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LE-3-2025 Journal Handel & Distanzhandel

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HANDEL & DISTANZHANDEL LE 3/2025

Zeit zu handeln

Wer den Anfang kontrolliert,

kontrolliert das Ende

LOGISTIK EXPRESS INFORMIERT


LOGISTIK EXPRESS (AT) LE 3/205 | S2

LOGISTIK express

HANDEL &

DISTANZHANDEL

Journal 3/2025

04 Warenzustellung: Verlust der Deutungshoheit Europas

08 Handelsverband fordert Anti-Ultra-Fast-Fashion- Gesetz

10 Ausgaben im Distanzhandel steigen auf Rekordwert

14 Unternehmen überschätzen ihre Krisenfestigkeit

16 Shoppingcenter Performance Report

18 Leben in bewegten Zeiten

20 KI-Boom in Österreich: KI-Commerce auf dem Vormarsch

24 Wenn die KI zum Kreativdirektor wird

26 eCommerce Day 2025: Onlinehandelskongress

versammelte 300 Retail Gamechanger

30 Hornbach, Caesaro Med und Walser mit

Austrian Trustmark Awards ausgezeichnet

32 Was passiert, wenn Unternehmen keine

Kunden mehr brauchen?

34 Die neue Retoure: Was Deutschland von

den USA lernen kann

36 Letzte Meile ohne Einfluss

40 Zwei Jahre Temu in Europa

42 Schnäppchen mit Schattenseiten

44 Fashion-Apps: Smartphone statt Schaufenster

46 Trends, die die Zukunft des Zahlungsverkehrs prägen


LE 3/2025

IMPRESSUM

LOGISTIK express / MJR MEDIA

Donauwörther Str. 27a/7/4

A-2380 Perchtoldsdorf

Medieninhaber, Herausgeber:

Markus Jaklitsch

+43 676 7035206 / info@logistik-express.at

www.logistik-express.com

Foto: istockphoto.com / Depositphotos.com


LOGISTIK EXPRESS (AT) LE 3/2025 | S4

Handel & Distanzhandel

Warenzustellung:

Verlust der

Deutungshoheit Europas

Verglichen mit China, lebt Europa im postanalogen

Einzelhandelszeitalter. Während Europa

Daten ex- post erhebt – im Nachhinein – verfügen

die chinesischen Aufsichtsbehörden über Echtdaten,

die zudem von hoch intelligenten Datensystemen

(künstliche Intelligenz lässt grüßen)

aufbereitet und laufend analysiert werden.

WALTER TREZEK

Die statischen Daten

sprechen eine klare

Sprache: 2024

wurden in China

pro Kopf 125 Warensendungen

zugestellt, somit insgesamt 175 Mrd.

Warensendungen in einem Jahr. Für 2025

werden es nach den letzten Daten wohl 200

Mrd. werden. Wovon unsere Finanzbehörden nur

träumen, ist im Reich der Mitte umgesetzt:

a) alle Waren die über elektronische Schnittstellen

verkauft werden, müssen vor einer Präsentation

über digitale Medien, einer genauen, für

alle einheitlichen, auf intelligente Datensysteme

gestützten Prüfung unterworfen werden (s.g.

„Platform Governance“);

b) jede Warensendung, die im In- oder auch

Ausland von KEP-Diensten zur Zustellung an

den Endkonsumenten angenommen wird (s.g.

„first logistic operator“) muss über Vorabdaten

zu Versender, Empfänger, Gewicht, Inhalt, eindeutiger

Transportkennung; bei Nahrungsmitteln

und bestimmten Produktkategorien auch

über Konformitätserklärungen, etc. verfügen;

c) bei der Übergabe der Waren an KEP-Dienste,

werden 100% (!) der Warensendungen durchleuchtet,

und mit den verpflichtend vorlie-


genden Vorabdaten zu Sendungen verglichen

(stimmen diese Daten nicht zu

100% überein, werden die Sendungen auf

Kosten des identifizierten Versenders von

der Zustellung ausgeschlossen);

d) die Aufsichtsbehörde (zentralisiert das

„State Post Bureau“) hat Echtzeitzugriff auf

alle KEP- Daten, daher ist auch bekannt

WER, WAS, WOHIN an WEN sendet und

was der Inhalt in den Sendungen ist;

Die größten innerchinesischen Zustelldienste

sind auch führend in der weltweiten

Expansion der intelligent gestützten

Zustellung von Handelswaren.

Da alle anderen Handelspartner der V. R.

(die USA und insb. Europa eingeschlossen)

den Wechsel von analoger zu digitaler,

und dann intelligent datengestützter

Wirtschaft (künstlicher Intelligenz und

Automatisierung der Produktionspro-

zesse) nur zu einem geringen Teil, oder

nicht mitvollzogen haben, kommt es zunehmend

dazu, dass die hocheffizienten

(kostoptimierten) und hocheffektiven

(prozessoptimierten) Lösungen auf eine

„nichtkompatible“ (weil, verglichen mit

der V. R. deutlich rückständige) Infrastruktur

treffen. Es fehlt zunehmend außerhalb

der V. R. die notwendige Infrastruktur um

die Nachfrage, aber auch langfristig gesetzten

Wachstumsvorgen zu erfüllen.

e) die Regierung des V. R. China hat auf

dem letzten Volkskongress ein deutliches

Wachstum des grenzüberschreitenden

digitalen Handels für die kommenden 5

Jahre beschlossen, diese Vorgaben sind

für alle Wirtschaftsbeteiligten bindend.

Die Europäischen Warenzustellsysteme

stellen auf analoge Prozesse ab. Die notwendige

Digitalisierung hat bis heute

nicht die Voraussetzung geschaffen hoch

intelligente, auch selbstlernende Datensysteme

zur Prozessoptimierung (Effektivität)

oder zur Reduktion der Kosten (Effizienz)

einzusetzen. Gerät Europa rasch,

deutlich in Rückstand, und verliert zunehmend

an Konkurrenzfähigkeit.

Die V. R. China sieht ihr Wachstum im internationalen

Handel, der digitale Einzelhandel

nimmt darin eine führende

Rolle ein. Dabei geht es der V. R. nicht

darum andere Länder zu okkupieren

oder deren Wirtschaft zu kolonialisieren,

es sollen mehr Waren, besser an die Bedürfnisse

der Konsumenten auf allen

Kontinenten und Staaten, in der V. R. produziert

und weltweit zugestellt werden.

You name it.

We store it!

apparel. food. medication.

tools. cosmetics. electronics.

knapp.com

Das die V. R. deutliche effizienter und

effektiver Waren produziert ist u.a. das

Resultat der langfristigen Technologisierung-

und Digitalisierungspolitik der V. R.

des letzten Jahrzehnts. Zudem herrscht in

China selbst harte Konkurrenz zwischen

den Unternehmen, die zu weiteren Effizienzsteigerungen

führt.

China hat weltweite Zustellstrukturen

geschaffen, die eine zeitnahe Zustellung

an Endkonsumenten, insbesondere

in N-Amerika und Europa unterstützen.

making complexity simple


LOGISTIK EXPRESS (AT) LE 3/2025 | S6

-13% vorhersagen.

Führende Rolle Chinas trifft auf rückständige

Infrastruktur, die Chinas Wachstum bremst

Nachfrage nach Waren der V. R., aber auch deren

Vertrieb an Endkonsumenten besteht weltweit.

Effizienz und Effektivität führt zu konkurrenzlosen

Preisen und Lieferzeiten. Um die Nachfrage

zu bedienen, hat die V. R. die Wahl:

• entweder selbst die notwendigen Strukturen

zu schaffen -> was in etwa 200 Staaten weltweit

nicht, oder nur zu enormen Kosten möglich

sein wird, oder

• den Handelspartnern weltweit, sowohl die

notwendigen technischen- und Datengrundlagen

zugänglich zu machen -> was zu den

Mechanismen der internationalen Entwicklungszusammenarbeit

über mittelfristige

Lösungen in der Normung führt.

Um den Einzelstaaten die notwendige

Vorgabenhoheit zu gewährleisten, wird

zudem auch das Model der EU zur Schaffung

eines gemeinsamen Marktes in der

Union unterstützt, dass eine langfristige legistische

und regulatorischen Vorgabenhoheit

an die marktgestaltenden Experten in der

Normung vorsieht. Freilich, die oben beschriebenen

Errungenschaften waren auf Grund der

ordnungspolitischen Rahmenbedingungen in

der V. R. möglich. Der Wechsel von einer analogen,

zu eine datengetrieben und nun zu einer

digital intelligenten Wirtschaft, führt auch zu

einer in Echtzeit gespiegelten Realität, die es

erlaubt, zunehmend auch ex-ante Steuerungsentscheidungen

zu treffen.

Food Zustellung lässt sich besser vorhersagen

Das zeigt sich auch zunehmend in der Zustellung

von verpackten und semi-haltbaren Nahrungsmitteln,

die zwischenzeitlich etwa 50% der

Warensendungen ausmachen und zum KEP-

Markt zählen. Die digital intelligent gestützten

Einzelhandelswarensysteme ermöglichen eine

+/- 5% genaue Vorhersage der Konsumentenverhaltens

und damit eine enorme kostenoptimierung

in der Produktion, der automatisierten

Vereinzelung an Endkonsumenten und in der

Zustellung. Bei der Disposition von non-food

Handelswaren ist die auf intelligente Daten gestützte

Vorhersage schwieriger und lässt sich

nach Angaben der Datenanalysten nur +/- 10

Jene die in diesem Wirtschaftsumfeld agieren

wissen, dass die notwendige digital intelligente

Vernetzung aller Systeme, Fehler frühzeitig erkennt,

oder auch zunehmend im Voraus erkennen

lässt. Die flächendeckende Verbreitung von

„Personal Digital Devices“, wie Mobiltelefonen

ermöglicht eine digital intelligente Nutzung von

Daten der etwa 1 Mrd. Nutzer, die zur Verbesserung

der Datenanalyse und Verbesserung intelligenter

Datensysteme verwendet wird.

Intelligente Datensysteme erkennen

kreativ gestaltbare Marktbedingungen

Wenn Räume entstehen, die einer intelligenten

datengestützten Aufsicht nicht unterstellt sind,

entstehen „Freiräume“, die von allen erkannt

werden und auch entsprechend genützt werden.

Wenn nun diese gelernte Sicht auf Handelsinfrastrukturen

außerhalb der V. R. treffen, die

über die oben genannten Steuerungsmechanismen

nicht verfügen, werden diese Bereiche von

den handelnden Systemen (zunehmend digital

intelligente Systeme) als „kreativ gestaltbare

Marktbedingungen“ wahrgenommen. Konsequenz

ist: Dort wo keine Kontrolle erkennbar vorhanden

ist, wird „kreativ optimiert“, was sowohl

die Daten an sich als auch die Waren selbst (die,

weil nicht [oder nicht ausreichen, weil < 100%

Kontrolle] überwacht sind) betrifft.

Internationale Normung wird genutzt, um internationalen

Systemharmonisierung zu betreiben

Die V. R. hat ein Interesse seine globalen Partner

auf einen vergleichbaren technischen- und

datengrundlagen basierten Stand zu bringen. Im

Technischen Komitee der Internationalen Standardisierungsorganisation

(ISO) zu innovativen

Logistiklösungen lässt sich das gut darstellen.

Während die westlichen Expressdienste, etwa

DHL, FedEx oder auch UPS, proprietäre Systeme

betreiben, die auf hohe Wechselkosten setzen,

um Kunden an sich zu binden, sind die technisch

weiterentwickelten chinesischen Kurierzustelldienste

an einer möglichst hohen Standardisierung

der Systeme interessiert, um weltweite

Infrastrukturen möglichst effizient nutzen zu

können.

Wiederum zeigt sich, dass vergleichbare Systeme

dazu in China selbst entstanden sind, wobei

alle Zustelldienste in der Zustellung innerhalb

Chinas reibungslos zusammenarbeiten, um


informiert

die enormen Zustellmengen zum Nutzen der

Konsumenten zustellen zu können. DHL, FedEx

und UPS schwenken allerdings bereits auf eine

international gestützte Harmonisierung der Zustellnormen

ein. Die bereits jetzt absehbare

höhere Effizienz der technisch führenden asiatischen

Kurierdienste lässt sich auch von den

deutschen und amerikanischen Expressdiensten

nur schwer aufholen, geschweige dann

übertreffen.

Wer sich wissentlich betrügen lässt,

ist selbst schuld

2024 wurden mehr als 4 ½ Mrd. Warensendungen

in die EU aus China importiert. Heute wissen

wir, dass alle diese Warensendungen bei deren

Annahme bereits einer 100% Prüfung unterzogen

worden sind. Diese Sendungen wurden

durchleuchtet. Das Röntgenbild des Inhalts

wurde mit den verpflichtenden Vorabdaten

durch. intelligente Datensysteme abgeglichen,

es wurde überprüft ob diese Waren den Produktschriften

entsprochen haben.

Was nicht passiert ist: Diese Daten wurden nicht

an die europäischen Behörden weitergeleitet.

Denn solche Systeme gibt es nicht. Das wundert,

denn die weltweit fortschrittlichste Importgesetzgebung,

das EU MwSt. E-Commerce

Paket, hatte dazu bereits 2021 die notwendigen

Grundlagen geschaffen. Die Mitgliedsstaaten

der EU haben allerdings verabsäumt die technischen

Systeme zu schaffen. Es stimmt schon, den

Daten Dritter, oder auch deren Datenführenden

Systeme zu trauen, ist eine Herausforderung. Es

bestehen allerdings vermittelnde Datenführende

Strukturen, die alle Staaten weltweit aufgebaut

haben, um genau solche Herausforderungen

zu lösen.

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Mit Erarbeitung des EU-Zolldatensystems, und

den kommenden Entscheidungen hochintelligente

Datensysteme für das notwendige Risikomanagement

im grenzüberschreitenden Einzelhandel

in der gesamten EU aufzubauen, werden

sicherlich Mittel und Wege gefunden, auf die bestehenden

Echtzeitdaten im Ausland zuzugreifen.

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LOGISTIK EXPRESS (AT) LE 3/2025 | S8

Handel & Distanzhandel

Shein im Fokus:

Handelsverband fordert

Anti-Ultra-Fast-Fashion-

Gesetz

Neue Daten belegen dramatische Umlenkungseffekte

von Fernost-Paketen nach Europa

durch die US-Zölle gegen China. Der österreichische

Handelsverband empfiehlt Strafzahlungen

für extrem umweltschädliche Produkte,

Werbeverbote für Ultra-Fast-Fashion-Plattformen

aus Drittstaaten, eine Paketabgabe von

zwei Euro sowie eine Plattformhaftung für die

korrekte Warendeklaration.

GERALD KÜHBERGER

Der österreichische Handelsverband

drängt auf ein nationales Anti-Ultra-

Fast-Fashion-Gesetz, um im Onlinehandel

ein Level Playing Field sicherzustellen.

Vorbild dafür ist Frankreich, wo der

Senat am 10. Juni 2025 mit überwältigender

Mehrheit einen Gesetzentwurf zur Regulierung

von Ultra-Fast-Fashion verabschiedet hat.

Ziel des Gesetzes ist es, den ökologischen und

sozialen Auswirkungen von extrem billig produzierter

und schnell konsumierter Mode entgegenzuwirken.

Konsumanreize sollen reduziert

und ein Bewusstseinswandel bei der jungen

Zielgruppe angestoßen werden. Der Gesetzentwurf

richtet sich insbesondere gegen die beiden

Fernost-Plattformen Shein und Temu.

HV empfiehlt drei Sofortmaßnahmen

Der französische Gesetzentwurf wird im September

in einer parlamentarischen Kommission

weiterverhandelt und anschließend der EU-

Kommission zur Prüfung vorgelegt. Das finale

Gesetz könnte somit noch in diesem Jahr verabschiedet

werden. Ultra-Fast-Fashion ist in

mehrfacher Hinsicht bedenklich: Sie fördert

Überkonsum, bedient sich verbotener

arbeitsrechtlicher Standards, belastet

die Umwelt massiv und gefährdet die

Existenz europäischer Modeunternehmen.

Analog zum französischen Vorgehen

empfiehlt der Handelsverband

für Österreich drei

Sofortmaßnahmen. Erstens sollen

Strafzahlungen für besonders umweltschädliche

Produkte eingeführt

werden. Ultra-Fast-Fashion-Produkte,

die häufig mit giftigen Chemikalien belastet

sind, würden künftig mit einem Strafzuschlag

von mindestens fünf Euro belegt werden.

Zweitens fordert der Verband Werbeverbote:

Ultra-Fast-Fashion-Anbieter aus Drittstaaten

wie Temu, Shein oder AliExpress sollen künftig

in Österreich nicht mehr werben dürfen, weder

über klassische Kanäle wie TV und Hörfunk,

noch über Social Media. Das Werbeverbot soll

auch heimische Influencer umfassen, die Produkte

solcher Anbieter bewerben. Als dritte

Maßnahme empfiehlt der HV eine Handling Fee:

Alle B2C-Paketlieferungen aus Drittstaaten sollen

mit einer Bearbeitungsgebühr von mindestens

zwei Euro belegt werden.


Stärkung europäischer Anbieter

„Das Ziel der Anti-Ultra-Fast-Fashion-Gesetzesinitiative

ist ausdrücklich, Fernost-Plattformen

wie Shein, Temu und AliExpress zu regulieren –

nicht jedoch europäische Händler und Hersteller

mit stationärer Präsenz in Österreich“, erklärt

Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will,

„im Gegenteil, europäische Unternehmen, die

sich bereits seit vielen Jahren mit nachhaltiger

Produktion und Kreislaufwirtschaft beschäftigen,

müssen durch diese neuen Rahmenbedingungen

gestärkt werden.

Der freie, überparteiliche Handelsverband hat

bereits 2019 eine Wettbewerbsbeschwerde gegen

die Plattform Amazon gewonnen und hatte

auch die Anfang 2023 in Kraft getretene Plattformhaftung

für die korrekte Verpackungsentpflichtung

initiiert.

