsel bis zum zwölf
Meter langen Tanzbalken, vom leichten Federschmuck bis zum schweren
Bierkrug, vom einfachen Löffel bis zum kunstvoll geschmiedeten Dolch:
Menschen haben Dinge in vielfältigsten Formen und mit
aussergewöhnlichen Materialien hergestellt – die von den Besucher:innen
auch ertastet werden können. Ob Alltagsgegenstand oder Dinge mit
ritueller Bedeutung, in allen findet sich das Können, Wissen und die
Hingabe der Schöpfer:innen. Anhand von rund 250 Exponaten beleuchtet
die Ausstellung nicht nur deren Rolle, sondern macht auch den indigenen
Einfluss in der Forschung deutlich. Warum und wann wurden Daten zu
Hersteller:innen gesammelt? In audiovisuellen Produktionen diskutieren
Gemeinschaften, Wissenschaftler:innen, Filmemacher:innen und
Kunstschaffende zudem die heutige Bedeutung von Sammlungen und
Erinnerungen an die Schöpfer:innen.
Selber Hand anlegen
Die Ausstellung lädt gleichzeitig zum Hinterfragen
heutiger Produktionsbedingungen ein: Was wissen wir
über die Menschen, die unsere Kleidung, Möbel oder
Gebrauchsgegenstände fabrizieren? Die Besuchenden
dürfen in der Ausstellung selber Hand anlegen und zu
Schöpfer:innen von Freundschaftsarmbändern werden.
Das Rahmenprogramm bietet Führungen und diverse
Workshops, dazu Besuche in lokalen Ateliers. Ein Projekt
mit dem Neuen
Orchester Basel und
Schulklassen widmet
sich dem Komponieren
und Inszenieren als
kreativen
Schaffensprozess.
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Schöpfer*innen – Menschen
und ihre Werke | Museum der
Kulturen Basel | bis 25. Januar
2026
Wiedereröffnung
Adolf Dietrich Haus
Es gibt kaum einen
anderen Ort, an dem
man einem
verstorbenen Künstler
und seinem Werk so
nahe kommt.
An der Seestrasse 31 im thurgauischen
Berlingen befindet sich das alte Geburts-,
Arbeits- und Wohnhaus von Adolf Dietrich.
Hier hat er zeitlebens gewohnt. Die
Malstube des Künstlers im ersten
Obergeschoss blieb nach seinem Tode
unberührt erhalten und kann besichtigt
werden. Nichts hat man verändert, der
Maler könnte heimkehren, sich an den
Tisch setzen und weitermalen …
Unverändert belassene Malstube
Während in der Malstube alles beim Alten blieb, hat eine
Projektgruppe der Thurgauischen Kunstgesellschaft in dreijähriger
Arbeit eine attraktive Neugestaltung des Eingangsbereichs und des
Dokumentationsraums umgesetzt. Es gibt viel Neues zu sehen:
Dietrichs Lebenslauf wird kurz und prägnant dargestellt,
zweihundert neue Kunstkarten geben einen imposanten Einblick in
sein Schaffen, zwei Skizzenbücher können auf Tablets
durchgeblättert werden, zahlreiche Publikationen stehen zur
vertieften Auseinandersetzung bereit. Kern der neuen
Vermittlungsangebote bildet eine Videoinstallation: Auf grossen,
hochkant gestellten Bildschirmen besprechen zwei Personen Bilder,
Zeichnungen und Fotografien des Künstlers. Herzstück ist und
bleibt jedoch die seit dem Tod des Künstlers unverändert belassene
Malstube im ersten Stock. Hier sind alle seine wunderbaren Bilder
entstanden.
Der kleine Paradies-Garten
Die Fensterbank in der Wohnstube war der Lieblingsplatz des
Malers. Er bewunderte den kleinen Barockgarten an der
gegenüberliegenden Strassenseite. Er gehört zum «Grünen Haus»,
in dem der Schweizer Minister und Diplomat Johann Konrad Kern
(1808–1888) gewohnt hatte. Der Ziergarten faszinierte Dietrich,
beflügelte seine Phantasie, denn er war anders, vornehmer als die
üblichen Bauerngärten am Untersee. Die Stauden und
Wechselflorbeete, eingefasst mit niedrigen Buchshecken, die
eingefügten Rosenhochstämmchen und der Rosenbogen, die
hölzerne Gartenlaube, kurzum, die ganze kleine Gartenwelt des
Nachbarbürgers diente Adolf Dietrich als bevorzugtes Sujet für
seine Malerei.
Durch das Engagement eines Gönnervereins war es 1996 möglich,
den auf Dietrichs Bildern oft dargestellten Garten für das Publikum
wieder im ursprünglichen Zustand einsehbar zu machen. Seinen
künstlerischen Nachlass und das Haus hat Dietrich der
Thurgauischen Kunstgesellschaft vermacht.
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Wiedereröffnung | Adolf Dietrich
Haus | Öffnungszeiten Adolf
Dietrich-Haus Berlingen: bis 28.
September 2025, Samstag/
Sonntag 14–18 Uhr
CLICKMAGS
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