„Rund 90 Prozent der auf Fernost-Plattformen

angebotenen Produkte entsprechen nicht den

geltenden europäischen Normen. Es ist völlig

unbegreiflich, warum diese Marktplätze in der EU

nicht längst gesperrt wurden. Würde ein österreichischer

Händler zu 90 Prozent gesundheitsgefährdende

Fake-Produkte verkaufen, müsste

er von Amts wegen sofort schließen“, so Will.

Umlenkungseffekte durch US-Zölle

Überfällig ist aus Sicht des Handelsverbands

auch die Abschaffung der EU-Zollfreigrenze von

150 Euro. Die EU-Kommission will diesen Schritt

allerdings erst 2028 vollziehen – aus Sicht vieler

Experten deutlich zu spät. Die USA hatten ihre

Zollfreigrenze bereits Anfang April 2025 abgeschafft

und erheben seither auf jedes China-

Paket Zoll sowie eine zusätzliche Bearbeitungsgebühr.

Damit ist das Geschäftsmodell für Temu

in den USA faktisch tot.

„Jene Umlenkungseffekte nach Europa, vor denen

der HV bereits vor drei Monaten gewarnt hatte,

sind tatsächlich eingetreten. Während die amerikanischen

Verkäufe von Temu um 36 Prozent

und jene von Shein um 13 Prozent sanken, sind

die Europa-Zahlen regelrecht explodiert. Shein

wuchs im Mai in der EU um 19 Prozent, Temu

sogar um 63 Prozent im Vergleich zum Vorjahr“,

schlägt Handelssprecher Will Alarm. Diese Entwicklung

illustriert die Dringlichkeit der Umsetzung

des Anti-Ultra-Fast-Fashion-Gesetzes

in Österreich sowie der Abschaffung der 150-

Euro-Zollfreigrenze auf EU-Ebene.

Plattformhaftung für korrekte Versteuerung

Die Aufhebung der 150-Euro-Zollfreigrenze

allein wird die Herausforderungen im eCommerce

nicht lösen und muss daher laut HV von

einem Reformpaket begleitet werden. Der Verband

setzt sich sowohl dafür ein, bestehende

Pflichten von Onlinehandelsplattformen konsequent

durchzusetzen, als auch das Haftungsregime

im Hinblick auf sehr große Marktplätze

weiterzuentwickeln. Zusätzlich zum Anti-Ultra-Fast-

Fashion-Gesetz müssen Befugnisse der Marktüberwachungsbehörden

ausgeweitet werden,

damit sie geeignete Maßnahmen direkt gegenüber

Onlineplattformen ergreifen können,

wenn kein verantwortlicher Wirtschaftsakteur

greifbar ist.

Überdies tritt die Branchenvertretung des österreichischen

Handels dafür ein, dass Onlineplattformen

wie Temu künftig als fiktive Einführer oder

„deemed importer“ für die Einhaltung fiskalischer

Vorschriften für die von ihnen vermittelten

Produkte verantwortlich sind. Diese Plattformhaftung

für die korrekte Warendeklaration muss

laut HV die korrekte Berechnung und Entrichtung

von Einfuhrabgaben wie Einfuhrumsatzsteuer

und Zoll umfassen. „Wir sprechen hier von

millionenfacher aggressiver Steuervermeidung“,

so Handelssprecher Rainer Will abschließend.

(RED)


LOGISTIK EXPRESS (AT) LE 3/2025 | S10

Handel & Distanzhandel

Ausgaben im Distanzhandel

steigen auf Rekordwert

Renommierteste Studie des österreichischen

Onlinehandels mit 10-Jahresvergleich. Retourenquote

klettert auf 44%. Höchste Online-

Quoten bei Spielwaren und Sportartikeln.

Voice-Shopping kommt nicht vom Fleck.

MANUEL FRIEDL

Die brandneue Ausgabe der bundesweiten

"eCommerce-Studie Österreich"

des Handelsverbandes in

Kooperation mit der KMU Forschung

Austria belegt ein beeindruckendes wirtschaftliches

Comeback des Onlinehandels sowie ein

massives Wachstum im Mobile Shopping. Hier

die Kernergebnisse:

• Rekord im Distanzhandel: Die Ausgaben im österreichischen

Distanzhandel steigen 2025 um

+14% auf 12,5 Mrd. Euro.

• Pro-Kopf-Ausgaben so hoch wie noch nie:

2025 gibt jede:r Österreicher:in im Schnitt 2.080

Euro im Distanzhandel aus (+13%).

• Onlinequote steigt weiter: Der Anteil der Ausgaben

im eCommerce an den Gesamtausgaben

im Einzelhandel klettert heuer auf über 14%.

• Mobile Commerce is King: Die Ausgaben im

Onlineshopping via Smartphone wachsen heuer

um +28% auf 4,1 Mrd. Euro.

• Anstieg bei Retouren: Die Retourenquote steigt

auf 44%, +2 Prozentpunkte im Vergleich zum

Vorjahr.

• Voice-Shopping bleibt Nischenprogramm: Nur

1% nutzen Alexa & Co für Einkäufe im Internet.

Mehr Umsatz, gute Aussichten: Distanzhandel

erreicht Rekordwert von 12,5 Milliarden

"Der Distanzhandel fährt heuer auf der wirtschaftlichen

Überholspur. Bis Ende April 2025

sind die Ausgaben der Österreicherinnen und

Österreicher im Online- und Versandhandel

im Vorjahresvergleich um satte 14 Prozent auf

12,5 Milliarden Euro angestiegen", kommentiert

Rainer Will, Geschäftsführer des freien, überparteilichen

Handelsverbandes, die zentralen

Ergebnisse der Studie.

"Der Überflieger ist heuer das Smartphone-

Shopping mit einem Zuwachs von 28 Prozent.

Mobile Kauftransaktionen nehmen damit weiterhin

rapide zu. In den letzten zehn Jahren konnte

der Mobile Commerce-Sektor um gewaltige 976

Prozent zulegen. Mittlerweile wird bereits ein

Drittel aller Distanzhandelsumsätze via Smartphone

erwirtschaftet", so Will.


"Allein im eCommerce bzw. Interneteinzelhandel

beläuft sich das Plus heuer ebenfalls auf

14 Prozent, die Ausgaben liegen damit bei 12,1

Milliarden Euro. Die Zahl der aktiven heimischen

Webshops bleibt konstant bei mehr als 12.000",

ergänzt Harald Gutschi, Geschäftsführer der Otto

Austria Group sowie Vizepräsident des Handelsverbandes

und Leiter der HV-Plattform "eCommerce,

Marktplätze & Versandhandel".

Umsatzstärkste Warengruppen im

Distanzhandel 2025

"2025 kaufen rund 6 Millionen Österreicher im

Distanzhandel. Die Top-Warengruppen sind

heuer Bekleidung mit 2,3 Milliarden Euro Umsatz,

Elektrogeräte mit 1,54 Milliarden und Möbel

mit 0,82 Milliarden Euro", erklärt Studienleiter

Wolfgang Ziniel, Senior Researcher bei der

KMU Forschung Austria.

Die Top5-Gewinner 2025:

• Elektro (+18%)

• Bücher (+18%)

• Schuhe (+18%)

• Sportartikel (+14%)

• Spielwaren (+13%)

Warengruppen mit dem höchsten

Distanzhandelsanteil 2025

Den höchsten prozentuellen Online-Anteil

an den gesamten einzelhandelsrelevanten

Konsumausgaben kann im Branchenvergleich

2025 der Spielwarenhandel mit 41% (vor 10

Jahren: 31%) verbuchen. Auf den Plätzen

folgen der Handel mit Sportartikeln (39%;

2016: 27%), Elektrogeräten (34%; 2016:

26%), Büchern (31%; 2016: 32%) und

Bekleidung (29%; 2016: 21%).

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LOGISTIK EXPRESS (AT) LE 3/2025 | S12

Die Sprachassistenten bleiben beim Kaufabschluss

zwar ein Nischenprogramm, jedoch

darf der Grad der Beeinflussung vor der Kaufentscheidung

durch personalisierte Werbung

und technisch immer versiertere Sprachassistenten

im höchstpersönlichen Umfeld nicht unterschätzt

werden. Der tatsächliche Kauf findet

zwar nicht über Voice Shopping statt, aber immer

mehr Menschen bereiten ihre Einkäufe mit

KI-Unterstützung vor.

"Spielwaren, Sportartikel und Elektronik werden

im Branchenvergleich am häufigsten online

gekauft. Auch in den letzten 12 Monaten haben

diese drei Segmente zweistellige Wachstumsraten

im eCommerce verzeichnet", bestätigt

Handelssprecher Rainer Will.

Retourenquote steigt von 42% auf 44%

Einen doch überraschend starken Anstieg verzeichnet

heuer die Retourenquote. "2023 retournierten

noch 38 Prozent der Distanzhandelskäuferinnen

und -käufer zumindest einen

Teil der bestellen Produkte, 2024 waren es

42 Prozent und heuer liegen wir bereits bei

44 Prozent. In absoluten Zahlen bedeutet

dies, dass von den 6 Millionen Österreicher,

die im Distanzhandel einkaufen, rund

2,6 Millionen bestellte Einzelhandelswaren

zumindest einmal im Kalenderjahr wieder

retournieren", sagt Otto Austria Geschäftsführer

Harald Gutschi. "Hauptgrund dafür ist das gestiegene

Bestellvolumen bei Fernost-Plattformen,

verbunden mit einer oft schlechteren Produktqualität

und dementsprechend unzufriedenen

Kundinnen und Kunden."

Voice Commerce

Der in den letzten 10 Jahren medial gehypte

Voice Commerce hat in Österreich weiterhin mit

Schwierigkeiten zu kämpfen: "Zwar verfügen

hierzulande 1,2 Millionen Menschen im eigenen

Haushalt über eine digitale Assistenz

wie Amazon Echo oder Google Home.

Allerdings verwenden nur 10.000 Personen

ihre persönlichen digitalen Assistenten

für Bestellungen im Onlinehandel. Immerhin

270.000 Österreicherinnen und Österreicher

nutzen diese Tools zur Verwaltung ihrer Einkaufslisten",

so Studienautor Wolfgang Ziniel.

Herausforderung "Letzte Meile"

Die sogenannte "letzte Meile" bezeichnet im

eCommerce den finalen Abschnitt des Lieferprozesses

– also jenen Weg, den ein Paket vom

Verteilzentrum bis zur Haustür der Kund:innen

oder zu einem nahegelegenen Abholpunkt zurücklegt.

Durch das kontinuierliche Wachstum

des Onlinehandels nimmt auch die Bedeutung

dieser Letzten Meile stetig zu. Mit dem Anstieg

an Bestellungen steigen jedoch nicht nur die Paketmengen

pro Person, sondern auch die Erwartungen

hinsichtlich schneller Lieferzeiten: Viele

Händler werben mittlerweile mit Zustellungen

am nächsten oder sogar noch am selben Tag.

Besonders in urbanen Räumen bringt diese Entwicklung

große Herausforderungen mit sich.

Um negativen Effekten wie einem höheren Verkehrsaufkommen,

Lärm und Luftverschmutzung

entgegenzuwirken, wurden in den vergangenen

Jahren alternative Zustellkonzepte entwickelt

und etabliert. Dazu zählen Paketautomaten, Abholstationen

oder Pickup-Paketshops. Immerhin

41% der Österreicher:innen nutzen mittlerweile

derartige Optionen, sie haben zumindest 1x in

den letzten 12 Monaten bewusst auf eine Hauszustellung

verzichtet.

Bundesländervergleich

Den höchsten Anteil an Personen, die auf eigenen

Wunsch ihre Bestellung zumindest 1x in

den letzten 12 Monaten in eine Postfiliale oder

Abholstation liefern haben lassen, gibt es aktuell

im Burgenland (52%) und in Wien (51%). Auch

Vorarlberg (48%) und Kärnten (44%) liegen über

dem österreichweiten Durchschnitt. Tirol (22%)

und Salzburg (33%) bilden das untere Ende im

bundesweiten Vergleich.

(RED)


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Shaping Tomorrow’s

Shopping

Environment

handelsflächenforum.at

HANDELS

FLÄCHEN

FORUM

2025

18. SEPTEMBER

DER REAKTOR, WIEN


LOGISTIK EXPRESS (AT) LE 3/2025 | S14

Handel & Distanzhandel

Unternehmen

überschätzen ihre

Krisenfestigkeit

Österreichische Unternehmen schätzen ihre

Widerstandsfähigkeit gegen Krisen als hoch

ein, vernachlässigen aber die Messung tatsächlicher

Resilienz.

REDAKTION

Unternehmen in Österreich sehen sich

in Zeiten geopolitischer Unsicherheiten,

technologischer Umbrüche

und zunehmender Regulierungen

als widerstandsfähig – gleichzeitig zeigt sich

aber, dass wichtige Hebel wie Datenverfügbarkeit,

Agilität und die strategische Einbindung

von Risikomanagement oft noch nicht voll ausgeschöpft

werden. Das ist das zentrale Ergebnis

einer gemeinsamen Umfrage von EY Österreich,

CRIF und Business Circle, an der Vertreter:innen

von 55 Unternehmen unterschiedlicher Branchen

und Größen teilgenommen haben. „In

einer Welt, die sich rasch ändert, braucht es

mehr als punktuelle Krisenreaktionen. Risikomanagement

muss heute ein integraler Bestandteil

der Unternehmensstrategie sein – und Daten

bilden dabei das Fundament“, betont Markus

Hölzl, Partner bei EY Österreich.

Strukturelle Defizite und ungenutzte

Chancen im Risikomanagement

Laut Analyse schätzen fast neun von zehn Unternehmen

(87,3 %) ihre Organisation als stark oder

sehr stark widerstandsfähig gegenüber Krisen

ein. Doch der kritische Blick offenbart Schwächen:

38,2 Prozent messen ihre Resilienz nicht.

„Diese Lücke zwischen Selbstbild und Realität

ist riskant. Gerade in Krisenzeiten zeigt sich, wie

wichtig es ist, Resilienz nicht nur zu behaupten,

sondern messbar zu machen und kontinuierlich

weiterzuentwickeln“, sagt Anca Eisner-Schwarz,

Geschäftsführerin von CRIF Österreich. Mehr als

ein Fünftel der Unternehmen (21,8 %) hat keine

eigene Risikomanagement-Abteilung oder

-funktion. Bei knapp der Hälfte (47,3 %) ist weniger

als eine Vollzeitkraft dafür zuständig. 30 Prozent

der Firmen mit weniger als 50 Mitarbeitenden

geben auch an, dass sie keine Ressourcen

für Risikomanagement bereitstellen.

ANCA EISNER-SCHWARZ

Krisenlandschaft: Aktuelle Risiken

und künftige Gefahren im Fokus

Die Unternehmen sehen aktuell vor allem Marktrisiken

(69,1 %) als größte Herausforderung, gefolgt

von Technologie- (45,5 %), Finanz- (43,6 %)

und geopolitischen Risiken (40,0 %). Auch Personalrisiken

(29,1 %) gewinnen zunehmend an

Bedeutung. Für die kommenden Jahre erwarten

die Unternehmen einen Anstieg bei geopolitischen

Risiken (47,3 %) und Personalrisiken (45,5

%), während Marktrisiken (56,4 %) und Technologie-/Cyberrisiken

(41,8 %) weiterhin auf hohem


Niveau bleiben. Gerhard Pichler, Geschäftsführer

des Business Circle, dazu: „Diese Einschätzungen

verdeutlichen, dass Unternehmen immer

stärker vernetzte und globale Zusammenhänge

im Blick behalten müssen, um langfristig erfolgreich

zu bleiben.“

Selbstbild oft stark, Datenmangel

hemmt die Umsetzung

Die Studie zeigt: 70,9 Prozent der Unternehmen

schätzen ihre Reaktionsfähigkeit auf Veränderungen

als agil oder sehr agil ein. Dennoch überwacht

etwa ein Drittel (34,5 %) externe Entwicklungen

zur Ableitung akuten Handlungsbedarfs

nur schwach. Positiv ist jedoch, dass 78,2 Prozent

Erkenntnisse aus vergangenen Krisen zumindest

teilweise in die Strategie einfließen lassen.

Ein zentrales Hindernis für proaktives Risikomanagement

bleibt der Mangel an Daten. 45,5

Prozent der Unternehmen geben an, dass ihnen

die notwendigen Informationen für eine aktive

und agile Steuerung nicht zur Verfügung stehen.

Nur 14,5 Prozent haben vollständigen Zugriff auf

Echtzeitdaten, während 45,5 Prozent kaum oder

gar keine Echtzeitinformationen nutzen können.

Die Studie zeigt deutlich, dass Unternehmen vor

allem in der konsequenten Nutzung von Daten

und Technologien noch aufholen müssen, um

Risiken wirklich als Chancen zu verstehen. Wer

heute datengetrieben arbeitet, kann nicht nur

schneller und präziser reagieren, sondern auch

Wettbewerbsvorteile schaffen.

Geplante Technologieinvestitionen

stärken künftige Agilität

Österreichische Unternehmen planen verstärkt,

in moderne Technologien zu investieren, um ihr

Risikomanagement agiler und datengetriebener

zu gestalten. Laut Studie wollen 43,6 Prozent der

Unternehmen künftig verstärkt Datenanalyse-

Tools einsetzen, um Risiken präziser identifizieren

und steuern zu können. Zudem plant etwa

ein Drittel (32,7 %) die Nutzung von Automatisierungslösungen,

beispielsweise Robotic Process

Automation (RPA), um Prozesse effizienter

zu gestalten und schneller auf Krisenszenarien

reagieren zu können. Dies zeigt, dass die Bedeutung

digitaler Tools zunehmend erkannt wird,

jedoch die tatsächliche Umsetzung und Integration

in bestehende Risikomanagement-Systeme

noch deutlich verbessert werden muss. „Datengetriebenes

Risikomanagement schafft nicht nur

Transparenz, sondern ermöglicht auch proaktive

Entscheidungen, die Unternehmen resilienter

machen“, so Eisner-Schwarz. Pichler ergänzt:

„Unsere Umfrage zeigt klar, dass Unternehmen

ihre Widerstandskraft gegenüber Krisen objektiv

messen und kontinuierlich verbessern müssen,

um langfristig erfolgreich zu sein.“

Technologielücke:

Kaum Vorbereitung auf AI-Act

Zwar setzen bereits 36,4 Prozent der Unternehmen

Technologien wie KI oder Automatisierung

im Risikomanagement ein, gleichzeitig aber ist

die Vorbereitung auf die neue EU-Verordnung

(AI-Act) erschreckend gering: Fast zwei Drittel

(63,6 %), der durch den AI-Act betroffenen Unternehmen,

haben bisher kaum oder keine Maßnahmen

gesetzt, 27,3 Prozent sind sich der Anforderungen

noch nicht oder nur wenig bewusst.

Nur 13,7 Prozent der Unternehmen bewerten ihr

Wissen über die Anforderungen des AI-Acts als

sehr hoch. „Der Anpassungsbedarf wird unterschätzt.

Unternehmen müssen schnell handeln,

um regulatorische Anforderungen nicht nur zu

erfüllen, sondern auch als Innovationschance zu

nutzen“, ergänzt Hölzl abschließend. (RED)


LOGISTIK EXPRESS (AT) LE 3/2025 | S16

Handel & Distanzhandel

Shoppingcenter

Performance Report:

Expansion im Handel

nimmt leicht an Fahrt

Erste Ergebnisse des neuen Shoppingcenter

Performance Report Österreich (SCPRÖ 2025)

zeigen vorsichtige Aufbruchstimmung unter

Händlern. Präsentation & Award-Verleihung

am 18. September beim Handelsflächenforum

2025 in Wien. REDAKTION

Die Stimmung unter Handelsunternehmen

mit Standorten in österreichischen

Einkaufszentren bleibt

vorerst verhalten, wie erste Auswertungen

des diesjährigen Shoppingcenter Performance

Reports Österreich (SCPRÖ 2025) zeigen.

Die aktuelle, vom Beratungsunternehmen

ecostra durchgeführte Mieterbefragung deutet

jedoch auf eine moderate Belebung der Expansionspläne

im Handel hin. Im Schnitt planen die

befragten Filialunternehmen im laufenden Jahr

2,9 Neueröffnungen – ein leichter Anstieg gegenüber

dem Vorjahr (2,5). Gleichzeitig nimmt

jedoch auch die Zahl der geplanten Geschäftsschließungen

mit durchschnittlich 1,6 leicht zu.

Expansionsziel Innenstadt

Bei der geplanten Expansion stehen innerstädtische

Geschäftsstraßen aktuell an erster Stelle.

In der durchschnittlichen Benotung (Skala von 1

= sehr hohes Interesse bis 5 = kein Interesse) erreichen

sie einen Wert von 1,98. Mit deutlichem

Abstand folgen innerstädtische Einkaufszentren

(2,67) und Fachmarktzentren (2,81). Erst danach

kommen Shopping Malls in Stadtteillage (3,07)

und auf der „Grünen Wiese“ (3,29). Nur 16 % der

befragten Händler geben an, dass sich ihre Filialen

in Einkaufszentren zuletzt besser entwickelt

hätten als jene in zentralen Lagen.

„Es zeigt sich eine gewisse Rückbesinnung auf

hochfrequentierte Innenstadtlagen, die für viele

Marken strategisch attraktiver geworden sind“,

erklärt Joachim Will, Geschäftsführer von ecostra.

„Es ergeben sich offensichtlich neue Chancen

für Innenstädte. Dabei wird es erforderlich sein,

dass die Städte die für den Handel notwendigen

Standortbedingungen sicherstellen und insbesondere

auch an der Aufenthaltsqualität in den

zentralen Lagen arbeiten. Denn unterm Strich

bleibt die Expansionstätigkeit weiterhin verhalten

und neue Standorte werden nur sehr selektiv

eröffnet: nämlich dort, wo diese Bedingungen

gegeben sind.“

„Handel findet dort statt wo Leben ist. Die Mieterumfrage

zeigt, dass der Handel weiterhin großes

Interesse an Innenstädten hat, wenn diese ihre

Hausaufgaben machen und ihre Attraktivität erhalten.

Große Pluspunkte sind etwa die vielfältige

Nutzungsdurchmischung, kürzere Wege und

stärkere Verankerung im Alltag der Menschen“,


so Rainer Will, Geschäftsführer des Handelsverbandes.

„Dennoch bleiben auch Einkaufszentren

weiterhin ein zentraler und gut funktionierender

Vertriebsstandort für sehr viele Handelsunternehmen.“

Mietbelastung bleibt großes Thema

Für die Handelsunternehmen bleibt die Kostenstruktur

ein zentraler Faktor. Laut dem von ecostra

verfassten Report betrachten die befragten Filialisten

insbesondere steigende Mietkosten durch

Indexmieten (Ø 1,25 auf einer Skala von 1 = sehr

hohes Problem bis 5 = kein Problem) sowie Nebenkosten

(Ø 1,56) als drängendste Herausforderungen

beim Betrieb von Shops in Einkaufszentren.

Mit einigem Abstand dahinter liegen

„Personalengpässe“ (Ø 2,13), „Konsumzurückhaltung

der Verbraucher“ (Ø 2,25) und „Kundenfrequenz“

(Ø 2,37).

Zwei Drittel haben deshalb in jüngerer Vergangenheit

Gespräche mit Vermietern über Anpassungen

geführt. Die Lösung der Kostenthematik

sehen ebenso zwei Drittel in einer stärkeren

Berücksichtigung von Umsatzkomponenten bei

der Mietgestaltung.

Preisverleihung beim Handelsflächenforum

Die vollständigen Ergebnisse des Reports sowie

die Auszeichnung der bestbewerteten Shopping

Malls und Retail Parks aus Sicht der Mieter

werden am 18. September 2025 beim neuen

Handelsflächenforum in Wien präsentiert. „Mit

dem Handelsflächenforum schaffen wir für alle

Entscheider:innen der Branche eine einzigartige

Plattform für Austausch, Analyse und innovative

Ansätze rund um Handelsimmobilien. Die

Ergebnisse des Shoppingcenter Performance

Report Österreich sind ein wichtiger Impulsgeber

für diesen Dialog“, schließt Handelssprecher

Rainer Will.

Das Portfolio der zu bewertenden Center bestand

in diesem Jahr aus 156 Standorten, davon

97 Shopping Malls und 59 Fachmarktzentren

(Retail Parks). Die Mieterbefragung lief von

Dezember 2024 bis März 2025, wobei 70 (Vorjahr:

60) Unternehmen mit insgesamt 1.605

Shops teilnahmen. Das Ranking der aus Mietersicht

erfolgreichsten Einkaufszentren wird im

Rahmen des Handelsflächenforums veröffentlicht.

(RED)


LOGISTIK EXPRESS (AT) LE 3/2025 | S18

Handel & Distanzhandel

Leben in bewegten

Zeiten: Wohnzimmer statt

Weltvertrauen

Wie zufrieden sind die Menschen in Österreich

mit ihrem Leben – und was belastet sie? Der

Life-Index von Marketagent mit mehr als 5.500

Befragten liefert Antworten auf diese Fragen

und beleuchtet das Lebensgefühl der Bevölkerung

inmitten globaler Krisen, wirtschaftlicher

Unsicherheiten und gesellschaftlicher

Spannungen.

REDAKTION

Ein Jahr lang (von April 2024 bis März

2025) wurden Personen aus der

DACH-Region in der Marketagent-App

zu Themen wie Lebenszufriedenheit,

Lebensstil, Sorgen und Zukunftserwartungen

befragt. Herausgekommen sind mehr als 7.500

Interviews – 5.567 davon in Österreich. Die Ergebnisse

zeichnen ein differenziertes Bild

zwischen Optimismus, Alltagsbelastung und

Wunsch nach Veränderung.

Familie als Rückzugsort in unsicheren Zeiten

Im Durchschnitt liegt die allgemeine Lebenszufriedenheit

bei 2,3 auf einer fünfstufigen Skala

– das bedeutet: Eine Mehrheit ist zufrieden,

aber nicht rundum glücklich. 67% der Österreicher

bewerten ihr Leben als sehr oder eher

zufriedenstellend. Besonders hohe Zufriedenheitswerte

gibt es im Bereich Familie (74%) und

Wohnsituation (73%), während die Selbstverwirklichung

(57%) und vor allem die finanzielle

Lage (47%) deutlich hinterherhinken.

„In Zeiten von Teuerung, geopolitischer Instabilität

und sich wandelnden Arbeitsbedingungen

zeigt sich: Das Zuhause und die Familie bleiben

der emotionale Anker der Menschen.

Gerade in unsicheren Phasen suchen viele Halt

im Privaten – es sind die vertrauten Beziehungen

und das eigene Wohnumfeld, die Stabilität

und Sinn vermitteln“, so Andrea Berger, Research

und Communications bei Marketagent.

Sorgen: Inflation, Gewalt und globale Krisen

Die Sorgenliste der Bevölkerung ist lang. Am

meisten Kummer bereiten den Menschen hierzulande

die Inflation und steigende Lebenshaltungskosten

(73%), gefolgt von (zunehmender)

Gewalt und Kriminalität (69%) sowie Kriegen

weltweit (65%). In Summe ist es eine tiefe gesellschaftliche

Unruhe, die sich auch im subjektiven

Stresslevel widerspiegelt: 21% geben an, im Alltag

sehr oder eher stark gestresst zu sein.

Lebensstil: Anspruch und Realität

klaffen auseinander

Ein gesunder Lebensstil ist vielen wichtig – doch

die Realität hinkt hinterher. Nur 52% glauben,

sich ausgewogen zu ernähren, 54% bewegen

sich ausreichend. Auch das Gesamtempfinden,

gesund zu leben, erreicht nur 57% Zustimmung.

Zu ausreichend Schlaf kommen immerhin 59%

– doch auch hier bleibt Luft nach oben. Der

Wunsch nach Verbesserung ist spürbar.

About Marketagent

Marketagent sieht sich gleichermaßen als

Pionier und Innovationsführer der digitalen

Markt- und Meinungsforschung in Österreich.

Mit einem Fokus auf quantitative und

qualitative Consumer Research Projekte

realisiert Marketagent jährlich über 1.300

Studien an den Standorten Baden, Wien,

Maribor und Zürich. Das Herzstück unseres

Instrumentariums ist ein 3 Mio. Personen

umfassendes Online-Panel, welches

im Januar 2010 als erster Access Pool der

D-A-CH-Region ISO-zertifiziert und im

Jänner 2024 nach der aktuellsten ISO Norm

20252 rezertifiziert wurde. Zu unseren Kunden

zählen nationale und internationale

Top-Unternehmen wie die Telekom Austria

AG, Bank Austria, McDonald‘s, Spar, die Österreichische

Post AG, Generali oder Hervis.

Die Themenfelder und Forschungsschwerpunkte

sind vielfältig und decken sämtliche

Bereiche der Markt- und Meinungsforschung

ab. www.marketagent.com


Zwischen Ideal und gelebter Realität

Rund zwei Drittel der Befragten sehen ihr Leben

(eher) im Einklang mit ihren Idealvorstellungen

(68%). Gleichzeitig geben 46% an, sie würden

einiges oder fast alles anders machen, könnten

sie ihr Leben nochmals leben. Die Kluft zwischen

innerem Anspruch und äußerer Realität ist damit

klar messbar.

Optimismus mit Schatten

Entgegen dem Klischee vom „grantigen“ Österreicher

bezeichnen sich fast drei Viertel der

Umfrageteilnehmer selbst als sehr oder eher

optimistisch (74%). Dennoch geben nur 57% an,

positiv in ihre persönliche Zukunft zu blicken.

Das beliebteste Lebensmotto der Österreicher

ist „Denke positiv“ (52%) – eine Haltung, die

offenbar sowohl Wunsch als auch Bewältigungsstrategie

ist.

eine belastende Realität“, interpretiert Thomas

Schwabl, Gründer und Geschäftsführer von Marketagent,

die Datenlage.

Fazit: Österreich zwischen

Belastung und Zuversicht

Die Ergebnisse des Marketagent Life-Index

zeigen eine Gesellschaft im Spannungsfeld

zwischen Unsicherheit und Resilienz. Viele

Menschen kämpfen mit finanziellen Herausforderungen,

einem ungesunden Lebensstil und der

Angst vor globalen Entwicklungen. Gleichzeitig

bleibt die Hoffnung erhalten – getragen von

Familie, stabilen Wohnverhältnissen und dem

eigenen Wunsch nach einem erfüllten Leben.

(RED)

„Der Optimismus bleibt – aber er ist brüchiger

geworden. Die Menschen suchen Halt in positiven

Grundhaltungen, auch wenn sie sich innerlich

nicht immer getragen fühlen. Positive Leitsätze

wie ‚Denke positiv‘ fungieren dabei nicht

immer als Ausdruck echter Zuversicht, sondern

zunehmend als mentale Schutzschilde gegen

Studiensteckbrief:

• Auftraggeber: Eigenstudie

• Methode: Mobile Research Tool

via Smartphone App

• Erhebungszeitraum: 4.4.2024 – 31.3.2025

• Sample-Größe: n = 7.513 Netto-Interviews

im DACH-Raum, davon n = 5.567 Netto-

Interviews in Österreich

• Kernzielgruppe: Personen im Alter

zwischen 14 und 99 Jahren I

Inzidenz: 100%

• Quotensteuerung: Sample repräsentativ

für die jeweilige Bevölkerung | gewichtet


LOGISTIK EXPRESS (AT) LE 3/2025 | S20

Handel & Distanzhandel

KI-Boom in Österreich:

KI-Commerce auf dem

Vormarsch

Der neue, branchenübergreifende AI Readiness

Report von Handelsverband und Google Austria

zeigt: KI ist kein Trend mehr, sondern im Alltag

angekommen. Age Gap & Gender Gap im Fokus.

15% der Betriebe verzeichnen bereits Umsatzsteigerung.

GERALD KÜHBERGER

Künstliche Intelligenz (KI) wird das Leben

und Wirtschaften in Österreich so

stark verändern wie kaum eine andere

Technologie. Der Handelsverband

und Google Austria liefern jetzt erstmals einen

umfassenden, branchenübergreifenden Überblick

über die Nutzung und Wahrnehmung von

KI in Österreich – sowohl aus Sicht der Konsument:innen,

als auch der Wirtschaft.

Die Kernergebnisse:

• 42% der Österreicher:innen haben eine positive

Einstellung zu KI – ein deutlicher Anstieg gegenüber

2024.

• Age Gap: Die Gen Z ist Vorreiter: 66% blicken

optimistisch auf KI, jede:r Zweite gibt an, bereits

gutes KI-Wissen zu haben. Gen Z nutzt KI-Dienste

bereits nahezu flächendeckend.

• Gender Gap: Männer bewerten KI deutlich positiver

als Frauen (50% vs. 35%)

• Besonders gefragt: KI-Shopping-Assistenten

– 67% wünschen sich Hilfe bei Preissuche und

50% Produktempfehlungen.

• ChatGPT ist das bekannteste KI-Tool, gefolgt

von Meta AI und Google Gemini.

• 17% der KI-Nutzer:innen in der Gen Z nutzen

diese häufig für Lebensberatung – ein wachsendes

Anwendungsfeld.


• 68% aller befragten heimischen Betriebe nutzen

KI, vor allem für Texterstellung (49%), Übersetzung

(41%) und Suche (37%).

• Erfolge sind bereits messbar: 1/3 aller Unternehmen

verzeichnet Effizienzgewinne durch KI, 22%

Kostenersparnisse, 15% Umsatzsteigerungen.

Optimismus in Österreich: Einstellungen

gegenüber KI zunehmend positiv

Die grundsätzliche Einstellung zu KI ist bei 42%

der Konsument:innen positiv. Dieser Wert ist

deutlich gestiegen: Im letzten Handelsverband

Consumer Check vom April 2024 lag er noch bei

37%. Gleichzeitig sank der Anteil der Kritiker:innen

deutlich – von 52% auf aktuell 22%.

Age Gap: Gen Z ist Vorreiter, KI

fast flächendeckend im Einsatz

Besonders offen gegenüber KI zeigt sich die Generation

Z: Zwei Drittel (66%) der zwischen 1997

und 2007 geborenen Österreicher:innen sehen

die Entwicklungen positiv, 57% beschreiben ihr

Interesse und ihre Begeisterung für Technologie

als hoch, 51% verfügen laut eigener Einschätzung

über solides KI-Wissen. Entsprechend ist

das Nutzungsverhalten: Die Jugend setzt KI fast

flächendeckend ein (95%).

Anders bei älteren Generationen ab 60 Jahren:

Nur ein Drittel blickt positiv auf KI. Entsprechend

geringer sind auch das Interesse für Technologie

(30%) und das KI-Wissen (13%). Ein Drittel der

Gesamtbevölkerung bleibt ganz außen vor und

nutzt KI gar nicht.

Hoffnungen auf Longevity & Effizienz, Bedenken

hinsichtlich Cybercrime

Über alle Altersgruppen hinweg verbinden die

Menschen mit KI vor allem mögliche medizinische

Fortschritte (56%) positiv, besonders ausgeprägt

ist diese Hoffnung bei den älteren Befragten

(69%). Weitere Hoffnungen liegen in

Effizienzsteigerungen (40%) und besserem Zugang

zu Wissen (38%). Die Gen Z wünscht sich

vor allem mehr Convenience im Alltag – etwa

durch Verbesserungen im täglichen Leben

(44%), bei den Arbeitsbedingungen (25%) oder

in der Alltagsorganisation (33%).

Böswillige Szenarien wie Deepfakes oder Cyberangriffe

werden von einer Mehrheit als reale

Bedrohung wahrgenommen. Ein Drittel der

Gesamtbevölkerung (33%) befürchtet den Verlust

von Arbeitsplätzen bzw. wirtschaftliche

Ungleichheit durch KI – bei der Gen Z ist diese

Sorge mit 42% allerdings deutlich stärker ausgeprägt.

"KI ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen.

Es besteht auch ein klarer Zusammenhang

zwischen Wissen und Einstellung: 78%

derjenigen, die ihr eigenes KI-Wissen als gut

einschätzen, sehen Künstliche Intelligenz auch

insgesamt positiv. Aufklärung und praktische Er-


LOGISTIK EXPRESS (AT) LE 3/2025 | S22

fahrung sind zentrale Hebel, um das Vertrauen in

KI-Technologien zu stärken", erklärt Rainer Will,

Geschäftsführer des freien, überparteilichen

Handelsverbands.

Deutliche Geschlechterunterschiede: Männer

optimistischer als Frauen

Spannend ist auch der Gender Gap im KI-

Bereich: Männer stehen Künstlicher Intelligenz

deutlich positiver gegenüber als Frauen. "Während

exakt die Hälfte der Männer eine sehr

oder eher positive Einstellung zu KI hat, sind es

bei den Frauen nur 35%. Auch mit Blick auf die

Zukunft überwiegt bei Männern der Optimismus:

54% erwarten, dass KI ihr Leben in den nächsten

fünf Jahren positiv beeinflussen wird – bei den

Frauen glaubt das nur gut ein Drittel (37%)", so

Martina Oberrauch, Studienleiterin und Senior

Research Consultant bei Reppublika Research &

Analytics.

Zwei Drittel wünschen KI-Shopping-Assistent

Der persönliche KI-Assistent beim Shoppen?

Das finden fast alle gut: 67% wünschen sich

Unterstützung bei der Suche nach dem günstigsten

Angebot. 50% interessieren sich für Produktempfehlungen

und Anbieter-Vergleiche.

Zurückhaltender sind die Österreicher:innen

hingegen bei automatisierten Einkaufslisten

oder geschmacklichen Entscheidungen – hier

möchte nur ein Drittel Verantwortung an KI abgeben.

Bei der Gen Z hingegen sind KI-Shoppinglösungen

besonders gefragt: "Geld sparen dank KI!

Die Hälfte aller jungen Konsument:innen würden

ihren Einkauf gern weitgehend an einen KI-

Assistenten delegieren, um Zeit zu sparen und

personalisierte Empfehlungen zu erhalten. Angesichts

der rasanten Entwicklung hin zu KI-gesteuertem

Einkaufen und Bezahlen – Stichwort

Agentic Commerce – sind das bemerkenswerte

Zahlen. KI-Shopping birgt enormes Potenzial",

bestätigt Rainer Will.

KI-Tool-Ranking: ChatGPT, Meta AI & Google

Gemini am bekanntesten

Der bekannteste KI-Dienst ist ChatGPT – knapp

drei Viertel der Bevölkerung ist der Dienst zumindest

ein Begriff. Ein Fünftel der Österreicher:innen

– und 60% der Gen Z – nutzt ChatGPT mehrmals

pro Woche, rund jede:r Zehnte sogar täglich.

Mit einer Bekanntheit von 52% rangiert Meta AI

(Llama 4) auf Platz 2 unter den KI-Tools. Durch die

Integration in den Messenger-Dienst WhatsApp

wurde das Angebot direkt zum Nutzer gebracht

– 13% der Bevölkerung verwenden es mehrmals

wöchentlich. Google Gemini folgt mit 34% Bekanntheit

auf Platz 3, danach Microsoft Copilot

(24%), der Übersetzungsdienst DeepL (19%) und

der chinesische Chatbot DeepSeek (18%). Etwas

abgeschlagen sind die Bildgenerierungstools

DALL·E und Leonardo mit je 6%.

"Ich freue mich, dass KI Chat Bots vor allem bei

Jüngeren intensiv genutzt werden. Mit den neuesten

Entwicklungen wie AI Overviews und AI

Mode macht die Google Suche generative KI für

noch mehr Menschen zugänglich. Generative KI

und Google Gemini sind jetzt schon auf einem

sehr guten Weg, für die breite Masse der User

großen Nutzen zu bringen", sagt Maimuna Mosser,

Country Director von Google Austria.

KI als Lebensbegleiter? Jeder Sechste aus der

Gen Z nutzt KI häufig für Lebensberatung

Der häufigste Einsatzzweck von KI unter allen

österreichischen Nutzer:innen ist die Erstellung,

Übersetzung oder Überarbeitung von Texten

(51% der Nutzer:innen geben dies als einen ihrer

drei häufigsten KI-Einsatzbereiche an). 44% geben

an, dass konkrete Fragen an die KI zu ihren

hauptsächlichen Einsatzzwecken zählen – etwa

Fragen zu Kultur, Finanzen, Recht, Energie, Naturwissenschaften

oder Politik.

Jede:r Dritte (29%) lässt sich von KI auch häufig

inspirieren – z. B. bei Freizeitgestaltung, Ausflügen,

Urlaubsplanung oder Rezeptideen. Rund

ein Fünftel nutzt KI stark zur Problemlösung, für

unterhaltsame Inhalte oder Lifestyle-Fragen.

Ein wachsendes Anwendungsfeld bei der Gen

Z: 17% zählen auch KI-basierte psychologische

Beratung zu ihren häufigsten Nutzungsgründen

von KI – etwa bei Beziehungsfragen, Kindererziehung

oder im Rahmen von Selbst-Coaching.

Zukunftserwartungen gemischt

Knapp die Hälfte der Bevölkerung (47 %) erwartet,

dass KI das eigene Leben in den nächsten fünf

Jahren stark beeinflussen wird. 45 % rechnen mit

einer positiven Entwicklung, 30 % sind unsicher,

25 % sehen die Zukunft mit KI eher negativ.

(RED)


#futureofretail

Der Kongress

für Retail

Technology

techday.at

RETAIL

TECH

DAY

TECH GATE VIENNA

19. NOVEMBER

2025


LOGISTIK EXPRESS (AT) LE 3/2025 | S24

Handel & Distanzhandel

Wenn die KI zum

Kreativdirektor wird:

Hat der Mensch im

Marketing eine Zukunft?

Die Marketing Landschaft steht vor einem radikalen

Wandel: Mit dem Siegeszug von generativer

Künstlicher Intelligenz lassen sich Slogans,

Texte, Bilder und ganze Kampagnen per Mausklick

erstellen. REDAKTION

Unternehmen sparen Zeit, Agenturen

optimieren Prozesse, und Content

wird schneller produziert als je zuvor.

Doch während Effizienz und Automatisierung

gefeiert werden, geht eine zentrale

Frage unter: Was macht Marken noch einzigartig,

wenn alle dieselben Tools nutzen?

Der neue Kreativdirektor heißt ChatGPT

und arbeitet rund um die Uhr

Künstliche Intelligenz ist im Marketing angekommen

– nicht als stiller Helfer im Hintergrund,

sondern als Hauptdarsteller. Kampagnen,

die früher in monatelanger Arbeit entwickelt

wurden, entstehen heute per Mausklick. Headlines,

Slogans, Plakatmotive, ja sogar ganze

Werbespots: Generative KI liefert sie in Sekundenschnelle.

Viele Unternehmen feiern das als

Fortschritt – schneller, günstiger, skalierbarer

Content. Doch hinter der Euphorie steht eine unbequeme

Wahrheit: Die kreative Identität vieler

Marken beginnt zu verschwimmen.

Was lange Zeit der USP von Agenturen und Kreativabteilungen

war – Intuition, Empathie, Stilbewusstsein

– droht zur Commodity zu werden.

Was früher Differenzierung schuf, liefert heute

Mainstream. Denn Maschinen produzieren, was

sie gelernt haben: den Durchschnitt.

Der Preis der Effizienz:

Wenn Content beliebig wird

Effizienz ist verführerisch. Sie verspricht mehr

Output bei weniger Ressourcen, ein Traum für

jedes Marketing Team. Doch in dieser Gleichung

fehlt ein entscheidender Faktor: Relevanz. KI

kann zwar in kurzer Zeit große Mengen Content

produzieren, doch was dabei oft verloren geht, ist

das Gefühl. Die Seele der Marke. Die Geschichte

hinter dem Produkt.

Wer sich durch Social Media scrollt, erkennt

schnell das Muster: KI-generierte Inhalte sind

sauber, glatt, korrekt, jedoch selten berührend.

Weil sie auf Ähnlichkeit trainiert sind, nicht auf

Identität. Zwischen den Posts verschwimmen

die Unterschiede. Marken verlieren ihre Handschrift.

Und in der Masse wird das eigentlich Einzigartige

zur Randnotiz.


Unser Gehirn reagiert auf Wiederholung mit Langeweile.

Was zu oft gesehen wurde, wird ausgeblendet.

Reize verpuffen. Genau das passiert,

wenn Marken ohne individuelle Tonalität, ohne

Haltung, ohne mutige Brüche kommunizieren. KI

kann vieles, aber nicht polarisieren. Und genau

das braucht starke Markenführung.

Psychologie schlägt Technologie:

Warum Menschen Authentizität spüren

Markenführung war nie rein rational. Menschen

kaufen nicht nur Produkte, sie kaufen Gefühle,

Zugehörigkeit und Weltbilder. Und sie spüren instinktiv,

ob diese Gefühle echt sind. Ein zu perfektes

Werbebild wirkt steril. Ein zu glatter Text

klingt generisch. Emotion entsteht nicht durch

Perfektion, sondern durch Bedeutung. Und Bedeutung

entsteht durch das, was uns als Menschen

ausmacht: Widersprüche, Humor, Unsicherheit,

Intuition.

KI-generierter Content hat oft ein Problem: Er

ist „zu richtig“. Er meidet Fehler, vermeidet Extreme,

bleibt in der Mitte. Doch genau diese

Reibungspunkte – der absurde Vergleich, das

überraschende Wortspiel, die ungewöhnliche

Perspektive – machen Kommunikation erinnerbar.

Menschen spüren, ob eine Marke mit ihnen

spricht, oder bloß für sie textet. Gerade in Zeiten,

in denen Technologien wie Midjourney, DALL·E

und Co. perfekte Bilder erschaffen, wird das Unperfekte

wieder wertvoll. Der eine Moment, der

nicht gestellt wirkt. Der Satz, der hängen bleibt,

weil er nicht hundertfach ausgetestet wurde.

Echtheit ist nicht messbar – aber spürbar. Und

sie wird zum entscheidenden Differenzierungsfaktor

im KI-Zeitalter.

Warum gerade jetzt starke

Markenführung zählt

Die große Gefahr besteht nicht darin, dass KI

„zu gut“ wird. Sondern dass sich Marken zu sehr

auf sie verlassen. Wer jeden kreativen Prozess

auslagert, verliert früher oder später das Gespür

für die eigene Identität. Marketing wird dann

zum reinen Ausspielungsprozess, ohne inneren

Kompass und ohne emotionale Tiefe. Dabei war

Markenführung noch nie so wichtig wie heute. In

einer Welt, in der sich Inhalte massenhaft ähneln,

wird Haltung zur stärksten Währung. Wer sichtbar

bleiben will, braucht mehr als gute Tools.

Er braucht eine klare Vision, einen konsistenten

Ton, ein durchdachtes Wertesystem.

KI kann uns helfen, diese Elemente

effizient umzusetzen. Aber sie kann sie

nicht ersetzen. Denn Marken entstehen

im Inneren – in der Kultur eines Unternehmens,

im Selbstbild des Gründers, im

täglichen Kontakt mit der Zielgruppe. Dort

entscheidet sich, ob Kommunikation nur

korrekt oder auch kraftvoll ist.

Drei Prinzipien für kreative Markenarbeit im

KI-Zeitalter

1. Ecken zeigen statt glätten: KI optimiert auf

Konsens. Doch Konsens verkauft keine Vision.

Wer auffallen will, muss bereit sein, Kanten zu

zeigen. Authentizität entsteht nicht durch Harmonie,

sondern durch Profil.

2. Persönlichkeit zulassen: Gründer, Mitarbeitende,

Kunden – sie alle tragen die Identität einer

Marke. Ihre Stimmen machen Kommunikation

glaubwürdig. Menschen folgen Menschen, nicht

Algorithmen.

3. KI als Werkzeug, nicht als Ersatz: Der kluge

Einsatz von KI spart Zeit und schafft Raum für

strategische Tiefe. Wer repetitive Aufgaben auslagert,

gewinnt Kapazität für das, was Maschinen

nicht können: Bedeutung, Kontext, Intuition.

Fazit: Der Mensch hat nicht ausgedient –

er ist wieder gefragt

Die Zukunft des Marketings ist nicht rein technologisch.

Sie ist hybrid. KI wird Prozesse beschleunigen,

Inspiration liefern, Umsetzung erleichtern.

Aber sie ersetzt nicht das, was Marken wirklich

stark macht: Menschlichkeit. Haltung. Kreative

Tiefe. Wer im Marketing der Zukunft erfolgreich

sein will, braucht mehr als Tools, er braucht Mut.

Den Mut, anders zu sein. Den Mut, wieder selbst

zu denken. Den Mut, auf echte Emotionen zu

setzen statt auf maschinelle Perfektion. Denn

auch wenn der Content von Maschinen kommt

– die Verbindung entsteht zwischen Menschen.

Und genau das ist es, was Marken unvergesslich

macht. (RED)


LOGISTIK EXPRESS (AT) LE 3/2025 | S26

Handel & Distanzhandel

eCommerce Day 2025:

Onlinehandelskongress

versammelte 300 Retail

Gamechanger

Gipfeltreffen der eCommerce-Branche mit

internationalem Speaker-Lineup & Spitzenvertretern

der EU. Austrian Trustmark Awards an

Hornbach, Caesaro Med und Walser verliehen.

30-Jahre-Jubiläum für Gütesiegel "Trustmark

Austria". GERALD KÜHBERGER

Der diesjährige eCommerce Day des

Handelsverbandes fand am 12. Juni

2025 in der Ariana Wien (Seestadt

Aspern) statt und bot einmal mehr

eine große Plattform für Unternehmen, Expert:innen

und eCommerce-Player, um die neuesten

Trends und Entwicklungen der Branche zu erkunden.

Mit mehr als 300 Gästen und einer Vielzahl

an hochkarätigen Speaker:innen war die

Veranstaltung ein voller Erfolg. Geboten wurde

ein umfassender Einblick in die Gegenwart und

Zukunft des Onlinehandels.

HV-Geschäftsführer Rainer Will eröffneten die 25.

Ausgabe des wichtigsten österreichischen Onlinehandelskongresses,

Puls4-Anchor Werner

Sejka moderierte charmant durch das Tagesprogramm.

Die Themenpalette reichte heuer von

den spannendsten KI-Entwicklungen über Retail

Media und Retourenvermeidung im eCommerce

bis hin zu TikTok Shop, Data-Driven-Marketing

und den Auswirkungen des US-Zollpolitik auf

den europäischen Onlinehandelsmarkt.

Spitzenvertreter der EU beim eCommerce Day

Michael McGrath, irischer EU-Kommissar für Demokratie,

Justiz und Rechtsstaatlichkeit, betonte

in seinem Eröffnungsstatement die wichtige Rolle

der europäischen Handelsbranche als größter

privatwirtschaftlicher Arbeitgeber mit mehr als

30 Millionen Beschäftigten. Er bedankte sich

beim Handelsverband und den österreichischen

Händlern für den unermüdlichen Einsatz und

die Resilienz in wirtschaftlich herausfordernden

Zeiten. Gleichzeitig sprach er die mutmaßlichen

Verstöße gegen EU-Recht durch Fernost-Plattformen

wie Temu und Shein explizit an.

RAINER WILL

Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer

dankte dem Handelsverband und der gesamten

Branche in seiner Rede ebenfalls für die vertrauensvolle,

gute Zusammenarbeit. Er hob das Mittelstandspaket

hervor, welches u.a. das Ende der

Belegausdruckpflicht für Kleinbeträge, die Erweiterung

der Basispauschalierung, beschleunigte

Genehmigungen und die Abschaffung der

NoVA für Klein-LKW bringt. Mehr dazu HIER. Er

lobte das 4-Punkte-Aktionsprogramm von HV

und Greenpeace und versprach, die Marktüberwachungsinstrumente

gezielt einzusetzen, um

ein Level Playing Field im österreichischen und

europäischen Onlinehandel sicherzustellen. „Es

kann nicht sein, dass heimische Unternehmen

einen deutlichen Nachteil haben gegenüber

Händlern aus dem asiatischen Raum.


https://www.logistik-express.com/blogtour/

Nur mit einem starken Handel und einer starken

Interessenvertretung werden wir auch gemeinsam

das Comeback von Leistung und Wettbewerb

in Österreich schaffen“, so Minister Hattmannsdorfer.

Eines der vielen Highlights der Veranstaltung war

die Keynote von Luca Cassetti, Generalsekretär

der europäischen Dachorganisation Ecommerce

Europe. Er widmete seinen Vortrag den Lösungen,

wie wir in Europa mehr Fair Play im Handel

sicherstellen können. Seine Empfehlung? Die

zeitnahe Abschaffung der 150-Euro-Zollfreigrenze

sowie die Einführung einer Bearbeitungsgebühr

von 2 Euro auf alle B2C-Pakete aus

Drittstaaten. Die EU-Kommission will diese beiden

Forderungen zwar umsetzen, allerdings erst

2028. Der Handelsverband und Ecommerce Europe

setzen sich für eine frühere Umsetzung ein.

Umsätze im Distanzhandel steigen auf 12,5 Milliarden

Euro

Im Anschluss stellte Harald Gutschi, OTTO Austria-Geschäftsführer

sowie Vizepräsident des

Handelsverbandes und Leiter der Plattform

"eCommerce, Marktplätze & Versandhandel", gemeinsam

mit Wolfgang Ziniel, Senior Researcher

bei der KMU Forschung Austria, die Kernergebnisse

der brandneuen eCommerce Studie Österreich

2025 vor. Stark: In den letzten 12 Monaten

sind die Ausgaben der Österreicher im Distanzhandel

auf 12,5 Milliarden Euro angestiegen.

„eCommerce ist im Umbruch. Die Umsätze steigen,

aber auch die Marktkonzentration und der

Preisdruck nehmen massiv zu“, erklärte Harald

Gutschi.

Die Psychologie der Retoure

Klemens Huber, Senior Customer Centricity

Manager von Ernsting’s Family, präsentierte

gemeinsam mit Irina Zechmeister, Business

Development & Senior Data Scientist bei

Dialogic, die datengetriebene Marketing- und

Loyalty-Strategie des deutschen Bekleidungshändlers

Ernsting’s Family. „Kunden suchen

immer weniger auf klassischen Wegen, sie

wollen sofort Antworten. Das ändert das Kaufverhalten

und die Frequenz auf den Webshops“,

so Huber.

Jede Retoure im eCommerce kostet den Händler

im Schnitt 19,51 Euro. Wie sich die Retourenquote

am effektivsten verringern lässt, erklärte

Niklas Oberwegner in seinem Vortrag.

Der Wirtschaftspsychologe und Consultant des

Beratungsunternehmens elaboratum unterstützt

Unternehmen dabei, Entscheidungsprozesse

im Onlinehandel mithilfe verhaltensökonomischer

Ansätze gezielt zu optimieren. Sein

Versprechen: Mit ganzheitlicher Retourenvermeidung

(z.B. Qualitätsmanagement, Anpassung

der Produktportfolios, Nudging, etc) kann

die Retourenrate um mehr als 8% gesenkt werden

– ganz ohne kostenpflichtige Retouren!


LOGISTIK EXPRESS (AT) LE 3/2025 | S28

Keine Angst vor der Angst

Diese spielt auch im Umgang mit Künstlicher

Intelligenz eine entscheidende Rolle. Der Handelsverband

hat hierzu gemeinsam mit Google

Austria und Reppublika Research eine großangelegte,

branchenübergreifende Studie durchgeführt

und diese Woche veröffentlicht. Auf

Konsumentenseite nutzen mittlerweile rund

70% KI-Tools, 42% der Menschen sind der KI

gegenüber positiv eingestellt. Auf Unternehmensseite

setzen hierzulande mehr als zwei

Drittel aller Betriebe auf KI, 62% der Firmen haben

eine positive Einstellung zur KI.

"Bei Künstlicher Intelligenz besteht ein klarer

Zusammenhang zwischen Wissen und Einstellung.

78% derjenigen, die ihr eigenes KI-Wissen

als gut einschätzen, sehen Künstliche Intelligenz

auch insgesamt positiv", erklärte Isabel Lamotte,

Projekt- und Partner Managerin beim Handelsverband.

"Die Integration von KI-Werkzeugen basierend

auf Google Gemini ist ein Wendepunkt für viele

Unternehmen. Generative KI ermöglicht nicht

nur eine schnellere und effizientere Aufgabenerledigung,

sondern auch die Schaffung völlig

neuer Inhalte", so Google Austria-Geschäftsführerin

Maimuna Mosser.

Hypes, Trends und Transaktionen

Wie funktioniert Influencer Marketing? Welche

Produkt-Bundles funktionieren auf welchen Online-Kanälen?

Nach welchen Algorithmen spielt

Instagram Content aus? Welche Erwartungen

haben Händler an den TikTok Shop? Über all

diese Fragen diskutierten Ana-Maria Achim,

Sales Consultant bei CRIF Austria, Evgenij Isakulov,

eCommerce Sales Leader von Nielsen IQ,

Victor Vescei, Gründer und Geschäftsführer der

TikTok-Agentur Marswalk und Influencer Max

Weißenböck aka MaxaMillion, Gründer und Geschäftsführer

von Gamechanger Socks.

Als einer der größten Zukunftsmärkte im Einzelhandel

gilt Retail Media. Allein 2024 wurden

damit weltweit mehr als 136 Milliarden Dollar

generiert. Wie auch europäische Händler vom

Retail Media-Trend profitieren können, erklärten

Lena Schütze, Team Lead Client Services &

Consulting von Douglas, und Kim Koszuszeck,

Client Partner Retail von Meta, in ihrer spannenden

Best Practice-Präsentation.

Ein weiterer Megatrend – Nachhaltigkeit – stand

im Zentrum des Vortrags von Nicolaus Fabian

und Daniel-Sebastian Mühlbach von der Österreichischen

Post. Die beiden fokussierten auf

Umweltaussagen in der Nachhaltigkeitskommunikation,

Stichwort Green Claims-Richtlinie. Der

Handelsverband hat hierzu ein eigenes Positionspapier

veröffentlicht.

All Eyes on: Innovation

In der traditionellen Innovation-Session, die

von Markus Kuntke (Head of Trend and Innovation

bei der Rewe Group) und Schirmherr

Damir Leko (Country General Manager Austria

der Nexi Group) mit viel Know-how moderiert

wurde, durften Rudolf Mayrhofer-Grünbühel

(Global Office), Thomas Tauchner (Jentis), Nina

Martl (Loyo World), Magali Kirsch (SoPost) und Alexander

Planitzer (ViaBirds) live on stage ihre innovativen

Lösungen für den Handel präsentieren.

Als bahnbrechende Innovation in Sachen Zustellung

gilt Quick Commerce – die ultraschnelle

Lieferung innerhalb einer Stunde. Wie Quick

Commerce erfolgreich und kostensparend funktionieren

kann, darüber sprachen Handelsverband.swiss-Geschäftsführer

Bernhard Egger,

MediaMarkt-Head of Supply Chain & Logistics

Klaus Koller, Stephan Lüger, Commercial Director

bei Knuspr & Gurkerl sowie Natascha Mauthner,

Country Director bei Lieferando Österreich. Die

Runde einigte sich auf das Motto „gemeinsam

wachsen“ – einfach, zeitsparend und verlässlich.

Trustmark Awards 2025 für Hornbach, Caesaro

Med und Walser

Krönender Abschluss des eCommerce Day

2025 war die Verleihung der Austrian Trustmark

Awards an die besten österreichischen Webshops.

Handelsverband-Geschäftsführer Rainer

Will und Patrick Schabhüttl von Hermes Logistik

– Schirmherr der TMA Awards – verliehen die

begehrten Auszeichnungen heuer an walsershop.at

(Best B2B-Webshop), caesaromed.com

(Best KMU-Webshop) und hornbach.at (Best

B2C-Webshop). Der Handelsverband, Hermes

Logistik und die drei Jurymitglieder Gerald Mair

(Pendl Mair Rechtsanwälte), Harald Rametsteiner

(E-Learning Group) und Simon Eder (Verbraucherschlichtung

Austria) gratulieren den drei

Gewinnern herzlich. Der eCommerce Day 2025

wurde großzügig unterstützt von zahlreichen

Sponsoren. Ein herzliches Dankeschön! (RED)


Wien | 2025-09-29

#ECOM-

LOG25

eCommerce

Logistik-Day


LOGISTIK EXPRESS (AT) LE 3/2025 | S30

Handel & Distanzhandel

Hornbach, Caesaro

Med und Walser mit

Austrian Trustmark

Awards ausgezeichnet

Das E-Commerce-Gütesiegel „Trustmark

Austria“ des Handelsverbands feiert heuer sein

30-jähriges Jubiläum mit einem brandneuen

Markenauftritt. Das Design wurde am 12. Juni

bei der Verleihung der Trustmark-Awards an die

besten Webshops des Landes im Rahmen des

eCommerce Day 2025 vorgestellt.

MANUEL FRIEDL.

Das Internet steckte

1995 noch in den

Kinderschuhen. Zugang

gab es nur

per Modem-Verbindung über den

Festnetz-Telefonanschluss. Der dominierende

Browser war der Netscape

Navigator, gesucht wurde über Yahoo!, die

Websites waren textlastig und wurden von

wenigen Pionieren betrieben. Zu diesen Pionieren

gehörte Jeff Bezos, der 1995 Amazon

gründete. Im gleichen Jahr ging mit eBay auch

die erste große Auktionsplattform ans Netz.

Ebenfalls 1995 wurde das erste E-Commerce-Gütesiegel

Österreichs eingeführt.

Heuer feiert das Trustmark Austria, mit dem

sichere und vertrauenswürdig Online-Shops

ausgezeichnet werden, sein 30-jähriges Jubiläum.

Im Zuge des runden Geburtstags wurde

das Trustmark-Austria-Logo runderneuert:

Es zeigt sich nun noch prägnanter, klarer erkennbar

– und unterstreicht mit der neuen

goldenen Farbgebung bleibende Werte und

höchste Ansprüche. Tipp: Ebenfalls zum 30.

Geburtstag gilt noch bis Ende September eine

Minus-30-Prozent-Rabattaktion auf die Prüfund

die Zertifizierungsgebühr für Neukunden.


Im festlichen Rahmen des eCommerce Day wurden

am 12. Juni zum 15. Mal die Austrian Trustmark

Awards vergeben. Das wichtigste heimische

Onlinehandels-Event des Jahres fand

abermals in der Ariana Seestadt in Wien statt.

Die Trustmark Awards zeichnen in Österreich

tätige Handelsunternehmen für den besten

Webshop in drei Kategorien aus. Sie wurden von

Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will

gemeinsam mit Patrick Schabhüttl von Hermes

Austria verliehen. Das Logistik-Unternehmen

trat bereits zum dritten Mal als Schirmherr der

Awards auf.

Bester B2B-Webshop: walser-shop.at

Den Titel als bester Online-Shop im Bereich

„B2B“ (Business to Business) holte heuer der Autozubehör-Spezialist

Walser GmbH. Das Familienunternehmen

aus Hohenems überzeugte mit

einer sehr klar strukturierten und intuitiv bedienbaren

Oberfläche. Die Möglichkeit zur Personalisierung

auf das eigene Automodell und die

direkte Gegenüberstellung von positiven wie

kritischen Produktbewertungen zeigen von der

hohen Serviceorientierung des Unternehmens.

„Retail is detail – das gilt auch für den Online-

Bereich“, so Geschäftsführer Hans-Karl Walser,

der den Preis stellvertretend für das Online-Team

unter der Leitung seines Sohnes Martin Walser

entgegennahm. „Viel Arbeit an den kleinen

Details ergeben ein gutes Ganzes.“ So ist der

Online-Shop mittlerweile in sieben Sprachen

aktiv, verkauft wird nicht nur in ganz Europa,

sondern auch darüber hinaus.

Bester KMU-Webshop: caesaromed.com

Als bester Online-Shop in der Kategorie „KMU“

wurde die Caesaro Med Naturprodukte GmbH

ausgezeichnet. Das Unternehmen mit Sitz in

Guntramsdorf punktet unter anderem mit sehr

guten Produktbeschreibungen und einem ansprechenden

Design des Webshops. Die Suchfunktion

ermöglicht eine Recherche sowohl

nach dem gewünschten Anwendungsbereich

als auch nach dem Wirkstoff.

Susanne Znaymer, die Caesaro Med seit zwei

Jahren gemeinsam mit ihrem Ehemann Christian

Znaymer führt, zeigte sich über die Auszeichnung

besonders überrascht, da der neue

Webshop erst seit wenigen Monaten aktiv ist.

„Ich freue mich sehr, denn hinter diesem Projekt

steckt sehr viel Herzblut. Besonders wichtig war

uns, eine Website zu machen, die barrierefrei ist

und auf der nicht nur Verkauf, sondern auch gute

Beratung stattfindet.“

Bester B2C-Webshop: hornbach.at

Die Kategorie „B2C“ (Business to Consumer) entschied

die Hornbach Baumarkt GmbH für sich.

Der Online-Shop hornbach.at überzeugte die

Jury mit einem einladenden Einstieg in die Website,

einer hohen Benutzerfreundlichkeit, schnell

zugänglichen Informationen und mit vielen Extras,

die das Einkaufen zu einem Erlebnis machen.

„Bei einem Sortiment von über 200.000 Artikeln

steckt sehr viel Ambition dahinter“, erklärten

Martin Buda und Johannes Friewald, die die

Auszeichnung für Hornbach entgegennahmen.

„Wir wollen ein Erlebnis schaffen. Daran arbeiten

wir täglich – und die heutige Auszeichnung ist

ein schöner Zwischenerfolg.“ Auf den Lorbeeren

ausruhen will man sich freilich nicht: „Gemäß

dem Hornbach-Motto ,Es gibt immer was zu tun‘

arbeiten wir gleich ab morgen weiter!“

„Das eCommerce-Gütesiegel Trustmark Austria

des Handelsverbandes steht für Sicherheit und

Vertrauenswürdigkeit. Es stellt für die Konsumenten

eine Orientierungshilfe dar, um auf einen

Blick vertrauenswürdige Anbieter im Web

erkennen zu können. Das Gütesiegel trägt somit

zu mehr Transparenz, Sicherheit und Fairness

im digitalen Shopping bei“, so Handelsverband-Geschäftsführer

Rainer Will. Die drei

Sieger wurden unter allen einreichenden Online-Shops

mit einem gültigen Trustmark-

Austria-Gütesiegel auf Basis von acht objektiven

Kriterien von einer hochkarätigen Jury bestehend

aus Dr. Gerald Mair (Pendl Mair Rechtsanwälte),

Dr. Simon Eder (Verbraucherschlichtung

Austria) und FH-Prof. Mag. Harald Rametsteiner

(E-Learning Group ausgewählt.

„Die Auszeichnung des Handelsverbandes geht

an jene Trustmark-Austria-Träger, die in puncto

Qualität, Transparenz, Professionalität und

Sicherheit bereit sind, die Extrameile zu gehen.

Diese Anstrengungen für die österreichischen

Konsument:innen unterstützt Hermes Logistik

sehr gerne“, so Patrick Schabhüttl. (RED)


LOGISTIK EXPRESS (AT) LE 3/2025 | S32

Handel & Distanzhandel

Was passiert, wenn

Unternehmen keine

Kunden mehr brauchen?

Ein Gedankenspiel über die Zukunft des Handels.

Stellen wir uns vor, ein Unternehmen funktioniert

ganz ohne klassischen Kundenkontakt. Es

braucht kein Marketing, keinen Vertrieb, keinen

Kundenservice. Alles, was verkauft wird, geschieht

automatisch.

REDAKTION

Der Bedarf wird präzise vorhergesagt,

Produkte werden vorausschauend

produziert, ausgeliefert und verbraucht,

ohne dass jemand überhaupt

aktiv bestellt. Der Konsument? Ein Datenpunkt

in einem hoch optimierten System. Kein

Kontakt, keine Nachfrage, keine Entscheidung.

Eine Vision, die faszinierend und

beunruhigend zugleich ist.

Doch was würde ein solches Modell mit unserer

Vorstellung von Wirtschaft und Beziehung verändern?

Effizienz ohne Beziehung – ein Fortschritt?

Technisch gesehen ist vieles von dem

heute bereits Realität. Künstliche Intelligenz

analysiert Kaufverhalten, erkennt Muster, zieht

Rückschlüsse auf zukünftige Bedürfnisse.

IoT-Geräte messen Verbrauch in Echtzeit. Lieferketten

reagieren dynamisch auf Datenströme,

Lagerhaltung wird durch Predictive Logistics

ersetzt. Die Idee: Der Bedarf eines Konsumenten

lässt sich so genau prognostizieren, dass Produkte

just-in-time produziert und geliefert werden,

ohne dass jemand bewusst einkaufen muss.

In einer solchen Welt wird der Konsum zur Hintergrundaktivität.

Zahnpasta erscheint, bevor

sie leer ist. Kleidung wird nachgeschickt, wenn

sich das Trageverhalten ändert. Medikamente

werden geliefert, bevor Symptome spürbar werden.

Das System denkt für den Menschen mit

– oder sogar voraus. Diese maximale Effizienz

hat unbestreitbare Vorteile: Zeitersparnis, Komfort,

Verlässlichkeit. Für Unternehmen bedeutet

sie planbare Umsätze, reduzierte Retouren, optimierte

Lagerkosten. Alles läuft reibungslos,

präzise, fehlerfrei. Doch genau darin liegt auch

ein Risiko. Denn mit der Eliminierung menschlicher

Interaktion geht ein zentraler Aspekt des

Handels verloren: Beziehung. Kommunikation.

Relevanz.

Wenn niemand mehr aktiv entscheidet, entfällt

auch der Moment, in dem sich ein Kunde mit

einem Produkt, einer Marke oder einem Bedürfnis

auseinandersetzt. Die Verbindung zwischen

Käufer und Anbieter wird gekappt – ersetzt

durch einen reibungslosen, aber leblosen Datenfluss.

Die Frage ist also nicht nur: Wie effizient

kann der Handel werden? Sondern vielmehr:

Was bleibt vom Handel übrig, wenn der Mensch

als aktiver Teil entfernt wird?

Der Kunde als störende Variable?

In einem vollständig automatisierten Wirtschaftssystem

wird der Mensch zur Unbekannten

im System – eine Quelle der Unvorhersehbarkeit,

der Abweichung. Denn im Gegensatz zu

Maschinen sind wir nicht durchgängig logisch,

nicht immer konsistent. Wir entscheiden situativ,

aus dem Bauch heraus, manchmal sogar entgegen

unserer eigenen Interessen. Während Algorithmen

in der Lage sind, vergangenes Verhalten

zu analysieren und darauf basierende Prognosen

zu treffen, bleiben sie auf Muster angewiesen.

Doch Menschen sind mehr als Muster. Sie sind

widersprüchlich, emotional, oft unvernünftig

– und gerade deshalb einzigartig.

Ein Kunde, der gestern ein nachhaltiges Produkt

gekauft hat, greift morgen zur günstigeren Alternative.

Einer, der regelmäßig läuft, kauft plötzlich

neue Laufschuhe – nicht, weil er sie braucht,

sondern weil er einen Motivationsschub verspürt.

Diese Entscheidungen entziehen sich jeder

Statistik.


Wenn Unternehmen versuchen,

diesen „Störfaktor Mensch“

durch maximale Vorhersehbarkeit

auszublenden, entziehen

sie sich selbst die

Möglichkeit, echte Beziehungen

aufzubauen. Denn

Beziehung entsteht nicht

im perfekten Ablauf – sie

entsteht im Dialog, im Abwägen,

im gemeinsamen Aushandeln

von Bedeutung.

In einer Welt, in der Produkte nur noch ausgeliefert

und nicht mehr „verkauft“ werden, verliert

der Kunde nicht nur seine Stimme, er verliert

auch seinen Wert. Er wird zur Funktion, nicht

mehr zum Gegenüber. Doch wer Kunden als

Störgröße betrachtet, verliert am Ende auch ihre

Loyalität.

Warum Marken immer wichtiger werden

Gerade in einer hochautomatisierten Welt, in der

Produkte austauschbar und Prozesse perfekt auf

Effizienz getrimmt sind, gewinnen Marken an

neuer Bedeutung. Denn sie stiften Orientierung,

wo Systeme entmenschlicht werden. Marken

schaffen Identifikation. Sie erzählen Geschichten,

vermitteln Werte, erzeugen Vertrauen. Nicht

durch Algorithmen, sondern durch Haltung. Nicht

durch Datenpunkte, sondern durch Bedeutung.

Wenn der Kunde nicht mehr aktiv kaufen muss,

sondern nur noch empfängt, wird die Frage entscheidend:

Von wem möchte ich empfangen?

In diesem Moment tritt die Marke auf den Plan.

Als Anker im Informationsstrom, als emotionales

Gegengewicht zur reinen Funktion. Sie gibt

einem Produkt Kontext. Sie verwandelt Konsum

in Entscheidung. Eine starke Marke bleibt auch

dann relevant, wenn das Produkt von selbst geliefert

wird. Sie beeinflusst, wie ein Konsument

sich dabei fühlt. Ob er das Ergebnis als Service

oder als Überwachung empfindet. Ob er sich als

verstanden oder als gesteuert wahrnimmt. Und

genau deshalb ist Markenarbeit keine Kür, sondern

eine Überlebensstrategie. Wer heute auf

Markenbildung verzichtet, weil „der Algorithmus

das schon regelt“, verzichtet morgen auf das,

was in einem gesättigten Markt den Unterschied

macht: Bedeutung.

Der Preis der Effizienz

Effizienz ist ein zweischneidiges

Schwert. Was Prozesse beschleunigt

und Kosten senkt,

reduziert oft auch das, was

menschliche Beziehungen

ausmacht: Reibung, Austausch,

Überraschung. Wenn

Unternehmen alles daran setzen,

den „perfekten“ Moment

für ein Produkt zu prognostizieren

und diesen automatisch umzusetzen,

dann bleibt kaum Raum für Dialog. Kein

Raum für Feedback. Kein Raum für echte Bedürfnisse,

die sich nicht aus dem bisherigen Verhalten

ableiten lassen. Das System liefert, bevor der

Wunsch entsteht. Aber ist das noch Bedürfnisorientierung,

oder schon Bedürfnissteuerung?

Wenn Kunden nur noch anhand ihrer Daten

konsumieren, verlieren sie ihre Autonomie.

Wenn Unternehmen auf jegliche Form von Kommunikation

verzichten, verlieren sie ihre Relevanz.

Und auch gesellschaftlich stellt sich eine

drängende Frage: Was passiert mit all den Menschen,

deren Jobs heute genau dort liegen – in

Beratung, im Service, im Vertrieb, im Marketing?

Automatisierung spart Ressourcen. Aber sie ersetzt

auch Beziehungen. Der Handel lebt seit

Jahrhunderten vom Austausch – nicht nur von

Gütern, sondern auch von Blicken, Worten, Meinungen.

Wird diese Ebene gekappt, sinkt nicht

nur die Bindung. Es droht eine Entfremdung zwischen

Unternehmen und Gesellschaft.

Fazit: Fortschritt braucht Verbindung

Die Vorstellung, dass Unternehmen keine Kunden

mehr brauchen, wirkt auf den ersten Blick

effizient, aber auf den zweiten entmenschlichend.

Denn wer nur noch auf Daten setzt,

verliert das, was Wirtschaft im Kern ausmacht:

Beziehung. Vertrauen. Bedeutung. Künstliche

Intelligenz kann Muster erkennen, aber keine

Verbindung schaffen. Sie kann optimieren, aber

nicht begeistern. Je mehr wir automatisieren,

desto mehr wird das, was nicht automatisierbar

ist, zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil:

Echtheit. Nähe. Haltung. Der Kunde ist kein Störfaktor.

Er ist der Sinn. Unternehmen, die das vergessen,

laufen Gefahr, zwar alles richtig zu machen,

aber niemanden mehr zu erreichen. (RED)


LOGISTIK EXPRESS (AT) LE 3/2025 | S34

Handel & Distanzhandel

Die neue Retoure:

Was Deutschland von den

USA lernen kann

Warum smarte Rücksendungen der neue

Wachstumstreiber im E-Commerce sind – und

welche Features bald auch hier zum Standard

gehören könnten. Der Post-Purchase-Experience-Spezialist

parcelLab hat den US-Markt

analysiert und fünf Entwicklungen identifiziert,

die auch für Händler in Deutschland relevant

sind. REDAKTION

Die vergangenen 20 Jahre E-Commerce

waren von einer klaren Priorität

geprägt: Kunden zum Kauf bewegen.

Performance Marketing, optimierter

Checkout, Same-Day Delivery – alles, um den

„Jetzt kaufen“-Moment effizienter zu machen.

Doch was passiert, wenn der Kunde zurückschickt?

Der Spezialist für die Post-Purchase-

Experience, parcelLab, hat den US-Markt sondiert

und erkannt: Jenseits des großen Teiches

wird das Thema Retoure zunehmend nicht als

logistische Pflicht, sondern als strategischer Hebel

für Kundenbindung und Umsatzsteigerung

gedacht. Diese Entwicklung bringt auch für den

deutschen Markt spannende Impulse mit sich.

1. Flexibilität first: Kunde wählt den Rückweg

Moderne Retourenlösungen setzen verstärkt auf

Wahlfreiheit und rücken damit die individuellen

Bedürfnisse der Kunden in den Mittelpunkt.

Das Ziel: ein Rückgabeprozess, der genauso bequem

ist wie der Kauf. Pakete können beispielsweise

unverpackt bei einem Drop-Off-Anbieter

abgegeben werden. Das macht die Retoure

schnell und unkompliziert. Besonders für urbane

Zielgruppen oder Premiumkunden steigt

die Bedeutung von Carrier-Pickup. Die Retoure

wird bequem abgeholt – vergleichbar mit einer

Essenslieferung. Vor allem bei unhandlichen und

schweren Produkten ist das ein sehr kundenfreundlicher

Service. Auch Händler bekommen

mehr Flexibilität und können smarter steuern,

über welchen Dienstleister Rücksendungen

laufen – etwa nach Kriterien wie Kosten, Nachhaltigkeit

oder regionaler Verfügbarkeit.

Viele dieser Services sind auch in Deutschland

bereits technisch verfügbar. Doch ihre Integration

in den Retourenprozess ist oft lückenhaft. Eine

nahtlose Verankerung in der Customer Journey

könnte die Rückgabe nicht nur angenehmer,

sondern auch markenstärkend machen.

2. Die Retoure als Teil des Markenerlebnisses

Rücksendungen markieren heute noch allzu oft

einen Bruch in der Customer Experience. Standardisierte

Formulare oder Rückgabeportale unterscheiden

sich deutlich vom Look & Feel des

Shops – in Farben, Layout und Bildsprache. Die

Retourenabwicklung erfolgt häufig über Subdomains

von Logistik- oder Zahlungsdienstleistern

(z. B. retoure.xy-logistik.de). Auch E-Mails zur

Rückerstattung kommen nicht selten von Drittanbietern

statt vom vertrauten Shop-Absender.

Zudem klingen Rückmeldungen formell und distanziert

(„Ihr Antrag wird bearbeitet“) – statt in

markentypischer Sprache zu kommunizieren

(„Schade, dass es nicht gepasst hat – so geht’s

zurück“). Die Folge: Der Wiedererkennungswert

geht verloren, Vertrauen wird geschwächt – gerade

in einem sensiblen Moment wie der Rückgabe.

Dabei bietet der Retourenprozess die Chance,

Kunden durch markenkonforme Kommunikation

und konsistente Nutzerführung auch nach dem

Kauf zu binden. Immer mehr Händler erkennen

das – auch in Deutschland. Sie setzen auf eigene

Rückgabeportale im Markenlook, mit klarer

Sprache und vertrauten Absendern.

3. Monetarisierung statt Margenverlust:

Rückgabe als Impuls für den nächsten Kauf

Ein neuer Ansatz im Umgang mit Retouren zeigt,

dass Rücksendungen nicht zwangsläufig zu

Margenverlusten führen müssen. Statt klassischer

Rückerstattungen in Geldform bieten

einige Händler ihren Kunden beim Rückversand

wahlweise einen Store Credit an – also eine

Gutschrift, die direkt im Shop eingelöst werden


kann. Wer diese Gutschrift unmittelbar nutzt,

erhält oftmals einen zusätzlichen Anreiz, etwa

einen kleinen Bonus oder Rabatt. Die Abwicklung

erfolgt schnell und bleibt vollständig im

Ökosystem der Marke, ohne den Umweg über

Zahlungsdienstleister.

Das Ziel dieses Modells ist es, Kunden auch nach

einer Rückgabe aktiv zu halten und unmittelbar

zu einem neuen Kauf zu motivieren. Der verloren

geglaubte Umsatz wird so zumindest teilweise

kompensiert, die Bindung an die Marke gestärkt

und die Wahrscheinlichkeit verringert, dass

Käufer nach einer Retoure dauerhaft zur Konkurrenz

abwandern.

Rechtlich ist diese Praxis auch in Deutschland

möglich – vorausgesetzt, der Gutschein wird als

freiwillige Option angeboten und eine reguläre

Geldrückgabe bleibt alternativ wählbar. In Kombination

mit einer stimmigen User Experience

kann dieser Ansatz nicht nur Rückgaben entschärfen,

sondern sogar zu einem strategischen

Umsatztreiber werden.

4. Versicherung für die Retoure:

Returns Coverage

Ein Konzept, das man bislang vor allem aus dem

Reise- oder Ticketbereich kennt, hält in den

USA zunehmend auch im E-Commerce Einzug:

die freiwillige Absicherung von Rücksendungen.

Beim Checkout können Kunden gegen

einen kleinen Aufpreis einen Rückgabeschutz

dazubuchen. Sollte es später zu einer Retoure

kommen, deckt diese Versicherung die Kosten

für Versand, Rückabwicklung und in vielen Fällen

auch das Tracking. Der Händler bleibt weitgehend

entlastet, da die organisatorische und

finanzielle Abwicklung vom Versicherungspartner

übernommen wird.

Besonders im hochpreisigen Segment, etwa bei

Fashion, Möbeln oder Unterhaltungselektronik,

kann dieser Service die psychologische Hürde

beim Kauf deutlich senken. Das gilt umso mehr

für internationale Bestellungen, bei denen Unsicherheit

über Rücksendekosten oder -modalitäten

oft ein Kaufhemmnis darstellt.

Der freiwillige Rückgabeschutz bietet hier eine

einfache Möglichkeit, Vertrauen aufzubauen,

Kaufabbrüche zu reduzieren und das Einkaufserlebnis

auf eine neue Ebene zu heben.

5. Data & Steuerung:

Die Retoure wird zur

Datenquelle

Moderne Retourenprozesse

liefern weit mehr als nur

Pakete zurück: Sie bringen

wertvolle Erkenntnisse

über Produkte, Kundenerwartungen

und operative

Schwächen. Wer den Rückgabeprozess

systematisch

analysiert, kann daraus

wichtige Impulse für Optimierung

und Wachstum

gewinnen.

Dabei geht es nicht nur um einfache Retourenquoten.

Vielmehr werden die konkreten Rückgabegründe

erfasst, nach Produktkategorien

oder Zielgruppen ausgewertet und in aussagekräftige

Cluster überführt. Digitale Tools ermöglichen

es zudem, mit Heatmaps und anderen

Visualisierungen Schwachstellen im Bestelloder

Beratungsprozess sichtbar zu machen

– etwa, wenn häufige Rückgaben auf unklare

Größenangaben, fehlerhafte Produktdarstellungen

oder UX-Probleme im Checkout zurückzuführen

sind. Auch die angebotenen Rückgabeoptionen

selbst lassen sich analysieren: Per

A/B-Testing kann etwa überprüft werden, ob

eine Abholung zu Hause zu weniger Supportanfragen

führt als ein Drop-off im Paketshop.

Auf diese Weise wird der Retourenprozess nicht

nur effizienter, sondern entwickelt sich zu einem

strategischen Feedbackkanal – mit konkretem

Nutzen für Produktentwicklung, Kundenservice,

Logistik und Marketing.

Fazit: Wer retourniert, bleibt treu –

wenn man ihn lässt

Was sich in den USA etabliert, ist mehr als ein

Feature-Feuerwerk. Es ist ein neues Verständnis:

Die Retoure ist nicht das Ende der Customer

Journey, sondern ihr zweiter Anfang. “Wer diesen

entscheidenden Moment in der Kundenbeziehung

aktiv gestaltet, kann verloren geglaubten

Umsatz zurückholen und nachhaltig Vertrauen

aufbauen“, kommentiert parcelLab-Mitgründer

Anton Eder. “Wir sehen, dass Händler, die Rückgaben

nicht einfach nur abwickeln, sondern

aktiv ins Markenerlebnis integrieren, deutlich

loyalere Kunden gewinnen.”

(RED)


LOGISTIK EXPRESS (AT) LE 3/2025 | S36

Handel & Distanzhandel

Letzte Meile ohne Einfluss

Wie Europas Post- und Paketdienste im

internationalen eCommerce an den Rand gedrängt

werden – und welche strategischen

Optionen bestehen.

MARTIN FÜLL

Der internationale Onlinehandel hat

in den vergangenen fünf Jahren eine

strukturelle Verschiebung im europäischen

Paketmarkt ausgelöst – leise,

aber unumkehrbar und in den letzten Jahren

exponentiell wachsend. Während der Binnenmarkt

in vielen europäischen Ländern stagniert

oder nur moderat wächst, kommt das gesamte

Wachstum inzwischen fast ausschließlich aus

dem grenzüberschreitenden eCommerce. 2024

wurden alleine 4,5 Milliarden Pakete (mit einem

Wert unter 150 EUR) in die EU eingeführt, 90%

davon aus China, Haupttreiber sind chinesische

Plattformen wie AliExpress, Shein oder Temu,

aber auch Amazon, dessen europäisches Marktplatzmodell

mittlerweile mehr ein Drittel seines

Volumens aus China bezieht.

Mit diesem Wachstum verschieben sich die

Kräfteverhältnisse. Nicht mehr die nationalen

Paketdienste und Postgesellschaften definieren

den Prozessfluss, sondern die Plattformen

und Versandriesen, die die Warenströme, Zolldaten

und Zustelllogiken steuern. Europas Paketdienstleister

– allen voran die Designated

Operators (DOs) – werden zunehmend in die

Rolle reiner Last-Mile-Dienstleister gedrängt.

Was früher infrastrukturell, politisch und logistisch

europäisch verankert war, wird heute von

Plattformlogiken und globalen Netzen dominiert.

Aus Europa versuchen einige Akteure, allen

voran Deutsche Post/DHL, mi Abstrichen Gruppen

wie LaPoste/DPD, mitzuhalten.


Plattformen bestimmen die Spielregeln

Die strukturelle Machtverschiebung im eCommerce

vollzieht sich nicht nur durch das Volumen,

sondern vor allem durch die vollständige

Kontrolle der Prozesskette durch die großen

Plattformanbieter. Dabei agieren die großen

chinesischen Marktplätze nicht direkt, sondern

durch ihre Logistik-Dienstleister wie Cainiao

oder SF Express.

Amazon hat bereits heute in mehreren

europäischen Ländern eine vollständig

integrierte Paketlogistikkette

aufgebaut – inklusive

eigener Zustellflotten, Hub-

Strukturen und dem Zugriff

auf alle relevanten

Datenpunkte. Diese Infrastruktur

erlaubt es Amazon,

unabhängig von klassischen

Paketdiensten zu operieren. Der

entscheidende Vorteil: Wer Sendungsvolumen,

Kundendaten und

Lieferzeitversprechen kontrolliert, kann die

Rolle der Paketdienste – für die Restmengen -

auf reine Durchführer degradieren.

Sehr ähnlich agieren die chinesischen Plattformen.

AliGroup, Temu, Shein & Co. greifen

nicht nur auf eigene Flugverbindungen und

Inbound-Verzollung/Bündelungslogistik zurück,

sondern beginnen auch in Europa mit dem Aufbau

physischer Zustellnetze. In Ländern wie Polen

und Spanien entstehen derzeit landesweite

Zustell-Strukturen. Ein großer Unterschied zu

Amazon ist, dass dieses Modell in Europa erst

am Anfang steht – im Gegensatz zu Märkten in

Asien, Afrika und Lateinamerika, wo innerhalb

kürzester Zeit parallele Paketzustellnetzwerke

entstanden sind, die auf chinesischen Mengen

und Kontrolle basieren.

Abstieg zur Austauschbarkeit –

Europas Post- & Paketdienste stehen vor einer

strategischen, existenziellen Herausforderung

Für viele nationale Postgesellschaften in Europa,

aber auch kommerzielle Paketdienste, ist das

Dilemma offensichtlich: Wollen sie am Wachstum

teilhaben und ihre Netze auslasten, müssen

sie die Sendungen aus China und von globalen

Marktplätzen annehmen. Gleichzeitig verlieren

sie dabei die Kontrolle – über das Volumen, die

Margen, und immer häufiger auch über die Kundenschnittstelle.

Denn wer nur noch für die letzte

Meile zuständig ist, wird austauschbar.

DHL ist als größter europäischer Logistiker international

noch vergleichsweise gut positioniert,

insbesondere im Express-Segment und dank

seines globalen Fußabdrucks. Doch im Standard

-B2C-eCommerce ist selbst DHL zunehmend

vom Daten- und Sendungszufluss

Dritter abhängig. Andere große

europäische Anbieter wie DPD,

GLS oder nationale Postdienste

verfügen vielfach nur über

begrenzte internationale

Infrastruktur. Die Folge: Die

Margen bröckeln, der strategische

Handlungsspielraum

schrumpft.

Besonders drastisch macht sich

der zunehmende technologische

Rückstand der europäischen Akteure gegenüber

China und Amazon bemerkbar – der

Vorsprung beträgt mittlerweile etwa 2-3 Jahre

und steigt. Der chinesische eCommerce Markt

ist weltweit mit Abstand führend – 170 Mrd.

(China) vs. 20 Mrd (EU) Pakete sprechen eine

deutliche Sprache, und für die Verarbeitung und

Zustellung dieser Mengen wurden in den letzten

Jahren Technologien und Infrastrukturen aufgebaut.

Besonders dramatisch ist die Lage für kleinere

oder regional operierende Postdienste. Ihnen

fehlt nicht nur der Zugang zu volumenstarken

Versandströmen, sondern auch die notwendige

Technologie und daten- und technologiebasierte,

moderne Infrastruktur.

Postdienste wie die Österreichische Post AG

halten dank ihrer dominierenden Stellung im

Inlandsmarkt und vergleichsweise hoher Effizienz

und kostenoptimierender Automatisierung

und Prozessoptimierung ihre Stellung

als präferierter Last-Mile-Carrier, in vielen

anderen Fällen werden die nationalen Postdienste

nicht mehr als regulärer Teil der Wertschöpfungskette

betrachtet, sondern bestenfalls

als Rückfallebene, wenn die privaten

Postdienste Kapazitätsprobleme bekommen.


LOGISTIK EXPRESS (AT) LE 3/2025 | S38

Dazu kommt ein wachsender Rückstand im

Bereich der Dienstleistungen rund um den

Import in die EU. Die aktuelle Zollregulierung

hat dazu geführt, dass die Import-Mengen an

einigen wenigen Standorten (Flughäfen) konzentriert

und dort – auf Grundlage des IOSS-

Modells – für alle EU-Staaten verzollt werden.

Zum Vergleich – Budapest hat 2024 Deutschland

bezüglich der Import-Paketmengen überholt,

der Flughafen Liege (Belgien) alleine verarbeitet

3-4x so viele Pakete wie Deutschland,

und Österreich – nun, Österreich importierte

2024 etwa 5 Millionen Pakete, verglichen mit

250 Millionen in Budapest. Grundlage für diese

Konzentration sind effektive, automatisierte

Verzollungsprozesse basierend auf Risikoklassifizierung

der Sendungen vor Ankunft und die

notwendige Infrastruktur, um diese Mengen

auch – am selben Tag - verarbeiten zu können.

Zur Erinnerung: Ein eCommerce-Transportflugzeit

transportiert 70.000 – 200.000 Pakete –

pro Flug. Die postalische Verzollung ist in den

meisten Ländern weder von den Prozessen noch

von der Infrastruktur imstande, hier mitzuhalten.

Das Geschäft in den BeNeLux-Staaten oder

Ungarn wird von spezialisierten, vollautomatisierten

Dienstleistern abgewickelt, Postdienste

spielen keine Rolle.

Das strategische Vakuum: Europa reagiert –

andere gestalten

Die Leerstelle in dieser Entwicklung ist eine europäische

Strategie – oder der Mangel einer

solchen Strategie. Eine zentrale Ursache für die

zunehmende Abhängigkeit europäischer Paketdienstleister

liegt nicht in mangelnder Leistungsfähigkeit

– sondern in einem eklatanten

Mangel an strategischer Ausrichtung. Während

globale Plattformen eine langfristige Strategie

verfolgen und effektiv um- und durchsetzen,

fehlt es vielen europäischen Post- und Paketgesellschaften

an einem kohärenten Plan, wie

sie sich im veränderten Machtgefüge des grenzüberschreitenden

eCommerce positionieren

wollen.

Dies gilt nicht nur für einzelne Unternehmen,

sondern auch für politische Entscheidungsebenen.

Die Zollpolitik der EU konzentriert sich

aktuell auf Risikominimierung und Verbraucherschutz

– wichtige Ziele, aber in ihrer Umsetzung

oft technokratisch und isoliert. Was fehlt, ist ein

industriepolitischer Blick: Welche Rolle sollen

europäische Logistikakteure künftig spielen?

Welche Schnittstellen gehören in europäische

Hand? Und wie sichern wir einen strategischen

Zugang zu digitalen Importstrukturen? Währenddessen

schaffen Plattformen Fakten.Hinzu

kommt, dass viele Postgesellschaften strategisch

voneinander abgeschottet agieren. Die

erfolgreicheren westeuropäischen Postdienste

haben längst den Heimatmarkt verlassen

und konkurrieren europaweit um Mengen.

Die erfolgreichen (westeuropäischen) Postdienste

haben jahrelang davor profitiert, ihrerseits

die schwächeren Postdienste als Last-Mile-

Carrier zu nutzen oder selbst konkurrierende

Netze aufzubauen (man betrachte nur frühere

Expansion der Österreichischen Post nach Mittel-

und Osteuropa). Der Zusammenhalt ist daher

überschaubar. Diese Passivität ist gefährlich.

Denn die Kontrolle über die Eingangstore des

digitalen Handels entscheidet über Marktanteile,

Relevanz und Margen. Wer hier nicht gestaltet,

wird gestaltet.

Ein möglicher Weg aus der Sackgasse: Infrastruktur

statt letzter Meile

Statt sich im ruinösen Preiskampf auf der letzten

Meile zu erschöpfen, braucht Europas Postgesellschaften

eine strategische Neuausrichtung:

weg vom austauschbaren Zusteller, tiefer in die

internationale Wertschöpfungskette, hin zum

infrastrukturellen Gatekeeper des grenzüberschreitenden

eCommerce. Nur wer hier präsent

ist, kann sich aus der Abhängigkeit lösen und

aktiv Wertschöpfung generieren. Die erfolgreiche

Umsetzung eines solchen Modells erfordert neben

Investitionen vor allem eine enge Zusammenarbeit

zwischen Post, Zoll und Politik. Es geht

um den Aufbau europäischer Souveränität im

digitalen Handel – nicht um Symbolpolitik.

Postal Prosperity Zone (PPZ) in Rumänien am

Airport Oradea als möglicher Hebel für europäische

Souveränität

Das Modell der „Postal Prosperity Zone“ (PPZ)

setzt genau an der strategischen Schwachstelle

Europas an: der fehlenden Kontrolle über Importprozesse

im digitalen Handel. Entwickelt als

partnerschaftliches Infrastruktur- und IT-Kon-


informiert

zept zwischen Postgesellschaften, Zollbehörden

und internationalen Plattformen, zielt PPZ darauf

ab, die Rolle der Postgesellschaften in der eCommerce-Wertschöpfungskette

neu zu verankern.

Der erste Prototyp dieses Modells wird derzeit

am Flughafen Oradea (Rumänien) von der Rumänischen

Post umgesetzt. Dort wird das derzeit

in der EU führende, vollautomatische und

digitalisierte Blue-Lan—Zollmodell getestet,

der proof-of-concept im neuen PPZ eHub der

Rumänischen Post in Oradea, in enger Zusammenarbeit

mit Regierung, Zollbehörde und dem

Flughafen. Die Pilotpartner werden voraussichtlich

SF Express und Cainiao sein.

Dieses Zusammenspiel ist Teil der strategischen

Neuausrichtung der Rumänischen Post in Richtung

nationaler bzw. europäischer Infrastrukturund

Compliance-Dienstleister.

Fazit: Jetzt handeln – oder abgehängt werden

Die europäische Paketlogistik steht am Scheideweg.

Die Wachstumsdynamik im grenzüberschreitenden

eCommerce wird heute nicht

mehr in Brüssel oder Wien entschieden, sondern

in Hangzhou, Seattle - oder Bukarest. Wer diesen

Wandel ignoriert, riskiert auf die Rolle eines

reinen Zustellers reduziert – mit sinkenden Margen,

wachsender Abhängigkeit und schwindender

strategischer Bedeutung.

Was es braucht, ist eine politische und operative

Neupositionierung der Postdienstleister als digitale

Grenzmanager. Die Instrumente dafür existieren,

notwendig ist der politische Wille, diese

Infrastruktur auch aktiv zu gestalten. Projekte

wie PPZ Oradea zeigen, dass ein neuer Weg

möglich ist. Sie bieten Postdiensten die Chance,

ihre Rolle neu zu definieren – nicht als Konkurrent

oder austauschbarer Zustellpartner von

Plattformen, sondern als deren unverzichtbarer

Integrator in ein funktionierendes europäisches

System. Die Zeit zu handeln ist jetzt.

Sichern Sie

sich Ihren

substanziellen

Wettbewerbsvorsprung

Intralogistik &

E-Commerce

Handel &

Distanzhandel

Transport &

Logistik

Denn im digitalen Handel gilt mehr denn je: Wer

den Anfang kontrolliert, kontrolliert das Ende.

Daher kontaktieren Sie bei Interesse und bei

Fragen bitte den logistic-natives e.V.; insbesondere

hier Martin Füll (martin.fuell@logisticnatives.at)

oder Florian Seikel (florian.seikel@

logistic-natives.com)

logistik-express.com


LOGISTIK EXPRESS (AT) LE 3/2025 | S40

Handel & Distanzhandel

Zwei Jahre Temu in

Europa: Hoher Mehrwert

und im Durchschnitt

Zwei Jahre nach dem Markteintritt von Temu

in Europa sagen die meisten deutschen Teilnehmer

einer Kundenumfrage, dass Temu ein

gutes Preis-Leistungs-Verhältnis bietet.

REDAKTION

Die Befragten berichten von durchschnittlichen

Einsparungen von 27

Prozent im Jahr 2024. 41 Prozent fragen

sich, warum identische Produkte

auf anderen Plattformen mehr kosten. Das geht

aus einer kürzlich von Temu in Auftrag gegebenen

Umfrage des Marktforschungsinstituts

Ipsos hervor.

Die deutschen Verbraucher sind preisbewusst:

73 Prozent der Befragten in Deutschland geben

an, dass der Preis das wichtigste Kriterium beim

Online-Shopping ist. 65 Prozent vergleichen vor

dem Kauf häufig die Preise. Fast 80 Prozent kaufen

mindestens einmal im Monat online ein. Das

zeigt, wie sehr das Online-Shopping zum Alltag

geworden ist.

"Die deutschen Käufer sagen, dass ihnen der

Preis sehr wichtig ist, sie aber keine Einbußen bei

der Qualität hinzunehmen bereit sind", sagt ein

Temu-Sprecher. "Wir freuen uns, dass so viele

Kundinnen und Kunden angeben, mit Temu Geld

zu sparen, und erkennen, welchen Mehrwert

wir bieten möchten. Wir sehen es als unsere

Aufgabe, smartes Einkaufen für alle einfacher zu

machen."

Die weltweit befragten Kunden äußerten sich

ähnlich. Insgesamt gaben 68 Prozent an, dass

der Preis der wichtigste Faktor beim Online-Einkauf

für sie ist. Etwa 40 Prozent sind zudem der

Meinung, dass höhere Preise nicht zwangsläufig

auch bessere Qualität bedeuten. Temu hält die

Preise niedrig, indem das Unternehmen seine


Lieferketten rationalisiert und zusätzliche Kosten

und Aufschläge vermeidet. So bezahlen die

Kunden nur für das Wesentliche.

"Die Daten der Studie zeigen deutlich, dass Kunden

gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten

aktiv nach einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis

suchen", sagt Dr. Georg Wittmann,

Geschäftsführer von ibi research in Regensburg.

"Der Preis ist für viele Verbraucher nach wie vor

ein wichtige. Über alle Märkte hinweg geben 68

Prozent der Befragten den Preis als wichtigen

Faktor an, in Deutschland sind es sogar 73 Prozent."

Temu ist eine globale E-Commerce-Plattform,

die Verbraucherinnen und Verbraucher

mit Millionen von Herstellern, Marken

und Geschäftspartnern verbindet. Temu ist

in mehr als 90 Märkten weltweit tätig und

hat sich zum Ziel gesetzt, erschwingliche

und qualitativ hochwertige Produkte anzubieten,

die den Käufern ein angenehmeres

Leben ermöglichen.

"Diese Studie zeigt, dass ein niedriger Preis nicht

zwangsläufig schlechte Qualität bedeutet. Die

Kunden von Temu können das Qualitätsniveau

wählen, das sie wünschen, und sie sind offenbar

mit dem zufrieden, was sie bekommen," sagt

Björn Ognibeni, Mitbegründer von ChinaBriefs.io,

und ergänzt: "So haben 75 Prozent der Befragten

das Gefühl, einen echten Mehrwert für ihr Geld

zu bekommen. Es ist daher nicht überraschend,

dass 69 Prozent der deutschen Temu-Kunden

planen, im Jahr 2025 das gleiche oder mehr Geld

auf der Plattform auszugeben."

Darüber hinaus unterstützt Temu lokale Unternehmen

dabei, mehr Kunden zu erreichen. Seit

letztem Jahr lädt die Plattform Verkäufer aus

mehr als einem Dutzend Ländern - darunter

Deutschland, Österreich, Frankreich, Spanien,

Italien und Großbritannien - ein, ihre Produkte

direkt über die Website anzubieten. Temu

geht davon aus, dass dieses "Local-to-Local"-

Modell künftig bis zu 80 Prozent des europäischen

Umsatzes ausmachen wird. Die Plattform

hilft Verkäufern zudem bei der Expansion in globale

Märkte.

(RED)


LOGISTIK EXPRESS (AT) LE 3/2025 | S42

Handel & Distanzhandel

Schnäppchen mit

Schattenseiten

Temu, Shein, AliExpress oder Wish – Plattformen

wie diese stehen sinnbildlich für den

Boom des extrem günstigen Online-Shoppings.

Doch was bewegt Menschen, dort einzukaufen?

Und welche Schatten wirft dieser

Trend auf Nachhaltigkeit, Qualität und den

lokalen Handel? REDAKTION

Eine repräsentative Studie von Marketagent

unter 1.000 Befragten zeigt, wie

sehr diese Plattformen das Konsumverhalten

in Österreich verändern – und

wo die Grenzen der Schnäppchenfreude liegen.

Zentrale Erkenntnisse:

Breite Bekanntheit, regelmäßige Nutzung: 96%

der Österreicher kennen Temu (Shein: 81% | Wish:

78%). Mehr als die Hälfte hat schon auf zumindest

einer dieser Plattformen eingekauft (52%)

Gekauft werden vor allem Kleidung/Schuhe

(62%) und Haushaltswaren (41%). Jeder vierte

Nutzer kauft mindestens 1x/Monat auf einer

Billig-Plattform ein (27%). 72% wollen dies auch

weiterhin tun.

Hohe Preisattraktivität: 85% bewerten die Preise

auf den Plattformen als sehr oder eher niedrig. Für

76% sind die Schnäppchen der Hauptgrund für

den Einkauf. 68% haben schon einmal mehr gekauft

als geplant –wegen der günstigen Preise.

Kritik an Qualität und Nachhaltigkeit: 57% nehmen

eine geringe Qualität der Produkte wahr.

78% empfinden die Billig-Marktplätze als kaum

oder gar nicht nachhaltig.

Moralischer Zwiespalt: Fast 4 von 10 hatten

nach einem Einkauf auf solchen Plattformen bereits

ein schlechtes Gewissen.

Bewusste Ablehnung: Nicht-Nutzer*innen

lehnen die Billig-Shops vor allem aufgrund von

Misstrauen gegenüber der Qualität ab (60%).

46% wollen die Plattformen grundsätzlich nicht

unterstützen. 89% wollen sie auch zukünftig

(eher) nicht nutzen.

Zukunftstrend mit Schattenseiten: 8 von 10

glauben, dass die Nutzung von Temu, Shein & Co.

in Zukunft weiter zunehmen wird. Jeweils 6 von

10 erwarten dadurch mehr Müll, Schwächung

der lokalen Wirtschaft und Förderung der Wegwerfmentalität.

Folgen für stationären Handel: 8 von 10 nehmen

in ihrer Umgebung ein Ladensterben wahr.

Ebenso viele würden klassische Einkaufsstraßen

vermissen, wenn es sie nicht mehr gäbe. Ein

niedrigeres Preisniveau (55%) könnte Menschen

motivieren, wieder mehr lokal zu kaufen.

Billig, bequem, beliebt

Temu, Shein, AliExpress oder Wish – Plattformen

wie diese stehen sinnbildlich für den Boom des

extrem günstigen Online-Shoppings. Laut einer

aktuellen, repräsentativen Umfrage von Marketagent

sind die internationalen Billig-Marktplätze

in Österreich längst kein Nischenphänomen

mehr: 95% kennen Temu, 81% Shein – und mehr

als die Hälfte (52%) hat bereits auf einer dieser

Plattformen eingekauft.

Der Reiz liegt klar auf der Hand: 85% erleben die

Preise in diesen – meist chinesischen - Onlineshops

als sehr oder eher niedrig, für drei Viertel

(76%) sind sie der wichtigste Grund für den Einkauf.

Das verleitet viele zu Impulskäufen: Mehr

als zwei Drittel (68%) der Konsumenten geben

an, auf Temu und Co. schon einmal mehr gekauft

zu haben als ursprünglich geplant – allein

wegen der niedrigen Preise.

Schnäppchen mit Nebenwirkungen

Die günstigen Angebote führen jedoch nicht nur

zu vollen Warenkörben, sondern auch zu moralischen

Dilemmata: Fast 4 von 10 hatten nach

dem Einkauf bereits ein schlechtes Gewissen


(39%). Wenig überraschend, schließlich ist der

Mehrheit der Österreichinnen und Österreicher

bewusst, dass der Umweltaspekt bei den Billig-Shops

oft ins Hintertreffen gerät. 78% der

Befragten bewerten die Produkte als wenig bis

gar nicht nachhaltig.

„Was heute als Schnäppchen im Warenkorb landet,

wird morgen zum Umweltproblem – denn

Overconsumption ist der stille Preis des Billigbooms.

Der schnelle Klick spart Geld, aber hinterlässt

Spuren – im eigenen Konsumverhalten

und in der Umwelt. Unsere Studie zeigt, wie stark

der Spagat zwischen Preisbewusstsein und Verantwortungsgefühl

geworden ist,“ so Studienautorin

Andrea Berger. Auch in Sachen Qualität

ist die Einschätzung kritisch: Mit einem Durchschnittswert

von 3,7 landet die Produktqualität

bestenfalls im unteren Mittelfeld – Schulnote 3

minus. Die mangelnde Wertigkeit der Ware ist

auch der Hauptgrund für die Nicht-Nutzer, die

Billig-Marktplätze zu meiden: 60% der Ablehner

misstrauen der Qualität der Produkte. 46%

wollen die Plattformen grundsätzlich nicht unterstützen

und 89% planen auch künftig (eher)

keine Nutzung.

Ein Trend mit Zukunft – aber auch mit Folgen

Trotz vieler Vorbehalte glaubt das Gros der Österreicher

an den anhaltenden Siegeszug der Billig-

Plattformen: 8 von 10 rechnen mit einer weiteren

Zunahme der Nutzung. Dass diese Veränderung

im Shoppingverhalten ihren Preis hat,

ist der Mehrheit der Befragten bewusst. 59%

erwarten eine Zunahme von Müll, 58% eine Förderung

der Wegwerfmentalität. Für 59% ist klar,

dass die Online-Plattformen die lokale Wirtschaft

schwächen.

Lokale Geschäfte unter Druck

Denn während das Klick-Shopping boomt, zeigen

sich im Stadtbild klare Spuren: 62% der

Umfrageteilnehmer*innen nehmen bereits vermehrte

Leerstände von Geschäftsflächen wahr.

Gleichzeitig bleibt der emotionale Wert klassischer

Einkaufsstraßen hoch: 80% würden diese

im Stadtbild vermissen, wenn sie verschwinden

würden. „Viele wissen um die Schattenseiten

von Temu, Shein und Co. Sie sehen die wachsende

Müllproblematik, kritisieren die Wegwerfmentalität

und beobachten mit Sorge das

zunehmende Ladensterben – und kaufen dennoch

weiter auf Billig-Plattformen ein. Diese

Widersprüchlichkeit zeigt, wie groß die Versuchung

durch billige Preise ist. Der Reiz des Einfachen,

Schnellen und Günstigen ist groß – auch

wenn wir wissen, dass es langfristig zu einem

Verlust lokaler Vielfalt und urbaner Lebenskultur

führt“, analysiert Thomas Schwabl, Gründer und

Geschäftsführer von Marketagent.

Die Marketagent-Studie zeigt deutlich: Der

Boom der Billigplattformen ist real. Es braucht

Bewusstsein, Alternativen und einen fairen

Wettbewerb zwischen globalem Klick und lokalem

Geschäft. (RED)


LOGISTIK EXPRESS (AT) LE 3/2025 | S44

Handel & Distanzhandel

Fashion-Apps:

Smartphone statt

Schaufenster - Kunden

shoppen mehr, aber nicht

in der Filiale

Von Produktauswahl hin zu Modebewusssein,

von Ausgaben bis Kaufrequenz - Fashion-Apps

verändern laut der Simon-Kucher Fashion-

App-Studie spürbar das Kaufverhalten.

REDAKTION

Wer KI-Funktionen der Mode-Apps nutzt, verändert

sein Kaufverhalten noch drastischer

Vom Bummeln zum Scrollen: Wie drastisch der

Einfluss von Mode-Apps auf das Kaufverhalten

der Menschen in Deutschland ist, zeigt die

Simon-Kucher Fashion-App-Studie. Mehr als

ein Viertel der Befragten (28 Prozent) kauft durch

die Apps in Summe häufiger Kleidung ein. Eine

Belebung für die Filialen? Mitnichten! Denn rund

ein Drittel (31 Prozent) kauft seit Nutzung der

Apps seltener in Filialen ein.

Shopping-Frequenz & Ausgabenhöhe steigen

"Weniger Filialbesuche, aber höhere Shopping-

Frequenz: Durch Mode-Apps verschiebt sich

der Umsatz aufs Smartphone!", resümiert Martin

Mattes, Partner im Consumer Sektor von Simon-

Kucher. "Mode-Apps sind keine Begleiter

mehr - sie sind die treibende Kraft hinter dem

Einkauf." Nicht nur in der Frequenz, sondern

auch der Ausgabenhöhe. So gibt ein Fünftel der

App-Nutzenden (19 Prozent) an, mehr Geld zu

investieren.

Demnach verlagert sich das Geschäft

aber nicht nur von der Filiale aufs

Smartphone. Die Interaktionen steigen,

über ein Viertel shoppt per App

häufiger, rund ein Fünftel gibt mehr Geld aus.

Spannend: Wenn bei den Apps künstliche Intelligenz

im Spiel ist, fallen die Effekte nochmals

drastischer aus!

Der Impulskauf entsteht heute beim Scrollen

Rabatte treiben zusätzlich: Mehr als ein Drittel

(35 Prozent) lässt sich bei der Produktauswahl

von Rabatten in der App leiten, 42 Prozent kaufen

dadurch mehr. "Der Impuls zum Kauf entsteht

heute nicht mehr vor dem Regal, sondern beim

Scrollen!", weiß Markus Goller, Partner bei Simon-Kucher.

"Wer Fashion-Apps nutzt, wird viel

öfter Kaufreizen ausgesetzt. Jedes noch so kleine

Signal kann hier zum Kauf verleiten."

• 28 % kaufen durch Fashion-Apps häufiger

ein; 31 % kaufen wegen Fashion-Apps

seltener in Filialen

• 34 % sagen, dass ihre Einkäufe durch Fashion-

Apps günstiger werden, 19 % sagen, sie geben

mehr aus

• 25 % fühlen sich durch Fashion-Apps modischer

gekleidet, 18 % wagen mutigere

Stilexperimente

1. 17 % wählen Produkte nach App-Vorschlägen

aus, 27 % kaufen deswegen mehr Markenprodukte

• 35 % wählen Produkte nach Rabatten in der

App, 42 % sagen, dass sie durch Rabatte

mehr kaufen

Fashion-Apps schaffen das Gefühl zu sparen -

selbst wenn der Warenkorb wächst

Wie tiefgreifend der Einfluss von Mode-Apps

ist, zeigt sich auch am Preisempfinden. Denn

obwohl App-Nutzende in der Regel mehr kaufen,

sagt ein Drittel (34 Prozent), dass sie durch

Fashion-Apps weniger Geld ausgeben. "Fashion-

Apps schaffen das Gefühl zu sparen - selbst wenn

der Warenkorb wächst", resümiert Markus Goller.

Das Ergebnis? Glückliche Kundschaft und volle

Kassen bei Händlern und Markenherstellern.

Wer im Feed erscheint, verkauft!

Markenhersteller dürften die Ergebnisse der

Simon-Kucher Fashion-App-Studie besonders


freuen. Denn die Empfehlungs-Algorithmen wirken:

Ganze 17 Prozent der Befragten sagen, dass

sie gezielt Produkte wählen, die ihnen die App

vorschlägt. Ein Viertel (27 Prozent) probiert dadurch

mehr Marken aus. "Wer im Feed erscheint,

verkauft!", so Mattes. "Für Marken wird Sichtbarkeit

zum wichtigen Kriterium bei Mode-Apps."

KI als Kauf-Turbo: Mehr Ausgaben durch

intelligente Größenberatung

Besonders stark verändern sich Verhaltensmuster,

wenn künstliche Intelligenz ins Spiel kommt

- etwa durch personalisierte Empfehlungen oder

Größenberatung. "Künstliche Intelligenz ist der

Kauf-Turbo der Mode-Apps. Wenn KI im Spiel ist,

wird mehr und häufiger gekauft!", weiß Markus

Kröll, Senior Director bei Simon-Kucher. So ist

unter den App-Nutzern der KI-Funktionen der

Anteil derer, die mehr Geld ausgeben, mit 24 Prozent

mehr als doppelt so hoch als bei den Nicht-

KI-Funktions-Nutzern. Und auch die Zahl der

Menschen, die häufiger einkaufen, steigt unter

den KI-Funktions-Nutzern von 21 Prozent auf 32

Prozent.

Gewagter, auffälliger, modischer:

Fashion-Apps prägen Kleidungsstil

Neben dem Kaufverhalten verändert sich auch

das Selbstbild. Ein Viertel der Menschen, die

Mode-Apps nutzen, fühlt sich laut der

Simon-Kucher Fashion-App-Studie

modischer gekleidet, 18 Prozent greifen

häufiger zu auffälligeren oder

gewagteren Styles. "Mode-Apps werden

zur persönlichen Stil-Spielwiese

und steigern das Selbstbewusstsein",

resümiert Kröll. "Gewagter, auffälliger,

modischer: Fashion-Apps entscheiden

längst mit, was im Kleiderschrank landet."

(RED)

*Studie: Die repräsentative Simon-Kucher

Fashion-App-Studie 2025 wurde im März

2025 von Simon-Kucher in Zusammenarbeit

mit dem unabhängigen Marktforschungsinstitut

Appinio durchgeführt.

1.000 Verbraucher*innen in Deutschland

wurden hierfür zu Fashion-Apps und ihren

Funktionen befragt.

Simon-Kucher ist eine globale Unternehmensberatung

mit mehr als 2.000 Mitarbeitenden

in über 30 Ländern. Unser Fokus:

"Unlocking Better Growth". Wir helfen unseren

Kunden, "besser" zu wachsen, indem wir

jeden Aspekt ihrer Unternehmensstrategie

optimieren, von Produkten und Preisen bis

hin zu Innovation, Digitalisierung, Marketing

und Vertrieb. Mit rund 40 Jahren Erfahrung

in Monetarisierung und Pricing gelten wir

als weltweit führend in den Bereichen Preisberatung

und Unternehmenswachstum.


LOGISTIK EXPRESS (AT) LE 3/2025 | S46

Handel & Distanzhandel

Trends, die die Zukunft

des Zahlungsverkehrs

im Verkehr prägen

Erweiterte Zahlungsmöglichkeiten, verändertes

Pendlerverhalten, offene Zahlungssysteme und

Künstliche Intelligenz stehen im Whitepaper im

Fokus. REDAKTION

Worldline, ein weltweit führender

Anbieter von Zahlungslösungen,

hat ein Whitepaper zum

Zahlungsverkehr im Bereich Mobilität

und öffentlicher Verkehr veröffentlicht.

Dieses skizziert die bedeutendsten Trends, die

aufzeigen, wie agile Zahlungslösungen intelligentere

und nachhaltigere Erfahrungen ermöglichen

können. Weltweit sind öffentliche

Transportsysteme im Wandel aufgrund

veränderter Passagiererwartungen, rasanter

technologischer Innovationen,

verschärfter Nachhaltigkeitsziele und

der Verschiebung hin zu flexibleren Arbeitsmodellen.

In diesem Kontext hebt

der Bericht die acht wichtigsten Trends

hervor, die die Zukunft des Zahlungsverkehrs

prägen.

Mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung lebt

heute in Städten und die Vereinten Nationen

gehen davon aus, dass diese Zahl bis zum Jahr

2050 auf fast 70 % ansteigen wird. Der Verkehr

steht im Mittelpunkt des modernen städtischen

Lebens, hinkt aber oft hinter anderen Sektoren

hinterher, wenn es um Verbrauchertechnologie

geht, insbesondere im Bereich des Zahlungsverkehrs.

Mit einem beschleunigten Übergang vom

traditionellen Fünf-Tage-Pendelverkehr bis hin

zu flexiblen Arbeitsmodellen und dem Aufkommen

kontaktloser Zahlungen im Einzelhandel

haben sich die Erwartungen der Verkehrsteilnehmer

schnell und erheblich weiterentwickelt.

Laut Statista wächst der Wert der kontaktlosen

Transaktionen in vielen Märkten mit zweistelligen

jährlichen Raten, was die wachsende Vorliebe

der Verbraucher für Geschwindigkeit, Komfort

und Sicherheit widerspiegelt.

Die acht wichtigsten Trends, die im

Whitepaper genannt werden:

1. Die ständig wachsende Zahl neuer digitaler

Zahlungsoptionen und die Notwendigkeit, von

Bargeld und proprietären Chipkarten auf von

Banken ausgegebene kontaktlose Karten und

mobile Geldbörsen umzusteigen.

2. Die Entwicklung von multimodalen und integrierten

Ticketing-Systemen weist auf eine Zukunft

hin, in der Planung und Bezahlung für Bus,

Bahn, E-Scooter und Mitfahrdienste in einer einzigen,

einheitlichen Umgebung erfolgen können.

3. Der Übergang von fixen Fahrkarten für Pendler

zu "Pay as You Go" (PAYG) und „Account-

Based Ticketing“ (ABT) trägt den sich ändernden

Arbeitsgewohnheiten Rechnung und bietet

den Reisenden Flexibilität und Bequemlichkeit,

während die Verkehrsbehörden wertvolle Daten

über die Nachfragemuster erhalten.

4. Offene Zahlungssysteme versprechen reibungsloses

Reisen, indem sie die Verwendung

von Kredit- und Debitkarten an Fahrkartenschaltern

ermöglichen und so Einstiegshürden

für Touristen und Gelegenheitsfahrer senken.

5. Datengestützte Serviceoptimierung und personalisiertes

Marketing helfen den Verkehrsbetrieben,

ihre Effizienz zu steigern, die Routenplanung

zu verbessern und die Fahrgäste mit

gezielten Angeboten anzusprechen.

6. Selbstbedienungsterminals behalten ihre Bedeutung,

da sie den Fahrgästen, die nach wie vor

physische Bezahlstellen bevorzugen, entgegenkommen,

sich aber auch durch die Integration

von Touchscreens und kontaktlosen Modulen

weiterentwickeln.

7. Nachhaltigkeit bleibt ein zentrales Ziel, wobei

grüne Initiativen, Treueprogramme und CO2-

Tracking-Tools in die Zahlungssysteme der

nächsten Generation integriert werden.


8. Künstliche Intelligenz (KI) wird eingesetzt, um

viele Aspekte des öffentlichen Nahverkehrs zu

verändern, insbesondere um den Kundenservice

zu verbessern, die betriebliche Effizienz zu

steigern, die Effektivität der Technik zu erhöhen

und neue Sicherheitsebenen zu schaffen. Die

Ergebnisse des Whitepapers zeigen, dass Unternehmen

eher in angewandte KI investieren als in

andere Spitzentechnologien.

Rémi Maeno, Leiter der Bereiche Energie, Mobilität

und Self-Service bei Worldline Merchant Services,

kommentiert: „Die in diesem Whitepaper

aufgezeigten Trends zeigen deutlich, wie wichtig

agile Zahlungslösungen für die Zukunft des

öffentlichen Verkehrs sind. Durch die Modernisierung

von Altsystemen, die Ermöglichung von

Interoperabilität und ein benutzerorientiertes

Design können Verkehrsbetriebe ihre Betriebskosten

senken, die Zahl der Fahrgäste erhöhen

und ihren ökologischen Fußabdruck minimieren.

Indem sie die in dem Whitepaper enthaltenen

Handlungsempfehlungen übernehmen, können

sie ihre Modernisierungsbemühungen erheblich

verbessern und beschleunigen.“

Um den Erfolg zu maximieren, müssen die Verkehrsunternehmen

sicherstellen, dass sie die

richtigen Partnerschaften mit Banken und Zahlungsanbietern

eingehen und ihre Bemühungen

koordinieren, um minimale Transaktionsgebühren

und reibungslose Abwicklungsprozesse zu

gewährleisten. Verkehrsunternehmen benötigen

skalierbare, modulare Zahlungslösungen, die

mehrere Zahlungsoptionen für eine Reihe von

Verkehrsdienstleistungen unterstützen – insbesondere,

wenn die Städte wachsen und sich

die Mobilitätsbedürfnisse weiterentwickeln.

Zahlungslösungen müssen einen schnellen und

sicheren Zugang zu Daten gewährleisten und

gleichzeitig mehrere Identifikatoren unterstützen,

um eine konsistente und benutzerfreundliche

Erfahrung für Fahrgäste zu gewährleisten.

Worldline deckt als einziger europäischer

Akteur im Bereich des Zahlungsverkehrs die

gesamte Zahlungskette der Mobilität ab

Öffentliche Verkehrsbehörden stehen vor wachsenden

Herausforderungen bei der Modernisierung

veralteter Fahrkartensysteme, um der

Nachfrage der Fahrgäste nach Schnelligkeit und

Komfort gerecht zu werden. Worldline, ein weltweit

führender Anbieter im Bereich des offenen

Zahlungsverkehrs in ganz Europa, bietet konkrete

Lösungen an, darunter eCommerce- und

Acquiring-Services sowie moderne Zahlungsterminals.

In dem Masse, in dem sich der öffentliche Nahverkehr

zu flexibleren, nachhaltigeren und digitalen

Ticketing- und Bezahlmethoden hinbewegt,

wird er von der Zusammenarbeit mit

Anbietern von Zahlungslösungen profitieren,

die der Interoperabilität, der Flexibilität und dem

benutzerorientierten Design hohe Priorität einräumen.

Die Worldline Mobility Payments Suite

wurde speziell entwickelt, um Mobilitätsunternehmen

bei der Modernisierung ihrer Ticketing-

und Zahlungssysteme zu unterstützen und

ihnen ein außergewöhnliches Kundenerlebnis

zu bieten. Worldline tritt in Österreich im Bereich

Merchant Services unter der Marke PAYONE auf.

(RED)


LOGISTIK EXPRESS

STRATEGIE

wikifolio-Indexzertifikat

Der Markt zur privaten

Kapitalanlage befindet

sich in einem Umbruch.

FinTech-Unternehmen fordern

die klassischen Anbieter heraus.

Mit der LOGISTIK express

Strategie wollen wir in die

Branche investieren und mit

aktivem Trading ein alternatives

Portfolio anbieten...

E-Mail: info@logistik-express.at

http://www.logistik-express.com

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